Nr.34 42. Jahrgang Ausgabe A r. 18 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monat lich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Hnter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Buremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Beit" mit ,, GiedTung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goidpfennig Anzeigenpreise: Die einfpa Itige Nonpareillezeile 0,70 Golentarf, Reklamezeile 4. Goldmart. Alcis A- zeigen" bas fettgebrudte Wort 0.20 Crid. mart( zulässig amei fettgedrudie Worte), iedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Schade, daß die preußischen Landtagsabgeordneten nicht Der gestrigen Reichstagssigung beiwohnen fonnten! Sie hätten da Gelegenheit gehabt zu überlegen, ob es die Mühe lohnt, auch in Preußen so eine Luther- Regierung auf die zitternden Beine zu stellen! Die Spuren follten schreden! Es lag nicht daran, daß Cen. Breitscheid eine außer ordentlich glänzende Rede hielt. Man weiß, daß Breitfcheid ein ausgezeichneter Redner ist, und die Gelegenheit war günstig. Tatsache aber ist, daß diese Rede den Reichstag geistig beherrschte und bis weit in die Mitte hinein ebenso viel Zustimmung fand wie die Rede des Grafen We starp Widerspruch und Ablehnung. Hätte das Haus nicht über die Regierungserklärung, sondern über jene beiden Reden abaustimmen, so würde sich eine erhebliche Mehrheit für Breitfcheid gegen Bestarp entscheiden. " Es gab während der Rede Breitscheids zwei Zwischen fälle. Daß der sozialdemokratische Redner es wagte, über den Unjug des 3eitfreiwilligenwesens ein paar treffende Bemerkungen zu machen, hat ihm wütende BeSchimpfungen der Rechten eingetragen. Natürlich ist er ein ,, Landesverräter", obwohl er gesagt hat, daß es für die Nicht rümmung Rölns feine Gründe, sondern nur Borwände gäbe und daß Deutsch and abgerüstet habe wie noch nie ein Volk in der Weltgeschichte. Trotzdem soll die Charakterisierung Der gelegentlich beliebten studentischen Soldatenspielerei durch Breitscheid eine Denunziation an Frankreich" sein. Von Herrn Stresemann ist zu verlangen, daß er heute das Wort nimmt, um den außenpolitischen Schaden zu reparieren, der durch das Berhalten der Rechten hervorgerufen wird: Was auf dem Gebiet der sog. fchwarzen Reichswehr" vorgegangen ist, weiß man im Ausland ebenso gut wie im Inland. Beweis: die Note der Alliierten über die Nichträumung Kölns. Herr Luther hat erklärt, daß die Räumungsfrage durch Berhandlungen gelöst werden foll; das wird nur so möglich sein, daß man die Beschwerden der Gegenfeite ehrlich nachprüft und abstellt, was abzu= ftellen ist, nicht aber so, daß man erklärt:„ Es ist alles nicht wahr!" Wenn die Räumung Kölns davon abhängt, daß die Studenten von Dingsda das Soldatenspielen unterlaffen, so wird man von ihnen das patriotische Opfer verlangen dürfen, daß sie auf diese törichte Spielerei verzichten. Das ist Breitscheids Standpunkt, das ist unser Stand punkt, und das ist der Standpunkt, den die Regierung Luther übermorgen einnehmen wird, vorausgesetzt, daß fie übermorgen noch lebt. Nötigenfalls wird das besezte Gebiet ihr ihn flarmachen. So ist der Rechten die ,, Demastierung" der Sozialdemo fratie vorbeigelungen. Desto gründlicher demas fierte fie fich selbst. ohne erhebliche politische Bedeutung. Es genügt zu sagen, daß Scholz noch mehr lächelte und tänzelte, die Ruth Fischer noch mehr freischte und der Graf Westarp noch bitterlicher und langweiliger war als gewöhnlich. Der Graf versuchte sich sehr im Gegensatz zu feiner Stuttgarter Reichs gründungsrede in regierungsoffiziöser Staatsmänneret, ohne dabei doch eckige Wendungen vermeiden zu können, die im Zentrum hart anstießen. Das politische Ereignis der gestrigen Debatte mar neben der Rede Breitfcheids die Erklärung, die der Abg. Fehrenbach für das Zentrum abga b. Diese Erklärung einer Regierungspartei" war fachlich so ziemlich das Vernichtendste, was über die Regierung Luther gesagt werden konnte. Schärfer und gründlicher fann man das totale Abhandenfein jeder Spur von Bertrauen nicht dokumentieren, als es hier geschehen ist. Herr Fehrenbach sprach langsam, Wort für Wort, Saz für Saß unterstreichend, und mit jedem Wort, mit jedem Saz wurde der Graben, den das Zentrum zwischen sich und die Regie: rung legte, breiter und breiter. Mit jedem Wort, mit jedem Say gab Herr Fehrenbach der Rechten zu fühlen, daß sie sich mit ihrer Regierung in ein Abhängigkeitsverhältnis vom Zentrum begeben habe, daß der Faden, an dem sie hängt, dünn und das Messer scharf sei. Die Erklärung brachte wirklich Klarheit. Klarheit dar über, daß wir heute eine Rechtsregierung haben, die vom Zentrum toleriert wird, daß das Zentrum diese Toleranz zwar üben zu müssen glaubt, daß aber ein großer Teil seiner Anhänger dieses Verhältnis mit Gefühlen begleitet, die von Widerwillen und Abscheu nicht weit entfernt find. Das Benirum ist geradezu mit Fußtritten in die Gefolg schaft der Rechtsregierung gezwungen worden. Nun rächt sich diese Methode, und Herr Fehrenbach macht die Rechte mit Nachdruck darauf aufmerksam, daß sich das Blatt gewendet hat. Die Rechte hat jetzt, was sie solange erstrebte: eine Rechtsregierung, die von der parlamenta rifchen Unterstügung des Zentrums ab= hängig ist. Also fann auch das Zentrum für diese Unterstügung seine Bedingungen stellen. Herr Luther schien an einigen Stellen der Zentrumserklärung außer Fassung zu geraten. Rechts sah man verdußte Gesichter. Aber das ist noch nicht alles. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die abweichende, doch zunächst die Annahme eines Billigungsvolums ankündigende Erklärung Fehrenbachs einem Teil der Partei bei weitem nicht genügt. Dieser Teil der Partei wird die Billigung der Regierungserflärung nicht mitmachen, und Herr Wirth trägt sich mit der Absicht, die auch abweichende haltung dieses Teils öffentlich zu begründen. Was vom Zentrum bleibt, wird immer noch ausreichen, um dem Billigungsvotum zu einer Mehrheit zu verhelfen. Herr Luther wird also seinen„ Sieg" haben, die deutschnatio= nale Presse wird zur Aufmunterung ihres Bublifums Bittoria Schießen und Purzelbäume schlagen. Aber, was wird das für ein Sieg fein, ein Sieg wahrhaftig, daß es einen Hund erbarmen fönnte! Schon gestern hörte man im Reichstag raunen, daß eine Regierung, die so beginne, eigentlich schon erledigt sei, da sie im Inland wie im Ausland jedes Kredits und jeder Autorität ermangele. Aber ob diese Regierung länger lebt oder ob sie stirbt. hängt vom 3entrum ab. Bom Zentrum hängt es ab, ob diefe Monarchistenregierung ohne mehrheit in der Republik solange das Ruder führen soll, bis äußere und innere Katastrophen eintreten. Bom Zentrum hängt es ab, ob in Preußen wiederholt werden soll, was fich unter dem Gelächter der Welt, zur Schadenfreude aller Gegner Deutschlands, im Reiche abspielt. Herr Heß vom 3entrum hat gestern im Preußenhaus tapfere Worte ge= funden. Aber auch er wird sich darüber klar sein, daß die großen politischen Fragen im Reich und in Preußen in einer einigermaßen einheitlichen Weise gelöst werden müssen. Soll das Preußenzentrum den Weg des Reichszentrums Der Eid des Herrn v. Schlieben. ,, Dem König stets und unter allen Umständen getren!" Der Ministerialdirektor v. Schlieben ist Finanzminister der Republik geworden. Er hat den Eid auf die republitanische Berfaffung schon als Beamter geschworen, es hat ihm nicht so weh getan wie das Sichtotschießen. Nebenbei: ist denn herr Neuhaus, der Eidverweigerer von 1919, als Minister schon vereidigt? Aber der Herr v. Schlieben leiftete auch andere Eide, und die sind wert, daß man sie genauer ansieht. Er ist zum Beispiel, als er schon republikanischer MinisterialAls Genoffe Breitscheid die Regierung Luther als eine direktor mar, Mitglied des Johanniterordens geEtappe auf dem Weg zurüď zur Monarchie berorden. Dabei hat er alle in der Ordensregel vorgeschriebenen zeichnete, erscholl von rechts her der befriedigte 3wischenruf: Gelübbe ablegen müssen. Unter diesen befinden sich auch diese Gott sei Dant!" Das Wort schlug wie eine Bombe beiden heute besonders aftuellen Gelöbnisse: ein. Zahlreiche Zentrumsabgeordnete, Wirth in der Mitte, sprangen auf und gestikulierten heftig nach der Rechten. Einen Augenblick fab es jo aus, als ob zwei Regierungsparteien" miteinander ins Handgemenge geraten follten. Der Reichskanzler Luther wandte sich bestürzt und aufgeregt an den Reichsinnenminister Schiele; man hatte den Eindruck, daß er gegen die Undiszipliniertheit der Rechten höchst eindringliche Borstellungen erhob. Nur langsam legte sich der Sturm. Wie peinlich der Rechtspresse dieser die ganze Situation bligartig beleuchtende Zwischenfall gewesen ist, zeigt der Umstand, daß der„ Lokal- Anzeiger" den Zwischenruf Gott sei Dant!" auf einen Bölkischen abzuschieben versucht, während das ganze Haus weiß, daß der Deutsch nationale Everling der Zwischenrufer war und daß seine Offenherzigkeit auf den deutschnationalen Bänken lebhafte Ruftimmung gefunden hatte. So bleibt nur übrig festzustellen, daß der bisherige Borsigende der Deutschnationalen, Herr Schiele, Reichsinnenminister und oberster Hüter der Berfassung ist, während man gleichzeitig in der deutschnationalen Fraktion die Ansicht vertritt, diese Berufung sei- Gott fei Dank!" eine Etappe auf dem Wege zurüd zur monarchie. Neben der großen Rede Breitscheids blieben die Ausführungen der Solz, Westarp und Ruth Fischer Bu 3 hat er zu bekennen und zu geloben, daß er der Königlichen Majestät von Preußen, dem Landesherrn und Hohen Patron der Ballen stets und unter allen Umständen getreu, gewärtig und gehorsam sein, die Wohlfahrt und das Beste des Baterlandes Juchen und erstreben und mit Daranwagen des Leibes und Lebens für den König und das Vaterland mufig und unerschroden ftreiten wolle. Zu 5 endlich hat er zu bekennen und zu geloben, daß er die Ehre des Ordens überall wahren, sein Bestes befördern und den Oberen im Orden, besonders einem jeden regierenden Meiffer in diefem Meistertum nach den Satzungen des Ordens stets will gen Gehorsam mit aller Treue und Ehrerbietung leiften, auch in allen Stüden und an allen Orten daheim und öffentlich in eigenen und fremden Sachen sich, wie es einem chriftlichen Ritter geziemt, er. halten und erweisen soll. Alle diese Gelübde hat jeder„ Ehrenritter" des Johanniter ordens abzulegen, wenn auch vorsichtigerweise durch Bestim mung vom 14. Februar 1922 das Gelübde zu 3 zurzeit nicht zu verlesen" ist. Für jeden christlichen Ritter" ist aber das Ordensgebot in allen feinen Teilen bindend, auch wenn zu 3 zurzeit nicht verlesen wird. auch der Herr v. Schlieben, erhält dieses prachtvolle Diplom: ( Johanniter- Kreuz.) ir Wilhelm 21 Eitel Friedrich Christian Karl von Gottes Gnaden Prinz von Preußen, Herrenmeister der Ballen Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerufalem, tun fund fügen hiermit zu wissen, daß Wir nach Prüfung feines Gesuches durch das Ordenskapitel als Ehrenritter dieses Ordens angenommen haben, weshalb Wir, als Herrenmeister der Balley Brandenburg, demselben darüber das gegenwärtige Patent unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift ausfertigen und solches mit Ünserem Ordens- Insiegel versehen lassen. So geschehen den Der Finanzminister der deutschen Repu blid befizt ein Ordenspatent, das ihm ein" Prinz von Gottes Gnaden" ausgestellt hat! Der Finanzminister der deutschen Republik hat diesem " Prinzen von Gottes Gnaden" als„ regierenden Meister" ft et s willigen Gehorsam mit aller Treue und Ehrerbietung" gelobt! Der Herrenmeister der Ballen Brandenburg" und Prinz von Gottes Gnaden" ist rechtsträftig megen Kapitalverschiebung ins Ausland bestraft! Der Finanzminister der deutschen Republit gelobt mit Damit niemand das vergesse, ist dafür gesorgt, daß die aller Treue und Ehrerbietung milligen Gehorsam" tönigliche Majestät von Preußen" durch ihren Sohn, den einem Manne, der als Kapitalverschieber verEitel Friedrich, als Herrenmeister" gebührend verurteilt ist! treten ist Herr v. Schlieben leistet auch der Verfassung der Repu Jeder der Ritter", die bas Gelübbe abgelegt haben, also blit einen Eib! gehen? Soll das Reichszentrum dem Beispiel des Preußenzentrums folgen? Um diese Frage zu beantworten, genügt es zu überlegen, was die Regierung Braun in mehr als drei Jahren für Preußen und ganz Deutschland geleistet hat und wie die Regierung Luther am zweiten Tag ihres Daseins aus fieht. Die Spannung im Zentrum. Erregung am Rhein. > und das Zentrum tommt um eine flare Entscheidung| laffen tönnte. Mußte marg darum gestürzt werden, nicht herum. In Preußen und im Reich! Fällt das Kabinett damit jezt die Fortführung seiner Politit als Braun in Preußen, dann wird es schwer sein, die Sozial- Regierungsprogramm verkündet werden konnte? reaktion im Reich aufzuhalten. Denn die Rechtsparteien Der Deutschen Volkspartei, so meint das Blatt, tönne es nur lieb fennen, wie das Blatt Stegerwalds sehr richtig sagt, nur die sein, wenn die Deutschnationalen etwas mehr nach der Mitte Devise der brutalen Macht und des unbedingten Herrentums; rüdt scheinen als sie selbst nach rechts. Etwas schwieriger aber Eins freilich muß man der Regierung Luther laffen: fie in der Politik wie in der Wirtschaft. Für friedliche Ber- dürfte es den Deutsch nationalen werden, dabei eine harmgarantiert einen ungeheuren Sieg der Sozial- mittlungsversuche haben sie fein Verständnis und deshalb lose miene zu bewahren und gleichzeitig die Kritik in den demokratie bei den nächsten Wahlen. Aber schließlich bleibt nur eins übrig: flare Entscheidung und klare eigenen Reihen, die bereits mit großer Schärfe die Haltung der Partei schlechthin als Umfall, als Preisgabe ihrer eigenen fönnen wir Sozialdemokraten auch siegen, ohne daß man es Scheidung. Im Reich wie in Preußen. Grundsäge und Forderungen hinzustellen fucht, einigermaßen uns so leicht macht und außerdem: wie oft will man noch zu beschwichtigen. Wir sind wirklich einigermaßen ge das Spiel wiederholen, den Karren in den Dreck zu fahren spannt, so fährt die K. B.- 3." fort, wielange das gut und ihn dann von der Sozialdemokratie wieder herausziehen geht. Nicht, als ob wir den verstohlenen Wunsch hegten, die zu lassen? deutschnationale Anhängerschaft möchte rebellieren und ihre Fraktion nötigen, alsbald aus ihrer gegenwärtigen realpolitischen Friedfertigfeit herauszutreten; im Gegenteil, wenn es Dr. Luther gelingt, die Erziehung det Nation zu Staatsbürgern, was er als sein 3iel aufstellt, vorab bei den Deutschnationalen erfolgreich zu erproben, wür den wir die Ersten sein, die ihn dazu aufrichtig beglückwünschen werden. Aber die Erfahrungen, die wir gemacht haben, geben uns leider feinen Grund, die Entwicklung optimistisch zu beurteilen, ebensowenig wie uns die Zusammensetzung des Kabinetts nach dieser Richtung hin ermutigen fönnte. Die Wand. lungsfähigteit des Herrn Dr. Stresemann, der die Kulisse stellte, erscheint uns zwar bedeutend, hingegen die Wand. lungsfähigkeit der Deutschnationalen einstweilen wenigstens nicht bewiesen. Warten wir also weiter ab, wachsam und Gewehr bei Fuß." Durch Schaden flug zu werden, dazu hätten die deutschen Wähler bisher wirklich schon Gelegenheit genug gehabt! Brutale Macht, unbedingtes Herrentum.. Köln, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Differenzen, die in der rheinischen Zentrumspartei aus Anlaß der Regierungs. bildung entstanden sind, scheinen sehr ernster Natur zu sein. Am Dienstag tagte in Röln eine start besuchte Sigung des Provin. zialausschuffes der rheinischen Zentrumspartei, um zu dem Eine Warnung aus dem Kreise Stegerwalds. Streit innerhalb der Parteiorganisation Stellung zu nehmen. Der bisherige Reichstanzler Marr hat den Beratungen dieses Aus. Das Blatt Stegerwalds Der Deutsche" fnüpft an die gegen den Bürgerblock gerichtete Rundgebung der christ- schusses persönlich beigewohnt. Die Erbitterung der rhet. nischen Zentrumsopposition richtet sich zu einem lichen Gewerkschaften Westdeutschlands folgende Betrach- wesentlichen Zeil gegen den Borstand der Reichs. Im Arbeitgebertum hat das sozialreaktionäre te- tagsfraftion, weil man bestimmt erwartet hatte, daß die ment die Oberhand. Rücksichtslos nugt es die ihm gegebene Graftion auf ihrem ursprünglichen Beschluß gegen eine Teilnahme Macht aus. Unter der Begründung, daß die deutsche Wirtschaft sich in besonderer Notlage befinde, suchen sie mensch enunwürdige, 3. B. bei den Schwerstarbeitern Lange Arbeitszeiten tungen: zu verewigen, die Arbeitszeit in den meisten Berufen zu verlängern, eine Anpassung der Löhne an die Preisentwidlung zu ver hindern, die soziale Gesetzgebung in ihren praktischen Auswirkungen gegenüber den Arbeitnehmern zu schmälern usw. Auf dem Gebiete des sozialen Rechts, wo eine Notlage der Wirtschaft gar nicht von entscheidender Bedeutung sein kann, sind die antisozialen Kräfte nicht minder tätig. Hier offenbart sich ihre wahre Gesinnung. Nichts gilt, als die brutale Macht, das unbe dingte Herrentum. Gegen die amtlichen Stellen, die in be. sonderer Weise berufen sind, in der Anbahnung gefunderer sozialer Berhältnisse tätig zu sein, wird ein hartnädiger Kampf geführt. Dem Reichsarbeitsministerium gilt zunächst dieser Kampf. Staatliche Schlichtungsstellen werden sabotiert, Tarifverträge zerschlagen. Die Arbeitsgemeinschaften find längst zu einem Schemen geworden. Die gelben Arbeitervereine werden gehätschelt. Dem einzelnen Arbeiter läßt man die Macht des Unternehinertums so fühlen, als ab nur Ordnung herrschen könne, wenn man der Arbeiterschaft das Anie auf die Brust und die Fauft aufs Auge halte. Vom Willen, im Arbeiter den gleichberechtigten Menschen zu sehen, findet sich vielfach teine Spur mehr. Stärkstens werden diese Bustände in Westdeutschland empfunden, wo die Schwerindustrie dominiert. Ruhrkampf, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Lohndruck haben hier die Arbeiterschaft wirtschaftlich ungemein geschädigt. Und nun dazu diese Behandlung! Daß so die Dinge nicht weiter. gehen fönnen, weil sie eines Tages zur gewaltsamen Erhebung treiben müssen, das ist die feste Ueberzeugung aller um das Wohl des deutschen Bolkes Besorgten. Barnend hat zumeist im Anschluß an die Propagandareisen von Arbeitersyndizi christlichnationale Arbeiterschaft in einer Reihe von Versammlungen Bereits ihre Stimme erhoben. die Adam Stegerwald gehörte lange Zeit zu jenen, Die die reaktionären Parteien umwarben und von ihnen alles Heil erhofften. Der Deutsche" folgte feinen Spuren. Es ist darum bezeichnender als alles andere, wenn Der Deutsche" gerade in den Tagen, wo eines der früheren Biele Stegerwalds, das rechtsgerichtete Bürgerfabinett, in Erfüllung geht, sich genötigt sieht, eine derartige Sprache zu Wyren. In der Tat, die Sozialreaktion ist auf dem Marsche! Sie wird versuchen, das, was auf anderem Wege nicht zu er reichen ist, durch das Kabinett Luther zu erringen Ein neues Wunder der Technik. Das Planetarium der Firma Zeiß. Fahles Dämmerlicht erfüllt den Raum der Ruppel, die man unlängst auf dem Dache des Abnehmeraumes der Beiß- Werke in Jena errichtete. Mehr als hundert Menschen lassen sich auf bereit. ftehende Stühle nieder, und ehe noch der letzte Stuhl besetzt ist, fchließt sich die Türe, die sie einließ. Die Silhouette der Stadt und ihrer Umgebung, wie man sie von dieser Stelle auch in Wirklichkeit sehen würde, schließt die Wölbung Der Ruppel nach unten ab. Ein Apparat beginnt zu fummen. Ein Wunder geschieht. Ins Endlose zerreißt das dunkle Gewölbe, das uns umgib. Sterne leuchten auf in feltener Klarheit. In Nacht verwandelte sich der Tag, der draußen, irgendwo auf den Bergen, noch lagert, bereit zum Sprunge in die Nacht, die hier schon geschah. Wolfenlofer Himmel schenkt zahllose Bilder stehender Sterne. Erinnerung wächst in das Hirn. Man sucht bestimmte Sterne. Reiner fehlt. Ein jeder hat seine Lage. Wie immer. Das gilt eine Brobe. Dort muß heute der Mars.. Im Reigen von 45 000 fichtbaren Sternen erglänzt fein zuckendes Rot am vorbezeichneten Ort. Und nun steigt der Mond herauf. Langsam, doch sieht man ihn fteigen. Die Zeit raft vorüber. Beschleunigt vom Willen des Menschen, der die feltfame Maschine bedient, die da vor uns fummt. Eine Tag, gedrängt in vier Minuten. Langfam zieht der Mond seine Bahn. Raum geht er unter, erglänzt im Often die Sonne. Die Sterne, Die sonst vor ihrem Glanze erblassen, behalten ihr Licht. Die Sonne; ein Stern unter Sternen. Näher nur, darum größer. Und nun bleibt sie stehen, hoch im Zenith. Die Erde behält ihre Mittagsstel uing. Wir sehen den Reigen der Sterne sich erfüllen. Ein Jahr, gedrängt in Minuten. Sternbilder steigen, verfinfen. Berständlich wird das Wort Wendetreis. Stets aber sehen mir am gleichen Bunft den Polarstern des Nordens. Der ruhende Pol in der Erfcheinungen Flucht. Bewegung wird klar, nun der Wille des Menschen sie verzögert oder beschleunigt.. Kompliziert ist der Lauf der Planeten, die die Erdbahn umschließen. märts, seltsam gehemmt, dann wieder eilend der Sonne nach, die Kurven zieht ihre Bahn, vorwärts, rüdfie nur langsam in jahrelangem Lauf wiederholen. Jeder Umlauf, mühsam errechnet von blicksicheren Gelehrten, die Geahntes durch mühsame Berechnung beweisen, wird sichtbar durch die willkürlich gesteigerte Schnelligkeit des Umlaufs. Alles rückte ins Blichfeld. Keine Frage blieb offen als die: wie tam zustande, was wir hier sehen? Da erhellt sich wieder die Kuppel. Die Sterne verschwinden tind im nüchtern geweißten, wölbigen Raum summt ein Motor mit Jeltfamen Spizen und Hebeln. Das neueſte Wert der Firma Beiß. Erbaut in 6 Jahren. Fol gend dem Auftrag des Dr. v. Miller( München), der 1914 einen Upparat wie diesen für das Deutsche Museum zu München in Auftrag gab, an dessen Erdenkung und Bau man 1918 ging. Mancher Plan wurde verworfen, ehe man die große Aufgabe gelöst. So der, die Sterne als Glühlämpchen aufftrahlen zu lassen | an einem Rechtsfabinett beharre. Schließlich wurde folgende Erflärung angenommen: " Der am 20. Januar 1925 in Köln versammelte Provinzial. ausschuß der rheinischen Zentrumspartei legt seine Auffassung über die politische Lage in folgenden Sätzen nieder: 1. Der Provinzialausschuß entbietet dem bisherigen Reichskanzler Mary Grüße und aufrichtigen herzlichen Dank für seine vorzügliche Arbeit im Dienste des Vaterlandes. Er beklagt es aufs tiefste, daß es partei. politischer Macht gelungen ist, die Stellung des Reichs fanzlers Marg zu unterhöhlen und die Fortführung der bisherigen Politit, die gerade dem besetzten Gebiet große Erleichterungen ge. bracht hat, zu gefährden. 2. Die Berantwortung für die Wendung, welche die rheinische Zentrumspartei mit großer Besorgnis betrachtet, fällt in vollem Umfange der Deutschen Volkspartei 3u. 3. Dem Rabinett Luther steht die rheinische Zentrumspartei fühl abwartend gegenüber. Sie vertraut darauf, daß die Zentrumsfraktion des Reichstags dem Rabinett nur so lange ihre Unterstützung leiht, als der bisherige Kurs der Mitte der Innen- und Außenpolitit eingehalten wird." Betrachtungen aus dem Rheinland. Köln, 20. Januar.( Mtb.) Die Kölnische Zeitung segt sich mit der Haltung des Zentrums auseinander, bei dem man berücksichtigen müsse, daß es zwar als Partei nicht zur Opposition gehöre, daß ihm aber der oppofitionelle linte Flügel nur eine sehr vorsichtige Teilnahme an der Regierung Luther gesta: te. Auf die Frage der„ Germania":„ Warum diese Krise, wenn doch alles beim alten bleibt?", glaubt die R. 3." die einzige Antwort geben zu können, daß es ja der Deutschen Volkspartei darauf antomme, für ihre unveränderte Politik eine Mehrheit im Parla ment zu finden, ein Ziel, das auch Marg nach der Annahme des Lendoner Abkommens als notwendig anerkannt hat.