Nr.32+42. Jahrgang Ausgabe Nr. 17 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monot lich 3, Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Boll und Reit" mit ,, Gied Jung und Aleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 0,70 Goldmark, Reklamezeile 4. Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), iedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Goldmart. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Immerhin gibt es einige Punkte, die etwas ernster zu nehmen sind. Bers nicht glaubt, lese die Erklärung des neuen Reichsfanzlers! Diese Erklärung ist ein sogenanntes Brogramm. Aber Schiele, Neuhaus und Schlieben sind auch ein Programm. Schlieben ist ist der neue Reichsfinanz minister! Nachdem Herr Luther vor Herrn Sa emisch noch einen vergeblichen Fußfall getan und auch den Staatssekretär Fischer mit dem gleichen Erfolg befniet hat, ist er auf den Ministerialdirektor im Reichsfinanzministerium, Herrn v. Schlieben gekommen. Der nahm an. Herr v. Schlieben war im Herbst 1918 in der ReichsTanzlei. Die Revolution verursachte ihm Tobsuchtsanfälle. Ich schieße mich tot," rief er aus, unter dem Gesindel diene ich nicht." Er hatte aber feine festen Preise, blieb am Leben, leistete im Gegensatz zu seinem Amtsgenossen Neuhaus den Eid auf die Verfassung und stieg rasch auf der Beamtenleiter in die Höhe. In feiner Eigenschaft als Ministerialdirektor im Reichsfinanzministerium hatte er das entscheidende ort bei der Regelung der Beamtengehälter zu fagen. Die Art und Weise, wie er es tat, war ganz danach angetan, den Beamten, namentlich den mittlerei und unteren, die Republik zu verefeln. Man muß zugeben, daß Herr von Schlieben in der Galerie schöner Männer um Herrn Luther gerade noch gefehlt hat. Schiele, Neuhaus, Schlieben. Republik, Frieden, soziale Gerechtigkeit. Soziale Gerechtigkeit, Republit, Frieden; es gibt feine Regierungserklärung, in der von diesen schönen Dingen soviel die Rede war wie in der Erklärung des Herrn Luther. Man spricht am meisten von den Tugenden, die man nicht hat, bemerkt irgendwo Lessing. Die Erklärung war länger, als man erwartet hatte. Sie setzte sich mit allen möglichen Fragen auseinander, allerdings in möglichst allgemeinen und unbestimmten Ausdrücken. Nur einer Frage ging fie aus dem Wege, gerade der, die durch Warum fie erst recht aufgeworfen wurde, nämlich: wurde die Regierung Marg nun eigentlich gestürzt? Herr Luther hat gestern bemerkt, daß die Regierungsfrije zur Staatstrife zu werden drohte. Eine harte Kritik an denen, die sie herausbeschworen hatten, noch verschärft durch sich geradezu überschlagende Lobsprüche auf das gestürzte Kabinett Marr! Aber warum wurde dieses Kabinett gestürzt? Warum wurde eine Regierungskrise eröffnet, aus der es keinen anderen Ausweg gab als den fümmerlichen einer Regierung Luther? Warum hat man diese Krise bis zu dem Grade verschärft, daß sie zu einer Staatskrise zu werden drohte? Wirklich nur, um eine Erklärung abgeben zu können, wie sie gestern abgegeben worden ist? Luther hat Marr gestürzt. Der Punkt, an dem die Regierungskrise zur Staatsfrise zu werden drohte, war erreicht, als die im Rabinett verbliebenen Minister mit Luther an der Spike in Opposition zu Marg traten und ihm die Mitarbeit fündigten. Man hätte meinen dürfen, daß es in diefem Kampf nicht um Futterkrippen", sondern um Grundfäße gegangen sei, daß aus dem Sturm einer Regierungsund beinahe Staatstrife ein neuer Kurs hervorgehen würde, der seine Farben offen zeigen wollte. Nach der gestrigen Regierungserklärung muß jedoch angenommen werden, daß diese Krise nur entfacht wurde, weil Republik, Frieden und soziale Gerechtigkeit bei den Herren Schlieben, Neuhaus und Schiele in noch besseren Händen feien, als bei Herrn Marr. War aber die Regierung Marr nicht ,, im Bann der Sozialdemokratie?" War sie nicht die Regierung der Hatte sie nationalen Knochenerweichung?" nicht den„ Tropfen Schmach im Blut", von dem zweiten Bersailles" her, das sie Deutschland mit gütiger Unterstützung von 49 Deutschnationalen bereitet hatte? Waren nicht alle Mittel der Berhehung und der Intrige angewandt worden, um sie zu Fall zu bringen. Und jetzt? Und jetzt? Republik? Frieden? Soziale Gerechtigkeit? Ben täuscht man hier? Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik hat die Regierung Luther ausdrücklich versprochen, die Wege der Regierung Marr, der Regierung der nationalen Knochenerweichung, gehen zu wollen. Kriegsschulfrage und Möglichfeit der Abänderung des Dawes- Planes burden nur nebenbei ein kleines Konzessiönchen an die Deutschnationalen porsichtig angedeutet. Dagegen wird die loyale Durchführung der Dawes- Geseze versprochen und über die Räumungs frage unter Vermeidung aller scharfen Worte gesagt, daß sie auf dem Weg von Verhandlungen zu lösen fein werde. Als der Vorwärts" in ungefähr denselben Worten dasselbe sagte, hieß ihn die deutschnationale Preffe einen Landesverräter. Jezt sagen es Luther, Schiele, Neuhaus und Schlieben. --der Nennung des Namens v. Schlieben rufen auch die Sozial. demokraten:" Ah!" Ein Kommunist ruft:„ Eine feine Gesellschaft!" Als der Präsident dann dem Reichskanzler das Wort zu seiner Erklärung erteilt, rufen die Kommunisten laut: 2 mnestie! Amnestie!" Präsident Löbe ersucht die Kommunisten unter Namensnennung der einzelnen Abgeordneten wiederholt um Ruhe. Er erklärt schließlich, es würde ihm leid tun, von seinen geschäfts ordnungsmäßigen Befugnissen Gebrauch machen zu müssen. Darauf verstummen die Rufe und der Reichskanzler fann beginnen. Reichskanzler Dr. Luther: Mein erstes Wort als Reichskanzler ist ein Wort des Dantes an die scheidende Reichsregierung und be sonders an ihren Führer, Herrn Reichsfanzler Marg. Die Politik der neuen Reichsregierung, für deren Richtlinien ich nach der Verfassung als Reichskanzler die Berantwortung trage, wird völlig auf fachliche Arbeit im Dienste des deutschen Boltes abgestellt sein. Die Reichsregierung wird dabei im Vertrauen auf die inneren Kräfte des Bolles und der Wirtschaft sich nach Möglichkeit von Bielregiererei fernhalten. Ihrem Arbeitsziel wird sie, die für ihre Leitgedanken die Billigung des Reichstages erbittet, nur dann mit Erfolg nachstreben fönnen, wenn es ihr gelingt, im lebendigen Zusammenhange mit dem Volksganzen zu bleiben. Sie wird die Zusammenarbeit im Reichs tag nicht nur mit den Parteien suchen, die in der Regierung durch Bertrauensmänner vertreten sind, sondern mit allen Barteien, bie in staatsbejahender Gesinnung praftische Mitarbeit leisten wollen. Die Notlage unseres Volkes muß für alle eine dauernde Mahnung ein, die schweren Entscheidungen, vor denen Reichstag und Reichsregierung stehen, auf möglichst breiter Grundlage zu bewirken. Wichtigste Voraussetzung für die Erreichung dieses weitergehenden Bieles war, daß eine Regierung gebildet murde, die, wenn sie auch feine parteipolitische Koalition darstellt, fich Auf dem Gebiet der inneren Politi wird ein Abbau der Wohnungszwangswirtschaft angefündigt. Natürlich nach strengsten Gesehen der sozialen Gerechtigfeit". Man wird sehen! Die Notwendigkeit, die landwirt schaftliche Produktion zu heben, wird betont- wer will fie wer will sie nicht heben? aber wenn Luther- Kanig das sagen, weiß man, was das heißt: es heißt Schutzoll. Dann soll die Aufwertung endgültig geregelt werden, die Deutschnationalen haben im Wahlkampf Aufwertung bis 106 Proz. versprochen; man wird abwarten müssen, was daraus wird, und wie die angekündigte Steuerreform die Mittel dazu begrundsätzlich auf eine Mehrheit des Hauses ftützt. schaffen will. Aber klar wird, daß man das Zentrum, trotz Dies ist der Kerngedante des parlamentarischen Systems, auf des Widerspruchs der chriftlichen Arbeiter, bei der Stange dem das staatliche Leben unseres Baterlandes aufgebaut ist. Bei halten will durch Ankündigung eines Reichsfchulder Kabinettsbildung war für mich, feitdem ich mich auf den Ruf des geseges, daß man um die Gunft der Bayerischen Volks- Herrn Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt habe, und ist für partei wirbt durch Andeutung der Bereitwilligkeit, die Reichs meine Kollegen im Kabinett in erster Linie der Wille maßgebend, zu verhindern, daß aus der Regierungsfrise eine Staatstrife verfassung in föderalistischem Sinn zu ändern. würde. Hier fündigen sich allerlei Tauschgeschäfte an, igen sich allerhand kritische Punkte, um die schwere Kämpfe en brennen werden. Aber wie ist das alles vernebelt und verdunfelt, wie behutsam stilisiert, wie förmlich in Watte eingewickelt Die Aufnahme der Regierungserflärung war über alle Maßen fühl und zurückhaltend. Heute werden sich wohl alle deutschnationalen Federn in Bewegung jetzen, um zu beweisen, daß die Erklärung Luthers doch etwas ganz anderes gewesen sei als die Erklärungen früherer Regiarungenüber diese Bemühungen fann man nur lachen. Was hinter der Regierungserklärung steht, was ihr folgen wird, das mag von den Rechtsparteien, den Großagrariern, den Unternehmern mit den angenehmsten Gefühlen erwartet werden es soll nicht bestritten werden, daß diese Gefühle von ihrem Standpunkt aus sehr berechtigt sind. Aber die Regierungserklärung von gestern war nicht danach angetan, in irgend einem Lager Beifall zu wecken, denn sie war fe fin 3eichen von Mut und Aufrichtigteit. Es ist wohl ein sehr großer Unterschied zwischen den beiden Luthern. Der Martin vor vierhundert Jahren war eine Kampfnatur, der Hans von heute gibt sich friedlicher: Mein Name ist Luther, es ist alles in Butter! Aber wenn Herr Luther das, was er gestern gesagt hat, nicht bloß als Phrasen betrachtet, dann wird er bald von rechts her ins Gedränge geraten, wenn er aber morgen das Gegenteil von dem tut, was er gestern gepredigt hat, so wird man ihm von links her seine Luther- Worte von gestern um die Ohren schlagen. fondern auf die Tafen zu achten, nicht aufs Maul, son Bir Sozialdemokraten find gesonnen, nicht auf die Worte, dern auf die Fäuste zu sehen und nicht auf das Papier, sondern in die Gesichter. Die Gefichter, die mir jetzt auf der Ministerbank erbliden, sprechen den Worten, die wir geſtern von dort gehört haben, Hohn. Wir lesen in diesen Gefichtern, was sie wollen, aber aus den Worten entnehmen wir, daß sie sich nicht trauen zu sagen, was fie wollen. Das ist ein guter Anfang! Aber nicht für sie, sondern für uns! iger Bunft steht: Entgegennahme einer Erffärung Entweder die Regierung Luther ist so, wie sie sich in ihrer gestrigen Erklärung vorgestellt hat, dann sind die Rechts- Bei vollem Saal und überfüllten Tribünen eröffnet Präfident parteien die grenzenlos Blamierten, dann haben sie die Re- öbe um 6% Uhr die Sizung, auf deren Tagesordnung als eingierung Marr nur gestürzt, um die Politik Marr fortzufeßen. Oder aber, die Krise, die zur Staatstrife zu werden drohte, hat wirklich einen 3 med gehabt, den Zwed, einen grundfäßlichen Bandel herbeizuführen, und dann war der freundlich blaue Himmel der neuen Regierungserklärung, aus dessen der Reichsregierung. Präsident Lobe verliest zunächst das Schreiben, in dem Dr. Luther feine Betrauung mit dem Amt des Reichsfanzlers und die Berufung der verschiedenen Minister mitteilt. Die Berlesung wird von den Kommunisten mit höhnischen Zurufen begleitet. Bei Die rechtliche Grundlage für die Arbeit der Reichsregierung ist die republikanische Berfassung vom 11. Auguſt 1919. Jeden Bersuch, ihre Abänderung auf gewaltsame oder unge segliche Weise herbeizuführen, wird die Reichsregierung als hochperrat mit allem Nachdruck abwehren und verfolgen. Die Reichsregierung wird sich im übrigen angelegen fein laffen, die Beftimmungen der Reichsverfaffung oder ihre Auswirkungen in der Richtung nachzuprüfen, daß unser Staatswesen mehr als bisher innerlich gesundet. Nachzuprüfen haben wir auch die Regelung der Beziehungen des Reiches zu den Ländern; ihr Eigenleben soll geachtet und ihre bedeutungsvolle Rolle im staatlichen Gesamtleben des deutschen Boltes auch in der Handhabung der Reichsverwaltung sorgfältig beobachtet werden. Die Wahrhaftigkeit und Reinheit des öffentlichen Lebens richten und die Reichsregierung wird ihr besonderes Augenmert auf die innere Wahrhaftigkeit und Reinheit des öffentlichen Lebens richten und die im Beamtentum lebendigen Kräfte besonderer Hingebung an bas Etaatswesen zum Wohle des Volkes fördern. Wir fühlen uns dem Beamtentum, der unentbehrlichen Stüße des Staatsgedankens, engstens verbunden und sind entschloffen, uns für seine gesicherte Rechtsstellung und ausfömmliche Lebenshaltung einzusetzen. Die Reichsregierung wird sich bei allen ihren Maßnahmen von der Ertenntnis leiten lassen, daß auch gerade in der Staatsform der Re publik die Pflege des Staatsgedankens erstes Erfordernis staatlicher Kraft ist. Um der fortschreitenden Gefundung des deutschen Volksförpers willen werden alle das staatliche Leben betreffenden Fragen durch die Reichsregierung in ruhigen Bahnen zu halten und in dieser Art auch Fragen zu behandeln fein, die das Einheitsleben des deutschen Volkes zu zerfezen drohen. Auch den konfessionellen Frieden zu hüten, wird sich die Reichsregierung auf das ernstRafteste angelegen sein lassen. Mit ihrer Außenpolitik will die deutsche Regierung der HerbeiWiltern dienen. Die Richtung der Außenpolitik im einzelnen wird fahrung eines wirklichen und dauerhaften Friedens unter allen auch für die neue Regierung in erster Linie durch die Londoner Abmachungen bestimmt. Dauernde Berhältnisse in Europa sind die Grundlage für die mit dem Londoner Abkommen erstrebte Lösung der Reparations. frage. Die gemäß diesen Abmachungen erlassenen Reichsgefeße werden von uns loyal durchgeführt werden, ebenso wie wir die loyale Durchführung des Abkommens von unserer Vertragsgegnern erwarten müssen. Leider ist die durch die Londonen Abmachungen herbeigeführte politische und seelische Entspannung des deutschen Boltes durch die nichträumung der nördlichen Rheinlandzone schwer beeinträchtigt worden. Die Reichsregierung wiederholt deshalb die Stellungnahme der früheren Reichsregierung zur Nichträumung. Die Aufrechterhal tung der Befeßung der nördlichen Zone bedeutet die nicht. erfüllung berechtigter Ansprüche, die sich aus dem Vertrage von Versailles ergeben; sie enthält einen offenbaren Wider spruch gegen den Geist und gegen die Grundanschauungen, die im Londoner Abkommen lebendig geworden waren. Hinsichtlich der Begründung der Nichträumung mit angeblichen Berfehlungen Deutschlands in der Entwaffnungsfrage vertritt die Reichsregierung| ausgeräumt wird, dann wird auch der aufreibend und fulturlose den Standpunkt der Antwortnote der früheren Regierung an die Lurus nachlassen, mit dem vielfach die Neureichen unser Bolfsleben Aliierten. Sie wiederholt das Berlangen, ihr das angefündigte vergiften, und der Spartrieb, ohne den fein Bolt, fich erholen tann, Material in kürzester Frist mitzuteilen, damit sie in die Lage wird einen starten Antrieb empfangen. Nur durdy versetzt wird, Stellung zu nehmen Zugleich wird die Reichsregierung ihre ganze Kraft daransehen, durch Verhandlungen, die alsbaldige Räumung der nördlichen Rheinlandzone zu erzielen, ohne die eine Festigung der politischen und wirtschaftlichen Verhält. nisse Deutschlands und Europas nicht möglich ist. Mit dem Betreiben der baldigen Räumung will die Reichsregierung vor allem auch der rheinischen Bevölkerung dienen, die seit dem November 1918 so tapfer für das ganze deutsche Volk die Lasten der Befehung trägt. 3ur sonstigen Ausführung des Londoner Abkommens stellt die Reichsregierung mit Befriedigung fest, daß die 3usammenarbeit mit den durch dieses Abkommen geschaffenen ausländischen Verwaltungsstellen fich bisher in Sachlichkeit und ohne Reibungen vollzogen hat. Ich werde es in voller Uebereinstimmung mit dem Kabinett für eine meiner wichtigsten Aufgaben halten, die mit dem Londoner Abfommen zusammenhängenden Fragen mit Aufmerksamkeit zu ver folgen, und insbesondere die Ausführung der übernommenen Berpflichtungen sichern, mich aber auch mit demselben Nachdrud bemühen, die sich als notwendig erweisenden Erleichterungen und Verbefferungen zu erreichen. Die Frage der Stellung Deutschlands zum Bölferbunde ist niedergelegt in den Memoranden, die die frühere Reichsregierung an die im Bölkerbundsrat vertretenen Mächte gerichtet hat, und in dem Schreiben, das an das Sekretariat des Bölterbundes in Genf ergangen ist. Die Reichsregierung verfolgt mit Aufmerksamkeit die Entwicklung des Bölferbund gedantens und die Durch führung, der ihm zugrunde liegenden Anschauungen, muß aber auch ihrerseits an den Voraussetzungen festhalten, die von der bisherigen Reichsregierung für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aufgestellt sind. Im Zusammenhang mit der Völkerbundfrage. wie auch unabhängig davon, wird die Reichsregierung in Uebereinstim mung mit den früheren wiederholten Erklärungen deutscher Reichs regierungen die Bemühungen fortsetzen, Deutschland von dem ungerechtfertigten Vorwurf des Versailler Vertrages über seine zu befreien. Schuld am Kriege Am 10. Januar ist die uns durch den Versailler Bertrag auferlegte Fessel der einseitigen Meist begünstigung gefallen. Die Reichsregierung wird die so gewonnene Freiheit nutzbar machen, damit Deutschlands Wirtschaftsleben gesundet, namentlich auch damit ausreichende Arbeitsgelegenheit mit angemessener Ent lohnung geschaffen werden kann. Die deutsche Wirtschaft muß wieder in die Weltwirtschaft eingegliedert werden. Wir müssen deutsche Erzeugnisse mehr als bisher ausführen, um dadurch mit der Erhöhung unserer Kauffraft zur Steigerung des Waren= verbrauchs der Welt beizutragen. Nur auf diesem Wege fann die Passivität der Handelsbilanz überwunden und mit ihrer Aktivierung die Erfüllung unserer internationalen Berpflichtungen gesichert werden. Bis zum 10. Januar haben die vielfachen Handelsvertragsverhandlungen nicht überall zum Abschluß gebracht werden fönnen. So war es nötig, in einzelnen Fällen Provisorien abzuschließen. Auch wo vorläufige oder endgültige Abmachungen bisher nicht erreicht wurden, wird die Reichsregierung der deutschen Wirtschaft jede mögliche Erleichterung zu verschaffen trachten. Sie wird sich deshalb gegen alle Maßnahmen wenden, die die deutsche Handelsfreiheit beschränken und wird Lösungen suchen, die auf der gleichmäßigen Achtung der gegenseitigen Interessen der handel treibenden Völker beruhen. Auf innerwirtschaftlichem Gebiet wollen wir dazu helfen, daß alle schaffenden Kräfte des deutschen Boltes zu höchftet Leistungsfähigkeit entfaltet werden. Durch das Zusammenwirken aller werftätigen Schichten, wegen ihrer volkswirtschaftlichen und sozialen Bedeutung, unter denen der Handwerfer- und Bauern stand aus dem großen Kreise der selbständigen Gewerbetreibenden besonders genannt sei, muß die niedergebrochene deutsche Volkswirt schaft von neuem aufgebaut werden. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung aus deutscher Scholle und die Stärkung der inneren Rauffraft sind das Biel, die Wege zu ihm wird die Reichs regierung mit Entschiedenheit beschreiten. Die Beseitigung aller unnötigen und die breite Masse der Berbraucher ausbeutenden Berteuerungen wird auch von der neuen Reichsregierung troß aller auf diesem Gebiet bislang erlebten Enttäuschungen ernsthaft weiter erstrebt werden. Wenn so der letzte Rest der Inflationswirtschaft Ein Dichtergruß aus Danzig. Kaum eine Wunde, die uns der Versailler Vertrag geschlagen hat, ist schmerzlicher und will schwerer vernarben als die Abtrennung der alten deutschen Hansestadt Danzig von ihrem Mutterlande. Wer Danzig fennt, wer sich einmal dem malerischen Zauber dieses altdeutschen Stadtbildes hingegeben hat und wer heute die starre Mauer des polnischen Korridors zwischen der deutschen Heimat und dem deutschen Danzig aufgerichtet sieht, empfindet um so leidvoller die Tragit eines Boltes, dessen Schicksal nach einem verlorenen Ariege vom Machtwillen seiner Gegner diftiert wurde. Diese Stadt ist wie ein Kind, das aus dem Elternhause geraubt und in eine fremde Welt gestellt wurde, die ihm niemals innerlich nahekommen wird. Deshalb liegt etwas wie harter Troj neben der Sehnsucht, mit der man heute in Danzig nach dem verlorenen Vaterlande zurückschaut. Diese Gedanken werden in uns lebendig angesichts des jüngst erschienenen Gedichtsbuches Danzig( Antlig einer alten Stadt) von Willibald Omantowski( Danziger Berlagsgesellschaft m. b. 5.). Das Buch ist ein Genuß und ein Zeichen treuer Erinne rung der alten Stadt Danzig an die deutsche Heimat, ein Dokument aber auch des unzerstörbaren deutschen Charafters dieser Stadt. Unter den Städten, die in ihrem Stadtbild ein Stück deutscher Ge schichte und Kultur spiegeln und dadurch eine besondere Berühmtheit erlangt haben, nimmt Danzig eine führende Stelle ein. Wer einmal dort geweilt hat, wird in dem Buche so manches Landschaftsbild, so manches bauliche Wahrzeichen, das sich seinem Gedächtnis eingeprägt hat, mit froher Ueberraschung wiederfinden. Aber auch jeder Freund altdeutscher Städtebautunft, der Danzig selbst noch nicht gesehen hat, wird sich gern in die mit bildkräftiger Anschaulichkeit gebotenen Darstellungen des Buches verfenten. Da ist der Rathaus turm, eine Lanze, dionyfisch aufgefteilt in Bogelflug, in Wolfen wand", ein Wahrzeichen, vor dem der Dichter ausruft: ,, Stein, rede du, wes Art du bist und messen dieses Land! Da sind die Kirchen mit ihrer düsteren Bucht und ihrer feierlichen Ruhe, voran St. Marien, deren flobiger, vierkantiger Barod turm„ ist wie eine Fauft zu schauen, die sich nach oben reckt". Da geht es durch eine verträumte Gasse nach einem alten Patrizier house, einem friedenden, einsamen, stolzen Balafte, durch ein hoch ragendes Stadttor, und da klingt der zauberfame Sang der Glockenſpiele, ,, die von den alten Türmen niederbrechen, 1 dich ganz durchdringen wie der Wein die Schale aus Bergkristall. Man kann davon nicht sprechen." Und da rauscht schließlich auch das dunkle Lied des Meeres, und die Weichsel versinkt im Abenddämmer, und aus der schynalen „ greift ein Licht Luke eines Kahnes mit schlanken Fingern nach der Flut und wirft verliebt die goldne Glut dem Fluffe in das Nachtgesicht." Omankowski ist ein Dichter, der in seiner engeren Heinat schon seit längerer Zeit einen guten Ruf genießt. Aber man mrde ihm 2 Stärkung und Gefundung der deutscher Wirtschaft fann auch die Grundlage gefunden werden, um die fozialpolitische Arbeit, die feit Jahrzehnten der Stolz des deutschen Volkes gewesen ist, im Rahmen des wirtschaftlichen Möglichen zu festigen und weiter auszubauen. Für die Sozialversicherung war das Jahr 1924 ein Jahr des Wiederaufbaues. Die weitere Ausgestaltung ist uns soziale Pflicht. Die bereits in Vorbereitung befindlichen, diesem Zwecke dienenden Gesezzentwürfe sollen balaigft dem Reichstag zugeleitet werden. Dem nach wie vor drückenden Problem der Erwerbslosigkeit sucht die Reichsregierung durch Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit und durch Errichtung einer Arbeitslofenversicherung gerecht zu werden. der Sozialreform eintreten, insbesondere glaubt die Reichsregierung, Auch auf dem Gebiet des Arbeitsrechts soll fein Stilstand dem Wunsche aller Parteien entsprechend, ohne Verzug den Entwurf eines Arbeitsgerichtsgeseges den gesetzlichen Körper fchaften unterbreiten zu können. Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß die augenblickliche Arbeitszeitgefeggebung nur ein durch die besonderen Zeitumstände geretfertigtes Notrecht darstellt und daß die aus ihr erwachsenden fozialpolitischen Härten so schnell beseitigt werden müssen, als es die Besserung der Wirtschaftslage irgend zuläßt. Was die Lohn und Gehaltsentwidlung betrifft, so wird sich die Regierung dafür einfeger, daß Verbesserungen der wirtschaftlichen Lage auch der Arbeiterschaft zugute tommen. Durch die Berbesserung der Inderberechnung soll größere Klarheit über die wirkliche Kauffraft der Arbeitseinfommen geschaffen werden. Die Regierung wird, soweit es mit den Maßnahmen gegen die Wohnungsnot vereinbar ist, in dem Abbau der Wohnungszwangswirtschaft fortfahren. Dabei wird sie sorgfältig die Bedürftigen, die wirtschaft. lich Schwachen und die kinderreichen Familien berüdfichtigen, insbesondere wird fe nötigenfalls scharfe Maßnahmen gegen die wucherische Ausbeutung freiwerdender Räume vorsehen. Sie wird auch sonst bestrebt sein, das Los der Hilfs- und Fürsorgebedürftig nach Kräften zu lindern. Eine gefunde Sozialpolift dient nicht etwa nur dem Wohle der Arbeitnehmer, sondern ist mit dem Gedeihen der Wirtschaft und des gesamten Boltes, aufs innige verknüpft. In ihr finden sich daher alle Stände zusammen. Sie sollen alle in sich gefunden und, selbst. tätig ihre Interessen förderud, dem Wohle des Ganzen dienen. Zur Wufwertungsfrage werden dem Reichstag in, türzester Frist gesetzgeberische Vorschläge unterbreitet werden, die endgültiges Recht schaffen sollen. Dabei follen in vollen Verständnis für die Noflage insbesondere der alten Sparer in Orgänzung der driffen Stenernotverordnung im Rahmen des wirtschaftlich möglichen den berechtigten Wünschen der durch die Geldentwertung Geschädigten Rechnung getragen werden. auf chriftlicher Grundlage erwachsene Kultur muß vertieft und ihre Güter müssen in möglichstem Umfange auch den Nichtbemittelten zugänglich gemacht werden. Von der heranwachsenden Jugend find Gefahren, die Körper und Seele bedrohen, abzuwehren. Diese Aufgaben liegen im einzelnen hauptsächlich den Ländern und Gemeinden ob; die Reichsregierung will jeboch ihre gesamte Regierungstätigkeit von solchen filtlichen Grundgedanten durchdrungen sehen. Im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Zuständigkeit hofft sie ein seit langem vorbereitetes Reichsschulgeset dem Reichstage demnächst vorlegen zu können. Für die praktische Arbeit der nächsten Zeit ist wichtig, daß der dem Hohen Hause bereits vorgelegte Haushaltsplan erst dann in vollkommener Gestalt verabschiedet werden kann, wenn eine Anzahl von Borfragen gesetzgeberisch beantwortet sind. Solche Vorfragen find die Aufwertung, der Finanzausgleich und die Steuergesetzgebung. Die Reichsregierung wird die bereits vorbereiteten Gesetze möglichst bald dem Reichstag zuleiten. In der Zwischenzeit wird es möglich sein, die Haushaltspläne der einzelnen Berwaltungen zu beraten. Die Reichsregierung wird ihr Bestes tun, um das deutsche Volk einer dauernden Gesundung zuzuführen. Vorerst wird die schwere Not, die auf unserem Volte laftet, nur langsam behoben werden tönnen. Ein Borwärtsschreiten auf der ganzen Linie wird nur möglich sein, wenn jeder einzelne seine Kraft in den Dienst des Baterlandes stellt, und wenn das deutsche Volk aus seiner Zerrissenheit heraus sich immer einmütiger zusammenschließt. Dann, aber auch nur dann, wird das deutsche Volt durch Mühen und Entbehrungen hindurch sich im Kreise der anderen Bölker den Weg zu einem Wiederaufstieg bahnen, der ihm eine friedliche Zukunft sichert, die seiner Vergangenheit würdig ist. Nach der Kanzlerrebe gab es noch furze lärmende Kundgebungen der Kommunisten. Dann wurde um 7 Uhr die Be sprechung der Regierungserklärung auf Dienstag 12 Uhr vertagt. Der neue Reichsfinanzminister. Aus Beamtenfreisen wird uns geschrieben: Die Ernennung des Ministerialdirektors von Schlieben zum Reichsfinanzminister ist ein neues Symptom für das Niveau des Kabinetts Luther. Herr von Schlieben, Ritter des Johanniterordens, hat sich während seines furzfristigen Aufstiegsnach kurzem Debut in der Reichskanzlei 1919 als Ministerialrat im Reichsfinanzministerium, wo er 1921 zum Ministerialdirektor aufrückte)-mehr und mehr zum gefügigen Bollstreder eines höheren Willens oder ihm nicht immer erkennbarerer politischer Direktiven entwickelt. Er pendelte mit zunehmender Virtuosität zwischen Etatund Steuerabteilung des Reichsfinanzministeriums und wurde den beiden Chefs dieser Abteilungen ein unentbehrlicher Mittler in den Lohn und Gehaltsverhandlungen. Daß er mit ihnen nicht in innere Konflikte geriet, dafür sorgte die gleiche politische Grundstimmung, von der alle getragen wurden. Diese Grundstimmung hindert bekanntlich nicht an der Ablegung des Verfassungseides, und so braucht denn der neue Reichsfinanzminister nicht erst falscher Voraussicht kommender Dinge unterließ. nachzuholen, was ein anderes Mitglied des Kabinetts Luther in ㄓ politischen Lasten alle diese Verpflichtungen auf sich nehmen, so wird Soll das deutsche Staatswesen neben den schweren außen es mehr als je auf die Ausgestaltung des Steuerfystems an Das deutsche Volt dankt dem neuen Herrn im Reichsfinanz kommen. Gefeße sind vorbereitet, die eine systematische, einheitliche, wirtschaftlich richtige und sozial gerechte Besteuerung in tIarft en minifterium viel mehr als mancher denkt. Während der Inflationsffarsten einfachen Formen herbeiführen sollen. Die soziale Gezeit hat er es oft genug ausgesprochen, warum er eine grundrechtigkeit umfaßt auch eine Berücksichtigung der Kinderreichen. legende Aufbesserung der Staatsarbeiterlöhne und Beamtengehälter Auch nach Durchführung dieser Steuerreform wird die steuerliche nicht verantworten fönne: er wolle nicht die Inflation ſteiBelastung des deutschen Boltes immer außerordentlich hoch bleiben. gern! Immer wieder ist ihm in den Gehalts- und LohnverhandDie Steuern aber dürfen, wenn sie nicht ihren eigenen 3wed auf lungen vorgehalten worden, daß doch endlich einmal die Steuerdie Dauer verfehen wollen, nicht so drückend sein, daß sie die Wirtschraube dort angezogen werden jolle, wo noch etwas zu holen schaftskraft lahmegen oder der arbeitenden Bevölkerung eine nicht fei. Und immer wieder zog sich Herr von Schlieben achselzuckend tragbare Belastung auferlegen. Deshalb soll der von der scheidenden hinter die Begrenztheit feiner Befugnisse zurück, die Regierung bereits in erheblichem Umfange begonnene ihm die Lösung dieser Aufgabe leider nicht gestatte, da sie Ange Tegenheit der Steuerabteilung set. bau jeder übermäßigen Besteuerung, die im letzten Jahre um der Erhaltung der Währung millen nötig war, nach Möglichkeit fortgesetzt werden. 1 Herr von Schlieben hat seine Amtshandlungen stets bas Alle wirtschaftlichen, sozialen und steuerlichen Maßnahmen aber muß ihm au chder Kritifer zuerkennen im Rahmen der strengsten fönnen für sich allein den Wiederaufstieg Deutschlands nicht herbei- Objektivität“ vollzogen. Allerdings hat ihn diese Stellungnahme führen. führen. Vielmehr müssen die sittlichen Lebenswerte zu immer nicht gehindert, gelgentlich den Versuch zu Lohn und Gehalts stärferem Einfluß im gesamten Staatsleben gebracht werden. Unsere drüderei zu unternehmen, wie z. B. in seinem Brief- vom Unrecht tun, wenn man ihn als 3weddichter in dem wegwerfenden| Sinne einschäzen wollte, der so leicht dem Begriffe Heimatkunst" inneres Grlebnis, das nach und nach unwiderstehlich zur Geanhaftet. Das Antlig der alten Stadt Danzig ist Omantomsti ein staltung gedrängt hat. Gewiß finden sich im Ausdruck vereinzelt dem Glanz und der Fülle der Darstellung nicht ins Gewicht. So ist Wendungen, die gesucht und flach anmuten, aber sie fallen neben das Buch auch eine dichterische Gabe von eindringlichem Reize. Dr. Wilhelm Bolze. Drei Tanzabende. Mar Terpis, der Meister und Reformator unseres Staatsballetts, gab einen Solo Abend im Blüthnerlaai. Sein Programm litt unter der Ueberfülle humoristischer Nummern. Was umfa bedauerlicher war, als das Scherzhafte und Burleske feines megs auf der Linie feiner Begabung liegt, die ihren stärksten Ausdrud in den gehaltenen, schlicht- feierlichen Rhythmen einer Bavane" fand. Hier, im Formenkreis des geschlechtslosen Heiligen, wirfte auch eine feminine Note am wenigsten störend, die sonst nicht selten peinlich fübar wurde. Schön war die dritte Programmnummer„ Dagobah" in dem fein nüancierenden Wechsel zart fließender und fraftvoll schwingender Bewegung. Alle Kompositionen trugen den Stempel der Wigman- Schule: sehr einfache, stets rein tänzerische Motive und in vollkommen flarer, fonsequent geschlossener Aufbau. Charafte ristisch die Neigung, das Auftaktmotiv im Schluß nochmals auf flingen zu lasien. Starfe Eindrücke blieben aus, das Ganze hielt sich auf achtbarer mittlerer Linie. Am Tage darauf produzierte sich an derselben Stelle Eugenie Eduardowa mit ihrer Balletischule. Sie selbst als Tänzerin ohne Bedeutung. Aber eine erfolgreiche Lehrmeisterin. Aus dem Schülerreigen hervorragend Ruth Marcus und Marianne Winkelstern. Beide artistisch vollendet, künstlerisch vornehin und von persönlicher Ausdrucksfähigkeit. Marianne in weichen und doch deutlichen Konturen, Ruth scharf atzentuierend. Ueber den Stil, der hier gepflegt wird, den alten Ballettstil, ist nichts mehr zu sagen. Er laßt sich nicht zu neuem Leben erweden. Der Reiz der gewicht- und gelentlosen Gummipuppe ist fein künstlerischer Reiz. Wohltuend allein das Gefühl der Sicherheit: Sie alle haben etwas gelernt, fie beherrschen die Technit ihrer Kunst. Ein Gefühl, das man bei Tänzerinnen modernen Stils leider nicht immer hat. Die Gesamtwirkung aber schal und oberflächlich. Kaleidoskop, schöne Arabesken, die das Auge im Moment erfreuen, aber feine seelischen Eindrücke erzeugen, feinen Nachhall. wecken, teine Bereicherung bringen. Der interessanteste Abend der vorigen Woche war im Sturm, dische, javanische, japanische und chinesische Maskentänze, Produite wo der taubstumme Tänzer Spiegel Erotisches vorführte. Inciner fremden, hochentwickelten Kultur. Lebendige asiatische Gegen stücke zu verschollenen europäischen Renaissancetänzen. Fingerfpreizende preziöfe Grazie, stelgbeinig stolzierendes Bavoneggiando, fultischer Rausch, gespenstische Bizarrerie. Einheitlicher, sehr strenger Stil. Der Stil indischer und chinesischer Plastik und Keramit. Gemisch von Naivität und Raffinement. Auch in grellfter Pantomimit nie lächerlich, aber zuweilen rührend und in seinen seelischen Wir fungen noch lange tief nachtlingen. Die fennzeichnendste Schöp fung der körperrhythmischen Kunst Asiens, den„ bewegungslosen“ hat, wagte freilich auch dieser Vermittler uns nicht zu zeigen. Tanz, um deffen Reproduktion fich die Wigman vergebens bemüht Schade. Es wäre lehrreich, einmal festzustellen, wie unsere chronisch reagieren. gepeitschten Nerven auf ihn, den Nirwana- Schlummer erzeugenden, John Schifowsti. Der Berliner Bolfschor bot am Sonntag in der Hochschule für Mufit seinen Freunden einen auserlesenen Genuß: Schuberts tief. innerliche, von unfagbarer Traurigkeit erfüllte interreise". Das Glüd war dem Chor hold: er fonnte feinen besseren Dolmetsch finden als Herrmann Scheh, der diese Lieder mit großer Innigkeit und vollen Verständnis fang. Mit feinem Taft und großer Aufmerksamkeit begleitete ihn Michael Taube am Flügel. Die Zuhörer wurden oft zu stürmischem Beifall hingeriffen. Das war nur zu berechtigt, denn gerade die Art, wie hier Schuberts Schöpfung wiedergegeben wurde, ließ begreifen, daß solche Lieder nur ein ganz Großer aus dem Reich der Töne vollenden tonnie. Diese Darbietung schloß sich würdig an den Vortrag der Müller. lieder" an, die auf Veranlassung des Chors vor zwei Jahren am gleichen Ort gesungen wurden. W. 21. Die reichsten und die ärmsten Länder. Nach einer Statistit, die in Belgien veröffentlicht wird, werden die reichsten Länder für das das Jahr 1924 auf die folgenden Summen pro Kpof der Bevölkerung geschätzt: die Vereinigten Staaten mit rund 10 000 m. auf den Einwohner, Kuba mit rund 8000, England mit 7800, Kanada mit mit 5400, Frankreich mit 4500, Argentinien mit 4000 m. und die 7600, Neufeeland mit 6000, Uruguay ebenfalls mit 6000, Belgien Echweiz mit ebensoviel. Als die beiden ärmsten Länder werden China und Indien bezeichnet, wobei in China auf den Kopf der Bevölkerung 400 und in Indien rund 300 m. tomment. Deutschland und Rußland sind nicht angegeben, augenschein lich, weil die Verhältnisse zu schwer zu übersehen sind. Der Opernbell der Staatstheater ist am 23. Januar. Am 22. bleibt das Opernhaus Unter den Anden geschlossen. Refte des Salomonischen Tempels entdect? Aus Jerufalem wird gemeldet: Bei Reparaturarbeiten an der Moschee von Omar stießen Arbeiter auf eine alte Treppe, die vermutlich noch ein Ueberbleibsel des Salomonischen Tempels ist, der an derfelben Stelle gestanden hat, wo sich jetzt die Moschee bon Omar erhebt. Der Tempel wurde seinerzeit von Rebukadnezar zerstört, schiedenen Zerstörungen ausgesetzt und endlich wieder von Herodes neu aber von Bedeliah und seinen Nachfolgern wieder aufgebaut, darauf ber. aufgebaut. baren Schlittencoupés, die von Propellein angetrieben werden, enthalten Mersschliffen in Rußland. Auf den Flüssen Bolga und Dia ift während des Winters ein regulärer Hero chlittenberkehr eröffnet worden. Die hetz mölf Sitpläge und erreichen bei der Fahrt auf dem Eise eine Stunden geschwindigkeit von 90 Stilometern. dieser Tage ein eigenartiger Borkampf gezeigt worden. Aus Anlaß eines Achsjährige Boger. Im National Sporting Klub in London in Bobitätigteitsabends, für die Kriegsblinden trat der achtjährige Marquis bon Townsend mit einem gleich altrigen Knaben aus dem Londoner Baisen haus in den Ring. 14. Januar 1924 an den Reichsarbeitsminister, der ihm aber eine träftige Abfuhr erteilte. Herr von Schlieben hat nie viel vom Parlamentarismus gehalten. Er figt also gerade zu Recht in einem Rabinett, dessen Kanzler als Reichsfinanziminister seinem ehemaligen Ministerial direktor und jeßigen Reichsfinanzminister in der Anwendung der parlamentarischen Formen gegenüber den Gewerkschaftsvertretern als immerhin nicht ganz unbeachtliche Faktoren der Wirtschaft den wirkungsvollsten Anschauungsunterricht erteilt hat. Der neue Reichsfinanzminister tritt sein 2mt in einer beneidens: merten Lage an. Als Ministerialdirektor trug er die Verantwortung für die Einführung der vierteljährlichen Gehaltszahlung, für den Personalabbau jowie für die Lohn- und Gehaltspolitit des Reiches. Als Reichsfinanzminister ist er das muß ihm der Neid lassen ein unbeschriebenes Blatt. Der neue Reichsverkehrsminister. Außer dem zum Reichsfinanzminister ernannten Ministerial direktor Dr. v. Schlieben wurde Staatssekretär Dr. Krohne zum Reichsverkehrsminister ernannt. Bewegungsfreiheit des Zentrums. Die Abneigung des Rheinlands. Köln, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die„ Kölnische Volkszeitung" schreibt am Montagabend zu dem neuen Kabinett: Das Kabinett ist frei, und die Parteien sind frei. Wir legen unfererseits auf diese Feststellung den entscheidenden Wert, weil wir jede Handlungs- und Bewegungsfreiheit haben können, ohne uns diesem Kabinett gegenüber nach objettivem und gerechtem Urteil abwartend einzustellen. Es schrecken die Spuren des Löwen und die Erfahrungen des Kabinetts Cuno. Wir vertreten den Kurs der bisherigen Mitte und übersehen diesen Begriff dahin, daß in ihm die der Erledigung harrenden Aufgaben der fozialpolitischen Gesetzgebung, der steuerlichen Belastung und der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung in Angriff genommen und gelöst merden nach dem Grundfaz der christlich sozialen Ge. rechtigkeit und des vollen Ausgleichs zwischen den arAmnestieforderung für das Rheinland. Eine sozialdemokratische Anfrage im Reichstag. Genosse Sollmann hat zusammen mit zahlreichen anderen Abgeordneten folgende Anfrage im Reichstag eingebracht: Laut dem Artifel 7 des Abkommens com 30. August 1924 zwischen den Alliierten Regierungen und Deutschland sollen alle Straftaten amnestiert werden, die in der Zeit zwischen dem 11. Januar 1923 und dem Infrafttreten des gegenwärtigen Abfommens in den befesten Gebieten ausschließlich oder überwiegend aus politischen Gründen begangen worden sind." Infolgedessen sind alle jeparatistischen Landesver räter, Butschisten, Plünderer, Räuber, Raufbolde, Spizbuben und Schieber von den deutschen Behörden amnestiert worden. Wesentlich ungünstiger werden von denselben deutschen Behörden diejenigen bestraften oder in Untersuchung gezogenen deutschen Staatsbürger behandelt, die nicht an separatistischen, also landesverräterischen, sondern an Unruhen beteiligt waren, deren tiefere Ursachen in der Not und der Teuerung liegen. Zahlreiche unzweifelhaft deutschgesinnte Männer und Frauen sitzen noch in den Gefängnissen, weil sie in der Bei zweiflung der Inflation sich A us. schreitungen bei Demonstrationen haben zuschulden fommen lassen. Wenn sie dieselben Straftaten auf separatistischer Seite begangen hätten, wären sie längst begnadigt. Die Oberstaatsanwaltschaft in Köln vertritt in einem ihr vor= gelegten Falle den Standpunkt, daß der Zusammenhang von Streifvergehen und Landfriedensbrüchen mit der Ruhrbesetzung und den Micum- Berträgen nur unter besonderen Umständen geboten fei. Große Teile der rheinischen Bevölkerung empfinden, obwohl sie die Wohltat der Amnestie auch für einige hundert Deutsche nicht be streiten, die glatte Begnadigung der Separatisten und die kleinliche Handhabung der Amnestie gegenüber den Opfern deutscher Unruhen als eine Schmach und einen dem Geiste des Londoner Abkommens widersprechenden Zustand. Sind der Reichsregierung diese Verhältnisse bekannt? Was wird sie tun, um die deutschen Volksgenossen mindeLandesverräter? Troski faltgestellt. Verwarnt, des Amtes enthoben, mit Ausschluß bedroht! Die offizielle russische Telegraphenagentur versendet aus Mos fau einen längeren Bericht, in dem die Absegung Troẞtis des Zentralfomitees und der Zentralkontrollkommission der Kommu von seinen Aemtern gemeldet wird. In der Plenarsizung nistischen Partei Rußlands wurde der Fall Troyki eingehend be handelt und im Sinne feiner mächtigen Gegner in den regierenden Sowjettreifen erledigt. In der Sigung wurde ein Schreiben Trogkis zur Berlesung gebracht, in dem er sich gegen die ihm gemachten Borwürfe zur Wehr jetzt. Angeblich soll er auch in diesem Brief fizender des revolutionären Kriegsrates, d. h. als Volkskommissar erflärt haben, daß seine schleunigste Enthebung vom Amte als Vorfür Krieg und Marine erforderlich sei! Hierauf beschloß das Bentralfomitee mit allen gegen zwei Stimmen und die Zentral. fontrollkommission einstimmig bei zwei Stimmenthaltungen: 1. Trojfi eine fategorische Verwarnung zu er teilen unter dem Hinweis, daß die Einhaltung der Parteidisziplin nicht nur in Worten, sondern auch in Taten notwendig sei; 2. Trogfi feines Amtes zu entheben und seine weitere Arbeit im revolutionären Kriegsrat als unmöglich zu er. flären, da die Führung der Armee die Unterstügung durch die Autorität der Gesamtpartei erfordere, und in Anbetracht auf die Erflärungen Trogkis über die Notwendigkeit seiner Amtsenthebung; 3. die Entscheidung über die Frage der weiteren Arbeit Trogtis im Zentralfomitee bis zum nächsten Parteitag zu ver schieben. Trozti soll jedoch mitgeteilt werden, daß, falls er den Verfuch machen sollte, Parteibeschlüsse zu verlegen oder nicht durchzu führen, das Zentralfomitee fich gezwungen jehe, ohne den Parteitag zu befragen, sein weiteres Berbleiben im politischen Bureau der Partei für unmöglich zu er flären und den Antrag auf Entfernung von der Arbeit im Zentralfomitee zu stellen. 