Nr. 102. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30mt. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3Mt. pr.Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1895 unter Nr. 7128. Vorwärts 12. Jahrg. Jnsertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen: tagen bis 7 1hr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 1hr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beutb- Straße 2. Mach dem Felf. Das Maifest der Arbeit ist verklungen. Und wohl Fein Land der Erde, soweit es seiner Volkswirthschaft und seiner Verfassung nach zu den modernen Staaten gehört, ist unberührt geblieben von seinem Hauch. Ueberall fanden sich klassenbewußte Proletarier, die sich zum Maifest der Arbeit zusammenschlossen. Freitag, den 3. Mai 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Weltfestes war ein Triumph des Proletariats. Schon darin| Nachtwächterinstituts die Zahl der Schuhleute bedeutend ver allein lag die Bürgschaft des schließlichen Gelingens, daß die mehrt ist. Wie lange die Konsignirung dauern wird, ist unBertreter des Proletariats aller modernen Völker einträchtig bestimmt. Sie erreicht ihr Ende erst dann, wenn vom Kommando bei einander saßen, daß sie sich eins wußten in ihrer gänge auf dem Laufenden erhalten wird, an die Hauptmannder Echuhmannschaft, das durch Ordonnanzen über etwaige Vorwichtigsten Forderung: Kürzung der Arbeitszeit. schaften ein entsprechender Befehl ergeht. Und jedes neue Maifest, dessen wir uns seit jenen Das spricht Bände über die Stellung, welche der Staat sechs Jahren erfreuten, hat immer aufs neue und jedesmal den drängenden, unabweisbaren Forderungen der Zeit gegendeutlicher gezeigt, daß der Gedanke, der in Paris die über einnimmt. Stolz haben die Arbeiter dem Wirken ihrer Männer der Arbeit vereinte, den Erdball längst umtreift Gegner zugeschaut und unbekümmert um Philister, Polizei und hat, in immer fernere Länder gedrungen ist; daß er Landgendarm ihre Pflicht gethan im würdevollen Bewußtsein dev Proletarierschaaren aller Zonen und aller Zungen unserer Mission, die ihnen von der Geschichte zugewiesen. Die Vorgerechten Sache gewonnen und ihre Herzen entzündet hat. mittags- Versammlungen waren durchweg gut besucht, in vielen Die nachstehenden kurzen Berichte über das Maifest in Fällen sogar überfüllt, so daß einige Lokale von der Polizei ab gesperrt wurden. Der Fortschritt im Plan der Feier gab sich den Vorjahren gegenüber namentlich darin zu erkennen, daß die Gewerkschafts- Bersammlungen nicht wie bisher mehr oder weniger regellos auf den Vormittag und NachIn allen Versammlungen 10 Uhr morgens anberaumt waren. wurden, nachdem in fesselnder Rede die Bedeutung und der Zweck des Arbeiterfeiertags dargelegt war, eine von dem Ausschuß der Gewerkschaftskommission empfohlene Resolution angenommen, die folgenden Inhalt hat: Wohl hat das kämpfende Proletariat noch Aufklärungsarbeit die Hülle und Fülle. Wohl wissen wir, daß den Millionen vom neuen Geist des Sozialismus erfüllten Mit kämpfern noch andere Millionen von Proletariern fremd und verständnißlos entgegenstehen, die häufig noch ärmer und gedrückter sind, als die, die sich zum Sozia- Berlin, in Deutschland, in Europa und über dessen Grenzen lismus bekennen. Die vom dämmernden Morgen hinaus find nur eine dürftige Registrirung dessen, bis zur sinkenden Nacht und bis tief in die Nacht was geschehen. Die Begeisterung, die auf der ganzen Welt hinein bei fargem Lohn dem Kapitalismus frohnden. Millionen von Proletarierherzen an demselben Tage, in mittag vertheilt, sondern sämmtlich zur bestimmten Stunde, zit Die trotz Arbeit ihr Leben in Hunger und Kummer führen; einem Gedanken und einem Streben zusammenschlagen ließ, die sich in Lumpen kleiden; die zur Nacht übermüdet aufs läßt sich nicht schildern in dürren Worten. Iumpige Lager finken, um nach wenigen Stunden von Dem klaffenbewußten Proletariat der ganzen Welt neuem in der ewigen Tretmühle zu schaffen. Wir wissen, entbieten wir auch nach diesem Maifest wieder trenen daß vielen Millionen von hungrigen, bedrückten Proletariern Brudergruß. Laßt uns nur fest zusammenstehen! Die heute am 1. Mai 1895 in Berlin an der Maifeier tein Streben nach Höherem die Brust erfüllt, wie uns Laßt uns einig sein in unferen Forderungen! Theilnehmenden fordern aufs neue in Uebereinstimmung mit den andern; die gedankenlos, entmenscht in den Tag hinein Laßt uns die Schläfrigen aufrütteln. Sorgt, daß nirgends leben, das Rasseln ihrer Ketten nicht hören. mehr ein Proletar verblendet die Faust gegen den eigenen Bruder erhebt, der ihm Brot und Freiheit bringen will. Ist erst dies Bollwerk überstiegen, Wer will uns dann noch widerfehn? Dann werden bald auf allen Höh'n Der wahren Freiheit Banner fliegen! Und nun, Glückauf zum Der Mensch verthiert und versumpft in dem täglichen Kampf ums Brot. Kein höheres Ziel im Dienst der Kultur, als der Menschheit die Muße zu verschaffen, die Kultur wenigstens ahnen zu lernen. Nach Aufklärung und Wissenschaft, Natur- und Kunstgenuß, Liebe und Freundschaft wenigstens zu streben. Der in Hunger und Rummer stumpfsinnig vegetirende Proletar taugt nicht für den Kampf um die Freiheit. Und dieser Kampf ist allezeit da entbrannt und kraftvoll geführt wor den, wo das Proletariat sich die allerdrückendsten geistigen und materiellen Fesseln abgestreift hatte. Maifest 1896! Arbeitern aller Länder auf grund der Beschlüsse der inter nationalen Kongresse die gefeßliche Einführung des Achtstundentages, die Beseitigung der Kinderarbeit; besonderen Schutz der weiblichen Arbeitskraft; überhaupt durchgreifenden Arbeiterschutz. Auf das entschiedenste protestiren die Versammelten gegen die Absicht der Regierung, die schon winzigen politischen Rechte der Arbeiterklasse durch Gesetze gegen den Umsturz" weiter zu beschneiden und der Arbeiterbewegung durch vereinsgesetzliche Maßnahmen die Bewegungsfreiheit gänzlich zu nehmen Die Ver sammlung erblickt in diesen Bestrebungen der herrschenden politischen Machthaber den Ausfluß des Klassencharakters der heutigen Gesellschaft, in der jede, auch die berechtigste Forderung der Arbeiterklasse dem Haß und der Verfolgung ausgesetzt ist. Der Arbeit Maientag hat in Berlin und ten Vororten der Stadt, vom herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, einen würdigen und imposanten Verlauf genommen. Auf seiten der Arbeiter der Gedanke, möglichst im friedlichen Wirken das Ab- Des weiteren erklären sich die Versammelten solidarisch mit Tarum ist unsere erste und lauteste Forderung leben der verfaulenden Gesellschaft zu beschleunigen und der völker- den Arbeitern aller Länder. Feinde jedes Nationalitätenhasses, Muße für das Volt! Muße zum Erkennen des eigenen befreienden Sozialdemokratie immer neue begeisterte Anhänger zu der die Völker entzweit und den Militarismus zu neuen, für die Jammers, Muße zum Denken, Muße zum Verlangen, Muße, um werben. Auf seiten der Bourgeoisie das alte, nun seit sechs Arbeiterklasse drückenden Forderungen anreizt, wollen wir, die fich beschäftigen zu können mit den Dingen des eigenen Jahren vernehmbare Getuschel und Gekreische über die Um für die Befreiung der Menschheit kämpfenden Proletarier, Frieden Berufs, der politischen Gemeinschaft. Muße, um sich den stürzler, die posfirliche Anaft, die nur mühsam von der und Eintracht unter die Völker bringen. Zum Schluß entsenden die Versammelten brüderliche Grüße Klaffengenossen anzugliedern und mit ihnen vereint eine arbeiterfeindlichen Presse mit Beschwichtigungsartikeln, wie auch Und auf feiten an die zur Bekundung der Solidarität heute, am 1. Mai, verschönere Zukunft zu erkämpfen. Acht Stunden Arbeit im mit albernen Späßchen eingelullt wird." Dienst des Kapitals, das ist genug und satt. Acht Stunden der Behörden, der Ordnungshüter nun, es ist wohl nichts sammelten Arbeiter der ganzen Welt. passender, als dem vollwichtigen Bericht des unparteiischen" Der Nachmittag und der Abend des Tages war, wie es wollen wir für uns selber haben. Ist nur die Masse zum Denken gebracht, dann kommt Blattes, des„ Lokal- Anzeigers" wieder zu geben, der da schreibt: schon in den Vorjahren üblich gewesen, der Freude, dem bes Die Polizei hatte auf alle Fälle ihre Vorkehrungen getroffen. scheidenen Vergnügen gewidmet. Mit Weib und Kind waren die fie auch zum Verlangen. Und wenn die Masse verlangt, Die Mannschaften werden nach der gegenwärtigen Diensteintheilung Parteigenoffen ausgezogen, um am feftlichen Wirken in Räumen, wenn das einige Proletariat fordert und das fordernde in zwei gleichen Gruppen zum Dienste verwendet, die je 24 Stunden die der Bedeutung des Tages entsprechend ausgestattet waren, Proletariat einig ist: Jm selben Augenblick ist auch die Dienst haben und sich um 1 Uhr nachmittags ablösten. Die der schöneren Hälfte der Menschheit, und, was nicht minder be Mannschaften nun, die sonst um 1 Uhr hätten antreten deutungsvoll und nothwendig ist, der der heranwachsenden Forderung erfüllt. Darum wurde 1889 in Paris das Maifest gegründet. müssen, waren heute schon zu 12 Uhr befohlen, und die Jugend zu zeigen, daß es eines jeden Menschen Pflicht ist, sausenden Webstuhle der Beit für sein Theil Ein Symbol der Einigkeit des fordernden, klassenbewußten ienigen, welche um 1 Uhr hätten abgelöst werden sollen, Proletariats eine laute Demonstration unserer vornehmsten mußten bis 2 Uhr bleiben. Sie müssen um 6 1hr wieder an mitzuwirken, zu zeigen, daß er weiter zu arbeiten habe an dem eine laute Demonstration unserer vornehmsten treten. Von 6 Uhr nachmittags an ist also die ganze Schutz- blumigen Teppich, auf dem kommende glücklichere Geschlechter Forderung: Muße für's Bolt! Achtstundent a g!" mannschaft im Dienst. Die Polizeimacht ist in diesem Jahre dereinst wandeln sollen. Der Gedanke dieses edelsten weil selbstSchon die Möglichkeit der Gründung eines solchen Arbeiter- noch erheblich stärker, als früher, weil nach der Aufhebung des losesten Schaffens, der am Morgen in ernster Rede den Männern Feuilleton. [ Nachdruck verboten.] Berliner Märztage. 2 " das Bild des scheidenden Bruders lebendig vor ihren von Wehmuth erfüllten Seelen. am tecken, durchdringenden Blick, und es schien Lotte, als ob ein verstecktes, lüfternes Lächeln um seine Lippen spielte. Sie wandte sich um und erschrat fast, als sie den in einen modischen Zivilanzug gekleideten Lieutenant dicht hinter sich herschreiten sah. Die bunt wechselnden Gruppen von Spaziergängern, die von jeher des Sonntags um die Mittagsstunde sich auf dieser vornehmsten Promenade der Hauptstadt einzufinden pflegten, Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. nahmen ihre Aufmerksamkeit nur in geringem Grade in An- Gehen wir rascher," flüsterte sie leise. spruch. Lotte schritt still und in sich versunken einher, Mit beschleunigten Schritten eilten die beiden Mädchen Vom Brandenburger Thor her famen, die breite, statt- während Dora nur ab und zu in halb kindlicher Neugier dem Schloßplatz zu. Hastig drängten sie sich durch die aufliche Straße Unter den Linden" entlang, zwei junge einen der zahlreichen Blicke erwiderte, die ihre jugendlich und niederwogenden Gruppen, über deren Köpfe der Mädchen von etwa neunzehn und siebzehn Jahren. Ihrer anmuthige Gestalt unwillkürlich auf sich zog. fräftige warme Frühlingshauch zausend und zupfend dahinbescheidenen, sauberen Kleidung nach gehörten sie den Vor einem Handschuhladen in der Nähe der Friedrich- wehte. Es waren ihrer diesmal so viel, dieser Menschen, ärmeren Bürgerkreisen oder dem Arbeiterstande an. Die straße machten die beiden Schwestern für kurze Zeit Halt. und ihre Stimmung schien von der gewöhnlichen, harmältere von beiden war eine hohe, schlanke Erscheinung, Dora, die seit einem halben Jahre in dem Laden eine losen Freude am bloßen Hinschlendern ganz deren blasses Gesicht durch den ungewöhnlich ernsten Aus- Stellung als Handschuhnäherin und Verkäuferin inne hatte, lich verschieden. Eine auffallende Lebhaftigkeit prägte War es nur der druck der großen dunklen Augen und die edelgeschnittenen ging hinein, um sich in aller Eile eines geschäftlichen Auf- fich in allen Gesichtern aus. Züge sogleich auffallen mußte. Die jüngere war blond, trages zu entkleiden. Sie selbst hatte diesmal ihren arbeits- mit mächtigen Schritten herannahende Frühling, von etwas fleinerem Wuchse nnd frischem, rosigem Teint, freien Sonntag. diese Stimmung hervorrief, oder waren es noch andere, der dem reizenden Gesichtchen mit den tiefblauen Augen Als sie eben aus dem Laden heraustrat, schritt ein heftigere Empfindungen, die auf dem Grunde der Herzen und dem herausfordernd tecken Näschen den ganzen Schmielz junger Elegant vorüber, der sie mit seinen grellgrauen ihr Wesen trieben und sich in den Zügen der Spaziergänger der Jugendlichkeit verlieh. Augen scharf fixirte und zum Gruße leicht an den Hut wiederspiegelten? Dora dankte mit einem flüchtigen Nicken des Kopfes. Bügen. Wer ist der Herr?" fragte Lotte, die den Gruß des waren Unbekannten bemerkt hatte. „ Ein Kunde von uns," versetzte Dora obenhin, Lieutenant Axel von Pilgram." mertder Es lag etwas wie Unruhe und Troß zugleich in diesen Den Herren und Damen im Sonntagsstaat als zahlreicher sonst schlichte Handwerker nud Arbeiter beigemischt, welche sich in ihrem vielleicht einzigen Rock früher kaum nach dieser vornehmen Promenade hinausgewagt hätten. Und doch schritten sie heut inmitten dieser gepußten und behand schuhten Gesellschaft so sicher einher, als ob sie plötzlich alle Scheu verloren und über Nacht ihr angeborenes Recht aufs Dasein entdeckt hätten. Sie hatten ihren Bruder, der als Reservist nach Torgau faßte. eingezogen worden war, bis zum Anhalter Bahnhof begleitet und waren soeben im Begriff, nach ihrer Wohnung in der Petristraße zurückzukehren. Die jüngere, Dora, hatte ihre ältere Schwester Lotte zu dem kleinen Umweg durch das Brandenburger Thor zu überreden gewußt. Lotte, die seit dem Tode der Mutter das kleine Hauswesen daheim be" Steht Ihr auf so ertrautem Fuße mit Eurer Kund sorgte und kaum ein paar mal im Jahre über die nächste schaft, daß Ihr mit einander Grüße tauscht?" forschte Lotte Nachbarschaft der Petristraße hinauskam, hatte den mißtrauisch. Lockungen der kleinen Verführerin diesmal nicht widerstehen Herr Leckner verlangt, daß wir gegen die Herren, die Nach dem Schloßplatze zu wurde die Menschenmenge können. Die frischen Spuren der Abschiedsthränen noch ins Geschäft kommen, höflich sind," lautete Dora's Antwort. auf den jugendlichen Wangen, hatten sie sich von dem An der Ecke der Charlottenstraße machte der Un- immer lebendiger und dichter, nur mit Mühe konnten die Menschenstrom, der auf dem Bürgersteig hin- und herfluthete, bekannte, der den beiden Mädchen vorausgeschritten war, beiden Mädchen vorwärtskommen. Als sie an der Schloßgleichsam mechanisch vorwärts bewegen lassen. Noch stand plöglich) Kehrt. Wiederum musterte er Dora mit seinem freiheit einbogen, wandte Lotte sich vorsichtig spähend zurück * Arbeit gesichert ist. Eine Diskussion fand nach dem mit stürmi-| Berliner Zimmerer dem hiesigen Fachverein anzuschließen hat schem Beifall aufgenommenen Vortrag nicht statt, und gelangte und Plazdeputirte zu wählen sind, in Erinnerung gebracht wurde. die Resolution einstimmig zur Annahme. Die lokalorganisirten Maurer waren, etwa " erläutert wurde, follte am Nachmittag ausklingen im Dhr der treuen Kampfgefährtin und der Kinder. Sollen diese doch, den Kampf vollenden helfen, der von unserem Geschlecht gegen eine Welt des Unrechts und der Unterdrückung aufgenommen wurde. Die Versammlung der im Handels, und 400 Mann start, bei Gründel, Brunnenstr. 188, versammelt. Verkehrsgewerbe Angestellten im Louisenstädtischen Hier sprach Kollege Karl Behrend als Referent. Dem BorDie dem graphischen Kartell angehörenden Konzerthaus war von ca. 500 Personen aller Berufe, auch von trage schloß sich eine sehr animirte Distusfion an, in welcher Gewerbe( Buchdrucker, Buchbinder, Lithographen, Stein- vielen Frauen besucht. Genosse Jahn referirte hier über die auch zur Freude aller Vater Wittstock" in gewohnter drucker 2c.) hielten ihre gemeinsame Versammlung im großen Bedeutung des Tages unter besonderer Bezugnahme auf das fräftiger Weise das Wort nahm. Betont wurde allseitig die Saal des Böhmischen Brauhauses", Landsberger Allee 11-13, Verkehrsgewerbe unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. Auch Nothwendigkeit der Organisation und Anschluß an den Interessenab. Auch die Hilfsarbeiterinnen waren zahlreich vertreten, im in dieser Versammlung wurde von einer Diskussion abgesehen, verein. Behufs späteren Ausweises wurden an die Versammlungsganzen mochten gegen 1400 Personen anwesend sein. Eingeleitet und die allgemeine Resolution darauf einstimmig angenommen. theilnehmer Maimarten unentgeltlich verabfolgt. Zum Schlusse wurde die Feier durch den Gesang des Liedes„ Der Freiheit Mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf die internationale gelangte die Gewerkschafts- Resolution einstimmig zur Annahme Sieg", vorgetragen durch die Gesangvereine Typographia", Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Unter und sangen die Anwesenden stehend die erste Strophe der ArbeiterBuchbinder Männerchor" und„ Senefelder." dem Gesang der Arbeitermarseillaise entfernten sich die An- Marseillaise. Das Referat hielt Genosse Otto Sillier, der an der wesenden. Die Anarchisten Versammlung im Lokale KönigsHand eines reichen statistischen Materials die ungerechte Ber- 500 Arbeiter und Arbeiterinnen der Leder- bant, Große Frankfurterstr. 117, war von dem Malergehilfen theilung des Arbeitsertrages, das wachsende Elend der Arbeiter- industrie Gerber, Lederzurichter und Färber, Sattler, Paul Reinert einberufen worden. An derselben nahmen nur maffen nachwies und hieraus die Nothwendigkeit der Verkürzung Tapezirer 2c. hatten sich bei Uhlig in der Badstraße zu- zirka 250 Personen theil. Das Referat hatte der Mechaniker der Arbeitszeit, die Einführung eines ausgedehnten Arbeiter sammengefunden, wo Genoffe Sassenbach über die Bedeutung Karl Wiesenthal übernommen. Er sprach in kurzen und kräftigen schutzes und die Forderung auf Beseitigung aller indirekten des Tages referirte. Redner betonte besonders den internationalen Worten über die Bedeutung des 1. Mai. Zum Schluß bat er Steuern und der stehenden Heere ableitete. Seiner Aufforderung, Charakter der Maifeier, der ihr eine höhere Weihe und größere die Versammelten, die Theorie des Anarchismus zu vertreten. durch Annahme der gemeinsamen Resolution das Einverständniß Bedeutung verleihe, als es der Agitation für den Achtstundentag Da nach dem Referat eine Diskussion stattfand, meldete sich der mit den Forderungen der aufgeklärten Arbeiter der ganzen Welt und für einen möglichst weitgehenden gesetzlichen Arbeiterschuß Tischler Winter zum Wort. Derselbe betonte unter dem wenig zu bekunden, wurde einmüthig entsprochen. Nach Schluß der an sich möglich wäre. Der Vortragende gedachte auch der Belanglosen, was er überhaupt sprach, daß der Vorwärts" Versammlung blieb ein großer Theil der Kollegen und Umsturzvorlage, und bezeichnete sie als einen Hohn auf die heutige lieber Rückwärts" heißen solle, denn am 17. April 1895 hätte Kolleginnen noch in zwangloser Unterhaltung beisammen; Kultur. Mit der Aufforderung an die Versammelten, aus den in demselben gestanden: Die Maifeier würde in Wien einen weitere Aufführungen der vorgenannten Gesangvereine wurden vielen Mitläufern ein gutgeschultes, tüchtiges Arbeiterbeer heran- großartigen Charakter tragen. Doch sollten die hiesigen Arbeiter jedoch durch den im Garten postirten Polizeilieutenants inhibirt. zubilden, schloß Redner unter stürmischem Beifall das Referat. nicht dasselbe thun. Die Versammlung wurde nach stundenSehr stark von Frauen besucht war die Versammlung der Die Puber und Maurer( zentraler Richtung) ver- langer Diskussion in aller Ruhe um 121/2 Uhr geschlossen. Bekleidungsindustrie; der Saal des alten Schüßen sammelten sich im großen Festsaal bei Keller, Koppenstr. 29. Die polnischen Sozialdemokraten Berlins hauses in der Linienstraße war sehr bald über und über gefüllt; Der zirka 1500 fassende Raum war sehr bald vollständig gefüllt. begingen ihre Maifeier durch einen Vormittagsausflug mit gegen 600 Personen hörten der Rede des Genossen Dr. 3 adet Genosse Georg Wagner legte in zündender Rede die Be- Frauen und Kindern nach Treptow. In Jakob's Gartenlokal aufmerksam zu. Die bekannte Resolution fand einstimmige An- deutung des Tages flar und ermahnte eindringlichst zum An- vergnügte man sich bei zahlreicher Betheiligung bis zum Abend. nahme; am Schlusse der Versammlung wurden drei Strophen schluß an die politische nnd gewerkschaftliche Organisation. Von Um 8 Uhr fand dann bei Specht, Markgrafenſtr. 83, eine Verder Marseillaise von den Theilnehmern stehend gesungen. einer Diskussion des mit wahrem Beifallssturm begleiteten Bor- sammlung fiatt. Das Lofal vermochte die Theilnehmer nicht zu 2500 Personen füllten den Feenpalast in allen seinen trages wurde Abstand genommen und einhellig der von der er faffen, viele mußten wieder umikehren. Eingelaufen waren Abtheilungen, wo die verschiedenen Arbeiterkategorien der Metall- Gewerkschaftskommission vorgeschlagenen Resolution zugestimmt. zwei Glückwunsch Telegramme von den Genossen aus Paris industrie fich ein Rendezvous gegeben hatten. In seinem Referat Die Möbelpolirer und deren Frauen famen im und aus Oberschlesien. Genosse Morawski hielt einen, gab der Genosse A. Bebel eine präzise Darstellung des oberen Saale desselben Etablissements zusammen. Etwa 400 Per der Bedeutung des Tages entsprechenden Vortrag, woran sich Ursprungs und des bisherigen Verlaufs der Achtstundenbewegung fonen start folgten sie mit sichtbarem Interesse dem Referat des eine kurze Diskussion schloß. Folgender Resolution wurde eint in den einzelnen Ländern. Auf die Aufforderung des Vor- Genossen Benno Stabernack und gaben der Resolution müthig zugestimmt: fizenden Nather hin erhoben die Arbeitslosen die Hände ihre Zustimmung. Nach der Versammlung begaben sich die Festes waren mehrere hunderte. Auf die weitere Frage: wer den theilnehmer nach dem Lokale von Haferlandt an der OberTag aus eigenem Antrieb feiere? antworteten ca. 45 der An- spree, den Rest des Tages der Erholung widmend. In den wesenden im bejahenden Sinne. Die vom Referenten verlesene unteren Räumen des Keller'schen Lokales hatte man während der Resolution fand jubelnde Zustimmung. Versammlungen eine Polizeiwache eingerichtet, die auch nachmittags wieder bezogen wurde und bis in die Nacht hinein be- 2. Die polnisch- sozialdemokratische Arbeiter Versammlung in Berlin erklärt sich mit den Arbeitern aller Länder solidarisch, Die Damen- und Kinderkonfettions Are protestirt gegen die heutige Gesellschaftsordnung, welche einen beiter und Arbeiterinnen hatten sich in Hente's Saal, Theil der Arbeiter zu langsamem Berhungern verurtheilt, und Naunynstraße, versammelt. Obwohl der Besuch nur ein mäßiger, giebt fund, daß sie nicht eher ruhen wird, bis der Achtstundentag wurde doch der Vortrag des Genossen Pörsch von den An- gesetzlich eingeführt ist." wesenden, welche größtentheils aus Arbeiterinnen bestanden, mit reger Begeisterung aufgenommen. Mit dem Ersuchen, überall für Organisirung des arbeitenden Volkes zu wirken, schloß Redner feinen durch Beifall belohnten Vortrag. An der darauf folgenden Diskussion betheiligten sich die Genossen Mahlig, Spötter und Muscheck im Sinne des Referenten, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf die Achtstundenbewegung ihren Abschluß fand. Am Abend wurde die Feier in den einzelnen Wahlkreisen in Die Versammlung der Vergolder im Louisen- den größten der Partei zur Verfügung stehenden Lokalen abstädtischen Klubhaus war von ca. 200 Personen besucht. Genoffe gehalten. Jahn referirte über die Feier des Tages unter lautem Beifall Im Feenpalast hatten sich die Genossen des ersten der Anwesenden. Eine Diskussion fand nicht statt. 3ur ein- Wahlkreises eingefunden. Wohl gegen 5000 Perfonen füllten den stimmigen Annahme gelangte die allgemeine Resolution. Mit weiten Raum. Eine Kapelle von Zivil- Berufsmusikern und eine einem begeisterten dreifachen Hoch auf die internationale Arbeiter- Sängerschaar sorgten für die musikalischen Genüsse der zahlreichen bewegung und dem Gesang der Arbeitermarseillaise wurde die Festtheilnehmer. Den Festvortrag hielt Genosse Bebel, dem beim Bersammlung geschlossen. Betreten der Tribüne eine brausende Ovation dargebracht wurde. Redner schloß unter stürmischem Beifall mit einem ftimmungs vollen Gedicht. Begeistert sangen die versammelten Maffen die hierauf vom Orchester und Gesangschor intonirte Marseillaise. Das später aufgeführte Festspiel, in dem ergögliche Episoden aus dem Kampfe der Arbeiter wirkungsvolle Verwerthung gefunden Die Gruppenversammlung der in der Schuh waaren Industrie Beschäftigten war überaus zahl- sett blieb. reich besucht und füllten die Theilnehmer das geräumige Lofal bei Fiebig in der Frankfurterstraße bis auf den letzten Play. Das Vortrag hatte hier Genosse Antrick übernommen, der wirkungsvoll die Bedeutung des Tages würdigte. Gine große Zahl der Theilnehmer schloß sich sodann einem Ausflug nach Stralau an. Die Arbeiter der Holzindustrie waren in einer Anzahl von ca. 3000 Personen in dem großen Saale der Brauerei Friedrichshain versammelt. Bereits um 104 Uhr murde der geräumige Saal für die noch immer zuströmenden Theilnehmer polizeilich abgesperrt. Einige hunderte Personen, denen der Zutritt zu der Versammlung verweigert wurde, hielten sich vom herrlichen Wetter begünstigt im Garten auf. Genosse Glode referirte und erläuterte in eingehender Weise die Bedeutung des 1. Mai für die Arbeiter schaft. Der Redner beleuchtete die wirthschaftliche und politische Lage, die Vortheile der Verkürzung der Arbeitszeit und die Nothwendigkeit der politischen und gewerkschaftlichen Organisation. 