(!) Es wäre im Interesse der Gesundung unseres Parteiwefens zu wünscher, wenn man die, bewußt oder unbewußt, jedenfalls objektive Gleich fegung von Koalition und Politik der Mitte endgültig aufgebe. Endlich empfiehlt das Blatt dem neuen Reichskanzler, so schnell wie möglich eine Unge it altung des Wahlrechtes auszuarbeiten, die der Bureaukratie der Parteien thre Macht nimmt und das Echidsal des Boltes in feine eigene Hand zurüdverlegt. Die Rölnische Boltszeitung" ftellt angesichts der Regierungserklärung die Frage, welchen 3med eigentlich diese monatelange Krise gehabt habe, worin der programmatische Unterschied bestehe, der einen Wechsel der Regierung noch dazu eine Dauertrife gefährlichster Artfachlich notwendig erscheinen an drehbarer Kuppel. Doch ichwierig wäre es gewesen, die Bemegung der Planeten zu zeigen, unabhängig vom Stande der Sterne, schneller als diese den Standort wechseln. Da fam Ingenieur Dr. Bauersfeld darauf, das Ganze auf eine feststehende Kuppel zu projizieren. Man blieb bei diesem Plan. Einunddreißig Projektionsapparate projizieren die zweiumdbreißig Felder des Himmels, von denen eins( Südpol) stets unsichtbar bleibt. Elf weitere Apparate braucht man für die Projektion der Milchstraße, während man dreißig Apparate für die Sternbilder einbauen mußte, deren Name auf besondere Einschaltung am Himmel erscheint. Aus diesen zweiundsiebzig finnreich gefuppelten Projektionsapparaten besteht die neue Maschine, die durch zwei Motore ge trieben, das Bild des Sternhimmels für jeden Augenblick der der gangenen und tommenden 25 000 Jahre wissenschaftlich einwandfrei aufzeigt Maschine, die im Mittelpunkt eines Raumes von 16 Metern Durch Mit den Apparaten für die Brojizierung der Planeten ist die meffer steht, eine der kompliziertesten der Welt. Die durch sie aus. geführte Tätigkeit einstweilen einzig. Eine zweite ist im Bau und foll in Jena verbleiben, während diese im Deutschen Museum zu München aufgestellt wird. Erich Grifar. großen Konzertdirektionen fulturell entweder vollständig ausruhen Bolkstümliches Konzert in der Singakademie. Während unsere oder sich darauf beschränken, alle möglichen und unmöglichen Stars zu unmenschlichen Breifen in die Arena zu treiben, hat der be scheidene Löwenson eine sehr begrüßenswerte Neuerung ge tonzerte. Hier wird für billiges Geld gute, gefunde Koſt. dar schaffen, die volkstümlichen Sonntagsvormittags. geboten, meist in der Mischung von Solisten und Kammermusik. philharmonische Konzertmeister Stefan Frentel mit Hermann konzert. Die 17. Matinee bestritt ausschließlich der jezige Dresdener Hoppe als Assistenten. Die feinsinnigste der drei Kriegsfonaten, die in G- Dur, eine der Solofonaten mit Fuge von Reger, Stüde von Sutt und Smetana, fchließlich das unverwüstliche D- Moll- Ronzert von Bieurtemps bildeten das Programm. Um die Kriegsfonate wehte troß des mitreißenden Tempos noch etwas fühle Luft, der letzte Saz verlor auch durch dasselbe einen Teil seiner poesievollen Bigeunerromantik. Auf höchster Stufe stand die Interpretation der das Vieugtemps- Konzert, speziell das wunderbare Adagio mit feinem Regerschen Solofonate. Unvergleichlich waren die Soloftüde und Wagner- Antlang. Stefan Frenkel ist trotz seiner 24 Jahre heute ein fertig Abgeschlossener, ein Führer. Seine vollendete Technit, fein phänomenaler Klangfinn, feine temperamentsprühende Rhythmit, feine abfolut reife Musitalität haben feine Spur von Sturm und Drang mehr an sich, wenn man seinen Hang nach Hebertreibung der schnellen Tempi nicht dazu rechnen will. Ja, die schmalzige Senti mentalität, der mehr als ein Star feine Haupterfolge verdankt, ver achtet er so sehr, daß man da und dort ein paar Tropfen feinen Rantilenen hinzuwünschen möchte. Der vornehme strenge Geschmad feiner Interpretation würde dadurch sicherlich nicht leiben. er mann hoppe ist ein vorbildlicher Kammermusiker und Begleiter. Warum nur so oft unsere großen Virtuosen sich mit den meist müden und unpersönlichen Begleitungsspezialisten begnügen, wo so vortreffliche, warmblütige, tiefeindringliche Hilfe winkt? H. M. Die Rheinische Zeitung" interessiert insbesondere der Eintritt des Freiherrn von Schlieben als Reichsfinanzminiſter in das Kabinett, der ein Hauptvertreter des Besoldungsgrundfußzes: oben viel, in der Mitte wenig und unten nichts! gewesen sei und als weitere Stütze der Deutschnationalen in der Reichsregierung zu gelten habe. Die Regierungserflärung mit ihren lahmen Worten zur Nichträumung der Kölner Zone und zur Kriegsschuldfrage sei, alles in allem, ein vollendeter Zufammenbruch deutschnationaler Außenpolitit. Die Deutschnationalen vermöchten außenpolitisch auch nichts anderes zu bieten a's Ebert und Scheidemann, als Rathenau, Wirth und Erzberger. In der Innenpolitik tein Wort zur Flaggenfrage, dafür ein Pp. penbetenntnis zur Republit, deffen Bedeutung man von den Be ficht des Reichswirtschaftsministers und ehemaligen Kippisten Dr. Neuhaus ablesen kann. Das Kölner Tageblatt", das im wesentlichen eine demo fratische Richtung verfolgt, fordert angesichts der Rechtsentwicklung der Haltung im Reich Festigkeit der Koalitionsparteien in Preußen. daß die sogenannte Kleine Koalition die einzige staatspolitische MögDer Deutschen Bolkspartei müsse unzweideutig klargemacht werden, lichkeit in Preußen darstellt. Die Wirkungen wären nicht abzusehen, wenn man in dem einzig ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht, in Preußen, dieselben Experimente macht wie im Reich. Auslandsstimmen zur Rede Luthers. Paris, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Von den Abendblättern beschäftigt sich nur der„ Temps" mit der deutschen Re gierungserklärung. Er bezeichnet sie als völlig nichts. fagend, so daß man sich nicht wundern dürfe, wenn sie von allen Barteien sehr fühl aufgenommen worden sei. Herr Luther bemühe sich vergebens, fo erklärt das Blatt, seinem Kabinett den Anschein einer über den Parteien stehenden Regierung zu geben; sie sei so Don realtionärem Geiste durchtränkt, daß fie aufs Haar dem Kabinett Cuno gleiche, mit dem einzigen Unterschieb, daß dieses wenigstens den Mut gehabt habe, fich offen zu seinen Tendenzen zu befennesi. In den innenpolitischen Erklärungen des Kanzlers fieht das Blatt den Auftakt zu dem Bersuch, die Verfassung von Weimar von innen heraus zu unterhöhlen und so ber monarchistischen Re. ftauration in Deutschland die Wege zu ebnen, in seinen außenpolitischen Erklärungen bas offizielle Bekenntnis zu der pon den Deutschnationalen bei der Annahme des Dames- Blanes aufgestellten Forderung nach dessen Revision, was praftisch auf eine neue Politit Ein Kehergericht in Amerika. Bischof Brown im Staate Arkansas war vor furzem von dem aus acht Bischöfen bestehenden Kirchengericht der Irrlehre schuldig befunden und ist jeßt, nachdem feine gegen das Urteil eingelegte Berufung von der obersten Kirchenbehörde verworfen wurde, seines Amtes entsetzt worden. Die oberste Kirchenbehörde bestätigte das erste Urteil, das ihn der Kegerei schuldig spricht und für unwürdig erflärt, sein geistliches Amt noch langer auszuüben. Bischof Brown hatte öffentlich seiner Ansicht Ausdruc gegeben, daß die unbefleckte Empfängnis Mariä nichts weiter als eine Fabel set, und er hatte ferner in einem Buch, das er unter dem Titel„ Kommunismus und Christentum" hat erscheinen lassen, den Satz geschrieben: Berbannt Gott aus seinem Himmel und die Kapitalisten von der Erde". Er erklärt, daß er sich bei diesem Richterspruch, der ihn geradewegs in die Hölle schickt", nicht beruhigen werde. " ministers sollen in Polen fünftighin Hinrichtungen nicht mehr vom Der liebgewordene Beruf. Auf Wunsch des polnischen Kriegs. Militär vollzogen werden und anstatt ber standrechtlichen Erschießung durch Soldaten die Bollstreckung der Todesstrafe durch Erhängen eintreten. Nach Bekanntmachung dieser Aenderung erhielt die Kanzlei des Sejm ein Schreiben, dessen Absender sich um den Bosten eines Henters bewarb. Der Bewerber bittet darin, feine Eingabe dem Sejm vorzulegen und ihm das Amt eines Scharf früher Lehrling und darauf Gehilfe und Stellvertreter eines Scharfrichters zu übertragen. Zu seiner Empfehlung beruft er sich darauf, richters in der österreichisch- ungarischen Monarchie gewesen zu fein; er ziehe es aber vor, ben ihm liebgewordenen Beruf in feiner Heimat Bolen auszuüben". Neben seinen Gehaltsansprüchen ersucht feines Namens und um polizeilichen Schuß auf seinen Reisen zur dieser sonderbare Bewerber auch noch dringend um Geheimhaltung Bollstreckung von Todesurteilen. Der Warschauer Robotnik“ beGesuch eines Polen, der lieber seine Landsleute als andere hängen merkt dazu, daß unter allen Kuriositäten der Nachkriegszeit dieses molle, doch alles übersteige, was man bisher gesehen und gehört habe. Hygienische Ausstellung in Düsseldorf 1926. Sm Zusammenhang mit bem großen Kongreg der deutschen Naturforscher und Aerale veranitaitet die Stadt Düsseldorf im Jahre 1926 eine Große Ausstellung für Gefundbeitswesen, für soziale Fürsorge und Retbesübungen unter der Mitwirkung Düffelbst begannen Borlesungen über Be: beweſen, die im Anschlußz des preußischen Staates". Werbewesen als Lehrgegenstand. An der Staatlichen Kunstakademie Abhaltung der Vorlesungen ist Dr. Albrecht beauftragt, der auta Dozent an die Arbeiten der Wertstätten für Werbewesen gehalten werden. Mit für Berbewesen an den Atademiekursen der Stadt Düsseldorf ist. Die Kunstakademie Düsseldorf dürfte die erfte Kunsthochschule Deutschlands sein, die das Berbewesen in den Lehrplan aufgenommen hat. Das Ende des ältesten Wolfenfrakers. Der ältefte Boltenfrager Rem Joris und damit der Welt, das vor 40 Jahren erbaute zebnstödige Mins Building, das damals für ein Wunderwerk der Technik galt, wird jezt abgeriffen werden. Die Holzpfäble, auf denen es errichtet war, tönnen bas Gewicht nicht mehr tragen. Biele Jahre befand sich hier die Bant Morgans. ezt hat Morgan das Haus an eine Gesellschaft verkauft, die an seiner Stelle ein 34stödiges Gebäude mit einem Stoftenauswand von 10 Millionen Dollar ausführen wird. Familientag derer vom Größenwahn betitelt sich der diesjährige Ball ber Raritaturisten, der am 14. Februar in ben Gesamträumen ber Bhilharmonie stattfindet. ber paffiven Resistenz hinauslaufe. Herr Luther habe den Bertretern der auswärtigen Preise erklärt, daß er besonderes Gewicht auf die Aufnahme lege, die sein kabinett in der öffentlichen Meinung des Auslandes finden werde. Troß der feierlichen Er. klärung, daß er die Politik seines Borgängers fortsehen werde, und froß der Mäßigung, die er sich in der Form auferlegt habe, fönne bas. Ausland einem nationalistischen Kabinett in Deutschland nicht anders als mit schwerstem Mißtrauen gegenüberstehen. Vertrauen fönne nur ein wirflies demokratisches Deutschland einflößen. Amsterdam, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die programmatischen Erflärungen Dr. Luthers über die Politik der neuen Reichsregierung finden in den Niederlanden keine günstige Bresse. Die Rede Dr. Luthers wird mehr als klägliche Aus. rede denn als politische Plattform der neuen Männer bezeichnet. Schon die Tatsache, daß Dr. Stresemann seine cha mäleonhafte Außenpolitif fortsezen könne, schreibt der Courant", eine Tatsache, die durch die nichtssagenten und dennoch doppelsinnigen Eritärungen Dr. Luthers unterstrichen werde, müsse das Ausland zur äußersten Stepfis gegen die Regierung der sogenannten Staatserhaltenden Parteien ftimmen, deren einflußreiche Mitglieder ihre Politik bisher in den Dienst der Unterhöhlung der Weimarer Verfassung gestellt haben. Zürich, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die neue 3ürcher Zeitung" schreibt zu der Rede Dr. Luthers:„ Daß die deutschnationalen Minister sogleich die verhängnisvolle, besondere Art ihrer Partei, Außenpolitik zu treiben, im neuen Kabinett zur Geltung bringen werden, ist zwar unwahrscheinlich. Kein Geringerer als der Führer ihres rechten Flügels, Graf eft arp, hat sich veranlaßt gefühlt, zu erklären, durch den Eintritt der Deutschnationalen werde die Ausführung des Dawes- Planes nicht gefährdet werden. Gr spricht aber im selben Atemzug die Weisheit aus, angesichts des Vertragsbruches des Feindbundes heiße es, die Wege der Politik zu wenden. Wenn damit gesagt sein sollte, daß die Deutschnationalen die Erfüllungspolitik widerwillig annehmen, im übrigen aber eine strammere nationalere" Haltung der Regierung wünschen, menn sich dies vielleicht auch nur im Tone des diplomatischen Notenwechsels auszudrücken hätte, so wären die Aussichten für die Förderung der moralischen Stellung der deutschen Republif in der Welt wirklich vielversprechend. Man darf wohl Graf Bestarp glauben, daß sich die Deutschnationalen„ einstweilen" mehr mit innen- als außenpolitischen Fragen befaffen werden. Ihrer Vorliebe für die Innenpolitik ist im Kabinett dadurch Rechnung getragen worden, daß dem deutschnationalen Fraktionsvorsitzenden Schiele das Innenministerium anvertraut wurde. Genf, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierungserflärung wird von der Schweizer Bresse sehr ffeptisch aufgenommen. Die Bafler Nationalzeitung" nennt das Regierungspro gramm ein Programm der Unehrlichkeit, weil Luther selbst bel bestem Willen niemals in der Lage sein dürfte, es durchzu führen infolge der monarchistischen Kabinettszusammenfeßung. Das Brogramm stelle eine Beruhigung für ein mißtrauisches Parlament bar und sei eine Berbeugung gegen rechts. Es bestehe fein Smeifel, daß die schönen Bersprechungen auf dem Papier in Wirk lichkeit bald anders aussehen würden. Noch ein Mißtrauensantrag! Zur politischen Aussprache im Preußischen Landtage ist noch folgender deuticnationaler Antrag eingegangen: Der Landtag wolle beschließen: Der Ministerpräsident und Minister der Finanzen und für Wissenschaft, Kunst und Bolfsbildung, Braun, der Minister des Innern. Severing, und der Minister für Handel und Gewerbe, Siering, befizen nicht das Bertrauen des Preußischen Landtages. Bewersdorff weiß nichts... Antwort auf die kleine Anfrage. In einer fleinen Anfrage des Abgeordneten Riedel von ber Deutschen Demokratischen Partei ist behauptet worden, der als Vorsitzender des Schöffengerichts im Beleidigungsprozeß des Reichspräsidenten bekanntgewordene Landgerichtsdirektor Bemersdorff in Magdeburg habe, als er noch in Rottbus tätig gewesen sei, wiederholt Aeußerungen fallen gelaffen, wie:„ Der einzig mögliche Reichspräsident ist Ludendorff" und mit Bezug auf den Herrn Reichspräsidenten„ ber Sattlergeselle muß bort oben verschwinden". Daran ist die Frage an das Etaatsministerium geknüpft, ob es Tatsache sei, daß diese und ähn liche Aeußerungen Bewersdorffs dem Justisministerium furz vor seiner Beförderung zum Landgerichtsdirektor mitge. teilt worden seien. Diese Frage hat der Preußische Justizminister bahin beantwortet, daß eine Mitteilung der Art dem Justiz minifterium niemals gemacht worden sei. Die Anfrage des Abgeordneten Riedel enthält teinerlei nähere Angaben über Ort, Zeit und Anlaß der dem Landgerichtsdirektor Bewersdorff in den Mund gelegten Aeußerungen. Wie der Amt liche Preußische Pressedienst erfährt, hat Landgerichtsdirektor Bemersdorff dem Justizminifterium dienstlich ertlärt, daß er trotz eingehender Prüfung feines Gedächtnisses sich nicht entsinne, Aeußerungen der in der kleinen Anfrage behaupteten Art jemals getan zu haben, und daß er es für vollkommen ausgeschlossen halte, daß er solche Aeußerungen jemals getan habe. Anklage gegen einen Landgerichtsdirektor. Wegen Beleidigung Bewersdorffs. In einer Kleinen Anfrage nationalsozialistischer Reichstags. Abgeordneter im Preußischen Landtag wurde darüber Beschwerde geführt, daß der Landgerichtsdirektor Kroner in Berin dem Magdeburger Schöffengericht, das Landgerichtsdirektor Dr. Bewersdorf leitete, öffentlich vorgeworfen habe, es habe sich in dem fogenannten Ebert. Brozesse einer„ jammervollen, scham lofen, feigen, verächtlichen Ronklusion" schuldig gemacht. Das Staatsministerium wurde gefragt, welche Schritte es unternommen habe, um den Landgerichtsdirektor Kroner zur Berantwortung zu ziehen und das„ Ansehen der preußischen Gerichte gegen solche Be chimpfungen durch preußische richterliche Beamte" zu schüßen. Wie der Amtliche Bieußische Bressedienst mitteilt, beantwortete der Justizminister die Anfrage wie folgt: „ Der Aufsaß des Landgerichtsdirektors Kroner vom Landcericht III in Berlin im Abendblatt der Bossischen Zeitung" vom J. 24. Dezember v. 3. ist von dem Kammergerichtspräsidenten zur Renntnis des Oberlandesgerichtspräsidenten in Naumburg gebracht worden; dieser hat als amtlicher Borgefehter der angegriffenen Magdeburger Richter Strafantrag gegen den Landgerichts direktor Kroner wegen Beleidigung gestellt. Gleichzeitig haben die beteiligten Magdeburger Ricyber ihrerseits Strafantrag geftellt. Der Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht I in Berlin hat daraufhin die öffentliche Rlage wegen Beleidigung gegen den Landgerichtsdirektor Kroner erhoben. Inzwischen ist das Hauptverfahren vor dem Schöffengricht Berlin- Mitte eröffnet worden. Nach rechtskräftiger Erledigung des Strafverfahrens wird die Angelegenheit im Disziplinarwege weiter vers folgt werden. Die dem zweiten Teile der Anfrage zugrunde liegenbe Annahme, das Staatsministerium habe gegen das Magdeburger Schöffengerichtsurteil Stellung genommen und damit in ein schwebendes Verfahren eingegriffen, trifft nicht zu Das Berfahren gegen Landgerichtsdirektor Kroner wird verfländlich, wenn man weiß, daß er Borsitzender des Republi. fanischen Richterbundes ist! Ein völkischer Putschift verhaftet. Aber er ist mit den Nerven zusammengebrochen". Der frühere nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hauptmann a. D. v. Hendebred ist gestern vormittag in seiner Ber liner Wohnung verhaftet worden. v. Heydebred murde von der Staatsanwaltschaft in Beuthen D.-S. auf Beraniaffung bes Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republit gesucht wegen Beteiligung an den anläßlich des Hitler Butsches in November 1923 in Oberschlesien entstandenen Unruhen. Soziale Fragen im Ausschuß. Ein fozialdemokratischer Antrag angenommen. Der Reichstagsausschuß für soziale Angelegen. heiten beschäftigte fich in seiner ersten Sigung zunächst mit einem Gefeßentwurf über das Reichsschiedsamt. Ministerialdirektor Dr. Griefer vom Reichsarbeitsministerium machte zur Gegründung gel tend, daß zur Regelung des Rechtsverhältnisses zwischen Aerzten und Krantenfaffen im allgemeinen der Reichsausschuß für Aerzte und Krankenkassen bestellt sei. Der Interessenausschuß bei Schlich, tung von Gesamtverträgen und die Schlichtung von Streitigkeiten aus den Verträgen obliege den Schiedsämtern, die bei den Oberversicherungsämtern gebildet find, und dem Reichsschtedsamt beim Reichsversicherungsamt. Diese Einrichtungen feien soziale Selbstverwaltungsförper des öffentlichen Rechts, in denen gewählte Bertreter der Aerzte und Krantenfaffen unter Mitwirfung von Unparteiischen im Rahmen der Gefeße die taffenärztlichen Angelegenheiten selbst ordnen, Recht schaffen und Recht Es ist merkwürdig, wie zartbefaltet die völlischen Helden wer anwenden, wie die Zwecke der Krankenversicherung und die Bedürf- ben, wenn zufällig einmal einer von ihnen zur Berantwortung genisse der beteiligten Personen es erfordern. Da nach den Erfahrun zogen wird. Sonst fönnen sie nicht laut genug an ihre Heldenbrust gen des letzten Jahres bie 3uständigkeit des Reichsfchieb s pochen, aber wenn der Staatsanwalt kommt, dann sind sie haft. amts für die praktischen Bedürfnisse sich als zu eng erwiesen unfähig! So Boehner, so Henbebred! Aber nur Mut, auch in habe, sollen um die Gefahr einer Rechtsunsicherheit abzuwenden Beuthen wird es nicht so schlimm gehen wie etwa den Kommuund um die Rechtseinheit zu fördern die bestehenden Borschriften niften vor dem Staatsgerichtshof! über die Zusammenfegung zugunsten des Selbstverwaltungs rechts geändert werden. Nach furzer Aussprache nahm der Ausschuß den Gesetzentwurf in der Regierungsfassung an. Es folgte die Behandlung eines sozialdemokratischen Antrags, der in der Berordnung über die Fürsorge für erwerbslose Seeleute Dom 30. Oftober 1924 im§ 1 Abs. 3 die Ziffer 1 zu streichen wünscht. Abg. Schumann( S03.) führte dazu aus, daß ursprünglich die Einrichtung einer Fürsorge für alle erwerbslosen Seeleute geschaffen werden sollte, während die in dem sozialdemokratischen Antrag er wähnte Berordnung den Besagungen der Hochfeefische reifahrzeuge die Antwartschaft auf die Fürsorge versage. Diese Herausnahme der Hochseefischereifahrzeuge wurde damit begründet, daß die Hochseefischereien einen Saisonbetrieb darstellen, so daß die Arbeiter von jeher mit Unterbrechungen des Betriebes rechnen mußten und daß sie schließlich höhere Löhne, als sonst in der Seeschiffahrt üblich feien, bezogen. Redner wandte sich in längeren Ausführungen gegen diese Gründe. Die Hochseefischerei werde das ganze Jahr hindurch aufrechterhalten. Der Berdienst der Mannschaften stände feinesfalls im Durchschnitt über dem Berbienft der Mann schaften in der Großschiffahrt. Somit ſei in feiner Weise das Mert mal eines Saisongemerbes gegeben. -Nach eingehender Diskussion machte Reichsarbeitsminister Brauns Ausführungen über die gefeßestechnischen Möglichkeiten einer Aenderung der Berordnung. Er machte darauf aufmertfam, daß die prinzipielle Frage der Behandlung des Saisongewerbes in der Versicherung wahrscheinlich in den nächsten Monaten durch ein neues Gefes endgültig geregelt würde. Er verschließe fich aber auch nicht einer sofortigen Aenderung, wenn der Reichtsag fie auf Grund der Lage der Hochfeefischerei für notwendig erachte. In der Abstimmung wurde ber fozialdemokratische Antrag angenommen:„ Die Regierung wird ersucht, die Fürsorge für erwerbslose Seeleute auch auf die in der Hochseefischerei beschäftigten Seeleute schleunigst auszudehnen." Die Pressestelle der Nationalsozialisten läßt zu dieser Verhaftung ihres putschistischen Genossen mitteilen, daß Hendebred, der am 7. Dezember nicht wiedergewählt wurde, mit den Nerven volltommen zusammengebrochen fei" und daher eine Haft nicht bestehen fönne. Auswärtige Debatte in der Kammer. Herriot ergreift wieder das Wort. Paris, 20 Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer be gann am Dienstag die Beratungen des Haushalts des Auswär. tigen Amtes und hörte dabei zunächst die Reden einiger Außenseiter an. Der Abgeordnete Bonnet( Linksrepublikaner) beschäftigte sich erneut mit der Kriegsschuld und forderte die Bc. strafung Wilhelms II.; auch die Entwaffnung Deutschlands müsse zu Ende geführt werden. Der Redner forderte außerdem, daß die Regierung dem Parlament alle auf die Ent waffnung bezugnehmenden Dokumente unterbreite, um den wahren Stand der Entwaffnung Deutschlands tennen zu lernen. Der Ahgeordnete Morinaud( republikanischer Sozialist) schnitt die Zunis. Frage an. Daraufhin ergriff der Ministerpräsident Herriot das Wort und wies darauf hin, daß man Tunis nicht als französische Proving betrachten fönne, da der Ben des Landes über gewiffe Souveränitätsrechte verfüge. Der Lärm um eine Aenderung der Berfaffung von Tunis fei tommunistischen Ursprungs. Die Regierung sei bereit, alle erforderlichen Reformen durchzuführen, werde aber mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln diese eigentümliche Berquidung von Kommunismus und Nationalismus betämpfen. Paris, 20. Januar.( WTB.) Die Kammer segte in ihrer heutigen Nachmittagssigung die Beratung über das Budget für aus. wärtige Angelegenheiten fort. Zunächst ergriff der Berichterstatter für den Etattitel, der radikale Abgeordnete Henri Simon, bas Mort. Er erklärte, er wolle sich nur über die Frage der Mandate, der Beziehungen zu Rußland und über die Aufhebung der wünsche die Regierung dazu, daß sie Jean Herbette zum diplomatischen Vertreter in Mostau ernannt habe. Die alten Methoden, die Frankreich Sowjetrußland gegenüber zur Anwendung gebracht habe, haiten Schiffbruch erlitten. Es sei notwendig ge= oefen, zu neuen Methoden Zuflucht zu nehmen. Man wiffe abfolut nichts über die Zustände in Rußland. Die Kommunisten nennten wisse, in welchem Zustande sich die Industrie, die Landwirtschaft und wife, in welchem Zustande sich die Industrie, die Landwirtschaft und franzöfifchen Botschaft beim Batitan aussprechen. Er beglüd. es ein Paradies, die Antikommunisten ein Fegefeuer. Niemand die Berkehrsverhältnisse befänden. Auch wisse man nicht, welche neuen Methoden die Sowjets zur Anwendung zu bringen gedächten oder ob sie allmählich zur alten Politik der Baren zurückkehren wollten. Um über all das aufgeklärt zu werden, müsse man sehen, müffe man verhandeln, furzum: müsse man eine Botschaft befizen. Gins beunruhige allerdings, und zwar sei dies die Prapaganda der Sowjets, für die 200 Millionen Rubel ausgegeben würden. Gegen diese im Ausiand betriebene Propaganda hätten bereits Länder wie Deutschland, Skandinavien, die Schweiz und England Protest eingelegt. Abg. Simon erklärte weiter, sogar Macdonald habe sich gegen die Propaganda der Sowjetunion ausgesprochen und es sei sehr leicht, alle diese Kundgebungen für Fälschungen zu erklären. Frankreich werde jedenfalls nicht zugeben, daß hinter der Regierung der Sowjetunion die Dritte Internationale stehe, die handele. Was die Anerkennung der Schulden des zaristischen Rußlands betreffe, fo sei noch nichts entschieden. Ministerpräsident Herrist unterbricht und erklärt, in dieser Frage dürfe man nicht verfrühte hoffnungen aufkommen laffen, auch dürfe man nicht die entmutigen, die versuchten, das außerordentlich schwierige Problem zu lösen. Die Anerkennung der Rechte Frankreichs sei eine unerläßliche Bedingung für die Wiederaufnahme der Beziehungen. Die absolute Loyalität jei ebenfo unerläßlich für die Beziehungen zu Rußland. Wenn die Russen Kredite in Frankreich finden wollten, dann müßten fid) Staat und Privatpersonen den geltenden Regeln des Handels und ben internationalen Regeln der Politit unterwerfen. Der Berichterstatter fährt fort: Wenn übrigens die Sowjetregierung glaube, eine neue Anleihe in Frankreich auflegen zu fönnen, bevor die alte Schuldenfrage geregelt set, bann sei sie im Irrtum. Hunderten von Millionen, die Sie Bolen geliehen haben, fann auch Der fommunistische Abgeordnete Cachin ruft dazwischen: Den Balet gefagt werden. Der Berichterstatter geht fobann zur Frage der Aufhebung der Botschaft beim Batikan über und spricht sich unter scharfen Angriffen auf die Politit des päpstlichen Stuhles, die heftige Proteste der Rechten auslösen, für die Streichung der Kredite aus. Musolinis Aengste. Kampf gegen Börsenmanöver". WIB. meldet: Bon unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, baß die in den letzten Tagen verbreiteten Alarmnachrichten über Stalien, bei denen es sich offensichtlich um Börsen. manöver handelt, sich als völlig unbegründet erwiesen haben. In Die Mussolini- Regierung pflegt jedesmal, wenn Gerüchte entstehen, die für das Faschistenregiment unbequem, die aber bei den gegenwärtigen tolien politischen Zuständen Italien nur zu begreiflich find, zu erflären, es handle fich um Börsenmanöver, oder um Spekulationen gegen die Lire. Da. bei weiß jeder Mensch, daß nichts so sehr und so schnell den tiefen Stand der Lire heben tönnte, wie eine Bestätigung dieser Ge rüchte. An der Aufrechterhaltung des Mussolini- Regiments haben nur diejenigen im Auslande Interesse, die auf das weitere Sinten der italienischen Währung spekulieren. Der Preußische Staatsrat hat in seiner legten Plenarsizung Oberbürgermeister Abenauer( 3entr.) zu feinem Borsitzenden wieder. gewählt. Zum 1. Bizepräsidenten wurde Bürgermeister Genoffe Graef, Frankfurt am Main, zum 2. Bizepräsidenten Juftgrat Hallensleben, Berlin( D. Bp.) gewählt. Die Heimkehr der Ausgewiesenen. Die Betreuungs-, Wohnungs- und Amnestiefrage. Der Reichstagsausschuß für die befesten Ge biete hielt geffern feine erste Sigung ab. Borsigender Abg. Dr. Bayersdörfer( Bayer. Volksp.) schloß sich namens des Ausschusses dem Protest der Bertreter des Rheinlandes an. Die deutsche Regierung möge Mittel suchen und Bege finden, die dem besetzten Gebiet bie innere und äußere Freiheit wiedergeben und wertvolle Teile der deutschen Bevölkerung von dem moralischen, feelischen und politischen Drud befreien, unter dem sie schon seit fechs Jahren steht und schmachtet. Aber mag tommen, was tom men will, der Gedanke der Einheit wird nicht vernichtet werden. as im ersten Jahrtausend deutscher Geschichte nicht gelungen sei, werde auch im zweiten Jahrtaufend nicht gelingen.( Lebh. Beifall.) Kommunistenverhaftungen. In Blaichach( Schwaben) wurden Darauf trat der Ausschuß in die materiellen Berhandlungen drei Kommunistenführer in ihren Wohnungen ver. tchader Ausgewiesenen. Die Rückkehr jei bisher noch verliefert. Bei anderen Mitgliedern der kommunistischen Ortsgruppe ein. U. a. berichtete Ministerialdirettor Dilthen über die Heim haftet. Einer davon wurde nach München ins Gefängnis eingeweigert bei 11 Ausgewiesenen im altbejezten Gebiet( fechs in der Blaichach wurden Haussuchungen vorgenommen. franzöfifchen, fünf in der belgischen Zone) und vier im neubesetzten Gebiet. Betreut würden noch 11000 Berfonen in Ueber. gangsbetreuung, darunter zwei Drittel Eisenbahner. Besondere Schwierigkeiten bereite die Wohnungsfrage. Hier feien außer ordentliche Maßnahmen zur Linderung der Not getroffen worden. Auf Grund der Verhandlungen über die Amnestie seian 400 Personen aus der Haft entlassen und gegen 1200 Per. fonen das Verfahren eingestellt worden. Hierauf vertagte sich der Ausschuß. Hitler derf wieder Wie man nachträglich erfährt, hat Hitler bei feinem Besuch beim Ministerpräsidenten Held von diesem die Zuficherung erhalten, daß das seit dem 9. November 1923 in Bayern bestehende Berbot der Nationalsozialisti Hierzu wurde ein 3ufahantrag des Zentrums angefchen Deutschen Arbeiterpartei in fürzester Zeit auf. nommen, ber verlangt, daß die Ausdehnung der Fürsorge nur ge- gehoben wird. Man wird also damit zu rechnen haben, daß fchehen soll, soweit die Arbeit nicht offenbar als Saisonarbeit zu be hitler alsbald nach der Aufhebung dieses Berbots seine politische trachten Jei Tätigkeit wieder öfentlich ausüben wird. in Letzte Nachrichten. Ein Passagierschiff im Nebel aufgelaufen. London, 20. Januar.