4. Die Distuffion hiermit als geschlossen zu betrachten." In der Begründung dieses Urteils, durch das Trozti politisch beitenden und besigenden Gruppen, in die das Bolt zerfällt, daß nach ſtens ebenso gerecht zu behandeln wie die separatistischen erlebt wird, heißt es, daß das wiederholte Auftreten Troßkis gegen außen hin keine Politik nationalistischer Ueberschwenglichkeit und Rabulistik und der Unbesonnenheit getrieben wird, sondern unter Wahrung der ganzen nationalen Ehre eine Politik der WiederDer Schwiegersohn. zufammenführung der im Krieg auseinander geriffenen europäischen Verhaftungen und Freilaffungen aus der Wohnftätten Bölker zur Befriedung und Berständigung." Vollkommen unbekannt. Köln, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Von dem neuen Reichsjustizminister Frenten ist behauptet worden, daß er dem Zentrum naheftehe. Wie die Rheinische Bolkswacht", das offizielle Kölner Zentrumsblatt, am Montagabend mitteilt, ist es dem Blatte bisher vollkommen unbekannt gewesen, daß Herr Frenken dem Zentrum nahegestanden habe. Luther und die Demokraten. Die demokratische Reichstagsfraktion hielt nach Schluß der Blenarsizung noch eine Frattionsfigung ab, in der sie sich mit der Frage des Billigungsvotums beschäftigte. In der Fraktion schien cine starte Stimmung für ein Mißtrauensvotum vorzu herrschen, falls die fommende Debatte noch eine Berschärfung der Situation bringen würde. Voraussichtlich wird sich aber die Fraktion beim Billigungsvotum der Abstimmung enthalten. Amnestiedebatte im Rechtsausschuß. Ablehnung des sozialdemokratischen Amnesticantrages. Im Rechtsausschuß des Landtages stand am Montag der fommunistische Amnestieantrag zur Beratung. Der Berichterstatter Goebel( 3tr.) stellte fest, daß ähnliche Anträge schon zirta einige Dutzend Mal, allerdings in präziserer Fassung, den vorigen Landtag beschäftigt hätten. Nach einer sehr verwaschenen Begründungsrede des Kommunisten Obuch stellte der Redner der Sozialdemokratie fest, daß die kommunistischen Anträge derartig weitgehend und ungenau formuliert feien, daß in genauer Befolgung ihres Wortlautes sogar Berbrecher wie der Massenmörder Haarmann und der Menschenschlächter Dente begnadigt werden müßten. In dieser Form seien die Anträge völlig unannehmbar. Die Sozialdemokraten brachten deswegen einen eigenen Amnestieantrag ein, der sich im wesentlichen an den Amnestieantrag der Reichstagsfraftion anlehnt. Der sozialdemokratische Redner wies ferner darauf hin, daß auf Grund des vorherigen sozialdemokratischen Amnestie. antrages, der sich auf die Hungerunruhen im Jahre 1923 bezog, ob wohl dieser Antrag nur in abgeschwächter Form seinerzeit angenommen war, laut Auskunft des Regierungsvertreters nicht weniger als 8471 Personen begnadigt worden find. Diefes Beispiel zeige deutlich, wie die Sozialdemokratie im Gegenfah zu den leeren kommunistischen Demonstrationsanträgen prat. tische Arbeit für die Verurteilten leiste. Gegen Schluß der Debatte ergab sich noch eine fehr intereffante Feitstellung: auf eine Anfrage des sozialdemokratischen Redners, wie es eigentlich mit den 7000 bis 8000 politischen Gefangenen stehe, von denen die Kommunisten fortwährend schrien, erwiderte der Vertreter des preußischen Justizministeriums, Ministerialrat Kuhn, daß sich in Preußen allerhöchstens 500 fommunifiche pollfische Gefangene befinden. Danach scheint das Geschrei der Kommunisten von den 7000 nichts als ein großer politischer Bluff zu sein. In der Abstimmung wurde der fommunistische Antrag gegen die Stimmen der Kommunisten, der sozialdemokra tische Antrag von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Die Justiz rehabilitiert sich.. Der Fall des schlesischen Menschenschlächters Dente, der ebenso wie Haarmann jahrelang ungestört seine Mordtaten verüben. fonnte, hat manchen zu der Ansicht verführt, daß unsere Strafver folgungsbehörden nicht auf der Höhe seien. Dem ist aber nicht so. Im Falle Dente hat die Justiz nunmehr zu einem entscheiden den Schlag ausgeholt. Dente allerdings hat sich durch Selbstmord der Strafe entzogen. Dafür aber lebt jener Handwerks bursche, an dem Dente feinen legten mißlungenen Mordversuch gemacht und der durch seine Strafanträge den Stein ins Rollen gebracht hat. Diefer Handwerksbursche ist nunmehr zu einer mehr. wöchigen Haftstrafe verurteilt worden, weil sich durch feine Anzeige herausstellte, daß er bei Dente gebettelt hatte. Der Gerichtigkeit ist Genüge geschehen, der Bürger kann beruhigt schlafen... Der Personalabtan. Dem Reichstag ist eine Ergänzung zur Dentschrift über den Personalabbau zugegangen. Danach find in der Beit vom 1. Oftober 1923 bis zum 1. Oftober 1924 insgesamt abgebaut worden: bei den Hoheitsverwaltungen 10 081 Beamte, 27 224 Angestellte, 4789 Arbeiter; bei der Deutschen Reichspoft einschließlich Reichsbruderei 43 970 Beamte, 4728 Angestellte und 28 948 Arbeiter. G. m. b. H. Die Wohnstätten G. m. b. 5., eine gemeinnügige Gesellschaft mit dem Ziele, Beamtenwohnhäuser zu bauen, hat aus öffentlichen Mitteln, die ihr zur Verfügung gestellt worden, Kredite an eine Film gesellschaft weitergegeben. Deshalb sind, wie schon berichtet, die beiden Direktoren und mehrere hohe Beamte, die als Aufsichtsräte beteiligt waren, festgenommen, bis in die Nacht hinein verhört und dann wieder entlaffen. Die ganzen Bücher und Geschäftspapiere sind beschlagnahmt und werden geprüft. Unter den Beschuldigten befindet sich auch der Regierungsrat a. D. Friedrich Wenze, Schwiegersohn des jetzigen deutschnationalen Reichsministers des Innern! Ob gegen ihn eine strafbare oder moralisch anfechtbare Handlung erwiesen werden fann, wissen wir heute so wenig, wie irgend jemand sonst. Darüber mag die Staatsanwaltschaft sich äußern. Aber selbst menn ein solcher Nachweis möglich wäre, würde es auf der Hand liegen, daß der Schwiegervater für die Handlungen des Schwiegersohnes nicht ohne weiteres verantwortlich zu machen ist. Nur politische Kinder fönnten Herrn Schiele beschuldigen, weil Herr Wenzel in seine Familie geheiratet hat. Das ist ein ganz flarer Standpunkt, der eigentlich für jedermann gelten sollte. Aber es ist nicht immer so. Mit Recht sagt das„ Ber. liner Tageblatt" in dieser Sache: Man kann sich ungefähr denten, welches Triumphgefchrei die deutschynaflonale und die deutschvölkische Preffe erheben würden, wenn der Schwiegerjohn eines republikanischen Ministers in eine folche Standalaffäre verwidell wäre. Man erinnert sich an die frivolen Erfindungen, die gegen den Schwieger. john des Reichspräsidenten in Gang gefeht wurden, lediglich, um den Reichspräsidenten herabzusehen. Selbstverständlich machen wir diese schmußige Art persönlicher Polemit nicht mit." Bir könnten noch daran erinnern, mit welcher Bosheit die reaktionäre Presse den Sohn des Reichspräsidenten verdächtigt. um in ihm den Bater zu treffen.... Wir machen das nicht nach. Aber vielleicht lernt die deutsch nationale Breffe, sich nachträglich zu schämen, seit der Reichsinnenminister Schiele heißt! Ludendorff und Rupprecht. Immer noch kein Friede. München, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) General Ludendorff ist über die Veröffentlichung seines Briefes, in dem er dem früheren Kronprinzen Rupprecht Abbitte zu leisten fuchte, aufs höchste erbost und erläßt infolgedessen eine neue Er flärung:„ Der Bevollmächtigte Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen ron Bayern, Graf Törring- Jettenbach, und mein Bevollmächtigter, General Hildebrandt hatten vereinbart, daß die Verhandlung in meinem Konflikt mit dem Kronprinzen auf Grund meines Briefes vom 7. Dezember als streng vertraulich zu behandeln wären und über den Inhalt der Berhandlungen keinerlei Veröffentlichungen stattfinden dürften. Trotz dieser Abmachungen in einem Ehrenverfahren hat die Gegenseite eine Darstellung über den Abbruch der Berhandlungen gegeben, die irreführend und unrichtig ist. Gegenforderung stand gegen Gegenforderung. Mein Handeln habe ich in meiner Veröffentlichung des Briefes vom 7. Dezember und der daran anschließenden Kundgebung wohl hinreichend flargelegt." Preußische Verwaltungsfragen. den Bolschewismus die kommunistische Partei dazu zwinge, ein für allemal mit einem solchen Auftreten Schluß zu machen. Im übrigen habe Trozki in seinem Schreiben meder Fehler zugegeben noch seine antibolschewistische Stellung verlassen, fendern sich lediglich auch im Ausdruck formaler Loyalität beschränkt. Soweit der offiziöse russische Bericht, den wir in seinen wesent lichsten Teilen wiedergeben. Er zeigt erneut, in wie brutaler Weise das regierende Triumvirat Stalin- Sinomjew- Kamenem und die von ihm beherrschte kommunistische Führerclique gegen Personen vorgeht, die in irgendwelchen Fragen eine abweichende Meinung ver treten. Daß Trozki, der nächste Mitarbeiter Lenins und der Schöpfer der Roten Armee, jetzt fang und flanglos von seinen Aemtern entfernt und in Acht und Bann getan werden kann, ist ein Beweis für die ungeheuerliche Entartung, die die Vorgehen gegen Trozti zu bemänteln, wird auf seine angebliche bolschewistische Dittatur in Rußland angenommen hat. Um das Ertlärung Bezug genommen, daß er seine schleunige Amtsenthebung eine solche Erklärung abgegeben habe, da ste dem gesamten Inhalt als erforderlich betrachte. Wir zweifeln daran, daß Troßfi wirklich feines Schreibens widersprechen würde. Wir glauben vielmehr, daß es sich hier um eines der üblichen Moskauer Schwindel. manöver handelt, um der Deffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Im übrigen macht die Erklärung der kommunistischen Inerledigt sei, einen etwas lächerlichen Eindruck. Laut Defret stanzen, daß durch ihren Beschluß der Fall Trotti endgültig wird sich jedenfalls der Fall Trozti" nicht aus der Welt schaffens lassen. Er wird vielmehr für die weitere politische Entwicklung Rußlands von sehr ernster Bedeutung sein. Frankreichs Gegenvorschläge. Paris, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die französische Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen hat nach der letzten Bollfizung mit der deutschen Delegation neue schriftliche Borschläge überreicht, die noch von deutscher Seite ge prüft werden. Ueber den Inhalt dieser Borschläge werden von französischer Seite folgende Mitteilungen gemacht: Die französische Regierung erklärt sich darin bereit, Deutschland für seine erste Serie von Artikeln die gegenwärtig in Geltung befindlichen Minimal tarife zu gewähren. Für eine zweite Serie von Waren soll der gleiche Tarif zugestanden werden, jedoch mit der Einschränkung, daß die Einfuhrmengen einer Kontingentierung unterworfen. werden. Für eine dritte Liste deutscher Produkte, für die Frankreich den gegenwärtigen Minimaltarif aus Konkurrenzrücksichten nicht zu gewähren in der Lage sei, erklärt sich die französische Regierung bereit, zusammen mit der deutschen Delegation die fünftigen Zollsäge zu beraten und dann deren gefeßliche Festlegung durch das Parla ment in einem Dringlichteitsantrag zu fordern. Für eine vierte Serie deutscher Artikel endlich sollen 3 wischenfäge zwischen dem Minimal- und dem Maximaltarif gefunden werden, die angeblich erheblich unter den Säßen liegen sollen, wie sie in den Verträgen mit anderen Ländern festgelegt worden seien. Alle diese Bufagen sollen für die Dauer des Provisoriums gelten, das nach der Absicht der französischen Delegation etwa bis Ende des Jahres in Kraft bleiben soll. Inzwischen soll das französische Barlament freie Hand behalten, den gesamten französischen Bolltarif nach den in der bereits eingebrachten Vorlage vorgesehenen Säßen abzuändern. Dieser neue Tarif würde dann die Grundlage für die späteren Verhandlungen über einen endgültigen Handelsvertrag bilden. Frankreich erklärt sich seinerzeit damit einverstanden, daß die ihm von Deutschland ursprünglich angebotene Meistbegünstigung insoweit eingeschränkt wird, daß ein Gleichgewicht zwischen den von beiden Seiten zu gewährenden Konzessionen und Vorteilen, er zielt wird. Entwurf eines Brovinziallandtags- und Kreistagsgefeßes vorgelegt, Das Preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat den in dem das Wahlverfahren für die Provinziallandtage und die Kreistage neu geregelt ist. In dem Entwurf ist vorgesehen, daß die Provinziallandtage und Kreistage, deren Wahlzeit im allge- zöllnerischen. Bestrebungen der Regierung macht sich endlich eine meinen mit Ende Februar ablaufen würde, erst nach Berab schiedung des Gefeßes auf Grund des neuen Wahlrechts neu gewählt werden und daß bis zur Neuwahl ihre Wahlperiode fortdauert. Außerdem ist dem Staatsrat ein Gesezentwurf zur Vereinfachung der Verwaltung der den Hohenzollern gehörenden Länder zugegangen. Danach werden der Oberamtsbezirk Haiger. bem Oberamtsbezirk Hechingen vereinigt. Für die Oberamtsbezirke loch und drei Gemeinden des Oberamtsbezirts Gammertingen mit wird die Bezeichnung reis" entsprechend Kreistag", reis. ausschuß" bzw.„ anorat" eingeführt. Dadurch soll für die im Jahre 1850 mit Breußen vereinigten Hohenzollernschen Lande, die 1919 insgesamt 70 795 Einwohner zählten, ein praktisch be= reits bestehender zustand geseglich geregelt werden. Der Kreis Sigmaringen wird in Zukunft 697 Quadratkilometer mit 33 551 Einwohnern und 73 Gemeinden, der Kreis 5 echingen 445 Quadrattilometer, mit 37 244 Einwohnern in 50 Gemeinden umfaffen. Protestbewegung gegen Schutzzolltendenzen in Belgien. Brüffel, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Gegen die schutzernsthafte Bewegung in weitesten Kreisen des belgischen Volkes bemerkbar. Im Schutzzoll erblickt man allmählich die Hauptursache für die fortgefeßte Steigerung der Lebenshaltung. Mehrere Beitungen verschiedener Parteirichtung haben in diesem Sinne einen Preffefeldzug begonnen. Es besteht der Plan, eine überparteiBollpolitik Belgiens wieder zum Ziele verhilft. Am Montag hat liche Freihandels- Liga zu gründen, die der traditionellen in Antwerpen eine große Versammlung von Importeuren und Kaufleuten aus allen Tellen Belgiens gegen den 3ollfrieg mit Spanien protestiert. Die besonders starte Orangeneinfuhr ist infolge sogar auf 81 Frank für 100 kilogramm vom völligen Ruin bedroht. der Erhöhung der Einfuhrzölle von 18 Frank auf zuerst 27 und jetzt Die Einfuhr ist bereits auf ein Drittel zurückgegangen. Die Preise fteigen täglich. Die Zollpolitik dürfte infolgedeffen im kommenden Wahlkampf eine hervorragende Rolle spielen. Gewerkschaftsbewegung Forderungen der Bergarbeiter. Bochum, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands teilt mit: Die Bezirksleitung des Bergarbeiterverbandes für das Ruhrgebiet hatte zum Sonntag nach Bochum eine Vertreterkonferenz einberufen. Ueber 200 Vertreter waren anwesend. Aktuelle sozialpolitische Fragen standen zur Verhandlung. Einstimmig wurde eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Für die Tagearbeiter gilt grundsätzlich die a chtstün dige und für die unter Tag beschäftigten Arbeiter die siebenfründige Schichtzeit. Wirtschaftlich notwendige, im Interesse der Allgemeinheit liegende ueberarbeit ist von den Organisationen zu vereinbaren. Darüber hinaus ist jede Ueberarbeit abzulehnen. Der tariflich festgelegte Lohn wird manchen Gruppen von Tagearbeitern monatlich vorenthalten. Die zur Regelung dieser Streitfrage eingesetzte Schiedsstelle beim Oberbergamt hält wöchentlich nur eine Sigung ab. Die eingereichte Klagesache harrt monatlich ihrer Erledigung. Das entspricht nicht den Dringlichkeiten der Streitfragen. In den durchgehenden Betrieben( Rotereien, Kohlendestillation, Brifettfabrikation, Kesselund Maschinenbetrieben) sowie in den Betrieben, in denen während des Krieges und vorher weniger als zehn Stunden gearbeitet worden ist, ist das Dreischichtensystem bzw. die achtstündige Schichtarbeit am 1. März 1925 wieder einzuführen. Von dem Reichsarbeitsminister erwartet die Konferenz die alsbaldige Verabschiedung der Ausführungsbestimmungen zu§ 7 der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 in dem Dom Bergarbeiterverband geforderten Ausmaße. Diejenigen Zechen, die den Arbeitern ganz oder teilweise die im Schiedsspruch vorgesehene Lohnerhöhung von 8 oder 9 Proz. verweigern, handeln tarifmiorig. Das gleiche trifft zu für die Zechenverwaltungen, die den Arbeitern, vornehmlich den Invaliden, deren Arbeitskraft nicht beeinträchtigt ist, Lohn abzüge bis zu 1,60 m. und darüber machen. Die Konferenz stellt fest, daß die Unternehmer mit den scharfsten Mitteln vorgehen. Die Invaliden werden unter Androhung der Kündigung veranlaßt, Reverse zu unterschreiben, daß sie billiger arbeiten wollen. Das ist zum mindeſten ein Vorftoß gegen die guten Sitten. Die Stillegung einer Anzahl Bechen, ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit, vom privatkapitalistifchen Standpunft aus, ist eine unbillige Maßnahme. So wurde nun aus der Betriebsversammlung eine 3u| fammenkunft der Belegschaft, die gewillt war, fachliche Arbeit zu leisten und den Abwehrkampf gegen die Ausbeutermethoden im Eisenbahnausbesserungswert unter Führung des DER. aufzunehmen. Denn das war das Bezeichnende in der Versammler 3usammenarbeit gefaßt. lung, daß nur die Kollegen des DEV. und einer vom Metallarbeiterverband den Mut aufbrachten, gegen die Verwaltung offen anzufämpfen, die anderen trauten sich so viel Kraft nicht zu. Jahres eine große Anzahl michtigster Arbeiten durchführen müffen, unter denen die Personalangelegenheiten der Bureauverwaltung wohl die unangenehmsten waren. Die Beschlüsse der Ortsverwaltung wurden, wenn auch nicht immer einstimmig, so doch in kollegia Die stundenlangen Ausführungen über die Mängel im Betrieb und deren Abstellung behagten augenscheinlich einigen Kommunisten nicht. Als die Zeiger der Uhr nach 10 zeigten, wurden sie immer unruhiger und ihre Gesichter immer länger. Diese Symptome nahmen zu, als weitere Viertelstunden verrannen, ein Zeichen, daß sie noch einen Auftrag" zu erledigen hatten. " Und richtig! Als der Betriebsratsvorsitzende die Tagesordnung als erschöpft bezeichnete, lag mit einemmal noch der vorgeschriebene Antrag an das Reichstagspräsidium wegen Freilassung der Postabonnenten Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebſame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Poftamt sofort zu erneuern. Vorwärts: Verlag G. m.b.5. GONOLOGY 266 7000 Verführten vor. Es lief dazu gleich ein Abänderungsantrag ein, der die Befreiung der wegen politischer Bergehen gefangenen Proletarier in allen Ländern fordert. Das ging den Leufchen gegen den Strich, und es entstand die vorschriftsmäßige„ Empörung". Während der Vorsitzende sich um eine Abstimmung des Busayantrages herumdrücken wollte, versuchte der junge Mann aus dem Laden des FEV. unter Anrufung von Purcell, Fimmen und wer weiß noch wem, zu beweisen, daß es in Rußland feine politischen Gefangenen gibt. Und nun der Effekt! Ganze 33 Stimmen Die Konferenz nimmt mit Entrüftung davon Kenntnis, daß das Reichsarbeitsministerium nur unter der Voraussetzung bestrebt ist, einen Teil der unrechtmäßig abgelehnten Mehrleistung der Krankenversicherung den Bergarbeitern wieder zu verschaffen, wenn von der fast 3000 Mann starfen Belegschaft des EAW. Tempelhof die versicherten Bertreter dem Abbau eines Teiles der Leistung fiellten sich hinter die Tagesparole der Kommunistischen Partei. Also der Pensionsversicherung zustimmen. Auf einen solchen Handel tönnen sich die Bergarbeiter nicht einlassen. Sie verlangen auch hier ein ganz glatter Zusammenbruch der Phraseodie Wiedergewährung der abgebauten Mehrleistung auch ohne logie und ein Anzeichen gewerkschaftlicher Gesundung der Tempel Minderung der Pensionskassenleistungen. Das Geschrei der Unterhofer Belegschaft. Die ganz erbärmlichen Arbeitsverhältnisse in nehmer über die Höhe der Leiſtungen durch das Reichsknappschafts- Tempelhof find ſchon ſprichwörtlich. Daß es soweit kommen konnte, gefeh ist unberechtigt. Das Reichsarbeitsministerium selbst hat lag an dem Wortradikalismus der FEB.- Helden. Wie sie zum Vorteil geändert werden können, hat die Betriebsversammlung er festgestellt, daß die Belastung im Jahre 1924 nicht 225 Millionen Mart, wie es die Unternehmer dargestellt haben, beträgt, sondern bracht: durch mannhaftes Verhalten des einzelnen Kollegen und restlosen Zusammenschluß im nur 86 Millionen Mark. Die Bergarbeiter des Ruhrgebiets erwarten vom Reichstag, daß er ihnen die Familienbeihilfe auf gefeßlichem Wege verschafft. Den Betriebsräten, die für die tariflichen und gesetzlichen Bestimmungen gegenüber den Zechenverwaltungen auf dem Gebiete der Berhütung der Unfallgefahren nachdrücklich eintreten, werden von den Zechenverwaltungen die größten Schwierigkeiten gemacht. Den Zechenverwaltungen sind die Betriebsräte unangenehme Mahner. Die seit Jahren übliche Pragis, daß die Reviere zugleich als Fa.hrabteilungen gelten, wird von den Zechen eindeutig als nicht mehr bestehend bezeichnet. Es werden mehrere Reviere zu einer Fahrabteilung zusammengelegt, und diese Fahrabteilungen sollen in fürzerer Zeit als bisher üblich befahren werden. Auf diese Weise werden die Betriebsräte in dem ihnen obliegenden Aufgabenkreis( Verhütung von Unfallgefahren) sehr be einträchtigt. Dieses Verhalten der Unternehmer ist dazu angetan, die Unfallgefahren zu fördern. Die Konferenz fordert, daß die Bergbehörden dem entgegentritt. Von den Betriebsräten fordert die Konferenz, daß sie, wie bisher, energisch ihre Pflicht erfüllen." Kommunistische Bauernfängeref. Von einem Arbeiterforrespondenten. Das Eisenbahnwerk Tempelhof scheint der letzte Strohhalm der Kommunistischen Partei bei den Eisenbahnern zu fein. Darauf läßt nämlich ihre Anbiederung an die dortige Beleg fchaft schließen. An zwei Tagen prangten in der Roten Fahne" die Einladungen zur Betriebsversammlung des Eisenbahnwerts Tempelhof, und als Thema wurde bekanntgegeben," Die poli: tische Lage", und als Referent Ottomar Geschke. Auf den Einladungen des Betriebsrats im Werk fand man dieses Thema nicht, sondern da sprach man von einem Referat über das Gedingeverfahren. Also offenbar suchte man im Wert einen starten Bersammlungsbesuch durch Besprechung der äußerst brennender Gedingefrage zu erreichen, und die Kommunist en wollten dann nach Moskowiter Art in der Versammlung ihr Süpplein tochen. Aber dem Betriebsratsvorsitzenden ist die Sache doch wohl zu brenzlich geworden, und er hat wohl seinen Parteifreunden geraten, fo'n Ding lieber nicht zu drehen". Und der Betriebsrat fah die Dinge richtiger als die Parteibonzen; ein Aufziehen der BerDeutschen Eisenbahnerverband! Jahresversammlung des ZDA. der Berd Der Geschäftsbericht, den am Freitag abend in der Jahres versammlung des Zentralverbandes der Angeftellten der erste Vorsitzende, Genosse Gottfurcht, gab, zeigte cin Bild erfreulicher Aufwärtsentwidlung maltungsstelle. Nach den Mitteilungen des Berichterstatters ist die seinerzeit gegründete Freie Angestelltengewerkschaft" mittlerweile sanft entschlafen. Sie stellte eine unerfreuliche Begleiterscheinung der inneren und äußeren Kämpfe der Arbeiterbewegung dars Nur ein Teil ihrer Mitglieder ist zum 3dA. zurückgekehrt; den Rest nahm das große Heer der Unorganisierten auf. Das Eingeständnis der Gewerkschaftszentrale der KPD., daß ihre Fraktion im 3dA. so gut wie verschwunden ist, zeigte sich auch in der Generalversammlung darin, daß die KPD. nicht einmal eine einige Vorschlagslifte für einen Delegierten zustande bekommen hat. In der Verwaltungsstelle selbst treten kommunistische Mitglieder nur in verschwindendem Unifange hervor, fie finden bei der Mitgliedschaft feinen Resonanzboden mehr. Der Funktionär= förper des Verbandes ist in sehr guter Verfassung, es stellen fich immer eine erfreuliche Anzahl Mitglieder in den ehrenamtlichen Dienst des Verbandes. Das Bildungswesen ist der Gewerkschaftsschule angegliedert. Bon den vielen Kursen, die veranstaltet wurden, sind nur zwei infolge schlechter Beteiligung eingegangen. Einen Teil des Bildungswesens stellt auch die Zeitschriftenliteratur, die vom Hauptvorstand herausgegeben wird, dar. Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, daß gerade die Fachzeitschriften einen größeren Abonnentenfreis vertragen fönnten. Seit Of tober d. I. erscheint das Verbandsorgan wieder in einer Ertra ausgabe für die Verwaltungsstelle Groß- Berlin. Es war der Inflationszeit ein Jahr lang zum Opfer gefallen, ist jetzt aber wieder ein wichtiges Bindeglied zwischen Ortsverwaltung und Mitglied. schaft. Das Bersammlungswesen zeigte zum größten Teil eine starke Beteiligung durch die Mitglieder. Für die Jugend abteilung wurden belehrende Vorträge, Spielabende, Ferienfahrten und auch eine großangelegte Weihnachtsfeier veransteltet. Den Ausbau der Fürsorge für die jugendlichen Die Ortsverwaltung hat in ihren Sitzungen während des Einen großen Raum der Berbandstätigkeit nahm die Tarifa politik ein. Allein für die Fachgruppe Textil bestehen 15 Einzeltarifverträge, die Fachgruppe Nahrungs- und Gastwirtsgewerbe hat cbenfalls 15 Tarifverträge abgefchlossen, während in den Fach gruppen Metall, Papier und Reich- Gemeinden 10 resp. 9 Tarif verträge bestehen. Der Abschluß dieser Tarifverträge war bei der derzeitigen Einstellung der Unternehmer nicht immer leicht. Dazu fam, daß die bürgerlichen Angestelltenverbände eine Tarifpolitik trieben, die tediglich dem Mitgliederfang diente. Gottfurcht schloß seinen Bericht mit einem Nachruf für das verstorbene Mitglied des Hauptvorstandes Döhnel und mit einem Dank an alle nichtbeamteten Mitarbeiter der Ortsverwaltung. Den Kassenbericht gab Weyland. Die Finanzverhältnisse der Verwaltungsstelle hatten selbstverständlich sehr unter den Nachwirkungen der Inflationszeit zu leiden. An den steigenden Ausgaben für Agitation und Lohnbewegungen ist aber trotzdem eine gute Aufwärtsentwicklung festzustellen. Die Generalversammlung stimmte in ihrem weiteren Verlauf einem vorliegenden Entwurf eines abgeänderten Orts, statuts ohne Diskussion einstimmig zu. Die Wahlen zur Ortsverwaltung ergaben die einmütige Wiederwahl von Gottfurcht als beamteten ersten Vorsitzenden und von Fink als ehrenamtlichen zweiten Borfizenden; Weyland wurde zum Kassierer ebenfalls wiedergewählt. Auch die Wahlen der anderen Mitglieder zur Ortsverwaltung erfolgten ohne die sonst gewohnte " Opposition" der Moskauanhänger. Wie Gottfurcht in seinem Schlußwort feststellen konnte, hat die Jahresgeneralversammlung die Grundlage für weitere gedeihliche Arbeit in voller Einmütigkeit geschaffen. Auch für den 3dA. in Berlin find die Zeiten der Inflation und der Bruderkämpfe endgültig vorbei. Verschärfter Kampf in den Bauschlossereien. Der Streit, der in den 10 größten Betrieben des Bauschlossergewerbes in Berlin am Donnerstag voriger Woche ausbrach, ist durch den einstimmigen Beschluß einer Branchenvolversammlung durch den einstimmigen Beschluß einer Branchenvolversammlung gestern abend dahingehend erweitert worden, daß in allen weiteren Betrieben, in denen heute, Dienstag früh, die Forderung nach 1 M. Stundenlohn in der Spize nicht bewilligt wird, sofort die Arbeit einzustellen ist. Wo die Gefahr besteht, daß Streifarbeit angefertigt werden soll, ist die Arbeit unter allen 11mständen einzustellen. Die Streifleitung und die Branchenkommission ersuchen alle Bauarbeiter, etwa auf den Bauten arbeitende Bauschlosser nach einer Arbeitsbescheinigung zu fragen. Nur die Bauschloffer sind zur Arbeitsleistung berechtigt, die im Besige einer vom Deutschen Metallarbeiterverband ausgestellten Legitimations forte finb. Einigung im Kohlengroßhandel. Um die unmittelbar bevorstehende Arbeitsniederlegung im Kohlengroßhandel wenn irgend möglich zu vermeiden, berief der Schlichter von Berlin zu gestern nachmittag nochmals die Parteien zu sich. Nach langen Verhandlungen erklärten sich Arbeitgeber wie Arbeitnehmervertreter schließlich bereit, einem vom Schlichter für Berlin zu fällenden Schiedsspruch sich zu unterwerfen. Der darauf gefällte Schiedsspruch erhöht den Stundenlehn der ständigen Rohlenarbeiter von 79 auf 82 Pf. ab 16. Januar. Ab 3. April tritt eine weitere Erhöhung auf 84 Pf. in Kraft. Die Lohnfäge der übrigen Arbeiterschaft erhöhen sich im gleichen Prozentjaz. Das Abkommen ist zum 30. April erstmalig fündbar. Damit ist der Konflikt noch in legter Stunde beigelegt. Angestellte der Berliner Metallindustrie! In der gestrigen Schlußverhandlung ist der neue Rahmen tarifvertrag von allen beteiligten Angestelltenorganisationen und dem Verband Berliner Metallindustrieller unterzeichnet worden. Die Drudlegung des Tarifvertrages ist veranlaßt, weitere Nachrichten folgen nach Fertigstellung. Afa- Metallfartell: Günther. 2ange. Rothe. Berliner Gewertschaftskommiffion, Unterfommiffion Köpenid, 16. Bezirk. Donnerstag, den 22., abends 7 Uhr, Bersammlung sämtlicher Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte, bei Etippe fohl, Schönerlinder Str. 5. Altuelle Wirtschafte probleme. Referent Gen. Ufermann. Freie Aussprache, Geschäftliche Mitteilungen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Seton Gesundheitswesen: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7 Uhr, im Lokal von Reim, Urbanftr. 29, Berfammlung aller im Bezirk wohnenden Mitglieder. Tarifangelegenheiten. Neuwahl der Bezirksleitung. Berſchiedenes, Bollzähliges und piniliches Cr scheinen erwartet die Bezirksleitung. Sektion Staatsbetriebe: Donnerstag, den 22. Januar, abends 6 Uhr, im Lokal von Tiedemann, Waldenserstr. 19, Bersammlung aller Gemeinde- und Staatsarbeiter, die im Bereich des 2. Ver maltungsbezirks wohnen. Vortrag. Wahl der Bezirksleitung. Verschiedenes. Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen ist Pflicht. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Feuilleton: J. Steiner; R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frih Karstädt: Anzeigen: h. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b.$.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei Berlin SB 68 und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". fammlung nach dem Vorhaben der„ Roten Fahne" hätte ihm sicher betrachtet die Ortsverwaltung als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. das Genick gebrochen. Die große Mehrere 1000 Paar erstkl. braune, schwarze Schuhe u. Stiefel für Damen u. Herren durchweg beste Rahmenarbeit mit kleinen, kaum sichtbaren Schönheitsfehlern, bieten eine nie wiederkehrende billige Einkaufsgelegenheit 12 Leiser 50 Norden 9296. Boche Säle frei! Damen- Schnür- u. 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Auf vielen Gebieten des Lebensmittelmarktes ist heute ein so startes Ueberangebot an Waren vorhanden, daß bei der geringen Rauftraft der Maffen der Absatz bereits stockt. Besonders schlimm äußert sich diese Stockung gegenwärtig in der Milchversorgung. Bor Jahren erscholl der Ruf der Berliner Milchversorgungszentrale nach mehr Milch, waren doch die Quanten, die in Berlin eingeführt wurden, nicht im geringsten dazu jetan, auch nur das allernot. wendigste Bedürfnis zu stillen. Bis in die erste Zeit der Stabilifierung hinein fehlten Berlin etwa 50 Proz. der Gesamtmilchmenge fierung hinein fehlten Berlin etwa 50 Proz. der Gesamtmilchmenge täglich am Notquantum. Die Stabilisierung hat auch hier eine gründliche Umstellung vorgenommen, und es läßt sich jetzt feststellen, daß täglich 600 000 bis 650 000 Liter Milch an das Absatzgebiet Berlin geliefert werden gegen 200 000 Liter in der niedrigsten Inflationszeit. Um so beflagenswerter ist die Tatsache. daß für die jetzt gelieferten Milchmengen fein Absatz gefunden werden kann. Es trifft zu, daß nicht abgesetzte Milchmengen oft in erheblichem Maße in die Kanalisation gegoifen werden, weil auch der Abfaz der Nebenprodukte, Käse, Butter usw., nicht die vetvendigen Käufer findet. UTS Der Milchstrom. Hat sich die Nachfrage nach Milch, dieses wichtigste Ernährungsproduft, so start entwidelt, daß der lleberschuß vernichtet woerden muß? Die Tatsache steht jedenfalls fest, daß der Abfaz von etma 25 Broz. der Gefamilieferungsmenge, das wären 150 000 bis 200 000 Ciler pro Tag, teine Käufer finden. Eine völlige Umstellung nahmen die Provinzialmolkereien vor. Sie fonnten seit der Stabi lisierung ihre Produktionsfähigkeit um 40 bis 90 Proz. steigern. Sie überschwemmen Berlin förmlich mit Milch, ohne sich Sorge dan über zu machen, ob bei dem gegenwärtigen Milchpresstond volle Saufmöglichkeiten gegeben sind. Die Preispolitif der Milchprodugenten, die bisher ein Nachlassen der Milchpreise zu verhindern wußte, hat es zuwege gebracht, daß eine rise in der Milchbewirtschaftung eingetreten ist, gegen die öffentlich aufzutreten einfach Bilicht ist. Was soll man fagen, menn an einzelnen Tagen 200 000 Liter Bollmilch nicht abgesezt werden können? Kennen denn diese Herren die förperliche Beschaffenheit unserer Schult.nder nicht? Und was tun die Behörden? Bielleicht wird der eine oder andere hier einwenden: Nicht abgesetzte Milch wird ja zu Nebenprodukten 78] Der Mittelweg. Bou Sir Philip Gibbs. Am felben Nachmittag besuchten sie noch zwölf weitere Heime. Ueberall dasselbe: Typhus, Ungeziefer, Schmuz und Geftant. Mein Gott," sagte Bertram zuletzt, dies geht über menschliches Ertragen. Können Sie es denn noch aushalten, Nadia?" Sie legte die Hand auf seinen Arm. Dies ist nur der Anfang, lieber Freund. Sie leiden darunter? Das ist gut. Sie werden dann solche Worte schreiben, daß die Welt zu Tränen und Barmherzigkeit gerührt wird. Und dadurch werden Sie diesen Kindern helfen." „ Ich will's versuchen," sagte Bertram. Es war wie ein Schwur. Im großen Hospital von Kasan, einst so berühmt in der Geschichte der Medizin, gab es teine Pritschen mehr. Die maren zur Feuerung verbrannt. Die Kranken lagen auf dem nackten Fußboden. Die Defen waren ungeheizt. Dr. Weekes fragte den Chefarzt, der selbst wie ein Sterbender zwischen den Kranken umherwanderte, und kaum die Kraft zum Antworten hatte. Haben Sie Arzneien?" ,, Ganz wenig." Chloroform, Morphium?" „ Nichts!" „ Rizinusōl?" Einen Tropfen noch." Desinfektionsmittel?" ,, Gar nicht." Seife?" Schon seit zwei Jahren nicht mehr." " Berbandszeug, Watte?" ,, Nichts." Großer Gott," sagte Dr. Weekes verzweifelt. Und in diesem elenden Haufen der allerverkommensten Menschheit, die, soweit sie sich noch bewegen konnte, unab lässig das Ungeziefer in ihren Lumpen suchte, die in ihrem Schmutz und Jammer faum noch menschlichen Geschöpfen glich, verarbeitet, die in ihrem Nährwert nicht viel geringer find. Der Absatz diefer Nebenprodukte hängt aber auch von der Kaufkraft der breiten Maffen ab. Und hier wird, wie in jedem anderen Großbetrieb, Angebot und Nachfrage nach bestimmten Gesetzen geregelt. Die Herstellung von Käse hat einen starken Rückgang erlitten, weil hier noch bestimmte Käsesorten seit dem letzten Sommer unverkauft liegen. Die hohen Betriebskosten lohnen eine weitere Verarbeitung nicht, und so muß denn die Milch anstatt in den Magen ernährungs. bedürftiger Kinder zu wandern, den entgegengesetzten Weg einschlagen. „ Nicht absetzbar?! Die Berliner Milchlieferungsgesellschaft, der für Berlin die Lizenz der Versorgung übertragen ih, hat sich genötigt gesehen, die nicht absehbare Milch Stadttlichen Heilsarmee und ähnlichen geweinnützigen Anstalten mit 3 Pf. pro Liter anzubieten. Man sollte meinen, daß ein solches Angebot mit offenen Armen, aufgenommen und an die Kreise gebracht wird, die Milch sonst nur als Lurusartifel fennen, um dadurch den Gefundheitszustand unserer Jugend heben zu helfen. Auch hier Fehlschlag auf der ganzen Linie. Nur in geringerem Maße wurde von diesem Angebot Gebrauch gemacht, fo daß die Gesellschaft noch weiter ging und den rein gemeinnützigen Anstalten Milch in beliebigen Mengen unentgeltlich zur Verfügung fellte. Man weiß nun nicht, ob die betreffenden Anstalten sich über ihren gemeinnüßigen Charafter un flaren befinden oder ob jie tat sächlich feine Bermendung für die ihnen unentgeltlich angebotenen Milchmengen hatten, furz, die Abnahme ließ auch hier zu wünschen übrig. Was fümmert das den Landbund. Was sagt die Landwirtschaftstammer zu diesen skandalösen Zuständen? Kann eine gemeinnüßige Körperschaft es verantworten, ihr unentgeltlich angebotene milch zurüid zuweisen? Warum hat man die Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrt bisher nicht davon in Renntnis gesetzt? Sie Hülle und Fülle gehabt haben. würde gewiß hinreichende Berwendung für überschüssige Milch in Die Deffentlichkeit tam verlangen, daß die zuständigen Spitzen organisationen diesen Dingen einmal ernstlich nachgehen. Zwar wiffen auch wir, daß die Milchproduzenten infolge des laufenden Bertrages mit der Berliner Milchversorgungsgesellschaft nicht so schnell gesonnen sind, von ihren vertraglichen Rechten zurückzutreten, weil während der Vertragsdauer ja an den Verträgen nicht gerüttelt werden soll. Der Ablauf des Vertrages steht aber bevor, und wir hoffen, daß diese öffentliche Aufdeckung es zuwege bringt, die skandalösen Zustände auf dem Gebiete der Milchverforgung Berlins wenigstens in einigen Bunkten zu bessern. waren Frauen von einstiger Bildung und Kultur. Als Nadia zwischen den Lagern umherging, zuredete und tröstete, hoben fich manche schwach empor, um ihr die Hand zu küssen. Am Abend nach diesem Rundgang durch die Dantesche Hölle wartete ihrer ein scharfer Kontrast. Denn der Oberst und fein Stab gingen in die Oper. Man spielte den ,, Boris Godunom" vor einem meistens von jungen Ruffen vollbes fejten Hause. Sie waren warm angezogen und allem Anfchein nach gut genährt. ,, Wie ist es möglich," fragte der Oberst ,,, daß diese Leute genug zu essen haben und sich amüsieren, während Millionen um sie herum verhungern?" ,, Sie amüsieren sich," bemerkte Cyrus Sims, der junge Amerikaner, der sie am Bahnhof empfangen hatte, aber Hunger haben sie alle. Es ist hier fein einziger, Mann oder Frau, der sich heute satt gegessen hat. Aber in die Oper gehen fie doch, als zu dem einzigen Ort, der ihnen in dem eintönigen Elend einen fleinen Strahl von Licht, Freude und Farbe fcenft." Ich fann's nicht glauben," antwortete der Oberst, diese Leute haben keinen Hunger. Sie werden wohl Sowjetbeamte fein, die geheime Vorräte gehamstert haben." ,, Manche vielleicht, aber oft tann's nicht vorkommen. Denn bis vor einer Woche sind sie noch als Sowjetarbeiter rationiert worden. Jetzt fallen die Rationen aus und sie müssen den Gürtel fester schnallen." ,, Es ist die neue Bourgeoisie," meinte der Oberst. Die Bolschewisten haben der alten den Krieg erklärt und eine neue, ihre eigene, gebildet. In Sowjetrußland ist auch nicht mehr Gleichheit als bei uns in den Bereinigten Staaten." Bertram stimmte ihm zu, sollte aber noch am selben Abend erkennen, daß der Glanz der Oper doch nagenden Hunger verhüllte. Er zeigte sich nach dem Theater in seiner ganzen Schamlosigkeit und Schärfe durch einen Ueberfall auf die Ara. Die Torglode läutete heftig, und als geöffnet wurde, brang eine ganze Schar der Opernhausmitglieder ein und fragte, ob fie sich bei den Herren Amerikanern zum Abendeffen einladen dürften? ,, Nur immer herein," rief Sims. Und sie tamen, sechs Damen und drei Herren. Die Primadonna war eine Berserin | Dienstag, 20. Januar 1925 Echt völkische Ban eschäfte. Ein Vorspiel zu dem Bankschwindelprozeß Bruß. Das Verfahren gegen den Bankbeamten Willi Bruß nimmt einen außergewöhnlichen Umfang an, so daß bei dem Untersuchungsrichter des Landgerichts III ein Sonderdezernat zur Bearbeitung dieser Depotschwindeleien eingerichtet werden soll. Bisher hatte das Ermittlungsverfahren noch feinen rechten Fortgang nehmen können. Nachdem sich Bruß lange Zeit vers borgen gehalten hatte und schließlich in einem Sanatorium aufgestöbert und ins Untersuchungsgefängnis übergeführt worden war, hatten seine Verwandten die Einleitung eines Entmündigungsverfahrens beantragt. Da nunmehr hierüber zunächst entschieden werden muß, ist auch die Untersuchung wegen der Schwindeleien des Verhafteten start verzögert worden. Wie erinnerlich, hatte der Fall Bruß großes Aufschen erregt, denn Bruß hatte mehr als tausend fleine Ceute hineingelegt, die bei ihm Gelder und Effekten in das Depot gegeben hatten, um für sie Spefulations. geschäfte zu machen. Bruß hatte Beziehungen zu den deutschvölkischen Kreisen, und seine Kundschaft setzte sich ausschließlich aus diesen zusammen, da er es verstanden hatte, sich als politischer Vertrauensmann aufzuspielen. Er hatte im Jahre 1922 in der Brandenburgstraße 69 in Wilmersdorf ein Bankgeschäft eingerichtet, das einen ziemlichen Umfang angenommen hatte. Nicht nur waren in dem Hauptgeschäft 36 Angestellte tätig. es bestanden auch Filialen in Potsdam, Bamberg, Stettin, Wismar, Stuttgart, München und Rostock sowie Geschäftsstellen in fast allen größeren Städten. Obwohl ihm, wie auch durch eine wiederholte Verfügung des Reichsfinanzminister bekannt gemacht worden war, ein Depot und Depositionsrecht nicht zustand und er auch an der Börse nicht zugelassen war, hat er in den Jahren 1922/23 große Depotgeschäfte gemacht. Die An- und Verkäufe von Effekten ließ er über Stückkonto laufen. Zu der Ausführung von An- und Verkäufen von Effekten und Devisen an der Börse bediente er sich eines Bankgeschäftes Unter den Linden. Durch das Eingreifen des Devisenfajfungsfommiffars brach das Schwindelgebäude, auf dem das ganze Börsen- und Spekulationsgeschäft der" Bant" beruhte, zusammen. Bei dem Eingreifen des Devisenkommissars wurde festgestellt, daß feine Geldschränke" aus zwei Bigarrentiſten bestanden; der eine Tresor" enthielt die Devisen, der andere„ Tresor" die ihn von der Kundschaft zur Verwahrung gegebenen oder für diese beschafften Effekten. Auch die Buchführung über die Devisen war außerordentlic) mangelhaft. Es schwebt gegen Bruß nunmehr ein Verfahren wegen fortgefeßten Betruges. Gestern wurde Bruß aus Der Untersuchungshaft dem Schöffengericht Wedding vorgeführt, um fich wegen Bergehens gegen das Kapitalfluchtgesek, wegen unzuläffigen Devisenhandels und wegen fortgesetzten unerlaubten Handels mit Effekten nach dem Auslande zu verantworten. Bruß behauptete, daß nur durch das Eingreifen des Devisenfommissars das Bankgeschäft zugrunde gerichtet worden, und daß dadurch die Gläubiger in Berlust geraten seien. Der Berteidiger vertrat die Ansicht, daß dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden könne, daß er bei dem unerlaubten Handel mit Devisen nach dem Ausland vorfäßlich gehandelt habe. Er wurde auch von diesem Anklagepunkt freigesprochen, dagegen verurteilte das Schöffengericht Bruß wegen unerlaubten Devisenhandels zu 1000 M. Geldstrafe. ,, Das Reichsbauner soll schuld sein". In der Berliner Zeitung mit dem Faschingstitel na dt. ausgabe des Tag" fraht wieder einmal ein schwarzweißroter Kileriki wütend und erzürnt das Reichsbanner an. Angeblich soll das Spandauer Reichsbanner in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag einen Ueberfall auf die Ortsgruppe Seegefelb der Deutschnationalen Volkspartei ausgeführt haben und diese Tat foll sich den Heldentaten würdig anreihen, die in der letzten Zeit von dieser Schutzgarde der Republit in Berlin ausgeführt wurden". Die Reichsbanner- Gauleitung wird ja Anlaß nehmen, die Sache aufzuklären. In Wirklichkeit scheinen sich die Dinge selbstverständlich ganz anders zu verhalten, denn die Bossische Beitung" in der Lage, folgende Darstellung zu geben: Etwa 40 bis 50 Reichsbanner- Leute hatten von Spandau einen Ausflug nach allenfee(?) unternommen und dort haltgemacht. Beim Abmarsch wurden zwei Kameraden vermißt. Trogdem marschierte man zunächst weiter. Man hörte aber bald darauf Hilfe. rufe und kehrte nunmehr nach Saltensee zurück. Hier waren die beiden Bermißten überfallen und schwer verlett worden. Die Reichsbanner- Leute machten vor einem Gasthause, wo daß die Leute, die die Reichbannermitglieder überfallen hatten, eine deutschnationale Beranstaltung stattfand, halt und forderten, herausgegeben würden. Als das nicht erfolgte, drangen sie in ben Gaal ein und holten sich verschiedene Leute selbst heraus. Es entstand eine allgemeine Prügelci, bei der es verschiedene Berlegte mit einer wundervollen Stimme, riesigen schwarzen Augen und geradezu verheerendem Appetit. Die jungen Amerikaner brachten ihre Ronserven, Butter, Brot und Käse herbei und tochten Rafao. Die Damen machten aus ihrem Entzücken kein Hehl und fielen wie die Harpyen über das Essen her. Die schöne Berserin verschlang den Rest eines holländischen Käses mit schwärmerisch zum Himmel erhobenen Augen. Dann brachte einer der jungen Leute ein Grammophon und weihte die vor Lachen kreischende Primadonna in die Geheimnisse des Foxtrott ein. Die anderen, noch immer auf der Jagd nach einem verirrten Biskuit, lachten die ganze Tonleiter herauf und herunter. Bertram schlüpfte unterdessen aus dem Zimmer und legte sich auf sein schmales Feldbett im einstigen Arbeitszimmer des Gouverneurs von Kasan. Diese Tänzer im Nebenzimmer glichen den lustigen Damen und Herren des Dekameron, die auch von den Greueln der Best umgeben waren. Er schaute durch das große Fenster in die weiße Nacht hit cus. Der Mond ließ den Schnee in tausend strahlenden Funken aufbliken. Es war jetzt sehr still in dieser Stadt mit ihren Häusern, wo sich nadte Kinder und Sterbende auf dem Fußboden wälzten und wo der Typhus die furchtbare Geißel fchrang 57. In dem Hause, wo Nadia mit den beiden anderen Ruffinnen einquartiert war, gelang es Bertram, eine furze Zeit mit ihr allein zu sprechen, ehe er früh am nächsten Mor gen das Schiff bestieg, das ihn stromabwärts nach Samara führen follte. ,, Ich möchte Ihnen Lebewohl sagen, auf ein paar Wochen aber nur. Nachher Sie fah lächelnd von ihrer Näharbeit zu ihm auf. Ein langer weißer lleberrod, so wie Aerzte ihn tragen, war beinah fertig. Run? und nachher, mein Freund?" Er schwieg eine fleine Weile und dachte an sein ganzes Leben und feine Bedeutung, und an die Hoffnung auf eine gemeinsame Zutunft. ( Schluß folgt.) gab. Insgesamt sollen sich zehn Perforen in ärztliche Behandlung begeben haben. Es fielen dann noch von seiten der Deutschnationalen einige Revolverschüsse, es wurde aber niemand dadurch verlegt." Arbeiterbildungsschule Groß- Berlin. Die Heute beginnen die Vorlesungen der Arbeiterbildungsschule. Die Aufgabe dieser Schule ist, sozialistisches Wissen zu vermitteln, zur politischen Tätigkeit anzuregen und politische Aufklärung zu verbreiten. Nicht im engbegrenzten Sinne parteipolitischer Tätigkeit, sondern im Sinne des Aufbaues und der würdigeren Gestaltung der menschlichen Gesellschaft. Schule beschränkt sich nicht auf trockene Wissensvermittlung, ihre wichtigste Aufgabe ist vielmehr, Verantwortlichkeitsgefühl zu erwecker und den einzelnen mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß er feine ganze Kraft dem Aufstieg der Menschheit zu widmen hat. Wille und Tatkraft zu erweden, Klaffengefühl und Klassenbewußtfein zu stärken ist Aufgabe der Schule; denn sie will dem Sozia lismus dienen und für die Zukunft arbeiten. In jeder Zeitepoche entwickeln sich auf der Grundlage der wirtschaftlichen Verhältnisse Kreis- Mitgliederversammlungen! Tagesordnung: Der Rechtsturs in Deutschland. Prenzlauer Berg: Dienstag, den 20. Januar, abends 7 Uhr, Aula der Oberrealschule, Pasteurstraße 44/45. Referent: Ministerpräsident a. D. Stelling, M. d. R. Charlottenburg: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7 Uhr, Oberrealschule Schloßstraße, am Sophie- Charlotte- Platz. Referent: Heinrich Ströbel, M. d. R.. Spandau: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7½ Uhr, im Paradiesgarten, Seegefelder Straße 54/55. Referent: Artur Richter, M. d. 2. Schöneberg: Donnerstag, den 22. Januar, abends 8 Uhr, Schulaula Feurigstr. 