Nr. 6+ 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 4 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monat lich 3, Goldmark noraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litanen, Luremburg 4.30 Goldmark, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der, Borwärts" mit der Sonntagsbeilage ,, Boff und Zeit" mit SicdTung und Steingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenvreite Die einfpaltige Renvarettezeile 0.70 Goldmart, Reklamezeile 1. Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0.20 Goldmarf( zufäffig zwei festgedrucie Warte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefudje das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Oolbmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen file Abonnenten Seife 0,30 Goldmarf. Eine Goldmark- ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 41 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nach. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 4. Januar 1925 Marx wieder beauftragt. Bildung eines Kabinetts ohne Koalition. Berlin, 3. Januar.( WIB. Umllich.) Nach den Befprechungen mit den Führern der Reichstagsfceftionen hat der Reichskanzler dem Reichspräsidenten über das Ergebnis der Aussprache Bericht erstattet. Da nach der von den Graftionen eingenommenen Haltung die Bildung einer auf parlamentarijcher Mehrheit beruhenden Regierung nicht möglich ist, hat der Reichspräsident den Reichskanzler Marg beauftragt, eine dieser parlamentarifchen Cage Rechnung tragende Reichsregie. rung zu bilden. Reichskanzler Marg hat den Auftrag angenommen. 44 Es mar voranzusehen, daß die Besuche des deutschnationalen Abg. Schiele und des Genossen Hermann Müller beim Reichskanzler im Lauf des gestrigen Nachmittags auch nichts an der gegebenen Situation würden ändern können. So ist denn logischerweise der bisherige Reichskanzler Marr mit der Bildung des geplanten überparteilichen" Rabinetts beauftragt morden. Logischerweise, da Marr vom alten Reichstag nicht gestürzt worden war und die Bolksbefragung vom 7. Dezember eine Billigung der bisherigen Politik in ihren Haupilinien, besonders auf außenpolitischem Gebiet, gebracht hatte. Das neue Kabinett Marr fann faum noch bei seiner Bildung auf unübersteigbare Schwierigkeiten stoßen. Denn es foll eben fein Roalitionsfabinett fein. Rein Robinett des Bürgerblocks oder der Großen Koalition oder der Beimarer Koalition oder der Arbeitsgemeinschaft der Mitte. Kein Bündnis, keine Verabredung der Parteien unter einander ist mehr notwendig. Sollte sich der eine oder der andere, der zur Uebernahme eines Portefeuilles aufgefordert wird, aus eigener Ueberzeugung oder aus Rücksicht auf die Kein Zahlungsvorschlag Frankreichs. Botscha ter Herrick dementiert. Paris, 3: Januar.( EP) Botschafter Herrick dementiert fategoriich die aus Washington kommenden Rachrichten, daß er einer Regierung Borschläge Herriots und Clémentels über die Regefung der französischen Kriegsschulden übermittelt habe. Er erklärt, daß keine Vorschläge wegen einer Rückzahlung binnen 68 Jahren vorliegen. Es sei fein Verfuch zu offiziellen Berhand fungen unternommen worden. Nach Herrids Ansicht ist die Lage der Schuldenfrage dieselbe wie vor sechs Wochen, als der französische Botschafter Jusserand sie mit amerikanischen Staatsmännern besprach. Seither hätten meder Herriot noch Clementel irgendwelche weiteren Schritte unternommen. Man dachte allgemein, daß die Frage erst nach dem Amtsantritt des neuen französischen Botschaf fers in Washington, Daeichner, aufgerollt werden wird. As die Aeußerung Clémentels in den Vereinigten Staaten Beunruhigung herporrief, hat sich Herrick off ziell zu Herriot begeben und ihm nahegelegt, unverzüglich Jufferand Weisungen zu geben, damit die amerikanischen Befürchtungen, daß Frankreich die Absicht habe, seinen Verpflichtungen nicht nachzukommen, zerstreut werden. Herriot akzeptierte und überreichte dem Bot. schaffer ein offizielles Exemplar des Finanzberichts Clémentels, aus dem hervorgeht, daß Frankreich seinen Verpflichtungen Doll nachkommen will. Am nächsten Tag hat Clémentel cine ähn liche Erklärung an herrick abgegeben, doch hat der amerikaniche Botschafter in keiner dieser Unterredungen Vorschläge zur Regelung der Schuldenfrage erhalten, die er hätte nach Washington übermitteln können. Er hat lediglich diese beiden Unterredungen nach Bashington gefabelt. Polen Deutschland Völkerbund. Strzynski im Poincaréton. Warschau, 2. Januar.( DE.) In einem Interview erklärt der Außenminister Strzynski. Deutschland müsse als großer Staat, der eine wichtige wirtschaftliche und tulturelle Stellung in der Welt einnehme, Mitglied des Bölkerbundes sein und Sih im Rat haben. Zuvor aber müsse Deutschland sich von seiner aggressiven Politit lossaren, die innerhalb des Bölkerbundes eine Reaktion gegen seine Zulassung hervorrufe". Die Nichteinhaitung des Abrüftungsparagraphen 249 des Versailler Vertrages durch Deutschland fei„ mit vollkommener Klarheit" festgestellt, infolgedessen fei der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund heute nicht mehr aktuell". Sollte Deutschland späterhin einen Siz erhalten, so müsse auch Polen in den Rat hinein. Das werde möglich sein, wenn es Bolen gelinge, die Welt von dem demokratischen Charafter feiner Politik zu überzeugen". Verfolgung der Raditsch- Partei. Wegen Verbindung mit Moskau. Belgrad, 3 Januar.( Agentur Avala.) Die Regierung hat ihre Maßnahmen gegen die ungesetzliche Tätigkeit der republika mitmen troattimen Bauernpartei, die voa Raditich geführt wird het geneben. Es ist folgendes beschlo worden: 1. Die Maj- Barral, te burd) re Berbindung mit der Bauern internationale ein integrierender Bestandteil der tommu | Stimmung seiner Partei dem Ruf des Reichskanzlers verfagen, fo muß dafür ein anderer Mann gesucht werden, der parteipolitisch meniger gebunden ist. treten, merden nicht mehr vor der Frage stehen, ob sie sich Auch die Fraktionen, die am Montag wieder zusammenan einer Regierungsbildung beteiligen wollen oder nicht. Die einzige Frage, die vor inen liegt, ist, wie sie sich zum neuen Aabinett Marr stellen wollen, die werden sie aber erst entscheiden können, wenn man wissen wird, wie dieses neue Kabinett aussieht. Das aber weiß man zur Stunde noch nicht. Nur soviel scheint festzustehen, daß der Reichskanzler, feiner konzilianten notur entsprechend, nicht die Absicht hat, sich freiwillig von einem feiner bisherigen Minifterkollegen zu trennen. Abge: sehen vom Justizministerium und dem Verkehrsministerium, die schon seit längerer Zeit verwaift find, kommen zunächst nur im Innenministerium und im Wirtschafts: minifterium Neubefeßungen.in Betracht, das heißt, wenn die Herren I arres und Hamm auf ihrem sofortigen Abschied bestehen, was noch feineswegs gemiz ist. Die Sozialdemokratie hat bei den krisenhaften Vorgängen des letzten Jahres in der Hauptsache die Rolle des interessierten Beobachters gespielt. Sie hat pori jig feinen. Anlaß, aus dieser Rolle herauszutreten, sie hat keinen Anlaß der Regierung Mary volle Weihrauchteffel zu schwingen, oder the umgefehrt jest schon cine Stampfanfage entgegenzu schleudern. Sie wünscht im Sinne der Verfassung geordnete Berhältniffe, weniger rifen und mehr fachliche Arbeit. Die Bildung der neuen Regierung Marg ist ein Verfuch, unter den gegebenen schwierigen Parteinerhältnissen zu fachlicher Arbeit zu kommen. Ob er gelingt, wie er gelingt, ist einstweilen abzuwarten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto Geiellschaft. Devontentane Lindenstraks 3 Aufgaben des Reichstags. Fortschritt oder soziale Reaktion? Morgen tritt der neue Reichstag zusammen. Gine vier Monate lange parlamentslose Seit aird damit beendet, in der die Bureautralie ihre ohnedies große Macht er heblich ausgedehnt hatte. Schon seit mehreren Jahren beginnend mit der Zeit der Inflation, fortgesetzt unter der HerrBureaukratie geherrscht, die, in ihrer Masse dem alten Regime fchaft der Ermächtigungsgefeße und der dauernden Regierungsfrifen hatte in Wirklichkeit weniger das Parlament als die entstammend, ihre politische und wirtschaftliche Gefftesrichtung von Schwerindustrie und Großagrariern empfing. Der Vorrang der Außenpolitik, der Jahre hinturch alle innerpolitischen Erwägungen zurücdrängte. lieferte zugleich die Bemäntelung für die Ausschaltung des Barlaments. Zwar ist auch gegenwärtig der Borrang der Außenpolitik noch vorhanden, wie der Kampf um die Räumung des Ruhrgebiets und der Kölner Zone zeigt. Aber so überragend wie einst, wo alles innerpolitische Geschehen von der Außzenpolitit abhing, ift er nicht mehr. Und so ist denn dem neuen Reichstag die große Aufgabe gestellt, den Einfluß der reaktio= nären Bureaukratie zurückzubrängen, seine eigene Madtstellung in richtigen Berhältnis zu seiner verfassungsrecht lichen Bedeutung wiederherzustellen und der inneret Politik die ihr gebührende Stellung für das Wohlergehen der Wirtschaft und der Masse des Volkes zu verschaffen. Fünf Monate Reichstag hat, abgesehen von der AnEine Fülle von Arbeit harrt des neuen Parlaments. Der nahme des Londoner Abkommens, nichts geleistet. Selbst die Nachprüfung der Ermächtigungsgefeßgebung ist von ihm nicht porgenommen worden. Beder on dem Abbau der Sozialpolitit, noch an der Regelung des Bersonalabbanes und der Beamtenbesoldung, des Abbaues der Rechtspflege: oder der Regelung der Aufwertungsfrage hat er etwas geändert. Gehemmt durch den starken Einfluß der radikalen Barteien rechts und links, hat er, vornehmlich infolge der Rechtsneigung der bürgerlichen Parteien, auch nicht den Willen aufgebracht, irgend etwas zu schaffen, was der Not der großen Masse des Boltes Linderung gebracht hätte. Eine erschöpfende Aufzählung der einzelnen Aufgaben des Reichstages ist in diesem Augenblick nicht möglich. Zwar sind von allen Parteien Anträge in großer Zahl angekündigt. Aber sie liegen ebensowenig vor wie Borlagen der Reichsregierung. Im Mittelpunkt der Arbeit der nächsten Monate erste Etat aus der Zeit der Stabilität und bietet somit die feit wird die Beratung des Reichsetats stehen. Es ist der pielen Jahren nicht mehr vorhanden gewesene Möglichkeit einer fachlichen Etatkritik. nistischen Internationale geworden ist, wird sofort aufgelöst. 2 Bon heute an wird jede Tätigkeit der Raditsch- Bartei, ihre Ber: fammlungen, Sigungen, Beröffentlichungen, Schriften und Zeitun gen verboten. 3. Die Bestimmungen des Artikels 18 des Ge fetes zum Schutze des Staates werden in ich ärister Weise durchgeführt. Dieses Gefez erkennt allen Mitgliedern verbotener Organisationen das Recht ab, öffentliche Funktionen aus: üben oder als 2bgeordnete gewählt zu werden. 4. Die Archive, Zeitungen, Beröffentlichungen und der Schriftwechsel der Kabitsch- Partei werden sofort beschlagnahmt. 5. Die Leierite tung der Partei wird sofort unter Strafverfolgung gefeßt. Der Innenminister gab telegraphisch den Provinzbehörden die Anweisung, die Führer der Raditsch Partei zu verhaften und die Parteiorganisationen aufzulösen. Die Begründung der Regie: rungsentscheidung führt u. a. aus, daß die Sowjet regierung Raditsch unterstügungsversprechen gegeben habe, wie dieser selbst erklärt habe, daß zwischen Raditsch und der revolutionären mazedonischen Bewegung in Bulgarien eine Verbindung bestehe und daß die Partei Radischs ununterbrochen gegen die öffentliche Sicherheit und die gefehliche Ordnung eine umstürzlerische Tätigkeit entfaltet habe. Agram, 3. Januar.( TU.) Die Verhaftung der Führer der kroatischen Bauernpartei hat größte Erregung herrergerufen. Eine Anzahl von Politikern sind in der verflossenen eht aus Agram geflüchtet und halten sich in den Dörfern an der Grenze auf, um in das Ausland zu flüchten. Die Regierung hat beson dere Ueberwachung der Grenzen angeordnet. Moskaufiliale in Stambul. Konstantinopel, 3. Januar.( Eca.) Wie der Batan" berichtet, ist die Polizei einer meitverzweigten fommunistischen Organisation auf die Spur gekommen, die durch geheime Agenten eine lebhafte Tätigkeit in Konstantinopel entfaltet hat. Die Fraktion der falschen Pässe. Nach Rah auch Ruth Fischer in Wien verhaftet. Wien, 3. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Vor einigen Tagen wurde der deutsche Reichstagsabgeordnete Iwan Ka z in Wien verhaftet, weil er sich unter falschem Paß in Wien aufhielt. Am Sonn: zwei Monaten aus Wien ausgewiesen worden war, in einem abend ist nun auch die Abgeordnete Ruth Fischer, die erst vor hotel verhaftet, wo sie als„ Lene. Stein" abgeftiegen war. Gleich zeitig wurde ein angeblicher Giovanni Costa verhaftet, der mit dem KPD- Fraktionsbeamten Heinz Neumann identisch ist. Alle diese verhafteten Kommunisten haben sich in Wien aufgehalten, um die schwer zertrachten Wiener Kommunisten zu radikalem Bor gehen zu veranlassen. " Wien, 3. Januar.( WTB.) Das Neue 8- hr- Blatt" meldet: Als nach Auflösung des deutschen Reichsiags gegen die kommunistischen Reichstagsabgeor neten mir Verhaf.ungen vorgegangen wurde, begab sich der größte Teil nach Deutsch österreich und nahm in Wien Aufenthalt. Brn dieser Taise he war die politische Polizei unterrichtet. Die Regierung hat befchloffen, die hier weilenden reichsdeutschen Kommunisten auszuweisen und einige, die feine Ausweise batten zu verhaften. Dies ist auch in den letzten Tagen geschehen. Die anderen Kommunisten dürften bereits Wien verlassen haben, Die sozialdemokratische Fraktion des neuen Reichstags muß naturgemäß ihre Hauptaufgabe darin erblicken, daß den großen Massen des Volkes eine einigermaßen ausreichende und gesicherte Existenz ermöglicht werde. Darum wird sie vor allem, dafür eintreten, daß die Wiedergewinnung der handelspolitischen Freiheit Deutschlands am 10. Januar nicht benutzt werde zu der Hochschutzollpolitik, die Schwerindustrie und Großagrarier beabsichtigen. Nicht minder gefährlich als der Getreidezoll ist der Eisenzoll. Denn er zieht die Schutzölle für alle Industrieerzeugnisse nach sich, verteuert die Preise, erschwert die Ausfuhr, bedroht das Volk mit einer allmächtigen Kartelldiktatur und dauernden Wirtschaftsfrise. Hochschutzzölle steigern aber gleichzeitig die politische Macht der Schwerindustrie und der Großagrarier. Sie geben ihnen die Möglichkeit, auch die Steuer- und Finanzgefezgebung entscheidend zu beeinflussen und alle Lasten der Maffe des Volkes aufzubürden. Die Steuerreform wäre dann einfach die Steuerentlastung des Besitzes und Steuererhöhung für Arbeit und Verbrauch. Sie wäre zugleich die Berewigung des Unrechts der Aufwertung" durch die dritte Steuernalverordnung und die Heiligung der Inflationsgeminne. Dem gilt der Kampf der Sozialdemokratie. die alles aufbieten wird, um das Unrecht der Inflation wiedergutzumachen und neues Unrecht bei der Lastenverteilung zu verhindern. Im Vordergrunde der sozialpolitischen Bestrebungen steht die Rückkehr zum Achtstundentag. Er besonders in Hinblick auf die notwendige Erhöhung unserer ist sozial ein Fortschritt und wirtschaftlich eine Notwendigkeit, volkswirtschaftlichen Produktivität, die nur durch Intensivierung der Betriebsausnugung, der Ausnutzung der Maschinen-, nicht der Menschenkraft bis zum letzten, erreicht werden kann. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich ferner mit allen Kräften dafür einsetzen, daß die Staatsgewalt den Anspruch der arbeitenden Massen auf beffere Entlohnung unterstützt und nicht hemmt, wie es bisher geschah. Sie wird für die erwerbsunfähigen Schichten höhere Renten verlangen und für die Erwerbslosen die Umwandlung der Unterstützung in eine Erwerbslosenversicherung. Sie wird sich für die Beibehaltung des Mieterschuzes, der behördlichen Regelung der Mietpreise und der öffentlichen unter stigung des Wohnungsbau es einsehen und die Absichten der, bürgerlichen Parteien auf freie Wucherwirtschaft be fämpfen. Die Enzialdemokratie wird es ferner als eine, ihrer blingenbuer aufgaben betrachten, die Iassenjustiz, die. in dem letzten Jahre offener als je aufgetreten ist, zu be tampfen. Das Bertrauen zur Rechtspflege ist in Deutschland auf ein Maß herabgefunken, das die schwersten Gefahren für die Rechtssicherheit mit sich bringt. Die Sozialdemokratie Deríangt vor allem 2 m ne stie für die vielen Opfer der • Klassenjustiz und die Beseitigung der Emminger- Verordnungen, durch unsere Rechtspilege schweren Schaden erlitten hat. Sozial und politisch gleichbedeutend ist die Forderung nach einem Journalistengefeß. Würde ein felches Gesez nicht mehr anstreben und erreichen als einen sozialen Schuß für die geistigen Arbeiter der Preffe, so wäre dies allein schon ein Grund für die Sozialdemokratie, fich lebhaft dafür einzusetzen. In dem Maße aber, in dem es gelingt, durch die Befreiung des tapitalistischen Beitungsschreibers, vom Rang eines nur nach Auftrag arbeitenden Angestellten eine Reinigung des öffentlichen Lebens zu bewirken. und. die, fomplizierten Beziehungen zwischen Kapital und Presse durchsichtig zu machen, wird das Journalistengefeh auch politische Bedeutung, geminnen. Wechsel im Reichstag. Die neuen Mitglieder des Reichsparlaments. Nach den soeben fertiggestellten Fraktionslist en des neuen Reichstages find folgende Mitglieder neu eingetreten: Sozialdemokraten: Frau Ansorge, Frau Arning, Bader( Magdeburg), Becker( Hessen- Nassau), Biester, Dietrich( Thüringen), Fischer ( Berlin), Giebel, Helling, Horn, Jäcker, Jacobshagen, Rogzte, Künstler; Landsberg, Dr. Löwenstein, Ludvig, Meier( Baden), Dr. Moses, Peters, Schaffner, Frau Schiffgens, Schiller, Frau Schilling, Schlide, Schlüter, Schulz( Bremen), Frau Schulz( Westfalen), Staab, Stelling, Stüdlen, Thabor, Unterfeitner.( 2 us geschieden sind die Genossen hartleib und Kunert.) Deutschnationale: Boffen, Dieße, Eggers, Dr. Ellenbed, Fromm, Giese, Dr. Hädenkamp, Harmeny, v. Lindeiner- Wildau, Menzel Baeth, Dr. Brener, Dr. Rademacher, Sachs, Frau Scheidel, Dr. Schneider( Thüringen), Graf v. d. Schulenburg, Dr. Spuler, Vor dem Felde.( Ausgeschieden sind die deutschnationalen Abgeordneten Christ, Fletcher, Glaser, Harz, Krüger( Hoppenrade), Lindner, Malte wit( verstorben), Manzte, Paul, Roth( Württemberg), Weidt, Weiln böck, Wischnöpfti, Dr. Maretzky.) Janson, Keinath( früher Demokrat). Frau Dr. Maz, Dr. Pfeffer, Deutsche Bolkspartei: Findeisen, Hamfens, Havemann, Dr. Soff, Schmidt( Hirschberg), Sorge, Westermann,( Aus geschieden sind: Beuermann, Dr. Düringer( verstorben), Frau Dr. Magnus und Thierkopf.) Zentrum: Bed( Oppeln), Dr. Deffauer, Knoll, Koch( Effen), Neumann, Nientimp, Sonner.( Ausgeschieden sind: Dr. FleiBon ganz besonderer Wichtigkeit ist die Frage der Wahlscher, Roth( Hessen- Nassau) und Zipper.) reform. Als Sozialdemokrat kann man mit Befriedigung fonstatieren, daß zurzeit niemand daran denkt, den Grundfaß des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts nach dem Berhältnissystem, für das unfere Partei so lange hart getämpft hat, ernstlich anzugreifen. Das tommt daher, wei! der Versuch eines Wahlrechtsraubs, wenn er mißlingt, gegen diejenigen ausschlagen muß, die ihn unternommen haben. Ein fleiner Versuch zum Wahlrechtsraub, liegt in den Siträgen vor, die das wahlfähige Alter von 20 auf 25 Jahre berauffezen wollen. Die Sozialdemokratie wird diese Anträge bekämpfen. Dagegen empfiehlt sich, bei Beibehaltung des Verhältnissystems, die Bertleinerung der Wahlfreife weds Herstellung befferer Fühlung zwischen WähTern und Gewählten und die Verminderung der Zahl her Abgeordneten. Der Reichstag wird gut tun, sich mit der Wahlreform zu beeilen, damit er nicht wie sein unglücklicher Borgänger in die Grube fahren, muß, ohne seine legtwilligen Verfügungen getroffen zu haben. Auf alle Fälle gibt es fachliche Arbeit genug. Dieser Reichstag, der eine wesentlich verftärfte, wenn auch noch lange nicht genug starte sozialdemokratische Fraktion hat, tann manches beffern und den Massen des Voltes wertvolle Dienste leisten, wenn auch ein Teil der bürgerlichen Fraktionen den guten Willen dazu aufbringt und wenn die ewige Krisen chieberei aufhört, die seit Jahr und Tag alle parlamentarische Arbeit lähmt. Voraussetzung dafür ist freilich auch das Zustandekommen einer Regierung, die. nicht unter dem Einfluß ber großfapitalistischen und großagrarischen Sozialreaktion steht, sondern die bereit ist, sachliche Arbeit zum Wohl des Voltes zu fördern. Ob diese Boraussetzung in diesem Reichstag erfüllbar ist, steht freilich noch dahin. Die nächsten Tage müssen es lehren. Zum Reichstagsbeginn am Montag. In der ersten Sigung des Reichstages am Montag wird Namensaufruf vorgenommen und dann die Tagesordnung fir bie nächste Boigung festgelegt werden, bie roraussichtlich am Mittmach tattfinden wird, ba ber Dienstag megen des fatholischen Feiertags igungsfrei bleiben soll. Dem Reichstage mird gleich bei Beginn der Reichshaushaltsplan für 1925 zugeftefft mer den. 3u erledigen ist auch noch der Haushaltsplan für 1924, der non dem vorhergegangenen Reichstag mohl an einen Ausschuß ner. wiesen worden ist, wo er aber nicht zur Erledigung gelangte. Die Kommunisten beabsichtigen, gleich in der ersten Sizung wieder ihre Amnestieanträge einzubringen, so daß es wahrscheinlich schon bei der Festsetzung der Tagesordnung der nächsten Sigung zu lebhaften Auseinandersetzungen fammen wird. Franzosenkalender. Bon Paul Gutmann. Auf dem Weihnachtstisch des dreizehnjährigen Frizz lagen viele gute Gefchente. Der Knabe war gerührt über soviel Liebeszeichen und sang beim Schein der Christbaumferzen mit innigem Gefühl das Lied im Chor seiner Angehörigen:" Bom Himmel hoch da tomm ich her." Unter den Gaben befand sich auch ein mit grellen Farben bedruckter Wandkalender; worauf eine Art Teufel mit einem Stahl helm auf dem Kopf und ein zähnefletschender Schwarzer zu erbliden war. Darunter stanb: ran 30jentaTender auf das Jahr 1925. Roch benommen von Gefühl dankbarer Liebe betrachtete der Stnabe den Kalender. Auf der ersten Seite las er einen längeren Geleitspruch mit dem Motto„ Das Tier ist die Uebergangsstufe vom Franzosen zum Menschen. Nachdem er in der Schule gehört hatte, Daß der Mensch vom Affen abstaminen solle, schien es ihm also, als ob eine Urvorderent Franzosen gewesen seien. Aber das war wohl nicht ernst, gemeint. Er las neugierig weiter: Im Felde nannten mir jie neger, obwohl die Franzosen weiß sind von Angeficht. Selbft unser letter Musketier' murde sich instinktiv deffen hewußt, daß das Mischlingsgezücht, das uns gegenüber stand, alle Ichlechten Eigenschaften einer niederen Bastardrasse besaß. Wie kommt es, dachte der Knabe, daß der Lehrer des Franzöfifchen noch vor vierzehn Tagen erflärt hatte, daß die Franzosen eigentlich aum großen Teil Franken feien, und daß die guten Eigenschaften diefes, Boltes pon, der germanischen Blutmischung herkämen? Er blätterte aufmerksam im Kalender. Unter dem ersten Januar oder Sartung ftand zu lesen, daß im Jahre 1445 Elsaß und Schwaben bon 50 000 Armagnafen verheert worden seien. Dann famen die Schandtaten von 1636, und so ging es fort bis 1923. Jeder Tag eines jeden Monats war im Kalender in Zusammenhang gebracht mit irgendeiner Misjetat, der Vergangenheit. Im vorigen Jahr hatte er noch einen Wandkalender bekommen, worin. jeder Tag irgendeinen trefflichen Spruch. eines Dichters aufwies, monach man fein Benehmen einrichten konnte. Dieser Kalender einer offenbar fein Benehmen einrichten tonnte. Dieser, Kalender einer offenbar fortgeschrittenen Zeit predigte auf jeder Seite, in jeder Zeile Haß. Haß Haß. Der Knabe las von Verbrechen, die er gar nicht begriff, von Schändungen, von Angriffen roher Neger auf Knaben und Mädchen, pon allen erdenklichen Schlechtigkeiten. Das Bolt, das folche Berbrechen verübte, waren Franzosen. Er sah die Photo: graphie eines getöteten Knaben, las das Haßgedicht einer deutschen Mutter, die ihren Sohn zu mörderischen Taten aufrief, Gestern -hatte er sich noch mit anderen Knaben über den Jungensmörder Soormann und den Massenmörder in Schlesien unterhalten, der aus Menschenhaut sich sogar Hosenträger anfertigte Jetzt schien es ihm, als ob alle Schlechtigkeiten der Welt von Franzosen her rührten, und als ob die Deutschen das einzig fleckenlose Bolk der Demokraten: Bartschat, Fischbeck, Dr. Hummel, Lemmer, Meyer, Dr. Raschig, Rönneburg, Schneider( Berlin), Schulbt( Stegliz) Schurig.( Ausgeschieden sind: Dr. Böhme, Dr. Gerland, Dr. Geßler, Reinath( fett Bolfspartei), Schiffer, v. Siemens.) Hommunisfen: Frau Arendsee, Berg, Bohla, Geschfe, Heernle, Dr. Korsch, Neubauer, Buz, Schlagewerth, Schneller, Torgler, Weber ( Düsseldorf).( Ausgeschieden sind: Frau Badeneder, Bartels ( Strefeld), Deniwiß, Ebner, Eppstein, Effer( Hamburg), Frölich( Westfalen), Grube, Grylewicz, Hamann, Dr. Herzfeld, Heydemann, Heim, Jerdrosch. Frau Krüger( Halle), Lademann, Langenfeld, Lindau, Maslowsti, Müller( Frankfurt), Müller( Kaiserslautern), Nagel, Frau Reiler, Roscher, Schroer( Düsseldorf), Schubert, Stetter, Sychalla, Thomas.) Bayerische Volkspartei: Diernreiter, Dr. Horlacher, Troßmann ( Nürnberg). Wirtschaftliche Bereinigung: Beier( Dresden), Drewiz( Berlin), Eisenberger, Dr. Jöriffen, Ralteneder, Kerschbaum, Kling, Mollath, Behold.( 2 us gefchieben: Alpers, Haindl, Heßel.) Nationalfozialisten: Straffer, Seiffert.( Ausgeschieden sind: Ahlemann, Blume( Hessen), Chwatal, Fahrenhorst, Fled, Fritsch, Gansfer, v. Heydenbred, Jacob, Kriebel, Mergenthaler, Rahl, Röhm, Dr. Roth( Franken), Ruckbäschel, Schliephacke, Stelter, Titt mann( widau), Dr. Vahlen und Wulle.) Die Skandale der Staatsbank. Erfindungen und Richtigstellungen. Während die Untersuchung im Falle Barmat weiter geht und die Deffentlichkeit nichts davon erfährt, ob die preußische Regierung Schritte ergriffen hat, um in der Preußischen Staatsbant Ordnung zu schaffen, wird von der Kreuz 3eitung" der Versuch unternommen, den Komplex der Staatsbankstandale zu einer Parteiheze gegen die Sozialdemokratie zu benußen. Dieser Bersuch, führende Sozialdemokraten, die in feinerlei Busammenhang mit der Staatsbankaffäre und der Affäre Barmat stehen, zu disi treditieren, ist der Kreuz- Zeitung und der Roten Fahne" gemeinsam. Der Kreuz- Zeitung" ist es vorbehalten geblieben, die Berson des Reichspräsidenten in diesem Zusammenhang in der schmutzigsten Weise zu verdächtigen. Sie gibt folgende Be hauptungen wieder: Ebert hat Barmat eine persönliche Empfehlung gegeben, womit Barmat die Marmeladeneinfubr holland in die Hand befam. Barmat hat im Ruhrgebiet die Marmelade teurer verkauft, als sie die holländische Firma vorher dem deutschen Bérbroucher zugeführt hatte. Erde seien. Die herrlichen von Franzosen zerstörten Burgen, deren Abbildungen der Wandkalender inmitten aller anderen Greueltaten zeigte! Ein widerlicher Gestant schien aus diesem Kalender aufzusteigen, ein Gemisch aus Brandgeruch, Blut und Verwesung. Der Knabe war ganz betäubt. Ein Efelgefühl quoll in ihm empor, und zugleich verspürte er ein unwiderstehli.hes Verlangen, ebenfalls schlecht zu verspürte er ein unwiderstehli.hes Verlangen, ebenfalls schlecht zu fein und die Schandtaten durch eine eigene Schandtat zu rächen. Er dachte an. Qualen, die er anderen zufügen wollte, an Mordtaten, die noch grausamer sein sollten als die der Marokkaner und Fran30sen. D, er fönnte sich schon vorstellen, daß er nach Frankreich fäme und wie Haarmann einen nach dem anderen abschlachtete.. Die Lichter des Christbaums funtelten. Das Grammophon spielte:„ Stille Nacht, heilige Macht. Alle Anwesenden, Eltern, Tanten, Onkel, die Geschwister fangen gerührt mit, auch Onke! Tanten, Onkel, die Geschwister sangen gerührt mit, auch Onkel Botho, der ihm den Kalender geschenkt hatte. Schimmerten nicht bie Augen des Onfeis von Tränen der Andacht? Eine unerklärliche Wut packte den Knaben. Aus dem Kalender stieg die rote Flamme finnlosen Hasses auf und entzündete ihm das Blut Am liebsten hätte er den Christbaum in Flammen gesetzt. Das Geheul seiner Familie machte ihn schwindlig. Er schrie in ihren Gesang laut den Bers, der auf dem Kalender stand:" Es fliegen die Dämonen schwanger mit Blut und Schmach. Doch die auf Sternen wohnen, senden die Rache nach." Dann riß er seinem fiebenjährigen Schwesterchen die Buppe, die es zärtlich hielt, aus dem Arm und schleuderte sie, überwältigt von Wut, zu Boden, wo ihr Kopf in zahllose Scherben zer brach. Die Schwester schrie, die Berwandten gestikulierten wie vom Teufel besessen, der Knabe wurde geohrfeigt, und der Abend der Liebe endete in Haß, Verzweiflung und grauer Melancholie. In Herrn Eberts Privatbureau in ber Wilhelm straße sind, ob er persönlich darüber Bescheid gewußt hat, ist nicht bekannt, Verträge abgeschlossen, nach denen bei der Fetteinfuhr 1919, als, in Deutschland die bitterste Not gerade an Fetten herrschte, Prozentjäze vom Preise an die sozialdemokratische Borteikaffe abgeführt werden mußten." Diese Behauptung wird sofort durch folgende Mitteilung des Wolff- Bureaus Lügen gestraft: „ Eine bisher noch unbekannte, Zeitungskorrespondenz verbreitet zum Fall Kutister Barmat die Meldung, der Reichspräsident habe Bar in at durch eine Empfehlung die Marmeladeneinfuhr aus Holland verschafft, und in cinem angeblichen Privatbureau des Reichspräsidenten feien im Jahre, 1919 mit Barmat monopolartige Verträge über die Einfuhr von Fetten unter Festsetzung eines Prozentsatzes für die sozialdemokratische Parteikasse abgeschlossen worden. Diese Mitteilung ist, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, frei erfunden; weder hat der Reichspräsident einem Herrn Barmat femals eine Empfehlung für die Erlangung der Marmeladeneinfuhr ausgeftelit, noch sind in einem Privatbureau des oder im Bu Reichspräsidenten" ein solches existierte niemals reau des Reichspräsidenten mit Barmat irgendwelche Verträge ababgeschloffen oder Abmachungen getroffen worden." Wie wir aus genauester Kenntnis hinzufügen, sind die Behouptungen über eine Beteiligung der sozialdemokra tischen Parteita sie an diesen angeblichen Fettgeschäften ebenso frei erfunden. Sie entbehren jeder tatsächlichen Unterlage. Eine weitere Behauptung, die auch vom„ Tag" wiedergegeben wurde, wollte hen Genossen Robert Schmidt, Reichswirtschaftsminister a. D., in Verbindung mit den Geschäften der Barmats bringen. Genosse Robert Schmidt sandte dem Tag" eine Berichtigung, die dieser abdruckte. In der Nachtausgabe des Tag" wurde der Versuch gemacht, Ge noffen Robert Schmidt zu beschuldigen, er sei an den umfangreichen geschäftlichen Verhandlungen, die die Gebrüder Barmat in den Jahren 1921 und 1922 in: Hotel Bristol zu führen pflegten, beteiligt gewefen. Auf diesen neuesten Angriff hat Genosse Robert Schmidt dem„ Tag" folgende deutliche Berichtigung gesandt: " Diese Behauptung ist unwahr. Ich habe niemals mit Herrn Barmat geschäftliche noch gesellschaftliche Be ziehungen unterhalten und bin mit ihm weder im Hotel Bristol noch an anderen Orten in Verhandlung getreten. Ich bin auch zu feiner Beit in irgendeiner Form an den geschäftlichen Unternehmungen der Gebrüder Barmat beteiligt gewesen." Eine weitere Behauptung der Beteiligung an den Geschäften der Barmats wandte sich gegen die Bant der Gemertschaften. Diese Behauptung wird durch folgende Mitteilung der Gewerkschaftsbank Lügen gestraft: Die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G.