1. Die polnischen Sozialdemokraten in Berlin erklären heute am 1. Mai mit aller Kraft für Anschluß an die politische Partei zu agitiren, um die Zahl der politischen Kämpfer zu vermehren, die Idee der Sozialdemokratie weiter ausbreiten und den baldigen Sieg der Arbeiterschaft herbeiführen zu helfen." Eine Abendversammlung mit Frauen und sich anschließendem geselligen Vergnügen veranstalteten die Da ch= decker bei Gründel in der Brunnenstraße. Gegen 300 Per fonen fanden sich hier zusammen. Ansprachen hielten die Genossen Schöpflin und Radwig. Die Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Eine Diskussion wurde nicht gewünscht und die Resolution sodann Die Musikinstrumenten Arbeiter hielten ihre einstimmig angenommen. Durch Abstimmung wurde festgestellt, Bersammlung im Vereinshaus Süd- Ost". Waldemarstraße, ab. daß fast alle Anwesenden durch Arbeitsruhe demonstrirten. Den Lange vor Eröffnung derselben schon war das Lotal polizeilich Schluß der großartig verlaufenen Versammlung bildeten Gesangs- abgesperrt, so daß es eines Rekurses des Einberufers bedurfte, um vorträge von einigen Gesangvereinen. noch einen Theil der noch Einlaßbegehrenden zuzulassen. Das Für das Nahrungs- und Genußmittel- Gewerbe Referat daselbst hatte Genosse Rohrlad übernommen, haben, gefiel außerordentlich. Genannt zu werden verdienen noch fand eine Versammlung in Nieft's Salon statt, die von zirka welcher in flarer, faßlicher Weise die Bedeutung einige Deflamationen des Genossen J. Türk, der u. a. die 800 Personen besucht war. Hervorragend betheiligt waren der Maifeier vortrug, ebenso die Berechtigung der der heilige Alliance der Völker" von Beranger vortrug. die Tabatarbeiter, die Gastwirths Gehilfen, Maidemonstration zu grunde grunde liegenden Forderungen der Die Genossen Dom zweiten Wahltreis Brauer, Musiker und Bäcker. Genosse Türt referirte Arbeiterschaft präzisirte. Die überfüllte, aber in musterhafter hielten ihre Maifeier in der Berliner Bockbrauerei und schilderte mit begeisternden Worten die Bedeutung des 1. Mai Huhe sich bewegende Versammlung nahm die Ausführungen des ab. Sehr bald war der Garten dieses großen Etablissements für das Proletariat. Der Redner wies unter anderen auf das Referenten mit sichtlicher Begeisterung auf. Auf Antrag wurde dicht besetzt. Abwechselnd sorgte eine Kapelle der Berufsmusiker Solidaritätsgefühl der Arbeiterschaft aller Kulturstaaten hin, von einer Diskussion Abstand genommen, um dem vortrefflichen sowie mehrere Gefangvereine für die Unterhaltung der zahlreichen Das uns zu der Hoffnung berechtige, daß unsere Vortrag feinesfalls eine Abschwächung zu theil werden zu lassen. Festtheilnehmer. Im großen Saale hielt um 9 Uhr der Reichstagss Forderungen: Freie Schule, freie Runst, freie Presse, Im Anschluß hieran beschloß die Versammlung, die Fortsetzung Abgeordnete Fischer den Festvortrag. Die treffenden, die freie Rede und Kritik und freies Wahlrecht zur Durch der Feier durch einen Ausflug nach Rümpel's Etablissement in heutigen politischen Zustände dabei scharf geißelnden Ausführung gelangen. Erst dann werde der 1. Mai ein Festtag für Treptow zu begehen. führungen des Redners fanden bei den Zuhörern lebhaften das ganze Bolt sein, wenn jedem Menschen der Ertrag seiner Die Stein und Holz- Bildhauer und verApplaus. wandte Berufsgenossen waren sehr zahlreich im oberen Nicht minder zahlreich waren die Genossen aus dem und bemerkte, daß der elegante Verfolger bereits ver- Saal des Louisenstädtischen Klubhauses, Annenstraße 16, ver 3. abitreis in dem Lokal„ Neue Welt" in der Hafenhaide schwunden war. sammelt. Hier referirte unter lebhaftem Beifall der Versammelten erschienen. Der Zubrang war auch hier ein sehr starker und der Genosse H. Schulz über die Bedeutung des 1. Mai und empfahl sehr geräumige Garten gegen Abend vollständig von Besuchern Merkwürdige Gedanken gingen ihr durch den Kopf zum Schluffe die Annahme der von der Gewerkschaftskommission gefüllt. Die Festrede wurde von dem Genossen Bogtherr in Welche Beziehung bestand zwischen Dora und diesem Axel vorgeschlagenen Resolution, die sodann einstimmige Annahme dem großen Saal gehalten. Redner führte seinen Zuhörern von Bilgram, der ihr durch sein ganzes Wesen sogleich fand. unter lebhaften Beifallsbezeugungen in wirkungsvoller Weise die eine tiefe Abneigung eingeflößt hatte, wie sie instinktiv Bei den Glasern, Bilderrahmenm a chern Bedeutung des Tages vor Augen. Ein großartiges Feuerwerk, das zarte Wild Dor dem beutegierigen Raub und verwandten Berufsgenossen, die sich im sowie ein im Hintergrund des Gartens kunstvoll gruppirtes Bild thier empfindet? Woher kannte Dora den Namen Gartensaal der Arminhallen eingefunden hatten, war die bildeten den Abschluß des Festes. Die Genossen des vierten Reichstag3- Wahldieses Menschen? Jedenfalls mußte sie wachen über Betheiligung eine schwächere, wie im vorigen Jahre. Die Ursache das Wohl des jungen, unerfahrenen Mädchens, das auf dieser Erscheinung wurde vom Vorsitzenden mit der dieses Jahr treises hatten sich die vier größten Lokale in dem Kreise ge besonders ihr Betreiben die Stellung in dem Leckner'schen Laden Referat hatte Dr. Pinn übernommen. Nach Rundgebung ihres gramm ungünstigen Geschäftskonjunktur begründet. Das sichert; der Andrang war überall ein gewaltiger. Das Prowar das gleiche: Konzert von Mitgliedern der angenommen hatte. Aber sie durfte nicht mit der Thür Einverständnisses mit den Darlegungen des Vortragenden machten Freien Vereinigung der Berufsmusiker, Gesänge von Vereinen ins Haus fallen, nicht durch ungeschicktes Ausfragen in die Versammelten die obige Resolution ebenfalls einmüthig zu des Arbeiter- Sängerbundes, Detlamationen, Aufführung lebender dem ebenso gutherzigen wie trogköpfigen Kinde Gedanken der ihrigen. Bilder, Festreden und Tanz. In Sanssouci, Kottbusererwecken, die vielleicht Dora noch meilenweit fern lagen. Den großen Saal der Arminhallen nebst straße, sprach Genosse Dr. Heymann vor ca. 1200 Personen; Am Eingang in die Brüderstraße, vor der alten Nebenraum füllten die zahlreich erschienenen bei Keller, Roppenstr. 29, wo Paul Singer referirte, Stechbahn, wurden fie durch einen Auflauf am Weiter vor Beginn der Bersammlung das Lied Völkerfrühling" füllung", wie der vor der Thür poſtirte Polizei- Lieutenant Maler. Die Sänger der„ Liedertafel der Maler" intonirten wurden während der Voltsversammlung" " wegen Uebergehen verhindert. Ein verhärmter und ausgehungerter, Unter recht lebhaftem Beifall hielt Bitfin ben Maivortrag; unserem Berichterstatter, dem er ebenfalls den Eintritt wehrte, allem Anschein nach angetrunkener Mann, ohne Rock eine Resolution kam nicht zum Vorschlage. Mit dem„ Sozialisten fagte die Thüren des Saales durch doppelte Schuhmannsposten und Mantel, in zerrissenen Stiefeln und vielfach ge- marsch", ebenfalls vom Gesangverein„ Liedertafel" der Maler" abgesperrt; das Lokal faßt mit Gallerien etwa 5000 Personen. flickten Beinkleidern, war durch einen der Gendarmen, vorgetragen, schloß die Versammlung. Im Elysium, Landsberger Allee 39/40, hielt Genosse Georg die vor dem Königsschlosse postirt waren, angehalten worden. Die Versammlung der Schneider, Schneide- Wagner die Feftrede und in der Brauerei Friedrichs" Zum Kenich will ick, zum Kenich!" rief er laut, indem rinnen und verwandten Berufe, einberufen von hain", am Königsthor, erläuterte Genofie Singer die Be er seine unheimlich flammenden Augen nach den Fenstern der Agitations Kommission der Schneider und Schneide- deutung des Tages. Ueberall herrschte wahre Festtagsstimmung, rinnen Berlins des Schlosses richtete und den Hüter der Ordnung von und Umgegend zu Vormittag 10 Uhr die nirgends durch einen Zwischenfall gestört wurde. Den an Cohn's Festsälen, Beuth Straße id nach Nr. 20, sich abzuwehren suchte. war den Aufführungen Mitwirkenden wurde von den Festtheilnehmern " Brot will ick for meine fünf troß der flotten Geschäftszeit recht gut besucht. Bis auf den wohlverdienter Beifall in reichem Maße zu theil und überall be= Kinder, Majestät, Bro- o- t! Anton Kowalla hungert mit letten Platz hatten die Versammelten, davon wohl ein Drittel wiefen die Genossen und Genoffinnen ihr vollstes Einverständniß seine Kinder!" Frauen, den großen Saal befeßt. In seinem Vortrage über die mit den Ausführurgen der Redner. Der Beamte hatte alle Mühe, mit dem Ruhestörer Bedeutung des 1. Mai nahm der Referent, Kollege Timm, Der Schweizergarten am Königsthor war von den fertig zu werden. Die Passanten saben neugierig zu, ohne Gelegenheit, unter lebhaften Zustimmungsbezeugungen der Zu- Genossen aus dem 5. Berliner Wahlkreise zahlreich besucht. Die für die eine oder andere der beiden handelnden Personen hörer scharfe Kritik an den letzten öffentlichen Vorkommnissen zu Bahl der Theilnehmer konnte man auf 3000 schäßen. Das Partei zu ergreifen. üben und schloß unter reichem Beifall mit der Unterbreitung Arrangement glich im wesentlichen dem der anderen Feste. Be " Jestern hab' ick' n Rock verkloppt", fuhr Kowalla, der Resolution, die von der Gewerkschaftskommission zur Annahme sonders zu erwähnen sind die sehr gut gruppirten lebenden Bilder, die den regen Beifall aller Besucher entfachten. Die zu den Umstehenden gewandt, fort und wenn's beit empfohlen ist. Einstimmig stimmte man derselben zu. Die Töpfer, Steinseher und Dachdecker hatten Festrede hielt der Genoffe Rob. Schmidt. Das Hoch, was keen Brot jiebt, denn verklopp' ick ooch noch de Hosen. sich zu einer Gruppe vereinigt und versammelten sich im Lokale der Redner am Schlusse seines Bortrages auf die internationale Seit acht Wochen such' ick Arbeit, un fann feene friejen. von, Fey, Brunnenstraße 84. Die in der Versammlung erschienenen Arbeiterbewegung ausbrachte, fand ein tausendstimmiges Echo Freßfreiheit will ict, wie de Pferde in'n kenichlichen 450 Personen gehörten fast ausschließlich dem Töpfergewerbe an. bei den zahlreichen Zuhörern. Marstall!" Steinfeger und Dachdecker waren sehr spärlich erschienen. Ein- Für die Rosenthaler Vorstadt war als einziges Lautes Lachen ertönte aus mehreren Gruppen der Bu- geleitet und geschlossen wurden die Verhandlungen durch Gesangs- Lokal Weimann's Boltsgarten bestimmt. Der Zudrang der schauer. Dadurch angefeuert, wollte Rowalla eben in seinen vorträge der Töpfer. Das Referat hielt Genoffe Millarg. Genoffen mit ihren Familien war in diesem Riesengarten ein Den Zimmerern, welche bei Noack, Brunnenstraße 16, ganz gewaltiger. Der tagsüber allmälig in das Lokal sich erAusführungen fortfahren, als zwei Garde- Offiziere die Menge zertheilten und dem Hüter des Gesetzes zu Hilfe tagten, batten sich die Steinmeze zugefellt, doch waren gießende Menschenstrom steigerte sich gegen Abend zu einer lettere sehr schwach vertreten. Diefelben sammelten sich bei beängstigenden Hochfluth. Demgegenüber nahm sich das polizeiBrüning, Rosenthalerstraße 12. Erschienen waren 6-700 Per- liche Verbot, die üblichen Dekorationen zu vermeiden, soweit sie Seda, hierher!" riefen sie ein paar Unteroffizieren fonen. Dem Vortrage des Genossen Adolf Hoffmann von der Straße aus zu sehen sein könnten, um so kleiner aus. und Gendarmen zu, die in einiger Entfernung sichtbar folgte eine längere Debatte, in welcher besonders der Beschluß Der Garten prangte daher nur in seinem natürlichen Schmude, ( Fortsetzung folgt.) der jüngsten allgemeinen Generalversammlung, wonach sich jeder im frischen Maiengrün. Die Maidekoration wurde in tamen. wurden. S " 4 Die Säle verwiesen. Die Gesangsvorträge des Arbeiter- man der Resolution der Berliner Gewerkschaftskommission zu. Igleitung etwelcher Förfter ergögen fonnten. Nachmittags fand Sängerbundes sowie eine schwungvolle Ansprache des Genossen Den Schluß bildete ein gemüthliches Beisammensein. eine start besuchte öffentliche Versammlung statt; abends zwei Antric gaben dem Fest die würdige Maifeststimmung. Schöneberg. Die Maifest Versammlung wurde hier wahrhaft impofaute Versammlungen in unseren beiden ZentralDie Genossen der Schönhauser Vorstadt hatten sich abends 8 Uhr unter starker Betheiligung von Arbeitern und lokalen. An der Maifeier haben sich in diesem Jahre bedeutend drei Lokale an der Schönhauser Allee auserforen und zwar das Arbeiterinnen abgehalten. Als Referent gab Friz Kunert mehr Arbeiter betheiligt als früher. altbekannte Jägerhaus und das daneben liegende Lotal von eine Darstellung der geschichtlichen Entwickelung des Acht- Provinz Sachsen. Stendal. In gut besuchter Ver mierte, sowie das Lokal von Mörschel. Die beiden ersten stundentages, sowie der thatsächlich bereits errungenen Er- fammlung sprach Rieck aus Rathenow unter brausendem Beis Lokale find große Gartenetablissements, waren der Bedeutung des folge des Gedankens der Verkürzung der Arbeitszeit, um schließ fall. Eine Protestresolution gegen die Umsturzvorlage wurde einTages entsprechend dekorirt und bildeten bereits am Nachmittage lich auf die Mittel zur weiteren Berwirklichung der Forderung stimmig angenommen. Halberstadt. Versammlung im den Sammelpunkt zahlreicher Familien. Der Abend versammelte achtstündiger Arbeitszeit hinzuweisen. Odeum von Tausenden besucht. Aschersleben. Die Verdie Genossen hierselbst in reicher Zahl. Die Zahl der Besucher Von einer Diskussion wurde nach dem 11/ 2stündigen Vor- sammlung war von 200 Genossen besucht, Nät her aus Berlin wird in beiden Lokalen zusammen auf 10 000 geschäßt. Begreif- trage Abstand genommen, und die Versammelten nahmen einstimmig sprach über die Bedeutung des 1. Mai. Eine der Tagesordnung licherweise war bei dem herrlichen Wetter der Zug nach den eine der Feier und Würde des Tages entsprechende Resolution entsprechende Resolution fand einstimmige Annahme. großen Lokalen der vorherrschende, daher hatten sich bei an, welche sich in ihrem ersten Theile mit der unserer eng= Viele Arbeiterblätter, namentlich die Organe unserer Mörschel verhältnißmäßig wenig Genossen zusammengefunden. Iischen Parteigenoffen deckte, in ihrem zweiten und dritten Partei, hatten auch diesmal wieder zu Ehren des 1. Mai ein Erst in den späteren Abendstunden wurde der Besuch ein etwas Absage aber scharf formulirte Proteste gegen den Militaris- festliches Gewand angelegt. stärkerer und steigerte sich auf 5-600 Perfonen. Das Programm mus und gegen die regierungsseitig eingebrachte Umstura( Die Berichte über die Maifeier im Ausland befinden sich in der war dasselbe wie in den anderen Lokalen. Die Ansprache hielt Vorlage zum Ausdruck brachte. Bei Eröffnung und zum 1. Beilage.) hier Genosse Borgmann. Schluß der erhebenden Feier durchbrausten Mai- und Freiheits" lieder den festlich geschmückten Saal.* Dolitische Leberlicht. Berlin, 2. Mai. Für den Wedding war das Fest in der Norddeutschen Brauerei, Chauffeestraße 58 und im Feldschlößchen", Müllerstraße 142, arrangirt. Die Maifeier in der Norddeutschen Ueber die Maifeier in Deutschland liegen uns Brauerei wurde durch Konzert von der Kapelle des Herrn folgende Spezialberichte vor: Christann, unter Mitwirkung der Gefangvereine„ Nordwacht", Mark Brandenburg. Frankfurt a. D. Die Feier Jm Reichstag nahm am Mittwoch die Berathung Unverdroffen"," Sangeslust II" und" Oranienburger Borstadt" hatte einen imposanten Verlauf. An der Versammlung am Vor- des von der sozialdemokratischen Fraktion auf grund des feitlich begangen. Der große Garten war von ca. 3000-4000 mittag betheiligten sich 200, am Ausflug 300, an den Versamm bekannten Parteitag beschlusses eingebrachten Antrages auf Menschen besucht. Um 9 Uhr abends erschien der Reichstags: lungen abends 1000 Personen. Luckenwalde. Die Vor Einführung eines Reich 3 Vereinsgesetzes unter abgeordnete Genosse W. Liebknecht und hielt die Festrede, mittagsversammlung war von etwa 300 Personen, die Abenddie von den zahlreichen Zuhörern mit lebhaftem Beifall auf feier von mindestens 3000 Personen besucht. Am Ausflug nach Ausschließung jeglicher beschränkender Bestimmung die ganze genommen wurde. Gegen 8 Uhr mußten mehrere Vertrauens mittags betheiligten sich zirka 500 Personen. Alles ist gut ab: Sigung in Anspruch. Genosse Grillenberger be männer in Begleitung eines Polizeiwachtmeisters auf gelaufen. In Kottbus nahm die Maifeier ebenfalls einen gründete in längeren Ausführungen den Antrag, wobei er das nächstliegende Polizeirevier. Zweck dieses Trans glänzenden Verlauf. Vormittags fand ein Ausflug in die Um- auch die Art und Weise, wie die ohnehin schon reaktionären portes war: Es waren rothe Plakate an den Eingang des gegend statt, an dem sich einige hundert Genossen 25 Vereinsgesetze in Deutschland gehandhabt werden, Gartens geklebt. Diese rothe Farbe war aber nach Ansicht der betheiligten. Die Bolfsversammlung für Männer und an der Hand zahlreicher Beispiele beleuchtete. Sehr schlimm Polizei nur zu amtlichen Bekanntmachungen zu verwenden, aber Frauen war von zirka 1000 Personen besucht. Jahn kommen dabei Sachsen und Bayern weg, wo bekanntlich die nicht zu Plakaten behufs Ankündigung der Maifeier. Die Blafate aus Berlin hielt die Festrede. Die Resolution im mußten nun auf Aufforderung der Polizei und in Gegenwart der Vorwärts" wurde einstimmig angenommen.- Schwebt a. D Polizei bei ihrer sonderbaren Auslegung der vereinsgesetzfelben wieder losgelöst werden. Vormittags Versammlung, wo Thierbach aus Berlin sprach. lichen Bestimmungen auch die kräftige Unterstützung der Im" Feldschlößchen" war die Feier eine ebenso Die bekannte Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach Gerichte findet. Er schloß mit dem Appell, daß ein Zustand imposante. Hier wurde das Konzert von Herrn Schonert mittags 1 Uhr Ausflug der Arbeiter mit Weib und Kind nach geschaffen werden möge, der einer wahrhaft zivilisirten dirigirt, und gaben Gefangvereine„ Hilatria"," Weddinger Vierraden, da man uns in Schwedt auch das letzte Plätzchen, Nation würdig sei. Die Regierungsvertreter von Sachsen Harmonia", Steinnelte" und Alpenröslein" treffliche das zur Maifeier bestimmt war, abgetrieben hatte. Alles verlief und Bayern suchten die gegen ihre Regierungen gerichteten Leistungen der Gesangestunst zum besten. Auch hier hielt Genosse gut. Im ganzen hatten rund 130 Arbeiter die Arbeit ruhen Angriffe zurückzuweisen oder doch abzuschwächen, womit sie W. Liebknecht die Festrede. Die Theilnehmerzahl konnte man laffen. Nauen. Bei der Volksversammlung am Abend war aber wenig Glück hatten. Der sächsische Herr, Graf Hohenauf zirfa 2000 Personen schätzen. das Lokal überfüllt. Kiesel aus Berlin referirte. Eine thal, der schon des öfteren das Haus erheitert hat, nannte In der Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47-49, genügte Resolution, worin der Reichstagsabgeordnete des Kreises, Herr das berühmte sächsische Vereinsgesetz ein wahres der kleine Garten kaum für die Zahl der Theilnehmer. Vorträge Schall, aufgefordert wird, gegen die Umsturzvorlage zu und Gesangsaufführungen, sowie Theateraufführungen wurden von stimmen, wurde einstimmig angenommen und sofort an den genannten Juwel, den sozialdemokratischen Antrag, wenn er Geset der Theatergesellschaft Strzlewitz" ausgeführt. Diese Gesellschaft Abgeordneten abgesandt. Sonntag ist im Weinbergsrestaurant würde, ein Palladium der Anarchie". Für Bayern sprach wurde unterſtüßt von dem Gesangverein Freie Sangesbrüder Nachfeier. Die erbetene Erlaubniß, mit Mufit einmarschiren zu zum ersten Male der neue Bundesraths Kommissarius Moabit", Verein Unverzagt Moabit" und dem Gesangverein der tönnen, ist noch nicht ertheilt. Velten. Die Maifeier war Ritter von Hermann, der im bayerischen Landtag der Klempner, welche abwechselnd die Theilnehmer unterhielten. Zebende von 400 Personen besucht. Pörsch aus Berlin hielt den Vor- liberalen" Fraktion angehört. Man kann sich einen Bilder, dargestellt von der Gesellschaft Strzlewiz und den Partei- trag. Die Resolution der Berliner Gewerkschafts- Kommission Begriff von dessen Liberalismus" machen, wenn man er genoffen errangen einen lebhaften Beifall. Die Festrede wurde wurde einstimmig angenommen, ebenso eine andere, welche fich fährt, daß derselbe alle die groben Maßregelungen der von dem Genossen Adolf Hoffmann gehalten. gegen die Umfturzvorlage wendet und dem Abgeordneten Schall Arbeiterorganisationen, wie sie in den letzten Jahren stattals Vertreter des Kreises im Reichstage zugesandt werden wird. In den Vororten war die Betheiligung allgemein eine sehr Spremberg. Die Versammlung, wo Dr. Pinn aus Berlin fanden, für gerechtfertigt erklärte und dabei noch die Berege. In Rummelsburg betheiligten sich am Abend girta sprach, war von 400 Männern und Frauen besucht. Die Resolution hauptung aufstellte, die bayerische Regierung sorge für 400 Genossen an der Feier und stimmten nach einem Referat derBerliner Gewerkschaftstommission wurde einstimmig angenommen. Die Arbeiter und fördere die Gewerkschaftsorganisationen! des Genossen Sonnenburg einer Resolution zu, die sich in In Nowawes Neuendorf sprach am Vormittag Paul Seitens des Zentrums erklärte Bach em sich mit dem ihrem Inhalte mit der in Berlin angenommenen deckt. Neumann vor 150 Personen über die Bedeutung des 1. Mai. Grundgedanken des Antrages einverstanden, findet aber, daß In Köpenick war von einer Versammlung am Vormittag Die Resolution der Berliner Gewerkschaften wurde einstimmig derselbe zu weit gehe, zu radikal sei. Frauen dürften nicht Abstand genommen. Am Abend vereinigten sich 700 Theil angenommen. Mit einem Hoch auf das Maifest der Arbeiter das volle, gleiche Recht auf diesem Gebiete haben wie die nehmer zu einer imposanten Versammlung im hiesigen Stadt- trennte man sich. Abends wurde ein folenner Rommers ab- Männer; doch gab er zu, daß ein gewisses" Vereins- und theater. Die Feftrede hielt Genosse Eichler. gehalten. Landsberg a. 2. Gut besuchte Versammlung. Bersammlungsrecht zur Vertretung ihrer wirthschaft. Das Referat hatte Pähel aus Berlin. " In Stralau war die Versammlung am Vormittag von 100 Personen besucht, die nach dem Referat des Genossen Sonnenburg die im" Sozialdemokrat" bekannt gegebene Resolution annahm. Am Abend sprach der Genosse Hansen vor ca. 300 Personen. Das Versammlungslokal in Friedrichsberg, Schneider's Gesellschaftshaus, wurde vor Eröffnung der Versammlung absperrt. Wohl an 800 Personen hatten Platz gefunden, die mit lebhaften Beifallsbekundungen die trefflichen Ausführungen des Genossen Stadthagen begleiteten. " W. " " Schlesien. Liegnih. Nachmittags vereinigten sich die lichen Interessen ihnen eingeräumt werden müsse. Jetzt Arbeiter, die die Arbeit ruhen laffen fonnten, zu einem Ausflug. aber sei die Zeit nicht günstig, solche Gesetze in Angriff Abends sprach in stark besuchter Boltsversammlung F. Feldzu nehmen. In ähnlicher Weise äußerte sich das enfant mann. Die im Vorwärts" veröffentlicht gewesene Resolution terrible der freisinnigen Partei, der Abg. Beckh= wurde einstimmig angenommen. Zum Schluß der glänzend ver- Coburg aus Nürnberg, welcher außerdem die ganzen laufenen Versammlung wurde die Marseillaise angeſtimmt.bayerischen Polizeimißbräuche lebhaft vertheidigte, weil Breslau. Die beiden Versammlungen, wo Schoenlant Grillenberger der freisinnigen" Nürnberger Polizei ein und Tubauer sprechen sollten, waren außerordentlich zahlreich wenig auf die Hühneraugen getreten hatte. Er knüpfte besucht. Die im Wahlkreise Breslau- Ost, wo Tugauer gewählt In Rixdorf war man hochbefriedigt von dem Verlaufe ist, verfiel der polizeilichen Auflösung, noch ehe der Referent ein daran eine Anzahl gehässiger persönlicher Angriffe gegen der Versammlung, die am Vormittage abgehalten wurde. Die Wort gesprochen hatte. Als Grund wurde ein von einigen unsere Redner, wie sie dem Nürnberger Freisinn, der ein Besucherzahl ist mit 600 Personen nicht zu hoch gegriffen. Nach Gesangvereinen ausgeführter Gesang, der nicht auf der Tages gar absonderliches Gewächs ist, eigen zu sein scheinen. der Rede des Genossen Bubeil fand die Berliner Stesolution ordnung stand, angegeben. Die andere Versammlung fand troß Damit tam er aber bei Genossen Grillenberger schön an, ohne Widerspruch Annahme. Frau Fahrenwald ermunterte desselben Gesanges unbehindert statt. Haynau. Vormittags derselbe schickte den Herrn Beckh in einer Weise heim, wie das weibliche Element zur Unterſtügung der Frauenbeweging. fand eine gutbesuchte Gewerkschaftsversammlung statt, die vom es diesem seit langer Zeit nicht passirt sein wird. Der An die Arbeitslosen wurden Freikarten für die Nachmittags- Gewerkschaftskartell einberufen war und wo Paul Schmidt Nürnberger Bürgermeister, für den Beckh in so außer Festlichkeiten verausgabt. die Bedeutung des 1. Mai flarlegte. Nachmittags fand ein ordentlich ungeschickter Weise eine Lanze brach, dürfte sich Die Feier am Abend verlief, wesentlich gefördert durch das Massenausflug statt, woran sich die Frauen stark betheiligten. fagen: Gott bewahre mich vor solchen Freunden.- Herr selten schöne Wetter, in programmmäßiger Weise. Waren auch Abends wurde eine sehr gut besuchte Volksversammlung abdie beiden Festlokale Hermannstr. 45 und Knesebeckstr. 77 in gehalten. Karl Leib referirte. Alles verlief der Bedeutung v. Marquardsen fagte auch ein paar Worte; er ist den beiden Nachmittagsstunden weniger stark besetzt, so wurde der des Tages entsprechend in würdigster Weise. auch für reichsgesetzliche Regelung", und zwar etwa auf Andrang gegen Abend desto bedeutender. Genosse Rohrlack fand bei seinen Festreden lebhaften Beifall, ebenso wurden die Die Boltsversammlung war von 250 Personen besucht. J. H. Jung schrittler Moritz Wiggers ausgearbeitet worden ist. Jetzt Provinz Hannover, Braunschweig, Bremen. Verden. grund des Entwurfs, der vor Jahren von dem FortBorträge der Gefangvereine dantend entgegengenommen. In Brig tagte am Abend eine Versammlung, die von un- aus Bremen hielt den Vortrag. Der Verlauf der Demonstration aber, so meinte auch er, habe der Reichstag viel wichtigere" war vortrefflich. gefähr 200 Personen besucht war. Nach langer Zeit konnten an imposant verlaufen. Von nachmittags 4 Uhr ab fanden im losen Anträgen zu vertragen". Wegen vorgerückter Bei Braunschweig. Die Maifeier ist Sachen zu thun, als seine kostbare Zeit mit solch' aussichtsDieser Versammlung auch wieder die Frauen theilnehmen, was Odeon und im Hofjäger Festlichkeiten statt; abends hielt verzichtete Genosse v. Elm auf das Schlußwort, sich vorbisher von den Polizei Organen jedesmal verhindert wurde. Timm aus Berlin in dem legtgenannten Zotale einen Vortrag behaltend, das, was er zu sagen, in der zweiten Lesung, Das Referat hatte Genosse Stabernad übernommen, und vor 3000-3500 Personen. Am Abend dürfte die Gesammtzahl wurde sodann eine Resolution im Sinne des Referats an- ber Festtheilnehmer mindestens 6000 betragen haben. Die Arbeit welche im Plenum stattfinden wird, da Kommissionsberathung genommen. Der Versammlung schloß sich ein zwanglofes Bei- hatten am Vormittag wenige ruhen lassen, nachmittags aber nicht beantragt wurde, vorzubringen. fammensein an. In der heutigen Sigung des Reichstages wurde Johannisthal: Die hiesige Festversammlung war von etwa 6-700 Arbeiter, und viele machten wenigstens zeitiger etwa 200 Personen besucht. Nachdem gleich zu Anfang auf Feierabend. Eine der Bedeutung des 1. Mai entsprechende Refo- fix gearbeitet. Die Bolltarif Novelle und die Resolution Anordnung des Polizisten 3 oder 4 fleine Kinder aus dem Saal lution wurde mit großer Begeisterung angenommen. In über den Quebrachozoll wurden in zweiter Lesung anBremen Versammlung im Kasino. 