Nr.14 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 8 Bezugsvreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monab lia 3, Goldmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutsland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, 2uremburg 4,50 Goldmart, für bas übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Bormäris mit der Sonntags Beilage ,, Boll und 8eit" mit ,, Sied lung und Kleingarten" somie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint modhentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal " Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenvreise: Die einfpaltige Nonpareillegeile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 1- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( azuläffig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes meitere Bort 0,05 Goldmart. Worte ber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart. ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donboff 292-293 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 9. Januar 1925 Gegenminen gegen Marx. Erschwerte Kabinettsbildung. BIB. meldet: Die Bemühungen des Reichstanzlers Marg. gemäß dem ihm erteilten Auftrag fo rasch wie möglich eine Regierung zu bilden, haben geffern noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler fand gestern abend eine Aussprache ffatt, auf Grund derer der Reichs favzler heute die Berhandlungen fortführen wird. Im Reichstag wurde gestern das Gerücht verbreitet, daß Marr gescheitert sei und seinen Auftrag an den Reichs präsidenten zurüdgegeben habe. Es wurde erzählt, diese Krise in der Krise sei durch die Weigerung des Finanzministers Dr. Luther und des Ernährungsministers Grafen Kanitz entstanden, eine Regierung ohne die Volkspartei mitzumachen. Ob diese Weigerung tatsächlich erfolgt und ob sie endgültig ist, fleht dahin. Unverständlich wäre es aber, wenn an derartigen Bersonenfragen die Bildung einer neuen Regierung Mary scheitern sollte. Gegnern der Republik in der Republik ist erst recht eine innere Unmöglichkeit. Darum ist auch vor dem Verfuch zu warnen, Herrn Mary als Reichskanzler durch eine weiter rechts gerichtete Persönlichkeit zu ersetzen.( Als solche wurde gestern im Reichstag Herr Dr. Luther genannt.) Was die Rechte will, ist vollkommen flar. Sie will das Zentrum in ihre Gefolgschaft zwingen. Gelingt ihr das nicht, so will sie hohnlachend zusehen, wie alles sich in Brei auflöst Will das Zentrum nicht Bürgerblockpolitit machen, so muß es 3entrums politit machen. Das heißt, es muß sich dafür start mechen, eine Regierung auf die Beine zu stellen, die den bisherigen Kurs der Mitte festhält, und muß nach dem Grundsatz handeln: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Die Republik und die parlamentarische Demokratie bestehen, weil es nichts gibt, wodurch sie ersetzt werden können. Darum halten sie auch manchen harten Schlag aus. Aber ihren Anhängern fann es nicht gleichgültig sein, wenn ihr Ansehen durch endlose Krisen erschüttert wird. Es muß ein Ende gemacht werden! Die Sozialdemokratie hat durch die Erklärung, die sie für die Wiederherstellung der Weimarer Koalition abgegeben hat, ihre Bereitschaft bewiesen, attiv einzugreifen und die Krise zu beendigen. Das Zentrum hat es vorgezogen, einen anderen Weg zu geben; es muß jezt zeigen, daß dieser Weg gangbar ist und nicht im Sande resultatlofer Regierungsbildungsversuche verläuft. Es ist notwendig, die Krise endlich zu beenden. Es ist aber nicht notwendig, daß diefer oder jener Minister bleibt, und es ist nicht einmal notwendig, daß alle Refforts besetzt werden, bevor die Regierung vor den Reichstag tritt. In Der bisherigen Regierung waren zwei Ressorts, die der Justiz und des Berkehrs, unbesetzt, ohne daß sich jemand viel darum gefümmert hätte. Minister, die nicht begreifen, daß die Not des Landes ihr Berbleiben im Amt erfordert, find für die Rete bieler gierung nur eine Kugel am Bein: bleiben sie heute, so werden ste morgen Schwierigkeiten machen. Und ohne diesen Herren zu nahe zu treten, fann man fagen: es find doch nicht so überragende Bersönlichkeiten unter ihnen, daß es unmöglich fein follte, für fie gleichwertigen Erjah zu finden. Es muß eine Regierung geschaffen werden, und diese Regierung fann keine Bürgerblodregierung sein, weil fie teine Mehrheit hat. Eine Minderheitsregierung von Das Diktat der Schwerindustrie. Zweischichtensystem! Die Telegraphen- Union verbreitet folgende Aeußerung einer ungenannten führenden Persönlichkeit der deutschen Montanindustrie": Wenn Herr Brauns glaubt, daß er auf dem einfachen Berord nungsmege unter Uebergehung des Gutachtens des Reichswirtschaftsrotes die dreischichtige Arbeitszeit bzw. den Achtstundentag für Rote rei- und Hochofenarbeiter diftatorisch erzwingen fönne, so ist kaum anzunehmen, daß das Gesamtkabinett ihm auf diesem Wege Folge leisten wird. Schließlich ist der Reichswirtschaftsrat ja eine ver faffungsmäßige Institution. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß ein Rabinett, das an sich schon zurück getreten ist und dessen Regierungsbefugniffe mur provisorische sind, noch die Verantwortung für eine für unsere gesamte Bolkswirtschaft so einschneidende Maß nahme wird übernehmen wollen. Schließlich ist es überhaupt fra g lich, ob Herr Brauns wieder in das Reichsarbe its ministerium zurüdtehrt, um so mehr, als er durch sein zurückweichendes Verhalten bei den Genfer Arbeitszeitverhandlun gen sich international ziemlich festgelegt hat, was für die Erfüllung des Dawes- Gutachtens von geradezu katastropha len Folgen wäre. Welches Berständnis Herr Brauns überhaupt den Belangen der deutschen Wirtschaft entgegenbringt, geht aus seiner Aeußerung zu Vertretern der deutschen Industrie hervor:„ Ich habe la schon manches im Interesse der deutschen Industrie getan, troßdem ich Arbeitsminister bin." Im Reichsrat hat gestern abend Herr Jarres erklärt, daß er das Amt des Reichsinnenministers niederlege, um als Oberbürgermeister nach Duisburg zurückzukehren. Herr Stresemann wird heute im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags voraussichtlich feine letzte Rede als Minister in Demission halten. Auch der Reichspostminister Dr. Hoefle fcheidet aus. Sollten auch Hamm, Luther und Ranik gehen, so wären sechs Portefeuilles neu zu besetzen. Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bosticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depoütenkaffe Lindenstraße 3 Mussolinis Gegenangriff. Die Nuhe des Friedhofs. Rom, 5. Januar. Wahrscheinlich ist man über die Einzelheiten der italienischen Ereignisse im Auslande besser unterrichtet als bei uns. Seit dem 30. Dezember erscheinen feine Zeitungen mehr, außer den faschistischen, die nur das bringen, was die Regierung bekannt geben will. Trozdem dürfte sich aber die große Linie, der heutigen Lage beffer hier in Rom ertennen lassen, wo man zwar in völligem Dunkel ist über die Ereignisse in der Provinz, aber immerhin über das Spiel hinter den Kulissen mehr erfährt als die Telegraphenbureaus ins Ausland berichten können. Mussolini hat einmal den faschistischen Staat, im Gegenfah zum liberalen, dahin definiert, daß er sich nicht nur verteidigt, wie dieser letzte, sondern angreift. Was wir heute in Italien erleben ist der Angriff einer Partei gegen ihre Widersacher, der sich in den Formen eines Angriffs des Staates gegen Staatsfeinde darstellt, eben, weil die angreifende Partei fich aller Machtmittel des Staates hat bemächtigen können und sich ihrer gegen die Nation bedient. Das erbarmungslose Häufen von Anflagen gegen das faschistische Regime, dessen zeitlich- letter Ausdruck die Veröffentlichung der Dentschrift Roffis war, hatte aunächst zwei Folgen gehabt: es hatte die Rechtsliberalen um Salandra zum Abrücken vom Faschismus bewogen und hatte die Börse beunruhigt, mit recht fühlbarem Rüdgang der Lira, besonders gegenüber dem englischen Pfund. Darauf der außerordentliche Ministerrat vom 30. Dezember, für den der Rücktritt der beiden rechtsliberalen Minister Casati ( Unterricht) und Sarochhi( öffentliche Arbeiten) in Ausficht gestellt worden war. Statt dessen erfolgte nach mehrstündiger Beratung das Kommuniqué, in dem der Ministerrat einstimmig beschließt, die materiellen und moralischen Intereffen des Landes" energisch zu schüßen. Die Borgeschichte dieser Einstimmigkeit soll die folgende gewesen sein. Ein Individuum hatte den Abgeordneten Gen. Turati von der Eristenz eines in Chiffreschrift verfaßten Rundschreibens der faschistischen Partei informiert, das von der Silvesternacht an eine Wiederaufnahme der Gewalttätigteiten gegen die fezessionistischen Parlamentarier anordnete. Angeblich sollte die Information eine Warnung sein. Die Sache wurde, nach einen für uns unkontrollierbarem Gerücht, auf dem Umweg über Giolitti anhängig gemacht. Der Ministerpräsident soll darauf zu dem von ihm so beliebten Werkzeug der Expreffung gegriffen haben, indem er sagte: Ich kann den Grimm der faschistischen Massen zügeln, fo= lange ich ministerpräsident bin und mein Kabinett ge schlossen hinter mir habe; im anderen Falle stehe ich für nichts. Also, das alte Klischee: Nach mir der Bürgerkrieg". BirIn den Bereinigten Staaten ist die Schwerindustrie freiwillig zum Dreischichtensystem übergegangen, obwohl auch dort die Schwerindustriellen so ziemlich die brutalste Arbeitgebergruppe ist. In England, in Frankreich, in Belgien, in Schweden, in der ganzen zivilisierten Welt, in allen Ländern, die als Konkurrenzländer in Betracht kommen, ist das barbarische Zweifchichtensystem in der Schwerindustrie be feitigt. Während in den Berufen, wo die Arbeitsweise eine im Verhältnis zur Schwerindustrie leichte und gefunde ist, der Achtstundentag für die große Mehrheit der deutschen Arbeiter in Kraft ist, sollen Reichswirtschaftsrat und Reichsregierung auf Befehl der Schwerindustrie die Arbeiter vor den Hochöfen zur Zwölfftundenschicht vertung ganz nach Wunsch. dammen. So wurde die erste Phase des Angriffs gegen die Wenn die Volkspartei, die parlamentarische Vertretung Oppofition eingeleitet, offiziell als scharfe Handhabung der Schwerindustrie, hartnäckig auf der Bildung einer Re- der Julidefrete. Böllige Unterdrückung der nicht gierung aus Deutschnationalen, Volksparteilern und Zentrum faschistischen Presse. Auf Grund einer phantastischen Aus bestand, fo deshalb, weil sie von ihren Auftrag und Geld- legung des Gefeges über die Verwaltung der Gemeinden und gebern in der Frage des Dreischichtensystems in der Schwer Provinzen wurde das einheitssozialistische Lavoro" in industrie eine gebundene Marshroute hat. Die Genua dauernd verboten. Die Giustizia", unser in MaiSchwerindustrie mutet den Mitgliedern des Sozialpolitischen land erscheinendes 3entralorgan, erschien am zweiten Ausschusses des RWR. zu, diese Marschroute gleichfalls ein- Tage ganz ohne Text: nur der Titel des Blattes und die Anzuhalten. Sie besteht darauf, daß, entgegen den klaren Be- zeigen: trotzdem wurde das Blatt beschlagnahmt. Die ftimmungen der Arbeitszeitverordnung, entgegen aller fozial- fommunistische ,, ll nità" tam am gleichen Tage nur eine politischen Einsicht, das schmachvolle 3wei Seite start heraus und brachte nur Ausschnitte aus faschistifchichten system aufrecht erhalten wird, das schen Blättern, mit Quellenangabe: der Beschlagnahme ent Deutschland der Verachtung der Kulturmelt preisgibt. Die Ar- ging sie nicht. In Rom gefiel sich der herrschende Pöbel Der Sinn dieser Verlautbarung der Schwerindustrie ist beiter der Schwerindustrie würden sich in einem Stampfe, der darin, junge Leute auszusenden, die den oppofitionellen von aller nur wünschenswerten Deutlichkeit. Die Schwer bei der Brutalität der Schwerindustriellen nur erbittert und Mondo" ausriefen. Natürlich drängte sich das Publikum, industrie fordert die Ausschiffung des Reichs- hatnädig fein tönnte, so oder so den Achtstundentag zurüd das Blatt zu kaufen; nachdem sie bezahlt hatten, drückte man arbeitsministers, der sich in der Frage der Wiederholen. Bir glauben jedoch nicht, daß der RWR., die ihnen aber ein faschistisches Revolverblatt, das herstellung des Dreischichtensystems in der Schwerindustrie an Reichsregierung und der Reichstag der Schwerindustrie so zu" Impero" in die Hände. Wer, aus instinktivem Ekel oder Prinzip, den Lappen die Bestimmungen der Arbeitszeitverordnung für gebundent Diensten stehen, daß die Arbeiter die Respektierung des Ges aus zurücwies, wurde hält. Die zweite Forderung der Schwerindustrie richtet sich fezes erst erfämpfen müssen. Rnüppeln bearbeitet! den fozialpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrates, der morgen zur Rückkehr zum Dreischichtenfnstem Stellung nehmen wird. Man fann eigentlich nicht sagen, daß die Schwerindustrie mit dieser Berlautbarung vom sozialpolitischen Ausschuß des Reichswirt schaftsrates verlangt, im Sinne der Schwerindustriellen zu beschließen. Diese halten es für selbstverständlich, daß der sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates in feiner Mehrheit unbedingt den Befehlen der Schwer industrie gefügig ist. an Der Borwärts" dürfte faum in den Verdacht tommen, für den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns besondere Sym pathien zu hegen. Ob die Aeußerung, die ,, die führende Perfönlichkeit der Schwerindustrie dem Reichsarbeitsminister in den Mund legt, richtig ist, wissen wir nicht. Jedenfalls ist sie charakteristisch. Nicht minder charakteristisch ist es, daß die Smerindustrie es unerhört findet, daß ein Reichsarbeitsminister fich bemußt ist, daß er schließlich auch an die Intereffen der Arbeitnehmer denken muß. Kabinett Braun und Landtag. Heute Erklärung über Köln. Der Aeltestenrat des Landtags beriet am Donnerstag vor der Plenarsizung über die Geschäftsiage. Am Freitag foll die Plenarfigung des Landtags um 11 Uhr mit einer Regierungs erklärung zur Nichtraumung Kolns stattfinden. Die Komunisten wollen zu dieser Erklärung besonders Stellung nehmen. Es wurde eine Redezeit von zehn Minuten bestimmt, die aber vor, cussichtlich nur von dem fommunistischen Redner ausgenutzt werden wird, während die übrigen Parteien das Wort nicht nehmen wollen. Die nächste Sigung soll dann am Mittwoch stattfinden. Man erwartet, daß an diesem Tage das Rumpffabinett mit einer Regierungserklärung vor den Landtag treten wird mif In diese Zeit fallen die Gewalttaten von Florenz. wo die Bureaus mehrerer Advokaten verwüstet und geplün dert wurden, zwei Siße des Freimaurerordens verwüstet und die ganze Redaktion und Druckerei des„ Nuovo Giorna le" zerstört wurde, mit einem Sachschaden von zwei Millionen. Interessant ist, daß in Florenz die Truppen und die Polizei untätig dem Vandalismus zusahen, bis sich die fasichistische Rotte dem Gefängnis zumendete, wo sie einige der lautersten Vertreter ihres Ideals in Verpfle qung wußte. Nun wendete sich der Präfeft telephonisch nach Rom, um anzufragen, ob das System der gefreuzten Arme der Polizei weiter durchzuführen fei und erhielt die Antwort, daß jezt gewaltsame Zurückweisung zulässig war. .In Pisa, Lucca, Livorno, Prato und fleineren Orten der Tostana ift ähnliches geschehen, immer im Anschluß an große Faschistenaufgebote, die ungeachtet des Berbotes jedweder Versammlung stattfanden. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags beschloß gestern im Fall des tommunistischen Abg. Rosenbaum Haftentlaffung, Dann tam am 3. Januar die Kammereröffnung, mit der über den Fall Höllein wurde die Entscheidung auf heute vertagt i die faschistische Offensive in die zweite Phase tritt. Man wußte, daß die Wiederaufnahme der Kammerarbeiten den offenen lle bertritt Salandras und der Seinen zur Opposition bringen würde. In der Tai hat Salandra gleich nach der Sigung telegraphisch seinen Rücktritt als italienischer Vertreter des Völkerbundes bekanntgegeben. Charakteristisch ist, daß Mussolini seine am 3. Januar angekündigten Maßregeln als Verteidigung des Landes gegen umftürzlerijche Anschläge auszugeben fucht, wobei er auf Brände in verschiedenen Bahnhöfen großer Städte hinwies, von denen nie einem Menschen mit geeinem Menschen mit gefunden Sinnen der Gedanke kommen fonnte, daß sie etwas mit Umsturz zu tun hatten. Man bemerkte bescheidentlich, daß eben die Schlamperei und Disziplinlosigteit unter den Segnungen der Eisenbahnmiliz noch größer wären als vorher. Aus allem fann man Bouillon machen," sagt ein italienisches Sprichwort. Und Mussolini macht die Bouillon seiner Repreffalien aus den Bahnhofsbränden. Er fann doch nicht gut sagen: eine Fortsetzung der Denfschrift Rossis paßt mir nicht". Mussolini ist, wie alle Männer der Tat, ein großer Bereinfacher. Aus der ganzen schweren Not des italienischen Boltes, der italienischen Nation, erfaßt er nur weniges, foweit es auf ihn persönlich Bezug hat, und stellt dieses Menige als allein wirklich dar. Eigentlich wirklich ist in Italien heute mur er selbst, Benito Mussolini; der Rest ist Schall und Rauch. Die Tschefa hat nie existiert. Er selbst sagt von sich felber: Niemand hat mir bis jetzt die folgenden drei Eigenschaften abgesprochen: eine gewisse Intelligenz, großen Mut und eine souveräne Berachtung für das gemeine Geld". fette, the loszulaffen, dann würdet ihr sehen, was passiert; aber es wird nicht nötig sein, daß ich den Faschismus entfeffefe. Die Res gierung ist ftart genug, um den Aufstand der Sezeffionisten völlig niederzuschlagen. Italien will Frieden, Ruhe, Arbeit, und wir werden fie ihm geben, mit sanften Mitteln oder mit Gewalt. In 48 Stunden mird die Lage geklärt sein, das mögen alle wissen, nicht aus Laune oder aus Gier nach Macht, sondern aus unendlicher gewaltiger Liebe für unser Vaterland." Die 48 Stunden find abgelaufen. Wir wiffen noch nicht. was die Pandorabüchse enthält, die über uns ausgeleert werden soll. Man spricht von der Auflösung des Freimaurer ordens und von der Entlassung sämtlicher Offiziere, die ihm angehören, von Massenverhaftungen, besonders der Republifaner, von einer Maßnahme, die die Abgeordneten der Oppo fition wegen sechsmonatigen Fernbleibens von den Kammer arbeiten ihres Mandats verlustig erklären. All das hat menig Bedeutung. Wer sich auf die Gewalt stüßt als ultima ratio, für den sind solche Maßnahmen nicht wichtiger als Altweiber hausmittelchen in einem Fall der hohen Chirurgie. Mussolini ftüßt sich auf die Miliz: die erfte Maßnahme der 48 Stunden bestand in der Ermächtigung der Präfeften, die miliz zu mobilisieren. Am 4. Januar defilierte die Miliz über den römischen Corso, unter dem eifigen Schweigen der Menge: mit aufgepflanztem Bajonett, Maschinengewehren, Panzerautos und Ambulanzen: ein Symbol faschistischen Friedens! Zusammengefaßt alfo ift die, Lage die folgende: man hat gegen die Regierung schwere Beschuldigungen erhoben, die por das Forum des gemeinen Rechts gehören. Sie antwortet darauf: die Bahnhöfe brennen, ich muß das Baterland Schüßen. Den fehlenden Zusammenhang zwischen Frage und Antwort will sie durch Maschinengewehre herstellen! Wir halten dafür, daß nur die erste dieser drei Eigen schaften unbestritten ist. Mut besteht nicht nur darin, daß man schnell im Auto fährt oder sich junge Löwchen hält. Wem die Sorge vor einer Gehirnertranfung als Nachfrankheit einer in der Jugend überstandenen Infektion ein so treuer Begleiter und ein so schlechter Berater ist, der zeigt in seinem Hange nach immer neuen und immer stärkeren Reizen garder teinen mut, sondern eine menschliche Hinfällig keit, die er mit vielen Schicksalsgenoffen teilt. Mut sieht der Wirklichkeit mannhaft ins Auge. Ueber den dritten Bunft wird die Geschichte das letzte Wort fprechen, wenn nicht die Weltgeschichte, so doch die Familiengeschichte. Wenn schließlich Mussolini fich erdreistet, sich zur moralischen Größe Matteottis aufzureden, so wollen wir nur daran erinnern, daß die Mörder Giacomo Matteottis Mussolinis beste Freunde waren. Man mag aus dieser Tatsache teine strafrechtlichen Folgen ableiten, aber auf ethischem Gebiet erscheint die Gefte moralischer Solidarität mit dem Toten, die Mussolini gewagt hat, unendlich viel gemeiner und obszöner als es jede Solidaritätserklärung mit den Mördern sein könnte. Also: teine Tscheta, höchste sittliche Lauterkeit an der Regierung. Es folgt die Verherrlichung des Geschehenen: Niederfchlagen der Meuterei der kgl. Garde( der von Nitti gegründeten Polizei) und der Bewegung des Soldino( antifaschistische monarchische Bewegung in Sizilien und im Süden). Kraftprobe von Korfu. Was die italienische Normalität stört, ist die Oppo. fition. Sie ist republikanisch; sie beschwört die Konflikte heraut, denen die Faschisten im ganzen Lande zum Opfer fallen. Dann kommt das Melodrama, das bei Mussolini nie fehlen darf: er übernimmt alle politische und moralische Berantwor tung für alles, was der Faschismus getan. Das find Flausen Tatsache ist, daß er diese Berantwortung hat und sich um sie zudrüden versucht. Und zum Schluß die Eisenbahnbrände, die mit der parlamentarischen Sezeffion genau so viel zu tun haben, wie etwa die Sonnenwende: „ Es kommt ein Augenblid, wo man fagt: jetzt ist es genug. Wenn zwei sich streiten, so ist die Lösung nur in der Gewalt( forza); es hat nie anderes in der Geschichte gegeben und wird nie anderes geben. Man hat geglaubt, daß es mit dem Faschismus zu Ende sei, meil ich ihn niederhielt und ihn bändigte. Benn ich den hundertsten Teil der Energie, die ich zum Niederhalten aufgewendet habe, daran Aerzte und Sozialismus. In den Wahlaufrufen der rechtsgerichteten Barteien wurden die Angehörigen der sogenannten freien Berufe mit besonderen Ber. prechungen zu locken gesucht. Man will ihnen ihre Freiheit" erhalten, wenn sie den richtigen" Wahlzettel züden wenn sie nicht artig find, frißt sie der schwarze Teufel des Sozialis: mus. sonst aber, Manche Aerzte haben sich in der letzten Zeit von dem Schlag worthagel der reattionären Phalang breitschlagen lassen, weil, wie fie glauben, die Freiheit ihres Standes besonders gefährdet sei. Es ist bekannt, daß sich die wütenden und sanfteren Aeußerungen vor allen Dingen gegen die Krankenfaffen und ihre Tätigkeit richien. Wie dem auch sei tann den Aerzten durch eine Sozialisierung die Freiheit genommen werden? Dazu müßte man sich erst darüber flar sein, was man unter Freiheit versteht. Der Sozialismus ist eine höhere Gesellschaftsordnung, die an die Stelle der individuellen Freiheit die Freiheit der Gesellschaft fehen will. In der befreiten Gesellschaft soll dann der einzelne die Handlungsmöglichkeit finden, die ihm nach seinem Beruf und feinen Fähigkeiten zukommt. Bersteht man unter Freiheit eine planlose Profitwirtschaft, die von ethischen und ökonomischen Grundfäßen unbelastet ihren Vorteil mahrnimmt, wo sie ihn findet, dann muß man allerdings der Frei heit des Sozialismus verständnislos gegenüberstehen. Hat man aber nur ein ganz wenig tiefer in die Dinge hineingeschaut. wird man begreifen, daß jede wirkliche, also auch die individuelle Freiheit erst dann anfängt, wenn man die Verhältnisse planvoll betrachtet, also als Sozialist tätig ist. Bielen Aerzten wird es allerdings befonders schwer, diese geringe Einsicht aufzubringen. Nicht weil sie weniger Berstand als andere Menschen hätten, sondern weil sie sich noch heute einer Gesellschaftsklasse und faste zugehörig fühlen, deren Prinzip eine antifozialistische, egoistische Brofitwirtschaft ift. Diefe Kaste find die sogenannten Akademiker. Hierher gehört alles, was glaubt, fich auf Grund erworbenen Wiffens den eigenen Boltsgenoffen gegenüber überlegen gebärden zu dürfen. Für den akademisch gebildeten und verbildeten Durchschnitts arzt ist der Patient nur wissenschaftliches Material. Das Verhältnis zwischen Arzt und Batient ist so wie das zwifchen Leutnant und der überlegenen Weisheit zu geben. Das Rurieren wird vom Ge horchen abhängig gemacht. " Mofchkoten". Der Kranke hat sich blindlings in die Echicialshand Die Krankheit wird hier zum Fall, der bestenfalls ein wiffen schaftliches Kuriositätsintereffe bat. Die Behandlung bleibt eine öde Symptomatologie, die niemals den Menschen als ein einheitliches Wesen vorausfekt. Der Durchschnittsarzt handelt fo. wie es ihm die ,, Schule" vor. schreibt, und diese Borschriften find nicht nur millenfchaftliche, fon= dern sie haben durch den Mund und das Gebaren der Meister" einen weit über das Gebiet der Medizin hinausgehenden reaktio= nären Charakter. Nirgendwo ist in der Moral, die der Arzt auf seiner akademischen Laufbahn mit auf den Weg bekommt, die Rede davon, daß die ärztliche Tätigkeit überhaupt nur dann einen Sinn hat, wenn sie „ Es gibt kein Zurück"! Das Kampfmanifest der italienischen Oppofition. Rom, 8. Januar.