Abendausgabe Nr. 35 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 17 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreffe Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sm. 68, Cladenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlia Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpannig Mittwoch 21. Januar 1925 Berleg und Anzeigenabteilung Gefchäftszeit- Ubr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Braun rechnet ab! Der preußische Ministerpräsident ergreift die Offensive. Im Breußischen Landtag ergriff am Mittwoch in der Fort führung der großen politischen Aussprache als erster Redner Ministerpräsident Braun bas Wort. Er rechnete zunächst mit ben Demagogen vom Schlage des Herrn Ladendorff von der Wirtschaftspartei und mit den Berleumdern vom Schlage des Herrn Wulle ab. Unter den Beitschenhieben des Ministerpräsidenten schrie und gröhlte die Rechte laut auf. Sie versuchte, die Ausführungen des Redners zu überschreien und zu erstiden. Allein, es half nichts, die Herrschaften mußten sich die verdiente Charatterisierung gefallen laffen. Herr Ladendorff. so führte der Ministerpräsident aus hat gestern hier die Politik der Großen Koalition herunterzureißen versucht. Er besaß die Kühnheit, zu erklären, erst unter dem be stimmenden Einfluß der Sozialdemokratie feien in Preußen Kapi falismus und Korruption hochgekommen. Demgegenüber muß man doch mit aller Deutlichkeit feststellen, daß weder im Reich noch in Preußen die Sozialdemokratie in den letzten Jahren be. stimmenden Einfluß gehabt hat. Die Sozialdemokratie hat fich mit den übrigen Koalitionsparteien in Preußen auf einer gemein famen Blattform zusammenfinden müssen. Gie mußte dabei Opfer bringen und auf recht viele Wünsche verzichten. Es ist schon vollendeter Irrsinn, von einem bestimmenden Einfluß der Sozial demokratie auf die preuß sche Politik zu reden. Bestimmenden Einfluß der Sozialdemokratie gab es nicht. Ich fage: Leider nicht! ( Groker Lärm bei der Rechten.) Und wie steht es mit der Erklärung der Inflations und Korruptionserscheinungen? ft etwa die Inflation auf den bestimmenden Einfluß der Sozialdemokratie zurückzuführen? Gibt es denn nicht auch noch einige andere Länder im Reiche, wo von irgendwelchem Einfluß der Sozialdemokratie auf die Politik gar feine Rede sein kann und wo alle die Krankheitserscheinungen der Kriegs- und Nachkriegszeit ebenso start auf, getreten sind wie bei uns? Sind etwa die Zustände in Bayern, Die fd ließlich in einen blutigen Sumpf führten und Abscheu und Efel im ganzen Reiche hervorriefen, auf den Einfluß der Sozialdemokratie zurückzuführen?( Lärm bei der Rechten.) Der Abg. Ladendorff sprach dann ferner vom Banferott der Großen Koalition und viel und lang über die 3wangswirtschaft, die er eine Quelle der Korruption nannte. Ist denn die Zwangswirtschaft eine sozialdemokratische Erfindung? Ist sie nicht vielmehr ein Geschöpf der Herren auf der Rechten, stammt sie nicht aus der Kriegszeit? Wir in Preußen fonnten nichts anderes tun, als die 3mangswirtschaft nach und nach abzu bauen, soweit das die soziale Lage der Bevölkerung erlaubte.( Lärmn auf der Rechten.) Herr Ladendorff sprach dann von der Verschleuderung deutschen Eigentums an Ausländer. Ist etwa der bestimmende Einfluß der Sozialdemokratie daran schuld, wenn so mancher biedere Deutsche fein Grundstüd an fremde Schieber verkaufte? Im übrigen sind aber im Grunde doch alle diese Streiffragen Fragen der Reichspolifik und ruhen auf der Reichsgesetzgebung; auf diese aber hat die Sozial demokratie noch viel weniger Einfluß als hier in Preußen. ( Beifall links.) Nun ein Wort über die Rede des Herrn Wulle. Diese Rede ftand auf einem so tiefen Niveau und war so weit non aller Sach. lichkeit entfernt, daß es sich wirklich nicht lohnt, sich mit ihr auseinanderzusehen. Die Rede war -nichts anderes als der Eriraft einer anfijemififchen Wahlrede. ( Lärm rechts. Beifall links.) Herr Bulle sprach so viel von den Ostjuden, die infolge des angeblich überragenden Einflusses der Sozialdemokratie maffenhaft nach Breußen hereingefommen feien. Darf man Herrn Wulle daran erinnern, daß der größte oftjüdische Maslenimport von feinem anderen als von seinem hohen Protektor, Herrn Ludendorff, in der Kriegszeit vorgenommen wurde. Richtete nicht der Führer der völlischen Antisemiten damals an die Oſtjuden die bekannte Broflamation, die mit der Anrede n meine gelibten Jidden... begann.( Stürmische Seiterfeit.) Die Sozialdemokraten fo erflärte mit Emphase Herr Wulle follen das alte Preußen zerschlagen haben. Ach nein, wenn etwas zerschlagen wurde, dann war es höchstens die fonfervative Parteiherrschaft in Preußen, aber nicht Breuken felber. Was die Herren auf der Rechten unter dem alten Preußen" verstehen. das hat fein geringerer als Philipp Eulenburg geschildert.( Der Ministerpräsident verlieft nun einige Ritate aus den Erinnerungen Bhilipp Eulenburgs, die von der Rechten mit einem förmlichen Butgeheul aufgenommen merden.) Diele erbärmlichen Zufände, wie fie Eulenburg geschildert hat, diese Kriecherei und Streberei, wie file im alten Regime üblich war, diese schmußige Krippenwirtschaft. das ist es, was so mancher auf der Rechten wieder zurüdfehnt.( Beifall links.) Und in diefem Kampf um die Wiederherstellung her alten verrotteten Rustände schreden b'e Demagonen auf der Rechten vor feiner Verleumdung zurüd. In der Berleumdung haben diese Herrschaften ja von jeher schon einige Uebung. Ich brauche ja nur an die vernichtenden Worte über die verleumderische Zunge der deutfdrationalen fonfervativen Kreuz- Zeitung zu erinnern. Herr Walle hat es ceftern fertig gebracht, ein paar Säke aus einem Artikel von Haenisch über Barvus fo zu zitieren, daß der Einbrud entstehen mußte, als habe Haenisch ein Loblieb aus Kutister und alle möglichen Schieber gesungen.( Lärm auf der Rechten und Unter andauernden lärmenden Zwischenrufen der Rechten, bie Die Ausführungen des Ministerpräsidenten stellenwe fe cuf der Tribüne unverständlich machen, weist der Rebner dann auf die Banfffandale unter der Hohenzollernmonarchie hin, so auf den Bommerbont- Stantal, bei dem zahlreiche Eristenzen bernichtet worden find Er hält den tobenden Nationalisten auch ben treubeutschen Bankier Bruß vor, der das Vertrauen feiner Runden so schmählich mißbraucht hat. Im Anschluß baran erklärt Beall fints.) | der Ministerpräsident: Die Zeit der Inflation und die darauffolgende Kreditnot haben Erscheinungen gezeitigt, die im Interesse der mirt schaftlichen Gefundung unseres Landes mit aller Schärfe belämpft werden müffen. Wo Unzuläffiges oder Strafbares gefchehen ift, wird ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit und wirtschaftliche Stellung des einzelnen eingegriffen. Sensationsnachrichten aber, die Stellung des einzelnen eingegriffen. Sensationsnachrichten aber, die den Stempel der Erfindung an der Stirn tragen, wie die Behauptung der deutschnationalen„ Börsenzeitung“, daß der amtliche Preußische Pressedienst Geld von Barmat erhalte, dienen nicht der Wahrheit, fondern nur dem Bestreben, der Verunglimpfung und der Abficht, Verwirrung im Bolt anzurichten.( Lebhafte Suftimmung lints und in der Mitte. Geschrei rechts.) Auch diese Hege dient der politischen Schwentung, die jezt im Reiche vorge nommen ist und nach Ihrem( nach rechts) Willen auch in Breußen durchgeführt werden soll. Im Reiche haben Sie jetzt glücklich nach fechswöchentlicher Krise ein Rabinett auf die Beine gestellt, das nach Ihrem Willen, ohne das von der Reichsregierung geforderte Vertrauensvotum des Reichstages regieren soll. Hier aber im Landtag verlangen Sie, daß die Regierung selbst, wenn sie ein Bertrauensvotum erhält und sich auf eine Mehrheit stützen fann, verschwinden soll. Die preußische Staatsregierung begnügt sich nicht mit einer bloßen Billigung ihrer Erflärungen. Der deutschnationale Redner hat. eine wissenschaftliche Klärung der angeblichen Frage verlangt, wie der Artikel der preußischen Berfaffung, um den es sich hier handelt, auszulegen sei. Es ist Ihnen doch das maßgebende Gutachten des Justizministeriums vorgelegt worden.( Sehr wahr! links und in der Mitte.) Wir handeln, wie es der gefunde Menschenverstand erfordert.( Gelächter rechts.) Ihr Redner hat ja am Schluß ausdrücklich erklärt, es handele sich nicht um eine Rechts- sondern um eine politische Machtfrage. Mit der felbftiofen Unterstützung der Deutschen Volkspartei und auf fommunistischen und völlischen Krüden hoffen Sie an die Regierung zu gelangen. Es ist flar in Erscheinung getreten, daß. 3hr Ziel ist, unter allen Umständen eine sozialistenreine Regierung zu schaffen. ( 3uftiminung rechts.) Sie mollen die Sozialdemokratie in Breußen und im Reich nicht nur aus der Regierung, fondern auch aus der Verwaltung entfernen, um wieder eine solche Verwal tung zu haben, wie sie unter der Monarchie bestand. Während ein Teil der Deutschnationalen ein Mißtrauensvotum gegen alle Minister beantragte, will ein anderer Teil, nämlich die Böllischen, nur den sozialdemokratischen Ministern das Mißtrauen aussprechen, das Ziel aber ist das gleiche: Wie in der Zeit vor dem Umfturz den großen fozialdemokratischen Boltsteil aus Regierung und Verwaltung auszuschalten. Der Deutschen Bolkspartei, die mit einer Selbstlosigkeit, wie man fie in der Politit felten findet für die Berwirklichung des Ziels der Deutschnationalen eintritt, halte ich die Worte ihres Führers Stresemann vor, der vor noch nicht langer Zeit erflärt hat, wenn man die Bollsgemeinschaft molle, fönne man unmöglich an dem fezialdemokratischen Boltsteil vorbeigehen und auch eine bürger liche Mehrheit würde unstaatsmännisch handeln, wenn sie das täte. Und der Führer der Deutschen Volkspartei in diesem Haufe, hg. Dr. Leidig, sagte auf einer Konferenz seiner Partei, die große Koalition in einem Augenblid