Nr.26+42. Jahrgang Ausgabe A nr. 14 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monat lich 3, Goldmark voraus zahlbar Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat, Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und 8eit" mit ,, Gied Tung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Morgenansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenvreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 0,70 Goldmark, Reklamezeile 4. Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Gold. mark( zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes mettere Wort 0,05 Goldmark. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Um 10 Uhr abends wird amtlich mitgeteilt: Der Reichspräsident hat den bisherigen Reichsfinanzminister Dr. Luther zum Reichstanzler und auf dessen Vorschlag die nachstehenden Herren zu Reichsministern ernannt: Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, Reichsminifter des Innern Martin Schiele, Reichsminister der Finanzen noch unbefeht, Reichswirtfájaftsminister Neuhaus, Ministerialdirektor a. D., Reichsarbeilsminister Dr. Brauns, Reichswehrminister Dr. Geßler, Reichspoftminister Stingl, Reichsverkehrsminister noch unbefeht, Reichsminifter für Ernährung und Landwirtschaft Graf v. Ka ni h. Das Reichsjuftizminifterium ist dem Oberlandesgerichtsrat Schumacher, Mitglied des Reichsrats, angeboten worden, der auch gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsminifteriums für die besetzten Gebiete betraut werden soll. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen worden. Heute tritt die Regierung des Bürgerblocks vor den Reichstag. Der deutschnationale Durchschnittswähler mag sie fich anders vorgestellt haben. Er hat vielleicht von Herrn Tirpit als Reichskanzler geträumt, hat neben ihm Herrn Hergt oder Herrn West arp als Innenminister und Bize= fangler auf der Regierungsbant gesehen, einen Diplomaten ältesten Stils als Außenminister und daneben eine Uniform als Geßlers Nachfolger. Mit Schauern wollüftiger Ehrfurcht hat er vorempfunden: Regierungsprogramm, Bertrag von Versailles zerrissen, Deutschland aller Lasten ledig, Republit in Verruf, es lebe der deutsche Kaiser. Schicksalswende. Die Regierung des Bürgerblocks ist Tatsache. Ihr Chef ist Herr Luther, neben ihm sigt Herr Schiele mit Herrn Stresemann, Herr Geßler und Herr Brauns, und dann Herr Neuhaus. Herr Luther wird nicht auf den Tisch schlagen und den Vertrag von Versailles für zerrissen und die Republik für verboten erklären. Aber das, was Enttäuschung für den deutschnationalen Durchschnittswähler ist, gibt dieser Regierung die politische Bedeutung. Sie ist nicht eine Eintagsmaskerade nationalistisch überspannter und extrem- monarchistischer Desperados sie ist der bitter ernſte, auf die Teilnahme großer Parteien fundierte Versuch, eine entscheidende Kurswendung in Deutschland herbeizuführen. Diese Regierung ist eine Gefahr für die deutsche Entwicklung, vor allem für die soziale Entwicklung in Deutschland. Nicht wegen ihrer Personen; denn die ragen über den Durchschnitt parlamentarischer und bureaukratischer Köpfe nicht hervor. sondern wegen der großen außerparlamentarischen Triebkräfte, die hinter dieser Regierung stehen. Diese Regierung mag in den formal- politischen Fragen, fie mag in den Ber fassungsfragen, in den außenpolitischen Fragen durch ihre Bufammenfeßung wie durch ihre parlamentarische Schwäche gehemmt sein und deshalb in diesen Dingen schon in ihrer ersten Erklärung ihre Worte wohl abwägen und ihre Möglich Peiten nicht überschägen in den großen sozialen Fragen in Deutschland aber verfolgt sie ein flares Ziel: Bürgerblod! Gerade in dieser Form ist der Versuch, die rechtlichen Berhält nisse der Klassen zueinander, die Berteilung von Einkommen und Macht entscheidend zuungunsten des ganzen arbeitenden Boltes zu verändern. 4 Unter diesem Gefichtspunkt wird das Arbeitsvolk Deutsch lands diese Regieru. beurteilen. Es wird die Gefahr und die Drohung, die diese Regierung bedeutet, ebensowenig unter schäzen, wie es ihre Lebensfähigkeit und ihre Erfolgsaussichten überschätzt. Die deutsche Arbeiterschaft, die Sozialdemokraten, alle die, denen es ernst ist mit der Republik, mit der Fortführung einer ernsthaften und gerechten Sozialreform in Deutschland, werden dieser Regierung gegenüber nicht nur fühl und nüchtern abwägen, wie lange fie leben tann und welche Dummheiten fie auf Roften Deutschlands anstellen kann - es sind nur zu viele. Sie werden die Tatsache, daß man ihnen, die in schwerster Zeit die wahren Träger des Staates und seiner Zukunft waren, nunmehr eine Regierung des brutalen Klaffenegoismus, eine Regierung der heimlichen und offenen Feinde des republikanischen Staates zu bieten magt, als einen Schlag ins Gesicht empfinden. Empörung, Entrüstung und Erbitterung-das sind die Empfindungen, mit denen die deutsche Arbeiterschaft diefer Regierung gegenübertritt. Empörung, Entrüftung und Erbitterung über den Klassencgoismus des Großagrariertums und der großen Konzerne, der diese Regierung trägt, aber auch über die Parteien, die sich diesem Versuche dienstbar machen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang nicht näher über die Stellung des Zentrums- es wird felbft früh genug erfennen, welchen Schritt es getan hat. Es wird früh genug bei fich felbst die Empörung der verfassungstreu und wahrhaft fozial gefinnten lebendigen politischen Kräfte des deutschen Bolles erfahren. Das arbeitende Bolt Deutschlands aber wird sich bei Entrüstung und Erbitterung nicht aufhalten. Es schickt sich zum Kampfe gegen die Regierung des Bürgerblocks auf der ganzen Linie an. Diefer Kampf wird sich nicht auf das Parlament beschränken. Geht die soziale Reaktion zum Angriff über, so trägt sie den Kampf in das gesamte Wirtschaftsleben mit allen Folgen, die sich daraus für die Entwicklung der Produktivkräfte in Deutschland ergeben. Vor diesem Kampfe aber ziemt der Arbeiterschaft die Frage: wie war eine Regierung des Bürgerblocs möglich? Sie muß die Frage stellen und ehrlich und flar beantworten, um aus der Antwort zu lernen. Der Bürgerblock in Deutschland war nur möglich, weil die deutsche Arbeiterschaft immer noch um ihre politische Einheit ringen muß. Der Bürgerblod war nur möglich, weil die Gegner der großen sozialdemokratischen Arbeiterpartei innerhalb der Arbeiterschaft selbst seine Bundesgenossen sind. Er war nur möglich, weil die Kommunisten im Barlament und außerhalb des Parlaments ihm die Lebensmöglichkeit gegeben haben. 131 Sozialdemokraten bilden im Reichstag das Rückgrat des Kampfes gegen den Bürgerblod, 45 Rommunisten aber haben den Bürgerblock in den Sattel geholfen; denn ihre Stimmen sind es, die mit den Barteten der Rechten gegen eine Roalition der Linken ins Gewicht fallen. 176 Sozialdemokraten im Reichstag statt der 131 Sozialdemokraten und den 45 Kommunisten und der Bürgerblock wäre unmöglich gewesen. In Preußen wird der gleiche Kampf geführt wie im Reiche. Die politische und soziale Reaktion ringt um den Sturz von Otto Braun und Severing. Mit größter Spannung blickt die Arbeiterschaft auf diesen Kampf, dessen Ausgang, zumal nach der Bildung des Bürgerblods im Reiche, noch völlig ungewiß ist. Eins aber ist gewiß: würde das ganze arbeitende Bolf aufgerufen zur Entscheidung darüber, ob Braun und Severing fallen und den Bertrauensleuten der politischen und sozialen Reaktion Platz machen sollen- mit einer überwältigenden Mehrheit wür den sie für die Regierung Braun- Severing, gegen den Bürger blod in Preußen entscheiden. Wenn in dem Ringen um die block in Preußen entscheiden. Wenn in dem Ringen um die Regierung in Preußen Braun und Severing fallen, so fallen sie wegen der fommunistischen Fraktion. Wenn die alten Konservativen, die verstockteste, bornierteste und reaktionärste Klasse in Europa, in Preußen wieder zur Macht kommen, so mit Hilfe der Kommuniſten. Der Bürgerblock ist die Kehrseite der kommunistischen Politif. Auf die Schwächung der Arbeiterbewegung durch die Kommunisten gründen sich die Hoffnungen des Bürgerblocks. Wer am 7. Dezember kommunistisch gewählt hat, der hat sein Steinchen beigetragen zum Aufbau des Bürgerblods. Die kommunistische Agitation spreizt sich mit scheinrevolutionären Phrasen gegen den Kapitalismus aber sie führt in der Bragis zur Unterstützung der sozialen Reaktion, zur Stärkung der Macht der großen Konzerne, der Schwerindustrie, des Großagrariertums. Die fommunistischen Führer und Zeitungen führen die Namen großer Vorfämpfer im Munde, die glühende Haffer des kapitalistischen Systems, Kämpfer und Märtyrer für die Freiheit der arbeitenden Massen waren aber sie verhelfen den Luther und Schiele, den alten Konser vativen in Breußen zur Regierungsmacht gegen die Arbeiterschaft. Der sozialdemokratische Abgeordnete hatte nur zu recht, der gestern im Reichstag der Agitation und Demagogie der Kommunisten voll innerer Empörung entgegenrief: ,, Thr helft denen, die die schärfsten Gegner aller sozialen Bemühun gen find!" tommt nicht auf die Zahl der Mandate an, nicht auf die parlaMögen die kommunistischen Führer dagegen sagen: es mentarische Konstellation, nicht auf die Zusammensetzung der Regierung! Diese Regierung des Bürgerblocks, so sehr fie Regierung! Diese Regierung des Bürgerblocks, so sehr sie selbst eine Macht und eine Drohung darstellt, ist der Ausdrud einer politisch- fozialen Machtton ftellation im Bolte, und dabei gilt für die kommunistische Politik, was für ihre Stellung im Parlament gilt: sie wird zur Unterstützung der sozialen Reaktion. Weil in der kommenden großen sozialen Auseinandersetzung über die Frage: Klassenegoismus des Großfapitals oder soziale Gerechtigkeit, foziale Reaktion oder Sozialreform die Reaktion ihre Hoffnungen auf die Schwächung der Arbeiterbewegung durch die Kom munisten sett, deshalb war der Bürgerblod möglich. Der Kampf gegen den Bürgerblock ist zugleich der Kampf gegen die Kommunisten. Rampf gegen die soziale Reaktion war immer zugleich Kampf gegen den Unverſtand der Massen, gegen den schlimmsten Feind der Arbeiterschaft im eigenen Lager. Das ist die Erfenntnis, zu der die ganze Arbeiter schaft gelangen muß, wenn sie in den Kampf gegen den Blod der fozialen Reaktion eintritt. Die Stellung der Demokraten. Schwerste Bedenken. Die demokratische Reichstagsfraktion hat gestern über ihre Stellung zur Regierungsbildung einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: Die deutschdemokratische Fraktion billigt, daß der Borfizende die Entfendung eines Bertrauensmannes in das Kabinett Luther abgelehnt hat. Sie steht dem Kabinest mit den schwersten Bedenten gegenüber und behält sich ihre Stellung zu der Regierungserklärung vor." Ich heiße Neuhaus... Und weiß von nichts. Der neue Reichswirtschaftsminister, Ministerialdirektor a. D. und Eidesverweigerer, Neuhaus, antwortet durch das offiziöse Depeschenbureau auf die Mitteilungen der Deutschen Liga für Menschenrechte über feine Tätigkeit im Deutschnationalen Jugendbund: Er sei bet Gründung der Ortsgruppe Hansa dieſes Bundes zum stellvertreten. jei dort nur zweimal in der Deffentlichkeit aufgetreten. Einmal in den Alterspräsidenten gewählt worden und bis 1921 geblieben. Er sei dort nur zweimal in der Deffentlichkeit aufgetreten. Einmal in Gegenwart Ludendorffs. Ueber den Neft abend sagt er nur folgendes: Herrn Neuhaus ist darüber, daß ein Nest a bend zur Ver herrlichung des Rathenau Mordes stattgefunden habe, nicht das geringste bekannt. Dagegen ist ihm be= fannt, daß Günther schon vor dem Rathenau- Morde aus der Ortsgruppe Hanja des Deutschnationalen Jugendbundes a use geschlossen worden ist. am 24. Juni 1922 an dem berühmten Nestabend zugegen war, Nun steht zwar in dem Telegramm der Liga an den Reichs. präsidenten nichts von einem Restabend zur Berherrlichung des Rathenau- Mordes". Aber es ist dort behauptet, daß Neuhaus auf dem Günther als Mörder Rathenaus gefeiert wurde. schon aus der Gruppe ausgetreten war, hat aber vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig ausgesagt, er sei bei dem Nestabend mit ziemlichem Hallo begrüßt" worden, und zwar freudig als Mörder Rathenaus! Das amtliche Stenogramm ver zeichnet an diesem Punkte folgende Fragen und Antworten: Dieser Günther, der angeblich vor dem Rathenau- Mord Präsident: Sie wurden da sozusagen als Held gefeiert? Angefl. Günther: Sozusagen ja. Präsident: Das war also der Nestabend des Deutschnatio nalen Jugendbundes in der Lüßowstraße. Richter Fehrenbach: Sie sind nicht hinausgeschmissen worden als der Mörder? Wenn in dem Angell. Günther: Direft nicht.( Heiterfeit.) Richter Fehrenbach: Aber indirekt, wie? Deutfájnationalen Jugendbunde eine Empörung über die Tat gewesen wäre, hätte man Sie erstens nicht mit Hallo empfangen fönnen, trotz Ihrer Renommisterei; zweitens hätte man Sie nicht mehr länger in dem Saale dulden dürfen, sondern hätte Sie herausjagen müffen, wenn Mörder in die Gesellschaft von jungen anständigen Menschen kommen. Ist das so gewesen? Angefl. Günther: Go ist es nicht direkt gewesen. Ich habe mich nachher natürlich vollkommen ruhig verhalten. Präsident: Sie haben vorher gefagt, Sie wären als ein Held gefeiert worden. Angeti. Günther: Nur beim ersten Hineinkommen. Richter Fehrenbach: Sie sind des weiteren im Cofal geduldet worden? Angell. Günther: Jawohl. So ging es also am Tage der Ermordung Rathe naus auf dem Nestabend des Deutschnationalen Jugends bundes zu, von dem Herr Neuhans gesteht, daß er zeitweilig dessen stellvertretender Alterspräsident gewesen ist. Er will jetzt von dem" Nestabend zur Berherrlichung des Rathenaumordes" nichts wissen. Aber eine andere Frage, auf die Neuhans nicht antwortet: Hat und sich damit als Antirepublikaner bekannt? Will er je zt er seinerzeit den Eid auf die Berfassung verweigert den Eid leisten? Und glaubt er nicht, daß man sich über die politische Birkung eines solchen späten Eides eigene Gedanken machen wird? Die Haltung des Zentrums. Kein Fraktionszwang. Ueber die Verhandlungen, die der offiziellen Beauftragung Luthers vorangingen, berichtet die Eca: Die Verhandlungen über die Regierungsbildung drehten sich am geftrigen Vormittag ausschließlich um die Frage des Ver. treuensvotums. treuensvotums. Die Deutschnationalen bestanden zunächst darauf, daß außer der Billigung der Regierungserklärung ausdrüc lich Bezug genommen werde auf den Art. 54 der Reichsver. faffung, der bestimmt. daß die Reichsregierung und die Reichs minister bes Vertrauens des Reichstuges bedürfen. Für diese Formulierung war eine Mehrheit im Reichstag nicht zu erzielen. Die Deuticnationalen haben schließ uch auf die Bezugnahme auf den Artikel 54 verzichtet. Sie haben dieses Zugeständnis aber ar die Forderung geknüpft, daß das Zentrum bei der Abstimmung über den Butigungsantrag Frattions zwa ng durchführe. Sie begründeten diese Forderung damit, daß sie nur in diesem Falle ihre gesamten Fraktionsmitglieder zu einer einmütigen Annahme des Billigungsantrages bewegen fönnten. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat aber diese Zumutung 3urüdgewiesen und erkläri, daß jte auf ihre mit glieder einen meng nicht ausüben werde und tönne. Dagegen haben die Unterhändler des Zentrums Dr. Luther ertlärt, daß sie die Gewähr dafür übernehmen fönnten, daß die überwiegende Mehrheit der Fraktion einem einfachen Billigungsantrag zustimmen werde." Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei beschäftigte sich nochmals mit der Frage der Regierungsbildung und beharrte auf ihrem Standpuntt, daß der in Aussicht genommene Reichspostminister Stingl wohl Mitglied der Bayerischen Boltspartei, aber nicht der Reichstagsfraktion der Bayerischen Bolfspartet sei. Die Reichstagsfraktion fönne ihn daher nicht als ihren Vertreter anerkennen. Ste erachte sich deshalb dem sich bildenden Kabinett gegenüber nicht für gebunden und behalte sich ihre volle Selbständigtett vor. Mißbehagen in Paris. Paris, 15. Januar.( TU.) Obwohl amtliche französische Streise mit ihrem Urteil über das fünftige Kabinett Luther im Augenblick noch zurückhalten, ist ersichtlich, daß Mißbehagen vorherrscht. Insbesondere befürchtet man neue Schwierigkeiten für den Fortgang der franzöfifch- deutschen Wirtschaftsverhandlungen. Der Berliner Berichterstatter des" Temps" nennt Luther einen heftigen und beschränkten Politiker, der aber ein gewisses Verständnis für unmittelbare Realitäten habe. Hollands Urteil. " Amfterdam, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.)„ Allge= mene Handelsbla d" schreibt: die Bildung eines Reichs kabinetts Dr. Luther fann in den Niederlanden keine Genugtuung über die Lösung der deutschen Krise auslösen. Geradezu tragisch stimmt der Gedanke, daß sechs Jahre nach der Revolution Deutschland die deutsche Republik durch Männer regiert werden soll, die mit Herz und Seele Feinde des republitanischen Gedankens sind. Es flingt fast wie eine Parodie. Europa soll noch einmal mit einem Dr. Stresemann als Außenminister beglüdt werden. Ueber diesen Politifer und Charakter wollen wir uns nicht weiter auslassen. Wir tennen ihn in den Niederlanden zur Genüge. Deutschnationale, überzeugte Monarchisten, werden Ministerposten befleiden. Die Steuer- und die großen Wirtschaftsfragen werden zur Freude und zum Ergößen der Agrarier und Groß. industriellen geregelt werden. Ebert wird durch einen monarchi stischen Reichspräsidenten abgelöst. Hiermit wird auch das geringe Bertrauen, das sich Deutschland in der letzten Zeit im Ausland erwerben fonnte, wie Schnee vor der Sonne da hinschmelzen. All das bedeutet eine neue Spannung der internationalen Lage, die der europäischen Wirtschaft bestimmt nicht förderlich sein wird. Alle, die es im In- und Ausland mit Deutschland gut meinen, mögen ein Stoßgebet verrichten, damit Luthers Bemühungen um ein reaftionäres Rabinett scheitern." „ Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt:„ Strefe mann hat Marg geschlagen. Er hat das Spiel gewonnen. Welch furchtbarer Schaden dieser Sieg der Deutschen Boltspartei über das Zentrum dem Lande bringen wird, ist nicht zu über. fehen. Peffimismus in Dänemark. Kopenhagen, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Boliti. ten beschäftigt sich am Donnerstag in ihrem Leitartikel mit dem Kabinett Luther und schreibt:„ Die Lösung Luther hat einen sehr bestimmten Charakter. Durch sie wird die Wahl vom 7. Dezember, die ein Lintssieg war, zu einem Kabinett mit deutlicher Rechtsfärbung umgebogen. Stresemann, der politische Laubfrosch, hat viele Anfid ten gehabt, und um die Mitte 1924 begann er gegen Marg einen Feldzug, dessen Ziel die Bildung des bürgerlichen Rechtsblods Nebel. Bon P. Veiland( Kopenhagen). | mit den Deutschnationalen war. Nun ist Marg geschlagen,| nuhaltbar, so wachsen sie sich durch den Zusirom der Flüchtlinge zv Stresemann ist der Mann des Tages, Luthers Kabinett wird sein einer furchtbaren katastrophe aus. Die Gefabren in ge Kabinett. Wir glauben nicht, daß Stresemanns Sieg eine fundheitlicher und fittlicher Beziehung vergrößern sich von Tag au glückliche Begebenheit für Europa ist. Seine gegebene Tag. Die bisher getroffenen Maßnahmen reichen nicht aus, umWirkung wird sein, daß er in außerordentlichem Maße Herriot er- das Wohnungselend zu beheben. Was gedenkt die Reichsregierung. schweren wird, die Politik fortzusetzen, deren Ziel Verständigung und zur schleunigsten und durchgreifenden Abhilfe zu Zusammenarbeit mit Deutschland war. In der Frage der Räu- tun? mung der Kölner 3one hat Stresemanns Politit. bisher mit einem unglaublichen Mangel an Verständnis für Herriots Schwierigkeiten gelitten, um nicht zu reden von dem psychologischen Augenblick, der da war, als Rom und London aus Furcht vor dem schnellen deutschen Wiederaufstieg sich zu einer fühlen Haltung hinüberschwangen. Damals galt es für die deutsche Politik, zu begreifen, daß Herriot Deutschlands Mitarbeit braucht. Er betam sie nicht, und was er unter der neuen Regietung befommt, iſt faum eine vorausschauende Politit, die eine deutsch- französische Berständigung ermöglichen wird." Der Arbeitsplan des Reichstags. Freitag Regierungserklärung, Sonnabend Debatte. Der Aeltestenrat des Reichstags, dem in seiner Sizung nach der Plenarsigung die amtliche Meldung zuging, daß der Reichsfinanzminister Dr. Luther zum Reichsfanzler ernannt ist und den endgültigen Auftrag zur Regierungsbildung erhalten hat, be schloß, an der bereits in der Plenarsizung festgesetzten Tagesordnung mit der Erklärung der Regierung für Freitag um 6 Uhr nachmittags festzuhalten. Nach der Regierungserklä rung wird die Sizung auf Sonnabend vertagt werden und dann schon um 12 Uhr mit der Besprechung der Regierungserklärung beginnen, damit noch am Sonnabend alle großen Parteien zum Wort kommen können. Die Redezeit soll eine Stunde betragen. Die weitere Debatte wird dann am Montag 2 Uhr stattfinden. Es werden zwei Rednerreihen für die allDie nationalsozialistische Gruppe gemeine Aussprache zugelassen. wird gleich den übrigen Parteien berücksichtigt werden. Um den Reichspressechef. Der Reichsrat hat im Reichshaushalt für 1925 die Stelle des Reichspressechefs als fünftig megfallend bezeichnet. Der Reichsrat begründet seinen Beschluß damit, daß es auf die Dauer für die Reichstaffe nicht erträglich erscheine, die Leitung der Bresse stelle einem Beamten zu übertragen, daß es sich vielmehr empfehle, eine geeignete Persönlichkeit vertragsmäßig anzustellen, die zu gegebener Zeit durch Kündigung entbunden werden könne. Die Reichsregierung ist dagegen der Meinung, daß die Besetzung des Postens im Wege des freien Angestelltenvertrags die finanzielle Belastung vergrößern werde. Ohne finanzielle Opfer erheb licher Art werde ein Pressechef als Angestellter aus den freien Berufen nicht zu gewinnen sein. Außerdem liege es bei der Renntnis geheimſter politischer Borgänge in diesem Amt im staat lichen Intereffe, nur eine Berion in Beamteneigen. fdjaft zu verwenden. Endlich werde ein auf Kündigung angestellter Pressechef schwerlich die erforderliche Autorität gegen. über der Presse des In- und Auslandes sowie der eigenen Behörde aufbringen können Flüchtlingselend in Oberschlesien. Sozialdemokratischer Antrag auf Abhilfe. Die iozialdemokratische Frattion hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: Nach amtlichen Mitteilungen find in Oberschlesien min beffen 8 8000 Flüchtlinge als Opfer der Abtrennung eines Teiles von Dberichlesien nach Bolen in menidenunwürdiger Beise untergebracht. Infolge Verdrängung zahlreicher Optanten aus Bolen dürfte fich diese Zahl in nächster Zeit noch erheblich vermehren. Sind schon infolge der allgemein herrschenden Wohnungsnot die Zustände in oberichlenschen Städten und Gemeinden Ein Eisenbahnsignal für Nebelgefahr. Das furchtbare Eisenbahnunglück bei Herne zeigt wieder einmal, daß unsere üblichen Signalvorrichtungen gerade bei Rebel den großen Nachteil haben daß sie nur mit dem Auge wahrgenommen werden tönnen. Daher ist die Möglichkeit eines Ueberfahrens der Signale, die ouch diesmal zu der schrecklichen Katastrophe führte, nicht ausgeschloffen. Die orifeften Signale, wie wir sie befigen, die auf dem Bahntörper neben den Fahrgleisen angeordnet werden, sind zwar Tag und Nacht weithin sichtbar, aber der Lokomotivführer inuß bei Schneller Fahrt mit größter Aufmerksamkeit nach ihnen Ausschau halten und genau willen, wo die Signale stehen. Eine geringere Streckenfenntnis, ein vorübergehendes Erlahmen der Aufmerksamkeit fann unabsehbares Unglück hervorrufen. Deshalb ist eine neue Signal und Sicherheitsvorrichtung, die ein Ueber Ist das noch der Planet Erde? Ist das noch Derefund, Kopen hagen, Schlösser und Hafen und Meer? Wassergesättigtes, maffe. geballtes Grau gebiert Häufer, Straßen. Dinge. Gebiert sie furz vor dir, grell und unvermittelt und verschluckt sie dicht hinter dir, grell und unvermittelt. Ein Schemen bleibt zurück, ein dunkles Ding, wie Werden und Vergehen aus dem herrschenden, seienden Grau. Wie Jongleurspiel mit mattgoldenen Bällen wirft der Nebel EtraBenlaternen, Autolichter auf, rote Punkte, schwach wie glühende Streichholzlöpfe rufen ein schwächliches Stopp an Straßenfreuzun Gen, Eisenbahnübergängen, Rosenborg Have sonst sauberer, ffolzer Bart mit haushohen Bäumen und sicher verteilten Büschen- fahren der Haltefignale unmöglich) maat, von größter Bedeutung. ift Hexentanzplay von dunklen, geballten und schlanken, kauernden und drohend in den Himmel wachsenden, fliehenden, wiegenden, ftummen Gespenstern. Rosenborg Schloß ein Schmuckfästchen der ein Schmuckkästchen der dänischen Renaissance- ist eine Ruine von falten, graugrimmen Mauern und Türmen, deren Höhe verschwindet in grauem, gifigem Schlund. T 1 Das Meer, der Himmel, die Küste deine Erinnerung, dein Boden fühlender Fuß, dein Blick, der aus zehn Metern vor und zurück erkennt, daß du an der Langenlinie, den Hafen entlang gehst, sagen dir, daß über dir Himmel, links von dir Land, rechts der Hafen und Sund sein muß. Sonst wüßtest du es nicht. Denn ein einziges Grau, hineingemischt dunkle Ballen, dunkle Linien, hellere, fernere Riesentrallen, aus dem das Hämmern der Werften, Knarren laden der Winden, Pochen vorsichtig gehender Maschinen singt wie vul. kanisch brodelnde Symphonie, das ist es, worin Meer und Himmel und Küste zerschmolz. Als Wohlbekannter, furzer, totweißer Turm steht das Leuchtfeuer des Molentopfes plöglich vor dir. Kalt und feucht und Schlüpfrig die Bant darum. Rot und grün, grün und rot pulft die Lampe im Turmtopf, pflichtgetreu, finnlos. Grünes Licht schwimmt wiegend im Nebel heran, verbindet sich mit dunkler Basis, Rumpf und Kommandobrücke eines düsteren Dampfers werben erkennbar. Auf brüllt das Ungetüm, dumpf, brutal. Dann frist es der Nebel wieder bis auf den Schrei, der drohend, noch einmal sich durch ringt wie Ton eines Urwelttieres. Oskar Langenbach erläutert dieje Borrichtung in der„ Umschau". Der Grundgedanke besteht darin, daß dem Lokomotivführer_in_bestimmtem Abstand vor dem Haltefignal. das ein langsameres Fahren und gegebenenfalls ein Halten erforderlich macht, ein sichtbares und hörbares Warnsignal gegeben wird, durch das ihm das Herannahen des Gefahrpunktes, 3. B. Streckenfignat, verkündet wird. Die das Warnsignal auslösende Vorrichtung fann so angeordnet nerden, daß fie bei gefchloffenem haltfignal gleichzeitig ein automalisches Bremsen zwerks Haltens des Zuges bewirft. Der Apparat ist auf dem Führerstand der Lokomotive an der Bufferbohle zwischen Buffer und Bughaten angebracht. Gtwa 1000 Meter vor dem Halt signal wird ein Streckenkontakt zwischen den Gleisen auf der Schwelle befestigt; 300 Meter vor dem Haltsignal sind drei weitere Kontakte. Erreicht der Eisenbahnzug den ersten Streckentontatt, dann wird was Flügelrad in Bewegung gesetzt und schließt einen von der Lokomotive fommenden Stromfreis furz, so daß auf dem Führerstand ein tommenden Stromfreis furz, so daß auf dem Führerstand ein optisches und akustisches Warnzeichen in Erscheinung tritt. Bei der Berührung des eriten Strefentontaktes ist eine Vorrichtung getroffen, Gleis ein Sug einläuft. Es wird also gleichzeitig dem Lokomotiv die dem Stellwertbeamten ankündigt, daß auf einem bestimmten führer und dem Stellwertsbeamten ein Hilfsmitel gegeben, das em Ueberfahren der Haltfignale uninöglich macht. Diese Borrichtung ist Ucberfahren der Haltsignale uninöglich macht. Diese Vorrichtung ist beim dichten Nebel oder regnerischen Wetter, wo die Signale nicht qut sichtbar sind, durch die Wirkung auf das Ohr besonders wichtig. Das Warnzeichen, das das Herannahen des Signals anfündigt, lenkt die Aufmerksamkeit darauf, und das ist sehr notwendig, denn das Signalbild ist bei schneller Fahrt oft nur wenige Sekunden sichtbar. Dahinter, irgendwo, lärmt die Stadt, vielstimmig, verhüllt, geamt Berwaltungsdirefior des Berline: Zoologischen Gartens geheimnisvoll, weit vorne atmet eine Sirene in langgezogenem, regel mäßigem Huiii Es ist, als wenn Leben fämpft gegen graues, totes Nichts, waderes, solides Leben, das sich nicht untertriegen läßt. Kaffee und Ulkohol. Nachdem den amerikanern durch das Alkoholberbot ein startes Reizmitte! entzogen ist, baben weite Boltstreise Eriaz im Staffee gesucht Der staffeekonsum ist von 2 Millionen Sad auf 6 Millionen ge iegen. Dagegen ist der Verbrauch an Kaffee in dem verarmten Deutsch land sehr erheblich herabgegangen, von 3 Stilo auf den Kopf der Bevöite rung auf 1 Stilo. Der Kunstschriftsteller Franz Hermann Meißner, der im Hauptworden war, ist im 62. Lebensjahr in Berlin gestorben. Mener hatte einen sehr lebendigen Sinn für die bildende Kunst und hatte sich auf Reisen mannigfach umgefehen. In feinen ünstlerbuch", das zuerst Ende der neunziger Jahre und nachher in zahlreidjen Neuauflagen erschien, behandelte er die damais nach feinem Urteil populärsten Künstler Bödlin, Klinger, Stuck wed Thoma, de und Menzel. Zuvor hatte er sich auch mit italienischer Kunst beschäftigt und vor allem über seinen Lebling Klinge ein großes Werk herausgegeben. Meißner, war geborener Berliner und hat seiner Baterstadt auch einen Roman gewidmet( Moderne Menschen"). Sozialdemokratischer Aufwertungsantrag. Besteuerung der Jnslationsgewinne. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat zur Aufwertungsfrage folgenden Antrag eingebracht: Die Reichsregierung zu ersuchen, schleunigst folgende Gefeßentwürfe vorzulegen: 1. einen Gefegentwurf zur Besteuerung des Geldenimer tungsunterschiedes bei der Inanspruchnahme von Krediten während der Zeit der Geldentwertung(§ 24 der dritten Steuernotverordnung); 2. einen Gefeßentwurf zur Be steuerung der während der Zeit der Geldentwertung durch Ausgabe von Notgeld erzielten. Gewinne(§ 25 der dritten Steuernotverordnung); 3. einen Gesetzentwurf, durch den die in den§§ 33-36 der dritten Steuernotverordnung den Ländern vorbehaltene Steuer auf die infolge der Geldentwertung entschuldeten unbe. bauten Grundstücke in eine Reichssteuer umgewandelt wird. 3insendienstes der öffentlichen Anleihen Verwen Der Ertrag dieser Steuern soll zur Wiederaufnahme des dung finden. Die Entscheidung in Preußen. Entschlüsse der Demokraten und des Zentrums. Die Landtagsfraktion der Demokratischen Par tei trat am Donnerstag vormittag zu einer eingehenden politischen Aussprache zusammen. Man war einhellig der Meinung, daß sich die Lösung der preußischen Frage auf dem Boden der Verfassung ganz einwandfrei vollziehen werde. Su Rednern der Fraktion für die am Freitag beginnende große poluische Aussprache wurden die Ubgg. Dr. Schreiber und Dr. Preuß bestimmt. Auch die Zentrumsfrattion ist am Donnerstag vormittag zufammengetreten, um zu der Regierungserklärung des Ministerpräfidenten Braun Stellung zu nehmen. Sie beendete ihre Beratungen gegen: 7 Uhr abends und beschloß, an ihrem alten Standpunkt fest8uhalten, daß eine Neuwahl des Landlags nicht die Notwen digtcit des Rücktritts des Rabmetts in sich schließe. Dieses müsse vielmehr im Plenum auf Grund eines besonderen Antrags, der das Vertrauen entzieht, gestürzt werden. Als Redner für die große peli: he Aussprache sind vorgesehen die Abgeordneten Dr. Schmidt Lichtenberg, Dr. Lauf cher und Dr. Schwering. Hetapostel Roethe. Der zur Genüge befannte Professor der Berliner Universität Roethe hat vor einiger Zeit in Allenstein eine Rede gehalten, in der er nach Ausführungen der Allensteiner Preffe u. a. fagte: Es sei bestimmt zu hoffen, daß es nicht mehr lange dauere bis sich das gesamte Volf mit Abscheu von jener Horde von Ver. rätern endgültig abwende, die es fertig brachyten, das auf allen Weltgebieten führende Kulturvolk der Gegenwart der zügellosen Willfür eines bestialischen mitleidlosen Feindes auszuliefern. Ferner wird davon gesprochen, daß die Berräter von 1918 die öffent. liche Meinung in der stärksten Weise gefälscht und gefnebelt haben, daß sie daheim den heiligen Boden unterwühlt hätten und es fertig brachten, urdeutsches Kulturland ohne Schwertstreich auszufiefern und uns wehrlos und ehrics zu machen. Der Magdeburger Prozeß und das Urteil der Richter hätten von neuem bewiesen, woher ber Dolchstoß 1918 tam. Die demokratische Fraktion des Landtags hat die Rede zum Gegenstand einer Interpellation gemacht, in der gefragt wird, ob das Etaatsministerium festgestellt habe, daß der Bericht richtig sei und wenn dies der Fall sei, ob das Staatsministerium den Redner des Ansehens und Bertrauens für würdig halte, das sein Amt ais atademischer Lehrer erfordere. Da von der Kunstschriftstellerei in Deutschland fo leicht niemand leben fann, hatte sich der Kunstfreund faufmännischen Tätigkeiten zugewandt, u. a.( man höre und staune) Banoramen geleitet, um dann später in die Verwaltung des Zoologischen Gartens zu tommen. Man rühmt ihm, dessen Begabung schließlich ganz anderswohin gerichtet war, nach, daß er tüchtig und eifrig seinen Bosten ausgefüllt hat. Hausanstrich als nationales ergernis. Die türkische Regierung hat dieser Tage einen Erlaß herausgegeben, in dem den Barlaments. mitgliedern, den Bürgermeistern, Staatsbeamten, Soldaten und Polizeiagenten aufs strengste anbefohlen wird, nur Kleidungsstücke zu tragen, die in der Türkei hergestellt und mit einem staatlichen Bermert versehen sind. Die Regierung hat den Personen, die von diesem Erlaß betroffen werden, eine Frist von drei Monaten eingeräumt. In dieser Zeit müffen die notwendigen Veränderungen im Garderobebestand vorgenommen werden. Nach Ablauf der Frist werden alle Kleider, die den Anforderungen des Erlasses nicht entsprechen, unnachfichtlich beschlagnahmt und als dem Staat verfallen erklärt werden. Der türkische Innenminister hat außerdem den Bürgern der ottomanischen Republif streng verboten, ihre Häuser in blauer und weißer Farbe anzuftreichen, mit der Begründung, daß diese Farben die griechische Nationalfarben sind, die Gefühle der Türkei gröblich zu verlegen geeignet seien. In der Oper am Königspl h gebt als nächste Neueinstudierung am Montag, 19, Lorkings Bar und Bimmermann" in zene. Berlegung des Afrika- Inffitufs Der Forscher Leo robenius bat. an der Unive: fität Frankfurt einen Lebrauftrag für Bö ferfunde erhalten. Gleichzeitig ist der Blan aufgetaucht, das von Frobenius geleitete tulturDie morphologische Institut in München nach Frankfurt zu belejen. städtischen Behörden baben grundsäßlich ihre Brrettiidigkeit ausgesprochen. fich an den Kosten zu beteiligen, wenn auch Reich und Staat Zuschüsse leisten. Srenge Bälte im Kaufajus. Mehr als 50 Menichen und Taufende von Stud Bieb find infolge der schnee urme und der ungeheuren Stälte im Rautalus erfroren. Die Arbeiten auf den Betroleumfeldern sind zum Still ftand gekommen, da die Arbeiter außerftande waren, in der einigen Stälte ihre Arbeit fortzusetzen Der Schneesturm hat eine große Zahl von Bären aus ihren Höölen in den Bergen aufgescheucht und in die bene gerieben. aber auch viele wilden Tiere find in der Stäite, wie man sie dort in dieser Schärfe selt einem Jahrhundert nicht verzeichnet bat, zugrunde gegangen. Ein fettes Lnwallshonorar. Der Mordprozeß von Chilago, in dem die beiden Millionärs öhne Leopold und Loeb zu lebenslänglichem Buntbaus verurteilt worden sind, ist noch in allgemeiner Erinnerung. Nun wird von dort gemeldet, daß einer der Berteidiger foeben vom Gerichtshof in Chitage, die Erlaubnis erhalten bat, fein Univoltsbono: ar in Sachen Loeb und Leopold einzirziehen. Die Liquidation lautet auf die runde Summe von 130 000 Dollar. Was ein Londoner Nebe'tan foffet. Der Eefretär der englischen Be felsaft zur Bekämpfung der Koblenrauchplage, Mr. Lawrence Chubb. bat berechnet, daß ein Rebeltag, wie es z. B. der lezte Sonntag und Montag gewesen sind, der Stadt London rund gerechnet nicht weniger als 1 Million fund Sterling, d. 6. 20 Millionen Goldmart, fostet. Nach der These seiner. Bereinigung gibt es nur ein Mittel aur Beseitigung dieser schädlichen Wir fung des Rebels, nämlich den Ersatz der Kohlenfeuer durch Gas- und elektrische Feuer. . Braunschweiger Bürgerblock. Schärffte Opposition der Sozialdemokratie. Braunschweig, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In zweitägigen Berhandlungen des Braunschweigischen Landtages wurde das Regierungsprogramm der Bürgerblodregie rung besprochen. Die Genossen Sievers und Dr. Jasper legten in ausführlicher Aussprache die Mängel und Schwächen der Fachmännerregierung" bloß. Dr. Jasper zeigte in einer vierstünbigen Oppositionsrede, wie leichtfertig die braunschweigischen Fachminister die ersten vierzehn Tage ihres Amtes gewaltet haben. Die Beurlaubungen und Entlassungen der republi. tanischen Beamten, die in diesen Tagen vorgenommen wurden, selen ohne vorherige Prüfung der Atten auf Wunsch der nationalen Kreise erfolgt. Der jegige Ministerpräsident Marquardt, der als Regierungsrat felbst einmal den Mitgliedern des Landesschulamtes riet, der sozialdemokratischen braunschweigischen Regierung möglichst viele Hemmungen zu bereiten, sicherte jeßt erst Brüfung der Entlassungen und Verfeßungen zu. Der einzige Nationalfozialist des Braunschweigischen Landtages, der Abgeordnete Riese Helmstedt, fagte, er stüße die Regierung, weil sie gegen die Sozialdemokratie regiere. Die Auslassungen der Stahlhelmzeitung seien unwahr. Ein Vertrauensvotum für die Regierung wurde non den Rechtspartelen mit Hilfe des Nationalsozialisten ange. nommen, dagegen der Haftauffub des kommunistischen Abgeordneten Gmeiner der wegen Hochverrat im Gefängnis fizt, von denselben Abgeordneten abgelehnt. Die Sozialdemokratie fündete für die Zukunft schärffte Opposition an. Darauf ist ein Schlußantrag angenommen worden, der der Regierung mit 25 gegen 20 Stimmen das Ver. trauen ausspricht. Sodann wurde der Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Wahlgefeges für die am 15. Fe bruar stattfindenden Neuwahlen zu den Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeinderäten angenommen. Das Gesetz bringt als wesentliche Aenderungen die obligatorische Einführung des Einheitsstimmzettels auch bei den Gemeindewahlen und die Beseitigung der Briefwahl. Nach Ablehnung eines Antrags auf Haftentlassung des Abg. Gmeiner( Kommunist) vertagte sich das Haus auf unbestimmte Zeit. Thüringer Bürgerblock. Die Schlägerei zwischen Deutschnationalen u.Kommunisten Weimar, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Welt eft en ausschuß des Thüringischen Landtages nahm am Don. nerstag vormittag zu der fommunistisch- deutschnationalen Schlägerei vom Vortage Stellung. Von sozialdemokratischer Seite wurde im Ausschuß festgestellt, daß der deutschnationale Abgeordnete Otto zuerft die Aufforderung an den Kommunisten Fischer richtete, er folle doch herauskommen. Darauf folgte eine Drohung Fischers, worauf Otto fagte, das wollen wir draußen abmachen. Als Otto an der Tür zum Vorraum 3ögerte, hinauszugehen, riefen ihm fommunistische Abgeordnete zu, er sei ein Feigling. Daraufhin stürzte Otto hinaus, und das Handgemenge war im Gange. Aus den Verhandlungen des Aeltestenausschusses ging hervor, daß man gegen die vier beteiligten Kommunisten, nicht aber gegen den deutschnationalen Abgeordneten, den eigentlichen Urheber des unliebfamen Bortommniffes, auf Grund des§ 17 der Geschäftsordnung, vorgehen will. Man will sie wahrscheinlich auf längere Beit von den Sigungen ausschließen. Eine Einigung über die Wie deraufnahme der Sizungen des Landtages tam im Aeltestenausschuß nicht zustande. Der Landtag wird vor Dienstag nächster Woche nicht wieder zusammentreten. Inzwischen werden die Ausschüsse tagen. Schwarzweißrote Helden. ,, Revolution?! Um Gotteswillen, und ich stehe hier noch in Uniform:" München, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Dommers. tag spielte sich vor dem Amtsgericht München ein Beleidigungsprozeß ab, der interessante Rückblicke in die bewegten Stunden des 7. November 1918 gewährte, als in München die Revolusion in Gang fam. Bor längerer Zeit schrieb das Traunsteiner Bauernbundblatt, daß der demalige Kriegsminister von Hellingrath, als ihm die Kunde von der Revolutions. demonstration auf der Oktoberwise überbracht wurde, gesagt haben foll: Revolution?! Um Golfes willen, und ich stehe hier nod) in Uniform!" Bon Hellingrath sah in dieser Beröffentlichung einen Vorwurf der Feigheit und flagte gegen den verantwortlichen Re. dafteur des Blattes wegen Beleidigung. In der heutigen Berhandlung bot er einen großen Apparat von Zeugen auf, bestehend aus ehemaligen Offizieren des banerischen Kriegsministeriums. Diefe befundeten alle, daß ihr Chef einen solchen Ausdruck in ihrer Gegenwart niemals gebraucht habe. Oberff v. Kreh fagte u. a. aus, daß sich von Hellingrath damals einen Zivilanzug in das Kriegsministerium bringen ließ. Das Bestreben, nicht erfannt zu werden, tönne man ihm aber nicht zum Vorwurf machen. Bom Kriegsministerium aus begab sich der Minister in 3ivil nach Hause, legte dort die Uniform an und fuhr nach Pasing, um von dort aus eine Gegenaffion gegen die Revolution in Gang zu bringen. Das war allerdings vergeblich, da feine Truppen zur Berteidigung sich zur Verfügung stellten. Nach den Zeugen des Klägers trat als einziger 3euge des Be Magten der ehemalige Abgeordnete des Bauernbundes, Andorfer, der in der Revolution eine besondere Rolle spielte, auf und er. flärte unter Eid daß Hellingrath diefe Bemerkung allerdings nicht im Kriegsministerium gemacht habe, sondern in einem 3immer des bayerischen Landtages, in dem außer ihm noch der damalige Ministerpräsident Dan di anwesend war. Hellingrath machte auf Dandl den Eindrud, daß er sehr bebrüdt war und sich fürchtete. Diese Aussage überraschte das Gericht außer ordentlich. Auf Antrag des Beklagten wurde die Verhandlung zur Ladung des Zeugen Dandi ausgefeßt, der heute Präsident des Landesfinanzamts in Würzburg ist. Annahme des Konkordats. Mit 73 gegen 52 Stimmen. München, 15. Januar.( WTB.) Im Landtag wurde um 7 Uhr die Kontorbatsvorlage mit 73 gegen 52 Stimmen angenommen. Gegen das Gesetz stimmten die Sozialdemofraten, die Kommunisten, die Demokraten, der Völkische Block mit Ausnahme des Abg. Rambacher und die drei Mitglieder der Deutschen Bolkspartei der Pfalz, Burger, Gollwiger und Rassiga. Bei der Abstimmung fehlten nur vier Abgeordnete. Damit ist dem Konkordat und den Staatsverträgen mit der evangelischen Kirche die 3 ust i m. mung des Landtages erteilt. Katz fann wieder frafeelen; er ist von Wien nach Berlin ab. gereift, nachdem er sich verpflichtet hatte, zu der auf den 5. Februar anberaumten Verhandlung wegen Fälschung von Reiseausweisen zu erscheinen. I Die Flucht aus der KPD. Massenaustritte im Solinger Gebiet. Solingen, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Radt. falisierung der Kommunisten hat auch im Solinger Industriegebiet Erscheinungen zur Folge, an denen die Moslauer und die Berliner Drahtzieher wenig Freude haben dürften. In den letzten Wochen ist eine starke Austrittsbeme gung aus der Kommunistischen Bartci festzustellen, die sich bis in die Reihen der Führer ausdehnt. Namentlich sind die erst im Dezember gewählten fommunistischen Stadtverordneten fraftionen von dieser Austrittsbewegung beiroffen. In etnzelnen Städten des Solinger Industriebezirks sind zwei und mehr Stadtverordnete der KPD. bereits ausgetreten. Besonders start tritt die Austrittsbewegung in der Stadt Chligs in Erscheinung, wo schon 25 Proz der KPD. Frattion thre Aemter nieder gelegt haben. So ist auch der belannte kommunistische Beigeordnete der Stadt Ohligs, Menge, aus seiner Fraktion ausgeschteden, womit die Kommunistische Partei des Solinger Industriebezirks einen ihrer Hauptführer in der Kommunalpolitik verloren hat. Herbettes Moskauer Antrittsrede. Kalining Antwort. Der Mostau, 15. Januar.( Russische Telegraphen- Agentur.) französische Botschafter herbette überreichte heute dem Vorsitzen den der Erefutive der Union der Sowjetrepubliten Ralinin seine Beglaubigungsurkunden. Hierbei führte Serbette u. a. aus, daß er nach Moskau gekommen sei, um für die Zukunft zu arbeiten. Die Erinnerungen an die Bergangenheit müßten anregend wirken, nicht störend. Weiter wies Herbette auf die Notwendigkeit gegen feitigen Vertrauens hin, das als Vorausseyung jeder inter. nationalen Zusammenarbeit bestehen müsse. Dieses Vertrauen ent stehe nur dann, wenn jede freie Willensäußerung die Gefege und die Rechte der anderen achte. Der Botschafter wies auf zwet Gründe hin, die ihn der Erfüllung seiner großen Aufgabe zuversicht. lich entgegensehen ließen: 1. der freundschaftliche Empfang in Moskau, und 2., die Tatsache, daß die nationalen Inter essen beider Länder, wie die Karte des Kontinents und die Welt. geschichte bewiesen, nirgends zusammen stießen. In seiner Antwort sprach Ralinin seine Genugtuung über die Wiederherstellung der normalen Beziehungen zu Frankreich aus Die Vernehmungen im Fall Barmat. und gab der Ueberzeugung Ausdrud, daß die gemeinsamen Be Bestätigung der Haftbefehle gegen utisker und Dr. Rühe, mühungen und gegenseitiges Vertrauen die Lösung der schwierigen Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Dr. Nothmann, Fragen der Vergangenheit gewährleisten würden. Die Achtung der Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Dr. Nothmann, willensäußerung und der Gefeßze anderer Länder, die Aufrechterhal hat im Anschluß an die übrigens noch nicht beendeten- Ber. nehmungen der Gebrüder Barmat am Mittwoch mit dem Berhörder Sowjetregierung(?), und um so begrüßenswerter sei die Erfung des Friedens seien die Grundlagen der internationalen Politit des ehemaligen Staatsbankdirektors Dr. Hellwig begonnen und ist am gestrigen Donnerstag weiterhin auch zur Bernehmung des Ministerialdirektors a. D. Kauß geschritten. Im Fall Kutister hat der Untersuchungsrichter nunmehr die Haftbefehle gegen Kutister und seine beiden Söhne, sowie gegen den Direktor Krieger von der Mechanischen Treibriemenfabrit in Tempelhof und gegen den Geheimen Finanzrat Dr. Rühe von der Preußischen Staatsbant bestätigt. In der Begründung, dieser Maßnahme wird betont, daß bei allen diesen Inhaftierten nicht nur Fluchtverdacht wegen der Höhe der zu erwartenden Strafen, sondern auch Verdunkelungsgefahr bestehe, da bei allen Benannten attenfundige Tatsachen vorlagen, aus denen sich ergebe, daß sie Spuren ihrer Tat zu beseitigen versucht hätten. Dem Berfahren gegen ihrer Tat zu beseitigen versucht hätten. Dem Berfahren gegen Autister hat sich jetzt übrigens der Finanzmann Jakob Michael angefchloffen, indem er Strafantrag wegen wiffentlich falscher Anschuldigung und wegen Beleidigung gestellt, sowie seine Zulassung als Rebentläger beantragt hat. Es handelt sich dabei um die befannten Beschuldigungen, die Kutister zur Durchführung seiner Intriguen um das Hanauer Lager gegen Michael erhoben hat, sowie um den Borwurf des Zinswuchers im Zusammenhang mit der Liquidierung der Scharlach- Bant. Den in die Affäre Barmat zu Anfang verwickelten Direktoren und leitenden Beamten der Merkur- Bant ist jetzt übrigens von der Staatsanwaltschaft der schriftliche Bescheid zugegangen, daß das Verfahren gegen fie eingestellt sei. Koenen und Barmat. P Gegenüber den Schimpfereien des Herrn Koenen teilt uns Genosse Breitscheid mit, daß er m der Berliner Funktionärperjammlung folgendes erklärt habe. Es sei uns von jemanden, ber um die Dinge genau wilje, mitgeteilt worden, daß Koenen ein Darlehen tonto bei Barmat habe und daß er versucht habe, Barmat mit Rraffin, dem gegenwärtigen Somjettotschafter in Barts, in Berbindung zu bringen. Vor einer Reise Koenens nach Paris Bersehen der betreffende Saz im Vorwärts" Bericht den Schaupiak habe er nicht gesprochen. Wir fügen hinzu, daß lediglich birch ein dieser Bemühungen nach der französischen Hauptstadt verlegte. Da aber Herr R., um sich herauszuschwindein, jezt darauf herumreitet, daß er niemals in Paris gewesen sei, so wollen wir sein Gedächtnis auffrischen und die Sachlage dahin präzisteren, daß er vom Hotel Adlon aus bei Barmat anrief, um ihm mitzuteilen, daß Strassin Im übrigen scheint die KPD. von dem Deinenti Koenens nicht sehr überzeugt zu sein, denn die" Rote Fahne" betont, daß die Kommunistische Partei sich noch mit der Angelegenheit tefaffen werde. Hoffentlich erklärt fie fich mit ihm vollkommen folidarisch. Dann wird sich das weitere schon finden. und er ihn dort erwarteten. S Poincarés Senatsmehrheit. Wiederwahl des Präsidenten de Selves. Paris, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Im Senat wurde am Donnerstag der bisherige Prasident de Gelves, der Kandidat der Mittelgruppen, mit 167 Stimmen wiedergewählt. Der von der demokratischen Linten aufgestellte Gegenfandidat Bien. venu Martin vermochte nur 116 Stimmen auf sich zu der. einigen. Genau wie im Sommer, wo es gait, den zum Brasidenten der Republik gewählten Senatspräsidenten Doumergue zu erfeßen, ist dieser Sieg der Opposition ausschließlich auf den Abfall von etwa zwei Dutzend auf dem rechten Flügel der demokratischen Linten stehenden vertappten Reaktionäre zurückzuführen, die auch diesmal wieder der eigenen Partei und ihrem Kandidaten in den Rücken gefallen find. Das Ergebnis dieser Wahl zeigt, wie recht die Kammer daran getan hat, daß sie durch Einführung der öffent, lichen Abstimmung bei der Präsidentenwahl einem derartigen Spiel in der Kammer ein für allemal einen Riegel vorschob. llebrigens hat sich auch bei anderen 2inlaisen in legter 3eit, insbesondere beim Amnestiegesez, gezeigt, daß der Senat wesentlich reaf. tionärer ist als die neue Deputiertenfammer. Painlevés Antrittsrede. flärung des Botschafters, daß er sich von den gleichen Grundsätzen feiten laffen werde. Das Fehlen eines Interessengegensatzes garan tiere die Entwicklung und Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Auch Coolidge will Sowjet- Rußland anerkennen. Washington, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Ver. einigten Staaten erwägen ernsthaft die Anerkennung Sowjet- Rußlands und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. Ueber die grundsägliche Seite dieser Grage besteht Uebereinstimmung zwischen Coolidge und der Cs wird ein vorberatender Ausschuß eingesetzt werden, der den maßgebenden Persönlichkeit des Senats, dem Senator Borah. Gegenstand prüft. Die Vereinigten Staaten machen die Anräherung an Rußland jedoch davon abhängig, daß die SowjetRegierung die Schulden der Kerensti Regierung an Amerika in Höhe von mehr als einer Milliarde Goldmark und die Anerkennung der privaten amerikanischen Forderungen in Höhe von 34 Milliarden Goldmark anerkennt. Außerdem soll sich die Sowjet- Regierung verpflichten, sich jeder Propaganda in den Vereinigten Staaten zu enthalten. Falls sie diese Bedingungen anerkennt, dürfte dem ersten Schritt, der Anerkennung der SowjetRegierung, nichts mehr im Wege stehen. In den donn folgenden Berhandlungen sollen die Modalitäten für die Wiederherstellung normaler Beziehungen nach den Richtlinien, die der Ausschuß aufzustellen hat, festgestellt werden. Briefkastenstreit und Staatskredit. Warschau, 15. Januar.