Abendausgabe Nr. 342. Jahrgang Ausgabe B Nr. 1 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin SW Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Freitag 2. Januar 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Die Pariser Verhandlungen. Um den deutsch- französischen Handelsvertrag. Die deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen in Paris find jegt an einem Buntte angelangt, der die ernsteste Beachtung verdient. Wie das den franzöfifchen Regierungsfreisen nahestehende Deuvre" meldet, würden sich die Verhandlungen hauptsächlich darauf richten, zum 10. Januar zu einem modus vivendi zu gelangen. Man dürfe sich jedoch nicht verheimlichen, daß, wenn ein berartiges Biel erreicht werden solle, noch große hindernisse zu überwinden seien, besonders angesichts der französischen Forde rungen und im Hinblick auf den neuen französischen Minimal- Zolltarif, von dem man nicht mit Sicherheit erflären fönne, ob er überhaupt Ausfuhrmöglichkeiten nach Frankreich biete. Im Anschluß hieran ist auch eine Pariser Meldung der Frankfurter Zeitung" von Interesse, wonach die deutsche Delegation den französischen Vorschlag, ein furzfristiges Provisorium zu schaffen, weil bis zum 10. Januar fein Libschluß der Handelsvertragsverhandlungen erreicht werde, auf Grund in Berlin geführter Verhandlungen abgelehnt hätte. Es drohe deshalb, wenn es nicht gelinge, bis zum 10. Januar das Abkommen über einen modus vivendi zu cinem Abschluß zu bringen, ein vertraglofer 3ustand, der unvermeidlich zu einem Tariftrieg zwischen Frankreich und Deutschland führen müsse. In Pariser politischen Sereisen werde diese Wendung der Dinge mit der Entschei dung der Botschafterfonferenz über die Kölner Zone in Berbindung gebracht. Bon zuständigerdeutscher Stelle wird, wie die„ Frankfurter Zeitung" weiter meldet, diefe Darstellung auf das entschiedenste bestritten. Es fann in der Verschämter Bürgerblock? Faschistenbilanz. Mussolinis Kampf um die Macht. Rom, Ende Dezember 1924. Die politische Situation, in der für Italien das Jahr Tat taum angenommen werden, daß die Entscheidung in der Umgestaltung auf. Noch vor einem Jahre stand der 1924 heraufzog, weist am Jahresfchluß eine tiefgehende Räumungsfrage die Haltung der deutschen Delegation in dem Faschismus auf der Höhe seiner materiellen Macht. Wohl angedeuteten Sinne beeinflußt habe. Bielmehr dürfte hier hatte er im Jahre 1923 die Abstreifung seiner programmati der neue französische Minimal 3olltarif, von hatte er im Jahre 1923 die Abstreifung seiner programmatidem selbst das Deuvre" abrüdt, von entscheidender Bedeuschen Eigenart und die Anpassung an das verfaschistische tung gewesen sein.. Milieu mit großer Schnelligkeit vollzogen; aber dieser theoretische und moraliche Abbau war zunächst zugunsten seiner materiellen Feftigung ausgeschlagen, ja, er war um dieser Festigung willen erfolgt. Wir hatten so am Jahresschluß 1923 einen Faschismus, der die Klüngelwirtschaft des Liberalismus und der Demokratie nicht nur übernommen, sondern verschärft hatte, während er sich nebenbei noch alle Wege der Illegalität und der Gewalt offen hielt, im Namen einer angeblichen Revolution. Belgien und die Wirtschaftsverhandlungen. Frankfurt, 2. Januar.( Mtb.) Die aus deutschen Blättern tommende Drohung, Deutschland solle auf die Nichträumung mit den Abbruch der Wirtschaftsverhandlungen antworten, wird in Brüssel, wie die Frankfurter Zeitung" berichtet, nicht weiter ernst genommen. Man scheint dort doch am Erfolg der neuen Ber. handlungen, die am nächsten Montag wieder aufgenommen werden follen, sehr interessiert zu sein. Die Independence Belge" gibt den Verhandlungen ein sehr günstiges Prognostikon und unterstreicht die höfliche Form, in der sie sich bisher abgewickelt haben. Eine Artikelserie der„ Libre Belgique" ermedt dagegen einigen 3weifel, ob ein Abkommen wirklich so leicht zustande kommen wird. Die Bemühungen dieses Blattes gehen darauf hinaus, die widerspenstigen belgischen Industriellen, die ihre Vorzugsstellung behaupten wollen, durch die Macht der Deffentlichkeit niederzuringen. Das Blatt operiert dabei mit den statistischen Nachweis, daß die Einfuhr aus Deutschland zum allergrößten Teil aus industriellen und wirtschaftlichen Gebrauchsartikeln bestehe, während die franzöfifche Einfuhr sich vor allen Dingen aus Lugusartifeln zusammensetze, Belgien gewinne also viel mehr, wenn es zuerst seine beziehungen mit Deutschland ordne. Der Faschismus hatte mächtige wirtschaftliche und namentlich Bankinteressen hinter sich, hatte also Geid in Hülle und Fülle. Er hatte die aus Staatsmitteln bewaffnete und bezahlte faschistische Miliz mit nominell 150 000 Mann. Da somit die mus daran gehen, auch die Fassade des Baues anstreichen zu Fundamente so fest gegründet schienen, fonnte der Faschislassen, mit der einst so verachteten Farbe der Legalität. Die sem Zweck dienten die Neuwahlen vom 6. April, die nach dem System der Mehrheitsvertretung stattfanden. felbst erkennt, hat der Regierung die Möglichkeit gegeben, Dieses System, dessen Unbrauchbarkeit heute Mussolini ihre Abgeordneten einfach zu ernennen, wobei die Hauptanstrengung darin bestand, sich die Ueberzahl der Bewerber Handelskampfes, bei dem jede Freiheit der Wähler aufgehoben war, vom Leibe zu halten. Die schmachvolle Komödie des Wahlbraucht nicht ins Gedächtnis gerufen zu werden: sie hat eine eigene Schandsäule in der italienischen Geschichte. Alles in allem hat die faschistische Kammer zwei Monate wirklich funktioniert, wenn man ihre Tagung bei Abwesenheit der Oppofition überhaupt als Funktion bezeichnen darf. Es war also ein ziemlich fostspieliger Versuch, der das Land mehrere Millionen am Tage gekostet hat. Mussolini selbst hat die jetzt vor der Auflösung stehende Kammer als ,, den letzten par lamentarischen Versuch" bezeichnet. feinen Fall volkswirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend gewesen sind. Dies Urteil wird bestätigt durch folgende AusEin überparteiliches bürgerliches Kabinett. führungen, die der preußische Finanzminister, Herr von Die volksparteiliche Zeit" von heute morgen schreibt: Richter, einem Mitarbeiter der„ B. 3." gegenüber machte: Die Frage der Regierungsbildung wird von heute an„ Der Geschäftsgang der Elaatsbant, wie er sich bis zur 3nwieder aktiv aufgenommen werden. Man hofft, sie bald zu flation abgespielt hat, gab dem Finanzminister wenig Veranlassung. einem Ergebnis führen zu können, da ja auch wegen der schweben direkt in das, Getriebe der Bank einzugreifen, das ziemlich, reibungsden außenpolitischen Entscheidungen eine verhandlungsfähige Re- los lief. Während der letzten Phase der Inflation erlitt allerdings gierung vorhanden sein muß. Eine Betrauung des bisherigen die Seehandlung beträchtliche Verluste burdy Gewährung von Papier. Reichskanzlers Marr mit der Regierungsbildung ist noch nicht mart- Krediten. erfolgt. Es bleibt abzuwarten, ob der Reichspräsident vielleicht versucht, noch die Vertreter der beiden stärksten Parteien, also der Sozialdemokraten und der Deutschnationalen, über die Lage in dem Sinne zu befragen, ob sie eine Möglichkeit sehen, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Wenn die Parteien bei ihren bisherigen Beschlüssen beharren, ist eine solche Bildung allerdings nicht möglich, da Zentrum und Deutsche Volkspartei ihre Ansicht jedenfalls nicht ändern werden. In diesem Falle ist damit zu rechnen, daß der Reichspräsident ein überparteiliches bürgerliches Kabinett bildet, ohne Anlehnung an die Fraktionen. Schon die nächsten Tage dürf ten hierüber Klarheit bringen. Wenn das Zentrum nicht geneigt sein sollte, auf den Boden der Koalition von Weimar zu treten, würde allerdings nichts anderes als die Bildung einer foalitionslosen Regierung übrig bleiben. In der Form aber, in der diese Möglichkeit van der Zeit" angedeutet wird, muß fie bei der Sozialdemokratie das aller stärkste Miß trauen erregen. Denn anscheinend ist nicht beabsichtigt, eine Regierung zu bilden, die den bisherigen Kurs der Mitte festhält, sondern das Streben geht dahin, den Bürgerblod unter der Maste eines überparteilichen bürgerlichen Kabinetts" über die Hintertreppe einzuführen. Daß ein solches Manöver von der Sozialdemokratie mit Mißtrauen beobachtet werden und fein Ergebnis auf die schärfste Opposition stoßen würde, versteht sich von selbst. Der Reichskanzler hat sowohl am Silvestertag wie heute eingehende Besprechungen mit dem Reichspräsidenten über Die Frage der Regierungsbildung gehabt. Eine Entscheidung ist aber noch nicht getroffen, dürfte auch nicht unmittelbar tevorstehen. Der Staatsbank- Skandal. Die Untersuchung geht weiter. Die Justizbehörden find an der Arbeit, um Licht in die verworrenen und dunklen Zusammenhänge im Geldhandel und Geldkettenhandel in Deutschland mährend der Inflationszeit zu bringen. Ihre Aufgabe ist begrenzt. Sie müssen sich darauf beschränken, festzustellen, ob in diesem Komplex Priminelle Beziehungen und Tatsachen vorgekommen sind. Sie haben im Falle Kutister friminelle Beziehungen fe ftgestellt, und sie suchen im Falle Barmat, ob auch hier friminelle Beziehungen zu finden seien. An diese Arbeit die im Interesse der geschäftlichen Moral nötig ist, gleichgültig, welches Resultat die Untersuchung ergibt fnüpft fich ein Rattenkönig von Sensationsmeldungen, der den Kern des ganzen Standals nur verdunkelt. Der gemeinsame Kern aller Einzelaffären ist die Kreditpolitik der Preußischen Staatsbank. Hier liegt ein Tatbestand, der schwerer wiegt als alles, worauf die Sensationsmeldungen ihr Hauptaugenmert richten. Es steht fest, daß die Preußische Staatsbant eine unverantwortliche Kreditpolitik in der Zeit der Inflation getrieben hat, bei der auf Vom Finanzministerium ergingen Weisungen über Anwendung besonderer Kautelen bei der Hergabe von Strebiten, die jedoch nicht immer befolgt zu sein scheinen. An gewissen Siellen des Instituts scheint de: Ehrgeiz bestanden zu haben, Bant- und Kreditoperationen größten Stils durchzuführen, die ganz und gar nicht im Rahmen des Unternehmenslagen, und der die Beamtenschaft ihrer ganzen Zusammensetzung nach nicht gewachsen erscheinen muß." Diese Ausführungen enthalten das Zugeständnis, daß der Kern des Standals in der Preußischen Staatsbant zu suchen ist. Grundfäßlich müßte, nachdem der Fall Kutister aufgedeckt mar, bei jeder großen Kreditnahme von der Staatsbant, die über das Maß des leblichen hinausgeht, die Nachprüfung einsetzen, ob diese Kreditnahme den Absichten des Finanzministeriums entsprach, aber auch, ob ihr Beziehungen zu grunde liegen, die entweder nicht den Gepflogenheiten eines deutschen Kaufmanns entsprechen oder kriminelle Tatbestände bergen. Die Staatsanwaltschaft hat sich zuerst auf die Kredit beziehungen zwischen Staatsbank und Barmat- Konzern geworfen. Die angebliche Verbindung zwischen Kutister und Barimat besteht nicht das ist bisher das einzige Ergebnis der Untersuchung. Die Einzelnachrichten über Borgänge und Beziehungen, die in Masse verbreitet werden, lassen natürlich feinen Schluß auf Schuld oder Unschuld zu, und es ist ein lnfug, von Schuldigen, von minder Schuldigen, vom Brad der Schuld zu sprechen. Darüber kann nur die Unterfuchung Auskunft geben, und die Staatsanwaltschaft schweigt noch. Die Deffentlichkeit hat das größte Interesse an der vollen und rückhaltlosen Aufdeckung des gesamten Kompleges, der jetzt