( die meldungen in teinerlei Geschäftsverbindung mit Bant der freien Gewerkschaften) steht entgegen anders lautenden dem Barmaf Konzern." Schließlich ist noch behauptet morden, der Soz. Pressedienſt" fei von Barmat finanziert worden. Auch das ist erlogen, er hat nie einen Pfennig von Barmat erhalten. Die Verbreitung fo falscher Gerüchte durch die Rechtspreffe diert einestells agitatorischen Sweden gegen die Sozialdemofratie, andererseits soll sie vom Kern der Skandale der Staatsbant ablenten. Ganoffe Gustav Bauer teilt uns mit, daß er niemals einem Aufsichtsrat des Barmat- Konzerns angehört hat. Die Kredite der Reichspost. Wolff- Bureau teilt mit: Zu den umlaufenden Gerüchten über Kreditgeschäfte der Deutschen Reichspoft wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: 1. Der Reichspostminister hat sich aus volkswirtschaftlichen und sozialen Gründen( Arbeiterentlassungen usw.) veranlaßt gesehen, | des mitados, überragt von dem Buddhastandbild, das Wolkenfragerhöhe erreicht. Ueber China und Japan werden wir wohl in Kürze unsere Ansichten revidieren müssen. Die Chinesen sind unerhört intelligent. China verstand es, eine tausendjährige Kultur bis auf den heutigen Tag rein zu erhalten. Europa und Amerifa Richtungen. Die eine möchte alles Europäische ausrotten und die haben diese Welt zur Strecke gebracht. Jetzt fämpfen in China zwei andere möchte alles Europäische annehmen, um, einmal in den BeSiz der Kulturmittel gelangt, burch sie selbst Europa aus Afien zu vertreiben. Erſteht ein westliches China, wird Schanghai ſeine Hauptstadt sein. Indien ist kein Land, keine Nation, es iſt eine Belt, passiv geworden unter der Tropensonne. Jezt sind aber auch dort aufrüttelnde Einflüsse, zum großen Teil von China aus: gehend, bemerkbar. Die Bilder von Siam und Bali boten land. fchaftliche Schönheiten von ungeheurem Reiz, zugleich aber auch Einblicke in Bollsfitten und Gebräuche. Alles in allem schuf Dr. Colin Roß ein Filmwert, das sich selbst lobt und jedem Lernbegierigen etwas bietet. e, b. Profeffor Bummi, dessen Nachruf wir Sonnabend brachten, ist nicht 63, sondern 67 Jahre alt geworden. Im Berliner Theater spielen Emuih Sturm und Eduard Lichtenstein nach Ueberwindung ihrer Indisposition nunmehr täglich die Hauptrollen Anneliese von Dessau". in Borträge. Ueber feine Forschungsreife in Ruff 3entralasien hält Dr. Cohn Wiener an der Humboldt- Hochschule, Dorotheenstr. 12, 8 Uhr, zwei Vorträge mit Lichtbildern am Mittwoch( Samarfand und Buchara) und Donnerstag( Ruinenstätten, Wüsten- und Nomabenvölfer). Neue Mitglieder des Reichsarchivs. Der Reichspräsident hat an Stelle. des verstorbenen Generals a. D. von Freytagh- Loringhoven und des ausgeschiedenen Professors Erich Marcs den General a. D. von Kuhl und den Professor Brandenburg( Leipzig) zu Mitgliedern ber„ Historischen Kommission für das Reichsarchiv". berufen: Humboldt- hechichule. Das neue Vorlesungsberzeichnis ift foeben erschienen und in zahlreichen Buchhandlungen, Bibliotheken, Raushäusern unentgeltlich zu haben. " Eine Journalisten Chrung. Das Deutsche Institut für Zeitungskunde in Berlin hat den Rebatteur der Kölnischen Zeitung", Dr.. ugo 3öller, aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums zum ersten Ehrenmitgliede ernannt. Paris gestorben. Er ist das Opfer seiner Bersuche über die Bestrahlungen Der Chemiker Deminitreug, der Mitarbeiter des Ehepaars Curté, ist in des Thoriums geworden, für dessen industrielle Gewinnung er mehrere befriedigende Arbeiten geliefert hat. Mit dem Kurbelfasten um die Erde. Der Wunsch, fremde Länder zu sehen, ist durch wirtschaftliche Nöte aller Art für viele unerfüllbar geworden. Daher findet ein gutes Filmwert über eine Weltreise ein dankbares Publikum, zumal wenn die Bedeutung des Gesehenen durch einen hörenswerten Vortrag gesteigert wird. Dr. Colin Ro ß, der in den Kammerlichtspielen Begleitgewiffe andere, das uns so reizt, ganz gleich, ob es sich um die porte zu feinem Film spricht, erfaßte stets das Typische, dieses Bereinigten Staaten von Nordamerika, Hawai, die Philippinen, Japan, Korea, China, Sumatra, Indien, Siam, Java oder Bali handelt. Das Erotische der anderen Welten verschwindet langsam. In Kalifornien, das drei schwere Fieberperioden durchzu machen hette, das Gold-, das Band- und das Delfieber, hat fast leit eines auf russischem Boden ausgegrabenen vorfintflutlichen Tieres Ein Trochodon in Petersburg. In Petersburg wird zurzeit das Stejeder ein Auto. Manila ist eine Stadt der stärksten Gegenfäße. Bei ausgestellt, eines Trochodon, das zu den Riefeneidechsen gehörte: Neben einem Blick in das Straßenleben, das halb europäisch ist und zur diefem Eremplar gibt es nur noch ein einziges, das sich im Naturgeschichtanderen Hälfte ganz von den uralten Berkehrsmitteln der Eingelichen Wuseunt der Vereinigten Staaten von Nordamerika befindet. den Philippinen haben die Eingeborenen an ihre primitiven borenen erfüllt ist, tritt das offensichtlich zutage. Doch selbst auf Bambushütten eine Garage für ihr Automobil angebaut. Intereffant war es, daß es dem Reisenden gelang, Alt- Japan im Film festzuhalten. Was er zeigte, war noch das alte Japan, das Reich wird, nachdem es vor kurzem in Sidney( Australien) aufgeführt worden Maffe Mensch" in Toflo. Ernst Tollers Schauspiel ,, Maffe Mensch" ift, in den nächsten Tagen in Tolio über die Bretter gehen. einen Autor" beginnen von Montag ab um 8 Uhr. Komödie. Die Borstellungen von Birandellos, Sechs Personen suchen ben Banken bes Barmat Ronzerns für Industriezwede tim Oftober 1924 auf Antrag Darlehen von zusammen 14,5 mil lionen Reichsmart durch Vermittlung der Deutschen Girozentrale als Treuhänderin zu gewähren zu dem bei der Post üblichen Zinssatz und gegen Sicherheiten, die von Sachverständigen besonders nachgeprüft und für ausreichend befunden find. 2. Michael hatte der Deutschen Reichspoft im November 1923, als ihr jeder Reichstredit entzogen war und Zahlungsmittel nicht zur Berfügung standen, vorübergehend Beldn: ittel überlassen und später feinerseits von der Post einen Kredit erhalten, der bereits seit einem holben Jahre vollständig abgedeckt ist. Seit dieser Zoit steht die Bost mit Michael in feiner geschäftlichen Verbindung. 3. Mit Kutister hat die Deutsche Reichspost niemals geschäft liche Beziehungen gehabt Die Quellen der Korruption. Reaktionäre Heuchelei. In der Deutschen Bergwerks- Zeitung" schreibt ein Prinz Ernst von Ratibor über die Finanzskandale. Neben den an Seehandlung, Girozentrale. Kutister, Barmat anfnüpfenden Skandalen deutet er weitere an. Er schreibt mit deutlichem Hinweis: Eine weitere Feststellung: Ist es nicht eine Schmach und Schande, wie zugunsten einer Spetulantengruppe mit Der Kriegsanleihe operiert worden ist? Welche Einflüsse haben es fertig bekommen, daß je nachdem irgendeine parlamentarische Gruppe einen neuen Antrag zur Auswertung einbrachte, schon tagelang vorher ein neuer Rummel an den Börsen in Kriegsanleihe einfeßte? Muß es nicht wieder höchst bebentlich stimmen, wenn dieselben Abgeordneten, die im Barmattonzern als Aufsichtsratsvorsigende fungierten, auch im Aufmertungsausschuß des Reichstages das große Wort führten? Wie viele ernsthafte deutsche Industrielle und Banfiers fönnen mir bestätigen, daß im Auslande in seriösen Finanzfreisen immer wieder das Wort fiel: Euer ganzer Reichsiang ist eine einzige Spetulantenhande! Selbstverständlich eine ganz ungerechtfertigte Uebertreibung, an der aber die unerflärliche Langmut der Regierung( beispielsweise ihre Zweibeutigkeit in der Aufwertungsfrage) ein erhebliches Maß von Schuld trägt.. Die Andeutung zielt auf die Zentrumsabgeordneten Fleischer und Lange Hegermann. Der erste ist nicht wiedergewählt, der zweite war Aufsichtsratsvor figen der von Barmat und hat diesen Bosten niedergelegt. So ist der Deutschen Bergwerks- Zeitung" nicht um AufPlärung im Interesse der Reinigung zu tun. Der zitierte Auffaz zeigt, daß sie die Standale für reaktionäre Zwecke ausnügen will. Es heißt dort: „ Nun haben also die traurigen Borfälle, der letzten Zeit jedem wahrhaften Patrioten, gleichgültig welcher Barteirichtung, jebem recht- und ehrenhaft empfindenden Menschen gezeigt, mit welcher Schmach und Schande die vom Parlamentarismus ausstrahlende Verwaltungstorruption unser Bater: iand bedeckt hat." Es wird der Versuch unternommen, diese Standale gegen das parlamentarische System auszunuzen Aus der Verwaltung sind an den Skandalen beteiligt Beamte des alten Regimes. Die Quellen der Korruption aber liegen in den Kreifen, die der Bergmerts- tg." am nächsten stehen, in den Kreisen, die bewußt die Inflation gefördert haben, um baran zu verdienen. Den schwersten Stoß hat die öffentliche Morol in der Wirtschaft in der Cuno- Zeit erlitten, die ein einziger großer Standal war, neben dem selbst die unge heuren Standale von heute verblaffen. We war der Staats. " anwalt, wo die geheuchelte moralische Entrüstung der Bergwerts- 3eitung"? In den ersten Monaten des Ruhrkampfes hat der Kölner Otto Wolff- Konzern aus der„ Sifa", der Hilfskaffe zur Kreditunterstützung gewerblicher Mittel- und Kleinbetriebe im besetzten Gebiet pier Milliarden Mark erhalten. Der Betrag wurde für Lohnzahlungen gegeben, aber zur Abdeckung von Bantverpflichtungen benutzt, die sich aus dem Kauf von Devisen und Effekten ergaben. Es lag also ein Fall glatten Betrugs vor. In der Sigung des Ruhrkredit- Ausschusses des Reichstages vom 5. Juli 1923 ist dieser Tatbestand von einem Regierungsvertreter bestätigt worden. Er teilte ferner mit, daß der Betrag inzwischen zurückgezahlt worden sei, aber ohne Berücksichtigung der Geldentwertung. Weder die Regierung Cuno noch irgend ein Staatsanwalt hat sich gerührt, um ein Verfahren einzu leiten. Ebensowenig hat man jemals etwas davon erfahren, daß ein Staatsanwalt ein Verfahren gegen Herrn Hugo Stinnes eingeleitet hätte, der im Jahre 1922 in einen Konflitt mit der Steuerbehörde geriet und sich meigerte, feine Steuerklärung zu erstatten. Wo blieb damals Die Staatsanwaltschaft? Oder wo blieb fie, als Stinnes auf dem Sterbebette seine Frau als Alleinerbin einsetzte, dadurch die Erbschaftssteuer ersparte, obwohl tatsächlich die Kinder Don Stinnes die Erben sind und nicht die Ehefrau. Und muß nicht jeder Eingeweihte zugeben, daß, wenn die Staatsanwaltschaft in den Jahren der Geldentwertung bei den großen Unternehmungen der Schwerindustrie die Bücher be. fchlagnahmt hätte, gegen alle Unternehmungen ohne jebe Ausnahme ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung hätte eingeleitet werden müssen? Und wo bleiben die Staatsanwälte jetzt, wo es gilt, das arme Reich vor den ungeheuren Forderungen der rheinisch westfälischen Schwerindustrie zu schützen? Man spricht davon, daß diese großen Patrioten nicht meniger als 600 millionen Goldmart als Schadenersatz verlangen. Sie haben zwar während des gonzen Ruhrkampfes große Summen aus der Ruhrhilfe, aus der Lohnficherung, aus Papiermarktrediten des Reiches und der Reichsbank erhalten. Sie sind in folge des Ruhr kampfes, der das Volk der Armut auslieferte, wie selbst ihre Goldbilanzen ausweisen müssen, reich geworden. Aber fein Staatsanwalt denkt daran, durch die Einsicht in die Bücher festzustellen, ob hier nicht ein Verhalten vorliegt, das nicht nur moralisch, sondern auch strafrechtlich anfecht bar ist. Und wenn schließlich die Zeit", das Organ der Volkspartei, den deutschnationalen Blättern den Rang abzulaufen fucht bei der Bekämpfung des Betrugs, so darf man wohl baran erinnern, daß die Deutsche Bolkspartei sonit, wenn es sich um ihr nahestehende Kapitalisten handelte, jede Einsicht Der Staatsgewalt in die internen Berhältnisse der Unterneh mungen aufs fchärffte bekämpft. Sie will dem Staat nicht einmal das geringe Recht gewähren, im Steuerverfahren durch Machprüfung der Angaben der Zenfiten Steuerbetrug zu verhindern. Für den neuen Reichstag hat die volkspartei liche Frattion nach Mitteilungen der 3eit" einen Antrag vorbereitet, der die Ermeiterung des Rechts zur Aus| bungen und tatkräftige Förderung ihrer fozialen Belange er funftsver 3. 11 gelegent siten und die Ein warten. Cine folche( Boltsgemeinschaft) ist unmöglich, folange fchrän ung der bereinjidht burch di Binanzämter fordert! Parteibaß, Klaisenhaß, Bölferhaß und Raffen has weite Kreise Die Standale von heute sind groß genug und bedürfen des Volkes beherrschen." der Aufdeckung. Wo ist das moralische Recht der Banamisten der Inflationszeit, der systematischen Saboteure der deutschen Währung, zur Entrüstung über die Deflationsskandale? Diese Forderung eines sozialen Blocks" erscheint der Deutschen Zeitung" als eine ungeheure Gefahr. Als den Kern dieses Blocks bezeichnet das Blatt des alldeutschnationalen Unternehmertums die Abgeordneten Andre, Frl. Behm, Behrens, Brauns, Dr. Brüning, Erhardt, Ersing, Eſſer, Gerig, Deutsch nationaler Reichspräsident gesucht. Giesberts, Groß, Hartmann, Hartwig, Hülser, Koch, Lambach, Nach dem mißlungenen Magdeburger Attentat. Schirmer, Schlad, Frl. Schott, Schmidt- Stettin, Stöhr, Die Deutschnationalen wissen das eine, daß sie mit der Schwarzer, Stegerwald, Thiel, Tremmel, Wieber, Winneganzen Rücksichtslosigkeit, die nur ihnen zur Verfügung steht, feld u. a. Außerdem werden als dringend verdächtig" bedie Wiederwahl eines Sozialdemokraten zum Reichszeichnet die deutschnationalen Abgeordneten Mumm und präsidenten verhindern wollen. Völlig im unflaren sind Lindner. Der letztere ist übrigens ebenso wenig wieder gefie aber darüber, wer an Stelle des Sozialdemokraten wählt, wie die deutschnationalen Arbeiter"-Abgeordneten Ebert den Platz einnehmen soll. Sie selbst haben feinen Hark und Wischnövski, der Führer der gelben Bädergesellen. geeigneten Kandidaten auf Lager und sie wissen auch nicht, Aber auch die Führer des. ,, Deutschnationalen Handlungsbei welchem Lager sie eine Anleihe machen könnten. Der gehilfen- Verbandes", Hans Bechly, hat zum großen Schmerz ganze Jammer diefer peinlichen Situation fommt in einem des alldeutschen Blattes geschrieben: Artikel der Kreuz- 3eitung" zum Ausdruck, in dem es hinsichtlich der Präsidentenwahl heißt: # Nur wenige Monate trennen uns von diesem bedeutsamen Er eignis, und noch weiß fein Schwarz- Weiß Roter, wen er auf den Schild erheben soll. Die Bräsidentenwahl wird fragios unter denselben Flaggenzeichen, wie die Dezember wahl, erfolgen. Uber man soll sich doch nicht einbilden, daß man erft kurz vor dem Termin mit einer schwarzweißroten Kandidatur hervortreten tann. Vielleicht empfiehlt es sich, für diesen Zweck einen besonderen über parteilichen schwarzweißroten Ausschuß zu bilden. Wirklich eine ausgezeichnete Partei, die im Reich und in Preußen den maßgebenden Einfluß für sich beansprucht und noch nicht einmal den Mut aufbringt, mit einer eigenen Kandidatur für die Reichspräsidentenwahl vor die Deffent lichkeit zu treten! Für die Deutschnationale Partei, so heißt es in dem Artikel weiter, fei die Erkenntnis maßgebend, daß die fortschreitende nationale Gesundung auch an der obersten Spige formell und praktisch zum Ausdrud fommen müsse. Sehr gut! Wer fönnte eine bessere Garantie für eine„ fortschreitende nationale Gesundung" bieten als ein deutschnationaler Kandidat? Warum also die plötzliche Bescheidenheit im deutschnationalen Lager? Auch die dem Volt"( von den bürgerlichen Parteien) präsen tierten Kandidaten hatten zum großen Teil alles andere, denn einen guten Klang, und der Geruch, der von ihnen ausging, fonnte durch die paar Arbeitervertreter an ernsthafter Stelle und durch die größere Menge der Zählkandidaten nicht weitgemacht werden. Dazu tam das geradezu blöde Gerede von dem kommenden Bürgerblod, un selbst die Menschen, denen nichts ferner liegt, als sozialdemokratische Gesinnung. mit ernster Besorgnis vor diesem drohenden Bürgerblod zu erfüllen." Also die christlich- nationalen Gewerkschaften wollen vom Bürgerblock nichts wissen, sondern gar einen sozialen Blod" bilden? Ist das nicht Grund genug dafür, daß die Claße von ihnen den Tod der nationalen und völkischen Opposition" in den bürgerlichen Parteien befürchten müssen? Ein ungewolltes Eingeständnis der Tatsache, daß die Arbeiter nur in ihrer Interessenvertretung zusammenstehen brauchen, um den ganzen kapitalistischen, durch ,, nationale" und pölfifche" Redensarten nur schlecht verbrämten Sput zu verfcheuchen! Aufruf zum Landfriedensbruch straffrei! Wenn Landbündler ihn erlaffen. In einer vom Landbund des Kreises Hadeln( Hannover) cin berufenen Versammlung wurde einstimmig(!) folgende Reso Jedem aufrichtigen Republikaner fann es nur recht sein, menn der Kampf um die Reichspräsidentenschaft von den Monarchisten zu einem Rampf gegen die Republit mißbraucht wird. Die Deutschnationa en mögen sich mit den Nationalsozialisten, Geislerschen Berlution angenommen: bänden und Aldeutschen auf der einen und den Volkspartei lern auf der anderen Seite an einen Tisch sehen, das schafft Klarheit. 1. Die Steuerkraft der Landwirtschaft ist restlos erschöpft. Wir verweigern daher jede weitere Sieuerzahlung, solange die Reichsregierung nicht geeignete Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung der Landwirtschaft trifft. 2. Gegen jede gewaltsame Eintreibung der geforderten un tragbaren Lasten werden sich die Landbundmitglieder geschlossen wehren. Das heißt doch mit dürren Worten: Der gewaltsamen Zwangs halb fein Steuereintreiber bei uns fehen lassen! eintreibung werden wir mit Gewalt begegnen, es möge sich desBorläufig ist allerdings von einer schwarzweißroten Ein heitsfront noch nichts zu spüren. Die Deutschnationalen hatten sich den Magdeburger Prozeß als den eigent lichen Auftakt zur Präsidentenwahl gedacht. Der Berlauf des Prozesses hat ihnen das Konzept verdorben. Die Möglichkeit eines Fehfurteils zugibt. Sie beschränkt sich deutschnationale Breffe geht heute bereits so weit, daß sie die So hat auch der Staatsanwalt die Sache aufgefaßt und gegen Belt über das unmögliche Urteil als Eingriff in ein schwe aus Lüdingworth und den Hauptradner der Bersammlung, Reim übrigen darauf, die Empörung der gesamten gesitteten den Borsigenden des Kreislandbundes, Hofbesitzer Gerdts bendes Verfahren zu bezeichnen. Ein tlägliches Rückzugs: gierungsrat a. D. Deiters aus Hannover, Antiage wegen manöper nach den standalöfen Berleumdungen und Steueriabotage erhoben, Beschimpfungen, mit denen fie während des Brogeffes über Du har Berhantlung vor dem Schäffengerigt Stade den Reichspräsidenten herfiel! Besonders fläglich nimmt fich die Kreuz- Zeitung" aus, in der man lefen fann: beantrage ber Staatsanwalt gegen Gerids einen Monat Gefängnis .Recht zu benfen gibt uns auch das Berhalten der vaIfs. parteiligen Reichsminister, wie auch des Grafen Staniß zu dem Ergebnis des Magdeburger Prozesses. Die auch in ihrer Ebert, die überdies einem Eingriff in ein noch schwebendes Gerichts. außenpolitischen Wirkung äußerst ungeschichte Beileibsyisite bei Herrn perfahren gleichfam, war ein Ausbrechen aus der schwarz. meisroten Front. Selbst wenn die Herren 3arres und Stresemann es menschlich für gerechtfertigt hielten, Herrn Ebert zu trösten, oder auch wenn sie juristisch mit dem Urteil des Schöffen gerichts nicht einverstanden waren, so hätten sie als Polititer zum mindesten flüger getan, zu schweigen. Die Position der beiden genannten Minister im Kabinett ist doch start genug, daß sie, wenn die Anregung zu dem unverständlichen Schrift von anderer Seite fam, die kühle Schulter zeigen konnten. Der Fehler war um so größer, als es doch nun wirklich allmählich Zeit wird, die Bor bereitungen für die Präsidentenwahl zu treffen." Was die ,, Kreuz- Zeitung" für anständig hält, geht daraus hervor, daß sie den Besuch des Reichsfabinetts höhnisch als Beileidsvisite bezeichnet. Die Deutschnationalen hatten den Magdeburger Standal als Auftakt für die Präsidentenwahl arrangiert und die deutschnational- poltsparteilichen Reichs minister begehen aus Gewissensstrupein die Efelei, sich auf die Seite des schwarzrotgoldenen Sozialdemokraten Ebert zu stellen? Ausbruch aus der schwarzweißroten Front! Und die Ranig, Jarres, Stresemann werden angepfiffen, als befände man sich bereits in der schönsten Bürgerblodregiererei. Beffer als die Kreuz- Beitung" fönnte niemand die bei spiellos niedere Gesinnung der Deutschnationalen fennzeich nen, mit denen sie den schwarzweißroten Kampf um die Wahl eines Präsidenten der Republik zu führen gedenken. Der wahre 3wed des Magdeburger Prozesses wird unum munden zugegeben und von den Schwarz- Weiß- Roten diftatorisch verlangt, alle moralischen Bedenken beiseite zu laffen. So denken sich die Deutschnationalen die schwarzweiß rote Einheitsfront. Eine Front rote Einheitsfront. Eine Front vor der selbst der deutsch nationale Graf Kanik desertiert, weil sie ihm zu unsauber ist! Die Furcht vor dem sozialen Block". Eingeständnisse einer völkischen Seele. Gefahren für die deutschnationale Herrschaft aufzuzeigen, die Deutsche Zeitung" sieht sich veranlaßt, die sich aus dem Zusammenstehen der fazialintereifter ten Abgeordneten der bürgerlichen Barteien ergeben ten Abgeordneten der bürgerlichen Parteien ergeben tönnen. Das Blatt der chriftlichen Gewerkschaften, Der Deutfche", hatte por furzem zur Bildung eines fozialen Blocks" aller in den bürgerlichen Parteien veritreuten Gewerkschaftler und Arbeiterfreunde aufgerufen, um den zeaftionären Bestrebungen führender Kreise im Lager der Groß unternehmer und deren Schleppenträger aus den rein auf Eigennut eingestellten, flaffenmäßig auf gezogenen Mittelstandsparteien wirtsam entgegen trefen zu können": und 1000. Geldstrafe, gegen Deiters tas Doppelte. Das Schöffengericht sprach aber beibe Angeflagte frei! Es wellte wahrscheinlich zum Ausbrud bringen, daß ben Agrariern und Landwirten jebe Rebellion gegen die Staatsgewait Für die Besigenden aber nur mit Ausnahmen, wie das Urieil zeigt. erlaubt fei. Strafgefeße gelten unzweifelhaft für proletarische Streife. Heil mir im Siegerkranz. Mussolinis Kraftmeierrede. Rom, 3. Januar.( TU.) In Erwartung der Rede Mussolinis trat die Kammer heute in äußerst erregter Stimmung zusammen. Die Tribünen waren überfüllt und die Abgeordneten konnten vom Bräsidenten nur mit Mühe auf ihren Plähen gehalten werden. Mussolini, der erst nach der Eröffnung langsam eintrat, Ich " wurde von don Faschisten eine minutenlange Ovation dargebracht. Es fiel auf, daß Salandra sich an der Ovation nicht beteiligte. Nach einigen belanglofen Interpellationen helt Mussolini seine Rede. Baragraph 46 der Verfassung gibt dem Parlament das Reden Ministerpräsidenten in Anflage zustand zu versehen. rage nun: ft jemand in der Kammer, der dieen Antrag stellen will?" Diese Worte entfeffelten einen Beifallssturm. So werde ich felbft mein Antläger fein!" Anspielend auf die bolichewitche fcheta, die Mörderin des ruffischen Bürgertums, führte Mussolini aus, daß eine von ihm geschaffene Tichefa wenn er diese AbBoltes geschaffen worden wäre. Aber wie fann man annehmen, ficht je gehabt hätte menigstens aus der Intelligenz( 1) des fiftischen Rede im Juni irgendwie an der Ermordung eines fuhr er fort, daß ich nach dem offenkundigen Erfolg meiner pagi. politischen Gegners, den ich persönlich sehr hoch schäßte, oder an einem der anderen politischen Verbrechen beteiligt fei? Das wäre ja Irrfinn! Mit schamlosen Lügen bemüht man sich, diese Anklagen glaubhaft zu machen. Aber nur nach dem Urteilsforuch des Gerichts wird man flar fehen fönnen. wird man flar sehen können. Bis jetzt habe ich zu dem schemi pjen Lügenfeldzug geschwiegen. Nun aber muß ich im Intereffe des vanti- Opposition mit dem republitanischen Hintergrund... Landes mit der größten Energie dagegen auftreten, denn die bei diesen Worten wird Mussolini durch stürmichen Beifall, an dem fich auch Biolitti als ausgesprochener Gegner jear republika. nischen Strömung beteiliot, unterbrochen. Denn die Avanti". Opposition", fährt Mussolini fort ,,, mocht sich in fommunisti schen Gewalttaten bemerkbar. Man täuscht sich in der Annahme, daß die Kraft des Faschismus gebrochen sei. Wenn ich auch vorwärts zu treiben, würde mon Erstaunliches fehen. Ich bleibe nur einen Bruchteil der Energie, mit der ich den Falchismus durch eiserne Disziplin niederhalte, anwenden wollte, um ihn der Führer der Waschisten, auch wenn man sie eine Berbrecherbande fchimpft. Ich allein trage und übernehme die volle Berantmortung für die Partei. Ich habe das Parlament, jeben einzelnen aufs genaueste geprüft und beherrsche die Sachlage. Nun gut 48 Stunden nach meiner Rede wird die Lage völl a geklärt fein!" Der Rede folgte ein anhaltender Beifall, an dem sich Ealandra wieder nicht beteiligte. Rom, 3. Januar.( Stefani.) Nach den Erklärungen Muffolinis, die mit starkem Beifall aufgenommen wurden, hat die Kammer auf Antrag des Ministerpräsidenten ihre Arbeiten vertagi Bürgermeister Genoffe Karl Seitz- Wien leicht verlegt. Gestern, Sonnabend vormittags, geriet der Wagen des Bürgermeisters Seiß, als er einem Bafttraftwagen ausweichen wollte, ins Schleu dern, wobei der Wagen gegen das Lastauto gedrängt wurde und wurde durch einen Glassplitter oberhalb des rechten Auges leicht die seitliche Fensterscheibe in die Brüche ging. Bürgermeister Seit .Das Kernstück diefes Blocks müffen die den Organisationen des deutschen Gewerkschaftsbundes angehörigen Abgeordneten bilden.. Die chriftlich foaiale Arbeiterfchaft tann und muß von den Führern ihrer Bewegung, die doch auch als solche in die Barlamente gewählt wurden, ein ein mütiges 3ufammen stehen zur Abwehr aller fozialreaftionären Befire- perlegt. Gewerkschaftsbewegung Im Laufe der nächsten Wochen... Würde man auf dieser Grundlage zut ruhigen Erörterung und sorgfälligen Prüfung des geplanten Gejezzes tommen, jo glaubt die deutsche Unternehmerschaft hoffen zu dürfen, daß schließlich doch noch eine Verständigung erzielt wird, die die Zustimmung weiter Streise der Arbeiterschaft und der Oeffentlichkeit findet." Ueber die Regelung der Arbeitszeit bringt die Tll. eine Mit teilung aus den Kreisen der Arbeitgebernerbände. Darin wird zunächst auf Grund zupcier falscher nebensächlicher Berichte gegen die Art der Propaganda für die Wiedereinführung des Dreifchichtensystems geflagt. Neuerdings werde auch amtlicherseits die Prüfung der Frage nach rein rechtlichen und wirtschaftlichen Gefäumt wiederhergestellt merden muß. fichtspunkten zugunsten rein politischer Erwägungen preisgegeben". Der Reichswirtschaftsrat beschäftigte sich seit drei Monaten mit erfreulicher Sachlichkeit und Gründlichkeit mit der vom Reichsorbeitsminister geplanten Wiedereinführung des Achtstundentages für die Hüttenindustrie und die Kokereien. Das Gutachten des Reichs wirtschaftsrats sei im Laufe der nächsten Wochen mit Bestimmtheit zu erwarten. Als ob die Beseitigung des Achtstundentages, das barbarische welschichtensystem jemals die Zustimmung der Arbeiterschaft finden fönne. Der ifrupellosen Neufapital- und Profitmacherei imponiert nur die Macht der Gewerkschaftsorganisation, die deshalb ngeNeue Löhne in der Berliner Metallindustrie. Berbindlich erklärter Schiedsspruch. 