Nr.42 42.Jahrgang Ausgabe A nr. 22 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatli 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Voll und Zeit" mit„ Sied lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareillegeile 70 Pfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudie Wort 20 Pfennig ( guläffia amei fettgedrudte Worte), jebes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche bas crfte Wort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchflaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Belle 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion:: Donhoff 292–295 Verlag: Tönboff 2506-2507 Sonntag, den 25. Januar 1925 Unterredung mit Otto Braun. Wir wollten keine Verdunkelung!" Verdunkelung!"-„ Staatskrise?" ,, Richter ist das Volk!" Genosse Otto Braun hatte gestern mit einem Mitglied| mir vorzeitig ohne Not unsere Bosten verlassen hätten. unferer Redaktion eine Unterredung, in deren Berlauf er Wir wußten, daß angesichts der Gruppierungen, wie fie ausführte: augenblicklich bestehen, ein reibungsloser llebergang vom bis herigen Regierungssystem zu einem neuen nicht möglich war. Im Reichstag hat jüngst der Reichskanzler Dr. Luther gejagt, die Bildung der neuen Reichsregierung sei notwendig gewesen, um zu verhindern, daß sich aus der Regierungsfrise Die Presse der Rechten stellt es so dar, als ob wir, meine Ministerfollegen und ich, an unfern Aemtern geflebt hätten, als po man uns gleichsam mit Gewalt zum Rücktritt gezwungen hätte. Die Bolfsparteiliche Zeit" spricht in diesem Zusammenhang sogar non einem un rühmlichen Ende". Solche Urteile fann ich mir, wenn sie ehrlich gemeint find, nur damit erflären, daß sich unsere Gegner, die ja Neulinge auf diesem Gebiet sind, in den Geist des parlamentarischen Systems noch nicht eingelebt haben. Wer in der politischen Entwicklung der letzten Zeit eine unrühmliche Rolle gespielt hat, darüber sind bekanntlich die Meinungen zwischen der Boltspartei und den toalitionstreuen Parteien sehr geteilt. Was aber die Rolle der Regierung betrifft, fo hätte ich es eher als unrühmlich empfunden, wenn sie davongelaufen wäre, ohne eine Entscheidung der Volksvertretung angerufen zu haben. Die Entscheidung ist nun gefallen, und wir haben daraus im Geist des parlamentarischen Systems die Konsequenzen gezogen, obwohl wir verfassungsrechtlich dazu nicht gezwungen waren. Wenn cine Regierung nach mehr als dreijähriger Tätigkeit durch eine Niederlage im Barlament zum Rücktritt veranlaßt wird, so fann ich das nicht so besonders unrühmlich finden. Das tann audy einer Rechtsregierung paffieren, möglicherweise fogar noch viel früher! Ich kann bestätigen, daß der Rücktritt des Kabinetis auf meinen Lors d, l ag erfolgt ist, und daß es darüber überhaupi teine Meinungsverschiedenheiten gegeben hat. Selbstverständlich hatte ich nicht allein zu entscheiden, das war die Sache der Fraktio nen und des Kabinetts. Persönlich aber hatte ich schon längst den Standpunft vertreten, daß ein Rücktritt der Regierung politisch notwendig jet, wenn fie im Landtag feine Mehrheit finde, ohne Rüd sicht auf die einschränkenden Bestimmungen der Verfassung. Daß ich diesen Standpunkt vertrat, hätte die Rechtspresse bei ihren guten Beziehungen zur Volkspartei wohl auch erfahren fönnen, wenn es ihr rucht so sehr darauf angekommen wäre, mich als einen Kleber hinzustellen.- Die zum 3wed aufgestellte Theorie, daß jede Regierung nach erfolgten Landtagswahlen ohne weiteres zurückzutreten habe, ist nicht nur von den bisherigen Regierungsparteien, sondern quch von maßgebenden Juristen als unhaltbar zurückgewiesen wor den. Ihre Zinnahme durch die Staatsregierung hätte die Volkspartei freilich vor der peinlichen Lage bewahrt, einen fommunistifchen Mißtrauenscntrag annehmen zu müssen gegen eine Regierung, der fie selbst angehörte und für deren Tätigkeit sie an Rob nicht gespart hatie. Wir aber wollten feine Verdunkelung. wir wünschten vielmehr, daß die politischen Gruppierungen, wie Fe sich neu gebildet hatten, ganz flar dem Bolfe DOT Augen geführt werden sollten. Diese Klarheit herbeigeführt zu haben, bedauern wir nicht! Abgesehen davon wäre es cine Pflichtvergessenheit gegenüber dem Staat gewesen, wenn Krise in Bremen. Große Koalition gescheitert. Was nun? Bremen, 24. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Berhandlungen un das Zustandekommen einer großen Koalition m Bremen, tie seit Wochen geführt werden, sind am Freitag abend gefchei. tert. Die Bolkspartei, die zunächst unter dem Eindrud des Mahlerjolas der Sozialdemokratie und ihrer eigenen Riederlage Neigung zur Bildung der großen Koalition zeigte, schwenfie genau wie die Partei im Reich und Preußen nach rechts ab. Bet den Demokraten liegt es jetzt, zu entscheiden, ob sie die Kleine Roalition, die eine Mehrheit von 3 Stimmen in der Bremer Bürger. schaft hat, oder mit Hakenkreuzlern, Deutschnationalen und Haus befizern eine Bürgerblodregierung bilden wollen, die über eine Fünfftimmenmehrheit verfügt. Polnischer Anschlag gegen Danzig. Posen, 24. Januar.( DC.) In der Bevölkerung von Bommerellen ijf Beunruhigung entstanden, da fubftanziierte Gerüchte verbrelief find, daß die dort lationierten Teile der Bofener und Thorner Armeekorps( das 7. und 8.) in Alarmbereitschaft verfeit worden find. Es wird angenommen, daß sich diese Maßnahme gegen Danzig richtet. eine Staatstrife entwidle. Bon einer drohenden Staatskrise sprechen die Rechts blätter jetzt auch in Preußen. Wir hätten es uns nicht verzeihen Fönnen, wenn wir durch einen voreiligen Rücktritt ohne Entscheidung des Landtags eine Staatsfrise herbeigeführt hätten. Durch die Ab fimmungen am 23. Januar sind nur vor aller Welt die Grenzen der Verantwortung festgestellt. Die Regierung hat ihre Berantwortung getragen bis zum Ende, jetzt tragen diejenigen, die sie gestürzt haben, die ihre. Ihre Aufgabe wäre es nun, an die Stelle des Aten, das nach der Meinung der Deutschnationalen und der Kommunisten schon immer schlecht war und das nach der Meinung der Bolkspartei jest auf einmal schlecht geworden ist, etwas besseres Neues zu feßen. Ob ihnen einmal schlecht geworden ist, etwas besseres Neues zu setzen. Ob ihnen das bis zum nächsten Freitag gelingt, ob es ihnen überhaupt geimgt, wollen wir in Ruhe abwarten. Jetzt scheint ihnen, die unsern Rüc tritt gar nicht mehr erwarten konnten, auf einmal die Entscheidung doch wieder zu früh gekommen zu fein. Sie hätten freilla) die Berhandlungen über die fommende Regierungsbildung schon früher oufnehmen können, wenn es ihnen nicht darauf angekommen wäre, durch Schaffung einer Zwangslage und Drohung mit einer Staats: trife den freien Willen der Parteien zu beugen. Im übrigen ist es nicht notwendig, nervös zu werden; das preußische Staatswesen ist nach drei Jahren stetiger Führung hinreichend stabilisiert, um eine Regierungsfrise auch mit Komplitationen ertragen zu können. Natürlich aber hat alles feine Grenze, und wenn nicht bald an der Spize Ordnung geschaffen wird, find Gefahren für das Ganze unausbleiblich. Beruhigend ist mir bei alledem, daß sich nun alles Entscheidende vor der Deffentlichkeit abspielen wird. Wer richten soll, muß flar sehen. Richter aber ist das Bolt, dem nach unserer republikanisch- demokratischen Berfaffung die letzte Entscheidung zusteht. Die Sihung des Aeltestenrats. Der Aeltestenrat des Breußischen Landtags hat, wie wir bereits in unserer gestrigen Abendausgabe berichteten, die Wahl des Ministerpräsidenten auf Freitag, den 30 Januar, angefeßt. Die Demokraten hatten beantragt, fie fchon am Mittwoch vorzunehmen. Die Rechte dagegen wünschte, daß der Landtag am Freitag nur zusammentreten solle, um darüber zu beschließen, wann der Ministerpräsident zu wählen sei. Sie möchte jetzt, nachdem sie den Kommunismus vorgespannt hatte, um ihr negatives Biel zu erreichen, zur Erreichung des positiven das 3entrum als Borspann benutzen. Dazu aber braucht sie Zeit, darum will fie ver. schleppen! Bürgerblock in Jtalien? Schwenkung der Katholikenpartei. Rom, 24. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Parteirat der Katholischen Boltspartei hat der Opposition des Aventin das Bertrauen von neuem bestätigt, gleichzeitig aber den Wunsch ausgedrückt, mit der Opposition innerhalb der Kammer Kontakt zu halten. Damit ist der erste Schritt zum Bürgerblod getan. Die Popolari suchen eine Scheidung von den Sozialisten anscheinend mit Rücksicht auf die Wahlen. Der Beschluß, mit der Kammerminderheit Kontakt zu halten, bedeutet zwar noch nicht die Teilnahme an der Kammerarbeit. Man steht aber vor folgender Neugruppierung der politischen Gruppen: 1. Faschisten bld, 2. Bürgerblod( Rechtsliberale, Salandras, Giolettianer, Popolari und fonftitutionelle Liberale), 3. Sozialisten, Republifaner und äußerste Linksliberale; abseits die Kommunist en. Die von Mussolini dem Zentrum gebotene Lockspeise bilden die Kirchengesetze und sie, zusammen mit der antisozialisti. fchen Saltung des Batitans, haben die Neuorientierung der Popolari bewirkt. Diese dürfte dazu führen, daß der katholische Ar. beiterführer und Pazifist Miglioli aus der Partei der Popolari austreten muß. Der faschistische Großrat nahm eine Erklärung an, daß er es für notwendig halte, die staatlichen Kräfte im Sinne eines Monopols der faschistischen„ Gewerkschaften" ohne Klassentampf zu fammenzufaffen zur Stärkung der nationalen Produktion. Der Mi. Es ist nicht unmöglich, daß bei der polnischen Abenteuer luft der eine oder andere polnische General nach dem Ruhm Beligomitis, des Eroberers von Wilna, trachtet. Doch iſt es schwer zu glauben, daß die polnische Regierung ange- nisterrat hat beschlossen, eine Kommission zu ernennen zum Studium fichts ihrer in lezter Beit eingehaltenen politischen Richtung beabsichtigen sollte, sich in solch verbrecherischer Weise über ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen hinwegzusehen. der verschiedener Probleme zwischen dem Staat und den verschiedenen Kräften des Landes, d. h. also, eine Rommiffion zur Durchfüh rung der Forderungen des Großrats. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Boitschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkañe Lindenstraße 3 Republik oder Junkerpreußen? Der neue Staat und der alte Kurs. Im Reich ist die Zeit der akuten Regierungsfrise vorbei. Dafür haben wir nun in Preußen das Interregnum, die sich nur auf die Dauer einer knappen Woche zu erstrecken regierungslose, die schreckliche Zeit. Ein Interregnum, das braucht, wenn am fommenden Freitag bei der Wahl des Ministerpräsidenten eine flare politische Entscheidung fälle ohne Verzögerung und ohne Verschleierung ihres Sinnes. Eine Woche Krife ist gerade genug, sie bedeutet für Preußen mehr noch als fürs Reich. Der raschen Lösung stehen zwei Momente entgegen. Die Rechte, die nicht rasch genug die Krise herbeiführen konnte, hat auf einmal Zeit. Sie will am Freitag den neuen Ministerpräsidenten noch nicht wählen. Sie hat im Aeltestenausschuß des Landtags um hinausschiebung, um zeitgewinn gefämpft. Sie will Zeit haben zum Verhandeln. Sie will die Krise verlängern, um in endlos schleppendem Hir und Her die im Reich angewandte Zermürbungstaktik gegen über dem Zentrum anzuwenden. Das andere Moment find die Mehrheitsverhältnisse im Landtag. Der preußische Ministerpräsident wird vom Lanbiag ge wählt. Die Weimarer Koalition führt 222 Stimmen, die Rechtstoalition 182. Die Kommunisten haben 44 Stimmen, die sie weder für den Kandidaten der Weimarer Koalition in die Wagschale werfen werden, noch für den Kandidaten der Rechten. Oder, um ganz eraft zu sein, noch weniger für den Kandidaten der Weimarer Koalition als für einen Deutschnationalen. Ihre Tattit im Landtag und die wiederholte freudige Begrüßung der Regierung Luther durch ihre Wahl eines Ministerpräsidenten der bisherigen RegierungsSprecherin im Reichstag nötigt zu dieser Rüancierung. Die foalition ist möglich. Seine erste Aufgabe würde sein, vor dem Plenum des Bandtags um ein Bertrauensvotum zu fämpfen. Gelingt es der Koalition der Kommunisten, Deutschnationalen und Bolksparteilern abermals, eine Mehrheit gegen ein Bertrauensvotum zu erzielen, so ist abermals eine schwere Krise eröffnet. Eine Regierung, die sich nicht auf ein positives Vertrauensvotum ftüßt, sondern sich mit der Billigung einer Regierungserklärung begnügt, mie die Regierung Luther im Reiche, ist in Preußen unmöglich. Gelingt es nicht, eine Regierung der bisherigen Koalition durchzusehen, so bleibt nur die Regierung des Rechtsblods. Diese Regierung fann eine Mehrheit mur erlangen mit Hilfe des Zentrums. ** Führt der Kampf um die Gewinnung einer Mehrheit für die bisherige Regierungstoalition nicht zum Ziel, so steht das 3entrum in Preußen vor einer überaus schweren Ent. Preußischen Landtag und die Bestimmungen der preußischen scheidung. Die Eigenart der Mehrheitsverhältnisse im Berfaffung geben ihr das Gewicht einer grundsäglichen Entscheidung. Die Frage, auf die das Zentrum dann antworten muß, ist nicht nur die Frage nach feinem fünftigen Schicksal als Partei es ist eine deutsche Schicksalsfrage. Eine Schicksal als Partei Rechtsregierung in Preußen wie immer sie auch ausschen möge ist eine Rampfregierung gegen die Gozialdemokratie. Es bedarf nicht erst der Versiche rungen der rechtsstehenden Breffe, daß dem fo ist. Die innere Logit der Parteiverhältniffe in Preußen hat diesen politischen Lehrsatz längst zur allgemeinen Ertenntnis gemacht. Gibt das Zentrum einer Rechtsregierung in Preußen ein Bertrauensvotum, liefert es die Führung der preußischen Verwaltung den alten preußischen Konservativen aus, so erschüttert es aufs schwerste die Grundlagen, auf denen nicht nur das neue Preußen, sondern auch das neue Reich ruht. Es entfeffelt die heute noch gebundenen starken reaktionären Kräfte, die in der Verwaltung Preußens sich behauptet haben, es liefert sich selbst an die Rechtsparteien aus, die eben noch im Bunde mit den Kommunisten einen so erbitterten wie schmachvollen Kampf gegen das Zentrum und die beiden anderen Regierungsparteien geführt haben. Diese für das Zentrum menig angenehme, für die künftige deutsche Entwicklung so schickfalsschwangere Situation ist von der Deutschen Bolfspartei herbeigeführt worden. Das Ziel ihrer Politik ist die Herbeiführung eines völligen politischen Kurswechsels in Deutschland, eine grundsätzliche Berschiebung der Stellung von Sozialdemokratie und Deutschnationalen im deutschen Staatsleben. Sie will die Sozialdemokratie in die Opposition drängen, die Deutschnationalen dauernd in die Regierung einbeziehen. Seit dem Bestehen der deutschen Republik bis zu dieser Krise galt in Deutschland der allgemein anerkannte politische Lehrfaz:" Es kann nicht gegen die Sozialdemokratie regiert werden." Die Deutsche Boltspartei schiebt ihn beiseite um ihres neuen Lehrsages willen:" Es fann nicht ohne die Deutschnationalen regiert werden." Beide Lehrfäze schließen einander aus. Der Versuch, Sie zu vereinen, der im Reiche Herrn Luther vorgeſchwebt haben mag, ist der Versuch, die Quadratur des Zirkels zu finden. In einer Koalition der bürgerlichen Parteien mit den Deutschnationalen aber ist der politische Schwerpunkt weiter nach rechts verlegt, als in einer Koalition der bürgerlichen Mittelparteien mit der Sozialdemokratie nach links. In einer Koalition mit der Sozialdemokratie führt das Gegeneinander-| eite! ohne die Rommunisten. Die Entwicklungskrise streiten großer Weltanschauungsunterschiede und großer des neuen Staates, bei der wir angelangt sind, drängt nach Klaffenintereffen zu innerer Bindung und zur Herausarbeitung einer Entscheidung. In dieser entscheidenden Stunde stehen, einer Mittellinie. In einer bürgerlichen Koalition mit den die Kommunisten, die ihre parlamentarische Stärke durch Deutschnationalen gibt bei mannigfacher Uebereinstimmung Arbeiterftimmen erlangt haben, auf der Seite der Parteien der Klasseninteressen das Uebergewicht der parlamentarischen des alten Staates. Stärke den Deutschnationalen die Führung. Die Deutsch nationalen sind sich ihrer Stärke in einer bürgerlichen Koalition wohl bewußt. Mögen fie auch die Schwierigkeiten nüchtern abschätzen, die einer Berwirt. lichung ihrer Ziele in den Berfassungsfragen entgegenstehen: ihre Stärke bei der Bestimmung des allgemeinen Kurses fennen sie. Ihnen gilt nicht nur die Verwirklichung des Lehrsages: Es fann nicht ohne die Deutschnationalen regiert werden." Ihr Kurs wird bestimmt durch den Sat:" Es fann nur gegen die Sozialdemokratie re giert werden." Die Verwirklichung dieses Sages und eine Rechtsregierung in Preußen wird der Berwirklichung dieses Sages ungleich näher fommen als die Rechtsregierung im Reiche bedeutet die Rückkehr zu den Regierungsgrundsägen des alten Systems, die am Ende des Krieges endlich ins Wanken gekommen waren. Ein solcher politischer Kurs in Preußen und im Reich bedeutet ebenso fehr Rüd. fchritt und Gefahr wie ein offener Angriff auf die Verfassung. Das Wesen des neuen Staates ist ein anderes wie das Wesen des preußischen und deutschen Staates unter den Hohenzollern. Die staatliche Organisation des Bolfes im neuen Staat dient der Wohlfahrt des ganzen Boltes. Sie ermöglicht die Verwirklichung gesellschaftlichen Fortschritts mit den ge ringsten Reibungen und den geringstmöglichen Erschütterungen. Das Wesen des alten