angeschnitten worden ist. Sie muß deshalb auch verlangen, daß die untersuchenden Behörden durch authen tische Nachrichten verhindern, daß durch Sensations meldungen die Affäre mehr verdunkelt als geklärt wird. Keine Verbindung zwischen Kutisker und Barmat. Die Korrespondenz Steinberg teilt mit:„ Die Ermittlungen zur Aufklärung der Barmat- Affäre haben, wie wir schon mitteilten, ergeben, daß zwischen dem Barmat- und dem Kutister- Konzern teine Berbindungen bestanden haben. Es handelt sich auch bei dem Barmat- Konzern wieder um Geschäfte mit der Seehand. lung." Diese Korrespondenz spricht vom Grad der Schuld, von Mehrund Minderschuldigen. Soviel wir wissen, verweigert die Staatsanwaltschaft jede Auskunft, ob sie eine Schuld als gegeben ansieht. Die Erzberger- Mörder Tillessen und Schulz haben die Einreisebewilligung nach Rumänien und der Türkei nicht erhalten und find deshalb nach Ungarn zurückgekehrt. Die Gerüchte, daß sie in der Türkei Zuflucht finden würden, haben nur den 3wed habt, den Mördern die Flucht vor den deutschen Detettiven zu erleichtern. Die Polizei erklärt, daß ihr von einer Rückkehr Schulz' und Tillessens nichts befannt sei. Die berüchtigten fünf Millionen, Stimmen, die der Faschismus durch Erpressung und Bestechung zusammen gebracht hatte, erhöhten in seinen leitenden Kreisen das Ge fühl, daß der Gewalt alles erlaubt ist und alles glückt. Wer das Land mit Gewalt niederzuhalten wußte, und sich reichlicht Finanzquellen erschloß, war politisch nicht zu erschüttern. Dem Zweck der Finanzierung des Regimes dienten mehr oder weniger indirekt die Defrete über die Finanzkontroll weniger indirekt die Dekrete über die Finanzkontrolle aller von Arbeitern gebildeten Bereinigun Die erste Maßnahme sollte die materielle Niederknüppelung gen und über die Einführung von Spielhöllen der Gewerkschaften gefeßlich frönen und sollte außer enier die Unternehmer sein. Sie unterstellt die Finanz Aeußerung antidemokratischer Politik ein Geschenk für gebarung jeder Bereinigung von Arbeitern der Kontrolle der Präfekten. Diesen, nicht den von den Geldgebern bestellten Kontrolleuren, liegt es ob, zu entscheiden, ob das Geld den Statuten des Vereins oder der Gewerkschaft gemäß ver waltet wird oder nicht. Der Präfekt fann einen Kommissär für die Verwaltung bestellen, kann die Liegenschaften ver kaufen lassen, das Bermögen unter die Mitglieder aufteilen ja, er tann es sogar einer anderen Organisation überweisen Solange das Defret in Kraft bleibt, ist in Italien feine Ge werkschaft, feine Arbeiterverbindung irgendwelcher Art vo gefeßlicher Abwürgung sicher. Als Knebelungsgesetz ist es vollkommen, als Geschenk für die Unternehmer entsprach es weniger seinem Zweck, denn die Großindustrie hat inzwischen längst gemerkt, daß es auch für die Kapitalisten dienlicher ist über die Arbeitsbedingungen mit den Gewerkschaftsvertreterr zu verhandeln als der willkürlichen diftatorischen Demagogie der faschistischen Verbände zu unterstehen. In höhere Regionen der Spekulation führte das Defref über die Spielhöllen, von denen böse Menschen wisser wollen, daß ihre im Jahre 1923 verweigerte Einführung faſt ebenso einträglich war, wie die spätere Bewilligung. Die Spielhöllenaktionäre des Auslandes haben sich sehr beforg gezeigt um die italienische Moral, welcher Sorge fich bei der ersten Beratung der Ministerrat anschloß, um fie bei der zweiten den Interessen der großen Hoteliers und der Kafino halter unterzuordnen. Und als der Faschismus glaubte, alles in Händen zr haben, die Gewalt als Waffe und Munition, als Möglichkeit unbestrafter Gesegesverlegung und unbegrenzter Geldmittel wollte er sich auch den Lurus erlauben, dem Gegner den Kop zu zertreten. Je gefährlicher es für ihn wurde, sich in die Karten sehen zu lassen, um so empfindlicher wurden sein Nerven gegen jede Kritik. Diese Situation, in der alles Mussolini untertänig schien von der Hochfinanz bis zur Justiz, mußte zu einer Katastroph führen. Bis jetzt hat noch jede Dittatur im Bewußtsein ihre Allmacht den Bogen überspannt. So tam es zur Ermordung des unerschrockensten Widersachers der Regierung, zur Er mordung Giacomo Matteottis. Seit diesem Tage stemmt die Regierung die Füße an" mie sich Mussolini selbst so vornehm ausdrückt. Sie wehrt sid um ihre Machtstellung, um ihre Pfründen, sie wehrt sich gegen das Strafgesetz. Es ist ein verzweifelter Kampf, der vielleich I in dieser Jahreswende seinen Höhepunkt erreicht hat. Si mehrt sich durch Widerstand, und sie wehrt sich durch Zugeständnisse, durch Gewaltsanwendung und durch Versprechen der Legalität. Sie ist zu allem entschlossen, wenn ihr nur die Macht bleibt, die gleichzeitig Straffreiheit ist. Erst tam die Preisgabe der Mörder und eines Teils der Mandanten, dann tamen als Pendelschlag in entgegengesetter Richtung die Julidefrete gegen die Presse; dann kam das Bersprechen der Legalität im Senat und die Aufteilung der Waffen der Miliz an private Faschisten; es tamen die friedenstriefenden Reden und das Wort von der Lagerstreu"; es tam die Ablehnung des Rücktritts Giuntas von der Bizepräsidentschaft der Rammer und die Annahme des Rücktritts, am Tage nachher; es fam, als letzter Versuch, in zwölfter Stunde, der Entwurf zur Wiedereinführung des Einzelwahl freises? All diese Anklammerungsversuche, die ihre Kraft aus zahlreichen Interessen und aus dem Trieb der Selbsterhaltung ziehen, können den Zeitpunkt des Absturzes hinausschie ben, den Absturz verhindern, fönnen sie nicht! Eine Zeitlang tann es geschehen, daß eine Regierung, gegen die die schwersten moralischen Anschuldigungen erhoben werden, zur Antwort gibt: ich habe die Miliz, ich habe die Mehrheit in beiden Parlamenten; ich pfeife auf die Anflagen. Auf die Dauer geht das nicht. Heute sind nicht nur Mussolinis intimfte Freunde die Rossi, Filippelli, Maridie Rossi, Filippelli, Marinelli und Dumini-im Gefängnis unter Anklage des Meuchelmordes, sondern dieselbe Anklage wird auch gegen den Generaldirektor seiner Polizei, de Bono, erhoben. Sein früherer Pressechef, eben Rossi, bezeichnet den Ministerpräsidenten als Mandanten des Mordverfuchs gegen Misuri und gegen Forni. Der Bizepräsident der Kammer, Giunta, hat wegen Antrags zum strafrechtlichen Vorgehen wegen schwerer Körperverlegung zurücktreten müssen. behaupten will, muß sich bewußt sein, das gegen die öffenter unter folcher Bucht von Anklagen die Regierung liche Meinung zu tun, gestützt auf die Waffen seiner Partei. Aber Söldnerwaffen haben ihre eigene Logit: sie wollen nicht nur als Drohung dienen, sie wollen arbeiten. Hier liegt die Möglichkeit einer blutigen Lösung für das neue Jahr. Gelänge es, diese Lösung durch eine antifaschistische Infurrektion heraufzubeschwören, so würde dies das faschistische Regime trop seines moralischen Todes verlängern. Deshalb ist heute das A und O der Taktik der Opposition, die Massen ruhig zu halten; dafür zu sorgen, daß alle Provolationen an ihrer Selbst zucht und ihrem Berantwortungsgefühl zuschanden werden. Unter dieser Forderung zieht das neue Jahr herauf. Es mag sein, daß Mussolini sich zum Pattieren entschließt und von einem Ministerium Salandra die Zusicherung der Amnestie gegen einen gutwilligen" Rücktritt eintauscht. Aber ein Ministerium Salandra bedeutet noch nicht die Erlösung Italiens vom Faschismus, denn Salandra und die Seinen find mitschuldig. Die Ueberwindung des Faschismus schreitet nicht nur über Mussolini fort, sondern auch über Salandra. Und sie mündet nicht in die politische Amnestie aus, fondern in den Prozeß Matteotti! Amnestie- Komödie. Kommunistische Deputationen sollen den Reichstag belagern Die erste Sigung des lezten Reichstags fonnte nicht zu Ende geführt werden, weil die Kommunisten unter Führung von Kah, Scholem und Frau Gohlte mit ihrem Amnestieengeschrei und ihren Kindertrompeten eine fachliche Erledigung der Wahlformalitäten nicht zuließen. Sie wurde erst still, als am zweiten Tage ein deutschnationaler Präsident anstelle des 78jährigen sozialdemokratischen Alterspräsidenten die Geschäftsführung handhaben konnte. Jetzt soll das Theater in verstärktem Maße wiederholt werden. Außer der Kinderei im Reichstag felbft foll eine große Aktion mit Arbeiterdeputationen" inszeniert Züge auf dem Nebengleis. Bon Erich Gottgetreu Jeden Morgen fahre ich auf der Stadtbahn zu meiner Arbeit Charlottenburg, Zoologischer Garten, Friedrichstraße- Aussteigen! Immer benutze ich den gleichen Zug, die Gesichter vieler Fahrt genossen tenne ich schon, vielleicht bin ich auch schon einigen befannt nun, das ist ja alles ganz natürlich. Nicht mehr und nicht minder fesselt mich Herr Schulze nebenmir als mein unbekannter Gegenüber des Mittags in der Straßenbahn mich interessiert oder Des Abends in der Untergrund der leise verwünschte Fahrgast, der mir so leidenschaftlich gern meine schönen neuen Schuhe zerdrüdt. Herr Schulze von der Stadtbahn lieft stets in einem guten Buch. Das spricht für ihn, aber das ist noch kein Grund, daß ich ihn an spreche. Bermutlich will er auch gar nichts von mir wissen, was fönnte ich ihm auch Wichtiges fogen. Das sehr hübsche, blonde Fräulein Schulze gegenüber wahrscheinlich heißt sie anders interessiert mich immerhin etwas mehr. Ob ich fie allen Hemmungen zum Trog einmal anzusprechen wage? Aber das alles ist doch alltäglich, ja, die ewige Wiederholung ftets gleicher Impressionen hat sogar etwas Niederdrückendes an fich. Um zu fliehen, fange auch ich fast immer an zu lesen, und mährend Fräulein Schulze ihrem Freund das Weihnachtstiffen stict, bin ich zu Besuch bei den großen Göttern Chinas oder auf der Jagd unter Kannibalen und Großwild im afrikanischen Urwald. Nur hin und wieder lege ich mein Buch behutsam zur Seite: nämlich, wenn auf dem Fernbahngleis parallel zu uns ein anderer Personenzug fährt. Hier in Berlin, wo er immerzu halten muß, da„ braust" er nicht, wie die Romanschreiber so gern sagen, da fährt er genou so gemütlich wie unser Zug auch. Mem Lokomotivführer könnte sich zum Beispiel mit seinem Kollegen von der höheren Fakultät ganz gut unterhalten, wenn er wollte; aber er darf gar nicht wollen, denn er muß gut aufpassen, damit mir nichts passiert. Ganz gemütlich fige ich in meiner Fensterece, sympathisiere oder antipathifiere mii den Gesichtern der parallelen Fensterchen und lasse mir von ihnen, den stummen, erzählen. Bis zu zehn Gefichtern läßt mich mein Lokomotivführer manchmal studieren, dann fährt die Konkurrenz" meistens doch schneller. Warum wir uns wohl niemals auf einen Wettkampf einlaffen? Zehn Gefichter im Zuge auf dem Nebengleis! Zehn Romane! Rönnte man sie schreiben. Hätte man wenigstens die Zeit, die Themen" etwas näher zu studieren. Aber ich will nicht undankbar fein. Genug schenft mir die Phantasie, meine beste Freundin, im Nebeneinander der Bahnfahrt immer noch. Ich erfahre, das fleine Mädel mit der großen blauen Haarschleife will seine Großmutter in Breslau besuchen, der dicke Herr ihm gegenüber benugt sicher bloß die Bahn, weil sein Auto taput ist, die Dame in Schwarz. man sieht es deutlich, fährt an ein Grab, der junge Mensch macht | werden, die auf Anweisung der Zentrale im ganzen Reiche gewählt und nach Berlin geschickt werden sollen. Unser Parteiblatt in Hannover ist in der Lage, folgendes Rundschreiben der kommunistischen Zentrale zu veröffentlichen: Zentrale der KPD. Berlin C. 54, 23. Dezember 1924. Rosenthaler Str. 38. Un die