Nr.24 42. Jahrgang Ausgabe Anr. 13 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monat lich 3, Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwarts" mit ber Sonntagsbeilage ,, Bolt und Beit" mit ,, Gied. Yung und Kleingarten" fowie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint mochentäglich zweimal, Conntags und Montags einmal Telegramm- Adrese: Sozialbemotrat Berlin* C Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareilleaeile 0,70 Goldmark, Reflamegeile 1.- Goldmart. ,, Aleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedrudte Borte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Mort 0.10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Golomati. Worte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Die heufigen informatorischen Besprechungen des Reidsministers Dr. Cather mit den Fraktionsvertretern haben zu einer grundsätzlichen Klarheit über die Art der zu bildenden Regierung gemäß dem hereits bekanntgegebenen Plan Dr. Luthers( Bertrauensmänner und Fachminister) und über die Personenfrage geführt. Dagegen sind die Erörterungen innerhalb der Fraktionen über die Form und Art, in der der Regierung die Zustimmung ausgesprochen werden soll, noch nicht in allen Fraktionen abgeschlossen. Von der Erledigung diefer Frage, die morgen, Donnerstag, mittags zu erwarten ist, hängt die Bildung der beabsichtigten Mehrheitsregierung ab. Bei dieser Sachlage hat Reichsminister Dr. Luther dem Reichspräsidenten in später Abendstunde berichtet, daß seine informatorische Aufgabe abgefchloffen fei, und daß er bereit sei, die Bildung der Mehrheitsregierung(? Red. d.„ B.") zu übernehmen, sobald die erforderlichen Frattionsbeschlüsse vorliegen. Der deutschen demokratischen Fraktion hat Dr. Cuther nochmals die Beteiligung an der Regierung angeboten. Der Vorfihende, Abg. Dr. Koch, hat dem Minister, vorbehaltlich der Stellungnahme der Fraftion, geantwortet, daß trok er after Bedenten die Fraffion bereit fei, eine abwartende Stellung einzunehmen. In den abenojtunden zirkulierte in den parlamentarischen Kreisen die voraussichtliche Liste der Minister mit folgenden Namen: Reichsfanzler Dr. Luther, Aeußeres: Dr. Strefe mann( Dop.), Inneres: Schiele( Dnat.), Finanzen: Saemisch( Dop.), Wirtschaft: Neuhaus( Dnat.), Arbeit: Brauns( 3.), Justiz und besetzte Gebiete: Dr. SchollenDüsseldorf( 3.), Wehrmacht: Dr. Geßler, Reichspost: Stingl( Bayer. Bp.), Ernährung und Landwirtschaft: Graf Raniz; für das Berkehrsministerium wurde noch fein bes stimmter Anwärter genannt. Ungewiß ist noch, ob nicht Herr Schollen, wie die Banerische Boltspartei wünscht, durch Herrn Emminger er setzt wird. Die deutschnationale Fraktion erklärt, daß infolge der Haltung des Zentrums in der Vertrauensfrage die Einigung noch nicht erfolgt sei. Das Zentrum hat es nämlich vorläufig abgelehnt, dem Kabinett das Vertrauen auszusprechen; es will sich mit einer Billigung der abzugebenden Regierungserklärung ohne Berufung auf. Art. 54 der Berfassung oegnügen. Dabei seht es voraus, daß in der Regierungserklärung gesagt werden müsse, eine Aenderung der Außenpolitit sei nicht beabsichtigt. den, weil man jetzt endlich das Zentrum soweit hat. Es toleriert". Wozu ist nun das lange Strauben gewesen? Was jetzt tommt, hätte man rascher und schmerzloser haben fönnen! Es ist freilich auch heute noch schwer zu sagen, ob und wie it das Zentrum eine Rechtspartei geworden ist. Es hat schwere innere Kämpfe durchgemacht, in denen schließlich der rechte Flügel triumphierte; aber damit sind die inneren Kämpfe nicht abgeschlossen. Die Taten der Regierung Luther, die ihrer Zusammenlegung nach antidemokratisch und antifozial sein muß, werden für das Zentrum die schwersten Belastungsproben bringen. Auf alle Fälle muß heute schon festgestellt werden, daß für das Zustandekommen der Regierung Luther und für alle Taten der Regierung Luther das Zentrum die Berantwortung trägt. Ohne das Zentrum fann diefe Regierung feinen Tag verfassungsmäßig regieren. Sie wird bleiben, folange fie vom Zentrum toleriert" wird; fie wird gehen müffen, sobald das Zentrum fagt:„ Nun ist's genug!" So ist das Zentrum, das solange zwischen den Entscheis dungen schwankte, nun doch wieder in den Besitz der aus= schlaggebenden Macht gelangt. Er legt ihm eine ungeheure Berantwortung auf, an der es schwer zu tragen haben wird! Bielleicht wird es versuchen, das Schlimmste zu verhüten. Vielleicht man muß es hoffen! wird es ihm gelingen, in der auswärtigen Bolitif Torheiten zu ver hüten, die höchst unheilvolle Folgen hätten! Aber wohin der Kurs der Steuerpolitif, der Sozialpolitik, der Wirtschafts- und der 30ll politif gehen wird, wenn die Intereffenvertretungen der Großlandwirtschaft und des industriellen Unternehmertums am Steuer find, der Arbeiter einfluß aber total ausgeschaltet ist, darüber wird man sich feinen Augenblic einer Täuschung hingeben können. Das Reichszentrum hatte den Kurs der Mitte in dem Augenblid verlassen, in dem es sich weigerte, mit den Sozialdemokraten zufammen eine Regierung zu bilden oder überhaupt eine Regierung zu bilden, die von der Sozialdemokratie geftüßt wird. Denn daß eine solche Regierung feine sozialdemokratische Politik, sondern eben nur eine Politik der Mitte treiben kann, versteht sich von selbst. Die Braun nimmt den Kampf auf. Sein Appell an den Landtag. Bräsident Bartels eröffnete die gestrige Landtagssigung um 3 Uhr. Er gedenkt zunächst, während die Mitglieder des Hauses sich von ihren Plätzen erheben, des Eisenbahnunglüds bei herne, das zu den schwersten seiner Art gehöre. Blühende Menschenleben felen vernichtet, Not und Elend sei in zahlreichen Familien eingezogen. Der Präsident spricht den Angehörigen der Berunglückten das Beileid des Landtags aus. Bei geschäftlichen Mitteilungen wird bekanntgegeben, daß Ruth Fischer auf ihr Landtagsmandat verzichtet habe.( Heiterer Beifall. Buruf der Kommunisten: Das paßt euch wohl!) Das Haus tritt sodann der Entscheidung des Geschäftsordnungsausschusfes über aftentlassung der kommunistischen Abgeordneten endemann Rönigsberg, Schulz Breslau und Schubert bei, nachdem Abg. Leinert( S03.) in Befürwortung des Ausschußantrages darauf hingewiesen hatte, daß es sich bei fämtlichen Straftaten der Genannten um politische Bergehen handele. Ohne Aussprache wird der Bericht des Geschäftsordnungsaus. Ob die Behauptungen der amtlichen Mitteilung über die schuffes über das Ergebnis der Beisigerwahlen zur Kenntnis geHaltung der Demofraten ganz genau der Wahrheit entnommen; die Gewählten nehmen die Wahl an. fprechen, müssen wir dahingestellt sein lassen. Richtig ist jedenfalls, daß die Demokratische Partei oisher keinen Einspruch dagegen erhoben hat, daß Herr Geßler als Parteimitglied der Fraktion gehört er nicht mehr an- Wehr minister in einer Rechtsregierung wird. Zentrum und Deutschnationale halten heute vormittag Frattionsfizungen ab, als deren Ergebnis man eine Einigung erwartet. Atmosphäre der Berleumdung und Schmähsucht erfüllt ist, mißdeutet wurde. Aber ich brauche nicht besonders für mich und meine Kollegen im Ministerium zu erklären: wir fämpfen nicht um unser Amt-( Lachen rechts)- für diese Auffassung haben Sie( nach rechts sprechend) in Ihren Kreisen tein Berständnis, das Drängen Ihrer Parteifreunde an die Krippe ist ja in den letzten Monaten so groß! mir fämpfen für die Politit, die wir über drei Jahre zum Besten unseres Landes ges trieben haben, und die auch jetzt noch nach unserer festen Ueber zeugung die einzige Politit ist, die Ruhe und Stetigkeit verbürgt, und die den schließlichen Wiederaufbau unseres Landes ermöglicht. ( Sehr wahr! links und in der Mitte.) Für diese Polifit der Großen Koalition, die feinerzeit vom Landtag gebilligt ist, hat das Kabinett das Vertrauen erhalten, und das Kabinett ist gewillt und bereit, diese Politit fortzusehen und stellt dafür die Bertrauensfrage.( Bravo bei den Soz.). Will der Landtag dem Kabinett das Vertrauen entziehen, dann mag er entsprechend entscheiden. Sie haben zu entscheiden, und Sie gegennahme einer Erklärung des Ministerpräsidenten. vaterländischen Aufbaues und der Zusammenfassung aller Kräfte der Es folgt die Beratung des 3. Bunftes der Tagesordnung Entstehen bei dieser Entscheidung vor einer wichtigen Frage. Sie stehen vor der Alternative, entweder Fortsetzung der Politik des ruhigen Mit der Beratung verbunden wird der Urantrag der Deutschen Bolkspartei, betr. die weitere Tätigkeit des Staats- Mitte, oder Inaugurierung jener unter dem entscheidenden Einministerium das Bertrauen zu entziehen. ministeriums und der Antrag der Kommunisten, dem Staats- fluß der ertremen Rechtsparteien stehenden Politik des Bürgerblocks, die nichts anderes sein fann, als eine unserem Lande richtig! links.) Nun entscheiden Sie so, wie Sie es vor Ihrem Ge zum Berderben gereichende Ratastrophenpolitit( Sehr wissen, vor Bolt und Baterland und vor der Geschichte verantworten fönnen.( Lebhaftes Bravo! links und in der Mitte, Händeklatschen bei den Soz., Bischen bei den Komm.) Das Wort nimmt, während die Kommunisten allerhand schreien und die meisten Deutschnationalen hinauslaufen, Ministerpräsident Braun. Vertagungsantrag der Koalition angenommen. Eine Reihe weiterer Gegenstände werden mit der Beratung verbunden. Abg. Grzesinffi( S03.) beantragt zur Geschäftsordnung Ber Die Regierung Luther wird eine ausgesprochene Rechtsregierung sein, und diefer ihr Charakter wird durch das Verbleiben der Herren Brauns und Gehler in feiner Weise verändert. Brauns und Beßler stellen jozufagen ihre äußerste Linke" dar, alle anderen Minister stehen noch viel weiter rechts als sie. Also eine Rechtsregierung mit zwei Horchposten aus der Mitte, von denen dem einen, Herrn cen Jahren 1921 bis 1924 ein( Wir geben diesen Teil der Rede tagung bis zum Freitag.( Suruf bei den Kommunisten: Brauns, das Berbleiben ausdrücklich gestattet worden ist, während der andere, Herr Geßler, ohne Erlaubnis seiner Partei allerdings auch nicht gegen ein ausdrückliches Berbot im Amte bleibt. Diefe Rechtsregierung wird vom Zentrum ,, toleriert" werden. Das Bertrauen wird man ihr freilich nicht aussprechen, aber die Erklärung, die fie abzugeben gedenkt, wird man billigen. Die Erklärung wird ja wahrscheinlich auch danach sein Herrn Luther, der eigentlich kein Bolitiker ist, wird man doch die Beschicklichkeit zutrauen, eine Erklärung zustandezubringen, die nichts fagt, und der jeder zustimmen fann, wenn er nur auf die Erklärung sieht und nicht auf die, die sie abgeben; wenn er nur die Borte hört und nicht die Tater fehen will, die ihnen folgen werten. Er geht zunächst auf seinen bekannten Standpunkt in der Berfaffungsfrage ein und nennt das Verhalten der Deutschnationalen und der Volkspartei einen Bersuch, ihre wahren Gründe u oerbergen. Nicht die Vorschriften der Verfassung, sondern po. präsident Braun geht dann auf die Leistungen seines Kabinetts in litische Gründe seien bei diesen Parteien maßgebend. Ministerin der Beilage ausführlich wieder) und richtet dann folgenden Appell an den Landtag: Mer freilich die Politik der ruhigen Fortentwicklung nicht will, wer aus parteiegoistischen Motiven die Gegenfäße verschärfen und wer aus parteiegoistischen Motiven die Gegenfäße verschärfen und den Kampf aller gegen alle im Innern entfesseln will, nur der kann schließlich gewollt und bewußt von dieser Bolitif( der drei Jahre Großer Preußischer Koalition) abgehen.( Sehr wahr! links.) Und, weil ich diese verderbliche Entwicklung nicht fördern, fendern im Gegenteil hemmen und verhindern will, deshalb bin ich und ist mit mir die Mehrheit der Kabinettsmitglieder im Amt geblieber.( 3uruf rechts: Das schöne Pflichtbewußtsein!) Ich wünsche, daß( nach rechts gewandt sprechend) in Ihren Kreisen immer soviel Pflichtbewußtsein wäre und namentlich am 9. No Die Deutschnationale Frattion wird in Stelle des Herrn pember soviel Pflichtbewußtsein gewesen wäre, als die mei Schiele, der Minister des Innern wird, einen neuen Borsten von Ihnen wegliefen( Lachen rechts), wo wir fizenden zu wählen haben. Berechterweise tann das nur Herr unser Leben eingelegt haben, um den Staat in ruhige Sergt fein, dessen Politif vom 29. Auguft num ihren Verhältnisse zu bringen( Burufe rechts). Ich habe nicht geglaubt, triumphalen Erfolg erlebt. Die 49 Jastimmen sind damals daß Ihnen das foviel Freude bereitet. Wir sind im Amt geblieben nicht umsonst geliefert worden, die dafür ausbedungenen felbft auf die Gefahr hin, daß dieses unser Berhalten draußen in der Bortefeuilles merden jegt geliefert. Sie tönnen geliefert mer. Deffentlichkeit, die ohnehin jest mit einer Schiebung!) Die Rommunist en fordern sofortige Besprechung der Regierungserklärung. Gegen die Bertagung stimmen die Deutschnationalen, die Deutsche Boltspartei, die Frei. heitspartei und die Kommunisten. Die Abstimmung bleibt zweifelhaft; es findet Hammel. sprung statt. Die Bertagung wird mit 206 gegen 199 Stimmen beschlossen. Nächste Sigung: Freitag, den 16. Januar, 2 Uhr: Feststellung der Mitgliederzahl des von den Deutschnationalen beantragten Untersuchungsausschusses über die Seehandlung.Angelegenheit; Fortsetzung der Besprechung der Regierungserklärung in Verbindung mit den Anträgen der Deutschen Volkspartei und der Kommunisten betreffend die weitere Tätigkeit des Staatsminifteriums und die Entziehung des Bertrauens; Schreiben über den Rücktritt der volksparteilidhen Minister; Uebernahme des Kul tus- und Finanzministeriums durch den Ministerpräsidenten; Gut achten des Justizministeriums über die Wahl des Ministerpräsidenten bei einer Neuwahl Schluß 4,35 Uhr. Das ist zwar mur eine fleine Mehrheit, aber wenn die beteiligten Parteien fest bleiben, dann könnte die gegenwärtige Regierung. jedem Mißtrauensantrag ruhig entgegensehen. Er wird nicht angenommen werden, weil mindestens 226 Abgeordnete dazu erforderlich wären und eine solche 3ahl auf einen Antrag faum jemals zu vereinigen ist. zur Stellung der Vertrauensfrage rechtlich ver pflichtet fei. Die Stellung der Vertrauensfrage set nach der Verfassung niemals eine rechtliche Verpflichtung des Staatsministe riums, fondern stets seinem Ermessen überlassen. Das Gutachten gelangt überdies zu dem Ergebnis, daß die Berneinung der Bertrauensfrage nicht ohne weiteres der in der Berfaffung vorgesehenen Entziehung des Vertrauens gleichzusehen sei. Sozialdemokratie war bereit, jede Politik der Mitte zu unter-| die jeßige Regierungsfoalition erhielt 206, die Koalition| minifterium nicht im Falle der Neuwahl des Landtages wenigstens stützen, um einen ausgesprochenen Rechtskurs zu verhindern. von Baui Hoffmann über Campe und Windler bis Wulle Da das Zentrum die Unterstüßung der Sozialdemokratie ab- nur 199 Stimmen! lehnte, blieb eben nur der ausgesprochene Rechtskurs übrig. Also, was da kommt, i ft eine vom Zentrum tolerierte Rechtsregierung mit einem demokratischen Zivilisten als militärischen Fachminister". Die Deutschnationalen Die Deutschnationalen haben es erreicht und sollen nun zeigen, was sie können! Aber auch an der Sozialdemokratie ist es jetzt, zu zeigen, was sie fann! Ihre Gefühle gegenüber der Regierung Luther Schiele Stresemann auszu drücken, ist ganz überflüssig. Da fragt sich nicht, ob gekämpft werden soll, sondern nur wie der Kampf am wirkungsvollsten zu führen ist. Zum erstenmal feit sechs Jahren ist eine flare Situation vorhanden, in der die Rolle der Opposition der Sozialdemokratie zugefallen ist. In der Opposition ist die Sozialdemokratie groß geworden, und so wird es bald heißen: Der Riese hat wieder die Mutter berührt, und es wachsen ihm neu die räfte." In Preußen reifen inzwischen die Dinge der Entscheidung entgegen. Der Ministerpräsident hat in seiner Rede im Landtage heute die große Linie aufgezeigt, die während der breijährigen Arbeit der großen Koalition innegehalten wurde. Diese Linie weist auf allen Gebieten preußischer Staatsarbeit deutlich den Weg nach oben, zur Stabilisierung und zum deutlich den Weg nach oben, zur Stabilisierung und zum Wiederaufbau des wirtschaftlich erschütterten Landes. Eine folche dauerhafte Arbeit an der Gefundung fonnte nur geleistet werden, weil sich die Koalitionsparteien nicht nur der Zahl nach, sondern auch in dem festen Willen zusammenfanden, die junge preußische Republit in den politischen Mirren der Bett por allzu starten Erschütterungen zu bewahren. Diese Arbeit der preußischen Koalition fonnte, wie fich von selbst versteht, nicht die Grundsätze jeder einzelnen der beteiligten Parteien zur Durchführung bringen. Nur im gewollten Zusammenflang der verschiedenen Tendenzen war es möglich, ein verhältnismäßig reibungsloses Funktionieren der Regierungsmaschine und dadurch einen nicht unerheblichen Fortschritt für den Staat zu erzielen. Das ist von allen Seiten, nicht zuletzt auch von der Volkspartei, immer wieder anerkannt worden. Nun hat plötzlich die volksparteiliche Fraktion, der höheren Weisung aus dem Reich folgend, ihre Minister aus der Roa titionsregierung zurückgezogen. Sie hat die große Koalition, nach der sie Jahre hindurch verlangt hatte, selbst zerschlagen. Es bleibt ein Rumpftabinett, das aus Mitgliedern der alten Weimarer Koalition besteht. Dies Kabinett kann nach der preußischen Verfassung gestürzt werden, wenn wenigstens 226 Abgeordnete das heißt mehr als die Hälfte aller vorhandenen durch ausdrücklichen Beschluß ihm das Bertrauen entziehen. Das Kabinett hat durch den Ministerpräsidenten Braun erklären lassen, daß es sich selbstverständlich einem folchen Beschlusse fügen werde, aber glaube, seine verfassungsmäßige Pflicht zu verletzen, wenn es vorher zurücktrete. Die Volkspartei will das Vertrauen entziehen durch einen Anirag, der die irrige Ansicht ausspricht, daß jeder neuge wählte Landtag auch den Ministerpräsidenten neu wählen müsse, und daß deshalb die Regierung nicht mehr die ver foffungsmäßigen Grundlagen habe. Gegen diefen Bersuch, flare Berfassungsbestimmungen durch juristische Auslegungsfünfte in ihr Gegenteil zu verkehren, hat sich das preußische Babinett, geftüßt auf die Gutachten von anerkannten Rechtsslehrern, bisher mit Nachdrud gewehrt und, indem es die Bertrauensfrage stellte, den Landtag zur Entscheidung aufgerufen. Der Landtag hat sich nach der Regierungserklärung bis zum Freitag vertagt. Dann foll die Besprechung der RegieKungserklärung erfolgen und ihr sich die Abstimmung über die verschiedenen Anträge anschließen, die von der Opposition don Bulle bis Bied eingebracht sind. Eine Probe für den möglichen Ausfall dieses Entscheides bildete heute schon die Abstimmung über den von der Sozialdemokratie gestellten Bertagungsantrag. Von den 450 Mitgliedern des Hauses * waren 405 anwesend, also eine verhältnismäßig starte 3ahl. Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten stimmten für die Bertagung, alle anderen Frattionen dagegen. Ergebnis: Vergängliches. Konzertumschau von Kurt Singer. Am Sonntag vormittag dirigierten Erich Kleiber und Bruno Walter zur gleichen Stunde Beethovensche Sinfonien. Einer Stadt, in der solch verschwenderisch große Kräfte am Werte find, fann es fünstlerisch nicht schlecht gehen. Wie diese beiden stärt : ften Exponenten verschiedener Dirigiermöglichkeiten sich mit dem immer noch aktuellen Problem Beethoven abfinden, das sei später einmal ausführlich untersucht. Bon anderer Seite besehen, erfüllen diese Konzerte der Prominenten nicht ganz ihren 3wed. Beder Balter noch Kleiber, deren Musizieren eine ungeheure propagandiftische Kraft hat, geben fich gern und viel mit problematischen Werten ab. Es ist das dieselbe Erscheinung, die es jahrzehntelang verhindert hat, daß Wolfsche Gesänge, oder Brucknersche Sinfonien Allgemeingut wurden. Es ist schon in der Vorarbeit bequemer, vor allem aber erfolgversprechender, die 9. Sinfonie von Beethoven, als eine noch ungeborene 10. Sinfonie von Mahler aufs Programm zu feßen. Unsere Prominenten haben es nicht nötig, durch Attraktionen im Programm Publikum heranzuziehen; sie sind ja selbst schon Attraktionen. Aber dem Dirigenten geht es wie dem Mimen: die Nachwelt vergißt sie, wenn mit ihrem Namen nicht der eines außer * ördentlichen Schöpfers fest verfittet ist. So werden Hans von Bülow für Brahms, Ritisch und Loewe für Bruckner als Apostel in der Geschichte fortleben. Für Mahler jegen sich jetzt schon zu viele ein, als daß mit ihm Ewigkeitsruhm für den Dirigenten zu erwerben wäre. Aber Walter war einer der ersten und führenden unter diesen Dirigenten, und Kleiber wird sich in seinen Konzerten allmählich auch für eix. Brogramm entscheiden müssen. Die neuen, die von Tinte noch feuchten Werte bringen uns aus wärtige Dirigenten. Franz on Soeßlin ließ durch Alma Moodie das Violinkonzert von Krenef zur Uraufführung brin gen. Es ist bisher das reiffte, reinfte, sowohl nach der Form wie nach dem Inhalt hin natürlichst gewachsene Wert des jungen Kom ponisten. Ein virtuoses Stud, scheinbar ganz frei improvisiert, dennoch deutlich in Allegro, Adagio und Scherzo gespalten. Fast sieht es aus, als wollte Krenet zeigen, daß er auch ungefährlich sein tann. Die trampjigsten und traffesten Methoden der Mißtlangserzeugung find vermieden, es schillert zuweilen die alte Tonalität wieder durch. Banz abgeschlossen ist diese Rückkehr zu antiken Vorbildern, die wir auch jüngst bei Strawinftis Klavierkonzert entdeckten, noch nicht. Das ist's wohl, was dem Wert Kreneks noch etwas Künstliches, Un organisches verleiht. Sein Klangfinn steigert sich immer mehr und get farbige Seitenwege; das Soloinstrument ist mit bravouröfer Frische, auch mit Recheit bedacht. Am wenigsten kann der Mittelteil nefallen Gefühl ist nicht das stärkste Attribut des Krenekschen Wesens. Dag zu Ende des Werkes statt eines fadenzierenden Schluffes eine Bublifumsfroggelet gewählt wird, ist nicht mehr originell genug, un über die mangelhafte Logif hinwegzubringen. Unser Ohr verlangt, daß wir auf einen Abschluß vorbereitet werden und daß dieser Ab. Ichluß auch wirklich von Soloinstrument und Orchester besiegelt wird. Alma Moodie spielte das Werk so herb, so leidenschaftlich, wie Schafft Klarheit! Wenn die Parteien fest blieben! Aber die Leute, die im Reiche das Zentrum zum Umfall auf die Bürgerblockseite glauben gewonnen zu haben, rechnen augenscheinlich damit, daß nach Abschluß der Verhandlungen im Reich auch das Die Kreditschiebungen der Wohnftättengesellschaft GmbH. WTB. verbreitet über die sagungswidrigen Kreditverpreußische Zentrum ihren Lockungen Folge leisten würde. Eine Korrespondenz weiß zwar zu berichten, daß der Deutsch gebungen der Wohnstättengesellschaft G. m. b. H. nationale v. Kries mit dem Zentrumsminister Hirtfiefer eine eine Mitteilung, nach der die amtliche Nachprüfung sich beRücksprache über die Möglichkeit einer Rechtsregierung gehabt sonders auf die Frage der hypothetarischen Gider. und daß Hirtsiefer dabei erklärt habe, er tönne eine solche Entstellung der öffentlichen Mittel erstreckt. Diese Nach widlung nicht mitmachen. Aber eine spätere Meldung, die prüfung ist eigentlich selbstverständlich. Weshalb sie beson das Nachrichtenbureau verbreitet, will wissen, daß Hirtsiefer ders unterstrichen wird, ist nicht recht ersichtlich. Die Wohnnur für seine Person gesprochen und feinen Auftrag von der stättengesellschaft, gegebenenfalls ihre leitenden Bersönlichkeiten müssen natürlich im vollen Umfange für die aus Frattion feiner Partei gehabt habe. öffentlichen Mitteln gegebenen Gelder haften. Hirtfiefer ist aus der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen. Er hat gegen den Klaffenegoismus der Be fizenden mehr als einmal fräftige Worte gefunden. Kein ist wie die Sozialdemokraten. Brachte doch eine Wahlflug Wunder, daß er bei den Deutschnationalen fast ebenso beliebt schrift der Deutschnationalen( Nr. 191) unter dem Rubrum ugnießer der Futtertrippe" auch diesen Sted brief:" irtsiefer, Schlosser, Preußischer Wohlfahrts minister". " g Daß Herr Hirtsiefer gegen Freundschaftsbeweise von den Deutschnationalen, die ihn persönlich als ugnießer der Futtertrippe" beschimpften, ein mehr als gelindes Grauen empfindet, ist begreiflich. Aber ist nicht dieselbe Beschimpfung im Reich gegen eine ganze Anzahl von Bentrumspolitikern erhoben? Und hat sich das Zentrum nicht doch schließlich dem Befitbürgerblod unter Luthers Führung zur Berfügung gestellt? Zentrum. Wenn es will, wie bisher, ist der Sturm gegen die In Preußen wie im Reich hängt die Entscheidung beim Regierung Braun- Hirtfiefer- Severing- Wendorff bald verpufft. Schwenkt es aber auch in Preußen ein in die Linie des Bürgerblocks, dann wird das Ministerium Braun- SeveringWendorff wahrscheinlich durch ein solches von Winckler- BoelißHerold abgelöst werden. Und die Sozialdemokratie, auch in Breußen die stärkste Fraktion, würde zu ihm in schärffter Opposition stehen. Die Dinge reifen auch in Preußen der Entscheidung entgegen! Ein Rechtsgutachten zur Preußenfrage. Ministerpräsident Braun im Recht. Das preußische Justizministerium hat auf die von der Deutschen Volkspartei aufgeworfene Frage, ob auf Grund des Artikels 45 der preußischen Verfassung der Ministerpräsident nach einer Wahl zurückzutreten und jeder neue Landtag den Minister. präsidenten auch neu zu wählen habe, ein Rechtsgutachten erstattet. Dieses Gutachten erklärt, daß der Wortlaut des Artikels 45 weit mehr für die Berneinung als für die Bejahung dieser Siage spreche. Die Richtigkeit dieser Auffassung werde auch durch die Entstehungsgeschichte der Verfassung bestätigt. Auch sonst fénne Die Verfassung teine Bestimmung dieser Art. Das Gutachten betrachtet außerdem die Auffassung für verfehlt, als ob das Staats ministerium nur ein Ausschuß des Landtages oder seiner Mehrheit sei. Die Abhängigkeit der Regierung vom Landtage bestehe darin, daß sie des Vertrauens der Boltsvertretung bedürfe. Artikel 57 der preußischen Verfassung schreibe nur vor, daß der Ministerpräsident und andere Staatsminister dann zurüd treten müßten, wenn ihnen der Landtag fein Bertrauen entzogen hat. Ein neuer Landtag habe es lediglich in der Hand, dem Staatsministerium fein Mißtrauen zu befunden. Dadurch werde den Erfordernissen des parlamentarischen Systems vollständig genügt. Das Gutachten verneint ferner auch die Frage, ob das Staatses gedacht, so minutiös fauber, wie es nur gewünscht sein fonnte. Shre ganz große Kraft in Ausdruck und Technik bewies fie in der gleichen Weise bei Biottis A Moll- Konzert. des Soll durch die MTB.