( WTB.) Der britische Dampfer Archangel" lief, von Harwich tommend, in dichtem Nebel südlich von Hoef von Holland auf Grund. Etwa 140 Passagiere waren an Bord. Bon drei Schleppern wurde versucht, das Schiff wieder flott zu machen, ohne die Passagiere zu landen, aber vergebens. bracht. Man glaubt, daß das Schiff keinen Schaden erlitten hat Die Passagiere wurden dann doch von den Schleppern an Land geund erwartet, daß es durch die Machtflut wieder flott wird. Der Unfall ereignete sich an derselben Stelle, wo der Dampfer Berlin" im Februar 1907 unterging, als nur 15 Paffagiere von 143, die an Bord waren, gerettet wurden. Gewerkschaftsbewegung Zurück zum Achtstundentag! Eine Etappe auf dem Vormarsch. Die sozialpolitische Tagesarbeit der freien Gewerkschaften und die der Sozialdemokratischen Partei tritt mit der allgemeinen Gefundung wieder in wachsendem Maße in den Vordergrund der deut schen Arbeiterbewegung. Die freien Gewerkschaften haben nach einem monatelangen schweren Ringen mit der Großinduftrie zu nächst im Vorläufigen Reichswirtschaftsrat einen Beschluß zugunsten der Wiedereinführung des Dreischichtensystems in den Hochofen- und Rofereibetrieben erwirkt. Der Drud der organisierten Arbeiterschaft war start genug, um von der neuen Reichsregierung als ersten Rabinettsbeschluß eine Verordnung für die Wiederherstellung dez Achtstundenschicht zu erzwingen. Gegenüber der dauernden Revolutionsspielerei der Rommunisten verdient hier festgehalten zu werden, daß dieser Erfolg nur durch die Kraftentfaltung der Organi fationen möglich war. Das Erstarken der Sozialdemokratie in der Wahl am 7. Dezember und die sichtbare Konsolidierung der freien Gewerkschaften bedeuten Machtfaktoren, mit denen jede Reidsregierung zu rechnen hat. Auch die kommunistischen Schwer. arbeiter in den Hüttenwerfen werden damit einverstanden sein, daß fie zunächst von unerträglichen Arbeitsverhältnissen entlastet werden, ohne, bis auf den Tag einer von Scholem und Ruth Fischer feſtzusehenden Weltrevolution" warten zu müssen. " Lifte der freien Gemertschaften 12 876 Stimmen, für bie fommu. I fchaftlich zu organisieren. Auch die Betriebsvertretung hat in hiefer nistische Liste 4262 Gimmen, für die Liste der Christlichen und Frage völlig versagt. Gelben 932. Die Berteilung der Size wird diesmal voraussichtlich wie folgt aussehen: Freie Gewerkschaften 21 bis 22 Size, Kommunisten 6 bis 7, Christen und Gelbe 1 bis 2. Am kommenden Senntag findet die Wahl zur Bremer Angestelltenkammer statt. Halle, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Bei der Wahl der Ortsverwaltung Bitterfeld des Metallarbeiterverbandes für das Jahr 1925 trug die freigewertschaftliche Amsterdamer Liste einen vollkommenen Sieg davon. Die Kommunisten waren faum in der Lage, ein Sechstel der abgegebenen Stimmen aufzu bringen. Auch in Halle hat die Amsterdamer Richtung einen erfreulichen Fortschritt zu buchen. Im Vorjahre wurden die sozial bei der Wahl der Ortsverwaltung der Metallarbeiter immerhin demokratischen Metallarbeiter noch niedergebrüllt. Jetzt gelang es 322 Stimmen für die freigewerkschaftliche Liste aufzubringen gegen 500 fommunistische. Viel trug zu dem freigewerkschaftlichen Erfolg das völlige Bersagen des kommunistischen Kassierers bei, der im letzten Jahr lediglich auf Grund seiner fommunistischen Einstellung gewählt worden war, sich aber als völlig unfähig erwies. Hätte nicht der im Amt belaffene zweite Kaffierer, ein Sozialdemokrat, das Schlimmste verhindert, dann wäre die Kaffe in völlige Unordnung geraten. Große öffentliche Kundgebung Jeder, der den gewaltigen Anfturm ber organisierten Schwer gegen den Rechtsturs in Deutschland industriellen gegen die Wiedereinführung des Dreischichtensystems verfolgt hat, wird diesen politischen und gewerkschaftlichen Erfolg zu würdigen wissen. Noch vor wenigen Tagen tobte sich die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" in einem Leitartikel:„ Die gefährlichen Bes triebe" gegen das Verlangen der Gewerkschaften aus und ließ be reits erkennen, daß die Industrie von einer solchen Ausführungs berordnung zu§ 7 auch bereits die Annäherung an die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens befürchte. Nach her fonnte man es in derselben Deutschen Allgemeinen Zeitung" freilich anders lefen. Da war der Kabinettsbeschluß auf einmal eine foziale Tat, die gefeiert wurde. Wenn man dem schwerindustriellen Organ glauben dürfte, dann würde uns das Kabinett Luther herrlichen fozialpolitischen Zeiten entgegenführen. Gerade ein rechtsgerichtetes Rabinett tönne eigentlich richtig Sozialpolitik machen, ohne gegen die Sabotage der Unternehmer fämpfen zu müssen. Tatsächlich befand sich das Kabinett Luther vor ainer vollendeten Tatsache. Es lagen bindende Erklärungen des Reidsarbeitsministers tor, ein Beschluß des Kabinetts Marg, ein Gutachten des Reichswirtschaftsrats und last but not least der Wortlaut der Arbeitszeitverordnung. Sich über diese Tatsachen hinwegfchen und beschließen, daß es in der Schwerindustrie bei dem fchmachvollen Zweischichtensystem bleibt, wäre für das sozial und republikanisch verkleidete Kabinett der Schlot- und Krautjunter ein Anfang gewefen. der wenig Erfolg versprochen hätte. Zumal bie Gewerkschaften aller Richtungen und die Sozialdemokratie schließlich auch noch da sind. Die Sozialdemokratie wird im gegenwärtigen Reichstag bei dem Aufbau der Wirtschaft den Ausbau der sozial politischen Gesetzgebung, in erster Linie die Wiederherstellung des Achtstundentages, als die dringlichste Aufgabe be trachten. Da über ein Jahr verstrichen ist, seit der Reichsarbeitsminister durch die Bestimmungen des§ 7 der Arbeitszeitverordnung vom Dezember 1923 den Auftrag erhalten hatte, für die gesund heitsschädlichen Industrien eine Befchräntung der Arbeitszeit auf täglich acht Stunden anzu ordnen, fo tann heute der Erlag für die Hochofen und Stoferei betriebe nicht mehr als ausreichend angesehen werden. Eine alfe Schwerarbeiter umfassende Ausführungsverordnung zu § 7. ist daher längst fällig und darf nicht länger hin. ausgezögert werden. Die sozialdemokratische ReichstagsDie sozialdemokratische Reichstags. fraktion hat darüber hinaus durch einen Antrag befundet, daß der § 7 überhaupt nur ein vorübergehendes Behelfs mittel war und es jetzt darauf ankommt, die gesamte Arbeitszeitverordnung vom Dezember 1923 zu ersehen durch ein vom Reichstag zu beschließendes Arbeitszeitgeset. Der Antrag läßt er. tennen, daß dieses Reichsgefeß nicht nur die Voraussetzungen zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens enthalten soll, sondern in feinem Wortlaut den von der Gegenseite ge. planten Auslegungsfünften vorbeugen muß. am Dienstag, 27. Januar, abds. 7 Uhr, im Sportpalaft, Potsdamer Straße 27. Redner: Reichstagspräsident Löbe, Reichstagsabgg. Crifpien, Dr. Breitscheid, Dr. Levi, Müller- Franken, Scheidemann. Die Straßenbahner nehmen an. Das gesamte Personal der Straßenbahn nahm gestern in drei Bersammlungen Stellung zu dem Angebot der Direffion, in allen Gruppen 5 Bf. Lohnzulage zu geben. Während eine Verfammlung des Fahrperfonals am Morgen das Angebot gegen eine starke Minderheit ablehnte, hat das technische Personal und eine Abendversammlung des Fahrpersonals zugestimmt. Das An gebot gilt danach als angenommen; es gilt bis zum 31. mai. Die Differenzen bei Peek& Cloppenburg. Bom Deutichen Belleidungsarbeiterverband wird uns geichrieben: Zu dem Artikel des Vorwärts" KPD. Betriebsräte gegen Arbeiterinteressen" bringt der Bekleidungsarbeiterverbond( Oppo sition) in der„ Roten Fahne" einen ausführlichen Bericht, der in allen wesentlichen Puntten den Bericht des„ Vorwärts bestätigt. Es wird zugegeben: bracht werden durfte; 1. daß der Streitfall nicht zur Entscheidung der Firma ge2. daß die entlassenen Arbeiter an einem anderen Arbeiteblaz in der Firma hätten weiter beichäftigt werden müssen und Entlassungen durch Mitglieder der Opposition weder angeregt noch gefördert werden dürften; 8. daß das Betriebsratsmitglied Conrad unter feinen Umständen als Beteiligter mitentscheiden durfte und die übrigen Mitglieder ihrer Organisation im Betriebstat hätten alles daian fegen müffen, daß eine Zusammenseßung in anderer Weise erfolgte; 4. baben infolge dieser Haltung Conrad und Piez ihre Mandate im Arbeiterrat niedergelegt. Hiermit werden in vollem Umfange unsere Behauptungen beftätigt.. Wenn dann behauptet wird, daß Comad und einige andere Betriebsratsmitglieder nicht Mitglied der fommunisti chen Bartei feien, fo mag das für den Augenblid richtig fein, da man nie weiß, wie lange jemand sich bei dieser Partei aufhält. Tatiace ist aber, daß die Genannten feinerzeit ausdrücklich auf der Oppositionsliste der KPD. gegen die Liste der freien Ge wertschaften gewählt wurden. Wenn ferner behauptet wird, daß die Arbeiter in der Gruppe Conrad feinen schlechteren Berdienst batten als in anderen Gruppen, so find wir in der Lage, ziffern mäßig die Unrichtigkeit dieser Behauptung zu beweisen. leber praktische Gewerkschaftsarbeit und Solidarität mit den Vertretern der Opposition zu diskutieren, ist überflüssig. da wir diefe, wie Schumacher und Genossen sie auffassen, uns nicht zu eigen machen können. Aushilfe auf eineinhalb Jahre. Es gilt, alle Kräfte der arbeitenden Bevölkerung in den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei zu vereinigen, um im Kampf für den Achtstundentag den Erfolg zu sichern. Die Rüdfehr zum Dreisch chtensystem in der Schwerindustrie ist nur eine Bei der Firma Franz Wagner, Mühlenstr. 75/77, eins der Etappe auf einem feit dem Frühjahr 1924 erfolgreichen, unaufhalt größten Wäscheverleihgeschäfte mit Dampfwäschereibetrieb, herrschen samen Vormarsch. Die organisierte Arbeiterschaft fordert den eigenartige Einstellungsmethoden, die endlich einmal der Deffentlich pollen Achtstundentag und die Ratifizierung des feit übermittelt werden müssen. Die Firma stellt nur Aushilfen Abkommens von Washington. Sie hat unter Führung einen Revers unterschreiben, daß sie auf 4 Wochen als Aus. ein. Arbeitnehmer, die dort Arbeit aufnehmen wollen, müssen der Sozialdemokratie auch einen Bismard gezwungen, Sozialhilfe beschäftigt werden. Nach Ablauf der 4 Wochen werden diese politik zu treiben. Sie wird mit einem Luther, der nicht den Mut Bersonen ordnungsgemäß entlassen, um am nächsten Tage refp. noch hat, zu befennen, wo er steht, erst recht fertig merden. am gleichen Tage nach Unterschriftsleistung erneut auf vier Wochen als Aushilfe eingestellt zu werden und so alle vier Bochen fort. In der letzten Zeit hat man erst gar nicht mehr diese Entlaffungsformalitäten vorgenommen, sondern einfach nur den Revers zur Unterschrift und damit zur weiteren Verpflichtung vorge legt. Wer das nicht fut, der fliegt dann sofort. So sind mittlerweile von einer Belegschaft von zirka 250 Beschäftigten ungefähr vier Fünftel als Aushilfe und nur ein Fünftel als fest beschäftigt. Bon diesen vier Fünfteln sind aber manche con 7 Monate und länger, ja jon bis 1½ Jahre lang als„ Aushilfe" bei der Firma tätig. Die Einheitsfront marschiert. Durch den Niedergang der Kommunisten. Bremen, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand die Neuwahl der im Jahre 1921 für das gesamte Bremer Staatsgebiet gebildeten Arbeiterkammer statt, die die erste öffentlich. rechtliche Arbeitnehmervertretung in Deutschland ist. In ihrem mehr als dreijährigen Bestand hat sich die Bremer Arbeiterfammer als eine Notwendigkeit für die Vertretung der Arbeiterinteressen er. wiesen, die von feiner der schon bestehenden anderen Kammern wahrgenommen wurden. Von 30 Sigen der Bremer Arbeiter fammer hatten die freien Gewerkschaften seit 1921 insgesamt 29 Size inne, während ein Sig an die chriftlichen Gewerkschaften gefallen war. Bei der jezigen Neuwahl stellten die Kommunisten im Widerspruch zu den Beschlüssen der freien gewerkschaftlichen Organisationen eine eigene Barteilifte auf und machten für diese Sonderliste in der schändlichsten Weise Propaganda, indem sie die Kandidaten der freien Gewerkschaften zur Freude der Chriftlichen und Gelben in den Schmuz zogen. Das hat ihnen nichts genügt, denn die erdrückende Mehrheit der Bremer Arbeiterschaft hat die Liste der freien Gewerkschaften gewählt. Bis jetzt sind aus dem Bremischen Staatsgebiet folgende Teilresultate festgestellt: Für die Auf das eigenartige Berhalten der Firma Franz Bagner machen wir die behördlichen Stellen aufmerksam. Welche Maßnahmen dagegen zu ergreifen sind, muß der Tatkraft der dortigen Belegschaft überlassen werden. Soll es wieder zu geordneten Zustän den bei dieser Firma tommen, ist es Vorbedingung, daß sich die Für das Wäschereigesamte Kollegenschaft restlos organisiert. personal( Innenpersonal) kommt der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband, Sebastianstr. 37/38, in Frage. 27 Jahre Staatsdienst, aber feine Pension. Wie es einem Handwerker. der den größten Teil seines Lebens im Staatsdienst zugebracht hat, ergehen fann, wenn er alt und arbeitsunfähig wird, zeigt eine Zuschrift, der wir folgendes ent. nehmen: Mein Vater war über 27 Jahre im elektrotechnischen Laboratorium der Charlottenburger Technischen Hochschule tätig und hat dort bei den Versuchen, die die befannten Physifer Geheimrat Slaby und Graf Arco auf dem Gebiete der Elektrotechnik unternahmen, durch seine Tüchtigkeit und seine Sachkenntnis viel zum Gelingen beigetragen. Vor beinahe zwei Jahren erlitt mein Bater während des Dienstes einen Schlaganfall, dessen Folgen ihn arbeitsunfähig machten. Seit Januar d. J. liegt er vollkommen gelähmt im Krankenhaus Westend. Alle unsere Bemühungen, von der Technischen Hochschule irgendeine Unterstügung zu erhalten, find bisher ergebnislos geblieben. Die Gesuche wurden nicht einmal beantwortet, und bis zum heutigen Tage hat mein Bater nicht einen Pfennig außer dem ihm gefeßlich zustehenden Kranken- und Invalidengeld erhalten. Mein Vater war sich allerdings stets darüber flar, daß er feinen rechtlichen Anspruch auf Bension oder Ruhegehalt hat, hoffte aber doch immer, daß ihm auf Grund seiner Leistungen aus dem der Hochschule zur Verfügung Stehenden Fonds eine Beihilfe gegeben werden würde. Meine Ge schwister und ich müssen zusehen, wie mein Bater als Armer im Krankenhause liegt, ohne daß wir selbst in der Lage wären, ihn so zu unterstützen, wie er es im Leben verdient hat. Wir fragen uns oft, ob staatliche Institute, wie es ja auch die Technische Hochschule ist, nicht wenigstens eine moralische Berpflichtung haben, für ihre alten, tranfen Arbeiter zu sorgen. Uns ist der Schritt in die Deffentlichkeit nicht leicht geworden, weil wir wissen, daß die maẞgebenden Herren in der Hochschule sich dadurch in ihrer Einstellung nicht beirren lassen. Es ist aber gut, wenn weite Kreise erfahren, wie heute noch Staatsarbeiter behandelt werden können. Vielleicht tragen diese Beilen dazu bei, bei dem Kultusministerium so etwas wie moralische Berantwortlichkeit zu erweden." Drohende Lage im Saarbergbau. Saarbrüden, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die am Montag stattgefundener Verhandlungen zwischen der Bergwertsdirektion des Saargebiets und den Bergarbeiterverbänden über die geforderte 20prozentige Lohnerhöhung verlief ergebnislos. Die Bergwerksdirektion versuchte den Nachweis zu führen, daß eine Lohnerhöhung für sie untragbar sei, während die Gewerkschaften den Gegenbeweis antraten. Es wurde schließlich beiderseits der Wille zum Ausdrud gebracht, bevor der Streit seinen Anfang nehme, sämtliche Mittel einer gütlichen Einigung zu versuchen und in Kürze eine neue Sigung einzuberufen, die wahrscheinlich noch im Laufe dieser Woche stattfindet. Die Gewerkschaften brachten ihren unbeugsamen Willen zum Ausdruck, daß sie ohne eine hinreichende Lohnerhöhung unverzüglich in den Streit eintreten würden. Tatsächlich gestatten die Ueberschüsse der Bergwerksdirektion die geforderte Lohnerhöhung auch ohn: Kohlenpreiserhöhung. Rückkehr zum Achtstundentag bei der Eisenbahn. Aber nur in Frankreich. Paris, 19, Januar.( Eigener Drahibericht.) Ein dieser Tage unterzeichnetes Defret regelt unter Aufhebung eines früheren Defrets die Anwendung des Gefeßes vom 23. April 1919 über den Achtstundentag für den Eisenbahnbetrieb. Das bis iegt in Geltung befindliche Gesetz fah zahlreiche Ausnahmen vor, die allmählich zur Regel zu werden drohten. In zahlreichen Kundgebungen protestierten die Eisenbahner gegen diesen Zustand und forderten die tatsächliche Einführung des gefeßlichen Achtſtundentages bei der Eisenbahn. Die Kammer schloß fich in einer Entschließung den Forderungen der Eisenbahner an und ver Das neue Gesetz trägt diesen Wünschen der Volksvertretung und der langte eine Neuregelung der Arbeitsverhältniffe im Eisenbahnbetrieb. Eisenbahner Rechnung. Es jetzt die Bestimmungen des Gesetzes vom Jahre 1919 auch im Eisenbahnbetrieb in volle Wirksamkeit, berücksichtigt aber dabei die besondern Verhältnisse dieses Betriebes, indem es eine geringe Anzahl von Ausnahmen zuläßt. Arbeitslosigkeit in Rußland. Mostau, 18. Januar.( DE) Nach Angaben des ArbeitsTommissariats des Sowjetbundes ist die Arbeitslosigkeit in Rußland in den legten Monaten im Zunehmen begriffen. Im Herbst, als mit der Säuberung der Arbeitsbörsen begonnen wurde, d. b. die Bahl der zur Registrierung an der Börse Verech tigten start eingeschränkt wurde, betrug die Zahl der ArbeitsGäuberung verminderte sich die Zahl der Arbeitslosen auf 700 C00. losen im ganzen Sowjetbunde 1,4 Mill. Nach Durchführung der Bis Anfang Januar ist jedoch die Zahl der Erwerbslosen wieder auf 900 000 gestiegen und weist auch ferner eine steigende Tendenz auf. Für Notstandsarbeiten im Jahre 1925 wurden 10 Mill. Rubel beantragt, jedoch nur 4 Mill. Rubel bewilligt. Achtung, Chirurgiemechanit! Der Streit bei der Firma Adam Schneider, Fennstraße, geht unverändert weiter. Buzug ist auf jeden Fall fernzuhalten. Die Arbeitgeber drohen mit Rampimaj nahmen. Aus dem Grunde eriuthen wir, über irgendwelche Maß nahmen der Arbeitgeber fofort die Verwaltung zu benachrichtigen. Deuticher Metallarbeiterverband, Drieberwaltung Berlin. Achtung, SPD- Solzarbeiter, Bezirk Süben! Donnerstag abend 7 Uhr bei Boigt, Boppftr. 8, wichtige Berfammlung. Jeder muß erfcheinen. Der Berbeausschuß. Berband der Gemeinde und Sieatsarbeiter, 5. Berwaltungsbezirk. Donners unterer Gaal, Bezirksversammlung. Bertrag. Wahl der Bezirisleitung. Gr. scheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Mitgliedsbud legitimiert. Die Bezirksleitung. Für diesen Betrieb besteht nämlich ein Tarifvertrag, ber nach längerer Beschäftigungsdauer einen Urlaub vorsieht. Welche Schädigung die dortige Arbeitnehmerschaft trifft, fann man fchon daraus ersehen, daß vier Fünftel der Belegschaft einfach feinen Anspruch auf Urlaub hätten, trotzdem sie seit Jahr und Tag fag, ben 22. Januar, abends 1 ubt, im, gofal freischüß, Fruchtftr. 36a, dort beschäftigt sind, da sie ja immer wieder als neu einge; stellt" gelten. Diese Einstellungspraris verstößt u. E. gegen die guten Sitten. Bedauerlich ist es ja, daß die dortige Belegschaft fich dies gefallen läßt und nicht den Mut aufbringt, gegen derartige machinationen anzufämpfen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die dortige Belegschaft in dem letzten Jahre nicht gewerkschaftlich organisiert war. Die als„ Aushilfe" Beschäftigten standen auf dem Standpunft, solange fie Aushilfe find, brauchten sie sich nicht gewert Berantwortlich für Politit: Censt Reuter; Wirtschaft: Arthur Caternus; Gemertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. B. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". MAGGI Fleischbrüh Würfel MAGGIS Fleischbrüh Würfel In Qualität einzig! Ät. 34 ♦ 42. Jahrgang 1. Seilage ües Vorwärts Mittwoch, 27. Januar 7425 Das große Eisenbahnunglück in Herne hat die Auf- merksamkeit der ganzen Welt wieder einmal auf den Eisenbahn- betrieb und seine Gefahren gelenkt. Die Umstände, die zu dem furchtbaren Zusammenstoß bei Herne führten, liegen so sehr im Bereich der Einwirkungen durch die Naturgewalten, daß es gerecht- fertigt erscheint, einmal aus berufenem Munde Einzelheiten zu er- fahren. Wir haben mit einem altgedienten Lokomotivführer, der jahrzehntelang die wichtigsten Strecken der deutschen Eisen- bahnen gefahren ist, gesprochen und haben dabei manches erfahren. was amtliche Meldungen nicht bringen, was aber auch ein Teil der Presse aus bekannten Gründen gern verschweigt. Wir haben neben der mechanischen Tätigkeit des Lokomotivführers auch die geistige Arbeit erforscht, haben erfahren, wie tausend äußerliche Einwirkungen den Mann am Kessel ablenken. Stärker als alle anderen Angehörigen des Verkehrs— ausgenommen vielleicht den Cchiffssllhrer— unterliegt gerade der Lokomotivführer den Ein- Wirkungen der Naturgewalten, die ihn, lehr oft feindlich gesinnt find und die sich gerade da, wo Menschengeist und menschliche Kraft sie noch nicht bändigen konnten, am stärksten austoben. Das Wasser hat der Mensch in seinen Dienst gezwungen; auf der Lokomotive tut es im Kcjsel fein« Arbeit als Wasserdampf— nicht freiwillig, aber bemeistert, geleitet, bewacht von seinem Gebieter. Gefesielte Nawrgcwalt ist das Feuer im Feuerloch. Namenloses Elend, vernichtetes Menschenwer! ist das Ergebnis der freien Wirk- famkeit dieser Naturkräfte— frei und ungezähmt ist noch das Walser als Nebel. Tückisch lagert er über dem Land, alles in seinem grauen Mantel hüllend: Land, Bahnkörper, Signale. Nur geringe Hilfsmittel stehen dem Mann aus der Lokomotive, dem«Lokführer", wie er amtlich genannt wird, zur Verfügung. Wehe, wenn das Nüstzsug der Nerven auch nur einen Augenblick versagt.... Der Lokführer erzählt: Die Fahrt auf der großen D-Zugmafchine l-C-l war kürzlich besonders anstrengend, erst trübes Wetter, dann fester, eintöniger Landregen erschwerte den Ausblick von der Lokomotive. Kaum blieb Zeit- zur Mahlzeit, Blick und Gedanken gingen durch die Oval- fenster ohne Pause nach vorn, voraus, rechts, links. Aber ohne Zeitverlust wurde die Strecke durchfahren, pünktlich brachten wir den schweren Zug in den Heimatbahnhoi«in. Wir zwei von der Lokomotive trennten uns mir einfachem Gruß— um am nächsten Morgen unausgernht und zerschlagen noch gesährlichercs Wetter zu finden. Man spricht gelegentlich von einen, ewigen Lampenfieber alter, bühnensicherer"Schauspieler, das sie vor jedem Auftreten hemmungslos befällt. Sein Lokführer ist von diesem Lampen- lieber beim Nebel frei. Schwer ist die Sorge bei solchem Wetter um die Sicherheit der Fahrgäste, des rollenden Materials, die eigen« Familie und Oeiundheit. Mit kurzem Blick aufeinander gehen Führer und Heizer an die Arbeit. Die Kontrolle der Maschine ist genauer als janst schon. Alle5 muß in Ordnung sein, kein noch so untergeordneter Maschinenteil darf vor dem Antritt der Fahrt fehlerhaft sein. Heute gilt die Aufmerksamkeit nur der Strecke. jede Ablenkung durch einen auch noch so geringen Maschinenschaden ist gefährlich und bedeutet Verwirrung, vielleicht das Schwerste.— Das Abfahrtzeichen wird gegeben, langsam drängt die linke Hand den Regulator auf Fahrt, knallend preßt stch der Abdampf durch den Schornstein. An tausend Menschen befinden sich in meiner Obhut, sind einem Manne anvertraut, der ein Mensch aus Fleisch und Blut wie alle anderen ist, allerdings ausgebildet und„geprüft", ober auch mit allen«schwächen, Irrungen und Wirrungen des Menschen behaftet, doch trotzdem„Herr über Leben und Tod". ?m Nebel auf üer Strecke. Die sonst so vertraute Strecke versinkt im Nebelmeer. Während bei klarem Wetter das Auge ohne große Anstrengung mit einem Blick das Streckenbild umfaßt und das Gehirn der regulierenden Auf dem Führerstand der D-Zug- Maschine Hand a ternpo die Befehle übermittelt, bietet im Nebel kein Bau«. keine Gebüschgruppe einen Anhalt. Dem Führer ist jede Bahn- wärterbude bekannt, er folgert von einem Wegüveraang auf die E,ii fernung des nächsten Signals. Selbst wenn die Gedanken einmal — entgegen dem„Reglement"!— abschweisten nach Hause, oder in der Erinnerung an Angenehmes: eine Ausschau in die Gegend. ein Blick aus die Uhr und die Orientierung ist wieder vollkommen Im Nebel läßt lediglich der Geschwindigkeitsmesser und die genau gehende Taschenuhr den Standort des Zuges bestimmen, ohne daß oft dos geringste Hilfsmittel eine Kontrolle zuließe. Der Heizer hat mit seinem Kessel zu tun. Die Strecke ist bergig, die Maschin' !iat schwer zu arbeiten. Genauer als bei hellem Licht muß die Gs- chwindigkeit eingehalten werden, fallen sich nicht gesährlichr Zeit- und wegedisferenzen ergeben. Der stark strömende Abdampf reißt übernormal Zugluft in das Feuer. Faustgroße glühende Kohlen stücken fliegen aus dem Schornstein, und fortgesetzt muß neue Kohlennahrung in den feurigen Rachen geschaufelt werden. Der Injektor leistet sein Höchstes bei der Wasserzufuhr in den Kessel. Wie gern möchte der Feuermann einmal ein Wort an seinen j Kameraden richten— kein dienstlich verbotenes, aber doch«in , Wort, daß die Spannung für Minuten lösen würde, ein Wort, das erleichtern und gleichsam entspannen würde. Aber er weiß, daß 1 der dort an Regulator und Bremse heute nur Aufmerksamkeit ist. nur Anspannung und Verantwortung. Sie fahren beide die Maschine zum erstenmal. Sie ist nicht neu, aber gut und oinge- laufen. Trotzdem ist jedes Geräusch neu und muß erst umgedeutet werden. Der Bremshebcl geht schwerer als bei der Maschine von der vorigen Fahrt, der Reglerhebel läßt bei der gleichen Stellung ein Garinges mehr oder weniger Dampf in die Zylinder. Unsere Arbeit, die zum großen Teil Gefühlsarbeit ist, wird dadurch er- schwert. Die Wirkung der Hebelgriffe wirkt aus die Geschwindiy' keit, und so ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Die Gedanken haben mit der Strecke zu tun, müssen aber dennoch umwerten. messen, vergleichen. Da merkt der Führer am Geräusch der arbeitenden Zylinder, daß das Gelände sich senkt und der Zug Hilfe i durch das Gefälle bekommt. Das Wasserstandsglas zeigt den ge ringften zulässigen Wasserstand an, der Dampfbedarf war den Berg hinauf zu groß, der Heizer muß das Feuer dämpfen und für schnellste Wasserzukuhr sorgen. Eine halbe Minute würde genügen. um die Feuerbuchfe wieder ringsum mit Walser zu bespülen— da merkt er, daß die kleine Säule im Glasrohr sich nicht hebt, daß sie höchstens gleichbleibt. Ein kaum hörbarer Zuruf entschlüpft seinem Munde und findet den Weg zum Ohr des Kameraden. Den reißt's- aus seiner Gedankenarbeit heraus, ganz gegen seinen Willen und ohne Absicht. Eine kurze Frage, eine knappe Antwort; eine Mit- teilung, ein Befehl. Die ausführenden Handgriffe bringen die In- jektoren in Ordnung, während die Handpnmpe das Schlimmste verhütete. Indessen ist der Zug mit 70 Kilometer weitergebraust. Jede Sekunde sind 20 Vieler, in wenigen Minuten muß der Seine Bahnhof erreicht sein. Gleich muß das Vorsignal kommen, aber der Nebel hindert das Gesicht zu stark. Der Führer oergleicht Tachometer und Uhr. Nach feiner geübten Schätzung hat der Zwischenfall mit dem Heizer l5 Sekunden gedauert, die Fahrt ist auf Kl Kilometer gedrosselt, das Gehirn meldet 250 Meter Fortlauf des Zuges feit der Ablenkung. Das Vorsignal ist vorbei; über- TS! Der Mittelweg. Bon Sic Philip Gibbs. (Schluß.) „Vielleicht ist's noch zu früh, um von einem„Nachher" zu sprechen. Wenn ich wiederkomme, wollen wir uns unser Leben einrichten.". ,Ln welcher Weise denn?" fragte sie. „Unser gemeinsames Leben." antwortete er einfach. Sie stand auf. ließ die Näharbeit zu Boden gleiten und nahm seine beiden Hände.„Ich will Ihr guter Kamerod sein. Für eine kleine Weile, wenn Sie wollen, und wenn Sie wollen, sür das ganze Leben." „Ich begehre nach Kameradschaft." sagte er leise und erregt.