Betriebszellen und Betriebsräte der Großbetriebe, an die Fraktionsleiter der Ortsausschüsse des ADGB. Betr. kampagne für die Freilassung der politischen Gefangenen. W. G.! Der neugewählte Reichstag tritt am 5. Januar 1925 zu seiner ersten Tagung zusammen. Die kommunistische Frattion wird wiederum als erste ihrer Handlungen im Reichstag die Forde rung nach einer Reichsamnestie der politischen Gefangenen erheben. Das Borgehen der Reichstagsfraktion wird jedoch nur dann einen Fortschritt im Kampf um die Freilassung der Justizopfer bebei der Eröffnung des letzten Reichstages begonnene Kampagne verdeuten, wenn in den Betrieben und Gewerkschaften die stärkt fortgejezt wird. In Bayern wurden Hitler und Genossen nach turzer Haft entlassen. Ebert hat Jagom amnestiert, aber Taufende von proletarischen Gefangenen fizen nach wie vor hinter Schloß und Riegel. Um den Unwillen der breiten Maffen des werftätigen Boltes gegen die Bevorzugung der faschistischen Hochverräter etwas abzuschwächen, entließ die bayerische Reaktion auch einige Kämpfer der Münchener Räterepublit, unter ihnen Mühsam. Die Entlassung des fonterrevolutionären Jagom durch Ebert zeigt deutlich, daß mit dieser Maßnahme Eberts das Interesse der rechtsradikalen Kreise an einer stärkste Druck durch die Arbeitermaffen in den Be allgemeinen Amnestie vermindert werden soll. Jetzt muß der trieben und Gewerkschaften auf Reichstag und Regierung erzeugt werden, um die Befreiung aller proletarischen Kämpfer aus den Kerfermauern zu erzwingen. räte) vom 23. September 1924 verweisen, das die Betriebe auffordert, Indem wir auf das Rundschreiben der Zentrale( Abt. BetriebsDelegationen zur Reichstagseröffnung, ferner Beschlüsse und Teleräte) vom 23. September 1924 verweisen, das die Betriebe auffordert, gramme an den Reichstag und die Regierung zu senden, um ihnen euch heute auf, die Bewegung der Arbeiter für die Juſtizopfer zu zeigen, fordern wir 1. in allen Betrieben erneut in engster Berbindung mit den wirtschaftlichen und sozialen Tagesfragen der Arbeiter zur Amnestierung der politischen Gefangenen Stellung zu nehmen. 2. die bereits gewählten Delegationen zur Reichstagseröffnung am 5. Januar in Marsch zu sehen bzw. weitere Delegationen zu wählen.( Die Delegationen melden sich am 5. Januar, vormittags, im Frattionszimmer der Reichstagsfraktion, Reichstagsgebäude.) 3. erneut in Betriebsversammlungen und Gewerkschaftsversammlungen Beschlüsse im Interesse der Justizopfer zu faffen und dieselben per il brief oder telegraphisch a) an das Präsidium des Reichstags, b) an die fommunistische Frattion des Reichstags, c) an die örtliche Parteipresse zu senden und Die Bellenlettung ft für die Durchführung dieses Auf trages verantwortlich. Mit fommunistischem Gruß Zentrale der KRD. Das Rundschreiben der Oberspielleitung aus der Rosenthaler Straße verrät in bewundernswerter Offenherzigkeit, daß es der KPD. nur auf ein großes Spettafelstüd antommt, zu dessen Inszenierung sie sich auch der Mithilfe fozialdemokratischer und„ parteiloser" Arbeiter in Betrieben und Gewerkschaften bedienen wollen. Diefe Offenherzigkeit ist dankbar anzuerkennen. Denn jest wissen unsere Genossen wenigstens, zu welchen Dingen fie mißbraucht werden sollen, wenn nächstens über„ Lohnund Arbeitszeitfragen" in Betriebsversammlungen gesprochen wird. Sie werden auf den kommunistischen Rummel nicht hereinfallen, sondern den Moskowitern erklären, daß der Sache der politischen Gefangenen viel mehr gedient wird dadurch, daß anstaltung von Butschen und ähnlichen Unternehmungen ins die Kommunisten endlich aufhören, die Arbeiter durch Ver Unglück zu führen. Die Sozialdemokratie hat bisher so umfassend sich für die Opfer der kommunistischen Putschtaktik bemüht, daß alle Kindertrompeten der Scholemiten diese Tatsache nicht hinweg. blasen können. Sie wird das auch in Zukunft tun und bedarf dazu der Unterstützung durch die Kommunisten nur insoweit, als diese endlich die Veranstaltung alberner Krafeelereien unterlassen. Katz inkognito" in Wien verhaftet. Wallraf soll seine Freilassung erwirken. Wie wir hören ist der kommunistische Abgeordnete Iwan Katz in Wien verhaftet worden. Er hat ſelbſt an den bis. herigen Reichstagspräsidenten Wallraf ein Telegramm gerichtet, in dem er mitteilt, er sei, als er sich Wien inkognito" aufhielt, wegen Paßfälschung verhaftet worden. Er bitte Herrn Wallraf, sich für seine Freilaffung einzusetzen. Die Sache ist vom Reich 3tagspräsidenten an das Auswärtige Amt weitergeleitet worden. Wenn Herr Kaß selbst erklärt, er sei infognito" nach Wien gefahren, so bedeutet dies offenbar, daß seine Papiere auf einen anderen Namen lauteten. Wenn er also wegen Baz fälschung festgenommen wurde, so kann der Wiener Polizei tein Vorwurf daraus gemacht werden. Aehnliches Malheur ist in Wien verschiedenen infognito" lebenden Reichsdeutschen schon passiert, darunter dem Herrn Roßbach. Da aber das deutsche Volk ein Interesse und ein Anrecht daran hat, daß seine gewählten Vertreter bei Zusammentritt des Reichstags zur Stelle sind, hat das Auswärtige Amt die Pflicht, sich für die Freilassung und Rückd) an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, Berlin. beförderung des Herrn Kaz energisch einzusetzen. Das dürfte um ordnung Stellungnahme zur Cohn- und Arbeitszeiffrage aufzuhörden tein besonderes Interesse an der Zurückhaltung des Herrn Bei Einberufung der Belegschaftsversammlungen ist als Tages fo leichter zu erreichen sein, als man bei den österreichischen Be stellen. Indem beraten wird über die Frage Wie fann man die Kaz vermuten kann. Lage der Arbeiter des Betriebes bessern, welche Forderungen sind aufzustellen, welche Kampfesmöglichkeiten sind gegeben?", muß auf die Lage der Gefangenen hingewiesen werden. Den breiten Maffen der Arbeiter muß begreiflich gemacht werden, daß der Vorstoß der Reaktion gegen die Revolutionäre ein Vorstoß gegen die Gesamtarbeiterschaft bedeutet. " Amerikanischer Konferenzvorschlag. Senator Borah für die internationale Wirtschaftsfonferenz. Bei den Ausführungen und den zu fassenden Beschlüssen ist der New York, 2. Januar.( WTB.)( Durch Funffpruch.)" New York wenden, nach dem die politischen Gefangenen Deutschlands erklärt, er habe die Absicht, Präsident Coolidge durch eine demnächst Borschlag der Internationalen Roten Hilfe zu verHerald“ und„ Tribune" meldet aus Washington: Senator Borah gegen die menschemistischen politischen Gefangenen im Senat einzubringende Entschließung aufzufordern, alle wirtschaftRußlands ausgetauscht werden sollen. Es ist dadurch möglich bedeutenden Nafionen unter Einschluß Deutschlands zu einer lich, die deutschen Reformisten zu hindern, durch Zufahanträge auf internationalen Wirtschafts- und Abrüstungs. Entlassung der gegenrevolutionären Gefangenen Sowjetrußlands die tonferenz nach Washington einzuladen. Borah fügte hinzu: Kampagne zu fabotieren. Troh des Erfolges des Dawes- Planes ist es unmöglich, in der ge famten Welt zu einer Stabilität zu gelangen, ehe nicht jede im wirtschaftlichen Wiederaufbau begriffene Nation an einer Bereinbarung und deren lebenswichtigen Folgen teilnimmt. Eines der Grundprobleme der Konferenz würde sein, die von Deutschland zu zahlende Reparationssumme festzusehen, da Deutschland sonst auch weiterhin in internationale Schwierigkeiten verstrict bleiben wird. Betrieben aufgebracht werden. Es ist von Wichtigkeit, daß bei der Die Kosten der Delegationen müssen durch Sammlungen in den Bahl von Kandidaten möglichst auch Arbeiter anderer Parteien oder Parteilose an der Delegation beteiligt werden. Es muß erreicht werden, daß am 5. Januar Hunderte von Delegationen der größten Betriebe Deutschlands in den Hallen des Reichstages den Ruf nach einer Reichsamnestie erschallen lassen. gonz bestimmt gelehrte Studien, der da, mit dem Musterkoffer im Gepäcknet, befindet sich auf einer Geschäftsreise eines ist ihnen gemeinsam: weit fahren alle, viel, viel weiter als ich. Unwahrscheinlich ist es, daß ich einen von ihnen jemals wiedersehe, dem Kind werde ich nicht wieder begegnen, dem dicken Herrn nicht, der Dame, dem jungen Menschen, dem Geschäftsreifenden nicht. Und die vielen, unendlich vielen anderen, beren gute und böfe, feine und grobe Gesichter ich von meinem feinen Eckplatz aus schon eripähte, bleiben fast alle mir fremd. Herr Schulze neben mir und Fräulein Schulze mir gegenüber, die sind mir noch lange ziemlich sicher. Aber das Nahe, das Gewöhnliche, das reizt nicht. Ich tue Herrn Schulze und Fräulein Schulzerein realistisch betrachtet unrecht, ich weiß es, aber ich fann es nicht ändern. Die fremde Welt auf dem Nebengleis, dieser Mikrokosmos voller Rätsel das ist, wenn sie sich zeigt, meine Welt. Alle paar Tage, drei Minuten, Bahnhof Friedrichstraße muß ich aussteigen. Dann bin ich für alle Schulzes der Welt zu haben, oft möchte ich sie sogar haben. Meiner" fährt weiter, Fräulein Schulze tut's leider aud), andere warten Und morgen fommt wieder auf dem Nebengleis ein Zug. Ausfahrt. Bon Walther G. Oschilewiti. Der Herbst, aus dem ewigen Gang der Erde wieder zurüd ins Bergängliche gehoben, fam einst mit Feuer und Rauch. Die Früchte fammelten sich ein; Wein und Korn dufteten in den Scheuern zur Nacht. Die Wälder waren eine einzige Fackel, die bis in die Städte flog und noch weiter. die Wiesen, die Stimmen, die Vögel wurden leiser- alles wanderte Aber in den Herzen stand der Abschied; eine Wand von Tränen; bann fort. Immer, wenn es ein Gott oder die Almacht des Unbefiegbaren oder das Gesetz der Erde es will, daß die Sonne sich neige, stehen die Menschen bang, ohne Atem und schauen zurüd. Borher war eine Wüste, felten darüber ein Mond, zu lagern die Wünsche und Gebete der Sehnsüchtigen, oder es mar ein feld mit Steinen da, eine Grube oder ein verlassenes Haus. und Rubstatt in the Arme, die Kinder spielten mit Gras und Kiefel Die Mütter schöpften aus den menigen bellen Tagen Nahrung ein Fahnentuch, trugen den Schwur von Hand zu Hand. oder auch nicht...., die Männer, deren Bruft noch breit war wie Größer aber war die Zahl der Müden, Bangen, Furchtsamen. noch größer die Zahl der Mutarmen, Glutarmen, Kraftarmen. Welt war die Zeit. Die Bäume starben ab; die Berge mit. Jeht? Der Schnee wird in die Städte fahren. Auf was warten wir? Stein Himmel ist da, sich zu verschenken. Frei die Brust! Auch die Sinne frei! Fahrt! Die Segel los! Die Anker frei! Bind! Wind! Wohin? Nur Fahrt! Nur Fahrt! Vorwärts! Wind! Wind! Jungens: Ahoi! Vergnügte Staatstheater- Premiere. Jeßners Schauspiel. haus führte am Silvesterabend Brandon Thomas' vorläufig unsterbliche Posse, Charleys Tante" auf, die mit algemeiner Uebereinstimmung für fein starkes Stück gilt. Dagegen halten. Seht ihr, werden sie sagen, das ist der vielgepriesene neue merden manche die Tatsache der Aufführung für ein startes Stück wind eures republikanischen Intendanten, der mit fräftiger Lunge den Staub von den höfischen Requisiten blasen wollte. Für solchen Luftzug, der Albernheiten auf eine staatliche Bühne weht, danten mir. Dazu wäre zu bemerken, daß eine fröhliche Traditionslosig feit erquicklich erfrischend fein kann. Sich ausgerechnet Charleys Tante" auszuwählen, bleibt indessen ein gewagtes Unternehmen für einen Theaterleiter von Qualität. Ich faffe Jeßners Tat als Ehrung für fein Parademitglied Werner Krauß auf. Er wollte zeigen, edelt werden kann, und wie wandlungsfähig dieser einzigartige