- Meldung die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit von der Angelegenheit abgelenkt werden, in die wie wir bereits mitteilten, Regierungsrat Dr. Wenzel, der drei höhere Beamte verwickelt find, unter anderem, deutsch nationalen Schwiegersohn Reichstagsabgeordneten Dr. Schiele? Neben der vom Rechnungshof des Deutschen Reiches angestellten Nachprüfung erscheint es erforderlich, die. Nachprüfung auch darauf zu erstrecken, ob Mitglieder des Aufsichtsrats der Wohnstättengesellschaft in ihrer Eigenschaft als Beamte die Gewährung weiterer Mittel an die Gesellschaft befürwortet haben, obgleich fie davon Kenntnis hatten, daß Gelder in erheblichem Umfange an die Trianon- Filmgesellschaft weiter verliehen worden waren. Die von der deutschnationalen raftion im Reichstag eingebrachte Anfrage über die Kreditskandale wird mit ausgedehnt werden müffen. zweckmäßigerweise auch auf diese Angelegenheit Rechtsschieber am Werke." Ein Dementi der Müller. Der Berein Deutscher Handelsmüller, ber fich, wie wir mitteilten, für die Einführung von Mehlzöllen hinter dem Rüden des Parlamentes eingefeht hat, sendet uns eine Zuschrift, die unsere Mitteilungen richtig stellen soll. Das geschieht jedoch nicht. Wenn behauptet wird, daß das Rundschreiben weder an Abgeordnete der rechtsgerichteten Parteien, noch über. haupt an Abgeordnete gerichtet sei, fo ftellen wir demgegenüber feft, daß diese Behauptung des Müllerverbandes unwahr ist. Das Rundschreiben befindet sich in unseren Händen und ist, wie ja auch sein Inhalt besagt, an Abgeordnete gerichtet. Im übrigen wird die Tatsache, daß das Schreiben versandt worden ist, nicht beftritten. Dann aber heißt es in der Zuschrift: „ Soll durch dieses Rundschreiben der Reichsernährungsminister teineswegs zu einer gesek widrigen Handlungsweise veranlaßt werden. Die Einführung von Meblzöllen ist anders mie die von Getreidezöllen auf Grund des Gesetzes betr. Aufhebung vorübergehender Bollerleichterungen vom 5. April 1922, auf dem Berordnungswege, d. b. also durch Verordnung ber Reidsregierung mit 3uftimmung des Reichs. rates möglich. Lediglich hierauf ziel unser Rundschreiben ab, und es tann nicht davon die Rede sein, daß der Reichsernährunas. minister unter Ausschaltung des Parlamentes au einer gefes widrigen Handlungsweise veranlaßt werden foll." Auch diese Auffassung ist von Grund aus falfch. Die Reichs. regierung hat in ihrer Vorlage vom 22. Auguft 1924, dem be tannten Gefebentwurf über Bölle und Umfagsteuer, selbst aner. tannt, daß die Lebensmittelzölle nur durch Gefeß, nicht durch Berordnung wieder eingeführt werden fönnten. Das wird auch aus drücklich in der Begründung der Borlage bestätigt. Aber selbst wenn man, wie es der Berein Deutscher Handelsmüller tut, ein derartiges Borgehen nicht als gefegwidrige Handworm wird. Im ganzen dürfte bei diefer herrlichen Musit, die in so langen melodischen Bogen ausschwingt, ein wenig mehr auf Phrasierungsnüancen, Einschnitte, hauchartige Pausen geachtet werden. Bitn Günther versuchte für moderne österreichische Liebkomponisten einzutreten. Ihr Wille sei gelobt. Die Ausbildung der an sich schon fleinen Stimme ist noch nicht so weit gediehen, daß wirkliche fünstlerische Eindrüde erzielt, musikalische Empfin Ist hier, bei Alma Moodie, ein Aufstieg innerhalb dreier Jahre vom begabten Anfang bis zur reifften aller Geigerinnen, zu verzeichnen, so bei 3an Rubelit ein Abstieg, der faum mehr tiefer führen tann. Vor 20 und 15 Jahren entzückte das Spiel diefes Geigers wenigstens die Hörer, die einen glatten und glänzenden Virdungen übermittelt werden konnten. tuofen als ein Geschent des Himmels ansahen. Heute ist dieser technische Glanz von dem alternden Kubelit gewichen. Die Gesangszene von Spohr hört man felten öffentlich so ungefanglich, fo flach, lo leblos spielen. Der Ton ist müde, ist heiser und gebrochen geworden, auch das Handgelenk zeigt nicht mehr die alte Elastizität und Geauch das Handgelent zeigt nicht mehr die alte Elastizität und Ge fdmeidigkeit. Vielleicht war er indisponiert, vielleicht haben heiße Hände den an und für sich edlen Ton eines schönen Instruments fo verschleiert. Sein eigenes Violinkonzert Nr. 6 tam unter folchem Spiel außerordentlich schlecht fort. So schlecht, wie die von einem Bfufcher im Brogrammbuch geschriebene Hymne auf das Werk ist es sicher nicht, und eine solche qualvolle Analyse eines sprach ungewandten Anonymus hat das Wert nicht verdient. Dies in das Stammbuch der Konzertdirektion Robert Sachs. Vorwiegend auf Virtuosität geſtellt, im ganzen zu breit und zu wenig tief geraten önnte eine Wiederbegegnung mit dem Werk unter besseren Auspicien den Eindrud nur virtuoser Arbeit revidieren. Die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Das preußische Stcatsministerium hat dem Staatsrat einen Entwurf von Ausju rungsbestimmungen zu dem Gefeh zur Abänderung des Gesetzes voi 28. Auguft 1905 betreffend die Betämpfung übertragbarer Krant heften vom 23. Juri 1924 zur gutachtlichen Aeußerung überjandt. Aus dem umfangreichen Entwurf teilt der Amtliche Breußische Preisedienst folgendes mit: Ignaz Friedmann, dem immer der Ruf eines glänzen den Chopin- Spielers anhaftete, hat in vielen Jahren dies Renommé zu halten gewußt. Auch diesmal wirkte feine delikate, dwung belle, nach der Seite des Weichen wie des Kraftvollen gleich gut balanzierte Art des Anschlags, sowie feine innere Beteiligung bei der Darstellung von. Nocturnes, Etüden und etwa der F- Moll Phantasie, beglückend. Im Dresdener Streichquartett fieht man jetzt andere Köpfe, doch ist der Geift des Zusammenspiels der gleiche geblieben. Der Primgeiger vibriert von Temperament, er führt opus 95 von Beethoven fast zu wild und stürmisch. Die Instrumente aus der Werkstatt von Profeffor Roch flangen bis auf das schnarrende und gedämpfte Cello fehr echt und gut. Die Kon zerte dieser Quartettvereinigung verdienen regiten Zuspruch. Ein ncues Londoner Quartett, nach dessen Primgeiger Cot. terall benamit, brachte als Erftaufführung ein E.Moll- Quartett von Elgar. Diefer fruchtbare Komponist gilt in England als der Führer und bedeutendste Mann der nachromantischen Mufit. Das Quartett hat feine eigene Farbe, fein eigenes Gesicht. Brahms ist der Urvater feines Allegro und Finale, und ein Empfinden für den langsamen Sag will fich gar nicht einstellen, da hier ein ganz winziges Motiv bis zur Grenze der Langenweile ausgedroschen wird. Im übrigen angenehme, wohlflingende, taum überraschende Mufit, die von der Kammermufitvereinigung würdig und gut erefüttert wurde. Ein wenig unter folchem Eindruck blieb die AufFührung des B- Dur- Trios von Schubert durch Charlotte Bei. land, Alfred Krips und Ernst Silberstein. Die Geige, mit schönem Ton behaftet, drängt solistisch noch vor, während die mufitantische Führung bei der zart abtönenden Bianistin liegt und der Cellist erst bei den wirklichen Herzenstönen seines Instruments Jim Falle übertragbarer Genidstarre haben sich die Ermittlungen des beamteten Arztes außer auf den Kranten auch auf folche Berfonen in defien Umgebung zu erftreden, die an Katarrhen der oberen Luftwege erkrankt sind. Alle diese Personen sind verdächtig. Erreger der Genickstarre zu beherbergen und zu ihrer Vers breitung beizutragen. Alle anderen Personen in der näheren U gebung des Kranten mülien als ansteckungsverdächtig gelten. Stranie, frankheits- und ansteckungsverdächtige Personen fönnen einer Beob adtung oder, someit sie obdad los oder ohne festen Wohnsip find over beiufs cder gewohnheitsmäßig umherziehen, einer verfchärften Beobachtung unterworfen werden. Krante Personen folien fofert abgesondert, und die Absonderung soll erst nach Bornahme be ftimmter batteriologischer Untersuchungen aufgehoben werden. Für das berufsmäßige Pflegepersonal tönnen Bertebre. befdräntungen angeordnet werden. Jugendliche Personen aus Häusern, in denen eine Ertrantung an ubertragbarer Gentditarre vorliegt, haben bei einer Gefahr der weiteren Verbreitung der Krantheit durch sie dem Schulbesuch fernzubleiben. Des weiteren werden m dem Entwurf die Desinfektionsvorschriften im einzelnen geregelt. In ähnlicher Weise sind in dem Entwurf Maßnahmen zur Be fämpfung der epidemischen Kinderlähmung getroffen. Die Ueberführung von Kindern in ein Krankenhaus oder in einen cideren geeigneten Unterkunftsraum darf gegen den Widersprud amteten oder behandelnden Arztes eine ausreichende Absonderung der Eltern nicht angeordnet werden, wenn nach der Ansicht des be in der Wohnung sichergestellt ist. NOVO Eine neue literarische Vereinigung ist unter dem Titel einrich Mann Bund für zeitgenössische Dichtung ins Leben gerufen worden deren gwed Vermittlung und Vertiefung der Kenntnis. neuer Runit lein seplant find regelmäßige Autorenabende und TheatersonderverRobert Müller und Joachim Singelnayan, ftellungen. Dem Borstand der Berein gung gehören u. a. Diekenschmidt foll. Bildnis des Genera voltmeisters Etepban follen, wie wir erfahren, der UnBerühmte Deutsche auf Briefmarien. Die befannten Marfen mit dem fang zu einer deutschen Porträts- Ausgabe sein, die die Bildnisse berühmter deutscher Männer bringen wird. Das wird die erste Ausgabe dieser Art in Deutschland sein. lung anſehen wollte, ſo genügt uns das Eingeständnis, daß man den Verordnungsweg gesucht hat, der ausdrücklich deswegen beschritten werden sollte, weil die Mehlzölle sonst in der Deffent. lichkeit und im Parlament auf widerstand gestoßen wären. Das von uns zitierte Rundschreiben enthält an mehreren Stellen den Hinweis darauf, daß eine öffentliche Beratung der Mehlzölle den Müllern unerwünscht ist. Das Bolk sollte eben hinters Licht geführt werden, um plöglich und ohne sein Zubun im Intereffe einzelner Gruppen das Mehl verteuert zu erhalten. Man begreift daher, warum das Rundschreiben an rechtsgerichtete Abgeordnete gesandt worden ist. Denn nur von ihnen fonnte man eine Unterstützung dieser Forderung erDas Ganze ist ein schöner Beitrag zu dem Kapitel: Politit und Geschäft. warten. Der Angegriffene wehrt sich. Erklärung der Verteidiger Barmats. Die Berteidigung der Brüder Barmat teilt durch eine Gerichtsforrespondenz folgendes mit: In der Bresse werden fortwährend heftige und unberechtigte Angriffe, sowie direkte unrichtige Tatsachen veröffentlicht, denen ganz entschieden entgegengetreten werden muß. 1. Es ist die Behauptung aufgestellt worden, daß Julius Barmat in seinem Bureau zu Amsterdam ein Bild des Reichspräsidenten Ebert aufgehängt habe, unter das er selbst geschrieben hätte:„ Mein Freund Friz Ebert." Die Wahrheit ist: Julius Barmat hat niemals ein Bild des Reichspräsidenten in seinem Amsterdamer Bureau aufgehängt. Es ist ein Bild des Reichspräsidenten vor. handen, es liegt in einem Schrante des Privatbureaus, und zwar verfchloffen. Dieses Bild ist eine Ansichtskarte und stellt tatsächlich den Reichspräsidenten Ebert dar. Julius Barmat hat dieses Bild von dem Reichspräsidenten persönlich erhalten, und zwar hat Herr Ebert eigenhändig darunter geschrieben: Friß Ebert." Es steht aber nicht darunter das Wort Freund" oder das Wort„ Barmat". Julius Barmat ist in den Besiz des Bildes bei einer Abendgesellschaft im Jahre 1919 gelangt. Er war bei dem Herrn Reichspräsidenten eingeladen, nachdem er die deutschen Delegierten der internationalen Ronferenz in Amsterdam im April 1919 bei sich empfangen und mit den fran zösischen, belgischen und englischen Vertretern zu. fammengebracht hatte. Ueber Geschäfte ist mit Herrn Ebert nicht gesprochen worden, da damals noch feine Geschäfte mit den Reichsstellen gemacht worden sind. ber 2. Die russische Sowjetvertretung hat in einer Bei tung erflärt, fie hätte sich nie dazu entschließen tönnen, mit ben Barmats Geschäfte zu machen, da sie den Konzern Barmat niemals für seriös genug dazu erachtet hätte. Dazu ist folgendes festzustellen: Die utrainische Sowjetvertretung hat mit Amerima" einen größeren Bertrag über Lieferungen abgeschlossen. Nachdem die" Amerima" ihren vertraglichen Berpflichtungen nachgefommen war, hat die ukrainische Sowjetvertretung dolose Einwendungen erhoben, die den Zwed hatten, von dem Vertrage loszutommen. Es fand ein Schiedsgericht unter Borfitz des Profeffors Sinzheimer in Frankfurt statt. Dieses Schieds. gericht gab der Amerima" recht und bezeichnete die Einwendungen der ukrainischen Sowjetvertretung als nitchtig und grundlos und verurteilte fie zur Leiftung eines Schadenersages, der auch gezahlt worden ist. Nichtsdestoweniger hat die Sowjetvertretung nach diesem Urteil noch versucht, wieder mit der Amerima" in Verbindung zu treten. 3. Die kommunistische Preffe hat Julius Barmat in der heftigsten Beife angegriffen. Auch in den Parlamenten find die heftigsten Angriffe gegen ihn von fommunistischen Abgeordneten erhoben wor den. Es ist demgegenüber festzustellen, daß der Borf hende der Communiffifchen Fraktion, der Abgeordnete Roenen, im Jahre 1920 als Mitglied der deutschen Delenation während des holländif hen Transportarbeiterftreits in Amsterdam bei Julius Barmat vorgefprochen und ihn um Ausnuhung feiner Beziehungen zum Trans port von Lebensmitteln nach Deutschland gebeten hat. Bei dieser Gelegenheit hat er ein persönliches Darlehen von Julius Barmat erhalten. Bon diesem Darlehen ist erst die Hälfte zurüdgezahlt worden: Frau Koenen hat Herrn Barmat wiederholt und dringend gebeten, über diefe Angelegenheit Schweigen zu bewahren, da ihr Mann die größten Unannehmlichtelten davon haben fönne. Julius Barmat hat bis heute über diese Dinge geSchwiegen, angesichts der ungeheuerlichen Angriffe auf ihn muß er aber jekt aus seiner Reserve heraustreten. Ebenso ist bei der Stabilisierung der Währung eine Ab renung Frankreich und die Kölnbesetzung. ges der Staatsbant erfolgt. Bum 1. März 1924 hatte die Staats. ban! 1½ Millionen gefündigt. Diefe Summe ist schon vor dem Berfalltage gezahlt worden. 7. Gegenüber den Behauptungen, daß Julius Barmat unlautere Lebensmittelgeschäfte in Deutschland betrieben hätte, ist folgendes festzustellen: Barmat hatte etwa im Jahre 1920 an den Freistaat Sachfen für 211 Millionen Mart Lebensmittel liefert und diesen Betrag gestundet. Die Bezahlung ist nachher mit entwertetem Gelbe erfolgt, so daß er sehr erhebliche Berluste erlitten hat. Die Lebensmittellieferungen von Julius Barmat waren auch Gegenstand einer Beleidigungsflage gegen die„ Berliner Boltszeitung und die Deutsche Zeitung". In dem Verfahren mußten die Beklagten an Barmat Ehrenerttä rungen abgeben. 8. Bei dem Transportarbeiterstreit in Amsterdam 8. Bei dem Transportarbeiterftreit in Amsterdam im Jahre 1920 erreichte es Julius Barmat durch seine Beziehungen, baß die Arbeiter die für Deutschland und Defterreich in Amsterdam lagernden und bezahlten Lebens mittel, die sonst verfault wären, abtransporttesten. 9. Die Behauptung, daß die Barmats Mittel an das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" gegeben und von den Erträgniffen ihrer Lebensmittelgeschäfte Quoten an die sozialdemokratische Parteitaffe abgeführt hätten, und daß dies die Bedingungen für die Gewährung der Lieferungen gewesen seien, ist unrichtig." Was ist Landesverrat? Ein sozialdemokratischer Antrag. Die Sozialdemokratife 3rattion hat im Reichstage folgenden Antrag eingebracht: § 92 des Strafgelekbuches erhält den folgenden driften Abfog: Candesverrot im Sinne des Absatz Nr. 1 begeht nicht, wer über gefegwidrige 3ustände wahrheitsgemäß mitteilung macht. Das Ende einer Verleumdung. Ein Monat Gefängnis für den Verleumder Breitscheids. Ein Monat Gefängnis für den Verleumder Breitscheide. Ceipzig, 14. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Wegen öffentlicher Beleidigung des Genoffen Breitscheid wurde der Redakteur Miller zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde dem Kläger Publikationsbefugnis auf Kosten des Angeklagten im„ Borwärts", der Kölnischen Zeitung". der Neuen Preußischen Zeitung", der Frankfurter Zeitung" und der Boffischen Zeitung" ausgesprochen. In der Urteilsbegründung wird hervorgehoben, daß in dem Artikel feln Beweis für ein ftrafrechtliches Bergehen Breiffcheids durch seinen Besuch bei Herrlof erbracht wurde. Einen Volksvertreter des Landesverrats aus eigenem Bortell zu beschuldigen, ohne den geringften Beweis zu erbringen, fel wohl das Schwerfte, was man fich denken fönne. Daher fam das Gericht zu dem Urteil, daß eine Gefängnisstrafe gerechtfertigt fel. 9 Gegen das Magdeburger Urteil. Rundgebung des Allgemeinen Dentschen Beamtenbundes. erste Bunbestongres bes Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat folgende Kundgebung an den Reichspräsidenten gerichtet: „ Die in Berlin zu ihrem ersten Bundeskongreß verfammelten Bertreter des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes entbieten Ihnen, Herr Reichepräsident, thre besten Grüße. Linkenkritik an der Nichträumung. Paris, 14. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In der franzö fischen Linten beginnt sich in wachsendem Maße die Einsicht burchzusehen, daß es ein schwerer Fehler war, statt über die durch die militärisch- technischen Notwendigkeiten bedingte Hinans. hiebung der Räumung der Kölner Zone mit Deutschland zu ver handeln, die angeblichen Berstöße Deutschlands gegen die 2btüftungsbestimmungen zum Vorwand für die Nichtinnehaltung eines feit dem Sommer eingetretene Besserung in den deutsch- französischen im Friedensvertrag festgesezten Termins zu nehmen, wodurch die Beziehungen aufs Spiel gefegt ist. Der sozialistische Abg. Uhry schreibt heute: die französische Politik würde besser daran getan baben, bie bisherigen Methoden fortzufezen, nämlich, die bemokratischen Elemente in Deutschland zu ermutigen und dem deutschen Bolt zu zeigen, daß es in der Absicht Frankreichs liege, ihm nicht nur die Wiedererlangung normaler Zustände zu ermöglichen, sondern ihm auch alle Rechte eines freien, unab hängigen Staates zu sichern. Die Art, wie man die Nichtinnehaltung des im Friedensvertrag festgesetzten Termins motiviert hobe, erinnere start an die Betten Poincarés, und diese Me thoden feien um so betrüblicher, als nod feineswegs fest. gestellt set, ob die deutsche Regierung wirklich eine Berant wortung treffe für die von der Militärfommission entdeckten geheimen Waffenlager. Man müsse sich nicht wundern, wenn der. artige Machenschaften auch in der deutschen Linten schärfsten Bioteft auslöften. Uhry läßt sodann ganz unzweideutig durch blicken, daß Frankreich in die Affäre von Köln durch die Politik der englischen Konservativen hineinmanövriert worden fei, deren Interessen vor allem dahin gingen, Deutschlands Induftrie und Handel lahmzulegen. Die Ereignisse der legten Tage hätten deutlich gezeigt, daß bas fonjervative England stets sehr geschickt verstanden habe, die französische Empfindlichkeit gegenüber den von Deutschland befürchteten Gefahren dazu auszu beuten, einen neuen Reil zwischen Deutschland und Frankreich zu treiben. Es habe damit erreicht, mas es mollte, nämlich die Erschmerung der deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen. Die auswärtige Politik Frankreichs aber, die nach dem Programm der Linten eine Politit der Aufrichtigkeit und der Berständigung sein sollte, set durch dieses Manöver bedauerlicherweise aus ihrer bisherigen Richtung gedrängt worden. Auch die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs haben die Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschland zur Vor bedingung, und deshalb müsse die Bolitik der gegenwärtigen mehr. heit erneut auf die Konsolidierung eines wirklichen deutsch- franz fifchen Friedens gerichtet sein. Deutscher Gegenvorschlag in Paris. Keine Kampfmaßnahmen. Paris, 14. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In der Bollfizung der beiden Delegationen hat die deutsche Delegation am Mittwoch ihren Gegenvoorschlag überreicht. Die französische Delegation hat hierauf erklärt, den deutschen Entwurf prüfen zu wollen, worauf die Verhandlungen auf Freitag verlagt worden sind. Die fran zöfifche Delegation hat sich vorbehalten, daß der deutsche Vorschlag bas am Montag überreichte französische Projett nicht ausschließe, b. b. daß beide Vorschläge gemeinsam als Bafts für die Fortfegung der Diskussion dienen sollen. Ueber den deutschen Gesenvorschlag erfahren wir, dak feine Tendenz vor allem dahin geht, die im Projekt vom 12. Ofteber vereinbarte und von der franzöfifchen Delegation in threm legten Brojeft verlassene Basis wiederherzustellen. Der deutsche Entwurf stellt einen Burzfristigen Handelsvertrag har, teffen Geltungsbauer auf ein Jahr gebccht ist und ber ben Bändern volle Freiheit in der fpäteren Geftaltung ihres Boll barfs läßt. Sinsichtlich der von Frontreich für Elfah Lothflag jebe Berlängerung der in Versailles diftierten Bindungen ab, erflärt sich aber bereit, den Bedürfnissen und Intereffen ber elscß- lothringischen Ausfuhr von Fall zu Fall entgegenzu tommen. Wie von franzöfifcher Seite darüber hinaus mitgeteilt wird, ist es in der heutigen kung zu einer Bereinbarung gelommen, wobei fid) beide Teile verpflichteten, verläufig pon der Anwendung irgendwelcher Kampfmaßnahmen abzusehen und alles zu vermeiden, was die Situation erschweren tönnte Wir erklären. Republik und Verfa fung mit allen Mitteln schüßen zu wollen. Wir werden alles tun, um die geringen verlangten Brinideaien lehnt auch der neue deutsche Bo iamte Beamtenfchaft mit republitantidem Geifte gu er füllen. Unser Vertrauen zu Ihnen, Herr Reichspräsident, wird auch durch die unerhörten Befchuldigungen, denen Sie in letter Zeit ausgelegt waren, nicht erfüttert. Mit breiten Schichten des deutschen Wolles begen auch wir den Wunsch, daß Sie, verehrter Herr Reidspräsident, aum Bohle ber Gesamtheit wie bisher weiter witten mögen. Mißbilligungsantrag gegen Graef. 4. Ein landwirtschaftliches Kreditinstitut, bessen Leitung in deutschnationalen und deutschvöllischen Händen ruht, hat Reichstag von der Breußischen Bentralgenoffenschaftstaffe einen Kredit von über 140 Millionen Mart zur Berwendung für die Landwirtschaftliche Genossenschaft erhalten. Die Preußische Zentralgenossenschaftsfaffe ift nur berechtigt, zu diesem Zwede Kredite zu gewähren. Dieses Kreditinstitut tst in der Bresse von Barmat und seinen Kredit. gefchäften abgeridt. Es foll zunächst nicht erörtert werden, ob das mirtlich richtig ist. Bielleicht fagt aber das Landwirtschaftliche Kreditinstitut, wohin der von der Preußischen Zentralgenossenschafts. taffe für landwirtschaftliche Swede gegebene Kredit geflossen ist und ob das Hotel Ruffischer Hof" ein landwirtschaftliches Unternehmen darstelle. Die demokratische Reichstagsfrattion hat einen Antrag eingebracht, der den Reid stag ersucht, dem deutschnationalen Bizepräsidenten Graef Thüringen die Mißbilligung des Reid, stags auszudrüden, weil er die mit jemem Amt verbundene Pflicht, dem Reichspräsidenten sich vorzustellen, nicht erfüllt hat. Krise auch in Hessen. Der Landbund regiert. Weimar, 14. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Auffassung der thüringischen Regierung über den 2bbau von nicht politischen Beamten tam in der Mittwofißung des Landtages zum Ausdruck. Eine vor neun Monaten eingebrachte sozialdemokratische Interpellation wandte sich gegen das verfassungswidrige Bor gehen der Regierung bei der Bersesung einer weiblichen Referentin im Bolfsbildungsministerium in den arte. stand, die nach politischen und nicht nach fachlichen Gesichts. punkten erfolgte. Die Regierung versuchte sich herauszureden und brachte zum Ausdruck, daß die Auffassung der fraglichen Referentin in Berufsschulfragen grundsätzlich von der des Boltsbildungsministeriums abweiche. Aus diesem Grunde sei die Berlegung in den Bartestand erfolgt. Es handelt sich zweifellos um eine politische Zentrum endgültig gegen fleine Koalition. Darmstadt, 14. Januar.( Tul.) Die alte Roalition zwi schen Zentrum, Demofraten und Sozialdemokraten in Heffen ist nunmehr endgültig zerschlagen. Das 3entrum hat vor. gestern zu der durch das Scheitern der Berhandlungen am vergangenen Freitag geschaffenen Lage Stellung genommen und befchloffen, sich unter teinen Umstänben mehr an der früheren Maßregelung, bie, wie aus der Berhandlung hervorging, vom unterteinen 2andbund gefordert worden war. Soalition zu beteiligen. Ferner beschloß das Sentrum, die große Roalition in Hessen anzustreben. Bei der Besprechung einer Interpellation der Rommunisten über polizeiliche Maßnahmen der Regierung bei einem Begräbnis in Gotha tam es zu scharfen Auseinandersetzungen. Der Streit zwischen einem Kommunisten und einem Deutsch. nationalen artete schließlich in eine Schlägerei aus. Die Abgeordneten stürzten nach dem Borraum, wo die beiden Ab. geordneten mit Fäusten aufeinander losschlugen. Nach längeren Auseinandersetzungen war der Streit geschfichtet. Wegen dieses Bor. Landtag setzt seine Berhandlungen am Donnerstag fort. falls sah sich der Präsident veranlaßt, die Sigung zu schließen. Der 5. Die Staatsban!( Breußische Geehandlung) hat sich gegen über der Amerima G. m. b. 5.", die ihre Kreditnehmerin ist, nicht die Barmats persönlich, auf den Standpunkt gestellt, daß ihre Forderung bereits fällig geworden ist. Dieser Stand punit wird mit Entschiedenheit be stritten. In Rücksicht auf den Berfalltag, vom 15. September 1924 schrieb die Staatsbant, daß der Kredit bis zum 15. September 1924 und dann weiter jeweilig laufend immer auf drei Monate prolongiert würde, wenn ihr Geldgeber, nämlich der Polifistus, feinerseits den Kredit an die Staatsbant pro. Die Konkordatsdebatte. longierte. Diese Prolongation erfolgte. Darauf bestätigte die Amerima" im Oftober 1924 in Bezug auf dieses Schreiben der Billigungsantrag der Koalitionsparteien. Staatsbank, daß die Kredite in der angegebenen Weise prolongiert München, 14 Januar.( Eigerer Drahtberid, t.) Die Beratungen wären, da der Toftfistus seinerfeits die entsprechende Brolongation über das Kontordat und die beiden Proteftantenverträge im gewährt habe. Damit war der Kredit bis zum 15. März 1925 ver. längert. Es haben aber bereits Berhandlungen zwischen Minifterial Nachtem Redner aller Parteien zu Worte gekommen waren, fuchte Ministerial.bayerischen Landtag zogen sich am Mittwoch den ganzen Tag hin direktor Kaug und der Staatsbant über weitere Berlängerungen ftattgefunden. Darüber besteht ein Briefwechsel, nach welchem die der Ministerpräsident Dr. Held noch einmal die von der Opposition Staatsbant nicht die geringsten Bedenten trug, den Kredit auch vorgebrachten grundsäglichen Einwendungen zu widerlegen und ver Der Danziner Brieffaftenstreit. über den 15. März 1925 zu verlängern, wenn eine verstärkte Sicherwendete dazu dieselben Argumente, die er bereits zu wiederholten heit gegeben würde, deren Einzelheiten bereits besprochen waren, Malen bei den Vorberatungen im Beifaffungsausschuß vorgebracht Der Bölferbundfommiffar für Danzig, Mac Donell, hat dem es follten nämlich für zwei Millionen zweiftellige hatte. Echlieblich verlas er den Wortlaut der bekannten authen polnischen Generalfommissar Straßburger bringend empfehlen, Hypotheten beigebracht und ein Attienpatet der Afton- Werte tischer Interpretation der Regierung zu den drei Kitchen- die unrechtmäßig im Danziger Stadtgebiet angebrachten polni. verpfändet werben. Das Afton Patet war bereits vor der Bernerträgen und erklärte, daß diese Interpretation nunmehr der Befchen Brieftäften fchleunigst wieder abnehmen zu haftung der Barmats der Staatsbank überliefert. Die Tage für die laffen, wibrigenfalls er bem Senat raten werde, dies selbst zu tun. Sypotheten war gegeben. Durch die Verhaftung wurden diese Transaktionen unterbrochen. Zweifellos aber wäre ber Kredit, Diese Handlung Mac Donells hat in Warschau bei den Nationalisten da alles festgelegt war, über den 15. März verlängert worden, wenn umso größeren Zorn hervorgerufen, als der polnil he Imperialismus nicht die Staatsanwaltschaft zur Festnahme der Barmats ge ja nicht zum erstenmal Großbritannien als Hindernis auf seinem schritten wäre. Weg findet. Der stellvertretende Ministerpräsident Thugutt hat gegenüber Breffevertretern die Bereitwilligkeit der polnischen Regie6. Es ist sehr merkwürdig, daß die Staatsbant plößlich auf dem Standpunkt steht, die von der Amerima" gegebenen Sicher. beiten seien schon bei der Hingabe des Krebits nicht genügend gewefen. Da der Kredit schon seit 1921 läuft, ift es nicht zu verftehen, warum von der Staatsbant nicht weitere Dedung verlangt worden ift. Die Staatsbank hat jogar im September 1924 wegen Ueberdeckung für zirka 600 000 Mart amflich nofierte Effekten zurüdgegeben. Dies ist durch die Lombardabteilung geschehen, mit der Helwig und Rühe nichts zu tun hatten. Im übrigen hatten einzelne Beamte der Staatsbant nicht das Recht, Kredite zu gewähren. Das Gesamtdirektorium der Staatsbant beriet und beschloß mit Majorität die Gewährung und Berlängerung jedes einzelnen Kredites. Der gange Kredit war bereits einmal abgebedt gewesen und im Juni 1921 hatte die Amerima" schon vor Fälligkeit zweieinhalb Millionen bar bezahlt. schlußfaung des Landtages unterftellt würde. Gäbe ihr der Land. tag feine Suftimmung, fo werde die Regierung diese Interpretation auch den anderen Kontrahenten der Bertidge, das ist die Kurie und die beiden Präsidenten der evangelischen Landeslirche, zur Notifizierung vorlegen. Nach den Darlegungen des Ministerpräsidenten brachten die Koalitionsparteien folgenden Antrag ein:„ Der Landtag billigt die Regierungserklärung und den Bollzug des entelgefeges. Die Erflärung wird dem Mantelgefeß bet gefügt und zugleich mit ihm im Gesezverordnungsblatt veröffent. l'cht." Der General fretär des Rheinischen Bauerno- zens Dr. Rarl Müller, der bei der Bildung des Kabinetts Cuno einen Tag lang Reisernährungsminister war, dann aber in folge soizaldemokratischer Enthüllungen über feine separatistischen Bestrebungen im Rheinland innerhalb 24 Stunden zum Rüd tritt gezwungen war, ist wegen Betrügereien aus feinem Amt als Generalsekretär des Rheinischen Bauernvereins entlaffen worden. rung ausgesprochen, diese Streitfrage vom Bölterbund entscheiden zu laffen. man scheint aber feineswegs geneigt zu sein, der bringenden Empfehlung" Mac Donells zu folgen und droht mit Gewalt, wenn gegen polnisches Eigentum in Danzig. eben die paar Brieftästen Gewalt angewendet würde. Die Rechtslage ist nach unferem eigenen Drahtbericht aus Danzig folgende: Bolen hat das Recht einer eigenen Postniederlasfung im Hafen von Danzig. Es maßt sich daraufhin ohne weiteres das Recht an, im ganzen Stadtgebiet von Danzig polnische Brief, tästen aufzuhängen. Diese Briefkästen find schon in der ersten Nacht bemoliert worden. Bolen richtete eine fcharfe und drohende Broteftnote an den Danziger Senat. In diesen Streit hat nun der Obertommiffar eingegriffen. Gewerkschaftsbewegung Die Arbeitszeitstatistik des ADG6. nehmern außerordentliche Chancen bot. Die Arbeiterschaft, durch die Inflationszeit zermürbt, die Gewerkschaften durch die gleiche Urfache vorübergehend ihrer Stoßfraft beraubt und obendrein an ihrer vollen Auswirkung durch fommunistische Quertreibereien und Spaltungsbemühungen gehindert. Trotz alledem haben die Gewerkschaften nicht nur den Ansturm zum Stehen gebracht, fondern sie haben auch einen großen Teil des Terrains Kraft der deutschen Gewerkschaften, so bietet sie die Arbeitszeitftatiftit des ADGB. ,, Revolutionäre." Der ADGB. fonnte Anfang Dezember die Hauptzahlen einer im November 1924 durch seine Ortsausschüsse durchgeführten Er hebung über die Dauer der Arbeitszeit veröffentlichen. Die Gewerkschaftszeitung des ADGB." brachte nunmehr in ihrer 3urüderobert Bedürfte es eines Beweises der unverfiegbaren Sonntag, den 5. Januar, hielten unsere„ raditaler Stater im Ber Nr. 1( 1925) das überaus interessante Gesamtergebnis diefer statisti. fchen Feststellungen, an denen 419 Ortsausschüsse mit arbeiteten. Die besondere Bedeutung der vorliegenden Statistik beruht darin, daß sie auf der gleichen Grundlage wie eine im Mai 1924 durchgeführte Erhebung aufgebaut ist und dadurch wertvolle Aufschlüsse über die Arbeitszeitentwidlung im zweiten Halbjahr 1924 gibt, alfo gerade der Zeitspanne, die sich durch die wütendsten direkten und indirekten Angriffe der Unternehmer gegen den Achtstundentag auszeichnet. Unser Raum gestattet leider nur einen fnappen Auszug aus der veröffentlichten Statistit. Wir beschränken uns darauf, den Bom hundertfatz der Betriebe und Beschäftigten, die wöchentlich mehr als 48 Stunden arbeiten, wiederzugeben, und zwar gesondert nach Landesteilen und den in Frage kommenden Berufen. Bon je 100 der durch die Statistik erfaßten 51 166 Betriebe mit 2362 820 Beschäftigten arbeiten mehr als 48 Stunden wöchentlich: davon arbeiten mehr als 54.Etd. Betriebe Arbeiter 1,5 In den Candesteilen Baden, Württemberg, Bfala. Bayern. mehr als 48 Gtb. Betriebe Arbeiter 23,4 89,1 0,5 25,6 45,8 5,2 8,0 Rheinland- Westfalen 36 2 70,8 15,4 40,7 Heffen, Hessen- Nassau 19,0 44,7 3,9 2,5 Thüringen, Reg. Bez. Erfurt. . 49,8 42,1 1,6 7,9 Provinz Sachsen, Anhalt 27,7 51,0 2,6 11,5 Freistaat Sachsen 33,2 50,9 1,3 Brandenburg mit Berlin 18,2 26,7 1,0 Schlefien 33,1 42,1 0,8 4,4 0,5 8,6 Hannover, Braunfawg.. Dlbenbg. 17,5. 40,2 1,5 Samburg, Schlesw. Holst., Medib. 6,1 45,4 0,5 4,3 2,0 Bommern 8,5 25,3 0,6 0,6 Ditpreußen 29,8. 83,7 24,0 23,4 Saargebiet 0,6 0,3 Insgesamt 24,3 45,4 4,5 10,7 In den Berufs- bzw. Industriegruppen: Baugewerbe 6,8 10,5 1,4 Buchdruckgewerbe 19,6 26,5 0,5 Chemische Industrie 38,7 38,8 10,2 3,4 0,3 5,9 Holzgewerbe. 8,7 15,6 0,9 Metallindustrie 39,0 53,1 5,9 65,1 8,1 66,0 Schuhinduftrie Textilindustrie Internationale fozialpolitische Konferenz. In Frankfurt a. M. wurde am 12. Januar die erste Internationale sozialpolitische Konferenz auf deutschem Boden seit dem Kriege abgehalten. Zwed der Tagung war, die Fusion der brei internationalen Bereinigungen für Arjenigen Stater zu entlassen, die nicht Mitglied beitslosigkeit und für Arbeiterbersicherung vor aubereiten. Bertreten waren folgende Länder: Deutschland, Desterreich, Frankreich, England, Italien, Belgien, Echweig, Holland, Finnland und die Tschechoslowakei. Deutschland war vertreten durch den Vorfizenden der Gesellschaft für Soziale Reformen, Exzellenz. v. No stig, den Vorsitzenden der Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Geheimrat Dr. Richard Freund und den Generalsekretär Prof. Dr. Heyde. Die Berhandlungen unter franzöfifchen Vorsiz verliefen in bolster Harmonie Die ton und führten zur Annahme der Statuten. ftituierende Bersammlung soll Ende September in Bern stattfinden. Wöchentliche oder monatliche Indexzahl? Bekanntlich beschäftigt fich die Inderkommiffion beim Statisti. fchen Reichsamt seit längerer Zeit mit der Frage, wie der Lebenshaltungsinder zu reformieren ist, um ihn zu einem wirklich brauchbaren Maßstab der Teuerung und zu einer Grundlage für die Lohn- und Schiedssprüche zu machen. Auch im Reichstag liegen Anträge vor, die eine derartige Reform des Lebenshaltungsinder, über den die Arbeiterschaft mit Recht wiederholt Klage ge. führt hat, beschleunigt wiffen wollen. 2,0 10,8 16,6 0,5 0,2 1,5 3,3 24,3 45,4 4,5 10,7 zu beachten ist, daß die tatsächliche Arbeitszeit, also einschließ. lich etwaiger Ueberstunden, den Feststellungen zugrunde " Der Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie setzte sich liegt. Ein Bergleich mit der Erhebung vom Mai 1924 zeigt einen beachtlichen Rüdgang der Zahl der Betriebe und Be- letthin mit dem Reichswirtschaftsminister in Verbindung, um eine Einschränkung der Beröffentlichung der Lebens. schäftigten mit einer über 48 Stunden hinausgehenden Arbeits- haltungsinderziffern durch das Statistische Reichsamt herhaltungsindegziffern durch das Statistische Reichsamt herzeit. Während im Mai 33,5 Proz. aller erfaßten Betriebe, also beizuführen. Der Hansabund machte insbesondere darauf aufmert ein volles Drittel, mehr als 48 Stunden arbeiteten, sind es sam, daß der Zeitpunkt, zu welchem der Uebergang von den Monats jetzt nur 24.3 Proz., also ein Biertel Die Prozentzahl der Berichtzahlen zu den Wochenstichtagsinderziffern erfolgte, schäftigten ist höher. Es zeigt sich, daß insbesondere die durch den Beginn eines besonders lebhaften und beschleunigten Großbetriebe eine längere Arbeitszeit, durchzusehen suchten. Währungsverfalles gefennzeichnet war. Noch gegenwärtig wird für Aber auch diese Zahl zeigt eine wesentliche Berbesserung Im Mai jebe Woche bie Lebenshaltungsinderziffer vom Statistischen Reichsamt befanntgegeben. Der Hansabund erachtet, wie er dem Reichs. arbeiteten 54,7 Broz. der erfaßten Beschäftigten mehr als wirtschaftsminister gegenüber zum Ausdrud gebracht hat, diefes 48 Stunden, jetzt sind es 45,4 Broz, also fast 10 Broz weniger. Berfahren im Interesse einer geordneten Wirtschaftsführung für die Festgestellt ist auch, wieviel Betriebe und Beschäftigte über Folgezeit nicht für gerechtfertigt. Ronjuntturschwankungen 54 Stunden wöchentlich arbeiten. Auch hier zeigt sich, daß die und mancherlei andere äußere Umstände laffen ein gelegentliches Auf Gewerkschaften den Kampf gegen die Berlängerung der Arbeitszeit und Ab der Inlandspreise nicht vermeiden. Diese im allgemeinen nicht vergeblich führten. Während im Mai 13 Broz. der Begeringfügigen Schwanfungen werden von der Deffentlichkeit taum fhäftigten über 54 Stunden arbeiteten, sind es jetzt nur noch wahrgenommen.(?) Die breiten Maffen der Bevölkerung erfahren hierüber Näheres im allgemeinen erst durch die Veröffentlichungen 10,7 Pro 3. Die Zahl diefer Betriebe ist auf 4,5 Proz. gesunken. der Reichsrichtzahlen(!) und ziehen daraus ihre für die Wirtschaft durchaus nicht immer vorteilhaften Konsequenzen. Diese Beobach hmg veranlaßte den Hansabund, den Reichswirtschaftsminister darauf aufmerksam zu machen, daß eine Fortführung der wöchentlichen Veröffentlichung der Reichsrichtzahlen meder fachlich gerechtfertigt nod; auch im Interesse der Wirtschaft zmedmäßig ift. Borbedingung für eine Ausgestaltung des Inder ift es aber, daß zunächst die Veröffentlichung der Lebenshaltungsrichtzahlen wie bisher, d. h. wöchentlich, aufrechterhalten bleibt. Man muß die Möglichkeit haben, den Inder in feiner abgeänderten Form fort gefetzt zu verfolgen und dabei festzustellen, ob er wirklich den tatfächlichen Stand der Teuerung spiegelt. Würde man jetzt aufhören, den Inder wöchentlich zu veröffentlichen, so würde eine derartige Kontrolle Monate erfordern und in der Zwischenzeit bliebe die Un sicherheit bestehen, die die bisherigen Inderveröffentlichungen in weite Rreife der Wirtschaft, und nicht zulegt der Arbeiterschaft, hineingetragen haben. Um so befremdlicher ist es, folgende Miteinschließteilung zu lesen, die der Hansabund verbreitet: Die Berbesserung erstreckt sich auf alle fieben Berufe, für die die Zählung durchgeführt wurde, mern auch nicht für alle im gleichen Maße. Besonders start verbesserte sich die Arbeitszeit im Buchdrudgewerbe. Burden im Mai noch 49,4 Proz. Be. schäftigte mit mehr als 48 Stunden Arbeitszeit gezählt, so jetzt nur noch 26,5 Proz. Am ungünstigsten steht die Tertil. industrie, aber auch diese zeigt eine wesentliche Berbefferung, da die Zahl der mehr als 48 Stunden Beschäftigten von 82,4 Broz. auf 66,0 Proz. gefunten ist. Die Zahl der mehr als 54 Stunden Ar. beitenden ist auf 3,3 Broz. gesunken. In der Metallindustrie überschritten im Mai 635 Broz. der Beschäftigten die 48- Stunden moche, jetzt immer noch 53,1 Proz. Am günstigsten stehen Schuh. industrie und Baugewerbe mit 8,1 resp. 10,5 Proz. Günstig ist auch das Holzgewerbe mit 15,6 Proz. Der Reichswirtschaftsminister hat dem Hansabund ermibert, daß er auch feit längerem erwäge, die Reichsinderziffer für Lebenshaltung monatlich, statt bisher wöchentlich, zu veröffent lichen. Der Zeitpunkt des llebergangs foll bestimmt werden, wenn die Verhandlungen des Statistischen Reichsamts mit der Inder. fommission über die Ergänzung und Ausgestaltung des Inder ab. geschlossen find." Es ist durchaus denkbar, daß man vielleicht später bei einer wirklichen Stabilisierung der Wirtschaft auf die wöchentliche Beröffentlichung des Inder verzichten fann. Borläufig aber, folange die Bon den Bezirken zeigt nach wie vor Rheinland. Reformarbeiten im Gange find, solange also ein wirklich stichhaltiger Westfalen die längste Arbeitszeit. Die Schwer Inder nicht gefunden ist, hieße es, diesen wichtigen Teil der amt. industrie, von der der erste Sturm auf den Achtſtundentag aus- lichen Wirtschaftsberichterstattung geradezu zu dis. ging und die es verstand, den Arbeitern der Hüttenbetriebe treditieren und auf die Dauer von jeder Verbesserung auszu an Stelle der dreigeteilten Schicht wieder den 3 wölfftunden schließen, wenn man schon jetzt an seine Einschränkung denkt. tag aufzuzwingen, drückt diesem Bezirk den Stempel auf. Aber Wir haben es lange genug erlebt, daß die Unternehmer sich auf die auch hier zeigt sich ein Fortschritt. Im Mai arbeiteten noch 81,2 Broz. unvollkommenen Leuerungszahlen des Reiches beriefen, wenn sie der Beschäftigten mehr als 48 Stunden, davon 47,7 Broz. mehr als ihren eigenen Forderungen in den Kram paßten. Jetzt ist es an der 54 Stunden. Diese Ziffern sind jetzt gesunken auf 70,3 refp. 40,7 Broz. Beit, zunächst einmal richtige Meßzahlen der Teuerung zu schaffen Die Statistit des ADGB. tommt gerade zur rechten Zeit für die und sie der Rontrolle der breiten Deffentlichkeit in genügend kurzen parlamentarischen Debatten um das Arbeitszeitgefeß, denn Zeitabschnitten zu unterwerfen, damit rasch etwas Brauchbares fie bieben beweisträftiges Material zugunsten der Forderungen der herauskommt. Es ist ja geradezu lächerlich, wenn der Hansabund Gewerkschaften nach wiederherstellung des Achtstunden behauptet, daß die Arbeiterschaft erst am Index abiesen tage s. Die fortschreitende Entwicklung der deutschen Wirtschaft müßte, wann Lohnerhöhungen notwendig sind. Die Teuerung wird war möglich, obwohl nur ein Zehntel der Beschäftigten mehr als in den Arbeiterhaushaltungen viel früher wahrgenommen, als 54 Stunden arbeitet. Nur im vierten Teil der Betriebe wird mehr die amtlichen Erhebungen sie überhaupt feststellen können. Immer als 48 Stunden gearbeitet. Was für drei Viertel aller Betriebe aber sind es die Unternehmer, die die Notwendigkeit, die Löhne mirtschaftlich tragbar ist, ist es auch für das legte Biertel. mit der Teuerung in Uebereinstimmung zu bringen, bestreiten. Des Die Arbeiter lernen aber aus der Statistit, was die systematische Zu halb hat die Arbeiterschaft das größte Intereffe daran, daß ein amtAm 1. Januar haben wir uns mit dem Unternehmer Rejti und einem Mitgliede Görig vom Verband der Ausgeschlossenen in den Spalten des Vorwärts" beschäftigt. Wir fragten damals an, welche Maßnahmen der Verband der Ausgeschloffenen gegen Görig wegen seines unsolidarischen Verhaltens ergriffen heute noch nichts entdecken tönnen, was auch verständlich ist. Am hat. Als aufmerksame Leser der„ Roten Fahne" haben wir bis band der Ausgeschlossenen eine Bersammlung ab. In dieser Berfammlung war auch der gesperrte Unternehmer Repti anwesend. Auf dem Bureau des Baugewerksbundes war es ihm nicht gelungen, eine Zurücknahme der Sperre zu erreichen. Er glaubte nun, bei den Ausgeschlossenen mehr Verständnis und Entgegenfommen für seine Arbeitsmethode zu finden. Er erklärte nämlich dort, daß er lieber mit Organisierten als mit Unorganisierten zusammen arbeite, stellte auch weiterhin in Aussicht, alle dies im Verband der Ausgeschlossenen werden. Die Ausgeschlossenen stellten in dieser Bersammlung fest, daß für fie teine Sperre besteht, weil dort feine Sperrposten vom Baugewertsbund ausgestellt sind. An fich eine faule Ausrede und ges rade fein Beweis dafür, daß der Verband der Ausgeschlossenen den Klassenfampf, von dem man in jenem Lager soviel redet, auch durchführt. Der Verband der Ausgeschlossenen hat sich durch Aufnahme diefer Streifbrechergarde und Duldung der Weiterarbeit feiner nunmehrigen Mitglieder unter tarifwidrigen Berhäitmisen im wahren Lichte gezeigt. Daß dort weiter Afford gearbeitet wird, wird selbst von Kollegen, die in diesem Berbande organisiert find, nicht angezweifelt. Gegen Görih soll ein Schiedsgerichtsvers fahren eingeleitet sein Sollte das auf unseren Hinweis geschehen jein, so glauben wir, dem Berband der Ausgeschloffenen raten zu tönnen, sich diese Mühe nicht zu machen, da ja doch die tautfmidrigen Zustände unter seiner Duldung bei genannter Firma meiterbestehen. Dieser Vorgang beweist, wie recht die Zentrale der KVD. hatte, als fie Kaiser ausschloß, u. a. auch wegen Aufnahme von Streifbrechern in seine Organisation. Darum, Arbeiter, feht euch eure Führer an! Achtung, VDB.- Buchbinder! Die bon den Buchbindereibefizern beantragte Verbindlichkeit8erklärung des Schiedsspruches vom 23. Dezember 1924 über Arbeitsgeit ist nach der gestern zugegangenen Mitteilung vom Reichsarbeits Es gilt demnach, wie bereits unminister abgelegt worden. langit mitgeteilt, entsprechend der Ziffer 3 des Tarifvertrages, die 48 fündige Arbeitszeit. Notwendige Ueberstunden find entsprechend der Biffer 50 des Tarifvertrages zwischen Betriebsbertretung und Betriebsleitung besonders zu vereinbaren. Die Ueberstunden dürfen aber gemäß 8iffer 51 nur dann geleistet werden, wenn mindestens ein Zuschlag von 25 roz. gejablt wird. Ueberstunden ohne Ueberstundenzuschlag dürfen nicht geleistet werden. Durch die Abweifung der Verbindlichkeitserflärung hat somit die 48- Stunden- Woche wieder volle Anerkennung gefunden. Gescheiterte Lohnverhandlungen der Bauanfchläger. Für die Berliner Bauanschläger wurden Lohnverhandlungen mit dem Schuhverband geführt. Ueber den Verlauf dieser Berhandlungen berichtete in der geftrigen Branchenversammlung zunächst Fuchs. Es wurde eine Erhöhung der Stundenlöhne um 20 und der Akkordfäße um 25 Broz. gefordert. Die Arbeitgeber begründeten ihre ablehnende Haltung mit der ungünstigen Konjunktur, wozu die Verrichtung von Anschlägerarbeiten außerhalb Berlins viel beitrage. Badhus übte scharfe Kritik an den Attordlöhnen, die nur 18-25 m. betragen und somit weit unter den üblichen Löhnen stehen leber furz oder lang werde man die Affordarbeit gänzlich ablehnen müssen. Den Arbeitgebern tomme es auch Darauf an, die Fahrzeitentschädigung abzuschaffen. Die Berhandlungen feien gefcheitert, weil es die Arbeitgeber cab lehnten, neue Borf Lage zu machen. Die Mehrzahl der Diskussionsredner fprach sich für fofor. tigen Streit aus. Nach längerer Debatte wurde der Borf hlag der Branchenleitung, den Schlichtungsausschuß als letzte Inftang anzurufen, mit großer Mehrheit angenommen. nach Erledigung interner Angelegenheiten wurde der monatliche Beitrag für den Branchenfonds auf 20 Pf. festgesetzt. Tariffündigung durch die Efha- Werke. Man schreibt uns: Die Efha- Werte fündigten den Rahmentarif dem Zentralver. band der Fleischer und Berufsgenoffen, hingegen nicht dem Deut. fchen Berkehrsbund und dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Die Wege der Feldherrnkunft sind verschieden, nicht minder die Tattit großer Feldherrn Nie wieder Krieg!" war nach dem letzten Streit die Parole der Efha- Berwaltung, und oft genug erklärte man das dem Be triebsratsvorsitzenden. Neun Monate war Ruhe und der Betrieb war nicht erschüttert eine lange Zeit für das Efha- Wert. Viels leicht auch war der Berwaltung der Efha- Berte diese Ruhe zu un gemütlich. Abwechslung muß der Mensch haben, warum nicht auch die Führerelite des Efha- Konzerns. Oder aber sollte man für die Mitglieder des Zentralverbandes der Fleischer was Besonderes übrig hoben und ihnen einen günstigeren Rahmentarif vor legen wollen? Das wäre äußerst nett! Es wäre damit auch be wiesen, daß die Herren Doktoren noch Befferes herzustellen verständen als Briger Knublinchen. SPD. Holzarbeiter, Bezirk Often II. Besprechung heute, Donnerstag, 4% Uhr, nicht um 7 Uhr, bei Bittschuk, Betersburger Str. 5. ,, Borwärts" lefer sind auch eingeladen. Der Berbeausschuß. Wetter für Berlin und Umgegend. Zunehmende Bewölkung utt etwas milder, auffrischende südwestliche Binde. t. B: Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter; Wirtschaft: 3. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Gløde: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". fammenfassung aller Kräfte zu leisten vermag. Der Angriff auflicher Inder herauskommt und daß die Reform der bestehenden Sophien- Säle ben Achtstundentag erfolgte in einem Augenblid, der den Unter- Teuerungsrichtzahlen nicht verschleppt wird. Erbs, Eier Nudeln, Königin, Blumentohl, Grünfern, Tomaten, Tapiola echt Norden 9296. 26 verschiedene Suppen von vollendetem Wohlgeschmad bereiten Sie mühelos, ohne langes Zurichten, nur durch Kochen mit Waffer, aus Maggi's Suppen- Würfeln Kennzeichen: Der Name ,, Maagi" und die gelb- rote Padung. zu 12 Pf. für 2. Zeller. Sophienstraße 17-18. Säle frei! Eier- Sternchen, Pilz, Rumford, Reis, Erbs mit Reis, Windsor und andere Nr. 24 4 42. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts donnerstag, 15. Januar 1H25 Die Poeten haben die Milde des Winters solange besungen, bis der— vielleicht nicht ganz unerwünschte— Umschlag ins Rauhere eingetreten ist. allerdings mit der für unsere besondere Berliner Lage charakteristischen Beigabe von Schlackenwetter. Ost genug ist in dieser Zeit die Frage aufgeworfen worden: schadet das„ideale" Wetter nicht der Natur? Nun, man wird sich erinnern, daß es auch früher schon Winter gegeben hat, wo die Frostentwicklung nie so stark war. daß z. B. eine feste Eisdecke auf den Flußläufen sich bilden konnte(sehr zum Verdruß der Schlittschuhläufer), daß die Brauereien zumeist aus Bezug von Eis aus skandinavischen Ländern angewiesen waren, und trotzdem hat die Natur sich damals mit solchen ungewöhnlichen Temperaturverhältnissen ganz gut abgefun- den. So wird es auch wieder sein: das eigentlich Charakteristische war jedesmal freilich die hohe Tagestemperatur. aber das galt auch nur für verhältmsmäßig wenige Tage: außerdem wird man sich erinnern, daß in der weitaus größten Zahl vop Tagen die Tem- peratur nachts unter den Nullpunkt sank. Also das bißchen Früh- lingshauch hat noch keinen Schaden angerichtet. Im neuen Jahr regt sich schon immer der Saft in den Zweigen von Büschen und Baumen: wird es dann noch sehr kalt, so gerät dieser Safttrieb ins Stocken, um sich später wieder zu betätigen. Der Nutzen der Spatenarbeit. Wenn die Sonne nicht nur intensiv, sondern vor allem länger am Tage geschienen hätte, wäre es allerdings ein ideales Wetter für Draußenarbeit gewesen. Aber die Festtage will man doch auch nicht gerade schanzen gehen, und so werden die Nachzügler, die im Herbst nicht zum Graben gekommen sind, auch jetzt� noch vor dem un- gegrabenen Stück Land stehen. lind doch ist zeitiges und genügend tiefes, sauberes, d. h. sorgfältiges Graben eine Vorbedingung für die Erzielung guter Ernten, auf die der Kleinsiedler� besonders angc- wiesen ist. Wer über ein größeres Stück Land verfügt, hält eventuell das Pflügen für rationeller: z. B. wenn Nachbargrundstückc gleich mitgcpflllgt werden können, so daß eine Tagesarbeit für den Pflüger sich ergibt. Aber er irrt sich, sobald er das Endresultat der Bestellung ins Auge faßt. Der Anbau von Pflanzen, die größere Ansprüche an gut durchgearbeiteten Boden machen, ist bei Spatenkultur lohnender als nach der pslugkultur. Man spricht ja auch von der„goldenen" Schneide des Spatens, um damit die intensive Bodenbearbeitung und -Ausnutzung auszudrücken. Der Spaten erzeugt eine Bearbeitung bis zu 30 Zentimeter, die Grabegabel, die in Amerika, aber auch in England beliebt ist, läßt eine Einwirkung tn eine um etliche Zenti- Nieter größere Tiefe zu. Als Breite des jedesmalig umzustechenden Erdstreisens nehme man 8 bis lO Zentimeter: allzu große Breite hindert die so notwendige Zerkleinerung des umgeworsenen Bodens. Der Vergleich mit der Pflugkultur ergibt sich hinsichtlich der Zeit der Arbeit folgendermaßen: Bei einer Tagesleistung von 200 Quadratmeter(leichter Boden) und l00 Quadratmeter(schwerer Boden) erfordert das Umgraben eines Morgens IZM; bis 25 Tage; das Gespann braucht zum doppelten Pflügen und Eggen etwa IVi Tage, gewiß eine verlockende Differenz, die aber, falls nicht besondere Gründe vorliegen, für den Kleinsiedler doch nicht wertvoll genug ist, um von der intensivsten Bearbeitung Abstand zu nehmen. Die Düngerfrage. Die Borstellung von dem pflügenden Gespann führt uns zu der für die Landbestellung so wichtigen Düngerfrage. Die Pferde nehmen ab, das Auto räumt mit ihnen auf: die Preise für Pferde-, aber auch sür Kuhdung sind gewaltig gestiegen und werden noch steigen, wenn die Berufsgärtnereien für das Warme-Kasten-Packen im Februar besten Pscrdedung benötigen. Der Kleinograrier, am wenigsten der Laubenkolonist, ist nicht in der Lage, durch eigene Tierhaltung Dung zu produzieren. Das„Ade-Pferd!".Problem ist bedeutungsvoller, als man im ersten Augenblick anzunehmen geneigt ist. Die großen Landwirte schaffen sich für Pflügen und Fahren Motoren an: bei ihnen hilft wohl noch der reich besetzte Kuhstall aus, der ja dem Bauern diese Dungfrage noch nicht so kratz zu Gemüte führt. Der Nur-Theoretiker wird auf den Kunstdünger hinweisen und kein verständiger Landwirt wird ihn ausschließen, aber der Kunstdünger kann eins nicht: die physikalischen Eigenschaften des Bodens ver- bessern, d. h. ihn hinsichtlich der Locke-.ung, Durchlästung und damit rascherer Erwärmung so zu beeinflussen, wie es das Untergraben von Stallmist ergibt. Künstliche Düngemittel führen dem Boden einzelne Nährstoffe zu, zur Bodenbearbeitung tragen sie nicht bei: Salkung des Bodens und Ausbringen von selbstbereiteter Kompost. erde sind einigermaßen gute Ersahmittel, und die Anlage und Be- arbeitting des Komposthaufens ist dringend zu empsehlen. Sämereien und Pflänzlinge. Zurzeit schwirren die Kataloge der großen Samenzüchter wieder durch die deutschen Lande und"es kann glücklicherweise konstatiert werden, daß, wie man zu sagen pflegt,„Alles da ist". Freilich hat der wenig freundliche Sommer des letzten Jahres einig« Beeinträchtigungen zur Folge gehabt: Die Salatkutturen und die Bohnen. namentlich Buschbohnen, haben gelitten, was sich in den ziemlich hohen Preisen geltend macht. Außerdem wird die Ernte in Gurken, Rabies, Salatbeeten und Zwiebeln als knapp bezeichnet. Der Bezug von Samen ist bekanntlich verlrouenssache: jedenfalls ist Wert darauf zu legen, wirklich Samen der Sorten zu erhalten, die man bestellt hat.„Ersatz" wird sehr oft für„bereits ausverkaufte" Sorten gegeben, und, wenn auch nicht immer, ist der Ersatz meist minder zweckentsprechend, da ja jeder Siedler für seine besonderen Zwecke und dem Charakter des für ihn zur Verfügung stehenden Landes �entsprechend die Sorten wählt. Es ergibt sich hieraus die Zweck Mäßigkeit, den Samen so früh als möglich zu bestellen. Tut man es schriftlich, so ist es gut, die Klausel beizufügen:„Ersatz" nicht er wünscht. Was die Preise betriff!, so ist im großen ganzen wohl eine kleine Senkung der vorjährigen Preise zu verzeichnen: sie sind ober natürlich höher als die Friedensnotierungen. Recht teuer ist der Bohnenpreis, von 5 bis 20 M. das Kilo der Buschbohnen und zudem tragen die Angaben den Vermerk: Prelle veränderlich.— Wer nicht nur Sämereien, sondern auch junge Pflanzen später ge- braucht, tut ebenfalls gut, sich rechtzeitig mit einem Vertrauens- würdigen Berufsgärtner in Verbindung zu setzen, damit dieser im- stände ist, seine Anzucht der jungen Gemüsepflanzen nach Maßgabe der vorliegenden Bestellungen einzurichten. Wer selber aussät, soll sich die Mehrarbeit der Reihensaat nicht verdrießen lassen— er erhält stärkeres Pflanzenmaterial als bei der Breitsaat und ist vor allem in der Lage, durch rechtzeitiges Hacken das Saatbeet stets sauber zu halten. * Die Möglichkeit, in einem milden Winter, wie dem bisherigen — jeder Tag kann natürlich einen Umschwung bringen— den Boden auf die höchste Kulturstufe zu bringen, sollte ausgenutzt werden. Von Sämereien kann Mohrrübensamen in nicht zu serner Zeit, wenn der Boden offen bleibt, ausgesät werden: der Samen braucht viel Zeit z um Keimen und ist dem Erfrieren nicht ausgesetzt. Später folgen dann Erbsen. Puffbohnen. Haserwurzeln. Schwarzwurzeln (für einjährige Anzucht). Düngen. Jauchen. Umgraben der Erde rings um die Obstbäume und Düngen des gelockerten Bodens, Säu- bcrung der Obstbäume, Auslichten sind weitere Beschäftigungs Möglichkeiten bei mildem Wetter. Rur zu rasch vergeht die Zeit, und mit einemmal ist der Augenblick da. wo es mit vollen Kräften sich dem Boden widmen heißt. Dann mit allem Erforderlichen aus- gerüstet zu sein, ist eine Vorbedingung für den Erfolg. Die Gärtnerei ist keine schwere Kunst, wenn man alles„zur rechten Zeit" tut. Darauf kommt es eben an. Zunahme der Sevölkervng Serlins. Das Berliner Statistische Amt hat über die Levölkerungsoor- gänge in Berlin jetzt eine die Jahre 1921. 1922, 1923 umfassend« Zusammenstellung veröffentlicht. Aus ihr ergibt sich, daß die Bevötz kerung der großen Einheitsgemeinde Berlin im Laufe dieser dre Jahre eine Zunahme gehabt hat. Die durchschnitlliche Beoölkerunc war(in runden Zahlen) sür 1921: 3 921 000, für 1922: 3 980 400 für 1923: 4 013 300. Hiernach betrug die Zunahme von 1921 bis 1923 rund 92300. An diesem Mehr sind alle 20 Verwaltungsbezirke Berlins beteiligt, aber in sehr un gleicher Weise. Die an sich stärkste Zunahme hatte der Bezirk Char- lottenburg, der ollein mit 13 400 beteiligt war. Durch die an sich geringste Zunahme fällt der Bezirk Weißensee auf, der nur ein Meh: von 1700 zu verzeichnen hatte. Selbstverständlich muß aber bei die- sen Zunahmen ihr Verhältnis zu der sehr oerschiede- neu Höhe der Vinwohnerzahl.en der Bezirke berück sichtigt werden. Für den Bezirk Charlollenburg, der 1921 durch schnittlich 342 400 Einwohner und 1923 durchschnittlich 355 700 Ein wohner hatte, war die Zunahme um 13 400 nind 4 Proz. Bezirk Weißensee dagegen hatte 1921 durchschnittlich nur 54 000 Einwohner und 1923 durchschnittlich 57 100 Einwohner, hier ist also die Zu nähme um nur 1700 ziemlich 5 Proz. Bezirk Zehlendorf, der an Zahl der Einwohner noch hinter Bezirk Weißensee zurücksteht, hatte 192l durchschnittlich 35 800 Einwohner und 1923 durchschnittlich 40 500 Einwohner. Die Zunahme um 4700 bedeutet hier fafr 15 Proz. Unter allen 20 Verwaltungsbezirken Hot Bezirk Z e h l e n- darf immer noch die überhaupt geringste Einwohner- zahl, aber er hotte von 1921 zu 1923 die verhältnismäßig 74) Der Mittelweg.> von Sir Philip Gibbs. Der Schnee lag in schweren Massen auf ihnen und wir» belte dicht um sie herum. Er konnte kaum ihr Gesicht er- kennen. Sie standen allein in einer weißen Welt inmitten des Ruins von Moskau. „Sie sind so gut." sagte er.„Ich bin glücklich über Ihre Kameradschaft." „Ja, das ist es." antwortete sie.„Kameradschaft, Liebe. Dienst in Gemeinschaft, Verständnis, das alles wäre wohl gut zu besitzen." „Es ist das Beste, was das Leben hat. Das Einzige, für das zu leben sich lohnt," sagte Bertram. „Sie glauben das auch? Gut, dann ist es ein gegen- seitiges Versprechen zwischen uns?" „Eine Hoffnung!" antwortete er. Sie mußte nun heim und reichte ihm die Hand. Als er sie an die Lippen führte, war sie naß von Schnee. Sie wandte sich zur Anderen Seite der Straße und war bald in den wirbelnden Schneeflocken verschwunden. „Höchst wunderbar!" sagte Bertram laut vor sich hin, als er seinen Weg über den Arbatplatz in die Richtung zum Kreml hintastete. Er war allein in Moskau, fühlte sich aber nicht mehr einsam. „Es ist alles dasselbe, hatte jie gesagt,„Kameradschaft, Liebe. Dienst in Gemeinschaft. Verständnis." Kameradschaft. Gut! Sogar ohne Liebe wäre es so schön. Er hatte die Kameradschaft einer Frau so nötig, ebenso wie die von Christy. Warum aber von einer Frau? Warum war ihm Jante Welsords Freundschaft so viel kostbarer ge- wesen als die eines Mannes? Dielleicht hatten Frauen das feinere Verständnis, mehr Zartgefühl für die männliche Schwachheit. Oder war es nur die Lockung des Gesch'echts. Wer konnte das wissen. Weshalb sollte er nicht, ohne jeden Versuch zu analysieren, Radias Angebots einfach annehmen? Es war das zweitemal, daß ihm Frauenliebe entgegengekom- wen war, seit Joyce ihn verlassen hatte. Sollte er denn ewig das Glück menschlicher Zuneigung und Frauenzärtlichkeit zurückweisen und gegen sein geistiges und physisches Bedürfnis nach solcher Kameradschaft ankämpfen? Eine Stimme flüsterte »hm ins Ohr:„Treue gegen Joyce! Treue! Treue!" �„Nein." sagte er laut.„Ich bin lange genug treu ge- Mese»». bei Gott! Und jetzt habe ich die Absolution." 53. Bertram lud Nadia eines Abends zum Esten ein, und zwar in das kleine Restaurant am Arbat, und sie nahm es mit der Bewilligung chrer Eltern an, die nichts dabei fanden, nur wegen der Geheimpolizei Bedenken trugen. Aber Nadia lachte. Sie stände jetzt unter dem Schutz der„Ära", da könne- die Tscheka ihr nichts anhaben. Und das war auch so, denn Bertram hatte den Chefarzt der Ära in die armselige Behausung des Fürsten Suwarofs geführt. dessen Palast in Petersburg jetzt von der Ära als Suppen- küche eingerichtet war. Dr. Weekes, das war sein Name, war von deni Mute der jungen Prinzessin begeistert gewesen. „Das ist ein Mädchen von der rechten Art," war sein Urteil, und ein Wort von ihm hatte genügt, ihr eine Anstellung als Dolmetscher und Sekretärin beim Stabe der„Ära" zu sichern. „Für solch ein Mädchen gibt's in Kasan genug zu tun. Und außerdem habe ich dort noch eine besondere Tätigkeit für sie, bei welcher ihre ärztliche Ausbildung in Frage kommt. Aber das werden wir schon in Kasan besorgen." Nadia sollte also, ebenso wie zwei andere russische Damen, die auch für den Dienst in Kasan cWsgewählt waren, mit der Ära die Reife nach Kasan antreten, und sie war sehr glück- lich bei dem Gedanken trotz der tragischen Ursache für diese Expedition. Sie hatte ebenio wenig Ruhe, bevor sie die Hungergebiete erreicht hatte, wie Dr. Weekes.„Ich will Rußland helfen," sagte sie zu Bertram, der sie gern davor behütet hätte, in die schlimmste Typhusgegend zu gehen,„und .das kann ich am besten, wenn ich meine ärztliche Ausbildung dort anwende, wo das Bolk am meisten leidet. Die armen Bauern sind hoffnungslos unwissend, und ich kann ihnen wenigstens zeigen, wie sie sich waschen und ihre Läuse töten müssen, die die schlimmste Ansteckungsgefahr sind." In dem Restaurant am Arbatplatz wurde Bertram von der Familie des Hofmalers freudig begrüßt. Ihr staunendes Ent-ücken fand keine Grenzen, als sie Nadia in seiner Ge- sellschaft sahen. Aus ihrem früheren Leben am Hofe kannten sie die schöne Prinzessin Nadia, die älter war als die kleine Katia, sehr gut.„Also Sie waren gewiß schon von England her mit dem Herrn bekannt." rief die Dame,„und sind alte Freunde". „Alte Freunde noch nicht," lächelte Nadia.„aber schon gute Kameraden." ,.O bitte, gebrauchen Sie das Wart nicht. Es ist so in den Schmutz gezogen worden! Tawarisch, Tawarisch, Tawa- risch! Ich kann es schon nicht mehr hören." � Dann deckte sie ihnen ein reines Tischchen in der Ecke, und die kleine Katia bediente sie voll Seligkeit, beim Ab- und Zugehen Nadias Hand oder Haar oder Hals küsiend. Und Nadia war freudig gestimmt, denn ein weißes Tischtuch lag vor ihr, der Apfelwein wurde in Kristallgläser gegossen, und sie aßen von Tellern ohne Bruch und Sprung. „Das ist heute wie ein Märchen," sagte sie.„Seit vier Iahren kenne ich kein weißes Tischtuch mehr." Aber als Bertram ihr feine Bewunderung ausdrückte, daß sie, in jedem erdenklichen Luxus aufgewachsen, ihr jetziges Leben so mutig ertrug, wies sie dieses Lob zurück. Was entbehrte sie denn mehr, als Millionen Soldaten im Kriege entbehrt hatten? Man müsse das Leben erleben, wie es auch komme, und nicht feige ausweichen. Sie hatte die Hoffnung auf eine Gesundung Rußlands und des ganzen Menschengeschlechts nicht aufgegeben, und glaubte an den endlichen Fortschritt. „Sie scheinen Ihres Glaubens so sicher," sagte Bertram. „Mir fehlt der Glaube!" „Ich bin Russin," erwiderte sie lachend.„Wir reden und reden, und reden über abstrakte Ideen. Aber wir tun nichts Rechtes. Nitschewo!" „Ich möchte Russisch lernen," sagte Bertram. „Ach ja!" Nadia klatschte in die Hände.„Und Nadia wird Ihre Lehrerisi sein."---- Lange saßen sie noch an dem kleinen Tischchen und sprachen wie gute Freunde. England schien eine Million Meilen entfernt. Joyce war auf einem anderen Planeten, und Nadias dunkle Augen leuchteten ihn voll Güte an. 54. Christy kam an die Bahn, um Bertram Lebewohl zu sagem Die Fahrt nach Kasan war auf sechs Tage berechnet und der Zug glich demjenigen, der Bertram von Riga nach Moskau mitgenommen hatte, in den beiden Hauptpunkten. nämlich Mangel an jeglicher Bequemlichkeit und Ueberfülle von Ungeziefer, wie ein Zwillingskruder dem anderen. Außer Nadia waren noch zwei russische Damen dabei, die als Sekre- tärinnen mitgingen, dann der übliche Stab der Ära, Jemmy Hart und Bertram als Zeitungskorrespondenten und zwei Offiziere der Tscheka, angebuch zum Schutze, tatsächlich als politische Spione. Christy war Bertrams wegen besorgt:„Und seien Sie nicht zu unvorsichtig. Major!" sagte' er beim Abschied. Er erwähnte dann so beiläufig, daß er Rußland jetzt an Bertram abtreten wolle. Er selbst würde sich westwärts wenden. Und dann kam so nebenbei:„Ianet ist nach Berlin gekommen. Biel- leicht suche ich sie dort auf." (Fortsetzung folgt.) t größte 3unahme. Die überhaupt größte Einwohner| zahl hat immer noch der Bezirk Kreuzberg; sie stellte sich 1921 auf 375 000 und 1923 auf 378 900. Dagegen war in Bezirt Kreuzberg die Zunahme der Einwohnerzahl verhältnismäßig jehr gering. Sie betrug hier 3300, das bedeutet bei der hohen Ein wohnerzahl noc, nicht 1 Pro3. Für ganz Berlin ist die gesamte 3unal; me( 92 300) annähernd 2% Proz. Eisenbahnzüge im Nebel. Signale und Sicherungen. Das folgenschwere Elsehbahnunglüd in Herne hat sich in dichtem Nebel ereignet. Rebel birgt mannigfache Gefahren quellen für den Eisenbahnverkehr in sich. Er versperrt nicht nur die Aussicht, sondern er dämpft auch den Schall und läßt Geräusche nicht laut werden. Wir haben Beranlaffung genommen, an zu ständiger Stelle anzufragen, ob und wie die Eisenbahnverwaltung die rollenden 3lige und die Reisenden vor den Gefahren des Rebels zu bewahren imftande ist. Oberbaurat Behrens, der für diese Fragen zuständige Dezernent der Eisenbahndirettion Berlin, erklärte zu diesen Fragen folgendes: Die Hauptficherheit des Verkehrs beruht im wesentlichen darauf, daß Signale für die ein- und ausfahrenden Züge richtig gestellt und vom Lokomotivführer genau beobachtet merden. Wenn der Führer des Köln- Berliner D- Buges erflärte, daß er das Signal sor der Einfahrt in den Bahnhof Herne nicht gesehen habe, so hat er grob feine Pflicht verlegt. Er hätte in diesem Falle halten, oder sich durch grelles Pfeifen bemerkbar machen müssen. Was zunächst die Beleuchtung der Signale anbetrifft, so haben wir es in der preußischen Eisenbahnverwaltung als das beste und zuverlässigste gefunden, wenn die Signale bei Dunkelheit durch Betroleumlaternen erhelit werden. Diese Laternen werden überaus pfleglich behandelt; fie find fo fonstruiert, daß der Wind sie nicht zum Erlöschen bringen fann, und sie sind außerdem mit trisches Licht für die Signale ist aus dem Grunde abzulehcinem Strahlenfirm ausgestattet, der ihr Licht verstärkt. Elet nen, meil es nicht selten vorkommt, daß der Strom versagt. Dann liegen die Signale im Dunkeln. In England übriges, dem flaffischen Land des Rebels mit seinem außerordentlich regen Eisenbahnverkehr, hat man auch keine andere Sicherung und Beleuchtung der Signale bei Rebel gefunden. Wenn man bei dichtem Nebel vor den Signalen Sirenen rujen läßt, so fragt es sich, ob diese, da der Nebei schall dämpfend wirft, bei dem Rattern der Räder und der Eisenteile von dem Lokomotivführer gehört wird. Auch das Legen von Knall patronen auf die Schienen bietet teine unbedingt zuverlässige Gewähr. Jeder Bahnwärter ist mit Knallpatronen ausgerüstet, die er auf die Schienen zu legen hat, wenn ein Zug auf der Strede liegengeblieben ist, um den Führer eines anderen Zuges zu warnen. Aber Knallpatronen tönnen versagen umb ihr Knall fann im Nebel ungehört derhallen. Die Eisenbahnverwaltung hat im übrigen der Frage der Signale und Sicherungen stets das größte Intereffe zugewendet und immer wieder versucht, Neuerungen und Verbesse rungen zur Sicherung des Berfehrs einzuführen. Ich erinnere daran, daß im Jahre 1912 die sogenannten Borsignale eingeführt wur. den. Bis 1919 sind überall Borsignale gescht worden. Sie befinden sich in Bremsentfernung, also etwa 700 Meter von dem Hauptsignal entfernt. Die Borsignale sollen den Lokomotivführer auf das Hauptsignal hinweisen. Heute ist die Entwicklung so, daß der Lokomotiv führer in der Hauptfache auf die Vorsignale achtet und diese wie die Hauptsignale ansieht. Im Laufe der letzten Jahre sind nun auch Berbesserungen an den Borsignalen vorgenommen worden. Die freisrunde Scheibe des Borfignals, die in fentrechter Stellung, alfo aufgeklappt, in der sogenannten Warnstellung steht und so dem Lokomotivführer jagt:„ Die Einfahrt ist gesperrt", hatte früher eine grüne Farbe. Da aber grün bekanntlich Einfahrt be deutet und infolgedeljen verhängnisvolle Berwechslungen zu befürch. ten waren, hat man die Scheibe der Borsignale orangefarben gestrichen. In all den Jahren, ist außerdem überlegt worden, ob es nicht möglich ist, Einrichtungen vor dem Signal anzubringen, die automatisch wirken und den Lokomotivführer noch besonders und durch besondere technische Einrichtungen darauf aufmerksam machen, daß das Signal auf Halt steht. Erft in letzter Zeit sind auf der Strecke Hannover- Berlin Versuche gemacht worden, den. Lokomotivführer auf drahtlosem Wege zu benachrichtigen, daß das Signal auf Salt stehe. Diese Versuche sind indeffen wie. per abgebrochen worden. Es ist fraglich, ob sie zum Ziel führen werden. Man darf dabei nicht vergessen, daß bei solchen Konftrut tionen Erfindungen dieser Art werden immer wieder gemacht und dem Eisenbahnzentralamt vorgelegt die Gefahr besteht, daß der Lokomotivführer sich gar nicht mehr um Signale fümmert, sondern nur auf die Zeichen dieser Sicherungen achtet. Greignet sich aber ein Eisenbahnunglück, und der Lokomotivführer erklärt, er fei durch die befondere Konstruktion nicht gewarnt worden, die technische Einrichtung, die ihm sagen sollte, das Signal stehe auf Salt, habe nicht funktioniert, so besteht keine Möglichkeit, die Richtigkeit dieser Behauptung nachzuprüfen. Eine technische Einrichtung endlich, die, ähnlich wie es bei der Hochbahn in Berlin der Fall ist, die Büge vor dem Signal, wenn es auf Halt steht, automatisch zum Stillſtehen bringt, dürfte taum möglich sein. Einmal würde eine solche Einrichtung für die ganze preußische Eisenbahnverwaltung ganz ungeheure Soften verursachen, und dann darf man nicht vergeffen, um wieviel länger, also auch um wieviel fdywerer die D- 8üge find, als die Züge der Hochbahn, und mit welch größerer Geschwindigkeit fie fahren. Als beste und zuverläffigste Sicherung bleibt der Mensch, der gewissenhafte Lokomotivführer. Die Elfenbahn verwaltung hat es baher auch stets als ihre Aufgabe angesehen, den zeit zu geben und sie nicht zu lange auf der Strede zu belaisen, Führern der durchgehenden Büge eine verhältnismäßig furze Dienstbamit sie nicht burch zu viele verschiedene Eindrücke auf der Strede verwirrt werden. Ein Glück ist es übrigens, daß der Köln- Berliner D- Bug in Herne hält. Infolgedessen hatte der Lokomotioführer vor dem Bahnhof Herne bereits gebremst. Hätte der Rug bei beni Bufammenstoß die volle Gefchwindigkeit gehabt, so wäre die Stata firophe noch entjeglicher geworden." Diese Erklärungen bejagen, daß selbst die vollkommenste Technit ihre Mängel behalten wird, und daß die Chronik Eisenbahnunfälle melben wird, so lange es Eisenbahnen gibt. obiger Berordnung von dem am 10. 53m. 17. Januar fälligen Be-| trage von 600. 