( DE.) Nach einer Besprechung mit bem Bölkerbundkommissar Macdonell wollte der polnische Vertreter in Danzig, Straßburger, im Flugzeug nach Warschau kommen, um der Regierung Bericht zu erstatten. Atmosphärischer Widerstände barauf, daß man nur an mirti dhaftliche Repreffalien gegenüber megen mußte er aber unterwegs umfehren. Thu autts Hinweiſe barauf, daß man nur an wirtschaftliche Repreffalien gegenüber Danzig bente, nicht an militärische, tommt einem Teil her Bresse überraschend, da man die geftrigen heftigen Auslaffungen anders verstanden hatte. Das geht u. a. aus einem besorgten Ar. titel der Rzeczpospolita" hervor, die den Ronflift bereits als ip ernst ansieht, daß sie jetzt vor weiterer Berschärfung warnen zu müssen glaubt, da ein zu schroffes Borgehen Bolens ein Scheitern der nach sich ameritanischen Anleiheverhandlungen siehen könnte. Die polnische Regierung hat sich in England über ben Obertommiffar, der ein Engländer ist, formell beschwert. Die Insurgentenprozesse. Kattowih, 15. Januar.( Eca.) Im schlesischen Sejm hat der Wojwode Bilsti im Auftrag der polnischen Regierung eine Er flärung über das Leipziger Insurgentenurteil abgegeben. Er führte aus, in der Zwischenzeit habe sich ergeben, daß die Pressenachrichten über die Beweggrunde zu dem gegen die Insurgenten gefällten Urteil nicht den Tatsachen entsprechen, soweit es sich um die der pol nischen Regierung gemachten Vorwürfe handelt, daß sie die auf Angliederung ganz Oberschlejiens an Bolen gerichteten Ziele des Insurgentenverbandes gekannt und an ihnen mitgewirkt habe. Bei der Urteils verkündung habe der Vorsitzende, Reichsgerichtsrat Del. schläger, erklärt, daß die Frage, welchen Zweck der Insurgenten verband hätte, durch das bereits vor einer Woche gefällte Urteil erlebigt worden sei. Der Senat habe mit diesem Urteil feft gestellt, baß der Zwed des Verbandes in der Losreißung Weſt oberschlesiens von Deutschland bestehe. Dagegen habe der Senat nicht festgestellt, daß die polnischen Behörden diefes Ziel ge tannt haben. Die Tatsache, daß das polnische Kriegsministerium die militärische Ausbildung der Mitglieder des Verbandes protegiert habe, jei eine innerpolitische An gelegenheit Bolens und hätte feinen Einfluß auf das Strafverfahren. Sosialistenverleumdung überall. „ Nationaltidende" gegen Borgbjerg. Paris, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Donnerstag fihung der Kammer eröffnete der wiedergewählte Präsident Beinlevé mit der üblichen Begrüßungsansprache. Die gewal Kopenhagen, 15. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Mitt tigen Erschütterungen, die die fün Kriegsjahre verursacht haben und woch fand der mit größter Spannung erwartete politische Prozeß des die in den folgenden sechs Friedensjahren noch nicht gutgemacht werdie in den folgenden sechs Friedensjahren noch nicht gutgemacht wer. Sozialministers, Genossen Borgbjerg genen das fonfervative den fonnten, erforderten groß angelegte Maßnahmen, die Organ Nationaltidende statt. Das Blatt hat sich vor mehreren nur dann Erfolg haben würden, wenn man die innenpolitischen Bro. Wochen die Behauptung einer Schmähschrift, daß Borgbjerg während Pro- des Krieges die Weitergabe von deutschen Spionage Marichten bleme gleichzeitig mit den Fragen der Außenpolitik behandle. burch die Redaktion des„ Socialdemokraten" geduldet hätte, Das Leben stelle immer neue Problenie auf, und die Kammer habe zu eigen gemacht. Borgiberg war damals Chefredakteur des in ter ersten sieben Monaten ihres Bestehens vermocht, diese Pro- Socialdemokraten". Diese Nachrichten sollen in Telegrammen aus bleme in befriedigender Weise zu lösen. Painlevé zählte dann die Amerila bestonden haben, die ein Redaktionsmitglied des Socials Fragen auf, die die Rammer während der abgelaufenen Session be demokraten" empfing und an die Frankfurter Zeitung handelt hat, und wies insbesondere auf die Amnestie und den weitergab. Die Berhandluna ergab nicht die Spur eines Bee Haushalt hin. Die michtigsten Probleme seien die internationalen weifes dafür, daß diefe Handels- Telegramme vertappte Spionage Meldungen gewesen sind. Der Verteumber suchte sich schließlich das Fragen gewesen. Cs habe sich darum gehandelt, das Ruhrunter mit herauszureden, daß man dem raffinierten deutschen Nachrichten nehmen zu liquidieren und den Dames Plan, der dienst alles zutrauen fönne und er annehme, daß Borgbjerg bereits von der früheren Regierung angenommen war, in die Wirt getäuscht worden sei. Die Verfündung des Irteils wurde auf lichkeit umzusehen. Mit dem Reparationsproblem sei die Sicherheit nächste Woche vertagt; nach der sonst üblichen Rechtsprechung Frankreichs und die Entwaffnung Deutschlands aufs engste ver- hätte Nationaltidende" eine empfindliche Bestrafung zu erwarten. bunden. Die in Benf erzielten Ergebnisse wären vor zwölf Jahren als unmögliche Utopie erfdienen. Das Genfer Protokoll bilde den ersten Entmurf eines Deals, von dem die Menschheit ihren Bück nicht mehr abwenden werde. Die Kammer beschloß dann, sofort in die Erörterung von sechs Interpellationen über die Streifzwischenfälle in Douarenez einzutreten, nachdem der Innenminister sich damit einverstanden erklärt hatte. Dieser Beschuß der Kammermehrheit führte zu solch stürmischen Proteftrufen der Rechten und zu solchem Lärm, daß die Sigung geschlossen werden mußte. Der theinische Bauernverein legt Wert auf die Feststellung, Bonn nicht Generalsekretär des Rbeinischen Bauernvereins, sondern Generalsekretär der Rheinischen Landwirtschaftstammer in Bonn gewesen ist und aus dieser Stellung wegen Betrügereien entlaffen wurde. daß der frühere Eintageminiſter im Stabinett Cuno Dr. MüllerDer zariftische Provofateur Ofladski, über dessen Prozes; mir berichteten, wurde zum Tod verurteilt, diese Strafe jedoch in Anbetracht der Verjährung des Verbrechens und seines Alters in zehn. jähriges 3uththaus umgewandelt. Um den Inder der Lebenshaltungskoften. Gewerkschaftsbewegung ist mit eine nochoroidien und bie Bebou Praktische Tagesarbeit der Bolschewisten. Die Belschewisten sind zur Einsicht gezwungen, daß wir uns gegenwärtig mischen zwei revolutionären Wellen" befinden, d. h. daß für den bolschewistischen Butschismus gegenwärtig eine schlechte Ronjunttur herricht. Sie müssen sich also be mühen, das, was sie praktische Tagesarbeit nennen, mit ihrem Butschismus, den fie fälschlich für Revolution ausgeben, in Cintiang zu bringen. Da es mit der eigenen geistigen Produktion bei den Bolschemisten sehr schlecht bestellt ist, find sie genötigt, bei uns Anfeihen zu machen. Das geht natürlich nicht ohne die üblichen Fäl schungen ab. In ihrer Donnerstag- Nummer zitiert" die Berliner Prawda" wieder einmal, was wir bei dem Rückblick über das Jahr 1924 geschrieben haben. Sie schreibt: " Die Reformisten und Sozialdemokraten wollen, ob fie fich politisch, gewerkschaftlich oder auf sonst einem Gebiet betätigen, nach den eigenen Worten des„ Borwärts" nicht den Rapitalismus stürzen, sondern haben ein Interesse an dem Gedeihen und der Fortentwicklung der fapitalistischen Wirtschaft." Diese Fälschung ist nicht neu. In Wirklichkeit schrieben wir: Wie 1923 mit dem Zusammenbruch der Mark auch den Verfall der Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften und deren Abstieg brachte, so hat die Stabilisierung der Mart und der finanzielle und wirtschaftliche Gesundungsprozeß Deutschlands im Jahre 1924 auch die Gesundung der Gewerkschaften gebracht. Gerade weil die Gewerkschaften antitapitalistische Rampforgant. fationen der Arbeiterschaft sind, gerade deshalb ist ihre Entwicklung und ihr Gedeihen eng verbunden mit der Entwicklung und dem Gedeihen der fapitalistischen Wirtschaft. Ein Land mit unentwickeltem Kapitalismus wird nie eine starte Gewerkschaftsbewegung aufweisen. In Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs wird auch die Stoßfraft der Gewerkschaften geschwächt fem. Um gekehrt wird bei wirtschaftlichem Aufschwung auch die Angriffslust der Gewerkschaften wachsen." Und was schlägt das Bolschewiftenblatt selbst vor? Revolutionäre Tagesarbeit und Tattif dagegen ist gewiß night jeden Tag streiten" und" Weltrevolution machen", aber jeden Kampf ohne Rücksicht, ob die fapitalistische Wirtschaft Schaden leidet, bis zum Ende durchzufechten, wenn dabei das Inter effe des Proletariats gewahrt wird. Gewiß müffen auch revolutionäre Gemertschafter unter entsprechen Den Umständen alle möglichen Hilfsmittel, wie Schlichtungs. ausschuß, Schiedsgerichte usm. bei thren Tagesfämpfen ausnügen." Natürlich beeilt sich das Blat: hinzuzufügen, daß es etwas ganz enderes ist, wenn Bolschemisten Verhandlungen führen und Schlich tungsausschüsse anrufen. Bei ihnen ser es eme revolutionäre Tat; bei uns ist es ganz gemeiner und niederträchtiger„ Berrat". In einem Punkte hat das Blatt nicht ganz unrecht. Der Unterschied, der zwischen der bolschewistischen und unserer Gewerkschaftstaftit besteht, ist nämlich der, daß wir in der großen Mehrheit der Fölle Erfolg haben, während die Bolschewijten, soweit sie überhaupt praktische Tagesarbeit" leiften, die Arbeiterschaft von einer Niederlage zur anderen führen. In den meisten Fällen allerdings begnügen sich die bosschewistischen Wortathleten damit, auf die Gewerkschaften zu schimpfen, selbst aber schlafen Sie den Schlaf des Gerechten. Siehe Freier Eisenbahnerverband und Reichsfongreß der Eisenbahnbetriebsräte! D6 Zunahme der Arbeitslosigkeit. In der Zeit von Mitte bis Ende Dezember 1924 hat die Zahl Ser Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge von 458 000 auf 529 000, d. h. um rund 15 Broz. zugenommen. Im Einzelnen hat sich die Zahl der männlichen Hauptunter. ftüßungsempfänger von 421 000 auf 488 000, die der weiblichen Don 37 000 auf 41 000 erhöht. Die Zahl der Zuschlagsempfänger ( Unterstügungsberechtigten Angehörigen von Hauptunterſtügungsempfängern), ist von 606 000 auf 710 000 gestiegen. Die starte Zunahme erklärt sich einmal daraus, daß infolge der langan dauernden milden Witterung die Außenberufe die im Spätherbst üblichen Entlaffungen in diesem Jahre später vorgenommen haben, zum anderen Teile entspricht fie einer nach dem Weihnachtsfest all. jährlich beobachteten Erscheinung. Erfolg des ADGB. Jetzt erst wird das Ergebnis der Wahl zum Ausschuß der Landesversicherungsanstalt Rheinproving, die schon am 14. Dezember 1924 stattfand, bekannt. Es wurden 1463 900 Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Liste des ADGB. 780810 Stimmen und die Liste der christlichen Gemertschaften 613 740 Stimmen, während die kommunistische Liste 52 388 Stimmen erhielt und der Reft sich auf vier örtlich aufgestellte Listen verteilt. Nach diesem Ergebnis erhält der ADGB. 12 und die christlichen Gewerkschaften 8 Vertreter im Ausschuß der Landes. persicherungsanstalt. Bei der letzten Wahl, die vor dem Kriege stattfand, erhielten die freien Gewerkschaften 3 Bertreter im Ausfchuß, alle anderen fielen den christlichen Gewerkschaften zu. Der ADBB. fann mit diesem Ergebnis zufrieden sein, da nunmehr auch der Borstand der Landesversicherungsanstalt von zwei freien, die bisher dort nicht vertreten waren, und einem chriftlichen Gewert. schaftler besetzt wird. Das Monopol der christlichen Gewerkschaften im Westen Deutschlands, der Wiege und dem Refrutierungsgebiet der chriftlichen Gewerkschaften, ist gebrochen. Die kommunistische Lifte fällt aus. Die Wahl für die Landesversicherungsanstalt e ftfalen hatte ein ähnliches Ergebnis. Dort ziehen 9 Bertreter der freien und 6. Bertreter der christlichen Gewerkschaften in den Ausschuß ein. Der Borstand der Landesversicherungsanstalt Westfalen wird nur von den freien Gewerkschaften besetzt. Als weitere Folge dieses Wahlergebnisses ist zu bemerken, daß die Oberversicherungsämter und die Unfallberufs genossenschaften nach dem gleichen Verhältnis wie im Ausschuß der Landesversicherungsanstalt zusammengesetzt sein werden. Die Gewerkschaftspreffe hat die Unrichtigkeit des amtlichen Lebenshaltungsinder unwiderleglich nachgewiesen und die Behaup. tung, als ob die Lebenshaltungskosten in Deutschland nur um 20 bis 22 Broz. höher wären als vor dem Krieg, als eine augenfällige Unmöglichkeit zurückgewiefen. Wir werden nun immer damit vertröstet, daß es ja nicht darauf antomme, ob die absolute Höhe des Lebens haltungsinder richtig ist oder nicht; der Inder ist ja nur für den Bergleich für fürzere Perioden da und soll nur die Bewegung der Lebenshaltungskosten bzw. ihre Unterschiede von Monat zu Monat aufzeigen. Die Unternehmer find aber nicht bereit, diese wissenschaftlich einwandfreie Beruhigung gelten zu lassen. Sie stellen fortwährend Bergleiche an zwischen den Löhnen der deutschen und denen der ausländischen, vor allem englischen Arbeiter, und nehmen Un unsere Postbezieher Q ie einlaufenden Befchwerden von Doftbeziehern veranlaffen uns zu der Bitte, beim Ausbleiben der Zeitung zuerft eine fchriftliche Befchwerde beim Vorfteber des Beftellamtes einzureichen. Sollte diefer Weg erfolglos fein, ift fofort dem Verlag Nachricht zu geben. Wir bitten, den vorgefchriebenen Weg einzubalten. Vorwärts- Verlag 6. m. b. H. dabei den amtlichen Lebenshaltungsinder zur Grundlage. So vers gleichen die Bergwerkbefizer die Löhne der deutschen Bergarbeiter mit denen der englischen. Die Lebenshaltungsfosten sind heute in England um 80 Proz. höher wie vor dem Krieg, die deutschen sollen aber nach dem amtlichen Inder nur um 20 bis 22 Broz. höher fein. Bei dieser Berechnung soll herausfonumen, daß die deutschen Bergarbeiter höhere Realiöhne haben, wie die englischen. Freilich wird dabei unter anderem auch der Umstand ver nachlässigt, daß die englischen Bergarbeiter auch eine Gewinn. beteiligung haben und ihre Löhne nach dem jeweiligen Kohlenabsah verschieden sind. Im übrigen ist es eine Tatsache, daß die englischen Bergarbeiter die schlechtest bezahlte Arbeitergruppe Englands darstellen, weshalb auch der Kollektivvertrag, der Ende Juni abläuft, in dieser Form nicht mehr erneuert werden kann. Stundenlohnerhöhung im November ein Pfennig. " Im Oktober erhöhten sich die Stundenlöhne im Durchschnitt für alle erfaßten Gewerbegruppen gegen September um einen Pfennig, wie aus den Berechnungen der amtlichen Wirtschaft und Statistit“ hervorgeht. Im November erfolgte eine weitere Erhöhung um einen Pfennig, und zwar sowohl für Gelernte, deren Durchschnittsstundenlohn im November 72 Pf. betrug, wie für Ungelernte, deren Stundenlohn fich auf durchschnittlich 52 Pf. erhöhte. Diese Tariflöhne be ziehen sich aber nur auf Bollarbeiter der höchsten tarif mäßigen Altersstufe und auf Säße der Verheirateten. Nach den Feststellungen der Facharbeiterverbände war die Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bis auf das Baugewerbe weiter gefunken. Die BesseArbeitslosigkeit bis auf das Baugewerbe weiter gefunfen. Die Besse rung war in der Metallindustrie am größten. Der Metallarbeiterverband hatte Ende November 11,7 Broz. Kurzarbeiter und 9,3 Pro3. Arbeitslose gegen 23,2 Proz. bzw. 13,5 Proz. Ende Oktober. Das AfA- Metallkartell für den Schiedsspruch. In einer Funktionärversammlung des AfA- Metallfartells er. täuterte Günther vom Butab den in Nr. 12 des„ Vorwärts veröffentlichten Schiedsspruch für die Angestellten in der Ber liner liner Metallindustrie. Die gewährte 20prozentige Gehaltszulage bedeute in der Praxis, daß alle in den Betrieben verbleibenden Angestellten ihr bisheriges Gehalt in der alten Staffelung weiter erhalten mit der Zulage von 20 Pro3. Nur bei einem etwaigen Betriebswechsel finden die neuen Bestimmungen Anwendung. Einige Angestellte, die in nehmern bereits jetzt vor der endgültigen Annahme des Schiedsneuester Zeit die Arbeitsstelle wechselten, haben von den Unterspruches nur die Mindestgehälter angeboten erhalten. Die Bedingungen für die Erreichung des Urlaubs find wesentlich verichlechtert. Was die zulässige Abgeltung des Urlaubs durch Geld anbetrifft, so hat das bisherige Berhalten der Angestellten in den Betrieben beider dem BBMI. das Material dafür in die Hand gegeben. Nach längerer Diskussion stimmte die Versammlung dem Schiedsspruch zu. AfA- Betriebsräte! Die in Af- Gewerkschaften organisierten Betriebs- und Ange ſtelltenräte werden darauf aufmerksam gemacht, daß vorläufig noch ihre mit dem Jahresstempel 1924" versehenen Legitimationsfarten gelten und zum Eintritt in Versammlungen usw. berechtigen bis zu den im März d. J. gemäß dem Aufruf der Spizenorganisationen allgemein in Berlin erfolgenden Betriebsräte Neuwahlen. Im April d. J. werden dann vom AfA- Ortskartell neue Ausweise ausgestellt, die auch in ihrer äußeren Form von den bisherigen Karten abweichen. Es ist deshalb dringend erforderlich, daß bis zum erwähnten Zeitpunft unserer Geschäftsstelle, Berlin SD. 16, Engelufer 24/25, Gewerkschaftshaus, Aufg. A, IV. Stod, fofort nach erfolgter Neuwahl die entsprechenden Mittei lungen gemacht werden. Solche Mitteilungen können auf den Af- Bordrucken erfolgen, die in der Geschäftsstelle des Ortsfartells und in den Berliner Geschäftsstellen der AfA- Gewerkschaften fostenlos zu haben sind. Ab April 1925 müssen auch diejenigen Betriebs- und Angeftelltenräte neue Rarten haben, die erft im Herbst vorigen Jahres neu gewählt wurden. Diese müffen also ihre Karten zum Umtausch und zur Neuausstellung dann an das Ortstartell einsenden, wenn durch die Arbeiter und Gewerkschaftspresse bekanntgegeben wird, daß die Ausweise mit dem Jahresstempel 1924" ihre Gültigkeit verloren haben. Die früher veröffentlichten Bekanntmachungen über die technische Erledigung der eingehenden Meldungen gelten weiter. Aussperrung in Fleischwarenfabriken. In den Fleischwarenfabriken von Ahrder A.-G. und Johann Weißhäupl in Hannover sind die Arbeiter in den Streit getreten, worauf sie allesamt fristlos entlassen wurden. Es scheinen genügend worauf sie allesamt fristlos entlassen wurden. Fleischwaren vorrätig zu sein, denn zur Herstellung frischer Waren find die Arbeiter nicht ganz zu entbehren. Tarifloser Zustand im Saarbergban. Saarbrüden, 15. Januar.( Mtb.) Wie wir erfahren, bat die Bergwerksdirektion auf die von den Gewerkschaften erfolgte Kündi gung des Larifs zum 15. Januar weder eine Antwort erteilt, noch einen Termin zu Verhandlungen festgefeßt. Infolgedeffen besteht feit heute ein tariflofer 8ustand. Die Drganisationen find heute vormittag zusammengetreten, um über die weiteren Schritte zu beraten. Es ist anzunehmen, daß fie fich zunächst an den Vers waltungsrat der Saargruben in Paris wenden werden, um zu Verhandlungen zu fommen. Die Lage ähnelt in gewiffer Beziebung der Situation vor dem großen Bergarbeiterstreit im Frühjahr 1923, wo ebenfalls am 15. Januar ein tarifloser Zustand eintrat. Ob es zu einem Streit tommen wird, läßt sich noch nicht sagen. Die Regierungskommision wird in den nächsten Tagen die feit Ende Dezember unterbrochenen Verhandlungen mit den EisenbahnerGewerkschaften wieder aufnehmen. Produktive Erwerbslosenfürsorge in England. Das englische Kabinett wird sich voraussichtlich in der nächsten Sigung mit einem neuen Wegebauplan beschäftigen, dessen Ausführung etwa 5 Millionen Pfund Sterling erfordern würde, die zu den bereits bewilligten 31 Millionen hinzukommen. Der Plan wird, wie man annimmt, die Arbeitslosigkeit bedeutend vermindern. Die Schiffahrt in Australien lahmgelegt. Aus Melbourne wird gemeldet: Infolge der Lahmlegung der australischen Schiffahrt durch Streit beschloß die australische Regie. rung, das Gericht zu ersuchen, den Seemannsverband zu disqualifizieren. Der Premierminister Bruce erklärte, der Streif fei ein Angriff gegen den Staat, die Kor trolle gewiffer Gewerkschaften sei in die Hände der Revolutionäre gelangt. Aus Sydney meldet Reuter, daß Dampfer von den Hafen arbeitern bontottiert wurden, weil Mitglieder des Verbandes ehe naliger Soldaten die Frachtarbeiten auf diesen Schiffen über. nehmen. Der Seemannsverband und der Hafenarbeiterverband wirten zusammen. Der Präsident des australischen Seemannsverbandes wurde verhaftet, weil er Mitglieder der Hafenarbeitervereinigung zum Streit aufgereizt habe. Welche Wirkung der Streit hat, geht daraus hervor, daß die Bundesregierung beschlossen hat, Schiffe zu chartern, um den Verkehr auf den wesentlichen Schiffahrtswegen aufrechtzuerhalten. Infolge des Schiffahrtsstreits herrscht Mangel an Lebensmitteln, in erster Linie an Zucker. Unter diesen Umständen war es zweifellos vernünftiger, mit den Streifenden zu verhandeln, als ihren Präsidenten einzusperren. Das Gewerkschaftsarchiv hat seinen 2. Jahrgang begonnen. In der Januarausgabe würdigte Gustav Klingelhöfer- Berlin„ Die Probleme der Lohnpolitit in Deutschland". Die für jeden Gemertschafter beachtenswerten Darlegungen flingen in den Schluß aus, daß die Gewerkschaften im heutigen und zukünftigen Deutsch land grundsägliche Lohnsteigerungspolitik treiben müssen. Wirtschaft in technologischer, faufmännischer und finanzpolitischer ,, Die zunehmende Durchorganisation und Rationalisierung der Hinsicht, die seit den 80er Jahren in den heute hochkapitalistischen Ländern sich durchgesezt hat, besonders in Deutschland, ist dem stän dig gesteigerten Lohnkampfdruck der Gewerkschaften zu danken. Dieser Lohnkampfdruck ist geradezu das quasinaturgesetzliche Behifel des sozialökonomischen Fortschritts im tapitalistischen Wirtschaftssystem." Die Betrachtung über„ Die Ideologie der christlichen Gewerkschaftsbewegung von Dr. Anemarie Hemberg. Leipzig wird in dem vorliegenden Heft fortgefeßt. Theodor Cassau schildert die Neue Gewertschaftsentwidlung in Eng land", wo sich aus der Reservation der einzelnen Gewerkschaften die Konzentration sich durchzuringen beginnt. Albert Kranoid, des Achtstundentages" ab, die er jetzt als gesonderte Schrift Jena, schließt seine umfangreiche Arbeit 3ur Problematit im Verlag des„ Gewerkschaftsarchios" erscheinen lassen will, was von vornherein richtiger war, als fie in einer Reihe von Fortfegungen zu bringen. Den weiteren Auffäßen und Referaten folgen die üblichen Uebersichten, worunter an erster Stelle des 50. Lodes. tages von Theodor York gedacht wird. Das„ Gewerkschafts. archin" hat seinen Umfang um die Hälfte erweitert, wodurch eine Erhöhung des Preises für das einzelne Heft von 1,- auf 1,20 m. notwendig wurde. Bestellungen nehmen Buchhandlungen, Postanstalten und der Verlag Gewerkschaftsarchiv", Jena, Camsdorfer Straße 10, entgegen. SPD.- Buchdruder! Die Bezirksversammlungen finden in diefem Monat in folgenden Lo falen statt: Connabend, den 17. Januar,, 7% Uhr abends: Bezirk 2: Birnbaum, Bezirk 6: Sinz, Tempelherrn, Ede Wilmsstraße. Bezirk 7e Bastianste. 2. Wandke, Schönebera, Bahnstr. 25. Bezirk 8: Kukli, Hermannstr. 75. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 10 Uhr: Bezirk 3: Klug, Danziger Str. 71. Bezirk 4: Schonad, Gamariterfte. 8. Begirt 5: Renser, Reichenberger Str. 154. Montag, den 19 Jamar: Bezirk 10: Graps, Copenid, Schloßstr. 11.( Eine halbe Stunde vor Beginn der Bezirksversammlung.) Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Wahl des Bezirks- Fraktions vorigenden. 2. Die bevorstehende Betriebsrätemahl. 3. Stellungnahme zur Bezittsverfammlung. Fraktion der SPD.- Buchdruder, Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: J. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Vaul Ginger u. Co. Berlin SW68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Sonnabend Schluß des InventurDie letzten Tage Ausverkauf 2 Verkauf auch in den neu übernommenen Arenstein- Geschäften Wir wollen mit aller Gewalt räumen u.haben unsere Preise nochmals wesentlich herabgesetzt! Beachten Sie die besonders günstigen Angebote Leiser in Tanz- Schuhen( Lack, Wildleder, Seide, Brokat) sowie in Gebirgsstiefeln u.Hausschuhen Nr. 26+42. Jahrgang alada 1. Beilage des Vorwärts Fünfzig Jahre Taubstummenschule. Sm Jahre 1778 gründete Samuel Heinide, vormals Kanior| in Eppendorf bei Hamburg, in Leipzig die erste deutsche Unterrichtsanstalt für Taubftumme. Zehn Jahre darauf errichtete fein Echwiegersohn Dr. Esch fe in Hohenschönhausen für Preußen eme gleiche Anstalt. Sie wurde später vom Staat übernommen und in die Linien- und Elsasser Straße 88 verlegt, wo heute das Gemertfchaftshaus der Metallarbeiter steht. Diese Anstalt war zunächst für taubstumme Kinder von preußischen Staatsbeamten bestimmt, doch wurden von jeher gegen Zahlung von Schulgeld auch Berliner Kin ber aufgenommen. Als indessen mit der zunehmenden Einwohner. zahl auch die Zahl der taubstummen Kinder wuchs, entschlossen sich 1874 die städtischen Körperschaften zur Errichtung einer eigenen Taubſtummenschule, die im Januar 1875 eröffnet, zuerst in der Waffectorstraße, dann in der Blumenstraße, 1885 aber in emem besonderen für sie erstellten Gebäude Markusstraße 49 untergebracht wurde. Erster Leiter der Schule war Direktor Berndt, ihm foigte 1897 Schulrat Gugmann, der sich auch durch seine Tätigkeit auf dem Gebiete der Sprachheilkunde verdient gemacht hat; seit 1911 leitet der Schreiber dieser Zeilen die Schule. Das Gebäude in der Markusstraße genügte für die Biermillionenstadt und die gefteigerten pädagogischen Anforderungen nicht mehr; daher wurde im £ ttober 1923 die Schule in das gerade freigewordene Grundstück M Der Schulhof der taubstummen Kinder. Albrechtstr. 