aufzulösen, wo die Sozialdemokratischen Arbeiter Schulter an Schulter mit den übrigen Volfegenoffen im nationalen Abwehrkampf stehen, das würde in diesem Augenblic der Gefahr geradezu an Landes verrat grenzen Schwankender Grund." Der Eindruck der geftrigen Debatte. Um Gottes willen, das fann gut werben, fagen sich die Bedächtigen," so charakterisiert der Hugenberg- Tag" in feinem Stimmungsbild den Einbrud der gestrigen Debatte. Alle, ohne Ausnahme, die die famose Luther- Regierung als einen Schritt auf dem Wege zum heißerfehnten Ziele der Wiederherstellung der HohenzollernMonarchie ansehen, haben das Empfinden, daß der vorlaute Hans Naivus" mit seinem Ausplaudern der wahren Absichten ihnen gestern einen Bärendienst geleistet hat. Nur die Stinnes- Zeitung, die„ Deutsche Allgemeine", ist seit dem Regierungsantritt des Herrn Dr. Luther in rofigfter Stimmung und läßt sich durch feine Molten den Himmel trüben. Die Herren von der Schwerindustrie haben ihr Ziel erreicht. Monarchie hin, Monarchie her, das ist für sie eine Neben rage, wenn sie nur die Wirtschaft in der Hand haben. Luther mird schon dafür sorgen, daß die Aufwertung der Industrie nicht allzu weh tut, daß der„ Steuerbolichemismus" abgebaut wird und daß die sozialistischen Phantasien eben- Phan tasien bleiben. So ist das Stinnes- Blatt eitel Hoffnung und Freude. Es sieht feine Schwierigteiten. Der alle bewegende Zwischenfall am Schluß der Breitscheidschen Rede wird über gangen, die eistalte Erklärung Fehrenbachs faum ermähnt. In den anderen Lagern hat man schon eher Verständnis für die Schwierigkeit der Situation, in der sich eine Regierung befindet, die am ersten Tage bereits solche Stöße erhält. Der Lokal- Anzeiger" macht seinem gepreßten Herzen Luft: .Graf Weftarps, des Deutschnationalen, Rede brachte ein recht. Erhebliches an Borbehalten und Bedenken; eine sehr deutliche Unterstreichung des Vorläufigen und Rotgedrun= genen, das die jetzige Lösung für seine Partei habe. Und die nicht eben turze, sehr forgfam ftilifierte Erklärung des Zentrums, tie der Abg. Fehrenbach nicht nur verlas, sondern deren Spitzen und Widerhaken er mit Modulationen herausbrachte, die jeden Bühnen- Bariton hätten neidisch machen fönnen diese Er flärung des Zentrums war mindestens 75 Prozent Rein. 20 Prozent Ich weiß nicht recht und höchstens 5 Brozent Ja Sie war der beste Bemeis dafür, wie sehr innerhalb des 3 en trums noch der linte Flügel die Oberhand hat: Dieses Kompromiß zwischen denen, die Ja sagen wollten mit einigen Be bingungen und Vorbehalten, und denen, die unbedingt Nein sagen wollten, ist so aufgefallen, daß der linbefangene, der die Erflärung ohne Kenntnis der Zusammenhänge mitangehört hätte, unbedingt den Eindruck hätte gewinnen müssen, ste merde mit einem Bersagen des Vertrauens enden. Während sie tatsäch ich natürlich in eine Billigung ausmündete: in die allerdings denk bar bescheidene Zusicherung, man werde dem Kabinett Gelegenheit geben, zu arbeiten.... In der Tat, eine recht eigenartige Erklärung für eine Fraftion, die einen der Ihren, eben Herrn Brauns, aus drücklich ersucht hat, in die Regierung hineinzugehen, der alle diese Vorbehalte, Bedenken, Bachsamkeitsbeteuerungen und Drohungen galten. Und ähnliches schien Dr. Luther, Dr. Stresemann, Herrn Schiele still durch den Sinn zu zichen. Ja, eben Norlejung." Auch die übrigen Blätter der Rechten fühlen offenbar deutlich, daß noch nicht aller Tage Abend ist. Die, Deutsche TagesJetzt aber, wo Sie glauben, diese Gefahr für unser Land sei vorzeitung" jammert darüber daß die Sozialdemokraten gestern über, jest wollen Sie den großen fozialdemokratischen Boltsteil zurückstoßen. Für meine Partei brauchte ich das nicht zu bedauern. Berlassen Sie sich darauf: die Sozialdemokratische Bartei würde, wenn sie wieder auf der ganzen Linie in die Opposition gedrängt wird, in diefer Rolle beffer gedeihen, als in den Jahren, wo fie felbftlos die Verantwortung für die Regierungsgeschäfte über nommen hat Bom Parteistandpunkt fönnte uns nichts besseres passieren, als diese vom Standpunkt des Staates falsche Politit. ( Lebhafte Zustimmung bei den Soz. und in der Mitte.) Aber der Augenblid wird fommen, wo Sie diese politische Berblen dung, die Eie zu Ihrem jezigen erhalten veranlaßt. noch aufs außerste beklagen und bedauern werden.( Lebhafte Zustimmung lints und in der Mitte, andauernder Lärm rechts.) bedauerlicherweise bei einem Abgeordneten der Rechten Er folg hatten, indem sie ihn aufs Glatte is lockten". Borforglich meint sie, daß sich eine leidenschaftliche Parteinahme für das neue Kabinett von vorn herein verbiete". Die Deutschnationalen hätten am meisten Wünsche unberücksichtigt sehen müssen und es set„ in der Hauptfache Opferwille gewesen, der die Rechte zu ihrem Entschluß der Teilnahme an der Regierung bestimmte". Offenbar besteht der Opferwille darin, daß man in die Regierung eine Anzahl von Männern geschickt hat, die nüchtern und zielbemußt zu arbeiten verstehen". Ueber das Ziel der Arbeit ist ja tein Zweifel, und wenn der Hans Naivus“ Bei Schluß des Biantes spricht der Abg. Stendel( D. Vp.), der auch ,, bedauerlicherweise" aufs Glatteis gegangen ist, so hat behauptet, die heutige Rede des Ministerpräsidenten habe gezeigt, daß er doch mur gesagt, was die„ nüchternen und zielbewußten er fich gar nicht als Denijterpräsident, sondern nur als fozial- Männer" ausführen sollen. Im übrigen ist die vorsichtige Bedemofratticher Hogeordneter fühle. Die Deutsche Bolts gleitmufit der Rechtspresse nur als Verfuch zu bewerten, partei habe icon ben Wahlkampf unter der Parole geführt, daß es gleichzeitig zwei Eisen im Feuer zu haben. Geht das mit der großen Koaiinion aus sein würde. Experiment fchief, dann kann man sich darauf berufen, daß man von vornherein nicht genug Einfluß gehabt habe und daß im übrigen die anderen schuld seien. Trotzdem, etwas mehr gut Better wäre der Rechten offenbar lieber gewesen: Im weiteren Beríauf der Sigung dürfte auch der Innenminister, der Genosse Severing, noch das Wort ergreifen. Wie die Börse reagiert. „ Ankerordentlich zurückhaltend." Die heutige Börse eröffnete außerordentlich zurüd. haltend. Es machen sich bereits die Glattſtellungen zu Ultimo Lemerkbar. Die Ruftimmungen der einzelnen Fraktionen zu der programmatischen Kabinettserklärung können nicht stimulierend auf die Stimmung einwirken, da man von seiten der linken Parteien verstärtte Opposition erwartet. So bildete sich zunächst an allen Märkten eine recht schwache Haltung heraus, da die Abgabeneigung durchweg übermog. Man hörte in der Hauptfache Briefkurse, doch belebte sich das Geschäft etwas am Montanaftienmarkte, wo gegenüber den gestrigen Schlußfurfen, besonders in Stinnes Berten, höhere Kurse zu hören waren. Auch ober. schlesische Berte fanden einiges Interesse. Doch fonnten sich die Kurse nicht halten. Auch Hartwerte lagen schwächer. In Bank merten prägte fich eine allgemeine 3urüdhaltung aus. Um Rentenmarkt war das Geschäft außerordentlich zurückhaltend; man härte& riegsanleihe mit 0,89 bis 0,90. „ Ob dennoch bei Herrn Fehrenbach der Ton, in dem er die Erklärung vorlas, so zu mirfen brauchte, als ob er aus dem Grabe herauffäme, darüber kann man wohl im Zweifel sein." Schärfer ist die Deutsche Zeitung": „ Graf Weftarp erklärte gestern im Reichstage, er und seine Freunde würden der neuen Regierung die Billigung aus( prechen, obgleich meber ihre Zusammensetzung noch ihr Programm Ob Graf geeignet fei, volle Befriedigung zu ermeden. Bestarp nicht in seinem tiefsten Innein über seine eigene Rede ein ganz ähnliches rte!! fällt; tiß sie vielleicht begreiflich erscheint in der Lage, in die sich die Deutschnationalen be geben haben, daß fie jedoch ebenfalls non einer... Zurüdhaltung ist, die mehr Rüdsicht auf die Gegner als aut die eunbe nimmt? Die Freundschaft mit den am Kabine beteiligten Mittelparteien ist jung und zart, gewiß; aber es ist sicher beffer, fie rechtzeitig zu verlieren, ais fich in übergroßer Borsicht zum paffiven Teilhaber einer societas leonina, eines Löwenbündniffes, madjen zu laffen.... Offen wird ausgesprochen, daß die Notlösung des Luther| Deutschlands nach einer„ bevorzugten Stellung im Bölkerbund" und Kabinetis nach Bentiumsauffaffung feine auf die Dauer beschreibt, vorläufig sei es noch zu früh, sich eine Meinung darüber rechnete Regierung" darstellt.... Es ist schwankender zu bilden, ob die Deutschnationalen sich von dem Einfluß ihrer in Grund. auf dem das Kabinett Luther ruht." der Zeit ihrer Oppositionsstellung erworbenen Gewohnheiten losmachen könnten, oder ob sie dem Kabinett beigetreten feien, um den Dames- Plan zu jabotieren und die Monarchie wiederherzustellen. Die Rede Westarps tönne in dem einen wie in dem anderen Auf jeden Fall seien die Sinne ausgelegt werden. in deutschnationalen Minister start genug, um dem Kabinett Luther den Ton anzugeben. Italienische Stimmen. Allerdings, es ist schwankender Grund, auf dem die Regierung Luther steht. Das Urteil des Auslandes ist vernichtend, und im Inland steht das Barometer ganz gewiß nicht auf gut Wetter. Die demokratische Presse sieht mit Recht den Schlüssel zur Situation in der Hand des Zentrums. Sie unterstreicht noch mehr als die Rechtspresse den fühlen und zurückhaltenden Charakter der Fehrenbachschen Erklärung, die dazu noch vor den Zwischenfällen der Rom, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Giornale d'Italia" geftrigen Sitzung abgefaßt war. Wenn man schon auf found" Tribuna" bringen lange Artikel ihrer Berliner Korresponschwankendem Grunde steht, wird das Hantieren mit der benten, deren Urteil über das Kabinett Luther vernichtend iſt. Balancierstange für die Herren Luther und Schiele nicht ganz Giornale d'Italia schreibt, das Luther- Rabinett nenne sich ein leicht werden. Beamtenkabinett. Das sei eine Komödie, denn