1500 Personen. Referent entfernt werden mußten und der Staat dadurch außer Gefahr ge- Dr. Diederich. Ginstimmige Annahme der im Vorwärts" Gesetz in erster Lesung erledigt. genommen. Hierauf wurde das Kommunal- Weinsteuerbracht war, referirte Genoffe Sassenbach über:" Die Be- veröffentlichten Berliner Resolution. Ferner Versammlungen in Genosse Singer veröffentlichten Berliner Resolution. Ferner Versammlungen in deutung des 1. Mai. Dem beifällig aufgenommenen Bortrage Bremen in Dreyer's Boltsgarten, Referent Stable; in Mühlen- wahrte den Standpunkt der Partei. Die Aussichten der folgte ein gemüthliches Beiſammensein und Tanz, wobei auch der stebt's Lokal Referent Faure; in Woltmershausen Referent Vorlage sind keine guten, worüber das Volk sich aber Gefangverein„ Eintracht" einige Lieder zum besten gab, so daß bert; in aste bt, gegen 500 Personen, Referent ages. trösten tann. der Verlauf des Festes ein würdiger genannt werden fann. Alle sehr stark besucht. In Vegesact, Versammlung im Tivoli, Der Bundesrath hat in feiner heutigen Sihung zu dem Friedrichshagen. In einer auch von Frauen gut: 800 Personen; Referent Besching. In Achim Referent Entwurf eines Gesetzes betreffend die Fürsorge für die Wittwen besuchten Versammlung sprach hier Genosse Heinrich Schula Sicfeld. In Delmenhorst Referent Rüger aus Berden, und Weisen der Personen des Soldatenstandes des Reichsheeres über die Bedeutung des 1. Mai. Einmüthig stimmten die Theils 600 Personen. Resolution einstimmig angenommen. Die Feier und der Marine vom Feldwebel abwärts nach den Ausschußnehmer einer Resolution zu, die ihr Einverständniß zu den war überall ohne Arbeitsruhe. anträgen die Zustimmung ertheilt. Forderungen der internationalen Kongresse ausspricht. Viel stärker besucht, als Aus Hamburg liegt uns bis zur Stunde nur eine Meldung hatte, Zwei sozialpolitische Gesetzentwürfe sind dem preußi. war die Versammlung in über die bei Gevecke( Hobeluft) am Vormittag abgehaltene Ver- fchen Abgeordnetenhause zugegangen, der eine bein Charlottenburg, welcher Wilhelm Liebknecht unter lebhaftem Beifall sammlung vor, die von etwa 2500 Personen besucht war. schäftigt sich mit den Verpflegungsstationen, der andere die Rede des Tages hielt. Mit Rücksicht auf diese Instrumental- Mufit, Festrede und Gesang bildeten das Pro- mit der Errichtung von Arbeiterwohnungen. Wir erschöpfenden Ausführungen wurde in eine Debatte nicht ein gramm. Anstatt des nicht eingetroffenen Abgeordneten Geyer fommen auf dieselben demnächst zurück. getreten; mehr als 600 Personen stimmten der Resolution der sprach Lorenz aus Hamburg. Außer dieser Versammlung Der Wahlausfall in Lennep- Mettmann hat unBerliner Gewerkschafts- Kommission unter lautem Beifall zu. waren am Vormittag noch zwei andere anberaumt, und für den Am Abend waren von den Genossen zwei Lokale, Bismarckshohe Abend hatte man eine ganze Reihe festlicher Veranstaltungen vor- geheure Freude im freisinnigen Lager hervorgerufen. Wir begreifen diesen Jubel nicht. Wohl muß es der freisinnigen und Triefethau's Salon, mit Beschlag belegt; im ersteren gesehen. herrschte eine wahrhaft beängstigende Fülle. Die Polizei hatte Schleswig- Holstein. GImshorn. Vormittagsversamm- Boltspartei erfreulich sein, zu ihren 22 Mannen noch einen den Vertrauenspersonen schon vormittags angekündigt, daß bei lung 200, Nachmittagsausflug 500, Abendfeier 800 Personen.- 23. und sei es auch nur Herrn Fischbeck als Zuwachs zu einer Strafe von 75 m. verboten sei, die Kinder während des Lübeck. Maifeier brillant verlaufen. An dem Feftzuge, der sich erhalten, aber stolz fann sie nicht auf einen Vertreter sein, Tanzes im Saale zu belaffen, und am Abend wachten die Be- unter Begleitung eines Musikkorps nach dem Israeldorfer Luft- der über zwei Drittel seiner 15 763 Stimmen den reaktio= amten mit peinlicher Sorgfalt darüber, daß dieses Gebot ja nicht holze bewegte und der das Banner der Partei mit sich führte, nären Parteien aller Farben, dem Drucke der Behörden übertreten wurde. Der Abg. 3ubeil war der Festredner in nahmen 2500 Personen theil. Die Ansprache hielt Theodor und der Fabrikanten verdankt. Wir wollen uns der Schwarz. Abends war in den Zentralhallen eine Volts Schmargendorf. Eine Boltsversammlung, die abends versammlung, der 3000 Personen beiwohnten. Nach dem Referat eigenen Worte über die schmachvollen Mittel, bie zum in Sanssouci in der Ruhlaerstraße tagte, war im allgemeinen des Parteigeuoffen Schwartz wurde die bekannte Resolution an- freisinnigen Siege geführt haben, enthalten und blos das Zeugniß eines der freisinnigen Volkspartei so nahestehenden gut besucht. Zum Vortrage über die Bedeutung des 1. Mai genommen. war Genosse Pfeiffer aus Berlin erschienen. Eine Diskussion Rheinland. In Düsseldorf verlief die Maifeier in Organes, wie es die Frankfurter 3tg." ist, anführen. Das folgte dem beifällig entgegengenommenen Vortrage nicht; ein- großartiger Weise, wozu das Flugblatt, das am Sonntag in Blatt schreibt: stimmig machten die Versammelten die von der Berliner Ge- 25 000 Exemplaren verbreitet wurde, wesentlich beitrug. werkschaftskommission vorgeschlagene Resolution zu der ihrigen. Morgens machten ca. 400 Genossen mit Weib und Kind einen In Wilmersdorf war die Betheiligung an der Ver- Ausflug in die herrlichen Waldungen bei Rath, wobei fie fich fammlung nur schwach. Nach einem trefflichen Referat des Ge- außer an der schönen Natur an einigen Dutzend berittenen und nossen Knauf, dem sich eine turze Diskussion anschloß, stimmte unberittenen Gendarmen und Polizisten und sogar an der Bebeiden Lokalen. erwartet man " Des " Jede Partei sieht sich in gleicher Lage nach Bundesgenossen um und jede Richtung, die ihr beispringen will, wird willkommen geheißen. Nur muß die Werbung in einer Form geschehen, bei der die werbende Partei sich nichts vergiebt und die für sie nicht ompromittirend ist. Das hat zu unserem Bedauern die frei bemerkt fie: # finnige Parteileitung des Wabltreifes Lennep Remscheid außer in Aussicht geftellt, sie werde mit einem Baumeister wieder- I gebracht. Die Einnahme betrug einschließlich 25,50 m. früherent acht gelassen und damit fällt auf ihren Sieg ein dunkler kommen, um das Lokal zu prüfen, ob es den baupolizei- Raffenbeftands 123,78 M., die Ausgabe 32 M., so daß 91,78 m. Schatten." Und am Schluffe ihres Artikels über den Wahlausfall lichen Vorschriften, die an Bersammlungslokale gestellt Ueberschuß blieben. Auf Beschluß einer Versammlung ist in den werden, genügt. Der Sozialdemokratie ist Sa a I beiden Lofalen, wo die regelmäßigen Zusammenkünfte des Vereins Sollte angesichts der Aufwendung solcher Mitte! der Gewinn abtreiberei in jeder Gestalt nichts Neues. Daß sie vor sich gehen, je ein Exemplar des Vorwärts" ausgelegt. eines Mandats nicht bedenklicher sein, als eine ehrliche Nieder- jetzt aber auch einmal dem allerpatriotischsten Herrn Zelle, lage? Sicherlich für jeden, der es nicht mit dem Satz hält: Oberbürgermeister von Berlin, und seinen Freunden gegen lucri bouis est odor ex qualibet re"- Gewinn, woher er über angewandt wird, ist ein ganz guter Witz der Welt auch stammen mag, hat stets einen guten Geruch und wir geschichte. L mögen nicht glauben, daß eine freiheitlich gesinnte Partei sich dazu bekennen mag." Bei sehr schwacher Wahlbetheiligung unterlagen in Wald bei Colingen bei der Wahl von Stadtverordneten für die 3. Abtheilung im ersten Bezirk( Wald) unsere Genossen Aprath und 2. Schumacher mit 66 und 64 Stimmen den " 1 Daß es wieder die Antisemiten waren, die bei der Wahl Auch die Freikonservativen( die Fraktion des Herrn Gegnern, die mit 96 und 94 Stimmen fiegten. Von 567 Bevon Stumm) wollen nicht mehr mitthun. Auch sie Dagegen wurde im 2. Bezirk der Parteigenoffe Muz einstimmig rechtigten hatten nur 161 vom Wahlrecht Gebrauch gemacht. Wir aber fönnen trotz der Niederlage auf den Wahl- finden keinen Geschmack mehr an dem Umsturzgesetz. Die wiedergewählt. Desgleichen fiegte im 3. Bezirk( Mangenbergausfall mit voller Befriedigung zurücksehen. Wir haben in Partei berieth in einer am Donnerstag Abend stattgefundenen Schlagbaum) mit 85 gegen 4 Stimmen gewählt der von Parteis der Zeit zwischen Haupt- und Stichwahl zirka 2000 Stimmen Fraktionssigung über eine formulirt vorliegende Erklärung, genoffen aufgestellte frühere Vertreter des 3. Bezirks, Karl gewonnen, von denen keine einzige auf gegnerische Unter welche bei der zweiten Berathung der Umsturzvorlage zur Everts. Die Bergische Arbeiterftimme" bezeichnet als Ursache fügung zurückzuführen iſt. Makellos, mit erheblichem Verlesung gelangen und die Ablehnung dieser Vorlage der theilweisen Niederlage die Theilnahmlosigkeit vieler Arbeiter Etimmenzuwachse gehen wir aus einem Wahlkampfe hervor, durch die Reichspartei in kurzer Motivirung aussprechen soll. und Kleinbürger gegenüber den Kommunalangelegenheiten. Wir der sich durch ganz außerordentliche Anwendung aller Unter- In eine Debatte soll die Fraktion bei der zweiten Plenar- wollen hoffen, daß es bis zur nächsten Wahl gelingt, hierin diückungsmittel gegen unsere Partei ausgezeichnet hat. berathung nicht eintreten. Die auf militärische Verhältnisse gründlich Wandel zu schaffen. Kein einziges Wahllokal stand unserer Partei zur Ver- bezüglichen Punkte der Vorlage sollen seitens der Fraktion fügung, in einem Zelte blos konnten unsere Versamm angenommen werden, bei einer weiteren Ausdehnung über zum taufmännischen Gremium in Wien die kürzlich lungen abgehalten werden. Unter solchen Umständen diese Punkte hinaus würde sie die Vorlage aber ablehnen. berichteten Radauszenen verursachten, bestätigt sich jetzt. Sie brächte keine andere Partei auch nur einige hundert Dieser Absicht, die Militärparagraphen aus dem Um- gingen während und nach der Wahl mit Faust, Stock und Messer Stimmen zu stande; wir haben aber einen außerordent- fturzgesetz anzunehmen, den übrigen Inhalt in der klerikali auf diejenigen Handlungsgehilfen los, die für den antisemitischen lichen Stimmenzuwachs( von 13 148 auf 15 138 Stimmen) firten Form jedoch zu verwerfen, will aber natürlich wieder Schwindel nicht zu haben sind, so daß selbst die Polizei nicht zu verzeichnen. Solche„ Niederlagen“ nugen einer Partei das Zentrum einen Strich durch die Rechnung machen.-umbin konnte, einige der Rüpel in Haft zu nehmen. Der Groll ftets mehr als Siege, wie die des Herrn Fischbeck.- Wenu auf diese Weise am Ende das ganze Umsturzgesetz Jahren, hatte ihre Kandidatenlifte 3774 Stimmen erhalten, die der Antisemiten ist begreiflich. Bei der vorletzten Wahl, vor drei Bei der Nachwahl in Geislingen- Heidenheim- Mim ins Wasser fallen sollte, wird ja niemand sonderlich böse erhielten Baurath Ebmann( Wirthschaftspartei), unterſtüßt sein. von den Nationalliberalen, 6616 Stimmen, Hähnle( Dem.) 6035 St., Dietrich( Soz.) 2017 St., Gröber( Zentrum) 22 St. Es ist somit eine Stichwahl zwischen Ehmann und Hähnle erforderlich. der Liberalen 1889 und die Liste unserer Parteigenossen 729. Diesmal bekamen die Judenfresser, trozdem die sogenannten Liberalen auf die Wahlbetheiligung verzichtet hatten, nicht mehr als 3831 Stimmen, während für die Liste der Sozialdemokratie 2667 Stimmen, dreimal mehr als früher, abgegeben wurden. Polizeiliches, Gerichtliches 2c. Die zwiespältige Stellung der Konservativen zur 1msturzvorlage tritt recht deutlich in einem Artikel der Konservativen Korrespondenz" in die Erscheinung. Einer seits wollen fie der Vorlage in der Kommissionsfassung nicht zustimmen. Andererseits ärgert sie doch die allgemeine-In Sachen des Magdeburger Saal Boykotts ist Agitation gegen das Gesetz, die wie ein Protest gegen die gegen die dortigen Parteigenoffen 2antau, Albert Umfturzgesetzgeberei überhaupt aufgefaßt werden könnte. Die Schmidt, Gärtner und Hugo Baumüller wegen Konservative Korrespondenz" schreibt: angeblichen„ groben Unfugs" Antlage erhoben. Der Anklage " V " = Bemerkenswerth an diesem Wahlausfalle sind zwei Umstände, der vollkommene Niedergang der nationalliberalen Partei und die Thatsache, daß sämmtliche Kandidaten, gedrängt durch den immer mehr zu tage tretenden Unwillen der Wählermassen, sich als Gegner der Umsturz- Wir haben erst vor fun argelegt, daß die konfervative liegen Publikationen aus 35 Nummern der„ Boltsstimme" zu vorlage erklären mußten. Die Nationalliberalen hatten in Reichstags Fraktion weit Lavon entfernt ist, der Umsturz- grunde. Die Verhandlung ist am 3. Mai. Gegen den Parteigenossen Schaur in Lörrach in diesem Wahlkreis 1887 noch 15 564 und im Jahre 1890 vorlage in der Form, in der sie nach den Wünschen des Baden ist vom Freiburger Staatsanwalt eine Anflage wegen 9757 Stimmen gezählt. 1893 fiegten sie im ersten Wahl- 3entrums aus den Kommissionsberatungen hervorgegangen ist, angeblicher Aufforderung zum Hochverrath eingeleitet. Die Aufgange mit 10 383 Stimmen und 1895 wagten sie nicht ein- zuzustimmen. Auch in der Kommission selbst ist von berufener reizung soll in einer Versammlung geschehen sein, wo die März mal mehr einer eigenen Kandidaten aufzustellen und der Stimmung der fonservativen Mitglieder zu der vorliegenden prozeß für den Freiburger Staatsanwalt nicht günstiger ausfonservativer Seite die Erklärung abgegeben worden, daß die Zu- feier begangen wurde. Hoffentlich wird dieser Hochverraths"= von ihnen unterstützte Mandatsbewerber einer anderen Partei Fassung nur aus dem Grunde erfolgt ist, um ein positives Re- gehen, als der seinerzeit in Mannheim gegen Dreesbach und erhielt blos 6616 Stimmen. Der Wahlkreis dürfte der fultat der Berathungen zu erzielen und nicht mit völlig leeren Genossen angestrengte Prozeß, bei dem in Beziehung auf die süddeutschen Volkspartei zufallen, die dann 12 Mitglieder Händen vor das Plenum treten zu müssen. Ist also bei dieser Hochverrachsanklage die Staatsanwaltschaft abfolut kein Glück zählen würde. Sachlage das Zustandekommen der Umsturzvorlage in der Kom hatte. missionsfaffung aussichtslos, so haben die Proteste und Ent Die Vorfrucht der Sozialdemokratie. Reine rüstungskundgebungen der liberalen und demokratischen Parteien Seiterfeit muß bei allen Sozialdemokraten der im Gefolge nur taftische Bedeutung. Es ist ein Kampf gegen Winddes Wahlausfalles im Kreise Dresden- Land entbrannte müblen behufs Stärkung bes immer mehr fich abStreit über die Vorfrucht der Sozialdemokratie erregen. schwächenden liberal- demofrotischen Gedankens. Wenn aber Konservative, Freisinnige und Antisemiten werfen sich konservative Männer und Organisationen der von der Demokratie gegenseitig vor, daß sie die Vorfrucht der Sozialdemokratie inszenirten Bewegung" sich anschließen, so unterstützen sie nicht find. Merkwürdigerweise haben hier alle Streitenden recht, allein ein ausschließlich parteitaktisches liberal demokratisches benn alle bürgerlichen Parteien stellen sich als Vorfrucht Unternehmen, sondern sie handeln auch gegen das eigene Partei programm, also unkonservativ. der Sozialdemokratie dar. Läßt der Wähler sich von den Troß dieser Mißstimmungen die öffentliche Agitation Versprechungen der Bourgeoisieparteien nicht mehr narren, hat die fonservative Parteileitung aber doch nicht verhindern dann giebt er ihnen den Laufpaß und wird Sozial- können, daß erst an den letzten Abenden in Berlin aus den ihr nahestehenden Kreisen Kundgebungen demokrat. das Gesetz stimmen sollen. " gegen das dagegen zu stimmen. Bemerkenswerth ist die Erklärung, Ob wirklich der Kampf gegen die Umsturzvorlage so überdie die ultramontanen Mitglieder bei dieser Gelegenheit ab- füffig ist, wie die„ Kons. Korr." behauptet, ist eine andere gaben. Auch diese Erklärung zeigt, daß die Zentrumsherren& rage. Das Zeitungspapier ist geduldig, und deshalb wird verstohlen das untergehende Schiff des Umsturzgesetzes ver laffen. Es heißt darin: Gewerkschaftliches. meiden. Achtung, Metallarbeiter! Die Werkstatt der Firma del u. Glinide, Wafferthorstr. 50, ist für Metalldrücker, und die Werkstatt der Firma D. Lundershausen, Prinzenstraße 99, für Gürtler und Schnittarbeiter bis auf weiteres gesperrt. Wir ersuchen alle Kollegen diese Werkstätten strengstens zu Der Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Die Bundesstaaten und die Umsturzvorlage. Auch Umsturzgesetz erfolgt find. Es läßt tief blicken", daß bis Gemaßregelt wurden am 2. Mai morgens beim Arbeits darauf richtet bekanntlich die bürgerliche Opposition gegen in die Kreise der Hochkonservativen und der Mucker die antritt auf Beranlassung des Königlichen Intendantur- und Bauraths Roßteuscher, des Bauleiters der evane die Umsturzvorlage ihr Augenmert, auf die Einzelregierungen Mißstimmung über das Umsturzgesetz dringt. gelischen Garnisontir ch e. Die am Neubau derselben in dem Sinne einzuwirken, daß diese im Bundesrath gegen Korrespondenz" gegenüber der Hamburger Korrespondent" Steinmetz wurden ohne Kündigung entlassen, ohne bren Uebrigens macht diesen Auslassungen der„ Konservativen beim Unternehmer Worzel beschäftigten Steinbildhauer und ein So nahm am 1. Mai die zweite hessische Kammer mit darauf aufmerksam, daß für jeden, der sich mit der jetzigen restirenden Lohn und ohne ihre Krantenbücher 32 Stimmen einen Antrag an, die Regierung zu ersuchen, Fassung des Umsturzgesetzes nicht einverstanden weiß, erhalten zu haben. Die Gemaßregelten ersuchen ihre falls der Reichstag die Umsturzvorlage in der Fassung der eine energische Agitation gegen das Gesez unerläßlich ist. Kollegen, den Zuzug bis zur Regelung dieser Angelegenheit Kommission annehme, im Bundesrath mit allen Kräften Die Zeitung schreibt: durch die Gewerkschaft auf firengste fernzuhalten. Der Unternehmer soll angewiesen sein, feine Berliner, sondern nur noch auswärtige Bildhauer einzustellen. Achtung, Korbmacher! Am Montag haben die Korbmacher man gut thun, abzuwarten, was im Reichstage felbft in dem Geschäft von Draum, Friedrichsfelde, die Arbeit niedergeschieht. Die Ronservativen haben ja das Schidfal der gelegt. Der Zentralvorstand des Vereins deutscher Korbmacher Vorlage in der Hand, und es wäre nicht das erste ersucht, den Zuzug nach Friedrichsberg fernzuhalten. Mal, daß sie im Reichstage genau das unternähmen, was ihre Bresse als unmöglich bezeichnet hat. Daß in der zweiten Be rathung sämmtliche Bestimmungen des Entwurfs abgelehnt würden, ist völlig ausgefchloffen; es wird also auch noch eine dritte Lesung stattfinden, und was in dieser geschieht, ist nicht zu berechnen. Mit der Versicherung, daß die Vorlage, wie sie aus der Kommission an das Plenum gelangt ist, unannehmbar fei, ist garnichts gethan. Sollten in der zweiten Berathung die Kufutseier des Zentrums beseitigt werden, so wäre ja für die dritte Lesung immer noch Zeit, ein neues Kompromiß zu stande Auf dem Ban Wilmersdorferstr. 67 in Charlottenburg zu bringen, falls das Zentrum den Aerger über die Enttäuschung, wurden wegen der Maifeier zehn Steinträger gemaßregelt. Ans fänglich war ihnen vom Kolonnenführer Mä licke die Erdie die konservative Partei ihm bereitet, hinunterschluckt.laubniß ertheilt. Auf die sehr energischen Einwendungen des Zentrumswünsche brachte ein ultramontaner Ab- Poliers wurde diese Busage aber am 30. April zurückgezogen. geordneter, Dr. Daller, auf einer Bauernversammlung in Da von 16 Arbeitern 13 sich für die Feier erklärt hatten, wurde dem Verlangen des Poliers nicht stattgegeben und Immer mehr Stadtvertretungen treten in die Agi- Bayern folgendermaßen zum Ausdruck: tation gegen das Umfturzgesetz ein. Unter den Mitgliedern von Gott eingesetzten Obrigkeit haben, bisher war das Gesetz ihren Versprechungen zurücktraten und am 1. Mai weiter Das Reich muß ein Zwangsmittel gegen Untergraber der schlossen sich zehn Arbeiter der Feier an, während drei von des Nürnberger Magistrats und des Gemeinde- gegen solche ohnmächtig. Besonders Lehrern an den höheren arbeiteten. Leider haben sich sofort einige Arbeiter gefunden, die Kollegiums zirkulirt eine Erklärung gegen die Umsturz- Schulen muß es an den Kragen gehen, welche den Glauben an die Stellen der Feiernden besetzten. vorlage. Die Petition soll dem Städtetage vorgelegt einen persönlichen Gott leugnen, die Unsterblichkeit der Seelen und die Vergeltung im Jenseits in Abrede stellen. Das Bentrum wird trok Schimpfen und Lästern diesem Prinzip treu bleiben. 28ir erklären von vornherein, daß wir mit der sogenannten Umsturzvorlage nichts gemein haben. Wir haben sie weder gewünscht, noch haben wir irgend etwas gethan, fie herbeizuführen. Die Baterschaft dieses Gesetzes gebührt den Nationalliberalen, von denen heute das Bestreben mit ausgeht, es wieder aus der Welt zu schaffen. Aber wenn denn ein Gesetz gegen den Umsturz erlaffen werden sollte, so erschien uns die Vorlage in ihrer ursprünglichen Fassung aus zwei Gründen uns annehmbar. Auch in Württemberg regt sich eine ähnliche Agitation. Die Bolkspartei brachte in der Kammer den Antrag ein, die Regierung um Verwerfung der Umsturzvorlage im Bundesrath zu ersuchen; der Antrag wird voraussichtlich Freitag verhandelt. werden. Von den Mainzer Stadtverordneten wird der Versammlung der Gemeindevertreter in Berlin, die gegen die Umfturzvorlage Einspruch erheben will, eine Zustimmungstundgebung zugehen. Auch in München und Heilbronn wurde ähn liches versucht, scheiterte aber theils an dem Widerspruch Parteinachrichten. Gegen die Einführung einer Staatslotterie faßte in Achtung, Weißgerber und Lederfärber! Ueber die D. Jeitteleb'sche Fabrik und die Gerberei Krau in & ßlingen( Württ.) ist wegen ausgebrochener Lohndifferenzen die Sperre verhängt worden. Rosenthal u. Groß, Neue Grünstr. 30( Spindlershof) dauert unDer Streik in der deutsch- amerikanischen Schuhfabrik von verändert fort, und ist der Zuzug fern zu halten. Die Streiftommission. Meeraue( Sachsen). Der Streit der Arbeiter und Arbeite rinnen( Jaquard- und Schaftarbeiter) der Firma Straff u. Sohn ist beigelegt und somit beendet. Die chirurgischen Instrumentenmacher werden darauf aufmerksam gemacht, daß in der Fabrik von Adam Storz in Tuttlingen( Württ.) ein Streit ausgebrochen und deshalb Zuzug dorthin fernzuhalten ist. des Magistrats, theils an der Feigheit eines Theiles der übed eine Voltsversammlung, wo Theodor Schwar schuhfabrit in München legten wegen Lohndifferenzen die Gemeindevertreter. Bei der Koburger Stadtverordneten- Versammlung ist ein Antrag eingegangen, die Versammlung solle zu dem Protest der Berliner Stadtverordneten gegen die Umsturzvorlage ihre Zustimmung aussprechen. Defizits im Staatsbudget wurde verlangt, man folle die großen Einkommen stärker besteuern. Die Staatslotterie ist bekanntlich, gerade um das zu vermeiden, von der sogenannten Bürgerschaft Lübecks beantragt, während der Senat nichts von der Lotterie wissen will. Die Weißlederzurichter der Rödel'schen Hand. Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. 800 Maurer befinden sich in Basel im Ausstand. Die Veranlassung zur Arbeitsniederlegung ist uns noch unbekannt. Nach einem Telegramm des„ Herold'schen Bureaus" läßt sich annehmen, daß es sich um einen allgemeinen Ausstand handelt. Aus Königsberg i. Pr. wird uns von der„ Agis tationsfommission" telegraphirt: Waggonfabrik Stein. furt für Holzarbeiter gesperrt wegen Maß. regelung von 80 organisirten Genossen. Zuzug strengstens fernhalten. " Ju Königsberg beschloß die Stadtverordneten- Versammlung eine Petition an den Reichstag wegen Ab- Von der konfiszirten Maifest- Zeitung sind der Polizei lehnung der Unifturzvorlage abzusenden. Prompt lief noch in die Hände gefallen: in Gera etwa 200 Gremplare, in darauf, ebenso wie in Berlin u. s. w. eine Ordre Bielefeld in den Lokalitäten der„ Volkswacht" 5, bei den des Regierungspräsidenten an den Oberbürgermeister ein, Zeitungeboten 19 Exemplare, in 28 urzen 8 Gremplare. In Stettin und 3 wickau mußte die heilige Hermandad mit den Stadtverordnetenbeschluß über die Umsturzvorlage zu leeren Händen abziehen. In Budapest haben 2000 Lederarbeiter den Ausstand erklärt. Sie verlangen Verbesserung ihrer Lohnverhältnisse, beanstanden. Aber leider, leider: Die Petition war bereits was die Fabrikanten ablehnten. einen Tag früher mit der Poft abgegangen. Der 6. Parteitag der Sozialdemokratie der Rheinpfala Der Städtetag gegen die Umsturzvorlage, der am wird am 19. Mai von vormittags 10 Ubr an in Neustadta. H. Der Ausstand der Zündholzarbeiter ist, wie aus 5. Mai in Berlin abgehalten werden soll, hat inzwischen im Burkhardt'schen Saale abgehalten. Die Tagesordnung lautet: Paris gemeldet wird, zu Ende, nach dem den Arbeitern Gr schon seine eigenthümlichen Schicksale gehabt. Herr v. Köller Bericht des Agitationskomitees, Referent: uber; Bericht des böhung des Lohnes zugesichert und ferner die Zusage gemacht soll empört darüber sein, daß er gegenüber der Berliner Kreistomitees; Unsere Agitation; Unsere Presse, Referent: worden ist, es werde sobald als thunlich an fielle des weißen Stadtverordneten- Bersammlung so schmählich hineingefallen engel; Die Agrarbewegung in der Pfalz, Referent: Phosphors nur amorpher Phosphor zur Fabrikation verwendet ist. Und so erschien denn bei dem Inhaber des Hotels Tagesordnung ihre Erledigung fanden. Ehrhart. Anträge, soweit sie nicht durch die vorhergegangene werden. Aus Northampton wird gemeldet, daß etwa 2000 der in " Kaiserhof" in Berlin, in deffen großem Gaal der Städteden Schuhwaaren Fabriken beschäftigten Stückarbeiter tag abgehalten werden soll und wo schon sehr häufig große Parteifinanzen. Der Wahlverein in 2angenbielau wegen der neu eingeführten Fabrikordnung wiederum die Arbeit Versammlungen getagt haben, die liebe Polizei und hat ihm hat im vorigen Quartal seine Mitgliederzahl von 105 auf 165 niedergelegt haben. Verantwortlicher Redakteur: J. Dierl( Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. BO 1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 102. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 82. Sigung vom 2. Mai. 1 Uhr. Am Bundesrathstische: Graf Posadowsty. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Berathung der Novelle zum 3olltarif; eine Generaldebatte findet nicht statt. In der Spezialdiskussion beantragt Abg. Hammacher zu der Bestimmung über die Kampfzölle die Aenderung, daß die Kampfzölle, welche auf zollfreie Waaren gelegt werden, 20 pet. des Werthes nicht übersteigen dürfen. Der Antrag wird mit erheblicher Mehrheit angenommen. Die Beschlüsse der zweiten Lesung über Aether 2c. werden ohne Debatte bestätigt. Die Bestimmung über Bau- und Nugholz wird nach Beantwortung einer Frage des Abg. Müller- Sagan( frf. Vp.) durch den preußischen Geheimen Oberfinanzrath v. Schmidt genehmigt. Ter Honigzoll wird nach furzer Bemerkung des Abg. Wurm ( Soz.) genehmigt, ebenso der Zoll für Speiseöle. Abg. Werner( Reform Partei) beantragt, den Zoll für flüssige alfoholhaltige Parfümerien von 200 auf 300 Mart zu erhöhen. Die Bedenken, die gegen die anderen Positionen geltend gemacht feien, daß daß sie Bedürfnisse des armen Mannes vertheuern, treffen bei diesem Luxusartikel nicht zu; der höhere Boll beschütze auch die deutsche Fabrikation. Abg. Möller( natl.) widerspricht dem Antrage, während Abg. Schädler( 3.) denselben empfiehlt. Abg. Richter( frs. Bp.): Es handelt sich hier nicht um einen nur im Auslande hergestellten Lurusartikel, sondern der Artikel wird auch im Inlande hergestellt, und die einheimische Industrie befürchtet, daß sie wenn dieser Schutz vom Auslande nachgeahmt wird, sehr erheblichen Nachtheil bei ihrem Export haben wird. Ferner wird die Einfuhr sich derart vermindern durch den erhöhten Zoll, daß feine Mehreinnahme, sondern ein Ausfall an Einnahmen entsteht. Der Antrag schadet also nach zwei Seiten hin, ich bitte denselben deshalb abzulehnen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen und Nationalliberalen angenommen. Schließlich beantragt Abg. Graf Kanit( f.), die Vorlage mit dem 1. Juli 1895 in fraft treten zu lassen. Auch dieser Antrag wird angenommen. Die eingegangenen Petitionen werden für erledigt erklärt. Auf eine Anfrage des Abg. Hammacher erklärt der Staatssekretär Graf Posadowsky, daß ebenso wie die neuen Tarifpofitionen das amtliche Waarenverzeichniß in traft treten soll 8 Wochen nach seiner Bekanntmachung. Es wird mit aller Kraft an der Fertigstellung des Waarenverzeichnisses gearbeitet; es ist aber noch nicht möglich, zu übersehen, ob die Arbeit fertig wird; dann würde das amtliche Waarenverzeichniß erst nach dem 1. Juli in kraft treten. Zur Resolution wegen des Bolles auf Quebrachoholz ist in der zweiten Lesung ein Zusab angenommen worden, daß die für Färbereien und für die chemische Industrie verwendeten Gerbstoffe zollfrei bleiben sollen; weil die auf die chemische Industrie bezüglichen Worte nur handschriftlich beantragt waren, so muß noch einmal abgestimmt werden. Abg. v. Kardorff( Rp.) benutzt die Gelegenheit, um anzufragen, ob unter der chemischen Industrie auch Gerbereien verstanden werden könnten. Freitag, den 3. Mai 1895. 