wie ein Schmarren allein durch die Kunst des Schauspielers verKünstler ist. Gestern Wallenstein" im Kriegerwams, heute Dabber lay in Tentes Weiberröden. Krauß ist in allen Sätteln gerecht. Das Experiment ist geglückt. Auch" Charleys Tante" hat ihren historischen Ruf. Der gutmütige Dabberlan, der seinen Freunden zuliebe die als Anstandsdame nötige Tante mimt, ist nach alter Tradition die Rolle unseres Thielscher. Schon die vorige Generation hat Tränen gelacht, wenn Zielscher sich die Röcke hob und seine Männerhosen und Quadratstiefel sichtbar wurden. Werner Krauß Fackt die Rolle anders an. Thielscher holt aus der Rolle die Kommit bis aufs legte Quentchen heraus und scheut dabei keine leber treibung. Krauß legt von sich aus Humor hinein. Thiel her lacht mit der ganzen fugeligen Figur, Krauß lacht mit der Seele. Er verzichtet auf Klamottenfomit, auf 3werchfellerschütterung um jeden Preis, er verzichtet auch auf den Komikertrick, nur die Menschen auf der Bühne, aber nicht das Publikum zu düpieren, das sich dann beglückend flug vorkommt. Der Tante, wie sie Krauß gibt, sieht man nicht auf zehn Weilen den verfappten Mann an. Tanzschuhe sich wie eine verstiegene alte Jungfer. Dabei immer von föftlicher und feidene Strümpfe und reizvolle Dessous hat er an und bewegt Unbeholfenheit und erschütternder Dümmlichkeit. Die Sehnsucht, aus den verhaßten Beiberröden herauszufammen, lebt von Anfang an in ihm und fann jeden Augenblick zum Knalleffekt führen. Man lacht sich nicht nur halb tot, man hat auch Mitleid. Das durch Geist veredelnde Niveau hält Jeßner bei den übrigen Darstellern aufrecht. Brause wetter ein wenig zu fnabenhaft, aber ein frischer, herziger Junge, Florath ein Muster von Bhlegma und heftenen Nußfnadermanieren. Elsa Wagners echte Lante Blafiertheit, Ledebour ein tänzelnder, alter Hagestolz mit vcr. wirtte bei all ihrer zur Schau getragenen Liebenswürdigkeit etwas verbiffen. Die quitfchvergnügte Aufführung schlug ben rechten Auftakt zur angeregten Silvesterstimmung. Rauschender Beifall zwangen Krauß und Jeßner unzählige Male vor die Rampe. Dgr. Die Ausstellung aller illuftrierter Kinderbücher aus der Sammlung Karl Sobreder in der Staatlichen unit bibliothet, Prinz- Albrecht Straße 7a, wird bis zunt 15. Januar verlängert. abend, 24. Januar abends 8 Uhr, in der Aula der Handelshochschule für Prof. Gutav Caffel, der fchivedische Nationolofonom, wird am Sonndie Nordische Gesellschaft einen Bortrag über. Das Stabilisierungsproblem oder der Weg zu festen Währungen" halten. | Neujahrsempfang in Paris. teltet wurde unter Anklage ſtehen sechs Bolksrichter, zwei ehe den täglichen Kämpfen, bie Mehrheit dieses zweiten Drittels und weiterarbeiten. malige Boltsrichter, zwei Untersuchungsrichter, mehrere Mitglieder des Verteidigerfollegiums und etwa dreißig Winkeladvokaten. Opfer der Scholem- Zentrale. Wegen mangelnder Zuverlässigkeit brotlos. tommunistische Abgeordnete Schumann, früher Spißenfadidat und Halle, 2. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige Bezirksleiter der KPD. in Halle, ist bekanntlich von der Zentrale Scholem- Fischer abgefägt worden. Während des Wahlkampfes hatte man ihm einen Maulforb umgehängt und ließ ihn im Bezirk Halle- Merfebung nicht sprechen. Inzwischen hatten fich einzelne feiner früheren Freunde seiner erbarmt und ihm geraten, sich um den Bosten eines Bürgermeisters des Harzstädtchens Kelbra ( am Kyffhäuser) zu bewerben. Schumann, der bislang, entgegen elt am Abend" geduldet worden war, inzwischen aber an dem Willen Scholems, noch als Chefredakteur des Berliner Blattes die Luft gesetzt worden ist, hat diesen Rat befolgt und sich mit ins. gesamt 189 anderen Bewerbern zur Wahl eines Bürgermeisters in der Gehaltsstufe VII- VIII gestellt. Im ersten Wahlgange fam Schumann tatsächlich in die engere Wahl. In der zweiten Abstim mung wählte man ihn durch Los. Hiernach wäre Schumann gerettet gewesen, wenn nicht die Wahl als solche inzwischen beanstandet worden wäre. Man hatte einen Fehler begangen und die Boswahl zu früh vorgenommen, so daß Schumann, der im Bezirk sich entgegen den jetzigen Beamten und Kommissaren der Zentrale einer ziemlichen Beliebtheit erfreute, arbeitslos auf der Straße liegt und wahrscheinlich, wie seine eigenen Parteifreunde behaupten, auch dem Zugriff der Staatsanwaltschaft ausgesetzt ist. Eine Friedensrede des Präsidenten. Paris, 2. Januar.( WTB.) Bei dem Neujahrsempfang des diplomatischen Korps durch den Präsidenten der Republik Doumergue hielt der Doyen, Nuntius Ceretti eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß der Friede eine der wesentlichsten Bedin. gungen des Glückes der Bölfer sei und daß man noch mehr als im vorigen Jahre diesen wahren Frieden herbeisehne, den Frieden, ber begründet sei auf der Gerechtigkeit und Achtung des Rechts eines jeden einzelnen. Nach 6 Jahren sei es nicht überraschend, daß der gute Wille der Menschen, der bis jetzt nicht gefehlt habe, noch nicht den vollkommenen Frieden habe bringen können und der Friede noch nicht in dem Maße, wie es wünschenswert sei, die Geister und Her zen beherrsche. Jedoch hätten die Anstrengungen der menschlichen Solidarität bereits ihre Früchte gezeitigt, so daß es scheine, daß der Friede nach und nach wieder in der Welt einziehen wolle. Es bleibe jedoch noch viel zu tun, und wenn alle Ruinen wieder her gestellt ſeien, müsse man trotz aller Schwierigkeiten am Fortschritt Der Präsident der Republit, Doumergue, erflärte in feiner Erwiderung, es gebe teine berechtigteren Neujahrsmünsche als bie, die der Nuntius soeben ausgesprochen habe. Denn alle Bölker fehnten jenen wiedergutmachenden Frieden herbei, der das Ende sehnten jenen wiedergutmachenden Frieden herbei, der das Ende einer zu langen Periode der Prüfungen sein müsse. Man müsse den Frieden in internationalen Abfommen befestigen und den so fruchtbaren Gedanken der Schiedsgerichtsbarkeit nutzbar machen, damit die unvermeidlichen Meinungsverschieben teiten zwischen den unabhängigen Völkern nicht zu blutigen Konflitten führten. Man müsse allen Nationen die unerläßliche Sicherheit für ihre Entwidlung geben und die Achtung vor den Verträgen, die die politische und wirtschaftliche Charta der Welt seien, sicherstellen. Das sei das Ideal Frankreichs, das Ideal, dessen Verwirklichung es entschlossen weiter verfolge. Um sich mit Sicherheit gegen mögliche Ronflitte zu schützen, sei es notwendig, daß jede Regierung an dieser Aufgabe aufrichtig mitarbeite, indem sie entschloffen für sich eine Friedens politif betreibe. Frankreich habe die Ueberzeugung, im Laufe des abgelaufenen Jahres nach dieser Richtung ein Beispiel gegeben zu haben, indem es sich bemüht habe, die Frage, die seine größten zur Rückkehr ins Reichsgebiet fortan lediglich einen gültigen beut Interessen berührte, in einem Geifte des Entgegenkommens, derhen Reisepaß. Die Auslandsdeutschen werden von der Ber Gerechtigkeit und der menschlichen Solidarität zu lösen. Frankreich Pflichtung befreit, sich vor der Einreise in das Reichsgebiet bei der habe das Recht darauf, zu hoffen, daß seine Bemühungen nicht ver- Wiedereinreise zu beschaffen. Ausländer gelten für die Ausreife zuständigen deutschen Vertretung im Ausland einen Sichtvermerk zur geblich bleiben würden. Wenn das Jahr, dessen Aufsteigen man beaus Deutschland vom Sichtvermerkszwang als befreit, wenn sie beim grüße, fie völlig realisieren könnte, dann würde eine Aera der Ar- Grenzübertritt in bestimmter Form nachweisen, daß sie ihren Wohnbeit und Prosperität möglich sein. sig oder dauernden Aufenthalt im Reichsgebiet haben. Neujahrswünsche für Deutsch- Oesterreich. Der Reichspräsident hat dem österreichischen Bundespräsidenten folgendes Telegramm zugesandt: Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen und dem stamm per wandten österreichischen Bolte die herzlichsten Glüd wünsche aus und hoffe, daß Oesterreich und Deutschland im kommenden Jahre auf dem schweren Wege zur endgültigen Wiederaufrichtung erfolgreich fortschreiten werden. Der österreichische Bundespräsident hat gebrahtet: Mit innigsten Wünschen für das persönliche Wohlergehen Eurer Erzellenz verbinde ich an der Schwelle des neuce Jahres den Aus drud der von Oesterreich geteilten Hoffnungen, daß dem deutschen Bolt eine glückliche Zukunft befchieden sein möge." Internationale Giftmischerei. " Keine deutschen U- Boote in Holland. Amsterdam, 2. Januar.( BTB.) Der Pariser Matin" ver öffentlichte vor wenigen Tagen eine Meldung aus Holland, die aus jehr vertrauenswürdiger Quelle stammen sollte. und in der mitgetelit wurde, daß seit einiger Zeit auf der Rotterdamer Werft Wilton Unterteile von Unterfee booten für Deutschland hergestellt würden, was als ein neuer Beweis für Deutschlands Bewaffnung gelten fönne. Die Korrespondenten mehrerer hiesiger Blätter, darunter auch des„ Telegraaf", haben darauf bei der Direktion der Wilton Maschinenfabrit und Schiffswerft zu Rottermad Erfundigungen nach der Richtigkeit der obigen Nachricht des französischen Blattes eingezogen. Das Ergebnis war, daß die Direktion der Werft den Bericht des Datin" als eine glatte Erfindung bezeichnet und hinzufügte, daß von einer derartigen Fabrifation niemals auch nur die Rede gewesen sei. Die Korrefpondenten wurden auch von der Direktion direkt ersucht, die französische Meldung in ihren Blättern zu dementieren. Die„ Monopolpartei". Drei große, lange Reden gegen Trozki hat die Betersburger Brawda" und in Uebersegung die offizielle tommunistische Bartel forrespondenz„ Inpreforr" veröffentlicht. Manches an diesen Reden der drei eigentlichen Machthaber der Sowjetrepublit, Stalin, Ramenjew und Sinowjem ist sehr auftlärend. Am aufklärendsten vielleicht folgende Stelle aus der Rede Ramenjews vom 18. November, die nicht weniger als zwanzig Druckseiten füllt. Wir sind die Monopolpartei im Lande. Wir ver sammeln in unseren Reihen alles, was es im Lande an Organi fierten gibt, wir dürfen aber keinen Augenblick vergessen, daß wir Don uns flaffenfremden Elementen umgeben sind, daß diese Elementarkräfte nicht abnehmen, sondern anwachsen werden und po Iltisch verständiger werden. Die Form einer legalen Dr. ganisation haben sie nicht. Auf dem Boden der Entwicklung der Industrie, der Fabriken, der Werke und des Handels wird auch die fieinbürgerliche Intelligenz anwachsen. Alle diese fleinbürgerlichen Elemente, die in feiner gesellschaft. lichen Organisation offenen Ausdrud finden, be mühen sich natürlich, ihre Bestrebungen durch unsere Partei felbst durchzudrücken, durchzubringen. Und bei diesem Drude der flein bürgerlichen Elemente auf unsere Partei suchen sie natürlich ihr schwächstes Rettenglied. Und nun wird Trozti angeklagt, daß er dieses schwächste Rettenglied" sei, durch das die kleinbürgerlichen Elemente" ihren Druck auf die Partei ausüben. Zu diesen kleinbürgerlichen Elementen gehören natürlich alle Sozialisten und es ist wertvoll, daß einmal von den Kommunisten so offen zugegeben wird, daß sie die Monopolpartei" sind und nierand anders in Rußland das Recht auf die Form einer legalen Organisation" hat. Dieses Geständnis ist in Nr. 158 der„ Inter. nationalen Pregtorrespondenz", die die Kommunisten selbst heraus gegeben, für jedermann nachzulesen. Bestechungen in Petersburg. Erft vor einigen Monaten find in Petersburg in einem Monster. prozeß eine Reihe von Untersuchungsrichtern wegen Bestechlichkeit