Se.16ch4S.?ahegaas Ausgabe A Nr. 6 Bezugspreis: McA«nNlch 70©«aofiuuüg, m-noi» lich Z�- Goa»ari voraus»ohwar. Untrr SrruÄand für Deutschland. Donzig, Saar, und Siemelgebiet, , Litauen, Luxemburg 4,50 Sold mar?, für das Übrige Ausland 5.50 Goldmark pro Monat. Der„Bormitrls' mit de: Sonutazs- bsilage„Dolk und Zeit' mit„Eied- lung und Kleingarten� sowie der Beilag«„Unterhaltung und Dissen" iund girauenbeilage„!srau«nstimu>e" erscheint wochcntögtich zweimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegromm-Atress«: ,.S»,i«ld»>»»Ir«t Berlin" Morgenansgabe Derlinev Volksblatt (io SviSMnnlH Anzeigenpreise: Sie einsvaltig« Nonvareille- zeile 0,70 Goldmart, Zieklamezeil« J.— Goldmark.„Kleine■Knjcigcn' das fettgedruckte Wort 0,70 Gold- mark lguiassig zwei fettgedruckse Worte). i-des weiter« Wort O.lO Saldmark. Etellcngesuche dos erst« Wort 0,10 Goldmarl, jedes weitere Wort 0.05 Goldmark. Wort« Ober 15 Buchstaben zähle» für zwei Worte, flamilienor.zeige» sii: Abonnenten gelle 0,30 Goldmarl. Owe Goldmark—«in Dollar geteilt dnrch 4L0. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis dVo Ufte nachmittags im Zauvtgeschäit. Berlin EWM.Linden. strastc 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr nochvi, �entralorgsn der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfchlands Neüattion und Verlag: EW öS, Linöenstraß« 5 S-BnsNBBiitBB'«edakti»»- Töudoff S»'L-.«S» dtkern, preryer. z,. �, g. Dö»b»ft ssov-nso? Mittwoch, den 7. Januar tNÄS vorwärts-verlag G.m.b.H.» SW SS» Linüenftr. Z Postslticckkonto: Berlin Z»7ä ZK— Bankkonto: Direktion der Diskonto. Teiellichafr. Tevoiitenknise Ui»de»stranc 3 Rücktritt von Soelih unö Richter. Keine Gesamtdemission.— Marx will Entscheidung. Die beiden vvlksporteilichen Minister v. Richter und Beelitz sind gestern im Preußenkabinett mit ihrer stoats- rechtlichen Zwecktheorie von der Notwendigkeit eines Re- gierungsrücktritts bei Erneuerung des Landtags allein ge- blieben und haben programmgemäß daraufhin ihren Rücktritt erklärt. Weitere Rücktritte sind jedoch nicht erfolgt, so daß an- zunehmen ist, daß das Kabinett Braun vor den Landtag treten wird. Die Geschäfte der zurückgetretenen Minister werden einstweilen von den Staatssekretären wahr- genommen. heute tagt die preußische Zentrumsfraktion, die sich wohl mit dem Verhalten ihrer Minister im Kabinett einverstanden erklären wird. An Manövern der letzten Stunde, um sie in das Lager der K r i s e n m a ch e r zu drängen, wird es indes nicht fehlen. Bedeutungsvoll verkündet TU., daß die Land- wirte des preußischen Zentrums gesten» abend zu einer Sonderkon serenz zusammentraten,„um im Zu- sammenhang mit der Krise die Maßnahmen zur Wahrung der landwirtschaftlichen Interessen zu erörtern". Mit dem Krisenspiel/ wie es die Rechte� ausfuhrt, kann man»ich jahrelang amüsieren, nur freilich müsien Reich und. Staat dabei zugrunde gehen. Der Konflikt um Köln, der kritische Stand der handelsvertragsverhondlungen fordern die xasche Herstellung einer aktionsfähigen Reichs- regierung. Wenn Braun vor den Landtag tritt, so wird sich kaum eine Mehrbeit finden, die ihn stürzt. Auch der Bolkepartei wird es schwer fallen, mit der Abschiedsrede, die Herr v. Richter gestern im Kabinett getiaUen hat, ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung zu begründen. Und w«nn Marx im Reich eine Regierung auf die Beine stellt, die ihre Politik vor dem Volk verantworten kann, so wird auch sie vor der Volksvertretung bestehen. Nicht bestehen werden vor dem Volk Parteien, die ein endlose? Krisenverhaichlungs- theater aufführen, bis alles zu Bruch geht! MTB. meldet: Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, hat Reichskanzler Marx in Difprechungen mit den Fraktionssiihrern die Absicht ge- äußert, auf ein« schnelle Erledigung der Regierungskrise zu dringen. Er nierde heut« in neuen Verhandlungen eine endgültige Entscheidung der deutlHnatibnalen Fraktion oer« langen. Ueber die Absichten der Deutschnationalen könnte Herr Marx eigentlich schon im klaren sein. die Sitzimg ües Preußenkabinetts. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: In der am Dienstag nachmittag abgehnitsnen Sitzung des Preußischen Staatsministeriums, an der sämtliche Staatsminister teilnahmen, gab Ministerpräsident Braun zunächst«ine Darstellung seiner Verhandlungen mit den Froktionsführern der Parteien der großen Koalition, ym Anschluß daran formuliert« der Minister. Präsident seine staatsrechtliche Auffassung von dein zur Debatte stehenden Artikel 45 der Verfassung dahin, daß nach dem Wortlaut und dem Sinn der preußischen Verfassung dies« den Minifterpräsi. denien nicht nur für die Dauer einer Legislaturperiode des Papla- ments gewählt sehen will, daß vielmehr das Kabinett, nachdem es bei den Wahlen durch Erzielung einer Majorität ein Vertrauens- votum sür seine bisherige Politik erhalten Hobe, so lange im Amte zu bleiben Hütte, wie es dos Vertrauen des Parlaments befaß«. Der Ministerprästdcnt bezog sich dabei u. a. auf Verfassungen deutscher Länder, wie Hessen und Mecklenburg, die im Gegensatz zu Preußen die Amtsdauer des Mimsterpräsidentei, zeitlich begrenzen und die. trotzdem sie eher als die Verfassung Preußens vorlagen, mit voller Absicht bei den Arbeiten an der preußischen Versassung in diesem Punkte nicht übernommen worden sind. Der sachlich entgegengesetzte Standpunkt wurde vom Finanz- minister Dr. o. Richter ebenfalls eingehend dargelegt. Nach längerer Aussprache nahm das Staatsministeriu», mit allen Stimmen gegen die des Finanzminiftsrs und des Unterrichtsministcrs Dr. B o c l i tz eine Entschließung an, die besagt, daß aus dem Wortlaut und deni Geist der preußischen Verfassung und insbesondere des Artikels 45 sich kein Anlaß zum Rücktritt für den Ministerpräsidenten und dementsprechend für das Gesamt- Ministerium ergäbe. Finanzminister Dr. o. Richter gab hierauf in seinem Namen und in dem des Untcrrichtsministers Dr. Boelig die Erklärung ab, daß sie beide in Konsequenz ihrer entgegengesetzten staatsrecht- likben Auffassung ihren Austritt aus dem Kabinett erklären müßlcn und dem Ministerpräsidenten noch im Laufe des Abends eine schrift- sich« Erklärung zugehen lassen würden. Finanzminister Dr. v Richter gedachte sodann in warinen Worten der mehr als dreijährigen Zufanimenarbeit der vier Pa rteien in der großen Koalition. Er stellte fest, daß derjetzt angezeigte Austritt aus dem Kabinett keine Desavouierung der Politik dieser großen Koalition bedeute. Diese Politik könne auf mele Erfolge zurückblicken, und es sei ihm ein aufrichtiges Bedürfnis festzustellen, daß das Kabinett trotz der grundsätzlichen Verschiedenheit in der Aus- fassung seiner Mitglieder zum Wohle des Vaterlandes zusammen- gearbeitet habe und daß alle seine Mitglieder gleschmäßig bemüht gewesen seien, nicht Portciminister. sondern Minister der großen Koalition zu sein. Auch der Ministerpräsident insbesondere sei stets bestrebt gewesen, ehrlich und loyal den Interessen dieser Politik Rech- nung zu tragen. Dr. v. Richter sprach dem Ministerpräsidenten und ollen Staatsministen, seinen und seines Kollegen Dr. Boelitz Dank aus für die gemeinsame Arbeit, die nicht nur eine angenehme und schöne Erinnerung sür das Leben. sondern auch für Preußen-Deutschland nicht verloren, vielmehr von Erfolg und Bedeutung gewesen sei. Ministerpräsident Br a u n wies darauf hin, daß er, als er oor mehr als drei Jahren die Leitung des Kabinetts übernahm, die Be- fürchtung gehabt hätte, daß die Koalitionsarbeit ungemein schwierig verlaufen werde. Heule müsse er konstatieren, daß man in wahr- hast kollegialer Weise und in ehrlicher gemeinsamer Arbeit in schwerster Zeit dem Vaterlande gedient und die großen Gegen- wartsausgaben erheblich gefördert habe. Die Koalitionsarbell der vier Parteien sei den Ländern und vor allem dem Reich« ein gutes und glückliches Beispiel politischer Stabilität gewesen. Dos Ende der großen Koalition müsse ausrichtig bedauert werden. Der Ministerpräsident gab der Hoffnung Ausdruck, daß die schweren Folgen, die dos Ausscheiden der beiden Staatsminister für unser Land haben könne, doch noch vermieden werden, und daß man trotz alledem sich wieder einmal zu neuer gemeinsamer kollegialer Arbeit zusammenfinden werde. Den beiden ausscheidenden Staats- Ministern sprach er seinen und des Staatsministeriums warmen Dank für ihr« Unterstützung der Arbeit des Ministerpräsidenten und für ihr« gesamte hfngcPcndc lind aufopfernde Mitarbeit aus. Staatssekretär Profestor Dr. Beckär im Unterrichtsmini- stcrium, der infolge des Rücktritts des Dr. Boelitz mit der vor- läufigen Wciterführung der Geschäfte des Ministeriums beauftragt worden ist, war bereits einmal Unterrichtsminister im Kabinett St>:gerwald-Dominicusi er steht der Deutschen Volkspartei nahe. Der Staatssekretär im Finanzministerium, der einstweilen die Geschäfte des gleichfalls zurückgetretenen Dr. v. Richter führt, ist Weber; er gehört zur Demokratischen Partei. Die öeutstb-franzojiscben Verdanölunaen. Die Reichsregierung Hit sich im Laufe des Dienstag mit dem Stand der deutsch-französischen Handelsvertrags- Verhandlungen beschäftigt und sich angesichts der immer mehr und mehr komplizierenden Lag« entschlossom. den Führer der Deutschen hondelsdelegatioa iu Paris. Herrn Ireadelenburg, zwecks persönlicher Perichterstat- tung noch Verlin zu berukeu. Herr Trenielenburz wird sehr wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Mittwoch in Verlin eintreffen. Es muß beton« werden, daß es sich hier um keinen Abbruch der Pariser Verhandlungen Handell. Es kommt lediglich eine Information mündsicher Arl durch herra Treudelenburg selbst iu Frage. Iu diesem Sinn? ist auch der sranzösischc hindelsminist r Raiaaldy vnterrlchiel worden. Außerdom hat die deutscht: Deiega- licm in Paris Anweisungen erhalten, die festg-si-hten Verhandlungen programmäßig durch- und weiterzuführen. * Unter dem Eindruck der ueueu frauzösisihen Zollnovelle, die wichtige deutsche Einsuhrwaren nach Frankreich unerlrägsich mit höheren Zollsähen belaskek. und der bekannten belgischen Zoll- wünsche, die eine Differenzierung deutscher Waren gleichkommen, ist die Gefahr eines Tariskrieges»ahrgerückk der besonders die Arbeiterschaft der beteiligten Länder treffen muß Die G e w e r k- schaften Velgicns. Frankreichs und Deutschlands verfolgen wachsam die Entwicklung, von dem willen beseelt, im gegebenen Augenblick einzugreisen und die Machenschaften des kapitalistischen Unternehmertums zu durchkreuzen. Vekanutlich haben bereits in Köln im Zusammenhang mit der Frage der Errichtung eines internattonalen Eisenkarlell» Ve- sprechungen zwischen den deutschen und französischen Gewerkschaften stattgefunden. Von den Kompsitasionen in deu deutlch- belgischen Verhandluvgen ausgehend, werden sich am Freitag dieser Woche die deutschen und belgischen Gewerkschafter In Köln treffen. Es ist anzunehmen, daß sich an diele Vefprcchungen eine Zusammenkunft der Gewerkschaften samt- lichcr an deu handelsverirogsverhandlungen beteiligter Länder schließen wird. wie bekannt, haben die Regierungen fast aller in Frage kam- mender Länder, in erster Linie aber in Velgieu und Deutschland, die Gewerkschaften von einer Teilnahme an den Handelsdelegationen ausgeschlossen. Dieser Zustand hat sich als wenig ersprießlich erwiesen. Die Gewerkschaften wären ohne Zweifel iu de» Verhandlungen ein schlichtendes Moment gewesen, das sich gerade gegen die Inleressenpolisik des Kapitalismus der einzelnen Länder durchgesetzt und Somplikattonea, wie wir sie setzt erlebe«, vermiedeu hätte. Sozialreaktionäre Ziele. Bürgerblock gegen Achtstundentag. Die schworzmeißrote Arbeitsgemeinschaft eht mit Energie auf das Ziel los, im Reich und in Preußen ie Regierung in ihre Hände zu bekommen. Nach dem Wahlausfall und nach der Verteilung des Kräfteverhältnisses der verschiedenen Parteien im Reichstag wie im Preußischen Landtag muß es aufsallen, daß Volks- parteiler und Deutschnationale derart auftrumpfen. Bc- trachtet man jedoch die nächsten Aufgaben, die im Reiche wie m Preußen zu lösen sind und erinnert man sich der gewaltigen Kraftonstrengungen, die die Schwerindustrie und die dieser dienstbare Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände während der Wahlen gemacht haben, um diese in ihrem Sinne zu beeinflussen, dann wird ohne weiterrs klar, warum gerade jetzt Volksparteiler und Deutschnationale alle Minen springen lassen, um das Heft in die Hände zu bekam- men. Nach den klaren Bestimmungen des§ 7 der A r b e i t s- zeitverordnung und entsprechend den Erklärungen des Reichsarbeitsministers muß in den nächsten Tagen in der Schwerindustrie die Rückte h�r zum Achtstundentag angeordnet werden. Unter Mißachtung der gesetzlichen Bestimmungen ist nach dem Zusammenbruch des Ruhrkampfes in der Schwerindustrie das barbarische Zwcischichtensystem eingeführt worden. Die Arbeitszeitverordnung läßt jedoch nur vor- übergehend eine 8� stündige Arbeitszeit zu und verpflichtet den Reichsarbeitsminister, die Rückkehr zum Achtstundentag anzuordnen. Der Reichsarbeitsminister hat vor vier Monaten die Frage dem Reichswirtschastsrat vor- gelegt. Dieser hat geglaubt, erst umständliche Erhebungen an Ort und Stelle vornehmen zu müssen. Am Soizzeabend wird im Sozialpolitischen Ausschuß über den Berich: abgc- stimmt werden. Im Arbeitsausschuß, der sich am Montag mit der Frage befaßte, ist sowohl der Antrag' der Arbeit- nehmervertreter, die Gesamtanlagen der Hochofenwerke und Verkokungs- und Kohlendestillationsankagen ab 1. März dem § 7 zu unterstellen, also zum D re i sch i ch t c n sy st c m zurückzukehren, als auch ein Antrag der Arbeitgeber- Vertreter, einer Verkürzung der Arbeitszeit für diese Kate- gorien zurzeit n i ch t zuzustimmen, mit Stimmen- gleichheit abgelehnt worden. Am gleichen Tage ist von den Schwerindustriellen des Ruhrgebietcs ein Tele- gramm an den Reichskanzler geschickt worden, in dem gegen die Auslassungen des Reichsarbeitsministers schärsster Einspruch erhoben wurde. Weiter wird derReichsarbeits- m i n i st e r angeklagt, die Versuche der Gewerkschaften zu fördern, Unruhe in den zurzeit ruhig arbeitenden Bc- trieben hervorzurufen. Noch den Erhebungen des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbundes ist es gegenwäriig hauptsächlich die S ch w e r i n d u st r i e. bei der der Achtstundentag überschritten wird. Kehrt man dort zum Dreischichtensystem zurück, so besteht kein wesentliches Hindernis mehr für die R a t i f i- zierung des Abkommens von Washington. Das ist es, was die Schwerindustriellen, die die Wahlkosten der Volkspartei und der Deutschnationalen getragen haben, um jeden Preis verhindern wollen. Zu dem Ultimatum der Schworindustrie bemerkt der „Deutsche": „Nach diesen Verlautbarungen sind bislang weniger die Ar- beiter in den Hüttenwerken von den Gewerkschaften und dem Reichsarbeitsminister in Unruhe versetzt worden als vielmehr die Werks- besitzer. Wir können auf das bestimmtest« erklären, daß die christ- lichen Gewerkschaf.en, einschließlich des christlichen Metallarbeiter- Verbandes, ber-nt find, auch fernerhin ohne Beunruhigung der in Frage kommenden Arbeiterschaft, aber mit aller Krast an der Ver- wirklichirng der treigeteilten Schicht in den Fenerbetriebcn zu arbeiten." In der Frage der Wiederherstellung des Achtstunden- tgges in der Schwerindustrie gibt es in der Tat keine Meinungsdifferenzen innerhalb der Gewerkschaft*- bewegung. Auch der zahmste katholische oder evangelische Ar- beiteroerein wird die Einlösung des Versprechens des Reichs- arbeitsministers fordern, das im übrigen übereinstimmt mit den Bestimmungen der Arbeitszeitverordnung. Kein Minister ist den Wünschen der Unternehmer so weit entgegengekommen, wie gerade der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, nun kann er gehen. Deutsch- nationale und Volksparteiler fordern in der zu bildenden „überparteilichen" Reichsregiening eine Vertretung „entsprcclzend ihrer Fraktionsstärke". Genau so wollen sie es selbstverständlich in Preußen kialten, dessen Einfluß im Reichs- rat entscheidend ist. Sie wollen das Zentrum zwingen, sich ebenso wie sie selbst dcmDiktatderSchwerindnstrie zu beugen. Das Zentrum soll in Gcfolgschast der Deutsch- nationalen und der Volkspartei schwerindustrielle Sozial- und Wirtschaftspolitik machen. Eine derartige Politik wird nicht nur mit dem schärf- sten Widerstand der sozialdemokratischen Reichstags- frakrion und der freien Gewerkschaften zu rechnen haben, sie wird die Einheitsfront der christlichen, freigewerkschaft- lichen und Hirsch-Dunckerschen Organisation automatisch verwirklichen. Sie wird darüber hinaus olle demokratisch und sozial denkenden Kreise, die nicht der Auffasiung sind, daß die Republik der Büttel und der Handlanger der Schwerindustrie sein muß, in eine Oppositionsstellung hineinzwingen. Wir glauben nicht, daß eine derartige Regierung möglich ist und, falls sie zustand« kommt, von Dauer sein kann. Wer bei einem derartigen Versuch gewinnen und wer verlieren muß, kann man sich ohne besondere Prophetengabe ausrechnen. Volksparteiler und Deutschnationale dürfen nicht zurück. Sie müssen alles in Bewegung setzen, um den Wieder- oufbou der durch die Inflation zerstörten Sozialpolitik, um die Rückkehr zum Achtstundentag, um die Durchführung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zu verhindern. Als Ver- tretung der Agrarier und der Schwerindustrie m ü f s e n sie die Lastenverteilung aus dem Londoner Abkommen so zu ge- stalten suchen, daß die Masse der Minderbemittelten und der Mittelschichten die Hauptlast zu tragen hat. Diese Fragen muß der neue Reichstag entscheiden, und zwar nicht in einer späteren Zeit, sondern indennächsten Wochen und Monaten. Bei der Rückkehr zum Drei- schichtensystem in der Schwerindustrie handelt es sich nur noch um T a g e. Deshalb dieser gewalttätige Angriff im Reich und in Preußen zugleich. Die schwarzweißrote Arbeitsgemeinschaft der Scharfmacher und hochkapitalistischen Klassenkämpfer will in den entscheideichen Tagen und Wochen dasHeftinden Händen haben. Ob dadurch unsere Außenpolitik in einen Scherbenhaufen verwandelt wird, ist den sich stets so national gebärdenden Kreisen offenbar höchst gleichgültig. Sie wollen im Reich und in Preußen die ganze Macht. Geistige gegen putsch unö Raüau. In einer kommunistischen Zeitung! Die kommunistische„Welt am Abend" hat unter den „Führern des geistigen Deutschland" eine Umfrage über die Amnestie gemacht. Die Antworten, die sie erhalten hat, druckt sie anerkennenswerter Weise unverändert ab. So kann man denn in einer Zuschrift des Dichters Walter v. Molo u. a. folgendes lesen: Wer für die Gesamtheit arbeiten will, wer Deutschland f r i e d» lich Wieder hochbringen will, der gehört in das, was sich Freiheit nennt, wer weiter putschen will, der gehört nicht ms Gefängnis, der gehört vernichtet. Wir nehmen an, daß Herr v. Molo nur für die moralische, nicht für die physische Vernichtung der Putschisten plädiert. sonst käme uns feine Aeußerung doch etwas zu„weiß- gardistisch" vor. Wenn wir ihn recht verstehen, meint er eben nur. eine Putschpartei wie die KPD. verdiene durch die Ab- wendung aller vernünftigen und anständigen Leute moralisch erledigt zu werden. Otto F l a t e schreibt: Ich würde allerdings wünschen, daß man die Amnestie nicht durch Radauszenen im Reichstag erzwingt, wodurch nur sofort die Parteileidenschaft erregt wird. Parteileidenschaft hat Parteijustiz zur Folg«. Damit schießt Flake allerdings über das Ziel hinaus, denn man kann wohl leidenschaftlich sein, ohne Radau zu machen. Abgesehen von solchen kleinen Meinungsverschieden- heften freuen wir uns, in einem kommunistischen Blaft so viel Abgetlärtheit zu finden._ Der brutale uud herzeasrohe Soester. Die.Deutsche Tage«- zeitung* druckt O. KoesterS bumoristischeS GeburtStagSgedicht an Ed. Beritstein ab. um dem Zentrum ,u beweisen, daß es in den Bürgerblock müsie. Denn in diesem Gedickt werde das religiöse Empfinden der Katholiken.mit dem Sliefelabsay traliiert''. So .brutalen und herzenSrohen