Nr.SS �»2. �abrgaag Musgabe A Nr. 15 BezugSvretS: . Wöchentlich 70 Goldpfesnig, mvnai» lich 8,— Do lö mark voraus zahlbar. Unter Kreuzband Mr Deutschland, Danzlg, Saar- und Memelgebiet, Oesterreich. LUaueu. Luremburz 4,50 Soldmark, für das übrig« Ausland 5L0 Soldmari vr» Monat. Der„Borwärts� mit der Sonntags- ' beiloge..Dolk und Zeit" mit..Sied» lung und Kleingarten� sowie der Beilage„Unterhaltung und Wissen� und Krauendeilage..Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin" Morgenansgabe Derlmev Volksblskt (IG üoldptenüü) Slnzetgeltvreise: Die einspaltig« Ronvareille» »eile 0.70 Eoldmark. Rcklamezeil« 4.— Soldmark.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckt« Wort 0.2Ü Soldmark(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort O.lO Goldmark. Stellengefuchs da» erste Wort 0.10 Goldmark, jedes weilere Wort 0,05 Soldmark. Worte über 15 Buchstoben zähle» für zwei Worte. Familienanzeiqcn Mr Abonnenten Zeile 0,30 Goldmark. Sine Soldmark- ei» Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen Mr die nächste Ziummer müssen bis 4>4> Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW6S. Linden» strosje 3, abgegeben werden. GcSffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifcben Partei Deutfcbtanda Redaftien und Verlag: Elv öS. Lindenstraß» Z «iedakitoa: Tonbost ÄSÄ-ÄSS »h ern,preci,er. � �. �„„�0» S.'.u«»SV? Sonnabend, den 17. Januar 19*45 B vonvärtS'verlag G.m.b.H.. SW öS. Lindenstr. Z Vostiicheckko»»«: Verlin 377» ZK- Bankkonto- Direktion drr Tiokonio-iitesellstiiafr. Tevoiitenkasir Lindeiistrane 3 Die verhinderte Regierungserklärung. Der Kampf im Preußischen Landtag. Von amtlicher Se'fe würbe gestern nachmittag folgeode» mit- geteilt- Die für die heutige Reichstagssihung vorgesehene Abgabe einer Elttärung der neuro Reichsregierung ist aus Montag abend 6 Uhr oertagt worden, da unerwarlelerweise die Vorhand ungcn über die Lesehunq wicht ger Niinisterieo, ins- besondere des Reichcßiianz- uud Rcichsjustizministerivms, noch nicht avgelchlossco werden tonnten. Die Nachricht von der Vertagung der Regierungserklärung wurde gegen Z Uhr nachmitlagz im Reich: tag bekannt und bald daraus angeschlagen. Sie rles bei allen Anhängern des vürgerblocks veftürzung hervor. Die ossizielle Mitteilung des Präsidenten nach Erössnung der Sitzung wurde links mit Heiterkeit ausgenommen. Aus der Rechten herrschte betretenes Schweigen. Die Sache fängt gut an. Nun haben wir glücklich im Reich die Regierung des Bürgerblocks. Aber die Regierung hat Lücken. Herr Luther bemüht sich— man kann schon sagen Tag und Nacht— um die Ausfüllung dieser Lücken. Aber statt Männer zu finden, sammelt er nur Enttäuschungen. Enttäuschungen aus Ent- täuschungen. Es gibt nicht viele Anwärter aus die Posten, die er noch zu vergeben hat. Der Andrang zu dieser Regie- rung, in der die Deutschnationalen sitzen, ist wahrhaftig nicht grotz. Es ist nicht jedermanns Sache, den Herren Schiele und N e u h a u s und Eras K a n i tz als Kulisse zu dienen für die Einleitung einer Bürgerblockpolitik unter unentwegt oeulschnationaler Führung. Die ersten Erfolge des Bürgerblocks sind unleugbar. Er hat seinen Anhängern für die Dauer seiner Amtszeit schon erhebliche Enttäuschungen bereitet. Gestern abend sollte Herr Luther das Programm des Bürgerblocks im Reichs- tag vortragen. Daraus wurde nichts. Die Regierungs- erklärung ist ausgeblieben. Herr Luther sah sich außerstande, wie die amtliche Mitteilung besagt, vor den Reichstag zu treten, ohne die Lücken in seiner Bürgerblockregierung ausgefüllt zu haben. Es sehlten ihm ein Finanzminister und ein Justizminister. Die hohen rheinischen Justizbeamten aus Zentrumskreifen, an die er herangetreten ist, haben ihm eine Absage erteilt. Herr R e i n h o l d. der bekannte demokratische sächsische Finanzminister, den er für das Finanzministerium gewinnen wollte, hat trotz starken Drängens und mehrmaliger Versuche, ihn umzustimmen, sich nicht bereit erklärt, Finanz- minister im Bürgerblock neben Herrn' Schiele, Herrn Neu- haus und Herrn Könitz zu werden. Es ist nicht jedermanns Sache, einer Regierung als Kulisse zu dienen, die eine Politck vertreten will, die von den eigenen politischen Grundsätzen nicht nur dem Grade nach, sondern dem Wesen nach ver- schieden ist. Statt einer Regierungserklärung die kurze amtliche Mitteilung, daß Herr Luther durch die Lücken in seiner Regie- rung verhindert sei, vor den Reichstag zu treten. D i e S a ch e fängt gut an. Die begeisterten Burgerblockfreunde können mit einiger Enttäuschung ein Rätselraten darüber veranstalten, ob das der Anfang der mit großen-i.önen verkündeten Stabilisierung der politischen Verhältnisse Deusschlonds sei. Wenn sie Betrachtun- gen darüber anstellen, wie die Presse des Inlandes und des Auslandes die Bürgerblockregiening des Herrn Luther empfangen und beurteilt hat, wird ihre Enttäuschung noch um einige Grade steigern, cue sind naiv genug gewesen. anzunehmen, daß auf der einen Seite die deutsche repu- blikanische und demokratisch« Bevölkerung eine Regiening des Dürgerblocks ergeben hinnehmen würde, ohne den hefttg- sten Protest dagegen zu erheben, sie scheinen weiter geglaubt zu haben, daß diese Regierungsbildung in Deutschland auf die außenpolitische Stellung Deutschlands ohne jede Rück- Wirkung bleiben wird. Sie sind enttauscht. Die Press« der Rechten führt Beschwerde darüber, daß wir rücksichtslos die sozialen Absichten der neuen Regierung ausgedeckt und ihre sozialreaktionär« Zielsetzung m den Vordergrund gestellt haben. Was die Rückwirkung aus die außenpolitische Stellung Deutschlands anlangt, so sprechen die Stimmen der Auslands- presse deutlich genug. Diese Regierung des lucherischen Burger- block- wird ball) aenug sich ernsten außenpolitischen Komplika- tionen gegenübersehen..»«. Man versichert, daß die erste er nst e K o m p li ka- t i o n bereits eingetreten sei und daß deshalb Herr Luther nicht vor den Reichstag getreten ht. In Wahrheit ist die Tatsache, daß zwei Ministerien noch unbesetzt sind, kein ernsthafter Grund für die plötzliche Berschiebung der Regie- nmgserklärung auf Montag. Man versichert, daß Herr Etrese- manu mit seiner eigenen Partei in SonM geraten sei. Die Volkspartei soll, so wird behauptet, eine Beantwortung der kommenden Entwaffnungsnote der Alliierten im Stile deutsch- nationaler Gesten der starken Faust verlangen, während Herr Stresemann eine solche Antwort für unmöglich halte. Das Problem der Räumung der Kölner Zone ist damit an- geschnitten und hat zur ersten Komplikation in der noch un- fertigen, dem Parlament noch nicht vorgestellten Regierung geführt. Wenn über diese Frage Herr Stresemann nicht mit seiner eigenen Partei einig wird, wie sollen dann Zentrum und Deutschnationale über die Formulierung der Behandlung der gesamten Außenpolitik in der Regierungsfrage einig werden? Die Sache fängt gut an. Die Deutsche Volksxartei, die sich unter Stresemanns Führung als Schrittmacher des Vürgerblocks ein Jahr lang betätigt und damit Deutschland ein Jahr lang in politische Unstabilität und innere Verworrenheit gestürzt hat, kann auf das, was sie nun erreicht hat, stolz sein. Vier Wochen lang hatten wir nach der Reichslagswahl Krise und keine Regie- rung. Jetzt haben wir eine Regierung und immer noch— man kann auch sagen schon wieder— Krise. Wir haben eine Regierung, aber diese Regierung kann sich, wie es scheint. nicht einig darüber werden, was sie nun eigentlich will. Am ersten Tage ihres Bestehens gewinnt man den Eindruck, daß sie einem Gespann gleicht, bei dem zwei Paar Pferde vor dem Wagen und zwei Paar Pferde hinter dem Wagen angespannt sind. Erst die Krise ohne die Regierung. Jetzt geht es los mit der Krise mit der Regierung. Politische Stabilllät nennt man das. Die Sache fängt gut an. Gegenüber dieser Verworrenheit im Reiche erscheinen die Verhältnisse in Preußen trotz des schweren Ringens um den Bestand der preußischen Regierung noch als der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. In Preußen haben wir wenig- stens eine Regierung, eine Regierung, die einen festen Stand- punkt und einen festen Kurs hat, die vor das Parlament tritt, um offen ihr ins Gesicht zu zeigen und zu sagen, was sie will. Die preußische Regierung wahrt ihren Standpunkt und kämpft in offener parlamentarischer Feldschlacht um ihre Existenz. Diese Regierung war drei Jahre lang die Wahrer in der politischen Stabilität in Deutschland. Ohne diese Regierung märe in der Zeit der von der Deutschen Volks- Partei hervorgerufenen einjährigen Krise im Reiche an die Stelle geordneter staatlicher Zustände in Deutschland die voll- kommene Anarchie und die Auflösung der Verfassung getreten. Die Deutsche Voltspartei, die die politische Stabilität im Reiche unterwühlt und zerstört hat, hat noch bis zum Tage, ja bis Mr Stunde des Austritts ihrer Minister aus der Preußenregierung gerade diese Regierung als die Wahrerin der Ordnung und der politischen Stabilität in Deutschland ge� Aber Stabilität und Wahrung der staatlichen Ordnung in Preußen, während im Reich alles drunter und drüber geht, das darf nicht sein! Die Deutsche Volkspartei als Treibenn verfolgt in Preußen heute, entgegen ihrer vierlahrigen Tra- dition in der Preußenkoalition. dieselbe zerstorerilche Polittt wie im Reich nach dem Motto: E s m u ß a l l e s o e r r u n- geniert werden. So geht die große parlamentartsche Auseinandersetzung in Preußen, die erst am Ende der nächsten Woche ihren Abschluß finden wird, darum, ob in Preußen wie im Reich an die Stelle einer die Stetigkeit und die Sta- bilität des politischen Lebens, wie die Sicherheit der Republik und der Berfassung gewährleistenden Regierung eine Regie- rung des Bürgerblocks treten soll, die. selbst auf schwanken- dem Grunde stehend, das ganze politische Leben in einen Zustand erregtester politischer und sozialer Kämpse versetzen muß, und gleichzeitig allen Gegnern der Republik und der Verfassung eine Chance nicht nur zu verstärkter Agltation, sondern vielleicht noch zu schlimmerem geben wird. Die Deutsche Dolkspartei nennt solche Politik einen Aus- fluß der Konsolidierung des republikanischen Gedankens. Wir danken bestens für diese Art der Konsolidierung des republi- kanifchen Gedankens und der Republik. Die Regierung, die die Volkspartci im Reiche wie in Preußen erstrebt, kann nichts anderes bewirken als eine Unterwühlung der staatlichen Ordnung, eine Untergrabung der Staatsautorität und ein« Gefährdung der Staatsgesinnung in weiten Kreisen der Be- völkerung. Gerade um dieser gefährlichen Möglichkeiten willen haben die Deutschnationalen nicht nur im Reiche, son- dern vor allem auch in Preußen die Deutsche Polkspartei als den Schrittmacher des Bürgerblocks vorwärtsgetrieben. In Preußen soll derselbe Zustand der latenten Krise wie im Reiche herbeigeführt werden, damit die Deutschnationalen ihn als Sprungbrett für ihre Bestrebungen gegen die Republik und die demolratisch-parlamentarische Lersassung ausnutzen können. _ Aber vielleicht irren sich die Deutschnationalen und ihre Schrittmacher von der Deutschen Volkspartei in Preußen doch. Die Sache fängt im Reiche zu gut an, als daß sie tzroße Sehnsucht nach der Fortsetzung in Preußen erwecken konnte. Kampftag in Preußen. Braun rechnet mit Campe ab. Im preußischen Landtag rechnete gestern Genosse Otto Braun mit der Deutschen Voikspattei ab. Herr von Campe versuchte vergebens, den schneidenden Widerspruch zwischen der Haltung der Dolkspartei vor den Wahlen und ihrer Haltung von heute zu ver- decken. Der Ministerpräsident deckte in seiner Antwort rücksichtslos diesen Widerspruch auf. Nach einer kurzen, schneidigen Zurückweisung der Finessen über die verfassungsrechtliche Grundlage des jetzigen preußischen Kabinetts wurde Herr v. Campe daran er- innert, daß der preußische Wahikampf im Zeichen der Großen Koa- iition ausgefochten wurde, und zwar erfolgreich. Aber die Deutsche Dolkspartei? Sie war zu Beginn des Wahlkampfes f ü r die Groß« Koalition, nach dem Wahikampf gegen siel Eine Zeillang versuchte die gesamte Rechte den Ministerpräss- deuten bei seiner Antwort durch eine Flut von Zwischenrufen zu oerwirren. Der Versuch mißlang. Braun eroberte sich immer mehr die allgemein« Aufmerksamkeit des Hauses, das am Schluß des scharfen Gegenangriffs von det Ministerbank her ganz uiucr dem Eindruck seiner Rede stand. Storker Beifall erfüllte das Haus, als der Ministerpräsident mit dem Wort schloß:„Wenn ich hier stehe und das Amt verteidige, so tu« ich es im Interesse des Landes." Nach dem Ministerpräsidenten unterstrich Genosse Hirsch noch einmal in einigen markanten Sätzen einige Punkte in den Aus- führungen Brauns. Er gab dabei eine Charakterisierung der Deut- schen Bolkspartei, die an Deutlichkest nichts zu wünschen übrig ließ. der Mufwertungskanzler. Auf der Suche nach einem Finanzminister. Die dringlichste innenpolitische Aufgabe des neuen Reichs- tags sollte die Lösung der Aufwertungsfrage fein. So wenigstens konnte man es hören und lesen in den münd» lichen und schriftlichen Wahlkundgebungen der Rechtsparteien vor dem 7. Dezember. Zur Bekräftigung dieser Kundgebungen rückten die Parteien der Rechten weit ab vom Reichsfinanz- minister Dr. Luther, dem Bater der dritten Steuernotver- ordnung mit ihren unzulänglichen und unhaltbaren Auf» wertungsvorschristen. In den Augen der Opfer der Inflation war Herr Luther ein Scheusal ohne Gefühl und Erbarmen für die Lage, in der sich die ihres Vermögens beraubten Kleinrentner und Sparer befinden. Dr. Lucher hatte sich bei Vorbereitung der Stabili- fierungsmaßnahmen anfangs mit aller Entschiedenheit gegen iede Aufwertung ausgesprochen. Erst im weiteren Per- lauf der zähen Verhandlungen innerhalb des Kabinetts und mit den Parteien ließ er sich den Höchstsatz von 13 Proz. abringen, der in der dritten Steuernotverordnung für die Auf- Wertung von Hypotheken und ähnlichen privaten Schuldforde- rungen vorgesehen ist, wogegen die Verzinsung und Tilgung der öftentlichen Anleihen ausgesetzt wurde bis nach völliger Erfüllung aller Reparationsverpflichttingen. In erster Linie auf den Widerstand Luthers war es zurückzuführen, daß die Regierung sich nicht einmal auf die Beratung der von den Parteien, auch von der Sozialdemo- kratie, zu der Verordnung vom 14. Februar 1-924 gestellten Ab- änderungsanträge einließ, sondern, da die Parteien auf der Behandlung ihrer Anträge bestanden, im März den Reichstag auflöste. Schon bei der Agitation zu den Maiwahlen über- boten sich daraus die Völkischen, die Deutschnationalen und die Wirtschastsparteiler gegenseitig mit Angriffen auf den auf- wertungsfeindlichen Finanzmimster Dr. Luther und mit an die Adresse der Gläubiger und Sparer gerichteten Ver- sprechungen. Die Deutsche Bolkspartei war insofern mit von der Partie, als sie den verstorbenen Abg. Dr. Düringer, dessen ehrliches Bemühen zugunsten der beraubten Kleinrentner sie im Reichstag desavouiert hatte, im Wahikampf vor ihren Parteitarren spannte. Zu einem erheblichen Teil verdankte die Rechte ihre Wahlerfolg« bei der Maiwahl den Hofsnungen, die sie mit dem Kamps gegen Dr. Luther bei den an den Bettelstab gebrachten Jnflationsopfern erweckten. Als es nach den Maiwahlen im Reichstag— übrigens mit stark gedämpftem Trommelklang!— an die praktische Arbeit ging, bereitete Finanzminister Dr. Luther eine Schmie- rigkett nach der anderen. Zunächst war er für den Aus- werwngsausschuß— die Verhandlungen über den Dawes- Plan waren gerade in der Schwebe— überhaupt nicht zu haben. Durch Beauftragt« ließ er dem Ausschuß sagen, daß er an der drittm Eteuernotverordnung nicht rütteln lassen könne. Da der Ausschuß trotzdem einmütig eine Aenderung für unbedingt geboten hielt, bot er schließlich seine Mitwirkung bei den weiteren Arbeiten des Ausschusses an. Welchen Verlauf sodann die Verhandlungen in dem vom Aufwertungsausschuß eingesetzten Unterausschuß im Septem- her und Oktober o. I. nahmen, ist noch in frischer Erinnerung. Sie stellten ein ununterbrochenes zähes Ringen zwischen den Parteien und dem Reichsfinanzminister Dr. Luther dar, das sich zeitweilig so verschärfte, daß im besonderen die Deutsch- nationalen Herrn Dr. Luther als den Vater aller Hindernisse anklagten, dabei aber freilich selbst nicht den Mut zur Beschluß- fassung hatten. Der»Almosenpott", wie die Deutschnatsonalen den Fonds bezeichneten, den Luther für armselige Gaben an einen engbegrenzten Kreis bedürftiger Besitzer von Kriegs- anleihe zur Verfügung stellen wollte, wurde ihm geradezu vor die Füße geworfen. Das Endergebnis war, daß der Auf- wertungsausschuß nach der Reichstagsauflösung im Oktober mit völlig leeren Händen vor den deutschen Wählern stand. Sollte nun der Versuch, die hungernden Gläubiger und Sparer für die Zwecke der kapitalistischen Parteien einzufangen, noch einmal gelingen, so mußten diese Parteien ihre Schuldsosigkeit am Versagen des Reichstages beteuern und der Wählerschaft einen großen Sündenbock als Schuldigen vorführm. Dieser Sündenbock war Finanzminister Dr. Luther. Die Deutsch- v.aiionalen hingen ihn der Deutschen Volkspartei an die Rockschöße, die Deutsche Dolkspartei tat der Deutschen Wähler- schaft kund und zu wissen, daß Dr. Luther nie in seinem Leben ihr Mitglied gewesen sei, die Völkischen und die Wirt- schastsparteiler kreideten es den beiden großen Rechtsparteien gehörig an, daß sie diesen Dr. Luther nicht längst aus Amt und Würden gejagt hätten. Der naiv rechtsgläubige Gläubi- ger und Sparer mußte nach der Stellung, die die Rechts- Parteien im Wahlkampf Herrn Dr. Luther gegenüber ein- nahmen, jedenfalls annehmen, daß dieser»Mörder" vieler verhungerter Kleinrentner, wie ihn die Aufwertungs- Zeitschriften lieblos betitelten, vor Eintritt des neuen Reichs- tags In die Beratung der Zlufwertungsfrage dorthin gesandt werde, wo der Pfeffer wächst. Und nun erleben die hoffenden und har- renden Gläubiger und Sparer die große Ueberrafchung, daß Dr. Luther der Kanzler einer Rechtsregierung geworden ist, deren erste Aufgabe sein soll, die bisher von ihm oerhinderte Aufwertung durch- zuführen! Der von allen Aufwertungs- freunden aufs schärfste dekämpfte Auf- wertungsgegner Dr. Luther ist zum Auf- wertungskanzler emporgestiegenl Verstehen jetzt die Wähler der Rechtsparteien aus den Kreisen der Gläubiger und Sparer, watum diese Parteien mit ihren Anträgen zur Aufwertungsfrage im neuen Reichs- tage noch um einige Grade vorsichtiger sind, als sie nach den Maiwahlen waren? Unter der Führung Dr. Luthers die Aufwertungsfrage so zu lösen, wie es die Rechtsparteien den Wählern versprochen haben, ist eine Ausgabe, die etwa der Quadraimeter des Zirkels gleicht. Das haben offenbar auch die Männer erkannt, die bisher als Nachfolger des Herrn Dr. Luther im Amte des Reichs- finanzmini st ers in Frage kamen. Keiner sehnt sich danach, im„Aufwertungskabinett" Luther als Finanzminister die Prügel für die Unehrlichkeit der Deutschnationalsn in Empfang zu nehmen. Die einzig mögliche, für unsere WSh- rung gefahrlose Regelung der Aufwertungsfrage, nämlich die Op?er der Inflation vor dem Untergang zu schützen mit den Mitteln, die von den Inflationsgewinn lern auf- zubringen sind, darf der Finanzminister eines Rechtskabinetts nicht wagen, well die dank der Inflation von ihren Schulden befreiten großen Sachwertbesitzer die finanziellen Säulen der Rechtsparteien sind. Mag man das Amt des Finanzministers fellbieten wie saures Bier: der Zauberkünstler wird nicht ge- funden werden, der den Schutz der Interessen der Besitzenden, die ihr Sachvermögen gerettet, vermehrt oder neue Vermögen gewonnen haben, zu vereinbaren weiß mit einer ausreichen- den Fürsorge für die Millionen derer, die durch die Geld- enlwertung expropriiert worden sind. Der neue Reichsinnentninifter. Martin Schiele, der Innenminister des neuen Kabinetts, ge- hörte bisher nicht nur zu der Deutschnationolen Partei, er war sogar bis zu seinem Amtsantritt als Nachfolger Hergts Führer der deutschnationalen Reichstagsfrattion. Die Fraktion Halb und Halb, die an der zwiespältigen Haltung ihrer Mitglieder zu dem Londoner Vertrag zu zerfallen drohte, hatte ihn zu ihrem Lorsitzenden erkoren, nachdem eine Krankheit ihn davor beschützt hatte, sich mit einem Ja oder Nein in der wichtigen außen- polittschen Entscheidung über den Dawes-Plan zu belasten. Seine Führerschaft in der Deutschnationalen Partei bedeutet zugleich ein Programm: Reaktion aus innen-, sozial- und wirtschaftspolitischem Gebiet. Darin wird er seinem Vorgänger Dr. Jarre« noch um etliche Grade übertreffen. Schiele ist heute, am 17. Januar, SS Jahre alt. Erst fett 1914 ist er politisch als Reichstagsabgeordneter hervorgetreten. Im Stil der deutschnational«, Presse, die ihm sehr zugetan ist, wäre er also .