400 M. auf Antrag gestundet werden, wobei zu bemerken ist, daß der Antrag mit der Zahlung gleichzeitig eingereicht werden kann. Da bei den freien Berufen der Ueberschuß der Einnahmen über die Werbungskosten im wesentlichen mit dem reinen Einkommen übereinstimmt, so dürfte die Stundung die Be deutung eines Erlasses haben. * Bei den bisherigen Einkommensteuervorauszahlungen war auf leistungsschwache Personen dadurch Rücksicht genommen, daß bei ihnen regelmäßig Borauszahlungen nicht erhoben wurden, wenn die Jahreseinnahmen nicht mehr als 600 Reichsmart( alfo im Bierteljahr nicht mehr als 150 Reichsmart) betrugen. Wenn das Einkommen über diesen Betrag hinausging, waren Vorauszahlungen vom vollen Einkommen zu erheben. Zur Milderung der darin lingenden Härten hat der Reichsfinanzminister angeordnet, daß bei derartigen Steuerpflichtigen, deren Einfominen zwar im Kalender. jahr 1924 600 Reichsmart überstiegen hat, aber nicht über 900 Reichsmart hinausging, auf Antrag für das vierte Kalender. nierteljahr, also bei der am 10. Januar 1925 fälligen Borauszahlung, ein Einkommensbetrag von 150 Reichsmart freigelassen werden kann. Als leistungsschwache Steuerpflichtige im Sinne dieser Bestimmung gelten Personen, die erwerbsunfähig oder in der Erwerbs= fähigteit beschränkt oder über 60 Jahre alt sind und deren Einfünfte im wesentlichen aus Renten oder Altenteilen, aus Bermietung oder Verpachtung von Grundbesitz oder aus laufenden Zuschüssen oder Unterstübungen her rühren. Der Herr Bezirksfeldwebel a. D. Als er nicht mehr auf großem Fuße leben fonnte... Eine buntgemischte Gesellschaft, zwei Einbrecher und neben ihnen wei„ Kavaliere", nahmen gestern auf der Antlagebant des Schöffen gerichts Mitte Blay. Sie sollten sich wegen zweier schwerer Einund Hugo H. hatten die Einbrüche verübt, sollten dazu aber nach brüche verantworten Die gewerbsmäßigen Einbrecher Johann R. threm eigenen Geständnis von dem Kaufmann Wilhelm Sch. angestiftet worden sein. Dieser wiederum sollte den Tipp zu dem einen Einbruch von seinem Freunde erhalten haben, da dieser Einbruch bei der Adoptiorante des letzteren verübt worden war. Sch. spielte in Berlin lange Zeit den„ Kavalier". Während des Stieges war er Bezirksfeldwebel Er lebte stets auf großem Fuße, da er durch Bestechungsgelder, die ihm infolge von Befreiung rom Militärdienst in reichlichem Maße zuflossen, große Einnahmen hatte. Im Jahre 1923 war er aber in Noi geraten und schuldete Abrption im Jahre 1920 Barcn geworden war, einen größeren Geid= feinem Freunde v. W., dem gestrigen Mitangeklagten, der erst durch betrag. Ilm seine Schulden loszuwerden, setzte er sich mit Johann K. und Hugo H. in Verbindung und veranlaßte fie, einen Einbrud bei seinem Schwager, einem Kunstmaler B., zu verüben. Mit diesem wohnte er in demselben Hause, und die Eheleute L. hatten die Gewohnheit, bei Besuchen die Schüssel Sch. zur Aufbewahrung zu übergeben. Dieser händigte nun eines Tages, als seine Ber wandten wiederum ausgegangen waren, die Schlüssel den beiden Einbrechern aus, die in die Wohnung eindrangen und eine Schreib maschine, einen Berferteppich und andere Gegenstände stahlen. Den Teppich brachte Sch. zu seinem Freunde v. W., der nach Hamburg fuhr und ihn dori verkaufte. Kurze Zeit darauf wurde von Johann K. und Hugo Hein ähnlicher Einbruch bei der Adoptivtante des v. W. verübt, und es wurde dabei die Zeir abgepaßt, als die Tante ihren machte. Diesmal wurden nicht nur Teppiche gestohlen, sondern auch regelmäßigen Befuch am Nachmittag bei ihrem tranfen Neffen werfvoffe Silbergeräte. Auch diefe Teppiche verkaufte Sch. gemeinfam mit v.. in Hamburg. Das Silbergerät wurde in Beifir zu Geld gemacht. Die beiden Einbrecher selbst wurden von Sch. obendrein noch um den Ertrag ihres Anteils an der Teppichausbeute geprellt. v. bestritt entschieden, Kenntnis von den Died stihlen chabt zu haben. Er habe aber Sch. mitgeteilt, daß seine Tante Trppidie zu verkaufen habe. Das Gericht fam auch zu einer Freisprechung des Angeklagten v. W., verurteilte dagegen Sch. zu 1 Jahr e Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust, die übrigen Angeflagten zu Gefängnisstrafen, die zwischen 1 Jahr 9 Monaten und 1 Jahr 6 Monaten schwantten Autowacht gleich Berkehrswacht! jahr die Auto wacht Berlin Brandenburg e. V. zum Ohne große äußere Aufmachung wirkt seit einem guten Viertel Leften des Berliner Verkehrs. Wie aus den Statistiken der Autowacht hervorgeht, bat sie gute Erfolge zu verzeichnen. Bei Beginn ihrer Tätigkeit waren namentlich die Wildlinge im Kraftfahr zeugverkehr, die ohne Rücksicht drauflos fuhren, die Schmerzens finder der Autcroacht. Aber das unermüdliche, stille, höfliche Wir fen der Automacht- Funktionäre hat darin sichtbaren Wandel ge= ic; affen. Gerade dadurch, daß sich die Autowacht in erster Linie aus den Reihen der Kraftfahrer zusammensetzte, übte eine erzieherifche Wirkung aus. Aus den Verhandlungen über die Berliner Verkehrsordnung ist zur Genüge dargetan, daß die Verkehrspolizei im Berhältnis zur Verkehrspolizei anderer Großstädte über außers ordentlich wenig Beamte nerfügt. Ulm jo begrüßenswerter ist es, daß die Autowacht durch ihre freiwilligen Funktionäre die Arbeit der Berkehrspolizei weitgehendst unterstügt. Auch der Berkehrspolizist steht heute nicht mehr zu dem bloßen 3wed auf der Straße, möglichst viel llebertretungen festzustellen. Er greift vielmehr regelnd, fördernd, belehrend in den Berkehr ein. Für den Autowacht- Funktionär ist dies natürlich die alleingegebene Art. Wie außerordentlich gute gewefen. Inzwischen ist aber die sogenannte bereits oben gesagt, find die Erfolge gerade im Kraftfahrzeugverkehr Autowacht Frage längst zu einer Berkehrswacht. Frage geworden. lleberhaupt alle, die irgend etwas mit dem Berkehr zu tun haben, sollen an der Regelung des Berkehrs und an der För derung des Verkehrs mitarbeiten. Es macht sich nötig, daß diese Umstellung auch äußerlich besser in Erscheinung tritt. Deshalb bat der Vorstand der Autowacht den Beschluß gefaßt, auf der nächsten Hauptversammlung, die am 16. Januar 1925 stattfindet, zu bean tragen, daß die Benennung Autowacht Berlin Brandenburg e. V. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 15. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Die Einkommensteuer der freien Berufe. Anläßlich der am 10. November erlassenen Verordnung über wirtschaftlich notwendige Steuermilderungen ist aus den Kreisen.der freien Berufe mit Recht darüber Klage geführt worden, daß von den 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Ermäßigungen, welche die Berordnung vorsicht, die freien Berufe 6.40 Uhr abends: Vortrag des Herrn Stutzbach: Hilfo für die ausgenommen wurden. Der Schußverband deutscher Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder", 7-7.50 Uhr abends: Schriftsteller ist daher bei dem Finanzminister vorstellig ge= Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 7 Uhr abends: Handelskurso. W. Behnisch: Einfache Buchführung". 7.30 Uhr worden, und erfreulicherweise konnte daraufhin noch im letzten abends: Literatur und Kunst. Mr. Hamilton, Lektor an der UniAugenblick vor dem bevorstehenden Steuertermin der Erlaß einer versität Berlin: Englische Literaturgeschichte( in englischer Berordnung erreicht werden, die den berechtigten Wünschen der Sprache). 8.30 Uhr abends: Abendkonzert. 1. La folia( Variations freien Berufe wenigstens in gewiffem Umfange Rechnung trägt. Bei sérieuses) Corelli-- Leonard( Popi Trau, Violine). 2. a) Der Dichter, der Unregelmäßigkeit des Einkommens der Angehörigen der freien E. v. Wildenbruch, b) Das Gedicht, E. v. Wildenbruch, c) Der Berufe können sich nämlich Härten daraus ergeben, daß ein Steuer- Verlassenen Klage, E. v. Wildenbruch. d) Winterspaziergang, E. pflichtiger zwar im ganzen Jahre nicht mehr als 8000 M. Einkommen v. Wildenbruch, e) Weihnacht, E. v. Wildenbruch. 3. a) Aris aus bezieht, biefes Einkommen sich aber auf die einzelnen Bierteljahre der Oper Der Dämon", A. Rubinstein, b) Gesang des Spielmanns der Märchenoper Die Königskinder, E. Humperdinck ungleichmäßig verteilt. Infolgedessen ist es möglich, daß in einzelnen( Kammersänger Dr. Benno Ziegler von der Berliner Staatsoper, Bierteljahren zwar 20 Broz. Einkommensteuer bezahlt werden, obBariton). 4. a) Rondino, Beethoven- Kreisler. b) Andante religioso wohl insgesamt nur 10 Proz. zu zahlen gewesen wären. Zur Milde- aus dem Violinkonzert, H. Vieuxtemps. o) Variationen über ein rung dieser Härten ist nunmehr vom Finanzminister bestimmt wor Thema von Corelli, Tartini- Kreisler( Pepi Trau, Violine). 5. a) Neuden, daß die für das letzte Vierteljahr 1924 zu erhebende Boraus jahr, E. v. Wildenbruch, b) Deutschland und die Welt, E. v. Wildenzahlung bis zur Höhe des Unterschiedsbetrages gestundet werden bruch. c) Die letzte Pflicht, E. v. Wildenbruch( Karl Zander. kann. Wenn beispielsweise ein Schriftsteller aus seinen Tantiemen Rezitation). 6. a) Aus der Jugendzeit( Fr. Rückert, R. Radecke, oder ein Künstler von seinen Bildern im Mai oder Oktober je 1. v. Weingartner, d, Winterweihe( Henckell) R. Strauß( Benne b) Ein Ehelied. Jos. Ziegler, c) Du bist ein Kind( Ernst Ziel) 4000 mt. perbient hätte, weitere Einkünfte aber nicht gehabt hat, foZiegler, Bariton). Am Flügel: Otto Urack, Anschließend: Dritte müßte er am 10. Juli 600 m. bezahlen, und der gleiche Saß wäre am Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetter10. bzw. 17. Januar fällig. Da aber bei einem Gesamteinkommen dienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: von 8000 m. nuz insgesamt 800 M. zu zahlen sind, so können nach Tanzmusik. umgeändert wird in die Benennung Berkehrswacht Berlin- Branden burg e. V. Zur Teilnahme an dieser Hauptversammlung sind alle in der Provinz Brandenburg bestehenden Verkehrswachten einge laden. Hand in Hand mit der immer weiter fortschreitenden Durch dringung des Berliner Verkehrs mit Berkehrswachtleuten und Maßnehmen geht die Gruppenbildung auswärtiger Bertehrswachten vora Die Provinz Brandenburg bildet in bezug auf die Verkehrs wacht Probleme ein einheitliches Ganzes, Cn. Die jüngste Gründung in der Provinz Brandenburg ist die am 8. Januar 1925 erfolgte in Frankfurt a. d. Oder. Die Bezeichnung lautet: Berfehrswacht Berlin Brandenburg e. B., Ortsgruppe Frankfurt- Oder." Die neue Ortsgruppe stellt ebenfalls sofort Funt tionäre in den Dienst der Sache. Es liegt im Interesse aller, Anweisungen der Funktionäre zu befolgen und gegebenenfalls die ehrenamtlich tätigen Berkehrswachtleute der Verkehrswacht Berlins Brandenburg e. B. zu unterstützen. Der unsanfte Kinnhaken. Zähne find nicht Glieder des menschlichen Körpers. In einem Potsdamer Lofal war der Klavierspieler Frizz B. mit einem Gaft in Streitigkeiten geraten. Es tam zu Tätlichkeiten, und der Klarierspieler schlug derart auf den Gait herum, daß dieser außer einer Verwundung im Gesicht acht Schneidezähne eins büßte. Wegen Körperverlegung mittels eines gefährlichen Werkzeuges vor dem Potsdamer Amtsgericht angeflagt, bestritt der Angeflagte, den Gast geschlagen zu haben Bielleicht habe ein un fanfter Kinnhafen den Berlust der Zähne herbeigeführt. Der Amtsanmalt ftellte anheim, die Sache an das Schwurgericht zu vers weisen, falls die Zähne als Glied des menschlichen Rörpers angesehen würden. Das Gericht lehnte eine leberweisung ab mit der Begründung, daß 3ähne nicht als Glied des nens dilichen Körpers anzusehen seten, denn nach medizinischem Gutachten ist nur das als Glieb zu bezeichnen, was durch Gelente mit dem Körper verbunden ist. Dauernde Ent stand geschlagen habe. Es fem daher nur einfache Körperverlchung Ilagten fonnte nicht nachgewiesen werden, daß er mit einem Gegenftellung fomme nicht in Frage, da es falsche Zähne gibt. Dem Ange in Frage. Strafantrag war von dem Berletzten nicht gestellt, und das Gericht fam zu einer Freisprechung. Als der Vorsitzende den Zengen fragte, ob er schon wieder Zähne habe, meinte dieser treuherzig: Ach. Herr Richter, ohne Geld wachien sie nicht." Deutschnationaler Kulturkampf! Die Deutsche Tageszeitung" brachte am 7. Januar d. 3. nach. stehende Notiz: Bon einem Sittlichkeitsverbrechen einer belagten Lehrerin in Niederschönhaufen weiß eine polizeioffiziöse Nachrichtenstelle zu berichten. Danach foll eine 53jährige Brivatlehrerin einen 12jährigen Jungen verführt und dieser sich im weiteren Berlaufan seiner 9jährigen Schwester vergangen haben. Die Einzel. heiten sind nicht wiederzugeben; fie fcheinen mit den neuesten Madttanzbestrebungen entschiedener Schulreformer zusammenzuhängen." Es bedarf wohl faum des Hinweises, daß diese Privatlehrerin in feiner Verbindung mit der Schulreformbewegung steht. Etel pact einen; menn man sieht, wie die Deutsche Tageszeitung", deren Anhänger angeblich Anstand und christliche Sitte in Erbpacht haben", diefen traurigen Fall auszuschlachten versucht. Was würde man sagen, wenn man diesen Fall, da es sich um eine„ Christin“ handelt, der christlichen" Weltanschauung aufs Konto schriebe? Das wäre natürlich genau so dumm und gemein, wie die Andeutung der Deutschen Tageszeitung". Der Bankkommissionsinhaber". Der Wegen vieler Schwindeleien wurde ein 22jähriger Banffommissionsinhaber", ein Kaufmann Siegfried Graf von der Kriminalpolizei festgenommen. Der junge Mann gründete femen Betrieb vor 5 Monaten in der Badstraße. Weil er selbst kein Kapital hatte, so verschaffte er es sich durch Einleger und Angestellte. Jene fielen auf seine geschickten Anpreisungen hinein, diesen nahm er Bürgschaften von 200 bis 1000 m. ab. Die Einleger trauten feinen schönen Geschäftsbriefbogen mit Giro- und Bankkonto um so lieber, als er ihnen 20 Pro 3. und mehr Monatszinjen ver Sprach. Die Vertreter, die wieder Einleger heranschaffen mußten, einige Zinsen und beruhigten sich vorläufig dabei. Mit jeder neuen follten 200 bis 300 M. Monatsgehalt und außerdem Provision be Einlage und jeder neuen Kaution stopfte der Bankkommissionsin habet ein altes Lody 311, foweit er das Geld nicht für sich selbst verbrauchte. Als ihm die Gläubiger in der Badstraße zu stürmisch auf den Leib tamen, verlegte er den Betrieb nach der Bernburger Straße, und als man ihn auch hier fand und von neuem bestürmte, nach der Turm und endlich nach der Chausseestraße. In der Bernburger Straße hatte er noch große möblierte Räume, von da ab wurde er immer bescheidener. Vesonders drängenden Gläubigern verpfändete er auch die Möbel, die er für sein Eigentum ausaab, obwohl sie den Wirtsleuten gehörten. Auf viele Anzeigen hin wurde der Schwindler jegt feft. genommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Mittellungen Don Betrogenen, die noch keine Anzeige gemacht haben, ninunt die Striminalinspektion C. 7 in der Georgenkirchstraße 30a entgegn. femmen. Die Einleger erhielten nach dem ersten Monat auch Zuchthaus für einen Falschgeldverbreiter. Bei der Ausgabe gefälschter englischer Biundnoten wurde vor Er hatte sich nun vor dem Schöffengericht Mitte zu verantworten einiger Zeit der Kaufmann Mein in der Brunnenstraße abgefaßt und behauptete, daß er selbst hineingelegt worden fei und daß er feine Ahnung von den älichungen gebabt habe. Er will nämlich, da er in Not war, am Botsdamer Play feine goldene Uhr berkauft und dafür die Devisen als Zahlungsmittel erhalten baben Merkwürdigerweise war der Angellagte aber eigene bis zur Brunnenstraße gefahren, um sich dort ein paar Strümpfe au fauien. Die Wirtin des Angeklagten belundete, daß sie in dessen Wohnung niemals eine goldene br geieben babe. Das Schöffen gericht verurteilte ein, der bereits mehrmals vorbestraft ist, zu drei Jahren Buchthaus und Ehrverlust. Zu dem Mord in der Gneisenaustraße wird mitgeteilt, daß die Ermordete immer noch nicht bekannt ist. Man will in ihr ein Straßenmädchen erkennen, daß besonders in der Gegend der Friedrich- und Mittelstraße umberging und Margot Schrader oder auch Margot Schindler genannt wurde. Andere wollen in ihr eine Jule Beder mit dem Spiznamen Rennbahnjule fuchte. Gestern nachmittag wurde im Leichenbauhaus die Obduktion erkennen, die ebenfalls in der gleichen Gegend Männerbekanntschaften der Ermordeten durch Medizinalrat Dr. Stormer und Profeſſor Dr. Strauch ausgeführt. Die Obduktion ergab, daß der Tod durch Schädel und Gehirnzertrün: merung sowie durch Verbluten ein getreten ist. Der Mörder hat, wie wir schon mitteilten, in sinnloser Wut auf das Opfer eingeschlagen. Im panzen hat er zehn Schläne ne führt. Der Kopf der Ermordeten wurde abgetragen und im Lichte bilde festgehalten. Er wird rekonstruiert und im Leichenschauhauſe ausgestellt werden, um die Feststellung der Persönlichkeit zu er leichtern. Am 2 Januar d. J. ift in der Nähe Der Mord bei Dennewit von Dennewig bei Jüterbog die Leche eines etton 25jar er Mannes aufgefunden worden. der einem Verbrechen zum Cher gefallen war. Der Tote ift jest als der am 10 Oftober 1900 festgestellt. Der Täter ist noch nicht ermittelt. in Müggen( Proving Sachfen) geborene Elektriler Georg Bär Sprechchor für Proletarische Felerffunden. Dente, Donnerstag, 1,8 brs Uebungsstunde im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17. Die Zukunft der Parks. Auf der letzten Tagung für Denkmalpflege und Heimatschutz hat sich eine interessante Debatte abgespielt, als die jetzt im Gange befindliche Durchführung einer Wiederherstellung der alten Pots damer Parks behandelt wurde. Die Freunde des jezigen Zustandes äußerten ihre Bedenken gegen allzu weitgehende Aenderungen, und solche Bedenken sind auch in der Oeffentlichkeit in den letzten Monaten mehrfach erhoben worden. Da erscheint eben der steno graphische Bericht jener Tagung, der zeigt, was überhaupt beabsichtigt wird. Gering sind die Aenderungen in Berlin und Charlottenburg. Die wichtigste Gartenanlage Berlins hat, wie Dr. Hildebrand von der preußischen Krongutverwaltung darlegt, das Charlotten: burger Schloß, aber die ehemalige Schöpfung Le Notres, die Knobelsdorff noch einmal gerettet hatte, ist unwiederbringlich dahin. Es tann nichts weiter geschehen, als die Fläche vor der Gartenfeite des Schlosses von den wenigen modernen Zutaten zu befreien( dazu gehört natürlich nicht der Gedenkstein an die Parade Kaiser Friedrichs) und die nächsten Anlagen streng architektonisch zu gestalten; im hinteren Teil durch Pflege der Brücken und des Belvederes den Land schaftscharakter des ausgehenden 18. Jahrhunderts möglichst zu er. halten. Die start beeinträchtigten Teile an der Stadtseite des Schloffes fönnen vorläufig nicht verändert werden. Die Freimachung des Ehrenhofes wäre durchaus durchführbar, begonnen ist damit am Neuen Palais, verfucht müßte es auch werden bei der jetzigen Berliner Universität und dem Rest des Friedrich- Forums gegenüber. Der Part von Bellevue ist als Kulturbentmal mitten in Berlin wichtig genug, um ihn gegen alle seine totale Umgestaltung nach sich ziehenden Pläne zu schüßen; mit einem Grundriß aus der Entstehungszeit, der sich erhalten hat, läßt sich auch hier die Wege führung und die gärtnerische Gestaltung im einzelnen wieder. herstellen. Unmöglich ist das leider bei den übrigen Schloßparts Berlins: Monbijou, Niederschönhausen mit seinem wundervollen Baumbestand; ähnliá) liegt es bei dem höchstwahrscheinlich nicht in Staatsbefik übergehenden Bart von Rheinsberg und der Umgebung der Schlösser von Königswusterhausen und Oranienburg. Gasvergiffungen. Der Händler Gufiab 2. aus der Balifabenstraße 91 wurde in seiner Wohnung bewußtlos mit Gas vergiftet aufgefunden. Es gelang, ihn wieder ins Leben zurüdStraße wurde in ihrem Zimmer im Bette liegend bewußtlos auf aurufen. Auch die Studentin Eugenie B. aus der Bayreuther gefunden. Wieberbelebungsverinche waren auch hier von Erfolg. Die Lampe war anscheinend nicht ordnungsgemäß ausgedreht worden, fobaß nach Gas ausströmte. Ein Argt ordnete die leberführung der B. in ein Strantenhaus an. Bezirksbildungsausschnß Groß- Berlin. ona abend, den 17. b. M., abends 8 Uhr und Sonntag, den 18. Januar, nachmittags 3%, br, im Schilleriaal: Mufitalische Komödien". Preis der Karte 1 M. einschließlich Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 3, Uhr, leiberablage. im großen Saal der Philharmonie, 3. eft fongert: Internatiomale Lieder und Chorgefänge". Preis der Einzelkarte 1 m. Karten find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindens Straße 3, in der Vorwärts"-Buchhandlung, Lindenstr. 2, Bigarrengeschäft Sorsch, Engelufer 24, Verband der Graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jalob. ftraße 5, in den Vorwärts" Speditionen, fowie bei allen Dblenten der Kreis- und Abteilungsausschüsse. Arbeiterbildungsschule. Der Lehrplan für das Quartal Januar März 1925 ist erschienen und unentgeltlich zu haben in den oben angege benen Stellen. " Vortragsabend über die Einheitsfurzschrift. Im Stenographischen In flitut Berlin findet heute abend 8, Uhr, Georgenstr. 30, Aula,( Bahnhof Friedrichstr.) ein Bortragsabend über die Einheitskursschrift statt. Studiendirektor Dr. Gaster wird an Hand praktischer Beispiele an der Tafel eine Einführung über Entstehung und Wesen der Einheitsfurzschrift geben. . Jm neuen Programm des Wintergartens find vor allen Dingen die brei Swift3 zu nennen, die auf ihrem Siegeszug durch Deutschland nun auch hier eingelehrt sind und ihren brillanten bewundernswerten Steulenalt mit einer fabelhaften Sicherheit binlegen. Außerordentlich rübmenswert ist auch der Trampolinaft der eleganten und geschmeidigen drei Aragon Allegris. Atrobaten. Die vier Serlanis- Afrobaten erhöhen die Wirkung ibrer ebenmäßig gebauten Körper in Marmorgruppen und Trapezfraftleistungen durch schön gemischte Richter. Sehr luftig ist der Fußballakt auf Rädern der Harvard, Holt und Rendrid, so lustig, daß man dabei die großen artistischen Schwierig feiten nabeau bergigt. 8 elesti weiß dem alten, eigentlich schon übers lebten Elangenmenschenatt neue Seiten abzugewinnen. Eine nerven figelnde Sache in die Vorführung der vier in der Tat wilden Berberlöwen durch Signor fortunios. Wenn der Dompteur den Beftien obne jede Baffe nur mit der ausgestredten Hand und mit seinem faszinierenden Blid gegenübersteht, so find das Momente, wo den Zuschauern der Herz. schlag aussetzt. Sie werden dann aber bei den rosenrotbeftrumpiten 16 blonden und brünetten Tiller@irls entschädigt, bei denen man bie Korreftbeit und Grattheit der Dressur von 16 Baar schönen englischen madhenbeinen bewundern fann. Die spanische Tänzerin marantina ist eine aparte Erscheinung, die Musit bis in die Fingerspizen hat und ihr rhythmisches Gefühl fogar bis in die Kastagnetten ausstrahlt. Ihr Tanz ist ein Genuß. Jm Zirtus Busch tritt jest allabenblich Nic Diabolo feine toütübne - ant. Bar früher die Stluft, Schleifenjabrt- 200bing the Loopdie er in ralender Fabrt mit feinem Rabe zu überspringen hatte, nur 2 Meter breit, fo beträgt sie jest 8 Meter. Sapitan neider zeigt jett feine große Löwengruppe, ungefähr 40 Stere, auch im zirzensi schen Teil, und er versteht es meisterhaft, feine Beitten mit einigen freunde lichen Worten und dann und wann mit der Beitsche zu beherrschen. Burdhardt Fo6ttit reitet tlaifische Hohe Schule und. erntet mit feinen Darbietungen den vertienten Beifall der Besucher. Bourbonnell. Sie war feit 1897 mitäffer und Ricardo entfesseln mit ihrem fomischen Intermezzo Erwähnt set noch der anffae wahre Lachfalven im weiten Rund. Rodeiatt der Gaft und Bisbini Quo vadis", bas Manegeichaustüd, das bereits von uns besprochen wurde, beschließt das Januarprogranim. Künstlerisch wichtiger sind die Fragen bei den Potsdamer Parts. Bei Sanssouci tommt als erstes die Freimachung der Gartenfläche unmittelbar vor dem Schloffe in Frage: die allmähliche Fortnahme alles bildnerischen und gärtnerif hen Schmudes auf der oberen Terrasse mit Ausnahme der halbrunden Anlagen auf beiden Seiten; ferner die Wegnahme der allzugroß gewordenen Tagus auf dem Rand der Terrassen und auf ihrem Fuß. Als ausgeschlossen muß die Wiederherstellung des Mittelporterres am Fuß der Terrasse von Sanssouci mit der großen Fon täne gelten. Denn hier hat die Zeit Friedrich Wilhelms IV. alles Döllig verwandelt; man müßte sämtliche Bäume schlagen, fämtliche Bildwerke aus der Zeit Friedrich Wilhelms IV. bis auf die Neuzeit wegnehmen, das Baffin verkleinern und ihm seine alte Form geben. Ebenso wäre der bizarren Gartenanlage aus dem Alter des Königs, dem Teehaus zu helfen: mif veränderter Wegführung und neuen Durchschlägen. Wie gut folche Wiederherstellungen wirten fönnen, zeigt die neue Form des Plazzes zwischen Neuem Ralais und Communs, der sogenannten Mopfe. Sie war feit 1897 mit Paramideneichen, Cypressen und Buruskugeln bepflanzt worden, bie allmählich die architektonischen Linien von allen Seiten her überschritten und das Ganze auseinander rissen. Als man jetzt diese Bäume fällte, ergab sich ein schönes, reines Gesamtbild. Ebenso vorteilhaft war die Entfernung des Distuswerfers vor dem Freunde schaftstempel; die Figur stand gerade in der Blickachje der Statue Den Friedrichs Bayreuther Schwester. Bessere Pflege als jetzt ver dient der Lustgarten am Botsdamer Stadtschloß, und auf der anderen Schloßfeite müßte der Hof mit den fleinlichen Gartenanlagen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts be freit und wieder ganz bepflastert werden, was in Königsberg schon gelungen ist. Am Pfingstberg fommt eine richtige Aus. heizung als nötig in Betracht. Die Pfaueninsel, die jetzt als Naturschutzpark gegen die Roheit des Publitums mehr geschützt ift als früher, wird auch als Natur- und Kulturdenkmal zu be handeln sein, wobei wie am Anfang des 19. Jahrhunderts an vielen Stellen ein Muhgarten an Stelle eines Ziergartens treten fann. Der Babelsberger Part ist ebenso wie der von Glienice erheblich zugewachsen, er hat viel Ausschlag, der sich niemals zu parfartigem Baumbestand entwickeln wird, wenn er nicht rechtzeitig burchforstet wird. Es besteht die Hoffnung, shon in diesem Jahre die nach 1918 hineingelegten öffentlichen Spielpläge wieder heraus. zubekommen. Wild- West in Tempelhof. Gestern abend um 7 1hr erschienen plüßlich in der Berkaufs stelle 78 des Beamtenwirtschaftsvereins in der Germaniastraße in Tempelhof drei mastierte Männer mit vorgehaltenen Revolvern und Handgranaten und riefen dem völlig überraschten Berkäuferpersonal zu hände hoch oder wir schießen!" Hierauf zerstörten die Räuber das Telephon, entwendeten das Geld aus der Kaffe und nahmen einige Schinken und mehrere 100 3igaretten weg. Sie verschlofien dann die Tür ron außen und bedrohten die Ueberfallenen mit Handgranaten, falls fie eine Berfolgung auf, nehmen würden. Obgleich die Kriminalpolizei und das Ueberfallkommando sofort zur Stelle waren, gelang es bisher nicht, in der einsamen dunklen Gegend eine Spur von den Tätern zu entdecken. Das brennende kind. Die Ehefrau Jba Heinrich aus der Gubener Straße 61 hatte ihre beiden und 7 Jahre alten Kinder allein gelaffen. Bei einem Versuche mit Streich hölzern eine Sterze anzuzünden, fingen die Kleider des jüngeren Kindes Feuer. Mit erheblichen Brandwunden mußte das Kind dem Krankenhause im Friedrichshain zugeführt werden. Wiffenfchaftliche urfe der Bollshochschule Cichtenberg. Das Gebiet der Naturwissenschalten ist mit folgenden Surfen beidsthtigt worden: 1. Ma thematif( lächen und Körperberechnunnen, Eigenschatten der Stegel schnitte) Dozent Studienrat Spe ermann Reform Realgymnafium Bart are 12. Beginn 26. Januar, 8 Ubr abends. 