( E) Das Ministerium des Innern hai Presse heute nachmittag die tommentariose Biebergabe des oppositionellen manifestes gestattet, dessen Beröffentligung ursprünglich der Presse unter Androhung der Beschlagnahme der Zeitungen untersagt worden war. Die Oppo fitionsparteien beharren in ihrem Manifest auf ihrem unver ähnlichen Standpunkt in der moralischen Schuldfrage gegenüber der Regierung Sie betonen, daß fie sich bewußt seien, ihre Aufgabe sei noch nicht beendet und daß sie sich darauf vorbereiten, dieselbe mit Ruhe und. Entschlossenheit durchzuführen. Die Regierung gebe sich umsonst der trügerischen Hoffnung hin, daß sie eine so verwickelte moralische und politische Frage lösen und das fönne, die dem ersten Handstreich den Weg geebnet hätten und m Voll materiell und moralisch den Emflüsterungen unterwerfen ber faftistischen Regierung fich zu befestigen scheinen. Riemand werde diese zwei Jahre mit allen ihren Wechselfällen aus der Geschichte ftreichen können. In ihnen seien die Erfahrungen des italienischen Volkes zu einem unwiderruflichen Urteil geteift. „ Es gibt fein Zurüd! Das Jahr 1925 in nicht das Jahr 1924 Benn die Einsegung von Machtmitteln gegen die Opposition das eindrucksvolle Eingeständnis von Schuld und Schwäche bildet, so ist es töricht, von Italien zu verlangen, dem dunklen Spiel des Faschismus sein bringendes und gebieterisches Friedens und Entwidlungsbedürfnis zu opfern Es müsse fchon jetzt gejagt werden, daß die Lösung der Krise auch nicht durch die Wahlen ge bracht werde, mit denen die gegenwärtige Regierung brohe. Unter den herrschenden Umständen würden diese nur die Besiegelung und Berschärfung des Gewaltstreichs bedeuten, der in den legten Tagen einfegte, und die Krise äußerst verschlimmern, ernste Berantwortung erftehen laffen und eine neue Fälschung des Willens des Landes darstellen, das gegenüber der vorhandenen Absichten zu einem einzigen Aventin würde. Das Manifest bestreitet auch, daß die Opposition Aufruhr schaffe und Verschwörungen anzettele, welche fie in aller Deffentlich teit und mit den gesetzlich erlaubten Mitteln bekämpft. für die Allgemeinheit geleistet wird. Was hilft denn alle Bildung und Kultur, wenn das primitivste Verständnis für den Sinn und die Aufgabe des ganzen Berufes fehlt? Der Arzt muß begreifen lernen daß eine Krankheit fich eben. fogut aus dem Sozialen wie aus dem Biologischen erklären fäßt Phänomen ist. Hierzu ist es notwendig, daß man dem Batienten und daß der Heileffekt ebensogut ein soziales wie ein biologisches eine vollkommene Gleichberechtigung zugesteht. Er muß fogar mit reden" fönnen. Die Berordnung eines jeden Meditamentes muß Don einer biologischen und einer sozialen Ueberlegung zu gleicher Beit ausgehen. Immer und immer müßte sich der Arzt bewußt fein, daß der Unterschied zwischen Arzt und Batient nur ein zu fälliger im Bergleich zu der Tatsache ist, daß fie beide Funktionen fozial denken und sozial handeln. einer übergeordneten Allgemeinheit sind. Das nennt man dann Hiervon sind wir allerdings weit entfernt. Das zeigt die Hehe der Aerzte gegen die von den Kaffen eingerichteten Ambulatorien. Es ist gar kein Zweifel, daß in diesen gemeinnützigen Instituten ökonomischer und infolge der bis ins Raffinement getriebenen tech nischen Ausstattung auch ärztlich beffer gearbeitet wird als bei den vereinzelt wirkenden und auf ihre bescheidenen Mittel angewiesenen vereinzelt wirkenden und auf ihre bescheidenen Mittel angewiesenen Individualärzten. Aber wann hätten je Einsichten und Vernunftsgründe Menschen bestimmt, wenn fie von einem Nebel rettungsfofer Borurteile umfangen sind? Die Aerzteschaft hätte die Möglichkeit, sich die verlorene materielle und ideelle Position zurückzugewinnen wenn fie nur wollte, wenn fie energifch ihren Blick von ihren Spezial intereffen auf die Intereffen der Allgemeinheit richten wollte und einmal nur nach den Grundfäßen des Idealismus verführe, den fie fo oft bei ihren Proflamationen heraufbeschwört. Richard Huelsenbed. Eine bedeutsame Entdeckung auf dem Gebiete der Röntgenftrahlen. Wie wir wissen, find Röntgenstrahlen mit Lichtstrahlen millionenjadh türzere Wellenlänge. Durch Glasprismen werden die wesensgleich und unterscheiden sich von ihnen nur durch ihre zehn Lichtstrahlen in ihre einzelnen Wellenlängen„ Spektral" legt. Diese Zerlegung, auf der ein Teil der Spektralanalyse beruht, wird durch Brechung des Lichtes im Prisma hervorgerufen. Wie nun der schwedische Forscher Manne Siegbahn( Upsala) in den Naturwissenschaften mitteilt, ift es ihm gelungen, bie Marallele zur Lichtoptif auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen aufzufinden: Siegbahn und seine Mitarbeiter haben zum erstenmal die Brechung der Röntgenstrahlen experimentellbar. gestellt. Die schon seit Jahrzehnten auf dieses Biel gerichteten Arbeiten hervorragender Forscher waren bisher gescheitert. Mit Siegbahns Entdeckung erhält die physikalische Wissenschaft eine dirette Methode, die Anzahl der Elektronen verfchiedener Atombahnen zu bestimmen. Untersuchungen dieser Art sind bereits im Gange. Arbeiten, die das Gehör schwächen. Der Aerztetongreß in Leningrad( Petersburg) beschäftigte sich hauptsächlich mit den Krankheiten des Kehltopfes, der Nase und des Gehörs. Diese Krankheiten treten in Sowjetrußland ganz besonders start in gewiffen Berufen hervor, weshalb man sie einfach die Profeffions Die scharffle Phase des Konflikts zwischen der Faschistenherrschaft und dem Cande habe begonnen. Die Maste von Verfaffungsmäßigkeit und Normalisierung sei ge fallen. Die Regierung trete die Grundsäge der Berfassung mit Füßen, unterbrüde mit unerbörier Willkür die Freiheit der Preſe und jedes Regierungsrecht, mobilifiere bewaffnete Partei. träfte, verfolge Bereine. Dude aber, ohne zu strafen, Berwüstungen und Brandfchagungen, die ihre Gegner treffen und Italien in den Augen der zivilifierten Welt erniedrigen. Das ganze Land ei überzeugt, daß der für die Unterdrückungspolitik benutzte Vorwand eine lächerliche Büge sei, da teine Berschwörung das Land bedrobe und feine Attentate gegen die Rechtsordnung perübt werden. Heute sei es vielmehr die Regierung, die sich über die Berfassung hinwegfeye, und fich den Verpflichtungs- und Strafbestimmungen des Gesetzes zu entziehen suche, und dabei berufe fich die faschistische Oligarchie auf das Recht der Revolution, das ihr aber gar nicht auftehe, weil die gegenwärtige Regierung ja vom König ins Amt gesetzt worden sei. In dem Manifeft heißt es noch: Bergeblich sucht die Regierung die öffentliche Meinung abzulenten. Das Land sieht und hat verstanden, daß die Regierung, von der moralischen Frage bedrängt, eine äußerste Anstrengung macht, um sich dem Wahrspruch der öffentlichen Meinung zu entziehen und den Weg zu versperren, der zur Wahrheit und Gerechtigkeit führt. Die Ver brechen sind in der Atmosphäre entstanden, die von der Regierung geschaffen wurde. Neuwahl in Italien. Rom, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierung hat beschlossen, dem am 12. Januar zusammentretenden Parlament lediglich die Wahlrechtsvorlage zu unterbreiten und sofort nach Annahme des Gesetzes das Barlament aufzulösen. Im Mai dürften dann die Neuwahlen stattfinden. Der Grund für diese Eile ist in der Besorgnis Mussolinis zu fuchen, daß die Oppofition, die in diesen Tagen wahrscheinlich schon zur Bereinigung unter der Führung Giolittis gelangen wird, den Weg zum Rönig finden fönnte und der König der gegenwärtigen Regierung dann Schwierigteiten bereiten fönnte. Mussolini weiß, daß der Rönig die gegenwärtige Regierung als eine Gefahr für die innere Ordnung ansieht und ist darum vollkommen sicher, daß der König ein Befragen des Landes gern sehen wird. Die Gelegen heit zur Auflösung des Parlaments ergibt sich aus einer Wahlrechts. änderung. In politischen Kreisen wird versichert, daß Mussolini bereits das Auflösungsdekret mit der Unterschrift des Königs in Händen hat. Inzwischen verfuchen die Raditalfaschisten, die das Ende ihrer Herrschaft im Parlament fommen sehen, die Regierung zu bestimmen. in das Wahlgefeh das Plural stimmrecht einzufügen und einen Artikel in das Gesetz aufzunehmen, der den Angehörigen der neu zu Italien gekommenen Gebietsteile die Erlangung eines Abgeord netermandats fast unmöglich macht.. Rom, 8. Jamuar.( Eca.) Nach dem Meffaggero" beschloß die reteraditale Rammergruppe, ihre beiden Vertreter in der Regierung. die Minister Rava und Gontili, provisorisch in der Regierung zu belassen Zusammenstöße. Mailand, 8. Januar.( Eca.) Aus zahlreichen Orten werden Zusammenstöße zwischen Faschisten und der Bevölkerung, faschistische Demonstrationen und Gewaltatte gemeldet In Trieft ver fuchten die Faschisten. verschiedene oppofitionelle Zeitungen zu stürmen. In Liporno wurden m der Nacht die Räumlic; felten In Brescia zerstörten die Faschisten Bureaus und Druckerei des des faschistischen Blattes pon Unbefannten in Brand gesteckt Popolari Blattes. Der Spitzbergen- Bertrag zwischen Großbritannien, den Ber einigten Staaten. Dänemart, Frankreich Italien. Javan, Norwegen, den Niederlanden und Sweden ist in Kraft getreten. Es wird Rorwegen& boulommene Souveränität über den Spizbergen archipel anerkannt. Der Sirdarmörder verhaffet. Aus Kairo wird gemeldet: Der langaefuchte Motammedaner, der im Verdacht steht, den tödtlichen Schuß auf den Sirdar abgegeben au baben, if berbaftet worden. frankheiten nennt. Sie zeigen fich bei allen türbettern, die fortwährend dem Staub, den giftigen Gasen, den unaufhörlichen und Starken Geräuschen ausgeseßt sind. Am interessanteffen waren die Ausführungen eines Arztes aus dem Gouvernement Charkom, der sich hauptsächlich mit den Gehörnernen beschäftigt hat Er hatte im Gouvernement Charlow alle Arbeiter, die in den großen Kesselfabriken und überhaupt in den Eisenfabriken beschäftigt sind, unter. fucht und dabei gefunden, daß die Leute infolge des ununterbroche nen nervenerschütternden Lärms schon nach einem halben Jahr nicht mehr ein richtiges, scharfes, auf alle Töne reagierendes Dhr haben und daß nach 20 Jahren Arbeit in solchen Fabriten 80 Broz. das Gehör ganz und gar eingebüßt haben. Auch die Arbeiter, die noch halbwegs hören tönnen, leiden an Kopfschmerzen, Stopftongeftionen und haben tausende Geräusche in den Ohren. Er verspricht sich wenigstens eine teilweise Behebung des Leidens dadurch, daß die Arbeiter mindestens zweimalim Jahr aus der Fabrit auf mehrere Wochen ausscheiden und in einer ganz ruhigen Um gebung, im Wald, oder auf dem Lande, ihren tranten Nerven Erholung geben. Hellmuth v. Moltke für den Pazifismus. Die Anbeter der Ge malt, die Anhänger des Krieges, berufen sich in Deutschland mit Vorliebe auf Hellmuth v. Moltke, der im Jahre 1880 einmal in einem Briefe an Bluntschli erklärt hatte, der ewige Friede sei ein Traum und nicht einmal ein schöner. Sie verschweigen dabei, daß nicht nur Deutschlands gewaltigster Denker, der Philosoph Kant, und Deutschlands größter Dichter, Goethe, sich zum Bazifismus befann ten, sondern daß auch Hellmuth v. Moltte als einfacher Generalstabs. offizier ganz anders urteilte. Als Hauptmann schrieb Moltke:„ Eine freiwillige Bermehrung des Wohlstandes ist besser als triegerische Eroberungen", und weiter: Bir betennen uns offen zu der vielfach berjpotteten Idee eines allgemeinen europäischen Bölterfriedens. Ist nicht der Gang der Weltgefchichte eine Annäherung zu jenem Frieden?" mals, daß nur durch höhere religiöse und fittliche Erziehung Ja diefer preußische Offizier schrieb schon da. fiegreichen Krieges erzeugt werden tönne. Das schrieb ber der Bölter" die Einsicht über die Berderblichkeit selbst eines ständlich verdammt nur eine höhere moralische Kultur die schauer. Offizier Moltte in der geistigen Bollkraft seiner Jahre. Selbstver fiche Barbarei des Maffenmordes. Wegbahnerin dieser sittlichen rziehung im Kampfe mit allen fulturfeindlichen, scheinchriftlichen Anbetern roher Gewalt ist die Sozialdemokratie. Die franzöfliche Malerel der Gegenwart Am Sonnabend. ben 10. abends 7, Ubr, findet im Hörfaal der unit gewerbeigule, Prinz Albrecht- Sit. 7a, der erite von zwei Lichtbildervorträgen statt. die auf Ein ladung der Vollsbühne E. V. Dr. Dito Grautoff über das abige Thema balt. Karten zum Beife bon 60 Bf. am Saaleingang Mostauer Künftlertheater. Wegen Erhanlung eines der aupt darsteller ift die bichiebsvorstellung des Moslauer Künstlertbeaters im Deutschen Künfilet theater nicht„ Die Brüder Karamazoff" jondern Dnfel Bania von Tichechow. In der Komödie", Kurfürstendamm 206-207, findet am Sonntag, ben 11., mittags 11 Uhr, eine Tanz Matinea von Ernit Matray, Ratta Sterna, Maria Golbeg ult. ftatt Bur Darstellung gelangt ein Biogramm, das Tänze aller Zeiten entbält. Die Seitung des begleitenden Rammerorchesters hat Pantscho Bladigeroff Löves Wahl. Deutschnationale Schmerz- und Nachegefühle. Während außer den Organen der Links und Mittel parteien auch die volksparteilichen Zeitungen die Wahl Löbes zum Präsidenten mit Genugtuung begrüßen, meil sie sich davon eine sichere Berhandlungsführung versprechen, veranstaltet die deutschnationale Presse eine mißtönende Mufif und sucht ihre Niederlage durch persönliche Angriffe auf den Gewählten zu rächen. Sie rechnet es Löbe als besondere Bosheit an, daß er davon sprach, die Sparer und Gläubiger hätten ihr Eigentum im Jahre des Ruhrtampfes verloren. Das sei eine bewußte agitatorische Wendung. Die betroffenen Kreise tönnen es fich ja selbst ausrechnen, was sie am Anfang des Jahres 1923 und am Ende des Jahres besaßen, um die Richtig feit der Löbeschen Bemerkung zu prüfen. Wild gebärden sich die Kreuzzeitung" und" Deutsche Zeitung, weil er die Bei fallsfundgebungen von den Tribünen, als er fein Amt übernahm, nicht sofort rügte. Sie haben nicht einmal dafür Berständnis, daß ein neugewählter Präsident feine Tätigkeit doch nicht mit Verweisen und Ausweisen beginnen fann, ehe er überhaupt ein anderes Wort gesprochen hat. Besonders erzürnt ist die Deutsche Tageszeitung über das Reichsbannerabzeichen des Genossen Löbe und nach tem fie ihrem Unmut darüber Luft gemacht hat, schreibt sie: Wenn man sich erinnert, in welch überaus vornehmer und höflicher Weise einst Exzellenz Wallraf als neugewählter Präsident feinem Borgänger Löbe den Dank für feine Tätigkeit aussprach und dann die dürftigen Worte danebenstellt, die Herr Löbe gleichfam als Anhängsel am Schlusse seiner Rede mit einer gewissen burschifosen Wurstigkeit hinwarf, dann empfand man doch recht peinlich den Wandel im Ton, den gestern das Präsidium durch gemacht hat. Benn sich die Deutsche Tageszeitung" recht erinnert, würde sie wissen, daß Herr Wallraf dem Genossen Löbe überhaupt keinen Dant gezollt hat, sondern nur in einem halben Sage an die hohe Anerkennung erinnerte, die Fehrenbach bei Beendigung seiner Amtsdauer ihm aussprach, und wenn fie recht herumgehört hätte, würde sie selbst bei den eigenen Parteifreunden das Gefühl für die weitgehende Courtoisie angetroffen haben, die in der Anerkennung der Schwierigkeiten Wallrafs lag. Drollig gebärdet sich der Tag", wenn er anfündigt, daß nach den kleinen Pinschern Löbe, Bell und Rießer jetzt erst der rechte Berhandlungsleiter erscheinen wird, nämlich: Bizepräsident Graef Thüringen". Ausgerechnet dieser Graef. Bei der bloßen Namensnennung schütteln sich% der eigenen Parteifreunde. Ausgerechnet er, der es als Beleidigung betrachten würde, wenn man ihm auch nur den Willen zur Unparteilichkeit zutrauen wollte, und deffen Amtsführung alle mit einem Gruseln entgegensehen! Die Zukunft wird es zeigen. Rund um die Staatsbank. Eine unanständige Berdächtigung. Der Tag" brudt endlich nach mehreren Tagen- die Zufchrift des Genoffen Robert Schmidt ab, in der dieser sich gegen die Versuche, ihn in Beziehung zu der Barmat Ungelegenheit zu bringen, zur Wehr gefeht hat. Trotz der eindeutigen Richtigstellung des Genossen Schmidt wiederholt Ner Tag" in der unanständigsten Weise seine Berdächtigungen. Gr schreibt: men hat. Diefe Diners und Soupers dienten nicht etwa der AnGenosse Schmidt bittet uns mitzuteilen, daß die Berdächtigungen des„ Tag" freie Erfindungen darstellen. Er habe niemals in feinem Leben mit Barmat an einem Diner oder Souper teilgenommen weder im Hotel Bristol oder einem anderen Hotel. noch fei er überhaupt jemals im Hotel Bristol gewesen. der Abg. Dr. Hoefle, daß er fein Mandat nicht niedergelegt habe. Es werden, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, beide Herren mit der Barmat Affäre in Berbindung gebracht. Einstweilen handelt es sich jedoch lediglich um ein Gerücht. Der Borstand der 3entrumsfraktion des Reichstags hat felbstverständlich sofort beim ersten Bekanntwerden der Anschuldigung eine Unter. iu chung eingeleitet, die jedenfalls in fürzester Zeit eine Klärung der ganzen Angelegenheit bringen wird. Borläufig handelt es fich jedenfalls nur um Borwürfe, deren Richtigkeit nicht erwiesen ist. Der härteste Schlag seit 1918. Kölns Protest gegen die Nichträumung. Köln, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die fozialdemo tratische Kölner Stadtverordnetenfraftion hatte vom Oberbürger meister von Röln verlangt, daß er dem Stadtverordnetenkollegium möglichst balb Gelegenheit gebe, gegen die Nichträumung der Kölner Bone öffentlich Protest zu erheben. Das ist am Donnerstag gefchehen. Oberbürgermeister Adenauer eine Brotesttundgebung Zu Beginn der Stadtverornetenversammlung brachte zur Berlefung, in der es u. a. heißt: Beispiel dastehende Zeit ist durch den Versailler Vertrag die Auf eine unerhört lange, in der Geschichte der Neuzeit ohne Belegung der Rheinlande angeordnet. Das befekte rheinische Gebiet hat diese Laſt und die damit verbundene, mit dem Rechts emp finden der Kulturvölker nicht zu vereinbarende Unfrei heit auf sich genommen in der Erwartung und Ueberzeugung, daß würden. In dieser Erwartung fieht sich die Bevölkerung des gedie im Vertrag zu seinen Gunsten festgelegten Termine innegehalten famten auf Grund des Vertrages befesten Gebietes aufs emp findlichste getäuscht. Wenn der erste im Artife! 429 feftgelegte Termin nicht innegehalten wird, wer steht dann dafür ein, ganze befeßte Gebiet ist daher die Nichträumung der Kölner Zone daß die übrigen Zermine eingehalten werden? Für das ber härteste Schlag, der es feit bem 3ufammen. bruch bes Jahres 1918 trifft. Ohne Ronfolidierung der deutschen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ift die erhöhte produktivität, die der Dawes- Plan verlangt, unmöglich. Diese Ron folidierung hat durch das Borgehen der Besakungsmächte eine erhebliche Schwächung erfahren. Die Reichsregierung und die große Mehrheit des deutschen Boltes find bereit, die in London über. nommenen internationalen Berpflichtungen durchzuführen. Diese Berpflichtungen find aber so groß, daß ihre Erfüllung ohne eine seelische Befriedung des deutschen Bolles un möglich ist. Diese Befriedung hatte im vergangenen Jahre begonnen sie wird durch die Nichträumung der Kölner Zone auf eine sehr schwere Brobe geftellt. Das befekte rheinische Gebiet bittet mächte, die in fein Geschid, in das Geschick Deutschlands, ja in das und beschwört daher die Regierungen und Bölker der Besatzungs. Geschick Europas so tief einschneidende Räumungsfrage nicht fleinlich, nicht in einer für alle Beteiligten unwürdigen Beife, sondern mit der durch den Ernst und die Bedeutung der Sache gebotenen Eile, mit aller Loyalität und im Sinne der wahren, der geistigen Abrüftung, die für die Wohlfahrt ganz Europas unerläßlich ift, au lösen. Die Reichsregierung bitten wir, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um die möglichst baldige Befreiung Kräften steht, um die möglichst baldige Befreiung Rains und der Kölner 3one herbeizuführen." Der Eindruck der deutschen Note. Eine offiziöfe Erklärung. Das bayerische Konkordat. gegenüber der Bayerischen Bolkspartei ist, die grundsäßlich ihren Willen beim Abschluß des neuen Konkordats in allen Bunften durchgefeßt hat. Nach dreistündiger Debatte nahm der Berfaffungsausschuß unter Ablehnung fäintlicher Anträge der Oppofition mit 15 Stim men der Bayerischen Boltspartei, des Bayerischen Bauernbundes und der Deutschnationalen gegen 11 Stimmen der Sozlatdemokraten, Kommunisten und Bölkischen das Konkordat und die beiden protestantischen Kirchenverträge an. Die entsprechende Gesegesvoriage der Regierung fommt bereits am nächsten Diens tag in die Plenarsigung des Landtages. Die Handelsvertragsverhandlungen. Trendelenburg reist wieder nach Paris. Die Rabinettssigung, in der Staatsminister Trendelenburg über den Gang der Bariser Verhandlungen berichtete, war gestern nach 1 Uhr beendet. Wie von zuständiger Stelle verlautet, reift Trendelenburg heute früh nach Paris zurüd. Frankreich hält fest am Brotektionismus. macht, daß der Borsitzende der deutschen Delegation für die Handels Baris, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Handelsminifter hat am Donnerstag nachmittag im Ministerrat davon Mitteilung ge vertragsverhandlungen Staatssekretär Trendelenburg am Freitag wieder in Baris zurüd sein wird, um die BerFreitag wieder in Baris zurüd sein wird, um die Ber. minifterrat weiterhin davon in Kenntnis gesetzt, daß zwischen der handlungen fortzusehen. Der Handelsminister hat den Modus vivendi 2btommen auf der Grundlage gegen deutschen und der italienischen Regierung foeben ein feitiger Meistbegünstigung zustandegekommen fei. Ein bar, da sich die französische Zollgesetzgebung der Meistbegünstigung Abkommen dieser Art sei für Frankreich nicht annehm. auf dieser Grundlage in Frankreich aller Voraussicht nach eine ausdrücklich widerseze und der Abschluß eines Wirtschaftsabkommens schwere Produktionskrise zur Folge haben werde. der Londoner Konferenz den Bertretern Deutschlands von der franEine halbamtliche Mitteilung stellt erneut in Abrede, daß auf döſiſchen Delegation irgendwelche Zusicherungen für die fünftige 3ollrechtliche Behandlung des Saargebietes gemacht worden seien. Raynaldi gegen Meistbegünstigung. Herriots ein Ministerrat ftatt, in deffen Berlauf der Handels Paris, 8. Januar.