Nr.4+ 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 3 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monoš lich 3, Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Beit" mit ,, Gied. Tung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage ,, Frauenstimme" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwürts Berliner Volksblatt ( 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareillegeile 0,70 Goldmark, Reklamezeile 1 Goldmark. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20 Goldmart( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldntart, jedes weitere Wort 0,05 Golmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart. ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion:: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönboil 2506-2507 Sonnabend, den 3. Januar 1925 Krise der Pariser Verhandlungen. bedeutet nicht nur eine Sonderbehandlung des deutschen Handels, sondern auch eine Schädigung der Arbeiterklasse in Deutschland und Belgien. Es wird notwendig sein, daß die internationalen Organisationen der Arbeiterschaft sich auf einer gemeinfamen Plattform zusammenfinden, um durch eine schnelle Initiative die kapitalistischen Machenschaften zu durchkreuzen. Frankreich verlangt ein Moratorium. Amerika soll zehn Jahre warten. Auch England meldet seine Ansprüche an. Lehnt Deutschland ein Provisorium ab?- Dentsch- französischer Tarifkrieg? Paris, 2. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In den deutsch französischen Handelsvertragsverhandlungen, die am vergangenen Dienstag wieder aufgenommen worden sind, scheint eine fritische Wendung zu drohen. In Voraussicht der Unmöglichkeit, der vorhandenen Schwierigkeiten bis zum 10. Januar Herr zu werden, ist von französischer Seite bereits vor einiger Zeit die Schaffung eines Provisoriums angeregt worden. Dieser Borschlag, dessen Prüfung die deutsch: Delegation zugejagt hatte, dürfte, wenn wir recht unterrichtet sind, wenig Aussicht auf Annahme durch Deutschland haben, und in einer Befprechung, die dieser Tage darüber stattgefunden hat, dürfte der ablehnende deutsche Standpunkt vor allem mit dem Hinweis begründet worden sein, daß für den deutschen Handel, der seine Beziehungen zu Frankreich von Grund aus neu aufbauen müsse, ein neues Provisorium nicht erträglich sein würde. Die Verhandlungen darüber werden fortgefekt, ob mit Aussicht auf Erfolg, entdem das Deutschland im Friedensvertrag auferlegte Regime zu Ende geht, nur noch wenige Tage zur Verfügung stehen, können die Chancen für eine Einigung nicht sehr groß erscheinen. Es droht in diesem Falle ein vertragloser Zustand, der automatisch einen Tarifkrieg zwischen Deutschland und Frankreich zur Folge haben würde. Von franzöfifcher Seite glaubt man in der ablehnenden Haltung Deutschlands eine Repreffalie für die Entscheidung der Botschafterkonferenz in der Frage der Räumung nou köln erbliden zu sollen, eine Auffassung, die von zuständige: zieht sich unserer Kenntnis. Da bis zum 10. Januar, dem Tage, an deuticher Seite aufs entschiedenste bestritten wird. digen müssen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devostenkasie Lindenstraße 3 Ueberparteilich!" Ein Answeg aus der Regierungskrise? WTB. meldete gestern abend: Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers traten heute mittag die Reichsminister zu einer Besprechung der politischen Lage zusammen. Ueber das Ergebnis dieser Aussprache hat der Reichskanzler dem Reichspräsidenten Bericht erstattet. Daraufhin hat der Reichspräsident den Reichskanzler Marg beauftragt, nochmals mit den Führern der Reichstagsfraffionen in Berbindung zu treten, fie wegen des Ernstes der politischen Lage und zur Bermeidung einer überparteilichen Regierung auf die dringende Notwendigkeit der sofortigen Bildung einer auf tragfähiger parlamentaricher Mehrheit ruhenden Reichsregierung hinzuweisen und ihnen eine umgehende Nachprüfung der bisherigen Beschlüsse ihrer Frattionen zur Regierungsbildung zu empfehlen. Der Appell zur Nachprüfung der Fraktionsbeschlüsse kann sich nur an die Volkspartei und an das Zentrum richten. Die Bolkspartei hat bisher sowohl die Große Koalition als auch die Beteiligung an einer Minderheitsregierung der Mitte abgelehnt, das Zentrum will weder den Bürgerblod, noch die Weimarer Koalition. Die Minderheitsregierung der Mitte aber und die Weimarer Koalition scheiden aus, sofern die Bildung einer festen parlamentarischen Mehrheit anges strebt wird. Bleibt also nur Bürgerblod oder Große Koa lition. aussagen, daß meder die Volkspartei auf den Boden der Es läßt sich jetzt schon mit ziemlicher Bestimmtheit vorGroßen Koalition, noch das Zentrum auf den des Bürgerblocks treten wird. Der letzte Appell an die Fraktionen wird also vergeblich bleiben. Und dann kommt das überpartei liche Kabinett. Paris, 2. Januor.( Eigener Drahtbericht.) Die Aufrollung der Da die Fraktionen des Reichstags erst am Montag zu= Frage der Kriegsschulden durch die Vereinigten Staaten kann auch sammentreten, wird eine Nachprüfung ihrer Beschlüsse früher innerpolitische Rückwirkungen haben, da in dem zusammenfassenden nicht möglich sein. Der Reichstag wird sich also fonftituieren Bericht des Finanzministeriums über die finanzielle Lage im Parla müssen, ohne daß eine andere als die in Demission befindliche ment für die französische Schuld an Amerika ein Betrag nicht aus- Regierung vorhanden sein wird. Am Dienstag wird wegen geworfen war. Es hat darüber zwischen Paris and Washington ein des Dreikönigtags nicht getagt, am Mittwoch wird das neue Meinungsaustausch stattgefunden, und in einer Unterredung, die Präsidium gewählt werden und so wäre die„ Entgegenkanischen Botschafter gehabt hat, ist diesem ein von dem Finanz- Donnerstag fällig. Solange ist also gerade noch Zeit, Ministerpräsident Herriot im Mittwoch mit dem hiesigen ameri- nahme einer Erklärung der Reichsregierung" für den minister Clémentel gezeichnetes Projekt zur Konsolidierung sofern man nicht der Welt das Schauspiel geben will, daß sich der franzöfifchen Schuld übergeben worden. Ueber dessen Inhalt verder Reichstag gleich wieder vertagt, weil keine Regierung vorlautet, daß Frankreich darin ein zehnjähriges Moratorium handen ist. nachsuche, noch dessen Ablauf es bereit sei, seine Verbindlichkeiten in 68 Jahresraten zu tilgen, vrausgesetzt, daß Amerika ihm dafür einen niedrigeren 3insfuß einräumt als den seinerzeit der englischen Regierung gewährten. Es erlautet, daß England Hierzu schreibt der Sozialdemotratische Pressedienst": den Anspruch erhebt, daß seine eigenen Forderungen von Frankreich Die Pariser Nachrichten über den Verlauf der jetzt wieder auf in der gleichen Weise befriedigt würden wie die amerikanischen. genommenen deutsch- französischen Verhandlungen erweden den Ein- London, 2. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Nach halboffiziellen brud, als ob meite französische Wirtschaftskreise nach dem 10. Januar Meldungen wäre Schahlanzler Churchill mit der Streichung der 1925 mit einem deutsch- französischen Tariff rieg redh interalliierten Schulden einverstanden, wenn auch die Kriegsschuld nen. Die Meldungen werden unterstrichen durch das Pariser Deuvre", verpflichtungen Englands gestrichen würden. Gleichzeitig wird des ja bekanntlich der Regierung Herriot sehr nahesteht. Uns über mitgeteilt, daß die britische Regierung feinen Widerspruch gegen das roschen diese Nachrichten nicht. Der bisherige Verlauf der Handels- Arrangement der Schuldverhältnisse Frankreichs mit Amerika ervertragsverhandlungen hat gezeigt, daß der Kapitalismus bei heben wird. Eie werde dagegen darauf bestehen, daß ihre Ander Länder bestrebt ist, oft im Gegensatz zur Wirtschaft, Sonsprüche an Frankreich ähnlich behandelt werden. Diese Haltung werde berporfeile durchzusehen, und daß diefer Rapitalismus nicht vor Churchill auf der Finanzkonferenz in Paris einnehmen. Die Komplikationen zurückschreckt, die tatsächlich die Allgemeinheit schä britische Regierung werde in der Schuldenfrage weder nach Washington noch nach Paris Noten senden, sondern werde durch Churchill Der von der französischen Presse berührte Streitfall liegt in die Einzelheiten in Paris darlegen lassen. Die Anregung des frander Notwendigkeit, ab 10. Januar 1925 eine vorläufige Rezöfifchen Finanzministers Clémentel, daß die Konferenz Die 3ah gelung der handelspolitischen Verhältnisse zwischen Deutschland lungsfähigkeit Frankreichs prüfen soll, findet in London und Frankreich eintreten zu lassen, wenn die endgültigen Abmachun- teine Unterstützung. Bom britischen Standpunkt aus gäbe es gen nicht vor Februar 1925 fertiggestellt werden können. Wie uns eine Konferenz über die Schuldenfrage, ausgenommen wenn es von führenden Mitgliedern der deutschen Handelsdelegation ver- fich um die englischen Schulden an Amerika handele. fichert wurde, ist die deutsche Handelsdelegation zu einem Modus vivendi bereit, wie er ja auch zwischen Deutschland und anderen Ländern erörtert wird. Die deutsche Handelsdelegation knüpft aber daran die Bedingung, daß die einseitige Regelung aus dem Versailler Vertrag nicht im Provisorium festgelegt werden darf. Reinesfalls fommt nach Ansicht der deutschen Handelsdelegation eine Berlängerung des gegenwärtigen Zustandes in Frage. Doch fönnen wir es uns auch nicht denken, daß Staatssekretär Trendelen burg, der Führer der deutschen Delegation, ein Provisorium mit Frankreich nach dem 10. Januar 1925 abgelehnt hat. Trendelenburg ist unseres Wissens ein Verfechter des Gedankens, für den Fall, daß ein endgültiges Abkommen bis zum 10. Januar nicht zu treffen ist, unter den von uns dargelegten Voraussetzungen ein Proviserium eintreten zu lassen. Deshalb glauben wir, daß hinter den französischen Pressemeldungen die Absicht gewisser Kreise, die Ber. handlungen in Paris überhaupt übers Knie zu brechen, oder die Tendenz gewiffer französischer Wirtschaftsinteressen steckt, auf die Gestaltung des Provisoriums dahin einen Druck auszuüben, die einseitige Begünstigung der französischen Industrie im Provisorium festzulegen. Bekanntlich ist ja die französische Eisen- und Textilindustrie emsig dabei, ihre Verkaufsläger in Süddeutschland aufzufüllen, um zollfreie Ware auch nach dem 10. Januar 1925 in Deutschland zu haben. Die Eröffnung der Konferenz der alliierten Finanzminister ist fammentreten wird. um einen Tag verschoben worden, so daß fie am 7. Januar zu Das Genfer Protokoll wird zu Wasser. 13 schworen werden, ihre Fraktionsbeschlüsse nachzuprüfen, um Es ist nicht recht einzusehen, warum die Fraktionen bedas überparteiliche Kabinett" zu vermeiden. Dadurch wird das überparteiliche Kabinett, das nun doch die letzte mögliche Lösung zu sein scheint, von vornherein als ein Uebel stigmatisiert, das es durchaus nicht zu sein braucht. Die entscheidende Frage ist natürlich: Wer wird das Kabinett bilden, mer wird ihm angehören und was wird es tun! Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der deutschen Politik, daß zwar die Bildung einer Regierung eine ungeheuer schwierige Sache, das Bestehen einer Regierung vor dem Parlament aber dafür desto leichter ist. Ein überparteiliches Kabinett ist also keineswegs in Gefahr, sofort gestürzt zu werden, wenn es seiner Aufgabe einigermaßen geRegierung eine wirkliche Führerrolle zufallen kann, wenn sie wachsen ist. Man kann sich sogar vorstellen, daß einer solchen nur danach ist und wenn sie sagt, was sie will. Das britische Weltreich schließt sich aus. gierung fäßt feinen Zweifel darüber, daß die Widerstände aus den Condon, 2. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die britische ReDominions gegen die Ratifikation des Genfer Friedensproto folls nicht beseitigt werden können. Die Oeffentlichkeit wird auf das Scheitern des Genfer Planes durch Hinweise vorbereitet, die davon sprechen, daß sich die englische Regierung ernsthaft mit anderen Plänen zur Sicherung Frankreichs und Englands beschäftigt. Im Mittelpunkt der Prüfung steht der Plan eines De fensivbündnisses zwischen Frankreich, Belgien und GroßBeistand im Falle eines Angriffes auf holländisches Geschlechthin verstehen wir eines, das ein fachliches Programm britannien, durch welchen sich jeder Teilnehmer zum militärischen biet(?) zum Schutz Hollands verpflichtete. Die britische Regie rung läßt mitteilen, daß jedoch auch über diesen Plan nicht de finitiv entschieden werden fönne, bevor die Dominions befragt find, weil nach der Konstitution des britischen Reiches der Eintritt Großbritanniens in einen Krieg automatisch auch die Dominions betrifft. Paul Boncour im Völkerbundsrat. Genf, 2. Januar.( WTB.) Die französische Regierung hat dem Völkerbund die Ernennung des Abg. Paul Boncour( S03.) zum Stellvertreter des französischen Ratsmitgliedes im Ratskomitee mitgeteilt. gen des offiziösen WTB.- Berichts von gestern abend und der Es muß aber auffallen, daß zwischen den FormulierunBeit" von gestern früh ein Unterschied besteht. Die Zeit" prach von einem überparteilichen bürgerlichen Kabinett", der WTB.- Bericht spricht von einem überparteilichen" schlechthin. Unter einem ,, überparteilichen Kabinett" vertritt, ohne von vornherein gegen bestimmte Parteien eine Kampfstellung einzunehmen. Dagegen ist in der Formulierung der Zeit" der bürgerliche, will sagen allbürgerliche oder Bürger blod Charakter des von ihr geplanten Kabinetts deutlich betont. Ein Kabinett, das mit dem Ausspruch auftreten wollte, ein betont bürgerliches zu sein, würde damit seinen Kampfcharakter gegenüber der Sozial= demokratie von vornherein deklarieren. Das hat bisher teine der„ bürgerlichen" Regierungen, das heißt der Regierungen ohne Sozialdemokraten, getan: nicht die Regierung die Regierung Cuno. Fehrenbach, nicht die Regierung Marg, ja nicht einmal Wir können den Standpunkt der deutschen Handelsdelegation nur würdigen und verteidigen. Die Regelung des bisherigen Zustandes ist durch aus einseitig, da sie die deutsche Einfuhr auf Grund der für Deutschland höheren Tarife im größten Ausmaß droffelt, während Frankreich den Borzug elsa ß- lothringischer welchem die 10 Mitgliedstaaten des Böllerbundsrats entweder durch Der Völkerbundsrat hatte am 30. Oktober ein Ratskomitee, in Kontingente genießt. Wir erwarten auch von der französischen die Ratsmitglieder oder durch besondere Delegiecte vertreten sind, einAuf die sachliche Politik der neuen Regierung wird es Arbeiterschaft, daß sie der deutschen Auffassung Gerechtigkeit wider- gesetzt. Es soll an Stelle des Rates außerhalb der regelmäßigen ankommen. Und da werden in der Frage der Kölner fahren läßt und fie anerkennt. Die französische Drohung mit dem Ratstagungen zusammentreten, vor allem zu Borbereitungsarbeiten 3 one sofort Entscheidungen von weitreichender Bedeutung Zollfrieg bedeutet in ihrer Verwirklichung für beide Wirtschaften der Abrüstungskonferenz und zur Durchführung des zu treffen sein. Der Reichskanzler Marr hat in seiner Neufeinen Borteil und wird nur zu einer Schädigung der Arbeiterschaft Genfer Protokolls Infolge Bertagung dieser Vorbereitungs- fahrsansprache an den Reichspräsidenten ebenso wie Herr führen. arbeiten ist das Ratskomitee bisher noch nicht zusammengetreten, Wir werden ähnliche Komplitationen, wie sie in den Pariser doch ist für den 16. Februar eine Tagung des sogenannten Berbin: Stresemann in seinen Ausführungen vor den Vertretern der auswärtigen Bresse der Hoffnung Ausdrud gegeben, daß Berhandlungen jetzt eingetreten zu sein scheinen, auch noch in Bu- dungsausschusses des Bölkerbundes einberufen worden, dem ein Ausweg gefunden werden würde, und hinzugefügt:„ Das neben den Bertretern der technischen Bälterbundsorganisationen auch funft erleben. Go foll es z. B. schlecht um die belgisch bas Ratskomitee angehört. Diese Tagung gilt jedoch nur Fragen, kann nur auf dem Wege der gegenseitigen Verhandlung und deutschen Handelsvertragsverhandlungen stehen, die fich auf die private Herstellung von Waffen, Munition und Berständigung geschehen." Die deutschnationale Bresse findet ba die belgischen Wirtschaftskreise ihre Regierung bearbeiten, die anderem Kriegsgerät beziehen. An dieser Tagung wird also diesen Weg der Verständigung verfehlt und schlägt vor, wegen Einfuhr gemisfer deutscher Waren dauerndau differenzieren. Das| Boncour teilnehmen. jdes Streits um die Kölner Zone die Sandelsvertragss verhandlungen mit Frankreich abzubrechen und den Vertrag mit England nicht zu ratifizieren. Zugleich erlassen die den Deutschnationalen eng verbundenen vaterländischen Verbände" einen Aufruf zum gesellschaftlichen Bontott der Angehörigen aller Staaten, die dem Aufschub der Räumung zugestimmt haben, und bedrohen ihre Mitglieder mit Ausschluß, wenn sie diese Aufforderung nicht befolgen. Wir fönnen uns nicht denken, daß eine ihrer Berant wortung bewußte überparteiliche" Regierung auch nur einen Tag lang Politit machen könnte, ohne zu diesen Elementen in schärften Gegensaß zu geraten. Denn das sind diefelben Kindstöpfe, denen auch schon in den Zeiten der militärischen Macht Deutschlands feine kaiserliche Regierung scharf und schneidig genug war, die damals schon durch ihr tolles Treiben jeder Regierung Schwierigkeiten bereiteten, die an der Isolierung Deutschlands arbeiteten, und die uns, wenn fie nur die Macht dazu gehabt hätten, schon viel früher in den Weltkrieg hineingetrieben hätten. Umgekehrt ist selbstverständlich, daß jede Regierung, die diesen politisch unreifen Kreisen Einfluß auf ihr Handeln gewährt, von der Sozialdemokratie in der allerSchärfften Weise bekämpft werden wird um Deutschlands willen und um der befezten Gebiete willen. Daß die Befreiung der bejezten Gebiete, zunächst die Räumung der Kölner Zone gleichzeitig mit der des Ruhrgebiets, nur auf dem Weg der Berhandlung und der Verständigung erreicht werden kann, wie Herr Marr gesagt hat, ist eine Binfenwahrheit. Wer sich der Notwendigkeit des Verhandelns und der Verständigung verschließt, mag sich selber für einen großen Patrioten halten, tatsächlich aber liefert er die besetzten Gebiete denen drüben aus, die von Verständigung nichts wiffen wollen, weil sie die besetzten Gebiete dauernd behalten möchten. Eine Politit, wie die Deutschnationalen sie vorschlagen, würde eine Bolitik gegen die Bevölkerung des besetzten Gebiets fein. Sie würde das in doppeltem Sinn sein, weil sie auch eine Politik gegen die Arbeiter wäre, die den Großteil der Bevölkerung des besetzten Gebiets ausmachen. Ein wirklich überparteiliches" Kabinett würde sich der Tatfache bewußt bleiben müssen, daß das deutsche Volt nicht aus Großtapitalisten und Großagrariern, sondern in seiner Masse aus Arbeitern, Angestellten und Beamten besteht. Danach hätte es vor allem auch seine Wirtschaftsund Finanzpolitif einzurichten. persönlichen Gründen auf ihrem Rücktritt bestehen. Außerdem fäme die Besetzung der noch offenen Stellen des Reichsver teh rs ministers und des Reichsjustizministers in Betracht. Von den Deutschnationalen verlautet, daß sie ihre Stellung zur Regierungsfrage im Reich von der Entwicklung im preu ischen Landtag abhängig machen wollen, der bekanntlich gleichfalls am 5. Januar zum erstenmal zusammentritt. Es scheint, daß sie die Ausräumung der außenpolitischen Schwierig feiten gern andern überlassen wollen, wenn man ihnen nur erlaubt, sich auf die preußische Beute zu stürzen. Die Entscheidung in Breußen ist aber noch gar nicht abzusehen. Einſtweilen gilt es als sicher, daß das Zentrum zur Wiederaufrichtung des konservativen Regiments in Breußen feinesfalls die Hand zu bieten gesonnen ist. Dem Auftrag des Reichspräsidenten entsprechend wird Reich stanzler Marg heute vormittag 11 Uhr die Bertreter der bisherigen Regierungsparteien, um 11,30 Uhr die demokraten empfangen. der Deutschnationalen, um 4 Uhr nachmittags die der SozialFür die Fortführung dieser Kredite ist der heutige Präsident verantwortlich, und es scheint uns geboten, daß bis zur Erledigung jener Untersuchung der Verantwortlichkeit für die Vorfälle das Gesamtdirektorium der Staatsbank be= urlaubt wird, Wir verkennen nicht, daß dies zu Schwierigfeiten führen fann, wir stehen aber auf dem Standpunkt, daß ein Ausweg gefunden werden muß, und daß vor allen Dingen - und dies ist eine Forderung, die wir mit aller Deutlichkeit stellen- bis zur vollen Klärung zur Ueberwachung der Tätigfeit der aus geschäftlichen Gründen nicht beurlaubten Herren vom preußischen Staatsministerium ein Staatsfommissar gestellt wird. Dieser Staatskommissar soll mit umfassenden Machtbefugnissen ausgestattet sein, er soll die Ges schäfte überwachen, er soll nach Rücksprache mit dem Finanzminister oder dem Staatsministerium Richtlinien feststellen. Wir möchten anregen, daß dieser Mann dem Preußischen Staatsministerium zur Ernennung vom Reichsbankpräsidenten zusammen mit dem Reichsgerichtspräsidenten vorgeschlagen wird. Er soll vereidigt werden für seine Verpflichtung und soll vor allen Dingen die Energie und das Verantwortble lichkeitsgefühl gegenüber der Republik befizen, rücksichtslos blo8lichkeitsgefühl Der Staatsbank- Skandal. Die Verantwortung der Staatsbank- Leitung. Es ist an der Zeit, die preußische Regierung dar. auf aufmerksam zu machen, daß in der Staatsbant nach dem Rechten gesehen werden muß. Für die Geschäftsführung der Staatsbank ist das Gesamtdirektorium verant wortlich, und an der Spitze dieses Gesamtdirektoriums steht ein Präsident mit der Vollmacht, gegen Beschlüsse des Direktoriums, gegen die er Bedenken hat, Einspruch zu erheben und die Durch ührung zu verhindern. Bis jetzt haben wir nur gehört, daß die Staatsanwaltschaft gegen zwei scheinbar friminell be lastete Herren, die dem preußischen Staatsbankdirektorium angehörten, mit Festnahme vorgegangen ist, wir haben aber nichts davon gehört, daß sich der preußische Finanzminister veranlaßt gesehen hätte, die nach Gefeh, und Geschäftshandhabung voll verantwortlichen Mitglieder des Staatsbankdirektoriums auch nur in den Bereich eines Disziplinarverfahrens zu ziehen. Sämtliche Mitglieder des Staatsbankdirektoriums mit dem Präsidenten an der Spike sind für die Vorgänge in der Staatsbont verantwortlich. Es unterliegt feinem Zweifel, daß. wenn Präsident oder Mitglieder des Direktoriums die Kredite, an welchen die. Staatsbant jetzt Berluste erleidet die noch unwidersprochenen Pressemeldungen über ihr Kapital einschließlich Reserven hinausgehen sollen nicht gekannt haben. fie fahrlässig und gegen die Interessen des Staates gehandelt haben. Hoben sie sie aber gekannt, und haben sie an Beschlüssen, die zu diesen Krediten geführt haben, mitgewirkt, wortlich und demgemäß zumindest mit in den Bereich der anwelt, sondern der preußische Finanzminister jenigen Untersuchung zu ziehen, die nicht der Herr Obersteats als Aufsichtsbehörde zu führen hat. Statt deffen sind zweifelhaft verantwortlichen Direktoriums beteiligt. an ollen ieht stattfindenden Untersuchungen Mitglieder des un " durchzugreifen, auch da, wo es hochstehende Beamte des alten Systems treffen kann. Aus diesem Grunde darf er nicht Beamter sein, der Rücksicht zu nehmen hat auf tommende oder bestehende Strömungen, sondern er muß unabhängig sein. Wir fordern die Durchführung der oben genannten Vorschläge deswegen mit aller Deutlichkeit, weil sie uns den Kern der Sache zu treffen scheinen, nämlich die Verantwortlichkeit, die in der Preußischen Staatsbank gegolten hat und die uns in allererster Linie vom Standpunkt des öffentlichen Geldwesens und des Staates aus interessiert. Gerade wir haben ein Interesse daran, Mängel im öffentlichen Bankwesen aufzudecken und zu befeitigen, und wir haben bei dem Fall Bergmann- Ostpreußische Landesbank die Erfahrung gemacht, daß eine solche Beseitigung nur durch das Eingreifen Unbeteiligter., Unintereffierter geschehen kann, nicht dadurch, daß man die Beteiligten ruhig weiterwirtschaften läßt. Bei dieser Untersuchung wird bann auch festzustellen sein, ob nicht außer der verschärften Kontrolle, die der Herr Finanzminister verlangt, auch etwas verschärfter Berstand in das Direktorium der Staatsbank zur Sicherheit des Staates aufgenommen werden muß. Eine deutschnationale Unterstellung. Die Kreuzzeitung" behauptet, der Borwärts" Staatsanwaltschaft vor, weil sie die Brüder Barmat gehe mit Angriffen und Drohungen gegen die habe festnehmen lassen und eine Untersuchung gegen sie ein geleitet habe. Das ist eine Erfindung. Die Staatsanwaltschaft hat die Festnahme so nach Art eines Sensationsfilms in Weiter ist selbstverständlich, daß eine über den Parteien" stehende Regierung nicht über der Verfassung steht. Nach der Berfaffung ist Deutschland eine Republit, und von jeder überparteilichen Regierung ist zu verlangen, daß sie die Ber faffung schü gt. Eine Regierung, die das nicht, oder nicht mit dem genügenden Nachdrud tut, würden wir nicht mehr wenn auch nur formal mitgemirft, so sind sie voll mitverant. 