„Ich bin einsam und hasse das Einfamiein. Wir beide könnten zusammen Gutes wirken, für den Frieden, für uns selber. Ich will ein treuer Dienstmann sein. Prinzessin." „Nicbt mein Dienstmann," lächelte sie.„Auch bin ich keine Prinzessin mehr, nur eine Dienstmagd. Ich bin doch soweit Kommunistin, um an die Gleichberechtigung zwischen einem Mann und einer Frau zu glauben, die sich ihm gibt. .Wir wollen Gott zusammen dienen." „Von Gott weiß ich nicht viel, sagte Bertram,„denn ich bin hoffnungslos ungläubig. Aber doch so gläubig, um die Güte in Ihnen anbeten zu müssen, und Ihren Mut und 2 W)c P ist™ da ist auch Gott." hat Tolstoi gejagt. „tind es ist wahr. Wir wollen Gott zusammen finden, in der Liebe zueinander und zu der Menschheit." „Ich habe einst aus Liebe eine verzwelfelte Wirrnis ge- macnt. und ich bin glücklich, daß ich noch einmal lieben darf" „Sie dürfen, geliebter Freund. Sie sind einer der Tm-esten dieser Welt. Wie stol, ich bm. Ihre demutige Hel- ferin fein zu dürfen. Jedes Wort, das Sie schreiben, soll meiner Liebe zu Ihnen ein Leitstern sein. Sie werden der Welt die Wahrheit künden, und ich kann mein kleines Teil dazu beitragen; ich will für Sie sorgen, Ihnen Behagen scbeffen an Leib und Seele und Ihnen das kleine eigene aufschließen, von dem Sie mir einst sprachen." �--Du geliebtes Mädchen' Du versprichst mir das Beste auf �"mchst mich glücklicher, als ich verdiene." -2ch narfprach mir selbst noch viel Besseres," antwortete ] sie mit einem so strahlenden Lächeln, daß ihree ganze Schön- ! heit wieder aufzublühen schien,„ich bin selbstsüchtig, daß ich j mich auf alles Schöne und Süße freue, das mir durch Dich geschenkt wird, Geliebter. Eigenes Glück im armen Rußland! Ich werde die einzige sein, die in Rußland glücklich ist. Und alles durch Dich." „Du machst mir bange," sagte Bertram schüchtern vor ihrer seligen Freude.„Du wirst bald herausfinden, daß ich nur ein armseliger Mensch bin." „Nie! Ich weiß, daß Du ein herzensguter, tapferer Mann bist." „Ein großes Glück ist uns beiden auf dem Marktplatze in Moskau zuteil geworden." „Gottes Wille hat es so gefügt, daß Du Dich zu mir wandtest, und ich Deine Augen schauen konnte." „Es war das Glück," wiederholte er;„wenn Du so willst, vielleicht auch Gott." „Die Liebe war es," antwortete sie. Er stand vor ihr und sah wie gefesselt in ihre großen dunklen Augen, die ihn aus dem blaffen feinen Gesicht so liebevoll anlächelten.„Meine Liebe zu Dir, Nadia, ist keine stürmische Iugendleidenschast, wenn Leib und Seele in Flammen stehen. Die gehört der Vergangenheit und meiner ersten Liebe, Joyce. Zu Dir komme ich als ein Mann, der alle Brutalitäten des Lebens gesehen hat, durch alle Qualen hindurch mußte, und sich selber sowie die anderen besser versteht, als einst. Aber alle Liebe, die in meinem Herzen lebt, und eine Kameradschaft, die nichts er- schüttern kann, und meine Treue, meine Ergebenheit, meine demütige Anbetung sind Dein, Du Liebe, bis zu meinem Tode, wenn Du mir vergönnst, so lange neben Dir zu leben." „Wir wollen unser Leben gemeinschaftlich einrichten." sagte sie, seine Worte von friiber wiederholend.„Unsere Liebe ist nicht mehr unwissend. Wir haben beide den Jammer des Lebens mitangesehen und selber ge'ühlt. So werden wir die Weisheit der Liebe besitzen, so daß unsere Liebe noch kost- sicher wird." Bcrtrams Schiff war das letzte, das stromabwärts ging. vin seinem Herzen war ein Friede und eine Süßigkeit einge- zogen, die ihn zuerst wie in einem Traum umhergehen lieh. Er war so lange trank gewesen, und nun war er genesen. Auf seinem Gesicht lag eine solche stille Freude, daß Dr. Weekes und Jemmy Hart ihn verwundert ansahen. Denn alles, was sie bis jetzt an Furchtbarem und Unbeschreiblichem kennenge- lernt hatten, verschwand vor der Hölle, die sich ihnen in diesen Hungerdistrikten auftat. Bertram war aus seinem seligen Traum erwacht und stöhnte vor Grauen und Mitleid, wenn er die Leichname der Verhungerten sah, mit ihren zum Skelett abgemagerten Leibern und dem unmäßig aufgetriebenen Bauche. Und Hilfe stand nicht mehr in menschlicher Macht. Geld rettete sie nicht, denn es gab keine Nahrung dafür zu kaufen. Sogar Jemmy Hart liefen die Tränen über das Gesicht. „Nein, hier reicht keine private Wohltätigkeit aus. Me Völker der Welt müssen dies Land retten und das so schnell wie möglich, sonst kommt alles zu spät." „Wenn Ihr beide das Grausige schreibt, was wir gesehen haben," sagte Dr. Weekes,„werden Menschen und Engel meinen." Und hier in Samara, das übersüllt war von Flüchtlingen. verlassenen Kindern, typhusverseuchten Familien, schrieb Bert- ram die Wahrheit über die große Hungersnot in Rußland. Jedes seiner Worte war ein Ruf nach Barmherzigkeit und Mitleid, den er dem Weltgewisscn zuschleuderte. Er schrieb mit Worten von biblischer Einfachheit, ohne Sensation und ohne Phrasen, aber als Dr. Weekes den Bericht durchlas. da weinte er offen und ohne Scham. „Es ist alles so wahr, wie Gottes Wort, Pollard!' Wer dies liest, Oer wird das Mitleid so tief im Herzen fühlen, wie Sie es selbst gefühlt haben!"— Das Schiff war in Samara eingefroren, so daß Bertram und Doktor Weekes mit der Bahn nach Moskau zurückfuhren. wo sich jetzt die Ära mit ihrem Stabe wieder befand. Es war eine Fahrt, die vier Tage und vier Nächte dauerte, und wie alle russischen Reisen ermüdend und unaussprechlich schmutzig Während dieser vier Tage und Rächte dachte er unablässig an Nadia, zu welcher er jetzt zurückkehrte, nach vollbrachter Arbeit sür das Volk, das sie liebte. In der ganzen Nacht hatte er ihre liebe Gegenodart gefühlt, sie hatte ihm Mut und Aus- dauer eingeflößt; das köstliche Geschenk ihrer Liebe erhellte sogar die Finsternis des unsagbaren Grauens, durch die er eben geschritten war. Nun kehrte er zurück zu dem besten weiblichen Wesen, das er je gekannt, so ganz selbstlos, eine „Heilige" in schöner und fröhlicher Art, und doch so menschlich und voller Anmut. Und diese geliebte Frau würde ihm Gr- fährtin sein aus seinem Wege Sie würde seinen Mut stärken. sie würde vielleicht die Mutter seiner Kinder werden. Mst Nadia würde er die Mitte des Weges wandeln. Nie mehr war er einsam! fahren- Achtung auf das Hauptfignal! Regulator weiter auf Halt 50, 40 Kilometer sinft das Tachometer. Da, was ist das? Voraus ist der Rebel plöglich noch dunkler geworden, das Auge schnellt von rechts oben nach vorn Mitte. Der plögliche undermutete Einbrud lähmt eine Gefunde lang die Schnelligkeit der Sandlungen, der Telegraphenftrang, der Auge, Gehirn und Hand verbindet, ist einen Libblid lang unterbrochen- Borsignal- In jeftor- Hauptfignal- Rebel- jo fchwirren die Gebanfen. Die dunkle Stelle im Nebel voraus ist fast ganz schwarz, ein schwacher roter Buntt taucht auf Bugende! Bufammenstoß! raft's durch den Stopf. Feft!" ein Schrei. Der Regulator fliegt auf Half, der Bremshebel fnallt an den Anschlag. Boller Luftbrud wirft, preßt die Bremstlöge an die Radtränze, der Sandkasten bläst seinen Inhalt auf die Schienen. Es fnirscht, freischt, donnert. Die Steuerung fliegt herum Konterdampf.. * Diesmal war es noch nicht zu spät. Sie hatten beide die Schlußlichter des vorausfahrenden Zuges im legten Augenblid gesehen rot rot, in einer Bision von Blut und Schmerzensschreien. Lokführer und Heizer blicken sich stumm und schwer atmenb an, wieder aur Rontroffe und stellten bei der Brobe feft, daß die Milch Bei einer Durchsuchung wurde sehr dünn und entrahmt war. meiterhin festgestellt, daß sich im Keller größere Mengen abges fchöpften Rahmes befanden. Darum wurde Spefowsty unter Anflage gestellt. Er behauptete nun, daß hier ein unglückliches Berfehen feines Personals vorliege, denn es wäre doch wirtschaftlicher Selbstmord, wenn er angesichts der Tatsache, daß täglich eine Ron trolle stattfinde, derartige Verfälschungen wissentlich vorgenommen hätte. Das Gericht fam aber zur Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und hielt es, für angebracht, die vom Schöffengericht gegen Spefowsty verhängte Strafe von 6000 auf 10 000 Mart zu erhöhen. Kreis- Mitgliederversammlungen! Tagesordnung: Der Rechtsturs in Deutschland. zubauen und dafür eine praktische gestaffelte Schute steuer einzuführen. Damit, meinte er, würden nicht nur alle Un zuträglichkeiten und Härten beseitigt, sondern es würde auch eine ungeheure Summe von Arbeit gespart, die besser für andere Swede Derwendet werden könnte. Dieser Antrag wurde im Schulausschuß. in dem die Sozialdemokratie in der Minderheit ist, mit großer Mehrheit angenommen. So auch der Antrag auf Herab. fegung des Schulgeldes. Erpressung eines Finanzwachtmeisters. Nicht aus ehrlofer Gesinnung, sondern aus Beschränktheit. Der Edelmetallhändler Thalmann mar wegen Hehlerei ange flagt gewesen, aber freigesprochen worden. Es hatte sich aber gegen ihn aus diesem Anlaß ein Berfahren der Steuerbehörde wegen un genauer Buchführung und Steuerhinterziehung entwidelt, von dem er noch teine Kenntnis hatte. Eines Tages erschien bei Thalmann ein Herr, der sich ihm als Beamter des Landesfinanzamtes namens Engel vorstellte und dem Geschäftsmann offenbarte, daß gegen ihn ein Verfahren schwebe. Da und gab ihm zu verstehen, daß das viel Geld fosten werde, aber falter Schweiß perft von ihrer Stirn in dunflen, rußgeschwärzten Charlottenburg: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7 ht, bei jah der angebliche Engel fein Gegenüber mit scharfem Blid an Tropfen, Winterkurort Berlin. Die Fremben, das heißt die feinen" Fremden mit den ganz dicken Portemonnaies aus Dollarita, russische Großfürsten und andere Granden aus aller Welt, tamen früher nicht gern nach Berlin. In Berlin ist nichts los, sagten diese Herrschaften so von oben herab, und sie gingen lieber nach Paris, wo man besser Feste zu feiern verstand und wo tausend Attraktionen, von denen die meisten sich um bas Weib und die Liebe drehten, geboten wurden. Freilich, eine Attraktion hatte auch Berlin damals schon. Das war Er", B. II., wie er finster blickend mit steifem Habyschnurrbart die Linden entlang galoppierte, Aber auf die Dauer fonnte dieses Parade und Brunt stück Berlins nicht internationales Bublifum nach Berlin foden. Außerdem beklagten sich die Herrschaften damals darüber, daß Berlin nicht elegante Hotels besige, in denen sie mit Gefolge ganze Elagen mieten fonnten. Das alles ist mun heute anders geworden! An eleganten Oberrealschule Schloßstraße, am Sophie- Charlotte- Plaß Referent: Heinrich Ströbel, M. d. R. Spandau: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7% Uhr, im Paradiesgarten, Seegefelder Straße 54/55. Referent: Artur Richter, M. d. 2. Schöneberg: Donnerstag, den 22. Januar, abends 8 Uhr, Schulaula Feurigstr. 57. Referent: Franz Künstler, M. d. R. Mitte: Freitag, den 23. Januar, abends 7% Uhr, Mufiferfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Referent: Rudolf Breitscheid, M. d. R. Der Rundfunk als Polizeihelfer.. Feststellung der Ermordeten in der Gneisenaustraße. Zu dem schweren Berbrechen, bas der Chauffeur Otto ille in einer Garage auf dem Gelände der früheren Garde Dragoner- Kajerne an der Gneisenaustraße verübte, wird mitgeteilt, boß es jetzt endlich gelungen ist, die Berfon der Ermordeten feft. zustellen. Hotels fehlt es nicht, und in diesem Winter ist fein Mangel an Fremben und Gästen aus aller Weft. Ja, man pilgert nad Berlin, Die Ermordete ist eine 36 Jahre alte Frau Baula um hier wie in einem Kurort der Winter auf das angenehmfte zu schüt, die früher in der Brovinz in den besten Verhältnissen verleben. Der Winter ist bekanntlich an Berlin vorübergegangen, lebte. 3hr Mann besaß eine Billa und hielt Wagen und Pferde. Berlin it Winterkurort geworden. In Italien hat es reichlich Rach seinem Tode ging alles verloren. Die Frau tam nach Berlin Schneefall und strenge Räfte gegeben, in der Inbischen Wüste ist found betätigte sich eine Beitlang als Filmschauspielerin. Dann sant siel Schnee gefallen, daß die Eingeborenenfinder nicht in die Schule fie von Stufe zu Stufe und hatte schließlich nicht einmal mehr ein gchen fonnten. In Berlin aber ist in diesem Winter auch nicht eine Obbach. Mitteilungen von anderen Mädchen, die die Renn. Schneeflocke gefallen, das Thermometer bleibt immer über Tull, und bahn Jule" fannten, hatten nun den Berdacht auftauchen laffen, daß Wilte sein Opfer auch beraubt habe. Es ist jedoch jetzt festin den Mittagsstunden, wenn die Sonne so schön und so warm gestellt, daß Frau Schüz tein Geld besaß. Bei den Ermittlungen, besonders zur Feststellung der Persönlichkeit, hat der Rundfun! ber morbtommission der Kriminalpolizei fehr wertvolle Tienste geleistet. Ihm ist es zu danken, daß sich bei den vielen Teilnehmern ein großer Teil der Deffentlichkeit für die Austlärung des Berbrechens interessierte, und daß so endlich auch die Person der Toten festgestellt werden konnte. scheint, zeigt die Quedfilbersäule sechs Grad Wärme und mehr. Diese verblüffenden Tatsachen sind natürlich in aller Welt befannt geworden, und es erging der Ruf: Reiche Leute aller Länder vereinigt euch, um den marinen Winter in Berlin zu verleben! Dies mal geht man nicht nach Italien im Winter, denn dort friert es, und nicht nach Aegypten, denn da schneit es, man geht zum Winteraufenthalt nady Berlin. Berlin als Winterfurort. Das hat die Welt noch nicht geschn. Aber den reichen Leuten muß auch etwas geboten werden. Nur das warme Better befriedigt sie nicht. Es find fomische und anspruchsvolle Menschen, und fie tönnen fich das auch leisien, benn ihre Mittel gestatten es ihnen. Sie verlangen nach Abwechslung und Berstreuung. In Berlin merden ja nun zwar allerhand Feste in jebem Winter gefeiert. Doch damit hapert es fcit jeher bedenklich. Diese Feste sind immer ein wenig steif, ledern und unluftig gewesen, ober fie arten zu einer 3ote aus. Man hat eben in Berlin den Dreh, wie man Feste feiert, nicht recht herausbetom men. Aber die Fremden dürfen sich um Gotteswillen durch dieses Manto nicht abschrecken lassen davon, nach Berlin zu kommen. Sie brauchen ja dieje Feste und Bälle nicht zu besuchen. Wir fönnen heute in Berlin mit besserem und lustigerem aufwarten. Unsere grünen hatentreuzler, Stahlhelmer forgen in wunderbarer Weise jür Amusement. Sie haben wie fein anderer die Kunst der Mass terade heraus, immer wieder bringen fie neue Nuancen in ihr Rarrenkleid. Und im Berein mit ihnen flappern und flirren die Deutschnationalen mit den Schlachtschwertern und fingen fampffrohe Lieder, so daß die Fremden in Berlin aus dem Staunen, der Abwechslung und dein Amusement gar nicht herauslommen. Schlteß lich fommen sie sich bei diesen ganz auf Krieg und Sieg gestimmten Festen und Wastenzügen so vor, als wenn sie- Stahlbäder nehmen. Und da fage einer noch, Berlin sei kein Winterfurort! Das Ende eines Inflationsspekulanten. Eine richtige Inflationsblüte ist der frühere Bantbeamte hans Brohde. Obwohl erit jegt 24 Jahre alt, batte er in den Jahren 1922/23 im größten Umfange Börsenspekulationen betrieben und im Herbst 1923 einen Wertpapierbesig in Händen, der auf etwa 120.000 Dollar bewertet werden tonnte. Er war während des Krieges trog jeiner Jugend Börjenpertreter einer Großbant gewefen und dann in der gleichen Stellung bei einer größeren Privatbant. Nebenber hatte er ab für eigene Rechnung erfolgreiche Börsenspekulationen betrieben. Seine Erfolge ermöglichten es ihm, auf großem Fuße zu leben. Er besaß ein eigenes Auto und eine glänzend eingerichtete Wohnung, in der er sich auch bald verheiratete. Als dann aber die Stabilisierung der Mark tam, schrumpfte sein Aktienbesig immer mehr zusammen, so daß er, wie er wehmütig vor Gericht erklärte, fur noch 50 000 Goldmart besaß. Aber auch damit ging es infolge verfehlter anderweitiger geschäfilicher Unternehmungen bergab. Der Rest wurde durch den großen Aufwand, den er nach wie vor betrieb, perschlungen. So war er im Februar vorigen Jahres ohne Geld und lernte zufällig den Chemiker Mathias Haag kennen. Auf der gemein famen Suche nach einem einträglichen neuen Erwerb tamen beide auf den Einfall, die neu herausgegebenen Dreirentenmart stüde nachzumachen. Brohde besorgte sich durch Berpfändung feines Autos und feiner Wohnungseinrichtung die nötigen Betriebs: mittel, und es wurden Maschinen, Werkzeuge und Materialien be schafft. Haag fertigte die Formen an, und es wurden dann von ihnen die falschen Silberſtüde geprägt. Im Restaurant Zum fröh lichen Hecht", in dem sie regelmäßig während ihrer Tätigkeit zu Mittag aßen, gelang es ihnen, Stücke des Falschgeldes abzusetzen. Als sie aber auch einem Konfitürengeschäft damit tamen, wurden fie entlarpt und festgenommen. Beide Angeflagien hatten sich nun vor dem Schöffengericht mitte zu verantworten. Sie waren geftändig imb erhielten mildernde Umstände, jo daß jeder von ihnen mit zwei Jahren Gefängnis davonfam. des 10000 Mark Geldstrafe für einen Milchpantscher. Eine äußerst schwere Strafe verhängte die Berufungsfammer Landgerichts I unter Borfiz von Bandgerichtsdirettor Dr. Marschner über einen Meiereibefiber. Spefowity, der sich eines wissentlichen Berstoßes gegen das Nahrungsmittelgefeß schuldig gemacht hatte, indem er entrahmte Milch für Bollmilch in den Handel gebracht hatte. Der Angeklagte betreibt im Nordosten Berlins eine um fangreiche Meierei und Molkerei. Wie in all diesen Betrieben, werden die vom Hof abgehenden Milchwagen von Beamten des Städtischen Untersuchungsamtes häufig durch Entnahme von Stich proben untersucht. Eines Morgens erschienen die Beamten auch 3 Magiftrat gegen Bezirksamt. Der Magistrat hat in einer seiner legten Sigungen ben eigenartigen Beschluß gefaßt, den Unterrichtsminister zu ersuchen, der Wahl des Studienrats Genoffen Dr. Reiter zum Diretfor bie Bestätigung zu verjagen eigenartig deswegen, weil ber Magistrat damit eines feiner Bezirksämter, aber auch seinen eigenen Bezirksschulausschuß desavouiert. Die Mitglieder des chui ausschusses hatten schon seit langem reichlich Gelegenheit, die Atten Dr. Reiters 3r prüfen, hatten ihn zum Vortrag über feine Einftellung zu Schulproblemen eingeladen und ihn nach seinem Bor trag auf die Lifte der Direktionskandidaten gefeßt- also damit doch wohl für fähig und geeignet" anerkannt. Der Magistrat faßt über die Köpfe des Bezirksamtes und des Schulausschusses hinweg den erwähnten Beschluß. Ob da nicht die in der Beit" und im LofalAnzeiger" gegen Genoffen Dr. Reiter betriebene perlogene eße die Gemüter der Magistratsmitglieder beeinflußt hat? Bum mindesten befrembet es, daß dem in der reaktionären Bresse Angegriffenen vor der Magistratsfizung nicht Gelegenheit gegeben murde, zu den Auslaffungen der genannten Blätter Stellung zu nehmen. Natürlich dürfte die Angelegenheit mit dem Magistrats beschluß nicht erledigt sein. Der Vorschlag einer Schulftener. Gine praktische Anregung machte der Schulausschuß der 6 Berliner Bezirke für höheres Schulwejen in feiner letzten Sigung. Einige der Direttoren führten berechtigte Klagen über die Methode der Schulgeldeinfassierung Sie begründeten es damit, daß der Instanzenweg, ben die in Not geratenen Eltern beschreiten müssen, viel zu umständlich und der ganze Apparat zu schwerfällig fet, so daß eine ungeheure Summe von Arbeit und auch viele Härten damit verknüpft sind. Um diefen ebelftand zu beseitigen, wurden die verschiedensten Borschläge ge macht, die aber im Grunde genommen wenig an der Sache ändern würben. Nachdem von einem der Herren Philologen der Anirag ein gebracht norden war, das Schulgeld für höhere Schulen monatlich auf 10 m. herabzusetzen, brachte einer unserer Genoffen den Antrag ein, den Magistrat zu ersuchen, bei den gefeßgebenden Körperschaften vorstellig zu werden, um das Schulgelb pollständig ab. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 21. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Urzeit. märchen von Georg Biedenkapp. 1. Die Geschichte vom Feuertier 3. Die Geschichte von der kleinen Duhitar.( Die Funkprinzessin: und vom Zündhölzchen. 2. Der Weizengarten der lahmen Gertrud. Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.55 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Handelskurse. Dr. jur. Magnus: Was muß man von den Steuern wissen?( Abteilung Hochschulkurse). 7 Uhr abends: Geh. Reg- Rat Professor Dr. Waetzold; Die Kunst der Gegenwart. 2. Vortrag: Die Krisis Substanzen und ihre Strahlungen. 1. Vortrag: Entdeckung der der Kunst. 7.35 Uhr abends: Professor Dr. Geiger: Radioaktive Radioaktivität. 8.30 Uhr abends: Erinnerungen an die Glanzzeit der Metropolrevuen. Viktor Hollaender- Lieder und Duette u. a. 1. Onvertüre: Auf ins Metropol( Berliner Funkkapelle). 2. a) Die Jahreszeiten der Liebe, ans Die Herren von Maxim", b) Am Manzanares, aus Durchlaucht Radieschen"( Bernhard Bötel vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg, Tenor). 3. Drei Andersensche Märchen: a) Die Brautlente, b) Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, e) Der standhafte Zinnsoldat( Charlotte Freyer, Sopran). 4. Marsch: Die Leibgarde der Venus( Berliner Funkkapelle). 5. a) Der Nordexpreß, aus Schön war's doch", b) Der lottenburg, Baß). 6. a) Unter den blühenden Linden. b) Nichts.. letzte Taler( Eduard Kandl vom Deutschen Opernhaus, Char ( Charlotte Freyer und Bernhard Bötel). 7. a) Horch, es flüstern leis die Geigen, aus der Operette, Der Sonnenvogel", b) Schaukellied aus der Revue Auf ins Metropol( Charlotte Freyer). 8. Kasinowalzer ans Der Teufel lacht dazu( Berliner Funkkapelle). 9. a) Kasinolied, b) Frauen und Rosen( Bernhard Bötel). 10. a) Roland und Viktoria, aus Neuestos, Allerneuestes", b) O du mein Pusselchon, aus„ Ein tolles Jahr( Charlotte Freyer und Eduard Kandl). 11. Avantageurmarsch aus, Durchlaucht Radieschen" ( Berliner Funkkapello). Am Flügel: Der Komponist. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. er wäre in der Lage, die Sache aus der Welt zu schaffen und es billig zu machen. Die Beamten würden schlecht genug bezahlt. Thalmann erbat fich Bedenfzeit. Dann fand eine neue Zusammenfunft statt, in deren Berlauf Thalmann sich nach dem Kostenpreis erfundigte und 50 Mart bot. Der Beamte lachte höhnisch und fagte, die Summe fäme gar nicht in Frage. Für die Mühe, die er gehabt habe, müsse er mindestens 500 Mart bekommen. Zum Scheine ging Thalmann auf den Borschlag ein und verab redete eine neue Zusammenkunft in einem Café am Hadeschen Martt. Borsorglich hatte er sich aber den Kriminalassistenten Nagel und feine Braut mitgebracht, die an einem Rebentisch das Gespräch mitanhörte. Als das Gespräch dann so weit gedichen war, griff der wirkliche Kriminalbeamte ein und schritt zur Berhaftung des Mannes, der sich als ein Oberwachtmeister beim Landesfinanzamt Franz Anilowsti entpuppte. 2. hatte sich jetzt vor dem Schöffen gericht wegen versuchter Erpressung und Amtsnötigung zu vers ontworten. Er behauptete, daß er lediglich in seiner Eigenschaft als Riminalbeamter dem Händler eine Falle hätte stellen wollen, um seine Strafverfehlungen zu ermitteln. Das Gericht kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte zwar nicht der Erpressung und der Amtsnötigung, aber doch fich bes versuchten Anilowski wurde zu neun Betruges schuldig gemacht habe. Tconaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm die Fähig feit zur Befleibung öffentlicher Aemter auf drei Jahre abgesprochen. Zon einer Ehrenftrafe, wie sie Staatsanwaltschaftsrat Kirichner bes antragt hatte, nahm das Gericht Abstand, weil der Angeklagte vielantragt hatte, nahm das Gericht Abftand, weil der Angeklagte vielleicht weniger aus ehrlofer Gesinnung als aus Beschränktheit gehandelt habe. Lehrergefinnung. Alle öffentlichen Beamten haben den Eid auf die republikanische Berfassung geschworen, aber nicht wenige von ihnen hezen und wühlen auch in ihrem Amt gegen die Republit. Gerade diefe Charakterathleten fühlen und bezeichnen fich gern als die wurzel echten Charattere während sie jene Rollegen verachten und verfemen, denen der Zusammenbruch endlich die Möglichkeit gab, befreit vom Gesinnungsterror der faiserlichen und föniglichen Junkerzeit, fich offen als die Republikaner zu befennen, die sie längst schon ge mesen find. Zahlreich sind jene Eidestünstler auch unter den Lehrern der höheren Schulen vertreten und wie sie es treiben, mag man aus folgenden Einzelfällen von Schülerfchidsol erkennen, die uns befanat werden: Ein aufgeweckter Junge, Sohn eines unserer Parteigenoffen, erzählt daheim, baß er auf die Frage nach gewissen Sprachbeispielen mit Zitaten aus Liedern geantwortet habe, die er aus der SPD Kindergruppe fennt. Die Antwort gefiel dem Lehrer so, daß er fragte, woher der Junge bas habe. Ra, daß wir das in der Rindergruppe fingen, werde ich ihm doch nicht fagenda wäre ich schon unten durch; da habe ich gefagt, ich weiß es von der Straße," fo erzählt der Bub zu Haus. Und er berichtet von einem Mitschüler, der auch gut republitanisch ist und ein schwarzrotgoldenes Bändchen befißt aber in der Schule ein ich mo ar 3 meißrotes Abzeichen trägt( was der Lehrer duldet), um besser abzuschneiden. So träufeln die Lehrer, die den Eid auf die Republik geleistet haben, durch den Amtsmißbrauch den Kindern, die sie erziehen sollen, das Gift der Heuchelei ins Herz. " Der größte Berliner Paffagierdampfer im Bau. Der starte Andrang zu gefchloffenen Passagierdampfern, die auch in den Wintermonaten verfehren, haben die Reederei Nobiling Deranlaßt, für die Berliner Bevölkerung einen neuen Balla. gierdampfer zu bauen, ber für mehr als 1000 Berfonen bequeme Siggelegenheit bietet. Bisher war es nicht möglich, mit jo großen Dampfern auf der Spree und Havel zu verfehren, da die Brücken, vor allem die Oberbaumbrüde, ein starfes Hindernis boten. Durch besondere schiffstechnische Einrich tungen ist es jeh: gelungen, auch diese Hindernisse zu überwinden. Bei dem neuen Dampfer, der den Namen Wintermärchen 1" führt, find am vorderen und hinteren Ende des Schiffes große Baffertessel eingebaut und durch Schotten von dem übrigen Teil des Schiffes getrennt. Diefe Bafferteffel stehen mit einer befonderen Pumpenanlage in Berbindung und dienen dazu, das Schiff bei nicht genügendem Tiefgang mit Wasser zu belasten, um unge hindert auch die niedrigsten Brilden passieren zu fönnen. Das Schiff selbst hat eine Länge von 45 Metern, eine Breite von 7 Metern und befigt amet geräumige Berdede. Der Antrieb erfolgt durch eine dreifache Expansionsmaschine mit 350 Pferdekräften. Große Kühlanlagen bieten Gelegenheit, Speisen und Getränke für mehrtägige Fahrten an Bord zu nehmen. Der Bau des Dampfers ist soweit gediehen, daß bereits Ende Februar bie ersten Fahrten von Berlin aus vorgenommen werden tömmen. Die bisherigen geschlossenen Personendampfer boten nur für etwa 300 Berfonen Play, Wintermärchen I wird [ omit der größte Passagierdampfer auf den märkischen Gewässern fein. Auf die Schienen geworfen! Untergrundbahnhof Eine aufregende Szene gab es am Dienstag morgen auf dem Rollendorfplay. In dem starten Gedränge wurde ein alter Herr von einem jungen Manne angerempelt. Als er den jungen Mann feststellen laffen wollte, padte dieser den alten Herrn und warf ihn vom Bahnsteig auf die gerade noch im letzten Augenblid zum Steden bringen. Beamte Schienen. Der Führer eines einlaufenden Buges