zum Tode und verschiedene andere Nichter und Staatsanwälte zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Nun berichtet die Brawda" com 18. Dezember von einem neuen Monsterprozeß, der gegen eine Reihe von Justizbeamten wegen Bestechlichkeit einge. Die Aufhebung des Sichtvermerks. durch eine Bekanntmachung im Reichsanzeiger" die steuerliche Un Entsprechend der Anfündigung der Reichsregierung ist nunmehr bedenklichkeitserklärung und damit der deutsche Sichtvermert für Reichsdeutsche, die ins Ausland reifen wollen, aufge. hoben worden. Reichsdeutsche brauchen zum Grenzübertritt und damit die Mehrheit des deutschen Boltes für uns zu gewinnen und somit auf demokratischem Wege die Umwandlung der fapitalistischen in eine sozialistische Wirtschaft herbeizuführen. Das war und bleibt das Programm der Sozialdemokratie. Daß es dabei bei einem Widerstand des Rapitals unter Umständen zu gewaltsamen Ausbrüchen tommen tann, ist eine geschichtliche Erfahrung, die niemand von uns leugnet oder zu umgehen versucht. Oder man wählt statt des de motratifchen den scheinbar fürzeren Weg des gewaltfamen Handstreichs. Das ist die Putschtaftit der Bolschewisten. üben, jede andere als die offiziell abgestempelte Meinung unterSie wollen als Minderheit über die Mehrheit die Diktatur ausbrüden. Das ist ihre Freiheit". Dafür banten wir bestens. Das hat nicht einmal mehr etwas mit Blanquismus, gefchweige denn mit margismus zu tun; das ist die nadte za ristische Despotie. Bu welchen Ergebnissen aber auch ein erfolgreicher Butsch führt, das sehen wir nicht nur in Rußland, sondern auch in Ungarn, von anderen Beispielen ganz abgesehen. Berrat an der Arbeiterschaft übt, wer diefer einzureden sucht, durch Gewalt könnte man eine Minderheit in eine Mehrheit verwandeln und einen so komplizierten, mit der Weltwirtschaft verwachsenen Apparat wie die deutsche Wirt fchaft sozialisieren. Unruhen in den Privat- Elektrizitätswerken. ausschuß des Arbeitgeberverbandes der Elektrizitäts-, Gas- und Am 29. November 1924 wurde vom tariflichen Schlichtungs. Wasserwerke der Provinz Brandenburg für die Groß- Berliner Brivat- Elettrizitätswerte ein Schiedsspruch gefällt, der eine Bea friedigung für die Arbeitnehmer bezüglich der Stundenlohnfäße nicht brachte. Außerdem erhielt der Schiebsspruch folgenden Zusatz: „ Diese Regelung gilt vorbehaltlich einer etwaigen, durch die beantragte Beseitigung ber Leistungszulagen bedingte Modifitation der Löhne bis zum 31. Januar 1925. Das Schiedsgericht ist auf Grund der Ausführung der Parteien nicht in der Lage, zu diesem Antrag bereits endgültig Stellung zu nehmen. Den Parteien wird daher aufgegeben, nochmals darüber zu verhandeln und, falls eine Berständigung innerhalb 14 Tagen nicht zu erzielen ist, bem erneut zusammentretenden Schiedsgericht die erforderlichen Unter lagen über die in den einzelnen Betrieben und einzelnen Gruppen gezahlten Leistungszulagen vorzulegen." Die Arbeitnehmerorganisationen, Zentralverband der Maschis nisten und Heizer und Deutscher Metallarbeiterverband, wondten sich in einem Schreiben vom 11. Dezember 1924, nachdem sie die statistifchen Unterlagen zusammengestellt hatten, an den Arbeitgeberverband der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke der Provinz Brandenburg löhnen, unter Fortfall der Leistungszulagen, eine Erhöhung und beantragten, daß zu den im Schiedsspruch festgefeßten Grundpon 14. Pig. proo Stunde erfolgen soll. Für den Fall, daß diese Forderung vom Arbeitgeberverband als nicht diskutabel angesehen werde, wurde gleichzeitig die Zusammenfegung des fachlichen Schiedsgerichts beantragt. Die vorstehenden Bestimmungen ändern natürlich nichts daran, baß sämtliche fremben Staaten für die Einreise in ihr Etaatsgebiet flärt, daß eine Berhandlung über den Antrag aussichtslos fei und Nach mehrmaligem Anruf beim Arbeitgeberverband murde er. von Reichsangehörigen noch Einreisesifen verlangen. Die das Schiedsgericht sprechen müsse. Infolge bes Weihnachtsfefies und Reichsregierung wird sich bemühen, zugunsten der Reichsangehörigen der Ueberbürbung mit Arbeit sei es dem Arbeitgeberverband leider paßtechnische Erleichterungen im Berfehr mit einzelnen fremden nicht möglich, das Schiedsgericht vor Weihnachten zusammentreten Staaten nach dem Grundsat der Gegenseitigkeit herbei zu lassen, weshalb es fofort nach Weihnachten tegen solle. Die zuführen. Die Reichsregierung ist grundsäglich nicht abgeneigt, die Organisationen wandten sich dann in der Weihnachtswoche wiederum Aufhetung oder Einschränkung des Sichtvermerks zugunsten der Borsigenden des Schiedsgerichts, damit die Streitigkeiten endlich bean den Arbeitgeberverband, fowie an Herrn Gewerberat Körner, als anderen Angehörigen solcher fremden Staaten in Erwägung zu hoben würden. Bom Arbeitgeberverband wurde jeht erklärt, daß ziehen, die ihrerseits zu entsprechenden Zugeständnissen an Reichs einer ihrer Beisiger ertranfi fei und aus diesem Grunde formal angehörige bereit sind. Eine einseitige Aufhebung des deutschen juristisch das Schiedsgericht nicht zusammentreten, d. h. ein anderer Sichtvermerfszwanges zugunsten aller Ausländer würde nach Lage Arbeitgeberbeisiger nicht gestellt werden könne. Die Arbeitnehmerder Dinge irgendwelche Erleichterungen für Reichsangehörige im organisationen miesen diesen Einwand zurück und betonten, daß der Verkehr mit dem Ausland nicht bringen. Schiedsspruch erfüllt werden müsse, auch in dem Absatz, Der besagt, daß das Schiedsgericht innerhalb 14 Lagen zu sammentreten felle und daß es wegen Erfranfung eines Beisitzers nicht um Monate hinausgeschoben werden könne. Gewerkschaftsbewegung Tatsächliche Richtigstellungen. Bei unserem Rückblick über das Kampfjahr 1924 waren wir genötigt, u. a. auf die Zerstörungsarbeit der Kommu nisten hinzuweisen, wobei wir auch kurz die grundfähliche boliche. Brawda" fühlt sich nun bemüßigt, in einem langen Artikel alles wiſtiſche Einstellung beleuchteten. Das Berliner Kopfblatt der " abzuleugnen. Nicht die Bolschewisten seien schuld, daß die Gewerkschaften in den Jahren 1923 und 1924 mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren", so daß ihre Mitgliederzahl 3 oder 4 Millionen betrage.„ Die KPD. hat weder Gewerkschaften gegründet noch Neugründungen unterſtüßt." Zu diesen tatsächlichen Angaben zunächst die notwendigen Richtig ftellungen. Die dem ADGB. angeschlossenen Gemertschaften hatten noch für die freien Gewerkschaften die Mitglieder des APU- Bundes am 31. Dezember 1923 insgesamt 5 749 763 Mitglieder. Dazu find und die des ADB. hinzuzurechnen. Insgesamt hatten die freien Gewerkschaften zu Beginn des Jahres 1924 also rund 6% Million Mitglieder, doppelt so viel als das Bolschewistenblatt angibt. Da bie Mitgliederzahl des ADGB. in seinem Jahrbuch angegeben ist, handelt es fich also bei den bolschewistischen Behauptungen um bewußt falfche Angaben, deren Zwed offenfundig ist. Seitdem hat sich die Mitgliederzahl der Gewerkschaften wesentlich gehoben. fchaften gegründet noch Neugründungen unterstützt hätte. Der bolNoch unverschämter ist die Lüge, daß die KẞD. weder Gewerf. fchemistische Weltkongreß" des Vorjahres hat sich hauptsächlich mit Diefen Neugründungen beschäftigt und schließlich eine Entschließung angenommen, in der diefe Gründungen als Deſertation ver urteilt und die Barole zurück in die Gewerkschaften" ausgegeben wurde. Dosselbe Blatt, das jetzt die Stirn hat, alles abzuleugnen, hat seitenlang über die Debatten des Mostauer Kongresses berichtet. Als sich die kommunistischen Führer der Sonderorganisationen dem Moskauer Diftat nicht beugen wollten, wurden fie aus der KPD. ausgefchloffen. Nun hat das Kommuniffenblatt bie selbst für Bolsche wisten erstaunliche Dreiftigteit, die Dinge, von denen sie selbst monate lang schrieb, als nicht eritierend zu bezeichnen. Die KPD. muß ihre Mitglieder für komplette Idioten halten. " " Das Blatt unternimmt dann einen Rechtfertigungsversuch der bolichemistischen Putschtafiif. Es schreibt: Es wäre Putschtaktit, wollte man mit Gewaltmitteln etwa aus einem Sicat mit einer Agrarwirtschaft und primitiven Produktionsmitteln mit einem Schlag einen sozialistisch- kommunistischen Wirtschaftsstaat machen." Das ift bie unverhüllte Berurteilung der Bolfchemisten politit in Rußland, die wir mit Bergnügen verzeichnen. Aber wie steht es in Deutschland? Wir zitieren: In Wirklichkeit, und dorin unterscheidet sich eben die repo lutionäre, auf dem Boden des Klassentampfes ftehende Auffaffung Don ber der Reformisten, ist die tapitalistische Wirtschaft schon fängst, wie felbft ein Stautsty feststellte, reif gum Sturg und die Arbeitertloffe objektiv imftande und historisch verpflichtet, bie po litische und wirtschaftliche Macht zu übernehmen." Auch wir find der Meinung, daß die Arbeiterschaft Deutschlands objektiv und historisch reif und verpflichtet ist, die politische und mirt fchaftliche Macht zu übernehmen. Ift fie es aber auch subjektiv? Ist sie sich ihrer Aufgabe bewußt? Wieviel von den 30 Millionen Wählern, die am 7. Dezember sich der Mühe unterzogen, einen Stimmzettel abzugeben, stimmten gegen den Kapitalismus? Wenn wir die Stimmen der SPD. und der KPD. zusammenzählen, waren es rund ein Drittel. Man übertreibt wohl nicht, wenn man annimmt, daß von den übrigen zwei Dritteln etwa die Hälfte profe= tarische Existenzen sind. Und doch stimmten fie für den Kapitalismus. Unter diesen Umständen bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder durch systematische Aufklärung, durch erfolgreiches Wirken in Die Arbeitnehmerschaft der beteiligten Werte versteht die- Ein ftellung des Arbeitgeberverbandes nicht. Sollten sich daraus Kom plikationen ergeben, lehnt die Arbeiterschaft sowie die Organisations leitungen jebe Berantwortung. ab; Siefe fällt ausschließlich dem Ar. beitgeberverband zu. Betriebss oder Ortskrankenkasse. Man schreibt ums: Schwer feufzt und stöhnt die Industrie unter den Lasten, die ihr die Sozialversicherung auferlegt, und geschäftige Federn bemühen sich, darzulegen, daß die Industrie unter diesen ermäßigen, sollten daher auch von den Industriellen unterstüt Basten zusammenbrechen muß. Alle Bestrebungen, diese Lasten zu Bemühungen, den Betrieb der Knorr- Bremse mit über werden. In diesem Sinne ist es sicherlich zu begrüßen, wenn die 4500 Bersicherten der Allgemeinen Ortstranten taffe Lichtenberg auzuführen, erfolgreich find. Gegenwärtig ist dieses Unternehmen mit vielen anderen Metallfirmen in der Neuen Maschinenbauer- Krantentaffe Dereinigt. Die Neue Maschinenbauer- Krantenfasse erhebt im Gegensatz zu den Ortsfrankenkassen Groß- Berlins 8 Proz. an Beiträgen, hat eine Schuldennicht die mit echt von den Versicherten als Wohltat empfundene laft von 30 000 m. und gewährt feine Mehrleistungen, insbesondere Familienhilfe. Die Belegschaft hat auch den lebhaften Wunsch, aus diefer Betriebsfranfenfaise auszufcheiben und aur Allgemeinen Ortskrantenkaffe Lichtenberg, die nur 6 Pro3. Beiträge erhebt, dafür aber alle zurzeit möglichen Mehrleistungen gewährt, überzutreten. Wir hoffen, daß es angesichts dieser Tatsachen möglich sein wird, zuführen, daß aber auch die Unternehmer dem Rufe des Herrn die Belegschaft der Allgemeinen Ortsfrankenkasse Lichtenberg zuv. Borlig, in Betrieben mit mehr als 1000 Arbeitern elgene Betriebstrantenfassen einzurichten, nach solchen Erfahrun. gen nicht in allzu großer Zahl folgen werden. Er muß es wissen. Am Sonntag fand eine Konferenz der Arbeiter- Korrespondenten der Roten Fahne" statt, bie, wie der Berichterstatter in einem etwas fühnen Bilde schreibt, auf abfolut fruchtbaren Boden gefallen" ist. Um mieder heran an die Maffen" au bommen, wird eben alles Der fucht. Da heißt es in dem Bericht: " Gen. L., einer der ältesten Berichterstatter der Roten Fahne", verweist vor allem auf die Notwendigkeit unbedingter Wahrheitstreue und verlangt Fortführung der Bericht erstatterfurfe, vor allem, weil der Arbeiterforrespondent einen möglichst großen Teil Schulung und theoretische Bildung braucht. Menn einer der ältesten Berichterstatter der Berliner Bramba" fich veranlaßt fühlt, auf die Notwendigkeit unbedingter Wahrheitstreue ganz besonders hinzuweisen, so hat er damit seinem gepreßten Herzen Luft gemacht, ohne sich offenbar großen Hoffnungen über die Wirkung seines Hinweises hinzugeben. Die bummen Uebertreibungen und prahlerischen Schwindeleien des Bolschewistenblattes tehren fich schließlich gegen das Blatt felbst, das längst tein Mensch muniften, der es wiffen muß, zeigt, scheint diese Wertschäßung auch außerhalb der KPD. noch ernst nimmt. Wie der Appell eicies RomInnerhalb der D. um fich zu greifen. Rentralverband ber Fleischer, Ortsverwaltung Berlin. Dienstag, ben 6, Jamuar, 7 Uhr: Wurst- und Ronfervenfabriken, Musikerfäle. Kaifer Wilhelm Straße 81. Mittwoch, den 7. Januar. 