Ur. 104. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Ptg. frei In'» Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags-Nummer init iliustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" io Pfg. Post-Abonnement: 3,3oMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3Mr. pr.Monat. Etngelr. in der Post-Zeituugs- Preislist» für 1893 unter Nr. 7128. 12. Jahrg. Jnserlio»z-«-bühr beträgt für die sünsgespallene Petttzetle oder deren Nanm 40 Pfg., für Vereins- und Versammlnngs- Anzeigen so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis. 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abend?, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr Vor- mittags geöffnet. Leiiifprecher: Amt 1, Ur. ib«S. Telegramm-Adresse! „Koiialdemoitrat Kerl in!' Verll«er Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Z!edaKtio»t: LV. 13, ZZeuth-Straße 2. Sonntag) den 3. Mai 1893. Krpeditio»: LV. 19, NeutK-Straße O O, den der Dns Uttlstuvzgeretz. Elldlich! Als vor jetzt einem halben Jahre der Reichstag zu- sanilnentrat, da tönte den Volksvertretern das betäubende Geschrei des Korybantenheeres der Reaktion in die Ohren: „Wenn Ihr die Unisturzvorlage nicht Knall und Fall bewilligt und die schwer bedrängte Gesellschaft nicht sofort rettet, so werdet Ihr mit Schimpf nnd Schande auseinander- gejagt, und die Regierung ivendet sich an die Wählerschaft Kein langes Besinnen! Kein langes Berathen! Die Sache ist klar! Wer nicht für die Umsturzvorlage ist, der ist für' Umsturz. Also rasch! Hio baculus hic salta! Hier ist Stock, hier springe!" Das war vor sechs Monaten. Und erst übermorgen geht der Reichstag an die zweite und entscheidende Bcrathung dieser Gesetzesvorlage, nachdem er noch in den letzten Tagen zweimal die Frist hinausgeschoben hatte. Das allein zeigt schon die veränderte Lage und Stiinmung. _ Aus falschen Vorspiegelungen entsprungen, mit falschen Gründen begründet nnd unter falscher Flagge segelnd bei falscher Angabe des Zieles und der Bestimmung, mußte die Umsturzvorlage die Kritik scheuen, wie der Teufel das Weih wasscr. Konnte sie nicht durch Ueberrumpelung durch- gedrückt werden, so war sie von vornherein verloren. Und da die Mehrheit des Reichstages sich nicht überrumpeln ließ, so war von dem Augenblicke an, da die geschäftsmäßige Behandlung der Vorlage und ihre Verweisung vor eine Kommission beschlossen war, das Schicksal des Umsturz- gesetzcs, so wie die Regierung es vorgelegt halte, besiegelt. Ein Monstrum-läßt sich allenfalls herunterwürgen, aber es darf nicht vorher betrachtet und geprüft werden. Und was für ein Monstrum, dieses Unistnrzgesetz? Es sollte Gefahren abivenden, die nicht vorhanden waren. Es erklärte seine Nothwendigkeit ans Ereignissen und Erscheinungen des Auslandes, von denen Deutschland ganz frei geblieben war; es richtete sich gegen einen Feind, den seine Urheber erst an die Wand gemalt hatten. Kurz, es sagte nicht, was es wollte, und wollte nicht, was es sagte. Es wollte kein Ausnahmegesetz sein, keine Partei ächten— nnd es stellte alle Parteien außerhalb des Gesetzes. Im Namen der Ordnung, Religion nnd Sitte proklamirte es die Diktatur der augenblicklich am Ruder befindlichen Partei, und gab es in deren Hand, jeden mißliebigen Gegner auf Jahre ins Gefängnip zu schicken von Rechts wegen— und das b l o s, weil er mißliebig. Das viel berühmte„Fundament der Reiche": die„Gerechtigkeit", wurde durch das Umsturzgesetz umgestürzt, der alte Fnnda- mentalsatz der Rechtspflege, daß sie nicht nach Mei- Illingen zu fragen, nicht nach Ansehen der Person zu urtheilen habe, ausgesprochenermaßen umgestoßen; aus- IcuUleton. fNachdruck»erboten.) Herliner Märztage. 4 Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Es war ihr, als obsie in ein heiligesMysteriumeingeweiht, als ob sie nun erst voll nnd ganz zum Weibe würde. Hinter ihr lag die Kindheit, der Traum des Lebens— vor ihr das Leben selbst mit seiner herben Wahrheit. Mit bewundernder Scheu blickte sie zu Lotte aus, die dieser Wahrheit bereits ins Auge geschaut hatte, und sie gelobte sich im Stillen, das Vertrauen der Schwester ehrlich zu verdienen, ihr stets eine treue hingebende Freundin zu sein. Sic schritten über den Petriplatz, an dem von hohen Gerüsten umgebenen Neubau der Petrikirche und der säulen- geschmückten Vorhalle der Rathswache vorüber. Eben brach die Mittagssonne mit ihren frühlingswarmen Strahlen durch die vom Winde gepeitschten, flüchtigen Wolken. „Sieh, die Sonne!" rief Tora unwillkürlich, indem sie in freudigem Lenzgefühl zu dem siegreichen Tagesgestirn emporblicktc. „Es wird-Frühling," sagte Lotte, nnd mit einem leisen Seufzer fügte sie hinzu:„Die Welt wär' so schön, so schön-- wenn nur die Menschen nicht gar zu böse zu einander wären!" Der Posten vor dem Rathhanse wurde gerade abgelöst. Bajonnete und Hclmspitzen blitzten im Sonnenschein,"dröh- nende Soldatenschritte ertönten auf dem holperigen Pflaster. Der junge Gardist, der soeben aufgezogen war, begann mit wichtiger Miene unter dem Säulendach der Rathswache ans und ab zu schreiten. Selbstbewußt starrte er mit seinem runden pommerschen Bauerngesicht den beiden Mädchen ins Antlitz nnd schien ein wenig erstaunt, daß sie ihm nicht die geringste Beachtung schenkten. gesprochenermaßen wurde den Richtern zur Pflicht gemacht. nach den Meinungen zu fragen nnd nach Ansehen der Person zu urtheilen und damit ausgesprochenermaßen das gerade Gegentheil der Gerechtigkeit: die W i l l k ü r ans den Richterstuhl gesetzt. Ein solcher Umsturz der Gerechtigkeit und Justiz war — das sagten wir schon früher— noch nicht dagewesen, niemals und nirgends. Die englische Sternkammer, die französischen Revolutionstribnnale, die in unseren Geschichts- büchern als die größten Frevel an der Justiz prangen, sie waren Kinderei, verglichen mit dem, was die Umsturzvorlage der deutschen Justiz znmnthete. Nachdem die Ueberrumpelung mißglückt war, brachte die erste Bcrathnng des Unistnrzgcsetzes dessen vollständigen moralischen Umsturz. Zerpflückt, zerrissen, zerfetzt, zer- schmettert, gerichtet, gebrandmarkt, kam es in die Kam- Mission. Und, was für unmöglich gegolten hatte, ans der Kommission kam das große'Monstrum als noch größeres Monstrum heraus. Nach der Art nnd Weise, wie es von den reaktionären Parteien für die Gesetzgebungsmäschine vorbereitet nnd zu- gerichtet ward, mußte das Umsturzgesetz zur rcichfließenden Trugs werden. Die Urheber das Volk, belogen nnd bc- Jeder wollte den andern, alle Volk über's Ohr hauen. Das komischste Schicksal erlitten die Nationalliberalem die das Vorrecht erlangt habe», bei allen Blamagen und Niederlagen die Zeche zu bezahlen. S i e hatten, von. dem bösen Gewissen nnd der Angst vor dem Sozialismus getrieben, zum thcil auch, um sich nach Oben hin einzuschmeicheln, im vorigen Sommer den Umstnrzspektakel mit bekanntem palrio- tischcm Hnrrahrnmmel auf die Bühne gebracht, nnd siehe da, statt der erhofften Beute haben sie von ihren Gönnern, den Konservativen, Fußtritte empfangen, und werden von den verhaßten Zentrumsleuten ausgelacht, für die sie die Kastanien ans dem Feuer geholt. Blaue Beulen und verbrannte Finger— das ist ihr Lohn. Und die Konservativen? Das Zentrum? Haben s i e wenigstens ihre Rechnung gesunden? Auch i h n e n ist der Spaß ver- darben worden, denn sie haben der Welt ihr wahres Gesicht enthüllt, und in ihrer brennenden Junker- und Pfaffen bcgehrlichkeit sich zu weit vorgewagt. Die öffentliche Meinung ist doch eine Macht. Sie wirkt wie die Sonne, die dem von ihr überraschlen Sünder die Schamröthe ans Antlitz treibt. Die Urheber des Umsturzgesetzcs s ch ä m e u sich. Sic möchten die Vaterschaft gern von sich abwälzen. Das Monstrum sei ja Caprivi's„geistiges Werk"! Der arme Caprivi, der als gehorsamster Diener seines Kaisers so vieles in christlicher Demnth auf seinen Rücken genommen hat, wird wohl auch zu dieser Vernngünipfnng Quelle des Lugs und belogen nnd betrogen trogen sich untereinander. zusammen das deutsche kläglichste nnd zugleich „Ein stolzes Pack, diese Berlinerinnen," brummte er unzufrieden in sich hinein. Tann machte er Kehrt nnd stampfte mit seinen nägekbeschlagenen Kommißstiefeln nur noch lauter nnd kriegerischer über die steinernen Fliesen. II. An der Ecke der Gertrandtcn- und Petristraße an- gelangt, erblickten die beiden Mädchen plötzlich auf der anderen Seile der Straße Herrn Plüddcmann, der mit freundlich lächelndem Gesichte, nach allen Seiten hin grüßend und Grüße erwidernd, vom Köllnischen Rathhans her näher kam. „Da ist der alte Kerl wieder," sagte Tora,„gehen wir schneller, sonst spricht er uns gar noch an." Aber schon hatten Herrn Plüddemann's pfiffige Aenglein die Mädchen erspäht, und in der nächsten Minute tauchte sein feistes, bis auf kurze Büschel an den Ohren glatt- rasirtes und von einem verdächtigen Roth angehauchtes Gesicht neben ihnen auf. „Nun, meine schönen Fräulein, auch in der Andacht Scwesen?" begann er mit einem liebenswürdig- süßlichen ächcln. „Dazu haben wir keine Zeit, Herr Vorsteher", versetzte Tora in ihrer schnippischen Weise. „Oh, oh— keine Zeit, um dem Herrn zu dienen?" fragte Herr Plüddemann in einem Tone, der einen sanften Tadel ausdrücken sollte. „Wir haben unseren Bruder zur Bahn begleitet, der als Reservist eingezogen ist", erklärte Lotte. „Ad, das ist was anderes! Der Dienst des Vaterlandes ist ebenso schön nnd erhaben, wie der Dienst des Herrn", bemerkte salbungsvoll Herr Plüddemann, nnd mir einer gewissen feierlichen� Wehmuth fügte er hinzu:„Ach ja, es nahen schwere Zeiten, Empörung und Kriegsnoth heben ihr Haupt empor, die Roth des Landes wächst von Tag zu Tag..." „Das hätten Sie vorhin auf dem Schloßplatze sagen schweigen. Allein die historische Wahrheit erheischt doch, daß wir ihn in Schutz nehmen. Mag sein, ja sicher, daß er nicht energisch genug den junkerlichen Verschworenen entgegengetreten ist, aber daß nicht er, der„den Muth der Kaltblütigkeit" hatte, oder wenigstens sich zu ihm bekannte,— daß nicht er, sondern daß die Eulenbnrg und Konsorten sammt ihrem national- liberalen Troß es waren, die den Umsturz- Radau ver- anstalteten, und in deren Interesse er war, das ist für jeden, der die Augen nicht gewaltsam zukneift, klar wie die Sonne. Ans die Umsturzvorlage selbst— die ursprüngliche der Regierung nnd die der Kommission— gehen wir hier nicht ein. Unsere Leser sind von allen Phasen nnd Schicksalen dieses unglücklichsten, traurigsten nnd blamabelsten aller Gesetzentwürfe genau unterrichtet, und der Rest dieser Reichs- tagssession wird der Vorlage in ihrer Gesammtheit und in ihren Einzelheiten gewidmet sein, so daß wir in den nächsten Wochen von der Umsturzvorlage nur zn viel hören werden. Auch über die Chancen des Unistnrzgcsetzes wollen wir uns den Kopf anderer Leute nicht zerbrechen. Wir Sozial- demokraten genießen das ergötzliche Schauspiel, daß die Waffen, mit denen unsere Feinde uns todtschlagen wollten, von diesen wider einander geschwungen werden. Mögen sie nur tüchtig zuhauen! Wir— wir haben auf das Sozialistengesetz„gepfiffen"— wir„pfeifen" aus das Um- stnrzgesetz. Was immer jedoch ans dem Umstnrzgesetz werde, es gehört der Geschichte an; es steckt auf ewige Zeiten in der Hölle des Dichters, von der Heine gesungen, und in der Hölle des Geschichtsschreibers. Nicht blos für das gute Große, auch für das schlimme Große gilt das Wort des Römers: Großes gewollt zu haben, ist schon genug. Der Wille wiegt wie die That, die Absicht wie die Erfüllung; und das Umstnrzgesetz, gleichviel ob es ganz, stückweise oder gar nicht zn stände kommt, ist für seine Ur- Heber ein unverlöschliches Zengniß der Beschränktheit und Untcrdrücknngssncht, nnd es wird in alle Zeiten hinaus- ragen ein Denkmal dauernder als Erz— ein Denkmal der Barbarei, in welche der absterbende, an sich selbst verzweifelnde Kapitalismus zu Ende des 19. Jahrhunderts ver- sniiken war,in die er Tentschland,das mythische LandderDichter nnd Denker, herabzureißen sich abmühte, und aus der nur der Kulturträger Sozialismus uns erretten kann. Den Reichstags-Abgeordneten aber, die sich der Ehre bewußt sind, Vertreter eines Kulturvolkes zu sein, rufen wir die Verse zu, mit denen der Dichter des Winter- Märchens und des Romancero ein Zorneslied auf einen ähnlichen und nahe verwandten, das heißt so ziemlich den- selben Eltern entstammten W e ch s e l b a l g geschlossen hat: » I H s o l l t i H n ersäufen oder verbrennen!" sollen," fiel Tora lebhaft ein,„statt auf den armen Man» loszuziehen!" Herr Plüddemann schien ein wenig betroffen— er hatte die beiden Mädchen bei dem Auflauf an der Stechbahn nicht bemerkt. „Wie, Fräul'n Tora haben gehört.. fragte er schüchtern. „Wir haben alles gehört," antwortete Tora.„Der arme Mann hat aus Verzweiflung und Roth gehandelt, und Roth kennt eben kein Gebot!" „Ja, aber was will er denn da von unserem lieben König?" „Wie? Ist denn der König nicht der Vater seiner Unterthanen? So hat man niich's wenigstens in der Schule gelehrt, nnd wenn ein Kind hungert, darf es nicht den Vater um Brot bitten?" „Ei, ei, kleine Tcmokratin!" sagte Herr Plüddemann, indem er lächelnd mit dem Finger drohtet Dann schweifte sein Blick unsicher zu Lotte hinüber, die in Gedanken ver- stniten ans der andern Seite der Schwester einherging.„Hat Fräulein Charlotte auch so gefährliche Ansichten?" fragte er in scherzendem Tone. Noch hatte Lotte keine Zeit gehabt, ihm Rede zu stehen, als plötzlich in der engen Gasse ein großer, stattlicher Mann von etwa vierzig Jahren, mit blondem Vollbart und hellen blauen Augen, noch in Hausrock und Morgenschuhen, Herrn Plüddcmann in den Weg trat. „Mörsen, Nachbar— na, fleißig gebetet?" fragte er mit tiefer, rauh klingender Stimme, während er mit derbem Händedruck Plüddemann's Rechte schüttelte. „Ja, Nachbar Grams! Während andere Menschen spazieren gehen und r— r a u ch e n, zieht unsereins es vor, sich am Worte Gottes zu erbauen." Ter Nachbar ging in der That, dem Polizeiverbot eut- gegen, mit der breunenden Zigarre im Munde über die Straße. Man sah es Herrn Plüddemann an, daß die Be- gcgnung ihm in dem Moment, da er eben mit den beiden Volitisihe Xtclicvluftt. Berlin, 4. Mai. Ans dem Reichstage. Tie Geschäftsordnung des Reiclistages soll auch die Minoritäten schützen, und eines der Mittel dazu ist die Bestimmung, daß das Hans nur deschlnßfähig ist, wenn mhidestens die Hälfte der Mitglieder anwesend sind. In der Regel freilich erreicht die Zahl der anwesenden Abgeordneten diesen Status nicht, aber es ist stillschweigende'Ucbereinkunst aller Parteien, über dieses hinwegzusehen. Glaubt� aber eine Partei bei irgend einer Abstimmung, daß die Znsammensetzung der anwesenden Abgeordneten ihr ungünstig sei, und erwartet sie. daß ein volles Hans ihr günstiger gestimmt sein werde, so steht jedem Mitgliedc das Recht zu, seinen Zweifel an der Beschlußfähigkeit ans- zusprechen und eine sofort vorzunehmende Auszählung muß Anfklärnng bringen, ob der Zweifel berechtigt war oder nicht. Von unseren Genossen ist von dieser Schutz- bcstimmnng für die Minorität wiederholt Gebrauch ge- macht worden, so noch in der Schlußsitzung vor den letzter Mcihnachtsferien, wo man dem Staatssekretär v. Rieberding sein Sprüchlein über die Umsturzvorlage aussagen ließ und dann durch Bezweiflnng der Beschlußfähigkeit den Schluß herbeisührte.. Gerade der letzcrwähnte Vorgang hat der 5?artellpresse Anlaß zu großen, Geschrei über die angebliche Mangel- beftigkeit der Geschäftsordnung gegeben und die bekannten Anträge der Nationalliberalen und Konservativen gezeitigt, nach welchen die Beschlnßfähigkeitsziffer erheblich herabgesetzt werden sollte, um„ein Mittel zu gewinnen, zur Unschädlich- machung der Obstruktionspolitik der Linken". Jene Anträge der rechtsliberalen Konservativen wurden abgewiesen und das Geschick hat es gefügt, daß gerade die Antragsteller selbst den Vorthcil aus der Verwerfung ihrer Anträge ziehen. Gestern und heute waren es nämlich Mit- glicder der Kartellparteien, welche den Obstruktions- Paragraphen der Geschäftsordnung benützten, um durch Auszählung die Beschlußunfähigkeit des Hauses konstatiren zu lasseu. Beide Male haben Anträge der WaHlpriisungs- Kommission den Zorn der Herren vom Kartell hervor- gerufen. Gestern versuchte Marquardse seinem Freund Böttcher noch eine Galgenfrist zu sichern, heute aber spreizte sich die Rechte gegen den Antrag, die Wahl des Abg. v. Dziembowski(Bomst-Meseritz) auf die Tages- ordnung zu setzen, welche Wahl die Komrnisfion beantragt für ungiltig zu erklären. Freilich muß uian die Geschäftsordnung auch kennen, wenn nian sie benutzen will, das scheint aber bei Herrn v. Staudy, der heute die Ostruktionisten führte, nicht der Fall zu sein. Das genaue Gegentheil, was dieser Herr wollte, erreichte er nämlich mit seinem Antrag. Bei konstatirter Beschlußunfähigkeit setzt nämlich der Präsident aus freier Entschließung die Tagesordnung fest, und dieser setzte die Wahlprüfuugen— also gerade das, was Staudy verhindern wollte— an zweiter Stelle an. Es bleibt also dabei, Herr Dr. Böttcher, der Hauptmacher des ganzen Umsturzgeschreis, und Herr v. Dziembowski, sie werden nicht mehr dem Hause angehören, wenn dasselbe seine Ent- scheidung über die Umsturzvorlage trifft. Die dritte Lesung des Flößerei- und Schisfergesetzes ging in raschem Tempo vor sich und zwar wurden die Ent- würfe durchweg nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen.! Bon unserer Seite griffen die Genossen G e r i s ch, Metzger und Singer wiederholt in die Debatte ein, uni für die Schiffer wenigstens einige kleine Vortheile zu retten. Die Majorität lehnte aber alle Anträge ab, sogar auch den, den Schiffern wenigstens eine sechsstündige Nacht- ruhe zu sichern. Die in Frage kommenden Arbeiter werden auf diese Mißachtung ihrer Interessen die Antwort nicht schuldig bleiben.— Im Nbgeordnetcnhause wurde heute die Debatte über das Gesetz betreffend Errichtung von Arbeitcrwohuungen zu Ende geführt und dann die erste Lesung des Gesetzes über die Verpslegstatiouen erledigt. Bei der Berathnng dieser sozialpolitischen Vorlagen konnte man den Klassencharakter unserer Bourgeoisie vorzüglich studiren, weshalb wir das Studium unseres Laudtagsberichtes warm empfehlen. Wir kommen auf die Vorlagen und Debatten demnächst ans- führlich zurück.— Gestler's Hut. Als der Antrag des Staatsanwalts auf Strafverfolgung des Abgeordneten Liebknecht wegen der� bekannten Hechvcrweigernng im Reichstage von der großen Mehrheit des Reichstages abgelehnt und für vcr- fassungswidrig erklärt wurde, dachten die Optimisten, die Sache sei nun erledigt. Wir, die wir das herrschende System und die herrschenden Menschen kenneu, waren nie dieser Ansicht, und es scheint, wir haben recht gehabt. Der „Hamburger Korrespondent", der ans dem preußischen Ministerium Nachrichten erhält, meldet heute, daß die Berliner Staatsanwallschaft Nachforschungen nach den Ab- geordneten anstelle, die außer Liebknecht bei jener Gelegen- heit sitzen geblieben sein sollen. Ist dies richtig, so huldigt die Berliner Staatsanwaltschaft offenbar dem Glauben, daß das Ansehen der deutschen Reichsregierung während der Daner dieser Session noch nicht genug gelitten hat.— Amtliches Wahlresultat in Lenuep Mettmauu. Bei der am 30. April stattgefuiidenen Stichwahl im Wahlkreise Dussel- darf l(Lennep. Mettmann-Remscheid) wurden 30 901 Stimmen ab- gegeben. Hiervon erhielt Fischbeck(frs. Vp.) 15 763 Stimmen, Meist(Soz.) 15 133 Stimmen. Fischbeck ist mithin gewählt.— Bei der Wahl iu Leuncp-Mettmauu sind sehr viele„Un- regelmäßigkeilen" und Ungesetzlichkeiten vorgekommen, die grund zu einem Wahlprotest bilden und den Reichstag demnächst beschnfligen werden.— Amtliches Wahlresuliat der Wahl im Kreise Geislingen-Heide»heim-Nlm. Abgegeben wurden ins- gesammt 14 61(3 Stünmen. Davon erhielt Baurath Ehmann (freikons.) 6516, Fabrikant Hähule(Demokrat) 6635 und Buchbinder Dietrich(Soz.) 2016 Stimmen. 43 Stimmen waren zersplittert. Es ist mithin eine Stichwahl zwischen Ehmann und Hähnle nöthig.— Abänderungsvorschläge zmn Umsturzgesetz. Abgeordneter Dr. Barth(frs. Vg.) hat zu dem ß III der Kom- missionssassung der Umsturzvorlage folgende Abänderungs- anträge eingebracht: a) die ZZ 201(Herausforderung zum Zweikampf und Annahme der Herausforderung), 205(Zwei- kämpf) vor§ 240 einzufügen: b) statt der Worte: Gleiche Strafe trifft denjenigen.....(bis) anpreist oder recht- fertigt, zu setzen: Gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher auf die im§ 110 bezeichnete Weise ein Verbrechen oder eines der in den ZZ...... vorgesehenen Vergehen in der Absicht anpreist oder als erlaubt darstellt, dadurch zur Be- gehuug der bezeichneten strafbaren Handlungen anzureizen. Von der deutsch-konservativcn Fraktion sind folgende Abänderungsvorschläge dem Reichstage zugegangen: Im Z 166 soll das Wort„Lehren" gestrichen werden, ebenso soll die kleine lex Heinze, der ultramontane Z 184a wegfallen. Ter zweite Absatz des Z III soll durch folgende Bestimmungen ersetzt werden: „Ist die Aufforderung ohne Erfolg geblieben, so tritt Geld- strafe bis zu sechshundert Mark oder Gcfängnißstrafe bis zu einem Jahre und, sofern es sich um die Aufforderung zu einem Verbrechen handelt, Gefängnibstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bis zu zweitausend Mark ein. Die im vorstehenden Absatz angedrohte» Strafen treffen auch denjenigen, welcher auf die im§ 110 bezeichnete Art ein Verbrechen, den Ehebruch oder eines der in den ZZ 113, 114, 115, 124, 125, 240, 242, 305, 317, 321 vorgesehenen Vergehen in einer Weise anpreist oder rechtfertigt, die geignet ist, andere zur Begehung solcher straf- baren Handlungen anzureizen. Die ans grund der beiden vorher- gehenden Absätze zu verhängenden Strafen dürfen jedoch der Art oder dem Maße nach keine schwereren sein als die für die Handlung selbst angedrohten." Dem Z 126 des Strafgesetzbuchs soll nachfolgende Fassung(j�geben werden: Mädchen so hübsch ins Plaudern gekommen war, durchaus nicht behagte. Lotte und Tora hatten sich mit kurzem Gruße entfernt und verschwanden in dem wenige Schritte abliegenden Hause des Herrn Plüddemann, in welchem Vater Wernicke sein bescheidenes Heim aufgeschlagen hatte. „Reden Sie von Gottes Wort, alter Sünder!" sagte Grams in seiner kurzen, kräftigen Art.„Der kleinen Mädchen wegen gehen Sie zur Kirche! Kennimus!" „Wie können Sie so'was sagen!" versetzte Plüddemann mit ängstlicher Entrüstung.„Nein, nein, es ist nur wirk- lich Bednrfniß. Es drückt mir das Herz ab, wenn ich sehe, wie die Schenken so voll sind die Gotteshäuser so ganz leer stehen...." „Ein Zeichen, daß das Volk diese neumodischen Mucker nicht leiden mag", meinte Grams. Herrn Plüddeniann's Haar sträubte sich in die Höhe bei dieser respektlosen Bemerkung. Er spähte ängstlich nach allen Seiten, um sich zu versichern, ob nicht etwa ein heim- licher Lauscher die unheiligen Worte des Nachbarn gehört hatte. Dieser Bäckermeister Grams, oder Fritze Grams, wie die ganze Nachbarschaft ihn schlankweg nannte, war ein ganz gefährlicher Mensch, ein Demokrat vom Scheitel bis zur Zehe. Er war es, der Herrn Plüddemann am Stamm- lisch in der„Silbernen Ente" zur komischen Person ge- stempelt hatte und namentlich seine Thätigkeit als Vor- fteher der Armenkommission zur Zielscheibe seines Witzes nahm. An diesem Stammtische, der die kleinbürgerlichen Größen der Roß-, Gertraudten- und Petristraße zu ver- einigen pflegte, hatte Privatier Plüddemann ehedem eine Art Ehrenplatz eingenommen, bis dieser Grams sich in der Petristraße angekauft hatte und alsbald das große Wort in dem Stammlokal zu führen begann. Der ganze Charakter des Stammtisches hatte sich von diesem Augen- blick an verändert: wo früher ruhiger Bürgersinn und Harm- loser Witz geherrscht hatte, da beschäftigte man sich jetzt mit der leidigen Politik, und Worte wie„Freiheit",„Verfassung", „Muckerwirthschafl" wurden von Plüddeniann's ältesten Freunden im Munde geführt. Und was für Lieder dieser Mensch, der Grams, bisweilen vortrug— Lieder wie„Das Blntgericht von Peterswaldan", das die aufständischen Weber in Schlesien gesungen hatten, und das frivole Schandlied vom Bürgernieister Tschech— und diesen Liedern wurde Beifall geklatscht von soliden Berliner Bürgern, in einem Bier- lokale der Roßstraße, kaum ein paar hundert Schritte voni Königlichen Schlosse! Auch dem Fellhändler Ephraim Fisch, der beständig die aufrührerischen Schriften von Glaßbremer und anderes gefährliches Zeug dieser Art mit sich umhertrug, hatte Fritze Grams in der„Silbernen Ente" eingeführt. Und als im April vergangenen Jahres, während der Kartoffelrevolntion, das aufständische Volk bis nach der Petristraße vorgedrungen war, da hatte Herr Plüddemann mit eigenen Augen ge- sehen, wie Grams den johlenden Weibern ganze Körbe voll Brot hinaustragen ließ, wobei er ihnen lachend zurief: „Immer recht so, Kinder— inimer nehmt, wo Ihr zu viel findet!" Ja, hieß denn das nicht geradezu den Sanien der Rebellion unters Volk streuen? Gewiß war auch er, Gott- hold Jakob Plüddemann, ein Freund der Gerechtigkeit und Freiheit, wie es einem echten Bürgersmann geziemte. Aber wo blieb die Ordnung, die Liebe zu König und Vaterland, und vor allem der ruhige, zufriedene Bürgersinu, der doch einmal, nach Plüddeniann's Meinung, die schönste Zierde des getreuen Unterthanen bildete? Herr Gotthold Plüddemann wußte wirklich nicht, was er auf die Lästerreden des Nachbarn erwidern sollte. Schon war er im Begriff, sich zu verabschieden und in sein Haus zu treten, als von der gegenüberliegenden Seite des Gäßcheus plötzlich der Fellhändler Fisch ans ihn und Grams zustürzte. Es war ein kleiner Mann von scharfem orientalischen Gesichtsschnitt und ungeheurer Leb- haftigkeit in seinem ganzen Wesen. „Haben Sie schon gelesen?" begann er in geheimniß- vollem Tone zu Fritze Grams, während seine glänzenden, schwarzen Augen mißtrauisch nach Plüddemann blickten. „Was giebt's wieder, Sic Alleswisser? Schießen Sie los!" versetzte Grams.