18eniert, sie hat die Deffentlichkeit so im unflaren gelassen und als überparteilich", sondern als parteiisch im Sinne der Gegner der Republik betrachten müssen. Kurz und gut: Bei einer überparteilichen Regierung tommt es darauf an, wer sie bildet und was sie will. Die Soaialdemokratie, der die Macht fehlt, eine Regierung unter ihrem entscheidenden Einfluß zu stellen, hat der Bildung einer neuen Regierung, feine Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Im Gegensatz zu anderen Parteien, die nichts oder nichts Mögliches wollen, hat sie sich mit einer ganzen Musterkarte von Lösungsversuchen einverstanden erklärt. Sie erhebt auch gegen die Bildung einer überrar eilichen Regierung nicht Schon von vornherein Einspruch. Aber niemand wird es ihr libelnehmen fönnen, wenn sie sich die überparleiliche Regie rung auf ihr Programm und ihre Zusammensetzung fehr genau ansehen wird. Das überparteiliche Kabinett, von dem im WTB.- Bericht die Rede ist, ist zunächst als ein Rabinett Marg gedacht, dem nach Möglichkeit die bisherigen Rabinettsmitglieder weiter angehören follen. Doch heißt es, daß der Reichsinnenminister Jarres und der Reichswirtschaftsminister Hamm aus Der Sohn. Bon 2. Dörre. lichen Untersuchung eine folde Unterfuchung auch gegenüber Es erscheint notwendig, daß neben der staatsanwaltschaft allen verantwortlichen Mitgliedern des Direttoriums ftatt findet, und mir möten foger behaupten, daß eine folche Untertudung im Intereffe eller mitalieder einschließlich des Herrn räfidenten fienf. Für die Stredite, welche in der Hauptfache heenftendet find, und melche bis fekt ummiderfprocen zu Berluften führen müssen, ist der frühere Bräsident v. Dombois verantwortlich. Mir wiffen nicht, ob die Beamten der Staatsbanf anderen Gefeßen ols die sonstigen preußischen Beamten unterliegen. Jit das nicht der Fall, dann hätte eigentlich Herr v. Dombois gegen fich ein Disziplinarverfahren beantragen müssen, und wenn er das nicht tuf, dann muß es vom Finanzminister oder vom preußischen Staatsministerium angeordnet werden. ,, Nicht die andere Seite, das Lezte, aber nicht das Schwerste." Ich dachte an die anderen, die vielen, die nie vergessen, die sich mit dem„ Warum" quälen, das immer vor ihnen steht, nie weicht und alles zerreißt, | selbst zurücknehmen mußte, daß die ungeschickte und befremdanfangs mit unbegründeten Behauptungen operiert, die sie ausforderte. Die offenbare Bevorzugung von Sensationsliche Art ihres Vorgehens die öffentliche Kritik geradezu herforrespondenzen zumindestens durch ihre Erekutivorgane zwang zur Kritif. Der Art des Vorgehens der Staatsanwaltschaft galt flärung des ganzen an die Geschäfte der Seehandlung sich unsere Kritit aber nicht der Tatsache, daß sie an der Aufanknüpfenden Kompleges arbeitet. Diese Untersuchung ist im Interesse der öffentlichen Moral notwendig, wir haben fie von Anfang an mit der größten Bestimmt. heit gefordert ohne Ansehen der Person. Wir fordern ausdrüdlich, daß gegen alle in die Staatsbant- Standale Berwidelten mit der Untersuchung vorgegangen wird, damit die Atmosphäre endlich gereinigt wird Kreuzzeitung" uns unterstellt, als versuchten wir aus der Es ist eine schwache deutschnationale Erfindung, wenn die Affäre Staatsbant- Barmat eine sozialdemokratische Parteiangelegenheit zu machen und als fuchten wir einer Aufklärung entgegenzuarbeiten. Wenn die Untersuchung eine Schuld der Barmats und der Staatsbankleitung ergeben sollte, so wird Bleiben Sie ruhig stehen, oder feßen Sie sich, fie sieht Sie doch willenlos von einer Bärterin in das aus zurüdführen ließ. Auswüchse des Kapitalismus. Jezt ist der Roman in Rußland nicht, die Schritte des Arztes verhallten. Auf dem Weg, der zwischen Bäumen und Sträuchern gong ge rabe zu dem falien, grauen Hause führte und erst furz davor sich frümmte, als fürchte er fein Biel, faß eine Frau, in sich versunken. Ihre Augen hatten die Leere, als finne sie über Unbegreifliches, Unergründliches. Ihre Lippen umzitterte Hilflosigkeit. War diese hilf loje Bewegung Weinen um einen fernen Schmerz oder wollte die Freude Blah bereiten für ein glückliches Lachen? Sie blieb in ihrer Erstarrung und sah nicht auf, wenn die Schritte anderer Menschen nähertamen und wieder verhallten. Drüben, hinter den Sträuchern, es fonnte nicht weit sein, er flang zerriffen ein Lied, sinnlose, abgerissene Baute, Worte, die nicht zueinander paßten. Und doch war es ein Lied. Sie löfte sich aus ihrem Sinnen, medte fie der Klang? Und die leezen Augen dahin gerichtet, woher die Töne tamen, zu den grünen Sträuchern, deren Blätterwerf man nicht durchdringen konnte, nahm fie aus ihrem Zuch ein fleines Bündel. Das Lied drüben verstummte, und wie ein spätes Echo sang sie selbst ein neues, anderes, und das Bündel, das sie in ihren zitternden Händen hielt, tanzte tie wirre Melodie. Jäh brach sie ab und legte es an ihre Brust. Rlang es nicht wie das Weinen eines Kindes? Weich legte sie es dann neben sich, um es dann hart wieder zu ergreifen und gehegt den Weg entlang zu laufen. Jezt hockte sie neben einem fleinen Hügel und bestreute ihn mit Blumen, die wie von Kinderhänden grausam zerrissen waren. Sie fah wieder starr vor sich hin wie zuerst. Plötzlich erhob sie sich und umtanzte mit totem Lachen den kleinen Hügel, umtanzte ihn, streute wieder Blumen darauf, tanzte mit erstorbenem Bochen wieder, immer bieder, bis sie trafilos in fich zusammenfant. Ihre Bewegungen waren stumpf und hatten das Mechanische der Sinnlosigkeit, als fie mit den Händen die Erde von dem Hügel attrug und suchte, bis The ein Bündel fand. Es war eine Puppe, mit bunten Lappen umwidelt. Sie füßte dos Gesicht von der Erde rein und versant in das Denken, das niemand versteht. Das macht sie nicht jeden Tag, manchmal fist fie tagelang im Blufel und verweigert die Nahrung. Sie haben wohl verstanden," fragend fah der Arzt mich on. Ich schwieg. Sie ist jetzt fünf Jahre hier bei uns. Es ging nicht mehr, da Draußen," er zeigte nach der Mauer, die den Garten umgab. Bis zum letzten hoffte fie, der Sohn war vermißt, während des Krieges, bis zum letzten wartete fie, dann verfant fie ganz," er murmelte Namen. ,, Sehen Sie, das ist die andere Seite der Mutterliebe, des Altruismus, worüber wit sprachen." " Es dauert nicht mehr lange," er fah der Frou nach, die sich Nicht mehr lange, nicht lange, meinte er sie, meinte er alle? Warum verläßt mich das Wort nicht?* Rohle und den Kohlenmagnaten, zu Felde. Er hat auch bei uns angesprochen, und in Amerita selbst hat er dank der schonungslosen Aufdeckung der vielen und großen Sünden des Kapitals so gezündet, daß er seinerzeit das meistgelesenste Buch war. Man muß im übrigen zugestehen, daß er den Krieg meisterhaft schildert, und ebenso die dramatisiert worden durch den auch sonst in der kommunistischen Literatur hervorragenden W. Scherschenewitsch. Rönig Kohle" wird noch in diesem Monat im Mostauer Theater Moso" zur Aufführung gelangen. Sonderbar ist, daß man mit seiner Aufführung nicht bis zur Eröffnung des am 15. Januar ins Leben tretenden ersten Arbeitertheaters Broletfult" gewartet hat. " fann fich die Chikagoer Firma Sears, Roebud u. Co. rühmen. Ihr Ein Riefenkatalog. Den größten Warentatalog zu besigen, verzeichnis von 16 Seiten. Diese Firma ist eine der für Amerika jo Ratalog zählt nicht weniger als 1076 Seiten mit einem InhaltsAmerita ganz anders als bei uns. Der Katalog enthält daher ge charakteristischen Versandfirmen. Das Bersandgeschäft blüht ja in naue Beschreibungen und Abbildungen eines jeden Gegenstandes. Aeußerst gefchickt ist die Reihenfolge, in der die Artikel angeboten werden. Da gibt es teine systematische Folge, sondern ein buntes Allerlei, wobei das Billige meist zwischen teurere Gegenstände eingeschoben ist, um gewissermaßen zum Mitnehmen" anzuregen. Kleine humoristische Bemertungen, Wize und dergleichen sollen da. für sorgen, daß die Durchficht nicht ermüdet. Der Katalog wird in einer Auflage von 8 Millionen Stück versandt. Bon Karthago nach Marokko", unter diesem Titel faßt Herr von der Mühlen sehr lehrreiche Reiseeindrüde in einem Borsowie intereſſante Filmaufnahmen illustrieren diese Reise, die durch trag der Urania zusammen. Einfarbige und folorierte Lichtbilder, straßen, und der sechsrädrige Kraftwagen eilt von Ort zu Ort. Er Tunis, Algier und Maroffo führt. Man hat dort gute Automobi noch im Bau befindlichen) Eisenbahn. Dem Araber ist er zudem überwindet Sanddünen, er ist die stärkste Konkurrenz der( zuweilen sehr sympathisch, namentlich, wenn er recht schnell fährt. Die Reife führte wiederholt an Ruinenstädten aus römischer Zeit vorbei. Man wähnt italienische Bilder vor sich zu haben. In jeder Siedlung bauten die alten Römer ein Theater, und das Kolosseum wirft genau so imposant wie das in Rom, zumal es besser erhalten ist. Die Ameri. Paner laffen es sich angelegen sein, auf dem Boden Karthagos nach antifen Kunstschäßen zu graben. Manches Museum einer afritanischen Stadt besitzt schon jetzt antike Kunstwerke von größtem Wert. testen Hotels und allem Komfort für die Europäer. Wie in allen Tunis ist eine höchst moderne Stadt mit Straßenbahn, den elegan. ftreng von dem europäischen geschieden. In den Eingeborenen afrikanischen Großstädten ist auch in Tunis das Eingeborenenviertel vierteln findet man die filometerlangen Bafare, in denen der Araber fünfmal mehr für seine Ware fordert, als er zu erhalten hofft. Der aufmerksame Zuschauer bemerkt den angestrengten Kampf gegen das Sonnenlicht. In den reichen arabischen Häusern sprudeln Fontänen, die Eingeborenen versehen ihre Straßen mit Bambusdächern, man baut die Gassen eng, als Schutzmaßnahme gegen das operationen vor. Die Zahl der Erblindungen infolge der Schädi einbringende Licht, und die Aerzte nehmen auf der Straße Augengungen durch das Sonnenlicht ist eine sehr große. Die Araber unterhalten eine bedeutende Schafzucht. Der bekanntesten Rasse legten fie den Namen einer marokkanischen Sultansdynastie bei. Ergiebig ber beutschen Universität" im Hörsaal 3 der Universität, Doroist die Fischerei, die Landwirtschaft hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die plötzlich eintretenden Regengüsse den kleinsten Bach zum reißenden Strom werden lassen. Kinderarbeit ist üblich; ſechsjährige Mädchen seht man bereits an die Webstühle. Die Geräte sind größtenteils sehr primitiv, selbst die Art und Weise der Jahren. Darin ist der Orient stabil, die Bedürfnislosigkeit seiner Feilbietung der Waren ist die gleiche wie vor vielen, vielen hundert schritt genannt werden fönnte.. Bevölkerung bedingt den Stillstand, der natürlich ebenso gut Rüde. b. Sinclairs„ König Kohle" als Drama in Sowjetrußland. Daß Upton finden würde, war vorauszusehen. zieht er doch in schärfster Weise Sinclairs Roman König Kohle" im Sowjetlande starken Widerhall gegen den Krieg und gegen den Kapitalismus, repräsentiert in der Rundfunk und Heringsfischerei. Die Heringe treten bekanntlich Wege benachrichtigt, was den großen Nachteil hatte, daß sie zu den in großen, plöglich erscheinenden Schwärmen auf. Bisher wurden die Fischer von dem Auftreten der Schwärme auf telegraphischem in Betracht kommenden Zeiten oft tagelang beschäftigungslos zu nun hat man in Norwegen einen Rundfunkdienst eingerichtet, der Hause sizen mußten, nur um für das Telegramm erreichbar zu sein. es ermöglicht, daß die Fischer auch auf hoher See die Meldung empfangen fönnen. Das lange beschäftigungslose Warten fällt also fort. Vorträge. Auf Einladung des Vereins der Jnder hält Prof. Eduard Spranger Sonnabend abend 8 Uhr eine Vorlesung über das Wesen theenstr. 6. Deuffches Händel- Feft in Leipzig. Das für Ende September 1924 geplante breitägige Händel Fest ist nunmehr endgültig auf die Zeit vom 6. bis 8. Juni 1925 feftgefeßt worden. Die Brogramme werden alle Ge biete des Handelschen Schaffens umfassen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Leipzig, Nürnberger Str. 36( bei Breitkopf& Härtel). Nachweiser für das deutsche Bolfsbildungswesen". Das Archiv für Bolls. bildung im Reichsministerium des Innern bat als vierten Archivbericht den ersten Teil eines Nachweisers für das deutsche Volksbildungswefen" fertig, gestellt, der die mit Boltsbildungsaufgaben befaßten Regierungsstellen des meifer ift gegen Einsendung von 1 M. vom Archiv zu beziehen. Als zweiter Neiches und der Länder in übersichtlicher Anordnung enthält. Der Nach Teil erscheint demnächst ein Verzeichnis der zentralen und landschaftlichen freien Bollsbildungsorganisationen mit ihren Bezirksabteilungen und Zweig. stellen. Meser Tatbestand � nicht eine Partes, Sondern alle Parteien treffen. Es i t unser Interesse wie das Interesse aller Parteien, möglichst rasch und. möglichst gründliche Klärung zu fordern, und, wenn sie eine Schuld ergeben sollte, die Lehren zu ziehen. Haftentlassungen im �falle Barmat. Am gestrigen Freitag nachmittag ist der stellvertretende Direktor der Meiturbank, Thieme,■ nach erfolgter Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft wieder aus der Haft entlassen worden. Wie wir hören, besteht die Aussicht, dast auch zwei weitere Mitglieder des Direktoriums der genannten Bank, und zwar die Herren Schefser und Gehricke, sobald ihre Vernehmung erfolgt sein wird, ebenfalls auf freien. Fuß gesetzt werden. Diese Maßnahme war der Merkur- dank, deren Betrieb durch die Verhaftung aller leitenden Persönlich- leiten lahmgelegt zu werden droht, bereits im Laufe des gestrigen Tages seitens der Staatsanwaltschaft für den Fall in Aussicht gestellt worden, daß die Vernehmungen der betreffenden Herren ihre Frei- lassung rechtfertigen würden. Erklärung der Verteidiger Barmats. Zu der Verhaftung der Gebrüder Barmat wird der B5-Aorr«- spondenz von der Verteidigung der Gebrüder Barmat, Rechtsanwalt Bahn und Rechtsanwalt Dr. Manfred Schwersenz, folgen. des mitgeteilt: „Bisher befindet sich das Vorverfahren noch im Urstadium. Ein großer Teil der Beschuldigten ist überhaupt noch nicht ver- nommen worden. Die Vernehmungen werden heute bei dem A mtsgericht Mitte durch den Amtsgerichtsrot v. Noel in Angriff genommen werden. Die Verhaftung der Gebrüder Barmat hat in sehr weiten Kreisen großes.Befremden erregt. Es find dadurch weile wirtschaftlich« Kreise und Unternehmungen gefährdet. Di« Leschuldi. gunz der. Staatsanwaltschaft geht aus Kreditbetrug. Es ist in erster Linie dazu zu bemerken daß die seitens der Staatsbant an die Gr- brüder Barmat gegebenen Kredite zurzeit überhaupt noch nicht fällig sind. Es hat sogar die Staatsbant der Merkur-Bant«inen Kredit von ein«r Million unter der Voraussetzung verlängert, daß 100 000 Mi, die auch zur Verfügung standen, gezahlt werden. Seitens der Ver- widigung wird heut« ein eingehend motivierter Haftentlassungs- antrag eingereicht und besonders darauf hingewiesen werden, daß eine große Anzahl von Unternehmungen geschädigt und zirka 13 000 Arbiter brotlos werden, wenn die beschuldigten Barmats nicht in Freiheit gefetzt werden, um ihr« geschäftliche Tätigkeit wieder aufzunehmen." Die Nachprüfung der Barmat-Kredite. . Wolfs?Bur«au teilt mit: Die Nachricht eines Berliner Morgen- blaltes vom Frettag, daß am 1Z. Dezember ein einst irnrniger 55 rf cht aß der Leitung der Staatsbank gefaßt worden sei, die durch dreifache Effektendeckung gesicherten Kredite des Bar- in at- Konzerns nachträglich noch einmal gut za heißen, und die Kredite weiter laufen zu lassen, ist, wie der amtliche Preußische Pressedienst von der preußischen Staats» bn n k hört,, unrichtig. Es wurde über die Mitte Dezember fällig gewordenen Verpflichtungen des Barmat-Konzerns ver- handelt und verlangt, daß bei einer Prolongation noch weiter erhebliche Sicherheiten gestellt werden sollten. Die Verhandlungen haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Was Katz egal ist! Koimuunlstifche Vorbereitungen zur Reichstagseröffnung. Anzesichts des Versuches.der KPD. Zentral«, bei der Eröffnung l-ö» neuen Reichstags' däe Schauspiel jjU wtederhÄeN, mit dem sein Vorgänger eröffnet wurde, ist es nützlich; an«inen Vorgang von damals zu erinnern und«in Gespräch wörtlich wiederzugeben, das damals zwischen dem Alterspräsidenten Bock und dem Sprecher der Kommunisten, Kotz, geführt wurde. Gen. Bock sagte zu Katz:„Meine Aufgabe ist lediglich, das Präsidium wählen zu lafsen. Wenn das geschehen ist. könnt ihr euren Amnestieantrag stellen. Zuvor ist es nicht zulässig. Durch euer turbulentes und geschäftsordnungswidriges Treiben bringt ihr blaß die bürgerlichen Parteien gegen den Amnestie an trag auf- und die armen Berurteilten kommen überhäupt nicht heraus." Daraus Kotz:..Da« ist uns egal, wir oerlangen soforl das Work." Wenn die Kommstnisten den Spektakel von damals noch einmal airniidrcn wollen, dann beweisen sie nur noch einmal, daß ihnen das Schicksal der armen Berurteilten egal ist. Die Kdmmunifien wollen übrigens bei der Präsidentenwahl gegen L ö b« stimmen und ihn sofort nach seiner Wähl zu Mahnahmen gegen sie zwingen, damit sie sagen können, daß dieser„SPD.-Ver- räter" auch nicht besser sei als Wallras. Sie haben noch immer nicht begriffen, daß sie bei ihren„Entlarvunos". Manövern niemanden „entlarven" als sich selbst.- Das aber gründlich!. Iwan Katz im Wiener Landesgericht. Wien, 2. Januar.(WTB.) Der gestern wegen Führung eines falschen Passes und falscher Meldung hier verhaftete kommunistische Reichstegsabgeordnete K a g ist heute von der Polizei der Staats- anwaltschaft übergeben worden. Kommunististbe Silvesterprügelei. Ausgeschlossene gegen Bonzentrene. Saarbrücken, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Kommu- Nistische Partei des Säargcbiets ist als Folge der Ausschlüsse, die die Zentrale von oben verfügt hat, in zwei Teile auseinandergefallen. Die Zahl der Ausgeschlossenen ist inzwischen größer ge- wm den als die der Getreuen der Zentrale. Wie es da zugeht, zeigt« eine Versammlung, die am vergangenen Mittwoch in Slnwesenhsit eines Vertreters der Ludwigshafener Bezirksleitung in L u d w e i- l e r, der kommunistischen Hochburg des Eaargebiets,� stattfand. Diese Parteiveranstaltung artete zu einer wüsten Silvesterfeier aus, indem«s zwischen der Opposition, die sich um die Ausgeschlossenen gruppiert, und der Bezirksleitung mit ihren Anhängern zu einer großen Schlägerei kam. Der Vertreter der Bezirksleitung und die Führer her KP: Saargebiet sind dabei so verprügelt worden, daß sie im Krankenhaus aufgenommen werden mußten. Auch Namlverschüsse wurden in der Versammlung abgegeben, durch die einige Frauen, zuin Glück ungefährlich, verletzt wurden. »Keine Experimente". Artikel 18 der Reichsversaffung. fttzln, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Unter der Ueberschrift „Keine Experimente" wendet sich die„Kölnisch« Volkszeitung"«n Freitag abend gegen die von der Deutschen Volkspartei alsbald noch dem ZLahltag angekündigten Anträge, di« sich mit der Reichsflagge und d e m A r t i t e l 1 8 der Reichsverfassung beschästigen. Die„Kol- nische Volkszeitung" erinnert daran, daß der Artikel 18 ein Kom- promiß war, der die endgültig« Lösung der durch di« Kotastroph« des Bismarckschen Baues aufgeworfen« Frag« nach dem inneren Ausbau des Reiches aus den Schwierigkeiten der notoollen Gegenwart aus- schaltet und einer späteren Klärung und Entwicklung übertragen wollte. Das Blatt bestreitet, daß es gegenwärtig überhaupt möglich j wäre, die durch Artikel 18 offengehaltene Möglichkeit, Wünsche und Forderungen großer Teile unseres Volkes auf einem oerfassungs- mäßig geordneten Weg« zur Klärung und Befriedigung zu bringen, ohne dadurch die Gesamtheit der Problem« auss neue, und zwar in schärfster und gefahrvollster Form, aus- zurollen.. Dieser Artikel 18— so schreibt das Blatt wörtlich— mag keine ideale Lösung darstellen, aber er bedeutet uns vor allem die verfassungsmäßize Anerkennung, daß mit der k l« i n d e u t s ch e n Lösung von 1866 nicht aller Dinge und aller politischer Weisheit letzter Schluß gegeben ist, daß vielmehr die neue Lage unseres Volkes und der berechtigte Drang nach wirklicher Einheit auch mit denen, die heute gegnerischer Machtanspruch draußen stehen läßt, die groß- deutsche Frag« aufs neu«.aufgeworfen hat und einmal zur Lösung führen muß. Hände weg von Artikel 13, Hände weg von Jrisäpseln v e r f a s s u n g s p o l i t i s ch e r Probleme, die noch lange, nicht reis sind..., General Morgans Anklagen. Ein Zirkulär der Deutschen Liga für Menschenrechte. Die Liga für Menschenrechte schreibt dem Rachrichterrbureau des Vereins deutscher Zeitungsverleger: >. Di«„Deutsche Liga njr Menschenrechte" hat, unterzeichnet durch die Herren v. Gerlach und Dr. Robert Äuczinsti, ein Zir- kular an die Reichstagsmilglieder des Zentrums, der Demokraten und Sozialdemokraten gesandt, worin sie auf ein« längere Studie des Generals Morgan aufmerksam macht. Es handelt sich hierbei nicht um den Aufsatz des Generals, der jüngst in der deutschen Presse auszugsweise mitgeteilt war. Dieser Aufsatz war aus„Saturday Review", das Zirkular der Liga bezieht sich auf„Ouarterly Review" und lautet:• „Wir halten es für unsere Pflicht, Sie auf einen Artikel des konservativen englischen Generals Morgan, eines langjährigen Mit- gliedes der Interalliierten Militärkommission, aufmerksam zu machen, welcher im Hest Nr. 48 der„Ouarterly Review" erschien. Aus seiner langjährigen Tätigkeit und der genauesten Kenntnis der ganzen Ma- terie leitet General Morgan den Schluß her, daß bei dem jetzigen Stand der Entmaffung es Deutschland nach Aushebung der Militär- kontrolle möglich wäre, inner« halb eines Jahres wieder Krieg führen zu können. Er betont verschiedentlich, daß all die Details, die er in diesem 42 Seiten langen Artikel gibt, unwrder- leglich durch ein« Reih« von Dokumenten bewiesen werden könnten, daß er nichts behaupte, was den Tatsachen widerspräche. Aus der anderen Seite sei er sich ober auch bewußt, daß selbst bei voll» kommenster Abrüstung Teutschlands der Gefahrenherd für Europa solang« vorhanden sei, solange nicht die allgemeine Abrüstung durchgeführt würde. Es muß bemerkt werden, daß Morgan sich bemüht, den deutschen Nerhältnisien gerecht zu werden, und— bei schärfster Kritik über das System— denjenigen Personen, die für das System verantwortlich sind, also dem General v. Deeckt und dem Reichswehrminister Dr. Geßler, die höchst« persönlich« An» erkennung zollte. Die Hauptpunkte des betr. Aufsatzes lassen sich wie folgt zusam- mensassen:■ 1. Das System. Er verweist auf di« Tatsach«, daß von der Reichswehr ein geradezu geniales Krümpersystem auf- gebaut worden, das dasjenige von Scharnhorst weit überträfe. Der Bestand der Reichswehr fei nicht nur entgegen dem Versailler Vertrag erheblich höher, sondern würde durch dieses System in 5Zer< bindung mit der Sicherheitspolizei fortgesetzt«rneuert und vergrößert. Dies« Behauptung belegt er mit einer ganzen Reihe von Beispielen, di« Aehnlichkeit haben mit gleichlautenden Kritiken innerhalb der deutschen Press« über di« sogenannte„schwarze Reichswehr". 2. Di« Bewaffnung. Auch die Bewaffnung sei entgegen den Bestimmungkn wesentlich ernster zu nehmen, als es in der Oeffentlichstkeit bekannt s«i,. 6o ,habe man in einem einzigen Staate B-istlchiayds 589 neu fabrizierte Kanonen gesrnrden. wovon in einer einzigen Fabrik 147 Batterlen- hergestellt waren, Diese Tat- fachen in Derbindunq mit der außerordentlichen Kapazität der chemischen Fabriken set sehr ernst zu bewerten und stelle einen groben Verstoß gegen die Entwaffnungsbedingungen dar. 3 Die Obstruktion. Es fei zuzugeben, daß von den offiziellen Regierungsmggnen den Mitgliedern der Militärkontrolle kein« Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden feien. Auf der akideren Seite müßte man aber feststellen, daß die unter- geordneten Organe der Reichswehr selbst eine systematische Obstruktion getrieben hätten, di« die Ermittlung der äugen- blicklichcn Bewaffnung Deutschlands außerordentlich erschwert, ja bei. nahe unmöglich gemacht hätte. Die von der Interalliierten Militär- tontrolltommission gefundenen Taffochen hätten nur auf indirek- tem Wege festgestellt werden können, wo? die betreffenden Mit- glieder besonders verbitten habe. 4: Rä umung der Kölner Zone.