26/27 verlegt, das megen seiner zentralen Lage ( wenige Minuten vom Bahnhof Friedrichstraße) auch von den Außenbezirken leicht erreichbar ist. Das Taubstummienwesen untersteht der Wchlfahrtsdeputation, die es durch ihren Ausschuß für das Taubstummen mesen" verwalten läßt. Die Zusammenfassung der Kinder. Durch das Beses vom 7. August 1911 ist für die taubftummen Kinder die Schulpflicht vom 7. bis zum 15. Lebensjahre festgelegt und Die Sorge für den Unterricht den Kommunalverbänden übertragen. Der Kommunalverband Berlin beschult zurzeit 346 ftaubstumme 75] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Bertram war erstaunt. Janet Belford in Berlin? Was wollte sie da? ,, Na, sich die Sache mal ansehen. Vielleicht das Milieu für ihren nächsten Roman dahin verlegen. Außerdem ist da noch ein Grund.. Und dann berichtete er, als ob er von jemand anderem spräche: Ich habe sie gebeten, mich dort zu treffen. Jegt, da meine Frau tot ist, besteht ja tein Grund, weshalb sie und ich nicht zusammen in den heiligen Stand der Ehe treten sollten. Nämlich, wenn sie will. Was noch zweifelhaft ist!" Nein, ist das ein Glück!" rief Bertram herzlich und drückte Chrifty die Hand. Aber mit entrüftetem Erstaunen fühlte er, wie fich leise, aber deutlich in ihm der Neid regte. Er neidisch auf seinen besten Freund! Unbegreiflich, und doch nicht abzuleugnen. Aber Janet war sehr gut zu ihm gewesen, und es hatte einen Augenblid gegeben, wo sie fein Herz höher schlagen gemacht hatte. Er erinnerte sich noch an ihre Worte: ,, Schade, Sie treuer Ritter, daß Sie nicht mich geheiratet haben, statt Jonce! Ich verstehe Sie beffer. Und Sie waren der Brinz meiner Träume, in den Tagen, als Sie mich in den Gärten von Kensington füßten." Er griff wieder nach Christys Hand und drückte sie warm. ,, Grüßen Sie Janet von ganzem Herzen. Sagen Sie ihr, daß ich das Mitleid mit mir selbst endlich totgeschlagen habe. Sie wird schon verstehen, was ich meine." „ So! Ist das so, alter Junge? Nun dann kann ich Ihnen ja auch gleich eine Einlage geben, die mir Janet für Sie überfandt hat." Und zu seinem unendlichen Erstaunen erfannte Bertram die Handschrift von Jonce, die noch damals im Unterstand von Amiens alle alten Wunden wieder aufgeriffen hatte. Jetzt war es merkwürdig still in ihm, als er ihre langen dünnen Schriftzüge fah. Er nahm den Brief mechanisch aus Christys Hand und wandte sich seinem Wagen zu, denn alle waren schon eingestiegen. Bleiben Sie gesund, Bollard!" rief Christy ihm nach, und dann sehte sich der Zug Langfam in Bewegung. Bertram öffnete den Brief. Er lautete: Kinder. Bon den Eltern find 129 Kaufleute, Handwerker und Ge werbetreibende, 96 Arbeiter und 50 Lehrer, Beamte u. a. Rach Angabe der Eltern find taub geboren 207, später ertaubt 139. Als Ursache der Ertranfung fommen in erster Linie Gehirnhautentzün dung( 20) Scharlach( 24), Masern( 14), Ohrenentzündung( 9) und Diphtherie( 6) in Betracht. Von den Bezirksämtern find erheblich beteiligt Friedrichshain( 56), Wedding( 38), Reukölln( 32), Prenz louer Berg( 29), Lichtenberg( 28), Banfom( 22), Tempelhof( 18), Mitte( 16), Tiergarten und Schöneberg( je 15), während die übrigen Bezirksamter Ziffern von 14( Charlottenburg) bis 2( Zehlendorf) tcubitumme Kinder aufweisen.- Taubgeborene Kinder, die niemals die Sprachlaute ihrer Umgebung vernehmen, tönnen sie auch nicht stumm( taubstumm. Kinder, die in den ersten Lebensjahren das nachahmen, also auch unsere Sprache nicht eilernen; fie bleiben Gehör verlieren, verlernen die bereits erlernte Sprache sehr rasch wieder und werden stumm. Nun verlangt aber auch der Geist des taubstummen Kindes, der ja in seinen Geistesanlagen und in seinem Gehirn- und Nervenmechanismus völlig gefund ist, nach Ausdruck mie das hörende Kind, es bildet sich im Berein mit seiner Umgebung eine fitbare Sprache, die Gebärde. Sie ist zwar für die erste geistige Entwicklung des taut stummen Kindes von wesentlicher Bedeutung und für den ersten einfachen Verkehr init der engen Umwelt ziemlich ausreichend, darf aber nach Umfang und Form mit unserer Sprache, an arbeitet hat, in Vergleich gestellt werden. Wenn darum die Bädagogit deren Entwicklung das Bolt, seit es finnt und sehnt, bis heute ge ihre Aufgabe am Taubstummen erfüllen und ihn in die soziale und fulturelle Gemeinschaft der Gegenwartsmenschen hineinführen will, so muß fie ihm zunächst unsere Sprache geben. In mehr als hundertjähriger Arbeit haben die deutschen Taubstummenlehrer die Lautsprodmethode des Taubstummenunterrichts, die sich jetzt die ganze Welt erobert hat, ausgebaut. humaner und erfolgreicher gestaltet und wissenschaftlich begründet. Das ganze Problem ist sehr schwierig. Der Echüler hat zwei Gebrechen, die unterrichtlicher Einwirkung stärkste Widerstände bieten: er ist tanb, fann also die Sprache nicht auf natürlichem Wege auffassen, sondern muß angeleitet werden, sie aus den Bewegungen der Lippen und der benachbarten Organteile zu erraten, und er ist stumm. Zann also seine Gedanten nicht in der unter uns Hörenden üblich gewordenen Form ausdrüden; unter Inanspruch nahme von Gelicht und Getaft müssen die Sprachlaute mit ihnen entwidelt, muß Wort für Wort, Form für Form, muß der ganze Reidtum unserer Sprache ihnen übermittelt werden; in planvoller, müh famer, anstrengender Kleinarbeit muß dem taubstummen Kinde in ben erften Schuljahren erarbeitet werden, was das hörende Kind als fertiges, verwendungsbereites Gut mt zur Schule bringt. Die Anbildung der Sprache. Der Sprachunterricht ist das Herz- und Zentralgebiet der Taubftummenschule, die im übrigen jämtliche Fächer, natürlich mit Aus fchluß des Gefanges, Ichtt wie die Normalschule. Die unterrichtliche Orgonisation der Städtischen Taubstummenschule ist folgende: Der Kindergarten nimmt die Kinder schon mit 5 Jahren auf, die Schule felbst ist&- bis 9stufig aufgebaut. Da in jedem Jahre mehrere Klassen aufgenommen werden, it eine Trennung nach der geistigen und sprachlichen Befähigung möglich und daher eine möglichst individuelle Behandlung gemährleistet. Die normale Belegung einer Slaffe beträgt 10. Für die Anbildung der Sprache ist die Teilnahme der Eltern von großer Bedeutung; sie werden regelmäßig zu Eltern stunden eingeladen, tennen auch sonst dem Unterrichte beiwohnen, um die sprachlichen Fortschritte ihrer Kinder fennenzulernen. Die Kinder fommen aus allen Stadtteilen mit allen möglichen Berkehrs. gelegenheiten zur Schule und erlangen bald eine hohe Sicherheit im Stadtverkehr. Bedürftige Schüler erhalten Beihilfen zum Fahrgeld, die Stadt gibt im laufenden Jahre dafür 6500 M. aus. Für aus. märtige Schüler wird das Schulgeld der höheren Schulen erhoben. Der Lehrförper besteht aus dem Direktor und 24 ordentlichen Lehrern und Lehrerinnen. * An die Taubstummenschule schließt sich die Berufsschule für Taube, in der die Jünglinge und Mädchen soweit wie mög lich beruflich gegliedert, in Lebens- und Berufskunde und Fachzeichnen, die Mädchen auch in den hauswirtschaftlichen Fächern unter richtet werden. An der Berufsschule für Taube find auch Wahlfurfe zur Erfernung des Absehens der Sprache vom Munde und zur Erhaltung der Sprache für Damen und Herren, die im späteren Leben taub oder hochgradig schwerhörig geworden find, ferner Rufe für Sprachleidende eingerichtet. Eine kleine Monats fchrift Infere Beli", die von Eltern, Lehrern und Schülern ,, Lieber Bertram! Nach unserer Unterredung in Plumoison, als du außer dir fortitürztest, habe ich oft versucht, an dich zu schreiben. Jezt erst fann ich es. Ich bitte dich um Berzeihung, daß ich dir als Vergeltung deiner Liebe nur Schmerz bereitet habe, und ich weiß jezt erft, warum ich nicht anders fonnte, Bertram, wir beide fonnten uns nicht verstehen, denn als ich dich heiratete, war ich ein törichtes Kind, das sich selbst nicht kannte. Der, den ich immer geliebt habe, wenn auch lange Zeit, ohne es zu wissen, ist gestorben, ohne daß ich ihn wiedergesehen habe. Ich kann aber feinem anderen angehören, auch dir nicht, Bertram, selbst wenn du es noch wolltest. Das einzige, was ich noch tun kann, ist, dir deine Freiheit zurückzugeben. Ich habe die Scheidungsklage eingeleitet. Da du längere Zeit von England abwesend bist, ohne deine Adresse oder Nachricht von dir zu geben, ist die Ursache gefunden. Ich sende diesen Brief an deine Schwefter Dorothy und hoffe, daß sie ihn dir nachfenden kann. Vielleicht bist du schon ein freier Mann, wenn du diesen Brief liest. Berzeih mir, Bertram! Ich wünsche aufrichtig, daß du glücklich wirft und mich vergißt. Deine Jonce". Lange faß Bertram da, während er langsam durch die schneebedeckte Ebene hinfuhr. Ein eigentümlich dumpfes Gefühl hatte von ihm Befig ergriffen. Nie hatte er gedacht, noch einmal von Jonce zu hören, und jetzt fah er sie wieder in ihrer berückenden, elfenzarten Schönheit vor sich. Aber wie war das nur? Es schmerzte wohl etwas, tief in feinem Bewußt fein, aber die tobende Berzweiflung von einst fühlte er nicht. Auch er war sehend geworden, und er wußte jegt: Niemals wäre ihm Jonce eine wirkliche Gefährtin geworden, nie! Sie lebten in zu verschiedenen Welten. Früher hatte er solche Gedanken als Untreue an Jonce zurückgewiesen, jetzt fonnte er sie ruhig zu Ende denken. Die Bunde brannte nicht mehr. Er war geheilt. Unwillkürlich stand er auf, dehnte die Arme und atmete tief. Er hatte seine Jugendliebe begraben. Sie felber hatte sich von ihm losgelöst. Ihr Bild erblich in seinem Erinnern. Sie gehörte einem anderen Zeitalter an, fie war sternenweit von ihm entfernt. Er fonnte ihrer ohne Schmerz, ohne Groll, ohne Eifersucht gedenken. Auch Kenneth Murles' früher Tod tat ihm leid. Es war schwer für Jonce, für dieses holde, verwöhnte Rind eines alten Geschlechts, welches jezt Freitag, 16. Januar 1925 der Schule und der Fortbildungsschule herausgegeben wird, will das geistige Band sein, das die Angehörigen dieser Taubstummengemeinde umschlingt. Die Schule rüftet zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestchens und bereitet gleichzeitig eine Kabisch Artikulationsübung: Laut A im Wort Ausstellung von Arbeiten Gehörloser vor, deren erste Abteilung Schülerarbeiten, beren zweite Arbeiten der Berufsschüler und deren dritte Arbeiten ermachfener Gehörloser( Handwert, Kunstgewerbe, Kunst, foziale Betätigung, Frauenberufe, Sport) umfaßt. Der Ber feffer dieses Aufsatzes hat Das Taubstummenwesen der Stadt Berlin" in einer fleinen Schrift dargestellt, die mm Berlage der Städtischen Taubstummenschule erscheint. E. Schorsch. Direttor der Stadt. Taubftummenschule. Flugverkehr und Flugpreise. Nach dem Flugplan vom Januar finden modjentags regelmäßige Flüge zwischen Berlin und Leipzig, Hannover, Dresden statt. Der Abflug von Berlin nach Leipzig und Hannover erfolgt 12,15 mittags, der Abflug nach Dresden 12,30 mittags. In der Gegenrichtung wird von Dresden 8,15, von Hannover 9,30 vormittags und von Leipzig 2 Uhr nachmittags abgeflogen. Die Flugzeit beträgt nad) und von Leipzig je 1% Stunde, nach, und von Hannover je 24 Stunden und nach und von Dresden je 1 Stunde 20 Minuten. auf 40 und nach Leipzig auf 35 Goldmart festgelegt. Die Autofahrt Die Flugpreise sind nach Dresden auf 45 M., nach Hannover in Dresden zwischen Flughafen und Bismarckplatz 2, sowie in Leipzig zwischen Flugplay und Hotel Astoria ist darin eingeschlossen. An Freigepäd find 10 Kilogramm zugelaffen. mit anderen Geistern der Vergangenheit in Vergessenheit versant. Wieder hielt der Zug an einer fleinen Station. Es war ein im Schnee begrabenes Dorf. Bauern schaufelten den Schnee beiseite und drängten sich in die Station, um den Zug anzustarren, wurden aber von zu großer Annäherung durch Soldaten der Roten Armee, die selbst erfroren und verhungert aussahen, zurückgehalten. In anderen Stationen standen Flüchtlingszüge ohne Lokomotiven. Schnee bedeckte sie bis an die Viehkojen hinauf, in welchen ganze Familien in fürchterlicher Enge aneinandergedrängt lagen, um nur etwas Wärme zu erhalten. Es sah aus, als würden sich diese Züge niemals weiterbewegen. Die, welche starben, wurden in Gruben in der Nähe der Gleise begraben. Quer über die öden Schneefelder fah man Züge von Menschen entlangfriechen, wie Ameisen, auch sie fuchten, dem Hungertode zu entfliehen. Bertram trat in den Korridor hinaus, mo Nadia am Fenster stand. Diese Leute sind ein Wunder im Ertragen von Qualen aller Art", sagte sie. In jedem Dorf, durch das fie fommen, geben ihnen die anderen Hungernden noch einen Teil ihres färglichen Brotes ab, und so fristen sie ihr Leben von Ort zu Ort. Die Kräftigen unter ihnen. Die anderen bleiben am Wege liegen und sterben." Er sprach oft und lange mit Radia auf diefer fechstägigen Reise, entweder im Korridor, oder in ihrem Abteil mit Sen beiden anderen Damen, die, wie Nadia selbst, dem alten Regime angehörten. Sie waren Hofdamen der Kaiserin gewefen. Der Oberst der ARA. hatte für den Stab Konserven aller Art mitgegeben, welche Dr. Weefes und Bertram über einer Alkoholflamme heiß machten. Es war willkommener, als das ewige talte Essen, und diente als Zeitvertreib. in Abends stand er oft mit Nadia im dunklen Korridor, Hand Hand, wie zwei Kinder, die sich fürchten. Sie fprachen von dem Geheimnis des Lebens und des Todes, der Hoffnung auf Weltfrieden, der Zukunft der Länder. Und doch schienen diese Gegenstände, selbst zwischen diesen beiden jungen Menschen, die fich liebten, auf dieser Reise durch das Rußland nach dem Kriege und nach der Revo lution die einzigen, die der Erwähnung wert waren. ( Fortsegung folgt.) Der jüdische" Direktor. Hilfe für die Erwerbslosen. Anträge zu stellen, deren Undurchführbarkeit ihnen genau jo flar fei wie den anderen Fraktionen. Einen besonderen Ermerbslosen stand" gäbe es doch nicht. Frau Cungwig von der USP. hielt stand" gäbe es doch nicht. mit den Rommunisten die Gelegenheit für gegeben, fich an der Sozialdemokratie zu reiben. Der Ausschußantrag wurde schließlich mit der von Stadtrat Brühl empfohlenen, von den Demokraten ausbrüdlich beantragten Modifikation fowie mit folgender, von den Kommunisten beantragten und von unseren Genossen akzeptierten Ergänzung angenominen: Die Winterbeihilfe für die Kriegsbeschädigten und hinterbliebenen joll Dormeg gezahlt ist, wird nicht angerechnet; eine Rüdzahlung tommt nicht in Frage." Diese Ergänzung drang mit 92 gegen 87 Stimmen durch. Während der Berhandlung und der Abstimmung ging es auf der Tribüne wieder rechi lebhaft zu und die bekannten Roseworte, zu denen die„ Rote Fahne" täglich die Vorlage liefert, tönten von den Lippen der erregten Menschen herab in den Saal. Schließlich aber beruhigte man sich wieder, bevor es zu der angekündigten Räumung tam. Nach der Personalabbauverordnung haben wie alle Beamten fo auch die Bürgermeister und Stadträte Anspruch auf ihr volles Gehalt in dem Monat, der auf den Monat folgt, in dem sie abgebaut worden sind. Leider ist nicht klar zum Ausdruck gebracht worden, ob sie so Die infolge der ausgedehnten Borsteherwahl am vorigen Don- 1 lange noch im Dienst bleiben dürfen oder müssen. Absolut sicher ist nerstag nicht erledigten Borlagen und Anträge standen in Gemein es aber, daß sie weder beurlaubt, noch ihres Dienstes enthoben schaft mit einer Reihe neuer Buntte auf der Tagesordnung der werden können, wenn sie nur für den Abbau in Aussicht ge geftrigen Stadtverordnetenversammlung. Einem Dringlichkeitsantrag nommen worden sind. Wie kann daher„ Die Zeit" verlangen( in der Kommunisten, die neuesten Verkehrsunfälle betreffend, wurde der Nummer vom 3. Januar), daß der Oberbürgermeister den von der Rechten widersprochen. Die Begründung, die der Kommu Bürgermeister Dr. Kahle und seinen Stellvertreter Stadtrat nist Gehlmann einem Antrag seiner Fraktion auf Gewährung Bruns vom Bezirksamt Kreuzberg beurlauben soll? Bis von Winterbeihilfen an die Erwerbslofen gab, verpufften durch ihre Art Was Gehlmann vergessen hatte, holten dann beschlossen, die beiden nur Aussicht Es ist auch taum anzunehmen, daß der Oberpräsident seine in diesem nach. Runze tam von den Winterbeihilfen über Binswucher, Papier, Falle notwendige Zustimmung geben wird, da gegen die Amts geldschwindel, Barmat und Kutister zu der Forderung nach einem führung der beiden Genossen nichts eingewandt werden kann. Wuchergesetz. Frau Lungwitz benutzte die Argumente der Roten Das führende Organ der Deutschen Volkspartei begründet sein Fahne" zur Bolemit gegen die Sozialdemokraten. Genoffe Batt Verlangen damit, es fönnten„ in der alleinächsten Zeit Maßnahmen och erklärte die Zustimmung unserer Fraktion zu dem Aus getroffen und Zustände geschaffen werden, die die allerschärffte Ber- chußantrag, besonders bedürftigen Erwerbslosen die ergänurteilung und Gegenmaßnahmen erfordern." Jeder Lefer fragt gezende Fürsorge zuteil werden zu lassen und den Bezirksämtern die spannt, welches denn diese Maßnahmen seien, und wird erstaunt sein, dazu erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen". Dieser Auswenn er erfährt, daß nach der Zeit" sie in der Wahl eines schußantrag wurde mit mehreren Ergänzungsanträgen der Kommujüdischen Direktors" für die Karl- Michaelis- Realschule beſtehen. nisten und der Demokraten angenommen. Angenommen wurde auch Kennt denn die Schriftleitung nicht den jedem älteren Schüler be fannten Artikel 136 der Reichsverfassung, nach dem„ die Zulassung und Pflegeanstalten zu erhöhen. Dafür stimmten die SPD.- und ein Antrag der Kommunisten, die Pflegefäße in den Heil-, Kranken zu öffentlichen Aemtern unabhängig von dem religiösen Bekenntnis ist?" Ihr Minister Boelig hat im November 1922 im Landtag er RPD.- Fraktion. Neben einer Anzahl kleiner Borlagen, denen ohne flärt, daß er als Neftoren von Boltsfuten nur Christen be- Debatte zugestimmt wurde, fam eine Magistratsvorlage zur Ab stätigen werde; diese Auffassung hat die Sozialdemokratte befämpft; ftimmung, die die Bereitstellung von 78 000 m. für das Bersonal fie auf die höheren Schulen auszudehnen, die feine Befenntnisschulen der Boltsoper, die belantlich zusammengebrochen ist, fordert. Die find, hat selbst er nicht gewagt. Die Zeit" hat ausgerechnet, wieviel Boriage wurde angenommen. Die Abstimmung über den sechsten Prozent der Schüler jener Realschule jüdisch sind und verlangt einen Manteltarifvertrag der städtischen Arbeiter, der schon zweimal im Christen als Direktor. Ist denn der Schriftleitung nicht bekannt, Ausschuß zur Behandlung stand, wurde auf den nächsten Donnersdaß der von ihr bekämpfte Studienrat von dem Bezirksschulausschuß, der eine bürgerliche Mehrheit hat, wegen seiner pädagogischen und bag vertagt. Die Versammlung hat diesmal den größten Teil ihrer wissenschaftlichen Tüchtigkeit vorgeschlagen worden ist? In Alt- Berlin Arbeiten in durchaus fachlicher und ruhiger Weise erledigt. find fast 10 Proz. der Studienräte jüdisch; aber für feine der 50 höheren Schulen ist bisher ein Jude gewählt worden, wenn er fich nicht vorher taufen ließ, wie z. B. ein von dem alten Berliner Magistrat im Frühjahr 1920 gewählter Direttor. Ein unaufrichtiges Manöver ist in der Mitteilung zu erblicken, daß der erwähnte Kandidat teine Beziehungen zur Eltern- und Lehrerschaft hat, daß aber der deutschnationale Bewerber," Studienrat Dr. Jante, schon mehrere Jahre den Direftor vertritt". Jeder Leser muß daraus den Schluß ziehen, daß diese Vertretung an derselben Schule stattgefunden hat, und wird mit Erstaunen vernehmen, daß es sich um eine andere handelt, nämlich um das Schiller- Lyzeum, daß also Herr Jante eben so wenig Beziehungen zur Lehrerschaft und zur Elternschaft" hat. Ebenso viel falsche Angaben wie dieser Artikel der Beit" enthält der vom 31. Dezember. Hierin wird behauptet, nach den Grundfägen, die in der Nachkriegszeit aufgestellt worden sind, habe die Elternschaft darüber zu bestimmen, welche Art des Unterrichts ihren Kindern erteilt werden foll, ob ein christlicher oder ein freigeistiger Unterricht". Wie kann die Schriftleitung dies von den höheren Schulen behaupten, zu denen doch die in dem Artikel erwähnte Arndt Realschule gehört? Gegen den zu ihrem Direktor gewählten Studienrat Dr. Reiter macht sie außer verschiedenen anderen Einwänden, die fich auf erlogenen Behauptungen stützen, zu deren Widerlegung der Bormärts" nicht genügend Blah hat, auch den geltend, der Herr sei aus der Kirche ausgetreten. Erftens ist dies nicht richtig, und zweitens darf dies auf die Wahl feinen Einfluß haben. jetzt hat die Bezirksverordnetenversammlung den Abbau noch nicht nüppel Kunze und Frau Lungwiß von den Unabhängigen voll ausgezahlt werden; was für Kartoffeln schon dann sollte sie lieber die Bersonalpolitif ihres jetzt zurückgetretenen Benn sich„ Die Zeit über Futterfrippenwirtschaft belagt, Ministers Boelit einer fritischen Betrachtung unterziehen. Es kommt alles an den Tag. Nach 5% Jahren gefaßt. Diebstähle auf dem Wochenmarkt in Weißensee führten jetzt zur Festnahme des Händlers Julius Mann, der wegen eines schweren Verbrechens seit dem Juli 1919 gesucht wurde. Mann, der damals Pferd und Wagen besaß, brach mit mehreren anderen bei der Delfirma Scheidemandel ein. Zwischen ihm und einem Sicherheitsfoldaten, der ihn überraschte und fest nehmen wollte, während feine Helfershelfer entflohen, fam es au einem schweren Kampfe. Mann schoß endlich den Sol. baten nieder, so daß er auf der Stelle tot liegen blieb. Er selbst wurde auch wer verlegt. Ctn volles Delfaß fiel ihm vom Wagen auf die Beine. Auf zwei Krücken, die er sich aus Latten von einem Saune zurechtmachte, schleppte er sich nach Friedrichsfelde. Hier hielt er sich lange Zeit, um die Berlegungen auszuhellen, verborgen. Aus Furcht, daß sein Versteck doch endlich wohl entdeckt werden könnte, verließ er Berlin und hielt fid), wie er jetzt fagt, lange in Schweden auf. Als er glaubte, daß man an fein Berbrechen nicht mehr dente oder daß es auch schon verjährt sei, fam er vor einem Jahre nach Berlin zurück und betätigte sich nun als Marti helfer auf dem Wochenmarkt in Weißensee. Diebstähle, die hier verübt wurden, führten nunmehr zu seiner Festnahme, Untersuchung und nach 5% Jahren zu feiner Ueberführung. Die schiefe Nase als Berräterin. " Ein großer Einbruch, der vor einigen Tagen zur Nachtzeit in der Gertraudtenstraße verübt wurde, ist jetzt zum Teil aufgeklärt. Ein Wächter hörte nachts um 3% Uhr in der Fischerstraße ein Geräusch, ging ihm nach und jah aus dem ersten Stod des Herren fonfektionshauses von Leineweber vom Fenster eine Stoffbahn bis auf die Straße herabhängen. 3u gleicher Beit sah er einen Kraftwagen aus geringer Entfernung davonfahren. Es ergab sich, daß Einbrecher gearbeitet hatten. Der Wächter er innerte sich, auch ein Mädchen in der Nähe gesehen zu haben. Es wurde ermittelt und befundete, daß es sich eine Weile für einen Mann interessiert habe, der gegenüber dem Konfektionshause auf und ab gegangen fei. Aufgefallen war ihm an ihm eine schiefe Nase. Jegt wußte die Kriminalpolizei, daß sie es mit einem Schlosser Paul Rosse zu tun hatte, der in Verbrecherkreisen Den Spiznamen„ Quietschneese" führt. Sie ermittelte ihn, nahm ihn fest und er bekannte dann auch, daß er Schmiere gestanden" habe. An dem Einbruch waren außer ihm noch zwei Mann beteiligt. Einer hatte sich abends einschließen lassen, warf dann dem zweiten Belze, Herrenmäntel und Rauchwaren, im ganzen für 30 000 m., aus dem Fenster zu, endlich befestigte er einen Stoff. ballen an der Zentralheizung, ließ ihn aus dem Fenster hinaus ab laufen und kletterte an ihm herunter. Der Chauffeur des Kraft magens, der mit der Beute davonfuhr, wird gut tun, sich under züglich bei Kriminalfommiffar Dr. Koch zu melden. Der Fassadenkletterer v. Kendell jest Majoratsherr. Die Entmündigung des an zahlreichen Einbrüchen beteiligt geweienen Kaufmanns wilhelm b. Reubelt ist jest bom Gericht aufgehoben worden. Dem b. Kendell ist damit das Mitbesiberrecht an dem Familienfidei tommiffariai Sawebda. das er nach dem Tode seines Baters, des Oberzeremonienmeisters des ehemaligen Kaifers, erlangt bat, zugesprochen worden. v. Keudell hat nun nur noch Jahr im Gefängnis zu verbüßen, Es schwebt gegen ihn aber noch eine Anllage wegen des Einbruches in das Schloß Schwebda, dessen Beiger er jegt geworden ist. Die Familic v. Kendell ver. wahrt sich entschieden dagegen, daß das ungeratene Familien mitglied das Majorat übernimmt und hat wiederum Anträge ge stellt mit dem Ziel einer neuen Entmündigung. Db man damit aber Erfolg haben wird, dürfte höchft atveifelhaft fein. benn die Berurteilungen v. Keubels find gerade darauf geftügt worden, baß bie Gerichte ihn für aurechnungsfähig gehalten haben. Die gestrige Sigung der Stadtverordneten wurde vom Borsteher Gen. Haß um 5% Uhr mit der Mitteilung eröffnet, daß die in legter Belt sich so bedenklich häufenden Betriebsunfälle im Straßenverkehr zu einer Anfrage und einem Dringlichkeits. antrag Berantaffung gegeben haben. Der lettere Antrag stieß bei dem Führer der DBp. v. Ennern auf Widerspruch und tann demnach erst in her nächsten Egung zur Berhandlung gelangen. Cine Dringlich. feitsvorlage des Magistrats, die 40 000 m. aus Vorbehaltsmitteln zur Verfügung stellen will, um den Betrieb des Deutschen Opern hauses für die nächsten vier Wochen aufrechtzuerhalten, gelangte chne Widerspruch zur Annahme. Die ordentlichen Sigun. gen der Bersammlung sollen auch im Jahre 1925 Donnerstags von 4% Uhr ab stattfinden. Nach den Beschlüffen des Aelteftenausschusses wurde zuerst über die aus dem Ende November stammenden Anträge der Kommunisten wegen Gewährung von Beihilfen an Erwerbsloje verhandelt. Diese Anträge forderten Winterbeihilfen von je 100 m. beihilfe für jeden Erwerbslosen und Erlag der Mietzinssteuer. Der zur Beschaffung von Kleidung und Heizung, 5 mM. wöchentliche Miet zuständige Ausschuß hat diele Anträge abgelehnt und folgende Be Schlußfaffung empfohlen:" Der Magistrat möge ersucht werden, die Bezirkswohlfahrtsämter anzuweisen, den Erwerbslosen, die sich in besonderer Notlage befinden, neben der Erwerbslosenunterstützung ämtern dafür besondere Mittel zur Verfügung stellen." Gen. Heildie erforderliche ergänzende Fürsorge zu gewähren und ben Bezirks mann vertrat diesen Ausschuhantrag, der nach der Meinung der gro Ben Mehrheit des Ausschusses der besonderen Notlage vieler Er werbslosen wirklich abzuhelfen geeignet ist.