„Plüddemann kann's ruhig hören, er ist ja im gründe seines Herzens auch einer von den Unsrigen." Plüddemann machte ein saures Gesicht bei diesen Worten, während der Fellhändler unter lebhaften Gestikulationen also berichtete: „In Baden haben die Bauern losgeschlagen, alle Zinslisten und Rentcnbücher haben sie verbrannt und in Württemberg stehen die Adelsschlösser in Flamnien!" „Was Sie sagen— also geht's wirklich los in unserem lieben Deutschland!" versetzte Grams, in dessen Blicken plötzlich ein wildes Feuer ausloderte. „Kommen Sie'rüber zu nur, ich will Ihnen'was vorlesen," sagte Fisch. Er sab sich vorsichtig um und zog Grams am Aermel über die Straße.(Forts, folgt.) „Wer durch Androhung elneZ Verbrechens den öffentlichen Frieden stört, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre, und wenn die Androhung mit Hochverrath, Mord, Todtschlag, Raub, einem gemeingefährlichen Verbrechen oder einem Verbrechen gegen Z 5 des Reichsgxsetzes vom 9. Juni 1334 erfolgt ist, mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestrafl." Der Z 130 Absatz 2 des Strafgesetzbuchs soll in folgen- der Weise gefaßt werden: „Dieselbe Strafe trifft denjenigen, welcher in einer den öffenllicheii Frieden gefährdenden Weise Ehe, Familie oder Eigenthnm in ihrer Eigenschaft als Grundlagen der Ge- sellschaftsorduniig durch beschimpfende Aeußerungen össenilich angreist." Jutercssaut ist, was Zentrum und Nationalliberale zu diesen Vorschlägen sagen werden. Jedenfalls bemüht man sich eifrig, das Umsturzgesetz durch Abänderungen der Kommissionsbeschlüsse einer Mehrheit des Reichstages, wie dieselbe auch zusammengesetzt sein mag, schmackhaft zu machen. Man wird gut thnn, auf Ueberraschuugen gefaßt zu sein.— Das orthodoxe Kirchthum gegen die Umsturz- Vorlage. In scharfer Weise hat sich eine Versammlung orthodoxer Protestanten in Barmen nach Reden der Pastoren Thümmel und Weber gegen die Umsturzvorlage erklärt. Das liberale Kirchthum und die Umsturz- Vorlage. Der Hamburger Protestantenverein übersandte dem Reichstage eine Erklärung gegen die Umsturzvorlage.— Tie Freikonservativen und die Umsturzvorlage. Nach der„Post" werden die um Stumm und Kardorff gegen das Umstnrzgesetz nicht blos deswegen stimmen, weil das t entrinn seine Wünsche durchgesetzt hat, sondern weil die trafbestimmnugen in der Kommission zu sehr abgeschwächt sind, thcils auch ursprünglich schon völlig unzureichend waren. So lange nicht sämmtliche Sozialdemokraten und alle anderen Arbeiter, die einmal mit ihrem Hungerlohne und der Behandlung durch die Unternehmer uuziisrieden werden könnten, in das Innere von Afrika geschafft werden, wird König Stumm nicht ruhig schlafen.— Tie Nationalliberalen und die Umsturzvorlage. Die uationalliberale Reichstagsfraktion hat, wie ein Bericht- crstatter nieldet, in der That die sog. Umsturzvorlage in diesen Tagen berathen und dieselbe abgelehnt. Der nationalliberale Verein in Goslar hat sich ent- schieden gegen die Umsturzvorlage erklärt.— Die national- liberale Fraktion des Karlsruher Stadtverordneten- Kollegiums sandte am 3. Mai an den Berliner Stadt- verordneten-Vorsteher Dr. Langerhans eine Adresse ab, in der sie sich gegen die Umsturzvorlage in der Kominissionsverfaffung erklärte. Die uationalliberale Fraktion der Mainzer Stadtverordneten- Versammlung hat beschlossen, sich der Mainzer Zustimmungserklärung zu den Beschlüssen der städtischen Vertretung in Berlin gegen die Umsturzvorlage anzuschließen. Die nationalliberale Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung in Mannheim hat beschlossen, sich der ustimmungserklärnng zu den Beschlüssen der städtischen ertretnng in Berlin gegen die Umsturzvorlage anzu- schließen.— Tie Stadivertretungen und die Umsturzvorlage. Die gesammten Stadlverordneten-Kollegien oder der größte Theil derselben hat sich noch in folgenden Städten gegen die Umsturzvorlage erklärt: Wiesbaden, Koburg, Gera, Mainz, Karlsruhe.— Ohne Tr. Böttcher wird nun der Reichstag aus- kommen müssen- Ter Abgeordnete für Waldeck soll sich nun doch entschlossen haben, sein Mandat niederzulegen. Es dürfte ihm kaum gelingen, es bei der Nachwahl gegen die Antisemiten zu behaupten.— Ter Umsturzgesetz-Bekämpfer und Berliner Ober- bürgernieister Zelle ist wegen der Angriffe der„Kreuz- Zeitung" zum Kadi gelaufen. So hat die Bewegung der Berliner Magistrats- und Stadtverordueteu-Kreife auch ihr Satyrspiel.— Tie verbündeten Negierungen und die bimetal- listische Abcutenrerpolitik. Mit der Einberufung der internationalen Münzkoiiferenz, zu der der Bundesrath noch nicht Stellung genommen hat, scheint der Reichskanzler keine Eile zu haben. Unterdessen mehrt sich die Opposition, wie die Unterschriften unter dem Aufrufe des Vereins zum Schutze der Goldwährung beweisen. Die„Franks. Ztg." bezweifelt, daß sich für die Konferenz im Bundesrath eine Mehrheit finden werde. Nach ihr werden die süddeutschen Staaten dagegen stimmen, auch von den Hansestädten steht das wohl fest,— Russische und polnische Arbeiter hat man zu tausenden unter dem Bismarck'schen Regime au? den östlichen Provinzen Preußens ausgewiesen und die grausamen Maßregeln mit dem Sckmtze des Rationalgesuhls begriindet. Nun hat man alle diese Beschränkungen, die schon einmal für drei Jahre aufgehoben waren, gänzlich aus der Welt geschafft, weil das Interesse der Agrarier es erwünscht erscheinen läbt, daß gegen die deulschen Arbeiler der Lohndruck der ausländischen wirke. So zeigt sich wieder, wie das Betonen des nationalen Jnlereffes reiner Humbug bei den Kapitalisten ist.— In der zweiten hessischen Kaminer haben die sozial« d e in o kra t i j ch e u Abgeordneten folgende Interpellation ein- gebracht:„Die linterzeichneten fragen hiermit bei der Regierung an, ob sie Kenntniß davon hat, daß im Großherzogthnm Staats- bürgern gegenüber beim U ebertritt aus einerReligions- gemein schaft in eine andere, welcher auf yrnnd de- Gesetzes vom 10. September 1373, die bürgerlichen Wirkungen des Austritts aus einer Kirche oder Religionsgemeinschaft be- treffend, erfolgt, nach verschiedenen Regeln versahren wird, ins- besondere von einem Amtsgerichl, wie wir es für richtig hallen, nur eine Stcmpelabgabe von 6 Mark bei der gerichilichen Be- urkiindung deS Austritts eines Familienvaters für alle Familien- angehörigen erhoben wird, während ein anderes Amtsgericht von dem Familienvater für jedes Familienmitglied 6 Mark erhoben ha:." Cramer, Jost, Müller, Ulrich.— Ter Neligionsunterricht der Dissidentenkiuder kam neuerdings nach einer der„Volks-Zeitung" zugegangenen Jnfor- maiion in der Unterrichtskommisston des Abgeordneten- Hauses zur Sprache. Aus den Kreisen der preußischen Dissidenten lagen sieben Petitionen vor, welche sich gegen die Verfügung des früheren Kultusministers Grasen von Zedlitz vom 16. Januar 1392 wendeteii, zu der sich neuerdings auch der jetzige Kultusminister Tr. Bosse bekannt hat. In dieser Verfügung wird ausgeführt, daß der Religionsunterricht zum schulplanmäßiaen Unterricht gehöre uiid daß„deshalb" auch die Kinder der Dissidenten daran theilnehmen müßten. Ter gegen- wärliae. Minister ball daran umsoinehr fest, als das Kammergeiicht sich in einer vielbesprochenen Entscheidung vom 13. Aprii 1393 ' jnv Sache hn Sinne der gedachten Verfügung ausgesprochen dat. Von einem Milgliede wurde der Zlntrag gestellt, die Pelilion der Staatsregierung als„Material" zu überweisen, d. h. sie ein- fach abzulhun. der Diskusston wurde nachgewiesen, daß wenn irgend wo ein Gewissenszwang vorliege, es hier der Fall sei, wo die dissideulischen Eltern gezwungen werde» sollten, ihre Kinder in einen Neligionsunlcr- richl zu schicken, mit dem sie sich in ihrem Gewissen nicht einverstanden erklären könnten. Liberalerseits wurde hervorgehoben, daß das, Magdeburger Gericht durchaus zutreffend ausgeführt habe, daß— wie die Dinge bei uns gesetzlich zur Zeit nun einmal liegen— der Staat aller- ding» verlangen könne, daß die Eltern ihre Kinder an dem Religionsunterricht in der Schule theilnehmen ließen, aber doch nur, wenn und so weit derselbe in der Konsession der Eltern ertheilt würde während ein Zwang, an einem anderen Religionsunterricht teilzunehmen, nicht geübt werden könne. Die Vertreter der Regierung und die konservative Partei hielten aber trotzdem daran fest, die gedachte Verfügung in- volvire keinen Gewissenszwang und müsse aufrecht er- halten bleiben, zumal es bei der bisherigen Praxis ganz gvt gegangen sei(!) Ter Antrag, die Petitionen einfach der Regierung als„Material" zu überweisen, wurde angenommen. Roch schlechter erging es den Petitionen der dissidentischc» Religionslehrer Wille und Schäfer, welche beantragt halten, daß ihnen die Ertheilung des ethischen Unterrichts wieder gestattet werde. - Die Kommission ging über diese Petitionen einfach zur Tagesordnung 'über!! Es bleibt also wohl vorläusig' noch bei dem'schmäh- lichen Rechtszustand in Preußen ,, daß Kinder gewaltsam gegen den Willen und gegen die Ueberzeugnng der Eltern zu einem „Glauben" gezwungen werden können. Ter Schaden, der hier- durch angerichtet wird, ist ja nicht allzu groß. Denn in solche» Fallen ivird den Kindern zu Haus ja doch mitgctheilt, daß der gewaltsam ewgebläute Glaube eben nur ein„Glaube" ist. Ob durch solche Dinge aber die Autorität des Lehrers und die Achtung vor der Staatsautorilät überhaupt gefördert wird, das muß dahingestellt bleiben.—, Znm Stand der österreichischen Wahsreform wird mit- gctheilt, daß das Subkomitee des Wahlreform-Ausschnsses mit seinen Arbeiten fertig ist, nun hat der Ausschuß in seiner Ge> sammtheit zu den Beschlüssen Stellung z» nehmen. Hierauf wird die Regierung erst ihre Haltung festsetzen und dann hat das Plenum des Reichstages zu entscheiden. Wenn diese ver- .schiedenen Instanzen so langsam arbeiten, wie das Sub- komitees, können Jahre vergehen, bis die Wahlreform . Gesetz wird, und was dann zu stände kommt, wird doch als kein 'rechtschaffen Kind, sondern blos als Wechselbalg aus die Welt kommen.— Krise im uugarische» Müiisterium und im v st e r r e i ch i s ch c n M i n i st e r i u m des Aus- wältigen. Die kiräienpolitischen Vorlagen der unga- tischen Regierung haben den Sturz des Kabinets Weckerli zur Folge gehabt und nun scheint das Ministerium Banffy aus ähnlichen Ursachen das gleiche Schicksal zu ereilen. Der ungarische Ministerpräsident hat vor wenigen Tagen in einer Jnterpellationsbeantivortung wegen der Reise des päpstlichen Nuntius Agliardi in Ungarn erklärt, der Nuntins hätte durch seine Reden gegen die Reichspolitik der Regierung jene Grenzen überschritten, die ihm als dem Ver- treter einer auswärtigen Macht in Beziehung auf die inneren Angelegenheiten Ungarns gezogen sind. Diese Anschauung theile auch der Minister des Neußeren; er habe auch bereits an den Vatikan die Erklärung abgehen lassen, daß die Handlungsweise des päpstlichen Legaten den Schein einer Einmischung besitze. Ter Minister des Auswärtigen Graf Kalnoky erklärte hierauf in der Wiener„Polit. Korresp."; ... Es hat nicht wenig Befremden erregt, daß in mehrere» wesentlichen Punkten die Erklärungen des Baron Banffy un- richtig sind und sich daher mit den Ansichten des Ministers des Aeußeren nicht decken. Dies gilt sowohl von derMotivirung wie von den Konklusionen der ministeriellen Erklärungen und ist es hier auch nicht bekannt, wieso Baron Banffy berechtigt war, ausdrücklich zu erklären, daß der Minister des Aeußeren den dargelegten Standpunkt der königlich ungarischen Regierung zu dem seinigen gemacht hat.--- Wenn also Baron Banffy im ungarischen Parlamente die Erklärung abgab, daß die Döniarche erfolgt sei, so kann dies seiner Uuvertrautheit mit diplomatischen Geschäften zugeschrieben werden, welche wohl auch die Schuld daran trägt, daß der Ministerpräsident aus eigene Verantwortung und ohne Rücksicht auf unsere freund- schaftlichen Beziehungen zum heiligen Stuhle eine wie ein Schlachtruf tönende Erklärung im Parlament abgab, was für die Cache selbst nur schädliche Folgen haben kann. Es dürfte also diese Jnterpellationsbeantivortung des Baron Banffy noch zu'weiteren Erklärungen und Konsequenzen führen." Tie angedeuteten Konsequenzen wurden gezogen, der ungarische Ministerpräsident und der Minister des Aus- wärtigen haben ihre Entlassungsgesuche eingereicht. Man nimmt an, daß ein neues ungarisches Kabinet gebildet werden wird, daß aber Kalnoky im Anite bleiben wird.— Die Auflösung der italieuischen Kammer ist auch am 2. Mai nicht erfolgt, für den sie halbamtlich augesagt war. Wie verschiedene Blätter melden, könne der 26. d. M. als sicheres Datum für die allgemeine» Wahlen angesehen werden. Die Stichwahlen würden am 30. Mai oder 2. Juni stattfinden. Das betreffende Dekret, dem ein Bericht an den König vorausgehen wird, solle am S. oder 10. d. M. veröffentlicht werden. An eine rechtzeitige Einberufung der Kammern, die bekanntlich nach der italienischen Verfassung das Budget vor dem l. Juli verabschiedet haben müssen, ist nicht mehr zu denken. Der Verfassung muß also jedenfalls Geivalt angelhan werden. Und der geplante Staatsstreich wird das parlamentarische Mäntelchen wohl nicht lange mehr trage». Staatsstreich heißt aber Revolution.— Sozialistische Kandidatur zum englische» Parlament. Die Sozialdemokratische Föderation wird, wie unser Londoner Korrespondent berichtet, in den nächsten Woche» einen Wahlkampf in London zu führen haben, der interessant zu� werden ver- spricht. Ter Abgeordnete für W a l w o r t h(Süd- London), M. S a« u d e r s, ist gestorben, ein ehrlicher, wenn auch in manchen Fragen beschränkter Demokrat. Da er schon lange de- kannt gegeben, daß er nicht wieder kandidiren werde und sich mit den Liberalen überworsen hatte, ist noch unter seiner Aegide das Mitglied der Sozialdemokralischen Föderation, G. L a n s- b u r y, als Kandidat für die nächste allgemeine Wahl aufgestellt worden. Er wird einen Kandidaten der'Liberalen und einen der Tories gegen sich haben, aber man kann aus eine gute Stimme»- zahl für ihn hoffen.— Tie englische Apanage für einen deutschen Bnndesfürsten, den Herzog von Sachsen- Coburg- Gotha, war wieder Gegenstand einer Debatte im englischen Unterhnuse. Ter Antrag, die Apanage nicht weiter zu bewilligen, wurde ab- gelehnt.— Griechenland. Bei den griechischen Kammerwahlen ist zum ersten Male die sozialistische Partei auf dem Plane erschienen und hat i» A l y« n und.Patras eine Kandidatur in der Person des Genossen D r a k u l i s auf- gestellt und eine überaus rührige Thätigkeit eiitsaltet. indem sie hauptsächlich die in trauriger Lage befindliche Arbeiter- bevölkerung der Laurion-Bergwerke durch Vertheilnng zahlreicher Elngblätter zu lebhafter Theilnahme an der Wahl aufforderte. ie„Sozialistische Zeitung" und die Zeitung„Phos"(„Licht") waren in demselben Sinne- thällg.■ Auf dem Lande wurden die Abgesandten der Partei vielfach mit großer Freude empfangen; in einem Torfe sagte man ihnen:„Gut, daß ihr gekommen seid; wir werden Drakulis wählen, der für uns Arme der richtige Mann ist". In Patras hat die Kandidatur Drakulis der- artigen Eindruck gemacht,' daß die Gegner ihn mit großem Eifer bekämpften und in Flugblättern seine ehrlichen Bestrebungen für des Volkes Wohl zu verdächtigen suchten. Da die Wahlresultate »och nicht vollständig vorliegen, können wir über eine eventuelle Wahl Drakulis' noch nichts bestimmtes berichten; immerhin aber bedeutet diese erste Bethätignng der sozialistischen Ideen in Griechenland und die Aufstellung besonderer Kandidaten einen nicht zu unterschätzenden Erfolg, der in der Zukunft erst weitere Konsequenzen nach sich ziehen wird.— „Die armenischen Greuel" haben sich, wie wir gleich zu Anfang sagten, als russischer Schwindel erwiesen. Aller- dings sind„Greuel" vorgekommen, allein das sind„Greuel", die seit Jahrhunderten in jenen Gegenden vorkommen, wo wilde Stämme neben einander Hansen—„Greuel", zu deren Unter- drückung die Türkei noch nicht die Macht gehabt hat, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Russen hier, wie früher auf der Balkaninsel, den Bürgerkrieg systematisch pflegen, um Gelegenheit zur Einmischung zu habe». Die eiwlische und amerikanische Untersuchnngskommission, die sich an Ort und Stelle befindet, hat die meisten der„Greuel" bereits als Lügen festgestellt. Natürlich rvird sie deshalb auch von der russischen Rnbelpresse aufs heftigste angegriffen.— Die chinesische Negier, ing hat den Friedensvertrag mit Japan ratisizirt. Die Russen haben also umsonst in Pecking gewühlt..Was nun? Wird Rußland den Krieg erklären? Und wenn es so thöricht ist, wird Deutschland den russischen Eroberer» Heerfolge leisten? Soviel steht fest, mit der„Friedens- Mission" der sogenannten„Bereinigten Staaten von Europa" ist es jetzt vorbei. Jetzt heißt es Rückzug oder Krieg. Und wen» einst der Wahlspruch der deutschen Politik lautete: „Tie orientalische Frage ist für uns nicht diej KuochM eines powmerscben Grenadiers werth", sollen wir heute die Knochen unserer Mnrinesoldaten und Matrosen opfern, damit die Russen sich ein Slück Land zu Sibirien hinzurauben.rönnen? Das durste doch selbst den verwegensten Leuren des Zickzackkurses ein zu hoher Preis und ein zu schlechtes Geschäst sein.—> Aus Cnbn treffen fortwährend Siegesnachrichten der Regie- rungslrnppen ein; es wird jedoch nur von kleinen Gefechten ge- meldet. Man glaubt, daß die Insurgenten demnächst Verstärkungen ans Südamerika erhalten.— Pavleiuaiiifidjfim; Von der Agitation. Gegen den Brotvertheuerungs- Antrag des Grafen Könitz faßte in Altenburg eine von etwa 1600 Personen besuchte Volksversammlung, wo Reichs- tags- Abgeordneter Schoenlank gesprochen hatte, einstimmig eine scharfe Protest-Resolutivn. »» Bei der Bezirkstagstvahl in Straßbnrg i. E. erhielt unser Parteigenosse Boehle 707 Stimmen, der Regierungs- kandidat Eissen 1IS2, der Freisinnige Meyer 7S0 und der Fabrik- direktor Grobe 425 Stimmen. Bei den besonders schwierigen Verhältnissen, mit denen unsere Partei in Elsaß- Lothringen zu kämpfen hat, ist die Slimmenzahl, die unser Kandidat erhalten hat, jedenfalls ein achtnngswerther Erfolg. Zur Stadtverordneten-Ersatztvahl in Solingen ist von einer dortigen Gemeindeivähler-Verfammlnng für die dritte Abtheilung Reichstags-Abgeordneter Georg Schumacher als Kandidat ausgestellt worden. <» Im Boykott gegen die Liederhallen-Gesellschast haben unsere Stuttgarter Parteigenossen einen großen Erfolg in sofern errungen, als alle Brauereien der schwäbischen Hauptstadt die Erklärung abgaben, der Liederhalle solange kein Bier mehr zu liefern, bis diese auch der Sozialdemokratie zu Versammlungen überlassen wird., •« Parteipresse. Die„Unterfrttnkische Volks- tribüne" in Würzburg und deren Kopfblatt, die„ B a m- berger Volks zeitung", werden seit 3. Mai in eigener Druckerei hergestellt. »* Todtenliste der Partei. In Greiz ist der Weber Paul Buschmann aus dem Lebe» geschieden. Er war trotz steter Kränklichkeit unermüdlich für die Partei thätig. Der in Stettin verstorbene Parleigenosse Franz Zehme war nicht Redakteur, wie es in Nr. 101 infolge eines Druck- fehlers hieß, sondern Slnckateur, und in der an gleicher Stelle veröffentlichlen Notiz aus Finthen ist anstatt des Namens Veist zu lesen: Beil. Polizeiliches, Gerichtliches je. — Wegen Richtanmeldung einer Generalversammlung des Allgemeinen Arbeitervereins in Cossebaude bei Dresden wurde der Vorsitzende dieser Organisation, Friedrich Paul Paulisch, vom Dresdener Schöffengericht zu 10 M. Geldstrafe ver- urlheilt. Der Vcrsammlungstag war in dem bei der Amts- baup'.mannschafl eingereichleu Statut angegeben, weshalb der Vorsitzende geglaubt halte, die Versammlung nicht erst noch an- melden zu müssen, zumal er schon seit langer Zeil die gleiche Praxis unbehelligt geübt hatte. — Wegen Beleidigung des Fabrikbesitzers Bergmann und Genossen war der verantwortliche Redakreur der„Sächsischen Arbeilcr-Zeilung", R e i ch a r d t, vom Dresdener Schöffen- gerichl zu 100 Mark Geldstrafe oder 20 Tagen Gesängniß verurtheilt worden. Seine dagegen eingelegte Berufung wurde vom Landgericht verworfen. — Zu 10 M. Geldstrafe wurde vom Schöffengericht in Dessau der jetzt im Gesängniß befindliche Redakteur des „Bolksblatls für Ankalt", Pens, wegen Beleidigung eines früheren Bernbnrger Nachl-Schutzinanns verurtheilt. PeuS war zu dieser Verhandlung ans seinen Antrag hin beurlaubt worden. Seine Haft endet am 7. Juli. Maifeier. lieber den Verlans der Maiseier in Deutschland wird uns noch berichtet:. Mark Brandenburg. Die Arbeiter in Friedenau und Steglitz bei Berlin hielten ihre Maifeier im„Kurhaus" ab. Die Zahl der Besucher belies sich auf ungefähr 350. Nach einem Referat R i k o l a i' s über die Bedeutung des Tages stimmte man der Resolution der Berliner Gewcrkschastekommisston zu. Der Rest des Abends wurde der geselligen Unterhaltung gewidmet.— In Reinickendorf fand am Abend bei Glüer eine gulbesuchte Versammlung statt, in der G.enosse B i lz in kernigen Worten die Bedeutung des 1. Mai klarlegte. Die Ver- ammelten waren ganz mit ihm einverstanden. An die Versammlung schloß sich ein geselliges Beisammen- sein, wobei der Gesangverein„Weiße Rose" dem Tage entsprechende Lieder vortrug.— Pankow. Die Versammlung am Morgen war von ungefähr 200 Personen, darunter vielen Frauen, besucht. Ten Vortrag dielt Emil B i l z. — K o t t b u s. Nachmitlags Ausflug bei mäßiger Betheiligung, abends überfüllte Versamnilung. Jahn aus Berlin referirte. Resolution einstimmig angenommen.— N e u- R u p p i n. Ter 1. Mai wurde abends durch eine Volksversammlung gefeiert, die von allen hiesigen Arbeiicrversammlungen bis jetzt am besten be- sucht war. 250 Personen nahmen daran theil. Referent war, Genosse A p e! t. Die Resolution wurde elnsti'mmlg angenommen.— Bernau. Vormittagsversammlung von 100 Personen besucht. Theodor Metz»er aus Berlin hielt unter reichem Beifall den Vortrag. Nachmittags Ausflug nach ber Sladtsorst; 200 Theiluehmer. Abends Versammlung mit Krüger als Referenten, 400 Theilnehmer. An'die Versammlung schloß sich ein gemülhliches Beisammensein. — Weißensee. Die Maifeier gestaltete sich in diesem Jahre zu einer imposanten Demonstration. Am Vormittage fand in Protz' Festsälen, Langhansstr. 105, eine von 250 Personen besuchte Versammlung statt, in der Reichstags-Abgeordneter Arthur Stadtdagen uuter großem Beisalle über die Bedeutung des 1. Mai referirte. Die von der Gewerkschafts- kommission ausgearbeitete Resolution wurde einstimmig an- genommen. Am Nachmittage veranstalteten die Weißenseeer Genossen einen Kam m er s, an dem sich zirka 800 Personen betheiliglen. Das Lokal der Bedeutung des Tages entsprechend dekorirt, 4 Arbeiter-Gesangvereine: Sängerkreis, Klingmüller'sches Doppelquartett, Oranke.und die Gesangabtheilung des sozial- demokratischen Arbeitervereins, sowie die Musikkapelle des Herrn Meußler, und die Genoffen Jack und Gertitz sorgten für die Unterhaltung der Theilnehmer. Um 3�/z Uhr hielt Reichstag?- abgeordneter Förster die Festrede, die von den zahlreichen Zuhörern mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Ueberall herrschte wahre Festtagsstimmung, die nirgends durch einen Zwischenfall gestört wurde. Pommern. Stettin. Vormittags referirte Reichstags-Abg. Herbert vor 150 Personen über die Bedeutung des 1. Mai. nachmitlags vor ebensoviel Angehörigen der Schneiderbranche Genosse Kamin g über dasselbe Thema; zugleich nahm diese Versammlung Stellung zur Lohnbewegung der Schneider. Abends war eine Festlichkeit auf dem„Bock", die von etwa 2000 Personen besucht war. Das Referat hatte hier Genosse Storch.— Maifeier im Kreise Randow- Greisen Hägen. In fünf Lokalen waren der Bedeutung des Tages entsprechende Feiern veranstaltet worden. In Grabow fand bei Mietzner eine gut besuchte Versammlung statt, in der Alwin Körsten aus Berlin über die Bedeutung des I.Mai sprach. In Bredow hatte in der Brauerei Genosse S ch e f f l e r das Referat über- nommen. Der Besuch der Versammlung war nur mäßig. Dagegen sprach vor übersülltem Hause im Schützenhaus(Lilie) Genosse Appel. Nach den Versammlungen fanden in den genannten Lokalen, sowie bei Trester in Grabow und im Nemitzer Schützen- hause stark besuchte Vergnügen statt. Der ganze Verlauf ver Feiern aber hat wieder gezeigt, daß es den Arbeitern ernst ist mit ihrem Streben nach Verkürzung der Arbeitszeit und daß auch die ungünstigen wirthschastlichen Verhältnisse der Maifeier keinen Abbruch thnn können. Sie ist eben schon in Fleisch und Blut der Arbeiter übergegangen. Ostpreußen. Königsberg. Auch hier ist die Maifeier glänzend verlausen. Vormittags war Versammlung der Feiern- den. die so stark besucht war, daß sie vor der festgesetzten Zeit eröffnet und daß weiter das Lokal abgesperrt werden mußte. Schnitze hielt die Festrede. Nachmittags wurde mit Weib und Kind ins Freie nach Hammer gezogen, wo sich ca. 2500 Personen ziisammensanden. Abends ging's im Zuge nach der Stadt zurück. Provinz Posen. Rawitsch. Am Abend des I.Mai war im Lokal des Herrn Sack eine öffentliche Versammlung, in der über den 1. Mai und seine Bedeutung referirt wurde. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen und eine im Sinne der Bestrebungen für den Achtstundentag gehaltene Resolution ein- stimmig angenommen. Das Lokal war so überfüllt, daß eine Anzahl Genossen außerhalb desselben verweilen mußte. Schleswig- Holstein. Tondern. Die Maifeier wurde hier von 70 Personen durch eine Aersainmlung begangen, wo Otto Meyer aus Kiel sprach. Ist auch die Zahl unserer Genoffen in den meist von Dänen bewohnten Bezirken nicht groß. so ist— schreibt man uns— doch die Begeisterung für den Sozialismus und der Zusammenhalt unter uns vorzüglich.— K e l l i n g h u s e n. Zirka 100 Mann ließen die Arbeit ruhen. 50—60 betheiligten sich an einem Spaziergang. Die Abenbversammlnng war von 300 Männern und Frauen besucht. Eine lheatralisch- musikalische Aufführung machte den Schluß. Da Kellinghusen nur ein kleines Landstädtchen ist, kann die Betheiligung an der Demonstration für den Achtstundentag als sehr gut bezeichnet werden, zumal hier die Feier zum ersten Mal begangen wurde.— W i l st e r. Die Mai- Versammlung war von 200 Personen besucht. Als Referent war S a a l f e l d aus Hamburg erschienen. Die Versammlung hat wiederum den Beweis geliefert, daß die Sozialdemokratie von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt Provinz Sachse». Magdeburg. Früh 3 Uhr fand im Weißen Hirsch eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in der W i l h. Klees referirte. Die Versamnilungsbesucher gingen— da die Polizei einen Aufzug nicht gestattet hatte— in loten Reihen vom Versammlungslokal durch die Stadt nach dem in der Kaiser- straße gelegenen Tivoli. Die Polizei legte dabei keine Hindernisse in den Weg.' Nach einem cinstündigen Aufenthalt bewegten sich die Theilnehmer nach Friedrichelust, dessen geräumiger Garten im Laufe des Nachmiltefgs bis aui den letzten Platz dermaßen gefällt war, daß viele wieder umkehren mußten. Abends 3�i> Uhr fanden drei Versammlungen statt, in Friedrichslust, im Weißen tirsch und in der Zerbster Bierhalle, wo die Genossen Wilh. l e e s, A I b. S ch ni i d t und Hugo Gärtner referirteu. Sämmtliche Versammlungslokale waren überfüllt. Die Be- theilung war bedeutend stärker als im Vorjahr.— Weißen- s e l s, Maifeier ohne jede Störung verlaufen. Früh war Konzert, nachmittags Spaziergang mit 200 Theilnehmern. Abends Kommers mit 500 Besucyern. Die ganze Feier machte den Eindruck, daß sich der 1. Mai hier eingelebt hat. Hannover:c. Duderstadt. Die wenigen Genossen hier begingen die Maifeier zum ersten Mal, wie überhaupt bis dahin auf dem vom Zentrum beherrschten Eichsfelde noch keine abgehalten worden war. Sie fanden sich am Abend des 1. Mai in kleinem Kreise zusammen. W. Heine hielt ein Referat, das allgemeinen Beifall fand; andere Vorträge, die gleichfalls aus die Feier bezug hatten, folgten und man blieb, in Gedanken mit der Arbeiterschaft der ganzen Well verbündet, beieinander, bis der Eintritt der Polizeistunde ans Ausbrechen ge- mahnte.— G e e st e m ü n d e. Die Maifeier ist in schönster Weise verlaufen. Die Nachmittags- Versammlung, wo Heinrich Schmalfeld t den Vortrag hielt, war zahlreich besucht. Eine seinen Ausführungen entsprechende Reso- lulion wurde einstimmig angenommen. Der Umzug am Abend gestaltete sich zu einer gewaltigen Demonstration. Den Schluß machten Festlichkeiten in zwei Lokalen, die äußerst stark besucht waren. S ch m a l s e l d t und Steiner hielten hier die An- sprachen. Alles in allem, sagt die„Norddeutsche Volksstimme", es war ein Fest, großartig in seiner Art, wie die zielbewußten Arbeiter es verstehen. Feste zu seiern. Keiner wird es verlassen haben, ohne von dem Verlauf vollständig befriedigt zu sein.— In Bremerhaven waren am 1. Mai zahlreiche Häuser be- flaggt. Ferner waren viele Straßen und Hänser durch Gnirlanden, Transparente, Embleme» rc. geschmückt. Rheinland- Westfalen. Essen. Mittags bei guter Be- theiligung Ausflug nach Werde», abends stark besuchte Volks- Versammlung. S i t t e n f e l d referirte. Alles ist gut verlaufen, so daß die Ueberflüssigkeit des verhältnißmäßig starken Aufgebots von Polizeimannschaslen wieder einmal klar zu tage trat— Elberfeld. An der Nachmiltagsseier betheiligten sich über 1000 Personen. Harm hielt die Ansprache. In der Bersamm- lung am Morgen referirte Gewehr. Hesseu-Nassau ic. F r a n k f u r t a. M. Die Maifeier ist dieses Jahr unter noch größerer Betheilignng gefeiert worden als im vorigen Jahre. Morgens fanden zwei von Frauen und Männer» überaus stark besuchte Versammlungen statt, in denen eine entsprechende Resolution angenommen wurde, �achmitgs »sellige Zusammenkünfte der Arbeiterfamilien aus zei Felwasen» kellern, abends eine Versannnlung der in Frankfurt a. M. be- schäftigteu Parteigenossen ans dem Wahlkreise Höchst- Usingem Referenten waren Dr. Quarck und Freyrag. Soweit dis jetzt ermittelt ist. standen am I. Mai 3ö Fabriken und Geschäfte mit annähernd 1l>00 Arbeitern still. Es waren namentlich Schuhfabriken, Möbelfabriken, Billard- Fabriken, Portefeuillefabriken, Schreinereien, Schneidergeschäste, Bangeschäfre, die ihren Arbeitern zum theil mit Zahlung des vollen �ohnes, den 1. Mai freigaben.— In N e n- I s e n b u r g, wo Galm, in Wiesbaden, wo Dr. Quarck, in Biebrich, >vo derselbe Redner den Bortrag hielt, ist die Maifeier ebenfalls unter starker Betbeiligung vor sich gegangen. Ebenso in Mainz, wo Phil. Haas und Franz I ö st sprachen.— Langen. Da die wirthschaftliche» Verhältnisse der hiesigen Arbeiter es nicht gestatteten, den Tag durch Arbeitsruhe zu feiern, so hielten wir am Abend eine öffentliche Volksversammlung, verbunden mit Konzert im Gasthaus zum Schützenhof ab, die sehr gut besucht >var und in schönster, dem Tage würdiger Weise verlief. Das Referat des Genossen O ch wurde mit Beifall aufgenommen. Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß die hiesige Arbeiter- schaft jetzt bedeutend mehr Interesse an der Maifeier hat. als früher. Königreich Sachsen. Döbeln. Unsere Maifeier verlief sehr gut. An der Abendversammlung betheiligten sich 800 bis 000 Personen. Frau Palm ans Braunschweig referirte über: „Die Bedeutung des 1. Mai." Eine entsprechende Resolution wurde angenommen. An die Bersammlung schloß sich ein Kommers.— Lößnitz im Erzgebirge. Am Abend fand eine von 300 Personen, darunter einer Anzahl Frauen und Mädchen, besticht« Versamnilung statt. Der kleine Saal faßt nicht mehr Personen. E. R i e m a» n aus Chemnitz sprach über die Bedeutung des 1. Mai. Zwei Resolutionen, zur Erreichung der Forderungen des Tages, sowie gegen die Um- sturzvorlage, wurden einstimmig angenommen.— Nachgetragen sei noch, daß auch die Z w i ck a u e r Amlshauptmannschaft alle ostentlichen Auf- und Umzüge:e. für den I. Mai verboten hatte. — In Lichten st«in-Callenberg(17. sächs. Wahlkreis) sprach Genosse Auer in einer Festversaninilung unter freiem Himmel. Tie Arbeiter nebst Familienangehörigen waren stunden- weit herbeigeeilt um den Abgeordneten des Kreises zu hören. Bei herrlichstem Wetter verlief das ungemein zahlreich besuchte Fest, ohne jede Störung. Thiiringeu. Gotha. Glänzender Verlauf. Zudrang zur Abendfestlichkeit außerordentlich stark. Anch die Veranstaltung am Nachmittage war den Verhältnissen Gotha's entsprechend be- friedigend.— Wenig«njena bei Jena. 30 Personen ließen die Arbeit ruhen und nahmen am Spaziergange theil. Der Kommers war von 300 Personen besucht; wegen überfüllten Lokals konnte mancher keinen Zutritt finden. Die Festrede hielt Schulz. Baden. Dorf Bulach bei Karlsruhe. Ist unser Ort auch klein, so folgten dem Rufe zur Maifeier doch über 100 Männer, um Protest zu erheben gegen die»»gerechte Behandlung des Arbeiters in der heutigen Gesellschaft. Das Referat hielt Sie ii Häusel. Die diesbezügliche Resolution wurden ein- stimmig angenommen.— M a n n h e i m. Die Hauptfeier im Rheinpark war am Abend von mehr als 3000 Personen besucht. Dreesbach hielt die Festrede.— L u d w i g s h a f e n. Die Maidemonstration, die abends im großen Saale des Gesell- schaftshauses abgehalten wurde, war sehr zahlreich besucht. Das Referat hielt E h r h a r t. Eine Resolution für den Achlstunden- tag und gegen die Umsturzvorlage wurde angenommen. Damit schließen wir die Berichterstattung über die dies- jährige Maifeier in Deutschland. Sie war, wie ihre Vor- gängerinnen, eine machtvolle Demonstration des arbeitenden Volkes, nur noch bedeutender durch die verbältnißmäßig starke Theilnahme auch der Arbeiter in kleineren Städten und Dörfern. wo der 1. Mai bisher noch nicht oder nnr bei schwacher Be- theiligung gefeiert worden war. Die Maifeier im Auslände. Schweiz. Nachzutragen ist noch, daß die Maiversammlnngen in B e r n von 3000, in Lausanne von 1000, in C h n r und Burg darf von je 400 Personen besucht waren. Ohne nähere Zahlenangaben meldet man uns noch Maiseiern aus Solo- t h u r ii und Neuenburg. In O e r l i k o u wurde den ganzen Tag gefeiert, um bl/e Uhr morgens wurde von einer Musilkapelle Tagwacht geblasen. Hier und in G r e n ch e n blieben die Schulen geschlossen. An vielen Orten wurden Resolutionen für den Acht- bezw. Zehnstnndentag angenommen und den ausgesperrten Uhren arbeitern Sympathien ausgedrückt sowie für sie gesammelt. Die ganze Züricher Presse konstatirt, daß Zürich mit Ausnahme des Festzuges anläßlich des internationalen Svzialistenkongreffes(I8S3). einen solchen gewaltigen und imposanten Festzug noch nie gesehen hat, wie der diesjährige Maifestzug der Arbeiter war. « Jtali««. Ans Malland schreibt man uns unterm l. Mai: Der Gedanke, der das Fest der Arbeiter beseelt, kommt auch in diesem Jahre, und sogar noch energischer als im vorigen, vornehmlich in den Festzeitungen, in den Symbolen, in den Er- innernngszeichen zum Ausdruck. In Ländern, die stärker und zivilisirter sind, als das unserige, werden heute freie Stimmen frei zu den Schaaren der Arbeiter von ihrem Rechte sprechen können. Bei uns wird der Arbeiter nicht diskutiren, sondern nur lesen und denken können. Hier ist für diesen ersten Mai eine Denkmünze geprägt worden: auf der einen Seite das Löwenhaupt von Karl Marx, umgeben von seinem prophetischen Tenkspruche:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch." Ans der anderen Seite befindet sich ein ausrecht stehender Arbeiter, nackt bis zum Gürtel; seine Rechte ruht ans einem von anderen Arbeitsgeräthen umgebenen Amboß, während die Linke einen Wahlzetiel in die Urne steckt. Zu beiden Seiten der kraftvollen Figur liest man: „8 Stunden Arbeit" und„1. Mai". Zu gnnsten der Kasse der sozialistischen Partei ist serner eine schöne Post- karte entworfen worden. Sie weist die prachtvolle Gestalt der Bürgerin von Graudi's herrlichem Füns Tage-Denkmal auf. Von den vielen Festzeitungen verdient— nachdem die Staatsanwalt- schaft das Blatt„Lavoratore bei Libro" konfiszirt hat— die von der Partei herausgegebene Zeitung„Jl primo maggio della Lotta di clafse" die meiste Beachtung. In dem einleitenden Artikel, der von Filippo Turati geschrieben ist, wird gebieterisch die Einführung des„allgemeinen Stimmrechts" für Italien verlangt. Dieser Gedanke kommt schon in der Zeichnung zum Ausdruck, die den Kopf des Blattes schmückt. Eine weibliche Figur ent« steigt der Wahlurne und setzt die Trompete an den Mund, um die Arbeiterschaaren herbeizurufen. Das Blatt enthält Prosa- arlikel und Verse von de Amicis, Gnoechi-Viani, Bissolati, Fern, Ciccotti, Corrado Corradino u. s. w. Dem ersten Mai gewidmet ist zum großen Theil« auch die heutige Nummer der„Lega bei ferrovieri italiani" und eine 16 Seiten starke Maischrifl„I sigli del popolo" ist aus Veranlassung der hiesigen Arbeilskammer ver- ösfentlicht und den Arbeiterkindern zugeeignet worden. Erwähnens- werth ist schließlich das in Turin erschienene Blatt„Grido del popolo del primo Maggio" mit Beiträgen von Corradino. Claudio Treves, Rocca Pilo u. a. Im übrigen dürste der heutige Tag in ganz Italien ziemlich ruhig verlaufen, denn Crispi hat seinen Schergen die strengste Weisung erlheill, jede freiere Regung im Keime zu ersticken und jede noch so harmlose Ansammlung fried- licher Männer zu verhindern. In Rom, Palermo, Turin und hier i» Mailand hat die angstvolle Regierung geradezu lächer- liche„Vorsichtsmaßregeln" getroffen. Die Truppen sind in den Kasernen konsignirt und die öffentlichen Gebäude werden streng bewacht. Die zu unserer Arbeitskammer gehörenden Arbeiter- vereine werden den städtischen Behörden im Laufe des heutigen Tages folgende Wünsche völlegen: I. Einführung des Acht- stundentages und Festsetzung eines Mindestlohnes in den Arbeits- vertrügen. 2. Bevorzugung der Genossenschaften und Gewerk- schaften bei städtischen Arbeiten und Lieferungen. 3. Strenge Regelung und Ueberwachung der Frauen- und Kinderarbeit. 4. Einführung der Sonntagsruhe. I« Belgien ist die'Feier des ersten Mai ebenso feier- lich und imposant verlaufen, wie in allen übrigen Kulturländern. Sticht blos in den größeren Städten, wie Brüssel, Gent, Lüttich u. s. w. wurde der Tag gefeiert, sondern auch in den kleineren Städten und in sehr vielen Dörfern, denn der Sozialismus ist in Belgien, das ähnlich wie Sachsen bis in die kleinsten Dörfer Industrie hat, längst auf das Land gedrungen. In vielen Ge- meinden, wo unsere Genossen die Verwaltung in der Hand haben, war die Feier eine offizielle. Obgleich an verschiedenen Orten Militär- und Polizeimacht aufgeboten war, wurde die Ruhe doch nirgends gestört. Von Belgien können wir schon sagen: Der 1. Mai ist ein Volksfest geworden— was bald anch von anderen Ländern gelten wird.— *• Dänemark. Als einen Siegestag konnte die dänische Sozial- demokratie den ersten Mai bezeichnen. Tie großen Lokale waren überall von Arbeitermassen bis auf den letzten Platz gefüllt, oft reichten sie bei weitem nicht aus. Ueberall herrschte Freude und Begeisterung. In Kopenhagen wurden eine Anzahl großer Versammlungen abgehalten, in der Römergasse, in Sorledamslund, in Vodroflund, in der Neuen Alhambra, am Kleefeldweg. In dem ersten Lokal spielte ein Orchester und sang ein Sängerchor die bekannten Arbeiterlieder, dann sprach Schuhmacher Dangstrup für die Forderung des 8 ständigen Arbeitstages und ebenso Tischler Christiansen, der namentlich hervorhob, daß der 8 stündige Arbeitstag die nothwendige Voraussetzung für die geistige Entwickelnng der Arbeiter ist. Hierauf sprach der Folkelhings- Abgeordnete Klausen über den Sozialisnius, dessen wesentlichste Forderungen und dessen Nolhwendigkeit er darlegte. Zwischen den einzelnen Reden wurden Gesänge vor- getragen und das ganze durch ein Tänzchen beschlossen. Einen ähnlichen Verlauf nahmen die Festlichkeilen auch in den anderen Lokalen. In Eortedamslnnd gab Folkethings- Abgeordneter I. Jensen eine Ueberstcht über die bisherige Entwickelnng der Sozialdemokratie in Dänemark. 1872 hat nian zum ersten Mal Kandidaten aufgestellt und dieselben erhielten nur— 31 Stimmen, im letzten Jahre dagegen wurden 2S000 Stimmen für die sozia- listischen Abgeordnelen abgegeben. Die übrigen sprachen für den Achtstunden- Arbeitstag, und auch hier ersrenten Gesangs- vortrüge und schloß.man mit einem Tanz. In Vodro- stund sprach Landsthings- Abgeordneter Knudsen für die Einführung des Achtstunden- Arbeitstages und wies nach, wie thöricht die Einwendungen der Gegner seien und daß diese Verkürzung der Arbeitszeit sich überall bewährt habe, wo Versuche daniit angestellt sind. Bautischler Olsen entwickelte das sozialistische Programm. Wenn noch viele Arbeiter sich dem- selben nicht angeschlossen hätten, so käme es daher, weil sie nicht richtig darüber informirt seien. In der Neuen Alhambra ver- mochten die Räumlichkeiten bei weitem nicht die Besucher zu fassen und standen noch große Massen draußen im Garten. Hier, wie auch in den übrigen Lokalen wurde über dieselben Themas gesprochen. All« Feste wurden durch Gesang und Tanz ver- schönt und werden noch lange im Gedächtnisse der Zheilnehiner bleiben. Sozisle LlebevNrvk. Eine Arbeiter-Sanitätskommisfio» hat sich anch in F r a n k f u r t a. M. gebildet. Ei« hat die Aufgabe, alle der Gesundheit der Einwohner Frankfurts schädlichen Einrichtungen dnrch Kontrolleure zu prüfen und durch alle geboteneu Maß- regeln für Abhilfe nach Kräften Sorge zu tragen. „Nichts Belastendes." Vor 3 Jahren war in dem belgischen Kohlenwerk Anderlues eine Grubenkatastrophe, die Menschenhekatombe wegraffte. Wir besprachen seinerzeit den Fall ausführlich. Das Werk war schlecht ventilirt gewesen, und bei ungewöhniich starkem Luftdruck waren die schlagenden Welter ausgetreten und das„Unglück" wak' da. Eine Untersuchung wurde angestellt; sie hat d r e i I a h r e gedauert, war also gründlich, und jetzt ist sie beendigt. Resultat:„Die Unter- s u ch u n g hat nichts Belastendes für die Gruben» Verwaltung und für d i e B e a ni t e n ergebe n." Wie immer. Daß die Ventilation verstachlässigt und die War- Illingen des Barometers, das biimen weniger Stunden kolossal gefallen war, nicht beachtet worden sind, da» war„nichts Belastendes". Ter RuSbreitung der Verbrechen sucht der Regieriings- Präsident in Köln durch eine Verfügung au die Schulbehörden zu steuern, worin— da nicht selten die ersten Anfänge des Ver- brecherlebens bis ins zarte Alter zurückreichen— Lehrer. Lehrerinnen und Schul- Aufsichtsbehörden zu einer sorgsameren Beobachtung der Schulkinder verpflichtet werden. Ergiebt sich, daß eine etwaige Neigung der Kinder zu strafbaren Handlungen durch die der Schule gewährten Erziehungs- und Befferungs- mittel nicht unterdrückt werden kann, so ist, falls die Eltern oder ihre Stellvertreter nicht die ausreichende Gewähr bieten, nn- verzüglich ein Beschluß des Vormundschaflsgerichls im Sinne des Gesetzes vom 12. Mai 1878 herbeizuführen, damit die betreffenden Kinder in einer geeigneten Familie oder Anstalt untergebracht werden können. Ob die Verfügung anch gegenüber den Sprößlingen der oberen Zehntausend zur Geltung gebracht werden wird? GxnierKsifiostliiJies. Achtung, Tapezirer! Die Gewerkschaftsorganisation ist für jede» Beruf durchaus nothwendig. Dieser Grundsatz ist aus allen Parteitagen und Konferenzen anerkannt worden. Sehen wir aber die Zahl der Mitglieder in den Organisationen, dann müssen wir uns leider eingestehen, daß noch sehr viel zu thun bleibt, um das Klasseuinteresse zu wecken und zu fördern. Es genügt durchaus nicht, wenn man die sozialistifche Presse und Literatur abonnirt, sondern man muß sein Können und Wissen in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Ter Fachverein der Tapezirer, welcher seit sieben Jahren besteht, ist bemüht, die Kollege» zu denkenden Menschen heranzubilden; durch Vorträge und durch eine reichhaltige Bibliothek, welche den Mit- gliedern unentgeltlich zur Versügung steht. In nächster Zeit werden in allen Stadllheilen Wanderversammlungen stattfinden, und hoffen wir, daß diese von den Kollegen recht zahlreich besucht sein werden. Die erste Wanderversammlniig findet am Donners- tag, den 9. Mai, abends 8»/« Uhr. im Restaurant Wilke, Andreas- straße 26 statt. Wir richten speziell an die Kollegen im Osten die Mahnung, der Versammlung nicht fern zu bleiben und dem Fachverein als Mitglieder beizutreten. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben, der wöchentliche Beitrag beträgt 10 Pf. Mit kollegialem Gruß der Vorstand des Fachvereins der Tapezirer für Berlin und Umgegend. Achtung, Muller! Die Müller der Rollgerste- Fabrik von Felix u. Ko. in B i t t e r f e l d stehen rn einem Lohukampfe. Ter Stundenlohn betrug bis jetzt 20 Pf. Der Wocheiiverdienst stellte sich bei regelmäßigem Betriebe auf 1 4.40 M. Da aber des öfteren Schichten ausfallen, wird dieser Satz nur selten erreicht, sodaß die Arbeiter oft mit einem Verdienst von 3—9 M. nach Hause gehen mußten. Daß damit namentlich Ver- heirathete nicht auskommen können, liegt auf der Hand. Des- halb wurden die Müller bei der Firma vorstellig, ihnen einen Stundenlohn von 2S Pf. zu gewähren und für alle Fälle einen Wochenlohn von IV M. zu garanliren. Diese gewiß be- scheiden? Forderung wurde rundweg abgelehnt. So sahen sich die Arbeiter gezwungen über die Firma die Sperre zu verhängen. Sie bitten um Fernhallung des Zuzugs und außerdem dringend um finanzielle Unterstützung. Sendungen sind an C. L ü b k e in Bitterfeld, Weinbergstr. 3. zu richten. Der Streik der Stettiner Steinsetzer ist nun endlich, nach einer Dauer von dreizehn Monaten, beendet, und zwar mit einem vollständigen Siege der Arbeiter. Es wurde nicht nur der alte Lohnsatz von 50 Pf. pro Stunde geretlet, sondern für Ueberstundeii in der Zeit von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens ist ein Aufschlag von 2ö pCt. erreicht worden. Außerdem finden in der Zeil von Frühstück bis Mittag drei „Fünfzehn"-Paiisen statt, während bisher deren nur zwei üblich waren. Weiter ist durch diesen Streik erreicht worden, daß bei städtischen Arbeiten auf je fünf Gesellen nur ein Lehrling be- schästigt werden darf. Ferner hat der Stettiner Magistrat, ebenfalls infolge des Streiks, einen Anfang mit der Regiearbeit gewagt, in dem er kleinere Reparaturarbeiten jetzt nicht mehr an den Unternehmern, sondern in eigener Regie ausführen läßt. Dabei erhallen die Arbeiler den von der Gewerkschaft festgesetzten Lohn- sah. wodurch gewissermaßen den Unternehmern jeglicher Vorwand für Lohnherabsetzungen genommen ist. Dieser Ausgang des Streiks beweist schlagend, wie nutzbringend die gewerkschaftliche Organisation für die Arbeiter ist. Ten Sattler» zur Nachricht, daß von de» Gehilsen in Bremer» Häven, Lehe und G e e st e m ü n d e der Versuch gemacht werden soll, das Kost- und Logisgeben abzuschaffen. Es wird deshalb ersucht, vorläufig diese Städte zu meiden. Für die streikeuden Ansmacher der F.'derinesser-Branche in Solingen beschloß der dortige Ortsverein des Verbandes deutscher Buchdrucker S0 Pf. Exlrasteuer pro Mitglied und Woche zu erheben. I» Breslau streiken die Lederzurichter der Firma Johann Harf, weil ihnen die Forderungen: zehnstündige Arbeitszeit und eine geringe Lohnerhöhung, nicht bewilligt wurden; ferner die W e i ß g e r b e r der Firma H a s e n st e i n. Zuzug ist streng zu meiden. Wegen nicht erlaubten Feierns am I. Mai sind in der Lnxusmöbel- Fabrik von Gcnzler in L e i p z i g-N e u- s ch ö n e f e l d, Eisenbahiistraße 70, mehrere Arbeiter entlassen worden. Zuzug von Textilarbeitern nach Hof ist zu meiden. In der dortigen großen mechanischen Weberei find Lohndifferenzen ausgebrochen. Tie Malermeister Fürths haben bis auf einige, die nicht in betracht kommen, die Forderungen der Gehilfen be- willigt. Warnung vor Zuzug von Klempnern, Zinngießern nnd Malerinnen nach Kopenhagen. Das Annoncenbureau von I. Aug. Wolf in Kopenhagen sucht in verschiedenen inländischen Zeilungen für das Ausland Klempner und junge Malerinnen bei gutem Lohn und freier Reise. Es liegt die Vermuthung nahe, daß diese Arbeitergesuche mit den Differenzen der Metall- waaren- Fabrik für imilirte Wiener Nippsachen von Emil Loreiitzen in Kopenhagen im Zusammenhang stehen, weshalb vom Vorstand des Deutschen Metallarbeitervereins gewarnt wird, ans die Offerten einzugehen. Gevickks-Betkmrg; Ter„Sozialist" vor dem Reichsgericht. Das Land« gericht Berlin I verurtheille am 14. Februar 1895 den Böttcher Georg Warsönke, Redakteur des„Sozialist", und den Expedienten des letzteren. L ö h r, wegen Beleidigiiiig, und zwar ersteren zu vier Monaten und letzteren zu neun Monaten Ge- fängniß. Die Slrafthat wurde erblickt in zwei Artikeln, die in der Nr. 51 des„Sozialist" vom 15. Dezember 1394 veröffentlicht wurden, und zwar sah das Gericht in dem ersten mit der Ueber« schrist„Eine unerbörte Gewaltthat!" eine Beleidigung des Staats« anivalls Dr. Benedix, nnd in dem zweiten,„Gerechtigkeit" über» schrieben, neben einer Verhöhming der Richter und des Gerichts» ivesens eine Anpreisung des Mordes. Der erste Artikel ist pro äomo geschrieben, er enthält eine Schilderung der Hanssuchuiig. die auf Anordnung des Staatsanwalts Dr. Benedix in den Räumen des„Sozialist" vorgenommen wurde und die zur Beschlagnahnie der Nr. 50 des Blattes und zur Verhaftung des derzeitigen Redakteurs Petersdorff führte. Darauf zeichnete Warsönke eine Nilininer als verantwortlicher Redakleur. Das Gericht stellte fest, daß seil dem Jahre 1891 das Blatt 19 mal die Redakteure gewechselt habe, daß ferner Warsönke nur als „Sitzredakteur" fuugirle, da er während der vier Tage, an denen er Verantwortlicher war, nie im Redaktionslokal gewesen sei. Er behaupte zwar, in den Pausen, die ihm seine Beschäftigung als Böttcher ließ, redigirt zu haben, doch lasse auch der Umstand, daß ihm die Fähigkeiten zum Redakteur fehlten, darauf schließen, daß er nur der vorgeschobene Redakteur sei, während äs facto Lohr das Blatt redigirt habe. ein Mann, der Erfahrung im politischen Leben und ein« nicht unbedeutende Rednergab« besitze. Löhr wurde auch als der Schreiber der beiden Artikel angesehen; es wurde jedoch trotzdem auch gegen Warsönke vorgegangen, da er ja.die fragliche Nummer verantwortlich gezeichnet habe und infolge dessen angenommen, daß je zwei selbständige strafbare Handlungen von den Angeklagten in gemeinschaftlicher Aus» fuhrnng begangen worden seien. Beide Angeklagten legten gegen das Urtheil Revision ein und rügten darin Verletzung des§ 20 des Preßgesetzes sowie unzulängliche Begründung des Unheils. Der Reichsanwalt ging davonnus, daßallerdingssestgestelltsei, Warsönke habe die Artikel selbst durchgelesen und kam dann zur Prüfung des anscheineuden Widerspruchs; erst wird sestgestelll, W. sei verantwortlicher Redakteur, da er als solcher gezerckmet habe; gleich hinterher wird aber festgestellt, er habe überhaupt gar nicht Redakteur sein können. Der Gerichtshof hat aber hier eine Art solidarischer Haftung angenommen, obwohl für einen bestimmten Theil eines Blattes nnr ein einziger Redakteur verantwortlich sein könne. Einer prinzipiellen EiNscheidung hierüber bedürfe es jedoch nicht, ob der verantwortliche Redakteur dies zu fein aiff- höre, wenn der wirkliche Redakteur ermittelt wird. Nach der Ansicht Bülow's ist Redakteur nicht der, welcher zeichnet, sondern der, dem die strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Führung der Redaktionsgeschäite vom Verleger übertragen wird. Das Gericht stellt nun thalsächlich fest, daß Warsönke dieses Amt eines verantwortlichen Redakteurs vier Tage lang wahrgenomiiieii habe und dies könne nicht durch die andere Feststellnng aufgehoben werden, Warsönke habe nicht die Fähigkeiten dazu gehabt. Wer der eigentliche Spiritus rector gewesen, sei in Dunkel gehüllt; wahrscheinlich sei es Löhr gewesen. Es wurde Verwerfung der Revision beantragt. Das Reichsgericht hob jedoch aus die Revision der Angeklagten das Urtheil aus und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, da der Gerichlshoj unziilässiger- weise den§ 20 Absatz 2 mit hineingezogen habe. Drpeltftcn. Wolfs's Telegraphen-Bureau. EakaiS, 4. Mai. Infolge des Slurmes ist gestern bei Saugalte«in Fischerboot umgeschlagen; dabei sind 9 Fischer «rtrilliken. Bilbao, 4. Mai. Der Ausstand der Bergarbeiter in Arbo- leda ist beendet und die Ordnung vollkommen wiederhergestellt. New-Aork, 4. Mai. Ein Cyclon verwüstete 3 Meilen west- lich von Siouxfalls die Gegend vollständig und richtete auch in der Nähe von Siouxfalls großen Schaden an. Das Zentrum des Cyclons befand sicy 45 Meilen nördlich. Man glaubt, daß 50 Personen getödtet sind. Verantwortlicher Redakleur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Pasing in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu drei Beilage». 