12. Jahrg. die Erscheinung treten. Redner hofft, daß es dieser Vorlage| Gemeinden, namentlich des Westens in Preußen, dringend danach ebenso gehe, wie der Reichsweinsteuer im vorigen Jahre. verlangen, eine Weinsteuer einzuführen; aber die Vorlage ist doch Abg. Hammacher( natl.) weist darauf hin, daß die elfaß- so bedenklich, daß ich nichts dagegen einzuwenden habe, wenn lothringische Bevölkerung sich an an die Weinsteuer gewöhnt auch eine Kommissionsberathung abgelehnt wird. habe, so daß kaum noch eine Beschwerde darüber besteht, troh Abg. Graf Limburg- Stirum(.): Wer die Steuer trägt, der ziemlich hohen Steuersätze. Die Stadt Straßburg erhebt das hängt ganz von der Konjunktur, von der Produktions10 M. pro Hektoliter und die Einnahme beziffert sich auf menge u. s. w. ab. Die Winzer werden, selbst wenn sie einen 650 000 m. Der Verbrauch hängt eben nicht von der Steuer Theil der Steuer tragen müssen, auf der anderen Seite entlastet ab, sondern von anderen Dingen. Die finanziellen Verhältnisse werden dadurch, daß die Gemeinden nach Einführung der Weinder Gemeinden fordern mit eiserner Nothwendigkeit dazu auf, steuer weniger an Einkommen-, Grund- und Gebäudesteuern erdaß man die indirekten Gemeindeſteuern von den Hindernissen heben werden. Es ist wunderbar, daß gerade die Herren, welche befreit, die ihnen die Reichsgesetzgebung bereitet. Wenn die sonst für die Gemeinde eintreten und ihre Rechte vertheidigen, Ausgabe für den Verbrauch alkoholhaltiger Getränke sich auf fogar wenn sie über Dinge, die sie nichts angehen, un= eine sehr erhebliche Summe beläuft, so müssen die Gemeinden gewaschene Petitionen hierher gelangen lassen, den Ge= daran denken, hieran einen Theil zu haben gegen meinden nicht das Recht der Weinbesteuerung geben wollen. Wir indirekte Steuern. Wenn die Ausgaben der Gemeinden sind einverstanden mit einer Kommissionsberathung.( Zustimmung so wachsen wie bisher, dann werden die Gemeinden rechts.) bald nicht mehr ohne Staatshilfe auskommen. Die Vor- Abg. Rösicke( wild) stimmt den Ausführungen zu, daß die lage zwingt die Gemeinden nicht dazu, eine Weinsteuer ein- Kleinproduzenten die Steuer tragen, wie dies bei den kommunalen zuführen; das ist ein Vorzug gegenüber dem früheren Weinsteuer- Biersteuern schon erreicht sei. Die großen Brauereien haben Gesez. Wo der Wein ein Verbrauchsgegenstand weiterer Volks- diese Steuer auf die Konsumenten abgewälzt, die kleineren freise ist, da sollten die Gemeinden Abstand nehmen von einer Brauereien müssen sie selbst tragen. Das Bier ist nicht dort am Weinsteuer; aber die großen Städte wie Berlin, Köln, Breslau, besten, wo die höchsten Steuern bestehen, sondern umgekehrt; Elberfeld 2c. sollten tein Bedenken tragen, die Weinsteuer ein- weil das Bier dort am besten ist und weil es ein Massenkonsum zuführen. Es bleibt dabei zu erwägen, ob man dabei die Qualität Artikel ist, konnte man die hohen Steuern einführen. In Süddes Weines berücksichtigen will; das ist eine Aufgabe für die ein- deutschland ist das Bier nicht billiger als in Nordzusehende Kommission. deutschland. Schließlich werden wir in einen längst ver gangenen Zustand zurückversekt werden, wo an jedem Thor noch Afzise erhoben wurde. Um die Freiheit des Verkehrs Deutschlands nicht weiter zu beschränken, sollte die Mehrheit des Reichstages dieser Vorlage ihre Zustimmung nicht geben, und überhaupt nicht auf eine Kommissionsberathung eingehen. Damit schließt die erste Lesung. Die Vorlage wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Darauf folgt die Berathung von Petitionen. Die Petitionen des Wirkerverbandes betreffend das Verbot der Gefängnißarbeit mit Strickmaschinen wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Die Petitionen der Gemeinden Spandau, Gaarden und Ellerbeck wegen Erlaß eines Gesetzes über die Heranziehung des Reichsfiskus zu den Gemeindelaften werden dem Herrn Reichsfanzler zur Berücksichtigung überwiesen, nachdem der Abg. Pachnicke( frs. Vg.) dafür eingetreten. Parlamentarisches. Der Nachtrags Etat von 1 700 000 M. für die Kieler Feste zur Einweihung des Nord- Ostseekanals tam heute im Seniorenkonvent zur Sprache. Der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion mußte erklären, daß die Fraktion sich noch nicht mit dem Gegenstand beschäftigt habe, daß aber, obgleich die Fraktion die Nüglichkeit des Kanals stets anerkannt, für den Bau gestimmt Abg. Singer( Soz.): Ich habe den Verdacht, daß, nachdem die Reichsweinsteuer im vorigen Jahre abgelehnt worden ist, dieselbe auf dem Umwege über die Kommunen doch wieder eingeführt werden soll. Ich glaube, daß innerhalb der verbündeten Regierungen die Neigung vorhanden ist, alle diejenigen Steuerquellen, die irgend einmal ein findiger Mitarbeiter der Regierung entdeckt hat, so lange zu fruttifiziren und wiederzubringen, bis der Reichstag, des Widerstandes müde, nachgiebt und die Steuern zum Gesetz macht. Nach unserer Meinung würde die Aufgabe des Reichs auf diesem Gebiete darin bestehen, den Kommunen, in denen jetzt eine Weinsteuer erhoben wird, die Forterhebung zu verbieten. Wir stehen der Vorlage gegnerisch gegenüber, wir sind prinzipielle Gegner aller indirekten Steuern und vermögen nicht einzusehen, daß das, was wir als Unrecht für das Reich und die Staaten erachten, bei den Kommunen angewendet, zum Recht wird, und darum sind wir gegen jede indirekte Besteuerung in der Kommune. Im übrigen befindet sich der Schatsekretär im Die Petition der Handels- und Gewerbekammer für OberWiderspruch mit dem Finanzminister Miquel. Dieser hat in der bayern zu München betreffend die gemischten Transitlager Begründung des preußischen Kommunalabgaben- Gesetzes den für Getreide wird dem Reichskanzler als Material überGrundsatz zum Ausdruck gebracht: die indirekten Steuern dem wiesen; eine Petition wegen eines gemischten Transitlagers für Reich, die direkten Steuern, die Einkommensteuer den Einzel- Holz wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. staaten, die Realsteuern den Kommunen; er hat allerdings auch Der Präsident v. Buol theilt zum Schlusse mit, daß eine den Kommunen das Recht der indirekten Besteuerung zu- Interpellation des Abg. Liebermann v. Sonnenberg eingegangen gestanden, aber doch nur in beschränktem Maße. Der ist betreffend Maßregeln gegen die Vertheuerung des Preises des Schatzsekretär weist auf Frankreich hin. Das französische Petroleums. Ottroi scheint für die Herren unserer Finanzverwaltung Schluß 5 Uhr. Nächste Sizung Freitag 1 Uhr.( Dritte das Ideal Ideal zu sein. Aber statt der schlechten Bei Lesung der Vorlage betreffend die elsaß- lothringischen Bürgerspiele aus anderen Ländern sollte man uns lieber die guten meister; erste Lesung des Nachtrags- Etais; Rechnungsvorlagen, Beispiele vorführen. Es werden uns immer französische und Interpellation von Liebermann v. Sonnenberg und Wahlenglische Einrichtungen empfohlen, welche dem Volke Lasten aufprüfungen.) erlegen, englische und französische Einrichtungen werden uns aber nicht empfohlen, wenn es sich um eine Erweiterung der Volksrechte handelt. Die Gründe des Abg. Hammacher für das Gefeß fönnen in der That mit unglücklicheren Beispielen nicht belegt werden. In Wiesbaden, einer Fremdenstadt liegen die VerStaatssekretär Graf Posadowsky: Welches Schicksal die hältnisse so eigenartig, daß man das, was man auf Wiesbaden Resolution haben wird, kann ich heute noch nicht erklären; der anwenden kann, nicht ohne weiteres auf alle anderen Städte anBundesrath hat dazu noch nicht Stellung genommen. Ich wenden kann. Anch die anderen Gemeinden, die der Abg. Hammuß aber offen gestehen, der Gedanke, daß eine Gerberei macher genannt hat, können nicht angezogen werden. In Straßals chemische Fabrit angesehen wird, ist mir bisher burg legt man, wie mir mein Freund Bueb mittheilt, unter der noch nicht gekommen. Chemische Chemische Fabriken schaffen die Bürgerschaft den allergrößten Werth darauf, die Weinabgabe ab- und die Baukosten bewilligt habe, fie angesichts der politischen Komponenten zur Herstellung von Ganzfabrikaten; die Gerbereien zuschaffen. Wenn uns gar für die Nothwendigkeit einer und wirthschaftlichen Lage doch wohl kaum für die im Nachtragsftellen Ganziabrikate her, wenn auch unter Benutzung von Chemi- kommunalen Weinsteuer das Bier angeführt und und auf Etat geforderte Summe stimmen dürfte. talien. Die verbündeten Regierungen werden die Gerbereien Bayern verwiesen wird, wo trotzdem das Bier am nicht unter den Begriff der chemischen Industrie subsumiren. besten und am billigsten ist, so scheint der Herr Abg. Hammacher Die Branntweinstener- Kommission hielt am Donnerstag Die Abgg. v. Salisch und Hahn erklären sich durch diese den nationalökonomischen Standpunkt zu vertreten, daß man Vormittag ihre erste Sigung; eine zweimalige Lesung der Novelle Auslaffung für befriedigt. nichts besseres thun kann, um den Konsum zu fördern, als daß wurde beschlossen. Abg. S3 mula( 3.) wies darauf hin, daß die Darauf wird die Resolution und schließlich das Gesetz im man recht hohe Steuern auferlegt. Die Konzentration der Pro- 1887 vorgenommene Kontingentirung oft in ungerechtester Weise duktion und der Massenabsay in Bayern ermöglichen es, ein ausgefallen sei; wirklich landwirthschaftliche Brennereien, welche immerhin noch gutes Fabrikat für billiges Geld herzustellen. nur die von der Wirthschaft selbst erzeugten Kartoffeln Aber ganz abgesehen von den wirthschaftlichen Bedenken, erscheint brauchten, ein sehr kleines Kontingent, und die Vorlage auch darum als unannehmbar, weil bei ihrer Aus- andere landwirthschaftliche Brennereien, die geradezu Staatssekretär Graf Posadowsky: Dieser Gefeßentwurf führung die Kosten für Kontrolle und leberwachung ebenso viel be- industriell betrieben würden, Kartoffeln auftauften, Schlempe entspricht nicht nur dem Wunsche von Einzellandtagen, ins- tragen werden, als die Steuer überhaupt aufbringt. Es wird ferner verkauften, ein sehr hohes, so ein Gut mit nur 1300 Morgen besondere des preußischen Abgeordnetenhauses, sondern auch einer hier eine Gelegenheit zum Echmuggel gesucht und gefunden werden. ein Kontingent von 80 000 Liter. Er wünsche, daß die Resolution, die seitens eines Mitgliedes dieses Hauses eingebracht Wir sind prinzipiell Gegner jeder Konsumsteuer; in der Form Regierung ein Verzeichniß sämmtlicher landwirthschaftlicher worden ist. Die Finanzverwaltung hat an dieser Vorlage fein der Einkommensteuer ist der Wohlhabendere in weit schärferem Brennereien, deren Bodenbesiz, Anbaufläche und Kontingentgröße überwiegendes Intereffe. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet Maße heranzuziehen als bisher. Gönnen Sie sich doch diesen vorlege. Staatssekretär Posadowsty erklärte dies nicht für der kommunalen Besteuerung. Für die verbündeten Regierungen Luxus. Der Hauptertrag, der aus dieser Steuer gezogen werden durchführbar, in acht Tagen hoffe er aber eine Kontingentirungswar der Gedanke maßgebend, daß, wenn man das Bier der wird, wird von den kleinen Winzern aufgebracht werden müssen, liste vorlegen zu können. Eine Neukontingentirung sei jetzt tommunalen Besteuerung unterworfen hat, man den Wein, demjenigen Theil der Weinbauern, die sich in einer wirthschaft nicht anzustreben, dazu sei nicht zeit; der in dem überwiegenden Theile Deutschlands den Charakter lichen Nothlage befinden. Es werden sich Verhältnisse heraus- ünftige Branntweinsteuer Gesetz, deffen Entwurf bereits eines Lurus Artikels trägt, nicht frei lassen laffen darf. bilden, in denen die kleinen Besitzer diejenigen sind, welche ihre in seinem Schreibtisch liege, fomme, werde diese Neukontingens Der Gedanke, die fommunale Besteuerung des Weins für Deutsch- Haut zu Markte tragen müssen und doch am wenigsten im stande tirung vorgenommen werden können; jetzt möge man das vorland zu verallgemeinern, hat ja bereits Ausdruck gefunden in sind, die Steuer zu tragen. Aus allen diesen Gründen sind wir liegende Gesetz, das eine Art Nothgesetz sei, nur baldigst andem Weinsteuer- Gesetz seligen Andenkens, welches Ihnen in der nicht in der Lage, der Vorlage zuzustimmen; wir halten auch eine nehmen. Graf Mirba ch stellt Anträge, die im Interesse der vorigen Tagung vorgelegt wurde. Sie haben diesen Entwurf Rommissionsberathung für überflüssig. größeren Kartoffelbrennereien liegen und zeigt, daß ihm an der der tleinen Brennereien abgelehnt und wir haben uns entschlossen, die dem Bedürfniß Staatssekretär Graf Posadowsky: Wir haben Ihnen vor Erhaltung nichts liegt; entsprechende anderweite Regelung Ihnen in einem besonderen geschlagen, die Weinsteuer allen Kommunen zu übertragen es wäre der reine Segen, wenn solche Brennereien Betrieb einstellen müßten. Wer das Kontingent Gesetz vorzuschlagen. Die Kommunen werden selbst zu er- und sie höher zu normiren. Weiter fonnten wir nicht gehen. ihren müsse dafür auch Opfer bringen. Da diese wägen haben, ob es in ihrem wirthschaftlichen Interesse Denn jeder weitere Schritt, die Art der Erhebung der Wein- bekomme, liegt, eine solche Steuer einzuführen. Der zulässige Marimalfat, steuer in den Kommunen zu regeln, wäre ein Uebergriff aus der Opfer es handelt sich um den Zwang, das Kontingent den wir vorschlagen, ist kein hoher. Ich bitte Sie, dieses Gesetz Reichsgefeßgebung in die kommunale Selbstverwaltung und abzutrennen, auch wenn es sich infolge hoher Kartoffel- und nieetwas glimpflicher zu behandeln als seinerzeit das Reichs- Wein- Landesgesetzgebung gewesen. Die Befürchtung, daß wir auf Steuergesetz. ganzen angenommen. Es folgt der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Bollvereinigungs Vertrages vom 8. Juli 1867( Gemeindebesteuerung des Weines). = % bekämen * : wenn das neue driger Spirituspreise nicht lohnt- von den großen Brennereien ertragen werden können, von den kleinen nicht, so stimmt die agrarische Majorität gegen die Vorschläge der Linken, welche eine Erleichterung des Betriebs für die kleinen Brenner zur Folge habe. Nächste Sigung Montag, den 6. Mai abends 8 Uhr. * Tabakstener- Kommission. Am 1. Mai trat die Reichstags. Kommission in die zweite Lesung der Vorlage ein. Zunächst wurde wieder der§ 4 zur Debatte gestellt, der bestimmt, daß Tabatfabrikate, die im Zollgebiet hergestellt werden, einer Steuer einem Umwege durch dieses Gesetz zur Reichs- Weinsteuer gelangen Abg. Schädler( 3.) steht der Vorlage mit einem heiteren wollen, tann nicht ernsthaft gemeint sein; wir würden doch nicht und einem nassen Auge gegenüber. Wenn eine Gemeinde die den Kommunen den Vorgriff einräumen, wenn wir dieses beWeinsteuer einführt, so wird sie neue Beamte einstellen müssen absichtigten. Ich hoffe, daß das Gesetz in der Kommission mit und es wird sich fragen, ob die Kontrollmaßregeln nicht foft- einigen Abänderungen angenommen werden wird. Wir werden Spieliger find, als die Einnahmen, die man daraus erzielen wird. damit den Kommunen einen werthvollen Dienst leisten. Wird nicht auch der Wein als Heilmittel des Kranken und Abg. Blankenhorn( natl.) giebt seiner Befriedigung dar: der leichte Wein, der als Haustrank dient, besteuert werden? über Ausdruck, daß der Staatssekretär von der feligen ReichsWir müssen alle berechtigten Interessen schonen. Deshalb Weinsteuer gesprochen habe. Wer einmal selig sei, der komme halte ich die Frage noch nicht für spruchreif; ich beantrage nicht mehr wieder. Die Vorlage will die Steuergrenze für Wein unterliegen. Das Wort nahm vorerst daher die Einsegung einer Kommission von 21 Mitgliedern zur erhöhen. Eine Werthsteuer ist bedenklich. Man könnte auch Staatssekretär Graf Posadowsky: Als die verbündeten Regründlichen Vorberathung der Vorlage.( Bustimmung im Zentrum.) unterscheiden zwischen Faßwein, Flaschenwein, Schaumwein und gierungen den Entwurf einbrachten, gingen fie von dem GeAbg. Schmidt- Bingen( frs. Vp.): Man findet die Vorlage Kunstwein, welcher legterer den Naturproduzenten erhebliche danken aus, daß die Einzelstaaten dauernd einen Ueberschuß gerecht und schön, weil sie den Wein ebenso besteuert, wie das Konkurrenz macht. Allerdings sind die 5 M. Steuer nur die obere aus den Reichssteuern haben sollten. Von diesem Gedanken sind Bier. Aber wenn man näher zusieht, so ergeben sich doch erheb- Grenze, allein die Motive weisen darauf hin, daß diese Erhöhung die Regierungen zurückgetreten. Jetzt haben sie nur so viel geliche Bedenken. Die Gemeinden wollen zum theil nichts von einer nothwendig fei, um den Gemeinden ergiebige Einnahmen zu fordert, als erforderlich erscheint, um Einnahmen und Ausgaben Weinsteuer wissen, weil sie auch den Branntwein nicht besteuern beschaffen; dazu muß man aber immer zur Höchstgrenze gehen. ins Gleichgewicht zu bringen. Steuern auf Vorrath will die Re. dürfen. Wenn die Weinsteuer eine Luxussteuer sein soll, wird niemand Das einzig gute an dem Gesezentwurf ist, daß auch die aus- gierung auch nicht. Jetzt ist ein Defizit von 5 Millionen vorhanden, dagegen stimmen; aber Lurussteuern haben niemals eine große Ein- ländischen Weine versteuert werden können. dazu liegt ein Nachtragsetat von 1700 000 M. vor, und ein nahme gebracht; denn der Weinverbrauch als Luxusgenuß ist nur Abg. Bürklin( natl.): Die Debatte scheint mir denselben zweiter wird folgen, so daß vielleicht 1012 Millionen zu decken ein geringer Prozentsatz des ganzen Verbrauchs. Man fürchtet, Verlauf zu nehmen wie im vorigen Jahre. Wir haben lauter bleiben. Dieses Defizit will die Regierung durch den Ertrag der daß schließlich doch die ganze Steuer auf die Winzer abgewälzt Redner dagegen gehört und nur einen dafür: im vorigen Jahre Tabaksteuer decken. Die Regierung würde den Zweck durch eine würde, wie man das bei der Vorlage der Reichs Weinsteuer Herrn Gamp, in diesem Jahre Herrn Hammerstein. Der Winzer Staffelsteuer erreichen können, so daß die ganz billigen Bigarren schon angeführt hat. Um die Gemeinde Weinsteuer ertragreich muß die Weinsteuer tragen und der Weinbauer; auch diejenigen, gar nicht, die mittleren wenig und die besseren Sorten zu machen, müßten die Gemeinden den höchsten Steuersatz von welche die feinsten Weine erzielen, find meist kleine Leute. Deshalb höher belastet würden. Es würden in den geringeren und stimmen. mittleren Sorten mehr Arbeiter beschäftigt werden und auch 10 pGt, nehmen. Dazu würde eine eingehende Kontrolle nöthig fann ich nicht für die Borlage flimrauf hin, daß die belasteten die Tabakbauern würden durch das neue Gesetz einen Vortheil sein und es würden dann die gefürchteten Kellerratten wieder in Abg. Wellstein( 3.) weist Haben. Aber nicht nur um der 10/2 Millionen willen wünschen Witkowitz gefeiert, weshalb die meisten Betriebe für diesen Tag wir das Gesetz, es erscheint auch agrarpolitisch und sozial- die Arbeit einstellten. politisch von hohem Werthe. Die Befürchtungen, daß weniger Aus Prag meldet man uns: Bei schöner Witterung bis Arbeiter beschäftigt werden würden, erscheinen mir un- um 4 Uhr Nachmittag waren viele tausend Menschen auf der gerechtfertigt. Im Gegentheil, statt Arbeiterentlassungen Schützeninsel versammelt, wo die Arbeiter immer den 1. Mai fönnte eine Mehreinstellung von etwa 4790 Arbeitern er feiern. Weil hier der Ausnahmezustand ist, durften keine Reden folgen, wenn die Gefängnißarbeit für die Tabakfabrikanten fus- gehalten werden. pendirt würde. Und schließlich ist die gesammte Finanzreform von so großem Werthe, daß wir nichts unversucht lassen dürfen, um zu diesem Ziele zu kommen. Abg. Graf Holstein( fonf.) beantragt hierauf die Vertagung der weiteren Debatte. Die Abgg. Richter und Singer widersprechen, und der Antrag wird gegen 7 Stimmen abgelehnt. Staatssekretär Graf Posadowety: Die verbündeten Regierungen geben den Gedanken an die höhere Befteuerung des Tabats nicht auf, es sei denn, daß der Reichstag sich entschlösse, die Biersteuer zu erhöhen. Durch eine kurze Ablehnung der Vorlage kommt die Tabatindustrie nicht zur Ruhe. Abg. Müller Fulda( 3.): Die Nothwendigkeit der Vorlage ist nicht als dringend begründet. Sollten wirklich die nothwendigen Ausgaben so steigen, daß wir durchaus neue Steuern brauchen, dann werden meine politischen Freunde auch bereit sein, höhere Einnahmen aus dem Tabak zu bewilligen. Eine weitere Debatte findet nicht statt. Bei der Abstimmung wird§ 4 mit 18 gegen 4 Stim men abgelehnt. Eine weitere Berathung wird na ch Ablehnung bes grundlegenden Paragraphen der Vorlage für überflüssig erachtet. Bum Berichterstatter für das Plenum ist Abg. de tt( Bentr.) bestellt. im dieses Jahres in Aussicht genommenen Ginweihung der Rir he die Stadt Berlin nicht unter denen erscheinen würde, die ihren Dank gegen den großen Kaiser, der Berlin zur Reichshauptstadt erhoben hat, auch bei der Ausführung dieses Werkes bewiesen haben. Von der Fraktion Spinola und Genossen wird Ausschuß. berathung beantragt. Aus Ungarn liegen folgende Meldungen vor: Wolff's Namens der Fraktion der Linken erklärt Stadtv. Matterne: Bureau telegraphirt aus Budapest: Im Wäldchen bei Neu- Die Fraktion wisse sich eins mit dem Magistrat und der geBeft fammelten sich heute zahlreiche Arbeiter an. Als die fammten Bürgerschaft in der Ehrung und Hochhaltung des AnPolizei sie aufforderte auseinanderzugehen, kam es zu Thätlich- denkens der beiden hochherzigen Kaiser. Die Versammlung habe feiten. Die Arbeiter schleuderten Steine gegen die Polizeimann- mit Freuden 900 000 und 500 000 m. bewilligt, erstere für die fchaften, so daß diese von ihren Säbeln Gebrauch machen mußten. Kaiser Wilhelm- und Augusta- Stiftung, lettere für das FriedrichHierbei wurden einige Personen verletzt. Die Menge wurde Kinderkrankenhaus. Beide Institute feien zur Linderung zerstreut, einige Berhaftungen wurden vorgenommen. Der der Noth der Armen und Glenden bestimmt und trügen Kölnischen Zeitung" wird aus Budapest gemeldet: Nachts zum ewigen Andenken die Namen der beiden Kaiser. Die Jdee, fanden Kundgebungen der Arbeiter in mehreren Stadttheilen Standbilder zu errichten, sei der Stadt Berlin auszuführen verstatt. Unter Rufen: Hoch die Sozialdemokratie, der Acht wehrt. Die Bewilligung von Geldmitteln aus der Tasche der stundentag! und Gesang der Marseillaise zogen heute Gruppen Steuerzahler, zu denen auch ein großer Theil nichtevangelischer durch die Straßen in den Stadtwald. Eine große Gruppe zu Christen und Andersgläubiger gehöre, zur Errichtung und Aus500 Mann wurde durch die Polizei zerstreut. Im Stadt schmückung von Kirchen, von denen eine nicht einmal auf wald ließ man die Arbeiter gewähren. Aehnliche Straßenkund- Berliner Gebiet liegt, hält die Fraktion zum mindesten gebungen führten in Miskolcz zu einem Zusammenstoß zwischen so lange für nicht berechtigt, als die Normen der veralteten den Arbeitern und der Polizei. Mehrere Verhaftungen wurden Visitations- und Konsistorialordnung von 1073 noch gegen vorgenommen. die Stadtgemeinde in Anwendung gebracht werden.( Lebhafter " Die Maifeier im Auslande. In der Schweiz ist die Maifeier gleichfalls würdig ver: Wie alljährlich so wurde auch diesmal die Maifeier laufen, am glänzendften in 3ürich, wo gegen 10 000 Arbeiter Auslande am glänzendften von unseren österreichischen Geim Demonstrationszuge gezählt wurden; an dem Arbeitmzuge nossen begangen. in Bern nahmen ca. 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen theil. Die italienischen Arbeiter auf den Bauplägen schlossen sich dem Buge an, als er vor den Arbeitsstätten vorbeizog. Auch aus Basel, Genf, 2uzern wird über schönen Verlauf der Maifeier berichtet. Aus Agram( Kroatien) wird uns telegraphirt: Die Beifall.) Maifeier verlief glänzend, die Versammlungen am Vormittag Stadtv. Dinse giebt für die neue Fraktion der Linken eine waren sehr start besucht, ebenso war der Demonstrationszug Grklärung ab folgenden Inhalts: Die Versammlung habe wieders nachmittags von bemerkenswerther Stärke. Die Arbeitsruhe war holt ihrer freudigen Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben, das Anvollkommen. Aus der Provinz wird gemeldet, daß die Maifeier denken der beiden Kaiser in einer den Gefühlen der Bürgerschaft in Esseg, arasdin und Slatina gefeiert wurde. Aus entsprechenden Weise zu ehren, sie habe diese Bereitwilligkeit auch Schild( Slavonien) werden Verhaftungen von Genossen anläß durch die That erhärtet, indem sie eine halbe Million der Kaiserin lich der Maifeier gemeldet. Friedrich zur Verfügung stellte, welche Summe würdigste Verwendung für das Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderfrankenhaus gefunden habe. Seine Freunde seien auch fernerhin zu folcher Bethätigung bereit, aber sie hielten es nicht für an gemessen, das in der vom Magistrat gewünschten Weise zu thun, um so weniger, als die bedauerliche Hervorsuchung Aus Wien wird uns telegraphirt: der Konsistorial- Ordnung von 1573 Berlin vor die Mög Die Maifeier ist so glänzend wie noch nie verlaufen. Borlichkeit unverhältnißmäßiger Belastung für kirchliche Zwecke mittags fanden 47 massenhaft besuchte Versammlungen statt. Am oder doch leidiger Prozesse stelle, eine Meinung, welche Nachmittage marschirte die Arbeiterschaft aller Bezirke, in Reihen auch der Magistrat f. 3. habe aussprechen lassen. Sie müßten zu 10 Mann hoch in militärischer Ordnung 11/2 Stunden lang unter daher die Vorlage ablehnen.