2. Will der Arbeitgeber nach dem 1. Januar 1925 die Arbeits zeit über die 48stündige Arbeitswoche hinaus ausdehnen, jo tant dies nur im Rahmen der Bestimmungen der§§ 3, 4 und 10 der Arbeitszeitverordnung geschehen, d. h. er fann nach Anhörung der gefeßlichen Betriebsvertretung die vorgeschriebene Höchstarbeit von 48 Stunden in der Woche an 30, seiner Wahl überlassenen Tegen im Jahre eine Mehrarbeit bis zu zwei Stunden fordern. Die Bezahlung für diese Mehrarbeit ist zwischen Angestelltenrat und Firmenleitung zu vereinbaren. Kommt eine Vereinbarung hierüber nicht zustande, so ist der Schlichtungsausschuß anzurufen. 3. Außerdem räumt der§ 6 dem Arbeitgeber das Recht ein, cinen Antrag auf Verlängerung der Arbeitszeit für einzelne Be triebe oder Betriebsabteilungen beim zuständigen Gewerbeaufsichts. beamten zu stellen. Vor der Entscheidung ist die Betriebsverite tung zu hören und gegen die Entscheidung ist Einspruch möglich. Der Entscheidung ist von den Angestellten Folge zu geben. Wiederholt haben wir an dieser Stelle darauf aufmerksam geDie Betriebsvertretungen haben darauf zu achten, daß dis macht, daß die Löhne in der Berliner Metallindustrie zu den Werksleitungen feine Ueberstunden anordnen, ohne die schlechtesten im Wirtschaftsgebiet Berlin gehören. Alle Versuche des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die Arbeiterlöhne zu erhöhen, Angestelltenvertretungen gehört zu haben. Die BelegWir möchten sehen, wie die Arbeitgebervereinigung sich zu der scheiterten an dem hartnäckigen Widerstand der Arbeitgeber im Ber- hafien müssen über die Verhandlungen in zweckmäßiger Weise ins formiert werden. Das Zustandekommen freiwilliger Mehrarbeit ist Gründlichkeit" während drei Monaten und etlichen Wochen stellen band Berliner Metallindustrieller. Der Herr- im- Hause, Standpunkt nach§ 11, Abs. 3 der Arbeitszeitverordnung sorgfältig zu beobachten zeigte sich auch bei der Lohnbewegung, die der Deutsche Metallwürde, wenn es sich umgekehrt um Verlängerung der Ararbeiterverband im Auftrage des Metallkartells für die Hilfs- und und nach Beratung mit den Gewerkschaften evtl. Strafanzeige zu erstetten. beitszeit handelte. Warum ihr die Verschleppung der Transportarbeiter durchführte. ganzen Sache so besonders gefällt, ist bei ihrer Spekulation auf eine mehr rechts gerichtete Regierung leicht begreiflich. Die Herr schaften wissen sehr wohl, daß der Reichsarbeitsminister gefez lich verpflichtet ist, den Antrag nach§ 7 der Arbeitszeitver vrdnung zur Entscheidung zu bringen und daß er deshalb bei der Bertagung seines diesbezüglichen Antrages am 10. Dezember im Reichsfabinett eine llebereinstimmung dahingehend herbeiführte, das ein Abwarten auf das Gutachten des Reichswirtschaftsrats bzw. bis zum Erlaß der notwendigen Bestimmungen nicht über den Anfang Januar hinaus verantwortet werden könne. Und nun foll dieser Zeitpunkt auf den Lauf der nächsten Woche ver schoben werden. Gewiß, für die Unternehmer hat die Sache gute Beile. Nicht so für die Arbeiter, die, in Arbeitsbereitschaft" am Hochofen stehen. Sie drängen den Reichsarbeitsminister, der mit seinen Pflichten nicht fo umspringen fann, wie die Schwerindustriellen mit ihren Versprechungen. Weil nun der Reichsarbeitsminister sich rührt, um dem himmelschreienden Unrecht gegen die Hüttenarbeiter endlich zu begegnen, unterstellen ihm die Arbeitgeberverbände rem politische Gründe. Nachdem am 30. Oftober 1924 für die Hilfsarbeiter der Klasse 4 und 5 ein Tarifvertrag abgeschlossen war, der bis zum 14. Dezember 1924 galt, fündigte der Deutsche Metallarbeiterverband im Auftrage des Metallkartells diesen Tarifvertrag, um die Mindestlöhne zu erhöhen. In der Verhandlung lehnten die Arbeitgeber jede Lohnerhöhung ab. Es wurde vielmehr von der Verhandlungskomm.ssion verlangt, einer Verlängerung des Tarifvertrages ohne weiteres zuzuſtinynen. Das wurde von der Verhandlungskommission entschieden abgelehnt. Der angerufene Schlichtungsausschuß fällte am 16. Dezember einen Spruch, wonach eine Erhöhung für die Arbeiter der Klasse 5 auf 50 Pf. eintrat. Diesen Schiedsspruch haben die Arbeitgeber abgelehnt, so daß die Berbindlichkeitserklärung beantragt werden mußte. Ein Termin zur Verbindlichkeitserklärung am 30. Dezember wurde von den Arbeitgebern nicht wahrgenommen. Darauf hat der Schlichter für den Bezirk Groß- Berlin unter dem 31. Dezember gemäß Artikel I§ 6 der Schlichtungsverordnung, vom 30. Oktober 1923 den Schiedsspruch vom 16. Dezember 1924 für verbindlich erklärt. Die Lohnsätze, die sich nun für die Arbeiter in der Berliner Metallindustrie aus der Verbindlichkeitserklärung ergeben, sind in der Klasse 5 50 Pf., in der Klasse 4 53 Pf. Im übrigen ist die Vereinbarung im Bureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu erhalten. " Denn daß sachlich und wirtschaftlich die Pläne des ReichsEs ist damit zu rechnen, daß die Herren vom Berband Berliner arbeitsministers nicht ohne schwerste Gefährdung der betroffenen Metallindustrieller den Arbeitern in den Betrieben die Löhne, die Industrien und der Arbeiterschaft durchgeführt werden fönnen, sich aus dem für verbindlich erklärten Schiedsspruch ergeben, nicht dürfte sich für die Kommission des Reichswirtschaftsrates aus auszahlen, sondern große Schwierigkeiten machen. Deshalb ist es zahlreichen Betriebsbesichtigungen in den letzten Wochen hindringend notwendig, sich sofort zu organisieren, damit die Organi reichend ergeben haben. Es besteht deshalb aller Anlaß, gegen fation für ihre Mitglieder das, was sich aus dem Schiedsspruch erdiese Art der Propaganda und Behandlung in weitester Deffent- gibt, sichern fann. lichkeit nachdrücklichst zu protestieren und erneut den Standpunkt der deutschen Unternehmerschaft zu betonen, daß die Arbeitszeitfrage nicht politisch, nicht parteidemagogisch, und nicht einseitig vom Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerstandpunkt aus betrachtet werden darf, sondern daß nur die wirtschaftlichen und fachlichen Gefichtspunkte ausschlaggebend sein müssen." Die in ihrem heiligsten Profitinteresse tangierten Arbeitgeber verbände gehen nach der Drohung mit Arbeiterentlas sungen für den Fall, daß die Schwerarbeiter der Hüttenwerke und Kokereien dem Schuße des§ 7 der Arbeitszeitverordnung unterstellt werden, dazu über, ihre Miene in Biedermeierfalten zu legen, um für ein faules kompromiß Stimmung zu machen: Arbeitszeit der Berliner Metallangestellten. Der vom Verband Berliner Metallindustrieller gefündigte Tarifvertrag für die Angestellten in der Berliner Metallindi strie hot mit dem 31. Dezember 1924 feine Gültigteit verloren. Während die Bedingungen des alten Tarifvertrages im allgemeinen in den Einzelarbeitsvertrag übergehen, trifft dies für die Arbeitszeit nicht zu. Für die Arbeitszeit gelten daher vom 1 Januar 1925 ab die gefeßlichen Bestimmungen, und zwar die Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923. Die sich daraus ergebende Rechtslage ist folgende: 1. Eine neue tarifvertragliche Vereinbarung über die Arbeitszeit ist noch nicht zusande gekommen. Im übrigen finden die Schlichtungsverhandlungen 3ecks Beilegung des Streites über den Neuabschluß des Manteltarifes am 5. Januar statt. T Af A Metallfartelf. Günther, Lange, Rothe.. Die Af- Bundeszeitung" hat sccben ihre inhaltlich besonders ausgefta.tete Neujahrsnummer herausgebracht. In der einleiten. den Neujahrsbetrachtung des Bundesvorsitzenden. Aufhäuser wird nochmals festgestellt, daß das Etcbilisierungsjahr 1924 einz Gratmesser für die innere Widerstandskraft der freigemertschaftlichen Angestelltenverbände und des AFA- Bundes gewesen ist: Sie haben durchgehalten! 3wei umfangreiche Denkschriften, deren Verfasser Friz Schröder und Kurt einig sind, behandeln das Arbeits lofenproblem der Angestellen und die Steuerfrage. Sie bilden den Ertraft der eingehenden Beretungen im AFA- Bundesausschuß und dürften unseren Barlamentariern wertvolles Material bieten. Genoffe Dr. Emil Kraus Mannheim nimmt in einem grundsäglich gehaltenen Ausfah Stellung zur Frage:„ Republik und Arbei.", ma nach interessanten historischen Ermittlungen auch die innere Wechselwirkung zwischen Reichsbanner und Gewerkschafts organisationen darzustellen. Ein flores Bild über den Etand der derzeitigen Erwerbslosenfürsorge gibt Mar.ha Brochewnit. Der Wirtschaftsteil der AfA- Bundeszeitung bringt dieses Mal eine besonders wertvolle Chronik der deutschen Konzernbewegung" von Georg Fuchs. " # ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Seite der 1. Beilage.) Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: J. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Friede. Estozn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glede. sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanitalt Ba Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Spröde u.rote Haut Aufspringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und unt reinen Teint Dieses bewährte Haut sofort überall, wo Sie die bekannte Chlorodont- Zahnpaste kaufen. beeitigt for Leokrem pflegemittel erhalten Sie nventur.Verkauf Zephir- Oberhemd farbig 3.90 gestreift, m. Kragen u. 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Drei Millionen Bücher in, öffentlichen Berliner Bibliotheken. de: Die Stadtbibliothek. Sonntag, 4. Januar 1925 Wie Bücher gesucht werden. Nachlaß des Chemikers Dr. Jacobsen, und vornehme Geschenke aufbewahrt. Eigenartig ist die Sprichwörtersammlung aus dem stellen das Rodenberg und das Wildenbruch- Zimmer dar, in denen die Bibliotheken dieser beiden Schriftsteller mitjant dem Mobiliar Die zweite die Allgemeinheit interessierende Berliner Bibliothet angeschloffen die Boltsbüchereien, Lejehallen und Kinderlejehallen ihrer Arbeitszimmer aufgestellt sind. Der Stadtbibliothek sind ist die Stadtbibliothek, vor nunmehr 20 Jahren begründet und jetzt der Bezirte 1-6( Alt- Berlin); ferner ist sie Zentrale für die Stadtetwa 230 000 Bände umfassend. Sie ist im ehemaligen Marstall- und Boltsbüchereien der übrigen Bezirke( 7-20). gebäude untergebracht und verfügt über einen schönen Lesesaal mitbüchereien find in Charlottenburg, Neuföln, Schöneberg, Spandau, Stegliz und Wilmersdorf vorhanden. Die politische Zerrissenheit Deutschlands und die Dezentralisa-| der Besucher ist daher, eine strenge; jeder muß seine Karte vortion des geistigen Lebens auf viele Kulturzentren haben es mit sich weisen und dem Kontrolleur einen Einblick in etwaige Altenmappen gebracht, daß allenthalben in deutschen Landen sich bemerkenswerte gewähren. Bibliotheken vorfinden. Diese Schäße einheitlich zusammenzufassen, so daß jedes in Deutschland befindliche Bu jedem Deutschen zugänglich gemacht werden kann, ist die Aufgabe des Auskunftsbureaus deutschen Bibliothefen mit dem Siz in Berlin, Staatsbibliothek. Der erste Passus seiner Geschäftsordnung lautet:„ Das Kustunftsbureau hat die Aufgabe, nachzuweisen, ob sich ein gesuch tes Buch in einer deutschen Bibliothek befindet, und welche Bibliothef dies ist." Die für die Beschaffung entstehenden Kosten sind gering: für jedes gesuchte Buch ist eine Gebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos einzusenden. Das Auskunftsbureau steht in Berbindung mit etwa 700 deutschen Bibliotheken; es ist daher in der Lage, die gewünschten Bücher fast restlos heranzuholen. Natürlich muß der Anfragende sich vorher vergewissert hoben, daß das Buch in der für ihn zuständigen Landes- oder Univerfitätsbibliother bergebens gesucht worden ist. Die Staatsbibliothek. Der Berliner wird also zunächst in der Staatsbibliothet Nachfrage halten. Um Eintritt in die heiligen Hallen zu erlangen, nuß er eine Eintrittskarte lösen, die auf ein halbes Jahr lautet und 2,50 M.( für Lesen im Lesesaal) resp. 5 M.( für Mitnahme nach Haus, dazu 50 M. Pfand) foftet. Dann fann er in dem aufliegenden Katalog feststellen, ob das Buch vorhanden ist. Dazu muß er den Namen des Autors wissen, da dieser in vielen Bänden aufgestellte Katalog nach den Verfassernamen geordnet ist. Weiß er den Verfasser nicht oder will er über eine bestimmte Materie mehrere Bücher einsehen, so muß er sich an eine Aufsichtsperson wenden, die ihm dann den nach Materien geordneten Katalog zugänglich macht. Eine große Zahl von Handbüchern, Nachschlagewerfen, Sammelwerfen ufm. steht im großen Lesesaal zur Benuzung ohne vorherige Bestellung; ein ausliegender Katalog orientiert hierüber. Diese Bücher werden natürlich nicht verliehen, da sonst ihr 3med, sich schnell über irgendeine Frage zu belehren, illuserisch gemacht würde. Bücher, die man bestellt, merden gewöhnlich am nächsten Tage zur Benutzung resp. Abholung bereit gehalten. Die Staatsbibliothek ist also feine Stand-, sondern eine Ausleihebibliothet, was seine Vorzüge und seine Schattenseiten hat. Gewiß arbeitet es sich zu Hause bequemer, wenn man alle Hilfs= mittel um sich hat und dazu noch die eigenen Hilfsmittel, wie Bücher oder Aufzeichnungen, verwenden fann, aber für den, der seinen Bestellzettel mit dem Bermerf verliehen" zurüd befommt, ist die Enttäuschung oft groß. Die Arbeit selbst in dem großen, hohen, domartigen Lejefaal, der Staatsbibliothef ist an und für sich sehr angenehm; wer es mit seiner Arbeit ernst meint, fann sich, ohne non dem beständigen Hin und Her der Kommenden und Gehenden gestört zu werden, in die Tiefen der Wissenschaft versenten; der ganze Verkehr vollzieht sich mit einem Minimum von Geräusch, mas bei einer Berlangziffer von etlichen Tausenden im Tag keine Kleinigkeit ist. Roch zu bemerken wäre, daß moderne Belletristik, Komane und Gedichte, nur dann zur Verfügung gestellt werden, wenn ein ernsthaftes Studium nachgewiesen werden fann; eine ver= nünftige Maßregel, da eine Landesbibliothek teine Leihbibliothet im üblichen Sinne sein fann. Neben dem großen Lesejaal wird auch der Zeitschriftenlesesaal viel aufgesucht; hier liegen ca. 2000 Zeitschriften aus, über die ein Katalog orientiert. Es ist dies ein Bruchteil der überhaupt eingehenden Zeitschriften, eben diejenigen, für die ein allgemeines Interesse besteht. Die Staatsbibliothet mit ihren 1 Millionen Büchern, 14 000 Handschriftenbänden, 30 000 Orientalia, mit der angeschloffenen Musikabteilung, 17.000 Bände und 265 000 Bände Mufitalien, und Kartensammlung, 60 000 Kartenwerke( die Zahlen stammen von 1920) mird nun wohl meist in der Lage sein, die Durchschnittswünsche zu befriedigen; zuweilen hat aber auch Diebstahl eine Lücke gerissen, so daß nicht selten Werke fehlen. Die Kontrolle 65] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Mein Himmel, was ist das hier?" fragte Bertram entsetzt. " Flüchtlinge aus den Hungerdiftritten," antwortete Cherry. " Das Ende der Reiſe. Morgen fommen fie ins Flüchtlings lager. Wenn sie nicht Typhus haben, sind sie jetzt versorgt. Draußen atmete Bertram in tiefen Zügen die frische Luft ein. Dann fragte er:„ Kann ich jetzt in ein Hotel gehen?" Können Sie in ein Hotel gehen?" lachte Christy. Das Carlton ist augenblicklich nicht im Betrieb, mein Junge. Hier gibt's feine Hotels! Dies ist das bolfchemistische Rußland hier! Das Narcomindjel versorgt Sie mit einer Quartierfarte, wenn ihm Ihre Nase gefällt." Wer ist denn das wieder?" " " Das Sowjet- Auswärtige Amt. Meistens Zugewanderte aus New York. Keine so üblen Burschen, wenn man sie höflich behandelt." Und wenn ihnen meine Naje nicht gefällt?" Christy lächelte grimmig. Na, dann bekommen Sie auch eine Quartierfarte, aber anderer Art, mit eisernen Gardinen. „ Kann das passieren?" Jetzt nicht. Der Bolschemismus ist augenblicklich unten durch und braucht Hilfe von außerhalb. Deshalb darf ich bleiben, und deshalb durften Sie herfommen. Die Sachen ändern sich ziemlich schnell. Ich werd's Ihnen später erzählen. Nun aber erst zum Auswärtigen Amt." Er rief eine Droschke, sprach ein paar Worte russisch ein verblüffender Mensch! Das fonnte er auch! dachte Bertram und fand sich plötzlich nächtlicherweile durch Moskau fahrend, mit Christy zur Seite. Bar dies Moskau oder irgend eine phantastische Traumstadt nach einem Becher Absynth? Der Mond war aufgegangen und leuchtete hell auf eine Bision von weißen Palästen, roten Mauern, getürmten Toren, hohen Glockentürmen und Gruppen kuppelförmiger Dome, die im weißen Mondlicht golden schimmerten. Und dann eine schier endlose Folge von goldenen Ruppein, überragt von leuchtenden Kreuzen über weißen Mauern, blendend im Mondenschein. " Der Kreml," sagte Christy. In ihm spielt sich jetzt in dem Hirn, das dort geschäftig ist, das größte Drama der Weltgeschichte ab. Denn dieses Hirn eines Fanatiters, der zugleich ein großer Realist ist, entscheidet über Krieg und Frieden, Zivilisation und Chaos. Er experimentiert mit der menschlichen Natur mie ein Vivisektor mit Kaninchen, talt, mitleidslos, nur אר VITA Der domartige Lesesaal der Staatsbibliothek. 120 Sigplätzen und wertvollem Schmuck an Bildnissen. Hier stehen auch Tageszeitungen zur Verfügung; die Zahl der Besucher des Lefejaals war 1923/24 rund 99 000. Auch die Stadtbibliothek ist eine Ausleihebibliothet; sie hat 1923/24 die erstaunlich hohe Zahl von 273 000 Ausleihungen zu verzeichnen. Eine Benuzungsgebühr wird erhoben im Betrage von 2 Mart im Halbjahr. Nicht in Groß- Berlin wohnende Besucher zahlen eine kleine Einzelgebühr. Die Stadtbibliothef hat durch eine Anzahl von Etiftungen wervolle Bestandteile erhalten; so brachte die Friedlandersche Sammlung eine reiche Literatur über 1848, die Basneriche eine solche über Geschichte des Sozialismus, die Göriz- Lübeck- Stiftung, 35 000 Bände umfassend, ist reich an Werken der deutschen Literatur vom 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts; sie wird im Städtischen Museum im Interesse der Wissenschaft. Eine Theorie zu beweisen oder zu verwerfen." „ Lenin?" " Lenin! Genie oder Wahnsinn? Verdammt, wenn ich's weiß." Das Auswärtige Amt mit dem unaussprechlichen Namen befand sich in einem großen Gebäudekompler auf einem offenen Blaz neben dem„ Roten Play". Ein junger Mann in einer viel zu großen Uniform, die um ihn herumschlotterte, versperrie ihnen mit seinem Gewehr am Fuße der Treppe den Weg, bis Christy sagte: Zu Tavarisch Weinstein." Oben angelangt, tauchte Christy sofort in einem Korridor, bog um eine Ede, flopfte an eine Tür und trat ein, ohne das Herein abzuwarten. Es war längst Mitternacht vorbei, aber an einem mit Papieren übersäten Pult saß ein Mann und arbeitete eifrig. Er war zart gebaut, über die mittleren Jahre hinaus, mit dem Bartschnitt wie ein französischer Maler. Auch trug er die braune Samijacke der Künstler. Bei Christys Eintritt sah er auf, und jetzt bemerkte Bertram, daß sein angenehmes Gesicht durch schiefstehende Augen entstellt war. ,, Guten Abend, Herr Weinstein. Hier ist mein Freund, Bertram Bollard, von der Neuen Welt". Freut mich, Sie fennenzulernen, Mr. Pollard. Eine ermüdende Reise, nicht wahr?" Er reichte Bertram eine schlaffe, weiche Hand und sprach mit sanfter, müder Stimme. Bertram hatte sich den Chef der Propagandaabteilung der Sowjetregierung anders vorgestellt. Dieser Mann hätte ebenjogut Redakteur einer Frauenzeitung sein können. ,, Sie beabsichtigen, die Hungerdistrikte der Wolga zu besuchen?" wandte er sich an Bertram und sagte dann mit melancholischer Stimme etwas über das fragische Geschid dieses Teiles des russischen Landes. Die Republik tat ihr Beftes, um Hilfe zu leisten. Aber es war sehr schwer. Man brauchte die Hilfe des Auslandes, Englands und Amerikas. Wir haben nichts zu verbergen," sagte er unvermittelt. Gehen Sie, wohin Sie wollen, schauen Sie an, was Sie wollen, schreiben Sie, was Sie wollen. Wir bitten Sie nur, fich an die Wahrheit zu halten. Wir wünschen, daß die Welt alles wiffe." 11 " ,, Mein Freund Bollard ist direkt gierig nach Wahrheit," sagte Christy mit einem immerklichen 3minfern an Bertroms Adresse. Wohin werden Sie ihn einquartieren, Herr. Weinstein? Doch bei mir, hoffentlich?" " Spezial- Bibliotheken. Gute StadtWer sich über eine fünstlerische Frage orientieren will, wird die dritte der allgemein zugänglichen Berliner Bibliotheken aufsuchen: die Bibliothet des Kunstgewerbemuseums in der Prinz- AlbrechtStraße. Hier im Reiche des Echönen ist die nollste Freiheit zu Hause: tein Eintrittsgeld, feine Anmeldung, fein Wacien; man sicht in den Katalogen nach, ob das gewünschte Wert vorhanden ist, schreibt den Verlangzettel aus und erhält nach wenigen Minuten das Buch ausgeliefert. Diese Bibliothet ist aber eine Standbibliothek, sie hält daher jedes ihrer 45 000 Bücher für die Benuzung bereit. Herrliche Schäße fann man dort einsehen, und die überwiegende Mehrzahl der Besucher stammt denn auch aus der Künstlerwelt, sei es, daß die Jugend sich belehren, das Alter vergleichen will. Eine Stätte der Arbeit, die man stets mit Bergnügen betritt. Von den 700 deutschen Bibliotheken, die der Arbeit des eingangs genannten Austunfisbureaus der deutschen Bibliotheter:" sich angeschlossen haben, entfällt etwa der zehnte Teil auf Berlin. In der Tat beherbergt die Stadt eine Fülle von Bibliotheken, deren Gesamtbestand an Büchern wohl mit 3 Millionen nicht zu hoch beziffert ist. Darunter sind Bibliotheken, die bis zu mehreren 100 000 Bänden besigen, so die Universitätsbibliother( 313 441)- die Zahlen stammen wiederum aus 1920, die der Technischen Hochschule( 125 000), des Patentamtes( 200 000), des Reichstags( 235 000), des Hauses der Abgeordneten( 135 000), des Breußischen Statistischen Landesamtes ( 215 000), des Reichsjustizministeriums( 100 000), des Kammergerichts( 100 000), die Deufiche Heeresbücherei( 250 000). Eine ganze Anzahl von Behörden und Institutionen hat zwischen 40 000 und 100 000 Bücher: Statistisches Reidsamt 80 000, Reichspostamt 49 000, die Museen 55 000, bas 3oologische Museum 41 800, das Gefund heitsamt 76 000, die Handelsfaimer 60 600, das Oberverwaltungsgericht 43 000, die Korporation der Kaufmannschaft 76 000, Ser Magiftrat 54 500, die Landwirtschaftliche Hochschule 70.000, die Geologische Landesanstalt und Bergafademie 80 000, das Reichsversiche rungsamt 40 000, dann die Ministerien: Juftiz 65 000, Inneres 60 000, Finanz 48 150, Ruitus 38 000, Landwirtscast 45 000, öffentliche Arbeiten 50 000, die Deutsche Lehrerbücherei zählt 85 000 Berte, das Staatsarchiv 21 000, die Akademie der Wissenschaften 34000, das Seminar für orientalische Eprachen 21 000, die Berliner medi zinische Gesellschaft 10 000, der Verein Deutscher Ingenieure 12000. Dazu kommen nun noch die Bibliotheken nieler Vereine und Gesellschaften, somie größere Gymnafielbibliotheken, um das Bild zu vervollständigen. Berühmt ist die Bibliothek der Gesellschaft für Erdfunde; sie zählt 60 000 Bände und 20 000 Landfarten. Jedenfalls fehlt es nicht an Quellen der Belehrung in Berlin, und die nächste Zukunft mit ber gesicherten Währung wird manche Schäden der letzten Jahre wieder gutmachen. Daß das Geld für Bücher gut angelegt ist, lehrt das Beispiel der Stadtbibliothef: bei einem Bestande von 230 000 Büchern 274 000 Ausleihungen! Die Frage, ob fich mal nach amerikanischem Muster ein Milliardär findet, der etliche Millionen für Bücheranschaffungen spendet, kann man wohl stellen, aber selbst hec größte Optimist wird sich häten, eine bejahende Antwort derauf zu geben. * Lotterie der Deutschen Bücherei. Wie der Amtliche Breußische Pressedienst einer Befaanimachung des Ministers für Boltsmobfahrt entnimmt, ist der Deutschen ,, Gewiß doch. Sind Sie zur Zufriedenheit unterge bracht?" ,, Sogar lururiös." ,, Das freut mich. Wir lieben es, unsere Gäste gut zu behandeln." Er rief eine Nummer an und telephonierte in schnellem Russisch. Dann wandte er sich wieder au Christy. Alles iſt erledigt. Sophieffaja 14. Sie haben schon ein Zimmer für ihn zurechtgemacht. Guten Abend, Mr. Pollard. Ich werde Ihre Artikel ficher mit Interesse lesen." Christy ging wieder voran, und als sie draußen standen, hatten auf dem anderen Ufer wieder eine wunderbare Ansicht ließ er Bertram einsteigen. Sie fuhren über eine Brüde und Schatten zwischen seinen Kirchen, Palästen und Türmen um vom Kreml in dem milchweißen Licht, das die tiefschwarzen so schärfer hervortreten ließ. „ Ein Traum aus tanjend und einer Nacht," sagte Bertram leise. Christy antwortete nicht darauf. Der Junge, der Beinstein, ist fein übler Mensch. So sanft wie eine leibende Dame, so geschmeidig wie ein chinesischer Mandarin, würde feiner Fliege weh tum, würde aber umbedenklich für den Tod jedes Konterrevolutionärs stimmen, sei es Mann, Frau oder Kind. Und zwar aus Furcht. Furcht ist die Mutter der Grausamkeit. Na, da sind wir angelangt." Der Droschki hielt fein Pferd an. Zwei Soldaten famex von einem Schilderhaus herbei und hielten eine Laterne an die Gesichter der Freunde. All rigth, Jungens!" grinste Christy. So, mm braudje ich 100 000 Rubel." Wozu, um Himmelsmillen," fragte Bertram erstaunt. hören Sie ihn, bitte, heulen, menn er das Geld bekommt." Um den Iswoftschif alias Roffelenter zu bezahlen. Aber Er hatte recht. Der Mann flagte und winseite, hob die Hände zum Himmel, rief den Mond zum Zeugen an und spuckte auf den Haufen Papiergeld, den Christy ihm gegeben hatte. „ Stolka?" jagie Christy. Der Mann erneuerte sein Klagen, bis einer der roten Soldaten ihn mit dem Kolben feines Gewehrs vor die Brust stieß. Das half. " Ich bezahlte ihm 40 000 Rubel zuviel," sagte Christy. „ Er wollte aber noch 50 000. Solches ist die menschliche Hav= I gier und Unehrlichkeit!" Was ist denn dies für ein Gebäude?" fragte Bertram und starrte auf das herrschaftliche Haus mit der klassischen Faffade, vor dem sie standen.