1. Beilage zum„Vomkirts" Berliner Volksblatt. Nr. 104. VÄvlsmenkslrevichke. Deutscher Reichstag. 84. Sitzung vom 4. Mai 1895. I Uhr. Am Bundesrathstische: v. B ötti cher, Graf Posa- dowskl). Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathung des Gesetz- «ntwurss. betr. die privatrechtlichen. Verhältnisse der B> n n e n s ch i f f f a h r t. Abg. Meyer-Halle(frs. Vg.): Die beiden Gesetze über die Blnnenschiffsahit und Flößerei sind durch die Kommissions- der.uhung recht gute Gesetze geworden; sie schaffen Klarheit und Einheitlichkeit, die bisher auf diesem Gebiete nicht vorhanden war; es ist im große» und ganzen ein recht- licher Ausgleich geschaffen worden im Interesse der Frachtführer einer- und der Versrachler andererseits. Die noch vorhandenen Be- denken können niemanden veranlassen, gegen die Vorlage zu stimmen. Deshalb wende ich mich gegen eine Petition des Rheinisch-Weft- fälischen Lloyd, welche den Satz ausspricht, daß der Frachtverkehr ohne Versicherung gehen könne. Abg. Gamp(Rp.) nimmt die Firmen Cäsar Wollheim und Emanuel Friedländer gegen die Vorwürfe des Abg. Zimmermanu in Schutz, daß diese Firmen eine Ringbildung anstrebten. » Abg. Gcrisch(Soz.): Dem allgemeine» Urtheil des Abg. Meyer über dieses Gesetz kann ich mich durchaus nicht an- schließen. Schon der Umstand, daß uns eine mit vielen taufenden von Unterschriften bedeckte Petition vorliegt, welche will. daß das Gesetz nochmals einer Kommission überiviesen werde, zu der mehr wie bisher die Schiffer herangezogen werden, spricht nicht dasür, daß das Gesetz den berechtigten Wünschen der Schiffer entspricht. Die Schiffer, welche hart um ihre Existenz zu kämpfen haben, haben das schöne Wort vom Schutz der wirthschaftlich Schwachen als baare Münze genommen und geglaubt. daß es auch in dieseni Gesetz zum Ausdruck'kommen würde. Darin haben sie sich getäuscht. Ihre aller- bescheidendsten Forderungen sind nicht berücksichtigt und unsere Anträge nach dieser Richtung sind sowohl in der Kommission wie in der ziveilen Lesung abgelehnt worden. Bei der Lage der Sache verzichten wir darauf, diese Anträge, deren Schicksal von vorne herein feststeht, zu wiederholen. Wir sind unter diesen Umständen gezwungen, gegen das ganze Gesetz in der vorliegen- Fassung zu stimmen. Damit schließt die Generaldebatte. Für die Spezialdebatte liegt ein Antrag des Abg. Stephan- Beulhen(F.) zu § 4 vor, wonach die Hastung des Schiffsführers bei eigenem Verschulden eine vollständige sei» solle, während nach den Be- schlüsselt der Kommission eine solche Haftung nur bei böslichen Handlungen eintreten sollte. Der Antrag findet in dein schwach besetzten Hause nicht die genügende Unterstützung von 30 Abgeordneten und kommt infolge- dessen nicht zur Berathung und Abstimmung. iilbg. Stephan-Beuthen(Z.) begnügt sich damit, statt eine besondere Fassung des§ 4 zu beantragen, eine getrennte Ab- stimmung über den betreffenden Satz des Z 4 zu verlangen. Staatssekretär Nieberding bittet, den Beschluß der zweiten Berathung im Sinne des Antrages Stephan abzuändern. Abg. Placke(nall.) spricht sich für Aufrechterhaltung des Beschlusses zweiter Lesung aus, während Abg. Leuznianu (srs. Vp.) denselben als eine widersinnige Abiveichung vom Rechtsstandpunkt bezeichnet und deshalb die Wiederherstellung der Regierungsvorlage befürivortet. Abg. Metzger-Hamburg(Soz.) tritt für den Kommissions- beschluß ein, weck sonst aus der Haftungsfrage unendliche Prozesse entstehen würden zu Ungunsten der Kleinschiffer. Diese hätten sofort erkannt, daß in den ZZ 3 und 4 der Pferdefuß der ganzen Vorlage stecke. Zwischen dem Schiffseigner, der sein Schiff selbst führe und dem großen Schiffer statuire das Gesetz eine ganz un- gerechtfertigte Ungleichheit. Werde der Antrag des Abgeordneten Stephan angenommen, dann bleibe nichts übrig, als de» Schiffs- eigner» zu rathen, die Führung und Leitung ihres Schiffes anderen anzuvertrauen und lieber auf ihrem Schiff als Knecht zu dienen. Abg. v. Langen(dk.) erklärt sich namens seiner Freunde ebenfalls für die Kommissionsbeschlüsse. Dieselbe» werden ausrecht erhalten gegen die Stimmen der Freisinnigen, eines Theils des Zentrums und der Reichsparlei. Beim Z 23 kommt Abg. Schall(k.) ans die Sonnlagsruhc zu sprechen; seine Freunde wünschen auch dem Schiffergewcrbe zur Sonntagsruhe zu verhelfe». Aber es könne dabei nicht nach der Schablone verfahren werde» und man müsse hierbei auch das Wort der Schrift beachten, daß der Sonntag des Menschen wegen und nicht der Mensch des Sonntags wegen vorhanden ist. Deshalb hätten die Konservativen sich für die Annahme der vorgeschlagenen Resolution entschieden. Tie Sozialdemokraten(Gerisch und Genossen) beantragen in einem 8 23», den Schiffern eine gewisse Nachtruhe und die Sonntagsruhe zu gewähren. Abg. Meyer-Halle(srs. Vg.): Alle Parteien sind für die Sonntagsruhe eingetreten; aber der Antrag Gerisch läßt sich in seine» Folgen nicht übersehen, er gehört auch mehr in die Gewerbe- Ordnung als in dieses Gesetz. Wir müssen erst ab- warten, was die von der Regierung angestellten Ermitlelungen ergeben. Der Antrag der Sozialdemokraten wird nur von den wenige» anwesenden Sozialdemokraten und einigen Zentrumsmitgliedern unterstützt, was jedoch nicht ausreicht, sodaß der Antrag nicht zur Abslininuing und Verhandlung kommen kann. Abg. Metzger(Soz.): Wir würden unfern Antrag nicht wieder eingebracht und überhaupt kein Wort darüber verloren h'ben, wenn nicht der Abg. Schall die Frage der Sonntagsruhe niigeschnitlen hätte. Eine große Anzahl von Privnlschiffern der Rheinprovinz warnt in einer Petition den Reichstag vor der An- nähme, daß der rheinische Schifferverband gegen die Sonntags- ruhe und Sonntagsheiligulig sei. Sie bekämpfen die Petition der großen Rheder, daß es unmöglich sei. diese Maßregel im Schiff- fadrtsgeiverbe durchzuführen. Auch die Sonntagsruhe sei möglich, Diese Schiffer beanspruchen für sich dieselben Segnungen der Religion und Sitte wie die übrigen Gewerbe. Daß die Rheder auch von ihnen abhängige Kleinschiffer sür ihre Petition ge- wonnen haben, ist selbstverständlich und fällt nicht ins Gewicht. Abg. Hahn stellt fest, daß in der Kommission kein einziges Mitglied für die Großschiffer eingetreten ist, sondern immer sür Kleinschiffer, deshalb sei die Kommission allen möglichen Anzapfungen ausgesetzt gewesen, in der Frage der Nacht- und Sonntagsruhe bedürfe es aber noch anderer Untersuchungen; deshalb habe man sich mit der Resolution begnügt. Abg. Singer(Soz.): Die sozialdemokratische Partei hat nie einen Zweifel darüber gehabt, daß der Vorredner und seine Freunde an platonischen Betheuernngen sür die Arbeiter uns ivomöglich noch übertreffen; der einzige Unterschied zwischen den Herren und uns besteht darin, daß während sie sich bemühen, fromme Wünsche und Meinungen zu äußern, wir die Gesetzgebung be- nutzen wollen, praktische Bestimmungen, die wir sür nothwendig halte», einzuführen. An der Thatsache. daß die sozialdcmo- kralische Partei die einzige im Hause ist. welche die für die Schiffsmannschaft nothwendige Sonntags- und Nachtruhe ein- führen will, haben die Aeußerungen des Abg. Hahn nicht das Sonntag, den 3. Mai 1893. geringste geändert.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Abg. Hahn: Die Sozialdemokraten stehen auch sehr platonisch den Wünschen der Arbeiter gegenüber, sie haben gegen meinen Antrag gestimmt, wonach die Arbeitszeit der Schiffsoffiziere beim Löschen und Laden beschränkt werden solle. Z 23 wird darauf unverändert genehmigt. Ein Antrag des Abg. G e r i s ch(Soz.) im§ 29 besondere Vereinbarungen über die Ladezeit auszuschließen, findet nicht die genügende Unterstützung. Entsprechend dem Beschlüsse zweiter Lesung zum 8 L8 wird der daselbst gemachte Zusatz, wonach für denselben Tag nicht mehrfach Liegegeld beansprucht werden darf, auch zum K 53 beschlossen. Beim§ 60 erneuert Abg. Gamp(Rp.) seinen Widerspruch gegen die Bestimmung, daß bei lose geladenen Gütern sür ein Mindergewicht oder Mindermaß von einem halben vom Hundert der Frachtführer nicht verantwortlich ist. Abg. Rösicke(wild) schließt sich diesem Widerspruch an. Abg. Mctzger-Hambnrg(Soz.) tritt für die Ausrechterhaltung der Beschlüsse zweiter Lesung ein. Dieselben werden jedoch durch den Autrag Gamp ersetzt. Einige weitere Anträge der Sozialdemokraten finden eben- falls keine genügende Unterstützung. Die Vorlage wird im übrigen ohne Debatte unverändert in ihren einzelnen Theilen und schließlich auch im ganzen an- genommen. Der Gesetzentwurf betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Flößerei wird in dritter Lesung en bloe angenommen. Darauf folgen Petitionen. Die Petitionen wegen einer Reform der Zuckerbesteuerung und wegen angemessener Besteuerung des Saccharins werden dem Reichskanzler als Material überwiesen. Petitionen wegen Aenderung des Viehseuchengesetzes werden durch Ucbergang zur Tagesordnung erledigt. Petitionen wegen Abänderung des Unfallversicherungsgesetzes werden dem Reichskanzler als Material überwiesen; Petitionen wegen Aenderung des Jnvalidenversicherungsgesetzes durch Ueber- gang zur Tagesordnung erledigt; Petitionen wegen Ausdehnung des Gesetzes über die Gsmerbegerichte auf die Handlungsgehilfen werden zur Erwägung überwiesen, auf die ländlichen Arbeiter und Dienstboten dagegen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Zum Vorschlag des Präsidenten für die nächste Tagesordnung beantragt Abg. Richter auch die Prüfung der Wahl des Abg. v. Dziembowski zur Ver- Handlung zu stellen. Abg. v. Staudti(k.) erhebt Widerspruch dagegen, weil diese Wahlprüsung zu erheblichen Debatten führen werde. Abg. Singer(Soz.) schließt sich vem Antrag Richter an, den auch der Präsident schließlich zu dem seinigen macht. Zlbg. v. Siandy bleibt bei seinem Widerspruch und spricht Zweifel an der Beschlußfähigkeit des Hauses aus. Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von 102 Mit- gliedern, während 199 zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Der Präsident stellt deshalb die Tagesordnung aus eigener Macht. Vollkommenheit fest. Schluß 3Vl Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. (Zweite Berathung des sozialdemokratischen Antrages wegen des Vereins- und Versammlungsrechts: Abstimmung über die Wahl des Abg. Böttcher, Prüfung der Wahl des Abg. Dziembowski- Bomst; Anträge Rickert wegen des Schutzes des Wahlrechts und Grafen Holstein wegen Aenderung der Bestimmungen über die Lohnbeschlagnahme.)—— porlaittettkarilAles. Tic Kommission zur Vorberathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zollvereinigungs- Vertrages vom 3. Juli 1S67 besteht ans den Abgeordneten Bauermeister, Bindewald, Dr. Blankenborn, B u e b(Soz.), Dieden(Vorfitzender), Dr. Goertz(Schrislführer), v. d. Gröben- Arenstein, Dr. Haminacher, Hesse, Hilgendorff, Krämer, Marbe, Melbach, Metzner(Neustadt), Neckermann, Dr. Pichler(Schrift- führer), Dr. Rzepniiowski, Schmidt(Elberfeld), Singer(Soz.), Speiser, v. Standy(Stellvertreter des Vorsitzenden). LHlrnles. Vor dem 1. Mai konfiszirt— nach dem 1. Mai frei. gegeben! Die Maifest- Nummer, die am 26. April beschlag nahmt worden war, ist uns gestern per Möbelwagen, der von einer Anzahl Kriminalbeamten eskortirt wurde, wieder zugefahren worden. Etwas langsam finden wir es, daß dies erst gestern, am 4. Mai, geschah, trotzdem der Gerichtsbeschluß, der die Frei- gäbe verjügt, schon aiu l. Mai gefaßt wurde. Ter wesentliche Inhalt dieses vom I. Mai datirlen und uns am 4. Mai zu- gestellte» Gerichtsbeschlusses lautet: „Ter§ 130 Reichs-Slrafgesetzbuchcs erfordert zu seiner An- Wendung nicht nur, daß verschiedene Klassen der Bevölkerung öffentlich zu Gewallthäligkeiren gegen einander angereizt werden. sondern auch namentlich, baß dies in einer Weise geschieht, wo- durch der öffentliche Friede gefährdet erfcheint; die An- reizung muß von der Art sein, daß dadurch eine ivirkliche Ge- fahr sür den öffentliche» Frieden, d. h. die»aheliegende Möglichkeit einer gewalllhätigen Störung des allgemeine» Friedens, herbeigeführt wird. Daß nun die beschlagnahmte Druckschrist„Maiseier 1395" einen folchen aufreizende» Inhalt hat, daß die Befürchtung begründet erscheint, der Leserkreis oder die Bevölkerungsklasse, sür welche die Druckschrift vorzugsweise bestimmt ist, könnte dadurch zu Ausbrüchen von Gewaltthälig- leiten hingerissen oder verleitet oder in eine besonders gefährliche Stimmung versetzt werden, kann nicht anerkannt werden. Was die inkriminirte Druckschrift in Wort und Bild darbietet, sind Zukunftsbilder, ausgesprochene Hoffnungen, daß Einigkeit, Macht und Stärke der sog. unterdrückten Klassen zu den vorgesteckten Zielen sühren werden. Allerdings rvird darauf Hingewiese», und unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß doch schließlich nur durch gewaltsame Kämpfe die angestrebte Befreiung erreicht werden kann, allein es geschieht dies doch nicht in einer so aus- stachelnden Weise, daß die Besorgniß einer Gefahr der Störung des öffentlichen Friedens sür begründet erachtet werden könnte. Fehlt es aber hiernach an dem Thatbestande eines Ver- gehens wider 8 170 des Reichs-Strafgesetzbuches, so konnte auch die angeordnete Beschlagnahme nicht aufrecht erhalten werden. (8 351 der Reichs-Strafprozeß-Ordnuiig.)" Daß übrigens der Inhalt unserer Maifest-Zeitung nicht gegen den 8 170 des Reichs-Slrasgesetzbuchs verstößt, hätten wir der Polizei und dem Gericht schon vorher schriftlich geben und es »öthigenfalls beeidigen können. Dieser 8 770 lautet: Wer bei Eingehung einer Ehe dem anderen Theile ein gesetzliches Ehehinderniß arglistig verschweigt, oder wer den anderen Theil zur Eheschließmig arglistig mittels einer solchen Täuschung verleitet, welche den Getäuschten berechtigt, die Giltigkeit der Ehe anzufechten, wird, wenn aus einen» dieser Gründe die Ehe aufgelöst»vorden ist, mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestrast. 12. Jahrg. Wie kann man unserer Maifest-Zeitung nur solche Schacid- thaten zutrauen? Sollte etwa der 8 130 gemeint sein?— Was die Konfiskation sonst noch sür Folgen gehabt hat, siehe in der folgenden Notiz. Die unbeabsichtigte» Folgen der Beschlagnahme de? Maifest-Zeitung konnte»nan gestern iin Lause des Nach- mittags in den verkehrsreichsten Straßen der Stadt beobachten. Die Kolporteure machten sich die Freigabe der Nummer in aus- gedehntestem Maße zu Nutzen, so daß dem Schreiber dieser Zeilen in der Friedrichstraße allein auf der kurzen Strecke von der Behren- bis zur Leipzigerstraße die Nummer neun in a l zum Kaufe angeboten»vurde. Der Herr Staatsanivalt hat sich»virklich wieder eininal, wenn auch»vider Willen, als unser bester Agitator eriviesen. Ter Humor stirbt»virklich«icht aus. Jetzt hat es Tr. Hans Blum fertig gekriegt, gegen den Re- dakteur unseres Blattes die Privatklage wegen verleumde- rischer Beleidigung anhänglich zu machen. Die B e l e i d i- g n n g soll darin bestehen, daß wir Herrn Blum, gestützt auf die amtlichen stenographischen Berichte, die Fälschung der von ihm gebrauchten Zitate nachiviesen. Verleumdet sollen wir aber Häuschen dadurch haben, daß»vir annahmen, er habe seine famosen Boulanger- Artikel in der„Magdeburger Zeitung" zu dem Zivccke veröffentlicht,„um die Führer der deutschen Sozialdemokratie laiidcsverrätherischer Beziehungen" zu bezichtigen. Herr Blum behauptet nun in seiner Klage- begründnng, daß in seinen Artikeln von einer solchen Be- schuldigung„mit keinem Worte die Rede ist" und daß nur »vir, die Redaktion des„Vormnrts", ihm, Blum, diese Ab- ficht bösivillig unterstellt haben, um ihn„dadurch wissentlich zu verleumde»»".— Jetzt bleibt iinr noch die Preisfrage: Warum hat deun Herr Blum die Artikel überhaupt ge- schrieben,»veili» er damit die deutsche Sozialdeinokratie nicht des Landesverraths bezichtigen wollte?— Die jammervolle Roth, die Unmöglichkeit sich und ihr Töchterchen ernähren zu können, haben an» Sonnabend früh 9 Uhr die 32 jährige nnverheirathete Pauline Gröst mit ihrer 5 jährigen Tochter Else in einen schauerlichen Tod getrieben. Die beiden bervohnten seit dein 1. d. M. Zionskirchstr. 50 ein Zimmer in» ziveiten Stockiverke. Die neue Mietherin war polizei» lich»och»icht gemeldet; früher hat sie in der Bernauerstraße ge- »vohnt. Der Umstand, daß sie noch keine Miethe bezahlt hat, und die sehr ärmliche Einrichtung ihrer kleinen Wohnung lassen auf eine große Nolhlage schließen. An» Sonnabend Morgen um die an- gegebene Zeit sah die Reinmachefrau Krober,»vie die Gröst mit ihrer Tochter die Treppe des Hauses hinanflief. Die Frauen redete» sich an, und die Gröst bot hierbei der Frau Krober ihr Wirthschaflsgeschirr mit dem Beinerken zum Kaufe an, daß sie es in Zukunft»»»cht mehr brauche. Der Kauf kam noch nicht zlim Abschluß, die Frauen gingen auseinander. Bald nachher sahen Hausbewohner die kleine Else ails dein Fliirfenster des süiiften Stockiverkes a>»f de»»»nit Steinen gepflasterten Hof herabfliegen. Gleich hinter ihr her kam ihre Mutter: sie hatte ihr Töchterchen hinabgeivorfen und sich dann selbst nachgestürzt. Ein Arzt, der herbeigerufen»vnrde, konnte»icht»nehr helfen, sonder» nur noch den Tod beider Personen feststellen, der sosort eingetreten»var. Den Unglücklichen»varen die Schädel voll- ständig zerschineltert. Die Leichen»vurden noch a>n Vormittag in das Schanhaus gebracht.— Wieder ein Beitrag zu den» bei den Berliner Behörden so beliebten Thema:„Es giebt keinen Nolhstand!" Von anderer Seite»vird über den Fall noch folgender- maßen berichtet: Ihre Miethe hatte die junge Arbeiterin beim Einzug nicht erlegt, die Begleichung derselben vielinehr für heute zugesagt. Niemand kannte sie, niemand»veiß etivas von ihren Schicksalen, die einzige Person,»nit der sie in Berührung kam, »var die Inhaberin eines Lumpenkellers in der Nachbarschaft, bei der sie dies und jenes von ihren geringen Habseligkeiten gegen »venige Groschen veräußerte, um,»vie sie sagte, sich Brot und Petroleuin zu kaufe». Ihre Bettstelle hat sie gleich am ersten Tage ihres Aufenthalts in der neuen Wohnung einer unbekannten Franeiisperso» ausgehändigt, so daß sie»nit der Kleinen in den letzten Tagen ans dein Slrohsacke kmnpirte. Heute früh nun llopste sie gegen acht Uhr bei ihrer Flurnachbarin ui»d bat diese, ihr etivas Geschirr abzukaufen. Der Kauf wurde abgelehnt. Später erschien sie bei der oben erivähnten Lumpenhändlerin und bot dieser einige Luinpen, eine ziemlich iverthlose Wanduhr und ihre Lampe zum Kauf an. Sie begründete den Verkauf mit der Absicht, Berlin bald zu verlassen, um eine in Frankfurt »vohncude Schivester aufzusuchen. Als sie dann 1 Mk. und 40 Pf. für die Gegenstände in Empfang genominen hatte, meinte sie zu der sie begleitenden Kleine», einein hübschen Mädchen: „Sieh', Elschen, so haben»vir heute doch noch eininal zu essen." Um 9'/» Uhr stürzte sie sich dann Arm in Arm mit ihrein Töchterchen aus dein in» vierten Stock gelegene» Flurfenster»n den Hof. Mutter»vie Tochter »varen augenblicklich todt. „Rache ist süß", denkt Herr Bronsart von Schellendorf, der preußische Kriegsminister, und der Minister des Inner», Herr v. Koller. Und»ver so niederträchtig ist, den» preußischen Staat fahnenflüchtig zu»verde»», dem soll auch im Ausland das Glück gründlich versalze»»verde»», sich in die sanften Fesseln der Ehe zu begeben. Darum sind durch die beiden Herrn Minister die preußischen Gemeindebehörden angeiviesen ivorde», für solche Personen fernerhin keine»Aufgebote z u n» Z>v c ck e der Eheschließung»nehr bekannt zu»nachen und etivaigen Anforderungen»vegen Bekanntmachung des Ehe- Aufgebots für im Auslände sich aushallende Deutsche»»»»r dann zu entspreche»,»venu die betreffende» Personen den giltigen Nachiveis führen können, daß sie sich»veder einer Fahnenflucht, noch der Verletzung der Wehrpflicht schuldig geinachl habe». Es sind ferner die Gemeindebehörden noch besonders darauf ans- merksam gemacht worden, daß Aufgebote und Eheschließungen von Militärpersone» des Friedensstandes und vorläustg in die teiinath beurlaubten Rekruten und Freiivillige», die sich der nhnenfluchl schuldig geinacht, nicht vorgenoniinen werden dürfen. »veil die Bezeichneten zur Verheirathnng der Genehmigung ihrer militärischen Vorgesetzte» bedürfen, diese aber niemals erhalten, so lange sie nicht zurückgekehrt und ihr Vergehen gesühnt haben. Gegen das Wohnen der Berliner Beamten in de» Vororten sind vor einiger Zeit die Harisbesitzcr bei de» Be- Hörden vorstellig geivorde»,»veil sie allein das Recht zu haben glauben, den Verdienst aus der Wohnungsmiethe von Berliner Beainten eiiiznkassire»». Und es scheint, als ob sich der Magistrat babe breitschtagen lassen. Wie bekannt»vird, hat der Berliner Magistrat»,» dieser Frage dahin Stellung genommen, daß den städtischen Beamte,», auch den Lehrer», das Wohnen in den Vor- orte» nur aus besonderen Gründen, also etwa aus Gesundheits- rücksichte», gestattet»verden soll, doch muß hierzu in jedem Falle die Erlaubniß des Magistrats eingeholt werden, der sich in solchen Fällen eine Versetzung des Bernnten in eine andere gleich hohe Rangstelle vorbehält. Von den Staatsbehörden, bei denen dir Gegen den Be- schwebt äugen- Hnnsbesitzer in derselben Angelegenheit petitionirt haben, ist eine Antwort auf die Anmaßungen der Berliner Hanspaschas bisher noch nicht eingegangen. Die KinderauSsetzung am Gchiffbanerdamm hat sich schneN geklärt. Dort war am Freitag morgen, wie schon be- richtet, in einem Thorweg ein kleines Kind gefunden worden. Das 20. Polizeirevier erhielt Kenntniß davon, daß die 23 Jahre alte Alwine Schulz aus der Elisabethstraße einem Kinde das �eben geschenkt hatte und infolge dessen krank danieder lag. Man ließ die Kranke in dieselbe Anstalt bringen, in welcher der kleine Findling Unterkunft gefunden hatte und stellte bald fest, daß beide zusammengehörten. Natürlich ist Nothlage der Mutter die Ursache der Aussetzung gewesen. Tie Sonntagsruhe in der Glasfabrik. sitzer der Stralaner Glasfabrik, Neumann blicklich wieder ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Sonn tngsruhe. Ein Gendarm hatte an einem der letzten Sonntage den Befehl erhalten, die gesammten Fabrikräume zu kontrolliren. Es stellte sich heraus, daß in sämmtlichen Räumen von 02 Per- sonen gearbeitet wurde. Der Anarchist Döring, der wegen einiger in der Anarchlsteuversammlung vom 1. Mai 1K9s gethaner Aeußerungen Zu einem Jahr Gefängniß vernrtheilt war, ist während seiner Haft im Strafgefängniß zu Plötzensee gestorben. Ei» bedenklicher Schlaftrunk wurde kürzlich einem in Berlin ansässigen Herrn von der Hand seiner„besseren Hälfte" dargereicht. Der Mann hat die Gewohnheit, abends vor dem Schlafengehen noch eine Tasse Milch zu trinken. Einmal nun war es ihm, als ob die Milch einen ganz eigenthümlichen Neben aeschmack hatte. Er setzte das Trinken aus, und übergab, da er Verdacht schöpfte, den Nest der Behörde zu weiterer Feststellung Das corpus delicti wurde dem Gerichlschemiker Dr. Bein zur Untersuchung übergeben, in dessen Laboratorium sich der ana- lysirte Schlaftrunk keineswegs als eine„Milch der frommen Denkart" erwies. Sie enthielt Chloralhydrat, und zwar kamen auf die halbe Taste 5— 6 Gramm. Wenn der Ehemann nicht so bedächtig geschlürft und weniger kritisch auf den Geschmack geachtet hätte, so wäre er sanft in die Ewigkeil hinübergcschlummert. Jetzt wird die„liebevolle" Gattin gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden. Einem Ranbanfalle am hellen Tage will gestern im Thiergarten der in Schöneberg wohnende Tischlergeselle B a l l e n t h i n zum Opfer gefallen sein. Wie er der Polizei angezeigt hat,»vurde er gestern Mittag um IL Uhr. als er durch die Sieges-AUee ging, von drei gntgekleideten Männern um Geld angesprochen. Und als er dieses verweigerte, sollen sich die drei plötzlich auf ihn gestürzt, ihm die Uhr abgerissen und das Portemonnaie mit 6 M. Inhalt weggenommen habe», worauf sie in den Thiergarten geflohen sein sollen. Das alles soll mit solcher Schnelligkeit geschehen sein, daß Ballenthin vor Schreck nicht hat um Hilfe rufen könne». Ein Briefträger vom Postamt in der Georgenstraße, namens Wilhelm B r o ch e n. sprang gestern Nachmittag in selbstmörderischer Absicht am NeichslagSufer in das Wasser. Er tvurde bis zur Marschallbrücke getrieben, wo es zwei Schiffern gelang, den Lebensmüden mit Stangen zu erfassen und in ein Boot zu ziehen. Der Besinnungslose wurde nach der Charitee geschafft. Ueber das Motiv der That konnte noch nichts ermittelt werde», da der Briefträger nicht vernehmungsfähig ist. Einen mistgliicktcn Flnchtverfnch unternahm am Sonnabend Morgen gegen V«g uhx der Schlächtergeselle Braun aus Berlin. Braun wurde aus dem Hilfsgesängniß Rummels- bürg zur Wahrnehmung eines Termins nach Moabit transportirt. Kurz hinter der Strafanstalt am Bahnviadult nahm Braun „Reißaus", wurde aber auf der Stralauer Chaussee von dem Transporteur wieder gefaßt und nun gefesselt nach Moabit ae- führt. Für den kühnen Fluchtversuch harrt seiner jetzt eine Disziplinarstrafe von 7 Tage» strengen Arrest. Was lange währt, wird gut. Neunzehn Jahre verlobt gewesen zusein und dann heirathen, dürfte wohl einzig dastehen. Jetzt hat es ein Restaurateur in der Klosterstraße endlich über sich gewinnen können, seine seit zwei Jahrzehnten Aus- erkorene ins eheliche Heim zu führen, nachdem er so lange im Zweifel war, ob er die Ansprüche seiner„ISjahrigen Braut" auch erfüllen könnte. Ju der Nrauia finden heute und morgen Abend die letzte» Vorführungen des Ausstattuugsvorlragcs„Das Wunderland der neuen Welt" statt. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend wiederholt Herr Dr. P. Schwatz« seinen aus eigenen Wahr- nehmungen geschöpften Vortrag über das„Laibacher Erdbeben", Freitag Herr P. Spieß„Tesia's Licht der Zukunft", und am Mittwoch wird Herr R. Tabbert zum ersten Male über„Die afrikanische Schatzkammer, die Goldfelder Transvaals" sprechen. Eine praktische Neuerung ist bei der Großen Berliner Oinnibusgesellschast eingeführt worden. Die Schaffner haben die Anweisung erhalten, bei solchen Straßenzügen, an denen Passagiere aussteigen müssen, um zu irgend einem Thealer oder Zirkus sc. zu gelangen, das belreffende Etablissement nebst dem Namen der Straße in das Innere des Wagens hineinznrufen. Hundewarke». Ans Anlaß des jetzt statlsindenden Wechsels der Hundestenermarken empfiehlt der deutsche Thicrschutz-Verein, dem der fiskalische Hundefang in Berlin und l8 Bororten ob- liegt, darauf zu achten, daß die Marken nicht blos dauerhaft, sondern auch sichtbar befestigt werde», am besten auf dem Stirn- band des Maulkorbes oder vermittels einer kleinen Zielte am Halsband, um sich so davor zu schützen, mit dem„Hundesänger" in Konflikt zu gerathen. Bezüglich des räthselhaften Schatzes, der dieser Tage im Friedrichehaiu gesunden und der hiesigen königlichen Münze zur Begutachtung übergeben wurde, bestätigt es sich, daß es sich lediglich un> Falsifikate handelt. Die Falschstücke sind älteren Ursprungs, höchst ivnhrscheinlich in den Jahren 1890/91 verserligt und nur wenig i» Verkehr gegeben, da bisher nur«in paar Exemplare dieses Fabrikats vor Jahren angehallen und be- schlagnahmt wurden. Behördlicherseits wird geglaubt, daß der gefundene Schatz von einein unlängst in der Neue» Königstraße verhasteten Falschmünzer vergraben wurde, welcher die Falsisikale als mißrathene betrachtete und sie deshalb in der Erde in Sicherheit brachte. „Große VerkehrSverbesseruugeu" scheint der Berliner Magistrat zu plane». Er hat beschlossen, den Stadtbaurath Hobrecht und die Stadträthe Meubrink und Marggraff nach einigen größeren Städten, namentlich nach London und Paris, zu {enden, um dort die neueren Verkehrsanlagen, Pferdebahnen, Zmiiibns, elektrische Bahnen in ihren verschiedenartigen Bau- arten, Hochbahnen, Stadtbahnen, Untergrundbahn u. s. w. zu studiren und darüber zu berichten. Die„uulautere Koukurreuz" sollte durch eine Polizei- verordnnng bekämpft werden, wonach jeder Inhaber eines offenen Geschäftslokals verpflichtet sein sollte, seine» bürgerlichen Namen an seinem Geschästsiokale in einer von der Straße aus deutlich erkennbaren Schrift anzubringen. Tei» Erlaß einer solchen Polizeiverordnung hat das Magistratskollegium die Zustimmung versagt. Freie Arztwahl. Unserer heutigen Nummer liegt ein an die Mitglieder von Krankenkassen gerichtetes, vom Vorstand der „Freien Vereinigung der Krankenkassen Berlins und der Vororte mit freier Arztwahl" ausgehendes Flugblatt bei, in welchem den Kassen das System der freien Arztwahl empfohlen wird. Polizeibericht. Am 3. d. M. fiel ein vierjähriger Knabe in der Wrangelstraße ans dem 2. Stock auf den Hof hinab, an- scheinend ohne erhebliche Verletzungen erlitten zu habe».— Vor- mittags wurden im Flure eines Hauses am Schiffbauerdamm ein neugeborenes Kind und abends in einem Hause in der Markusstraße ein etwa 4 Monats alter Knabe ausgesetzt vor- gefunden.— In der Barniinstraße wurde»achmitlags ein zwölfjähriger Knabe durch einen Bierwagen überfahren und ans der Stelle getödtet.— An der Ecke der Tilsilerstraße und Frank- fiirter Allee jjerieth ein vierjähriges Mädchen unter die Räder eines Bierwagens und erlitt bedeutende Verletzlliigen am Kopfe und an einem Arm.— Am Reichstags- User sprang ein Mann in der Absicht sich zu ertränken in die Spree, wurde aber alsbald aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht. — Auf einem Grundstück an der Warschauersiraße wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes ausgefundeu.— Abends machte ein Mädchen in der Wohnung seiner Eltern in der Posenerstraße den Versuch sich zu vergiften. Es wurde in ein Kcaukenhaus überführt.— Am 4. d. Mts. morgens sprang am Mnhlendamnt ein Mädchen in die Spree und ertrank.— Im Laufe des Tages fanden drei kleine Brände statt. Witteruugsnbcrsicht vom 4. Mai 18SS. Wetter-Progiiose für Soiliitag, K.Mai l�i>2. Trockenes, ziemlich heiteres Weller mit mäßigen bis frischen nordöstlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner W e t t e r b u r e a u. GeviÄtks-IZeikulliz. Eine Unglückliche stand gestern in der Illjährigsn Dienst- inagd Marie Schmidt vor dein Schwurgericht an» Land- gericht II. Die Angeklagte diente bei dem Brigade- Adjutanten Premierlientenanl v. Auer in Schöneberg und schlief mit einem Kinde der Herrschaft»eben dem Schlaszimmer der letzteren. In der Stacht zum 23. November v. I. gab sie einem Kinde das Leben. Schon in Verzweiflung, was sie damit in ihrer gänz- lichen Mittellosigkeit anfangen solle, fürchtete sie. daß das Kind schreien und die Herrschaft dies hören könne. Deshalb drückte sie den» Kinde den Keblkovf zu, doch machte sie am Morgen selbst der Herrschast soiorlige Miltheilung. Sie wurde verhaftet und war vor Gericht geständig. Die Geschivorenen billigten ihr mildernde Umstände z». Das Urlheil lautete auf ei» Jahr Gesängniß, wovon zwei Monate aus die Unlersuchungshast angerechnet wurden. Ei» Tciteiistnck zum Fall Leist wurde dieser Tage i» Saargemüiid verhandeli. Bor der dorligeu Straskamiiler halte sich ein junger Beamter, der Gerichlsassessor Adolf v. Franke» berg, wegen schwerer Aliitsvergehe» zu ver- antworteii. Er war augeklagt, im Laufe dieses Jahres als kommissarischer Amtsrichter in Großtäuchen mit zivei ver- urtheilten Dirnen, namens Friederike Fischer ans Hunaweier und Elise Rüdel ans Bamberg, die ihm als Gefangene unter- stellt waren, geschlechtlichen Umgang gepflogen z» haben. Die Berbandlungen fanden bei verschlossenen Thüren slntr. Die Beiveisaufnahme ergab(der„Siraßb. Post" zufolge) die Schuld des Angeklagten, der wegen Verbrechens gegen Z 174 des Straf- gesetzbuches zu acht Monnlen Gefängniß vernrtheilt wurde, wo- von ein Monat durch die Untersnchnngshaft als verbüßt zu be- trachten ist. Von seiteu der Verlheidigung wurde auf Uuzu- rechnungssähigkeit dcs Angeklagten plädirt, weshalb ein Irren- anslalts-Arzt als Sachverständiger geladen war. Der Gerichts- Hof aber verwarf diese Annahme. Der Vernrtheilte ist durch seinen grenzenlose» Leichtsinn von Stufe zu Stufe gesunken. Als seine Verbrechen osfeilkuudig wurden, nahm er seine Entlassung aus dem Justizdienste und verzog aus dem Reichslande, um sich anderwärts eine Stellung zu suchen, wurde aber steckbrieflich ver- folgt und in Elberfeld verhastet. Der Gefüngnißaufieher i» Groß- tänchen war schon vor einiger Zeit wegen ähnlicher Vergehe» verurtheilt worden. Die Redakilon Nellt die Benuyuna de» Svrechsaalz. toireil der Raum dafür abzugeben ist, dem Dublikum zur Bewrechung von Angelegenhellen allgemeinen Jnleresses zur Verfügung; sie ivahrl sich aber gleichzeilig bagegen, mit dem Jnbait desselben tdenlisizirl zu werden. Unter„Sprechsaal" bringt der„Vorwärts" in seiner Nr. 101 vom I. Mai einen Artikel über die freie Arztwahl unter bezng auf einen Artikel in Nr. 94 des„Vorwärts", betreffend den Jahresbericht der Orts-Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kausleute, Handelsleute und Apotheker. Soweit sich der Ein- sender gegen den qu. Artikel wendet, berühren uns seine Aus- führungen nicht, soweit derselbe sich jedoch über den Geschäftsbericht der Kasse von 1894 äußert, sehen wir uns veranlaßt, uns gegen seine Ausführungen zu verwahren. Der Einsender gesteht selber zu, keinen vollständigen Jahresbericht unserer Kasse von 1394 zu kennen, dann hätte er sich aber auch einer Kritik des Berichtes sowie der Verwaltung entHallen sollen. Wenn der Einsender darauf hinweist, daß nach seiner Kenntniß die Anforderungen stetig in den letzten vier Jahren gestiegen seien, so weisen wir ihn darauf hin, daß wir unserem Geschäftsberichte eine Tabelle beigegeben haben, welche das ständige Anwachsen der Ausgaben sogar seit zehn Jahren, d. h. seit Bestehen der Kasse, vor Augen führt, und zwar in der offen ausgesprochenen Absicht, die freie Arztwahl zu entlasten. Die Kassenverwaltung ist bestrebt gewesen, gleichmäßig Licht und Schatten zu vertheilen, dessen wird sich auch der Einsender beim Lesen unseres Jahresberichtes bewußt geworden sein. So wie der Euifender mit den Zahlen um- springt, kann es die Kassenverwaltung in ihrem Geschäftsberichte nicht thun. Er addirt die einzelnen, in dem fraglichen Artikel migegevenen Ansgabepositionen und erhält eine Gesammtsumme von 19,72 M. als Durchschnitlsansgabe im Jahre 1893 pro Mitglied. während nach dein amtlichen Bericht, welchen er besitzt, die Gesammt-Durchschnittsausgabe 20, öö M. im Jahre 1893 be- tragen soll. Dies ist auch ganz richtig, den» es fehlen in dem Zeitungsartikel die Ausgabepositionen für Sterbegeld, zurück- gezahlte Beiträge und sonstige Einnahmen. Er vergleicht da»» diese höhere Suimne von 20, SS M. mit der Ausgabesliulme von 1394, vergißt aber hier ebensalls die vorstehenden Positionen zuzurechnen. Das Resultat ist jedoch, daß die Ausgaben jedenfalls höhere gewesen sind, als sich aus dem einfachen Geschäftsbericht ergiebl. Der Vor- stand kann sich daher trotz allem Wohlwollen für die freie Arztwahl nicht verhehlen, daß die Belastung der Kasse unter der freien Arztwahl eine größere gewesen ist, als er bei Einführung derselben erwartet Halle. Zum Schluß soll übrigens nicht unerwähnt bleiben, daß Vorstand und Kassen- venvaUnng dem fraglichen Artikel in Rr. 94 des„Vorwärts" vollständig fern stehen. Straube. DviekKskkeu dsv Nedskkiou. Wir btlten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Bnchsiaben oder eine Zahl anzugeben unier der die Anlivorl ertheill werden soll.> In Rechts« ngelegenheiten wird auss.chließ- l i ch am Montag, Dien st ag, Donner st ag und Freitag von 7 bis 3 Uhr abends Auskunft er« i hei lt. Bildhauer. Melden Sie die Angelegenheit ihrer Gewerk- schalt- I. S. Die Nichte. I. At. Bantechnisch und kurz sehr erwünscht, sozial» politische Seite wird schon bearbeitet. Gruß! Moabit Nr. 8. Die Sklaveilbefreinng in Südamerika fand in den verschiedenen Staaten nicht zu gleicher Zeit statt. Die meisten haben die Sklaverei erst nach dem Ende des nord- amerikanischen Bürgerkrieges(1865) ansgehoben. Die endgiltige Be- sreiung der Sklaven in Brasilien, die durch ein Gesetz vom Jahre 1871 vorbereitet wurde, fand erst unter der Republik statt. P. O. Itttt. Was nicht pfändbar ist, kann auch nicht retinirt werde». U» pfändbar sind auch für den Bermielher in Preußen(nicht aber für den Verpächter): die Kleidiiiigsstücke, die Betten, das Hans- und Küchengeräth, soweit diese Gegenstände für den Schuldner, seine Familie nnd sein Gesinde nnentbehrlich sind, ferner die für den Schuldner, seine Familie nnd sein Gesinde auf zwei Wochen erforderlichen Nahrnngs- und Fenerungs- mittel, ferner: eine Dülchkuh oder nach der Wahl de- Schuldners statt einersolche» zwei Ziege» oder zwei Schafe nebst demzuUnierhalt nnd Streu ans zwei Wochen erforderlichen Futter und Stroh, sofern diese Thier« für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie nnd seines Gesindes unentbehrlich sind, ferner: bei Künstlern. Handwerkern, Hand- und Fabrikarbeilern, sowie bei Hebamme». die zur persönliche» Ausübung des Berufs unentbehrlichen Gegen- stände, ferner bei Personen, die Landwirthschaft betreiben das zum Wirthschastsbelrieb unentbehrliche Geräth, Vieh- nnd Feld- iiiventarinm nebst dem nöthigen Dünger, sowie die tand- wirtdschaftliche» Erzengnisse, welche zur Fortsetzung der Wirthschast bis zur nächsten Ernte nnentbehrlich stnd, endlich die Bücher, welche zum Gebrauche des Schuldners nnd seiner Fainilie in der Kirche oder Schule bestimmt sind. Offiziere, Beainle», Geistlichen, Lehrern an öffentlichen Unterrichtsanslalleii, Rechisanwälren, Notaren nnd Aerzten endlich müssen auch die zur Vmvaltllng des Dienstes oder zur Ausübung des Berufes erforderlichen Gegenstände, sowie anständige Kleidung, Apothekern die zum Betriebe einer Apotheke un entbehr» lichen Gerälhe, Gefäße und Maaren belassen werden. — S. 100. Ein einzelner oder eine Fainilie, die gegen freie Wohmiiig die Reinigung übernimmt, ist nicht Miether oder Aftermiether. Ter Wirth hat kein Recht, deren Exmission zu begehren. Miether oder Aflermiether ist nur der. der Mieihe für Einräumung einer Wohnilng auf eine bestimmte Zeit zahlt.— Friedland 100. Die versuchte Fortschaffung des fremden Kieses betrachtet das Strafgesetzbuch allerdings als Diebstahls- versuch.— Berlin 100. 1. Mir. 2. Mich.— Blume. Die Steuerbehörde ist im Recht; sie kann seit 4 Jahren rückständige Stenern nachfordern.— R. K. 100. Was von den Sachen nicht als entbehrlich erachtet wird, kann einbehalten werden. — Fricdrichshage» 34. Wundärzte, Augenärzte, Geburtshelfer. Zahnärzte und Tbierärzte bedürfen einer Approbation nur in soweit, als auf Schildern u. dergl. nicht approbirte Personen sich nicht als Aerzle u. s. w. bezeichne» dürsen. Die Ausübung der ärztlichen Praxis ist jedoch frei und nicht von einem Be- fähiguiigsnachiveis� abhängig.— Gilb. Hochzeit. Es wird recherchirl und demnächst Auskunft Ihnen ertheill werden.— Adlers- hos K4. Bitte um Wiederholniigder Frage, die uns nicht vorliegt. Tuchstoff-Neste zu Knobsnan-iigon, Celegenheitskank, spottbillig. Herrenhosen-Reste Stück 5 K. MUnzstr. 4, Engel. 36|3 Guten Kinderwagen u. 1 Regulator verk. bill. Ditlrich. Ritterstr. 116, 3 Tr. Gelbgießerci und Gürtlereitverk- statt wegen Todesfall sofort zu ver- kaufen. Näh. bei Littmann, Berlin. Lindenstr. 108. 2 Stuben, Küche, Klosel, Keller, eigener Korridor, sind mit 75 bis 90 Thlr. sofort zu vermiethen. I Hausverwaltimg Mühlenstr. 8, j nahe der Oberbaum-Brücke. Sofort ausländ, billige Schlasstelle für 1 od. 2 Herren, a. möbl., b. Wwe. Prüfer, N. Schulstr. 59/60, v. 4 Tr. 980b Frdl. Schlafstelle f. I Herrn Man- teuffelstr. 109, HofZI Tr. b. Krohner. Frdl. Schlasstelle Alexanderstr. 20». Hof 4 Tr. l. 33/11 Möbl. Balkonzimmer vermielhbar, vorn, 1—2 Personen, billig, Adiuiral- straße 19. Kaulisch. Vg6b 2 möbl. Schläfst., 6 M. n. v. Ww. 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Die Piccolomini. Montag: Wallensteins Tod. Irntsches Theater. Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Lumpengesindel. Zesling-Theater. Madame Bonivard. � Montag: Der Herr Senator. Kerlhier Theater. Madame Sans Gene. Montag: Der Probepfeil. Zlrne« Theater. Der selige Toupinel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Klhillrr-Theater. Ultimo. Morgen: Don Carlos. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dtrsidenz-Thrater. Fernands Ehe- kontrakt. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Suzetle. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Erntral-Theater. Figaro bei Hof. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Aleraiider-Plati-Tlieatcr. Durchgegangeue Weiber. Alle d Bar- risons. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Fl atio» al- Theater. Die lebende Brücke. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Theater Fluter den Finden. Rund um Wien. Dorothea. Deutsche» Uolkotheater. Der Schmied von Rolandseck. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ftrichvhallen- Theater. Epeziali täleu-Vorstellung. Amerlean- Theater. Spezialitäten� Vorstellung. Kaufmann'« Flariät«. Spezialitäten- Vorstellung. Zeliüler-Iliester. Ozksllner» Tlresteev) Konntag, 5. Mai, nachm. 3 Uhr Do» Carlo». Abends 3 Uhr: Zum 1. Male: Flltimo. Ktontag, 6. Mai, abends 8 Uhr: Do» Carlo». Dienstag, 7. Mai, abends 6 Uhr: Do» Carlo». JHittwoch, 8, Mai, abends 8 Uhr: Die zärtlichen Derwandten und Ein Ktrafrapport. Donnerstag. 9. Mai, abends 8 Uhr: Zum l. Male: Der Herenkessel uud Der zündende Funke. lteBtral-'klleater Alte Iakob lt raste Fl r.»0. Novität 1 Zum 2. Male: Novität! Unter artistischer Leitung des Herrn FäoU Bradl vom königl. Gärtnerplatz- Theater in München: k'igsno dei Hof. (Rorcoeo.) Operette in 3 Akten(nach Beaumarchais Memoiren) von Bodmann-Riegen. Musik von Alfred Hüller Norden. Morgen: Dieselbe Borstellung. National-Theater. Große Franksurterstraße 132. Direktion: Mar Eainst. Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft HfiHism Caldcr. Vorletzte Woche: Die lebende Brücke. Großes Sensationsschauspiel mit Mnstk ins Alten(II Bildern), nach dem Eng- lischen von Sntlo» Vane, tibersetzt von H. Schwab. Dirigent: AdelpK Wiedecke. Elektr. Bclenchtnngseffekle v. Lakowsky. Regie: lilax Lamst. Kassenöffnuiig S Uhr.— illnf.7>/sUhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Niltiotiltl-Theater-Gtirttil: «rosses vonQvnt uu ind kleine und große Bereinsziinmer noch frei. 97Id Neu i Neu 1 Cösliner Hof Wedding WlhttHr. 8 W-dding Jeden Sonntag: Grosser Ball. Grösster uud schönster Saal des Nordens(1000—1500 Personen) mit sehr gr. Orchester. Anf. 4 Uhr. Ende f Uhr. Für Vereine stehen noch einige Sonnabende zur Verfügung. Bis vtrektton. Boltsgarten (ehemals Weiinann's Dolkogarten) Direktion: Idax Samst. ZM" Heute: Großes Konzert und Spezialitärenvorstellung, sowie:„Leh- mann auf der Weltausstellung in Chicago", große Posse in 5 Akten mit Gesang von Eng. Prndens. Entree 25 Pf.— Anfang 5 Uhr. Achtlillg, Cewerkslljllstetl! 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Besuchtestes Neu: Novitäten in besten populäre» italienischen Konzerte». Deutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollegs 204/14 Wilhelm Lelirniät) Adalbertstr. 16, am 2. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 5. Mai, nachmittags 5 Uhr, vom Krankenhause am Urban nach dem Thomas-Kirchhof in der Herrmanstraße statt. Um zahlreiche Betheiligung er- sucht Die OrtSverwnltnug. m Soziali». Wlm'm für des Allen Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser langjähriges, treues Mitglied, der Restaurateur Wilhelm Schmidt am Donnerstag. abends Uhr, nach vierwöchentlichem Aufenthalt im Krankenhause Am Urban, daselbst ver- storben ist. 281/8 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Sonn- tag, nachmittags 5 Uhr, vom Kranken- hause Am Urban, nach dem Neuen St. Thomas-Kirchhof in Rixdorf, Her- mannstraße statt nnd ersucht um zahl- reiche Betheiligung Dei» Vorstand. Todes-Anzeige. Verein zur Wahrnng der Intereffe» der Gast- und Schank- wirthe Kerlin» nnd zttngegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Lchmiüt, Adalbertstr. 16, am 2. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, de» 5. d. M., nachmittags 5 Uhr, vom Krankenhause am Urban aus nach dem Thomas-Ziirchhof in der Hermann- straße statt. Um zahlreiche Belheili- gnng der Bereinsmitglieder bittet Ter Vorstand. I. A.: W- Lorenz. TWer-Uerein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Milglied Wilhelm 8chmiät am 2. d. M. im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. d. M., nachmittags 5 Uhr, vom Krankenhause am Urban aus, statt. Um rege Betheiligung ersucht 252/2 Der Vorstand. Am 2. Mai verschied nach langen, schweren Leiden plötzlich mein lieber Freund und Stammgast, der Schlosser Wilhelm I,eiövre. Dies zeigt tiefbelrübt an Wilhelm Pähl, Restaurateur. Rilterstraße 31. 972b Die Beerdigung findel Sonntag, nachmittags 3>/s Uhr, vom Krauten- Hans am Urban aus nach dem Franzö- fischen Kirchhof, Gesundbrunnen, stall. Allen Freunden und Bekannten für die herzliche Theilnahme nnd zahlreiche Kranzspende bei der Beerdigung unserer Tochter Grethe sagt den herzlichen Dank. 969b Familie Hirt. Allen Freunden, Bekannlen und Kollegen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau S73b Atargareihe Wieske geb. Pirsch am 8. Mai im Aller von 23 Jahren sanft entschlafen ist. Tief betrauert und viel vermißt von den Ihrigen. Im Name» der Hinterbliebenen Gustav Wieske, Buchdrucker. Tie Beerdigung findet Sonntag, den 5. Mai. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedr.-Werder'schen Kirchhofes(Bergmnnnstraße) aus statt. Verein der Arbeiterinnen an Bnebdi-nck-Sehnellpressen. Den Mitgliedern die traurige Nach- richt, daß unsere Kollegin Frau Msrgarettie Wieske, geborene Pirsch, am Donnerstag, den 2. Mai, gestorben ist.— Die Beerdigung findet Sonntag, den 5. Mai, nackunitlags 3 Uhr, voni Friedrich-Werder'schen Kirchhof, Berg- mannstraße, aus, statt. 951 b Um zahlreiches Erscheinen der Kolleginnen ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahwerew für den 6. Kerl. Keichstags-Mahlkreis. DM" Mglieäer-Versammluiig am Liellstag, üea 7. lülai bei Krimdel, Brunnenstr. 188. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rfilk. pateel. 2. Diskuision. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Fragelasten. 303/13 Oer Voratand. Qonfectionshaus „Solidarität" zwisch. Oranienplatz Orflnioncfr 17� zwisch. Oranienplatz u. Zldalbertstraße. liO u. Adalbertstraße. Grosses Lager fertiger Herren- u. Knaben-Garderoben aller Art und in allen Preislagen' Ansertigullg nch Mllüjj in körzeßer Zeit. KeioKKaNigste AueeeaKI in j u. ausländischer Stoffe. Herstellung in eigeneu KetriebswerKstätte« errichtet nach den Grundsätzen der betheiligten Arbeiterschaft. 