Taktlosigkeiten" sei da« Zentrum aus der anderen Seite— will heißen, bei den Pastoren de«.Reick«- boten" und den völkischen WotanSanbeiern— nickt ausgesetzt. Di« .Deutsche Tageszeitung" weiß offenbar nicht, daß der Dreikönig«- tag in katholischen Gegenden mit allerhand Humor gefeiert wird. Außerdem weiß sie nicht, daß der frühere Reichsaußenminister mit dem Vornamen Adolf heißt, sonst hätte sie nicht O. Koester mit ihm verwechselt. Geschenke. Von Walth«r Gösch. Jetzt, wo man aus den Feiertagen hinausstolpen, um wieder im Gleichmaß des Einerleis Schornsteinfeger oder Laufbursche oder sonst etwas zu sein, muß man sich eingestehen, Weihnachten und Jahreswende nicht ohne ein« gewisse Traurigkeit verlassen zu haben. Manchen Leuten, denen der Spott immer in den Mund» winkeln, sitzt, werden uns wegen dieser Großmuttertraulichteit schelten: aber obwohl ich glaube, daß dies« die Begriffe oerwechsrln, so könnt« ich auch sagen: Warum soll es nicht Großmütter geben? Der Mensch ist ein Gemisch von Sentimentalität, Schnaddrigteit und, wenn es wirklich wahr fein soll,«in Extrakt der anfechtbarsten Psychologie:„Der Mensch Ist gut"— es kommt nur darauf an, ihn vor dem Bedarf nicht umzuschütteln... Nun sind die Prophezeiungen, daß der Schnee bald w die Städte fahren wird, nicht eingetroffen. Das sagt nichts gegen ihr« Möglichkeit. Aber es ist wahr, an Stell« des schönen weißen Zuckers, den wir, wenn auch vielleicht nur für wenig« Stunden, so gern über Stadt und Landschaft gesehen hätten, scheint der Wasserballon des lieben Gottes geplatzt zu sein. Oder die Wasser- leitung funktioniert dort oben nicht. Oder irgend etwas anderes. Denn es ist überall nah. Ach, Herrje, nah— Schmutz! Ist überoll. Schmutz! Di« Straßen sind Kanalisationsröhren: ein schmutziges. sehr schmutziges Taschentuch ist unser« Stadt. Aber man ltsbte die Feiertag« auch so. An manchen Abenden öffneten sich die Wolken, und feurig wie heller Iuniwein fiel die letzte Blüte der Sonn« in die Stadt. Es ist immer ein köstliches Geschenk, köstlicher noch, wenn man weiß, daß es aus der Armut einer farblosen Jahreszeit kommt. Ueberhaupt Geschenke— ja, davon will ich reden. Man freut sich Wochen und Monate darauf, und naht der erwartete Tag, dann ist viel Spiel und Lachen in unserem Tun. Die menschliche Seele braucht sich der Tränen nicht zu schämen, die in diesen Stunden flössen. Geschenke sind wie Mairosen aus den kristallenen Herz- schalen— bei den Frauen und Mädchen. Sind göttliche Gebärde und Ja-Wort— bei den Männern und Jünglingen. Die schenkende Hand, ist des Blütenniondes Halleluja, sagt«in altes arabisches Sprichwort. Es ist wahr, dos Geschenk hat eine himmlische Geste. Aber alle Philosophien machen Umweg«, um den Menschen zu -rkennen. vcffneten wir um Weihnachten oll« Fenster der Stadt— da brannte das ärmste Herz. Mag Gleichheit, Wüld« und Gewohn- izeii Schritt der täglichen Tag« sein, in der feiernden Stunde ist alles hell und froh. Wo noch Dankbarkeit aus den Händen stießt, da wächst der Mensch. Darum ist es wert, auch dieses mitzuteilen: Ich kenne einen armen jungen Arbetter, der gerne seiner Mutter etwas schenken wollte. Er nahm au» dem heimlichen versteck seine» Erklärung öes preußisthen Innenministers. Severing— Barmat— Bartels. Der Amtsiche Preußische Pressedienst teilt die nachstehende Er- klärung mit, die ihm Staatsminister S e v e r i n g aus seine Bitte übermittelt hatte. „Ein Teil der Rechtspresse(allen voran die„National- p o st" und die«Deutsche Tageszeitung") versucht auch mich mit der Angelegenheit der Gebrüder Barmat in Verbindung zu bringen. Die„Notionalp oft" behauptet, daß ich mit anderen Sozial- demokraten im Varmettkonzern gesessen und„gern und oft an den Schlemmerfcstlichkeiten Bormats teilgenommen habe". Die„Deutsche Tageszeitung" mißversteht eine Bemerkung der„Berliner Bolls- Zeitung", um mich bei ihren Lesern in den Verdacht eines„unzu- lässigen Freundschaftsverhältnisses" zu den Gebrüdern Barmat zu bringen. Das alles ist von Anfang bis zu Ende unwahr. Ich stehe weder in einem Freundschaftsverhältnis zu den Brüdern Barmat, noch in einem wie immer gearteten geschäftlichen Berhältnis zu ihnen. Es ist auch niemals von den Brüdern Barmat bei mir der Versuch unkernommen. mich für ihre geschäftlichen Unter. nehmungen zu interessieren. Klagen über Kreditgewährung und Krediterschwerung bei öffentlich-rechtlichen Banken sind von Ber- tretern aller politischen Parteien bei mir erhoben und stets in voller Objektivität von den dazu berufenen amtlichen Stellen geprüft und beantwortet worden. Es sind auch wiederholt schon Versuchs unternommen worden — einmal unter Führung einesAbgeordnetenderRechts- Parteien— mich für die Unterstützung von Lebensmittelgesell- schaften zwischen Ostausländern und Angehörigen höchster deutscher aristokratischer Kreise zu gewinnen. Aber wie in allen anderen habe ich auch in diesem(übrigens an sich nach meiner Meinung einwand- freien) Fall« eine Berquickung meiner amtlichen und politischen Tätigkeit mit Geschäften abgelehnt. Von dieser Haltung bin ich nie abgewichen und werde ich nie abweichen. Die„Deutsche Zeltcmg" veröffentlicht in ihrer Nummer vom S Januar«Ine Notiz unter der Spitzmarke.Bergrat Bartels— Bertrauensmann Ssverinqs", die von einem Verdacht spricht, daß von oben her Anweisung gekommen sei, Bartels zu schonen. Die weiteren Bemerkungen der Notiz, nämlich, daß Bartels durch mich als„mein Vertrauensmann" in das Fremdenamt gekommen sei. sollen zweifellos den Eindruck erwecken, als ob ich an einer Schoming Bartels ein besonderes Interesse hätte. Ich stelle dem- gegenüber wiederhost fest: 1. Bartels ist nach Auflösung des Stoatskommissariots für die öffentliche Ordnung auf Grund seiner Vorbildung und seiner Sprochentenntnisse mit der Leitung des Fremdenamte» betraut worden. Andere als sachliche Erwägungen haben bei seiner Er- nennung keine Rolle gespielt. 2. Bartels ist so viel oder so wenig mein Vertrauensmann, wie etwa der Geheime Oberregierungsrat Dr. von Dryander, der auf meinen Vorschlag vom Staatsministerium seinerzeit zum Obervevwaltungsgerichtsrat ernannt worden fft, oder der Ober- rsgierungsrat Negenborn, der In meiner Amtszeit die Be- Zeichnung Regierungsdlrektor erhielt. Ich habe mit Bartels nie direkten amtlichen Verkehr gepflogen: seine schriftlichen Berichte sind stets vom Polizeipräsidium dem Ministerium des Innern erstattet seine mündlichen Vorträge habe ich nur in Gegenwart meiner Sach- bearbeiter entgegengenommen. Ein darüber hinausgehender vex- traulicher oder gar privater Verkehr hat ni e b e st a n d e n." Richterlicher Haftbefehl gegen Staatsbankbeamte. Gegen die vor kurzem festgenommenen früheren Beamten der Staatsbank Blodow und K c r st« n sowie gegen den Ingenieur und Bankdirevor Feld Ist, wie der amtliche preußische Pressedienst nttsteilt, am Dienstag, den S. Januar, richterlicher Haft- befehl erlassen worden. Serbische Zafflz. Die Belgrader Polizei hak bei dem Abg. August Kosutic einen Revolver oorzefunden. Deshalb wurde Kosutic zu �Monaten Kerker und lOOÜ Dinar Geldstrafe verurteilt. Di« kroatische Bauernpress« wird systematisch unterdrückt Herzens die ärmst« aber schönste Gab«: Dankbarkeit Sie war nur ein kleiner Karwn ohne Inhalt, ein kleines Tannenzweiglein darin und kleines Blatt Papier: Mutier, für dich hat's nicht gereicht Glaubt ihr, daß diese Mutter sich weniger über das Geschenk ihres Jungen gefreut hat als über die sonstigen glänzenden Dinge? Es war ja eigentlich gar kein Geschenk. Es war ja nichts. Es war ja nur ein leerer Pappkarton. Aber es war das heiß«, liebend«: dankbar« Herz! ver Aufbau öer türkischen Hauptstaüt. Angara, die neue Hauptstadt der Türkei, hat tm letzten Jahr ihr Aussehen gründlich oerändert Aus einem unbedeutenden orientalischen Nest ist es eine Stadt geworden, die in ihren An- lagen freilich von einer europäischen Großstadt noch weit entfernt fft. aber doch schon über eine ganze Reih« moderner Einrichtungen verfügt und in umfassender Weise ausgebaut wird, haupffächtich durch deutsche Unterstützung. Diese Anteilnahme der Deuffchen am Aufbau der türkffchen Haupfftodt hebt ein Sonderberichterstatter der„Times" hervor. Er schildert zunächst di« Fortschritte: Wo es vor einem Jahre nur wenig« flackernde elekirisch« Lämpchen gab, da sind« man heute bereits ein« Lichtanlage in allen Hauptstraßen und bedars bei Nacht keiner Fackel mehr, wenn man sich nicht in Nebengassen oerirrt. Viel ist geschehen,»im das Pflaster zu verbessern und die Abfallhaufen weg- zuräumen, die fast, jede Straßenecke«ntsteMen. Man bemerkt eine Anzahl neuer Paulen und ein« noch größere Zahl von Gebäuden, die von Grund auf umgeformt wurden und jetzt gut bewohnbar sind. Es gibt zwei neue Hotels, di« ja ziemlich primitiv sind, aber doch behagttc� und sauber. Das neue Parlamentsgebäude präsentiert sich Aber all« diese und ander- Fortschritte sind nichts gegen das. was der Dali-Präfekt Ali Haidar-Vey für die Zukunft plant. Das erste, was er nach der Uebernahme seines Postens tat. war ein Ueberfchlag über die Summen, di« zum Ausbau der Stadt nötig smd. Solange das Baumaterial für ein kleines Haus von 6 Räumen 1l)(XX> bis 12 COO türkische Pfund beanspruchte, war nicht viel zu machen. Der Doli begab sich daher auf eine Reis« nach Ber- l i n. wo er mit Dausachverfländigen in Verbindung trat, und er ist nun zurückgekehrt mit maschinellen Anlagen, durch die es Möglich ist, eigene Ziegel in Angara z» brennen. Holz zu sägen usw. Außer- dein hat er einen Plan für ein« große elektrische Kraffftation und für Zentralheizungeri sich ausarbeiten lassen. Diese Anlagen werde» im Juni oder Juli des neuen Jahres fertig fein, und dcrnn soll der Aufbau des neuen Viertels beginnen. Ali Haidar-Bey scheint besonders vom deutschen Städtebau einen starken Eindruck bekommen zu haben, und so wird denn das neu« Angora Haupt- sächlich im neuveutschen Stil geschaffen werden. Das neu« Viertel wird aus kleinen Häusern mit etwa sechs Räumern jedes von einem Garten umgeben, bestehen, und jedes dieser Häuser soll nicht mehr als tOOO türkische Pfund kosten, also meit weniger als di« Hälfte von dem, was vorher verbraucht wurde. Die Häuser sollen den Bewohnern käustich überlassen und da» dadurch erzielt« Geld zum weiteren Ausbau der„Außenstadt" verwendet werden. Antwort an Sie Sotschasterkonferenz. WTB. teilt mit: Nachdem das Reichskabinett in seiner gestrigen vormittagssi> ung über die alliierle Role belrefiend die Räumung»- uud Entwafsuungsfrage Beschluß gefaßt hat. ist die deutsch«! Antwort auf die Role gestern abend den hiesigen alliierle« ZNiisions- cheis zng- stellt worden. Die Rote wird voraussichtlich Donnerstag- morgen verSffentticht werden. die pariser Zinanzkonferenz. Datves-Zwang zur Niedrighaltung der Besatzungskosten. Paris, 6. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Sckzatzkanzler Churchill ist am Dienstag nachmittag mit mehreren höheren Bc- amten in Paris eingetroffen. Di« übrigen Haupidelegierten sind: Clemcntel für Frankreich, de Stesani für Italien, T h« u n i s für Belgien. Bratianu für Rumänien, S t o j a n o- witsch für Südflawien und der saponilch« Boffchafter in Pens für Japän. Nordamerika hat sein« Botschafter in Paris und London als Beobachter delegiert. Die Sonderkonferenz zur Regelung der interalliierten Schulden wird wahrscheinlich End« März oder Anfang April in Brüssel stattfinden. Di« Bereinigten Staaten sind eingeladen worden,«ine offizielle Delegation zu senden. Di« Frage der Besaßungskoslen, die jetzt auf der Tagesordnung steht, wurde durch ein Abkommen vom 11. März 1322 geregelt, in- dem die Barkosten der milltärischen Okkupation auf ISO Millionen Goldmark beschränkt worden sind. Deutschland fft außerdem die Verpflichtung auferlegt worden, den Beiatzungstruppen Wohnung. Benutzung der Perkehrsmittel usw. zur Verfügung zu stellen. Der' Wert dieser Sachlieferungen wird auf etwa 120 Millionen Gol-d- mark veranschlagt, so daß die Gefamtheil der Beiatzungskosten etwa 280 Millionen Goldmark beträgt. Der Dawes-Plan sieht vor. daß diese Besatzungskosten, sowie die 92 Millionen Goldmark, die für den Zinsen- und Amortislttionsdienft der 800-Mill!on«n-Anleih« erfordcr-. lich, aus den deuffchen Jahres zahlunqen bestritten werden sollen. Daher sind die Alliierten in hohem Maß« daran interessiert, die Kosten der Okkupation im Rheinland auf ein Mindestmaß herab- zusetzen.. Bei der Derrechinmg der finanziellen Ergebnisse der Ruhrbesetzung macht sich ein englisch-französischer Gegensatz. geltend. Di« englisch« Auffassung geht dahin, daß di« Kosten der Ruhroktupation und die der Regie ausschließlich durch di« Sach- lieferungen, die im Laus ihrer Tätigkeit erzwungen werde» konnten, zu decken seien, wogegen die Franzosen und die Belgier auch die Barqeldzahlunqen hierfür in Anspruch nehmen wollen. Schließlich wird sich di« Konferenz über das Recht der Vereinig- ien Staaten aus Reparationen auszusprechen haben. Amerika fordert 1 072 Millionen Goldmark für Besatzungskosten und einen noch nicht festgesetzten Betrag für Reparationen. Neue Snchlieferungen. Paris, tz. Januar.(WTB.) Di„ Reparationskommis- s i o n hat heute verschieden« auf Reparationskonto vorzunehmend« Bestellungen bewilligt, insbesondere eine Bestellung Frank- reichg auf 2000 Tonnen Stickstoff, die im Januar ge- liefert werden sollen. Amerikas Anspruch bleibt aufrecht. Londov, K. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der amerikanisch« Boffchafter in London hat der britischen Regierung eine Note übkr- reicht, in der die amerikanische Regierung ihre Weigerung aus- spricht, di« amerikanischen Ansprüche auf Zahlungen aus der ersten Jahresrate der heuffchen Reparationsleistungen nach dem Dawes- Plan dem'H.ää'ger Schiedsgerichts Haft, zur Entscheidung zu unterbreiten. England hatte vor wenigen Tagen dies vor- geschlagen._ Eröffnung der deutsch-polnischen Verhandlvngen. Am DienS- tag nachmlnag fand im Äuswärtigen Äml zu Berlin die Eröffnungssitzung der deutsch-polnischen Ver- Handlungen über den Abschluß eiueS vorläufigen Wiltsckaitö- abkommen» statt. Der deutsche Bevollmäckligte Minisierialvirellor Wallroth und der polnische Bevollmächtigte SianiSlaus Kar- lowski wiesen in ihren Ansprachen auf die Notwendigkeit der Regelung der wirffchafilichen Beziehungen zwischen den beiden Staalen hin und gaben der Hoffnung auf einen günstigen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck. „Es ist nach all dem ganz klar,"— schließt der„Tim«s"-Korre- jconderrt seinen Bericht—„daß das neue Viertel, wie es mir der Bali selbst schildert, eine ganz deutsch« Stimmung bekommen wird und daß die vielen Deuffchen sich hier mehr als je zu Haufe fühlen werden. Natürlich werden sie versuchen, den anaiolffch?» Markt an sich zu reißen. In meinem tgotel ist die einzige fremde Sprache, die auch vom Dienstpersonal gesprochen wird, Dcuffch, und man hört in den Restaurants mehr Deutsch als je zuvor." Natürlich fürchtet der Engländer diesen Einfluß der Deutschen in der neuen Türkei und fordert auch eine stärker« Beteiligung der Engländer. Ruffische Kloslerschätze euldeckk. In Kiew wurden zufällig in den Kellern des Klosters Kiewupetschersk große Schätze entdeckt, welche bei der seinerzeitigcn Requirierung der Kirchenschätze zugunsten der notleidenden Bevölkerung verborgen wurden. Es be- finden sich darunter einig« Pud Gold, 110 Pud Silber. 360 Dia- Manien usw. Im Werte von 830 000 Rubel, abgesehen von einigen Säcken vorrevolutionärer Wertpapiere zum Nominalwert von einigen Milliarden Rubel. Außer den Schätzen wurde auch konterrevolutio. näre Korrespondenz von Geistlichen aus dem Auslande gefunden, welche durch den Expatriarchen Tichon expediert wurde. Eim Erpedilioo nach dem geheimnisvollsten RZeer. Die größte Expedition für Meeresforschung, die bisher ausgerüstet worden ist, verläßt jetzt New um die Geheimnisse des S a r g a I s o- meeres zu ergründen. Dieses linternehmen, das unter der Lei- wng des amerikanischen Biologen Prosessor William Bebe steht und über«in eigens für diesen Zweck ausgerüstetes Schiff„Arcturus" oerfügt, hat außer seiner wissenschaftlichen Bedeutung auch einen romantischen Charakter, denn, das Sargassomeer. das zwischen Kana- rischen und Westindischen Inseln im Atlantischen Ozean liegt, ist eigentlich eine riesige, gegen 400 000 Ouadratkilometer große Masse schwimmenden Seetangs, in dem sich unter Wasser wahre Urwälder von Riesenseegras befinden. In der Nähe von Feuerland gibt es in diesem Meer Seegräser, die mahrs Urwälder unter Wasser und schwimmende Tanginseln bilden. Die Tierwelt dieses geheimnisvollen Gebietes ist noch fast gar nicht erforscht. So hofft man, ein lebendes Exemplar des Riesentintenfisches zu fangen, von dem bisher nur Stücke in den Mägen großer Seetiere gefunden worden sind. Die lval-ri« Dr. choldlchmtdt-tr. wollerstel», Schöneberger User 36». zeigt in ibrer Januar-AuSstellung neue Gemälde, tlgurrelle und Zeichnungen von Bela Czobel, iotvle Radierungen von A b r a b a m Pnlutsi. . Vi« neue Sunslh«ndl«ug,.Tauendlenstraße 6, zeigt im Januar Tier« Plastiken von JohanneSSchissner. lrude hest-rberg wurde von den Talienburg-Bühncn v«>pfl!cht-t und. wird zunächst in der LtrauS'ichen Lperette �iiquetle-, welch« Milte Ianflar «un Deuffchen Künstler>beotcr in Szene geht, eine der Hauptrollen ipielen. preffeboll. Der Dall des Vereins.Berliner Prelle" findet Sonn.- abend, den 3t. Januar, in den Geiamiräumen de» Haupt- reftaurant» des Zoologischen Garten» statt. Der Archilekten- und Ingenieur- vc.«tu zu Berlin veranstaltet am lZ., abends S Uhr. im großen«aal de» Künttlerbauses. Lelleoueirr. 3, einen Lichtbildcrvorttag deS Regieiungsbauiais Kießling über„Neue Städtebilder au» Frankfurt(Oder) und sarbige Be, Handlung von Bauten". Gäste find willkommen. Eintrat fi>«- Zur Abberufung Trenöe!enburgs. Tie tirise der deutsch-französischen Verhandlungen. Paris, 6. Januar.