( EP.) Heute früh fand unter dem Borsig minister Raynaldi berichtete, daß Herr Trendelenburg morgen in Paris eintreffen werde, um mit ihm über den Abschluß eines deutsch- französischen Wirtschaftsabtommens zu fonferieren. Raynaldi segte sodann seine Kollegen davon in Kenninis, daß auf der Grundlage der Meist ge gündigung aufgebaut ift. Italien und Deutschland ein Zollabtommen geschlossen haben, das Frankreich könne die Meistbegünstigung nicht gewähren, erklärte der Minister, weil diefes mit seinen Gefehen in Widerspruch stehe, and außerdem würde im Falle des Abschlusses eines solchen Abfommens in Frankreich innerhalb weniger Monate die Urbeltslosigkeit überhandnehmen. richten, dass die franzöfifchen Delegierten im Verlauf der Londoner Paris, 8. Januar( WTB.) Havas bementiert gewiffe Radi Konferenz den deutschen Vertretern gewiffe Buficherungen bezüglich des Bollregimes für das Saargebiet für 1925 abgegeben hätten. Diese Nachrichten leien in allen Bunften falsch. Liberté" hält die fraglichen Behauptungen frogdem aufrecht und erklärt, in nober: Zukunft werde es fich zeigen, auf welcher Seite die Wahrheit zu fin. Sen sei. " Diese Mitteilung des früheren Reichswirtschaftsministers London, 8. Januar.( WEB.) Wie Reuter aus wohl. Schmidt muß jeden überraschen, der sich persönlich da. unterrichteten Streifen erfährt, wird die deutsche AntEngland und Italien fordern einen Beuteantett. Don hat überzeugen tönnen, daß mit dem früheren Reichs. wortnote an die Afiierien hier so aufgefaßt, als ob fie feines weiteren kommentars bedürfe. da fie in feiner Weise schatzminister Bauer, der geschäftliche Beziehungen zum Barmat bie Cage beeinflusse. Der nächste Schrift für die Alliierten veröffentlicht am Donnerstagabend die von den französisch- belgi Paris. 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.). Die Information" Konzern nicht leugnet, auch Schmidt mehrfach im Hotel Konzern nicht leugnet, auch Schmidt mehrfach im hotel Bristol an den dort von den Gebrüdern Barmat in sehr frei Bristol an den dort von den Gebrüdern Barmat in sehr frei fei augenscheinlich, den Bericht der Kontrollfommiffion abzuschen Besatzungsbehörden aufgestellte Bilanz über Einnahmen giebiger Weise veranstalteten Diners und Soupers teilgenomwarten, welche zurzeit dabei sei, ihren Bericht abzuschließen. Man und Ausgaben der Ruhrbesetzung für die Zeit vom 11. Januar 1928 erwarte den Bericht in kürze, obwohl das Dafum noch nicht be- bis 1. September 1924. An Einnahmen sind darin aufgeführt: Prüpfung gesellschaftlicher Beziehungen, die deshalb vielleicht mit fannt fel. Die Fragen, mit denen man sich nun zu befaffen haben 45,5 millionen aus Befchlagnahmungen von Bargeld und Recht geleugnet werden, sondern der Anknüpfung geschäftlicher Beroerde, feien Taffragen und irgendeine neue Enfroidiung in der Strafen, 436,4 millionen aus Naturallieferungen, 129 Recht geleugnet werden, sondern der Anknüpfung geschäftlicher Be Angelgenheit sei nicht zu erwarten, bis die militärischen und anderen Millionen aus der Kohlensteuer, 163 Millionen aus den aichungen. Natürlich haben wir niemals behauptet, daß Herr fel aichungen. Natürlich haben wir niemals behauptet, daß Herr Sachverständigen der allierten Regierungen im Befih der genauen 3öllen. 101 Millionen aus den Ausfuhr bewilligungen, Schmidt in seiner Eigenschaft als Reichswirtschaftsminister an diesen Einzelheiten feien. Dann werde zweifellos eine neue Note nach 27 Millionen aus den staatlichen Forsten und 67 Millionen aus Besprechungen beteiligt war Berlin gefchidt werden. den Ueberschüssen der Eisenbahnregie. Die diefen Gesamteinnahmen in der Höhe von 971,9 millionen Goldmart gegenüber stehenden Ausgaben im Betrage von 184 Millionen fegten sich wie folgt zusammen: allgemeine Erhebungs- und Bewaltungsun fosten 16 Millionen. Roften des Betriebes der beschlagnahmten Bechen und Bertsanlagen sowie Kosten der Rohlenverladung 54 95 Millionen für Frankreich und 19 millionen für Belgien. Bei den millionen, Kosten der militärischen Besetzung 114 Millionen, davon Ausgaben ist bisher nur die Berechtigung Frantreichs und Belgiens, die eigentlichen Erhebungs- und Berwaltungsfoften in Höhe von 16 Millionen in Abzug zu bringen, anerkannt worden. England und 3talien vertreten bekanntlich den Standpunkt, daß Frankreich und Belgien andererseits höchstens ein Anrecht ouf Erstattung der Mehrkosten haben, die die Untebringung der Truppen im Ruhrgebiet verursacht hat und die auf etwa 50 mil fionen für Frankreich und 10 Millionen für Belgien beziffert wer den. Dagegen soll England die Verrechnung dieser herabgesetzten Ausgaben nur auf die Sachleistungen zulaffen. so daß die im Ruhr gebiet erzielten Bareinnohmen zur Abdeckung der belgischen Bor rechte verfügbar waren. Dagegen protestiert vor allem Frankreich, das bei einer solchen Regelung gezwungen wäre, die von ihm ein toffierten Beträge an Belgien abzuführen. Diese Methode, trotz aller Berichtigungen längst zurüd gewiesene Behauptungen und Verleumdungen immer wieder zu verbreiten und erneut zu behaupten, charakterisiert die Hugenberg- Presse. Die Gewährsmänner der Rechtspreffe. Herr M. E. Moris, gegen den sich die Richtigstellung des Genossen Bauer in Nr. 9 des„ Borwärts" wandte, sendet uns eine Berichtigung, der wir folgendes entnehmen: „ Es ist aftenfundig unwahr, daß ich beim Abbau des alten Heeres zur Dispofition gestellt worden bin, wahr ist vielmehr, daß ich eine bevorzugte Stelle um den Preis des Schweigens abgelehnt habe und nach Jabr und Tag auf Grund der Ablehnung, den fortgesetzt verlangten Benfionierungsantrag vorzulegen, unter Ver. legung des§ 24 des Reichsbeamtengeleges auf Wartegeld gefetzt worden bin und bis heute flieb: Die Annahme im Landtag gesichert. München, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Regierung ausschuß in wiederholten Sigungen mit den Roalitionsparteien geist es nach dem am Mittwoch erfolgten Zwischenfall im Verfaffungs lungen, den authentischen Wortlaut der von der Regierung den Deutschnationalen zugestandenen Interpretation zum Kontordat feft. zulegen. Es wurde deshalb in aller Eile für Donnerstagabend eine neue Sigung des Verfassungsausschusses zusammen. berufen, in welcher der Ministerpräsident Dr. Held diesen Bort laut befanntgab. In dieser authentischen Interpretation der um ftrittenen Artitel des Konkordats wird festgestellt: 1. daß das Konkordat in Bayern auch Landesgefetz ist und dementsprechend nur der deutsche Tegt maßgebend ist: 2. daß durch zuerkennung des Rechts an die Kirchen, im Rah men ihrer Zuständigkeit Gefeße und Berordnungen zu erlaffen, die ihre Mitglieder binden, der Artikel 137 der Reichsverfaffung nicht berührt wird; es ist unwahr, daß ich Herrn Bauer belästigte, bis er mir die 3. daß der Freiheit des Gewissens und er Bereinigung Türe wies, der Lehrpersonen an den Bekenntnisschulen durch das Konfordal wahr ist vielmehr, daß ich Herrn Bauer nur einmal im Reichsteine andere Schranken gezogen find als sie durch die besonderen fchakministerium sprach, worauf er mir die hand schüttelte und Amts- und Standespflichten der Lehrer bedingt find: mich im Ministerium zurückließ während er fortfuhr: -O es handelt es ist unwahr, daß ich mit dem Mitgliedsbuch und einer parteiamtlichen Empfehlung zu ihm gekommen bin" Bauer gegenüber Herrn Die Angaben des Genossen M. E. Morig fönnen jederzeit durch Zeugen bewiesen werben. Die Untersuchung gegen die Brüder Barmat. B. S. Die Untersuchung gegen die Brüder Barmat fich vor allem um Direktor Julius Barmat Freitag in ein neues Stadium treten. In dem Moabiter Schwur. gerichtssaal, der eigens für die Untersuchungsfache Barmat und Genossen" eingerichtet ist, wird sich eine Berhandlung abspielen, wie fie der Justizpalast in dieser Art noch nicht fennengelernt hat. Es handelt sich um eine Art Gläubigerversammlung, bei der die Staatsbant und die Reich s poft versuchen wollen, von Julius Barmat zugeftändniffe zu erlangen, um die vorläufig noch in der Luft hängenden Kredite wieber hereinzubekommen. Zentrumsabgeordnete und Barmat- Affäre. Die Eca- Rorrespondenz meldet: Die von einem Ber. finer Nachrichtenbureau verbreitete Mitteilung, daß der Reichspoft minifter Abg. Dr. Hoefle und der Abg. Lange hegermann ihre Reichstagsmandate niedergelegt hatten, stimmt mit der Tatsache nicht überein. Auf Anfragen erklärt uns bleibt und daß eine Wiedereinführung der früheren geistlichen 4. daß die staatliche Schulaufficht in Bayern erhalten Schulaufsicht nicht in Frage steht, daß ferner der firchlichen Oberbehörde oder deren Beauftragten feine dienstauffichtlichen Befugnisse in den weltlichen Fächern an der Bekenntnisschule eingeräumt werden: 5. daß die Verpflichtungen des banerischen Staates zur Dota tion der fatholischen Kirche durch den Art. 138 der Reichsver faffung und des§ 10 der Landesverfassung feftſteht und daß die Durchführung dieser Verpflichtung nur im Einverständnis mit dem Landtag getroffen wird. Diese Interpretation wird der Ministerpräsident in feierlicher Form in der Plenarsihung des Landtags im Namen der Staats regierung vortragen Sie soll bindend fein für alle fünftigen Strei regierung vortragen Sie soll bindend fein für alle fünftigen Strei tigteiten in der Auslegung der brei Kirchenverträge. Die flaats. rechtliche Bedeutung dieser offiziellen Regierungserflärung ist aber außerordentlich gering, da fie in feiner ge feglich bindenden Form gegeben wird. Keine fünftige Regierung muß sich an diese Erklärung halten und fann jedenfalls mit einfacher Landtagsmehrheit über sie hinweggehen, während für die Beseitigung der gefehlichen Kirchenverträge für alle Beiten eine 3weidrittelmehrheit erforderlich ist. Daraus ist ohne weiteres er fichtlich, wie groß der Umfall der Deutschnationalen Mit Recht weisen die franzöfifchen Linksblätter darauf hin, daß Frankreich in den Jahren vor der Ruhrbelegung weit größere Reparationseinnahmen erzielt habe als durch diese Gewaltoperation. Oesterreich und Horthy- Ungarn. Die Verhandlungen stocken. Budapest, 8. Januar. Die auf eine probiforische Regelung der handelspolitischen Beziehungen amifden Oefter. reich und Ungarn abzielenden Verhandlungen wurden gestern abend vorerst abgebrochen. Die beiderseitigen Delegierten legten ihre Wünsche und die Stellungnahme ihrer Regierungen fest, soweit diefe geflärt ist und foweit das ohne weitere Befragung der Refortminister möglich war. Der ungarische VerhandlungsLeiter wird heute der Regierung die diesbezüglichen Protolelle ad referendum vorlegen fowie weitere Instruktionen entgegennehmen. Der Verhandlungsabbruch dürfte längere Beit an bauern, da der österreichische Verhandlungsleiter, Seftionschef Dr. Schüller, am 18. Januar sich nach Rom aur Aufnahme handelspolitischer Berhandlungen mit Italien begibt. Normalzuffand in Estland. Ea die Efinische Regierung die Junenordnung ihres Landes als stabil betrachtet, ift die Inftitution des Oberbefehlsbabers mit außerordentlichen Vollmachten, welche anläßlich des Kommunistenputiches am 1. Dezember 1924 in Reval errichtet worden war, aufgehoben. Gewerkschaftsbewegung Die dummen Ausreden Losowskys. In den Pressenachrichten des JGB. schreibt Genosse Dude. geest: In der Roten Fahne" vom 23. Dezember erschien ein Artifel unter dem Titel:„ Die dummen Reden Purcells und die lugen Reden Oudegeests", in dem der Borsitzende der RGI. Losowsty fich zum zweiten Male mit meinem 2orwärts" Artitel Dom 20. November befaßt Diesmal in einer Weise, die deutlich zeigt, daß Lofomsty alles eher als den Anschluß der russischen Gewerkschaften auf Grund der Statuten des JGB. will. In dem erwähnten ,, Borwärts"-Artifel wurden die Boraus. legungen genennt, unter welchen ein eventueller Anschluß ins Auge gefaßt werden könnte. Es wurden dabei folgende Gesichtspunfte als maßgebend hervorgehoben: Debereinkommen und vor allem das Achtstundentagsüber.| Arbeiter der chemischen Industrie, züftet zum Rampf, starti Eure einfommen von Washington ratifizieren. Die Bureaus sind der Ansicht, daß eine balbige und zufrieden fbellende Regelung in dieser Frage im Interesse der Arbeiterklasse im besonderen und der Gesamtheit der Nationen im allgemeinen ist. In Erwägung, daß die Borbereitung der Feier des 1. Mai 1925, auf deren Tagesordnung in erster Linie die Forde rung nach der Ratifitation des Achtstundentagsüberein. lommens stehen soll, durch Erörterungen dieser Forderung in den Parlamenten wirffam unterstützt werden kann; beschließen die Bureaus, daß, sobald die französische Rammer das Washingtoner Uebereinkommen ratifiziert haben wird und spätestens in der ersten Hälfte April die Barla. mentsfraktionen aller sozialistischen Parteien eine Interpellation zu diesem Gegenstand einbringen follen. II. Die Nachtarbeit in den Bädereien. Die Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sigung in Brüffel am 3. Januar 1925 die Frage der Beseitigung der Nachtarbeit in Bädereien im Zusammenhang mit dem Entwurf der zu diesem Gegenstand bei der VI. Internationalen Arbeitseines internationalen Uebereinkommens geprüft, fonferenz in erster Lesung angenommen wurde. 1. Autonomie der russischen Gewerkschaften. 2. Berzicht der russischen Gewerkschaften auf den Zellenbau in Sozialistischen Arbeiterinternationale haben in ihrer gemeinsamen den Organisationen der verschiedenen Länder. 3. Stellungnahme zur Sozialgesetzgebung. im nationalen Rahmen. 4. Kampf der russischen Gewerkschaften für die Abrüftung auch Wer freilich in dem Artikel Losowskys eine flare Antwort hier fichtlich dieser Bunkte sucht, sieht sich bös enttäuscht. Es ist wieder einmal die übliche Lufterschütterung, das beliebte Jonglieren mit Schlagworten, ohne den leisesten Versuch eines Eingehens oder gar einer direkten Beantwortung auf gestellte Fragen, furz eine Fort- listische Arbeiterpresse, damit diese sofort mit größter fehung der von tommunistischer Seite seit joher geübten Taftit. Es ist wichtig, dies besonders festzustellen, meil diefes Mustneifen nur noch deutlicher beweist, daß Losowsky von einem Anschluß der russischen Gewerkschaften an den IGB. nichts wissen wilt. Andererseits sieht sich Lojomsfy mit Rücksicht auf die Einheitsfronttaktik der letzten Jahre genötigt, bei der öffentlichen Darfeaung feiner Auffaffungen einige Zurückhaltung zu beobachten und fidy bei der Beantwortung der obenerwähnten Fragen auf Allgemein heiten zu beschränken. Bei Punkt 1: Autonomie der russischen Gewerkschaften, fucht Lojowsky fich mit dem Raisonnement: was dem einen recht ist, ist dem andern billig, aus der Schlinge zu ziehen. Die Organisationen der Amsterdamer Internationale, wird gefagt, unterhalten Beziehungen mit den fozialdemokratischen Parteien, die ruffischen Gemerffchaften mit der fommunistischen Partei. Mit dieser Feststellung gibt Losowsky direft die Unabhängigkeit unserer Gewerkschaftsbe. roogung von der politischen Bartei zu. Spricht er doch ausdrücklich von Beziehungen zur Sozialdemokratie, während die ruffischen Gewertschaften befanntermaßen in einem vollkommenen A6. hängigteitsverhältnis zur tommunistischen Partei stehen. Lojomsty erklärt ja selbst am Schlusse seines Artifels, daß die Sowjetverbände von ihram Staate Gelb nehmen und nehmen wer den, wenn fie Geld brauchen." Auch in Rußland wird wohl ein Dienst des anderen mert sein. Und wer materiell abhängig ift, wird der moralifden Abhängigfeit nicht entgehen. Bon einer Autonomie fann da natürlich feine Rede sein. Gesetzt nun den Fall, daß sich die russischen Gemertschaften dem JGB. anschließen: mürbe dies dann nicht bedeuten, daß der russische Staatsfädel auch für die finanziellen Berpflichtungen gegenüber der Amsterdamer Internationale in Anspruch genommen wird? Mit der Annahme diefer Gelder aber würde der 36 B. mit den elementarsten Grundfäßen der modernen Bewert fchaftsbewegung in fchärfften Widerspruch geraten. Auf den zweiten Bunft meinte Bojowify, aus Feingefühl und um der Sache nicht zu schaben, lieber gar nicht eingehen zu follen. Dieje zarte Rücksichtnahme auf die Einheitsfront hätte er sich aber billig iparen fönnen. Dieses Opfer auf Kosten der Klarheit war recht überflüssig, denn Losowsky batte ja schon das erstemal, ais er sich in der Trud" mit meinem Artitel beschäftigte, den zweiten Bunft fehr ausführlich behandelt und bei dieser Gelegenheit erklärt, daß es die in der Komintern vereinigten Parteien find, die Zellen bauen und banten werden und daß weder die K3. noch die fommunistischen Parteien den Sowjetgewerkschaften untergeordnet find. Daß heute etwas nicht gesagt werden fann, was damals mohl gefagt merden fonnte, ist natürlich eine alberne Ausflucht; als ob die oben angedeutete Abhängigkeit der ruffischen Gemerfichaften von der Kommunistischen Partei die ersteren nicht nötigte, die Bei fungen der Partei auszuführen, die Zellen baut und bauen wird" und bauen läßt, wenn es ihr gutdünft. Der dritte Bunft, betreffend den Kampf für die Sozialgesezgebung, wird von Losowsty überhaupt über. gangen, während er beim vierten Puntte einige Späße über die Abrüstung zum Besten gibt und die Sache so darstellt, als ob der JGB. diesen Kampf ausschließlich in der Abrüftungskommission des Bölferbundes führen würde, um schließlich auszurufen:" Die Rote Armee, das ist unsere Armee, mir haben sie gemeinsam mit der Arbeiterklasse ganz Rußlands geschaffen; wir unterstützen fie und werden sie weiter unterstüßen. Damit wird also gefagt, daß die russischen Gewerkschaften den nationalen Kampf für die Ab. rüstung nicht führen werden, solange Losowsty noch etwas zu fagen hat. 4 Aus dieser Darstellung erhellt wohl die Richtigkeit der zu Anfang dieses Artifels ausgesprochenen Schlußfolgerung, daß 2o. fomity gegen den Anschluß der Gewerkschaften an den JGB. auf der Basis der Wiener Resolution ist, sich aber andererseits, der Logit der Einheitsfronttaktik der letzten Zeit zuliebe davor hütet, dies öffentlich auszusprechen. Die Resolution des Wiener Rongreffes läßt jedoch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Der 3G B. hat seinen Standpunkt darin flar und unumwunden dargelegt und es ist nunmehr an den Russen, uns in bezug auf ihren Standpunkt reinen Wein einzuschenfen. Beschlüsse unserer Internationalen Exekutiven. Wie bereits in Nr. 7 des„ Borwärts" berichtet wurde, wurde auf Anregung des JGB. am 3. und 4. Januar in Brüssel eine gemeinsame Sigung der Erekutiven des Internationalen Gewerkschafts bundes und der Sozialistischen Arbeiterinternationale abgehalten. Die Sigung, an der vom JGB. die Genossen Mertens, Graßmann, Dubegeeft und Saffenbach teilnahmen, hat folgende Entschließungen gefaßt: I. Der Achtffundentag. Die Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiterinternationale haben in ihrer gemeinsamen Sigung in Brüffel am 3. Januar 1925 die Frage untersucht, welche gemeinsamen Maßnahmen ergriffen werden können, damit alle Staaten und besonders die großen Industriestaaten so rasch als möglich alle von den Internationalen Arbeitskonferenzen angenommenen 3 ustimmung zu den Grundfäßen des Entwurfes, Die beiden internationalen Bureaus erklären ihre vollkommene der einer berechtigten Forderung der Bädereiarbeiter entspricht. Die Bureaus wenden sich mit Nachdruck an die sozia= Energie die Propaganda zugunsten des Uebereinkommens aufnehme. tische und gewerkschaftliche Bewegung sich ins EinDie Bureaus beschließen ferner, daß in jedem Lande die poli. vernehmen fehen sollen, damit auf der VII. Internationalen Arbeitstonferenz, die im Mai in Genf beginnt, das leberein. Ratifilation für den in Aussicht genommenen Zeitpunkt, das ist der tommen in zweiter Lesung angenommen und feine 1. Januar 1927, gesichert werde. III. Das Genfer Protokoll. Bei der Abstimmung über diese Entschließung enthält sich die Delegation der englischen Labour Party der Stimme, um zunächst mit ihrer Organisation Rücksprache zu nehmen. Im übrigen wurden die Entschließungen einstimmig angenommen: Ohne sich über die Unvollkommenheit des Genfer Protokolls zu täuschen, stellt die gemeinfame Sigung der beiden Internationalen feft, daß das Protokoll einen wesentlichen Fortschritt für die Sache des Weltfriedens darstellt, daß, wenn das Genfer Protokoll nicht ratifiziert würde und die Abrüstungskonferenz nicht zustande käme, die Nationen ihre Sicherheit in besonderen Garantieverträgen suchen und damit zu einem System einander entgegenstehender Allianzen zurückkehren würden, was die Kriegsgefahr in der Welt steigern müßte. Sie beschließt daher, daß es die Pflicht der gesamten Arbeiter. bemegung in allen Ländern ist, ihre Bemühungen darauf zu richten, daß die Ratifikation des Genfer Friedensprotokolls gesichert und die in diesem Protokoll vorgesehene Abrüstungstonferenz fo rasch als möglich einberufen werde. Die Chriftlichen antworten. Duisburg. 8. Januar.