( Beifall.) fortwährenden Rufen: Hoch die Sozialdemokratie! Hoch das In Frankreich war die Betheiligung an der Maifeier Stadtv. Spinola: Die Unterzeichner des Antrags auf Wahlrecht! Nieder mit der Koalition! an dem Parla stärker als in den Vorjahren. In der Provinz, vor allem in Ausschußberathung stehen auf dem Standpunkte des Magistrats. mentsgebäude vorbei. Kein Zwischenfall fiel vor. Die Lyon, Marseille, Roanne, Roubaix wurde von Sie sehen die Frage nicht an als eine solche, die Kirchenbauten, Polizei hielt sich refervirt. Im Prater waren schon zu jener Zeit verhältnißmäßig mehr Arbeitern die Arbeit ruhen gelaffen, wie sondern die Denkmäler betrifft( hört, hört!). Im übrigen geetwa 5000 Biegelarbeiter und Ziegelarbeiterinnen versammelt. in Paris. Selbst gegnerische Berichte schäzen die Feiernden bieten es schon kommunalpolitische Rückfichten, gebietet es die Die Arbeitsruhe war vollständiger als je. Die Lage war ge in diesen Orten auf die Hälfte der in Arbeit stehenden Personen. Courtoisie Sie wissen ja, was ich meine( große Heiterkeit), die spannt, die ganze Garnison in Bereitschaft. In allen Versamm Gründe für und gegen nicht hier im Plenum, sondern im Auslungen wurde die internationale Solidarität mit den BruderBelgien. Aus Brüssel wird der Kölln. 3tg." gemeldet: schuffe zu erörtern. parteien betont, überall wurden die Bestrebungen der deutschen In den Vorstädten sind die Echulen geschlossen. Sozialistische Oberbürgermeister 3elle: Ich will feinen Zweifel darüber Reichsregierung, die Sozialdemokratie mit dem Umsturzgesetze Mauer anschläge fordern die Bürger Brüssels auf, die Kinder laffen, daß der Magistrat in bezug auf die alte märkische zu bekämpfen und das Vorgehen Crispi's gegen unsere italienische ebenfalls nicht in die Schule zu schicken. Das Arbeiterviertel Ronfiftorialordnung von 1573 gang auf demselben Standpunkt Genossen gebührend beleuchtet." ist belebter; theilweise wird nicht gearbeitet. Im Lütticher sieht, wie die beiden ersten Redner. Wir sind nach wie vor In sämmtlichen Versammlungen wurde die folgende Resolution Bezirk feiert die Hälfte der Arbeiter, im Mittelbecken fast davon überzeugt, daß durch die totale Veränderung der Ver angenommen: alles. Jn Gent find nur einige Werkstätten geschlossen. Die hältnisse in der Mark, namentlich in Berlin, das, was in Die heutige Versammlung erklärt: Die Klaffenbewußte Arbeiter Feiernden verhalten sich überall ruhig. jener Zeit vernünftig und praktisch war, heute nach dem schaft Desterreichs, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Worte des Dichters Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage" Nation, ist entschlossen, einmüthig zusammenzustehen, rastlos zu ganz in Unrecht sich verwandelt hat, und wir bedauern sehr, daß tämpfen und vor feinem Opfer zurückzuschrecken, bis die Ueberdie Schritte des Magistrats, durch die Gesetzgebung auf die Aufwindung der Barbarei des Rapitalismus zur Thatsache ges Italien. In Rom erschien des Maifeiertages wegen fein hebung jener Ordnung hinzuwirken, noch nicht zu einem Reworden ist. Das österreichische Proletariat ist sich bewußt, daß einziges Abendblatt am 1. Mai. Professor Enrico Ferri sprach sultat geführt haben. Aber wir glaubten, daß bei dieser Anes feinen Kampf gegen die Ausbeutung des Lohnsystems, in Rom vor einer großen Versammlung über die Bedeutung des gelegenheit die Kirchenbaufrage bei feite gelassen werden könnte. gegen die politische Rechtlosigkeit und gegen die geistige 1. Mai. Ganz naturgemäß ist man im Magistrat auf die schon 1888 gehegten Bevormundung allein führen muß; aber es weiß auch, Wünsche jetzt wieder zurückgekommen, wo die 25jährigeGedächtnißfeter einer Beit wiederkehrt, in der die beiden Monarchen auf den Höhepunkt ihrer Ehren stiegen. Wir glaubten absehen zu können von der inneren Bestimmung des Bauwerks, das zum Gedächtniß Kaiser Wilhelms I. errichtet wird, wir glaubten, daß dieser Thurm ebenso gut von uns als ein Zeichen, ein Denkmal erachtet werden könne, wie ein Bauwert, welches nicht kirchlichen Zwecken dient.( Bewegung und Widerspruch.) Andere märkische Städte sind ebenso verfahren, so Spandau und Charlottenburg, inzwischen hat auch Potsdam 5000 Mart gestiftet.( Lachen.) Ich meine doch, diese Summe bedeutet für Potsdam mehr, als die 300 000 m. für Berlin.( Lebhafter Widerspruch.) Potsdam und Spandau haben doch weniger Interesse zur Sache als wir. Einen Ueberfluß an monumentalen Bauten hat Berlin nicht, dieser Thurm aber ragt als ein ge waltiges monumentales Bauwerk empor. Es ist wohl werth, Gründe und Gegengründe in einem Ausschuß zu erörtern; die Magistratsmitglieder werden sehr gern in demselben mit Ihnen zusammen wirken. In Antwerpen wurde die Demonstration des ungünstigen Wetters wegen auf Sonntag verschoben. daß alle Interessen menschlicher Kultur, alle Nothwendigkeiten Aus England liegt vorläufig blos die Meldung von einer wirthschaftlicher Entwicklung ihm zur ſeite stehen. Es weiß großen Demonstration im Hyde- Park in London vor, die von ferner, daß in brüderlicher Solidarität mit ihm verbündet kämpft der sozialdemokratischen Föderation und der unabhängigen Arbeiter die organisirte Arbeiterschaft aller Länder. partei veranstaltet wurde. Die nothwendigfte Borbedingung der Wehrkraft des Proletariats für den Klassenkampf ist der Arbeiterschuh, vor allem der gefeßliche Achtstundentag. Die wirksamste Waffe im Klassenkampf find politische Rechte, vor allem: Wahlrecht und Koalitionsrecht. Beides muß zunächst erobert werden. Soll der durch die kapitalistische Ausbeutung bedingten Degenerirung des Proletariats wirksam Halt geboten werden, soll der Arbeiterschaft die Möglichkeit geboten sein, zur Ertenntniß ihrer Ziele und zu ihrer Organisation zu kommen, so bedarf sie in erster Linie der Abkürzung der Arbeitszeit. Die gesetzliche Beschränkung der täglichen Arbeitszeit auf höchstens acht Stunden ist also eine hygienische, wirthschaftliche und fulturelle Nothwendigkeit. Zur Erreichung und zur Siche rung dieses nächsten Zieles aber bedarf es der vollen Koalitions. freiheit. Gemeinsam und im Einverständniß mit dem klassenbewußten Proletariat aller Länder wiederholt heute am 1. Mai 1895 die Arbeiterschaft Defterreichs ihre Forderungen: 1. Gesetzliche Feststellung des Maximal- Arbeitstages von acht Stunden für alle Betriebe( Großproduktion, Kleingewerbe, Transportgewerbe); strenge Einhaltung der 36ftündigen Sonntags: ruhe. Aus Bulgarien geht uns folgende Depesche zu:„ Sophia, 1. Mai. Die bulgarischen Arbeiter reichen den deutschen Arbeitern Die Bruderhand unter dem Rufe: Es lebe der 1. Mai! Es lebe der internationale Sozialismus. Kommunales. Stadtverordneten Versammlung. Deffentliche Sigung vom Donnerstag, den 2. Mai 1895, nachmittags 5 Uhr. Als dringlichen Gegenstand hat der Vorsteher das ihm vom Magistrat mitgetheilte Schreiben des Oberpräsidenten auf die Tagesordnung gesetzt, welches die Gründe desselben für die Stadtv. Michelet protestirt gegen den Vorschlag des Beanstandung des Beschlusses vom 25. April cr. wegen der Magistrats, von der geforderten Summe von 350 000 m. Petition gegen die sog. Umsturz vorlage ausführ: 250 000 m. aus den Ersparnissen des Dispositionsfonds von licher als das Telegramm des Oberpräsidenten angiebt. Das 1894/95 zu entnehmen; das sei etatsrechtlich ganz unthunlich, Schreiben ist bereits bekannt. denn der Dispositionsfonds für 1894/95 fei, gleichviel, wie viel von ihm verbraucht oder nicht verbraucht worden, am 1. April 1895 garnicht mehr vorhanden. Er werde auch mit einem Theile der Fraktion Spinola gegen den Antrag auf Ausschußberathung stimmen. Auch in diesem Jahre werden die üblichen Sommerferien gemacht werden, in den Monaten Juli und Auguft wird leine Sigung abgehalten. 2. Sicherung des Koalitionsrechtes durch Aufhebung der im An stelle der seit 1891 als Fahrbrücke gesperrten, ursprünglich heutigen Vereins- und Versammlungsrechte gegebenen Be- zur Renovirung bestimmten Alsenbrücke will der Magistrat Stadtv. Bog therr: Meine Freunde und ich haben nicht schränkungen, sowie strenge Bestrafung gefeßwidriger Verhinde- jezt nur eine Fußgängerbrücke errichten, die nach seiner Ansicht das Bedürfniß, uns an einem Akt der Verherrlichung lebender rung des Lohnkampfes durch behördliche Organe. dem Verkehrsbedürfniß an dieser Stelle genügt, da die benach oder verstorbener Fürsten in irgend welcher Form zu be barte Moltke- und Kronprinzen- Brücke den Fahrverkehr vollauf zu theiligen. Die Erbauung von Kirchen erachten wir bewältigen vermögen. Die Kosten für die Fußgängerbrücke be- als die Aufgabe derjenigen allein, welche ein Be rechnet der Magistrat auf 130 000 m. Jm Ausschuß hat man dürfniß haben, Kirchen zu besuchen; insbesondere mögen es indeß eigentlich für undenkbar erklärt, daß anstatt einer lange diejenigen, welche so pomphafte Bauten errichten wollen, vorhanden gewesenen Fahrbrücke nunmehr blos eine Fußgänger- nicht an die Wohlthätigkeit anderer appelliren. Ein für alle brücke errichtet werde und hat die Vorlage mit 6 gegen 3 Stimmen Mal bestreiten wir wie dem Staat so auch der Kommune das verworfen. Der Magistrat soll nach dem Ausschußantrage ersucht Becht, zu solchen privaten Zwecken Gelder aus den allgemeinen werden, eine Vorlage wegen Wiederherstellung der Alsenbrücke öffentlichen Mitteln zu verwenden. Aus diesen Gründen werden wir die Magistratsvorlage ablehnen und, da wir keine Ver anlassung haben, hinter verschlossenen Thüren zn verhandeln, auch den Antrag auf Berathung im Ausschuß.( Beifall.) 3. Beseitigung aller Beschränkungen der freien Meinungsäußerung in Schrift und Rede; volle Preßfreiheit. Die heutige Versammlung erhebt aufs neue Protest gegen das österreichische Wahlsystem, das die arbeitenden Klaffen zu gunsten der Privilegien einer Minderheit politisch rechtlos macht. Sie protestirt gegen die Verschleppung der Wahlreform, welche Die Regierung in ihrem Regierungsprogramm vom 22. November 1893 als die erfte und wichtigste Aufgabe der Regierung bezeichnet hat. Die flaffenbewußten Arbeiter sind entschlossen, den als Fahrbrücke zu machen. Kampf für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit Ohne Debatte wird nach dem Referat des Stadtv. Spinola allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln fortzuführen, und sie demgemäß beschlossen. erklären, vor gar feinem Opfer zurückzuschrecken, um sich ihr volles Recht zu erkämpfen. Die Arbeiterklasse wird von ihrem Recht niemals und unter feiner Bedingung ablaffen. Die Versammlung entbietet schließlich ihren Brudergruß den Arbeitern der ganzen Welt, die an diesem 1. Mai versammelt find, um die Solidarität der Arbeit zu bezeugen; fie fordert fie auf, unerschütterlich vorwärts zu gehen, bis das gemeinsame Ziel des international organisirten Proletariats erreicht ist: die Be seitigung der Lohnstlaverei und die Besißnahme der Arbeitsmittel durch die Gemeinschaft der Arbeitenden. Die Vorlage betr. den Erwerb ciner domänenfistalischen Fläche zur Freilegung des Kaiser Friedrich- Plaze 3 geht an einen Ausschuß. Aus städtischen Mitteln beantragt der Magistrat bei der Versammlung die Bewilligung von 300000 Mart zur Vollendung des Thurmes der Kaiser Wilhelm Gedächtnißtirche, 50 000 Mart zur Vollendung der Kaiser Friedrich- Gedächtnißtirche. Stadtv. Fren hel hat zwar den Antrag auf Ausschußberathung mit unterschrieben, ist aber mit der Motivirung der= selben durch den Stadtv. Spinola nicht einverstanden und wird jetzt dagegen stimmen. Der Antrag auf Ausschußberathung wird mit allen gegen 6, die Vorlage selbst mit allen gegen 3 Stimmen ab gelehnt. Der Vorsteher kommt nunmehr auf das Schreiben des Der Magistrat bezieht sich auf bezügliche Bitten des Komitees Oberpräsidenten zurück, welcher das Verfahren des Vorfür die erstgenannte Kirche und des Gemeindekirchenraths der stehers bei der Herbeiführung der Beschlußfassung über die Ueber den Rückmarsch meldet uns eine weitere Depesche Dorotheeustädtischen Kirche und giebt seiner Bereitwilligkeit, die Petition gegen die Umsturzvorlage und bei der Absendung der= aus Wien: Mittel der bekanntlich auch aus Katholiken, Juden, Freireligiösen felben als ungefeßlich erklärt und die Einreichung eines Großartig verlief der Rückmarsch aus dem Prater. Ein Zug und Konfessionslosen bestehenden Gesammtheit der Berliner Exemplars der Geschäftsordnung, sowie vom Oberbürgermeister in der Stärke von 5000 Mann zog durch die vornehmsten Straßen Steuerzahler diesen beiden evangelischen Kirchenbauten in der die schriftliche Erörterung der Frage verlangt, ob der Vorsteher Wiens zum Palais des Ministerpräsidenten und demonstrirte bezeichneten Höhe zuzuwenden, fait überschwänglichen Ausdruck. bei jenem Atte den Vorschristen dieser Geschäftsordnung gemäß dort gegen die Regierung, von dort zogen sie nochmals zum Gs handelt sich für ihn, so weit es die erste Kirche angeht, ganz gehandelt hat. Parlament. Hierauf zerstreuten sich die Demonstranten. Kein und gar nicht in erster Linie um die Befriedigung religiöser Be erheblicher Zwischenfall mit der Polizei kam vor. dürfnisse eines Theils der Bewohner des Westens der ReichsDie Anzahl der am Parlamente vorbei in den Prater bauptstadt; vielmehr spricht er nur davon, daß die Bevölkerung Ziehenden wurde auf 80 000 geschätzt. Reine Zeitung erschien wie die städtischen Behörden auf diesem Wege den feit 1888 gehegten am 1. Mai nachmittags und am 2. Mai morgens. lebhaften und entschiedenen Wunsch, beide Raiser durch Errichtung Aus Linz, Salzburg, Graz, Triest, Czer von Denkmälern in Berlin auf Kosten Berlins zu ehren, nowig, Troppau, emberg, Prag und Brünn, endlich erfüllt sehen würden, nachdem„ aus bekannten Gründen" Stadtv. Sa ch 3 II. stellt den dringlichen Antrag auf Bes wo überall die Arbeiter Festlichkeiten abhielten, wird gemeldet, jener Wunsch nicht verwirklicht werden konnte und die städtischen sprechung. Der Antrag findet keinen Widerspruch. daß sich die Theilnehmer durchaus musterhaft verhielten. Behörden zu ihrem Bedauern auf den Gedanken hätten ver- Stadtv. Sa ch 3 II.: Die Verfügungen des Oberpräsidenten sichten müssen, ihrer Liebe und Anhänglichkeit an die beiden er- namentlich soweit sie sich auf die Beschlüsse dieser Versammlung habenen Herrscher, denen auch Berlin soviel verdanke, in einer und die Thätigkeit des Vorstehers beziehen, sind durch die That Form Ausdruck zu geben, welche Jahrhunderte überdauern und fachen überholt und sind infolge Ausführung des Beschlusses noch den späten Nachkommen von der treuen und dankbaren gegenstandslos geworden; die Versammlung wird daher, Gesinnung unserer Stadt Kunde geben sollte". Schmerzlich würde wie ich glaube, feine Veranlassung haben, aus theoretischen es der Magistrat empfinden, wenn bei der auf den 1. September Gründen eine Streitfrage zum Austrage zu bringen. Für uns Der Brünner Wollindustriellen- Verein befchloß, gleichwie im Vorjahre, den Arbeitern den 1. Mai freizugeben, falls sie darum ansuchen. Die Behörde bewilligte die Abhaltung eines Arbeiter feftes im Schreibwald. Die mährisch- oftrauer sozialistische Arbeiterschaft hat in fast allen Bergbaubetrieben und zahlreichen Betrieben des Eisenwertes Vorsteher Dr. Langerhans: Genau den Vorschriften unserer Geschäftsordnung folgend tönnen wir nur dann in eine Besprechung dieser Vorlage eintreten, wenn kein Widerspruch erhoben wird, weil nicht durch unsere Schuld, sondern durch andere erst heute früh die Angelegenheit in Ihre Hände gekommen ist. Die Arbeiter der Brauerei Carlsberg( Friedr. Reichens ist die Angelegenheit erledigt. Aber wenn der Oberpräsident| Unterrichtsverwaltung in Preußen, G. 485), nach welchem namentlich in dem uns heute zugegangenen Restript die Thätig die Kinder von Dissidenten in den Volksschulen, nöthigenfalls fron) theilen uns in einer mit 20 Unterschriften versehenen zufeit unseres Vorstehers betreffend die Ausführung des Beschlusses auch wider den Willen der Eltern, zum Religionsunterricht schrift mit, daß ihnen nicht allein, wie im Vorwärts" zu lesen als eine ungesetzliche Handlung bezeichnet hat, müffen wir hier herangezogen werden können, betr. Falles sorgsam und nach gewesen, von dem Unternehmer anheimgestellt sei, den 1. Mai gegen Verwahrung einlegen. Der Oberpräsident ist der Auffassung, drücklichst einzutreten, und habe ich(!) über die Lage dieser zu feiern, sondern daß Herr Reichentron den ganzen Betrieb daß gemäß§36 der Städte- Ordnung alle Beschlüsse der Versammlung Sache in bezug auch auf Ihre Schule ausdrücklich Auskunft zu habe ruhen lassen und den Arbeiterfeiertag völlig frei gegeben habe. nur durch den Magistrat zur Ausführung gebracht werden können. geben. Diese Ansicht des Oberpräsidenten ist nicht richtig. Im Schluß- Ew. Wohlgeboren ersuche ich daher sehr ergebenst, wir bis Herr v. Kotze will seinen Kollegen, den Beremonienmeister fat lautet§ 86 allerdings: Die Stadtverordneten- Bersammlung Ende Mai d. J. gefälligft darüber Mittheilung machen zu wollen, v. Schrader, wegen Beleidigung verurtheilen lassen. Der Termin darf ihre Beschlüsse in keinem Falle selbst zur Ausführung bringen; 1, ob überhaupt Kinder von Dissidenten in Ihrer Schule vorhanden findet dem 2.-A." zufolge am 9. Mai statt. aber der Anfang lautet: Die Beschlüsse der Versammlung be- find? 2. ob sie an dem Religionsunterricht Ihrer Klasse theilEin ländliches Drama bat durch das Verschwinden des dürfen, wenn sie solche Angelegenheiten betreffen, welche u. f. w., nehmen? 3. ob in betreff derjenigen Kinder von Dissidenten, die am der Zustimmung des Magistrats. Außerdem bestimmt§ 47 Religionsunterricht nicht theilnehmen, etwas geschehen ist, um sie Hauptbetheiligten ein vorläufiges, vermuthlich aber sehr tragisches Ende gefunden. Der 21jährige Bauernsohn Otto Weber aus Absah 2: dem Magistrat müssen alle Beschlüsse der zu demselben heranzuziehen und event. was?" Stadtverordneten Versammlung, auch diejenigen mitgetheilt Nun hat aber die Städtische Schuldeputation in einer Ber- Gr. Biethen ist seit dem 21. April aus seinem Heimathsdorfe werden, welche ihm durch das Gesetz nicht zur Ausführung über- fügung vom 26. Oftober 1888 bestimmt, daß dergleichen Gesuche Spurlos verschwunden. Bei seinem Weggange war er nur im wiesen sind. Es ist also vorgesehen, daß es Beschlüsse giebt, ihr vorgelegt werden sollen. Der betreffende Rektor sandte daher Befihe von acht Mark baaren Geldes, außerdem hatte er allers welche der Magistrat nicht auszuführen hat. Nun giebt es eine das bewußte Schreiben an die Städtische Schuldeputation. Diese dings noch seine goldene Uhr mit schwerer Rette bei sich. Als Menge solcher Angelegenheiten. Dahin gehören z. B. alle Geschäfts- hat denn auch dem Geistlichen die rechte Antwort zu theil Motiv des Verschwindens ist ein Verhältniß anzusehen, welches ordnungsbeschlüsse, ferner nach langjähriger Praxis die öffent werden lassen, die in der„ Pädagog. Zeitung" wie folgt ver- der junge Mann mit einem früheren Dienstmädchen seiner Mutter ( der Bater lebt nicht mehr) unterhielt und das nicht ohne Folgen liche Ausschreibung vatanter Stellen; Gratulations und öffentlicht wird: Kondolenzadressen erlassen wir jahraus, jahrein, alles ohne Herr Reftor X. hat das Schreiben, welches Ew. Hochehrwürden geblieben ist. Er wollte das Mädchen heirathen, Mutter und Mitwirkung des Magistrats. Hiernach muß man annehmen, daß unter dem 4. April d. I. an denselben gerichtet haben, vor- Onkel lehnten sich jedoch gegen diese Absicht auf; beide ver anlaßten auch die Geschwister des jungen Mannes, durch höhnische die Ausübung des Petitionsrechts zu denselben Meinungsschriftsmäßig an uns abgegeben. äußerungen gehört, die mir fund zu geben, und zu den Be- Wir erwidern ganz ergebenft darauf, daß den Religions- Bemerkungen über das Verhältniß ihres Bruders diefen zu reizen, schlüssen, die wir auszuführen berechtigt find. Ganz unzweifel- gesellschaften nicht die Aufsicht, sondern die Leitung des Religions- und diese fortgesetzten Hetzereien haben dem jungen Mann schließ baft find im§ 86 diejenigen Beschlüsse gemeint, welche die unterrichtes- natürlich nur für Kinder ihrer eigenen Konfession- lich das fernere Verbleiben im Elternhause unmöglich gemacht Etadtgemeinde rechtlich verpflichten oder Rechte für fie be- zusteht. Wir können Ew. Hochehrwürden das Recht nicht zu und haben ihn jedenfalls in den Tod getrieben, denn im ganzen gründen. Wir haben gar feine Veranlassung, diejenigen erkennen, die Art, wie wir die uns höheren Ortes gewordenen Dorfe zweifelt niemand mehr daran, daß er sich das Leben ge= Rechte, welche in der Städte- Ordnung der Versammlung gewähr Verfügungen befolgen, zu kontrolliven. Städtische Schuldeputation. nommen hat. Die Mutter hofft allerdings noch, ihren Sobn lebend wiederzufinden, und bezahlt vier Agenten, die Tag für Leistet sind, irgendwie preiszugeben, und müssen daher gegen die gez. Kirschner. Tag Straßen und Lofale nach dem Vermißten absuchen müssen, Auffassung des Oberpräsidenten als eine gänzlich unzutreffende die aber bisher noch keinen Erfolg erzielt haben. Verwahrung einlegen. Eine weitere Debatte findet nicht statt, der Gegenstand ist damit erledigt. Echluß 74 Uhr. Tokales. Ein moderner Kunstgenuß. Für die geistige und fittliche Entartung der Bourgeoisie ist eine Rezension bezeichnend, die wir im Kleinen Journal" finden. Im Apollo- Theater wird vor den Augen der zahlungsfähigen Edelſten und Besten, der Börsenjobber und sonstiger kunstbegeisterter Männer und Frauen ein Eoubrettenscherz"," Der Floh" aufgeführt. Wie das Ding ausfieht, vernehme man aus folgender Schilderung, die das genannte. Blatt bringt( es handelt sich um eine verheirathete Frau, die ihrem Verführer entgegen eilen will): " Bei der Stadtverordneten Erfahwahl an stelle des beFranz Bregel mit 737 Stimmen gegen den liberalen Kandidaten, fannten Dr. Hentig ist am Dienstag der Antisemit Ingenieur welcher 668 Stimmen erhielt, gewählt worden. Sonnabend früh, als er sich noch im Bett befand. Wiese, der Verhaftet wurde der Anarchist Schlosser Wiese am legten durch seine Agitation für die Gründung von Produktiv- und Gin obrigkeitlicher Verweis oder die Freiheit eines Konsum- Genossenschaften bekannt geworden, soll in einer ant preußischen Stadtparlaments. Infolge der Anschuldigungen 18. März stattgefundenen Anarchistenversammlung strafbare des Stadtv. Riemer gegen den Oberlehrer Dr. Gvers hat das Aeußerungen gethan haben. Er war als Referent für die gestrige Provinzialschulkollegium an den Magistrat ein Schreiben ge- Anarchistenversammlung in der Königsbant" bestimmt. richtet, das in scharf verweisartigem Ton gehalten ist. Es wird darin ausgeführt, daß der Magistrat hätte wissen müssen, daß weder ihm, noch der Stadtverordneten- Versammlung in der fraglichen Angelegenheit Disziplinargewalt zustehe, und daß er daher hätte dafür sorgen müssen, daß die Sache in der Stadtverordneten- Versammlung nicht zur Erörterung gelangte. " Der Wasserfall am Viktoriapark fann in diesem Jahre erft Ende Mai in Funktion treten. Um ihm sein schleichendes Wesen zu nehmen, bat man bekanntlich die Maschine vervollkommnet. Die Einrichtung wird erst in einigen Wochen fertig gestellt. Der neue Spielplatz an der Lichterfelderstraße wird mit Beginn der nächsten Woche seiner Bestimmung übergeben. Bur Sittengeschichte. Ein 16jähriger Knabe aus der Kastanien- Allee, der an seinen Schwestern Sittenverbrechen bes gangen hat, ist verhaftet worden. Wetter- Prognose für Freling, 3. Mai 1895. Langsam aufklärendes, zunächst etwas tühleres Wetter mit schwachen westlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederfchläge. Berliner Wetterbureau. Kunst und Wissenschaft. kleinen Kursbuch und Adreßtalender, ist die Sommerausgabe er Von Kießling's Berliner Verkehr", dem bekannten Aber im Begriff, die Schwelle ihres Boudoirs zu über schienen. Die Eisenbahnfahrpläne sind in der neuen Ausgabe fchreiten, in dem sie bisher ihre Tage schuldlos durchträumt, erweitert, so daß sie namentlich für Touren in der Mart zuckt Madame schmerzlich zusammen; der Stich eines Flohs hat reichen. Die Pläne der Pferdebahnen, der Ommibusse, DampfBrandenburg und den angrenzenden Gebieten vollkommen aus. die bereits in Gedanken in sündhaftem Genusse Schwelgende zur rauben Wirklichkeit zurückgeführt. Sie beginnt in nervöser Straßen- und elektrischen Bahnen, der Dampferlinien sind darin Haft nach dem unbequemen Störenfried zu suchen. Während enthalten, ebenso die Sehenswürdigkeiten. draußen vor ihrem Fenster der nach ihren Umarmungen Frau Dr. phil. Claire Schubert- Feder und die Gefinde. Schmachtende wiederholt das verabredete Beichen giebt, durch- ordnung. In Berlin besteht ein Frauenverein für Damen der wühlen ihre schlanken Finger hastig die intimsten Toiletten- besseren Stände", welcher den Namen führt Frauenverein für stücke und zeigen den profanen Augen Gegenden, von Belehrung und Unterhaltung". Für die lettere war offenbar der Gustav Freytag. Hochbetagt starb am 30. April Gustav denen, wie schon Schiller in seinem Gedicht die be Vortrag berechnet, den in der jüngsten Sigung dieses Vereins Freytag, des bürgerlichen Deutschlands volksthümlichster Dichter. rühmte Frau" jagt, der Gatte billig doch allein nur Frau Dr. Schubert- Feder vor einem gewählten Publikum" wie Er war 1816 zu Kreuzburg, an der Ostgrenze Schlesiens und des sprechen sollte. Endlich, nachdem Madame sich bis an die sich ein diesbezüglicher Zeitungsbericht, dem wir im weiteren folgen, russischen Bolens geboren. Wenige Meilen nur sind es von da Grenzen der Möglichkeit dekolletirt, gelingt es ihr, in ausdrückt über die Gesinde Ordnung hielt. Die verehrte Frau nach Czenstochow, dem berühmtesten Wallfahrtsort der katholischdem allerintimsten Toilettenstück mit angefeuchteten spißen Fingern Dr. Schubert- Feder entpuppte fich hier als eine warme Bertheidigerin polnischen Welt; und früh entwickelte sich bei dem Deutschen den Quälgeist zu erwischen. Sie hält ihn triumphirend in die der bestehenden Gesinde Ordnung, damit ein neues Schlaglicht Freytag der Gegensatz zu dieser Welt, der wohl auf Leben und Höhe, und während sie mit angehaltenem Athem vergeblich auf werfend auf die bürgerliche Frauenbewegung". Es könnte Schaffen des Poeten von bestimmendem Einfluß war. das verabredete Signal vor ihrem Fenster lauscht, tünden eigentlich hinreichen, obige Thaisache zu konstatiren; um aber national war in Gustav Freytag und in gewissem Sinne die Silbertöne einer Uhr ihr die Zeit, zu der das Stell- Frau Dr. Schubert- Feder in vollster bengalischer Beleuchtung rationalistisch- liberal, das brachte Gustav Freytag aus seiner dichein stattfinden sollte. Sie eilt, die herabgefunkene Robe erscheinen zu lassen, wollen wir einige ihrer seichten Beweis schlesischen Heimath mit. Das verlieh auch seiner Gedankenarbeit, wo aufraffend und sich schamhaft verhüllend, den Gefangenen gründe für die Gesinde- Ordnung hier vorführen: Unsere sie sich am freiesten entwickelte, das besondere Gepräge, den fest zwischen den Fingern, zum Fenster; dort geht der Berliner Dienstmädchen," so meinte Frau Dr. Schubert- Feder, hervorragenden Charakter. Der vielgenannte Julian Schmidt, junge Maler die Straße hinunter, die Zeit ist ihm zu lang ge- überladen sich gewiß nicht mit Gustav Freytag's Freund, hat das bekannte Sprichwort vom worden und er eilt vielleicht zu einem anderen Rendezvous." die Gesinde Ordnung sie anhält, deutschen Roman, der das Volk bei der Arbeit aufsuchen solle, Dies Stück wird in Berlin, der Stadt, wo die Weber ver- das vielleicht erkrankt ist, im Haushalt mit zu vertreten, nach seiner herrisch- schulmeisterlichen Weise gebraucht. In dem boten wurden, aufgeführt. Aber warum auch nicht? Noch jede ab- so sei das human, da dadurch die Vertretene im Besige ihrer meistgelesenen Roman Gustav Freytag's, in„ Soll und Haben" - Gegen eine derartige sterbende Gesellschaft, die sich gegen die Vertreter des Neuen mit Stellung sich behaupten könne. Weisheit ist dies Diktat erfüllt; nur muß man geschichtlich zu begreifen den Mitteln der Gewalt zu schügen wähnte, hat, wenn auch fämpfen allerdings Götter selbst vergebens.