- Gehlmann( Komm.) operierte mit dem Schlagwort der Berschleppungstaftit. Er legte namens der Fraktion schärfsten Protest gegen diese Maßnahme ein. -Stadtrat Gen. Brühl betonte, daß hinsichtlich der Bereitwilligkeit, das Los der Erwerbslosen zu erleichtern, auf allen Seiten Einigkeit bestehe, daß aber andererseits der Magistrat leider verpflich tet sei, fich streng an die gefeßlichen Vorschriften zu halten. Danach seien die kommunistischen Anträge überhaupt nicht diskutabel, Der Magistrat sei bereit, im Sinne des Ausschuß antrags zu verfahren, bitte aber, das Wort Erwerbslojen" in derer, die nicht erwerbslos jelen, gerecht werben tönne. benen zu verwandeln, damit man auch der besonderen Notlage Gen. Patlloch: Geraie unter den Erwerbslosen sind viele Ausgesteue.te Eriftenz nicht aufrecht erhalten tönnen; auf diese Fälle" müssen die und solche, die teine oder zu wenig Unterstügung beziehen, die ihre Fürsorge- und Wohlfahrtsämter ganz besonders ihr Augenmert richten. Unter feinen Umständen darf die Hergabe von Unterstüßung davon abhängig gemacht werden, daß etwa fahon Möbel und Ein richtungsgegenstände verkauft worden sind. Die Kommunisten wür fie die Arbeiterschaft nicht verheiten, wenn sie von ihren unsinnigen den auch dem Interesse der Erwerbslojen weit mehr dienen, wenn Versuchen, die Gewerkschaften zu zertrümmern, abließen, statt hier Ein städtisches Verkehrsbureau. Die organisatorische Zusammenfassung des Berkehrs. Die Berkehrsdeputation beriet gestern über die fünftige Schaffung eines Berliner Bertehrsbureaus und beschloß zunächst noch, die Höhe des vorerst erforderlichen Geldbedarfs fest. zustellen. Hierauf wurde die Satzung der Deputation in ihrer fünftig beabsichtigten Faffung beraten. Der Entwurf überträgt der Verkehrsdeputation fünftig auch die Zuständigkeit für die ufgaben des Straßenreinigungs und Stadt. fuhrwesens. Die Absicht, auf die lebereinstimmung der Boft und Eisenbahnbezeichnung für die früheren Einzelgemeinden und auf die Bereinheitlichung der Tarife für diese jetzigen Dris teile der neuen Stadt Berlin hinzuwirken, wurde ebenso gutgeheißen, wie der etwaige Abschluß eines Abkommens mit der Reichsbahn, wonach den Namen aller im nunmehrigen Berliner Gebiet liegenden Fern und Nahbahnhöfe die Bezeichnung„ Berlin" voranzufegen sei. Die Deputation nahm ferner Kenntnis davon, daß die Bostautobus linie Spandau- Cladow vom 1. April 1923 ab auf die ABOUG. übergeht, die ihrerseits an Sonn- und Beiertagen einen Sonder ausflugsverkehr vom 300 bis Cladow einzurichten bereit ist, welcher das westliche Havelufer auf einem neuen Wege erschließen wird. Außerdem beschäftigte sich der Ausschuß mit dem Haushaltsplan der Industrie- Bahn Neukölln und der Untergrundbahn. Eine deutschnationale Ordnungsfäule. Bir lesen im Allgemeinen Anzeiger für Erfner vom 10. Ja gericht Köpenid murde ber frühere Gemeindevorsteher Herr muar 1925: Jn ber Schöffenfigung vom 6. Januar 1925 beim Amis Albert Gelbrecht, Neuzitiau, wegen Betruges tostenpflichtig zu 300 m, Belbftrafe perurteilt. Begangen war der Be trug an bem früheren Hausbesitzer, jeht gänzlich verarmten Hermann Sandow, Neuzittau, dadurch, daß Gelbrecht eine Nachzahlung von 300 Millionen Mart auf das verkaufte Grundstück von Sandow im Oktober 1923 einmal wochenlang für sich behielt und, nachdem das Geld in der Zeit wertlos geworden war nur 250 Millionen Mart ihm auszahlte." Dieser Herr Gelbrecht ist vielen unferer Leser nicht unbekannt. Als Vertrauensmann des Landbun des warb er auf Zusammenfünften des Bundes rege für die„ nationale Sache". Das Amt eines Fleischbeschauers erwarb ihm viele Freunde. Daneben ist er ftellvertretender Amisvorsteher, Mitglied der Steuereinschäkungsfommiffion, Schöffe beim Amtsgericht Stöpenich und Kreisausschußmitalieb in Beeskow. Ferner Bertrauens mann zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen beim Amts Ueber den Antrag der Kommunisten, den Magistrat zu ersuchen, den Verpflegungsfah in den Heil-, Kranken- und Pflegeanstalten Schuffes Dr. Kirchner( Dnat.), Der Ausschuß hat den Antrag abum 50 Pf. zu erhöhen, berichtete namens des Haushaltsausgelehnt und dafür seinerseits empfohlen, den Magistrat zu erfuchen, die Kostsäge in den städtischen Kranken- und Irrenanstalten und hofpitälern erneut durch die Gesundheitsdeputation prüfen und erforderlichenfalls angemessen verbessern zu lassen. In der aus gedehnten Aussprache über den Gegenstand erhob der Kommunist Rintorf den Vorwurf der Verschleppung gegen die städtische Verwaltung. Bürgermeister Scholh wies diesen Borwurf, soweit er den Magiftrat treffe, entschieden zurück; fchon im Septem ber sei der Satz angesichts des Anziehens der Lebensmittelpreise von 1,30 auf 1,50 m. heraufgelegt worden. Auch jetzt sei er bereit, weiter hinaufzugehen, aber zupor müsse doc) die Notwendigkeit geprüft werden. Gen. Thurm brachte eine Menge neuer Momente zur Sprache und zog auch das Zeugnis einer Reihe namhafter Aerzte heran, die eine Aufbesserung für dringend nötig erklären, und befürwortete eindringlich die sofortige Annahme des kommunistischen Antrages. In der Abstimmung wurde der tommunistische Antrag, den die Sozialdemokraten unterstügten, gegen die Bürgerlichen angenommen. In den Aufsichtsrat für die Berliner Flughafen G. m. b. 5. murde als fünftes Mitglied nach längeren, von den Kommunisten herbeigeführten Auseinandersehungen v. Ennern ( DBB.) gewählt. Mit dem Bau je eines neuen Verwaltungsgebäudes in den Bezirtsämtern 3ehlendorf und Wedding hat sich der eingelegte Sonderausschuß einverstanden erflärt; im Haushalt für 1925 sollen die Mittel bereitgestellt werden. Ferner empfiehit der Ausschuß, den Magistrat au ersuchen, für den Berwaltungsbezirk Tempelhof in den Etat für 1926 die erſten Mittel zum Bezir! Tiergarten ebenfalls ein folches Gebäude benötige, Nach längerer Aussprache, in der auch die Frage, ob nicht ber gestreift wurde, nahm die Bersammlung den Ausschußantrag mit der von den Demokraten beantragten Erweiterung an, daß in dem Haushaltsplan für 1926 auch die ersten Mittel für ein Verwaltungsgebäude im Bezirk Tiergarten ausgeworfen werden sollen. Der 6. Tarifvertrag für die städtischen Arbeiter ist in der Ausschußberatung mit einer Anzahl von Abänderungen zu den Bestimmungen über Arbeitszeit und Urlaub" im einzelnen an genommen, dann aber in der Gesamtabstimmung mit 8 gegen 8 Stimmen abgelehnt worden; unter diesen Umständen beantragt der Ausschuß, die betreffenden Anträge dem Magistrat ais Material für die fommenden Reichsmantellarifverhandlungen au überweisen. Die DWP. ließ durch Dankwardt die Wiederherstellung der Magistratsvorlage befürworben, wofür sich auch Genosse Brühl aussprach, während Gehlmann( Romm.) gegen die im 6. Tarifver trag gegenüber der fünften enthaltenen Verschlechterungen Front machte. Genosse Heitmann stellte feft, daß die Sozialdemokraten nach wie vor für die Durchführung und Innehaltung des Achtstundentages der in der Stadtgemeinde Beschäftigten eintreten, daß sie ebenfalls bei größeren Entlassungen für die z triebsräte ein Mitbestimmungsrecht in Anspruch nehmen. Nuch den Ausschußantrag, wonach dem auf der Grundlage des Reichs dem Gang der Verhandlungen im Ausschuß stimme die Fraktion für manteltarifvertrages 1924 aufgebauten 6. Tarifvertrag für die städtifchen Arbeiter die Zustimmung verfagt werden soll und die Abände rungsanträge der Stommunisten dem Magistrat als Material für die tommenden Reichsmanteltarifverhandlungen überwiesen werden Erledigung einer Reihe fleinerer Borlagen Schluß der Sitzung um follen. Die Abstimmung erfolgt erst in der nächsten Sigung. Nadiy 9 Uhr. gericht Köpenid und Leiter der Zweigstelle des Kreisarbeitsnach weises, hier. Wie wir hören, schweben noch andere Betrugsverfahren, wegen Unterschlagung von Sagdgeldern, Steuerhinterziehung und so weiten Inflationsblüten. Als man das Papiergeld mit Füßen feststampfen mußte. Sechs Bahnanwärter hatten sich vor dem Schöffengericht Wedbing wegen Diebstahl, Urkundenfälschung und Unterfchlagung zu verantworten. Die Berhandlung führte in die Blütezeit der Inflation zurüd. Blütezeit der Inflation zurüd. Die Angeklagten waren auf dem Bahnhof Gesundbrun nen beschäftigt, wo sie Wochenfarten und andere Fahrkarten unterIchlagen und nicht gebucht hatten. Sie hatten am Tage, bevor die regelmäßige Tariferhöhung eintrat, die ersten Serien als Berkauf cebucht, aber beijeite gelegt und nachher zu den erhöhten reifen vertauft. Außerdem meren auch aus dem Bestand Größere Mengen von Starten einfach beiseitegeschafft worden. Die Cache fam heraus, weil bei der Kontrolle die Stempel des Knipsers ein späteres Datum aufwielen. Die Angeklagten behaupteten, daß die falschen Buchungen nur auf die Bearbeitung zurückzuführen feien. Der Berteidiger verwies auf Misstände, die damals in ben Raffen infolge der Papierflut geherrscht haben. Es feien feine genügende Behälter für die Bapiermengen vorhanden gewesen. Die Beamten hatten sich Holzfästen beschafft, die aber auch das ver einnahmte Gelb nicht faffen fonnten, so daß fie die Noten mit Kasse an den Nachfolger war ein regelrechter Abschluß den Füßen feststampfen mußten. Bei der llebergabe der nicht möglich. Es wurde auch das Geld schließlich durch Hilfs. fräfte in einem Nebenraum gezählt, ohne daß eine Stontrolle möglich war. Infolgebeffen feien Unregelmäßigkeiten bei den Buchungen und bei den Raffenabrechnungen ohne Berschulden der Angeklagten wahrscheinlich gewesen. Das Gericht erkannte trotzdem auf je sechs Monate Gefängnis, gab aber Bewährungsfrist. Zur Aufklärung des Frauenmordes in der Gneisenaustraße, deffen Opfer immer noch unbekannt ist, hat sich jetzt bei der Mordfommission ein Mann gemeldet, der am Sonntag abend mit dem Chauffeur Wilke gefahren ist. Er fam von einer Sportvor ftellung, fah auf dem Wittenbergplag ein Privatauto halten und bat ben Chauffeur, ihn nach feiner Wohnung in der Gegend des Moris plages zu fahren. Wille nahm ihn denn auch mit. An der Botsdamer Brücke wurde noch ein Mädchen aufgenommen, die fpäter Ermordete. Man fuhr gemeinsam nach dem Morih platz und trank dort noch ein paar Flaschen Bier. Nach der Unter haltung muß das Mädchen in Radfahrerkreisen nicht unbekannt ge mejen sein. Bekanntschaften pflegte es in der Gegend zwischen dem Potsdamer Play und der Mittelstraße zu suchen. Wie der Fahrgast meint, sprad) es hannoversche oder holsteinische Mundart. Die Explosion im Umformerwerk Pankow. Vermutungen über die Ursachen. Bisher herrschte noch feine Klarheit darüber, worauf die folgenschwere Explosion im Umformer- Wert der Reichsbahn in Bantow zurückzuführen ist. Auf jeden Fall gibt dieser Borfall, der das Umformer- Wert und damit den elektrischen Zugverkehr auf der NordStrecke lahmlegt, zu Erwägungen Anlaß, ob in der Frage der Stromversorgung elektrisch betriebener Bahnftreden nicht andere Maßnahmen getroffen werden müßten. Das genannte Umformer- Wert ist an das Kraftwerk Moabit angeschlossen und formt den von dort gelieferten hochgespannten Wechselstrom in den von der Reichsbahnverwaltung benötigten niedrigen Gleichstrom um. Besäße die Reichsbahngesellschaft eigene Elektrizitätswerte für die Erzeugung von Gleichstrom, dann wäre es leicht, die elektrische Zugförderung auf Der Strecke Berlin- Bernau durch Umschaltung auf ein anderes Wert aufrechtzuerhalten. So aber muß der elettrische Betrieb auf dieser Strecke ruhen, bis das Umformer- Werk Bantom wieder betriebsfähig ist. Natürlich würde die Errichtung eigener ReichsbahnElektrizitätswerte die Kosten des elektrischen Eisenbahnbetriebes erhöhen und auch dem Plan einer möglichsten Zentralisierung der Stromversorgung zuwiderlaufen. Die Explosion des großen Delschalters gehört zu den Seltenheiten in der Unfallchronik der Elektrizitätswerke. Die Vermutung, daß etwa durch Ueberspannung der Stromstärke die Explosion_entstanden ist, muß von vornherein als irrig bezeichnet werden. Denn die Mitteldeutschen Fernkraftwerke erzeugen überhaupt feine höheren Ströme als solche von 30 000 Volt, und wenn der Delschalter der Reichsbahn wirklich durch irgendeinen Zufall eine plötzliche intensiv gesteigerte Stromstärke erhalten hätte, dann müßte das gesamte Berliner Stromnet ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden sein, d. h., in allen Privatwohnungen hätten die Lampen und sonstigen Anlagen durchbrennen müssen. Man nimmt daher wohl mit Recht an, daß die Katastrophe eine andere Ursache gehabt hat. Die großen Delschalter bestehen aus festen Kesseln, an denen die sehr kompliziert gearbeiteten Kontatte unter Del liegen. Erfahrungsgemäß er. wärmen fich die Kontakte bei fo hochgespannten Strömen, und so ist es auch selbstverständlich, daß das die Kontakte umgebende Del start angewärmt wird. Dadurch bilden sich Deldämpfe, die durch ein Rohr aus dem Ressel ins Freie geleitet werden, um von vorn herein Explosionen zu verhüten. Nun ist es immerhin möglich, daß der Delstand im Kessel start gesunten war und daß einige Kontatte freilagen. Sollte nun eine der Schaltverbindungen schadhaft gewefen fein, so daß Funfenbildung auftrat, ist es immerhin denkbar, daß durch diese Funken die im Oberteil des Ressels sich bildenden Del dämpfe entzündet worden sind und so die Katastrophe herbeiführten. Generaldirektor Deser hat den Hinterbliebenen der bei der Explosion verunglückten beiden Maschinisten sein Beileib im Namen der Reichsbahngesellschaft ausgesprochen. Der Doppelmorder als Heiratsfandidat. Ein eigenartiges Aufgebot ist auf dem Standesamt des Halleschen Tor- Bezirks zum Aushang gebracht worden. Der unter der Anklage des Doppels luftmordes stebende frühere Bolizeitadtmeister Bruno Gerth be absichtigt sich mit seiner früheren Braut, Käthe K, au berheiraten und hat auch beim Gericht den Antrag gestellt, die Vollziehung ber standesamtlichen Trauung im Gefängnis zu genehmigen. Die neue Verhandlung gegen Gerth dürfte in der zweiten Hälfte des Februar stattfinden, nachdem die vom Gericht angeforderten neuen Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten eingegangen sein werden. Ein Wüstling wurde in der Buttmannstraße entlarbt und fest genommen. In dem Haufe Nr. 10 betrieb ein 44 Jahre alter Schuhmacher Emil Thiefert, ein Junggeselle, im Keller eine fleine Werfitatt. Ein Kunde, der durch sein Töchterben ein Paar ausgebefferte Stiefel abholen ließ, erfuhr, daß Thielert das Mädchen unjittlich berührt hatte und machte Anzeige. Die Ermittlungen der Kriminalvolizei ergaben, daß der Wüstling fich fortgesetzt an fleinen Kindern feiner Stunden verging. Bis jetzt find bereits 25 Mädchen festgestellt. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung nimmt Kriminalfommiffar Johannes Wüller im Bolizeidienste gebäude in der Magazinstraße entgegen. Thielert wurde verhaftet, sein Keller geschlossen. Die Jugendweihen des 17. Acelles( Cichtenberg) finden am 22. und 29. März in der Aula des Reformgymnasiums an der Barfaue ftatt. Anmeldungen zur Jugendweibe nehmen die Bebrer der weltlichen Schulen in der Scharnweberstraße. Pfarrstraße, Friedrichstraße, Lüdstraße, Marktstraße und Holteistraße entgegen. Einschreibegelb 50 f. Feuerwehr war etwa 1½ Stunden an der Brandstelle tätig. Zwei Zufammenstöße zwischen Autobus und Straßenbahn er. eigneten sich am gestrigen Donnerstag. In dem einen Falle erlitten zwei Personen geringfügige Verlegungen, in dem anderen Falle wurde ein Fahrgast, Kammerherr v. Lud, leicht verlegt. Während bei dem einen Fall die Schulbfrage ungeklärt ist, lieg: bei dem anderen das Verschulden bei den Straßenbahnführer, der das Haltezeichen des Echupobeamten überfeben hatte. Parteinachrichten Einsendungen für diese Nubrik find Berlin SB. 63. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sol. 2 Erep. rechts. au richten 6. Kreis Kreuzberg. Achtung, Abteilungsmieterobleute! Die Sigung findet erft am nächsten Freitag statt. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau, Sente, Freitag, 6% Uhr, Gigung der Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuhkommission bei Rosenthal, Eberstr. 66. Sämtliche Mitarbeiter miffen zu einer wichtigen Besprechung erscheinen. 14. Kreis Neukölln. Heute 7 Uhr Spedition Redarstr. 2 Gigung der Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt und des Notdienstes. Die Soz. Arbeiter. Jugend Neukölln veranstaltet am Sonnabend, den 17. Januar, abends 168 Uhr, in der Schulaula der Walter- Rathenau- Schule, Bobdinstraße, eine Gedenkfeier für Karl Liebknecht und Rosa Lugemburg, Mitwirkende: Neuköllner Biedertafel. Die Ansprache wird der Genoffe Crifpien halten. 20. Kreis Reinickendorf. Sonnabend, den 17. Januar, 6 Uhr, im Berwal tungsgebäude Reinidendorf- Oft, Sauptstr. 46, 8immer 60, Sigung des engeren Streisvorstandes mit den Abteilungsleitern. Jede Abteilung muß vertreten fein. Heute, Freitag, den 16. Januar: Junafozialisten, Gruppe Echöneberg. Der Gruppenabend fällt aus. Die Ge. noffen und Genossinnen beteiligen fich an der Zoller- Vorlesung in der Bhilharmonic. Sonntag morgen Museumsbefuch. Treffpunkt 9 Uhr Granitschale, Luftgarten. Sonntag abend 6 Uhr Literaturabend beim Genoffen Stelle. Gruppe Lantwig. 8 Uhr in der Sporteste" 2. Literaturabend.( 3bfen: Boltsfeind.) Morgen, Sonnabend, den 17. Januar: 42. Abt. Pünktlich 7 Uhr gemütliches Beifammensein in den Blücher fälen, Blücherftr. 61. Gäste willkommen. 54. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr im Lokal Sum Birnbaum, Galvani ftr. 13, Unterhaltungsabend. Gäste sind eingeladen. balle Elifabethfte. 57. Arbeitersport. Touristen- Berein Die Naturfreunde"( Renirale Wien), Werbefreis Norben. Sonntag, den 18, Januar, in der Schulaula Grinthaler Str. 5: Märkische Wandertage" ihre Freuden, ihre Plage. 1. Teil: Vortrag mit Lichtbildern. Mufit. Bolkslieder. 2. Teil: Sarum Naturfreundehäuser?" Beginn 7 Uhr. Gintritt 0,40 m. Ghachfreunde Johannisthal 1921. m 8. Februar, vorm. 9½ Uhr, im Reftaurant Bürgergarten große Bropaganda- Schachvorstellung der Schachfreunde Johannisthal. CB. Sparta 1911. Beichtathletik, Fußball, Hocken, Handball. Beicht. athletit: Jeden Freitag Hallentraining von 7-8 Uhr in der TurnDienstag, den 20. Januar, Training im Sport pala ft. Treffpunkt 7 Uhr im Vorraum. Mitgliedsbuch mitbringen. Freitag, den 23. Januar, 8 Uhr, Jahresversammlung im Lotal pon Surt, Weserstr. 46. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Wahlen. 8. nträge. zur Vervollständigung einer weiteren Mannschaft werden Interessenten gesucht. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Soden: Freitag, den 16. Januar, 29 Uhr, Gizung im Lokal S. Albrecht, Wilhelm Stolze- Straße, Cde Straßmannstraße. Erscheinen ist unbedingt Pflicht. Wer Berlin- Lichtenberg, Leffingftr. 18. Am Umzug zum Sallenfportfest am nicht erscheint, wird nicht aufgestellt. Spielangebote: Erich Lahl. 1. Februar 1925 müffen alle Vereinsgenossen teilnehmen. Geschäfts. ftelle: Grid Grafenid, R. 54, Fehrbelliner Str. 40/41. macht, daß laut Generalversammlungsbeschluk die Sigungen jeden Freitag Freie Kannfahrer Berlin e. B. Es wird nochmals darauf aufmerksam genach dem 1. und 15. cines jeden Monats im Bereinslotal deal- Alanfe Neukölln, Marefchite. 14, abends 8 Uhr, stattfinden. Nächste Sigung: Frei tag, den 16. Januar. Dortfelbft Aufnahme neuer Mitglieder. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Es ist unbedingt notwendig, daß die Gewinne von der Weihnachtsver lofung abgeholt werden. Gleichfalls ist es unbedingt notwendig, daß die ver nationale" find erschienen. Bezieht die Pflichtexemplare. schiedenen Abrechnungen erledigt werden. Januar. ,, Führer" und Inter" Achtung, Abteilungsfaffierer! Rechnet die Beitragsmarken ab. Ausgabe der Arbeiter- Jugend und Jugend voran"( von 5 bis 7 Uhr). Heute, Freitag, den 16. Januar, abends 7½ Uhr: Moabit I: Schule Waldenser Str. 21, Bortrag: Erfte Silfe bei Unglüds. füllen, Nordosten 1; Gemeindeschule Böhowstr. 40: Karl- Liebknecht und Nofa- Luxemburg- Abend." Prenzlauer. Borstadt: Schule Dangger Str. 23, Vortrag: Die Entstehung der Zeitung." Weißensee: Jugendheim Ede CharTottenburger und Röldestraße, Vortrag: Geschichte der Arbeiterjugend Weißenfee." Güboft, R.- B.: Jugendheim Mariannenufer la, Distufion: Was ist und was will die SAJ.?" Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße. Diskussion: Aftuelle Fragen." Schöneberg II: Schule Frankenftr. 10, Bortrag: Berufsfragen." Steglit II: Jugendheim HolHeinische Str. 3, Bortrag: Warum muß ich mich gewertschaftlich organi fieren?" Bauinschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16, Bortrag: Schule unb Kirche", Fortfchung. Capenid: Jugendheim Grünauer Str. 16, Bortrag: ,, Naturwissenschaft. Faltenberg- Alt- Glienice: Am Faltenberg 117 Bortrag: ,, Schönheiten der Mark." Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3, Vortrag: Bolkstanz und Volkslied." Buchholz: Lofal von Roffad, Hauptstraße, Vortrag: Sozialistische Erziehung." Rieberschönhausen: Schule Blantenburger Str. 69/70: Arbeiter- Dichter." Jugenbwerbung des Werbebezirks Neukölln. Freitag, 16. Januar, Bergstr. 29, A.- 3. und Kunst." Freitag, 16. Jannar, Nogabfte. 53, A.- 3. und Staat." Freitag, 16. Januar, Bris( Rathaus), A.- 3. und Gewerkschaft," Nehmt teil an nachstehenden Funktionärfurjen: heim, Ghönstedtstr. 1, am 17. und 18. Januar. II. Werbebeziele Pantom, Reinidendorf, Webbing: Jugendheim ZebigenIII. Werbebezirke Teltowfanal, Ziergarten, Spandan, Beßen: Jugendheim Charlottenburg, Rosinensir. 4, am 17. und 18. Januar. Vorträge, Vereine and Derfommlungen. Humboldt- Hochschule. Begationsrat Prof. Gr. 3oh. Giepers hält am Connabend abend 8 Uhr in der Aula Georgenste. 30 einen Bortrag über 3flamische Kaiserbauten Indiens" mit Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen. 7½ Uhr, im Graphischen Vereinshaus, Alexandrinenitrake, Bortrag des ReichsGezialwiffenfchaftliche Vereinigung. Gonnabend, den 17. Januar, abends tagsabgeordneten Dr. Sturt Rosenfeld über:„ Der Magdeburger Proses.". Sport. Beginn des Sechstagerennens. 13 Mannschaffen am Start. Berlin hat sein 13. Sechstagerenmen. Draußen am KaiserDamm werden 13 Paare 144 Stunden hintereinander um hohe Preise und Ruhm fämpfen. Gingeleitet wurde der Kampfabend mit Arbeiter Rabfahrer- Bund Solidarität, Drisgruppe Berlin. Touren für Sonntag, ben 18. januar. 1. bt.: gustour Grunewald. Treff 1 Uhr bei Kroll, Billowstr. 55. 2. bt.: Befuch des Bau und Bertehrss museums in der Invalidenstraße. Treff 10 Uhr Hauptportal. 3. Ust. Si einigen Fliegerrennen. Währenddem arbeiten noch überall Handgarten, Wilhelmshof. Start 1½ Uhr Laufiger Blah. 5. bt.: Adlershof, Siege. Start 1 Uhr Landsberger Blag. 6. Abt.: Tour wird um 1 hr am Start, Kopenhagener Str. 26, bekanntgegeben. 7. Abt.: Tour wird um 1 Uhr am Start, Schulstr. 114, bekanntgegeben. 8. Abt.: Liebknecht- Demonftration. Start 11 Uhr am Kleinen Tiergarten. 8 Uhr abends bei Marg, Oldenburger Straße. 10. Abt.: Hirschgarten, Wilhelmshof. Start 1 Uhe Comeniusplak. Drisgruppe Neulöln: Start 1 Uhr Canner, Ede Saalestraße. Detsgruppe Charlottenburg: Fuß und Nadeltour aum Alten Freund". Start 12 Uhr Galvaniſtr. 13. Mannschafts- Ringlampf! Am Sonnabend, ben 17. Sanner, abends fampf arifchen elfen 93" Rathenow und Busi 02 Berlin 8 Uhr, findet in Nitschtes Restaurant Bittoria- Garten der fällige Eerien ftatt. Beide Vereine werden ihr Bestes hergeben, um die Buntte zu erringen. userdam ftehen fid in einem Freundschaftsbompt die Jugend der Vereine ein Blind- Borkampf vervollständigen das Programm. Berolina" und urich gegenüber. Jiu- Jitsu- Demonftrationen und werfer und legen die lehte Hand ans Wert. Auch die Kabinen, die sich um den Innenraum ziehen, und die für fechs Tage die Schlaf stelle der Fahrer bedeuten, sind noch nicht ganz fertig. Gegen 9 Uhr abends ist die große Halle, die 10 000 Menschen faßt, noch ziemlich schwach besucht. Die Kurvenbefucher febten fast gänzlich. Erst gegen Mitternacht, wenn der Startschuß fällt, dürfte sich der erwartete Massenbesuch einfinden. Die Einleitungsrennen verliefen durchweg interessant. Besonders das Stundenrennen, das 19 Mann an den Start brachte, wies spannende Momente auf. Hier war es Walter Berendt, der das ganze Feld in Aufregung hielt. Um num das Wichtigste zu nennen, sei erwähnt, daß er dank seiner quien Ausdauer das gana Held unter dem brausenden Beifall des Bu blikums überründete, jo daß er den Sieg davontracen fonnte, eine Leistung, die unbedingt anerkannt werden muß. Nach Beendigung der Einleitungsrennen gegen 10 Uhr ist der Besuch etwas färgy tagekämpfer. Die Mannschaft Rütt- Aerts eröffnet den Reigen. Dann folgen: Brocco- Miquel, Grende- Mac Beath, Ega- Krupiat, Saldow- Lorena, Giorgetll- Rigetto, Lewanow- Bauer, Huftble- Stoll, Hahn- Oskar Tick, Stabe- Techmer, Siellbrint- Roch, Dan Sempen Sawall und Golle- Manthey. Das Rennen wird durch Wertungsgruppen entschieden, die täglich nachmittags 5 und 10 Uhr, ſowie 2 Uhr nachts ausgefahren werden. Jebe Wertungsgruppe enthält fechs Spurts über je 10 Runden, die unmittelbar hintereinander folgen. Der Erfte eines jeden Epurts erhält 5, der Zweite 3, der Dritte 2, der Bierte 1 Buntt. Die erste Wertung nach der Eröfferung findet 2 Uhr nets statt. Ueber den Berlauf werben wir im Abendblatt berichten. Das Swimmfest der Arbeiterschwimmer bes 6. Bezirks( Wafferfport) im 1. Rreife bes Arbeiter- Turn- und Sport- Bundes findet am Sonntag, den 18, Januar, nadm. 3 Uhr, im Stadtbad Wedding, Gerichtstraße, statt. Die Vorführungen fowie Wettkämpfe werden erneut den Beweis bringen, aufgeworden. Buntt 12 Uhr beginnt denn die Vorstellung der Sens welcher Höhe der Arbeiterfport auch in dieser Art seiner Betätigung steht. beiden alten Gegner Borwärts, Berlin unb teie Swimmer Die Mannschaftswetttämpfe miffen knappe Resultate bringen, sumal bier bie Neuölln mit neuen Sträften feit längerer Baufe wieder zusammentreffen. Faft alle Groß- Berliner Vereine verfuchen bier gegen diefe beiden hervor. ragenben Gegner einigermaßen günstig abzuschneiden. In den Einzel fonkurrenzen über Furze und längere Etreden treten Berlins beste Bertreter an, fo dan man auch hier spannende und vielleicht überraschende Kämpfe ez warten darf. Von den Vorführungen feien besonders die Rettungsübungen, der Kunstreigen und die Wafferspiele erwähnt. amci interessante Wafferball. fpiele fließen das Reit. reumte Sigung des Geschäftsführenden Ausschusses fällt aus. Die Alters Freie Samimmer Mentaln. Die zum Freitag, den 16. Januar, enbe. riegenfikung findet am Sonnabend, den 17. Januar. im deal kasino, Weichfelstr. 