„ Es sieht aus wie ein Balost." ( Fortsetzung folgt.) Bücherei des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zu Leipzig die Erlaubnis erteilt worden, von den Losen der durch das Sächsische Ministerium des Innern im Freistaat Sachsen mit einem Gefamtspielfapital von 300 000 M. zugelassenen Bücherlotterie 100 000 Stück zum Preise von 1,50 m. im ganzen preußischen Staatsgebiet durch den Buchhandel ohne Inanspruchnahme des allgemeinen Losehandels zu vertreiben. Die Biehung soll om 29. April d. 3. in der Deutschen Bücherei zu Leipzig, zu deren Gunsten sie erfolgt, stattfinden. Von einer polizeilichen Abstempelung der in Preußen zugelassenen Lose ist aus nahmsweise abgesehen worden. Der Rest. Hier sieht man die Trümmer rauchen, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen," heißt es bei Wilhelm Busch. So geht es auch mit den Trümmern und dem Rest von Weihnachten. Sie rauchen! In vielen Familien wird der Weihnachtsbaum bald nach Neujahr abmontiert. In den kleinen Wohnungen und in den engen Stuben steht er im Wege. In diesem Jahre ist seine Entfernung aus der Wohnung früher als sonst notwendig. Die Bäume find lange vor Beihnachten geschlagen worden, sie nadeln stark, und das merkwürdig milde Januarwetter, durch das auch die Temperatur in den Wohnungen erhöht wird, läßt die Nadeln der Bäume noch schneller und in größerer Fülle fallen. Es gibt zwar besonders liebe Leute, die den geplünderten Weihnachtsbaum kurzerhand durch das Fenster in den Borgarten werfen. Denen gilt es als selbstverständlich, daß der Bortier die Bäume aufhebt, die Nadeln fortsegt und das Holz in das Ofenloch der Sammelheizung steckt. Die anderen aber sind, nun fagen wir mal, praktischer, und verbrennen den Baum in der Waschfüche. Diesmal ist übrigens vielen Tannen und Fichten der Flammentod bereitet worden, ohne daß sie ihrer Bestimmung als Weihnachtsbaum, mit Flitter und Tand behangen, dienen konnten. Bei der Fülle der Bäume, die zum Verkauf standen, haben die Straßenhändler schlechte Geschäfte gemacht und sind mit vielen Bäumen sigen geblieben, die nach Weihnachten nur noch als Brennmaterial benutzt werden können. In den seltensten Fällen haben die Händler, die manchmal das letzte Geld in das Geschäft gesteckt haben, einen kleinen Rest dadurch retten können, daß sie die Zweige abhackten und sie als Schmuck für den Balkon oder als Schutzbelag der Gräber gegen die Kälte für ein paar Pfennige verkauften. Noch kurz vor Neujahr sah man sie in allen Stadtgegenden mit dieser traurigen Arbeit beschäftigt, und die nackten, ihres grünen Schmuckes beraubten Bäume, die sie auf einen Haufen geschichtet hatten, schauten traurig genug aus. Aber auch der Reft vom Silvesterfest raucht. In vielen Wohnungen hatte man die Zimmer mit Papierfetten und Lampions geschmückt, und nun wandert alles in den Ofen, weil nichts mehr zu gebrauchen ist. Die vielen leeren Wein- und Kognat- und Rumflaschen können nicht den Feuertod erleiden. Aber sie kommen in das Gerümpel. Außerdem hat die Bockbierfaison begonnen! Der Prozeß Oerthel- Schrowe. Derthel im Schmuck des Hakenkreuzes. Der Angeklagte Schrowe bezeichnete die Anschuldigungen Derthels als einen Racheatt, weil er ihn einmal am Kurfürstendamm perprügelt habe. Eine Schwester des Angeklagten bestätigt biefem, daß Derthel ihr am Telephen die Akten angeboten habe, und daß ihr Bruder davon nichts wissen wollte. Der als Zeuge aus der Haft vorgeführte Adjutant" Dertheis, der frühere Leutnant Otto Hermes, befundet, daß Derthel ihm einmal erzählt habe, daß er auf Veranlassung des Schrowe die Akten beseitigt habe. Schrowe habe selbst gefagt:„ Derthel fann alles machen." Sodann wurde Derthel felbft vorgeführt. Er erschien in einem schwarzen Rod mit einem hatenkreuz geschmückt und weigerte sich zunächst, unter Hinweis auf die noch schwebende Berufungsverhandlung in feinem Prozeß, Aussagen zu machen, da er sonst noch andere Leute hineinTegen könnte und das nicht möchte. Auf Zureden von Amtsgerichtsrat Dr. Neumann erklärte Derthel dann: Na, kurz gesagt, ich habe die Aften vom Untersuchungsrichter herausgeholt und sie Schrowe gegeben, der sie verbrannt hat. Ein Opfer des Zins- und Mietwuchers? Selbststellung des Kaufmanns Franz Borowicz. Das eine Anweisung auf die Potsdamer Kreditbant. Mit 17 Personen zog er über Nacht noch in ein anderes Lofal und spielte dort den vornehmen Mann. Als auch hier die Zechschuld bedenklich wurde, war der Baron verschwunden. Die geprellten Gastwirte erstatteten Anzeige, und auf der Polizei entpuppte sich van der Peers als Kanzlist Puppe aus Elbing mit Borstrafenregister. Potsdamer Amtsgericht verurteilte Puppe seinerzeit wegen Betruges zu drei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte vor der Potsdamer Straffammer Berufung eingelegt und versuchte in Regierungsbeamten hinzusteelln, dem große Depots auf der Bank der Berhandlung sich als Adoptivsohn eines hohen brasilianischen jederzeit zur Verfügung stünden. Als der Vorsitzende den Angeflagten fragie, weshalb er denn Ranglist fei, wenn er so große Mittel zur Berfügung hätte, meinte diefer: 3d betreibe Arbeit nur als Sport." Die Berufung des Angeklagten wurde auf seine Kosten verworfen, Bewährungsfrist und Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls wurden abgelehnt. Der bekannte Metallwarenhändler Franz Borowicz, der an der Ecke der Friedrich- und Leipziger Straße ein Metallwarengeschäft betrieb und vor kurzem aus Berlin verschwand, hat sich soeben der Schuldenlast hinterlaffe. Kriminalpolizei selber gestellt. Es hieß damals, daß er eine Million durch Miet- und Zinswucher zugrunde gerichtet Borowicz schrieb aus der Proving, daß er mit seinem Geschäft und förperlich und seelisch zusammengebrochen sei. Er habe an eine Flucht nicht gedacht, sondern fei nur gezwungen gewesen, zu feiner Erholung Berlin auf furze Zeit zu verlassen. Auch jetzt behauptet er, daß Miet- und Zinswucher die Schuld an seinem Zusammenbruch trügen. Borowicz bestreitet jede betrügerische Absicht. Seine Geamtschulden beziffert er auf 250 000 mar. Wie er sagt, war er bestrebt, sein Geschäft aufrechtzuerhalten. Auf Drängen einzelner Gläubiger gab er Waren unter Bert in Lombard. Als nun der Geschäftsgang fich verschlechterte, fonnte er diese Waren nicht mehr einlösen. Andere gab er Angestellten und auch anderen Leuten als Sicherheit für Interessentenanlagen. Diese Waren blieben auf Ber. anlaffung der Interessenten zum Vertrieb im Geschäft. Sie wurden auch verkauft, und der Erlös wurde im Geſchäftsgang mit verbraucht in Borowicz gibt endlich auch zu, daß er auf größere Bested bestellungen Anzahlungen angenommen hat, schließlich aber nicht imftande war, diese Bestecks zu liefern, weil er sie nicht mehr hatte. Er erklärt das damit, daß er über dem geschäftlichen Wirrwarr dex Kopf verloren habe. Das sei vollends gefchehen, als auf Drängen von Gläubigern bei ihm gepfändet worden sei. Zwei Aerzte bescheinigen ihm den feelischen und körperlichen Zusammenbruch Borowicz wurde nach eingehendem Berhör durch die Kriminalpolizei dem Vernehmungsrichter zugeführt. ,, Arbeit nur als Sport." Gestatten, Baron van der Peers, Rechtsanwalt." Hocherfreut rüdte eine Stammtischrunde in Nowawes zusammen, um dem jun gen Herrn mit dem tlingenden Nomen Platz zu machen. Man war gerade bei der Hypothefenaufwertungsfrage angelangt, und der Herr Rechtsanwalt fam der Rumbe wie gerufen. Herr Birt, 17 Baar Würstchen," rief der vornehme Gaft und warf eine Lage Bier nach der anderen. Bulegt war man beim Taragona und die Zechschuld war beträchtlich. Als es ans Bezahlen ging, zog der Herr Baron Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 4. Januar. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Die Lerche, Annette v. DrosteHülshoff. 2. Im Moose, Annette v. Droste- Hülshoff. 8. Beschänkte Frau, Annette v. Droste- Hülshoff. 4. Knabe im Moor, Annette v. Droste- Hülshoff. 5. Heidemann, Annette v. Droste- Hülshoff ( Aloysia Weißberger, Rezitation). Ansprache des Herrn Dr. Wilhelm Schellberg, Geheimer Rat im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. 1. Feldeinsamkeit, Brahms, 2. Der Schiffer, Schubert, 3. Der Erlkönig, Schubert, 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule, Abteilung Bildungskurse der Eva Adamiczik( Gesang). Am Schwechten- Flügel: Maria Stemmer. Funkstunde. Landwirtschaft und Gartenbau. Abteilung Landwirtschaft. 3. Vortrag. Dr. Höstermann, Abteilungsvorsteher an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau, Berlin- Dahlem: Bau und Ernährung der Pflanzen", I. Teil. 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Sagen von der Frau Holle: 1. AltHolle und die kleinen Kinder, b) Das ausgeblasene Lichtgermanische Göttermythen von Frigga und Freya. 2. a) Fran lein, bearbeitet von E. Franke.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 6.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule Abt. Bildungskurse der Funkstunde. Literatur und Kunst. Direktor Rosenhain:„ Neue deutsche Dichter". 4. Vortrag. Frank Wedekind, Hofmansthal, Schnitzler und Beer- Hofmann 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Prof. Windelband:„ Neue Beiträge zur Kriegsschuldfrage". 8.30 Uhr abends: Blasorchester. 1. Krönungsmarsch aus der Oper„ Der Prophet", Meyerbeer. Dirigent: Karl Woitschach. 4. Aschenbrödels Hochzeitszug, S. Dicker. 5. Hoch Heidecksburg, 2. Ouvertüre zu der Oper Zampa, Herold. 3. Armeemarsch Nr. 116. Marsch, R. Herzer. 6. Ouvertüre zu der Operette, Flotte Bursche, Suppé. 7. Fehrbelliner Reitermarsch, Henrion. 8. An der schönen blauen Donau, Walzer, J. Strauß. 9. Feuert los! Marsch, Holzmann. 10. Das Grab in der Heide, Heiser. 11. Soldatenblut, Marsch, F. v. Blon. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Tanzmusik. Königswusterhausen, Sonntag, den 4. Januar. Otto Hirschberger- Langer, Konzert- und Oratoriensängerin: 11.30-12.50 Uhr nachm.: Konzert. Mitwirkende: Gertrud Hutschenreuter, Violoncello; Hans Matthies, Organist, am Flügel. 1. Impromptu op. 142 Nr. 4( für Klavier) F. Schubert. 2. Zwei Lieder für Sopran: a) Arie aus der Oper„ Die Zauberflöte",„ Ach ich_fühls". W. A. Mozart, b) Adelaide, L. v. Beethoven. 3. Sonate in F- Dur( für Violoncello) B. Marcello, Largo Allegro Largo Klavier) J. S. Bach. Presto. 4. Arie„ Mein gläubiges Herze"( für Sopran, Cello, 5. Rhapsodie op. 79 Nr. 2( für Klavier) J. Brahms. 6. Drei Lieder für Sopran: a) Lieblingsplätzchen, b) Schlaf' schlaf', H. v. Koos, c) Die Nachtigall( russ. Volkslied) A. Alabieff. 7. Für Violoncello: a) Nocturne, F. Chopin, b) Gavotte, Gossec, c) Menuett, Ph. Em. Bach. 8. Arie der Zerline aus der Oper Don Juan", Schmäle, tobe,( für Sopran, Cello, Klavier) W. A. Mozart. 9. Caprice( für Klavier) H. Matthies. 10. Villanelle ( für Sopran, Cello, Klavier) E. Dell'Aqua. 12 Uhr mittags: Esperantavortrag. Er hatte mir 10 000 m. versprochen, gab mir aber nur 200 M. und einen Gummimantel. Er händigte mir einen der drei Afienbände aus und sagte, ich sollte damit versuchen, bei den Bauern, die in dem Bucherprozeß oerwickelt waren, Geld herauszuschlagen. 3u scharfen Auseinandersetzungen tommt es bei der Gegenüberstellung Derthels mit dem Fabrikanten Wüstemann. Derthel hatte behauptet, daß Wüstemann ihn zum Gericht begleitet, vor dem Zimmer des Untersuchungsrichters gewartet und die Akten in Empfang genommen habe, daß Wüstemann auch beteiligt war bei Beschaffung des Typenfaftens für die falschen Stempel und ferner, daß Wüstemann die falschen Einfuhrbewilligungen unterschrieben habe. Der Zeuge Büftemann hat das alles bestritten und erflärt jetzt auf weiteren Borhalt, es sei das alles lange her, daß er sich auf nichts mehr befinnen fönne. Der Staatsanwalt beantragte darauf die Protofollierung der Aussage. In diesem Augenblick griff der Angeflagte Schrome über die Schranken des Antlageraumes, nahm einen Stuhl vom Verteidigertisch und schwang diesen drohend gegen den Zeugen Derthel unter den Ausrufen: Lümmel, gemeiner Lump, der will den Wüstemann direft erpreffen". Das Gericht beschloß, den Zeugen Außer dem üblichen Tagesprogramm: Büftemann wegen Verdachtes der Mithelferschaft, ebenso die meisten 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). anderen Zeugen, teils aus demselben Grunde, teils wegen Verwandt6.40 Uhr abends: Vortrag des Herrn Professor Kurt Hacker: schaft mit dem Angeklagten nicht zu vereidigen. Staatsanwalt Dr. Deutscher Dank an Rudolf Eucken". 7 Uhr abends: Tausend Weißenberg beantragte 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus. Das Gericht Worte Französisch. 7.30 Uhr abends: Vortrag des Geh. Medizinalsprach den Angeklagten aber mangels Beweises megen der rats Professor Dr. Georg Klemperer: Natürliche Heilmethoden". 8 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. Abteilung: Bildungskurse der Anstiftung zur Aftenbeseitigung und wegen der Mit- Funkstunde. Literatur und Kunst. Dr. James Simon: Die Sonate". täterschaft an der Verfälschung der Einfuhrbewilligungen frei, da 8.30 Uhr abends: Melodramenabend. 1. a) Das Eleusische Fest eine Berurteilung lediglich auf die Aussagen des Derthel allein nicht( Schiller) M. v. Schillings, b) Der Gott und die Bajadere( Goethe) ausreichend sei. Dagegen wurde der Angeklagte schuldig befunden, W. Rinkens( Hans Mühlhofer). 2. Die Weise von Liebe und Tod die zwei Bässe mit verfälscht zu haben und erhielt dafür sieben Modes Cornets Christoph v. Rilke( Rainer Maria Rilke) K. v. Pasztory nate Gefängnis. Die Haftentlassung wurde mit Rücksicht auf das ( Ilse Fischer- Ramin). 3. Das Hexenlied( E. v. Wildenbruch) M. v. Schillings( Hans Mühlhofer). Am Flügel: Otto Urack. Anbisherige Verhalten des Angeklagten wegen Fluchtverdachts abgeschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, lehnt, jedoch in Aussicht gestellt, wenn der Angeklagte eine Sicher Zeitansage, Wetterdienst, heit leistet. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann). Montag, den 5. Januar. Das völkische Ehrenwort oder verraten nnd verkauft bei Knüppel- Kunze. Ergöhliche Streitigkeiten im Deutschsozialen Lager famen gestern einer Beleidigungsflage vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte, unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Neumann zur Sprache. Wegen öffentlicher Beleidigung und nötigung durch die Totschlagbedrohung hatte sich der Fabrikaufseher Ernst Müller, ein Parteigänger Richard Kunzes, zu verantworten. Der Angeklagte hatte an den früheren Reichstagsabgeordneten und jetzigen Landtagsabgeordneten Stod eine Postkarte geschrieben, die den Gegenstand der Anklage bildete. Die anonyme mit Romert unterzeichnete Rarte hatte die Anschrift: An den Lehrer und Bolts. verräter Friedrich Stod" und begann mit den Worten „ Nachdem wir Arbeiter zweimal von solchen Strolchen verraten worden sind, bist du langes Gestell der Dritte. Wir haben Dir mit unseren fauer abgegaunerten Groschen zu einem Mandat verhelfen und jetzt hast Du Berrat geübt. Legt Ihr Gauner das Mandat nicht nieber, dann werdet Ihr erbärmlichen Wichte niebergelegt". Da der Empfänger der Karte durch einen Arbeitskollegen des Angeflagten, der die Handschrift kannte. dessen Namen erfuhr, stellte er Strafantrag. In dem Worte„ niedergelegt" erblickte die Anflage eine Todes= brohung. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht fehr aufgeregt und gab auch auf Befragen des Borsigenden zu daß er. infolge einer schweren Kriegsverlegung hochgradig herzleidend und nervös sei. Er erging fich in schweren Beschimpfungen der drei deutsch= io3zialen Reichstagsabgeordneten, die von ben vier am 4. Mai gewählten im Laufe des Sommers zur Deutschvölkischen Freiheitspartei übergetreten waren. Diese hätten die Partei in der schwindelhaftesten Weise verraten und bestohlen.„ Stock ist mit unseren Groschen von der Deutschsozialen Partei in den Reichstag gewählt worden. Kaum war er gewählt, so beging er Berrat und Wortbruch. Er hatte sich ehrenwörtlich und schriftlich verpflichtet, das Programm der Deutschsozialen Partei zu vertreten und zu feiner anderen Partei überzutreten. Dann ist er aber zur LudendorffPartei übergegangen. Diese Partei steht ums politisch nahe, aber fie meint es nicht ehrlich. Das beweist schon, daß sie einen Wortbrecher aufgenommen hat. Aus ihrer Unehrlichkeit ermachsen ihr auch die vielen Spaltungen. Die Abgeordneten mögen ja noch angehen, aber was hinter diesen 14 Herren stedt, das ist eine ganz besondere Sorte. Die möchten die Juden mit der Nase auf die Straße stoßen, dann aber selbst die Herren spielen. Wir sind eine armselige Partei und deshalb verpflichteten sich die Abgeordneten auch, Don ihren Diäten einen Prozentsaz an die Parteitaffe abzuführen. Stod hat das zwet bis drei Monate getan, dann nicht mehr. Als er eine Aufforderung zur Zahlung erhielt, beantwortete er diese damit, daß er zu einer anderen Partei übertrat. Auf den Einwand des Borfizenden, ob die follten, erwiderte der Angeklagte:„ Das fann Stock doch nicht getan Abgeordneten nicht aus ehrlicher Ueberzeugung übergetreten sein haben, denn er hat so oft in Versammlungen Christus als 3eugen angerufen, daß er es ehrlich mit der deutschsozialen Sache meine." Der als Zeuge vernommene Abgeordnete Stod gab zu, daß die am 4. Mai gewählten vier Abgeordneten der Deutschsozialen Partei eine ehrenwörtliche Ertlärung unterschrieben hätten. An diese Erklärung wäre auch Herr Kunze gebunden gewesen. Da Herr Kunze fich an die Verbindlichkeiten nicht gehalten babe, hätten auch die anderen sich nicht gebunden gefühlt. Herr Runze habe immer erflärt gehabt, daß die Deutschfoziale Partei der Strom sein werde, die anderen Richtungen die zufließenden Bäche, es wäre aber umgekehrt gekommen. Nun hätten sie sich dem Haupthintertrieben und da hätten sie die Gefahr als Ehrenbrecher strom anschließen müssen, Runge habe aber die Eini gung stets hingestellt zu werden auf sich genommen und feien zur Deutschvöllischen Freiheitspartei übergetreten. Der Ehrenrat der neuen Partei hätte ihr Verhalten gebilligt. Trotzdem er Lehrer und Vater von vier Kindern sei, habe der geschäftsführende Ausschuß, dessen Vorsitzender Kunze ist, sich bemüht, die Behörde zu einem Disziplinarverfahren zu veranlaffen. Durch die Breffeheze hätten sie eine Flut anonymer Schmähschriften mit häufigen Todesandroungen erhalten. Nachdem es gelungen war, einmal einen Schreiber festzustellen, habe er ein Erempel statuieren wollen. Auf die Frage eines Beifizers, ob es richtig fei, daß er die Verpflichtung eingegangen wäre auf Niederlegung bes Mandats bei einem lebertritt, entgegnete der Zeuge, daß das nur auf Antrag von zwei Drittel der Fraktion und des Ausschusses verlangt werden konnte. Die Mehrzahl der Fraktion wäre aber ausgeschieden. Mit dem Austritt hätte selbstverständlich auch die Berpflichtung der Abführung eines Teiles der Diäten an die Barteitaffe aufgehört. Er bestreite aber, daß der llebertritt erfolgt sei, um der Berpflichtung ledig zu werden. Der Verteidiger hielt dem Zeugen entgegen, daß er sich dem ersten und zweiten Borfienden der Partei, Richard Kunze, und Amtsgerichtsrat John, gegenüber ehrenwörtlich verpflichtet hätte, bei einem lebertritt unbedingt das Mandat niederzulegen. Da der Zeuge das bestritt, berief sich der Berteidiger auf das Zeugnis der beiden Herren und beantragte Bertagung. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Burghardi beantragte die Ablehnung des Antrags, da als wahr unterstellt werden könne, daß der Angeklagte in dem guten Glauben gewesen sei, daß das Ehrenwort Die drei Schönheitsfehler des Mundes 1. Der Zahnstein ist ein Absatz des Speichels ähnlich wie der Kesselstein des Wassers. Er hat eine graugrüne, braune bis schwarze Färbung und ist zunächst ein Schönheitsfehler, der den Zähnen ein häßliches, ungepflegtes Aussehen gibt und einen üblen fauligen Geruch aus dem Munde verursacht. Er ist aber auch ein höchst gefährlicher Feind des Gebisses, weil er Zahnfleisch- und Kieferschwund sowie Zahnfleischentzündungen und Eiterungen verursacht. Er ist äußerst festsitzend und hart; oft umkleidet er in harter Kruste.den ganzen Zahnhals, entblößt die Wurzel und verursacht ein Lockerwerden der Zähne. 3. Ubler Mundgeruch 2. Mißfarbener Zahnbelag hervorgerufen durch starkes Rauchen von Zigarren und als Folge mangelhafter Zahnpflege macht sich weniger dem Zigaretten, ist weniger schädlich, aber ein um so auf- davon Betroffenen, als seiner näheren Umgebung bemerkbar. fallenderer Schönheitsfehler des Gebisses. Wie entfernt Neutrale Salze im Chlorodont, die eine vermehrte Speichelman Zahnstein und Zahnbelag? Weder mit Mundwasser bildung und dadurch eine natürliche Mundreinigung bewirken, noch mit sogenannten Lösungsmitteln; in dieser Beziehung ähnelt der Zahnstein auch dem Kesselstein, gegen den in Verbindung mit dem herrlich erfrischenden Pfefferminzallerlei Lösungsmittel skh als wirkungslos erwiesen haben geschmack beseitigen diesen markanten Schönheitsfehler unund die rein mechanische Beseltigung sich am besten bewährt. mittelbar. Jeder Tube Chlorodont ist eine genaue GebrauchsMillionen, die heute Chlorodont täglich im Gebrauch haben anweisung beigefügt Chlorodont- Zahnpaste und die dafür und ihre schönen weißen Zähne dieser Zahnpflege verdanken, geeignete Chlorodont- Zahnbürste mit gezahntem Borstenhaben es selbst ausprobiert, daß Mundwasser die mechanische schnitt sind die besten Hilfsmittel gegen den gefürchteten Reinigungskraft der mikroskopisch feinen reinen Kreide im Zahnstein, mißfarbenen Zahnbelag und den oft damit verChlorodont nicht ersetzen kann. bundenen üblen Mundgeruch. beseitigt Chlorodont- Zahnpaste gegeben worben fel. Das Gericht fam schließlich zu einer Berurteilung des Angeklagten wegen Beleidigung und Rötigung zu je 100 Mart Tempelhof, Kaiſerin- Augusta- Straße 76/77, haben die baupolizetlichen Parteinachrichten Geldstrafe, insgesamt also 200 Mart. In den Urteilsgründen wurde als erschwerend die scharfe Form der Beleidigung angesehen. Der politische Kampf müsse endlich mit fauberen Waffen geführt werden. Feine Jugendbünde. Bir entnehmen der Zeitschrift„ Die Jugendherberge", Drgan d. Verb. f. Deutsche Jugendherbergen( 5. Jahrg. Nr. 11/12) folgenden erbaulichen Bericht: Durch Versammlungsbeschluß der Ortsgruppe Braunschweig find die beiden Jugendbünde ,, Nibelungen" und Bismard jugend" auf die Dauer von zwei Jahren von der Benutzung der beiden Jugendherbergen in Braunschweig ausgefchloffen. Der Grund hierfür ist ungebührliches Benehmen, Verunreinigung der Bleiben und nächtliche Ruhestörung. Angehörige der beiden genannten Bünde haben die Strohfäde bzm. Matrazen durch Erbrechen( aller Wahrscheinlichfeit nach durch Alkoholgenuß hervorgerufen) beschmutzt und dann die beschmutzte Seite, ohne vorher zu reinigen, einfach nach unten gelehrt. Des weiteren sind Herbergsgäste, die an einer Festrersammlung teilgenommen haben, erst morgens 25 Uhr heimgetemmen, obwohl die ersten Festteilnehmer gleich nach Schluß der Beranstaltung, etwa um 12 Uhr, in der Bleibe waren. Nur durch scharfe Ahndung solcher Borkommnisse ist es möglich, die Herbergs väter und auch unsere Herbergen vor solchen unliebsamen Gästen zu schüßen." Diese hier sehr richtig als unliebsame Gäste gekennzeichneten Jünglinge find die Söhne jener Heldenväter, die fich als Führer des nationalen Deutschland wieder aufzuspielen belieben. Alles Leute, bei denen, wie jedermann weiß, moral, gute Sitten einfchl. nationaler Belange und vortreffliche Jugenderziehung in besten Händen liegen. Das Erziehungsergebnis sind: teutsche Schweinigel. Berhaftung der Frau Spanier. Frau Helene Spanier ist erneut in Haft genommen worden um endlich ihre Strafen zu verbüßen. Wegen Beteiligung an dem Verbrechen, dem der Teppichbändler Reißer zum Opfer gefallen war, wurde Frau Spanier vor über zwei Jahren zu 3 Jahren Zuchthaus berurteilt. Da der Gesundheitszustand der Frau Spanier damals zu Bebenken Anlaß gab, wurde sie bald nach dem Urteil auf Antrag ihres Verteidigers aus der Haft entlassen. Fm November war Frau Spanier von neuem wegen eines Filmschwindels verurteilt worden, hatte sich aber dem Strafantritt ent zogen, indem sie unter ihrem Mädchennamen Wohnung nahm. Jetzt wurde fie in der Derfflingerstraße ermittelt, verhaftet und foll sofort in das Buchthaus nach Sagan abgeführt werden. Ranbüberfälle. In der Nacht zu gestern wurden ein Mechaniker aus Lichten berg und ein Bäder aus Berlin am Küftriner Blaz überfallen und beraubt. Beamte des 168. Reviers fanden die beiden zunächst un bekannten Männer blutüberströmt mit schweren er. legungen am Kopf, an den Händen und Beinen auf der Straße liegen. Ein Arzt leistete ihnen die erste Hilfe und ließ fie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain bringen. Erst dort konnten fie festgestellt werden, nachdem sie sich wieder erholt hatten. Sie hatten mehrere Lofale besucht, u. a. auch in der Fruchtstraße. Auf Sm Küstriner Platz fielen, als fie fich auf dem Heimmege befanden, plötzlich nehrere Männer über sie her, schlugen sie zu Boden, mishandelten sie schwer und raubten ihnen die Uhr, die Brieftasche und die Ringe von den Fingern. Eine Dame aus der Leipziger Straße erhielt, als fie burch die Martin- Luther- Straße ging, in der Nähe des Wartburg- Plages von einem Wegelagerer einen Stoß, der sie zu Boden warf. Der Räuber entriß ihr die Handtesche, die zwei Bortemonnaies mit 25 M., Pfund Kaffee, Schlüssel und andere Kleinigkeiten enthieft und verschwand damit, bevor noch die Ueberfallene fich wieder aufraffen fonnte. Einer Dame aus Hessenwinkel, die auf dem Heimwege von Wilhelmshagen die Landjägerallee an der Eisenbahn entlang ging, warf ein Begelagerer in der Nähe der Bude 24 eine Mischung von Pfeffer und Salz ins Gesicht und versuchte dann, ihr die Handtasche zu entreißen. Sie hielt sie jedoch fest und rief um Hilfe. Jeht ließ der Räuber von ihr ab und ergriff die Flucht, weil er wohl fürchtete, daß aus der Bahnbude Leute der Ueberfallenen zu Hilfe tämen. Die Kriminalpolizei des 242. Reviers veranstaltete fcfort eine Streife, die jedoch erfolglos blieb. Der Räuber, ein Mann von etwa 30 Jahren, der einen grauen Jadettanzug und eine Echiebermüze trug, war in dem ausgedehnten Walde spurlos ver. schwunden. Mitteilungen zur Aufklärung der Ueberfälle nehmen die zuständigen Reviere und Kriminalkommissar Werneburg beim RaubDezernat im Polizeipräsidium entgegen. Unser InventurA 122 Bis In der Untersuchung über den Einffurs am Straßenbahnhof Ermittlungen ergeben, daß der ausführenden Leitergerüftfirma Stoeding u. Müller, Berlin D. 17, Marfgrafendamm 31, teine Schuld an dem Unfall zuzuschreiben ist. " Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Moniog, 5. Januar, pünktlich 5 Uhr nachmittags, Sisung bes fleinen Bilbungsaus. fchuffes. Sonnabend, den 10., 17. unb 24. Januar, abends 8 Uhr, Sonntag, den 11. und 18. Januar, nachmittags 3% Uhr, im Schillersaal ( neben dem Schiller- Theater) Mufitalise Romo bien. Breis der Karte 1 M., Kleiderablage frei. Sonntag, den 18. Januar, nad mittags 2% Uhr, im Staatstheater Charlottenburg i balla"( ober bie Moral der Schönheit), Schauspiel in 5 Aften von Frank Bebefinb. Breis 25. Januar, nachmittags 3% Uhr, im großen Saal der Philharmonie: ber Karte 1 M., Kleiberablage und Theaterzettel frei. Sonntag, den 3. Fefilonzert. Internationale 2ieber und Chor gesänge". Breis ber Einzelfarte 1 Mt. Einsendungen für diese Rubrit find Berlin 68. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an bas Begirisieretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. Stadtverordnetenfraktion. Aus Anlaß des 75. Geburtstages Eduard Berufteins beginnt die Frattionssihung am Dienstag, den 6. Jannar, pünktlich um 6 Uhr. Fraffionsvorstand eine halbe Stunde früher im Zimmer 109. * 2. Kreis Tiergarten. Montag, den 5. Januar, abends 7 Uhr, Sigung der tommunalen Rommission und bes gefchäftsführenden Ausschuffes bei Jofef. Wilhelmshavener Str. 48( Bormättsfpedition). 4. Kreis Prenzlauer Berg Montag, den 5. Sanuar, 8 Uhr, bei Burg, Brenzlauer Allee 189, Funktionärinnenkonferenz.( Agitation, Arbeiters mohlfahrt und Kinderschuh.) 7. Areis Charlottenburg. Montag abend, pünktlich 7 Uhr, im Gigungssimmer i bes Rathaufes wichtige Fraktionsfigung mit den Bürgerbepu tierten. 9. Rreis Wilmersdorf. Die Areismitgliederversammlung findet befonberer Umstände balber am 14. Januar statt. Referent: Gen. Dr. Landsberg. Die Zahlabende fämtlicher Abteilungen müffen beshalb auf den 21. Ja Derlegt werden. Der Kreisvorstand. Sildegardstraße. 13. Kreis. Montag, den 5. Januar, 7% Uhr, Fraktionsligung im Rathaus Mariendorf, Rimmer 26. Der Kreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Rinderschuk veranstaltet Montag, den 5. Januar, nachm. 5 Uhr, im Birkenmäldchen, Manteuffelstraße, für die Rinder ber Ferienspiele einen Fröhlichen Nachmittag. Rezitationen, Ansprache, Alaviernorträge, Aufführung des Märchenspiels Ein Sommernachtstraum"( von der Rindergruppe Ballesches Tor). Eltern und Freunde willkommen. 1. Rreis Ritte. Dienstag, den 6. Januar, 7 Uhr. Sigung ber Stabt. und Bezirksverordneten bei Dabroblam, Swinemänber Str. 11.-Die file Dienstag fällige Kreisvorstandsfigung findet am Freitag, den 9. 3onuar, bei Dobroblam flatt. 11. Kreis Schöneberg- Friebenau. Arbeitsgemeinfchaft der Rinderfreunde! Die Selferfigung der Rinderfreunde am 6. Januar muß umftänbehalber net schoben werden. Dienstag, den 6. Januar, 8 Uhr, Sigung der Zeitungstommiffion Spedition Belziger Str. 27. 5. Areis Friedrichshain. Mittwoch, ben 7. Januar, 7% Uhr, erweiterbe Rreisvorstandsfigung bei Nofin, Gubener Str. 19. 17. Rreis Sichtenberg. Mittwoch, den 7. Januar, 7% Uhr, Kreisvorstands. fihung in der Bibliothek, Beichfelste. 28. Sturm und Unwetter in Dänemark. Strandung zweier deutscher Dampfer. Deichbruch in Jütland. Der seit Freitag abend rasende Sturm hot auch in Däne zungsosialistische Gruppe. Montag, den 5. Januar, 8 Uhr, Jugendheim mart unb Norwegen viele Verheerungen angerichtet. Blüdlicherweise haben die meisten Dampfer und Segler rechtzeitig Häfen aufsuchen können. So ist der Hafen Kopenhagens von zus fluchtsuchenden Schiffen gestopft voll. Bei der Insel Samsö sind drei Fischerkutter untergegangen und an der Ostküste Jütlands ist ein Dampfer gestrandet. In Norwegen bei Christiania ist der deutsche Dampfer Ratharina Dorotheo ge. strandet und zum Brad geschlagen worden. Die Mannschaften bis auf den Rapitän wurden gerettet. Der in der Nacht zum Sonn fonnte durch Bergungsdampfer abgeschleppt werden. abend gleichfalls gestrandete Stinnes Dompfer Heinrich" Andere Dampfer haben sich mit großen Havarien, zerschlagenen Decsauf. tauten usw. in die Fjorde geflüchtet. Der Bertehr in Dänemart selbst erlitt große Störungen. Bor Esbjerg mußten zwei England. dampfer 10 und 20 Stunden ouf offener See bleiben, da die Hafen einfahrt unpassierbar war. Der England- Kai und der Fischerhafen stehen unter Wasser. Glücklicherweise war die Fischerflotte nicht ausgelaufen. In Aalborg steht das Hafenquortier unter Wasser. 104. Abt. Rieberschönemeibe. Treffpunkt aur Morgenfeier Sonntag frith 9 Uhr An einer Stelle der Westtüfte Jütlands ist der Deich gebrochen und das Meer über die mit Roggen befäten Felder hereingestürmt. Lie Eisenbahnen hatten bis zu zwei Stunden Berspätung. Die Telephonverbindung Schweden- Dänemart ist noch unterbrochen. Die Fähre über den Großen Belt fonnte bis Sonnabend mittag Charlottenburg. 81. bt. 7½ br bel Sehmann, Königsweg 8, Funktioner. nicht auslaufen, die über den Kleinen Belt mußte umfehren, ba der Sturm die elektrischen Leitungen zerrissen hatte und die Hafens leuchtfeuer nicht funktionierten. In Kopenhagen felbft sind größere Unfälle bis auf ein zusammengestürztes Baugerüst, ein losgerissenes 108. Abt. Oberschöneweibe. 715 Uhr Funktionärkung bei Imbers Schiff und eingedrüdte Schaufensterscheiben nicht vorgefallen. Hamburg, 3. Januar. In Nordwestdeutschland wütete die ganze Nacht ein heftiger Sturm, der gegen 2 Uhr nachts die größte Stärke erreichte. Bu dieser Zeit gingen Windstöße in einer Geschwindigkeit von 28 Gefundenmetern über Hamburg hinweg. Nach Mitteilung der Deutschen Seewarbe ist eine wesentliche Benderung des Beifers noch nicht zu erwarten, da ein neues Tief fiber dem Dzean heranzieht, das bereits die irische Küste erreicht hat. Elberfeld, 3. Januar.