2. Abstammung des Menschen und das Raffenproblem.( Mit Demonftrationen und Wuleumsführungen). Dozent Dr. Ragler, Cecilien- Lyzeum, Rathausfirage 8, Beginn 30. Januar cr., 8 lbr abenbe,& einführung in die anorganische bemie.( Arbeitsgemeinschaft im Laboratorium.) Dozent Dr. Linde, Bahn- Realgymnasium, Marliftr. 2/3, Beginn 29. Januar, 8 1hr abends. Hörgebühr für diese Kurse( acht Abenbe) 2.50 W. Anmeldungen zu diesen Vorlesungen: 1. Städtische Schulabteilung gi& tenberg, Mollendorfftr. 5, 3. Gingang, Bimmer 17, von 8 bis 3 Uhr. 2. 3eitungserbedition Bormaris" Lichtentberg, Borbagener Str. 62. 2. Bon den Hausmeistern des Reform Realgymnasiums, Parfaue 12, des Cecilien- Lyzeums, Rathausstr. 8, und des Rabn- Realgymnasiums, Marktstr. 2/3, wochentags ven 5 bis 7 1hr nach mittags. 99 Schlagwetterexplosion bei Aachen. Parteinachrichten Ginsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68. Binbenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts. an richten. 4. Rezis Prenzlauer Berg. Freitag, ben 16. Sanuar, 7% Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei Klug. Danziger Str. 71. Abrechnungen und Gesamtresultate der Reichstagswahl mitbringen. Arbeitsgemein schaft der Kinderfreunde! Heute, Donnerstag, 7 Uhr, Selferfizung bei Heim, Danziger Str. 62. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 16. Sanuar, 7 Uhr, erweiterte Kreisvor standsfikung bei Bieler, Dieffenbachstr. 76. Wichtige Sigung der Abtellungsmieterobleute am Freitag, den 16. Januar, 7% Uhr, bei Walter, Kreuzbergstr. 23. Kinderfreunde! Freitag, den 10. Januar, 6 Uhr, Hortzimmer Waldemarstr. 77. Alle Selferinnen müssen erscheinen. Det 7. Kreis Charlottenburg. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde! Lichtbildervortrag muß technischer Schwierigkeiten wegen bis Februar verschoben werden. Rarten behalten Gültigkeit. Näheres wieder durch den Vorwärts". Heute, Donnerstag, den 15. Januar: Jungsozialisten, Gruppe Friedrichshain. Pünktlich 7½ Uhr im Jugendheim Tilsiter Str. 4. Liliencrons Leben und Werke." Gruppe Nordost. 8 Uhr Baraden, Danziger Str. 62. Fortsetzung der Aussprache über den Sofgeismar- Rundbrief". Gruppe Neukölln. 7% Uhr in der KinderTefchalle Rogatstr. 11: Arbeitsgemeinschaft der Genossin Maria Hodann. Thema: Staat und Sozialismus." Morgen, Freitag, den 16. Januar: 62. st. Siemensstadt. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Lotal Sundheim, Nonnenbammallee. Tagesordnung: 1. Bortrag über: Die Ronfum. genossenschaften." Ref.: Genoffe Liefe. 2. Parteiangelegenheiten. 6% Uhr Sigung aller Funktionäre. Jungfozialisten, Gruppe Friedenau. 8 Uhr im Jugendheim Offenbacher Str. 5a Mitgliederversammlung. 31. Abt. Gonnabend, den 17. Januar, 7% Uhr, bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Funktionärtonferenz mit den Betriebsvertrauensleuten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 4. bt. Genosse Baul Baube, Magazinstr. 14, ist am Montag, den 12. Januar, verstorben. Einäfcherung heute, Donnerstag, vormittag 11% Uhr im Krematorium Baumschulenweg. 108. Abt. Röpenid. Genoffin Marie Budig ist am 11. Januar verstorben. Beerdigung Donnerstag, den 15. Januar, nadm. 4 Uhr, auf dem Köpenicker Friedhof. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 15. Januar, 7% Uhr: Gesundbrunnen: Note Schule Gotenburger Str. 20 Bortrag: Proletariat und Baterland." Rosenthal: Schule Kastanienallee Bortrag: Ernst Toller." 自 Seute, Donnerstag, den 15. Januar, abends 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3: Karl- Liebknecht und Rosa- Euremburg- Gebenkfeier der GAZ. Sildwest und des Werbebezirks Streuzberg. Ansprache, Musik und Rezitationen. Eintritt frei. Gäste und Eltern willkommen. Vorträge. Dereine und Versammlungen. Am Arbeiter Rabio- Klub, Bezirk Kreuzberg, Gruppe Rottbufer Tor. Donnerstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, findet im Lotal von Wollschläger, Adalbertstr. 21, eine Versammlung fämtlicher Radiofreunde statt. Gäste will. Lommen. Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Am Sonn tag, ben 18. Januar, vormittags 10 Uhr, findet im Cafe Gäriner am Stadtbahnhof Bellevue in Berlin NW. 23, Brüden- Allee 20, die ordentliche Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des R. i.. flatt Berein der Freibenter für Feuerbestattung C. B. Friedrichshain, Bezirk 5, Freitag, den 16. Januar, abends 7 Uhr, in der Königsbunt, Große Frank futter Str. 117, öffentliche Mitgliederversammlung. Schöneberg- Friebenau, Bezirk 11. Freitag, den 16. Januat, abends 7% Uhr, im Lindenpart, SauptRehlendorf, Bezirk 10. Freitag, den ftraße 18, Mitgliederversammlung. 16. Samar, abends 7 1hr, im Botal Lindenpart, Berliner Str. 8, Mitglieder Bankow, Bezirk 19. Freitag, den 16. Januar, abends 7% Uhr, perfammlung. In der Schulaula Grunomstraße Mitgliederversammlung. Arbeiter- Rabio- Klub, Bezirk Norben. Jeden Donnerstag abend 7% Uhe Bersammlung in der Kopenhagener Str. 9 bei, Morat. Gäste willkommen. Geschäftliche Mitteilungen In einem Flöz der Grube Maria Sauptichacht in Mariaborf ereignete sich aus bisher nicht aufgeklärter Uriache eine lag. toeiteregploiion. An der Explosionsstelle befanden sich zwei Bergleute, zu beren Rettung sofort die mit Gastauchapparaten ausgerüstete Rettungsfolonne der Grube Maria eingefegt wurde. Das Bordringen der Rettungelolonne ftieß auf größte Schwierig feiten, weil an der Explosionsstelle die Strede teilweise zufammengebrochen ivar. Der am weitesten vorgedrungene Rettungemann, Steiger Heinrich Simons aus Mariadorf, war durch Einatmen perfchafft dem Störper behagliches Wohlgefühl. der Schwaben so geichwächt, daß er nicht mehr ausüdfonnte. Nach mehrmaligen vergeblichen Verfuchen gelang es, ihn zu bergen, doch batten wiederbelebungsverfuche teinen Erfolg. Die inzwischen getroffenen Maßnahmen werden es möglich machen, im Berlaufe des Tages zu den beiden verunglückten Bergleuten, die faum mehr am Leben sein dürften, vorzubringen. Dammrutsch auf der Fischbach- Bahn. Auf der Fischbach Bahn hat sich nach einer Meldung aus Saarbrücken zwischen den Stationen Beerfeld und Quierschied ein Dammrutsch ereignet, ber nach Mitteilung der Eisenbahndirektion Saarbrüden eine Unter brechung des Zugverkehrs von 8 bis 4 Wochen verursacht. 3wei Katastrophen in Petersburg. Bei einem Fluge über dem Petersburger Borort jesnoi geriet ein Militär flugzeug, in dem sich der Militärkommissar Konjew und der Flieger Petrow befanden, infolge unvorsichtigen Niedergehend in die Drahtleitung der Straßenbahn. Das Flugzeug tam in Brand und beide In faffen wurden getötet. Der Chef des Flugplages butow wollte sich im Auto zu der Unfallstelle begeben. Beim Bering, dicht vor einem Schnellzug über die Schienen zu fahren, wurde das Auto von der Lokomotive erfaßt. Der Chauffeur wurde getötet, bufow schwer verletzt. Das Hochwaffer in Indien. Die Hochwasserfchäden in Myiore während des legten Südwestmoniums find jetzt fest gestellt worden. In fünf von acht Distrifen baben 246 Städte und Dörfer Saaden genommen. 5710 Säufer wurden vollständig. 600 teilweise zerstört. 21 088 Acres Landes wurden durch Schlamm verwüstet. von denen 13 986 Acres zur Bebauung wieder hergestellt worden sind mit einem Kostenaufwand bon 1095 258 Ruvien. Der Gesamtschaden in Mysore Mysore beträgt 11 017 462 Rupien( etwa 15 Millionen Goldmart). Infolge des Erdbebens bei Ardihan am 12. Januar wurden, nach einer Meldung aus Angora, vier Dörfer vollkommen zerstört und viele Dörfer start beschädigt. 148 Personen wurden getötet und 33 verlegt. Briefkasten der Redaktion. B. 6. 33. 1. Rein. 2, Sa; sechs Rehntel der Invalidenrente. 3. Ja; bis aum 18. Jahre. Fünf Rehntel der Invalidenrente. Sternschanze. 1. Eich walbe. 2. Stein. Sie milffen sich an einen Abgeordneten wenden. 3. Eine Bertellung findet nicht statt. Mieterrat. Die Eade läßt sich am besten münb lich erledigen. Rommen Sie in unsere Suristische Sprechstunde. Gefeßliche Benimmungen bestehen nicht. Sirthe. 1. Stichts. 2. Ja, sofern die Mieter nehmen. D.. 100. L. Dazu ist keine besondere Erlaubnis erforderlich. 2. Aenderung ist nicht möglich. fich zur Rahlung bereitfinden bzw. eine dahingehende Berpflichtung über 3m Binter ift eine gute Suppe ftets wiltommen. Gie wärmt, fräftigt und Am bequemsten stellt man belibate Suppen in mehr als 25 Sorten-aus Maggi's betannten Suppen würfeln her. Diefe brauchen nur noch turze Zeit lediglich mit Wasser getocht Au werden, weil sie gerade das, was die Hausfrau felbft zu einer guten Suppe nimmt, schon enthalten. Der Inventur- Ausverkauf im Raufhaus Ginger n. Co. G. m. b. S., Chauffee gewöhnlich vorteilhafte Angebote in allen Abteilungen zu bedeutend herab gefekten Breifen. Ein Befuch des Kaufhauses tann nur empfohlen werden. Ein Blid auf die Schuhe und der Träger derfelben fann ziemlich genan beurteilt werden. Welch fchlechten Cindrud macht z. B. ein blau oder grau schwarzer, mattglänzender Schuh! Sie haben tabellos, tiefschwarz glänzendes Hauptvorzüge: Schuhwert, wenn Sie Erdal Marke Rotfrosch verwenden. feinste Bufammenfegung, daher große Ausgiebigkeit, wunderbarer, jedem Better ftandhaltender Hochglanz fake 61/62, bauert nur noch 3 Tage. Die Firma bringt nochmals außer Sport. Das Sechstagerennen am Kaiserdamm. Heute in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag steigt auf der Kaiserdammbahn das 13. Berliner Sechstagerennen. Die Starterliste ist nunmehr vollständig. Am Start ers fcheinen: Nütt- Aerts, Brocco- Miquel, Grenda- Mac Beath, Egg- Krupfat, Salbom- Lorena, Giorgetti- Rizetto, Lewanowo Bauer, Huschte Stohl, Hahn- Oskar Tieh, Stabe- Techmer, Stellbrint- Roch, van Kem pen- Sawall und Golle- Manthen, also 17 deutsche und 9 auslän dische Fahrer. Das Rennen führt über 144 Stunden. Es beginnt Donnerstag 12 Uhr nachts und endet in der Nacht vom 21. bis 22. Januar ebenfalls 12 Uhr nachts. Vorher finden ab 49 Uhr Einleitungsrennen statt. Ueber den Verlauf des langen Rennens werden wir fortlaufend berichten. Großer Inventur- Verkauf Beginn 5. Januar 1925 Preise bedeutend herabgesetzt Stoffe für Anzüge, Ulster usw. statt 10.- 15.- 20.- M. jetzt 8.- 12.-18.-M. Stoffe für Kostüme, Kleider, Mäntel statt 6.- 8.- 12. M. jetzt 5.- 6.- 8.- M. Koch& Seeland Gertraudienstr. 20-21 tegenüber der Petrikirke. 회 19 Kinderzeitung ..Der kleine Coco" gratis Rahma 1/24 nur 50& Kinderzeitung Der kleine Coco" gratis Margarine buttergleich Beginn 2. Januar Kein Verkauf an Wiederverkäufer Mengenabgabe vorbehalten Inventun AUSVERKAUF JN FAST ALLEN ABTEILUNGEN! Preise teilweise Berkauf der Restbestände des Inventur- Ausverkaufs nochmals ermäßigt Sportanzüge schied. Farb.. gute Qualit., mit Breeches, jetzt SERIE II SERIE III น 39° 520 Damen- Mäntel 1375 1975 2950 Gummimäntel 1750 2200 gute Gummierung, weite Form, Jetzt aus vorzüglichen Stoffen.. Ein Posten Sakkoanzüge 27 Jackenkleider 1975295039 50 gemustert, in vielen Farben.... 275 Herren- Hüte Regenschirme für Damen u. Herren für Damen u. Herren 375 1 Hest- Damen- Handschuhe Trikot, angerauht 75Pt. Trikot, 1 Rest- Damen- u.Herren- Handschuhe Ha95PL posten 1 Rest Damen- Handschuhe Glacé, mit Autnaht 290 pos en apart gearbeitet, in guten Stoffen Kleider aus verschiedenen guten Stoffen........ Kleiderröcke aus guten, einfarbigen gemusterten Stoffen.. Damen- Schlüpfer Baumwolle...... 195 Mädchen- Mäntel Damen- Schlüpfer Kunstseide. 390 7-110 cm lg. 590 790 975 250 390 5.90 1 Posten reinwoll. 725 Blusen 675 975 aus warmen Winterstoften. 75 cm lg. 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Savoir Leopoldine Ronstantin, Korff, Falkenstein, Raiser- Titz, Rosé Haller- Revue 1925 Tb. i.Admiralspalast Allabendl. 8% U. 23. Woche Hoch and Noch Die größte Revue d. Welt: 66 Sonntag nachm. 3% Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! 2. Rang 1 Maik Central Theater 7 Uhr: Die versunk. Glocke Deuts Opernhaus 3 Ausnahme- Tage Donnerstag bis Sonnabend in Ausgeschlachteten Gänse- Artikeln Gänse- Stückenfl. Pfd. 95 Pfg., bei 5 Pfd 4.50 Gänseklein mit Magen Gänsekeulen Gänse- Keulenfleisch Gänseschmalz, garantiert rein Stück 140 Pfund 1.60 Pfund 1.40 Glas 1.50 Liesen, Hautfett, Darmfett billigst. Ferdinand Horwitz Zentral- Markthalle, Reihe 12 Stand 171/172, Große Gänse- Ecke, Mittelgang U- Tristan n Isolde AUTO- PALASTE Volksbubne Trianon- Th. Warner- Zyklus IV 7Uhr: Sakuntala Deutsch. Theater T2 Uhr Kabale und Liebe Kammerspiele 8 Unr Die tote Tante und andere Begebenheiten Die Komödie Karfürstendamm 206/207 1/2 Uhr. Sechs Personen suchen einen Autor Theater i. d. Königgrätzer Str. 8U.: Der Tokaier Komödienhaus 8 Uhr: Die Cousine a.Warschau Tägl. 8 Uhr: Mary Intimes Theater 8 Katzi Abenteuer nach dem Tode etc. Erika Glässner Metropol- Theater Alexander, Raiser- Titz, Tägl. 7 Uhr. Schindler, Schröder- Schromm Schindler. Schröder- Schromm Gräfin Mariza Deutsch, Künstlertheat. Heute geschlossen Lustspielhaus Neues Th. am Zoo Täglich 73 Uhr 8 Uhr Guido Thielscher Wild- West- Mädel D. wahre Jakob Operettenhaus Th. in Kommand. Str. am Schiffbauerdam 8 Uhr. Die vertauschte Frau Wallner- Theat. 8 Uhr. Zum letzten Male: 8 Uhr: Wenn man verliebt ist.. Freitag 7: Premiere Die Frau ohne Kuß Pelleas and Melisande von Richard Keßier Berliner Theater Residenz- Th. 7.30 Uhr. Anneliese v. Dessau Mus v. Walter Kol'o mit Molly Wessely Fritz Spisa 8 Uhr Stg. nachm. 3 Uhr: D.größte Lacherfolg Raub d.Sabinerinnen Gisela SCALA Werbezirk Casino- Theater Tagl.& Unr: Varieté. Lothrin er Str. 37 Tägl. 8 Uhr in: Rosa Altschull Der neue mit Kail Ettlinger Schlager Preise 1, 3, 3 M. usw Graf Koks Posse in 3 Au zügen Gänzl f. Revue! Kammer- 6per Janzi peu 1. Berlin! mit Winstons TauchSensation! Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße Täglich 8 Uhr: Wohl zu ruhen, Gerr Nachbar! Kom. Op. v Poise Circus Das klage Felleisen Busch von Wend and Karten 5, 4, 3, 2 M. Tagl 72. Sonat. auch 3 Uhr: inkl. Garderobe und Progr. Looping the Loop 50 Löwen 12 Lowenbaby's WINTERTEN 12 Gladiatoren 12 Novitäten9 Uhr. Nur noch Januar! Schaust. Spielplan! halbe Preise Maney Quo vadis? onntags 3 Uhr Stg. nachm. halbe Pr. Rauchen desta tet. Apollo. < Uhr Theater 8 Uhr Revue- Posse Daslachende Berlin D amüsanteste Theaterabd. BerlinUeber 150 Mitwirkende: Ganz kleine Eintrittspreise! Parkett 2,50 M. Volkstüml. Preise! 45-21 JANUAR TAGE RENNEN UNUNTERBROCHEN TAG UND NACHT START: HEUTE MITTERNACHT VORHER: FLIEGERRENNEN BEGINN 81, UHR OMNIBUSVERKEHR DIE GANZE NACHT Möbel- Cohn im Osten: Gr. 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Rittergutstr. 16/26 Konsumgenossenschaft Berlin u. Umgegend E. G. m. b. H. Der Vorstand A. Mirus. R. Sehreiber. Wilh. Lamm. L. Hajek. F. Hille. Arnold Scholz Neue Welt Täglich Hasenheide 108-114 Bockbier- Fest in den bayer. Alpen Ausstoß von Original- Friedens- Bockbier der Bergschloß- Brauerei $ 8 Kapellen Neue Dekorationen 30 bayer. Mad'l Heute Donnerstag, den 15. Januar 1925 Großes Schweineschlachten Einlaẞ 6 Uhr Anfang 7 Uhr Voranzeige: Sonnabend, den 17. Januar 25: Großer Alpenball. Komische 8 Uhr Oper Direktion: James Klein 8 Uhr Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht gesehn mit über 250 Mitwirkenden m.d.Pariser Orig.- Ausstatt. m.span. Grig.- Tanztruppen mit einer Auslese der berühmtest. Bü beni ünstler des In- und Auslandes git auf der ganzen Welt als Unvergleichliche Sehenswürdigkeit Sonntag 3% Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs. 1 Kind frei zu halben Preisen ( 50 Pt. is 6 Mk.) Vorverkauf ununterbrochen! Am 12. Januar 1925 entschlief sanft nach kurzem Krankenlager mein treusorgender Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, ehem. Rendant der Krankenkasse der Maler und Vorsteher i. R. bei der Ortskrankenkasse der Stadt Berlin Max Buschold im 67. Lebensjahre. Berlin, den 14. Januar 1925. Frankfurter Allee 275. Im Namen der Hinterbliebenen Marie Buschold geb. Weidner Die Trauerfeier findet statt am Freitag. den 16. Januar, nachmittags 2 Uhr, im Krematorium, Berlin, Gerichtstr. 37/38. Kranzspenden dankend verbeten. Nerven leiden, Schlaflofigteit, nervöse Herz- u. Magenbeschwerden ,, Baldrament" die natürlichste Me dizin zur Nervenberuhigung und Stärtung. Große Erfolge feit 33 JahFl. M. 2.50 In Drogerien und Apotheken, sonst bei OttoReichel, Berlia 43, SO, Eisenbahnftr 4 ren. Reichshallen Theater Allabendi 8 U. u. Sonntags nachm.3 Uhr Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise volles Programm. Am 12. Januar, morgens 2 Uhr, entschlief nach längerem und in den legten Bochen äußerst qualvollen Betben mein lieber Mann, unser herzensguter Bater, Schwieger- und Großvater, Bruder, Schwager und Ontel [ 4926 Paul Laube im 55. Lebensjahre. In tiefftem Schmerz: Berta Laube geb. Seidel Hermann Lauter und Frau Elly geb. Laube Rudolf Laube und Frau Lissy geb Klatte Die Einäscherungsfeier findet heute ( Donnerstag), vorm 11.30 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt Sterbek. ehem.Pflug'scher Donhoff- Brett'l: D. große Arbeit.( Hetzel'sche Kasse) Neujahr- Programm Sonntag 25.Januar, Anf. 7½ U. Sonnt 5%, U. Theater am Kottbuser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. 2 Uhr Elite- Sänger. Die Revue des Humors: " El te... voran!" Volkstümliche Preise. Philharmonie. Morgen Freitag 8 Vorlesung ERNST TOLLER Schwalbenbun, Vermorgen',.Gram. Szenen Karten 12, 1. 2 3. 4 5 Met Bote& Pork, Werthe m. Ah nck Rose- Theater 48: Milchmädchen von Schöneberg Krauseesonders Pianos wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im " Vorwärts" und trotzdem !! billig!! vormitt. 10 Uhr, im Rofenthaler Sof Rosenthal.Str.11/ 12: General- Versammlung Tagesordnung 1 Raffenbericht. 2.Bericht der Revisor n 3. Antrag auf Erhöh. der Leistung 4 Wahl Don Vorstandsmitgl 5.Wahl der Revisoren SCHUTZ MARKE Quittungs- Rabait Reklamemarken fertigt skit 45 Jahren as Spezialitat Conrad Müller Schkeuchitz Leipzig 6. Anträge. 7. Berich Inferieren Mitgliedsbuch legit. 108/16 Der Borstand. bringt ERFOLG BLUTARMEN..KRANKEN FEURIC SUSSER StärkungsWein ärztlich empfohlen Miete Santa Lucia Ansbacher Str. 1, Fake Kurfürstenstraße Käuflich in Apotheken, Droguen und Delikatesgeschäften. Nr. 24+ 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Drei Jahre große Koalition. Ministerpräsident Brann über die Leistungen seines Kabinetts. Ministerpräsident Braun führte in seiner gestrigen Landtags: rede über die Arbeit, die das Kabinett der großen Koalition in den Jahren 1921 bis 1924 geleistet hat, folgendes aus: Wenn man auf die Leistungen der einzelnen Ministerien eingehen will, so stand während der Zeit der uferlosen Inflation und während der ebenfalls hochkritischen Zeit ber beginnenden Markstabilisierungen die preußische Finanzverwaltung vor überaus schwierigen Aufgaben. An eine geordnete Etatmirtfchaft mar naturgemäß in dieser Zeit des ständig schwankenden Geldwertes nicht zu denken. Der Anleihemarft und auch der Geldmarkt, an dem man jonst Schatzwechsel diskontiert hatte, waren so gut wie verschlossen, wertbeständige Anleihen brachten auch nur relativ geringe Beträge, die im wesentlichen für die Bedürfnisse der Elektrizitätsverwaltung und der Hafenverwaltung verwandt wurden. Die Stillegung der Notenpresse und die Markstabilisierung und in Berbindung damit das Aufhören der Bewilligung der fog. Liquiditätskredite durch das Reich stellten das Finanzministerium vor nahezu unlösbare Schwierigkeiten, deren man nur durch eine weitgehende Drosselung der Aus. gaben auf allen Gebieten, durch weitgehenden Sach- und Ber. jonalabbau Herr werden konnte. Eine weitere Stügung erfuhr die preußische Finanzpolitit durch den Finanzausgleich zwischen dem Reich und den Ländern, der allerdings noch der endgültigen Regelung harrt. Indes mußten in der Grundvermögens: steuer und in der Hauszinssteuer auch noch eigene Steuerquellen erschlossen werden. Der Ertrag der Hauszinssteuer fam vornehmlich der Allgemeinheit durch Finanzierung der Hausbautätigkeit wieder zugute, was wiederum nicht unwesentlich zur BeIcbung unserer Wirtschaft beigetragen hat. wirtschaftlichen Hochschulen wie überhaupt den Fortbildungsmöglichkeiten für praktische Landwirte gewidmet. Dem Wiederaufbau der durch den Krieg zurückgegangenen Biehzucht in Preußen, der Erhöhung der Produktion der Forstwirtschaft, der Ent. widiung des preußischen Domänenbefiges, darunter auch des ftaatlichen Weinbaues und der Hebung wirtschaftlich nicht lebensfähiger landwirtschaftlicher Kleinbetriebe galten weiter erfolgreiche Bemühungen. Auch die preußische Handels- und Gewerbeverwaltung Donnerstag, 15. Januar 1925 für Preußen und das Reich ausfielen, wenn den auf die Zerreißung Breußens gerichteten Bestrebungen der Erfolg versagt blieb, so ist das auch nicht zuletzt auf die zielklare und feste Leitung der inneren Berwaltung Breußens und die hingebende Tätigkeit ihrer Organe zurückzuführen. Sie haben auch in den uns durch den widerrechtlichen Einbruch der Belgier und Franzosen an Ruhr und Rhein aufgezwungenen Rämpfen oft unter den schwierigsten Umständen mit Aufopferung ihre Pflicht getan. Im Zusammenwirten mit der rheinischen Be pölkerung haben sie den Separatismus niedergeschlagen und sich auch damit um Einheit und Geschlossenheit Preußens und des Reiches verdient gemacht. An diese Ausführungen schloß sich der Appell des Ministerpräsidenten an den Landtag, den wir an anderer Stelle wiedergeben. Erwerbslosenfragen in Reichstag Bor Freitag keine Regierungserklärung. Präsident Löbe eröffnete die gestrige Reichstagsfizung um 4 1hr 20 Min. und gedenkt des furchtbaren Eisenbahnunglüds in Herne. Er führte aus: Ueber zwanzig unferer Lambsleute sind dabei getötet worden. Eine weitere größere Anzahi hat schweren Schaden an Gefundheit erlitten. In einem Bezirk, der in den letzten Jahren so unendlich viel getragen und auch viele Menschenopfer gebracht hat, ist schweres linglück über viele Familien gefenopfer gebracht hat, ist schmeres Unglück über viele Familien getommen. Mit der Bevölkerung des betroffenen Landesteiles steht der Deutsche Reichstag in thefer Trauer an der Buhre der Getöteten und spricht den Angehörigen und Verlegten seine herzliche Teilhat, um die dringend gebotene Erhöhung der Rentabilität der staatlichen Bergwerfsbetriebe durch stärkere Durchdringung mit taufmännischem Geist und Arbeitsmethoden zu erreichen, die fiskalischen Bergwerfe in die aktiengesellschaftliche Form der genannten Breiten durchgeführt, die mit der Wahrung der vollen Einflußmöglichkeiten des Staates alle Vorteile elastischerer Arbeitsmöglichkeiten verbindet. Die dem Handelsministerium unterſtellten übrigen wirte schaftlichen