( Eca.) 3ur Arbeitszeitfrage in der Echwerindustrie fandte der Chriftliche Metallarbeiterverband Duis burg am 8. Januar folgendes Telegramm an den Reichstanzler Dr. Mary:„ Die Verbandsvertreteriagung des Christlichen Mtallarbeiterperbandes zu Duisburg, aus allen Bezirken der Schwerindustrie befucht, fühlt sich verpflichtet, den Herrn Reichskanzler auf die starke Beunruhigung hinzuweisen, welche das Borgehen der Arbeitgeber der Schwerindustrie gegen die gefeßliche Wiedereinführung der dreigeteilten Schicht für die Arbeiter der Hochöfen, Rofereien und Destillationsanlagen verursachte. Die Tagung erhebt entschieden Einspruch gegen den Vorstoß des Arbeitgeberverbandes Nordwest, welcher sich gegen den Herrn Reichsarbeitsminister wendet und bittet die Reichsregierung erneut, den bezeichneten Arbeitern den gesek lichen Schutz nicht länger vorzuenthalten, den§ 7 der Arbeitszeit verordnung zuläßt. Kommende Kämpfe in der chemischen Industrie. Die Arbeiterschaft rüstet sich. Bem Fabrikarbeiterverband wird uns geschrieben: Der Stundenlohn des Bollarbeiters der chemischen Industrie beträgt zur Seit in Berlin 56 Pf. pro Stunde und bleibt damit wesentlich hinter den Stundenlöhnen der übrigen Industrien und dem Existenzminimum zurüd. Unter Würdigung diefer Umstände hatte das Chemiferkartell durch den Fabiitarbeiterverband die gewiß bescheidene Forderung einer Erhöhung des Stundenlohnes auf 70 Pf. gestellt. Daneben wurde Erhöhung der Soziallöhne, Schmutz zulagen ufm. gefordert. Bei den Verhandlungen wurde von den Unternehmern an= erkannt, daß das Berliner Lohnniveau höher ist als die Löhne, jedoch mit dem üblichen Hinweis auf Exportschwierigkeiten, angeb. die die chemische Industrie zurzeit zahlt. Lohnerhöhungen wurden liche hohe foziale und steuerliche Belastung, geringen Berdienst usw. abgelehnt. Dem Hinweis der Arbeitnehmer, daß alle Betriebe in der Lage waren, trok der angeblich schlechten Verdienste der Industrie, ihre Substanz zu vermehren, versuchten die Unternehmer mit der angeblich höheren Lohnquote als vor dem Kriege zu begegnen. Bei der Lohnverhandlungen wurde von den Arbeitnehmern geltend gemacht, wie notwendig gerade in der chemischen Industrie mit ihren mannigfaltigen Gefahren und mangelhaften Schuß für Leber und Gesundheit der Arbeiter ausreichende Entlohnung ist Ebenso wurden die vielfachen Schikanen, denen die Betriebsräte in der chemischen Industrie in der letzten Zeit ausgesezt sind, erwähnt. Stichhaltiges darauf erridern zu fönnen. Die Unternehmer mußten sich die Beschwerden anhören, ohne etwas rechnen, daß vor den tariflich vorgesehenen Schlichtungsinstanzen Bei der Starrföpfiqbeit der Unternehmer ist nicht damit zu irgendwelche Zugeständnisse erreicht werden. Andererseits werden und müssen die Organisationen einen Tarifabschluß mit so geringen Löhnen ablehnen Die Arbeiterschaft wird sich also im Kampfe höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen holen müssen. Jedenfalls find mit Sicherheit größere Arbeitseinstellungen in der chemischen Industrie zu erwarten. Das Bestreben der Unternehmer ist das hat sich flar bei den Berhandlungen gezeigt.-die Arbeiterschaft der chemischen Industrie auf die Lebenshaltung chinesischer Kulis hinabzudrücken. Darum, Organisation, holt jeden Unorganisierten hervor! Es muß diesen flar gemacht werden, daß die Unternehmer sich auf die Unorganifierten ftüßen, und daß diese, wenn sie nicht zum eigenen Schaden ein Hemmichuh bei Erringung höherer Löhne sein und sich nicht schutzlos. den Chemiegewaltigen preisgeben wollen, restlos und schnellstens dem Verband beitreten müssen. Georg Döhnel Um 6. Januar starb in Leipzig Genoffe Georg Döhnet, Borstandsmitglied des Zentralverbandes der Angestellten. Döhnel vollendeter Lehrzeit ging er auf einige Jahre nach München und war am 27. April 1871 in Burschwiz bei Bauzen geboren. Nach Wien. Nach feiner Rückkehr in die Heimat widmete er fich der Gewerkschaftsbewegung und der politischen Bewegung; er gehörte einige Zeit dem Vorstand des ehemaligen sechsten sächsischen Reichstagswahltreises an. 1895 bis 1897 war er Borfizender des Gemertfchaftstartells im Plauenschen Grund. Er brachte der Genossendarauf dem Lagerhalterverband an, dessen Sekretär er im Jahre 1902 fchaftsbewegung reges Interesse entgegen und wurde im März 1898 Hauptlagerverwalter des Konjumpereins Botschappel. Er schloß sich halter der Deutschen Konsumvereine ausgeübt. Im Jahre 1909 wurde. Dann siedelte Döhnel nach Leinzia über und hat von hieraus eine erfolgreiche gewerkschaftliche Wirksamkeit für die Lagerwar er Landtagstandidat im 12. städtischen Wahlkreise. Im Jahre 1912 ging der Verband der Lagerhalter in den heutigen Zentralverband der Angestellten auf. Diese Verschmelzung half Döhnel herbeiführen. Er wurde nunmehr Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Angestellten und siedelte nach Berlin über. Die Angestellten verlieren in dem Verstorbenen einen vorbildlichen Führer und die, die mit ihm zusammengearbeitet haben, einen brazen Kollegen und treuen Freund. Konflikt im Kohlengroßhandel. Die Forderungen der Arbeitnehmer im Kohlengroßhandel auf abgelehnt worden, ohne daß auch nur das geringste Gegeneine Erhöhung der Löhne um 15 Broz. find von den Unternehmern angebot gemacht wurde. Ein nochmaliges Eingreifen des Verkehrsbundes verlief ebenso refultatios. Der Schlichtungsausschuß hat mit Rücksicht auf die Dringlichkeit des Konflikts Einigungsverhandlungen bereits auf Sonnabend festgesezt. Interesse als für die Lohnforderungen der Arbeiter. Der ReichsFür die Forderungen der Kohlenherren hat man offenbar mehr tohlenrat ist nämlich zum 9. Januar zu einer Sigung zusammenRohlenpreise, die von den Kohlensynditaten gestellt wurden, berufen, in der eine Anzahl Anträge auf Erhöhung der bleiben natürlich nicht ohne Rückwirkung auf die Kohlenpreise des beraten werden sollen. Rohlenpreiserhöhungen bei den Syndikaten Groß und Kleinhandels. Die Unternehmer verstehen es ausgezeichnet, ihre Geminne fortlaufend zu erhöhen; den Arbeitern aber wird jede Forderung abgelehnt. Soll es im Kohlenhandel auch so fommen wie bei der Milchbewirtschaftung, wo die Preise auch fort. gefeht erhöht wurden, bis sie schließlich die Bevölkerung nicht mehr bezahlen konnte? Neue Löhne im Fuhrgewerbe. Für die Arbeitnehmer des Schwer- und Leichtfuhrwertsgewerbes find zwischen der Fuhrherrninnung zu Berlin und dem Deutschen Berkehrsbund die Löhne vom 3. Januar ab neu vereinbart worden. Die Lohnfäße bewegen sich zwischen 33 und 43 Marf für das Kutscherpersonal; die Löhne der Stalleute sind entsprechend diesen Säßen erhöht. Das Lohnabkommen ist unter Borzeigung des Mit aliedsbuches beim Deutschen Verkehrsbund, Engelufer 24/25, 3immer 3 oder 32, erhältlich. Neue Löhne der Handelshilfearbeiter. Für die Handelshilfsarbeiter des Einzelhandels ist ab 3. Januar ein neuer Lohntarif durch direkte Berhandlungen mit den Arbeit 22 Jahre alten Arbeiter 33 bis 36 M. pro Woche. Für die weiblichen gebern zustande gekommen. Die Löhne betragen für die über über 22 Jahre 22 bis 25 M. Der Lohntarif hat Geltung bis zum 17. März 1925 Tarife tönnen gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches im Bureau des Deutschen Verkehrsbundes, Engelufer 24/25, 3immer 32, abge holt werden. Schwerer Konflikt in Rheinland- Westfalen. fanden vor dem Schlichter in Dortmund die Verhandlungen über ein Dortmund, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch neues Lohnabkommen für die Gas, Waffer und Elettri gebiet umfaßt 76 Gemeinden mit rund 10 000 Arbeitern und erstreďt zitätswerte Rheinland- Westfalens statt. Das Larif. sich von Bonn bis Siegen bzw. Osnabrück bis Klettenberg. Die Gewerkschaften hatten eine Lohnerhöhung von 20 Broz. gefordert. Sie begründen diese Forderung besonders damit, daß der Reallohn lichen Betrieben in anderen Gegenden des Reiches, so in Berlin, gegenüber dem Borkriegsstand feineswegs erreicht fei und in ähn 85 Bf. die Stunde bezahlt werden, während der Spihenlohn des Hamburg, Nürnberg, Frankfurt, Mannheim, bereits Löhne bis zu rheinisch- westfälischen Tarifgebietes nur 70 Bf. beträgt. Nach mehr stündigen Berhandlungen mit den Arbeitgebern fällte der Schlichter jedoch einen Schiedsspruch, der das bisherige Lohnabkommen bis auf weiteres wieder in Kraft fegt. Die an dem Tarifvertrag beteiligten sechs Gewerkschaften haben den Schiedsfpruch einstimmig abgelehnt. Die Gewerkschaften erffären, daß sie sich einem Antrag auf Verbindlichkeitserklärung des Schieds fpruches mit aller Entschiedenheit widersehen werden. Es droht fomit in Rheinland- Westfalen ein gefährlicher Konflikt in den lebenswichtigen Betrieben der Städte und Gemeinden. Die kaufmännischen und technischen Angestellten des Ruhrbergbaues haben nach Ablehnung der Forderungen die Durchführung des Verhandlungen finden am 12. Januar statt. Schlichtungsverfahrens beim Schlichter für Westfalen beantragt. Die Wetter für Berlin und Umgegend. Mild, zunächst Aufheiterung, später mieber Trübung. Lokales Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: S. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton:.$. Döscher; und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co. Lindenstraße 3. Berlin SW 68 Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Der große Inventur- Ausverkauf geht weiter! zu den erstaunlich billigen Preisen! 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Die Feststellung der genauen Zahl der Verunglückten wird dadurch erschwert, daß eine Anzahl leichter Verletzter alsbald von vorüberfahrenden Privatautos nach ihren Wohnungen gebracht wurde. Im einzelnen erfahren wir über den Hergang des Unglücks folgendes: Wie das Unglück geschah. Ein Autobus der Linie 1, die befantlich immer start von Bewohnern der Kurfürstendammgegend und des alten Berliner Westens zur Fahrt nach und von dem Stadtienern benutzt wird, hatte gestern abend auf dem Wege von der Potsdamer Brüde zum Lüzomplaz am Ufer entlang gerade die Kreuzung an der Magdeburger Straße passiert und näherte sich in schneller Fahrt der Ede an der Genthiner Straße, als er von einem Personenauto Nr. IA 4242, das sich in gleicher Fahrtrichtung bewegte, vorschriftsmäßig auf der linken Seite überholt wurde. Nach der Aussage des Autobus führers schwenkte dieses Auto unmittelbar vor dem Omnibus jo scharf auf die rechte Fahrseite des Ufers ein, daß es mit feinen Hinterrädern gegen das linke Vorderrad des Autobusses fuhr. Durch den Anprall wurden die Vorderräder des schnellfahrenden Omnibusses, ehe der Führer es hindern konnte, scharf nach rechts gedreht, so daß der schwere Wagen in voller Fahrt auf den Bürgersteig auffuhr, der den Fahrdamm von der Kanalböschung trennt. In einem Winkel von ungefähr 30 Grad schoß der große Wagen auf die Bordschwelle hinauf und streifte mit dem Vorderteil der Karosserie noch einen Baum. In dem Augenblid, als das rechte Hinterrad die Bordschwelle hinaufsauste, drehte sich der Autobus in einem Winkel Don fast 90 Grad. Durch diese Veränderung des Trägheitmomentes erfolgte auch die katastrophe. Der Omnibus bekam rechtsseitig startes Uebergewicht und stürzte glücklicherweise noch in dem Augenblid um, che die Borderräder über das niedrige Schuhgitter hinwearaften. Hätte der Chauffeur nicht noch im letzten Augenblid die Geistesgegenwart gehabt, Hand- und Fußbremse anzuziehen, so daß der Wagen mehr rutschte, als daß er fuhr, wäre das Gefährt über die ffart abschüssige schmale Rasenböschung hinweg in den Kanal gestürzt. In diesem Fall wäre das Unglüd natürlich noch viel furchtbarer geworden. Auf dem Berded des Omnibusses befand sich im Augen blid des Unfalles gerade der Schaffner und zwei Angehörige der Sowjet- Botschaft, die sich auf dem Heimwege befanden. Alle drei wurden in hohem Bogen auf den Bürgersteig geschleudert, doch tamen sie mit Ausnahme des einen Russen, der durch Glassplitter cm rechten Auge verlegt ist, alücklicherweise mit nicht allzu schweren Verlegungen davon. Der Chauffeur Neumann blieb wunderbarerweise unverlegt, obwohl sich ein Hagel von Scherben über ihn ergoß. Er hat lediglich eine fleine Schnittwunde an der Hand tanongetragen. ach dem Unfall herrichte eine Gefunde Stille. Dann aber gelten die Hilferufe der Infassen über die Straße. Die Panit, die begreiflicherweise entstand, wurde noch dadurch vergrößert, daß das elektrische Licht im Innern des Wagens erlosch. So konnten die Helfer, die von allen Seiten hinzueilten, nur mit größter Mühe die infolge ihrer Berlegungen und des Schrecks gänzlich verwirrten Bassagiere des Unglückswagens nur unter großen Schwierigkeiten bergen. Der Chauffeur Neumann hatte die Geistesgenenwart, einine Sefunden, nachdem der Wagen umgekippt war, die Zündung des Motors abzustellen und so zu verhindern, daß aus dem Bergaser sich Benzin auf den arbeiten. 69] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. 50. Ich gehe auf ein paar Tage nach Petersburg," jagte Christy denselben Abend.„ Kommen Sie doch mit Ihren Paß habe ich schon bei Weinstein erwirft." Bertram war sofort dazu bereit. Ich finde, hier vergißt man sein Ego. Es ist, als ob man dem Weltuntergang, dem Tode der Zivilisation beiwohnte. Diese Menschen sind am Uranfang der Eristenz angelangt, wo nichts von Wichtigkeit ist, außer Obdach und Nahrung und die Rettung des eigenen Lebens. Das Dasein wird dadurch ebenso vereinfacht wie im Kriege." " Ein leichter Vereinfachungsprozeß," sagte Christy und fah zum Fenster ihres Zuges hinaus. Noch ein solcher Krieg, noch eine solche Dürre, und halb Europa ist vom Erdboden hinweg vereinfacht". In Petersburg herrschte auffallende Ruhe. Tiefer Schnee lag auf den Straßen, die Newa war gefroren. Bertram stand auf einer der Brücken und betrachtete das Bild der einst so prachtvollen Stadt, die jetzt wie ausgeftorben dalag. Seltsam und schrecklich mutete die Stille in den Straßen an. Kein Laut ertönte aus den großen Fabriken jenseits des Fluffes. Rein Rauch stieg aus ihren Schornsteinen auf. Auf Den Kais bewegte fich nichts, fein Mensch ging ab und zu. Am Newsti- Brospekt, einst, wie Bertram wußte, die luxuriöseste Geschäftsstraße Europas, waren die Läden mit Brettern zugenagelt Aber wenigstens sah man hier doch Menschen. Gegen die Kälte vermummt, fo gut es ging, zogen fie Handschlitten über das vereiſte, glatte Pflaster, und oft gingen Soldaten der Roten Armee nebenher, um die Schätze auf den Schlitten zu schützen. Denn da lagen Säcke mit Kartoffeln, Scheite Holz und gefrorenes Fleisch. Diefe Schlittenzieher und Schneeschipper in den Petersburger Straßen unterschieden sich scharf von der Moskauer Bevölkerung. Man fah, sie gehörten der einstigen guten Klasse an. Einige dieser Frauen, die vor den schweren Schlitten feuchten, trugen Kostüme, die, als sie noch nicht zerrissen und befleckt waren, jeder Großstadt Ehre gemacht hätten. Und den Männern mit den Schneeschaufeln in der Hand fah man es leicht an, daß sie einit hohe Stellungen innegehabt hatten. Der allgemeine Eindruck der Gesichter aber war hager, traurig und verängstigt. " Die Stadt leidet Mangel an Lebensmitteln," erklärte Christy Mostau mit seinen vielen Beamten hat den ersten Freitag, 9. Januar 1925 durchaus abweichender Weise dar. Danach wollte der Privatwagen 4242 den Autobus turz vor der Kreuzung der Genthiner Straße überholen. In diesem Augenblid sei aus der Genthiner Straße ein Privatwagen herausgekommen, der in das Lüzomufer einbog. Dr. Silbergleit habe, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, feinen eigenen Wagen scharf nach rechts genommen und sei dadurch den, die Bordschwelle start angesteuert und sei wohl habe nun seinerseits, um nicht von Dr. Silbergleit gerammt zu merUeber 20 Schwer- und Leichtverletzte. hart an den Autobus herangekommen. Der Führer des Omnibusses den Motor ergos, was sehr leicht zu einer Explosion hätte führen fönnen. Es war ferner ein Glüdszufall, daß in dem Augenblid, als die Katastrophe eintrat, ein Pferdefuhrwert vorüberfam, das Bretter und Stangen geladen hatte. Der Kutscher schlug damit die Eingangstür des Autobus, die sich verklemmt hatte, los, stieß auch möglich, in das Innere des Autobusses hineinzukommen, wo die Dom Chauffeursiz aus die große Glasscheibe durch, und so war es Verletzten jammernd und stöhnend übereinanderlagen. In der allgemeinen Berwirrung, die herrschte, vergaß man die Feuerwehr zu alarmieren und erst 20 Minuten nach dem Unfall trafen die Rettungswagen der Behr sowie die des Rettungsamtes ein. In zwischen hatten sich jedoch die Inhaber von Brivatwagen und Droschkenautos zur Verfügung gestellt, die die Berlegten nach dem Elifabeth- Krankenhaus transportierten. Die Polizei, die von dem nahegelegenen Revier 33 in der Genthiner Straße herantam, sperrte sofort das Lüzowufer ab, um die Untersuchung über die Ursachen des Unfalles nicht erschweren zu lassen. Der Chauffeur Reumann sowie der Inhaber des Privatwagens, ein Dr. Silbergleit, ihrer Personaien und zur ersten Vernehmung nach dem Revie: 35 der aus dem Röntgenlaboratorium fam, wurden zur Feststellung gebracht Derthin nude cuch das Auto des Arztes gesteuert, das den Zusammenstoß ve: schuldet haben soll. An der Unfallstelle. infolge der Dunkelheit mit dem rechten Vorderrad an die Bordschwelle gestoßen. Durch diesen Anprall erst sei der Autobus, da nun die Steuerung ganz schwelle hinweg bis an das Eijengitter der Böschung geflogen. Auf scharf nach rechts einschlug, herumgerissen worden und über die Borddem Polizeirevier 33 gab Dr. Silbergleit, ebenso wie sein Chauffeur Klozet, eine Darstellung, die diese Aussagen zu bestätigen scheint. Dr. Silbergleit erklärte, daß er den Autobus überholt habe, ohne den schweren Wagen zu rammen. Als er etwa 2 Meter vor dem Autobus lag, habe er hinter sich einen Krach gehört und sei sofort Wagen zum Halten fam, habe der Autobus bereits umgelegen. Eine an die Bordschwelle gefahren und habe angehalten. Als sein eigener ähnliche Darstellung gab der Privatchauffeur. Der Fahrer des Autobusses, Neumann, der feinen Führerschein seit 1912 besitzt und feit einem Vierteljahr auf der Linie 1 der ABOAB fährt, behauptet dagegen, daß das Privatauto ihn gerammt habe. Ob diese Angabe lassen. richtig ist, wird sich erst im Laufe des heutigen Tages feststellen Soweit sich auf dem dunklen Hof des Polizeireviers erschürfungen, die unbedingt vorhanden sein müssen, wenn ein ZuBennen fieß, zeigte der Privatwagen feinerlei Schrammen oder Abfammenstoß erfolgt ist. Die Liste der Verletzten. liegt, war von Hunderten von Zuschauern umlagert, so daß ein Die Unfallstelle, die fast genau gegenüber der Genthiner Straße größeres Bolizeiaufgebot herangezogen werden mußte, um die Unterfuchung und die Aufräumungsarbeiten nicht zu stören. In dem tiefen Dunkel, das an der rechten Straßenseite gerade an dieser Stelle herrscht, liegt der mächtige Omnibus. Man sieht auf dem Fahrdamm deutlich die Spur des Wagens, die sich infolge des scharfen Bremsens auf dem Asphalt klar abzeichnet. Der Wagen ist etwa 60 Zentimeter ven der Bordschwelle entfernt bis etwa 10 Meter vor der Genthiner Straße gefahren. Dann erkenni man deutlich einen Knid und auf etwa 3 Meter Länge nähert sich nun die blante Fahrrinne der BordKnid der Fahrbahn läßt die Aussage des Chauffeurs Neumann, er schwelle, die an dieser Stelle etwa 20 Zentimeter hoch ist. Der sanfte sei von einem Privatmagen gerammt worden, so daß ihm das den Bürgersteig gefahren fei, nicht allzu glaubwürdig erscheinen. Steuerrad aus der Hand prellte, und der Autobus ganz plötzlich auf Bürgerſteig. Das Innere iſt bedeckt von Scherben, zwischen denen Der Wagen liegt im Winkel von 90 Grad zum Fahrdamm auf dem große Blutlachen stehen. Die Ledersessel sind dagegen fast gar nicht 17. Hedwin Zielich, Augsburger Str. 2, Oberschenkelbruch. beschädigt, wie auch die Holzverkleidung feine allzu großen Schäden aufweist. Die Karosserie hat den Sturz gut vertragen, während die Chauffeuritz, das Steuerrad mit der Steuersäule, ebenso wie die Echeiben natürlich ohne Ausnahme in Trümmern gingen. Der Fußbremse und die Kupplung sind vollkommen unversehrt und ebenso zeigt sich das Gestänge der Steuerung zwischen den Borderrädern ohne Fehler. Im Bogen liegen einige Handtaschen, Taschentücher und Kleinigkeiten, die bei dem Sturz den Fahrgästen aus der Tasche gefallen sind. Kurz nach 8 Uhr fam Oberingenieur Schmidt von Der ABDAG. mit einem Rettungswagen und einem Stab von Technifern an, um den Wagen aufzurichten und abzutransportieren. Bei dem ungeheuren Gewicht des Wagens, das mehr als 100 Zentner beträgt, war es notwendig, die Karosserie vom Unterbau abzulösen, um dann erst durch Winden den Wagen wieder vorsichtig aufzurichten. Bei Fackelschein zog sich diese Tätigkeit bis in die späten Abendstimden han. 1. Frau Kafjewa, russische Botschaft, schwere Schädelverletzung. 2. Karl Etmond Loth, Wohnung unbekannt, schwere Konfufionen. 3. Schaffner Adolf Schultz, Liebenwalder Str. 26, Kopfverletzung. 4. Frl. A Hang, Wichmannstr. 18, Unterschenkelbruch. 5. Marie Adomeith, Kaiserplatz 6, Unterarmverletzungen. 6. Margot Liedtke, Zehlendorf, Nervenfchod. 7. Anneliese Stangenberg, Lühowstr. 63, Schlüffelbeinbruch. 8. Elise Bähr, Halensee. Joachim- Friedrich- Str. 6. Nervenfchod. 10. Luise Konzach, Blumenftr. 76, Nervenschock. 9. Karl Darg, Holsteinische Str. 18, Konfufionen. 11. Sophie Götten, Wilmersdorf, Johannisberger Str. 4, schwere Handquefschung. 12. Hans Renp, Nürnberger Str. 4, schwere Konfusionen. 13. Stanislaus koba, russische Botschaft, schwere Kopfwunde. 15. Günther Rogowski, Charlottenburg, Bleibfreuftr. 15/16. Fuß14. Johann Hähn, Steglih, Birkbuschftr. 6, Fußverstauchung. verftauchung. Die Schuldfrage. Die Untersuchung über die Ursachen des Unglüds dürfte sich in diesem Falle ziemlich langwierig gestalten, da zunächst durchaus keine Klarheit darüber besteht, ob der Autobus wirklich von dem Kraft wagen des Dr. Silbergleit angefahren morden ist. Augenzeugen behaupten zwar, fie hätten gesehen, daß der Personenwagen mit dem rechten Borderrad die Radkapfel des Autobusses gestreift hätte und das infolgedessen der Autobus herumgeflogen und auf den Bürgersteig gerast wäre, doch stellen andere Augenzeugen den Borfall in Anspruch darauf. Die Menschen fürchten, daß ihre nächste Mahlzeit ihre legte sein wird " Ich möchte mit ihnen sprechen," sagte Bertram auf geregt. Könnte ich doch nur ein bißchen Russisch!" P " Ist nicht nötig, versuchen Sie's nur auf Englisch, Deutsch oder Französisch. Die meisten dieser Schneeschipper haben die Saison in Paris, London oder Berlin verlebt!" Außerhalb des Bahnhofs lehnte eine Frau an der Mauer. Gie buitete, ihr dünner Mantel schützte sie nicht gegen die eisige Kälte. Es war eine ältere Frau mit magerem Gesicht, aus Zigaretten zum Verkauf in der Hand. Bertram forderte auf dem die Backenknochen hervorstanden. Sie hatte ein paar Zigaretten zum Verkauf in der Hand. Bertram forderte auf Französisch zehn Zigaretten und überzahlte sie zehnmal. " Sie haben mir zuviel gegeben," jagte sie mit schwacher Stimme. Ich habe kein Wechselgeld." 16. Walter Klein, Nürnberger Str. 5, Kontufionen. 18. Dr. Hifnikki, Mommienffr. 21, Nasenbeinbruch. 19. Ernst Winde, Tempelhof, Kaiserin- Auquffa- Str. 3, Rippenbruch. 20. Else Coth, Pariser Str. 33, Häftverstauchung. 21. Major Loth, Pariser Str. 33, Rippenquefschung. 22. Rudolf Schaper aus Amsterdam, wohnhaft Zentral- Hotel. Armbruch. 23. Herr Bütow aus Amfterdam, Unterschenkel- Fraftur. 24. Herr von der Drelie. Karolinenplatz 3, Armbruch. 