Abendausgabe Nr. 3742. Jahrgang Ausgabe B Nr. 18 5 Goldpfennig Donnerstag 22. Januar 1925 = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenvreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt Berlag und Anzetgenabteilung: Geschäftszeit 0-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2505-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Müllers Antwort an Luther. Schärfstes Mißtrauen der Sozialdemokraten. Ebert- Beleidigungen in diesem Hause gewandt und das verbie. tet uns, diesen Vergleich weiter zu ziehen.( Sehr gut, links.) lich, aber wohl verzeihbar. Wir müssen so schnell wie möglich im Ueber den Etat selbst zu reden, ist zwar nicht sehr gebräuchEtat wieder zu normalen Zuständen kommen. Das Budgetrecht ist das Kernrecht jedes Parlaments. Es geht nicht an, daß das Budgetrecht beeinträchtigt wird durch die Anwendung des Art. 48 der Verfassung. 3war ist das nur geschehen zur Auslegung gewisser Berordnungen und zur Herablegung gewiffer Steuern, aber schließlich könnte man ebenso gut auch Steuern damit erhöhen. Gegen diese Methode wenden wir uns in Uebereinstimmung mit den Ländern. Dieser miß bräu dhlichen Anwendung des Art. 48 muß ein Riegel vorgefchoben werden, nicht nur für das Budgetrecht, sondern auch auf anderen Gebieten. Wir haben schon im vorigen Reichstag den Antrag eingebracht, daß unverzüglich das Wir Ausführungsgesetz zum Art. 48, welches in der Verfassung versprochen ist, vorgelegt werde. werden auf der Beratung dieses Antrages bestehen und hoffen, daß welches in der Verfassung versprochen ist, vorgelegt werde. die Deutschnationalen da mit uns zusammengehen, denn wenigstens so lange sie Opposition waren, haben sie diese Auffassung vertreten. Nachdem die Währung stabilisiert ist, müssen wir auch geordnete Rechtsverhältnisse bekommen. In der Fortsetzung der Besprechung der Regierungs-| habe dem nichts hinzuzufügen; denn wir haben uns immer gegen erflärung ergriff heute als erster Redner der Führer der So zialdemokratie, Genosse Hermann Müller, das Wort. In scharf pointierten Ausführungen wies er nach, was hinier den glatten Redensarien des Reichskanzlers stände. Das, was der Reichsfangler nicht sagte, das habe Graf West arp um so deutlicher gesagt. Und wenn Dr. Luther sich auch bemühe, den Kurs des jeßigen Kabinetts als die Fortführung der politischen Linie des Kabinetts Marr hinzustellen, jo fönne das die Sozialdemokratie doch nicht darüber täuschen, daß die Deutsch nationalen das maßgebende Element in dieser Regierung bilden. Die Sozia demokratie werde stets in fachlicher Arbeit die Interessen der Arbeiter flaffe wahrnehmen, sie werden aber auch den schärfsten Kampf gegen die Regierung führen, wenn sie es wagen sollte, die Lebensnotwendigkeiten des werftätigen Boltes anzugreifen. Im zweiten Teile seiner eindrucksvollen Rede beschäftigte fich Genosse Müller mit den Angriffen, die von der Rechtspresse aus Anlaß der Finanzaffären gegen die Sozialdemofratie erhoben worden sind. Er wies grundfäßlich darauf hin, daß diese Korruptionserscheinungen nicht eine Folge der Re volution und nicht ein besonderes Merkmal der Republik seien, sondern daß sie nur zu verstehen sind als eine Folge des Krieges. Ein Vergleich mit der Zeit nach dem DeutschFranzöfifchen Kriege 1870/71 zeigt das aufs schlagendſte. Der damalige Kutister war allerdings der Eisenbahnkönig Stroußberg, der zu den höchsten Stellen im Staat und zu den bekanntesten Persönlichkeiten in den besten Beziehungen tand. An einer Fülle von Beispielen zeigte Müller, wie tief die Korruption im taiserlichen Zeitalter am Marke des Volks fraß, und es bedarf nicht erst, wie es der Abg. v. Freytagh Lorringhoven fürzlich meinte, des Zurückgehens bis in das achtzehnte Jahrhundert, um zu sehen, wie faul es im Staate der Hohenzollern um die Moral vieler an der Spize stehender Persönlichkeiten stand. Eine gründliche Abrechnung hielt Genosse Müller bei dieser Gelegenheit auch mit den völkischen Abgeordneten Graefe und Henning, deren Auftreten er in Bergleich stellte mit dem Auftreten des berüchtigten Judene starp bezeichnete die neue Regierung als einen Wendepunti flinten"-Ahlwardt. Zum Schluß erklärte Müller noch einmal, daß unsere Partei dieser Regierung ein flares Mißtrauens potum erteile und damit den Trennungsstrich gegen sie so deutlich wie möglich ziehe. Er fand mit seinen Ausführungen den lebhaftesten Beifall. Als nächste Redner sprachen die Abgg. Behrens( Dnt.) und Kardorff( D. Bp.), die nichts Wesentliches mehr vorzubringen hatten. Langsam füllt sich der Reichstagsfaal zu Beginn der heutigen Eizung, deren Dauer auf recht vicle Stunden geschätzt wird. Die Bänke der Abgeordneten, die der Rgierung und des Reichsrats sind noch schwach besetzt, als furz nach 412 Uhr der deutschnationale Vizepräsident Gräf die Sigung eröffnet. Er teilt mit, daß der Protest gegen die Ausschließung des kommunistischen Abg. Dr. Schwarz zu spät eingegangen ist, als daß das Schreiben noch ellen Abgeordneten zu Beginn der heutigen Sigung hätte vorge legt werden können. Das soll aber noch im Laufe der heutigen Sigung geschehen und dann wird über den Protest ohne Debatte abgestimmt werden. In der darauf fortgesetzten Besprechung der Regierungserflärung nimmt das Wort Abg. Hermann Müller- Franken( Soz.): Der Reichskanzler hat sich in seiner ersten Rede am Montag an alle Parteien gewandt, die bereit feien, in staatsbejahender Gesinnung praktisch mitzuarbeiten. Gestern meinte der Reichsfanzler, die Ausführungen meines Freundes Breitscheid, insbe fondere über die Außenpolitif, ließen ihn glauben, daß auf diesem Gebiet auch die Sozialdemokratische Partei mitarbeiten könnte. Der Reichstanzler hat ja erklärt, daß diese Regierung fein Kampftabinett gegen die Linke sei. Wie fann er damit die Rede des Abg. Graf von Westarp vereinbaren, die eine ein; ige Kampfanfage gegen die Sozialdemokratische Partei war, gesprochen von dem Vertreter der größten Regierungspartei? ( Lebhafte Zustimmung links.) We starp hat gesagt, daß im Reich und in Breußen die Sozialdemokraten aus allen Macht: positionen heraustommen sollen. Er hat ganz deutlich erklärt, daß es ihm und seiner Partei darauf ankommt, wieder den alten Kastenstaat zu errichten, den wir unter Wilhelm II. gehabt haben den Staat, in dem auch die Beamten lediglich aus pririlegierten Schichten ge= nommen und, um mit Bismard zu sprechen, in den Ochsentrab der Bureaukratie eingestellt wurden. Im Wahltampf haben die Deutschnationalen ein Flugblatt Nr. 191 verbreitet, in dem es u. a. heißt: Ebert: Sattler, Gastwirt, Arbeitersekretär, Redakteur, Reichs. präsident. Hirtfiefer: Schlosser, Wahlfahrtsminister. Also auch die aus dem Zentrum genommenen Minister und Beamten sollen beseitigt werden. Die deutliche Rede des Zentrums. abgeordneten Heß im Preußischen Landtag hat bewiesen, daß das Sentrum das verstanden hat. Abg. Koch hat gestern den Reichs präsidenten mit seinem Vorgänger Wilhelm II. verglichen. Ich Wir sind bereit, mit Graf Bestarp für eine ausfömmliche Bezahlung der Beamten einzutreten. Wir nehmen an, er wird bereit sein, mit uns das Besoldungsunrecht des letzten Früh. iahrs wieder gutzumachen. Eine bessere Entschädigung der Kriegscpfer hat unser Kollege Rottmann schon vor der Regierungsbildung hier gefordert. Auch da sind wir bereit, mit allen Parteien ufammenzuwirken, die etwas für die Kriegsopfer tum wollen. Die deutsche Wirtschaft muß endlich Klarheit in der Aufwertungsfrage haben. Unsere Parteifreunde haben schon im Aufwertungsausschuß einen dahingehenden Antrag der Deutschnationalen unterstützt. Und mir haben einen grundjäglichen Aufwertungsantrag cingebracht. Wir werden sehen, was dazu die Wirtschaftstreife sagen, insbesondere jene, die den Wahlfonds der Rechtsparteien mit 2 Marf pro Arbeiter gespickt haben.( Sehr gut! lints.) Der Reichskanzler hat für sich in Anspruch genommen, daß er Politik der vorigen Regierung weitertreibe. Aber Graf in der Politik, und gleichzeitig nannte er die Regierung Marg die Regierung einer vollendeten Ahnungslosigkeit, d. h. jene Regierung, in der der jetzige Reichskanzler Reichsfinanzminister war, jene Regierung, die die Verhandlung in London geführt und die Dawes- Geseze im Deutschen Reichstag mit Hilfe der Deutschnationalen durchgefeßt hat, das zweite Versailles, um mit Helfferich zu reden. Ich glaube, daß die Kritik des Grafen Westarp gegen die vergangene Regierung gewissermaßen auch eine Richtschnur für die neue Regierung sein sollte. Wir haben bedauert, daß die Regierung Marg ihre Mitarbeit an der Befriedung Europas nicht dadurch krönen konnte, daß sie den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bewerkstelligte.