(WTB.) Wie die Agentur Harms berichtet, wird im Handelsministerium bekanntgegeben, bah im Laufe der Lerhandlungen zwischen der deutschen und sranzösischen Dele- gation die Frage der Räumung der Kölner Zone nicht in die Diskussion, die lediglich den Abschluß eines Handelsvertrages zum Gegenstand habe, einbezogen worden sei. Angesichts der Bemühungen der französischen Presse, die Schuld der E-schwerung der Pariser Verhandlungen Deutschland zuzuschie- den, wobei man an den Namen Trendelen bürg und gewisse Erkläningvn Trendelenburgs anknüpft und die Behauptung aufstellt, Deutschland wolle die Verhandlungen abbrechen, erscheint es not- wendig, festzustellen, daß Trendelenburg keinerlei In- struktionen hat, die den Abbruch der Verhandlungen bezwecken. Wenn wir die Ursachen für die Komplikationen in den dmtsch srlmzbslschen Handelsvertragsverhandlungen feststellen wollen. so n.uz folgend.s gesagt werden: Die von der französischen Regie- runz vorgelegt« Zollnovelle, di« deutsche Exportwaren nach Fraukrech mit derartig hohen Zollsätzen belastet, daß sie prohibitiv wirken, war wenig geeignet, di« Herstellung eines Proviscriums bis zum 10. Januar 1S2ö zu fördern. Von deutscher Seite wird mit Recht betont, daß die französisch« Novell« ein Novum dars.eW. Man will sie zur Basis der Handelsvcrtragsoerhandlungen machen ohne daß das französisch« Parlament sie gebilligt hat. Es ist aber. anzunehmen, daß das französisch« Parlament über die Höhe der Zollsätze in der neuen Novelle wesentlich anders denkt als die französischen Wirtschaftsinteressenten, auf die die neue französische Zollerhöhung zurückzuführen ist. Hat aber Deutschland einmal die Novelle als Basis anerkannt, dann ist dem französischen Parlament jede Möglichkeit genommen, eine Reduk- tion der Zollsätze durchzuführen. Abgesehen von der prohibitiven Wirkung der neuen französischen Zollnovelle dürft« dieser Umstand für die deutsche Haltung mitentscheidend sein. Bon französischer Seit« wird nun immer wieder darauf verwiesen, daß Deutschland auch im Begriff ist. Zollerhöhungen vorzunehmen. Dabei muß aber richligzestellt werden, daß Deutschland bereit ist, über sein« vorzuschlagcnden erhöhten Zollsätze zu oerhandeln und sich zu Bindungen hergeben will, waz auf der anderen Seite nicht ge- schieht. Die zweit« und größte Schwierigkeit wird wohl in dem Um- stand zu suchen sein, daß nach Aufnahme der neuen Verhandlungen im Januar sich die Grundlag« des anzustrebenden Provisoriums merklich verschoben hat. Deutschland hat bekanntlich für das Provisorium keinen Entwurf vorgelegt, aber der deutsche Entwurf, der im Oktober vorgelegt wurd«, ist bereits in den Unterkommissionen«ingehend erörtert worden und war geeignet, ein« Grundlage für den Modus vnendi ab 10. Januar 1925 abzugeben. Demgegenüber haben aber di« Franzosen einen völlig neuen umfangreichen Entwurf eingereicht. Schon bei Verfolgung des deutschen Planes hätte sehr wahrscheinlich die Zeit bis zum 10. Januar 1925 nicht ausgereicht, dos Provisorium fertigzustellen. Wenn nun die Delegationen aber auf den französischen Emwurf zurückgreifen, ist das ganz ausgeschlossen. So ergaben sich schon bei der Absicht, den französischen Entwurf zur Basis des Provi- soriums zu machen, unüberwindliche technische Schmie- rigkeiten. Diese wurden durch materielle verftärkt. Zunächst bMeht Frankreich m dem Entwurf auf der M ei st b egü n st>- ging, während es selbst in der neuen Novelle durchaus pro- hlbitive Politik betreibt. In der Praxis wird der Zustand dahin htnauslaufen, daß Deutschland sich an den gegenwärtigen Stand(Höhe der Zölle usw.) bindet und kein« Zollerhöhung«» vor- itünmt, während Frankreich darin völlig freie Hand gelassen wird. Daneben spielt die Frag« der«lsaß-lothringischen Kon- tingent««in« große Rolle. Und zwar verlangt Frankreich nach dem 10. Januar 1926 Gewährung von zollfreier Einfuhr aus Elsaß- Lothringen an Hand einer List«, di« bis jetzt der deutschen Delega- tion nicht vorgelegt wurde. Außerdem ist in dem Entwurf dos Perlangen ausgesprochen, dies« Kontingents auch für sin« spätere Zeit festzulegen. Von den Franzosen werden also aufs neue mit der größten Dringlichkeit Fragen vorgebracht, die Deutschland bereits in den Dezember-Derhandlungen abgelehnt hatt« und die erledigt er- schienen. Das Vorgehen der Franzosen erscheint um so eigentüm. l'cker, eis der von ihnen vorgelozt« Vertrag«in« Geltungsdauer von drei Monaten haben soll und sich, weim er nicht gekündigt wird. automatisch um drei Monate verlängert Man könnt« so vermuten. daß man hier die Grundlage des Provisoriums verläßt, um eine Art Dauevab kommen zu improvisieren. Ueber die deu ts ch. b e lg i s che n Handelsvertrags. Verhandlungen, die j» immerhin parallel mit den deutsch. französischen laufen, erfahren wir. daß es sich weniger um die Zoll- Positionen handelt. Die Schwierigkeiten liegen vielmehr in der Auf- nähme von Minimaltarifen, denen Belgien eine bedeutende Reihe von deutschen Waren unierwerfen will. Im Fall« ein Provisorium nicht zustande kommt, würde sich die Situation nach dem 10. Januar 1925 wie folgt gestalten: Für d!« französische Wareneinfuhr wird der deutsche autonom« Tarif in Kraft treten. Di« elsah-loihringischen Kontingente hören aus, wäh- rend Frankreich nicht in den Genuß der Bertragszöll« kommt, die Deutschland bereits anderen Ländern, z. B. Spanien, zugestan- den hat. Die stanzöfisthe ZollnoveUe. Ueber die neu« fran z ö si s ch« Z g, x„ ov e ll«. die bekannt- lich alle Sätze für wichtige deutsche Einfuhrwaren beträchtlich erhöht, erfahren wir folgendes: Befoitders betroffen ist di« chemische Industrie, in der von ungefähr 700 Positionen 500 Positionen erhöht werden sollen, und zwar kommt«ine Erhöhung um das 10. bis 2»fache in Frage. Wesentliche Erhöhungen sind auch vor- gesehen für Schmirgel, Baustoffe, Porzellan, Gläser usw. Z. B. ist für optische Gläser und Brillengläser eine Erhöhung um 300 Proz. angesetzt, für Ibh renteile ein« solche von 50 Proz., für elektrische Zälsiwerke eine solche von 100 bis 2200 Proz. Eine Verdoppelung und Verdreifachung der Zölle ist geplant für Kteineifenwaren. Nadeln, Werkzeug, Eisenstcchl, Feinfcrähte. Bandeisen usw. Bei der e l e t t r o- technischen Industri« wird die Neubelastung ungefähr 150 Prozent des Wertes ausmachen. Im Maschinenbau sind u. a. Waren mit höherem Zoll belegt worden, die gar nicht in Frankreich erzeugt werden. Die Zölle für gewisse Speziaimaschinen sind bi» um 400 Proz. hinaufgeschraubt, so daß die Zollbelastung bei ihnen<0 bis 50 Proz. des. Wertes ausmacht.. Für Metallwaren sind die an sich schon hohen Zölle um 30 Proz. erhöht worden. Es ergeben sich u. a. neue Zollsätze, die das Sechsfache des geltenden Tarif» ausmachen. Im großen intd ganzen kann gesagt werden, daß di«se neu« ftan- zöstsche Zollnovelle für den deutschen Export nach Frankreich un. erträglich ist. Die Berwickclungen, die sich bezüglich eines deutsch-französischen Handelsprooisorimns ab 10. Januar eingestellt Irnben, lassen sich durch dieses protektionistische Vorgehen Frankreichs durchaus erklären. Es liegt nur im Interesse einer handelspolitischen Verständigung zwischen den beiden Ländern, wenn das ftanzösifch« Parlament, dem die Novelle vorgelegt werden muß. den Protei- tionismus der sranzösischen Industrie einer gründlichen Revision unterzieht. Das Kernproblem der Verhandlungen. Will man di« großen sachlichen Schwierigkeiten begreifen, die einem schnellen Handelsvertragsabschluß zwischen Deutschland pnd Frankreich entgegenstehen, so muß man die großen Veränderungen ins Auge fassen, die der Krieg auf dem wichtigsten Wirtschafls- gebiete, dem Eisen, herbeigeführt hat. Deutschland war im Jahre 1813, dem letzten vor Kriegsbeginn, in der Lage, einen Eisenüberschuß von 1 807»00 Tonnen auszuführen. Di« Besitzer der«isenschaffenden Industrie Deutschlands haben diesen Eisenüberschuß zu Schleuder. preisen auf dem Weltmarkt abgesetzt. Bis zu 43 o. H. war der Preis deutschen Eisens im Ausland niedriger als auf dem deulschen Markt. Infolge des Krieges hat Deutschland auf diesem Wirtschafts- gebiet sehr schwer« Verluste erlitten. Durch den Verlust Elsaß-Loth- ringen? an Frankreich, Teile von Oberschlesien cm Polen, des Saar- landes vorläufig an den Völkerbund und di« Angliederung Luxem- burgs an den belgischen Wirtschastsverband hat Deutschland verloren: 43,8 v. H. seiner Roheisenerzeugung, 35,2 v. H seiner Flußstahlerzeugung. 33,8 o. H. seiner Walzwerkerzeugung, 79,5 v. H. seines Erzvorkommens. Trotz dieses Verlustes kann die verblieben« deutsche eisen- schassende Industrie den Bedarf des Inlandmartte» mit spielender Leichtigkeit befriedigen. Sie kann bloß nicht so billig er- zeugen, wie die Lothringische Eisenindustrie. Obwohl z. B. ein Wert des Klöckner-Konzerns mit fünf Martinöfen zu Düsseldorf stillgelegt wurde, war es der deutschen eisenschaffenden Industrie möglich, bis in die jüngste Zeit hinein neben der Deckung des Inlandbedarfs noch bedeutende Eisenmengen auszuführen. Das geschah wiederum unter wesentlich niedereren Preisen als beim Derkauf im Inland. Wäre das preisregelnde Gesetz von Angebot und Nachfrage durch die deutschen Eisentartelle nicht künstlich außer Kraft gesetzt worden, so müßte in Deutschland das billigste Eisen vorhanden sei. Da aber die Eisenkartelle den Preis für Eisen des Inlandmartte? bestimmen, muß die deutsche eisenverbrauchrnde Industrie höhere Preis« für deutsche Eisen bezahlen als das Aueland. Noch im Sommer 1924, als deutsches Stabeisen im Inland 155 M. kostete, wurde Stabeisen beut- schon Ursprungs für 117 M. von Holland her dem deutschen Markt angeboten. Deutschland ist also«in Roheisenüberschuhlond geblieben. Frankreich aber ist durch die Einoerleibung Elsaß-Lolhringens in seinem Wirischaftsvcrband noch in viel höherem Maß« ein Elfen- Überschußland geworden. Solange die lothringische Minette reicht— schätzungsweise noch 80 bis 100 Jahre—, wird Frankreich selbst dann, wenn es seine Technik nicht vervollkommnen könnte, jährlich etwa 4 Millionen Tonnen Roheisen Überschuß erzeugen. Was soll mit diesem Ueberschuß werden? Frankreich möchte ihn wie bis- lang von Lothringen nach der eisen verbrauchen den Industrie Süd- deutschlonds leiten. Und die eisenverbrauchende Industrie Süd- dcutfchlands, die den Anschluß an Rohstoffbetriebe nicht mitgemacht hat, möchte auch durchaus nicht m di« Abhängigkeit der deutschen Eisensgnditate verfallen. Anderseits aber spielen für sie doch die Belange der deutschen Eisenwlrtschaft di« entscheidende Rolle. Und die eisenschaffende Industrie Deutschlands, die Thyssen, Klöckner, Union, brennen natürlich darauf, Süddeutschland als Absatz. gebiet zu erhalten. In diesen widerstreitenden Gesichtspunkten liegt das Kernproblem. In wenigen Tagen, am 10. Januar d. I.. läuft die fünfjährig« Frist ab, die in den Artikeln 255 bi« 270 de« Vertrage» von Der- sailles vorgesehen war, und di� Frankreich ohne Segenleistung de- 1 rechtigl«, seine Erzeugnisse auf den deutschen Markt— meist- j begünstigt einzuführen. Frankreich mag es schwer fallen, mmmehr; dem Genuß der Meistbegünstigung ohne Segenleistung entsagen zu j müssen, aber es muß doch bedenken, daß im Handel und Geschäfte- machen nur dann ein gutes und dauerndes Einvernehmen bestehen kann, wenn beide Teil« befriedigt sind. Die sachlichen Schwierigkeiten.. die einem schnellen Handels- Vertragsabschluß zwischen Deutschland und Frankreich entgegen- stehen, dürfen nicht zum Ausgangspunkt neuer Wirsschaftsstreitig- koiten werden, Sie würden nichts anderes als einen Rückschlag auf dem Weg« angebahnter Verständigung bedeuten. Die Absicht der, Dcutschnaiionalen, die Nichträumung der Kölner Zone Mit dem Zollkrieg zu beantworten, ist ein gefährliches Spiel mit den politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands. Di« Aussichten eines solchen Handelskampfes sind vollständig ungewiß, weil die deutsch-sranzösischen Handelsverhallmsse vollkommen unklar, ja, völlig dunkel sind. Ist die deutsch- Aussuhr- statistik durch den Einbruch der Besatzungsmächt« ins Ruhrgebiet höchst lückenhaft und unvollkommen, so ist in noch höhcrem Maße die französische Handelsswtistik unrichtig und irreführend. Di« fran- zösische Handelsstatistit führt all« nach Frankreich gekommenen deutschen Güter in einer Weis« auf, als wenn sie im Weg« des Handels erworben wären. Was aus dem befetzten Gebiet ge- holt, durch die Micum-Derträge geliefert würde, alles das ist mit den wirklichen Handelsgütern zusammengeworfen und in der Handels- statistik als Handelsgüter aufgeführt worden. Eine auch nur an- nähernd richtig« Ueberficht über di« gegenseitigen Hondelsoerhältniss« beider Länder ist nicht gegeben. Ein Zollkampf, wie ihn die Deutsch- nationalen herbeiwünschen, ist daher in seinen Tragweiten und Aus- Wirkungen völlig unübersehbar. Freilich, die Deusschnotionalen und all« Schutzzollgeister haben an einem solchen Zollkrieg lebhaftes Interesse. Er würde günstige Vorbedingungen zur VerwirtlichungihrerHochschutzzollpläneschaffen. Ein Tarifkrieg zwischen Deutschland und Frankreich könnte ober wirtschaftliche und politische Fclgen haben, gegen die sich die Ar- beiterschqften beider Länder mit Entschiedenheit wenden sollten. Das Jahr 1924 hat offenbar Annäherungen beider Völker gebracht Durch di« Annahme des Londoner Paktes ist ein« Entspannung der weit- wirtschaftlichen Streitfrvgen entstanden. Sollen dies« aus Rot und mühevoller gemeinsamer Anstrengung gewonnenen kostbaren Er-. rungenschaften wieder zunichte gemacht werden? Soll statt des Fortschrittes der Verständigung die Welt von neuen Konflikten heim- gesucht werden? Es scheint, als wenn die Stunde naht, wo das Proletariat hüben und drüben die Stimm» der Vernunft erheben muß. Französisches Erz und deutsche Kohle— sie können zum Wohl« Europas Ver- wendung finden, wenn hüben und drüben mit gutem Willen das Werk der Handelsvertragsverhandlungen fortgesetzt wird. Wir sind. uns darüber im klaren, daß Ke wirtschaftlichen Verhältnisse der«in- zelnen Länder nicht überall den Prinzipien des Freihandels günstig gegenüberstehen. Aber auf«In weitgehendes Niederlegen der Zoll- schranken in allen Ländern muß mit Nachdruck hingewirkt werden. Di« Wege von und zu allen Märkten der Welt müssen möglichst' wenig zollbelostet sein. Zum Wohl« der werktätigen Bevölkerung j Deutschlands und Frankreichs ist der Abschluß eines beide Teile be. friedigenden Handelsvertrages zu wünschen. Nicht Handels- krieg, sondern gegenseitig« Verständigung, das muß in dieser Stund« die Losung in Deutschland und Frankreich fein. Zn den vorstand der Sozialdemokratischen Relchsiogsftaktion ist anßer den in unserer gestrigen Abendausgabe genannten Genossen auch Dr. Rudolf..Breits che id wiedergewählt worden. Rur infolge eines technischen Hersehen» seijsste dessen Name in der > oon un» veröffentlichten List«. ! Der neuernannte französische volschafker für Sowjetrußland,. I Jean Herbette, tritt nach dem„Petit Partsien" heute abend die Reise l noch Moskau an. Eöuarö He« Festveranstaltung t Der Feier des 75. Geburtstages Eduard Bernsteins galt «ine Veranstaltung, die gestern abend im Oberlichtsaale der„Phil- Harmonie' der Bezirksverband Berlin der Partei getroffen hotte. Es war eigentlich keine der gewohnten Feiern mit lärmendem Auf- tatt und verherrlichenden Reden; es war vielmehr eine Heerschau der Wen der Partei, in deren Mitte Genoffe Bernstein an einem markanten Abschnitt seines Lebens stand. Als die weihe- vollen Klänge des Priesterchors au» der.Zauberflöte', meisterhaft vorgetragen vom Charlottenburger Männerchor.Harmonie', ver. klungen waren, bestieg Genosse Katzenstein das Podium und bot dem Kämpfer Forscher und Lehrer, dem Friedensstreiter und dem Menschenfreund einen Geburtstagsgruß in Bersen dar. Dann aber zeichnete der alt« Kampsgefährte de» Jubilars, Genosse Richard Fischer, ein Lebensbild Bernstein», dos teilweis« in humorvoller Art sein Kämpfen und Wirken den Anwesenden vor Augen führt«. Manche Erinnerung stieg aus der Vergessenheit heraut. Tatsachen, die als klein« Episoden des Tages im Drang« der folgenden Zeit m Vergessenheit kamen, die aber doch ein Teil des Ganzen sind. Fischer zeigte, wie Eduard Bernstein nach seiner freiwillig-un- freiwilligen Uebersiedlung ins Ausland, damals bei Inkrafttrel.il des Sozialistengesetzes bald der Mittelpunkt der Internationale in Zürich wurd«. Wenn es damals einen Menschen gab. der unbeeln- flußt und selbstlos, bescheiden, aber doch mannhaft streitend die Interessen des getretenen Proletariat? vertrat, so war es Bernstein. Ihm und seinem Freund und Gönner Höchberg ging e» damals schon so wie den prominenten Führern der Bewegung heute: der größte Schmutz war den Gegnern gut genug, gegen sie geschleudert zu wer- den. Als Redakteur des Züricher.Sozialdemokrat' stand Lernjt.'in auf erstem Kampfposten. Unbeirrt der Drohungen herrschender Cliquen des Vaterlandes sorgte er in Wort und Schrift für di« Der- breitung der sozialistischen Ideen. Lernstein brachte die schwersten persönlichen Opfer, aber er stand zu seiner Ueberzeuguna. er iiand zur Partei. Wenn der.Sozialdemokrat' in seiner letzten Rümmer feststellen konnte, daß di« Mühen nicht umsonst gebracht w-v«n, die zu seinem Erscheinen verwandt wurden, so war da» nicht zuletzt de« Jubilars Verdienst. Mit Klarheit in der Vertretung der Grundsätze des Sozialismus, mit unerbittlicher Schärfe bei der Bekämpfung der Widersacher, so redigierte Bernstein das Blatt. Er war nicht nur der Redakteur der Zeitung, er war der Sämann des sozialistisch, n Gedankens schlechchin. Bernfleins Londoner Zeit stieg aus der Erinnerung aus und die Zeit seiner Freundschaft mit Engel». Der Aufenthalt in England bot ihm die Möglichkeit zum Studium de? englischen Parlamemari». mlis, der englischen Demokratie. Mit seltener Wabrbeitsliebe strebte er später danach, das in England Erlebte in seinem Vaterland» zu verwerten und anzuwenden. Seine Wahrheitsliebe seine Ueber- z-ugungsfestigkcit ließen ihn oftmals das aussprechen, was»>'! der überlieferten Auffassung in der Partei im Widerspruch stand Nach seiner Rückkehr nach Deutschland stand er auch hier bald wieder im Vordergrund der Kämpfer. Heut«, an seinem 75. Äebur:«:og». nftem-Jder. er Berliner Partei. hat Genosse Bernstein die Freud«, zu sehen, wie seine Sämann?» arbeit reiche Früchte getragen hat. Möchte ihm die Möglichkeit ge- geben sein, zur Freude aller Sozialdemokraten, noch viele Jahr« für die Sache des Proletariats kämpfen'zu können! Die Rede des Genossen Fischer wurde mit begeistertem, stür- mischem Beifall aufgenommen. Sodann dankte Bernstein in schlichten Worten für die Ehrung, di« ihm zuteil geworden. Beschei- den nannte er die Geschichte ungelecht, die einen aus der Masse her- aushebt, ihn feiert, verehrt, wo tausend ander« Genossen dasselbe ge- leistet haben. Biel« sind berufen, aber Wenige sind auserwählt— leider nicht immer nur nach Derdienst und Arbeit. In längeren" Ausführungen zeichnete Genosse Bernstein ein Bild seines Lebens im Auslattd. Er zog treffend« Vergleich« zwischen den Demokratien der Länder, die ihm ein Asyl boten und unserer gegenwärtigen Staatsverfassung. Uebergehend zu den Meinungskämpsen der ner- gangen«, Jahre in der Partei, konnte Bernstein unter dem Beifall der Anwesenden feststellen, daß vieles, was damals verpönt und verschrien wurde, heute Wgemetngut der Partei geworden ist. Es entwickelt« sich ein Ausfassen, ein Mitdenken und«in Verstehe» in der Mass« der Genossen, das nur dem Fortschritt der Partei diente. Der Redner bedauerte, daß sein Tun oft hinter seinem Willen zurückgeblieben sei: daß sein Lebenswerk der Erkenntnis diente, erfülle ihn trotzdem mit Zuftiedenheit. Kämpfen und nicht verzweifeln fei unsere Parole im gerechten Kampfe dez Proletariats. Und als Genosse Bernstein am Schluß seiner Ausführungen mit allem Temperament ausrief:.Nicht zählen wollen wir den Feind, aber erkennen und niederringen wollen wir ihn.' fand di« stürmisch« Zustimmung kein End«. Der Männerchor tonnt« noch der Red« des greisen Führers kein schöneres Lied singen als das alt«„Ein Sohn des Voltes will ich sein'. Einig« Darbietungen der..Kammermusikvereinigung des Deutschen Opernhauses" und weitere Vorträge des Chores beendeten die schöne Feier. » » Die Wohnung des Genossen Eduard Bernstein in Berlin-Schöne- berg war am Dienstag das Ziel unzähliger persönlicher und schrift- licher Gratulationen. In seinem bescheidenen Arbeitszimmer nahm der greise Führer unermüdlich Besuche entgegen. Schon am frühen Dormittaa überbrachte«ine Abordnung des Parteioorstandes unter Führung Hermann Müllers die Glückwünsche der Sozialdemo- kratie. Der Reichspräsident Ebert telegravhierte:.Zum 75. Geburt?- tage send« ich die herzlichsten Glückwünsche. Möge Ihnen die Kraft zur Fortsetzung Ihrer politischen und wissenschaftlichen. Arbellen noch recht lange erhallen bleiben. �In aufrichtiger Verehrung Ebert, Reichspräsident.'