«ine Größe, die erst dem Kriege und der Revolution ihren Auf- stieg verdankt". Seit 1914 gehört er ununterbrochen dem höchsten Reichsparlament an. Von Hause aus Rittergutspächer und Fabrikant, ist er in Wirt- schaftsfragen Interessent und— da ja die Deutschnationale Partei bekanntlich zwischen Politik und Wirtschaft keme Verflechtung will— wirtschaftspolitischer Berater der Fraktion. Als solcher hat er im Reichstag gegen die Zwangswirtschaft erbittert gekämpft. Jetzt wird er zu denjenigen Kräften gehören, die den schutzzoll- freundlichen Einfluß der Privatwirtschaft auf die Volkswirt- fchaftlichen Entscheidungen des Kabinetts stärken, und er wird darin in seinem politischen Freunde N e u h a u s eine stark« Stütze finden. Von besonderem Beigeschmack ist die Dorbestimmung Schieles zu einer der wichtigsten Aufgaben, die das Reichsinnenministerium in der letzten Zeit beschäftigt, dem I o u r n a l i st e n g« s e tz. Es erregte nämlich nicht geringes Aufsehen, als im vorigen Jahre au» seiner Feder«,ne Reihe von Aufsägen für die Agrarzöll« erschienen, die sich bei näherem Zusehen in wesentlichen Teilen als schlecht be- mäntclte Anleihen bei einer bekannten Wirtschastszeitung heraus- stellten. Die Abschriftstcllerei beherrscht er also. Ob er die Not- wendigkeit einer freien, von der Willkür des Privatkapttals un- abhängigen Journalistik begreift, ist zu bezweifeln. Seine ganze Einstellung beweist jedenfalls, daß die Arbeiter- schaft von seiner Politik nicht viel Gutes zu erwarten hat. Schieles Persönlichkeit ist im Kabinett Luthers diejenige, die am stärksten die reaktionäre Rote der neuen Regierung betont. Der neue pre/sechef. Mit Dr. Marx scheidet auch sein Hauptmitarbester, Presiechef Dr. Spieker, aus dem Reichs dienst. Als alter Berufsjournalist hat Dr. Spieker sein Amt mit soviel Berständni» für die Aufgaben der Presse versehen daß sie sein Scheiden lebhast bedauern muß. so sehr es auch dem geroden und festen Charakter Dr. Spieker» enilpiicht. Zu seinem Nachfolger ist Ministe, ialdirektor Kiep ernannt Der neue. Januar und vom 12. Dezember 1924 vorgesehen habe, in weiterem Umfange nicht zubilligen könne, sondern ein« unterschiedliche Zollbehandlung auch solcher deutscher Waren verlangen müsse, die für die deutsche Exportwirtfchast wesent- lich seien. Diese völlig veränderte Lage veranlaßt« Etaatsfekretär Trendelenburg, zu erklären, daß er zunächst mit der neu- gebildeten Regierung in Berlin Fühlung nehmen müsse. Gitie Klaae gegen Verleumdung. Robert Schmidt verklagt den„Tag". Der.T a g". das Organ des Herrn Hugenberg. hat dem Ge» noffen Robert Schmidt trotz eindeutigster Richtigstellung zu wiederholten Malen nachgesagt, daß er an Diners oder Soupers mit den Gebrüdern Barmat im Hotel Bristol teilgenommen habe. Genosse Robert Schmidt hat diese wiederholten Behauptungen wiederholl össenttich zurückgewiesen. Diese Behauptungen waren um so verletzender, als Genosie Robert Schmidt als Rcichswirt- fchastsminister durch den.Tag" in«ine Verbindung mit den Bar- mats gebracht werden sollt«, die mit den Pflichten seines Amles nicht vereinbar gewesen wäre. In einer den Geboten aller journa- listischen Anständigkeil widersprechenden Weis« hat di« Redaktion de».Tag" diese Derdächtigungen fortgesetzt. Genosse Robert Schmidt hat infolg« diese« unqualifrzierbaren Verhallens gegen die Redaktion des.Tag* Beleidigung». klage angestrengt. Die Berdächtigungen und Verleumdungen des.Tag* werden sonnt gerichtlich geahndet werden. Neuer Her rloi- Sieg. Die Kammer hat im Laufe ihrer gestrigen Sitzung aus Antrag de, M msterprösidenten Herriot eine Inter» pellation des Abg. Lafriarch« über die allgemeine Politik der Re» gierung mit 33 gegen 223 Stimmen auf unbestimmte Zell o e r» tagt. Wer wirst zuerst den Stein auf ihn.. Nach der wirklichkeil von watter Dach. Er war Angestelller aus einer westfälischen Steinkohlengrube und hatte den Landabsatz der Kohle zu regeln. Seinen Dienst tat er, wie es sich gehört. Nach der mündlichen. Dienstanweisung vor Jahren hatte er den Händlern und Fuhrleuten di« Kohlen nur gegen sofortige Bezahlung auszuliefern. Das war für da» Werk einfacher, da es sich beun Landabsatz nur um kleinere Mengen handelt. Nach der Inflationszeit kam die große Not an flüssigem Kapital. Die Albeit stockte. Not und Elend breiteten sich aus. Auf der Zeche unseres Angestellten ging es mit der Arbeit anfangs noch so halb- weg». Aber auch hier warf die Arbeitslosigkei, bald ihre Schatten voraus. Was noch statt ging, war der Landabsatz. Schließlich wurde es aber auch da weniger, denn die Händler und Kleinunternehmer hatten ebenfalls kein Geld, um ihre Kohlen sofort im voraus bezahlen zu können. Unseren Angestellten packte die Sorge. Nicht nur um ihn und seine Familie, sondern auch um seine Arbeitskollegen. Es lag aus der Hand, wenn auch der Landabsatz aushörte, kamen die Feier- schichten und damit die Arbeitslosiglett. Er beging die Eigenmächtigkeit, zwei Händlern Kohle auf Kredit zu geben. Es war ein Kredit ohne Sicherheit. Man kannte sich, er vertiauie den Händlern, übermorgen oder spätesten» in einer Woche würde er das Geld— etwa 500 Mark— in Händen haben. Irgend- einen eigenen Gewinn hatte er durch den Kredtt mcht. nur den einen, daß die Förderung nicht stockte. Es kam anders. Die Händler oerschwanden, mit ihnen das Geld, und unser Angestellter hatte das Nachsehen. Da ein Unglück sellcn allein kommt, wurde zu gleicher Zctt die Kasse geprüft, und die.um- fangreichen Verfehlungen, Kohlenschiebungen usw.* waren festgestellt. Das gescl>ah, als er zu»lause war. Man holte ihn vom Mittags- tisch weg und in die Untersuchungshast. Erst am nächsten Tage, nach- mittags 4 Uhr. luhrte man ihn vor den Untersuchungsrichter. Bis dabin hotte er keinen Bissen zu essen bekommen. Geschlafen halte er in der Nacht auch nickst Rasend jagten ihm die Gedanken im Kopfe henmi. lieber zwanzig Jahr« war er bei der Firma, er war redlich und ehrlich gewesen— und nun das! Zum Untersuchungsrichter schleppte er sich mehr, als er ging. Ausgehungert und übernächtigt, war er völlig erschöpft. Das Kreuz- verbör dauerte trotz seiner körperlichen Unzulänglichkeit von noch- mittags 4 Uhr bis abends 19 Uhr. Er sollte Zugeständnisse machen. die er beim besten Willen nicht geben konnte. Seine Hände waren rein! Aber das Hin und Her der Fragen ging immer weiter. Zmetzt wurde ihm schwarz vor den Augen. Er wußle gar nicht mehr, was er faale. Es ging alles durcheinander. Diese Nacht schlief er ungewöhnlich fest. Als am anderen Mar- gen dl« helle Sonne durch das vergitterte Fenster schien, schrak«r zusammen. Ein Gedanke zitterte In ihm: was mochte er dem Unter- suchungsrichter gestern alles gesogt haben? Er ließ sich das Protokoll noch einmal vorlesen und hört«, daß er gester» m seiner geistigen und törperlichen Erschöpfung eine Schuld auf sich geladen hatte, die ihm nie und nimmer zukam. Seine Einwendungen gegen das Pro- taloll brachten ihm die Fortsetzung der Untersuchungshast ein. So saß er drei und einen haloen Monat in der engen Zelle und hatte nicht nur die Ungewißheit seines eigenen Schicksals durch- zukosten. sondern auch um die Hilfiosigkeit seiner Familie zu bangen. Letzt hatte er wieder die Freiheit. In einigen Wochen wird da» Gerillt über seinen Fall zusammentreten. Seine frühere Firma hat ihn wieder eingestellt, wenn auch zurzeit zu ungünstigeren Bedin- gungcn. Er selbst ist ein höchst empfindsamer Mensch. Die dreieinhalb Monate im Gefängnis bedrücken ihn aufs schwerste. Niemand kann ihn dafür entschädigen. Ihm wird auch keine Genugtuung für den eiitgong-nen Derdienst. für das Hungern jemer Angehörigen und für die seelischen Oualen werden. Vielleicht sieht man ihn in der Gesell- schaft gar über die Schulter an. Nur wir verstehen ihn und seinen Fall. Und wir erheben die Frage:.Wer wirst zuerst den Stein auf ihn?" Theater und Kino in London. Das Londoner Thcaier ist, von seltenen Ausnahmen abge» sehen, langmeilia und konventiuncll und hat ein viel tiefere» Niveau als b«spielsweise das Berliner Theater. Das enalisch« Theater kennt keinen lünsllerischen Ehrgeiz, keinen sichtbaren Regie- willen, kein kunstbegeffterte» PuMuim und keine anspruchsvolle Kritik. Dabei ist der Theaierbesuch ungeheuer teuer und wegen der großen Entfernungen auch sehr zeitraubend. Ueberdie, sind die Theater an Sonntagen geschlossen. Da es aber Eosös wie im übrigen Europa nicht gibt und das Leben außerhalb der Wohnung auf Sport und Klubs beschränkt ist, so wird es erklärlich, warum dos Kino in noch weit höherem Maß« als auf dem Kontinent zum geselligen Zentrum und zur täglichen Zufluchtsstätte für Hundert- tausende wird. So ist das Kino für England ein« ernstere kuldu- relle und soziale Lebensftog« geworden als für irgend ein anderes Land, höchstens mit Äusnohm« Amerikas Amerika beherrscht infolgedessen auch den Markt. Der englische Film steckt immer noch in den Kinderschuhen und nicht einmal in sehr hoffnungsvollen. Der amerikanische Fitm erhält höchstens noch eine ernsthafte Konkurrenz durch die wenigen aus Deutschland importierten Filme, die aller- dings als deutsch« Filme für die großen Massen unkenntlich Und. Das bedeutet bei der breiten Wirkung, di« der Film ausübt,«ine Art von»kultureller* Eroberung England» durch seinen„jüngeren Detter*.... Leider beschränkt sich die amerikanische Lichtbildkunst nicht nur aus den Wildwest- und Abenteurersilm, in dem geritten, geschossen, um bei Wette gerast und geboxt wird, und in dem am Schluß der kraswolle Hüne mit der Kinderseele die moralischen Gewichte der Welt mit seinen starken Händen wled«herstellt. sondern es gibt daneben auch«in« andere Art von omeritanischem Film, die sich immer entscheidender vordrängt, in dem ein romantisch verklärte» Bild de» Kapitalismus gemalt wird. Laster und Tugend wird in einer seltsamen Verzerrung hingestellt, bei der— mag tausendmal die Tugend siegen— da» Laster von Anfang an unser« ganzen Snm- pathien Hot, und daneben wird«in« billige, mit dem wirklichen Leben völlig im Widerspruche stehend« Katechismus-Geschlecht». moral gepredigt. Dadurch wird in Hundertausenden,»leben»- hungrigen*, gesunden Menschen der im angelsächsischen Menschen ohnedies so stark entwickelte Keim zur Heuchelei noch besonders g«. pflegt und der Boden dafür bereitet, daß auch die kommende Gene- ration jenen Zwiespalt zwischen Scheinleben und tatsächlichem Leben nicht überbrückt, der da, Leben unter dem Angelsachsen kür den fortgeschntt«,eren Kontinentalen zuerst so unverständlich, ja schwer erträglich macht._ E. W. Abgesagte Vorstellung. „Nur immer rin ins Kabinett!* So sprach der Dr. Luther, »Mit rechts schwenkt marsch— Schockschwerebretü Ist alle» bald in Butter. Durch Schielen Hab' ich es geschafft— Dem Tücht'gen freie Bahne! Nu herrsche ich mit Mui und Kraft, Und St res« trägt die Fahne. Und Freitag um die Abendstund' Will ich den Text euch lesen, Dann tu' ich groß auf meinen Mund Für soundsoviel Thesen!* Doch als es Freitag abend war, Da fehlten.Stücker vier« Minister noch, als ob die Schar Sich selber subtrahiere. A macht nicht mit, B macht nicht mit. C will sich'» überlegen, D zeigt des Rockes Rückenschnttt Und sagt:»Ihr kömck.-- Von wegen I Da wend't sich Luther ab und grollt Und spricht betrübt zu Stresen: »Die Thesen die ich lesen wollf. Sind leider Hypothesen! Jeremias. 3» der Slaa'»«rer beginnt Jüchnrd Tauber cm 21. d. SB. seine die» jährige Tätigkeit al«.Tutiddu* In»Cavalleri« rnaticana*, in der Larbcr, Sern» die.gantujza* fingt. SMiere««lustveten am 22.(«elmonle.8,4 tührung-) und am 24. iPedio.Tieiland*). Sa» 55 Xonfflopletfcsl bei allgemeinen DeutfAen Slnflf. verein« findet in den Tagen vom 14. dl« IS. Juni d. I. in tt i e 1 statt «lne kchausplelmhrvng. DetHmflerbamer Gemeinderai bei« lost dem auch in Deulickland bekannlen Cchauipieler Laui» Bauwmeefter der jetzt S2 Jahre all ist. eine jährliche Renie von 4000 Kuiden«u.„Mett «ufjetbem wird auch die Regierung«ouwmeester eine R-lchsjuboemuu bewilligen. Deutfthlanö wieöer isoliert. Neutrale und Alliierte einmütig gegen die Rechtsregierung. Die deutsche Sozialdemokratie hat seit Jahr und Tag vor der Bildung einer Rechtsblockregierung besonders aus natio- nalen Gründen eindringlich gewarnt. Ihre Mahnungen haben kein Gehör gefunden. Die Aufnahme des Ministeriums Luther in der Presse des Auslandes bedeutet die erste Be- stätigung der Richtigkeit ihrer Warnungen. Und zwar ist es nicht allein die Presse in den Hauptstädten der alliierten Länder, die ihre offene Feindseligkeit gegenüber dem Rechts- block zum Ausdruck bringt, sondern auch die neutralen Blätter reden übereinstimmend dieselbe Sprache' der Ableh» nung und des Mißtrauens. Obwohl das WTB., das sonst mit Auslandsstimmen eher verschwenderisch umgeht, dies- mal— offenbar auf höheren Befehl— fast keine Blätter- »täte verbreitet, wird die betrübende Tatsache nicht fortge- schwiegen werden können: Deutschland steht seit gestern wieder völlig isoliert in der Welt da. Wir haben um so weniger Anlaß, uns darüber zu freuen, daß wir mit unseren Boraussagen recht beHallen haben, als es ja das deutsche Bolk ist— und wie immer in solchen Fällen in erster Linie die Arbeiterklasse—, das die Zeche einer verkehrten Politik zu bezahlen hat. Es gehört auch keine große Prophetengabe dazu, um außerdem schon jetzt zu wissen, daß diese einmütige Feindseligkeit der Weltmeinung, die sich in den ersten Pressestimmen widerspiegelt, nur einen Anfang, ein B o r s p i e l zu viel Gefährlicherem bedeutet. Deutschland hat die bodenlose Torheit des Bürgerblock-Experi- mentes in einem Augenblick begangen, in dem die wich- tigsten und heikelsten Probleme der deut- schen Außenpolitik einer Lösung harren. Eine befrie- digende Lösung konnten diese Fragen nur finden, wenn die- jenigen Mächte, die nun einmal die stärkeren sind, ein Mindestmaß von Vertrauen in die deutsche Politik aufbringen könnten. Statt dessen werden sie übereinstimmend ein Höchstmaß von Mißtrauen gegen alle Worte und Taten der Regierung Luther-Stresemann-Schiele zeigen. In Deutschland und auch in den Hauptstädten des Aus- landes kursiert sait gestern dos Wort vom.neuen Cuno- Abenteuer". Der Vergleich liegt nah« und ist dennoch falsch. Als Cuno fein Amt antrat und bald danach die Ruhr- tragödie begann, da standen im Lager der Regienmg die Parteien des Zentrums und der Demokraten, die Deutsch- nationalen waren draußen, und gegenüber dem brutalen Vor- stoß des französischen Imperialismus wehrte sich die deutsche Sozialdemokratie, vor allem die Ruhrarbeiterschaft, ganz spontan und einmütig. Der größte Teil der Weltmeinung, nicht nur in den neutralen Ländern, sondern sogar im Lager der Entente selbst, stand damals aus deutscher Seite. Heute liegen die Dinge von vornherein unendlich u n- günstiger für Deutschland als damals. Mag Luther in seiner Erklärung noch so heilig beteuern, daß er die Außen- Solilik seines Borgängers fortsetzen werde— es wird ihm im iusland kein Mensch das glauben, weil er sich jetzt auf die Dsutfchnationalen und auf die Deutsche Dolkspartei stützt, und weil alle republikanischen Elemente des deutschen Volkes in Opposition zu ihm stehen. Und vor allem: heute regiert in Frankreich nicht mehr Poincarö, sondern H« r r i o t. Das Vertrauen und die Sympathie der gesamten Weltmeinung werden um so stärker für Herriot und die franzö- fische Demokratie sein, je größer die Abneigung und das Mißtrauen gegen Lucher-Stresemann-Schiele und gegen die deutsche Reaktion sind.' Wir haben seit Monaten all das gewußt und voraus- gesagt: wir lehnen infolgedessen schon jetzt j e d e V e r a n t- wortung für das. was sich außenpolitisch entwickeln wird. auf das entschiedenste ab und machen dafür vor dem deutschen Volk und vor der Welt die Männer des neuen Bürgerblock- kurses verantwortlich. Dem Auslande gegenüber sagen wir: diese Regierung ist eine Berfälschung des deutschen Wahlergebnisses, diese Regierung ist nicht Deutschland, sie ist nicht das deutsche Volk, das in seiner großen Mehrheit keine größere Sehnsucht hat als Derständi- gung und Frieden. Zugleich ermahnen wir aber das Ausland, nicht zu ver- gessen, daß die Regierung Luther höchstwahrscheinlich nur ein sehr vorübergehendes Experiment fein wird, be- sonders dann, wenn man den Fehler oermeidet, das deutsche Bolk für die Dummheiten seiner Bürgerblockmänner büßen zu lassen. Schweiz. Gens. 1«. Januar.(Eigener Drohtbericht.) Das Kabinett Luther findet eine sehr schlechte Aufnahme in der Schweizer Presse. Für die.Baseler National-Aettung" bedeutet dies« Regie. rirnq, In der kein ernsthafter Republikaner oder Demokrat fitzt, die offenbar« Reaktion noch innen und bösen Wullen, Kriegsgeist. Monarchismus und geheime Rüstung nach außen. Besonders kennzeichnend sei die Uebernahme des Wirtschastsministerium» durch einen Beamten, der seinerzeit den Eid auf die Verfassung verweigert habe. Die„Baseler Neuesten Nach. richten" betonen, auch die neue reaktionäre Regierung müsse mit den außenpolitischen Tatsachen rechnen und s e l b st e i n S t a a t-- st reich könne weder die Engländer aus Köln, noch die Franzosen aus dem Ruhrgebiet entfernen. Ebenso bleibe das Dawes-Snstem besteben. Die„Neue Zürcher Zeitung" kritisiert aufs schärfste Stresemann. den sts als eigentlichen Urheber der Krise, als Dater des verschleierten Bürgerblocks und Unterwühler der Pcsttlon des Kanzlers Marx be- zeichnet. Stresemann hob« alle» vergesien. was er im Wahlkampf ste?7n recht» gesprochen Hab«. Er habe auch vergesien, daß er ti« Lon- doner Politik mit den Sozialdemokraten aegen die Deutschnationalen gemacht habe. Er habe, obwohl das Wahlergebnis den Links- Parteien den stärksten Gewinn brachte, eine Rechtsschwenkung des Regierun�skurles verlangt, um den Kampf um die Macht im Staate, den die Wähler unentschieden gelassen haben, mit parlamen- tarischen Knikien und rückstchtsloser Taktik gegen den bisherigen Kanzler der Mitte zugunsten der Rechten zu entftfwtfcen, dl« für kn» bevorstehende Lastenverteilunq au» dem Dowes-Plan das Heft in die Hand bekommen wolle. Marx sei am«treik Stresemann» ge- sch- tert. weil er nicht als Feigenblatt für-inen Rechtsblock dienen wollte. Es sei bedauerlich, daß da» Zentrum den ehr- L-lZigen Pläne» Stresemann» n i ch t w, der st a n d« n und die alte Weimarer Koalttion, die allein posttive Aufbauarbeit leisten tonne, wiederhergestellt habe... -Deutschösterretch. Wien. 16. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Di« Wiener Freitag. blatter haben zu der Ernennung Luther» zum Reichskanzler sait aus- schließlich nur in dem Titel ihrer Nachrichten Stellung nehmen können, weil die endgültige Ernennung erst sehr spät in Wien ein» traf. Di«.Arbeiter-Zeitung' nennt die Regierung ein« k a u w n o ch verkappte Rechtsregierung. Der.Tag" schreibt:.Das Ministerium ist das unzweifelhafteste Ministerium des Bürgerblocks." Einen Leitartikel widmet der neuen Regierung nur die.Neue Frei« Presse". Sie schreibt:.Der Ruf der Ber» gangenheit de, neuen Reichskanzlers ist eine gewisse Beruhigung in der ersten Sorge, zu der die Zusammensetzung seine» Ministeriums allzu sehr Anlaß gibt. Luther ist so eng mit dem Dawes-Plan ver- Kunden, daß es wohl als ausgeschlosien gellen kann, er könnte sich in der auswärtigen Politik von der Linie entfernen, die durch die Reichstagswahl gutgeheißen wurde. Aber die Ministerliste, die ver- öfsentlicht wird, ist an stch eine Art von Bekenntnis und eine Act von Bindung. Deshalb wird man die Besorgnis hegen müssen, daß die Männer, die er sich ausgewählt hat. ihnimmerweiternach rechts ziehen werden. England. London. 16. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Stellung- nähme der englischen Presse zu der neuen Reichsreaierunq kann keineswegs als zurückhaltend bezeichnet werdem Der .pDaily Telegraph' schreibt: Das neue Kabinett ist«in seltsames Er- eignis für die Republik, da beinahe all« Mitglieder im Herzen zweifellos Monarchisten sind.— Die„Daily Mail" schreibt unter dem Titel:„Wiederkehr der allen Bande": Heute nacht ist die all« Bande, die für den Krieg verantwortlich ist, wieder zur Macht gekommen. Das neue Kabinett ist nichts als eine reaktionäre Rechts- regierunq.— Die„Morninig Post" schreibt: Di« v«utschnational«n können sich gratulieren. Sie besitzen drei Ministerien, die ihnen ein« große Macht in die Hände geben. Z)as Kabinett ist eine Regierung derjenigen, deren Absicht e» ist, das Vorkriegsdeutschland w i« d e rh e r z u st e l l e n.—.Daily Expreß" schreibt: Der lange Kampf um die Lormacht scheint mit einem Sieg der Junker geendet zu haben, die hierbei von ihren Bundesgenossen, den G r o ß- industriellen, unterstützt wurden.— Jnsbesondere ersährt die Person N e u h a u» überall eine scharfe Kritik. Seine Ernennung wird al» ein Schlag in» Gesicht der Republik bezeichnet Es wird auf die Zusammenhänge mit dem Rathenau-Mörder hingewiesen. Do, einzig«, einer republikanischen Partei ungehörige Mitglied habe sich völlig den Anordnungen Seeckts untcrwoiiem— Die gesamte Presse stellt fest, daß es von der Haltung des Zentrums un- mittelbar abhängig sei, ob Deutschland der völligen Reaktion an- heimfalle. Frankreich. Bari». 16. Januar.(Eigener Drahtbericht.)