seine Mitglieder feien politisch belastet. Luther habe ausgesprochene Rechtssympathien und pünktlich Stresemanns Plan ausgeführt. Der Bürgerblod ist mit Rechtsorientierung geschaffen, ein Nationalist ist Innenminister, und das Wirtschaftsministerium wird von einem Manne geleitet, der ber Republit den Eid nicht leisten wollte. Das Kabinett ist eine Bertretung der Agrarier und Schwerinduftriellen. Was haben zehn Millionen Arbeiter dazu zu sagen? Das Blatt faßt sein Urteil zusammen: diesem Kabinett tönne man nur eine trübe, furze Dauer voraussagen. Den Kommunisten gibt die beste Antwort auf ihr gestriges Auftreten der deutschnationale Lotal- Anzeiger". Er ist über die Rede Ruth Fischers in höchstem Maße befriedigt: Bas fte varbrachte, Mostowiter Rezept natürlich, war intereffant, weil es wie ein Barometer anzeigte, wie hoch die nationale Belle in Deutschland gestiegen ist. Die Beralbe rung der Sozialdemokratie ob ihres Pazifismus, der nicht mehr Mode ist, den man nicht mehr trägt", mar glänzend Ihre Ausführungen über das Schicksal Deutschlands als Indu striefolonie des amerikanischen Rapitals mar, wenn auch übertrieben, in den Grundzügen unverkennbar richtig. Und unverkennbar ridjtig ist auch, daß in einem Deutschland der Dawes Lasten teine Erhöhung der Lebenshaltung möglich ist, wie fie die Sozialdemokraten, ohne jede Rücksicht auf den Rahmen des wirtschaftlich Möglichen, großspurig verlangen unter der hctzpeitsche wolfverstanden derselben Kommunisten, die die Unmöglichkeit ihrer Erreichung zum Untergrund ihrer Beweis. führung machen." In der Tat, diese Argumentation gegen den Wirtschaftskampf der Arbeitermassen werden sich die Unter nehmer nicht entgehen lassen. Eine beffere Kronzeugin als die Führerin der Kommunisten tönnen sie sich nicht wünschen. Immer und überall marschiert die KPD. mit den Nationalisien. Die Regierung Westarp. Das Echo aus England. Condon, 21. Januar.( WTB.) 3ur Erklärung der neuen Reichsregierung schreiben Times" in ihrem Leitartikel, die Rede des Reichskanzlers fönnte in Europa ein beträchtliches Maß von Sympathie auslösen, wenn sie allein stände, und wenn nicht Graf Westarp die mirtlichen Ziele der Deutschnationalen unverhüllt zum Ausdrud gebracht hätte. Vielleicht würden die Deutschnationalen davon Abstand nehmen, nach diesen Erklärungen zu handeln, aber Westarps Borte bildeten doch einen recht störenden Rommentar zu der Rebe Dr. Luthers. Zu dem Paffus der Reichskanzlerrede über die Entwaffnungsfrage schreiben Times", die Hal tung Dr. Luthers fei vielleicht im Hinblick auf die Zusammensetzung der Mehrheit unvermeidlich, aber sie sei doch bebauerlich, wenn man berücksichtige, daß die Alliierten die Angelegenheit sehr ernst beurteilten. Dr. Luther werde zweifellos die gewünschten Einzelheiten über die Deutschland zur Laft gelegten Verstöße erhalten, aber der Ton, in dem er auf diesen Streitpunkt Bezug nehme, bilde fein gutes Borzeichen für die Berhand lungen über die baldige Räumung, die er zu unternehmen beabsichtige. Der Reichstanzler habe felbft zugeben müssen, daß bei der Sufam.nenarbeit mit den fremden, auf Grund des Dawes Blanes ernannten Rommiffionen teine Schmierigkeiten und Reibungen entstanden seien. Hätte er nicht öffentlich anerkennen tönnen, daß diese Tatsache einen Beweis des ehrlichen und guten Willens bilde, den die Alliierten Deutschland gegenüber anzuwenden bereit feien, wenn sich Deutschland bereit erfläre, ihnen gegenüber die gleichen Eigenschaften zu zeigen? Das Blatt wendet sich in diesem Zusammenhang gegen das Berlangen Das hat er davon. Bon Hans Bauer. Die Aufhellung der Münsterberger Morde, die zu den greu lichsten in der ganzen neueren Menschengeschichte zählen dürften, hat nun doch zur Bestrafung eines der Schuldigen geführt. Wer befürchtet hatte, daß der Selbstmord des Mörders Denfe der irdischen Gerechtigkeit in dieser Sache zu tun nichts mehr übrig laffe, steht sich erfreulicherweise getäuscht. Nachdem es der Münsterberger Bolizei in früheren Jahren gelungen war, trop Knochen- und Menschen fingerfunden in Dentes Haufe, trog Mordanfällen Denfes auf zwei Bettler, in herrlicher Selbstüberwindung den Verdacht zu besiegen, daß es damit etwas auf sich habe, war es bekanntlich der Handwerks bursche Olivier, der durch sein törichtes Schreien, als er ermordet werden sollte, die Aufmerksamkeit erneut auf Dente lenkte. As feine Rufe Hilfe herbeigelockt hatten, sah er ja wohl ein, daß er eine Dummheit begangen hatte, die ihn, der eben dem einen Feinde ent ronnen war, einem anderen Feinde ausliefern würde. Er bat flehentlich, weiterwandern zu dürfen, unter Umständen zu neuen Dentes, aber nur ja nicht auf die Polizei zur Bernehmung geführt zu werden, mit der er, im Gegensatz zu Denfe, Zeit feines Lebens auf gespanntem Fuße gestanden hatte. Man fonnte indessen seinem Wunsche nicht willfahren. Und das hat er nun davon, der Handmertsbursche Olivier, daß er der Polizei den Menschenfresser, ans Messer lieferte: nicht gerade wegen der Nichtswürdigkeit seiner Denunziation oder wegen der Ruhestörung, die fein Hilfegebrüll ver ursacht hatte, auch nicht wegen Aufforderung zum Morde zwar, die in dem Anreiz erblickt werden könnte, den seine Person dem Denke für feinen Mordüberfall bedeutete, aber doch wegen Hausbettelei ist er jetzt in Münsterberg zu zehn Tagen Haft verurteilt worden. Die beiden Bettler, die es früher hatten hübsch bleiben lassen, über den Anschlag Dentes auf fie die Polizei zu. benachrichtigen, fönnen sich ins Fäustchen lachen, wenn sie davon hören. Da sind sie doch die Schlaueren gewesen. Sie haben sich schön davor gehütet, Ser Polizei die Mühsal der Aufdeckung schwerer Berbrechen durch die burteilung der Aufdecker zu verfüßen. Die deutschen Handwerksburschen aber mögen aus dem Falle livier die einzige Lehre ziehen, die er zuläßt: die Spizhace des rbrechers an ihnen rutscht zuweilen doch einmal aus, das Schwert Polizei aber auch dann nicht, wenn jenes geschehen war. heint also immer noch rätlicher, sich dem Zufall der Spizhacke Gewißheit des Schwertes zu überlassen. Es Auswanderer- Elend. Die Ueberpölferung Deutschlands und die roße Zahl der Erwerbstojen drängt auf Auswanderung hin, aber die Behörden haben bisher diefer bald nach dem Kriegsende einfegen den Bewegung wenig freundlich gegenübergestanden, und man hat das jetzt aufgehobene Reichswanderungsamt" die AuswandererDie Tribuna" führt aus: Das Kabinett wird nicht lange leben. Es neigt sich zur Monarchie und ähnelt dem unglückseligen Cuno- Kabinett. Stresemann ist Schuld an dem Eintritt der Nationalisten, die lediglich reaktionäre Monarchisten sind. Strese mann verhinderte die Weimarer Roalition, die Deutschland einst aus der Revolution vor dem Bolschewismus rettete. Der wahre Kanzler bes Kabinetts ift Stresemann, dessen monarchistische Denkweise vorherrschen wird. Seitdem sich das Manöver der Rechten zeigt, hat sich die Einheitsfront der Verbündeten verstärkt, sie haben die Belegung Kölns aufrecht erhalten. Dem Ra. binett Luther gegenüber ist eine weitere Berftär. fung der alliierten Front felbstverständlich. Ein Ministerium Stresemann als Ministerium der Großen Koalition würde von den Alliierten geduldet, Stresemann mit den Nationalisten fann nur gefürchtet und bekämpft werden und die Verbündeten zusammenschweißen. An der Macht seien jetzt die Industriemagnaten und Junter, was sich auch wirtschaftlich bei den Schuß zöllen zeigen wird. Die geheimen nationalistischen Organisationen werden das Rechtskabinett fennzeichnen, dessen StresemannDevile lautet:„ Mit Gott für Kaiser!" Das Cuno- Kabinett brachte Deutschland an den Rand des Abgrundes, das neue Rabinett gräbt pielleicht der Republif das Grab und einen tiefen Abgrund zwischen den Berbündeten und Deutschland. Freigabe der Hitler- Aaitation. Noch in diefer Woche. München, 21. Januar.( WIB.) Nach Blättermeldungen soll das Berbot der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, das in anderen deutschen Ländern schon seit längerer Zeit nicht mehr besteht, au ch in Banern aufgehoben werden. Von unterrichteter Seite hören wir, daß mit der Aufhebung des Berbots noch in diefer Woche gerechnet werden kann. Ein Beschluß ist jedoch bisher noch nicht gefaßt. Massenflucht von Kommunisten. Die 3erießung der Rommunistischen Bartet in Sachsen schreitet täglich fort. Erst fürzlich hat der frühere Landtagsabgeordnete 3ipfel fein Mandat niedergelegt, weil er bei den Mostaujüngern unten durch war. Jetzt ist die Abge. ordnete Frau Schlag ebenfalls aus der Rommunistischen Bartei ausgetreten. Sie mill ihr Mandat vorläufig nicht nieber legen. Auch ein tommunistischer Stadtverordneter in Dresben ist vor wenigen Tagen aus der fommunistischen Frattion ausgeschieden. Neuerdings haben in Freital und Rabenau bei Dresben wieder zwei fommunistische Stadtverordnete ihre Mandate niedergelegt, da fie aus der Kommunistischen Partei ausgetreten sind. Auch die Ersaßmänner für die Ausgeschiedenen werden die Mandate faum annehmen, da sie ebenfalls der Partei schon seit einiger Zeit den Rüden gefehrt haben. Abratungsstelle oder das Amt der verlorenen Worte genannt. Dabei gilt die Auswanderungsfrage für eine der brennendsten in unserer Birtschaft und Politif. Von der Notwendigkeit der Ausman berung und ihrer richtigen Organisierung geht der Sachverständige D. Preuße- Sperber in seinem bei der Dietrichfchen Verlagsbuchhandfung erscheinenden Buch Deutschlands Auswanderungsfrage aus. Er betont dabei befonders, wie groß das deutsche Auswanderer- Elend unter den gegenwärtigen Berhältniffen ist. Die weitaus größte Mehr zahl aller Auswanderer, die in Not und Elend geraten, tragen aber an ihrem Unglück felbst die Hauptschuld. Jeder Auswanderer", schreibt der Verfasser, muß sich vorher selbst genou prüfen, ob er förperlich, geistig und vor allem auch feelisch zur