8 Uhr: Ladenfleischergewerbe, Rofen thaler Sof, Rosenthaler Str. 11. Freitag, den 9. Januar, 7 Uhr: Stadt. barmgeschäfte, Residenz Festfäle, Landsberger Str. 11.- Dienstag, den 13. Ja. muar, 7 Uhr: Engrosfchlächter, Biehhofsbörfe. Dienstag, ben 13. Januar, 8 Uhr: Spandau: Morisftr. 16 bei Blum. Berantwortlich für Politit; Ernst Reuter: Wirtschaft i. B.: 3. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lofales und Sonstiges: Fris Marftabt: Angelgen: 35. Glode; jamflid) in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. B., Berlin. Drud: Borwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW. 68, Lindenstraße Sierzu 1 Beilage. Beginn Freitag, den 2. Januar Inventur- Ausverkauf Ein Ereignis für Neukölln ist unser Inventur- Ausverkauf Trotz unserer bekannt billigen Preise haben wir fast unsere gesamten Waren soweit herabgesetzt, daß jeder in der Lage ist, seinen Bedarf zu den unerhört billigen Preisen zu decken. 3 Riesenschlager Reinw. Popeline 106 cm brett 2.45 jetzt jetzt Mantelstoffe ca. 140 cm breit 3.25 Reins Crêpe de chine 100 m 4.95 br. 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Oder viel. feicht scheint es so, daß er nur allen bis an die Schulter reicht, da sein Kopf unbekleidet ist, fein weißes Haar nach alter Dichterart tief u. a. im Erdgeschoß, Stralsunder Str. 38 Kellerräume. Samariter der Wehr hatten an zahlreichen Stellen zu tun. U. a. in der Stol. pischenstr. 3, 3ionskirchstr. 6, Münchener Str. 35, Krumme Str. 26 und Prinz Handjernstr. 46 in Neukölln, wo sich Personen mit Gas vergiftet hatten. Boswilligerweise wurde die Wehr u. a. alarmiert. Die Täter sind leider entkommen, auch nicht einer nach der Dantelmannftr. 43, Treptower Part 67 und Usedomftr. 9 fonnte ermittelt werden. Ein Frauenmord? Die Tote in der Cherusterstraße. Freitag, 2. Januar 1925 Eltern und Söhne. Ein Nachtrag zum Haarmann- Prozeß. Die Sensation des Haarmann- Prozesses ist vorbei, die nüchterne nichtetes Leben nicht wiederhergestellt werden. Es waren unnüße Ausbeute des Tatsachenmaterials der Gerichtsverhandlung mahnt zum Nachdenken. Geschehenes Uebel fann nicht ungeschehen, ver Opfer auf dem Echlachtfelde des Lebens. Unnüße Opfer! Unnüg, weil Haarn ann nicht zu dem hätte werden brauchen, wozu er geworden ist; unnüß, weil seine Opfer ihm nicht hätten in die Hände fallen brauchen, wenn Schule und Haus, Kommune und Staat ihre Schuldigkeit getan hätten. Waren aber die ungeheuren nung erforderlich, wo Tag für Tag weniger erschütternde Mahnungen an das Ohr der Erwachsenen dringen? Ob Blinde nun sehend, Taube mun hörend werden? herunterfällt und ihn klein und dünn und feltsam macht. Dazu ist eigentümerin Witwe Bertha Latsch, geborene Poethte, in Verbrechen Haarmanns an den jungen Menschen als drohende War. sein Red schwarz, so von der alten Art schwarz, die in das Grün herüberspielt. Auch hat er große Schuhe zur Winterszeit und wähvend des Sommers Sandelen. Sein Gesicht ist nicht alt zu nennen, trotzdem er ein recht alter Mann sein muß, und seine Augen find himmelblau. Niemals ist dieser Dichter müde, oder es müßte gerade die Müdigkeit sein, wenn er von einem Fuß auf den anderen trippelt, und wenn er einen fleinen Marsch um den Bigarrenladen beginnt. Seine Hände sind schlank und weiß, und darin trägt er feine Werte. Das find große, weiße Papierbogen, auf der einen Seite tlar und deutlich bedruckt, und rund herum ist eine Druckleifte von fleinen Blumen. Streng hält es sich an die Wirklichkeit, ob Frühling, wenn der Krotus aus der braunen Erde sieht und die Aeste mit Hellgrün gefpidt sind, ob Sommer, wenn die tieffarbigen Blumen blühen, der Mohn und die Rosen, und der blaue Sommerzauber durch die Lüfte fliegt, ob Herbst, wenn braunrotes Laub um die Füße raschelt und der rauhe Wind die letzte Blume entblättert, ob Winter, wenn draußen der Schnee fnirscht, das graue Elend durch die Lüfte rollt, schneeverbrämt die Dächer starren. Ein kleines Wort unter dem Titel des Gedichtes: Ein frei Melodram", ein Vorwort, so seltsam fremd wie uns dieser Dichter im weißen Haar erscheint: Die Sonne fchwand, Der Nebel stand, Mein letztes Mort Im Wald verflang. Nein, das ist nichts für den großen Platz und den regen Berfehr, das ist nichts für Menschen, die um Mittag zu Hause sein oder das Fräulein von geftern abend in jenem Café erwarten wollen. Es ist auch nichts für Leute, die mit den Attien der kanadischen Bazific bahn ihre Gedanken beschäftigen müffen. Suweilen ist doch einer, dem es nach einem Gedicht gelüftet, und der dem Dichterelend etwas steuern möchte und einen Groschen hervorholt oder gar zwei und sich ein weißes, fein bedrucktes Blatt dafür fauft. Dann macht der Alte einen feinen Büdling und spricht ein inniges Dante schön". Er wohnt fern von seinem großen Plak, in einer toten, ftillen Straße, in einer steinernen Kluft. Da ist er die 56. Partie in einem Mietshause; und geht er ein Stüd von seiner Haustür meg nämlich bevor er sich zum Verkauf nach dem großen Plaz begibt da ist Feld und hinten fällt ein Zipfel von einem Wald hinein. Hier ist des Dichters freie Natur, hier sind Gebüsch und Wiesen, hier ist Krofus und Eis und Schnee, und zwischen Müll blüht eine Rosen hede. Bon fleinen Laubendächern tropfen Eiszaden, Sterne sind in der Nacht so reichlich wie nirgends vorhanden, und ein schöner Mond strahlt dazu, Gestern gegen 5 Uhr nachmittags wurde die 68 Jahre alte Haus. ihrer Wohnung im Hause Cherusterstraße 34 vollstän dig entfleidet in der Küche auf dem Fußboden liegend tot aufgefunden. Die Leiche war über und über mit Wunden bedeckt, die allem Anschein nach Brandwunden sind. Sie muß mit einer brennbaren Flüssigteit begossen und dann an gezündet worden sein. Da die Frau sehr lebenslustig war, erfcheint ein Selbstmord ausgeschloffen. Ob ein Unglüds: fall oder eine gewaltame Todesursache vorliegt, bedarf noch der näheren polizeilichen Ermittlungen. Die Leiche wurde zunächst dem näheren polizeilichen Ermittlungen. Die Leiche wurde zunächst dem Echauhaufe zugeführt. Vor den Toren Berlins. Ein Eisenbahnidyll. „ Die Post hat schuld!" ist eine häufig wiederkehrende Redens art, wenn unfere Leser die Zeitung regelmäßig zu spät erhalten. Tatsache ist, daß unsere Zeitung in Städten, die viele hundert Kilo während 3. B. in der Gegend von Storfow( Mart), 50 Kilometer meter von Berlin entfernt sind, schon vormittags zugestellt wird, von Berlin und nur 22 Kilometer von dem Vorort Königswuster hausen entfernt, die Zeitung frühestens erst 24 Stunden später den Lesern zugeht; wohnt der Bezieher aber an einem Ort, in dem Sonntags feine Poſt ausgetragen wird, so erhält er die Ausgaben vom Freitagabend bis Sonntag einschließ lich erst im Laufe des Montags! An diesen unglaublichen Zuständen hat im Falle Storkow" aber nicht die Post, sondern die Eisenbahndirettion Halle schuld, der merkwürdigers weise diese Linie zugeteilt ist. Auf der Strede Königswusterhausen Storfow- Beeskow verkehrt nämlich ein 3ug im Anschluß an die um 5.01 und 5.31 Uhr früh vom Görliger Bahnhof nach Königswusterhausen abgehenden VorortB age. Sonderbarerweise geht der erste Bug erst um 9 Uhr Dormittags von Königswusterhausen ab und trifft um 10 Uhr in Storfom bzw. 11 Uhr in Beesfom ein. Da die Postfachen und Zeitungen nur mit diesem Zuge befördert werden können, ist und Zeitungen nur mit diesem Zuge befördert werden können, ift ein frühzeitigeres Eintreffen nicht möglich. Der ganze Kreis Stortow- Beestow leide ungemein unter dieser Bertebrsnot. Die Bahndirektion Halle hat kein Verständnis für die Verkehrsinteressen des Kreises, für Postverbindungen und nicht zuleht auch für die Berliner. Warum wird die Eisenbahnstrece Rönigswusterhausen- Storfow- Scharmügelfee- Beestom, die vor den Loren Berlins liegt, nicht der Eisenbahndirettion Ber lin augeteilt, in deren Gebiet die hier erwähnte, vernachläffigte Strede hineingehört und von der man vielleicht größeres Berständnis für die gerade in der Nähe Groß- Berlins nötigen verkehrspolitischen Maßnahmen erwarten darf. Selbstmord nach der Berurteilung. Ein aufregender Borgang spielte sich heute mittag bor ber 6. Straffammer des Landgerichts I ab. Hier hatte sich der 24jährige Bankangestellte Kurt Mahla wegen Unterschlagung zu verant Er dünkt sich ein Reicher, unser Dichter, umb ist doch kaum mehr morten, die er bei der Firma Klödner u. Co. verübt hatte. Das als der Aermsten einer. Erdichtet! Der angebliche Kaffenraub auf dem Bahnhof 300. Die eigenartige Ueberfallsaffäre, die sich, wie gemeldet, gestern auf einem der belebtesten Berliner Bahnhöfe ereignet haben soll und schon in polizeilicher Darstellung viel unwahrscheinliches enthielt, stellt sich jetzt als erdichtet heraus. Die Nachforschungen, die Kriminalkommissar Werneburg mit feinen Beamten anstellte, in Verbindung mit der Ueberwachungsabteilung der Eisenbahn, ergaben, daß die große Holzfirma, die der Eisenbahn Schwellen und dergleichen liefert und angeblich trotz des Feiertages 30 000 m. angefordert haben sollte, gar nichts davon wußte. Der Mann, der den Eisenbahnbetriebsassistenten Bodo Münch überfallen haben soll, fonnte gar nicht in Betracht fommen. Alles das war bald festgestellt. Münch geriet immer mehr in die Enge und an den entscheidenden Puntten verließ ihn jedesmal fein Gedächtnis. Ermittlungen und Bernehmungen belasteten ihn so schwer, daß er verhaftet wurde. Münch, der in der Schloßstraße zu Charlottenburg wohnt, ist etwas leichtlebig und hatte die Silvesternacht in zärtlicher Gesellschaft verbracht. Es be= steht die Vermutung, daß in seiner Raffe nicht alles in Ordnung ist und daß er, um das zu vertuschen, den Raub. überfall erdichtete. Die Rassenverhältnisse werden daraufhin jezt vom Rechnungsamt der Eisenbahnverwaltung geprüft. Sektion Donauland“ und„ Die Naturfreunde". Die vor einigen Wochen durch den Hauptausschuß des DeutschDefterreichischen Alpenvereins ausgeschlossene Wiener Seftion " Donauland", die sich inzwischen als selbständiger Ver. ein aufgemacht hat, hat nunmehr mit dem Arbeiter- Touristenverein Die Naturfreunde" ein Uebereinkommen getroffen, monach die beiden Vereine ihren Mitgliedern bei Benuhung der Schutzhütten gleiche Vergünstigungen erteilen, wie den eigenen Mitgliedern. Donauland" besikt zurzeit sechs eigene Hütten und verwaltet einstweilen noch die Mainzer Hütte im Groß- Glocknergebiet. Die Naturfreunde" verfügen in Desterreich über 38 Schuhhütten und haben zurzeit acht weitere im Bau Die Feuerwehr am Jahresanfang. Die Berliner Feuerwehr hatte während des Jahreswechsels an zahlreichen Stellen zu tun. An mehreren Stellen waren Weihnachtsbäume in Brand geraten. U. a. auch in der Raiferallee 22, wo bei der Ankunft der Wehr Fenster, Gardinen und Möbel brannten. Nicht weit davon stand in dem Hause Kaiserallee 41 ein Keller in Flammen. Gasteiner Straße 12 mußte ein Reller brand gelöscht werden und Gasteiner Straße 28 war infolge Freitag früh um 8 Uhr wurde am Schöneberger Ufer ein Mann von der Straßenbahn überfahren. Am Neujahrstage sprang eine Frau in der Schönweider Straße 2 in Neuköln aus einem Fenster im 3. Geschoß auf den Bürgersteig. Die Feuerwehr brachte die Schwerverletzte nach der Rettungswache 15, mo man mehrere Beinbrüche feststellte. Am Rottbuser Ufer 29 war ein Anabe in den Landwehrtanal gefallen. Es gelang, den Jungen zu retten. Reflerbrände mußten u. a. in der Alten Jakobftr. 