Abendausgabe Nr. 2942. Jahrgang Ausgabe B fr. 14 5 Goldpfennig Sonnabend 17. Januar 1925 = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb. Berlin S. 68, Cindeuftraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Ein Justizminister gefunden! Aber der Finanzminister noch nicht. Wie die TU. von amtlicher Seite erfährt, find die BerhandLungen über die Besetzung des Justiz ministeriums beendet. Juftizministerium wird von Oberlandesgerichtspräsident Das Frenken, der dem Zentrum nahefteht, übernommen. # Die Berhandlungen des Reichstanzlers zur Besetzung der noch freien Ministerien nehmen ihren Forigang. Nachdem die Kandidatur des Königsberger Oberbürgermeister Loh= meyer für das Finanzministerium als erledigt gelten kann, wird neuerdings der Name des Grafen v. Rödern genannt. Luther gibt gute Worte. Er verspricht alles und noch etwas. Reichskanzler Dr. Luther stellte sich heute mittag den Bertretern der Berliner Presse und der Presse im Reiche vor und erklärte dabei zunächst, daß die Verzögerung der Regierungserklärung wirklich teine andere Ursache gehabt habe, als daß einige Ministerposten, darunter ganz wichtige, noch nicht besetzt waren. Alle Mel dungen über Meinungsverschiedenheiten im Rabinett feien durch aus unbegründet. Die Regierungserflärung wäre auch bis Freitag 6 Uhr fertig geworden, wenn man sich nicht um 2 Uhr entfchloffen hätte, fie zu verschieben, weil noch einige Ministerposten unbesetzt waren. Inzwischen habe sich der dem Zentrum nahestehende Oberlandesgerichtspräsident a. D. Frenten in Köln zur Uebernahme des Reichsjustizministeriums bereit erklärt. # Die Ursache der langen Dauer der Regierungskrise fönne nicht in Verbindung gebracht werden mit irgendwelchen verantwortlichen Bersonen. Wenn sein hochverdienter Borgänger Dr. Marg trotz aller Bemühungen nicht zum Ziel tam, so habe das an den Gegenfäßlichfeiten und der Parteizerrissenheit im Reichstag gelegen, die den Zuständen im deutschen Bolf entsprechen. Im Dienste unseres Volfes müßten wir dafür sorgen, daß über alle Berschiedenheit der Anschauungen hinweg die einigenden Gesichtspuntie in immer stärterem Maße zur Geltung fommen. Das wolle er, Dr. Luther, auch stets hun. Während ein politischer Parteiführer vielleicht auch eine Minderheitsregierung bilden fönne, stehe er als Beamter auf dem Standpunkt, daß die Regierung eine Mehrheit im Reichstag haben müsse, daß sie sich aber darüber hinaus womöglich auf den ganzen Reichstag ftützen müffe. Es sei ihm bekannt, daß Mehrheit und Opposition im Parlament bestehen müßten, daß sie aber auch bei den verschiedenen Gegenständen wechseln fönnen. Er werde immer bestrebt sein, auch die nicht zur Mehrheit gehörigen Barteien für fachliche Arbeit am Staatswohl zu gewinnen. Der Reichskanzler schloß mit Worten des Dankes und der Anerkennung für die Arbeit des zurückgetretenen Pressechefs Dr. Spieler und stellte dessen Nachfolger Kiep vor, der nicht von Haus Pressefach Die große" Zolltarifreform. Anhörung des Reichswirtschaftsrats. Die beabsichtigte Umgestaltung des Zolltarifs wird wahrscheinlich noch den gegenwärtigen Reichstag zu beschäftigen haben. Die Regierung Marr hatte befanntlich eine vom letzten Reichstag unerledigte Bollvorlage eingebracht, die eine Reihe von Abänderungen der Zollfäße, insbesondere die Einführung von Lebensmittelzöllen und eine weitgehende Ermächtigung der Reichsregierung zur selbständigen Gestaltung der Zölle enthielt. Diese Borlage, die sogenannte fleine 3ollvorlage, war nur für eine llebergangsregelung gedacht und ist durch die Auflösung des Reichstags hinfällig geworden. Man beabsichtigte darüber hinaus das deutsche Zollsystem noch weitergehend zu ändern, indem man die Gruppierung der Waren im 3olltarif, das fogenannte Tarifschema umgestaltete und dabei die neuen endgül. tigen 3ollfätze feftfeizte. Die behördlichen Vorarbeiten für die große Zolltarifrevision sind nun soweit fortgeschritten, daß nunmehr der Reichswirtschaftsrat gutachtlich gehört werden kann. Es ist in Aussicht genommen, denselben Ausschuß mit diesen Arbeiten zu befassen, der bereits sein Gutachten für die sogenannte fleine Bolltarifnovelle abgegeben hat. Diesem Ausschuß wird das neue Schema, aber noch ohne Bollfäße, abschnittsweise zur Begutachtung vorgelegt werden, und es ist in Aussicht genommen, gleichzeitig die vorgelegten Schemaabschnitte der Deffentlichkeit zu gängig zu machen. Die Schemaabschnitte find lediglich als Grund. tagen für die Beratungen anzusehen und können dem gemäß gelegentlich der Erörterungen über die einzusetzenden Zollfäße noch geändert werden. Dem genannten Ausschuß des Reichswirtschaftsrats find zunächst die Abschnitte 18, 43, 44 bnb 45( Erden und Steine, Steinwaren, Tonwaren, Glas und Glaswaren), vor. gelegt worden. Georges Louis' Memoiren. Weitere Anklagen gegen Poincaré. Die neue Nummer der Bariser Zeitschrift Europe" bringt aus ben hinterlassenen Aufzeichnungen des ehemaligen Botschafters in Petersburg. Georges Louis, neue Enthüllungen über Poincarés Echuld am Kriege. Diesmal handelt es sich um die Wiedergabe von Unterredungen mit Paul Deschanel im Jahre 1915 dem späteren Bräfidenten der Republit, der inzwifchen ebenfalls verstorben ist. Daraus geht erneut hervor, daß die führenden französischen Kreise über die zum Krieg treibende Attion Poincarés in Petersburg durch aus einer Meinung waren. Die erften Enthüllungen Louis' über Poincaré erschienen wäh. rend des Jüngsten Wahltampfes. Damals forderten die Deutch Ministerwechsel in Washington. ( Bon unserem Rorrespondenten.) New Yort, Mitte Januar. Der Rüdfritt bes bisherigen Staatsfetretärs des mann fei, der sich aber alle Mühe geben werde, mit der Bresse ver. Aeußeren Mr. Hughes und feiner Erfegung durch Mr. trauensvoll zusammenzuarbeiten. Auch Herr Kiep gehöre einer poli- Rellogg, den amerikanischen Botschafter in London, ist das wichtigste inner politische Ereignis der Ver tischen Partei nicht an und werde seine Arbeit in demselben übereinigten Staaten, das seit langem zu verzeichnen war. Es ist parteilichen Sinn durchführen, der die Politik des Reichskanzlers darüber hinaus ein Ereignis von weltpolitischer Be deutung. leite. Frankreich und Luther. Köln, 17. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Pariser Korre spondent der Kölnischen Volkszeitung" drahtet seinem Blatte über die Aufnahme des Kabinetts Luther in Paris das folgende: „ Die Aufnahme, die das Kabinett Luther in Paris findet, läßt die großen Schwierigkeiten ahnen, die die neue deutsche Regierung in der Außenpolitik finden wird. Man muß sich darüber im flaren sein, daß auch in den Kreisen der französischen Linfen, die an dem Versagen Herriots in der Kölner Frage Kritik übt, dieser Fehler nicht als ein Verrat, sondern als eine formale Unterlassung betrachtet wird. Herriot hätte, wie Profeffor Basch. zu der Frage in der Ere Nouvelle" ausführt, mit der deutschen Regierung Fühlung nehmen müssen, bevor er es zu dem bekannten Beschluß der Botschaftertonferenz tommen ließ. Man fann sich der Befürchtung nicht verschließen, daß diese Argumentation von ihrer Durchschlagskraft verliert, nachdem der Verhandlungsgegner auf deutscher Seite sein Gesicht geändert hat. Das bedeutet auf alle Fälle eine Schwächung der deutschen Bofition gegenüber Frankreich, die um so bedauerlicher ist, als die Deutschen in Paris sich bekannt lich in einem gewissen Zustande der Unsicherheit befinden. Weitere englische Stimmen. London, 17. Januar.( WTB.)„ Daily Telegraph" widmet heute dem Kabinett Luther einen Leitartifel, in dem es heißt, alle Boli tifer des neuen Kabinetts hätten vorläufig auf Feindseligkeiten gegen die Republik verzichtet. Das Zentrum habe gezeigt, daß es teine Kundgebungen reaktionären Geistes zulassen werde. Trotzdem sei dieser Geist vorhanden und werde sich möglicherweise in der deutschen Außenpolitik fühlbar machen, obgleich die getreue Fort führung derselben zu einer Bedingung gemacht worden sei und die crdnungsmäßige Fortführung des Dawes- Planes von einer großen Mehrheit des Reichstages begünstigt werde. Es sei, wie es molleniemand könne ein derartiges Rabinett für etwas anderes als ein Not behelf ansehen, das kurz und ruhelos sein werde. Anschei nend werde es lange dauern, bis ein geregelter Zustand in der Regierung Deutschlands erzielt werden könne." Daily Mail" bringt ein Telegramm ihres Berliner Berichterstatters, in dem es heißt, den Alliierten werde jetzt von Deutschland selbst gezeigt, daß sie an der Nafe herumgeführt worden seien. Offiziell zieht sich Hughes zurüd, weil er aus materiellen Gründen, nach zwanzig Jahren im Dienste des Staates, seinen Beruf als Rechtsanwalt wieder aufzunehmen wünscht, in dem er sich vor seiner Ernennung zum Gouverneur des Staates New York ausgezeichnet hatte. Da der Poften eines ameri tanischen Staatssekretärs des Aeußern mit seinen repräsen tativen Verpflichtungen nicht besonders glänzend bezahlt wird, ist diese Angabe an sich glaubwürdig, zumal die Vereinigten Staaten durch die ungenügende Bezahlung ihrer Staatssekretäre schon eine Reihe von Staatsmännern in ihr Privatleben und ihren Beruf zurückgetrieben haben. Inoffiziell aber ist sehr wohl bekannt, daß die Haupt ursache seines Rüdtritts auf Differenzen in den Fragen der Außenpolitik, insbesondere aber darauf zurückzuführen ist, daß Hughes Freunde planen, ihn für die nächste Präsidentschaftswahl 1928 zu präsentieren. Man erinnere sich nur daran, daß Hughes seinerzeit in der folgenschwersten Präsidentschaftswahl der amerikanischen Geschichte Woodrow Wilson gegenüberstand und der von Wilson abgegebenen Stimmenzahl so nahe zu fommen schien, daß die Nachricht von seiner und nicht Wilsons Wahl in Europa ver breitet