Staates war ein anderes: er war Herrschaftsinstrument gegen einen Teil des Boltes, Herrschaftsinstrument in der Hand jener Konservativen, die jetzt nach der Macht greifen, Herrschaftsinstrument in der Hand jener Klassen, die durch Volkspartei und Deutschnationale politisch repräsentiert werden, gegen die Arbeiterschaft und die Sozial demokratie. Eine Rechtsregierung, die gegen die Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie re giert, rührt an die Fundamente des neuen Staates. Die Sozialdemokratie hat daran gearbeitet, die Fundades neuen Staatsgedankens, fie hat die Arbeiterschaft zur mente des neuen Staates zu schaffen, sie war die Trägerin Staatsgefinnung geführt. Das war ihr Wert nicht zuletzt in Preußen. Grund genug für die Träger des alten Gedankens des Herrschaftsstaats, sich in Preußen außerhalb des Staatslebens ftellen zu wollen. Die Sozialdemokratie als Träger des neuen Staatsge dankens hat mit größter Verantwortung den neuen Staat durch die Fährnisse der Nachkriegszeit und der Reparations politik geführt. Grund genug für die Parteien des alten Res gimes, den Staat als Rlaffenmachtinstrument gegen fie und die Arbeiterschaft zu wenden und die Arbeiterschaft mit ungerechter und ungeheurer Ueberbürdung mit den Lasten des Staates und des verlorenen Krieges zu bedrohen. Diese Absichten entsprechen dem Wesen der Politit des alten Systems. Sie find unvereinbar mit dem neuen Staatsgebanken. Wenn das Zentrum in Breußen vor schicksals chwerer Entscheidung steht, vor der Entscheidung, ob es Bei hilfe leisten soll zur völligen Drehung des politischen Surfes in Preußen wie in Deutschland, so mag es eins bedenken: der Staatsgedante, den Deutschnationale und Deutsche Volts partei vertreten, ist nicht eins mit dem Staatsgedanten, den bisher das Zentrum mit uns vertreten hat. Es heißt unterm Gefichtswinkel des neuen Staatsgedankens nicht staatliche Berantwortung üben, wenn man die Hand dazu bietet, die Fundamente des neuen Staates zu gefährden. Die Hoffnungen der Rechten auf die Verwirklichung einer völligen Drehung des politischen Kurses in Deutschland wären Der Arbeiterführer auf der Kanzel. Der englische Bergarbeiterführer und Abgeordnete der Arbeiter, partei Robert Smillie hat in einem englischen Verlag unter Dem Titel„ My Life for Labour"( Ein Leben für die Arbeiter) ein Erinnerungsbuch erscheinen lassen, das wie faum eine andere Bublifation der jüngsten Jahre von den Kämpfen und Siegen, den Freuden und Leidne der englischen Arbeiterklasse erzählt. Es ist, wie sein alter Freund Macdonald in einer liebevoll- würdigenden Einleitung feststellt, mehr eine Sammlung von Erinnerungen als eine Autobiographie im ftrengen Sinne, aber gerade das macht das schlichte Buch so überaus anziehend und lesenswert. Bielleicht eine der reizvollsten Episoden aus diesem an Epifoden überreichen Buche ist die folgende, die dem deutschen Lejer auch ein gutes Bild über die ganz anderen Beziehungen der eng lischen Arbeiterschaft zur Kirche gibt, eine Erscheinung, die für den fontinentalen Beobachter immer zu den bemerkenswertesten Tat fachen des englischen Lebens gehört und für viele, sonst nicht recht verständliche Züge der englischen Arbeiterbewegung eine Erflärung bietet. Allerdings zeigt der Ausgang diefes merkwürdigen Erleb niffes Robert Smillies, daß auch in England dieselben Kräfte am Berte find, die auf dem Kontinent das Verhältnis zwischen Arbeiter fchaft und Kirche zeitweise so schwierig gemacht haben, und daß man auch in England nicht ungestraft einen Bergarbeiterführer auf die Stanzel einer Staatskirche( nicht einer der vielen Freikirchen, wo jahraus jahrein ungezählte Arbeiterführer als Prediger sprechen) treten laffen tann. Robert Smillie erzählt: Manche werden sich noch der Nachwahl in Ashton- under- Lyne im Jahre 1921 erinnern, wo sich als Vertreter der Arbeiterpartei William C. Robinson und als Vertreter her Roalitionsparteien Sir Walter de Freece gegenüberstanden. Ich reifte dahin, um Robinson bei seiner Arbeit zu helfen und wohnte im Hause eines Mitgliedes der Unabhängigen Arbeiterpartei. Dieser Mann tam mit mir zu einer auf Sonntagmittag angesezten Bersammlung der dortigen Ortsgruppe des Bergarbeiterverbandes. Auf dem Rückweg erzählte er mir, daß der Ortsgeistliche auf der Seite der Arbeiterschaft stehe und daß er am Sonntagnachmittag einen Gottesdienst in der Kirche abzuhalten pflege, der vorwiegend von der Arbeiterschaft, fast durchweg von Mitgliedern der Arbeiter partei, besucht würde. Er bat mich mithinzugehen. Aber ich hatte feine rechte Lust hierzu, da ich abends in einer großen öffentlichen Versammlung zu sprechen hatte. Mein Freund aber drang weiter in mich ein, indem er darauf verwies, daß alle Leute im Distritt wüßten, daß ich mich hier aufhielte und alle mich in der St. Johns- Kirche erwarten mürden. So gab ich schließlich nach. Als wir die Kirche betraten, wurden wir gebeten, in die Safristei zu kommen, wo wir dem Geift. lichen vorgestellt wurden, der uns mitteilte, daß er im Chor, unter den Kirchenfängern, zwei Size für meinen Freund und mich referviert habe. Wir setzten uns auf unsere Bläge. Der Priester bestieg die Kanzel und eröffnete den Gottesdienst mit den Worten:„ Wir haben heute einen Fremden in unserer Mitte, Herrn Robert Smillie. Ich begrüße in euer aller Namen Herrn Smillie vom Bergarbeiterverband in unserer Kirche." i Die Reaktion droht mit staatlicher Entrechtung und Bedrückung der Arbeiterschaft- mit Hilfe der Kom munisten. Das sozialreattionäre Unternehmertum will durch den Staat die soziale Lage der Arbeiterschaft herabdrücken, und die Kommunisten verhelfen ihm zur Macht stellung im Staate. Die alten Ronservativen wollen ihre Machtpositionen in Preußen zurückerobern, sie wollen die gebundenen reaktionären Kräfte in der preußischen Ver waltung entfeffeln und die Kommunisten fämp. fen Schulter an Schulter mit ihnen gegen die Sozialdemokratie, die der Reaktion bisher hemmend in den Weg getreten ist. Die ältesten und erbittertsten Feinde der Arbeiterschaft, die auf dem Wege des politischen Kampfes durch die Sozial demokratie zurückgedrängt worden waren, bringen wieder vor. Rechtsregierung in Preußen: das heißt Regierung des Klaffentampfes gegen die Arbeiterschaft. Die Kommunisten haben systematisch daran gearbeitet, diese Regierung des Klassen tampfes gegen die Arbeiterschaft in den Sattel zu setzen. Die Kommunisten sind die Knechte der Reaktion. Sie jubeln über den Sieg, zu dem sie der Reaktion in Preußen verholfen haben. Ihre Sprecherin im Reichstag hat die Luther- Regierung ein halbes duzendmal begrüßt. Sie han deln wie jener Anarchist, der sich dem Unternehmertum ver faufte, und, zur Rede gestellt, sich verteidigte:" Ich will einmal den Bogen von der anderen Seite spannen." Sie liefern die Arbeiterschaft der politischen und sozialen Reaktion aus. ... Die Erbitterung der Arbeiterschaft wird den Plänen der Rechten bald genug ein Ende sezen. Vorher jedoch wird sie fich gegen die Knechte der Reaktion wenden und reinen Tisch im eigenen Hause machen. Mit Handlangern der Kries und Westarp hat kein ehrlicher Arbeiter etwas zu tun. Reichsbanner und Reichswehr. Sünde am Volk. Windthorst- Bünde gegen Zentrumspolitik. Der Entschluß der Zentrumsfraktion des Reichstags, Dr. Brauns als Arbeitsminister im Kabinett Luther zu belassen und dem Kabinett die Billigung auszusprechen, hat in weiten Kreisen des Zentrums um so mehrverstimmt, als die Politik des Zentrums bis dahin auf die unbedingte Ablehnung einer bürgerlichen Rechtsregierung gegen die Sozialdemokratie eingestellt war. Das niederrheinische Zentrum hat bereits die Mißbilligung dieser Politik zum Ausdruck gebracht. Als weiteren Beweis für die Mißstimmung der Zentrumsanhänger_veröffentlicht die Märkische Volkszeitung“ eine Entschließung des Gauvorstandes der Windthorst Bünde BerlinBrandenburg, in der es heißt: = " Die Wahren zum 7. Dezember haben eine flare und eindeutige Entscheidung darüber gebracht, daß das deutsche Volf den neuen Staat will. Die Deutsche Zentrumspartei hat sich in eine Front mit den republikanischen Parteien gestellt und auf dem 3. Reichsparteitag fid) einheilig für die Politik der Mitte entfchieden. Das Junge 3entrum befennt sich zu dieser politiſchen Haltung. Seine ganze Wahlarbeit war auf diesen Gebanten eingestellt. Und wenn die Deutsche Zentrumspartei aus diesem Kampf siegreich hervorgegangen ist, so dankt sie das Vertrauen der Wähler in erster Linie ihrem flaren Bekenntnis zum neuen Staat. Birth und Marg sind die Führer dieser wahrhaft deutschen Bolitit. Soll diese Linie verlassen werden? Wollen wir nach dem Wahlfampf alles das verneinen, womit wir diesen Kampf geführt haben? Soll diefer unzweideufige Wille des deutschen Bolles verfälscht werden? Das wäre unerhörter Vertrauensbruch. Wir Jungen jühien uns als lebendige Träger des Neuen. Ein Abweichen von den Wegen und Methoden christlicher Politik ist Sünde am Grundsay. Sünde am Bolt." fraktion vom 17. Dezember und vom 11. Januar hin, in denen Die Resolution weist auf die Beschlüsse der Zentrumsdie Beteiligung an einer Rechtstoalition unter einer Kanzlerschaft Luthers abgelehnt wurde, und fährt fort: " Durch geschickte Manöver der DBP. ist es gelungen, den Weg für einen Rechtsblock freizumnachen. Der Führer Reichskanzler Marg ist das Opfer dieser politischen Umitellung geworden und wir fönnen es niá, verstehen, daß gewiffe Teile unferer Partei ihn wie ehedem unferen Erzberger und Wirth verlassen haben... Wir glauben micht an die Männer dieses Kabinetts. Bürgerblod bedeutet Bolls. paltung. Rechtsblock ist Rampf gegen bas arbeitende Bolt. Wir lehnen eine auf dieser Linie geführte Zentrumspolitik ab und können sie vor uns nicht verantworten." die in ihr vorgebrachten Befürchtungen sind, zeigt jeder Tag. Die Resolution spricht eine flare Sprache. Wie begründet Am Freitag unternahmen Rechtsregierung, Deutchnationale und Volkspartei einen vom Geist brutalster Sozialreaktion getrage= nen Angriff auf die Unterstügung erwerbsloser Mütter. abend gab der deutschnationale Führer Graf We starp in der Rampf gegen das arbeitende Bolf! Am SonnKreuzzeitung" die Erklärung ab, Ziel des Rechstkurses fei Bartei mit allen Mitteln. Voltsspaltung! die Ausschaltung und Berfemung der Sozialdemokratischen Eine notwendige Richtigstellung. Durch die gesamte Rechtspresse ist in den legten Tagen eine groß Reichsbanner und Reichswehr in Königsberg i. Pr. aufgemachte Mitteilung von 3 usammenstößen zwischen am 18. Januar( Reichsgründungstag) gegangen. Kameraden des Reichsbanners follen anmarschierende Reichswehr mit Pfui- Rufen empfangen haben. Daraufhin hätte sich eine Rauferei entwickelt, bei der das Reichsbanner den fürzeren gezogen habe. Der Gau Ost preußen gibt jetzt folgende den Tatsachen entsprechende Muteilung: Den heterisch- verleumderischen Berichten" ist folgendes ent gegenzuhalten: Ein fleiner Trupp Reichsbannerleute etwa 60 bis - etwa 60 bis 70 Mann- tamen an dem fraglichen Tage nach planmäßiger Auflösung des Reichsbannerumzuges vom Paradeplag über den Schloß play mit eingerollten Fahnen, ihre Führer voran. Dort wurden sie in rohester Weise von Angehörigen rechtsrabitaler Berbände angerempelt. Die Reichsbannerführer ordneten, um eine Schlägerei zu vermeiden, den Abmarsch nach dem Schloß. Die Situation ist so far, wie sie es nur sein fann, berg an. In diesem Augenblick zog die Wachtkompagnie der repu Deutschnationale und Volkspartei wünschen Sozialreat on blitanischen Reichswehr auf, von Stahlheim und Wehrwolf und Niederknüppelung der Sozia demokratie. Ihr Instru mit Hurra begrüßt. Gegen dieses Hurra hatte das republika.ment ist das. Kabinett Luther. Wer das Kabinett Luker nische Reichsbanner nichts einzuwenden. Aber spontan wurde buldet, unterstügt damit den Kampf gegen das arbeitende aus der Mitte der Rechtsradikalen ein weiteres och auf Raiset Bolt und gegen die Sozialdemokratie. Eine MittelWilhelm( in Holland) ausgebracht, und auf dieses Hoch ant linie gibt es nicht mehr. Dem Zentrum bleibt nur worteten die Republikaner mit Pfui.Rufen. Die fich an noch die Wahl zwischen Rechtsblod oder Weimarer schließende Schlägerei, die von Reichsbannerseite wahrlich nicht Roalition. Im Reich wie in Preußen. Was die Bengesucht wurde, hat dann trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit der trumswähler von ihren Abgeordneten ermarten, zeigt die Bannerleute durchaus für die Gegenfeite übel geendet, wie die be. Haltung der rheinischen Berbände und der Bindthorst- Bünde. troffenen Behrwölfe zu bezeugen wissen werden... Das ist der Tatbestand, und die unerhörte Berdrehung dieses Tatbestandes ist ein erneuter Beweis für die Strupellosigkeit, mit der das Reichs banner in der Deffentlichkeit herabgesetzt werden soll." Zu meinem großen Erstaunen begann hierauf die ganze Kirchengemeinde regelrecht zu applaudieren. " Der Predigende fuhr fort: Wie alle wüßten, stehe man inmitten einer Nachwahl, in der auch die Arbeiterschaft einen Kandi daten gestellt habe; diejenigen, die das Wahlrecht befäßen, müßten sich selbst ein Bild über die Fähigkeiten der verschiedenen Kandi baten machen, indem sie die Wahlversammlungen besuchten und denjenigen wählten, von dem fie glaubten, daß er sie am besten vertreten würde. Nach feiner eigenen Meinung verdiente der Kandidat der Arbeiterpartei ihre Unterſtügung." Der Geistliche fuhr dann fort: Herr Smillie ist heute unter uns, leider ist es aber gegen die Regel unserer Kirche, daß irgend jemand hier von der Kanzel herab spricht, der nicht einen runden Stragen trägt, wie ich hier einen anhabe.( Der runde Kragen, den der fatholische und anglikanische Geistliche auch auf der Straße trägt.) Leider habe ich feinen zweiten mitgenommen, und so tann ich zu meinem großen Leidwesen Herrn Smillie nicht bitten, hier auf die Kanzel zu kommen und zu euch zu predigen trotzdem id nur zu genau weiß, daß ihr gerne wissen möchtet, was er euch zu sagen hat. Aber wenn es auch gegen die Kirchenregel ist, daß Herr Smillie von hier herab predigt, weil wir feinen runden Kragen für ihn haben, so bin ich doch als Priester berechtigt, meine Gemeinde zu fatechifieren, und so werde ich denn an Herrn Smillie einige Fragen stellen." Er ging dann dazu über, an mich einige Fragen über die fozialen Berhältnisse der Arbeiterklasse, über die Wohnungsfrage und über die Sozialisierung des Bergbaus zu ftellen. Dann fuhr er fort: Ich möchte gerne wissen, ob die von der Arbeiterschaft ge forderte Sozialisierung des Bergbaus nur für die Arbeiterschaft Borteile bringen wird, oder ob sie dem Wohle des gesamten Voltes dienen wird. Und nun, Herr Smillie habe ich im Sinne der Kirchen. regel diese Fragen an Sie gestellt. Kommen Sie also auf die Kanzel und beantworten Sie mir das Gefragte, gleichgültig, ob Sie fünf oder fünfzig Minuten dazu brauchen." Er machte eine Verbeugung und verließ die Kanzel, sobald ich fie betrat. Ich sprach nun eine halbe Stunde fang zum verfammelten Bolt, das von Zeit zu Zeit Beifall flatschte und mir jo feine Befriedigung über die Antworten zu erkennen gab, die ich dem Bikar auf seine Fragen gab. Das war ein Geistlicher, der manche reiche Leute aus der Kirche herauspredigte, dafür aber um so mehr Arme in die Kirche hineinpredigte. Und manche der Hymnen, die von der Kongregation ge fungen wurden, waren sein eigenes Werf. Die Moral der Geschichte ist allerdings, daß Geistliche ebenso wie wir übrigen Sterblichen dafür büßen müssen, wenn sie ihren Brinzipien treu bleiben. Dieser Vilar war gleichzeitig Militär, geistlicher für jenen Bezirk. Kaum waren wenige Wochen seit jenem Borfall begangen, so wurde er von diesem seinem Posten entlassen. Sein Verhalten gegenüber dem Arbeiterführer war zweifellos die Ursache dafür, daß er in Ungnade fiel. Wir haben uns seither oft wiedergesehen. Sein Name ist Cummings und ich achte und ehre ihn, wie wenige Menschen, denen ich begegnet bin. Ich glaube und vertraue fest darauf, daß die Zeit fommen wird, mo der Sozialist aufhört, ein Paria zu sein; aber nichts auf Erden hof in Wien bat auf Berufung der Staatsanwaltschaft die Etfe Straferhöhung für den Seipel- Affentäter. Der Dberfte Gerichtsfür Jawuret von 31 Jabren auf 5 Jahre schweren Kerfere erföht. ist eben so schwer auszurotten wie Vorurteil. Ich habe einmal eine Geschichte von einem Schloßwächter gelesen, der auf einem großen Schwarzen Roß ritt und durch seinen grauenvollen Anblick ringsum Furcht und Schreden verbreitete. In Wirklichkeit aber war er ein freundlicher, blonder Knabe. Ist nicht etwas Aehnliches mit dem grauenvollen Sozialdemokraten" der Fall, wenn man ihn aus dem Riesenharnisch herausschält, in den ihn das Vorurteil und die Phantafie feiner Mitbürger gefteckt hat? Die„ Times" und das Kaiser- Wilhelms- Institut. 