32, Englischenstr. 29, Stegliger Str. 3, Hectorstr. 15, Lübecker Str. 9, Doellstr. 8 in Niederschöneweide u. a. Straßen gelöscht werden. Wohnungsbrände beschäftigten die Wehr u. a. in der Schulzendorfer Str. 4, Buttmannstr. 5, Grünthaler Str. 88, Schillerstr. 121 und Fransedistr. 4. Stralauer Str. 51a brannten Immobilien, Kirchstr. 9 eine Tischlerei, Beuthstr. 15 Strohmatten Schöffengericht hatte ihn entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts zu 500 M. Geldstrafe verurteilt. Auf Drängen der geschädigten Firma, der die Strafe zu niedrig erschien, hatte der Staatsanwalt hinterher aber Berufung eingelegt, und beantragte in der heutigen Berufungsverhandlung 3000 m. Geldstrafe. Das Schöffengericht hielt diefe Strafe jedoch für viel zu niedrig und erfannte auf 9 Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Raum hatte Landgerichtsdirektor Dr. Marschner dieses Urteil vers tündet, als der Angeflagte einen Revolver aus der Tasche 80g, an die finte Schläfe fekte und, ehe man noch hinzufpringen fonnte, abdrückte. Blutüberströmt fant Mahla zusammen und wurde sterbend nach dem Krankenhause geschafft. Der Borgang spielte sich vor den Augen des alten Baters des Angeklagten ab, der der Berhandlung beiwohnte. % Perfyn- Berschelden Sieger im 25- Stunden- Rennen. Bor ziemlich leeren Banten ging von Mittwoch abend 10 Uhr bis Donnerstag 11 Uhr das 25 Stunden Rennen im Berliner Sport: palast vor sich. Die Mannschaft Bersyn- Berschelden ge mann die harte Prüfung mit 54 Punkten. 2. Gebrüder Suter ( 1 Runde zurüd, 62 Punkte), 3. Lang. Weber( 1 Runde zurüd, 36 Punkte), 4. Bever- Stellbrint( 2 Runden zurüd, 69 Punkte). Die anderen Mannschaften endeten 3 Runden zurüd. Bergrufsch bei Arlberg. Aus Wien wird berichtet, daß infolge eines Bergruisches, der sich auf der Eisenbahnstrecke in der Nähe Don Arlberg vollzogen hat, die Züge Wien- Paris über Bayern geleitet werden müssen. Sturmwetter in England. Ueber dem Kanal und Großbritannien weht wieder ein heftiger Sturm. Der Luftverkehr zwischen London und dem Festland mußte am Neujahrstag eingestellt werden. Die Themse ist wieder erheblich gestiegen. Große Schneeftürme im Kautajus. Im ganzen Rautafus wüten feit mehreren Tagen starte Schneeftürme. Eine Springfiut von urgeheurer Stärke sucht die Küfte des Schwarzen und Kaspischen Meeres heim. Die Temperatur beträgt durchschnittlich 25 Grad Celsius unter NuIL In Batu liegt etwa 30 Bentimeter Schnee. Die Eisenbahnverbindungen sind in vielen Gebieten unterbrochen. Die Arbeiten in den Petroleumgebieten von Baku mußten eingestellt werden Bisher find elf Personen der Kälte zum Opfer gefallen. Abteilungen der Roten Armee sind überall damit beschäftigt, die Schienen und Straßen vom Schnee freizulegen. daß der übergroße Teil der umgebrachten Jungen zur Hefe der GroßEs ist von der Hannoverschen Kriminalpolizei behauptet worden, stadt gehört hätte, daß es heruntergelommene" Menschen auf die Spur zu kommen. Die Gerichtsverhandlung hat ein mesent gewesen seien; deshalb sei es auch so schwer gewesen. den Verbrechen lich anderes Bild ergeben. Haarmann hat sich im großen ganzen gescheut, seine Opfer aus der Bahl der„ Strichjungen" zu holen. Rur in ganz einzelnen Fällen die Namen sollen hier um der Eltern willen nicht nochmals genannt werden- etwa in vier, hat es sich um junge Leute gehandelt, die direkt dem Großstadtsumpfe ange hörten. Es foll hier von der sozialpädagogischen Seite der Fälle abgefehen werden. Schon oft genug ist wiederholt worden, daß eine Jugendfürferge, die nicht durch besondere Streifen auf Bahnhöfen, in den Anlagen usw. dafür sorgt, daß die Jugendlichen nachts nicht forger Abend für Abend den Bahnhof nach Jugendlichen absuchen, obdachlos herumlungern und ihnen nicht Rat und Hilfe zuteil merden läßt, ihre Aufgabe nicht erfüllt. Während in Hamburg Jugendfür. geschieht in vielen Städten und auch in Hannover, selbst nach dem Fall im Haarmann- Prozeß war der des zehnjährigen Abe Haarmann- Verbrechen, in dieser Richtung nichts. Der tragischste gelernt hatte, als der Junge feine Mutter vom Bahnhof abholte. Hier Ting, eines freundlichen Knaben, den Haarmann wohl tennenstand nichts zwischen Mutter und Kind. Wie kam es aber, daß der Onkel" Haarmann erzählt hatte? Sollten denn die Kinder nicht Junge der Mutter nichts über seine neue Bekanntschaft mit dem dazu angehalten werden, alles ihren Eltern zu erzählen? Im Alter von zehn Jahren geschieht dieses auch noch sehr oft, wenn die Eltern genug Zeit dazu haben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. In proletarischen Familien ist dies leider nicht immer möglich Opfer Hagrmanns stammten aber größtenteils nicht aus proletarischen Familien. Die Entfremdung zwischen Eltern widlungsalter, wenn der Jugendliche zum bewußten Eigenleben er und Kindern beginnt sehr früh, sie erreicht ihren Höhepunkt im Ent. Menschen zu befizen, bedarf es besonderer Vorsicht und Nachsicht, bewacht. Um in dieser Zeit noch das Vertrauen des jugendlichen fonderen Berständnisses. Dieses fehlt nur zu oft, fehlt in bürgerlichen, fehlt in proletarischen Familien. Der junge Mensch hat sein forg fältig gehütetes Innenleben, er geht seine eigenen Wege. Bersuche, in dieses Innenleben einzudringen, es gar zu beherrschen oder zu vergewaltigen, feine Wege zu bestimmen, führen zum Troß und zum Haß bei dem einen, zur Züchtigung durch den anderen. Der Flucht in fich folgt die Flucht aus dem Hause. Das Unglück ist da, wenn auch nicht in der Gestalt eines Haarmann, so in der einer Fürsorgeanstalt, einer Bermißtenanzeige, eines Selbstmordes. Die Schule steht un tätig dabei. die Fast jeder Tim Haarmann- Prozeß bildet eine schlagende Illuftration zu diesen Gedantengängen. Der 16jährige Junge part feinen Koffer, um zu verreisen; die Mutter fragt ihn nicht wohin. Ein Bater bezeugt vor Gericht: Der Junge fagte mir natürlich nicht, wohin er ging das ist ja klar. Da hält eine Mutter jett tief in Trauer ihren 16jährigen Sohn so streng, daß er sich bei feinem gleichalterigen Freunde darüber betlagt und aus dem Haus geht. Da sieht der Bater seinen Sohn auf dem Bahnhof wie„ einen Schlot" rauchen und verbietet ihm, Ostern aus der Türe zu gehen her Junge geht für immer davon. In einem weiteren Falle verkauft ein 14jähriger Schüler ein Paar Schuhe und fürch tet fich später, nach Hause zu gehen; fürchtet aber nicht, fich zuhaarmann zu begeben, von dessen Behausung ein anderer Junge aussagte, fie sei ihm unheimlich vorgekommen. Noch einem Jungen hat die Mutter die Hausschlüssel fortgenommen, weil er zu spät nach Hause kommt; ein siebenter wurde gezüchtigt, weil er die Gewerbeschule schwänzte usw. Alles Dinge, die tagtäglich vor fommen, die nicht immer zur Katastrophe führen. Ist aber das Band zwischen Kindern und Eltern geriffen, so sucht der junge Mensch in seinem Anlehnungsbedürfnis Ersatz wo anders und findet ihn nur zu oft in den Niederungen des Lebens. So muß die Lehre für die Eltern, die ja oft selbst nichts dafür können, daß fie in das richtige Verhältnis zu ihrem Kinde nicht kommen, die fein: Merkt Ihr, daß im Innern des jungen Menschenfindes etwas nicht in Ordnung ist, könnt Ihr nicht an ihn heran, so überwindet die falsche Echam und vertraut Euch einem erfahrenen und verständigen Men fchen an. Die Jugendämter, die Jugendbünde und die Arbeiterwohlfahrtsstellen merden dafür zu forgen haben, daß die Eltern und Jugendberatungsstellen ausgebaut werden. Dies ist eine der vielen Lehren aus dem Haarmann- Prozeß. Radio im öfferreichischen Parlament. Im Parlamentsgebäude ist eine Empfangsstation errichtet worden. Es fönnen nunmehr die Funkstationen von Deutschland, Zürich, Paris, London und von Rom von den Abgeordneten im Parlament gehört werden. Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. Jungsozialisten. Gruppe Bankwig: Seute abend 8 Uhr Mitgliederversamm Tung im Restaurant Sportede". Es wird dringend um pünktliches Ete fcheinen ersucht. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 89. Abt. Die Einäscherung unserer verunglückten Genoffin Marie Linde findet Sonnabend mittag 11% ühr in Baumschulenweg statt. 99 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäfts ftefie: Berlin G 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 St. Rameradschaft Königsmusterhausen: Sonnabend, den 8. Januar, abends 7% Uhr. Mitgliederversammlung im Restaurant Bum Der Automobilverkehr in den Bereinigten Staaten. Los Angeles hat fürzlich die strengsten Verkehrsvorschriften erlassen, um eine Lösung für das durch den ständig zunehmenden Automobilpertehr neu geschaffene Problem des Straßenperfehrs zu finden. Einige der Vorschriften find folgende: Auf gewissen Blätzen, die durch bestimmte Zeichen fenntlich gemacht unterberg", frither Lehm, Berliner Str. 17. Alle Rameraben find verpflichtet. werden, ist der Fußgängerverkehr verboten. Das Pferd ist aus der Bannmeile des Geschäftsverfehrs verbannt. Personen, die die Straßen treuzen wollen, müssen einen Arm erheben um die einzuschlagende Richtung anzugeben. Berfehlun gen werden streng bestraft. Die neuen Bestimmungen treten am 22. Januar nächsten Jahres in Kraft, aber ihre strenge Durchführung dürfte noch um sechs Monate verschoben werden. Luftlinie Harwich- Kapstadt. Das englische Luftfahrtministerium wird im nächsten Sommer einen Flug von Harwich nach Kapstadt veranstalten, der von einem Marineflugzeug unternommen werden soll, um geeignete Stüßpunfte für eine Luftlinie zwischen London und Südafrika ausfindig zu machen. Die Linie soll von Harwich über Toulon, Malta, Konstantinopel, Athen, Khartum, Johannesburg, Pretoria nach Kapstadt führen. mit der Mitgliedstarte zu erscheinen. Sympathisierende Republikaner will tommen. Wichtige Tagesordnung. Kameradschaft Kreuzberg, Jugend gruppen I( Südwest) und III( Süden): Sonntag, den 4. Januar, vormittags 7% Uhr, Treffen zur Tagesfahrt Belle- Alliance- Play( Friedenssäule), Bundes. kleidung. Geschäftliche Mitteilungen. G. Joseph, Herren- und Knaben Mobenhaus, in Schöneberg, Sauptstr. 