Auswanderung geeignet ist. Ferner muß sich jeder zur Auswanderung Entschloffene darüber klar fein, daß Auswandern gleichbedeutend mit Entbehren und Entsagen bei härtester Arbeit in den ersten Jahren ist. Dies Ent. behren und Entsagen lieat zumeist weniger auf rein materiellem als auf feelischem Gebiet. In fremdsprachiger Umgebung, unter unbefannten Sitten und Gewohnheiten, unter Verzicht auf vieles, mas ihm in der Heimat als selbstverständlich galt, überfällt manch einen die Sehnsucht nach der alten Heimat. Behe demjenigen, der dieser Regung nicht Herr werden fann. Er fühlt sich dauernd unbefriedigt und wird nur in den seltensten Fällen vorwärts tommen. Jeder muß sich ferner flar werden, daß er anfänglich, folange er die Ban dessprache nicht beherrscht und mit den Eigenarten des Landes nicht vertraut ist, nur einen halben Menschen darstellt. Er muß sich als Lehrling auf allen Gebieten betrachten und ftets vor Augen halten, daß Lehrjahre schlechterdings keine Herrenjahre sein können. Die weitaus größte Mehrzahl der deutschen Auswanderer geht leider immer noch mit völlig falschen Vorstellungen und Begriffen ins Aus. erleben, ist selbstverständlich. land. Daß solche Leute dann draußen die herbsten Enttäuschungen Ein Museum des Dampfes. Soeben ist in London ein Museum eröffnet worden, das zum erstenmal eine vollständige Sammlung von allen Maschinen und Lokomotiven in fich birgt, welche durch Dampf betrieben werden, und zwar werden alle nur irgendwie mit dem Dampf in Beziehung stehenden Werkzeuge von den ersten Anfängen diefes Zweiges der Technif bis zur Jehtzeit gezeigt. Die erste Beit, die hier dargestellt wird, ist ungefähr das Jahr 1700. Das Museum umfaßt viele Taufende von Ausstellungsgegenständen, da die Museumsleitung fich bemüht hat, möglichst das ganze Gebiet des Dampfes zu umfassen und alle Erfindungen zu sammeln, welche irgendwo in der Welt gemacht worden sind. Das Museum wird geziert durch eine Büste von James Watt, der im allgemeinen als der Erfinder der Dampfmaschine gilt. In Wirklichkeit ist er nur der Mann, der durch bedeutsame Verbesserungen der Dampfmaschine diese zur heutigen Bedeutung gebracht hat. Durch James Watt ist die Dampfmaschine tatsächlich erst für den Verkehr und die Industrie brauchbar geworden. Der Erfinder der Dampfmaschine, Newcomen, ist durch eine Maschine von ungeheurer Größe vertreten, die er selbst zum erstenmal gebaut hat. Sie wirkt tomisch, wenn man ihren Umfang mit der geringen Kraft vergleicht, die sie hervorbringt. Be fonders scherzhaft wirken die ersten Eisenbahn- Lokomotiven, die sowohl in ihrer Bauart und ihrer Leistungsfähigkeit nicht einmal die Entwicklung ahnen lassen, welche die Eisenbahn- Lokomotive in der heutigen Zeit genommen hat. In einer langen Reihe nebeneinander Neuer Prozeß Hermann. = B Weimar, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Bor der Großen Straftammer des Landgerichts Weimar begann am Mittwoch vor. mittag die Berufungsverhandlung im Prozeß gegen den ehemaligen thüringischen Innenminister Hermann und gegen die Kreisdirektoren Rennert- Meiningen, Hörstelmann Eisenach und Saulian- Roda und gegen Regierungsaffessor Kunze. Sie alle hatter gegen ihre Verurteilung in der ersten Instanz Berufung eingelegt, desgleichen allerdings auch der Staatsanwalt. Aus dem Stand der Verhandlungen am ersten Tage muß man annehmen, daß der ganze Prozeß in allen feinen Einzelheiten eine zweite große Aufage erleben wird, so daß sich auch die Berufungsverhandlungen über mehrere Tage erstrecken werden. Es handelt sich bekanntlich um den Vorwurf gegen Minister Hermann, er habe Urfundenfälschung dadurch begangen, daß Anstellungsurkunden bordatiert wurden. Damals erfolgte die Verurteilung Hermanns zu einer Geldstrafe von 1000 M., Kunze erhielt eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und die Kreisdirektoren Geldfiafen von 500 und 1000 m. Die Reparationszahlungen. Bericht des Generalagenten Parker Gilbert. Paris, 21. Januar.( Eca.) Das Journal" gibt mehrere Einzel. heiten aus dem Bericht, den gestern nachmittag der Generalagent für die deutschen Reparationszahlungen, Barter Gilbert, der Repa rationsfommission erstattet hat. Deutschland hat zunächst 1 Milliarde zu bezahlen, und zwar 800 Millionen in Sachlieferungen und 200 Millionen bar. Nach dem Bericht hat Deutschland vom 1. Scptember bis 31. Dezember 286 263 447 Goldmark bezahlt. Bon dieser Summe fiammen 20 539 639 Goldmart aus den Rückzahlungen die Frankreich und Belgien aus dem Ruhrgebiet an erhobe nen Steuern, Gebühren usw. geleistet haben. An die Allncries wurden in vier Monaten seit Inkrafttreten des Dawes- Pag 280 291 415 Goldmark verteilt, und zwar wie folgt: Franiter 113 651 569, England 65 836 336, Belgien 21 558 771, Italic 23 523 005, Südjiarien S 855 700, Rumänien 2 446 781, Portu 1495 452, Japan 891 161, Griechenland 269 723 Goldmail. Auperacin hat der Generalagent folgende Zahlungen geleistet: Für Kohlenliefe rungen an Belgien und Luremburg 5 253 495 Goldmart, Ausgaben für die Repto" 2041 095 Goldmart, Ausgaben für die Rheinlandtommission 4 583 333 Goldmart, Militärkontrollfommission 4 666 667, Marinefontrollonimiffion 70 000, 3insen der deutschen 800- millionen- Anleihe 15 532 499 Goldmart, Verwaltungstoften 641 623 Goli mart, an Valutadifferenzen 27 C14 Goldmart. Nach der Pariser„ Chicago Tribune" hat Barter Gibert erflärt: Deutschland habe an die Aunerten seit Inkrafttreten des Damese Plans fett Ctober 22 Millionen Goldmart über. bezahlt. Er stelle fest, daß der neue Reichstanzler be. reit sei, den Dawes- Plan durchzuführen. Wenn auch der Generalagent nicht auf politische Fragen einging, hat er doch nicht, Schreibt Chicago Tribune" weiter, zu erwähnen unterlaffen, daß die Richträumung der Kölner 3one die Ausführung oes Dawes Blans in Mitleidenschaft zu ziehen drohe, besonders wenn die Alliterten nicht thre Absichten hinsichtlich der Aufredjt. erhaltung der Beschung nach Erhalt des Berichts der Kontrollommiffion in Berlin fundgäben. Senatsreform in Frankreich. Ein sozialistischer Antrag. Paris, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In der Kammer hat der sozialistische Abg. Pressemanne einen Gefeßentwurf eingebracht, der auf eine Reform der Senatsmahlen hinzielt. Die Wahlmänner follen nicht mehr so willtürlich wie bisher, fondern im Berhältnis zur Bevölferungszahl gewählt werden, und smar auf je 1000 Einwohner zwei Delegierte. Eine zweite Borlage fucht das absolute Betorecht des Senats einzuschränken. Der Senat und von der Kammer beschlossene Gefehe zu verwerfen; die Kammer foll nach wie vor das Recht haben, Gesezesänderungen vorzuschlagen müsse fich aber alsdann erneut mit dem Gegenstand befaffen und ihre dann getroffene Entscheidung müsse dann endgültig jein. | ftehen alle Modelle der Lokomotiven, die in dem Jahrhundert der Eisenbahn bei allen Kulturvölfern gebaut worden find. Man fann sich dadurch einen richtigen Ueberblid verschaffen, in welcher Beise der Fortschritt vor sich gegangen ist, bis zur heutigen rouchnerzehren. den und mit ungeheurer Energie arbeitenden D- 3ug- Lotomotive. Auch die Dampfturbinen find hier durch die ersten von Barfor ge bauten Turbinen bis zu dem Stand der heutigen Entwicklung ver treten. Man beabsichtigt, im Anschluß an dieses Museum des Dampfes auch ein Museum der Elektrizität zu errichten, in dem gleichsam die Fortsetzung dieses Museums des Dampfes zu sehen ist. fünf chemischen Elemente, die noch an den 92 Elementen des perio Auf der Suche nach einem neuen Element. Einem der letzten bischen Systems fehlen, ist man jest auf der Spur. Nachdem vor Jahresfrist Nr. 72 als Hafnium entdeckt wurde, wird jezt Nr. 61 ge funden. Dies Element muß eine seltene Erde sein, nahe verwandt dem Zer, deffen Drnde bei der Fabrisation von Glühstrümpfen Berwendung finden. Wie in der Umschau" berichtet wird, sand der amerikanische Profeffor Lapp bei der Brüfung von Präparaten seltener Erden schwache Linien des Spektrums des Glements 61, und es ist anzunehmen, daß dieses nun bold isoliert wird. Dann fehlen nur noch die Elemente 43, 75, 85 und 87 des Systems. Die ,, Wolgadeutsche Arbeitskommune. Die deutschen Siedler an der Bolga, die sich 1918 zu der Wolgadeutschen Arbeitsfommume", aufammenschlossen, hatten 1920 453 000 Einwohner, darunter 97 ProRent Deutsche, und umfaßten die ehemaligen ruffischen Gouvernements Garatoff und Samara, mit der Hauptstadt Marrstadt, dem früheren Ratharinenburg. Wie in der Umschau" mitgeteilt wird, hat sich durch Bergrößerung des Gebietes das Bevölkerungsverhältnis ver schoben. Jeht find nur noch 67,4 Prog. rein deutsch, 21,3 Broz. russisch und 9,7 Proz. Utrainer. Es wird daher neben Deutsch auch Ruffisch und Utrainisch als Amtssprache zugelassen. Von den 14 Bezirben find 11 deutsch, 3 ruffisch. Die Hauptstadt ist nach Botroost verlegt, einem wichtigen Knotenpunkt des Handels an der Strede Drenburg- Astrachan. „ Das Runftblaff, das im Berlag Guft. Riepenheuer Potsdam erscheint, wird minberbemittelten Stitnftlern, Studierenden, auch Bereinen und Museen zu einem ermäßigten Abonnementspreis überlaffen. Zufchriften an den Verlag. Zur Beobachtung der fofalen Sonnenfiufternis am 24. Januar hat die Hamburg Amerita- Linie der Hamburger Sternwarte ihren nach Philadelphia fahrenden Dampfer Liquaria zur Verfügung gestellt. Der Dampier, der am 16. Januar den Hamburger Hafen verließ, wird durch die Totalitätszone freuzen und am Finsternistage auf der Hentrallinie gesteuert werden, so das Beobachtungen an einem Ort von ungefähr 40 Grad nördlicher Breite und 34 Grad westlicher Länge erfolgen können. Jerome K. Jerome auf der Bühne Im Wiener Raimund- Theater wurde Jeromes Luftspiel Fanny und die Dienstbotenfrage mit startem Erfolg zum 1. Mal in deutscher Sprache mit Tilla Durieug in der Titelrolle unter der Regie von Karlheins