- Auf Grund aller feiner Ausführungen kommt General Morgan zu dem Schluß, daß das Rheinland nicht geräumt werden dürfe. Es ist wesentlich, daß in diesem Zusatz zum erstenmal klar und deutlich diese Forderung aufgestellt wurde. Wenn man diesen Aufsatz und die ihm zugrunde liegenden Belege in Verbindung bringt mit den Resultaten, die die Reichs- ta g s w a h l ergeben hat, wenn man berücksichtigt, daß das gesamte Atisland es nicht verstehen kann, daß bei einem erheblichen Zuwachs der republikanischen verständigungsbereiten Stimmen über die Regierungsbildung eines R.e ch t s b l o ck s oder Bürgerblocks überhaupt diskutiert werden kann, dann wird man ihre Haltung verstehen können. Die Gefahr, daß das rechtsgerichtete volitische Deutschland in Verbindung mit der Reichswehr die politische«ffek- tive Macht in Deutschland erholten würde, scheint für alle beteiligten Regierungen so untragbar, daß sie glauben, keine Machtmittel aus der Hand geben zu dürfen, um dieser Gefahr nachdrücklichst be- gegnen zu können." die Köln-Note in Serlin. pari«, 2. Januar.(MTB.) Die Not« der Botschafterkonferenz über die Kölner Zone ist den- alliierten Botschaften in Berlin zugestellt worden, die sie wahrscheinlich am Montag dem Reichs» außenminister Dr.' Stresemann überreichen werden. Genügend zahlreiches und positives Material. Brüssel, 2. Januar.(Agence Belg«.) Di« belgische Regierung hat ihrem Berliner Vertreter Weisungen für die Uebergabe der Note an den Reichskanzler übersandt, die ankündigt, daß die Alliierten über genügend zahlreiches und positives Material verfügen, um der Meinung zu fein, daß di« Kölner Zone nicht am 10. Januar geräumt werden könne. Die Vertreter der Alliierten werden sich wegen Uebergabe der Note ins E i n v e r n e h m« n setzen. Die alliierten Mächte beabsichtigen, nach Prüfung des voll- ständigen Berichts der Kontrollkommission über den Stand der deutschen Entwaffnung dem Kanzler später eine zweite Note zu übersenden._ Mussolinis Fwangsherrschast. Tie neuen Verfolgungen. Rom. 2. Januar.(TU.) Das Parlament tritt- morgen wieher zusammen. Mussolini wird zur inneren Lag« sprechen. Dos Mini» sterium bleibt entschlossen, dem mit der Beröffentlichung des R o s s>» Memorials beabsichtigten Angriff der Opposition durch r ü ck s i ch t s- loses Vor gehen gegen die oppositionellen Blätter zu begegnen (lies: es zu rächenl Red.). Di« Beschlagnahmungen und 5iaussuchung«n werden fortgesetzt. All« politischen Der- sammlungen sind vom Innenininister Federzoni verboten war- den. Ein Regierungskommissar soll in Florenz die Untersuchung wegen der faschistischen Unruhen am Silvesterabend führen. Während am Mittwoch der„Corriere della Sera" und einig« sozialistisch« Blätter beschlagnahmt wurden, waren es am Domierstag der liberale„Mondo" das„Giornalo d Jtalia" und „Ruovo Paese", ferner die angesehenen Blätter der Katholischen Volkspartei:„Popolv",„Voce Republicia" und„Serena". Die faschistisch« Presse bezeichnet diese Methode als das wirksamste Mittel zur Beruhigung der öffentlichen Meinung: sie sei durch die Tatsach« gerechtfertigt, daß di« Oppositionsparteien im Ausland eine falsche Vorstellung von der Lage in Italien hervorrufen und man im Innern eine Provokation des extremen Faschis- m u s befürchten könne. Die strenge Anwendung des Presiedckrets findet In parlamentarischen Kreisen wenig Anklang. So- gar regierungsfreundliche Kreise betonen, daß di« jetzigen Maß- nahmen nur vorübxrgehender Natur sein dürsten. Die beiden liberalen Minister Sarocchi und Caseta sollen Salandra erklärt haben, daß ihre Lage in der Regierung immer schwieriger werde. Die„Stampa" meldet weiter, daß Musso. lini der Kammer die Vertrauensfrage stellen werde. Sollte er in irgendeiner Frage unterliegen, so werde er nicht zögern, sein R ü ck t r i t t s g« s u ch zu überreichen. Der Bürgerkrieg. Rom. 2. Januar.(WTB.) In der Provinz kam es gestern zu Konflikten zwischen Faschisten und Kommunisten in C e nt a n o am Nemi-See und bei Civitavecchia, in deren Verlauf zwei Kommunisten und ein Faschist g« t ö t e t, vier Petzsoncn ver- wurdet.wurden. Auch in L iv orn o und Crem o na ist es zu Zusammenstößen gekommen. Die Haussuchungen, besonders bei Mitgliedern der Italic L i b e r a(„freies Italien") wurden fortgesetzt. Was am Silvester in Florenz geschah. Rom, 2. Januar.(TU.) Der Innenminister Federzoni hat die Untersuchung der Zerstörung und Inbrandsetzung der Redaktion und Druckerei des„Ruovo Giornale" in Florenz durch Faschisten eingeleitet. Der angerichtete Schaden beläuff sich aus zwei Millionen Lire. In Livorno wurde das Korrespondenzbureau der„Gelbon Zeitung"(gemeint ist vielleicht das scharfe oppositio- nell« Witzblatt„Becco giallo"— der Gelbschnabel. Red.) ver- w ü st« t. Mussolinis Strolche in SLdtirol. Rom, 2. Januar.(WTB.) Der deutsch« Abgeordnete Stern- b a ch hat in der Kammer eine A n f r a g e über die Sicherheits» Verhältnisse in Südtirol eingebracht mit besonderem Bezug auf die Vorfäll« der letzten Woche. Frankreich und üie belgische Neutralität. Paris, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die„Ere Nvuvelle" veröffentlicht am Freitag in der Fortsetzung ihrer Kampagne zur Klärung der Kriegsschuldfrage einen Artikel des Generals Percin, in dem dieser den Nachweis führt, daß, falls Frankreich die Möglichkeit gehabt hätte, den Krieg mit einer Offensiv« zu b«> ginnen, es sich durch die belgische Neutralität nicht hätte abhalten lassen, den Krieg auf«in fremdes Gebiet überzuleiten. Man habe bereits lange vor dem Krieg.« die Verletzung der belgischen Neutralität voraus- gesehen und alle französischen, belgischen und deutschen militäri- schen Schriftsteller hätten diese angekündigt. Auch England Hab« die Verletzung erwartet und sogar gewünscht, da sie ihm den Vor- wand geliefert hatte, sich an dem Weltkrieg zu beteiligen. Hätte die englische Regierung am 1. August 1914 Deutschland mitgeteilt, daß England im Falle der ZZerletzung der belgischen. Neutralität zu intervenieren gedenke, so hätte Deutschland sich wahrscheinlich besonnen, den Krieg zu erklären. Hitler in Zreibeit. , Tie Polizei wilk Ruhe. München, I. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Münchener Polizeidirektion hat das Gesuch eines Ausschusses um Bewilligung einer Feier im Bürger bräukeller anläßlich der Frei- lassung Hitlers abgelehnt. Die Polizeidirektwn steht dabei auf dem Standpunkt, daß es nicht angängig ist. Personen, die wegen politischer Vergehen oder Verbrechen rechtskräftig verurteilt worden sind, nach Rückkehr aus der Strafhaft m breitester Oeffentllchkeit in Versammlungen zu fetem. Ueberdies wäre zu befürchten gewesen. daß die Versammlungen der Ausgangspunkt zu weiteren Bersamm- lungen und Straßenkundgebungen geworden wären. Die friedliche Bevölkerung Münchens Hot nach Ansicht des Polizeipräsidenten«in Recht darauf, gegen neue Beunruhigungen geschützt zu werden. Volkischer Radau. Nationalsozialisten in Nürnberg ausgeschloffen. Nürnberg. 2. Januar.(WTB.) Auch die heutige zweite Sitzung des Nürnberger Stadtrats nahm einen ebenso stürmischen Ver- laus wie di« Sitzung am 30. Dezember. Oberbürgermeister Dr. Luppe wollte den Antrag auf Verschärfung, der Geschäfts- ordnung stellen, aber sofort begann die nationalsozialistische Stadt- ratsstaktion fchärfften Widerspruch gegen den Eintritt in die Tages- Ordnung zu erheben. Der Lärm wurde desto größer, je mehr Dr. Luppe sich bemüht«, zu Worte zu kommen Schließlich wurde der Sitzungssaal geräumt. Auch die Galerie wurde geräumt, auch hie Pressevertreter mußten die Plätze verlassen. Drei Nationalsozialisten, darunter Streicher, wurden durch Schutzleute aus dem Sitzungssaal.entfernt und ihr Ausschluß aus der Sitzung beschlossen. Di« Sitzung wurde darauf wieder auf- genommen. Eine größere Menschenmenge hatte sich vor dem Rat- Hause versammelt: zu Ruhestörungen aber kam es nich' Thüringische Gemeinöewohlen. Das Defizit im HauShalt. Weimar, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die thüringische Regierung hat dem Landtag ein Gesetz vorgelegt, wonach die ursprünglich auf den 22. März festgesetzten Gemeinde- und K r e i s r a t s w a h l e n auf den 22. Februar vorverlegt werden, um am-1. April keine Stockung in der Fortführung der Geschäfte herbeizuführen. Der Landtag selbst wird am 13. Januar wieder zusammentreten. Eine seiner Hauptaufgaben wird sein, bei der Verabschiedung des Haushalts Mittel und Wege zur Deckung des Fehl- b e t r a g e s von 20 Millionen Goldmart zu finden, den die bürger- liche Regierung dem Lande beschert hat. Rmneftieforöerung in Hessen. Antrag der Sozialdemokraten. Darmstadk, 2. Januar.(Mtb.) Die sozialdemokratische Land» tagSsraktion fordert in einem Antrag die Regierung auf, alsbald den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch das alle von hessischen Gerichten erkannten und rechtskräftig gewordenen Hast» und Ge- sängnisstrafcn bis zu e.i n e in I a h r e ,u erlassen sind, wenn die Strafen erkannt sind: 1. wegen politischer Vergehen. 2. wegen ülergehen, die im inneren Zusammenhang mit Teuerung«- oder Erwerbslosenkundgebungen stehen. 3. wegen Vergehen durch nicht gewerbsmäßige Verletzungen der§K 318 und 310 R.St.B. Gewerkschaftsbewegung Aerzte vor die Front! Bon einem Arbeiter wird uns geschrieben: Ihr Artikel unter„ Gewerkschaftliches" von Dr. Pohl ist mir und Tausenden von Familienvätern und Ehegatten aus dem Herzen geschrieben; es lohnt sich hier, einige Worte hinzuzufügen. Es ist Tatsache, so unglaublich es auch flingen mag, daß ein großer Teil der Frauenkrankheiten, seine Grundursache im Zeit: mangel, im Haften des Lebens zu suchen ist. Ein jeder Ehemann mit Familie weiß, daß eine Frau trotz allen Vorstellungen meistens wegen Zeitmangel die Konsultationen von einem Tag auf den anderen schieben muß, daß sie dann, abgespannt und ermattet, resigniert den Arzt aufsucht, wenn es eben gar nicht mehr geht und die Krankheit weiter fortgeschritten ist. Die unangemessene Bezahlung des Ehemannes, die teilweise Berlängerung der Arbeitszeit, die ewige tägliche Sorge haben Seele und Körper eines Weibes derart geschwächt und deprimiert, daß eine Gesundung schon hierin allein die größten Widerstände vorfindet. Ich glaube als Laie annehmen zu dürfen, daß 50 Proz. der Frauenfranfheitaen zu vermeiden, wären, menn diese menigen Mißstände behoben wären. Was dies für die Volkswirtschaft bedeutet, wenn man das Weib als Trägerin unserer Zukunft, Mutter, Erzieherin der Jugend, bewertet, muß ich besseren Röpfen überlassen. Hier wäre aber auch denjenigen Leuten und Kreisen Gelegenheit gegeben, für das Volt, für die Nation einzutreten, die ihre Menschenliebe, ihre Arbeiterfreundlichkeit im letzten Wahlkampf immer so besonders betonten. Ich meine besonders die Intellektuellen, die Gebildeten, die Herren Aerzte, welche missen müßten, wie verheerend die Frauenkrankheiten das Leben der Nation und die Volkstraft beeinflussen. Hier müßte ohne Unterschied der Partei eine Einheitsfront der Aerzte das Volk und die verantwort lichen Stellen für den Achtstundentag, für 3eit zum Krant. sein" aufrufen! Mir ist aber in diesem Sinne nur ein Aufruf bePanntgeworden: Der Aufruf der sozialdemokratischen Werzteorganisation. Nicht nur die Frauen, auch wir Männer und unsere Kinder würden den Arzt öfter in Anspruch nehmen, wenn es uns nicht nur das Geld, sondern auch vor allem die 3eit gestatten mürde, und hierbei mürden nicht nur mir, sondern auch die Aerzte gewinnen. Dankbar wollen wir als Arbeiter aber denen sein, die diefe tieferliegenden Ursachen erkannt haben und mit ihrer Person, ihrem Wissen und Herzen für die Sache und uns eintreten. Arbeiterpolitik der Reichsbehörden. Die Meldung einer bürgerlichen Korrespondenz, die von einem Teil der Berliner Zeitungen gebracht worden ist, wonach der Reichsmanteltarifvertrag für die Reichs, und Staatsarbeiter durch die Reichsbehörden gekündigt worden ist, trifft nicht in der Form zu, mie sie veröffentlicht wurde. Die Reichsbehörden haben lediglich den Manteltarifvertrag, someit er die Betriebs- und Verwaltungsarbeiter des Reiches umfaßt, gefündigt. Ausgenommen find dabei die Post-, Eisenbahn- und Wasserbauarbeiter, die gesonderte Verträge haben. Die Länderregierungen, und besonders Breußen, haben die laufenden Tarifverträge nicht gelündigt. Auch die Arbeiterorganisationen haben die Kündigungsfrist ungenutzt verstreichen lassen. In den Borverhandlungen, die mit den Reichsbehörden vom Gemeinde und Staatsarbeiterverband und den anderen beteiligten Organisationen bereits gepflogen wurden, unterbreitete das Reich Abänderungsanträge, die auf eine Verschlechterung der Urlaubsbestimmungen und eine Herabfegung des Krantenzuschußgeldes hinauslaufen. Die Berhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, sie werden vielmehr im Laufe des Januar fortgesezt. Die Angabe der Korrespondenz, daß sich der strittige Manteltarifvertrag auch auf die Arbeiter der Kom= munalverbände erftrede, trifft nicht gut. Es besteht überhaupt tein Zufammenhang zwischen den Tarifen für die Reichs- und Länderarbeiter und die Arbeiter der Rommunen, Beratung über den Arbeitszeit- Gesehentwurf. Bon unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt: Der Reichsarbeitsminister hat zur Entsendung von Arbeitnehmervertretern für die paritätische Kommission, die zum Entwurf für das neue Arbeitszeitgefeh Stellung nehmen soll, den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, den Deutschen Gewerkschaftsbund und den Ge: werffchaftsring zur Beteiligung aufgefordert. Der Allgemeine Freie Angestelltenbund hat keine Aufforderung erhalten und als freigewerf. schaftliche Epißenorganisation der Angestellten nach Rüdsprache mit dem ADGB. Beschwerde barüber beim Reichsarbeitsminister erhoben. Auf Grund gemeinsamer Besprechungen haben die Spizenorganisationen den Reichsarbeitsminister aufgefordert, die Kommiffion auf sechs Arbeitnehmervertreter zu erweitern. Die Unruhe im Bergbau. Bochum, 2. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldungen, die beim Bergarbeiterverband vorliegen, find ein Beweis dafür, daß zu Beginn des neuen Jahres sich der gesamte deutsche und Mitteldeutschland sind in den legten Tagen SchiedsBergbau wieder einmal in Unruhe befindet. In Sachsen prüche gefällt worden, die teilweise eine nicht unerhebliche Berdarstellen und daher eine begreifliche Aufregung in der Är chlechterung gegenüber den bisherigen Arbeitsbedingungen feineswegs besser. Der letzte Schiedsspruch brachte eine völlig unbeiterschaft hervorgerufen haben. Im Ruhrgebiet ist die Lage zureichende Lohnerhöhung, die den gestiegenen Lebenshaltungskosten wurde, daß die Bergarbeiterverbände die von ihnen ausgesprochene bei weitem nicht entspricht und die zudem nur dadurch erreicht Kündigung des Leberarbeitsabfommens zunächst wieder zurück nahmen. Die Absicht der Unternehmer und auch des Reichsarbeitsmöglich, über Weihnachten hinauszuschieben. Da hierzu die Kün ministeriums war, die Lohnregelung für den Ruhrbergbau, wenn digung des Leberarbeitsabkommens zum Vorwand dienen sollte, des Reichsarbeitsministers mit der Zurücknahme der Kündigung. beantworteten die Verbände diesen Schlich der Unternehmer und Nachdem der Schiedsspruch jezt für verbindlich erklärt und damit der Grund für die Zurücknahme der Kündigung fortgefallen ist, haben die Verbände sie erneut eingereicht. Darüber herrscht große Entrüstung und Empörung bei den 3echenbesigern. Offenherzig erflären fie teilweise rund heraus, daß ein Verzicht auf die Mehrarbeit zu einschneidenden Maßnahmen der Unternehmer und Stillegungen weiterer Betriebe und Arbeiterentlassungen führen würde. schwere Kämpfe um die Arbeitszeit und den Arbeitslohn. Die Man prophezeit Berbände werden sich indessen nicht einschüchtern lassen und einen Rampf auch dann aufnehmen, selbst wenn die Unternehmer meiterhin der Hilfe des Reichsarbeitsministeriums so gewiß sind wie bisher. Die Lebenshaltung der Bergarbeiter im Ruhrgebiet ist eine so schlechte, daß sie im neuen Jahre unter allen Umständen eine Befferung erfahren muß. Die Taktik der Bergarbeiterverbände wird von den Organi fationen der KPD. nicht minder scharf bekämpft wie von dem Unternehmertum. Als vor einigen Wochen die Verbände die ausgesprochene Kündigung des Arbeitszeitabkommens zurücknahmen, um auf diese Weise den Arbeitern wenigstens einen höheren Lohn zu sichern, schrien die Kommunisten:" Berrat!" Sie wollten nicht einsehen, worum es fich handelte. Jetzt, wo die Kündigung wiederhelt wurde, erflären sie, es handle fich für die Bergarbeiterverbände darum, durch diese Kündigung der Heberarbeit einen Druck auf die Regierungsbildung auszuüben. Zum Glück verhinderte es der gesunde Sinn der gewerkschaftlich geschulten Bergarbeiterschaft, daß die Arbeitnehmer des Ruhrbergbaues auf diese lächerlichen Phrasen der Kommunisten hereinfallen. Die Engländer lehnen ab. Der Generalrat des englischen Gewerkschaftstongreffes hielt, mie wir bereits berichteten, am Montag eine außerordentliche Sigung ab, in der die Delegation, die in Rußland war, Bericht erstattete. Die Delegation erklärte, daß sie den vollständigen Bericht erst nad einem Monat werde fertigstellen können. In dieser Sigung wurde auch Stellung genommen zu einem Schreiben der„ nationalen Minderheitsbewegung", d. h. der englischen kommunistischen einer Konferenz teilzunehmen, die die„ Einheit" der Gewerkschaften Gewerkschaftszentrale, die den Generalrat einlud, an nach Moskouer Rezept herbeiführen soll. Der Generalrat beauftragte das Sefretariat, den Bolschewisten zu antworten, daß er nach dem Beschluß des Gemertschaftskongresses von Hull nur mit soichen Organisationen in Verbindung treten fann, feine Folge geben. Die Kommunisten hatten eine ähnliche die ihm angeschlossen sind. Er kann also auch der Einladung geschickt, der bei dem Generalrat um dessen Stellungnahme anfragte. Einladung dem internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam zuDurch die Antwort des Generairats des englischen Gewerkschaftstongresses ist diese Stellungnahme somit geflärt. Damit ist der Versuch der Bolschewisten, die englischen Gewerf. schaften zum Sturmblock der Spaltung der internationalen Gewerkfchaftsbewegung zu benutzen, glatt unter den Tisch ge. dieser Sigung durch unseren Londoner Korrespondenten als Schwinfallen. Das Berliner Bolschemiſtenorgan, das die Anfündigung del bezeichnete, sieht sich genötigt, über das Ergebnis der Sizung erfuhren, zu bemänteln, was an der Tatsache freilich nichts ändern zu berichten. Natürlich sucht es die Abfuhr, die die Bolschewisten wird. 50 Jahre Buchdrucker. seinem Verbande bei. jubiläum. Nach seiner Auslehre Ende 1879 trat er im April 1880 Genosse Heinrich Königs feiert sein 50jähriges BerufsBerlin. Seit März 1890 ift Königs als Faltor in der von dem Die Wanderschaft führte ihn 1885 nach Genossen Janiszewski begründeten Buchdruckerei als faktor tätig. in der Boltsbühne, wie auch in der Konsumgenossenschaftsbewegung, In der Partei, im Vorstand der früheren Arbeiterbildungsichule, hat Königs nach besten Kräften mitgewirkt. Wir wünschen ihm, daß er seinem Berufe und der Berliner Arbeiterbewegung noch recht lange erhalten bleibt. Franklinstr. 19, auf dem Gelände der Textilfabrik GeAchtung, Bauarbeiter! Die Baustelle der Firma Jansch, bauer, ist wegen Lohndifferenzen gesperrt. Wir bitten unsere Stollegen, das zu beachten. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Der Vorstand. Nichtständige Magiftratsangestellte. Montag, den 5. Januar 1925, abends 7½ Uhr, in Saverlands Festfalen, Neue Friedrichstr. 35, Mitgliederversamm Tung der im Sentralverband der Angestellten organisierten und als nichtständige Angestellte beim Magiftrat Berlin beschäftigten Argestellten. Wirtschaftspolitisches Referat von Kurt Heinig. Tarif angelegenheiten. Neuwahl der Gettionsleitung. Erscheinen aller Mitglieder ift Pflicht! versammlung am Sonnabend, 3. Januar, nachmittags 2 Uhr, im Verbands Modelltischler ber Privatbetriebe. Außerordentliche Bertrauensmännerhaus, Rungestr. 30, 8immer 1. Tagesordnung: Bericht von den Sohnverhandlungen. für die laufmännischen Angestellten in der Mühen industrie eine Berein Zentralverband der Angestellten. Vor dem Schlichter für Groß- Berlin ist Bor dem Schlichter fil barung zustande gekommen, durch welche die Gehälter der Angestellten vom 1. De zember 1924 bis 31. Januar 1925 um 5-10 Broz. erhöht werden, Tarifverträge Str. 7/10 und Rommandantenstr. 63/64, erhältlich. Für die folgenden Tariffind in den Bureaus des Sentralverbandes der Angestellten, Belle- AllianceTextilindustrie, Textilgroßhandel, Lebergroßhandel, Kurz, Galanterie- und gruppen finden im Januar neue Berhandlungen statt: Bekleidungsindustrie, Spielwarengroßhandel, Damenwäsche und Schürzenfabrikation, fonfettionierte Weißwaren. Nähere Auskunft erteilen die Bureaus des Zentralverbandes der Angestellten. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: J. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Fricbr. Enforn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Sehen- vergleichen- dann urtellen Die Tuchgroßhandlung Georg Schweizer G. m. b. H., Raiser- Wilhelm- Straße 20, Ede Münzstraße, hat, der jezigen Zeit Rechnung tragend, auch einen Detail- Verkauf eingerichtet, woselbst jede Meterzahl zu fabelhaft billigen Preisen abgegeben wird, und hat fich dadurch in Berlin und Umgegend in turzer Zeit einen Ruf für gut und billig er morben. Unser Inventurausverkauf, der ab heute bis infl. 15. Januar stattfindet, wird alles bisher Gebotene, bezüglich Preise und Qualität, weit übertreffen. Es fommen ca. 100000 Mtr. Herren- und Damenstoffe, 140 cm breit, von den einfachsten bis zu den allerbesten Qualitäten schon von 1.25 M. p. Mtr. an- zum Verkauf, und ist dem geehrten Publikum eine noch nie dagewesene billige Einkaufsgelegenheit geboten. Wir bitten im eigenen Interesse um gef. Besichtigung unserer Schaufenster und Lager. Mengenabgabe vorbehalten. Georg Schweitzer Tuchgroßhandlung G. in. b. H. Ecke Münzstr. 20 Kaiser- Wilhelm Str. 20 Ecke Münzstr. Nr. 442. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Wie märkische Kleinstädte aussehen: Calau. Dem Wiener Feuilletonisten Ludwig Hevesi ist es beschieden gewesen, das Geheimnis der Abstammung der„ Kalauer" zu lösen: die gefürchteten Witze sind kein bodenständiges Produkt der Stadt Calau ( offiziell mit C geschrieben), sondern ein Zufallsprodukt aus dem öfteren Verweilen des„ Kladderadatsch"-Dohm bei einer ihm be: freundeten Calauer Famile. Dohne sandte regelmäßig Beiträge an sein Blatt und die Setzer erkundigten sich daher, ob die„ Kalauer" schon eingetroffen seien. Die fremdstämmige" Herkunft des Wortes ist damit erwiesen und wird gewiß den teutsch- nationalen Bürgern der Stadt eine Last vom Herzen nehmen. Eine tausendfährige Geschichte. Betrachtet man die Entwicklung Calaus, so wird man auch faum eine Zeit entdecken, die so gestaltet war, daß die Calauer hätten übermütig werden fönnen. Der Name foll vom slawischen Cal( Calam) Lehm herrühren; allerdings hat das Wort noch die Nebenbedeu tung Morast. Jedenfalls stand früh hier eine Burg und die Stadt war befestigt, aber die kriegerischen Ereignisse haben nichts davon fibrig gelassen; gerade die Lausitz hat in den Kämpfen zwischen brandenburgischen, böhmischen und sächsischen Gewalthabern schwere Opfer bringen müssen, und der oft erflungene Ruf Calaus als Haupimarktplay ist dahin gegangen. Das feste Schloß, in dem die Landvögte der Niederlaufis hausten, und die Stadtmauer boten schließlich feinen genügenden Schutz und verschwanden, als die neue Zeit wirffame Mittel zur Niederfämpfung solcher Befestigungen aufgebracht hatte. Während des Dreißigjährigen Krieges fam Calau an Chursachsen, war aber damit auch nach dem Ende des großen Krieges neuen Leiden ausgefeßt, da die fächsische und brandenburgisch- preußische Politik auch hier ihr Kriegstheater schuf. Der beste Maßstab für die Entwicklung ist immer der Stand der Bevölkerung: 1429 140 Häuser, 1598 210 Häuser, 1648 nur 535 Einwohner, 1668 169 Häufer, 1700 210 Häuser, 1814 1424 Einwohner. Gegenwärtig hat Calau z'rka 3500 Einwohner. Die Leiden Calaus waren aber mit Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht erschöpft, denn die Jahre 1812 und 1813/14 brachten starke Lasten durch die durchziehenden Armeen von Freund und Feind. In der Zeit vom 1. Januar 1813 bis 31. März 1816 hat die Stadt 92 Generale, 621 Stabsoffiziere 3545 Oberoffiziere, 61 875 Unteroffiziere und Gemeine verpflegt, mas den Sädel der Stadt und der Bürger gründlich leerte. Für die Plage, die das Militär bedeutete, hatten die Calauer wenigstens eine Entschädigung: fie tannten Napoleon schon. Ihr Chronist Merbach schreibt darüber:„ Am 21. Juli sahen mir gegen Mittag den ge= waltigen Imperator auf seiner Durchreise. Bom Fürsten Berthien von Neuchatel begleitet, war der Kaiser eifrig mit seiner Landkarte beschäftigt. Sein Gesicht sprach ruhigen Ernst und jene Größe des Geistes aus, welche in allen Verhälmissen erbitterten Feinden selbst Ehrfurcht gebiciet. Zahllose Menschen drängten sich dicht an den Reisewagen des merkwürdigen Mannes." Eine aufgestellte Stadt abordnung fand keine Beachtung. Was fonnte Calau bieten? Die Stadt der Stiefel. Wem noch von seiner Jungenszeit her die Aufschriften„ Kalauer Stiefel in den Kellergeschäften um den Spittelmarft herum vor Augen stehen, wird geneigt sein, Calau als eine Stadt anzusehen, in der der Ledergeruch zu Hause und ein Stiefelgeschäft ans das andere sich reiht. Ltider gibt es eine große Enttäuschung: tein Ledergeruch, fein Stiefelüberfluß in den Auslagen. Die Hausindustrie hat, von geringen Ausnahmen abgesehen, der Fabrikarbeit Play machen müssen: zwei Fabrifen mit etwa 200 und 80 Arbeilern halten den Ruf der Stiefelstadt aufrecht. aber unbemerkbar für den, der in der Stadt umherschlendert. Als Merbach seine Chronik schrieb, war es anders bestellt denn er widmet dem haften Passus, indem er schreibt: Daß es bei einer ungemessenen Bantoffel einen schalk: Zahl von Schuhmachern nicht an Pantoffeln fehlen wird, läßt sich vermuten, und wohl jedem Heerde, wo diese sanft regieren und wo der Wahlspruch gilt: 64] Durch Bitten herrscht die Frau, Und durch Befehl der Mann; wenn sie will, Die erste Der andere wenn er fann. Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Ohne Cherry hätte Bertram Moskau in noch kläglicherem Zustande erreicht als so schon. Trotz des Pulvers wurde er von Scharen verschiedener Insekten angegriffen, als er auf der Pritsche oberhalb Cherrys Lager zu schlafen versuchte. In Legionen frochen fie auf den Holzbänken herum. Sie schlichen sich unter seine Decken, fandten Spione und Vorposten aus und machten dann einen Massenangriff. Die Nächte waren Folterqualen. Am Tage zog sich der Feind in seine Verstecke zurück. Der Zug war mit russischen und lettischen Kurieren vollgestopft, die alle schweres Gepäd und Säcke zu transportieren hatten. Außer ihnen war da ein Stab von jungen Amerifanern, vier für jeden Waggon, die als Beamte ins Hauptquartier der Ara nach Moskau gingen. Und geheimnisvolle Leute, die miteinander flüsterten, wurden Cherry als russische Sowjetbeamte bezeichnet, welche der Geheimpolizei der Außerordentlichen Kommission angehörten. Sie waren( nach den Anfangsbuchstaben des Titels für diese Einrichtung) als Tscheta bekannt. Der Zug war nicht geheizt, und nachdem man die russische Grenze überschritten hatte, wurde es bei dem Herbstregen empfindlich falt. Nach zwei Tagen wurden Bertram feine Biskuits und Räse äußerst zuwider, und er folgte Cherrys dringender Einladung, dessen Fleisch- und Butterkonserven und frisches Brot mit ihm zu teilen. Cherry forgte auf den Stationen auch für heißes Waffer, so daß man sich einen Tee bereiten fonnte. Auf der Grenze fah Bertram mit einer gewissen Erregtheit die ersten Bolichemisten. Eine Anzahl bärtiger Männer in Schafpelzen bestiegen, von zwei Soldaten der Roten Armee begleitet, den Zug. Die„ Roten" sahen nicht sehr fürchterlich aus. Junge Burschen von faum achtzehn Jahren, mit aufgeschwemmten blaffen Gesichtern und verdächtigem unter ernährtem Aussehen. " Sehen Sie, wie diese Tavarische mich lieben," sagte Cherry. In der Tat begrüßten diese bolschewistischen Beamten, welche Gepäck und Bässe untersuchten, Cherry mit einer Art gezwungenem Lachen. Er zerquetschte ihnen die Hände und schlug ihnen fast den Rücken ein. " Guten Tag, Tavarisch! Wie geht's, altes SchwammDer gegenwärtige Zustand. Eingeklemmt zwischen Rottbus und dem energisch aufstrebenden Finsterwalde, hat Calau Bedeutung als Hauptstadt eines Kreijes, in dem das Grubenrevier von Senftenberg fidh befindet. Im Hin blick auf diesen Umstand ist es besonders erfreulich, daß im Landrats= amt ein Sozialdemokrat, Genosse Freter, amtiert. Der Siz des Amtes ist ein kurz vor Eintritt in die Stadt fich erhebendes stattliches Gebäude; für die zurzeit im Amt noch untergebrachte Finanzbehörde wird ein Neubau errichtet. Auch das auf dem Markt befindliche Rathaus ist ein neuer Bau, eines jener mit Erfern, Türmchen, Giebeln reich verzierten Gebäude aus der wilhelminischen Anfangs zeit, die sich schlecht in den einfachen Charakter der Umgebung einfügen. Ihnen hafbet immer etwas Barvenüartiges an. Marktplatz, an dem auch das Küsterhaus liegt, führt ein enger Durch Bom Calau: Am Luckauer Tor. gang zur Kirche, die namentlich durch Brände im Dreißigjährigen Kriege 1635 und 1642 gelitten hatte, jo daß starfe Erneuerungen notwendig waren. Der jezige Zustand ist ein guter; das Innere enthält einen Altar, eine schöne Kanzel, eine gute Orgel. Reiche Schnitzereien, bemalt und vergoldet, zeichnen diese Stüde ous, die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Auch der Adelschor hat einiges Schnigwerf; im übrigen ist das Kircheninnere chne Samud. Der unten vieredige, oben verjüngte und mit einer Haube geschmückte Turm der Kirche ist 60 Meter hoch. Bemerkens. werte Projanbauten hat Calan nicht aufzuweisen; de Mehrzahl der Häuser ist einfach, wie es der Aufbau nach der Brandkatastrophe von 1635 gebot. Um die Kirche drängt sich manch bescheidenes Haus, das aber durch die Kanten des vor ihm gepflanzten Weinstockes ein malerisches Aussehen erhält. Hinsichtlich der Verkehrsverbindungen steht Calau nicht übel da. Als Schnellzugstation der Strecke Dobrilugt- Rottbus hat die Stadt Berkehr dürfte nicht allzu groß sein: Calau ist ein nettes freundliches zweifache bequeme und schnelle Verbindung nach Berlin. Aber der Landstädtchen, von Ackerbürgern, Handeltreibenden und Arbeitern bewohnt, für die Kottbus die große Welt bedeutet, wohin man fährt, wenn man sich einen Theaterbeiuch leisten will. Das eigene Fabril: leben ist nicht groß genug, um ein Zentrum des Verkehrs zu schaffen, und die weite Entfernung der Stadt vom Bahnhof( 20 Minuten) trägt auch nicht zur wirtschaftlichen Entmidiung bei. Ueber die gesicht? Immer schön? Du verdammier alter Heuchler, steck Du bloß Deine Nase in meinen Wagen! Nicht?! Du verstehst nicht? Sehn Sie? So behandele ich fie. Gin bißchen Spaß wirft Wunder. Schaun Sie sich bloß mai diese beiden jungen Mörder an. Lachen wie der Teufel. Bevor ich tam, haben sie noch nie gelacht." Die beiden Roten" betrachteten seine ungeheure Gestalt mit Blicken des Staunens und der Bewunderung und brüllten rer Lachen. Sechs Stunden an der Grenze zu warten! " Kommen Sie, sehen Sie sich die Flucht vor der Hungers not an," sagte Cherry und ging voran zu einem langen Zug ohne Lokomotive. Er war in Rojen eingeteilt, wie für das Bieh, und aus ihnen drang ein pestilenzartiger Geftant her vor. In dem schmußigen Stroh kauerten Männer, Weiber und Kinder durcheinander und suchten in ihren Lumpen nach Ungeziefer. Manche lagen ausgestreckt, ihre tiefgefunkenen Augen starrten aus den grauen, stelettartigen Gesichfern ohne Leben hervor. ,, Letten," sagte Cherry, auf dem Heimwege aus den Hungerdistrikten. Hunger, Schwäche, Typhus töten sie. Sehn Sie das Mädchen da. Typhus." Sie lag auf dem Grase neben dem Zug. Der Kopf mit dem glühenden, aufgedunsenen Geficht drehte sich hin und her. Ein großer, bärtiger Bauer in Lumpen tam auf Beriram zu und sprach ihn in amerikanischem Englisch an. Boher sprichst Du das?" fragte Cherry. " " " Hab' in Detroit gearbeitet, ehe die Welt verdarb." Woher kommst Du?" „ Von Nfa." ,, Wie sieht's da aus?" " In Nfa ist großer Tod. Die Menschen haben nichts zu effen. Die Mütter find froh, wenn ihre Kinder sterben, denn traurig ist es, thre Klagen zu hören. Ich bin einer, der zu rechter Zeit geflohen ist. Gott hat Rußland verlassen." Als sie wieder in ihrem Zuge waren, hörte Bertram die Amerikaner Kabarettlieder fingen, und Cherry schlug den Taft dazu. Bertram lag auf seiner Pritiche und starrte auf die öde Fläche, die langfam vorbeizog. Manchmal sah man lebende Wesen. Ein Weib sammelte Reiser und trug ihr Kind, ein zusammengeschrumpftes, elendes Geschöpf, in einem Tuch auf dem Rücken. An einer anderen Stelle tniete ein Bauer vor einem Ikon am Wege. Er neigte tief den Kopf und befreuzigte fich unablässig. Eine unendliche Melancholie stieg aus dieser russischen | Sonnabend, 3. Januar 1925 politische Einstellung gewähren die jüngsten Reichstagswahlen ein lehrreiches Bild: Stadt Calau Kreis Calau Dez.. Mai Dez. Sozialdemokraten 752 603 26 105 Mai 15.917 Kommunisten 32 86 2 656 8 730 Demokraten 169 134 2597 2 335 Zentrum 18 15 863 2.500 Deutschnationale 688 768 16 439 16979 Deutsche Volkspartei . 400 272 5352 3.790 Deutschvölkische 82 90 961 3587 Diese Zahlen zeigen deutlich die Struktur des Kreises und geben im kleinen das allgemeine Bild pieder: starkes Wachsen der repu blikanischen, Stillstand der reaktionären Kreise sowie Rückgang der Extremen. Daß ein so gearteter Kreis, in dem die sozialdemo fratischen Stimmen ebensoviele Taufende ausmachen wie die aller übrigen Parteien, nicht nach dem altpreußischen Feudal- Landrat System verwaltet werden kann, ist klar. Daher auch die But der reaktionären Parteien gegen den Landrat Freter, die sich in den Abfuhr, die Genosse Freter dieser deutschnationalen Lügenfabrik zuLügenbericht über die Bersammlung in Raddusch widerspiegelte. Die teil werden ließ( f. Borwärts", 8. Dezember), hat die Situation geklärt. Und die Calauer rechtsgerichteten Kreise werden sich mit der Existenz eines Sozialdemokraten als Landrat auch weiterhin abfinden müssen. Höhere Beamtenwürde. In jedem Menschen steckt ein Stück Narr, wieviel, das hängt von der persönlichen Bescheidenheit ab. Natürlich will niemals ein anständiger Bürger als Narr gelten, besonders bei einer Hochfonjunktur für Lebensernst, er möchte vielmehr als das Gegenteil erscheinen, so etwa als stabilisierte Menschenvaluta. Dazu ist Würde ein unentbehrliches Requisit. Man läßt das ernste Leben mit überzeugendem Anstand über die ausdrucksvollen Züge rengleren, um sogleich als Beijer angesehen zu werden. Die Würde wird zu einer sportlich- moralischen Betätigung unter ernsthaften Menschen, sie ist genau so notwendig wie eine geregelte Verdauung. Die Leute von gesicherten Leben mit der bauchgebundenen Zigarre sind die Genera! agenten für den Bertrieb der Würde. Sie können das Mori nur mit dem Tremolo eines Klößchentenors aussprechen, als fürchteten sie etwas kostbar Heiliges zu verlegen, sie ersterben in Hochachtung vor ihm, haben ihm gewissermaßen pastorale Bässchen DOI: gebunden. Würde wird aber zum notwendigsten Garderobenstück für die bedauernswerten Armen, die nach Gottes unerforschiichem Ratschluß mit einer Borgesetztenstelle gesegnet sind. Allwissend ist nach Schiller nur einer, und wenn auch alle Menschen in hohen Stellungen Götteraspiranten sind, so sind sie doch noch nicht allwissend und damit der eine, und was man gerade wiffen soll, weiß man befanntlich nie. Diese Reimsten wären ohne Würde einfach erledigt. Es gibt aber Situationen, in denen alle Würde ins Wanken gerät. Der fönig lichste Kaufmann verwandelt sich an biutigen Börsengroßkampstagen in einen tanzenden Bantuneger.„ Ein Anblick, gräßlich und ge mein." Stur der leitende Beamte bleibt stets die fleischgeworbene Würde, er ist geradezu die Kantesche Idee der Würde an sich. Schon rein äußerlich dringt aus seinen Poren Bürde, Lebensernit und die anderen unterhaltenden Symptome hoher geistiger Kraft. Der höhere Beamte ist schon in seiner Inszenierung, in seiner Kleidung, in seinem Gesichtsausdruck schrankenloser Absolutismus der Würde. Wie staatserhaltend, wie würdig sieht er noch heute aus, er, der vollkommenste Ausdruck ziviler Forschigkeit. Wie das Aeußere, so der Innere Mensch. Auch hier Würde, fleischgeworden, nur erschütterlich, wenn es gilt, Gefinnungstütig feit zu zeigen, fich an einem Bettlauf um die staatserhaltenden Schinken zu beteiligen. Sonst übt der höhere Beamte von Jugend auf die wohlwollende Technit des Uebersehens. Eton der untere Beamte ist nicht mert, daß er die Schuhriemen von des Meisters Füßen löse, was bleibt dann noch übrig für den gewöhnlichen, unbeamieten Publikumsmenschen, diesem Knirps, biefem Nichts, der überhaupt feine Lebensberechtigung hat? Er ist eben nicht da, er " Landschaft auf und verdüsterte Bertrams Gemüt. Man kam durch ein Land der Verzweiflung und des unsagbaren Elends. Gott hat Rußland verlassen," hatte der Mann auf Nfa gesagt. Die Niggerlieder der Amerikaner, die traurigen Augen des russischen Weibes, der Geruch eines lettischen Käses, eine Linie von Wanzen, die an der Wand empartrochen, die Traurigkeit des Lebens, Kenneth Murles' Tod, Joyces unergründliches Wesen, das sterbende Mädchen auf dem Grase, olles das ging durch Bertrams Gedanken auf dieser endlosen Fahrt nach) Mostau. Wie lange würde es noch dauern?-Oh! Diese verdammten Banzen! 47. Mostau! Und Christy! Bertram fah ihn gleich auf dem Bahnsteig stehen inmitten einer Gruppe von„ Roten", bärtigen Trägern und Kutschern von Droschfis in ihren Belzkappen und langen Röcken. Christy trug noch seinen alten grauen Anzug, den Bertram von London her faimte, bazu aber als neue Errungenschaft eine Beste aus Schafspelz. Sein mageres, häßliches Gesicht lächelte freudig, als er Bertram erblickte. ,, Willkommen in unserer Stadt!" rief er. ,, Gott im Himmel: Wie gut ist es, Sie hier zu treffen," erwiderte Bertram aus vollem Herzen. Er wußte selbst nicht, marum Christys Gegenwart ihm das Gefühl gab, als finde ein Schiffbrüchiger ein festes Floß. " Folgen Sie mir und vermeiden Sie die Berührung Ihrer Mitmenschen," warnte Christy. Er ging in die Bahnbojshalle voran. Das war ein weiter Raum mit geweißten Wänden und von solch einem Gestank erfüllt, daß Bertram sich dem Erbrechen nahe fühlte. Fußboden war vollständig von den Leibern von Leuten jeden Geschlechts und Afters bedeckt. Sie lagen auf Säden und Koffern, ein wirres Durcheinander von Armen und Beinen, Schafpelzen, Lumpen und räubigen Fellen. Alle braun von Lehmi und Schmug, als hätten sie im Schlamm von Flandern gelegen, wie Bertram es in den Kriegswintern felber durchgemacht hatte. Es ging zur Nacht, und sie legten sich zum Schlafen bereit, man sah nichts als ein unruhiges Heben und Senten von Leibern und Gliedern. Einige schliefen schon und etmeten röchelnd. Kinder meinten. Mädchen lagen in den Armen bärtiger Männer. Ein Mann lag tot zwischen den Lebenden, wie Bertrams geübter Blid sofort erkannte. Der Kopf lag zurückgeworfen auf einem Sad und ließ den hageren, vogelartigen Hals mit seiner faltigen losen Haut sehen. Die Augen waren verglast und standen weit offen. ( Fortsetzung folgt.) wird durchblickt wie unangenehme Luft, wird negiert, höchstens mit abgewandtem Gesicht angeredet; er versinkt vor dieser Nichts durch bohrenden Würde. Jede Rebellien dagegen würde Gottes Beige finger, der Mühlen langsam aber sicher mahlt, zerschmettern. Frühmorgens zwischen drei und sechs. Ueber gewisse eigenartige Verhältniffe, mie fic sich im Lauf der Zei in der Umgebung der Zentralmartthalle herausgebildet haben, geben wir ein feines, zwischen drei und sechs Uhr früh aufgefangenes Etim. mungsbild wieder, bem stay eine ausführliche Darstellung, von der an tere Seite aus gesehen, aufchließt. Die Red. Verhütet Brände! gewesen ist. Denn es wurde festgestellt, daß die 68jährige, obwohl fie einen Geliebten hatte, auch noch Heiratsinjerate erließ. Kriminalkommissare Bünger und Busch, im Polizeipräsidium entricht über ein Großfeuer zu berichten hat. Einmal ist es der Dach Mitteilungen zur vollen Aufklärung nimmt die Mordkommission, Gegen. Noch immer Abbau. Kommunistisch- deutschnationales Bündnis. Nun ist auch im Bezirksamt Prenzlauer Berg der Abbau vellzogen. Auf Antrag der Kommunisten het die Bezirksversammlung beschlossen, unseren Genossen Karl Bauer abzubauen. Drei Uhr nachts. Die lärmende und beftende Großstadt schläft Bauer galt, auch in den Augen unserer politischen Gegner, immer noch. Dunkel und falt ist es in den verödeten Straßen. Nur im als einer der befähigsten Stadträte und genoß als solcher Zentrum, wo die große Markthalle liegt regt es sich langjam. das Vertrauen, wohl des allergrößten Teiles der Bevölkerung, cber Wagen mit hochaufgetürmen Gemüseförben kommen flint und leise angefahren, die bald die Straßen ringsherum einnehmen. Das sind auch der Beamten, Angestellten und Arbeiter seines Bezirks. Er meistens Bauern, die ihr Gemüse und Grünzeug auf der Straße loswar Borsitzender des Bezirksarbeitsamts und wurde auch von den Erwerbslosen, wegen seines steten Eintretens für diese, sehr geschätzt. werden; sie haben feinen Stand in der Markthalle, vor deren Eröffnung jene ihre Ware längst verkauft haben, sehr zum Aerger der Kurze Zeit nach Beginn seiner Tätigkeit wurde er zum Dozenten am Standinhaber, die das teure Standgeld zahlen müssen, um nun das Verwaltungsseminar und später sogar zum Borsigenden des Nochfehen zu haben. Dieser freie Berfauf auf nächtlicher Straße ist zirksarbeitsämter wurde er ftellvertretender Borsigen Prüfungsausschusses gewählt. Auf Bosschleg aller 20 Be verboten. Der wachthabende Schupobeamte ift verpflichtet, diese Straßenhändler zur Anzeige zu bringen. Aber er fann nicht überall der des Landesarbeitsamts. Alles dies hat nichts zu fein, und die Morgendämmerung verbirgt manches. Jedenfalls ist fagen weil er Sozialdemokrat war, war er den Kommunisten die Abneigung gegen diefe wilden" Gemüsehändler bei den Marktunangenehm, und es bedarf wohl faum der Erwähnung, daß hallenbeuten groß. Andererseits wollen jene Händler gern das Stand- ouch in dieser Frage sofort ein Einverständnis zwischen gelb zahlen, Kommunisten und Deutschnationalen herbeigeführt wenn sie nur einen Stand erwerben fönnten wurde, dem fich alle anderen türgerlichen Parteien anschlossen. so fagen sie. Man wirft ihnen vor, daß sie den Originell war das Verhalten der demokratischen Fraktion. Der BorStraßenverkehr stören, was gewiß nicht unberechtigt sein mag; ihre sigende dieser Fraktion hatte als Mitglied des Berwaltungsausschusses Wagen nehmen den halben Fahrdamm ein, so daß für den übrigen Berkehr wenig Blah bleibt. Auf den Bürgersteigen stehen die Ge versammlung gerichtet, worin er den Abbau des Stadtrats Bauer als des Arbeitsamts ein geharnischtes Protestschreiben an die Bezirksmüsekörbe kreuz und quer, was die Passanten zwingt, sich einen Weg zu bahnen. In der Nacht, wo jeder Berkehr ruht, erein unerhörtes Unrecht" bezeichnet. Trotzdem stimmte die Frattion geben sich kaum größere Schwierigkeiten, die jedoch nationaler der Nachfolger des Gen. Bauer; inwieweit dieser für den Abbau. Nun wird cller Boraussicht nach ein Deutsch wachsen, je inehr er bei Tage zunimmt. beffer die Interessen der arbeitenden Bevölkerung vertreten wird, muß die Zukunft lehren. Jedenfalls haben die kommunistischen Arbeiter einen neuen Beweis dafür, wie ihr Geschick durch die kluge" Tattif ihrer Führer in die Hände der Bürgerlichen übergeht. Daß übrigens ein erheblicher Teil der tommunistischen Arbeiter mit dieser Lattik ihrer Führer nicht einverstanden ist beweist der gegen den Abbau des Gen. Bauer feitens der kommunistischen Angestellten und Arbeiter des Bezirks bei ihrer Frektion eingelegte Protest, über den die Fraktion infolge Anweisung von anderer Stelle glatt zur Tagesordnung überging, sodann aber auch, daß ein kommunistischer Bezirksverordneter DOT der Bezirksversammlung sein Mandat niederlegte. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß bei diesem Bezirksamt ein bürgerlicher Stadtret, der seit 1½ Jahren wegen eines Bergehens, demzufolge in erster Instanz auf Dienstentlaffung erfannt ist, vom Dienste suspendiert ist und seit dieser Zeit drei Viertel seines Gehaltes bezieht. Diefen abzubauen, lehnte die Bezirksversammlung, einschließKommunisten, ab. Liebe über das Grab hinaus. Er brachte der Toten Parfüm und Pralinen. In der für den Berliner Großhandel eingerichteten Halle der Berliner Zentralmarkthallen befindet sich nur eine beschränkte Un zahl von Ständen, die für den Gemüsehandel bestimmt sind und die teils von Großhändlern, teils von Gemüsezüchtern gemietet sind. Die Zahl dieser Groß- Berliner Gemüsezüchter stellt höchstens 5 Proz. der gefamten Groß- Berliner Gemüsezüchter dar. Die übrigen 95 Pro3. find seit Jahren vergeblich bemüht, einen Standin der Halle zu erhalten. Sie werden immer wieder vertröstet, heben aber nicht die geringste Aussicht, jemals an die Reihe zu temmen. Deshalb bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Produkte außerhalb der Markihallen in den angrenzenden Straßen an die Kleinhändler abzusetzen. Jahrelang ist dieser Zustand nicht nur geduldet, jondern von den zuständigen Stellen dirett herbeigeführt und gefördert worden. Bis zum Jahre 1918 bestanden nämlich für die Groß- Berliner Gemüsezüchter noch andere Absatzgebiete als die Gegend der Zentralmarkthalle. Es war dies der Marttin Neulich tölln sowie die Markthallen in der Ackerstraße, Andreasstraße usm. Diese Absahgebiete gingen verloren, als zur Zeit der Lebensmittelknappheit die Gemüsezüchter durch den Magiftrat( Gemüseverteilungsstelle) gezwungen wurden, das gesamte Gemüse an die Zentralmarkthalle abzuliefern. Dieser Zustand der Zentralisierung des gesamten Gemüsehandels hat insbesondere zum Rußen der Bevölkerung erhebliche Preissenfungen herbeigeführt. Eine Wiedereinrichtung der früheren Verkaufspläge würde heute mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden fein. Es ist deshalb völlig unerfindlich, daß das Polizeiamt Berlin- Mitte neuerdings dazu übergegangen ist, durch drafonische Straffestseßungen den bisher von allen Seiten geduldeten Zustand zu beseitigen, ohne daß für die große Anzahl von Produzenten, die dadurch betroffen werden, anderweitige Abfag. möglichkeiten geschaffen worden sind. Diese Maß nahme stellt für die Züchter eine nicht zu billigende Härte und für die Berliner Bevölkerung eine schwere Schädigung dar. Wird diese Maßnahme weiter in derselben rücksichtslosen Weise durchgeführt, fo ist die unausbleibliche Folge, daß große Mengen von Gefolgten, entdeckt wurde, gab er an, daß er nur aus Liebe zu seiner müse unverfäuflich bleiben und verderben. Der fugar von amtlichen Stellen erhobene Vorwurf, daß die Gemüses züchter deshalb mit Borliebe ihre Ware in den Straßen verkauften, weil sie auf diese Weise die Standgebühren in der Markthalle ersparten, wird zurückgewiesen. Sie würden gern die hohen Gebühren bezahlen, wenn ihnen nur ein Stand in der Markthalle zugewiesen mürde. Sie würden aber auch gern Gebühren bezahlen für einen Stand auf der Straße, wenn sie dadurch den fortgelegten polizeilichen Anzeigen und Bestrafungen entgehen könnten. Es ist nicht einzusehen, warum nicht völlig tote Straßen, wie zum Beispiel die Gontardstraße, während der Nachtstunden für diesen 3wed fo lange freigegeben werden können, bis der Magistrat andere Bertaufsmöglichkeiten für den Gemüsehandel geschaffen hat. Die Gon: tarbitraße ist breit genug, daß an beiden Seiten Pläge für Gemüse: fuhrwerte freigegeben werden fönnten, und der Magistrat tönnte daraus obendrein eine erhebliche Gebühreneinnahme erzielen. Selbstverständlich würde das nur ein Notbehelf sein, dem balb eine zweckmäßigere Regelung folgen müßte. Wenn das Polizeiamt Berlin Mitte weiter, wie bisher, fortgesetzt Strafen verhängt, die wie angedroht ist fünftig noch erheblich erhöht werden sollen, so widerspricht das durchaus den Interessen der Berliner Bevölkerung. An die Tat eines Geisteskranten mußte man unwillkürlich bei der Anklage denken, die sich gegen den Artisten Otto Klemfe wegen Grabschändung richtete, die das Amtsgericht Neukölln beschäftigte. Im Dezember 1921 mar Riemtes Ehefrau gestorben und der trauernde Witmer hatte nach einiger Zeit auf dem Jakobi- Kirchhof eine Freistätte für sich und seine Frau erworben und dorthin die Ueberrefte der Verschiedenen von dem Gemeindefriedhof überführen laffen. Bor einiger Zeit erregte es großes Aufsehen, als entdeckt wurde, daß Konnte einen versteckten Schacht zu dem Grabe hergestellt hatte, der sorgfältig abgedeckt worden war. Klemte hatte auf diese Weise ständig der Leiche seiner Ehefrau Befuche gemacht, Blumen und Parfüm mitgenommen und durch Löcher, die er in den Sarg gebohrt hatte, Pralinen hindurchgesteckt. Als er bei einem dieser Besuche, die immer nachts erFrau fo gehandelt habe. Er habe sehen wollen, ob seine Frau auch nicht etwa nur scheintot sei. Der Auflagevertreter war der Meinung, daß K. zu den Besuchen nur von perverser Neugierde getrieben worden sei und beantragte gegen ihn 300 Mark Geldstraße, gegen feinen Neffen Paul Klemke, der ihm bei dem Anlegen des Schachtes geholfen hatte, megen Beihilfe 50 Mart. Der Verteidiger war der Ansicht, daß der Angeklagte sich der Rechtswidrigkeit seiner Handlung nicht bewußt gewesen sei und daß er freigesprochen wer den müßte. Das Gericht erblickte zwar in der Handlungsweise des Angeklagten etwas Anormales, fonnte aber nicht zu der Ueberzeugung gelangen, doß er unzurechnungsfähig fei. Otto Kemfe wurde an Stelle einer an sich verwirkten Strafe von zwei Wochen Gefängnis zu 140 M. Geldstrafe verurteilt, Paul Klemte erhielt 20 M. Geldstraf.e Einmal Daß es mit der angeblichen Liebe bis über das Grab hinaus nicht allzu weit her zu sein scheint, hatte eine andere Ber= handlung gegen Otto Klemfe ergeben, die vor wenigen Lagen ebenfalls das Amtsgericht Neukölln beschäftigt hatte. Hierbei hatte sich gezeigt, daß er seine Partnerin, die Artistin N., so rafend liebte, daß er sich zu den größten Gewalttätigteiten aus Eifersucht hinreißen ließ. Fräulein N. hatte sich nämlich mit einem anderen Artisten verlobt gehabt und nun verfolgte sie Klemke fortdauernd mit Nachstellungen. Aenderungen im Straßenbahnverkehr. hatte er sogar versucht, ihr die Lippen abzubeißen. Die Bom 5. 