( Sehr gut! links.) Ich fürchte, wir werden auch diesen Schritt tun, wenn es zu spät sein wird. Meine Partei tritt nach wie vor dafür ein, daß der Eintritt so bald wie möglich erfolgt. Den Siz im Völkerbundsrat haben uns alle Mächte zu gestanden. Der Artikel 16 verliert seine Stärfe in dem Augenblick, wissen Amtsstellen nicht die wahren Gründe für den Nichteintritt wo Deutschland selbst im Rat sigt. Ich bin überzeugt, daß bei geangegeben werden. Wir werden eine solche Politik nicht mitmachen. Ich bin überzeugt, daß Widerstände, die noch vorhanden sein sollten, zu überwinden sind und daß im Gegenteil der Eintritt der deutschen Republif in den Bölkerbund den Eintritt der Sowjetrepublik nach sich ziehen wird, so daß ganz Europa im Völkerbund vereinigt wäre. Dr. Leicht sprach von der Unzufriedenheit mit dem Völkerbund. Ja, wer ist denn mit ihm zufrieden? Er ist doch nicht von uns fonstruiert. Es fragt sich nur, ob die deutschen Interessen besser vertreten werden, wenn wir drinnen oder wenn wir draußen sind. Wir sind überzeugt, daß das erstere der Fall ist und Vorsichtige Zurückhaltung. Die Furcht vor den Folgen der Rechtsregierung. Die gestrige Rede des Reichskanzlers fonnte an der heutigen Börse feinerlei anregende Momente auslösen. So eröffnete die Börse in vorsichtiger 3urüdhaltung. Lediglich am Montanmartt zeigte sich zunächst ein etwas lebhafteres Int reffe. Trotzdem blieb die Tendenz zunächst uneinheitlich. Fast unverändert war der Markt mit Schiffahrtswerten, am Markte der Spritwerte ging es sehr still zu. Am Markt der Frciverkehrsfallwerte war ebenfalls eine durchaus luftlose Stimmung bei leicht abgeschwächten Kursen. Am Petroleummarkt war überwiegend Abgabeneigung festzustellen. Auch hier bröckelten die Kurse leicht ab. Eine Ausnahme der allgemeinen Stimmung machte lediglich der Bahnaktienmarkt, wo sich ein lebhaftes Geschäft entwickeln konnte. Am Markt der heim schen Renten zeigte sich eine recht luft lose Stimmung ( trotz der deutschnationalen Regierung! D. Red.), dech vermochten fich die Kurse etwa im Rahmen der gestrigen Schlußkurse zu halten. Für Kriegsanleihe hörte man einen Geldkurs von 0,895. Dagegen ging es am ausländischen Rentenmarkt wieder recht lebhaft zu. Befonders stiegen die Verkriegswerte von Defterreich- Ungarn, auf die Hoffnung der Anleihebesiger, daß etwa nach den Schweizer Berein. barungen auch jetzt cine Aufwertung mit 50 Proz. erfolgen würde. wir sind damit in Uebereinstimmung mit den deutschen Minder heiten in anderen Staalen, wie in der Tschechoslowakei, in Polen, Südflawien usw. Es wundert mich, daß diese Wünsche der deutschen Minderheilen so ganz ohne Einfluß auf die EntDie deutschen Minderheiten draußen wissen ganz genau, daß ihnen fcheidung der deutschen Rechtsparteien find.( Hört, hört! links.) mit Noten des deutschen Auswärtigen Amts allein nicht gedient wird, auch nicht, wenn diese Noten in Zukunft stilisiert sein sollten von dem stählernen Willen des Grafen Weft arp. Das wird auf das Ausland wenig Eindruck machen. Im Gegenteil, die englische tonservative Regierung wird sich desto mehr auf die Seite Frankreichs ſtellen, je mehi die deutsche Junkerflique in der deutschen Außenpolitit maßgebend zu werden scheint. Auch dem Rheinland und dem Ruhrgebiet if mit irgendwelcher Kraftmeierei nicht gedient; Rheinland und Ruhrgebiet wollen so bald wie möglich befreit sein und das fann nur erreicht werden durch eine Politik der Verftändigung, die jede Revanchepolitik abschwört. Das Zentrum sollte sich daraufhin seine Bettgenossen in der neuen Mehrheit genau ansehen.( Heiterfeit links.) Der deutschnationale Abgeordnete v. Freytagh- Loringhoven sagt in seinem Buch über die Weimarer Schmach von Versailles mit feinem Blut moleder abwasche und dann Berfassung, der Tag werde tommen, an dem das deutsche Volk die Scheidemann( S03.): Das ist ja ein feniler Schwäger! werde es sich cuch von der Weimarer Verfassung trennen.( Abg. Lebhafte Zustimmung.) Und der deutschnationale Abg. SchlangeSchöningen, der nach der„ Deutschen Tages- Zeitung" mit dem deutschnationalen Abgeordneten Gott- sei- Dant nicht verwechselt werden will, hat im Sommer in Rede gehalten von dem fiegreichen deutschen Heer, das unter fhwarzweißrofen Fahnen, nicht mehr als Heer der deutschen Republit, sondern mit dem deutschen Kaiser an der Spitze zurückkehren werde. wird. Sch glaube, Herr v. Gräfe wird noch lange um den Kyffhäuser herumträchzen fönnen( lebhafte Heiterfeit), bis das zur Wahrheit Aber ich begreife nicht, wie Graf Westarp angesichts solcher Aeußerungen seiner Parteigenossen uns Borwürfe machen fann, daß wir mit einer solchen Außenpolitit nicht auf den gleichen Boden treten wollen. Das wäre ja dasselbe. wie wenn wir mit dem Professor Roethe auf einen Boden treten wollten, einem herumläuft.( Lebhafte Zustimmung.) Wir werden diese geder einfältigsten Schwäger, der in Deutschland meinsame Front auch nicht mitmachen fönnen mit den Vaterlandischen Verbänden, die Graf Westarp als so harmlos, hingestellt hat. Ich mußte dabei denken an die harmlosen Schulz und Tilles. fen, die Erzberger ermordet haben.( Widerspruch rechts.) Es iſt wohl überhaunt nicht wahr, daß Erzberger ermordet wurde. Auch an die harmlosen schwarzweißroten Rathenau- Möider Man fann uns doch nicht zumuten, mit solchen Kreisen gemeinsam Außenpolitik gegenüber England und Frankreich treiben zu fönnen. Herr Dr. Luther hat sich auch mit der Frage der Zeitfrei willigen befaßt. Mein Freund Breitscheid hat nichts mitgeteilt, was nicht alle W: It bereits weiß. Cs find eine Reihe von Landesverra sprozessen gegen die sozialdemokratische Bresse angestrennt worden, obgleich diese Frage auch in den Organen der student schen Vereinigungen behandelt worden ist. Erst in den legten Tagen ist ein S'rafperfahren gegen unser Breslauer Parteiblatt wegen Landesverrats eröffnet worden. das es sich durch den Abdruck eines Artikels aus dem Züricher" Bolfsrecht" hat zuschulden kommen laffen sollen. Es ist nichts darin enthalten, was gegen Deutschlan's Int reffen gerichtet sein könnte. Im übrigen haben wir eine Interpellot on dazu eingebracht. Ich enthale mich deshalb vorläufig weiterer Ausführungen. Wir werden das Notwendige dazu noch zu sagen haben. Der Graf We starp hat behauptet, daß der von der Sozialdemokratie großgezogene Materialismus die Revolution verschuldet habe. Wenn Herr Westarp etwas über den h stor fchen Materialismus gelesen haben würde, dann fönnte er etwas derartiges nicht sagen. Wir werden alle Korruptionserscheinungen bekämpfen ohne unterschied der Person, der Parkci, aber auch der Familienbeziehungen. Die ganze Kampagne, die jetzt in Berbindung mit den Finanzstandalen begonnen worden ist, fann nur verstanden werden von dem Gesichtspunkt der Vorbereitung der Wahlen für den Reichspräsidenten. Die Sozialdemokratische Partei foll diskreditiert werden, der Magdeburger Prozeß eine Fortsetzung erfahren. Glauben Sie wirklich, daß uns diese Kampagne etwas schaden kann? Sehen Sie sich doch das Ergebnis der Landtagswahl in LippeDetmold vom letzten Sonntag an, wo wir seit dem 7. Dezember 2600 Stimmen zugenommen haben, trotz der unglaublichen Schmähungen gegen unsere Partei. Der hier eingebradite Antrag ffäre fönnte mit allen bürgerlichen Parteien in Zu spricht besonders von der Korruptionsaffäre Kutister. Diese sammenhang gebracht werden. Ich erkläre grundsätzlich für meine Partei. daß wir zur strengsten Untersuchung darüber beitragen werden, welche Kredite von den öffentlichen Institutionen gegeben wurden und die heute noch nicht zurückgezahlt wurden. An Kutister sind im Mai vorigen Jahres 34 Millionen Mar? Kredit gegeben worden. 19 Millionen wurden in bar abgedeck 15 Millionen hat die Preußische Staatsbank übernommen. Es ste fest, daß die daran beteiligten Beamten der Staatsbank sämtlich dem alten Regime entstammen und der verantwortliche Minister ist der Deutschvolfspariciler von Richter. Was den Fall Barmat anbelangt, so hat der Abgeordnete Heilmann am 8. Dezember bei dem preußischen Finanzministe: Richter annefragt, ob ihm bekannt sei, dah tie Rote Fahne" über Unregelmäßigkeiten berichtet habe. Noch am 16. Dezember hat der preußische Finanzminister erklärt, daß die vorgenommene Brüfung ergeben habe, daß alles in Ordnung sei. Die Art, wie dann diese Kampagne politisch aufgezogen worden ist, wird noch ge naueruntersucht werden müssen. Wir haben leine Ursache, irgend etwas zu verschweigen oder zu verhüllen. Ich erinnere daran, daß am 4. April 1873 der damalige Vizekanzler Delbrück erklärt hat, es stände außerhalb der Macht der Regierung, die Verbindung zwischen Staatsbeamten und Gründern zu verhindern. Wir sind allerdings anderer Auffassung. Wir verlangen, daß der Staat alles tue, was in seiner Macht steht, um eine solche Verbindung unmöglich zu machen. Nun ist behauptet worden, daß im Verwaltungsrat der Post der sozialdemokratische Vertreter den Kredit maßnahmen des Postministeriums zugestimmt habe. Ich stelle dem gegenüber folgendes feft: Schon am 26. Juli 1924 hat mein Freund Steintopf im Verwaltungsrat der Post sich dagegen gewendet, daß Monopole geschaffen und Konzerne bevorzugt werden. Minister hat darauf geantwortet, daß die Behauptungen Steintopfs den Tatsachen nicht entsprächen. In der Verwaltungsratssigung der Post vom 5. Januar d. I. hat der Minister erklärt, daß er nichts zu verheimlichen habe, die Einsegung eines Ausschusses sei nicht notwendig. Dazu hat der Abgeordnete Gruhn ausgeführt, der Zeitpunkt sei nicht geeignet, Minister zu stürzen, zudem alle Zahlen genannt worden seien. Mein Freund Steintopf hat auch hier volle Klarheit gefordert. Der Breitscheid hat schon ausgeführt, und ich fann es nur wieder holen, daß für diese Affäre nicht die Republit verantwortlich gemacht werden fann, sondern daß sie sich als Nachkriegs erscheinung darstellt. Aehnliche Vorgänge, allerdings in weit größerem Umfange, haben sich ja auch nach dem deutsch- französischen Kriege creignet. Der damalige Kutister hieß Strußberg. Mit ihm standen in Berbindung der Fürst Puttbus, der Fürst Biron, andere Fürstlichkeiten und Inhaber hoher Hofämter, der Handels minister Graf genpliz hat bei der Eröffnung der Görüger Bahn einen Toast auf Strußberg- Rutister ausgebracht und ihn einen Stern am Himmel genannt. Der Abg. Frentagh- Loringhoven hat in einem Artikel furzlich behauptet, daß man bis 1782 zurüdgehen müsse, bis man einen Standal finde, den man den Hohenzollern anhängen könnte. Herr Freytagh- Loringhoven ist in der Geschichte nicht sehr bewandert, sonst würde er nicht soweit zurückgegangen sein. Ich erinnere daran, daß am 28. September 1876 Bismard seinen Tischgäften erzählt hat, daß er durch die Gnade feines Monarchen zum Fürsten geworden sei. Früher hätten sich die Minister von auswärtigen Mächten schmieren laffen müssen. In ähnlicher Weise wie die Rechtspreise Korruptionserscheinungen in politische Standaie ummünzen will, hat sie es ja schon früher getan. Man braucht nur daran zu denken, welchen Kampf felbft Bismard gegen die Organe der Konservativen und besonders die Kreuzzeitung" führen mußte.