25. Alfred Hauptmann, Nettelbedsit. 23, koniusionen. 26. Mar Zeichen, Mommfenftr. 44, Nervenfchock. Ein Zusammenstoß. Ein Transportauto fauft die Köpenider Straße entlang und will die Straßenbahngleife, die die Straße freuzen, überqueren. Da tommt die Straßenbahn; beide Führer sehen die Gefahr, bremsen, wollen halten. Sie halten, früh genug, um ein Unglück zu verhüten, jedoch zu spät, um einen Zusammenprall zu vermeiden. Doch der ist nicht so schlimm, Straßenbahnwagen und Auto stehen etwas geschrammt zwar doch sonst noch betriebsfähig auf den Rädern... Tief holt der Autolenker Luft, um den Mann auf der Plattform mit den bei solchen Gelegenheiten üblichen Kojenamen zu be Arbeit ist, die Wahrheit über den Todeskampf dieser Menschen zu verbreiten, so daß die Außenwelt in großem Stile helfen möge. Das Gewissen unserer Pharisäer aufzustacheln, die chne zu helfen vorübergehen, während Rußland blutend im Graben liegt." Er führte Bertram dann in das Flüchtlingslager der Ver hungernden aus den Wolgadistrikten. ,, Erinnern Sie sich noch an die Leute, die wir in der Station liegen fahen? Dies ist für so manche von ihnen das Ende der Reise. Es soll sehenswert sein." Es hieß ein Lager, aber die Flüchtlinge dieses Lagers sehenswert", aber fein angenehmes Schauspiel. Draußen waren in der alten kaiserlichen Kaserne untergebracht. Es war herrschte eisige Kälte, drinnen war feine andere Wärme als die der dicht zusammengedrängten menschlichen Körper, die auf den nadten Brettern lagen Da waren Tausende von blondIhr Französisch war reiner als Bertrams. bärtigen, blauäugigen Bauern aus Samara und Saratoff mit Lassen Sie nur," sagte er. Es ist zu falt hier für Sie." ihren Beibern und Kindern, die dort herumkauerten oder Ich werde bald tot sein. Sind Eie Franzose?" Nein, Engländer." 17 Sie starrte ihn verwundert an.„ Ich war früher Erzieherin in England." ,, Und während der Revolution haben Sie hier gelebt?" " Seit Kriegsbeginn. Mein Mann wurde erschossen, als Kerensti ging. Er war Offizier, und seine Soldaten haben ihn getötet." " Sind Sie allein?" Ich habe einen fleinen Sohn. Er stirbt vor Hunger. Oft habe ich schon daran gedacht, ihn zu töten, hatte aber doch nicht den Mut." " Dies ist schrecklich. Wie kann ich Ihnen helfen?" scharf.„ Was bin ich Ihnen? Ich bin nur eine unter milWeshalb sollten Sie gerade mir helfen?" fragte fie lionen, die jetzt in Rußland verhungern." " Er gab ihr ein Bündel Papiergeld, und sie starrte es an und stich einen schwachen Schrei aus. Bertram nahm den Hut ab und ging weiter. " „ Es ist alles nuglos," sagte Christy. Ich hab damals auch fo angefangen hab's aber bald aufgegeben. Wieviel haben Sie ihr geschenft?" ,, 500 000 Rubel. Das wird ihr doch ein bißchen weiter helfen?" Christy zuckte die Achsein. In dieser Stadt bezahlt man 120 000 Rubel für ein Pfund Tee und 80 000 Rubel für ein Pfund Brot. Was tann unsere Privatwohltätigkeit dabei tun? Es ist alles umsonst, Major. Sie hat ja recht, es gibt Millionen gleich ihr. Bir tönnen Besseres tun. Unsere schlafend in Haufen übereinander lagen. Es wurde gerade die Suppe und das Stück fauren Schwarzbrotes ousgeteilt, aber nicht alle stellten sich in Reih und Glied, um ihre Näpfe hinzustellen. Biele lagen auf dem Fußboden und warfen die Köpfe unablässig zur Seite oder verhielten sich ganz still, mit verglasten Augen geradeaus starrend. „ Typhus Dysenterie- Schwäche," sagte Christy, nachdem er mit dem russischen Arzt ein paar Worte in deutscher Sprache gewechselt hatte. Der Doktor war ein schwarzbärtiger Mann im weißen Operationsrock. Er hatte ernste, nachdenkliche Augen hinter feinen großen Brillengläsern.„ Wir tim, was wir mur fönnen," sagte er auf Deutsch. Aber die Nahrung ist nicht ausreichend, Wechseln, feine Heizung. Die Krankheit nimmt zu. Aber und es gibt feine Arzneien, feine Seife, feine Wäsche zum wir tun unser möglichstes!" Als er mit Bertram und Christy über den Kasernenhof ging, stieß er eine Holztür auf und winkte ihnen hineinzusehen. Drinnen lag ein hoher Haufen von Toten, Männer, Frauen, Kinder durcheinander, mit braunen, flauenartigen Händen, die aus der Masse von Beibern herausragten, mit aufwärts starrenden Gesichtern, und hier und da sahen nackte Glieder in all ihrer Abgezehrtheit hervor. Sie waren aufeinandergehäuft wie Schutt auf dem Schutthaufen. Seit zwei Tagen tot," sagte der Arzt. ..Das Ende der Reise," flüsterte Christy. Bertram mußte fid) übergeben. Der Totengestank war schlimmer als auf dem Schlachtfeld. ( Fortsetzung folgt.) Tegen. Auf be: ist nicht müßig:" Donnerwelter..." ba hält er inne, liest die Firmenbezeichnung des Autos und fährt weiter. Auch den Chauffeur übertommt es wie Erleuchtung, er wirft den Motor an und verschwindet, ohne ein Wort zu verlieren. Abe; des Rätfels Löfung? Es waren beides Fahrzeuge der Großen Berliner Straßenbahn- Betriebsgesellschaft, die da ineinander geraten waren. Potsdamer Schüßenbrüder. Erst großes Maul, dann will es feiner gewesen sein. In einer Nacht gegen 2 Uhr bemerkte ein Polizeiwachtmeister in der Bar des Restaurants Börje" zu Boisbam noch Betrieb. Der Beamte ging binein und forderte die Personalten der Gäste, die fich zum größten Teil aus Mitgliedern der Botsdamer deutsch notionalen Sügengilbe zusammeniegten. Unter den Gästen befand sich eine Dame, deren Mann, Goldschmiede meister und Gemeindevertreter von Romanes, Brig Klose, gerabe in einem Nebenraum verfchwunden war. Der Beamte fragte, nachdem die Dame ihren Samen genannt:„ Sind Sie verbei. catet?" Diese Frage nahmen bie Gäste sum Anlaß, gegen den Belizeibeamten Stellung zu nehmen. Der Wirt des Lokals stürzte in den Rebentaum uab rief ensch, fonim schnell, die Boitzel be fäftigt beine frau. Wie ein Wither stürzte Klofe auf den Beamtent, pacte ihn am Arm und schrie: Severing( folgt Kraft ausbrut) hat nichts mehr zu sagen, die Rechtsregie rung tommt iegt bran." Er beschimpfte den Beamten, hielt ihn fest und diese: 30g blant, gab mit der Pfeife Notfignale ab, da er sich nicht mehr im Lotal allein durchzusetzen vermochte. Rofe mußte fid wegen Beleidigung des Ministers Severing, wegen Be omtenbeleidgung und Widerstandes vor dem großen Potsdamer Schöffengericht verantworten. Die als 3eugen gelabenen Gäfte der Bar wollen durch die Frage des Bamten: Sind Sie verheiratet?" in große Erregung gekommen fein. Borsigender: Frau Klose, fanden Sie sich denn durch die Frage beleidigt?" Zeugin: Ja, das fand ich im höchsten Grade unschicklich, ich bin doch keine Dirne.' Borsitzender: Sie scheinen wohl sehr empfindlich zu sein." Der Angeklagte Kloje bestreitet, daß er den Kraftausdruck auf den Minifter gebraucht habe. Dieser sei vielmehr von einem anderen Gast gefallen. Das Gericht beschloß, um recht gründlich diese Sadje aufzuflären, sämtliche Gäfte der Bor, die der Polizeibeamte in der fraglichen Stacht festgestellt hat, zum neuen Termin zu laden. Die Berliner Aerztekammer gegen die Kaffenärzte. Der Kampf der Berliner Aerzteschaft und deren soge nannter staatlicher Vertretung, der erste fammer für die Brovinz Brandenburg, gegen die feft angestellten Aerzte der Berliner Raisen ambulatorien und des Berliner Kaffenärzte vereins( 3. K. B.) nimmt immer grotestere Formen an. So het fich der Herausgeber der Groß- Berliner Aerzte Korrespondenz, Sanitätsrat Dr. 3. neuerdings folgendes im Rampfe gegen die Raffenambulatorien geleistet. Ein Ambulatoriumsarzt, Dr. Schl, der schon vor 1914 in Berlin ansässig war, mußte zwerks einer Bohnungsumschreibung für das zuflündige Bob mungsamt eine Bescheinigung durch die Aerztekammer beibringen. Dr. 3. fragte den Herrn in feiner befannten Manier, wo er tätig fei, und als er wahrheitsgemäß erwiderte: In einent Kaffen ambulatorium," ertiärte der Herr Sanitätsrat: Dann haben wir nichts miteinander zu tun: Sie befommen die Bescheini sung nicht. Einem Arzt, Dr. Pr.. der Mitglied des Berliner Raffenärztevereins ist und bei einem Apothefer im Norden seine Sprech und Wohnräume hat, wurde auf Veranlassung der dortigen Aerzte durch feinen Bermieter die Wohnung gefündigt, ba die umwohnenden Aerzte dem Apothefer erfiärt hatten, sie würden im Weigerungsfalle bie Apothefe bontottieren. In einem dritten Falle benötigte ein Dr. A. eine Bescheinigung von der Aerzte tammer, damit er für seine Verheiratung eine Wohnung zugewiesen erhalte. Dieser Arzt ist ein Gegner der Ambulatorien und hat auch Teine Beziehung zum B. K. B. Dr. J. aber forderte ihn auf, einen Revers zu unterschreiben, daß er niemals in ein Ambula torium eintreten bzw. Mitglied des Berliner Raffenärztevereins werde Der Herr lehnte diese zu mutung mit der Begründung ab, für die Zukunft Berpflichtungen folcher Net nicht eingehen zu tönnen. Die Ausstellung der ge Dünschten Bescheinigung wurde daraufhin verweigert! Gegen biese Crpreffuntgen ber Aerztekammer bezm. ben Mißbrauch vom Staat zuerfannter Rechte ist durch die zuständige Stellen Be Ich werde beim Oberversicherungsamt erhoben worden. Diele Tatsachen aber find ein neuer Beitrag zur Ethif der Hüter der ärztlichen Moral. Berliner Messeveranstaltungen 1925. De den günftigen Ergebnisjen der legten Berliner Fachmessen uns Ausstellungen beabsichtigt das Berliner Meffeamt, im Jahre 1925 folger be fadymessen in seinen Hallen am Raiserdamm zu veremstalten: 3 om S. bis 11. Februar Fachmesse der beutschen Betleidungsindustrie unter Teilnahme von 36 führenden Berbänden der deutschen Bekleidungsindustrie. Bu gicider Zeit finbet bie zweite Messe der Schuh- und Leder. wirtschaft mit ihren Unterabteilungen Lederwaren imb Sattler marenmeffe jait, an der sich wiederum maßgebende Firmen diefer Brende beteiligen werden. Bom 1. bis 8. Rära 1925 im Sauke der Funk- Industrie Me Allgemeine Deutide Hygiene Messe und Ausstellung 1925. Bem 15. bis 19. März in der alten Automobilhalle die Reid) s Gastwirts. effe, offizielle Fachmesse für Restaurant, Hotel- und Konditorenbedarf. Bom 4. bis 9. April Reichs Refleme Messe, die zum erstenmal in großem Rahmen der ganzen deutschen Reklame. mdustrie Gelegenheit gibt, die wadyfende Bedeutung der Künstlerischen Reklame dem großen Bublifuni zu zeigen. Bom 4. bts 13. September die zweite große Wusstellung der Funt d 1 industrie. Die ursprünglich für das Frühjahr festgefekte Ausstellung der Kino- und Photoindustrie ist auf den Serbst verschoben worden. Sie findet vom 25. September bis 4. Oftober flatt. Jubiläuen im Bezirk Charlottenburg. In derselben Am 10. Januar bficht Genosse Hirsch, der Bürgermeister Stellvertreter des Bezirks Charlottenburg, auf eine 25jährige fommunale Iätigteit zurüd. Ebenso fange ist der Stadtbaurat interftein im Dienst. In der legten Bezirksversamm Tung hob der Borsteher die Berdienste belber Männer hervor und danfte ihnen unter Zustimmung aller Mitglieder der Versammlung für ihre Tätigkeit im Interesse der Kommune. Sihung erfolgte die Wahl des Borsisenden und des Schriftführers der Bezirksverfammlung fomie deren Vertreter einstimmig durch Buruf. 3um Borsteher wurde Herr Dettleiffen( Drat.) ge wählt, zum Stellvertreter Genoffe Dr. Borchardt und Genosse midler zum Schriftführer. Die Beratung des Haushalts planes für das Rechnungsjahr 1925 wurde einem Ausschuß über wiefen. Die Einnahmen. find con 7 Millionen im Jahre 1924 auf 8,5 milionen im Jahre 1925 gestiegen. Die Ausgaben sind dagegen Don 19,5 auf 31,7 Dillionen, affo um 62 Proz. gewachsen. Diese Steigerung ist in der Hauptfache auf die Erhöhung der Löhne und Gebälter aurückzuführen. Auch die Ausgaben für andere Positionen find größer wie im Jahre 1924. Für Nubegehälter und Witwenpenfionen find 8 millionen D. mehr ausgegeben. Die Ausgaben für soziale Fürsorge sind um 2 Dillionen gestiegen und die öffent de Beleuchtung, Straßenreinigung und Bartverwaltung erfordern zusammen eine Erhöhung der Ausgaben um 1½ Millionen. Schließ fich mußten die einmaligen Ausgaben zur Erhaltung der öffentlidhen Gebäude und technischen Einrichtungen von 147 000 m. auf 1,4 Millionen M. erhöht werden. Diese Summe iſt unbedingt erforderlich, um die Schäden einer zehnjährigen Ber: nachläftigung in der Pflege der Anlagen und Gebäude endlich beseitigen au tönnen. Zwischen den Stadtbahnhöfen 300 und Tiergarten soll endlich eine dringend notwendige beffere Verbindung durch Bau einer Straße geschaffen werden. Die auf Charlottenburg entfallenden Kosten betragen 320 000 m. Die Beratung dieser Vorlage wurde einem Ausschuß übertragen. Eine nächtliche Demonstration". " Die Vergiftungen im Krankenhaus Neukölln. Der Betriebsrat des städt. Krantenhauses Meu fötin ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: In der Tagespresse vom 7. Januar 1925 ist von rätselhaften Vergiftungs. erscheinungen die Rede. Unter anderem wird versucht, diese Angelegenheit auf das friminelle Gebiet fiberzuleiten. Gegen die so gegenüber erheben wir scharffte Verwahrung. Inverständlich ist es, battlofen und umgeheuren Berdächtigungen unserer Kollegenschaft gegenüber erheben wir schärfte Verwahrung. Inverständlich ist es, menn solche Verdächtigungen noch die Unterstützung und Billigung der Behörde( HGA.) finden. Die Untersuchungen haben für die vorgenannte Verbächtigung nicht den geringsten Anhalt gegeben. Wir erwarten deshalb vom HG., daß man das Personal gegen diese Haltlosigkeiten in Schuh nimmt. Die Behauptuna, es wären nur Aerzte wiederholt an Durchfällen ertrantt, ist ebenso baltos wie die Haus und Bilegeperfonal Crtranfungen gleich. vorbezeichnete. festgestellt ist, daß bei Batienten sowie beim falls borgetommen find. denen aber nicht so große Bedeutung beigelegt worden ist. Ein einzelner pofinver Fall von Vergiftungserscheinungen ist im Februar 1924 festgestellt worden. Die heit der Transportgefäße läßt die Möglichkeit zu, daß durch schlechte, durch übergroße Sparsamteit bervorgerufene BeschaffenOxydationen Erkrankungen mit Durchfällen eintreten können. Für das Aerztekasino werden aber besonders gute Gefäße verwandt, so daß hier biefe Möglichkeit ausgeschloffen ist. Die ganze Ation, von den Aerzten eingeleitet, hat wahrscheinlich den Zweck, die Be. feitigung des Einheitstiides zu erreichen, um nur für sich bessere Beföftigung zu erreichen. Eine noch schärfere Ueberwachung der Zubereitung und des Transportes der Speisen bedeutet unferer Auffassung nach. hinter jedem Aufpaffer noch einen Aufpasser zu stellen, der aufpaßt, daß der Aufpaiser auch richtig aufpaßt. „ Drei Jahre Gefängnis für einen Chauffeur." Unter dieser lleberschrift hatten wir im geftrigen Morgenblatt über die Berurteilung eines Kraftwagenführers berichtet. Dabei war erwähnt wor den, daß die Fahrgäste des Verurteilten, drei Gepäckträger vom Schlesischen Bahnhof gewesen seien, die ein Bergnügen mitgemacht und mit dem Angeklagten gezecht hätten. Wir werden gebeten, mitzuteilen, daß die betreffenden Gepäckträger weber an einem Ver gnligen teilgenommen noch mit bem betr. Führer gezecht hätten. Sie hätte lediglich einem Freund, der Berlin verließ, noch das Geleit gegeben und, ba teine andere Berkehrsmöglichkeit vorhanden war, hätten fie bas zufällig porbeikommende Auto des Berurteilten benust. Das heutige Spanien. Die Hanbelo- omschule Berfin nimmt in diesem Wintersemester ihre Auslandskurse wieder auf. Sie will weite Kreise, namentlich von Handel und Industrie, co: allein mit den Ländern vertraut machen, mit denen Deutschland in handels. beziehungen steht. Sie beginnt ihre Vortragsreihe mit Spanien. An vier aufeinander folgenden Sonnabenden von 5-7 Uhr wird über Das heutige Spanien" gesprochen werden. Als Redner find hervorragende Kenner Spaniens gewonnen. Prof. Dr. Georg Wegener wird am 10. Januar über Land und Leute( mit Lichtbilbern) sprechen; am 17. Januar Brof. Dr. Herre über Das politische Leben", am 24. Januar Degationsrat Dr. Zechlin über Spaniens Wirtschaft und seine Beziehungen zu Deutschland"; am 31. Januar Prof. Dr. Krüger- Hamburg über Die geistigen Strös mungen der Gegenwari". Eintrittskarten zum Preise oon 4 M. für die Bortragsreihe( 1,50 m. für den Einzelvortrag) find an der Kaffe der Handels- Hochschule, Berlin C. 2, Spandauer Str. 1, erhältlich. Am 2. Juni 1924 ging der Kriminalkommissar Lehnert mit 18 Herren von der Republikanischen Frontfämpfertruppe von einer Sigung die Jerufalemer Straße entlang bis zur Leipziger Straße und folgte diefer in Richtung zum Botsdamer Plah. An Leipziger Straße, Ede Marfarafenstraße, forberie der Suppolizeiwachtmeister Barth die Herren, die er auf etwa 50 Mann schäkte, auf, das Singen au unterlaisen und auseinanderzugeben. Dowohl dieser Aufforde. rung jojort nachgefommen wurde, glaubte fich der Polizeiwachtmeister peramiage. Komunissar Lehnert und noch einige Herren aufzufordern, mit zur Bache zu gehen. Beugen, Angehörige des RFT., erboten fich mitsufommen, wurden gleichfalls zwangsgestellt und als Be: fchuldigte auf der Bolizeiwache behandelt. Auch einem unbeteiligten Seugen, der den Borfall beobachtet hatte, widerfuhr das gleiche Echicfat. Erst ais der Herr Einspruch dagegen erhob, wurde er von der Liste der Beschuldigten gestrichen und als Zeuge vorgemerkt. Gegen Kommiffar Behnert und die anderen Herren erging Straf befehl in Höhe von 20 M. Gegen dieses Strafmandat legte der Kommissar Einspruch ein. Gestern war vor der 141, Abt. der Einzelrichter Termin in diefer Sache. Obwohl die ingefiagten sich erboten, den Beweis dafür anzutreten, daß an der fraglichen Sigung hödfiene 30 Berfonen teilgenommen hatten, von denen achtzehn sich nach dem Botsdamer Biah begeben wollten, blieb der als Zeuge bernommene Wachtmeister Barth, der sich auf feine militärischen Fähigkeiten beriel, dabei, daß es sich um 50 Bersonen handelte. Als Entlastungszeuge trat der Kaufmann Thal auf und befundete, daß es fich nicht um eine Demonstration handelte. Der Bertreter der Staatsanwaltschaft beantragte, dem Strafmandat von 20 m. stattzugeben. Das Bericht fam aber zu einer Freithal( Basel) fuhr der Automobilist Deren in die geschlossene sprechung der Angeklagten und führte in seiner Begründung an, das man unmöglich annehmen könne, daß nachts um 113 Uhr irgendeine Bereinigung eine Demonstration veranstalten merbe. Ein Morogerücht war gestern mittag in Moabit verbreitet. Es erwies sich aber als falsch. Auf dem Grundstück Stephanstr. 15 fand die Bförtnerfrau auf dem Hofe einen menschlichen Sma bel. Sie glaubte an einen ord, von dem fie vermutete, daß er auf dem anstoßenden unbebauten Gelände verübt worden sei, fching Lärm und rief die Bolizei. Kriminalbeamte sogen einen Arzt zu Rate. Dieser stellte fest, daß der Schädel mindestens 10 Jahre unter ber Erbe gelegen haben mußte. Um ein neues Berbrechen fann es sich also durchaus nicht handeln. Wie aber der Schädel auf den Hof des Grundstüdes gefommen ist, ließ sich noch nicht feft. ftellen. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 9. januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Hens- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Handelskurse. Stadtrat Dr. Gordan: Rechtsfragen des Alltags. 5. Vortrag: Augen auf! Kauf ist Kauf! 7 Uhr abends: Woge zum Wissen: Ein Schiffbruch im Eismoor. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Medizinische Vorträge. Dr. Paul Meißner: Hygieno des Hauses, 6. Vortrag: Hygiene im Verkehr. 8.30 Uhr abends: Joseph- Haydn- Abend. Dirigent: Otto Uraok. 1. Militärsinfonie in G- Dur: a) Adagio Allegro, b) Allegretto. c) Menuetto, d) Finalo Presto. 2. Andante aus der Glookensinfonie in D- Dur. 3. Andante ans der Londoner Sinfonie in D- Dur, 4. Sinfonie mit dem Paukenschlag in G- Dur: a) Adagio cantabile, b) Vivace assai, o) Andante, d) Menuetto, e) Allegro di molto. Das Orchester besteht aus Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchestors. An schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterdienst. Allgemeiner Rüdgang des Ruhrhochwassers. Das Hochwasser der Ruhr fann, wie aus den Ueberschwemmungsgebieten berichtet wird, als beseitigt bezeichnet werden. Auch das Grundwasser geht aurück, so daß allmählich auch die Rubranlagen und Grundstücke wieder frei werden. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Das Hochwasser der Ruhr hat auf dem überfluteten Baugelände der neuen Ruhrschleuse großen Schaden verursacht. Ein Auto von einem Juge überfahren. Im Bahnhof in Lies. Barriere in dem: 2lugenblick hinein, als der Luzerner Schnellzug ein. fuhr. Das Automobil durchschlug die Schranken und wurde von dem Schnellzug vollständig zertrümmern. Deren und sein Fahrgast namens Kohler wurden auf der Stelle getötet. Auswandererleiden. London, 7. Januar.( EP.) In South ampton find gestern 700 ruffische Auswanderer, die sich auf dem Wege nach den Vereinigten Staaten befinden, in den ungerstreit getreten. Fast alle sind Juden. Sie sind von der Schiffahrtsgesellschaft, die tontrattlich ihren Transport nady Amerifa übernommen hat, provisorisch in Southampton einquartiert worden, da die Einwanderungsquote für Rußland gegenwärtig erSchöpft ist. Die Auswanderer protestieren gegen die ungenügende Nahtung. Goldfieber in Nordestivitien. Im Jakuten Gebiet in Nordostsibirien, wo Goldvortomment festgestellt sind, deren Ertragsfähigkeit vom Gerlicht, wie immer in solchen Fällen, ins Fabelhafte gesteigert wurde, entwidelt sich jest das Goldfucher treiben, wie es andere goldliefernde Länder schon füber gefannt baben. Der Sowjetpresse wird berichtet, daß die slim m ft e Begleiteriseinung dieses Goldfiebers das Gebaren der Lebensmittelipetulanten sei, die sich dort sofort entwidelt und die Versorgung der Gegend mit Nahrung au schwin beind boben Breifen in die sand genommen haben. Das gefundene Gold wird meist von Händlern aufgelauft, da es den staatlichen Dandelsorganisationen an Mitteln febit. Jm Cande Muffolinis. Rom, 7. Januar.( WTB.) In einem Cisenbahnzug fam es furz vor Neapel zwischen einem Kontrolleur und einer Ausflugsgesellschaft zu einem Wortwechsel, in den sich auch andere Reisende mijchten. Hierbei zog einer der Ausflügler einen 9evolver und schoß, offenbar um die Gegner einzuschüchtern, traf aber unglüdlicherweise awei Kaufleute, die sofort tot waren. Daraufhin sprangen die übrigen Teilnehmer der Rauferei aus dem fuhrenden Zug, aus dem auch einer der Leichname ges worfen wurde, und flüchteten. noch nie ward Ahnliches geboten -aber Schluss des Inventur- Ausverkaufs LEIPZIGER STR.42 ECKE MARKGRAFENSTR ORANIEN STR 165 AM ORANIENPLATZ Montag 12- Jan d. MAASSEN Genosse Haß wieder Stadtverordnetenvorsteher Sum ersten Stellvertreter wurde von v. Ennern Dr. Caspart ( D p.) vorgeschlagen Derr verzichtete auf einen Gegenvorschlag. um jo tajch wie möglich zur Beratung der sozialen Anträge zu gelangen. Der Bahl durch Zuruf wurde widersprochen; die Bettelwahl ergab 94 Stimmen für Dr. Caipari, während gleidh zeitig 90 weiße Bettel abgegeben waren. Degner( Komm.) erhielt nahm die Wahl an. unb Bebel bet. 1 Salensee: Schule Soachim- Friedrich- Etc. 35, Bortrag: Auguit Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: wang zur Gemeinschaft", Schöneberg II: Edule Franfenftr. 