Unternehmungen des preußischen Staates wurden durch Ausbau von Fischerei- und Induſtriehäfen, wie in Emden, Geestemünde, Büsum, bedeutend an Wert vermehrt, und im Zusammenhang hiermit wurde auch finanziell am Ausbau von Häfennahme aus. preußischer Städte, wie Altona, Flensburg, Königsberg, Stettin, mitgewirkt. Erhebliches wurde auf dem Gebiete der elektrischen Stromversorgung durch Erbauung großer Wasserkraftwerke wie durch lleberlandzentralen geleistet, so in Hannover, Ostpreußen, Oberschlesien und im Westen. In der Gewerbeaufsicht, auf dem Gebiete der Unfall. perhütung in den Betrieben, des gesundheitlichen Schußes der Arbeiter und insbesondere der Jugendlichen, wie der Sicherheitsmaßnahmen bei den Arbeiten unter Lage in den Berg werfen wurden Fortschritte gemacht, das Fortbildungsschul- und geIch verfenne feineswegs, daß die steuerliche Belastung unferes Volkes sehr drückend ist. Besonders durch die unsystemerbliche Unterrichtswesen nach Kräften gefördert. matische impropifierte Steuerhäufung in Reich. Staat und Gemeinden, die durch die schnell wechselnden Goldverhält niffe der letzten Jahre bedingt war, ist in vielen Zweigen unserer Wirtschaft ein geradezu lähmender Druck entstanden. Reich und Länder stehen daher vor der gringenden Aufgabe, durch eine umfassende Steuerreform, die steuerliche Oeregtigteit wieder mehr zur Geltung zu bringen, die Minderbemittelten mehr zu entlasten und vor allem auch den zahlreichen tleinen selbständigen Existenzen, die durch die manmigfaltigen auf dem Gewerbe stehenden Steuern start bedrückt sind, das Wirtschaften wieder zu ermöglichen. Daß bei der pretären Finanzlage der verflossenen Jahre auf jozialem Gebiete, auf dem Gebiete der Boltsgesundheit, Wohnungsfürsorge, Jugendwohlfahrt und der allgemeinen Fürsorge nicht das im Hinblick auf die durch den Krieg verursachten Schäden Erwünschte geleistet werden konnte, darf nicht wundernehmen. Die preußische Unterrichtsverwaltung setzte sich die Wahrung und Ausbreitung des deutschen Bildungsgutes insbesondere an der Stelle, an der es bisher nicht ausreichend ge pflegt worden war, an der höheren Schule, zur besonderen Aufgabe. Die neue Deutsche Oberrealschule, die die Unterrichtsverwaltung neben die älteren Formen der höheren Schule setzte, foll dieses Bildungsgut bemußt in den Bordergrund ihrer Arbeit stellen. Die Lehrpläne der Deutschen Oberrealschule find Ostern 1924 in Kraft getreten. Um den Bildungsmöglichkeiten aller Volksschichten, insbesondere der Minderbemittelten zu dienen, wurde die Aufbauschule cingerichtet, die im Anschluß an die Bolksschule in verkürzter Ausbildungszeit von sechs Jahren zur Hochschulreife führen soll. Ganz besondere Bedeutung haben die Aufbauschulen im Hinblick auf die vertiefte Bolfsschullehrerbildung. Denn gerade die Kreise, denen durch die Aufbauschulen eine höhere Bildung vermittelt wird, find besonders wertvoll als Mutterboden der fünftigen Bolkslehrer. Die preußische Schulverwaltung trat ferner im vergangenen Jahre an das nach der Staatsumwälzung besonders atut gewordene Problem der Neuordnung des höheren Schulwesens heran. Einen Auftatt hierzu hatte die sogenannte Kleine Mädchendann das Gesamtproblem aufgerollt. Es galt nicht nur, den überlieferten Bildungsstoff der deutschen Jugend dienstbar zu machen, sondern die Gesichtspunkte einer modernen Ausbildung zur Geltung zu bringen und an Stelle des Bielerlei die Einheit zu fetzen. Die Denkschrift zur Reuordnung des preußischen höheren Schulwesens hat gezeigt, aus welcher Einstellung heraus die preuBiſche Schulverwaltung das Problem zu lösen gedenkt. Das preußische Juftizminifterium Immerhin ist auch auf diesen Gebieten relativ piel Segenswertes geschaffen worden. 1200 Fürsorgestellen für Tuber fufoje franke, viele Heilstätten usw. dienen der Bekämpfung dieser Volkskrankheit, die auch in dem Gesetz zur Bekämpfung der Luberkulose von 1923 wirksamer gestaltet worden ist. Durchschulreform" aus dem Jahre 1923 bedeutet; im Jahre 1924 wurde Die Schulgesundheitspflege wurde an der Hebung des Gefundheitszustandes der Jugend gearbeitet. Eine Ziffer erwähne ich nur: während 1911 erst auf 25 Gemeinden ein Schularzt kam, ist das heute schon auf 7% Gemeinden der Fall. Ich erinnere ferner an die systematische Seuchenbekämpfung, die zur Wieder befestigung der Volksgesundheit im ganzen Deutschen Reiche beitrug, an die großzügig ausgebaute Säuglingsfürsorge, an die 11nterſtügung der von Kreis und Bezirkspflegern und Jugendpflege. rinnen und an viele andere Arbeiten zur Hebung der förperlichen, fitlichen und geiftigen Leistungsfähigkeit der Jugend. Hand in Hand damit ging eine Betreuung der jugendlichen Erwerbs. lofen. Unter maßgebendem Einfluß der Preußischen Staatsregie rung ist auch die neuere Jugendgesetzgebung zustande gekommen. Auf dem Gebiete der Wohnungsbaufürsorge hat die Einführung des Mieterschutzes in den meisten Fällen einen Ausgleich zwischen den Interessen der Vermieter und Mieter herbeigeführt. Auf dem Gebiete der Bautätigkeit sind durch Gewährung von 3u schüssen aus öffentlichen Mitteln von Ende 1918 bis Ende 1923 mehr als 160 000 Dauerwohnungen errichtet worden. Da die Hauszinssteuer in diesem Rechnungsjahre rund 200 Millionen einbringen wird, werden wiederum 50 000 Neubauten im laufenden Baujahr geschaffen werden können. Durch diesen systematischen und immer weiter zu vermehrenden Wohnungsbau wird man dem 3tel der endlichen Auf hebung der Zwangswirtschaft näherfommen können, der mit dem Abbau der Wohnungsämter schon begonnen hat. Bon höchster Bedeutung war auch die Umwandlung der Erwerbslosenfürsorge in eine produttive Er werbslosenfürsorge, so daß seit dem 1. September v. 3. Reichs- und Staatsmittel für die Unterstügung der Erwerbslojen nicht mehr gebraucht werden. In 4% Jahren jind rund 14500 Motstandsarbeiten mit nahezu 600 000 Erwerbslojen durch geführt worden, darunter mehr als 8000 Rotstandsarbeiten während der schwersten Zeit der Ruhraktion. Alle diese Arbeiten haben, jei es mit Meliorationen, sei es mit Erb-, Hoch- und Kanalarbeiten, dem Lande Wertvolles geschaffen; nicht zulegt habe ich da auch die rund 10 400 Lan darbeiterwohnungen zu nennen, zu denen bis zum Ablauf dieses Etatsjahres noch weitere 5000 hinzukommen merden, und die wesentlich zur Sebhaftmachung der Land: arbeiterfamilien beigetragen haben, was auch ein bebeut Jamer Faftor zur Förderung der landwirtschaftlichen Brobuftion ift, der die landwirtschaftliche Berwaltung andauernd ihre regste Auf merffamfeit zugewandt hat. Die landwirtschaftliche Berwaltung hat nicht nur die Produktion auf altem Stulturboden durch geeignete Maßnahmen gefördert, durch Notstandsaftionen helfend eingegriffen, fondern auch durch umfassende Moor und Deblandtutti pierung landwirtschaftliches Neuland in fteigendem Umfange gefchaffen, wodurch auch die Siedlungstätigkeit in Zufunft noch er ( prießlicher wird gestaltet werden fönnen. hatte im wesentlichen Aufgaben der Verwaltung, wie z. B. der hatte im wesentlichen Aufgaben der Verwaltung, wie z. B. der Durchführung der vom Reiche vorgenommenen Justizreform zu bewältigen. Das entspricht dem, daß Preußen in der Gesetz gebung auf dem Justizgebiete in den Hintergrund gedrängt ist und sich im wesentlichen auf die Verwaltungspragis zu beschränten hat. Nichtsdestoweniger hat das Justizministerium die Möglichkeiten, die ihm offen gelaffen sind, voll ausgeschöpft. Es hat nicht nur in der Verwaltung zu modernisieren und nach Kräften zu vereinfachen gesucht, sondern auch durch die Initiative seines um diefes Gebiet besonders verdienten Chefs sich außerordentlich stark und mit wachsendem Erfolge um die Durchdringung des Strafvollzuges mit dem Geiste der Humanität bemüht. Auf diesem Gebiete, wo eine große fulturpolitische und humanitäre Aufgabe zu erfüllen ist, werden diese Bemühungen stänbig fortgesetzt werden, und es ist der Ehrgeiz der preußischen Justiz verwaltung, hier bahnbrechend und richtunggebend zu wirken. Auch das Ministerium des Innern stand in den verflossenen Jahren vor schwierigen Aufgaben. Es hat den Neuaufbau der preußischen Bolizei durdy hat den Neuaufbau der preußischen Bolizei durch geführt und einen völlig durchorganisierten Beamtentörper von 85 000 Mann geschaffen. Die Schußpolizei wurde geschult und ausgebildet und ihr durch das Schutzpolizei- Beamtengejek die nech fehlende gefeßliche Grundlage gegeben. Gleichzeitig ist die riminalpolizei auf eine neue Grundlage gestellt worden, bie mit der Schaffung der geplanten Landes- Kriminolpolizei die lette Abrundung erhalten wird. Die Zahl der staatlichen Bolizei verwaltungen wurde erheblich vermehrt und dadurch die Brauch barkeit und Aktionsfähigkeit des ganzen Polizeiapparates bedeutend gesteigert. In der Besoldungsfrage wird mit allen Mitteln versucht, die wirtschaftlichen Berhältnisse der Polizeibeamten zu bejern. Auf dem Gebiete der Kommunalpolitif hat das Mi nifterium die großen Entwürfe der Landgemeinde und Städteord nung dem Hause vorgelegt, die leider durch die Haltung eines Teiles des Haufes nicht mehr verabschiedet worden sind. In der Inflationszeit ist das Minifterium nach Kräften bemüht gewesen, die Gemeinden durch Gewährung von Krediten vor dem Zus fammenbruch zu schützen. Auf dem Verwaltungsgebiete wurde der damaligen finanziell außerordentlich ungünstigen Situa tion entsprechend bie kleine Berwaltungsreform" ein aufgebracht. Heute würde das Ministerium unter wesentlich größeren Gesichtspunkten an die gleiche Materie herontreten. Was tie viel angefeindete Perfonalpolitik anbetrifft, muß doch einmal mit Entschiedenheit betont werden, daß die Auswahl der neu eingestellten Staatsbeamten vornehmlich nach der Eignung erfolgte, und daß die Einstellung von Außenseitern überhaupt seit dem Jn frafttreten der Berfonalabbanverordnung gänzlich aufgehört hat. Busammenfassend muß feitgestellt werden, daß das Ministerium bes Innern als Polizeiministerium Troz aller Schwierigkeiten finanzieller und wirtschaftlicher Natur wurden von 1919 bis 1923 10 183 eusiedlungen mehr als 96 000 Heftar Fläche geschaffen und rund 98 000 Heftar Fläche im Wege der Anliegerfiedlung dem Kleingrund.cft zugeführt. Einen wertvollen Fortschritt bedeutete bas sogenannte reußische Dampfpfluggefeß, das uns bei Kultivieruna privater Moor- und Debländereien start vorwärts bringen wird. Das Cand. wirtschaftsminifterium hat fich zum Programm gefeht. jährlich bis zu 50 000 reip. 60 000 Morgen Heide in kultur zu bringen, damit nach einer Reihe von Jahrzehnten an Stelle der großen ertraglofen Heidefläche nach jährlicher Neuansehung von 1200 bäuerlichen Stellen 60 000 neue Bauernhöfe geschaffen werden. Durumlegungen werden im laufenden Jahre bis rund 1,6 Millionen Morgen Land ertragreicher gestaltet worden sein. Beitere wichtige Arbeiten wurden dem Ausbau des land. wirtschaftlichen Fortbildungswesens und der landdie Sicherheit und Rube in Preußen geschützt und gewahrt und in feinen anderen Abteilungen für einen geordneten Ablauf der Berwaltung Sorge getragen hat. Wenn die Abstimmungen in der Nordmart, in der Ost mart und in Oberschlesien so verhältnismäßig günstig Der Präsident verliest dann die amtliche Mitteilung von der Enthebung des bisherigen Reichspoftministers Höfle von ſeinem Bosten. Anträge auf Einstellung von Strafverfahren gegen die Abgg. Schulz Königsberg( S03.) und Henning( Nat.Soz.), fomie auf Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen den Abg. Berndt ( Dnt.) werden dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen, ebenso ein Antrag des Abg. v. Rheinbaben( DBP.), wonach fleine An= fragen aus dem Gebiet der auswärtigen Politit von der Reichsregierung, binnen vierzehn Tagen wieder mündlich beantwortet werben tönnen. Einstimmig angenommen wird ein Antrag Dr. Schücking ( Dem.), der von allen Parteien unterstützt wird. Es handelt sich hier um den Ausschuß zur Untersuchung der Kriegsurfamen, der zur Beendigung seiner Arbeiten wieder eingesezi werden soll. die Erwerbslosenfürsorge. Auf der Tagesordnung stehen dann Anträge aller Parteien über Erwerbslosenfürsorge. Auf eine Begründung wird von den Parteien verzichtet, da noch feine verhandlungsfähige Regierung vorhanden ist. In der Erörterung erhält das Wort Abg. Schlecht( Komm.), der den anderen Parteien vorwirft, daß über den Regierungsfuhhandel die Interessen des werftätigen Volkes pernachlässigt werden. Die geplante Arbeitslosenversicherung sei für die Kommunisten nicht annehanbar, das Reich müsse unter allen Ulmständen die Last en alleintragen. Abg. Brey( S03.): Wir haben heute auf eine Begründung unserer Anträge ver zichtet, weil wir sie für so dringlich und wichtig halten, daß wir ihre hnellste Erledigung verlangen. Das können wir nur da durch erreichen, wenn die Anträge raschestens den Aus= schüssen übertragen werden. Wenn wir heute eine längere Debatte darüber führen wollten, dann geraten wir in die Gefahr, daß diese Anträge, auf deren Erfüllung die Massen warten, noch wochenlang hinausgeschoben werden, ohne daß ein poſitives Ergebnis erzielt wird. Das wäre eine Schädigung der Erwerbslofen, die mir nicht verantworten fönnen. Wir denken nicht baran, mit unferen Beschwerden gegen die Regierung zurückzuhalten, aber wir können sie nicht in einem Augenblid verbringen, wo gar teine verantwort liche Regierung vorhanden ist, und deshalb die Regierung auch nicht Rede und Antwort stehen fann. Wir werden aus diesem Grunde unsere Beschwerden in der zweiten Lesung vorbringen. Alle Einzelheiten müssen in den Stommiffionen behandelt werden. Je nach dem Gange der Verhandlungen werden wir auch auf die Bormürfe zurückommen, die mein Borrebner vorgebracht hat. Allzu ernst fdjeint es ihm mit diesen Borwürfen nicht zu sein, denn die Schar der kommunistischen Fraktion, die ihrem Redner angehört hat, ist äußerst gering.( Heiterfeit.) In unseren Anträgen wollen wir die Erweiterung der Erwerbslosenunterstützung auf die Arbeiter und Angestellten, die der Knappschaftsversicherung, der Angestelltenversicherung unterstehen, die der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft angehören. Wir verlangen weiter die Erhöhung der Unterstzungen und die Gleichstellung mit den männlichen Erwerbslosen. Wir werden bei der Behandlung unserer Anträge mit dem Arbeitsminister energisch reden. Wenn wir sie allerdings jetzt in der ersten Lesung beraten, wo gar kein Minister zugegen ist, so wollrden wir das Gegenteil dessen erreiden, was wir bezmeden. Ich habe nur einige Punkte aus der Materie angeführt, um den Beweis zu erbringen, daß die volle Aufmerksamkeit des Hauses für ihre Behandlung notwendig ist. Ich beantrage nunmehr, daß alle Anträge, die sich auf die Erwerbslofenunterstügung bezielen, dem Sozialpolitischen Ausschuß übertragen werden.( Lebhafter Beifall.) Sämtliche Anträge werden nunmehr teils dem Sozialpolitischen, teils dem Bolkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Das Haus vertagt sich. Donnerstag, 4 Uhr: Anträge aus dem Hause, u. a. Anträge betr. Arbeitsgerichte, Förderung des gewerblichen Mittelstandes, Aenderung des Lichtspielgesetzes, Aufwertungsfragen, Personalabbauverordnung. Ueber die Tagesordnung war es noch zu einer ausgedehnten Debatte gekommen, in deren Berlauf Präsident Cöbe mitteilte, er habe vor der Sigung mit dem Herrn gesprochen, der die meiste Ausficht habe, die neue Regierung zu bilden. Dieser habe ihm gesagt, daß er vor Freitag feine Regierungserklärung abgeben fönne. Schluß 6 Uhr. Wirtschaft Zu Eine Unterstützungsaktion für den Schiffsbau. Die bisher immer dementierten Nachrichten über Bemühungen der deutschen Reedereien um eine Unterstützung durch das Reich werden heute in veränderter Form bestätigt. Die seit Dezember geführten Verhandlungen haben zu folgendem Abkommen zwischen der Reichsregierung und den Reedern geführt: gleichen Zeilen bringen das Reich und die Reeder die Baufosten zunächst für die Neuauflage je eines Schiffstyps auf, der sich in neuester Zeit bewährt hat. Der Anteil des Reiches wird aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge aufgebracht und im ersten Jahr mit 4, in den beiden nächsten mit 5, in den zwei folgenden Jahren mit 6 Proz. verzinst. Es handelt sich also um feine ausgesprochene Subvention aus Reichsmitteln, auf deren Rückzahlung und Berzinsung das Reich verzichtet, sondern um Reichs tredite an die Reedereien, die der Beschäftigung der deutschen Berften zugute fomen soll. Unflar bleiben die Rückzahlungsmodalitäten und die Frage, ob es sich nur um Ersatz bauten oder auch um Erweiterungsbauten für die Handelsflotte handelt. Will man die heutige Lage der deutschen Reedereien beurteilen, so muß man ihre Golderöffnungsbilanzen zu Rate ziehen und dabei beachten, daß diesen im Verhältnis zu den übrigen Goldbilanzen der deutschen Privatwirtschaft eine ganz besondere Stellung zukommt. Die Reedereien haben von ihrem in der Vorkriegszeit 5,4 Millionen Bruttotonnen umfassenden Schiffspark infolge des Versailler Friedensvertrags alle Schiffe über 1600 und die Hälfte der Schiffe über 1000 Tonnen abgeben müssen, so daß ihnen Anfang 1919 nur 420 000 Tonnen( noch nicht 10 Proz des Bestandes von 1919) verblieben waren. Durd; Neubauten m der Inflationszeit haben sie ihren Schiffspark wieder auf einen Tonnengehalt von fast 3 Millionen gebracht. so daß reichlich die Hälfte des Vorkriegsbestandes wieder erreicht ist. Weit über die Hälfte dieser Schiffe ist noch nicht fünf Jahre alt, die übrigen sind ron der Lebensgrenze der Ueberseeschiffe, die etwa bei 15 Jahren liegt, noch weit entfernt. Die deutschen Reedereien haben also in den Aktiven ihrer Bifanzen seit 1913 eine vollständige Umwätzung erlebt. Deshalb fann auch die Veränderung der Balsiven seit 1914, hauptsächlich des eigenen Kapitals nicht unter den gleichen Voraussetzungen wie bei der übrigen deutschen Privatwirtschaft mit den entsprechenden Vorfriegsziffern vergüchen verden. Wian fann nur feststellen, welche Veränderungen im eigenen Wermögen der Schiffahrtsgesellschaften erfolgt sind. Kapital und Tonnage von 10 deutschen Reedereien ( nach„ Hansa", 1. Heft 1925). Hamb. Am.-L. 180 bei der starten Industrialisierung der früheren Agrar- und Kolonialgebiete seit 1914 vererst nicht erwartet werden. Die Steigerung des durchschnittlichen Wertes pro Tonne con 153 M( 1913) auf 182 M.( 1924) erflart sich aus der Neuheit der deutschen Schiffe. Aus ihr erklärt sich auch( nicht, wie in der burgerlichen Presse meistens angenommen wird, aus der schlechten Lage des Frachtengeschäfts), daß 1924 nicht 210 000 Tonnen, was einer 7prozentigen Erneuerungsrate entspräche, sondern nur 110 000 Tonnen Ersazbauten neu aufgelegt worden sind. Bei dieser Sachlage hätte die deutsche Oeffentlichkeit allen Grund, die Bemühungen der deutschen Reeder um direkte oder indirekte Subventionen der Reedereien durch den Staat mit größter Vorsicht zu betrachten. Die Auflage neuer Schiffe über die notwendigsten Ersatzbauten hinaus wäre angesichts der Uebersetzung des Weltschiffsraums schon vom privat wirtschaftlichen Standpunkt aus eine Torheit. Vom volfs wirtschaftlichen Standpunkt müßte man geradezu nach Mitteln suchen, sie zu verhindern. Das gilt auch für die deutsche Werftindustrie. Auch diese ist durch die Kriegs- und Inflationswirtschaft weit über die Nachfrage nach Schiffen und Schiffsmaschinen ausgedehnt worden, die heute und in der Zukunft möglich ist. Man fann eine Krankheit nicht heilen, indem man die Ursachen der Krankheit fördert. Ganz besonders die deutschen Werften werden um eine Umstellung ihrer Produktion und um die Spezialisierung der deutschen Werft- und Schiffsmaschinenindustrie auf solche Produktionszweige nicht herumkommen, in denen die technische Ueberlegenheit und billigere Preisstellung die ausländische Nachfrage ohnehin nach Deutschland führt. Kapitalvergleichung für 15 Werften( 4 große Werften fehlen) Kapital 1913 Rapital 1924 Mill. M. Mill. M. Flensburger Schiffsbau S. Ferichs& Co. A.-G. Reiberstieg. Jansen& Schmilinsty. Tecklenborg. Bultanwerfe Stettin • Norderwerft Schiffsbau- Ges. Unterweser Nüste& Co. Kapital Rapital 1913 1924 907 i 907 0.90 Referv I 2 Tonnage 1.1 24 1924 0902 1913 Buchwt. Bert d. Tonne 1924 Nordd. Lloyd 125 55,1 33,0 20 8 432 576 355 160 Hamburg Süd 25 20,5 6 129 456 Deutsch- Austr.. 20 18,2 22,1 86 646 Kosmos 14 12,1 Roland 3 12,1 14,2 6,3. 81725 102 234 Sanja 25 12,0 4,2 142 592 Stett. Dmpf.-C. 3,2 6,3 0,6 75 000 DeutscheOstafr. 10 4,0 3,4 43 900 69,8 189 71,9 150 203 172 22,3 182 21,5 146 248 18,7 111 18,0 146 16,4 79 115 5,3 156 71 11,9 161 271 162 Weser A.-G. Hamburger Elbe- Werft 168 176 5. Koch Lübed.. Oftieewerft Stettin. 20 4.0 3,4 44 445 103 211 234 Boermann. 431,2 177,3 88,2 1493 734 261,1 153 182 Bergleichen wir zu diesem Zmed( siehe Tabelle I) die Rapitaliummen der 10 größten Reedereien 1913 und 1924 miteinander, so sehen wir, daß sich die Gesamtsumme des eigenen Kapitals ( ohne die offenen und Baureferven) von 431,2 auf 177,3 Millionen Goldmark gesenkt hat. An offenen und Baureserven haben die 10 Reedereien den sehr hohen Betrag von über 88 Millto nen Goldmart, das sind 50 Proz. ihres Kapitals, bereitgestellt, offen bar mit Rücksicht auf die aus dem Bdagier- und Frachtengeschäft in der Zukunft drohenden Berlufte. Wenn nämlich die deutschen Schiffe auch neu und besonders leistungsfähig sind, so ist doch das deutsche Hauptpassagiergeschäft, die Auswanderung nach Amerika, zurzeit fest stillgelegt, und das deutsche Frachtengeschäft steht unier dem Druck der interalliierten Frachtenfonkurrenz und, wie die Reedereibesiger behaupten, unter dem Druck der bedeutend stärker cls die Frachtraten gegenüber 1914 gestiegenen Selbstkosten. Bremer Bultan Atlas- Werke A.-G. • . 3,3 2,6 2,5 2.5 5,0 6,0 0,3 1,1 4,0 6,1 1,5 5,0 7,3 13,1 0,47 1,0 0,9 1,0 2,4 0,6 5,0 2,4 10,0 10,0 6,0 응 이 Gesamt 41,50 54 63,97 Uebrigens lassen die Goldbilanzen der deutschen Werften in feiner Weise erkennen, daß sie irgendwie unterstützungsbedürfug wäten. Die 15 Werften, deren Bilanzen heute vorliegen, hatten 1913 ein Aktienkapital von 41,50 Millionen. Sie weisen heute ein Aktienkapital von 63,97 Millionen aus. Es liegt also eine Steigerung des cigenen Rapitals( ohne Reserven) um mehr als 50 Broz. vor. Die Weser A.-G., die kapitalſtärkste unter den 15, sagt dabei in ihrem Goldumstellungsbericht, daß die Anlagen zunächst mit ihren jüngsten Taratmerten, die selbstverständlich lets erheblich unter den Anschaffungs merten bleiben", eingesezt und daß von ihnen nochmals die in der Bilanz ersichtlichen Abschreibungen vorgenommen seien. Diese noch maligen Abschreibungen betragen bei den Gebäuden und Anlagen über 50 Broz, bei den Maiminen und Apparaten über 60 Proz., bei den Schwimmdocs 55-80 Proz. R- L. Wenn heute dennoch, zwar nicht Subventionen, aber Reichskredite den Reedereien und Werften zugestanden werden, so sind Hören wir, pas der Ruhrfricasreichskanzler Dr. Cuno als diese Kredite nur zu billigen, wenn die notwendige Umstellung der Reeder in der nautischen Zeitschrift Hanja" darüber zu sagen weiß: Unter dem Druck dieser wirtschaftlichen Rückentwicklung des Welthan- Werften dadurch nicht vereitelt wird und wenn der Zweck der Kredite dels hat dieser gegenüber der Vorkriegszeit um mehr als 20 Broz, ab sich darauf beschränkt, die sozialpolitischen Gefahren dieser Um genommen. Ihm steht eine um mehr als den gleichen Brozentsatz verstellung zu verhüten oder wenigstens au mildern. Nur größerte Welthandelsflotte gegenüber. Indessen die Frachiraten dieser Gesichtspunkt vermöchte auch allein die Entnahme der Kredite bieten auch in ihrer gegenwärtigen Höhe keinen entsprechenden aus dem Fonds der produktiven Erwerbslosenfürsorge zu recht Ausglein jur die feit dem Krieg eingetretene Steigerung der Kosten. fertigen. Rimmt man als Basis für die Borkriegsfrachten die Zahl 100, so ergibt sich für den gegenwärtigen Zeitpunkt eine Bahl von 105 bis 106.) und nimmt man auf der anderen Seite als Basis der Kosten für die Borfriegszeit gleichfalls die Zahl 100, jo liegen die Betriebs: toften, wenigstens für Deutschland, zwischen 160 und 170." Wir hätten hier also, ähnlich wie seinerzeit bei der Landwirtschaft, jene Schere, die durch das Auseinanderklaffen von Selbstkosten und Umiazzergebnis die Möglichkeit der entabilität aus: schließt. Daraus würde sich auch die besondere Tiefhaltung des eigenen Kapitals und die auffallende Höhe der Referven in den Goldbilanzen ohne weiteres erklären. Allerdings ist diese Schere bei den deutschen Reedereien, wenigstens nach der Seite der Fracht reten hin, viel ichwieriger zu fajließen als bei der Landmirtschaft. Denn nirgends ist der Konturrenzfampf heftiger als auf dem Frachtenmarkt, und die Schere kann nur durch weitere erhebliche Stillegung von Schiffsraum oder durch eine gewaltige Steigerung des liebersechandels geschlossen werden. Lezziere aber fann Die neue deutsche Reichsbahn- Gesellschaft. Im Verlag für Politik und Wirtschaft ist unter diesem Titel eine Darstellung des deutschen Reichsbahnwesens aus der Feder von zwei Mitarbeitern des Reichsverkehrsministeriums, den Ministerialräten Sarter und tittel erschienen.