( WTB.) Durch den mehrtägigen Regen ist bcs Waffer gestiegen und bereits an mehreren Stellen über die Ufer getreten. Die Umgegend von Wipperfürth im Wupperthal ist völlig überschwemmt. In mehreren fleineren Gemeinden ist der Berkehr Auch aus Solingen treffen gleiche Melvöllig unterbunden. Dungen ein. Bom Oberlauf der Wupper wird weiteres Steigen gemeldet. Es sind Borsichtsmaßnahmen getroffen, Fernsprechstörung nach Paris. Wegen Sturmschäden ist die telephonische Berbindung zwischen Bazis und Deutschland unterbrochen. Heute, Sonntag, den 4. Januar: am Bahnhof Niederschöneweibe. Morgen, Montag, den 5. Januar: 1. bt. 7% Uhr Vorstandssikung bei 8fchiefina, Aderft. 1. 38. Abt. Die Funktionärsikung findet erst nach der Rreisvorstandsfitung ftatt. Näheres with noch befannt gegeben. fizung 56. bt. 7 Uhr Funktionärilgung bei Pierid, Rantftr. 62. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr Frauenabend bei Rlabe, Sandjernftr. 60/61. Genoffin Gertrud Ellert spricht über: ,, Die Stellung der Geschlechter im Birtfaraftskampf der Gegenwart." 141. Abt. Rofenthal. 7 Uhr im Botal Frifche, Niederfte 5, Funktiondeffgung. Uebermorgen, Dienstag, den 6. Januar: 13. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferens bei Arilger, Butligftr. 10. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 21. bt. Genoffe Gottfried Fuchs wird am Montag, ben 5. Sanner, nech mittons 4 Uhr, im Rrematorium Gerichtstraße eingedfchert. Die Genoffen treffen fich um 4 Uhr bei Stroll, Utrechter Str. 21. 30. Abt. Ant 1. Samar perftarb plöhlich unfere merie Genoffin Minna Lohfe. Einäfcherung Krematorium Gerichtstraße am Mittwoch, den 7. Ja43. Abt. Am 30. Dezember verstarb Genoffe Mar Reabert, Blanufer 92, Cinäfcherung fand bereits am Freitag, den muar. 8 Uhr abends. auf dem Wege sur Arbeit. 2. Januar, ftatt. Jugendveranstaltungen. Margen- Feier bes Bereins Sosialifiche Arbeiterjugend Staf Berlin am Sonntag, ben 4 Senna 1925, vorm. 10 Uhr im Reuen Schöneberger Rathaus, Rubalph- be- Blak Cinaleinla Untoftenbeitrag 25 Bt. Werbebezirk Reuföllu. Die Treffwanderung fällt aus. Dafite gefchloffene Abends ab 6 Uhr ist das Jugendheim Rogatstr. 53 geöffnet. Montag, den Oslo ftatt triftiania. Mit dem Glodenfchlag 12 des alten Jahres hat die Hauptstadt Norwegens aufgehört Ariftiania zu heißen und führt forfan nur noch den Namen Oslo, den sie fast sechs Jahrhunderte lang, von 1047 bis 1624, getragen hat. Der Name Kristiania erinnert die nationalstolzen Norweger zu fehr an den Dänenkönig Christian IV., unter deffen Krone 1624 Norwegen gelangte und der die Hauptstadt Oslo, nachdem sie von einem ver nichtenden Brand heimgesucht worden war, nach fich felber Chriftiania taufte. Briefe sowie alle Postsendungen müffen in Zukunft die Be- Nachzügler benutzen die Straßenbahn 160 oder 60 bis Rundolph- Wilde- Biss zeichnung Oslo tragen. Wetter für Berlin und Umgebung: Bei ftarten füdwestlichen Winden borerst noch sehr mild, trübe und regnerisch. Jür Deutschland: In ganz Deutschland noch mild, trübe und regnerisch. Tettnahme an der Morgenfeter. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Reutsun. 5. Januar, Turnabend von 8-10 in der Turnhalle Donaufte. 120.- Sub8 Uhr ift das Jugendheim für Bücherfreunde voraussichtlich geöffnet. Am westen: Seute Treffpunkt zur Morgenfeier 9 Uhr Blücherplag. Abends ab Dienstag, den 6. Januar, ist die Turnhalle Alte Jakobftr. 127 ab 18 Uhr ge öffnet. Donnerstag, den 8., Seimabend mit feftem Programm im Jugendbeim, Lindenste. 3. Friedenan: Treffpunkt spätestens 9 Uhr Bahnhof Mi mersdorf Friedenau. Norboft I: Treffpunkt( pätestens 8% Uhr Rönigster. Schöneberg. Morgen, Montag, den 5. Januar, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Baldenfer Str. 21, Lichtbilbervortrag: Entstehung bee Erde." Baumschulenweg: Jugendheim Ernftr. 16, Mitgliederversammlung. 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Februar Laẞt euch von ähnlich klingenden Firmen, die aber mit der Beamten- Wirtschaft nichts zu tun haben und in Wirklichkeit reine Privat- Unternehmen darstellen, nicht irre führen. Nr. 6+ 42. Jahrgang an. 2. Beilage des Vorwärts Blinder Alarm im Saargebiet. Deutschlands gerecht werdende Behandlung aller Saarfragen. Im Saargebiet erwartet man von der neuen Reichsregierung, daß sie unter Vermeidung jeder unnützen Verzögerung diese Aufaabe zu lösen sucht. Die gute Absicht der Saarlouiser Stadtverordneten in allen Ehren. Sie glaubten an die Gefahr und schlugen Alarm. Sie stehen ohne Zweifel auf dem am meisten gefährdeten Posten. Das Saargebiet kann diesen Beweis der Wachsamkeit mit Dank registrieren. Der Bevölkerung von Saarlouis und Umgebung dagegen hat die in der ganzen Bevölkerung des Gesamtgebietes jäh aufgetretene große Erre gung gezeigt, daß sie auf ihrem Vorposten nicht verlassen steht. Wir haben uns gemeinsam als ein Ganzes bis Wir haben uns gemeinsam als ein Ganzes bis jetzt behauptet, haben bis zum heutigen Tage ein gewiß nicht leichtes Schicksal gemeinsam ertragen und wollen auch für den Rest der uns noch zugedachten Sperrfrist beieinander bleiben und dann bis auf den lezten deutschen Volksgenossen an der Saar geschlossen in unsere größere deutsche Heimat zurückkehren. Bon Val Schäfer- Saarbrüden. Herriot hat das Gerücht dementieren lassen, daß die französische Regierung sich bereit erklärt habe, das ganze Saargebiet samt den Gruben zu verlassen, wenn Deutsch land die Stadt Saarlouis nebst weiteren sieben Bürgermeistereien an Frankreich abtrete. Der französische Ministerpräsident läßt gleichzeitig fein Erstaunen darüber zum Ausdruck bringen, daß derartige Gerüchte entstehen und in Umlauf gebracht werden können. Zu solchem Erstaunen steht. zu solchem Erstaunen liegt nun gewiß kein Grund vor, denn alle Welt weiß, daß die französischen Absichten sowohl unter der Regierung Poincarés wie der Clemenceaus in ganz offenkundiger Weise auf das Saargebiet( allerdings auf das ganze) gerichtet waren. Daß dieses Verlangen auch heute noch in Pariser politischen Kreisen starte Vertreter hat, liegt außerhalb jedes Zweifels. Dem Kabinett Herriot gehören diese Kreise allerdings nicht Sie sind durch die Umstellung der französischen Politik am 11. Mai einstweilen aus der politischen Gefahrenzone zurückgezogen worden. Herriot fann und will wohl auch in seinem Dementi nur für die heutige französische Regierung gesprochen haben. Zunächst genügt uns seine Erklärung 1nd dient zur Beruhigung der Saarbevölkerung, die ange= fichts der befürchteten Gefahr außerordentlich stark erregt war. In der Frage ihrer nationalen Zugehörigkeit ist die Bevölkerung des Saargebiets peinlich empfindlich. Sie wird bis zur letzten Entscheidung über diese Frage mit größter Wachsamkeit und dem, allen Völkern in gleich ungewisser Lage eigenen Argwohn das politische und diplomatische Getriebe beobachten. Abgesehen davon, daß sie fünfzehn lange Jahre das unverschuldete Schicksal, von ihrem Mutterlande getrennt und einer Fremdherrschaft- etwas gemildert durch den Völkerbund unterstellt zu sein, ertragen muß, bleibt ihr doch zum mindeſten das vertraglich versprochene Recht erhalten, im gegebenen Zeitpunkt ihr politisches Schicksal durch eine freie, unbehinderte Abstimmung selbst zu be stimmen. Auf dieses Recht wird sie nicht verzichten. Wer anders urteilt, der unterschätzt den politischen und nationalen Lebenswillen der Saarbevölkerung. Sonntag, 4. Januar 1925 als auch Abendausgabe) nach England, wofür ich den„ Daily Herald" bekam. Zulegt bekam ich Foreign Affairs",„ The Socialist Review" und eine demokratische Zeitschrift„ The New Statesman". Inzwischen stellte sich heraus, daß die Einsendung der gesamten Nummern des„ Vorwärts" resp. des„ Daily Herald" es nicht ermöglichten, die Zeitungen vollständig zu studieren. Infolgedessen trafen wir das Abkommen, nur Zeitungsausschnitte refp. Aufsätze, die uns gegenseitig interessierten, zu schicken. Da der englische Genosse aus der Grafschaft Essex die deutsche Sprache sehr gut beherrscht, schickte ich ihm ab 1. April die wissenschaftliche sozialistische Zeitschrift„ Die Gesellschaft". Es war natürlich, daß wir auch zu gleicher Zeit eine Briefforrespondenz begannen, in der wir unsere Ansichten und Meinungen über die gegenseitig ausgewechselten Aufsätze und Zeitschriften austauschten. Der weitere Erfolg des Briefwechsels war der, daß wir uns zu gegenseitigem Besuch einluden. Und in der Tat hatte ich bald darauf das Vergnügen, den englischen Parteigenossen hier in Berlin begrüßen zu dürfen. Da ich inzwischen gesehen habe, wie wertvoll sich ein solcher Briefwechsel gestalten fonnte, stellte ich mir die Aufgabe, eine solche Art der Verbindung auch auf Frankreich auszudehnen. Zunächst erhielt ich durch Vermittlung des französischen Genossen Paul Faure, auf den ich durch eine persönliche Anfrage beim„ Borwärts" aufmerksam gemacht wurde, die Adresse des Generalsekretärs der französischen sozialistischen Jugend. Mein Bestreben galt der Verbreite rung der Idee des Zeitungs- und Briefaustausches. Nach schriftlicher Aussprache mit dem französischen Genossen erließen wir beide, er im Populaire", ich im Vorwärts", einen entsprechenden Aufruf. Es meldeten sich deutscherseits etwa 40 Teilnehmer, jedoch scheiterte das Unternehmen zunächst daran, daß der„ Populaire" einging und daß in Frankreich verhältnismäßig wenig Deutsch verstanden wird. In allerneueſter Zeit habe ich Verbindung aufgenommen mit holländischen Parteigenossen, um auch hier die volksverbindende Idee des Zeitungs- und Briefaustauschs zu verbreiten und attiv werden zu lassen. " Die Wir halten es letzten Endes für notwendig, auch ein mahnendes Wort auszusprechen. Die in Saarlouis aufgetretenen Befürchtungen haben sich zurzeit als unbegründet erwiesen. Sie werden solange nicht ernst werden, als Frankreich im Geiste Herriots regiert wird Es hat aber auch in der Politik seine Gefahren, den Teufel an die Wand zu malen. Gewiß, das Auge Frankreichs ist seit Generationen unverwandt auf das Saargebiet gerichtet. Immerhin treten auch ab und zu in der französischen Politif Momente auf, wo bestimmte Fragen in eine untergeordnete Linie verdrängt werden. Das trifft zurzeit für das Saargebiet zu, wenn man sich die jede Annexion zurückweisenden Erklärungen des heutigen französischen Ministerpräsidenten vor Augen hält. Man dient unserer Sache nicht, wenn man durch einen blinden Alarm den ganzen Schwarm annexionistischer Geister aufscheucht und unsere Lebensfrage gewaltsam in den Mittelpunkt der Diskussion aller Annerio- Das Endziel dieser Bewegung soll dergestalt sein, daß ein nisten Frankreichs stellt. Wir haben die Pflicht, uns von Beitungs- und Briefaustausch unter allen sozialistisch gesinnten Menpolitischer Nervosität und Kopflosigkeit freizuhalten. schen zunächst und unter allen europäischen Nationen stattfindet. Es Die unbedingt gebotene a chi amteit braucht und müßte eine internationale Organisation geschaffen werden, beispiels darf allerdings darunter nicht leiden. Abgesehen von der Verweise in der Form der„ Réunion Internationale pour l'échange des wirrung und der Beunruhigung, die auf falsche Gerüchte hin lettres et des journeaux socialistes", abgekürzt„ Releis". entstehen, haben sie außer den oben geschilderten auch noch Zentralftelle müßte entsprechend der geographischen Lage sich in Nach den Erklärungen der deutschen Reichsregierung war den Nachteil, daß sie von unseren Gegnern mit Fleiß dazu Deutschland befinden. Ich bitte alle deutschen Parteigenossen, die sich in Berlin von einem Versuch Herriots, wie er in den Erklä- benutzt werden, um unseren berechtigten Kampf in aller Welt für diese Angelegenheit interessieren, ihre Meinung darüber äußern rungen der Saarlouiser Stadtverordneten pom 19. Dezember in Mißkredit zu bringen. Es könnte dem Saargebiet und seiner zu wollen, um dann eventuell zunächst in Berlin eine Konferenz abzum Ausdruck fommt, nichts bekannt. Das ist das zweite und Bevölkerung nichts Schlimmeres passieren, als wenn man zuhalten, die diese Aufgabe in größerem Maßstabe verwirklichen zwar das Hauptmoment der Beruhigung, denn letzten Endes unsere Sorgen und Beschwerden als grundlos und übertrieben fönnte. Anläßlich einer Enquete, in der ich durch einen Aufruf im wäre für ein derartiges Tauschgeschäft nicht Paris, sondern zu verdächtigen in der Lage wäre. Die Besonnenheit ist also bat, hat bereits ein Parteigenosse aus Neukölln auf diese Vorschläge im deutsch- englischen Zeitungsaustausch Berlin maßgebend. In Deutschland dürfte es aber zu feiner ebenso notwendig wie die Wachsamkeit. Zeit eine Regierung geben, ganz gleich, ob sie von der äußersten Rechten oder Linken käme, die zu einem solchen Sajachergeschäft sich bereit finden würde. Gewiß, die Gefahr, größerer" umfassenderer Sorgen wegen mit deutschen Gebietsteilen und ihrer Bevölkerung politische Experimente zu machen, trat ja auch in Deutschland schon einmal drohend auf. Das war gegen Ende des Ruhrkampfes, als namhafte Politiker der Rechtsparteien bereit waren, das Rheinland vor übergehend(!) preiszugeben. Ebenso entschlossen, wie die rheinische Sozialdemokratie dieser ungeheuerlichen Absicht entgegengetreten ist und so im wesentlichen ihre Ausführung verhirdert hat, würde auch die Sozialdemokratie des Saargebietes gegebenenfalls derartigen oder ähnlichen Absichten mit aller Macht entgegentreten. Der nun reichlich sechs Jahre währende Kampf, den wir nicht nur um politische Rechte, um eine wirklich demokratische Berwaltung, um soziale Gesetzgebung, um fulturelle Güter und nicht zuletzt zur Verteidigung unserer stets gefährdeten Gemeindeselbstverwaltung geführt haben, gipfelt doch lezten Endes immer in dem Punkte, wo es in höherem Sinne darum geht, unsere Heimat dem deutschen Mutterlande und unser deutsches Boltstum mit seiner Kultur und allen seinen Einrichtungen zu erhalten. Wir hoffen bestimmt und fühlen uns zu dieser Annahme berechtigt, daß der in dieser langen Zeit von 6 Jahren ununterbrochen geäußerte Wille der Saarbevölkerung bereits so restlos in das Bewußtsein des ganzen deutschen Volkes und seiner jeweiligen Regierungsmänner eingedrungen ist, daß wir vom eigenen Lande und Bolke keine leberraschungen und Enttäuschungen zu fürchten haben werden. Angesichts der für Deutschland stets wachsenden Bedeutung des Saarproblems würde es die Bevölkerung begrüßen, wenn sich ihr schon wiederholt ausgesprochenes Verlangen auf den: möglichst baldigen Eintritt Deutschlandsinden Bölkerbund in nächster Zeit erfüllen würde. Das wäre der höchste Grad von Sicherheit für eine dem Belangen 閱 餐食 員 MASSARYRITTER Internationale Kleinarbeit. Bon Dr. A. Paet Zur Verständigung der Bölfer untereinander sind die verschiedenartigsten Inftitutionen begründet worden. Da wäre in erster Linie der Bölkerbund zu nennen, der zurzeit alle europäischen Nationen umfaßt, mit Ausnahme von Deutschland und Rußland. Außer dem Bölkerbund gibt es in den verschiedenen Staaten Vereinigungen, wie 3. B. die Liga für Menschenrechte und ähnliche. Speziell bei dieser Bereinigung ist ein persönlicher Verkehr der Mtiglieder zwischen den einzelnen Nationen schon eher möglich. Es ist aber wohl angebracht, daß die Völker zueinander nicht auf diplomatischem Wege freundschaftlich im Verkehr stehen, sondern das Hauptgewicht ist darauf zu legen, daß durch direkte persönliche Verbindung mit den Angehörigen der übrigen Staaten eine fegensreiche Tätigkeit auf politischen, wissenschaftlichen und anderen Gebieten entfaltet wird. Bei dieser Gelegenheit sei an eine Möglichkeit erinnert, die hier in Deutschland der Vorwärts" Mitte vorigen Jahres aufge nommen hat. Etwa im Juni 1923 veröffentlichte der Vorwärts" eine Notiz, in der die Parteigenossen und die Leser des„ Borwärts" aufgefordert wurden, ihre Adressen der Redaktion zur Verfügung zu stellen, damit ihnen von englischen Parteigenoffen gratis und franko die sozialistische Wochenschrift The New Leader" zugestellt werden fönnte, um so auf diese Weise die englischen politischen Ber hältnisse besser kennen zu lernen. Eine ganze Anzahl von deutschen Barteigenossen haben sich dazu gemeldet. Ich selber erhielt eine Adresse eines Lehrers aus Cambridge, mit dem ich zugleich eine Korrespondenz beganu, die jedoch allmählich etwas spärlicher wurde. Im Dezember schickte ich ihm meinerseits jeden Sonntag die illustrierte Beilage Bolt und Zeit". Etwa zu derselben Zeit forderte der„ Bor wärts" die Parteigenossen zu einem regelrechten Zeitungsaustausch auf. Auch diesmal meldete ich mich und erhielt jetzt die Adresse eines Oberlehrers aus der Grafschaft Effer. Ich schickte etwa jeden Donners tag die gesammelten Nummern des Vorwärts"( fowohl MorgenNAME UND BERGSCHAFT ZUGLEICH " te " altberühmte Zigarette im neuen großen Format 89 hingewiesen. Wie bereits erwähnt, soll das Resultat dieser Art von Gedankenaustausch nicht nur eine bessere Verständigung zwischen den Bölkern als Maffenelement sein, sondern auch eine mehr persönliche Note erhalten. Zuschriften werden erbeten an meine Adresse: Berlin NW. 21, Stromstraße 58. Aus der Partei. upgrad mitoins furzer Krankheit Genosse Robert Felber im Alter von 65 Jahren. Robert Felber t. In Fürstenwalde a. d. Spree starb nach Genosse Felber, der früher Bureauvorsteher in einer Rechtsanwaltstanzlei und später Rechtsberater war, gehörte zu den Gründern des Sozialdemokratischen Ortsvereins, dessen Vorsitzender er jahrelang war. Im Jahre 1909 wurde er Stadtverordneter, 1919 Stadtrat. Nach den Maiwahlen 1924 schied er aus dem Magistrat aus. Ferner gehörte Felber dem Lebufer Kreistag an. Ein Mann von echtem Schrot und Korn, hier und da vielleicht auch von starrem Eigenwuchs, hat er sich in allen Aemtern vortrefflich bewährt. Sein Andenken bleibt in Ehren. Großer Inventur- Verkauf Preise bedeutend herabgesetzt Stoffe für Anzüge, Ulster usw. statt 10.- 15.- 20.- M. jetzt 8.- 12.-18.-M. Stoffe für Kostüme, Kleider, Mäntel statt 6.- 8.- 12.- M. jetzt 5.- 6.- 8.- M. Koch& Seeland Gertraudienstr. 20-21 tegenüber der MASHARYRITTER NAME UND BERGSCHAFT Massaryritter ZUGLEICH Petrikirche. ST Aufsehenerregende Preisher absetzungen machen unseren diesjährigen InventurAusverkauf zum zum Ereignis. Die Preise liegen zum Teil weit unter den Herstellungskosten und kommen deshalb bei Neubeschaffung der Ware heute kaum noch in Frage. Wir empfehlen daher jedem dringend, von unseren Angeboten weitgehendsten Gebrauch zu machen, denn eine solche Gelegenheit dürfte vorerst nicht wiederkehren. 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Königgrätzer Str. 8 U.: Der Tokaler Komödienhaus 8: Der Floh im Ohr Berliner Theater 7.30 Uhr: Kammer- 6per Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße Tägi.8U.: Rokoko Kom Op.v.Preb.- Nodermann Ein Spiel mit dem Teufel Musik. Burl. v. P. Lordmann Wohl zu ruhen, Herr Nachbar! Kom. Op. v. Poise Karten 5, 4, 3, 2 M. inkl. Garderobe und Progr. Anneliese v. Dessau Residenz- Th. 8. Uhr: SCALA D.größte Lacherfolg Tägl. 8 Uhr: Varieté Revue! mit Winstons TauchSensation! Sonntag 3.50 zu halben Preis. das Gisela Werbezirk in: Rosa Altschul Oper Direktion: James Klein 8 Uhr Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht gesehn mit über 250 Mitwirkenden m.d.Pariser Orig.- Ausstatt. m. span. Grig.- Tanztruppen mit einer Auslese der berühmtest. Bühnenkünstler des In- und Auslandes gilt auf der ganzen Welt als Unvergleichliche Sehenswürdigkeit Sonntag 3%, Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs. 1 Kind frei zu halben Preisen ( 50 Pf. bis 6 Mk.) Vorverkauf ununterbrochen! Theater am Kottbuser Tor. 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Abgesehen von einem Teil seiner Berbrechen und Kerruptionserscheinungen hat sich fein ganzes Leben fo an der Oeffentlichtcit abgefpicit, taß es feiner gelehrten Forschung, nur eines nüchternen und etwas tiefer dringenden Blides bedarf, um sein Wesen zu verstehen. Der joziale Kern dieses Wesens ist der Bersuch, gestützt auf die nationalistischen Leidenschaften, zugleich aber auch auf bas organisierte Berbrechertum und mit wesentlich verbrecherischen Mitteln die Entwidlungs'inie eines Landes herumzudrehen von der Demokratie zur streng tapitalistisch geleiteten Gewal.herrschaft, vom Aufstieg zur Gemeinwirtschaft in die rücksichtslose Profitmacherei des Finanzbapitals. Diese Bestrebungen find international und in ihrer Erscheinungsform nicht allzu weit voneinander versch eten. Ihr zettweiliger Erfolg wie ihre besondere Ausprägung erklärt sich aus der Eigenart der sozialen Entwicklung Italiens. Das italienische Volk zeichnet sich durch zwei Dinge vor anderen aus. Es ist ein hochbegabtes, zur Kunst und Rede besonders befähigtes Volk. Zugleich aber ist es ein besonders armes Bolk. Die vielhundertjährige Fremdherrschaft, Großgrundbesitz und Pfaffenmirtschaft, in neuerer Zeit der Mangel an Kohle und Erzen haben feine wirtschaftliche Entwicklung niedergehalten. In den Industrieländern, zumeist in Frankreich und Nordamerika, früher auch in Deutschland, findet man massenhaft Italiener als nüchterne und tüchtige Arbeiter, namentlich Erdarbeiter. In Südamerika spielen die Italiener als. Erntearbeiter eine große Rolle. In manchen Industrien unterbietet Italien andere Länder im ganzen beherbergt dieses paradicsische Gefide, das Millionen Reisende durch die Bracht feiner Natur und die Herrlichkeit seiner alten Kunst entzückt, ein bitterarmes Bolk, dessen Reisarbeiterinnen im Norden, dessen schwefeltragende Knaben in den Bergwerken Sizilie is in der Geschichte menschlichen Elends sprichwörtlich geworden sind. Während . das oberitalienische Bolf, das jtart germanische Beimischung besitzt, cinte höhere landwirtschaftliche und geistige Kultur bejigt, find im Süden weite Flächen verödet und die Geister von Unwissenheit und Aberglauben beherrscht. Zwei große Berbrederbünde, die Camorra in Südi alien, die Maffia auf Sizilien, üben eine verderbliche Wirkung auf das ganze soziale Leben. In der Arbeiterbewegung stehen neben einer auf ge= nossenschaftliche Betätigung gerichteten, namentlich in Landwirtschaft und Bauwesen erfolgreichen Bewegung mancherlei oft schwankende Richtungen nebeneinander. Biele Jahre lang gab es faft auf jedem Barteitag einen Wechsel der Taftil mit entsprechender Erneuerung des Par civorstandes und der Redaktion des„ Avanti"( Vorwärts). Große politische Erfolge wurden nicht erzielt, zumal als die AbIchnung des Tripolis- benteuers( 1911) die Absplitterung der er oberungsfreundlichen Reformisten brachte. Die Beteiligung am Beltfrieg murde gleichfalls von der Partei abgelehnt, worauf sich . unter anderem auch Mussolini, der früher auf dem linken Flügel gestanden und den Avarti" geleitet hatte, abtrennte und in dem reugegründeten Bapelo d'Italia eifrigfte Kriegsagitation betrieb. Das Kriegsende brachte auch in Jtalie eine starte vaditale Etrömung. Wie anderwärts wurde im Auftrag Moskaus die Bartei gesprengt und eine Abenteuerpolitif betrieben, die in der Be chung einer Reihe Fabriken durch die Arbeiter ihren Höhepunkt erreichte. Den bayerischen Königsmachern Canon Wilke ins Stammbuch. Kinder, legt den Plunder lieber Wieder in die Motfentiste! Zähmt die Monarchiegelüfte, Denn vorüber ist vorüber. an Merfet auf, was ich euch sage: Nächstens wird man Fasching feiern, Und dann friegt ihr braven Bayern Narrenfreiheit für drei Tage! Mottenkiste O. K. und sittliche Ueberlegenheit der neuen Gesellschaftsform deutlich die weite Streise der Erhaltung der alten„ Ordnung" geneigt machen. macht feiner übereillen, unzusammenhängenden Gewal.streiche, Die Reaktion auf den Bolsajewismus. besonderen, in feiner Weise allgemein gültigen Umständen im So brachte die Moskauer Tattit, die nur unter den ganz zariftisch erzogenen", um jeden Breis nach Frieden verlangenden russischen Bolke siegreich gewesen war, auch hier, wie in Ungarn und Bayern, den Sieg der Reaktion zuwege. Nur, daß er hier ganz besondere Formen annahin. In Ungarn und Bayern waren es die alten Gesellschaftsmächte, die fich durchsetzten und, je nach Ueberlieferung und Kulturstand, mit mehr oder weniger rcher Gewalt thre alte Stellung wiederherzustellen mußten. In Italien mar die Monarchie nicht gestürzt, aber machtlos, hatte sich, des Rückhalts der Kirche entbehrend, schon lange durch Liebäugeln mit demokratischen und sozialen Ideen einen Halt zu geben gesucht. Hier nahm die Bourgeoisie unmittelbar die Sache der„ Ordnung" in die Hand und gleich in großzügiger Weise. die Massen, non feinen politischen oder sittliche Grundsätzen ge= Mussolini, ein Mensch von Letkraft und Wirkung auf hemmt, übernahm die Schaffung der kapitalistischen Heeresmacht, für die ihm unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung standen. Hochfinanz. Industrie, Großgr obesiz und Behörden wußten, daß ihre Stellung auf dem Spiele stand. Sie spendeten reiche Beihilfen, die Behörden die Straflosigkeit für alle Gejezwidrigkeiten, an denen es wahrlich nicht fehlte. nationalistischen Kriegsteilnehmer, nach denen( iasci dei com Den Kern des Ordnungsheeres bildeten einmal ein Teil der battimenti Kriegsteilnehmerverbände) die Bewegung fich be nannte, dann aber der gewalttätigs Teil des Berufsner. brechertams, das befannt id in Stalien start vertre en ist. So wurde der Kampf mit der Roheit des Krieges, der Grausamkeit und Geldgier des Gaunertums geführt. Im Anfang gaben wohl gewaltfame Unternehmungen von Wie anderwärts wurde auch hier das Gegenteil des Gewollten Arbeitern gegen Fabriken den Anlaß oder Verwand. Dann wurde bewirkt. Der Kapitalismus ist heute noch lange nicht so sehr inner einfach mit rücksichtsloser Gewalt der Kampf gegen jede, auch die lich überwurden, wie er zur Zeit der großen Französischen Re friedlichste Betä igung der Arbeiterbeweging geführt. 3a, die vo'ution der Feudalismus war. Er ist fein bloßes Rechtssystem, das mittel der wirtschaftlichen Bewegung, Gewerkschaftshäuser und einfach durch Geseh oder Gewalt abgeschafft werden kann, sondern Konsumsvereinsgebäude, wurden neben den Zeitungsdruckereien mit ei te flefverwurze te, weitverzweigte Organisation des Wirtschaftsbesonderem Eifer zerstört. Aus tem Ort oder von außerhalb 34 lebens, die auf jedem Gebiete mindestens ebenso wirksam ersetzt einer„ Straferpcditon" tamen eine Anzahl Lestautos mit fájmer werden muß. Und er hat seinen Höhepunkt nicht, wie jener im bewaffneten Fa'chisten. Häuser wurden verwüstet, geplündert, in 18. Jahrhundert, längst überschritten, sondern, wie die Erfahrung Brand gesteckt. Menschen sch'ug man halbtot oder knallte sie nieder. jeden Tag zeigt, noch gar nicht erreicht. Er ist nicht, wie die MarDert.iche Führer und Abgeordnete oder Gemeindevertreter quis und Abbés der alten Staatsform waren, ein vom Leben wurden ausgewiesen", d. h. durch Drohung mit Mord zum Weg: gehen gezwungen. Die ganze Bercegung war straff zentralisiert und unformiert( Schwarzheinden) und trat mit den Aeußerlichkeiten einer behördlichen Organisation oder eines Besatzungsheeres auf, von den staatlichen und militärischen Behörden wohlwollend geduldet und gefördert. der Gesellschaft abgeschlossener, fränfelnder Gefelle, sonder ein frafiftrogender Draufgänger, der fich fortwährend durch Aufnahme neuen Blutes aus den geschäftstüchtigsten und moralisch unbedenklichsten Clieder der breiten Schicht erneuert. Das will nicht sagen, daß dem Kapitalismus ewiger Bestand beschieden sei; sind doch die Krankhei szeichen und Vorboten seines Endes unverkennbar und reichlich. Zu sei ter Ueberwindung aber bedarf es eines geeinten Proletariats, feiner zersp iflerten Gruppen und Setten, und eines sehr flugen Vorgehens, das überall dem Bolte die wirtschaftliche MARKER Sonntag, 4. Januar 1925 wurde der Marsch nach Rom unternommen, die Regierung mit bewajineter Hand gestürzt und Mussolini Ministerpräsi dent, d. h. schrankenloser Serr. Der armselige König, der sich früher für einen l'einen Sozialisten ausgegeben hatte, ließ alles ruhig geschehen, zufrieden, daß der neue Herr feine Zivilliste nicht ontaltete. Die Heldenzeit der Monarchie ist wirklich allerwärts vorüber. " Nach dem Siege tonnie Mussolini die bisherige Taftif nicht ohne weiteres beibehalten. Ganz fann ein Staatslenfer nicht den Führer verbrechetischer Banden meiterspielen. Die Idee, die auch einige andere Kreise in den Bann des Faschismus gezogen hatic, hieß: Ordnung. Keine Eisenbahnerstreifs, ungestörter Gang der Industrie denn aber auch nicht ständig Strafzüge, Brandstiftungen und Mordiaten! Eine zweite Idee war die natio. nale; Italien als machtvolles Glied des Staatenbundes, womöglich jar, in wahnwißiger Verbendung, als Träger einer neuen weltumfassenden Macht. Das bedeutete Pflege des Militarismus, Säbelraffeln gegen unbequeme Nachbarn, auch Unterdrüdung der nationalen Minderheiten, namentlich der Südtiroler Deutschen. Aber es vertrug sich doch nicht ganz mit der Spiegelberg- und SchufterlePolitik der Erpressung, Plünderung und Ermordung wehrlofer Leute. Sie bisher das Wesen der Partei ausgemacht hatte. Auchfozial fonnte man nicht mehr so ganz offen als der Haustriecht und Totschläger des Unternehmertums auftreten. Kurz: Mussolini wollte wie andere heraufgekommene Spizbuben, anfangen„ aiständig" zu werden. Aber man kann nicht dic Verbrecher organi. fieren und an ihrer Spize die Staatsgewalt erobern, um nachher wie ein anständiger Mensch zu leben. Die Bande" ist stärfer als ter Hauptmann. 