werden fonnte. Der völlig unerwartete Erfolg der Demokraten in den weftlichen Staaten der Union hat das Bild des Wahlresultats dann allerdings geändert. Hughes hat in seiner vierjährigen Tätigkeit als Staatsfefretär des Aeußern- eine Stellung, die über die Stellung eines fontinentalen Außenminifters weit hinausgeht und schon nahe an die Position als Ministerpräsident herankommt auch international cine fo bedeutende Rolle gespielt wie wenige amerikanische Außenminister vor ihm. In das erste Jahr seiner Amtstätigkeit fällt die Einberufung und Durch führung der Washingtoner Konferenz. Diese Konferenz ist deshalb von welthistorischer Bedeutung, weil sie zum erfien Male in der Weltgefchichte eine freiwillige Einschränkung der Schlachtflotte auf der Basis freiwilliger Vereinbarung mit sich brachte. Die Washingtoner Konvention ist ein entscheidender Schritt zum Frieden im Pazific, sie hat die Rivalitäten der interessierten Mächte gegenüber China verringert. Außer dieser bedeutsamen Konferenz, die schon eine polifische Leistung hohen Grades darstellt, wird aber Hughes Name vielleicht sogar mit noch größerer Berechtigung nationalen in allen ihren Blättern die Regierung marrim Zusammenhang mit seiner europäischen Politit Stresemann energisch auf, auf Grund dieser Veröffentlichungen eine diplomatische Aktion gegen den Artikel 231 des Friedensvertrags zu unternehmen. Werden die Deutschnationalen jetzt, wo sie Teilhaber der Regierung Luther- Stresemann- Schiele find, ebenfalls eine folche Affion verlangen? Wird die unter deutschnationaler Mitwirkung entstehende Luthersche Regierungserklärung jene große diplomatische Aktion gegen die Kriegsschuldlüge feierlich und formell ankündigen, die sie feit Monaten als das wichtigste nationale Gebot fordern? Oder war ihr Kriegsunfchuldsrummel nur demagogisches Oppofifionstheater? Wahlrechtsdebatte in Rom. Orlando gegen den Regierungsterror. Rom, 16. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die heutige Kammerligung murde um 3 Uhr eröffnet. Salandra fehlte infolge eines Grippe- Anfalls, dagegen war Giolitti anwesend. Sunächst machte Manaresi aufmerksam auf den fatastrophalen Sturz der Lira am Donnerstag, woran nicht nur ausländische, fendern auch italienische Machenschaften schuld seien. Der extreme Faschist Farinacci ruft dazwischen:" Toeplitz muß festgesetzt werden!"( Toeplitz ist der Generaldirektor der Banca Commerciale, der wichtigste Großfinanzier Italiens.) Dann nahm Orlando das Wort zur Begründung des Antrags der Opposition, daß die Neuwahl des Parlaments aus politischen und prinzipiellen Gründen unmöglich fei. Er wandte sich gegen das reaktionäre, längst veraltete Plural wahlrecht wegen der Umständlichkeit bei der Er ging Standidatenaufstellung und befürwortete die Stichwahl. dann auf die Lage des Landes ein, die niemals seit dem Machtantritt Mussolinis verworrener gewesen sei, und stellte die Rede Mussolinis vom 22. November deffen Rede vom 3. Januar gegen über. Jene sei eine normale Rede gewesen, diejenige zu Beginn dieses Jahres ein Wutanfall, eine Aeußerung der Verärgerung. Unmöglich sei der ganze jezige Rechtszustand, so die Knebelung der Breffe und der öffentlichen Meinung durch ein verfassungs widriges Defret. Immerhin hoffe er, daß die Schäden wieder gutgemacht worden fönnten. Zunächst müsse Freiheit herr fchen, die das politische und bürgerliche Recht des italienischen Wolfes fei. Der Rede folgte starter Beifall. Giolitti erklärte, noch niemals fei ein Barlament zusammen berufen worden, um unter folch außergewöhnlichen Umständen ein Wahlgesetz zu beraten. Er werde dagegen stimmen. Mit 307 gegen 33 Stimmen wurde der Regierung das Bertrauen ausgesprochen und das Wahlgefet angenommen in die Weltgeschichte eingehen. Man erinnere sich an das ungeheure Aufsehen, das im Jahre 1921 seine Rede in Whitehaven erregte, in der er die tatkräftige und unparteiische Hilfe Ameritas in der Reparations fra ge versprach, und damit jene Politik der amerikanischen Beratung und halboffiziellen Beteiligung an der europäischen Politif ermöglichte, ohne die weder der Dawes- Bericht hätte zustandekommen, noch die Londoner, Konferenz hätte einbe rufen werden können. Diese Rolle bei der vorläufigen Rege= lung der Reparationsfrage darf ihm insbesondere in Deutsch land nicht vergessen werden. Auf die Passivseite seiner Tätigkeit wird man vom fontinentalen Standpunkt aus, außer seiner dem Bölker. bund abgeneigten Politit, seine Rußlandpolitik buchen müssen, die doktrinär, nicht politisch, auch die Zusammenarbeit der tontinentalen Staaten mit Rußland, insbesondere aber das Verhältnis der Konservativen Englands zu Sowjetrußland unter meltpolitischem Gesichtswinkel gesehen ungünstig beeinflußt hat. Was Hughes' Erfezung durch Kellogg für die Außenpolitik der Bereinigten Staaten bedeutet. fann heute noch nicht gesagt werden. Allgemein besteht die Auffassung, daß Kellogg, der ein außerordentlich erfolgreicher amerikanischer Botschafter in London war, in noch höherem Maße, als dies bei Hughes der Fall war, für eine attive Teilnahme der Vereinigten Staaten an der europäischen Politik eintreten werde. Er hat dieser Auffassung verschiedenen Malen Ausdrud verliehen und ist außerdem durch seinen langjährigen Aufenthalt in Europa mit den Sorgen und Schwierigkeiten des Kontinents mehr vertraut als irgendein amerikanischer Staatsmann. Bei der völligen Ahnungslosigkeit, die die meisten amerikanischen Staatsmänner den europäischen Problemen gegenüber auszeichnet, ist der jahrelange Einblick in die europäischen Probleme schon ein Schritt zur Mitverantwortung, zur Mitbeteiligung. Am Völkerbund hat Kellogg immer das allergrößte Intereffe gehabt, und obwohl er nicht als ein ausgesprochener Bertreter des Gedankens eines Eintritts Amerikas in den Völkerbund gelten kann, so ist doch bekannt, daß er den größten Wert darauf legen wird, den Internationalen Schieds. gerichtshof mehr als das bisher der Fall war, ins Zentrum der Regelung internationaler Streitigteiten zu rücken, und daß er die Ansicht vertritt, Amerifa habe am Werf des internationalen Schiedsgerichtshofes einen aktiveren Anteil als bisher zu nehmen. Konnte m Deutschland bei der Ueberlegung. 1.Eintritt in den Böllerbund oder nicht?", falange Hughes om daß die geistigen Kräfte" der deutschnationalen Bewegung sich so sehr in ihrer ganzen Blöße zeigen. In diesem Zeichen werden sie nicht siegen. Ruder war, noch mit einem Schein des Rechtes auf die ameri-| wankende Mauern zu stützen. Wir können nur dankbar sein, tanische Gegnerschaft zum Böllerbund hingewiesen werden, so fällt mit der Ernennung Kelloggs auch diese Ausrede weg. Denn es tann gar fein Zweifel darüber sein, daß er, infolge feiner grundsäglichen Bejahung des Völkerbundes, Bölferbundspolitik für einen europäischen Staat als die Grundlage für seine Eingliederung in die europäische Bölfergemein fchaft betrachtet- ganz unabhängig davon, ob er als Amerifaner und für Amerika die gleiche Notwendigkeit gegeben sieht. Haß- und Hetzprediger. Im Namen Jefu Chrifti holt den Prügelftod." Am Eröffnungstage des Reichstages finden nach alter Sitte Gottesdienste für die evangelischen und katholischen Mit glieder des Reichstages statt. Im Dom sprach für die Evan gelischen der deutschnationale Hofprediger D. Döhring. Der Geist des Hasses und der Finsternis spricht aus jedem Gaze dieser Hehpredigt. Der Diener Christi und der Kirche bringt es fertig, den Reichstagsabgeordneten vorzuhalten: „ Ohne Chriftus fein Mut. Man wagt nicht mehr zu tun, wenn man nicht zuvor abgezählt hat, wieviel Stimmen dafür, und wieviel Stimmen dagegen sind. Die fatanische Frage der Zufallsmehrheit erhebt sich hohnlachend über weittragenden Beschlüffen. Und nun opfert man diesem Moloch Hekatomben von Menschenschicksalen und Menschengewissen und scheint gar nicht zu ahnen, welch ein wider. wärtig grausames Spiel man mit der Seele des deutschen Volkes spielt, in dem man sie dem blinden Höbur solchen Zufalles aussett.. Darum ihr Boltsvertreter, soweit ihr an den lebendigen Gott glaubt, sorgt dafür, daß heiliger Geist zu wehen beginne in den Parlaments hallen, ehe mir famt und fonders an der Bestilenz der Bahl gestorben find... Ohne Christus werdet ihr nie die Energie zu heiliger RücksichtsLofigteit aufbringen an diesem Bunft bitte ich euch sonderlich, ihr Regierungsmänner und Barlamentarier: duct euch nicht scheu vorbei an der Folgerung, die sich hieraus für euch ergibt. Gofflosigkeit und Sentimentalität wohnen immer beieinander. Wo aber der Glaube zu Hause ist, da weiß man auch, daß zur Liebe die Strenge gehört. Im Namen Jesu Christi rufe ich euch auf: holt den Prügelsfod hervor und nehmt ein Gesez an, daß die Nichtswürdigsten aller Nichtswürdigen, die auf den Gräbern unserer gefallenen Brüder und Söhne ihre verruchten Orgien feiern und unser zerrüttetes Staatswefen um seine lehten paar Pfennige betrügen, öffentlich ausgepeitscht werden... Schlagt zu, aber im wahrsten Sinne des Wortes! Geld unbarmherzig aus Barmherzigkeit! Wer Gottes Bort nicht hören will mit Güte, der muß den Henler hören mit der Schärfe!", sagt Martin Luther... Nur eine Handvoll Männer, die dieses Wort beherzigen, und du, mein heißgeliebtes deutsches Baterland, wäreft gereftet." In diesem Zeichen will der streitbare Zelot aus dem faiserlichen Dom über die schlechte Welt fiegen. Aber er fann nicht schließen, ohne daß die Ronkurrenz nicht einen heftigen Fußtritt bekommt: " Deutsche Regierungsmänner und Boltsvertreter jeib auf der Hut: an Rom sterben die Bölker, an Chriftus leben fie auf. Der Papst tann uns nichts geben, die Bibel alles. Männer brauchen wir vom Schlage Martin Luthers, Kinder des Glaubens und