— Unter den zahllosen schriftlichen Glückwünschen befindet sich auch ein besonders herzlich gehaltener Brief des Schöne- berger Bürgermeisters Dr. Berndt, der einer der schärfsten Gegner der Sazialdamokrctie in der deutscknationalen Reichstagefraktion ist. Er anerkennt di« hervorragenden Berdienste, die sich Bernstein als langjährige« Mitglied der Gemeindevertretung Schönebervs erworben hat. GeroerWmstsbeVegung Gewerkschaften und Handelsverträge. Wie aus polnischen Presseberichten hervorgeht, sind die deutsch- polnischen Handelsvertragsvcrhandlungen bereits eingeleitet worden. Sie werden in Berlin stattfinden. Die Spitzenverbände der beut» schen Gewerkschaften haben gemeinsam an das Auswärtige Amt den Antrag gestellt, bei diesen Verhandlungen mit einer angemessenen Vertretung mitwirken zu dürfen. Der gemeinsame Antrag ist unterzeichnet worden vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- Hund, vom Allgemeinen freien Angestelltenbund, von den christlichen Gewerkschaften und von den Hirsch- Dunckerschen Gewerkvcreinen. Die Gewerkschaften legen besonderen Wert auf die Teilnahme au diesen Verhandlllngen, weil es sich hier nicht nur um einen Handelsvertrag schlechthin handelt, sondern um eine Art Wirt- schaftsabkommen. Hier spielen auch andere Fragen, z. B. die„W anderarbeiterfrage" eine bedeutende Rolle. Die deutschen Großagrarier sind seit langem bestrebt, wiederum wie früher polnische Arbeiter in unbeschränkter Anzahl nach Deutsch- lond hereinzubekommen. Andererseits ober wollen dieselben Agrarierkreise der Cinsuhr von Agrargütern durch Hochschutz- zolle unterbinden. Angesichts dieser für die Gewerkschaften,. besonders den Land- arbeiteroerband, wichtigen Frage ist es besonders dringend erforder» lich, den Gewerkschaften die gewünschte Vertretung bei den deutsch- polnischen Verhandlungen einzuräumen. Die Handelsvertragsverhandlungen sowohl mit Frankreich wie mit Belgien, nicht minder mit Italien stehen offenbar nicht be- sonders g u n st i g. Hoffentlich fuhren die Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen zu einem befriedigenden Ergebnis. ii vis öeamten erinnern an die Wahlversprechen. Die Spitzenorganisationen der Beamten(Allgemeiner Deutscher Beamte nb und, Deutscher Beamtenbmrd, Gcscnnwerband der Staats- angestellten und Gewerkschaftsring) sowie«ine Vertretung dar An- g est« Iltenschaft haben am Montag gemmsam zur Besoldung s° frage Stallung genonnnen. Di« genannten Organisationen einigten sich auf eine Eingabe an den Reichstag und alle anderen in Betracht kommenden Instanzen, die noch im Laufe der Wach« ein- gereicht werden wird. Die Eingabe fordert, daß die katastrophale Besdldurgsordnung vom November und Dezember v. I. abgeändert und das feit Juni i$2i bestehend« Besoldungsunrecht beseitigt wird. In den Reihen der Beamtenschast ist man sehr gespannt darauf, welchen Eindruck die Eingabe aus die Fraktionen des Reichstags mqchen wird. Diese Spannung ist ein Zeichen dafür, daß die Be- emtenschast, und vor allen, die unteren und mittleren Beamten, die ew für eine nrenschenwürdig« Existenz hinreichendes Einkommen fordern, den Wahlversprechungen der bürgerlichen Parteien sehr skeptisch gegenüber st ehe n. von der Kinderkrankheit zum Katzenjammer. Eine ZNusterkarbe kommunistischer Gewerkschastsarbeil. Der große Lehrer... „Man muß es verstehen, dem allen Widerstand zu leisten, sich u jedem und allen Opfern zu entschließen und— wenn es möglich st— sogar List, Schlauheit, illegale Methoden, Verschweigung, ver- yelmltchung der Wahrheit anwenden, um nur in die Gewerkschafts- verbände einzudringen, in ihnen zu bleiben, in ihnen kommunistische Arbeit Durchzuführen." le«»!»,»er Stabitaltemu. bi< ÄinlxtbanBicti bM ttamaaUaui«.) ... und der kleine Schüler. „In jedem Betrieb werden wir unserx Zellenarbeit vollenden. Me Erfahrungen ausnutzen, mit List und Schlauheil die Maß. nahmen treffen, die �es uns ermöglichen, trotz Uiüernshinerterror sozialdemokratischer Spitzeltätigkeft die Zelle zu einem festen kam- munistischen Kern zu machen." („»Smps«', Themnib. 31. Dezember 1021.) Jetzt kommt die Zeitt „Wir kommen jetzt erst in die Zeft, von der uns Lenin in den �Kinderkrankheiten des Radikalismus" schreibt, daß es nötig ist, mit allen Mitteln in die verbände einzudringen und revolutionäre Arbeit zu leisten." („Dez jtommunistischc»«aukschast»', 1923, ZK. l.) Raus aus die Kartoffeln ,... „Da die Kommunisten Ziel und Wesen der Gewerkschaftsorgani- sation höher stellen als ihre Form, dürfen sie in der Gewerkschaftsbewegung nicht vor einer Spaltung der Gewerkschafksorganisalionen zurückschrecken, wenn der Verzicht auf die Spaltung gleichbedeutend sein würde mit dem Verzicht auf die revolutionäre Arbeit in den Gewerkschaften und mit dem Verzicht aus den Versuch, aus diesen ein Werkzeug des revolutionären Kampfes zu machen." lSos den L-itsäßen fllx dl« Gelverlschaftsarbtit in bor itommunistische» Parte,.) ... rin in die karkoffelni „Allein durch feste Verwurzelung der Kommunisten in den Der- bänden wird es möglich, jede weftere Spaltungspolitik der Refor- misten zu verhindern und den Kampf nm die Gewerkschastseinheit national und international zu fördern." <„Der gamimnristilche Sewerklchrster', 1926, Nr. L) Den Arbeitern geht es viel zu gut! „Die Lohn, und Arbeitsbedingungen haben in der kommunisii- schen Gcwcrkschaststakftk nur sekundären Charakter und dienen dazu, die Arbeitermassen in Bewegung zu setzen, um sie für die sozialen, ökonomischen und politischen Probleme zu interessieren, um sie so für den revolutionären Gedanken vorzubereiten und reif zu machen." kUlis ben STicftn zur Selllerlsibaftsarbri� beschlossen auf der Reichs- kontere nz der österreichischen Kommunisten am 16. November 1924.) Die Gewerkschofken als kommunistische hilsstruppen. „Die kommunistische Gewerkschaftsarbeit ist von der Absicht und dem Gedanken getragen, in den Massenorganisationen des Prole- tariots für die komniunistifche Ideologie zu wirken, die Gewerk- schoflen zu Hilfsorganisationen des revolutionären Klassenkampfes zu gewinnen und in den Gewerkschaften die Einflüsse der Sozial- oemokratic zu brechen." fZlus btit Shtfai der.uorerwiibntrn Zieicholonfrrcnz.) Warum, o warum? „Leider hcchen die westsächsischen Organisationen die Voraus- fetzungen für ein wirklich gutes erfolgreiches Arbeiten noch nicht geschaffen. Seil November fordert die Gewerkschaftsabtcilung die Registrierung der Mitglieder nach chrer gewerkschaftlichen Zuge- Hörigkeit. Warum haben die meisten Ortsgruppen des Bezirkes diese Ausgabe bis heute nicht erfüllt? Wo bleibt die starke Organi- sation in Gcoß-Leipzig? Ist die Organisation so mangelhaft, daß diese Aufgabe nicht durchgeführt werden kann?" („Söchfifch« Zlrbciteizcitu»?', Leipzig. 20. Dezember 1924.) Das große Manl. und was kommt heraus? .Das bisherige Ergebnis unserer Gewerkschaftsarbeit ist geradezu beschämend. In vielen Verwaltungen können keine Gewerk- schaftsversammlungen zustandekommen, weil in den Mitgliederver- sammlungen nur' wenige Arbeiter onivesend sind. Beim Metall- arbeiterstreik in Thüringen stellte sich heraus, daß ein Ort mit kam- inuniflifchsr Mehrheit nicht imstande ist, auch nur einen Betrieb in den Streik zu bringen. Die Genossen in den Ortsgruppen berichten über die bei ihnen am Ort geführten Streiks fast nichts, so daß unsere presse falsch insormicrk ist und Berichte bringen konnte, die nicht vollauf den Tatsachen entsprachen. In vielen Verwaltungen. in denen wir früher teils eine Mehrheil hatten oder kurz vor einer Mehrheit standen, ist unser Einfluß gleich null. Unsere Genasjen müssen sich daran gewöhnen, daß es nicht bloß gilt, große Worte zu machen." fZlu» einem Rundschreihra de» Leiters der Äbtcilung Sewerlschaften der KP. Erost-Tbllringens, Haitz Deck, vom Dezember 1924.) Diese verfluchte«„Reformisten"! „Es gelang uns nicht, die Kämpfe gerade der letzten Streikwelle im Ottober und November zu breiten, einheitlichen, erfolgrcicken Kämpfen zu steigern. Durchweg bestimmten die Reformisten Beginn. Verlauf und Abschluß jedes Streiks, jeder Lohnbewegung." lDu Azmarnvistilche s«»>»rkschatt«r". 1926. Ar, 1.) Sollen wir verzweifeln? „Schnelle Siege sind jetzt nicht zu erwarten. Darum ist es um so notwendiger, planmäßig und energisch zu arbeften. Die Refor- misten werden die ihnen jetzt günstige Situation ausnützen, um ihren Einfluß zu erhöhen. Wie sie sich im Jahre 1923 gegen Neu- wählen der gewerkschaftlichen Vertrauensleute der Ortsverwaltungen und gegen die AbHaftung von Gewerkschaftskongressen gewehrt haben, so werden sie jetzt im Gegenteil für Wahlen und Kongresse sein. Jetzt haben sie eine Sicherheit dafür, daß sie Mehrheiten für sich und ihre Politik gewinnen. Sollen wir deshalb verzweifeln? Mitnichten. förih ftttfeet im„Der K-w-lM-istilch« GrwarNchaskr'. 1928, Nr. 1.) Das End? vom Liede. Der frühere Führer des oppositionellen Aekleidungsarbeiterver- bandes Breslau, Heinrich Beek, hat die Schuhmacher treuen Reske des Verbandes dem Hirsch-Dunckerschen verband zvaeftihrl, (Der Ztommlutisiilq« Scwerkschafte:", 1926, Ztr. 1.) Ausnahme« vom Verbot der SonntaqSarbeit. Auf Grund von Verhandlungen mit den Regierungen der Länder, hat der Reichsarbeitsminister vor einiger Zeit Richtlinien für die Bewilligung von Ausnahmen vom Verbot der Sonntags- arbeit im Handelsgewerbe aufgestellt, in denen u. a. ausgeführt wurde: Offene Verkaufsstellen, in denen ausschließlich oder überwiegend Roheis, Milch, Bäckerei-, Feinbäckerei- und Konditoreiwaren, frische Blumen und Zeitungen feilgeholten werden, dürfen an jedem Sonn- und Festtag mit Ausnahm« des 2. Osierseier. tages, des 2. Pfingstl und des 2..Weihnachlsfeiertagez auf die Dauer von zwei Stunden für den Geschöfisverkehr geöffnet fein. Der Verkauf von Roheis und Milch ist auch au den zweften Feiertagen zulässig. Vom 1. April bis zum 39. September kann in derselben. Weise der Verkauf von frischem Gemüt«, Obst und Fleisch sowie frischen und geräucherten Fischen gestattet werden. In Gemeinden! mit«eftläusiger Siedlungsweise kann im Interesse der landwirt- schaftlichen Bevölkerung der Verkauf weiterer Bedarfsgegenstände für zwei Stunden zuaelasien werden. Für den Verkauf von Roheis und Milch kann die Verkaufszeft bis zu S Stunden verlängert wer- den, ebenso für frische Blumen an Sonn- und Feiertagen, an denen ein besonders starker Friedhofsbefuch zu erwarten steht. Innerhalb der Geschäftszeit ist die Beschäftigung von Angestellten, Lehrlingen und Arbeitern gestattet. Die G e- s ch ä f t s z e i t darf fiir die einzelnen Warenarten verschieden fest- gesetzt, ober nicht geteilt werden.- Wie der amtliche„Preußische Pressedienst" mitteilt, bemerken der HandÄsmimster. der Innenminister, der Kultusminister und der Landwirtschaftsminister in einen gemeinsam«« Er- laß hierzu u. a folgendes: Die Richtlinien sollen in erster Linie die Schwierigkeit«?, die sich in Grenzgebieten beimchharter Länder aus einer verschiedenen Anwendung des§ 105e der Gowerbeordnung ergeben haben, beseitigen. Vor Zulassung von Ausnahmen, die eine besondere sorg- faltige Prüfung der Verhältnisse voraussetzt, soll auch den kirchlichen Behörden Gelegenheit zur Aeußerung gegeben werden. Wo bisher weitergehende Ausnahmen zugelasien worden sind, als die neuen Richtlinien vorsehen, soll geprüft weichen, ob mid zu welckzem Zeit- punkt eine entsprechende Einschränkung der Ausnahm«! möglich und zweckmäßig ist._ Um die BetriebSvertretuug. Die Warenhausfirma A. W c r t h e i m hotte im Jahre 1929 alle Betriebshandwerker, die im Haufe beschäftigt waren, zu einer Hand- werksbetrieb?-G. m. b. H. zusammengefaßt. Die Firma versprach sich in bezug auf die Geschäftsführung und wohl auch aui die bessere Beeinflussung der Handwerker große Vorteile davon. An dem Ar- beitsocrhättnis des einzelnen sollte nichts geändert werden. Im Laufe der Zstt versuchte die Firma aber, den Handwerkern die so- zialen Vergünstigungen des Tarifvertrages streitig zu- machen, so daß die inzwischen von den Handwerkern gewählle Betriebsver- tretung in energischer Weise die Rechte der. Handwerker bei den Arbeitsgerichten vertreten mußte. Kurz vor Weihnachten 1923 teilten die Geschäftsführer der Handwerksbetriebsgesellschaft in den Filialen Königstraße, Moritz- platz und Rosenthaler Straße den dort beschäftigten Handwerkern mit. daß sie nunmehr wieder zum Stammhausjjehörlen. Die HTG. bestand somtt nur noch in der Leipziger Straße. Die abge- kennten Handwerker waren dem Einfluß des Handwerker- Betricos- rotes entzogen, was der Zweck der Hebung war. Ein Jahr später forderte man die Tischler im Stammhaus ouf. sofort selbst ih reKündigung einzureichen und bei A. Wcrtheim wieder einzutreten. Obwohl die Tischler von Wertheim vollkommen neu wiedereingestellt wurden, ergaben sich keine große Schwierigkeiten, und so versuchte man dieselbe Aktion bei den Metallarbeitern. Hier war die Sache aber nicht so leicht. Die Metallarbeiter erkannten sofort, daß es der Firma lediglich darauf ankam, durch eine Verteilung der Handwerker aui einzelne Vetricbsgruppcn oen mißliebig gewordenen Betriebsrot koft zu stellen. Sie verlangten daher, daß vor ihrem Uebertritt ihr« alten Rechte durch die Firma gesichert werden. In einer Versammlung, die am Montagabend stattfand, beschlossen sie, zur Firma A. Wertheim überzutreten, um zu ver- suchen, auch im neuen Arbeitsverhältnis wieder«me leiftmtgsfähige Betriebsvertretung zu schaffen. Die Bersaminlung, die auch von Handwerkern anderer Berussgruppen zahlreich besucht war, nahm im übrigen zu den kommenden Dingen eine abwartende Stellung ein, die in folgender Resolution festgelegt wurde:„Die im Mctallarbeiterocrbandshaus versammelten Handwerker der Firma A. Wcrtheim und der Handwerksbetriebs-G. m. b.H. sehen in den Maßnahmen beider Firmen einen versteckten Angriff gegen die Be- triebsvertretungen. Die Facharbeiter werden die weitere Personal- Politik beider Firmen abwarten, um gegebenenfalls ihre Stellung danach einrichten zu können."__ Geschäftsführer gegen Betriebsrat. Als die Flei-schwerke Hobrechtsfelde(TeWettieb der Stodtgüter) Ansang November o. I. vom Gewerbegericht verurteilt wurden, den rechtswidrig entlassenen Betriebsratsvor. sitzenden wieder einzustellen, da erklärt« der Geschäfts- führer Schumacher an Gertchtsftelle:„Dem Urteil muß ich mich fügen, aber ich werde versuchen, ihn wieder rauszu» kriegen." Mit diesem Versuch Hot Herr Schumacher denn auch als- bald begonnen. Der erste Schritt, den er tat, um den ihm un belieb- ten Betriebsratsvorsitzenden bei passender Gelezenheit ohne viel Uin- stände rauszukriegen, war«in?lnttag beim Gewerbeger cht, der da- hin ging, den Betriebsratsvorsitzenden seiner Mit- gliedschask im Betriebsratzu entheben.— Vegriinh?! wurde d'eser Antrag damit, der Vetriebsratsvarsit-ende habe seif.« Pflichten gröblich verletzt, indem er Arbeiter des Betriebes zu ver, anlassen versucht hake, notwendig« Uebcrstunden nicht zu leisten. Der Borfall, aus dem dem Betriebsratsvorsitzenden ein Strick gedreht werden sollte, war folgender: In einer Abteilung des Betriebes waren Bockwürste für ein« städtische Anstalt anzufertigen. Weil die dazu erforderlichen Därme erst mit erboblicher Verspätung eiittraien, mußien an dem betreffen» den Tage Ueberstund-en gemacht werden. Der in einer anderen Ab, teilung beschäftigte Betriebsratsvorsitzende war der Meinung, die Ueherftunden feien nicht notwndig gewesen. Deshalb sagte er am sollenden Tage zu einem der betreffenden Arbeiter, er hätte dl« Ucber- stunden nicht machen sollen. Als er bald darauf den wahren Sach- verhalt erfuhr, widerrief er sein« Aeußerung, indem er sagte: „Hätte ich gewußt, daß die Därme so spät«ingettoffen find, dann hätte ich nicht gesagt, ihr sollt keine U eberstunden machen." Daß der Bet'riebsratsvorsitzende begründeten Anlaß hat, hinsichtlich der Ueberstunden ein wachsames Auge zu haben, und daß in Hobrechtsfelde auch lleberstuntcn gemacht roerden. die nicht unbedingt notwendig sind, die über die zulässig« Anzahl hinausgehen, bewies die Angab« eines Zeugen, der manchmal 19 bis 17 Ueberstunden in einer Woche gemacht hat. Das Ge werbegericht wies den Antrag der F l« i s ch w c r k e k o st« n p f l i ch t i g a b. Der Betriebsratsvorsitzende bleibt also im Amt, der Vorstoß des Geschäftsführers ist für diesmal mißglückt. Bcrantwzrtlich für Dolilii: Kruft Sleater: Wirtschaft i. B.: I. Siriaer; SewerlschaftsbrwcMna: Z. Striarr! ffeailtctoa; St. K. DSfchet; Lolal« und eonftiac«: Kttf) Karstadt: Aazeiaan: Sch, Stocke: sämtlich in Berlin. Berlaq: Joripäits-Lerlaa S. m. b. H.. Berlin. Druck: Bormitrts-Buchdruckarei and Berlaasaassalt Paul Singer u Co.. Berlin EW 69. LindenlNrssc 2. Siuza 1 Beilage and„Uaterhaltaag and Bissen'. Kr. 1S�42.?ahrgaag I. Beilage ües Vorwärts vom pmöelfthlag üer Zeit. Mittwoch, 7. Januar 1�25 rf Das seltsame Etwas, das wir Zeit nennen, hat der Menschheit schon unendliches Kopfzerbrechen gemacht. Seitdem wir gelernt haben, unser Leben im Rhythmus der Sekunden zu regeln, seitdem der brutale Sag»Zeit ist Geld" immer mehr Herrschaft gewinnt, sind wir. die wir die Zeit fast absolut zu messen verstehen zu ihren Slloveu geworden. Eine halbe Sekunde zu spiu aus dem'Bahnhos, und der Zug. der uns in die Ferne führen sollte, ist uns entglitten. Eine Sekunde zu spät am Eingang der Fabrik macht sich am Wochen- ende in der Lohnabrechnung unangenehm bemerkbar. Fast scheint es. als ob die Zeit zur Tyrannin geworden sei, die alles in ihren Bann zwingt. vke Aeit in Europa. Es war ein historischer Augenblick, als im Jahre 1872 vor dem Kammergericht in der Lindenstrahe die erste Berliner Normaluhr Leben bekam, jene Uhr, die heute»och den Herzschlag der Sekunden zeigt, �während ihre Schwester», die nach ihr entstanden, und aus dem>spittelmarkt, Potsdamer Plag, Lügowplatz, Moritzplog, Hacke- schen Markt und am Oranienburger Tor zu finden waren, längst anderen Zeitmeßgeräten Plag gemacht haben. Diese Uhren wurden durch die Sternwarte am Eackeplalz, die unter Leitung des Pro- festors Förster stand, reguliert. Die astronomische Zeit ist be- kannllich nur für diejenigen Orte gleich, die aus der gleichen Mittags- linie, dem gleichen Meridian liegen, so dost, wenn wir von irgend- einem Punkt nach Westen oder nach Osten» wandern, sich die Zeit» angabe ständig verändern muß. Um diesem Uebelstand zu begegnen, ist man übereingekommen, die Zeit systematisch dadurch zu regeln, daß man nicht jedem beliebigen Ort seine eigene Zeitangabe gestattete. Die Engländer haben bekanntlich den Meridian von Greenwlch als Rullmeridian gepachtet. Di« an ihm beobachtete Mittagszeit gilt für (T rohbritannien. Belgien, Holland. Portugal. Spanien, Frankreich als westeuropäische Zeil. Zünszehn Langengrad« östlich von Greenwich Wer in Berlin den Uhrentakt bestimmt! gesiedelt. Dort beobachtet der Astronom an einem grasten Fernrohr. dem sogenannten Passage- oder Meridianinslrument, den Durchgang eines bestimmten Sternes in dem Fadenkreuz des Fernrohrs, das genau auf der Linie des Meridians steht. Zn dem Augenblick des Sterndurchgangs schlieht er einen Kontakt, der aus einem Papier- streifen, der durch eine genau laufenden Uhr angetrieben wird, einen Punkt zeichnet. Diese Uhr zeichnet auch ihrerseits in bestimmten Zeitabschnitten Punkte aus den KoMrollpapierstreisen, so dost nun um die Mittagszeit durch Vergleichen dos Vor- oder Nachgehen der Uhr festgestellt werden kann. Normalzeit in Serlin. Die heute in Berlin geltende„Jtornialzdf' wird durch diese genaue astronomische Beobachtung in Reubabelsberg reguliert und durchs die von Nauen ausgesandten Zeitsignole, die bekanntlich von der Seewarte in Hamburg gesteuert werden, kontrolliert. Die Ber- Die alte Uhr am Kammergerlcbt sieat der Meridian, der seinen Namen von Slargard in Pommern er- hallen hat. nach dem die mitteleuropäische Zeit, die unser Dasein regell, bestimmt wird. Und wieder 15 Grade weiter östlich liegt die Mittagslinie für die in Osteuropa geltende Zeit. Die Sternwarte am Euckeplatz ist längst verschwunden und noch Neubabelsberg über- Die neuen Straßenubren liner»Normalzeitzentrale" ist in der Charlottenstraße 7. Dort steht in einem Raum neben vielen anderen Uhren eine sogenannte »Mutteruhr", die mit einem gewönllchen Pendelwerk ausgerüstet ist, ober von der astronomischen Normaluhr in Neubabelsberg gesteuert wird. Eine fast 40 Kilometer lange Drahtleitung überträgt die regu- lierenden Stromstöhe in der Weise, daß die Mmteruhr in der Char- lottenstrostc alle 2 Sekunden reguliert wird. Ein Magnet, der unter dem Pendel der Mutteruhr ruht, bremst oder beschleunigt das Pen- del, so dost die Pendelschwingungen der Uhr in Neubabelsberg und der in Charlottenstraße ständig parallel sind. Ii» ganzen sind hier in der Charlottenstraste vier Mutteruhren aufgestellt, von denen jede (54 Uhrenanlagen reguliert. In Gfvß-Berün sind außerdem fünf weitere Normal zeitzenlralen eingerichtet, die von der Charlottenstraße aus gesteuert werden. Jeden Morgen um 7 Uhr 57 Minuten reguliert die Hauptuhr aus dem Schlesischen Bahnhos. ebenfalls von der Charlottenstraße aus bevormundet, sämtliche Bahnhossuhren Deutschlands. In ähnlicher Weise gibt die Zentrale Charlottenstraße die genaue Zeil nach dem haupttelegroph-namt in der Oranieuburger Straße, die dann den Postuhren Deutschlands die richtige Zeit über- mittelt. In Berlin selbst aber sind zahlreiche Privatuhren in Fa- briten, Geschäften, Hotels usw. an die Normalzeitzentralen angeschlossen, so daß man mit Recht sagen kann, daß die Uhrenpendel von Neubabelsberg und in der Charlottenstraße den Takt zu den brausenden Klängen des Groststadtlebeiis schlagen. Die angeschlossenen Hauptuhren sind mit gercöhn'ichein Pendelwerk ousgeaiiiet und werden alle 4 Stunden reguliert. An der Mutteruhr ist ein kontakl- rad momiert, das lb Zähne befihl, und das in der Stunde einmal umläuft. Alle zwei Minuten wird ein Strom geschlossen und dann um 1% Minuten unterbrochen, d. h. in jeweils Z?, Minuten kann eine der 64 an die Mutteruhr angeschlossenen Uhren reguliert wer- den. Da. wie erwähnt, die Regulierung der Hauptuhren alle 4 Stun- den erfolgt, so können eben 4 mal 16 gleich 64 Uhrenanlagen von erver Mutteruhr aus bedient werden. In den Stromkreis der Mutteruhr sind Elektroinagneten eingeschaltet, an deren Ankern Nadeln befestigt sind, die bei der Regulierung der angeschlossenen Hauptuhr aus einen mit bestimmter Geschwindigkeit ablausenden Papierstreisen eine» Punkt einstechen. Aus der Lage dieses Punktes kann man in der Zentrale den Gang der angeschlossenen Hauptuhr feststellen. Diese automatische Rückmeldung gestattet eine ständige Kontrolle sämtlicher Berliner Normaluhren. Alle Uhren sind nur durch einen Draht mit ihrer Zentrale verbunden, da als Strom- rückleitung die Erde benutzt wird. Bei enirr elektrischen Leitungs störung laufen alle Uhren, da sie mit Peadeiwerk ausgestattet siiid, weiter und können nach Beseitigung der Störung, die' niemals lange dauern kann, ohne weiteres automatisch re j'.iliert werden. In großen Fabriken schließt man die von der Zentrale regulierte Hauptuhr nur elektrisch betriebenen, also ohne eigenes Pendelwerk arbeitenden Nebenuhren an. so daß hierdurch die gesamte Anlage wesentlich verbilligt werden kann. Durch ein Abkommen mit der Reichsposl stehen der Normalzeitgesellichast gegen Miete die zur Regulierung von Uhren notwendig werdende» Leitungen zur Veriügung, so dost die Verlegung eigener Leitungen nicht nötig ist, wodurch der Vetriel, sich Natürlich wesentlich verbilligt. Städtische Uhren können zudem über die elektrische Feuermeldeleitung angeschlossen werden. Das Zeitzeichen von Nauen. ««21 mtU t__.....'f......... ff™, V........ v.