( Bei den folgender Ausführungen fommt es zu leb= haften Auseinandersetzungen zwischen den voltischen Abgeordneten Henning und Graefe, die mit freder Stirn ihre Behauptungen aufrechterhalten und die deshalb von jozialdemokratischer Seite als Ber Die„ Deutsche Tageszeitung" hat am 2. Januar behauptet, daß Barmat die Revolution finanziert habe. Dann ist Barmat wohl auch am Verlust des Krieges schuld. Dann war er es wohl, der Ludendorff in den Rüden gestoßen hat. Zwei Dinge find es, die Barmat vorgeworfen wurden: 1. daß er Ostjude sei, 2. daß er zu den Schiebern gehöre. Wenn Sie die Parteien untersuchen würden, die noch niemals mit Oftjuden in Verbindung gestanden haben, dann werden Sie in diesem Hause wohl überhaupt feine finden. In Verbindung mit Barmat ist auch mein Name genannt worden. Zuerst damals, als ich in einer Interpellation die Schiebungen des Prinzen Eitel Friedrich erwähnte, der ja später megen Kapitalsverschiebung auch mit 5000 m. bestraft worden ist. Ein Jahr später ift Barmat von der Kreuz- Zeitung", der Deutschen Tageszeitung" ber Schiebung beschuldigt worden, Die ,, Kreuz- Zeitung" hat allerdings sofort den Rüdzugangetreten, als Barmat ihr eine Berichtigung zuschickte. Sie hat aber behauptet, daß zwischen mir und Barmat Beziehungen beständen. Darauf habe ich dem Blatte fofort eine Erklärung zugeschicht, daß nicht die geringften gefchäftlichen Beziehungen zwischen mir und Barmat besländen noch jemals bestanden hätten. Die Deutsche Tageszeitung" hat diesen Rückzug erst vor dem Schöffengericht angetreten. Der Chef vebatteur des innenpolitischen Teils hat einen Vergleich eingehen müffen, indem er die Beleidigungen gegen Barmat zurüdnahm und fich zur Zahlung sämtlicher Roften verpflichtete. leumder bezeichnet werden.) Was die Lebensmittelgeschäfte in dem ersten Jahre nach dem Kriege anbetrifft, fo muß man die damaligen Berhält. niffe berücksichtigen. Aber schon im Jahre 1919 ist ein schöffen gerichtliches Berfahren gegen Barmat eingestellt worden, weil nichts Strafbares festgestellt worden ist. Auch die Lebensmittel. lieferungen nach Sachsen haben den Gegenstand einer Untersuchung gebildet. Bon der fächsischen Kammer ist im Jahre 1922 nach Fahrt im Nebel. Von Franz Lepinsti. I. Die Welt ist grau... die Welt ist stumm. Alle Farben sind ertrunken und alle Geräusche erstickt. Hinter den letzten Häusern verliert sich die Landstraße im Nebel. Sie reicht nur einen Steinwurf vorwärts und einen zurüd, wie eine furze Brücke, zwischen den Ufern des Unergründlichen ge spannt. Und sie hat doch keinen Anfang und fein Ende. Bäume laufen einher mit gespensternden Aesten. Büsche reden die Zweige wie mehtlagende Hände. Von der Silhouette eines Bauernhofes löst sich ein Gefährt mahlt durch den Nebel. Kichern und Beitschenknall... dann hat es die Flut verschluckt. Der Hof zieht seine Einsamkeit dichter um sich liegt wie ein Roman, der nicht geschrieben sein will. II. Ein Dorf wird aus Nebelwogen herausgespült: Um die Kirche, aus Feldsteinen gefügt, boden Gräber wie Krähen herum. Der Turm steht wie ein verfrüppelter Finger einer, der nicht mehr daran glauben will, daß er den Weg zur Seligkeit weise. Daneben Hütten, freudlos und blind. Ein Barockschlößchen friert hinter Torgittern und Tagus. Seine Rundbogen und Säulenreihen find unter einem anderen Himmel erdacht. Und seine Kuppelwölbung sehnt sich nach sonnigeren Fluren. Bir ziehen die Lundstraße weiter und tragen in Gedanken zu fammen, was wir aus jenem feltenen Lande wissen dem Lande mit dem blaueren Himmel und den sonnigeren Fluren. Der Nebel wird dichter. Weich wie Watte liegt er über der Welt. III. Eine Stadt taucht herauf, in erste Dämmerung gewickelt. Leer find die Straßen. An einer Ede fiebert ein Stino wie eine Wunde grellgelbes Licht und rote plakate einem aufbrechenden Furunkel gleich. Schatten umfreisen es, die wie Schmeißfliegen an der Grelle leden. Gegenüber ein Tanzlokal. Wenn aus der geöffneten Tür ein Lichtstrahl über die Straße springt, fliegt ihm ein Knäuel Geräusche nach. Lachen vergurgelt in Klaviergeächz. Auf den Fenstergardinen drehen Paare vorbei. Am oberen Ende gehts zur Stadt hinaus durch ein altes Tor mit müdem Boden, von den Ratten der Zeit befressen. Es fcheint, als wolle er unter der Laft von Dämmerung und Nebel sammenbrechen. IV. | die Castenverteilung foll lieber vorgenommen werden, ohne daß die Sozialdemokraten dabei sind. gründlicher Untersuchung feftgestellt worden, daß nichts vorgefom-| es, die Folgen auf innenpolitischem Gebiet zu stehen, b. h men sei, was den Strafrichter beschäftigen fönnte. Wer sich an die in gemeinverständliches Deutsch übertragen, Berhältnisse nach dem Kriege erinnert, der wird wissen, wie von allen Behörden den Händlern nachgelaufen wurde, die Fette und dergleichen zu verkaufen hatten. Die„ Deutsche Tageszeitung" allerdings hat am wenigsten Ursache, sich darüber zu entrüsten, denn ihre Leute gehörten zu den Selbstversorgern. In dem Augenblick allerdings, wo große Lebensmittelkredite gegeben wur. den, und die Verträge mit den amerikanischen Fleischpackern abgeschlossen werden fonnten, sind diese Dinge ausgeschaltet worden. Ich stelle hiermit fest, daß keiner der Barmat Mitglied der Sozial demokratischen Partei ist, daß sie weder dem„ Borwärts" noch der sozialdemokratischen Preffe noch irgendeiner anderen Jnfiitution irgendwelche Zuwendungen gemacht haben. Mit einer einzigen Ausnahme. Sie betrifft ein kleines inzwischen eingegangenes Blatt, das einmal 1500 m. erhalten hat.( lls der Abg. Henning fortwährend Zwischenrufe macht, ruft Müller ihm au: Wir sind nicht so hinter Subventionen her wie der Badedirettor von Borfum.) Die Art, wie der Abg. Graefe hier aufgetreten ist und mit Material gedroht hat, das er angeblich gegen uns befize, erinnert an den Fall Ahlwardt mit seinen Judenflinten". Alte Parlamentarier haben mir erklärt, daß bisher ein solcher Fall noch nicht dagewesen sei, in der ein Abgeordneter mit ungeladenem Revolver auf der Tribüne hantiert habe. Herr Graefe sollte nicht so viel von der Bleite der Republif reden, er sollte lieber an die Pleite der völkischen Bewegung Dazu wollte der Reichskanzler die Deutschnationalen in seiner Res gierung haben. Dazu braucht er rechtsgerichtete Beamte, die in ihren Mußestunden Uebungen veranstalten, wie man frei seine Meinung äußern fann, ohne dem Chef weh zu tun, der die Agitation gegen die Republit nicht gern sieht.( Sehr gut! links.) Aber es scheint, daß diese seminaristischen Uebungen( Große Heiterteit) auch im Kabinett vorgenommen wurden, denn sonst wäre es unverständlich, wie der Reichstanzler gestern zum Schluß den daß die einmütigen Rabinettsbeschluß vorbringen fonnte, Staatsform nicht geändert werden soll.( Lebhafte Heiterfeit.) Er lauben Sie mir die Frage, in welchen Zwischenräumen dieser Beschluß wiederholt werden soll. Bielleicht kommt in den nächsten vierzehn Tagen oder vier Wochen wieder eine Anregung dazu aus dem Schoß des Kabinetts oder feiner Mehrheit. Schon, daß dieser Beschluß gefaßt werden konnte, zeigt, daß die Republikaner gegenüber dieser Regierung zur höchsten Wachsamkeit verpflichtet sind. Die höchste Wachsamkeit ist aber tiefes Mißtrauen, und das sprechen wir auch aus. Beson ders auch darum, weil uns die innenpolitischen Erklärungen des Reichstanzlers in feiner Weise befriedigt haben. Graf We starp hat die Frage aufgeworfen, ob wir das Recht haben, im Namen der deutschen Arbeiter zu sprechen. Nun, wenn die von Graf Bestarp geforderte tatkräftige Agrarpolitit, d. h. die Lebensmittel. zölle, fommen, dann werden Sie sehen, ob wir im Namen der deutschen Arbeiter sprechen können. Wenn der Mieterschuh abgebaut werden foll, der sogar im fiegreichen England nicht beseitigt ist, denken und sich daran erinnern, was Dr. Dinter über feine eigenen Parteigenossen berichtet hat. Denten Sie daran, daß selbst Herr Stresemann in einer Rede ausführte, daß diese Affären nicht eine Folge der Revolution, sondern des Krieges feien. Erinnern Sie sich an den deutschnationalen Abg. Lambach, der auf dem deutschnationalen Handelsgehilfentag im Jahre 1919 gleichfalls aus. dann werden Sie sehen, ob wir im Namen der deutschen Arbeiter führte, daß die korruption nur eine Kriegsfolge sei. Denten sprechen können, und Sie werden es auch sehen, wenn die Rati. Sie daran, was Dr. Heim im Jahre 1917 über die Korruption aus fizierung des Washingtoner Abkommens zu be geführt hat, die in Industrie und Handel während des Kriegeschließen ist, die der Arbeitsminister Brauns mit den Arbeitsherrschte. Wenn Graefe von Korruption spricht, dann muß er sich ministern von Belgien, Frankreich und England schon vereinbart zunächst an die eigene Partei halten. Ich denke nicht einmal an hat. Wir sind Opposition, aber wir werden, wie wir schon seiner den deutschvölkischen Bankier Bruß, gegen den 1100 Strafanträge zeit gegenüber dem Kabinett Fehrenbach erklärten, nicht vergessen, vorliegen. Herr Dr. Dinter hat am 7. November im Bürgerbräu. was wir auch als Opposition dem republikanischen Staat schuldig feller bargelegt, find, an dessen Entstehen und Aufbau wir so tatkräftig mitgearbeitet hoben( Höhnische Zurufe äußerst rechts und von den Kommu niften.) Wir befämpfen diese Regierung, von der wir nicht überbeugt find, daß sie die innere Bereitwilligkeit hat, nach innen demo fratisch und republikanisch zu regieren und nach außen Berständigungspolitik zu treiben. Darin liegt auch unser Gegenfag zum Zen frum, mit dem wir so lange gearbeitet haben.