Helden der Tat Männer, in denen zweierlei unter des lebendigen Gottes Hand zu Einem zusammenwächst: heilige Demut und heiliger Truz. Roethe treibt zum Bürgerkrieg! Meineckes Anklage. abend in einem Hörsaal der Universität Professor Dr. Meine de Vor dem demokratischen Studentenbund Berlin sprach gestern über das Thema: Republit, Bürgertum und Jugend". Das bemerkenswerte an den Ausführungen des bekannten Lehrers war seine Abrechnung mit Professor Roethe. Am Schluß seiner Ausführungen sagte nämlich Professor Meinecke: Ich fönnte nun schließen. Aber die Ausführungen, die ein Kollege von mir vor einigen Tagen in einer deutschnationalen Versammlung in Allenstein getan hat, nötigen mich, mit einem Wort darauf einzu gehen." Brofessor Meinecke las sodann jene Säge aus der beze rischen Rede Roethes in Allenstein vor, die auch mir veröffentlicht haben, und fuhr wörtlich fort: Meine Damen und Herren! Sie werden es verstehen, wenn ich mir bei der Kritif dieser Worte mäßigung auferlegen muß: Wer so spricht, der treibt zum Bürgerkrieg!" Nur dieser eine furze Satz der Kritit. Aber er faß wie eine Backpfeife und faufte wie ein Beitschenhieb. Es ist anzunehmen, daß nun auch die anderen Mitglieder des Profefforenkollegiums mit hörbarem Rud von einem Kollegen abrücken werden, gegen den von einem so hervorragenden Kollegen wie Professor Meinecke mit Recht der Vorwurf erhoben worden ist, daß er den Bürgerkrieg porbereite. Vielleicht entschließt sich nun auch endlich das Kultusministerium gegen Roethe vorzugehen? Bestrafte Beleidigung. Ein Prozeß Grüßners. " Halle, 16. Januar.( Eigener Drahtberidt.) Das energische Ein tielen des Merseburger Regierungspräsidenten Genossen Grüner für die Republit hat ihm den grimnigen Zorn der Stahlhelmleute der Provinz Sachfen eingetragen. Ihr Groll wurde grenzenles, als Grützner im vorigen Jahre den Stahlhelm- Sporttag verbot, 11. Mai werden sollte. Die Preßfloaten der Rechten öffneten ihre der eine Neuauflage des Ludendorff- Rummels vom Schlcufen. Unter ihnen hielt sich auch der Redakteur des„ Rönnerner Anzeigere für verpflichtet, den Genossen Grügner in der beleidigend sten Weise herunterzureißen und ihn als Parteibuch- Brasident" zu bezeichnen, der sich lediglich aus Angst vor seinen roten Parteigenossen zu dem Verbot habe verleiten lassen. Elementen wie Grüner, Hörsing und Severing müßte schärffter Kampf angefagt werden. Wegen dieser Beleidigung erstattete Genosse Grügner Strafanzeige und wurde auch als Netenfläger zugelassen. Unter seinem Eid stellte er den Tatbestand fest: Der am 26. Septem ber zunächst verbotene Stahlhelm- Sporttag wurde von ihm ge= nehmigt, nachdem Oberstleutnant Düfterberg, der Führer des Stahlhelms in Halle, die bündige Erfiatung abgegeben hatte, daß seine Rede unpolitisch und frei von Angriffen gegen die be ftehende Staatsform und feinerlei politische Demonstrationen mit dem Sporttag verbunden sein werden. Kurz darauf seien jedoch im Alren Dessauer", dem Organ der Bölkischen Halles, in fetten Lettern die schärfsten Angriffe, auch persönlicher Art, gegen den Regierungspräsidenten erfolgt, und daraufhin jei der Sporttag endgültig verboten worden. Da dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis vollkommen mißlang, beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe leidigung und Nerbreitung nicht erweislich wahrer Tatsachen zu von 400 M. Das Gericht verurteilte den Beleidiger wegen formaler 200 Mart Geldstrafe. Dem Beleidigten wurde die Bubli fationsbefugnis zugesprochen. Krise in Hessen. Das Zentrum will nach rechts. In seinem Vortrag, der flug und flar war und sich durch die Mäßigung auszeichnet, die einem Mann strenger Wissenschaft ge bührt, erklärte Professor Meinede zunächst, wie es gefommen, daß er sich von einem Konservativen zu einem Demo traten oewandelt habe. Die Konservativen, so sagte er, treiben lediglich Klassen egoismus, und wenn man früher den Arbeitern zurief: Dentt doch nicht immer nur an euch, denkt doch auch einmal an den Staat," so muß man heute den verbitterten Beamten und früheren Offigieren dasselbe Bort mit viel größerem Nachdruck entgegenhalten. Meinecke wandte sich sodann in eingehender historischer Begründung gegen die törichte Behauptung, daß eine starke Mon- Darmstadt, 16. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die 3enarchie" bodenständig in Deutschland und die Republik fremdländisch trumsfrattion des hessischen Landtags hatte der sozialdemo fei. Ein großer Teil der Bürger treibt Gefühls fratischen Fraftion vor wenigen Tagen mitgeteilt, daß für das Zenduselei und weiß nicht, daß eine Wiederherstellung der Monarchie trum angesichts der Finanzlage in Hessen die Kleine Koalition 3ersplitterung und 3erfall Deutschlands bedeute. Eine Mehrheit für die Republit ist bereits da in Deutschland, aber sie muß nicht mehr in Frage komme. In der Freitagsfihung nahm die Sonoch wachsen. Auch mit dem so oft erörterten Thema von den sozialdemokratische Fraktion eingehend Stellung zu der Forderung des zialdemokratischen Ministern, Oberpräsidenten Zentrums zur Erweiterung der bisherigen Roalition. Die Politik und Landräten fette fich Meinecke auseinander. Er wies dar- der bisherigen Koalition wurde durch die letzten Wahlen dadurch beauf hin, daß gerade Sozialdemokraten in höheren Bestätigt, daß die Koalitionsparteien wieder eine tragfähige amtenstellen das erreicht haben, was die früheren Beamten niemals mehrheit im heffischen Landtag erhielten. Es besteht also feine erreichen fonnten, nämlich im Interesse des Friedens die Annäherung zwischen den Arbeitern und dem demokratischen Bürgertum. Benn Notwendigkeit zu einer Erweiterung der bisherigen Koalition wirklich Fehler unter dem Regime eines sozialdemokratischen Land( Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum). Die Gozaldemokra rats vorgekommen sind, so darf man nicht vergessen, daß es auch tische Fraktion hat in ihrer Freitagsfihung deshalb folgende Antunter den alten Landraten manches schwache Schaf gab. wort an die Zentrumsfraktion gerichtet: Auf Ihr Schreiben vom Aber, so betonte der Redner, es ist heute nicht vornehm", zu der 13. Januar beehren wir uns Ihnen mitzuteilen, daß die Fraktion der Demokratie zu gehören! Der Bürgerblod, so führte der Red SPD. heute folgenden Beschluß einstimmig gefaßt hat: Die Fraktion ner weiter aus, ist ein großes Unglüd, weil er vor allem dem ist nicht in der Lage, ihre seitherige- Stellung zur Frage einer Er arbeitenden Bolt und Bürgertum unerträglich hohe Steuern bringen weiterung der bisherigen Regierungsfoalition zu ändern. Die Frakwird. Nach Ansicht Meinedes muß vor allem die Stellung des Reichspräsidenten mehr, als es in der Weimarer Berfassung vorgetion wird entsprechend der Borschrift der Staatsverfassung und der sehen ist, gestärkt werden. Dieses Ziel betreiben zwar auch die Gefehordnung den Präfit enten des Landtags erfuchen, nunmehr unDeutschnationalen, aber mit dem Hintergedanken, auf diesem Wege verzüglich den Landtag zur Wahl des Staatspräfibenten zum Monarchismus zu tommen. einzuberufen." Die Demokraten werden entsprechend ihrer bisherigen Haltung in ihrer Gizung am Sonnabend voraussichtlich in gleidyem Sinne einen ablehnenden Beschluß faffen. Die erfehnte Rechtsregierung in Heffen tönnte beshalb nur eine Mit feiner Ironie sprach Meinecke von den fleinen Mussolinis in Deutschland und wies gleichzeitig darauf hin, daß er eine Wieder fehr des Monarchismus für ausgefchloffen halte. Nachdem er die An Rom sterben die Bölfer. Hochwürden meint aber das törichten Borwürfe gegen die Farben schwarzrot. Minderheitsregierung fein. Sozialbemofraten und Demo. Zentrum Belotenhafter Fanatismus spricht ebenso aus jedem Wort diefes, Gottesdieners" wie blinder Haß gegen die Republik und stumpfsinniges Unverständnis für jeden modernen Gebantengang. Wer die ganze Bredigt dieses deutschnationalen Hegers im Zusammenhang liest, wundert sich nicht, daß die evangelische Kirche immer mehr an geistigem Einfluß auf das Bolt verliert. Mit Männern, wie dem Pfarrer to ch und dem Hofprediger Döhring wird niemand es fertig bringen, Mut. Bon Frida Erbmute Bogel Mut, fagte mein Ontel Julius und flopfte seine Pfeife aus, Mut ist einfach ein Zeichen von Phantasielosigkeit! Seht euch doch bloß einmal die Physiognomien aller dieser fo. genannten Helden an, Kriegshelden, Lebensretter usm. Was für nüchterne, durchschnittliche Gesichter, welche Dugendmenschen! Borin unterscheiden sie sich denn von all den anderen, was zeichnet sie vor ihnen aus? Ein bißchen physische Ueberlegenheit, ein wenig bessere förperliche Diszipliniertheit, ein egalteres Funktionieren der Gefamtmaschinerie. gold mit historischen Gründen zurüdgewiesen, richtete er einen appell an die Jugend, die sich in einem schweren Irrtum befinde, wenn sie fich dem Monarchismus hingibt. Stahlhelmgelt. Der Landesverband Halle- Merseburg bes Stahlhelms" teilt uns mit, daß der in unserer Notiz vom 14. Januar erwähnte Herr Ruschte nicht Mitglied des„ Stahlhelms" ist und daß der Landesverband ihn schriftlich ersucht hat, die Bezeichnung Stahlhelm bei seinen Schnapsfabritaten zu unterlassen. Und ihn bejaselt die Menge!" ( Er starb übrigens nicht viel später an einem Schlaganfall, als er sein jüngstes Enteltind aus einer Regentonne, in die es beim Spielen geraten war, herausziehen wollte.) traten haben jederzeit die Möglichkeit, einer folchen Regierung das Bertrauen zu entziehen, wenn auch die Kommunisten dem Migtrauensantrag zustimmen. Jn Lüffich und Namur wurden einige beutsche Offiziere von den Kriegsgerichten in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ob sie sich wirklich etwas zufchulden haben fommen laffen, läßt sich nach 10% Jahren