fonnte den Zug ber Suspolizei stellten den roben Menschen, dessen Gebaren große Enpörung hervorrief, als einen Friseur Fuhrmanu feft. Jungenunfug im Babelsberger Bark. Die Wer Vor dem Potsdamer Mietsfchöffengericht flagte gestern die Kron qutsverwaltung gegen die Witwe des Leibjägers des früheren Raifers, Frau Rolfing, auf Räumung der Wohnung. flagte bewohnt einen Teil des alten Marstalls im Schloßvart Babelsberg. Jbr 14jähriger Sobn Georg fcheint nun die biltorifchen Stätten mit einem Sport und Schießplay verwedfelt zu haben. Die Gogen der bistorischen alten stadi berliner Gerichtslaube werden für seinen Fußballsport als Tor benugt. Der Ball zerirdimmerte nicht weniger als 36 Buzenicheiben in der Gerichtslaube und die Schloßbantommiffion belam eines Tages eine bobe Glaferrechnung vorgelegt. Dit wurden die friedlichen Bewohner des fleinen Schlosses durch Schießunfug ericbredt. Rach Stundenlanger Berbandlung in der fämtliche Lausbubenstreiche durchgeiprochen und wurden, beantragte die Klägerin die Räumung der Wohnung, da protokolliert durch das Berhalten des Knaben die Gebäude ständig gefährdet feien. Das Mietsschöffengericht wies die Klage der Kronguts verwaltung jedoch ab und der Vorsitzende empfahl der Beklagten, es mol gründlich mit Brügel au veriuchen, denn beim zweitenmal würde sie die Klage sicherlich verlieren. Einen schauerlichen Fund machte eine Fran aus der Hagenauer Straße 7. Auf der Treppe des Hauses fand fie eine Blutspur, die nach einem auf einem Absatz gelegenen Klosett führte. Sie öffnete dieses und fand ein nengeborenes Mädchen, das mit dem Stopf nach unten in dem Beden stat. Die Frau nahm das Stind, das noch lebte, heraus, und die Kriminalvolizei des 62. Reviers ließ es durch eine Hebamme nach dem Waisenhaus in der Alten Jakobstraße bringen. Zu dem Mordverfuch in der 3inzendorfflrake erfahren wir, daß der Arbeiter Haenele, der auf die Arbeiterin Mars garete arnat zwei Schiffe abaab, sich selbst gestellt bat. Saegele ericien auf dem Bolizeiamt Tiergarten und legte Krimi Der Ansturm gegen das Kaliwirtschaftsgesetz. Aus den Kreifen ber Arbeitnehmervertreter im Reichstalizat werden uns folgende Reilen aur Beröffentlichung zugefandt. Ueber den Plan zur Abschaffung des Kaliwirtschaftsgesetzes brachte fürzlich der Hannoversche Kurier" einen Artikel mit der Ueberschrift„ Die Politit von Wintershall"„ von gutunterrichteter Seite". Der Kern des Artikels ist, daß der leitende Gedanke zum geplanten Zusammengehen des Wintershallfonzern mit der Breußag"( Preußischer fistalischer Bergbau) und den andern Kalilonzernen Burbach. Salzdetfurth usw. der fei, einen erfolgreichen Wettbewerb gegen die elsässischen Werte im europäischen und außereuropäischen Auslande zu er möglichen". Darn heißt es,„ die Grundlage hierzu ist nur zu schaffen, wenn das Kaliwirtschaftsgesetz durch eine freie Kaltwirt nalfommiffar Getz ein Geſtändnis ab. Wie er fagt, liebte er bas haft erfekt wird". Wintershall sei schon seit Jahren bebacht, die Mädchen innig und fand auch Gegenliebe. Die Mutter der Braut war aber gegen die eheliche Berbindung und die Fortiebung der Kalipreise erheblich zu fenten, daß aber der Reichstalirat fich da Beziehungen. Das brachte ihn zur Verzweifluna und an dem Entgegen gewandt habe aus Rücksicht auf die vielen weniger guten Raft schluk, fich das Leben zu nehmen und die Geliebte in den Tod merke. Herr Generaldirektor Rost erg verfolge jegt rüdsichtslos mitzunehmen. Als er aber diese nach den beiden Schüßen au die Politif, um durch instematische Unterbietung der obersammenbrechen fah, batte er nicht mehr den Mut, den dritten Schuk elfäffifchen, noch in der Entwicklung begriffenen Werte vom Aus auf sich felbft abzufeuern. Das Mädchen liegt noch immer fast landsgeschäft so gut wie ganz auszuschalten. Dies ist aber nur hoffnungslos im Krankenbans banieber. möglich unter 3ufammengehen mit dem Preußischen Fistus, ber felbstverständlich an ber Steigerung seiner Förderung großes Interesse hat Das Pflegegeld für flädfische Koffpflegefinder ift vom 1. Ja muar d. J. ab erhöht worden. Es werden gezahlt: für finder bis zu 2 Jahren täglich 1,30 m., für Kinder von 2 bis 6 Jahren täglich 0,85 m., für Kinder von 6 bis 14 Jahren täglich 0,75 m. Daneben wird freie Bekleidung und bei Erkrankung freie ärztliche Behandlung und freie Medizin gewährt. Familien, welche finder in Pflege nehmen wollen und in Charlottenburg wohnen, fönnen fich im Rathaus Charlottenburg, Zimmer 149, bei Frau Lagemann melben( wochentäalich von 9 bis 4 Uhr). Einbruch bei Salamander. In der Zentralbirektion bes befann ten Schuhgeschäfts der Salamander G. m. 6. H. in der Friedrich straße wurde vom Sonnabend, den 17., bis Montaa, ben 19., ein gebrochen und sämtliche vier Stockwerte durchsucht. Von dem reich haltigen Strumpflager der Firma wurden nicht unerhebliche Mengen entmendet, ebenso große Mengen von Schuhwaren mit Firmen bezeichnung. D'e Jugendweihe des 12. Kreiles( Pantwis, Literfelbe und Eteglik) findet am Sonntag, den 22. März, in der Aula des Pygeums, Steglis, Rother burgitr. 18, statt. Anmeldungen zur Jugendweibe nehmen an: Günther Felgentreu. Lankwiz. Charlottenftr. 34. Sellmut Strüger, Steglib, Siemensftr. 76, Frau Ungerer, Wilmersdorf, Hanauer Str. 43( Siedlung). Die Anmeldegebühr beträgt 50 f. Borbeifuna zur Aufnahmepiu'ung. Genoffen, bie ibre finder in eine höhere Schule fchiden wollen, tönnen dieie vom Genoffen Stub. Reinbolb Betermann. N 65, Zopoftr 3, 2 r., auf die abzulegende Autnahmes brüfung vorbereiten laffen. Bei Einschulung zu Dftern Anmeldung jegt er. forderlich. Die neuesten Erfahrungen der Betämpfung der Schädlinge und Krant heiten im Obfi- und Gemüfet av. Am 22. Januar, abenbs 6 Uhr, bes banbelt Herr Dr. Karl Ludwigs, Direktor der Hauptstelle für Pflanzen. schus der Landwirtschaftskammer für die Broving Brandenbura und Berlin, bas oben genannte Thema im faal VII ber Landwirtschaftlichen Hom foule im Ratmen einer Veranstaltung der Obst- und Gemüse- Abteilung ber Deutschen Gartenbau- Gesellschaft, Invalidenstr. 42. Der Eintritt ift für jedermannfret. Dieses ist aber wiederum nur zu er möglichen, wenn die freie Kaliwirtschaft durchgeführt wird." Dann wird in dem Artikel noch geschildert, daß mit dem Konzern Bur. bach eingehende Besprechungen stattgefunden haben, die hauptsächlich darauf abzielen, den Widerstand dieses Konzerns gegen die frele Raliwirtschaft, wie sie im Wintershallfonzern verfolgt wird, auf zugeben. so daß man lagen fönne. daß die Gegner des Wintershall fonzerns in dem Kampf um die freie Raliwirtschaft zufammen geschrumpft sind, nachdem nunmehr auch die Breukag fragios vollkommen auf die Seite von Wintershall getreten ist". Sunächst erfieht man aus dem Artifet, wozu die Breußag benußt, zu welchen 3weden ein Bertrag mit ihr gefchloffen werden foll. Wir sind gespannt, was das Preußische Handelsminiflerium, das die Breußag fontrolliert, dazu fagt. Der Breußische Landtag mirb unmöglich dazu schweigen fönnen. Im Reichstag soll der Antrag auf Befeitigung der Kali- und Kohlenwirtschaft von seiten der Rechtsparteien schon vorliegen. Herrn Rostergs Plan ist alten Datums. Schon im Sommer 1921, als er vom Reichswirtschaftsrat bei Beratung der Kali gefegnovelle als Sachverständiger gehört wurde, nahm er die feind. liche Stellung wie heute gegen das Kaliwirtschaftsgefeß ein. Außer dem forderte er damals fchon die Beseitigung des Achtstundentags und der tariflichen Lohnregelung. Seine Pläne gehen also noch weiter. Wird das alles die Preußag guthetßen und mitmachen? Reichstalirat und Kalipreise. gen, welche von irgendeiner andern Storporation besorgt werden müßten, wenn der Kalirat nicht bestünde. Die Kosten der Kaligewinnwirtschaft. Der Reichstalirat hat im Jahre 1924 rund 88000 M. Der braucht. Davon erforderten seine gesamten Verwaltungsfosten nur 48 000 m., während an Beiträgen für Kalfalzanalysen, rund 15 000 m., und als Beitrag für das Reichsgesundheits also unvermeidliche Maßnahmen auch im Interesse der Kaliindustrie, amt zur Prüfung der Endlaugenfrage die Summe von 25 000 M. verausgabt wurden. Die Kaliprüfungsstelle erforderte mn Jahre 1924 einen Aufwand von rund 193 100 m., movon allem rund 71 500 m. für Reisekosten, die im Interesse der Kalimerke bei der Quotenregelung entstehen, ausgegeben sind. Aehnlich ist es bei der Kaliberufungsstelle, welche aus demselben Grunde fast den dritten Teil ihrer Ausgaben, nämlich 7400 M. von ins hatte im Jahre 1924 allerdings 237 800 M. Ausgaben. Aber davon verschlang den Löwenanteil die bereits erwähnte landwirtschaftliche Inlandspropaganda, nämlich 203 600 m., und 8400 m. verursachten die Reisekosten. Schließlich ist noch die Ausgabe von 11 000 m. für das im Jahre 1921 neu errichtete Schiedsgericht zu er wähnen, welches ecrichtet wurde, um die vielen Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Raliwerfen, wegen der gefeßlichen Entschädigungen, die bei Quotenverkäufen entſtehen, zu schlichten. Alles in allem macht die Ausgabe die das Kaliwirtschaftsgesetz verursachte, im Jahre 1924 556 500 m. Das wäre bei dem im Jahre 1924 erzielten Absatz von 8 420 000 Doppelzentnern reines Stafi niat ganz 15 Bf. je Doppelzentner. Es würde also in diesem Falle, wenn die vom Kaliwirtschaftsgesetz. dem Kalirat übertragenen Zätigkeiten ganz überflüffig wären, was, wie oben nach gewiefen, durchaus nicht der Fall ist, der Doppelzentner 40er Dünge falz( die Hauptubfaßmarfe) dann 6,15 M. ftatt 6,30 M. tosten. Run müssen aber diese Arbeiten und Unfosten im Falle einer Beseitigung ter Kalirats und seiner Nebenstellen doch entweder vom Kalisyndikat oder den einzelner Kaliwerten gemacht und bestritten werden, so daß von den angeblich außerordentlich belasten. den Spesen Spesen des des Raliwirtschaftsgesetes nur menige Pfennige per Doppelzentner reines Rali erfpart werden fönnten! Damit will man also die Möglichkeit schaffen, ganz erheblich niedrigere talipreise für das In- und Ausland durchzusehen"? Damit will man ble elfäffifche Saltindustrie faputt tonfurrieren? Wird die Landwirtschaft, werden die Konzerne, namentlich die Preußag. auf diesen Köder reinfallen? Zwang zur öffentlichen Generalversammlung. Es ist bezeichnend für den Mangel an sozialem Empfinden, daß man sich innerhalb unserer Großindustrie mit den Pflichten, die die Form der Aktiengesellschaft" der Deffentlichkeit gegenüber auferlegt, noch immer nicht abzufinden vermag. Man will amar die Rechte, die die Aktiengesellschaft verleiht, nicht aber die Breffe brauchen, dann wissen fie fle mohl zu finden, damit verbundenen Pflichten: wenn die Verwaltungen die wird sie aber unbequem, so versucht man sie abzuschütteln. Die Dsnabrüder Kupfer und Drahtwert A.-G., deren Aftien an der Berliner Börse gehandelt werden und die sich zum erheb Arbelter- Bi'dungsschule. Morgen, Donnerstag, Beginnen folgende Bor Tefungen: Belt mizifaft, eltpolitit unb Arbeiter Bewegung( Genoffe Alexander Stein) in der Kuristischen Sprechstunde, Lindenstraße 3, 1. Sot, links paterre, abenbs 7, 518 9 116r.- Moderne nehmervertreter haben stets den Standpuntt vertreten, daß die lichen Teil im Besiz von Kleinaktionären befinden, hat ihre vor Brobleme des Sozialismus( Genosse Simon Rabenstein) im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstraße 3, I, von 7 bis 9 Uhr abends. Das 13. Sport. Das 13. Sechstagerennen. 3mmer noch 9 Spitzenpaare. Toldb Heute um Mitternacht werden die Sechstagefämpfer ihre 144ftündige Reife beenden. 13 Mannschaften hatten bie Fahrt an getreten ausgerechnet 13 Das vorausgefagte Unglüd" ist auch eingetreten. Stabe Techmer haben, wie bereits mitge. teilt, das Rennen aufgegeben Sie fonnten auch wirklich nichts mehr erringen. Beim Schreiben dieser Zeilen umfreifen vor. aussichtlich noch 12 Fahrer die ideale 200- meter- Bahn. 12 Mann schaften die müssen Glück haben, weil es eben 12 find. Reun davon haben die Spize, drei liegen je eine Runde zurück. Ob fie aufholen werden? Wohl schwerlich. Die Zeit ist zu furz. Und dann soll es ausländische Fahrer im Felde geben, die erst jetzt ihre Stärke zum Ausdruck bringen. Warten wir das Endergebnis ab. Nur noch einige Stunden und das 13. Sechstagerennen" hat sein Ende erreicht. Die 5- Uhr- Nachmittagswertung wwww sah ein mäßig besuchtes Haus. Bis zur 113. Stunde( 5 Uhr nach, mittags) find 3153,355 Rilometer gefahren. Stunden. ergebnis: 28,630 Stilometer. 3m ersten Spurt it hahn, der bet jeinen Biak gut gegen Mac Beath verteidigt, der Sieger, Dritter und Bierter: Egg und Sawall. Ban Kempen holt sich den zweiten Spurt Rütt, Tieg und Aruptat folgen. erts ist der Held des dritten Spurts gegen Hahn, Egg und Mac Beath. Im vierten Spurt liegt wieder van Kempen vorn, Tiek liegt an zweiter Stelle. Rütt und Lorenz find die nächsten. Fünfter Spurt: Aerts, Golle, Egg. Hahn. Sechster Spurt: Ban Rempen, Roch, Bauer, Tieß. Der Stand des Rennens nach der 5- Uhr Nachmittagswertung ift folgender: Ban Rempen Sawall 229 B., Rütt- Aerts 180 B., Hahn- Tieß 148 B., Lewanow- Bauer 69 B., Egg- Krupkat 63 B., Saldow- Lorenz 55 B., Grenda- Ma: Beath 45 P., Brocco Miquel 7 P., Huschte- Stohl 5 Punkte. Eine Runde zurüd: Golle- Manthen 43 B., Giorgetti Rizetto 42 B., Stellbrink Koch 25 Punkte. Die 10- Uhr- Nachtwertung. In den Abendstunden ist das Haus wieder beängstigend gefüllt. Als der Gongschlag, der die zehnte Stunde anzeigt, ertönt, find in s. gejamt 3294,950 Kilometer zurückgelegt. Stundenergebnis: 29,990 Rilometer. Im ersten Spurt hat es den Anschein, als ob hier Hahn, der icht in den legten Stunden besonders aus sich herausgeht, das Ziel als erfter Mann paffieren follte. Doch in legter Minute schiebt sich mit der alten Schnelligkeit Aerts hervor. Dritter wird Kruplat vor Sawall, Den zweiten Spurt reserviert sich mit einer gewiffen Gelbstverständlichkeit van Kempen vor Lorenz, Egg und Tieg. Hahn bolt fich dann den dritten Spurt und verweist Aerts auf den zweiten Play. Grenda und Bauer folgen. Bierter Spurt: Ban Kempen, Tietz, Egg und Mac Beath. Gleich nach Beendigung des vierten Spurts geht eine wilde Jagd los. Das Felb ist auseinandergeriffen und findet sich erst allmählich wieder zusammen. Das Ergebnis bes fünften Spurts wird daher auf furze Zeit ausgefeßt. Im fecften Spurt siegt Bolle vor Mac Beath, van Rempen und Merts, eine Leistung, auf die der Sieger ftola fein tann. Das Renngericht nimmt zum fünften Spurt Stellung: Aerts wird wegen Behinderung auf den legten Blah distanziert und Hahn erhält den ersten zugesprochen B Der Stand des Rennens nach der 10 Uhr Nachtwertung ist nun folgender: van Kempen Sawall 240, Rütt- Herts 188, Hayn Ties 167, Lewanow- Bauer 70, Eng- Reuptat 69, Saldow- Lorenz 58, Grenda Wac Beath 51, Brocco- Miquel 7, Huschte- Stohl 5 Bunkte. Cine Runde zurüd: Golle- Manthen 48, Giorgeth- Rizetto 42, Stellbrint- Roch 23. anbetrifft, so ist richtig zu stellen, daß der Wintershallfonzern meist Was die Stellungnahme des Reichstalirates zur Kalipreisfrage nur in den Bor verhandlungen feinen Standpunft zur Geltung zu bringen suchte. Im Plenum des Reichstalirats ift er mit seiner abweichenden Meinung nicht hervorgetreten. Die Werksbefizer Hellten dort immer einheitliche Anträge zur Preisfrage. Die Arbeit Saliwerte mit geringmertigen Salzen tillgelegt einigen Tagen stattgefundene Generalversammlung unter werden sollen, damit die guten Werte zu billigeren Breifen Ausschluß der Presse abgehalten. Der Borgang wäre nicht produzieren fönnten. Solche tapitalistische Bochsprünge, wie fie der allzu tragisch zu nehmen, wenn es sich dabei um einen Einzelfall Wintershallfonzern plante, fonnte der Reichstalirat nicht mitmachen. handelte, aber die Gepflogenheit Generalversammlungen unter AusDenn es ist anzunehmen, daß dieser Konzern, wenn er die andern schluß der Deffentlichkeit abzuhalten, ist leider nicht so sehr selten, Werke, zum Teil auf Stosten der Arbeitnehmer, niederfonfurriest hätte, ja sie tommt merkwürdigerweise in letzter Zeit wieder mehr in bann eine neue Breispofitif einleiten würde, die sicher nicht im Juter mode. Diese Entwicklung der Dinge ist nicht ungefährlich, esse der Allgemeinheit, wohl aber im Interesse des Wintershallkongern tenn die heilsame Furcht mancher Berwaltungen inge. Das Reichswirtschaftsministerium hat die Stalipreisanträge immer nachgeprüft und im Reichstalirat das Resultat vorgetragen. davor, daß ihre Geschäftsführung in der Deffentlichkeit eingehend Das die Auslandspreise nicht unter den Inlandspreisen stehen erörtert oder auch fritisiert wurde, hat manchen lebergriff rurften, was in: fraglichen Artikel auch stark getadelt wird, ist nicht verhütet, manche sonst wohl noch öfter vorgekommene Bernach crft vom Reichstalirat befchloffen worden, wie fälschlich behauptet läffigung des Dienstes durch Berwaltungen verhindert. Es scheint wird, sondern das wurde auf Verlangen der Kaliindustrie, sowie aber jetzt fast, als ob man sich darauf befänne, daß ein 3 wang, von der Landwirtschaft im Jahre 1910 in das erste Kaligesetz auf den„ neugierigen" und vielleicht läftigen Vertretern der Presse die genommen. Dean wollte verhindern, daß manche Kaliwerke( damals Teilnahme an der Versammlung zu geftatten, eigentlich nicht be. Aschersleben) das deutsche Kali im Auslande verschleudern. Der Reichstalirat hat aber in den letzten Zeiten gutgeheißen, daß die steht. Ob die auswärts wohnenden Kleinattionäre, die nicht in deutschen Kalipreise durch die Unterbietung der elsässischen Kaliber Lage sind, Reisegeld zu opfern und an der Versammlung teilpreise vem Kalisynbitat unter die Inlandspreise in manchen Ländern zunehmen, erfahren, wie es um die Gesellschaft steht, der sie ihr herabgelegt wurden. Allo tann auch heute schon im Auslande der Cripartes anvertraut haben, das schert die Berwaltungen wenig. eifäffischen Kalindustrie mit Erfolg starte Konturrenz gemacht wer Hauptsache ist, daß die häßlichen Debatten, die ben. Aber darin wird fich Wintershall täuschen, wenn man glaubt, Kritit der Aktionäre an der Geschäftsführung daß die elfäffifden Breise lange 3eit im Auslande ganger nicht in der Bresse breitgetreten werden. Das beste heblich unterboten werden könnten. Denn der französische Mittel, um bas zu verhindern, ist der Ausschluß der PresseverStaat unterstützt bekanntlich die elfäffischen Kaliwerfe durch Su schüsse. Das ist bei uns unmöglich. Oder hofft man, daß das neue zu hoch! treter an der Generalversammlung. Bielleicht kann man aber den Berwaltungen der Aktiengesel. Rabinett Luther so etwas ermöglichen foll? Diese Trauben hängenfchaften nicht einmal einen so großen Vorwurf daraus machen, daß Sollen aber die deutschen Raliwerte aus eigener Kraft fie Lücken oder Mängel des Gefeges für sich auszunuzen bemüht die elfälischen Werte niederkonkurrieren, so dürfte ihnen bald die find. Die Deffentlichkeit hat indessen ein unbestreitbares Recht dar Buste ausgehen. Obwohl bisher vier Bertreter der Landwirtscuf, in die Borgänge einer Aktiengesellschaft Einblick zu bekommen. Ichaft, die die oben geschilberte jeßige Breispofitit im Stalirat Die einfachste Logit liefert dafür den Beweis: wenn die Aktiennicht angefochten haben, wird das die deutsche Landwirtschaft auf gesellschaft Geld braucht und neue Attien ausgeben will, dann feinen Fall lange mit ansehen fönnen, gleichoiel, ob der Reichstali mendet fie fich an den öffentlichen Rapitalmarkt, also an die Börse. rat noch besteht oder nicht. Ebenso wird das die Breußag und die Wenn die Börse oder das hinter ihr stehende Bublifum Gelb andern Konzerne nicht lange mitmachen. Denn es liegt allen Werten nicht nur an der Steigerung ihrer Förderung". sondern sie wollen geben soll, so darf es bei der Gesellschaft eine Heimlichauch beitehen können. Und die Arbeitnehmer würden sich erst recht teiten geben. Nur mer vor der Deffentlichkeit nichts zu vernicht gefallen laisen, auf Kosten der Löhne solch niedrige Breise zu bergen hat, fann auf Unterstügung durch die Deffentlichkeit rechnen. ermöglichen. Die Löhne im Kalibergbau Deutschlands blieben schon Es geht nicht an, daß man auf der einen Seite Presse und offenen immer unter denen der Steinfohlenarbeiter, oft fogar Geldmarkt für sich nußbar zu machen fucht, um der Deffentlichkeit unter benen der Brauntohlenarbeiter zurück. dann, wenn fie unbequem wird, ein Schnippchen zu schlagen. Wer nicht die Pflichten des Attienrechts auf sich neh men will, der muß auch auf seine Wohltaten ver 3ichten. In mannigfacher Hinsicht bedarf das Atttenrecht der Umformung. Eine wichtige Bestimmung, die in das Gefeß neu aufgenommen werden muß. ist der 3 wang zur öffentlichen Abhaltung der Attionärversammlungen. Die Nebenbehörden" des Reichsfafirats. Nun zu den außerordentlich belastenden Spesen des Reichsfafirats und feiner zahllosen nebenbehörden". Die zahllosen Rebenbehörden bestehen aus brei, wenn man das fpäter gebildete diedsgericht mitzählt, aus vier Organen. Das ist erstens die Kaliprüfungsstelle. Dieser macht wohl die Quotenregelung der Werte die meiste Arbeit. Nach dem alten Kaligejet besorgte das die Berteilungsftelle. 3weitens tommt bie Berufung. fte in Frage, welche ebenfalls fast ausschließlich von den Raliwerfen beshalb start beschäftigt wird, weil faft alle Werke gegen die Festlegung der Beteiligungsziffer Berufung einlegen. Beide Stellen beitanben schon vor dem jezigen Kalimirtschaftsgeleg. Die hauptsächlichsten Fabriten Europas und der Vereinigten Beide Etellen find jetzt auch Lohnprüfungsstellen, die eine erster, die andere zweiter Instanz. Aber sie hatten mit Lohnstreitigteiten Lisher faft gar nichts zu tun, weil die Löhne und Gehälter im Rau bergbau jeit dem Jahre 1919 bis heute tariflich von der Arbeitsacmeinschaft, Gruppe Ralibergbau, geregelt werden. Die dritte Nebenbehörde ist dann noch die landwirtschaftliche technische Kalistelle. Sie ist zwar erst seit 1919 errichtet, aber sie hat neben wissenschaftlichen Arbeiten in der Hauptsache die landwirt schaftliche Kalipropaganda im Inland, zu leiten und verteilt die Gelder für diese Bropoganda an die landwirtschaftlichen Körper fchaften. Diese Aufgabe besorgte vorher das Reichsamt des Innern, wozu eine Abgabe von 60 Bf. je Doppelzentner reines Ralt erhoben wurde, welche schon mehrere Jahre nicht mehr erhoben wird. Aber auch ber talirat bzw. feine Geschäftsstelle beforgen Berrichtun Der internationale Glühlampentruſt. Der internationale Glühlampentruft ist fertig. Staaten haben sich in Intereffengemeinschaften zufammengefunden. Die Schwierigkeiten, die bei diesem Zusammenschluß zu überwinden waren, waren verhältnismäßig gering, denn in fast allen Ländern liegt die Fabritation in den Händen einiger weniger Ge fellschaften. In Deutschland fann, seitdem sich im Jahre 1919 die hauptsächlichsten Glühlampenfabrikanten Deutschlands, Auer, AEG. und Siemens, zu der Osramgesellschaft zusammengeschlossen haben, von einer namhaften Ronkurrenz nicht mehr die Rede fein. Gewiß gibt es außer der Dsramgesellschaft noch Bintsch, Bergmann und die Radium 2.-G., die eine bedeutende Brobuftions. Bergmann und die Radium 2.-G., die eine bedeutende Produktionsfähigkeit haben. Aber einmal reicht diese nicht an die von Osram heran, und weiter produzieren Bintsch und Bergmann auf Grund der Dsramschen Batente und zahlen hierfür Lizenzgebühr. Bei| gen ftieg von 24 071 000 auf 43 440 000, bie ber Gutschriften von Bergmann tommt außerdem noch hinzu, daß der Siemens- Stonzern, 13 581 000 auf 27 188 000, die der Bastschriften von 10 490 000 auf Parteinachrichten ber an der Osram A.-B. teilhat, auch an der Bergmann- Gesellschaft 16 252 000. Bargeldlos beglichen wurden von dem gesamten Umfag im Januar 2916,7, im Dezember jedoch schon 6833,8 Millionen finanziell interessiert ist. Mart. Der In den Bereinigten Staaten liegt die Hauptmacht der Glühlampenfabrikation in den Händen der Westinghouse und Ge-, neral Electric Company. In Frankreich wird die Glüh tampenfabrikation durch die Companie des Lampes beherrscht. In Holland ist die Firma Philipps die allein ausschlaggebende für die Glühlampenfabritation geworden. Schon vor dem Kriege haben die deutschen und die amerikanischen Gesellschaften miteinander thre Produktionserfahrungen und ihre Batente ausgetauscht. Der Rrieg unterbrach diese Entwicklung. Nach dem Kriege gingen die deutschen Gesellschaften in der Hauptsache mit der holländifchen Firma Philipps zufammen, und fie beteiligten sich maßgebend an tschechoslowati. spanischen, norwegischen, tschechoslowafi. fchen, polnischen und neuerdings an der Schweizer Fabrikation. Nominell haben bei allen diesen ausländischen Gesellschaften dortige tapitalistische Kreise die Mehrheit. Aber infolge der überragenden technischen und kommerziellen Organisation von Auer und Philipps ist der tatsächliche Einfluß größer, als es auf dem Papier erscheint, ja direkt ausschlaggebend. Der Zusammenschluß bezweckt mach den Auskünften an imaßgebender Stelle, die Erfahrungen der Produktion und die Batente gegenseitig auszutauschen und eine planmäßige Berteilung des Absages vorzunehmen. Es liegt den Glühlampen herstellenden Firmen in erster Linie an einer Bergrößerung des Umfages, in zweiter Linie an Erhöhung der Preise. Es ist ohne weiteres zu glauben, daß das Syndilat diefe Absichten hat. Denn es ist ja befannt und wir haben es ja auch aus Anlaß der Besprechung der AEG.- Berichtes in unserem Blatte hervorgehoben, daß die Tendenz besteht, die Elektrizitätsanwendung als Leucht- und Triebfraft weiter auszudehnen. Diejenigen Firmen, welche die notwendigen Utensilien für die Elektrizitätsbranche herstellen, haben um so mehr Intereffe, diese Bergrößerung des Umfages an elektrischer Kraft zu fördern, als sie ja mit Elektrizitätsgesellschaften in Berbindung stehen. Borerst sind ihre Intereffen mit denen der Konsumenten gleichgerichtet; was aber diesen Zusammenschluß so gefährlich macht, ist die gewaltige Macht, die hier in einigen wenigen Händen vereinigt ift, und die in der Lage ist, wenn sie es einmal will, die Preise so zu diftieren, wie es ihren Interessen entspricht. an Die neue Geldpolitik der Reichsbank scheint sich bereits auf den Status der Bant auszumirfen. Die ganze Wechselanlage der Bant vermindert sich nämlich bis zum 15. Januar um 140 Millionen auf 1743,6 Millionen Marf. Darunter befinden sich Wechsel in Höhe von 32 Millionen, die feitens der Reichsbant weitergegeben und 28,6 Millionen Wechsel, die an die Rentenbant abgeführt murben, so daß eine Verminderung des Kredits Brivate um 59,4 Millionen eingetreten ist. Im Zusammen hang damit vermindert sich der Umlauf an Reichs. bantnoten und Rentenbankscheinen um 223 Millionen Reichs mart auf 1646,2 Millionen Bantnoten und 1650 Millionen Rentenbantfcheine. Die fremden Gelder nahmen abermals zu und zwar um 86,6 Millionen auf 983,7 millionen. Der Goldbestand vermehrte sich um 11 Millionen auf 791,7 Millionen, so daß die Noten. hedung durch Gold sich von 43,4 auf 48,1 Proz. und die Deckung durch Gold und Golddevisen von 57,8 auf 64,1 Proz. verbesserte. Der Postichedverkehr hat im ersten Jahre nach der Stabilifierung unserer Währung einen ungeheuren Aufschwung genommen. Die Zahl der Kunden der Schedämter hat sich im Laufe des Jahres 1924 von 626 103 um 182 695 auf 808 798 permehrt. Der Umsaß, der im Januar 1924 nicht ganz 3784% mul lion Mark betrug, betrug im Dezember nicht weniger als 6868,8 Millionen und hat sich also bald verdoppelt. Die Zahl der Buchun Hübneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! in Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich ,, Lebewohl mit Filzring. Das Begräbnis der Kruppschen Werksgemeinschaft. Bei der Goldumstellung im Krupp- Konzern sind die sogen. D.