3 anuar 1925 ab wird auf den Linien 64 und 73 arbeiten mußte, mit Fett eingeschmiert habe, um sie zum Ab: N. behauptet nun, daß R. an diesem Abend das Trapez, an dem sie om Endpunkt Dönhoffplak Schleifenbetrieb eingerichtet, und zwar verkehrt die Linie 64 über Jerufalemer Straße, Krausenstraße, Kom- sturz zu bringen. Nur dadurch, daß sie es gleich gemerkt habe mandantenstraße, Lindenstraße, und die Linie 73 über Leipziger und sehr vorsichtig gearbeitet habe, fei sie mit dem Leben davon Straße. Jerufalemer Straße, Krausenstraße, Kommandantenstraße, gefommen. Als Klemke feinen Blan mißlungen fah, geriet er in Beuthstraße. Die gleiche Schleife wie die Linie 73 befahren bie eine maßlofe But und suchte ihr die hand wit den Zähnen Cinfeglinien 13 E und 65 E. Auf den Linien 28 und 128 tritt erfleischen. Wegen dieser verschiedenen Straftaten war ein neuer Fahrplan in Kraft. Die Aenderung des Fahr verleigung zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt Otto Klemte, und zwar wegen fortgesetzter Bedrohung und Körperplans teſteht im wesentlichen darin, doß die Wagen bei verkürzter worden, hatte aber eine Bewährungsfrist gegen Zahlung einer Buße Fahrzeit 4 Minuten später von Heiligenfee und 8 Minuten später von Tegelort abfahren. Näheres ist aus den Fahrplanaushängen von 75 M. erhalten. in den Wagen ersichtlich. Säufertod einer Greifin. Bendelbetrieb auf Linie 45. Infolge Sperrung der Durch fahrt durch die Eisenbahnüberführung im Zuge der Birkbuichstraße in Steglis wegen Bauarbeiten wird auf der Straßenbahnlinie 45 ab 5. d. Mts. bis auf weiteres ein Bendelbetrieb eingerichtet. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 3. Januar. Noch immer vergeht nahezu fein Tag, an dem die Feuerwehr stuhl eines Wohnhauses, dann sind es Stallungen mit Pferden, dann Fabrikräume mit feuergefährlichem Betrieb oder Kinos, die dem Feuer zum Opfer fallen und der Feuerwehr schwer zu schaffen machen. Kältewellen haben zu jeder Zeit die Tätigkeit der Feuerwehr gesteigert, aber auch Betriebsbelegschaften, Theaterbesucher und Einwohnerschaft in Gefahr gebracht. Noch vor nicht drei Jahren ha die Zerstörung des Staatstheaters in Dessau bewiesen, daß selbst Zentralheizungen diese Gefahr nicht unter allen Umständen bcseitigen. Die Gefahr wird also mit Beginn der falten Jahreszeit noch größer. Für Berlin muß der Kinobrand in Neukölln, über den wir fürzlich berichteten, als ernster Mahner gegen drohende Feuergefahren. Beachtung finden. Zwei Dinge sind es insbesondere, die dabei nicht übersehen werden dürfen. Erstens die Tatsache, daß mußte, um die Feuerbekämpfung aufzunehmen, also Handfeuerlöscher das Bersonal, das das Feuer entdedie, erst nach Waffer laufen nicht vorhanden oder deren Standpläge dem Personal nicht bekannt waren. Und zweitens die weit schlimmere Tatsache, daß zwischen der Entdeckung des Schadenfeuers und der Alarmierung der Feuermehr soviel Zeit verstrichen ist, daß sich das Feuer zu einem verheerenden Großfeuer entwickeln fonnte. Die Ertenninis muß Gemeingut der Großstadtbewohner werden, daß die beste Feuerwehr ihren Wert verliert, wenn sie nicht rechtzeitig zur Feuer befämpfung herangeholt wird. Besser die Feuerwehr es inzwischen gelungen ist, die Gefahr zu überwinden, als wenn ſie wird zehnmal alarmiert und braucht nicht mehr einzugreifen, weil nicht alarmiert wird und es fomumt deswegen zur Katastrophe. Und Beit, bis die Feuerwehr kommt, ist fostbar und darf nicht nuklos noch eines darf für den Feuerschuß nicht übersehen werden. Die verstreichen. Handfeuerlöscher mit Gebrauchsanweisung in Schlag worten sollen nirgends fehlen. Das Personal muß sowohl mit deren Standplay, wie mit ihrer wirkungsvollsten Anwendung vertraut sein. Dieses ist schon um deswillen notwendig, weil der Handfeuerlöscher an die Gefahren der Schadenfeuer erinnert. Aufforde rungen wie: Bei Schadenfeuer sofort Feuerwehr alarmieren! Nicht in die Flamme sprigen, brennenden Gegenstand treffen! sind äußerst wertvolle Mahner an das Bersonal. Wenn auch die Tatsache nicht übersehen werden darf, daß die Bekämpfung eines Schadenfeuers mit unzurei henden Löschmitteln die Gefahr erhöht, weil alle Löschmittel auch Wasser- wenn sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind und sich in ihre Bestandteile 3. B. Eauerstoff und Wasserstoff auflösen, die Verbrennung fördern, so besteht doch auch fein Zweifel darüber, daß sie das Umfichgreifen des Feuers aufhalten. Wird nicht versäumt, die Feuerwehr zu alarmie ren, so wird die Anwendung von Handfeuerlöschern immer dann Erfolg bringen, wenn ein Schadenfeuer im Entstehen entdeckt wird. Gegen zu spätes Entdecken eines Schadenfeuers fann allerdings nur Wachsamkeit schüßen. Wenn die Feuerwehr nicht rechtzeitig Don einem entstandenen Schadenfeuer verständigt wird, liegt die Schuld in der Hauptsache bei den Befizern. Sie unterlassen es, der Feuerverhütung, Feuermeldung und Feuerbekämpfung diz noimendige Aufmerksamkeit zu schenken. Man dente nur an die Unfitte, mit ungeschütztem Licht oder der Petroleumlampe abends auf die Böden zu gehen. So mancher Dachs stuhlbrand wurde schon dadurch verursacht. Aber feiner ist es nach her gewesen! In allen Häusern sollten die Besizer Feuerverhütungs vorschriften aushängen. Vielleicht sollte man Abzüge von ihnen den Mietern überreichen. Verstöße gegen diese Vorschriften müßten gefeßlich geahndet werden. Es muß wirklich nicht sein, daß so viele Brände aus Unachtsamkeit entstehen, daß ein Schadenfeuer zum Großfeuer wird und daß ungeheure Werte unwiderruflich der Vernichtung anheimfallen. Das Kind unter dem Auto. Doppeltes Verschulden eines rüdsichtslosen Autolenfers. Papa, wir wollen haschen spielen," rief ein dreijähriges Mäd chen, das in Begleitung ihres Vaters und der Muiter auf dem Bürgersteig vor dem Hause Schulstraße 4 daher fam. Das Kind lief weg, und in demselben Augenblik war ein Auto auf dem BürgerBrustkorb gefahren, so daß die Kleine sofort tot war. Dieser Vorsteig ihm mit dem Border und auch dem Hinterrad über den gang brachte den Lenker des Autos, den Kutscher Kühn, unter gericht Wedding. der Anklage der fahrlässigen Tötung vor das erweiterte SchöffenAutolenker dennoch ein doppeltes Verschulden. Einmal War auch das Kind direkt in das Auto gelaufen, so traf den Schulstraße 3 gefahren, sondern schon an dem Nebenhauſe Schulwar er vorschriftswidrig nicht im rechten Bogen in die Hauseinfahrt straße 4 auf den Bürgersteig hinaufgefahren, weil fußerdem aber hatte der Angeklagte auch keine Fahrerlaub vor dem Hause Schulstraße 3 ein Auto stand, das repariert wurde. nis. Das Auto gehörte einem Molkereibesitzer, und dieser hatte einen Angestellten beauftragt, mit einem Handwagen Benzin aus dem Hause Schulstraße 3 zu holen. Da das dem Mann aber un bequem war, hatte er eigenmädlig das Auto herausgeholt und war davongefahren. In der Marstraße begegnete ihm der Angeklagte, Leitung überließ. Kühn fetzte jedoch gleich mit einem so starken den er in das Auto aufnahin, und dem er auch bereiiwillig die Fahrtempo ein, daß ihn sein freund warnen mußte, langsamer zu fahren. Er bekam aber nur die Antwort:„ Alter Quatschkopf, halt's Maul!" Statt nun, wie es vorgeschrieben ist, in rechten Winkel ini das Haus Schulstraße 3 einzufahren, war Kühn schon vor dem Nebenhause auf den Bürgersteig gefahren, obwohl ihm durch das vor dem Toreingang stehende reparaturbedürftige Auto der lleberhalten des Angeklagten einen recht erheblichen Grad Fabr blick über den Bürgersteig fehite. Das Gericht erblickte in dem VerFahrlässigkeit. Das Fahren von Leuten, die feine erlaubnis haben und das Fahrzeug nicht beherrschen, bildet eine große Gefahr für die Fußgänger. Daß der Angeflagte zu schnell gefahren war, folgerte das Gericht daraus, daß er das Auto nicht mehr halten fonnte, so daß auch das Hinterrad über den Körper des Kindes hinwegging. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis megen fahrlässiger Tötung, sowie auf 100 Mark Geldstrafe wegen Bergehens gegen das Automobilgefeß. " Die„ DAZ." verleumdet das Reichsbanner. Die Meldung von einem mutmaßlichen Rapitalverbrechen rief, rcie mitgeteilt, am Abend des Neujahrstages die Mordkommission der Kriminalpolizei nach dem Hause Cherusterstr. 34 in Echöneberg. Die Eigentümerin dieses Hauses, die 68 Jahre alte Witwe Berta Latsch wurde in der Küche ihrer Wohnung vollständig entfleidet tot aufgefunden. Sie war am ganzen Körper ver Außer dem üblichen Tagesprogramm: brannt, nur noch kleine Hautstreifen an verschiedenen Stellen waren 4 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Abteilung Bildungskurse). Von den Berliner Zeitungen bemüht sich augenblicklich die unversehrt. Die Ermitelungen der Morbtommission ergaben jetzt Sprachunterricht. Dir. Jul. Glück: Esperanto". 4.30-6 Uhr felgendes: Die Witwe Latsch war früher wohlhabend, vertranf abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr Lokal- Anzeiger" zu erreichen, wenn nicht zu übertreffen. Vor Deutiche Allgemeine Zeitung" den unglaublichen Ton des Berliner aber in der festen Zeit alles, was sie an beweglichen Werten besaß. pol. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Abteilung Hochabends: Vortrag Rudolf Wegner: Entdeckungsfahrten zum Süd- einigen Tagen machte die„ DA3." in verstedter Form dem Es wurde festgestellt, daß sie in der letzten Zeit den Kognat tägschulkurse). Dr. Harbich. Leiter der Funkabteilung im Telegr. lich flaschenweife getrunken hatte. Reichsbanner" den Vorwurf, vom Barmat kon An einer Stelle tranf Techn. Reichsamt: Einführung in die Funkentelegraphie und fie hintereinander einmal 38 Schnäpse. In der Nachbarschaft vergern Gelder bekommen zu haben. Das„ Reichsbanner" Telephonie". 8.15 Uhr abends: Einleitende Worte zu Wallensteins überiaubte am 80. Dezember 1924 eine Berichtigung, die weigerte man ihr qulegt jeden Bertauf von Altohol. Am Silvester Lager. 8.30 Uhr abends: Sendespielbühne. Abteilung Schauspiel. wiederzugeben die„ Dag." bisher nicht für notwendig gehalten abend fam fie um 9 Uhr schwer betrunken nach Hause gewantt. Die Leitung: Alfred Braun. Wallensteins Lager, von Bförtnersfrau, die wußte, daß sie außerdem herz- und nierenfrant Terzkyschen Karabinierregiment: Leopold Ledebur, Erich Otto; balten hat. Wenn die„ DA3. fortfährt, in dieser unanständigen Friedrich hat. Das„ Reichsbanner" teilt darin mit, daß es vom Barmat von Schiller. Personen: Wachtmeister, Trompeter, von einem war, rief einen Arzt, der ihr ein Mittel einflößte und brachte fie 1. Holkischar Jäger: Georg Paeschke; 2. Holkischer Jäger: Karl Beise zu arbeiten, dann wird der Tag nicht mehr fern iein, wo Konzern zu feiner geit irgendwelche Mittel er. dann zu Bett. Am anderen Morgen fand man die Leiche. Nach Walter Schott; Butlerischer Dragoner: Gustav Kern; Arkebusier dem Befund, den die Mordkommission feststellte, muß die Betrun tene das Bett verlassen und sich auf das Sofa gelegt haben. Sie wallonischen Regiment: Alfred Braun; Kürassier von einem vom Regiment Tiefenbach: Wilhelm Krüger: Kürassier von einem aus einer Deutichen Allgemeinen Beitung eine hat mehrere Streichhölzer, deren angebrannte Reste auf dem Fuß- lombardischen Regiment: Karl Wessel: Kroat: Bruno Rahn; Anschluß daran machte die Berliner Gauleitung folgende Be Gemeine Ildeutsche Zeitung" geworden ist. Im boden gefunden wurden, angezündet, und so ist der Sofabezug Rekrut: Hugo Schrader: Kapuziner: Karl Wallauer; Marketenderin: merkung: enn von unserer Seite auf die gegenteiligen, in der in Brand geraten und zum Teil verbrannt. Der Brand des Leonie Duval; Ein Bauer: Harry Foerster. Hemdes hat dann die weiteren Brandwunden am ganzen Körper Soldatenjungen. Hoboisten. Vor der Stadt Pilsen in Böhmen. Bürger. Bauernknabe, Soldatenschulmeister, Scharfschützen, Bresse gemachten Angaben bisher nicht eingegangen wurde, so aus eine Aufwärterip, dem Grunde, weil es selbst beim besten willen nicht möglich ist. verursacht. Die Leiche wurde zur Obduktion heute nach dem Schau Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeit- jede von der uns nicht wohlgesinnten Presse aufgebrachten Lüge hause gebracht. Man rechnet aber immer noch mit der Möglichkeit, onsage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 bis daß in der Nacht doch noch jemand bei der Witwe in der Wohnung 11.39 Uhr abends: Tanzmusik. oder Verleumdum richtig zustellen oder zu widerlegen, da uns hierzu sowohl Zeit als auch Arbeitskräfte fehlen. " " Im Vorzimmer. Es gibt faum etwas Entwürdigenderes als ein Vorzimmer. Da figt man lange, lange und wartet herzklopfend auf Wohl oder Wehe. linjere Nerven werden dabei auf eine harte Probe gestellt. Beim Zahnarzt möchte man vor Schmerzen halb wahnsinnig werden, und im Borzimmer eines Allgewaltigen fommt man zu dem Entschluß, doch lieber bald Selbstmord zu begehen. Das Wartenlaffen ist manches Mal System. Der Empfangende weiß, daß es demütig macht. Voll Entschlossenheit tritt man ein, um in jeder Minute mürber zu werden. Kaum, daß man den Mund öffnen fann, wenn man endlich vorgelassen wird. Die Atmosphäre in den Borzimmern erdrückt, tötet. Tausend Hoffnungen werden hier jeden Tag vernichtet. Und die Herrscher des Vorzimmers find hart oder eisig. Triffft du einen freundlichen in ihnen, darfst du von Glüd sagen. Sie sind wie eine undurchdringliche Mauer, die fie errichtet haben, um ja nicht zu eng mit deinen Angelegenheiten in Berührung zu fommen. Es ist schwer, über diese Mauer zu flettern, und die meisten brechen sich bei diesem Versuch das Genic. Die Enttäuschten dürften nicht zu zählen sein. Viele Existenzen fah man schon scheitern an den Borzimmern. Wie eine gefährliche Rippe ragen fie deinen Wünschen entgegen; große Gewandtheit ist nötig, sie zu umschiffen, oftmals auch Geld. Hast du erst dieses Hindernis besiegt, sei es auch nur durch den Zauber geheuchelter Liebenswürdigkeit, bist du gerettet. Hinter den Vorzimmern sigen die anderen, denen du plötzlich wieder als Mensch gegenüber stehst. Triumph bedeuten solche Augenblide. Berachtend schreitest du dies Triumph bedeuten solche Augenblicke. Verachtend schreitest du dies mal durch das Vorzimmer. Als dunkler Fleck bleibt die Erinnerung daran auf deiner Seele haften. Gustav Hoffmann. Wieder hat ein Betreran der Arbeiter bewegung den Weg ins Jenseits angetreten. Gustav HoffmannSchöneberg ist furz vor Beendigung des alten Jahres 70 Jahre alt verschieden. Seine Schöneberger Genossen sandten ihn 1902 in das damalige Schöneberger Stadtparlament, dem er mit furzer Unterbrechung auch nach der Eingemeindung als Bezirksverordneter bis zu feinem Tode angehörte. Bor lurzem erft aus dem Krankenhaus entlassen, nahm er trop feines geichwächten zu standes noch an der Bezirksversammlung am 17. Dezember teil. Das Wirken dieses alten sozialistischen Kämpfers, der 45 Jahre der Partei angehörte, muß den jüngeren Mahnung sein zu treuer Pflichterfüllung. Die Einäscherung findet heute, Sonnabend, den 3. Dezember, abends 6%, Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. berg und der ihm angegliederten( Sypothekeneinigungsamt, Slein Unentgeltliche Sprechstunden des Miefeinigungsamtes Lichtengartenichiedsgericht) werden in den Monaten Januar, Februar und März 1925 wie folgt abgehalten: 1. Jn Lichtenberg. im Bureau haus. Rathausstraße. Barade 2. Zimmer 22: wöchentlich vor mittags 9 bis 12 Uhr. 2. In Friedrichsfelde Karlshorst im Amtsgebäude Treskowallee 24, Rimmer 4: Dienstags und Freitage nachmittags von 2 bis 4 Uhr. 3. In Kaulsdorf im Amtsgebäude Adolfstr. 25: Mittwoch, den 7. Januar, 4. Februar, 4. März 1925 Röpenider Allee 1, Zimmer 8: Mittwoch, den 14. Januar, 11. Fe nachmittags 4 bis 6 Uhr. 4. In Mahlsdorf im Amtsgebäude, bruar, 11. März 1925, nachmittags von 4 bis 6 Uhr. P Im Kinderhaus findet wieder wöchentlich einmal unter. rit in Ganglingspflege mit praftiiden llebungen statt. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2-6 Uhr im Bureau des Sinderhauses, Blumenstr 97. Frühjahrs- Jugendweihe 1925 in Oberschöneweide. Es wird darauf auf mertiam gemacht, daß die Vorbereitungen für die Frühjahrs.Jugend weihe 1925 in Oberschöneweide wie bisher durch den Jugends weiheausschuß getroffen werden. Die bereits im Ort eingefekte Propaganda für eine Freidenfer- Jugendweihe, veranstaltet durch die Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Berbände, hat mit unserer Beranstaltung nichts zu tun, Anmeldungen für die Jugendweihe werden bis zum 15. Januar ent. gegengenommen bei: Bilh. Schulz, Seppelinftr. 78; Bruno Becher, Zeppelinstr. 61: Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17; Otto Smberg, Bilhelminenhofstr. 54; Gustav Siesmer, Wilhelminenhoffer. 52. Bilhelminenhofstr. 34; Gustav Strause, Quisenstr. 26; Robert Druschte, Sozialistische Lehrer, die aus der Kirche ausgetreten und die willens find, am freigeistigen Erziehungswert mitzuarbeiten, werden mitzuteilen. Demnächst erfolgt Einladung zu einer wichtigen Besprechung gebeten, ihre Abreise an E. Rieger, Berlin- Hohenschönhausen, Chamierftr. 2, durch die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Berbände der deutschen Republit, Ortsgruppe Berlin. Die ungnädige„ Gnädige". Was einem Kaffenboten passieren kann. Bor furzem wollte ein Kassenbote der Elektrizitätsmerke bei dem Fabrikbefizer H. in Weißensee den fälligen Betrag von rund 10 M. für Stromabnahme tajsieren. Da der Fabrikant nicht angetroffen wurde, erhielt der Kassenbote von seiner Dienststelle den Auftrag, die Privatwohnung H.s, eine Villa der Kolonie Benden schloß an der Spree, aufzusuchen, um dort die Rechnung zu taffieren. Hier wurde der Beamte von der Tochter des Fabrikanten schroff empfangen. Sie erklärte, die Rechnung sei schon längst bezahlt, er solle nur ja das Haus verlassen. Der Beamie bat darauf um die Quittung. Diese sei, so meinte die Tochter des Hauses, im Kontor in Weißensee. Nun wollte der Bote nach dem Wert anläuten und nochmals fragen, ob inzwischen der fällige Betrag eingelaufen sei. Das Fräulein Tochter wurde darauf ganz Englischer Anfänger- Sprachzirfel des Genoffen Unitower. Für Berlin W und O werden noch Meldungen angenommen. Gemeinsame Borbesprechung empört, das Telephonieren koste doch Geld, was sich der Kassen- für den Januar- Suni- Sturs Gonnabend, 3. Sanuar, abenda 7%, br, bei bote dabei dente". Schließlich erklärte der Beamte, nachdem alle uuilower, Berlin W 57, Kurfürstenstr. 21/22, 11. Stfl. 2 Tr. rechts. gütigen Versuche fehlgingen. dann sei es seine Pflicht, den Strom abzustellen. Er ging zum Zähler und löste die Plombe. Während fähule für Leibesübungen( Boltshochschulturse) veranstaltet am Donners Bogen- Jiu- Jitsu in Wort, Bild, Kampf und Film. Die Deutsche Hochdiefes draußen vor sich ging, lag die gnädige Frau nichtsahnend tag. 8. Januar 1925, von 6-8 und 8-10 Uhr abends im Langenbedjaal, in ihrem Zimmer auf elettrischen Kissen. Als plöglich der Biegelftr. 