„Die neue baut- sch« Regierung ist das reaktionärst« Kabinett, da» Deutsch- land seit 1 g 1 4 gehabt hat", das ist da» Leitmotiv, das am Frei- tag von der französischen Presse in allen Tonarten variiert wird. Die Abendblätter sprechen von einem Regime Kapp-Lütt- witz, da» stch in Berlin, diesmal ohne Staaisslreich, etabliert habe, und einzeln« gehen sogar noch weiter, indem sie die Frage stellen, wielange es dauern werde, bis in Deutschland die Hohen- z o l i e r n wieder ous dem Thron sitzen würden..Paris Solr" charakterisiert die Mitglieder des neuen Kabinetts wie folgt: Luther und Stresemann sind seit zwei Jahren und insbesondere seit dem letzten halben Jahr, die unentwegtesten Dorkämpser der Rechten gewesen. Herr Gehler ist nichts als der Strohmann de» General» v. Sceckt, die nationalistischen Pollliker aber, die Herr Luther stch sür sein Kabinett verschrieben hat, hätten niemals einen Hehl daraus gemacht, daß sie Agenten der Hohenzollern such. Da» Zentrum, das die Bildung einer derartigen Regie. rung ermöglichte, hat ein« schwere Verantwortung aus sich geladen. Um so gespannter muh man darauf sein, wie die Linke im Reichstag reagieren wird.—„Jntransi�eant" erinnert an die Erklärung, di« Herriot nach seiner Rückkehr von der Londoner Konferenz in der Kammer abgegsben hat mch in der dieser gesagt hat, Frankreich mache w semer Politik gegenüber Deutsch- land«inen Unterschied zwischen den Varl eleu, die wirklich für dea S rieben kämpften und den illallonalisien. denen gegenüber e» keiner- l Rücksichten kennen werde.— Der.Temp," schreibt, man könne Deutschland jedenfalls nicht zum Dorwurf machen, daß es ein ver- fchleiertes Rechtskabinett habe, denn das neue Ministerium mach« aus seiner ausgesprochenen reaktionär. natlona- l i st i s ch e n Tendenz keinerlei Hehl. Man werde im Lager der Entente darauf gefaßt sein müssen, dah eine deutsch« Regierung dieser Art, wenn es ihr gelinge, stch am Ruder m halten, früher oder später nicht zöget n werde, den Dawes-Plan über den Haufen zu werfen und der militärischen und morall- schen Abrüstung Deutschland» den schärfsten Widerstand entgegenzusetzen. Das Terrain, das man feit der Unterzeichnung des Londoner Abkommens gewonnen zu haben glaubte, sei mit einem Schlag« wieder verloren. Italien. Rom. 16. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Soweit stch die römische Presse mit dem neuen deutschen Kabinett bereits befahl, wird der innen- und auhenpolitische Umschwung in Deutsch- land. den die neue Regierung aller Welt offenbart, festgestellt. .Messaggero" bezeichnet als springenden Punkt das Berbleiben Stresemann» im Auswärtigen Amt. Der Sieg Strefemanns über Marx kennzeichne bestimmt die Geistesänderung der neuen Regierung gegenüber dem Kabinett Marx. Die Neuorientierung, die das Kabinett Luther darstelle, sei ein« klare Rechtsschwenkung. Es fei daher wick>tig, zu beobachten, welche Folgen das für die Außenpolitik Deutschlands haben werde. Auch sonst widerfährt der neuen Regierung eine denkbar schlechte Aufnahme. „Tribuna" überschreibt ihren Artikel„Paradoxe deutsche Loge. Re- gierung der Rechten mit Programm der Linken". Das Blatt hofft, dah die Linksparteien durch ihre zahlenmäßige Stärke in der Lage sein würden, auch diese Rechtsregierung zur Fortführung der Er- iüllungspolitit zu zwingen. Denn die Erfüllungspolltik gestattet, die sichtbaren Fortschritie auf dem Wege zu seinem Wohlerzehen zu machen. Das Blatt verargt es Luther besonder», daß er offen mehrer« Rechtsleute in sein Kabinett berufen hat. Tschechoslowakei. Drag, 16. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung von der Bildung des Kabinett» Luther ist verspätet in Prag angelangt. so dah die Blätter vom Freitag zur Bitaung de» Kabinett» noch nicht oder nur ganz kurz Stellung nehinen tonnten. Immerhin kann gesagt werden, dah der Eindruck in der politischen Oeffenllich- leit der denkbar u n g ü n st i g st e ,st. Besonders in sozio- l i st i s ch« n Regierungstreiscn ist man peinlich davon berührt, dah der Wahlerfolg der Sozialdemokratie eine so groteske Auswirkung findet. Das Kabinett wird als eines der reaktionärsten der Aachkriegszeit bezeichnet. Das Blatt de» Ministerpräsidenten, der»Venkoo". nennt die Regierung Lucher ein ausgesprochenes „S ch w a r z. W e i h- R o t- K a b i n e t t". Die„Polltlka" sagt: Die außenpolitischen Folgen der Bildung de? Regierung des Na- t i o n o l i s m u s und des wenig oerhüllten Monarchismus in Deutschland werden bald eintreten.— Das sozialdemokratische ..Praoo Lidu" bezeichnet Dr. Luther nur al» vorgeschützten Steuer- mann. Die Hauptanpeitscher der Regierung würden die Deutsch- nationalen sein.— Ausführlicher werden sich die tschechischen Blätter erst am Sonnabend zur Regierungsbildung äußern. Don deutschen Blättern erklärt der„Sozialdemokrat", dah die deutsche Sozialdemokratie Zett hat zu warten, bis die Rechts- regierung am Ende ihrer Weisheit angelangt ist und gezeigt hat, daß sie außenpolitisch gor nichts anderes machen kann als die übrigen deutschen Regierungen getan haben Wörtlich heißt c» dann: Der Geschlagene in dem Ringen um die Macht Im Reich werde das Zentrum sein. Das Rechtstabinett Luther ist «in Mo n st r u m, wie es nur in dem Deutschland ohne demokra- tssche Tradition, in dem Deutschland des beschränkten Unter- tonenoerstandes, in dem Deutschland des p o l i t i s ch u n- sähigen Bürgertums möglich ist. Es kann für Deutschland nur Schande und Schaden oedeuten. Die Svzialdemo- kratie muh von nun an nur an die Stunde denken, in der sie dieses Kabinett hinwegfegt._ Die Kredite der Neichspoft. Eine Erklärung der ReichStagsfraktio». Die Vertreter der Reichstagssraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im vcrwallungsrat der Deulschcn Reichspost erklären, dah sie nach wie vor mit der G e l d b e w i r t s ch a f t u n g der Deutschen Reichspost nicht einverstanden sind. Die Kreditge« Währung lediglich nach den„Richtlinien", ohne jede weitere Bin- dung, hat zu den Vorgängen geführt, die heute allgemein tritistert und verurteitt werden. Die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagssraktion stellen fest, dah sie schon im Mai v. J-. al» ihnen die Kreditgewährung an den Michael-Konzern bekannt geworden war, verschiedentlich in mündlichen Rücksprachen im Reichspostministerium deshalb Beschwerde er» hoben und aus beschleunigte Abwicklung dieses Kredits gedrängt haben. Sie stellen weiter fest, dah sie dann in der Sitzung de». Berwaltungsrats vom 26. Juli 1924 durch den Abg. St e i n k o p j unter Bezug auf den Fall Michael und in der in dem' Protokoll dieser Sitzung und dem.Vorwärts"artikel des Abg. Steinkopf vom 31. Juli 1924 näher bezeichneten Art darauf hingewiesen haben. dah die dem Verwaltungsrat vorgelegten.Richllinlen". die übrigens sowohl von dem Referenten des Reichspostministeriums in der Sitzung des Arbeitsausschusses des Derwallungsrats vom 24. Juli 1924 und dem Herrn Berichterstatter des Verwaltungsrats in der Sitzung vom 26. Juli 1924 lediglich al»„Vereinbarung" bezeichnet wurden, nicht genügen, um ausreichende Sicherheiten gegen die un- angebrachte Kreditgewährung und mißbräuchliche Verwendung de» Kiedtts zu geben. Ihre Forderung aus Ausstellung von scharf umrissenen vedin- gangen sür die Gewährung und Verwendung der Kredite(keine Wucherzinsen bei Weiiergabe. kein Gebrauch der Kredite zuungunsten der Allgemeinheil usw.) sowie auf Mitwirkung de» Arbeilsau». schusses des Verwaltungstals bei der Kredllgewährung zum Beispiel bei großen Summen oder unmittelbarer Begebung fanden im Ver- waltuagvrat keine Beachtung. Diese Hinweise und Bedenken wurden vielmehr nach Ausweis des Sitzungsprotokolls als„klatsch" bezeichnet,„der das Finanzgebaren der Post ge» s ä h r d e". Die Vertreter der Reichstagsfraktton der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost sind deshalb genötigt, heute festzustellen, dah sie jede Verantwortung nach§ 4 des Reichspostfinanzgesetzes vom 18. März 1924 für die bedauerlichen Borgänge ablehnen. Anschließend an die Ausführungen des Abgeordneten Stein« köpf in der Sitzung des Arbeltsausschusses des Lerwaltungsrats vom 3. Januar 1926 oerlangen die Vertreter der Reichstagssraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erneut die so» sortige Einsetzung eines Ausschusses, der in engster Verbindung mit dem Reichspostministerium, Retchsfiuanzministe- rium und der Reichsbank neue Richtlinien für die Anlegung der Postgelder aufzustellen und dabei folgende Punkte zu beachten oder zu klären hat. 1. Kein Risiko für die Deutsche Reichspost. 2. Kein« Au»> Nutzung der Poslgclder zum Nachteil der Allgemeinhett oder zur Erzielung von Wuchergewinnen. 3. Keine Begünstigung einzelner Personen oder Konzerne bei Vergebung der Kredite. 4. Frag« der Vergebung direkter Kredite. S. Fragt_ der Kreditfrist, Fristverlängerung. 6. Mitwirkung de» Arbeitsausschusses des Verwaltungsrats bei Vergebung von Krediten. 7. Monatlicher Nachweis über die Anlegung der Postgelder an die Mitglieder des Verwaltungsrats. 8. Prüfung der lau- senden Kredite und ihrer Abwickelung. Im weiteren erheben die Vertreter der Reichstagsfraktton der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Forderung nach Aen- derung der Stellung des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost. Der Berwaltungsrat der Deutschen Reichspost hat nach Absatz 4 de» ß 6 des Reichspostfinanzgesetzes vom 18. März 1924 den Reichspost- minister in der Führung der Geschäfte zu unterstützen und die Be- ochtung der durch Gesetz und Ausführungsbestimmung aufgestellten Grundsätze zu überwachen. Es kann nicht anerkannt werden, daß die jetzige Stellung des Verwaltungsrats diesem Grundsatz entspricht. Der Verwallungsrat muh vielmehr zu einem Aufsichtsorgan der Deutschen Reichspost ausgebaut werden. Dies bedingt, daß er bei seiner Geschäftsführung völlig vom Reichspostminister los- gelöst und dieser nicht der Vorsitzende des Lerwaltungsrats und seines Arbeltsausschusses sein kann. Diese Forderung ist von der Reichstagssraktion der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschland» schon bei der Schaffung des Post» slnonzgesetzes erhoben worden. Sie wurde aber zurückgestellt, weil die Fraktion angesichts der seinerzeit bevorstehenden Auflösung de» Reichstags das Zustandekommen des Reichspostfinanzgesetzes nicht gefährden wollte. Die Vertreter der Reichstagssraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands verlangen nunmehr, daß der Arbeitsausschuß des Derwallungsrats beaustragt wird, in Verbindung mit dem Reichspostministerium die Frage der Stellung des Ber- waltungsrats mit aller Beschleunigung zu prü- fen und dem Verwallungsrat möglichst bald über das Ergebnis Bericht zu erstatten und ihm die notwendigen Borfchläg« zu unter» b retten. Ein Seirat öer Seehanülung. Der Beschluß des Houptausschusse» de» Preußischen Landtages. der Seehandlung einen Beirat beizugeben, der Auf- stchtsratsfunktionen ausübt, Ist jetzt verwirklicht worden. Nach den Angaben der Regierung soll dieser Ausschuß ermächtigt sein,„Vor- schlage über gebotene Maßregeln zu machen." Da» ist gerade keine klare und präzise Festlegung. Angesichts der Skandalaffäre in der Preußischen Staatsbank wird die Oesfentlichkeit mit Recht verlangen, daß die Rechte de» Ausschusse» erweitert und vor allen Dingen g«» nau präzisiert werden. Es muß vor allen Dingen verhütet werden, daß der Ausschuß nichts andere» al» eine Kulisse für eine Politik einer selbstherrlichen staatlichen Fi- nanzbureaukratie wird. Dem Ausschuß gehören an: Dr. Schacht. Generaldirektor Lob von der Preuhag, der be- kannte Generaldirektor von Belsen. Staatssekretär a. D. Dr. August Müller und Vertreter des Reichsfinanz-, de» preußischen Handel»- und des preußischen Innenministeriums. Als Mitglieder des Landtages treten in den Ausschuß«in Dr. Wäntig(Soz.), Dr. Leidig, Dr. Hager, Dr. Höpker- Aschoff und Dr. von Winterfeldt. Die denlsch-lllanlsche Konferenz in Königsberg ist beendet. Es ist eine Einigung über das von Deutschland für das Memelgebiet abzutretende rollend« Eisenbahnmaterial»rziett. Die Uebergabe an Litauen beginnt 14 Tage nach der Ratisizienmg. Gewerkschaftsbewegung Cine klare Situation. Der Generalrat de- Brinfchen Eewerkschastsbundes hat bekannt� 5,ch kürzlich auf ein« Einladung der bntlschen„nationalen Minder heit"(Kommunisten) zur Teilnahme an einer Konferenz zur Herber führung der Einheit geantwortet, daß er nach dem Beschluß des Ecwersschoftskongrefses von chull nur mit solchen Organisationen in Berbindung treten könne, die ihm angeschlossen sind. Damit ist die Sachlage geklärt. Die englische Gewerkschaftsbewk' giing ilt. wie die Bewegungen aller anderen Länder, für die Ein- heit," docb die leitenden Instanzen Wiste» sehr genau— und vielleicht gerade angesichts der auf dem Koittineiit gemochten Erfahrungen—, daß lei allen derartigen Bestrebungen unter allen Umständen die innereDisziplin gewahrt bleiben muß. Mit anderen Worten: sie sind für die organische Einheit. Die englischen Genossen sind sich darüber klar, daß ein« ersprießliche Einheit von.oben' nur kommen kann, wenn sie.unten' gewahrt bleibt, was für die Länder, wo es zu Spaltungen gekommen ist, logischerweise heißen wuß: wenn die Einheit auch von unten wiederhergestellt wird. Tic Dcrile kann somit nur lauten: Einheit von unten und von oben. Wie stellt sich Moskau zu dieser Losung? Auf dem Zweiten Kongicß der Konununistischen Internationale sagte Sinowjew im August lSA) in bezug auf die Amsterdamer Gewerkschaften u. a.: .Wir müssen sie spalten und sür uns gewinnen... Wir müssen ollen Gewerkschaften deutlich machen, daß sie die Amsterdamer Inter. »lotionale zil oerlassen haben, da es nun eine Rote International« gibt, der sie sich anschließen sollen.' Auch heute noch will Sinowjew die Gewerkschaften für den unumschränkten Gebrauch Mostaus.er- obcrn' Nun heißt es aber— und dies rst der einzige Unterschied—: keine neuen Sonderorganisationen sondern zurück in die Gewerk- schaiten. Der Zweck ist der gleiche geblieben, das Mittel ist neu. Ueber das Mittel ist folgendes zu sagen: Schon bevor es Sinowjew zur Taktik stempelle, rst es da und dort versucht worden. In Frankreich geschah es z. B.. daß sich koinmunistisch« Gewert- schasten ohne weiteres wieder dem regulären Landesverband an- schlostcn, was zur Folge hatte, daß die Führer von den Kviiununljten sofort als die schlimmsten Verräter mst den üblichen Schimpfnamen bedacht wurden. Daneben kam es vor, daß sich Organisatwnen von den Kommunisten trennten und sich autonom erklärten, daß sich in einem anderen Falle ein Test der Komnmrüsten trotz eines Mehrheil?- beschlusie» zugunsten des Wiederanschlusses an den regulären Gewerk- schastsbund, neuerdings zu einer dissidenten Organisation zusammen- schloß oder, wie in der Tschechoslowakei, wo die Kommunisten ver- suchten, wenigsten» innerhalb ihrer eigenen Verbände eine gewisse Einheit zu schassen. Bei vielen derartigen Versuchen zeigte es sich, daß die Kommunisten, trotzdem ihnen sogar mit.Strafen' gedroht wurde, einfach nicht um die Anweisung Mostaus kümmerten. Die kommunistische Bewegung geht sichtlich an der D>> z> p l l» l o s l g» k e i t zugrunde, auf die sie bei den.Reformisten' vergebens hofften. Selbst wenn Moskau tatsächlich die Einheit wollte, würde chm dies schwer fallen. Denn es ist vielfach den dissidenten Organisationen ausgeliefert, die. nachdem sie von ihm zur Spaltung veranlaßt war- den sind, nun nicht ohne weiteres fang- und klanglos Ihren Laden schließen rnollen. Die Moskauer sind sich auch dieser Tatsach« bewußt. In eincin Artikel Manuliskis. den Moskau für so wichtig hielt, daß er von der.Int. Plefse-Korr.' kürzlich als Sondei nummer heraus- gegeben wurde, heißt es wörtlich:.Welch bedeutende Rolle die russt- scher Gewerkschaften aucb spielen mögen, die das Rückgrat der Roren Gewetkfchaftsinternationale darstellen, so sind sie doch durch rntcr- nationale Disziplin gebunden. Ihre praktischen Schritte im Sinne der Einheit können nur unter der nächsten Mitwirkung der franzö- sischen kommunistischen Landeszentrale, der deutschen, tschechischen und arideren Genosien unternominen werden. Wenn m der Amster- dc.mcr Internationole Leute vorhanden waren, die naiv glaubten. nran könne die russischen Gewerkschaften der roten Gewerkschafts- bewcgiing der andsren Länder entgegenstellen, so müssen sie aus diese Illusion verzichten.' Bedeutet dies vielleicht sogar, daß die dissidenten Organisationen, da sie selbst die Einheit nicht wollen, auch gegen den Anschluß der Rüsten an den IGB. sind? Im nächsten Satz heißt es dann:.Die Einhest der Gewerkschafts- bewcgung kann nur in internationalen» Maßstabe hergestellt werden. oder diese Einheit wäre überhaupt unmöglich.' So spricht niemand, dem es um wirkliche Einhest und Zufammenarbest zu tun rst. Aus dem Munde von Leuten, die rmmer und immer wieder darauf hinweisen, daß die lomniunistischen Parteien.Mastenparteien' seien und die.Massen letzten Endes entscheiden müssen', tlingt es sest- sanr, wenn sie behaupten, die Einheit werde nuroon.oben' oder öbeihaupt nicht zustande kommen Wem es wirtlich um die Einhest zu tun ist, der sagt: die Einhest mutz von unten und oben kommen. Ist man der Ansicht, daß sie.nur' von oben zustandekommen darf und soll, so ist dies ein trauriges Zeichen und ein sicherer Beweis dafür, daß man im Trüben fischen will. E. F. N. „Großkampftag" der Berliner Betriebe. In der Donnerstag, und Freitagausgabe der.Roten Fahne' werden die Berliner Betriebe und.Gewerkschaften' mobil gemacht für die am 18. Januar vorgesehene Demonstration. Auch die Eisenbahner des südlichen Viertels werden aufgefordert, an dieser Demonstration teilzunehmen. Welches ist der Zweck dieses Aufzuges? Man wird reden über die ausgebliebene Weltreoolution und über den„Verrat' der Amsterdamer und die geplanten Abbau- maßnahmen,— ohne den Beweis anzutreten, daß die sogenannten .Selbständigen Berbände"(Ovposition), dazu gehört auch der im Stilleben sich wohlfühtende.Freie Eisenbahnerverband", praktisch den Versuch gemacht haben, die Abbauinaßnahmen zu verhindern. resp. zu mildern. Dafür allerdings haben die„Revolutionäre' im FEV. gesorgt, daß die Hofkolonnen der Werkstatt Teinpelhof Ueber st unden über Ueber stunden schieben. Würde ein„reformistischer' Betriebsrat dieses zulasicn, er würde sofort als Unternehmerknecht, Verräter, Lump ufw. be- zeichnet werden. Run ist aber der Vorsitzende ein KPD.-Mann. Hat er wie im Falle Schiemenz(Bezirksbetriebsratsoorsitzender) seine Zustimmung zu diese»„revolutionären" Handlungen gegeben, ohne Wissen seiner anderen Kollegen? Was hat letzterer überhaupt unternonimm gegen die geplanten Abbaumaßnahmen? Wir sagen: nichts. Unseres Wisiens steht dieser Dorsitzende sest Monaten wenig oder gar nicht mst dem Hauptbetriebsrat in Fühlung. Dies«„revolutionären" Betriebsräte handetn nach Moskauer Methode, nämlich, i ch bestimme und diktiere, und die anderen haben zu gehorchen. Diese Methode deckt sich mit der der stock- konservativen Regierungs- und Geheimräte. Wir stellen weiter die Frage, ob der mst großem Tamtam in Aufzug begriffene Reichs. betriebsrätekongreß der Eisenbahner vor oder nach dem Ab- bau stattfindet? Wir glauben das letztere, denn der Einfluß des FEV. unter den Eisenbahnern im Reich und auch in Berlin ist völlig verloren gegangen. Wir erinnern nur an den in der„Roten Fahne" angekündigten„Großkampftag" zur Reichstagseröfsnung. Ganze drei Vertreter waren als Delegierte der Eisenbahner erschienen, und zwar nach Angabe der„Roten Fahne" zwei aus der Werkstatt Tempelhof und ein Bertreter von der fogenanten kommu- nistischen Hochburg Gotha. Wir glauben, daß unsere im DEV. organisierten Kollegen und irregeführten Eisenbahner vom Anhalter Bahnhof, Potsdamer Bahnhos, Tempethos-Betrieb, W!l- mersdorf, Marienselde und Reichsbahndirektion ihre eigenen Schlüsie aus dieser beabsichtigten Demonstration ziehen. Streik der Bauschloffer! Die Vauschlosier der Firmen Blume. Charlottenburg. F. P. Krüger, Neukölln. Scbulz& H o ld e f l e iß. Orio Zeiger. E. Frank«, Paul Bogel. Beilin, Ed Pul« und Paul HeiiirickS. Temvelhoi, C. L. Koppen, Berlin und K a w« l b l o ck- Eisenbau(früher Degenhardt), Wittenau, besinden sich im Streik. Wir ersuchen die Bauarbeiter, streng darauf zu achten, daß Arbeiten der bestreikten Firmen auf den Bauten nicht angeferngl werdetr_ Zur Lohnbewegnuq der Straßenbahuer. Die Stroßenbahnbediensteten der Berliner Straßenbahnbetriebs- gesellschast waren am Dienstag, den 18. Januar, im Lokal„Königs- dank" zu einer Vollversammlung erschienen, um zu dem Stand ihrer Lohnbewegung Stellung zu nehmen. Die Versammlung entrüstere sich über das Verhallen der Betriebsleitung und brachte zum Aus- dnick, daß sie gewillt ist, die sehr geringe Forderung mit allem Nach- druck zu vertreten. Wetter erklärte die Versammlung es als größte Pslicht der Straßenbahner, alles zu versuchen, die noch Abseits- stehenden schnellstens der sreigewerkschaftlichen Organisation zuzuführen, um durch einheitliches Vorgehen die Per- Handlungen in den Verkehrsbetrieben günstig beeinflusien zu können.