10, Vortrag: ,, Boltstrachten". Eteglik II: Jugendheim Solsteinische Str. 3, Vortrag: Arbeitsdienstpflicht". Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 8, Mitglieder. Derjammlung. Treptow: Jugendheim Elfenftr. 8, Borttag: Reichsbanner und GAS.". Rieberschönhausen: Gemeindeschule Blankenburger Sir, 69, Dis. Jugendwerbung des Werbebezirks Rentään. Jugendheim BergStraße 29, Barrac: Arbeiterjugend und chriftliche Jugend"; Jugendheim Roga: ftz. 53, Bortrag: Arbeiterfugend und Sport": Jugendheim Briz( Rathaus), Bortrag: Alichol uno Nilotin". 17 Stimmen, 2 waren zersplittert. Dr. Caspary war gewählt und Parteinachrichten 21s groeifer Stellvertreter wurde auf Borschlag Merten( Dem.) Dr. Mayer( Dem.) mit 105 von 196 gültigen Stimmen gewählt. ( Wirtsch. B.), 18 waren für„ Dr. Mener" abgegeben. Diese legteren 7 Bettel waren unbeschrieben; 15 lauteten auf Degner, 58 auf Serper würden, da über die Person des zu wählenden fein Zweifel bestand, den Stimmen für Ostar Mener hinzugerechnet, der somit 123 Slimmen erhalten hat. Mener nahm die Wahl an. Ginfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts. zu richten 2. Kreis Tiergarten. Rreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt: Wohlfahrtskursus im Bezirksamt Tiergarten, Riopitocitt. 24, 8immer 4. 1. Abend: Diens tag, den 13. Januar, 7% Uhr. Bortrag der Genoffin Todenhagen: ,, Ge schichte der Wohlfahrtspflege". 6. Kreis. Reitungstommiffionen: Die Sigung fällt heute abend aus. Bur nächsten Zusammenfunft wird eingeladen. Nach alter Uebung hatte sich die gestrige erste Stadtverordneten Ein Antrag Dörr, nunmehr sofort die von den Kommu fizung im neuen Jahre mit der Neuwahl des Vorsteherfollegiums zu nisten eingebrachten Anträge zur Erwerbslosenunterstüḥung zu be fuffion: Unsere Arbel". befaffen. Genoffe eimann schlug im Namen der sozialdemokraaten, wurde vom Vorsteher als geschäftsordnungsmäßig unzulässig LEFT FLECITITELLITE!! tischen Frattion wieder den bisherigen ersten Borstener, Genoffen zurückgewiefen. Man fuhr in der Wahi des Vorstandes fort. Haß, vor. Der Sprecher der Deutschnationalen leistete sich den Scherz. in Anbetracht des Ausfalls der Reichstagswahl den Borfteherposten für seine Graftion zu beanspruchen". Der Boltsparteiler 5. Ennern wollte Ansprüche" auf diesen Posten überhaupt nicht gelten lassen, erklärte aber am Schluß seiner Ausführungen doch den Deutschnationalen seine Liebe und trat für deren Kandidaten, den Charlottenburger Bezirksverordnetenvorsteher Dr. Detleffsen ein. Dr. Salzgeber vom Zentrum erkannte das Recht der stärt. sten Fraktion auf den Vorsteher an. Wie vorauszusehen war, wurde Genosse has im ersten Wahlgang mit einer Stimme Mehr. heit gewählt. Die Wahl der Vorsteherstellvertreter nahm dafür um fo längere Zeit in Anspruch. Bei allen war Zettelwahl notwendig: die Wahl des dritten Stellvertreters erforderte allein drei Wahlgänge und stellte die Geduld der Stadtverordneten sowohl als auch der kommunistischen Tribünenbesucher auf eine harte Probe. Zum ersten Stellvertreter wurde Caspari von der Deutschen Volks. partei gewählt. Unsere Fraftion gab weiße Stimmzettel ab. 3weiter Stellvertreter wurde der Demokrat Meyer, für den die Sozial. demokraten mit eintraten. Als dritter Stellvertreter waren drei Kandidaten genannt, der Zentrumsmann Schmidt fand die Unter stüßung unserer Genossen. Bei der Verfündung des ersten Resultats nahm der Kommunist Dörr Veranlassung, die Sozialdemokratie wieder einmal zu entlarven". Die Tribüne assistierte dabei, wenn auch nicht in einem Umfange, wie man das sonst erlebte. Genosse Dittmann entgegnete turz und scharf, daß die Sozialdemokraten für den Kandidaten eingetreten wären, deffen Fraktion auch Haß gewählt hätte. Endlich endlich wurde dann Schmidt( 3.) als gewählt verkündet. Nach dieser Wahltortur tat der Borsteher hab nur recht, wenn er allseitige Erschöpfung tonstatierte und die Ver fammlung turzerhand schloß. Die geftrige erste Sigung der Berliner Stadtverordneten be gann erst furz vor 6 Uhr; man hatte so lange gewartet, um auch Senjenigen Mitgliedern die Teilnahme zu erniöglichen, die als Ab. geordnete in der gleichzeitigen Landlagssigung festgehalten worden Borsteherstellvertreter Staatssekretär a. D. Meyer er öffnete die Sigung mit der Mitteilung, daß für Gottfried Schutz Gen. Siebert in die Versammlung eingetreten ist. Auf der Tagesordnung stand zunächst die paren. die Wahl des Vorstehers. Sen. Heimann schlug zum ersten Vorsteher den Gen. Haß vor. Granaß erflärte, daß die Deutschnationalen wie in früheren Jahren erneut den Anspruch auf den Besten des ersten Borstehers erhoben, und zwar sowohl auf Brund des Ergebnijes der Wahl zur Stadt. rerordnetenverfammlung von 1921, als auch auf Grund des Ergebnisses der letzten Reichstagswahl.( Gelächter inks.) Die Fraktion der Deutschnationalen schlage zum ersten Borsteher den Stadiver. ordneten Dethleffsen vor. v. Eynern( D. Bp.) tehnte zwar diesen Anspruch" ab und ebenso die Berufung auf ein Wahlergebnis, an dem diese Bersammlung nicht beteiligt jei, erfannte aber an, daß Der Borgeschlagene eine Bersönlichkeit fei, von der man eine objektive Handhabung der Geschäfte nach jeder Richtung hin erwarten fönne. Um ein möglichst einheitliches Wahlergebnis herbeizuführen, um nicht wieder der Bevölkerung das Schauspiel der Zersplitterung der jenigen Parteien zu geben, die' n bewußtem Gegensatz zur SozialDemokratie stehen.[ timme die Deutsche Boltspartet, obwohl sie selbst über eine Versönlichkeit verfüge, die sich in der fachlichen und objektiven Geschäftsleitung bereits bewährt habe, für Herrn Dethleffien. Dörr( Komm.) fonnte zwischen Dörr( Komm.) fonnte zwischen Haß und Dethlefffen teinen wesentlichen Unterschied entdecken( bet ber Intelligenz des Herrn Dörr ist das nicht verwunderlich. D. Reb.) und sprach beiben Kandidaten das schärfite Mißtrauen feiner Fraktion aus. Für diese kandidiere der Stadtverordnete Degner. Dr. Salhgeber vom Sentrum vermochte auch den An spruch der Deutschnationalen als berechtigt nicht anzuerkennen; die Berufung auf die lehte Reichstagswahl beweise nur, daß dieje Herren icht rechnen könnten, denn danach würden den Deutschnalio nalen in der Versammlung 54, den Sozialdemokraten aber 87 Size zukommen. Barum follte übrigens mit dem sonst überall befolgten Grundsat, daß der stärksten Bartel der Borsitz gebühre, hier gebrochen werden? Dr. Steiniger( Dnatl.) fchlug vor, die Wahl aus. zufeßen, bis feine noch im Landtag feltgehaltenen Fraktionsgenoljen zur Stelle fein tönnten, zog diejen Vorschlag aber. der auf starten Biberspruch stieß, wieder zurüd. Runmehr ging die Wahl vor sich. Bon 205 abgegebenen Stinanzetteln war einer weiß, gültig 204, abfolute Mehrbeit 103. Es wurde Genoffe Haß zum Vorsteher gewählt. Er hatte mit 104 Stimmen die Mehrheit errungen. Das Ergebnis begrüßten unsere Genoffen mit lebhaftem Beifall. Dethleffsen hatte 74, Degner 18, Dr. Caspari 8 Stimmen erhalten. Gen. Haß nahm bie Wahl an. Er dankte für das Vertrauen und versprach, nach befter Ueberzeugung und nach den Bestimmungen der Geschäftsorbnung fein Amt auszuüben.( Beifall. Gen. Haß übernahm darauf den Vorsitz.) Der sprichwörtliche Appetit der Jugend MARCEND tet immer auf Batterbrotgerichtet. Die Feinkostmargarine Schwan im Blauband" hilft ihn stillen; durch ihren hohen Nährwert ist sie den Kindern besonders zuträglich Preis 50 Pf. das Halbpfund in der bekannten Packung. Schwan Heute, Freitag, den 9. Januar: 47. Abt. Auf Befchluß der Funktionärtonferens finden am tommenden Mitt woch keine Rahlabende, sondern eine außerordentliche Mitgliederversamm Tung bei Behrendt, Manteuffefftt. 95, flatt, wozu die Bezirksführer einTaben. 81. Abt. Friedenan. 8 Uhr erweiterte Borstandsfitung bei Schönefeld, Rirch. ſtraße 28. 83. bt. 8 Uhr erweiterte Borstandsligung im Restaurant Bur Linde", Friedrich- Karl-, Ede Werberstraße. Als drifter Stellvertreter wurde der Bersammlung von Müller Franken( Wirtsch. P.) Stadto. Gronewaldt ( Wirtsch. B.) in Vorschlag gebracht. Das Ergebnis des Wahlganges war, baß Anton Schmidt( 3.) 86, Gronewaldt 73, Degner 21, erper 8 Stimmen erhielten und einige Stimmen zersplitfetten. Hiernach hat nach der Geschäftsordnung zwischen den vier Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten haben, eine engere Wahl stattzufinden. Dörr( Komm.) leistete sich auf Grund dieses 100. Abt. Friedrichshagen. 7% Uhr Sigung der Bartelfunktionäre bei Otto, Ergebnisses einen wüsten Ausfall gegen die Sozial. bemofraten, die ihre Stimmen auf den Sentrumsmann ver einigt hatten; er flagte sie einer großen politischen Berversität"(!) an und wollte außerdem die für einen nicht ausdrücklich vorge schlagenen Kandidaten abgegebenen Stimmen als ungültig angesehen haben. In feinen Ausfällen gegen unsere Genoffen wurde er so demonstrativ von einem Teil der Zuhörerschaft auf der Tribüne fah, die aber ohne nachhaltige Wirkung blieb. Dörr wurde schließ unterstützt, daß sich der Borsteher zu einer Warnung veranlagt lich zur Ordnung gerufen, und Gen. Diffmann leuchtete ihn gründlich heim. Dörr suchte, um die Abfuhr zu parieren, schließ lich den Magdeburger Brozeß und die Barmat Affäre in die Ber. handlung hineinzuziehen, erlangte aber damit lediglich den färmenden Beifall feiner näheren Freunde auf der Zuhörertribüne. In der engeren Wahl fielen auf Anton Schmidt 90, auf Gronewaldt 85 Stimmen, Degner erhielt 19 Stiminen, Serper 1 Stimme. Die abfolute Mehrheit von 98 war nicht er. reicht: es mußte Stich wahl zwischen den beiden Erstgenannten stattfinden. Hier erhob sich auf der überfüllten Tribüne ein betäubender andauernder Carm aus dem dann und wann die Rufe: Schieber! Affentheater! und bergleichen vernehmbar wurden. In der Bersammlung fanden diese tumultuarischen Demonstrationen auf der äußersten Linten ein starkes Echo, so daß der Namensaufruf nur mit äußerster Mühe begonnen und fortgefeht werden konnte. 3 Kirchste. 28. Die Elternbeiratsmitglieder sind besonders eingeladen. 124. Abt. Mahlsborf. 7% Uhr Vorstandssigung bei Riefelafb, Söhnomer Straße. Sämtliche Funktionäre haben zu erscheinen. Sungsozialisten. Gruppe Zantwis: 8 Uhr im Rathaus, Sporterte", Stteraturabend.( Jbsen: Boltsfeind.) Morgen, Sonnabend, den 10. Januar: 3. 6. 7% he Sihung fämtlicher Funktionäre bei Rrliger, Engelafer 23, 4. bt. 7% Uhr Funktionärkonferens bei Stoch, Schillingfte. 30. Die Gewerk[ draftsfunktionäre sowie die Bezirks- und Stadtverordneten müffen er. fcheinen. 5. Abt. 7½ Uhr Funktionärsikung bei Seblet, Georgenfirdytr. 36. 7. Abt. 7 Uhr Funktionärsikung bei Dahms, Schlegelftt. 9. 86. Abt. Maticndorf. 8 Uhr Funktionärsihung, Rimmer 26. Ale Fitionere milffen erscheinen. 91. Abt. Rentölln. 6 Uhr Vorstandsfihung, 7% Ubr Funktionärhikung bei Miller, Neuterftt. 11. 110. Abt. Simtenberg. 8 Uhr Funktionärligung bei Glede, Möllendorf, Ecte Ritterquiftraße. 151. Abt. Rieberschönbaulen. 7 Uhr Funktionärkung im Lokal Rubafd. rebersdorf- Petershagen. 8 Uhr bei Sadel in Petershagen Mitgliederver fammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag über die Boltsfürsorge. 2. Die politische Lage. 8. Berfchiebenes. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäfts Relie: Berlin S. 14. Sebastianftr. 87/88. Sot 2 5x. Ramerabschaft Kreuzberg. Freitag, den 9. Januar, abends 7 Upt. erweiterte Borstandssitung, Blod. und Gruppenführer, bei Biehler, mals auf das am Freitag, den 9. Januar, bei Sempel. Friedrichsfelde, stattfindende Wintervergnügen aufmertfam gemacht. Das Ebert- Manns- Quartett bat feine itwirkung augefagt. Auch die Nachbartamevadidaften find frennblidyft eingeladen, Ramerabschaft Acenzberg. Unterbezirk Südost, Sonnabend, ben 10. Januar, außerordentliche Mitgliederversammlung bei Lier, Nanuftraße 9. Beginn 7 Uhr. Erscheinen sämtlicher Jugend und älteren Mitalteder Ehrenpflidit. Ramerabschaft Eichwalbe. Sonnabend, den 10. Sanuar cbents 8 1hr, Bollversammlung. Wichtige Tagesordnung. Erfcheinen fämi licher Rameraben ist Bflicht. Ramerabschaft Köpenid and Untergruppen. Sonnabend, den 10. Samuat, abends 7% Uhr, im tleinen Gaal des Stadttheaters in Röpenid, wichtige Mitgliederversammlung, zu der auch die passiven Romevaben zu erfdjeinen baben. Mitgliedsterten find zur Rontrolle mitan bringen. mit 89 Stimmen; 85 Stimmen entfielen auf Gronewaldt. Anton Die Stichwahl ergab die Wahl von Anton Schmidt( 3.) Dieffenbachstr. 76. Ramerabschaft Lichtenberg. Die Kameraden werden noch Schmidt nahm die Wahl an. Durch Buruf wurde darauf die Wahl der 6 Beisitzer und 6 Beisiger Stellvertreter voll ilbegans, unter den Stellvertretern mit( atau vertreten. zogen; unsere Fraftion ist unter den Beifikern mit Clajus und Damit war der Borstand tonftituiet. Borsteher Gen. Sa sprach feinen bisherigen Kollegen im Bräfidium den Dank für ihre Mühe. waltung aus und brachte dann den Stadion. Bamberg( Dem.) und Heimann( Soz.), die 25 Jahre lang der Versammlung als Mitglieder angehören, aus diesem Anlah die Glückwünsche der Ber fammlung dar. Arbeiter Abstinenton- Bund, Gruppe Oẞen. 12. Januar, 7 Uhr, im Jugend heim Ellifer Str. 4, Bortrag: Gosialiitische und bürgerliche Altobolgegner". Der Reichsbund bez abgebauten Beamten und Lehrer( Siz Berlin- Lichten Es war bereits 9 Uhr geworden. Der Bor. steher hielt dafür, daß in der Bersammlung teine Neigung zu fachlicher Beratung mehr bestände, und erklärte die Sitzung für rabe). Sentralgruppe Berlin: Mitgliederversammlung am 9. Janwar, ebends geschlossen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! ansiebenden Abrechnungen vor. Solt die Gewinne ber 50- und 23- B1.- 2ofe ab. Stehmet bie verschiedenen nads Senbet bie Februar- Brogramme ein. Grbi bie Fahrpreisermäßigungsfarten surid. Achtung, Abteilungstaffierer! Bente son 5-7 Uhr brechnung ber Beitragsmarten. Ausgabe bez Santos Arbeiter Jugend" und Jugend zoran". Jugendbeim Neufalln, Canner. Ede Böhmische Straße( nahe Bahnhof Roifer Unsere Funktionärfurfe: 1. Berbebesirte Streubens, euro. Oberfores: Friedrich- Straße), am 10. und 11. Januar. 2. Werbebezirte Oftbahn. Often, Prenzlauer Berg: Jugendheim Lichtenberg. Darlaue( nahe Bahnhof Frankfurter Allee), am 10. und 11. Sanwar. Beginn: Sonnabend, abends 7 Uhr; Sonntag, Dormittags 9 Uhr. Heute, Freitag, den 9. Januar, abends 7% Uhr: Moabit 1: Schule Balbenferite. 21, Bortrag: Sunb und Bildungsliteratur. Webbing- Rord: Jugendheim Schönstedtft. 1, Glanbrenner- Abend. Rorboft II: Wedding- Rord: Jugendheim Schönstebtite. 1. Olaßbrenner- Abend. Rorboft II: Sunendbeim Danziger Str. 63, Boriran: Werden und Bergeben im Weltall". Wrenzlauer Borstadt: Gdule Danziger Str. 23, Bortrag: Reichstagswahl". Rosenthaler Borstadt: Landogemeindehaus. Sovbiente. 23, Bortrag: ..Brote. tarische Jugend". Weißenfee: Jugendheim Ede Charlottenburger unb Rocide. teane, Arbeitsgemeinschaft: Einführung in die Mufi!". Often( Stralaacz Biertel): Edule Naglerft. 3. Borttag: Religion und Gottesglauben". Südoßt( Röpenider Viertel) Jugendheim Mariannenufer la, Bortrag: Bub ImBlauband frisch gekirnt Wir bitten, beim Einkauf von„ Schwan in Blanband" das farbig Mastr, Familienblatt Die Blauband- Woche" gratis zu verlangen. 8 Ulyt, in Saverlands Festfälen, Neue Friedrichste. 85. Arbeiter- Rabio- Rlub, Bezir! Kreuzberg. Regelmäßige Baflelabende und Sufammentinfte aller Radiofreunde finden in folgenben gofalen statt: Unter besttt Hallefdies Tor: Jeden Freitag bei Niegifd). Blücherfte, 84; jeben Donners tag bef Wollschläger. 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Januar erfolgten Ableben unseres langjährigen Vorstandskollegen Georg Döhnel Kenntnis zu geben. Der Verstorbene war seit Jahrzehnten ein Pionier der freigewerkscha: tlichen Angestelltenbewegung sowie des allgemeinen_proletarischen Befreiungskampfes. Er war ein unermüdlicher Kämpfer für die Interessen der Angestellten. Die durch sein Ableben entstandene große Lücke wird eine dauernd fühlbare sein. In unserem Vorstand war er ein unermüdlicher Mitarbeiter, auf dessen Urteil wir stets den größten Wert legten. Darüber hinaus war er infolge seiner vorbildlichen Treue uns allen ein guter Freund. Sein Andenken wird uns unvergeßlich sein. Der Verband hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Zentralverband der Angestellten Der Vorstand. Die Einäscherung erfol t am Sonnabend. den 10. Januar, nachmittags 13 Uhr, auf dem Südfriedhot in Leipzig Nach langem, schwerem Leiden ist am 6. Januar cr. unser lieber Kollege Georg Döhnel Mitglied des Zentralverbandes der Angestellten, verstorben. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der sein ganzes Leben der Gewerkschaftsbewegung gewidmet hat. Sein Idealismus, sein Pflichtgefühl und seine selbstlose, bescheidene Artsicherten ihm die Achtung aller derjenigen die ihn kannten. Ihm nachzueifern ist das ehrendste Gedenken. Die Angestellten der Hauptgeschäftsstelle des Zentralverbandes der Angestellten. Am 6. Januar cr. ist das Mitglied unseres Verbandsvorstandes Georg Döhnel im 54. Lebensjahre verstorben. Wir verlieren in dem Kollegen Döhnel einen pflichttreuen Verbandskollegen, der uns zu jeder Zeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Kollege Döhnel hat mit einem bewunderungswürdigen Pflichtaifer für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage unserer Verbandsangehörigen gewirkt. Er hat vor allem auch in unserer Ortsgruppe eifrig mitgearbeitet und sich für deren Gedeihen große Verdienste erworben. Die Ortsgruppe Berlin wird das Andenken des Kollegen Döhnel immer in Ehren halten. Zentralverband der Angestellten Ortsgruppe Berlin. Tafelwag.Gewichte Trauerfpenden Billigste Preise. Grabes Lage jeder Art Georg Wagner terert prets wer Köpenicker Str. 71 Paul Golletz. Kein Ladengeschäft Dormals Robert Meyer Keine Schaufenster- Mariannenstr. 3. Reklame, dafür we- mt Morikol. 1030 entl.billigere Preise Für die zahlreichen Beweise der Zeilnahme anläßlich bes Hinfcheidens meines lieben Mannes, unferes guten Baters und Schwiegervaters, des Gast mirts Gottfried Fuchs fprechen wir unseren innigften Dant 35: 2 aus. Berlin, 8. Januar 1925. Weddingstraße 5. Jm Namen der Hinterbliebenen: Radh langem, fchwerem Beiden entschlief fanft am Dienstag, den 6 Januar, nachmittags 41, Uhr, munfer lieber Bater, Schwieger- und Groß Dater 85/3 Oskar Herbst am Biffmannstraße 13. findet Die Einäscherung Sonnabend, ben 10. Januar, mittags 12 Uhr, im Krematorium Gericht ftraße statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Anna Fuchs geb. Beftbofen. Frauenarzt Dr. Lewisohn Greifswalder Straße 41, aurlick Nr. 14 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Präsidentenwahl im Landtag. Genosse Bartels im zweiten Wahlgang gewählt. Alterspräsident Serold eröffnete die gestrige Landtagssigung turz nach 2½ Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des Präsi denten, der drei Bizepräsidenten und der acht Beifizer. Die Wahl des Präsidenten wird durch Namensaufruf der 450 Abgeordneten und durch Abgabe von Stimmzetteln volizogen. Die Wahl des Landtagspräsidenten hat folgendes Ergebnis: Bartels( S03. 142 Stimmen Dr. v.& ries( Dnfl.). Dr. Porich( 3.). Held( Bp.). · Pled( Komm.). Rehbein( Komm.) Ladendorf( Wirtsch.- P.) • • 118 74 45 34 1 9 119 16 Da feiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, findet Stich wahl ftalt zwischen Bartels( S03.) und v. Kries( Dafl.). Die Stichwahl ergibt die Wahl des Abg. Bartels( S03) als Candtagspräsident Es wurden abgegeben 426 Stimmen, davon waren eine große Anzahl ungfillig. Von den 379 gültigen Stimmen entfielen 201 Stimme auf den Abg. Bartels and 178 Stimmen auf den Abg. Dr. v. Aries. Präsident Bartels übernimmt hierauf die Leitung der Berhandlungen. Er spricht dem Alterspräsidenten Herold den Dank aus für seine Mühewaltung und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß Abg. Herold noch lange in geistiger und förperlicher Frische dem Hause erhalten bleiben möge. Der Präsident dankt für das Vertrauen, das ihm durch die Wahl zum Ausdrud gebracht worden ist und verspricht, sein verantwortliches Amt in völliger Unparteilidh feit zu leiten.( Lachen und Zurufe der Kommunisten.) Der Präsident fährt fort: Wir leben in ciner Zeit schärffter politischer Gegenfäße. Die Tribüne des Parlaments bringt diese Gegensäge zum Ausdrud. Das kann in Formen geschehen, die die Geschäfte des Hauses nicht leiden lassen, daß dem Rechnung getragen wird, das man parlamentarischen Lon und parlamentarische Würde nennt.( Gelächter bei den Kommunisten.) Ich hoffe hier auf ihre Unterstügung und weife darauf hin, daß die Geschäftsordnung dem Präsidenten Handhaben gibt, um die Ordnung aufrechtzuerhalten.( Stürmisches Aha! bei den Rommunisten und erneuter Lärm.) Ich hoffe, daß ich nicht Gelegenheit haben werde, diese Maßnahmen anzuwenden.( Erneutes Lachen und Unterbrechungen der Kommunisten. Zuruf: 10 000 Gefangene.) Hierauf vertagt sich das Haus unter dem Widerspruch der Stominunisten auf 10 minuten, um fodam die Wahl der Bizepräsi denten vorzunehmen. Dieser Beschluß wird von den Kommunisten wiederum mit lärmenden Kundgebungen begleitet; es ertönt der Ruf: Schieberhaus!".) Nach Wiedereröffnung der Beratung gibt der Präsident Bartels ein Schreiben der Regierung bekannt, das Mitteilung macht von dem Ausscheiden des Finanzministers Dr. v. Richter und des Kultus. minifters Dr. Boelig aus dem Kabinett und davon, daß die StaatsSekretäre Weber und Becker die Geschäfte weiterführen. Das Haus fchreitet hierauf zur Wahl der Vizepräsidenten. Diese tann, wenn fein Widerspruch erfolgt, durch Zuruf erfolgen. Die Rommunisten verzichten auf einen Widerspruch in der Annahme, daß ihre Anträge vor der Bertagung bis zur nächsten Modje noch verhandelt werden. Abg. Bindler( Dntl.) schlägt als 1. Bizepräsidenten Dr. v. Sries vor; das Haus erhebt feinen Widerspruch. Dr. v. Stries ist damit gewählt; er nimmt die Wahl dankend an. Bum 2. Bizepräsidenten schlägt Abg. Windler( Dnil.) den Abg. Dr. Borsch( 3.) vor. Abg. Bulle( Böll.) erhebt Widerspruch gegen die Wahl durch Zuruf.( Große Unruhe und Erregung im ganzen Hause.) Da Widerspruch erhoben ist, muß die Wahl wiederum durch Stimm gettet erfolgen. Freitag, 9. Januar 1925 Ais drifter Vizepräsident wird durch Zuruf der Abg. Garnich| Arbeiterschaft müßte den ganzen Zandtag auseinander( Bp.) ohne Widerspruch gewählt. Bei der Wahl der acht Beisther beantragt Abg. Blant( 3.) Vornahme der Wahl in einem Wahlgange durch Stimmzettel. Abg. Pied( Komm.): Der Abg. Blant hat mir vorher erklärt, seine Freunde würden Bertagung herbeiführen, wenn wir bei der Wahl der Bizepräsidenten durch Widerspruch gegen die Zuruswahl die Zettelwahl erzwingen würden. Wir haben darauf auf den Einspruch verzichtet. Jetzt verlangt er bei den Beisitzern, die geschäfts: ordnungsmäßig nach dem Verhältniswahlsystem gewählt werden, die Zettelwahl. Ich stelle vor der Deffentlichkeit diese Heuchelei und Schiebung des Abg. Blant fest.