8, ftatt. Berlines Arbeiter- Schachtub, Abt. Feiebenau- Stegli, veranstaltet am Sonntag, den 18. Januar, norut, 10 Uhr, einen Wettkampf gegen die bt. Charlottenburg, freunde des Schachfpiets find herzlichit ein gelaben. Sviellokal bei Richter Feloftr. 8. Spielabend jeden Dienstag abend 8 Uhr.- Die Abteilung Gib- Best veranstaltet am Sonntag, 18. Januar. nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Porbrich, Paerwald ftr. 38, einen Werbeabend. Das Programm besteht eus: 1. Borttag des Schachfecundes B. Edhaffarsid. 2. Simultan Borstellung. 3. Bisturnier. Edhachspieler und folche, die es werden wollen, find zu dieser Beranstaltung freundlichst eingeladen. Das Rundfunkprogramm. Weller für Berlin und Umgegend, Bolliges, qufbeiterndes Setter, flrichweife Nebelbildung, Temperatur etwas über Wull vab. Für Deutschland. Nordwestdeutschland heiter bis mollig, mild, deuifglans nov bereinzelte Regenfälle, dann Besserung. wiegend neblig, Temperatur um Rull Grad, Dibeitschland anfangs nach Die Gesundung der Haare durch Lavaren Freitag, den 16. Januar. Haben Sie jemals Ihr Haar mit einem fobehaltigen Waschmittel Brand in der Filmapparaffabrik. Aus bisher unbekannter Ur. Außer dem üblichon Tagesprogramm: wie z. B. mit Shampoon gewaschen, so ist Ihr Haar trant, Denn fache brach in der Landlicht und Filmapparatfabrit 4.30-8 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). es ist durch dieses Soda angeäßt, genau wie Ihre Kopfhaut. Ein zum Wissen: Der Dichter Musset. angeäntes Haar wird brüchig, geht beim Kämmen berartig aus, daß von Sandel, Köpenider Straße 147, ein Feuer größeren 7 Uhr abends: Wege Umfanges aus, in dessen Verlauf das gesamte Oberstockwert 8.40-8.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungs- Sie oft den ganzen Kamm voller Haare haben und wird frühzeitig ausbrannte. Ein erheblicher Sachschaden ist zu verzeichnen. Die kurse.) 6.40 Uhr abends: Handelskurse, Stadtrat Dr, jur, Gordan: grau und stumpj Rechtsfragen des Alltags. 6. Vortrag: Etwas vom Heiraten". 7.30 Uhr abends: Medizinische Vorträge. Dr. Paul Meißner: Hygiene des Hauses". 6. Vortrag: Hygiene des Vergnügens", 8 Uhr abends: Landwirtschaft und Gartenbau. Abteilung Gartenbau. 3. Vortrag. Gartendirektor Ludwig Lessor, Präsident der Deutschen Gartenbaugesellschaft: Die Zimmerpflanzen im Winter". 8.30 Uhr abends: Karl- Maria- von- Weber- Abend. 1. Ouvertüre zu dem Singspiel Peter Schmoll"( Berliner Funkkapelle). 2. Arie der Agathe: Leise, leise aus der Oper Der Freischütz" ( Adelheid Pickert, Sopran). 3, Arie des Max: Durch die Wälder, durch die Auen", aus der Oper Der Freischütz( Karl Jöken von der Berliner Staatsoper, Tenor). 4. Fantasie aus der Oper Oberon ( Berliner Funkkapelle). 6. Das Gebet: Vater, hör mich flehni zu dir", aus der Oper Oberon"( Karl Jöken, Tenor). 6. Zwe Lieder: a) Ich sah ein Röschen am Wege stehn( Müchler) b) Wiegenlied( Hiemer)( Adelheid Pickert, Sopran). 7. Ouvertüre an der Oper Euryanthe( Berliner Funkkapelle). 3. Arie: Unter blühenden Mandelbänmen", ans der Oper Furyanthe"( Karl Jokon, Tenor). 9. Zwei Lieder: a) Mein Schatzerl ist hübsch, b) Helmlicher Liebe Pein( Adelheid Pickert, Sopran). 10. Aufforderung zum Tanz( Berliner Funkkapelle). Am Flügel: Otto Urack, Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtstranthelfen ber anstaltet am 16. und 20. Januar in der Goethe- Bübne", Sloterftr. 43, abends 8 Uhr, vor geladenem Streife Aufführungen des Drantas Die Schiffbrüchigen. Beerdigung der Gebeine der Opfer Haarmanns. Die Gebeine der Opfer des Massenmörders Saarmann wurden von der Staats anwaltschaft zur Beerdigung freigegebenen und nach dem gerichtlichen Totenhaus gebracht. Sie werden auf Kosten der Stadt Hannover in einer gemeinsamen Grabstätte beigesetzt. Die Bestattung wird wahrscheinlich in aller Stille erfolgen. Nun noch zuoni Taqu dauert unser Inventur- Ausverkauf! Nutzen Sie diese günstige Einkaufsmöglichkeit. Sie finden in allen unsern Geschäften eine Riesenauswahl in sämtlichen Artikeln. Unser Inserat bringt nur ein paar Beispiele. Weiß Leinen DamenHalbschuhe für den Ball und Karneval 2.40 . Damen Halbschuhe in guter Verarbeitung, beliebte Form Lady • nur 140 90 Sachen benutzen! 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Handeln Sie nach diesem Rat und veranlassen Sie Ihre Befannten, danach zu handeln, denn das Haar ist die schönste Zierbe des Menschen, und diese Zier soll ihm bis ins späteste Alter erhalten werden. Gebrauchen Sie aber sodahaltige Sjaarwaschmittel, vielleicht, weil sie so gut riechen, dann wundern Sie sich nicht, wenn man Sie Ihres Haarschwundes und Ihrer Schinnen halber bedauert. NO Herren Stiefel, gutes Roßchevreau, eleg. Form, jetzt nur Herren Schnürstiefel, 750 Kinder- Stiefel, echt Chevreau, mit Fleck Gr. 20/22 2.40, ohne Fleck Gr. 18/21 95 braun Rindbox, bewähr- 80 Rest- und Einzelpaare ter Straßenstiefel, jetzt nur Schuhfabrik Zack Lounas zu unglaublich billigen Preisen & Cie A.G. Burg b.M. 113 eigene Verkaufsstellen, davon 18 in allen Stadtteilen Groß- Berlins Aussergewöhnliche Kaufgelegenheit! 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Stück 40 000 über je 500 Reichsmark. Fradverleih. Smokinganalige, GehMontag, 19. Januar, abends 7 Uhr, in das Handelsregister erfolgt ist, fordern wir unsere Aktionäre fraße 3. Sirma adjten. Anzilge, Bale- Adtung! Nachdem die Eintragung der Generalversammlungsbeschlüsse codanzüge. Seibhaus Brunnenstraße 5. Rühen 24. Gottlieb, Rügener Straße Monatsgarderobe. Leihhaus Brunnen in parterreiaal bes Berbands- auf, die Mäntel ihrer Aktien zweeks Abstempelung auf den Reichs- fots, Cutaways, Frads, Emotings, von idrante, 139 breit, mit Sviegel 92. in unserer Organiſation iſt file fofort zu hanjes, Linienste. 83/85: marknennwert von 60 Reichsmark oder 100, 120 und 500 Reichs- feinften Serrschaften nur kurze Beit ge- fournierte Diplomaten 42, Büfetts. 180 bejegen. Bewerbungen find bis hunt 30, Konferenzmark in der Zeit tragen. Hochelegante neue Garderobe, breit. 95, moderne Bücherschränke. 140 San b. S an das Getretariat Hamburg 36, Sas feinste vom feinen, felbft bergestellte breit, 120. 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BLUTARMEN..KRANKEN Hildesheimer Bank Niederlausitzer Bank Aktiengesellschaft Rheinischen Creditbank Oldenburgischen Spar- und Leih- Bank Osnabrücker Bank Mecklenburgischen, Depositen- u.Wechselbank Siegener Bank dreizehn. Neste eichene AnnicideEinzelstüden in feber Breislage. Rah icht 50 Prozent billiger. Tungserleichterung. Möbelhaus Gottlieb, Berleih von Gefellſchafts- Anzügen Rügener Straße dreizehn, Bahnhof GeBrunnenstraße 4. Norden 5177. fundbrunnen. Freilieferung Groß . • über 65. Riefenauswahl. billig. Stargardts Möbel- und Lom Jugendsekretärs Färber foto:: für eine Kunstfeiden- und Baumwol- Sitangfärberei gesucht. Angebote unter T. 39 an die Haupterpedition des„ Bormärts". verlangt Tüchtige Zuarbeite gelucht Mertés& Co., Lindenstr.35 Monatsanzüge, Winterpajetots, Geh. Berlin. todanzüge. Fradanzüge, neue Jadett Wichtig für jebermann! Täglim mer anzilge. Joppen. modernste Taillenpale den verlauft: Aleiderschränke, Berlitos tots verkauft fpottbillig Werander 18. 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Zur Prüfung der Legitimation des Vorzeigers der Empfangs- Kreditheus au Labenpreifen. Damenbescheinigung sind die Einreichungsstellen berechtigt, aber nicht und Serren garderoben DamenPianos, prächtige Instrumente. be und queme Rahlweife. Sachter, Oranienverpflichtet. Serrenschuhe. Bäfche, Betten. Belze. burgerftraße 42. Nach Ablauf der Abstempelungsfrist werden Mäntel zwecks Garbinen, Steppdecken in bequemer AbAbstempelung nur noch bei der Deutschen Bank in Borlin ent- flagszahlung. Raufhaus Sirichberg Bianos, Qualitätsware aus eigener u. Co. Turmstraße 57. 1. Etage. Fabril, Flügel, Sarmoniums, große gegengenommen. Wir weisen darauf hin, daß nach den Beschlüssen des Berliner Belaweren Juventur Ausverkauf. erleichterung. Auswahl in jeder Preislage. Rahlungs Mog Abant, Inhaber Börsenvorstandes voraussichtlich am fünften Börsentage vor Ab- Breife über die Hälfte herabgefeht. Otto Woltersdorf. 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Teltow Bersönliche Meldungen mit Steuerbuc. Invalidenfarte u legter Arbeitsbescheinigung vorm von 9-10 Uhr. Nr. 26 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Das Alkoholverbot in Amerika. Beute finb es fünf Sahre feit der Einführung des ItoholDerbots in den Bereinigten Staaten Nordameritas. Belche fegens reichen Wirkungen es gehabt hat, geht aus den nachstehenden Aus führungen, die fich auf amtliche Quellen stigen, hervor. Ueber die Wirkungen des seit dem 16. Januar 1920 in den Ver. einigten Staaten bestehenden Alkoholverbots werden in der deutschen Braffe die widersprechendsten Nachrichten verbreitet. Insbesondere bemühen sich die Freunde des Alkoholtapitals um den Nachweis, daß das Alkoholverbot ein Schlag ins Wasser gewesen sei und fid) günstige Folgen bisher weder auf fozialem noch auf gesundheitlichem Gebiete gezeigt hätten. In einer fürzlich erschienenen Schrift Das Alkohol. verbot in den Bereinigten Staaten von Amerita und seine Folgen ( Berlin 1924, Berlag C. A. Saetschke u. Sohn) ſtellt der Oberregierungsrat im Reichsgesundheitsamt, Dr. Hans Bogusat, wertvolles Material zur Beurteilung dieser Frage zur Verfügung. Es ist auf amtlichem Wege in den Jahren 1922/23 von den tofularis schen Vertretern Deutschlands in den Bereinigten Staaten beschafft worden. Mehr Sozialpolitik! T Freitag, 16. Januar 1925 Sozialdemokratische Forderungen im Reichstag. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssigung standen etwa 30 Anträge aller Parteien, die sich auf zehn Ar. beitsgebiete beziehen, und zwar handelt es sich um die Arbeitsgerichte, um Handwerker- und Mittelstandsfragen, um Striegsbe fchädigte und Hinterbliebene, um den Arbeiterschutz und die soziale Bersicherung, um Aufwertungsfragen, um die Bersonalabbauverord nung, um die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, um Ausnahme tarife der Reichsbahngeſellſchaft, um das Verwahrungsgesetz und das Schantstättengesetz. unter der Heiterfeit des Hauses versichert hatte, nur die Kommunisten Nachdem Abg. Rädel( Komm.) zur Frage der Arbeitsgerichte meinten es ehrlich, begründete Abg. Hülfer( Dnat.) einen Antrag feirer Partei auf Einführung von Arbeitsgerichten, wobei ein Schiedsgerichtsverfahren nicht ausgeschlossen fein foll. Abg. Giebel( Soz.): Bückenlose statistische Zusammenstellungen über die Wirkungen des Autoholverbots existieren bisher noch nicht. Es gibt aber schon eine Reihe von Feststellungen, die man als zutreffend ansehen kann; batte geführt werden. Deshalb werde ich dem üblen Beispiel meiner Nach dem Abkommen im Aelbeftenausschuß follte jetzt keine De sie haben in den amerikanischen Kongreßberichten unwidersprochene Borrebner nicht folgen. Was zu den Anträgen meiner Fraktion und Aufnahme gefunden und auch die amilichen Aeußerungen greifen zu den Anträgen der bürgerlichen Parteien recht gründlich zu sagen auf sie zurüd. Was die gesundheitlichen Folgen des ist, werben wir einesteils im Ausschuß, zum anderen Teil bei der Alkoholverbots angeht, so hat der durch das Berbotsgesetz veranlaßte zweiten Befung vorbringen. Eine fachliche Erörterung, gerade im zwangsweise Schluß der Kneipen, Brauereien und Brennereien und gegenwärtigen Augenblid, entspricht nicht den Bedürfnissen der Ar. die dadurch namentlich für die Minderbemittelten bedingte Erbeitsgerichtsbarkeit, weil durch die im Augenblid fich vollziehende fchmerung des Bezugs von Alkohol die Zahl der spezifisch alfo Regierungsbildung alle Intereffen des Hauses, wie der holischen Ertranfungen anscheinend recht erheblich Reichstag zeigt, dadurch abgelenkt scheinen. Aber eine ausdrüdliche vermindert. So ist die Zahl der Altoholiter in den für Berwahrung gegen eine Behauptung des deutschnationalen Bor fie bestimmten beiden großen Krankenhäusern in New York beträcht. rebners: Er zweifelt die Objektivität der Raufmanns. unb lich zurückgegangen. Im Bellevue- Hospital in Manhattan fant ihre verfolgt hat, wird wiffen, daß gerade diese Gerichte sich durch eine Gewerbegerichte an. Wer einigermaßen diefe Rechtsprechung Jahl von 6869 im Jahre 1914 auf 1857 im Jahre 1921; in Rings ftrenge Objettivität ausgezeichnet haben. Ich lege deshalb County Hospital von 1435 im Jahre 1915 auf 842 im Jahre 1921. gegen diese unmotivierten Angriffe des deutschnationalen Redners Im Staatshaushospital zu Buffalo war der Rüdgang an Alkohol- Protest ein. franten so erheblich, daß eine große Zahl der früher für diese Abg. Thiel( D. Bp.) wendet sich gegen den tommmistischen BorKranden bestimmten Betten ständig der Tuberkuloseabteilung überwurf, daß die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte durch die Arbeitswiesen werden fonnte. Die Staatsaspie für Trinfer in Minnesota gerichte beseitigt würden. und Connecticut fonnten, da die Zahl der Mkoholtranten beträdyt lich zurüdging, für Zwede der Irrenbehandlung Verwendung finden. Der Vorsteher von 45 Instituten, die der Trinterheilung bienen, B. E. Neal, erklärte, daß seine über die ganze Union verbreiteten Anstalten in den 12 Jahren vor dem Alkoholverbot mehr als 125 000 Perfonen behandelten, bie größten durchschnittlich 25 bis 30 im Monat. Heute sind in den noch im Betrieb befindlichen An stalten 2 bis 3 Patienten im Monat in Behandlung. Auch die Zahl Der alkoholischen Geistestranten und der Altohol. todesfälle ist ganz erstaunlich zurüdgegangen. Schließlich sei noch bemerkt, daß seit dem Erlaß des Alkoholverbots in sehr vielen Städten eine beträchtliche Zunahme des Milchverbrauchs zu beobachten ist. So wurden nach den Statistiken der New Yorker Gefundheitsbehörde in diefer Stadt im Jahre 1917 0,29 Quarts ( 1 Quart 1,14 Liber), im Jahre 1922 dagegen 0,40 Quarts täglich auf den Kopf der Bevölkerung verbraucht. Hierauf werden die Anträge auf Gründung von Arbeitsgerichten an den Gozialpolitischen Ausschuß verwiesen. die wirtschaftliche Lage der Ginzelbetriebe zu berücksichtigen Abg. Budjuhn( Dnat.) begründet den deutschnationalen Antrag, und in den Fällen tatsächlicher Unmöglichkeit der Steuerleistung von der Anwendung der Steuerzinsgefege abzusehen. Abgg. Effer( 3.) und Drewitz( Wirtfd). Bg.) ertiären, baß eine ausführliche Begründung der Zentrumsanträge, die den Schutz des Mittelstandes betreffen, hier nicht möglich sei und für die Ausschuß beratungen bleiben müffe. Abg. Havemann( D. Bp.) wünscht einen Staatsse tretär für das Handwert und beklagt die mißliche Lage der Kredit. Abg. Bartschat( Dem.) will auch ausführliche Ausschußberatungen. Abg. Krätzig( Soz.) verweist die Abgeordneten der Rechten, die im Reichstag angeblich die Interessen des Mitteistandes vertreten, barauf, daß sie selbst daran fchuld feien, wenn die fleineren Gewerbetreibenden über fteuerliche Belastungen flagen, während die großen Konzerne erinntert an die Steueranträge, die die Sozialbemo Gelegenheit zur Steuerhinterziehung genug haben. Er fratische Partei im Jahre 1923 im Ausschuß eingebracht hatte. Gerade die bürgerlichen Barteien hätten für die Steuermethoden ge wirkt, die den großen Kartellen Borteile bringen. Hier werden jetzt von dieser Seite schöne Anträge eingebracht und ebensolche Reden gehalten. Schließlich aber wird man wieder auseinandergehen, ohne baß etwas für die schwachen Kreise getan ist. Wir werden in den Ausschüssen fehen, ob Sie gewillt sind, in dieser Hinsicht etwas zu leisten oder ob weiter die Interessen der Konzerne geschützt werden Frau Abg. Schroeder( Soz.) sollen. dieren und zu erweitern. Die Kapitalabfindung zum Erwerb von Grundbesig oder zur Unterstügung bei der Schaffung von Eigenheimen ist mindestens wieder in dem gleichen Umfange zu bewilligen wie vor Eintritt der Inflation. Bir fordern strengste Nachprüfung des Abbaues der Schmerbefäd gten, der namentlich von Behörden und öffentlichen Körperschaften mit gerade. zu standalöser Rücksichtslosigkeit vollzogen worden ist.( Lebhafte Sustimmung fints.) Besondere Aufmerksamkeit verdient die neuerfiche Rechtsprechung des Reichsversorgungsge. Bahnen bewegt und mit fozialem Empfinden faum noch in Einklang gerichts, die fich allmählich in engherzigen formaljuristischen gebracht werden kann. Das gilt insbesondere für Entscheidungen, die den Entzug oder die Versagung der Elternrente bewirkt haben. In Auslegung des Offizierspensionsgefeges hat das Reichsversorgungsgericht vor furzem eine höchstrichterliche Ent scheidung getroffen, die sich in gewissen Umfange nunmehr auch das Scheibung muß jedem attiven Offizier, der während des Krieges, Reichsarbeitsministerium zu eigen gemacht hat. Nach dieser Ent Benfion aus der nächst höheren Stelle bewilligt wer den. Dies bedeutet, daß sämtliche pensionierten Offiziere in ihren menn auch nur furze Zeit, ein höheres Kommando geführt hat, die den. Dies bedeutet, daß sämtliche pensionierten Offiziere in ihren heraufgehoben werden.( Lebhaftes hört, hört! lints.) Die Benfionsbezügen um eine Gehaltsgruppe gegen bisher heraufgehoben werden.( Lebhaftes hört, hört! lints.) Die Sozialdemokratie wird an die Regierung die Frage richten, was sie zu tun gedenkt, um aud; den zahlreichen aus dem Mannschaftsstand ein höheres Kommando befleidet haben, eine entsprechende hervorgegangenen Unteroffizieren, die vorübergehend Berbesserung ihrer Rechtsansprüche zu gewähren. Den Kommun sten empfehle ich Borsicht gerade auf diesem Gebiete bei der Erhebung ihre Vertreter auf praktische Arbeit ganz verzichtet. Mögen aus der von Borwürfen gegen andere Parteien. Im legten Reichstag haben fachlichen Arbeit des Ausschusses solche Beschlüsse hervorgehen, daß die Kriegsopfer nicht mehr gezwungen find, mit Bitterteil an das Wort zu denken: Der Dant des Baterlandes ist euch gewiß.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Alle zur Kriegsbeschädigtenfrage vorliegenden Anträge werden fodann dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Zu den Anträgen, die den Arbeiterschuß und die soziale grundlegende Reform der sozialen Gesetzgebung. Bersicherung betreffen, fordert zunächst Abg. Rädel( Komm.) eine Abg. Karsten( Soz): nerfagt. Die Arbeiterschaft verlangt vom neuen Reichstag beffere Der alte Reichstag hat auf sozialpolitischem Gebiet vollständig Leistungen. Die Beratungen in den Ausschüssen und im Perum über die Anträge, die jetzt vorliegen, werden den Prüfstein dafür die das Los der Arbeiterschaft wirklich verbess bilden, ob der Reichstag willens ist, fozialpolitische Arbeit zu leisten, [ ert. Wir verlangen vor allem einen wirksamen Schutz der Arbeitskraft, denn es ist besser die Schäden zu verhindern, als hinterher Unfallrenten zu zahlen. Notwendig ist die Neurege( ung der Verhältnisse der Sonntagsarbeit im Handels. zugestanden hat, sind gerade darin wilde Zustände geschaffen worden gemerbe. Durch die Ausnahmen, die der Reichsarbeitsminister Der Reichstag hat die Pflicht, sie zu beseitigen. Wir haben einen Gefeßentwurf eingebracht, der die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe wieder herstellen soll. Durch eine Reihe anderer Anträge wollen allem müssen die Fragen der Unfallversicherung und der wir einen wirksamen Arbeiterschutz herbeiführen. Bor Invalidenverfigerung gelöst werden. In beiden Fällen haben wir eine große Zahl von Hilfsbedürftigen und auf diesen Gebiet muß endlich eine bessere Arbeit geleistet werden. Diese Kreise leiden noch immer unter den Berwüstungen der Inflationszeit. Sie zu beseitigen, muß eine der ersten Pflichten des Reichstags sein. m vorigen Sommer hat der Reichsarbeitsminister die Borlage eines Gesezentwurfes versprochen, der die Renten- und Unfallversicherung verbessern sollte. Wir warten heute noch darauf. Giner unserer Anträge verlangt die sofortige Borlage dieses Gesetzes. Wenn es zur Beratung steht, werden wir alle Abänderungen und Forderun Wir werden es nicht so handhaben, wie die Kommunisten, die alle Fragen nur gelegentlich anschneiden, sondern wir werden bei alien Gefeßentwürfen, die zur Beratung fommen, gründliche Arbeit leiften. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Erhöhung der 3nvalidenrenten. Wir verlangen als erste Abschlagszahlung eine Erhöhung um 150 Bros., so daß die Rente zunächst 35 Mt. im Monat beträgt. Wir sind der Meinung, daß die Invalidenrentner sich vorläufig mit der geringen Berbesserung einverstanden erklären werden, als daß fie sich mit Hoffnungen auf später abspeisen lassen. Bemerkenswert ist Von den Gegnern des Berbotes wird behauptet, daß solche Leute, die früher Bier oder leichteren Weinen den Borzug gegeben hatten, fest Schnaps oder andere minderwertige von unerfahrenen herge. fteilte Getränke genießen. Für diese Behauptung läßt sich feinerlei ftaliftifdyes Material erbringen. Richtig ist, daß der Schmuggel von Alkohol trok des Ueberwachungsdienstes der Behörden noch sehr stark ist und viele wohlhabende Amerikaner vor dem Infraft treten des Berbots große Borräte an altoholischen Getränken auf geftapelt hatten. Demgegenüber gibt es aber ganz bestimmte Feft stellungen, nach denen die Erzeugung und der Berbrauch Don Altohol sehr start zurüdgegangen ist. Der Eng länder Newsholme hat ermittelt, daß in der Union im Jahre 1915 59 808 210 Gallonen( 1 Gallone 4% Liter), im Jahre 1920 dagegen nur 9 231 280 Gallonen Bier gebraut wurden; ähnliche spricht zu den Anträgen der Sozialdemokratie, die sich mit der Fürgen stellen, die im Interesse der Unfall- und Invalidenrentner liegen. Zahlen liegen für Branntwein und Bein vor. Ferner darf nicht forge für die Gefangenen befaffen. Wenn die Abgeord vergessen werden, daß die ärmeren Bevölkerungsklassen in den Berneten, die hier das Handwerk und den Mittelstand zu vertreten vor vergessen werden, daß die ärmeren Bevölkerungsklassen in den Bergeben, wirklich nügliche Arbeit leisten wollen, so dürfen sie nicht einigten Staaten nicht mehr in der Lage sind, ben im Breise ge- lediglich Standesinteressen, sondern sie müssen die Intereffen der ftiegenen Altohol zu kaufen. Mehrere der in Amerika tätigen Allgemeinheit wahrnehmen. Wer jemals die Gefängnisse besucht deutschen Konsuln stellen benn auch fest, daß das Verbot zweifellos hat und dort sehen mußte, wie sich das Dafein der jungen Leute gedazu geführt habe, den Genuß altoholischer Getränkte ftaltet, die als Opfer des Krieges in ihrer Jugend ein so furchtbares bebeutend einzuschränten. Richtig dürfte es sein, daß Schicksal durchmachen müssen, der wird alles tun, um sie bei der Die geheime Herstellung minderwertiger Getränke zugenommen hat; Entlaffung vor dem Bersinken in weiteres Elend zu bewahren. Es marum follen es fich geschäftstüchtige Unternehmer in Amerifa verist die Pflicht der Boltsvertreter, dafür zu sorgen, daß die Straf fagen, aus dem Alkoholbedürfnis mancher ihrer Mitbürger riesige Arbeit treiben, sondern daß ihnen auch weiter die Wege zu ihrem gefangenen nicht nur einen Beruf erlernen und geregelte Brofite zu ziehen? Der Gebrauch von Berauschungs- und Be Fortkommen geebnet werden. Gerade die Mittelständler, die täubungsmitteln hat wahrscheinlich zugenommen; aber die gleiche fo stolz auf gelernte Arbeit sind, haben die Pflicht, diese schwachen Beobachtung macht man auch in anderen Ländern, bie fein Alkohol Menschen zu unterstügen und dadurch ihrem Leben einen fittlichen verbot haben. Wir erinnern an Deutschland, wo nach Aussage der Halt zu geben, damit sie sich selbst und ihren Familien wiedergegeben Sozialhygieniter und der Kriminalisten der Genuß von Rofain und werben tönnen.