- Atten einge3ngen worden. Das sind jene Aftien im Besitz von Werf sange. hörigen, die diesen 1921 zum Erwerb aus ihren Guthaben bei der Werksspartaffe angeboten worden sind und eifrig erworben wurden. Damit sollte der Wertsgemeinschaftsgedante in die Brayis umgesetzt und auch der weiteren Entwertung der Sparlassenguthaben vorgebeugt werden. Dieser Bersuch einer patriarchalischen Lösung der Sozialisierungsfrage und fcheinbar sehr flugen Neutralisierung der sozialistischen Tendenzen in der Beleg schaft des Krupp- Konzerns, der in der ganzen Welt seinerzeit Aujfehen gemacht hat, ist jetzt durch die Einziehung der Aktien begraben worden. Wie gemeldet wird, begründet die Krupp AG. die Einziehung damit, daß die Erzielung einer Dividende ungewiß sei. Die Werksgemeinschaftsaktionäre, die nach Angaben der Firma einen Goldwert von 600 000 m. eingezahlt haben, sollen durch den etwa fünffachen( andere Nachrichten nennen nur einen dreifachen) Betrag ihrer Goldeinzahlung entschädigt werden. Angesichts der großen stillen Reserven der Krupp AG.( ie hatte jegt schon Blaz für die ameritanische 10- mill- Dollaranleihe) ift es zweifelhaft, ob die Werksgemeinschaftsaktionäre mit der Umstellung und der Beibehal tung auch ihrer Attien nicht beffer abgeschnitten hätten. In der Generalversammlung, in der ihre Attien einfaches Stimmrecht genießen, wären sie allerdings gegen den Willen der übrigen Aftio. näre nicht durchgedrungen. Jedenfalls ist die Arbeiterschaft heute über die praktische Bedeutung patriarchalischer Begiüdungs- und sozialer Befriedungsversuche durch die Idee der Werfbefiggemen fchaft von Unternehmer und Belegschaft um ein Erempel reicher, auch wenn es nur ein Inflationserempel ist. Zollfrieg zwischen Belgien und Spanien. Zwischen Belgien und Spanien ist ein förmlicher Bollfrieg ausgebrochen. Der Minister des Auswärtigen, Symane, unterbreitete der Kammer besondere gegen Spanien gerichtete Ausnahmetarife. Der Konflikt ift die erste rucht des im neuen belgijden Rolltarif zum Siege gelangten Su3ollinstems. Die belgische Regierung ver sichert indessen, daß die Verhandlungen weitergehen. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels per Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose. Gerstengrütze, lose. Haferflocken, lose... Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehi Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl 19,50- 24,75 18,75-19,25 20,00-21,50 21,50-22,50 19,50-20,75 22,723,00 26,50-2,50 19,75-21.00 21,50-27,25 19,00-22,25 15,00 16,00 20,25-23,00 Langbohnen. handverl. 27.00-32,0 Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen. große...... Kartoffelmehl. Makkaroni, Hartgrieß. Eiernudeln Mehinudeln....... Rangoon Reis Tafelreis, glasi Patna. Tafelreis, lava. Ringapfel, amerik. Getr P.laumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosineni Kist., Candia. Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice.. Mandeln, süße Bari. Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) 18,00-25,50 32,00-42,00 44.00- 55,59 20,50-22,00 43,25-55, 0 44,50-73,50 24,00- 27,50 15,25-17,75 18,50-20,00 24,51-32,00 32,75-42,00 77.00- 90,00 48,00- 50, 0 74,00 80,0 66,00 68,00 60,00- 73, 0 75,00-95,00 58,00 74,00 205,00-210, 0 200,00-210,00 100,00-120,00 Kümmel, holländischer 53,50-60,00 Schwrz Pfeffer Singap. 110,00-120,00 Weißer Pfeffer. Rohkaffee Brasil 155,00-173,00 215,00-23.00 • Rohkaffee Zentralam 25,00-310,00 Röstkaffee Brasil.. 270,00-310,00 Röstkaffe Zenetralam. 330,00-400,00 Röst etreide, lose 20.00- 23,00 400,00-470,00 29,00-31,00 30,5 33,00 35,5 37,00 34,036,00 40,0027,00- 30,00 90,00-9., 00 40,00 43,00- 55,00 3,10-3,60 3,70 4,20 4.40- 5,00 5,20-5,80 90,75-92,00 91,25-92,50 87.50-89.50 Kakao. fettarm. 70,00-96,00 Kakao, leicht. entölt 100,00-120,00 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,00 Tee, indischer, gepackt Inlandszucker bas mel. Inlandszucker Raffina. Zucker Würfel. Kunsthonig Zuckersirup hell i. Eim. Speisesirup dunk. i.Eim Marmelade Einfr. Erdb. Marmelade Vierfrucht Pflaumenmusi. Eimern Steinsalz, in Säcken Sledesaiz in Säcken Bratenschmalz i. Tiers. Bratenschmalz i Küb! Purelard in Tierces Purelard in Kisten. Speisetalg in Packung Speisetalg in Kübeln Margarine, Handelsm. I desgl. II. 60,00-63,00 Margarine, Spezialm.! 80,00- 84,00 desgl. 11. 69,00-71,00 Molkereibutterli. Fäss. 179,00-185,00 Molkereibutter, i. Pck 194,00-196,00 Molkereibutter Ila i. Fs. 1 7,00-172,60 Molkereibutteri.Pck. 177,00-182,00 Auslandbutter in Fässr 199,00-208,0 Corned beef 12/6 lbs p.K. 39.00Ausl.Speck, geräuchert 108,00-115.00 Quadratkäse 33,00-45,00 Tilsiter Käse, vollfett. 120,00-130,00 Echter Emmenthaler Echter Edamer 40%. 200Aust. ungezucker. Condensmilch 48/16 Inl. vez. Condz.- M 48/14 .. ... 83,00-90,25 65,00- 65,00 66,00 165,00-175,10 125,00-128,00 90,00-92,00 20,00-22,50 25,25 Einfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets ex bas Bezirksjefretariat, 2. Set, 2 Tres. rechts, au richten. ters 4. Areis Brenzlauer Berg. Donnerstag, den 22. Sanuar, 7% Uhr, im beim Danziger Str. 62, parteigenöfftiche Mieterversammlung der Abtei lungen 24 bis 31. Referent Genoffe Sünlich, M. d. N. Die Stadt- und Bezirksverordneten fowie Stadträte haben zu erscheinen. 6. Kreis Arenzberg. Bildungsausschus: Donnerstag, den 22. Sanuar, 71 Uhr. Gigung in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Süderousgabe und brechnung. Jede Abteilung muß vertreten fein. 11. Arcis Schöneberg- Friebenau. Die Jahresversammlung der Arbeitsgemeinfchaft der Kinderfreunde findet heute, Mittmod), 8 Uhr, bei Rönig, Feurig. Ede Brinz- Georg- Straße, statt( nicht wie irttimlich augegeben ant 31. Januar. Bu der Kreismitgliederversammlung am Donnerstag 711 8 Uhr laden die Abteilungs- und Bezirksführer ein. Ronirolle haben die Areisrevisoren. Mitgliedsbum dient als Ausweis. Borher, um 7% Uhr. engere Kreisvorstandssikung bei Rönig, Feurigstraße 17. Areis Sichtenberg. SPD. Elternbeirate: 7½ Uhr wichtige Sigung in der Mittelschule Marktstraße. Alle fozialdemokratischen Elternbeiräte und Stellvertreter fowie Lehrer müffen erscheinen, 18. Areis Weißenfee. Einlagfarten a 1 m. file das Ronzert Internationale Rieder" am Sonntag, den 25. Januar, in der Philharmonie fixo beim Genoffen Seini, Gablerstr. 7, zu haben. 19. Kreis Bantow. Donnerstag, den 22. Januar, 74 Uhr, Sigung bes engerest Kreisvorstandes bei Meier( Simtisches Seli), Pankom, Breite Str. 14. Heute, Mittwoch, den 21. Januar: 24. bt. 7 Uhr Eriragahlabend der 2. Gruppe bei Winger, Christburger, Ede Winsstraße. Wichtige Tagesordnung und Bortrag. 87. Abt. Grunewald. 7 Uhr Abteilungsverfammlung im Sofal Grucza, Subertusbaber Str. 8. Borstand und Funktionäre pünktlich 7½ Uhr erfcheinen. Schöneberg. 77. 6. 76 Uhr Borstandsfisung beim Genofen Riawitter, Apoftel- Baulus- Str. 7. Liste der Funktionäre mitbringen. 79. Abt. 7½ Uhr bei Groß, Sedanstr. 17, Literarischer Abend". Referent Genoffe Barthel 93. Abt. Reutöln. 7% Uhr bei Belger, Treptower Str. 23, Zahlabend. Bortrag über Wohnungswesen". Die angelegte Funktionärsigung file Mittwoch findet 116. b. Lichtenberg. erft Freitag, den 25. Januar, 7 Uhr, im Zobal Mähne, Borhagener Straße 54, ftatt. Bernau. 8 Uhr im Restaurant Modisch, Raiserstraße, Frauenversammlung. Referent Bortrag: Berufsberatung der Mittter für ihre Rinder". Dr. Königsberger, Bernau. Das Erscheinen aller Genoffinnen ift notwendig. Gäste fönnen durch Mitglieder eingeführt werden, Morgen, Donnerstag, den 22. Januar: 37. Abt. 71 Uhr Abteilungsversammlung, Petersburger Str. 54. Referat fiber„ Die politische Situation". Referent Genoffe Bitte. Die Bezirks führer werden ersucht, einzuladen. 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr Frauenleseabend bei Bufe, Friedrich- Wilhelm. Ede Werderstraße. Bortrag des Genoffen Burgemeister über Cherecht. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 12. Abt. Genosse Gastwirt Ratt Schmidt, Wiclefitz. 17, ist verstorben. Cinäfcherung Donnerstag abend 6% Uhr im Arematorium Gerichtstroke. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Seute, Mittwoch, von 5-7 Uhr Ennen die Ausweise für die Fahrpreisermäßigung entgegengenommen werden. Achtung, Mitglieder bes Bücherkreises! Ber den Dezember- Beitrag gr Hebt hat, tann fein Buch in Empfang nehmen. Achtung, Mitglieder! Einloßfarien sum ermäßigten Breise find zu haben für das 3. Feftlonzert( internationale Bieber und Chorgefänge) ant Sonntag. den 25. Januar, nachmittags 3% Uhr, im Großen Sodi der Philharmonic, Bernburger Straße. Achtung, Abteilungskafferer! Seute, Mittwoch, von 5-7 Uhr Abrechnung der Beitragsmatten, Ausgabe des Jugend voran" und der Arbeiter- Jugend". Heute, Mittwoch, den 21. Januar, abends 7% Uhr: Bebbing: Schule Ruheplak, Ede Antonfraße, Bortrag: Bom Bildungs Fimmel". Often( Betersburger Biertel): Jugendheim Eberinft. 12, Bortrag: Die fozialistischen Snternationalen und ihre Riele".-Quisenstadt: Gale Stallschreiberste. 54, Diskussion:„ Der neue Reichstag". Suboft( Richenberger Bierfel): Jugendheim Reichenberger Str. 66, Bortrag: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg". Wannsee: Schule Charlottenstraße, Bortvag: SAJ.. Rirche und Freidenferbewegung" Raulsdorf: Sdule Abolfftr. 21, Bozirag: Jugendschuk und pflege". Friedrichshain: Jugendheim Große Frankfurter Straße 16, Bartrag: Aus der Geschichte der Arbeiterjugend". Achtung, B.- B.- Mitgliebez! Morgen, Donnerstag, plintlig 7½ Uhr, Gigung im Jugendheim( Lefezimmer) Lindenftr. 8. wirit ab ( toßend. Säglich gefärbfe Sähne Die gemeinsame Einäicherung un ferer auf fo tragische Weise aus dem Leben geschiedenen lieben Schwister Ww. Olympia Bauer geb. Sentbeil 1518b und ihres Sohnes, unseres lieben Berthold findet am Donnerstag, den 22. D. MR.. apends 7, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzftr. 221, statt. Friedrich Sentbell nebst Geschwistern NW. Wilhelmshavener Str. 29. Für die her liche Teilnahme beim Heim gange meines lieben Mannes meinen beiten Dant Maria Audrefea u. b Kinder. Das Buch von Egon Noska Guter Ton und gute Sitte ist das Anstandslehrbuch für die breites en Schichten des Volkes. In einer tür Jedermann verständlichen Sprache geschrieben, lehrt es, wie man sich richtig benimmt bei allen vorkommenden Gelegeni.cites → Reußsengold Edelcigarette in eleganter 25 Stck- Pkg. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Drahtarbeiter Achtung! Donnerstag, den 22. Januar, abends 7 Uhr, im Cofal von Schneidet, Zilfiter, Ede Jorndorfer Straße: Brauchenversammlung Tagesordnung: L Branchenan gelegenheiten 2. Discussion. Die Kolleginnen und Kollegen werden erjucht, zahlreich zu erscheinen Freitag, den 23. Januar, abends Zuhr, im Bartercefaal des Berbandshauses, Cinienftr. 83/85: Versammlung der Gruppe Schwachstrom der Elettromonteure. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Lohnfrage 2 Gruppenangelegen heiten. 3. Berschiedenes. Mitgliedsbücher find mitzubringen! Sahlreicher Befud) wird erwartet wie man sich kleidet besonders Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, Eicher wichtig Der gute Ton im schriftlichen Verkehr usw Preis des 384 Seiten starken, e egant in Halbleinen ger undenen Buches( Geschenkeinband): Drei Mark Nachnahme oder Voreinsendung aut Postscheckkon o 18607 Reinhold Wichert, SW 61. Tempelhofer Ufer 5 Prospekte über sonstige Selbstunterric tsbücher( kaufmännische usw) bere twilligst gratis. Spezia: behandl. Ischias Nur füll und Eicherinnen! hr, im Dresdener Rafino", Freitag, den 23. Januar, abends Dresdener Straße 96: Vollversammlung CHRISTIANU Übler Mundgeruch entstellen das schönste Antlig. 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Der Finanzminister der Republik. Eine Ueberraschung war es immerhin, als der Reichs tagspräsident geſtern das Schreiben des Reichskanzlers befanntgab, das die Mitteilung über die Ernennung des neuen Reichsfinanzministers enthielt. Man hatte im Reichstag bereits ein Rätselraten angestellt, wer sich wohl zum Lüden büßer hergeben würde, und böse Bungen behaupteten, daß der lette, der Herrn Dr. Luther eine Absage erteilt hatte, sein eigener Portier vom Wilhelmsplatz gewesen sei. Doch das ist natürlich nicht wahr. Der Portier fann es bestätigen. Sonst war es aber ein ganz amüsanter Moment, als der Name des Herrn v. Schlieben genannt wurde. Die gesamte Linke begrüßte ihn, wenn auch nicht gerade liebevoll, so doch entschieden stürmisch. Und Herr v. Schlieben befam auf der Ministerbank rote Ohren. So freute er sich. Ja, man fennt sich eben. ,, Die armen Beamten!" ,, D, die Reichsarbeiter!", Besol dungsordnung- Schlieben, Schlieben!" So flang es wild durch einander. Ein Zeichen, daß es für den neuen Sädelmeister unangenehme Aufgaben und Erinnerungen gibt. Und wahrlich, alle Arbeitnehmer des Reichs, und nicht nur sie, sondern auch die Arbeitnehmer der Länder und Gemeinden man denke an das Sperrgesek- jauchzen" förm lich auf, wenn sein Name fällt. Alles, was ihnen in den letzten Jahren in puncto Besoldung und Abbau, und was damit zusammenhängt, Böses getan wurde, findet seine Berförperung in dem Namen Schlieben. Natürlich hat er getrebe Mitarbeiter gehabt. Sie haben dasselbe Kaliber: Die Herren Kühnemann und v. Hagen ow. Ihr Meister führte sie, und schnell lernten fie, was sie noch nicht fonnten. Auch wenn Herr Dr. Luther sie alle in fritischen Momenten deckte, was er notgedrungen tun mußte, die wirkliche Berantwortung blieb bei dem Kleeblatt. Und Herr v. Schlieben ist der schlimmste unter ihnen. Mittwoch, 21. Januar 1925 Westarp hält seine Regierungsrede. Verdrängung der Sozialdemokratie. Allmähliche Ausbröckelung der Republif. Reichstagsrede, die wir in einem Teil der geftrigen Abend arbeitenden, sondern des Kapitals der Schieber und Be Genoffe Breitscheid kritisierte im meiteren Berlauf seiner| Deutschland der Herrschaft des Kapitais, und zwar nicht des ehrlichź ausgabe veröffentlichen fonnten, das Berhalten des Außenministers trüger Tür und Tor geöffnet hat, und der Gegensatz zwischen Stresemann in der Frage der Nichträumung der Kölner Bone Arbeitern und Bürgern ist ein Gewächs der Klassenfampfund wies darauf hin, eine wie große Torheit es fei, durch Ber idee, mesensfremd dem deutschen Volfe, in dem jeder Arbeiter ein legung der Abrüstungsbestimmungen in verhältnis Bürger und jeder Bürger ein Arbeiter ift.( Große Unruhe iints.) mäßig unwichtigen Dingen der Entente den Schein eines Rechts Es handelt sich nicht um Bürgerblod gegen Arbeiterauf Nichträumung zu geben. Als die Regte des Hauses dar partei. Gie boch nach Frankreich!" bedachte, führte er als Beispiel die auf Genossen Breitscheid mit unflätigen Bemerkungen, wie„ Gehen Spielerei der Ausbildung Angehöriger studen tischer Rorporationen als Beitfreiwillige bei der Reichsmehr an. Auf der Rechten erhoben sich Rufe: Landesverräter!", der deutschpölkische Abg. Henning fragt: Ist die Rede von Frankreich bezahlt?" Genosse Breitscheid antwortet:„ Nur ein Lump tann fo fragen!" Unter der stürmischen Unruhe des Hauses werden Breitscheid und Henning zur Ordnung gerufen. Die Zusammenfeßung des Kabinetts Luther, so fährt Genosse Breitscheid fort, läßt den Schluß zu, daß man gegen die republifizen offene Anhänger der Monarchie, Feinde der fonische Berfaffung auf trodenem Wege vorgehen will. Hier Republit, die wir mit Zähnen und Klauen zu verteidigen entfchloffen find.( Stürmischer Beifall.) Wir sehen Geßler, den Reichswehr ininister von Ewigkeit zu Ewigkeit.( Händeklatschen bei den Deutsch nationalen.) Breitscheid charakterisiert die Stellung der deutsch nationalen Kabinettsmitglieder Schiele, v. Schlieben und Neuhaus zur Verfassung und sagt von Neuhaus: Wenn er heute hm der Schwur leichter geworden sei, weil er die Tür zu einem Kabinett öffnet, das er als Etappe auf einem Wege anfieht, der zur alten monarchischen Staatsordnung zurüd führen soll.( 3uruf von den Deutschnationalen: Goff sei Dank! Breitscheid: Gott sei Dank! Stürmische Unruhe und Bewegung im ganzen Hause. Dr. Wirth schlägt mit der Fauft auf den Tisch.) Mit dem Namen Schlieben unlöslich verbunden ist die Man sieht den Reichstanzler Luther von seinem Blaß brutale Art, mit der beim Abbau vorgegangen wurde. Die aufspringen und auf feinen Ministerkollegen Schiele zugehen, Ablehnung der vom zuständigen Reichstagsausschuß während das ihnen durch diese deutschnationale Offenherzigkeit das ganze auf den er lebhaft einredet: offenbar hatten die Herren erkannt, der Zeit des Ermächtigungsgesetzes gewünschten Milderungen der Abbauverordnung fallen auf ihn zurüd. Er trägt die Ber- onzept der verfassungstreuen" Ziele ihrer Regierung vorzeitig antwortung für die reaktionäre Tendenz, die seit Jahr und Tag in der Beamtenbesoldung eingerissen ist. Der Mißbrauch vom Reichstag erteilter Ermächtigungen zur einseitigen Benachteiligung der breifen Massen der Beamten der mittleren und unteren Besoldungsgruppen ist fein Werk. Noch unver gessen und ungefühnt sind die Besoldungsstandale vom Juni und November 1924; und ebenso die eigenmächtige Einführung des Wohnungsgeldes und des neuen ungerechten Ortstlaffen verzeichnisses. Ueber all diefes wird mit Herrn v. Schlieben abzurechnen sein. Herr Dr. Luther fann ihn diesmal nicht mehr schützen. verdorben worden war. Breitscheid fährt fort: Die Zwischenrufe der Deutschnationalen Volkspartei haben den Charakter des Kabinetts Cufher enthüllt. ( Stürmischer Beifall und Klatschen links, Bewegung im ganzenhause.) Die Sozialdemokratie hat jahrelang pofitio mitgearbeitet, weil sie fich der Gefahr Deutschlands bewußt war. Aus demselben Beweggrund nimmt sie jeht den schweren Kampf im vollen Bertrauen auf ihren Sieg auf.( Stürmischer Beifall bei den Soz.) Während der Rede des Genossen Breitscheid war im Reichstag folgender Antrag von den Deutschnationalen, dem Zen. trum, der Deutschen und der Bayerischen Volkspartei und der Birt Schaftlichen Bereinigung eingegangen:„ Der Reichstag billigt die Erfiärung der Reichsregierung." Sozialdemokraten und Rommunist en beantragen ein Mißtrauensvotum. Wohl aber ist für unser Berhältnis zu der jehigen Regierung maßgebend das Ziel, die sozialdemokratische Partel ihres beherrschenden Einflusses, mit dem sie zur Revolution getrieben and aus der Revolution Gewinn gezagen hat, zu entkleiden, die Partei des Klaffenkampfes und der Internationalität gerade vermöge des von ihr geschaffenen parlamentarischen Systems auch einmal in die Minderheit zu verweisen.( Widerspruch und Lachen links.) Blaze, um nicht erneut die Krije einer Kreditinflation herbeiBei den finanziellen und sozialpolitischen Aufgaben set Borsicht and zuführen. In den Dienst dieser Aufgabe muß auch die unbedingt last vernichtet die Substanz und die Arbeitskraft der deutschen Witt notwendige Steuerreform gestellt werden. Die jetzige Steuerschaft. Die notwendigere Form wird jetzt besser möglid) jein als früher, sofern die Regierung sich endlich fret macht von der Rüdsicht auf das fozialdemokratische Geschrei nach der Erfassung des Besizes, eines Befiges, der durch die heutige Ent widlung teils ganz verloren, tells in feiner Ertrags- und Arbeits fähigkeit weit über das zulässige Maß hinaus beschränkt ist. Kapitalzinsen und Eisenbahnfrachten wirken heute ähnlich betont die Regierungserflärung mit vollem Recht, daß mur durch wie die Steuern als schweres Hemmnis der Entwidlung. Auch hier Stärkung und Gesundung der deutschen Wirtschaft die Grundlage links.) Zur Regierungserklärung über die Arbeitszeit tönne für fozialpolitische Arbeit geschaffen werden kann.( Widerspruch endgültig praktisch noch nicht Stellung genommen werden. Auch zu den übrigen von der Regierung angekündigten Gesetzentwürfen behalte sich seine Fraktion die Stellungnahme vor. Der Redner lungen, in die man mit völliger Planlosigkeit hineingeschliddert fritisiert dann die bisherigen Handelsvertragsverhandfel. Das Bersäumte müsse hier nachgeholt werden. Der Redner fordert, daß der innere Markt nach Bismardjdjem Muffer durch Schuh- und Ausgleichszölle geflärft werde. Die Caffen des Londoner Abkommens bezeichnet der Redner als unerfüllbar und unerträglich. Die Regierung müffe die nötigen Menderungen des Abkommens durchsetzen. Die Nichträumung der Kölner 3one sei ein Rückjal deutschen Rechts noch klarer und erschöpfender darlegen müssen. Die in die Sanktionspolitik. Die deutsche Note hätte die Berlegung Entwaffnungsfrage fei für die Alliierten nur ein Vorwand. Der Rebner verweist dann auf den neuen Rechtsbruch im Osten und fordert Gegenmaßnahmen der Reichsregierung. Wir fragen die amerikanischen und englischen Staatsmänner, wie unter solchen Umständer Bertrauen und Zuversicht im deutschen zur Berständigung aufs schwerste erschüttert worden. Volke entstehen sollen? Von der anderen Selte her ist die Grundlage SanktionsGewalttal and friedliche Entwicklung, das muß auf die Dauer auspolitik und Londoner Protokoll, Bertragsbruch und Berständigung, einandergehen, das mögen ganz besonders die Bereinigten Staaten beachten, die von Deutschland so nachdrücklich die Annahme des Condoner Brotokolls verlangt haben.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Auf diesem Gebiet liegen die Anfgaben der äußeren Politit, um derentwillen wir an der Regierung fellhaben wollen, weil wir überRegierung frei ist von den internationalen Einflüssen der Sozialberzeugt find, daß auch sie nur gelöst werden können, wenn die deutsche Regierung frei ist von den internationalen Einflüssen der Sozialfeilfer Meinung darüber sein, ob die Note vom 9. Januar nicht schon demokratie und eines würdelofen Pazifismus. Man fann sehr gezu weit gegangen ist. Jedenfalls werden sich bald und deutlic Grenzen deutscher Unterwürfigkeit ergeben, die feine Regierung überichreifen kann. Doch es gibt auch Menschen, die mit ihm zufrieden sind. 3mar find es nicht viele, doch sie sind da und befinden sich in dem Reichsbund höherer Beamten". Für sie und für die Ministerialbeamten hat Herr v. Schlieben gesorgt wie ein Abg. Graf Westarp( Dnat.) erklärt sich bereit, den Antrag auf Bater für seine lieben Kinder. Bei den Besoldungsverhand Billigung der Regierungserflärung anzunehmen, um der Regierung lungen im Reichsfinanzministerium, denen Herr v. Schlieben es fo zu ermöglichen, die Geschäfte des Reiches zu führen. Wir vorjaß, glaubte man oftmals aus seinen Worten nicht den Ber- haben dem Eintritt von Parteimitgliedern und eines Fraktions treter der Reichsregierung, sondern den Gewerkschaftsvertreter mitgliedes in das Kabinett zugestimmt; leicht ist uns dieser Entschluß der höheren Beamten sprechen zu hören. Stand aber die Be- ht gemacht worden.( Lachen links.) Es war nur durch weiteftes soldung der Beamten der mittleren und unteren Gruppen Ansprüche möglich.( Erneutes Lachen lints.) Das Ergebnis der Entgegenkommen von unserer Seite, durch schwere Opfer unferer zur Debatte, oder ging es um Tarifverhandlungen für die neuen Regierungsbildung befriedigt uns nicht Reichsarbeiter und Reichsangestellten, dann war Herr volltommen, es ist ein Anfang, ein erster Schritt, ein Versuch. v. Schlieben nur der gestrenge und sparsame Bertreter feines teine endgültige und befriedigende Lösung.( Großes Gelächter links.) Herrn, des Reichsfinanzministers. Der jetzige Anteil an der Regierung entspricht nicht der Tatsache, daß wir die weitaus stärtste Regierungspartei find. ( Lärm links.) Es wäre richtig gewesen, wenn die Regierungsparteien das Vertrauen in unzweifelhafter Form ausgesprochen hätten. Wir hätten ein direttes Bertrauensvotum gewünscht im Einklang mit dem Reichskanzler und der Deutschen Volkspartet. Leider hat sich das 3entrum diesem Gedanken versagt. Wenn damit durchaus eine losere Berbindung zum Ausdruck gebracht werden soll, so nehmen wir das gleiche Recht für uns in Anspruch, nicht poll gebunden und verantwortlich zu sein. Aha- Rufe links.) Bolitisch legen wir den entscheidenden Wert darauf, daß auch die anderen Parteien ebenso wie mir die Annahme der Billigungsformel in voller Geschloffenheit aussprechen.( hört! hört!) Eine ganz besondere Note erhielten die Verhandlungen noch durch die Art und Weise, wie Herr v. Schlieben zu verhandeln und die Gewerkschaftsvertreter mitunter zu behan deln pflegte. Der Fall, daß er Verhandlungen ablehnte, und die Gegenseite vor ein Entweder- Oder stellte, war nicht selten. Oft sind denn auch die Verhandlungen zu Bruch gegangen. Der Eisenbahnerstreit im Februar 1922 mar eine Folge dieses Auftretens. Und die legte Abfertigung der Beamtenvertreter auf dem Korridor des Reichsfinanzministeriums ist noch frisch in aller Erinnerung. Ja, es gibt Leute, die behaupten, daß Herr v. Schlieben diefe Tattit ganz absichtlich und mit dem Ziel verfolge, die Republik den Reichsbeamten und Reichsarbeitern zu vermiesen. Herr v. Schlieben ist nun Reichsfinanzminister. Ein Schrei der Empörung wird durch die gesamte Arbeitnehmerschaft des Reiches gehen. Und doch ist dies eigentlich gut so. Denn jezt wird er, und nur er, für alles das, was er als Drahts zieher einbrodte, geradeſtehen müssen. Davor wird ihn auch fein letzter außerordentlich schlau berechneter Schachzug nicht schützen, den er noch als Ministerialdirektor tat. Um nämlich die unangenehme Sache mit der Besoldung soweit wie möglich hinauszuschieben, hat Herr v. Schlieben die legfe ,, Besoldungserhöhung" als Ermächtigung für den Reichsfinanzminister, Zuschläge zu gewähren, in das Etatsgefeß eingebaut. Dies bedeutet, daß die Angelegenheit erst mit dem Etatsgesetz, b. h. am Schluß der ganzen Etatsberatung, behandelt wird. Mit anderen Worten: die Sache tann, geht's gut, erst im Herbst oder noch später zur Beratung fommen. Und bis dahin fließt viel Waffer die Spree hinab; man hat sich beruhigt und abgefunden. Ob damit die Sicherheit der Regierungsverhältnisse wirklich gewährleistet ist, wird die Zukunft weisen. Sie wird aufs schwerste gefährdet sein, wenn nicht auch in Preußen der Einfluß der Sozialdemokratie auf die Führung der Geschäfte aufhört.( Lebh. Beifall rechts, stürmische Aha- Rufe der Soz.) Der Redner erklärt dem Zentrum, daß sein Vertrauen in die Halt barkeit und Brauchbarkeit diejes Regierungszusammenschluffes im Reiche wesentlich davon abhängig sein werde, ob das 3entrum in Breußen an dem Bündnis mit Braun und Severing feft halten wolle.( Bewegung u. lebhafte Unruhe.) Auch sachlich be beute eine foztaldemokratische Regierungsgewalt in Preußen her ste Semmnisse für die von der neuen Regierung be rechts.) Nur ber Umstand, daß die Deutsche Boltspartei in Preußen absichtigte fachliche Arbeit im Reiche.