( Anhaltendes Ge schrei der Kommunisten.) Die Erklärung des Zentrums, die Herr Fehrenbach verlesen hat, bestand aus 5 Prozent Bertrauen, 45 Prozent Mißtrauen und 50 Prozent Waffer.( Heiterfeit.) Wir wollen nicht wie das Zentrum der Regierung Gelegenheit geben, mit der Arbeit zu beginnen, sondern wir zeigen, daß welche Streberei, Berräterei, Korruption in der völkischen Bewegung herrsche. Die Bayerische Volkspartei hat während der Wahl eine Broschüre herausgegeben, die sich gleichfalls mit der Korruption im völtischen Volkspartei von Dr. August Gustav Feder finde ich die Behaup Lager befaßt. In einer Broschüre Der Bayerischen Volkspartei von Dr. August Gustav Feder finde ich die Behaup tung, daß Adolf Hitler in Berchtesgaden an Seftgelagen teilgenommen und Anschluß bei schönen Frauen gesucht hat.( Große Heiterkeit.) In dieser Broschüre wird auch der Brief eines hervorragenden Nationalsozialisten an Ludendorff ver. öffentlicht, in dem es heißt: Ich bitte Eure Exzellenz dringend, nicht jedem dummen Jungen eine Vollmacht zu geben; es gibt da allerhand zweifelhafte Elemente, bie fich deutschvölkisch ge. bärden und sich dabei auf ein Schreiben Eurer Exzellenz berufen. ( Große Heiterfeit.- Andauernde 3urufe der Böllischen: Die Antwort tommt schon.) Ich glaube, Herr Henning wird genug zu tun haben, um das Material zu widerlegen, das ich vorgebracht habe. Ich weiß nicht, ob Dr. Luther großen Wert darauf legt, daß ihm gerade diese Partei nicht das Mißtrauen ausspricht.( Sehr gut lints.) Der Abg. Scholz von der Deutschen Bolkspartei hat gestern gesagt, dieses Kabinett sei feine Bürgerblockregierung. Ich bin bereit, mich mit Herrn Scholz darüber zu verständigen, denn die e motraten stehen außerhalb dieser Berbindung, das Bentrum ist mit den Füßen drinnen, der Kopf gudt heraus und das Herz ist nicht dabei.( Stürmische Heiterfeit) Ich glaube, es das Herz ist nicht dabei.( Stürmische Hetterfeit.) Wenn nur das Bentrum nicht falte Füße betommt.( Erneute, lebhafte Heiterteit.) Ich glaube, es ist viel richtiger, wenn mir jagen, dieses Kabinell ift eine Rechtsregierung.( Sehr wahr fints.) Das deutsche Bolt wird vom ersten Tage wissen, daß die Rechtsparteien verantwortlich sind dafür, daß diese Reglerung gekommen ist und dafür, was diese Regierung ful Der Reichstanzler hat gestern gefagt, die Außenpolitik bis London ist gedeckt von der Sozialdemokratischen Partei, aber dann galt Die Landstraße führt in die Unendlichkeit.. Nach Stunden blinken erste Lichtfunken. Ihr Schein gießt Bonnen ins Herz. Wenn der Fuß auf dem Pflaster flirrt, ists wie Erlösung. Der Blic lechzt nach Helle wie ein Durstender. Hier schweift er über einen einjam beleuchteten Tisch, schwebt dort über einem dampfenden Mahl oder hängt an einem Paar Hände, die liebend ein Buch umflammern. Die Nacht ist talt, die Nacht ist stumm.... Wie weit nur der Bahnhof ist. Der Schöpfer der Elektrodynamik. Das Wort„ Ampère" als Maffeneinheit elektrischer Strom. Bebensfchicfale des Mannes jein, dem zu Ehren im Jahre 1881 ber stärke ist jedem Fachmann geläufig. Weniger befannt dürften die stärke ist jedem Fachmann geläufig. Weniger befannt dürften die internationale Elektrikerfongreß in Paris diese Bezeichnung ge schaffen hat. André Marie Ampère wurde am 22. Januar 1775 bei Lyon als Sohn eines ehemaligen Geschäftsmannes geboren, der im Jahre 1793 die Berteidigung feines Heimatsortes gegen die Truppen bes " • wir das stärkste Mißtrauen haben, daß wir den Trennungsstrich zwischen uns und dieser Regierung ziehen. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Behrens( Dnt.) verteidigt zunächst den Hof- und Domprebiger Döhring, der in jeinen Predigten feine Parteipolitit treibe, der aber als Geistlicher das Recht habe, Schäden im Bolfsleben zu geißeln. Der Regierungs erflärung ständen die Sozialdemokraten ziemlich ratios gegenüber. auch die eben gehörte Rede Hermann Müllers jei keine großzügige Oppositionsrede gewefen. Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer steht hinter den jetzi gen Regierungsparteien. gen Regierungsparteien. Abg. Behrens spricht dann über die Rorruptionsaffären, Als nächster Redner steht auf der Rednerliste der Abg. v. Ka r dorff( D. Bp.), ihm folgt ein Kommunist und dann der pöl. fifche Graf Reventlom. Das Zentrum hat bis jezt einen Rednerplag in der zweiten Garnitur nicht belegt. G[ cheint, daß fein Zentrumsredner mehr in dieser Debatte sprechen wird. Uebri gens war als zweiter Zentrumsrebner heute gesprächsweise nicht Dr. Birth, fondern Ra as genannt worden. Arbeitspflicht in der Türkei. Die Nationalversammlung in Angora hat beftimmt, daß alle männlichen Türfen zwischen 18 und 60 Jahren in jedem Jahre 6 bis 12 Tage bei Straßenbau. arbeiten mitzuhelfen haben. holländischen und britischen Behörden gelang, die sich befehdenden Stämme zu versöhnen. 4200 Dajats, die den verschiedenen an den Flüssen ron Borneo lebenden Stämmen angehörten, vereinigten sich u Rapit auf britischem Gebiet und veranstalteten hier in Anwesen heit der holländischen und englischen Regierungsvertreter fowle des Rajah von Sawarat einen feierlichen Friedensschluß. Zunächst gaben fie, wie in der Gawarat Gazette" geschildert wird, am Borabend des eigentlichen Festtages eine Vorstellung von ihren wilden Kriegstänzen. Bei dem eigentlichen Friedensschluß am nächsten Tage wurde ein Schwein gejchlachtet und dessen Blut über die sämtlichen anwesenden Dajats gesprengt, während ein alter Krieger ein Gebet jprach. Dann trat einer der Häuptlinge vor und legte den Eid ab, daß eine übermenschliche Rache jeben treffen solle, der versuchen würde, die alte Fehde unter den Stämmen zu erneuern. Nach dieser Beschwörung folgten verschiedene andere Bräuche. Zum Schluß der den Streit wieder anfängt, in fo elender Weise zu grunde gehen murbe wieder ein Schwein geschlachtet mit den Worten: Möge jeder, wie biefes Schwein." Bum Schluß hielt der Rajah eine Ansprache so an die Dajaks in ihrer eigenen Sprache und erläuterte ihnen die große Bedeutung dieses Friedensschlusses für das fünftige Wohl ergehen ihrer Stämme. Konvents leitete. Am 24. Nopember büßte er dies auf der Guillo. Stapellauf eines Negerschiffes. Die amerikanische Vereinigung tine. Bor feinem Tode richtete er an seine Frau einen Abschieds- der Schwarzen, die ein großes Negerreich in Afrika schaffen will, brief, in dem er über André Marie die prophetischen Worte aus- hatte fürzlich einen großen Tag. In New York fand in Gegen spricht: Was meinen Sohn angehet, fo gibt es nichts, das ich nicht wart einer gewaltigen Menge Farbiger der Stapellauf des ersten von ihm erwarten dürfte." In der Tat hatte diefer bereits in un negerschiffes ftatt. gewöhnlich jungen Jahren ein hervorragendes Intereffe für Mathe faifende Schiff, das dabei seinem Element übergeben wurde, ist die Das fertiggestellte, 5300 Regiſtertonnen matil, Literatur und Philosophie gezeigt und auf allen diesen Geerste Einheit einer Flotte der Schwarzen. Es wurde auf Kosten bieten frühe Erfolge aufzuweisen. Das furchtbare Schicksal feines ber Negro improvement Association" erbaut. Der Borsigende Baters versenkte den ohnehin überaus empfindsamen Jüngling in diefes Verbandes ist der Neger Marcus Garvey, von dem in legter tiefe Melancholie. Erst nach Jahren trat eine Venderung ein; auf eit in den Vereinigten Staaten ausgiebig die Rede war. Er tritt einem Ausflug traf er am 10. April 1796 Julie Carron, die die große in Wort und Schrift energisch für die Rückwanderung der in Leidenschaft seines Lebens wurde. Aber er war arm, auf die ge- Amerifa befindlichen Schwarzen nach ihrem Heimatland Afrika ein, erst am 6. August 1799 fennte er Julie heimführen. Ein Jahr Man tann sich denken, daß dieser Stapellauf als verheißunesnolles ringen Einfünfte aus mathematischen Preisarbeiten angewiesen, und wo sie sich zu einem eigenen Negerstaat zusammenschlichen sollen. höchften Glüdes folate. Da wurde Ampère als Profeffor der Chemie Beichen von dem an der Feier tellnehmenden Negern mit Jubel und Physik an die Bentrallehranstalt des Departements berufen und begrüßt wurde. von der geliebten Gattin getrennt. 