( Beifall bei den Komm.) Abg. Blant( 3.): Ich verwahre mich gegen diesen Vorwurf. Ich habe dem Abg. Pied zwar erflärt, daß wir einen, Einspruch von ihnen mit einem Bertagungsantrag beantworten würden; ich habe mich aber in teiner Weise für die Beisigerwahl gebunden. ( Lärm bei den Komm. und Rufe: Schieberpack!) Die Abgg. Grzesinski( Soz.) und Nuschte( Dem.) betonen, die Geschäftsordnungsbestimmung sei zweifellos so auszulegen, daß die nach der Fraktionsstärfe zusammengestellte Kandidatenliste burch 3uruf gewählt wird. Abg. Wildermann( 3.) erhebt Einspruch gegen die Wahl durch Buruf. Die Kommunisten beantworten das mit lärmenden Rufen: Schieberpfaffe! Heuchlerbande! Bräsident Bartels erteilt einige Ordnungstufe. Abg. Pied( Komm.) erflärt, seine Freunde würden aus dem heutigen Berhalten des Zentrums ihre Konsequenzen ziehen. Die jagen. Wahl der Beisiger. Hierauf wird die Wahl der acht Beisiger durch Stimmzettel vorgenommen. Auf der nach Vorschrift der Geschäftsordnung nach der Fraktionsstärke zusammengestellten Borschlagsliste stehen je zwei Sozialdemokraten und Deutschnationale und je ein Mitglied des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Kommunisten. Während der Auszählung des Wahlergebnisses für die Wahl der Beisitzer wird die Zahl der Mitglieder der ständigen Ausschüsse festgestellt. Die großen Ausschüsse zählen 29, die fleineren 21 Mitglieder. Es folgt dann die Beratung der kommunistischen Ur= anträge auf Haftenilaffung der Abgg. He ŋdemann( Königs berg) und Schulz( Breslau). Die beiden Anträge werden auf deutschnationalen Antrag ohne Debatte dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Abg. Obuch( Komm.) begründet hierauf den Antrag seiner Fraktion auf Erlaß eines Amnestie geseges. Der Antrag wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Das Ergebnis der Beifizerwahlen wird am Freitag befanntgegeben. Freitag 11 Uhr: Kundgebung wegen Nichträumung Kölns. Schluß 8 Uhr 30 Minuten. Geschäftsordnung des Reichstags. Im Reichstag teilte bei Eröffnung der Donnerstagfißung| Difalplinarbefugnisse ausreichen, die Würde und das AnPräsident Löbe mit, daß zu Schriftführern gewählt worden fehen des Reichstags zu wahren. find: Frau Agnes( Soz.), Frau Bohm- Schuch( Soz.), Schmidt- Meißen( Soz.), Budjuhn( Dnat.), Dr. Philipp( Dnat.), Schulze- Frankfurt( Dnat.), Schwarz- Frankfurt( 3.), Frau Leusch( 3.). Dr. Runfel( D. Bp.), Ziegler( Dem.), Rauch- München( B. Vp.) und Dr. Runfel( D. Bp.), Ziegler( Dem.), Rauch- München( B. Bp.) und Luce( B.). Auf Kommunisten und Nationalsozialisten entfällt somit kein Schriftführerposten. Präfident be wendet sich gegen die Behauptung einiger Berfmer Blätter, daß bei der Verfündung des Ergebnisses der Präsidentenwahl am Mittwoch aus der Diplomatenloge Bei fall geflatscht worden sei. Nach den im Beisein von zwei dagegen protestierenden Abgeordneten vorgenommenen Ermittlungen sei der Beifall aus der Loge des Preußischen Landtags gekommen. Sobald im Preußischen Landtag ein Präsident gewählt fei, werde sich der Reichstagspräsident an ihn wenden, damit er feine Kollegen darauf aufmerksam mache, daß Beifallsfundgebungen auf den Reichs tagstribünen nicht zulässig sind.( Seiterkeit.) Es folgt die Berlesung ber Telegramme, die das ägyptische Barlament feinerzeit an den Reichstag wie an alle Barlamente ber Welt und an den Bölkerbund gerichtet hat, um gegen die britischen Maßnahmen nach der Ermordung des Sirbars zu protestieren. Ein Antrag auf Strafverfolgung des Abg. Thäle mann( Komm.) wird dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Der Präsident teilt mit, baß der Abg. Kaz( Romm.) aus Wien ein Telegramm gefandt habe, worin er mittellt, daß er dort intognito durchreifen wollte und dabei verhaftet worden fei( große Heiterbeif); er bitt, für seine Freilassung zu forgen. Das Auswärtige Amt habe die Angelegenheit untersucht und Schritte zur Freilassung unternommen. Dabei fei folgendes festgestellt worden: Der Abg. Kah hat fidh eines falfchen Baffes bedient, der aus der betannten Paßfälscherzentrale hervorgegangen fel. Da die Sache schon bei Gericht war, fonnte nichts mehr unter nommen werden, als daß die Wiener Staatsanwaltschaft um Befchleunigung ersucht wurde. Das fet zugefagt worden. Das deutsch polnische Abtommen über Staatsangehörigkeits. und Optionsfragen wird dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Der Befehentwurf aur Aenderung des Postgesetzes, Der bie Erfaßleistungen für Bafete und eingeschriebene Sendungen auf Reichsmartbeträge umstellt, wird angenommen. Auf der Tagesordnung steht dann ein Dr. Porid( 3.) 2., Garnich( Bp.) 3. Bizepräsident. Die Zeffelwahl hat das Ergebnis, daß Abg. Dr. Porich( 3.) mit 321 von 407 abgegebenen Stimmen zum zweiten Bizepräsidenten gewählt ist. 42 3ettel waren unbeschrieben. 29 Stimmen sind auf den Abg. Pieck( Komm.), eine Stimme ist auf den Abg. Wulle( Bölf.) gefallen.( Große Heiterkeit und Rufe: Er hat sich selbst gewählt!) um festzustellen, ob die zurzeit dem Reichstagspräsidenten zustehenden Antrag Dr. Kahl( D. Bp.) auf Nachprüfung der Geschäftsordnung, Abg. Dr. Kahl( D. Bp.) begründet seinen Antrag unter Hinweis auf die Borgänge in den letzten Monaten, die dem Ansehen des Reichstags außerordentlich Abbruch getan hätten. Der Antrag richte fich durchaus nicht gegen eine bestimmte Partei.( Lärmender Widerfpruch& Komm.) Der Deutsche Reichstag müsse endlich wieder die Möglichkeit haben, in ruhigen und flcheren parlamentarischen Formen seine Aufgaben zu lösen. Abg. Eichhorn( Komm.) nennt den Antrag ein Ausnahmegesetz gegen ble Rommunisten. Durch eine neue Berschärfung der Gefchäftsordnung würde die Würde des Reidystags am meisten beeinträchtigt. Am Schluß der Rede ertönt das fibliche Händeklatschen der Kommunisten. Präsident Löbe: Bon verschiebenen Seiten ist das Händeklatschen bemängelt worden. Es war früher im Reichstag nicht üblich. Es iſt jetzt aber zur Gewohnheit geworden.( Widerspruch rechts.) Das Händeflatschen findet in verschiedenen Barlamenten statt, wir werden daran nicht sterben.( Heiderer Beifall und Händeklatschen.) Abg. Dittmann( Soz.): Wir wollen alle Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit des Reichstags unterstügen, sehen aber noch keinen Anlaß, die Geschäftsordnung zu ändern. Wir werden der Heberweisung an den Geschäftsordnungsausschuß nicht widersprechen und werden abwarten, welche Borschläge uns dort gemacht werden. Herr Eichhorn ist den Beweis für seine Behauptung, daß das Reichsbanner aus staatlichen Ritteln bezahlt wird, schuldig geblieben. Ich erkläre feine Behaup tung für eine unwahrheit mehr will ich einstweilen nicht darüber fagen. Wir haben vor dem Kriege die polizeiliche Ueberwachung von Bersammlungen immer als Beleidigung der Arbeiter und Berfammlungsbefucher angefehen, aber ben Stommunisten ist es vorbehalten geblieben, in der Nachkriegszeit diese Praxis des wilhelminifchen Regiments nachträglich zu rechtfertigen, indem fie alle gegnerischen Parteiverfamilungen sprengten. Die Kommunisten joliten fich erst anständiger Bersammlungsfitten befleißigen, ehe auf den Schutz verzichtet werben fann. Allerdings sind die DeutschJahren zu Ausschreitungen im Bersammlungsleben gekommen ist. öllischen nicht weniger schuld daran, daß es in den leyten Abg. Dr. Külz( Dem.): Die Würde des Hauses muß gewahrt werden. Was wir in dem letzten Reichstag erlebt haben, macht eine Rachprüfung der Geschäftsordnung notwendig. Die Kommunisten haben einen Ton eingeführt, daß das Haus zu einer Kaschemme degradiert worden ist. Man fann niemand zwingen, jich als Gentleman zu benehmen, aber der Reichstag muß als vornehmste Pflegestätte des deutschen Bolles erhalten bleiben.( Lachen bei den Kommunisten.) Ich erinnere Sle( zu den Kommunisten) daran, wie Jas Röntgenbild Ihres Füßes Wenn The Fuß am Abend an ich willt Sohlen brennen wenn bie Wenn Sie verSchmerzen im Mittelfuß spüren wenn auf der Fußsohle Schwielen Charte Hant) entstehen, welche hartnäckig immer wiederkehren -wenn der Ballen weh tut( Frost. beulen), wenn Schmerzen an der Ferse das Gehen zur Qual machen Wenn rheumatische Schmerzen in der Tiefe der Wade und dem Schienbein entlang fühlbar find wenn die Gelenke an Knöchel und Knie schmerzhaft anschwellen wenn ziehende ueuralgische und rheumatische Schmerzen vom Fuß bis zum Kopf sich melden Dann besteht Berdacht auf Sent. fußbildung. In diesem Falle benügen Sie die pneuma tische Schuheinlage Pneumette welche den leidenden Fuß durch ein weiches Lufttiffen stützt und hebt und Sie so in kurzer Zeit von den Schmerzen und Qualen für alle Zeit befreit. Wir bieten Ihnen ärztliche Untersuchung des Fuses, welche Klarheit über den Zustand gibt und nuglose Kuren erspart fostenlos durch eigenen Arzt in unserer eigenen Röntgenstation. D" le pneumatische Fuss- Stütze Pneumette kann in jedem Schuh unsichtbar getragen werden. Wir geben Ihnen ein Paar 8 Tage zur Probe Beginnen Sie heute noch mit dem Versuch!( Ist schmerzfreies Gehen nicht diesen Versuch wert?) Niederlage der Pneumette für Berlin Leiser RöntgenSchuhhaus größten Stils Kostenlose ärztliche Fuß- Untersuchung in eigenen Stationen, Leipziger Str. 64 u Tauentzienstr. 20.( 9-12 u. 4-7). 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Koenen megen des Ausdrucks Schwindel zur Ordmung und macht, da ein anderer Kommunist den Ruf wiederholt, darauf aufmerksam, daß, wenn ein Abgeordneter nach einem Ordwungsruf die Beleidigung wiederholen würde, er dies als einen gröblichen Berstoß gegen die Ordnung ansehen und die Aus. weisung des Abgeordneten aus dem Haufe anordnen würde.) Darauf wird der Antrag Kahl dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Präsident Cobe: Ich hebe nochmals hervor, daß ich von den Befugnissen des§ 91 nicht nur Gebrauch machen werde im Falle eines tätlichen Borgehens, sondern auch bei grober Beschimpfung des Präsidenten, des Reichstags oder eines Abgeordneten. ( Lebhafter Beifall.) Ich bemerle dies, damit sich niemand darüber im Irrtum befindet.( Großer Lärm bei den Kommunisten.) Nächste Sigung: Heute Freitag 3 Uhr: Ausschußberichte über Immunitätsfragen, britte Lesung des Postgesetzes und erste Lesung der Amnestieanträge Schluß 4 Uhr 30 Minuten. Wirtschaft Der schwedische Stinnes. ( Von unserem schwedischen Mitarbeiter.) Stockholm, Anfang Januar. Herr Wallenberg, der befannie schwedische Finanzmann, ist fürzlich von der Reparationsfommiffion zum Schiedsrichter für Differenzen aus den Industrieobligationen ernannt worden. Es wird nun besonders in Deutschland interessieren, wer Wallenberg ist. In Schuneben nennt man ihn den ungefrönten König, den Stinnes des Landes. Näher hat er sich durch eine Rede charakterisiert, die er auf der Jahresversammlung„ Svenska Bantföreningen" gehalten hat, in ber er die Lage der schwedischen Wirt schaft erörterte.„ Die Lage der schwedischen Wirtschaft ist nicht als günstig, ja nicht einmal als normal zu bezeichnen", stellt Herr Ballenberg jest. Borin er die Ursachen der augenblicklichen Wirt. fchaftskrise fieht, ist klar. Schuid sind die hohen Produktionskosten, und zwar vor allem die Arbeitslöhne. Herr Wallenberg stellt fest: Ich bin immer für hohe Arbeitslöhne gewesen, aber stets unter der stillschweigenden Voraussetzung, daß kein Gesez der nötigen Glastizität der Arbeitszeit irgendein Hindernis in den Weg legt." Das ist sehr deutlich, das heißt: Fort mit dem Achtstundening, der Reichstag dari das Gesetz über den Achtstundentag nicht verlängern! Die Arbeiter und viele gute Kenner des schwedischen Wirtfyftslebens haben einen anderen Ausweg als Herr Wallenberg gezeigt. Sie haben darauf hingewiesen, daß die augenblickliche Krife darauf zurückzuführen ist, daß Schweden bisher für seine Exportwaren im Berhältnis zur Borkriegszeit höhere Preise befom. Diese bisher als müheloser Gewinn eingestrichene Preisdifferenz verschwindet immer mehr und mit ihm die Konkurrenzfähigkeit der fdywedischen Industrie, die gar nicht daran gedacht hat, in der Zeit der Hochkonjunktur in ihren Fabriten die notwen digen technischen Neuerungen einzuführen. Es ist noch nicht zu spät, diese Maßnahmen vorzunehmen. Aber es fehlt dazu on Kapital. Wie die letzte 30- Millionen- Dollar- Anleihe, die größte, die Schweden je aufgenommen hat, nun gezeigt hat, tann Schweden das notwendige Kapital zu günstigen Bedingungen auf dem Weltmarkt bekommen. Diese Maßnahme dürfte um so mehr zu befür worten fein, als das Geld doch produktiven Zwecken zugeführt wird und Schweden fcine früheren Schulden fast restlos zurüd gezahlt hat. | Rede betonte er seine Stellung gegenüber dem Sozialismus wie folgt:„ Es gibt aber Leute, die eine neue Gesellschaftsordnung auf Herr werden können. Alles Theorie, meine Herren! Pragis! bauen wollen, weil sie glauben, daß sie nur so der Wirtschaftskrisen Pragis! Geldverdienen ist notwendig."- In der Hand dieses Mannes, der auch für Deutschland von Bedeutung werden kann, konzentriert sich nun die Finanzmacht Schwedens. Er ist ein Grund mehr, die göttliche, die kapitalistische Weltordnung anzuzweifeln. Gegen den Kohlenwucher. züchtung der Menschen sofort zu verwerten und durch immer größere Ausdehnung des Konzern allmählich jene neue abendländische Kul materialistischen Kapitalismus und den mechanistischen Rechtsstaat tur reinheit von Wirtschaft, Geist und Recht zu schaffen, die den ablösen soll. Erst wenn man diese großartig flingende Bielſegung tung nicht abgesprochen zu werden, kann man das Fiasko der Komins Auge faßt, dem Gedanken braucht die ideologische Bedeu menden- Tag- A.- G." voll ermessen. Der idealistische Ueberschwang der Gründer und Aftionäre hat eben doch nicht soweit standgehalten, daß man mehr als die Hälfte des einbezahlten Kapitals verlieren mill; denn die Hälfte scheint nach Zeitungsnachrichten schon ver5 Prozent Aufwertung für die Borkriegs- und Kriegsanleihen? loren zu sein. In der Arbeiterschaft fonnte die„ SozialeDer Vorentwurf für die Zwangsumstellung der alten und Dreigliederung"-Bewegung wegen ihrer rein ideologischen Konzepder neuen Kriegsanleihen, zu dessen endgültiger Feststellung foeben tionen feinen Fuß fassen. Und das ist gut so, sonst hätte die ArVertreter der Bankwelt gehört werden, soll eine 5prozentige Auf- beiterschaft neben einer Enttäuschung auch noch Verluste. Die„ Der mertung porsehen. Die noch im Umlauf befindlichen Vorkriegs- Kommende Tag A.-G." wird demnächst liquidieren. anleihen des Reichs bzw. die von den Ländern auf das Reich übergegangenen Anleiheschulden haben einen Nominalwert in Papiermart von etwa 18,9 milliarden, die Kriegsanleihen einen solchen von etwa 51 milliarden; zusammen rund 70 milliarden. Das Reich würde durch die 5prozentige Aufwertung also eine Nominal gold schuld von 3500 millionen Goldmark auf sich nehmen. Würde dieser Betrag mit 5 Prozent fcfort verzinsbar werden, so würde dem Reiche daraus eine laufende Belastung von 175 millionen Goldmart erwachsen. Käme eine 1prozentige jährliche Tilgung hinzu, so würde die Belastung des Reichshaushalts außerdem um 35 Millionen Goldmark jährlich steigen. Das find angesichts der rigorosen Sparpolitik im Reichshaushalt und in den Reichsbetrieben und angesichts der kommenden Reparationsbelastung ganz gewaltige Beträge. Die Arbeiterfchaft wird gut daran tun, ihre Augen offen zu halten, woher diese Riesensummen genommen werden sollen. Auch wenn zunächst Hand befindliche Anleihebesih verzinst werden soll, und wenn nur der alte, spätestens seit dem 1. Juli 1920 in fester der Zinssatz zunächst auch niedriger gewählt wird, so handelt es Parteien der skrupellosen Aufwertungspropaganda heute schon, wo sich immer noch um gewaltige Summen. Hoffentlich wissen die die Steuern zur Verzinsung und Tilgung der dreieinhalb Milliarden zu holen sind. Der Konzern der Sozialen Dreigliederung" in Liquidation. Der Anthroposoph Dr. Steiner, der mit seiner Sozialen Dreigliederung" nicht nur Idealisten und schwärmerische Frauen, sondern auch Arbeiter verwirrt hat, hat mit feiner Grün dung„ Der kommende Tag, A.-G." auch kein Glück gehabt. Wie in unternehmungen, Wohnhäuser, landwirtschaftliche Güter und zwei einer gesellschaftlichen Zelle sollte in dem immerhin 5 IndustrieProbe auf das Erempel der sozialen Dreigliederung gemacht flinische Institute umfassenden Kommenden Tag Konzern die werden: den über die Verzinsung des Kapitals hinaus von den Wirtschafts unternehmungen des Konzerns erzeugten Gewinn in Kultur unternehmungen desselben Konzerns im Sinne der Höher= M Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Wie wir hören, ist der große Ausschuß des Reichsfohlenrates zu einer Sitzung am Freitag, den 9. d. M., eingeladen. Es soll Beschluß gefaßt werden über die Kohlenpreise, die nach der Umsatzsteuerermäßigung auch eine Ermäßigung erfahren müßten. Die Regierung hat sich ja in erster Linie veranlaßt gesehen, die an sich ungerechte Umjahsteuer deswegen abzubauen, um domit eine allgemeine Herabfeßung, der Preise zu erwirken. Die Berggewaltigen sind aber anderer Wienung. Sie glauben. eine Rohlenpreisermäßigung nicht vornehmen zu tonnen, weil die Leßten Lohnerhöhungen die Gesellschaften zu sehr belastet haben". Es wäre em ganz unerhörter Vorgang, wenn gerade die Kohlenpreise feine Erbegründet meisters ihre hohen Preisforderungen mit den hohen mäßigung erfahren würden. Sie sind ein Urstoff, und die Industrie Kohlenpreisen. Die Landwirtschaft veiweist aud; gar zu gern auf die hohen Kohlenpreise, um damit die Forderungen auf Ermäßigung. der Preise für ihre Produfte abzulehnen. Es muß vom großen Ausschuß verlangt werden, daß er sich bei seiner Beschlußfassung von allgemein vo fswirtschaftlichen Gesichtspunkten aus leiten läßt, und sich die Wirkungen überlegt, die sie haben müßte, wenn gerade bei der Kohle die von der Regierung verlangte Preisminderung nicht eintritt. Wir hoffen. daß auch das Reichswirtschaftsministerium mit allem Nachdruck die Preisherabjegung verlangt. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Bestimmung wäre die Reichsanleihe A.-G. eine geschäftliche FehlGerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose... Roggenmehl 0/1...... Hartgrieß Weizengrieẞ 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehi Spelseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Langbohnen, handveries. Linsen. kleine....... Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Bohnen, weiße, I er! Eternudeln Mehlnudeln Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50 Kakao. fettarm 70,00-96,00 18,50-18,75 Kakao, leicht entölt. 100,00-120,00 20,00-21,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 21,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17.00-19.00 Inlandszucker basis mel. 29,00-31,00 19,25-24,50 Inlandszucker Raffinade 31,50-35,50 24,50- 2,00 Zucker Würfel 36,50-38,0 17,25-19.50 Kunsthonig 1 35,037,00 19,75-26,75 Zuckersirup hell in Eim. 40,0018,00-23,25 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00 30,00 15,00 16,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-9,00 27.50-33,0 Pflaumenmus in Eimern 45,00-55,00 18,00-25,50 Steinsalz, in Säcken 21,50 23,00 Marmelade Vierfrucht 40,00 31,00-42,00 44,00-56,50 Siedesalz in Säcken, 19,00-22,00 . 3,10-3,60 3,70- 4,20 4.40-5,00 5,20- 5,80 91,00-92,00 92,0 92,25 89, 0-90, 0 90,00-91,75 65,00-66,00 47,00-73,50 Bratenschmalz in Kübeln 23,50-26.75 Purelard in Tierces 15,50-17,75 Purelard in Kistèn 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,51-32,00 Speisetalg in Kübeln 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. I 66,00 86,00-96,00 desgl. II. 60,00-63,00 48,00-50, 0 Margarine, Spezialm.I.. 80,00-84,00 74,00-85,00 desgl. II. 69,00-71,00 Das poßt aber nicht in den Plan des Herrn Wallenberg, denn die Industrie könnte mit Hilfe diefer billigen Anleihen sich vielleicht Makkaroni, Hartgrießwr, 43,25-55,10 Bratenschmalz in Tierces von dem Einfluß der schwedischen Bankwelt befreien oder mindestens wieder eine gewisse Selbständigkeit erlangen. Deshalb ist Wallenberg gegen die Anleihe. Die Industrie foll bluten und Herrn Wallenberg gehorchen! Dies ist aber nur zu erreichen, menn fein ausländisches Geld nach Schweden kommt. Deswegen verkündet Wallenberg: Heute fann man nicht mehr Auslandsanleihen verantworten. Heute gibt es nur ein Ziel, Produktion und Konsumtion ins Gleichgewicht zu bringen." Das Hingi sehr schön, aber nicht für den, der weiß, daß die Drosselung des Konjums nur durch eine Diskonterhöhung zu erreichen ist. Da liegt des Pudels Kern! Die Industrie, die eine Erhöhung des Diskontsages nicht ertragen fann, müßte sich Herrn Wallenberg ergeben und er wäre absoluter Herrscher von Mammons und des Zinssatzes Gnaden. Schließlich noch eine charakteristische Aeußerung Wallenbergs über das soziologische und Wirtschaftsform- Problem. In einer Cal. Pflaumen 40/50 Korinthen, choice 99 Tafelreis, java. Ringapfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia 60,00-73, 0 Molkereiputter 66,00-68,00 Molkereibutter la i. Fass. 18,00-198,00 i. Pack. 204,00-208,00 Sultaninen Caraburnu.. 75,00-95,00 Molkereibutter lia i. Fäss. 160,00-175,00 Mandeln, süße Bari 58,00-74,00 Molkereibutter i. Pack. 105,00-18,00 203,00-210,40 Ausiandbutter in Fässern 205,00-222,0 Mandeln, bittere Bari.. 200,00-210,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 39,00Zimt( Cassia) 100,00-120,00 Aus!. Speck, geräuchert 108,00-115,00 Kümmel, holländischer. 53,50-60,00 Quadratkäse. 33,00-45,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 110,00-120,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 120,00-130,00 155,00-173,00 Echter Emmenthaler... 165,00-175.00 215,00-23,00 Echter Edamer 40%.... 118,00-125,00 200 85,00-90,00 270,00-310,00 Ausl. ungezuck. CondensRöstkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam... 330,00-400,00 milch 48/16. Röstgetreide. lose 20.00-22,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,25 Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika25,00-310,00 9 20,00-22,50 haben die Aktionäre der Reichsanleihe A.-G. dem Vorschlag des Ende der Reichsanleihe A.-G. Auch eine Aufwertung. Soeben. Reiches zugestimmt, gegen eine 4prozentige Entschädigung in Gold der Reichsanleihe A.-G. dem Reich zu übergeben. Eine Bestim des Nominalwertes von 400 Millionen Papiermark sämtliche Aktien anleihemarttes" gegründeten Gesellschaft bestimmte nämlich, mung im Statut der 1919 zur Regulierung des Kriegsa daß die durch die Entwicklung der Währungsverhältnisse inzwischen überflüssig und wertlos gewordene Reichsanleihe 2.