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Buek(natl.): Auch wir stehen der Vorlage sympn- thisch gegenüber; wenn auch zugegeben werden muß, daß in den Rohnungsverhältnissen der Arbeiter vieles schlecht bestellt ist, so wird doch andererseits in dieser Hinsicht häufig zu schwarz gemalt. Anerkennenswerth ist. daß die Jnvaliditäts- und Ältersversicherungsanstalten die ihnen zur Verfügung stehenden Fonds zur Beleihung von Arbeiterhänsern zu Z'/s pCt. und bis zu 80 pCt. des Werthes verwenden. Bedenklich könnte es sein, daß diese Staatssubvention die private Thätigkeit ein- zuschränken geeignet erscheint, indessen hat der Minister selbst anerkannt, daß die Staalshilfe nur subsidiär eintreten soll. Das Ideal wäre allerdings, daß ja der Arbeiter sein eigenes Haus erhält, doch ist das nicht erreichbar; man muß sich hüten, in dieser Richtung zu weit zu gehen. Die Arbeiter- ivohnungen haben auch einen sittlichen Werth; sie können be- sonders bewährten, tüchtigen Arbeitern gegeben »verde», welche dadurch ans der Gesainmtheit der Arbeiter herausgehoben, geivissermaßen die Arbeiter- aristokratie bilden können, die unter sich zusainmenhält und so ein festeres Bolliverk gegen d»e Sozialdemokratie bilden kann. Wir enipfehlen die Vorberathmig des Entwurfes durch eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern. Minister von Berlepsch: Rieinand wird die großen Vor- züge verkennen, die darin liegen, daß alle fiskalischen Arbeiter «ine eigene Wohnung haben; die Wirklichkeit gestattet indessen die Ausführung eines solchen idealen Zustandes nicht. Es»vürde nicht angezeigt sein, nnter allen Umständen dem Arbeiter ein eigenes Haus zu verschaffe»; init dem Hausbesitz tritt zugleich eine Gebundenheit ein und diese ist für den Fall, daß die Arbeit nicht inehr lohnt und daß bei der Einschränkung der Pro- duktion der Arbeiter genölhigt ist. sich eine andere Wohnung zu suchen, eine empfindliche Last. Ich bin deshalb der Meinung, daß an den» System,»velches die Bergverwaltung bisher ver- folgt hat, näinlich für den Stamm der ständigen Arbeiter eigene � Häuser zu schaffen, festgehalten»vird. Der Gesetzentwurf bietet ja auch die Möglichkeit hierzu. Ein Bedürfniß für de» Bau von Miethshäusern liegt namentlich in bei» Satz- Bergwerken von Staßsurt vor. Das System der Prämien und Darlehen hat in Oberschlesien leider nur geringen Erfolg gehabt, wie zugegeben werden muß, nicht ohne Schuld der Verivallung,»velche zu scharfe Bedingungen gestellt hat für den betreffenden Arbeiter, der sich ein eigenes Hans bauen »vollte. Wir haben sie neuerdings erheblich gemilderr. Tie Be- sorgniß, dieses Gesetz möchte den Zuzug der Arbeiter ans den ländlichen Bezirken in die Städte vermehren, ist unbegründet. Die Frage der Fürsorge für die nnverheiratheten Arbeiter ist eine recht schivierige; namentlich ist es sehr schwierig, die un- verheiralheten Arbeiter in Kasernen zu bringen. Ter jugendliche Arbeiter zieht es vor, sich frei zu bewegen; er zieht lieber in schlechtere Wohnungen, als daß er sich einen» geivissen Zwange unterivirft. Ich bedauere das,»venu ich auch zugebe» muß, daß der unverheirathete Arbeiter in einer ordentlichen Familie ivegen des Familien- anschlusses besser ivoh»it, als in der Kaserne. Aber leider sucht der Arbeiter nicht iininer solche Wohnungen. Der Gedanke ist nicht abzuweisen, ob nicht ein g e iv i s s e r Z ,v a n g in dieser Richtung unter Umständen recht wohlthätig»virke»»vird;»vir»vcrden diese Frage forteährend im Auge behalten. Unbegründet ist auch die Be- 55mi:»tks*asplm»devet. Heinrich Heine macht in seinen Feuilletons über Shakespeare die Bemerkung: Zwei Dinge hätten ihn von jeher vcrdroffeil und verwundert. Wie kämen die schachern- den Frankfurter nur zu ihrem Goethe und wie die Aller- welt-Handelslente von Engländern zu einer so herrlichen Dichtcrgestalt,»vie der Shakespeare's? Was Heine, den freien, den schönheitfmldigen Mann an den Briten am meisten geärgert haben mochte, das war der kleinlich prüde Sinn, die starre Konvention der eleglischen«Gesell- fchast* und ihre tückische Heuchelei, die jede offeu- herzige Natur grausam verfolgte und init Bannflüchen be- legte. Wer allzumenschlich fehlte, wer vom äußerlich Kor- retten nur einen Schritt breit abwich, der hatte nnter dem wüthcnden Haß der allzeit Korrekten böse zu leiden,»vie Lord Byron? Lebensschecksal beweist. Und in dieser Welt durfte eine so grattdios offenherzige Natur aufwachsen,»vie Shakespeare mar, ein Bekenner nackter Wahrheit, der auf die heimlichsten Tinge, mit denen mensch- liche Eitelkeit, menschliche Schiväche sich zu umhüllen lieben, ohne jede ängstliche Scheu mit naivem Ge»nc hinivies? Wenn man gleich von der machtvollen englischen Ne- naissance-Zeit absieht, in der es einem Shakespeare zu leben vergönnt»var, so bleibt noch immer eine starke Einseitig- keit in dem Urtheil Heine's übrig. So häniisch der Lüfter- sinn der guten englischen Gesellschaft sich auch offenbart, so»viderivärtig er sich gegen alle jene äußert, deren Privatleben sich nicht streng im Geleise erhält: Eines haben die britischen Herrschaften immer im Ansehen ge- halten: Sie verdammten den Mann, der nach ihren be- schränkten sozialen Anschauungen ein Frevler war, aber sie respcktirten sein Talent, seinen Geist. Sie entrüsteten sich über das Leben ihrer schaffenden Künstler,»venn es nicht nach der Norm verlief, sie entrüsteten sich über die Lebensanschanungen freier und allziifreier Geister, aber sie niaßen nicht mit dem Maß eines Polizei-Wachtmeisters, der den Sünder und zugleich sein sündhaftes Werk im brennenden Eifer unschädlich machen möchte. In London und in München wurden in den jüngsten Tagen zwei Prozesse gegen Literaten verhandelt. Sie haben nichts mit einander gemein; und doch gestalten sie einen charakteristischen Einblick in englische und deutsche Anschannngs- iveise, so weit es den Geist cmcs Werkes betrifft. Es handelt sich in London um die schinntzige oder kranke Person Oskar Wilde's, des vielgenannten Dichters, in München um ein Buch des Schriftstellers Oskar Panizza. Die Skaudalgcschichte, deren trauriger Held der sorgniß, daß wir zu luxuriös bauen könnten; daran verhindert uns schon die Absicht, eine,»venu auch mäßige Verzinsung ans diesen Häusern zu erzielen. Je mehr Arbeiter in e i n e m" H a u s e»v o h>» e n, um sfo billiger»vird die Wohnung sein können. Das Zweifaniilien- Haus verdient den Vorzug;»vir haben die Absicht, über das A ch t f a m i l i e n h a n s»licht hinaus- zugehen. Dabei»verde» natürlich einzelne Einrichtungen,»vie Waschküche u. s.»v. von mehreren Familien i» demselben Hause benutzt werden müssen. Ich freue mich, daß der Krebsschaden der Wohnungsnoth von allen Seiten anerkannt»vird. Es handelt sich hier aber nicht u>n eine staatssozialistische Maßnahme, sondern um eine einfache Verpflich- tung des Arbeitgebers seinem Zlrbeitnehiner gegenüber,»velche bisher in den Staatsbetrieben nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel erfüllt»verde» konnte. Diese Rücksicht fällt künftig fort und Sie»verde» durch die Nunahme dieses Gesetzes den Arbeitern eine außerordentliche Wohlthat er- weisen. Darauf»vird die Diskussion geschlossen; die Vorlage wird einer Koinmission von 14 Mitgliedern überwiese». Es folgt die erste Berathung des Gesetzentivnrses über die V e r p f l e g»» g s st a t i o n e n. Geheiinrath Trott zn Solz: Die Frage,»velche den Ver- pflcgungsstationen zu gründe liegt, ist von großer Be- deutllng und sozialpolitischer Tragmeile. Es handelt sich darum, die Nachtheile des Freizügigkeitsgesetzcs, die Wauder- bettelet und Vagabondage, einzuschränken. Diesen» Gesetz allein jedoch die Schuld zuzuschreiben an den» lieber- handnehinen der Bettelei»väre verfehlt, und«ine Revision dieses Gesetzes vorzunehmen dürfte sich nicht empfehlen. Nur mit Polizei und G e s ä n g»> i ß kann man dem L a n d st r e i ch e r t h n in und d e r B e t t e l e i nicht e n t- g e g e n t r e t e n. Wenn diese Uebertretungen auch»nit recht mit Strafe belegt»verde», so ist doch andererseits nicht zu verkennen, daß unter den Bettlern sich eine ganze Sin zahl von solchen Arbeitslosen befindet, die zum ersten Mal betteln gehen, und sind diese erst eins- m a l b e st r a f t, s o g e h t e s n» i t i h n e n v o n S t n f e z u Stufe abwärts. Ohne eine gesetzliche Regelung dieser Materie»vürde ziveifcllos eine Verpflcgungsstation nach der anderen wieder aus Mangel an Mitteln aufgelöst werden. Die entstehenden Kosten dürften im ganzen auf ungefähr nicht voll 2 Millionen geschätzt»verde».\ Abg. Brüth(srk.): Das bisherige Verpflegnngsstations- »vesen ist seinem Zusammenbruche nahe,»veil die Kreistage sich von der jetzigen Form desselben keinen Segen mehr versprechen und die Kosten nicht mehr tragen»vollen. Die Freunde der Ver- pfiegungsstalionen glauben diese Bedenken durch eine«inheit- liche Regelung beseitigen zu können. Die Kommnualverbände sollen jetzt verpflichtet»verde»», Verpflegimgsstalioueii einzurichten, während dies bisher von ihrem freien Willen abhiug. Die Vorlage hat eine Reihe praktischer Be- denken gegen sich. Betrunkene und Landstreicher sollen von den Stationen ausgeschlossen»vcrden, ebenso solche, die sich nicht über ihre Person ausiveise» können oder in den letzte» vier Monaten keine Arbeit gehabt haben. Der Slations Halter»vird alle diese Bedingungen gar nicht untersuchen können. Die Straf- bestiminungen gegen falsche Angaben und gegen Arbeitsscheu »verde»» auch»»»»r auf den» Papier stehen bleiben. Alle diese Be- stimmunge» können meine Freunde nicht annehmen. Die Für- sorge für die Arbeitslosen muß nach unferer Ansicht den Pro- vinzialverbände» unter Eriveiterung des Provinziell- Dotalioiis- gesetzcs überwiesen werden; außerdem ist eine staatliche Be- kämpfung der Vagabundage für uns diskutabel. Dagegen sind wir durchaus für die Vermchrung der Arbeiterkolonien. Ich beantrage die Ueberiveisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. v. Tzschoppe(frk.Z: Eine kleine Minorität»»einer Partei steht nicht aus diesen» ablehnenden Standpunkt. Es ist geckenhafte, eitle und perverse Oskar Wilde geivorden ist, der seit Jahren in den Straßen Londons schon durch auf- fällig phantastische Zierbcngcltracht Anfsehen zu niachen verstand, hat in den„besten Kreisen der Londoner Gesell- schast" großes Acrgerniß erregt. Je tiefer jemand selber in der Tartüfferie steckt, um so wilder pflegt er ihn sich zu hanen; und so geschah es denn, daß»»an vor die Richter in dem Prozeß Wilde trat und darauf drängte, Oskar Wilde's Bücher auf ihre Lasterhaftigkeit oder auf ihren „perversen Inhalt" hin zn prüfen. Die Richter, die auch in England selbstverständlich in den Auschauuugskreiscn der herrschenden Mächte sich beivegen, wiese», aber dieses Drängen zurück. Sie lcngiieten nicht etiva, daß die Arbeiten Wilde's nach Pech und Schivefel riechen und nach Sünde schmecken, sie gaben ihre volle Gemeinsamkeit mit allen Anständigen des Landes zn, allein sie begründeten ihre abwehrende Hal- tung gegen jene Späher, die ans den Schriften Wilde's Bclveisstncke für seine Frevel herbeischleppen»vollte». Sie ivicscn auf geivisse englische Schriftsteller in» 17. und 18. Jahrhundert hin und meinten, der Inhalt ihrer Werke sei so sittenlos, so abscheulich, daß man keinen» a n- st ä n d i g e n Menschen die Lektüre dieser Bücher zlnnuthen dürfe; aber»vas habe das mit den» Leben dieser Roman- oder Bühnendichter zu schaffen; und manche dieser Schriften seien trotzdem»verthvolle und angesehene Kultnrdenkinäler. Oskar Panizza in München gehört zum jüngeren Schrift- stcllergcschlccht. Er ist niemals lüstern nach Sensation auf- getreten, hat bescheiden gearbeitet und bescheiden gelebt. Er hat die bürgerliche Ruhe höchstens dadurch gestört, daß er für Verbreitung moderner Ideen in Kunst und Literatur eintrat. Er hal nicht nach den Ehren eines großstädtischen Spektakelhelden gegeizt und mit Vcrirrnngen, die nur patho- logisch zu erkläre,» sind, hat er niemals geprahlt,»vie der „Verbrecher" Oskar Wilde. Selbst Freund Sigl vom „Bayerischen Vaterland", der sonst Wnthanfälle zu bekominen pflegt und pnterroth in» Gesichte»vird,»venu von Kunst und Literatur der Modernen die Rede ist, muß ihm das Zeugniß ausstellen, er sei ein„guter Kerl"; und diesen„guten Kerl" hat man auf ein Jahr ins Gesäng>,iß gesteckt und»vegen Flucht- Verdachts sofort verhaftet. Eines Dramas wegen, an dessen Aufführung auf lebendiger Bühne der Autor niemals hatte denken können! Wenn es ihm nicht um künstlerischen Ernst zu thun gcivesen wäre, wenn er ein frivoler Spekulant»väre, hätte er da nicht eher der Kindelbrei- Literatur oder dein Bühnengeure, das Lüsternheit niit Sentimentalität vermengt? Hier blüht doch noch einzig materieller Geivinn. Wenn es ihn gereizt hat, ein tragikomisch weltgeschichtliches Scheusal,»vie »veilaud den Papst Alexander Vl., in den Mittel- I punkt eines Dramas zu rücken, wenn ihn also! nicht richtig, daß die eigentlichen Vagabunden etiva 90 pCt. der Insassen der Verpflegungsstationen ausmachen. Das Gros der- selbe» besteht aus vorübergehend Arbeitslosen, die gern»vieder Arbeit annehmen. Denen soll»venigstens vorübergehend Herberge und Unlerhalt gcivährt»verde»». Der Schiverpunkt liegt in der ethischen Bedeutung der Vorlage. Die Leute sollen arbeiten auf den Stationen, damit sie sich immer beimißt bleiben:»ver nicht arbeitet, soll nicht essen, und damit sie auch das Beivußtsein haben, daß sie kein Almosen erhalten. Erst das Vorhandensein der Verpflegungsstationen giebt uns das moralische Recht, die Bettelei streng zu bestrasen. Wenn die Stationen verallgemeinert und vermehrt sind, können »vir noch schärfere Maßregeln gegen die Bettelei ergreifen. Einzelne Bedenken habe ich auch. Mit den Stationen nmß möglichst ein Arbeitsnachweis verbunden sein. D i e 3500 sozialdeniok ratischen Arbeits nachiv eis- stellen in Deutschland haben große» Erfolg, und wir können davon nur lernen. An den Kosten der Verpflegungsstationeu sollte nach unfern» Wunsch auch der Staat theilnehmen.(Beifall rechts.) Abg. Teyffardt(natl.): Meine Freunde stehen dem Gesetz- entivurf sehr sympathisch gegenüber, abgesehen von Bedenke» gegen einzelne Beftiinniunge»». Ich unterstütze durchaus die Be- strebunge» des Pastors Bodelschivingh. Es sind nicht nur alle Berussklassen, sondern auch alle Gesellschaftsklassen, auch die ge- bildeten, unter den arbeitslose» Wanderern der Landstraße vertreten. Der Grundgedanke der planmäßigen Fürsorge für alle diese Leute ist ein berechtigter und die Verpflegungsstationen, an deren Spitze tüchtige Männer stehen und für die sich auch die Herren Landräthe interessirt haben, haben sehr segensreich ge- »virkt. Wir beivahren die unteren Schichten unseres Volkes durch diese Maßregel vor der Verwahrlosung.(Beifall bei den National- liberalen.) Abg. Schilling(!.): Das Verpflegungsstationswesen hat sich bisher durchaus beivährt, auch in erziehlicher Beziehung; die Zahl der Korrigenden und Bettler hat in Gegenden mit guten Verpflegungssiationen abgenommen. Wie bisher kann es aber nicht»veiter gehen, die Berpflegungsstationen bedürfen einer Reform. Der Hanptgrundsah der Vorlage ist, daß Unterstützung nur gegen Arbeitsleistung geivährt»vird, das sch»vierigste ist aber die Beschaffung der Arbeit; undurchführbar ist jedoch dieser Grundsatz nicht. Nur die Kreise sind die richtigen Organe für die Errichtung der Stationen, die Kosten werden den Kreisen nicht zu hoch sein, einen Theil trägt ja der Provinzial- verband. Die eigentlichen Vagabunden müssen natürlich von den Stationen ausgeschlosten»verde». Der größte Theil meiner Freunde stiinmt der Vorlage zu.(Beifall rechts.) lllbg. v. Waldow(k.) Ein Theil meiner Freunde steht nicht auf dem Standpunkt des Vorredners. Die Vcrpflegiingdstationen haben die Vagabunden großgezogen oder»venigstens zentralisirt. Sehr viel kommt aus die Persönlichkeit des Stationsvorstehers an, und cs ist sehr schrvierig, die geeigneten Personen zu finden. Ebenso ist die Beschaffung der genügenden Zlrbeit äußerst schwer, »venn»»an nicht die Leute einfach Steine von einem Ende des Hofes zum andern schaffen lassen»vill,»vie es vorgekommen ist. Für de» ehrlichen arbeitslosen Mann müsseu »vir Fürsorge treffen, aber die Vagabundage zu regeln, >v i r d u» s nicht gelingen. Wo koinmen die Arbeitslosen her? Aus den Städten, de» Jndusiriezentren; von da kommen sie zu uns aufs Land, und»vir sollen sie ernähren!(Zustim- »»ung rechts!) Wenn die Leute noch etwas Geld haben, sollten sie lieber die Eisenbahn benutzen»nd sich Ivo anders Arbeit snchen, anstatt sich die verhältnißmäßig theure Fußreise zn machen. Tie Frequenz der Stationen»vird sich nach Erlatz dieses Gesetzes bedeutend vermehren, sobald größere Arbeitere»> tlassunge» vorkomme»,»verde» dt« Leute»»» die Stationen strömen. Viele Gegenden unseres Vaterlandes möchten von den Berpflegungsstationen nichts»vifse». Mit der Kounnissionsberathung sind»vir ein- verstanden. ein Problem beschäftigt hat, an das nur starke Kraft sich »vagen darf und das bei der gegenivärtigen ängstlichen deutschen Philistcrhaftigkcit keinen Lohn, keinen Dank ver- sprach, so müßte man doch zn mindest dem Autor kein frivoles Wollen voriverfcn. Der Staatsanivalt hat auch lange in München nach einen» Manne gesucht, der sich ehr- lich über den gefährlichen Verbrecher Panizza einpört hatte. Ucbcr Bücher gcrathen aber die Münchener nicht leicht in cholerischen Groll; und so blieb nichts übrig, als die uöthige Empörung sich aus Sachsen zu verschreiben; aus den» Lande, dessen Vereinsgesetz nicht das einzige„Juivcl" des Staates ist,»vie Graf Hohcnthal ineinte. Es giebt dort noch andere Juwele. In Sachsen also»var der Polizeiivachtmeister, gesiinden, dessen Seele tief ergrimmt war über den gott- losen Lästerer Panizza; und nun, da man wußte,»vie srominc Gemüthcr durch das ruchlose Buch Panizza's ver- ivnndet werden konnten, ging man mit heiligem Eifer aus Vcrurtheilen. Ter Schein» muß büßen und»venu seine künstlerischen Absichten noch so ernsthaft gemeint waren. Das macht den Unterschied ans, von dem hier aus- gegangen»var. Ter englische Strafrichter respektirt das besondere geistige Leben im Kunstiverk, in der literarischen Arbeit, und»väre es ihm nach seiner ganzen Erziehung, nach seinen Anstandsbegriffcn zehnmal zuivider. Und wenn eine prüde oder bigotte Gesellschaft ihm zuruft:«Steinige den Frevler!"—, seine Nachgiebigkeit gegen diefe Gesell- schaft reicht nicht fo weit, um ihn selbst bei einer so unsympathischen Persönlichkeit, wie Oskar Wilde ist, zn einer anderen Aechtung zu beivegen, als der, die von der Gemeinschaft der stets Korrekten und Honorablen geübt »vird. Wenn bei uns irgend ein Sünder für seine literarische, nicht seine persönliche Lasterhaftigkeit gefaßt werden soll, da horcht man gespannt in Stadt und Land herum, ob nicht doch irgend eine Wachtmeisterseele Ben» ruhigung empfunden hätte. Wo solche Beispiele so beredtsam sprechen; Ivo man so zärtlich Rücksicht übt, auf daß ja keiner Wachtmeister- inoral zu nahe getreten»vürde;»vas braucht cs da noch so schweren Geschützes,»vie der famosen Umsturzvorlage, um dercntivilleu in dieser Woche der Kanips neu entfesselt werden soll? Mai» konfiszirt Maifcstblätter des Proletariats, un> sie nachdem Fest nach gerichtlichenBeschlüssen»vieder frei zu geben. Ein Böseivicht, wer übles dabei dächte und nicht erkennen »vollte, daß die Maßregel der Polizei geivifferniaßen wohl- »Vollender Vorsorge entsprungen fei. Am ersten Mai ist ohnedies die Stimmung gehoben. Warum dann noch durch pathetische Illustrationen, anfeuernde Aussätze das Blut noch mehr in Wallung bringen? Wenn ohnedies die Wacht- »neistcr-Anffassuug Trumpf ist im Lande, wozu sie über- trumpfen»vollen? /»Ixlia. 5(6g. Ttmker(f.): Die ganze Sache beruht auf der Aus- Übung christlicher Barmherzigkeit und Liebe. Daß die Verpflegungsstationen zurückgehen und theilmeise bankrott gemacht haben, liegt wohl daran, daß man ein zu dichtes Ltetz von Stationen eingerichtet hat. das manchen Arbeitsscheuen das Wandern ohne zu große Noth möglich gemacht hat. Ganz zu verurth eilen ist aber die Sache darum noch nicht. Das aus reiner christlicher Barmherzigkeit gegebene Almosen soll eine sozialpolitische Hilfe werden, die christliche Liebe soll verstaatlicht werden. Nach dem Gesetze haben die Städte solche Ein- richtungen nicht zu treffen. auch nicht die große Stätte der Arbeitslosigkeit, Berlin. Hoffentlich lassen sich in der jkomniission Mittel finden, die Städte zu den Lasten heranzuziehen. Die Nnterstiitzung darf nur gegen Arbeitsleistung gewährt werden. Die größeren Hauvtstationen müßte» zu Arbeitskolonien ausgestaltet werden, damit die Leute an die Ar- beit gewöhnt werden, zwischen diesen niüssen kleinere Stationen zur Erfrischung und zu vorübergehendem Zlufenthalt liegen. Noch wichtiger ist mir die Organisation des Arbeits- Nachweises, um dem sozialdemokratischen Ar- beits nach weis entgegenzutreten. Diese Maßregel hier wird den Staat zweifellos auch weiter treiben; schaffen 'vir Arbeit den Wanderern, dann müssen wir auch denen Arbeit schaffen, die am Orte bleiben und arbeitslos sind. Doch das sind alles Probleme, die auf verschiedenen Wegen zu lösen sind. In dieser Vorlage erblicke ich etwas Gutes und hoffe, die Kommission wird sie zum Segen des Vaterlandes gestalten.(Beisall rechts.) Abg. v. Heereman(Z.): Der humanen Idee der Vorlage stimmen wir unbedingt zu, aber der Weg, der hier beschritten wird, ist ein absolut falscher, der'Ausdruck von der Ver- staatlichung der christlichen Liebe hat mir sehr gut gefallen. Die einzelne Station wird nicht in der Lage.sein, jedem eine geeignete Arbeit zu geben. Betrunkene und Landstreicher sollen nicht auf- genommen iverden, aber nur Betrunkene sind äußerlich zuerkennen. Auch wer in den letzten vier Monaten keine Arbeil hatte, soll ausgeschlossen sein, es kann aber einer ganz ohne seine Schuld keine Arbeit erhalte» haben, und der ist doch hilfsbedürftig und der Hilse würdig. So besteht eine ganze Reihe von Bedenken, aber hoffentlich gelingt es der Kommission, die Sache zurecht zu renken, daß etwas heraus- kommt, was zum sozialen Wohl der ärmeren Klassen dient.(Bei- fall im Zentrum.) Abg. v.(5rffa(f.) stimmt den Ausführungen des Abg. Stöcker zu und hält die Beschaffung der ge- eigneten Arbeit nach seinen Erfahrungen keineswegs für schwierig. Redner hofft, daß auch Berlin zu den Kosten herangezogen würde; mindestens sollte es den Ukas zurücknehmen, nach welchem aus- wärtige Arbeitslose im Winter in Berlin keine Arbeit erhalten sollten. Das sei besser, als daß eine kommunale 5körperschaft sich mit politischen Tingen beschäftigt, welche sie nichts angehen. (Zustimmung rechts.) Abg. Bockelberg(f.) hält vor allem die Errichtung passender Arbeitsstellen bei den Verpflegungsstationen für noth- wendig. Abg. v. Zedlitz(k.) bezweifelt, daß der Entwurf sowohl in seinen Gnindzügen wie in seinen Einzelheiten das Ziel erreicht, welches er sich steckt. Die Diskussion wird geschlossen und der Entwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Schluß Zi/e Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr.(Antrag Letocha wegen Tarisermäßigung für Montan- und land- wirthschastliche Produkte.) VevPaumtltmrjen. Die Generalversammlung der Zimmerer, welche, ein- berufen vom Vertrauensmann Fischer, am 28. April im Feenpalast tagte, war die bestbesuchte Versammlung seil langer Zeit und hatten sich gegen 1000 Theilnehmer zusammengefunden. Der ans der Zimmererbewegung alther bekannte Genosse Adolf Schnitze behandelte in einem wirkungsvollen Vortrage die Frage, welche Mittel und Wege in Anwendung zu bringen seien, um eine Besserstellung der Zimmerer herbeizuführen? Nach einer eingehenden und trefflichen theoretischen Darlegung der heutigen herrschenden Verhältnisse gelangte der Vortragende zu praktischen Vorschlägen und empfahl er eindringlichst, sich dem Verein der Zimmerer Berlins und der Umgegend anzuschließen. Ebenso empfahl er die Wahl von Platzdeputirten, deren Funktionen allgemein bekannt sind. Der Vortragende wurde in der folgenden Diskussion in seinen gemachten Vorschlägen � von T a m m und L eh ni ann voll und ganz unterstützt, während Rückert und Knüpfer bezüglich der Organisation anderen Sinnes waren. Gegen wenige Stimmen gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, in welcher jeden, Zimmerer zur Pflicht gemacht wurde, dem Verein der Zimmerer sich anzuschließen, sowie für die Wahl von Platzdeputirten auf allen Plätzen und Bauten Sorge zu tragen. Die Platzsperre über die Firma Simon u. Komp., Haidestraße, wurde ausrecht erhalten. ziercii» Aeutscher Schuhmacher.(Filiale I, II und III.)«ombinirte Verlammlung am Momag, den 6. Mai. abend; 8� Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstratze 20, Tages-Ordnung: Siehe Inserat in der San n lagi-Nunnner. Arbeiter-Besangverein„Aord". Montag, den 6, Mai, abends 9 Uhr, bei Augustin, Kastanien-Allee 11: Monatssitzung. Stiren- und Knadtn-Konsttztiona-Schntidtr und Schneiderinnen. Montag, den 0. Mai, abends punkt 9 Uhr, in Büchler's Fsstsäle, Rosenthaler- strasie 38: Oeffentliche Versammlung. TageS-Drdnung:„Warum verlangen mir Aushebung der Haus-Jndustrie." Reserent Kollege Mendt. (geselliger Arbeiter Kerei»„Srnderbette". Sonntag, den 3. Mat, nachmittags t Uhr, bei Krebs, Ohmgasse s: Sitzung. Nachher Fidelilas Schiineberg. Arbeiter- Sildnngoverei». Morgen Montag, abend; 8 Uhr, Vcrsaminlung bei Keßner, Grunewaldstrahe II». Tagesordnung: Vorlesung eines Vortrages des Dr. Harinening über:„Veredelung oder Verrohung des Kampfes um die Wohlfahrt". Nerein der Ztlnschinisten. Keiler und hlerufsgenolsen Serli»»»nd f Jl,»gegend. Sonntag, den s. Mai, nachmittags 8 Uhr, in den Oranien- allen, Oranienfirahe 01{am Moritzplatz): Versammlung. iirige»te»nerba»d für Hertin nnd zlmgegen». Sonntag, den ai, nachmittags 3 Uhr, bei Apiisch, Rosenthalerstr. 39, am Hackeschen Marli: Vorsührung der„Notenmaschine" von Professor Zimmer. Pergniignng»- Nerein„Italia". Sonntag, den 5. Mai, abends 6 Ubr, im Restaurant„Roland", Elsasserstr. 26 1 Dr.: Fidelitas. Sninariter-ztnrsu» für Arbeiter und Arbeiterinnen. Sonnta,. den ö. Mai, nachmittags 3 Uhr, bei Ahrens, in Treptow, Neue Krug-Allee: Gesellige Spiele und öffentliche Uedung in Anlegung von Verbänden. Sotialdeinobrntilcher Agitation» Nerein für de» Peichstag«- Matzliire!» Strnlsnnd-Franzbnrg-Ungen. Jeden Sonntag nach dem ersten des Monats, vormittags lo Uhr. bei Linke, Jlldenstr.»6: Versamm- lung. Ausnahme»euer Mitglieder. Entrichtung der Beiträge. Arbeiter- Hild»»g»tchnle. Sonntag, 10—12 Uhr: Nord-Schule, Miillerstr. I79a: Lektüre(uu entgeltlich). Südost-Schule, Waldemarstr. I«: Lektüre(unentgeltlich). Montag, abends>?(— SX Uhr: Lektüre. 85— 108 Uhr: Nord-Schule, Müllerstrahe I79n: Nationalökonomie. Südost-Schule, Waldemarstr. 