3 Bekanntlich hat ein Berliner Times" Korrespondent im November feinem Blatte die aufsehenerregende Meldung gefandt, daß Deutschland, anstatt abzurüsten, eifrig beschäftigt sei, Borberei tungen zu treffen, um die Schreden des Krieges noch zu vermehren. Es bestehe ein großes Laboratorium in Verbindung mit dem Raiser- Wilhelms Institut, mit allen Einrichtungen der Neuzeit und viel Geld ausgestattet, in der Nähe von Berlin, und außerdem seien damit weitere Institute in ganz Deutschland verbunden, z. B. ein Gasforschungs- Institut in Hannover, welche fich mit der Entdeckung neuer Giftgafe u. dgl. beschäftigten. Einer der Direttoren des Raiser- Wilhelms- Instituts, Professor Freundlich, hat daraufhin öffentlich die Unwahrheit der Behauptuna betont, und die Erklärung ist durch die ganze deutsche Presse gegangen. Freundlich forderte den Times"-Vertreter auf, das Institut zu besuchen und fich von der Grundlosigkeit seiner unerhörten Beschuldigungen zu überzeugen. Bisher hat weder der Times"-Rorrespondent in Berlin dieser Aufforderung Folge geleistet, noch hat die„ Times" zu der Sache sich weiter geäußert. fifche naturwissenschaftliche Zeitschrift Nature" zu der Frage In ihrer neuesten Nummer nimmt jetzt die hochangesehene eng Stellung. Nachdem sie die bekannten Borgänge, wie hier wiedergegeben, furz retapitufiert hat, äußert fie sich folgendermaßen:„ Wir wissen natürlich nicht, aus welchem Grund die Times" es ablehnt, diese ganz bestimmte Ableugnung ihrer schweren Befchuldigungen abzudrucken, aber es scheint doch höchst wünschenswert, daß die Einladung des Professors Freundlich zur Besichtigung angenommen werde und daß man die Ergebnisse des erbetenen Befuches in Großbritannien bekanntgebe. Man sollte unseren früheren Feinden jedes anständige Entgegenkommen zeigen, und wenn sich herausstellt, daß das große, unter Leitung Profeffer Habers stehende Institut vollStändig losgelöst ist von Arbeiten, die Kriegszweden dienen, so würde das für alle, die auf weitere Zeichen einer feelischen und wirtschaft. lichen Erneuerung Deutschlands warten, eine frohe Botschaft sein." Ueber neuere Verfuchsergebnisse im Efenbau hält Dipl.- Ing. Rein am 26., 6, 11hr abends, einen Lichtbildervortrag im Söriaal 120 der Tehnischen Hochschule. Eintrittspreis für Studierende der Hochfchule 20 Pfennig. für Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Bauingenieurwesen 50 Pfennig, für Nichtmitglieder 1 Mart, Der Ministerpräsident im Löwenfäfig. Mussolini, der farle Mann" Staliens, zeigte sich dieser Tage im Lowenkäfig. Er war nach dem 300suchen, die ihm vor furzem von einem Verehrer geschenkt worden war. logismen Garten in Rom gelommen, um die kleine Löwin Italia" zu be Sobald talia den Diftator e: blidte, lief sie an die Tür des Käfigs und zeigte große Freude. Mussolini ließ den Käfig öffnen, ging hinein und liebkoste die Löwin. Rasch hatte sich eine große Menge versammelt usw. Die Kreditgewährung der Staatsbank. Untersuchung des Falls Kutisfer. Der Untersuchungsausschuß des Landtags zur Nachprüfung der| von der Preußischen Staatsbant( Seehandlung) gewährten Kredite ( Barmat- und Kutister- Affäre) trat gestern zu seiner ersten Sigung zufammen. Zum Borsitzenden wurde Abg. Dr. Leidig( D Bp.) gewählt. Bon Regierungsstellen ist nur ein Vertreter des Finanzministeriums anwesend. Der Borsitzende hält angesichts der Bedeutung der zu verhandelnden Angelegenheit auch die Teilnahme von Vertretern des Innen und des Justizministeriums für erforderlich. Ministerialrat v. Schent vom preußischen Finanzminifterium gab zunächst einen allgemeinen Ueberblick darüber, wie sich die zur Erörterung stehenden Geschäfte entwickelt haben. Das Geschäft mit Kutister sei eigentlich ein Geschäft mit der Stein Bank gesen, das im Oftober 1923 begann. Die Kredite für die SteinBank, deren Generaldirektor Kutister war, beliefen sich bis Fe. bruar 1924 auf etwa 4,8 millionen Mart, die, wie üblich, durch doppelte Effektendeckung, später auch durch Wechsel gedeckt waren. Ende Februar trat dann Kutister an die Preußische Staatsbank heran, um einen großen Kredit für längere Frist für eine erhebliche Transaktion zu erlangen. Es handelt sich um den Berkauf des Hanauer Lagers. 21s Dedung für diesen Kredit waren wieder die im Depot liegenden Effetten sowie über 800 einzelne Wechsel, die in ihrer Qualität außerordentlich verschieden zu bewerten sind, und als Bujazdeckung das Hanauer Lager selbst angegeben. Die Wechsel wurden nur zu cinem Teil eingelöst, zu einem erheblichen Teil dagegen nicht. So entstand eine sehr starte Belastung Kutisters. Es stellte fich heraus, daß infolge pflichtwidrigen Arbeitens eini ger Beamten die vorgesehenen Effekten- und Wechseldeckungen auch nicht annähernd vorhanden waren. Von der Generaldirektion wurde der Beschluß gefaßt, daß weitere Kredite nicht mehr in Frage fämen. Die weitere Abwicklung stellte sich dann infolge des Fehlens der Dedung außerordentlich schwierig, weil nunmehr entgegen dem Grundgedanken des Arrangements vom Februar der tatsächliche Wert des Hanauer Lagers eine angehende Bedeutung gewonnen hatte. Die Abwicklung hat sich auch bis heute nicht zu Ende führen lassen, wenn auch verschiedene Versuche gemacht sind, das Hanauer Lager zu verkaufen. Es handelt sich um ein Militärlager mit militärischem Eisenbahnbedarf. Berhandlungen mit der litauischen, russischen und rumänischen Regierung hatten schließlich das Ergebnis, daß das Lager für 9,6 millionen Mark an die rumänische Regierung verkauft werden sollte. Ein Zwischenfall, über den bis heute noch feine vollständige Selarheit besteht, hat die Verhandlungen mit Rumänien wieder vereitelt. Das Hanauer Lager besteht zu einem großen Teil nur aus Liebhaberwerten, die wirtschaftlich schwer verwendbar sind. Die vorhandenen Sicherheiten reichten zur Dedung der Forderung der Staatsbant nicht aus. Die Staatsbank hat ihre Forderung, die fich an eine ganze Reihe der zu Kutister gehörenden Industriemerke richtet, Ende Oftober einer Treuhandgesellschaft übertragen. Der Redner betonte noch, daß schon im Mai 1924, als die Unterdeckung der für die Kutister- Kredite bei der Staatsbank hinter legten Sicherheiten bekannt wurde, die Staatsbank drei Beamte abgebaut habe. Im Falle Barmat bat die Staatsbank Kredite an sieben Unternehmungen Barmats gegeben, die eine Höhe von etwa 14 Millionen Mart er ichten. Die höchsten Kreditgeschäfte wurden mit der Amägima. efeffchaft abgeschlossen Schon vom August 1924 an war die taatsbant bestrebt, die Kreditgeschäfte mit den Barmats abzu ehen, Trohdem gab die Staatsbant nochmals ihre Zuftimmung einem Kredit von 200 000 m., der durch irgendwelche Umstände his auf 2 Millionen gefliegen iff.( Bewegung.) Als Sicherheit für die Barmat- Kredite dienten Wechsel der Konzernfirmen und vor allem auch der holländisch en Amärima Gesellschaft, über deren endgültigen Wert noch nichts gesagt werden kann, zumal noch andere Stellen erhebliche Forderungen an die Barmats haben, beispielsweise die deutsche Girozentrale. Zum Fall Michael erklärte der Referent, sich nicht ausführ: lich äußern zu fönnen, denn das Bankgeheimnis müsse hier gewahrt werden. Für die Staatsbant liegt bezüglich Michaels feine Beran laffung vor, anzunehmen, daß unlautere oder strafbare Handlungen in Frage tommen oder daß die Sicherheiten Michaels in Zweifel zu ziehen seien. ter zu. Der Ausschuß wandte sich dann im einzelnen dem Falle Kutis Der Vorsitzende Leidig( DBp.) ftellt an den Vertreter der Regierung das Ersuchen, zu schildern, wie denn der Anfang der Geschäftsverbindung Staatsbant- Kutister sich gestaltet hätte. Ein Vertreter des Ministeriums erklärt, daß die Geschäftsverbindung mit dem Banthause von Stein im Oftober 1923 angetnüpft worden sei. Kutister habe Auskünfte einer früheren Bant, mit der er in Berbindung fland, fowie militärischer Stellen vorgelegt. Sie befänden sich aber nicht mehr unter den Atten, da Kutister fie später wieder zu fich genommen habe. Im Dezember 1923 fet die Auskunft günstig gewesen. Die Geschäfte beschränkten fich zunächst im Oktober und November auf börsenmäßige Geschäfte durch Bermittlung der Staatsbant. Gegen Ende Dezember 1923 habe das Lombardgeschäft begonnen. Auf die Frage des Borsigenden, ob die Geschäfte auf Dedung gemacht worden seien oder ob es sich dabei auch um Borschüsse ge handelt habe, betont der Regierungsvertreter, daß Borschüsse damals nicht gewährt wurden. Die Deckung habe bestanden zunächst in 1 500 000 m. börsenständiger Wertpapiere und einer Briefhypothefendeckung von 500 000 m. Als sich im Januar die Schuld vergrößert hatte, sei auch die Wechseldeckung erhöht worden. Später sei das Hanauer Lager in die Affäre hineingekommen. Auf eine weitere Anfrage, um welche militärischen Stellen es fich bei der Vermittlungsangelegenheit mit Kutister handle, erflärt der Regierungsvertreter, daß hier anscheinend militärische Stellen im Often in Frage tommen, mit denen Kutister damals zu tun gehabt hat. Abg. Kuttner( S03.) fragte, ob bei der Anknüpfung der Geschäftsbeziehungen mit Kutisker politische Momente mitgespielt haben. Ein Regierungspertreter: Nein, Kutister hat sich auch nicht auf politische Beziehungen berufen. Hierauf wurde eine Auskunft der Firma Schimmelpfeng verlesen, in der es u. a. heißt: Kutister ist als litauisch russischen Finanzkreisen hervorgegangen, gilt als guter Kaufmann und hat befonders gute Beziehungen zu flerifalen Kreisen und zur Landwirtschaft. An der Berliner Börse erfreut sich die Firma guten Rufes. Nachteiliges ist nicht bekanntgeworden. Die Stein- Bant hat im Jahre 1922 einen Reingewinn von 23 Millionen gehabt. Regierungsvertreter: Diese Auskunft, die durch eine weitere der Handelszentrale Dst" ergänzt wurde, sowie vorgelegte Hypothefenbriefe haben die Geschäfte der Staatsbant mit Kutister eingeleitet. Abg. Dr. Binterneil( DBp.) erklärt dazu, man habe damals allgemein in Berliner Finanzfreisen hinter der Mercantil bant, die zum Autister- Konzern gehöre, flerifale Kreise vermutet. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß nach den bisherigen Feststellungen die der Staatsbant von Rutister übergebenen Hypothekenbriefe überbewertet worden sind. Es müsse nun ermittelt wer den, ob diese Ueberbewertung ein Verschulden der entschei denden Beamten darstelle. Auf verschiedene Fragen erteilt Staatsbankpräsident Schrö. der Auskunft über die Geschäftsorganisation der Staatsbant. Es bestand die llebung, daß alle Geschäfte von irgendwelcher Bedeutung der Generaldirektion vorgelegt werden mußten. Die Kulistet- Geschäfte hätten nach ihrer Bedeutung jämtlich der Generaldirektion vorgelegt werden müffen, was nicht geschehen ist. lieber das Verschulden von Rühe will sich der Staatsbantpräsident nicht äußern, weil das gegen Rühe eingeleitete Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Objektiv aber, so fährt der Präsident fort, muß ich nach den bisherigen Feststellungen jagen, so hätte nicht gearbeitet werden dürfen. Als wir an die Abwicklung der Kutister. Geschäfte gingen, Anfang Mai, wurde jeder Schritt in der General direktion beraten. Die Borschriften über die Lombardbeleihung sind bet der Staatsbank im wesentlichen die gleichen wie bei der Reichsbank. Wir haben uns auch stets bemüht, in Einklang mit der Reichs: bant zu arbeiten. Bei der Kreditrestriktion der Reichsbank mar nur der Wille maßgebend, weiteren Notendruck zu vermeiden. Die ver fügbaren Gelder sollten auch nach dem Willen der Reichsbank von uns der Wirtschaft zugeführt werden. Der Fehler liegt hier nur in der Hergabe sehr großer Summen an einzelne Stellen ohne ausreichende Prüfung, ob diese Kredite gesunden wirtschaftlichen 3weden dienten. Vorsitzender Dr. Leidig( DBp.): Es muß für die Lombardgeschäfte doch eine gewisse Ülebung bestanden haben. Wenn als Unterlagen Wechsel gegeben wurden oder Börsenpapiere achter Ordnung, hat der Sachbearbeiter dann auch eine bestimmte Uebung zu verfolgen gehabt? Präsident Schröder: Große Geschäfte mußten der Gene raldirektion vorgetragen werden. Der Sachbearbeiter hatte dann nach ihren Beschlüssen zu arbeiten. Schriftstüde werden von zwei Dezernenten gezeichnet. Im Falle Kutister waren das die Herren Rühe und Hellwig. Wechsel wurden als Dedung nur angenommen, wenn sie 3 gute Unterschriften enthalten. Es ist Aufgabe der Sachbearbeiter, die Güte der Unterschriften festzustellen. Auf weitere Fragen erklärte der Präsident der Staatsbant, daß es jetzt Gepflogenheit sei, daß täglich eine Liste der zwei Tage vorher gezahlten Vorschüsse vorgelegt wird. Im übri gen muß der Präsident sich auf seine Mitarbeiter verlassen tönnen und Bertrauen zu ihnen haben, daß sie der Generaldirektion die großen Geschäfte vortragen. Der Börjentommissar erwidert auf eine Frage des Bor sitzenden, daß bei der fortschreitenden Geldentwertung die einzelnen Debitorenziffern heraufgelegt wurden, so daß sich ein gewiffer Ueber. blick über die Bant- und Kreditgeschäfte ergab. Abg. Dr. Kaufhold( Dnat.): Handelt es sich bei der Stein- Bant um die altbekannte Firma Stein in Breslau, die als Bankhaus der schlesischen Geistlichkeit. und Landwirtschaft gilt? Präsident Schröder bejaht das und findet darin vielleicht die Erklärung dafür, daß nicht nähere Auskünfte eingezogen wurden. Abg. Dr. Kaufhold( Dntl.): Diese Frage fann eigentlich nur Herr Rühe erschöpfend beantworten. Ob Kutister mit einem Empfehlungs schreiben fam oder ob Rühe einen Empfehlungsbrief von irgendeiner Seite bekommen hat das fann nur Rühe und Kutister beantworten. Borf.: Sind auch im Handelsministerium Atten über die Stein Bant vorhanden? Staatstommissar für die Börse: Im Mai 1923 trat die Stein- Bant, deren Aftienmajorität Iwan Kutister erworben hatte, an den Börsenfommissar mit den Antrag heran, ber Stein- Bant die Rechte einer Devisenbank zu gewähren. Dabet tegte die Stein- Bant eine Bescheinigung der Darlehnstasse Dst über den bisherigen glatten Berlauf der Geschäftsverbindung mit Kutister, ferner ein Empfehlungsschreiben der Direktion der Distonto. Be. sellschaft, das aber nicht von einem Geschäftsinhaber oder Direttor gezeichnet war, vor. Bir verlangten zunächst vom an desfinanzamt Auskunft über Kutister, die dahin lautete, daß gegen Rutister persönlich erhebliche steuerliche Bedenten beständen. Die Berliner Handelstammer teilte uns mit, daß Kutister, der den Attienmantel der Stelu- Bant von Herrn v. Stein getauft hatte, ein gewandter Geschäftsmann fei, der als Litauer in engster Berbindung mit den litauischen Behörden stehe. Seine Mittel würden als sehr groß bezeichnet, so daß an feiner 3 a hlungsfähigteit nicht zu zweifeln sei. Die Auskunft Der Handelstammer Breslau hat keine Bedenken dagegen geäußert, daß die Bant p. Stein als Devisenbant zugelassen würde. Auch sonst find teine Bedenten laut geworden. Aber wir müssen unser Augenmert noch auf andere Dinge richten. Wir haben damais der Kutister- Stein- Bant schon steptisch gegenübergeftanden, weil es fich um einen Mantellauf handelte und über die Persönlichkeit Kutisters als Ausländer feine genauen Informationen zu erlangen waren. Diese Erwägungen und die steuerliche Auskunft des Landesfinanzamtes haben uns dazu veanlaßt, das Verlangen der KutisterStein- Bant auf 3ulassung als Devisenbant abzu lehnen und der Stein- Bant in ihrer veränderten Gestalt auch das Depot- und Depofitenrecht nicht zuzugestehen. Auf eine Frage des Abg. Kremer( D. Bp.) erklärt der Börsenfommissar, daß politische Momente für den Verkehr mit Autister nicht maßgebend gewesen sind, daß ihm auch nichts erinnerlich oder bekannt sei, daß folche politischen Momente von anderen Seiten in das Geschäft mit Kutister hineingetragen worden find. Finanzrat Bretenfeld erflärt auf weitere Fragen, nach seiner Ueberzeugung habe Staatsfinanzrat Dr. Rühe Kutister für einen außerordentlich potenten Kunden gehalten. Rühe habe die Aufgabe gehabt, die Gelder der Staatsbant turzfristig unterzubringen. Da habe er auch in anderen Fällen, ohne die Generaldirektion zu unterrichten, Kredite gegeben, wenn auch nicht in folcher Höhe wie an Kutister. Als die Ueberbewertung der Hypo. theken bekannt wurde, feien weitere Strebite nicht gewährt worden. Kutister hat die Stein Bant im Dezember 1920 er. worben. Auf weitere Fragen erwidert der Präsident der Staatsbant, daß Mitte Februar 1924 die Geschäftsverbindung mit Kutister in der Generaldirektion vorgetragen wurde. Die nach dem Mai, wo das Debetfonto Rutisters etwa 10 Millionen erreicht hatte und die Staatsbank teine Kredite an Kutister mehr gab, noch entstandene Erhöhung dieses Debetkontos erfiärt sich dadurch, daß die nicht eingelöften Wechsel in Höhe von 3 Millionen und eine Binsenlaft von 1 Million zu Lasten Kutisters geschrieben wurden, so daß die Gesamtschuld 14 millionen erreichte. Abg. Kuttner( Soz.): Ich frage hiermit die Vertreter der Staatsbant offiziell, ob irgendeinem von ihnen jemals zu Ohren ge tommen, sei es, daß Kutister sich auf politische Verbindun gen berufen hätte, um seine Kredite zu bekommen, sei es, daß eine politische außerhalb des Geschäftslebens stehende Persönlichkeit fich bei der Staatsbank für diese Stredite verwendet hat, sei es irgend ein anderes Moment? Präsident Schröder: Ich gebe die Antwort am besten mit einem runden Nein. In der ganzen Zeit, wo wir mit der Reffung der an Kutister gebenen Gelder beschäftigt waren, haben wir täglich über den Fall aesprochen, aber niemals wurde mit einem Worfe erwähnt, daß die Beranlaffung für die Kreditgewährung die Empfehlung durch irgendeine politische Persönlichkeit gewesen wäre. Auf eine Frage des Borsigenden schildert Präsident Schröder den Werdegang von Rühe und Hellwig. Staatsfinanzrat Dr. Rühe, der jetzt im vierzigsten Lebensjahre steht, trat 1919 von der Reichsbank zur Staatsbant über. Er uneeradain hat die übliche Laufbahn der Reichsbantbeamten durchgemacht, hat studiert und promoviert und wurde im Kriege in der Aufsicht der Banken des besetten belgischen Gebietes be schäftigt. Er hat sich an allen Stellen als ein besonders sorgfältiger, zuverlässiger und tenntnisreicher Beamter bewährt. Dr. Hellwig ist etwa 39 Jahre alt, ist Jurist und 1921 in die Staatsbank als Juftitiar eingetreten, nachdem er vorher als Assessor im Justizministerium beschäftigt war. Sein Uebertritt erfolgte auf besondere Empfehlung des Justiz ministeriums. Nachdem er sich eingearbeitet hatte, wurde er an der Staatsbank nicht nur mit juristischen, sondern auch finanziellen Arbeiten beschäftigt. Der Borsigende faßte darauf das Ergebnis der Verhand lungen zusammen. Auf Antrag des Abg. Stolt( Komm.) wird beschlossen, von der Staatsbank die Geschäftsbedingungen für Oftober 1923, Februar 1924, Mai 1924 und jezt einzufordern, ebenso das Verzeichnis der Kutister Wechsel. Von der Polizei soll Auskunft darüber eingeholt werden, wie Kutister nach Deutschland ge nung befommen hat. Weiter sollen die Aeußerungen vorge tommen ist, wo er sich aufgehalten und wie er seine Woh= legt werden, die der Amtliche Preußische Pressedienst zum Fall Kutister gemacht hat. Weitere Anträge der Deutschnationalen werden bis zur nächsten Sigung zurückgestellt. Die nächste Sigung des Ausschusses findet am Dienstag, den 27. Januar, vormittags 11 Uhr, statt. Eine weitere Sigung ist für Mittwoch vorgesehen. Freispruch im Oberlandprozeß! Wegen hoher Vaterlandsliebe und der milden Urteile gegen Kommunisten... München, 24. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Prozeß gegen die Oberlandführer wurde am Sonnabendvormittag drei Stunden lang hinter verfchloffenen Türen geführt, da die Angelegenheit des Frontbannes zur Sprache tam, in der das Gericht bei hergestellter Deffentlichkeit eine Gefährdung der Staatssicherheit erblickte. Hierauf hielt der Staatsanwalt Full seine Anflagerede. Er wies zunächst darauf hin, daß der Bund Ober. and im Jahre 1923 von der bayerischen Regierung sehr gern gesehen sei, weil er im besten Sinne des Wortes vaterländische Arbeit geleistet hätte. Auch die Angeklagten hätten sich durch ihre vaterländische Betätigung hohe Verdienste erworben und ein leuchten. des Beispiel hoher Baterlandsliebe gegeben. Für das Strafmaß fei außerdem von wesentlicher Bedeutung, daß die Gerichte in den kommunistischen Prozessen der letzten Zeit viel mildere Urteile gefällt hätten als früher, offenbar deswegen, weil die Gefährlichkeit der Kommunisten abgenommen habe. Hier unterbrach der Borsigende mit der Bemerkung, die Gerichte seien immer von der Boraussetzung ausgegangen, daß die gefährlichen Biele der Kommunisten sich nicht vermindert hätten. Zum Schluß beantragte der Staatsanwalt für alle vier Angeklagten je 2 Monate Gefängnis. Nach kurzer Beratung fam das Gericht aber zu einem Freispruch für sämtliche Angeflagte unter Auferlegung der often auf die Staatskaffe. In der Urteilsbegründung heißt es u. a., daß es anfangs zwar den Anschein gehabt habe, als ob der Deutsche Schüßen und Banderbund eine Fortführung vom Bund Oberland gewesen sei. Die Verhandlung selbst habe aber für diese Annahme teinen schlüffigen Beweis erbracht. Der Hamburger Putschprozeß. Die Vernehmung der Angeklagten. Hamburg, 24 Januar.( Eigener Drah bericht.) Der dritte Tag des hamburger hoch verroisprozelles brachte die Bernehmung der angeklagten Bürgerschaftsmitglieder Leon, Effer und Rühl Levy sprach über feine Kinder, Wander- und Kriegs erlebnisse. Nach zweistündiger Rebe gibt er zu den Beschuldigungen felbft an, er habe von nichts gemußt und sei erst bei seinen Ber fuchen, Näheres zu erfahren, auf die Rämpfenden gestoßen. Da habe er ben Rod ausgezogen und fei mitgegongen. Später habe er sich verborgen gehalten und es fei für ihn, als er in den Zeitungen von den Kämpfen las, felbstverständlich gewesen, daß die Kommunistische Partei so etwas nicht gemacht haben tönnte. Zu Beginn der Nachmittagssigung schränkte der Haupangeflagte Urbahns seine frühere Aussagen, daß ein Generalftreit in bewaffnete Aufstände übergehen müsse, dahin ein, daß bewaffnete Rämpfe nicht gleichzusehen seien mit Sturz der Regierung oder der Republit. im Der Angeklagte Effer berichtet bei seiner Bernehmung sodann über die sogenannten Einigungsverhandlungen Hamburger Rathaus, an denen er als einer der Bertreter der Kommunisten teilgenommen hat. Trotzdem will er nicht wissen, wer das Antwortschreiben an den Ortsausschuß des ADGB. gesandt und verfaßt hat. " Der Angeklagte Rühl hat ebenfalls an den EinigungsverhandLungen teilgenommen und hat auch das Antwortschreiben an den Ortsausschuß überreicht. Auch er will nicht wissen, wer das Schreiben verfaßt und unterschrieben hat, obgleich er früher zugegeben hat, daß er mit dem Schreiben bei der verantwortlichen Stelle" zur Unterschrift war. Wiederholt befragt, erklärte der. Angeklagte( der der Vorsitzende der tommunistischen Bürgerschaftsfraktion, der Hauptkassierer des Bezirks Waffertante" und der Borfizende des Aufsichtsrats der Boltszeitung" B. m. b.. war), er habe das Schreiben im Borzimmer zur Unterschrift abgegeben, denn es durfte nicht jeder zu den verantwortlichen Personen. So fönne er auch nicht wissen, wer Verfasser und Unterzeichner fei. Dem Angeklagten wird dann noch vorgehalten, daß er in der Boruntersuchung ausgefagt habe, in der entscheidenden Bersammlung mit Thälmann zusammengefommen zu fein und mit diefem über das Antwortschreiben an den Ortsausschuß und über die Ausnutzung eines erlaufchten Telephongesprächs des sozialdemo fratischen Polizeifenators gesprochen zu haben. Heute erklärte Rühl, daß er die Aussage in der Voruntersuchung nur gemacht habe, um aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Am Montag foll die Bernehmung des leßten Angeklagten Köppen erfolgen. Der Putsch in Chile. Generalsregierung in Chile. Condon, 24. Januar.( Eca) Die chilenische Gesandtschaft in London verbreitet folgendes Kommuniqué: Unter dem Vorsiz der Generäle Datnell und Hortis wurde ein neues Ministerium gebildet. Sämtliche Unterstaatssekretäre haben die Lettung der verschiedenen Ministerien übernommen. Es muß darauf hingewiesen werden, daß trop dieser revolutionären Bewegung in ganz Chile vollkommene Ruhe herrscht. Man glaubt nicht, daß eine Krise von längerer Dauer bevorsteht. Santiago, 24. Januar.( WTB.) Das Militär veröffentlicht eine Rundgebung an das Land, in der es die Rückfehr des Präsidenten Alessandri aus Europa und die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung verlangt. Die Rafifitation des Konforbats fand am Sonnabend im Baherischen Staatsministerium des Aeußern in Gegenwart fåmtlicher Minister, Staatsräte und der Vertreter der Koalitionsparteien zwischen dem Ministerpräsidenten Held und dem Nuntius Pacelli statt Gewerkschaftsbewegung Die Steigbügelhalter! In der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft wird es heute über die Kommunisten nur eine Meinung geben: Rein Arbeiter wird ihnen verzeihen, daß sie in der Bekämpfung der Sozialdemofratie fomeit gingen, um sich mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft, mit den Deutschnationalen und der Boltspartei, zu verbunden. In dem Mißtrauensantrag, den fie gegen die Regierung Braun eingebracht haben, find eine Reihe von bewußt falschen Be hauptungen aufgestellt. Der Gemeinde- und Staatsarbeiter. perband hat in einer von uns veröffentlichten Zuschrift bereits feftgestellt, daß es nicht den Tatsachen entspricht, wenn die fommunistische Landtagsfraktion in ihrem Mißtrauensantrag behauptet, das preu. Bische Staatsministerium habe sich nicht dem Raub des Achtstundentags widersetzt und sei sogar in den Staats- und Gemeindebetrieben mit der Arbeitszeitverlängerung vorangegangen. Der Gemeinde und Staatsarbeiterverband hat festgestellt, daß er mit der preußischen Regierung einen noch gültigen Tarifvertrag abgeschlossen hat, in dem der Achtstundentag voll aufrechterhalten ist. Niemals ist vom preußischen Staatsministerium der Versuch gemacht morden, diesen Vertrag zu durchbrechen. Der Gemeinde- und Staatsarbeiterverband hat weiter festgestellt, daß bezüglich der Löhne das preußische Staatsministerium an die Reichsvorschriften gebunden ist, trotzdem jedoch gewiffe 3ugeständnisse über die Reichssäge hinaus gemacht hat. haben. Was die Betriebsstillegungen und die Erwerbs1ofenfürforge betrifft, so hat das preußische Staatsministerium, fomeit es überhaupt in seiner Macht liegt, helfend eingegriffen. Wir weisen nun auf die Notiz hin, die wir bezüglich der Stillegung der Betriebswerkstätten der Reichsbahn veröffentlicht Was die Steuern und die Dames- Gefege betrifft, fo weiß die kommunistische Landtagsfraktion selbstverständlich, daß das Dinge sind, die durch das Reich geregelt werden und für die das preußische Staatsministerium nicht zuständig ist. Auf die anderen Behauptungen des fommunistischen Mißtrauensantrages einzugehen, lohnt sich nicht. Wir stellen fest, daß die kommunistische Landtagsfraktion troß der berichtigenden Klarstellung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter ihren Antrag voll aufrechterhalten hat und somit im vollen Bewußtsein infame Lügen verbreitet hat. Sie hat diese Zügen verbreitet, um den Parteien, die wirklich gegen den Acht. tundentag fämpfen und für die Niedrighaltung der 2öhne und Gehälter eintreten, zur Regierung zu verhelfen. Wenn die Schlot- und Krautjunter für diesen lügnerischen Antrag der Kommunisten gestimmt haben, so taten sie es gerade deshalb, weil sie den sozialistischen Einschlag in der preußischen Staatsregie. rung, foste es, was es molle, beseitigen möchten. Dazu haben ihnen die Kommunisten verholfen. Nun hat das Drgan der KPD. die Stirn, von den Gewerkschaften zu verlangen, sie sollen ihre Macht außerparlamentarisch und in einem Rampf mit allen Mitteln" den kommunistischen Steigbügel baltern der Reaktion zur Berfügung stellen. Schluß mit allen bürgerlichen Regierungen", sagen fie, nachdem sie einer Rechtsregierung im Reich und in Preußen die Steigbügel gehalten haben.„ Die Herrschaft in die Hand der Arbeiter das muß die Parole der deutschen Arbeiterschaft sein." Unter einer Arbeiterregierung" verstehen die Rommunisten natürlich nicht eine sozialistische Regierung, auch nicht eine Regierung von Sozialisten und Kommunisten, sondern eine rein fom munistische Regierung. Nun haben die Kommunisten im Reich mie in Preußen noch feine 10 Prozent der Stimmen bekommen. Benn diese Stimmenzahl leider noch immer viel zu groß ist und aus. reicht, um eine Linksregierung zu verhindern, oder ihr das Leben schwer zu machen, so wird schließlich selbst der beschränkteste Kommunist nicht behaupten, daß die 44 Klamaufbrüder im preußischen Landtag und die 45 Schreier im Reichstag ausreichen, um eine fommunistische Arbeiterregierung" zu bilden. Rein Romanumift fann auch glauben, daß die Gewerkschaften, nach dem, was sich die Kommunisten jetzt im preußischen Landtag geleistet haben, für die KPD. etwas anderes empfinden können, als Verachtung und 3orn. Die Kommunisten haben sich öffentlich als die Steigbügelhalter der Reaktion demas. fiert. Und das ist gut fo. Die Arbeiterschaft wird sich, soweit sie bisher noch an die Kommunisten geglaubt hat, von ihnen mit Etel abwenden und sich geschlossen um die Fahne der Sozialdemokraten scharen. Bezirksverband Berlin GPD. Allgemeine fommunale Konferenz Montag, 26. Január, abends 7 Uhr, im Stadtverordnetenfißungssaal des Berliner Rathauses. Tagesordnung: ,, Die parteien im Rathause.- Berliner Kommunalpolitit.“ Referenten: Stadtv. Wilhelm Reimann, Bürgermeister Robert Rohl. Daran nehmen feil: Alle SPD.- Stadt- und Bezirksverordneten, Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder, die Mitglieder des Bezirksvorstandes und die Mitglieder der fommunalen Kommissionen. Das SPD. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Zwei- oder Dreischichtensystem. Der Deutsche veröffentlicht in seiner Freitagnummer eine Mit teilung über die Verordnung zur Wiedereinführung des Dreichichichtensystems in der Schwerindustrie Diese Mitteilung gibt jedoch nicht den offiziellen Text der Berordnung gleichzeitig mit der Mitteilung ihres Erlasses durch die Reichsregie wieder. Es ist überhaupt überraschend, daß die Berordnung nicht rung veröffentlicht worden ist. Die Mitteilung im Deutschen" ist zu ungenau, um ein endgültiges Urteil über die Verordnung zu ermöglichen. Wir erwarten, daß der Text der Verordnung unverzüglich veröffentlicht mird oder daß mindestens eine authentische Mitteilung durch das Reichsarbeitsministerium der Preise zugeht. Wir möchten aber heute schon sagen, daß die Arbeiterschaft auf feinen Fall einen Versuch zulassen wird, das Zweischichtensystem durch Hinter türen wieder einzuführen. Wir möchten auch weiter betonen, daß der Art. 7 der Arbeitszeitverordnung auch für die anderen gesundheitsschädlichen Industrien eine entsprechende Berordnung verlangt. Im übrigen wird der demnächst im Reichstag zur Verhandlung kommende Antrag der Sozialdemokraten auf Erlaß eines Arbeitszeitgefezes darüber Klarheit schaffen, ob die allgemeine Rückkehr zum Achtstundentag durch die Gesetzgebung vollzogen wird, oder ob fie durch einen Bolksentscheid erzwungen werden muß. Die Aussperrung in der Chirurgiemechanik. Bie der Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Genoffe Rahmann, gesterr in einer Branchenversammlung mit teilte, haben sich die Unternehmer dem Aussperrungsbeschluß ihrer Organisation feineswegs vollzählig angeschlossen. 3ur Stunde wer den etwas über 1000 Ausgesperrte gezählt. Die Orthopädie- und Bandagenbetriebe und einige größere Firmen der chirurgischen Branche arbeiten weiter. Die Inhaber dieser Firnten sind mit dem Vorgehen der Scharfmacher im Unternehmerlager absolut nicht einverstanden. Man hat jedenfalls schon die Feststellung gemacht, daß man sich in der befannten Sackgasse befindet. Zur Tariflage im Bankgewerbe. Der deutschnationale Handlungsgehilfenverband verbreitete in einem Teile der Tagespreise, besonders aber durch Blafatnachrichten, Nachrichten über höhere Gehälter im Banfgewerbe. Die Folge davon ist, daß überall angenommen wird, die Gehälter der anfangestellten feien gegenüber dem Dezemberſtand erhöht worden. Das ist, wie der Allgemeine Verband der deutschen Bantangestellten mitteilt, nicht der Fall. Es ist lediglich ein Schiedsspruch vom Arbeitsministerium gefällt worden, der aber deshalb für die praktische Bestaltung der Gehaltsverhältnisse im Banfgewerbe voiltommen beteutungslos ist, weil der deutschnationale Handlungs gehilfenverband im Banfgewerbe faum Mitglieder zählt. Das Schiedsverfahren für den Allgemeinen Berband deutscher Banfangestellten, der für das Bantgewerbe zuständigen Orgamsation, steht noch aus. Der Deutsche Bankbeamtenverein hat inzwischen, dem Drängen feiner Mitglieder nachgebend, seinen Antrag auf Verbindlichkeitserklärung des mit dem Reichsverband der Banfleitung im Dezember abgeschlossenen Abkommens zurückgezogen. Der allge meine Verband erhob bekanntlich von vornherein gegen dieses Abfommen Einspruch. Aussperrung der Handwerker der Mitropa". Für den Monat Dezember 1924 geftand die Direktion der Mitropa" nach langem Sträuben den Handwerkern einen Stundenlohn von 75 f. 8u. Die in Frage kommenden Organisationen, der deutsche Holzarbeiterverband, der deutsche Metallarbeiterverband, Verband der Maler und Lackierer sowie der Ver. band der Sattler und Portefeuiller, stellten für Januar 1925 die, Forderung einer Lohnerhöhung. Der Lohn des Handwerkers solite 95 Pf. betragen. Die Direktion lehnte jede Lohnerhöhung ab, weil fie annahm, durch lange Arbeitszeit, 9 und 10 Stunden, auch Sonne tagsarbeit, fónne das Einkommen beliebig gesteigert werden. ilm so mehr war die Direktion überrascht, als nun eine Bollversammlung der Handwerker beschloß, feine Ueberstunden mehr zu leisten, und diesen Beschluß auch durchführte. Es fennzeichnet das foziale Verständnis der Mitropa" für die wirtschaftliche Lage ihrer Handwerker, wenn sie diese nach VerDer den weigerung der Ueberstunden sofort aussperrte. Herrenstandpunkt aufgegeben werden muß. So lange das nicht der durchgeführt werden, bis auch die Mitropa" erkennt, daß der Handwerfern von der Direktion aufgezwungene Kampf wird nun Fall ist, geiten die Betriebswerkstätten der Mitropa" von Berlin und Umgegend als gesperrt. Jede Arbeit, welche in dieser Zeit an den Wagen der Besellschaft geleistet wird, ist als Streif arbeit anzusprechen. Aussperrung bei der Fahrzeugfabrik F. G. Diffmann, Wiffenau. Das einseitige Diftieren der Affordpreise, wollten die dort Bea schäftigten nicht anerkennen. Nach dem System, wer nicht pariert, der fliegt, wurden sofort alle entlassen, welche die Unterschrift als Anerkennung des Diktates verweigerten. Darunter auch der Obmann des Betriebsrates. Da die Gesamtbelegschaft gegen das Vorgehen der Firma proteftierte, wurde die Ent Tassung der Gesamtbelegsaft verfügt. Einem Ersuchen der beteiligten Organisationen, des Deutschen Holzarbeiterverbandes und des Deutschen Metallarbeiterverbandes, um eine Aussprache begegnete die Firma mit entschiedener Ablehnung. Der Betrieb ist gesperrt und jeder Zuzug fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Deutscher Holzarbeiterverband. Bei den Neuwahlen der Kölner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde die Liste der Amsterdamer Richtung mit allen gegen 2 Stimmen gewählt. Die Kommunistische Partei verfügte über so wenig Vertreter, daß ihr die Aufstellung einer eigenen Kandidatenliste vollkommen unmöglich war. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich füle Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales unb Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Sh. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdrudere und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 4 Beilagen und unterhaltung und Wissen". SCHEUER- PULVER Was die Unternehmer mit der Aussperrung beabsichtigen, ist nicht recht ersichtlich. Sie geben sich offenbar der irrtümlichen Meinung hin, die 100 Streifenden der Firma Adam Schneider wieder in den Betrieb zu zwingen. Das werden um so weniger erreichen, als dieser Streit einen durchaus lo falen Streitfall in der tariflosen Zeit darstellt, wobei noch zu beachten ist, daß die Unternehmer es mehrfach abgelehnt haben, mit dem Metallarbeiterverband zentral zu verhandeln Die Arbeiter und Arbeite rinnen der chirurgischen Branche haben bisher in ihren Verdienstmöglichkeiten eine ziemlich große Geduld gezeigt. Jetzt, wo die Unternehmer offene Kampfmaßnahmen ergriffen haben, werden fie HORTAXIN- WERKE, BERLIN ihre Arbeiter auch von der anderen Scite fennen lernen. 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Es wird gewiß nicht wenige geben, die nicht wissen, in das Schloß über, und seine Dokumente wurden in jenem Teil des Schloffes untergebracht, den man den Grünen Hut" nennt. welchen Zweden das stattliche Haus dient, und die keine Ahnung Der erste, eigentliche Archivbeamte erscheint erst 1598. Es war davon haben, welch unerfäßliche Schäße auf Papier und Bergament Erasmus Cangenhaim. Die Geschichte, die zu diesem ersten Archivunter feinem Dach lagern. In diesem Haus in der Archivstraße in beamten führt, ist furios und, wenn man will, zugleich pitant genug. Dahlem enthüllt sich einem die Geschichte Preußens ohne Schleier Der Kurfürst Johann Georg, der von 1525 bis 1598 lebte, und Schminke, man tann gewissermaßen einen Blid hinter die Rus Tiffen tum. Einen eigentümlichen Reiz bedeutet es, bei einem Rundgang durch das Archiv diese Schätze der Bergangenheit vor fich aus. gebreitct zu sehen und einen, wenn audf nur flüchtigen Blid in Schriftstüde zu tun, die vor vielen hunderten von Jahren verfaßt wurden. Das neue Heim in Dahlem. Bor zwei Jahren, allo in einer Zeit, als das wirtschaft. fiche Leben Preußens und Deutschlands sich auf sehr schwankenden Füßen befand und der Dollar immer höher tletterte, wurde der Neubau in der Archiostraße in Dahlem errichtet. Man war also Damals gezwungen, die größte Sparfamleit beim Bau walten zu laffen, mußte auf jeden Schmud und jeden Schnörkel verzichten. So entstand ein Haus, lediglich seiner Ruzbestimmung entsprechend aus. gestattet, aber darum doch nicht nüchtern in seinem Aussehen und in seiner Architektur. Das Haus in Dahlem ist der Typ des modernften Archivbaus, den wir überhaupt in Deutschland besitzen. Die zurüdliegende Front zeigt nur ein Stodmert, und zu beiden Seiten springen Flügel nach der Straße vor. Betritt man das Haus, so öffnet sich einem zunächst ein geräumiger Treppenflur, in dem die Büste Georg Wilhelm D. Raumers aufgestellt ist. eines verdienstvollen Mannes um die Staatsarchive, der von 1843 bis 1851 Direktor jämtlicher Archive war und die Trennung von Staats- und Hausarchiv der Hohenzollern vornahm. Im Parterre liegen die Bureauräume fewie die Telephonzentrale und Wartezimmer. Auf einer breiten, gewundenen Steintreppe geht es hinauf in den ersten Stod. Hier befindet sich die Bibliothet mit 40 000 Bänden, mit Büchern in der Haupfache, die Beziehung haben auf das Archiv und feine Sammlungen. Hier liegt auch der Ccfefaal, einfach und zwed. mäßig ausgestattet. Außer ein paar Bureauräumen befindet sich dann im ersten Stod noch, untergebracht in mehreren Räumen, das Re. gister und der Ratalog des Archivs. Hinter dem Hauptgebäude und verbunden mit ihm durch Gänge liegt das Gebäude, in Dem die Archivsammlungen untergebracht sind. In fehs Stodmerten -die einzelnen Stodwerte find aber, ähnlich den Zwischenstoden, niedrig, so daß dieses Haus und fein Dach über das Borderhaus nicht hinausragen befinden sich die Sammlungen des Archivs. Steht man in einer Etage und fieht den fangen Gang hinunter, zu beffen Seite fich Regal neben Regal reiht, fo erhält man einen geradezu imponierenden Eindrud, und es fieht aus, als ob diefer lange, schmale, mit Linoleum belegte Gang fich bis meit, weit hinaus und in bie Ewigkeit hinein fortsetzt und verlängert. Zwar vermag man nicht anzugeben, wieviel Schriftstüde, Dokumente und Urfunden in diefem Haus von Stein und Eisen lagern. Aber man befommt gewiß einen guten und überzeugenden Eindruck von der Fülle der Schäße, wenn man erfährt, daß fämtliche Regale, würde man sie nebeneinander ftellen, einen Weg von 27 kilometern ergeben. Sparfamteit mußte, wie gejagt, beim Bau des Hauses walten, und diese Sparsamkeit bedingte es auch, daß das Haus mit den Archiv häben ohne Heizung ist. Für den, der hier arbeiten muß, eine peinliche Sache im Winter. Die Faffade zeigi teinerlei Schmud, nur breite, abgeblendete Fenster, und zwischen den einzelnen Fen ftern fleine Borsprünge, mit niedrigem Gitter versehen, dazu be. stimmt, um die Atten und Schriftftüde entstauben zu fönnen. Und noch eine Eigentümlichkeit des Gebäudes sei nicht vergessen. Es gibt teine zweite Behörde in Breußen, in der, wie im Geheimen Staatsarchio ein so strenges Rauchverbot erlaffen ist und auch befolgt wird. Einer der wissenschaftlichen Beamten des Archivs, Herr Dr. Poiener, der zugleich Hauswart ist, hält auf das ge. naueste auf Innehaltung der Verordnung. Generaldirektor ber Preußischen Archive und in dieser seiner Eigenfhaft auch Leiter des Breußischen Geheimen Staatsarchips ist Herr Geheimrat Kehr. Diese Stellung nahm vor ihm lange Jahre hindurch Geheimrat Rojer ein, der bekannte Verfasser der Geschichte Friedrich des Großen. Der große Kompler des Geheimen Staatsarchips und die vielen Arbeiten, die hier zu erledigen sind, werden von nur sehr wenigen Beamten ausgeführt. Eigentlicher Leiter und Direktor des Archivs ist der Archivdirettor Dr. Klintenburg, und neben ihm find noch zwölf wissenschaftliche Beamte tätig. Bureaubeamte sind nur drei vorhanden, und der Abbau hat auch hier feinerzeit Opfer gefordert. Die wiffenschaftlichen Beamten, die in den meisten Fällen Historie und Archivwissenschaften studiert und ein sehr gründliches Studium hinter sich gebracht haben müssen, er. halten in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit das fürstliche Gehalt von 100 Mart im Monat. Man sieht, es gehört, weiß Gott, viel Liebe zur Sache, um sich diesem Studium und Beruf zu widmen. Die ein wenig ertreme Lage des Staatsarchivs bedingt es, daß die Beamten in der Nähe, und zwar in Steglitz, wohnen. Die Geschichte des Archivs. Wie alt das Archiv ist und an welchem Tage es gegründet worden ist, kann man heute mit Bestimmtheit nicht fagen. In einer Urtunde aus dem 13. Jahrhundert wird zum ersten Male erwähnt, daß Brandenburgishe Markgrafen Befehl gegeben haben, Urfunden aufzubewahren. Diese Urkunden, die den Grundstock des jeßigen Breußischen Geheimen Staatsarchivs bilden, wurden im Dom zu Stendal aufbewahrt. Es waren politische Schriftstüde, Berträge mit Rachbarstaaten und Ländern, Kaufverträge und Testamente her Herrscher. Auch im Mittelalter wurden die Dokumente des Archips in Rirchen und Röfter untergebracht, da man die Burg der CHEE STINYS PRE Papstsiegel vom Jahre 1191 int Die Urkunde des Tilsiter Friedens hatte aus erster Che einen Sohn, den späteren Kurfürsten Joachim Friedrich, den Begründer des Joachimthalfchen Gymnasiums. Johann Georg verheiratete sich aber dann noch einmal, und aus dieser zweiten Ehe entsproffen nicht weniger als 23 Kinder. Die Mutter diefer 23 Kinder hatte mit allen Kräften dafür gesorgt, daß der Bater seine 23 Kinder reichlich versorgte und jedem von ihnen Teile der Mart als Erbteil ausfezte. Als Johann Georg num gestorben war, gefiel dem Aelteften dieses Testament natürlich nicht. Er ließ zunächst einmal alle die Räte verhaften, die dem Kurfürften bei der Abfassung des Testaments zur Seite gestanden hatten. Zugleich beauftragte er feinen besten Freund, den Erasmus Langenhaim, das Testament im Archiv zu suchen. Aber alle Bemühungen waren ver gebens, und es fonnte auch nicht gefunden werden, weil die ver mitmete Kurfürstin das Testament einfach mitgenommen hatte nach ihrer Heimat Ansbach. Viele Jahre später erft fam es von dort in bas Archiv zurüd. Dieser Zwischenfall gab Beranlaffung, daß Eras. mus Bangenhaim offiziell als Beamter des Archivs angestellt und zugleich verfügt wurde, daß auch in Zukunft besondere Archivbeamte ihres Amtes walten sollten. Unter dem Großen Kurfürsten wurde das Archiv neu organisiert, und dem Archivbeamten Christoph Schönbed, einem bärbeißigen Mann mit einem ebenso fragbürftigen Diener, gebührt das Berdienst, eine fyftematische Sammlung angelegt zu haben. Während des Dreißigjährigen Krieges, in jener Zeit, da in Deutschland und Preußen alles drunter und brüber ging, befand sich das Archiv in Spandau, dann wieder in Rüstrin, bis es 1804 wieder in das frühere Königliche Schloß fam. Es war nun das Archiv des Auswärtigen Amtes bis zum Jahre 1876, dann 27 Kilometer Urkundenregale wurde es mit dem Archiv der Ministerien, dem fogenannten Minifterialarchiv, vereinigt und in einem Neubau in der Klosterstraße untergebracht. Dieser Neubau erwies fich schließlich als zu eng und beschränkt, wichtige Dokumente und Urfunden lagerten auf Böden und im Keller, und so mußte schließlich das neue Haus in Dahlem errichtet werben. Eine ebenso schwierige mie heitle Arbeit war ber Il mzug der Dokumente und Schriftftüde, und eine riesige Anzahl von Möbelwagen war notwendig, um die Schäße von der Klosterstraße nach Dahlem zu transportieren. Das Preußische Ge heime Staatsarchiv ist jetzt das Archiv für die Preußischen Zentral behörden, d. h. also für die Ministerien und die Preußischen Staats verwaltungen, das sind also die Oberpräsidien und die Regierungen. In jeder Provinz befindet sich also ein Archiv; insgesamt gibt es in Preußen 16 Staatsarchive. Nach der Revolution ging das Archis in Bosen verloren; feine Schäße sind von den Polen ein behalten worden, während von dem Archiv in Danzig Teile nach Berlin gerettet werden fonnten. Wenn heute eine Behörde, ein Ministerium z. B., wichtige Aften abgelegt hat, so werben sie dem Staatsarchiv überwiesen, meistens tommen zehn bis zwölf Möbelwagen mit Utten an, und von den Beamten des Archivs wird dann die Sichtung und Sammlung vorgenommen. Vor einiger Zeit wurden dem Geheimen Staatsarchiv auch die preußischen Militäratten bis zum Jahre 1866, die die Kleinigkeit von 70 Möbelwagen füllten, überwiesen. Das Archiv gibt heute Antwort darüber, wie ein Rauf, oder wie ein Gesez entstanden, es gibt Auskunft über die Rechte bes Bersonenstandes, es tlärt auf über Eigentumsangelegenheiten, Grenz- und Polizeifachen. Viele der ältesten Schrifftüde werden nicht selten immer wieder und bis auf den heutigen Tag hervorge hoft und Gutachten als Beweis zugrunde gelegt. Das Archiv kann von jedem, der ein Interesse daran hat, sei es auf dem Gebiete der Personenstandsangelegenheiten oder der Eigentumsangelegenheiten benuht werden. Eine generelle Erlaubnis ist zwar vorher einzuholen. doch wird sie stets in loyaler Weise erteilt. Schäße auf Papier und Pergament. Es ist selbstverständlich nicht möglich, auch nur annähernd einen Begriff davon zu geben, was alles an Dokumenten, Aften, Teftamen ten und Konduitenlisten hier lagert. Es tommen dazu Tausende von Candkarten und Forstkarten. Ueberaus groß und überaus wichtig ist die Urkundensammlung. Biele der Ürfunden sind durch die Länge der Jahrhunderte so brüchig geworden, daß fie durch Seldenfchleier vor dem vollständigen Verfall gefchützt werden müffen. mit solchen Seidenschleiern auf das sorgfältigste überflebt, iſt, zum Beispiel, eine der ältesten Urkunden des Archivs, eine Bulle des Papstes Cöleftin III. aus dem Jahre 1191. Nicht minder wichtig und von höchstem historischen Wert ist das Original des Tilsiter Friedens. Es befindet sich in einer Mappe, deren Dedel mit hellblauem Samt überzogen ist, an den Eden Schmuckstücke und in der Mitte ein großes, maffines N. aufweist.( Dieses ist das französische Original, das deutsche befindet sich in Paris.) Mit dem Interesse, das jeder an vergangenen Zeiten hat und namentlich an Zeiten, die von fo ausschlaggebender Bedeutung gewesen sind wie der Liffiter Friede, blidt man in das Dokument, das die Namen der damaligen preußischen Minister enthält, und zwischen ihnen, steil nach oben gerichtet, in fleiner, fast möchte man sagen, frizliger und tradeliger Handfchrift, den Namen Napoleon. Ein mächtiges Siegel aus achs, das in einer großen, blanten Kapfel ruht, hängt an die Daneben fann man Einblid tun in ein ebenso fem Dokument. wichtiges Dokument, den Mitolsburger Frieden. Die Archivverwal tung hat, um diese unersetzlichen Schäze schonend zu behandeln, be fondere Mappen aus Pappe angefertigt, in denen fie neben den anderen Staatsverträgen in besonderen Schränken ruhen. Und dann noch eins: Ein besonderes Kuriosum und ein besonderes wertvolles aus dem Geheimen Staatsarchio. Es ist ein dicker Foliant, in Schweinsleder gebunden. Auf den einzelnen Blättern dieses Buches befinden sich furze, aftenmäßige Auszüge aus den Eingaben und Bittschriften, die seinerzeit Friedrich dem Großen vorgelegt wurden. Und daneben, am Rande, mit einer Handschrift, die merkwürdig unbeholfen anmutet, die eigenhändigen Randbemerfungen Friedrich des Großen. Seltsame Dinge fiest man da, die bezeichnendes Licht werfen auf Art und Gesinnung dieses Preußen fönigs. Und mit Erstaunen und einem Lächeln auf den Lippen nimmt man Runde davon, welch' merkwürdige Orthographie der Alte Frizz schrieb, der das h in den einzelnen Worten an die felthamsten Stellen jetzt, und dem es gar nicht darauf ankommt, Eigennamen mit einen Anfangsbuchstaben zu schreiben. Da findet man am Rand, von der Hand Friedrich des Großen hingefchrieben: Kein Geld!, Wird nicht bewilligt, Geh' er ans Gericht! Ein Haupt mann v. Bassemiß, der wegen seiner Heirat aus der Armee ausge schieden war, und der dann, als die Heirat in die Brüche ging, wieber Offizier werden wollte, erhält von Friedrich dem Großen die Randbemerkung: Die Armee ist tein Bordell". Einer der Nach fahren des Alten Friz, genannt. II. hat bekanntlich diese Art Randbemerkungen auf Schriftftüden nachgemacht. Sie find aber auch danach. Das ist in furzen Zügen das Breußische Geheime Staatsarchiv. Aber sein Wesen und seine wichtigkeit, seine Bedeutung und die Fülle seiner Urkunden und Testamente tonnten hier natürlich nur mit ein paar turzen Strichen ffizziert werden. Eine merkwürdige Landkarte. Man schreibt uns: Bor mir liegt eine Reisefarte des Nord. deutschen Lloyd von Europa( figniert W. I. 624 T M); zum befferen Verständnis des Publikums, auf das man redet, ist alles in englischer Sprache eingetragen. Die Grenzen der europäischen Staaten sind auf Grund des Versailler Friedens einge zeichnet, allerdings so ungenau, daß Genf in Frankreich, Straßburg in Deutschland, Aachen in Belaien, Bofen und Bromberg in Deuilchland liegen. Um polnischen Korridor steht groß„ Russia", der Name Polen" tommi nicht vor; in Jugoflawien( auch dieser Name fehlt) steht ,, Hungary" mit der Hauptstadt Belgrad; quer durch Rorbitalien, Deutschösterreich und Ungarn steht Austria", " Btam farm ja folchem schematischen Reiseplan manches zugute hatten, aber hier muß man fich doch nach der Kulturpropaganda" unter ausländischen Reifenden fragen, denen solche Karten in die Hand gegeben werden. Hält man die Ausländer für so dumm, für geo. graphisch und politisch so ungebildet? Oder will der Norddeutsche Lloyd zum Ausdrud bringen, für uns existieren Polen, Jugos flawien, Tschechoslowakei( dafür steht: Bohemia) nicht? Bill man mit Straßburg, Posen, Bromberg ,, moralische" Eroberungen machen ( um den Preis von Aachen)? Die Ziehung der Grenzlinie fann Flüchtigkeit sein, aber die Eintragung der Ländernamen bzw. die Weglassung der Ländernamen auch? Was soll der Zwed einer folchen Karte jein? Will sich das genannte Bertehrsunternehmen Damit selbst in der Beurteilung durch die Oeffentlichkeit herab fegen?" Die Staakener Meineidsaffäre. Haftentlaffung der Schwester Mathilde Mehger. Die Statener Meineidsaffäre, die feit langem die Deffentlichkeit beschäftigt, hat wiederum eine überraschende Wendung genommen. Wie erinnerlich, war der frühere Stadtrat Eggert Dom Schwur gericht III zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Meineids verurteilt worden. Nachher wurde dann auch der Krankenschwester auch der Krantenschwester Mathilde Megger der Prozeß gemacht, weil sie mit Eggert zusammen falsch geschworen haben sollte. Dieser Prozeß gestaltete fich gewissermaßen zu einer Art Wiederaufnahmeverfahren für den nach wie vor seine Unschuld beteuernden Eggert. Die an Zwischenfällen reiche Schwurgerichtsverhandlung gegen die Strankenschwester wurde im lezten Augenblick vertagt, da beschlossen wurde, Beugen in Südamerika vernehmen zu lassen. Das Gericht hatte die Kranten schwester jedoch in Haft belassen. Die Rechtsanwälte Dr. Pindar, Dr. Johanny und Dr. Ba ed er hatten nunmehr einen eingehen den begründeten Haftentlassungsantrag beim Gericht gestellt. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Berdachtsmomente gegen die Angeklagten wesentlich herabgemildert worden seien, da die Aussagen Der Hauptbelastungszeugen in den beiden Prozessen start erschüttert roorden seien. Außerdem aber war auch auf den schwer gefährdeten Gesundheitszustand der Angeklagten verwiesen worden. Staats anwaltschaftsrat Ramlau, der die Antiage bisher vertreten hatte, hatte die Ablehnung der Anträge gefordert. Nunmehr hat jedoch bie Beschlußkammer des Schwurgerichts unter Borsitz von Landgerichts direktor Dransfeld zu dem Antrage der Berteidigung Stellung ge* nommen und hat auf Grund eines Gutachtens des Gefängnisarates Medizinalrat Dr. Thiele, der mit Hilfe eines Röntgenbildes bei der Krankenschwester doppelseitige schwere Nieren- und Lungentuber fulofe festgestellt hat, die Angellaate wegen Gefährdung ihrer Gesundheit cus der Haft entlassen. Mathilde Megger ist gestern nachmittag ohne Raution auf freien Fuß gefeßt worden. Zwei Straßenbahnunfälle. An der Haltestelle Haupt. Ede Grunewaldstraße er eignete fich ein Straßenbahnunfall. Ein Wagen der Linie 65 fam Ein Wagen der Linie 65 tam den steilen Weg der Hauptstraße herab in voller Fahrt angesauft und fuhr auf den vor ihm stehenden Straßenbahnzug der Linie 24 auf. Die hintere Blattform des Anhängers der Linie 24 wurde eingedrückt, die Sie wurden ineinandergeschoben. Der Anhänger selbst drückte den hinteren Teil des Borderwagens ein, so daß es fechs Swerverlette und etwa 30 Leichtverlette gab. Das Unglüd ereignete sich um 7.45 Uhr. An dieser Haltestelle haben fich schon wiederholt Unglüdsfälle ereignet. Es ist vor dem Kriege in der Mitte der Hauptstraße eine polizeiliche Haltestelle gewesen, weil auch damals fchon ähnliche Unglüidsfälle vorgelommen find. Es ift an der Zeit, daß die Polizei ernste Maßnahmen trifft, durch die an diesem Kreuzungspunft weiteres Unglüd vermieden wird. Ein anderer Zusammenstoß erfolgte an der Ede Invaliden und Heide Straße zwischen einem Srtaßenbahnwagen der Linie 44 und einer Droschte. Die Führerin der Droschke Berta Bromberg und die Infaffen Frau Erna Bielinsti, Alt- Moabit 61, und ihre Tochter Ursula wurden herausgeschleudert. Lettere murde zur Rettungsstelle und dann in ihre Wohnung gebracht. Justiz auch an Schwerkranken? entlassen wird, stirbt er im Gefängnis, bevor die neue Berhandlung| rauben. Die Mordkommission fahndet nach ihm mit einem großen stattfindet, von der man doch nicht wissen kann, ob sie nicht das Aufgebot von Beamten. besonders auch in Lokalen, in denen Polen zu verkehren pflegen. Bild bedeutend zugunsten meines Mannes ändert." Doppelmord an Mutter und Kind. Der Täter aus Berlin. Mit ihrem dreijährigen Söhnchen wurde am 13. Januar in Bosen die 31 Jahre alte Witwe Hulda Stolinski, geb. Redefor, ermordet. Mutter und Kind wurden durch Hammerschläge der Schädel zertrümmert. Als der Mörder ist ein 29 Jahre alter Baut Brill festgestellt, ein Schwager der Ermordeten, der aus Schubin stammt. Brill arbeitete früher in Deutschland und hielt sich auch wiederholt in Berlin auf. Bon hier aus fuhr er nach Bojen und wohnte furze Zeit bei seiner Schwägerin. Nach dem Berbrechen ift er wahrscheinlich nach Berlin zurüdgefehrt, um hier unterzutauchen. Prill ist 1,65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, einen fleinen englisch geftugten Schnurrbart und ein längliches Ge ficht mit einer Schußnarbe an der linken Seite und trug, als er die Flucht ergiff, einen grauen Jadettanzug, eine braune Mühe und wildlederne Sportschnürschuhe. Mitteilungen über sein Auftauchen nimmt Kriminalfommiffar Quos, Dienststelle E. I. 19. im Bolizei nimmt Kriminalfommiffar Quos, Dienststelle E. 1. 19. im Bolizei präsidium Berlin entgegen. Brotlofe Angestellte und Arbeiter. Die Leidtragenden in der Spriffchieberaffäre. Nach Aufdeckung der großen Spritschiebungen wurde in den beteiligten Werfen der Hermann und Heinrich Beber, den Deut. fchen Spirituosen werfen A.-B. in der Gneisenaustraße 41 und der Süddeutschen Wein und Spirituosenver triebs- G. m. b. 5. in Tempelhof noch weiter gearbeitet. Diefe Bertriebsgesellschaft ist indessen bereits rechtskräftig geschlossen morden. Auch gegen die Spirituofenwerte in der Gneisenaustraße hatte die Handeiserlaubnisstelle der Abtellung W. des Bolizei präsidiums ein Handelsverbot erlaffen. Wie bekannt, hatte er mann Weber die Erlaubnis erhalten, utter Aufsicht von Ge fängnisbeamten in der Bnelsenaustraße geschäftlich zu arbeiten. Diefe Gelegenheit benußte er zur Flucht. Die Möglichkeit, daß auch in Abwesenheit der beiden Weber Berstöße gegen die geseh lichen Bestimmungen vorkommen fönnten, gab Beranlaffung zu dem Handelsverbot. Gegen diefes wurde Einspruch erhoben. Dar auf hin fand bei der Handelserlaubnisstelle des Bolizeipräsidiums eine Spruchfizung statt, die 4 Stunden dauerte. Den Vorsitz führte Polizeirat Kreyfing. Als Beisiger und Sachverständige nahmen Ber treter der Probuzenten, Berbraucher und Gemertfchaften an der Sigung teil. Als Zeugen waren Bertreter des Sentralfinanzamtes, des Becliner Finanzamtes und des Reichs monopolamies erschienen. Die Rechtsvertreter der Weberschen Werte legten eingehend alle ihre Bedenken gegen die Aufrechterhaltung des Handelsverbotes und die Schließung auch der Spirituofenwerte in der Gneisenaustraße dar, darunter auch die Rüdfichten auf die Angestellten und Arbeiter, die bei einer Schließung broflos werden würden. Nach eingehender Erörterung aller Gesichtspunkte, die in Betracht kommen fönnen, bestätigte je dech die Spruchkammer das von der Handelserlaubnisstelle des Bolizeipräsidiums erlassene 5 andelsverbot. Die Schließung der Deutschen Spirituosenwerte 21.-G. in der Gneisenaustraße wurde auf den nächsten Montag, den 26. D. M., anberaumt. Auf Anregung des Finanzamtes Berlin und des Reichsmonopolamies wird aber unmehr daran gedacht, die Werte in der Gneisenaustraße unter der Aufsicht eines von der Handelskammer Berlin zu ernennenden Vertrauensmannes weiterarbeiten zu laffen. Unter. dieser Aufsicht würden Berstöße wohl ausgeschlossen sein. Die Ent scheidung über diesen Borschlag wird wohl noch heute oder morgen fallen. Gegen die Entscheidung der Spruchfammer ist auch noch die Beschwerde beim Oberpräsidenten zulässig. Der Mord in der Elisabethstraße. Zu dem Mord in der Elisabethstraße wird mitgeteilt, daß der polnische Toni" noch nicht ermittelt und daß auch feine Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist. Der Berfolgte ist etwa 36 Jahre alt, 1,68 Meter greß und breitschultrig. Er hat ein auf. geschwemmtes Geficht, fieht verlebt aus, hat dunkelblondes, oorn besonders fenntlich an Drüsennarben am Halje, die namentlich dann, wenn er figt, deutlich zu fehen find. Am Gelent einer Hand fol er auch tätowiert sein. Er trägt einen dunkelblauen Jadettanzug und eine grüne Stridjace unter dem Jackett. Daß ein Raubmord Dorliegt, ist wohl nicht mehr zweifelhaft. Frau 3 muda besaß eine Aftentasche, die fie, wenn fie ausging, ständig bei sich trug. In ihr bewahrte sie ihre Ersparnisse auf. Die Tasche ist ver schwunden, ebenso die Uhr der Ermordeten. Was sonst noch geraubt ist, steht noch nicht fest. Frau 3muda wollte, wie schon er wähnt, ihren Geliebten, der sich von ihr ernähren ließ und sie dafür fortgesetzt mißhandelte, mit Füßen trat und an den Haaren durch Stube und Küche schleifte, aus der Wohnung entfernen, um sich von ihm zu befreien. Der polnische Toni" wußte das und faßte daher den Plan, seine Geliebte zu ermorden und zu be. möchte ich I Bon einer Härte der Justizbehörden gegen einen Schwer ftanten, bet wegen Hehlerei verurteilt worden ist, wird uns von der Frau eines Berurteilten geschrieben: Mein Mann leidet angelichtetes Haar und einen furzgeschnittenen Schnurrbart und ist offener Lungentubertulose. Der Gefängnisarzt in Spandau ordnete infolgedessen seine sofortige Aufnahme in das Lazarett an. Da mein Mann gegen das Urteil Berufung eingelegt hat, wurde er nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit gebracht. Sein Zustand verschlimmerte fich hier bermaßen, daß er fidh kaum noch auf den Füßen halten tann. Ein Entlassungs. antrag wurde abgelehnt. Fluchtverbacht liegt nicht vor, denn mein Mann ist seinerzelt felbft zu dem Termin gegangen, in dem er verurteilt wurde. Obwohl ich selbst einen zweiten Haft entlaffungsantrag gestellt habe, erfolgte nichis. Der Gefängnisarzt ift dazu gar nicht gehört worden. Ich habe mich bann persönlich an den zuständigen Dezernenten, Staatsanwaltschaftsrat Berger- Lande feld gewandt, der mir antwortete:„ Da fann ich Ihnen wenig off nung machen." Wenn mein Mann aber nicht balb aus der Haft Aber nun muß die liebenswürdige Seltsame Liebhaber. Der Mann Gefängnisstrafen für Reichswehrsoldaten. Divisionsübung des Reiterregiments 4 Potsdam in Altengrabow. Der Vorabend des Abmarsches. Draußen ist Sommernacht, die Mannschaft hat Ausgang. Im Krug in Groß Lübars ist Tanz. Alkohol und Tanz hat das Blut in Wallung gebracht. Es fommt der Heimweg ins Lager und das Verhängnis das Weib. Unterwegs, Und nun setzt ein mehr als im Arm eines anderen finden sie es. merkwürdiges Liebeswerben ein. Wie eine Horde stürzen sich fünf bis sechs Soldaten auf den Mann und das Mädchen. wird verhauen, läuft davon und das Mädchen schleppen die Soldaten in eine Pferdekoppel und schlagen sie blau und braun. Man zerreißt ihr das Kleid. Helene, eine 19jährige Dienstmagd, schreit und wehrt sich aus Leibeskräften. Der Kampf um das Weib ist bis zum äußersten entbrannt. Da naht ein Radfahrer und die begehrlichen Männer laffen ab von dem Mädchen, das sich mit blutendem Gesicht und geschlagen von rohen Fäuften ins Dorf schleicht. Am nächsten Morgen zieht die Division mit flingender Musik und„ Du, mein Schazz, bleibst hier". Das Nachspiel dieser Sommernacht fand Dor bem Großen Schöffengericht in Potsdam ftatt. Finf Ange hörige des Regiments mußten sich wegen versuchter Notzucht und Morperverlegung verantworten. Unter den Angeklagten befindet fich der bekannte Langstreckenläufer Wanderer. Offiziere ver teidigen die Angeklagten. Ein großer militärischer Zeugenapparat ist geladen. Mit außerordentlicher Gründlichkeit wird dieser höchst bedauerliche Borfall unter dem Vorfiz des Landgerichtsdirektors Dr. Westerkamp verhandelt. Das Urteil gegen den Obergefreiten Wanderer wegen versuchter Notzucht und gefährlicher Körperverlegung lautet auf 7 Monate Gefängnis, zwei weitere Angeflagte erhielten gleichfalls wegen gefährlicher Körperverlegung drei Monate Gefängnis, die übrigen Angeflagten wurden freigeproden. Eine Strafausseßung wurde in Unbetracht der brutalen Handlungsweise abgelehnt. Eine Taubenverkaufsausstellung auf der 900 Tauben vertreten sind, veranstaltet die Freie Vereinigung der Taubenvereine des Nordens Berlins im Saalbau Friedrichshain. Es find u. a. 151 Berliner lange Tauben vertreten, die die Landwirtschaftskammer jegt als Wirtschaftsrasse anerkennt. Bon den kurzen Berliner Tauben find 200 vorhanden, die mehr als Ziertauben gelten, da sie flein sind und auf Schönheit gezogen werden. 136 Brieftauben in allen Farben werben um die Gunst des Publitums. Man zieht die Brieftauben von drei ver. schiedenen Gesichtspunkten aus, entiseder auf Schönheit, auf Flugleistung oder für den Kodytopf. Unter den Ziertauben sieht man eine große Kollektion vorzüglicher Elstern. Von der Elster heißt es, je schlanker der Hals, desto schöner die Taube. Von den Hochfliegern find Stettiner und Wiener zu sehen. Sehr schöne Exemplare fann man unter den Brünner Kröpfern beobachten, von denen vier Tiere erfte Preise und vier Tiere zweite Preise erhielten. Eine recht menig gezeigte Taube ist die Modeneser, die aus dem nahen Orient tommt und in wunderbaren Farbenschlägen vorhanden ist. Die Berliner Taubenbefizer führen lebhafte Klage darüber, daß sich auf der Ge dächtniskirche ein Wanderfaltenpaar eingefunden hat, das, sobald die Berliner Tauben sich in der Luft sehen laffen, auf Raub3üge ausgeht. Der Berkauf war infolge der allgemeinen Geldfnappheit bislang noch fein guter zu nennen. In der Tombola fann man neben vielen Wirtschaftsgegenständen auch sehr gute Tauben gewinnen. Das Deutsche Archiv für Jugendwohlfahrt macht darauf aufmer fam daß es, abgesehen von den gewöhnlichen Bureaufinden, einmal in der Boche durchgebend bis 7 lbr abends geöffnet ist, und zwar nicht mehr wie bisber am Dienstag, fondern am Freitag jeder Woche. Eingang nach 4 Uhr Königsplay 6. Die Beobachtung der Sonnenfinfternis in Amerika. New York, 24. Januar.( WTB.) Die Sonnenfinsternis wurde hier und in Neu- England unter idealen Bedingungen beobachtet. In Michigan und Dontario machten niedrige Wolken die wissenschaftliche Beobachtung unmöglich. In dem Augenblid, als un 9,11 Uhr eine mitternächtliche Dunkelheit, begleitet von einer wunder vollen Sicht auf die Korona über die Stadt eintrat, jubelte die Menge der Beobachter auf den erhöhten Punkten und der Hügeln. Bei dem Aufstieg der Los Angeles" herrschte eine Windstärke von 15 Meilen und eine Temperatur von 20 Grad Celsius. Da man 28 Grad Celsius ein weiteres Sinfen der Temperatur bis auf während des Fluges erwartete, wurde die zur Wasseraufnahme dienende Anlage abmontiert. Der Komandant des Schiffes Klein erflärte, er werde den Eintritt der Sonnenfinfternis in einer Höhe von 3000 Fuß erwarten. Um 11 Uhr vormittags funtte die Los Ange les", daß die Beobachtungen der Sonnenfinfternis erfolgreich durchgeführt seien und daß das Luftschiff nach Lakehuist zurückkehren werde. Der Apfel der Elisabeth Hoff. Spenderin auch ihre Güte voll machen und mir den Apfel mich" haiten 4] Von Wilhelm Hegeler. Diefe Borte begleitete er mit einem so vorwurfsvollen Blick, daß Margret unwillkürlich ein fleiner Baut des Be dauerns entschlüpfte. Als der sonderbare Herr aber auch jetzt noch teine Miene machte, sich zu erheben, wollte sie schon furz entschlossen aufstehen. Doch im jelben Moment traf sie wieber ein Blid, ein Kniefall, eine Umarmung der Augen, eine Mischung von fo viel demütiger Berehrung und heraus fordernder Recheit, daß ihr heiß und falt wurde. ,, Ahnen Sie denn wirklich nicht den 3wed meines Befuches?" Sch... ja, was wünschen Sie denn eigentlich?" Ich wünsche... ich habe... eine unbändige, wahn sinnige Lust, wieder... einen deutschen Apfel zu effen. Merkwürbig, was?" ,, Warum? Aepfel find was sehr Gutes. Ich würde aller dings deswegen nicht gerade über den Ozean fahren." ,, Sie meinen, wir haben auch drüben gutes Obft? Und was für welches! In Kalifornien, wo ich wohne, wachsen Die schönsten Ananas, Grapefruits, Trauben, Melonen, Mepfel, Birnen von einer Süßigkeit und Größe wie nirgendwo in Deutschland. Nur der Duft! Dies verteufelte Etwas, dies... was die Seele von Dingen und Menschen ausmacht, was die Ursache ist, daß die Erinnerung an gewisse Ereignisse uns quält, uns feine Ruhe läßt und verrückt macht der Duft, der fehlt." Himmell fagte Margret. Wenn das Ihr sehnlichster Wunsch ist: hier haben Sie einen Apfel. Und nun reisen Sie beruhigt wieder nach Amerita." Sie nahm von der Anrichte eine Fruchtschale und setzte sie auf den Tisch. Hier haben Sie Aepfel aus unserem Garten. We'chen wollen Sie? Dieser da ist der Ruhm der Welt. Aber ich empfehle ihn nicht. Er ist ziemlich sauer. Nehmen Sie fleber diefen schrumpligen Borsdorfer." 11 Was ist das für einer? Der mit den roten Baden?" ,, Das ist ein Paradiesapfell" sagte Margret auf gut Okid. „ Ein Paradiesapfel!" wiederholte er entzückt. Den schälen." ,, Sie verwechseln mich. Ich bin nicht die, für die Sie Da legte er den Apfel aus der Hand und sagte, diesmal Muß sie?" Margret warf einen Blick auf die Uhr. Ich von Grund aus vernichtet: habe feine Lust, den Zug zu verfäumen." ,, Wann geht er?" In einer Biertelstunde." Sie zum Bahnhof." Dann ist noch viel Zelt. In zwei Minuten fahre ich In der Meinung, daß dies noch die einfachste Art sei, ihren hartnäckigen Gast loszuwerden, holte Margret ein Messer und begann den Apfel zu schälen. Der Fremde verfolgte jede ihrer Bewegungen mit Blicken Doll unverhüllter Zärtlichkeit. 21 ,, Das ist die einzige Antwort, die Sie nicht hätten geben dürfen. Denn diese Antwort gibt jede aber auch jede will." rau, die man an Dinge erinnert, die sie vergessen haben Ich habe nichts vergessen. Aber Sle täuscht Ihr Ge dächtnis." ,, Mich mein Gedächtnis täuschen?" Er ergriff den Apfel, und ihn hochhaltend, sagte er in beschwörendem Ton: Legen Sie diesen Apfel auf einen Berg von Aepfeln, und ich würde an diesen Abdrücken Ihren Mund wieder erkennen. Begegnen Sie mir im Menschengewühl, in dunkler Nacht, und wenn Duft Ihres Haares Sie wiedererkennen." nur ein Hauch von Ihnen mich streifte, ich würde an dem Was für ein wundervoller Duft!" murmelte er. Und plötzlich den Arm aufftügend und sich näher zu Margret beugend, fuhr er mit weicher Stimme fort: Erwedt dieser Duft in Ihnen nicht die Vision eines sonnigen Gartens? Mit blühenden Rosen und Reseden sind die Rabatten eingefäumt, und an seinem Ende steht eine kleine Laube, die ein uralter Apfel- Sonst verfäume ich wirklich den Zug." baum überschattet. Haben Sie nicht diese Bision?" ..Rein. Ich bin nicht visionär veranlagt. Ich bente es mir übrigens gar nicht hübsch, wenn man alle Dinge auf ihren Ursprung verfolgt und bei jedem Kohlkopf an das Mist. beet denkt, worin er gewachsen ist." Wie vernichtet fant der Frembe zufammen. ,, Das also ist aus dem Deutschland Lottens und Gretchens geworden!" „ Effen! Elfen! Effen!" mahnte Margret. Ich habe die Bision eines Zuges, der mir vor der Naje davonfährt." Und als wenn sie ihn ermutigen wollte, nahm sie selbst efnen Apfel und biß hinein. Aber farm hatte sie den Apfel wieder auf den Tisch gelegt, als der Gast ihn ergriff und mit entzücktem Blid anftorrte. ,, Erlauben Sie, das ist mein Anfel." Ich weiß. Ich seh's ja an den Rahnabdrücken in feinem Fleisch. Frau Hoff, erweckt auch dieser Apfel feine Erinnerungen in Jhnen? Nicht die kleinfte Erinnerung?