Martin aufgeführt. Die deutsche Buchausstellung in Barcelona, bie vom Börsenverein der deutschen Buchhändler in Veipzig veranstaltet wird und über 6000 Bücher umfaßt, wurde feierlich eröffnet. Große Kundgebung Sportpalaft! Gegen Sunt den Rechtsturs! Große Kundgebung am 27. abends 7 Uhr im Redner: Reichstagspräsident Löbe, Reichstagsabg. Crifpien, Dr. Breitscheid, Dr. Levi, Müller- Franken, Scheidemann. Das Einheitsgespräch. Aufwertung und Notverordnung. Der Aufwertungsausschuß gegen die auf Grund Art. 48 Ein Autobus der Linie 1 rollt und wankt das Schöneberger der Reichsverfassung erlassene Aufwertungsverordnung. Ufer entlang. Es regnet, Abend ist's, und die Insassen sind in Ge Die Rechtsunsicherheit, die in der Aufwertungsfrage bestand, ist danken bereits im Theater, im Kino, auf dem Ball oder zu Besuch von der früheren Regierung unter Führung des Reichsfinanz- bei Bekannten. Denn es sind beneidenswerte Leute mit Zeit und ministers Dr. Luther zu beseitigen versucht worden durch den Erlaß Geld und Sinn für rauschendes Vergnügen. Von Kleidern untereiner Berordnung auf Grund des Artikel 48 der Reichsverfassung, halten sie sich, von neuen Filmen, auch in der Abendzeitung lesen die das Datum des 4. Dezember 1924 trägt. Mit dieser Verordnung sie, soweit das spärliche Licht es gestattet- jeden Abend bietet sich werden sowohl die von einzelnen Gerichten für ungültig erklärten dasselbe heiter- ernste Bild. Man gewöhnt sich an die Fülle, man Bestimmungen der dritten Steuernotverordnung als auch die bisher gewöhnt sich an die Spannung der Erwartung, man riecht auch stets ergangenen Durchführungsverordnungen bis zur Regelung im das gleiche Duftgemisch von Parfüm: Berlin W im Autobus. Borbei Wege der ordentlichen Gesetzgebung für maßgebend erklärt. Diese huschen die Lichter, die Schatten der Bäume, Menschen am Wege Notverordnung vom 4. Dezember ist sofort in der Presse als un vorbei, vorbei. Schnell wechseln die Worte im Wagen, zu zweit und gefeglich angesprochen worden. Die deutschnationale Reichstags: zu britt werden sie getauscht, manches verliert sich im dumpfen fraktion hat durch einen im Reichstag eingebrachten Gesezentwurf Lärm, laut fällt der Schaffner ein: Noch jemand ohne Fahrschein?!" jofortige Aufhebung der Notverordnung vom 4. Dezember- Da, plötzlich regt sichs unter Buder und Schminke, dem fefchen beantragt. Da die sozialdemokratische Reichs tags Jüngling entgleitet die Zeitung, felbft in greifen, verwelften Ge. frattion diese Art der Anwendung des Art. 48 der Reichsversichtern aufzudt das Leben. Dort war es!" von meffen Lippen faffung stets als dem Wortlaut und Geist der Reichsverfassung tam das in der Stille? Reiner sieht den Sprecher, jeder nur die widersprechend befämpft hat, war es ihr um die rasche Erledigung Stelle". Die Stelle, an der innerhalb furzer Zeit zweimal ein Autodes deutschnationalen Antrages zu tun. Die sozialdemokratischen omnibus verunglückt ist. Die Stelle, an der es Scheiben und Tränen, Mitglieder des Aufmertungsausschusses richteten daher schon in der Aufregung und Schmerzen gab. Die Stelle, an der um ein Haar vorigen Woche an den Ausschußvorsitzenden, den deutschnationalen noch viel Schlimmeres passiert wäre. Jeder sieht sie, die Stelle. Abg. Dr. Steiniger den Wunsch auf sofortige Einberufung des Aus- und jeder denkt, ein Glück, daß ich nicht mit dabei war. Und jeder fchuffes zweds Beratung des deutschnationalen Antrages. Heute vor fagt sich, wie leicht hätte auch unfereinen so etwas treffen fönnen. mittag fand diese Sigung statt. Die zuständigen Ministerien der und jeder blinzelt ein wenig ängstlich nach dem Chauffeur und fragt Finanzen und der Justiz waren nicht durch maßgebende Herren ver- fich, ob der wohl so ganz sicher fährt. Jeder tut es, jeder... treten. Sie begründeten ihre Abwesenheit mit der Beteiligung an Denn ein ganz flein wenig haben alle ihr Leben lieb, im Besten einer gerade heute stattfindenden Besprechung mit Ländervertretern, und im Osten, im Süden und im Norden, und wenn schon gedie der Borberatung des angekündigten Aufwertungsgefeßes dienen storben sein muß so auf feinen Fall. Erleichtert atmen alle foll. Der Ausschuß trat troßdem in die Beratung ein. auf, nachdem die Unfallstelle ohne Zwischenfall paffiert ist, jeder preift sein Schicksal, wenn sich's auch teiner merten läßt. Dr. Best( Dnat.) wotes zur Begründung des deutschnationalen Antrages darauf hin, daß die Regierung die ihr im§ 64 der dritten Steuernotverordnung erteilten Ermächtigungen in den Durchfüh= rungsverordnungen überschritten habe, weshalb das Reichsgericht gewisse Bestimmungen otejer Verordnungen für ungültig ertiärt habe. Deni jet nun von der Reichsregierung durch die Notverordnung vom 4. Dezember 1924, die alle bisherigen Rechts vorschriften für maßgebend erflärt, zu begegnen versucht. Diese Verordnung vom 4. Dezember 1924 sei aber unzulässig, da vom Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, auf den fie fich ftige, nur Gebrauch gemacht werden dürfe, zur Wieder herstellung der erheblich gestörten oder gefährdeten Sicherheit und Ordnung", nicht aber zur Entscheidung über die Gültigkeit oder Ungültigkeit irgendwelcher gefeßlicher Borschriften. Deshalb sei die Berordnung aufzuheben. Dr. Schetter( 3tr.) mißbilligt gleichfalls die Art, wie man im Wege der Verordnung neues Recht zu schaffen suche, lehnte aber ben deutschnationalen Antrag trotzdem ab, weil feine Bartei der Regierung durch Aufrollung allgemeiner staatspolitischer Fragen Schwierigkeiten nicht bereiten wolle. Keil( Soz.) Wenn das Recht des Reichstages, Berordnungen, die auf Gruno des Art. 48 der Reichsverfassung ergangen find, aufbeben, einen Sinn habe, dann müßte der Reichstag fotoit nach Vorlegung dieser Verordnungen dazu Stellung nehmen. Meine Graftion hat fiets die Auffassung verteten, daß die Art, wie Dom Art. 43 der Jetsverfaffung in zahlreichen Fällen Gebrauch gemacht worden ist, dem Sinn der Reichsverfassung nicht ent. fpreche. 3m Sieuerausiquß des alten Reichstages haben wir 3. B. entschreven Berwahrung emgelegt gegen die Abänderung des materiellen Steuerrechts auf dem Wege über Art. 48 und wir haben angefündigt, daß wir gegen die Anwendung des Art. 48 auch im Plenum des Reichstages Stellung nehmen würden. Su den staals. rechtlichen Gründen, die uns veranlassen, für die sofortige Aufhebung der Berordnung vom 4 Dezember 1924 zu stimmen, fommen noch fachliche. Wir wünschen ihon im Interesse der Beruhigung des Wirtschaftslebens eine rajae endgültige Regelung der Aufwertungsfrage. Durch Aufhebung der Berordnung vom 4. Dezember glauben mir die Regierung zum rascheren Handeln bewegen zu fönnen. Bringt die Regierung nicht bald den vom Reichstanzler Luther angefündigten Gelegentwurf über die Neuregelung der Aufwertungs. fragen, so mire nom weiter zugehen und die ganze dritte Steuernotverordnung aufzuheben sein. Daß die deutschnationale Frattion mit ihrem Antrag ner gegenwartigen Regierung, an der sie überwiegend beteiligt ist, Schwierigfenten bereiten mollte, ist nicht anzunehmen. hr war es ficheritch nur um fachliche Ziele zu tun, und aus fachlichen Gründen stimmen wir bem Antrage zu. Wunderlich( D. Lp.) erhebt gleichfalls sehr ernste Bedenten gegen die Berordnung vom 4. Dezember 1924, will aber vor Beschlußfaffung erst die Regierung horen. Im gleichen Sinne äußerte fich Emminger( Boyŋr. Bp.), der die Anwendung des Art. 48 in diesem Falle als besonders aonorm bezeichnet und anfündigt, daß er der Aufhebung zufammen merde, wenn die Regierung in der nächsten Sigung den Erlaß diejer Berordnung nicht ausreichend aufklären fönne. Die Archivdiebstähle. Fetischismus oder Geschäft. Die Archivdiebstähle, über die wir berichteten, beschäftigen noch meiter die Kriminalpolizei und die Sachverständigen. Auch die Pediziner werden sich mit ihnen wohl noch zu befassen haben. Es scheint aber, daß neben dem angeblichen Fetischismus doch auch das materielle Interesse eine nicht geringe Rolle spielte. Das beschlagnahmte Material füllt pier Reifetörbe. Wieviel im Laufe der Zeit von Dr. Haud und von Hohenlocher verkauft worden ist, wird kaum festzustellen sein. Dr. Haud behauptet immer noch, daß Hohenlocher diese Ge schäfte ohne sein Wissen betrieben habe. Die Verkäufe dieses Freun des find aber wohl noch zahlreicher und ausgedehnter als diejenigen Dr. Hauds. Aus dem In- und Auslande haben sich bereits eine Anzahl Händler und Sammler gemeldet, die mit den beiden in Verbindung standen Hohenlocher führte dabei verschiedene Namen, Karl- Maria von Hohenlocher, Baron von Hohenlocher. Hartenau und auch Boron von Hartenau. Wie er richtig heißt, steht noch nicht fest. Er behauptet, der Entel eines Offiziers und Reit Ichrers zu sein, der von einem früheren Fürsten von Hohenzollern. Sechingen als unehelicher Sohn anerkannt worden sei und den Namen von Hohenlocher erhalten habe. Die Tausch und Berkaufs geschäfte, die er unter dem Namen Baron von Hartenau betrieb, führte er nicht von einer bestimmten Wohnung aus. Korrespondenz und Sendungen gingen vielmehr stets postlagernd. Unter dem Namen Karl- Maria von Hohenlocher ließ er alle Briefe und andere Sendungen nach dem Hause Hallesche Straße 3 adreffieren, mäh. rend er in Wirtlichkeit mit Dr. Haud in dem Hause Nr. 5 wohnte. In den Besitz der Sachen fam er dadurch, daß er die Postboten regelmäßig auf der Straße abfing. Dr. Haud forrespondierte stets von seiner Wohnung aus. In dieser war das Material feineswegs so geordnet, wie leidenschaftliche Sammler es zu halten pflegen, sondern eher in einem gewissen Durcheinander für den Verkauf. Den Schreibtisch Dr. Hauds zierte ein Bild Eduards VII. mit angeblich eigenhändiger Unterschrift. Daß er auch in Brussel, dem Haag und London Archiv- oder Museumsstudien betrieben und auch dort gestohlen hat, bestreitet der Privatgelehrte. Er behauptet, niemals dort gewesen zu sein. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich unter dem beschlagnahmten Material auch Sachen aus Sammlungen dieser Städte befinden. Er mag fie auf Umwegen durch Tausch erworben haben. Händler und Sammier werden ersucht, besonders auch auf die verschiedenen Namen Hohenlochers zu achten. Alle weiteren Mitteilungen zur Aufklärung nimmt Kriminalfommisfar Trettin im Berliner Polizeipräfidium, Zimmer 103, entgegen. Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenfihung, die morgen stattfindet, steht u. a. ein Dringlichkeitsantrag der Kommunisten, der von ihnen aus Anlaß der Autobusunfälle am Schöneberger Ufer gestellt ist. Zur Behandlung wird weiter eine Vorlage des Dietrich( Dem.) erflärt, daß er für Aufhebung der Berordnung Magiftrats tommen, die die Auszahlung des zehnprozentigen Auf. ftimmen werde, wenn nicht die Ausschußmehrheit die Bertagung bewertungsvorschusses bei Spartaffenguthaben auch auf fchließe. Koenen( Komm.) jegt sich über den formalen Streit über solche Sparer ausgedehnt wissen will, die sich in einer offen. die Rechtsgültigten der beroromung vom 4. Dezember 1924" hinweg baren Rottage befinden. Die sozialdemokratische und will sofort m bre materielle Beratung der Aufwertungsfrage Fraktion wird über die Magistratsvorlage hinaus dafür eineintreten, wozu er einen Antrag einbringt. treten, daß das Lebensalter der Anspruchsberechtigten von 65 auf 60 Jahre herabgesetzt wird und daß die hierfür erforderlichen Mittel von der Stadtverordnetenversammlung neu bewilligt werden. Borf. Dr. Steiniger jalagt vor, der Regierung eine Schon frist bis nachten Dienstag zu geben. Entsprechend dem Antrage Steiniger beschließt die zehrheit des Ausschusses die Vertagung bis zum tommenben Dienstag, um der Regierung Gelegenheit zur Zeußerung zu geben. Sozialdemokraten, Demokraten und Rommuniten stimmen gegen die Bertagung. Kommunistenspaltuna in Frankreich. Paris, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die aus der KPF. Ausgefchloffenen haben eine neue Partei, die„ Union socialiste communiste" gebildet, die bereits bei den Gemeindewahlen im Früh jahr eingreifen will. Auf dem foeben abgehaltenen Parteitag der RPF. wandte sich 1. a. Treint gegen Tropfi. Auch der Moskauer Delegierte fprach gegen den Trojfismus", hob aber gleichzeitig die Notwendigkeit hervor, weitere Ausschließungen einzustellen. Frank reich gehe dem Faschismus entgegen. Die Propaganda müsse vor nehmlich in der Proving betrieben werden und nicht auf Paris und Umgebung beschränkt bleiben. Charles Rappaport, der sich bedeutende Verdienste um die Kommunistische Partel erworben hat, wagt es als einer der wenigen anwesenden Bertreter der Minderheit, Kritit an der Schriftleitung der Humanité" zu üben. Er wies darauf hin, daß das Parteiblatt einen bedeutenden Teil seiner Leser verliere, daß fein Niveau dauernd finte ufm. Diese Kritik wurde in einer Flut von Zwischenrufen und Schimpfworten erst idt und Rappaport war den übelsten Beleidigungen, wie: Beitungsschmierer ohne Zeitung, Weiser ohne Weisheit, Dilettant", ausgefeßt. Die efinische Gesandtschaft teilt uns mit, daß die Nachricht von ber Festnahme und Sinrichtung eines Bolichewiften namens Stieglonitow den Tatsachen nicht entspricht. Das neue Berliner Fernsprechbuch wird in den nächsten Tagen ausgegeben werden. Da nicht alle Teilnehmer gleichzeitig beliefert werden fönnen, erhält jeder Teilnehmer, sobald ein Buch für ihn zur Verfügung steht, eine Benachrichtigungskarte, die zur Empfang nahme berechtigt und Ort und Zeit für die Abholung des Buches angibt. Das alte Fernsprechbuch der letzten Ausgabe ist beim Empfang des neuen Buches abzugeben oder statt dessen eine Gebühr von 3 M. sogleich zu entrichten. Das Fernsprechbuch wird gegen eine Gebühr von 30 Bf. ins Haus gebracht, wenn es der Teilnehmer beantragt, oder das Buch innerhalb fünf Tage( auf älteren Benach richtigungskarten ist fälschlich eine Frist von 14 Tagen angegeben) nicht abgeholt worden ist. Das Rose- Theater bringt C. A. Görners Aschenbrödel" recht hübsch heraus. Die Kinder sehen ihre eigene goldene Phantasie auf der Bühne verwirklicht, vielleicht sogar noch überflügelt. So, wenn die Täubchen in den Kamin flattern, Blumen und Gemüse als flintfüßige Elfen lebendig werden oder das Geschirr in der Ellen Maria Treburg entfaltete viel Liebreiz als Küche tanzt. Aschenbrödel. Die Ausstattung ließ man sich etwas fosten, darum war es nicht nur beim König Kakadu, sondern auch beim Baron von Montecontecuculorum recht pruntvoll. Gut gewählte Lichteffette ( R. Wißmann ist für die Beleuchtung verantwortlich) taten das ihre, um die Stimmung zu heben und die Pracht zu unterstreichen. Selbst dem Erwachsenen wird dieses Aschenbrödel zum Genuß, da er deutlich sieht, daß man mit Liebe, Sorgfalt und Verständnis am Wert war. 3ufammenstoß in der Luft. Ueber dem Hafen von Barce. fona stießen zwei Handelsflugzeuge zufammen, stürzten ins Meer und gingen unter. Die Flugzeugführer ertranfen. Das Drama einer Mutter. Bluttat abgespielt, die ein grelles Schlaglicht auf eine Zeit wirft, In Tuschtau bei Pilsen hat sich diese Woche eine entsegin der furchtbarsten Not und Berzweiflung noch immer frasses Schie. deren Gesellschaftsordnung und deren Geseze es zulaffen, daß neben bertum und Verschwendung sich breit machen. Rinderwagen an, in dem sich ein dreijähriges blondlockiges Mädchen Mit dem Pilsener Zuge tam in Tuschkau eine Frau mit einem befand und erfundigte sich nach dem Friedhofe. Am nächsten Morgen fand ein Gendarm in der Nähe des Friedhofes einen Kinderwagen, in dem sich die noch warme Leiche eines blondlockigen Mädchens befand. Das Kleine war auf grausame Art ermordet worden. Es hatte zahlreiche Kopfwunden und einen tiefen Stich in den Unterleib erhalten. Unter den Betten fand man einen Brief mit 60 Kronen( 8 Mark), in dem die Schreiberin Auftlärungen über die Tat macht. Der Brief enthüllt die ganze Tragödie Berzeihung, daß sie ihr liebes Rind, ihren Engel, mit eigener einer unglüdlichen Mutter. Suächst bittet die Frau um and töten mußte. In furchtbarem innerem Rampfe, in Not und Berzweiflung ist der Plan gereift. Jahr und Tag ist sie ohne Arbeit. Kein Mensch mochte die Frau mit dem Kinde aufnehmen. Alles habe sie unternommen und nichts unversucht gelassen. Ohne Obdach war die Frau und ihr Gatte ein Verschwender, der sie schlecht behandelte. Das arme Kind war anfangs im Klofter. Weil es aber nicht gut behandelt wurde, nahm die Mutter das Murm heraus und wollte es selbst pflegen. Um für das Kind zu sorgen, habe sie alles ihr mögliche getan. Um der Kleinen etwas Milch reichen zu fönnen, hat fie seit zwei Jahren nur von schwarzem Kaffee und Kartoffeln oder etwas Brot gelebt. Nun jeien ihre Kräfte zu Ende. Man möge die 60 Kronen und den Erlös des Kinderwagens nehmen und dem unglücklichen Kinde dafür eiten Sarg laufen. Sie wolle tief ins Gebirge gehen und ihrem Rinde folgen. Der mit schöner Handschrift geschriebene Brief ist unterzeichnet Eine tod unglüdliche Mutter". Bevor die Frau den beabsichtigten Selbstmord ausführen fonnte, wurde sie ermittelt und verhaftet, da ein Beamter des Biliner Bahnhofes beim Lesen des Berichtes erklärte, einen Kinderwagen eingeladen zu haben und die Mutter zu tennen. In der Unglücklichen wurde die 36jährige Frau eines Geschäftsreisenden, Emilie Hauptmann aus Bilin, die von ihrem Manne getrennt lebt, sichergestellt und verhaftet. Genoffe Pfarrer Bleier spricht am Donnerstag, den 22. Ganuar, abends 1,8, in der Fürstin Bismard- Schule, Charlottenburg, Sybelstr. 2/4, anläg lich der Kirchenwahlen über das Thema. Sind die Kirchlich Liberalen noch Bortampfer des freien Brotestantismus. schwarzen Realtion! Barieigenossinnen und-Genossen, sorgt für Massenbesuch. Stampf der Sport. Das 13. Sechstagerennen. Der legte Tag. Nach der Jagb, die gestern während und nach der 10- ig.Nacht- Wertung vor sich ging, fällte das Renngericht folgenden Spruch: Ban Rempen Samall, Rütt Aerts, BauerLemanom, Giorgetti Rizetto und Stellbrint- Roch erhalten megen inforretten Verhaltens bei der Jagd eine Strafrunde! Die Mannschaft Stellbrint- Kod, die bei dieser hab fchon eine Runde einbüßte, liegt fomit drei Runden zurüd. Der im heutigen Morgen blatt mitgeteilte Stand des Rennens nach der 10- Uhr Nacht- Wertung ist nach biefer Entscheidung hinfällig. Richtig muß es heißen: Hahn- Zieh 163 Puntte, Egg- Kruptat 70 Bunfte, Saldow- Lorenz 58 Bunite, Grenda- Mac Beath 53 Puntte, Brocco- Miquel 7 Bunkte, Huschte Kohl 5 Bunfte. Eine Runde zurüd: Ban Kempen Samall 241 Bunfie, Rütt- Alerts 189 Buntte, Bauer- Bemanom 70 Punkte, Golle- Manthen 48 Punkte. 3wei Runden zurüd: Giorgetti- Rizetto 42 Buntte. Drei Runden zurüd: Shellbrint- Roch 23 Buntte. Nur langfam glätten sich die Bogen der Er. regung. Das übervolle Haus hat mit Befriedigung das Urteil des Renngerichts zur Kenntnis genommen. Den ersten Borstoß nach diefer aufregenden Angelegenheit unternimmt jedoch ohne Erfolg Bauer. In einer abermaligen Jagd stürzt Rigetto und heißt Hahn mitgehen. Das Rennen wird neutralisiert. Doch schon lange Dor der 2- hr- Nacht- Wertung find beide wieder im Felde zu finden. Die 2- Uhr- Nachtwertung brachte folgendes Ergebnis: 1. Spurt: Giorgetti, Bauer, Egg. Hahn. 2. Spurt: Mac Beath, Lorenz, Kruptat, Huschte. 3. Spurt: Gior getti, Egg, Grenda, Kohl. 4. Spurt: Tieh, Lewanow, Kruptat, Mac Beath. 