faum nadprüfen. Der Fall Nathusius hat jedenfalls deutlich gezeigt, was von solchen Prozessen zu halten ist. diesen Kreis aufgenommen werden will, muß zuerst mit der Bunge Hier schwieg mein Onkel Julius und zündete sich eine frische ein Stück Pudding berühren, das in den Saft von Menschenfleisch Pfeife an getaucht ift. Dann darf er das Menschenfleisch in fleinen Billen zu fich nehmen und schließlich große Stücke verzehren. Er wird dann zu den Versammlungen zugelassen, bei denen geräuchertes MenschenAber erst, wenn er an den Genuß diefer fleisch gegessen wird. Speise ganz gewöhnt ist, dann wird ihm Gelegenheit gegeben, auch rohes Menschenfleisch zu sich zu nehmen, und dann erst erhält er die lehten Weihen. Tordan hat Kunst und Handwerk der Buschongos genau studiert und eine Sammlung ihrer fünstlerisch herDorragenden Arbeiten dem Britischen Museum überwiesen. Weben ist eine Beschäftigung der Männer, während die Frauen stiden. Ihre Gewänder sind auf das feinste und foftbarfte verziert. Als Bildhauer und Schnizer leisten die Buschongos ihr Bestes und" find deswegen in ganz Afrika berühmt", schreibt der Berfasser. Thre Hauptwerke sind Kästen, Becher, Schüffeln, Trommeln, Stühle, die liche Figuren, unter denen die großartigsten die Statuen der alten Könige find." Toller in der Philharmonie. Die eigentlichen Heldentaten begehen nur die Aengstlichen. Sie, die Phantasie genug besigen, um den ganzen Umkreis ihres Hans Innersten bei der gewaltigen Schlußszene aus der Wandlung" ent- reich mit Ornamenten geschmückt sind, und dann vor allem menfche delns zu übersehen, das Drum und Dran, das Vorher und Nachher, und die troztem, troß alledem sich überwinden und handeln. Der Mutige steht Bruft an Brust mit seiner Tat. Eine gerade Linie läuft vom Entschluß zum Geschehen. Er weiß nichts, tennt nichts, sieht nichts als sein Ziel. Daß das etwas feudale Milieu" der Bhilharmonie nicht im geringsten abfärbte, bewiesen die liebeleuchtenden Augen des Dichters, bewies die so gar nicht blasierte Art, mit der er Gedichte aus dem„ Bormorgen" sprach, die Herzlichkeit, mit der er aus dem Schwalbenbuch vortrug, vor allem aber die Begeisterung, die seinem loderte. Und nicht zu den Wänden redete der Dichter, leer und dunkel geisterte allein die mit Szepfer und Krone titschig verzierte Hofloge in den überfüllten Riesensual. Hier saßen, standen, drängten Ropf an Kopf die Menschen, die vom Kurfürstendamm und selbst die aus der Frankfurter Allee. Reiche und Ausgeplünderte, Backfische und Schon Haarausfällige, Literaten und Tatsüajtige- alle, alle, aile Ein scheugewordenes Pferd kommt die Straße heruntergeraft. fie den Weg, und noch musten viele heimlehren. Natürlich waren waren da, für fünf Mart, für zwei Mart und für gemogelt fanden Mitten durch den dichtesten Verkehr von Menschen und Fahrzeugen. fie aus den verschiedensten Gründen gekommen, die einen, um dabei Die Folgen können unabsehbar sein, wird das Tier nicht sofort aufgewesen zu sein, andere, um zu sehen, was an dem Kerl nu eigent lich dran ist", die meisten aber um zu huldigen, um zu danien, Laut und lange taten fie es, obwohl der Halbfranke technisch durchaus nicht in Form" mar, so stürmisch taten fie es, daß feiner mehr obiettiv" blieb, so intensiv, daß ein paar bestimmt nicht sehr Pfiffige fich zum Pfeifen provoziert fühlten. Stellt euch mal folgendes vor: gehalten. Der Mengstliche steht es. Er erkennt die Gefahr mit allen ihren drohenden Konsequenzen. Aber während er bereit ist hinzueilen, um dem Pferd in die Zügel zu fallen, eilt seine Phantasie ihm voraus. Er sieht sich selbst, machtlos, das Tier anzuhalten, in den Bügeln hängen bleiben und mitgeschleift werden in dem rasenden Lauf. Er fühlt die tödlichen Stöße gegen seinen Körper, der ganz eingehüllt ist in eine Schicht von Schmug und Blut und Staub, Und im selben rasenden Nu jagt eine andere Reihe von Bilern an seinem Innern vorbei: Man bringt die Todesnachricht in sein Heim. Er stellt sich den Kreis von blutleeren, weißen Gefichtern vor, das fassungslose Staren aus dunklen Augenhöhlen, die ſpiken Schreie und das dumpfe Zusammenbrechen. Und all diese Bilder seiner stürmenden Phantasie werden durch drungen, zusammengeschweißt und umtapfelt von dem primitiven, ammernden Menschenschmerz: Sterben zu müssen. Und doch, trotzdem, trotz alledem stürzt er fort, um zu helfen! Einige Sekunden zu spät. Der Mutige hat das Tier schon angehalten. Er, der ganz ohne unnötigen Phantasieballast blißschnell der augenblick und den engsten Umkreis der Gefahr überschaut hat, er. den teine anderen Erwägungen durchzuckten als die, von welcher Seite er sich dem ferde nähern, welche Griffe er vorzunehmen babe. der anregi, erregt, aufregt, ein Dichter, der, was er auch jagt, zum Ein Lichter in Deutschland wahrscheinlich nicht der Größte-, Bolt spricht, weil er zu vielen spricht, ein Dichter, dessen Bort weniger vom literarischen Berstand als vom fühlenden Herzen auf genommen wird. Denn was Ernst Toller meint, ist so einfach, wie er's schreibt: Bebt euch Mühe. nicht mehr so sehr nebeneinander und gegeneinander zu leben, denkt und tut ein wenig miteinander! Dieser, den sie fünf Jahre lang in Haß und Gemeinheit ferterten, Riebe, die Revolution der Herzen: ist er unter den Heutigen vielleicht predigt itärfer und deutlicher als alle anderen bas Evangelium der Erich Gottgetreu. doch der größte Dichter? Ein unbekannter Menschenfresserstamm. Ein bisher unbefanntes afrikanisches Boll" hat E. Tordap im belgischen Kongo entdeckt, und er schildert feine Erlebnisse in einem foeben erschienenen Buch Auf den Spuren der Bushonges". Dieser Stamm betrachtet das Menschenfressen noch als heilige Pflicht: 3n jedem Dorf gibt es eine Anzahl Leute, die sich einfach aus Pflichtgefühl und für das öffentliche Wohl dazu hergeben, die Leichen von Sklaven und Verbrechern zu effen. Diese Maßregel soll die Seelen der Toten daran hindern, daß sie zurückkehren und Rache nehmen für das llebel, das sie bei Lebzeiten erduldet haben. Diese Menschen freffer gehören einer geheimen Gesellschaft an, und jeber, der in Starter Rüdgang des bayerischen Fremdenverkehrs. Es liegen nunmehr die endgültigen Zahlen über den Fremdenverkehr in Bayern während des Jahres 1924 vor. Danach hat Bayern gegen über den Vorjahren einen erheblichen Rückgang des FremdenBayreuth hatte infolge der Festspiele einen Aufschwung. Gegen verkehrs zu verzeichnen. Die Gesamtabnahme beträgt 20 Prez. Nur über einem Fremdenbesuch von 1800 000 in ben Borjahren hat das Jahr 1924 nur einen Besuch von 1 500 000 aufzuweisen. Der Be such aus dem Ausland, der früher etwa 20 bis 22 Proz. betrug, ist auf 5 Proz. gesunken. Der Rückgang ist also, wenn auch nicht teftlos, so doch hauptsächlich auf das Ausbleiben der Ausländer zurückzuführen. Erstaufführungen der Woche. Mont. Oper am Rönigsplay: Freit omödie:„ Darbamelle, der betrogene", " Bar und Zimmermann". Ram meripiele: Der Lampenschirm. Urania- Vorträge. Mont.( 7). Dienst.( 5 u. 9), Mittw., Dom., Freit.( 5): 2ava. Dienst. bis Freit( 9): Graf Spee's leste Fahrt Mont. bis Donn.( 7), Freit., Sonnab., Sonnt.( 5 11. 7): Sonnab. u. Sonnt( 9): .Südamerita- Film I, Brasilien." 3ndien, das Land der Traume. Jm X. Konzert der Boltsbühne am Sonntag, den 18., mittags 1,12 Uhr, beater am Bülowpiat, wird Zinaida Jurjevskaja( Staatsoper) Arien und Lieder von Glud, Beethoven und Schubert fingen. Der Staats. im und Domdor unter Leitung von Prof. Hugo Rubel bringt chore bon Lotti, Balestrina, Leisring, Bach und Schubert zu Gehör. Karten an der Mittagstaffe Sonntag, den 18., vormittags 11%, br, in der Aula des Aslanischen Der Heinrich- Mann- Bund für zelfgenöffifche Dichtung veranstaltet am Gymnasiums, Hallesche Straße, eine Einführungs- Matinee. Rus and auf der Parijer Jnternationalen Kunstgewerbeausstellung. Der ruffifche Bolfstommiffar für den öffentlichen Unterricht, Lunaticharifi, bat dem Storrespondenten des Havas- Bureaus eine Unterredung gewährt über die Einladung und Teilnahme Rußlands an der Internationalen Ausstellung für deforative Stunit in Paris. Lunaticharsti erllärte, daß infolge der verbeschiden, wie es ihm möglich gewesen wäre, wenn es längere Zeit zur Borpäteten Einladung Rußland nicht in der Lage fet, bie Ausstellung fo au bereitung gehabt hätte, Lunaticharifi erklärte meiter, bag er periönlich die Organisation der ruflichen Abteilung auf dieser Ausstellung übernehmen warbe Neue Krise der Pariser Verhandlungen. Wieder vor dem Abbruch? Paris, 17. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandlungen stehen erneut vor der Möglichkeit eines Abbruch s. Die Aussprache, die am Freitag über den von der französischen Delegation vorgelegten Vertragsentwurf und die dazu von deutscher Seite gemachten Gegenvorschläge stattgefunden hat, hat zu teinerlei Annäherung geführt, die Gegenfäte stehen sich nach wie vor unüberbrückt gegen fiber. Diesmal ist es jedoch ganz unzweideutig, daß die franzöfische Delegation die Schuld an der neuen Situation trägt. Eie hat in threm neuen Vorschlag vom 10. Januar nicht nur die im Oftober bei Beginn der Berhandlungen vereinbarte grundsätzliche Grundlage verlassen, sondern darüber hinaus fich ausdrücklich das Recht vorbehalten, in der zollrechtlichen Behandlung des größten Teiles der deutschen Einfuhr nach Frankreich eine unterschiedliche Behandlung gegenüber der Einfuhr anderer Länder eintreten zu laffen. Der franzöfifche Entwurf stellt ein Provisorium dar, das die vertragliche Regelung auf eine sehr fleine Anzahl der für die Ausfuhr beider Länder in Frage kommenden Artikel beschränft. Für alle übrigen Artikel lehnt Frankreich nicht nur jede tarifliche Bindung ab, sondern erflärt von vornherein, daß es sie höheren Sätzen unterwerfen wolle, als die Einfuhr anderer Länder, mit benen es in den legten Monaten Berträge abgeschlossen hat. Von deutscher Seite ist dies fategorisch abgelehnt wor den. Andererseits ist man den unstreitigen Schwierigkeiten, in denen fich Frankreich infolge der Starrheit und Unbeweglichkeit seiner Zolf. gesetzgebung befindet, soweit entgegengekommen, daß man die ur sprüngliche Abficht auf Einräumung der geltenden Minimaltarife für die gesamte deutsche Einfuhr fallen gelassen hat. Trotzdem hat die französische Delegation die deutschen Gegenvorschläge, bie ebenfalls nur eine furzfristige Bindung auf die höchftbauer des laufenden Jahres vorsehen, in Bausch und Bogen abgelehnt. Auch über die Frage der Bergünstigung für Erfaß- Lothringen ist es am Freitag zu neuen Schwierigkeiten gekommen. Deutschland hatte sich bereit erklärt, der Besonderheit der wirtschaftlichen Ber. hältnisse in Elsaß- Lothringen durch Einäumung von Sondervorteilen Rechnung zu tragen, jedoch mit der ausdrücklichen Einschränkung, daß nicht andere Länder auf Grund der Meistbegünstigung gleiche Rechte für sich in Anspruch nehmen. Auch diese Einschränfung ist von Frankreich abgelehnt worden. Staatssekretär Trendelen. burg hat erklärt, daß er zu der damit geschaffenen neuen Lage erst nach Rücksprache mit der deutschen Regierung Stellung nehmen Tönne. Die Verhandlungen werden danach taum vor drei bis vier Tagen, in denen sich Trendelenburg nach Berlin begibt, wieder aufgenommen werden können. Die Aussichten auf eine Einigung sind erneut auf ein Minimu ni herabgefunken. Ein Presseprozeß in Dresden. Nachspiel zum Fall Zeigner. Aus Dresden wird uns geschrieben: Bor dem Land. gericht Dresden wurde am Donnerstag als Berufungsinstanz die Privatflage des Genossen Größich von der ,, Dresdener Volkszeitung" gegen den Dresdener Bertreter der Tele. graphenunion fizenreiter verhandelt. Im November 1923 hatte die„ Dresdener Boltszeitung" die damals zuerst gegen 3eig. ner auftauchenden Beschuldigungen zurückgewiefen und wegen der noch allgemein bestehenden Undheit eine Stellungnahme abgelehnt. Demgegenüber hatte der Beflate in feiner Rorrespondenz behauptet, die Beschuldigungen gegen 3eigner feien der Redaktion völlig beBanni gemelen, und ben Borwurf ber Ulna hrhaftigteit er. hoben. Wegen Beleidigung war er zu einer Geldstrafe von 30 M perurteilt worden. In der jetzigen Berhandlung wurde als wesentlicher Umstand feftgestellt, daß ein Mitglied der Redaktion der Dresdener Bolfs zeitung" in feiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter längere Zeit vor dem Sturze Zeigners von einem bürgerlichen Journalisten auf die Beziehungen zwischen Zeigner und einem anderen bürgerlichen Journalisten aufmerksam gemacht worden war. Dieser Bertrauens mann 3eigners ist noch seinen eigenen eidlichen Befundungen längere Zeit von 3eigner über viele vertrauliche Dinge, die fich in der Sozialdemokratischen Partei und im fächfifchen Kabineft abgefpielt haben, unterrichtet worden. Die Information hat er auch verwertet. Das führte zur Entziehung der Pressetarte zum Landtag. Der Bertrauensbruch Beigners und die anderen gegen ihn erhobenen Beschuldigungen find aber erst zur Kenntnis der Redaktion der„ Boltszeitung" gelangt, als der Fall Zeigner allgemein im Rollen war. Da diese Tatsache nachgewiesen ist, hat das Gericht die Berufung verworfen und es bei der Berurteilung zu 30 M. belaffen. Blutjustiz in Estland und Litauen. Reval, 17. Januar.( DE.) Die estnische Bolizei hat einen der bolfchewistischen Kommisfare festgenommen, die bei der roten Invafion in Estland, die zu Ende des Weltfrieges erfolgte, eine verhängnisvolle Rolle spielten. Es ist ein Ruffe namens Sschticheg fomitom, der damals mehrere estnische Bauern ermordet hatte. Er wurde jetzt vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Kowno, 17. Januar.( DC.) Begen Propaganda in der fitauischen Armee sind vier Kommunisten zum Tode verurteilt und hin gerichtet worden. Die vorstehenden Nachrichten aus Estland und Litauen zeigen, welch einen Grad von Erbitierung der Kampf ange nommen hat, der von den Regierungen der östlichen RandStaaten gegen die Kommunisten geführt wird. Todesurteile wegen angeblicher Mordtaten, die im Jahre 1918 begangen wurden! Todesurteile wegen Propaganda in der Armee! Und den Todesurteilen folgen die Hinrichtungen auf dem Fuße. Die Henter haben alle Hände voll zu tun. Diese Methoden, die die Banit der Behörden in den Randstaaten fennzeichnen, find weder geeignet, die„ bolschewistische Gefahr" im Innern dieser Länder abzuschwächen, noch die Sympathien der westeuropäischen Länder für den Abwehrkampf der Randstaaten gegen Moskauer Expansionsgelüfte zu fördern. Sie meden vielmehr in steigendem Maße die Empörung aller Kulturvölker gegen die Blutjustiz, die den Kommunisten gegen über angewendet wird. Mit derselben Schärfe, mit der wir uns gegen die Hinrichtungen in Georgien, wie gegen bas blutige Treiben der ruffischen Ticheta gemandt haben, protestieren mir jetzt, im Namen der Menschlich: eit und ber politischen Vernunft, gegen die Blutjustiz, die in Litauen und Estland geübt wird. Die Reichsbahn gibt als amtliches Organ das Blatt„ Die Reichs bahn heraus. Es erscheint wöchentlich einmal und fann vom 1. Februar an durch die Post zum Preise von 1,20 m. monatlich bezogen werden. Auktion. gibt dieser Borfall dem Reichsbanner Beranlaffung, diesen Burschen, Die gerade in der erwähnten Gegen ihr unfauberes und unfagbar feiges Spiel treiben, einen gehörigen Dentzettel zu geben. Die moderne Runft ist aus den Kurfürstendammräumen der Sezession geflüchtet. Tausend Gegenstände füllen sie statt dessen, die Ueber die christliche Sittenlehre. zu einem großen, eleganten Haushalt gehören. Alte Schränke, herr. liche Teppiche, festbare Porzellane, prachtvolles Silber fowie Ge Pflichten gegen den nächsten wider Berleumdung." mälde und Bronzen find da mit nüßlicheren Dingen ausgestellt, und Man schreibt uns: Es fam mir vor furzem ein Gesangam Sonntagvormittag flutet der Menschenstrom der Kurfürstenbuch zu Gesicht, betitelt Sammlung geistlicher Lieder zur öffentdammbummler hinein, um einen Augenblick fritisch diesen Gutshaus- lichen und häuslichen Gottesverehrung. Auf Veranstaltung der halt zu prüfen, der, wie zu lesen ist, freiwillig versteigert werden foll. lage. Lübben, F. Driemel u. Sohn. 1866." Daraus jeien Herrn Herren Stände des Marfgrafenthums Niederlaufig. Zehnte AufDie teuren Sachen machen einen traurigen Eindruc; der letzte Hauch Pfarrer Koch, feinen Kronzeugen und den deutschnationalen Bervon Intimität verweht hier. Wenn sie erzählen könnten! Der leumbern folgende Berse gewidmet, die unter dem Titel stehen: Märchendichter Andersen hätte hier reichlich Stoff gefunden. Aber lleber die christliche Sittenlehre, Pflichten gegen den Rächsten die gierigen Augen, die sie plötzlich auf sich ruhen fühlen, wollen niis wider Berleumdung": von Romantik oder dergleichen wiffen. Sie fragen nur nach dem rein materiellen Wert des Objekts. Und dann kommt die Austion. Herren im Belz, brillantenbefäte Damen feilschen laut und heftig um jedes Stück; um jede Base wird da ein langer Zahlenkampf ge führt. Der Auftionar tommandiert lächelnd, sein Helfer schreit sich langsam heiser, und die Damen notteren nervos und ziehen die Geldscheine ein. Mancher reibt sich die Hände, und dieser oder jener ficht sogar glückselig aus. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier" Auf dem Lande, irgendwo, sah ich einmal den armseligen Rachlaß einer alten Frau im Garten eines Gasthauses stehen. Es regnete in Strömen. Frauen mit neugierigen Kindern standen herum und handelten um den billigen Trödel, der die Be erdigungsfoften aufbringen sollte. Es war ein anderes Bild. Nüchterner und ergreifender. Hier hatte ein armes Leben in Armut geendet, während dort Reste an ein Leben voller Glanz und Genuß erinnerten. -Die Millionenerbschaft aus der Schweiz. Zwei Hochstaplerinnen. Bor dem großen Schöffengericht Schöneberg erschienen heute zwei Frauen auf der Anklagebant, die sich wegen zahlreicher Hoch sta peleien zu verantworten hatten. Mit einer angeblichen Millionenerbschaft aus der Schweiz hat die Gräfin Elife Harbuval v. Chamaré in Gemeinschaft mit ihrer Freundin, der geschiedenen Ehefrau Martha Prager, die wieder ihren Mädchennamen angenommen hat, umfangreiche Schwindeleien gemacht. Die erste Angeklagte ist als uneheliches Kind unter dem Namen Elise S. in Beeskow geboren und war Krantenpflegerin. Zu dem Gräfintitel ist sie auch mit Hilfe ihres Schwindeltalents gelangt. Sie hatte mit einem verschuldeten Grafen Ch. als angebliche Millionenbung in Gestalt eines Wechsels über 100 000 Wart gegeben, der aber erbin eine Namensehe geschlossen und ihrem Ehemann eine Abfin niemals eingelöst werden konnte, da fie gar tein Bermögen befaß und die ganze Erbschaft eine Erfindung der beiden Freundinnen war. Jahrelang haben sie ein glänzendes Leben geführt. Sie logierten fich in Benfionen ein und verstanden es, den Benfionsinhaberinnen die Erbschaft so glaubhaft zu machen, daß sie nicht nur Jahr und Tag fostenlos gut leben fonnten, sondern noch Gelb obendrein befamen. Eine Bensionsinhaberin hatten fie fogar bewogen, ihre Bension und das ganze Mobiliar zu vertaufen und ben Erlös ihnen in Erwartung der Schweizer Millionenerbfchaft aus. zuhändigen. Die beiden Angeklagten fuhren in Brivatautos vor den Geschäften vor und ließen Waren in die Bensionen schicken. Mit dem Gräfintitel und dem Nimbus der Millionenerbschaft gelang der Schwindel in zahllosen Fällen. Die Erbschaftsregulierung sollte ein angeblicher Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Misch in