-G. spätestens nach 5 Jahren vom Reich erworben werden müsse. Ohne diese unternehmung ihrer Aktionäre, zumeist deutsche Großbanken, gewesen. Nach dem Statut fonnte sich aber das Reich dem Erwerb der Aktien nicht entziehen. Bemerkenswert bei dieser Sachlage ist, daß das Reich seinen früheren Vorschlag nicht durchfeßen fcnnte, die Attien gegen eine einprozentige Entschädigung in Gold zu erwerben. Die Konsorten bestanden auf ihrem Schein, trotz der hweren Notlage des Reichs und obwohl alle anderen Besizer von Popiermark in der Inflationswirtschaft die allerschwersten Berluste hinnehmen mußten. Es müssen nun also 16 Millionen Goldmark Reichsanleihe A.-G. zu entschädigen. von den Steuerzahlern aufgebracht werden, um die Aktionäre der Berechnet man den Goldwert der Einzahlungen auf das Aktienkapital mit 10 Prozent, so ist ein Wert von 40 Millionen Mark eingezahlt worden. Das Reichsans Icihe- 2.- G.- Konsortium erhält also zwei Fünftel feiner Einzahlung, das find 40 Prozent, zurück. Das ist eine Aufwertung, die sich neben den vielleicht zu erwartenden 5 Prozent für die Kriegsanleihe etwas merkwürdig ausnimmt, um so mehr, als die Einzah lungen des Konsortiums ausdrücklich für einen gemeinnützigen" 3wed erfolgt sind. Das deutsche Kalispndifat teilt über den Kaliabjak mit: Der Dezemberabſatz 1924 entsprach mit 847 000 Doppelzeninern Kalifalz der Entwicklung des letzten Vierteljahres 1924 und brachte den Absatz des zweiten Halbjahrs 1924 auf 5 143 934 Doppelzeniner, wodurch der außerordentlich niedrige Abfah des ersten Halbjahres von nur 3 275 069 Doppelzentnern zum größten Teil ausgeglichen wurde. Das. Jahr 1924 bleibt mit einem Gesamtabsah von 8 419 000 Doppelzentnern hinter dem Jahre 1923 mit 440 000 Doppelzentnern zurüd. Es fann angenommen werden, daß diese Absazziffern nur einen Teil des tatsächlichen Verbrauches angeben, da nachweislich aus den Inflationsjahren bedeutende Mengen Ralisalze namentlich bei den Verbrauchern lagerten, die nunmehr zum größten Teil verbraucht sein dürften. Inventur Ausverkauf Beginn 2. Januar 1925 Enorme Preis- Ermäßigungen in allen Abteilungen moll.Stoffe braun kar 7,00 m. Krag. Beginn 2. Januar 1925 bw. 75 ctm 0,90 75 P Herren- Jackett- Anzüge 2650 Herren- Winter- Ulster 2150 Damen- Mäntel 575 Herren- Serviteurs 75 Sport- Flanell- 5 dunkle Stoffe mit Falten und Gurt.. Herren- Jackett- Anzüge 3000 Herren- Winter- Ulster 300 gemustert braun, Schlüpferform Einzelne Herren- Anzüge und Mäntel Einz. Damen- Mäntel, Kostüme, Kleider besonders billig Herren- Jackett- Anzüge 4000 Herren- Winter- Ulster verschiedene Stoffartes. Herren- Beinkleider moderne Streifen mittel und dunkle Stoffe, verschiedene Formen. 650 Herren- Joppen gefüttert makofarbig 00 Damen- Mäntel halbschwer Kostüm- Rock flotte Verarbeitung Damen- Westen Damen- Kleider Damen- Kleider gute Quatität Cheviot farbig. reinwoll Cheviot guter dunkler Velour. 9 225 725 25 est u. Hosen Herren- Einsatz- Hemden gute Qualitäten 3,25 Herren- Hemden Oxford vorzügliche Ware. $ 3,75 3,50 Herr.- Oberhemden glatt u. ge225 25 Schlosser- Flanell 55 Kleiderstoffe 255 00 Bett- Garnitur 3.00 70 ctm 95 70 ctm, hübsche Schotten Züchen, 1 Bezug, 2 Kissen. Pf. 105 9.⁰⁰ glatt uge 495 Bett- Garnitur Berg Kissen 1650 streift 495 Herren- Arbeitsstiefel Pa, Damast, 1Bezug, 2 750 Kinder- Stiefel Knab.-u. Mädch.- Stiefel Herren- Stiefel Form, braun 1095 Rohleder. 7.95 95 195 Herr.- Stiefel Herren- Stiefel Formenant Form, genäht rand enäht, R. box 1075 Rindbox 00 derb. Mat, mit Kernleders., v. 399 595 Rn box 11,59 9.50 11 25 75 Damen- Stiefel he reau und 25 Dam.- Schnü- u. Spang.1425 vorz. Qua Schuhe, rotbraun G.m. H.D. Damen- Bluse 3500 850 2. Verkaufsstelle: Osten, Warschauer Str. 33. Geschäftszeit 9-7 Uhr berg, Frankfurter Allee 82. 4. Verkaufsstelle: Neukölln, Berliner Straße 47-48, Eing, Boddinstraße. 5. Verkaufsstelle: Norden. Müllerstr.181 Geschäftszeit 9-7 Uhr Kielder- Veririch Kommandantenstraße 80-81 3. Verkaufsstelle: Lichten Freitag 9. Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Auf der„ Palme". Bon Oswald Ehlert Wenn du noch eine Seimat haft, Dann nimm den Rangen und den Steden Und wand're, manb're ohne Raft Bis du erreicht den teuren Fleden!" Mahnend grüßen diese Worte den Armen, der gezwungen ist, das städtische Afŋi aufzusuchen. Wie bitterer Hohn erscheint dieser Gruß demjenigen, der teine Zufluchtsstätte mehr hat, dem die Balme", wie das Berliner Obdach im Bolksmunde heißt, Heimat sein muß und Heimat geworden ist. Als mahnende Erinnerung aber flingt der Spruch dem Obdachlosen, der in der Ferne noch ein hautes Heim befißt, der nur der Verhältnisse oder auch eigener Schuld wegen hier in der Fremde mittel- und wohnungslos umherirrt. Laufende strömen täglich der Fröbelstraße zu, Männer und Frauen jeden Alters suchen hier ein schützendes Dach für die Nacht. Immer wieder füllt und leert sich der Versammlungssaal, aus welchem die Obdachsuchenden den Schlafräumen zugeführt werden. Jeder Saal faßt ungefähr hundert Pritschen, welche aber in der falten Jahreszeit nicht ausweichen. Wer später eintrifft, muß auf dem Fiur oder auf dem Fußboden nächtigen. Am Eingang des Gaales werden Eßnapf und Dede empfangen, der Aufseher schließt die Tür: der Obdachlose hat sich bis zum nächsten Morgen seiner Freiheit be= geben. Diejenigen, die das Obdach bereits um drei Uhr aufsuchen, verbringen faft sechzehn Stunden, also zwei Drittel des Tages, im Schlaffaal. In langen Reihen stehen die Pritschen dicht aneinander, nur zwei schmale Durchgänge sind freigelassen Glücklich ist derjenige, Der Platz auf einer der älteren Britschen findet, welche nac) Art der Patentböden aus Draht und Spiralfedern bestehen. Wer aber gezwungen ist, auf einer Pritsche neuerer Konstruktion zu liegen, hat wohl manch bitteres Wort über denjenigen verloren, der Beranleffung zur Herstellung dieser Lagerstätten gegeben hat. Man hat einfach mehrere Zentimeter breite Bandeisenftäbe in weitem Abstand über das Gestell gelegt, so daß dazwischen große Zwischen. räume entstehen. Ein bequemes Liegen hierauf ist unmöglich, da man sich in jeder Lage die scharfen Kanten ins Fleisch drückt. Auf diesen Ruhelagern" liegt alles in buntgewürfelter Reihe durcheinander. Hier ruht der berufsmäßige Bettler neben dem plötz ich aus Arbeit und Berdienst Gekommenen, dort schläft der aus der Heimat geflüchtete Russe neben dem polnischen Arbeiter, der nach schwerer Arbeit von seinem Gutsherrn entlassen ist und nun, anstatt nach Polen zurückzukehren, samt seiner Familie der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fällt. Der wandernde Handwerksbursche, der auf feiner Walze" die Weltstadt berührt, erzählt feinem Nachbar, einem Dem Elternhause entlaufenen jungen Bürschchen, seine Erlebnisse von der Landstraße. Alle Stämme sind vertreten, friedlich liegt der in fciner eigenen Heimatsstadt heimatlose Berliner neben dem Bayern, dem Ostpreußen, dem Rheinländer. Einträchtig stellen sich alle an, wenn gegen Abend die leider nur zu dünne Suppe ausgegeben wird, und bald sitzt alles auf dem Pritschenrand und schlürft das heiße Getränk aus der Schüffel. Dann tritt allmählich Ruhe ein. Die Mehrzahl legt sich schon jezt auf die Seite, hier haben sich aber einige Statfpieler zufammengefunden, dort sammeln sich um die die ganze Nocht hindurch brennende Lampe die Leseratten. Jede alte Zeitung ist hier ein begehrter Artikel. In der Hauptsache sind es aber minder wertige Schmöker, die durch Tausch von Hand zu Hand gehen. Andere mieder flicken die zerlumpten Kleider oder versuchen thre schmußige Wesche unter der Wasserleitung zu reinigen. Nach einiger Zeit hat fich aber alles auf die Pritschen gelegt. Böllige Ruhe tritt wohl nie ein. Bald beginnt jemand im unruhigen Schlaf laut zu reden, ein anderer unterbricht die Stille durch lautes Schnarchen, bis sein Nachbar ihn durch freundlichen Rippenstoß auffordert, eine andere Lage cinzunehmen. In aller Frühe, um 25 Uhr, ruft der Aufseher ein furzes: Aufstehen!" in den Saal: der Tag beginnt. Es gibt wieder cine dünne Suppe und beim Ausgang ein Stück Brot, die sogenannte Balmfuhe". Zwischen sechs und sieben Uhr wird Saal nach Saai gcöffnet, der Strom der Obdachlosen ergießt sich auf die Fröbelstraße, verteilt sich durch die angrenzenden Straßen: die Millionenstedt nimmt die Heimatlofen auf. wenn sich ihnen nicht ein Hindernis in den Weg stellt, das sie mit grimmigem Humor in den Kauf rehmen: die Polizei. Die Kriminalpolizei nimmt ein übergroßes Interesse an den Asyliften. Schon am Nachmittag muß ein großer Teil den Weg durch das dort befindliche Kriminalbureau nehmen, um feine Verfonalien feststellen zu lassen. Am Morgen stehen wieder die Becmten, die„ Greifer", am Portal und an den Ecken der anliegenden Der Sturm auf das Frauenbad. 2] Bon Armin Z. Wegner. „ Die Reformen, mein Liebling. Europa hat sie gewollt. find die Reformen, die man durchführt." Es Schatir Bascha ergriff den Springer feines Schachspiels, das Ohr nach dem Fenster geneigt, gegen die das spike Echo der Flinten schüsse fiel wie das scharfe Picken von Vögeln. Des Reformes? Ah, pas du tout, mon pére. C'est un meurtre!" Der Kreis erstarrte in Schweigen. Der greise Kopf des Bali. unter der schwarzon Lammfellmüße von Zorn gerötet, blidte regios zu den Fenstern hinaus. Es war still. Das Gludsen der Wasser. pfcife flang durch das Zimmer. Das wässrige Augen des Alten wandte fich dem Sohne zu: Bist du ein Moslem? Die Kinder Mohammeds müffen ihre Pflicht tun. Kein Armenier soll geschont werden. Das ist der Befehl des Balastes!" Die Lippen des Jünglings bebten. Der Bali ergriff die Gloce. Wachen stürmten herein. „ Wieviel?" " Dreihundert Tote in Sorferi. Schafir Pascha schrieb mit der Feder die Zahlen auf ein Bapier: Fünfzig Tote in Tadem, hundertfiebzig in Bant, zweihundertachtzig in Hirlei, hundert in Aigestan, dreihundert in Sorferi." Roter Sand floß aus der Büchse über die feuchte Schrift. Beeilt euch! Es fehlen noch hundert Tote auf das Taufend." Der Bali erhob sich, Gendarmen hielten ihm den Pelz. Während er in die Aermel fuhr, wandte er sich an die Offiziere: Nehmt fünfzig Soldaten nach Goum, durchstreift Tergan, Gigi, Hufalesch, vergeßt niemanden, vernichtet alles. Nehmt die kurdischen Bouern zu Hilfe. Das Eigentum der Giaures ist zu plündern, und ihre Röpfe gehören der Regierung. Ich erwarte euch am Abend. Bringt zwanzig Beischläferinnen für das Haus, nicht zu groß, schwarz, startbufig, ein volles Gefäß. Ich liebe nicht die Blauäugigen, fie haben ein böses Gesicht." Die Offiziere liefen die Treppe hinunter. Ueber das Geländer gebeugt, rief er ihnen nach: Geht auch nach Arabfir!" Seinen Belz schließend, bestieg er das Pferd. Er sagte: Maffater find wie die Bindpoden. Ale müffen fie haben; Aber jeber betommt sie nur einmal." Der Nibelungen Not. Durg Berlammlungsbelching der Ortsgruppe Braunschweig wurden die Jugendbünde Nibelungen und Bismard- Jugend für zwei Jahre von der Benuhung der Braunschweiger Jugendherbergen wegen ungebührlichen Benehmens, Berunreinigung der Bleiben und nächtlicher Ruheftörung ausgeschloffen. Jugend Herberg Nibelungen Bismarkjugend S ㅏ Lunert Der Wirt sprach zu den Gästen:„ Mein und euer Leid Sind einander ungleich: die große Not im Streit, Der Schaden und die Schande, die ich von euch gewann, Dafür soll euer feiner mir lebend kommen hindann." ( Aus dem Ribelungenlled.) Straßen und greifen sich aus der herausströmenden Menge eine Anzahl heraus, welche unter ficherer Bedeckung den nächsten Bolizei. wadyen oder gar im Lastauto dem ,, Aler" zugeführt wird. Außerdem werden täglich die Insassen einiger Schlafsäle zurückgehalten und „ verwarnt", 5. h. fie müssen ein im verfchrobensten Amtsdeutsch aufgefehtes Protokoll unterzeichnen, wodurch sie verpflichtet werden, sich binnen vierzehn Tagen Arbeit und Wohnung zu besorgen. Wer den diese Verwarnten cach Ablauf der Frist nach im Asyl betroffen, so werden sie dem Richter vorgeführt, der wegen Obdachlosigkeit auf Haft oder gar auf Verweisung an das Arbeitshaus erkennen fann. Große Erfolge werden die Beamten trotz ihrer emfigen Arbeit nicht erzielen, denn wer etwas auf dem Kerbholz hat, wird sich wohl hüten, das Obdach aufzusuchen. Wer aber nicht steckbrieflich verfolgt wird, erhält dech sofort die Freiheit wieder. Wenn die Beamten sich beschweren, daß die ihnen vorgelegten Ausweispapiere zerfetzt und fchmierig find, so ist das nicht zuleht auf ihre Betätigung zurüdzuführen. Es tommt vor, daß derselbe Cbdachlose im Laufe einer Woche bis zehnmal auf die Wache mitgenommen wird, wo die Papiere jedesmal durch die Hände der Beamten wandern. Wer Gelegenheit hat, zu beobachten, wie die einzelnen Beamten mit den Bennern" umgehen, der wird zum mindesten, sagen wir einmal: 17 Beilage des Vorwärts erstaunt fein über das, was sich die Mehrzahl der Beamten erlaubt. Höflichkeit auch dem Armen gegenüber scheint sowohl den Kriminalcls auch den Schußpolizeibeamten, welche den Dienst vor dem Asyl versehen, ein unbekannter Begriff zu sein. Die Anrede„ Sie" ist nur für Menschen in geordneten Verhältnissen da, für den Asylisten haben die Beamten nur das verächtliche Du" übrig. Die Grünen. die den Abmarich der Masse in den Morgenstunden zu regeln haben, halten es oft auch nicht für notwendig, noch besonders zum Weiter gehen aufzufordern, sondern benuhen ohne weiteres Fäuste und Gummifnüppel, um die zum großen Teil aus Frauen bestehende Menge weiter zu drängen Die Beamten wissen nur zu genau, daß ihnen von dieser Seite feine Beschwerde droht. Wohl hören sie manch erregtes Schimpfwort, die Masse der Obdachlosen aber ist schon zu abgeftumpft: Mit uns machen sie doch, was sie wollen." " " Diese Mutlosigkeit fennzeichnet die Berfassung, in welcher sich die Heimatlosen befinden. Arbeitslosigkeit ist wohl ein großes Uebel, aber gleichzeitig erwerbslos und obdachlos zu sein, ist das größte Elerd, in das der Arbeiter geraten fann. Der Arbeitslose mit jester Wohnung hat zwar auch nur sein fümmerliches Durchkommen, er hat aber ein Heim, er hat einen Tisch, worunter er seine Füße fegen fann, er weiß, daß ihn abends ein reinliches Bett erwartet. Der Erwerbs- und Heimatlose aber irrt ziellos auf den Straßen umher, er muß wochen, ja monatelang in Kleidern schlafen, ohne Gelegenheit zu haben, die Wäsche zu reinigen. Dazu kommt der quälende Hunger, denn von dem, was der Asylift in der Palme' erhält, fann niemand leben. Wer nicht Gelegenheit hat, sich durch feine Beschäftigungen einige Groichen zu verdienen, ist auf die Mildtätigkeit seiner Mitmenschen angewiesen. Hierin liegt die große Gefahr besonders für die jüngeren Obdachlosen. Der erste Entschluß zum Betteln fällt wohl jedem schwer, nur das stärkste Hungergefüh! und das Zureden der Kameraden vermag die meisten dazu zu bringen. Wer aber einmal damit begonnen und Erfolg gehabt hat, ist fast immer für ein ordentliches Leben verloren. Wozu arbeiten, wenn man auch so leben kann? Kommt nun die erste Bettelstraje dazu, die dank der Aufmerksamkeit der Polizei nicht lange auf fich warten läßt, so ist es gewöhnlich zu spät zur Umfehr. Nun ist mir alles egal!" Aus der kurzen Haftstrafe werden im Wiederholungsfalle längere Freiheitsstrafen, Arbeitshaus. So wird aus dem anfangs durch bittere Not zum Betteln Gezwungenen der Arbeitsscheue, der berufsmäßige Bettler. Dieser entwickelt sich bald zu einer Spezialität auf seinem Gebiet. Anfangs bescheiden nach einem Stüdchen Brot oder einem Rest vom Mittagessen nachfragend, legi er fich bald auf ein Spezialfach. Dieser zieht singend von Haus zu Haus, ein anderer benutzt die Zugehörigkeit zu irgendeinem Verbande oder Berufe, um dessen Angehörige zu fleddern, ein dritter Schnorrt Kleidungsstücke und verkauft sie; furz, jeder hat seine„ Tour". Manche dieser Gestalten führen ein besseres Leben als diejenigen, welche die Mittel dazu geben. Daneben gibt es aber wieder viele, welche den Mut zum Betteln nicht aufbringen. Hungernd und frierend, mit zerrissenen Reidern und Stiefeln, irren diese Armen durch die Straßen. Ueberall sehen sie die verlockendsten Auslagen in den Schaufenstern; sie sehen, wie ihre bessergestellten Mitmensihen große Beträge für Nichtigkeiten ausgeben, sie sehen des Abends zu, wie die andern die Sachen verzehren, welche sie tagsüber erbettelt haben, sie sehen zu und hungern. Allenfalls leben sie noch von Gaben, welche einzelne mitleidige Menschen ihnen antieten, oder von dem Mittagessen, das durch Heilsarmee, Krankenhäuser und andere Anstalten verteilt wird. In der grimmigften Kälte stehen diese Armen Stundenlang an und müssen doch oft ohne Essen umfehren, wenn der Borrat nicht reicht. So fehren fie hungrig zur Wärmehalle zurüd, bis es Zeit ist, zur Balme" zu gehen. Dort, in der Heimat der Heimatlosen, winkt ja des Abends eine warme Suppe. Wenn sie - es ist etwas gegen den Hunger! auch noch so dünn ist " Eigentümliches Gerichtsverfahren. Ein eigentümliches Verfahren wird in dem Stadt- und Landrechtsbuch Ruprechts von Freifing ( 14. Jahrhundert) für den Fall vorgeschrieben, daß einer Frau durch einen Mann Gewalt geschehen war. Es heißt da:„ Man soll den Mann bis an den Nabel in die Erde eingraben, doch so, daß er sich drehen fann. Dann soll man ihm die linke Hand auf den Rücken binden und ihm einen Kolben in die rechte geben und soll Stroh um ihn streuen, soweit als er mit dem Kolben reichen kann. Der Frau soll man einen Stein in ein Tuch einbinden, der ein Bfund schwer sei. Und man soll ihnen beiden Kampfauffeher geben. Siegt der Mann, so soll man der Frau die Hand abschlagen. Siegt aber die Frau, so soll man dem Mann den Kopf abschlagen. Das ist darum so gesetzt, damit es fund werde, ob die Frau etwa dem Manne irgendeinen Anlaß gegeben hat zu seiner schändlichen Tat, jo daß sie mitschuldig daran sei." zulaufen. Lutfi war am Fuße der Treppe stehen geblieben. Er sah seinen| wandte den Kopf, bereit, vor seinem eigenen Verlangen davon Bater vorüberreiten, ihre Blicke begegneten sich nicht. Durch eine Seitengaffe glitt er den Hügel hinunter, seine Füße rutschten auf den Steinen aus, die mit dem Abfall der Küchen beschmutzt waren. Die Gasse mündete in den Bafar. Auf den letzten Stufen tam ihm ein furdischer Knabe entgegen: " Ihr Haus ist leer. Ich habe sie nicht gesehen." Lutfi biß seine Lippe und, zwei Finger unter den Gürtel geschoben, blickte er in unendlicher Schwermut an den hölzernen Dächern der Kaufläden entlang, deren Höhlen ihn anstarrten wie zerstochene Augen. Langsam entfaltete er das Papier, las, etwas Fernes, Unwirkliches, die Worte Für Sirpuhi Garmyrrhian", die er selber geschrieben hatte. Er warf ein Piasterstück in die Hand des Knaben. Nach zwei Schritten wandte er sich um: " Wann ist sie fortgegangen?" „ Gegen mittag." " Trafft du niemanden im Hause?" Das Gewühl der Straße wurde dichter. Auf dem Plaze drängte sich eine Herde schreiender Frauen, die mit Löffeln auf fupferne Refsel schlugen. Zwanzig gefesselte Armenier lagen vor dem Laden eines Fleischers auf die Erde gebreitet. Ein Mollah, das Opfermesser schleifend, schritt über ihre Leiber hinweg: Im Namen des Herrn, der den Menschen aus geronnenem Blute schuf. Ihr habt acht zu Paaren, von den Schafen zwei und zwei von den Ziegen. Hat er die beiden Männchen verwehrt oder die beiden Weibchen?" Die Frauen öffneten die Schalen ihrer Hände, als erwarteten sie den Segen des Unsichtbaren. Der Priester prüfte mit dem Daumen die Schärfe des Messers, und den Kopf der Gefesselten zur Seite neigend, begann er vom Ohr her nach der Vorschrift einen runden Schnitt durch die Halsader zu ziehen: 3wei Soldaten hatten die Tür erbrochen. Sie schütteten mir und Krepiertes oder Schweinefleisch. Ihr sollt das Fett aus dem eine Schüffel Mehl über den Kopf. Da lief ich hinaus." " Und das Kind?" Der Knabe schüttelte die Filzkappe. In tödlicher Unruhe begann Lutfi von neuem zu laufen, seine Füße stolperten über das Holz zerbrochener Stühle, die auf der Straße lagen. Die erloschenen Gestalten greifer Männer lehnten an der Mauer. Aus den Zimmern der Häuser drang Geschrei und das Aechzen splitternden Holzes. Plöglich erblickte er ihr Gesicht. Das Haar der Armenierin, in lange Söpfe geflochten, schleifte hinter ihr auf der Erde; bebend riß sie an ihren Gliedern, mit geschlossenen Lippen. Als er nähertrat, sah er, daß er sich getäuscht hatte. Die Soldaten, die ihre Hände umflammert hielten, lächelten mit fetten Lippen. Er ließ fie vorüber, es war nicht das Gesicht der Frau, die er liebte. ,, D, ihr Gläubigen! Es gibt Vieh, dessen Rüden verboten s Rüden nehmen und an den Eingeweiden oder was an den Knochen sitzt. Esset von dem, was euch Allah beschert hat und folgt nicht den Fußstapfen des Satans." Die Leiber der Getöteten frümmten sich in den Striden. Zuweilen löfte sich die Hand aus den Fesseln. Sie warten die Leichen auf die Schlachttische, brachen die Glieder aus den Gelenken und ( hingen sie an den Fleischhaken auf. Der Schlächter Hassan Tefit, deffen Schultern fast die Decke des Ladens streiften, hatte sechs Köpfe auf seine Bratspieße gestadt. Die rauchenden Fleischteile über Ser Menge schwenfend, rief er den Vorübergehenden zu: Wer fauft? Ihr Leute von Erzerum! Ein Arm, ein Bein, Füße und Röpfe billig zu haben!" Lutfi stieß sich an der Mauer vorbei, seine Pulse bebten. Vor der Tür der armenischen Kathedrale staute sich eine teuchende Menge; die Kirche war mit Flüchtlingen überfüllt. Aus dem Innern tönte Gesang, die Soldaten lachten und flatschten in die Hände. Man hatte die Tore geschlossen, auf deren Stufen zwei armenische Männer standen, mit ausgebreiteten Armen an die Bretter genogeft. Lu: npen und Reifig lagen zu ihren Füßen, mit Petroleum tegoffen, Militär umstellte den Blaz. Wieder sah er ihre Gestalt vor sich, das schwarze Haar über der hellen Stirn flammend, die Blässe der fremden Haut, nach der ihn das Fieber vieler Nächte verzehrte. Ihres Mannes beraubt, den sie auf der Gaffe erschlagen hatten, lebte sie mit ihrem Knaben allein. Bergeblich hatten ihn die Stunden der Dämmerung zu den Gesprächen vieler Abende an ihrem Hause vorübergeführt, während seine Augen im Dunkeln die Linien ihres Leibes zeichneten, dessen bittere Keuschheit sich ihm versagte. Hoffte er auf Gewalt? Anbetung hatte ihn mit sanfter Hoffnung erfüllt, und er erschrat vor der Stunde, die sie plöglich wehrlos in seine Macht gab. Schlagenden Herzens drängte er fich zwischen den Menschen hindurch. War es schlug in ihr Gesicht. Begierde, die ihn trieb? Bon Scham gefoltert, blickte er zurüd und Das Volk schrie: Wo find eure Frauen? Gebt die Weer heraus!" Die Blicke der Männer starrten in tam Entfezen. Rauch ( Fortsetzung foligt.) Beginn 2. 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