„ Na," so meinte fuchen, was sich dem selbstbewußten deutschen Bürgersmann alles mögliche und unmögliche verboten wurde, die Zingel Frau Dr. Schubert- Feder weiter, und wenn der überarbeiteten(!) Freytag als Volf barstellte: Gin fraftvolles Bürgerthum, arbeittangelfreiheit hoch und heilig gehalten. Warum sollte Hausfrau einmal im Eifer des Gefechts eine„ Gans" entschlüpfe, und sparsam, solid und behäbig bis zur Philiftrofität. Im Soll die im eigenen Muff und Moder verfaulende Großbourgeoisie so wäre das auch nicht das schlimmste, vorausgesetzt, daß und Haben ist Breslauer Handels- und Kaufmannsleben aus anders handeln? Die Umsturzschande gegen die aufstrebende die Hausfrau es sonst gut meint und das Mädchen einer Beit, die uns heutigen schon halbverblichen vorkommt, in Arbeiterschaft und gegen die Wissenschaft und Kunst, die mit ihr in Wir den Mittelpunkt der Begebnisse gerückt. im Bunde steht, die Zingeltangelfreiheit für die nach Bildung meinen, und Besiz maßgebenden Gesellschaftsschichten"! M 0 " Dem " Arbeit(!) und wenn anderes Mädchen, manchen Was eine Augenblick eben Gans war." das Prädikat in Gans" gebühre Das Ideal eines gefunden Mittelstandes schwebte dem Fällen der überarbeiteten" Hausfrau! Man solle doch nur Dichter Freytag nach seiner Grundanschauung vor, maßvoll bedenken," so führte Frau Dr. Feder- Schubert weiter an, welche freiheitlich und simpel im Genuß. Hier schlug sein Puls im Ueber die ,, Kinder Volksküchen" brachte eine Berfamm- Ausdrudsweise in den Kreisen, aus denen die Dienstmädchen Ernst und im Humor am wärmsten. Seine ruhige Wärme, sein lung der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur", in der stammten, gang und gäbe wären." Dieser Ausspruch fennzeichnet gemessenes Wesen, das sich nicht in stürmische Leidenschaften ver Herr Abraham, der Begründer der Küchen, über dieses Thema die Vortragende zur genüge als Ignorantin, als hausbadene, fentte, das lieber nüchtern blieb, ehe es unklar wurde, machte ihn Sprach, einige Mittheilungen, die von einem geradezu unglaublichen über ihre Standesvorurtheile nicht hinausragende sogenannte Wohlthätigkeitsfinn" in gewiffen Kreiſen zeugen. Zunächst erfuhr Dame der Gesellschaft". Um ihrer Weisheit die Krone auf zum Liebling des Bürgerthums, das in ihm seinen wirksamen Herold verehrte. Die mittlere Region, in der Freytag's be= man, daß der Gemeindeschulrektor Koch, der den, Berliner Rektoren zufeßen, meinte Frau Dr. Schubert- Feder noch:„ Würde sonderes Talent sich bewegte, that der vergangenen Generation verein" zu seinem bekannten, die Kinder Voltstüchen" verur schließlich der Achtstundentag für Dienstboten eingeführt, des gebildeten Bürgerthums so wohl und sichert ihm heute noch theilenden Beschluß veranlaßt hat, in seiner Abneigung gegen da müßte ja die Hausfrau die meiste Arbeit felber feine zahlreichen Freunde. Er hat der bourgeoisen Beschränkung diese Anstalten noch dadurch bestärkt worden ist, daß dort die thun! Solche Verhältnisse würden aber unhaltbar Kinder weder vor noch nach dem Essen zu beten brauchen. fein und an der Gesinde- nie gespottet, ihr Empfinden nie verlegt, wie das revolutionäre, sei daher sehr gewagt, es an der Gesinde Zwei Kinder, die wenigstens heimlich zu beten versuchten, sollen Ordnung zu rütteln, die auf dem Boden der Familie erwachsen aufbrausende Jung- Deutschland um 1848, und dafür war dankbar. Gustav Freytag Der ökonomische Prozeß, nach Angabe des entrüfteten Rettors fogares ist schrecklich zu und mit ihren eigenartigen Einrichtungen verknüpft sei. Wenn wie er in der Gegenwart vor sich geht, läßt freilich den be fagen!. von den andern Kindern ausgelacht worden sein. Freiherr v. Stein unsere heutigen Berliner Dienstmädchen fähe, kanntesten Roman Freytag's, eben sein„ Soll und Haben" alt Außerdem soll der fromme Herr von der Besorgniß erfüllt ba würde er nicht mehr sagen: wir brauchen keine Gesinde fränkisch erscheinen, wie das bekannteste und gepriesenste Drama fein, die Kinder- Boltstüchen" tönnten die Begehrlichkeit Ordnung". Bielleicht würde er aber beim Anblick der heutigen Freytag's, die sentimental humoristischen Journalisten", nicht rege machen. Man werde bald mehr verlangen, erst Speiſe, Hausfrauen nach dem Muster der Frau Dr. Schubert- Feder mehr in den ungleich größeren und verwickelteren Rahmen des später auch Unterhaltung erft panem, bann circenses. Dbfagen: Wir brauchen eine Hausfrauen- Ordnung! modernen Journalismus paßten. Welch friedliches eng- bürgerder würdige Herr Koch bei dem Worte circenses an Tafelmusit man " Aus einer Verbindung seiner geschichtlichen Forschungen, die immer das Streben vor Augen hatten, das Selbstgefühl und die gesunde Gediegenheit" des deutschen Bürgersmannes zu stärken, und seiner dichterischen Anlage ging Freytag's Romanzyllus„ die Ahnen" hervor. Von altgermanischen Kulturanschauungen, von Bildern aus deutscher Vergangenheit" ging der Zyklus aus und in der Gegenwart endet er. Als Dramatiker lebt Gustav Freytag fast nur noch in den" Journalisten", einem Lustspiel, das wirks lichen Liebreiz und auch Esprit athmet, was so selten ist in der humoristischen Literatur Deutschlands. Seine Dramen„ Graf Waldemar" und" Valentine" werden nur selten mehr, meist zu " oder Murmelspiel gedacht hat, ging aus den Mittheilungen des Herrn Die Kontrolle der Eisenbahn Fahrkarten betreffend liches Behagen noch bei Freytag, selbst wo die Parteien Abraham nicht hervor. Sodann berichtete Herr Abraham über die bringt die Berl. Korr." folgende Mittheilung: Der Minister und die tonfurrirenden Unternehmen sich befehden; welch Rundreise, die er im Interesse seines Unternehmens bei den Magistrats- der öffentlichen Arbeiten hat durch Erlaß vom 22. April d. J. leidenschaftliches Hasten, welch tobendes Aufeinanderpraffeln gegensäglichen Weltanschauungen heute. Selbst der mitgliedern gemacht hat. Der Stadtfämmerer Maaß hat ihn bestimmt, daß die Prüfung der Fabrkarten an den Ein- und der nach berühmtem Muster belehrt: Es giebt überhaupt Ausgängen der Stationen und die hierdurch bedingte Absperrung tleine literarische Schmock von ehedem ist ein genügsamer feine Noth in Berlin, Sie machen sie erst mit der Bahnsteige für den allgemeinen Verkehr am 1. Oktober d. J. armer Teufel. Er ist zufrieden, wenn er mit ein paar Bankihren Bestrebungen." Andere Stadträthe wiesen taltlächelnd auf den sämmtlichen hierzu in Aussicht genommenen, in dieser noten ein neues Geschäftchen beginnen kann. Der Schmock von bie Sektorenbeschlüsse vor und versagten die erbetene Unter Beziehung rückständigen Hauptbahnstrecken und wichtigeren Neben- heute hat Ehrgeiz und Phantasien, wie Spiegelberg in den Räubern. ftügung. Bekanntlich fand Herr Abraham mit seiner Bitte um bahnen eingeführt wird. Dabei soll eine etwaige frühere Ein- Er wird Inseratenagent, Manager, Reklame Posaunenbläser einen städtischen Buschuß auch bei der Stadtverordnetenführung dieser Maßregel auf einzelnen Strecken, insbesondere in oder dergleichen und sein Leben setzt er dran, selber als GroßBersammlung feine Gegenliebe, weshalb die Küchen bereits ben westlichen Direktionsbezirken, nicht ausgeschlossen sein, sofern Unternehmer zu enden. am 1. April geschlossen werden mußten. Neben diesen Aeuße- bierdurch Vereinfachungen und Ersparnisse in der Verwendung rungen einer feindseligen Haltung führte Herr Abraham des Bugbegleitpersonals herbeigeführt werden. Gleichzeitig soll auch mehrere an erkennende Aussprüche über sein Unter- dafür Sorge getragen werden, daß die Namen der Stationen in nehmen an, die von mehr oder weniger bekannten Personen bei reichlicherem Maße angebracht werden, damit die Reisenden, Gelegenheit gethan worden sind. Als letzten zitirte er die Worte welche bei der neuen Art der Fahrkartenprüfung mehr wie feither der Frauenrechtlerin Frau Kettler- Hannover, daß die Speisung auf sich selbst angewiesen sind, dieselben vom Zuge aus erkennen armer Kinder ein besseres Mittel gegen den Um sturz sei fönnen. als alle Umsturzgefege. Er sprach diese Worte mit erhobener Anton, steckt den Degen ein! Wie es heißt, hat die PolizeiStimme, fugte aber fein Wort der Kritik hinzu und überließ es behörde den Aufsicht führenden Privatnachtwächtern durch eine einem( leider kleinen) Theile feiner Zuhörer, darüber zu Berordnung gestattet, lange Degen zu tragen, welcher Erlaubniß Privatnachtwächter sich solche Er war nicht bei Herrn v. Köller. Nämlich der Gemeinde- Gustav Freytag war auch in seinem arbeitreichen Leben vorsteher von Weißensee. Auf die Lokalnotiz über die Konferenz politisch journalistisch thätig. Von 1848 an bis 1870 redigivte In der Aera der Kirchenbauerei. Es ist nicht ver wegen der Eingemeindung der Vororte, die wir, gleich anderen er die Beitschrift Grenzboten" in Leipzig. Auch in die politischen wunderlich, wenn sich Pastoren finden, die meinen, fich über die Berliner Blättern, im lokalen Theil der Mittwochnummer brachten, Fehden, die nach dem Tode Kaiser Friedrich's ausbrachen, griff vier Wände des„ Gotteshauses" hinaus erheben zu dürfen. Ein erhalten wir folgende berichtigende Buschrift: Freytag mit seinem Memoirenwerke Kronprinz Friedrich und Berliner Geistlicher hat nach der Volks- Zeitung" dem Rektor Die„ Der Gingemeindungsausschuß der Vororte" gebrachte Notis die deutsche Kaiserkrone" ein. Die fentimentale Schwärmerei einer Gemeindeschule nachstehendes Schreiben zugehen lassen: ift falsch, da ich noch nie bei Herrn v. Köller eingeladen war, auch bis weit ins linksliberale Lager, die um die Gestalt des unAuf Veranlassung des Herrn Superintendenten der Diözese die angegebene Aeußerung sonst nicht gefallen ist. Feldtmann, glücklichen Raisers einen Legendenkranz wob, war dem gemessenen, Berlin II habe ich für die Befolgung des Erlasses des Herrn Amts- und Gemeindevorsteher." nüchternen, allem Ueberschwang feindlichen Freytag unbequem. Ministers der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegen- Möglicherweise weiß Herr v. Köller nunmehr doch etwas von Er hatte Gelegenheit genug, den Kronpringen von 1870 fennen heiten vom 16. Januar 1892( 3entralblatt für die gesammte der Eingemeindung. zu lernen; und mit scharfer Beobach tungsgabe bewehrt, konnte lächeln. Danach scheint es, als Kerbe mit jenen zweifelhaften ob auch Herr Abraham in eine bereits eine Anzahl dieser Beamten nachgekommen ist. Wir Virtuosenzwecken hervorgeholt. Ihre Empfindsamkeit hält nicht dem Proletariat mit einigen fargen Brocken den Mund stopfen unmotivirte Scherze leisten werden. möchten, damit es nicht mehr verlangt. Diesen Eindruck hat er von vornherein auf uns gemacht. Dinge. # " " Vermischtes. SAWO er so manche legendäre Anschauung, die den Kaiser Friedrich| Trunkenbold war und seine Familie fortgefeßt auf das scheuß- von dem Minifter angewiesen, die Untersuchung über die Schuld. als gar nicht berrischen, vom Gottesgnadenthum völlig freien lichste mißhandelt hatte, am 2. Februar mit einem Brett er frage mit der größten Strenge zu führen. Volkstaiser" pries, zerstören. Das wurde ihm, selbst von seinen schlagen. Ihrer Angabe nach hat die Angeklagte diese Handlung Freunden im Bürgerthum übelgenommen. Ueber den Prozeß Wilde in London wird berichtet: Der in der Nothwehr begangen, als ihr vom Rausche erwachter Das persönliche Leben floß dem dahingeschiedenen Dichter in Mann sie wieder anfallen wollte. Nachdem der Staatsanwalt Prozeß gegen den Schriftsteller Oskar Wilde ging heute Nachruhigen Bahnen dahin. Er war geehrt, allseitig anerkannt, viel sie wegen Mordes verurtheilt wissen wollte, verkündeten die Ge- mittag zu Ende. Die Geschworenen erklärten nach vierstündiger gelesen, und so fonnte er nach deutschen Begriffen von Schrift schworenen auf Antrag des Vertheidigers den auf nichtschuldig fonnten. Nachdem die Angeklagten Wilde und Taylor wegen Berathung, daß sie sich zu einem Wahrspruche nicht einigen stellerei und Kunst gemessen, in behaglichen wirthschaftlichen lautenden Urtheilsspruch. Die Angeklagte wurde demgemäß sofort Der vom Staatsanwalt fallen gelassenen Antlagepunkte Verhältnissen leben. Daß auch in dies heitere Dasein düstere aus der Haft entlassen. freigesprochen worden waren, wurden dieselben in Ge= Schatten fielen, braucht nicht besonders betont zu werden. Das wahrsam zurückgeführt. Ein Antrag auf Bürgschaftsstellung für ist allgemeines Menschenloos. Seine rüftige Schaffenstraft wurde Wilde wurde vom Richter zurückgewiesen. Eine neuerliche Verdadurch nicht gelähmt; und bis ins hohe Greifenalter blieb seine handlung wird vor dem nächsten Schwurgericht stattfinden. Theilnahme für öffentliche Vorgänge wach nnd als Mahner und Ueber den Verlauf des Leichenschaugerichts wird aus Warner im Sinne seiner nationalpolitischen Grundanschauungen Lowestoft vom Mittwoch berichtet: Bei der heutigen Fenersbrünste in Rußland. Aus Petersburg wird vom erhob er seine Stimme. Fortsetzung der Verhandlung rekapitulirte der Leichen Mittwoch berichtet: Das Gebäude der kaiserlichen Rechtsschule beschauer die gemachten Zeugenaussagen. Die Jury gab wurde durch eine Feuersbrunst heimgesucht, welche sich plöglich nach eindreiviertelstündiger Berathung ihr Verdikt dahin durch die Ventilationsröhren verbreitete. Das Dach und die ab, daß nach ihrer Meinung dem Steuermann der„ Crathie" Lager sind stark beschädigt. Der Schaden soll 50 000 Rubel beund dem Mann auf dem Ausgud eine große Nachlässigkeit des tragen. Gestern brannte die halbe Stadt Dubno, Gouvernement halb vorzuwerfen sei, weil sie nicht ordentlich Wache gehalten Wolhynien, nieder. Die Feuersbrunst verbreitete sich infolge hätten. In anbetracht des Fehlens jeder Zeugenaussage von Mangels an Löschmitteln, zumal auch keine Feuerwehr vor feiten der auf der„ Elbe" befindlich gewesenen Personen war die handen war. Die Lage der theilweise obdachlosen Bevölkerung Jury der Ansicht, daß kein genügender Beweis vorhanden sei, ist traurig. daß wegen der Kollision die" Crathie" allein ein Tadel treffe. In der Frage der Hilfeleistung nach dem Zusammenstoße sprach die Jury die" Crathie" von jedem Vorwurf frei. Gerichts- Beitung. # Wegen der Revolveraffäre, die sich am 13. Juli vorigen Jahres zwischen dem Pferdebahn Schaffner Berg und dem Referendar Schwabe abgespielt hatte, war bekanntlich nicht Schwabe, sondern Berg verurtheilt worden. In der Berufungsinstanz erzielte Berg gestern, daß er von der Antlage der Be drohung freigesprochen wurde, das Strafmaß wurde von zwölf auf zehn Tage herabgesetzt. gekommen. Schiff. " Seeräuber. Die am Dienstag in Gibraltar an gekommene holländische Brigantine Anna" meldete, daß sie, während sie am Sonntag auf der Höhe der maurischen Küste Die fittliche Degeneration der Bourgeoisie. Die Fälle, in denen stch Dienstherren, Prinzipale u. s. m. gegen ihre Dienst- Die Leipziger Wollkämmerei, welche 2000 Arbeiter be- von einer Windstille aufgehalten wurde, von acht mit Riff- Arabern Die Araber erschossen den mädchen und weiblichen Angestellten vergehen, mehren sich in er- schäftigt, brannte in der Nacht zum Mittwoch vollständig nieder. Kapitän, verwundeten den Steuermann und plünderten das schreckender Weise. Fast jede Woche werden mehrere derartige Fälle im Kriminalgerichtsgebäude abgeurtheilt. Gestern hatte sich Abend 6 Uhr 57 Minuten erfolgte ein mäßig starter, zwei Aus Laibach liegen folgende Nachrichten vor: Dienstag Das Schwurgericht hiesigen Landgerichts I mit einem solchen un- Sekunden dauernder Stoß, dem Nachts zwei schwächere Stöße moralischen Dienstherrn zu beschäftigen. Der Handelsmann Wolf Jonas, ein schon bejahrter Familienvater, stand feiner- folgten. Infolge der Erdstöße der letzten Tage erweitern sich die zeit vor der 3. Straffammer des Landgerichts I unter der Beschuldigung, eine Reihe von Dienstmädchen, die bei ihm ziem- Riffe und Sprünge in den Mauern. lich oft wechselten, thätlich beleidigt zu haben. Die In Hongkong sind am Montag drei Fälle von Pest vorStraffammer war auf grund der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung gekommen, daß hier nicht blos thätliche Beleidigung, Ueber die Katastrophe bei Bousey wird aus Eginal sondern wiederholte versuchte Nothzucht vorliege, hatte sich des- berichtet: halb für unzuständig erklärt und die Sache vor das Schwurgericht verwiesen. In der gestrigen Verhandlung wurden gegen noch nichts Bestimmtes ergeben hat, scheint man zuzugeben, daß Obgleich die Untersuchung über die Katastrophe von Bousey Den Angeklagten ein Fall der vollendeten, drei Fälle der ver- ein Konstruktionsfehler und der Mangel an Aussicht die Schuld suchten Nothzucht und drei Fälle der thätlichen Beleidigung fest an dem Dammbruche tragen. gestellt. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre 9 Monate, der Gerichtshof erkannte auf drei Jahre fechs Monate ist hier angekommen und hat dem Deputirten Krantz erklärt, Der Minister der öffentlichen Arbeiten Dupuy du Temps 3uchthaus unter Anrechnung von drei Monaten auf die er wäre sich der Verantwortlichkeit des Staates bewußt, und die Untersuchungshaft. petuniäre Entschädigung würde bewilligt werden. Der Minister Briefkaffen der Redaktion. Von der Anklage des Mordes wurde gestern die fügte hinzu, er sei entschlossen, den Schuldigen zu ermitteln und wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwei Buchstaben oder eine Bo11) 31jährige Arbeiter Ehefrau Antonie Anna Rettle aus Amalienhof die strengsten disziplinarischen Maßregeln zu treffen. bei Spandau vom Schwurgericht am Landgericht II frei Minister besichtigte dann die Trümmer des Dammes und ließ Schmidt, Kottbuserstr. Lassen Sie doch den guten Mann gesprochen. Sie hatte ihren Mann, der ein unverbesserlicher sich die nöthigen Erklärungen geben. Der Staatsanwalt wurde l weiter räfonni ren. Das schadet doch niemandem. Achtung! Den Mitgliedern des sozialdemokratischen Wahlvereins des sechsten Wahlkreises zur Nachricht, daßGenosse Wilhelm Lubitz, Zimmermann, am Sonntag, den 5. d. Mts., mittags 12 Uhr, vom Lazarus- Krankenhause, Bernauerstraße, aus, beerdigt wird. Um zahlreiche Theilnahme bittet Der Vorstand. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 1. d. M. verstarb nach kurzem Leiden unser Kamerad, der Zimmerer Herr Wilhelm Lubitz. Die Beerdigung findet Sonntag, den 5. Mai, mittags 12 Uhr, von dem Lazarus- Krankenhause aus nach dem Zionsfriedhof in Weißensee statt. Der Vorstand. 925b Dienstag früh 101/2 Uhr entschlief Kranken- und Sterbe- Unterstützungskasse der Berliner Hausdiener. Nachruf. Am 28. April, abends 113/4 Uhr, verschied nach kurzem Krankenlager das Mitglied Gustav Witter. Wir bitten die Mitglieder, demselben ein ehrendes Andenken zu bewahren. 9176 Der Vorstand. Nach kurzen schweren Leiden verschied plöglich der Drechsler Heinrich Nerlich. Wir verlieren in ihm einen treuen braven Arbeiter und werden sein Andenken stets in Ehren halten. 9096 Georg Luft& Co. Kranken- und Sterbekasse der Berliner Hausdiener ( E. H. Nr. 61). Der Zeitungen über die großartige Ueberraschung berichtet, womit Bismarck's Geiz. Es wurde bekanntlich in gewissen Bismarck die Studenten bei ihrem Besuche in Friedrichsruh be glückte und die darin bestanden hat, daß jeder Theilnehmer eine Medaille als Andenken erhielt. Nun ist es auf einmal still über diese ganze Angelegenheit geworden. Warum denn? Bei näherer Besichtigung der Medaille fand man nämlich die Jahreszahl Medaillen vom fiebenzigsten Geburtstag übrig geblieben sind und 1815-1885 aufgeprägt vor, woraus zu schließen ist, daß die Mannes ist nicht schlecht und seinen Schwärmern herzlich zu nun im Jahre 1895 ihre Verwendung bei den patriotischen Studenten gefunden haben. Dieser Aprilscherz" des großen gönnen. Diese selbst sind freilich nicht sehr erbaut von ihrer Mannes ist nicht schlecht und seinen Schwärmern herzlich zu tuschen. Entdeckung und versuchen, die Sache so viel als möglich zu ver Jubiläums- 25 Ausgabe. Soeben erschien die fünfundzwanzigste Auflage von August Bebel: anzugeben unter der die Antwort ertheilt werden soll. Neue freie Volksbühne. Sonntag, den 5. Mai f. d. 2. Abth. im Zentral- Theater: ,, Einsam". Elysium 68/3 9226 Nr. 40. Die Frau und der Sozialismus. Großer Garten u. Säle Heft Ausgabe. Komplet in 10 Seften à 20 Pfennig. Bu beziehen durch alle Kolporteure. Zentralverb. d. Maurer Deutschlands Zahlstelle Berlin 1( Putzer). Mitglieder- Versammlung am Sonntag, den 5. Mai, vormittags präz. 11 Uhr, in den Arminyallen, Kommandantenstr. 20. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1895. 2. Wahl der Ausschußmitglieder. 3. Berichterstattung vom außerordentlichen Verbandstag in Halberstadt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß 4. Fußpartie und wie feiern wir unser diesjähriges Stiftungsfeit. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersuche ich die Kollegen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. nach 10tägigem Krantenlager mit der Kollege schwerem Todestampfe im noch nicht vollendeten 8. Lebensjahre unfere einzige Wilhelm Habedank, unermeßlich geliebte Tochter Grete. Die Beerdigung findet Freitag, den Rottbuser Ufer 60, am 29. April ver3. d. M., nachmittags 3/2 Uhr, vom storben ist. Die Beerdigung findet am Trauerhause Wasserthorstr. 22 nach Freitag, den 3. Mai, nachm. 3½ Uhr, dem neuen Jakobi- Friedhofe statt. In von der Leichenhalle des Neuen Jakobitiefer Trauer firchhofes aus statt. Der Vorstand. 916b Familie Hirt. Zentral- Kranken- u. Begräbnisskasse Central- Kranken- u. Sterbefaße der Sattler u. Berufsg. Deutschlands. ,, Hoffnung"( E. H. 64.) Verwaltungsstelle Berlin. Am Dienstag, den 30. April, starb unser Mitglied, der Sattler Friedrich Rudat infolge einer Operation. Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Tischler n. s. 10. Oertliche Verwaltung Berlin E. Sonntag, den 5. Mai 1895, vorm. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Scheps Mitgliederversammlung. ( Hochplay- Kafino), Gerichtstr. 10, Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1895. der Kapelle der St. Elisabeth- Gemeinde 2. Vortrag des Herrn Dr. Bentler 918b über: Die Ursachen der Krankheiten". 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Die Ortsverwaltung. ( Gesundbrunnen) aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am 29. April verschied nach furzen aber schweren Leiden unser Kollege Heinrich Nerlich. Wir betrauern in ihm einen treuen Freund und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Arbeiter der Stockfabrik Georg Luft& Co.' 909b Bekanntmachung. Orts- Krankenkasse des TöpferGewerbes zu Berlin. Freitag, den 10. Mai 1895, abends 7 Uhr, außerordentliche 242/18 General Versammlung der Delegirten( Arbeitgeber und Arbeit: nehmer) im Lokal des Herrn Buske, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: 1. Abänderung des Kaffenstatuts §§ 1-68( speziell Erhöhung der Beiträge). 2. Berschiedene Kassen- Angelegenheiten. Der Vorstand. " Zur Beachtung! Der Bevollmächtigte. 198/20 für Vereine und Privatfestlichkeiten. Jeden Concert und Ball. Sonntag: Nachtigallen, ungarische, schlagend, 6,00, Singvögel, Vogelbauer. Schnelle, Juvalide straße 7. Arbeitsmarkt. Achtung! Möbelpolirer! 9206 Wegen Maßregelung von 6 Kollegen infolge der Maifeier ist die Firma bes Hoflieferanten C. Prächtel, Verein der Einscher( Tischler) raufeuftraße 31 und 32, Berlins und Umgegend. Sonntag, den 5. Mai, vormittags 11 Uhr, Neue Friedric astrasse 44: Ausserordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des 2. Vorsitzenden. 2. Bericht der Dampferpartie. 3. Verschiedenes. 4. Fragelasten. Der Vorstand. Zimmerer. 116/14 Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10% Uhr, Annenstr. 16: Zweite General- Versammlung des Verbandes deutscher Bimmerleute ( Lokalverband Berlin). Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Duartal. 2. Berschiedenes. Der Vorstand. Die Bablitelle Nr. 2 ist von der 3. Bericht der Telegirten von der General- Versammlung. Reinickendorferstr. 7 nach der Gerichts Lm zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. straße 10 bei Scheps( Hochplatz- Kasino), 290/18. verlegt worden. Die Zahlstelle ist im Saal und der Eingang Hof links. Daselbst wird auch das Krankengeld auss gezahlt. J.Sturm, Münzstrasse 5, 908b Friedrichstr.25| 26 Bonbon, Marzipan, Confituren. Bei Erfält., Husten 2c. mache man einen Versuch m. Sturm's PectoralBonbon, per Packet 20 Br. Ausw. Best. u. Alte Stiefel, Reparat. reell u. bill. Runge, Adalbertstr. 86.[ 802b Ein Kleiderspind, Spiegel, Kommode bill. zu verk. Weißenburgerstr 43, H. part. geradezu. 9105 Arbeiter- Radfahrerverein„ Berlin". Sonntag, den 5. Mai: Tour nach Werder a. H. zur Baumblüthe. Treffpunkt: früh pünktlich 1/27 Uhr an der Kaiser Wilhelm Gedächtniß firche( Kurfürstendamm). Verkehrslokal in Werder: Luhmann, Kugel9216 weg 58.- Gäste sind zu dieſer Tour ſehr willkommen. Neu eröffnet! Schuhwaaren- Fabrit Der Vorstand. J. A.: Mar Kern. Schlafft. f. H. b. 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Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 102. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 81. Gigung vom 1. Mai 1895. 1 Uhr. Am Bundesrathstische: v. Bötticher. Freitag, den 3. Mai 1895. 3 " 12. Jahrg. fie müssen also auch dieselben politischen und wirthschaftlichen fordern und sich die Knochen entzwei, oder sich todtschießen, mit Rechte haben. anderem Maße gemessen werden. Wird einmal eine Anklage cr Ich komme zur Nutanwendung. Wenn in Deutschland hoben oder eine Verurtheilung ausgesprochen, dann tritt die irgend etwas Merkwürdiges, Reaktionäres, Rückschrittliches paffirt Begnadigung ein, die der Arbeiter nicht fennt. in Presse und im politischen Leben, so ist man gewohnt, das Der Arbeiter und insbesondere die Arbeiterin besitzt kein als etwas Sächsisches zu bezeichnen. Man hat in Sachsen die Vereins- und Versammlungsrecht; es giebt Erwerbszweige, wo Jn Gegenwart von 19 Abgeordneten( 1 Sozialdemokrat, ganze sozialdemokratische Partei- Organisation verboten; man hat die Zahl der Arbeiterinnen die der Arbeiter weit übersteigt, nicht 4 Freifinnige, 1 Nationalliberaler, 4 Zentrum, 3 Polen und entdeckt, daß dieselbe ein Verein sei und den Zweck verfolgt, der bloß in der Textilbranche, sondern auch in Metall- und Spiel 6 Ronservative) eröffnet der Präsident v. Buol die Situng. durch§ 5 des sächsischen Vereinsgesetzes getroffen werden soll, waarengeschäften und in der Tabakindustrie. Die Frauen müssen Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Sozial- und man geht dort auch gegen die Gewerkschaften genau so vor das Recht haben, eine Verkürzung der Arbeitszeit oder eine demokraten auf Annahme eines Gefehentwurfes, betr. das Recht wie gegenüber den politischen Vereinen. Sanktionirt ist dies Verbesserung ihrer Löhne in gewerblichen Organisationen zu era der Versammlung und Vereinigung und das Recht durch einen Ausspruch des Ministers des Innern, der in der kämpfen. der Koalition. Kammer ausdrücklich erklärt hat, daß er Anweisung gegeben Die fächsische Regierung hat Mitte Februar d. J. den Ver Abg. Grillenberger( Soz.): Wir dürfen es als ein günstiges habe an die Verwaltungsbehörden, das Vereinsgefeß der band sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter aufgelöft; diese AufDmen betrachten, daß durch Zufall die Berathung dieses Antrages fozialdemokratischen Partei gegenüber anders lösung erstreckte sich auf die 17 000 Mitglieder zählende Bes gerade auf den 1. Mai gefallen ist, und dieses Omen ist ein um zu handhaben als den übrigen Parteien gegen gräbniß- und Unterstützungskasse, der Verband selbst hatte nahezu so günstigeres, als bei der glänzenden" Besetzung des Hauses über.