• •ie,9* 7... IfatMfaiJMk. -»«,*'—________ ■itS*_______________ In neuerer Zeit ist dieser Uhrenregulierung, die in ihrer Art vollendet ist, ein Konkurrent durch den Rundfuntdienst entstanden. Die Rundsunkjender übertragen das jeweils um 12 Uhr mittags Greenwicher Zeit, d. h. also 1 Uhr nachmittags mitteleuropäischer Zeit, beendete Zeitsignal von Nauen. Es wäre zu wünschen, daß dieses mit fast absoluter Genauigkeit gegebene Signal, das in Mitteleuropa um 12 Uhr öö Minuten mittags und auch nachts beginnt, auch bei den Rundfunkteilnehmern die Beachtung sände, die es verdient. In der Minute von 12 Uhr>, bis 12 Uhr-56 wird zwanzigmal der Buchstabe y,..., gesuntt Dann iolgt eine Pause von etwa 15 Sekunden, auf di« dann das Anrufzeichest--.—, das Kennwort der Station Nauen POZ, .——.---;--.., und die Buchstaben GZ, d. h. mittlere Greenwicher Zeit,----.--.., durchgegebe» wixd. Nach einer kleinen Pause bis zum Ende dieser Minuten jetzt Punkt 12,5? Uhr das Senden des Buchstaben x,—..—, ein. der 50 Sekunden lang ertönt. Drei Striche beenden diese Minute, nach Verhallen des letzten Striches ist es genau 12,58 Uhr. V»n 12,58 Uhr sb wird fünfmal das Zeichen n.— gegeben, und zwar so. daß der Punkt genau«n Ende jeder 10. Sekunde«rtönl. Das fünfte» beschließt also die 50. Sekunde. Es iolgen wieder die drei Schlußstriche, deren letzter diesmal anzeigt, dast es genau 12,50 Uhr ist. Nun solgi wieder in Abständen von je 10 Sekunden iünsinal das Zeichen g, --., dessen Punkt ebenfalls jedesmal die zehnte Sekunde l>e- $7] Der Mittelweg. von Sir Philip Gibbs. 48. Moskau bei Tage war schmutziger, aber heiterer als Moskau bei Rächt. Der Äreml von Bertrams Quartier im Palaste des Zuckerkönigs gesehen, war auch bei Sonnenschein wohl impo- sant und funkelnd, aber nicht mehr so geheimnisvoll und phantastisch wie beim ersten Anblick im Mondlicht. Die Straßen waren nicht mehr öde, sondern wimmelten von allen Arten des russischen Volkes, auch Asiaten dazwischen, so wie diese Bevölkerung nach einer Revolution, welche die reichste, üppigste und korrupteste Aristokratie Europas vernichtet hatte, heute aussah. Geographisch zu Europa gehörend, aber orientalisch im Charakter und Rasse. Es brauchte nicht erst Christys Bemerkung:„Dies ist eben der Osten Pnd nicht der Westen, und das erklärt Vieles." �um Bertram das erkennen zu lassen. Viele in Moskaus Straßen waren östliche Typen: Slaven, Tartaren. Semiten. Der typische russische Bauer war stroh- blond und blauäugig, aber die eigentümliche Formation der Backenknochen gehörte nicht dem Westen an. Mongolen. Männer vom Kaukasus, Kosaken vom Don, alles drängte sich in dieser bunten Menge- Sie waren meistens in chrer Kleidung oagabundenmäßig. Lumpen, zerrissene Stiesel ließ sie alle derselben Klasse zuge- hörig erscheinen. Rur die Rote Armee sah besser gehalten aus als die anderen, nicht ganz so vernachlässigt. Bei der schon einsetzenden Herbstkältc waren die meisten bis über die Ohren mit Tüchern oder Pelzen vermummt, und die. welche kein Schuhwerk hatten, trugen die Beine irgendwie umwickelt und hatten sich Sandalen oder auch nur Stücke Holz unter die Sohlen geschnallt, womit sie in der Nässe und dem Schmutz ganz gut auszukommen schienen. In den Gesichtern her Vorübergehenden war kein ficht» liches Zeichen von Hunger zu bemerken, und besonders die Kinder sahen gut genährt und gesund aus. „Hier herrscht noch keine Hungersnot— bis jetzt!" sagte Christy.„Moskau ist der Sitz der Nerwoltung und vollge- pfropft mit Sowjetbeamten. Denen aber stehen die Vorräte offen, lind die Kinder bekommen zuerst. Das muß man schon sagen." Christy schien mit seiner Gerechtigkeit betreffs der Sowjet- republik manchmal etwas zu weit zu geben. Aber er hatte die Theorie des Bolschewismus und ihre Ausübung gründlich und mit Verständnis erforscht. Und— theoretisch— hatte nach seiner Ansicht die kommunistische Idee manches für sich. Was war sie anders, als eine fanatische Auflehnung gegen die Verbrechen, deren sich Kapitalismus und Individualismus, das Sweater-System und die Schieber, Kriegsgewinnler und Trusts und schließlich die Korrumpiertheit und Grausam» leiten der herrschenden Klasse schuldig gemacht hatten? „3a. ja, Pollard, das alles können wir nicht ableugnen. Es steht nicht alles zum Besten mit der westlichen Zivilisation. Sie stinkt nach Schlechtigkeit." In der Theorie war das Sowjetsystem verblüffend ein- fach. Als Entlohnung für seine. Arbeit im Dienste des Staates sollte jeder Bürger nicht nur die nötigen Lebensbedürfnisie vom Staate erhalten, jondern freie Ausbildung, freien Genuß der Künste und Vergnügungen. „Und wie hat sich diese Theorie in der Praxis bewährt?" fragte Pollard. „Gar nicht! Hoffnungslos versagt! Es ist ein höllischer Bankerott geworden. Sie geben, natürlich mit Einschränkun- gen, das absolute Versagen zu. Hauptsächlich die Bauern wollten sich nicht fügen. Wenn die Soldaten der Roten Armee kamen, um die Lcbensmiltel zu„requisitionieren", so sagte der Bauer:„Was? Warum soll ich säen, damit der andere erntet?" und versteckte entweder die Produkte seiner Arbeit oder verkaufte sie hinten herum. Wenn'S herauskam, wurde er erschossen. Als zu viele erschossen wurden, hörten die an- deren auf, ihr Feld zu bebauen, ja, verbrannten ihr Ge- treibe! Als die Nahrungsmittel ausblieben, streikten die Arbeiter und Berkehrsbeamten. Das Transportsystem brach ebenfalls zusammen. Und so griff eins ins andere, um den Ruin her- beizuführen. „Wieviel Schuld trägt der Bolschewismus an der Hungersnot?" � Christy dachte nach:„Zunächst ist die sortgesetzte Dürre die Ursache. Aber daß der Mangel so groß werden konnte, siegt auch am System. Dürre und Mißernten gab's früher auch. Aber früher behielt der Bauer fein Saatgetreide, und kam die Dürre, war Vorrat da. Das hat er unter dem Bol- schewismus nicht mehr können. Insofern also hat der Bol- schewismus schuld, sonst nicht. Man muß gerecht sein." „Sie sind für meinen Geschmack zu verdammt gerecht. Christy! Und was sagen Sie zu den unmenschlichen Grau- samkeiten, zu dem Blutvergießen, zu den chinesischen Tor turen?" Christy sprach nur ganz leise, denn das Gespräch fand im Palaste drs Zuckerkönigs statt.„Das entzieht sich»meiner persönlichen Kenntnis. Die Tscheka bewahrt ihre Geheimnisse gut. Ja, es find viele Hinrichtungen vorgenommen worden, gleich in ganzen Scharen, Männer und Frauen. Vielleicht haben im östlichen Rußland Mongolen die schmutzigste Arbeit getan. Aber— alle Regierungen, beson ders zur Zeit von Revolutionen, sind gegen die Gegner er- barmungslos. Und deshalb ist die Schreckensherrschaft gegei, alle Verschwörer und Bekämpser der Revolution angewendet worden. Wieder war es Furcht, die sie grausam machte Jetzt ist die Gegenrevolution niedergeschlagen und der Terror hat nachgelassen." .Und warum gibt es keinx Konterrevolutionen mehr?" „Weil den Leuten das Blutvergießen schon über ist. Das Spiel ist zu gefährlich. Und Rußland ist so schwer getroffen, daß auch die Gegner glauben, daß der Sturz der Sowjet- republik für Rußland der letzte Schlag wäre. Sie funktioniert dock) wenigstens einigermaßen. Dann und wann geht doch ein Zug. Etwas Vorräte bekommt man von den Bauern, etwas Saatgetreide wird an die Wolga geschickt. Die Re gierung arbeitet und— sie hat den Kommunismus aufge- geben. Lenin hat eingesehen, daß sein System nicht anwend- bar ist. Er hat das Privateigentum und das Recht auf Privatgeschäfte zurückerstattet. Sie sind gerade zu rechter Zell gekommen, Bertram, um dem Ucbergangc vom Kommu- nismus zum Kapitalismus beizuwohnen.» Diese Stadt ist stir den, der offene Augen hat. ein Melodrama."„ Bertram hatte offene Augen und offene Ohren auch. Er konnte jetzt das russische Leben nach eigener Beobachtung studieren, und mit vollem Eiser tauchte er darin unter. 4S. Er sah etwas von dem sich abspielenden Melodrama am dem Moskauer Trubnaya-Markt, welcher auf Lenins neuen Erlaß. Privatgeschäfte wieder zu gestatten, eröffnet worden war. Früher stand auf solchen privaten Geschäften Gefängnis- strafe oder sogar der Tod. Bertram wanderte auf diesem Markte mit seinen hölzernen Buden umher. Die Häuser ringsherum trugen Kugelspuren und waren beschädigte Die Bauen: in ihren Schasspelzen hielten jetzt wieder ungestraft ihre Lebensinittel feil, und wer genug Bündel Papiergeld hatte, brauchte nicht mehr zu hungern.(Fortsetzung folgt.) schließt. Endlich ertönen wieder drei Striche, deren leßter genau um l Uhr oerhallt. Zur Bestätigung der Richtigkeit der Zeitmeldung erfolgt josort das internationale Schlußzeichen Punkt, Strich, Punkt, Strich. Punkt. Eine Minute nach l Uhr pflegt dann der Sprecher des Berliner Rundfunksenders»och besonders anzusagen. Di« mehr- mals am Tage vom Sprecher der Funkstunde angesagte Zeit nach der..astronomischen Aiidreas-Huber-Uhr" kann sich in keiner Hin- sich mit der Zeitangabe von Nauen vergleichen. Ost werden, wenn man große Ansprüche an die Genauigkeit stellt, sehr erhebliche Disle- rcnzcn zu finden sein. Vielleicht überlegt es sich die Sendegcsellschast in Berlin doch noch und saat die Zeil nach».-n wirklichen astrono- inischcn Beobachtungen in Neubabelsberg an. Es ist nicht einzu- sehen, warum eine Einrichtung von so großer Bedeutung wie der Rundfunk in dezuz auf die Normalzeit aus der Reihe tanzen soll. Vielleicht läßt es sich auch ermöglichen, ein bestimmtes Zeichen, das ähnlich wie das von Nauen, aber doch wesentlich einfacher wäre, zu finden, das eine sehr genaue Einstellung der Uhren bei jeder Zeit- migabe, inbesondere für diejenigen gestattet, die nicht Gelegenheit I>oben, das Rauener Zeitzeichen abzuhören. r.i Von der Sonnenuhr zur Normalzeit führte ein Tausende von Iahren langer Weg. Es schließt in sich ein das Ringen der Mensch« heit um Erkenntnis und Vervollkommnung. Auviei Milch in Serlin? sie wird verbuttert oder fortgegoffen. Wie uns vom„Deutschen Verkehrsbund" mitgeteilt wird, haben sich durch die wucherischen Milchpreise in Berlin unerhörte Zustände herausgebildet. Die Berliner Meiereien erklären, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen vor dem Zusammen- b r u ch stehen, da sie die größten Schwierigkeiten haben, die Milch, die nach Berlin kommt, abzu» festen. Sie müssen sie zum großen Teil verbuttern, und es ist vor- gekommen, daß Magermilch in großen Mengen in die Kanals- sation gegossen werden muhte, weil sie nicht abgesetzt werden konnte. Die Meiereien weigern sich nicht nur, die Löhne der Arbeiter den Teuerungsoerhältnisien anzupassen, sie planen teilweise sogar einen Abbau der Löhne, die heute schon so gering sind, daß sich die Arbeiter selber die Milch nicht kaufen können. Die Wurzel des Uebcls, das sich nachgerade zu einem Siandal ausgewachsen hat, liegt bekanntlich in der P r e i s s e st s e tz u n g s k o m m i s s t o n. Die Vertreter der LandwirtschaslSkammer weigern sich, mit den wucherischen Preisen herunterzugehen. Dadurch ist ein Zustand ein- getreten, nach dem es scheinen niag, daß gegenwärtig nach Berlin zuviel Milch kommt. Tatsächlich kommt zu wenig Milch, wenn der Bedarf der Bevölkerung wirklich gedeckt werden soll. Mit dem Skandal, daß Milch sortgegossen werden muh, weil die große Malle der Bevölkerung nicht in der Lage ist, den Preis dafür aufzubringen, muß endlich Schluß gemacht werden. Weil sie sangen...! Tragischer Ausgang eine» harmlosen vergnügen». Am lll. November IM-l war eine größere Anzahl von Personen in einem Lokal der Frnnstraßc bei einem Vergnügen zusammen, das aber einen traurigen Abschluß nahm. Beim Derlasien des Lokals war man in sehr vergnügter Stimmung. Unter den Teilnehmern befanden sich drei Brüder Lehniann und die Frau des einen stimmte auf der Straße das Lied an:„Ich weih nicht, was soll»e bedeuten". Vielstimmig fielen die anderen m den Gesang«in. Durch den Gesang tvurde«ine Schupostreise herbeigelockt. Der Polizeiwochtmeister Gelmroth untersagte den Gesang, den er als ..ruhestörenden Lärm" bezeichnet«. Karl Lehmann erwiderte ihm jedoch schroff:„Kümmert euch um Verbrecher, aber laßt uns Arbeiter singen." Der Beamte sorderte ihn daraufhin aus, niil zur Wache zu gehen. Lehmann weigert« sich jedoch. Ms der Beamte ihn nun an den Arm faßte, um ihn, 5) a n d- feffcln anzulegen, griff fein Bruder� der Schleifer Otto Lehmann, ein und erklärt«:„Wo metn Bruder bleibt, bleibe auch ich." Der dritte Bruder Willi Lehmann versetzt« dem Beamten einen Schlag, so daß die Kopfbedeckuna zu Boden fiel. Der von ollen, Seiten bedrohte Beamte zog min das Seitengewehr und wehrte sich daniil. In diesem Augenblick kmn ihm fein Kamerod, der Wacht- Meister Kail Ich zu Hilfe und die drei Brüder ließen nun von Gelm- rolh ab und stürzten sich auf den anderen, der zu Boden geworfen wurde. Gelmroth zog jetzt seinen Dienstrevolver und gab mehrere Schüsse ab, durch die dl e Brüder Karl und Willi Lehmann gejätet wurden. Der überlebende Otto Lehmann erhielt ein« Anklage wegen Widerstandes gegen die Daatsgewalt und wurde vom Schöffengericht auch wegen Widerstandes in zwei Fällen zu drei Monaten Gefängnis venirleilt. Gegen dieses Urteil hatte Rechlsanwalt Theodor Liebknecht Berufung»in- gelegt.»Der Angeklagte bestritt in der erneuten Berhandtung, daß er die Beamten angefaßt Hab« oder sich irgendwie an der Schläger«! beteiligt Hab«. Seine Angaben wurden auch durch fein« Ehefrau und einen Freund unterstützt. Demgegenüber blieb aber der Wacht- meister Gelmroth mit Bestimmtheit dabei, daß'der Angeklagt« hcf. tigsten Widerstand geleistet habe. Der zweite Beamte Kalisch ist seit der ersten Verhandlung ums Lebe» gekommen, da er bei einem Kampf niit Einbrechern ersthoisen wurde. Dagegen bekundete ein weiterer Polizeibeomter, der erst später dazugekommen war, daß der Mantel des Kaiisch vollkommen mit Erd« beschmutzt war woraus liervorging. daß Kolisch aus die Erde geworfen sein mußte. Die Berusungsstraskammer des Landgerichis I kam auch zu der Ueber- zeugung. daß Gelmroth in berechtigter Notwehr zur Waffe gi- griffen habe, um seinem bedrohten Kameraden zu Hilfe zu kommen. Die Gerichte müßten die Beamten, die in j«i«n gefährlichen Gegenden einen schweren Stand haben, gegen Ausschreitungen des Publi- kums schützen. Da» Gericht kam im Gegensatz zu dem Vorderrichter zu der Pussassung daß nicht zwei Fälle des Widerstandes vorlägen, lvndern nur eine ivrtgesetzte Handlung, erkannte jedoch ebenfalls auf drei Monate Gefängnis. Aufklärung«aheimlichcr Peufivuatsdiebstähle. Rätselhafte Diebstähle wurden seit einiger Zeit in de» Pen» iionatenin Berlin W. und zuletzt ouchin derFriedrich- st a d t verübt. Aus Zimmern in der Nähe der Emgangstüren ver- Ich wandeil wertvoll« Schmucksachen und K'leiÖimgsfrticfe. Die Diebe hatten jedesmal nur wenig« Minuten Zeil gehabt. Man kannte nicht recht glauben, daß si� von draußen hereingekommen sein sollten, und so fiel der Verdacht immer aus andere Gäste oder aus Ange- stellt« der Panswnale, und doch waren es fremde Diebe, die mit im- lximlicher Schnelligkeit und Geräuschtosigkeit eindrangen und wieder oerschwanden. Und zwar rooren es, wi« die Kriminalpolizei jetzt festgestellt hat, Spezialisten, die wertvolle Beut« mochten. So stahlen sie einem ausländisch-:» Diplomaten säst die ganze Garderobe. Als einer der Täter wurde ein 25 Jahre alter aus Köln gebürtiger be- russloser Hermann Lindlau. ein Spezialist auf diesem Gebiete, fest, gestellt. Er war aber in Berlin nicht zb finden. Jetzt ist es g«. lungen, ihn in feiner Heimat Köln mit seiner Frau Gertrud zu er- mittel». Beide wurden dort festgenommen. Der neue Droschtentarif. Nachdem dl« langwierigen Verhandlungen zwischen den Berliner Droschkenbesitzern und den Behörden nunmehr zum Ab- jchluß gelangt sind, ist der neu« Droschkenlarif festgesetzt. Dieser Tarif tritt Sonnabend, III. Januar, in Kraft und bringt eine Verbillig u'ng der bisherigen Sätze um ungefähr ein Viertel. Die Bestimmungen über die am meisten benutzte Tax« 1 besagen solgendes: Don den Pferde- und Kraftdroschken sind für die vom Fahrpreisanzeiger angezeigte Grundgebühr von 7 l) P f.-tlX) Meter, fiir jede weitere 10 Pf. 200 Meter zu fahren. Diese Taxe findet Anwendung bei Beförderung von ein bis zwei erwachsenen Personeii innerhalb des auf dem amtlichen Wegemejser als Zone 1 und 2 bezeichneten Gebietes und im Gebiet des Poli.zeiamtes Spandau und Zehlendorf oder eines anderen Verwaltungsbezirkes der Zone 8. In der Zone 3 werden für 70 Pf. 300 Meter und für je 10 Pf. 150 weiter« Meter gefahxen. Bei Nachtfahrten findet für 1—2 Personen d!« Tax« der Zone 3 Anwendung. Beförderung von Gegenständen im Gewicht von 20— 50 Pfund kosten 25 Ps., ein Hund 25 Pf. Kleindroschken ssowlchl drei- als auch vierrädrige) fahren 25 Proz billiger als die anderen Kraftdrolchten. Bei Fahrten durch den Grüne- w a l d ist der Drofchkeirführer verpflichtet, den Fahrgast zu be- fragen, ob er die Beniitzung der Automobilstraße wünscht. Bei Be- jc-hung hat der Fahrgast die Gebühr zu entrichten. Unterschlagene Nunüfunkgedühren. Beamten soll keine Bewährungsfrist gewährt werden. Um 14 M. hat der Postbeamte Ba«ck«r Stellung und Ehw aufs Spiel gesetzt. Er hatte als Briefträger die Rundfunkgebühren ein- zuziehen und in sieden Fällen Beträge von je 2 M. nicht abgeliefert. In Ne Stammkarten hatte«r keinen Vermerk gemacht, teilweise auch e-ingelragen:.nicht angetroffen". Das Schöffengericht Wedding verurteilte Baecker deshalb zu neun Monaten Gefängnis und sprach ihm auf drei Icchr« die Fähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes ab. Eine Stvafoussetzimg wurde vom Gericht grundsätzlich abgelehnt. Land- gerichtsdirektor Fried mann vertrat in der Urteils- legründung den Standpunkt, daß es in einer Zeit, in der die fckiwersten Verfehlungen von Beamten zur Tageserfcheinung ge- worden sind, grundfalsch wäre, einem Beamten B e- Währungsfrist zu gewähren. Es müsse wieder in den Be- emtei stand der alt« Geist einziehen, so daß die Verfehlung eines Beatnlen zu den Ausnahmen gehört. Eines der Mittel dazu sei. daß die Gericht« mit den strengsten Maßnahmen gegen Verfehlungen von Beamten einschreiten und die Strafaussetzung atlchnen. 