( Großer Lärm links, Beifall Schulter an Schulter mit den Deutschnationalen stehe, habe es diefen überhaupt ermöglicht, am Kabinett Luther teilzunehmen. Sie hätten damit eine Pflicht dem Vaterlande gegenüber erfüllt, das unbedingt eine handlungsfähige Regierung brauche. Kein Bolitifer ameifle daran, daß nach der Aufbedung des Korruptionsjumpfes eine Neuwahl für die Linke endgültig vernichtend fein merde. ( Lebh. Widerspruch b. b. Soz.) Die bevorstehende Reichs präsidentenwahl werde diese Borausfage bestätigen. Westarp führt meiter aus, das Handelsprovisorium mit Frankreich werde solange nicht auftande tommen tönnen, als die Franzosen bund dürfte feine Wiederholung des Schuldbekenntnisses bringen. bei ihrer Haltung bleiben. Ein Aufnahmeantrag in den BölkerFür die amtliche widerrufung der Kriegsschuldlüge toürden die Deutschnationalen allen Einfluß einfegen. Wir werden in der praktischen Arbeit von unseren Zielen z11 verwirklichen fuchen, was mur irgend erreichbar ist. Das schafft eine besondere Lage hinsichtlich unseres Berhältnisses zur Verfassung. Daß die Verfassung vom 11. Auguft mit den zahlreichen Menderungen, die sie bereits erfahren hat, auch von uns ols bindendes Recht und als Grundlage unserer Arbeit anerkannt wird, ist selbstverständlich, und ebenso selbstverständlich ist es, dass wir ihre Alenderung durch Gewalt nicht wollen. Wir billigen aber auch, daß endlich eine Reichsregierung fich bereit erklärt, tung nachzuprüfen. baß unser Staatswejen mehr als bisher immerlich die Be it immungen der Reichsverfassung in der Rich gesundet. Besonders die Beziehungen des Reiches zu den 2 ändern müssen betrachtet roerden. Wir Dermuten, daß in diesem Reichstag, in bem Sozialdemokraten und Kommunisten noch über mehr als ein Drittel der Stimmen verfügen. wirtja me Berbefferungen schwerlich erreichbar fein werben. Um so mehr halten wir die Aufgabe jest, Aufklärung über die Mängel des demotentischen, parlamentarischen Systems in das Bolt zu fragen und für den Gedanken zu roerben, daß der neue Aufbau des Reiches nur in engster Anknüpfung an bewährte historische Ueberlieferungen durchgeführt werden kann. Benn wir auch auf dem Geblete der äußeren Politik praktisch an das bestehende internationale Recht und an die durch Deutschlands Wehr lofigfeit gegebene Lage gebunden find, fo halten wir auch hier an unseren legten Grundjagen und Zielen feft. Auch hier wird es nicht immer möglich fein, fie in der praktischen Arbeit voll durchzusehen, auch hier können wir darum nicht verzichten, darüber hinaus aufflärend zu werben.( Lärm links.) Der Plan ist fein gesponnen. Doch hat Herr v. Schlieben die Rechnung ohne die Sozialdemokratie gemacht. Das erste, Die nationale Bewegung müffe auch in Gefehgebung und Berwas im Haushaltsausschuß zur Sprache tommt, wird jener Die Deutschnationalen würden weiter fämpfen, um zu vollkomme der Ueberzeugung dienstbar gemacht werden, daß nicht bedinwaltung den gebührenden Einfluß erhalten. Unsere praktische Politik und Werbearbeit im Bolte wird ferner Baragraph des Haushaltsgefeges fein. Die erste Nuß für Herrn v. Schlieben wird seine Behandlung der Arbeiter, An Regierungserklärung ermögliche den Deutschnationalen die nationalität des Proletariats uns der Freiheit näher bringen fönnen. neren und besseren Ergebnissen zu gelangen. Der Inhalt der gungslose Unterwerfungen, nicht die Rücksicht auf Intergestellten und mittleren und unteren Beamten des Reichs Billigung, obwohl ausgesprochen werden müffe, daß fie manche( Lachen links.) Bir wollen in unserem Bofte der Erkenntnis Befein. Man darf gespannt sein, ob er fie fnaden fann, ober ongeffion an die inte enthalte, die besser unterblieben achtung schaffen, daß das deutsche Recht sich nicht durchsetzt, wenn mer ihm dabei Nußfnaderdienste leisten wird. Das Weitere wäre. Begrüßensmert sei der Entschluß, der für die Deutschnatio- dahinter nicht ein stählender Wille des ganzen Boltes steht. Das ist findet fich dann. Politisch darf man den neuen Finanz- nalen maßgebend mar, endlich zu fachlicher Arbeit zu fommen. nicht möglich, ohne innere Erneuerung des Boltes, ohne Abkehr minifter ruhig den Deutsch nationalen zuzählen. Er Benn die Sozialdemokratie die Unabhängigkeit wahre, tönne der Dom Materialismus.( Lärm linfs.) Darum werden wir uns einfeger ift von demselben Genre wie fein oftpreußischer Landsmann, Reichstag durchaus fachliche Arbeit leisten. Begrüßenswert fet auch für christliche Jugenderziehung und chriftliche Kultur als Grundlage der Ernährungsminister Graf Raniz Beides oftelbische das Befenntnis zur christlichen Grundlage unserer Kultur.( Beides staatlichen und öffentlichen Lebens.( 3uruf links: Kajernen fall rechts.) Mit eisernem Befen müßten Sauberfett und Krautjunter der reaktionärsten Sorte. Als Beamter ber Res Reinheit des öffentlichen Lebens wiederhergestellt werden. Bu ben hof und Zuchthaus.) Wir werden uns weiter einfeßen für Aufgaben des Innenminifters gehöre besonders publit hat sich Herr v. Schlieben dadurch ein besonderes Ber dienſt erworben, daß er sich von Eitel- Schieberich zum Ritter bes Johanniterordens schlagen ließ, deffen fundamentalstes Gebot der Treueschwur für den König von Preußen bis in den Tod ist. Herr v. Schlieben fügt sich also als Reichsfinanzminister dem Gesamtrahmen des Rabinetts Luther durchaus harmonisch ein. Arme Republik! die beffere Beachtung der föderaliffifchen Rechte der Bundesffaaten und die Befreiung und Förderung der vaterländischen Bewegung.( Lebh. Uha- Rufe links.) = Falsch ist die Behauptung des Abg. Müller Franken, unfere Teilnahme an der Regierung fei erfolgt, um der Arbeiterschaft die Herrschaft des internationalen Großtapitals entgegenzusetzen. Gerade das parlamentarisch- republikanische System ist es ja gewefen, das in völtisches Festhalten am deutschen Wesen, deutscher Eigenart und geschichtlicher Ueberlieferung( ha- Rufe links), für einen festen nationalen Willen, der auf das alle politischen Aufgaben der Gegenwart beherrschende Biel gerichtet ift, Nation und Reich von Schmach und Knechtschaft zu befreien.( Lebhafter Beifall rechts.) Präfident Lobe ruft den Abg. Graf Bestarp nachträgli zur Ordnung, weil er den Abg. Dittmann infolge eines sich aus Helfferich beziehenden Zwischenrufs beleidigt hat, desgleichen der Abg. Kuhnt( S03.) und nochmals den Abg. Westarp wegen gegenseitiger Zurufe. In dem allgemeinen Lärm hört man den Zwischenruf des Abg. Rönneberg( Dem.): Noch so eine Rede und Luther ist verloren! Abg. Wirth( 3.) antwortet: Er ist jetzt schon verloren! Die Erklärung des Zentrums. Abg. Fehrenbach( 3.) verliest eine längere Erklärung der Zentrumsfraktion, in der es heißt: Das Zentrum verfolgte immer das Ziel, alle zu verantwortlicher politischer Aufbauarbeit auf dem Boden der bestehenden Reichsver faffung bereiten Kräfte zu praktischem politischen Zusammenwirten heranzuziehen und so die Grundlage für eine starke Regierung zu bilden. Diesem Ziel diente sein Eintreten für den Gedanken der Volksgemeinschaft und für die große Koalition. Aus Gründen, die nicht wir zu verantworten haben, sind diese beiden Möglichkeiten einer starten und ausgeglichenen Regierungsfoalition vorerst zunichte geworden. Unter diesen Umständen mußte die Fraktion versuchen, die von ihr als richtig erkannte Politif auch im Rahmen einer Minderheitsregierung zu verwirt. lichen. Das Resultat der letzten Wahl müßte, rein fachlich gewertet, cuch heute noch für eine Politik der Mitte oder der großen Koalition eine tragbare Mehrheit ergeben, wenn alle diejenigen, die diese Politit bisher unterstüßten, daran festgehalten hätten. Im Gefolge der Aufkündigung der Koalition durch die Deutsche Volkspartei sind aber alle Bemühungen des Reichskanzlers Marr an Widerständen gescheitert, an denen das Zentrum feinen Anteil hat. Demnach würde ein reines Kabinett der Rech ten, dem das Zentrum mit wachsamer Neutralität ohne jede auch nur personale Verbindung gegenüber gestanden hätte, an fich den durch die Haltung der Rechtsparteien bedingten Berantwortlichkeiten durchaus entsprochen haben. Angesichts der Gefahren einer weiteren Hinauszögerung der Krise hat die Fraktion jedoch aus staatspolitischen Erwägungen heraus sich den opfervollen Entschluß abgerungen, unter Vorbehalt aufmerkfamster Prüfung der fünftigen Politik und unter Ablehnung jeder fraktionellen Gebundenheit in eine personale und beschränkte Beteiligung im neuen Kabinett einzuwilligen. = Die im gegenwärtigen Kabinett verwirklichte Notlösung entspricht nicht den grundfäßlichen und tatsächlichen Anforderungen, die an eine auf Dauer berechnete Regierung gestellt werden müssen. Die Fraktion tritt in diese neue Regierungsperiode ein mit ernster Sorge für die weitere Gestaltung der Geschicke Deutschlands. Diese Sorge, wird vermehrt durch die ernste außenpoliftsche Lage, der wir nun mit einer neuen noch nicht erprobten Regierung gegenübertreten müssen. Der Amtsantritt dieser neuen Regierung wird in den weitesten Volksfreisen, besonders im beseßten Gebiet, mit wachsamer Sorge betrachtet. Diese Bevölkerung erwartet, daß man ihr vermeidbare Kämpfe erspart. Die Fraktion erwartet, daß der neue Reichsfanzler gewillt ist, die Folgerichtigkeit des bis herigen außenpolitischen Kurses zu bejahen und einzu halten. Sie gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die realpolitische Einsicht des neuen Kanzlers fich durch feine Kräftegruppe feines Kabinetts nach einer Richtung abdrängen lassen wird, in der wir ihm jachlich nicht mehr zu folgen vermöchten. Das gilt nicht nur für die Außenpolitit, sondern auch auf unsere Voraus jehungen verfassungsrechtlicher, wirtschafts- und jozialpolitischer fomie tulturpolitischer Art. Die Erklärung betont dann die Forderung, dem Christentum als über. ragender Kulturmacht den gebührenden Einfluß einzuräumen. Die Frattion lege den größten Wert auf die Verabschiedung des Reichsschulgesezes und die Aufrechterhaltung des Betenntnisschulwesens. Troß schwerer Bedenken ist die Zentrums: fraktion gewillt, auf Grund der soeben abgegebenen Regierungserklärung das neue Kabinett feine Arbeit beginnen zu lassen. ( Große Heiterfeit links.) Verfassungsanträge der Volkspartei. . Abg. Dr. Scholz( DVp.): Wir begrüßen das neue Kabinett. Einmal deswegen, weil unser Volt endlich einmal eine verantwort: liche Regierung braucht.( Lebh. Rufe links: Sie sind ja der Schul dige an den Krisen!) Dann aber auch, weil dieses Kabinett sich im Cegenjaz zu dem vorhergegangenen unter dem auch von uns hoch verehrten Kanzler Marg auf eine starke und sichere Mehr heit stüren fann.( Lachen links.) Auch wir werden die Taten der Regierung abwarten. Das ist fein Mißtrauensvotum, sondern entspricht dem mit dem neuen Kabinett eingeführten System der Ber frauensmänner. Nach den Gefeßen der Logit müßte auch Dr. Breitscheid für den Billigungsantrag stimmen. Er billigte ja die Politit des Kabinetts Marg und meinte, Dr. Luthers Erklärung besage dasselbe.( Ruje b. b. Soz.: Sie ist aber nicht ehrlich gemeint!) Das System der Verdächtigung der einzelnen Kabinetts mitglieder ist wirklich keine erfreuliche Neuerung.( Beifall rechts.) In der Außenpolitik wünschen wir die Fortsetzung des von Dr. Stresemann so erfolgreich eingeleiteten Kurjes. Wir erheben den schärfsten Protest gegen den Vertragsbruch, den die Nichträumung der Kölner Zone zweifellos darstellt. Dem Eintritt in den Völkerbund stehen wir nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, aber wir billigen es auch, wenn die Regierung den Zeitpunkt dazu noch nicht für gekommen erachtet. " Wir beantragen die Einsehung eines Ausschusses zur Nachprüfung der Weimarer Verfassung, besonders in bezug auf das Verhältnis des Reiches zu den Ländern und Gemeinden. Notwendig ist eine Reform des Wahlrechts, in erster Linie eine Heraufstufung des Wahlalters.( Beifall rechts.) Für die kommenden Berhandlungen brauchen wir einen einheitlichen Handelsvertragsausschuß. Der Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden muß die wahre Selbstverwal tung wiederherstellen. In der Aufwertungsfrage wünschen wir die baldige Aufnahme des Zinsendienstes für die öffentlichen Anleihen unter Ausschluß der Inflations- und Auswertungsgewinnier, ferner eine angemessene Erhöhung der Aufwertungssäge über die dritte Steuernotverordnung hinaus. Wir erwarten von der neuen Regierung eine gesunde nationale Realpolitik. Wir wenden uns gegen das so oft mißbrauchte Wort vom Bürgerblock". Bir tennen feinen Gegensah zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft, wir fennen nur Deutsche.( Lachen b. d. Soz.) Weil wir alle Kräfte des deut schen Bolles zusammenfassen wollen, darum werden wir die darauf gerichtete Arbeit der neuen Regierung unterstützen.( Beifall rechts.) Abg. Frau Golke( Ruth Fischer, Komm.): Die heutige Erflä rung des Kabinetts Westarp war wenigstens ein offenes Be= tenntnis zur Monarchie, während Herr Luther gestern ver geblich die Tatsache verschleiern wollte, daß sein kabinett tatsächlich von den Deutschnctionalen beherrscht wird. Die Sozialdemo fraten spielen Komödie mit ihrer Opposition, die Reaktion fönnte heute gar nicht so auftreten, wenn sie nicht über so brave, treue So zialdemokraten verfügte. Nun werden sie wie Knechte behandelt, die man nicht mehr braucht. Wenn Herr Breitscheid nicht endlich den Außenministerposten kriegt, dann werden die braven Sozialdemo= fraten schließlich noch Oppofition mit Kindertrompeten machen. Komödie waren auch die nationalistischen Redensarten Westarps. Ihr Herren Sklavenhalter wißt genau, daß es feine nationale Freiheit Deutschlands mehr gibt! Ihr wollt nur den nationalistischen Kleinbürger davon ablenten, daß sie Deutschnationalen ihn als Sklaven an das Ausland verkauft haben.( Beifall bei den Komm.) Die Rednerin bekämpft dann den Pazifismus und den Völkerbund. Sie erwartet Rettung nur von dem Klaffenkampf der roten Front des Proletariats.( Beifall bei den Komm.) Als die Rednerin von der Suchthausrepublit" spricht, wird sie zur Ordnung gerufen. Die weitere Besprechung wird hierauf auf Mittwoch vertagt. Ohne Debatte wird dann in allen drei Vejungen der Gesezentwurf über das Reichsschiedsamt für Streitigkeiten zwischen Aerzten und Kranfenfassen angenommen. Im 16 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch 2 11hr. Base Völkischer Landtagsradau. Und eine sozialdemokratische Antwort. In der gestrigen Sitzung des Landtags erklärte nach den Abgg. Baeder( Dnatl.) und Schreiber- Halle( Dem.) Abg. Ladendorff( Wirtsch.- P.), daß der Ministerpräsident die Entscheidung dem Landtag hätte überlassen müssen, welche Regierung der neue Landtag haben wolle. Am schlechtesten gehe es noch immer dem Mittelstande. Die ganze Steuerpolitif zeige, daß man die kleinen hänge und die Großenlaufen lasse. Tausende deutscher Grundstücke seien in furzer Zeit an Landesfremde verschachert worden.( Buruf: Die Ostjuden!) In fünf fremde verfchachert worden.( 3uruf: Die Oftjuden!) In fünf Jahren seien nur 160000 Wohnungen gebaut worden, während wir das Fünffache brauchten. Das Großbauunternehmertum habe noch nie so viel verdient wie heute, der fleine Unternehmer und Handwerker sei beiseite geschoben worden. Die Wohnungsund Handwerker sei beiseite geschoben worden. Die Wohnungs zwangswirtschaft fei die Wurzel der Korruption. Gerade unter fozialdemokratischer Führung habe sich der Kapitalismus unverschämt breit gemacht, daher weg mit einer Regierung, in der die Totfeinde des selbständigen Mittelstandes fizen.( Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dörr( Komm.) mendet sich gegen die große Koalition und beschuldigt besonders die Sozialdemokratie, an der Berelendung des deutschen Volkes mitgewirkt und die Geschäfte der Volksaussauger besorgt zu haben. Inzwischen ist im Hause ein in die Form eines Vertrauens antrages gefleideter gemeinsamer Mißtrauensantrag der Deutschnationalen und Deutschvölkischen eingegangen:„ Der Landtag wolle beschließen, daß nach Art. 57, Abs. 1, Satz 1, das erforderliche Vertrauen haben: der Ministerpräsident Braun, der Minister des Innern Severing, der Justizminister am 3ehnhoff, der Finanzminister Braun, der Kultusminister Braun, der Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff, der Handelsminister Siering und der Minister für Bolkswohlfahrt Hirtjiefer." Ministerpräsidentenposten scheint nach dem recht demokratischen Abg. Wulle( Nat.- S03.): Der gegenwärtige Inhaber des Grundsatz zu handeln: Halte, was du hast!" Er und seine Kollegen beharrten mit erstaunlicher Zähigkeit auf ihren Schein. Das Gutachten des Justizministeriums gehe davon aus, daß kein allgemeiner staatsrechtlicher Grundsay existiere, des Inhalts, daß mit dem Wegfall der Körperschaft auch die von ihr bestellten Organe abtreten müssen, nach der Auffassung seiner Freunde sei mit dem Bollmachtgeber auch die Vollmacht ertoschen und die Stunde der Minister habe geschlagen. Die ganze Frage sei viel weniger eine Rechts- als eine Machtfrage. Redner wird bei seinen weiteren Ausführungen durch stürmische zurufe der Linken unter brochen, so daß er zeitweise unverständlich bleibt. Dem Bizepräsidenten Kries( Dntl.) gelingt es mit Mühe, dem Redner Gehör zu verschaffen. Nachdem der Redner der Linken den Vorwurf gemacht hat, daß ihre große Koalition durchaus keinen staatserhaltenden Charakter getragen habe, erflärt er, wiederholt durch Zurufe von lints unterbrochen, daß er und seine Freunde um das Preußen ringen, das im Mittelpunkt der völkischen und nationalen Idee stehe. ( Stürm. Heifrufe bei den Nationalsozialisten und auf der Rechten.) Abg. Haas( Soz.) nennt die Rede des Vorredners eine Karnevalsrede und erwidert, Herr Wulle habe hier die alte Zeit gefeiert und in nationalen Tönen gemacht, und doch sei gerade er es gewesen, der im November 1918 die Farben Schwarz- Rol- Gold als Sinnbild des deutschen Ideals gefeiert haben. Auch der foeben eingebrachte Bertrauensantrag zeige, mit welcher Heuchelei gearbeitet wurde von den Bölkischen.( Buruf: Und Deutschnationalen!) " Der Sprecher der Deutschnationalen, Herr Baeder, ftellte die Dinge hier jo dar, als ob die Deutschnationalen die Hüter der preußischen Verfassung wären. Saubere Verfassungshüter diese Deutschnationalen. Was wollen die Herrschaften eigentlich? Selbst von den Kommunisten müssen sie sich daran erinnern lassen, daß sie doch jederzeit einen Mißtrauensantrag einbringen können. Das Don wollen sie aber nichts wissen. Und deshalb jetzt der Trid mit dem Vertrauensmißtrauensvotum des Herrn Bulle. Nicht um Verfassungsstreitigkeiten geht es hier, sondern um politische Dinge. Wir müssen uns flar werden über die Motive, die die Rechte in ihrem Kampf gegen das Kabinett Braun beseelen. Ein Blick auf den Kampf, der zurzeit im Reichstag tobt, zeigt, worum es geht. Wir im bejezten Gebiet fühlen doppelt: schwer den Ernst dieser Tage. Ich hatte vor kurzem Gelegenheit, einen Vortrag von Dr. Edener zu hören. Was an seiner Rede auf mich den stärksten Eindruck machte, war seine Mahnung, daß Deutschland in der Welt draußen mehr moralische Erobe rungen machen müsse. Wir im besetzten Gebiet jehen mit Grauen die merkwürdige Art, wie seit dem Londoner Abkommen die Rechtsparteien drauf und dran sind, moralische Eroberungen" im Ausland zu machen. Krise im Reich, Krise und fein Ende! Seitdem die Krisenmacher wieder fest am Werke sind, hat sich die Stimmung des Auslandes beträchtlich verändert. Wir im besetzten Gebiet haben gut Gelegenheit, die Aenderung in der Stimmung der Welt an dem Berhalten der Besatzung zu spüren. Aber die Deutsche Volkspartei fann anscheinend ohne die Deutschnationalen nicht mehr leben. Die Deutsche Volkspartei vergeht vor Sehnsucht, mit alle den Leuten politisch zusammenzuarbeiten, die wie die Herren Spahn, Tirpis, Kemniz usw. heute die Dames Geseze als zweites Versailles verfluchen und morgen dafür stimmen. Die Deutsche Bolkspartei zeigt ja in diesem Puntt bereits einige Seelenverwandtschaft init den Helden der leverzeugung bei den Deutschnationalen. Heute wird die große Koalition von der Deutschen Volkspartei noch in allen Tönen gepriesen und morgen wird sie zertrümmert und zerstört. Mit einer solchen Politik und mit alle den anderen Dingen, die die Herren auf der Rechten noch im Schilde führen, sind wir auf dem besten Wege, den Wunsch Dr. Eckeners zu erfüllen. Wir im besetzten Gebiet sehen den Dingen im Reich und in Breußen mit Sorge entgegen. Im besetzten Gebiet haben wir Sozialdemokraten oft, wenn es uns auch schwer fiel, im nationalen Interesse auch mit den rechtsstehenden Parteien dem Ausland gegenüber manche Rundgebung unterschrieben. Was für ein er bärmliches Spiel aber haben sich diefe gleichen Rechtsparteien vor furzem hier im Hause geleistet. Bei dieser Gelegenheit haben sie einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Wir sind darauf gespannt, wie es die Rechtsregierung im Reich anstellen wird, um auf ganz anderem Wege als die Sozialdemokraten außenpolitische Erfolge zu erreichen. Wir fürchten, daß die neue Außenpolitik wie die Innenpolitik zu schweren Erschütterungen führen wird. Schon nach Beendigung des Ruhrkampfes hat die Großindustrie, um den Achtstundenfag zu zerstören, sich nicht gefchämt, mit den Franzosen anzubandeln. Heute sind wir nun glücklich so weit, daß auch die christlichen Arbeiter den kommenden Dingen mit ernster Sorge entgegenfehen. Die gesamte christliche Arbeiterschaft im Rhein- und Ruhrgebiet hat sich gegen den Rechtsfurs im Reiche gewandt. Eine unge heure Gefahr für alle Arbeitnehmer zieht herauf; die schönen Worte des neuen Reichskanzlers können die Gefahr nicht verbergen. Gehen auch in Preußen die Parteien der Weimarer Koalition auseinander, dann zieht sich ein schweres politisches Ungewitter zujammen. Mit ungezügelter Gier erfireben die Deutschnationalen die Macht in Preußen. Sie wissen, daß das alte Breußen, das Eldorado fonfervativer Futterfrippenpolitit mar. Daher auch die Begeisterung des Herrn Baecker für das alte Preußen des | Verfassungskonflifts. Herr Baeder beglückte uns hier mit allerhand Rechnungen und Kalkulationen über die parlamentarische Lage. Das find Milhmädchenrechnungen, nichts weiter. Im übrigen möchten wir die Deutschnationalen im Vorbeigehen einmal fragen, ob sie denn gar nichts aus der Geschichte gelernt haben, wenn fie glauben, fie fönnten auf die Dauer wie früher die Arbeiterschaft völlig von der politischen Leitung ausschalten. Die Rechte redet so viel von der Erhaltung des Reiches. Aber wer hat tatsächlich das Reich zusammengehalten? Nicht zum geringsten Teil die sozial demokratische Arbeiterschaft, nicht zum wenigsten der von den. Deutschnationalen beschimpfte und besudelte Reichspräsident bert. Wer hat am Rhein das Reich und Preußen gerettet? Die organisierte und nicht zuletzt die freiorganisierte Arbeiterschaft. Wahnsinn und leberhebung verführen die Rechte, uns den Rampf bis aufs Meffer anzufündigen. Wir nehmen diesen Kampf an. Aber die Herren mögen es sich gesagt sein lassen, daß wir den Kampf anders führen als sie es fich träumen. Wir werden ihn zäh und unerbittlich bis zum Ende durchkämpfen im Interesse der Freiheit und der sozialen Erhebung des Volkes, im Interesse der Rettung des Staates und des Reichs.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Koch- Deynhausen( Dnatl.) erwidert, seine Partei nehme den Kampf auf. Die Differenzen werden besonders start werden, wenn das Zentrum seine fulfurpolitischen Anträge durch feßen will. Hier kann auch die Einstellung anderer Länder nicht gleichgültig sein. Abg. Heß( 3.) bedauert lebhaft, daß ein Urantrag aus dem Hause, der an den Magdeburger Prozeß anknüpft, in der jezt ihm gegebenen Form den Akten des Hauses einverleibt ist. Der Reichspräsident genieße nicht den gesetzlichen Schuh, unter dem das frühere Staatsoberhaupt gestanden habe und daraus zögen manche Kreise die Folgerung, daß die Freiheit der Meinungsäußerung, die die Republit verleiht, dem Reichspräsidenten gegenüber in der Weise mißbraucht werden könnte, wie man es hier gefehen habe. Für den einfachen Menschenverstand erscheint es unerträglich, daß das Staatsoberhaupt ohne weiteres als vogelfrei erklärt wird. Wir haben der Auffassung der Mehrheit des Aeltestenrats, daß die Regierung in die Kundgebung des Landtags am 9. Januar nicht eingreifen sollte, ebenfalls Ausdruck gegeben. Wenn sich nun aber einmal die Regierung an der Kundgebung beteiligt hat, fonnte sie unter Umständen verlangen, daß das in der Form respektiert würde, wie es sich aus der Sachlage ergab.( Stürmische Zustimmung links.) Die Einigkeit des Landtags in Fragen des be jeten Gebiets sei zum erstenmal am 9. Januar in so bedauerlicher Form verlassen worden, daß dieser Tag zu den dunkelsten Tagen unseres parlamentarischen Lebens gehöre.( 3ſtimmung bei der großen Mehrheit.) Diese hemmungslose Leidenschaftlichkeit der Deutschnationalen hätte man im befehten Gebiet nicht für möglich gehalten. Der Redner legt des weiteren schärfste Verwahrung gegen fonfeffionelle egen ein. Auch Dr. Stresemann habe die Politik und die Regierung der mittleren Linie als die einzig zum Ziele führende Bolitik bezeichnet. Und wenn auch Herr Dr. Don Richter bei seinem Ausscheiden aus dem preußi schen Kabinett für dieselbe große Koalition warme Worte gefunden habe, tönnten dann die Herren von der Deutschen Volkspartei dem 3entrum wirklich nicht nachfühlen, daß es ihrem Austritt verständ nisios wie einem unlösbaren Rätsel gegenübersteht? Und nach Herrn v. Campe sei der große einigende Gedanke doch der gewefen; Die Not unseres Baterlandes ist jetzt so groß, daß es als ein Gebot realpolitischer Baterlandsflfebe erscheint, alle Mannan Bord zu rufen, die bereit sind, für das Baterland mit uns zujasi menzuarbeiten. Und ist die Not des Vaterlandes heute nicht weniger groß als vor wenigen Wochen? Vont altersher, so erklärt der Redne weiter, sind mir gewillt, unsere fulturellen Interesjen nach allen Richtungen hin selbständig zu vertreten. Was wir gewonnen haben haben wir immer nur durch Kampf gewonnen, um es auf eine ganz einfache Formel zu bringen: nach links haben wir unsere Weltanschauung, nach rechts unsere Konfession zu verteidigen.( Große Heiterfeit.) In die große Koalition find wir infolge der großen Not des Baterlandes eingetreten. Die neue Theorie des Herrn v. Campe, im Reich und in Preußen homogene Regierungssysteme zu etablieren, ist sehr gefährlich, und man müsse sich fragen, ob es politisch flug sei, die größte deutsche Partei auf der ganzen Linie in Opposition und Obstruktion zu treiben. Sei die große Volksgemeinschaft nicht möglich, dann fei die große Koalition immer noch die breiteste Basis, die überhaupt gefunden werden könne. Wenn das Zentrum bleibe, so bleibe es aus Pflichtgefühl dem Bater lande gegenüber und weil es die Idee der großen Koalition jetzt nicht Sterben lassen wolle, weil sie das einzige darstelle, was das preußische Volk und das Deutsche Reich in Stetigkeit aufwärts führen fann. Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 12 Uhr vertagt. Schluß 6 Uhr. Arbeitersport. Arbeiter- Turn- und Sporibund, 1. Kreis, 6. Bezirk. Schwimmer: Ant Donnerstag, den 22., um 7 Uhr abends, findet in der Krumme Str. 10, Bade. anstalt, ein großes Wafferballturnier statt. In der diesjährigen Serie gibt es fehr gute Epiele zu sehen, da die Mannschaften der A- Klaffe fich alle gleich ſtehen. Es werden B- Klaffen- Spiele, Jugendspiele, fowie cin Kunstfpringen den Abend abwechseln. 99 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianite. 