57. Referent: Franz Künstler, M. d. R. die diesen entsprechenden geistigen und künstlerischen Anschauungen. Mitte: Freitag, den 23. Januar, abends 7% Uhr, Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Referent: Rudolf Breitscheid, M. d. R. Unsere Zeit ist erfüllt von ungeheuren Spannungen. Auf allen Gebieten fämpfen zwei gewaltige Klassen. Im Mittelpunkt dieser Rämpfe steht als unbestritten stärtste gesellschaftliche Macht die Arbeiterklasse. Die Richtungslinien auf allen Gebieten der Entwicklung zeigen uns, daß wir immer stärker hineinschreiten in soziale Lebensformen. Die soziale Frage steht im Brennpuntt unseres gesellschaftlichen Lebens. Aber unser gesellschaftliches Leben wird nicht kontrolliert und bewußt beeinflußt durch einen gesellschaftlichen Organismus, der nach wissenschaftlichen Erfahrungen und daraus abgeleiteten Gesetzen funktioniert, sondern Willkür und Zufall herrschen. Einzelne Individuen, persönliche und fapitalistische Interessen bestimmen feinen Ablauf. Diesen anarchischen Zustand unserer Gesellschaft bewußt umzugestalten und in einen finn- und zweckvollen zu verwandeln ist die historische Aufgabe des Proletariats. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, braucht die Arbeiter flasse gesellschaftliche Bildung. Nicht Bildung als Selbstzwed, sondern Bildung und Wissen als Mittel, die geeignet sind, energisch und zielbewußt den Klassenfampf zu führen bis zur Üleberwindung aller Klassenherrschaft, die der Anfang einer neuen besseren Phase der Menschheit sein wird. Marquardt. Im Quartal Januar/ März 1925 finden folgende Kurse statt: Dienstag, den 20. Jennar, im Leibniz- Gymnasium, Mariannenplas.„ Gefchichte der politischen Parteien". Genosse Crifpien. In der Bibliothek Lichtenberg, Weichselstr. 28,„ Moderne Probleme des Sozialismus". Genoffe Donnerstag, den 22. Januar, im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 3, Moderne Probleme des Sozialismus". Genoffe Simon Rakenstein. In der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sef Iints, part., Weltwirt fchaft, Weltpolitik und Arbeiterbewegung". Genosse Alerander Stein. Freitag, den 23. Jannar, im ReaTanmnasium Beißensee, Boeldpromenade, Das Erziehungsproblem". Genoffin Bohm- Schit ch In der Gemeindefchule Tempelhof, Werderstraße," Boltserziehung und Sozialdemokratie". Genoffe Albert Sorlik. 3 Sonnabend, den 24. Jannar, in der Sophien- Schule. Weinmeisterstr. 16-17, Grundlagen und Kritik der Arbeiterbildung". Genosse Sorlig. Dienstag, den 27. Jannar, in der Gemeindeschule Senefelderfte. 6-7, „ Grundfragen der Politik". Genosse Rakenstein. Sonnabend, ben 31. Janane, in der Bibliothek der Arbeiterbildungsschule, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Tr., Sistorisch- ökonomisches Seminar". Genoffe Mag Grunwald. Freitag, ben 13. Februar, in der Gemeindeschule Grünthaler Str. 5,„ Gefchichte der Arbeiter- Internationale". Genoffe Breuet. 68. st. Salenice. 8 Uhr bel Gandmann, Westfälische Etr. 2, Bortrag des Genoffen Dr. Fabian. Mitgliederversammlung. Wilmersdorf. 69. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Andreas, Pfalzburger Str. 55. Vortrag des Genossen Dreffel. 70. bt. 8 Uhr Mitaliederversammlung im Restaurant Rroiß. Holsteinische Str. 60. 1. Ge Schäftliches. 2. Bortrag des Genossen Reimann:„ Kommunalpolitische Aufgaben der Arbeiterschaft". 71. Abt. Der Rahlabend fällt aus. Nächster Rahlabend 11. Februar. 72. Abt. 7% Uhr bei Schröder, Auguftastr. 59, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Nietisch. 73. Abt. Schmargendorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lehrerzimmer der Gemeindeschule. Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben. Schöneberg. 79. Abt. 7% bei Groß. Sedanstr. 17, Gerhart- Hauptmann- Abend. Referent Genoffe Kreuziger. Gäste willkommen.- 80. Abt. 7½ Uhr im Gefangfaal des Helmholz- Gymnasiums, Rubensstraße, Bortragsabend: Sans Baluschef: Die bildende Kunst in der Gegenwart", mit Bildervorführung. 81. Abt. Friedenau. Sozialistisches Seminar: 8 Uhr bei Klabe, Sandjernftraße 60-61, Bortrag des Genossen Reichstagsabg. Löwenftein: Familie Che und Sozialismus 82. Abt. Steglik. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der 6. Gemeindeschule, Blantagenstraße. Vortrag des Genoffen Breuer. 90 Abt. Neukölln, 7½ Uhr Abteilungsversammlung in der Aula der Anaben mittelschile Donaustr. 120. Vortrag des Genossen Landa:„ Der Rechtsfurs in Deutschland". 108. Not. Köpenia. 7% Uhr Extrazahlabend file Dammvorstadt bei Schulz, Bahnhofftr. 34. Bortvag der Genossin Nemih über„ Die legten politischen Ereignisse". 110. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. bt. Grünen. 8 Uhr Generalversammlung bei Werner, Köpenider Str. 108. Lichtenberg., 115. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung in der Schulaula Kronprinzenstr. 10, Vortrag des Genossen Felcentreu: Die gegenwärtige politische Lage". 117. Abt. 7% Uhr Funktionärversammlung in der Mittelschule, Marktstraße. 120. bt. Friedrichsfelde. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der MädchenSchule Wilhelmstraße. Bortrag der Genoffin Wachenheim: Die politische Lace". des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold". Die Beerdigung der neun Dortmunder Opfer von Herne. In der Haupthalle des Zentralfriedhofes fand am Montag unter großer 132. st. Blankenburg. 7½ Uhr bei Klug, Dorfitt, 2, Gründungsversammlung Beteiligung die Trauerfeier für die neun Dortmunder Opfer des Herner Eisenbahnunglüds statt. Erschienen waren Vertreter der Reichsregierung der Breußischen Staatsregierung, des Oberpräsi denten von Westfalen der Regierungspräsident, sowie Beamtendeputationen und eine Fahnenabordnung des Roten Kreuzes. Danzig- Warschau in 1 Stunde. Ein Flugreford für Polen ist von dem Flugzeugführer der Aero- Lloyd Burzynski aufgestellt worden, der die Strecke Danzig- Warschau in 1 Stunde 20 Minuten überflogen hat. Vom Schnellzug wird dieselbe Strecke in 9 Stunden 42 Minuten zurückgelegt. Grenze wird uns gemeldet: Eine schwere Liebestragödie spielte fich Eine Liebes- und Ehetragödie in Holland. Von der holländischen Sonnabend nachmittag um 5 Uhr in Nymmwegen ab. Der Fabrikant Uphuisen hatte mit seinem Hausmädchen ein Liebesverhältnis, das dahin führte, daß beide am Dienstag nach Amerika fahren wollten. Inzwischen hatte der Fabrikant aber den Entschluß gefaßt, mit feiner Familie in den Tod zu gehen. Er machte mit feiner Ehefrau und seinen zwei Rindern eine Autofahrt und lenkte den Wagen in höchster Geschwindigkeit in die Waal. Während das Ehepaar und eine Tochter von 17 Jahren den Tod fanden, fonnte das jüngste Kind, ein Mädchen von 8 Jahren, das aus einem Fenster geschleudert worden war, noch lebend, wenn auch mit schweren Schnittwunden, aus der Waal gezogen werden. Kurz nach dem Unglück versuchte die Geliebte des Fabrikanten sich das Leben zu nehmen, fonnte aber gerettet und der Clever Polizei übergeben werden, die das Mädchen seinem Heimatsort überweisen wird. Pe parteinachrichten Sämtliche Kurse finden in der Zeit von 7-9 Uhr abends statt. Die Söraebühr beträgt 1 Goldmart oder 1,20 Goldmart. Stoffpläne sind unentgeltlich au haben im Bureau des Bezirksbildungsausfouffes Lindenstr. 3, bei den Kreis- und Abteilungsleitern und in den Borwärtsspeditionen. Hörer. farten an denselben Stellen oder bei Beginn der Vorlesungen am Eingang des Lokals. Der geheimnisvolle Stromerzeuger ,, U". In dem Strafverfahren gegen den Ingenieur Unruh, der sich auch als Freiherr von Unruh ausgegeben hat, sieht die die Straffammer des Landgerichts I unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Langels feit mehreren Wochen beschäftigende Berufungsverhandlung wegen Betrugs und Urkundenfälschung nunmehr ihrem Ende entgegen. Gestern wurden die Sachverständigen vernommen, unter ihnen Geh. Rat Bromberg und Professor Scheering. Sämtliche Sachverständige stellten fest, daß der Apparat trotz aller Verheißungen des Angeklagten bisher noch niemals zum Brennen gebracht worden sei, so daß der Angeklagte den Beweis schuldig geblieben sei, daß es sich um eine ernste Erfindung gehandelt habe. Die Sachverständigen bezeichneten alle Andeutungen des Angeklagten als reine Phan= tasieprodukte. Was er erfunden haben will, widerspreche dem Gesetz über die Erhaltung der Energie, auf dem alle unsere naturwissenschaftliche Kenntnis beruhe. Zu dem Mordverfuch in der Zinzendorfstraße, erfahren wir, daß der Täter, der am 24. März 1891 zu Damm geborene Mar Haegele, der in der Rostocer Straße 25 wohnte, noch nicht ermittelt ist. Der Berfolgte ist 1,50 Meter groß und schlank, hat ein blaffes, rundes, bartloses Gesicht und trägt ein blaues Jackett, eine graugestreifte Hose, eine blaue Sportmühe und fhmarze Schnürstiefel mit heliem Einfaß. Er hintt start auf dem rechten Fuße und führt deshalb bei seinen Bekannten den Spinnamen Humpel". Das Befinden des durch zwei Schüsse schwer verlegten Mädchens, der Arbeiterin Margarete Starnaß ist schlecht. Wieder ein Mädchenschwindel. Ein leberfall, den die 14 Jahre alte Charlott Futh aus der Schmollerstraße im Treptower Parf erlitten haben wollte, ist als erdichtet erwiesen. Auf dem Polizeiami Treptow von der Kriminalpolizei ins Gebet genommen. gestand sie bald, daß sie den Ueberfall erfunden habe, um ihre Muiter über die verspätete Heimkehr zu täuschen. Die Reichsflagge auf Halbmaft. In Lichterfelde weste am Sonntag auf dem Hauptgebäude der Garde- Schüßen- Kaserne die Reichsflagge Halbmast. Die Einwohner schüttelten reichlich verwundert die Köpfe. Sollte es möglich sein, daß die Reichswehr den Stablhelmtag in Magdeburg durch Halbmasthissen ihrer Fahne feiern wollte? Warme Stuben im Berwaltungsbezirk Treplow. Nunmehr hat auch dieser Bezirk das Netz der Wärmeballen erweitert. In Anbetracht der Größe der Drtsteile und Räume find es freilich nirgends Hallen, sondern überall nur zwei bis drei Näume, die dafür aber freundlich eingerichtet sind und ihren Namen„ Tagesheim" voll rechtfertigen. Lesestoff und Brettspiele stehen zur Verfügung der Besucher. Solche Heime gibt es jest in Treptow, Schule Bouchéstraße, Niederschönem eide, Berliner Straße 21, und Adlershof, Drtsamtsstelle Nadidestraße. Sie find werktäglich von 2 bis 7 Uhr für Erwachsene geöffnet. Das Bezirkswohlfahrtsamt hofft ohne den sonst üblichen Kartenzwang auszukommen. Es hat also jedermann Zutritt. Humboldt- Hochschule. Julius Bab beginnt am Donnerstag vormittag 11 Uhr im August Förster Saal in der Keithstr. 11 seine Vortragsreihe: Die Bücher und die Bühne des Tages". 10 Zum Berliner Städtischen Bolfskonzert des Berliner Sinfonie- Drchefters am 20. Januar, abends 8 Uhr, im Bürgersaal, Neues Nathaus Schöneberg, find an der Abendkasse noch Eintrittskarten zu haben. Pieis 40 Pfennige. Die Jugendweihe in Weißensee findet am Sonntag, den 22. März, in der Gemeindeturnhalle, Pistoriusstraße, statt. Der Vorbereitungsunter richt beginnt am Freitag, den 23. Januar, nachm. 4 Uhr, im Schulhaus W5rthstraße. Anmeldungen müssen umgebend beim Schulleiter, Gen. Zwölfer, weltliche Schule. oder beim Elternbeiratsvorsitzenden, Gen. Heinl, B& blerstr. 7, schriftlich vollzogen werden. Voitsbildun samt Kreuzberg. Am Donnerstag, den 22. Januar 1925, fitbet im Friedrich- Realgymnasium, Mittenwalder Str. 37, unter Mitwirkung con Bläsern der Staatsoper ein Sammermuiitabend statt an dem Berle von Mozart und Beethoven zum Vortrag gebracht werden. Eintrittspreis für Erwachsene 75 Bi., für Jugendliche 50 Bf. Karten im Bollsbildungsamt Jorditr. 11, Zimmer 80, und an der Abendlasse. Wetter für Berlin und Umgegend. Größtenteils trübe und neblig, bei wenig geänderten Temperaturen, später etwas Aufbeiterung und Abfühlung. Für Deutschland. Teils heiteres, teils nebliges Better; nirgends nennenswerte Niederschläge. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, an richten SPD.- Polizeibeamten. Am Mittwoch, den 21, b. M., abends 8 Uhr, Siknna in der Jurischen Sprechstunde, 2indenftr. 3, 1. Hof, part. Mitgliedsbuch ist vorzuzeinen. Parteigeröifiche Kollegen können mitnebracht werben. Der Werbeansidhu. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. st. Die Genoffin John, Baniftr. 88, ift verstorben. Cinäscherung Mittwoch, den 21. Sanuar, nedymittags 3% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 36. Abt. Als Berufsopfer fand der jugendliche Genosse Binnenschiffer Albert Krause, Weidenmeg 32, feinen Tod in den Fluten der Oder. Geine Bestattung hat bereits in Stettin stattgefunden. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die Ausweise für Fahrpreisermäßigung können am Mittwoch abend von 5-7 Uhr in Empfang genommen werden. Achtung, Mitglieder des Bücherkreises! Wer den Dezember- Beitrag geElebt hat, fann fein Buch in Empfang nehmen. Achtung, Mitglieder! Einlaßkarten zum ermäßigten Preise sind zu haben für das 3. Festkonzert( internationale Lieder und Chorgefänge) am Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 3% Uhr, im Großen Gaal der Philharmonie, Bernburger Straße. " Heute, Dienstag, den 20. Januar, abends 7% Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Elephansplak, Bortrag: Bir und bie gegnerische Jugendbewegung". Wedding- Nord: Schule Millerfte. 48, Bortrag: Unterm Sozialistengefeh". Sorbosten 1: Schule Böhowftr. 40, Distuffion: Grundzüge der Literatur. Nordosten II: Jugendheim Danziger Str. 62, Bortrag:" Seruelle Frane". Brenzlaner Borstadt: Jugendheim Danziger Straße 23, Diskussion: Entstehuna der SAJ." Gönhauser Vorfiadt: Schule 35senstr. 17, Bortrag:„ Wer war Stinnes?" Senefelder Biertel: Badeanstalt Oberberger Str. 57, Vortrag: Gdhwarz- Rot- Gold und Schwarz- Weiß- Not". Südosten( Görliger Viertel): Schule Görliger Str. 51, Friz- Neuter- Abend. Westen: Baugemertschule Kurfürstenstr. 141, Vortrag: Alt- Berlin". Skönebera I: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: Banerische Erlebniffe". Wilmersdorf: Jugendheim Hildegarditr. 4, Bortraa:„ Kulturziele_des Jungproletariats", Fortschung. Steelik I: Jugendheim Albrechtstr. 47, Bortrag: Erlebnisse in England". Renfölla III: Jugendheim Nogatstr. 53. Vortrag: Die Menschheit einft und jeni". Köpenick: Jugendheim Grünauer Straße 5, Diskussion:„ Warum find wir in der SAJ.?" Reinidendorf- Oft: Seebad Residensstraße, Ernst- Toller- Abend. Bankow: Jugendheim Breite Dienstag, den 27. Januar, findet im Sportpalast, Potsdamer Straße 32, Bortvag: Ethit und Aestethit". Straße, eine große Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie gegen den Rechtsturs in Deutschland statt. Andere Veranstaltungen müffen an diesem Abend unterbleiben. Die Abteilungs- und Kreisleitungen werden erfucht, fchon jetzt die nötigen Vorkehrungen für einen guten Der Bezirksvorstand. Besuch der Kundgebung zu treffen. Funktionärausweis für 1925. Die Parteifunktionäre müssen sich ihre neue Ausweiskarte vom Abteilungsleiter ausfertigen lassen. Ohne den neuen Ausweis gibt es zu den Funktionärversammlungen feinen Jufriff. Die Betriebsvertrauensleute erhalten ihre Karte im Betriebsferretariat, Lindenstraße 3. Achtung, Kreisleiter! Bon allen in diesen Tagen stattfindenden Kreismitgliederverfammlungen wird um beschleunigte Berichterstattung an die„ Borwärts"-Redaktion gebeten. 5. Kreis Friedrichshain. Arbeiterwohlfahrts-, Kinderschuh- und Kommunale Kommission: Mittwoch, den 21. Januar, 7 Uhr, Sigung bei Rosin, Gubener Straße 19. Sämtliche Kreise und Abteilungen müffen vertreten sein. 7. Kreis Charlottenburg. Die Mitgliederversammlung in der Schloßftraße wird pünktlich um 7 Uhr eröffnet, da der Saal um 10 Uhr geräumt werden muß. 13. Streis Tempelhof, Marienborf, Marienfelde, Lichtenrade. Die heutige Gikung des Bildungsausschusses findet nicht im Rathaus Mariendorf, fondern bei Niendorf, Chauffeestt, 19, in Mariendorf ftatt. 17. Kreis Lichtenberg. Bildungsausschuß und Sungsozialisten: Heute, Diens tag, 7% Uhr, Bibliothek Weichselfte. 20, Rurfus: Moderne Probleme des Sozialismus". 1. Abend. Es tönnen sich noch Teilnehmer melden, Donnerstag, den 22. Januar, 7% Uhr, Kreisfrauenabend in der Schule Marktstraße. Diskussionsabend. 18. Kreis Weißenfee. Der Arbeiterbildungskursus„ Das Erziehungsproblem" mit Genoffin Bohm- Schuch beginnt Freitag, den 23, Januar, 7% Uhr, im Realgymnasium Woeldpromenade. Hörerfarten zu 1 M. für 6 Abende find beim Obmann des Bildungsausschusses, Genossen Seini, Gäblerstr. 7, au haben. Kinderfreunde. Der Volkstanzturfus findet nicht Donnerstag, den 22., sondern Mittwoch, den 21. Januar, von 6-8 Uhr statt. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, Bezirk Mitte. Dienstag, den 20., nach mittags 5 Uhr, Rafperlevorführung in der Schufaula Blumenstr. 77. Eintritt frei. Gäste willkommen. Brenzlauer Berg: Mittwoch, den 21. Jamuar, pünktlich 7% Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62. Lichtbildervortrag: Quer durch England". Referent Genoffe Dr. Mar Hodann. Gäste willkommen. Eintrittspreis 30 Bf. Rarten noch an der Raffe. Heute, Dienstag, den 20. Januar: 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr Funktionärversammlung im Lokal Linde, Friedrich Karl, Ede Werderstraße. Die Stadt- und Bezirksverordneten haben aut erscheinen. Jungfozialisten. Gruppe Tempelhof: Diskussionsabend:„ Staat und Politit" pünktlich 7½ Uhr. 8. Morgen, Mittwoch, den 21. Januar: t. 7 Uhr Borstandssitung bei Ridert, Steinmegstr. 36a. 28. Abt. 7 Uhr Choriner Str. 49, Vortrag des Geneffen Jacobsohn:„ Cr siehungsfragen" 49. Abt. Schwerhörigengruppe. 7 Uhr im Jugendheim Bindenfte. 3, 2. Sof, 3 Tr., Bersammlung, zu der alle schwerhörigen Genoffen, Gewerkschaftler und Vorwärts"-Lefer freundlichst eingeladen find. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 20. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 6.40-7.30 Uhr abends; Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungs4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). kurse). Literatur und Kunst. 6.40 Uhr abends: Professor Colson: Französische Literaturgeschichte"( in französischer Sprache). 7.10 Uhr abends: Theodor Kappstein: Deutsche Klassiker". 2. Vortrag: Goethe, I. Teil. Die Persönlichkeit". 7.30 Uhr abends: Vortrag Kriminal- Oberinspektor Boese: Geldknappheit und ihre Einwirkung auf strafbare Handlungen"." 8 Uhr abends: Theaterfunk( Theodor Kappstein). 8.30 Uhr abends: Abendkonzert. Freude, Schiller( Alfred Braun. Rezitation). 2. Konzert D- Dur. 1. a) Zueignung, Goethe, b) Prometheus, Goethe, c) An die N. Paganini( Dr. Karl Brückner, Violine). 3. a) Arie der Königin der Nacht, aus der Oper Die Zauberflöte", Mozart, b) Nachtigallenarie, aus den Vögeln", Braunfels( Sabine Meyen, Sopran), 4. a) Ein Pilgrim, C. F. Meyer, b) Abendlied, M. Claudius( Alfred Braun). 5. Arie der Zerbinetta, aus der Oper, Ariadne auf Naxos", R. Strauß( Sabine Meyen). 6. a) Zigeunerweisen, Sarasate, b) Andante aus dem Violinkonzert. Mendelssohn- Bartholdy, c) Tambourin chinois, Kreisler( Karl Brückner). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichton, Theaterdienst. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsteie: Berfin G 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tz. Kameradschaft Sichtenberg nebst Untergruppen: Dienstag, ben 20. Januar, abends 7 Uhr, erweiterte Borstandssigung bei Krüger, 3 Türrschmidtstr. 33. Mittwoch, den 21. Januar, abends 7½ Uhr, Turnabend in Kameradschaft Königswusterhansen. Mittwoch, den 21. Januar, abends 7½ Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal Clank, Restaurant Rum Funterberg", Königswusterhausen, Berliner Straße 17. Tagesordnung: Ein Jahr Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Sympathifierende Republikaner find freundlichst eingeladen. Rameraden, Mitgliedskarte mitbringen. Kamerabschaft Rehlendorf: Dienstag, den 20. Januar, abends 8 Uhr, in der Turnhalle Nordschule Zehlendorf, Potsdamer Straße, Turn, Sport- und Rörperkulturabend. Abwehrleiter und Gruppenführer müffen anwesend fein. Teilnahmeberechtigt jeder, auch paffive Mitglieder. Mittwoch, den 21., abends, Teilnahme an der Reichsgründungsfeier der DDP. im Lindenpark. Bedeutend ermäßigter Eintritt gegen Vorzeigung des Ausweises. Kameradschaft Bantow: Mittwoch, den 21. Januar, Gründungsverfammlung in Blankenburg, Restaurant Klug, Dorffit. 