5. Spurt: Giorgetti, Egg, Koch, Saldom. Ban Rempen holt sich dann den 6. Spurt Nach 3 Uhr früh geht Bauer los. Der Auftralier Grenda ist wachsam und raft heran. Sein Partner Mac Beath loft gut ab und fie gewinnen einen netten Borfprung. Rütt folgt auf Mac Beath. Dann van Kempen und Hahn. Die Australier iaffen nicht nach! Immer schneller wird das Tempo. Sie gehen an Brocco und Bauer vorbei. Noch einige Sefunden, und GrendaMac Beath haben es geschafft. Da stürzt van Kempen. Dies mal geht Rütt mit. Wieder wird das Rennen neutralisiert. Und das Ergebnis? Bauer- Lewanow, Brocco- Miquel, Huschte- Rohl, Dan Kempen- Sawall und Golle- Manthen haben eine weitere.und Giorgetti- Rizetto und Stellbrint- Roch zwei weitere Runden verloren! Der Stand des Rennens nach der 2- Uhr- Nacht- Wertung ist fol gender: Rütt- Aerts 192 Buntte, Hahn- Tiez 169 Punkte, EggKruptat 83 Buntte, Saldow- Lorenz 64 Bunfte, Grenda- Mac Beath 61 Bunfte. Eine Runde zurüd: Brocco- Miquel 7 Punkte, Huschte- Kohl 7 Buntte. 3 wei Runden zurüd: Lewanow. Bauer 76 Buntie, Golle- Manthen 48 Bunfte. Bier Runden zurüd: Giorgetti- Rizetto 57 Buntte. Fünf Runden zurüd: Stellbrint- Roch 25 Bunfte. In den Morgenstunden gibt Sawali das Rennen wegen Erschöpfung auf. Sein Partner van Rennen fährt als Erfagmann meiter. Borkampfabend im Norden. Bei dem gestrigen Kampfabend im Rtiegervereinshaus machte fich die große Konkurrenz des Sechstagerennens außerordentlich be merkbar, aber trotzdem war der Besuch gut. Kurt Sasse fämpste mit dem Duisburger Gohres unentschieden. Der Duisburger zeigte in den vier Runden eine gute Technik und Saffe hatte alle Hände voll zu tun, dem sehr gewandten Mann beizukommen. In nächsten Treffen ftanden zwei gute Leute im Ring, Gustar Runge und Otto Griese, beide ausgerüstet mit guter Technit Letterer gewann den Kampf nach 6 Runden, dant seiner guter Treffficherheit, nach Buntten. An Stelle des erkrankten Milenz tra Jonny Jadson und fämpfte gegen Erich Brandel. Hie brach der Ringrichter den Kampf bereits in der ersten Runde al wegen allzugroßer Ueberlegenheit Brandels. Jadson mußte in de Runde nicht weniger als fünfmal zu Boden gehen. Das Haupt intereffe des Abends galt dem Treffen Mag Dietmann geger Horst Schade. Bereits in den ersten Runden machte sich die lleberlegenheit Dietmanns bemerkbar. Schade wurde so start an geschlagen, daß er nur unter größter Anstrengung durch die weiterer Runden fam. Technisch war Dietmann ausgezeichnet und hatte di Führung des Rampfes ständig in Händen. Nach 6 Runden tonnb er den Bunktsieg davontragen. Einen schönen und ebenso flotter Rampf lieferten Schmehling Köln und Mehling- Würa burg. Nach 6 Runden fonnte ersterer den Bunftsieg davontragen Gewerkschaftsbewegung Der neue Kurs und die Reichsarbeiter. Am 14. Januar hatte der Berband der Gemeinde- und Staatsrbeiter, Filiale Berlin, seine Funktionäre aus den Reichs- und Staatsbetrieben zufammenberufen, um ihnen durch eingehenden Bericht von der Ründigung des Reichsmanteltarifs durch das Reichsfinanzministerium Renntnis zu geben. Mit dieser Kündigung ist die Absicht verbunden, die bestehenden befcheidenen sozialen Rechte wesentlich abzubauen. Aus dem Bericht ging hervor, daß das Reichsfinanzministerium fachliche Gründe für die Auffündigung des Bertrages nicht anführen fann, da dieser Bertrag die geringsten sozialen Leistungen unter den Ber. trägen für die anderen Arbeitnehmergruppen aufzuweisen hat. Nur mit Rücksicht auf die Zeiten größter finanzieller Not fonnte der Vertrag aufrechterhalten werden. Die Kündigung tann also nur diftiert sein von dem antifozialen Geist, der sich in Anbetracht des fommen den Regierungsfurfes wieder start hervormagt. Der Regierungsentwurf bringt Verschlechterungen in allen wichtigen Bestimmungen, z. B. in der Frage des Urlaubs und der Reges lung des Krantenlohnes, in der Behandlung der Nichtvollbeschäftig ten, in der Bezahlung der Kriegs- und Arbeitsinvaliden, in der Ge mährung der Kindergelder, in der Bezahlung des Lohnes bei Er füllung ftaatsbürgerlicher Pflichten, in der Eingruppierung uf; nur eine Position wünscht man beizubehalten, und das ist die neunstündige Arbeitszeit, die bis zu 60 Stunden in der Woche ausgedehnt werden kann. Berüdsichtigt man hier bei noch, daß die Reichs- und Staatsarbeiter ohnehin fchon start entrechtet sind durch die Aufhebung des Entlassungsschußes und de Befeitigung des Schutzes der Betriebsvertretungen, so ist die Tendenz in dem Berhalten des Reichsfinanzministeriums recht durchsichtig. Dieser Eindruck war auch bei den versammelten Funktionären vorherrschend und fam in der Distuffion rückhaltlos zum Ausdruck. Die rege Anteilnahme zeigte, daß die Reichs- und Staatsarbeiter die ganze Angelegenheit nicht als etwas Alltägliches hinzunehmen gedenten, und der einstimmig angenommene Antrag, mit den übri gen Arbeitern des Reiches außerhalb Berlins so schnell als möglich eine 3ufammentunft herbeizuführen, beweist, daß feine Geneigtheit besteht, dem Reichsfinanzminifterium auf diefem Wege zu folgen. Zustimmungserklärungen von den Reichs- und Staatsarbeitern aus den übrigen Teilen des Reiches, wie Königsberg, Hanncoer. Riel und Stettin laffen darauf schließen, daß auch dort der ernste Wille zur Abwehr vorhanden ist. Bonn also dem Reichsfinanzmir sterium daran liegt, die Arbeitsfreude und den Arbeitsfrieden in den Betrieben und Verwaltungen zu erhalten, dann möge es die Arbeiter mit den Kostproben der fogialen Gerechtigkeit" der Regierung Luther- Schlieben ver fchonen. Das Sonderrecht der Reichsbahn. Die Personalabbauverordnung enthält eine Beftinmung, wonach§ 84 Abs. 4 des Betriebsrätegefeges feine Anwendung findet auf abgebaute Arbeitnehmer, die ihre Bezüge aus öffentlichen Mitteln erhalten. Hiernach konnten alfo Arbeiter in Reichs, Staats und Gemeindebetrieben ihre Entlassung nicht unter Berufung auf § 84 Abs. 4 BRG. als unbillige Härte anfechten. Das galt unbeftritten bis zum 11. Oftober 1924 auch für die im Betriebe der Reichseisenbahn beschäftigten Arbeiter. Da aber dieser Betrieb an dem genannten Tage auf eine Aftiengesellschaft übergegangen, alfo rechtlich den Privatbetrieben gleichzuachten ist, so sollte man es für felbstverständlich halten, daß die erwähnte Bestimmung der Abbauverordnung auf die Arbeitnehmer der Reichsbahngesellschaft feine Anwendung finden kann, denn die Arbeitnehmer dieser Geſellſchaft erhalten ja ihre Bezüge nicht mehr aus öffentlichen Mitteln und damit fällt die Voraussetzung für die Ausschaltung des§ 84 Abi. 4 BRG. fort. Aber die Verwaltung der Reichsbahngesellschaft macht den entlassenen Arbeitern auch jezt noch das Recht, wegen unbilliger Härte au flagen, streitig. Sie beruft sich dabei auf eine Bestimmung des Reichseisenbahngefeßes, wonach fie Sonder. rechte, welche die frühere Reichseisenbahn auf gewissen Gebieten hatte, für sich in Anspruch nehmen tann. Ein solches Sonderrecht sagt die Verwaltung der Reichseisenbahngesellschaft sei die Ausschaltung des§ 84 Abs. 4 BRG. gerichts Berlin( Borsigender Magiftratsrat Hildebrand) eine Entscheidung gefällt, monach für die Arbeitnehmer der Reichs bahngesellschaft die Ausschaltung des§ 84 Abs. 4 BRG. bestehen bleiben soll. Der Entscheidung gingen sehr eingehende rechtliche Auseinandersetzungen zwischen dem Gen. Dressel vom Deutschen Eisenbahnerverband und einem Vertreter der Reichsbahngesellschaft voraus. Magistratsrat Hildebrand, der der Urteilsverkündung sonst eine ziemlich ausführliche mündliche Begründung anzufügen pflegt, sagte in diesem Falle tein Wort zur Begründung des Urteils. Man wird also erst aus der schriftlichen Urteils ausfertigung erfahren, wie juristische Auslegungstunft es fertig bringt, den Eisenbahnarbeitern ein ihnen seit dem 11. Oftober 1924 ohne Zweifel zustehendes Recht abzusprechen. Die infolge dieses Urteils Leibtragenden sind zwei Arbeiter, die ihre Kündigung erhielten, als sie trant daniederlagen. Der eine befand sich fieben Wochen im Krankenhause. Der andere, ein Familienvater mit sechs Kindern, hatte sich auf dem Wege zur Arbeitsstätte den Fuß verrenkt, was eine längere Arbeitsunfähig feit zur Folge hatte. Es scheint übrigens System bei der Reichsbahngesellschaft zu sein, daß sie Arbeiter, wenn sie öffer frant werden, zu den Unproduktiven rechnet und entläßt. Das ist gewiß eine unbillige Härte und eine Rüd fichtslosigkeit, die jedes soziale Empfinden vermissen läßt. Doch der Weg zum Gericht, wo solche Entlassungen, wenn sie in Privats betrieben vorkommen, mit Aussicht auf Erfolg angefochten werden fönnen, wird den Arbeitern der Reichsbahngesellschaft, obgleich sie jetzt doch auch ein im rechtlichen Sinne privater Betrieb ist, der. legt. Dieser Weg muß frei gemacht werden durch die Aufhebung der Personalabbauverordnung. Berufswahl und Fleischergewerbe. SPD.- Fabritarbeiter an die Front! In diesen Tagen finden in allen Bezirken die Versammlungen statt, in benen nicht nur die Bezirksleitungen neugewählt werden, fondern auch die Delegierten zur Generalversammlung der Zahlstelle Berlin des Verbandes der Fabritarbeiter. Jeder SPD.