3mar hat der Faschismus seine vom Großfapital lehmgelegt, das verstaatlichte Bersicherungsgeschäft wieder don gefanften Dienste wirtschaftlicher Art geleistet: die Gewerkschaften Kapitalisten zurückgegeben und auch sonst nach Möglichkeit tapitslistische tatt staatliche und soziale Bolitik getrieben. Aber auch einfach die. Gewerkschaften beiseite werfen. Er mußte einen Ersatz hier fonnte er nicht allen Gegensägen entgehen. Er konnte nicht schaffen: faschistische Gewerkschaften". An Zulauf, namentlich aus den kommunistisch geschulten" Kreisen, fehlte es auch nicht. Selbst faschistische Gewerkschaften müssen aber manchmal ihren Mitgliedern einen Vorteil bieten. Viele sind ihnen beigetreten, weil fie auf diesein Wege von dem wohlgefinnten Unternehmer sich mehr erhofften, als der mühselige und langsame Klaffenlampf bieten fonnte. So kam es zu kämpfen, in denen mitunter die Behörde für die parteifreundliche Organisation eintreten mußte. Kurz, die, Unternehmer wurde unzufrieden. Mancher merkte auch, daß mit ehrlichen sozialistischen Gegrera eher auszufommen war als mit Schnapphähnen ohne Ideal, von denen jeder sein Geschäft zu machen fucht und unter denen die guten Arbeiter felten sind. Schließlich gibt es auch Unternehmer genug, die eine ehrliche Regierung wünschen und feine Lust haben, an erpresserische Halunken Bea ftechungsgelder zu zahlen. ungsgelder zahlen. Der Gegensatz zwischen einer Horde, die ein Land erobert und brandschakt, und einer Regierung mußte immer deutlicher werden. Die Ermordung Matteottis und die ihr folgende moralische Bolfsempörung ließen die schwäiende Gluten im fachischistischen Gebälk zur Flamme aufschlagen. Der Niedergang. Die bürgerlichen Parteien hatten sich zum größten Teit dem faschistischen Jodh in unwürdiger Beise gebeugt. Eine große Reihe angesehener Führer hat sich sogar dazu hergegeben, bei der legten Wahl, die den Faschisten durch Gewalttat und Betrug die große Mehrheit in der Kammer verschaffte, fich auf die faschistische Liste feßen zu lassen, die dadurch sozusagen ehrlich ge= macht werden sollte, tatsäch ich aber nur jene in ihrer Uehre herasgezogen hat. Selbst der Pay st ließ sich durch die Anhänglichkeit, die der Faschismus der Religion entgegenzubringen behauptet, durch die Wiedereinführung des Kruzifires in Schule und Gerichtstaat födern und siel der Opposition der katholischen Volkspartei in die Arme. Die Kirche hat sich immer mit jedem Machthaber zu stellen gewußt, ohne nach feinen fittlichen Eigenschaften zu fragen. Das Wesen des Faschismus besteht danach darin, daß er als Macht der politischer und sozialen Reaktion, als Ausgehaltener der rückständigsten und unbedenklichsten Kreise des Kapitalisinus, durch Organisation der geistig, und wirtschaftlich Rüdständigen und der sozial Entwurzelten mit den Methoden, und der Mobi isierung des Verbredertums den Kampf gegen Arbeiterbewegung und Sozialismus führt. Zunächst ein Mittel zur Her= ftellung der Ordnung auf einigen Gebieten, dann und immer mehr cine Triebkraft der Unordnung, Bernichtung und Entartung Es liegt iahe, die Aehnlichkeiten mit unserer völlischen Bewegung in ihren Gedantengängen und ihrer Kampfweise wie auch in ihrer seltsamen aus Haß und Liebe gemischten Beziehungen feinesgleichen in die Kammer. Ein Jahr später, im Oftober 1922, zu den Kominunisten, dem sozialistisch angestrichenen Faschismus KEIN Der Sieg des Faschismus. Die Wahlen von 1921 brachten Mussolini mit drei Dußend INVENTUR VERKAUP MARKE SALA ANDER MARK MANDER SALAMANDERSCHUHE BEI BESTER QUALITAT ELEGANT UND PREISWERT SALAMANDER von fints her, zu betrachten. Beide bedienen sich der gleichen Mittel| rohester Gewalt und eines sinnlosen Hegeneinmaleins aus brutalTapitalistischen Gedankengängen mit geheuchelten oder unverstandenen fozialistischen Brocken. Beide sind bezahlte Werkzeuge des habgierigsten Großtapitals, 3erfallserscheinungen sozialer Zersetzung ohne eine Spur organisatorischer Fähigkeiten, die über Bandenbildung hinausgehen. Vor allen. Dingen macht der Zuschauer eine anstrengungsfreie, fehr reiz. belle und immerhin billige Italienreise bei dentbar schönstem Better. jeden Augenblick das Typische. William Karfiol, der Regisseur, hat Gärtner versteht zu photographieren. Bei einer faubeen Arbeit erfaßt er offenbar Geschmack und Blick an Gemälden geschult. Olga Tschecho wa war eine schöne Hedwig Balmore, die ihre Schönheit zum Männerverberb gebraucht. Hans Mierendorff war als Baron Fichtner der Geldmann, der sympathisch bleibt. Charlotte Ander gab eine junge und niedliche Litta Fichtner, während Loo Hardy als ihre Schulfreundin äußerst dankbare Rolle in dem Bildhauer Markus Stauffer. Tante Nelly mitunter zu plump vertraulich wirkte. Bruno Kastner hatte eine ( Martha Hartmann) war die fomische Alte, wie das Publikum sie liebt, das überdies an all den humoristischen Schlaglichtern viel Gefallen Man mag diese Erscheinung, in ihrer wilden Roheit eine Nach geburt des Krieges, in ihrer schamlosen Entartung eine Ausgeburt gesellschaftlichen Zerfalls, ihrer Verbrechen und ihrer Zerrüttung des Bolfslebens beflagen. Sie zeigt, daß dem rücksichtslosen Großfand. tapital nebst seinen feudalen Verbündntei heute teine ehr. liche Boltsbewegung mehr zu Gebote steht. Daß es Narren und Spizbuben organisieren muß, um der Bewegung breitester Maffen zur Sozialreform und zum Sozialismus die Straße zu verlegen. Aber dieses faule Holz vermag die große geschichtliche Befreiungsbewegung nicht aufzuhalten. Das Großkapibal wird aus ciner organisierenden sozialen Macht immer mehr zu einer flar als antifozial erfa unten Macht der bloßen Plünderung und Zerstörung. Der Faschismus ist das legte Wort des. tapita listischen Herrenmenschentums. Filmschau. Die Filme der Woche. 3u Weihnachten und Neujahr tamen in den Uraufführungstheatern recht gute Filme auf den Spielplan. So kann man dem Film„ Die Frau im Feuer"( Richard Oswald- ichtspiele und Alhambra) Interesse entgegenbringen. A ft a Nielsen ist die fleine Fabritarbeiterin, an der der ffrupellose Fabrifherr Gefallen findet. Das Mädchen wird fein Spielzeug, das er brutal wegwirft, als er sich mit einer Dame der Gesellschaft verheiratet. Die oßene aber hängt mit echter Liebe an bem falten Egoisten. Ganz en von der zugefügten Kräntung gerät fie aus Unachtsamkeit un Automobil. Als Krüppel wird fie aus dem Spital entlassen. Jungert, sie wird Straßendirne, fie erlebt an dem babongeiagten fabril herrlichen Stammerdiener eine schwere Enttäuschung und bringt es doch zum vollen Triumph ihrer Rache. Bei cinem vorfäßlich angelegten Brande wird im Gedränge der Fabrikherr von seiner Frau getrennt. Josephine, die Verlassene, stößt die Ohnmächtige unter die Füße der fliehenden Menschen, umhüllt sich mit dem Mantel ber jungen Frau und läßt sich von dem Fabritherrn retten. So hat fie faltfächelnd ihre Rache, ber Fabrikherr jedoch stürzt in das bren nende Gebäude, das über ihm zusammenfällt. Der Regisseur Karl pese wußte, was er Afta Nielsen schuldig war. Der Film wurde nie mals pobles Bathos, er verlor sich nicht im Blendwert der Sensation, fonbern übte den 3wang zum Miterleben aus. Afta, Nielsen ist immer aufrüttelnb: wenn in der Fabritarbeiterin die Liebe erwacht oder der tieffte Schmerz die verwöhnte Frau trifft, Not und Elend sie zermürben, oder wenn sie hohnlächelnd, einer Rachegöttin gleich, zwei Menschenleben bernichtet. A be I war ein ebenbürtiger Partner als Fabrikherr. " Wie der erstgenannte Film seine Anregungen durch einen Roman empfing, so auch Die Bachantin"( U. T. Friedrichstraße). Hier bet hat man sich Ganghofer zunuze gemacht. Man hat ihn vergröbert, seelische Begründungen oft unterschlagen und etliche Unverständlichkeiten aufkommen lassen. Dennoch hielt man ein anständiges Spielfilmniveau. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister Herren Maben Kleidung user Tor Morgen letzter Tag der 3 billigen Tage 3 Sechs Afte voller Gefälligkeiten enthält ,, Die Puppenfönigin"( U. T. Kurfürstendamm). Der Regisseur Gennaro Righelli schrieb Hoteldieb bestiehlt einen Grafen, verheiratet sich unter seinem Namen und ein Manuskript, bei dem er stets an den gewollten Filmweg dachte. Ein verhilft ungewollt bem Bestohlenen zu einer Gattin. Dabei werden befondere Milieus ausgebeutet, so beispielsweise, wenn gräßliche Puppen für unartige Kinder hergestellt werden. Julius Reinwald wartet mit photographischen Bravourstückchen auf. So erfaßt er die Szenen tadellos, in denen er dem Publikum die Ballsaalumgebung zeigt, wie eine fchwindelig gewordene Tänzerin fie erblickt. Harry Liedite ist ganz Charme, nur sollte sie ihre schönen Augen nicht allzu sehr aufreißen. ber liebenswürdige, elegante Kavalier. Maria Jacobini hat viel Erra Bognar glänzt in tadelloser Aufmachung. Margarete Kupfer, Hans Waßmann, Vigo 2arsen und Hugo Döblin tun ihrerseits alles, um die Hoffnung auf angenehme Unterhaltung zu erfüllen. Unter den armen abgehetzten amerikanischen Filmfindern, die ihren Eltern. Millionen verdienen und uns Freude machen müssen, nimmt Baby Peggy eine überragende Stellung ein. Ihr neuer Großfilm ,, Mein einer Kapitän"( Theater am Nollendorfplatz) ist ganz entzückend. Er handelt von der Liebe eines Waisenfindes zu seinem Retter, einem alten Leuchtturmwärter. Die Geschichte spielt mithin in einem Milieu, das voller photographischer Möglichkeiten und der eigenartigsten Stimmungen steckt. Baby Peggy wird zwar größer, bleibt aber bislang noch findlich natürlich. e. b. Das Geheimnis der Liebe." Der Stoff des Norma- Talmadge- Films der Terra„ Das Geheimnis der Liebe", der im Mozart- Saal läuft, ist das, was man gemeinhin einen füßen Kitsch" nennt. Wenn in der Erdie Geschichte ihrer Liebe und Ehe mit allen Verwicklungen, der Flucht innerung der Greifin, die neben dem Krantenlager ihres Gatten wacht, aus dem Elternhause, den Gefahren der Fremde, dem Tode des ersten Stindes, den Eheirrungen und der reuigen Rückkehr des geliebten Ehemannes, Revue passiert und ihre starke Liebe das Geheimnis vollbringt, durch ihren strahlenden Willen den Sterbenben zu retten, so hat man unwillkürlich das Gefühl, daß hier nur noch die sentimentale Spieluhr einer bahingegangenen Zeit fehlt. Und doch ist es nicht ganz unver ständlich, daß sich die Terra statt dieses Instruments das ausgezeichnete Trio Grünfeld- Mayer- Mahr und Wittenberg für die Erstaufführung ver schrieb. Denn die etwas weiche Kunft der Norma Talmadge hat trop des ungewohnt langsamen Tempos dieses amerikanischen Films um so mehr ettvas Rührendes, als bie Krinolinenzeit um 1860 und die Zeit des Cul de Paris um 1880 padend vor uns erscheinen und dem Bewußtsein unferer so völlig veränderten und beschleunigten Gegenwart entgegenwirten. Jch fann mir vorstellen, daß dieser Film besonders auf alte Ghepaare einen ähnlichen Reiz ausübt, wie etwa Jettchen Gebert auf alte Berliner, einen Reiz der Erinnerung, wenn auch nicht der unmittelbaren kunst. f. h. c. Vorträge, Dereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Gebaftianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Kamerabschaft Friedrichshain. Montag, ben 5. Januar, abends 7 Uhr, Vorftandsfikung mit Rugführern in Schmidts Gefell schaftshaus, Fruchtstr. 36a: Alles muß erscheinen. Kameradschaft Kreuzberg. Montag, den 5. Januar, abends 7 Uhr, Restaurant Schneekoppe, Noftizftraße 29, Berfammlung. Kamerabschaft Bankow. Montag, den 5. Januar, abends 8 Uhr, Uebungsabend in der Turnhalle, Wollankstr. 131. Sämtliche Mitglieber miffen erscheinen. Kamerabschaft Weißensee. Montag, ben 5. Januar, abends 7 Uhr, Bollversammlung im Lotal Grüner Baum, Weißenfee, Berliner Ace 204. Die Untergruppen Malchom, Wilhelmsberg, Gäste milllommen. Kamerabfchaft Lichtenberg. Dienstag, ben 6, Januar, abends 7 Uhr. Antreten und wichtige Besprechung in der Heinen Turnhalle der Gemeindeschule udtr. 60. Ramerabfchaft Reutälln- Brig. Mittwoch, ben in Herren-, Jünglings- u. Knaben- Kleidung Sennhaufen müffen auch erscheinen. Republikaner als Galle beralidh Besichtigung meiner Schaufenster erbeten 7. Januar, abends 8 Uhr, 1. und 2. Zug Antreten zum Turnen in der Turnhalle Mahlower Straße. Rameradschaft Lichtenberg. Die Kameraden wer. den darauf aufmerksam gemacht, daß am Freitag, den 9. Januar, abends 7 Uhr, im Lokal Tempel, Friedrichsfelde, Prinzen- Allee, unser diesjähriges Wintervergnügen, verbunden mit Weihnachtsfeier, stattfindet. Eintritt frei. Befuch zu sorgen. Republikaner als Gäste willfommen. Die Kameraden haben für vollzähligen Kameradschaft Zehlendorf, einschl. Untergruppen Dahlem und Wannsee. Mittwoch, den 7. Januar, abends 8 Uhr, bei Schnorre, Zehlendorf- Mitte, Potsdamer Str. 3, Sauptversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Kameraden Gerhard Vogt( DDB.): Das Reichsbanner im neuen Jahr." 2. Aufnahme neuer, Mitglieder. 3. Tätigkeitsbericht. Pflichtteilnahme für sämtliche Mitglieder. Ortsgruppe Mariendorf. Montag, den 5. Januar. Alle Kameraden treffen sich um 7% Uhr bei Niendorf, Jiu- Jitsu- Unterricht beginnt wieder am Montag, den 5. Januar, abenos Chausseestraße, Ede Streligstraße. Kameradschaft Charlottenburg, Der 7% Uhr, im bekannten Lokal. Arbeiter- Abstinenten- Bund, Ortsgruppe Berlin. Funttionärer fammlung am Montag, den 5. Januar, abends 7 Uhr, in der Geschäftsstelle, Engelufer. Jeder Funktionär muß zur Stelle sein. Abrechnung mitbringen! Berliner Quätergruppe. Montag, den 5. Januar, abends 7½ Uhr, int Gesangsaal des Französischen Gymnasiums, Reichstagsufer 6, Bortrag über Fürforge an weiblichen Strafgefangenen". Männercher Liederfreunde Norden". Uebungsstunde Dienstag, 6. Januar, 8 Uhr. rifche: Aus dem Entwicklungsgang der Religionen." Freidenker Bolkshochschule, Berlin. Dienstag, 6 Januar, abends 7½ Uhr. Astanisches Gymnasium, S., Sallesche Str. 26. Beginn des Rurfes Dr. B. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bezirk Wedding 3. Chauffeeffr. 64, Pagenhofer, Neuwahl des Borstandes. Generalversammlung om Mittwoch, den, 7. 3anuar, abends 8 Uhr, Arbeiter Radio Klub, Bezirk Schöneberg. Donnerstag, den 8. Januar 1925, 7 Uhr, Zusammenkunft aller Mitglieder und werttätigen Radiofreunde bei Rosenthal, Schöneberg, Ebersftr. 66. Mitbringen des felbftgebauten Detettorappavates. Der Esperanto- Berband Berlin veranstaltet am 8. 3anuar um 8 hr abends in Blenar- Sigungsfaal des ehemaligen Herrenhauses( Leipziger Str. 4) unter Leitung feines Borsigenden Direktor Jng. Id einen öffent lichen Bortragsabend. Es werden sprechen u. a. die Herren Dr. Aliemfe: über das Problem der Weltverkehrssprache, Tel.- Dir. Behrendt über Esperanto in der Technit, Leg.- Beirat Richter über die Bedeutung der Weltsprache für das Konsulatswesen, Medakteur Fie über Esperanto im Rundfunk, Rechtsanwalt Dr. Ziehed über die leichte Erlernbarkeit des Esperanto. Geschäftliche Mitteilungen. Der Inventurausverlauf des Spezialhauses M. E. Freitag, Moltenmarkt 14, dessen Fabrikate als besonders preiswert und gut altbekannt find, bietet eine außerordentlich gute Einkaufsgelegenheit in allen Sergen- und Damenstoffen, Inferat in der Reifung sei hiermit hingewiesen. da Breisermäßigungen bis 50 Broz. vorgenommen find. 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Januar 1925 Die Standale um die Staatsbank haben die Aufmerksamkeit der Leffentlichkeit auf die großen Finanzkonzerne gelenkt, die in der Deflationszeit entstanden sind. Das Ziel dieser Konzerne. denen der Michael- Konzern und der Barmat- Konzern die bedeutendsten sind war die Ausnutzung der besonderen wirtschaftlichen Situation in Deutschland während der Inflationszeit zur Bildung neuer großer Vermögen. Die Finanz- und Angliederungstrans: aktionen dieser Konzerne gelten der Erzielung eines Zwischengewinnes, ihre Expansion zeitigt ein ungeordnetes Durcheinander ven Unternehmungen der verschiedensten Art, die im Grunde genommen die Gründer nur als Unterlage für ihre finanziellen Transaktionen interessieren. Ob eine Ordnung des bunt zusammengewürfelten Besitzes gelingt, ob im Anschluß an die Transaktionen der Finanzgenies, Gründer und Konzernsammler eine wirkliche Wirtschaftsmacht entsteht, die fest in der Produktion wurzelt und gesunde Finanzverhältnisse besitzt, ist eine zweite Frage, deren Be antwortung davon abhängt, ob die finanziellen Transaktionen, mit denen der Prozeß beginnt, glücken oder nicht. Zunächst handelt es sich bei den Konzernbildungen der Deflationszeit um reine Spefulationskonzerne, von denen eine außenstehende Kritif nicht sagen kannn, ob ihre Basis solide cder äußerst schwankend ist. Die beiden namhaftesten Spekulationskonzerne, der Barmat= Konzern und der Michael Konzern sind in der Stabilifierungsepoche durch ihre große Geldflüssigkeit hervorgetreten. Alle Nachrichten über die Kreditspekulationen dieser Konzerne, die bisher belannt geworden sind, führen zu dem Schluß, daß diese auffallende Geldflüssigkeit nicht zulegt zurückzuführen ist auf die umfangreichen Kredite aus öffentlichen Kassen, die diesen Konzernen zugeflossen sind. Im Falle Barmat scheint es, als ob der Geldbedarf der aus finanziellen Gründen eingegangenen Verpflichtungen unterschätzt worden sei. Die Gesamtsumme der Kredite, die der Barmat- Konzern hereingenommen hat, wird auf 40 bis 45 Millionen Mark geschäzt. Wie groß die eigenen Mittel des Barmat- Konzerns find, mit denen der Erwerb der Aktien der in Frage kommenden Unter nehmungen begonnen wurde, in welchem Berhältnis das Eigen kapital zu der Verschuldung des Konzerns steht, ist nicht zu über: sehen, doch scheint es, als ob der Barmat- Konzern ein außerordent: lich labiles Gebilde darstellt. Ueber den Umfang des Barmat- Ronzerns unterrichtet eine Zufammenstellung, die wir dem Handelsblatt der Frankfurter Zeitung" entnehmen: Lifte der Barmatschen Interessen. F Die dem Barmatschen Amerima Konzern angeschlossenen tzw. nahestehenden Unternehmungen und ihre Zwecke sind nach einer Darstellung aus dem Konzern selbst: 1. Eisenmatthes 2.-G. Richard Gustav Matthes in Magdeburg. Dieser find angegliedert: a) Maschinen und Armaturenfabrik Schneider u. Helmeder Magdeburg, b) Dampftesselfabrik Weinbrenner u. Co., Neunkirchen, c) Landwirtschaftliche Maschinenfabrit H. Zimmermann Nachf. 2.-G., Magdeburg. 2. 3. Roth A.-G. Eisengießerei und Maschinen fabrik in Berlin mit Fabriken und Gießereien in Berleberg: a) 3. Roth 2.-G., Ludwigshafen, mit den Werken Ludwigshafen und Oggersheim, b) Mitsits Söhne Eisenkonstruktionen und Maschinenbau A.-G. Berlin, c) E. F. Hirsch A.-G. Berlin- Reinickendorf, d) Maschinenfabrik und Eisengießerei Karl Rittig, Teplit- Wisterschau( Tschechoslowakei). e) Erste Brürer Eisengießerei, Kessel: schmiede und Maschinenfabrik Sedlacek Brür, f) Donauländische Werke, Eisengießerei und Maschinenfabriken Wöllersdarf bei Wien, g) Eberswalder Dachpappenfabrik A. G., h) Julius Wolf Technische Industrie und Handels- A.- G. Wien, i) Robert Christanus G. m. b. H. Wien( Elektrotechnischer Handel), k) S. Juhasz in Graz( dito), 1) Karl Bastiancic in Laibach( Jugoslawien) Maschinenhandel. 3. Berlin: Burger Eisenmerke A. G. Diese Gesellschaft besitzt noch folgende Werke und Betriebe: a) Burg Stamm werf( mit eigenem Schrottplatz) und Maschinenfabrik S. Aston, b) Heidenau bei Dresden( Fr. L. Georg Bierling u. Co. A.-G.) und Weesp( Holland), c) Ronomit G. m. b. H. Dresden, Isolierrohre, d) Munitionsverlegebetrieb Kelsterbach a. M., e) Rostock Spezialapparate, f) Fabrit Leipzig für Armaturen, früher Ber. Jäger, Rotha u. Siemenswerte A.-G. Ferner Beteiligungen der BerlinBurger Gesellschaft: g) Steyr Automobile, Deutsche Verkaufs A.-A. Berlin( Alleinvertrieb)), h) Eisenhandels A.-G. Duisburg, i) R. Dolberg Feldbahnfabrik A.-G. Beriin, k) Autosafe A.-G. Berlin, 1) Ver. Handels A.-G. Wien( Verkauf der Fabrikate von Burg und Roth). m) Automatindustrie G. m. b. 5. Wien( für Werkzeugmaschinen), n) Momentag" Moment- Bureaubedarfs A.-G. Berlin, o) ,, Dajag" Deutsch- amerikanische Automobilindustrie Berlin( Ford- TaftorenBertrieb), p) Bleicherstraße" Grundstückserwerb 2.-G. Rostod, q) Stahl- und Eisen- A.- G. Königsberg i. Pr.( Handel), r) Bahnund Induſtriebedarfs- A.- G., Zürich, s) Bayerische Eisenhandels- Gesell schaft Ehmer u. Co. Komm.- Ges. München, t) Eisengroßhandlung Hermann Kramer u. Co. Komm.- Ges. Danzig( Eisen- und Holzhandel mit Zweig in Galizien), u) Eisengroßhandlung Gebr. Nöther Komm.- Ges. Bruchsal. Ferner C. C. Förster Textil A.-G. Neusalza- Spremberg, S. Henmann A.-G. Ostriz( Schirm- und Futterstoffe), Kunstseide- Spinnerei München- Bernsdorf A.-G., Papierfabrit A.-G. Chromo", Altenburg, Greifwerke vorm. Peter Kohl A.-G. Mannheim- Medarau Motoren), Schneider u. Co. A.-G. Heidelberg( elektrische Bedarfsartikel), Holzsägewerke von Schriewer u. Engelbrecht, Dülmen ( Westfalen), Terpentin A.-G. Zöblig i. Erzgebirge( Sunftsteinfabrif), Terrafottenfunst 2.-G. Regensburg- München, Nordböhmische Bri fettwerke 2.-G. Schellenfen( gehört der J. Roth A.-G.), Westkohle", Westerwälder Braunkohlen A.-G. Hergenroth( Lignit- Kohle), Küstentransport- und Bergungs A.-G. Hamburg( 10 Schiffe). = " die Werke des Kellner Konzerns: a) Walter Kellner 2.-G. Maschinenfabrik Barmen, b) Ver. Tertilwerke Mann u. Reinhardt A.-G. Barmen, c) Lippische Werke A.-G. Detmold, Metallund Holzwaren," Treuhand" Revisions- und Organisations A.-G. Berlin. ** Im Berliner Tageblatt" schreibt Dr. F. Pinnerin einer Betrachtung über die Bedeutung des Staatsbankifandals: „ Das Hervorstechendste und zugleich Beklagenswerteste bei den jezigen Affären rund um die Seehandlung liegt aber nicht darin, daß finanzielle Glücksritter, Spekulanten und Gründer in der deutschen Wirtschaft ihr Unwesen getrieben haben und treiben fonnten. Solche Züge gehören ganz logisch zum Bilde der Inflationszeit, sie waren auch der Gründerfrise nach dem des alten faiserlichen Deutschland, nicht fremd, und sogar in den deutsch französischen Kriege, also auch den Glanzzeiten wirtschaftlichen Konsolidierungszeiten zwischen diesen beiden großen Gründerperioden fehlte es nicht an ähnlichen Affären. Wir brauchen nur an die Zusammenbrüche der Pommernbank und der Spielhagen- Banten zu erinnern, die um die Jahrhundertwende das ganze deutsche Finanzleben erregten, und an denen dic. Hofbanfiers" der ehemaligen Kaiserin in höchst unliebsamer Weise beteiligt waren. Auch die Tatsache, daß Staatsbeamte den Dienst quittierten und zu besser bezahlenden Privatkonzernen überschwenkten( auch zu solchen, in denen sie in ihrer Beamtenzeit dienstfich zu tun gehabt hatten), ist nichts Neues. Solche„ Käuze" hat es auch früher gegeben. Desgleichen fehlte es auch früher nicht an Parlamentariern, die in die Aufsichtsratskolle= gien privatwirtschaftlicher Unternehmungen eintraten..... Nicht hierin also liegt das gravierendste Moment der jetzigen Affären, sondern es liegt darin, daß sich weitere Kreise der Be= amtenschaft, und zwar der aktiven, daß sich insbesondere die Finanzbureaukratie der Sechandlung und vor der Stabilisierung auch die der Reichsbank, dem Nimbus der Finanzfonzerne nicht zu entziehen verstanden, daß sie, die zur Vorsicht und zur Kritik verpflichtet gewesen wären, fritiflos, wie die große Masse des Publikums, die großen und fleinen Lichter anstaunte und Barmat in Deutschland groß werden konnten, daß fie dabei noch in ihr Feuer rannte. Daß Erscheinungen wie Kutisfer und die Unterstützung durch Staatsgelder fanden, ist die Schuld dieser alten Burcaufratie, die den Staat wirt schaftlich regierte, auch wenn republikanische Minister nach außen hin die Verantwortung trugen, und die nicht selten politisch im Lager der Feinde dieser Republik stand. Die jetzt eingeleiteten im Lager der Feinde dieser Republik stand. Die jetzt eingeleiteten Untersuchungen werden zu erweisen haben, ob diese Schuld nur eine moralische und juristische gewesen ist." Festmerianleihen im Monat Dezember. Als im Oktober des vergangenen Jahres die deutsche 800Millionen anleihe in Europa und Amerito gleichzeitig aufgelegt und in allen Ländern um ein Bielfaches überzeichnet wurde, stiegen in Deutschland die Hoffnungen sehr hoch, daß nun nicht nur das Reich, sondern auch die Länder, die Kommunen und die Privatwirtschaft bedeutende Kredite aus dem Auslande erhalten würden. Jezt, nachdem die Zeit wieder einige Monate vorgerückt ist, sind viele der damals gehegten Hoffnungen zerstört, andere erheblich perkleinert worden. Man hatte übersehen, daß eine Anleihe, die mit ebenso großen Sicherheiten wie die Dames- Emission ausgestattet ist, in Deutschland nicht ein zweites Mal zu begeben war. Auch reizte die hohe, für den Geldnehmer ungünstige Berzinsung der Dames- Anleihe nicht dazu, ähnlich drückende Berpflichtungen noch weiter einzugehen. Unter diesen Umständen bleiben die Länder, die Kommunen und Kommunalverbände wie auch der größte Teil der Privatwirtschaft dorauf angewiesen, ihren Finanzbedarf aus dem inneren deutschen Kapitalmarkt zu befriedigen. M Wie es auf dem Gebiete der langfristigen Kredite in Deutschland bestellt ist, das lehrt am besten die Kursentwicklung der fünfprozentigen Gold Hypotheten Pfandbriefe. Die folgende Zusammenstellung zeigt die Notierungen dieser Papiere an der Berliner Börse im Monat Dezember. Die Kurse lauten auf Goldmark für 1 Gramm Feingold( 1 Gramm Feingold2,79 Goldmart nach der Definition der Reichsmart). Berliner Hypothekenban! Frankfurter Pfandbriefbank Leipziger Hypothekenbank Meininger Hypothekenbank. Norddeutsche Grundkreditbank. Breußische Bodenkreditbank Schlesische Bodenkreditbank Westdeutsche Bodenkreditban! Durchschnittlicher Wert der 8 Kurse 1.12. 11. 12. 22. 12. 31. 12. 1,56 1,55 1,58 1,63 1,59 1,53 1,55 1,62 1,53 1,54 1,56 1,62 1,52 1,55 1,58 1,64 1,51 1,52 1,53 1,61 1,53 1,50 1,54 1,62 1,53 1,51 1,54 1,61 1,52 1,54 1,55 1,61 1,54 1,53 1,55 1,62 Die Kurse hielten sich im Dezember während des ganzen Monats auf dem Niveau, das sie auch im November einnahmen. Nur gegen Ende Dezember zeigt sich eine leichte Steigerung. Der Durdyschnittswert vom Ultimo Dezember mit 1,62 Goldmart für 1 Gromm Feingold bedeutet eine Realverzinsung von 8,6 Proz. für den Käufer der Pfandbriefe. Das ist noch immer eine sehr hohe Berzinsung. Kursentwidlung der fünfprozentigen Gold- Hypotheken- Pfandbriefe Nach Abschluß des Jahres 1924 wird es intereffieren, die Zentner frei Haus Berlin. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Gerstengrütze, lose Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, erl Linsen, kleine. Linsen, mittel 70,00-96,00 18,50-24,50; Kakao, fettarm 18,50-18,75 Kakao, leicht entölt... 100,00-120,00 20,00-21.50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 21,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17,00-19,00 Inlandszucker basis mel. 29,60-31,00 19,25-22,50 Inlandszucker Raffinade 31,50- 35,50 24.50--29,00 Zucker Würfel...... 36,30-38,00 17,25-19.5 Kunsthonig 19,75 26,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,0036,90 37,00 18,00 23,25 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00 30,00 15,00-16,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 22,00-23,00 Marmelade Vierfrucht 40,00 während des ganzen Jahres zu überblicken. Es betrug der Durchschnittsturs: Mitte Dezember 1923 Ende 2,00 Ende Juli 1924 1,25 0 1923 1,711 August 1924. 1,57 " Februar 1924 1,56 AP September 1924 0 1,67 " März 1924. 1,41 Oftober 1924 1,53 " • " April 1924 . 1,04 " " " Mai 1924 Juni 1924 . • 1,09 " P November 1924 Dezember 1924 1,54 1,62 .. 1,11 der Der tiefste Kursstand trat im Monat April ein mit einem Werte von 1,04, entsprechend einer Realverzinsung von 13,4 Proz. Bon do ab hob sich der Kurs wieder, bis er im September den seits dem größten Wert von 1,67 erreichte. Der lettere Kurs bedeutet eine Realverzinsung von 8,4 Proz. Das Ende des Jahres 1924 zeigt auf vielen Gebieten der deutschen Wirtschaft einen hoffnungs vollen Wiederaufstieg. Wenn nicht Schwierigkeiten äußeren oder inneren Bolitik diesen Besserungsprozeß hemmen, so steht zu erwarten, daß auch das Jahr 1925 weiter im Zeichen des Aufstiegs verlaufen wird. Dann wird sich auch der innere deutsche Kapitelmarkt fräftigen und die jetzt für viele Zwecke, besonders für tommunale Anleihen, noch zu hohe Realverzinsung wird sich auf tragbare Sätze ermäßigen. Dr. M. Die Meistbegünstigung nach dem 10. Januar. Die Bestimmungen des Vertrages von Versailles über die meist begunstigte 3ollbehandlung werden mit dem 10. Januar 1925 unwirksam. Deutschland gewinnt daher, sos weit feine Handelsverträge bestehen, von diesem Zeitpunkt ab wieder die Freiheit in der Gewährung der Meistbegünstigung an andere Länder. Mit Rüdsicht hierauf hat die Reichsregierung, unbeschadet der vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zur Anwendung beson derer Vergeltungsmaßnahmen, eine Berordnung erlassen, nach der vom 11. Januar 1925 ab die meistbegünstigte Zollbehandlung nur noch auf die Erzeugnisse solcher Länder anzuwenden ist, in denen die deutschen Erzeugnisse vertraglich oder tatsächlich nach dem Grundsay der Meistbegünstigung behandelt werden. Nach dem augenblicklichen Stande handelt es sich um folgende Länder: Argentinien, Aethiopien, Bolivien, Brasilien, Britische Dos minions und Kolonien( außer Australien, Kanada und Neuseeland), zifanische Republik, Ecuador, Griechenland, Guatemala, Honduras, Bulgarien, Chile, China, Columbien, Costa Rica, Dänemark, Domis Indien, Irland, Jugoslawien, Kuba, Lettland. Liberia, Litauen, Meriko, Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Desterreich, Panaina, Paraguay, Persien, Peru, Rumänien, Rußland( nebst Ufraine, Beißrußland, Georgien, Aserbeidschan, Armenien, ferner Often), Salvador. Schweden, Schweiz. Siam, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Ungarn, Uruguay, Venezuela, Vereinigte Staaten von Amerika. Im Hinblick auf die Handelsvertragsverhandlungen ist mit dem Hinzutreten weiterer Länder zu rechnen. Die Entwicklung der preußischen Staatsfinanzen. Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht die nach stehende Uebersicht, die über die Einnahmen und Ausgaben des Brenzischen Staates auf Grund der Ein- und Auszahlungen der Generalitaatsfasse unterrichtet. Die Tabelle bringt neben der Ge staltung der Finanzen im Dezember auch die llebersicht über die bisherigen Geiamteingänge und Ausgaben des Etatjahres 1924. Außerdem berichtet sie über die Höhe der schwebenden Staatsicht I d. Die Geldbewegung bei der Generalstaatstaffe im Jahre 1924. v. 1. 12. 24 D. 1.4.24 bis 31. 12 24 I. Ginzahlungen: a) Reichssteuerüberweisungen( Etaatsanteil) b) Grundvermögenssteuer c) Hauszinssteuer( Staatsanteil) d) sonstige Staatseinnahmen. II. Auszahlungen: Staatsausgaben III. in Millionen Mark 71 541,2 20,5 157,2 36 40.6 190,2 283,1 Summe 168,1 172.2 1 171,7 Mithin mehr weniger 4,1 1 147,9 23,8 IV. Stand der schwebenden Schulden am 31. 12. 24: Schazanweisungen 0,1 Min. M. 1,5 Darlehn. · PP Berschiebung der Kölner Frühjahrsmesse. Der Aufsichtsrat der Kölner Messe hat beschlossen, den Beginn der Frühjahrsmesse zus verschieben, um einen größeren zeitlichen Abstand von der Leipziger Meise, die Anfang März stattfindet, zu gewinnen. Ferner hat man in Anpassung on vielfach lautgewordene Wünsche aus Kreisen der technischen Industrien die Dauer der Technischen Messe auf 10 Tage verlängert, um weitesten Kreisen den Besuch und eingehende Be fichtigung der Messe zu ermöglichen. Die Termine sind mehr: 211gemeine Meffe 22. bis 27. März. Technische Meije 22. bis 31. März. Der Anmeldeschluß ist auf den 15. Januar festgesetzt. Wiederaufnahme der deutsch belgischen Handelsvertragsgischen Handelsvertragsverhandlungen wieder aufgenommen. verhandlungen. Am Montag werden in Berlin die deutsch- belDie Teuerung in der Schweiz. Im Laufe des Jahres 1924 hat die Wirtschaft in der Schweiz eine Belebung erfahren. Die Arbeitslosigkeit hat sich in der Schweiz gegenüber den Borjahren sehr bea trächtlich vermindert. Auch hat sich der Wert ihrer Valuta sehr wesentlich gehoben und erreichte die Borkriegsporität. Die Steige rung der Baluta hat zwar die Ausfuhr der Schweiz erschwert, ca gegen mußte sie für das eingeführte Getreide und die Rohstoffe weniger zahlen. Als Gegengewicht zur verbesserten Wirtschaftslage fteht aber die Teuerung, welche die Lebenshaltungskosten weit über den Weltmarktstand gehoben hat. Bereits im Sommer wurde eine Anfrage im Nctionalrat eingebracht, was angesichts des Umstandes, daß die Lebenshaltungskosten in der Echweiz 4 Proz. höher sind als in England, 5 Broz. höher als in den Bereinigten Staaten, 8 Proz. höher als in Frankreich, 14 Proz. höher als in Italien, 15 Broz. höher als in Deutschland, der Bundesrat zu tun 3,10-3,60 3,70- 4,20 gedenke. Während des Sommers haben sich die Weltmarktpreise 44,00-56.50 Siedesalz in Säcken 4.40- 5,00 auf der ganzen Linie erhöht und sich den schweizerischen Preisen an19,00-22,00 43,25-55,0 Bratenschmalz in Tierces 92,50-94,60 5,205,80 genähert. Seit dem Herbst erfolgte aber eine weitere Ver 47,00-73,50 Bratenschmalz in Kübeln 93,5-94,50 teuerung der Inlandspreise für die Verbrauchsgüter und somit steht 23,50-26.75 Purelard in Tierces 90,75 die Frage nach der Bekämpfung der Teuerung wieder auf der 15,50-17,75 Purelard in Kisten 90,00-92,00 Tagesordning. Steht doch der Inder für die Konsumgüter, welche 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,53- 32,00 Speisetalg in Kübeln in den unmittelboren Verbrauch hineingehen, um 81% Proz. 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. 66,00 höher als vor dem Krieg. Der Snder für die Produktionsmittel 86.00- 95.00 desgl. If 60,00-63,00 steht etwas nichriger, was im übrigen ein Zeichen für die Ueber48,00 50, 0 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 74.00- 85,00 desgl. It. 69,00-71,00 windung der Wirtschaftskrise bedeutet. Auch steht der Wohnungs 65,00 68,00 Molkereibutter la i. Fäss. 208,00-214,00 inder sehr hoch, er betrug im Rovember 178. Somit foftet in der 18,00 25,50 Steinsalz, in Säcken 31,60-42,00 Preußische hypothefen Aftienbank Berlin Ilgem. Handelsbank A. G. Altenburg, Deutsche Langbohnen. handveries. 28.00- 33,00 Pflaumenmus in Eimern 45,00-55,00 Mercur Bant A.-G. Berlin, Bremer Privatbank A.-G. Bremen, Berlin und Oldenburg, mit drei Unterbanken a) Nieder. fächsische Kreditbank A.-G. Elze mit Niederlassungen in Bernau i. 5. und Lauenstein i. S., b) Braferbant A.-G. Brafe in Oldenburg mit Niederlassungen in Berne 1. O. und Elsfleth i. O., c) Märkische Industrie- und Landbank A.-G. Bernau i. M., Bank Richard Gannemann Co. A.-G. Magdeburg, Hoffmann u. Friedländer A.-G. Banfgeschäft Berlin( gehört der J. Rotk 1.-G., foll liquidiert bzw. auf die Bremer Brivatbant übergeführt werden), Allgem. Garantiebant 2 G. Berlin. 11. Logal bewährt bei: = Tabletten hervorragend Gicht, Rheuma, Ischias, Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 126% Lith., 0,46% Chinin, 74,3% Acid. acet. salic, ad 100 Amylum. Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Mehlnudeln Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik, Getr. Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint 65,00-66,00 Rosinen in Kisten, Candia 60,00-73.50 Molkereioutter i. Pack. 220,00-223,00 Schweiz die Wohnung 78 Proz. mehr als vor dem Krieg. Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 75,00 95,00 Molkereibutter Ila i. Fäss. 170,00-19,00 58,00-74,00| Molkereibutter i. Pack. 205,00-210, 0 Auslandbutter in Fässern 218,00-222,0 203,00-210,00 Corned beef 12 6 lbs p. K. 39,00100,00-120,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-115,00 53,50 60,00 Quadratkäse. 40,00-50,00 110,00-120,00 Tilsiter Käse, vo!! fett.. 120,00-130,00 155,00-173,00| Echter Emmenthaler... 165,00-175.00 215,00-235,00 Echter Edamer 40%. 120,00-125,00 20% 88,00-90,00 270,00-310,00 Aust. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika250,00-310,00 Röstkaffee Brasil. Restgetreide, lose 20.00 22,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,25 SCHLEIF- PULVER ..HORTAXIN" für alle Industriezweige in ieder Körnung. Wirkung übertrifit italienischen Bimstein. Lieferung aus eigenen Mah! werken. Lager Berlin Röstkaffee Zentralam... 330,00-400,00 milch 48/16........ 20,00-22,50 HORTAXIN- WERKE, BERLIN NO. 55 Gewerkschaftsbewegung ( Gemertschaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Der Ruhelohn der städtischen Arbeitnehmer. Als Edpfeiler des sozialen Arbeitsvertrages für die städtischen Arbeitnehmer müssen die Bestimmungen über die Gewährung von Ruhelohn und Hinterbliebenenperforgung an die ohne Pensionsberechtigung im Dienfte der Stadt stehenden Bersonen bezeichnet werden. zuziehen und es bei ben bisherigen Bestimmungen zu Iaffen. Der Magistrat ift diesem Antrage nicht beigetreten, sondern verfolgt die Schaffung einer Ruhegelbtaffe mit Beitragspflicht der Arbeitnehmer weiter. Es ist kaum anzunehmen, daß die Mehrheit der Berliner Stadtverordneten Dersammlung ihre Zustimmung dazu geben wird, Bestimmungen abzuändern zuungunsten der Arbeiter, die mehr als 25 Jahre be. standen haben und deren Beseitigung ein schreiendes Unrecht wäre. Die Theatersperre der Musiker. In dem Tarifftreit zwischen dem Deutschen Bühnenverein und dem Deutschen Musiterverband in Berlin ist eine Ber fchärfung eingetreten. Zu ben gesperrten Theatern, und Bu ben gesperrten Theatern, und zwar Berliner und Metropol Theater, Renes Ope rettenhaus und den Theatern am Rollendorfplaß und in der Kommandantenstraße ist als fedyftes das Große Schauspielhaus in ber Rarlstraße hinzugekommen. In diesem Theater find die Mitglieder des Deutschen Mufiterverbandes auf die Straße gelegt, und dafür Mitglieder des Berbandes Berliner Mufifer eingestellt worden. Dieser gegnerische Berband hat sein Geschäftshaus, das die Musiterjale enthält, in der Kaiser- Wilhelm- Straße. Infolge des Lofalmangels wurden die Musikerfäle von den Berliner Arbeiterorganisationen als Bersamm. lungslotal bisher start in Anspruch genommen. Diese Sonderorgani fation stellt auch in allen anderen gesperrten Theatern ihre Mit glieder als Streit und Sperrebrecher zur Verfügung. Da die Leiter der genannten Theater nicht zu bewegen find, ben fehen sich die tämpfenden Mufiter gezwungen, durch die Preffe die Berliner Arbeiterfchaft auf ihren Kampf in diesen Theatern aufmertfam zu machen. Einem Antrage der fozialdemokratischen Stadtverordnetenfraftion entsprechend, beschäftigte fich die Berliner Stadtverordnetenverfamm, lung am 18. September 1897 erstmalig mit der Frage der Gewährung von Ruhelohn an arbeitsunfähige städtische Arbeiter. Die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung lehnte diefen Antrag am 30. September 1897 in namentlicher Abstimmung ab. Die fozialdemokratische Frattion ließ es bei dieser Ablehnung nicht bewenden. Die Angelegenheit wurde erneut zur Beratung geftellt. Frantfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Breslau, München und andere Gemeinden hatten inzwischen Ruhelohneinrichtungen für ihre Arbeiter geschaffen. Am 9. März 1899 beschloß die Stadtverordnefenperfammlung, den Magistrat um eine Vorlage wegen Errichtung einer Pensionskaffe für die städtischen Arbeiter zu ersuchen. Die fangwierigen Berhandlungen führten dann am 9. Mai 1901 zu dem Gemeindebeschluß über die Bewilligung von Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung für die ohne Benfionsberechtigerechten Ansprüchen des Deutschen Mufiterverbandes zu entsprechen, gung im Dienste der Stadt beschäftigten Berfonen ohne Beitragsleistung der Arbeiter. Borauslegung für die Gewährung bes Ruhepeldes bzw. der Hinterbliebenenperesorgung ist eine zehn jährige ununterbrochene Lätigteit in städtischen Betrieben und der Eintritt dauernder Erwerbsunfähigkeit. Diese Bestimmungen haben verschiedene Aenderungen erfahren. Nach der Revolution wurde den Arbeitern und Angestellten ein Rechtsanspruch auf Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung gewährt. Wie schon oben bemerkt, ist bei Erlaß der Bestimmungen ausdrücklich von einer Beitragspflicht der Arbeiter bzw. Angestellten abgesehen worden. Maßgebend für diesen Beschluß war: 1. die Rücksicht auf die Pensionsbestimmungen der Beamten, deren Bensionsansprüche befanntlich ohne Beitragsleistung ge= : fichert sind, 2. bie Auffassung, daß die Gewährung von Ruhegeld usw. ohne Beitragsleistung ein billiger Ausgleich sei gegenüber den * telatio niedrigeren Löhnen der städtischen Arbeiter. Die Berechtigung, in den Genuß von Ruhelohn zu tommen, ist also begründet durch die langjährige niedrige Be zahlung der im städtischen Dienst geleisteten Arbeit. Es wäre ein großes Unrecht, wenn jetzt den alten, langjährigen Arbeitern der Stadt Berlin, ohne Rücksicht auf die zurückliegende Zeit, die Leistung von Beiträgen zugemutef würde. Dies um so mehr, als den Beamten in vollem Umfange ihre früheren Rechte bezüglich der Pensionierung gewahrt bleiben. Eine moralisch vertrethore Notwendigkeit, die Arbeiter in diefer Beziehung anders zu behandeln als die Beamten, besteht nicht. Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter muß im Gegenjak zu den Beamten immer noch als eine durchaus traurige bezeichnet werden. Während bei den Beamten durch die Gehaltsregelung der lekten Monate annähernd bie Friedenseinfommensgrenze erreicht ist, beträgt zurzeit das Mocheneinfommen des städtischen Arbeiters nur etwa 85 Broz. des Borfriegswocheneintommens; wobei zu berücksichtigen ist, daß nach den Feststellungen des statistischen Amtes der Stadt Berlin die Kosten der Lebenshaltung sich gegenüber der Borkriegszeit um etwa 50 Proz. erhöht haben. des Die Gesichtspunkte, die bei Erlaß der Ruhelohnbestimmungen maßgebend für tie Beitragsbefreiung waren, liegen auch jetzt noch, fogar in verstärktem Umfange vor. Das Nettoeinfommen städtischen Arbeiters ist durch den Abzug erhöhter Beiträge für die Sozialversicherung, für Arbeitslosenfürsorge, für Steuern unverhält. nismäßig gegen früher geschmälert. Ein perheirateter städtischer Arbeiter, ungelernt, mit einem Kind, im Befihe des Höchstlohnes, bileht zurzeit ein Bruttoeinfommen von 30,32 Mart. Der Friedenshöchstlohn betrug für die große Mehrzahl der Kämmereiarbeiter 33,50 M. pro Woche. Die damaligen Abzüge vom Lohn betrugen etwa 1,20-1,30 r. oder 4 Proz. pro Woche; heute etwa 3,60-4,00 mt. oder 12 Broz pro Woche. Das Nefto= einkommen beträgt etwa 27,00 Mart gegen 32,30 m. 1914. Der möchentliche Beitrag für die Ruhegehaltskaffe würde nach den Borschlägen des Magistrats 2½ Broz. des Bruttoeinkommens, also 75 Pf. pro Woche, betragen und das an und für sich schon unzulängliche Einkommen noch erheblich verringern. Wenn der Berliner Magistrat vor mehr als Jahresfrist den Bertretern der Arbeiterschaft den Antrag unterbreitete, Beiträge für Rubelahn zu zahlen, so mar da mals der Grund für dieses Verlangen die fchlechte finanzielle Lage, in der sich die Stadt befand. Dieser Grund dürfte durch die Stabilisierung und ihre Folgen für die Stadt durchaus beseitigt sein. Unter den 87 großen Gemeinden bzw. Stadtverwaltungen Deutschlands, die ihren Arbeitern Ruhegelb bewilligen, und zwar ohne hierfür Beiträge zu erheben, befinden sich folgende Drte: Ham. burg, Altona, Münden, Danzig, Hannover, Köln, Fürth, Halle, Stettin, Lübed, Frankfurt a. M., Königsberg, Magdeburg, Bres lau, Rostoc, Liegnig. Solingen, Guben u. a. m. Mitte September 1924 haben die Vertreter ber städtischen Arbeiter an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, die Borlage zurüd Eine grobe Fälschung". In Nr. 614 des„ Borwärts" brachten wir einen Artikel:„ Das barbarische Zweischichtsystem" Darin war ein Rundschreiben zitiert, das wir der Germania" entnommen hatten. Der angebliche Absender diefes Rundschreibens, der Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in Düsseldorf, teilte der Germania" mit, daß das Rundschreiben gefälscht ist. Das Schreiben lag so sehr in der Richtung der Anstrengungen dieser Unternehmerorganisation, daß es als Fälschung nicht zu er. fennen war. Als Fälschung aber ist es ebenso finnlos als übers flüffig, da es an dem Verhalten der Nordwestlichen Gruppe in der Frage des Zweischichtsystems nichts ändert. Im Interesse der Ar. beiterfchaft ist diese Fälschung in feiner Weise begangen worden. Der kommunistische Land- und Waldarbeiterverband. Ein Schreden für die KPD. Bom Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Verbandes wird uns geschrieben: Die Kommunistische Bartei beginnt einzusehen, daß fie einen sehr unflugen Schritt tat, als sie dem Deutschen Landarbeiter- Ber band eine Konkurrenzorganisation in dem Land- und Waldarbeiter. Verband entgegenseizte. Das Kind ist sehr unartig und bereitet ber Baitei mehr Schaden wie Nugen. Das wird bestätigt durch einen Artifel, der in der fommunistischen Zeitung, Echo des Ostens", in der Nummer vom 12. Dezember abgedruckt ist. Es heißt hier: „ Auf dem Lande ist die Sprache des 7. Dezember überaus cindeutig. Dort, wo der Land- und Waldarbeiter- Berband be stand, wo also die Kommunisten meist ihm beitraten und den DLB. sozusagen rechts liegen" ließen, ist unser Stimmen. rüdgang außerordentlich groß. Im Landkreis Gumbinnen ist der Land- und Waldarbeiter- Berband am beften: fa ft 50 Broz Berlust der KPD. Aehnlich im Rreife Rieberung. Daß die RBD. im Kreise Babiau trotz des Land, und Balbarbeiter Berbanbes 3226 und die SPD. 3068 Stimmen hatte, ist daraus zu erflären, baß die Moorbruch bauern unsere Liste wählten. Wo der DLB. stärker ist, fam es darauf an, ob ihm viele attive Rommunisten angehörten. Bo wir feinen Wert auf die Arbeit im DLB. legten, wie z. B. in den Kreisen Billfallen, Stuhm, heiligenbeil und Landfreis Königsberg, dort ließen sich die Landarbeiter von der SPD. födern, vergaßen sogar den Berrat der SPD. im Land arbeiterstreif, und wir haben einen starten Rüdgang un ferer Stimmen zu verzeichnen. Wo wir Kommunisten aber im DLB. einigermaßen arbeiteten und Einfluß hatten, wie in den Kreisen Ragnit, Raftenburg und Osterode, bekennen fich die meisten Landarbeiter zur Fahne der Revolution, zur KPD. Die Gewerffchaftslinie der KPD. hat sich damit erneut als richtig er. wiesen." Berhandlungen mußten mit den Firmen einzeln geführt werden, reil ein vertragsfähiger Arbeitgeberverband dort seit Monaten nicht mehr besteht. Der Schlichtungsausschuß jezte weiterhin durch einen Schiebsspruch den Spigenlohn für das Transportgemerbe in Belbert auf 37,70 M. fest. Berbindlicher Schiedsspruch im sächsischen Bergbau. Der zweite Schiedsspruch im fächsischen Steinkohlenbergbau vom 27. Dezember 1924 ist durch den Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Da dieser Schiedsspruch die Löhne bis auf weiteres feftfett, haben die Arbeitnehmerverbände von der ersten Möglichkeit zur Kündigung am 31. Dezember Gebrauch gemacht, so daß die Löhne ab 1. Januar 1925 einer neuen Feststellung bedürfen. Rigaretteninbustrie. Am Dienstag, den 6. Januar, nahm. 5% Uhr, bei Schulz, Berlin, Elifabeth ftr. 30, Gigung fämtlicher unttionäre der Rigaretteninbufttle. Kartellvorstand und Beivat um 4 Uhr. Der Rartellvorstand. Rentralverband ber Chuhmacher! Morgen, Montag, abends 7 Uhr. Besirtsverfammlungen in ben bekannten Zotalen. Dienstag, den 6. Januar, abends 6½ Uhr, Branchenversammlung der Schäftemacher im Gaal 2 bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25. Graphisches Gewerbe. Am Montag, den 5. Januar, ab nahm. Uhr, Ausgabe von Bezbematerial bei Senning, Alegandrinen. ftraße 44. Die SPD.- Funktionäre werden gebeten, dafür zu forgen, baß für jeden Betrieb Abholung erfolgt. Der graphische Werbeausschuh. 3. A.: Otto Fiebler. Achtung, SPD.- Gemeinbe- und Staatsarbeiter! Am Dienstag, den 6. Januar, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus( Gaal 1), Berfammlung aller SPD.- Genoffen. Stellungnahme au ben bevorstehenden Funktionärwahlen. Erscheinen aller unbedingt notwendig. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Berbanb ber Buchbinder und Papierverarbeiter. In unseren Mitgliederfreifen wird ein von vier Rollegen unterzeichnetes Iugblatt verbreitet, in welchem aum Besuch einer Bersammlung am 5. Januar aufgefordert machen darauf aufmerksam, baß diefe, Beranstaltung eine rein pripate ift; mirb. Es foll der Bersuch einer Einigung" unternommen werben. Wir bie Organisation hat bamit nichts au tun. Machen fich Die Ortsverwaltung. Einigungsverhandlungen notwendig, wird die Berwaltung bie not Iwendigen Schritte unternehmen. Richtständige Magistratsangestellte. Montag, den 5. Januar 1925, abends 7% Uhr, in Saverlands Festfälen, Neue Friedrichstr. 35, MitgliederversammYung der im 8entralverband der Angestellten organisierten und als nightständige Angestellte beim Magiftrat Berlin beschäftigten Angestellten. Wirtschaftspolitisches Referat von Rurt Seinig. Tarifangelegenheiten. Neuwahl der Geftionsleitung. Erscheinen aller Mitglieder ift Bilicht! " Arbeitersport. Lieste ausgetreten. Am Dienstag hatte Turnverein Fichte" die dritte LieskeVersammlung, die aber ebenfalls wieder negativ ausging. Der Antrag der fommunistischen Minorität, Lieste auszuschließen, um dcdurch wieder Mitglied des Bundes zu werden, wurde abge= lehnt. Die fommunistische Mehrheit veranlaßte Lieske zum freiwilligen" Austritt und beschloß sodann, daß auf diefer Grundlage neue Verhandlungen mit dem Bund eingeleitet werber. In der Diskussion famen nur Rommunisten zu Wort, da die andere Seite es anscheinend für zmedlos hielt, sich nochmals an der Debatte zu beteiligen. Trogdem wurde es sehr stürmisch, da dos energische Borgehen des Bundes gegen Fichte überraschend fam und daher ziemliche Verwirrung angerichtet hat. Die Minorität den ganzen Verein in Gefahr gebracht habe. Diesen Standpunkt flagte Lieste an, daß er durch sein übertrieben scharfes Borgehen vertraten besonders technische Funktionäre, die selbst bei kommunistischer Einstellung doch einsehen müssen, daß nicht mit revolutio nären Phrasen, sondern nur durch praktische Arbeit, wie fle der Bund gewährleistet, Erfolge erzielt menden tönnen. Aber auch bie tommunistische Minorität ftand auf dem Standpunft, daß die„ Oppofition"( lies: Agitation für die RS3.) im Bunde weiter. getrieben werben follte. Diesen legteren Standpuntt vertrat auch Der wieder einmal erschienene Union- Beyer, der für Ausschluß Biestes plädierte, bamit man beffer im Bunbearbeiten" fönne. Lieste war über dieses treulose Berhalten seiner Freunde fchr empört und ließ sich im Schlußwort zu fo fcharfen Worten hinreißen, daß der lebhafte Widerspruch ihn am Weiterreden hinderte. Am schlimmsten ging er gegen die Turnwarte vor, deren Absegung er forderte und die er in ähnlicher Weise behandelte, wie vordem den Bundesvorstand. Die Angestellten sollen auf die Straße gesetzt menben, damit sie wieder einmal den Arbeitsnachweis fennenlernen fichtlich eine neue Bersammlung stattfinden, um sich weiter mit der ( was Lieste auch nichts schaden würde). Demnächst wird vorausFrage zu beschäftigen. überall dort, wo sich der kommunistische Land- und Walbarbeiter Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Mit diesen Zeilen wird also flar und deutlich eingestanden, daß nistische Bartei in die Erscheinung getreten ist. Man läßt durchVerband aufgetan hat, ein riesiger Stimmenverlust für die Kommu orbeitern fiege. Wir sind anderer Meinung. Benn die Landarbeibliden, daß das an der mangelhaften Verbindung mit den Landter helliehend geworden sind und sich überall da von der Kommu Baldarbeiter Berband vertreten war oder ist, liegt das weniger an nistischen Partei abwandten, wo der fommunistische Land- und der mangelhaften Berbindung dieser Organisation mit den Land arbeitern als vielmehr an der Tatsache, daß die Landarbeiter durch das Birken der Organisation die tommunistische Demagogie am eigenen Leibe zu spüren befamen. Sie mußten erleben, daß sich thre Berhältnisse um nichts besserten, dafür aber gewaltig ver Haarpflege- oder Haarwuchsmittel.hlechterten Das beste Beispiel hierfür ist Ostpreußen. Hier trat ber fommunistische Band- und Waldarbeiter Verband während des Streits im Frühjahr sehr aktiv auf, versprach den Landarbeitern den Himmel auf Erden, befämpfte die Streiftattif des Deutschen andarbeiter- Berbandes wo es nur irgend ging und erreichte damit, daß die Landarbeiter die Bewegung verloren und heute rechtloser daftehen wie vordem. Solche Ereignisse tönnen ihre Wirkung auf ein Landarbeitergemüt nicht verfehlen und haben sie auch nicht ver. fehlt, wie uns der. 7. Dezember lehrte. Die Lanbarbeiter haben tratischen Bartet gegeben und sich damit die Aufforde rung des Deutschen Landarbeiter- Berbandes zu eigen gemacht, weil fie davon überzeugt sind, daß die Arbeiterpolitif beider Organisa tionen trotz der ihnen zuteil werbenden gehässigen Bekämpfung immer noch bie beste und aussichtsreichste ist. Das wird man auf fommunistischer Seite begreifen lernen müssen, auch wenn es noch so schmer fällt. Unzweifelhaft wird ein gutes Haarpflegemittel das beste Haar wuchsmittel sein. Ich fann mir nicht denken, daß ein Mittel, welches die Haare verschmiert, den Haarwuchs förbert. Und wiederum fönnen Shampooniermittel, welche die Haare zwar reinigen, aber bridig, ftun pf und filzig machen, ebenfalls feinen guten Einfluß auf den Hoarwuchs ausüben.( Chlor und Soba reinigen ja auch die Wäsche vorzüglich, und doch geht fie babei zugrunbe! Weshalb foll affo Soda bei Haaren anders wirfen!) Daß das Einfachste und Natürlichste immer das Beste ist, fann man auch hier erkennen: Mirin ihrer großen Mehrzahl ihre Stimme der Sozialbemo. fiel neulich das geradezu föftliche, volle, lodere und feibenglänzende Haar mehrerer Schwestern auf. Deren Mutter, meine liebens, würdige Reisegefährtin, sagte mir, daß sie allwöchentlich das Haar ihrer Töchter felbft babe. Sie laufe für jede ihrer Töchter in einer Drogerie für 30 Bf. Lavaren- Salg, löse dies in einem Biertellite: worinem Wasser, reibe mit dieser Lösung das Haar und vor allen Dingen die Kopfhaut tüchtig ein und fpüle bas haar bann fo lange mit Harem Baffer nach, bis es flar bleibt! Dann wird das Haar mit Tüchern abgetrodnet und muß hängend ganz trodnen, bis es ausgefämmt wird. Dieses Austämmen mmmt bann nur einige Augenblide in Anspruch, ba bas haar gar nicht perfilzt oder verhebbert. 3h meine, dieses einfache Mittel tönnte jebe Frau probieren! Aber auch Herren dürfte es nichts schaben, denn die Glazen nehmen heutzutage geradezu überhand. Henny R. Schiedsspruch für die bergische Metallindustrie. Der staatliche Schlichtungsausschuß für das bergische Land fällte einen Schiedsspruch, der die Lohn- und Arbeitsbedingungen für weitere 30 Firmen der Metallindustrie in Mettmann und Wülfrath durch Tarifvertrag neu regelt. Der Spizenlohn eines 24jäh rigen Facharbeiters ist auf 54 bis 60 Pf. festgesetzt. Die Norden 9296. Bezirksverband Berlin SPD. 21. Abteilung. Unfer langjähriger Genosse und Abteilungsleiter Gottfried Fuchs Weddingstr. 5, ist verstorben. Die Einäscherung erfolgt am Montag, ben 5. Janitar, nachm. 4/2 Uhr im Krematorium Gerichtstr. Chre seinem Andenken! Die Parteimitglieder treffen fich ab 4 Uhr bei Reol, Utrechterstraße 21. 181/1 Der Vorst nd. Sozialdem. Wahlverein Fürstenwalde a.d.Spree Am 1. Januar verstarb unser Genoffe 186/20 Robert Felber Ehre seinem Anbenten! Die Einäicherung finbet Dienstag, ben 6 Januar, nachm. 2, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg ſtatt. Säle frei! Siermit die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau Minna Lohse am 1. Januar 1925 plöglich verstorben ist. Die Einäferung findet am Mittwoch, den 7. Januar, abends 8 Uhr, im Krematorium Gericht ftage ftatt 84/17 Für die herzliche Teilnahme an läglich der Bestattung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, fagen wir allen Berwandten, Bekannten und Freunden sowie dem Gefang berein, dem Gastwirtsverband und den Mietern des Hauses Sedan straße 60 unseren tiefgefühlten Dani H. Zettlitz und Kinder. 460b Spezialbehandl. far für Ischias 10 Häft., Gesäß and Bein, wenn ärztl. festgestellt, In 15 Tagen sind Rach langem, fchmerem Leiden ver fchieb Dienstag, 30. Dea, früh 314 Uhr, meine innigftgeliebte Frau, unsere gute Mutter, Groß- und Schwiegermutter schware Fälle beseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge. Berta Bandekow geb. Groß. Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. Dies zeigen tiefbetrübt an Otto Bendekow nebst Kindern und Bakelkind, Berlin, Türfenftr. 25 Die Einäscherung findet am Mon tag, 5. Januar 1925, nachmittags 5 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Aranzspenden verbeten! 84/18 Ausgang validenstraße 106. 9-11. 1-4. 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Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Ein Zusammenstoß. Bon Henri Barbusse. Ich saß auf einer Bank der vornehmen Promenade; vor mir dehnte sich eine Wiese, die grünem Satin glich. In der Morgensonne schossen aus Schläuchen riesige Federn von blendendem Weiß; der Rasen war wie frisch lackiert. Ein hinumlisches Wetter! Das farbenschillernde und doch diskret abgetönte Hin- und Herfluten der mondänen Spaziergänger glich einem talentvollen, mit so viel Geschmack in der Farbengebung aus. geführtem Bilde, daß ich nach Verlauf einer halben Stunde meinen Roman verfehrt hielt. Ich ließ ihn auf meine mageren Knie sinken und genoß in sybaritischem Richtstun den Anblick. Da gewahrte ich vom Ende der Allee her ein sich näherndes Paar. Der Mann und die Frau waren sehr schöne und vor allem fchr vornehme Erscheinungen. Es ging von ihnen ein nicht zu über. bietendes Etwas von Distinktion aus, das armen Teufeln gleich mir troß allem Sichdagegenwehren stets imponiert. Die Dame trug ein Schneiderkleid aus Raschmir, das mit Gerant fostbarer alter Spizen besetzt war. Eine persische Miniatur und eine Kokette von 1860 verschmolzen, verklärten sich in dieser Frau. Weiße Gamaschen schmiegten sich knapp und zart um einen zierlichen furzen Fuß. Wie eine Guaschmalerei war die auf ihrer spizz zulaufenden Hutform von einem blizenden Stein gehaltene Reiherfeder aufgesetzt. Aus dem Gewoge diefer fashionabeln Spaziergänger hob sie sich heraus, als wenn sie einsam mitten im Paradiese gewesen wäre. Der Mann verkörperte eine unübertreffliche Anpassung an die Ichte, mir fremde Mode, die ich trotzdem erkannte. O, ich war mir meiner zerknitterten Manschetten nur zu bewußt -gestern hatte ich mich beim Anziehen versehentlich darauf gesetzt meiner mit Beulen behafteten Schuhe, deren schabhafte Spigen fich hartnädig nach oben wölbten und meiner durch den Sonntagsrod nur noch vermehrten Befangenheit... Und trotzdem wagten meine Blide das rosige, zarte Gesicht zu streifen, das mit dem Buderhauch auf den Wangen in der ovalen Umrahmung des mattgolden schimmernden Haares- einem Bastell glich. Wie der Herr und die Dame an mir vorüber waren, folgte ich ihnen gesentten Blickes, fast unfreiwillig.... Das Selbstherrliche und der zur Schau getragene Reichtum dieser beiden wedle in mir den armseligen Wunsch, sie zu beobachten. In Wirklichkeit waren es drei: Ich unterließ zu sagen, daß bie Hand der jungen Dame von einer dünnen, hell glitzernden Kette Kreuzertaufe. 