2. Die Ramerabschaft Bankow tritt mit fämtlichen Untergruppen zu dieser Versammlung um 6% Uhr in Pantow, Breite Str. 14, an. der Turnhalle der Gemeindeschule Lückstraße. Bolts- Feuerbestattungs- Berein Groß- Berlin.( 16. Distrit, Tempelhof, Mariendorf, Marienfelbe, Lichtenrade, Mahlow.) Donnerstag, 22. Januar, abends 7 Uhr, in Mariendorf, Aula der 2. Gemeindeschule, Königstraße 32, Wahlversammlung. Mitgliedstarte Tegitimiert. Arbeiter- Abstinentenband, Gruppe Mitte. Am 22. Januar, 8 Uhr, Gips. straße 23a, Arbeitsabend( Genosse Drucker), Berein der Freibenker für Feuerbestattung 3. Bezirk. Dienstag, den 20. Januar, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Aula des BeffingGymnasiums, Banfftr. 18. Bortrag des Genoffen Adolf Hoffmann über„ Wie Schilkt fich der Freidenter vor der Hölle". Reichshund ber Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Schöneberg. Am Dienstag, den 20. Januar, abends 8 Uhr, in der Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstraße, Generalversammlung. Vortrag über Fürsorge. Borstandswahl. Berliner Verein für Schulgefundheitspflege, Gigung am Dienstag, den 20. Januar, abends 18 Uhr, im Hörsaal der Universitäts- kinderklinit, Charite, Schumannstr. 13. Dr. Gumpert:„ Geschlechtskrankheiten im Rindesalter". Gäste willkommen. Kranken- und Sterbekasse für das Deutsche Reich, Rahlstelle Rieberschöneweibe Jehannisthal. Jahresmitgliederversammlung em Mittwoch, den 28. Ja nuar, nachmittags 5 Uhr, im Restaurant Bürgergarten in Johannisthal. Sport. Das 13. Sechstagerennen. Ban Kempen- Sawall behalten die Führung! Auch der Montag nachmittag brachte feine„ Sensationen". Bon den sechs Spurts der 5- Uhr- Nachmittagwertung holten sich Aerts und van Kempen je drei Siegerplätze. Das Spurtergebnis der 5- Uhr- Nachmittagswertung. 1. Spurt: Aerts, Tietz, Lewanow, Rizetto. 2. Spurt: Van Kempen, Hahn, Egg, Techmer. 3. Spurt: Aerts, Lewanow, Krupkat, Tieg. 4. Spurt: Ban Kempen, Egg, Rütt, Lorenz. 5. Spurt: Aerts, Saldow, Kohl, Tiez. 6. Spurt: Van Kem= pen, Stellbrink, Bauer, Rütt. Nach der 5- Uhr- Wertung liegen van Rempen- Samall mit 172 unften an der Spize. Es folgen Rütt- Aerts mit 136 Punkten, Hahn- Ostar Tieh mit 109 Bunften, Lewanow- Bauer 57 Punkte, Saldom- Lorenz 51 Punkte, Egg- Kruptat 45 Punfte, Rohi 4 Punkte. Mit einer Runde zurück folgen Giorgetti Grenda- Mac Beath 34 Punkte, Brocco- Miquel 7 Punkte, HuschteRizetto 36 Punkte, 17 Bunfte. Zwei Runden zurüd, an letzter Stelle Golle- Manthey Stabe- Techymer 20 Punkte, Stellbrink- Koch mit 38 Punkten. In der 10 Uhr- Nachtwertung. 9 war van Kempen wiederum der Held der Wertung. 1. Spurt: Van Kempen, Mac Beath, Lorenz, Egg. 2. Spurt: Lema. now, Aerts, Sawall, Tiez. 3. Spurt: Ban Kempen, Hahn, Stellbrin?, Huschte. 4. Spurt: Aerts, Gawall, Tiez, Giorgetti 5. Spurt: Ban Kempen, Rütt, Egg, Techmer. 6. Spurt: Giorgetti, Tieß, Aerts, Lewanow. M Der Stand des Rennens nach der 10- Uhr Nachtwertung: Ban Kempen Sawall 192, Rütt- Alerts 149, Hahn- Tietz 118 Lewanow- Bauer 63, Saldow- Lorenz 53, Egg- Krupfat 48, Grenda Mac Beath 37, Brocco- Miquel 7, Huschke- Kohl 5. 1 Runde zu. rid: Giorgetti- Rizetto 42, Stabe- Techmer 21, Stellbrint- Roch 19, 2 Runden zurüd Golle- Manthey 38 Punkte. Wirtschaft Unerwartet hohe Reichseinnahmen. Wenn der Voranschlag des Reichshaushalts über die Finanzgebarung der deutschen Republik entscheiden dürfte, brauchte die Republik in dem laufenden Steuerjahr, das mit dem 31. März 1925 abschließt, feine Steuern zu erheben. Wir fämen somit in den Genuß eines steuerfreien Quartals, denn tatsächlich sind in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1924, also in neun Monaten, 5 293 037 291 Reichsmart eingegangen, während der Voranschlag mur 5 243 747 035 Reichsmark vorsteht. Für die kommende Steuerreform ist es sehr interessant, sich ein Bild über die einzelnen Posten des Ausweises zu machen. Die Einnahmen betragen: Dezember 1. 4. 24 bis Boranschlag für das gei. laufende Rechnungsjahr 1924 Gesamteinnahmen. 635055 devon: 9 fortdauernde Steuern. 469 052 einmalige Steuern. verpfändete Zölle und Verbrauchssteuern andere Zölle und Verbrauchssteuern • 31.12.24 ( in tausend Reichsmart) 5 293 037 7789 4146 904 65 307 146 230 990 443 • 83 405 11 478 5 248 747 4108 000 1 017 000 82 700 Aus der Zusammenstellung geht hervor, daß die sogenannten dauernden und einmaligen Steuern eine gewisse Abnahme zeigen, während vor allen Dingen sich bei den 3öllen und Verbrauchssteuern, die ja verpfändet sind, eine merkbare 3unahme fonstatieren läßt. Wir geben die einzelnen Steigerungen in folgender Aufstellung wieder: Hölle Tabaksteuer Biersteuer Budersteuer 36148 230 123 365 299 49152 12 574 146 409 28719 159 269 89 341 160 000 360 000 126 000. 231 000 140 000 Branntweinmonopol. 19 639 Der glänzende Abschluß bei den Reichseinnahmen ist in erster Linie auf die Einkommen und die Umsatzsteuer zurückzuführen. Die Entwicklung der Einkommensteuer gestaltet sich wie fulgt: Boranschlag für das laufende Rechnungsjahr Dezember 1. 4. 24 bis 1924 126 819 1 614 Lohnabzug. Steuerabzug b. Kapital ertrag. andere Einkommensteuer 59 316 31. 12. 24 ( in tausend Reichsmart) 855 378 9 008 636 385 1 844 000 Diese Entwicklung überrascht. Bekanntlich ist für die Lohn abzugssteuer die Ermäßigung durch die letzte Steuerreform ein getreten. Trotzdem steigert sich die Einnahme um rund 7 Millionen. Man fann aus dieser Tatsache auf eine nicht unwesentliche Mehrbeschäftigung und auf eine Belebung des Arbeitsmarktes schließen. Demgegenüber wäre die Herabminde rung der anderen Einkommensteuern zu betonen, für die sich die bekannten Ermäßigungen nach der Steuerreform wohl geltend gemacht haben. Für die Umsatzsteuer gestalteten sich die Einnahmen wie folgt: Dezember 1. 4. 24 bis Boranschlag für das laufende Rechnungsjahr algem. Umfassteuer. Lugussteuer 1924 140 253 11147 81. 12. 24 ( in tausend Reichsmart) 1353 757 85205 1 260 000 180 000 Gegenüber November ist sowohl in der allgemeinen als auch in der erhöhten( Lurus-) Steuer eine nicht unwesentliche Berminderung eingetreten, jedoch wird dadurch an dem Gesamtergebnis nichts geändert. Die Einkommensteuer bringt allein von dem Gesamtresultat des laufenden Steuerjahres in Höhe von 5,2 Milliarden 1,5 milliarden( davon Lohnabzug altein 833 Millionen) und die I m fagsteuer 1,4 milliarden ein. Bei der Einkommensteuer wird aber der Voranschlag um Freitag abend 6 Uhr verstarb nach schwerem Leiden unser Chef, der Fabrikant Paul Voigt im 59. Lebensjahre. Ein Mann von vornehmer Gesinnung, korrekt im Denken und Handeln. Ehre seinem Andenken. Das Personal d- Firmenschilderfabrik Paul Voigt Beisetzung heute Dienstag, 1%, Uhr nachmittags, Krematorium Wilmersdorf. 506b Metallbetten Stahlmatratzen mehr als 250 Millionen überschritten. Es ist selbstverständlich, daß| Dant feiner Monopolstellung nahm es vor dem Kriege im Ausland diese Ziffern, die von einer ganz gewaltigen Ueberspannung höhere Preise als im Inland. Trotz des Verlustes großer Teile der Steuer sprechen und eine sehr ernste Sprache reden, bei der sich in Vorbereitung befindlichen Steuerreform weitgehend be rücksichtigt werden. Das Gold als internationaler Wertmesser. Ueber die Wiederherstellung des Goldes als internationaler Wertmesser sprach der bekannte schwedische Währungstheoretiker Professor Dr. Gustav Cassel auf der Tagung der Privatbantiers in Dresden: Es ist eine Tatsache, daß die Welt das Endziel aller Balutabestrebungen in einer allgemeinen Wiederherstellung des Goldes als internationaler Wert standard sieht. Auch bei der Goldwäh rung müsse aber die Valuta ganz wie eine Papierwährung täglich und stündlich mit einer Valutapolitit verteidigt werden, die durch hinreichende Knappheit der Zahlungsmittel die Kauftraft der Währungseinheit stabilisiere. Das Mittel hierfür bestehe in einer zwangsweisen Regulierung der Bor schußbedingungen der Banken, die immer so streng sein müssen, daß sie den Kapitalsuchenden die Lust entnehmen, Kapitalansprüche zu stellen. Europa fönne bei der Gestaltung feiner Balutapolitik davon ausgehen, daß der Wert des Dollar unge fähr auf seiner jetzigen Höhe gehalten werde. Gegenwärtig sei der Dollar in Europa unterbewertet, infolge der großen amerikanischen Kreditgewährung an Europa. Ein solcher Wechselkurs fei teine zu verlässige Grundlage für die Wiederherstellung der Goldparität euro Fiäscher Währungen, die vielmehr auf einer wirklichen Kaufkraft parität ruhen müsse. Für eine allgemeine Wiederhersteliung der Goldwährung in Europa sei es wünschenswert, wenn das Pfund Sterling wieder auf Goldbasis gebracht werde, aber auch andere Länder können, ohne diesen Schritt abzuwarten, selbständig zur Goldwährung zurückkehren. Der wichtigste Faktor auf dem Goldmarkt jei gegenwärtig der Großgeldbedarf der deutschen Reichsbant. Wenn dieser Goldbedarf nicht in angemessener Weise beschränkt werde, werde der Anfang zur Goldwährung für andere Länder unnötigerweise erschwert. Industrielle Organisation und Außenhandel. In anschaulicher Weise schilderte am vergangenen Freitag in der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft" Prof. Dr. Wiedenfeld von der Leipziger Universität die Gefahren, die dem deutschen Außenhandel aus einer industriellen Ueberorganisation erwachsen. Im ersten Teile war das Referat eine Auseinanderfegung mit den Bestrebungen der deutschen Industrie, durch Angliederung umfangreicher Handelsorgane den Absatz ihrer Fabrikate selbst in die Hand zu nehmen. Diese Maßnahmen haben zur Berdrängung des eigentlichen Außenhandels start mitgewirkt, ohne jedoch zur Anknüpfung zerrissener Fäden. geschweige denn zur Neuerschließung von Absatzgebieten viel beizutragen. Denn von den 3 Unterlagen des selbständigen Handels hatte die Industrie der Nachkriegszeit nur eine übernommen und auch diese nur mittelbar. Das war die früher sprichwörtliche Rapitalfraft des Handels, die ihm sogar zum Kreditträger der Industrie machte. Heute hält sich die Industrie in Form von Wechseldistontierungen in großem Umfange an die Kapitalreservoire der Banken und auch der Handel ist auf sie angewiesen. Nicht übernehmen fonnte aber die Nachkriegsindustrie die Kenntnis von Land und Leuten, der Psychologie des Auslandsläufers, wie sie nach jahr zehntelangen Erfahrungen der Handel zweifellos besaß. Sie fonnte die Elastizität des Exporthandels in der zufriedenstellenden Bedarfsbefriedigung fremder Länder nicht besigen, schon weil sie als Abfeher eines Spezialfabrikates auf schmaler Basis stand. Ganz aber fehlte der Industrie die Hauptstüße des Handels, feine Beweg lichkeit und Initiative, zu der er durch Uebernahme großen Risikos gezwungen war. Denn in der langen Kette der vertikalen Industrie- Organisation war das letzte Glied, das Abfatzorgan, recht unselbständig und daher unbeweglich geworden. Für Geschäftsverbindung und Preisgeftaltung in neu zu erschließenden Abfahgebieten blieb doch die Rifitofreudigkeit des Handels entscheidend. Nach welchen Gesichtspunkten ist num die Preisgeftat. tung im Außenhandel orientiert? Sie entbehrte ganz der einheit lichen Linie und stellte ein Hin- und- Her zwischen leberpreisen und Schleuderpreisen dar. Straffe Preispolitik herrschte nur bei den fartellierten Industrien, ohn daß sie deshalb immer die richtige war. Typisches Beispiel ist dafür das Kalifŋnditat. Nachruf! Am 14. Januar verstarb plöglich unser hochverehrter Chef, Herr Ordnerschaft der Volksbühne. Hiermit die traurige Mittellung, daß unser Kollege Direktor F. H. Meißner. Fritz Hinsche Wir verlieren in ihm einen rechtlich denkenden und handelnden Bor gesezten, der stets für uns ein warmes Herz hatte. Sein Andenken wird uns unvergessen bleiben. Die gewerblichen Angestellten des Zoolog. Gartens, Berlin. Spezialbehandl. Hur für Ischias geftorben ist. Die Einäscherung findet am Mitt woch, d. 21, nachm. 4½ Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Danksagung Die Hinterbliebenen des Kanzleiaffiftenten Richard Schlegel in Hüft., Gesäß and Bein, wenn fagen auf diesem Wege für alle die zahl ärztl. festgestellt, reichen Beweise der Teilnahme bet beffen In 15 Tagen sind Sinscheiden ihren warm empfundenen Dant. schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. Berlin, den 15. Januar 1925. Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. 1. Maß, Bolsterauft., Metallb. a. Briv. Günft Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. 85/10 In tiefer Trauer: Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Beding.Rat.30Afrei Eisenmöbelf.Suhl.Thür. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby. Antonie Schlegel und Söhne. Leiterwagen n. alle ander. Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Kein Ladengeschäft. 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Die bis ins Extrem gesteigerte Kapitalinvestierung in dieser Industrie vor dem Kriege, auf Grund der hohen Gewinnquote seiner Monopolstellung, hat einen bösen Rüdichlag zur Folge gehabt. Den umgekehrten Weg wie das Kalisyndikat schlugen niedrige Auslands- und hohe Inlands preise wareu fast alle übrigen straffen Syndikate vor dem Kriege ein. durchaus üblich. Das ging soweit, daß deutsche Fertigindustrien im kauf deutscher Rohstoffe zu billigen Preisen konkurrenzfähiger war, Auslande ihre Halbfabritate bezogen, weil das Ausland durch Einals die Industrie im eigenen Lande, die für dieselben Rohstoffe mehr bezahlen mußte. An verbilligtem Rohstofferport nach dem Ausland kann uns heute nichts mehr liegen. Wir sind, bei einer starken gelernten Arbeiterbevölkerung, in einem im Verhältnis zu seiner Produktionsfähigkeit übervölkerten Lande, auf umfangreiche Ber edelungsprozesse am Produkte angewiesen und müffen uns die Exportsteigerung der Fertigindustrie in erster Linie angelegen sein laffen. Deshalb muß der Staat bei den Handelsverträgen recht vorsichtig zu Werke gehen und alle die Fertigindustrie hemmenden Zollmauern, denn Schutzzoll ist Breiselement, fortlassen. Die Industrie aber muß bei äußerster Breistaltulation Abfehr von zu fchematischen Bertikal gliederungen, unter Heranziehung des felbständigen Exporthandels, an die Wiedergewinnung verlorener Abjaggebiete herangehen. Die Deutschen Werke" verkaufen zu billig. Immer häufiger greift die Privatindustrie die Gesellschaft Deutsche Berte" an, die sich bekanntlich hauptsächlich im Besitz des Deutschen Reiches befindet. Die Anklage der Privatindustrie gegen die Deutschen Werte" ist, daß diese ihre Waren zu billig verkaufen und dadurch der Privatindustrie eine ungebührliche Konkurrenz machen. Die Leitung der Deutschen Werfe" begründet die billigen Preise durch drei Umstände: Sie haben die Standardisierung der Waren weitgehend gefördert und beabsichtigen, fünftighin nur einen Wagen und Motor radtyp zu bauen, was zur Senkung der Herstellungskosten beiträgt. 3weitens: es gelang ihnen, die unverhältnismäßig hohen Gewinne der 3 wischenhändler einzuschränken. Drittens, und hier liegt der springende Bunft für die Erbitterung der Privatindustrie, wollen fich die Deutschen Werke" auch mit einem geringen Unternehmergewinn begnügen. Die Privatindustrie behauptet demgegenüber, daß die Deutschen Werte" infolge ihrer Verbindung mit dem Reich mit billigerem Kredit arbeiten als die Brivatindustrie, eine Tatsache, die nicht nachgeprüft werden kann. Merkwürdig mutet es aber an, wenn die Deutsche Bergwerkszeitung", nachdem sie feststellt, daß im Jahre 1923 durch die Gründung der Viag"( die Dachgesellschaft für die staatlichen Unternehmungen) das Kabinett Cuno die erste große Sozialisierung in Deutschland vorgenommen habe, über die Deutschen Werte" folgendes behauptet:" Der Umstand, daß der alleinige Aktionär der Deutschen Werke" in letter Linie das Deutsche Reich ist, erleichtert zweifellos bei manchen Dispositionen die Entschlußfreudigkeit." Bisher hieß es doch in Unternehmerkreisen immer, daß die Sozialisierung in erster Linie deshalb verwerflich sei, weil infolge des bureaukratischen Apparats der sozialisierten Betriebe diese in ihrer raschen Entschlußfähigkeit gehemmt sind. Es ist uns recht angenehm, daß nun von maßgebender Seite die Irrtümlichkeit dieses Arguments eingeftanden wird. Sowjefrußland als Marinelleferant Frankreichs. Das ruffife Naphthasyndikat hat eine Lieferung von 75000 Tonnen Raphthaprodukten an das franzöfifche Marineministerium abgeschlossen. Dazu erklärte der Vorigende des Naphthafinditats Lomoff einem Vertreter der Russlichen Telegrapben- Agentur, daß diefer erste birefte Abschluß mit der französischen Regierung für das Syndikat von der größten Bedeutung fei, und daß man die Hoffnung Hegen fönne, daß Frankreichs Naphthaverforgung aus den Quellen ber Sowjetunion von Daner fein würde. In Mostaner Wirtschaftsfreisen ist, der Ruff. Telegr.- Agentur zufolge, der Vertrag des Raphthasyndikats mit dem französischen Marineministerium mit größter Befriedigung aufgenommen worden, und man fiebt dort der Entwidlung des Naphthaerportes nach Frankreich mit großem Optimismus entgegen. ))))) 81 Aus Dr. Unblutigs Praxis. 1. Aufbewahren! Fortsetzung folgt! Hier Dr. Unblutig!" Hier die Zofe von Madelaine Pedesudatio!" Die berühmte Filmkünstlerin?" Jawohl. Das gnädige Fräulein last Herra Doktor bitten, doch sofort zu kommen. Sie hatte einen Hühneraugen- Operateur ersucht, Ihr ein Hühnerauge zu schneiden, und das scheint etwas zu tief gegangen zu sein, denn es blutet, und blutige Ereignisse kann das gnädige Fräulein aur im Film mit ansehen. Sie ist ohnmächtig. Das kommt davon, wenn Laien operieren. Kukirolen soll sie! Ich komme sofort. Bis dahin lassen Sie aus der nächsten Apotheke oder Drogerie folgendes besorgen. Notieren Sie bitte! Erstens eine Packung des wohltuenden Kukirol- Fußbades. Das sollte man überhaupt immer im Hause baben, wenn man einen so duftigen Namen hat, wie Fräulein Pedesudatio. Für das erste Fußbad genügt eine Packung für 30 Pfennig, die größere kostet 50 Pfennig. Das wohl tuende Kukirol- Fußbad wirkt desinfizierend, muskel- und nervenstärkend, verhütet Obermäßigen Fußschweiß, Brennen und Wundlaufen. Was sagen Sie? ChromsäureFußbäder hat das Fräulein bisher angewandt? Sind Sie denn des Teufels? Sind Sie der Arzt, oder bin ich es? Chromsäure, die allerdings leider vielfach als Fuffed angepriesen wird, beseitigt allerdings den Fußschweiß, aber nur dadurch, daß sle die Schweißdrüsen zerstört. Lassen Sie sich also nicht etwa einfallen, ein Fußbad zu benutzen, das Chromsäure enthält, sondern nehmen Sie nur das echte KukirolFußbad. Zweitens besorgen Sie eine Packung Kukirol- Streupuder. Das Fußbad wendet man abends und den Streupuder morgens an. Er macht die Haut so glatt und fein wie Elfenbein, und während das Fußbad die Füße abends warm hält und deshalb besonders bei Schlaflosigkeit zu empfehlen ist, die vielfach allein von kalten Füßen herrührt, wirkt der Streupuder in derselben Weise während des Tages. Leute mit Fußschweiß sind immer sehr der Gefahr einer Erkältung ausgesetzt. Und drittens besorgen Sie eine Schachtel des ärztlich empfohlenen, in vielen Millionen Fällen bewährten Kukirol- Hühneraugen- Pflasters. Damit entfernen wir die#brigen Hühneraugen unblutig, schmerzlos und gefahrlos. Die ganze KukirolKur, bestehend aus den vorerwähnten 3 Kukirol- Präparaten, kostet nur 2 Reichs. mark. Achten Sie aber genau auf den Namen Kukirol und die Schutzmarke , Hahnenkopf mit Fuß". In 5 Minuten bin ich dort. Schluß. Unsere, unter ärztlicher Leitung stehende Wissenschafdiche Abtellung erteilt gegen Rückporto kostenlos Rat und Auskunft über alle die Fußpflege und Fuß felden betreffenden Fragen. Außerdem senden wir Ihnen auf Verlangen eine lehr relehe Druckschrift über die Notwendigkeit der Fußpflege. Kukirol- Fabrik Groß- Salze 182 bei Magdeburg. GU Arbeiter- Sport Der Skisprung. Nichts gleicht als Vorübung für den Stisport dem Gelände fprung. Wenn wir auf der Abfahrt vor uns ein fleines Hindernis sehen, fo können wir entweder ausweichen oder, falls es nicht zu hoch und zu breit ist, überspringen. Dieser Geländesprung ist, systematisch erlernt, gar nicht einmal allzu schwer, es gehört mur eine gewisse Ausdauer dazu. Wir unterscheiden den Sprung auf der Flachen und den Loopingsprung. Mit ersteren überqueren wir irgend ein beliebiges Hindernis, daß uns in den Weg fommt, der zweite benugt einen fleinen Hügel und nähert sich damit schon dem gestandenen Sprunge. Den Sprung ohne Hügel lernt man am besten folgendermaßen: Man beginne die Uebung am sanft geneigten Hang, und zeichne sich zuerst die Entfernungen, die man springen will, mit Strichen an. Je schneller die Fahrt, desto früher der Sprunganjak, desto weiter und höher der Sprung. Borbedingung dafür ist es allerdings, daß man die Stier stets zusammenhält und Darauf achtet, daß Spizen und Enden der Schneeschuhe sich immer in gleicher Lage befinden. Man geht durch Niederducken in die Hocke und schnellt den ganzen Körper bei gleichzeitigem Anziehen der Beine in die Luft. Hat man den Weitsprung über Striche gut inne, so werfe man einen fleinen Graben aus, den man nach Bedarf verbreitern fann. Erst dann beginne man mit dem Höhensprung, der fehr viel schwieriger ist. Die Höhe wird am besten durch Hölzer markiert, über die eine Schnur gelegt wird. Man beachte dabei, daß man beim Weitsprung hauptsächlich den Körper nach vorwärts schleudert, während man beim Hochsprung die Füße gut anziehen muß. Es folgen dann die Kombinationen und die Sprünge über wirkliche Hindernisse. Ist man darin genügend ausgebildet, so suche man sich einen jogenannten oopingbügel. Diesen finden wir leicht in einer Bodenwelle am Hang, die wir leicht noch verbessern fönnen. Ist so etwas aber überhaupt nicht aufzufinden, so greifen wir zum Spaten und bauen uns selbst einen fleinen Hügel. Dazu werfen wir eine fleine Erhebung auf, mit leicht gehöhlter und aufwärts strebender Kante, die je nach Geschmack verschärft werden kann. Die Aufwärtsbiegung der Kante gibt dem Läufer den Auftrieb in geringem Maße, den er sich sonst erst durch Hochschnellen erwerben muß. Dadurch ist eine fast völlige Konzentration auf die Entfernung möglich. Diese Sprungart ähnelt schon etwas dem gestandenen Sprung und unterscheidet sich vom Sprung ohne Hügel dadurch, daß er nicht in der Hode, sondern gestanden ausgeführt wird. In aufrecht freier Haltung nimmt man die Abfahrt und geht wenige Meter vor dem Hügel in die Hocke. In dem Augenblid, wo die Schneeschuhspitzen über die Kante des Hügels schauen, richtet man sich ganz scharf und plötzlich wieder auf. Dadurch gibt man dem Körper Fahrt genug, um in einem sanft ansteigenden Bogen durch die Luft getragen zu werden. Dies ist tatsächlich die beste llebung für den Sprung an der großen Schanze, denn man lernt hier zwangsweise etwas, was man nachher unbedingt braucht, nämlich das Borlehnen". Die Fahrt über den Loopinghügel, menn er groß genug ist, wirft den Körper schräg nach oben, das heißt, der über seinen Stieren ziemlich sentrencht stehende Läufer ist mit dem Körper zur Absprungfläche geneigt. Die Auffprungfläche zeigt dazu einen Binkel von 20-30° nach unten. Daher hat sich der Läufer beim Sprung nach vorn zu lehnen, so daß Schneeschuhe und Körper haltung einen Winkel von 25-30° bilden. Dann muß er die Spitzen feiner Stier soweit nach unten drücken, daß diefelben eine wagerechte Lage zur Aufsprungfläche haben. Der Körper des Läufers tommt ja schon durch das Vorlehnen in fenfrechte Lage zur Auffprungfläche. Geht er nun noch beim Aufsprung mit einem Knie nach vorn, so erhält er eine Ahnung vom gestandenen Sprung. Erstes Werbeturnen der Altersriegen. 