Zürich in der Hand haben. Dieser ist jedoch nicht zu ermitteln gewesen. Die Berhand. fung ging unter großen Schwierigkeiten vor sich, da die beiden Ange fagten ihmer hysterisch sind. Die Angeklagten find mehrfach bestraft. Die Berhandlung wird mehrere Tage das Schöffengericht beschäftigen da ein großer Beugenapparat aufgeboten ist. Berliner Geldschrankfuader auf Reifen. Drei reisende Berliner Geldschrantfnader wurden in Meimar Dem Sonderbezernat der Kriminalpolizei für feftgenommen. Belbfchranfeinbrüche fiel es feit einiger Beit auf, daß drei ihm be fannte Spezialisten, ein Johannes Dalfowsti, August Freter und Karl Beier, wiederholt von Berlin abmesend waren und daß bald nach ihrer Rückkehr aus größeren Städten der Provinz und bes Reiches Geldfchranfeinbrüche gemeldet wurden. Zulegt wurde festgestellt, daß die drei, die zu einer Weddingtolonne ge hören und mit Sauerstoffgebläsen arbeiten, wieder einmal auf Um wegen nach Süddeutschland gefahren waren. Ihr eigentliches Ziel aber war Weimar. Die dortige Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und mit Beschreibungen der Spezialisten versehen. Sie ermittelte sie auch in zwei Gasthöfen, wo sie unter falschem Ramen wohnten, und beobachtete, daß fie eifrig dabei waren, einen Einbruch in ein Ronfettionshaus auszutundschaften und vorzubereiten. Die drei wurden festgenommen und ihre Werkzeuge beschlagnahmt. Diebische Postbeamte. Begen fortgesetter Unterschlagung Don Bateten wurde der 23 Jahre alte Hilfspoftfchaffner Rudolf Leibereit ver haftet. Leidereit war auf einem Bostamt im Zentrum der Stadt angestellt. Golange er in der Batetabfertigung beschäftigt war, über. flebte er die Originaladreffe init einer von ihm geschriebenen und fandte die Balete, die meistens Stoffe enthielten, an eine Bekannte. sandte die Balete, die meistens Stoffe enthielten, an eine Befannte. Nach einiger Zeit wurde er von der Paletabfertigung nach dem Kaffenschalter verseßt. Hier traf er auf einen Gleichgesinnten, den 28 Jahre alten Ostar Strumpel Sie unterschlugen nicht nur Gelder aus ihren Kassen. Leidereit stahl vielmehr auch aus den Rassen anderer Kollegen. Diese tamen in den Berdacht der Untreue und mußten den Fehlbetrag aus ihrer Tasche ersehen. Als einmal eine Körpervifitation stattfand, versteckten die Ungetreuen das Geld hinter den Röhren der Zentralheizung. Durch Abgabe das Geld hinter den Röhren der Zentralheizung. Durch Abgabe einer falschen eidesstattlichen Bersicherung lenkte Leidereit den Ber baht aufeinen Kollegen. Nach längeren Ermittlungen der Kriminalpoftdienststelle gelang es endlich, diesen niederträchtigen Burschen und seinen Kumpan unschädlich zu machen. Aenderungen im Straßenbahnverkehr. Am 21. Januar d. J. wird die Rotbrücke bei der Berliner Brüde in Spandau in Betrieb genommen und der Durchgangs. verkehr auf der Linie 55 wieder eingerichtet. Es braucht also an der Berliner Brücke nicht mehr umgestiegen zu werden. Gleichzeitig wird die Linie 55 vom Morigplaz über Oranienstraße, Wiener Straße( Görliger Bahnhof), Graeßstraße bis Bouchéstraße in Treptow verlängert. Außerdem trift auf den Linien 72, 73 und 93 ein neuer Fahrplan in Straft. Es handelt sich dabei um eine geringfügige Berichiebung der Fahrzeiten. Die Inhaber von Beitfarten für die Linie 55 find vom 21. Januar b. 3. ab auf der der Sperrung der Berliner Brücke freigegeben war, nicht mehr fahrtStrecke über den Spandauer Bod, die vorübergehend für die Dauer berechtigt. Die Karten gelten nur auf dem Wege der Linie 55 über Siemensstadt. Ueberfall auf einen Reichsbannermann durch den roten Fronttann. Vorgestern abend gegen 10% Uhr tam ein Trupp von 30 bis 40 Mann des Frontfämpferbundes lärmend die Feurigstraße in Schöneberg entlang. Vor dem Hause Nr. 19 überfielen fie einen mit feiner Schwester gehenden Reichsbannermann und fchlugen ihn, nachdem sie ihn aufgefordert hatten, die Müze abzunehmen, mit ihren mitgeführten eichenen Totschlägern fofort zu Boden, so daß er mit fchwerer Ropfperlegung liegen blieb und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Bielleicht 1. Suchst du des Nächsten Ehr und Achtung ihm zu schmälern; sprichst du so oft und gern von deines Nächsten Fehlern; verkleinerst du aus Stolz, aus Mißgunst seinen Ruhm, decft seine Schwachheit auf: wo bleibt dein Christentum? 2. Wenn du aus Argwohn bloß von ihm nur Böses denkest, und durch ein falsch Gerücht ihm schadeft und ihn fränteft, menn ihn dein Neid, dein Haß, dein Stolz, dein Spott entehrt: bist du dann noch ein Christ und dieses Namens wert? 3. Wer, wann er Lästerer hört, und unter Spöttern fizet, aus scheuer Menschenfurcht nicht anderer Unschuld schüßet; mer aus Gefälligkeit selbst ein Berleumder ist, und nichts zum Besten tehrt; bleibt der auch noch ein Christ? 4. O Mensch, bedente doch: Gott hört an jedem Orte, mo du nur immer bist, ein jedes deiner Worte Und er, der alles sieht, er sollte dich nicht sehn, wann du dich frech erkühnst, die Unschuld selbst zu schmähn? 5. Wann du der Frommen lachst, wann du die Tugend schändest, dem Bürdigen das Lob, das er verdient, entwendest; Berleumder! fieht's nicht Gott, wie zügellos dann du ihn in den Seinen schmähst? Dein Richter hört dir zu. J. 2. Paulmann. Es wird Frühling! Die erften Ma itäfer sind auf der Borwärts"-Redaktion eingetroffen, in einem fleinen Schrebergarten in Eichwalde ließen fie fich's noch gestern 10 Bentimeter unter der Erde wohl sein, doch eine Schaufel wurde ihnen zur Hebamme, denn sie hob sie nämlich Berlin, es gefällt ihnen aber gar nicht bet der Kälte und dem selbst für einen jungen Käfer im Straßenverkehr hinderlichen Nebel, und Berlin, es gefällt ihnen aber gar nicht bet der Kälte und dem selbst uun beflagen fie fich beim Lokalredakteur und laufen freuz und quer übers naffe Manuffript. Hoffentlich wirft er bie braunen Güfte nicht gewohnheitsgemäß in den Bapierforb, vor seiner Schere und feinen Leimtopf wurden die armen Biecher bereits von der übrigen Redaktion gewarnt. Die Maifäfer sollen nämlich mit uns einen recht, recht schönen Frühling erleben. Bon einem Wegelagerer überfallen. In der Nacht zu gestern murde ein Arbeiter Otto Töns auf seinem Heimwege zwischen Charlottenhöhe und Sceburg bei Spandau von einem Wegelagerer überfallen. Der Räuber zwang ihn mit vorgehaltenem Revolver zur Herausgabe seiner Barschaft von 28 Mart und lief dann in der Richtung nach Spandant davon. Der Beraubte fann ihn wegen der Dunkelheit nicht beschreiben. Der junge Cher nennt sich eine Gründung, die aus dem Entschluß junger Broletarier wuchs, mit alten Formen und Unfitten zu brechen und auf dem Boden wirklicher Gemeinschaft den Gestaltungswillen einer neuen Generation auf diesem Sebiet erkennbar werden zu lassen. Heute zählt der Chor, der im Sommer 1924 gegründet wurde und Mitglied des DASS. ist, schon über 100 Anbänger, Furschen und Mädels, die ausschließlich aus den Kreisen der Jugend- und Wanderorganisationen lommen. Dirigent ift Seing Tieffen. Das Biel ift: In zerriffener Zeit ein Sprachrohr für stunst, Kullur and Kampfwillen des jungen Bro. letariats zu werden." Burschen und Mädels der arbeitenden Jugend werden aufgefordert, fich dem jungen Ebor anzuschließen und zu helfen, ein Instrument zu fchaffen, la beißt es in einem Aufruf, bas unferen Festen, unseren Feiern enblich auch unser Geftat gibt! Hebungsstunden: Jeben Dienstag, 8-10 Uhr, Mula Steinftr 34. Anschrift: Mag Seibelmann, Be: lin- Moabit, Beusselstr. 44 T. Rafte Ber anstaltung: Sonntag, den 22. März, nachm. 4-6 Uhr, in der Singalabemie, Staftantenwäldchen. Dreußenwahl der Jüdischen Gemeinden. Anläglich der am 1. Februar flattfindenden Wahlen zum Breußischen Landesverband der Jüdischen Ge. meinden veranstaltet die Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Boale 3ion" Montag, den 19. Januar, 8 Uhr abends, in den Mufikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße( Stadtbahn Alexanderplat) eine offentlige Kundgebung, mit der Beteiligung des Reichstagsabgeord neten Eduard Bernstein, Dr. Dscar Cohn, Alfred Berger u. a. Jeugen gesucht! Berfonen, welche Reuge waren, wie am 18. November, namm. 4 Uhr, Belle- Alliance, Ede Streuzbergstraße, eine Dame von einer Straßenbahn, Linie 35, überfahren wurde, werden um Angabe der Adresse ebeten an Bezirtsbetriebsrat Streuzberg, Nordstr. 11. Der tote Flieger. Nachdem man vor einiger Zeit im Walde von Pierre St. Vaast die Ueberrefte eines franzöfifchen Flugzeuges, das mährend des Krieges dort abgeschoffen wurde, mit dem Stelett bes Führers aufgefunden hatte, sollen, wie das Journal" aus Amiens meldet, in derselben Gegend auch die Ueberrefte eines deut Ichen Flugzeuges mit durch den Regen verwaschener Inschrift entdeckt worden sein. Man habe auch die Leiche des deutschen Flug zeugführers gefunden, die nach dem Friedhof von Rancour übergeführt worden sei. Lungenpeft in& onftantinopel.„ Daily Telegraph" berichtet aus Konstantinopel den Ausbruch einer 2ungen peste pedemie, Die unter der Bevölkerung und den Behörden große Besorgnis verurfache. Bisher feien fünf Todesfälle berichtet worden. Im mohammedanischen Flüchtlingslager feien in den leßten zwei Tagen neun Personen plöglich gestorben, wie man fürchtet, wahrschein lich ebenfalls infolge dieser Best, bei der der Tod innerhalb von 36 Stunden nach der Infektion erfolge. Meldung aus New Dort ist das amerikanische Unterfeeboot S. 19 geStrandung eines amerikanischen Unterseebootes. Nach einer ftrandet. Die Mannschaft fonnte mit vieler Mühe gerettet werden. 40 Mann waren der Erstichung nahe, als es der Rettungsmannschaft gelang, in das Schiff einzubringen. Bau eines neuen Hafens in Helsingoer. Die Stadtverordneten. versammlung in Helsingoer nahm den Vorschlag des Magistrats zum Bau eines neuen Hafens in Helsingoer an, der etwa 10 Millionen Kronen fosten soll. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Recis. Sonntag, ben 18, Sanuar, vormittags 10 Uhr, bei Günther, Schillerpromenade 11, Zusammenkunft der Ordnerobleute und Stellvertreter. Jugendveranstaltungen. Sente, Sonnabend, Gebentfeier für Karl Siebknecht und Rofa Luxemburg in ber Neuköllner Schufaula der Walther- Rathenau- Schule, Boddinstraße. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Referent Genoffe Artur Crifpien. Rofenthaler Borstadt: Morgen Sonntag, Wanderung nach Botsbam, Römer fchange. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Börse. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin S. 14. Gebaftianfir. 87/88 Sof 2 Sz. Ramerabschaft Tempelhof: Gonntag, den 18.. Treffpunkt 8 Uhr frith, Dotsgruppe Tempelhof Attilapias, Ortsgruppe Mariendorf Chauffee, Ede Rurfürstenstraße. Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaften und Reichsregierung. Wie die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft, gleich viel selcher Richtung fie angehören mag, zu der neuen Regierung steht, arüber fann fein Zweifel sein. Eine Regierung, in der die Vertreter der Schwerindustrie und der Junker, die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen, die Mehrheit haben und somit den Regie rungsfurs bestimmen, fann weder auf die Unterstützung noch auf die Duldung der Gewerkschaften rechnen. Auch das Verbleiben des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns tann daran nichts ändern. Es ist die Regierung in ihrer Gesamtheit, die zu allen Gefeßentwürfen Stellung nimmt. Ein deutschnationaler Wirtschaftsminister ist am allerwenigsten geeignet, das Mißtrauen zu beseitigen, das die Arbeiterschaft gegenüber jeder bürgerlichen Regierung empfindet. Die Stellungnahme der freien Gewerkschaften zu den Reichstagswahlen, die Stellungnahme der christlichen und Hirsch- Dunderfchen Gewerkschaften zu den Fragen der Sozialpolitif, der Steuerpolitik und insbesondere zum Achtstundentag sind so eindeutig, daß es überflüffig ist, die Oppositionsstellung der Gewerkschaften besonders zu betonen. Die Regierung Luther wäre nie zustandegefommen, wenn die Deutschnationalen und die Bolksparteiler in ihrer Rechnung der Kräfteverteilung gegenüber einer Regierung aus Sozialdemofraten, Demokraten und Zentrum nicht die 45 Kommunisten als eine mit ihnen verbündete Opposition einbeziehen könnten. Der Machtanspruch der Deutschnationalen wie der Bolkspartei ist lediglich darauf begründet, daß eine Regierung, in der die Sozialdemokratie vertreten ist, eine deutsch nationale rolfsparteiliche- fommunistische Opposition gegen sich vereinigen würde. Gäbe es keine Kommunisten im Reichstag, dann würde auch keine Rechisregierung möglich sein. Diese Tatsache, die heute jedem Arbeiter flargeworden ist, bes müht sich die„ Rote Fahne" wegzudiskutieren. Sie versucht es so hinzuftellen, als feien es die Kommunisten, die den Rampf gegen die Rechtsregierung führen. Tatsächlich liegen die Dinge aber fo, daß es die Stimmen der 45 Kommunisten sind, die die Gedanken einer Rechtsregierung erst auffommen lassen konnten, während es die Opposition der 131 Sozialdemokraten und der hinter ihnen ftehenden Gewerkschaften allein ist, die der Realisierung des deutschnational- voltsparteilichen Machtgedankens Schwierigkeiten bereitet. Darum gilt es die Front der Gewerkschaften zusammenzuschließen und den kommunistischen Steigbügelhaltern der Rechtsregierung die Wege zu weifen. Reichsbahn im Dienste der Junker. Treibjagd auf Candarbeiter. In den Provinzen Ostpreußen, Brandenburg und Pommern sowie in der Grenzmark verlangen die Arbeitgeber von den verheirateten Landarbeitern, die als Teil ihres Lohnes eine Deputatwohnung erhalten, die Gestellung von Hofgängern. Bei diesem Berlangen begnügen sich die Arbeitgeber nicht mit einem Hof gänger, fondern sie bevorzugen diejenigen Arbeiter, die zwei und brei Hofgänger stellen tönnen. Dieser Zustand bringt es mit sich, daß Landarbeiter, die feine arbeitsfähigen Kinder haben und deren Frauen infolge der vorhandenen fleinen Kinder ihre Arbeitstraft nicht voll zur Verfügung stellen tönnen, feine Arbeitsstelle ais Deputant erhalten. Reichsbahngeſellſchaft nicht, an deren Spitze der Demokrat Defer Aus der Partei. steht, bei dieser Jagd reaktionärer Junter auf arme Landarbeiter den Treiber zu spielen? Die hohen Löhne bei der Reichsbahn fönnen es wahrlich nicht sein, die die Landarbeiter anlocken. Die Streckenarbeiter der Reichsbahn haben in Ostpreußen durchschnittlich einen Stundenlohn von 40 Bf.. wovon natürlich noch die vielen Abzüge abzurechnen sind. Der Deutsche Landarbeiter- Verband hat in einer vom 8. Januar datter: ten ausführlich begründeten Beschwerde sich an die Hauptverwaltung der Reichsbahn gewandt, ohne bisher eine Antwort erhalten zu der Reichsbahn gewandt, ohne bisher eine Antwort erhalten zu haben. Wir richten daher diese Fragen öffentlich an die Reichs bahnverwaltung und erwarten, daß die Berordnung vom 1. Oktober, die einfach ein Skandal ist, unverzüglich zurüdgezogen wird. Der Betriebsingenieur in der Karre. Das Buch Matteottis. In der letzten Sigung des Parteivorstandes und der Kammer fraktion der italienischen sozial stischen Partei teilte Genoffe Ron. bani mit, daß das Buch Matteottis:„ Ein Jahr faschistischer Herrschaft" in englischer Sprache von der Independent Labour Party herausgegeben worden ist. Die Sigung beschloß, den englischen Ge nossen für diesen Att internationaler Solidarität den wärmsten Dank auszusprechen. Ebenso hat die ILP. von der Witwe des Genossen Matteotti ein Schreiben erhalten, in dem es heißt:„ Ich danke Ihnen für die Liebenswürdigkeit, mir das Buch zu fchiden, das ich als wür diges Andenken an meinen verlorenen Gatten bewahren werde." Sport. Das 13. Sechstagerennen. Der zweite Tag. In der Fabrik von Orenstein und Koppel hat sich ein 3wischenfall abgespielt, den die Firma sehr ernst genommen hat, obNachzutragen ist noch, daß gleich nach der 23. Stunde vers gleich er jedem, der Sinn für Humor hat, nur als ein allerdings schiedentlich Borstöße unternommen wurden, die aber alle veretwas drastischer und handgreiflicher Scherz erscheinen muß. pufften. Infolge der schlechten Ablösungen sah sich das Renngericht In der Schmiedewerkstatt der genannten Firma herrschte be- veranlaßt, Hahn, Rütt, Saldow, van Kempen, Stellbrint, Stabe und Techmer und ihren Partner Berwarnungen auszusprechen. Bon greifliche Entrüftung darüber, daß der Betriebsingenieur die Afford Als preife bedeutend herabgesetzt hatte. Die Arbeiter traten beim Schicht: 11 bis 12 Uhr sind 43,820 Kilometer zurückgelegt. wechsel zu einer Besprechung zusammen und beschlossen, mit dem das Zeichen zur 2- Uhr- Nachtwertung Ingenieur nicht mehr zusammenzuarbeiten, da er fein Fachmann in ertönt, beträgt die gefahrene Kilometerzahl 866,970 kilo. Schmiedearbeiten sei und man sich deshalb mit ihm nie über die ertönt, beträgt die gefahrene Kilometerzahl 866,970 Rilo meter. Im ersten Spurt ist Emil" der erste am Ziel. Golie Preise verständigen fönne. The die Besprechung der Arbeiter be Krupkat und Tieß sind die nächsten Fahrer. Van Kempen, der endet war, erschien der Ingenieur, dem der Beschluß hinterbracht jeden Tag immer mehr seine Klasse zum Ausdruck bringt, gewinnt worden war, in der Werkstatt und stellte die Arbeiter zur Rede. den zweiten Spurt gegen Hahn, Rütt und Miquel. Aerts holt Man bedeutete ihm, er solle die Werkstatt verlassen und nicht wieder sich den dritten Spurt vor Mac Beath, Golle und Tiez. Der erscheinen, sonst werde man ihn hinauskarren. Natürlich weigerte vierte ist wieder eine Angelegenheit van Kempens, Hahns, sich der Ingenieur, dieser Aufforderung nachzukommen. Da griff ein Bauers und Rütts. Der sympathische Giorgetti fiegt im fünften Arbeiter die vielleicht ohne ernste Absicht hingeworfene Bemerkung Spurt gegen den scharf angreifenden Sawal. Aeris und Krupkat vom Hinauskarren auf. Er wies auf eine Karre und sagte lächelnd: belegen den briten und vierten Platz. Ban Kempen nimmt „ Bitte, Herr Ingenieur, steigen Sie ein. Das tat der Ingenieur natürlich nicht, und nun wurde die Komödie zu Ende geführt. Kräfchließlich auch noch den sechsten Spurt mit". Hahn ist wieder tige Schmiedefäuste erfaßten den Ingenieur, setzten ihn in die Karre, weiter vor Rütt und Techmer. Der Stand des Rennens nach der 2 Uhr Nachtwertung ist folgender: van Kempen- Sawall hielten ihn, der sich heftig wehrte, in der Karre fest und fuhren ihn 65 Punkte, Rütt- Alerts 43 Punkte, Hahn- Tieg 36 Punkte, Giorgeflipor das Tor der Werkstatt, wo er unbeheiligt aussteigen konnte. Rizetto 29 Puntte, Lewanow- Bauer 24 Puntte, Saldow- Lorenz Die Stimmung der Arbeiter war feineswegs feindselig, denn, wie der Ingenieur selbst angab, hat er unmittelbar nach Beendigung Grenda- Mac Beath 9 Punkte, Stabe- Techmer 6 Punkte, Brocco seiner unfreiwilligen Karrenfahrt mit den Arbeitern verhandelt und sie zur Aufnahme der Arbeit veranlaßt. Wenn sich ein ähnlicher Vorfall in Studentenkreisen ab gespielt hätte, würde man ihn als Uit aufgefaßt und dementsprechend beurteilt haben. Aber es handelte sich um Arbeiter und darum mußte ein Erempel statuiert werden. Sechs Arbeiter, die sich an der Karrenfahrt aftiv beteiligt haben sollen, wurden entlassen und dem Strafrichter überantwortet, der aber den Vorgang nicht als sehr schwerwiegend angesehen haben kann, denn er verurteilte zwei der Angeklagten zu je 100 m. Geldstrafe und sprach die übrigen frei, weil ihnen eine Beteiligung nicht nachgewiesen werden konnte. Die Freigesprochenen flagten nun beim Gewerbegericht gegen ihre Entlassung, die sie als unbillige Härte ansehen. Nach langer Berhandlung fom ein vom Gericht vorgeschlagener Bergleich zu ftande, wonach die Firma zwei Klägern je 300 m. und dem dritten 50 m. Entschädigung zahlt. Der vierte Kläger geht leer aus, weil das Gericht für erwiesen hielt, daß er bei Beginn der Fahrt gerufen hatte:" Raus mit ihm!" fchüttern. Bewegung der englischen Bergarbeiter. A Miquel 1 Bunft. 