2m 7. januar d. 3. läuft in Wilhelmshafen der erfte Kreuzer der deutschen Republit vom Stapel. Stresemann und so faufe ich dich im Namen des Reichs Stresemann", auf daß du schwimmst, schaufelst und manövrierst!" Die Dame lachte laut auf. Sie amüsierte sich über die Begeg " Brav, Double Blanc!" vorwärts gezogen wurde, an der ein kleines Hündchen zerrte. Der nung mit diesem trübfeligen Hungerleider. Der kleine und läffte. weiße Liebling, der seinen Schweif gleich einem Sonnenschirm trug, und die wie aus Papier geschnittenen Dehrchen spizte, verschwand bermaßen unter dem fraufen Fell, daß man faum den fleinen, mit einer Betal brace forglich eingehüllten Körper wahrnahm. Meine Spazierganger blieben plößlich stehen. Da bemerkte ich auch den Gegenstand der Ueberraschung. Und betenne, daß er auf mich gleichfalls einen unschönen Eindrud machte. Ein mißgestalteter Zigeuner, mit gelbem Teint, pechschwar zen Haaren er sah wie ein erotischer Herenmeister aus hatte am Rande der Affee Boſto gefaßt und spielte Affordion. Vor ihm ftand ein vierediger Kasten, darauf hockte ein als Tänzerin ver. fleidetes Aeffchen 1 Ich kann nicht sagen, wie sehr diese düstere, zerlumpte, aus der Kloake irgendeiner Hölle aufgetauchte Gruppe die schöne Allee gleich einem Schandfleck verunzierte. Der Mann fah gemein, tüdisch, abstoßend aus. Der Affe trug fiber feinem schmutzigen Fell ein abscheuliches Röckchen aus rosa Leinwand, welches ein Hosenträgerteil, der an einem weißen Knöpfchen haftete, über der mageren Schulter festhielt. Seine Aufgabe bestand im Aufrechfgehen und nach rechts und links Balancieren. aber er brach immer wieder schnell zusammen, tauerte erschöpft nieder, legte die grauen und ins rötliche fpielenden Pfoten auf den Kistenrand, und auf seinem Guttaperdha geficht wechselten beständig die Grimassen.. Dann versezte sein Herr der Rifte einen leichten Fußtritt, das Tier zitterte, fuhr zusammen, sprang wieder auf, und für einige Augenblicke schnellte sein Schwanz den Rod empor, wie die Degen der Tenöre ihre Brunfmäntel heben. Die Meinen haben mich geschickt. Eine Episode aus den Pariser Junitagen von 1848. Bon Iwan Turgenjew. ( Schluß.) Der Diener fam zurüd; mit stummer Angst ließ er einen Mann eintreten, einen Mann, der wirklich eine Bluse anhatte, eine völlig abgetragene und beschmußte Bluse. Die Hosen wie die Schuhe des Mannes waren geflict, um seinen Hals hatte er ein rotes Tuch ges bunden. Unter den verwirrten Haaren fleine, durch das Alter entzündete trübe Augen, eine lange höckerige Nase. Die Baden waren eingefallen. Falten tief wie Narben über das ganze Gesicht, ein breiter verzogener Mund, unrafierter Bart, rote, schmußige Hände, und diese besondere gekrümmte Haltung der Wirbelsäule, worin fich das Joch einer langen übermäßigen Arbeit ausdrückt Es war fein Zweifel, vor uns stand einer jener zahlreichen, hungrigen und ungebildeten Arbeitsmänner aus den unteren Schichten der Gesellschaft. „ Wer ist der Bürger Herwegh?" fragte er mit rauher Stimme. Ich bin Herwegh," antwortete der deutsche Dichter nicht ohne Berblüffung. „ Sie erwarten Ihren Sohn, der mit der Bonne aus Berlin tommen foll?" „ Ja, wirklich. Wieso wissen Sie das? Er sollte vor vier Tagen abreisen Aber ich dachte. Ihr Knabe ist gestern gekommen; da aber der Bahnhof von St. Denis in den Händen der Unseren ist( bei diesen Worten sprang der Diener vor Angst empor) und man ihn nicht hierher schiden tonnte, hat man ihn zu einer von unseren Frauen gebracht. Hier auf dem Papier steht ihre Wohnung; und die Meinen haben mir gesagt, ich sollte zu Ihnen gehen, damit Sie nicht in Sorge sind. Und die Bonne ist mit ihm. Die Wohnung ist gesund, man wird ihnen beiden zu essen geben. Es besteht keine Gefahr. Wenn alles vorbei ist, können Sie den Jungen abholen, hier ist das Papier. Adieu, Bürger." Jetzt fonstatierte meine ziemlich gute Beobachtungsgabe folgen des:( Ich pflege die Mienen der Mitfahrenden in den Straßen bahnen genau zu prüfen, habe auch Gelegenheit, mich zu schulen, wenn ich im Sommer aushilfsweise beim Auskunftsdienst tätig Ein.) Der Dame machte die Wut des fleinen Hundes Spaß und fie fand unbemußt ein Interesse daran, sie noch anzustacheln. Er mag nichts Häßliches leiden, sehen Sie, Frant. Bravo! Double Blanc, du hast teine Angst vor dem boshaften Affen." Double Blanc tam näher, zerrte an seiner weißen Kette, die, wie Gilber flingend, fich gleich einer Harfenfaite spannte.. Der Affe gab jetzt Zeichen der Unruhe, sprang auf die Erde nach der andern Seite, als wollte er einen 3igarrenstummel auf lesen Ein Räuspern seines Herrn trieb ihn wieder auf die Kiste. Aber dort frümmte er sich zusammen und bedeckte mit der rechten Pfote sein vieldeutiges Gesicht. Nach meiner Meinung ließ es die Besitzerin von Double Blanc gern zu, daß diese sich unmerklich dem fleinen Tänzer näherte; das Drausgängertum des präziösen Lieblings erfüllte sie mit einem gewissen Stolz. „ Er begreift", sagte sie. Ein wiederholtes perlendes Lachen; sie schnalzte mit der Zunge. Da sprang der fleine Köter plötzlich elastisch und unwiderftehlich los; fein Mäulchen faßte den Saum des rofalinnen Röd chens und schüttelte ihn wütend. Der Affe rollte drohend die Augen, ließ einen Ton wie eine in tie Falle gegangene Maus hören und zog mit beiden Pfoten den Rod dicht an den Körper. Diese Geste, die eine Bewegung der Scham nachäffte, löfte Gelächter aus. Aber aus dem Gebiß des Aber aus dem Gebiß des Bellage des Vorwärts Bierhänders drang ein so frampfhaftes und wildes Knirschen, daß ein fleines Kind einen Kiesel schleuderte, der neben die Kiste i dva leeren Sammelteller fiel. Und ich? Ich geftehe: Beim Anblick dieses Treibens empfand ich so etwas wie Scham, unterdrüdte aber jegliche Aeußerung, weil ich allzu schüchtern und viel zu fimpel gekleidet oder vielmehr zu feig war, zu arm war, um in der Deffentlichkeit laut zu denken. Knacks! Die morsche Leinwand gab nach und zerriß Aber im selben Augenblick zuckte das dürre Aermchen des Affen nieder und die zusammengetrallte Pfote traf das weiße Schnäuzt feines Beinigers. Sofort ließ diefer ab und flüchtete mit grellen Jammerlauten verlegten Auges zu den Füßen seiner Gebieterin. Der junge Mann aber sprang hinzu, hob seinen Spazierftpdein scharfer Hieb durchschnitt die Luft- und traf den Affen in die Flante. Noch einmal drehte der sich auf seiner Rifte, wo er einen Augenblid vorher gearbeitet hatte, dann fant er platt, mit schmachen Budumgen, zu Boden, während sein rosa Kleid, das noch am Hosen träger hielt, sich zerfetzt längs feiner Weichen anschmiegte. 3u gleicher Zeit sah ich, wie die fleine schwärzliche Masse am Boden zuckte, der Zigeuner er stand mit offenem Munde da sein dichtes Kraushaar durchwühlend, heulte und durch die angewachsene Menge ein Polizist wie das verkörperte Schicksal sich direkt auf ihn zu den Weg bahnte Der junge Herr fuchte ftumm, durch die Energie feines Ein. greifens selbst ein wenig außer Fassung, die Blicke der Dame. Ich aber, ich trennte die noch unschlüssig dastehenden Gruppen und stürzte mich auf ihn. Ich? War ich denn das? Ja wirklich... Auge in Auge stellte ich mich vor ihm hin und verabfolgte ihm aus allen Kräften eine schallende. Ohrfeige. Er schwankte, mit einem Fuß in der Luft. Ein zweiter Schlag warf ihn gegen einen Baum. Und da ich von ihm nichts weiter vor mir hatte als feinen zu Boden gefallenen Hut, schleuderte ich die elegante Kopfbedeckung mitten auf die Chauffee. Dann entfernte ich mich ruhigen Schrittes. Ich fühlte mich würdig des rings um mich entstandenen tiefen Schweigens: ich, der armseligen Rod mit allen Flecken darauf vergeffen hatte. ich momentan Schwäche, Befangenheit und sogar meinen lächerlichen, ( Berechtigte Uebertragung von Joh. Kunde.) Der rasende Reporter. Der Zug in die Ferne hat den literarischen Zeitgefchmad er faßt. Die Berfasser der meisten Bücher, Filme und Zeitschriftenbeiträge, die den Markt überschwemmen, haben weite Reisen untersind nach Südamerika im Zwischendeck und nach dem Kautajus im nommen, haben Indien erforscht und die Menschenfresser ausgefragt, Flugzeug gereist, um Fesselndes, Fremdartiges, Fernerlebtes herbei. zuschaffen. Die Lejer, müde der nüchternen Enge unseres Daseins, fuchen das Unerhörte, das Wunder, das Abenteuer. Egon Ermin Kisch zeigt mit seinem neuen Buch( Der rasende Reporter"), daß das Alleraufregendite. das Alierspannendfie, das Allerphantastischste nicht in fernen Erdteilen, sondern hier in unserer eigenen Umgebung, gleich um die Ecke der nächsten Nachbargaffe zu finden ist. Kisch entdeckt die Romantik der Lotalrubrif, nicht dichtend, sondern berichtend. Diese fünfzig Stüd find feine Novellen, sondern Ausschnitte aus dem Tagesbericht einer Idealzeitung, wie es leider feine gibt. Er ist bei den Obdachlosen in Whitechapel und in ber Generalversammlung der Ruhrindustriellen in Effen, er forscht den Spuren des Prager Golem nach und ist bei der Erschießung Breitmiesers ebenso anwesend wie beim Putsch des Stahlhelms in Küstrin. Dieser Berichterstatter begnügt sich nicht, ein Spiegel der Dinge zu sein, er ist vielmehr eine Lampe, in deren Beleuchtung die Dinge erst werden, was sie sind. So sehr er sich bemüht, das Gesehene mur sachlich, oft übertrieben sachlich, wiederzugeben, es gelingt ihm nicht, denn das Leben ist keine Gudfastenbühne für olympische Welt. weise, sondern der schmuzigblutige Kampfplatz der Klassen und Einzelschicksale. So wirkt der Bericht Kischs von den Heizern des Ozeandampfers oder sein Bericht von den Hapfenpflüdern bei Saaz anflagend, ohne Bathos, voll dramatischer Sparnung, begleitet von einem meist melancholischen Wiz. Dieser Reporter ist gar nicht so rasend. wie er fia) auf dem Titelblatte gebärdet. Aber eben das, was das Buch Kischs zu einem entwegt Gutgesinnten versperren: sein Mut zur nüchternen und des Ereignis macht, das wird ihm den Weg zu den ewig Tauben, zu den halb aufregenden Wahrheit. B. F. kommen sind, um mich, einen Ihnen ganz unbekannten Mann, über größer. Die provisorische Regierung hat uns betrogen, sie hat uns meinen Sohn zu beruhigen?" Der Alte hob seinen herabgeſuntenen Kopf. Ja, die Meinen haben mich geschickt." Nur dafür?" Ja." Herwegh erhob die Hände. ,, Aber behüte Gott, ich weiß faum, was ich sagen soll. Ich wundere mich, wie Sie hierhergekommen sind. Wahrscheinlich hat man Sie doch an jedem Kreuzpunkt angehalten?" Ja." ,, Man hat Sie gefragt, wohin. Sie gehen, warum?" Ja. Man hat mir auf die Hände geschaut, ob da keine Spuren Don Bulver find. Ich traf einen Offizier der drohte, mich zu erschießen." Herwegh blieb stumm vor Staunen; auch der Diener machte große Augen:" C'est trot fort," flüsterten seine bleichen Lippen unwillkürlich. " Adieu, Bürger," sagte der Alte laut und machte Anstalten zu gehen. Warten Sie, warten Sie, geftátten Sie mir Ihnen zu danken.." Er begann in seinen Taschen zu suchen. nchmen." Der Alte winkte ab mit seiner breiten, steifen Hand. Bemühen Sie sich nicht. Bürger, ich werde fein Geld an „ Dann erlauben Sie mir wenigstens, Ihnen etwas anzubieten, ein Frühstück, nur ein Glas Wein, etwas ,, Das werde ich nicht ausschlagen," sagte der Alte nach furzen Echweigen.„ Es ist schon der zweite Tag, daß ich sozusagen nichts gegessen habe." • " Herwegh schickte sofort den Diener nach einem Frühstück und ba. seinen Gast, sich zu setzen. Dieser sant schwer auf den Stuhl, legte die flache Hand auf das Knie und ließ den Kopf hängen. Herwegh begann, ihn auszufragen. Doch der Alte antwortete ungern und mürrisch. Man sah, daß er sehr müde war; er zeigte übrigens weder Erregung noch Angst, er hatte sich mit allem abgefunden. Er fühlte feine Neigung zu einem Gespräch mit dem Bourgeois". Beim Frühstück wurde er etwas lebhafter. Zuerst Der Alte ging zur Türe... Warten Sie, warten Sie," schrie Herwegh auf, gehen Sie aß und trant er gierig, dann aber fing er an zu sprechen. nicht weg. „ Wir haben so redete er im Februar der provisorischen Der Alte blieb stehen, drehte sich aber nicht um. Regierung zugefagt, daß wir drei Monate warten werden, jetzt sind Ist es möglich." fuhr Herwegh fort, daß Sie nur zu mir ge dieje drei Monate um, und die Rot ist so groß wie früher, ja noch piel versprochen und nichts gehalten. Nichts hat man für die Arbeiter getan. Alles Geld haben wir aufgegessen, es gibt keine Arbeit, die Geschäfte stoden. Da hast du die Republik! Da haben wir uns gesagt, man wird sowieso zugrunde gehen." „ Aber erlauben Sie," bemerkte Herwegh, welchen Rußen fönnen Sie von einem so unbesonnenen Aufstand erwarten?" " Sowieso wird man zugrunde gehen," wiederholte der Alte.Er wischte sorgjam die Lippen ab, legte die Serviette zusammen, dankte und erhob sich. " Gehen Sie fort?" rief Hermegh. Ja, ich muß zu den Meinen. Was fann ich hier tun?" „ Auf dem Rückweg wird man Sie sicher verhaften und viel leicht auch erschießen." „ Vielleicht und was dann? So lange ich lebe, muß ich das Brot für meine Familie verdienen, und wie fann ich das jett? Wenn man mich tötet, dann werden die Meinen meine vermaisten Kinder nicht ohne Hilfe lassen. Adieu, Bürger!" ,, Sagen Sie mir menigstens Ihren Namen. Ich möchte doch wissen, wie der Mann heißt, der so viel für mich getan hat." „ Sie brauchen meinen Namen nicht zu wissen. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich, was ich getan habe, nicht für Sie getan, sondern weil die Meinen mich schickten. Adieu." So ging der Alte fort, der Diener begleitete ihn. Am gleichen Tag wurde der Aufstand unterdrückt. Sobald der Verkehr frei war, fand Herwegh nach den zurüdgelassenen Angaben die Frau, die sein Söhnchen in Obhut genommen hatte. Ihr Mann und ihr Sohn waren gefangen, ein anderer Sohn war auf den Barrikaden gefallen. Ein Neffe war erschossen worder. Auch sie wollte fein Geld annehmen, zeigte aber auf zwei im Zimmer her. umspringende Mädchen, Töchter ihres getöteten Sohnes, und sagte: Wenn ich einmal von Ihnen etwas für die beiden erbitte, dann soll Ihr Knabe sich ihrer erinnern." " Das Schicksal des Alten, der zu Herwegh gekommen war, blieb unbekannt. Man muß staunen über seine Tat, über diese unbewußte, fast erhabene Einfalt, mit der er sie vollbracht hat. Sicher war es ihm gar nicht in den Sinn gekommen, daß er etwas Ungewöhnliches getan, daß er sich aufgeopfert hatte. Man muß sich auch über die Menschen wundern, die ihn geschickt haben, die in der Hize eines verzweifelten Kampfes an den Seelenzustand eines ihnen fremden Bourgeois" dachten und sorgten, ihn zu beruhigen.» Der Dichter im Kind. " seine dichterische Besonderheit und Einzigartigkeit auf die Eine| aber sicher weiß man, daß er lebendig ist und fünftlich gezüchtet wer drücke und Gefühle dieser ersten Tage zurückführen. Zahllose Fäden den fann. So wird es mit der Zeit gelingen, den ganzen Vorgang Selten hat ein Dichter auf der Höhe seines Lebens und Schaf spinnen sich von den Augenerlebnissen" des Kindes zu den Dichtun- der eigentümlichen Holzverfärbung aufzuklären. Höchst sonderbar fens die erften Eindrüde seiner Kindheit so start in sich zu empfingen des reifen Mannes. Ein Ausflug, den der Zweijährige machte, war nun die Feststellung des tschechischen Botanikers Brat, daß in den und zu bewahren gewußt wie Carl Spitteler, der eben bildet den Keim zu seinem schönen Idyll ,, Gustav". Manche der den papierartigen Hüllen der Wespennester, die ja auch einen silberverschiedene, ruhmgekrönte Dichter der Schweiz, der noch ein Freund Ertramundana" sind aus Kinderträumen entstanden; den bemimpel grauen Ton haben, ebenfalls ein lebendiger Pilz vorhanden ist, der Gottfried Kellers und Friedrich Nietzsches gewesen ist. Geheimnis ten Tannenbaum, der beim Richtfest auf dem väterlichen Hause in Reinfultur auf Filtrierpapier, Watte oder Fichtenspänen, die mit volle Beziehungen bestehen zwischen Genie und Kind. Jedes Kind prangte, hat er später auf die Jubelhaile des Zeus im„ Olympischen etwas Fleischegirakilösung befeuchtet werden, gezogen werden kann. ift gewissermaßen ein Genie und jedes Genie gewissermaßen ein Frühling" gepflanzt, und so ist sein ganzes Schaffen von diesen Nach dem Eintrocknen solcher Kulturen zeigte sich denn auch die Kind," so fagt Schopenhauer, und die Variation Niegsches lautet: findlichen Erlebnissen wie von leuchtenden Goldadern durchzogen. graue Farbe und der Silberglanz auf dem Papier oder der Watte, Im rechten Mann ist ein Rind versteckt: das will spielen." Diese ganz wie bei dem grauen Holz und den Wespennestern. Es war also Wechselwirkung hat Bundt zur Feststellung veranlaßt, daß das findflar, daß auch die Farbe der Wespennester durch den in ihnen ents liche Spiel als die Vorstufe genialen Schaffens anzusehen sei. In haltenen Bilz erzeugt wurde. Möbius fonnte alles bestätigen, was der Tat ist der Seelenzustand des schaffenden Künstlers dem des Prát über die Wespennester erforscht hatte, und es interessierte ihn Kindes innig verwandt; in beiden ist eine ständige Bereitschaft, Einnun natürlich, einen Zusammenhang zwischen seinem grauen Holz drücke von außen her in ein unberührtes und darum zum Erleben und den Wespennestern zu finden. Prát hatte schon darauf hinge und Gestalten besonders befähigtes Innere aufzunehmen. Das Kind wiesen, daß die Wespen für ihren Nestbau offenbar gerade das alte ift nicht nur ein scharfer Kritiker; in ihm wirken selbst dichterische Holz verwenden, und daß sie auf diese Weise den Pilz mitfchleppen. Kräfte und eine erhöhte Reizbarkeit gegenüber den Erscheinungen In feiner neuesten, ganz vor kurzem erschienenen Arbeit konnte der Außenwelt Daher sind die Kindheitserinnerungen aller großen Möbius auch diese Ansicht des tschechischen Forschers bestätigen, und Geister so unendlich wichtig für das Gesamtbild der Bersönlichkeit die Wespen ihre Nester auch aus anderem Material bauen können, es dürfte nun die Aufgabe der Infektenforscher sein, zu erfunden, ob und des Lebenswertes. Es gibt feinen Dichter. der sich nicht auf den geheimen Strom besonnen hätte, der ihm aus dem Kinderland Wespen gerade das graue Holz bevorzugen, ist natürlich ganz un wenn ihnen kein graucs Holz zur Verfügung steht. Warum die entgegenrauschte und ihn auf der Bahn dichterischen Schaffens vorantrieb. Doch erfährt man in den meisten Büchern dieser Art nur bekannt; vielleicht hängt das damit zusammen, daß der Pilz, wenig trodene biographische Notizen, sachlich erzählte Einzelerlebnisse und stens wenn man ihn in Zuckerlösungen fultiviert, fehr viel Schleim harmlose Anekdoten, während nur zwischen den Zeilen zu lesen steht, absondert. Möglicherweise geschieht das auch unter natürlichen Bewas für die Entwicklung des Geistes so unendlich wichtig ist. dingungen, und dann hätten die Wespen wieder einmal gezeigt, welch raffinierte Techniker doch die Insekten sind. Denn es unterliegt gar feinem Zweifel, daß durch den Schleim der Papierbau ungeheuer an Widerstandsfähigkeit und Elastizität gewinnt. Verblaßte Redensarten. Wir gebrauchen in unserer Sprache gar manche Redewendungen, deren Bedeutung uns heute nicht mehr geläufig ist, ja deren Sinn wir gar nicht mehr zu erklären wissen. Einige dieser Rebensarten führt Karl Hildebrand in Reclams Universum" an. So sagen wir z. B. einen Kreis schlagen. Aber wir ziehen den Kreis mit dem Zirkel auf dem Papier; wir schlagen" cuch keinen Weg ein. Diese Redensart ist auf altgermanische Verhältnisse zurückzuführen, in denen bei der feierlichen Gerichtsfizung ein Pferd im Streife he: umgeführt wurde, das wirklich mit seinen Hinterhufen einen Kreis um den Richter schlug, während diesen Ring, und der Richter hatte„ nach den Umständen" zu richten, es mit den Vorderbeinen feststand. Die Zeugen umstanden da diese allein berufen waren, das Urteil zu fällen. Folge leisten läßt sich aus der alten Wurzel des Wortes„ leisten" er= flären, die mittelhochdeutsch Leisa" ist, d. h. eine Spur, die beim Gehen zurückbleibt. Wer also Folge leistet, hält sich in der Spur eines Gebotes, und mer Arbeit leistet, verfolgt die Richtung, die ihm Carl Spitteler iſt einer von denen, die ganz in die Tiefe feine Pflichttreue vorschreibt. Wenn eine Urkunde vollzogen wird, so läßt sich dies nur aus jener fernen Vergangenheit erklären, da der Herrscher noch nicht selbst die Unterschrift leistete, sondern nur durch einen fräftigen Strich einen bestimmten Buchstaben, an dem der Schreiber etwas freigelassen hatte, voll zog". Eine Strafe wid verhängt, indem man sie gleichsam losiäßt, so wie der Reiter den Zügel hängen läßt, um dem Pferd freien Lauf zu lassen. Wenn etwas berüdend ist, so ist das nur verständlich aus der Benuzung der Ruckleine beim Lerchen- oder Schnepfenfang. Die Schlingen wurden gerudt und zogen sich dadurch zusammen, so daß die Beute gefangen wurde. Die Vögel wurden also überlistet, getäuscht, berückt, und so ist denn die Bedeutung von„ berücken" entstanden: durch Schönheit gefangennehmen. Beim anheim= stellen wird etwas in das heim gestellt". Das Wort bezeichnet offo eine Bereicherung, ein freundliches Entgegenkommen und ist das Gegenstück zu der Redensart, den Stuhl vor die Tür setzen", d. h. jemand hinausweisen. Bei den Rang ablaufen handelt es sich nicht um das geläufige Wort Rang, fondern um Rank Umneg, Krümmung. Beeinträchtigen hat mit Eintracht nichts zu tun, sondern hängt mit Eintrag, Einschlag Querfäden des Ge= webes zusammen Wie den Weber diese Querfäden behindern, so tommt einem etwas in die Quere, was einen„ beeinträchtigt". gegangen find, und er hat mit vollen Händen aus dem Born der Kindheit geschöpft. Es sind visionär erschaute und ins Gedächtnis zurückgerufene Augenblide frühester Tace, und man erfährt darin, mie entscheidend das spätere Schaffen des Dichters von diesen ersten Eindrücken beeinflußt worden ist. Ihm war der Traum des Kindes der Urquell der Dichtung.„ Tausend feine Dinge und Borkommnisse des wachen Lebens, die den abgeftumpften Erwachsenen gänzlich falt laffen, die er nicht einmal fieht und, menn er fie fieht, nicht bemerkt, rühren das Kind, weil es noch frisch fühlt und weil ihm die Erdendinge non find, bis in die Seele und erzeugen TraumSpiegelungen im Schlaf. Ich kann aus meiner Erfahrung berichten, daß mir ein Eisengitter um ein Haus, ein flüchtiger Blid in ein Kellergeschoß in der darauffolgenden Nacht ernste, tiefsinnige Träume veruriaden, daß auf größere Neuigkeiten, z. B. auf den erstmaligen Anb strömenden Wassers, ein wahrer Traumsturm folgte. Und te golben schon die Landschaftsbilder in den Träumen des Erwachsenen leuchten mögen, die Landschaften, die der Traum des Kindes malt, sind noch viel feliger und füßer. Die Träume meiner zwei ersten Lebensjahre sind meine schönste Bitbersammlung und mein liebstes Poesiebuch. Nur wie etwa aus Trümmerschutt Bruchstüde altehrwürdiger, geheimnisvoller Schriftdenkmäler, so leuchten noch vereinzelte Erinnerungsbilder an die Stunden nach, da die Seele, noch Neuling auf Erden, cis rermeintlich unbeteiligter Zuschauer in den Weltraum fchaute. So entsinne ich mich, ergriffen wie vor einem ernsten, erhabenen Kunstwert, wie und wo, ich könnte die Stellen zeigen, ich zum ersten Male einen Wald schaute, einen Regen im Freien erlebte oder einen Fluß strömen fah. Der Dichter hat sich glücklich gepriesen, daß er auf dem Lande, in feliger Nähe der Schöpfung, die Natur kennen lernte. Er wußte, daß diese ere Betanntschaft, die auf dem Grund und Boden des Familieneigentums geschlossen wurde, eine Seelenverwandtschaft mit den Dingen entstand. Er cenoß die Landschaft nie anders, als in der Gesellschaft der Scinigen, und so wurde ihm das, was man gemeinhin Naturgefühl nennt, zu einem tieferlebten Heimatgefühl. Der Kirschbaum der Aphrodite, der Nukbaum der Bandora, das Gras des Baldur und das Korn der Mittagsfrau find auf den Feldern meines Großvaters gewachsen. Das Verfehen haben sie gut vertrogen, fogar bis auf den Olymp." in heißt es in dem Buch, und man darf fagen, daß Spitteler feinen Dinmpischen Frühling" in den Tagen seiner Kindheit dichterisch empfangen hat. Fast alle Werte des reifen Mannes lassen sich und das ist NOCH NIE SO Kinder- Hausschuhe aus testem Stoff in vielen Farben, extra bill, m. Kras, 24-2695 Pt. 81-851,35,27-301,15.24-26 Kinder- Spangenschuhe prima Chr. Leder m. Spange, bre'te bequeme Form mit Ledersoble ...... 18-21 40 Kinder Turnschuhe pa. grau Segelt. m. Ia Chromleders. 33-35 2,90, 30-32 2,73, 27-29 2,50, 25-26 2,25, ..... 21-23180 Kinder- Schnürstiefel prima schwarz Chr. Chevreau in breiter, bequemer Form mit 80 biegsamer Lodersohle... 18-21. 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So tommt die graue Farbe der silbergrauen Buchen- und Bergahornvinde dadurch zuftande, daß außen abgestorbene, leere Kortzellen mit farblosen Wänden und Lufträumen dazwischen auf Kortzellen mit rotgelbem Inhalt liegen. Aehnlich gestalten sich auch die Verhältnisse bei dem aften filbergrauen Helze. Unter dem Mikroskop erscheinen die grauen Bellen forblos; fie enthalten aber einen rußtauartigen Pilz, dessen Geflecht sich zu fleinen Ballen zusammenfrümmt und braun gefärbt ist. Wie der Pilz in das Holz hineingelangt, weiß man noch nicht, eben fomenig, ob überall der gleiche Pilz die Ursache des Ergrauens ist, BILLIG le Kinder- Schnürstiefel prima echt Rindbox in bequemer breit, Form mit stark, Leder80 sohlen, prima Qualität 23-24.. Kinder- Spangenschuhe Ia braun Ziegenleder mit fest. Ledersohlen u. 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Eine Nachricht, die, wenn sie sich in ihren Einzeilheiten bewahrheitet, nicht nur von den Aerzten, sondern van der ganzen Welt mit größtem Interesse aufgenommen werden dürfte, wird von der New Yorker ,, World" verbreitet. Es handelt sich um eine Entdeckung des Professors für Bakteriologie an der Universität von Minnesota, Dr. R. G. Green. Der Professor behauptet, Ultramitoben gefunden zu haben, die als Parasiten auf Krankheitserregern leben und aus denen ein Serum hergestellt wer= den fenn, von dem ein Tropfen genügt, um die reichsten Kulturen von Bakterien der Lugenentzündung, des Typhusfiebers, der Diph therie, der Hühnercholera und anderer Krankheiten zu vernichten. Die einzige Bakterienkultur, die durch das Serum nicht getötet mird, ist die der Tuberfeln. Diese Baterientöter sind so winzige Organismen, daß sie selbst unter dem stärksten Mikrostop nicht sicht bar sind. Die fleinen Batterien," sagt er ,,, find etwa ein Fünfs undzwanzigtausendstel eines Bolls im Durchmesser, aber die Ultramifroben, die auf diefen winzigen Lebewesen als Parasiten leben, find so klein, daß sie mit feinem Mitrostop gesehen werden können, sondern daß ihr Vorhandensein nur durch Versuche bewiesen wird. Die Isolierung dieser Ultramikroben gelingt dadurch, daß man Batterienfulturen durch Stein filtriert. Wir haben unsere Versuche nur mit Hühnern vorgenommen, aber es besteht fein wissenschaftlicher Grund, warum nicht diese Versuche mit Hühnern auch beim Menschen durchgeführt werden können. Wenn dies gelingt, dann wird dem Büten epidemischer Krankheiten bereits in ihrem Beginnen ein Ziel gefeßt werden können. Man wird gut tun, dieſe Mitteilung, die freilich nicht außerhalb der Möglichkeit liegt, fritisch aufzunehmen. Gefängnis für disziplinlose Straßenpassanten. Der Straßenperfehr in Los Angelos ist infolge des Ueberhandnehmens der Automobile nahezu unmöglich geworden. Die Polizei hat nun eine drakonische Verkehrsordnung herausgegeben, um der Schwierigkeiten einigermaßen Herr zu werden. Fuhrwerke mit Pferden find fotan aus dem Zentrum der Stadt verbannt. Den Fußgängern ist es streng verboten, auf der Straße stehenzubleiben, und wenn sie ben Bürgersteig wechseln wollen, müssen sie den Arm erheben und so die Chauffeure der Automobile aufmerksam machen. Für die Ueber. tretung dieser Verkehrsordnung sind empfindliche Geld- und Ge fängnisstrafen angedroht. Damen Halbschuhe pa. braun Chevreau, auch Boxcalf, in moderner halbspitzer Form, mit halbhohem Absatz, spottbillig, so lange Vorrat...... Damen Schnürstiefel pa. echt Boxcalf, mit a. ohne Derby80 dauerhafter Strassenschuh.. Damen Halbschuhe pa. echt Chevreau, z. T. auch Boxcalf, in eleganter runder Form, echt rahmengenäht... 80 Damen Halbschuhe pa. braun echt Boxcalf u. Chevreau in neuer spitzer Form mit elegantem Absatz, prima Verarbeitun solange Vorrat.............. Damen- Schnallenstiefel pa. 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