13 On der Zentralturnhalle Prinzenstraße gab es am Sonntag eine besondere Veranstaltung. Wo sonst die Jugend in scharfem Wettstreit ihre Kräfte mißt, waren diesmal die Väter und Großpäter versammelt, und sie zeigten nicht nur recht gute Leistungen, sondern brachten auch die zahlreichen Zuschauer in eine außerordentlich fröhliche Turnerstimmung. Während bei der Jugend die zu schauer mit ernster und gespannter Aufmerksamkeit die Kämpfe um ben Sieg der Besten verfolgten, war es bei den Alten die frohe gesellige Harmonie, die alle Gäste in ihren Bann zog. Einleitend lag freilich noch eine ernste Feierlichkeit über dem Ganzen, als über 200 Turner in blizenden langen weißen Hosen fast die ganze große Halle füllten und das Lied der alten Riege" durch den Saal schallte. In warmen Worten begrüßte Kreisturnwart Zeiß die Gäste und Turner. Das heutige Turnen solle die alten Freunde wieder zu Jammenführen, aber auch werbend in der Deffentlichkeit wirfen, benn es gibt keinen besseren Beweis für die Nüglichkeit des Turnens als die heutige Teilnahme der 50- bis 70jährigen in voller Rüftigkeit und mit der Freude der Jungen. Dann folgten die Freiübungen In recht guter Ausführung, troydem sie vorher wenig geübt werden Konnten. Das allgemeine Riegen- und Kürturnen zeigte die Alten in ihrem Element und brachte, den Anfang fröhlicher Stimmung. uf der Galerie passen die Frauen gut auf, ob die llebungen bei hrer besseren Hälfte gut flappen, und einer kleiner Knirps ruft Nach seinem Vater, was allgemeine Heiterfeit auslöst. Nun folgten vier Sonderriegen( eine am Pferd, eine Gipfelriege der Jungen" am Red, eine Barrenriege der über 50jährigen und der FTGB.Wedding). Den Höhepunkt des Festes bildeten die nun folgenden Spiele, die das ganze Auditorium in die fröhlichste Stimmung brachten. Das„ Komißbrotwerfen" und" Fuchsprellen" brachte aber auch zu lustige Momente, und wenn die schweren Jungen“ mit 2-2% Zentnern wie ein Spielball durch die Luft flogen, dann blieb fein Auge trocken. Noch vergnügter wurde es freilich, als der Sport" an die Reihe fam. Da gab es Reiterstafetten zu sehen, die die Jungen gar nicht in dieser Vorzüglichkeit vorführen tönnen. Die armen Pferde hatten oft ihre Not, um die schweren Reiter im Galopp auf die andere Seite zu bringen, und dann gab es obendrein Hiebe, wenn die Pferde störrisch wurden, begleitet von Lachsalven, die die alte würdige Turnhalle sonst gar nicht gewöhnt ist. Nicht weniger fröhlich ging es bei dem Tauziehen zu, bei dem die über 60jährigen den Anfang machten, und das den Abschluß des Abends bildete. Abschließend fann gesagt werden, daß das Schauturnen ein guter Erfolg war und seine Werbekraft auf weite Kreise nicht verfehlen dürfte. " Nach dem Schauturnen folgte ein Rommers im GemertIchaftshaus mit guten Darbietungen und einem Konzert der Turnertapelle der Neuköllner. Gut gelungene lebende Bilder vom Turnbetrieb fanden lebhaften Beifall, ebenso die prächtigen Frei übungen für das Olympia in Frankfurt, rhythmische Uebungen der Turnerimen, Tanzvorführungen, artistische Darbietungen, Pyramiden usm. In die Harmonie des Abends brachte leider ein von Biomalz as desh Fichte Jugendlichen gestelltes tommunistisches It- Trio eine unliebsame Störung. Sie hielten es zunächst für angebracht, den Bundesvorstand zu erwähnen, dem erst durch den Bundesausschuß gezeigt werden müsse, wie die Einigkeit" zu wahren sei. War dies schon von Fichte- Mitgliedern tattlos, da Fichte zurzeit noch außerhalb des Bundes steht, so zeigte diefes Trio nachher, daß es offenbar die Liesterei" auch nach dem Ausschluß desselben lustig fortsetzen will. Troh ausdrücklichen Verbots der Festleitung brachten sie ein ödes Tendenzfouplet gegen Schwarz- Rot- Gold zum Vortrag. 1918 hätte die Arbeiterschaft mit den Bürgerlichen furzen Prozeß machen sollen. Statt deffen hat sie sich unter der Fahne Schwarz- Rot- Gold mit den Bürgerlichen verbündet usw. So ging es ein Duzend Berse, und dann flogen die bekannten Rufe vom Mostrich durch den Saal. Hoffentlich haben die Altersriegeniurner in Zukunft die Möglichkeit und den festen Willen, diese Moskauer Albernheiten- wie bisher von ihren Veranstaltungen fernzuhalten. Der Fußballsport in Oesterreich. Streisbeitung fir 1985 pe 1. Streifes im Grotipalaft, Botsdamer Gt 22. Spielmannszug 1,50 M. und Bundesbeitrag filt 1925 pro Mitglied jedes Suges, 10 Bf., find mitzubringen. Die Spiellenfe der in der Rähe liegender Brudervereine der anderen Bezirke find zur Teilnahme hiermit eingeladen, Abmarsch vom Turnplag Reinidendorf 1 hr. Das Hallensportfest am 1. Februar. Das Sallensportfest verspricht nach den bisher eingelaufenen Melbungen alle Vorgänger zu übertreffen. Die Schwimmvereine haben faft reffios ge Eintritt bei Vorzeigung der Bundestarte( Januar abgestempelt). Bon des meldet. Das Eintrittsgeld aun Feit selbst beträgt 1 M., Jugendliche freien eingeladenen Bereinen aus dem Reiche haben zugesagt: Leipzig( Intereffene gemeinschaft für Leichtathletik, 4. Kreis, 1. Bezirk) 50 Teilnehmer: ASC., burg 50 Teilnehmer. Es werden für Gäste für eine Nacht Quartiere bes Leipzig( Soden)?; Stettin 20 Teilnehmer: Hannover 20; Burg und Magdenötigt. Der Borsigende oder Sportwart jedes Vereins oder jeder Abteilung fammelt fofort in seinem Bereich Quartiere mit Angabe, ob Sportler oder Sportlerin gewünscht wird, und fendet das Berzeichnis schnellstens an Otto Schulz, Berlin N. 40, At- Moabit 4-10. Bon hier aus erfolgt dann weitere Benach richtigung. Training im Sportpalaft. Nach eingeholfen Erfundigungen fann der Sportpalast am Dienstag und Freitag abend zum Training benugt werden. Es werden allerdings für Beleuchtung pro Lampe 16 Bf. für die Kilowattstunde gefordert. Empfehlenswert ist ein gemeinsames Training der Bereine. Treffpunkt Dienstags und Freitags ab 7 1hr Sportpalaft. Turnstätten der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. Bezirk Norden 1: Bezirk Süden: Turnhalle Boedhftr. 17-20. Turnhalle Graunstr. 12. Bezirk Norden: Turnhalle Schönfließer Bezirk Web. Straße 8. Bezirk Often: Turnhalle Straßmannftr. 6. Bezirk Südosten: ding: Turnhalle Bankstr. 18( Leffing- Gymnasium). Bezirk Besten: Turnhalle Turnhalle Reichenberger, Ede Forster Straße. Kulmite. 15( Dienstags) und Elsholaftr. 34-37( Donnerstags). Ale Bezirke haben Abteilungen für Männer, Turnerinnen, Jugendliche und Rinder. AusFunft Dienstags und Freitags von 8-10 Uhr in obigen Turnhallen. Der Berein betreibt urnen, Leichtathletik, wandern, Spiele usw. Die Arbeiter. fchaft, insbesondere die Jugend, wird zum Besuch unserer Uebungsabende eine geladen. Sportverein Moabit. Leichtathletik, Soden, Handball, Turnen. Männers, Uebungsabende: Montag 8-10 Uhr Frauen-, Jugend, Schülerabteilung. Schüler, 8-10 Uhr Männer. Jeden Mittwoch 28 Uhr, Sonntag 1610 Uhr Sugend, Dienstag 6-8 Uhr Schüler, 8-10 Uhr Frauen. Freitag 6-8 Uhr Mittwoch, den Waldlauf. Umkleideraum See, Ede Afrikanische Straße. 21. Januar, 8 Uhr, Gigung der Handballabteilung. Sur Vervollständigung der Donnerstag, den Männermannschaft werden noch Mitglieder aufgenommen. 22 Januar, 7 Uhr, Jahresgeneralversammlung bei Pilz, Rostoder Str. 27. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Geschäftsstelle: Erich, Richter, R. 21, Wiclefftr. 20. Berliner Arbeiter- Scachlub. In Weißenfee, Bistoriusste. 27, im Sofal von Weißensee ihren Gründungsabend ab. Freunde, des Schachspiels find herz lichst willkommen. Der bürgerliche Fußballsport befindet sich bekanntlich zurzeit in einer Krise, deren Ursache und Auswirkung von der Sportpreffe eifrig diskutiert wird. In Desterreich liegen die Verhältnisse insoweit eigenartig, als es dort einen gesonderten Arbeiterfußballsport nur in ganz geringem Umfange gibt. Die dem Fußball huldigende Arbeiterschaft wird daher in diesen Strudel mithineingezogen, so daß die Trennung der auf dem Boden des Arbeitersports stehenden Vereine von den Bürgerlichen und Professionals nur noch turze Zeit dauern dürfte. Hierbei spielen feinerlei politische Momente mit, sondern der Kampf geht gegen die bürgerliche Grund tendenz: Rekordsucht und damit verbundene Roheit des Spiels. Die„ Wiener Arbeiter- Zeitung" nimmt gegen den aller Kultur hohnsprechenden Tiefstand in schärfster Weise Stellung und berichtet: Innerhalb furzer Zeit ereignete sich nun der dritte Todesfall. Drei Liebehenschel, hält am Freitag, den 23. Januar, die naugsgründete Abteilung kraftstrozzende Proletarierleben fielen ihrer Sportleidenschaft zuin Opfer. Daneben aber häufen sich die bald leichteren, bald schweren Verlegungen von Spielern in erf. redendem Maße." Die Ursache liegt darin, daß die Sucht nach der Meisterschaft und nach dem Steg um jeden Preis jede Rücksichtnahme auf die Gesundheit und das Leben der Mitspieler vergessen läßt. Scharfe, draufgängerische Spieler werden von den Vereinen„ getauft", große Kosten entstehen hierdurch, die nur von siegreichen Vereinen gede ft werden können, weil nur sie die großen Massen der zahlenden Zuschauer an sich ziehen fönnen. So entstehen Zustände, die nach und nach den ganzen Fußballsport in Mißkredit bringen müssen. Die Wiener Arbeiterfußballer hielten nun fürzlich eine Bollversammlung ab, die sich mit diesen Uebelständen beschäftigte und in der einstimmig beschloffen wurde, die baldige Trennung vom bürgerlichen Fußballverband einzuleiten. Der Fußballsport muß ein Teil der sozialistischen Kultur werden und der allgemeinen Hebung der Volksgesundheit dienen, wenn er nicht dem vollkommenen Verfall entgegengehen soll. Gegen den bürgerlichen Geschäftssport und die Professionalmeisterschaften wurde in schärfster Weife Stellung genommen. Die Trennung vom bürgerlichen Sport dürfte bis zum Frühjahr vollzogene Tatsache sein. Diese Vorgänge erhalten noch dadurch ein allgemeines Interder Versuch untereffe, daß in Desterreich gleih in Rußland nommen wurde, den gesamten Sport in einem Universalverband zu organisieren. In beiden Fällen ist dieser Versuch mißglückt. Die tussischen Fußballspieler haben seinerzeit in Deutschland gezeigt, daß fie noch rein bürgerlich eingestellt sind, mußten sie doch ständig überwacht werden, damit sie teine Spielabkommen mit Bürgerlichen trafen, über die sie schon vorher von Rußland aus verhandelt hatten. In Desterreich wurde nach dem Kriege von den Arbeiter und Soldatenräten eine Organisation für Fußball begründet, der Bas", der seitdem in engster Verbindung mit der sozialistischen Bartei steht und dem die übergroße Mehrzahl der Sportler angehören. Dieser Bas" bildet mit den rein bürgerlichen Vereinen, ja segar mit den Berufsballern einen„ Einheitsbund". Nun ist die Ueberzeugung allgemein geworden, daß dieser Einheitsbund eine ihmere Gefahr für den proletarischen Sport bedeutet. Die Freie Sportwoche", das Sportorgan des Arbeiter Turn- und Sport bundes, nimmt zu dieser Frage Stellung und schreibt u. a.:„ Der Aufklärungsarbeit unferer Genossen ist schon manche Bresche ge fungen. Nunmehr scheint die Zeit heranzureifen, daß die große Mehrheit der österreichischen Fußballspieler die endgültige Trennung ven den Bürgerlichen vollziehen wird. Die österreichischen Berhält niffe enthalten aber auch viel Nachdenkliches für uns, denn im deutfchen bürgerlichen Lager sieht es bei der„ Liga" nicht viel besser cus. Aufgabe unserer Funktionäre und aller wirklich überzeugten Arbeitersportler muß es sein, den Fußballsport immer mehr zum Volkssport in unserem Sinne zu machen." Kartellverband Groß- Berlin. An die Mitglieder bes gefchäftsführenden Ausschusses! Infolge der zur seit schwebenden Berhandlungen. Fichte- Bundesvorstand des Arbeiter- Turn und Sportbundes( Zurücknahme des Ausschlusses), muß die nächste Ausschußfisuna fpäter stattfinden. Die Mitgliederversammlung findet ebenfalls ecft nach dem Kreistage der Turner flatt. In den einzelnen Rartellbezitten find fofort Bezirkskartellversammlungen einzuberufen. Es ift Stellung zu nehmen über Maßnahmen gegen nicht fartellbettragzahlende Bereine. Der Beitrag für Das 1. Quartal 1925 beträgt pro Mitglied über 17 Jahre 10 Bf. und ist bis zum 15. Februar en 5. Mekdorf, Charlottenburg, Schloßftr. 33, einzusenden. Ebenfalls ift die Organisierung des Zeitungsbezuges mit auf die Tagesordnung au feßen. An die Kartellvorligenden! Um feftaustellen, welche Bereine sich mit ben Rartellbeiträgen an den Verband im Rüd stand befinden, ist in der Arbeiter. Sport- Zeitung" die Aufstellung der Bereine, die im Jahre 1924 ganz oder nur teilweise ihre Beiträge eingesandt haben, veröffentlicht worden. Jeder Bezirks. Kartellvorligende ist verpflichtet, nunmehr in der nächsten Kartellverfammlung feines Bezirks an Hand dieser Lifte festzustellen, welche Bereine oder Abtei. Tungen noch teine oder nur teilweise Beiträge pro 1924 gezahlt haben. Diese Vereine sind fofort mit Angabe des Namens und der Adresse des Borkenden oder Raffierers an Robert Dehlschläger, Berlin N. 65, Hochstädter Str. 10, zu melden. Zu zahlen war 1924: das 1., 2. und 3. Bierteljahr mit( pro Mit glied über 17 Jahre) 10 Bf. Das 4. Bierteljahr war beitragsfrei. An die dem Kartellverband angeschlossenen Organisationen! Bom Jugendamt der Stadt Berlin ging mir folgendes Schreiben zu: Für eine im Auftrage des Serrn Oberbürgermeisters herzustellende Sportstatistik bitten wir um baldgefällige Serreichung eines Adressenverzeichniffes der Ihrem Verbande angeschloffenen Bereine. Es tommen jedoch nur Groß- Berliner Bereine in Betracht. Es wird deshalb ersucht, fofort sämtliche Abreffen der Vereine Schwimmer, Ruderer, Paddler, Ranufahrer, Segler, Radfahrer, Motorfahrer, Touristen Die Naturfreunde", Arbeiter- Wanderbund, Turner, Leichtathleten, Sodenspieler, Turnspieler, Boxer, Ringer, Heber, Jiu- Jitfuer, Artisten anzu geben. Danach foll jedenfalls die Anzahl der Vertreter im Stadtamt für Leibesübungen feftaelegt merden. Dehlschläger. An alle Spielmannszüge des 2. Bezirks( 1. Kreis)! Am Sonntag, den 1. Februar, vormittags 9 Uhr, findet in deur Turnerheim am Schäferfee" in Berlin- Reinidendorf- Oft die erfte Uebungsstunde der gesamten Spielleute des 2. Bezirks ftatt. Da das Berbot der Umzüge aufgehoben ift, fönnen die Spiel. vom Bahnhof mit Mufit zum Uebungsplan ziehen. Hebmasininde Besprechung über die Teilnahme an der Dinmpia in Frankfurt am Main. Nachdem Marsch mit Mufik duro) Berlin zum Sallensportfest bes Nach der Der Berliner Arbeiter- Schachflub eröffnet in ReuBIIn, Bannier. Straße 40, Ede Pflügerstraße, bei Kell, Donnerstag 7 Uhr, die dritte teilung. Awe Interessenten werden gebeten, zu erscheinen. Unterricht fostenTos. Lehrfurfus beginut Dienstag 18 Uhr bei Bonthin, Reuter-, Ede Boddine straße. Alle Schachgenossen der Abteilung Norden treffen fich pünktlich der neu gegründeten Abteilung Schillerpart. Die neu gegründete Schoc Donnerstag um 8 Uhr bei Rofenau, Transvaalstr. 6. zum Propagandasviet abteilung Schillerpark spielt jeden Doniterstag von 8-10 Uhr bei Gäste willkommen. Arbeiter, Angestellte, spielt Rosenau, Transvaalstr. 6. Schiach! Das Wafferballturnier der Arbeiterschwimmer findet am Donnerstag, den 22. Januar, abends 7 Uhr, in der Badeaustalt Krumme Straße( Charlottenbura), feine Fortfekung. Folgendes Brogramm gelangt zur Durchführung: . S. Charlottenburg- F. S. Stealik- Lichterfelde( Jugend); 2. F. G. StegTih- Lichterfelde- B. G. Union I( Männerflasie B): 3. Borwärts- Norden T- Nep tun- Lichtenberg( Jugend); 4. Neptun- Weißenfee- Borwärts- Lichtenberg( MännerPlafle A): 5. Männerspringen, Alaffe A( 6 Kürsprünge): 6. F. G. Rövenid 6. B. Müggelſee( Männerfiaffe B): 7. F. S. Neukolln i- Neptun- Weißensee I ( Jugend); 8. Delphin- Tegel- F. G. Charlottenburg( Männerfiaffe B); 9. F. S. Neukölln-. G. Charlottenburg( Männerklasse A). Die Eintrittspreise fund mäßig gehalten. 7 Freie Nuderer und Rannfahrer, 1. Areis. Mittwoch, den 21. Januas, Uhr. im Neuen Klubhaus, Ohnistr. 2, ordentlicher Kreisspartentag Tages ordnung: 1. Berichte. 2. Sportliche Beranstaltungen 1925. 3. Statutenänd rung und Anträge. Jiu- Jitsu- Lehrgang. Am Mittwoch, den 21. Sanuar, abends 8 Uhr, beginnt die Sportliche Bereinigung Nordost" in der Sporthalle Chriftburger Str. 7, unter Leituna der Jiu- Jitsu- Instrukteure Arüner und Günther, mit einer neuen Jiu- Riffu- Lehrgang fire Anfänger regelmäßig Mittwochs 8-10 Uhr. Dauer des Lehrganas 8 Wochen. Außer einem geringen Unkostenbeitrag wird feine Gebühr erhoben. Es werden die wichtigsten Selbstverteidiaumastrids des Original- Rano- Systems gelehrt. Da erste Aräfte des Jiu- Jitfu- Rompfes, mie B. Krawzak( deutscher Meister Leichter.), H. Steinke( deutscher Meifter erfwergew.), F. Sohl( mitteldeutscher Meister Sawergew.) u. a. m. mur Sitfu- Rampf aarantiert. Aufolge Beschränkung der Teilnehmerzahl ist balbige Anmelduna Montcas, Mittwochs oder Donnerstags erforderlich. Freier Replerbund, c. B. Der Wanderpreis des Bezirts Sen trum, um den sich am Sonntag 20 Dreiermannschaften mit fe 450 Ruoen bewarben, aing in die Sände des ERR. Bökow mit 2998 Holz über. Sweiter murde Schöneberg- Südwest mit 2967, dritter SAK. Lustige Brüder- W. mit Berfilmung stehen, ist auch eine fachgemäße Ausbilhung im sportlichen Siu ter. 2 Sols. Der bisherige Suhaber, Tha", wurde diesmal mit 2815 Sala filmf Wieber ein 1000- Rugel- Rampf. Unter großer Beteiligung tampiter am Sonntag im Realerheim Sufeland 7 bekannte Sportfeoler des Bezirks ( Frohfinn- Moonbit) wurde mit 7071 Sola erfter aeaen Rnsafowsin( Salte feft 1925) mit 6996 Hals. Durdfchnittliche Pomufzeit 84 Stunden. Weiten des FRV. um den Sieg in diefer landen Strede. Bezirksleiter Matthes Arbeiter Radio Alnb. Grunpe Genies Zor: Jehen Dienstaa, abends 8 Uhr, Arfammenbunit bei Delfin. Rövenider Str. 95. Gäfte willkommen. Kortellnerband Wedding, 3. Beairt. Am Montag, den 26. Januar, abends 74 Uhr, findet im Ledigenheim Schönstedtitrake, Rimmer 19, eine Kartell fikune fatt. Seder Berein und jede Abteilung muk unbedingt vertreten fein, Shahabteilrno Dithafen. Dienstaa, den 20. Januar. abends 8 Uhr. bei Rudolf Reller, Gokler, Ede Boffeftrake, Bortrag des Schachfreundes Webcieifen über Probleme. Gäfte herzlich wiltommen. Touristenverein Die Naturfrende". Werbefreis Rorben. Ru der im n fitut für Gerualforschung, In den Selten 9a, veranstalteten Bortracsreihe Gefchlechtsleben des Menschen" find Teilnehmerfarten am näen Bortragsabend, Donnerstag, den 22. Januar, noch zu haben. Beitrag 1,25 M. Beginn 8 2hr abends. Ruderverein Creoin", Charlottenburg, e. B.( Bootshaus an der Havel), nimmt noch einine Mitalieder auf. Gikung ieden Freitag 8% Uhr im Reftau Dienstag, den 27. Januar, rant Thunod, Charlottenburg, Mielenbite. 4. 8 Uhr, im Restaurant Thunad. Rorstarhssung. Turn- und Svartverein Fichte". Mittmoch, den 21. Samar, 7 Uhr. Ver. waltungsfommiffionshikung im Slubhaus, Ohmstraße. Von 9 Uhr ab Sigung Der Kreistagsdelenierten. Die Sikung am 22. Samuer fäTIt aus. Freie Turneridhaft Grok- Berlin. Freitag abend 7% Uhr Frauenausschu fisung in her Schule Petersburoer Ghe. 4. Freie Turneriait Wilmershorf. Am Donnersion, ben 22. Sonitor. viinit. Tich 148 Uhr, Forehung der Generalversammlung im Turnerheim ürttem bernifche. Ede Rähringer Strake. Ericheinen offer hitelfeber ift Bfficht. Arbeiter- Sportfub Boran, Niederschönhausen. Uebinosfunden nunmehe Dienstags und Freitas nan 8-10 Uhr abends in der 9. Gemeindefdule hes Bezirks Pantow, Riebericönhofen, Bismardite 11. Der Klub unterhalt folgende Ahteilmaen: Seben, Ringen, Boren. Ariftit und Siu- Jitin. In fämtlichen Abteihingen stehen dem Klub nur eriffaffiae Trainer sur Berfüamiq. Fußballresultate vom Sonntaa. Bezirk Norden: Memonnia- Teutonic 1: 2: Tamlow 08- Belten 2: 2: Nordiska- Serta 8: 0: Sania- Union 2: 0; TB. Rantom- helnetin 2: 2: Staaten- Sportverein 22 10: 0: Bernau-- Finte Gefinsbrunnen 3: 5: Wittenau- Raven 9: 0. Beair! Often: Lichtenhern IRontordia 4: 0: Oberinree- Tasmania 5: 0: Serta- Treptow 5: 4: imterheng, 9bt. 2- Lichtenbera. t. 3 3: 1: Svarta- Astoria 2: 2: Sparta- A- Frisch Frei 2: 1. Bezirk Südmeft: Ludenmalde 2- Woltersdorf 1: 0; RowawesRehlendorf 1: 2: PC. Moabit- Adler 12 1: 0. Rreistaoshelenierte der Bafferivortvereine. Nam Gm er Sonnabend tapuna( sirka 8% Uhr) findet eine turze Soqung der offersportsnarte fott, mozu ieder Delegierte verpflichtet ist, au ericheinen. Sämtliche italicher des Bezirksvoriondes( einschließlich Grunnenleiter), aud menn diese nicht als Kreistagsdelegierte anwesend sind, müssen unbedingt erfcheinen. Aus der Partei. Das zweite Januarheft der Gemeinde" enthält Auffäße über Kommunale Steuerfragen von Bruno Afa.