5-9( Chirurg. Universitätstlini, einen Lichtbildervortrag us Strom abgestellt wurde, verloren die behaglichen Kissen der gnäder Geschichte des Bogens. Bortragender Erich Mindt. Ferner digen" Frau an Wärme. Ganz empört ging sie hinaus und stellte folgen Bor, Jiu- Jitsu- und Gymnaftilborführungen unter Leitung von sich vor den Zähler, an dem sich der Beamte zu schaffen machie, Meister Erich Rahn. Schließlich Aufführung eines Itu Jitsu Lehrfilms Frau H. schrie den ruhigen Beamten an und nahm schließlich einen über Selbstverteidigung und sportlichen Kampf. eifernen Bafferabstellschlüssel in die Hand und drohte:" Machen Sie sofort, daß Sie aus meiner Villa fommen, hinaus, o der ich hole fofort die Hunde und einen Revolver!" Als der Kassenbote sah, daß mit dieser rabiaten Frau nichts anzufangen war, nahm er von seiner Amtshandlung Abstand, um allen Lätlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Vor kurzem hatte sich nun Frau H. megen Bedrohung mit Totschlag und Beamtennötigung vor dem Weißenseer Amtsgericht zu verantworten. Der Amts: anwalt wurde in feiner Anflagerede von der Angeklagten stürmisch unterbrochen. Der Richter mußte ihr erst eine Lektion erteilen, wie man fich vor Gericht zu benehmen habe. Das ganze Betragen der Angeklagten vor Gericht, so führte der Amtsanwalt aus, beweise, wie wenig Vernunft sie besäße. In der Urteilsbegründung wurde eingehend dargelegt, in welcher unverständlichen Art und Weise sich die Angeklagte benommen hatte. Dem Kassenboten sei feinerlei Verwurf zu machen. Im Gegenteil, fein Entgegenkommen sei schlecht belohnt worden. Als er anrufen wollte, wurde es ihm mit der unglaublichen Begründung, das Telephon sei zu teuer, verwehrt. Auf Grund des privatrechtlichen Bertrages der Werte mit den Stromabnehmern war der Kassenbote verpflichtet, den Strom zu sperren. Da auch die Angeklagte, wie das Gericht feststellte, in sehr guten Verhältnissen lebe, sie bewohne eine Billa, in dessen elf Zimmern nur fünf Personen einschließlich Bersonal wohnen, wurde diefe Tatsache bei der Straffestsetzung berücksichtigt und auf 150 Mart Geldstrafe erkannt. Portier und Schneebeseitigung. Der Massenmörder Denke. Neue Feststellungen. Nach dem amtlichen Polizeibericht sind bis heute dreizehn Berfonen als bestimmt ermordet festgestellt worden. Die Zahl der Opfer dürfte aber erheblich größer sein. Dente hai, mie jezt erst allgemein bekannt wird, einen eifrigen Handel mit 3iegenfleisch" betrieben. Für eine Hochzeit hat er im letzten Jahre beispielsweise das ganze Fleisch geliefert, so daß die ganze Hochzeitsgesellschaft, ein faum zu ertragender Gedanke, höchst wahr scheinlich Menschenfleisch gegessen hat. Zu Besuch bei ihm weilende Leute befamen des öfteren Wurstfüllset zum Frühstück usw. vorge. setzt. Die Morde verteilen sich nach den vorgefundenen Ausweis papieren tatsächlich auf elf Jahre. Die Papierfragmente nennen Orte aus allen Teilen Deutschlands, insbesondere aber aus Schlesien. Neu aufgefunden wurde eine meterhohe Tonne voll Menschenknochen. Bon den aus der Herberge zur Heimat zu Dente eingeladenen Handwerksburschen ist feiner mehr in die Herberge zurücgekommen. Als Dente einmal gefragt wurde, ob er denn ausfomme, antwortete er lächelnd: Fleisch habe ich immer!" Auffallend war bis weilen, daß Denke beim Bäder große Mengen Semmeln einkaufte, als hätte er Schweineschlachten gehabt. Die vorgefundenen Mordwerkzeuge find sauber gehalten und zeigen feinerlei Blutspuren. Unter den Bortiers, und auch selbst unter den Hauseigentümern Parteinachrichten herrscht über die Schneebeseitigung von den Bürgersteigen und das Abstumpfen und Bestreuen bei eintretender Glätte mit Sand allgemein Untlarheit. Die Zeit ist wieder gekommen, wo dieser wichtigen, im Interesse der öffentlichen Sicherheit liegenden Frage Beachtung geschenkt werden muß. Beachtenswert ist ein Gerichtsurteil, das verDient, furz inhaltlich besprochen zu werden. B. 68. Linbenftraße 3. Die türkische Wirklichkeit. Von Dr. Ariasches Abeghian. einerseits und der Gegensatz zwischen der Entente und Sowjets Die Rivalität der Westmächte in der türkischen Frage rußland andererseits waren die Hauptfaktoren, die die Kemalisten zum diplomatischen Siege in Lausanne geführt haben. Noch früher im Frühjahr 1921 hatten die Bolschewisten fraft des Moskauer Bertrages einige Bezirke der transfaufafischen Republiken, Armeniens und Georgiens, bereit willigst den Remalisten überlassen, um deren Freundschaft Damit zu erkaufen. So erhielt die Türkei ein Territorium, aber nur eine Bevölkerung von 8 bis 9 Millionen aufweist. welches etwa 1% mal so groß ist wie das heutige Deutschland, Wie sieht nun die türkische Wirklichkeit der Gegenwart aus? In welchem Zustande befindet sich das wirtschaftliche und innerpolitische Leben der femalistischen Türkei? ist recht kritisch. Infolge langjähriger Kriege und nicht weniger Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Türkei infolge Ausrottung der nationalen Minderheiten sind be und ruiniert worden. In dieser Hinsicht stellen die Bezirke trächtliche Teile des Staates ganz oder teilweise entvölkert Westanatoliens und noch mehr Ostanatoliens oder TürkischArmeniens ein höchst trauriges Bild dar. Vor kurzem hat ein Spezialforrespondent des türkischen Blattes" Afscham" die genannten Bezirke bereift und niederdrückende Berichte über ihren gegenwärtigen Zustand erstattet. Aber nicht nur die türkischen Provinzen, auch Konstantinopel, das wirtschaftliche und fulturelle Zentrum des Landes, steht vor einer Katastrophe. In einem Artikel mit der Ueberschrift Konftantinopel in Gefahr" schrieb das offiziöse Organ der Regierung Djumhurriet" vor einiger Zeit:„ Es ist kein Geheimnis mehr, daß unser Land vor einer wirtschaftlichen Katastrophe steht. Die Gefahr liegt nahe, daß Konstantinopel als Hafen seine Bedeutung dem griechischen Byrreon abtreten muß." Das jungtürkische Organ Tanin" ist noch peffimistischer: Konstantinopel befindet sich in einem Todesfampfe; es gibt feinen Handel mehr, der Hafen ist wüst und Bezirke des Landes wie folgt: In ganz Anatolien gibt es leer." Das Blatt Tehwit" schildert die Lage der inneren feine Handwerfer, feine Fachleute und keine guten Landwirte mehr. Das Unglück besteht darin, daß mit den vertriebenen Elementen auch die Wirtschaft unseres Landes vertrieben worden ist." Als 3bsammenfassung des Gesagten können folgende Betrachtungen des Herausgebers Jleri" gelten: müssen endlich gestehen, daß unsere ganze Wirtschaftspolitik ganze Land wird ruiniert." bankeroit ist. Die Türkei befindet sich in Zersetzung, das Wir bekommen und ausländisches Kapital in das Land zu ziehen, Alle Bersuche der Kemalisten, Anleihen vom Ausland zu find bis heute erfolglos geblieben. Das Chester- Abkommen über den Bau neuer Eisenbahnlinien in der Türkei ist zunichte geworden. Die Vereinigten Staaten haben bis heute nicht einmal den Laufanner Bertrag ratifiziert; eine beträchtliche Bahl amerikanischer Politiker unter Führung von James Gerard, dem früheren Botschafter in Berlin, fordert die Ablehnung des Vertrages. Trostlos ist auch die kulturelle Lage der türkischen Bevölkerung. Es entspricht vollkommen der Wirklichkeit, wenn das Blatt ,, Son Telegraph" feststellt, daß nur 5 Broz. der gesamten Bevölkerung lesen und schreiben können. Schon die Tatsache, daß das Budget des Ministeriums für Boltsaufflärung nicht mehr als 20 Millionen Goldmark beträgt, besagt sehr viel. Als Folge des wirtschaftlichen Elends und der fulturellen Rückständigkeit der Bevölkerung ist auch der unglaublich hohe Prozentsaz der Kindersterblichkeit aufzu= faffen. Dr. Fuad Bey, der Generalsekretär des türkischen Verbandes für Kinderschuh, hat sich neulich folgendermaßen geäußert: Die Tragödie, die ich vor kurzem während meiner Reise auf dem Lande mit eigenen Augen gesehen habe, ist eine tiefe Wunde am Leibe der Nation; drei Biertel der Kinder sterben bei uns noch in ihren ersten Lebensjahren; außerdem leidet mindestens die Hälfte der übrigen Kinder an verschiedenen Krankheiten." Wie steht es nun mit den innerpolitischen Verhältnissen des Landes? für Groß- Berlin im letzten Frühjahr auch das Kalifat aufgehoben. Zweifellos Cinsendungen für diese Rubrik sind flets an das Bezirkssekretariat, Berlin 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten 11. Kreis Schöneberg. Die Weihnachtslisten müssen umgehend beim Genossen Lazer, Berchtesgadener Gir. 22/23, Gartenhaus 3 Tr., abgerechnet werden. Heute, Sonnabend, den 3. Januar: 25. Abt. Die Bezirksführer werden ersucht, bis spätestens Sonntag, den 4. Januar, beim Raffierer, Gülbe die Sammelfisten und Beitragsmarten abzurechnen. 123a- Abt. Raulsborf- Süb. 8 Uhr Funktionärßigung im Jugendheim. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 77. Abt. Schöneberg. Der Bezirksverordnete, Genoffe Gustav Soffmann im Krematorium Wilmersdorf. ist am 30. Dezember 1924 gestorben. Einäfcherung am 3. Januar 1925 6% Uhr Bekanntlich wurde vor zwei Jahren das Sultanat und fönnen diese Maßnahmen für die Türkei als fortschrittlich und sogar revolutionär gelten. Ob aber die Ersetzung der Monarchie durch die persönliche Dittatur Kemals und durch die Willkürherrschaft seiner Clique tatsächlich einen Fortschritt bedeutet, unterliegt starken Zweifeln. Es ist immerhin charakteristisch, daß diese Diftatur nicht einmal in den rückständigen asiatischen Verhältnissen allzu lange geduldet wird. In der letzten Zeit sind auch in den Reihen der alleinherrschenden Khalti Partei( Volkspartei) der Kemalisten Spaltungen eingetreten. Eine beträchtliche Anzahl einflußreicher Mitglieder des türkischen Parlaments find aus der Partei Kemals ausgetreten und haben neue Gruppen und Barteien gebildet, die durch den gemeinsamen Haß gegen die Diktatur Kemals und feine Partei zusammengeschlossen werden. Die einflußreichsten Mitglieder der Oppo sition gehören der neugegründeten Partei der Pro= greffisten an, deren Führer die Generäle Karabekir Pascha, Fuad Pascha und der frühere Premierminister Reuf Bey find. Diese Partei besizt namentlich in Kon Sente, Sonnabend, ben 3. Januar, abends 7½ Uhr, ime Jugendheim, inftantinopel, und zwar unter den Militärs und den IntellektuStraße 3, Borsigenben Ronferena Tagesordnung: 1. Ausweis und Mitgliedsbuch kein gutritt. ( 2. Diederich). 2. Der Reichsjugenbtag 1923 in Samburg( M. Weftphal). Dhue 81. Abt. Friebenan. Die Einäfcherung des alten Bezirksführers Georg Seufert ist nicht Sonntag, sondern heute Sonnabend um 6 Uhr im Kremato rium Wilmersdorf. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Wegen unterlassener Reinigung des Bürgersteiges von Schnee und Eis hatte sich ein Berliner Hausbefizer vor Gericht zu ver antworten und wurde auf Grund der Straßenpolizeiverordnung vom 25. Januar 1917 zu 60 m. Strafe verurteilt, trop der Behaup tung, daß nicht er, sondern der Portier zur Reinigung des Bürgersteiges verpflichtet sei, weil er sich dazu vertraglich ver pflichtet habe. Das Amtsgericht machte aber geltend, der Angeklagte hätte den Portier beaufsichtigen und anhalten müssen, die Reinigung des Bürgersteiges ordnungsgemäß vorzunehmen. Der Bortier fei auch nur dann für die Reinigung des Bürgersteiges strafrechtlich Derantwortlich zu machen, wenn der betreffende Bertrag zwischen Bermieter und Portier von der Polizeibehörde genehmigt sei. Der Beklagte hat nun gegen dieses Urteil Revision beim Straffenat des Kammergerichts eingelegt. Auch dieses Gericht machte sich das erste Urteil zu eigen und führte in der Begründung u. a. aus, daß die Hauseigentümer nur dann von der ftrafrechtlichen Verantwortung für die Reinigung des Bürgersteiges befreit seien, wenn ein Vertrag mit dem Portier oder einer Hilfs person vorliege, welcher von der Polizeiverwaltung genehmigt sei. Nach diesem Urteil sind die Haus befizer gemäß der Polizei. verordnung verpflichtet, für die Reinigung des Bürgersteiges von Eis und Schnee zu sorgen, sie sind auch haftbar für Unfälle. Es genügt also die unterschriftliche Vereinbarung aus dem Portier- oder Hauswartvertrage, wonach sich in den meisten Fällen der Portier verpflichtet hat, den Bürgersteig im Winter zu reinigen, allein nicht. Morgen, Sonntag, den 4. Januar: Der Vertrag muß vielmehr von der Polizeibehörde ge- Alle Beranstaltungen sowie Fahrten fallen aus. Alle Abteilungen beteiligen nehmigt sein. d. h. der Portier muß sich der Polizeibehörde Treffpunkt fpätestens 9 Uhr Bahnhof Wilmersdorf Friedenau. fich an der Morgen- Feier im Reuen Rathaus, Schöneberg. Friebenau: Rorboft I: gegenüber verpflichten, daß nicht der Hauseigentümer, sondern er" Treffpunkt spätestens 8.30 Uhr Rönigstor. Nachzügler benugen die Straßender Verantwortliche sei. Ist dieses geschehen hat der Portier auchbahn 160 oper 60 bis Rudolph- Wilde Plag. Schöneberg. die Polizeiftrafen zu tragen Diese Verpflichtung der Polizei gegenüber werden wohl fehr felten Portiers eingehen, zumal die Erfahrungen aus dem legten Jahr gelehrt haben, daß die verrichteten Arbeiten, die des morgens schon in aller Früh: bis spät in die Nacht mit großer Mühe nur zu bewältigen waren, nicht einen Stundenlohn als Entgelt mehr einbrachten. In allen strittigen Fällen wolle man sich an die Geschäftsstelle des Deutschen Portier- Ber. bandes, Bayreuther Str. 31, wenden. Sieben Meter lang. Im Berliner Aquarium find gegenwärtig niet weniger als sieben arten Riefenflangen ausgestellt, von denen die größten, zwei malaiijche Zeppich oder Gitterschlangen, si e ben Meter lang sind. Besucht die Achtung, Jugendgenoffen und Jugendgenoffinnen! Morgen Feier am Sonntag, den 4. Januar 1925, vorm. 10 Uhr, im Bürgersaal des Neuen Rathauses in Schöneberg. am Rudolph- WildeBlag. Breis der Karte 0.25 m. Einlag 9% Uhr vorm. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Gebastianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Ramerabschaft Tiergarten. Der Uebungsabend am Sonnabend, den 8. Januar. Räheres folgt. Rameradschaft Kreuzberg, Abteilung Süb.Oft. Heute, Sonnabend, den 3. Januar 1925, abends 7 Uhr. bei Lier, Raunon3. Januar, fällt aus. Mitgliedervollverfammlung am Donnerstag, trake. Jugend und Erwachsene Borstands, Bug- und Gruppenführer- Gizung. des Serrn Alfred Donden:„ Beltanschauung und Weltempfinden." Gäfte will Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr. Bappelallee 15, Bortrag Zommen. ellen einen großen Anhang und auch die Jungtürken sympathisieren mit dieser Partei. Bon einer sozialistischen oder gar tommunistischen Partei fann in der Türkei feine Rede sein. Früher existierte in Konstantinopel eine wenn auch nur sehr schwache sozialistische Arbeiterorganisation. Aber seitdem die Kemalisten ihre Macht auch über diese Stadt ausgebreitet haben, ist die alte Arbeiterorganisation aufgelöst und durch neue, staatliche", d. h. femalistischen Organisationen abgelöst worden. Vor furzem ist in Konstantinopel davon gesprochen worden, neben den neugegründeten Parteien auch eine Arbeiteri partei ins Leben zu rufen. In dieser Richtung wurden fogar einige Schritte unternommen. Aber die kemalistische Partei, unter deren Aegide" sich die türkischen Arbeiter organisationenn befinden, hält die Zeit für eine solche Gründung ,, noch nicht für gekommen". In diesem Sinne hat sich por furzem der Generalsekretär der femalistischen Partei Sadi Bay, der zugleich Vorsitzender der Arbeiterorgani fationen ist, geäußert. Die russischen Bolschewisten haben vor einigen Jahren versucht, den Kommunismus auch nach der Türkei zu erportieren. Als Träger dieser Idee waren solche ,, Kommu ausersehen, die bekanntlich schon 1919/1920 durch die Vernisten", wie Enver Pascha, Djemal Pascha u. a. mittlung Karl Rabets mit Mostau in Berbindung ge treten waren, um gemeinsam die ,, Revolutionierung" Indiens wie des gesamten Ostens in die Wege zu leiten.( Der vor turzem im ,, Tanin" veröffentlichte Brief Djemal Paschas an den Chefredakteur des Blattes, Hüssein Djahid, enthält darüber höchst interessante Angaben.) Bekannt ist auch die Tatsache, daß auf dem Kongreß der Völker des Ostens in Batu ( Mat 1920) Sinowjem und Radet sich öffentlich mit Enver Pascha nerbrüderten und den Beschluß faßten, den westlichen Imperialismus und die Organisationen der Sozialverräter" zu stürzen. Daß die genannten Pascha- Kommunisten mit Mustapha Kemal in engster Fühlung standen, unterliegt feinem Zweifel. Auch offiziell traten die russischen Kommunisten mit Mustapha Kemal in Fühlung und verbündeten sich mit ihm. Doch diese Freundschaft war nicht von langer Dauer. Die Kemalisten gründeten schon damals, also vor etwa 4 Jahren, eine fommunistische Partei der Türkei", deren erstes Manifest" u. a. folgende Lehre verkündete: Wer gegen das private Eigentum ist und wer dagegen agitiert, ist fein Kommunist, sondern ein Imperialist. Wer gegen die Religion ist und dagegen spricht, ist tein Kommunist, sondern ein Imperialist". Solcher Art war der eigenartige ,, Kom munismus", der von den mit Moskau verbündeten Remaliften in der Türkei großgezüchtet wurde. Heute brauchen die Remalisten nicht einmal zu solchen operettenhaften Berkleidungen zu greifen, um die Arbeiterschaft ihren 3weden dienstbar zu machen. Amtsverschwiegenheit. Mancha Beisiger der Schlichtungsbehörden wissen anscheinend noch nicht, daß fie bei Ausübung ihrer Tätigkeit zur Amtsver schwiegenheit verpflichtet sind. Diese war in gewiffer Begrenzung fchon festgelegt im Gesek über den vaterländischen Hilfsdienst". Nach einzelnen dieser Bestimmungen regelte sich auch die Arbeit der Schlichtungsausschüsse, die in der bekannten Berordnung vom 23. Dezember 1918 eingesetzt wurden. Der hauptsächlichst in Betracht kommende§ 9 des alten ,, Hilfsdienstgesetzes" lautet: Der Vorsitzende und die übrigen Mitglieder der.. Ausschüsse sind verpflichtet, über Geschäfts-, Betriebs- und Berufsgeheimnisse, die ihnen in dieser Eigenschaft bekannt werden, Amtsverschwiegenheit zu beobachten. Mit Geldstrafe bis zu 3000 M. oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten wird bestraft, wer der Vorschrift in Absatz 1 zuwider Geheimnisse unbefugt offenbart. Eine ähnliche Bestimmung ist übernommen worden in die sogenannte neue Schlichtungsverordnung vom 23. Dezember 1923. Die zweite Ausführungsverordnung zu dieser umgrenzt in ihrem § 4 im besonderen die Tätigkeit und die Stellung der Beifizer. Im Kommentar von Flatow- Joachim( Verlag Julius Springer 1924, Seite 106) heißt es: Die Beifizer des Schlichtungsausschusses haben eine amtliche Stellung inne. Daraus ergibt sich das Erfordernis der deutschen Reichsangehörigkeit, ferner aber auch eine Schweigepflicht hin. fichtlich aller Vorgänge und Tatsachen, die sie in Ausübung ihres Amtes erfahren. Strafen megen Berlegung der Schweigepflicht find in der Schlichtungsverordnung und in den beiden Ausführungsver prdnungen nicht vorgesehen, wohl aber rechtfertigt sie die Abberufung. Im Kommentar von Sizler- Gaßner( Ausgabe 1924) mird auf Seite 155 gesagt: " Die Abstimmung der Schlichtungskammer ist in allen Fällen ( also auch über andere Fragen als den Schiedsspruch) geheim. Daher dürfen nur die Mitglieder der Schlichtungskammer und, falls ein Schriftführer zugezogen ist, auch dieser an ihr teilnehmen. Ueber die Vorgänge bei der Abstimmung haben die daran betei ligten Personen Stillschweigen zu bewahren. Diese Pflicht ergibt sich aus der amtlichen Eigenschaft, in der alle Beteiligten an der Beratung und Abstimmung teilnehmen. Hiernach fann z. B. ein Beisiger des Schlichtungsausschusses, der Vorgänge aus der Beratung oder der Abstimmung anderen mitteilt, je nach der Schwere dieses Verstoßes gegen seine Amtspflichten(§ 4 Abs. 6) von der Obersten Landesbehörde abberufen werden(§ 4 Abs. 7)." Auf Seite 120 desselben Kommentars wird gleichfalls die Verpflichtung der Beifizer zur Amtsverschwiegenheit hinsichtlich der Bor gänge bei der Beratung und Abstimmung behandelt. Dort heißt es dann zum Schluß: Liegt ein schwerer Verstoß gegen die Amtspflichten vor, so fann die Oberste Landesbehörde den Beisitzer nach§ 4 Abs. 7 abberufen." Ein Arbeitgeberbeisiger des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin, Dr. Dingelden, Syndikus der Bereinigung Groß Berliner Arbeitgeber im Böttchergewerbe, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Effigfabriken, hat aus einer Kammerverhandlung Aeußerungen eines Arbeitnehmerbeisigers an eine Spandauer Faßfabrit weitergegeben. Durch die Einwirkung dieser Faßfabrik ist dann der Arbeitnehmerbeifizer von feiner eigenen Firma, der Pazenhofer Brauerei, Span= dau, bei welcher er seit 1914 beschäftigt und seit 1919 Borsigender des Betriebsrats und Mitglied des Gesamtbetriebsrats war, rechtlich- fristlos entlassen worden. widerWirtschaft Fünf Jahre Ford in Kopenhagen. ( Bon unserem dänischen Mitarbeiter.) Ropenhagen, Anfang Januar. Im Jahre 1919 wurde die bekannte Focd- Filiale in Kopenhagen mit einem Afhentapital in Höhe von einer halben Million Kronen errichtet. Die Fabrik beschäftigte 160 Aiteiter und Angestellte und war in der Lage, täglich 14 Wagen zu produzieren. Fünf Jahre sind feitdem vergangen. Für die Entwicklung des Unternehmens während dieser Zeit spricht die Tatsache, daß die alten Werkstätten für Ford viel zu flein geworden sind. Deshalb ist eine neue Fabrit am Südhafen Kopenhagens errichtet worden. Ihre Erbauung fostete rund 5 Millionen Kronen. Die Belegschaft beträgt heute 700 Mann, das Aftienfopital 30 Millionen und die Tagesproduktion 140 Autos. Allein im Jahre 1923 wurden durch die Kopenhagener Ford- Werke 25 276 Wagen verkauft, von denen 17 387 in Kopenhagen montiert wurden. Fragt man nach den Gründen dieser auffallend guten und schnellen Entwicklung, so treten drei Momente in den Vordergrund: technische Ueberlegenheit durch Serienbau und Taylor- System, eigene große Berkaufsorganisation und großzügiges Kreditinstem. Die technische Ueberlegenheit Fords erweist sich besonders in der neuerbauten Kopenhagener Fabrik. Sie ist die erste Fabrit in Etandinavien, die Reffelfeuerung mit pulverifierter Kohle eingeführt hat. Die Kohle wird zu Staub gemahlen und mechanisch unter die Reffel geblafen. Dadurch soll sowohl gleichmäßige Feuerung als auch völlige Ausnutzung der Kohlenfraft gewährleistet sein. Kettentransporteure führen die einzelnen Teile von einer Werfftait zur anderen, die in einem gerade- Linie- System" angeordnet find. Die Haupttransportfette ist 94 Meter lang und fann 200 Wagen im Laufe von 8 Stunden transportieren Das gleiche System wird in der Karosserieabteilung angewandt. Durch Fahrstuhl werden die Chassis im Rohbau von der ersten Etage in die zweite gebracht, die dortigen Emaillierungsöfen fönnen in 8 Stunden 250 Wagen behandeln. handeln. Sammlertransporteure führen die fertigen Rarofferien hinab zu den Chassis, durch Lichtsignale wird jede einzelne Abteilung von dem Gang der Arbeit in der anderen unterrichtet. Daß von zwei Seiten Hafenbassins um die Fabrit greifen, Anschlußgleise zur Stoatsbahn an fie heranfaufen, sei nur zur Vervollständigung des Bildes der technischen Organisation erwähnt. Ebenso großzügig sind die Bertaufsorganisationen eingerichtet. Es bestehen etwa 85 autorisierte Berkaufsstellen und 300 autorisierte Reparaturwerkstätten. Von dieser Organisation fann die deutsche Automobilindustrie viel lernen. Man hört immer wieder in Standi navien: Wir würden gern deutsche Wagen taufen, die solder und dauerhafter find Aber wenn am deutschen Wagen etwas reparatur. bedürftig, ist, dauert es vier bis sechs Wochen, ehe ein Ersatzteil aus Deutschland fommt oder der Schaden durch Schweißen und Schmieden beseitigt ist. Muß aber der Ford- Wagen repariert werden, so telephoniert man nach der nächsten Reparaturwerkstatt und in ein paar Stunden ist ein Ersatzteil, das noch dazu taum halb so teuer ist wie die deutschen für deutsche Wagen, da und eingesetzt. Die dritte Ueberlegenheit, eine sehr bedenkliche, ist das Fordsche Abzahlungsgeschäft. Man fann mit 100 Kronen in bar einen FordWagen taufen, den Rest die Ford- Wagen fosten 2000 bis 5000 dänische Kronen zahlt man in Monatsraten von 30 bis 50 Str. ab. Die Ansicht über den Wert der Ford'chen Fabriken für das Land ist in Dänemark sehr geteilt. Die Arbeiter flagen über das unmäßige Tempo und die Einseitigkeit in den Fordschen Werkstätten. Im übrigen schließt sich der amerikanische Ford- Direktor in allen Arbeiterfragen( Lohn, Freizeit usw.) den Tarifen und Abmachungen der Arbeitgeberverbände mit den Gewerkschaften an. Die Angestellten flagen auch darüber, daß alle besseren und höheren Posten mit Amerikanern besetzt find. Weiter muß die dänische einheimische Automobilindustrie sich auf den Bau von Spezialwagen und Luruswagen beschränken oder für Ford arbeiten. Die Kopenhagener Reedereien hatten allerdings bis jetzt durch die Fordiche Ausfuhr eine gute Zeit, aber schon hat sich Ford eine eigene Reedereiabteilung zugelegt mit den für Automobiltransport auf deutschen Werften umgebauten che-maligen deutschen Küstenpanzern Aegir" und„ Heimdal". Allgemeinwirtschaftlich hat Ford für eine Reihe von Holzbearbeitungs-. Polsterer- und elektrotechnischen Firmen Dänemar? s gute Beschäftigung gebracht. Aber auch die Staatsbahn verzeichnet durch Ford große Gütereinnahmen, aber man fragt sich doch, ob das bei einer gleich starken Entwicklung der eigenen Automobilindustrie nicht mindestens ebenso der Fall gewesen wäre. Ueber eins sind sich alle Lehörden, Eparkassen, Nanfen und Wirtschafter flar: das Fordsche Abzahŕungssystem reizt zu übermäßigem Autokauf. Es bringt die Autofonsumenten in ewige Schulden, denn wenn ein FordAuto abgezahlt ist, ist es auch ausgeleiert. Bisher haben sich auch die Hoffnungen auf einen großen Ford Export pon Kopenhagen aus nur zum geringsten Teil erfüllt. Die größten Bestellungen fommen aus Rußland und werden alle Augengrößten Teil der Kopenhagener Ford- Produktion hat bisher Däneblicke wegen der Zahlungsunfähigkeit Rußlands annulliert. Dan größten Teil der Kopenhagener Ford- Produktion hat bisher DänePreisnotierungen für Nahrungsmittel. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,59 Kakao. fettarm 18,50-18,75 Kakao, leicht entölt 70,00-96,00 100,00-120,00 ..20,00-21,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 21,50-22,50 Tee, indischer, gepack: 400,00-470,00 29, 0-31,00 17,00-19.00 Inlandszucker basis mel. mart felbft getauft. Aber nun foll der große Auslandsverkauf Ins gehen: nach Deutschland, nach Polen usw. Ob es wahr wird? Man glaubt in Kopenhagen nicht mehr so recht an Fordsche Bersprechungen wie vor 5 Jahren, seitdem man ficht, daß das Fett ausschließlich dech Ford in Amerika abgeschöpft hat. Der Lebenshaltungsinder. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) für Dienstag, den 30. Dezember, blieb nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamis mit 122,9 gegenüber der Vorwoche( 122,8) nahezu unverändert. Auch für den Durchschnitt des Mona's Dezember ist gegenüber November( 122,5) nur eine unwesentliche Steigerung( auf 122,6) festzustellen. Die Inderziffer der Ernährungsfoften allein beträgt im Durchschnitt Dezember 135,0. Die Großhandelsindegziffer des Statistischen Reichsamts ist im Durchschnitt Dezember gegenüber dem Durchschnitt RoDember( 128,5) um 2,2 Bro3. auf 131,3 gestiegen. Die auf den Stichtag des 30. Dezember 1924 berechnete Großhandelsinderziffer lautet, wie bereits veröffentlicht, 134,3. Inventurausverkäufe. Mit großer Reflame werden auch in diesem Jahre die Inventurausverfäufe in Szene gefeßt. Man fann unter den Angeboter: Damenmäntel für 2,95 M., Blusen für 95 Pf., Damenstrümpfe für 18 bis 20 Pf., Taschentücher für 5 Pf. und ähnliches finden. Es lohnt sich wirklich nicht, diese Dinge zu faufen. Es ist schade um das Material, das in derartig qualitativ minderwertigen Baren verarbeitet ist, es ist schade um die Arbeitskraft, die hier vergeudet ist und die für qualitativ hochwertigere Erzeugniffe viel nußbringender hätte verwendet werden können. Im allgemeinen ist auch bei diesen Ausverkäufen zu konstatieren, daß sich die Herabsetzung der Preise Ware, die der Mode unterworfen ist, und drittens auf nur erstreckt erstens auf minderwertige Ware, zweitens auf Saisonartifel, mit denen die Geschäfte räumen müssen, un den Platz für die Ware der Frühjahrssaison frei zu machen und um Gelder hereinzubekommen, damit sie die für das Frühjahr notwen digen Einfäufe vornehmen fönnen. Es ist festzustellen, daß in diesem Jahre die Zahl der Geschäfte, die Saisonousverfäufe vornehmen, eine Kleinigkeit geringer ist, als etwa im Juli. Das lag nicht daran, daß im Juli eine Zeit der Stagnation für den Einzelhandel vor den Saisonausverkäufen lag, während in diesem Jahre das Weihnachtsgeschäft, wenn auch nicht alle darauf gesetzten Hoffnungen erfüllt hat, so doch immerhin beträchtliche Einnahmen brachte, so daß viele der Einzelhandelsgeschäfte in der Lage sind, mit den durch das Weihnachtsgeschäft vereinnahmien Geldern eine Zeit lang Haus zu Textilfabrikation, die Baumwolle, zirka 33 Prozent im Preise niehalten. Es ist ganz merfwürdig, daß troßdem der Hauptrohstaff der driger ist als zu Beginn des Jahres 1924. Es ist ganz merkwürdig. daß, trotzdem inzwischen ein Steuerabbau, wenn auch nur in geringfügigem Ausmaße, stattgefunden hat, es ist ganz merkwürdig, daß. trotzdem die Frachten gesunken find, es ist ganz merkwürdig, daß, trotzdem die Unkosten z. B. für Beleuchtung geringer geworden sind, es ist merkwürdig, daß, trotzdem die Zahlungsbedingungen sich für den gesamten Handel und die gesamte Industrie verbessert haben, daß, trozdem z. B. ein Abbau der Provisions- und Zinsbedingungen, menn auch nur in geringem Ausmaße, stattgefunden hat, die Preise füz Baumwollwaren nur ein ganz flein wenig, verglichen mit denen zu Anfang des Jahres 1924, zurückgegangen sind. Es ist dies umfo merkwürdiger, als bei den Breijen der Wollwaren die Steigerung des Rohstoffes voll auf die Preise aufgeschlagen worden ist, so baj Wollwaren eine Preishöhe erreicht haben, daß sich dieses in einen beträchtlichen Nachlassens des Konsums an Wollmaren bemerkba Rohstoffpreise nicht völlig in den veränderten Fertigfabrikaten zum macht. Nun mag es richtig sein, daß man die Beränderungen der Ausdruck bringen fann, aber was für Preisabbau gilt, gilt doch au für die Preissteigerungen, auch hier fönnte rur die Preissteigerung entsprechend dem prozentualen Anteil des Rohstoffes an dem Fertigprodukt in der Preissteigerung des Fertigprodufis zum Ausdru gebracht werden. Aber bei den Unternehmern ist ja das eine alte Tatsache, das haben wir ja schon aus der Lohnerhöhung der Inflationszeit fennen gelernt damals wurden die Lohnerhöhungen in voller Höhe auf die Fertigworen aufgeschlagen, der Lohnabbau aber nur in der Weise vom Preise abgefeßt, daß der prozeniuale Anteil des Lohnes am Fertigfabrikat Berücksichtigung fand. Daß die Inventurausverfäufe in diesem Jahre vollen Erfolg haben, ist faum anzunehmen, und zwar deswegen nicht, weil die Rauftraft der wertige Konsumenten nicht in Fiage tommen. Möglicherweise lassen großen Maffen heute noch so gering ist, daß sie als voll fich diese großen Massen dazu verleiten, Waren zu kaufen, die im Preise sehr billig, aber qualitativ vollkommen minderwertig sind, Waren, die zum Teil für Ausverkaufszwede hergestellt sind. Das wäre höchst bedauerlich. Es ist in diesem Falle troß der Belastung. den der Arbeiterhaushalt dadurch erfährt, schon beiier, wenn man sich ein gutes Stück auf Abzahlung fauft. Die Verluste sind in diesem Falle doch nicht so groß. Krije in der Terfilbranche. Der Frankfurter Zeitung" zufolge haben drei angesehene Firmen der Frankfurter Tertilbrande am Jahresschluß ihre Zahlungen eingestellt; nämlich die Manufakturwarenhandlung Jul 11mann, die Samt- und Seidengroßhandlimg arms u. Co. und die Frankfurter Bekleidungsindustrie furter Häuser. Amerikanische Goldfendung Am letzten Tage des Jahres traf der deutsche Dampfer Bremen" ous New York in Deutschland ein und brachte als weitere Goldsendung aus den Bereinigten Staaten für 2½ Millionen Dollar amerikanische Goldmünzen, meist zwanzigdollarstücke. Damit find rund 20 Millionen Dollar in Gold für die Reichsbant als amerikanischer Anteil an der 800- Millionen- Anleihe überwiesen worden. Es braucht hier nicht darauf eingegangen zu werden, ob diese Aeußerungen richtig wiedergegeben und in welchem Zusammenhang fie getan wurden. Festgestellt soll nur die Tatsache werden, daß Dr. Dingelden unter Bruch der Amtsverschwiegenheit die Broilosmachung eines Arbeitnehmerbeisigers erwirkte, der in Wahrung berechtigter Intereffen sein Amt als Beifizer pflichtgemäß ausgeübt hat. Beim Oberpräsidenten ist inzwischen von den Berliner Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Franz Jusgen, die beiden ersteren Firmen sind ältere Frankfreigemertschaftlichen Spizenförperschaften ein Antrag auf Abberufung des Dr. Dingelden im Sinne des oben angeführten Paragraphen 4 der zweiten Ausführungsverordnung zur Schlichtungsverordnung gestellt worden. Es bleibt abzuwarten, welches Schicksal dieser Antrag haben wird. Billigerweise tann aber auch jezt schon feinem Arbeitnehmerbeisiger zugemutet werden, in einer Kammer mit Herrn Dingelden tätig zu fein, weil deffen aftenmäßig festgestelltes gefezwidriges Verhalten zu einer Beeinträchtigung der Rammerarbeit führt. Auch die hieraus entstehenden Wirkungen wird die entscheidende Oberste Landesbehörde genau zu prüfen haben. Selbstverständlich hat der betroffene Arbeitnehmer durch seine zu ständige Organisation seine Rechte beim Amtsgericht im vollen Umfange geltend gemacht. Dies hat seine Firma inzwischen zur 3u rudnahme der getroffenen Maßnahmen veranlaßt. Wäre dies nicht geschehen, so hätte Dr. Dingelden auf Grund der Paragraphen 823 und 826 BGB. zum Schadenersaz gegenüber dem Arbeitnehmer, den er in allzu großer Geschäftigkeit zeitweilig criſtenzlos machte, herangezogen werden fönnen. Baragraph 823 BGB. fezt fest, daß derjenige, der vorfäßlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein jonftiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, dem anderen zum Ersage des daraus entstehenden Schadens verpflichtet ist. Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, der gegen ein den Schutz des anderen bezweckendes Gesez verstößt. Nach Paragraph 826 BGB. ist derjenige einem anderen gegen. über zum Schadenersag verpflichtet, der in einer die guten Gitten verstoßenden Weise einem anderen vorfäßlich Schaden zufügt. Die hier behandelte Angelegenheit und ihre Auswirkungen seien insbesondere den freigewerkschaftlichen Arbeitnehmerbeifizern der Schlicht ungsbehörden nachdrücklichst zur Beachtung empfohlen. Die praktischen Nutzanwendungen ergeben sich qus den Darlegungen von selbst. Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, Ierl Langbohnen. handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen. große Kartoffelmehl Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Mehlnudeln Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java. Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia). Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer singap Weißer Pfeffer 19,25-22,50 Inlandszucker Raffinade 24,50-200 Zucker Würfel 17,25-19.5 Kunsthonig 19,75-26,50 Zuckersirup hell in Eim 18,00 23,23 Speisesirup dunk. in Eim 15,00 16,00 Marmelade Eintr. Erdb 22,00-23,00 Marmelade Vierfrucht 28,00-33,0 Pflaumenmus in Eimern 18,00 25,50 Steinsalz, in Säcken. 31,60-42,00 44,00-56,50 Siedesalz in Säcken 19,00-22,00 .. 31,50- 35,50 35,50-38,0 36, 0-37,00 40,0027,00- 30,00 90,00-95,00 40,00 45,00- 55,00 3,10- 3,60 3,70-4,20 4.40- 5,10 5,20- 5,80 92,00-93,00 92,5 94,00 90,00 90,00-92,00 65,0-66,00 66,00 60,00-63,00 43,25 55, 0 Bratenschmalz in Tierces 47,00-73,50 Bratenschmalz in Kübeln 23,50-26.75 Purelard in Tierces 15,50-17,75 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,5 32,00 Speisetale in Kübeln 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. 1 86.00-96,00 desgl II 48,00-50, 0 Margarine, Spezialm. I. 80,00-81,00 74,00-85, 0 69,00-71,00 desgl.!! 65,00-68,00 Molkereibutter la i. Fäss. 208,00-217,00 60,00- 73, 0 Molkereibutter i. Pack. 223,00-226,00 75,00 95,00 Molkereibutter ila i. Fäss. 175,00-19,00 58,00 74,00 Molkereibutter i. Pack. 180,00-200,0 205,00-210, 0 Auslandbutter in Fässern 218,00-230,0 200,00-210,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 39,00100.00-120,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-115,00 53,50-60,00 Quadratkäse 40,00-50,00 110,00-120,0 Tilsiter Käse, vollfett 120,00-130,00 155,00-173,00 E hter Emmenthaler 215,00-230,00 Echter Edamer 40%. 2000 270.00-310,00 Ausl. ungezuck.Condens330.00-400,00 milch 48/16. 20.00 22,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika25,00-310,00 Röstkaffee Brasil. Höstkaffee Zentralam. Röstgetreide, lose • 165,09-175,0 120,00-125,00 88,00-90,00 20,00-22,50 25,25 Ein neues Webstuhlsystem. Ein Konzern, bestehend aus der österreichischen Bodenkreditanstalt, der tschechoslowakischen Zivnostenita Banta und der Tertilgruppe Mauthner, Prag, fündigt, wie der„ Konfektionär erfährt, ein neues ebstuhlsystem an, das angeblich geeignet sein foll. in der Teppich fabritation eine Umwälzung hervorzurufen. Das Konsortium will in Defterreich den neuen patentierten Teppichwebstuhl in Massen fabrizieren und dialfabriken im Auslande, unter anderem auch in den Bereinigten Staaten, errichten. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch Lebewohl" n los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. „ Lebewohl wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! Sonnabend 3. Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Bilder aus Italien. Bon Richard Linnete. Der warme Sonnenschein strahlt mir über den Schreibtisch und ich habe alle Fenster geöffnet, um der warmen Luft Einlaß zu geben. Die herrlichen Bauten und Stadtbilder erscheinen in diesem leuchtendem Sonnenschein noch viel malerischer und bunter als sie fonft sind und das ganze Straßenleben ist noch farbenreicher als sonst. Aber die Schönheit dieses Landes steht in einem scharfen Gegenfa zu seinen politischen Verhältnissen. Gewiß spürt der oberflächliche Betrachter wenig davon und meint wohl, weil das leichtlebige und gegenwartsfrohe Bolt so gut oder so schlecht lebt, wie immer und fich so wohl fühlt, wie immer, sei alles gut. Wer aber nur etwas ins Bolt geht und aufmerkt, der mird spüren, wie es in Wirklich teit aussieht und wie der Druck der politischen Verhältnisse auf den Massen lastet. Nicht genug, gaß man an allen alten Wänden der Großstadt Aufschriften wir Morte ai Fascisti"( Tod den Fa schisten) findet, nein alle Gespräche landen immer wieder bei dem Thema. Ich as in Mailand in einer Brivatpension unter den ver. schiedensten Berufsschichten. Aerzte, Juristen, Ingenieure, Studen ten, Lehrer, Raufleute ufm. Aber fobald die Unterhaltung in Fluß tam, dauerte es feine minute und man war bei der Politit an gelangt. Da entlub sich dann die ganze Erbitterung diefer Menschen über die jeder Beschreibung spottenden terroristischen politi fchen Methoden der Faschisten. In der ganzen Benfion( 25 bis 30 Bersonen) fand sich ein Faschist und vielleicht ein bis zwei Personen, die dem Faschismus sympathisch gegenüberstanden. Alles andere Sozialisten oder doch Faschistengegner. Mit leidenschaftlichen Wor ten und Vorwürfen fiel alles über den Faschisten her, einen Stu denten, der sich gar nicht zu helfen wußte und selber gleich erregt wurde. So herrschte manchmal ein Lärm im Eßzimmer, wie bei uns in einer Bersammlung von über 100 Personen. Oder Angehörige der faschistischen Miliz im Schwarzhemd und Räppi mit Troddel gehen über die Straße. Sie find übrigens sehr gut ge. fleidet und sehen weit jauberer aus als die regulären Soldaten. Sofort schaut fich alles nach ihnen um und mancher wütende Blick von Biviliften sowohl, als auch von Militärpersonen, besonders Offizieren, wird hinter ihnen her geschickt. Das ist so ein besonderes Kapitel mit den Offizieren. Sie sind Gegner des Faschismus aus getränkter Berufsehre, weil in der faschistischen Bewegung einfache unvorgebildete Menschen ohne die lange Dienstzeit der aktiven Difi ziere in die höchften Stellen der Miliz( die ja jetzt dem Heere ungefähr gleichfteht) gekommen sind. Zu diesen Gegnern fommen dann für Mussolini noch die aus dem eigenen Lager( Die Orthodogen"), denen er nicht mehr faschistisch genug ist. Bom 10. Dezember ab fand in Mailand der italienische Ge wertschaftstongreß statt, eine wichtige Etappe auf dem Wege zum Wiederaufbau der Arbeiterbewegung. Zum erstenmal feit der Faschistenherrschaft. die Möglichkeit zu einer zentralen öffentlichen Tagung. Man fann überhaupt beobachten, daß in den großen Städten mie Mailand, Turin usw. schon wieder eine ziem liche Freiheit besteht und die Möglichkeit für die Sozialisten zu arbeiten. Aber auf dem flachen Lande und in der Kleinstadt herrscht noch schärfster Terror der Faschisten. Der Kongreß tagte in einem Bolfstheater in einer stillen Straße Mailands. Carabineri( die italienische Staatspolizei in ihren alten historischen Dreiern) war vor dem Hause und im Vorraum poftiert. Angeblau zum Schuße, obwohl die Genoffen fagten, daß fie nur Dekoration seien und im Ernstfall unsichtbar wären. Bei Beginn der Bersammlung eine Ehrung Matteottis, des ermordeten Genossen. Allseitiges spontanes Erheben von den Bläzen und begeistertes Händeflatschen. Dazu enthusiastische Rufe Hoch Matteotti!" Matteottis Brustbild schmückt in übernatürlicher Größe die Rückwand der Bühne, mit roter Schleife und Blumen bekleidet. Matteotti wird überhaupt sehr verehrt und ich fand sein Bild fast im Hause jebes Sozialisten, ja auch in einer vornehmen Mailänder Familie von Nichtiozialisten. Als dann bei der Be grüßungsansprache das Wort Molinella fiel, erneut eine un geheure Begeisterung. Alles springt auf, flatscht in die Hände, trampelt und ruft Hoch Molinella!" Man raft förmlich. Moli nella ist ein Dorf in der Nähe von Bologna, in dem die Arbeiter, meist Landarbeiter, einem faum vorstellbaren Faschistenterror. unterworfen sind. Die braven Genossen haben auch nach der Faschistenherrschaft dem Sozialismus die Treue bewahrt und muß. ten das schwer büßen. Keine Arbeit zu bekommen( die bekam man nur mit der Starte der faschistischen Gewerkschaften!), Hunger und Elend und Mißhandlung durch die Faschisten war ihr Los. Die Genossen haben gegen alle diese mittel eine unvergleichliche Feitig feit gezeigt und haben ausgehalten. Sie haben sich nicht gebeugt und nicht verkauft. Aus ganz Italien haben die Sozialisten diesen Die Meinen haben mich geschickt. Eine Episode aus den Pariser Junifagen von 1848. Bon 3wan Turgenjem. Mir kam es nicht zu, auf der einen oder anderen Seite der Barritade zu kämpfen, ich ging nach Hause. Der ganze Tag verlief in einem unbeschreiblichen Tumult. Das Wetter war heiß und drückend, ich blieb auf dem Boulevard des Italiens, auf dem sich allerlei Gestalten drängten. Es liefen ganz unglaubliche Gerüchte um, die fofort von anderen noch phantafti. jderen verjagt wurden. Gegen Abend stand die eine Tatsache unwiderlegbar feft: fast die Hälfte der Stadt war in den Händen Der Insurgenten. Ueberall wurden Barritaben gebaut, besonders auf dem linken Ufer der Seine. Die Soldaten besetzten die wichtigsten Punkte, man rüstete sich zu einem Stampf auf Leben und Tod. Am folgenden Tag, am frühen Morgen, änderte sich wie von einem Zauberstab berührt das Aussehen der Boulevards, wie über. haupt das Aussehen des Teiles der Stadt Paris, der nicht von den Aufständischen befeßt war. Cavagnac, der Befehlshaber ber Borifer Armee, hatte einen Befehl erfassen, der jedes Fahren und Gehen auf den Straßen untersagte. Die Nationalgarden aus Baris und der Broving zogen auf die Bürgersteige und bewachten die Säufer, worin sie einquartiert waren. Die reguläre Armee und die Mobilgarde fämpften, die Ausländer, Frauen, Kinder und Kranten faßen in den Häufern, alle Fenster waren sperrmeit geöffnet, un bie Soldaten vor Schüssen aus dem Hinterhalt zu schüßen. Die Straßen lagen jetzt wie tot. Nur selten fuhr ein Bostomnibus oder die Kalesche eines Meditus vorüber. Ober es zog mit Donnergereffel eine Abteilung Artillerie, zum Kampfplak eilend, den Boulevard entlang, eine Kompagnie Soldaten, oder es ritt ein Adjutant oder eine Ordonnanz vorbei. Es war eine grausame qualvolle Zeit. Wer sie nicht durchlebt hat, fann sich von ihr feinen Begriff machen. Auch den Franzosen wurde es in diefen Buständen unheimlich, die mochten denken, daß ihre Heimat und die ganze Gesellschaft zusammenbrechen imb in den Abgrund stürzen werden, doch der Kummer eines Ausländers, der zur Untätigkeit verurteilt war, war, wenn nicht schreck. ficher, so boch quäfenber, Der schwerhörige Stresemann. Ich sehe gegenwärtig teine praktische Bedrohung der Republik." ( Stresemann im Hamburger Fremdenblatt") Sie( dle Deutschnationale Boltspartel) verwirft das herrschende Regierungssystem und ist überzeugt, daß es auf die Dauer unhaltbar fei, und dennoch will fie ihren Eintritt in die Regierung erzwingen, um eine fragfähige Regierungsmehrheit herbelzuführen." ( Graj Bestarp in der Kreuzzeifung") NIEDER MIT DER REPUBLIK HOCH DIE MONARCHIE Eevrywili Ich seh dich nicht, Graf Archibald, Jch hör deine Stimme dicht.... Abwehrkampf unterstützt. Wie schlimm der Terror war, dafür ein Beispiel: Als zur Gedenkfeier für den ermordeten Matteotti auf gerufen wurde, fonnten es die Genossen in Molinella nicht wagen, öffentlich zu feiern. Sie mußten 20 Kilometer weit von ihrem Dorfe nachts um 1 Uhr in einer Talschlucht zusammenkommen, um ihres Märtyrers zu gedenken. Und sie tamen, jung und alt, obwohl die 20 Kilometer hin und zurück zu Fuß zurückgelegt werden mußten. llebrigens wurde auf dem Gewerkschaftstongreß unter ungeheurem Beifall der Vertreter von Molinella zum Präsi denten des Tages gewählt. Beilage des Vorwärts ich ein Bild von Mussolini taufen tönne, sagte er mit: Das werden Sie in zwei Monaten in dem Berbrecheralbum in Berlin sehen." Täglich gehen neue Menschen, neue Bevölkerungsgruppen zur Oppofition über. Diese Boltsstimmung fonnte ich auch gut beobachten, als Mitte Dezember in Mailand der Prozeß gegen die Faschist en stattfand, die einen Straßenbahner mit Stöcken totgeschlagen haben, weil er ebenso wie seine anderen Arbeitsbrüder die Bier- Minuten- Bause zum Gedenken Matteottis machen wollte. Diese viehische Roheit sollte hier Sühne finden. Der Andrang zum Zuhörerraum war sehr groß und auf dem Hofe des Gebäudes wie auf der Straße wurde in vielen Gruppen leidenschaftlich erregt gegen die Faschisten Stellung genommen. Das ito. lienische Bolt, überhaupt leicht umgestimmt und unbeständig, har sich vor Efel über den Faschistenterror von Mussolini und seinen Helfern abgewandt, der sich jetzt eigentlich nur noch auf die Mifiz flüßt. Das Morgenrot einer neuen Zeit zieht schon ain Horizont cuf. Bir Sozialisten fönnen ihm zujubeln. Hoffentlich findet der aufgehende Tag die Bewegung zielbewußt und wegbereit, das ist die Sorge aller hiesigen Genossen und ich glaube auch die Sorge der übrigen Sozialisten der Welt. Der russische Bauer. Magim Gorti hat Gedanken über das russische Bolt, wie fie fich in ihm in jahrelangen Beobachtungen gebildet haben, in einer tleinen Schrift Bom russischen Bauern" niedergelegt.( Berlag J. Ladyschnikow, Berlin.) Besonders die Erfahrungen der legten Jahre haben sein Urteil gebildet. So flein die Schrift, so wertvoll ist ihr Inhalt. Er ist geeignet und bestimmt, die zahlreichen Illusionen, die in Westeuropa über das russische Volk die Bauern sind ja der allergrößte Bestandteil bestehen, zu zerstören. Gorti faßt seinen Gesamteindrud in folgenden Sägen zusammen: Jedes Bolt ist, genau genommen, als Urelement anarchistisch. Das Bold will soviel wie möglich essen und so wenig wie möglich arbeiten, mill alle Rechte haben und teine Pflichten tragen. Aus der Atmosphäre der Rechtlosigkeit, in der das Bolt von altersher immer gelebt hat, ermächst ihm auch die Ueberzeugung von der Ge fegmäßigkeit der Rechtlosigkeit, pon der zoologischen Natürlichkeit des Anarchismus. Das paßt ganz besonders auf die Masse der russischen Bauernschaft, auf der der Druck der Knechtschaft härter und länger gelastet hat, als auf anderen Bölfern Europas. Seit Jahrhunderten ttäumt der russische Bauer von einem Staat, der fein Bestimmungsrecht hat über den Willen der Persönlichkeit, über die Freiheit ihrer Handlungen ( Fontane) von einem Staat ohne Geralt über den Menschen. In der unerfüllbaren Hoffnung, die Gleichheit aller bei unbeschränk ter Freiheit jedes einzelnen verwirklichen zu fönnen, hat das russische Bolt den Versuch gemacht, einen solchen Staat zu schaffen, in der Form des Kofafentums, der Saporoger Setsch. Noch bis hente lebt in der dunklen Seele ruffischer Settierer die Borstellung von einem Fabelreiche, irgendwo am Rande der Erde", wo die Menschen friedlich leben, nicht die Anfechtung des Antichrist" fennen, die Stadt, bie sich in schmerzhaften Krämpfen mindet, gemartert von den Auswirkungen der Kultur. Im russischen Bauern ist gewissermaßen der Instinkt des Nomaden noch nicht erstorben: er sieht in der Arbeit des Landmannes fast einen Fluch Gottes, er leidet an der Luft zur Drtsveränderung". Faft ganz fehlt ihm oder ist jedenfalls bei ihm nur schwach entwidelt das tampfbereite Bestreben, auf einmal ermähltem Standpunkt fest zu bestehen und für sich Einfluß auf die Umgebung zu gewinnen: entschließt er sich aber dazu, fo wartet seiner schwerer und fruchtloser Kampf. Wer im Leben des Dorfes etwas Eigenes, Neues einführen will, dem tritt es mit Mißtrauen und Feindseligfeit entgegen, germürbt ihn rasch oder stößt ihn hinaus. Häufiger aber kommt es so, daß die Neuerer beim Zufammenstoß mit dem unüberwindlichen Konservativismus des Dorfes Don felbft davongehen. Raum ist genug, überall dehnt sich die Einsamfeit der weiten Ebene, und verführerisch lockt die Ferne. Wohl hat sich die Benölkerung der ruffischen Ebene vermehrt, die geographische Ausdehnung" hat sich verengt, aber die Dentmeise ist diefelbe geblieben und drückt sich in dem bemerkenswerten Rat aus, den bas Sprichwort gibt: Lauf vor der Arbeit nicht fort, aber tue die Arbeit nicht." Intereffant waren die Diskussionen zwischen den politischen Richtungen, die in Italien viel mehr die Gewerkschaften beherr. schen als in Deutschland. Hier fechten Kommunisten, Maximalisten ( die unseren früheren Unabhängigen gleichen) und Unitari( unfere frühere SPD.) den Kampf aus. Die beiden letzteren haben das gleiche Brogramm und sind eigentlich nur wegen ihrer taftischen Berschiedenheiten getrennt. Der Redner der Marimalisten gab sich alle Mühe, Kommunisten und Unitari auf der Linie der marima liftischen Politif zu einigen. Das ist natürlich nicht möglich, da die Kommunisten auch hier streng nach Moskauer Direttiven arbeiten und nicht daran denten, mit den Sozialisten zusammenzugehen. Bielmehr werden auch die italienischen Gewerkschaften ein wach fames Auge auf die Kommunisten haben müssen, wenn sie nicht bald einen neuen Faschismus großziehen helfen wollen. Kommunistische Methoden haben an dem Aufkommen des jezigen Faschismus schon genügend Anteil. Die Faschisten herrschen zurzeit noch ziemlich überall, mie neulich zutreffend geschrieben wurde, über, neben und unter den Behörden". Auf jeder Station fann man ihre Bahnhofswachen fehen. Als ich neulich nachts von Bologna nach Venedig fuhr, begleitete sogar den Billettfontrolleur im Zuge ein Faschist. Ich wurde aus dem Schlaf durch den Anruf des Faschisten gewedt und war recht erstaunt. Aber auch auf Reisen sieht man viel verständnisvoll lächelnde Gefichter wenn die Faschisten sichtbar werben. Man denkt: Wie lange noch?" Als ich einen Genossen fragte, wo Die Hize ist drückenb, man tann nicht ausgehen. Durch die geöffneten Fenster strahlt ununterbrochen der heiße Strom, die Sonne blendet, jede Tätigkeit, Lesen, Schreiben ist unmöglich. Fünf-, zehnmal in einer Minute donnern Kanonenschüsse, man hört das Knallen der Gewehre, das unbestimmbare Getöse des Kampfes Die Straßen find wie ausgefegt, das Steinpflaster wird gelb unter der Sonne, die glühende Luft bewegt sich faum. Auf den Bürgersteigen sieht man bestürzte Gesichter und die unbeweglichen Gestalten der Nationalgardisten. Nirgends eine Regung des gewohnten Lebens, überall eine Leere, man fühlt sich einfam wie im Befängnis, wie im Grab... Von zwölf Uhr an ein neues Schauspiel; die Trag bahren mit den Verwundeten und Getöteten. Da bringt man einen Mann mit grauen Haaren. Sein Geficht ist weiß wie das Miffen, worauf er liegt; das ist der tödlich verwundete Deputierte Charbonelles. Alle schweigen, die Köpfe entblößen fich, er aber sieht nicht das ehrfurchtsvolle Schweigen und die tiefe Trauer, seine Augen find geschlossen. Dort geht ein Haufen Gefangener, geführt von find geschlossen. Dort geht ein Haufen Gefangener, geführt von Mobilgardisten, junge Burschen, faft Knaben. Zuerst hatte man zu ihnen kein Vertrauen, doch sie haben wie die Löwen gekämpft Ginige von ihnen tragen auf den Bajonetten die blutgetränkten Räppis ihrer gefallenen Kameraden oder Blumen, die ihnen Frauen aus den Fenstern zugeworfen haben.