- Eine weitere Entschließung fordert vom Reichstag die Freilassung sämtlicher proletarischen politischen Gefangenen in allen kapitalisti- schen Ländern, was besagen soll, mll Ausnahme von Rußland. Ob den Straßenbahnern die Tatsache genügend bekannt ist, daß es auch in Rußland nicht wenige proletarische politische Ge- fangen« gibt, insbesondere Sozialdemokraten, sei dahingestellt. Achtstundentag und auskömmlicher Lohn. „Je nach der Eigenart od?r den wirtschaftlichen Bedürfnissen des P, triebe» können für den Betrieb oder Gruppen von Arbeit- nehmern vom Arbeitgeber Ueberstunden von einer halben bis einer Stund« pro Tag angeordnet werden." Dies« Bestimmung wurde auf Betreiben der Arbeitgeber als Zusatzbestimmung über die Arbeitszeit in den Tarifvertrag für die Groß-Berliner Metallindustrie am 31. Dezember 1923 aufgenommen. Unter dem Druck der ungünstigen wirtschaftlichen Lage— die Arbeitgeber machten die Aufnahme dies-er Bestimmung )ur Vorbedingung für eine Erhöhung der damals geltenden Löhn«— fanden sich die Arbeiter notgedrungen damit ab. Um ihnen die Zu» stimmung leichter zu machen, erklärten damals die Herren vom Ber- band der Berliner lllletall industriellen, den Achtstundentag im Prinzip nicht antasten zu wollen, man wolle nur die Möglichlest haben, dort, wo sich die absalut« Notwendigkeit ergibt, also wo„die Eigenart und die wirtschaftlichen Vedürfnisie des Betriebes es erfordern", auch einmal länger arbeiten zu lassen. Wie in der Metallindustrie dies« Bestimmüng mißbraucht wurde, haben die letzten Monate gezeigt. Mit der eigenartigen Entwicklung der Arbeitszeiwerhältnisse beschäftigt« sich ein« Betriebsversammlung der Lokomotiofabrik O r e n- stein u. Koppel A.-®., N o w a w« s Es wurde festgestellt, daß, nachdem, wie üblich, nahezu zwei Drittel der Belegschaft entlassen sind, von«mem großen Teil der Uebriggebliebe- n e n«ine neunstündig« und darüber hinausgehende Arbeiis- zeit verlangt wird. Die Persammlung saßte einstimmig eine Eni- schließung. worin sie den Mißbrauch festst-Me, den die Direktion mit der Bestimmung des Rahmenvertrages bezüglich der Ueberstunden treibt. .Nachdem nahezu zwei Drittel der Belegschaft entlassen sind, also erst tünftlich.das wirtschaftliche Bedürfnis" geschaffen ist, ver- langt die Dirtktion, daß ein beträchtlicher Teil der Arbeiter des Be- triebe» täglich 9 Stunden und länger arbeitet. Di« Ver- fammlung fordert vom Metallkartell, daß so schnell wie möglich Schritte unternommen werden, um diese Bestimmung aus dem Rahmenvertrag zu entfernen. Sie erklärt fernerhin, auch im Hin- blick auf die unsoziale Haltung der Unternehmer gegenüber berech. tigten Lohnforderungen, in Zukunft nur Ueber st unden zu leisten, zu denen sie nach der Arbeits zeitverordnung gesetzlich gezwungen ist, und verlangt vom Betriebsrat, daß er auch fernerhin allen Ueberstunden, die darüber hinausgehen, die Zu- fttmmung versagt. Ferner erwartet sie von den Spitzen der Ar- beiterorganisationen und Arbeiierparteien, daß nichts unoersucht ge- lassen wird, um den Achtstundentag restlos für die ganz« arbeitende Bevölkerung wiederherzustellen." Wie der Berband Berliner Metallindustrieller mit dem neuen verbindlich erklärten Schiedsspruch umspringt, wurde ebenfalls er- örtert. Er behandelt die Mindestlöhne als Hoch st löhne, indem alle bisherigen sozialen und Leistungszuschläge gestrichen wurden. Jede Aufbesserung in den Lohnklassen III. Il und I und der Sätze der Akkordarbeiter wurde abgelehnt. Die Verstimm- lung ersucht« daher dos Metallkartell, sofort neue Lohnoer- Handlungen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller ein- zuieiten. Das Metallkartell müsse fein« bish:r!g« Lohnpolitik ändern, da die Erwartungen der Arbeiter unerfüllt blieben. Di« Auffassung, ohne tarifliche Bindung fei es den oberen Lohnkkofsen und den Akkord- arbeitern leichter, ihre Löhne aufzubessern, habe sich als irrtümlich erwiest». Die Unternehmer haben gezeigt, was hinter ihren Per- sicherungen stand, die Leistungsfähigkeit besonders zu be- rücksschtigen und den qualifizierten Arbeitern gern höhere Löhne zu zahlen. Die vereinzelt« Auffassung, als könne durch Ueberstunden dem Mangel ausreichenden Lohnein- kommens abgeholfen werden, wurde als irrig erkannt, denn st mehr Ueberstimden in den Betrieben, um so größer dst Reservearmee draußen und um s» stärker der Druck dieser Reservearme« auf die Löhne im Betrieb. Der Blick müsse deshalb vom Persönlichen und vom Einzel» betrieb abgelenkt und mehr und mehr auf die Allgemeinheit aerichtet werden, denn nur der Gesamtheit aller argonisstrteu Arbeitnehmer werde es gelingen, durch stark« Organisat.onen das Lebensniveau der ganzen Arbeiterklasse und damit auch des ein» zelnen zu heben._ Forderung der Hamburger Hafenarbeiter. Die Hafenarbeiter, die die Beladung und Entladung der See- schiffe zu besorgen baben, kündigten zum Monat«ichluß rbren Tarif. Sie fordern mit Rücksicht auf die Teuerung und MlelSsteigeriMg eine Erhöhung de« Tagelohn« von 6 M. auf 7,20 M. Um die Arbeitszeit i« Ost-Oberschlefiea. Au» Kaltowitz wird berichret: In der Frage der Arbeitszeit ist eS noch rmmer nicht zu einer Einiguirg gekommen. Gestern ist auf Erfu-ben des ArbeitSministerium« eine Deputation des oft- oberfchlesifchen Werk- und hüttenmännischen Vereins nach War» ichau zu neuen Verhandlungen im WirtschaftSmintsterium ab» gefahren. In der Wiriichaftekommifsion deS Senats erklärte sich gefiern Handclsminrster Kiedron gegen eine Verlängerung der achifiündigen ÄrbeitSzeit im Bergbau; in anderen Industrie» zweigen mlißie aber die Arbeitszeit verlängert werden, so» lange es kein anderes Mittel gäbe, um die Rentabilität aufrecht zu erhallen. Die alten abgebrauchten Argument» der nicht über den Tag binauSlommenden Prositmacherei. In Birlliivlert wirkt der Act>r« stunSenlag auf die Rentabilität günstig ein, sobald die ArbellS- zeit nichl mehr als Mittel im Konkurrenzkampf mißbrauebt wird. Wenn der Boge» uberspanut wird. Men. 16. Januar.(Eigener Dri.htbertcht.) In Grünbach ließen sich am Mll.'wocb Bergarbeüer in einem Berzweislungsaus- bruch über ihre trollwfe Lage zu Tätlichkeiten gegen den Direktor ihies Bergwerkes hinreißen, der ihnen nicht nur elende Hungerlöhne bezahlt, sondern'hre Farderung nach ISprozentiger Lohnerhoh.-ng zynisch damit beantwortet Halle, daß er ihnen IS Proz. abziehen werde. Außerdem hatte er den Arbeitern die Kohlendeputare gekürzt und angekündigt, daß sie die W e r k w o h n u n g c n verlassen müssen. Zlts die Bergarbeiter von diesem Gebaren des Direktors erfudren, drangen etwa 1900 in das Perwaltunos- gebäude, und als er auf ihr Verlangen in den Hof kam, konnten die Betriebsräte nicht verhindern, daß die empörten Massen ihn zu Buden warfen und mißbandelten. Erst noch einiger Zeit gelang es den Betriebsräten, die Arbeiter zu beruhigen und den Direktor in die Wohnung eines Arbeiters zu gctellen. In der darauffolgenden Nacht trafen Gendarmerie und ein Untersuchungsrichter in Grunbach ein. Infolgedessen weigerten sich am Donnerstagmorgen dre Bergarbeiter. einzufahren, ebe nicht die Gendarmerie zurückgezogen sei. Das geschah, und die Arbeit wurde wieder ousgenonimen. Am Frei- tag imnde jedoch die gesamte Belegschaft des Bergwerks ausgesperrt. Der Untersuchungsrichter hat die Verhaftung von vier Bergarbeitern angeordnet. Auf Veranlassung der sozialdemo- krotilchen?lbgeordnelen hat der Landeshauptmann von Niederöltcr- reich sich mit dem Sozlolminifter ins Einvernehmen gesetzt, um die Bergiociksdirektion zur Aufhebung der Aussperrung zu veranlassen. Ausnahmegesetz iu Südafrika geplant. London, 16. Iamiar.(Eigener Drohtbert.cht.) Die südafrikanische Regierung hat einen Gesetzentwurf im Parlament eingebrocht, der eine Art Streik- und Aussperrungsverbot für die lebenswichtigen Petriebe einführen will. Das Gesetz sieht u. a. vor. daß bei Dlsje- rcnzen in solchen Betrieben der Ai veitsminister einen für beide Teile bindenden Schiedsspruch fällen kann. Den Landesbehorden soll das Recht gegeben wechen, in dem Bezirk, wo Streiks oder Ausfpcrruii- gen iinrlfwden, die lebenswutitige Betriebe betreffen, den Ausnahme- zustand aul die Dauer bis zu einem Monat zu oerhängen. Zu den ungarischen Kohlengruben entwickelt sich ein« Streik- bewegung, da die Arbeitgeber dre Forderung abgelehnt haben, die Löhne um 19 Proz. zu erhöhen. Man rechnet mit einem Geueral- streik. Achtunft, SPD..Zimmer«! Sonata» vormitta, 10 Uhr, hei vhn. H W aeniach. guimnairdantrnltr. 88 wichtla« PcsvrcÄmiq all« SPD.. � W Zimmer«, ftrin« hart fehle». Parteiaus wriz mitbringen. W Der Zrattionsoorliand. 3 Achlunz, S PD.-Fraklionsvorsiände. Velriebsoertrauensleute! Di««»»»»«iskart«» fllr 1915 finh fr rtlaa« stellt»»d rinnen sofort tn>«nrca» Liadenstr. 3 in Sinnfanii arnammcn werlxa. Di« oriine» Sarton(1924) lind abmaeben. Rät nröher« Betriebt muh«in Senols« Vi« Sarttn lamntcln und umtanschca. sowie die»cur» List«» mit aonan« tldtels« der TVD.»Ruaktioaär« dem«rtrirbssttrrtariat«Inttlihtn. So wird um rnSglilhft,«eschlenntguui,(st- brtr». Blankolartcn wertxa nicht anogearbr»._ Da» Betriebsl«rr«tarint. Z. A.: tl. Kol». Deutsch« Ztrtilarbtltrr.Brthaud. Orisanw« Berlin. Zahresvirsammlung « sich den Gedanken vorstellen, daß hier auf„fürstlichen,' Bode, emokratische Jünglinge und Fräuleins sich zu Hause fühlen könnten.... Vom Schloß wendet man sich, am Marstall und dem ehemaligen Thealerbau. jetzt Tabatlagerhaus. vorbei zum Markt. wo das alle Raihaus seine baufälligen Mauern erhebt, geht l>oi>» links in die Brückenstraße zum Odcrufer mit der Oderbrücke. Viel Leben wird der Besucher hier nicht bemerken. Die ander« H«upt straße Schwedts ist die die Brückensträße kreuzende Berliner Straße, die sich schließlich im Lande verliert. Interessant sind die alleni- halben sich erhebenden Tabakspeicher, in denen der Tabak getrocknc, wird. Die im Innern der Stadt liegende Stodtkirche ist keine be- sondere Zierde des Ortes: der 1887—91 vorgenommene Umbau hat sie völlig modernisiert und den allen Kreuzbau mit einer Anzahl von Anbauten„verschönert". Vortrefflich sind aber die im Innern befindlichen Sandstein-Epllaphien des letzten Grafen von Hohe»- 7q Der Mittelweg. % Boa Sit Philip Gibbs. Nadia hatte eine überraschende Kenntnis der verschiedenen Literaturen, eine klare Intelligenz und eine Reinheit des Blicks, die ihre Ansichten für ein so junges Mädchen oft ganz erstaunlich erscheinen ließen. Bertram bemunderle sie wegen ihrer hohen geistigen De- abung und ihrer sich stets gleich bleibenden Unbefangenheit. �artgewobnt. wie sie war. die Tochter von Aristokraten, welche physische Arbeit stets verabscheut hatten, verrichtete sie die schmutzigste Arbeit mit einer Selbstverständlichkeit, die bei anderen dasselbe Verständnis für die Notwendigkeit und da- durch den Wert dieser Arbeit voraussetzte, wie sie selbst es empfand. Er war entsetzt, als er sie eines Morgens, als die anderen noch schliefen, dabei fand, die unbeschreiblich schinutzi- gen Aborte zu spülen und zu scheuern. „Um Gottes willen, überlasien Sie das doch dem Pro- vodnik. Es ist seine Arbeit und nicht die Ihrige." ..Gewiß! Aber er vernachlässigt sie." antwortete sie lächelnd. Als ein Mitglied des arzllichen Personals der ARA. fallen Reinlichkeit und Sanitation in mein Arbeitsgebiet. Der Geruch von diesem Orte ist entsetzlich." „Um so mehr Grund für Sie, ihn zu vermeiden." Sie schüttelte den Kopf...Im Hungergebiet werden furchtbarere Gerüche und schlimmerer schmutz sein, und Läuse- überall. Wenn ich das vermeiden wollte, wäre ich nicht hier." „Sie sind wunderbar." „Nein. Einfach eine Frau wie alle. Warum sollte das wunderbar sein?" � Es waren noch andere im Zug, die sie für wunderbar hielten, als Bertram ihnen sein Morgenerlebnis erzählte. «Bei Gott.' sagte Dr. Weekes.„wenn das ganze russische Volk so wäre, wie sie, gäb'» keine Hungergebiete und keine Wanzen.' Ost, wenn sie beide im dämmerigen Korridor standen. bat sie ihn, ihr aus seinem Leben zu erzählen, damit sie ihn besser kennen lerne. Und er erzählte vom Krieg, von seiner Ehe. dem Tod seines Kindes, feiner Mutter und Diybys Tod. seiner Trennung von Joyce, alles ganz kurz, nur die Creig- nisse. Aber sie verstand ihn. Einmol sagte sie in diesen Gesprächen, während der Zug durch die weiße Düste dahinkroch:„Ich habe Häßlichkeit und Schmerz und Schmutz gehaßt. Als Kind war das alles vor mir verborgen. Als junges Mädchen war ich von Schönheit und Illusionen umgeben. Jetzt aber möchte ich tiefer hinein in das Elend des Voltes. Ich will bei ihm fein in seinem Schmerz und in seinem Schmutz. Ich will seine schlimmsten Llualen teilen, weil ich durch das Leiden von Leib und Seele alle Grausamkeiten meiner Vorfahren büßen will. Wenn Sie die russische Geschichte lesen, so finden Sie den Namen der Suwaroffs mit Handlungen oerknüpft, welche die Bauern brutalisierten und niederhielten. Das aste Regime leidet jetzt für die Sünden seiner Väter. Es ist recht, daß wir bestraft werden.'_ „Nein, an diese Lehre kann ich nicht glauben. Wir sind für unsere eigenen Sünden verantwortlich, nicht für die unserer ist aber das Gesetz. Die Sünden der Väter sollen helmgesucht werden an den Kindern." ..Ungerecht! Schrecklich ungerecht!' ..Ach. es ist leider wahr. Schon um unserer Kinder willen müßten wir Gutes tun.'..... „Ich hatte ein Kindchen, das starb. Ich Habs Ihnen erzählt. Jetzt bin ich beinahe froh darüber. Die Welt ist zu grausam.' �«m- „Nicht zu grausam für die Mutlgen.' Dann sprach sie von ihrem Wunsche nach einem Kinde. „Vielleicht, wenn wir uns lieben, werden wir ein Kind haben, wir beide... Das würde mich sehr glücklich machen.' Bertram war durch diese mit solcher Einfachheit ausge- sprochenen Worte im tiesiten erregt. ..Ich bin Ihnen ein Fremder. Sie kennen meinen Charakter und meine Schwächen nicht.' „Ich habe sie gleich gekannt." antwortete sie.„als Sie mich damals auf dem Markte ansahen." Sie drückten sich die Hände.„Meine Gefährtin." sagte er. „Sie lieber Freund." antwortete sie. 55. Kasan war in hartgefrorenem, diamantglltzerndem Schnee begraben. Es war ein kleines Moskau, mehr orientalisch noch und von fremdartiger Schönheit, mit seinen vergoldeten Kuppeln, russischen Wohnhäusern und holzgebauten Hütten. alle unter Schnee. Bor der Revolution war e» eine reiche Stadt gewesen, und viele hohe Adlige hatten ihre Sommer- villekk hier, und die Reichtümer der Wolga und die Waren aus dem fernen Osten waren hier hereingeströmt. Ein Drittel der Bevölkerung waren Tataren. Der Tatarentypus war besonders auffallend im Gegen- satz zu der strohblonden, blauäugigen Bauernbevölkerung. zwischen der sie lebten, und Bertram mußte an den sagen- haften Eroberer Tschingis-Khan und seine Horden denken, als er die langen, hageren Männer mit den mongolischen Backenknochen, der Lederhaut und dem straffen, schwarzen Haar betrachtete. Auch Kasan stand vor der Hungersnot. Schon kroch der Hunger durch die Straßen, wenn es auch für die Reichen noch hier und da Fleisch zu kaufen gab. Wegen Futtermangels hatten die Bauern ihre letzten Kühe geschlachtet und das Fleisch in da« reiche Kasan geschickt. Das war aber das letzte Fleisch. und Getreide und Milch gab es schon jetzt nicht mehr, nur noch ganz geringe Vorräte von Brot und Kartoffeln. Der Oberleiter der Ära und sein Stab wurde an der Station von einigen jungen Amerikanern in schweren Pelzen und hohen Mützen erwartet. Sie hatten Schlitten mit und waren trotz des furchtbaren Elends, das sie schilderten, in guter Stimmung. Denn die ersten Volksspeiseküchen in der Stadt waren schon In Betrieb, und die erste Hilfe war bereits in die umliegenden Dörfer abgeschickt. „Wie ist die Lage hier?" fragte der Oberst. Ein bolsche- wistischer Bandit, der sich nach Abnahme der Tatarenkappe als ein amerikanischer Student von der Harvard-Universität entpuppte, antwortete. „Die Lage. Herr? Die Leute warten hier einfach auf den Tod. So steht's. Sie erwarten alle Hilfe von uns, und wie- lan$|e wir überhaupt noch helfen können, ist die Frage. Wir ernähren noch auf drei Wochen hinaus 1500 Kinder. Das klingt gut für den, der nicht weiß, daß in diesem Staate eine Kinderanzahl von einer Million siebenhunderttausend lebt, alle hungrig und meistens schon am Verhungern. Nur Kinder Herr! Die Erwachsenen können wir nicht ernähren. Die sterben einfach. Bald friert die Wolga zu, dann brauchen wir Schlitten und mindestens dreitausendfünfhundert Pferde. Die ober fallen auf dem Wege. Kein Futter. Etwas Vorrat ist ja aus Moskau gekommen. Kartoffeln. Aber die verfaulen in den Kähnen." (Fortsetzung folgt.) fldn(t IMS) und seiner Gemahlin: beide find in SedensgrSH« dar- gestellt. Sie sind auch die Stifter des interessanten Renaissance- ollors. *, Schöne Promenaden, schöne Alleen führen in» Frei«. Wenn der Frühling kommt, die Kastanien ihre Kerzen aufgesteckt haben, soll man die„Perle der Uckermark" aufsuchen. Sucht man sich die passenden Züge heraus, so bleibt Zeit genug, einen Tag lang frische Oder- und Waldluft in und um Schwedt zu genießen. Verkehrs-Unkultur. Die Straßenbahn macht gute Geschäfte. Die Einführung des allgemeinen Umsteigefahrscheins ohne Nachzahlung hat ihre Wagen zu allen Tageszeiten gefüllt, während die Züge der heute teuren Stadtbahn fast stets leer sind. Auf der choch-und Unter- grundbahn herrscht ebenfalls Hochbetrieb der Passagiere, und an dieser Stelle ist erst unlängst das rücksichtslose Leehallen der Hoch. bohndirektion gegenüber dem Publikum gegeißelt worden. Auf der anderen Seite kann indessen nicht geleugnet werden, daß das Publi- ium, oder wenigstens doch ein großer Teil des Publikums, selbst daran schuld ist, daß sich der Verkehr in den übervoll besetzten Wagen von Straßenbahn und Hochbahn nicht nur nicht reibungslos, sondern unter Hallo, Schimpfen, Schreien und Stoßen abwickelt. Es herrscht unter den vielen Tausenden, die in den Wagen der Ber- liner Verkehrsmittel unterwegs sind, eine Unkullur, wie sie in den Hauptstädten keines anderen Landes möglich ist. Eine.Studienreise" mit der Straßenbahn und Hochbahn zu den verkehrsreichsten Stun- den liefert überraschende und geradezu tieftraurige Beleg« und Ve- weise für diese Behauptung. Zunächst einmal die Hystzbahn. Der lang« Zug mit den buch- ftäblich vollgepreßten Wagen läuft auf einer Station ein und hält. Die sich an den Ausgangstüren stauenden Massen sehen, daß hinter ihnen Stehende aussteigen wollen. Niemand rührt sich, tritt zurück oder zur Seite. Man muß erst die Ellenbogen gebrauchen, man muh erst grob werden, bevor unter Protest und harten, häßlichen Worten der Weg zum Ausgang freigegeben wird. Die Züge aber halten nur sehr kurze Zeit, und durch diesen passiven Widerstand der Fahrgäste gegenüber den Aussteigenden kommt es immer wieder vor, daß der eine oder die andere, die nicht robust genug sind, im Wagen zurückbleiben, zumal das auf dem Bahnsteig stehende Publi- kttm die Wogen stürmt ohne zu warten, bis die anderen ausgestiegen sind. Bei der Straßenbahn dasselbe unerfreuliche BUd. Der Wagen ist bereits stark besetzt.»e>i<- Fahrgäste konimen Hk zu. L»r Schaff- ner bittet, ruft:„Weiter nach vorn treten!" Kein Mensch rührt sich, die Mauer der Menschen im Wagen rückt nicht. Man denkt nur an sich mit einem beschämenden Egoismus. Und draußen an der Halte- stelle tobt die Menge, die einsteigen will, wie eine tolle Meute. Einer schiebt und stößt den anderen zur Seite, der Prozeß des Ein- steige«? währt infolgedessen noch einmal so lange. Der Schaffner «nahm zur Ruhe. Dafür wird er vom Publikum angeschnauzt und beschimpft, und man kann sich unter diesen Umständen wirklich nicht wundern, wenn der überanstrengte Mensch schließlich die Geduld verliert. Und noch ein anderes, Unkuüurelles fällt häusig auf. Alle Plätze im Wagen sind besetzt. Aus einem Platz neben der Mutter sitzt ein Kind. Kinder bezahlen bekanntlich nur 8 Pfennige für die Fahrt, aber auch, wenn für ein Kind der volle Fahrpreis entrichtet worden ist, muß es aufstehen, um einem Erwachsenen Platz zu machen. Indessen, man kann nie beobachten, daß eine Mutter oder «iü Bater von ollein das Kind aufstehen heißt, wenn«» Erwachsener, �hfrsei er auch noch so alt und hinfällig, daneben steht. Der Schaff- ner muß erst eingreifen, und es geht dabei nienials ohne erregte Hin- und Widerrede ab. An allen diesen unkullivierten Zuständen hat die Schuld die be« schämend« Tatfache, daß viele Berliner noch immer nicht sich zu be- nehmen wissen, wenn der Schutzmann sie nicht dahin stuckt, wohin sie gehören. Diese Unkultur umerwegs bedeutet aber auch zugleich eine gro.ße Gefahr für alle Reisenden bei Unfällen, Straßenbahn zusa mm e n st ö ß e n und anderen Katastrophen der Verkehrsmittel. Die Zahl der Verletzten wird, das kann man ohne Uebertreibung behaupten, bei einein solch unkultivierten Ver- halten des Publikums bedeutend größer sein. Darum, es wird hoch an ber Zeit, daß das Berliner Publikum sich endlich unterwegs zu benehmen ve vas weggenommene Hakenkreuz. ..Diebstahl, der an Raub grenzt", sagt ein Potsdamer«ichter. Wegen Diebstahls von zwei politischen Abzeichen war ein Bau- orbeiter aus Zehlendorf vor dem Potsdamer Amtsgericht angeklagt, Am 29. Oktober 1924 fuhren zwei Schüler, ein 17jähriger Primaner und ein 12jähriger Tertianer mit emem Nacht- Aug von Potsdam nach Babelsberg. Beide Schüler, Söhne des Lehrers P i ch o t t k a aus Bergstücken bei Potsdam, trugen je eine �zakenkreuznadel am Rock. In Nowawes bestieg der An- geklagt« das Abteil und nahm den Iungens die Hakenkreuze fort. Wegen Diebstahls angeklagt beantragte der Amtsanwalt d r e i M o n a t e G e s ä n g n i s. In seiner Anklage hob er hervor. dag dieser Fall„fast einem Raub" gleiche. Das Gericht sah die «räche bedeutend milder an und verurteille den Angeklagten an Stelle der verwirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen zu lOS M. Geldstrafe. Recht ängstliche Leute sind doch die Potsdamer Richter. Wenn «»«r in berechtigter Entrüstung über das Zurschoutragen eines Ab- Alchens, in dem der größte Teil der Bevölkerung eine Mord- und Femeorganisation erblickt, Selbsthilfe übt, so nennt das der Pots- damer Richter„Diebstahl, der an Raub grenzt". Die Probe aufs Exempel wäre zu machen, ob's auch Diebstahl ist, der an Raub grenzt, wenn einem Reichsbannermann das schwarzrotgoldene Abzeichen von emem Hakenkreuzler unter den gleichen Umständen fortgenommen wird.