1804 wieder nach Lyan verlegt, traf ihn der furchtbare Schlag: Julie starb am 13. Juli an der Schwindsucht. Die melancholische Neigung feines Wefens trat von da ab verhängnisvoll hervor, Freudlos lebte der unglückliche Mann dabin, nur in philosophischen Disputationen eine Unterhaltung finbend. An äußeren Ehren fehlte es ihm nicht. Europäische Be rümtheit gewann der Gelehrte durch feine 1820 auf Grundlage der An äußeren Ehren fehlte es ihm nicht. Europäische Bes Forschungen Dehrfteds gemachte Entdeckung des Gesetzes der elettro magnetischen Anziehung. Durch seine Studien über die gegenseitige Beeinfluffung zweier Ströme nach Richtung und Intensität murde er der Schöpfer der Elektrodynamit. Am 10. Mai 1836 starb er auf einer Inspektionsreise. Friedensschluß unter den Kopfjägern. Ein merkwürdiger Friedensschluß hat vor einigen Wochen zwischen den verschiedenen Stämmen der Dajats von Holländisch und Britisch- Borneo ftatt. Man weiß nicht, wo der Tag aufhört und der Abend anfängt gefunden. Diese berüchtigten Kopfjäger lagen felt Jahren in - mo der Abend endet und die Nacht beginnt. grimmiger Blutfehde miteinander, bis es den Bemühungen der Das Berliner Sinfonie- Orchester wird den 60jabrigen Paul Erte! durch die Auſführung einer Komposition im kommenden Sonntags- Stonzert im Blüthner- Saal ehren. Stunstgewerbemuseums der zweite von der Boltsbühne veranstaltete Lichts Vortrag Difo Erau off. Sonnabenb, den 24. findet im Sörfaal bes ginnt ganz pünktlich 7, Uhr. bilbervortrag Dr. Otto Grautoffs über französische Malerei statt. Er be. Die Wiener Philharmonifer werben im Juni eine große Tournee burd serte. As Dirigent für die meisten Konzerte wurde Bruno Walter ver das Deutiche Neich unternehmen Der Vertragsabschluß lautet auf 40 Stone pflichtet. Amerifa und die Sonnenfinffernis. Sämtliche Vorbereitungen aur New York und verschiedenen anderen Stäbten find alle Hotels ichon beute Beobachtung der Sonnenfinsternis am 24. Januar find getroffen. In mil bei vorragenden Biffenschaftlern auffteigen. Die Striminalpolizei is überfüllt. 8wölf moderne Flugzeuge find ftattbereit. Auch 8. N. III wird angewiesen worden, besonders scharf auf Taschendiebe zu achten. Warum so schweigsam? Auch die Mannesmänner nahmen Kredit- die Skandalpreffe aber schweigt! Die Bossische Zeitung" erhält aus eingeweihten Kreisen eine Zuschrift, die nach mehr als einer Richtung von Interesse ist. Es heißt darin: Sechstage- Arbeit. Die Sethstagefahrer haben die sechs Tage Fahrt hinter sich. Man fann verstehen, daß sie sich um Mitternacht, als das Rennen sein Ende erreicht hatte, nicht gerade quicklebendig fühlten; sie wußten schließlich, was sie geleistet hatten. Sie wußten am Schlußd. h. jebes Fahrerpaar wußte am Schluß, daß es etwa 144 Stunden ununterbrochen auf dem Rade gesessen und getreten hatte. Getreten, um auf dem endlosen Band, Runde auf, Runde ab, einige tausend Rilometer zurüdzulegen. Aber diese Kilometer führten nicht in die Weite, fie stellten nicht das nüßliche Produkt einer mit Befriedigung zur Raumüberwindung geleisteten Arbeit dar, diese Kilo. meter, gewonnen unter Schweiß, ungeheurer Anstrengung mit einem Höchstmaß von Ausdauer, waren unficht ar auf das Dval der Bahn gerollt. Es waren nuploſe Kilometer, es waren 3 wedlos Dergeubete Kräfte. Smedios? Die beteiligten Beute vom Bau zuden die Achseln, es wird ihnen nicht einzureben fein, daß eine fammelt und ihre Münzen in Bewegung bringt. Das nicht. Aber Tätigkeit zwecklos ist, die täglich Zehntausende zum Zuschauen verzwecklos ist es, wenn nur durch das Betrachten einer völlig zwedlosen Tätigkeit der Umlauf des Geldes gefördert wird.( Jede andere artistische oder fünstlerische Leistung, vermittelt den Sinnen einen förderlichen Reiz, einen Genuß.) Und diese zweite ernſtere Seite des Ganzen zwingt zu einem Borschlag. Der Hauptvorwurf, der dem Minister Hoefle gemacht wird, besteht darin, daß er die Barmat Kredite direkt, ohne das Giro einer der vorgeschriebenen Banten, gegeben habe, obwohl eine Sollvorschrift bestand, die dieses forderte, und die außerdem verlangte, daß der zuständige Referent dabei gehört werde. Das ist chne Zweifel inforrett. Aber, so muß man fragen, ist ein Berfahren, bei dem ein Referent im Poſtministerium ohne das Giro einer Bant Millionentrebite vergibt, einwandfrei? Die Standal. enthüllungspresse durfte sich unmöglich einen solchen Fall entgehen lassen, der sicherlich wesentlich schärfer zu beurteilen ist als das, was man dem Minister zum Vorwurf macht, denn dieser war immerhin nach der Berfaffung zu einem selbständigen Borgehen berechtigt. Ist es ein Bufall, daß dieses berebte Schweigen beobachtet Ist es ein Zufall, daß dieses beredte Schweigen beobachtet wurde bei Krediten, die an eine Unternehmung der Schwerindustrie gegeben wurden, nämlich an die Mannesmann- Industrie- und Han- Barum eine finnlose Tätigkeit, eine schweißfördernde Schwer. dels- U.- G., die auf diesem ungewöhnlichen Wege 7,5 Millionen er arbeit, die nichts zustande bringt, wenn burch die gleiche Mustel hielt? Der Borgang spielte sich, wie in eingeweihten Kreisen bearbeit ein Wert geleistet werden fann? Ein Bert, das in sichtbarer Arbeit von Minute zu Minute wächst und nach dem sechsten Tag vollendet dasteht. Wie wäre es z. B. mit einem Sechstage Holzfägen, mit einem Sechstage- Hausbau, mit einem Sechstage- Wettweben? Wieviel hundert Raummeter Holz könnten in dieser Zeit von fo fräftigen und gut trainierten Beuten zerfägt und bearbeitet werben? Tag und Nacht mit Ablösung und Massage, genau wie beim Rennen, mit Brämien und hohen Preisen. Welch ein fabelhaftes Haus fönnte erstehen in sechs Tagen und Nächten bei dieser Arbeit im Wettstreit. Wieviel hundert oder tausend laufende Meter Leinwand lönnten die tapferen nimmermüden Paare in dieser Zeit erzeugen. Wäre so etwas nicht auch des Zuschauens eines begeisterten Bublifums wert, das sich im sichtbaren Fortschreiten der sichtbaren Arbeit sportlich erregt? Das ganze mondäne Berlin, alle schönen und schön gemalten Frauen tönnten in Logen dabei Seft trinken und die Baare durch Brämien über Prämien anfeuern. richtet wird, folgendermaßen ab: Im April wurde die bekannte Sollvorschrift, die die direkte Kreditgewährung verbietet, erlassen. Im März. also einen Monat davor, gab die Post an die den Mannesmann zum großen Teil gehörende Depositen und Handelsbant aus ihren Geldern 5 Millionen In dem zwischen Alfred Mannesmann und der Depositen- und Handelsbank geschlossenen Bertrag bedang sich Mannesmann aus, daß er von den 5 Millionen eine Million für seine Deutsche Auslandsbank bekomme, die laut ihren Statuten ein ausgesprochen völfisches Unternehmen war. Beide Banten haben sich nicht behaupten fönnen. Die Depositen und Handelsbank fonnte die 5 Millionen, die ihr auf drei Monate geliehen waren, am Fälligkeitstermin nicht zurüd zahlen. Daraufhin übernahm die Mannesmann- Industrie und Handels- A.- G. die Forderungen der Post an die Bank. Sie zahlte der Post jedoch dafür nicht etwa die 5 Millionen zurüd, sondern erhielt sie auf fünf Jahre geliehen ohne Bankgiro und, obwohl inzwifchen die Sollvorschrift erlassen war, ohne Mitwirkung des Minifters, der, wie es heißt, erst nachträglich seine Bewilligung dazu geben konnte. Daraüber hinaus wurden ihr jedoch außerdem und ebenfalls ohne das Git o irgendeiner Bant noch 2 ½ mil lionen dazu gegeben. Dieser Kredit wurde unter besonders günftigen Umständen gewährt. Die Zinsen sollen sich 6 v. 5. unter dem damaligen Tagesfag gehalten haben, und außerdem soll eine Mausel vorhanden sein, wonach der Zinssat jeweils 2 v. 5. unter Reichsbantdistont bleibt. Wenn die Meldung zutrifft, müßte man fragen, welcher Fall denn eigentlich der schlimmere ist; ob der Barmat Fall oder dieser Fall Mannesmann! Wo sind die Siebentausend? Eine Frage an die KPD. Allgemeines Aehen hat es erregt, daß im Rechtsausschuß des Treußischen Landtags der Bertreter des Juftizminifteriums auf eine fralaldemokratische Anfrage, wie wir bereits mitteilten, die Erklärung abgab, daß sich in Breußen nicht siebentausend tommu nitische politische Gefangene, sondern nach den vorliegenden Berichten Der Strafanstaltsbezirle höchstens fünfhundert tommu nistische politische Gefangene befinden. Selbst wenn man hierbei berücksichtige, daß zwei Bezirke noch nicht berichtet hatten, so sei boch eine wesentliche Erhöhung dieser Zahl ausgeschloffen. Da Breußen etma amei Drittel des Reiches umfaßt, fo läßt sich auch nicht annehmen, daß die übrigen kleinen Bundesstaaten zusammen 6500 ton munistis he politische Strafgefangene, also dreizehnmal Joviel wie Breußen, hätten. Auffälligerweise hat die Rote Fahne", die sonst so schnell mit Erklärungen bei der Hand ist, zu dieser Angelegenheit bis heute völlig geschwiegen. Es bleibt also die Frage bestehen: ie fommen die Kommunisten zu der Zahl von 7000 politischen Gefange nen, mit der sie seit einem halben Jahr so ungeheure Propaganda treiben? Es bestehen nur zwei Möglichkeiten: Entweder haben die Kommunisten ganz ungeheuerlich geschwindelt und die Zahl der mirklichen Gefangenen willkürlich mit zehn multipliziert. Oder aber sie haben über das, was politische Gefangene sind, ganz andere Begriffe als die übrige Mitwelt. Hier gibt vielleicht der Amnestieantrag, den die Kommunisten im Preußischen Landtag gestellt haben, einen Finger zeig. Nach diesem Antrag sollen nämlich auch alle die Personen amnestiert werden, die gemeine Berbrechen und zwar gleidh gültig welcher Art und Schwere also auch Dieb stahl, Raub, Expreffung, mord usw. begangen haben, Döllig amnestiert werden, wenn sie diese Berbrechen zur Zeit der Inflation oder als Arbeitslose begangen haben, um Ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Danach würde es allerdings faum einen einzigen Einbrecher, Gewohnheitsdieb, Raubmörder geben, der sich nicht diefe Amnestie zumuze machen fonnte. Offensichtlich aber haben die Kommunisten auch eine Anzahl tausend Menschen dieser Kategorie zu den poi tifchen" Gefangenen gezählt, um die Zahl von siebentaufend zu er reichen. Ein Landbundführer als Milchfälscher. Aus Fürstenwalde wird uns geschrieben: Bei Milchuntersuchungen, die auf Beranlassung der Bofizet vor. genommen wurden, stellte es sich heraus, daß die von dem Landwirt Otto Korn, dem Vorlizenden der hiesigen Landbund gruppe, aufgelieferte Mitch" einen Wasserzufas von 47( 1) Brozent hatte. In der Stadt herrscht große Empörung über diefen beispiellos gemeinen Betrug. " Korn galt bisher allgemein als Biedermann und schwarzweiß fabne weiben und dabei den Farben Schwarz- Weiß- Rot die Treue roter Patriot. Das zeigte sich noch fürzlich, als er eine Landbundbis in den Tod geloben ließ. -W Und was babei herausfommt? Mun, vielleicht ein zehn Meter hoher Berg von gesägtem Holz, ein Hochhaus mit feds Stockwerken und 250 000 Meter Leinemand gegen 4002,410 zurüdgelegte, aber nicht vorhandene im Kreis gefahrene Kilometer. Das ist natürlich nur ein Borschlag, den niemand ernst nehmen foll. Die alten Aufgebotsformulare. Bersehentliche Verwendung in einem Einzelfalle. In einer Zeitung wurde vor einiger Zeit ein ftandesamtliches Aufgebot zur Sprache gebracht, in dem sich die Formulierung fand, daß die Braut I,„ Tochter der damals ledigen D. jetzt verehelicht mit 3, die Ehe emzugehen gewillt sei mit A. Im Anschluß daran wurde auf das schärfste gerügt, daß die uneheliche Geburt der Braut und die uneheliche Mutterschaft einer jetzt verheirateten Frau in einer durchaus urfozialen Weise dadurch ans Licht gezerr und beiden öffentlich len Matel angehängt wurde. Der sozialdemoFratische Abgeordnete Gen. Grzesinsti hatte diesen Fall gum Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Breußischen Landlage gemacht und das Staatsministerium gefragt, ob ihm diefer Vorgang bekannt und ob es bereit sei, ganz ohne Rücksicht auf diesen Einzelfall burch entsprechende Anweisungen an die Behörden Vorsorge 84 treffen, daß dem Unfug solcher Formulierung ftandesamtlicher Aufgebote gesteuert werde. Wie dec Amtliche Breußische Bressedienst mitteilt, beantwortete der Minister des Innern die Anfrage wie folgt: Schon durch das Reichsgesetz vom 11. Juni 1920 über den Sterberegifter wie für das Aufgebot die Angabe Berfonenftand tft sowohl für das heirats- und das ber Eltern verboten worden, damit die etwaige uneheliche Geburt der Eheschließungen oder des Verstorbenen nicht erkennbar würde. Dementsprechend enthalten die reichsrechtlich vorgeschriebenen, den Standesämtern vom Staate gelieferten Bordrucke für das Heiratsregister, das Sterberegister und das Aufgebot teinen lag mehr für die Angabe der Eltern. Sollte ein Standesamt noch jezt in einem einzelnen Falle, was dem Staatsministertum nicht befannt ist, ein Aufgebotsformular der bis 1920 gültig gewesenen Art verwenden und darin der Vorschrift auwider die Eltern der Verlobten angegeben haben, so fann darin nur das Bersehen eines einzelnen Beamten vermutet merden. Die Etandesbeamten sind über die nun schon fast 5 Jahre zurückliegende Gesetzesänderung unterrichtet und mit den neuen Bor. bruden versehen. Borläufig liegt zu einem allgemeinen Hinweis auf das allen Beteiligten bekannte Geles fein genügender Anlaß por." Steuerunrecht und Völkerbund. den. für die Bevölkerung erhalten bleiben. Die Vorlage fand einstim mige Annahme. Für den Erweiterungsbau der Volksbade anstalt in der Krummestraße wurden vom Magistrat 1730 00 Mart gefordert. In dem Vorentwurf sind alle Wünsche der Sport bereine und des Ausschusses für Leibesübungen berücksichtigt wor ebenfalls Annahme. Dieses Gelände gehört der Terrain- Aktien Der Fluchtlinienplan für Nordwestend fan. gesellschaft Westend. Jetzt sind 90 Proz. der Aktien in dem Besi der Stadt. Die Bebauung des Geländes ist der Wohnungsfürsorge G. m. b. 5. übertragen worden und dadurch erreicht, daß in de Hauptfache leine Wohnungen dort entstehen. Die tausend Kleingärtner, welche jetzt das Gelände bearbeiten, sollen nach und nach je nach dem Fortschreiten der Bautätigkeit- die Flächen räumen und auf in der Nähe gelegenes Gelände überfiebeln, welches dauernd für Kleingartenbau angewiesen ist.- Dem Bau einer Berbindungsstraße für die Stadtbahnhöfe 300 und Tiergarten wurde zugestimmt; bie auf Charlottenburg entfallenden Roften betragen 320 000 m. Eine gestörte ,, Geburtstagsfeier". Eine nächtliche Schlemmerstätte wurde in der vergangenen Nacht in dem Hauje Butttamerstr. 2 ausgehoben. Ein gewisser Kohnte hatte im 2. Stod des Hauses von einer Frau mehrere Zimmer gemietet unter dem üblicher Borwarde, daß er dort eine Geburtstagsfeier veranstalten wolle. Die Kriminalpolizei erfuhr von diesen Beranstaltungen. Um 2% Uhr nachts verschafften sich die Beamten Eintritt in bas Haus und überraschten bei Rohnte etwa 20 Ber. Bersönlichkeiten sollten alle nach der nahen Revierwache in der Wil sonen bei ihrer Schlemmerei. 3ur Feststellung ihrer helmstraße gebracht werden. In der ziemlich dunklen Buttamer Straße versuchten aber einige zu entfliehen. Als sie auf wiederholten Anruf nicht stehen blieben, gab ein Beamter zwei Warnungschülfe ab. Ein Mann jedoch, der Kellner Richard Juſt aus der Tiedstr. 14, lief and jetzt noch weiter. Nunmehr schoß ein Beamter hinter ihm her und traf ihn in den Unterschenfel. Auf die Schüsse hin öffneten fih bald mehrere Türen und eine zweifelhafte Gefellfchaft nahm gegen die Beamten Stellung. Die Giftierten wurden jedoch zur Wache, der verletzte Kellner in die Charité gebracht. Künstlerkonzert der Stadt Berlin. tekanntlich in diesem Winter mehrere flaffiche Konzerte, deren Die Kunstdeputation der Stadt Berlin veranstaltet zweites gestern in dem schönen Festsaal des Rathauses unter außer ordentlich großer Beteiligung stattfand. Das fünstlerisch vollendete Programm wurde in der Hauptsache von dem Deman- Quartett beftritten, das ein Streichquartett von Baul Klekti und ein Streichquintett von Heinz Ließen Klangschön zur Darstellung brachte. Cor nelius Brousgeeft, der die Lieder der Nacht" von Baul Ertel bringen sollte, war ieider ertrantt. Konzertmeister Wilhelm Guttmann, ber diese eigenartigen, von Baul Schramm vertonten Tollerschen Getichte aus dem Echwalbenbuch" fang, war für Bronsgeeft em gefprungen und fang auch unter Begleitung des Komponisten am Flügel die einschmeichelnden weichen Melodien von Paul Ertel. Aues das war jehr schön, und der Beifall war mit Recht groß. Nur eine Frage an den Leiter der Kunstdeputation: 3ft es Bufall oder Absicht, daß man für den Kritiker des Vorwärts" einen Platz ausgewählt halte in der letzten Reihe des Saales und hinter einer der dicken Säulen, die die Decke stützen? gesundheitsamt Treptow schickt uns auf unsere Ausführungen Die sozialhygienische Ausstellung in Treptow. Das Begi Sozialhygienische Ausstellung" folgende Erwiderung: Es entspricht nicht den Tatsachen, daß, wenn die Schulkinder tommen, die Aus ftellungsgegenstände, die sich auf die schwangere Frau beziehen, verdeckt werden; im Gegenteil alles, was sich auf Schwangerschaft und Geburt bezieht, wird gezeigt und erläutert, bis auf einen einzigen Bachsabdrud, der jo häßlich ist, daß er die findliche Chrfurcht vor der schwangeren Frau zu vermindern geeignet ift. hrfurcht vor der schwangeren Frau zu vermindern geeignet ift statt fie zu erhöhen. Aehnliche Grünbe haben bazu geführt, bie Ausstellung über Geschlechtskrankheiten überhaupt nicht, auch den Ermachsenen nicht, zu zeigen, da sie fast nur aus abfchredend häßErmachsenen nicht, zu zeigen, da fie fast mur aus abfchredenb häßtreife angepaßte Aufklärung erzieherisch beeinflussen. In diefer Ub lichen Wachsabdrücken besteht. Die soziale Hygiene mill aber nicht mehr durch Abschreckung wirken, sondern durch fachliche, dem Hörer. Preise angepaßte Aufklärung erzieherisch beeinflussen. In diefer b teilung bedarf die Ausstellung des Roten Kreuzes, die im übrigen feilung bedarf die Ausstellung des Roten Kreuzes, die im übrigen fehr Gutes enthält, einer prinzipiellen Revision. Wie lang sind die Straßen Berlins? Bon der Ausdehnung einer modernen Millionenstadt erhält man eine Borstellung, wenn man sich ihre Straßen zu einer einzigen langen Straße aneinander. gereiht denkt. Ein Schnellzug würde dann etwa zwei Tage und zwei Nächte brauchen, um an ihnen entlang zu fahren. Denn die Straßen Berlins, aneinandergereiht, machen eine Strecke aus, die die Entfernung Paris- Moskau noch um einige hundert Kilometer übertrifft. Sie sind zusammen 2500 Kilometer lang. Berufsfundliche Vorträge. Im Rahmen der vom Beruisamt Berlin. Beft feit 9. d. m. veranstalteten berufskundlichen Vorträge finden am 22. Januar d. 3., abends 7 Uhr, im Märkischen Saate des Charlottenburger Rathauses Borträge über das Baugewerbe und die Holzindustrie ftatt, wobei die verschiedenen Berufe dieser Erwerbsameige und deren Eriftenzmöglichkeiten zur Erörterung gelangen werden. Der Eintritt zu den Vorträgen ist fostenfrei. Sport. Das Ergebnis der Sechstage. In der Siemens- Realschule in Charlottenburg fprach in einer besonders über das Unrechtbes jebigen Steuerfystems. gutbesuchten Kreismitgliederversammlung Genosse Heinrich Ströbel Der