( Hört! hört! links.) Man hat also dort das Ausnahmerecht 10 000 Mitglieder und 55 Zahlstellen. Er ist aufgelöst unter der Reichstag wenigstens nicht in der Lage ist, etwaiges Unheil oder richtiger das Ausnahmeunrecht gegen die sozialdemokratische dem Vorwand, daß er sich mit öffentlichen Angelegenheiten beüber den Antrag zu bringen. Unser Antrag bezweckt die Partei sanktionirt. So ist im vorigen Jahre in Sachsen eine schäftige. Das Gleiche ist auch den Textilarbeitern passirt, deren Schaffung eines freieren und gleichmäßigeren Vereins- ganze Reihe von Gefangvereinen aufgelöst worden wegen mittel- Lage besonders schlimm ist. und Versammlungsrechts als Ergänzung der Sozial barer und unmittelbarer Unterstützung der sozialdemokratischen In mancher Beziehung ist das Königreich Bayern Sachsen reform und des Arbeiterschutzes und der Arbeiter Bewegung und wegen der beabsichtigten Theilnahme an dem ge- noch über. Speziell in der Stadt Nürnberg sind Dinge passirt, bestrebungen auf Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen. planten Bundes Sängerfeste in Mittweida. Diese Arbeiter die man in einem freien oder doch halb konstitutionell regierten In den deutschen Grundrechten, die 1848 auf dem Frankfurter Gesangvereine haben sich besonders organisirt, um nicht bei ge- Staate einfach für unmöglich halten sollte. Man hat dort einfach. Parlament angenommen sind, heißt es im Artikel 7: Die wissen mordspatriotischen Festen als Statisten der bürgerlichen Frauen aus Bersammlungen ausgewiesen, in denen darüber geDeutschen haben das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu Klasse zu funktioniren, und deshalb haben sie den Zorn der sprochen werden sollte, wie es möglich sei, die Beschwerden versammeln; einer besonderen Erlaubniß dazu bedarf es nicht. sogenannten staatserhaltenden Parteien sich zugezogen. Wegen der Arbeiter und Arbeiterinnen beffer als bisher zur Kenntniß In der Einleitung zu dieser Bestimmung heißt es, daß diese dem der Theilnahme an jenem Sängertage ist eine ganze Anzahl der des Fabrikinspektors zu bringen auf dem Wege einer Beschwerdedeutschen Volke gewährleisteten Grundrechte den Verfassungen der artiger Vereine aufgelöst worden. Zu gleicher Zeit hat aber der kommission.( Hört! hört! lints.) Und als der Vorsigende sich Einzelstaaten als Norm dienen und durch keinerlei vorbeugende Chemnitzer Wahlverein der Antisemiten ein Sommer- weigerte, diesem ungesetzlichen Verlangen der Polizei nach Maßregeln beschränkt werden sollen. Eine Anzahl deutscher fest abgehalten und dabei öffentlich erklärt: es find Ein- zukommen, ist die Versammlung aufgelöst worden. Bundesstaaten hat nun zwar ähnliche Bestimmungen wie die ladungen an sämmtliche deutsch sozialen Vereine Man hat die Beseitigung von Frauen und Minderjährigen erstere in ihren Verfassungen aufgenommen, aber die letteren unseres engeren Vaterlandes ergangen. Als aus einer Versammlung verlangt, in der über die Errichtung nicht akzeptirt, sondern allerlei Fußangeln gemacht, um die Festredner ist der Herr Pastor Jskraut gewonnen." Sie eines Arbeiterfekretariats für die Stadt Nürnberg gesprochen ersteren zu beeinträchtigen oder sogar gänzlich aus der Welt zu sehen daraus, daß man es in Sachsen auch ohne Sozialisten werden sollte. Als man dem Verlangen nicht entsprach, wurde schaffen. Das Vereins- und Versammlungsrecht ist eins der gefeß und ohne Umfiurzgesetz fertig bekommt, die Arbeiter anders die Versammlung aufgelöst und der Leiter später in Antlages wichtigsten Rechte im Volts- und Staatsleben. Ohne Vereins- zu behandeln, als die übrigen Staatsbürger. Daß das die Un- zustand versett. 11 Bersammlungen an einem Abend wurden und Versammlungsrecht kann von einem tonstitutionellen Leben zufriedenheit vermehren muß, liegt auf der Hand. Auer durfte verboten, weil in denselben gesprochen werden follte und von einem Einfluß auf die Gesetzgebung nicht die im verflossenen Sommer in seinem Wahlkreise über die Umsturz- über die Nothwendigkeit der Arbeiterorganisationen gegenüber Rede sein. Wir Sozialdemokraten sind feineswegs vorlage nicht reden, wohl aber über seine Thätigkeit im Reichstage den Organisationen der Unternehmer, welche sich zur Maßdarauf versessen der lieben Freiheit halber auf einzelne und dabei über den Geist des Umsturzes. Ju Leipzig darf regelung von Arbeitern vereinigt hatten. Beschwerden über Dinge zu verzichten, die die einzelnen Bundesstaaten in gewisser jemand, dem in einer Versammlung das Wort entzogen ist, die Verbote Verbote sind zurückgewiesen worden weil die fo Beziehung beffer behandeln können, als das Reich. Allein auf nicht wieder sprechen, es sei denn, daß er sich recht artig be- zialdemokratische Partei nach einem oberstrichterlichen Er diesem Gebiete herrscht ein derartiges Durcheinander verschiedener nimmt. In Dresden hat man das Arbeiterfest aus play fenntnisse eine über ganz Deutschland verbreitete Partei einander widerstrebender Geseze und eine derartig verschiedene verkehrspolizeilichen Gründen verboten, am selben Tage aber das sei und jede Versammlung, die sich mit politischen Angelegen= Rechtsprechung, daß wir genöthigt find, hier eine einheitliche Preiskorsofahren der goldenen Jugend in den belebtesten heiten beschäftige und von einem Mitgliede dieses sozials Regelung von Reichs wegen anzustreben. Art. 4 der Reichs- Straßen gestattet. In Gehrsdorf wurde die Feier der filbernen demokratischen Gesammtvereins berufen u. s. w., sei als eine verfassung bestimmt ausdrücklich, daß das Vereins- und Ver- Hochzeit eines Sozialdemokraten polizeilich überwacht. In Vereinsversammlung des über ganz Deutschland verbreiteten sammlungswesen in Deutschland von Reichs wegen zu regeln ist Falfenstein wurde eine Versammlung verboten mit der Tages Vereins zu betrachten. Früher durften Frauen den Versamm= und daß die Beaufsichtigung desselben zunächst von seiten des ordnung: Ueber das sächsische Vereinsgefet! Das verträgt lungen beiwohnen. Da auf einmal wurde dies anders und zwar Reichs in der Gesetzgebung vorgenommen werden soll. Die allerdings nicht an 6. Januar eine die öffentliche Kritik( Heiterkeit). In ohne Anweisung vom Ministerium. wenigstens wurde dies in Spuren hiervon find höchstens im Reichs- Strafgesetzbuch ent- Leipzig wurde Versammlung auf Abrede gestellt und in Nürnberg war dies um so auffallender, halten; in bezug auf die freie Ausübung des Vereinsrechtes gelöst, weil ein Redner gesagt hatte, Crispi weil ein Redner gesagt hatte, Crispi sei ein als die Polizei sich in den Händen des überwiegend freisinnigen haben wir nichts bekommen. Trotzdem wir in diesem Sommer gewaltthätiger Mensch, dabei schlau und verschlagen wie der Magistrats befindet. Die Ausrede, daß die Polizei ja nur die das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Reichsschaffung preußische Finanzminister Miquel; mit Ausnahmegesetzen tönne Befehle der Verwaltungsbehörde ausführen müsse, kann ich nicht feiern, ist noch kein Versuch gemacht worden, das in jeder Esel regieren. Hierin erblickte die Polizei einen Hinweis gelten lassen. Es ist ein Unterschied zwischen der gezwungenen der Verfassung niedergelegte durch Reichsgesetz zu erledigen auf deutsche Verhältnisse.( Heiterkeit.) Verboten wurde ferner Handhabung eines derartigen Gesetzes und der mit Freuden vollund deshalb haben wir diesen Antrag gestellt. Es kommt in in Leipzig eine Versammlung wegen des Themas: Die freie zogenen Ausübung derartiger Praktiken, wie in Nürnberg gea demselben nicht blos die Meinung der sozialdemokratischen Par- Liebe. Verboten wurde eine Versammlung an einem Kaisers- fchehen ist, wo man sich mit wahrem Heißhunger auf die Lamentarier, sondern der Wille des letzten Parteitages und damit geburtstage, um eine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Sicherheit Arbeiterorganisation geworfen hat, trotzdem im freisinnigen Pros Des weitaus größten Theils der Arbeiterklasse zum Ausdruck. und Ordnung zu verhüten. Gine gewerkschaftliche Versammlung gramm steht: Freiheit der Presse und des Vereins- und VerDer Antrag besagt, daß die Reichsangehörigen ohne Unterschied wurde aufgelöst, weil der Referent nicht gleich zur Stelle war fammlungsrechts". Die Beschwerden gegen die Aufdes Geschlechts das Recht haben sollen, sich zu versammeln. Zur und die Versammlung sich inzwischen mit der Fragefaften- Frage lösung oder das Verbot von Versammlungen, die fich Veranstaltung und Abhaltung von Versammlungen bedarf es beschäftigte, ob der Mensch einen freien Willen habe. Zunächst mit rein gewerkschaftlichen Angelegenheiten befaßt haben, find weder einer Anmeldung bei einer Behörde noch einer Erlaubniß wurde dem betreffenden Redner das Wort entzogen und als durchweg abgewiesen von der Reichsregierung und vom Ministedurch eine Behörde. Versammlungen und Umzüge, die auf ein anderer Redner äußerte, er sei über diese. Wort- rium. Das letztere konnte sich auf ein neues obergerichtlich geöffentlichen Straßen und Pläßen stattfinden, sind spätestens sechs entziehung ganz erschrocken, wurde die Versammlung auf fälltes Urtheil stüben, welches ant 29. Dezember 1894 gefällt Stunden vor ihrem Beginn durch den Veranstalter oder Ein- gelöst. Im Jahre 1885 unter dem Solizialistengesetz hat wurde. Das Gericht hat der Polizeibehörde recht gegeben und berufer bei der mit der Ordnung des öffentlichen Verkehrs be- der Chemnitzer Polizeirath dem Vorstand des aufgelösten sich der Auffassung des Staatsministers angeschlossen. Es ist trauten Ortsbehörde anzuzeigen. Die Reichsangehörigen ohne Unter- Fachvereins der Metallarbeiter mitgetheilt, der Verein dürfe sich bedauerlich, daß das höchste Gericht im Lande es mit seinem schied des Geschlechts haben das Recht, Vereine zu bilden. Alle den zwar dem Verbande nicht anschließen, dagegen sei aber nichts ein- Gewissen für vereinbar gehalten hat, ein solches Urtheil zu fällen. vorstehenden Bestimmungen widersprechenden Gesetze und Verord- zuwenden, wenn die einzelnen Mitglieder jeder für sich dem Ber- Es heißt in dem Urtheil:„ Ein politischer Verein wird jeder mungen einschließlich derer, welche die Verabredung und Vereinigung bande beitreten. Derfelbe Polizeibeamte hat dies jetzt untersagt. Verein, sobald er sich mit öffentlichen Angelegenheiten befaßt." zum Behufe der Erlangung günstigerer Lohn- und Beschäftigungs- Den Vertrauensmännern der Holzarbeiter in Löbau ist in den Der Ausdruck öffentliche Angelegenheiten" begreift alle Anbedingungen hindern, untersagen oder unter Strafe stellen, sind letzten Tagen verboten worden, in irgend einer Weise mit der gelegenheiten, die nicht ausschließlich einzelne physische oder aufgehoben. Wer die Ausübung der in den vorstehenden Para- Regelung der gewerkschaftlichen Verhältnisse sich zu befassen. In juristische Personen und deren Privatinteresse, sondern graphen gewährleisteten Rechte hindert oder zu hindern versucht, Leipzig hat man auch die einzelnen Vertrauensmänner der Metall- im Gegensatz die Gesammtheit des Gemeinwesens Ind wird mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach arbeiter für je eine Organisation erklärt und diese aus einer das gesammte öffentliche Interesse berühren. Jede Vers dem allgemeinen Strafgefeß nicht eine härtere Strafe eintritt. Person bestehende Organisation noch extra aufgelöst.( Lachen bei fammlung also, die sich mit einer derartigen, nicht PrivatDiese Bestimmungen sollen nicht nur Geltung erlangen für das den Sozialdemokraten.) Die Gewerkschaften sollen nach sächsischer interessen berührenden Angelegenheit befaßt, wird als eine Reich, sondern ganz besonders für die Reichslande, wo auf dem Anschauung Vereine sein, welche sich nicht ausschließlich im politische Versammlung angesehen. Es komme überhaupt, heißt Gebiet des Vereins- und Versammlungsrechts die allerschlimmsten Rahmen des§ 152 der Gewerbe- Ordnung berathen, sondern es in dem Urtheil weiter, nur darauf an, daß die Versammlung Zustände herrschen. öffentliche Angelegenheiten erörtern. Hierzu rechnet man in von einem politischen Verein ausgegangen und zur Verfolgung Von den Schriftstellern verschiedener Parteien ist darauf Sachsen: statistische Arbeiten über Lohn- und Arbeitsverhältnisse, feiner Zwecke bestimmt wäre, nicht darauf, ob darin öffentliche hingewiesen worden, welche hohe Bedeutung das Vereins- und Regelung des Verkehrs- und Herbergswesens, Rechtsschut in ge- Angelegenheiten auch wirklich erörtert worden seien. Und die insbesondere auch das Koalitionsrecht für die Arbeiter hat. Es werblichen Streitigkeiten. Gewerkschaften werden dadurch zu politischen Vereinen gestempelt, ist aber beinahe ein halbes Jahrhundert vergangen, ohne daß Der Münchener Universitätsprofessor Dr. Lugo v. Brentano daß der sozialdemokratische Parteitag in Köln die Genossen aufdie Forderungen des Frankfurter Parlaments auch nur um urtheilt in der Zukunft" über unsere Zustände: nach wie vor gefordert habe, die gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter einen Schritt ihrer Berwirklichung näher gekommen bleiben alle Maßnahmen, die zur Verwirklichung der Koalitions- zu unterstützen. Danach sind alle Versammlungen der Gewerks find. Im Gegentheil, es ist schlimmer geworden als vor freiheit unentbehrlich sind, von der Willkür der schaften angeordnet von der Berliner Partei, also politische Vers bem Sozialistengefeß, namentlich in Sachsen und Bayern; Polizeibehörden abhängig. Dies gilt besonders von sammlungen eines politischen Vereins, folglich dürfen Minderjährige Vereins, Versammlungs- und Koalitionsrecht hängen enge zu dem Vereins- und Versammlungsrecht. Wer hat je gehört, daß und Frauen ihnen nicht beiwohnen. sammen; eins dieser Rechte ist ohne das andere nicht wohl eine Versammlung von Arbeitgebern polizeilich überwacht Es wird schwer werden, im bayerischen Landtage wieder auf denkbar. Wir haben deshalb alle drei festlegen müssen, damit oder ein solcher Verein, weil er sich mit öffentlichen Dingen be- dem Beschwerdewege gegen diese Sachen vorgehen zu können. nicht das eine durch das andere unwirksam gemacht wird. faffe, aufgelöst worden wäre? Den Arbeitgebern kann man Jm vorigen Landtage wurde die Erledigung der Beschwerde da In der Behinderung der freien Ausübung nicht verbieten, mit einander in Verbindung zu treten und durch durch unmöglich gemacht, daß seitens des Bezirksausschusses die dieser verfassungsmäßigen Rechte wird es im Mittheilung der Namen der Feiernden zu verhindern, daß sie Sache so lange hingeschleppt wurde, bis der Staatsminister des Königreich Sachsen am tollsten getrieben. Es anderswo Beschäftigung finden; die Arbeiter aber, die Innern als Reisebegleiter des Prinzregenten sich nach der Rheinwird dort noch genau so verfahren, als ob das Sosialisten sich nur dadurch benachrichtigen können, daß sie Schildwachen pfalz begeben mußte und infolge dieser wichtigen Aufgabe keine geset noch bestände, bis auf die Ausweisung und das ausstellen, die vor dem Zuwandern warnen, werden daran Zeit mehr hatte, sich mit der untergeordneten Angelegenheit der gehindert. Blätterverbot. Die nichtpolitischen, gewerkschaftlichen Organi polizeilich Um es furz zu sagen: es be- Berlegung verfassungsmäßiger Rechte der Arbeiter zu befassen. fationen der Arbeiter werden natürlich von Unternehmern und steht Koalitionsfreiheit, aber es ist den Arbeitern Inzwischen ist nun die Sache gerichtlich fanttionirt. Unser der Polizei mit besonders scheelen Augen angesehen. verboten, davon Gebrauch zu machen.( Sehr wieder gewonnener neuer Kollege Herr Dr. Pichler aus Passau irgendwo ein Streit ausbricht, ist damals Berichterstatter des Beschwerde Ausschusses gewesen. In Bayern hat man eine besondere gefeßliche Be richtig! links.) Sobald stimmung dahin getroffen, daß Frauen und Minderjährige stellt die Polizei Schuhmannschaften auf, um die Freiheit Er hat als Referent die Beschwerde als durchaus gerechtfertigt nicht berechtigt sein sollen, fich an politischen Vereinen zu beder Arbeit aufrecht zu erhalten", d. h. die Freiheit, fich un- in rechtlicher und formaler Beziehung hingestellt und beantragt, theiligen. Nach anderen Vereinsgefeßen dürfen Frauen und eingeschränkt ausbeuten zu lassen. Minderjährige auch an politischen Versammlungen, die nicht von Die schwarzen Listen bleiben unangetaflet und sie den Vereinen ausgehen, nicht theilnehmen. Wo nun eine solche Bestimmung nicht statuirt ist, hat man es fertig gebracht, dies durch polizeiliche Handhabung zu erreichen. So auch in Bayern. " M daß entsprechende Remedur geschaffen werde. Das Referat kam nicht mehr zum Vortrag.( Redner zitirt einzelne Stellen aus existiren auch in den königlich preußischen Eisenbahn dem Referat des Abg. Pichler, aus denen hervorgeht, daß den und Militärwertstätten. Erklärt aber jemand in einer Arbeitern diefelbe Koalitionsfreiheit gegeben werden müsse, welche Versammlung, der und jener von unseren Kollegen ist wort die Arbeitgeber in Ringen, Syndikaten, Kartellen schon besitzen. brüchig geworden und geht dies in eine Beitung über, so wird Wenn ein Angehöriger der bayerischen Zentrumspartei In Preußen verbietet man zwar den Frauen und Minder der Redakteur wegen Verrufserklärung bestraft und der Arbeiter, einen derartigen Ausspruch thut, so wird wohl auch das jährigen an politischen Vereinen und Verbindungen theil der das sagt, muß gewärtig sein, mit geschlossenen Händen wie Zentrum des Reichstags sich auf diesen Standpunkt stellen eine einheitliche, freie, den Arbeitern zunehmen, aber nicht den Besuch allgemeiner öffentlicher Ber- ein gemeiner Verbrecher abgeführt zu werden. In den fog. ge- und günstige Sammlungen. Nun geht allerdings die Sage, daß der preußische bildeten Kreisen wird der Wortbruch als das schmählichste Ver- Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts verlangen. Minister des Innern bereits einen Gefeßentwurf ausgearbeitet gehen im bürgerlichen Leben bezeichnet; auch wir sind derselben Sollten wir uns darin täuschen, so würden sich die Arbeiterkreise habe, der dem preußischen Landtage zugehen soll, oder vielleicht Meinung. Wenn nun aber ein Arbeiter wortbrüchig wird und es nicht erklären können, weshalb das Zentrum sich eine Partei zugegangen ist, auch dem preußischen Vereinsgesetz einen solchen seine Kameraden machen das bekannt, so werden sie wie gemeine für Freiheit, Wahrheit und Recht nennt und für die Arbeiterreallionären Charakter zu verleihen.( Sehr gut! rechts.) Dieser Berbrecher behandelt. intereffen eintritt. Wenn Herr Pichler die sozialdemokratische Zwischenruf soll wohl heißen, daß den Frauen die Betheiligung Bei dem Bergarbeiterstreit in Rheinland und Partei nicht mehr für einen zentralisirten Verein hält, da auf an Versammlungen verboten werden soll( Buruf rechts). Aller- Westfalen find deswegen Arbeiter bis zu 10 Monaten Ge- dem Parteitag in Halle die sozialdemokratische Partei sich ausdings" wird gesagt. Man hat sich aber bis jetzt noch nicht auf fängniß verurtheilt worden. Kommt ein Arbeiter dazu, einem drücklich eine ganz neue Organisation gegeben habe, die nicht die zuraffen vermocht, den Frauen auch teine politischen solchen gemeinen wortbrüchigen Menschen gegenüber dem Grund- Spur eines Vereinscharakters an sich trage, so wird es dem und öffentlichen Pflichten aufzuerlegen.( Sehr richtig!) faze zu huldigen, feste um sich zu bauen und dem Be- Zentrum nicht schwer fallen, unserem heutigen Antrage zuzuDie Frauen müffen ebenso gut, so weit sie sich wirthschaftlich betreffenden vielleicht ein paar, unter Umständen recht gesunde fimmen. Die Liberalen erinnere ich daran, daß ihre Vorfahren thätigen, Eteuern bezahlen wie die Männer, sie werden in Ohrfeigen zu verabreichen, so wird er in unerhörter Weise be- im Jahre 1848 den von mir erwähnten Passus der Grundrechte Fabriken, Werkstätten noch mehr ausgebeutet wie die Männer, hindelt, während die Leute, die sich zum 3 weikampf heraus gutgeheißen haben. Heute ist das Recht der Vereinigung noch eine vicl größere Nothwendigkeit für die breiten VoNSmnssen als damalS� Wenn ich von Preußen bisher nicht gesprochen habe, so soll damit nicht gesagt sein, daß es hier besser steht. In Barmen hat man die Lehrervereine unter das Vereinsgesetz gestellt; in Breslau hat man die Versammlung des Arbeiter-Scingerbundes aufgelöst, weil dieselbe nicht als politisch angemeldet war; in Westfalen sind verschiedene Versammlungen in den letzten Monaten auf- gelöst worden wegen der Anwesenheit von Frauen, in denen Frauen Referate abhielten. Man hat die Berliner Frauen-Agi- tationskommission als politischen Verein geschlossen. Von anderen kleinen Chikanen will ich garnicht reden. Wir verlangen etwas, was in anderen Staaten längst be- steht, ein natürliches Recht, welches jedem Staatsbürger, gleich- viel welchen Geschlechts, zukommt und das nicht länger hintenau- geHallen, verpfuscht, ruinrrt und mißhandelt werden soll. Spätere Generationen werden sich billig wundern, wie am Ende des 19. Jahrhunderts es noch nothwendig war, im deutschen Reichstage eine solche Rede halten zu müssen. In W ü r t t e m- b e r g können politische Vereine gebildet werden, ohne daß eine Anzeige erfolgt; Versammlungen können stattfinden, ohne daß sie angezeigt zu werden brauchen, wenn sie öffentlich ausgeschrieben worden sind. Auch in Hessen besteht ein eigent- liches Vereinsgesetz nicht; die Bundesakte, durch welche Arbeiter- vereine, insbesondere sozialistische Verbindungen eo ixso verboten sind, stehen nur auf dem Papier. Ist nun etwa in Württemberg die Sozial- demolratie mächtiger als in anderen Staaten und ist es dort zu sozialdeni akratischen Aus- schreit ungen gekommen? Niemals. Und in Sachsen sind wir trotz der Chikanen mächtiger als in anderen Staaten. Ziehen Sie daraus die Lehre, daß mit solchen kleinlichen Waffen gegen eine Kultur- bewegung, wie sie die Sozialdemokratie nun einmal ist, nichts ausgerichtet werden kann. Schaffen Sie mit Annahme unseres Antrages Zustände in Deutschland, wie sie eines wahrhaft zivilisirten Volkes würdig sind. Die gegenwärtigen Zustände sind einer zivilisirten Nation nicht würdig!(Beiiall bei den Sozialdemokraten.) Sächsischer Bundesrathsbcvollmächtigter Graf Hohenthal: Die Handhabung des sächsischen Vereinsgejetzes gehört nicht vor dieses Haus, sondern vor den sächsischen Landtag. Wenn ich trotzdem auf die Angriffe des Vorredners eingehe, so geschieht das, um einen Punkt zu widerlegen. Der Vorredner hat be- hauptet, daß der Minister des Innern v. Mctzsch eine Verfügung erlaffen habe, daß die Sozialdemokraten anders behandelt werden sollen als die anderen Parteien.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Das ist nicht der Fall. Der Minister v. Metzsch hat in der zweiten Kammer folgendes ausgesprochen: Ich muß der Ansicht gegenübertreten, wonach der sozialdemokratischen Partei gegenüber das Vereinsgesetz in anderer Weise gehandhabt werde als gegenüber den Vertretern der Ordnungsparteien. Die Regierung hat Veranlassung genonimen, es in einer allgemeinen Verordnung auszusprechen, daß die Bestimmungen des Vereins- gesetzes gleichmäßig zu handhaben sind ohne Rücksicht auf die politische Färbung der Parteien. Wir halten darauf, daß auch seitens der Polizeibehörden mit völlig gleichem Maße gemessen wird. Neben den präzeptiven Bestimmungen des Vereinsgesetzcs giebt es aber noch andere gesetzliche Bestimmungen, die mehr einen dispositiven Charakter haben gegenüber dem Aufsichtsrecht derPolizei und das Genehmigungsrecht zu Vereinen und Versammlungen. In dieser Richtung muß selbstverständlich dem diskretionären Ermessen der Polizeibehörden ein gewisser Spielraum gestattet sein und wenn vom Standpunkte derPolizei die sozialdemokratischen Vereine und Versammlungen mit etwas schärferem Maße ge- messen werden, so entspricht das auch den Intentionen der Re- giernng.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die sozialdemo- kratische Partei hat überhaupt erst Veranlassung gegeben, daß das Vereinsgesetz etwas schärfer gehandhabt wird dadurch, daß sie in den bisher ruhigen Gang der Arbeiterversammlungen Agitation hineingetragen hat. Heißt das, die Regierung wolle die positive Bestimmung des Gesetzes den Sozialdemokraten gegenüber anders anwenden, als den anderen Parteien gegenüber? (Heiterkeit.) Die Vorschriften werden gleichmäßig gegen- über den Parteien, welche die bestehenden Verhältnisse umstürzen wollen, schärfer angewendet. Das ist ganz selbstverständlich. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Daß die Gewerkschaften auf Anstiften der Unternehmer verfolgt werden, ist nicht richtig. Redner wendet sich dann gegen die einzeln angeführten Fälle. Ein Sängertag in Mittweida ist verboten worden, weil mit demselben zusammen eine sozialdemokratische Versammlung ab- gehalten werden sollte. Nicht alle Fälle sind bekannt geworden; in vielen Fällen ist auch Remedur geschaffen. Aber es ist selbst- verständlich, daß, wie überall, auch einmal eine Polizei- behörde über die Stränge geschlagen hat. Die Auflösung von Gewerkschaften ist zum theil von den Ge< richten bestätigt worden, z. B. der Berghüttenarbeiter- und der Textilarbeiterverein, weil sie sich mit politischen Dinge» beschäftigt haben. Die sächsische Regierung würde glaube», ihre Pflicht gegenüber den friedliebenden Bewohnern zu verletzen, wenn sie von den Waffen, die sie in der Hand hat, nicht Gebrauch machen wollte. Die Regierung wird bei der Anwendung dieser Gesetz- gebung, die ich als ein Juwel der Gesetzgebung(Großes Gelächter bei den Sozialdemokraten) in der jetzigen Zeit be- zeichnen möchte, an ihren jetzigen Grundsätzen fest- halten, so lange sie die beiden Kammern hinter sich hat. Der vorgeschlagene Gesetzentwurf ist eine Sanktio- n i r u n g des Anarchismus.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn der so viel gerühmte Zuknnstsstaat eingeführt würde, so würden Sie(zu den Sozialdemokraten) mit solchen Gesetzen nicht kommen, denn Sie würden Vereine, in denen das Christenthum gepredigt wird, nicht dulden.