— Aber dazu gehören bekanntlich mehrere der tapferen Helden. Schiebungen mit Steuerbanderolen. Dem hiesigen Zollgrenzkommissariat war von Breslau Mittel- um& s jug�angcn, dah dort große Posten von Banderolen auf- getaucht seien und daß die Fäden über den Vertrieb dieser Bande- rolen m Berlin zusammenliefen. Als ein Abnehmer aus Breslau eines Tages wieder einmal nach Berlin kam, um seinen Bedarf ein- zudecken, wurde durch Beobachtung von Beamten des Zollorenz. kvmmifsars ermittelt, daß in einer Zigaretlenfabrit a in Hackeschcn Markt die Verkaufsverhandlungen gepflogen wurden. Aus Sicherheitsgründen hatten die de- testigten Banderolenschieber ihre Logerquelle für die Banderolen nicht in Berlin angelegt, sondern in Magdeburg. Es gelang nun der Polizei, den Berliner Mittelsmann bis zum Potsdamer Bahn. Hof zu verfolgen, wo er sich eine Karte nach Burg löste. Man folgte ihm in den Zug und stellte fest, daß er sich unterwegs eine Zuschlagkarte nach Magdeburg nahm Bis dort fuhr er auch und traf sich mit einem Magdeburger Hehler in einem Lokal,:n der die Ucbergabe der Banderolen stattfand. Dann strebten die Schieber wieder dem Bahnhof zu. In diesem Augenblick griffen die Zoll- beamten ein. Beide waren durch die Festnahme äußerst überrascht. Eine Besichtigung des Koffers des Magdeburger Schiebers und der Aktentasche des Berliner Mittelsmannes ergab, daß diese hoch- wertig« Steuerzeichen für ca. 3 Millionen Ziga- retten enthielten. Die beiden Betroffenen wurden nach Berlin transportiert und vorläufig in Haft genommen. Eine Derbindung der erfaßten Steuerzeichen mit den beim Hauptzollamt Berkw-Rord entwendeten kommt nach den vorgefundenen Werten nicht in Frage. Der Wert der erfaßten Steuerzeichen bcläuft sich auf etwa 60 000 G o 1 d m a r k. Veit er ,so nach einem Doktor roch'! Schwindeleien des kleinsten Lebemannes. Der Kaufmann Georg Abrahamsohn, unter dem Spitznamen der„kleinste Lebemann" bekannt, wurde gestern wieder einmal dem Strafrichter vorgeführt. Der Angeklagte ist ein Zwerg mit einem riesigen Wasserkopf, hat aber in der Dorkriegszett im Nachrieben Berlins eine gewisse Rolle gespielt. Die merkwürdige Gestalt, rmmer in elcgaMester Kleidung mit Monokel und Zylmderhut und in Be- glcittmg einer Schar eleganter Halbweltdamen, erregte in den nächt- lichcn Lebelokalen größtes Aufsehen. Damals warf er mit freigrebiger Hand die Goldstück« um sich. Dazu war er in der Lage, dä ihm von seinen Eltern ein riesiges Vermögen htnlerlasien worden war. Ber der Verschwendungssucht Bezirksbildungsausschuß Groß-Berlin Musikalische Komödien Sonnabend, il. und 24. Januar, abend« 6 Uhr Sonntag, den IS. Januar, nachmittag« 3% Uhr im Schillersaal. 6harlotttnburg,S>smarckstr. sneb.Schillertheater) Koffee-Kantat« 21i..... Ioh. Seb. Bach Die Witwe Grapin, Operette.. Sriedr. v. Zlotow Oer Masifseind, komische Operette Richard Sente Mitwirkende: die Damen Frau Rosa Hjorth-Sell(Sopran), Frau Prof. Flemming(Klavier)— die Herren Walter Ähren« lTenor), Walter Logao sBaß)—- prei« 100 3R.—— Kleiderablage frei des kleinen Abrahomsohn gingen aber auch die reichsten Geldmittel schließlich ans die Neige, und nun legte er sich, um auch weiter als Kavalier auftreten zu können, auf Schwindeleien, die ihn schon wiederholt vor Gericht und ins Gefängnis gebracht haben. Gegen- wärtig verbüßt er eine Strafe von mehreren Monaten, die er sich Ende Juni vorigen Jahres zugezogen hall«. Diese Strafe hiett ihn jedoch nicht ab, wenige Tage noch semer Verurteilung oon neuem recht raffinierte Hochstapeleien zu begehen. Das Männchen gab sich bald als ein„Rechtsanwalt Heil- brenn er", bald als Arzt aus und verübte in Gesellschaft von Damen, die er eingeladen hatte, Zechprellereien und außerdem auch Krcditbctrug. In einem Falle hatte er, als in emem Hotel ein Selbst- moid verübt worden war, sogar die erste ärziliche Hilfe geleistet. Spaßig war es, daß verschiedene Zeugen erklärten, sie hätten ihn für eine>' Arzt gehatten, weil er so nach„einem Dottor gerochen" hätte. Abrahomsohn entschuldigte sein Tun mit seiner wirtschaftlichen Not- löge. Auf Antrag des'Verteidigers waren mehrere ärztliche Sach- verständige zur Begutachtung des Geisteszustandes des Angeklagten zugezogen worden. Sanitätsrat Dr. Flatau war der Meinung, daß Älbrahamsohn unter der Einwirkung von Alkohol, Morphium und Kokain die Hemmungen abhanden gekommen seien, so daß er für seine Taten nicht verantwortlich zu machen wäre, ledoch sei der Angeklagte gemeingefährlich und mußte dauernd in einer Irrenanstalt in'erniert werden. Sanitätsrat Dr. Topp bezcich- netc den Geisteszustand des Angeklagten als einen Grenzsall, wäh- rcnd Sonitätsrat Dr. Lehnsen Abrahams ohn für zurechnungsfähig erfläite. Der Staalsanwatt beantragte 214. Jahr« Gefängnis. Dcr Verteidiger oertrat jedoch den Standpunkt, daß der Angeklagte noch den widersprechenden Eittachtcn zumindest als ein hochgradig schwachsinniger und moralisch minderwertiger Mensch zu betrachten und daher weit milder zu beurteilen sei. Das Gericht verurteille Abrahamsohu deshalb zu drei Monaten Gefängnis._ Tie gefälschte telegraphische Postanweksung. Durch Spekulationen während der Inflationszeit, durch die er hinterher von seinen.Lunken" schadenersatzpflichtig gemacht worden war. hatte der Bankbeamte Schreiber, ein sunger Mann, der in einer Provinzttadt bei einem landwirtschaftlichen Bankinstitut tätig gewesen war. seine Stellung verloren. Dadurch war er aus die ab- s ch ü s s> g e Bahn geraten und war auch schon mehrmals wegen kleincrcr Betrugssälle bestraft worden. Wreder einmal in Not, kam er ä»f die Idee, die Kenntnis der Verhältnisse bei dcr Bank in seiner Heimatstadt auszunutzen, um sich einen größeren Beirag zu erschwindeln Von Berl-n aus schick!« er unter dem Namen eines größeren Kunden der Bank an diese ein Telegramm mit der Aufforderung, sofort telegraphisch 500 Mark zu übersenden. Prompt langte nach zwei Stunden auch die telcgraphische Geldanweisung an. Auf dem Postamt lieh er sich durch zwei Freunde mit deren Pässen als dcr richtige Empfänger des Geldes legitimierew Nachdem er den Freunden 200 Mark abgegeben batte, fuhr er mit dem Rest nach Haufe, um eine Verschimna mit den EUern herbeizuführen. Aber schon am nächsten Tage wurde er verhastet Der Verteidiger bat dos Gelicht, dem Angeklagten n o ch e i n m a l trotz des Rückfallsbelrugcs mildernde Umstände zuzubilligen, da er durch widrige Verhältnis seaufdieschieseEbene gelangt sei. Dos Ge- richt oeturteitte Sckireiber zu neun Monaten Gefängnis, unter An- rechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft. Außerdem soll Schreiber nach Berbüßung noch eines Monats der Strafe Straf- aussetzung erhalten. Wohnstätten G.«. b. H.«nd HanSzintzsteuer. Zu den Meldungen eines Berliner Blattes, daß der Wohn- statten G rn. b. H. fast sämtliche Beträge, die aus der Hauszins- fteuer erhoben wurden, von der Stadt Berlin zugeflossen seien, und daß mit diesen Mittc'n in unzulässiger Weise spekuliert worden sei, stellt der Geschäftsführer der W o h n st ä t t e n G. m. b. H. folgendes fest- Im Anschluß an die Kreditgebung durch die Wohn- stäUengefellschaft ist behaupte, worden, daß diese Mittel aus der Hauszinsstelier herrühren. Dies ist nicht zutreffend. Die Wohnstältengefellschoft hat, ebenso wie jede andere private Bau- Gesellschaft, Hauszinssteuerhypotheken nur gemäß den mini- ireriellen Vorschriften dekoinmen. und zwar insgesamt für 187 Wohnungen, das sind etwa 2 Proz. der bisher oon der Woh- nungssürsorgegesellschast überhaupt erstellten Neubauwohnungen. Baugelder sind von dcr Wohnungssülsorgegesellschast a Konto dieser Hypoiheken. wie in allen anderen Fällen, auch an die Wohnstätten- gesellschaft nur so weit qeleistet worden, als der Fortschritt des Bau- Vorhabens eine entsprechende tatsächliche Sicherheit bot. Die Mittel aus der Hauszinssteuer können daher auch von dcr Wohisstätten- gesellschaft zu unlauteren spekulativen Zwecken nicht verwendet worden sein. Irgendwelche soiistigen Kredite aus der Hauszins- fteuer sind der Wohnstättengesellslhaft nicht gewährt worden, viel- mehr rühren die Mtttel zu diesen Kredtten angeblich aus Reichs- fcnds her. Falsche l-Rentenmark-Tcheme. Falsche 1-Rentenmark-Sch«ine tauchen in der letzten Zeil viel im Berliner Verkehr auf. nachdem die falschen lO-Mark-, tz-Mark- Scheine und 50-Pfennig-Stücke fast ganz verschwunden sind. Die neue Fälschung wird ebenso wie früher die falschen SO-Pfennig. Stücke, besonders auf der Straßen- und Untergrundbahn, in Omni- busien und auch in Lokalen ausgegeben. Sie sind im ganzen gut nachgemacht, an dem Wasserzeichen aber doch zu erkennen. Die Ringe und Kreuze bei den echten I-Mark-Scheinen sind etwas verschwommen, bei de« falschen dagegen an den Rin- der« scharf abgesetzt und sehen sich fettig an. Da» fällt besonders auf, wenn man die Scheine mtt der Himerseite gegen das Licht häll und von der Vordersette mtt der„1" betrachtet. Die Falschscheine tragen auf der Borderseite oben die Nummern v 01 401 791 oder 01 471 028 oder ähnliche Zahlen hinter 014. Die Reichsbank hat auf die Ermitttung von Falschgeldwerkftätten eine Belohnungvonie lOOOMark ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminalkommissar von Liebermann in der Kurstraße 49. Zum Morü bei dennewitz. Der Tote vern-uAich nicht Georg Bat. sondern Erich Pannicke. Die Aufklärung des Mordes bei Dennewitz ist zu«wer recht verwickcllen Angelegenhett geworden. Die Kriminalpolizei hotra Fingerabdrücke an viele Behörden in der Provinz und im Reiche übersandt. Nach einer Nachricht aus Mügeln bei Oschatz hatte der Vergleich der Abdrücke die Jdemitäl des Ermordeten mtt einem 24 Jahre allen ElektromoMeur Georg Bär festgestellt. Ein Berliner Kriminalbeamter wurde mtt dem Bilde nach Mügeln emsandt. In diesem erkannten sowohl die Angehörigen als auch andere Leute, die den Vermißten von Jugend auf kennen, den jungen Bär wieder. Mit diesem Ergebnis kehrte der Beamte gestern morgen nach Berlin zurück. Zu der gleichen Zell lief aus Braun- schweig die Mitteilung ein. daß der Ermordere nach deck Finger. abdrücken als ein 23 Jahre atter aus Dessau gebürtiger Kondttor Erich Pannicke festgestellt worden sei. Nun hat aber die in Berlin wohnende Geliebte des lungen Georg(nicht Kurt) Bär der Polizei eine Postkarte Bärs übergeben, die er a m N e u j a h r s- tage von Belzig datiert und noch an demselben Tage in den Briefkasten der Bahnpost Neustadt-Treuenbrietzen gesteckt hotte. Die Leiche des Ermordeten ist am 2. Januar gesunden worden. Ihr Zustand bewies, daß sie schon mehrere Tage uttter dem Stroh der Miete gelegen haben muß. Hiernach kann also der Ermordete trotz der Rekognttion durch den Dater und andere Angehörige noch dem Lichtbild nicht Georg Bär sein. Wahr- scheinlich ist der Tote der Konditor Erich Pannicke. ein Sohn des Schneidermeisters Hermann Pannicke aus Dessau. Dem Meister und seinen Angehörigen hat man jetzt ebenfalls ein Lichldikd des Ermordeten vorgüegt, und alle behaupten bestimmt, daß es das Bild Erich Pannicke» sei. Am 4. Januar d. I. kam ein Brief in Dessau an. der am Tage vorher in Jüterbog aufgegeben wac Er ist nur mtt dem Vornomen Erich unterzeichnet. Dieser B ff fiel dem Vater gleich auf. Die Schrift kam ihm sonderbar und nicht als die seines Sohnes vor. Es werden nunmehr drei Wonder« genossen des jungen Erich Pannicke. namens Hoppe, König und Witte, die sich verdächtig gemocht haben! gesucht und am- gefordert, sich umgehend bei der nächsten Polizeibehörde oder Land. lägerstotion zu melden. Alle Herbergsväter, besonders ii, kleineren Städten wie Templin, Eberswalde usw. werden ersucht. in ihren Büchern nachzusehen, wann Wanderburschen namens Pan- nicke, Hoppe, König und Witte bei Ihnen übernachtet haben, und darüber sofort Mitteilung zu machen. Vor allen Dingen aber sollt« sich auch der junge Bär'unverzüglich melden. Martha wird tätowiert. Eine Unterhaltung eigener Art hatten sich vier Jünglinge ausgedacht, die mtt einer gemeinjamen„Braut" in einem Winterquartier am Schiffahi tskanal von der Neuköllner Kriminalpolizei ausgestöbert wurden. Auf«inc>n Gelände an der Grenzallee m der Nähe des Echisfahrtskanals in Neukölln wurden seit einiger Zell mehrere Burschen mtt einem jungen Mädchen beobachtet. Die Polizei sah sick einmal genauer um, beiuchtc überraschend die Laube und fand darin das jugendliche Quintett, das sich häuslich eingenchlct hotte. Zwei der Burschen entwischten, die beiden anderen und dos Mädchen wurden i«stge!iomm.en.«le sind cbenfo wie die beide» Entwichenen Fürsorgezöqlinge, die aus verschiedenen Anstalten eitt- sprangen' rmd sich in Neukölln zusa-nnrenfandetti Das Mäd'chist fjj eine 16 Jahre alte Martha Sch., die ihrenEltern entlief uns sich zunächst einen falschen Namen beilegte. Tie Burschen behaupten, daß sie ihren Lcbensunterhott durch Geiegenheitsarbetten verdient hätten. Wenn sie nichts zu tun hatten, so vertrieben sie sich erquick- lich die Zeit damit, daß sie da? Mädchen, das ihnen die Wirtschaft führte, am ganzen Körper auf das herrlichste austätowierten. Da» so graiilam in seinen Freuden gestörte Kleeblatt wurde dem Jugend- amt übergeben._____ Das SOjahtige Bestehen der Taubstummenschule. Anläßlich des SOjährigen Bestehens der städtischen Taub. stummenschule(über die wir gestern aussührlich berichteten) fand lit der Aula des neuen Schulheims in der Albrechsstrahe ein fetcrUcher Festakt statt, zu dem zahlreich« Ehrengäste erschienen waren. Nach- dem Bürgermeister S ch v l tz im Namen des Magistrats die W,. wesenden begrüßt hatte, hiett Direktor Ernst Schorsch dre Fest- rede, in der er ein auschauliches Bild des körperlichen und geist.gen Lebens der Taubstummen gab. Der Festrede schlössen sich Bor- führunqen van drei Taubstummen-Schulklassen an. die Kinder aller Schichten umfaßten. Man konnte deutlich die Sprachsort- schritte vom ersten bis zum letzten Schuljahr beobachten. 14- bis ISjährige Schüler zeigten Sprachleistungen, die von denen Normal» geborener kaum zu unterscheiden waren. Nach einem Reigen, der von taubstummen Mädchen aufgeführt wurde, folgten Ansprachen« der Ehrengäste. Im Auftrage des Vereins für gesundheitliche Für- derung der Taubstummen und der Ohrenärzte Berlins sprach Ge» heimrat Professor Dr. Passow. Im Namen des Oberpräsidente» der Provinz Brandenburg und der preußischen Staatsregierung sprach Regierungsrat Holtz, im Namen der staattichen Taub» stummenanstatt Direktor Lehmann, für die israelitische Taub» stiimmenanstalt Dr. Reich, für den Bund deutscher Taubstummen- lchrer Damaschun. Ansprachen hiellen weiter Pastor Schultz«, der Toubstummenseelsorger von Berlin. Im Namen der ehemaligen Schüler der Taubstummenschule sprach mit deutlicher und vernehm- barer Stimme und geläufigem Redefluß Bureaubeamter Gottweiß, der den Dank der Taubstummen dafür aussprach, daß die Schule ihnen die Waffen für den Kamps ums Dasein gegeben habe. Auch eine Schülerin der städtischen Blindenanstall ließ sich vernehmen. Dem Festakt folgte ein Rundgang durch die Ausstellung von Taubstummenarbeiten. Die Amerikanische Rekkame-Agentur. Im Austrage des Verbandes Deutscher Retlamefochleut« sprach im Saal der Staatlichen Kunstbibliothek Dr. F r i e d l ä n d e r über die amerikanische Reklaine-Agentur.„Adoertising Slgency" ist der Zusammenschluß der Inserenten für eine zielsichere und bewußte Retlame, der in Amerika höchster Rabatt gewährt wird. Die Zei- lungen bringen der Reklame-Agentur alles Interesse entgegen, und die Verleger befinden sich in denkbarster Abhängigkeit, Der Re» klamefachmann übt auf die öffentliche Meinung großen Einfluß aus, besonders in politischer Beziehung. Es gibt sogar einen Ehrenrat der amerikanischen Reklamefochleute, und das in Druck gegebene Material wird sorgfältig geprüft: in großzügiger Weise nimmt sich die Reklame-Agentur der K lich«es an. Sie fühlt sich ganz als kaufmännischer Beroter und stellt«inen Fachmann. Chi» cago ist der Konzentrationsplatz der amerikanischen Retlome. Di» A-'entur analnsiert sozusagen das Geschäftsleben: sie nimmt sich kleinsten Anfängers an. U. a. werden bestimmt« Momente der Herstellung herangezogen. Ford, was interessant ist, ho, stin Geschäft ohne Retlame aufgebaut: heute ist er der größte Inserent. Was das rein Künstlerische anbelangt, meinte der Vertragende kam, Amerika von Deutschland lernen: es ist zwar auf prat- tischem Gebiet überleben. Die deutsche Reklame könnt« viel mehr leisten: die ausgewanderten Zeichner haben drüben Ries«ner'''lae Dos B�rtra»«» der Kunden darf in keiner Wesse erschüttert werden" schloß Dr. Friedländer seine lehrreichen Aussührungeu, Slgnalübertragung. Die Reichsbahn übet das Hern er Eisenbahanaglück. von der Deutsche» Reichsbahn-Gesellschast wird mitgeteilt: Dät ungewöhnlich schwere Eisenbahnunfall bei Herne hat erneut die Aupnertsamkeit aus die schon mehrfach in der Oesfenllichkeit be- handelte Frage gelenkt, warum die Eisenbahnen nicht Einrichtungen treffen, um die Stellung des Signals durch ein Zeichen irgendwelcher Art auf dem Führer st and der Lokomotive erkennbar zu machen und so die Gefahren, die aus der Mangel. haften Erkennbarkeit der Signale bei Nebel oder Schneegestöber«nt- ipringen. aus der Welt zu schaffen. Hierauf ist zu erwidern, daß die ReichcHahn schon in den Jahren vor dem Kriege zahlreiche Ver- suche mit den verschiedenartigsten Einrichtungen zur Signal» u b e r t r o-.g u n g auf die Lokomotive vorgenommen hat, daß aber alle diese Äpparate den Ansorderungen, die an sie gestellt werden mußten, nicht genügt haben. Wahrend des Krieges und in den ersten lltachkriegsjohren mußten die Versuche begreiflicherweise ruhen, sie wurden abess schon im Jahre 1S23 vor der Katastrophe bei Kreiensen wieder aufgenommen, obgleich gerade in den Kreisen der Lokomotio- führer Widerspruch gegen die Signalüvertragung laut wurde und auch in anderen Eiienbahnfachkreisen vielfach Abneigung dagegen bestand. Aggesichts der früheren wenig günstigen Erfahrungen mst der mechanischen und der elektromagnetischen Uebertragungsweise wurde hos neueste Mittel, die Funktechnik, in den Dienst der Sache gestellt. Die hieraus gesetzten großen Erwartungen haben sich leider brsher nicht erfüllt, obgleich sich eine führende Firma auf dem Gebiet des Funkwesens mit ihren auserlesenen Kräften und Hilfsmitteln der Versuche aufs eifrigste angenommen hat. Die Reichs- bahn wird, aber trotzdem nicht ablassen, die Frage der Signalüber- tragung npiter zu verfolgen und mit brauchbar erscheinenden Ein» richtungen. �»enen die Mängel der früheren Vorschläge nicht anhaften, Versuchs anstellen unter dem Gesichtspunkt, daß über kurz oder lang doch mit Wahrscheinlichkest die Signal Übertragung auf den Führer st and sich im Eisenbahnwesen Bahn brechen wird und ein so wichtiges Eisenbahnunternehmen im Herzen Europas, wie die Reichsbahn, dann in jeder Beziehung vorbereitet dastehen muß. — Ein onderas bemerkenswertes Mittel, um bei Nebel die Signale aufdringlicher au gestalten, wird sich voraussichtlich in der Anwen- duno sogenannter T a g e s l i ch t s i g n a l e ergeben, die einen durch Stufenlinsen stark konzentrierten farbigen Lichtkegel aussenden, der den Nebel durchdringen soll. Versuche mit diesen Signalen sind im Gange, ihre Durchführung soll mit allen Mitteln beschleunigt werden. Em elfgeschossiger Turm-Rathausbau in Steglitz. TaS BezirkAomt Steglitz hat befchlofle». die Rathäuser in Lichterfel.de und Lankwitz für Schulzwecke zu benutzen und ein zentrales Verwaltungsgebäude in Steglitz nach Plänen der Hochbauverwallung zu errichten. Als erste Baurate sollen 700 000 M. in den Haushaltsplan für 1325 eingestellt werden. Tie Hochbauverwaltung bat ein Projekt aus. gearbeitet für ein T u r m h a u s an der Ecke der Schloß» und Grunewaldstraße und Beibehaltung des jetzigen Rathauses mit zwe: großen Burghöfen, die durch einen elfgeschoffigen K e r n b a u von einander getrennt sind, während alle übrigen Teile und Flügel geschossig bleiben sollen. Der Eingang würde an der Grunewaldstraße liegen. Neubau und Umbau kosten L Millionen M._ � Eisenbahnlinie Friedrichsfelde— Schöneiche. Tie Dentsche Reichsbahngesellschaft— Reichsbahndirektion zu «erlin— beabsichtigt zur Ausführung von Vorarbeiten für eine ZaführungSlinie vom Bahnhof Berlin-Lichten» berg» Friedrichsfelde nach dem Verschiebebahnhof S ch ö n e i ch e alsbald kandmesierische Arbeiten in den Gemarkungen Berlrn-FriedrichSlelde, Berlin-» Biesdorf; Berlin- KoulSdorf und Berlin-MahlSdarf vornehmen zu lasien. Der Polizeipräsident hat gemäß§ 5 des EnrergnungSgesetzeS vom 11. Juni 1874 angeordner. daß jeder Besitzer in dan bezeichneten Gemarkungen auf seinem Grund und Boden Handlungen geschehen zu lasien hat, die zur Lorbereitung des erwähnten, die Enteignung rechtfertigenden Unter» nebmens erforderlich sind. Zum Betreten von Gebäuden und ein» gelriedigten Hof« und Garlenräumen bedarf die Unternehmerin. insoweit dazu der Grundbesitzer seine Einwilligung nichl auSdrück» lich erteilt, in jedem Falle einer besonderen Erlaubnis der OrtS» Polizeibehörde. Eine Zerstörung von Baulichkeiten jeder Art sowie ein Fällen von Bäumen ist nur mit besonderer Erlaubnis des Polizeipräsidiums zulässig._ Herabsetzung der Milchpreise. Die Ermäßigung des Butter» preiieS ermöglicht erneut eine Herabsetzung der Milchpreise. Diese betragen vom Sonnabend, de» 17. Januar ct. ab: Für ein Liter Vollmilch ab Laden deS Kleinhändlers 30 Pf., für ein Liter Voll- milch ab Berliner Kubstall 33 Pf. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert auf 10 Pf. je Liter bestehen. Eine Ausstellung von Schülerarbeilen veranstaltet die st ä d t i» fche Baugewerkichule, Berlin W 85, Kurt'iirstenstraße 141, bis Ende Februar. Die Ausstellung wird allen Besuchern, beson- der« solchen, die sich dem Hoch- oder Tiefbaugewerbe zuwenden wollen,«inen interessanten Ueberblick über den AuS- bildungSgang ihrer Schüler gibt; sie ist außer Sonntags täglich don8bis g Uhr geöffnet. Nähere Auskunft über die Auf- nobmebedingungen zum Besuche der Anstalt erteilt daS Bureau, woielbit auch die A n m e ldungen zu dem am 2. April beginnen- den sommerbalbjahre schon jetzt entgegengenommen werden. «erste und Srankenkasiea. Am?6. Januar1g25tritt im Re'chsorbeitsmmisterium unter dem Porsitz des Herrn Geh. Ober- regierungsrat Dr. Spiegelt hol vom Reichs Versicherung samt dos Reichsfchiedsnmt zur endgültigen Entscheidung über die zwischen der Aerz-l-chen Dertrogsgememschaft von Groß-Berlin und den hiesigen Kossenverbänden bestehenden Streitpunkten zusammen. Miliiantmu»— pozlfismii,«der_(9otVf stiebe lautet da» 4. Thema r der com Bund religiöser Sozia liften ceranklatteten Vortragsreihe, über da? Genosse Dr. med. Bahr mann am Montag, den 49. d M.. abendZ T/t Uhr, in Neulölln, Hariallrane 9 iGemeindelaal) bei Keiem ffinlrlll lpiechen wird,-"uvor findet eine öffentliche Diskussion über den letzten?ort:ag:.Kinderarmut(Bourgeoisie)— Jlinberreichium(Prole- tarial» ober GotteSkindschast' statt. fflnc üanicchenallsstellong veranstaltet der KrelScerdandSüd LM Iglieh«eS ProcinzialverbandeS»Brandenburger Kaninchenzüchter') com biSLSJanuar w der An«stell ungSballe des Neuen (S chöneberger RatbauseS mit Pelzmodentchau. Zur Ausstellung gelangen ungefähr 500 Kaninchen oller Raffen. Unter anderem: 150 Stück belgische Riesen. Rieienichecken und weisie Rieten con 12—17 Psd. Gewicht. Auch die kleinen Raffen mU ihren herrlichen Fellen sind in statt- iicher Anzabt cri treten. Zur Pelzmodemchan gelangen nur Stücke zur Ausstellung, die con Züchte, stauen selbst angestrtigt find. e glls C. Jranzdfifch Spanisch(fit km-ochleae. Aus Grund mehrfacher An- staqen teilt die Sprochichule für Proletarier mit, daß die neuen Abend- iurse für Französisch. Englisch und Spanisch in der kommenden Boche beginnen. Es«ei den Kurse für Anfänger und Kuls« jür Teilnehmer NtitVorkenntnislen eingerichtet. Ter Ucterricht findet wöchentlich einmal odend«(zwei Stunden) iiatt und wird con Akademikern erteilt. A n. w e I d» n g e n: Für da» Zentrum Berlin« am Montag, den 19. d. M.. und Mi„n?och. ten 21. d. M., abends wm 6 bis 8 Uhr. In der«emelrde- lchule Gipsftr. 23 a. inabe Bahnhof Lörie und Alexonderplatz) und f ü r »' u k ö I l n am Dienstag, den 20. d. abends von S bis 8 Uhr. im 4-h»eum Rtchardplatz 14(nah: Ringwbnhos Neukölln). De Wohlsakrt. schule.— bisher Iozlale Frauenschule— Barbarossa. uratz» oeianstaliet einec Kuisus über:»Die hygienische Be» ,i*"�.der Leibesübungen mit besonderer Berück. i t a» t( g uBa des weiblichen Kiörper»'. Die Vorlräae hat Herr �°°'"?'rrling»rat Dr. S e i H e r I übernommen Der Suriu» findet Natt et?. E''"f' den 20. Januar, D>er Stög, den 27. Januar und tLienslag. deu 3. Februar. 11-12'/, Uhr. in der Sarbaroffastr. SS. Sraaö w»wem thieagoer Warenhaus. Derzweifluagskämpse um die Zlusgällge. Zv Chicago brach nach einer Meldung der Tel.-Unloa in dem O e l l a g e r des großen Warenhauses»varuish" ein Brand aus. Die Explosioueu riefen eine ungeheure Panik hervor. «Ngestcllte und Besucher des Warenhauses käwpsleu um die Ausgänge. Das breunende Oel stoß aus die Straße. Retwngs- kowmandos und Löschmannschaften eilten zur Brandstelle und be- mghieu sich, die Berwirruag zu lösen. Sämtliche Fensterscheibe« der umliegeuden Häuser sind zersprungen. Die Zahl der Toten und verletzten ist noch nicht bekannt. vorträgt, Vereine unü Versannnlnngea« Reichsbanner„Schtuarv Rot-Gold". ««schält, st«!>e: Berlin S 14. L-b-ktianstr. 37/38. tzof i Tr. ttimuradsckakt Elchwald«. Sonnabend, den 17. Januar, abends MM. z Uhr. Beginn der Turnabende. Treffpuntt 7% Uhr vor der Turn- halle, tameradschakt Eharlattenburg, Zug Spree. Sonnabend, den 17. Januar, abends 8 Uhr. geinütliches Beisammensein im Lokal Büttner, Kaiserin. Auguita- Ällee»1. Republikaner alz Säst« willkommen.»aweradschast Ziowawe«. Sonnabend, den 17. Januar, abends kib Uhr. treffen sich die Sameraden. d>« au der Sründunasfeier der Orizgrupve Dornim-Bornstedt teilnehmen wollen, in der Berufsschule. Fahnen mitbringen. Bannerkleidung anziehen. Kamerad- sch-st»renzberg, Zngcndgruppea I und HL Sonntag, den 18 Januar, oor- mittags 7 Uhr, Antreien Delle-Alliance-Blah. Kameradschaft Llchtenberg»ebst Untergrappen. Sonntag, den 18. Januar, norrnittog» gln Uhr, am Bahnhof Lichtenbera-Friedrichsfclde Sammelu zum gemeinsamen Auzflug. Rllckkehr I Uhr. Alle Kameraden, vor allen Dingen die älteren, haben zu«rscheinei». Kameradschaft Pankow. Jeden Donnerstag abend von 8 bis 19 Ahr und Sonn- tag-orrnistaq oon 10 bis 12 Uhr Heben der Splelleute im Zugendheim Breit« E trabe. Kameradschaft Ti-rga.tcn. Sonntag, den 18. Januar, vormlitag- 8.05 Ubr, Lehrter Bahnhof und 8.10 Uhr Putlidstraste. Tressen zum Aiismarsch. Fahrkarten nach Seegefeld läsen. Rückkehr: Ankunft L18 Ubr Lehrter Bahnhof. Kameradschalt Srenzberg. Sonnlag. den 18. Januar, vormittag, Illzh Uhr, Treffcuntt hei Biehler, Diesstnbachstr. 78, zum Spaziergang. Fahnen mit- bringen. Kameradschaft Mitte Sonntag, den 18. Januar, vormittags 18 Uhr, trifft sich die gesamt« Kameradschaft Landsberger Str. 8g. Erscheinen oller Kameraden Pflicht. Kameradschaft Schoneberg-Friedenau. Sonnd-g. den 18. Januar, nachmittags 3 Uhr, trifft sich die Kameradschaft in Buniuw- kleidung bei Rosenthal, Dahnhof Ebersstrasie. Kameradschaft Wllmersdost. Sonntag, den 18. Januar, morgens Illi» Uhr, Treffen bei Kroihs, Holsteinische, Ecke Gostrinqe Strohe, zur PravaAUida-Mtion. Fahnen mitbringen. Kameradschaft Friedrichshaia. Montag, den 19. Januar, abends 7H' Uhr, Mitgliedern oasowimlnug im Bereinsloka! Fruchtftr. ZSa. Dortrag des Käme- naben. Rosin Uber Wobnungsfragcn. Dollzähliges Erscheinen unbedingt er» forderlich. Kameradschaft«renzbrrg. Zngendgruppe» I und III Montag, den 18. Januar, absnds Uhr. BlUchcrsäle, Blückerstr. 81. Vortrag des Reichs- tagsabgeordnoten Mrosimann:„Persänllche Eindrücke iu den Bereinigten Staaten und Meriko." Kameradschaft ReukZlln. Montag, den 19. Januar. abends TA Uhr. Juq I bei B-ihIe. Wildenbruch-, Eck« Weserstrahe. Fug II bei Mosler. W-ichs-'.str 8. 3uq lll bei Suhkl, Leine-, Ecke Hermannstrah«. 3u« IV bei SÜllnemann, Brig. Fronk-Körner-Etr. 18. Iungrnannschast: Mittwoch, den 21. Januar, TA Uhr, bei Mosler. Weichlrlstr. 8. Kameradschaft Prenzlauer Berg. Montaa, den 19. Januar, abends 7 Uhr, in der Turn- Halle Senefelderlbr. 8, Versammlung der gesamten JugendkameradschafL Stellungnahme zur Wahl eines Iugendvoisthenden. Kameradschaft Schöne. berg-Fricdevan. Montag, den 19. Januar, abend» 7(8 Uhr, Mitgliedernev- sammlung im Wilhelmshof.(Zbersstr. 88. Referent Kamerad Emil Brandt: „Was bedeutet das Reichsbanner für die Recublik?" Die Fragebogen und umzutauschenden Mitgliedskarten sind mitzubringen. Kameradschaft Weißen- see mit sämtliche» Untergruppen. Wilhclm»bcrg, Lohevfchönhausen. Malchow, Wartenberg. Montag, den 19. Januar, abends 7(4 Uhr. Mitgliedern ersamm- lang im Grünen Baum, Weihcnsee. Berliner Alle« 284. Wichtige Mitteilungen und Führerbesprechuitzg. Zugführer sowie sämtliche alten und jungen Kameraden müssen erscheinen. Mittwoch, den 21. Januar, abends 7 Uhr, Führer- befprechnng ebenda. Kameradschaft Wilmersdorf. Montaa, den 19. Januar, abends 8 Uhr. Borstandsstliung bei Kroihs, Kolsteinische, Ecke Gastetner Straße, unter Zuziehung der Zugführer. Wichtige Tagesordnung. Donnerstag, den 22. Januar, abends 8 Uhr. Kamerl-dichaftsabend im großen Saal de» Biktoria- aartens. Wilhclmsou«. Pflkchtabend! Niemand darf fehlen, da wichtigste organisatorische Arbeite« zu erledigen sind. Kameradschaft Pankow. Jeden Montag Uebungsabend in der Turnhalle Wollantstr. 181. Kameradschaft Ehar, lottcnbnrg. Dienstag, den 28. Januar, abend» 8 Uhr, findet unser Turn- abend in der Turnhalle der Wiebe.schule, Kaiserin-Angusta-Allee, Eingang Reue, User, statt. Erscheinen sämtlicher. Kameraden Pflicht, da wichtige Mit. teilungcn zu machen sind. Kameradschaft Reukilln-Driß, 3. fing. Mittwoch, den 21. Januar, abends 8 Uhr. Antreten zum Tarnen in der Turnhalle Mahlowcr Straße. Kameradschaft Prenzlauer Berg. Freitag, den ZZ. Ja» nuar. abends 7 Uhr, Seneralcersammlunz im Ledigeilheim. Pappelallee. Em- tritt nur mit Mitgliedskarte.__ Jngeadhochlchule der Sozial» Aibcitsgemeinfchafb BcrNa-vft. Davstmg. Am Sonnabend, den 24. Januars abends 8 Uhr, sprichi Am Ostbahnhos 17 Dr. Eals.au über da» Grnossrnschastswesen, die gegenwärtige Lage und ihr» Probleme..- i Reichednab der Kriegoieschädigien. Krleghteltnehmsr»ad Krieg« rhiater- bllebeueu, vrtHgruppe Srukilv(Geschäftsstelle Donaustr. 128). Dleastag, deu 28. Januar, TA Uhr. in der Aula des Zicalgmnnasiuw« Kaiser- Friedrich. Ete. 289 218 Generalversammlung. «ereiu der Freidenker sir Fenerbestattuag tt. B. Kveazierg. Bezirk t. Dienstag, den 28. Januar, abend»(-7 Uhr, in den LoheuftaufensSIeu.«gtt- duser Damm 78, Mitaliederversammlung. Verein Sozialistischer Aerzte. DeffenMch« MitgNederversanrmlung am Montag, den 19. Januar, abend» 8 Uhr. Im Haurtgefundheitsamt der Stadt Berlin, Fifcherftr. 3942(Untergrundbahn Svittelmarkt oder Kloster- swaße). Tagesordnung: 1.„Moderne Schiilzahnvfiege und die Sozialisterung des Seilwcsens." Referent: Prof. Dr. S a n t o r 0 w i c z- Bonn. 2. Di»- kusston. Käste willkommen. Mieterverband Renkölla-Brlh. Sonntag, den 18. Januar, vormittags VA Uhr. Seneraloersanimluitg im Restaurant..Karlsgartrn". Neukölln. Karls- gartenstroße. Jutritt haben nur organisterte Mieter mit Ausweis. Freireligiöse Gemelndc. Sonntag vorm. n Uhr. Paenelallec 1Z, Dortvag de» Herrn Dr. H. Hasse:„Gehet hin und lehret alle Völker.� Gäste willkommen. «rbeeter-Stcuogropheu.Bcrcln Stolze-Schre». Groß-Berlin. Die nächsten AnfSngerkurfe beginnen in der Feit vom 19. bis 2ä. Januar, und zwar: 3 e u t r u rn ob Montaa. den 19. Januar, abends MS Uhr, in der Schul« Givsstraße 23g. Neukölln ab Dienstag, den 20. Januar, abends(r8 Uhr, Im Realgemnassum, Kaifer-Friedrich-Etr. 2091210. Osten oh Montag, den lS. Januar, abends MS Uhr, im Jugendheim Große Frankfurter Str. 18 l, Zimmer 8. Lichtenberg ab Donnerstag, den 22. Januar, abends(-8 Uhr. in der Schul« Echarnweberstraße. Mariendorf ab Donnerstag, den 22. Januar, M7 Uhr. im Zugendheim Dorfstr. 7, Zimmer 9. Die Anmeldung zu den Kurien erfolgt in den Bezirken am 1. bzw. spätestens 2. Abend. Da, Kurfusgeld beträgt einschl. oller Lehrmittel für Erwachsene 7 M., für Jugendlich« unter 18 Jahren 8 M.: Erwerbslose haben l M. Ermäßigung. Die Zahlung kann eventuell in Raten erfolgen. In allen Bezirken unter- halten wir ebenfall» zurzeit Fortbildung», und Uebungskurse, wozu sederzeit Anmeldungen entgegengenommen werde». Schriftlich« Anfragen beantwortet W. Riedel, Pankow, Hcrthastr. 3 L «und Entschiedener Schulreformer. Ueber„Körper erziehuna und TodaNtät» sprechen in öffentlicher Bersammlunq de»„Bundes Entschiedener Schul- rcformer' Dr. vhil. Kennonn A l t r 0 ck(Filmvortrag), Anna Kerma»». Müller und Dr. med. Mar Sodann am Dienotog, 2 8. Januar, abend» 7 Uhr. im Werner-Siemens-Realgqmnastum, Hohrnstaufeitstr. 47/48. Jedermann eingeladen. Unkostcnbeitrag. Swie»»»»ge» für diese«Udrik find Verl»» S«. 88. Ltndenftraße Z, parteinachrkchten /fi&h für Hroß-ö- aüftia die lettt« Aufsührunp. connt«aew2 Borsiellungen. Rachi Preise der volkstünilichen Preise, 88 Pf. Galerie bi» 7 M. Lsg«. Nachmitiags halb« Atekker für VerNn«md limgeoend. Zeitweise beiter, tankt meikk krack, a und nebelia. bei schwachen wcsliichen Winden.— Ifie Uealjchiano. Ueberau niedei schiagssrei, aber vieljach nebelig. Heute Restetag Baumwollstoff-.Woilstoff-, Seidenstoff', Waschstoff- Reste und Abschnitte zu besonders biliisen Preisen HERMANN Soll W das Nadeln ein vennv, Rm..Komet" man wühlen mutz! Das neue Modell K 24 der Komet-Freilaufnabe Ist ein Glanzstüek der Fahrradtechnik. Kein Fahrrad sollte ohne diese Präzisionsnabe sein) etompelworfc• Frankfurt am Mala-Sfld leiiiBü-TlieatEr 8 Uhr: Eine Fräs ohne Bedealang von Oskar Wilde im Wnd, Utl« Smfnd iamtajs> Uhr: Hasemanns Töchter Kleines Tb. 8 Uhr: Sanco Uustsmel». Savoir fELnm&E DEL KINEMATOCHAPHIE Urft. iitmlCL ühw-Tth. Hau Irinnen-Tb. TitL 8 Uhr: Ktaru Erika Gl&ssner Kammer- Sper LGtzowstr. III. n to lloltnflslnla Täglich 8 Uhr: Vihl so ruhen, dtrr Itelbär! Korn Op. v Poise Bu Uiji kille!«» von Wend and Karten Ö. 4.3. 2 M. ''«W. trtmta ni Pbji. Staats-Theater Opernhaus Vit Li r Madame Bnttertl; Opernbaas am KöalzsolaU 7h,: Olc Bobömc Schauspielhaus VI, U. Peer Qynt Schiller« Theater VI, Oos Konzert fir. Volksoper )'/, Uhr Wildschütz Volksbühne TVjUhr Sakuntala Daufscb. Theater 7'. Uhr Die bellige Johanna Stg. naehm 2>, Uhr Alt-ReldelberK erspiele » Unr Die tote Tonte and andere Beccbeohclten S«g. nachm J Unr. Frubltngi Erwachen Die Komödie Ulfintuluni 24(207 »'/, Uhr Socbs Personen Sachen einen Aator Stg. nac m. 3 Uhr pie deutschen Kleinstädter Tkutv t. SJamrltjc Str. 8 U.: Der Tokaier Ontsdi. SÜBStlertbMl. Unit Ohr Premiere ..Riquette** Lost spiel haus 8 Uhr Giik TlWidai l>. wahre Jakob Opereltenhaas u idnltaBUna 8 Um Dl» TOtMldlt» FlU Wollner.Tbeat. 8 um PilleBiradllelisM« Residenz-Tb.! 8 Uhr O.gröötc Ltcberlolf Qiscla Verbezirk in: BosaAllsehul mit Kail Ettllafcr Preise 1,3,3 M. usw Kaller- Kernte 19JS ÜLLidniiraispalatt 23. Uoche AI labend!. SV. U. Ole eröBte Xevoe d. Welt i ..Ülllli nml Bodi" cunutav naenm. 3>. 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Sein Andenken wird bei ans hoch in Ehren gehalten werden. Berlin, den 10. Januar 1925. Das Verwaltungspcrsonal des Aktien-Vereins des Zoologisch. Gartens zu Berlin. :: Berliner Konzerthaus Mauerstrahe 82(..Clou-) Meuerstrah« 82 Täglich geöffnet Vicr-Uhr-Kaffce Promenaden• Konzert Gcscllschaitsabend/ Tanz •••••••••••••••••< NORDnFTTTSCHER LLOYD BREMEN NACH DEM SONNIGEN in die Gefilde• des ewigen Frühlings führt die erste« Erholungsreise zur See mit Doppelschf.-Salondampier „MÜNCHEN- 13408 Br.- Reg.«Ton:. Dauer der Reise vom 24. Februar bu 24.Mäi g- keikundEIgnung fragen. Wir werden nur diejenmen entfernen, die ungeeignet sind oder sich kompromittiert haben. Da wer- den wir freilich mit eisernem Besen reiniaen. Der Ministerpräsident fot in seiner Erkläruno die Dertrauensfrage oesiellt. Wenn(ein Vresieches nachher diese Stelle anders auslegte, so mußte er zum Teufel gesagt werden. Unter der Monarchie legte» auch bei jedem Thronwechsel die Minister ihre Aemter nieder. Setzt ist an die Stelle des Monarchen der Landtoa als oberste Gewalt getreten. Wir erwarten, h.aß der Ministerpräsident die Vertrauensfrage stellen und stch nicht mit einem abgelehnten Mißtrauens. "vtum begnügen wird.{Beifall rechts. Zischen be, den Sozialdemokraten.) MlnksterprÄstAent Sraan wendet stch gegen die staatsrechtlichen Ausführimgen des Abg. von Campe. Der Verfastungskonflikt brauche nicht durch eine Neu- wähl de» Ministerium» gelöst zu werden, sondern für die Entschei» dung solcher Fragen ist der Staatsgerichtshof zuständig. Die Wahlen haben eine große Mehrheit für die Politik bor Großqn Koalition ergeben. So lange der Landtag nicht der Regierung das Vertrauen entzogen hat, so lange hat sie das versastungsmäßig not- wedige Vertrauen des Baldes. Abg. v. Campe geht in semer Beweisführung zu sehr von monarchistischen Gesichtspunkten aus.{Gelächter rechts.) Zwischen dem Landtag als dem Ausdruck des Volkswillens und dem Monarchen als dem zufälligen Ergebnis eines natürlichen Ereignisses besteht schließlich doch ein Unterschied. {Sehr gut! links.) Der Ministerpräsident geht dann auf die Bor- gänge in der Kundgebung gegen die Weiterbesetzung der Kölker Zone ein und versichert, ihm sei der Beschluß des Aeltestenrots nicht mitgeteilt worden.{Bewegung und Rufe: Wo ist Präsident Bar- t e l s?) Ich hätte, fo fährt er fort, auf diesen Beschluß geantwortel: Das mag die Meinung des Aeltestenrats fein: aber die preußische Staatsregierung kann sich in einer so wichtigen nationalen Frage den Mund nicht verbieten lasten.{Beifall bei den Sozialdemokraten.) M nn Herr o. Campe sagt, man wollte die Regierung nicht den Kräften überlasten, die die Revolution gemacht haben, so beflndek er sich in dem Irrtum, daß Revoluklonen überhaupt gemacht wer- den könnten. Märe da» richüa. dann wäre die Revolution höchstens von den Kräften gewacht worden die das Volk in den Krieg gehetzt und den rechtzeitigen frieden verhindert haben.{Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wie kann man den Willen aussprechen, alle auf- bauenden Kräfte heranzuziehen, wenn man in demselben Moment die stärkste Vertretung der Arbeiterschaft zurückstoßen will? Gerade Herr v. E a m p e hat im September 1922 sehr richtig erklärt: Es darf nicht der Krieg aller gegen alle entfestett werden durch den Ruf: „Hie Bürgertum, hie Arbeiterschaft!"{Hört, hört! in der Mitte.) Er hat weiter gesagt:„Nichts ist schlimmer in der Politik als schwenken, wir müssen Kurs halten!"{Große Hetterkest in der Milte.) Die ganze Rede des Herrn v. Campe war ein herumreden um das. was er nicht offen aussprechen wollte: Die Deutsche Dolkspartei hat die Koalitionspolttik mitgemacht, so lange sie ohne die Sozialdemokratie nicht regieren konnte. Jetzt, wo sie glaubt, die Sozialdemokratie nicht mehr nötig zu haben, will sie mtt den Deutschnationalen zusammen regieren.{Laute Rufe bei den Kommun-sten: Das haben wir Euch doch immer aesagtl) Diese Schwenkung wird vorgenommen, obwohl durch die Abstoßung der Arbeiterschaft nach Herrn v. Campes Eingeständnis dadurch der Krieg aller gegen alle heraufbeschworen wird. Wir wollen diesen Krieg nicht. Wenn wir aus unseren Posten bleiben, so handeln wir im Jntereste unseres Landes und Bolkes. {Lebhafter Beifall in der Mitte.) Abg. Hirsch{Soz.) verurteilt das Vorgehen der Volkspartei bei der Kundgebung gegen die Weiterbesctzung der Kölner Zone. Die von der Volkspartei für ihre Störuno der nattonalen Kundgebung gegebene Begründung sei nicht ernst zu nehmen. Wenn sie in Preugen keine Erklärung eines Geschäftsministeriums zulassen wollte, so setze sie sich in Gegensatz zu ihrem Parteimitglied Stresemann, der im Reichs- tag dieses Recht für die in Demission befindliche Reichs- regierung ausdrücklich in Anspruch genommen habe. Der Redner verliest dann unter großer hellerkeit der Mille verschiedene Reden, ln denen Abg. v. Campe eindringlich vor einer Sprengung der Großen Koalition gewarnt Hot.{Zuruf des Abgeord- neten v. Campe:„Das galt ja alles sür die Vergangenheit, nicht aber für die Zukunft!") Abg. Hirsch wendet sich weiter gegen die Verfassungsonslegung des Abg. o. Campe. Er stellt sich auf den Boden des Gutachtens des Justizministers und lehnt dle Anträge der Kommunisten und der Volkspartei ab. Wenn die Kommunisten mit ihrem Antrag Erfolg hätten, dann würden sie selbst die kommu- nistischen Arbeiter der Verfolgung durch eine Rechtsregierung aus- liefern. Lebhafter Be fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Schmidt-Lichtenberg{Ztr.) erklärt, das Zentrum könne stch der von der Volkspartei gegebenen Auslegung des Verfastungs- artikels nicht anschließen. In längeren staatsrechtlichen Ausfüh- rungen sucht er nachzuweisen, daß die Amtsdauer des Staats- Ministeriums nicht an die Dauer des Bestehens eines Landtages gebunden sei. Der Antrag der Dolkspartei tonnte dem Derjastungs- aussckuß überwiesen werden. Hieraus schlägt der Präsident die Vertagung der weite- ren Aussprache aus Dienstag nächster Woche, 11 Uhr. vor. Gegen den Widerspruch des Abg. Pieck{Komm.) stimmt das Haus diesem Dorschlag zu. Schluß nach 6 Uhr. * Der Aeltestnrat des Preuf>Mven Landtages beschloß, sich bis Dienstag zu vertagen. Am Mittwoch muß die Aussprache ab- geschlosten sein. Die Abstimmung über die zur Erledigung stehenden Anträge wird voraussichtlich erst am Freitag nächster Woche erfolgen._ Leere Regierungsbänke. Der Reichstag mich stch vertagen. Die Tribünen und die Diplomatenloge sind in Ermattung der inzwischen abgesagten Regierungserklärung überfüllt. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um(5.25 Uhr und teilt mit. daß der erste Punkt der Tagesordnung: Die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung, abgesetzt werden müsse.(Große Unruhe bei den Kommunisten und Zwischenrufe des aus Wien wieder eingetroffenen Abg. Iwan K a h.) Der Präsident erklärt. daß der Reichskanzler ihn habe wissen lasten, daß seine Bemühungen um die Besetzung des Finanz- und Justizministeriums noch nicht zu Ende geführt werden konnten. Der Reichskanzler bat daher, die Regierungserklärung heute von der Tagesordnung abzusetzen und sie auf die Tagesordnung einer Sitzung zu bringen, die am Montag- nachmittag 6 Uhr stattfinden soll.{Unruhe bei den Kommunisten und Nationalsozialisten.) Abg. v. Graese(Nat-Soz.) erklärt, gegenüber den Persuchen, eine Regierung zustande zu bringen, müsse das Wort gelten:„Laßt alle Hoffnung fahren!" Diese ganze Regierunqsbildungsmisere schreie zum Himmel. Man wolle sogar bei der Pettrnuenssormel die Bersasiung umgehen.{Lebhaster Widerspruch.) Reichskanzler Dr. Luther solle dem Reichspräsidenten Eberl vorschlagen, auf eine Regierungsbildung zu verzichten, den Reichstag auszulösen und Neuwahlen für eine Nativnalversammlung aus» zuschreiben, damit eine neue Berfossung geschaf- fen werden könne.{Heiterkeit.) Abg. Stoecker(Komm.) erklärt, es sei ein Skandal, daß seit zw« Wochm an 500 Reichstaosabgeordnet« in Berlin sitzen und vergeblich auf die neue Regierung warten. Der Redner fordert sofortiges Eintreten in eine politische Zlussprache. Es müsie endlich dem Spektakel ein Ende gemacht werden. Er sei der Anschauung, daß man auck, ohne Iustizminister fertig werden könne. {Zwischenrufe: Das möchten Sie wohl!— Große Heiterkeit.) Der Redner sagt dem neuen Kabinett schäristen Kamp! an: denn es sei ein Kabinett d«r Schwerindustrie und de» Groß- kapital«. Der Antrag Stoecker wird gegen wenige Stimmen abgelehnt. Abg. Eichhorn{Komm.) begründet die kommunistischen Anträge zum Beamtenabbau. Die Kommunisten verlangen, daß alle abgebauten Beamten wiedereingestellt werden, sofern sie Wert auf eine Wiedereinstellung legen. Die Anträge werden dem Haushaltsausschuß über- wiesen. Die Antröge betr. Abänderung des Lichtspiel- g e s e tz e s gehen debattelos an den Bildungsausschuß. Präsident Löbe schlägt vor, die nächst« Sitzung am Montag, 5 Uhr nachmittags, mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung, abzuhatten. Abg. Dlitmaun{Soz.) beantragt, am Sonnabend 4 Uhr eine Sitzung abzuhalten, mit der Tagesordnung: Erste Beratung des Gesetzentwurfs über das Reichsschiedsamt.{Stteitigketten zwischen Aerzten und Krankenkassen.) Abg. Rädel{Komm.) beantragt, am Sonnabend die polttischo Aussprache aus die Tagesordnung zu setzen. Die Abgg. Dr. Bell{Z.) und Schultz- Bromberg(Dnat.) beantragen, den Gesetzentwurf über das Reichsschiedsamt noch heute auf die Tagesordnung zu setzen, in der Erwartung, daß er ohne Debatte an den Ausschuß ginge. Präsident Löbe schließt sich diesem Borschlag an und das Haus ist damit einverstanden. Der Entwurf über das Reichs schiedsamt wird d e b a t t«- losdem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Der Antrag, am Sonnabend eine Sitzung abzuhallen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, National- sozio listen und Bayerischen Bolkspattei abgelehnt. Nächste Sihung: Montag 6 Uhr.{Entgegen- nähme einer Regierungserklärung.) Schluß 7 Uhr. Erleichterungen öer Lohnsteuer. Die sozialdemokratische Reichstags» f r a k t i o n hat zur Lohnsteuer einen Antrag eingebracht, der zwei Forderungen aufstellt: 1. die Erhöhung des steuer- freien Lohnbetrages von 60 M. monatlich{15 M. wöchentlich) auf 100 M. monallich(24 M. wöchentlich): 2. die volle Gutbringung dieses steuerfreien Lohnbetrages auch in den Fällen von Lohnausfall infolge Erwerbslosigkeit, Krank» heit, Kurzarbeit, Aussperrung, Streik usw., sowie bei den Saisongewerben.' Die Forderung noch Erhöhung des steuerfreien Lohn- betrages auf 100 M. bzw. 24 M. wöchentlich ergibt sich aus der Lohnentwicklung des vergangenen Jahres. Als die zweite Steuernowerordnung vom 19. De- zember 1923 die Neuregelung des Lohnsteuerabzugs brachte, waren die Löhne tief unter dem Existenzminimum. Erst nach langen und schweren Kämpfen ist es der Arbeiterschaft gelun- gen, Lohnerhöhungen durchzusetzen. Die Lohnentwicklung des vergangenen Jahres bietet daher folgendes Bild: Nach„Wirt- schast und Statistik"{1. Oktoberbeft, S. 612) betrugen die tanfmäßigen Stundenlöhne in Pfennigen: bei einem am 7. Jan. 24. I.Ott. 24. Bau. Lola- Metall- F-br». Buch. vor«. arbeitet arbeitet arbeitet arbeitet drucket° 6 i,®(chnilt 64 97 65 88 63 88 52 66 56 70 arbeitet 53 61 78 85 Diese Lohnerhöhungen hatten eine Lohnsteuerbe» l a st u n g zur Folge. Der steuerfreie Lohnbetraa wurde bei steigenden Löhnen relativ immer niedriger Daher stieg die Lohnsteuerbelastung, die Dezember 1923 bei einem Ar- beiter mit Frau und zwei Kindern bei einem. Wochenlohn von 28 M. 4 Proz. betragen hatte, im November 1924 bei einem Wochenlohn von 40 M. auf 5 Proz. Bei einem ledigen Ar-. beiter stieg die Lohnsteuerbelastung in dieser Zeit sogar von 5,7 Proz. auf 7 Proz. Der Ausgleich muß durch eine angemessene Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages herbeigeführt werden. Die Er- höhung von 50 auf 60 M. ist viel zu gering, um den Lohn- steuerdruck wesentlich zu mildern. Beträgt doch gegenwärtig die Belastung eines Arbeiters mit dreiköpfiger Familie und 40 M. Wochen'obn immer noch 4,6 Proz. Wenn dagegen der sozialdemokratische Antrag angenommen wird, so braucht dieser Arbeiter nur noch 2,8 Proz. seines Lohnes als Steuer- abzug zu entrichten. Bor dem Kriege war in Preußen ein Einkommen von 900 M. jäbrlich steuerfrei. Der viel höhere Steuersatz der heutigen Lohnsteuer, vor allem aber die viel teurere Lebens- Haltung verlangt, daß das steuerfreie Einkommen wesentlich höher liegen muß als vor dem Kriege. Tatsächlich ist das von der Sozialdemokratie geforderte Existenzminimum von 1200 M. jährlich heute noch nicht soviel wie vor dem Kriege 900 M. Wer eine soziale Steuerpolitik erstrebt, kann sich der For- derung der Arbeiterschaft auf eine angemessene Erhöhung des steuerfreien Existen-minimums nicht widersetzen. Denn der Einwand, die geforderte Erhöb"ng des steuerfreien Lohnde- träges würde einen großen Einnahmeausfall Hervornifen, gilt auch für jede andere Steuer, deren Abbau von den bürger- lichen Parteien verlangt wird. Dagegen hat das Steigen der Löhne die Einnahmen aus der Lohnsteuer sehr stark er- höht, so daß sie den Voranschlag wesentlich überschritten haben. Der Ertrag der Lohnsteuer betrug in Millionen Mark in den Monaten: Jan. Febr. März Avril Mai Juni Juli Aug Sept. Ott. Nov. 74,7 63.9 71,2 79,5 87,9 96 108 107 113 115 120 Der Boranschlag ist also um mindestens 50 Proz. über- schritten worden. Der Einnahmeausfall infolge der Erhöbung des steuerfreien Lohnbetrcges wird daher mir einen Teil der unerwarteten Mehreinnahmen des Reiches aus der Lohnsteuer tressen. Die zweite sozialdemokratische Forde- rung geht dahin, den vollen steuerfreien Lohnbelrag auch denjenigen Arbeitern zugutekommen zu lassen, die infolge von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Kurzarbeit, Aussperrung, Streik usw. einen mehr oder minder großen Lohnausfall haben. Der steuerfreie Lohnbetrag hat den Sinn, ein Existenzminimum von jeder Besteuerung freizulassen. Wenn der gegenwärtig geltende steuerfreie Lohnbetrag ein Existenz- Minimum von 720 M. jährlich festsetzt, so bedeutet das. daß der Eesetzgeber es nicht verantworten konnte, auch noch Ein- kommensteile der Besteuerung;u unterwerfen, die unter dieser Mindestg,ren?e siegen. Soll dieser Zweck enef** werden, so muß von jedem Einkommen dieses jährliche Exittenz- Minimum steuerfrei bleiben. Die Erhebung der Lohnsteuer an der Quelle hat a' er bisher verhindert/ daß dieses Ziel voll- ständig erreicht wurde. Die Berücksichtigung der Ermäßigung bei der Lohnsteuer erfolgt bei jeder Lohnzahlung für die Zeit, für die der Lohn bezahlt worden ist. Wenn also ein Arbeiter für eine Zeit keinen Lohn erhalten hat— zum Beispiel wenn er arbeits- los oder krank war— so werden auch für diese Zeit nicht die Ermäßigungen berücksichtigt. Am Schluß des Jahres muß sich dann herausstellen, daß ein solcher Arbeiter nicht ein Arbeitseinkommen von 720 M. steuerfrei hatte, sondern viel weniger, daß also auch sein Existenzminimum besteuert wurde, obgleich es der Gesetzgeber von der Steuer freilassen wollte. Hat zum Beispiel ein lediger Arbeiter einen Wochenlohn von 30 M., aber nur 30 Wochen gearbeitet, so beträgt sein jährliches Ein- kommen 900 M. Bei einem steuerfreien Lohnbetrag von 720 M. hätte er davon nur 180 M. zu versteuern brauchen. Aber da er nur 30 Wochen gearbeitet hat, ist ihm auch nur für 3V Wochen der steuerfreie Lohnbetrag angerechnet worden, d. h. 30 X M.— 450 M. Von seinem Jahreseinkommen blieben also 45 0 M. steuerpflichtig. Während er tatsächlich nur 1 8 M. Jahressteuer oder 2 Proz. zu zahlen hatte, mußte er in Wirklichkeit 4 5 M. oder 5 Proz. zahlen. Es gibt sogar viele Fälle, in denen Lohnsteuer gezahlt werden muß, o b- wohl das Einkommen überhaupt nicht ein- mal das steuerfreie Existenzminimum er- reicht!» Diese Ungerechtigkeit zu vermeiden, gab es bisher nur einen Weg. Der Arbeiter mußte am Sch lußdesIahres eine Eingabe an das Finanzamt machen und die volle Be- rückfichtigung des steuerfreien Existenzminimums im Wege der besonderen Veranlagung beantragen. Auf diesen Antrag erhielt er dann den zuviel gezahlten Steuerbetrag, also in unserem Beispiel 27 M., von der Finanzkasse zurück. Dieser Zustand ist durchaus unbefriedigend. Denn diese Rück- Zahlungen funktionierten nicht so glatt, wie es vorgesehen war, und für den Arbeiter ist diese Regelung keineswegs eine willkymmene Sparkasse, sondern eine Quelle vieler Schere- reien. Er konnte aus diese Beträge keineswegs zu einem be- stimmten Zeitpunkt rechnen, sondern erhielt sie unter Um- ständen erst nach einem halben Jahr. Für die im Laufe des Jahres 1924 zuviel gezahlten Lohnsteuerbeträge kommt aber noch hinzu, daß hierfür eine Rücker st attung im Wege der Veranlagung wahrscheinlich gar nicht in Frage kommt, weil eine Einkommensteuer- Veranlagung für 1924 vielleicht überhaupt nicht durchgeführt wird. Einstweilen weisen die Finanzämter Anträge auf Rückerstattung zuviel bezahlter Lohnsteuern ab. Aber auch für die Finanzämter bedeutet eine solche Veranlagung eine Mehrbelastung mit unproduktiver Arbeit, die das auch der Lohnsteuer zugrunde liegende Prinzip durchbricht, daß besondere Veranlagungen nur vorgenommen werden sollen, wenn dadurch eine lohnende Mehreinnahme für den Steuerfiskus erzielt werden kann. Es muß daher sowohl im Interesse des Steuerfiskus wie der Arbeiterschaft gefordert werden, daß die volle Berücksich- tigung des jährlichen steuerfreien Lohnbetrags sofort beim Abzug der Lohn st euer erfolgt. Die Sozial- demokratie hat diese Forderung wiederholt gestellt, zuletzt bei den Verhandlungen über die zweite Steuernotverordung im Dezember 1923. Bisher aber ist nichts geschehen. Bei der Neuregelung der Steuergesetze wird die Ent- scheiduna über die sozialdemokratischen Anträge fallen. Es wird sich zu zeigen haben, ob die bürgerlichen Parteien die unsoziale Steuerpolitik, die sie bisher betrieben haben, noch dadurch übersteigern, daß stc die Besitzsteuern weiter abbauen, die unerträglich hohe Lohnsteuer mit ihren sozialen Härten aber belassen. Solche Absichten werdest auf den entschieden st en Kampf der Sozialdemo- kratie stoßen._ Mus öer Partei. Sozialistische Erfolge in Argentinien. Die Zlvgeminische Sozialistische Partei hielt vom 4. bis 6. Ja- »mar in Buenos Aires einen außerordentlichen Parteitag ab, der sich mit folgenden Gegenständen beschäftigt«: Revision des Aktionsprogramms der Partei, Aufstellung eines Kommunalpro- aramms und Ausarbeitunq von Richtlinien für die Haltung der Partei in der Frage des Wohnungswesens Diesen Beratungen kommt deshalb besondere Bedeutung zu, weil die argentinische Partei soeben bei den Gemeinderatswahlen m Stadt und Provinz Buenos Aires bedeutende Erfolg« erzielt hat. In der Stadt Buenos Aires erhielt sie 57 lög von ins- aeiamt 170 000 abgeg denen Stimmen. Bei den letzten Wahlen(1922) betrug ihre Stimmenzahl 49 681, sie hat also rund 14 Proz. an Stimmen gewonnen. Sie ist die stärkste Partei und besetzt 5 von den 15 Sitzen des Gemeinderates. Verhältnismäßig noch größer sind die Erfolge unserer Genossen bei den ZLahlen in den kleinen Gemeinden der Provinz Buenos Aires. Sie verzeichnen in fast allen Orten Stimmengewinn, nicht selten ein« Verdoppelung der Stimmenzahl. In der Gemeinde Mar del Plata wurde die Majorität erobert. Wirtsthorst Die guten Gesthäfie öer Nentenbank. Es ist still geworden um die Rentenbank. Die zu ihrer Liqui- dierung eingesetzte Treuhandstelle funktioniert, und wenn schon vor deren Wirken bange gemacht wurde mit dem Hinweise daraus, daß die Zurückziehung von mehr als 100 Millionen aus den Tresors der Großbanken die Börse und den Geldmarkt erschüttern werde, so hat sich auch diese.Befürchtung" nicht bestätigt. Die Wirtschaft ist eben widerstandsfähiger geworden, die Kredite wurden rasch umgesetzt. Nur einmal hörte man wieder von der Rentenbank, als sie die Z i n- sen stundete. Für die Landwirtschaft ist diese Stundung aus unbestimmte Zeit erfolgt, bis zur Fertigstellung des„berichtig. te n W e h r b e i t r a g s". Das kann man Weithsrzigkeft nennen. Die Berichtigung des Wehrbeitrages hängt aufs engste zusammen mit der F i n a n z r e f o r m. und diese geht schon seit Iahren als Spuk- gespenst umher: keiner kann sie erfassen: sie entwindet sich immer wieder, und so blieb von dem Schemen der Finanzreform nur die S t e u e r m a ch e r e i, die sich am empfindlichsten beim Lohn- und Gehaltsabzug auswirkt, während der Kampf gegen ein wirkliches soziales Steuersystem noch von jeher am heftigsten von Seiten der Agrarier geführt wurde. Es wäre verlockend, festzustellen, was der Großgrundbesitz— vor allem in der Borkriegszeit— wirklich an Steuern gezahlt hat: man würde dann sehen, daß vom Ratio- nalismus des Wortes bis zum Nationallsmus der Tat ein weiter Weg ist. Sei dem, wie ihm wolle: die Rcntenbankzinscn wurden der Landwirtschaft bis zu einem recht fernen Termin gestundet. Und wenn der Wehrbeitrag berichtigt ist— gegen das Reichsbewerwngs- gesetz läuft der Landbund schon Sturm, ehe überhaupt der R e f e. rentenentwurfgeborenist—. werden die Zinsen auch nicht sofort eingezogen werden. Die Landwirts chast kann mit dem Gelde n o ch l a n g e a r b e i t e n. Die Zinsesstundung ist nichts anderes wie ein verschleierter, zinsloser Kredit, der so lange gegeben wird, bis die Agrarier ihre Zölle in der Tasche haben. Hier ist eine Zwischenbemerkung notwendig. Im Augenblick hat man kein Interesse an Zöllen, well die Ernte 1924 bereits„abge- stoßen" ist. Aber die Etappe wird jetzt eingerichtet, wenn die maß- gebenden Instanzen nicht scharf zusehen. Die Etappe soll in der Aushebung der Reichsgelreide stelle bestehen. Durch sie will man der Regierung die Möglichkeit nehmen, daß sie Getreide in größerem Umfange einführt und aufstapelt. Ist die Getreidestelle aufgehoben, dann mag der Zoll kommen. Um das„Durchhalten" zu ermöglichen, hat man außer den Krediten noch zinslose Kredite. Aber nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der I n d u st r i e wurden die am 1. Oktober o. I. fälligen Rentenbankzinsen zunächst bis zum 15. Januar gestundet. Jetzt heißt es, daß es sich bei dieser Maßnahme nur um ein Provisorium handelt. Tatsächlich werden die Rentenbankzinsen der Industrie dur-HGesetz oder auf dem Ver- ordnungswege überhaupt niedergefry lagen. Die Industne erhält also eine ganz beträchtliche Morgengabe von der Rentenbank. Diese selbst muß glänzende Geschäfte machen, sonst wäre eine solche Finanz- und Zinspolitik nicht möglich, an der die Oeffentlichkeit doch nicht so ganz uninteressiert ist. Man braucht nicht so weit zu gehen, um von Schiebungen zu sprechen: aber die Zinspolitik der Renten- bienk scheint hier nicht im Einklang zu stehen mit der Kredit- und Zinspolitik der R e! ch s b a n k. Es scheint, als ob die Rentenbank sich jetzt schon eine Sonderstellung langsam einrichtet, die es berechtigt erscheinen läßt, wenn man von einem„Staat im Staate" redet, wie es an dieser Stelle bereits geschehen ist. Der Gesetzentwurf, der sich mtt dem Ausbau der Rentenbank be- schästigt, soll als einer der ersten dem Reichstage zugehen. Es besteht also olle Veranlassung, die Augen offen zu halten. Dann wird wohl im Reichstage eingehend über alle diese Dinge gesprochen werden müssen. Der Reichstag könnte sich dann auch Auskunst dar- über geben lassen, wie viele der in den Zeiten der Treuhand- zwischenlösuiTg begebenen Kredit« an den Großgrundbesitz, wie viele an die Kleinbauern gekommen sind. Im Zusammen- hang damit wäre es gewiß nicht uninteressant, zu erfahren, welche Zinsen der Großgrundbesitz, welche der Kleinbauer zahlen muhte. Auch über die B e r w e n d u n g der Kredite näheres zu hören, könnte reizen. Man raunte von Gerüchten, daß Rentenbankkredite aufgenommen und dann von den Kreditnehmern zu höheren Zinsen weiter begeben wurden. Kurzum, der Reichstag hat das größte Interesse daran, vollste Klarheit zu erhalten. Grundsätzlich wird Vorsorge getroffen werden müssen, daß die Rentenbant eben kein Staat im Staate wird, daß sie keine finanzielle Waffenschmied« für reaktionäre politische und wirtschaftliche Zweck« wird. Nach wie vor wird man daran festhalten müssen, daß die großen Mittel für sozial« Zwecke— auch der Landwirtschaft verwendet werden. Man sage nicht, daß hier nichts zu tun sei. Man höre nur die Klagen der Kleinbauern, die allmählich aufwachen. Wie steht es mit dem Siedlunoswesen? Sollte da nicht ein Betätigungsfeld für die Renten- bank und deren gutes Geschäft sein? Nichts wäre abwegiger, als wenn sich die Volksvertretung mit der rein sinanztechnischen Seite dieses schweren Problems begnügen würde. Die Rentenbank hat ohne Zweifel dem Volte gute Dienste getan; diese kann man mit keinem besseren Danke lohnen, als wenn sse umgestaltet wird zu einer Kraftquelle, welche das brach liegende soziale Feld befruchtet. Hier harrt des Reichstags eine große und veram- wortungsoolle Aufgabe._ Steigenöe Lebensmittelpreise. Amtlich wird mitgeteilt: Die auf den Stichtag des 14. Januar d. I. berechnet« Großhan d« l si n d ex zi ff e r des Statistischen Reichsamts ist gegen- über dem Stand« vom 7. Januar(136,4) um 1,8 v. H. auf 138.9 gestiegen. Höher lagen vor allem die Preis« für Getreide und Kartoffeln, ferner für Rindfleisch, Hopfen, Ochs- und Kuhhäute, Kalbfelle, Treibriemenleder. Baumwolle. Rohjute und Hanf. Ge- funken sind die Preise für Butter, Schmalz, Heringe, Schweinefleisch, Milch und einige Nichteisenmetalle. Bon den Hauptgruppen stiegen die Lebensmittel von 134,4 a u s 138,1 oder um 23 o. H. Die Jndustriestoffe blieben mit 140,3(Vorwoche 140,2) nahezu unverändert. Der Lebenshafkungsindex. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung. Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, den 14. Januar ist gegenüber der Vorwoche(123,8) mit 124,0 nahezu unverändert geblieben. Golöbilanz des Krupp»Konzerns. Der Krupp-Konzern ist dasjenige deutsche Montanunternehmen, das durch den Berfailler Vertrag die größten Umstellungen durch- zuführen gezwungen war, da es bis zum Kriegsende fast ausschließ- lich Heeresmaterial und Kriegsschiffe baute. Er ist heute mit seiner Produktion von Kraftwagen, landwirtschaftlichen Maschinen. Waggons und Lokomotiven, Feldbahnen, Grubenbahnen, Motoren, Textilmaschinen. Registrierkassen, Kinoapporaten, chirur- gischen Instrumenten, Preßlustwerkzeugen und der Produktion der Rohstoffe und Halbfabrikate dazu vollständig auf Friedens- erzeugung umgestellt. In zehn deutschen und vier ausländischen Veitriebsgemeinschaften(Wien, Haag, Nymweaen, Madrid) sind für sämtliche Produktionszweige selbständige Äbsatzorganisa- tionen geschaffen, gleichzeitig wurde» 1023 in der A.-G. für Unternehmungen der Eisen- und Stahlindustrie Berlin die umfang. reichen Beteiligungen(Bergwerke, Stahl-, Walz- und Drahtwerke) unter besondere Verwaltung gestellt. Je 2 Zechen- und Erzgruben- komplere, 3 Hüttenkomplexe mit 17 Hochöfen(davon heute 11 unter Feuer), 11 Stahlwerke mit 12 Konvertern, 62 Siemens-Mattin- und 3 Elektroofen sind die Rohstoff- und Halbfabrikatbasis für Selbstverbrauch und Markt. Das 1923 zu selbständiger Beiwaltung vom Mutterwert losgelöste Gruson-Wert Magdeburg und die gleichfalls verwaltungsmäßig dezentralisierte Germania. Werft Kiel stehen allein außerhalb der massig konzentrierten rheinisch-west- sätlschen Hauptbasis des Krupp-Konzerns. 