14: Voltsthümliche Medizin.(Bau und Lebenserscheinungen des gesunden und kranken Menschen.)— Bit alle» Unlerrichlssächern werden neue Theilnehmer, Tamen und Herren, jederzeit ausgenommen. lese- und DisiiutirKiub„«Carl Mar»". Montag, abends 9 Uhr, bei Grube, Mariendorserstr. 6. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Dieustag, de» 7. Mai 1895, abends 8'� Uhr, bei Cohn, Beuthstrahe 2«(großer Saal): General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht des Kassirers. Berichlerstattuvg des Vorstandes, der Beisitzer, des Arbeitsveruiittlers und der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Ver- bandsaiigelegenheite». Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreiches Erscheinen erwartet 2401153* Die Grisverwaitung. Kezirks-Uersammlnng: Tchöiiljkilsti' unl) Rbstchaltt-VttßM. bei Aiötschel, Schönhauser Allee 28. 240/12 Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Ilätder über: Die Sozial- rcsorm und die Gewerkschaftsbewegung. 2. Diskussion. Verbandsaugelegenheiteu. Zu dieser Versammlung sind eingeladen: Die Kollegen der Bautischlerei von Iben, Anklamerstr. 33; der Werkstatt von Girsdorf, Anklamerstr. 34 und Eheman, Bruunenstr. 84; der Pianofabrik von Röseler, Schönhauser Allee 157; der Möbeltischlerei von Adelt u. Co., Bernanerstr.79, sowie auch die Herren Chefs. Parqnrtbodrnlrgrr. ZZMÄl»: UW" Versammlung."WG Um zahlreiches Erscheinen bittet vis Orisvsrvaltuiikj. Ethische Grsrllschnst. Sonutag, den 5. Mai, abeuds 7v- Uhr, im Saale der Arminhalleu, Kommandantenstr. 20; jpgr Mersammlung« Vortrag des Genossen vr. Vs�I über:„Wie schützt man sich gegen die Prolotarierkrankheit. Nachdem: äjBT"" GemOthliches Beisammensein und Tanz."TPS Gäste, Damen und Herren, sehr willkomme». 1115/13 Nach dem Vortrage haben Gäste keinen Zutritt. vor Vorstauä. Wilmersdorf. Klingenberg's Volksgarten, MinctMc Dir» 40. Sonntag, den 3. Mai 1895; OroßeArbeiter Maifeier veranstaltet vom Arbeiter-Verein Wilmersdorf, verbmtden Grossem Garten-Concert unter gütiger Mitwirkung der Gesangvereine„Rotds Nelke", Schöneberg, „Liedertafel",„Abeudroth" und„Dorfglöcklein", Wilmersdorf(Mitglieder des Arbeiter-Sängerbundes), unter Leitung des Dirigenten Herrn k. MUrsch, sowie eines stark besetzten Orchesters unter Leitung de- Kapellmeisters Herrn TAiele. Festrede, gehalten vom Genossen O. �ntrieir. Im großen Saale: l'anz. Anfang 4 Uhr. Programm 20 Pf. Die Kaffeelüche ist von 2 Uhr an geöffnet. LI/2 Gas Komifee. Achtung, Friedrichsberg! Dirnstag, dr» 7. Mai rr., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Arinik«, Friedrich Karlstraße II: DM" General-Uersammlung des Arbtiteriillien-MiuigövettlilS für Frielinljsbttg s.llmg. Vortrag über: Natürliche Religion. Referent: Genosse Jahn. 62/19 Gäste willkommen._ Der Dorstand. Stralau. Waumt F. Strohiiieyer,"Samm3!!!" Empfiehlt den verehrl. 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Die auswärtigen Bestellungen sind gestern zur Versendung gelangt. kür Kiesige Lestellullgen smä imsere CtescKaftsramne heute Sonntag __ vormittags von 8—10 Uhr geöffnet. Wir bitten die Parteigenossen a l l e r w ä r t s, mit erhöhtem Eifer für die Verbreitung der Maifest-Zeitung thätig sein Mit Parteigruß VUl!lIjlI»i>l»Ng dkS.MMilttS". �rdeiter-LUckungsseKulk 80. Waldemarstraße 14. Beginn neuer Kurse: Mittwoch, abends L'/z Uhr: lZesvkiekte: Da» klassische Altorthum (Geschichte Griechenlands). Donnerstag, abends KVz Uhr: NstanuMsseiiscKstt» Die Datur- anschanung der alten DStker. 63/7 Um rege Betheiligung ersucht Hei» Voratsnel. Zeiltrlll-BerbRd deiitscher Briluer und verwandter Kernfsgenosien. To»mabend, de» ll. Mai l8S», in den„Arwinhalleu", Kommandantenstraße 20: Großer Kommers zu Ehren der Delegirten zum neunten Verbandstage, bestehend in Vokal- und Instrumental-Coucert, ausgeführt von Berussmusikern unter Mitwirkung des vsnsngvervins lZer«tensi,i>e(Brsue,')(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes). Uorträge ernftrn und heiteren Inhalts. Um 10 Uhr: revtreits des Reichstags-Abgeordneten I-egien. Ansprache des Generalsekretärs der Brauer-Union von Nordamerika Genossen Kurzenknabe, Nachdem: Ball* Anfang 8 Uhr. Der Ueberschuß fällt den noch nicht in Arbeit gebrachten ausgesperrten Brauerei-Arbeitern zu. SU/II Zu zahlreichem Besuche ladet ein Os« Festkomifee. BiNets ä 30 Pf. sind dort wo Plakate aushängen zu haben. Kravvure, Ziseleure! Dienstag, den 7. Mai 1895, 8Vs Uhr, in den„Oranienhallen, Oranienstr. 51: Btrsamllilung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Schulz über: „Die deutsche Dichtkunst vor und während der 48er Revolution. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 140/7 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Ter Vorstand. Vlrbalih kr in HchkllrkltWs-Wrikev iinii auf HchMe» kMigteu Arbeiter Mb Arbeiterillneu DeuWank, Filiale Berlin I. Montag, den S. Mai, abends 3V2 Uhr, bei Herrn MilKe, Andreasstr. 26: WGT' Mitglieder Versammlung."WW Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. W e y l über:„Die Natur Heilmethode." 2. Verbaudsangelegenheiten. 3. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches Erscheinen bittet oei« Vorstand. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 144/15 UnterstOtzuiigsvereiii deutscher Tabakarbeiter. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 8. Mai» abends 8>/z Uhr, bei Köllig, Neue Friedrichstr. 44: Mitglieder-Versammlung."HW Tages-Ordnung: 1. Abrechnung. 2. Vorstand und Auoschusi contra General- Kommission. 3. Agitation. 239/16 Be, der Wichtigkeit der diesmaligen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder nothwendig. Der 1. Kerollmächtigt». Louis Dechand. illgew. ileiitsedöi' Ispeiirer-Vereiii Filiale Berlin. Montag, den 6. Mai, abends 8'/2 Uhr, im Restaurant Brauer, Granienstrasie 131: Quartals-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen t.. Schmidt. 2. Diskussion. 3. Abrechnung pro 1. Quartal 1895. 4. Verschiedenes und Fragetasten.— Ausgabe der Zeitung in der Versammlung. s273/7s Die Grtvvrrwaltnng. Stuckateure! Mit dem I. Mai tritt die Neugestaltung unseres Fachvereins in kraft und bittet um recht rege Belheiligung der Vorstand. 226/10 Um den Mitgliedern Erleichterung zu schaffen, sind folgende Zahlstellen errichtet: Zahlstelle I: Kchöneberg, Kollege Böhm, bei Klauke, Goltzstr. 40. „ 2: Charlottenburg,„ Schulz, Kantstr. 1l7. sstraße 22s. „ 3: Moabit,„ Kerber, bei Lehnnann, Perleberger- „ 4: Meddiog,„ Baar, bei Bösche, Grenzstr. 2. „ 5: Uoseuthaler Dorstadt, Röhr, b. Augustin, Kastanien Allee 33. „ 6: Meisiensee, Kollege Dachsel, b. Stärke, Königschaussee 35. „ 7: Frankfurt. Viertel,„ W. Schulz, Weidenweg 5. „ 8: Hallrsches Viertel,„ Dellmann, Gitschinerstr. 110. Sämmtliche Kassirer sitzen Sonntags vormittags von 10— 12 Uhr in be- nannten Lokalen.— Arbeitslose Kollegen können jedoch nur im Arbeitsnachweis bei Schünemann, Steinstr. 17, ihre Bücher in Ordnung bringen, da sie von der Zahlung der Beiträge befreit sind. Aus letzteres macht noch besonders ausinerksam_ Der Dorsiand. I. A.: A. Jänicke, Liichenerstr. 3. Achtung! Lackirer!! Dienstag, de» 7, Mai 1895, abend« SV, Uhr, bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83: 181/11 Versammlung der Filiale IV der Vereinigung der Maler zc. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Hikcle/ über Lohnsormen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen ersucht Der Kevollmächtigte. Sonnabend, den 11. Mai, zur Feier de« vsährigcn Kestehen» der Organisation, in Schmiedel'» Festsälen. Alte Jakobstr. 33: Stistnngsfest der Lackirer. Alle Kolleginnen und Kollegen sind hierzu freundlichst eingeladen. yiinc?!! Völm a2M. Tollst. scbmerzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 H. Rep. lVUIlall.Fitlllllca0{,xheilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr.ZZ. Spr.8-7Uhr. Krankel!-llilttchHungs-Bilnii kr Schneider. Versammlung Dienstag, d. 7. Mai, abends 8>/s Uhr, bei Freygang, Schützenstr. 13—19. Tagesordnung: Abrechnung von: 4. Quartal. Wahl eines Revisors. Abrechnung vom Ver- gnügen und Verschiedenes. s22I/3 Die Lokalverwaltung. Zeutral-Krilllkell- ll.Sterkkajse kr Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter Ging. Hilfsk. Ur. 3 zu Hamburg Filiale Kerlin B. Mitgliederversammlimg Montag, d 0. Mai, Abends 8 Nhr, im Märkische» Hof, Admiralstr. 180. Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom I. Quartal. 2. Wahl eines Schriftführers. 3. Vortrag des Herrn Dr. Verusteiu über die moderne Gesundheitspflege u. das Proletariat. 4. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 234; 15 Die Ortsverwaltung. tomin Berliner BiAMer. Dienstag, den 7, Mai, abends 8I/2 Uhr, bei Schneider, Annenstraße IS. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Stichwahl der Kollege» Sandvoß und Schneider zur Generalversammlung. 3. Statutenberathung u. Verschiedenes. 73/1 Her Vorstand. Maler und verwandte Kerufsgenostea Filiale Berlin I. Dienstag, de» 7. Mai 1895, abends 8'/� Uhr: Mitglieder-Versammlungen in den Lokalen bei Stramm, Uitterstr. 133; Miedemann, Klnmenstr. 38; Appelt, Liitzowstr. 7. Vortrag. Filialangelegenheiten. 181/10 Um zahlreichen Besuch bittet Her Vorstand. Verband aller im Handel- und Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Dienstag, den 7. Mai 1895, abends 9 Uhr, in den Arminhallen, K o m m a n d a n t e n st r. 20: General- Versammlung. Tages-Ordnnug: 1. Millheilungen und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Kassenbericht und Abrechnung vom Familienfest. 3. Neuwahl des Kassirers und Stellenvermittlers. 4. Regelung der Unterstützungen für das Jahr 1395. 5. Anträge: Antrag des Vorstandes ans lltngiges Erscheinen des Blattes und Namensänderung desselben. 6. Geschäftliches. 136/12 Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Her Vorstand. Umtn deutscher Schuhmacher. (Filialen I, II und III.) Montag, de« 6. Mai, abends 8�2 Uhr, In den„Armin- Hallen", K o m m a n d a n t e n- S t r a ß e 20: Kombinirte Versammlung* Tages-Ordnung: Antrag der Filiale II: Errichtung eines Arbeitsnachweises und Be- freiung der arbeitslosen Mitglieder von den Beiträgen während der Arbeits- losigkeit. 225/10 Um zahlreiches Erscheinen ersuchen_ Die Filial-Vorstände. Berliner Arkltttvtttrtttt- Bercin. Versammlung am Dienstag, den 7. Mai 1895, abends 3>/e Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Tages-Ordnung: Bericht ans den amtlichen Nach- richten des Reichs-Versicherungsamtcs. (Rekurs und Revisionsentscheidungen.) Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um pünktliches Erscheinen ersucht 124/19] Der Vorstand. Zentral'Kmkll- u. Sterbekaße kr Tischltr u. s. iv. Eing. Hilsskasse Nr. 3, Hamburg, örtl. Verwalt. Verlin G. Montag, de» 6, Mai 1895, abends 8VS Uhr, Mitgliederversammlung im Restaurant„Freischütz", Fruchtstr. 36a. Tagesordnung: I. Kassenbericht vom I. Quartal 1395. 2. Regelung der Gehaltsfrage für 1895—1896. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 237/18 Die Ortsverwaltnng. W«»s! Vier gr. Versammlutipi wW der Schneider u. Scbneiderinnen aller Brancben der gesammten Berliner Konfektion ■ Montag, den C. Mai, abends Sv» Uhr,— in folgenden Lokalen: Swineninnder Gefellschaftshans, Swinemünderstr, SS. Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, Keller s Festsäle, Koppenstr. 29. Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4-. Tagesordnung in allen Versammlungen: Weshalb verlange» wir die Einführung von Betriebswerkstätte» in der Konfektionsbranche? Referenten sind: A. Täterow, Frau M. Uohrlack, J. Timm und Frl. Gttilir Saader. Kollegen! Kolleginnen! Agitirt in Euren Kreisen überall für diese Versammlungen. Hie Agitations-Kommission] 220/14_ der Schneider und Schneiderinnen Kerlins. Grosse öffentliche Versammlung der Sem«- und Killikn-KliüstktllUlsschlltikr- M Tlhiieikrilllltil am Montag, de» 9. Mai, abends pnnkt 9 Zlhr, in B ü ch l e r' s Festsäle, Ziosenthalerstr. 33. Tages-Ordnung: I. Warum verlangen wir Aufhebung der Hausindustrie. Referent Kollege Mendt. 2. Freie Diskussion. In dieser Versammlung darf nicht ein einziger Kollege und keine Frau fehle», denn sie ist die ausschlaggebendste, darum alle Mann am Platze. 959b]_ Die Lohn-Kommission. Bäckerl Achtung! Arbeiter, Parteigencheil! Kauft nur Brot mit der Koutroll- Marke der Väckerei-Arbciter Ber- lins. Dasselbe ist in folgenden Bäckereien und deren Niederlagen zu haben: Genossenschafls- Bäckerei„Vorwärts", Am Ostbahnhof 3. W. N a u b e r, Prenzlauer Allee 86. Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Ilmgegend, Müllerstr. 34. Bäckerei„Thalmühle", Kielerstrahe 20. O. Lübeck, Britz, Ehausfeestraße 17. 967b Die Zlgitationskommissio». Mchknng! Ltkriirkittr(Wefcuikr). Vereinsversammlung am Montag, den 6. Mai, ab. 8Vz Uhr. bei Hoffmann, Oranienstr. 180. Die Arbeiter der Fabrik von E. S ch w a r tz, Melchiorstraße, werden ersucht, im Interesse ihrer eigenen Lage zu erscheinen. 970b Die Mitglieder werden auf§ 6 des Statuts aufmerksam gemacht. _ Der Vorstand. Teppiche, Gardinen, Portieren, Läuferftoffe, Tisch- u. Steppdecken spottb. Biinzstr. 17, Königsgraben. Oeffentliche Versammlung am Dienstag, den 7. d. M., nachmittags SV2 jUhr, in Dieft's Salon, Weberstr. 17. Tages-Ordnung: I. Warum fordern wir de» Maximal-Arbeitstag. Referent Reichstags- abgeordneter Genosse M o l k e n b u h r. 2. Diskussion. 3. Bericht und Ab- rechuung der Agitalionskommission event. Neuwahl derselben. Das Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich. 966b]____ Dir Agitationvkomiuifsio»._ Wiiug! Kürschner! Große öffentliche Versammlung aller i. d. JUtrselmerbrallelis Besch. Arb. u. Arbeiterinnen am Montag, den 9. Mai, abends SVe|U,r, Grenadirrstr 33. Tages-Ordnung: 15520 1. Vortrag des Genossen lahn über: Die technische Revolntion. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ Die Vertrauruoperion. Freie Vcreilliglillg siililllltlilsier in der Wlb-Znkjtrie besWgten Arbeiter nnb Arbeiterinnen Berlins. Sonnabend, den 11. Mai, in Kuß' Kall-Salon, Große Frankfurterstr. 33: Grosses Tanzkränzchen. Die Musik wird von der Freien Vereinigung der Zivil-Bcrufsnmsiker ausgeführt. Zu zahlreicher Betheilignng aller Berufsgenossen ladet ein Ber Vorstand. Einlaßkarten(Herren 50, Damen 25 Pf.) sind bei nachbenanuten Kollegen zu haben: Ernst Bennewitz, Georgenkirchstr. 4, Hof I; Albert Roggatz, Kottbuser Damm 9, Hof 1 1 Bernhard Schmolle, Kurzestr. 17; Bernhard Lietz, Zionskirch- straße 48, Keller. 224/7 Veranlwortlicher Retakieur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlm. Druck unv Verlag von Max Babing in Berlin. SW. Beutbstraße 2. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 104. Soimtag, de» F. Mai 1893. 12. Jahrg. CBcurcvUrriiattlirticr». Au die Möbelpolirer Berlins! Kollegen! Abermals sind wir in der Lage, Euch einige Fälle übergroßer Unternehmer- Freundlichkeit bekannt zu geben, und zwar handelt es sich um die Herren Hoslieferant C. Prächtel, Krausenstraße 31/32, und ;r. Müller, Krautstraße 37, welche die sämmtlichen bei ihnen beschäftigten Möbelpolirer infolge der Maifeier gemaßregelt paben. Die ganze Rücksichtslosigkeit des Kapitals kommt be- sonders in erstercm Geschäft zum Ausdruck. Weil sich die Kollegen, welche sich meist schon viele Jahre lang im Dienste für Herrn Prächtel abgerackert haben und, mit einer Ausnahme, sännntlich Familienväter sind, die Freiheit nahmen, einen frei- willigen Feiertag zu machen, wurde dieses Kapitalverbrechen mit sofortiger Entlassung gerächt.— Nun, Kollegen, wir sind über- zeugt, daß Ihr diesem Herrn die richtige Antwort auf seine Handlungsweise ertheilt und ihm zeigt, daß sich die Organisation der Berliner Möbelpolirer nicht sürchtet, auch mit einem Millionär den Kampf aufzunehmen. Darum, Kollegen, erscheint alle. Mann für Mann, in der am Sonnlag, den 5. d. M., vor- niiltags 10 Uhr, Waldemarstraße 7S, staltfindenden Versammlung und beweist, was Arbciter-Solivarität vermag. Schon aus dem Besuch der Versammlung muß den Herren(welche dazu ebenfalls eingeladen sind), klar werde», daß ivir alle, geschlossen wie ein Mann, hinter unseren gemaßregelten Kollegen stehen uud den- selben unter allen Umständen zu ihrem Recht verhelfen werden. Paul Kluge, Wienerstraße 42, III. In der Tischlerei von Mittag, Berlin, Belle-Alliancestraße, find mehrere Arbeiter, weil sie ani 1. Mai nachmittags feierten, ge- maßregelt worden. Wie uns berichtet wird, nahmen die Entlassenen ihr Geschick nicht allzu tragisch,'da sie bei den äußerst niedrigen Akkordpreisen in jener Fabrik nicht viel verlieren. An die Sattler Berlins und der Umgegend! Die in der letzten öffentlichen Versammlung gewählte Agitations-Kom- Mission richtet an alle Kollegen die dringende Aufforderung, ihr sämmtliche Zustände und Vorkommnisse in Fabriken und Werk- stuben, die einer dringenden Abhilfe bedürfen und geeignet sind, unsere so schon traurige Lage noch zu verschlechtern, sofort niit- zutheilen, damit wir dieselben in Versammlungen und durch die Presse besprechen können. Ferner ersuchen wir die Kollegen, uns die Namen aller Unternehnrer mitzutheilen, die Sonntags arbeiten lassen, damit dieselben durch die Behörden zur Bestrafung heran- gezogen werden können. Alle Mittheilnngen:c. find an den Unterzeichneten zu richten. Bruno Pörsch, Rixdors, Steinmetz- straße 21, Hof 3 Tr. Die zentral- organisirten Töpfer der Provinz Brandenburg hallen am 12. Mai von vormittags lO'/e Uhr ab bei Wernau in Berlin, Rosenthalerstr. 57, eine Kon- f e r e n z ab, um über folgende Punkte zu verhandeln: 1. Bericht- erstattung über die Lage der iiollegen und der Organisationen an den einzelnen Orlen, 2. die Agitation, 3. Kassen- und Bei- trasgverhältnisse, 4. das Unterstützungswescn, 5. die Presse. Gekündigt wurden m Stettin sämmtliche Arbeiter der Schnhwaarenfabrik von L ö w e n st e i n, weil sie sich weigerten, einen Revers zu unterschreiben, wonach die 14 tägige Kündigungsfrist ausgehoben werden sollte. In der Fabrik waren 8 Mann beschäftigt. Zuzug ist fernzühalten. In Harburg stellten sämmtliche, am Tage beschäftigten Arbeiter der O e l s a b r i k von Heins u. Asbeck(Aktien- gesellschast) die Arbeit ein. Sie fordern Erhöhung des täglichen Lohnes von 2.45 M. auf 2.85 M., für die auf dem Hofe beschäftigten Arbeiter und Erhöhung des Lohnes von 2,85 M. auf 3,15 M. für die an den Pressen arbeitenden Kameraden. Wenn die Arbeiter der Nachtschicht sich mit den Streikenden solidarisch erklären, wird die Fabrik gezwungen sein. die Forderung zu bewilligen. Die Fabrik wirst alljährlich hohe Dividende ab. lieber die Ursache deS jetzige» Bergarbeiter-Streiks im Bergrevier Deutz werden in der„Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" Mittheilungen gemacht, denen folgendes entnommen sei: Der neue Direktor auf Zeche Lüderich hatte die Arbeitszeit um täglich fünfviertel Stunden verlängern wollen. Die Arbeiter erzwangen aber durch einen dreitägigen Streik die Aushebung dieser Anordnung. Ihr gewählter Wortführer, der Bergmann Bodengäsfer, beging nun einmal den Fehler, die Seil- fahrt zu benutze», was verboten ist; während andere in solchem Falle mit einem Verweise oder einer Geldstrafe wegkommen, ent- ließ inan Bodengäsfer wegen seines Verstoßes. Darauf erklärten sich seine Kameraden mit ihm solidarisch und verlangten zugleich die Erhöhung des für Häuer etiva 2,20 M., für Förderer 1,00 bis 2 M. betragende» Schichtlohns bis zu 2.60 M. Der Direktor ließ sich ans nichts ein und so legten am 27. April die Bergleute der Grube Lüderich und auch die der Grube„�railziska die Arbeit nieder. Es sind weit über 200 Mann, zum großen Theil Familienväter, die der Hilfe bedürftig sind. In der „Deulschen Berg- und Hüttenarbetter-Zeitung" werden mni die organisirten Arbeiter Deutschlands dringend um schnelle Unterstützung gebeten. Gelder nimmt entgeSJ?»■o 0 h- Meye r in Bochum, Mallheserstr. IL. Große Preisermäßigung wegen Verlegung meines Geschäfts nach meinem eigenen Hanse! lljföjK||■■ B B|| Q Fabrikant für Cigarreu, Jacques Raphaeli, veämMMr Hauptgeschäft: Ueue Promenade 8» gegenüber Stadtbahnhof»Sörse�— Zweiggeschäft: Spandaner Drücke Kr. Ä. Herren- n. Knaben- Garderobe S Frühjahr- Saison. „ MF Bevor ich den freinidlichen Leier mit meinen Preisen vertraut mache, mn» ich ihn Hillen, meine fflnmbin(jc zu beherzigen, die da sind! 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Knabcn-Aiiziige siir das Alter zwischen 8—13 Jahren 0.50 bt« 13 Mark. «»rschen-Aiiziige für das Alter Zwischen 13-18 Jahren 10.50, 12,50,>4,— 15 bt« 25 Mark. Schul Anziige ans waschbaren Stoffen von 2,25. 2.50, 3,00 bis 6,00 Mark. Walch-Niiziige siir da« Alter zwischen 3—8 Jahren zu 2,00, 2,50 bt» 4,50 Mark, Wasch.«lonse» zu 00 Mka-, MIO bis 1,75 Mark. Nnabeii-Pelertnen-Mäniel zu 3,23, 3,50, 6,00 bi« 7,50 Mark. Ich führe keine Schnndwaare, die ich für die Hälstc obiger Preise osseriren könnte- jeder Känker solcher Waare ist betrogen.- Ich wiederhole, daß ich bemiihl bin, das Beste siir den billigsten Preis zu liesern. und da» es»ur daran lieg,, die Kmidschast dauernd an mein Geschäft zu fesseln. Jede Ueberoorlbeilimg ist aus- gctchloffe». da ich s»r Nichlzmagendes de» ausgelegten Betrag zurückzahle, sobald es mir iin Originalzns, aude zunickgebracht wird. Bei Auftriigen von nnheehalb wolle man gest. siir Kindergarderobe da» Zllter ... des Kindes angebe», und ob dasselbe bei» Alter e Iiisprechend turperltch»lehr oder weniger entwickelt is».- Ihr Hcrrengarderobc bitte de» Hinist- »»Ifang dicht»»»er de»,'Arm liernuigemeffei,— die halbe Nsickenbreite vo» der Mitlelnaht bt» zur 2lcr»>el»nhl»ernesien. die nuhere'Aermcltäiige-»»d die Schrittlänge der»ose bis.,»>» Aegin» des»>b- sähe» gei» rsie» anzugeben Alle Zlngabe» bitte»ach(temimetermast! auch bitte ich zu bestimmen, ob die Jnrbe der Livsse hell, inlltel oder»»»tel sei» soll.— ssrancatur niiSgeschlosfe»,— lversand nur gegen Stachiiahme bczw. vorherige<.si»se»d»»g de» vetrage». .---"'-------- O 1� O««*-»Wllü\}UlUIUUi.______. Deutscher Reichs-Mnfter-Schich!—»r- DI»««»!»»», C" Umwälzung auf dem Gebiete der Fußbekleidung bervorgc»seil.— Er hat ein taffetartigeS Gewebe ans bester Wolle derartig präparirt. daß dasselbe de» �(tllielH'm aller>tt sich vereinigt, de» man vo» einci» zur Fnbbeklcidung V. y ßZ.'L" �uuiüiumcmjcir verwendeten Material überhaupt z» erwarten vermag.- -rer St- ff lst InstdUichlamg n»d wasserdicht zugleich.— Epccicll ssnd die Vorzüge wie solgt zniamme» znfaffcn: bleibt im Winter warm lind im Sommer lühl— bei dem stärksten Regenwetter»nd im tiefsten Morast trocken. -Der Stoff Iaht keinen Schweihsn» eiilstchen»nd beseitigt vorhandenen Filhichweih.— Bcseiligi total Hühneraugen >l»d emgewachiene Nagel und verhindert das Enlstehen beider Lcidcii.- Uebl bei Druck- und Wuudschädcn.- die durch Lcder hervorgebracht— schnell seine heilende Wirlnng ans, ebenso bei Rl>e»niattS»i»S, Gicht. Krampsadern. nnd verhindert das Entstehen.— Ebenso läht er»ich, das Jucken der Füße entstehe» und beseiligi es bei Vorbandcnicin. - Uebcrichuhc ani GiiiiMii»ud Ledcr mit ihre» gruben Nachlheilen siir die Gesundheit sind abgeschafft.- Die alibarkeit de« praparirlen Stoffes ist keine gcringcre ivie die deS Leders. Im Salle, wo Schweihsniic in etrachl kommen, ist die Halibarkett des Sioffes ciiic weit grössere wie die des Leder«, weil vom FnSIchn'ciß da« stärlftc Leder zerfreffen wird und daher reiht.— Kür Tänzer. Tonnstc». Nadsahrcr gicbt cS keine elegantere, praklilchere»nd gesundere Kuhbekleidung, wie Or. Thomalla'S Universal-Schuhe»nd-Stiesel.- Zu jeder Dame»- nnd Herren Toilette in Paffender Farbe herzustellen.— Da« lästige Wichsen hört ans. indem da» Reinigen mit trockener Bärste dewirkt wird.— kknrz,»ach jeder mich»»«» hi» wir« da« Trage» Dr. Ihonialla'scher Schuhe»»d Sii.sel zur Wohlihat.— Eine Coliscrvirnugsflüisigkcit dient daz». dem präparirten Tuch seine hervorragenden Eigenichaslen zu erhalle»; ei»«iiiinaligeS Bestreichen mit dieser Slüsstgtcit mittels SchwanimeS oder PiilsclS genügl für 6 Woche». Im Decemherheft is94 der vo» Professor v. Esmarch, Professor Leyden, Professor Gusserow kür Nra ike'n�--"-��" der Medimi herausgegebenen„Zeitich ritt der Dr. Thomallassche» Schuhe und Stiefel für Nrankenpllege" berichtet der Erftndcr, dah bei Krampfadern durch da» Tragen !..- und Stiefel ziiiiächit a» de» Beiilen eine bedeutende Abnahme vo» Prallhcit der gefüllte» Blnlgciäbc und somit eine gcwallige Besscrnng und Srlcichtcri»:g bei derartige» Patieiiicn stattsand. ES heiht dann wörtlich;.In de», Zniiern der Ledersticse! sindet man»ach längerem Marsch ec. ost die Temperatur u»i ca. Vi—l Grad höher al« am Bei» oberhalb deS Stiesels. ES ist daher leicht erklärlich, daß die oberflächlichen Blntgesähc am Suhe bei dieser Teniperatnr Erhöhung stch erweilcril, die Venen somit mehr Blut vom Fuhe absährc» als die»ormalc» Ilnterichenlelvcneu ausuchuie» und ivciter bcsördcr» könnc». ES kvirnut zii clncr Erweitcnuig des PenenlniiienS und zur Stbknickiiiig relp. Schlängelung dieicr Bliilgciäbc."— Achuliche Mitcheilunge» bestnde» sich in der genannten Zeit- schrist über die Enlftehnng nnd Bescitinnug kalter Küsse»nd andcrer Knsttcide» durch Or. Thomalla'S Universal- Schuhe»nd Slicsel.