Befiz zahlt pro Jahr 1170 Milsonen, die große Maffe ber Benötterung zahlt 3340 Millionen, bos perelenbete Bolt Das 13. Sechstagerennen ist beendet. Ritt Aerts haben ist mit Steuern ungeheuer belaster, piel stärker als in England und anderen Ländern. Unsere Partei hat die Pflicht, hier energ'iche Arben Sieg babongetragen. Unerwartet. Man hoffte auf van KempenEawall und auf Grenda- Mac Beath. Nachdem aber die erfte beit zu leisten. Die Regierung Luther hat ja alles mögliche ver prochen. Genoffe Ströbel tommt auf die Finanzstandale zu fprechen. Mannschaft eine Strafrunde wegen schlechter Ablösung zugesprochen Die Angriffe der Rechtspresse sind verpufft. Die Partei steht nach erhielt, mußte diese Hoffnung verschwinden. Dann gab Sawall auf! den Untersuchungen des Parteivorstandes und der Frattion schuldlos Der Holländer mimte den Erfagmann und vereinigte sich am Mittda. Zu dem Thema„ Deutschland und der Bälterbund führte Ge- mochvormittag mit Giorgetti. Eine gute Zusammenstellung! Aber noffe Ströbel aus: Die Regierungen Deutschlands weigern sich, dem insgesamt drei Runden Verluft Da ließ sich schwer etwas Bund beizutreten und geben den Alfiierten den Vorwand, zu be machen. Das Rätsel von Australien", die Mannschaft Mac Beathhaupten, daß in Deutschland Angriffspläne beständen. Die Regie Grenda, brachte teine Ueberraschungen. Trotzdem müssen die Leirung Luther- Stresemann wird den Konflikt nur verschärfen. 23 ir tungen doppelt gewertet werden. Bon Grenda- Mac Beath fönnen Ihre Ablösungen müffenin ben Boldsbund hinein, da sonst ein neuer felbft alte Sechstagefämpen Techni! lernen. Krieg fommt. Der Sozialdemofraffe geht es bann mieber o jeden Fall gewinnen. Und es gelang! Huschte Kohl, ebenfalls maren wohl die forreftesten im ganzen Rennen. Rütt mollte auf mie 1914. Die Massen werden wieder in den erteibigungseine Hoffnung der Sechstage", vermochten das Rennen nicht zu frieg" getrieben. Die Sozialdemokratie muß in Opposition und beenden. Warum? wieder ihre Reihen stärken. Die Diskussion bewegte sich im Sinne Bartner Rohl hat bestimmt Ausdauer. Bon den Italienern war Sollte Richard" wirklich nachlassen? des Referenten. unbedingt Giorgetti der stärkere Mann. Rizetto hat zuviel Laune" und deshalb teine Ausdauer. Und nun zu Hahn Tieß, die den weiten Platz belegten. Sie famen zwar mit Rütt- Alerts nicht mit, aber sie sind berechtigte Sieganwärter für die nächste Zeit 88 ruptat waren gut. Warum aber nur den vierten Platz? auch Salbow.Lorenz brachten eine gewisse Enttäuschung Sollte die alte Kraft vorbei sein? Bon Stellbrint- Roc fonnte nicht viel erwartet werden. Arthur" tämpfte oft fabelhaft, aber es langte nicht! Brocco. Miquel versuchten zwar ihre Berluftrunde wieder wettzumachen. Doch konnte Miquel nicht mehr Golle Manthey brachten zwar Leben in die Bauer Lewanom: Eine falsche Zusammenstellung. Deutschnationale Ueberzeugungstreue. Bei Beginn der geftrigen Bezirksversammlung in Charlottenburg gab der Bezirksverordnete Serang, wie es fich für einen Deutschnationalen geziemt, einen Beweis von Mut und Ueberzeugungstreue. In der Bersammlung vom 7. Januar hat er die Reichsfarben in ungehöriger Belle beschimpf Gestern gab er die Erklärung ab, eine Berhöhnung der Reichs. farben habe nicht in feiner Abficht gelegen Herzogs Fraktionsgenosse, der Borsteher Deilepfen, ertlärte ebenjo Fraktionsgenosse, der Borsteher Deilepfen, erflärte ebenso wonnen hätte, daß die Aeußerungen Herzogs eine Beleidigung der Reichsfarben darstellten, so würde er ben Rebner energisch zur Ordnung gerufen haben. Bor joniel Mannesmut zum Schuße ber Reichsfarben steht der gewöhnliche Republikaner erschüttert da. Bie wir hören, hat die republikanische Beschwerdestelle unter Berufung auf einen Entscheid des Oberverwaltungsgerichts beim Bezirksamt beantragt, gegen den Stadtinspektor Herzog ein Verfahren zu er öffnen, Bon Beschlüssen, die bie Bersammlung faßte, find zu er wähnen: Der Charlottenburger Schloßgarten mit seinem herrlichen alten Baumbestand soll als Freifläche zur Benugung $ % Sein er zahlungsfähigen Leuten durch Hergabe von Lebensmitteln gut magemutig, wenn er in der vorigen Sigung die Auffaffung ge Bube", aber auch hier langte es nicht für 144 Stunden. Endlich durch die Ernährungsnöte der Kriegs. und Nachkriegszeit zu helfen mußte. am Der Hauptausschuß des Deutschen Städtetages tritt om 6. und 7. Februar in Berlin au einer Tagung aufammen. Er wird fich mit dem bevorstehenden neuen Finanz ausgleich wie mit der Wohnungsfrage befchäftigen. Als Referent für den Finanzausgleich ist der Geschäftsführer des Städtetages Oberbürgermeister Mislaff vorgesehen. Geschäftliche Mitteilungen. Rach beendetem Inventur- Ausverkauf veranstaltet bas bekannte Schuh- Lokal Behrnbt, Münafte. 25, mit feinen Filialen Rottbuser Damm 13. und Frankfurter Allee 54 billige Berbetage, biefe follen die Groß- Berliner Bevölfferung auf die alten billigen Angebote au merifam machen. Wie außergewöhnlich günstig, tros fteigenber geberpreise, man bei biefer Firma gute Damen, Herren- und Kinderstiefel taufen tann, bemeift bas heutige Inferat, auf das wir unsere Leser noch besonders hinweisen. Gewerkschaftsbewegung Agitation der Zweifchichten- Unternehmer. Die Tll. bringt aus Düsseldorf folgende Meldung: an das Fenster feines Bureaus zu treten, um einmal gründlich den Sof zu besichtigen. Der Vertreter wartete nun nicht, bis der Herr Amtsrat damit fertig war, sondern sprach nun etwas lauter, damit es der Herr Amtsrat trop des vergrößerten Zwischenraumes auch höre. Das half sofort, denn nun ließ der Herr Amtsrat sein Gesicht schen. Nachdem er nun seine Meinung zu den Ausführungen des Organisationsvertreters geäußert hatte stellte dieser eine Frage, die der Herr Amtsrat falsch auffaßte, wodurch er in ziemliche Er „ Der Arbeitgeberverband für den Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher. Eisen- und Stahlindustrieller hatte die Bertreter der Preise zu einem Rundgang durch die Ma schinenfabrik Schieß A.-G. in Düsseldorf eingeladen, um dieser ein die Vertreter der Preise zu einem Rundgang durch die Maregung geriet und schließlich erklärte, die genaueste Beachtung der Bild von dem Werden und Entstehen in der Industrie zu geben. Der Borsigende wies auf die durch den Achtstundentag geschaffene unrentabilität aller Industriezweige dieser Gruppe hin, dessen Aufhebung wieder die Konkurrenzfähigkeit der deuts hen Produktion auf dem Weltmarkte erhoffen ließ. Diese Aussicht sei durch die Verordnung des Reichs. arbeitsministeriums über die Arbeitszeit in Kokereien und Hochöfenwerfen wieder zu nichte gemacht worden. Diese Berordnung macht jetzt in diesen Betrieben einen fünffachen Schichtwechsel erforderlich Die Krokodilstränen der Eisen- und Stahlgewaltigen darüber, daß die Hüttenarbeiter endlich des Schuzes des§ 7 der Arbeitszeit. verordnung teilhaftig werden sollen, rühren uns nicht. Beachtens mert aber ist die Tatsache, daß die Zweischichten- Unternehmer sich feineswegs mit der Verordnung des Reichsarbeitsministers ab. gefunden haben, sondern die 3eit bis zum 1. April für ihre 3mede zu nüßen gedenten Nachdem die Kommiffion des Vorläufigen Reichswirtschafts ausschusses die Verhältnisse an Ort und Stelle eingehend geprüft hat, holen die Zwölfftundenmänner die Vertreter der von ihnen getauften und der übrigen von ihnen wirtschaftlich abhängigen Zeitungen zufammen, um sic darüber zu instruieren, in welcher Weise sie den neuen Feld. zug der Herren gegen die§ 7 Schugverordnung in der Presse führen, in öffentlicher Meinung" machen sollen, damit diese Verordnung noch vor ihrem Infrafttreten wieder beseitigt wird. % Nun, die Gewerkschaften stehen heute doch wieder anders da, als zu der Zeit, in der den Hüttenarbeitern das Zwölfftundentagjoch aufgezmängt wurde. Sie müssen jedoch auf der Hut sein, alle Kräfte zusammenfassen, um dem Schindludertreiben der Herren von Stahl und Eisen wirksam zu begegnen. Die Aussperrung in der Chirurgiemechanik. In den Betrieben der Berliner Chirurgiemechanik wird seit etwa einem Jahre tariflos gearbeitet. Obwohl wiederholt verfuut murde, eine angemessene tarifliche Bezahlung durchzusehen, scheiterten die Versuche jedesmal an der Hartnäckigkeit und Einsichtslosigkeit der Unternehmer. Im Oktober vorigen Jahres stellten in den Be trieben von Adam Schneider, Fennstraße, und um mei zinischen Warenhaus die dort Beschäftigten erneut Forderungen auf Erhöhung ihrer Löhne. Auch diese Einzelforderungen wurden von den Unternehmern abgelehnt. Im Auftrage der BelegIchaften liefer die beteiligten Organisationen den Schlichtungs. ausschuß an. Unter dem Borsiz des Herrn Rechtsamalts Henkel wurde ein Spruch gefällt, der den beredtigten Forderungen der Arbeiter auch nicht im entferntesten entspricht. Ein nochmaliger Versuch, in diretten Berhandlungen mit den Unternehmern zu einem Ergebnis zu femmen, scheiterte an der Erklärung, bei der Aussichtslosigkeit jeder Lohnerhöhung sei eine Zusammenfunft von vornherein gwcdlos. Inzwischen war es in den beiden Betrieben zum Streif getom men. Im Medizinischen Warenhaus gelang dann eine Berständi gung, bei der Firma Adam Schneider ging der Streif erfügungen fäme nur in Frage. Als der Organisationsvertreter derauf hin den zweiten strittigen Puntt heranzog und darauf vermies, daß tarifvertragliche Bestimmungen bei der Behörde nicht beachtet werden, war es um die Ruhe des Herrn Amtsrat geschehen. Er erflärte fategorisch:„ Ich verhandle mit Ihnen nicht mehr." Der Betriebsvertretung wurde von Herrn Amtsrat Tomczek empfohlen, nicht immer Gewert. schaftsvertreter bei den Verhandlungen mitzubringen. Bei dieser Behörde waren Gewerkschaftsvertreter, die zu fachlichen Verhandlungen tamen, noch nie gern gesehen. Die Folgen waren verschiedene Klagen vor dem Schlichtungs. ausschuß, bei denen die hohe Behörde immer den fürzeren zog. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr allzu fern, wo den Reichs- und Staatsarbeitern wieder die Möglichkeit gegeben wird, diese InStonzen einschließlich der Arbeitsgerichte zur Durchführung ihrer Streitigkeiten anzurufen, damit den Herrn Bertretern der Behörde dort der Standpunkt richtig flar gemacht werden tann, ohne daß die Gewerkschaftsvertreter sich eine derart ausgesucht nichtachtende Behandlung bieten lassen müssen. Die Reichs- und Staatsarbeiter aber mögen fich gesagt sein laffen, daß ihre Organisation so gestärkt werden muß, daß cuch der Dünkelhafteste vor ihr Respekt bekommt und ihren Bertietern nicht mehr die Türe weist. Freitag Sonnabend Montag Di Ein dänisches Arbeiterhaus. ( JGB.) Die dänische Gewerlicbaitszentrale und die fozial demokratische Partei haben beschlossen, ein eigenes Ver. waltungsgebäude in Kopenhagen zu errichten. Grundsteinlegung wurde vorgenommen durch den Minister präsidenten Stauning, den Kopenhagener Oberpräsidenten Jenies und den Vorsitzenden des Gewertschaftsbundes Madsen. Stauning ursprünglich Tabalarbeiter, gehört auch jetzt noch der Parteileitung an und ist auf gewertschaftlichem Gebiet tätig. Jensen frühei Malergefelle, war bis zu seiner Wahl als Finanzbürgermeister von ursprünglich Tabakarbeiter, gehört auch jetzt noch der Parteileitung Kopenhagen Vorsitzender der dänischen Gewertschaftszentrale uni ist immer noch Mitglied feiner Gewerkschaft. Er war auch bei des Gründung der Gewerkschaftsinternationale beteiligt. Konferenz der englischen Gewerkschaften. ( J. G. B.) Für den Monat März ist eine Konferenz beg Generalrates des Britischen Gewerkschaftsbundes anberaumi worden, die u. a. das vom Jahresfongreß in Hull angenommene Minimalprogramm sowie die 3uiammenialugfrage be Dieser Sigung werden Arfa 20 Distritts. sprechen wird. Jeder dieser Kon fonferenzen folgen, welche die ihnen von der Hauptkonferenz überwiesenen Fragen zu behandeln haben. ferenzen werden ein bis zwei Mitglieder des Generalrates bei wohnen, um die Stellungen diefer Instanz bekanntzugeben. Die Sigungen werden jeweils am Sonnabend und Sonntag statt. Gleichzeitig sollen Arbeiterbemonstrationen finden. organisiert werden. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: R. B. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Vaul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstrake 3. Kolossal billiger Freitag Sonnabend Montag Lebensmittelverkauf! 1000 Stück allerfeinste Feltgänse gefroren... Schweinebauch . Pfund 110 Pfd. 85 Pf. Hammelvorderfl.. Ptd. 55 Pf. Kalbsvorderfleisch Pid 60 Pf. Schweinerücken.. Pfd. 95 Pf. Hammelrücken. Schweineschinken. Pfd. 95 Pf. Hammelkeule Schweineliesen Pid. 85 Rinderlunge B . Pid. 65 Pt. Kalbsrücken • Pfd. 75 Pt. Pfd. 75 Pf Kalbskeule. Pld. 85 Pl Ptd 30 Pf Rinderherzen gefror. Pfd 33 Pf. kelt Pris Ochsenfleisch 50P Schweineköpfe und 38 PL. fettes Pfd. Pfd. 180 Gänseklein • 4 P.d. 195 Gänsebrust Landleberwurst Pfd. 55 Pf. Stettiner Teewurst Rotwurst... Pfd 75 Pi Cervelatwurst. Hausm.- Leberwurst Pid 95 Pt. Salamiwurst. Fleischwurst ... Pd 95P. Jagdwurst. O . . Ptd. 195 Gänsekeulen Pld. 135 Gänsefett meiter. Auf eine Anfündigung des Synditus der Arbeitgeber Zwei Waggon Gemüse und Frucht- Konserven hin, daß der Arbeitgeberverband fürzester Zeit mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln vorgehen würde, wurde vom Metallarbeiterverband noch einmal der Berjuch gemacht, Ber handlungen zustandezubringen. Auf dieses Schreiben ist bis zum heutigen Lage feine Antwort erfolgt. Vielmehr fam die mit teilung, daß die Arbeitgeber den größten Teil der Betriebe mit dem gestrigen Tage ausgesperrt haben. Es ist immerbin interessant, daß die Arbeitgeber in der Chirurgiemedjanit ihre Arbeiter jegt strupellos auf die Straße fezen, während sie früher, als es ihnen in den Kram paßte, sich die Lebensnotwendigkeit ihrer Betriebe bescheinigen ließen Die Arbeiterschaft wird ersucht, die Betriebe der Berliner Chirurgie mechanit zu meiden. Kein Streit im Omnibusbetrieb. Durch einen Schiedsspruch sollten die geltenden Löhne bei der Ominibusgesellschaft bis 31. Januar bestehen bleiben. Das Personal beschloß in einer Bersamndung in der Nacht von Dienstag zu Mittmoch mit 842 gegen 185 Stimmen, in den Streif einzutreten. Auf Veranlassung des Schlichters wurden sofort neue Berhandlungen eingeleitet, die eine Lohnerhöhung von 4 und 5 Pf. für das technische Personal und von 50 Pf. täglich für das Fahi perfonal versehen. Die Streitgefahr ist damit behoben, doch wird das Perfonal zu dem Ergebnis noch Stellung nehmen. Verhandlungen mit dem Herrn Amtsrat. Bom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale GroßBerlin, wird uns mitgeteilt: Am 20. Januar hatte unser Bertreter zusammen mit der Betriebsvertretung mit dem Herrn Amtsrat Tomczet bei der Reichsschuldenverwaltung über einige strittige Fragen zu verhandeln. Herr Tomczet nahm von der Anwesenheit zweier Betriebsratsmitglieder und des Organisationsvertreters tau: n Notiz. Als der Verbandsvertreter den ersten strittigen Punkt vortrug, hielt der Herr Amtsrat die günstige Gegenheit gekommen, Schnittbohnen. Gemüse- Erbsen Karotten Dose 80 Pt. Dose 50 Pt Dose 40 P. Gem. Gemüse, Dose 95 P. Deutscher Kakao Weizenmehl Auszugmehl Voll- Reis Tafel- Reis Rotkohl Kohlrüben B Das große . • • Apfelmus Pflaumen Preißelbeeren.. Kirschen..... Marke Balda Pfund Dose 63 P. Kohlrabi Dose 75 Pt Spinat. Dose 120 Steinpilze Dose 100 Pfefferlinge . • Pid. 130 Pfd. 160 ˚ ·• Pld 160 Pid. 180 nur prima Qualitäten Dose 50 Pt. . Dose 65 Pf. ½ Dose 150 Dose 110 65 Kassler Rippespeer P 125 P Pfd. 19 Pt. Kocherbsen. Pld 22 Pt. Linsen • Pld 20 Pi. Getr. Aprikosen Ptd 30P. Gebr. Gerste Pid. 20 Pf. Californ. Pflaumen Pia 48 Pf. Gebr. Kaffee Pfd 25 Pt. Californ. Badkobst Pid. 60Pf. Zucker Warenhaus des Nordens Pid. 6P Räucherheringe Stück 10 P. Wirsingkohl Pfd. 3 Pf. Salzheringe Pfd 110 . Pld 20 Pl . . Pid 70 Pf. GEGR. 4854 PAUL SCHENCK REICHENBERGER STR. 30 MOCHBAHN KOTTBUSER TOR HOME 70.komplett m. 60 cm Seidenschirm f. elektrisch 70,- M. für Gas( 5.9.50 8.Aus unserer Reklame- Kollektion Größte Musterausstellung in Berlin: Abreißkalender 1925 Der in Tiefernd hergestellte Stalender foute in feiner Familie und in feinem Büro fehlen! Drets 2 M rf Zu haben in der Buchhandlung 3. H. W. Di B und in der Borwartsbuchdruckerei. Yinden rage 3, fern r n allen Parteisp ditionen. Bezir's fhrer und Rasierer nehm n ebenfaus Bestel angen gern entgegen Pfd. 29 P HOLZHAUSER ... Pfd. 7 Pl. 5 Stück 20 Pt Dreifrucht- Marmel. Pid. 35 Pt. Pf Ury Gebrüder, Aktien- Gesellschaft Swinemünder Straße 86 Ecke Lortzingstraße. von 500 Mk. an. Schuppen, Halien. Geragen ele. iiefert preiswert kurzir st g Holzhausbau Littmann N 54, Lothringerstrasse 91/83 Horden 6020/21 Hunde 185.17* Katzen, Papageien und kleine Haustiere werden behandelt Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus. Sprechstunden von 11-1 u. 4-6 Uhr Werbe- Tage Für Herren nsere Werbe- Tage sind da- Arbeitsstiefel kräftig. SpaltUnsere zu geschaf en, die gesamte Grob- Berliner Einwohnerschaft auf unsere Verkaufshäuser zu lenken. Wir kaufen gute halbe Damen- Herrenund Kinder Schuhe unter beForm leder breite M. 90 Echt Boxrind ehr haltbar Form gutes Material mod. brele Braun echt Fahlleder and Rindbox besond. kräft haltbare Stiefel tells geschlossen Wasser'asche gute Ledersohlen M. 9.80 sonderen Umständen big Sportstiefel ein u. bringen diese unserer werten Kunds haft zu fabelhaft niedrigen Preisen zum Verkauf. Von unseren 450 verschiedenen Artikeln hier nur einige Belspiele: Lack- oder Leder- Schnür- oder Spangensch the sowie Original Goodyear we i, grau u. brau Nubuk und Leder, Louis XV und amerikanischen Absats M. 11.90 9 80 besonders kräftige Sohlen ge chlossene Lasche wasser elchtes Futter sowie Original Goodyear Welt Halbschuhe te Is Stiefe: m d spitze Form, sehr modern M. Gross Deteil M Für Damen 90 Schnür- und Spangenschuhe, br. Schiebesrange sowie schmale Knopfspange. in braun u schwarz R.- Chevreaux, echt Chevreaux und M. Rindbox. 790 Amerik. Stiefel, schl. Form. Gr 90 35-33. Affen haut Spang. u.Pumps 35-39. Leder- Hau- Sparg. Schuhe, Gr. 36-42. Halbschnürschuhe R.Chevreaux u. Chromled., 35-37 M. 1190 Ca. 300 Paar div. Halbschuhe in Lack. Wild'eder. Goldk4r. Atles, braun, schwarz. Boxkaf, R. Chevreaux, Schnür. Pumps etc., Gröbe 35-37, tel's größere Nun me n, Serie I M. 7.90, Serle II M. Leder Damen- Hausschube, kräftig Spaltleder, sowle warm. Stoff. kariert 90 ad einfarbig, Gr. 35-41 5.9° Turnschuhe Gr. 36-41 mit starker Jufes hle WarmeKinderstiefel m. Ledersohlen. Gr 20-21 95 Bandhabe Leder o Stoff.. .. PE Pantoffel Herren 75. Demen . PL 65 Leder- Kinderstiefel Ledersohlen u. 195 Absa' zfleck Größe 20-22....... M 90 Kinderstiefel echt braun. Fahlleder 450 490 Größe 31-35 Sport- und Warderstiefel für Damen, braun. Sport'eder, ge schlossene Lasche besond. haltbar M. 12°° im Behrndt Schuh Polal Münzstr. 25 54 Frankfurter Allee Kottbusser Damm 13