5)ent« erscheinen viele Angeklagte vor Gericht in der be- stimmten Erwartung, daß sie doch Stnasaussetzung ertia'ten würden. Dadurch müsse die Achtung vor dem Gesttz und die Scheu vor Straf« scho»inden. Leider läßt diese scharfe und energische Stellungnahme jedes Eingehen auf die soziale und ökonomische Lage des Briefträgers vermissen. Ohne soziologische Cinstel- lung ist eine moderne Justiz überhaupt nicht denkbar. Aus diesem Grunde wird man sehr wohl verlangen dürfen und müssen, daß auch den Beamten die Wohltat der Bewährungsfrist zuteil wird. Im Rausch! Unglücksfälle, keine Verbrechen. Zwei unauigekiärte Todesfälle beschäftigten seit einigen Tagen die Kriminalpolizei. In der Cheruskerstrahe zu Echöncbera wurde die 58 Jahre alte Hauseigcntümerin Witwe Latsch in ihrer Wohnung mit schweren Brandwunden tot aiisgesunden. Sic war abends schwer betrunken nach Hause gekommen und von der Pförtnersfrau zu Bett gebracht worden. Hausgenossen äußerte» der Mordkommission ihren Verdacht, daß ein Verbrechen vorliege, weil sie in der Nacht Männertrittc in der Woh- n u n g gehört haben wollten. Die Mordkommission hat jedoch fest- gestellt, daß die starke, korpulente Frau selber einen so schweren Tritt hatte, daß er sehr wohl mit Männertritten verwechselt werden konnte. Sie ermittelte weiterhin, daß die Frau am Nachmittag und Abend vor ihrem Tode nicht weniger als zwei Flaschen Rotwein und vier Flaschen Kognak getrunken hatte. In diesem Zustande Hot sie eine ganze Anzahl Zündhölzer ange- steckt. Dabei ist das Sofa in Brand geraten. Die Obduktion er- gab. daß die Frau an ihren Brandwunden gestorben ist.— Der 57 Jahre alte Maurermeister Richard Raufeisen aus der Sickingenstiahe wurde am 2. Januar vormittags am Reuen Ufer in der Nähe der Sickingenbrücke als Leiche aus der Spree ge- landet. Er hatte schwere Verletzungen an der linken Stirnseite und Hautabschürfungen am Gesicht und aus der Oberfläche der Hände. Das Nasenbein war gebrochen. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß Rauscisen in der Nacht um 1% Uhr aus einem Lokal in der llsnau- straßc betrunken weggegangen war. Seine Uhr war um 2\i Uhr stehen geblieben. Man oermutete nun, daß er in der Zwischenzeit in eine Schlägerei geraten oder überfallen worden sei. Die Obduktion ergab jedoch, daß er an E r st i ck u n g gestorben war und daß die Verletzungen vom Ausschlagen aus die Steine an der Uferböschung herrühren. Rouseisen ist auf dem Heimwege oer- unglückt. Eine Schlägerei oder ein Ucbersall haben nicht statt- gesunden._ Hannover wird„Vorort"" von Verlin. Auf der vom Deutschen Aero-Lloyd mit der Imperial-Airway- Ltd. gemeinsam betriebenen StreckeLondon— Amsterdam- Hannover— Berlin wurde der bisherige Schnelligkeitsrekord geschlagen. Die reine Flugzeit betrug bei vollbel.idener Maschine mit Passagieren und Gepäck nur 4 Stunden 20 Minuten zwischen London und Berlin. Ganz besondetS hoch war die Geschwindigkeit auf der Linie Hannover— Berlin, welche in 58 Mi- nuten zurückgelegt werden konnte. Etwa 58 Minuten braucht mait.»m vom Bahnhof Zoo nach FriedrichShage n zu kommen. Di« Entfernung verlin— Hannover beträgt in Luftlinie etwa 250 Kilometer, die Entfernung Zoo— FriedrichShage« etwa 28 Kilometer. Nach Friedrich.? Hägen schaukelt man auch henke noch nicht schneller hinaus als vor 40 Jahren. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 7. Janaar. AoOcr dem üblichen TagesproKnunm; 3.30 Uhr nachm.; Die Punkprinzessin erzählt; Dänische Märchen nns der Naturwissenschaft: 1. Der Storch nnddcrKcgon- wtirm, Karl Ewald. 2. Der Nebel, Karl Ewald. 3. Die Erde lind der Komet, Karl Ewald.(Die I'unkprinzessin: Adele Eroesler). 4.30—8 Uhr abends: üntcrhaltangsniusik(Berliner Funkkapelle). • 40 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule.(Abteilung Bildungskurse). Handelskurse. Dr. jur. Magnus:.Was muß man von den Steuern wissen t* 7 Uhr abends; Vortrag Oberregierungsrat Älbrecht vom Keichsarbeitsministerinm:„Unfallvorhütung und Gewerbehygione". 7.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule.*(Abteilung Hochschulkurse). Dr. med. Adrion, Privatdozent am zahnSrzthehon Institut der Universitüt. Berlin;.Hygiene dos Mundes". 8.30 Uhr abends: Populärer Abend. 1. a) Ein Melodientraum, großes Opcrn- notpourri, E. Urbar.li, b) Was Blumen träumen. Walzer, 6. Trans- lateur. c) Traumidoale, J. Fucik(Kurt Kogozinski, Bandonion). 2. Lohongrinparodie(Fritz Langendorff, Rezitation). 3. Vogelstimmen: Zeisig und Meise— Goldammer— Gaxtcngrasmücke— Schwarzamsel— Pirol— Buchfink—.Lerche— Nachtigall— Kucknck— Wachtel— Waldtaube— Kanarienvogel(Dr. Albert Hubertus. Tiörstimmcnimitator). 4. a) Ouvertüre zu der Operette .Im Reiche des Indra", P. Lincke, b) Verschmähte Liebe, P. Linoke, c) Durch Nacht zum Licht, E. Lankieo. d) Lorclej-paraphrase, J. Nesvadba(Britzer Mandolinenklub 1820). 6. a) Mein Ideal, Marsch, Pörschmann, b) Der Rose Hochzeitstag. L. Jessel, c) In Treue fest. Tcike(Kurt Kogozinski, Bandonion). 6. Wilhelm-Teil- Parodie(Fritz Langendorff, Rezitation). 7. a) Menageriestimmen: Bär— Elefant— Löwe, b) Tierstimmen eines Bauerntiofes: Hunde— Fohlen— Esel— Ferkel— Ziegen— Schafe— Kälber — Kühe— Gänse— Entenfamilie— Küken und Oluckhenno— Truthähne— Frösche im Outsteich(Dr. Albert Hubertus. Tier- stiinmenimitator). S. a) Volksliederreigen, b) Am Mühlongrund, C. Hönze, o) Dorfsohwalben aus Oesterreich. J. Strauß. 3) Per asnera ad astra, E. Urbach(Britzer Mandolinenklub 1920). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachriohten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Das Helöentum öec Kpv.-Zührer. Eine„glänzend- verlaufene Kundgebung. Die„Rote Fahne" bringt einen Bericht über die glänzend verlaufenen Versammlungen der KPD. zur Erössnunq des Reichstages und behauptet lügnerisch, daß sie in diesen Dersammlungen einen großen Sieg errungen habe. Wie es mit diesem Sieg aussah, berichtet uns ein Besucher einer dieser Versammlungen. In der Diskussioii sprach der bekannte F i ch t in a n n. Er behauptete, es läge ein Beschluß der KPD. vor, wonach sich Parteimitglieder, die nicht mehr als zwei Jahre Frei- heitsstrafe zu erwarten haben, der Justiz stellen sollten, Ruth Fischer wolle aber die Grenze erst bei sünf Jahren gezogen wissen. Hier vergaß der Versammlungsleiter, daß er Rcdesreibeit zugesagt hatte, und entzog dem Redner das Wort. Ein Russe R u m i n o w, der über die Zustände in seinem Batcrlande sprechen wollte, wurde gleichfalls am Reden gehindert. Eine Frau, die sich zur Geschäfts- ordnung zum Wort gemeldet hatte, wurde von den Ordnern von der Tribüne geworfen. Bei den Kommunisten geht eben alles in Radau unter, auch ihre eigenen Versammlungen und ihr sogenannter„sieg". Neberfall auf eine Kontoristin. lieberfallen und beraubt wurde gestern mittag elrie Konto- ristin der Gewerkschaft der Technischen Eisen- b a h n b e a m t e n. Das junge Mädchen hatte im Auftrage der Gewertschaft vom Postscheckamt 1000 M. abgehoben und trug das Geld in«itier braunledernen Aktentasche. Als es sich wieder in das Bureau in der Lützowstraß« 56 zurückbegab und schon die Trepp« des Hauses betreten hatte, sprang ihr plötzlich ein 35— 10 Jahre alter Mann entgegen. Der Räuber kedrohlc sie mit einem großen Messer, entriß ihr be Aktentasche mit den 1000 M. und entkam. Das geraubt« Geld bestand aus lauter Fiinsmarkschsin«» in zwei Bündelt, zu je 500 M. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Werneburg im Zünmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Die Zungen Kommunisten, die in N o w a w e S ain Sonnabend wegen eine? Zusammenstoßes mit Miigliedern der Jnngdeulichen OrdenSbrudersibafl Potsdam am Bahnhof NowaweS festaenommen worden find, wurden gestern wieder aus der Hast entlasse», nach- dem die Bernrhmungen in dieier Angelegenheit abgeschlossen wurden. Die in einen, Teil der Presse verbreiteten Nachrichten über den Zusammenstoß sind in mancher V e z i e h n n g übertrieben. Den jungdiulsche» OrdcnSbrüdern ist die Fahne wieder zurück« erstattet worden. Der Lebenskunde-Unlerricht der Frühjahrsjugendwcihen soll in nächster Zeit beginnen. Aus diesem Grunde müssen alle An» in c l d u n g e n bis zum 10. Januar in den nachstehenden 2ln- Meldestellen e r s o l g t sein. Die Anmeldegebühr beträgt 5 0 P f. Die Jugendweihe findet für Groß-Derlin am 8. März im Großen Schauspielhaus statt. Die anderen Jugendweihen finden ani 2 2. März statt. ZuiwiiditkrriazMt Srok-Dcrli«. Lindeuür. 3, 2. Hof. 2 Tr. t.ginnn» U. «töffnet von S bis 4 Übt. MiltwoÄs und Steifofls von 0 bl» 7 Übt; S. Zi>I«»4. RW. 2t, Wilbtlmsl>avtn«r Str. 43 ILadin): Ä. SSnittb, N.«o. SdrKibttffr. 18 III; B. Soft, SC. 36, Sotmc Sit. 117, o. 3 Tr.: Sesilct, Irorta»,©tacRftt. 50.— Laakwih. LickNetirlb« nnb Sicolib: ffi. ffelctretteu. Lantaiib. Sborlotltnfti. 34: S> Rrllafc, Stcchib. Sicmcnsftx. 78: Stau Uuattcr. Wilmrrsbatf. Sanauet Sit. 43. Sieblnn«.— SlSSarbrra u«b»tifbcnim: �rau Nlawitt». Sdionebetfl, Boosi«l.Panlu».Stt. 7; A. Detrie. SrbBnebtrq, Sbcts- sirasie 79; A. tzaachimi. Schönebeta. Belziaer Str. 27: G. Schandt. Ztiebenau. Dachesit.».— Paukaw»ab 1». Ltelsa S. siliisi. Vanlow, Linbcuptomrirabc 58; Nonsumvetkaufsstelle» Wollanlsit. 102 und Breite Str. 18.— Zlirbrrichänbauscn: klansumbcrkaufsstellcn Kaiser-Wilbelm-Str. 79 und Naiserweg 89. Steigenüe und fallende wasier. Fulda und Werra haben der W« s e r infolg« der starken Nieder- schlage groß« Mas'ermassen zugesühtt. In Hameln stieg die Weser am Scnntag auf 3,30 Meier über 0, um gestern 4,28 Meter über 0 zu erreichen. Da die Niederichläg« heute wieder erneut eingesetzt haben, ist ein weiteres Steigen des Wassers zu er- warten. Am Rinielner Pegel stieg der Wasserstand von 2.00 auf 5 Meter.— Die Ruhr ist weiter stark gestiegen. In Mühlheim- Ruhr gab die Stadtverwaltung Anweisung zur Räumung der ge- fährdtlen Wohnungen. In Duisburg-Meckerich ist die Ruhr über den Damin getreten und überslut-t kilometeiweit das Gelände. Im Hafen von Styrum sind die Dämme schwer beschädigt. Die Eisen- bahnstiecke von Styrum nach Nnhrort ist teilweise überstutet, so das! die Züge streckenweise durch das Wasser fahren müssen. In dem Kana!baii zur Strecke Alstaden ist großer Schaden verursacht wor- den, da las Kanaibett teilweise durch Erdrutsche zerstört wurde.— Das Hochwasser der Wupper geht, wie aus Elberfeld ge- meldet wird, ununterbrochen zu:ück. Auch vom oberen Laus der Wupper wird weiteres Fallen gemeldet. Solingen und Burg sind oo m W o s sc r frei, doch ist der durch das Hechwasier an- gerichtete Schaden tn beiden Städten beträchtlich höher als zuerst angenommen. Die in Kelkerräumen aufbewahiten Borrät« sind fast vollständig vernichtet. 4- Glatte Auesahrt der vzeandampser. Die Reichszentrale für Deutsche Berkehrswetbung teilt mit, daß sämtliche Dampfer der 5)amburg-Amerika-Lini« und des Norddeutsche» Llyod ungeachtet des stürmischen Wetteis ihre Ozeanfahrten zu den sestgesetzien Z'stcn angetreten haben. Irgendwelche Behinderungen durch die Stürme sind nicht gemeldet werden_ Wahnsinnstat eines Entladenen. Hof. 0. Januar.(LLTB.) Der zum 1. Januar entlasiene frühere Kassierer S ch o e p i des hiesigen Konsumvereins drang heule in die Verkaufs/ iiud Lagerräume«in»nd richtete dort auf sämtliche Angestellte Schütte. Der Angestellte Friedrick Gebhardt. sozialdemokratischer Stadtrat, erhielt einen S w u ß in da« Gesitbt, und die Kontoristin S ch o e d e l zwei Scbüsie in den Unterleib. Die Schüsse gegen den Varsiand Jammer verfehlten ihr Ziel. Nach der Tal ging Schoepf durch ein Fenster auf da«' Dach, brachte s i ä, selbst zwei Schüsse in den Kopf bei und fiel dann in den Hot, wo er irbweiberletzt liegen blieb. Sämtliche Verletzte wurden»ach den, KraitkeiihauS gebiacbt. Mit Ausnahme der Kontoristin, die hoffnungslos daniederliegt, befinden sich die anderen außer Lebensgefahr. Sroßfeuer in einer einoleumfabrik. In der neunten Abend- stunde des Montag brach in der b-lannien Linolen», fabrik Maximiliansau, Karlsruhe Groß'e"er an?, da« in kuizer Zeit auf den ausgedehnten Kompler Übergriff Das Feuer fand an'den Linoleumvorräten, den Betriebsstoffen und Orlen reiche Nahrung. Der Materialschaden ist ungeheuer. Perionen kamen, soweit bisher 'eststebt, nicht zu Schade» Reue Banditenüberlälle in Pole«. Wie aus den Obgcb et.« gemeldet wird, würbe da» Dort Dylawka von einer 40 l ö p f i g e n Bande mitMaschinengewestren und Handgranaten Übersalle». Eö kam zu einem regeli echte» SteviingSkomps mit einer Abteilung de? Grenzkoip?, wobei jedoch die Banditen Sieger blieben und sich nach der Grenze durchschlagen konnten. Ein zweiter Urbersall fand aus da» Dorf Badowka statt, wo e« dem Grenzschutz gelang, 7 Banditen festzunehmen. t Cüif««Äai>9er< fät biefc Sabti! find <8a ä S. 8S, Sinbcnftrote 3, Partemachrichten für Groß-Serlin :tctB ob da» Beztrk»setr»tarta: i. H-!, 1 Ittp. rech», i» richtr» 7. Streit Cljattottenint«. Donners!«-!, den 8. Januar. 7 Itür, erweiterte Boritondoübunq im Zinrdaus. Limmer I. s. firci» Bltmrrsdorl. Donnerotaq. den 8. Ionuar. 8 Uhr, Cifiung des «ildunasausschusses bei Zumr. Solfteinisilie Str. 60. Vertreter der Frauen und Arbeiierju-iend find cinetcladen. U. Ättio SKculäBn. Arbettsqcincinschaft der Kinderfreund«: Donnerstag, den ». Januar. Uhr..fiufammcniunst. Neckarstr. Z. Thema:»Das Spiel- »eua bei dz: Beoussichtiauna mit den Kindern". l7. Krrio Lichtenberg. Donncrstaa. den 8. Januar. 8 Uhr, Bildungsgemeln- lchaft i» der Bibliothel Weichselstr,?S. Lichibtldervortraz. heute. Miltwoäi, den 7. Januar: Znngsozialifien.«rnppc«harlottcnburg! 8 Uhr im Dolkshaus, Rofinenfirahe. Äarl-Willcr-Abend. Die Arbeiterjugend ist«ingeladen. Morgen, Donnerstag, den S. Januar: Z». Abt. 7 Uhr FunIIionärfigung bei Denscritt. Prcn»lau-r Me« 2Z9. z<. Abt. 766.»71, 999. 1004, 1003. 1063. 109«. 1078, :188, 1104. 1156, 1148,!I44. 1168, 1165. 1146, 1137, 1135, 1167, 1183 1180, 1200,1232, 1233, 1234, 1235, 133». 1246, 1278, 1328, 1329, 1313, 1363, 1.364, 1363, 1392, 1435,1436, :«37, 1438, 1440, 1442, 146!, 149% 1514, 1518, 1519, 1524. 1528, 1532. 1539, 1588. 1594. !«0».:6U, 1642, 1684, 1636, 1677, 1632. 1695, 1698, 1701' 1769, 1788, 1797, 1810, 1861, 1378. 1892, 1896, 1921. 1924. 1928, 1932, 1918, 1915, 195«, 1959, 2401. Achtung, Abteil» ngslelte«! Holt die Gewinne der Weihnachtsverlosung ad. Bringt die Lose mit. Schickt die Februar-Programme etn. Fahrpreisermähi- oungslarten müssen abgegeben werden. Achtung, Abteilungskosflerer! Heute von 5—7 Uhr Abrechnung der Bei, tragomarrcn. Ausgabe der..Jugend voi>an'',Mitteilunosblätt«r für Januar. ArbeUsgemcinschaft Abraham heut« wieber Zagenoheim Liadenstr. 3. heute. Mittwoch, den 7. Januar, abends 7'4 Uhr: Debding: Schule Siuhcvlass. Ecke Antonstrasse. Vortrag:..Demagogen. vrrsolaung".— Südost«»eichenb-rger BierteN: Zugendhkim Aeichrnberger Strasse 66. Vortraa:..Reiseerlebnisse in England".— Faltcnberg-Alt-Glievicke: Jugendheim Am Fallend-rg ll.7. Bortrag: ,.Literaturgesch:chtr". Abteilungsmi tgliederoersammlungen: Weissense»: Jugendheim Roelckestrass«. Eck« Charlottenburger Strasse. OBcii sPeteroburger Viertelt: Juaendheim Ebertnstr. 12, ausserordentliche Mit, aliederveriammlung.— Luisenstabt: Schule Stallschreiberstr. 5t.- Lanlwitz! Schute Sckulstrosse— Tempelhos: Lvzeuin Sermaniastr. 4—6.— Ricberschön«. weide: Schule Berliner Sir. 3l.— Kaulsbors! Schule Abolfstrasse.— Lichte». berg'M.: Jugendheim Dossestr. 22. Zugeudwerbuug des Werbebezirk» Reukölln. OclfentNch« Derfamm« s? luna im Lnzcum. Berliner Skr. 10. Borirag:„Der-Sobtalirmuz in K M der Familie". Referent Dr. Mai Hodann. Vorträge, vereine nnü Versammlungen. Reichsbanner �Schwär,- Rot�vold".- Geschäft? steil« Berlin S 14. Erbastianstr. 37-38 Hos 2 Tr. Kameradschast Lichtenberg, llnt-rgruppr Mahlsdori: Miltwoch. den ____ 7. Januar, abends 8 Uhe. findet bei Anders, Bahnhofstrosse, unser« MitaUederversammiun« statt. Wegen Abvechnun« der alten Miiglicdslaricn muss jeder Kamerad erscheinen. Republiiancr willkommen�— Kameradichajt !<« Sir's01 Jtttuwtr, abends"« Uhr. im Jugendheim Köpenick wichtig«'Bor. «andsfitiuna. Kugsührer und Untergruppen müssen ucttcckti sei». Das Tom. bouttocpä übt Äi ielb«.' Abend um 8 Uhr bei Fabel. Frecheit 7.- Kamerad. schabt Tirrgarte»! Donnerstag, den 8. Januor obeud» Uhr. Mitgliede'. Versammlung in der Aula der Mädchenacm.inbeschul» Turmstr. 86. vorn 3 Tr Vortrag des Kameraden Hevc Uber..Menschen Tier« und Jagden in Afrika" Alle aktiven und pasfiven Mitglieder bade» zu erscheinen. Dhne Mitglieds. karte kein Zutritt.__ ««»»selder Leimat»»erri» Berlin 1 Gebüg», und Seekreist. Mittwoch, den 7. Iaieuar. abcno» 8 Uhr. Bercinsabend in den Akademischen Bierhallen. Dorotheenstross« 80. Ecke Cbarlmtenstrasse lNähe Bahnhof Fricdrichslrassz,. Landsleute willkommen, t. Borfissender Richard Wiechert. Paniow, Pestalozzi. ■ ranc ll».» Hr. Wirtsthast Die neue Sonnabenübörse. Den, einen die Arbeit— dem anderen das Geld. Nack) langen Jahren ist am lehten Tonnabend zum ersten Male wieder Börsenverkehr abgehalten worden. Er soll sich von jetzt ab jeden Sonnabend wiederholen und wird sich, abgesehen davon, das» er eine Stunde früher ansängt, in ungefähr denselben Formen ab- spielen wie an den übrigen Tagen der Woche. Mit besonderer Begeisterung ist die große Mehrzahl der Bankange st eilten, der Ange st eilten' von Maklern und der B ö r s e n b e h ö rd e dem Ruf zur Sonnabendbörse nicht gefolgt— im Gegensatz zu den selbständigen Bankiers, den Bank- lcitern und den Maklern, die die Neuerung mit Genugtuung bc- grüßen. Denn als Endeffekt verbleibt den elfteren die er- höhte Arbeit, den letzteren aber der g e'st i c g c n e G e- w i n n. Will man der Wahrheit die Ehre geben, so muß allerdings anerkannt werden, daß die Banken, auf deren Betreiben die Ein- führung der Sonnabendbörse in erster Reihe zurückzuführen ist, dabei nicht ausschließlich von privaten Gcwinnjntercssen geleitet worden sind. Der Borstond der Börse und der Banken bemühen sich krampfhaft, der Berliner Börse, die von ihrem ehemaligen Glänze in den letzten Jahren manches eingebüßt hat. wieder zu ihrer früheren Bedeutung zu verhelfen. Das ist, von ihrem Stand- punkt aus betrachtet, ihr gutes Recht und auch inimerhin verstand- lich. denn es handelt sich darum, den Kapitalmarkt— wie er nun einmal besteht— in der Rcichzhauptstadt zu vereinheitlichen und ihn von hier aus zu lenken, die großen Provinz bunten ober wieder mehr zu Ablegern oder lokalen Institutionen zu stempeln. Dieses Bestreden waltet ohne Frage ob— wenn es auch. um die provinziellen Börsenvorstände nicht gar zu sehr zu ver- stimmen— osiiziell geleugnet wird. Daneben herrscht beim Ber- liner Börsenvorstand freilich noch ein anderes Bestreben vor: dem Berliner Platz soll der Charakter als W e l t b ö r s e. den er fast ganz verloren hat, wieder verschasft werden. Ausländische Papiere, die vor dem Kriege an der Berliner Börse in großer Zahl gehandelt wurden, sind bis aus einige wenige vom Kurszettel vcr- jchwunden und das Interesse des Auslandes an der Berliner Börse beschränkt sich auf Käufe in ein paar Montanaktien, die meist auch keinen großen Umfang haben. Die Einführung des Sonnabend- Börsenverkehrs soll ein Schritt aus dem Wege sein, dem Jnlandc und dem Auslande ins Gedächtnis zu hämmern: die Berliner Börse lebt und ist die erste des Reiches. Soweit ist das gewiß alles ganz gut und schön und die Bankiers und Makler sagen schmunzelnd Ja und Amen zu der Neuerung, denn das Angenehme wird mit dem Nützlichen verbunden: e i n weiterer Börsentag bedeutet einen weiteren E l n n a h m e t a g. Aber wie steht es mit der großen Zahl der Angestellten? Sie sind übel daran. Durch den scharfen und zum Teil sehr übertrieben und rigoros durchgeführten Abbau an Be- amten hat sich in den Banken ihr« Arbeitslast stark erhöht. Die Erzählung von dem„bequemen Leben", das die Bank- beamten heute noch führen sollen, ist ein Märchen, das von interessierter Seite noch gern verbreitet und von den Leuten, die die Bankbetriebe nur von fern kennen, gedankenlos nachgeplappert wird. Im Zusammenhang mit der Belebung des Börsengeschäftes ist die aus dem verminderten Beamtenstab«'ruhende Arbeitslast gerade in letzter Zeit ganz bedeutend ge- wachsen. Dazu kommt jetzt die Sonnabendbörse. Der einzig« Tag der Woche, an dem es— nicht eine Erholung— wohl aber«in Auf- aimen gab. geht verloren und damit auch der Sonnabend-Nach- mittag. Mag in der Theorie auch ein früherer Sonnabend- preiLnotienjnxea für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkiulspreise in Ooldmark des Lebensmittel-Einzeihandeis je Zentner frei Haus Berlin. Gersten»raupen, lose.. 18,50— 24,59■ Kakao, fettarm..... Gerstengrütze, lose... 18,59— 18,75 Kakao, leicht entölt.. Halertlocken, lose.... 20,00— 21.50 Tee, Souchon, gepackt HalergrQtze. lose..... 21,50— 22,50| Tee, Indischer, gepackt Rosgenmehl 0/1.