( Lebhafter Beifall.) ähnlichen Betäubungsmitteln leider beträchtlichen Umfang anges nommen hat. Wie waren nun die wirtschaftlichen unb fosialen Folgen des Alkoholverbots? Eine beutiche amtliche Stelle in Amerika schreibt in ihrem Bericht:„ Daß die Prohibition zur Arbeitslosigkeit, im ganzen genommen, wesentlich beige tragen habe, dürfte selbst von den ausgesprochenen Gegnern des Gefeges nicht behauptet werden fönnen." Aehnlich drücken sich Handels. tammern und Großfirmen aus, die auch Beispiele dafür bringen, daß in nicht wenigen früheren Brauereien und Brennereien zurzeit weit mehr Personen befdäftigt werden, als früher. Ein solches Beispiel hat Professor Dr. Gaupp am 3. Februar 1922 in der Münchener medizinischen Wochenschrift" an geführt:„ Mit dem Eintritt des Alkoholperbots murden 13 größere Brennereien in Peoria von einer Nahrungsmittelgesellschaft über nommen und unter Aufwendung eines Installationstapitals von 5 Millionen Dollar für andere gewerbliche Zwede- Herstellung von Herstellung von Nahrungsmitteln für Menschen und Tiere- umgewandelt. Wäh reno Dorher in diesen Brennereien 100 menfchen beschäftigt wurden, finden jetzt in den gleichen Räumen 4000 Menschen ihre Arbeit und deren Lohn ist höher, wie der der früheren Brenner." Schließlich sei noch einer in dem Rongreßbericht vom 15. November 1921 erwähnten Umfrage gedacht, die eine amerikanische Zeitschrift im März an die amerikanischen Arbeiterführer richtete und in der um Auskunft darüber gebeten wurde, ob das Berbot von Rugen oder Schaden für die Arbeiter und deren Familien gewesen sei. Die weit überwiegende Anzahl der Befragten( 345 von 526) hätte sich wahrscheinlich nicht so außer ordentlich günstig über das Altoholverbot ausgesprochen, wenn die Arbeitslosigkeit in nennenswertem Umfange eine feiner Folgen gemejen märe. Sufammenfaffend kann man fagen, baß die günstigen Wirtungen Der Alfoholgesetzgebung ihre etwaigen schädlichen Folgen weit überSteuerausschuß überwiesen. Die Anträge werden sodann dem Bolkswirtschaftlichen und dem die Kriegsbefchädigten und Hinterbliebenenfragen betreffen. Der Abg. Weber- Düsseldorf( Komm.) spricht zu den Anträgen, die Rebner begründet einen Antrag der Kommunistischen Partei auf Erhöhung der Rentenbezüge und Gleichstellung aller Renten empfänger. Abg. Roßmann( Soz.): Die große Bedeutung der Versorgung der Kriegsopfer zeigt ein Blid in den Entwurf des Haushalts für 1925. 1,1 Goldmilliarden werden dort zur Abgeltung der gegenwärtigen Rechtsansprüche der Bersorgungsberechtigten gefordert, Niemand darf sich jedoch der Illusion hingeben, daß dieser verhältnismäßig bedeutende Teil der gesamten Reichsausgaben im Einzelfalle auch eine genügende biefe in ihrem wirtschaftlichen Werte noch um 30-50 Broz. hinter Rente garantiert. Troh der letzten Erhöhung der Renten bleiben dem Werte zurüd, den sie 1920 gehabt haben. Die Anträge der Sozialdemokratie bezweden, daß fünftig fein Kriegsbefchädigter schlechter gestellt werden darf, als er stehen würde, wenn er nach alten Bersorgungsgefeßen abgefunden worden wäre. Sämtliche Verschlechterungen des Bersorgungsrechts, die während der Ermächtigungsgefeggebung eingetreten find, müssen saleunigft rüdgängig gemacht werden. Den Hinterbliebenen ist ein Rechts= anspruch auf heilbehandlung einzuräumen, die Beftim mungen über die Abfindung der Beamtenscheininhaber sind zu reviragen. Und diese schädlichen Folgen werden mit der längeren Dauer des Alkoholverbots von selbst verschwinden. Die Arbeiterklasse der anderen Länder, insbesondere des verarmten Deutschlands, hat alle Urfache, die alkoholgegnerische Bewegung zu unterftügen und die Antialfobolgefeggebung zu fördern. Das liegt nicht nur im Intereffe der Gesamtbevölkerung, noch viel mehr im besonderen Interesse der Arbeitertiaffe felbst. Sie darf ihre giftigen und törperlichen Sträfte in feiner Weise schwächen, wenn fie ihre hohen Aufgaben erfüllen will, Sie verlangt eine Erhöhung um 400 Broz, so daß das Einkommen die Infonsequenz der Kommunistischen Partei. eines abgearbeiteten Invaliden 56 M. im Monat betragen würde. Wir fordern mehr, wir bedanken uns dafür, daß man nach dem temmunistischen Antrag dem Invaliden nur 56 M. zuwenden soll. Bo bleibt aber bie tommunistische Konsequenz, die so viel vom isten minimum redet. Sollen etwa 56 m. im Monat das Cristenzminimum für einen Arbeitsinvaliden darstellen? Wir der Hand, die Macht der Arbeiter zu steigern und ihren Einfluß im müssen uns auch bei der Stellung von Anträgen nach den politischen Machtverhältnisjen richten. Sie( zu den Koninuristen) haben es in Reichstage zu verflärten. Sie tun aber alles, um die Stellung der Rechtsparteien zu verbessern. So lange Sie Steigbügel der Reaffion find, so lange tragen Sie die Verantwortung dafür, daß die Arbeitsinvaliden nicht das erhalten, was sie zum Ceben branchen. wir werden abwarten, ob Sie durch ernsthafte Arbeit etwas dazn beitragen werden. Wir erwarten aber auch von der sozialen Einficht weiterer Kreise, daß im Interesse unserer Invaliden, die ihr Leben lang gearbeitet haben, alles gefchieht, um ihre Eriftenz sicherzustellen und sie vor Hunger zu schüßen.( Lebhafter Beifall.) Darauf werden alle zu diesem Gegenstande gestellten Anträge träge, die sich mit der Aufwertungsfrage beschäftigen, werden dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Die vorliegenden Andem Aufwertungsausschuß überwiesen. Debattelos angenommen werden Anträge auf fchleunige Borlegung des Gefeßentwurfs zur Bekämpfung der Geschlechtstrantheiten, des Ent wurfs eines Verwahrungsgesetzes und des Gefeßentwurfs über Ausnahmetarife der Reichsbahn. Der Schantstättengefeßentwurf wird dem Ausschuß für Bevölkerungspolitit überwiefen.( Heiterfeit.) Um 7 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag, 6 Uhr nach mittags. Auf der Tagesordnung steht als erster Bunft: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Aus der Partei. allbefannte Gorkämpferin der österreicifden Arbeiterinnenbewegung, Genoffin Adelheid Popp, die auch in der reichsdeutschen Bartei hat ihren erst 23jährigen einzigen Sohn elig nach nur drei tägiger Krankheit verloren. Seit langem verwitpet, stünde Ge noffin Bopp nun ganz allein da, wenn nicht die Liebe ungezählter Tausende, die sie gehört oder ihre Schriften gelesen haben, fie geleitete. Wirtschaft Der Stand der Aufwertung. Unter diesem Titel ist kürzlich im Berlag von Hans Dohrn, Berlin, eine kleine Schrift erschienen, die die Grundlage des Problems der Aufwertung nach der volkswirtschaftlichen und ethischen Seite untersucht. Der Verfasser, Dr. Ferdinand Anders, betont, daß er eine unparteiische Untersuchung geben will, und in erster Linie Material zur Urteilsbildung über das komplizierte Problem der Aufwertung liefern will. Man muß bestätigen, daß ihm das im allgemeinen gelungen ist. Seine Schrift unterscheidet sich vorteilhaft von den Darstellungen jener Gläubiger, die die hundertprozentige Aufwertung für ohne weiteres möglich halten, aber auch von den Darstellungen der Schuldner, die behaupten, niemand habe durch die Geldentwertung so gelitten wie die Sachwertbesitzer! Der Inhalt der Schrift gliedert sich in fünf Abschnitte. Nach ei er Darstellung der Inflation und der Entstehung des Aufwertungsproblems wird der Inhalt der Dritten Steuernotverordnung ausführlich dargestellt. Die anderen Abschnitte beschäftigen sich mit der Stellungnahme der wirtschaftlichen Organisationen zur Aufwertungsfrage, der Tragfähigkeit der einzelnen Schuldnergruppen, zum Schluß wird die Forderung nach erhöhter Auswertung vom Stand. punkt der Bolkswirtschaft aus besprochen. Bei der Darstellung der Stellungnahme der wirtschaftlichen Organisationen zur Aufwertungsfrage hat der Berfasser nicht überall mit völlig gleichem Maß gemessen. Er betont zwar ganz richtig, daß Gemertschaften und Mieterorganisationen Gegner der Aufwertungsforderungen der bürgerlichen Parteien sind. Er hebt jedoch nicht genügend hervor, daß eine Auswertung, deren Lasten von den Inflations gewinnlern getragen würde, auch bei Gewerbschaften und Mieterorganisationen teine Gegnerschaft finden würde. Die wirklichen Gegner der Auswertung sizen ini Lager derjenigen, die die Inflationsgewinne gemacht haben und sie nicht wieder herausrücken wollen. Das aber kommt in dieser Schrift nur ganz verschämt zum Ausdrud. Die markanten Aeußerungen der Vertreter der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels und der Banten in den Berhand. lungen des Aufwertungsausschusses des Reichstages, die sich schroff gegen jede Aenderung der Dritten Steuernotverordnung wandten, werden überhaupt nicht erwähnt. wertschaften Anhänger des Prinzips des freien Handels von und zu allen Märkten der Welt. Belgien müsse zwei Drittel seiner Rahrungsmittel einführen, die belgische Industrie habe daher feinen leichten Stand. Trotzdem habe Belgien der deutschen Delegation ohne Diskussion für sieben Achtel aller Einfuhrwaren auf den belgischen Markt den Minimaltarif eingeräumt. Von dem restlichen Achtel sollten 80 Proz. nach einem Jahr unter den Minimaltarif fallen, die übrigen 20 Proz. im Laufe von fünf Jahren. Inzwischen sind aber auch diese Befristungen im Verlauf der Berhandlungen fallengelassen worden. Die deutschen Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, daß Deutschland in Erfüllung des Dawes- Planes die Möglichkeit eingeräumt werden müsse, seine industriellen Erzeugnisse auf möglichst zollfreiem Weg zum Weltmarkt zu bringen. Ein nicht zur Entspannung und Gesundung der Beziehungen beider Absperren wichtiger deutscher Ausfuhrwaren durch Schußzölle fönne Böller führen. Wenn deutsche Waren um das Dreifache höher be lastet werden sollten als dieselben Waren z. B. der Tschechoslowakei, so könne ein beide Länder befriedigender Handelsvertrag night zustande kommen. Die Schwierigkeiten lagen besonders vor bei chemischen Produkten, Textilien, Keramit, Papier. Die belgischen Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, daß die belgischen Unternehmer im Rampfe gegen den Achtstundentag die Arbeitszeiten in Deutschland ins Feld führen. In Belgien bestehe im allgemeinen der gesetzliche Achtstundentag. Das belgische Arbeitszeitgesetz gestattet nur in besonderen Fällen eine Ausnahme von 150 Ueberstunden im Jahr. Im ver wüsteten Gebiet können diese Ueberstunden ohne Zustimmung der Gewerkschaften angeordnet werden, während im übrigen Belgien nur mit Bustinmung der Gewerkschaften Ueberstunden geleistet merden dürfen. Das Maximum von 150 Stunden im Jahr werde aber nur sehr selten erreicht. In großen Teilen würden überhaupt feine Ueberstunden geleistet; wo sie nicht zu umgehen feien, machten fie nur einen Bruchteil des Maximums aus. Die belgischen Genoffen wollen um jeden Preis den Achtstundentag in ihrem Lande behalten. Sie fürchten von der Durchbrechung des Achtstundentages in Deutschland Nachteile für die belgische Arbeiterschaft. Beson ders die langen Arbeitszeiten im benachbarten Industriegebiet Rheinland und Westfalen und in der Textilindustrie Aachens be günstigten das Streben des belgischen Unternehmertums gegen den Achtstundentag. Auch die Frage des berüchtigten deutschen Dumpings spielte in die Verhandlungen hinein. Die Annahme des Dames- Gutachtens dürfe ihrer Ansicht nach nicht dazu führen, daß in Deutschland der Achtstundentag auch nur teilweise beseitigt werde. Es wurde erinnert an den im ersten Teil des Dames- Gutachtens die Arbeits- und Lebensverhältnisse der deutschen niedergelegten Grundsatz, daß durch die Annahme des Gutachtens Arbeiterschaft nicht unter die der Arbeiterschaften der Nachbarländer hinabsinken müsse. Die deutschen Gewerkschaftsvertreter feßten hierauf auseinander, wie es um die Arbeitszeit in Deutschland in Wirklichkeit steht. Als die belgischen Genoffen hörten, daß in Deutschland etwa 54 v. 5. der Industriearbeiterschaft den Achtstundentag trotz des schweren Angriffs der gesamten Unternehmerwelt beibehalten haben, und daß ferner jekt Anstrengungen im Gange feien, den Acht stundentag zurückzugewinnen, fam ihre Freude und Aner fennung hierüber zum Ausdrud. Die Gewerkschaftsvertreter beider Länder waren sich einig betämpfen, die auf handelspolitische und wirtschaftliche in dem Gedanten, in ihren Ländern alle Bestrebungen zu Feindschaft hinauslaufen. Diese Tatsache scheint darauf zurückzuführen zu fein, daß der Ber faffer die Meinung amtlicher Stellen teilt, wonach Indu strie und Landwirtschaft zu feiner weiteren Aufwertung fähig feien, weil auch sie nicht Inflations gewinnler, fondern Inflations. opfer find. Wir bestreiten, daß das richtig ist. Wenn der Verfaffer auf Seite 29 fagt:„ Die Substanz ist während der Inflation zum großen Teil aufgerieben, das Eigenfapital erschreckend zusammengeschrumpft, die Produktion und der Umsatz find tief gefunken", so ist das eine gewaltige Uebertreibung. Nur in einzelnen Fällen ist das richtig. Für die großen Industrieunter nehmungen, die Obligationsschulden haben und nur diese kommen für die Aufwertung in Frage trifft es nicht zu. Diese haben sowohl in den ersten Jahren der Inflation als auch während des Ruhrtampjes thre Substanz erhalten, zum Teil fogar erheblich gesteigert. Die Goldbilanzen dieser Unternehmungen sind dafür der beste Auch hier bei den deutsch- belgischen Gewerkschaftsverhandlun Beweis. Es ist infolgedessen auch falsch, wenn der Verfasser( Seite 35) gen wurde, wie seinerzeit bei den deutsch- französischen, sehr deutlich schreibt:" Der Verlust des Sparfapitals ist nicht so sehr eine Folge offenbar, welchen großen Fehler die deutsche Regierung gemacht von Besitzverschiebungen während der Inflation, als eine Folge der hat, als sie die Gewerkschaften von den Handelsvertragsallgemeinen Geldentwertung und der mit ihr verbundenen Zusammensverhandlungen ausschloß. Es wird in der Tat aller schrumpfung des deutschen Volksvermögens." Gewiß ist das deutsche höchste Zeit, daß hier in Deutschland mit diesem Zustand gebrochen Bolfsvermögen fleiner als früher. Aber das ist sowohl die Folge wird. Die Gewerkschaften find die berufenen Bertreter der wirt der allgemeinen Beldentwertung als auch der Befi fchaftlichen Belange der Arbeiterschaft. Infolgedessen müssen sie verschiebungen. Die Sparpfennige vieler fleiner Beute find auch hinzugezogen werden und mitwirken, wenn über das handelsnicht verschwunden, sondern in die Taschen großer Industriemagnaten politische Schicksal des deutschen Boltes entschieden wird. geflossen. Der Verfasser gibt( Seite 39) das Volkseinkommen mit 20-22 Milliarden Goldmark und das deutsche Volksvermögen mit 170-180 Milliarden Goldmart an. Die Zahlen über das Volfseinfommen find falsch. Das Auftommen aus der Lohnsteuer läßt berechnen, daß bereits das Arbeitseinkommen gegenwärtig mindestens 22 Milliarden Goldmarf beträgt. Das gesamte Voltseintom men ist deshalb mindestens 28-30 milliarden Goldmart. Wir hätten gewünscht, daß Dr. Anders diese trititlose Ueber. nahme falscher amtlicher Angaben, die nur tendenziösen Zweden dienen, niderstanden hätte. Seine Schrift hätte dadurch sicherlich gewonne Gewerkschaften und deutsch- belgischer Handelsvertrag lleber die am 9. b. M. in Köln abgehaltene deutschbelgische Gemertschaftstonferenz, von der wir be reits furz berichteten, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die belgischen Gewertschaften sind seinerzeit von der belgischen Regierung aufgefordert worden, ihre Stellung zur Handelspolitik schriftlich darzulegen. Die Forderung der belgischen ( Gewerkschaften ging aber, wie die der deutschen, dahin, als Sach verständige an den Handelsvertragsverhandlungen teilzu nehmen. Da diese Forderung unter dem nichtigen Vorwand, die Handelsvertragsdelegation sei schon endgültig bestimmt, abgelehnt wurde, lehnten die Gewerkschaften ihrerseits die schriftliche Stellungnahme ab. Sie sind gleich den deutschen freien Ge-W 16 502 Lage der deutschen Textilwirtschaft. Die Arbeitslosenzählung im Gebiet des Deutschen Textilarbeiter verbandes ergab für den Monat Dezember gegenüber dem November wiederum eine leichte Besserung. Die Zahl der Arbeitslosen betrug im Dezember 15 213 5,0 Broz. gegenüber im November 5,2 Proz, die Zahl der Kurzarbeiter im Dezember 46 014 15,0 Broz. gegenüber 49 484 15,7 Broz. im November. Rückblickend auf das Jahr 1924 fmden wir, daß in dem Beschäf allen Dingen bei den Kurzarbeitern. Für die einzelnen Monate ertigungsgrad große Schwankungen zu verzeichnen waren, vor geben sich folgende Ziffern. 5,7 90,6 Auguft 7,2 45,0 47,8 Novbr. 5,2 15,7 79,1 Дабе. Januar Mai Arbeitslofe... 10,0 3,7 Kurzarbeiter 16,0 Vollarbeiter 74,0 5,0 15,0 80,0 Dieses Bild ergibt, daß die Krisis des Jahres 1924 innerhalb der Tertilindustrie it art gewütet und die Textilarbeiterschaft arg mitgenommen hat. Die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist ja gegenwärtig immer noch höher als in der Vorkriegszeit. Dabei ist aber zu beachten, daß fast aus allen Branchen günstigerer Geidäftsgang gemeldet wird Die Baumwollspinnereien sind noch auf Monate hinaus voll beschäftigt. Auch für die Baumwollweberei en liegen günstige Berichte vor. Aus der Woilindustrie dagegen lauten die Berichte nicht so günstig, und zwar wird start über die hohen Wollpreise geflagt. An eine Genkung der Bollpreise mirb aber faum gu benten sein, da die Rohstoffbafts für die Wollindustrie bedentlich zusammengeschrumpft ist. Besonders günftig liegen die Berhältnisse in der Kunstscide erzeugenden Industrie. Diese junge Industrie ist stark beschäftigt und sucht ihre Betriebe stark zu vergrößern. Wenn der Beschäftigungsgrad so auch für die nächsten Monate noch günſtig aussieht, so kann dieses zum Optimismus keinen Anlaß geben, weil die Textilinduftric nur zu einem ganz geringen Teil für den Erport beschäftigt ist. Solange die Textilindustrie nicht min destens ein Drittel ihrer gesamten Produktion exportieren fann, muß mit fturten Ronjuntturrüdschlägen gerechnet werden. Leider vermissen wir bei den Tex:: lindustriellen das Streben, den Erport in gewünschter Weise zu fördern. Amerikakredite der Schwerindustrie. Nach Thyssen, Krupp und Haniei verhandelt jetzt die Siemens, Gruppe in New York über amerikanische Kredite und awar foll die Siemens- Gruppe einen Fredit von 10 bis 15 Millionen Dollar erhalten. Allein auf diese vier Firmien fommen jeizt zirka 40 Millionen Dollar oder über 160 Millionen Mark. Thyssen Krupp Haniel Siemens mit 12 Mill. Doll. B 10 71. 10-15 29 " 4 W Seht erst also werden die riesigen Sachwerte finanziert, die fich die großen Konzerne aus dem Ciend der Inflationswirtschaft angeeignet haben. Danach fann man sich ungefahr einen Begriff machen, wie vorsichtig" die Bewertung des Unternehmervermögens in den Goldbilanzen ausgefallen ist. Wohin aber ware die deutsche Schwerindustrie wohl gefommen, wenn die Dawes Geseze nicht angenommen worden wären, wie ihre deutschnationalen Bufenireunde wollten? % Brauerei- Dividenden. Die Schlegel Scharpenseel. Brauerei A.-G. Bochum verteilt auf ihr heute 4.6 Millionen betragendes Aftienfapital für das Geschäftsjahr 1923/24 5 Proz. Dividende. Sie hofft, im neuen Jahre ihren Aktionären mit einem ähnlichen Ergebnis wie vor dem Weltkrieg aufwarten zu fönnen. Das waren 10 Proz. Die Schlegel- Brauerei ist durch ihre vorsichtige" Gewinnpolitik bekannt. Die Reichelbräu A.-G. Kulmbach Die Bavaria, und verteilt 8 Proz. auf 2,4 Millionen Mark. St. Pauli Brauerei Altona schüttet 7 Proz. auf ein Aktienkapital von 9 Millionen Mark aus. W -schuß der Reichsbant teilte Reichsbantpräsident Dr. Schacht mit, daß Wieder Zweimonatsbilanzen der Großbanten. Im Zentralausdie Reichsbant den Reichstanzler um Aufhebung des Erlaffes vom September 1914, auf Grund dessen seinerzeit die Veröffentlichung der 3weimonatsbilanzen eingestellt wurde, gebeten habe, fodaß die gemeinsame Bekanntgabe mit den Zwischenbilanzen für Ende Februar wieder einsehen werde. Selbstkostenprüfung im Ruhrbergbau. Dem non den Arbeitnehmern in der letzten Reichsfohlenratssigung eingebrachten Antrag auf Nach prüfung der Preiselemente der Ruhrtohle ist stattgegeben worden. Bon der Verbraucherseite lag ein ähnlicher Antrag vor. Es wurde ein kleiner Ausschuß gebildet, dem u. a. Sigloch und Steiger Halbfell. angehören werden: Dr. Herbig vom Kohlensyndikat, Bürgermeister Bon der Grünen Internationale. Laur, ein schweizerifcher Bauernführer, hat, wie uns aus Genf gemeldet wird, eine Borlage über die Gründung einer Internationalen Bereinigung landwirts schaftlicher Berbände ausgearbeitet, die ein Generalfetrevorsieht. Das Projekt wird dem nächsten Internationalen landwirttariat der Grünen Internationale in Brugg( Schweiz) fchaftlichen Kongreß, der im Frühjahr stattfindet, vorgelegt. Seine Annahme ist gesichert. Die Herausgabe eines internationalen Bauern organs wird gleichfalls geplant. landwirtschaftliche und städtische Grundbesiskredite laufen in Amerita Amerikanische Hypothekenkredite für Deutschland. Auch für Bemühungen, besonders von seiten der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypotheten banten. Die Grundund Hausbefizer in Deutschland haben die Illusion aufgegeben, daß man fich einfach an der Tilgung alter echter Goldschulden rein durch die Inflation bereichern fann, ohne dafür an einer anderen Stelle, nämlich beim Absatz der Produkte und beim Vermieten der Häuser är mer zu werden. So stehen heute Landwirtschaft und Hausbelih vor der Notwendigkeit, genau wie Industrie, Handel und Verkehr in Deutschland, ihren Befih zun Teil ans Ausland zu verpfänden, um die für den rationellen Betrieb erforderlichen Kapitalien zu erhalten. Sie übertragen mit anderen Worten einen Teil des in Sachwerten festgefrorenen Volkseinfommens, das sie sich in der Inflationswirtschaft angeeignet haben, ins Ausland. Dem dienen auch die Bemühungen der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken um die Unterbringung deutscher Pfandbriefe in Amerifa. Nachdem ein früherer Versuch, Goldmark pfandbriefe direkt in Amerita auf den Markt zu bringen, mißglüdt ist, versuchen sie es jetzt in direkt über eine neu zu errichtende amerikanische Gesellschaft. Diese soll gegen Hinterlegung deutscher Hypothefen in Feingold auf Dollar lautende Bonds ausgeben und die erzielten Beträge der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken zur Verfügung stellen. Geschäftliche Mitteilungen. Bei Beranstaltungen, farnevalistischen Festlichkeiten, Bereinsbällen, Bodbierfesten ufw. wende man sich an die Firma Bohl u. Weber Racf.. Berlin SB. 19, Spittelmarkt 4/5. Der reidh illustrierte Ratalog Nr. 5 bietet den beften Leitfaden für die Herren vom Vereinsvorstand. Billige Hosentage! aus Homespunstoffen Serie 1: Serie II: 4.25 Knickerbocker Cut- Hosen Breeches .. 6...6Gestreifte Hosen aus festen, schwarz und grau gestreift. Stoffen 4,25 Breeches Gestreifte Hosen aus Satinstoff in drei Streifenmustern Breeches Gestreifte Hose Serie I& K: .> aus gestreiftem und kariertem Homespune aus stark. 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Aber nicht die materielle Stimme selbst hört man, denn sie würde ja alle Menschen stören, für die sie nicht bestimmt ist. Sie muß erst in eine Form überfekt werden, die unsere Sinne nicht berührt, um schließlich wieder ihre grobe materielle Form anzunehmen, womit fie unser Ohr trifft. Man muß fie also in eine andere Dimension überjeßen; in die sechste, da die vierte bekanntlich durch die Geister und die fünfte von Wilhelm Busch anderweit mit Beschlag belegt ist. Diese Dimension ist das Reich der elektromagnetischen Aetherwellen, die imhörbar und unsichtbar durch den Raum fluten, unabhängig von Luft, Ort und fast auch von Zeit. Man kann die in die unsichtbaren Reisefleider des Aethers gehüllten Worte an beliebigem Orte wieder hervorzaubern; der Aether hat überall Zapfstellen, wohin man auch greift. Bir nennen das Rundfunk und sind oder werden binnen furzem damit völlig zufrieden sein. es Wie das nun auch sein mag, der Mensch strebt bekanntlich immer weiter. Und es gibt so viele, die doch nicht zufrieden sein werden. Ja, mit dem Essen kommt der Appetit, und man stellt immer neue Aufgaben, die die gelöften an Rühnheit übertreffen. Es genügt nicht mehr, daß alle Menschen auf der Erde durch die elektrische Stimme erreichbar sind. Auch die Brüder jenseits unserer Erdengrenzen sollen in den Kreis unseres Berkehrs. einbezogen werden. Man will mit ben Marsbewohnern sprechen, die uns ja im August 1924 wieder einmal so befonders nahe gewesen sein sollen. Schon früher wurde des öfteren berichtet, daß auf einigen drahtlosen Stationen maren wohl immer amerikanische- rätselhafte Zeichen und Störungen beobachtet wurden, die man nicht zu deuten wußte. Sie fonnten infolgedessen nur von außen fommen, und es lag nahe, anzunehmen, daß sie von anderen Brüdern unterm Sternenzelt" stammten, die versuchen, auf diese Weise mit uns in Berbindung zu treten. Leider haben die Untersuchungen eines berühmten Theo retikers der Physik diese Hoffnungen freundlicher Bhantasten jäh zerstört. Er wollte wissen, daß die nach einem englischen Forscher benannte Heaviside- Schicht, die die Erde in der Entfernung einiger Zehner von Kilometern umgibt, das Hinausdringen elektrischer Wellen in den Weltraum verhindert, daß sie sie vielmehr hier auf der Erde festhält. " Die Heaviside- Schicht ist eine elefirisch geladene Schicht. Die Elektrizität darin stammt aus der Erde und der Atmosphäre selbst, denn die Meteorologen fennen schon lange den positiven elektrischen Strom, der unausgefeßt in der Atmosphäre von unten nach oben fließt. Zum Teil gelangt die Elektrizität durch Einwirkung der Sonne in die Erdatmosphäre, da die Sonnenstrahlen ionifierend auf die durchdrungenen Schichten wirken. Die Sphären der Alten haben in der Heaviside- Schicht wie auch in den anderen von Wegener und Lars Begard entdeckten Schichtungen in der Erdatmosphäre eine merkwürdige Auferstehung gefeiert. Es gibt jedenfalls solche Sphären, und sie sind von erheblicher Bedeutung für das Erdenleben, wenn auch anders als die Alten sie sich vorstellten. Die Heaviside- Schicht bedeutet für die Wellen der drahtlosen Telegraphie dasselbe, was ein Spiegel für Lichtstrahlen sein würde. Die von unten gegen fie anstürmenden elettromagnetischen Wellen werden immer wieder zurüdgewerfen, so daß sie von der Erde nicht hinaustönnen, sondern zwischen diefer und der Heaviside- Schicht, in einer verhältnismäßig dünnen Kugelschicht von der Höhe weniger Wellenlängen zu wandeln gezwungen find Das scheint überhaupt das Geheimnis zu sein, wie die Wellen der drahtlosen Telegraphie die Erdkrümmung überwinden fönnen; fie wandern an der Erdoberfläche entlang und werden in ihrer Ausbreitung und Berzettelung nach augen durch die HeavisideSchicht gehemmt. So fällt also der Traum, mit diesem Hilfsmittel zu den Sternen vorzubringen, in ein Nichts zusammen. Müssen wir also für immer darauf verzichten, mit Bewohnern anderer Welten in Berbindung zu treten? Nun, es ist noch nicht aller Tage Abend. Vielleicht gelingt es uns, gerichtete" Strahlen In den Weltraum hinauszudirigieren. Das Licht durchbricht ja die Heaviside- Schicht auch. Warum follten wir nicht etwas finden, was ums das Hinaustelegraphieren gestattet? In der Folter. Bon H. Wega. „ Nelly, dürfte ich dich wohl noch einen Augenblick in mein Zimmer bitten!", es war die immer höfliche Stimme ihres Mannes, die aber in ihrer Bestimmtheit etwas Aufreizendes für die junge Frau hatte. Nelly nahm gerade vor dem Spiegel ihr fokettes Winterhütchen ab und ordnete ihr schönes, lichtblondes Haar, das fraus und voll ein regelmäßig geschnittenes Gesicht umrahmte. Aber heute lag ein böjer Zug um den feinen, sinnlichen Mund. Die blauen Augen fahen mißpergnügt auf das Spiegelbild, dessen Betrachtung fie sich senst so gern hingab. Ihr Freund, ihr * Seelenfreund", wie sie ihn nannte, der ihrem einförmigen Leben der letzten Monate Licht und Glanz verliehen, hatte sie zum erften mal vergeblich warten lassen. Anstatt mit ihm eine föftliche Stunde in der neuen Motta- Tanzdiele zu verplaudern, mußte fie traurig allein nach Hause gehen. Die stürmische und zärtliche Begrüßung der Kinder hatte sie falt zurückgewien. In diesem Augenblid waren es nicht ihre, sondern des Mannes Kinder, der ihr junges, schönes Leben an das feine gefesselt hatte, um sie dann arg zu vernachläffigen, wie sie meinte. Was waren das für langweilige Jahre gewesen während des Krieges, wo er, der bekannte Anwalt, unter der Laft des Allein arbeitens fast zusammengebrochen war! Und die folgenden. Immer der Kampf um das Notwendigste, den Nelly, verwöhnt von Rind hcit an, nicht fannte. Seit einem Jahr bis zum Aeußersten verSchärft durch die Zeitverhältnisse, die gerade den Juristen so hart trafen. Stets nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Sie mochte den bes scheidensten Wunsch äußern: Rino, Konzert! Ich habe keine Beit!" Und Sonntags fuhr er dann, anstatt sich ihr zu widmen, mit den Kindern ins Freie, ein primitives Vergnügen mit Rucfact, Brotbeutel, womöglich 4. Klasse, das sie nicht schäßte. Und sie war so lebenshungrig, fühlte, daß ihre Natur vergewaltigt wurde in diesem spießbürgerlichen Einerlei von Wirtschaft, Büchtiger Hausfrau und„ gejunder". Körperpflege. Tanz, Sport, Gesellschaften großen Stils fagten ihr viel mehr zu. Da war der andere" in ihr Leben gekommen und hatte ihr brachliegendes Frauentum mühelos für sich erobert. Gesellschaftsmensch durch und durch, Schöngeist und mit denselben fünft lerischen Reigungen wie fie, gab es zwischen ihnen von Anfang an nidyts als restlojes Verstehen. Ein paarmal hatte er auch schon davon gesprochen, sic nach Amerifa zu entführen. Und heute, gesus Der Stresemann- Turm. ค.