1, Ede Grunewaldstraße, veröffentlicht in heutiger Abendausgabe seine Saventur Ausverkaufs- Anzeige, auf die wir hiermit noch besonders hinweisen. Der diesjährige Inventurausverkauf bes Kaufhauses Wilhelm Jofeph in Schöneberg ist ein wirkliches Berkaufsereignis. Was die Firma diesmal bietet, übertrifft alle Erwartungen des werten Publikums. Nicht nur die Breife fprechen für den Erfolg, fondern die dafile gelieferten quten Qualitäten sollen nach wie vor den guten Ruf und die große Leiftungsfähigkeit des Raufhauses Wilhelm Joseph in Schöneberg dent werten Publikum vor Augen führen. Bir verweifen auf das heutige Inferat. Wirtschaft Die Getreidemärkte im Jahre 1924. Ju Beginn des Jahres 1924 hatte die Landwirtschaft gleich allen deren Erwerbszweigen im Deutschen Reich mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Inflation hatte sie das ein genommene Geld in Sachwerten angelegt und stand nun dem tommenden Betriebsjahr faft ohne flüffige Mittel gegenüber. Es war begreiflich, daß sie, um ihre leer gewordenen Kassen aufzufüllen, ven ihren Getreidevorräten verfaufte, was sie verkaufen konnte, um Geld hereinzubekommen. Wenn der Handel in der Lage gewesen wäre, diesem reichen Angebot an Brotgetreide die Aufnahme zu gewähren, die notwendig gewesen wäre, um die Preise zu halten, dann wäre nicht die Preissenkung eingetreten, die wir zu Beginn des Jahres 1924 erlebt haben. Die Getreidepreise waren in dieser Seit weit unter dem Niveau der Weltmarktpreise und weit unter tem Niveau der Borkriegspreise. Es erscheint begreiflich, daß die Landwirtschaft, um Preise zu erreichen, die einigermaßen dem en'. sprachen, was sie an Produktionskosten verauslagten, alle Hebel in Bewegung setzte. Sie fand auch bei den zuständigen Stellen im Bujammenhang mit der Entwicklung der politischen Lage, die erfor derliche Bereitwilligfeit. Nur waren die Mittel, die dazu in Borschlag gebracht wurden, nicht die geeigneten, schon aus dem Grunde nicht, weil, wie wir hier ja mehrfach nachgewiesen haben, die Schutzölle, die zur Steigerung der Breise für Getreide in Vorschlag gebracht wurden, nicht der gesamten Landwirtschaft zugute kamen, sondern nur einem Teil; und außerdem weil die Schädigungen, die sie für die gesamte übrige Wirtschaft im Gefolge haben mußten, größer waren, als der Nußen, den sie der Landwirt schaft bringen fonnten und damit rückwirkend auch zu Schädigungen der Landwirtschaft führten. Die Preise verstehen fich pro Tonne, die Borkriegspreise find in Klammern gesetzt. Der Weg der Getreidepreise ging dann sehr rasch auf warts, wenn auch verschiedene Schwankungen dadurch eintraten, daß die deutschen Händler in der Erwartung, daß es nicht gelingen werde, die Ernte rechtzeitig abzuschließen, erhebliche Einkäufe aus dem Auslande getätigt hatten. Als sie die übernommenen Ber. pflichtungen nicht erfüllen fonnten, erschienen die angekauffen Getreidemassen am deutschen Markte und wirkten natürlich dadurch preisbrüdend. Jedenfalls zeigt die weitere Aufwärtsbewegung, die sich vollzogen hat, daß es nicht notwendig ist, mit Hilfe des Schuz zolls eine Hebung der Getreidepreise vorzunehmen, sondern, daß diese Hebung auch ohne Schutzölle eingetreten ist. Schußzölle fönnen nur dazu führen, unberechtigte Getreide preiserhöhungen zu stabilisieren. Es gibt aber auch noch einen anderen Weg, um die Rentabilität der Landwirischaft zu sichern, das ist die Steigerung der Erträge. Es wurde im Jahre 1913 pro Hettar ein Durchschnittsertrag von 20,3 Doppelzentnern erzielt, 1923 belief sich dieser Ertrag auf 16,3, ein Beweis, daß die Landwirtschaft technisch troß aller Berbesse rungen, die fie gegenüber dem im Kriege und in den ersten Nach friegsjahren getriebenen Raubbau erreicht hat, immer noch nicht auf der erforderlichen Höhe ist. Das drückt sich auch in den Ernte ergebnissen aus. 1920 wurden 63 Proz. der Ernte von 1913 geerntet, 1921 86 Broz, 1922 69 Pro3., 1923 84 Proz. Bei Weizen find die entsprechenden Zahlen 73, 92, 64, 88, bei Gerfte 71, 80, 66, 84, bei Hafer 76, 80, 63, 93. Zum Schluß noch einige Angaben über die Ernteergeb. nisse. 1924 wurden 848 Millionen Doppelzentner Weizen auf der Erde geerntet, 1923 940 Millionen Doppelzentner. Das Minder ergebnis der Ernte beträgt gegenüber dem Vorjahr in allen Getreidearten ca. 15 Bro3. Das ist natürlich für die Preisentwicklung eines Zuschußgebietes, wie es Deutschland darstellt, von fehr erheblicher Bedeutung. Benn troz dieser Minderergebnisse baltung der großen Massen und auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, bei der die zu zahlenden Löhne, die doch immer in einem gewissen Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten stehen müssen, eine Rolle spielen, geradezu verheerend wirken. Der Reidsbankausweis. | 3u bedenken ist aber dabei, daß die redisfontierten Weihfel in Höhe von rund 560 Millionen faktisch der Kreditsumme der Bank zuzu rechnen find. Das gilt besonders deshalb, weil die Rentenbankschuld in der Praxis augenscheinlich in Wechseln abgetragen wird und daß fo die Rentenbank tatsächlich als Kreditgeber an die Privatwirtschaft in Frage kommt. So betrachtet, liegen die Kreditsummen an die Privatwirtschaft tatsächlich über der Restriktionsgrenze von 2 200 000 Reichsmart. Sehr interessant ist auch die Geldbefchaffung für das hinter uns liegende Weihnachtsgeschäft. Die fremden Gelber der Bant haben fich um 165,9 auf 965,8 Millionen Reichsmart vermindert. Daraus ist zu schließen, daß der im Weihnachtsgeschäft benötigte Geldbedarf durch Abhebung bereitgestellter Giroguthaben beschafft worden ist. Für die Stabilisierung der Wirtschaft und Kapitalneubildung ist diese Tatsache von größter Bedeutung. Für die Bewegung der Konten der Bank folgte aus dieser Tatsache eine Erhöhung des Umlaufs an Reichsbanknoten um 41,8 auf 1765 Millionen Reichsmart und des Umlaufs an Rentenbankscheinen um 70 auf 1710 Millionen Reichss mart. In der Berichtswoche gelang es der Reichsbant weiter, die Goldbestände um 215 Millionen auf 717,6 Millionen zu erhöhen. Das bedeutet etwa fast eine Berdoppelung des Goldbeftandes während feines tiefften Standes gelegentlich des Ruhrkrieges. Danach beträgt die effektive Golddedung des Notenumlaufs 40,7 gegen 40,4 Broz. und die Dedung durch Gold und Golddevisen 54,2 gegen 93,9 Prozam 15. Dezember. Konzern gegen Konzern. = Es war nicht richtig, daß die Reichsgetreidestelle, um das Preisniveau für Getreide zu heben, tie Borräte, die sie aus dem Ernte- noch Schutzzölle verlangt werden, dann muß das auf die Lebens, erfahren, als sie auch alles dranseite, um sich diesen maßgebenden jahr 1923/24 übernommen hatte, und für die sie keine Berwendung mehr hatte, im März 1924 auf den Markt warf und damit einer Breiserhöhung für Getreide, die in diesen Seiten sicherlich ihre Be rechtigung hatte, entgegenarbeitete. Die Sachlage änderte sich, als die Notverkäufe aufhörten, als die Geldlage fich besserte und als die Regierung mit ihren volllommen abwegigen Schutzzollforderun gen auf der Bildfläche erschien. Sie änderte sich auch dadurch, daß der Berlauf der Witterung des Winters 1923/24 die stärksten Befürchtungen für den Ausfall der Ernie rechtfertigte; sie änderte sich auch dadura), daß die Regierung, um die Lage der Landwirtschaft zu erleichtern, für das frühzeitig geerntete Getreide, das nicht völlig an: deutschen Markte Unterkunft fand, Ausfuhrerlaubnis er teilte. Erft in jüngster Zeit ist diese Ausfuhrerlaubnis für Hafer Glücklicherweise sind die Befürchtungen über den Minderausfall der Ernte turch die Tatsachen widerlegt worden. Das Ergebnis der Ernte blieb zwar hinter dem des Borjahres zurüd, aber nicht in dem Maße, in dem man es befürchtet hatte. Der tiefste Etand der Getreibepreise murde im Juni 1924 erreicht. Es wurden am 24. Juni 1924 an der Berliner Produktenbörse folgende Notizen gegeben worden. renommen: Für Weizen Roggen 133 bis 138 M.( 205) 114 115 125 123 ( 165) " " " " Hafer " Gerste 138 145 " " " Mais 140 142 " " ( 162) ( 170) ( 150) Der Reichsbankausweis vom 23. Dezember gibt gewiffe Veränderungen in den Konten der Reichsbank wieder, die für die Ent widlung unferer Wirtschaft von allergrößtem Interesse sein dürften. In der dritten Dezemberwoche ist nämlich die private Wirt schaft, die in der Vorwoche noch 43,7 millionen Reichsmart an Wechseldiskont und Lombardkrediten bei der Bank neu angefordert hatte, mit nennenswerten Kreditansprüchen an die Bant nicht mehr herangetreten. So ergab sich infolge vermehrter Redistontierung von Bechfeln und weiterer Abtragung des Darlehens bei der Rentenbank durch Uebergabe von Wechseln an dieje ein neuer Rüdgang der Wechsel- und Lombardanlage um insgesamt 112.3 auf 1984 Millionen Reichsmart. Das Darlehn bei der Rentenbank verminderte sich dabei um 25,5 auf 488,3 Millionen Reichsmart. Die Summe der rebistontierten Wechsel wuchs da gegen um 89 auf 562,8 Millionen Reichsmart. Rein zahlenmäßig betrachtet, liegt also die Kreditsumme der Reichsbank unter der Reftriftionssumme vom 7. April 1924, die 2000 Millionen betrug. und ganz beträchtlich unter der neuen, um 10 Broz. vermehrten Grenze, die bekanntlich Kredite in Höhe von 2200 Millionen vorsieht. Bis es der Gruppe Wolf, Netter u. Jato by vor einigen Monaten gelang, die Mehrheit der Stammaftien der Baro per Walzwerf.ftiengesellschaft in ihren Besitz zu belommen, hatte die Stinnes- Gruppe den maßgebenden Einfluß bei der Gesellschaft. Raum hatte sie von den Besitzveränderungen zugsaktien, die mit 10fachem Stimmrecht ausgestattet waren Einfluß zu erhalten. Sie brachte die 1,2 Millionen Mark Bor= und die zur Abwendung der Ueberfremdungsgefahr geschaffen wor den waren, in ihren Besitz und erreichte es so, daß sie trog der Majorität der Wolf, Netter u. Sakoby Gruppe diese über stimmen fonnte. Diese Gruppe hatte nach ihren Angaben sich durch Aufkauf von Aktien die Majorität deswegen gesichert, weil sie beabsichtigte, die nicht ausgenugten Stahlwerfsanlagen des Werkes, so wie dessen Blecherzeugung für ihre weiterverarbeitenden Betriebe auszunuzen. Aber auch nach dieser Richtung wurde ihr von der Stinnes- Gruppe ein Strich durch die Rechnung gemacht. Diese schloß mit der Verwaltung des Baroper Walzwerkes einen Vertrag, der vom 1. Ditober 1924 beginnt und 25 Jahre läuft, dergestalt ab, daß die Hugo- Stinnes- Eisen- Attiengesellschaft Trägerin des Ver faufsgeschäftes der Baroper Walzwerte A.-G. wird; Hugo Stinnes erhält für den Verkauf eine Provision von 2 Prozent. Alle Versuche der Wolf- Netter- Gruppe in der Generalversammlung zu er. reichen, daß diese Verträge aufgehoben würden, daß die levertragung der 1,2 Millionen Mark Vorzugsaktien als wider Treu und Glauben und gegen die Generalversammlungsbeschlüsse gehend, rückgängig gemacht wurden, scheiterten daran, daß die Stinnes. Gruppe mit Hilfe des zehnfachen Stimmrechtes der Borzugsaftien in der Lage war, die Netter- Gruppe zu überstimmen. Es wird ja, infolge des Protestes, den die Netter- Gruppe einlegte, eine gericht. Stinnes mit feinen brutalen Machtmethoden wieder einmal gefiegt. liche Entscheidung herbeigeführt werden, aber vorerst hat Als Kuriosum mag erwähnt werden, daß die Wolf- Netter- Gruppe, um ihr Borgehen zu begründen, erklärte, fie beabsichtige, die Un abhängigkeit des Unternehmens zu erhalten. Mein Chraus wed damir! bis zu 50% Nachlaß Nur 5 Tage vom 2. bis 7. 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