<:.., 17,00— 19,00 Weizengrieß........ 19,25— 24,50 Hartgrieß :»/. Welzenmehl.... Welzen-Auszuemehl.. oeisee'bsen. Viktoria seiscerbsen. kleine.. ohnen, weiße, i erl 24,50— 2», OD 17.25- 19.50 19,75- 26,75 18,00— 23,2S 15,00- 16,00 22,00- 23,00 Deutsche Lanbsmannlihaft de« Prairin» Pasta. 9t»ss.®««IiB. Bereinsstiniüfi Donnerstan, den 8. b. all,, v~"| M~ Sermannstr. 214—219. abends 3 U!>-. in. der«mbl-Vroucrei, Neukölln. PI»»» Ionische«eiellichast»» Berlin. Ordentliche Sikunfl Donnersla«. der. 8. Jonmrt, abends 8 Ulit, im Jnstitn! für Praktische Psixkialsaie, Kurfürsten- bamm 45. De. Boberlaa:..Di« Psndioloiii! des Verhallens" iLehaptouiism! Gemeinde um Buddha. Sannabe.ib de»>0. Januar, abends 8 Uhr. im Raswilha-EaaT Berlin D. 62.. LUkowplass 8. Eck« Maassenstrass«, buddhifii'äier Vortraa der Herren De. Heinz Pussner und Martin Steinke»der das Thema „Nirrana(NidbananO".__ Sriefkasten der Neöaktion. SR 8 48. Vallständiss: Domine quo wohin gehst Du?" Ruch Job. 13. 36 pur seinem Todaoqan»« an Jesu, qerrchte» Frag« des Apastri, Petrus.__ weiter«k Berlin und Umzebnng. Vonbiegend heiter, zeltiveife wechsclnd hewölfl, ciwaZ kühler. leichler sslarfcltrpft— jfle Veutfchlanb. In«an, Teulichlanb lühlcS, aber vonvicgenh heileres Weiler. Oslpreussen Frost, sonsl Nachisrosl. angbonnen. handverles. 28,00— 53,0 linsen, kleine...... 18,00— 25,50 insen, mittel 51,00— 42.00 .insen. groOe....... 44.00— 56.50 artoffeimehl...• 19,00— 22,00 akkaroni, Hartgrießwr. 45,25— 55. 0 Üiernudeln......... 47,00— 73,50 '.ebinudeln......... 25,50— 26.73 15,50- 17,75 19,00- 20.00 24,51- 32,00 32,75- 42,00 86.00- 96,00 48,00- 50, 0 74,06- 85.00 66,00- 68,00 60,00- 75. 0 75,00- 95,00 58,00- 74,00 205,00- 210,1-0 209.00-210.00 iruchrcis Ransoon Reis....... r aielreis, glasiert, Ralna Tafelreis, sava....... RlngäpieU amerik..... Üctr Pllaamcn 90/100.. ffinumen, entsteint... Oal. stliaumen 40/59,,, Rosinen in Kisren.candla Sulianlnen Carabumu. Korinthen, choice.... Mandeln, süße Barl. Mandeln, bitter« Bari.. Zimt(Cassia).....!00.«0-I2«,00 Kümmel, nollllndiseher« 53,50— 603)0 Schwarzer PletferSingap. II 0,00- 1203kl Weißer Pfeffer....... 155,00-173,00 Rohkaifee Brasil..... 2I5,00- 23i.«> Rohkaffee Zemralamerika2S',00-310.00 Rßstkalfee Brasil..... 270,06-310,00 Köstkaflee Zsmralam. 330.00—400.00 Röstfetreide lose... 20.00— 22,00 Inlandszucker basis mei. Inlandszucker Raffinade Zucker Würfel....... Kunsthonig........ Zuckersirup hell in Eim. Speisesirup dunk, InEim Marmelade Einfr. Erdb Marmelade Vlerlruchr Pilaumenmus in Eimern Steinsalz, in Säcken... Siedesalz in sacken ,'. 70,00- 96,00 100,00-120,00 320,00—400,00 409,00—470,00 29,«0- 31,00 31,50- 35,50 36,59— 38.90 36,' 0- 37,00 40,00-- 27,00— 30,00 90,00— 9 ,00 40,00- 43.00- 55.00 3,10— 3,60 3.70- 4,20 4.40- 5.60 5,20- 5,80 91.00- 92,00 92,0- 92.25 89, 0- 90, 0 90,00- 91,75 63,00— 66.00 Britenschmalz in TIerces Bratenschmalz in Kübeln Purclard in TIerces... Purelard in Kisten... Speisetalg in Packung. Speisetalg In Kübeln..—_ Margarine, Handelsm. I 66,00,— desgl. II......... 60.00— 63,00 Margarine, Spezialm. I.. 89,00— 84.00 desgl. II......... 69.00— 71,00 Molkerelbutterla kPlss. I8:,00-I98,ii0 Molkereioutter. i. Pack, 204,00-208.00 Molkereibutler IIa i. Fkss. 160,00—175.00 MolVereibutter. I.Pack. 1�5,00— IS ,00 Auslandbuttcr in Passern 212,00— 222,0 Comed beel 12/0 Ib« p K. 39,00—— Ausl. Speck, geräuchert 108,06-115,00 ?uadrarklse....... 40,00— 50,00 llsiter Kate, voltletl..>203>0-! 30,00 Echter Emmenlhaler...>65,00—175.90 Echter Edamer 40°.o____ 120,00-125,00 2u%... 88M- 90,00 Aust.ungezuck.Condens- mllch 48/16........ 20,00— 22ch0 Ini. gez. Condentm. 41/14 25�5— schlug in Aussicht genommen fein, in der Praxis wird er sehr bald verschwinden. Wer die Riesenfsille an Arbeit kennt, die mit einem Börsentag für. Baniwell und Maklerangestellte ver- blinden ist— einer Arbeit, die sich immer bis in die Abend» stunden erstreckt—, der wird zugeben müssen, daß die Aus- sichten für früheren Sonnabendschluß sehr gering sind. Dabei schreitet der Leamtenabbau bei den Großbanken fast durchweg weiter fort, obwohl man bereits erwägt, den Börsenverkehr wieder wie vor dem Kriege bis 3 Uhr auszudehnen, wäbrend er jetzt bis 2 Uhr dauert. Kein Vernüuftigdenkender wird sich von der Arbeit drücken wollen. Aber jede Arbeit ist ihres Lohnes wert. Das werden die Banken, Bankiers und Makler, bei denen das Wort „Verdienen" von jeher groß geschrieben wurde, gewiß begreifen. Also verlangt es Recht und Billigkeit, daß die große Zahl der An- gestellten, die durch die Sonnabendbörse und durch den fortschreiten- den Abbau erhöhte Arbeit zu leisten haben, dafür entjchädigl werden. Die A n st e l l u n g s v e r t r ä g e mit den Bankangestellte!! sind zum großen Teil unter der stillschweigenden Voraus- setzung der Sonnabend-Börjenruhe abgeschlossen worden, sie bedürfen also der Abänderung. Die Banken«erden dazu um so eher in der Lage sein, als ja nach ihren eigenen An- gaben, die in den kürzlich abgehaltenen Generalversammlungen gemacht worden sind, die Geschäfte sich in neuester Zeit wieder recht einträglich gestaltet haben. Es geht nicht an, daß dem einen Teil lediglich der Gewinn zufließt, dem anderen aber nur die Arbeit aufgebürdet wird.., Zur Lage der Zigareltenindustrie. Wenn sich die Zigarettenindusrri« zurzeit in einer ziemlich pre- kären Lage bestndet, so liegt das in erster Linie an der Handhabung der Steuer. Man mag über die Banderolenstcuer denken, wie man will, und kann verschiedener Ansicht darüber sein, ob es zweckmäßiM ist. sie durch andere Steuerarten zu ersetzen. Tatsache ist es jeden- falls, daß die Art. in der sie praktisch gchandhabt wird, zu Miß- brauchen, zu Steuerhinterziehungen und zu erheb- lichen Steuerdiebstählen geführt hat. Man darf dabei nicht übersehen, daß die Banderolenstener vierzig Prozent des Der- kaujswertes der Tabakerzeug m sie beträgt, und daß diese Höhe, un- abhängig von der Frage, ob sie gerechtfertigt ist oder nicht, eine sehr starke Belastung für den Konsuminten, der sie ja letzten Endes tragen muß. bedeutet. Wenn trotz dieser Belastung Zigaretten zu verhältnismäßig billigen Preisen, die teilweise unter Vorkriegspreisen liegen, zu haben sind, so liegt das daran, daß eben— wie gesagt— bei einem großen Teile der Zigaretten die Banderolenstcuer nicht in voller Höhe an den Staat abgeführt wird. Unter diesen Verhältnissen leiden natürlich in erster Linie die reellen Fabrikanten und Händler, die ein« dem Gesetz entsprechende Steuer bezahlen, dies« auf den Preis der Zigarette aufschlagen müssen und infolgedessen wettbewerbsunfähig gemacht werden oder ihr« War« mit Verlust oerkaufen müsien. Wenn in den ZigarcUen- geschästen Zigaretten zum Teil unter den auf der Banderole stehen- dm Preisen oerkauft werden, so hat auch das feinen Grund in der Tatsache, daß die Banderolensteutr auf diesen Zigareticn nicht voll bezahlt worden ist. Die reellen Zigarettenfabriken müssen, um nicht vom Markt« verdrängt zu werden, ihre Ware zum TeU unter den Selbstherstellungskosten abgeben, sie entschädigen sich dadurch, daß sie qualitativ hochwertige Zigareticn in hohen Preislagen herstellen, und daß sie auf diese Zigaretten natürlich einen entsprechend höhereu Ausschlag legen. Da aber der Konsum sich in der Hauptsache aus die Preislagen von 2 bis S Pf beschränkt, ist der Ausgleich durch die höheren Preislagen nur in den seltensten Fällen gegeben. Es ist ferner noch ein weiteres Moment zur Beurteilung der Lage am Zigavettenmorkt« von sehr wesentlicher Bedeutung�.Di« Zigarettenfabriken erhalten für die Entnahme von Banderolen ein« dreimonatlich« Stundung und müssen als Sicherheit dafür ihr In. ventar der Steuerbehörde verpfänden. Auch die Rohstoffe für die Fabrikation entnehmen sie zum allergrößten Teil auf Kredit. Wenn sie nicht in der Lage sind, die Krediwerpflichtungen gegenüber den anderen Gläubigern zu erfüllen und sie von der Exekution bedroht werden, machen sie der Steuerbehörde davon Mitteilung. Diese interveniert. Dem Gläubiger aber bleibt in diesen Fällen meist nur der Antrag auf Konkurseröffnung. Er stellt ihn deswegen nicht, weil die Aussicht, auch nur«in« nennenswert« Quote aus dem Kon- turse herauszubekommen, häufig nur sehr gering ist. Diese voll- kommen trostlosen Verhältnisse in der Zigorettenindustri« trotz des steigenden Konsums an Zigaretten haben nun dazu geführt, daß die prominenten Marfimfirmen von den Aigamngeschäjten die Unterschrift unter einen Revers verlangen, nach dem sich die Zigarren- händler verpflichten, bei einer hohen Konoentionalstrafe und bei Strafe der Nichtbelieferung die Zigaretten nicht unter den auf der Banderole verzeichneten Preisen zu vcr- t a u fe n. W« Motiv« für ein derartiges Vorgehen sind erklärlich, aber über ihre Berechtigung läßt sich zumindest streiten. Sie hindert den auch im Zigarettenhandel unbedingt erforderlichen Preisabbau. Das würde allerdings die Ziaarrenhändl'?r, die sich in ihrer Mehrheit weigern, einen dtrartigen Revers zu unterschreiben, nicht stören. Für sie ist ein anderer Gesichtspunkt maßgebend, mini- lich der der Konkurrenz. Wenn ein Zigar-ctten Händler«inen der- artigen Revers unterschreibt so muß er ürchten, sein« Kunden an den nächsten Zigarettenladen, der seine Zigaretten zu dem Preis«, der ihm beliebt, oerkaufen kann— also auch unter dem Banderolen- preise—, zu verlieren. Und dieser Gefahr wollen sich natürlich die Zigorettenhündler nicht.aussetzen. Die Gefahr, daß ihnen die Haarwäsche. Das neuli zum Waschen an dieser Stell« angegeben« Mittel Lovaren-Salz r Haare ist zweifelsohne vorzüglich. Ich möchte bemerken, daß die angegebene Meng« für 30 Pf., die ich in meiner Drogerie erhielt, wohl nur bei sehr starkem Haar nötig ist. Damen mit Icknvachem Haarwuchs und vor allen Dingen Herren können unmöglich so viel auf einmal verbrauchen! Es genügt für diese die Halste! Die andere Hälfte kann man in einem Fläschchen gelöst vieie Wochen ausbewahren, es wascht dann noch immer die Haare wundervoll wie kein anderes Mittel. Di« Haare werden tat- sächlich seidenglänzend und sehen dreimal so voll aus wie sonst. Hedwig S. BLECH, EXTRA GROSSES FORMAT, 6� »109»"""..... Marken gesperrt werden, ist in einem ZlugendStk, in dem man Zigaretten bekommen kann, soviel wie man will, nicht sehr groß> Bekommen sie dio verlangten Markenzigaretten, die ihnen gesperrt werben, nicht vornhmitn, dann eben aus Umwegen. Außerdem hat sich der Raucher auch davon entwöhnt, bestimmt« Marten zu rauchen. Es tauchen heute täglich derartig viele nau« Marken auf, daß jeder ZigareUenkonsumvit in der chofsnurig, daß die neuauftauchenden Zigaretten, um sich einzuführen, qualitativ besser sind als die alten, sich neuen Marken zuivendet. D« alten Marten werden sehr schnell nergesien. Ja. die Zigarettenfabrikonten rechnen direkt mit dieser Reucherpsychologi«, indem sie ständig mit neuen Marken auf dem Markte erscheinen. El» Sparkassenikaodol. irllS dem Ayetniano wlra uns geschrieben: Den verschiedenen peinlichen Sparkassenskandalen im Rheinlandc reiht sich neuerdings derjenige der Sparkasse Sinzig an. Die Sparkosie«mzrg hat während und»och der Inilation von Banken große Beträge hereingenommen, und zwar gegen außerordentlich hohe Zinsen, während sie andererseits in ungeheurer leichtfertiger Weife mehrere Goldmillionen Mark an Schuldner aussieh, die heute notleidend sind. Schon vor dem Kriege war die Sparkasse in Sinzig wegen ihrer Praktiken berüchtigt. Ihr Sparkasienrendant hat, begünstigt durch die Inflation und deren Nachwirkungen, sein Treiben in erhöhtem Maße später fortgesetzt, bis es zur Katastrophe führte. Die Stadt Sinzig hat NM Einwohner. Das Defizit beträgt etwa Z Millionen Mark. Man kam» sich denken, daß"eine so ,>"- II...».-IM— Sprdde iLrote Hant Aufspringen der Hände und de» Gesicht», Wundsein und un> T-im 1 pnlrr�m sit,t* 6e®5�t beseitigt sofort L. C U r\ 1 C III Pflegemittel erhalten Li« überall, wo St« die bekannt« Cbtocobonl> Zahnpaste kaufen. kleine Gemeinde niemals einen solchen Beirag aus Sieuermitteln auf- bringen kam». Man muß hier wirklich die Frage vorlagen, was die zuständige Bezirksregierung in Koblenz als Aufsichtsbehörde, der die bisherigen Praktiken" des Einziger Sparkaffenreichanten bekannt war, getan hat, um solche Vorgänge cm Keime zu ersticken. Wahrscheinlich gar nichts. Bemerkt sei noch, daß die Sparkaffe in Sinzig dem Rhem'fchen Sparkassen verbände nicht angehörte und dessen Rem- swnen aiich ablehnte. Das allein hätte ein Grund für die Aufsicht«- beHorde fein muffen, schon vor Iahren zuzugreifen. Der westsölisch.lippische Arbeitsmorkt hat sich in den setzten Wochen insgesamt nicht wesentlich verändert Wie schon seit Milte Oktober, sind am Jahresschluß noch immer rund SSM Erwerbslose bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen verzeichnet.°/,n hiervon werden länger als 3, Vio länger als 6 Monate unterstützt. Tatsächlich sind ahzr weit mehr Arbeitnehmer ohne Arbeit und Ver- dienst. In den genannten SO 000 Erwerbslosen sind nur 3300 Jugendliche unter 18 Iahren enthalten. I» Wirklichkeit dürfte deren Zahl aber /und 20 000 ausmachen. Wiedereinstellungen werden auch iu dieser Berichtszeit meist durch neue Entlassungen wettgemacht. Einzelne vom Wetter abhängige Berirfsgruppen haben ihre Arbeit noch mehr eingeschränkt. Erst in einigen Wochen nach lieber- Windung der durch das Weihnachtsgeschäft heroorgerulenen besonderen Aufträge wird sich deutlich die Grundtendenz des Arbeitsmarktes herausschälen. Es muß sich dann erweisen, ob die leichte Besserung dm letzte» Monat« nachhaltig ist. Gewisse Anzeichen deuten aller- dings daran c hin, daß Stockungen drohen, vornehmlich in der M-'taOindclstir m der sick, Klogen über Abnahme der Aufträg« in nicht geringem Maße mehren. Londbund und Brofoecforgung. Eine große Anfrage der Demo- traten im Landtage besagt:...not die Siaatsregierung Kenntnis von den Plänen des Reichsland bundes, unter Ausschaltung des alteingesessenen gewerblichen Mittelstandes, die Browersorgung, zu- nächst in Groß-Berlin, zu monopolisieren? Welche Maßnahmen beabsichtigt die Staatsvegienmg zu er- greisen, um die Schaffung eines derartigen Monopols, zum Schaden der Bevölkerung im allgemeinen und der betroffenen Kreise des gewcrblick.n Dcmelstandes im besonderen, zu verhindeni? Hat die Staatsregierung Vorsorge getroffen, daß die preußische Zentmlgenossenschaftskasse derartige Bestrebungen tn keiner Weise durch Kredite unterstützt? Ist die Staatsregierung darauf bedacht, Gavantien dafür zu erlangen, daß die landwirtschaftlichen Kredite, die aus den Abgaben der rentenbankpflichtigen Betriebe aufkommen, nicht für derartige Zwecke des Londbundes zur Verfügung gestellt werden?* Der wöllersdorfer Skandal. Der Vertreter des Staates in Sachen der Wöllersdorfer Werke, Genereldirekior Tiebitich. ist nunmebr, wie die Blätter melde», offiziell zum VeriraucnS- mann der Regierung ernannt worden und hat die Leiiuna d-r Werke übernommen. Die Voruntersuchung in der Möllers- dorfer Angelegenheit ist nach dem.Neuen Wiener Tageblatt" io- weit vorgeschrilten, daß das Justizministerium auf die rasche Erledigung dieser Strafsache dringt. Das Diu nd Sierling beinahe auf Goldparität gestiegen. An der New Dorkcr Börse stieg das Psund Sterling aus vier Dollar 77 Cents. � Es fehlen alio nur noch zehn Cents bis zur Friedens- Parität Die ständige Verbesserung des PiundkurseS wird der Wirkung der außerordentlich günstigen außen- und innenpolitiichen Lage Englands zugeschrieben. Eine weilere Goldsendnug der Morgan-Vank. Die Morgan- Bank sandle 2 500000 Dollar»n Gold an die Reichsbant ab. Damit hat Deutschland bisher 25 MM Dollar aus der Anleihe erhalten. .-» v Hühneraug' auf Zeh' und Sohl* Wirst du los durch Lebewohl! In Droeerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrucklich„Lebewohl" mit Filzring. Staats-Theater Opernhaus TVj. Troubadour Opernbans um KSnigsplats TV» U"r: Madame Buttertly Schanspielbaus TV, U.: Peer Qyu« ScbNIer- Theater TV.: ünten Morgen. Hr. Fischer!— das Fest d Handwerker Gr. Volksoper TV) Uhr Bflrii Goduoow Vaiksbubnc TV, Schluck u Jau Dentecb. Theater 7l, Uhr. Die heilige Johanna Kammerapielt S Unr Die tote Taate aad andere Begebenheiten • Dlt Komödie RirfttMnn "/• Uhr. Sechs Personen suchen einen Aator leniDü-Tlieatei 8 Uhr: 0. Widerspenstigen iDttfial m SpjkBssurt Ellen Tieti, Tbetltr Bne, Sdilege! Oml» i.t. Khltrltor Sil. KU.: Der Tokaier Komödienbaus 8: Der Floh im Ohr Berliner Theater 700 Uhr; Anneliese v. Oessau Kleines Th. Täal. 8 Uhr: Eine Frau ohne Bedeutang von Oskar Wlfde Rsrif. Saatrad. Dem«. Uitbaar, Sdmhr Inul.gui.Tezgeefle. Trianon-Th. 8 Cbn Papa Erika GlAssner JuJ. Palkenateln Brich Kalser-Ti'c Xataaer-6per Lfitsowslr. 112. «« dar FWietlhhala FieUU Rokoko lac I.f.Prafc.-lirtniaaa Ein Spiel mit dem Teufel Wsiib. Barl.?. P-larteaan Vöhl is raben, Herr laehbarl Kom. Op. v. Poise Karten ö, 4, 3, TM. lall. Bertawh ori Praar SCAt* Tagl. 8 Unr: Variete- Revue! mli Wlaafoa» Tauch- Sensation! Hose-Theater >/,8; Milchmädchen von Schönenerg Residenz Th. 5 Uhr v. gröSte Lachcriolg Gisela Werbezirk in: Rosallisehul Stg. 3'AU klein Pr Spiel mit dem Tode Ceotsiti-RänstlBTthMt. ;8Uhr:8.Stsh|itl m Hn'am.(äciüarhaitn: Das Macbiasj'l Lustcplclhaus 8 Uhr Cilla Tkichda O. wahre Jakob Opercttenbaos «s iduftturtim 8 Um. Die virtmüStf Fm WaJlaer.Theat. S Uhr: Pillen oiil HclmiO Casiuo-Theatcr letBriB-ar Sir. 5? Till BUbr Der nene Schlager Graf Koks Posse inöAuizügdn Cidnzt neu f. Berlin! Volkttüml. Preise i IDGlsgj Januai Ein Programm der Noaititcn! äonnUgs ZV, Uhr | Halbe Kassenpr! eesvrsr, ** Wohlfahrts- �Jeld-Iotterle für die Acsgewteacom rem Ekeln und Bohr. Siahang 19., 16.■. 17. laauar 1625 «283« OwwlatM Im OaMmtantras wma Raa. SSM ooo £ 2 ' f a Jm Los© ZU M. 3.30 SrSokBiVeilrs1 flO Lose Kaller- jtome 1925 Thliiiiiiirilspalast 22. Woche AI habendi. 8»/, U. Die srSBte Revue d. Welt: Jntli niid tlodi" conntcg nachm. 2", Uhr: Die gans« Vor-tellung zu halben Preisen! RRsn-IM. Central- Theater! VV, Uhr: Die Tersuok. Glocke bcutsOpernhau« unr: Tanoliägser im Wasner-Zyk us Intim«. Theater 6 Kttzl/ Abenteuer nach dem Tode etc. Metropoi.fhaater TäBl. T'.Uhr. Gräfin Warna km Id. am Zos räeiich W, Uhr Wild-Wnst jade!1 Th. i. Kommend Str. uetzs VorsteHun cn 8 Uhr. Wenn man .erlleb» iat... mit MollyWeaaely I Siegfried Arno ' Freirag 16. Premiere Die haii oüne Küß von Richard KeSler Mus r. Walier Kollo mit MollyWesaely Prlta Splta Komlfdie u'hr Oper cflr Direktion: James Klein Unsere Revue: Das hat die Welt noch nieht gesehn uil über 2S0 Mitwirkenden m.d.PariserOrig.-kosstitl. m. span. Qrig.-Tanztruppen mit einer Assiese der be- rflhmiesl. Biinnenkansller des in- and iaslandes giil ans der ganzen Well als Unver�lefchilciie Sehens wardiehell Sonntag Z'/, Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs I Kind frei au halben Preisen ,, an rein und tan. 