2lm 30. Juni 1923 waren 97 300, am 30. September 1924, im Gefolge der Stabil!- sierung, waren nur 71 320 Mann in den Werken beschäftigt. Noch dem Geschäftsbericht mußten seit November 1918 9173 Arbeits- Maschinen(44 Proz. des Gesamtbestandes) infolge des Waffen- still st ands- und Friedensvertrags zerstreut oder zer- stcrt und rund 9000 Tonnen Lehren und Vorrichtungen vernichtet werden. Die Goldbilanz zeigt an eigenen arbeitenden Mitteln ein- schließlich der gesetzlichen und Sonderrcserven 1924 für Krupp- Werke(200), Gruson-Werk(11), Germania-Werft(11) und hie Ber- liner Beteiligungsverwattung(14,4). zusammen 236.4 Millionen gegenüber 231,0 Millionen 1914. Fremde arbeitende Mittel, An- leihen und Hypotheken also: 6,4 Millionen aufgewertete und 6.2 Millionen Gold onleiheschulden. Die Popieranleiheschuld be- trug 1914 51,2 Millionen, so daß ein A u f w e r t u n g s g« w i n n von 45 Millionen Goldmark vorliegt. Daneben stehen die Forde- rnngen der Pensions, und W e r k s p a r k a s s e n mtt ins- gesamt 796 000 M. in allen vier Abtellungen gegenüber 46 Millionen 1914. Während der Inflation ist der Bestand der Werksparkassev n» Krupp-Aktien umgewandett worden, aus denen die Arbetter heute etwa den fünffachen Betrag des damaligen Goldwerts ihrer Papier m a r t guthoben, nämsich 3,3 Mill. M. ausgezahlt erhalten sollen. Das entspräche l/u etwa sowohl des Betrages von 1914 als von 1919(46,3 bzw. 46.7 Mill.) oder rund 7 Proz. In den Aktiven sind für den Gesamtkonzern Anlagen, Maschinen und Borräte(vorsichtig bewertet) mit 302,3 Mill. gegen 402 Mill. 1914 ausgewiesen. Die Wertpapiere undBeteiligungen erscheinen 1924 mit 66,28 gegenüber 88,25 Mill. 1914. Aus dem Industrie belastungs gesetz erwartet der Krupp- Konzern eine Belastung von 33,1 Millionen, was 15 bis 16 Proz. des gesamten Eigenkapitals entspricht. Diese 15 bis 16 Proz. werden sich nach dem Aufbringuvgs gesetz, das die ge s a m t e Privat- Wirtschaft zur Aufbringung der Industrielasten für die Reparation?- Zahlung heranzieht, aus mindestens 12 Proz. ermäßigen, deren Ber- zmsung und Amortisation auf mehrere� Jahrzehnte verteilt fft. Die Bilanzen des Krupp-Konzerns enthallen natürlich sehr große stille Reserven. Nicht entfernt sind die Erweite- rungen voll ausgewertet, die seit 1914 durchgeführt worden sind. Das war auch nicht anders möglich, da für die großen Amerika- Kredite(vorläufig 10 Mill. Dollar oder 42 Mill. M.) in der De- Wertung der Aktiven Raum gelassen werden mußte. K—r. * Wie gemeldet wird, hat der Krupp-Konzern feine Interessen auf den Balkan ausgedehnt. Er hat sich die„Erste jugoslawische Fabrik für Waggon-, Maschinen- und Brückenbau A.-G." in Brod angegliedert und beabsichtigt die Errichtung einer»Jugoslawischen Krupp- A.-G." Eine notwendige Reform der Staatsbaak. Das Preußische Staatsministerium hat beschlossen, einen Ausschuß zur beirätlichen Mitwirkung bei den Geschäften der Preußischen Staatsbank(Sechandlung) zu errichten. Der Ausschutz ist insbesondere gutachllich zu hören über die Grundsatze für die Kreditgewährung, über die Grundsätze für die An- nähme von Einlagen, ferner über die BUanz und die Gewinnberech- nung. Er ist berechtigt. Borschläge über etwa gebotene Maßregeln zu machen. Als Mitglieder des Ausschusses sind» wie der Amtliche Preußische Pressedienst mttteitt, berufen worden: Di« Mitglieder des Landtages: Dr. Hager, Dr. Höpker- Asch off. Dr. Leidig, Dr. Waentig und Dr. o. Winter- feld. ferner der Präsident des Reichsbankdirektoriums Dr. Schacht, der Präsidem der Preußischen Zenttal-Genossenschakts- lasse, Semper, Generaldirektor Lob von der Preußischen Berg- werks- und Hütten A.-G., Generaldirektor von Belsen von der Bergwerksgesellschast Hibernia in Herne, Dankdirektor Karl G e l p ck e, Berlin, Staatssekretär a. D. Prof. Dr. August M ü l- ler. Ministerialdirektor Dr. Erytrophel und Ministerialrat v. S ch e n ck, beide vom Preußischen Finanzministerium, Minis!«- rlaldirektor Bail vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerde, sowie Ministettaldirektor Dr. M u l e r t vom Preußischen Ministerium des Innern. * Die Bildung eines besonderen Beirats für die Staatsbank hat sich als notwendig erwiesen nach den Fehlgriffen, die dieses von Beamten des alten Regimes geleitete Institut in verschiedenen Fällen, besonders bei der Kreditgewährung begangen hat. Reichshaupkkasie imd Reparakionserstattungen. Der Answ.is über die Geldbeweguna bei der Reichshauptkasse im Dezember überrascht in zweifacher Beziehung:«r stellt einen zahlenmäßigen Ueberschuß von 208 Millionen Mark fest der aber in Wirklichkeit ein Fehibelrag von 25 Millionen ist. Die Summe der Einzahlungen beträgt rund 690 Millionen Mark. Dem stcmu Ausgaben in Höh« von rund 481,9 Milüonen Mark gegenüber. Der zahlenmäßige Ueberschuß beträgt also 208.1 Millionen Mark. Dieser Ueberschuß erklärt sich dadurch, daß der Generalagent für die Reparationszahlungen für die Zeit vom 1. September bis 20. Dezember 1924 der Reichsregierung die bekannten Beträge in Höhe von 233 Millionen Mark, die das Reich als Vorschuß aus die erst: Annnirät aus dem Dawcs-Plan geleistet hat, zurück- vergütete. Setzt man diese Summ« nicht ein. so ergibt sich tat- sächlich est, Fehlbettag von rund 25 Millionen Mark. Bei den Einzahlungen werden die Einnahmen aus Steuern usw. mit 619.3 Millionen angegeben. Sie umfassen allerdings n i cht d>« verpfändeten Zölle usw. mit rund 146.2 Millionen Mark. so daß in Wirklichkeit statt des Solls von 635 Millionen Mark nur 4883 Millionen eingetommen sind. Diese Summ«« r h o h t sich aber aus 619,3 Millionen, da der Haupttass« die verpfändeten No- vemberzölle mit 1303 Millioren zugestellt wurden. Die schwebend« Schuld betrug am 31. Dezember rund 165 Millionen Mark. Davon entfallen 18,6 Millionen auf Zahlungs- verpstichtungen aus Schatzanwcisungen und Echatzwechseln und 116L Millionen an Sicher heitslefftungen mit Schotzanweffungen und Schatzwechseln. Der aus dem Derkauf von Reichsmarkwechseln ge- bildet« Betriebsfonds hatte nur ein« Höhe von 30 Millionen Mark. Die Zinsoergütung. d* mit ungefähr 8 Proz. ganz refpek- tabel ist, scheint demnach angesicksts der hohen Zinssatz«, die immer noch zu erlangen sind, kein geeignete» Anziehungsmittet für den Patriotismus der deutschen Kapitalisten zu sein. Flaschen- und Alkoholiadustrle. Die Alkoholrndusttte stöhnt und vctteitt die Dividenden. Ei« klagt über Steuern, Konsumrückgang und über vieles andere. Daß es mtt dein Konsumrückgang nicht sehr weit her ist, zeigt der steigende Absatz der das Alkoholgewerb« be- liefernden Flaschenindustrie um so mehr, als ja bekanntlich ein Teil des Alkohols durch Faßausschant direkt an die Konsumenten kommt. Die Verwaltung der zum Siemens-Glas-Konzern gehören- den S t r a l a u e r Glashütte, an der der Konzern Ostwerke- Schultheiß-Patzenhofer-Kahldaum mit erheblichem Aktienbesitz betei- ligt ist. und die den größten Teil ihrer Flaschenproduktion in der Alkoholindustrie absetzt, erklätte in der Generalversammlung, daß trotz unlohnender Preise, trotz hoher Steuerlasten, trotz teuren Frachten für da» abgelaufene GesMftsjahr mit einer an gern es- jenen Dividende zu rechnen fei. Von der Produktion, die un- gefähr ein Drittel des Bottahres ausmache, bleiben 50 bis 60 Pro.z. im Inland, da für das Ausland die Preise für deutsche Flaschen m hoch seien. Darunter leide das Exportgeschäft. Es bleibe ein weil höherer Prozentsatz der Produktion wie vor dem Kriege im Inland. Die Goldbilanz und die Umstellung— 5:1 für die Stamm-, 125: 4 für die Borzugsoktien— wurde genehmigt. Merkwürdige kartevpolitik. In Deuischland sind die?u«e fabrizierenden Unternebmunaen bekannilich zur Tuckkonvennon zusammengeschlossen. Die Tuchkonvention regelt bis in die kleinsten Details die Bedingungen, unter denen � ihre Mitglieder ihre Fabrikaie an deutsche Unternehmer abgeben diirien. Dagegen hoben die Mitglieder bei den Verläufen an auSlän. d i f ch e Käufer völlig freie Hand. Daraus erklärt«S sich� daß. wie in der Textilfachpresse berichtet wird, deurfche Tuche, die aus dem Ausland noch Deutichland zurückkommen, bei uns billiger zu haben sind als der Preis illr deut'che Tuch« von den Fabrikanten ielbst für Deutschland beträgt. Da« ist um so merlwürdiger, als auf Tuchen bei der Einfuhr ein hohe, Zoll lieor Nicht bloß um diesen Zoll, sondern ou» um die erheblichen V törderungs speien und die verschiedene,, hinzukommenden Verdienstsvaime» müssen doch die deutschen Tuchiabriken ihren PieiS bei der Abgabe an onsländiiche Unternehmer ermäßigt haben. Kann man sich da wundern, daß im Auslande Textilien billiger zu haben find als bei unS? 3 Sonnaöenö 17. Januar 1925 und ANissen Settage öes vorwärts der stählerne freund. Von Wilhelm He g e l e r. Ich halte den Besitz eines Revolvers für den ersten Schritt zum Selbstmord. Haben Sie je in einer Zeitung gelesen, daß ein Haus. bewohner einen Einbrecher durch Revolverschiisse in die Flucht ge- jagt oder unschädlich gemacht hätte? Dagegen können Sie jeden Tag lesen, daß jemand durch das ungeschickre Hantieren mit einer Schußwaffe sich selbst oder einen anderen lebensgefährlich verletzt hat. Darum fort mit diesen vernickelten Schlangen, die der harm- lose Bürger an seinem Busen nährt! Das einzige empfehlenswerte Mittel gegen Einbrecher ist die Bettdecke. Hören Sie in der Nacht ein verdächtiges Geräusch, so ziehen Sie die Bettdecke über die Ohren und summen das Schlummerlied von Brahms vor sich hin. Schließlich sind Diebe und Einbrecher auch Menschen und wollen leben, und wenn man ihnen die Ausübung ihres Berufes unnötiger- weife erschwert, so hat man sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Allerdings muß ich gestehen, daß ich mich erst nach einer Reihe bitterer Erfahrungen zu dieser selbstlosen Aufsasiung durchgerungen habe. Als in Berlin die Unsicherheit überhand nahm, als die Lit-, faßjäulen über und über mit roten Zetteln betlebt waren, die Milliardenbelohnungen für die Wiederherbeischajfuna geraubter Wertgegenstände versprachen, und die Häuser, in denen die Treppen- loufer nicht fehlten, zu zählen waren, in dieser Zeit gehörte auch ich zu den Hitzköpfen, die glaubten, dem rollenden Rad der Entwicklung in die Speichen greifen zu können. Als bestes Mittel dafür wurde mir ein wachsamer Hund empfohlen. Ich ließ also einen kommen, unter Garantei edr Stubenreinheit. Unser Dienstmädchen erklärte nach kurzer Zett:.Der Hund ist ein Wundertier. Der frißt immer- zu und verdaut nie.' In Wahrheit aber war er nur ein lebendiger Gegenbeweis gegen die Ansicht des Sokrates, daß das Wissen um die Tugend auch ihre Ausübung bedeute. Er war sich der Pflicht, die er mit dem Garantieschein übernommen hatte, voll bewußt, da er aber die kurzen Augenblick« der Freihett morgens und abends nicht durch solche niedrigen Verrichuingen beeinträchtigen wollte, kroch er in unbewachten Augenblicken in die unausfindlichsten «cblurfwinkel, unter Schränke und Bettstellen und oerrichtete dort sein Geschäft. Nach einer Woche muhten wir den Hund abschaffen. Den Gestank wurden wir nach einem Monat noch nicht ws. Daraus versuchten wir es mit einem Sicherhcttsschloß.„Abra- Horns Schoß'— so hatte es der Erfinder genannt..Diese Nacht werden wir aber prächtig schlafen,' sagte meine Frau,.so sicher wie in Abrahams Schoß.' Ich merkte keinen Unterschied und schlief erst gegen Morgen ein. Natürlich war ich ärgerlich, als unser Mädchen mich kurz nach sieben weckt«! der Gasmann stände vor der Tür und sie betäme das Sicherheitsschloß nicht auf. Meine An- strcngungen waren ebenfalls vergeblich..Abrahams Schoß' hatte die Eigentümlichkeit, daß er sich im Handumdrehen schließen, aber nur mtt Hilfe eines Schlosiers wieder öffnen ließ. So blieb uns nur die Mordwaffe. Seitdem war es um meine Ruhe geschehen. Ich wollte den geladenen Revolver im Nachttisch verwahren. Meine Frau erklärte, das ginge unmöglich..Stell dir doch vor,' sagte sie,.wir hören wirklich einen Einbrecher, dann siitd wir furchtbar aufgeregt, reißen mit Gewatt die Schublade auf, sie fällt auf den Boden, alle« purzelt durcheinander, und ehe wir dann den Kerl gestellt haben—'.Wir?' versetzte ich..Ich hoffe, du wirst mir doch zutrauen, daß ich allein—'.Nun, meinetwegen. du; Aber der lNachttisch ist nicht der richtige Ort. Du muht den Revolver unterm Kopfkissen aufbewahren.' Meine Frau hätte mir ebenso gut zumuten' können, die ganze Nacht den Revolver zwischen den Zähnen zu halten. Sie nannte ihn ihren„stählernen Freund' und erinnert« mich an ihn m den unschicklichsten Augenblicken. Aber das Schlimmste war doch die Angst, die ich seitdem nicht las. wurde. Bei dem kleinsten Geräusch fuhr ich in die Höh«. Wachend und träumend hörte ich verdächttge Schritt«. Eines Tages fand bei uns Umzug statt. Bon morgen» bis abends stand das Haus offen. Die Treppe wimmette von oerdäch. ttgen Gestalten. Wenn überhaupt je. dann würden die Einbrecher diese Nacht kommen, sagte ich mir. Und wirklich, kaum war ich ein- geschlafen, da wachte ich auf. weil die Flurtür leise geöffnet wurde. Jemand tappte den Gong entlang, verschwand in meinem Zimmer. Mit einem Griff hatte ich den Revolver. Da umklammerte mich meine Frau..Liebster, um Eotteswillcn. bleib hier! Rühr dich nicht! Was liegt schon daran?' Aber ich dachte: Ich kenne euch. Eist verführt ihr den Mann zur Schwäche und habt ihr ihn so weit, dann werft chr ihm hinterher seine Feighett vor. Hier hilft kein Maulspitzen mehr. Hier muß— geschossen werden. Ich riß die Tür auf. der Schuß krachte, em Hagelschauer von Glassplittern umklirrte mich, als wenn der ganze Kronleuchter her- uitterläme. Aber zugleich hörte Ich einen gellenden Aufichre,. wie ihn nur ein tödlich Verwundeter ausstoßen kann. Großer Gott, sollte der Einbrecher schon auf eine Leiter gestiegen sein. Ich ging zu meiner Frau zurück und sagte mit der düstipfen Gleichgültigkeit der Verzweiflung:.Der hat sein Teil weg.'„Ungeheuer! Mörder!' schrie meine Frau mich an.„Wenn ich das je von dir geahnt hätte!' Und sie drehte mir schluchzend den Rücken. Ganz tot schien indes der Einbrecher nicht zu sein, denn sein Jammern war noch deutlich zu hören. Meine Frau sprang auf.„Wir müssen ihm helfen. Der arme, unglückliche junge Mensch! Gewiß war es sein erster Versuch. Ein Sohn aus gutem Hause, den nur die furcht- bare Not auf diese Bahn getrieben hat. Komm mir nicht zu nahe! Du riechst nach Blut. Nie wieder darfft du mich berühlen.' Ich drehte in meinem Zimmer das Licht an. Da tanzt vor mir auf einem Bein unser neuer Mieter.„Herr Professor!' rufe ich ihn an. „Wo bin ich?' fragt er.„In meiner Wohnung. Sie haben sich In der Etage geirrt.'„O popoi, o popoi,' jammert das alte Männchen Oer Siiberstreif am Horizont. »Lieber Gott, wir danken dir, daß- du uns endlich die heiß- erflehte Bürgerblockregierung beschert hast. Nun werde ich vielleicht doch noch den Roten Adlerorden 4. Klasse mit der Schleife bekommen, den mir die Zudenrepnblik sieben Fahre lang vorenthalten hat.' und zittert in seiner Aufregung griechische Verse.„Also keine Ein- brecher? Und ich von allen Göttern Verlassener, o popoi, o popoi. o popoi, habe mich selbst in den Fuß geschossen." Und er zeigt uns seinen blutüberströmten Schuh und den Revolver in seiner Hand. So war es gewesen. Wir hatten beide gleichzestig geschoben. Ich hatte meinen neuen Kronleuchter zertrümmert und er seinen rechren Fuß. Ztach diesen Tatsachen bitte ich Sie, mir sagen zu wollen, auf welcher Eigenschaft es beruht, daß meine Frau von ihrem„stählernen Freund' noch immer nicht kuriert war? Ich lleh chr den Willen und verwahrte den Revolver weiter unter dem Kopfkissen. Aber heimlich zog ich die Patronen heraus, nahm überhaupt alles, was ich an Patronen im Haufe hatte, und warf es in den Kanal. Im übrigen erkläre ich nochmals: das einzig Richtige gegen Ein- brecher ist die Bettdecke._ Jrn Namen öes Königs! Ein alter Horier Genosse kenbet uns fol« luftige Erinnerung aus der Zeit turg vor Einsillirung des Sozialistengesetzes: Im Jahre 1878, kurz vor der Reichstagswahl, kam ich mit llXXI Stück Broschüren„Hütet Euch vor den 300 Millionen neuen Steuern' nach Halberstadt, um nach Blankenburg zu fahren. Aber es ging kein Zug mehr; so mußte ich also am Platze bleiben und später fahren. Da trat ein junger Bursche an mich heran und sragte ernst, vorsichtig(man muh bedenken, in Preußen lind den umliefen- den Fürstentümern war man krank am Attentatssieber, ihr Konig war ja angeschossen):„Wo wohnt sich Redakteur sozialdemokratischer. heißt sich Kruhl?' Die Sprache kannte ich. Das war kein Wiener, das war Landsmann meiniges tief aus dem Böhmerland sechs Meilen hinter Prag.„Komm," sagte ich,„wir suchen ihn.' Ich gab mein Gepäck ab. fragte einen Polizisten, wo die Genossen verkehrten, und bald kamen wir nach der Bakenstraße zu Bollmanns. „Was willst du von dem Redakteur?' fragte ich meinen neuen Freund.„Hab ich Saal großes in Barneberg, ist sich morgen Volks- Versammlung sehr große, muß ich holen Redner von Halberstadt.' »Hast du auch die Bescheinigung'vom Amtsvorsteher?' fragte ich. „Ist sich da alles,' und in der Tat zeigte er sie mir. Nun aber dalli nach Bakenstraße 63. Ilm diese Zeit gab es in Preußen eine ganze Anzahl Referenten, bloß keinen Saal, wo sie reden durften. -Am anderen Morgen fuhren wir felbdritt nach Oschersleben, von da marschierten wir vier Stunden nach Barneberg. Als wir an- kamen, zog ein preußischer Gendarm gerade sein Pferd in den Stall. Dann tippelte„Landsmann meiniges' nach Lobke, um Berfamm- lungsbefucher zu holen, und ich ging nach Hamersleben. Da war auch so ein Loch, wo Kohlen gefördert wurden, wo.Schachters' wohnten. Als wir zurückkamen, yatte sich die Zahl der Gendarme auf drei vermehrt. Auch die ersten Besucher,«in paar dicke, fette Bauern, waren da, und jetzt kam sogar ein Pastor aus einem Nach- barort. Als die Uhr eben drei schlug, trat mein Landsmann an den Vorstandsttsch, klingelte und sagte im schönsten Deutsch:„Berfamm- lung ist eröffnet, aus Halberstadt Herr Kruhl hat das Wort.' Er setzte sich, und August Kruhl hielt uns ein« tüchtige Pauke und erntete reichen Dank. Der'Vorsitzende klingelte:„Wer wünscht sich Wort?'»Ich bitte ums Wort,' rief da der reitende Gendarm.»Im Namen des Ge- fetzes lös« ich die Versammlung auf und ersuche Sie.. Weiter � kam er nicht. Landsmann Böhm war sehr ärgerlich und in höchster Erregung fauchte er den Herrn Wachtmeister an:„Sie haben gar nichts aufzulösen, Sie dürfen nur auflösen im Namen des Königs!' Es klingelte:»Wer will noch Wort?' In diesem Augenblicke ertönte von dem benachbarten Kirchturm das Geläute der Glocken, und um mich auch nützlich zu machen, stand ich aus und rief mit sehr starker Stimme:»Ich bitte ums Wort zur Geschäftsordnung.' trete an den Borstandstisch, mache einen höflichen Knicks und lege los: „Was schwebt dort aus des Wohlauts Schwingen zu mir herüber durch die Luft? Ich hör' es rauschen, hör' es klingen im süßen morgendlichen Dust: Das ist die Orgel, find die Glocken, o horch, sie laden mich und locken zu einem längst entwöhnten Gang.' Während meines Dortraaes bemerke ich, daß alle drei Gendarmen ihre Helme abnehmen.(Die glauben doch nicht etwa, daß das ein frommes Gedicht Ist?) Wie ich mit dem fünften Verse antrete, setzen sie alle drei ihre Helme wieder aus, und der Reitende ruft mit Manöoerstimme:„Im Namen des Königs löse Ich die Dersammluug auf, der Saal ist sofort zu räumen.'„Immer erst austrinken,' ruft der dicke Bauer, und sie tranken immer noch eins, ehe sie gingen-- Wir aber rannten nach der Eisenbahn. Kruhl ging den anderen Tag ins Kittchen und ich nach dem Harz und bin bei der Gelegen- hcit Bürger von Blankenburg geworden. H. M. Todesstrafe für Faulenzer. Gelegentlich eines Vortrags über das alte Peru, den der Loirdoner peruanische Generalkonsul Solomon dieser Tage hielt, führte der Redner aus. daß die Trümmer der Zi- vilisation der Inkas über ein weites Gebiet, das von Panama bis nach Chile reicht, zerstreüt sind. Wichtiger aber als diese Zeugen der Zivilisation der Inkas seien die der vorangegangenen sogenann. ten Tia/,? Uhr beginnt vi« Ortoueeaiulfnng. Abreißkalender 1925 Der!i> TIefdro ef derirflrgie Kalender foMe in feiner Kamille und in keinem Büro fehlen! Drei» 2 M rf Z» habe» in der Bnchhandlnng I. H. W. Die y nnd in der Norwjrtsdnlbdrnckerei, Linden rage 3, ferner n allen Varteifpedit>onen.B»iirt» ihrer nnd-Kameree nehmen ebenfall» Besteitnngen gern entgegen gute alte Das Buch für Mädels und Buben: Kinderland 1925 »rei« 1.25 Marl Ru haben in der Buchhandlung I. H W Diel, und tn der Vorwärisduchdruckerei, Lindenslraße Z. lerner in allen ParteispediIi»nen.Bezirf,sllhrer und-Kassierer nehmen edensall» Best eilungen gern entgegen. OESTERRTABXKREGIF. 3Pf3 ist ru/ederda 3Pf3 OUrbah*� Generalvertretung für Berlin und Brandenburg: Berlin SW., Verlängerte Hedemannstraße 2. Fernruf Kurfürst 3140 Teilgahlung. Korbmdbel, Kinderwagen, Metallbettrn, Nassafäuser oorübergehenl» 10 VroiUlnt. 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