„ Vive la République", rufen die Nationalgardisten auf beiden Seiten des Boulevards, und dann noch wild und traurig die legte Silbe lang dehnend: Vive la Mobiiiile". Die Gefangenen gehen mit niedergeschlagenen Augen, dichtgedrängt wie Schafe, eine ungeordnete Menge, finstere Gesichter, viele in Lumpen, ohne Mügen, mit gebundenen Händen. Die Ranonabe geht weiter. Das schwere eintönige Knallen hängt in der Luft, es liegt über der Stadt mit dem Brandgeruch und dem Schwalm der Hiße. Gegen Abend höre ich in meinem Zimmer im vierten Stock das Knallen von nahen, scharfen, turzen Salven; man, sagt, daß die Aufständischen in den Mairien erschossen werden. " So vergehen Stunden auf Stunden, Stunden auf Stunden. Man fann nicht schlafen, auch nicht in der Nacht. Bersuchst du, auf den Boulevard oder auch nur bis zur nächsten Querstraße zu gehen, um Neues zu erfahren oder frische Luft zu schöpfen, sofort wirst du angehalten und gefragt, wer du bist, woher du kommst, wo du wohnst und warum du nicht in Uniform bist. Hört man, daß du ein Ausländer bist, dann schaut man dich prüfend an und schickt dich nach Hause. Einmal wollte ein Nationalgardist aus der Proving | Der grausame Charakter, der Mangel an tiefgehendem religiösen Gefühl, die Feindschaft gegen die Städter und die Kultur, alle diese Züge im Charakter des russischen Bauern hebt Gorki hervor. Er schließt mit dem pessimistischen Beständnis, daß die Menschen immer noch Bestien sind, und daß der ruffische Bauer um den Preis des Unterganges der gebildeten russischen Stände und der Arbeiter zum Beben erwacht ist. Er wird nicht in die von der Revolution zerstörten Lebensformen zurückfinfen, aber er wird hart und rücksichtstos nur seine Interessen verfolgen und wird nicht so bald die Stadt, ben Glutherd des Denfens, gerecht werten und verstehen. ( sie waren die eifrigsten) mich verhaften, weil ich eine Hausjoppe trug. Sie haben die Hausjoppe angezogen, um beffer mit den Aufrührern paftieren zu fönnen", schrie er wie ein Rajender. Sie sind vielleicht ein russischer Agent, Sie haben Gelb in der Tasche, um unfere 3wietracht zu nähren." Ich schlug ihm vor, meine Taschen zu durchsuchen, er aber wurde noch wütender. Russisches Gold, russische Agenten schwirrten damals überall umber und nisteten mit vielen anderen Fabeln und Unsinn in diefen erregten und dermirrien Köpfen..... Ich wiederhole, es war eine schreckliche, qualpolle Zeit. In dieser, man farm sagen, Folterfammer Dergingen drei Tage. Es kam der vierte Tag, der 26. Juni. Die Nachrichten von den Rampfplägen tamen ziemlich schnell zu uns, der eine gab sie dem anderen, fie liefen von Straße zu Straße. So erfuhren wir, daß das Panthéon genommen, das ganze linte Ufer der Seine in den Händen der Armee sei, daß der General Bréat von den Aufständischen erschossen, der Erzbischof Affre töblich verwundet worden fei, und das sich nur noch die Borstadt St. Antoine halte. Ich er. innere mich, daß eine Ordonnanz, ein Husarenoffizier, schnell den Boulevard entlang ritt und, mit den Finger der rechten Hand einen apfelgroßen Kreis beschreibend, mit lauter Stimme rief: it so großen Rugeln schießen fie auf uns!" 11 In dem Hause, worin ich wohnte, an der gleichen Treppe, wohnte auch der berühmte deutsche Dichter Herwegh, mit dem ich bekannt war. Ich kam oft zu ihm, um mein Herz auszuschütten, um vor mir selbst zu fliehen und dem quälenden Grübeln der Untätigkeit und Einsamkeit zu entgehen. So size ich bei ihm am 26. Juni früh morgens, er hat soeben sein Frühstück eingenommen. Plötzlich kommt der Diener mit einem Gesicht voller Unruhe. " Was ist los?" Sie, Monsieur Herwegh, werden von einer Bluse verlangt." Bluse, welcher Bluse?" ,, Ein Mann in der Bluse, ein Arbeiter, ein Alter, fragt nach dem Citonen. Wollen Sie ihn empfangen?" Herwegh warf mir einen Blick zu. Lassen Sie ihn herein," antwortete er endlidy. Der Diener ging hinaus, dabei vor sich hinmurmelnd:„ Ein in der Bluse." Er war erschrocken. Mann ( Schluß folgt) Entwicklung der Buchausstattung. Bon Ottfried. Während zunächst unmittelbar nach der Erfindung der Buch druckerkunst die Initialen und Buchverzierungen noch mit der Hand ausgeführt wurden, wurden die Illuminatoren doch bald durch die Holzschneider verdrängt. Dem Holzschnitt wurde immer mehr Beachtung gefchenft, und auch Dürer, Holbein und Lufas Cranach stellten sich in den Dienst der Buchausstattung. Die Buchillustration, die erfreulich in dieser Zeit aufblühte, wurde bald durch die Zensur erheblich gestört. Im Dreißigjährigen Krieg war die Holzschneidekunft nahezu dem Untergang geweiht und wurde allmählich durch den Kupferstich abgelöst. Die Illustrierung der Werte erfolgte nun fast nur noch durch den Kupferstich. Kurz vor der Eefindung der Schnell. presse durch König hatte der Engländer Bewid die Holzschneidekunst wieder zu Ehren gebracht. Er arbeitete Holzschnitte, die dem Kupferstich in der Wiedergabe glichen Nun konnte die Illustrierung der Bücher wieder durch den Buchdrucker erfolgen. Die Bildstücke wurden dem Satz eingefügt und gleichzeitig mit dem Text gedruckt. Hervor ragende Künstler wurden durch den neu belebten Holzschnitt wieder zur Buchillustration angeregt. Besonders trat auf diesem Gebiete Ludwig Richter hervor, dessen Holzschnitte große Bedeutung erlangten. Als 1839 die von zwei Franzosen erfundene Photographie vom franzöfifchen Staate zur allgemeinen Benutzung freigegeben worden mar, fam man bald zum. Bilderdruck durch photomechanische Berfahren. Zur selben Zeit hatte ein Deutscher namens Jafobi in Ruß land die Galvanoplastik erfunden, die bald in den Dienst des Bilderdrucks gestellt wurde. Eine Erfindung von umwälzender Bedeutung machte Georg Meifenbach im Jahre 1881 durch die Autotypie, die für den Buchdruck mindestens dieselbe Bedeutung hat wie das Automobil für den modernen Berkehr Alles, was man bisher mittels Holzschnitt, Kupfer- oder Stahlstich illustriert hatte, fonnte man billiger und schneller durch die Autotypie hergestellt werden Naturgetreue Darstellungen in Lehrbüchern, Ansichten, Wiedergabe von photo graphischen Aufnahmen werden heute fast ausnahmslos durch die Autotypie gebrudt. Alle Bilder, die der Beschauer im Buche, in Katalogen, in illustrierten Büchern und Zeitschriften findet, sind, wenn fie Halbtöne enthalten und auf glattem Papier gedruckt sind, Autotypien. Die Autotypie ist eine Nezägung. Wenn man das Bild durch eine Lupe näher betrachtet, so wird man sehen, daß es in lauter fleine Bunkte aufgeteilt oder auch mit einem Neh, das man" Rafter" nennt, überzogen ist. Während dem Beschauer so ein naturgetreues Bild in einer geschlossenen Tonfläche erscheint, wird er durch die Lupe erkennen, daß die Fläche aus lauter fleinen, verschieden starten und verschieben weit voneinander entfernten, schwarzen und weißen Bunkten besteht. Die Autotypie hat den einen. Nachteil, daß ihre Verwendung nur bei einem geeigneten, d. h. fehr guten Papier mit ganz ebener Oberfläche möglich ist. Neuerdings sind noch andere Bilddruckverfahren start im Gebrauch, besonders der Offsetdruck und der Tiefdruck. Die Frauenwelt" bietet hierfür ein gutes Beispiel, Der Umschlag wird in mehrfarbigem Offfetdrud, der Innenteil in Kupfersieforud hergestellt. In der Frauenwelt" find feine Autotypien zu finden Als man von den Rollen zu den Faltbüchern gefommen war, verfah, man fie bald mit einem Einband. Man schmückte die die Blätter umgebenden Deckel, die aus Holz hergestellt waren, überzog fie mit Leder oder Bergament, versah sie mit Zeichnungen oder der zierte sie mit Pressungen. Nachdem die Buchdruckerkunst erfunden war, wurden Bücher bald sehr foftbar und funstvoll eingebunden. Wieder waren es Holbein und Lutas Cranach, die Bucheinbände zu schmücken begannen und damit die Kultur des Buches auf ein äußer ordentliches Niveau brachten. Auch im Buchbindergewerbe hat das Zeitalter der Maschine umwälzende Neuerungen gefchaffen. Hand gebundene Bücher find heute sehr selten und sehr teuer. Heute heftet, falzt und schneidet die Maschine. Diefe hat auch hier auf das Buch sehr verbilligend gewirkt. Nach dem die Technik zu ungeahnten Erfolgen gekommen und die Ente roidlung fast aur Bollkommenheit getrieben mar, ging das Streben sahin, in Mengen billig herzustellen, wobei die fünftlerische Bud Art, sich jede Beschwerde vom Leibe zu halten. Er zog nämlich eine Linie um sich mit der Spize feines Schuhes und erflärte, er werde den ersten Baffagier erschießen, der diese Linie überschreiten und sich bei ihm beschweren wolle. Er war der Mann dazu, um die Drohung war zu machen ausstattung vollständig unberücksichtigt blieb. Die Massenproduktion| die schlechteste Nahrung, und der Kapitän hatte eine eigentümliche hat auf dem Büchermarkt unglaublich Geschmackloses geleistet. Erst ganz allmählich wieder, zu Beginn dieses Jahrhunderts, waren einzelne Berleger als Pioniere tätig und brachten das in jeder Hinsicht geschmackvoll ausgestattete Buch wieder zu Ehren, wobei sie auf die Wahl des Papiers, vorbildliche Saganordnung und fünstlerische Bucheinbände besonderen Wert legten. Der heutige Bücherfäufer verlangt ein Buch in guter Ausstattung. Er will sich am guten Buche im schönen Kleide erfreuen. Neujahrsaberglaube berühmter Männer. Auch auf den Höhen der Menschheit, auf denen die großen Helden des Geistes wandeln, findet man abergläubische Anwandlungen beim Anbruch des neuen Jahres. Von Schiller wird uns beispielsweise erzählt, daß er dem Silvesterabend eine besondere Wirkung auf das fünftige Jahr zuschrieb. Erhielt er am legten Tage des Jahres eine gute Nachricht, so sah er dies als üble Vorbedeutung an; denn er meinte, daß der Zufall dem Menschen am Schluß des Jahres noch einen Glücksbroden hinwerfe, um ihm dann im kommenden Jahr desto mehr schwarze Lose zuzuteilen. Von Goethe berichtet uns fein Freund Knebel, er habe mit größter Spannung auf das erste Wort gelauscht, das ihm nach dem zwölften Schlag der Uhr im neuen Jahr gefagt wurde. Aus diesem Wort zog er dann allerlei Schlüffe auf den Berlauf des tommenden Jahres, und er war in der Deutung des Wortes sehr erfinderisch. Henrik Ibsen wollte am Silvesterabend feine Tinte und fein Papier sehen, da er fürchtete, dies fönne feine Schaffenstraft im neuen Jahr lähmen. Daß das abergläubische Schauspielervöltchen sich gern dem Bauber der Silvesternacht hingibt, ist nicht verwunderlich. Bon Kainz und Matkowski werden in dieser Beziehung mert würdige Geschichten erzählt. Den wunderlichsten Neujahrsaberglauben hatte Caruso. Er wollte am Silvesterabend nur in Gesellschaft von blond haarigen, blauäugigen Menschen sein, weil er der festen Ueberzeugung war, daß ihm brünette Leute Unglüd brächten. Er begründete diefen Aberglauben mit einer Erzählung aus seinem Leben. Als er nämlich im Jahre 1893 in Neapel Silvester feierte, war er zufällig nur mit blauäugigen Menschen zusammen. Er erhielt im neuen Jahr sein erstes Engagement in Neapel. Aehnlich ging es ihm am Silvester des Jahres 1898. Er befand sich damals in der Gesellschaft von zehn blonden Damen und vier Herren. Wenige Wochen später trat er im Mailänder Teatro Lirico auf und hatte seinen ersten großen Erfolg, der seinen Weltruf begründete. Dagegen hatte er im Jahre 1888, in dem er auf Befehl feines Vaters Schlosser werden mußte, den Silvester nur in Gesell schaft von schwarzhaarigen Leuten verbracht. Er war der unglüdlichste Silvesterabend seines Lebens und das folgende Jahr sein traurigstes, da er schwer unter dem aufgezwungenen Beruf litt. Aus den Blütetagen von Wildwest. In jene uns heute nur noch aus den Geschichten von Bret Harte und Operetten bekannten Blütetage des" wilden Westens" führen uns die Erinnerungen eines alten und vielerfahrenen englischen Kofularbeamten Sir Char les Payton, die er soeben unter dem Titel„ Days of a Knight" ver öffentlicht hat. Er versuche in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zunächst sein Glück als Goldgräber in Kalifornien. Dort begrüßte ihn ein Freund mit den Worten:„ Du kommst nach Kalifornien? Gut. Wenn Du irgendeine Unterredung mit einem Manne hast und siehst, wie er in eine seiner Taschen greift, schieße ihn sofort nieder, damit er Dich nicht erschießt." Dieser fluge Rat nügte dem jungen Abenteurer, der allerlei erlebte, was ihn zur größten Borsicht mahnte. So sah er eines Tages, wie ein befannter Spieler, der sich auf der offenen Straße auf einen jener Throne" gesezt hatte, auf dem man zugleich rafiert wurde und sich die Schuhe pugen ließ, in dieser Stellung von drei Bewaffneten angegriffen wurde. Rasch hatte er seinen Revolver herausgerissen, und es fiel nun eine ganze Reihe von Schüffen, bis schließlich der einzige, der nicht tödlich verwundet war, der Spieler auf seinem Thron" blieb. Sir Charles fand fein Gold und lehrte daher nach New York zurück. Auf dem Schiff, das er benugte, waren die Verhältniffe nicht viel beffer. Die Paffagiere waren elend zusammengepreßt und bekamen Die brennende Pflanze. Jeder Seemann im Mittelmeer weiß, daß die Insel Korsika früher gcrochen als gesehen werden kann. Das rührt von ihren Maquis her, eigentümlichen, hartlaubigen Sträuchern, deren Blätter außerordentlich reich mit Drüsen ausgestattet find, welche ungemein start riechende ätherische Dele absondern. Bei uns find derartige Pflanzen viel feltener, ihre Delwenigen Formen, die ihres betäubenden Geruches wegen eine Ausnahme bilden, gehört vor allem der Dipta m, eine stattliche Staude mit reichblütigen Trauben. Betrachtet man die Pflanze eingehender, so sind zahllose grüngelbe Drüsen nicht nur am Stengel, sondern auch auf den weißen oder roten Blütenblättern und auf den langen Staubfäden deutlich zu erkennen. Ein brennendes Streichholz an den Grund der in voller Blüte stehenden Traube gebracht, offenbart das„ Diptam- Wunder". Eine lodernde Flamme schlägt bis zur obersten Blüte empor, um ebenso rasch wieder zu verlöschen. Die ganze Pflanze bleibt dabei völlig unversehrt, höchstens die Drüsen föpfchen sind leicht versengt. Der reichliche Deldampf mischt sich näm lich mit der Luft zu einem brennbaren Gemisch, das nur angezündet zu werden braucht, um mit explosionsartiger Geschwindigkeit zu verBegreiflich, daß der Geruch des Deles Insekten oder Betäubungsvermittler anlodt, während sein scharfer Geschmack die Pflanze immerhin vor Tterfraß schüßen mag. Das wird besonders für die Hartlaubflora der Mittelmeerländer geltend gemacht, wo während des Sommers, der hauptsächlichsten Begetationszeit, wochenlang fein Tropfen Regen fällt, Tierfraßverlufte der Pflanze also be fonders schädlich sein tönnten. Tyndall hat übrigens auch darauf hingewiesen, daß die dünne Deldunstschicht, non welcher die Maquis immer besonders reichlich umgeben sind, für Wärmeftrahlen weniger durchlässig ist, wodurch die Pflanze tagsüber gegen übermäßige Erwärmung und Transpiration, während der Nacht gegen allzu große Abkühlung gesichert ist. brennen. Heilung der Hämorrhoiden ohne Operation. Im Zusammenhang mit der Kriegskost, mit der vielfach falschen Ernährung der Nachkriegszeit hat die Zahl derjenigen Bersonen, die an Hämorrhoiden leiden, erheblich zugenommen. Infolge der sehr schlackenreichen Nahrung haben sich die unverbauten, auszuscheidenden Abfallmaffen start vermehrt, es tam infolgedessen zu Stauungen in den Gefäßen des letzten Darmabschnitts und durch die Vermehrung der Gasbildung zu einer starten Blutüberfüllung der unteren, Darmpartie. Alles Ursachen für die Bildung von Hämorrhoidal fnoten, die ja bekanntlich tugelförmige Erweiterungen von Blutgefäßen darstellen. Die Operation ergibt gewöhnlich sehr gute Erfelge; aber viele an Hämorrhoiden Leidende lehnen aus Angst vor Schmerzen und sonstigen Beschwerden einen blutigen Eingriff ab, so daß in manchen Fällen unblutige Methoden zur Beseitigung der Hämorrhoiden Platz greifen müssen. Es werden Einspritzungen mit Karbolsäureglycerin und mit Nebennierenertraft, Binjelung mit Jodtinkturen usw. empfohlen, um die Knoten zum Verschwinden zu bringen. Neuerdings werden Einsprißungen mit Alkohol in die vorher unempfindlich gemachten Hämorrhoidalknoten sehr gerühmi. Sie sollen in fast allen Fällen Heilung herbeigeführt haben. Schmerzlose Entfernung von Warzen. Schon die Tatsache, daß zur Beseitigung von Barzen zahlreiche Mittel angegeben werden, dürfte beweisen, daß wir eine in allen Fällen zusagende Methode noch nicht befizer. Neuerdings wird jedoch von verschiedenen Aerzten die Entfernung der Warzen durch Bereifung und Ausschälen der Warzen ohne Schmerzen warm empfohlen. Zunächst wird die Warze mit aufgefprigten Chloräthyl vereiſt, unempfindlich gemacht und dann mit einem löffelartigen Instrument herausgehoben. Dies ganze Prozedur ist völlig schmerzlos und deshalb gerade für Kinder fehr geeignet. 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Dies zeigen mit der Bitte um stille Zeilnahme an im Ramen der Hinterbliebenen Margarete Bartsch und Kinder. Die Einäscherung findet am Dienstag, den 6. d. M., abends 7 Uhr, im Krematorium Ge richtstraße 37 ftatt. 4595 Jnnungsfrankenkasse ber Tischler- Innung zu Berlin. Einladung Aur ordentlichen Musichuggung der Bertreter der Raffenmitglieber und ber Jnnungsmitglieber am Montag, ben 12. Januar, abends 6 Uhr, im Cigungsfaal bes Holzarbeiter- Berbandshausfes, Hunge Straße 30, Seitenfl. part. Tagesordnung: 1. Bericht bes Borstandes. 2. Beschußfaffung über ben Dom Borstand aufgestellten Boranschlag für das Jahr 1925. 3. Bahl des Rechnungs ausschuffes zur Brilfung der Jahres rechnung 1924 Sagungsänderung aweds Erweiterung der Familienhilfe. 5. Berschiedenes. Berlin, 2. Januar 1925. 108/11 Der Borftanb. Otto Gronau, B. Lindemann, Borsigender. Schriftführer ( 207) 1. 3. 838. 24.( 213. 24.) In der Strafsache gegen ben Rebatteur Craft Felebrid in Berlin, Rochhannftr. 10, geboren am 25. Februar 1894 zu Berlin, wegen Be leibigung hat das Schöffengericht Berlin Mitte, Abt 207, in Berlin am 16. Oftober 1924 für Recht ertannt: Der Angeklagte mirb megen öffentlicher Beleidigung und wegen Bergehens gegen 88, 8iffer 2, des Gefezes zum Schuge der Republit in je einem Fall zu einer Gesamt ftrafe Trauerfpenden afe von 3- brei- Monaten Gefäng nis verurteilt. jeber Art liefert preiswert Dem Reichswehrminister wird die Be Paul Golletz, fugnis zugesprochen, ben ertennenden Teil Dormals Robert Meye, bes Urteils innerhalb eines Monats von Mariannenstr.3. ber Zustellung des rechtsträftigen Urteils Amt Morigpl. 10808 an auf Roften des Angetlagten in ber Freien Jugend", im Freien Menschen" und im Bormärts" belanntzumachen. Str. 7- 5.Jahrgang ber Freien Jugend", fowie Nr. 1 u. 2-6. Jahrgang des Freien Menschen sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen find unbrauchbar zu machen. Gardinen Die Kosten des Verfahrens fallen dem Der Generalstaatsanwalt beim Landgericht 1. 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Mit der Mabrennbahn in ber neuen Ausstellungsballe am Kaiserdamm wird die größte und in ihrer Konstruktion beste deutsche Winterbahn erbaut. Weber die Rennbahn noch die Tribünen haben in ihrer Art ihresgleichen in der Welt. Der mit einem Aufwand von rund 1500 Tommen Gilen errichtete Unterbau von Rennbahn und Zuschauerraum ist weitaus starter als der Unterbau mancher offenen Bahn und man darf auf die Rennbahn in bezug auf Schnelligkeit und auf die Zuschauerräume in bezug auf Fassungsvermögen Brel enffräter- Humbed. Das Brogramm für den Sportpalaftdie höchsten Erwartungen sehen. Man folgte bem Beispiel der amerilani Bogabend am Mittwoch, den 7. Januar, ist jest fertiggestellt. Als schen Bahnen, die ihren Massenbesuch in erster Linie der Giggelegenheit für Gegner für Hans Breitenstråter wurde ber belgische Schwergewichts: alle Besucher verdanken. Die Bahn im Avuspalast dürfte fich sehr schnell meister Jad umbe d verpflichtet. die den Hauptkampf des Abends bebie Zuneigung der Radsportfreunde erwerben. Die Rennbahn wird 200 m ftreiten werden. Bedingungen: 10 Runden, 4 Unzen, bart. Das Beilang und 6 m breit. Sie erhält eine Kurvenneigung von 45 Grad programm für diesen Abend ist besonders reich ausgestattet. Es bringt und einen Rabius, der fie fast rund erscheinen laffen wird. Die neu Abus nter nationale Treffen, in denen beste deutsche Klaffe aufeinander trifft. babn wird nach einem Nagelungsverfahren, das ein Heraustreten von So werden im Ring erscheinen: Hans Wagener. Ernst Rüsemann, Nägeln verhindert, mit Sochfantlatten benagelt werden. Durch diese Be Hermann serie, Ginit Grimm. Mag Dietmann, Erich Milena nagelung wird die Fabrfläche ungemein schnell und man wird im 18. Beraamann( München) und Franz Diener. Beginn 7 Uhr. Der liner Sechstagerennen außergewöhnliches zu leben bekommen. Eine bet Borbertauf ist bereits eröffnet. WH, WITTIG ENVER BEY VALUTA ZIGARETTEN FABRIK ENVER BEY BERLIN Geschäftliche Mitteilungen. Rahma- Mädchens Reujahrswunsch! Nun geht das alte Sahr zu Ende, Da wünscht man fich zum neuen was, Auch ich tu's an der ernsten Bende, Doch it's nicht dies und ist nicht das: Ich wünsch' nur eins mir: daß die Treue, Jm alten Jahr mir reich beschert, Mich auch geleite nun ins neue, Und mit Vertrauen mich beehrt.. Mag andren, was da wolle. frommen, Ich fühle glücklich mich und reich, Bin ich im neuen Jahr Wie fonft mit Rahma buttergleich": Dann werd' ich es euch treulich danken, So, wie ihr da seid, groß und Klein, Will ftets euch dienen ohne Wanten, Bill euer Rahma- Mädchen fein! Bon ben zahlreichen Freilaufnaben bildet der Romet Freilauf eine rühmTide Ausnahme, weil er eine boppelseitige Bremsbrudabnahme vorsieht, die bas Berziehen des Sinterrades beim Bremsen verhindert und damit jede Sturg gefahr bannt. Der umsichtige Radfahrer follte sich daher unverzügidh cinc folche Somet"-Freilaufnabe einbauen laffen. Die Ausgabe hierfür ist nur gering und macht sich schnell bezahlt, denn von nun an wird er stets gefahrvorstehend geschilderten noch viele andere Borteile befigt. los und ficher fahren und außerdem einen Freilauf besigen, der neben dem Wetter für Berlin und Umgebuna: Noch weiterhin febr mild, größten tells bewöllt mit wiederbolten Regenfällen und frischen weitlichen Binden. Für Deutschland: Ueberall regnerisches und wind ges Wetter. ENVER BEY VALUTA EINE HOCHSTLEISTUNG UNTER DEN 2 ZIGARETTEN! INVENTUR- VERKAUF vom 2. bis 15. Januar. Wir haben aus unseren vielen Beständen große Warenmengen In nur brauchbaren Qualitäten mit bedeutender Preisermäßigung 50% bereitgestellt, außerdem bringen wir z. 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