- Fabritarbeiter wie jeder Anhänger der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale muß feine Versammlung besuchen. Sorgt dafür, daß nur solche Kollegen als Delegierte und Bezirksleiter ge wählt werden, die sich verpflichten, mirklich praktische Gewerkschafts. arbeit zu leisten. Auf zu den Bersammlungen! Aussperrung in der Chirurgiemechanik. Wie wir foeben vom Deutschen Metallarbeiterverband erfahren, haben die Arbeitgeber in der Berliner Chirurgiemechanik die AusSperrung der bei ihnen beschäftigten Arbeitnehmer beschlossen, da ein Teil derselben im Streit steht. Die Aussperrung ist bereiis heute morgen erfolgt. Achtung, Bauarbeiter. Bei der Baustelle der Firma Streu bel, Tempelhof, Ringbahnstraße, früher Proviantamt, jest Post, find die Ausschachtungsarbeiten für alle Bauarbeiter gesperrt. Wirtschaft Folgen der Konzentration in der Zuckerindustrie. Die rheinischen 8uderfabriten führen zurzeit einen fehr heftigen Rampf um ihre Existenz. Nach Auslaffungen in der Fachpresse, die in der Generalversammlung des rhenischen Aftienvereins für die Zuckerfabritation bestätigt wurden, besitzen die rheinischen Zuderraffinerien Rohmaterial, welches nur für eine Beschäftigung auf zwei Monate ausreicht und Aussichten, weiteres Roh material zu erhalten, sind nicht vorhanden. Was soll der Junge lernen? Das ist die Frage, vor die fich bei jeder bevorstehenden Schulentlaffung Eltern gestellt sehen. Da gilt es denn, einen Beruf zu wählen, der nicht nur in jungen Jahren Arbeitsgelegenheit gibt, sondern möglichst eine dauernde Existenz in dem einmal erlernten Beruf bietet. Das FleischerWenn man diesen Dingen auf den Grund gehen will, muß man gewerbe fann diese Bedingung nicht erfüllen. Einmal schon deshalb nicht, weil dieser Beruf durch eine jahrelange, überaus starte ich die Entwicklung des 3ud errübenanbaues und der Lehrlingszüchterei, besonders auf dem Lande, mit Arlichen. Als es bei Beginn des Krieges notwendig war, größere 3uderrübenfabrikation von Kriegsbeginn an veranschaubeitsfräften so überfüllt ist, daß der Bedarf an Gesellen noch Mengen Landes für die Erzeugung von Körnerfrüchten bereizu lange gedeckt ist. Aber Taufende Fleischergesellen, die heute in den ftellen, lag der Gedante nahe, Ländereien, die bisher dem Anbau verschiedensten Industrien Beschäftigung gesucht haben oder arbeits. Don Zuderrüben gedient hatten, für diese Zwede zu verwerten, los sind, warten auf eine Besserung der Lage des Berufs, um ihren denn vor dem Krieg hat Deutschland 50 Broz. feiner Zudererzeugung erlernten Beruf wieder ausüben zu können. ausgeführt und es bestand daher selbst bei erheblicher Berringerung des Zuckerrübenanbaues für die Zuderversorgung Deutschlands feine Gefahr. Aber während der Zuckerrübenanbau und damit die Roh zuckerherstellung zurüdging, blieb die Zahl der Raffi nerien im wesentlichen die gleiche wie vor dem Kriege, und die Folge mar natürlich, daß sich ein erheblich geringeres Quantum Rohmaterial auf diefelbe Anzahl von Zuckerraffinerien verteilte. Die. Rohzuderfabriten befamen damit eine sehr starte Macht in die Hände und sie nußten diefe Macht nach der Richtung aus, daß sie den größten Teil der für die Zuderrübenerzeugung frachtgünst g gelegenen Raffinerien in ihre Hände brachten. So ent waltige Zuckerkonzerne. 80 Broz. der Rohzuckercrzeugung wird von diesen Raffinerien verarbeitet. Was die Lage der freien Raffinerien noch schwieriger macht, ist aber die Taifache, daß der durch die 3wangswirtschaft niedrig gehaltene Suderpreis die Zuderrüben anbauenden Landwirte veranlaßte, nur geringe Flächen mit Zuder rüben zu bebauen. Vor dem Kriege hatten wir aus der deutschen Rübenernte einen Rohzuderertrag von 55 bis 60 Millionen Doppel zentner. Der Ertrag ging zeitweise bis auf 9 Millionen Doppelzentner zurüd. Für die Kampagne 1923/24 rechnet man mit einer Ausbeute von 17 Millionen Doppelzentner Rohzuder. Die rheinischen Buderraffinerien wären in der Lage, 25 Prog., etwa 4 millionen Der verheerende Eingriff des Krieges in den Biehbestand ist noch nicht überwunden. Ein Ausgleich durch Vieh- und Fleisch einfuhr aus dem Ausland wird durch die in Aussicht stehenden Zölle weiter erschwert. Der dadurch schon geringere Fleischverbrauch wird so noch weiter gedrückt. Es fommt hinzu, daß das Fleischergewerbe vornehmlich aus Kleinbetrieben besteht. Soweit man sich da nicht mit den billigen Lehrlingen behilft, werden meist nur junge Gesellen beschäftigt. Das Koft- und Logiswesen beim Arbeitgeber ist noch vorherrschend. Eine gewisse geistige Bevormun dung greift dadurch Blaz. Das wirkt sich in überlanger Arbeitszeit aus und hat einen frühzeitigen Kräfteverbrauch zur Folge. Verstanden in Bommern, in Mitteldeutschland und in Schlesien ges heiratete Gesellen finden in diesem Beruf nur sehr schwer Unterfommen. Die fortschreitende Technik ersetzt auch hier immer mehr die menschliche Arbeitskraft. Zum Selbständigwerden fehlen den meisten die Mittel, und dann ist auch die Konkurrenz durch die große Zahl der Eristenzsuchenden überaus start. Für den, der sich in diesem Beruf behaupten will, ist nicht nur eine gute förperliche Gesundheit und Körperfonstitution nötig, sondern vor allem eine gute Schulbildung, die ein sicheres, schnelles Rechnen, eine gute und schnelle Auffassungsgabe gewährleistet. Manche Eltern leitet oft die dem Lehrling während der Lehrzeit vom Arbeitgeber gewährte Kost und vielleicht das Logis. So ver. vermehrten Verbrauch boden des guch auch an Wäsche und Berufskleidung, die man in der Fleischerei benötigt. Bei der Auswahl der Lehrstellen achte man besonders auf die Logisverhältniffe, damit die jungen Leute nicht in schlechten und ungeeigneten Räumen untergebracht werden. Wenn heute die Innungen ihre Lobsprüche auf das ehrfame Handwerf wiederholen, um möglichst viele Lehrlinge zu bekommen, so seien die Eltern, felbst bei Neigung ihres Jungen zum Fleischerberuf, darauf aufmerksam gemacht, daß sie es sich reiflich überlegen follen, ob sie diesen Beruf wählen wollen. Es gehört heute schon nicht zu den Seltenheiten, daß die Fleischergefellen, eben die Lehre beendet, bereits in andere Berufe übertreten. Umsonst eine mehrjährige Lehrzeit zurückzulegen, sollten die Eltern sich und ihren Kindern ersparen. Doch diese Auffassung geht fehl. Die Bersonalabbauverordnung will ja tein Sonderrecht auf arbeiterrechtlichem Gebiet Schaffen, sondern sie ist eine finanzpolitische Maßnahme, die durch Beschränkung der Ausgaben den Reichsfinanzen aufhelfen mollte. Zu diesem 3wed follte der Personalabbau energisch durch geführt werden, und weil dabei gewisse Härten nicht zu vermeiden find, wurde der§ 84 2bf. 4 BRG. ausgeschaltet. Nicht, um der Eisenbahn und anderen öffentlichen Betrieben ein Sonderrecht hinfichtlich des Betriebsrätegesezes zu geben, sondern um den Personal- t abbau ungehemmt vonstatten gehen zu lassen. Die Reichsbahngesellschaft hat den Gewerbegerichten ihre Auffassung durch Rundschreiben mitgeteilt und sie glaubt, sich dadurch ihr vermeintliches Sonderrecht gesichert zu haben. Doch in mehreren Städten im Reiche haben die Gewerbegerichte gegen die Auffassung der Reichsbahngefellschaft entschieden und den Arbeitern das Recht des§ 84 Abs. 4 BRG. zuer fannt. Einzelne andere Gewerbegerichte haben dagegen im Sinne des Rechtsstandpunttes der Reichsbahngesellschaft, also zu ungunsten der Arbeiter, entschieden. Jetzt hat die Eisenbahnfachlammer des Gewerbe Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit 4 Strumpfwaren. Trikotagen la Qualitätsware, große Auswan zu bili sten Preisen, kaufen Sie bei Erich Schulz Neukölln, Kaiser- Friedrich- Str. 220 a. d Weic iselstraße Vorzeiger dieses Insera s 5% Rabatt. Das Buch für Mädels und Buben: Kinderland 1925 Breis 1,25 0 art Au haben in ber Buchhandlung 3. 5. Dies und in ber Borwärtsbudbruderei, Sinbenstraße 8, ferner in allen Barterfpeditionen.Bezirksführer und Staffierer nehmen ebenfalls Bestellungen gern entgegen Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN des„ Vervice" and botzdem außerordent billig! Gesamt- Auflage STOL Acigenberg fortuna Ein Bubenstreich. Im Laufe der Betvegung, den Hüttenarbeitern den Euß des §7 der Arbeitszeitverordnung au fibern, wurde ein angebliches und schreiben des Arbeitgeberverbandes, Gruppe Nordwest, veröffentlicht, das diefer sofort als aliung bezeichnete. Der Chriftliche Metallarbeiterverband bielt jedoch auf Grund der Bersicherungen feines Gewähremannes an der Auffassung feft, daß das Rundschreiben tatsächlich erfolgt fei. Der Arbeitgeberverband strengte daraufhin Klage an. Jeht sieht sich der Düsseldorfer Bezirkssekretär des Chriftlichen Metallar better berbantes au der Erflärung veranlaßt, daß er von seinem Gewährs mann in gröblichster Weise getäuscht worden sei. Den Namen des Gewähremannes und das zu diesem Fall gehörige Material habe er der Staatsanwaltichaft übergeben, da er selbst für restlose Klärung dieser Darstellung eintrete. BERG FORTUNA DIE DEUTSCHE SCHNELL SCHREIB MASCHINE FABRIK STOLZENBERG GMBH BUROMASCHINENABTEILUNG BERLIN SW68 Doppelgentner, von biefem Rohzuder zu verarbeiten. Die zu Stonnicht bloß die ohnehin geringe Rohzudermenge an fich, fondern Sie haben es auch erreicht, daß der Reichsernährungsminister im herbst 1924 im ganzen 2,2 Millionen Doppelzentner Rohzucker zur Ausfuhr freigegeben hat. Diese Freigabe erfolgte auf die dringenden Borstellungen der mitteldeutschen Zuerfabriken, die er. flärten, daß ihre Existenz gefährdet sei, wenn sie nicht durch Bertauf von Rohzuder an das Ausland Betriebsmittel hereinbefämen. Diefe 2,2 millionen Doppelzeniner Rohzuder fehlen aber den deutschen Zuderraffinerien und fönnten den rhein.schen frcien Raffinerien für einige Monate wieder Arbeit schaffen. Der Reichs ernährungsminister, bei dem die rheinischen Raffinerien wegen diefer Sachlage Borstellungen erhoben haben, hat es abgelehnt, einzugreifen und diese Ablehnung damit begründet, daß es sich um private Intereffenstreitigkeiten handele. Uns erscheint dieses Argument nicht stichhaltig. Denn wenn die freien Raffinerien vernichtet merden, wenn die Zudertonzerne allein die Macht in Händen haben, dann besteht die Gefahr, daß sie allein den Markt beherrschen und damit auch den Preis diftieren fönnen. Daß sie diese Macht nicht zugunsten der Allgemeinheit, sondern von ihren eigenen Intereffen geleitet ausüben werden, deffen sind wir sicher. Es ist aber für die Allgemeinheit nicht gleich, in welcher Weise die Ver forgung des deutschen Marties mit 3uder erfolgt. Und weil das eben nicht gleich ist, deswegen follte der Reichsernährungsminister das größte Interesse daran haben, sich mit diesen Dingen nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch zu beschäftigen. Berantwortlich fülz Bolitik: Craft Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales Berlag: Borwärts- Ferlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts.Budbruderet und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. und Berlaasanftalt Baul Singer u. 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