37/38. Sof 2 St. Kameradschaft Budow, Märkische Schweiz: Sonnabend, den 24. Jae nuar, abends 8 Uhr, große republikanische Rundgebung, anschließend geselliges Beisammensein. Berliner Kameraben, die gewillt find, baran teilaunchmen, Abfahrt am Sonnabend nachmittag 5 Uhr vom Fernbahnhof Alexan berplak. Treffpunkt 4% Uhr Eingang Dirdfenstraße. Ramerabschaft Fricd. richshain: Donnerstag, den 22. Januar, abends 74 Uhr, Turnabens, Dieftelmeŋerstr. 5. Sämtliche Kameraden müssen erscheinen. Kamerabschaft Rönigs. musicrhausen: Mittwoch, den 21. Januar, abends 7 Uhr, Mitgliederversamm lung im Lokal Efanta, Restaurant Rum Funkerberg", Königswusterhausen, Berliner Str. 17. Tagesordnung: Ein Jahr Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Sympathiserende Republikaner find freundlichst eingeladen. Kameraden, Mite gliedstarten mitbringen! Kameradschaft Mitte: Donnerstag, den 22, Januar, Beginn unserer Uebungsstunden. Sämtliche Kameraden treffen sich vorher aut gemeinsamen Abmarsch abends 7½ Uhr Landsberger Str. 89. Kameradschaft Neukölln, 1. 8uq: Sonnabend, ben 24. Januar, Bierabend bei Bähle, Weier, Ecke Wildenbruchstraße. Bortrag des Nameraden Oberregierungsrat Fourier. Alle Neuköllner Kameraden find eingeladen. Kamerabschaft Bernau: Mitt woch, den 21, Januar, abends 8 Uhr, wichtige Mitgliederversammlung bei Modisch, Kaiserstraße. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert es, daß famte Mitalieber erſcheiten. Arbeiter Radis Klub, Bezirk Schöneberg. Zufammenkunft aller Mitglieder und werttätigen Radiofreunde am Donnerstag, den 22. Januar, 7% Uhr, bei Rosenthal, Schöneberg, Ebersstr. 66. Gäste willkommen. Berein der Freidenter für Feuerbestattung, c. B., Bezirk 14, Reutönn. Alle Mitglieder, die in Neukölln Eleben, tönnen ab Donnerstag, den 22. Januar, an den Zahltagen der Neuköllner Roblitellen ihre mit Straße und Hausnummer verfchenen Mitgliedskarten zweds Umtausch gegen Quittung abgeben. Ab Montag, den 26. Januar, aibt es neue Reitungen. Bereinigung fozialdemokratischer Aerzte. Ordentliche Generalversammlung am Freitag, den 30 Januar, in Bortragssaal des Sauptac undheitsamtes der Stadt Berlin, Fischerftr. 39-42, abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Geschäfts bericht. 2. Raffenbericht. 3. Borichiar des Borstandes auf Statutenänderung. Neuwahl des Boritandes. Anſchlickend, 8½ Uhr, Mitgliederversammlung Tagesordnung: 1. Dr. Kronfeib:" Der Entwurf zum neuen Strafgefekbud 2. Ausierade. Gäste, besonders vom Standpunkt des fogialiitiiden Arztes. Juristen und Aerate in der Mitgliederversammlung willkommen. 1 Weller für Berlin und Umgegend. Bei schwachen füdöstlichen Binden boxwiegend beiter. Morgens noch vielfach etwas woltig bis neblig. Tags über etwas über Null Grab; nachts Frost. Für Deutschland. In ganz Dentichland meift heiteres Better, strichweise, besonders morgens, Nebel. In Lit und Süddeutschland Temperatur um Null Grad. Sonit etwas marmer. Mittwoch 21. Januar 1925 Unterhaltung und Wissen Der„ Knigge". Bon Wilhelm Lichtenberg. Im Jahre 1788 ließ der Schriftsteller Adolf Freiherr von Knigge, wohnhaft in Hannover, ein didkleibiges Bert im Buchhandel er. scheinen. Es nannte sich:„ lleber den Umgang mit Menschen" und das merkwürdigste an diesem Werke, das bald in weitesten Kreisen populär wurde, war, daß der Verfasser mit seinen fnapp sechsundbreißig Jahren ein Brevier herausgeben wollte, wie die Menschen unter- und miteinander verkehren sollten, um das tägliche Leben, den Verkehr zwischen den Menschen zu dem zu machen, was sie fein follten, zu einer Quelle ewiger Harmonie und anhaltender Freuden! Einige Jahre später fchon wurde das Buch des Freiherrn von Knigge in alle Kultursprachen übersetzt, er zählte bald zu den populärsten Männern seines Zeitalters. Sein größter Erfolg ist es aber sicherlich, daß der Name Knigge" bis heute aus dem Sprachgebrauch der Deutschen und wohl auch fremder Völker nicht verschwunden ist, daß er als Begriff im Volke fortlebt und daß der felige Knigge mit seiner Weisheit über den Umgang mit Menschen immerfort bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten zitiert wird. " -Troßdem glaube ich nicht, daß sich unsere Zeitgenossen, die den Namen„ Knigge" so oft und so gerne im Munde führen, noch allzuoft die Mühe nehmen, in dem alten Buche nachzulesen und mit dem Freiherrn, der für so fomische Sachen, wie sie die Abfassung eines Buches über den Umgang mit Menschen darstellen, Zeit und muße fand, posthume Bekanntschaft zu schließen. Denen, die sich dieser Mühe bisher nicht unterzogen haben, und es wird der überwiegende Leil aller Leser sein, muß ich doch eine kleine Enttäuschung bereiten. Spricht man vom Knigge", dann denkt man dabei an eine Schrift, so ähnlich wie etwa: Wie wirte ich auf die Frauen?" oder„ Der qute Ton in allen Lebenslagen". Also ungefähr eine Sammlung von Phrasen und Rezepten, wie man ein Gentleman oder ein Fraueneroberer wird. Nun mit derartigem hat sich herr von Knigge, gewiß einer der seriösesten Schriftsteller seiner Zeit, nicht abgegeben! Und wenn man einem flegelhaften Menschen zuruft:„ Lesen Sie den Knigge!" und er nähme sich unsere Aufforderung wirklich zu Herzen, Dann würde er nach der Lektüre nicht mehr wissen, als vorher! Denn Der„ Knigge" fagi gar nicht, wie Lümmel zu einer feineren Lebensführung gelangen können. Diefe tut er von vornherein als irreparabel ab. Adolf Freiherr von Knigge war ein Philosoph und hat das gesellschaftliche Leben seiner Zeit streng unter die Lupe genommen. Er ist dabei überaus gründlich zu Werke gegangen und hat keinen Zweig des öffentlichen Lebens, fein Verhältnis der Menschen zucinander, feine Gemütsart außer acht gelaffen. Ich sagte: GSeiner Zeit? Nun, wir wollen furz sehen, wie weit sich die Beobachtungen des Herrn von Knigge frisch erhalten haben! * Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als er sich selbst gelten mag." Diesen Saz fegt er an die Spize seiner Aus: führungen und bezeichnet ihn selbst als einen goldenen Spruch. Snigge mar also durchaus ein Mann der praktischen Lebenserkenni nis, verschanzte sich und seine gute Einsicht nicht hinter papierene Beisheit. Mit unerbittlicher Schärfe sieht er die Menschen und ihre geheimsten Beweggründe für gute und böse Taten. Es ist eine nüchterne Sachlichkeit in diesem Buche, die manchmal zweifeln läßt, ob der Autor wirklich im romantischen Zeitalter gelebt habe und nicht etwa in unserer Welt wandle, in dieser entgötterten, materia lisierten Zeit. Vor allem predigt er, niemals einen Mangel, eine Hemmung, einen Rummer feinem Nächsten zu verraten. Selbst Deinem treuen Weibe kaum Weil er meint, daß alle Anteilnahme, alle Hilfe mur den Mächtigen, Unversehrten zugute fommt, und daß sich von dem Schwachen, Hilfebedürftigen alles abwendet. Allerdings warnt er auch davor, sein Glüd und seine Vorzüge an die große Glocke zu hängen, weil die Menschen niemals ein solches lebermaß des andern, ohne zu murren, hinnehmen. Allerdings weiß er nicht eindringlich genug vor allzu großer Bescheidenheit zu warnen. Hier verlohnt es sich schon, ihn wörtlich zu zitieren:„ Jeder forgt für sich und die Seinigen, ohne sich um den bescheidenen Mann zu fümmern, der indes nach Gemächlichkeit in seinem Winkelchen feine Talente vergraben oder selbst wohl gar verhungern fann. Darum bleibt so mancher Tüchtige bis an seinen Tod unerkannt und von dem nüglichen Wirkungsfreise, der für ihn und für den er ge schaffen scheint, ausgeschlossen, weil er nicht darum betteln fann." Sch glaube, dies gilt heute fast noch mehr, als vor hundertvierzig Jahren! Und wie gerne möchte man den Menschen von heute immer 21 Das Fest der Liebe. Bon August Stramm. Da hörten fie ein Laufen hinter sich, ein Reuchen... und hatte lis jetzt der Alte den Jungen gezogen, so pacte jetzt dieser den Greis and sleppte ihn mit sich in angstverheiztem Laufen. Bor dem Dorf faßte sie der Sturm mit voller Bucht. Der Alte fei nieder und schlug in den Schnee wie ein abgequältes Pferd. Der Junge stieß gegen einen Baum, frampfte sich mit beiden Fäusten fest und rang mit offenem Munde rach Luft, sich schüttelnd wie im Fieber und den ihm in den Mund getriebenen Schnee herunter. gurgeind und mürgend. „ Dunner Knispelchen... Rinners... Masemattenmacher. Schneehafen... hi... ver..." frächste eine heisere Stimme hinter ihnen, was is los?!... los?!... was rennt' r?!... d'r Deibel... der eich jagt?!... hi... hi...!" wieder die Bemerkung aus dem Knigge" zurufen:„ Vor allen Dingen wirf Dich nicht zum Sittenrichter auf und erteile ungefragt und ohne entschiedenen Beruf feinen Rat!" * Und weil wir schon einmal glauben, es herrlich weit gebracht zu haben und auf die verstaubten Berüden von Anno dazumal mit Spott niederblicken zu können und weil wir insbesondere glauben, ein Mann, der sich die Mühe nahm, Grundsäge für den Umgang mit Menschen zusammenzutragen, müßte ein efliger Philister fein, fo hören wir, was diefer Knigge über die Pedanten zu sagen weiß: Hüte Dich aber den Geist der Ordnung nicht in Pedanterie ausNicht in de Lamang Hans ns Luther im Glück. Ich Vorz Macht evern Dreck aftene Reinhold Ich kann midy beher Nichn Tute 12 Danke für Scheffen Bachobst אינריו Nee! „ Für meine Zukunft ist gesorgt. Geht es mit der Reichstanzlerei nicht weiter, mach' ich ein Korbgeschäft auf." arten zu lassen, in jene lächerliche Pünktlichkeit, die heute alles genau fo tun will wie gestern, die für jede Stunde des Tages Arbeit und Genuß abgezirkelt hat und bei der ersten Störung verdrießlich oder lächerlich zuschanden wird, wie eine ftodende Maschine." Auch sonst dürfte Knigge wohl fein Blauftrumpf gewesen sein, denn Menschheit lieber unterhalten, als belehrt sein will und daß ewig er betont es fehr kräftig, daß man nicht vergessen solle, daß die dozierende und belehrende Menschen nicht wohl gelitten sind! Ein Wiffender in der Liebe und in der Che scheint der alte Knigge freilich nicht gewesen zu sein. Ueber die Frauen und ihre Behandlung weiß er jedenfalls nicht viel zu sagen. Oder sind die Frauen fagt, daß sie an der Spize einer Bücherzensur, am ersten geändert hat?... Trotzdem fällt ihm auf diesem Gebiet der einzige Wiz seines sonst sehr ernsthaften Buches ein, wenn er von gewiffen Fauen fagt, daß sie an der Spize einer Bücherzenfur,„ ant ersten den Kalender verbieten würden!" Insbesondere geht er mit den Berworfenen" streng ins Gericht und setzt von dem Leser voraus, daß er von ihm über den Umgang mit folchen nicht belehrt sein wolle... Hier verschlägt es ihm so sehr die Rede, daß er nur mehr Salomo, Sprüche 7, 6 ff. zu zitieren weiß!! Von der Liebe meint er, daß sie ein füßes Ungemach" sei und daß es verlorene Mühe wäre, Berliebten Regein über ihren Umgang zu geben! Ueber die Ehe denkt er nur sehr skeptisch und meint, daß die Wahl selten richtig gelingt. Immerhin versteigt er sich so weit, anzubeuten, daß die GSinnlichkeit leicht nach dem heftigsten Streit vermittelt... sie gegen das Dorf. Wehe! wehe! mehe!" bellie er heiser voll un aussprechlichen Haffes wie ein angeschossenes Raubtier, dann wandte er sich, stieß die Fäuste in die Hosentaschen und fiampfte dahin mit zu Boden gesenktem Haupte. Der Alte schloß sich ihm an ohne ein Wort. Der Budel aber starrte mit offenem Munde; dann schlug er eine Bache auf, so grell und schaurig- ein ganzes Schod rostiger Haten wurde vom Sturm über verwittertes Zinkblech gejagt. und hopste ihnen nach: " ... Wehe... wehe... wehe...!..." und er lachte.... mo seid ji mesen?"... und er lachte... wo seid ji wesen?!..." und er lachte. ,, in de Kirch?!"... und er lachte den Alten an Dah"... und er schrillte, daß der Greis ihn wütend anfauchte, nee... Jungchen... däs hädd' r nich sull'n sich so' n scheenen Dag verderb'n.. un sich an' n Pfaff argern oah! leben füll'n fe... laß se leb'n!.. nu jä nich... Bruderherz!... immer von de rechte Seite seh'n...!..' s hadd allens feinen 3wed in d'r Welt... Doch mit de Bruderliebe. Hier... und er zog feinen Buckel hoch, früher funn' f mi nich seh'n laffen... unner Menschen von wejen de Futterfiste... da bin' t zu Mudder Irün jangen. Die hilft jeden... menn se eenen ooch mal' n bisken Dred in de Dogen schmeißt... als heite... jedet Weib had feine Lüden un menn mir heite eener buclijer Hund schimpft... fo lach it" und er lachte... is ja man leib!... ne Leibrente... jag if dir. jleich uff'n Leib jefeht... had m'r schon Bleier injebracht, wo andere fich um' n Burscher trumm loofen fonnten...! nur seine Nadur. feh... t... jeschente richtig afennen muß man!" und er lachte und hopfte, daß der Junge wider Willen mitlachen mußte. Der Buckel tauchte aus den Schneewollen auf, selbst einer Schnee 1.) molte gleich, und lachte und hustete und röchelte und hielt sich die hödkrige Brust, die wie ein Blafebalg flog. Die beiden gloßten ihn an wie den Leibhaftigen; den Alten packte die Wut und er hob den Stod, ließ ihn aber wieder sinken, meil der Atem ausseßte; auf Anie und Hände geftüßt, rang er mit zu Boden gesenktem Kopje nach Luft. . ·• .! Rinners... freischte der Buckel, und lachte in fochendem Suften, Rinners... fomm raus aus' ner Binde. eich... haste wat tannste!... der Klempnerstarl if hadd' n jerochen... feine Schindmähre steht do.. vor' m Ausschant d'r Schucker funnt hait nimmer weit fein... do bin if mitjelaufen.. „ Stasstopp!" feuchte der Alte und schnaufte weiter, Schafst... Der Budel lachte und huflete dazwischen wie eine Rohrdommel: Rumm erscht hoch...!... immer hoch den Kopp... Männeten... un dann redſt weider! Der In diefen Augenblid fiel der Grünfing zu Boden, wühlte das Gesicht in den Schnee, schlug mit den Füßen blindlings um sich und frallte die: Hände ins Haar furchtbar aufheulend. Die beiden anderen schauten ausdrucksios. Der Alte erhob sih, nahm seinen Stod, martte ein paar mal hin und her und starrte zu Boden. Budel hepsie von einem Bein aufs andere, lief dann in den Schnee hinaus und fam mit dem Hute des Jungen in der Hand zurück. " Dah", jagte er so weich es ihm möglich war, stülpte ihm den Hut auf und strich ihm den Schnee von Schal und Rod. Da sprang der Grünling auf, riß die Fäufte hoch und schüttelte . Es raffelte hinter ihnen und schnaufte. Und schon tauchte es auf aus dem Schnee. Rappelnd, flappernd, dampfend, pustend: der Gaul... auf ihm hoheitsvoll, in flatterndem Mantel und durch den Schneebelag blizendem Helm: der Spiklopp". Er ftuzte einen Augenblid, als er der drei Gestalten anfichtig wurde, war aber gleich Herr der Situation: Se... ihr...! nu gud sich' s eener an!", mit furzem Zügelrud stond der Gaul bei fo'n Gaumetter... Brrr!... treibt sich' s Bolt rum! Was macht' r bier...?... he...?! P „ Oh, Herr Jeneralwachtmeester," stotterte wehieitig der Krüppel, tchmen' s nich iebel...!. m'r verlaufen uns halt a men'g de Bein!" . Bas?! was?!... unverschämter Limmel! Drackpaß aiandiger. soll ich dich...?!. wo haft Papierchen?!... Jawull, Herr Hauptmann!" rief der Buckel, und suchte hastig unter' m Bams. Beilage des Vorwärts beren Sehr streng ist er in der Beurteilung von Hofleuten und Künstlern. Bon Hofleuten fagt er, daß sie besser Mienen als Buchstaben lefen können, da Mienenlesen fast ihr einziges Studium ſei. wissen Ganz besonders aber will er von den Künstlern nichts oder rät jedenfalls zu größter Borsicht vor solchen Tätigkeit doch hauptsächlich dem Vergnügen gilt. Alfa:" Sänger, Birtuosen, Länzer und Schauspieler". Er wirft ihnen Arroganz und Ueberheblichkeit vor und meint, daß es kaum befremden fönne, wenn ein Sänger, der höher bezahlt wird als ein Staatsminister, fid) über diesen erhaben dünft. Es muß also schon damals so merkwürdig in der Welt zugegangen sein! Er weiß nicht eindringlich genug zu cinen vertrauten Umgang mit dieser Menschenflasse nur nach der strengsten Auswahl zu suchen!" Und überhaupt ist er gegen das Theater, freilich aus Gründen, die nicht so absurd erscheinen: Da aber die meisten Theaterschriftsteller nur Rollen für gefeierte Schauspieler schaffen, und unter den Schauspielern auch die besten schwach genug sind, vorzugsweise solche Rollen zu wählen, in denen sie glänzen können, so fann weder beim Besuche des Theaters, noch beim Umgang mit Schauspielern viel Gescheites herauskommen." raten: 17Aber am besten man frame sich das Buch des Freiherrn Don Knigge selbst hervor und begnüge sich nicht damit, immer nur den andern diese Lektüre zu empfehlen. Man wird eine Fülle von herrlichster Lebensbeobachtung darin finden und viel auf den eigenen Weg mitnehmen. Man besorge ja nicht, daß die Marimen des Knigge" doch nicht mehr in unsere heutige Zeit passen! Ich glaube, wir wissen heute noch nicht einmal mit den zehn Geboten Bescheid: Vielleicht, daß wir in ein paar tausend Jahren beim Knigge" halten werden. Wie lange dauert es, bis ein Mensch sieht? Mit so großer Schnelligkeit sich auch die Vorgänge in unserem Nerven und Ganglienapparat abspielen, eine gewisse Zeit vergeht doch immer, tis eine Wahrnehmung uns zu Bewußtsein kommt. Und wenn, auf diese Wahrnehmung eine Reaktion erfolgen soll, etwa eine Muskeltätigkeit, so vergeht weitere Zeit, bis von dem Gehirn die Muskeln in Tätigkeit gesetzt werden. Die Zeit nun, die vergeht von dem Auftreten einer Lichterscheinung bis zu dem Augenblick, da die Mustein in Tätigkeit treten, beträgt im Durchschnitt drei Zeyniel Sefunden. Je nach der Veranlagung des Individuums fann sie sich eine Kleinigkeit verfürzen, andererseits allerdings auch bedeutend, bis auf das Doppelte verlängern. Der Durchschnitt der Menschen aber reagiert nach diesen drei Zehntel Sefunden. Was das aber bei der Schnelligkeit mancher unserer Fahrzeuge bedeutet, fann eine einfache Berechnung flar machen. Wenn ein Schnellzug mit 80 Kilo meter Geschwindinfeit in der Stunde fährt, legt er in diesen drei Zehntel Sekunden 7 Meter zurüd. Ein mit 100 Meter Geschwindigfeit fahrendes Auto legt etwa 9 Meter zurüd. Es ist dem Führer eines schnellfahrenden Zuges cder Autos also gar nicht möglich, auf eine Entfernung von weniger als 7-9 Meter mit der Bremse einzusehen. Das ist jedoch der allergünstigste Fall, der nur dann ein tritt, wenn der Lenter sofort nach einer Wahrnehmung förmlich automatisch die Bremse in Bewegung setzt. In den meisten Fällen muß ein wenn auch noch so furzes Zögern, auf Ueberraschung der mangelnder Geistesgegenwart beruhend, als normal angenommen werden, was die Zeitspanne von der Wahrnehmung bis zum Einfezzen der Muskeltätigkeit auf mindestens das Doppelte erhöht. der unter dem Namen Marschall von Sachsen bekannt ist, werden Morih von Sachfen und der Schmied. Bon Morig ven Sachsen, von feiner ungewöhnlichen Störperſtarte Zeugnis ablegen, follen. Hie Hierher gehört auch folgende Erzählung. Der Marschall ritt einmal mit einigen Freunden aus und als sie an einer Schmiede vorbeiramen, gab er vor, sein Pferd beschlagen lassen zu müssen. Der eigentliche Grund, weshalb er beim Schmied einkehren mollte, war aber, vor diesem und seinen Begleitern mit seinen außergewöhnlichen Körpergaben zu prahien. Als der Schmied nämlich ein Eisen brachte, mit dem er das Pferd Leschlagen wollte, behauptete der Marschall, das Eisen sei nicht gut und zum Beweis dessen zerbrach er es mit seinen starten Hände: 1. Das wiederholte er auch noch mit vier weiteren Hufeisen. Der Schmied sagte nichts dazu, als aber das Beschlagen endlich beendet war und der Marschall ihm einen Toler von 6. Bfund als Beloh nung zuwarf, meinte er:„ Ich habe euch gutes Eisen gegeben, num müßt ihr mir aber auch gutes Silber geben" und er faßte, die Münze und zerbrach sie nun seinerseits. Dasselbe tat er mit weiteren vier Eilbermünzen und gab sich erst zufrieden, als ihm der Marschall cinen Louisdor zuwarf. " Stuppzeug vadammtiges... balli!... beeilt eich!... funft fumm ich eidy heffen...!... mir hier' Deb an.' n Hals hol'n von wejen eidh...!... Er riß dem Jungen das Arbeitsbuch aus der Hand und warf cince Blick hinein:„ So... fo... nu ja... nadierlich!.. Streit..! he... nich...? aber hier uff d'r Landstraß rumitrolchen... he...?!.... er stick ihm das Buch wieder zu, das dieser stumim einsteckte. Arbeeden 2h!..." fagte der Gewaltige, und blidte vom Bauch des Alten auf, ah je nee! gud sich mal eener bloß so was an...! feine Jesellschaft!. nobler Bruder...!... äh!... Bfui Deibel..." und er schmiß ihm das Buch zu, daß es in den Schnee jlog. Der Alte bückte sich nurrend. Was knurrst du Hund... dradiger?!" Die Handbewegung mar nicht mißzuverstehen. Unterstehst dich und last dich noch mai treffen in mein Revier...!. per Schub... vastehsie?! Hören und Seh'n verjcht... Bajabund...!... na wird' s?!" und er riß dem Budel das hingehaltene Buch aus der Hand. Dieser nahm die Knochen zusammen, was selbst in dem zornfunkelnden Blicke des Gestrengen den Schein eines Lächelns meckte: Markierst den Spargihtenmacher... hä... du...?!... und seine schon milder werdende Stimme hob sich wieder schärfer.. is däs ächt?!.."... er hielt dem Krüppel das Ausweisbuch unter die Nase. „ Aber," beteuerte der Krüppel,„ Herr Rittmeister.! ,, Halt die Schnauze, du Dredlimmet! Laufft m'r schon wieder in de Finger!" und er schlug ihm das Papier ins Gesicht. Der Bucket griff es gewandt auf und ließ es mit erstaunlicher Geschwindigteit verschwinden. Habt' r jebattelt?!" Der Junge Schüttelte stumm den Kopf, der Budel hopste und dienerie:... Herr Oberwachtnfeister... mir hab'n noch Jeld wir haben noch Weis her!" 1111 mr nunich... dann stand er stramm. haben' s uff Boft vorausjefchidt von wejen's Sichere..." Der Gendarm mußte jetzt wirklich auflachen:' s Baste is, daß ' s Maul hältst... Lorbas alandiger. will m'r nich weiter mit eich befassen heke... Bajabundenzeig... ab'r laßt m'r cich nich noch amal terwifch'n junit hat's jajchnappt drohte dem Alten, der ihn gar nicht anjah, supfte feinen Mantel. tragen hoch, schnetzte mit der Zunge und feßte fich wieder in Trab. ( Fortsetzung folgt.) er Theater Lichtfpiele afw. Staats- Theater Opernhaus 72: Cavalier. rusticana JosephLegende Opernhaus am Königsplatz 7 Unr: Madame Butterfly Schauspielhaus 7: Charleys Tante Schiller Theater 72: Der Widerspenstigen Zähmung Gr.Volksoper 7 Uhr. Fledermaus Volksbühne 7Uhr: Sakuntala Deutsch. Theater 71 Uhr Die heilige Johanna Kammerspiele 8 Uhr: Der Lampenschirm Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 7 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 U.: Der Tokaler Komödienhaus 8 Uhr: Die Cousine a.Warschau Berliner Theater 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA Tägl. 8 Unr: VarietéREVUE mit Winstons TauchSensation Residenz- Th. 8 Uhr: D.größte Lacherfolg Gisela Werbezirk in: Rosa Altschul mit Karl Ettlinger Preise 1, 3, 3 M. usw. Haller- Revue 1925 Th.i.Admiralspalast 24. Woche Allabendl. 8 U. Die größte Revue d. Welt: Noch und Noch" Sonntag nachm. 31% Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! 2. Rang 1 Mark Central Theater 7% Uhr: Die versunk. Glocke Deuts Opernhaus 6 Uhr: D. Walküre ( Wagner- Zyklus VII) Intimes Theater 8. Katzi Abenteuer nach dem Tode etc. Metropol- Theater Tägl. 7 Uhr: Gräfin Mariza Neues Th. am Zoo Täglich 73 Uhr Wild- West- Mädel DIE FOX- WOCHE 23.- 29. JANUAR KEIN KINO OHNE FOX! Folgende Theater Amsel MOSLEM Fox- Filme: Sind wieder überall Groß- Berlins spielen in der Fox- Woche Berlin W.: Lichtspiele Fox- Palmenhaus, Kurtürstendamm; Elite- Lichtspiele, Bülowstraße. Berlin NW.: B. T. L., Moabit, Turmstraße; Gesellschaftshaus- Lichtspiele. Moabit, Wiclefstr.: Thalia- Theater, Alt- Moabit 50; Pr nzess- Theater, Linienstr. 132; MonopolTheater, Karlstraße. Berlin C.: Filmpalast Börse; Rosenthaler Str.; Lichtspiele Hackescher Markt; Centrum- Lichtspiele, Landsberger Allee 43/44; Alexander- Lichtspiele, Alexanderstr. 27; Münz- Lichtspiele, Münzstr. 16. Berlin N.: Colosseum- Lichtspiele, Schönhauser Allee. Ecke Gleimstraße; Theater des Weddings, Müllerstraße; Pharus- Lichtspiele, Müllerstr. 142; Fortuna- Lichtspiele, Müllerstr.; Walhalla- Lichtspiele, Chausseestraße 79; Astra- Lichtspiele. Chausseestraße 16; Central- Lichtspiele Vinetaplatz; Elite- Lichtspiele, Brunnenstr. 181; Moderne Lichtspiele, Brunnenstr. 27; Groß- Lichtspiele, Schönfliesser Str. 17; Nord- Kino, Greifenhagener Str. 32; Roland- Lichtspiele, Reinickendorfer Straße 47; HelmholzLichtspiele. Raumerstr. 14: Greifswalder Lichtbildbühne, Greifswalder Straße. Gesundbrunnen: Alhambra Film Bühne, Badstraße 58. und Berlin NO.: Korso- Lichtspiele, Prenzlauer Allee 49. Berlin 0.: Alhambra Film und Bühne, Koppenstr.; Frankfurter Lichtspiele, Frankfurter Allee; Mirbach- Kino, Mirbachstraße; Plaths Lichtspiele, Frankfurter Allee. Berlin SW.: Universum- Lichtspiele, BelleAlliance- Str. 99%; Hofjäger- Lichtspiele, Hasenheide 52/54. Berlin SO.: Filmeck, Skalitzer Str. 94. Neukölln: Passage Lichtspiele, Berg straße 161; Apollo Theater, Bergstraße. Charlottenburg: Corso- Lichtspiele, Bismarckstraße; Lichtspielhaus Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße; Bayreuther Lichtspiele. Bayreuther Straße; BohemeLichtspiele, Kaiserdamm; Schloß- Lichtspiele, Schloßstr. 30/31; Wittenberg- Kino, Kleiststr. 22; Apollo- Lichtspiele, KaiserFriedrich- Str. 103; Roland- Theater, Suarezstraße 52; Lichtspiele des Westens, Bismarckstraße 66 Schöneberg: Saalburg, Hauptstraße 144; Schöneberger Lichtspiele, Hauptstraße 11; Gala- Lichtspiele, Hauptstr. 48. Wilmersdorf: Wittelsbach- Theater, Berliner Str. 106; Korso- Lichtspiele, Pariser Ecke Unlandstr. 48; Eva- Lichtspiele, Augustastr. 7. Steglitz: Filmburg, Schloßstr. 92; P. T.Lichtspiele, Albrechtstr. 91; Deutsches Theater, Albrechtstr. 132, Friedenau: Rheinschloß- Lichtspiele, Filmund bühnenschau, Rheinstr. 60. Halensee: Kurfürstenpark- Lichtspiele, Kurfürstendamm 118/120 Potsdam: Vereinigte Lichtspiele, Hohenzollernstra e 27 und Nauener Str. 40, Tegel: Union- Theater, Bahnhofstr. 2. Spandau: Concordia- Palast, Klosterstraße. Lichtenberg: Simplon Lichtspiele, Simplonstraße 29 a: Boxhagener Lichtspiele, Boxhagener Str. 3; Amor- Lich spiele, Wühlichstr. 15/16: Monopol- Lichtspiele, Petersburger Str. 20. Pankow: Pankower Lichtspiele, Berliner Straße 21. Adlershof: Central- Lichtspiele, Friedenstra e 12/13. Köpenick: Stadt- Theater Lichtspiele, Friedrichstr. 6. Oberschönewelde: W. B. T.- Lichtspiele. Siemensstr. 18. Niederschöneweide: Filmpalast, Hasselwerderstraße 17. Lichterfelde: Central- Theater, Hindenburgdamm 93 a. Lessing- Theater 8 Uhr: Der Th. in Kommand. Str. Widerspenstig. Täglich 8 Uhr: Die Frau ohne Koß Zähmung von Richard Keßier Lastiplel von Shakespeare Mus v. Walter Kollo Th. Becker, Karsten, mit Molly Wessely Bonn, Schlegel Fritz Spira Deutsch. Künstlertheat. Tä ilch 8 Uhr: Riquette Lustspielhaus Kleines Th. Tägl. 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in 8 Uhr Guide Thielscher BANCO D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbauerdamm × Unt Die vertauschte Frau Wallner Theat. 8 Uhr. Pelleas and Melisande Rose- Theater 8: Milchmädchen von Schöneberg Konstantin, Falkenstein, Korff, Rosé Trianon- Th. Täel. 8 Uhr: Erika Glässner in Mary Circus BUSCh Rammer- 6per Tagl. 7. Sonni. a. 3 Uhr: Vorletzte Woche! Quo vadis? Looping the Loop 12 Romanos 1. 50 Lowen 50 u.d. übrige gr. Cire.- Progr Volkstymi. Preise! 80 Pf. Gal bis 7 M. Loge 31. Jan. letzte Auff Quo vadis? Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße Täglich 8 Uhr: Wohl zu ruhen, Herr Nachbar! Kom. 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