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Als wir di« Mauer, die gegen zu wilde Brandung schützen soll, erreicht hatten, sahen wir die braunen Gestalten in ihren farbigen Lumpen darauf hocken und auf uns r orten. Es waren die Bootsleute. Mit tierähnlicher Behendigkeit wrangen sie herab und halfen uns in das schwer« Boot. Tann setzte» sie die stark bcfestegien Ruder an. um uns durch die gefähr- l.chen Riff« und die stark« Brandung zu bringen. So etwas sah ich nie! Und so etwas gibt es bestimmt nur hier. Acht waren«sc Wenn sie ooa Boot vorwärts warfen, schnellten sie von ihren Sitzen hoch, je«wen Futz gegen das Borderbrett ge- s:cmmt, so daß sie in dem Augenblick sozusagen in der Luft standen. die sehnigen und schlanken Gestalten in ihren weiten Pluderhosen. Es war Dollmond, und man erkannte deutlich die nicht unschönen i-raunen Gesichter, umrahmt von weihen oder farbigen Tüchern. Melodisch sprangen ihre singenden Ruse des gegenseitigen Ansporns in di« Brandung, während ras Boot oft mehr zurück als vorwärts glht. Aber so gefährlich die umgrenz, rden braunen Riffe die Zähne zeigen: hier kentert kein Boot, das diese braunen Männer führen----- Alexandrien: Di« Bilder des lebendigen Hafens vergesse ich noch weniger. Und«s tut mir wohl, davon zu erzählen. Sockträger.... Wir haben sie auch und wissen, daß diese Arbeit nicht leicht ist. Hier aber ist es etwas ganz anderes. Die Kleidung mag dieiem Arbeitsbrld im Orient besondere Farben verleihen, aber sicher nicht röstender«, denn was ich hier an Lumpen sah, übertrifft alles. Doch wollte ich davon weniger sprechen als von den Arbeitern, den Sackträgern selber. Am Kai siegt das Schiff mit gesperrtem Rachen— ladebereit. Zwei Laufsteg« liegen auf der Reeling. Run fährt Wagen um Wagen vor, ein« endlose Kette, beladen mit Daumwollsamen in Micken, bestimmt für Margarinefabriken in Deutschland und Hol- lankr Jeder Sock wiegt eineinhalb Doppelzentner, also 300 Pfund. Gebückt stellt sich der Araber an die Föhre, während ihm femand vom Wagen herab den Sock auf den Rücken schiebt, unter dessen Gewicht er«inen kurzen Augenblick zusammenzubrechen scheint, dann aber, allerdings tief gebückt, übereiliq den Steg binanfläuft, als fürchte er, fein« Kraft könne vor dem Ziel versagen. Aus der Schiffs. !uke sitzen andere Arbeiter, scharfe kleine Messer in der sftand. mit denen sie da» Sackband zerschneiden. Die dreihunderr Pfund rinnen in die Lücke, so schnell, daß der Träger aus seiner gebückten Stellung aufschnellt, als sei er irgendwie tief erschrocken. Das olles: hinaus mit krummem Rücken— erlöst von der Last— springend den anderen Steg hinunter—«inen neuen Sock— geht mit einer Ge- 'chwindigkeit. die einem weh tun muß, je länger man hinschaut. sind ich Hab« es stundenlang getan. Zwanzig— dreißig dieser Arbeitspferd« rennen die Stege abwechselnd auf und ab. Mit der Sonne sangen sie an, um zu Mittag trockenes Brot und Melonen zu essen und mit Sonnenuntergang aufzuhalten. Absender und Empfänger der Ladung kommen in Luxus. cn.ktvmobilen an di« Schiffe gefahren. Sie und etliche ander« haben dlirch dies« Arbeit höchsten Profit. Einige von ihnen fragt« ich nach dem Verdienst der Arbeiter. Di« Frage kam ihnen immer so nnoerhofft und auch merklich unpassend, daß ich ni« die richtige Antwort bekam, bis mir schließlich ein englischer Fabrikbesitzer sagte: rHier macht es noch Spatz, Arbeiter zu beschäftigen. Man hat sie iiir zwei Schilling pro Taa. auch mal für weniger, während ich in England zehn und zwölf Schilling zahlen muß. Dam» ist noch der Um üie Kölner Zone. .Mensch, vermassel mir nichk das Geschäft, bleib hier!» Unterschied daß der Tag des A'rbesters in Europa acht Stunden hat, während der Araber zwölf und dreizehn ohn« Murren arbeitet.' Ohne Murren? f Ich kam, es nicht genau sogen. Wer zwei Schilling sind weniger als zwei Mark, was mich veronlasfen konnte, zu fragen:„Und wie existiert der arabisch« Arbeiter mit seiner Familie von diesem Geld?' Achselzuckend kam die Antwort: «Was braucht er denn?! Brot und Obst oder Zucker, das nährt ihn. Kleidung braucht er so gut wie gar nicht.' «Und die Wohnungen? Sie sollen sehr teuer sein. Für zwei schleeU« Zimmer muß ein arabischer Arbeiter monatlich fünfzig Mark zahlen, wurde mir gesagt.' Abwehrende Handbewegung: «Rein— nein!! Die Löcher, in denen der Arbeiter haust, kosten höchstens ein Viertel davon.' «Also ist er nicht in d:r Vag«, anständig zu wohnen?' Ueberlegen.es Lächeln: «Was he ßt anständig?! Sollen wir da? abändern? Unsere europäischen Arbeiwr machen uns genug.Sorge. Dies« Araber leben durch uns besser als vordem. Die Baumwolle haben wir dem Lands geschenkt. Vorher fraß ein Araber den Straßendreck «ltf» ist deshalb dankbar, daß wir ihm zwei Schilling zu oerdien an geben. Die Kerls sind zähe. Die würden auch noch die Rocht Säcke schleppen, ohne umzufallen!' Ich habe nicht alles behalten, was«r mir noch erzählte. Rur noch, daß er in Italien und England viel Boden zu erwerben gedenkt, um in großem Stil Fabriken zu errichten, da die Vauinwoil- ernte in Aegypten in Kürz« noch größer wird. Wenn ich jetzt die Bilder der Sackträger neu erstehen seh«, dann ist es mir. als schleppten sie Säcke mit Geld für diesen Engländer. Und nicht nur für ihn allein. In Alexandrien und Kairo werden gerade jetzt Häuser gebaut, draußen, am Wasser und in der Sonne — nicht für arabische Arbeiter, sorilem für Europäer aller Rationen die alle Sackträger beschäftigen, die in dumpfen Löchern und eng«: Straßen wohnen, durch die Fremde mit neugierigen Blicken und hochgezogenen Kadern gehen, erzählend:..Ja. dos ist der Orient. der echte Orient mit seinein Schmutz und seinen Lumpen, mit seinen zahllosen nackt umherlaufenden Kindern! Wie interessant, da?«in- mal sehen zu können!!' Wie interessant! Du lieber Himm«l— ich möchte es erleben, daß diesem Dolk« einmal ein Führer geboren wird. Es könnt« sich lohnen. Ein Paradies im Eise. Mitten in den Eiswüsten Alaskas, so erzählt di« geographisch. historisch« Zeitschrift.Zeiten und Bölker". liegt an der Küste ein viele Ouadratmellen großes Gebiet, das an die Rioiera erinnert. Ein betäubender Blumenduft liegt über dem Land, Löoel bauen ihre Nester. Die Grenz« gegen die trostlos« Nochbar- schoft ist wie mit der Schnur gezogen. Man erinnert sich an eine dunkle Eskimosage, die von einem ewig warmen und grüne» Land erzählt, dos mitten in der Gletscherwüste auftaucht« und von Geester- händen gehütet wurde. Das Land ist reich bewässert von kleinen Bächen mit schweselhaltigem Wasser. Da außerdem das Meer m unmittelbarer Nähe des Strandes erwärmt ist, so ist als sicher anzunehmen, daß vulkanische Ausströmungen den Boden dauernd er- v ärmen. Di« Böget, die ihr wunderberver Instinkt anlockte, trugen Samen dorthin, und nun wuchs die Üppige Vegetation dort auf. Menschen findet man keine dort, und das ist vielleicht«in Glück, denn dem vulkanischen Loden rst nicht zu trauen, und eines schönen Tages mögen dieselben Naturkräfte, die diesen schönen Fleck Erde entstehe., ließen, ihn auch wieder'purlos vertilgen. «Er wacht es wie Pfarrer Rahmann.' Die Redensart:«Er macht es wie Pfarrer Raßmaim' oder«Aßmann' ist in vielen Gegen- den unseres Baterlandes, besonders im westlichen Mitteldeutsch' and, aber auch in München, Berlin, in Ost. und Weftpreuhen bekannt. Sie wird gegenüber Menschen angewandt, die man eines besoird«rs eigen- willigen Derhaltms bezichtigen will. Der Name freilich tritt in oer- schiel-encii Formen aus:»eben Raßinonn und Aßmann kommt Asmus und Rasmus. auch Nolt« vor. Ob hinter dieser Redensart eine virkliche historische Persönlichkeit steht oder ob es sich bei ihr nur um eine scherzhafte Erfindung handelt, darüber ist man sich nicht einig. In Kurhesfen soll einmal«in Pfarrer namens Raßmann gelebt haben, der, ein Jurnggcselle, durch allerlei Härten und Ecken seines Wesens auffiel. Immer ging er seine eigenen Wege und geri« darum öfters in Streit mit seinen Vorgesetzten. Als letzte Begründung für fein Handeln hatte er aber immer den Satz bei der Hand: Das moche ich. wie ich will.' Während nun manche in dieser Gesta't das Urbild des Pfarrers Raßmann zu sehen glauben, wollen die Thü- ringe? diese Ehre einem Pfarver Aßmann zuteil werden lassen, der zur Zeit Karl Augusts in Jsserode im Weimarijchen feines Amtes waltet«. Bon diesem wird erzählt, daß er, als er eines Tages zun, Gottesdienst ins Nachbardorf ging und ihm ein Ihttfe über den Weg lies, diesen mit der Bibel tot warf. Daraufhin beschwerten sich die jagdberechtigten Bauern beim Großherzog. Karl August- entschied ober:«Der Pfarrer Aßmann hat zwar kein« Iagdberechügimg, mit den Hasen ober, die er mit der Bibel tot wirst, kann er machen, was«r will.* So anmutig dies« Erzählungen sind, man wird fte roohrschoinlich beide i, nur als spätere Deutungsversuche einer schon bestehenden Redensart zu betrachten haben, denn wie die«Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins' mit Recht bemerkt, wenn diese Redensart«st im 18. Jahr- hundert entstanden wäre, dann hätte sie sich nicht so schnell auf die übrigen Teil« Deutschlands verbreiten können. m*. Die Grangenschale. von Franz Friedrich Oberhäuser. Dreißig Schritt« vom Haustor log eine dicke, fette große Orangenschal« auf dem Gehsteig. Als Valentin nach Haus« kam, sah er sie siegen, streift« sie mit dem Fuß und schritt gedankenlos weiter. Beim Haustor aber blieb er einen Augenblick stehen und dacht« sich, daß ein ungeschickt« Fuß darauftreten,«in unbedach.samer Mensch ausgleiten könnt«. Dos schien ihm aber nicht wichtig genug, umzukehren, die dreißig Schritte zurück zu mochen und die Orangenschale sortzunehnien. Gott, es liegen so viel« Orangenschalen in de, Straßen! Während er die Trepp« hinouffti«g hatte«r einen komischen Einsall: er würde von seinem Fenst« aus beobachten, was mit der Otongenschale ge. ichehen würde. Das heißt, ob sie jemand ihrer Heimlückischen Ge- schrlichk«it halb« in den Rinnstein schieben würde: jemand, d« >.! nzwelfelhast mehr für sein« Mitmenschen übrig hatte als er; od« rascher entschlossen war. Uebrigais würden wohl die anderen auch eckig, unachtsam und gleichgültig an der Orangenschale vorübergehen. Die Straß« war um dies« Zeit still, einzeln« Leute gingen rasch am anderen Gehsteig entlang. Räch einigen Augenblicken kam eine junge Frau, die«in« schw«« Tasche trug. Sie ging rasch und hastig, war nun bei d« Orangen. schal«. Und schon glaubte sie Valentin vorbei, Äs es ihm war, als bückte sich di« Frau mit der schw«en Tasche, um die Schal« auf. zuHeben. Jndeff«, aber glitt sie aus, schlug hart auf den Boden auf, drehte sich einmal und blieb dann regungslos liegen. Valentin gab os einen Riß, er starrte auf die Straß« hinab, sah Leute zusammen- laufen, Menschen bückten sich aufgeregt um die Liegend«, jemand bati« auch schon ein Glas Wasser gebracht. Aber nichts rührte sich im KSrp« d« Gefallenen. Irgend jemand hatte den Rettungswogen gerufen, nach einigen Minuten pfiff« die Straß« herauf. Di« Zuschau« öffneten eine f eine Gass«, Männer in weißen, flatternden Kitteln eilte« herbei, der Wagen wurde aufgeschlagen, di« Frau hineingelchoben, die Tür klappte hörbar zu. Em Hupenschrei, long hinhallend, dröhnend, be- fehlend, schmales Rattern, dos Auto schoß dahin, rasch, glatt, eilig. Nur das rubinrote Aug« an der rückwärtigen Tür blitzte groß, fun- kelt« und sprang zitternd in der Dckn?e'h«it davon. Die Leute zerstreuten sich, d>«.-Straße wurde wieder ruhig. Vorbei... Der erste Gedanke, den Valentin jetzt klar empfand, war voll llnbehoglichkeit! er empfand übles, gedrücktes Bewußtsein, und da, während er das bereitgestellte Nachtmahl beiseite schob, siel ihm scharf und beißend«in, daß eigentlich er die Schuld an dem Un- glücksfall trug, well er einfach dst Schal« li«g«n ließ und weiter beobachten wollte, ob sich durch sie wohl elwas ereignen würde. Dieser Gedanke des Schuldbewußtseins zuckt« ihm glühend über den Rücken, er sah den leblos«» Körper, da, harte rubinrote, winkend« Aug«, droht«, auf ihn sehend. Er dachte. Er dacht«: Denn dies» sunge Frau»in Kind zu Haus« hätt«, dem sie Essen holte, da» Kind war nun allein, ohne Va.er, hungrig, wenn irgend j etwas geschähe, daß es krank würde, daß es siel? Wenn diese jung« Frau jemand anderem einen Dienst erweisen wollte? Wenn diese junge Frau, die«s so eilig hotte, irgendeinen dringenden Weg besorgte, und vielleicht mit Ungeduld erwartet wurde... Wer wohl jetzt so hart auf ihr Kommen wartete? Und n>«nn sie nun tot...? Er dacht« nicht weiter. Das klein« Wörtlein schlug scharf wie «in spitzer Nagcl«in. Es wurde heiß und schwül Im Zimm«. Di« matt« üble Ssim- nrung stoft kam bald wieder, stärker, mit neuen Gedanken. Valen» tin trank«in Glas Wasser. Es schmeckte lau, und«r dachte sich, daß es dasselbe Glas sei, das man ihr gereicht und das sie gar nicht mehr nehmen konnte. Er versuchte mit Gewalt d« Gedanken Herr zu werden. Was gingen ihn Orangeschalen an, die aus den Straßen liegen? Was wbeholsen«, was fremd« Leute? Hätte es nicht auch ihm geschahen können? Schuld ist derjenige, der sie so gleichgültig hingeworfen hatte. Sind Menschen und ihre Schicksale nicht immer von Ketten aus Zufällen abhängig? Aber da war«in« ganz fein« leise Unruhe, ein« Ungewißheit. «in Druck, den man nicht fasssn konnte. Leife, tief, ein ständiges Sehen- Erinnern, Empfinden. Ein unsichtbares, unaufhaltsame« Zahnrad von Gedanken zu Empfindungen. Wenn er es nicht g«. sehen hätte, wäre olles gut, ab« eben deshalb. Gewissen! Es stand neben ihm, unabweisbar, stärker werdend, bis«in« fieberhaft« Rastlosigkeit Platz griff. Er erinnert« sich Plötz- lich, daß der Hausmeister vom NebeNhanse der«rst« an der Stelle war, daß seine Frau ihr das Wasser reicht«. Ohne zu überlegen. rannte er die Treppen hinab, stürmt« mitten mährend des Nacht- mahls zu den beiden Leuten, aber dies« wußten auch nichts.„Sie redete ja nicht» der Arzt sagte, schwer« Erschütterung, Bewußtsein vielleicht nach Stunden oder gar nicht mehr,' Valenttn lief davon. Er lies nicht nach Haufe. Er tief, von der Angst vor einer entsetz- liehen Macht getrieben, in«ine Tetephonzell« und tele phoniert« alle Krankenhäuser an, vergebens... Spät kam er heim. Er wusch sich, las, suchte Schlaf. Aber immer strahlt« das rubinrot« Auge auf, schwang sich näher, enl- fernt« sich, aber verlöscht« nicht. Es war für ihn wie«in schweres, ungewisses Schicksal, Wenn er irgend etwas hätte erfahren können. etn« Kleinigkeit, irgend etwas hätte tun können helfen. Aber nichts geschah. Ein mattes Gefühl, das ihn überall hin begleitet«, durch Nacht und Tag, auf Spaziergängen und in sein Geschäft. Kein Kino zerstreut« ihn. Er sah immer die Frau wieder und das rubinrot« Aug«. Aus taufend Dingen wuchsen neu« Anklagen. Ungezählt« Menschen konnten ein« neue Anklag« gegen den Menschen werfen: er hätte da» früher nie gedacht. TÖ fiel«s ihm«ine« Tages ein. in den Zeitungen nachnt'ehen, irgendein« würde den Fall wohl gebracht haben. Er fand di« Nottz und los daß man di« Frau in das Spital gebracht hatte. Da na-b dnn cmeitnäch�Ti Taa«in Sonn taa fiel, entschloß er sich, gedrängt in Sehnen na-ch Vergebung und doch nicht ohne Angst und Scheu«inen Besuch zu wachen. Er kauft« einige K'einigtnten. und der Gedanke, diese vielleicht für«ine Tot« mitzubringen be- drückte ihn so sehr, daß er kaum vorwärts kommen konnte. Sollt« es fo sein, häts« er In den gekauften Stücken neue Ankläger seiner Schuld. Di« Frühtingsfonn« lag über dem großen weißen Hau» der laufend Schmerzen. Fenster blitzten und grün« Bäum« schlugen Über die weiß« Mauer. Er ging durch Trakt«, durch Höfe: überoll blinkte es ihm freundlich entgegen. Genesenden, mutig und sehn- süchtig dem Leben entgegen verlangend, begegnete er. Als er endlich in di« Kanzlei kam, erfuhr«r, daß di« Frau lebte. Daß der Fall sich eils minder schwer erwies. Wie leicht erklomm er di« Stiegen, lief durch hallende Gänge, als er endlich im Zimmer stand. Ein« Schwester zeigte ihm das Bett, er sah die Frau. Ein schlankes, einfaches, hübsches Mädchen saß neben ihr. Er zögert«, ehe er näher zu treten wagt«, Di« Frau hotte ihn gesehen, das Mädchen blickte ihn aus großen hellen Augen verwundert an. Valentin logt« Blumen und Gebäck auf das Bett und fein« Erregung, der ein dunkler, heftiger, müder Zwang gewtchen war, machte den Tag heller und die Welt freundlicher und lichter. Stockend fing er sein« Erzählung an, sein« Antlog« gegen sich selbst, er erzählte immer mehr mit dem Zdlang« der Befreiung m der Stimme, manchmal leise und voll Sorg«, und der Quell seilst» sähen Mitleids floß stärker. Er stellte das Bild feine» Gewissen« auf in einfachen braven Worten, ohne Kunst, fern der eiligen Zeit, die draußen dahinflog. Das Bild seiner Läuterimg wuchs rein und kraftvoll auf. Die Flau weinte leise. Er merkte es»ficht. Das Mädchen ergriff feine hjänd. Er merkte es nicht. Er schwieg. „vergeben Sie mir nicht,' sogt««r noch,„aber denken St« nicht bös«. Es ist geschehen. Daß es nicht ärger wurde, ist Glück genug. Es ist keine Entschuldigung, wenn ich fege, daß wir nicht immer tun, was unser guter Wille erfordert. Aber oerstehen Sie mich, bitte, «s ist ein« glückliche Beruhigung, fem Gewissen erleichtert zu haben.' Valentin drückt« die Hand der Frau, wollt« aufstehen und ohne Antwort abzmvariect gehen. Aber da hielt ihn die Nein« Mädehenhand,«r sah in ein Gesicht, in dem ein leises, feines Lächeln stand. „Ich dank« Ihnen im Namen meiner Schwester. Es soll nicht mehr davon gesprochen werden. Eins ober möchte Ich Ihnen doch sagen. Es drängt mich und es ist auch nicht unbegründet: Sie sint reicher als de anderen, Sie hoben noch ein Gewissen. Retn. es ifi keine Weisheit, wenn ich Ihnen sag«, daß Sie gut sein müsser.!' Er sagt« nichts und sah in ihr« großen hellen Augen. Sle schwieg, st« blickt« ihn an, dann senkt« sich ihr Blick. Di« Hände drück, en sich leise fester. Er wünschte der Frau gut« Besserung und fragt«, ob er n«ch einmal kommen könne. Dos Mädchen begleitet« ihn Ms zur Tür hinaus. „Ich danke Ihnen. Sie wissen nicht, was Si« mir gesagt haben! Müde und bang kam ich her und Sie geben mir noch gut« Won« zum Geschenk! Ich danke Ihnen... und... guten Tag!' .Nein!' erwiderte si« rasch und nahm sein« Hand, ihr« Stimme klang dunkel, jäh sah sie ihn an, groß, voll Lieb«...„Auf Wieder, sehen!' „Auf Wiedersehen!' sagt««r froh. Di» Gassen war«:, breites, d!« Fenster funkelten heller, di« Bäum« blühten berauschender,' der Frühling war klingender und er füh'l« alle Menschen viel kleiner geworden, während er, köstlicher Gefühl« voll, in den lichten lag hineinlies. \ _. i Gardinen, Linoleum, Teppiche, Decken fiälbStOrBS Btamln, mit Blniats.. 2 9 3 4 TtÜlgarnitnren____ S° Etammgarnitnren 4 9 690 890 Bettdecken 2betu......... 81218°° Scheibengardinenwt� 55,75, 95» Scbalgardinen«.«.rw». 75, 95?-. I35 Ganz besondtrt preiswert, kleine SehOnheUsfehltr; Linoleamlänfer in grosser Änswahl ea. 60 cm«H1S f*45«*29 y| 10 M 95 fruit.Mir. ä 67 cm 90cm<9 HO cm*9 1S< cm £tnoiem$uslegswBre230 200 cm breit, bedruckt............ 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Baumlchu.enmeg.\ DeMtMaMN-hM Biigeo-g.8iiioneiltMMt( Oonnecstog. bta 8. Januar, nach- mittag»»>, Ahr. im Verbantisbanl«. Cinlenftt;. 83 65; BW Sitzung"WU Sageeatbnang; 1. Bericht den Verhandlungen vor dem Echiichlcr chroß-Berlin« 2. Diekulflo». «lle Betriebe mdffen unbedingt ver- treten letn. Dt« Sitzung wirb pünktlich eröffnet. UWiShlrlllgiemechavik w Oouaccalaa,»an 8. Januar, nach. mittag* S Ahr, in I,ar'ccce(aol dem VurdauhAhuul«». Ciulanftt. 83 83: Branchenversammlung Taaeso'rdnung: Slellungnahme WM Streik bei Adam Schneider und im Medizmkschen Warenhaus Erscheinen aller tst Pflicht Bag-.Geldidirank- bull iWstfiter! Jccilog. den 9. Januar, nachmittag» SV, Ahr, Itz«rde>t»la|eu|aal»,* vcrdaudahuus«», einiaujir. 86/83 Branchenversammlung Tage»orduuna: I Berich," der Zcbnlommlifion 8. Stellungnahme dazu vbne Mitgltedebuch t e t n Zutritt. vt» Ortav-riuattung. G. m. b. H. ZimmersiraBe 68 iBTentBr-AnsverkaBt In allen Abteilungen zu bedeutend herabgesetzten Preisen III Beginn am 7. 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