— Eine andere Zeitschriit:„Ter ärztliche ipraktiker" behandelt in ihrem Sebruaichest 1894 besonders die Schweissfüsse nach Angabe» vo» Dr Thoinalla. Der Unterzeichnete, dem der alleinige Vertrieb dieser Erssiidnng snrDentichland übertragen, verüchert.dah sie durch peinlichste Sorgsalt, welche bei der Fabukation dieser Fnhbetlcjdnng verwendet worden, durch ihre EleganL auch i» der Ausführung, Jedem, der sie sieht, als'Zliiaciiwcidc dienen wird.— Jeder Schuh bczw. Sliesel ist nur dann echt, wen» er im Innern de« SchastcS de» 4>r. Thomalla'ichen Stempel trägt, wie dle vo» mir angescrligte» auch meine» Firmenstempel tragen. Die Conscrvjrniigöflüssigkcit zn 25 Pf. nnd ein Paar von Dr. Thoinalla präpariricr Sohlen, ebenfalls zu 25 Pf., werbe» auf Wunsch jeder Bcsielli»,» beigelegt.— Bilme» Kurzem erscheint eine anssührlnchc Broch»» über Dr. Thomalla'S Fuhbellcidnng, die jedem Interessenten gratis und sranc« zugestellt wird. Pieisverzeichuis; der vr. Vlioiulillu'��' Universal-Schithe, Stiefel 1». Schäfte Dr. Thomalla'S H e r r e n- F n tz b e k l e i d u n g. Fortschritt! Mk. 8,7S. Mk. Mk. Mk. Mk Mk. Mk. 0,7a. 10,75. 10,25. 1 1.25. 10 ,25. I 1 ,25. Dr. Thomalla'S Schäfte! Sämmtliche Herren-Zugstlesel werden seht oh»e Poider- und Settennaht hergestellt. Durch diese« Perfahre», als meine eigene Erfindung im D. R.-M.-Tch. angemeldet, hat der Thoinalla- sticsel»och mehr a» Eleganz»nd Haltbarkeit gewönne», und dein so hänflge» Zliistrenncn der Stepperei der Seite»- und Pordcriiähte wird dadurch vorgebeugt; ebenso ist das Einsickern de�s Wassers nicht mehr möglich, weil die Nähte nicht vorhanden. Halbschulie zum Schnüren oder mit Gummizug aus Rand genäht, Haiidaibeit mit durchlochter Leder-Spihkappe.................. Zngftiesel mit Zwickel-Einsah ohne jede Vorder- n»d Seitennaht mit Ledcrspihkappe auf Rand genäht, Handarbeit.................. Dieselbe» mit zivischengelcatcr Doppelsohlc............. .-ingliiekel mit Besah, mit Lcdcr-Spihkappc, aus Rand genäht, Handarbeit....->. Dicplbc» mit zwischengelcgter Doppelsohle............. Sainürtiielel mit Besah, mit Leder-Spihkappe. auf Rand genäht, Handarbeit...... Dieielbc» mit ziviicheiigelegter Doppcliohle............ IagS-Schaststiesel. ca. 32 cm hoch, mit oder ohne Leder-Spihkappe, mit auigelegter Doppehohle, ans Rand genäht. Handarbeit.-..........•■• Neitstiesel mich Wasserstiefel mit steifer Stulpe, ca. 50 ein hohem Schaft, aus Rand genaht, Hand- arbeit, mit ansgelcgter Doppelsohle............. I'. S. Durch lange Benutzimg der Dr. nionmlla'fchcn Fußbekleidung im nasse», lehmige», schlamuiigcn Boden wird die Feuchtigkeit gewaltsam durch die Poren gepreßt.— Ich kam, also Nerlamationen, die ans vorgenannten Gründen entstände»,— nicht berücksichtigen. Wer sich der l»,-. Thomalla'fchen Stiesel erst einmal bedient hat, wird sie ihrer aicherordentlichen Vorzüge wegen nie wieder mit Lederstiesel» vertaujchr». Mk. 18,-. Mk. 22.50. Dr. Thomalla's Damen-Fußbekleidung. Halbschuhe zum Schnüre» oder mit Gummizug, auch zum Knöpfe», an, Rand genäht, Handarbeit, mit oder ohne Spihkappe............... Mk. 8,25- Zngstietel mit Bordernaht»nd Leder-Spihkappe. ans Rand genäht, Handarleit..... Mk. o,-. Dieselbe» mit Bei ah................. Mk. 0,50. Schnürstiesel mil Besatz, aus Rand genäht, Handarbrit, mit Lcder-Spihtappe..... Mk. 0,50. Nnopssttetel mit Vordeniaht, ausgeiiöhte Knopflöcher, aus Rand gcifähl, mit Lider Spitzkappc, Handarbeit.................. Mk. 10,-. Diejelbc» mit Befah.................. Ml. l'»,50. Herren Halbschuh Schäfte zum Schnüren oder mif Zug Mk. 3,75.- Hcrren-ZngNicsel-Schäjte mit Zwickeleinsah ohne jede Vorder-oder Sciteiifiahf Mk. 4,25.- Dicselbcif mit Besah Mk. 4,75.- Herren-Schnürftiesel-Schäsfe mii Besah Mk. 4,75. — Damen-Halbschilh-Schäffe zum Schnüren mit Gummizug oder zw» Knöpse» Ml. 3,25.— Dainen-Zugsticictschnile mit Vordcrnalit und Leder-Spihkappe. 6" hoch. Mk. 4.25.— Dieselbe» mit Besah Mk. 4,75.— Da»ic»-Schnürsttcfel� Schäfte»Iii Besah Mt 4.25.— Dame»- Knopssticselschäste, miSgcnäHle Knopflöcher, mit Besah. Mk. 5,50. ier Schuh machermeistern mib Wiedervertäuser» gewähre bei Entnahme von mindestens 1 Dhö. Paar lo p«t Raba.,.- Vertreter für obige Artikel in jeder Stadt des Deutschen Reiches gesucht. Zch kann also Reelamationen, die trägt: doch......................■.W......... j I................................ M-...._____________ m________________________ WWW expedircnden Personals vorgekommen ist, trage ich selbstverständlich sämintilche Auslagen. ES ist erforderlich, oeim Anprobircn eine Decke unterzulegen, damit die Sohle nicht beschuinht fvird. Um das Mab jeftzusiellen, wolle man einen Stab in den getragenen Stiefel einpassen und das Mab in Eentimetern angebe», mit der Bemerkung, ob Spann hoch oder niedrig. MT Sämmtliche Abttzcilungc» meines Etablissements sind Sonn- und Feiertags während der Polizeilichcrscits erlaubten Stunden geöffnet."THi Alle Reflectanten weise in ihrem Interesse ans meine heute aus Seite 4. H. Beiblatt erscheinendc Offerte betreffend Cigarren. Schuhwaaren hin. � Meine Offerte gilt nur l?iö zur nächste» Zlnzeige. Arbeiter Berlins! Die Fabrikate der ausgesperrte» Schuhmacher in Erfurt werden jetzt, außer in den bekannten Verkaufsstellen, in den eigenen Niederlagen Bellesllinneestr. 98(99 und Rosenthalerstr. 63(64 in Torzöglichster Beschaffenheit zu den billigsten Preisen verkauft. Wir bitten uns durch reichliche Einkäufe zu unterstützen. 22901.» Deutsche Schuhfabrik 6. Markus&Co. Versuch ohne Risiko! Garantie Zurücknahme. Jeder Kunde wirbt neue Kunden! Rud. Tresp, Neustadt, Westpr. 2. « Im Jahre 94 3 535 OOO Stück Havanillos versandt' {g 500 Sttick mar 7 Mk. 80 Pf. gegen\achn. f'ranr0j Partiewaaren 1. Levy/Lohi�mann. detail. en gros. 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Riesige Plakate in den Schaufenstern, welche den„reellen" oder„gerichtlichen" Ausverkauf„50 pEt. unter dem eigentlichen Werth" ver- künden, locken das Publikum an.„Ganze Anzüge aus feinstem Stoff" werden mit marktschreierischer Reklame„für nur 20 M." angepriesen und leider finden sich immer nnd immer wieder Käufer, die einen Versuch machen, um nach kurzer Zeit bereits das erstandene Kleidungsstück, als werthlos und mit dem sehr billig erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt, fort- zuwerfen. Meine im Südosten der Stadt wohlbekannte Firma CaH Zobel, Herren- v. Mnbell-ArderBen-Wiist, unternimmt es, den Kampf gegen diese Schleudergeschäfte auszusechten nnd dem Publikum die Augen zu öffnen. Reelle Maaren koste» auch reelle» Geld. Ich zeige in meinen 5 großen Schaufenstern den Passanten reelle Ivaarr» ,u reelle» preise». Auf jedem Stück in der Auslage befindet sich der fest- preis deutlich in Zahle« veruterkt, wodurch sich jedes Feilschen erübrigt. Die zu verkaufenden Garderobenstücke sind genau auskalkulirt und ist der Nutzen dem großen Umsatz entsprechend ein nur mäßiger. Die in den 5 Schaufenstern ausgestellten Kleidungs- stücke sind in jeder Grötz« am Lager vorhauden. Ebenso bedeutend wie das Lager in serligen Kleidungsstücken, ebenso reichhaltig ist auch mein Lager i« in» und ausländischen Stoffe», aus welchem heraus der Kunde, welcher nach Maaß arbeiten lassen will, seine Auswahl treffen kann. Jeder Auftrag wird in kürzester Zeit» wenn nöthig schon IL Stunde» »ach der Krstelluug. erledigt. Zur Bequemlichkeit der Kunden sind Ankleidekabinets vorhanden, ebenso befindet sich die Konfektion im Hause. Zu den koulanten Zahlungsbedingungen, welche ich dein kaufenden Publikum bewillige, gehört u. a. auch die Annehmlichkeit, daß bei Einkäufen über 20 M. die Sendungen»ach auswärts franko verschickt werden. Die gerechte K-dienung, die vorzügliche Maare und tadelloser Sitz der Kleidungsstücke follen mir zum Siege über die unreelle Schleuderkonkurrenz in dieser Gegend verhelfen und werden hoffentlich. meinem allrenommirten Geschäft massenhaft neue Kunden zuführen. Zur Besichtigung der Geschäftsräume und ausgestellten Waaren ladet ein: Hochachtungsvoll Carl Zobel, Herren- u. Knaben-Garberoben-Geschiist, 80.�öp«��aße 12t, Verantwortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW,, Beuthstraße 2. Für Berlin Verkauf von lO Stück Clgarren. dh'ofte Preisermäßigung wegen Verlegung meines Geschäfts nach meinem eigenen Hause! » Fabrikant für Cigarren, Fabrikant für Schuhwaaren, Fabrikant für Herren- Garderobe, Fabrikant für Liköre. lacques Raphadli, Berlin HMPtgeschiist! Iltite Ur. 8, gegenüber Stndtbahnh-f»Korse"— Zweiggeschäst: Spandnucr Krücke Nr. S. 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Sagilspert- Mocca, auch Licbchcn- Cigarre genannt(Deli Maatschappy), ca. 9 cm laiig, ca. 4 cm Ums., ist vermöge ihrer wunder- vollen Tabakzusmnmenstelluna von emschmeichelndstem Aroma und Hervorraaend bestem Geschmack pr 10O Stck. Mk. 3,50. MarlrA Q ca. 10'/, cm lang, ca. 5 cm Ums. mit La ai av v. ijruj jjjj jj;(m03 gemischter Einlage (einer der hervorragendsten LHuüI-'rabiücc) mit ost- indischem Tabak gedeckt, oollwürzige, edle Cigarre per lOO Stck. Mk. 1,00 „Marke Sanitaa" Ums, leidenden Rauchern zu emvfehlcn, von durchaus lieblichem Geschmack, ein Gemisch edler, überseeischer Tabake, wenigRicotin enthaltend Per 100Stck.Mk4,00. „Neue Marke Rose von Schiras", fo«odn ca. 9'/, cm laug, 5'/. cm Ums., hochfeine Brasil- Einlage nnd Tel»- Decke; diese Mischung ein- pfiehlt sich allein.... per 100 Stck. Mk. 4,50. 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Kelir Charakter), vollwürziger Geschmack, dabei von außerordentlicher Milde sind die bevorzugten Eigenschaften dieser Cigarre per Kiste 850 Stück enthaltend MI. 13,50 sranco Haus. •ckT Reu! Marke Vuelta Ahnjo, ca. 10'/, cm lang, ca. 4'/, cm Ilms. Die Krone aller Havana- Tabake, der Gipfel köstlichen Aromas und mildesten Geschmacks, ist die Cig. mit 12 Mk. per 100 Stück nicht zu hoch bezahlt. Durch den vortheilhaften Ein- kauf von über«mer halben Million verkaufe ich dieselbe mü..... per 100 Stck. Mk. 0,00. Diplomaten- Cigarre, voluminöser wie bisher, ca. 12'/« cm lang, ca. 6'/« cm Ums. Im Aeußeren sowohl, wie auch in der Misch»lng die vornehmste Schöpfung, wird sie jedein Raucher, sei er an»nilde oder kräftige Cigarre gewöhnt, Gaumen, G«ruchsinn und Auge aus das Höchste befritdigen ». verdient als derJnbegriff einer der vollkommensten Cigarren, die ich bisher geliefert, hingestellt»u werden per 100 Stck. Mk. 0,00. Mark» RANllgikIj MI ca. 11'/, cm lang, ca. S'/jcm napnacii in, u,„fang, per 100 Stck. o Mk. Bei der Einführung dieser Cigarre im April 1893 setzte ich zwar voraus, daß sie den Beifall der rasfi- nirtestcn Feinschmecker finden und viel gekauft werden wird.— Der Consum hat jedoch meine kühnste» Er- Wartungen weit ubertroffei», und dieses veranlaßle mich, noch die hier folgenden zwei anderen Marken linier gleicher Flagge segeln zu lassen. — aus das Peinlichste von niir ausgesuchte Tabake per 100 Stück Mk. 7,00. Harke ktankaöli I ca. 13'/, cm lang, ca. 61/« cm napnaeil I. Umf<�oß-Negalia Bockfaxon per 100 Stück jetzt nur Mk. 7,50. Meine langjährigen Erfahrungen und mein ganzes Können habe»ch bei der Znsamnienstellung der letzten 3 Marken aufgeboten und bin nunmehr der festen Ueberieugung, daß auch die letzten beiden Marken sich desselben Beifalls erfreuen werde»», wie die Marke Raphacli III. Neu, Neu, Neu!!! HoIIändiMcIie Cigarren, Prima Rem« brandt ran Kyn Nr. 3 per 100 Stck. 5 Mk.— Nr. 2 per 100 Stck. 6,50 Mk.— Nr. 1 per 100 Stck. 8 Mk.— Die Länge dieser 3 Marken ist ca. 15 cm, der Umfang ca. 4% cm.— Der passionirteste Raucher wird in diesen Cigarren nach jeder Rich- tung hin— ob er an niilde oder kräslige Cigarren gewöhnt ist— nicht nur die vollste Befriedigung finden, sondern dieselbe» als seine unentbehr- lichsten Marken nach emmaligen» Versuch be- trachlei».— Der Alleinverkauf sur Deutschland ist mir übertragen.— Da ich voraussetze, daß auch diese Marken bald vo» der Coneurrenz ge- fälscht»verd.' i, erkläre ich hierniil, daß jedes Kistchen Cigarren dieser Marken mit memem Firmenstempel versehen ivird und daß ich nur in diesein Falle sür die Borzüglichkeit eintrete.— Reu,\eii! Havana de Mexiko, ca. UV, cm lang groß Bock, mild und voll per 100 Stück Mk. 0,00 »«" Nene Marke General, ca. 10'/, cm lang, „co. S'/j cm Umfang. Mit dieser.Havana-Cigarre, „welche aus einer Zusauiineiisetzimg der alleredelsten „Tabake besteht, glaube ich nicht nur den raffinirtesten „Naucher zu befriedige», sondern den unversöhnlichste» „Widersacher stutzig zu machen,»md behaupte von ihr, „daß sie in Bezug auf Preiswürdigkeit nicht ihres Glei�er�findet�ieselbe�oste�crlOO�tü�Ik��. friiclie Cigarren ans meiner Fabrik. Alagoas-Felix- und Vnella-Havana- Cigarren, wie sie bei»nir täglich unter den Fingern der Roller weg zun» Verkauf und Versand koniinen, die nicht im Entserntesten belästigen und hauptsächlich, frisch geraucht, die hervorragendsten Eigenschaften docuincntiren, cinpfehle ich den Freunden und Kennern saftiger Qualiläts-Cigarren in folgenden Größen und Marken: Hochseine Vorsten- Java m. Felix, durchaus inild, Diplomaten-Faxoi», ca. IS cm lang, 5'/« cm Umfang,.... per 100 Stück Mk. 4,50. Alagoa»« Felix, Torpedo-Faxon, ca. 11 cm lang, 5", cm Umfang, per 100 Stück Mk. 5,—. Heina del Alagoas. ca. 14 cm lang, 6 cm Umfang,..... per 100 Stück Mk. Bei dieser Cigarre ist die Brandfläche bougnet- artig unbeschnilten und ist dadurch ein Mangel- haster Brand vollständig ausgeschlossen, und hat der Raucher sofort den«ollgenutz des Tabaks. Mandl Angin m. La Cn»z des Almas, Torpedo- Faxon, ca. 11 cm lang, SV. em Umfang, per 100 Stück Mk 6,-. Deli Maatschappy mit Felix und Havana, Diplomaten-Faxon, ca. 12'/, cm lang, 5", cm Umfang,.... per 1Ö0 Stück Mk. 6,—. Vneltn Havana, Torpedo-Faxon, ca. 11'/, cm lang, 5'/, cm Umfang, per IOO Stück Mk 7,50 Eine Musterkiste obiger 6 Marken zusammen 100 Stück Mk.. Jede dieser Marken dient mir als Empfehlungs- brief, und ein einmaliger Versuch genügt, um nicht mehr von ihnen zu lassen, auch sind sämmtliche Marken trocken zu habe». Echt importirte Cigarren, asiatisches Gewächs, welche von att raffinirten Rauchern bezüglich ihres Aroinas sowohl als mich in sanitärer Hinsicht den echten Havana- Importen vorgezogen werben, ca. 10'/« cra lang, 5 cm Umfang per 100 Stück.... Mk 5,—. co. 103« cm lang, ö'/j cm Uinfang per 100 Stück......... Mk { Schuhe u. Stiefel in elegant. Ansführeog, aus bestem Material hergestellt. 5 ttCltckckA•• Trotz vorhergeganzener peinlichster Konlrole können sich an den von mir in den Handel gebrachten Maaren, ganz gleich ob bei Herren-Garderobe, Schuhwaaren oder Cigarren k.:c. | njch, sofort sichtbare Mängel herausstellen,»velche den Käufer glauben»imchenjännten, minderwerlhige Waare erhalte» zu habe».— Getreu meiiiei» alte» Pnucip, bleibt keine Rcclamatiou unberiilksichtigt.— Der Kä Stiefeln oder Garderobe— Acht«ng!! Diese Artikel sind als solche< befindet, minderiverthig ist, sc verwende»» pfleg«.— wt-uyntitituBt...........«««,...,......................... wurde meine Coulanz vielfach iiisofern, alS nian von mir Entschädigung für fehlerhafte Waaren verla 4Sy«'Hll|<}Vvnill4}4 u,»reeller Käufer entgegen zu treten, habe ich seit Jahresfrist«ntschädigungökarten eingeführt.— «orzelgunu einer EntschädigungSkarte«erden oierlamationen berücksichtigt.— Für auswärtige Käufer genügt die empsaugen (Herrenstiefel.) Farbige Meltoupantoffel* mit Filzsohle 0,50 Ps. Plüschpantoffcl' mit Ledersohle, durchnäht 1,80 Mk. Saffian- ttederpantoffet*»nit gestistcter Ledersohle, gepolstert............. 1,50 Mk Dieselben3' mit Lcdersohle und Lederpolster 8,10 Mk. Lederpar-loffel,* auch Schlappen genannt, d»>rch- genäht............. 8,85 Mk Dieselben" mit zivischengelegter Korksohle 8,00 Mk. Plüsch-«i. bunte Cordenet-Schuh«* mit Ledersohle Und Absätzen............ 3.- Mk Nohled er- Turnschuhe, ohne Absatz init 2 Guinini- Zügen, genäht........... 3.85 M« Sche.fistiefel von Rindleder, starkes oder schwaches Oberleder, jetzt nur......... 5,00 Mk SPecinlitot: Rindledcr> Zugstiefel in prima aus- gesuchter, frischer Waare,-- Vollleder ohne Seitemiaht, eigene» Fabrikat, Handarbeit, da« Beste, da« ich je geliefert............. 5,85 Mk Roh-Ziigstiefel mit Seltennaht, genagelt 5,00 Mk. Specialität: Rindleder- Schaftstiefel ungeschivärzt in prima ausgesuchter Waare, eigenes Fabrikat, Hand- arbeit............«.00 Mk. Spiegel-Rokleder-Zugstiefel ohne Seitennaht, genagelt Fabrikat. Handarbeit. �...«.50 Mk. eigenes„...Meli______ Spiegel-Roft-Zugstirsel ohne Seiteiulaht, doppcl soßlia, genagelt, rig. Fabrikat, Handarb. 7,50 Mk. Roftledsr-Zugftiesel, a.Rand genäht,Handarb.7,50Mk Rohlcder-Zuastiefet mit Besatz, Knopfoerzieruna und durchlochter Kappe ebenfalls..... 7,50 Mk Spiegel-Roftleder-Zugstief., gewalkt, Oberled. auS ein. Stück, auf Raild genäht(Handarbeit), eigene» Fabrikat............ 8,50 Mk. Bergfteiger-Schniirstiesel von Roßleder niit Agraffen, auf Rand genäht......... 8,50 Mk «alblcder-Zugftiefel, gewalkt, Oberleder aus einem Stück, auf Rand genäht, Handarbeit... 10 Mk. Kalblack- Salonstlesel mit Glaes-Einsatz, aus Rand genäht............. 10,00 Mk Reitstiefel aus prima genarbtein Rindleder, kein Wngenverdeckleder. uiit steifer Stulpe Kalmeder-Zugstlesel Handarbeit, beste» Karlsbader Fabrikat mit zwischengelegter Doppelsohle 11,00 Mk. Chagrin-Hausschuhe»nit Lasche u. Absatz 3,00 Mk. Alle Nefleetante» weise ich in ihrem eigene» Lastlng-Zugschnhe m.Ledersohle u.Seiienleder3,50Mk. Dieselben mit Lackspitze....... 4,00 Mk. Nolileder-Nellnerschuhe. genäht,»nit zwei Gumm�ü�n Braune Segeltuch Schnürschuhe* niit Lederbefatz und durchgenähter Guminisohle oder mit Ledersohle(Sport und Radfahrerschuhe)........ 4,85 Mk Braune Leder- Strandschniirschuhe, genäht 4,85 Mk. Rohleder-Halbschuh« zum Schmiren od. mit Gummizug, mit Knopsoerzierung...... 4,50 Mk Rohleder-Besatz-Halbschuhe, zum Schnüren oder niit Gummizug, auf Rand genäht....«,00 Mk. Satinirt Roftleder Halbschuhe auf Rand genäht mit Besatz in»loch eleganterer Ansführung mit Gummi- zügen, oder zun» Schnüren, Handarbeit 7.00 Mk. (Dameeestiefel.) Farbige Meltoupautoffel mit Filzsohle*. 0,35 Ps Plüschpantoffel � durchgenäht in. Ledersohle 0,00 Mk. Sauunt-Pantoffel" bunt gestickt mit durchgenähter Ledersohle und Lederpolster..... 1,50 Mk Saffian Lederpantoffel'' niit Ledersohle und Leder- Polster.............. 1,85 Mk. Leverpautoffel mit zwischengelegter Korksohle 8,10 Mk. Leder-Pantoffeln, auch Schlappen geuaiint, bis 25 cm. 1,50 Mk. Lastingschnhe'" mit Gummi auf dem Blatt, durch- genäht mit Absatz und Seitenleder... 8,10 Mk Dieselben mit Scitel»-Gummizügeii nnd Lockspitze............. 8.75 Mk. Rohleder- Hausschuhe, auSgeschnitt., genäht 8.75 Mk. Gemsleder- Pronlenadenschuhe", ausgeschnitten, mit Schleife und Spitzkappe....... 8,50 Mk Dieselben mit Lederabsatz..... 3,50 Mk. Dieselben mit Lederabsatz, einbällig, durchgenäht, (Chic-Schuhe)........... 3,75 Mk «rau»eSegrItuch-Sch»ürschuhein.Lederbesatz3,85Mk Kalblack-Promenadenschuhe'', ausgeschnitten 3,85 Mk. Dieselbe,» mit Lederabsatz*..... 4.00 Mk Dieselben mit Lederabsatz, einbällig, durchgenäht (Chic-Schuhe)........... 4,50 Mk Rohleder- Schi, Urschuhe, genäht.... 4,00 Mk Dieselben mit Gummizug ebensall».. 4,00 Mk Chagrin Schnürschuh« ni.Kalblackblatt,ge»äht4,»0 Mk Dieselbe» m. Lackspitze 6" hoch i»» Zuge 4,00 Mk. Rohleder-Zugstiefel. b�hochin, Zuge, aeiiäht 4,5091» Dieselben mit eleganter Lackkappe, 6 hoch im Zuge, auf Rand genäht...... 5,75 n.« 50 Mk. Kalbleder-Halbschuhe zum Schnüren oder Knöpfen auch mit Lackblatt......... 5,75 Mk gtohlrder-Knopfftiefel, aus Rand genäht,»nit aus- genähten Knopflöchern..... 6,75 und 8 Mk Satin Kalbleder Zugftirfel,»nit und ohne Lackspitze, auf Rand genäht, 6" hoch im Zuge 7,85 n 8,85 Mk. GlacS-Zugftiefel, sammetiveich, auch»ist Lackblatt, sehr hohes Faxon, auf Rand genäht.. 7,75 Mk. Satin- Kalb< Knopfstiefel, aus Rand gelb genäht 8,50 u. 0.75 Ml. GlacS-Zugfticfel m.Besatz». echter, hoher Knopflasche, aussehend wie Knopfstiesel,»nit rings Lackbesatz aus einem Stück...........».00 Mk. Dieselben mit Glacöbesatz...... 8,85 Mk GlacS-Knopfstiefel, sammetiveich, in vorstehender Ausführung, mit ansgenähte» Knopflöchern, auch mit Lackblatt....... 0,35»». 10,85 Alt. Dieselben rings niit Kalblackbesatz 0,50 ,». 10,75 Mk Braune Leder-Strand- u. Schnürstiefel 8,75 Mk. (Kinderstiefel.) Schnüren, Rohleder< Halbschuhe zuin Schnüre»», genagelt, bis 18 cm............. 8,25 Mk Dieselben bis 22 cm........ 3,00 Mk. Rohleder-Zugschuhe, genagelt, bis 18 cm 2,50, bis 22 cm 3 Mk, bis 25 cm(elirbällig).. 3,75 Mk. Roftleder- Turnschuhe ohne Absatz niit 2 Gummi- zögen, genäht, bis 18 cm innerer Länge 1,00 Vir. Dieselbe»» bis 22 cm innerer Länge.. 8,30 Mk. Dieselben bis 26 cm innerer Länge.. 2,80 Mk Roftleder Nnabenstiefel zun» Schnuren, mit Agraffen. genagelt, bis 19 cm........ 3,00 Mk. Dieselben biS 23 cm........ 4,00 Alk. Dieselben bis 26 cm........ 5,25 Mk Noftledrr-Mädchenstiefel, z. Knöpfe» 19 cm.............. 3,00»1». Dieselben biS 23 cm........ 4.00 Mk Dieselben bis 26 cm........ 5,00 Mk. Kalbledrr-Knopf- u. Agraffeustiesel bis 18 cm 5,00 Mk Dieselben biS 22 em........ 5,75 Mk Satin-Kalblrder-Knopfstlefel, ans Rand gelb genäht. bis 18 cm............ 5,50 Mk Dieselben bis 22 em......... 6,50 Ml Lasting-Zngstirsel mit Seitenleder... 3,50 Mk Juteresse auf meiue heute auf Seite I,-? Beiblatt erscheinende Offerte, Uiiiversal-Fuffbekleidung hin. « uuberiilk sichtigt.—' Der Käufer empfängt— gän, nach Belieben— entweder neuen Ersatz in Waaren— oder sein Geld und Auslagen, sowie— ausgiebigste Enlschävigung sür die gehabte Mühewaltung— und bei Stiefeln oder Garderobe— wenn thunlich— die getragenen Gegenstände reparirt dazu, ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. Sämmtliche hier folgende Schuh- und Stiefelsorten rönne» 85—50°« unter nachstehenden Preisen verkauft werden, wenn dieselbe» aus Faetis(sogeuannlem Knustleder, welche? aus Lederpappe und Gummi zusainmengesetzt ist) im Zuchthause hergestellt sind. Jeder Käufer solcher Waare ist m» sein ausgegebenes Geld betrogen. Jede»„meiner" Schuhwaarenfabeikate ist auf da» Peinlichste und Reellste von bestem Material hergestellt, und übernehme ich für die Haltbarkeit volle Garantie. Die init einein* bezeichneten Artikel sind auSnahnisiveise theilS mit Faetiszuthaten in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Ziveck— sehr leicht zu sein— nicht ersüllen»vürden. Diese Artikel sind al» solche auch die reellsten und»verde» nicht anders in den Handel gebracht.— Es lebt im Publik»»» die Anschauung, daß jene Einlage, die sich in Schuhwaaren zlvischen Sohle und Brandsohle befindet, minderiverthig ist, sobald sie aus Spahn und nicht ans Leder besteht.— Diese Ansicht ist eine irrige.— Die Spahneinlaae ist nn» mehr als das Vierfache theurer als das Leder, welches man hrersur zu verwenden pflegt.— Spahneinlage ist nicht nur leichter, solider» auch in sanitairer Hinsicht»nehr zu«mpfehleii als Leder.— Aus die Haltbarkeit übt die Einlag« keinen Einfluß aus.— qI8 nian von mir Entschädigung für fehlerhafte Waaren verlangte, die bei»»»reeller Conelrrrenz gekauft worden sind.— Um derartigen Auswüchsen -----»—*—""geführt.— Jeder Käufer erhält eine solche und hat dieselbe aufzubeivahren, de»m nur gegen empfangene Rechmmg.— Kalblack-Spangenschuht* m. Spitzen u. Schleifen bis >8 cm.............. 3,75 Mk Dieselben bis 22 cm........ 4,25 Mk Geinsleder-TPangenschuh«* in gleicher Ausführung bis 18 cm......... 3,85 Vif Dieselben" bis 22 cm........ 3,75 Mk Braune Leder-Strandknopf- und Schnürstiefel bis -8 cm.............. 5,75 M Dieselben bis 22 cm........« 50 Mk Tliilpstiefel. mit und ohne LacksMlpe, aus genarbtem Rindleder, bis I6V, cm innerer Länge 4,85, bis 19 cm 4.50, bis 21'/, cm 5,00, bis 23'/, cm 5,75 Mk. Erstling-, vablz- und Mädchrnschuhe' von Leder sind in größter Ausivahl und jeder Ansfiihrung sowohl schivarz als farbig am Lager-, Wiederverkäuferu gewähre schon bei Enüiahme vo» 1 Dtz. Paar Rabatt. Da» Besohle»(Nernlrder echte Luxeinburger Eichen-Lohgerbung) derHm-enstieseleiiischltcftlich der albsätze berechne Ich mit 1.00 Mk., genäht 10 Ps.lh eurer; desgleichen Damenstiefel 1,40 Mk.— genaht 10 Pf. «henrer. Stuf Wlinsch Ansertigung nach Lülaft.— Für Daineu ist in besondere»» Räumen weiblich« Be- dienung vorhanden. Becllngnngeii für den Vcvsancl von S c h n Ii w a a r c ii: Francatur Beim Versand obiger Schuhivaareu, der nur gegen Rachnahine oder vorherige Ein- sendung des Betrages geschieht,— ausgeschlossen. Für Verpackung werden 10 Psg. berechnet. Um- tausch bereiüvilligst gestattet. Auch bin ich z»u- Rückzahlung des Betrages gen» bereit,>vem» die Stiesel im Original-Zustande erhalten sind»md der Kunde die Porto-Auslagen trägt; doch t.itt letzterer Fall deshalb nicht ein, weil jeder Nachbar, der der Süefel ansichtig wird, ihrer Billigkeit»vegen den Preis dankbar zahlt. Sobald jedoch bei der Aus- sührung des Auftrages eine Unregelmäßigkeit von Seilen»»eines expedirenden Personals vorgekominen ist, trage ich selbstverständlich sämmtliche Auslagen. Es ist ersorderlich, bei»» Anprobiren eine Decke uiner- zulegen, damit d»e Sohle nicht beschmutzt ivird. Uni das Maß festzustellen,»volle inan einen Stab in den getragene» Stiefel einpassen und das Maß in Centi- »netern angebe»», niit der Bemerkung, ob Spann hoch oder niedrig.— Siehe oben meine„Bitte". Thouinlla*» [»nn, betreffend Herren-Garderobe, sowie vi'. Sämmtliche Abtbeilunaen meines Etablissements find Sonn- und FeiertaaS während der polizeilichcrfeitS erlaubten Stunden geöffnet.