(Leb- hafte Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Sozialdemo- kraten.) Bayerischer Ministerialrath v. Hermann: Ich habe die bayerische Regierung gegen die Beschwerden und Angriffe zu ver- wahren, welche der Abg. Grillenberger gegen die Handhabung des Vereinsgesetzcs erhoben hat. Herr Grillenberger hat die Handhabung als widerrechtlich und ungesetzlich bezeichnet und behauptet, daß Bayern sich gerade durch die Ausschließung der Frauen und Minderjährigen aus den Versammlungen berüchtigt gemacht habe. Er hat aber selbst zugegeben, daß das Verfahren der Behörden gerichtlich und zwar durch das oberste bayerische Landesgerichl in Strafsachen gebilligt worden ist. Der Streit in Bayer» dreht sich darum, in welchen Beziehungen der 8 kb des bayerische» Vereinsgesetzes zum Z 152 der Gewerbe-Ordnung steht. Herr Grillenberger ist vollständig im Unrecht, wenn er der Regierung vorwirst, daß von derselben gewerkschaftliche Versamm- lungen mit scheelen Augen angeschen werden. Das ist in der That nicht der Fall. Die bayerische Sie- gierung duldet und unterstützt alle Bestrebungen, welche Dazu dienen, die Lage der Arbeiter zu verbessern, aber nicht solche, welche unter sozialdemokratischer Führung siehe». Vereinigungen für Frauen und Minderjährige bestehen, sie sind sogar für Minderjährige begründet.(Widerspruch des Abg. Grillenberger: Das ist nicht wahrl) Es bestehen Zahl- stellen der Schneiderinnen und Schneider in München, bei denen Frauen Mitglieder sind.(Zurus Grillenberger's: Aber aus den Versammlungen werden sie ausgewiesen!) Vereinigungen und Versammlungen aber, welche politische Zwecke verfolgen, können den Schutz des Gesetzes nicht genießen. Das hat auch das Ge- rieht anerkannt, indem es sich dagegen erklärte, daß alles, was mil der wirthschaftlichen Lage der Arbeiter in Verbindung ge- bracht werden könnte, als wirthschastliche Frage behandelt würde. Die Regierung hat also vollkommen recht, wenn sie nicht zu allen Versammlungen die Frauen zuläßt, zumal nicht zu solchen, die von Sozialdemokraten einberufen sind und augenscheinlich xpljtische Zwecke verfolgen. Irgend- welche generelle Anordnung über diese Frage ist aber von feiten der bayerischen Regierung nicht erlassen worden. Die Magistrate, welche solche Versammlungen verboten oder aufgelöst haben, haben nach eigenem Ermessen gehandelt, aber sie sind vollständig in ihrem Rechte gewesen. Die Kritik, welche der Abg. Grillenberger an dem gericht- lichen Erkenntnisse geübt hat, erweist sich bei näherer Prüfung desselben als unzutreffend. Die Thatsache, daß ein Sozialdemokrat die Versammlung einberufen hat, ist für das Gericht nur ein mit entscheidendes Moment gewesen. Die Hauptsache ist, ob öffentliche Angelegenheiten erörtert werden; das Vereins- gesetz besagt, daß Frauen und Minderjährige politischen Ver- einen nicht augehören und Versammlungen derselben nicht bei- wohnen dürfen. Wenn eine Gewerkschaft nur auf dem Boden gewerkschaftlicher Beiregungen steht, so unterliegt sie den Be- ftimmungen für politische Vereine nicht. Aber in dem fraglichen Falle lag eben diese Beschränkung nicht vor.(Heiterkeit bei de» Sozialdemokraten.) In der bayerischen Kammer ist ein Referat erstattet worden über die Beschwerde wegen Handhahung des Vereinsgesetzes. Aber dieses Referat ist überholt worden durch die späteren gerichtlichen Erkenntnisse. Der damalige Referent Herr Pichler dürfte wohl heute nach den gesetzlichen Erkenntnisse» von seiner damaligen Ansicht erheblich abweichen, und der Landtag wird die eingegangenen Beschwerden nunmehr kaum als begründet anerkennen. Die bayerische Re- gierung steht vollständig auf dem Boden des rechtlichen Er- kenntniffes. Die Gewerkschaften sind zum großen Theil Organi- salionen der sozialdemokratischen Partei, mit deren Hilfe sie neue Anhänger wirbt. Wenn die Behörden dieser Agitation entgegen- treten, so thun sie nur ihre Pflicht und werden dabei sich der Unterstützung der bayerischen Regierung erfreuen.(Zustimmung rechls.) Abg. Bachem(Z.) bedauert, daß nicht gleichmäßige Grund- sähe bezüglich des Vereins- und Versammlungsrechts bestehen; es habe auch Zeiten gegeben, wo in Preußen die Verhältnisse nicht gut waren; der Kulturkamps ist in verschiedenen Gegenden durch die Anwendung des Vereinsgesctzes verschärft worden. Aus diesen Gründen und aus den sächsischen, bayerischen und loth- ringischen Erfahrungen, die besonders unliebsam sind, ist der Antrag zu verstehen. Die Reichsverfassung enthält nur eine Kompetenzbestimmung über das Vereinsrecht; es liegt aber darin auch ein gewisses Versprechen. Man hat das Preßwesen und andere Dinge einheitlich geregelt, aber das Vereinswesen ist nicht einheitlich geregelt; ebenso gut wie einheitliches Preßgesetz kann man auch ein einheitliches Vereinsgesetz zu stände bringen. Ein solches Gefetz wäre erwünscht, aber es würde nicht zweck- mäßig sein, unsere Wünsche auszudrücken in der Form des An- träges. Derselbe erscheint mir allerdings nicht als Paladium der Anarchie, aber gegenüber den bestehenden Verhältnissen, wie sie namentlich durch die Schuld der Sozialdemokraten geworden sind, geht der Antrag zu weit, weil er keinen Unterschied macht zwischen politischen und sonstigen Vereinigungen, zwischen Männern und Frauen und unerwachsenen Personen. Ter An- trag entspricht durchaus der nivellirenden Gleichmacherei der sozialdemokratischen Partei; auf diesem Standpunkt stehen wir nicht. Wir wollen die Rechtssphäre des Weibes nicht zu gunsten des Mannes alteriren lassen, und umgekehrt. Ein gewisses Koalitionsrecht muß auch dem Weibe zugebilligt werden auf dem wirthschaftlichen Ge- biet. Die Zulassung des Weibes zu politischen Dingen würde Anarchismus sein. Das entspricht nicht der Natur. Älulier taosat in foro.(Zuruf links: in ecclesia!) Das ist keine Beeinträchtigung des weiblichen Geschlechtes, sondern eine Bevor- rechtig ung, ein Schutz desselben. Der Antrag ent- ßält auch Slrasvorschriflen gegen Beamte, welche tendenziös das Versammlungsrecht stören. Ader dann müßte man auch Strafvor- schriften gegen diejenigen haben, welche störend in dieVersammlungen anderer eindringen.(Zuruf der Sozialdemokraten: Sind vorhanden!) Deshalb halten wir den Antrag nicht für zweckmäßig. Wir haben erwogen, ob man nicht die Regierung im Wege einer Resolution auffordern sollte, zur Ausführung der Verfassungs- bestimmung ein Vereinsgesetz auszuarbeiten und dem Reichstage vorzulegen. Wir sind aber nicht davon überzeugt, daß ein solches Gesetz die Zustimmung des Bnndesraths finden wird. Eine Zeit, in welcher der Konflikt, der Staats- st reich, so offen vertheidigt wird, in welcher die Grilndlage des Reichstages, das all- gemeine Wahlrecht, bekäinpft wird, ist nicht geeignet für ein solches Gesetz. Auch wir sind der Ansicht, daß man mit einer engherzigen Vereins- und �Versammlungs-Gesetz gebung am aller- , venig st en gegenüber der sozialdeni akratischen Agitation etwas zu Wege bringt. Gerade die Ersahrungen in Sachsen nnd Bayern beweisen uns das.(Hört, hört! links.) Wo ist die Kluft zwischen den Regierungen nnd der breiten Masse des Volkes, zwischen Ar- beitgebern und Arbeitnehmern so groß, wie gerade in Sachsen! Der Grund liegt darin, daß man sich nicht entschließen kann in öffentlichen Verhältnissen der Sozial- demolratie zu geben, was ihr gebührt. Wenn man in Sachsen diese Gesetzgebung als ein Juwel betrachtet, so kann ich diese Anschauung nicht verstehen. Ebenso liegt es in Bayern. Wleine Freunde stehen auf deni Boden des Referats des Abg. Pichler. Beschwerden derSozialdemokratie m ü s s e» a u ch als berechtigt anerkannt werden. Wenn die Regierung etwas vorlegen würde, so würde das wahr- scheinlich eine Verschlechterung sein. Deshalb können wir uns nicht entschließen, für den Antrag einzutreten, so sehr wir auch ei» freiheitliches Vereinsgesetz wünschen, weil ein solches Vorgehen nicht fruchtbar würde gegenüber der jetzigen Zersplitterung der politischen Arbeit.(Zustimmung im Zentrum.) Abg. Bcckh(frs. Vp.) weist den Vorwurf gegen die Frei- sinnigen in Bayern als unbegründet zurück. ES wäre erwünscht, ein Reichsvereinsgesetz zn haben, welches die Mißbräuche der einzelstaatlichen Gesetzgebung beseitigt; aber das Gesetz dürfte nicht gleichmäßig für Männer und Frauen sein. Die Sozialdemokraten haben das Vorgehen des Magistrats zu Nürn- berg heftig getadelt; Herr Grillenberger ist wegen dieser Angriffe, für die er den Wahrheitsbeweis nicht erbringen konnte, ver- nrtheilt worden und daher rührt sein Aerger gegen den Nürn- berger Magistrat, der lediglich die Gesetze so angewendet hat, wie die Gerichte es für richtig halten. Das bestehende Gesetz hat viele Lücken und Mängel; aber vorläufig muß es so gehandhabt werden, wie es ist, sonst kommt für die städtische» Behörden die Remedur von oben. Als ein Juwel betrachte ich das Gesetz nicht, aber so lange es besteht, muß es befolgt werden. Für die Tendenz des Antrages kann ich mich aussprechen, aber auf die Einzeheiten einzugehen, muß ich mir vorbehalten bis zur zweiten Lesung. Abg. Marquardsen(natl) dankt zunächst den Vorredner für seine Verlheidigung der bayrischen Behörden. Herr Grillen- berger hat wohl seinen Hauptzweck erreicht, daß er die lange stlede hat halten und seine Beschwerde hier vorbringen können. Unsere Stellung zum Antrage ist eine sehr wesentlich verschiedene, je nachdem es sich nur um eine einseitige Regelung des Vereins- und Versammlungsrechls handelt— dabei braucht man nicht aus das Sündenregister der einzelstaatlichen Verwaltungen einzugehen— oder um die Annahme des vorliegenden Antrages. Es ist eigentlich verwunderlich, daß i» der langen Zeit so wenig Versuche gemacht sind, ein ein- h e i t l i ch e s Vereins- und V e r s a m m l li» g s r e ch t für das Li e i ch zu schaffen. Aber der vorgelegte Antrag hat keine Aussicht auf Annahme, wie überhaupt kein Gesetzentwurf über ein Ver- eins- und Versammlungsrecht jetzt Aussicht ans Zustandekommen hätte. ES ist also unnütz, uns zn plagen mit der weiteren Berathung dieses Antrage?, das würde nur heißen, Wasser in ein Sieb gießen. Abg. Grillenberger(Soz.): Die juristische Weisheit des Herrn Beckh reicht nur bis zum selig entschlafenen Kommentator Pölzl; er sollte aber wissen, daß auch noch andere Kommentatoren vorhanden sind; der Minister von Feilitzsch hat das auch an- erkannt, aber er hält sich an den Kommentator, der seinen Anschauungen huldigt. Ter Nürnberger Magistrat hat die Gesetze fortgesetzt mißbräuchlich angewendet, allein gegen die Sozialdemokratie als freisinnige Stadtbehörde, aber nicht gegen- über dem freisinnigen Vereine, der dasselbe that, was uns ver- boten wurde.(Vizepräsident Schmidt- Bingen ersucht den Redner, den Nürnberger Magistrat, der sich hier ni cht vertheidigen könne, nichtZUngesetzlichkeiten vorzuwerfen.) Ich habe darauf bingewiesen und bin wegen Beleidigung verklagt und. zu 200 M. Geldstrafe vcrurtheilt worden. Darin liegt der Beweis, daß ich die Wahrheit gesagt habe(Große Heiterkeit); denn sonst hätte man mich wohl zu Gefängnißstrafe verurtheilt. Wenn es nach der Nürnberger Polizei gegangen wäre, dann hätte man unter dem Sozialistengesetz die„Fränkische Tagespost" verboten und über Nürnberg den kleinen Belagerungszustand verhängt. Aber das Bezirksamt freute sich, wenn das Blatt den Magistrat, und der Magistrat freute sich, wenn es das Bezirksanit angriff. Daß der Nürnberger Magistrat gegen die Sozialdemokratie vor- ging, war nicht nothwendig; denn nach der Ausführung des Bundesrathsbevollmächtigten für Bayern besteht eine generelle Verfügung darüber nicht. Ter frühere Bürgermeister hat auch anders verfahren; es sind unter ihm Frauen zu Versaiinnlungen, auch zu politischen, zugelaffen worden. Der Nürnberger Magistrat ist schlimmer als eine Polizeibehörde und wenn ihm die Polizei abgenommen würde, so wurden wir damit gar nicht unzufrieden sein. Herr Beckh ist noch viel weiter gegangen, als ein frei- sinniger Regierungskommissar. Mein Vorgänger im Reichstage. der freisinnige Abg. Günther hat früher einmal offen und mit Bedauern erklärt, daß die Nürnberger Polizeiverhältnisse nicht angenehm seien. Herr Richter wird auch wohl die Ver- lheidigung der Nürnberger Polizei durch Herrn Beckh nicht billigen. Weshalb unser Antrag nicht Aussicht auf Annahme habe, ist gar nicht einzusehen. Wenn nur der Reichstag sich seiner an- nehmen wollte, aber freilich, man hat anderes zu thun; man muß neue Schiffe bewilligen, das werden wir uns merken. Abg. Beckh: Ich kenne die anderen Kommentatoren auch, aber das Gericht hat sie nicht anerkannt, sondern vielmehr er- klärt, daß deren Auslegungen den, Geiste des Gesetzes widersprechen. Es ist nur vom Gesetz Gebrauch gemacht worden,.da kann von einer tendenziösen Verfolgung der Sozialdemokratie nicht die Rede sein. Als Parteibehörde ist der Magistrat nicht vor- gegangen; denn die Hälfte des Magistrats ist ja garnicht frei- sinnig. Das Gericht hat Herrn Grillenberger durchaus nicht recht gegeben, sondern hat seine Behauptung, daß der Magistrat Mißbrauch treibe, als eine ungewisse Verdächtigung bezeichnet. Die Parteitage in Halle und Köln haben gezeigt, daß die gewerk- schaflliche Bewegung in den Händen der Sozialdemokratie sich be- findet, da kann man den Behörden keinen Vorwurf daraus machen» daß sie so vorgehen, wie geschehen. Abg. Hilpert(b. k. F.) erklärt sich für den Antrag, wenn er auch die Zulassung der Frauen nicht billigen könne; bei den Reichstagswahlen hätten seine Freunde mehrfach über die Hand- habung des Vereinsgesetzes in Bayern zu klagen gehabt. Abg. Blieb(Soz.)(der Redner spricht von seinem Platz aus, der Tribüne voll den Rücken zukehrend; dieser Umstand erschwert die Berichterstattung bei den ohnehin schon schwierigen akustischen Verhältnissen fast bis zur Unmöglichkeit): Ich bin zwar überzeugt, daß wir ein freies Gesetz, wie wir es wünschen, von der Regierung nicht erhalten. Das kann mich nicht hindern, trotzdem für unsere» Antrag einzutreten. Der Abg. Bachem hat schon auf die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen hingewiesen. Die bei uns bestehenden Gesetze, welche entsprechend der Zeit, aus welcher sie stammen, der Verwaltungsbehörde eine ganz gewaltige Macht geben, sind bis in die jüngste Zeit auf die Partei angewendet, welche er als seiner Partei nahestehend bezeichnet hat. Aber sie sind noch lange nicht in dem Maße gegen sie angewendet, wie gegen die Sozial- demolratie. Für diese meine Behauptung kann ich eine ganze Reihe von Beweisen, die von den Behörden selbst erbracht sind, liefern. Was unser Versammlungsgesetz angeht, so bedürfen wir für die Abhaltung von politischen Versammlungen der behörd- lichen Genehmigung. Daß diese Bestimmung in der Hand der Regierung ihr Anlaß giebt, eine politische Partei gegenüber der anderen zu bevorzugen, ist selbstverständlich und daß das auch geschieht, sehen wir überall bestätigt. Ich wollte einmal über die Thätigkeit des Landesausschuffes sprechen. Das wurde mir selbstverständlich verboten. Daß nur sogar die Berichterstattung über die Thätigkeit der sozialdemo- kratischen Partei im Reichstag untersagt wurde und schließlich mir nur geslaltet wurde, über meine eigene Thätigkeit im Reiche- tag zu sprechen, das habe ich Ihnen ja schon früher mitgetheilt. In Mühlhausen wurde sogar einer Versammlung die Genehmigung versagt, in welcher gesprochen werden sollte über: Die wirth- schaftlichen Forderungen der Sozialdemokratie. Ueber: Die wirthschastliche Lage der Arbeiter" zu sprechen, wurde ebenfalls verboten. Bei einer anderen Gelegenheit wurde mir der Bescheid, daß aus den Unterschriften eines Gesuches um Genehmigung einer Versammlung gefolgert werden müsse, daß politische Angelegenheiten besprochen werden sollten!(Redner zitirt nunmehr sehr zahlreiche Entscheidungen der Behörden ans ahnlichen Anlässen, welche die Willkür derselben und die absichl- liche Zurücksetzung der Sozialdemokratie beweisen sollen.) Den Arbeitern ist durch die Gewerbe-Ordnung das Recht der Koalition zugestanden. Was nützt ihnen aber dieses Recht, wenn sie ver- hindert werden, gerade dann es zu gebrauchen, wenn sie es am nöthigsten haben, nämlich bei Streiks. Es ist auch für unsere elsaß- lothringischen Arbeiter derselbe Say anzuwenden, den vorhin mein Fraktionsgenosse Grillenberger ausstellte: es besteht das Koalitionsrecht, aber die Arbeiter haben kein Recht, davon GebrPlch zu machen. Redner führt auch hier- für zahlreiche Beispiele an. Es sind Fälle vorgekommen. wo Vereinen die Genehmigung von Statuten versagt worden ist. nachdem ihnen zuvor die Fassung der Statuten in einem der Regierung genehmen Sinne vorgeschlagen war, nachdem die Leute viel Arbeit und auch viel Geld hierfür hatten aufwenden müssen; denn nach den elsaß- lothringischen Vorschriften müssen jedes- mal Stempelbogen für diese Zwecke verwendet werden. Mit seinerer Ironie kann das unglückliche Verhältniß Elsaß- Lothringens gar nicht ausgedrückt werden, als durch jenes Ornament am Reichstag. Es ist der Löive, welcher mit feinerer Pranke den Schwachen niederdrückt. Fahren Sie nur in dieser Weise fort, den Nutzen davon werden wir haben. Abg. v. Hodcnbcrg(Welfe) meint, daß ein Unterschied be- steht zwischen dem Antrage und den vorgcbrachlen Beschwerden. Beschwerden bestehen nicht blos bei den Sozialdemokrale»; in Hannover werden die Vereinsgesetze strenger angewendet gegen die Deutsch- Hannoveraner als gegen andere Parteien. Ich verweise nur auf die bekannten Erlasse des jetzigen Oberpräsidenten von Ostpreußen, welche die Runde durch die Presse gemacht haben. Wir Deutsch-Hannoverancr sind gewohnt, die Gesetze zu achten; wir fügen uns. wenn die Gesetze so angewendet werden können, wie sie angewendet werden. Wir bitten nur die Regierung, die Gesetze gegen alle Parteien ebenso anzuwenden, wie uns gegenüber, damit der Satz; „Gleiches Recht für alle" zur Anwendung kommt. Damit schließt die Debatte. Der Abg. v. Elm(Soz.), der das Schlußwort als Mitantragsteller erhält, behält sich seine Ausführungen für die zweite Lesung vor und verzichtet für heute auf das Wort. Schluß 5'/z Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Ubr. (Dritte Berathung der Novelle zum Zolltarif nnd erste Be- rathung der Vorlage über die kommmmU Weinbisteuerung.) Abgeordnetenhaus. 60. Sigung vom 1. Mai 1895, 11 Uhr. Am Regierungstische: von Hammerstein, Miquel. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag ber Abgg. Lückhoff( ft.) u. Gen.: Die Regierung zu ersuchen, sich in gleichmäßigem Interesse der Landwirthschaft und Industrie die fräftigere Förderung des einheimischen Flachsbaues, insbesondere durch die Ausnutzung des Bauer'schen Rösteverfahrens mittels staatlicher Unterstützung und durch Bevorzugung des inländischen Flachses für den Bedarf der Staatsverwaltungen, angelegen sein zu lassen. Der Antrag wird nach längerer Debatte angenommen. Es folgt die zweite Berathung des von den Abgg. Ba ch em, Roeren( 3.) u. Gen. beantragten Gefeßentwurfs, betreffend die Anlage tonfessioneller Begräbnißstätten. Die Kommission beantragt: mit Rücksicht auf die Erklärung des Ministers, daß seitens der Regierung ein Gefeßentwurf, der die Zulassung der Errichtung fonfessioneller Begräbnißpläge unter Wahrung der berechtigten Ansprüche der jeweiligen konfeffionellen Minderheit und des finanziellen Interesses der Gemeinden er möglichen will, mit thunlichster Beschleunigung vorgelegt werden soll, geht das Haus über den Antrag a chem zur Tages. fod, geht das Haus über den Antrag a che in zur Lages ordnung über. Beterinärwesen oder bes Rolonialraths. Auch seien die| find nichts anderes, als ein Inbegriff, eine Zusammenstellung Arbeiten zu einem Reichs- Versicherungsgeset in vollem Gange, wichtiger, rein sittlicher Grundsäge und Lehren der christund deshalb sei die preußische Regierung noch nicht mit lichen Kirche und der jüdischen Religionsgesellschaft. Der§ 166 einem selbständigen Gefeh vorgegangen. Sobald sich ergebe, daß St.-G.-B. will aber nach seiner Fassung und Entstehungsgeschichte ein Reichsgeseh nicht zu stande komme, werde die preußische nicht die religiöse Lehre oder einzelne Sätze derselben als solche, Regierung ungefäumt ihrerseits mit einem Landesgesetz vorgehen. als Dogmen gegen beschimpfende Angriffe schützen, sondern nur Der Antrag wird angenommen. die christlichen Kirchen und die im Gesetze erwähnten ReligionsSchluß 44 Uhr. Nächste Sigung Freitag 11 Uhr. gesellschaften als solche und deren Einrichtungen und Ge ( Antrag von Mendel Steinfels, betreffend Bewilligung bräuche. von 20 Millionen Mart zu landwirthschaftlichen Kreditzwecken; Wegen Verführung eines jungen Mädchens hatte sich Gefeßentwurf, betreffend die Verbesserung der Wohnungsverhält- gestern der Bigarrenhändler Franz Schimste aus Rixdorf vor niffe der Arbeiter in Staatsbetrieben.) Gerichts- Beitung. der ersten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. In einer ihm bekannten Familie verkehrte er oft und benutzte die fich ihm häufig bietende Gelegenheit, das noch nicht ganz 15 jährige Dienstmädchen zu verführen. Die Herrschaft kam da Die Denunziationspest. Eine Anflage wegen Majeftäts- hinter, fette dem Hausfreunde den Stuhl vor die Thür und beleidigung, welche die 3. Straffammer hiesigen Land- benachrichtigte den Vater, welcher Anzeige erstattete. Der in den gerichts I gestern gegen den Schneidermeister Felix Ostrowiß zu dreißiger Jahren stehende Angeklagte bezeichnete vor Gericht das verhandeln hatte, lieferte den Beweis, daß derartige junge Mädchen als seine Verführerin, doch fand er herzlich Denunziationen noch immer in Mode find, sobald es gilt, einen wenig Glauben. Das Urtheil lautete auf einen Monat Menschen, mit dem man sich verfeindet hat, etwas am Beuge zu Gefängniß. mart flicken. Der Angeklagte wurde belchen Raiser beleidigt zu haben. der Anklagebank vor dem Schwurgericht am Babaenda vers der KaiserEin königlicher Förster in Uniform stand gestern auf Der Kommissionsantrag wird angenommen. flagge auf dem fönigl. Schloffe Landgericht II, um E3 folgt die Berathung des Antrags der Abgg. Nabby1 Belastungszeugen waren die Schneidermeister Detterling und sich wegen auiffentlichen Meineides in zwei Fällen zu ver ( 3.) und Genoffen: Die Regierung zu ersuchen: Behufs befferer Roschnig. Der Angeklagte bestritt die Glaubwürdigkeit der antworten. Der königliche Förster Rosenow in Köpenick kam und eingehenderer Beaufsichtigung der Versicherungsgesellschaften, Beugen und versicherte, daß es sich hier lediglich um einen am Abend des 8. August v. J. aus dem Forst und begegnete insbesondere der landwirthschaftlichen Versicherungsgesellschaften Rache- Att handele. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr in der Rudowerstraße, die von Köpenick nach Adlershof führt, auf Gegenseitigkeit( Hagel, Vieh- 2c. Versicherungsgesellschaften) Gefängniß, der Gerichtshof erkannte aber auf Freisprechung, dem schwerbepackten Handelsmann Löchelt; er trug die Büchse versicherungstechnisch vorgebildete Beamte in die aufsichtsführenden da er troß der Bekundungen der Zeugen die Schuld des An- fast quer über seinen Rücken und ließ im Vorbeigehen den Ministerials und Regierungskollegien einzustellen. getlagten doch nicht für erwiesen erachtete. Löchelt mit dem Kolben, weshalb dieser ihm einen Flegel!" an Nach einer Begründung durch den Antragsteller erklärt Wegen schmähender Angriffe gegen den Kapitalismus, den Kopf warf. Der Förster erwiderte das Schimpfwort durch Minister v. Hammerstein: Es seien schon Verhandlungen die in die Form der zehn Gebote gefleidet waren und darin einen Fauftschlag in das Gesicht des Gegners. Löchelt entledigte eingeleitet über die Frage, ob nicht den Verwaltungsstellen, welche gipfelten, baß bem Kapitalismus u. a. Mord, Diebstahl, Ghes sich nun seiner Waaren und wollte dem Förster zu Leibe, dieser das Versicherungswesen zu beaufsichtigen haben, und den Bezirks- bruch, Prostitution 2c. vorgeworfen wurden, war ein Angeflagter hielt ihm aber die Büchse schußbereit entgegen und rief: Stehen regierungen technische im Versicherungsfach erfahrene Beiräthe verurtheilt. Die Straftammer hatte angenommen, daß die zehn bleiben oder ich schieße!" Der Handelsmann beschränkte sich nun gegeben werden sollen und ob nicht eine Aufsichtsdeputation, ähn Gebote zu den Einrichtungen der christlichen Kirche darauf, sich eine Anzahl Zeugen des Vorfalles zu notiren. Er lich wie beim Veterinärwesen zu bilden sei. Diese Verhandlungen sowie der jüdischen Religionsgesellschaft gehören und eine Be erhielt bald darauf eine Antlage wegen Bedrohung und Be feien noch nicht abgeschlossen, die Regierung sei aber bereit, dem schimpfung dieser Einrichtung vorlag. Das Reichsgericht hat die leidigung des Försters. Am 5. und 22. November wurde in der Antrage entgegenzukommen. zehn Gebote nicht als Einrichtung der christlichen Kirche und Sache vor dem Köpenicker Schöffengericht verhandelt. In beiden Geheimrath v. Knebel- Döberit giebt näheren Aufschluß der jüdischen Religionsgesellschaft anerkannt und fagt in Terminen bestritt der Förster unter seinem Eide, daß er den über die geplante Verschärfung der Staatsaufsicht. Jeder Provinzial- feinem bezüglichen Urtheil: Die zehn Gebote bilden nach Löchelt geschlagen habe. Da aber zu viele einwandsfreie Zeugen regierung sollen 4, dem hiesigen Polizeipräsidium 2 versicherungs- ihrem inneren und äußeren Wesen nicht eine all- dies gesehen hatten, wurde die Anflage wegen Meineides gegen technische Beiräthe beigegeben werden, im Ministerium des Innern gemeine Ordnung einer die Existenz, die Erhaltung den Förster erhoben. Auch heute ergab die Beweisaufnahme in foll ein Sachverständiger als vortragender Rath hinzugezogen und gedeihliche Entwickelung der christlichen Kirche oder unz weifelhaftefter Weise, daß der Angeklagte werden. Es sind 234 Gesellschaften zu beaufsichtigen, und zwar der jüdischen Religionsgesellschaft betreffenden Angelegenheit objektiv die unwahrheit beschworen hatte, 46 Hagel- und Vieh, 70 Transport- und Glass, 118 Lebens- dieser Kirche zc. als solcher, sie wollen nicht deren Aufgaben, troßdem votirten die Geschworenen, daß der Angeklagte weder versicherungsgesellschaften. Es soll auch eine Sachverständigen- Intereffen, Rechte und Pflichten, sowie ihr Verhältniß zu ihren des wissentlichen, noch fahrlässigen Meineides schuldig sei, weshalb Deputation zusammengesetzt werden nach Art derjenigen für das| Mitgliedern und nach außen regeln und festsetzen, sondern sie die Freisprechung erfolgen mußte. Für den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 3. Mai. Opernhaus. Martha. Schauspielhaus. Der Repisor. Deutsches Theater. Das Lumpen gesindel. Leffing- Theater. Der Herr Senator. Berliner Theater. Die Lästerschule. Nenes Theater. Die Nervösen. Vorher: Die Massagekur. Schiller Theater. Don Carlos. Central- Theater Arzt Dr. Hösch, LinienHomöopath. straße 149, 8-10, 5 bis Alte Jakobstraße Nr. 30. 7, Sonntags 8-10 Uhr. Mittwoch, Donnerstag, Freitag wegen Vorbereitung geschlossen. 1375L* Bruchbandagen Sonnabend, den 4. Mai 1895: aller Art( eigenes Fabrikat), sowie Novität! Bum 1. 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