( Preis 8.50 m) Nach einer furzen Schildes rung der Entwicklung der deutschen Reichsbahn bis zum Dawes Gutachten bringt die Schrift ausführliche Abhandlungen über die Rechtsverhältnisse, die Satzungen. die Rechte des Reiches und die Personalfrage sowie über die Rolle, die die Reichsbahn als Trägerin von Reparationsverpflichtungen spielt. Die Schrift stellt eine umfassende Auslegung der neuen Gefeße dar, die ergänzt wird durch eine eingehende Würdigung der fachlichen, geschäftlichen, tarifpolitischen und sonstigen Aufgaben, wie sie sich aus der Umformung des deutschen Verkehrswesens ergeben. Als folche hat die Schrift für alle beteiligten Kreise große Bedeutung. Der Bundeskongreß des ADB. Letzter Verhandlungstag. Der dritte Berhandlungstag brachte die Schlußworte der Refe renten und der Berichterstatter. Der im Lauf des Kongresses gewählte Besoldungsausschuß hatte alle zur Besoldungsfrage gestellten Anträge in zwei Entschließungen zusammengefaßt, die die bisher vom ADB. versochtene Besoldungspolitik gut heißen und die Richtlinien des Referenten Kunze anerkennen. Darüber hinaus wird eine grundsätzliche Neugestaltung des gesamten Besol dungssystems und die Aufhebung des Sperrgejeges gefordert. Der Rechtsausschuß fordert in einer Entschließung„ die Einführung der gefeßlichen a chtstündigen Arbeitszeit; der Bundesvorstand wird aufgefordert, gemeinsam mit ADEB. und AfABund den Kampf dafür mit allem Nachdruck zu führen". Gegen den Beamten abbau und die dadurch bedingte Aufhebung der wohlerworbenen Rechte, der Beamten wird aufs schärfste pro= testiert. Im übrigen wird der Standpunkt des Bundes in der Frage des Beamtenrechtes gebilligt. Faltenberg sprach seine Befriedigung darüber aus, daß der Kongreß ein startes Bekenntnis zur Republik gebracht habe. Entgegen der Auffassung einiger Diskussionsredner. der Organisationsvertrag mit den Spizenverbänden der freier Arbeiter und Angestelltengewerkschaften hätte nicht das gebrad, t, was erwartet wurde, erklärte Falkenberg, daß eineinhalb Jahre im Leben einer großen Organisation nichts bedeuten, daß aber die Entwicklung durchaus zufriedenstellend ist und der grundsäglichen Auffassung des ADB. recht gebe. Der Kampf gegen den DB B. richte sich gegen die Leitung und nicht gegen die Mitglieder. Genau wie die Arbeiter werden auch die Beamten durch die Not zusammengebracht werden. Die Versammlung stimmte dem Redner geschlossen zu, als er sich in scharfer Weise gegen die herabsetzende Berichterstattung der Roten Fahne" über den Kongreß wandte. Die Leitung des ADB steht zu hoch, als daß sie von den Lügen und Verdrehunger dieses Blattes erreicht würde. Falkenberg schloß mit der Erklärung, daß die Idee der freigewerk. schaftlichen Arbeiterbewegung das Ausschlaggebende im ADB. ist. Die vorliegenden Anträge werden einstimmig an genommen. Nunmehr referiert Kozur über„ den organisatorischen Aufbau des ADB. und den Entwurf der neuen Sagung." Die bisherige Satzung hat fich als verbesserungsbedürftig erwiesen; die vorliegenden Anträge jollen ein besseres organisatorisches Zusammenarbeiten ermöglichen. Dem ADB sei es in der Vergangenheit oftmals möglich gewesen, Splitterorganisationen des DBB. aufzunehmen. Bei den Grundfägen des ADB. hätte das eigentlich abgelehnt werden müssen. Die Vorgänge in der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamter stellen nur einen Klärungsprozeß dar, der schon lange voraus zusehen war. Die Dreisäulentheorie sei nichts. Außer Gewöhnliches; gerade diejenigen, die den ADB. deswegen befämpfen, wenden sie selbst an. Der alte Verwaltungsapparat des Bundes bestand aus dem Vorstand, dem Ausschuß und, als höchster Instanz, dem Bundeskongreß. Nach dem Sayungsentwurf, den die Satzungskommission vorgelegt hatte, besteht der neue geschäftsführende Vorstand aus 5 besoldeten und 7 unbesoldeten Mitgliedern. Er ist den übergeordneten Instanzen verantwortlich. Den erweiterten Vorstand bilden Vertreter der angeschlossenen Verbände. Daneben werden eine Reihe weiterer Paragraphen den Notwendigkeiten entfprechend geändert. Dieser Entwurf wurde nach eingehender Aussprache einstimmig angenommen. Der Kaisenführung Händelers wurde Entlastung erteilt. Als: befoldete Vorstandsmitglieder, wurden Faltenberg als Vorfizender, Kozur als Stellvertreter, weiter Händeler, Döbling und Dr Bötter gewählt. Eine von der RG( eingeltrachte Entschließung protestiert gegen die Privatisifierung der Reichsbahn und gegen die Beseitigung des Berufsbeamtentums der Reichsbahnbeamten. Diese, wie auch eine Entschließung zum Protest gegen die Verzögerung der Räumung der Kölner Zone, werden ebenfalls einstimmig angenommen, In einer Abschiedsansprache des österreichischen Delegier ten Janidi sprach dieser seine Befriedigung über den Ernst, die Entschlossenheit und die Zielsicherheit aus, mit der der Kongreß seine Arbeiten erledigt hat. Er schloß mit einem Hoch auf die freie BeDer nächste Bundeskongreß amtenbewegung in allen Ländern. findet in München statt. Um 6 Uhr abends waren die Aufgaben des ersten Bundesfongresses der freigewerkschaftlichen Beamten- Spizenorganisation abgeschlossen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den ADB. schloß der Vorsitzende die Sizung. Weiße Zähne erzielen Sie schon durch 1-2 malig. Pußen mit der herrl. erfrischend schmeckend. Zahnpaste Chlorodont. Bei üblem Mundgeruch wird auch mit Erfolg Chlorodont Mundwasser verwendet Kleiderstoffe Waschmusseline neue Must. Mir. 65 PL. Sportflanelle gestreift.... 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Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Das Gastmahl. Bon Peter Scher. Es gibt ja so viel Formen von Sadismus. Wenn XX ein Essen veranstaltet, sieht er immer peinlich darauf, daß unter den Eingeladenen einige Künstler sind, die sich tödlich haffen. Jedesmal, wenn die Tür aufgeht und einer hereintritt, dessen Todfeind schon da ist, liegt ein Schimmer seliger Berklärung auf XXens Gesicht. Kein Vergnügen nicht einmal das eines unge= wöhnlichen Abschlusses gleicht dem Entzücken, das XX empfindet, wenn er als Hausherr die feindlichen Gäste miteinander befannt macht. -O Als ich fürzlich in XXens Salon unter den anderen auf den Anbruch der Abfütterung lauerte, spie die doppelt geöffnete Tür einen aus, der bei meinem Anblid erbleichte. Denn warum? Er schreibt für, ich über das Theater. Knirschend trat der Autor näher, die Stirn umloht von tierischem Ernst. „ Geftatten Sie," sagte II mit strahlender Miene sich die Herren?" Der andere fnirschte dumpf. oder Bennen Ich sagte schlicht:" Wenn ich nicht irre, sind wir Todfeinde-?" Bei Tisch war ich selbstverständlich neben ihm untergebracht. XX faß leuchtend gegenüber. Die Miene eines Gläubigen beim Bortrag feines Lieblingspropheten ist nichts gegen die Seligkeit auf feiner Stirn. Sorglos und ungebildet sprach ich gleich vom Stüd. Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie bis Sonnabendvormittag mein Freund. Am Abend war die Aufführung. Am Montag früh erschien die Kritik und Sie haßten mich. Barum fagen Sie mir haben Sie mich eigentlich nicht schon am Sonntag gehaßt, da Sie doch wußten, daß ich unbestechlich bin?" Herr-!!" sagte der Autor -„ aber genug... ich will Ihnen nur sagen, daß ich selbstverständlich nicht über die Kritif, sondern über ihre tattlose Form beleidigt war!" Ahhh fooo" fagte ich und sah ihm herzlich ins Gesicht ,, über die taftlose Form ja da sind wir ja durchaus einer Meinung... sehen Sie mal an und ich hatte mir eingebildet, Sie wären über die Kritik beleidigt gewesen!" Jener stuzte einen Moment; aber da ich ihm treu ins blaue Männerauge fah, erhob er fein Glas und trant mir hastig zu. Ich sagte frisch und unbefümmert:" Prost!" Unser Gastgeber wendete sich schmerzbewegt ab. Das Rätsel der Kokosperle. Im Jahre 1741 beschrieb der Botaniter Rumphius zum ersten Male eine merkwürdige Steinbildung, die in der Höhlung einer malen Reimung der Rofosnuß vergrößert sich der Reimling und ein Teil wächst aus dem Kokosfleisch, in dem der Keimling eingebettet liegt, nach innen in den Hohlraum der Nuß hinein, während der zufünftige Stamm sich einen Weg durch eins der drei„ keimlöcher" bahnt. Wenn nun, meint Hunger, der Reimungsprozeß durch irgendeine Ursache auf einer frühen Entwicklungsstufe zum Still stand tommt, in der sich der nach innen wachsende Teil eben in den Hohlraum verwölbt, so ist es denkbar, daß dieser Teil unter der Einwirkung der Kokosmilch infruſtiert wird und sich so allmählich die völlig versteinerte Perle bildet. Das kann bei Nüssen geschehen, denen die Keimungslöcher fehlen; denn ein Durchbohren der harten Schale ist dem Kimling völlig unmöglich. Solche ganz geschlossenen Nüsse sind sehr selten und die„ Kelapa boete", bas Küsili Luther, H Beilage des Vorwärts Die Zuverlässigkeit der Meteorologie. Es gibt keine Wissenschaft", so plaudert Guilbert, der Direitor des Betterdienstes am Matin"," die im Publikum so wenig Vertrauen genießt, wie die Meteorologie. Es gibt fogar immer noch Gelehrte, die die Vorurteile der Massen teilen und in gelehrten Abhandlungen dartun wollen, daß diese Wissenschaft noch immer in den Kinderschuhen stecke. Man hat es dabei mit einem weitver. breiteten Irrtum zu tun. Weil man das Wetter nicht mit untrüglicher Sicherheit voraussehen kann, weil von Zeit zu Zeit Irrtümer unvermeidlich sind, wagt man den unlogischen Schluß, eine meteorologische Wissenschaft existiere nicht. Dabei ist die Vorausbestimmung des Betters nur ein Zweig, die praktische Anwendung der Meteorologie. Klimatunde und Wetterstatistik sind Teilgebiete dieser Wissenschaft, und auch die Vorausbestimmung trifft in den meisten Fällen zu. Die täglichen Erfolge sind keineswegs zufällig oder persönlichen divinatorischen Fähigkeiten zuzuschreiben; man gewinnt sie dank der Anwendung der neuesten Erkenntnisse, die vornehmlich auf mathematischem Gebiet liegen, und die noch vor 35 Jahren völlig unbetennt waren. Solange es nicht möglich war, die Ursachen der täglichen Veränderung am Barometer zu erkennen, gab es natürlich teine wissenschaftlich erafte Wettervoraussage. Heute kann man für jeden Tag und den darauffolgenden die Veränderung des Luftdruds über Europa vorausbestimmen; man fann sie sogar bis in die Gegenden ermitteln, wo die Veränderung ihr Maximum oder Minimum erreicht. Und da das Wetter, der Wind, der Zustand des Himmels und die Temperatur mit dem Barometer zusammenhängen, fann man, indem man auf wissenschaftlichem Weg die Veränderung des Barometers vorherbestimmen fann, das Gleiche mit dem zu erwartenden Wetter tun. Diese Vorausbestimmung, die sich auf festen und eratten Voraussetzungen aufbaut, beruht demnach nicht mehr auf Erfahrung, sondern auf wissenschaftlicher Methode. Troßdem ist die Meteorologie immer noch verbesserungsfähig. Vor allen Dingen müssen die Beobachter die erforderlichen Kenntnisse besitzen; denn vorerst ist man noch weit entfernt von dem idealen Zustand, in dem vollkommen einwandfreie Wettermeldungen, wie sie nun einmal zu einer zuverlässigen Vorausbestimmung notwendig sind, geliefert werden. Sehr viele Wettermeldungen sind absolut falsch, und manche Prognose, die aufgestellt wird, erweist sich durch einen Uebermittlungsfehler als unzutreffend. Andererseits muß darauf hingewiesen werden, daß das Barometer nicht der einzige Herr des Wetters ist. Die Wolkenbildungen spielen noch eine sehr große Rolle. Aus diesem Grund ist die Wetterbeobachtung gewöhnlich recht schwierig; denn die fachkundigen Beobachter dieser Wolkenbildungen find außerordentlich selten. Wenn z. B. die Wolken bei einem Luftbrud von 770 Millimeter Regen und bei einem Luftdruck von 755 Millimeter schönes Wetter mit sich bringen, begehen die meisten Meteorologen Irrtümer. Aber diese Fälle sind nur Ausnahmen. Man darf also den Schluß wagen, daß die Meteorologie vor jedem tompetenten Richter bestehen kann. Ein Wunderwert moderner Technik. In dem Lande der gewaltigsten Bauwerke, das die Wunderbouten der Pharaonen entstehen sah, wird im Juli dieses Jahres ein Riesenwert moderner Technik. vollendet werden, das sich diesen Taten des Altertums würdig zur Seite stellen läßt: der mächtige Staudamm von Sennar, der sich der 450 Millionen Hektoliter täglich betragenden Flut des Blauen Nils stauend entgegenstellen wird. 3ur Errichtung dieses Rotosnuß gefunden ſein ſollte. Diese„ Kokosperle", die eine milch der das Zentrum vom Marxismus bekehrt und lutherisch Dammes, der eine Länge von zwei englischen Meilen und an seiner weiße Oberfläche besaß und einer Austernperle ähnelte, nur daß ihr der Perlmutterglanz fehlte, mar bis vor kurzem eine ganz rätselhafte Erscheinung. Man wußte nichts mit ihr anzufangen, fannte weder ihre Entstehung noch ihre Herkunft, und so hatte man in der wissenschaftlichen Literatur über hundert Jahre lang nichts mehr von ihr gehört. Erst im Jahre 1860 finden wir die Rofosperle wieder erwähnt. Dann aber berichtete 1866 Dr. Riebel, Er- Resident von Menado, daß er beim Deffnen einer Kokosmuß in ihr eine Berle gefunden habe, so daß nun wenigstens einwandfrei durch eine zuverlässige Persönlichkeit festgestellt war, daß die Rotosperle mirklich aus der Kokosnuß stammte, was bis dahin nur auf Grund der Aussagen von Eingeborenen angenommen worden war. Im Jahre 1900 wird die Kokosperle dann noch einmal von Steat erwähnt und damit ist die ganze Literatur über diesen Gegenstand erschöpft. Nun traf der holländische Botaniker und Forschungsreisende F. W. T. Hunger vor nicht langer Zeit auf einer seiner Reisen einen Eingeborenen aus Britisch- Indien, der ihm eine prächtige Berle zeigte, die er ſelbſt in einer geöffneten Kokosnuß gefunden haben wollte. Er schwur dem Gelehrten, daß seine Berle im Kolosfleisch festgesessen habe, und zwar gerade an der Stelle, wo normaler noch einem Araber, der ihm das gleiche berichtete, und so war die Grundlage für eine Hypothese der Entstehung der Berle geschaffen, über die Hunger eine interessante Mitteilung macht: Bei der nor gemacht hat. heißt blinde Rofosnuß, ist den Eingeborenen ein auserlejener Ta lisman, den sie selbstverständlich höchst ungern hergeben. Es gelang aber unserem Naturforscher schließlich doch, aus Borneo, NeuGuinea und anderen Gegenden acht solcher Boetas zu erwerben, die natürlich unter großer Spannung geöffnet wurden. Die ersten vier Nüsse enthielten nichts von einer Berle; die Enttäuschung war gipß. Ulm so größer war dann die Freude, als beim Deffnen der fünften Nuß eine prächtige, noch festsitzende Kokosperle gefunden wurde, und zwar saß sie genau an dem Grunde der Frucht, dicht unter der Stelle, wo die Keimlöcher hätten sitzen müssen. Die sechste und siebente Nuß waren mieder perlenfrei und die achte wurde noch nicht geöffnet. Wenn Hunger nun auch bloß eine einzige Perle gefunden hat, die ihm als Beweis seiner Annahme dienen kann, und wenn er sich auch in seinen Schlußfolgerungen recht vorsichtig ausdrückt, so läßt sich wohl kaum daran zweifeln, daß in der Tat die Perle ein versteinerter, mit fohlenjaurem Kalk durchtränkter Embryoteil ist. Aus der menschlichen und tierischen Pathologie tennen wir versteinerte oder mumifizierte Embryonen, die als Lithopädion oder Lithotherion bezeichnet werden; die Kokosperle dürfte demnach als analoges pflanzliches Gebilde aufzufassen sein. Dr. W. Das Glück des Brüller- Lagers. lange achtlos mit Füßen getreten hatten. Ein Blättchen glitzernden 3] Von Bret Harte. ( Schluß.) Auch die Gesetze der sittlichen und sozialen Hygiene wurden nicht vernachläffigt. Tommy, von dem man annahm, er verbringe sein ganzes Leben in einem ununterbrochenen Bestreben nach Ruhe, durfte durch keinen Lärm gestört werden. Das Schreien und Heulen, das dem Lager seinen unglücklichen Titel eingetragen hatte, war innerhalb Hörweite von Stumpys Hütte nicht erlaubt. Die Leute unterhielten sich flüsternd oder rauchten mit indianischem Ernst. Bofalmufit war nicht verboten, da man sie für besänftigend und beruhigend hielt, und ein Lied, das Jack der Seeheld", ein englischer Matrose aus Ihrer Majestät australischen Kolonien, fang, mar als Wiegenlied sehr beliebt. Es war ein schmermütiger Bericht von den Heldentaten der„ Arethusa, vierundsiebzig Kanonen" in gedämpftem Mollton, und jeder Vers schloß mit einem hinsterbenden, langgezogenen Rehrreim: An Bo- 0-0- ord der Arethuja." Es war ein schöner Anblick, Jad zu sehen, wie er das Glüd auf den Armen hielt, sich von einer Seite zur anderen wiegte, wie auf einem schaufelnden Schiff, und sein Matrosenlied fummte. Entweder durch das seltsame Wiegen oder die Länge seines Liedes es enthielt neunzig Stanzen und wurde mit gewissenhafter Ueber. hatte das Wiegenlied legung bis zum bitteren Ende fortgesezt in der Regel die erwünschte Wirkung. Bu solchen Zeiten pflegten die Goldgräber der ganzen Länge nach in dem sanften Sommer zwielicht unter den Bäumen zu liegen, ihre Pfeifen rauchend und die melodischen Töne schlürfend. Ein unbestimmter Gedanke, daß dies ein idyllisches Glück fei, fam über das Lager. So' ne Sache," lagte der Londoner Simons, indem er sich versonnen auf seine Ellbogen stüßte, ist himmlisch." Es erinerte ihn an Greenwich. An den langen Sommertagen wurde das Glück gewöhnlich nach der Schlucht getragen, aus der das Brüller- Lager sein Gold holte. Dort, auf einer Decke, die über Fichtenzweige gebreitet wurde, pflegte es zu liegen, während die Männer drunten in den Gruben Später wurde ein kunstloser Versuch gemacht, diese Laube mit Blumen und süßduftenden Sträuchern zu schmücken, und gewöhnlich brachte ihm irgend jemand einen Strauß von milbem Geißblatt, Azaleen oder die bunten Blüten der Maripoſen. arbeiteten. Die Männer waren plöglich zu dem Bewußtsein erwacht, daß| Schönheit und Bedeutung in diesen Kleinigkeiten lagen, die sie so Glimmers, ein Stüd buntfarbigen Quarzes, ein schimmernder Kiesel aus dem Bett des Baches gewannen nun in ihren so geklärten und gestärkten Augen Schönheit und wurden regelmäßig für das Glück beiseite gelegt. Es war wunderbar, wie viele Schäße der Wald und die Hügelhänge spendeten, die für Tommy passen würden". Umgeben von Spielfachen, wie sie außerhalb des Feenreiches nie zuvor ein Kind besessen hatte, war Tommy offenbar zufrieden. Er schien gewiß glücklich zu sein, obwohl eine findliche Ernsthaftigkeit in ihm war und ein sinnender Glanz in seinen runden grauen Augen, der Stumpy manchmal beunruhigte. Er war stets folgsam und fuhig, und es wird berichtet, daß er einstmals, als er über seinen Corral eine Hecke von geflochtenen Fichtenzweigen, die sein Bett umgabgesprochen war, topfüber den weichen Damm in die weiche Erde fiel und, die roten Beine in der Luft, wenigstens fünf Minuten in dieser Lage mit unerschütterlichem Ernst verweilte. Er ließ sich ohne einen Laut herausziehen. Doch ob er nun über die Fichtenzweige hinaustroch oder träge auf dem Rücken lag und zu den Blättern hinaufblinzelte für ihn fangen die Bögel, für ihn pfiffen die Eichhörnchen. Die Natur war seine Amme und seine Spielgefährtin. Für ihn ließ sie durch das Laub goldene Sonnenstrahlen schlüpfen, die gerade in die Reichweite seiner Hände fielen; für ihn schickte sie schweifende Brisen, die ihn mit dem Duft des Lorbeers und harzigen Gummis besuchten; ihm nichten die hohen Rotholzbäume vertraut und schläfrig zu, und die Hummeln fummten, und die Krähen frächzten eine einschläfernde Begleitmelodie. So war der goldene Sommer des Brüller- Lagers. Es war eine „ Blütezeit", und das Glück weilte bei ihnen. Die Gruben hatten ungemeine Erträge gegeben. Mit dem Gedeihen des Lagers regte sich Berlangen nach weite ren Verbesserungen. Es wurde vorgeschlagen, im nächsten Frühling ein Hotel zu bauen und eine oder zwei anständige Familien einzuladen, dort zu wohnen dem„ Glück" zuliebe, dem vielleicht weibliche Gesellschaft von Nuzen sein würde. Das Opfer, das eine solche Konzession an das andere Geschlecht diese Männer fostete, die in bezug auf dessen allgemeine Tugend und Nüglichkeit äußerst steptisch waren, fann nur aus ihrer Neigung für Tommy erklärt werden. Einige wenige leisteten noch Widerstand. Aber der Blan fonnte vor drei Monaten nicht verwirklicht werden, und die Minori stärksten Stelle eine Dicke von 90 Fuß aufweist, und der den Nil 2140 englische Meilen von seiner Mündung entfernt staut, hat sich eine ganze Arbeiterstadt mit 25 000 Einwohnern, mit elektrischem Licht, Waffer- und Eispersorgung mitten in der Einöde gebildet, dort, wo noch vor zwei Jahren ungestört Krokodile im Nil schwammen und Paviane friedlich an den Ufern spielten. Noch vor 25 Jahren fonnte ein Forschungsreisender von jener Gegend sagen: Nördlich von Khartum ist der Sudan eine Wüste; südlich ein leberschwemmungsgebiet." Hier werden vom nächsten Jahre ab bereits 312 000 Acres der Bebauung erschlossen, und für die Zukunft werden neue Bewässerungspläne erwogen, die ein Gebiet von drei Millionen Acres einbeziehen. Dieses Werk stellt die letzte Krönung von durch die Jahrtausende zurückreichenden Bewässerungsplänen dar, denn vei der Seltenheit der Regenfälle im Sudan ist die Bevölkerung ganz von den Fluten des Nils abhängig, deren genaue Erforschung und Nuzzbarmachung schon zu den Zeiten der Pharaonen zu einer Wissenschaft ausgebildet worden ist. Diese nach unseren heutigen Begriffen ziemlich primitiven Methoden find bis in unsere Tage die herrschenden geblieben. Doch schon vor 10 000 Jahren hat ein genialer Erfinder das von Ochsen getriebene Wasserrad, das sagia genannt wird, entdeckt. Aber alle diese Methoden werden bald der Vergangenheit angehören, wenn der große Staudamm seine Vollendung gefunden haben wird. Die Kosten dieses gewaltigen Baues betragen eine vierte! Milliarde Goldmart. tät gab sanftmütig nach in der Hoffnung, daß irgend etwas geschehen würde, um ihn zu verhindern. Und es geschah etwas. An den Winter von 1851 wird man sich in den Hügeln noch lange erinnern. Hoch lag der Schnee in den Sierras, und jeder Waldbach wurde ein Fluß und jeder Fluß ein See. Jede Schlucht und jeder Riß verwandelte sich in einen wilden Wasserfall, der die Bergwände herabstürzte, riesige Bäume umriß und die Trümmer in die Ebene hinausschwemmte. Der Rote Hund war schon zweimal unter Wasser gestanden, und das Brüller- Lager wurde gewarnt. „ Das Wasser," sagte Stumpy, bringt das Gold in die Schlucht. ' s ist einmal hier gewesen, und' s wird wieder hier sein." Und in dieser Nacht sprang die Nordgabel plöglich über ihre Ufer und fegte das dreieckige Tal des Brüller- Lagers hinauf. In der Berwirrung der rauschenden Gewässer, der zermalmenden Bäume, des krachenden Holzwerks und in der Finsternis, die zugleich mit dem Wasser hereinzuströmen und das schöne Tal fortzuwischen schien, fonnte nur wenig getan werden, um die zerstreut wohnenden Leute des Lagers zu sammeln. Als der Morgen dämmerte, war Stumpys Hütte, die dem Ufer zunächst stand, fort. Weiter oben in der Schlucht fand man den Leichnam ihres unglüdlichen Besitzers; aber der Stolz, die Hoffnung, die Freude, das Glück des Brüller- Lagers war verschwunden. Sie fehrten traurigen Herzens um, als ein Ruf vom Ufer her sie zurückrief. Es war ein Rettungsboot vom Unterlauf des Flusses. Sie hätten, sagten die Leute, ungefähr zwei Meilen weiter unten einen Mann und ein Kind in fast völlig erschöpftem Zustand aufgefischt. Ob jemand sie fenne und ob sie hierher gehörten? Es bedurfte nur eines Blickes, um ihnen zu zeigen, daß Kentuc hier lag, grausam zerquetscht und zerschlagen, aber immer noch das Glück des Brüller- Lagers mit seinen Armen umschlingend. Als fie fich über das seltsam vereinigte Baar neigten, sahen sie, daß das Kind talt war und sein Puls nicht mehr schlug. ,, Er ist tot," sagte einer. Kentuck schlug die Augen auf. Tot?" wiederholte er matt. ,, Ja, mein Junge, und auch du bist dem Tode nahe." Ein Lächeln erhellte die Augen des sterbenden Rentud. „ Dem Tode," wiederholte er.„ Er nimmt mich mit sich. Sagt den Jungens, daß ich jetzt das Glück für immer bei mit habe." Und der starke Mann flammerte sich an das schwache Kind, wie ein Ertrinkender sich wohl an einen Strohhalm flammert, und trieb hinaus in jenen schattigen Fluß, der ewig dem unbekannten Meere zuftrömt. 1ST Inventura Ausverkauf Die letzten Tage unseres Ausverkaufes geben Ihnen zum letzten Male Gelegenheit zu Preisen zu kaufen, die sobald nicht wiederkehren dürften. 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