„ Kommunale oder wirtschaftliche Selbstverwaltung für die Gemeinden als Arbeitgeber" von Dr. Vollbrecht Berlin, Geschäftskreis der örtlichen Vera waltungsorgane für das Volksschulwefen in Breußen" von 2. Joft. Das Werden einer neuen Großftadt" von Dr. Heuer Altona, ferner Notizen aus der Gesezgebung. Berwaltung und der Praris einzelner Gemeinden. Gründliche Kräftigung und Auffrischung berfafft bas borzügliche, billige, wohlfamedende Biomalz. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der gebung des Kraftgefühls tritt faft immer eine auffallende Befferung des Aussehens ein. Dan fühlt fi aerabeau wie verjüngt. Mit feinem andern Kräftigungsmittel fann man beffere Erfolge erzielen als Bas nehmen die Merate? Alle Ersagpräparate und Elfenmittel erzielen nicht die Wirkung, mas Appetitanregung und träftigung anlangt, wie Biomalz. Sn meiner eigenen Familie bin ich amit der Anwendung, ganz be fonders zufrieden Dr. S. in Ch mit Biomalz Das von mir fahon oft und mit gutem Erfolge in der Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Rindern Dr. med. 9. augute fommen. Biomalz hat fich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg lich bewährt. Dr. Frhr. a Breis einer Dese Bional; 1.90 Mart, mit Lecithin 5 Miatl mit Given( für Blutarme und Bleichfüchtige) 2.20 Mart, mit Ral egtra( für Lungenleidende) 2.50 Mart, Hoffmanns Biomalz- Schots labe Tafel 60 Bf. Ausführliche Drucksachen foftenfrei von Gebr. Batermann, Teltow- Berlin 10, Dienstag 20. Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Eine fürstliche„ Handlungsbörse" Der Rastatter Rongre B( 1797-1799) wird von den Geschichtsschreibern, die unsere deutsche Jugend zu lammfrommen, tönigstreuen Staatsuntertanen zu erziehen haben, möglichst mit Stillschweigen übergangen. Und das ist jedem Kenner der fortge fetzten Landesverätereien, die Deutschlands Fürsten auf diesen Ron greffe begingen, sehr verständlich. Die deutschen Landesväter er wiejen fich in Rastatt als ganz ausgesprochene Stiefväter Deutschlands, die in Rastatt gegen eine ungeheure Bereicherung an Land und Leuten ihr gemeinsames Vaterland an Frankreich verhötern wollten. Ein sehr eifriger Afteur des beschämenden Schauspiels in Rastatt, der Graf Lehrbach, spricht einmal in seinem Bericht vom 1. Januar 1799 von dem dort tagenden Kongreß als von einer Handlungsbörse", auf der die Bistümer und Abteien schmählich verSchachert werden. Der französische Gesandte Robeitjot hatte in Rastatt deutsche Karten an die Wände geheftet und den beutehungrigen Potentaten bereitwilligst deutsche Länderfeßen: Bistümer und Abteien, zugewiesen. Seit dem Bafler Frieden 1795 hatte sich Breußen auf neuen Machterwerb in Deutschland eingerichtet. Es verriet das linte Rheinujer an Frankreich; um sich um so ergiebiger im übrigen Deutsch land entschädigen zu fönnen. Zwei Jahre später sprach Desterreich im Frieden von Campo Formio sein Ja und Amen zum fran zösischen Raub des linken Rheinufers. Und für diesen Raub ließ es sich Entschädigungen von Frankreich versprechen. Auf der rechten Seite waren den erblichen Fürsten für die verlorenen Besitzungen Entschädigungen versprochen. Der Kaiser sollte dabei nicht leer aus gehen, aber zunächst in venetianischen Gebieten für Belgien und Lombardei Erjah erhalten." In Campo Formio war auch in den Friedensbedingungen festgelegt worden: Auf dem Kongreß zu Rastatt sollte der Reichsfriede durch Bevollmächtigte des Reiches und der französischen Republik geschlossen werden. Dem preußischen und österreichischen Berrat des linten Rheinufers an Frankreich follten nun auch die anderen Reichsfürsten und Reichsstände bei treten und dann ihren Judaslohn an Entschädigungen empfangen. Dem Raftatter Rongreß wohnte als Gesandtschaftssekretär der mihige Ritter Karl Heinrich von Lana bei, und er hat in seinen Memorien der Rastatter Handlungsbörse" ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Die offenen und geheimen Abmachungen Preußens, Defterreichs und einiger füddeutschen Staaten mit Frankreich verlegten die Interessen des Reiches in der gröbsten Weise, der Raftatter Kongreß aber wand sich förmlich in heuchlerischen Rede flosteln über das Prinzip der Integrität", der unversehrtheit des Reiches. Der Ritter von Lang hat das staatsrechtliche Gerede und Gefafel dieses Kongresses drastisch so geschildert: „ Da entstand mun unglaubliches Heulen und Wehrlagen von Leuten, die wenigftens infofern zu bemitleiden waren, daß ihnen so etwas in ihrem Uebermaß des Glaubens und der falschen Hoffnungen nur einigermaßen unerwartet hat fommen können. Man füllte die Protokolle mit wechselseitigen Beileidsbezeugungen und freuzigte fich mit mannigfaltigen Erklärungen, wie jetzt noch die Integrität ( Unversehrtheit) des Reiches und die Abtretung des linken Rheinufers zu gleicher Zeit als Grundartikel des Friedens bestehen fonnte; bis man dann die beruhigende Erklärung darin fand: die Integrität des Reiches jei teine rohe, finnliche, törperliche, sondern eine fymbolisch idealische, nach welcher, Rheingrenze hin oder her, doch noch dieselbe Berbindung des allerhöchsten Reichsoberhauptes und dessen allergetreuster Kurfürsten, Fürsten und Stände des Reiches fortbestehen, zumal der bloß scheinbare Berluft auf einer Seite durch die effettiven( tatsächlichen) Entschädigungen auf der anderen vollkommen redintegriert( wieder unversehrt gemacht) wer den sollte. Indem nun alle begierig waren zu wissen, woher alle Entschädigungen kommen sollten, viele, die es schon mußten, schweigend die Achseln zudten, fam am 15. März die französische Gesandt fchaft mit der kurz abgebrochenen Erklärung zu Hilfe:„ daß diese Entschädigung in der Säkularisation( Berweltlichung) der geistlichen Güter zu suchen sei". Jetzt war der Knoten zerhauen und das Signal zur Plünderung gegeben. Jeder größere Stand machte sich seinen Blan, irgendein Bistum oder ein Fezzen davon, der kleinere irgendeine Abtei, der geringste Edelmann irgendeinen Schafhof davon zu reißen. Das Fest der Liebe. Bon August Stramm. Diefe Novelle ift bereits vor zwanzig Jahren, in der Frühzeit bes Dichters, entstanden. Sie wird aus feinem Nachlak hier au m erftenmal veröffentlicht. Reb. d. Borwärts". Düfter und schwer war die Luft. Wie Blei lag sie am Himmel und der scharfe schneidende Nordoft peitschte die Schneespriger vom Boden auf den Menschen ins Gesicht. Weit und breit fein Haus, tein Dach. Man hätte keinen Hund hiraus jagen sollen! Und es war auch keiner draußen!... Doch.. ja... nein!... dort unten im Graben... tappfte es durch den Ednce... auf der windabacfehrten Straße ein... wei... brei... zufammengefauerte Bestalten.. bis zur Hüfte im Schnee... dann wieder auftauchend auf dem eisgefrorenen Boden, den Hut über Kopf und Ohren, die Arme an den Leib geframpft. fchnee ummirbelte Schattenriffe... sturmverwehte Menschen! .. Der Borderste trug einen Mantel, der letzte eine Jade, der britte nur etwas von einem Schal, das nach Wetterschutz aussah. In einer Austiefung des Grabens, die der Sturm nicht so pacte, Schnauften fie auf. Der Führer holte den schweren Knotenstod unter dem Arm vor, stieß ihn schnaufend in den Schnee und pruftete das Eis aus dem buschig grauen Schnurrbart um die rotgequollene Nase. die unter der zerfetzten Hutkrempe hervorragte. ,, Dunner un Kraß! boa wull us meistern!" „ Süllen in't Nest bliven fin!" ädyzte ber Hintermann, schloß aber schnell die Lippen, weil der Schnee dazwischen fuhr und ihn von innen ausfror; dann stampfte er und schüttelte sich und huftete, daß sein junges blaugefrorenes Gesicht ordentlich einen warmen Schimmer triegte. ,, Scatt verdamm... Dreckschwoalber dua Dreckschwoalber dua..." schnurrte der Alte, uff de Echenigelswinde!" Der Junge schüttelte sich und der Dritte lachte, daß der höcker thm über den Kopf wuchs und die langen Arme mit den großen Fäusten fast durch die grundlosen Taschen zu den Hofenenden rausSicchen. " In de Schenigelsminde.. un däs uff Weihnacht.. wo's ieberall Bleier seyt... Jungchen! Goait verdamm!" fnurrte der Wettermann, und setzte sich in Marsch... und nun waren sie wieder im Sturm. .. Ein Hafe stob neben ihnen auf und sein Schatten huschte in langen Sägen übers Feld. Der Bucel machte einen Sprung und lachte, aber nur furz; ber Wind schlug ihm in den Mund und da mußte er husten. Man sah die geistlichen Gesandten als geächtet an und ging ihnen jezt überall aus dem Weg. Es regneten gleichsam vom Him mel herunter die Liquidationen( Abrechnungen) der Schuld, die jeder am linken Rhein erlitten haben wollte, mit Bezeichnung der Objekte ( Gegenstände), die er dafür zur Entschädigung wünschte, und die er durch seine Negotiationen( Unterhandlungen) bei den drei Gesandt schaften von Frankreich, Desterreich und Preußen zum Teil burch ausgewirtte unmittelbare Empfehlung der Ministerien durchzusetzen fuchte, wobei man vorausseßte, daß die arme Reichsdeputation felbft nichts weiter zu tun haben würde, als die von drei Mächten geneh Luther vor dem Reichstag zu Berlin. OTTENS. Hier stehe ich. Bald wird es ausgestanden sein. Goff helfe mir! Amen." అంత migte Austeilung gehorsamlich gutzuheißen. Unterbeffen versuchten die geistlichen Schäflein, den Wölfen, von denen sie sich umgeben jahen, noch allerlei bewegliche Vorstellungen zu machen, z. B. daß es eine Gewissenssache wäre, solche gottgeweihte Güter an sich zu ziehen, daß ihre Plünderung bald andere nach sich ziehen würde, daß, wenn eine Entschädigung durchaus zu geben fei, sie nicht ausschließlich von den geistlichen, sondern auch von der weltlichen Seite geleistet werden müsse; daß man sich ja auf gütliche Abfindungen in Geld oder nur teilweise Abtretungen verstehen könnte". Ritter Lang schildert nun die einzelnen versuchten betrügerischen Kunstgriffe, um die Werte der geistlichen Güter und die dafür einzuseßenden Entschädigungen zu verdunkeln. Er fährt dann fort: Als aber alles dies nicht verfangen wollte, fielen sie unter sich felbst voneinander ab; die Bischöfe fanden sich geneigt, gleichwohl Der Wettermann stieß mit dem Stod in einen Rest Kartoffel fchaten und gefrorenen Brei, den eine mitleidige Seele für Vögel und Wild hingeschüttet haben mochte. Wie weit noch?" fragte der Grünling. funft Droi Stund bis Moschum. woans Maul hältst. nimmer!" und der Sturmgreis stapfte darein und die anderen hinterher. Der Sturm faßte nicht mehr fo; die Gegend wurde hügeliger umb bewaldet. Weit hinten tauchte ein Haus auf und ganz aus der Ferne tönten Glodenflänge. Schaufend kletterte der Alte aus dem Graben, streckte die Beine und räkelte und schlenkerte den eingefressenen Schnee aus den Strohpuppen, die ihm als Stiefel dienten. " Bolente!" furrte der Buckel, und wies nach hinten, wo sie hergekommen,„ brauchten nich Schnee pollen drum bis her!" Der Alte stieß unwillkürlich mit dem Stock auf. Jedrennten Marsch... fag'n fe milidärisch..." und der Buckel pofterte„ Samuel, jeh bu voran, du has de Wasserstiebel an!" Der Grünling lachte, und selbst der Alte bellte einen dumpfen Ton. Schoauft beffer aus... hau dua!" ... Bon mejen de Fouragefiste?!... jut,... ein muß't fin! und der Krüppel schob lachend die zerlumpte Tasche, die ihm an der Seite unter dem Wams vorschlappte, mit furzem Rud auf den Rüden. habt feene Bange nich!... bin immer' n ehrlicher Hund jewelen! Jott sei's jetlagt!" Und er machte sich auf den Weg, während die anderen ihm langfamer folgten. • Der Sturm war etwas abgeflaut, aber dafür setzte ein dichter Schneefall ein. Es begann zu dunkeln! Brrr!.. und es fror!... und noch drei Stunden bis Mofchum, auf die der Alte feine ganze Hoffnung setzte, die sich für ihn in den Geruch einer duften Benne" umfette, menn fie nur genug Schlummerpech Schleiften". Und der Schnee fiel so dicht, daß die beiden immer nur bis zum nächsten Baum schauen konnten, und wo ein Schatten auf tauchte in dem weißen Brei, da starrten sie hin und scheuten dann wieder zusammen wie ein paar verhette Hunde. " Gerade als fie vor der Dorfkirche waren, flang ein Stampfen hinter ihnen, Schnauben und dazwischen ein leises irren und Slappern von Lederschnallen und Metall. Der Sturmgreis witterte wie ein Jagdhund! Bu fehen war nichts! aber man merkte ihm an, er tannte den Ton! Er packte den jungen Gefellen am 2rm, gab ihm einen Schubs auf die Kirche zu und verfchwand in eiligen Schritten faum daß der Gefährte ihm folgen fonnte in der Kirchentür. -Sie riffen den Hut nom Kopf und blieben an der Türe stehen. | Beilage des Vorwärts die Güter der Klöster preiszugeben; die Erzbischöfe glaubten, es fönne zureichen, wenn man höchstens nur die Bistümer angreife, und davon den drei geistlichen Kurfürsten zu einigem Trost auch eine fleine Vergrößerung durch die Lande von Salzburg, Münster und Fulda mit zukommen laffe; unter diesen sollte endlich Mainz in Gottes Namen zu allem Ja sagen, wofern man dafür sorge, daß Mainz als ein deutscher Patriarch( Erzvater, Titel hoher geistlicher Würdenträger) und Primas( erster Bischof des Reiches) übrig bleibe." Angesichts der finanziellen und politischen Täuscher- und Mäklerfünfte der Herren Gesandten spricht der Ritter von Lang in seiner derben Weise von einem Polafenwesen in Deutschland". Hatten die Herren der Rastatter Handlungsbörse" dem nüch ternen Geschäfte des Feilschens am Tage gefrönt, dann ergaben sie sich des Nachts völlig dem„ Taumel der Sinnenluft". Die Kaffeehäuser, die franzöfifchen Theater und Spielfäle füllten sich mit den Diplomaten und ihrem liederlichen Anhang. Bei Tagesanbruch fam der Ritter von Lang nach Hause, und er erwachte, wenn die„ badischen Herren Hauptleute" unter seinem Fenster die Sklaven ihrer Wachtplantage mit dünnen Röhrchen durchpeitschen ließen". Der Kongreß der Verschacherer des linfen Rheinufers ging schließlich unverrichteter Sache auseinander. Als die französischen Gesandten am 28. April 1799 abends Rastatt verließen, wurden fie von österreichischen Husaren überfallen und ermordet. Nur einem Gesandten gelang es, aus den Händen der Mordgesellen zu entkommen. Ein geheimnisvolles Dunkel liegt noch bis zur Stunde über diesem Gesandtenmord. Das unvollendete Werk des Raftatter Kongresses setzte 1803 der Reichsdeputationshauptausschuß zu Regensburg fort: Durch einen gemalttätigen revolutionären Eingriff in das geistliche Eigentum vergrößerten die meltlichen Fürsten in Deutschland ihren territorialen Besitz sehr beträchtlich, denn die geistlichen Befihungen wurden in den Tagen des Rastatter Kongresses auf beinahe 1200 Quadratkilometer mit mehr als drei Millionen Bewohnern geschäßt. Um den geplanten Länderraub ausführen zu können, haben sich deutsche Fürsten schmählich vor Frankreich ge demütigt und diesem schließlich das linke Rheinufer in die Hände gespielt. B. K. Wie Abu Ali die Tuberkulose behandelte. Daß es nichts Neues unter der Sonne gibt, ist auch schon eine alte Sache, aber man wird immer wieder an diese Weisheit Galomonis erinnert. Da glauben wir nun, daß wir erst auf den Gebanten gekommen sind, die Tuber. tulose mit Milchdiät und Sonne und Luft zu behandeln, und plötz lich erscheint dann ein arabischer Doftor, der flipp und flar nachweist, daß in seinem Heimallande diese Behandlung schon um das Jahr 1000 herum gang und gäbe war. Der arabische Arzt, der das feststellte, heißt Dingigli oder fo, hat in Montpellier sein medizinisches Staatsexamen gemacht und hielt kürzlich vor einer ganzen Rorona berühmter Pariser Professoren einen Bortrag über einen Landsmann und Kollegen namens 2bu Ali Awitschenne, der um die erste Jahrtausendwende unferer Zeitrechnung ein großer Medizinmann war und die Tuberkulose in der gedachten Art aus der Welt zu schaffen suchte. Abu Ali hatte, wie irgendein Arzt unserer Zeit, den anfteckenden Charakter dieser Krankheit erkannt und in mehreren gelehrten Abhandlungen darauf hingewiesen. In einigem wich seine Therapie allerdings sehr von dem heutigen Heilverfahren ab. Er besunn die Kur damit, daß er dem Kranten Honig und den Saft roter Rojen fie mußten unbedingt rot sein in die Lungen einspritzte, worauf er mit einem glühenden Eisen den infizierten Tell der Lunge äßte und ausbrannte. Wenn das geschehen war, wurde der Kranke längere Zeit mit einem Sud von Honig und Rosenertraft genährt. und dann, in der Refonvalefzenz, begann die Behandlung mit Milch und frischer Luft. Abu Ali soll mit diesem Syſtem immer große Hellerfolge erzielt haben. Wie mögen sich unsere Aerzte wohl zu den Honig und Rosenfaftinjektionen stellen? 17" Auch ein Wohltäter der Menschheit. Der 1691 in Rüstrin geborene Philipp v. Stosch darf mit Fug als Vater des Monofels gelten. Jedenfalls ist er der erste, von dem eine alte schweinslederne Chronik fündet, daß Stofch ein Monotel trug. Er bedient fich ennes Fernglases, so mit ennem dünnen Rettgen am Rod befestigt ist Die Haut umb senn Auge ist also gewöhnet, dasz sie sich vest umb dieses Glas schließet und er nicht nöthig hat, solches mit den Händen daran zu halten". Uebrigens war Stosch englischer Agent in Rom und stand bei seinen Zeitgenossen im Geruche, ein großer Abenteurer und galanter Frauenjäger zu fein. Dunkel war es in dem Raum; nur vorne im Altarrund brannten zwei große Kerzen und auf der Kanzel am Mittelpfeiler marf ein einzelnes Licht seinen flackernden Schein in das bleiche Antlitz eines jungen Priesters. Er redete von der Barmherzigkeit und ihren Werfen. Drunten aber lauschte die stumme Menge. Er redete von der Barmherzigkeit und der Demut und ihren Berfen: „ Gott gab dahin feinen einzigen Sohn, um uns zu erlösen! Er nohm das Leid auf sich und das Kreuz und opferte fich auf dem Altar der Liebe! Der Aermste wollte er fein unter den Wermsten! Gehet hin und tuet desgleichen! Eher ist es möglich, daß ein Kamel durch ein Nadelör gehe, als daß ein Reicher eingehe in das Reich Gottes! Ein Reicher... der nicht teilt seinen Ueberschuß mit dem Armen, der erbarmungslos niederschaut auf ihn und seine Quaien, der ihn jagt von Tür und Hof hinaus in Wetter und Nacht, als wäre er sein Bruder nicht... Sein Hund nicht mal, für den er immer noch einen Platz hat am Herde!... Was schert er mich?!. Bin ich der Hüter meines Bruders Abel?!... Kann ich sorgen für so viele andere?! Muß ich nicht zusehen, daß ich selbst nicht zugrunde gehe?!".. Und nun recte sich die dünne knochige Gestalt und hob die Hard beschwörend und wiederholte: jawohl! er fehe zu...! er sehe zu.! daß... er... nicht. zugrunde gehe!.. Wehe!... Wehe ... Dreimal Wehe . Die beiden Gesellen hatten regungslos geftanben; der Alte stierte gleichgültig stumpf zu Boden. Der Grünling hatte erst neugierig scheu umhergesehen, dann war er aufmerksam geworden und starrte gebannt auf den Priester; seine Augen wurden weit und seine dünnen Rippen stonden geöffnet unter den Tauschnee tröpfelnden Schnurrbarthaaren; fein Körper fing an zu zittern, und als der Weheruf erscholl, entrang sich seinem Munde ein Schrei, so schrill und dumpf, so blutrünstig und weh, fo rachdürftig und herzzerreißend. daß der Ruf des Briefters verhallte wie Theaterspur gegen den Todesschrei eines gehetzten Wildes, daß die schweigende Gemeinde zusammenschauerte wie vor etwas Unfaßlichem, Schrecklichem, und der Bußprediger, bis ins Innerste erschrocken, die Hand auf die Kanzel fallen ließ und stockte. Der Sturmgreis fuhr auf aus seinem Brüten, warf einen verstörten Blick auf den Gefährten, der mit offenem Munde den Pfaffen anftierte ,, pacte ihn am Arm, und ehe noch jemand zur Besinnung gekommen und der Uebeltäter sich seiner selbst bewußt geworden war, trabten sie draußen durch den peitschenden Schnee... nicht rechts, nicht links blickend. ziellos... teuchend... vorwärts! ( Fortsetzung folgt.) Theater, Lichtspiele usw. Deutsch. Künstlertheat. Tä lich 28 Uhr ,, Riquette" Lustspielhaus 8 Staats- Theater Lessing- Theater Uhr Guido Thielscher Opernhaus Tägl. 8 Uhr: 6 Uhr: Siegfried Eine Frau ohne Opernhaus am Königsplatz 72: Cosi fan tutte Schauspielhaus 72 Uhr: Faust. I. Schiller Theater Bedeutung von Oskar Wilde Irene Triesch, Adele Sandrock Bonn, Starnburg, Burg, Dergan 7% U: Maria Magdalena Kleines Th. Tägl. 8 Uhr: Gr.Volksoper Leopoldine 71 Uhr Carmen Volksbühne 72 Uhr: Sakuntala Konstantin in D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Die vertauschte Frau Wallner Theat. 8 Uhr: Pelleas und Melisande Casino- Theater Lothringer Str. 37 Tägi. 8 Ubr Der neue Schlager Graf Koks Banco Posse in 3 Aufzügen Deutsch. Theater Trianon- Th. 712 Uhr Die heilige Johanna Tägl. 8 Uhr: Erika Gänzl neu f. Berlin! Volkstüml. Preise! Circus Kammerspiele Glässner Busch 8 Uni Der Lampenschirm Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 71 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor Theater i. d. Königgrätzer Str. in Mary Haller- Revue 1925 8 U.: Der Tokaler Th. i. Admiralspalast Komödienhaus 8 Uhr: Die Cousine a.Warschau 24. Woche Allabendl. 84 U. Die größte Revue d. Welt: Berliner Theater Hoch and Noch" 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA Tägl.& Unr: VarietéREVUE mit Winstons Tauchاوو Sonntag nachm. 31% Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! 2. Rang 1 Maik Central- Theater 7% Uhr: Die versunk. Glocke Tägl. 7%, Sonnt. a. 3 Uhr: Vorletzte Woche! Quo vadis? Looping the Loop 12 Romanos 12 50 Löwen 50 c. d. übrige gr. Circ.- Progr Volkstüml. Preise! 80 Pf. Gal bis 7 M. Lone 31. Jan. letzte Auff Quo vadis? WINTBRITEN NovitätenSpielplan! Sonntags 32 Uhr halbe Preise Rauchen gesta tet. Altes Spezialgeschäft Spezia int Deuts Opernhaus RamelbaarSensation u. Der Prophet SchlafIntimes Theater ReifeResidenz- Th. Katzi/ Abenteuer Deden 8 Uhr D.größte Lacherfolg Gisela nach dem Tode etc. Metropol- Theater Ir fotagen Tägl. 7 Uhr. Strickjacken Werbezirk Gräfin Mariza Strümpfen in: Rosa Altschul mit Karl Ettlinger Preise 1.3.3 M. usw. Neues Th. am Zoo 3ties au Täglich 73% Ubr billigft Tagespr. Kammer- Sper Wild- West- Mädel Gebrüder Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße Täglich 8 Uhr: Wohl zu ruhen, Th. in Kommand. Str. Täglich 8 Uhr: Herr Nachbar Die Frau ohne Kuß Kom. Op. v. Poise Das klage Felleisen von Wend and Karten 5, 4, 3, 2 M. inkl. Garderobe und Progr. von Richard Keßler Mus. v. 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