ศ. Gertz wilken Wadiringo 2517 Warum heißt denn das Ding da Stresemann- Turm"? Sehr einfach: Weil der Mann da oben bald nach links und bald nach rechts schaut und andauernd die Farbe wechselt. An den Fortschritten der Technit brauchen wir nicht zu zweifeln. Alles deutet darauf hin, daß solche Dinge nur Fragen der Zeit sind. Mag es Jahre oder Jahrzehnte, mag es jahrhundertelang dauern, einmal wird die Zeit kommen, da wir es so herrlich weit gebracht haben werden, bis an die Sterne weit" in des Wortes wahrer Bedeutung. Biel schwieriger als die Bewältigung dieses Problems erscheint mir die Sache mit der Verständigungssprache, die wir doch nicht fennen, wenn man uns von draußen antelegraphiert, ebensowenig wie man unsere fennen würde( welche übrigens?) wenn wir hinausfunken. Die Weltsprache"( die fosmische) steht uns noch nicht zu Gebote, deren wir uns bedienen müssen. Aber vielleicht wird auch da Rat geschaffen werden. " Das Streben der Menschen, von der Erde loszukommen, geht aber noch weiter. Es erschöpft sich nicht darin, Nachrichten„ bis an die Sterne weit" zu geben, sondern selbst dorthin zukommen. Als uns die Flugtechnik die ersten Etappen gewährte, die Erdenschwere abzuwerfen, erwachte sogleich der Wunsch, noch weiter zu fliegen, weg von der Erde, hinüber zu anderen Weitinjeln im Raum; Jules Bernes Traum, Reisende in einem Geschoß in den Weltraum hinein und zu andern Sternen zu schießen, begeisterte wieder viele Erfinder. Es ist nun bekannt, daß ein Geschoß, dem man die Geschwindigkeit von faft 12 Kilometern geben würde, die Erde und ihren Anziehungsbereich verlassen würde, wenn ja wenn die Luft nicht wäre! Der Luftmantel hindert uns daran, von der Erde hinauszugelangen, weil ihre Elastizität dem Geschoß alle Bewegungsenergie raubt. Wie also die Heaviside- Schicht der Mörder der drahtlosen Weltraumtelegraphie ist, so ist die Erdatmosphäre der Hinderer der Reisen in den Weltraum, rade heute wollte sie ihm sagen, daß ihre Kinder fein Hinderungsgrund wären, daß sie sich seinetwegen auch von ihnen trennen würde. Nun war er nicht erschienen. ,, Nelly!" noch einmal und noch bestimmter. -w " Ich komme ja schon!" gab sie in gereiztem Ton zur Antwort. „ Oder fönnen wir es nicht hier abmachen, was du mit mir zu besprechen hast?" Dabei ein ironisches Lächeln um den hübschen Mund, das ihm zeigen sollte: wir haben uns doch eigentlich so menig zu sagen! Aber er blieb fühl und undurchdringlich. Beilage des Vorwärts Wir werden uns also bescheiden müssen, bescheiden auf den Grund und Boden, der uns geboren. Und dennoch scheint es nciterdings wieder jo, als ob wir auch davon erlöst werden sollen. Hermann Oberth hat in einem wissenschaftlichen Buch auseinandergesetzt, wie er fich die Sache denkt. Er fagt ganz richtig, daß man das Hinausschießen eines Geschosses in Etappen vornehmen müsse. Wenn das Geschoß einen großen Teil seiner Geschwindigkeit durch den Luftwiderstand eingebüßt hat, müsse men aus ihm ein zweites hervor= schießen. Als Abstoß dient die von dem ersten Geschoß übrigbleibende Hülle und der Rückstoß der Luft. Damit man dabei aber an den teuren Geschossen möglichst spart, fäßt man das an einem langen Seil zwischen zwei Luftschiffen hängende Geschoß erst auf 5% Kilometer Höhe heben, ehe man es abschießt. Bielleicht kommt man auf diese Weise wirklich aus dem Banne der Erdenschwere hinaus, wenn mir auch einigermaßen fraglich erscheint, wie fich der Apparat im freien Weltraum selbständig bewegen soll. Bhantafterei! fagt der Alltagsmensch, dem das Kotelett, das er zu Mittag ist, natürlich näher liegt. Es gibt aber Zeiten, in denen die Abstände der Wichtigkeiten von Kotelett und neuen Dingen fleiner werden. So war es vor kurzem bei der drahtlosen Telegraphie, und dann bald wieder bei der Fliegerei. Und es fönnte am Ende noch zu unsern Lebzeiten init den Weltraumreisen ähnlich werden. Denn die Toten reiten schnell. Schon ist ein Amerikaner ( Professor Goddard in Worcester, Mass.) hinter der Sache her, der nicht bloß wie Oberth die Dinge durchdacht und durchgerechnet, sondern auch mit bedeutenden Mitteln in der Angelegenheit experimentiert hat. Vielleicht findet er auch bald die Mittel zur Ausführung seiner Pläne? Ueberkultur im Infektenreich. 14 Die Bienen- und Ameisenstaaten sind uns so oft als Borbild geschildert worden, daß wir es mit Genugtuung aufnehmen, went man auch in diesen Reichen Berfallserscheinungen und Formen der Ueberkultur feststellt. Eingehendere Beobachtung zeigt, daß auch im Gemeinschaftsleben dieser Wesen nicht alles so glatt geht, wie unsere Schulweisheit sich träumt, und daß es nicht in Menschenstaaten allein schwere Uebelstände gibt. Einige Beispiele von einer solchen Ueberkultur bei Insekten führt Hermann Radestock in Reclams Universum" an. Müßiggang ist aller Laster Anfang." Dieses Sprichwort bewahrheitet sich auch bei den fflavenhaltenden Ameijen, der Amazonen und anderen Arten. Manche Ameisenstämine find so faul geworden, daß sie sich beim Umzug in einen Neubau sogar einer fleinen weißgrünen runden Art Herrenaineisen, die er auf von ihren Stlaven tragen lajjen. Sauptmann Dezner berichtet von Neuguinea beobachtete. Sie hielten fid) ganz große, dünne, bernSteinfarbige, gutlaufende Eflaven. Wenn diese, mit Beute schwer beladen, zum Nefteingang lamen, wurde ihnen die Last von ihren Herren abgenommen, die sie selbst verstauten. Wachposten forgten dafür, daß die Sklaven nicht vor Anbruch der Nacht den Bau betraten, immer wieder wurden sie durch Bisse zu neuer Arbeit angetrieben, bis die Dunkelheit dem Frondienst ein Ende machte. Im engen Zusammenhang mit der Arbeitsscheu mancher Infettenarten steht eine andere Form der leberkultur, die Sucht nach füßen und narrotisch- alfoholischen Näschereien. Auch beim Menschen ist es ja so, daß der, der nichts iut, auf dumme Gedanken kommt und sich allerlei Lastern ergibt. Eine ganze Reihe von Termitenund Ameisenarten halten sich Tiere, deren zuckerhaltige Ausscheidungen fie so übermäßig genießen, daß Einzeltier und Staat entarten und zugrunde gehen. So haben inbische Termiten langunfähige Bienen in ihren Bauten, die sie beschützen und deren Singe sie großziehen, nur um sich an ihren aromatisch- nartolijchen 2usscheidungen zu berauschen. Bei anderen Termiten läßt die eigene Königin einen solchen Saft aus ihren Flanten treten, an dem sich dann die Arbeiter, die eigentlich für jie sorgen sollen, berauschen. Es fommen auch ungebetene Gäste aus anderen Injettenfamilien, die diesen Saft lieben und dann in der Trunkenheit Eier rauben und Larven morden. Da sie nun aber selbst das jüße Noß aus fchwihen, werden diese Räuber und Mörder von den TermitenArbeitern noch verhätschelt. Bei vielen unserer Ameisen werden gewisse Blattläufe zu diesen Zwecken gepflegt und gemollen". Andere Arten haben eine besondere Borliebe für den Saft des von ihnen gefütterten blinden Keulentäfers, und noch andere Ameijen züchten Wurzelläuse, von denen sie sich vollständig ernähren faffen. Diese Tiere, die über der Erde gar teine Nahrung nicht fuchen, find ganz gelb und bleich geworden und immer mehr entartet. Ein Zeichen der leberkultur, ist auch der Sklavenraub, den manche " Noch nicht, Nelly, und ich werde sie auch nicht lesen, als sie hörbar aufarmete, aber du sollst sie mir vorlesen!" Da fuhr sie wild auf.„ Nie, o nic, lieber sterben! Wie fannst du so schamlos sein, das zu verlangen?" Er sagte nichts. Aber in seinem ruhigen Blick lag die Gegen frage:„ Und du wie konntest du so schamlos fein, sie zu schreiben?" Endlich, talt und flar:„ Wenn du sie mir nicht vorlesen willst, gibt es nur eine Lösung: du verläßt noch heute mein Haus und fuchst dir eine Existenz. Die Kinder bleiben bei mir." In der jetzigen Zeit wollte er sie auf die Straße sehen. Sie, die nichts als Wohlleben kannte, die nie gearbeitet hatte! Und sie ihrer Kinder berauben! In diesem Augenblick schienen sie ihr das Höchste, was sie besaß. „ Ich bitte dich, in mein Arbeitszimmer zu kommen, Nelly!" Gegen diesen Ton war sie machtlos, und mit langsamen Schritten folgte sie ihm in den geweihten" Raum, sein Bureau, das fie fast nie beirat, weil dessen strenge Nüchternheit und abfolute 3wedmäßigkeit ihr auf die Nerven fiel. Sie wunderte sich immer, daß feinen Klientinmen, und mit diesen hatte es ihr Mann am häufortschließen. Er erhob sich. figsten zu tun, da er als der beste Anwalt für ihre Frauenrechte in Chefcheidungsklagen galt, hier das Herz aufgehen konnte. Und daß sie überhaupt zu diesem nüchternen Verstandesmenschen Vertrauen haben und ihm von ihren intimsten Angelegenheiten sprechen mochten! Sie als Frau nußte ihn doch kennen: er verfiand sie gewiß nicht. Und wenn er ihre Rechte verteidigte, tat er es nur aus Geschäftsinteresse. Widerwillig ließ sie sich auf dem sogenanten„ Seufzerstuhl", den sonst seine Klienten einnahmen, ihm gegenüber nieder. Wie gräß lich förmlich er heute wieder war! Dahinter steckt doch irgend etwas? Und schon fragte er: „ Kennst du einen gewissen Erwin von Leyden, Nelly?" Ihr tiefes Erschrecken schien ihm Antwort genug. Er griff in seinen Schreibtischkasten und zog ein Bündel Briefe hervor. Unb kennst du diese?" -Jegt zitterte die junge Frau am ganzen Körper. Alle Farbe toar aus dem blühenden Gesicht gewichen. Ihre Briefe, ihre wenigen, in heißer Sehnsucht zusammengestammelten Liebesbriefe an den Freund! Mit schnellem Griff wollte sie sie an sich reißen. Aber er fam thr zuvor. Salt!" sagte er ernst, fic find mein, Nelly, ich habe fie nämlich dem Elenden abgekauft. Er bot sie mir zum Kauf an. Bon dem Gelde fährt er jetzt hoffentlich nach Amerika." Alles brach in ihr, über ihr zusammen. Sie tonnte ihn faum anblicken. Wie ruhig er das rausbrachte, dieser es gab teinen Ausdruck dafür! dieser Oh, Der Mann faßte die Briefe zusammen, als wollte er sie wieder Rein!" schrie die junge Frau. Nein, nicht doch! Ich will a will fic dir vorlejen." Schweigend reichte er sie ihr zu. Und sie begann. Jedes Wort, das sie im Liebesüberschwang an den andern gerichtet, schien ihr schwülstig und lächerlich. Jede Beteuerung ihrer Freundschaft und Bewunderung für ihn so unfagbar verächtlich angesichts dieses Ausganges. Ein paarmal stodte fie, glaubte an ihrer Scham erfticen zu müssen, warf flehende Blicke auf den Mann, der, den Kopf in die Hand gestützt, ruhig zuzuhören schien, als läje sie einen Roman vor. Dabei fiel ihr auf, wie alt er in den letzten Monaten geworden war, wie scharf das fluge Gesicht Weiter, Nelly!" Und sie las weiter. Sauchie, flüsterte all die Bekenntnisse her cus, die Anschuldigungen gegen den Mann, dessen Namen fie feit fünfzehn Jahren trug, der ihr eigentlich nichts erwiefen hatte als Güte, nie verlagende Güte, und den sie in ihren Briefen als faltherzigen Tyrannen, als Menschen ohne Seele und Gemüt hinstellte. Die Wände, diese kahlen Wände, zwischen denen er sein hartes Ar beitsleben verbracht hatte, um sie mit dem gewohnten Lurus umgeben zu fönnen, tönten hohnlachend von ihren ungerechten Anflagen wider. Endlich war sie zu Ende, und schnell wollte sie die Briefe in ihrem Kleide bergen. Aber wieder fam er ihr zuvor. „ Die bleiben mein, Nelly!" sagte er bestimmt. Und wenn du noá einmal vergessen solltest, nicht, daß du meine Fran, aber daß du Mutter bist, werde ich sie mir wieder vorlesen lassen! Ind du quälte sie schließlich zwischen den Zähnen her Ginstweilen fallen sie an unserem äußerlichen Berhältnis nichts äncor, haft sie natürlich gelesen?" dein. Oder zichst du die andere Lösung vor?" Ameifen betreiben. Die Amazonen- Ameisen finb so faul geworden,| fo wichtig, daß bei längerem Bestehen der Hanfa anflatt des Schme. 1 daß sie sich von den Sllaven die vorgefante Speise in den Mund difchen und Dänischen heute dort mederdeutsche Mundarten ge fajieben lassen und ohne diese verhungern würden. Nicht mindersprochen würden. 3ft doch das Beleidsschreiben des Königs entartet sind die blutroten Ameisen; aber die Haustiere aus der Chriftian I. von Dänemarf an den Marfgrafen Albrecht I. Don Käfermelt, die ihnen ihre Raschjäste liefern, rauben und morden Brandenburg( Kopenhagen, 1. Januar 1465) niederdeutsch geschrieben. ihrerseits im Rest, so daß die Blutroten immer wieder neue Gflaven 2lud; niederdeutsche Bibelübersetzungen gab es, sogar schon vor Luther aus den Nestern holen und anlernen müssen. Das ist ihre einzige( das Alte Testament ist allerdings nicht aus dem hebräischen Original, Arbeit, die sie noch verrichten. Die Weber- Ameisen der Tropen sondern nach der lateinischen Bulgata übersetzt). find durch ihre Raschhaustiere sogar zur Erfindung der Webkunst gebracht worden. Diese zuerfüßen, auf Bäumen lebenden Schild jouse würden ihnen davonlaufen, wenn die Beberameisen sie nicht in tunstgerecht zufammengehefteten Blätterställen eingesperrt halten würden. Die mittelniederdeutsche Literatur. Es folgt eine lebergangszeit, aus der Laurembergs Scherz gedichte( 17. Jahrhundert) zu nennen wären, in der aber im übrigen das Mittelniederdeutsche als Literatur- und amtliche Sprache allmählich ausstirbt. Auch aus der Kirche versáwindet es, die letzte niederdeutsche Bibel erschien 1621 in Gostar. Erst im 19. Jahr hundert findet das Niederdeutsche( d. h. neuniederdeutsch) wieder schriftliche Verwendung, und es beginnt der dritte Literaturabschnitt, in dem wir jetzt stehen: die plattdeutsche Literatur. Alles Leben ff art die überaus tompliziert gebaute Subftanz des Protoplasmas gebunden. Eine gewisse fleine Menge diefer le benden Substanz muß mit Notwendigkeit gegeben fein, wenn Leben überhaupt möglich sein soll. Rein rechnerisch ließ sich bereits fest stellen, daß die das Protoplasma aufbauenden Eiweißtörper von einer nicht unbeträchtlichen Größe sind. Dadurch wird schon eher verständlich, wenn die größte Bahl unserer Kleinsten" bei den be trächtlichen Vergrößerungen unserer optischer Instrumente gerade noch sichtbar ist, während alle anderen ultramifroskopischen Wefcz in ihrer Kleinheit nur durch ganz besondere Lebensbedingungen eriste tzfähig sind. Und in der Tat dürfen wir nach den neuesten Erfahrungen wohl annehmen, daß gerade sie zu den Krankheitserregern zu zählen fed, also von den lebenden Kräften des Drganismus mit Leichtigkeit zu zehren vermögen. maßen befannt; aber wenig wiffen die meisten über die eigenartige Die plattdeutsche( b. h. neu- niederbeutsche) Literatur ist einiger der fei auf folgende wohlfeile Büchlein hingewiesen: Dr. Rud. gen in Unordnung gebracht wird. Die Natur aber hat in wunder. mittelniederbeutsche Literatur. Das Hochdeutsche hat das Platideutsche aus Amt, Schule, Kirche usw. verdrängt, und nur in der Dichtung findet das Plattbeutide noch schriftlichen Ausdruck. Das war aber duniaus nicht immer der Fall, im Gegenteil: vom 13. bis 16. Jahrhundert war Nieder beutic) bie allgemeine Schriftsprache in Rorddeutschland und in den östlichen Rolontalgebieten( Livland, Estland, Lettland), sowie in den Handelsnieberiaffungen, die im Westen bis Brügge, im Norden bis Bergen und im Osten bis Nowgorod reichten. Die ältesten Sprodentmäler des Niederdeutschen sind in alt. sächsischer Spreche geschrieben. Es find, neben fleineren Stücken, hauptsächlich der Heliand, das bekannte geistliche Epos, und leber fegungen des 1. Budhes Mosis. Nieberdeutsche Züge zeigen auch die Refie des Hildebrand- Biebes. Bom Jahre 1000 bis etwa zum Anfange des 18. Jahrhunderts murbe faft nur Lateinisch geschrieben. Bon etma 1200 bis 1700 reidt das Rittelntederbeutsche, beffen Blütezeit ( 1300 bis 1500) mit der Blütezeit der Hanka ziemunenfält. Eine umfangreiche Site.atur ist uns aus dieser Zeit überliefert. Allerdings dürfen wir keinen Balther on bir Bogelweide, Wolfram Don Eschenbach oker Gottfried ron Straf burg unter den Schriftstellern fuden. Es find in der Hauptfache Rechtsbücher, Chroniken( be. fonders Stadidorifen), Schwänte im Novelfen, Beltslieder, geist liche Dramen, Lieber- und Erbauungsbücher. Zu nennen sind haupts fächlich der berühmte Sechienfpiegel"( Rechtsbuch der Sachsen) und bie Sädfifche Weltchronit", beide von dem Schöffen Gife von Repgow, die Weltchronit" von Korner, die Bremer und Lübecker Chronifen, die Chronit Livlande von Balthasar Rüssow; Reinete Boß( marbeitung eines niederländischen Originals); Zwiegespräch zwischen dem Leben und dem Tode, das Redentiner Ofterspiel, die Marienfiagen u. a. mehr Interessant ist auch Ludolf von Subheims Reisebeschreibung von Palästina( bat hilge lani"). Das Niederdeutsche war übrigens zu dieser Zeit in Standinavien handelspolitisch 〃 Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus 7 Uhr: Carmen Opernhaus am Königsplatz 7% Uhr: Tietland 7: D. Journalisten 8 Uhr: D. Widerspenstigen Zähmung Lustspiel ven Shakespeare Schauspielhaus Ellen Tietz, Theoder Schiller- Theater Becker, Bonn, Schlegel Der Widerspen- Kleines Th. stigen Zähmung 3 Uhr: Gr. Volksoper Banco 7% Uhr: Lustspiel v. Savoir Samson und Dalila Leoline Konstantin, Volksbühne Horft, Falkenstein, Kalser- Titz, Rosá Uhr: Sakuntala Trianon- Th. Deatsch. Theater 7 Uhr: Die heilige Johanna Stg, nachm 2% Uhr Alt- Heidelberg Kammerspiele 8 Uhr: Die tote Tanie und andere Begebenheiten Haller- Revue 1925 Th.i.Admiralspalast Atlabendl. 8% U 23. Woche Die größte Revue d. Welt: Hoch und Noch" Sonntag nachm. 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! 2. Rang 1 Maik Central Theater 7 Uhr: Die versunk. Glocke Deuts Opernhaus Trianon- Th.: Eugen Onegin Tägl. 8 Uhr: Mary Intimes Theater 8: Katzi/ Abenteuer nach dem Tode etc. Erika Glässner Metropol- Theater Alexander, Reiser- Titz, Täel. 7%, Uhr: Schindler, Shrider- Strom Gräfin Mariza Kammer- 6per Stg, nachm. 3 Lur: Lützowstr. 12. Neues Th. am Zoo Frühlings Erwachen Die Komödie Kurierslandamm 298/207 7% Uhr: Sechs Personen suchen cinen Antor Stg. nacom. 3 Uhr. Die deutschen Kleinstädter Theater 1. d. Ronjggrätzer Str. 8 U.: Der Tokaier Komödlenbaas an der Flatterellstraße Täglich 7 Uhr: Täglich& Uhr: Wild- West- Mädel Wohl zu ruhen, Herr Nachbar! 12 Wer das hier behandelte Gebiet etwas näher kennen lernen will, Schulze„ Niederdeutsche Schriften einft und jetzt", 1. Bändchen Berlagsbuchhandlung, 1914 und 1915), beide enthalten auch größere Dichtung", 2. Bändchen Proja"( Münster i. W., Aschendorfffche Stüde aus den oben angegebenen Werten. Eine gesamte Geschichte der niederdeutschen Literatur hat Wolfgang Stammler geschrieben Aus Natur und Geisteswelt", Berlin und Leipzig 1920). Erich PageL " Wie unser Auge geschütt ist. Unfer Auge ist ein so tunstvoll gebauter Apparat, daß er durch die geringsten äußeren Schädigun Schutz des Auges geforgt. Ueber dieser Augenschuh bei den ver für ben fah der Umschau". Unter den Schuheinrichtungen sind an erster fchiedenen Menschenrassen spricht Prof. Adolf Basler in einem LiufElelle die Augenbrauer zu erwähnen, die dazu dienen, von oben herabfallenden Stub vom Auge fernzuhalten. Wenn die Behaarung der Augenbrauen bei den Urzeitmenschen der start ausgebildeten Inöchernen Unterlage entsprach, dann müssen sie dem Augapfel einen noch viel besseren Schuß gewährt haben, als dies bei den meisten jetzt lebenden Raffen der Fall ist. Außer den Augenbrauen schühen Die Berbreitung ultramitroffopischer Lebewesen. Bir tennen auch die oberen Augenlider und die Wimpern den freien Teil des heute bereits einzelite Lebewesen von einer Winzigkeit, die felbft Augapfels vor Staub. Noch viel wichtiger aber ist die optische Be den stärksten mikroskopischen Linsen mit einer etwa 4000fachen Berbeutung der Augenwimpern. Diese besteht in einer Blendenwir größerung hohnspricht. Zu diesen Organismen ist zum Beispiel fung, die fich für die untere Hälfte der Netzhaut stärker bemertbar der jüngst entdeckte Erreger der Maul- irid Klauenfeuche zu zählen, macht els für die obere und damit eine Verdunkelung der oberen der in besonderer Apparatur mit Hilfe ultravioletter Lichtstrahlen Gesichtshälfte zur Folge hat. Wenn man im Freien ohne Kopfauf der Blatte nicht aber leibhaftig sichtbar wurde. Mit der bebedung nad) einem Gegenstand in der Nähe des Horizontes ficht, barri erkennt man das Objekt bisweilen nur unvollkommen. Das Verbreitung solcher ultramifroskopischer Lebewesen, die unter an berem in ihrer unsichtbaren Tätigkeit ohne unser Wissen ihr verder tommt daher, daß zu viele Strahlen vom Himmel her in das Auge bendes Wert verrichten fönnten, beschäftigte man sich umlängst. bringen und so das Nehhautbild des verhältnismäßig lich schwachen Gegenstandes verwischen. Die Gegenstände würden wir noch un beutlicher sehen, wenn mir nicht die oberen Augenwimpern be Die Augenlider und Augenbrauen wirfen im allgemeinen abble: t bend, und man kann diese Wirkung noch fünftlich dadurch erhöhen, baß man die Sand wagerecht über die Augen legt, wie man das ja ganz instinktiv tut, wenn man bei hellem Wetter in die Ferne ficht. Bei den einzelnen Raffen ist nicht nur die Größe und Dichte der Augenbrauen, sondern auch die Form des Augenlides sehr verschieden, und noch größer sind die Abweichungen in der Länge der imperhaare. Die Naturvölker z. B. haben besonders lange Wimpern, und da fie ja gezwungen sind, viel in die Ferne zu sehen, so ist das für sie von Vorteil. Der Botanifer Miehe trieb eine Anzahl der verschiedensten Substanzen Waffer, Mitch, gelöste andere Nährstoffe und der gleichen mehr durch ganz besonders feine Filter, brachte die gefeßen, die die oberen Augenlider gegen folche Strahlen schützen. fiebten Flüssigkeiten in feimfreie Gläser und suchte festzustellen, ob in ihnen irgenwelche sichtbare Beränderungen festzustellen waren, die in dem geeigneten Mährboden der Gläser durch die ungeheuren Massen der zur Entwicklung fommenden Kleinlebewesen eintreten müßten. Das Resultat war ein durchaus negatives. Nur folche Substanzen, die einen Filter passierten, der noch Organismen von dem Viertel eines 1000 Millimeter durchließ, zeigten später Verän deririgen. Mit vollem Recht schließt Wiebe aus seinen Bersuchs ergebnisfet auf ein nur ganz vereinzeltes Vorkommen dieser Mis froben. Apollo8 Uhr Theater 8 Uhr Revue- Posse Dasladiende Berlin D. amüsanteste Theaterabd. Berlins Ueber 150 Mitwirkende! Ganz kleine Eintrittspreisel Parkett 2,50 M. 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