3 Die Mannschaft Brocco- Miquel hat ihren ersten Bunft ers fämpft". Ohne Punktzohl find Huschte- Kohl und Stellbrink- Koch Das Feld gesprengt! Suschte reißt nach der Wertung aus und gewinnt einen neilen Vorsprung. Sein befähigter Partner Kohi hat die Situation schnell erfaßt und löst gut ab. Die im Rennen liegenden Fahrer treten unbarmherzig die Bedalen. Stabe und Rizetto fönnen nicht mehr mit, so daß das Feld gesprengt ist. Inforrenttheiten tommen vor. Stabe- Techmer und Giorgetti- Rizetto haben je eine Runde verloren. Und dann tritt das Renngericht in Tätig teit... Hahn- Tieg erhalten 50 M. Geldstrafe, Stellbrint- Kohl und Colle- Manthey eine Girafrunde, Bauer- Lewanow und Brocco Miquel eine Berwarnung. In dieser Jagdstunde( 27. Stunde 3 ühr früh) find 41,200 Kilometer zurückgelegt. now. Theater der Woche. Bom 18. bis 26. Januar 1925. London, 17. Januar.( Eigener Bericht.) Die Streifabstimmung in Derbyshire, wo 25 000 Bergarbeiter die Wiederherstellung ihrer vor der Lohnfenfung im Jahre 1922 erzielten Löhne fordern, lenfi In der Provinz Ostpreußen sind nach den Angaben des Landdie Augen wieder auf die Verhältnisse im englischen Kohlenbergbau. wirtschaftsverbandes( Arbeitgeberorganisation) im Frühjahr 1924 Es fann nicht nerkannt werden, daß im gesamten englischen Kohleninfolge eines Lohnkampfes 1762 Landarbeiterfamilien bergbau eine Unruhe unter der Bergarbeiterschaft festzustellen ist, 20. Maria Magdalena. 23. Dr. Maus. Dentfches Theater: 19., 23. und 2. gemaßregelt worden. Die Arbeitgeber haben sich bei einer als deren Folge, nicht deren Irface, man die Reden des Sefretärs Vertragsstrafe von 1000 Goldmart verpflichtet, des Bergarbeiterverbandes, Coof, wird würdigen müffen. Es ist des feinen gemaßregelten Arbeiter wieder einzuhalb nicht ausgeschlossen, daß sich im englischen Kohlenbergbau für Theater: Der Widerspenstigen Zähmung. den Zeitpunkt des Ablaufs des gegenwärtigen Lohnabkommens einer ftellen. Der Landwirtschaftsverband Ostpreußen gehört dem Reichs- jener großen Konffitte vorbereitet, die England von Zeit zu Zeit erverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeber Eine ausgefprochen fampfluftige Stimmung ist in Südwales zu vereinigungen an. Dieser selbe Reichsverband hat sich bebenbachten, wo große Arbeitslosigkeit auf der einen Seite, niedrige schwerdeführend an den Reichsminister für Ernährung und Löhne auf der anderen Seite den Boden für zukünftige Kämpfe vorLandwirtschaft gewandt, weil die Reichsbahnverwaltung auch bereitet haben, ferner in Lancashire, wo allerdings die Lage des Landarbeiter einstellt. Der Reichsernährungsminister hat Bergbaues, der mit Defizit arbeitet, auf lange hinaus eine Lohndie Beschwerde an die Hauptverwaltung der Reichsbahn weiter erhöhung unmöglich machen wird. Die Beurteilung der Lage aber gegeben und diese hat eine Verordnung erlassen, wonach die im wird dadurch erschwert, daß es die Minoritätenbewegung verstanden Reichsbahndienst beschäftigten, gelernten landwirtschaftlichen Arbeiter hat, unter der Maste der gemerffchaftlichen Forderungen radikale unverzüglich zu entlassen sind. Darüber hinaus soll tommunistische Forderungen mit einzuschmuggeln, die bei der auch den Brinatunternehmern, die Arbeiten für die Reichs- Ahnungslosigkeit eines großen Teiles der englischen Arbeiterschaft bahn ausführen, aufgegeben werden, sofort alle landwirt. und ihrer Führer gegenüber den kommunistischen Absichten als solche nicht erkannt werden. Die Möglichkeit besteht zweifellos, daß gewisse schaftlichen Arbeiter zu entlaffen. Führer der Bergarbeiter sich in bewußter oder unbewußter Täuschung über die Kräfteverhältnisse befinden und statt eines praftifden fonstruktiven Programms ein Kampforgan vorbereiten, denen die Or ganisation bis auf weiteres hinaus, insbesondere angesichts der schon meit gediehenen Vorbereitung der Unternehmer, nicht gewachsen sein dürfte. Dies der nackte Tatbestand. Wir fügen zur Ergänzung hinzu, daß keinerlei Arbeitsmangel in der Landwirtschaft herrscht. Nach den Berichten über die Arbeitervermittlung in der Landwirtschaft im Reichsarbeitsblatt famen nach den Meldungen der Arbeitsnachweise im März 1924 auf 100 offene Stellen 207 Arbeitsuchende, im April 145, im Mai 131, im Juni 124, im Juli 125, im Auguft 130, im September 105, im Oftober 112. Wir gestatten uns die, Frage: Ift für die Reichsbahngesellschaft der§ 111 der Verfassung, der die Freizügigfeit aller Deutschen festlegt, bereits aufgehoben? Schämt fich die Am 14. Januar, kurz vor Beendigung seiner 25 jährigen segensreichen Tätigkeit, wurde uns unerwartet das Mitglied des Vorstandes, Herr Franz Hermann Meissner durch den Tod entrissen. Gleich begabt auf künstlerischem wie auf kaufmännischem Gebiet hat er mit unermüdlichem Eifer der Entwicklung und Erhaltung des Zoologischen Gartens seine Arbeit gewidmet, in den schweren Nöten der Kriegszeit und der Geldentwertung Mut und Hoffnung niemals verloren, immer neue Wege der Rettung gefunden. Es war ihm noch beschieden, die Rückkehr gesicherter Verhältnisse zu sehen und an Plänen für die Wiederherstellung und Erweiterung des Tierbestandes wie für Verschönerung der Anlagen mitzuarbeiten. Mit allen Mitgliedern der Verwaltung befreundet, für jeden Angestellten mit warmem Herzen besorgt, hinterläßt er eine schwer zu ersetzende Lücke. Sein Andenken wird bei der Verwaltung und allen Freunden des Zoologischen Gartens nicht erlöschen. Berlin, den 16. Januar 1925 Aufsichtsrat und Vorstand des Aktien- Vereins des Zoologisch. Gartens zu Berlin. Spezia Die Exekutive der Bergarbeiter tritt in der kommenden Woche zufammen, um die Vorschläge der Unternehmer über die Einfeßung einer gemeinsamen Kommission zur Prüfung der Lage im Kohlenbergbau zu prüfen. Die gesamte englische Deffentlichkeit verfolgt die Borgänge in der englischen Kohlenindustrie, der Schlüsselindustrie für Englands Wohl und Berderben, mit gespannter Aufmerksamkeit. Altes Spezialgeschäft KamelbaarSchlafDem Schaffenden KeileDeden das Ir fotagen Stridjaden Strümpfen Fries zu billight Tagespr. Gebrüder Pilaume Berlin SW. Friedrichstr. 205 Ede Zimmeritr. SCHUTE MARKE Quintings Rabatt u Reklamemarken etha sf 45 Jahr as Spezialitat Conrad Müller eischkeuditz Leipzig Wissen! Das Taschenbuch der Arbeit Beiträge erster Federn: Bürgel, Graf, Kampffmeyer, Renner, Schikowski, Wendel, Zell u.a. Kalendarium, Adressenmaterial Ganzleinen 1,50 Mark Zu haben bei J. H. W. Dietz Nachf. 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Leffing Theater in der Röniggräter Straße: Der Tofaier. Deutsches Opernhaus: 18. Oberon. 19. Rheingold. 20. Dep Prophet. 21. Die Walküre. 22. Wenn ich Rönig wär...! 23. Siegfried. 24. Boccaccio. 25. Figaros Sochzeit. 26. Götterdämmerung. Großes Schon spielhaus: An alle Große Bolksoper im Theater des Westens: 18, P Traviata. 19. Der Freischig. 20. Carmen. 21. Die Fledermaus. 22. Ein Mastenball. 23. Lohengrin. 24. Fra Diavolo. 25. Fidelio. 26, Boris Godu Renaissance- Theater: Herbstliche Geigen. Die Tribüne: Frau Warrens Gewerbe. Deutsches Künstler- Theater: Riquette. Komödienhaus: Die Cousine aus Waridjau. Berliner Theater: Anneliese von Deffan. Renes Theater am Roo: Wild- West- Mädel. Trianon Theater: Mary. Rendenz Theater: Rosa Altschul. Rentral- Theater: Die verfunkene Glode. Theater in der Kommandantenstraße: Die Frau ohne Ruß. Rammer- Oper, Wohl au ruhn, Herr Nachbar. Das tinge omftraße: La serva padrona. Felfeifen. Luftfpici Stomische Oper: Das hat hie Welt noch nicht gesehen! Neues baus: Der wahre Jalob. Metropol- Theater: Gräfin Mariza. Operettenhans: Die vertauschte Frau. Sheater am Kurfürstendamm: ManKleines Theater: Banco. Wallner- Theater: Belleas und Melifande. Walhalla- Theater: Barieté- Borstellung. Rose- Theater: 18. bis elle Ritouche. Rafino Theater: Graf Rots. 25. Das Bildumaschen von Edöneberg. Intimes Theater: Ragi. Abenteuer nach dem Tode. Die Lebensretterin. Gaei Schloßpart- Theater Steglig: Das Dreimäderhaus. Theater dungsfouper. Apollo- Theater: Das Tachende Berlin. im Admiralspelaft: Noch und Noch. Rachmittagsvorstellungen. Boltsbühne: 18. Der Seimatlose. Schiller- Theater: 18. Candida. Unterm faribischen Mond. 25. Gatuntala. Rammerspiele: 18. und 25. Die Komöbie: 18. und 25. Die deutschen Kleinstädter. Deutsches Theater: 18. und 25. Alt- Seidelberg. effing- Theater: 18 Safemanns Löchter. Deutsches Opernhans: 25. Mignon. Großes Schauspielhaus: 18 Der Rigeunerbaron. Berliner Theater: Die Sentral- Theater: 18. und 25. Der G'wissenswurm. Regimentstochter. Theater: 18. und 25. Aschenbrödel. Schloßpark- Theater Steglig: 18., 24. und 25. Der Froschönig. Berantwortlich für Politik: Cruft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: A. S. Difcher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckerei und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SB. 68, Lindenstrake 3. Frühlings Erwachen. Berliner ElektrikerB Genossenschaft angescht. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Lidit-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Stahlmatratzen Maß. Politeraufl., Metalib. a. Briv. Günft Bebing Ra 39Afrei Eifenmöbelf.Suht.Thür Abreißkalender 1925 Der in Tieftruck hergestellte Kalender follte in feiner Familie und in te.nem Büro fehlen! 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