-Elija beth!" Da lehnte Margret sich in ihrem Stuhl zurüd und sagte mit einer Stimme, deren Spott in fanften Ernst hinüber spielte: Kommen Sie! Kommen Sie!" fagte Margret lachend. Sie nahm ihr Täschchen, lief ihm voraus auf die Straße und sprang in das Auto, das er ihr aufriß. Während der nur wenige Minuten dauernden Fahrt wechselten die beiden fein Wort, aber Margret fühlte, wie ihr Nachbar sie unperwandt anjah. Und einmal mußte fie diesen Blick mit einer rafchen Seitenwendung erwidern, wobei sie eine verwundert abweisende Miene zeigte. Aber zugleich fühlte sie, wie zwischen ihren Schultern sich etwas zujammenpreßte, so daß der nächste Atemzug ihr eine fleine Mühe machte, als wäre fie bedrückt von dem unergründlich schweren Dunkel dieser Augen, die sie über sich schweben alan te wie einen Rah vogel mit fwarrem Gefieder, zärilich und beutelüftern und voll schwermütiger Traurigkeit. Gerade als das Auto bieft, fah sie den Bug in der Ferne ein'aufen Sie nahm raf von dem Kofferträger ihre Sheine in Empfang, und indem sie ihrem Begleiter Auf Wiederfehen!" zurief, umarmte sie ihre ungeduldig wartende Schwester, fagte ihr Lebewohl und fügte dann, auf den ihr Nachfolgenden deutend, hinzu: Ein mir völlig unbekannter Herr, der behauptet, mit dir einen Apfet gegessen zu haben." ( Fortsetzung folgt.) Sie fühlen sich! 141. 5. Rofenthal. 7% Uhr im Lokal Frische, Niederste. 5, Funktionär tonferenz. Deutschnationale Machtpolitik im Potsdamer Stadtparlament. Sunafosialisten. 7% Uhr im Jugendbeim Lindenfit. 8, Beginn ber ArbeitsIn der letzten Sigung der Potsdamer Stadtverord. neten unternahm die deutschnationale Stadtverordnetenfraftion einen Borstoß, der wiederum gegen den Innenminister gerichtet war, der bekanntlich aus Gründen, die in der Deffentlichfcit noch nicht erörtert worden sind, den Regierungspräsidenten angewiesen hat, der Potsdamer Tageszeitung" die amtlichen Bekanntmachungen gegen Bezahlung zu ent ziehen. Um das dadurch etwa entstehende Manto auszugleichen, reichten die Deutschnationalen einen Dringlichkeitsantrag ein, in dem sie dem Magistrat empfahlen, in eine Nachprüfung einzutreten, ob er das Amtsblatt der Stadt Potsdam, das seinerzeit gegründet wurde, um die Stadtverwaltung bei ihren Bekanntmachungen von der Tageszeitung" unabhängig zu machen, eingehen lassen wolle. Der deutschnationale Fraftionsführer begründete den Antrag aus drücklich als Kampfanfage gegen die Maßnahme des Ministers und seitens feiner Fraktion wird ein weiterer Zus fatantrag eingebracht, dem„ Potsdamer Boltsblatt" als fizialdemokratischem Parteiorgan die Bekanntmachungen des Magiftrats zu entziehen, soweit sie bezahlt werden. In der nicht öffentlichen Sigung wurde ferner ein Borstoß gegen den Stadt chulrat Dr. Ohms unternommen, der, da er auf Widerspruch stieß, fofort zur Anberaumung einer außerordentlichen und nichtöffent. lichen Stadtverordnetensizung am nächsten Mittwoch geführt hat. Der einzige Beratungsgegenstand dieser Sigung ist der wiederum von deutschnationaler Seite eingebrachte Antrag: Abbau der Stadtschulratsstelle und ihres derzeitigen In habers, sowie Entscheidung, ob die am Freitag als nichtoffentlich einberufene Stadtverordnetenfizung öffentlich statfinden soll oder nicht. Bemerkenswert ist, daß Dr. Ohms der Vorsitzende der Bots Damer Demokraten ist und sich im Wahlkampf als entschie. dener Republikaner gezeigt hat. Seine Stelle ist die ein zige in der Verwaltung von einem Schulmann versehene Position und er ist ein unbestrittener Fachmann auf seinem Gebiet. Um dem deutschnationalen Antrag zu begegnen werden in der nächsten Woche öffentliche Rundgebungen der Lehrerschaft fiottfinden. Die Direktoren der höheren Schulen haben bereits gegen dieses Borhaben der deutschnationalen Antragsteller protestiert. Es handelt sich unzweifelhaft um eine politische Mache, die selbst von rechtsstehenden Personen in der schärfsten Weise verurteilt wird. Arbeiterbildungsschule Groß- Berlin. Dienstag, den 27. Januar, Bes ginnt der Rufus des Genoffen a ben ft ein über Grundfragen der Er findet in der Gemeindeschule Senefelderstraße 6/7, abends Politi!". 7-9 Uhr, ftatt. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Seute, 3%, Uhr, im großen Saal der Philharmonie 3. Festtonzert. Stimmen der Böller in Liedern". Rünstlerische Leitung: Professor Thiel. Preis der Einzelkarte 1,- Gm. Starten find noch am Eingang des Saales zu haben. Konfum- Genoffenschaft Berlin und Umgegend, Abt. 8( 22., 25., 32., 49., 57., 99., 104., 117. Abgabestelle). Dienstag, den 27. Januar, abends 7 Uhr, findet eine Mitgliederveriammlung in der Schulaula Samariterftr. 20 statt. Referent: Genosse Dr. Cassau. Arbeiter- Samariter- Bund( E. B.) Kolonne Berlin( E. B.) Schönholzer Straße 20 teilt mit, daß folpende mit Lichtbild bersebene Ausweise verloren munden und für ungültig erklärt sind: Ausweis 422 auf den Namen Edwin Noad, Ausweis 862 auf den Namen Heimann Pfennig, Ausweis 416 auf den Namen Elifabeth Knoll. Bei Auftauchen der Ausweise wird gebeten, diefelben anzuhalten und der Geschäftsstelle gegen Erstattung der Untosten zuzustellen. Die Jugendweihe in Tegel findet am Sonntag, den 29. März, vorm. 10 Uhr, in der Aula der Humboldt- Oberrealschule für die Ortsteile Tegel, Borsigwalde, Bittenau, Waidmannsluft, Heimsdorf, Heiligensee, Tegelort und Schulzendorf ftail. Annieidungen dazu nehmen entgegen: Rudolf Gen Siedlung Rosensteg 8; Frau Echröder, Tegel, Schlieberstr. 19/20, born. part. Parteinachrichten Einfendungen für diese Nubrik sind Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. gemeinschaft Bolitische Strömungen der Gegenwart". Leiter Genoffe Dr. Grelling. Jede Gruppe entfendet bazu Teilnehmer. Gruppe Berlin. Mitte: 8 Uht in der Gemeindeschule Gipsstr. 23a, Beginn der Arbeitsgemeinschaft über Bolfswirtschaft". Frauenveranstaltungen am Montag, den 26. Januar: 4. Abt. Gen. 8 Uhr bei Schwarz, Blankenfeldeftr. 10, Seiterer Abend. Bosemann hat feine Mitwirkung zugefagt. Gäste willkommen. 5. bt. 7% Uhr bei Schula. Königsgraben 2, Ede Münzstraße. Referent Genoffe Dr. Mofes. 8. bt. 7% Uhr bei Rüdert, Steinmekite. 82a. Thema: Arbeiterdichter". Referent Genoffe Walter Scent. 15. t. 7% Uhr bei Obiglo, Stralfunder Str. 11, Bortrag:„ Die Lage im Reich und in Breußen". Referent Genoffe Buttkamer, 23. bt. 7 Uhr bei Traube, Müllerftr. 62a. Thema: Der Ausgang ber Wahlen und die Wirkung auf die fosialen Forberungen". Referentin Ge noffin Scelbenhuber. 24. nnd 23, bt. 7% Uhr im Gefangfaal des 2nzeums Greifswalder Str. 23. Thema: Religion und Sozialismus". Referentin Genoffin Remih, M. d. R. Gäste willkommen. 26. Wbt. 7% Uhr bei Wichmann, Weißenburger Str. 1, Ede Gaarbrüder Straße. Thema: Die dringenden Stulturaufgaben der Sozialdemokratie". Referentin Genoffin Dr. Wegscheiber Gäfte willkommen. 27. 951. 7% Uhr bei Bogdanowit, Sonnenburger Str. 1. Thema:„ Die Kulturibee im Sozialismus". Referentin Gen. Gertrud Sanna, M. d. 2. 29. bt. 7% Uhr bei Bura, Brenzlauer Allee. Thema: Moderne Dichter". Referent Genoffe Barthel. Gäfte herzlich willkommen. 30. bt. 7% Uhr bei Nicbergall, Carmen- Sylva- Str. 22, Ede Sermanplag. Thema:„ Der Einfluß der Erwerbstätigkeit der Frau in der Che". Refe rentin Genoffin A. Gener. 32. b 34. Abt. 7 Uhr bel Rofin, Gubener Str. 19. Thema: Frauen», Rinder und Seimarbeiterinnenschuk". Referentin Genoffin Trapp. 35. Abt. 7 1hr bei Beter, Schreinerfit. 36. Thema: Religion und Sozialis. mus". Referent Pastor France. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 25. Januar. 3 Uhr 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Adagio aus dem Violinkonzert E- Dur. Joh. S. Bach( Gerda Reichert, Violine; Dr. Böhme, Schiedmayer- Meister armonium). 2. Ansprache des Herrn Pfarrer Struckmeier von der Osterkirchengemeinde, Berlin. 3. Geistertrio op. 70, Nr. 1 Satz 1, Beethoven( Gerda Reichert Violine; Friedhelm Wilksch. Cello; Doris Wilksch. Klavier). 11.30-1 Ubr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Abteilung Hochschulkurse). 11.30 Uhr voim.: Prof. Ermann Erzählungen und Weisheitsbücher aus dem alten Aegypten". 2. Vortrag:" Erzählungen aus jüngerer Zeit" ( nach 1400 v. Chr.). 12.05 Uhr nachm.: Geh. Medizinalrat Prof. W. His: Gesundheitsfragen". 2. Vortrag: Die Reiz- und Genußmittel.( Die Alkoholfrage) 12.40 Uhr nachm.: Prof. Dr. Alfred Manes: Minführung in die Versicherungswissenschaft". 2. VorWirtschaftliche trag: Bedeutung der Versicherung". nachm.: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Landwirtschaft und Gartenbau. Abteilung Landwirtschaft Professor E. Heine: Der Kompost und seine Gewinnung". 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Märchen von Engeln und Teufeln, von Thea V. Harbou. a) Wie der Mann im Monde seine Frau bekam, b) Der Himmelbund.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.30-7.20 Uhr abends: HansBredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse.) 6.30 Uhr abends: Literatur und Kunst. Dr. James Simon: Der Humor in der Musik". 1. Vortrag:„ Der Humor in der älteren Musik und bei Haydn". 7 Uhr abends: Naturwissenschaft Dr. Rudolf Wegner:„ Einführung 1. Vortrag Einleitung: Sonnenstrahlung in die Klimakunde". und Wärme". 7.30 Uhr abends: Professor Dr. Biesalski der Stadt Berlin:„ Die Krüppelfürsorge Jugendamt Stadt Berlin". 8.30 Uhr abends: Zum 60. Geburtstag von Paul Ertel, geboren 22. Januar 1865. Dirigent: Otto Urack. 1. Ballettsuite aus der Oper Die heilige Agathe". 2. Lieder der Nacht: a) Nachtviolen, b) Küsse der Nacht, c) Schrei in die Nacht, d) Klag' dem Mond e) An die Nacht( Mary Wurm- Meisenberg, Sopran). 3. Maria Stuart( Sinfonische Dichtung für großes Orchester). Das Orchester besteht aus Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Uebertragung). Königswusterhausen, Sonntag, den 25. Januar. vom der 38. 2bt. 7 Uhr bei Bartusch), Friebenftr. 88, Referat des Genoffan John über Das ungehorsame und lügenhafte Rind". Die Bezirksführer laden dazu ein. 40. Abt. 7% Uhr im Lotal Gchmidt, Teltower Str. 18, gemütliches Beifammenfein. Regitationen und Lieder zur Laute. Mitwirkende: Genoffin Lisa Albrecht und Genoffe Bartels. Gäfte willkommen. 41. unb 42. Abt. 7% Uhr bei Höhlte, Bergmannstr. 69, Bortrag des Genoffin Fabian. 43. Abt. 7% Uhr bei Wolf, Gräfeftt. 26, Bunter Abend. 57. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr bei Arndt, Rantstr. 51, Bortrag der Ge noffin Ryned. 01. bt. Mentölln. 7% Uhr bei Lüdede, Rarlsgartenstr. 12, Bortrag ber Genoffin Rähler, M. d. L. 99. Abt. Brin 7½ Uhr im Jugendheim( Rathaus), Chauffeeftr. 48, Bortrag bes Genoffen Baelawiak über Erlebte und erlaufchte Geschichten aus bem Leben". 101. Abt. Trepism. 7½ Uhr in der Schule Wildenbruchstraße( Rinderhort). Thema: Gozialistische Erziehung". Referent Genoffe Dr. Sering. 102. bt. Paumschulenweg. 7 Uhr bei Sak, Baumschulenstr. 72. Thema: Die öffentliche Gefundheitspflege in ihrer Bedeutung file bie breiten Maffen". Referent Dr. Rollwig. 103. Abt. Oberfönemeibe. 71 Uhr bei Smberg, Wilhelminenhofstraße. Refe. rent Genoffe Täubert. 106. bt. Johannisthal. 7% Uhr bei Gobin, Roonftr. 1, Lichtbildervortrag fiber Bekämpfung der Tuberkulofe". Referent Genoffe Dr. Röder. 139. bt. Tegel. 8 Uhr 8ufammenkunft der Frauen im Jugendheim Bahnhofftraße 15. 140. bt. Borfigwalbe. 7½ Uhr im Lokal Senber, Ede Ernst- und Räusch Straße, Bortrag bes Genolien B. Maas über„ Das Gerualleben des Rindes". Recht zahlreicher Besuch wird erwartet. Uebermorgen, Dienstag, den 27. Januar: 13. bt. Treffpunkt zur Rundgebung abends 7 Uhr bei Obiglo, Stralfunder Straße 11. 19. bt. Die Genoffen beteiligen fich an ber Rundgebung im Sportpalaft. Die Abteilungsverfammlung am Mittwoch fällt aus. 21. Abt. Die Genoffen treffen sich zur Rundgebung um 64 Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21. 29. t. Alle Genoffen und Genoffinnen nehmen an der Rundgebung im Sportpalaft teil. Erscheinen ist unbedingt nötig. 34. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. Alle Genoffen nehmen an der Rundgebung teil. 36. Abt. Die Bezirksführer werden erfucht, au der im Sportpalaft ftattfinden. ben Rundgebung einzuladen und die Mitglieder gleichzeitig auf die am Mittwoch, in der Aula Petersburger Straße stattfindende Mitglieder. verfammlung aufmerksam zu machen. Referentin Genoffin Adele Schreiber Krieger. 41. Abt. Affe Genoffinnen und Genoffen haben sich um 7 Uhr im Sport palaft einzufinden. 82. bt. Stealis. Treffpunkt aur Rundgebung im Sportpalast 47 Uhr am Rathaus. Reukölln. 92. Abt. Rur Runbgebung laden Bezirks. und Gruppenführer etn mit dem Hinweis, daß niemand fehlen darf. Treffpunkt Raifer- Friedrich, Ede Innstraße, abends 6 Uhr. Mit Fahnen gemeinsamer Abmarsch. 93. Abt. Bezirksführer laden zur Rundgebung ein. 101. bt. Treptow. Treffpunkt aur Rundgebung 6 Uhr abends Wiener Brüde. Jeber muk erscheinen, 103. Uhr bt. Oberfdöneweide. Die Genoffen werden erfucht, nachmittags 33 Minuten ab Niederschöneweide bis Bahnhof Dordstraße( aur Kundgebung) zu fahren. 104. Abt. Rieberschäneweibe. Bur Rundgebung treffen fich die Mitglieder abends 6 Uhr am Bahnhof, Johannisthaler Ausgang. 2. Kreis Tierparten. Der Vortragsabend der Arbeiterwohlfahrt fann erst fpäter stattfinden, da am Dienstag die Rundoebung im Sportpalaft ist. 11. Kreis Schöneberg. 8u der Kundaebung treffen fich die Genoffen um 64 Uhr auf dem Railer- Wilhelms- Blas. Fahnen und Banner find von ben Abteilungen rechtzeitig aur Ausschmidung hinguschaffen. 14. Bezirk. Freie Saulgemeinde: Die für heute anberaumte Berfammlung fällt wegen der Rundgebuna aus. 18. Kreis Weißenfee. 7% Uhr im Rathaus, Rimmer 21, Fraktionsfitung. Jungfozialisten. Gruppe Niederschöneweide: Alle Genoffen und Genoffinnen beteiligen fich an der Rundgebung. Donnerstag 8 Uhr Mitglieder. verfammlung. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 27. Januar: 86. Abt. Der Frauenabend findet wegen der Rundgebung nicht ftatt. 74. bt. Rehlendorf. 7% Uhr bei Schnorre, Botsdamer Str. 3. Arbeit im Reichstag". Referentin Genoffin Bohm- Schuch. Reukölln. Thema:„ Die 94. t. 7% Uhr bei Günther, Schillerpromenade 11. Thema: Die Rulturidee des Sozialismus". Referentin Genoffin Rodenhagen. 95. Abt. 7 Uhr bei Krüger. Leffingfte. 9. Referent Genoffe Rarl Schnet. ber.. Gäfte zum Bunten Abend willkommen. Arbeitersport. der winterlichen Kraftsportveranstaltungen verdient der am heutigen Kreitswettstreit im Ringen und Heben des AAB. In der Reihe Sonntag im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24, veranstaltete Rreiswettstreit bes 4. Kreises des B. besondere Be achtung. Die Meldungen find sehr zahlreich eingegangen und bringen die besten Kämpfer auf die Matte. Mehr als 200 Startende, davon 150 Ringer und 50 Heber, werden fich harte Kämpfe liefern. Der bürgen, ist auf 9 Uhr vormittags festgesetzt worden. für Groß- Berlin Babbariton Gertrud Bohse, Alt; Gertrud Wedemann, Sopran Beginn der Stämpfe, die in ihrer Gesamtheit recht guten Sport ver flets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts. au richten 8. Abt. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 28, Januar, fällt aus, dafür Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 11. Februar, bei Grinder, Schwerinstr. 18.. Die alten Funktionävausweise 1924 find fofort zurüdzugeben, da neue nur gegen Umtausch ausgegeben werden bei Schilling, Pallasite. 5, Die Bezirksführer laben bie Genoffen zur Mitgliederversammlung am Mittwoch, abends 7 Uhr, bel Berger, Levehow, Ede Jagomstraße, ein. Thema:„ Die politische Lage". 13. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. Alle Genoffen beteiligen fich am Dienstag an der Veranstaltung im Sportpalaft. 11. Abt. Die Funktionärtonferens fällt aus. 33. Abt. Die Mitglieder des Büchertreifes fönnen das erste Buch gegen Borzeigung ihrer Mitgliedskarte vom Raffieret, Genoffen Ben, Benme ftraße 25, abholen. 45. Abt. Die für Montag angefekte Funktionärkonferens findet erst am Donnerstag, ben 29. Januar, die Abteilungversammlung am Mittwoch, den 4. Februar, flatt, Jungfozialisten. Gruppe Norben: Treffpunkt Sonntag vormittag 29 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen zum Besuch des Berkehrs- und Baumuseums. 3. Kreis Webbing. Montag, ben 26. Januar, ben 2., 9. und 16. Februar, abends 7 Uhr, im Gigungsfoale der Bezirksverfammlung, Schönstedtfte, 1, Rurfus für Schöffen und Geschworene. Referent Landgerichtsrat E. Ruben. Morgen, Montag, den 26. Januar: 6. Abt. 7 Uhr bei Dobrohlam, Swinemünder Str. 11, Borttag bes Ge noffen Dr. Arensberg über Frauenkrankheiten". Die Funktionäre laden die in ihrem Begirl wohnenben Frauen dazu ein. 24. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Röhler( Schweizer- Säuschen), am Bahnhof Weißer.fee. 42. Abt. Achtung, Bezirksführer! Abrechnung wie bisher bei Söhlke, Bergmannstraße. 56. Sibt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Biersch, Rantftraße 62. 86. bt. Mariendorf. 7% Uhr Funktionärsihung bei Niendorf, Chauffeeftr. 19. 83. Abt. 7 Uhr bei Ruppel, Raifer- Friedrich- Str. 171, Berfammlung. Tages ordnung: Die lexuelle Erziehung". Referent Genoffe Dr, Hodann. Gäste willkommen. 11.30-12.50 Uhr vorm.: Konzert. Mitwirkende: Kurt Weiler, Korbaneck- Trio: Lotte Tuch am Ibach- Flügel; Max Korbaneck, Violine; Paul Wohlgezogen, Cello. 1. Triosuite, T. Rehbanm, Allegretto Canon Allegro. 2. a) Arie aus dem Requiem, Verdi, b) Kantate: Der Friede sei mit dir", Bach( Solovioline). 3. a) Duett aus der Oper Orpheus", Gluck( Orpheus: Gertrud Bohse; Euridike: Gertrud Wedemann), b) Arie aus Orpheus", Gluck. 4. a) In der Ferne, Schumann, b) Auf einer Burg. Schumann, c) freisinn, Schumann. 5. a) Arie aus dem Oratorium " Messias, Händel. b) Kantate: Schaut auf ihr müden Augen", Bach( Solovioline). 12 Uhr mittags: Esperantoeinlage. Montag, den 26. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Technik. Oberingenieur Siegfried Hartmann: Was die Technik bringen soll. 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. Medizinische Vorträge. Professor Dr. Eckert: Hygiene des älteren Kindes und des Schulkindes", 1. Vortrag:„ Entwicklung des Kindes jenseits des Säuglingsalters". 8 Uhr abends: Vortragsreihe:" Vom Deutschtum in aller Welt". 2. Vortrag. F. H. Reimisch:, Die deutsche Schule im Ausland". 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. a) Arioso, G. F. Händel. b) Gavotte, G. B. Martini, o) Menuett, L. v. Beethoven( Artur Zillicher, Fagott). 2. Quartett G- Dur, W. A. Mozart, Allegro vivace assai- Menuetto Andante cantabile Molto allegro( Barmas- Quartett: Prof. Issay Barmas. 1. Violine; Willi Petereins, 2. Violine; Kammermusiker Otto Klust, Viola; Fritz Dechert. Cello). 8. Capriccio, Jul Weißenborn( Artur Zillicher, Fagott). 4. Quartett D- Dur. Scherzo Allegro César Franck, Poco lento Larghetto Finale( Barmas- Quartett). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. 10.30 Uhr abends: Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterdienst Schachfunk( E Nebermann). bes Zum Konflikt im TV.„ Die Naturfreunde". Aus den Reihen der Naturfreunde wird uns folgende Erklärung zugeftelt. In der Freitag- Nummer der Roten Fabne" findet sich eine Erflärung alten Bauvorstandes", der fich weiterhin als rechtmäßig ge wählt betrachten möchte und fomit den Ronflitt noch auf die Spike treibt. Es Derlautet bort: Bir erheben gegen die unbegründete Auflösung bes Ganes Brandenburg durch den Bollzugsausschus bes 28. Die Naturfreunde". Gis Bien, Broteft und erklären, daß wir bie Einheit der Arbetter- Wanderbewegung unter allen Umständen aufrecht erhalten werde.. Die alte rechtmäßig gewählte Gauleitung wird ihre Funktion weiter ausüben. Nähere Mitteilungen ergchen an die Funktionäre der Ortsgruppen bemnädift." Dann folgen als adreffen für den Obmann Emil Jensen, Raffierer Erwin Holzgrabe und Schriftführet Arthur Laube, Gezeichnet ist biefe dummfreche Anmaßung durch den bisherigen Obmann Emil Jensen im Auftrage der Gauleitung". Gierau ift su Бе merlen, daß die Gaulettung in bet alten Norm laut Defchluß des Zentralausschuffes nicht mehr befte bt. Lediglich einige Funktionäre fourben mit der Fortführung ihrer Geschäfte betraut, die oben erwähnten leboch nicht. Die Genannten baben daber in Teiner Beziehung mehr das Recht, im Auftrage des Z. B. b. N. irgendwelche Geschäfte zu erlebigen. Vor einer Annäherung an diefe Gruppe der Störenfriebe fei beshalb gewarnt, ba fie lediglich die Geschäfte einer politischen Bartei, nicht mehr bie ber Matur freundebewegung besorgen, Im Auftrage des Sentralausschusses des 2. B. b. A.: bolf Bau. Der Zonriftenverein Die Naturfreunde"( Bentrale Wien). Ortsgruvve Ober- und Niederfchöneweibe, beranſtaltet am Sonntag, den 25. Januar, abenbs 7 Uhr, in Niederschöneweide, Fennftraße 1, einen Bunten Abend", be ftebend aus Mufi!, Schattenspielen, Bieber sur Bante, Mezitationen. Gäste will Tommen! Ausstattungstar BLB Flecken reinigt Spectrol „ Be- 61- Be" Metallbettstellen Kinderwagen Daunendecken Marke gesetzlich geschützt - Sintlich mit la welßen Basson gefüllt, Satin 150x200 in diversen 79.00 Farben. la Daunensatin in allen Farben. Reine Seide 98.00 Rückseite Satin..135.00 Mengenabgabe Polsterbettstelle... 11.50 Bogenbattstelle mit Zugfederboden 80 × 185, 15.50 weiß und schwars. Bogenbettstelle 27mm. m. Zugfederboden, 80x185, 16.50 schwars. weiß Bogenbettstelle 38mm, schwarz m. Zugfedermatz. 90 x 190, 19.50 Bozenbeltstelle samm, m.Zugiederboden u.reicher Messing- Verzierg. 90x190. schwarz, weiß und braun 28.50 vorbehalten! Ruhebetten Ruhebett mit buntem 37.50 nur sowelt Vorrat Bezug... Diwanbett m. Bettkasten 69 50 Klappwagen mit Sits a. Rückenpolster ung Klappwagen mit Ver 12.25 deck und Fales- 28.50 Kastenwagen Wiener Form, tuckblau- weiß. 45.Weiße Möbel Ankleideschrank mit 49.Hutboden und Stange Nachttisch mit echtem 19.50 Marmor. Kompl. Schlafzimmer weiß, eichen u. poliert sowie Tochterzimmer sehr preiswert Fertige Betten Bettwäsche Steppdecken Satin Oberseite einfarbig 12.75 Vom graurot Irlett mit gemischten Hemdentuch- Bezüge and bunt 21 00 Oberbett...... 5.75 4.25 Satin doppelseitig. in 17.25 Ententedern gefällt Oberbett Unterbett Kissen. 17.75 Kissen, passend 6.90 Linon- Bezüge Daunen- Oberbett echt arkisobrotes Inlett 1.65 diversen Farben. Oberbett...... 7.75 m. 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Montag, den 9. Jebruar 1925 Montag. 26. Jannar, abends 6 Uhr, abends 6 Uhr, im Gewertschaftshaus, im Parterre aal des Berbandshauses, Cinienfte. 83/85: Kombinierte Versammlung der Bauanschläger. Engelujer 24/25: Außerordenti. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Borlegung der Golderöffnungsbilanz Zagesordnung: 1. Bericht von p. 1. April 1924. den Berhandlungen vor dem Schlichtungs 2. Bericht der Revisoren und Genehmiausfchuß. 2. Stellungnahme dazu. 3 Bergung der Goldbilan fchiedenes Es tft Pflicht jedes Rollegen, in diefer Bersammlung pünktlich zu erscheinen. Achtung! Generalverfamm ung Am Montag, ben 9. März, findet die ordentliche General Bersammlung unferer Berwaltungsstelle statt. Anträge müffen bis spätestens 9. Februar in den Sänden der Drtsverwaltung sein. Die Wahlkörper- Bersammlungen finden in der geit vom 23. Februar bis 2. März ftatt. 3. Unser neues Bauvorhaben. 4. Berschiedenes. Der Borffand G. Dooner P. Schiffke. 198 19 G. Pfeiffer. Ortstran enfaffe d. Steinbruder und Lithographen zu Berlin Bekanntmachung Die Wahl der Mitglieder des Ausfchuffes und deren Eriagmänner für die Dom 1. April 1925 bis 31. März 1929 laufende Wahiperiode findet am Sonntag. Achtung! Berwaltungsmitglieder! ben 15. mars 1925, von vormittags 9 wollgemischt Am 23. Januar, 124 Uhr mittags. ftarb nach langem, fchwerem, mi großer Geduld ertragenem Leiden mein innigftgeliebter Mann, unser lieber Bater, Schwieger- und Großvater. Bruder, Schwager und Ontel 186/3 der Krankenkassenbeamte Karl Bliss im 55. Lebensjahre Im Namen der Hinterbliebenen Frau Luise Bliss geb Mrofan und Rinder. Die Einäfcherung findet am Dienes tag. ben 27. Januar, 6 Uhr abenje, im Kremator um Baumschu enweg, ſtart Ordnerschaft der Volksbühne Hiermit die traurige Nachricht, daß unfer Kollege Bruno Rademacher gestorbra ist. 187/17 Die Einäicherung findet am Diens tag, 27. Januar, 5 Uhr, im Arematorium Gerichtstraße ftatt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. bis nachmittags 3 Uhr fowohl titr die Die Sigung ber engeren Orts Arbeitgeber als auch für die Verficherten verwaltung findet am Dienstag, den im Raffenlokal Berlin O 27, Schidler. 27. Januar, nicht statt. ftraße 5, 3 Treppen, ftatt. Dienstag, den 27. Januar, nach- 8u wählen sind 30 Bertreter und 60 Erfagmänner aus dem Areite der Arbeit mittags 5 Uhr, in Ewalds Festfälen geber und 60 Bertreter und 120 Eriak( obere Säle). Staliger Straße 126: männe aus dem Kreile der Versicherten. Für die vielen Beweife Trau ripenden Branchenversammlung Die Wahlbere igten werden aufgefor- wohltuender Selinah- Trau reder Art dert, Wahlvorschläge einzureichen. Nur me beim Heimgange der Metallschleifer, Galvaniseure, folche Bahlvorschläge werden berücfichtig, meines lieben Man- leert preiswert Brenner, Kraker, Hilfsarbeiter ote spätestens bis zum 15. Februar b. 3.nes, unferes hergens Paul Golletz, b. h. vier Bochen vor dem Wahltage, bei guten Baters, Schwie- vormals Robert Meyer, und Arbeiterinnen. bem unter eichneten Kaffenvorftande einger- und Großvaters, Mariannenstr. 3. Tagesordnung: 1. Die gegen- gereicht find. des Gastwirts Amt Morikol. 10303 wärtige Situation in unserer Branche Die Stimmabgabe ist an diese Bahl Karl Schmidt 2. Di tuffton 3 Branchenangelegenheiten vorschläge gebunden. und Berschiedenes. Das Erscheinen aller ist Pflicht. wir allen De Wahlvorschläge liegen nach ihrer Zu- fagen laffung vom 1. März 1925 bis zum Wabl- Gäften, Freunden u. tage in den Geschäftsraumen der Kaffe Bekannten, den Ge( SPD.), der Vereini Uhr) aus Achtung! Gold- u.Silberschmiedewahren der öffentlichen Dienstunden( 8 offen der 12 Abt Branchenversammlung werden fönnen. Magen Mittwoch, den 28. Januar, nach- Ais Wählerliften bienen die Arbeitgeber- gung der Gaft- und leidende nehmen die mittags 5 Uhr, im Dresdener und Mitgliederverzeichnisse der Kaffe, die Schantwirte 1871 1904, echten Reichels Garten", Dresdener Straße 45: bis zum Wahltage in den Geschäftsräumen besonders Herrn Otto Magentropfen, das der Raffe während der Dienstzeit eingesehen Meier für die troft erprobte Rezept M.1reichen Worte am u 2,50. Jn Drogerien Tagesordnung: 1. Bortrag bes Einsprüche gegen die Richtigkeit der fich Sarge unferes lieben u Avotheken, sonst bei Rollegen Rista. 2. Bericht von der General aus den Arbeitgeber- und Mitgliederver Entfchlafenen unfern Otto Reichel, Berlin 43, SO. Eisenbahnftr. 4. versammlung. 3 Brauchenangelegenheiten. zeichnissen ergebenden Wahl- und Stimm- herzlichften Dant. 4. Berschiedenes. berechtigung find bet Bermeidung des Aus- Ww.J. Schmidt u. Töchter ichluffes fpät ftens vier Wochen vor dem Wiclefftr. 17. Mitgliedsbücher sind mitzubringen! Wahltage unter Be fügung von Beweis Wahlausweise werden den Wahlberech Mittwoch, den 28 Januar, abends tigten aus ih en Antrag an den dem WahlGemäß GeneralversammlungsUhr, im Gewerkschaftshause, tage vorausgehenden 14 Tagen durch den Engelufer 24 25: Arbeitgebe ausgegeben Für die trei beschluß vom 22. Dezember 1924 willig versicherten Wahlberechtigten, die fich ist die Firma der Bank in Allgem. Klempnerverfammlung durch ihr Mitgliebsbuch auszuweiſen haben. Tagesordnung: werden die Wahlausweise im Kaffenlofal Berliner Stadtschafts- Bank Bortrag während der öffentlichen Dienstzeit aus Soziale Fürforge" Referent: Kollege Büchner. 2. Distuffion. 3. Berbandsgestellt, ebenso für die wahlberechtigten Arbeitgeber Bescheinigungen darüber, wie und Branchenangelegenheiten. Achtung! Klempner Achtung mitteln bei dem Borstand einzulegen ४ 1. Alle Kollegen find unbedingt ver pflichtet. zu erscheinen Die Ortsverwaltung. Bank f. wertbeständige Finanzierungen Aktiengesellschaft. Aktiengesellschaft viel Stimmen den Antragstellern zustehen. geändert worden. Im übrigen wird auf die diesbezüglichen Die Eintragung dieser AendeBestimmungen sowohl der Bahlordnung rung in das Handelsregister ist wie auch der Kaffenfagung, die beide aur erfolgt. Deutscher Bekleidungsarbeiter- Verband inficht in ben Gefchä tsräumen ber Raffe Berlin, den 22. Januar 1925. 109/4 Berliner Stadtschafts- Bank Filiale Berlin, Sebastianstr. 37/38. Damenmaßbranche und Ronfeftionsänderinnen! Montag, den 26. Januar, abends 6 Uhr, in der Schulaula, Hochftr. 13: ausliegen, ausdrüdlich hingewiefen. Berlin, den 24. Januar 1925 Der Borstand der Oristranfenfaffe der Steindruder und Litzog aphen zu Berlin Hugo Albrecht Adolf Kiefer Borsigender Schrift ührer Versammlung Allg.Ortskrankenkasse für Berlin- Lichterfelde Herrenmaßbranche! Der 18. Nachtrag ur Gagung. welcher Dienstag, den 27. Januar. abends Henderungen der S$ 23 und 77 vorfieht, ift Dem Oberversicherungs mt Berlin 6 Uhr, in den Arminhallen", Kommandantenstr. 58:59: Versammlung Aktiengesellschaft. Schwerhörige unterm 3. Januar 1935 genehmigt worden au en und tragen die neue Hörlapfel Berlin ichterfelde, den 23. Januar 1925 mit Bergnügen. Genauefte Paß orm in Der Borstand. F. Haneberg, Borsigender der Dhimuschel burch vorherigen Gips abguß nach Anleitung. Rein Sörrohr. tein elettr. Apparat. Verlangen Sie Drud Bewer Tagesordnung in beiben Ber fammlungen: Lidblid auf das Nach 5jährig Tätigkeit als Assistenz- lachen gratis und franto. Allein- Bertreter Jahr 1924. 2. Was hat zu geschehen, um bzw Oberarzt der Augenabteilung am in allen Kreisstädten gesucht. die Berhältnisse in den Branchen zu ver Virchow- Krankenhaus( Prof Dr Fe r) bung unter Angabe bisheriger Tätigkeit, beffern? 3. Verschiedenes. habe ich mich Charlott nbarg, Wil Das Erscheinen aller Branchenangemersdorfer hörigen ift Bflight! Mitgliedsausweis Str. 131, als legitimiert! niedergeAugenarzt lassen. Hörkapsel- Gesellschaft Unorganifierte haben gls prechst. 9-11, 4-6, Sonntag 10-11 U m. b. H. 193 19 Tel Wi h. 4786 Dr. med. Mas ur Breslan X, Matthiasstraße 26. Gäfte Zutritt! Die Brandenfommiffionen. Nr. 42 ♦ 42. Jahrgang 2. Seilage Ses vorwärts Sonntag. 25. Januar 1425 Sozialdemokratie Sozialpolitik Turch Kampf zum Sieg. Don Gustav t}och. In der Sozialpolitik hat sich in den letzten Iahren beut» lichcr als je gezeigt, wie sehr hier die Fortschritte abhängig sind von der günstigen Entwicklung des Wirtschaftslebens, von der Kraft der Eswerkschaften und der politischen Partei der Arbeiter und von dem Verständnis der Arbeiter für die So- zialpolitik. Nach der Revolution erwarteten viele Arbeiter große Fortschritte gerade in der S o z i a l p o'l i t i t In der Tat wurde die Hoffnung zunächst ersüllt. insbesondere der Acht» st u n d e n t a g durchgesetzt. Je tiefer aber unsere Wirtschaft durch die Geldentwertung in eiye völlige Auflösung hinein- getrieben wurde, je schwächer die Kraft der Gewerkschaften und der politischen Partei wurde, je weniger sich die große Masse der Arbeiter um die Sozialpolitik bekümmerte, um so geringer waren unsere sozialpolitischen Erfolge; ja schließlich konnten wir nicht, einmal arge Verschlechterungen, z. B. die Verlängerung der Arbeitszeit, verhindern. Sobald dagegen auf Grund des D a w e s-G u t a ch t e n s die Voraussetzung für einen wirklicken Aufbau unserer Wirt- schaft gegeben war, traten die sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter wieder in den Vorder» grund, Gewerkschaften und Partei nahmen den Kampf für diese Forderungen von neuem mit wachsender Kraft auf. Jetzt kommt es darauf an, daß die Arbeiter selbst in den Betrieben und außerhalb der- selben den Kampf unter st ützen. Der Kamps Im Reichstag. Dies ist auch für unseren Kampf im Reichstage entscheidend. Die bürgerliche Mehrheit steht mehr oder weniger unter dem Einfluß der Großkapitalisten, die in den Ausgaben für sozialpolitische Zwecke eine tote L a st der Wirtschaft sehen und deshalb bestrebt sein müssen, die Aus- gaben dafür möglichst niedrig zu halten. Immer wieder haben wir ihnen nachgewiesen, daß alles, was zur Verbesserung der Arbeiterverhältnisse geschieht, auch die Arbeitskraft der Ar- beiter stärkt, ihre Arbeitsfreudigkeit hebt und damit den Arbeitsertrag der Gesamtheit und die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschast auf dem Weltmarkt« steigert, wenn auch den Unternehmern der Gewinn geschmälert wird, den sie durch eine rücksichtsloseRaubwirtschaftmitder Arbeitskraft unseres Volkes erstreben. Das alles verklingt ungehört. Für jene kapitalistischen Kreise kommt vor allem ihr eigener Gewinn in Betracht; und das macht sie blind für die Rot der anderen.-Daher ihr ständiges Geschrei gegen die„zu hoben" Ausgaben für sozial- valitische Zwecke und ihre Forderung, daß„ihre" Parteien Die Ausgaben für sozialpolitisch« Zwecke nicht nur nicht er- höhen, sondern herabsetzen. Trotzdem haben wir wieder im Reichstage von allen Parteien und der neuen Regierung schöne Wort« über die Notwendigkeit einer guten Sozialpolitik gehört. Was in Wahrbeit diese schönen Worte bedeuten, wird sich bald zeigen. Denn Reichstag und Regierung müssen Stellung nehmen zu einer ganzen Reihe solcher Anträge, in denen alle Parteien größere sozialpolitische Leistungen fordern. Erwerbslosen-Jürsorge. Der Reichstagsausschuß für Sozialpolitik hat bereite mit seinen Beratungen begonnen mrd über die Verbesserungen der Erwerbslosen-Fürsorge verhandelt. Die Re- gierungsvertreter»ersuchten es, die Parteien mit der Vertröstung abzuspeisen, in kurzer Zelt werde die Erwerbslosen- Versicherung kommen: also lohne es sich nicht, die jetzigen Gesetze über die.Enverbslosen- Fürsorge ip wichtigeren Punkten noch zu ändern. Auch wir verkennen es nicht, daß eine gute Erwerbslosen- Ve r si ch e ru n g besser ist als die jetzig«, in jeder Beziehung ungenügende Er- werbslofen-Fürsorge. Aber wann eine solch« Erwerbs- losen»Versicherung durchgeführt sein wird, ist ungewiß. Viel« Monate können bis dahin verssehen. Inzwischen leiden die Erwerbslosen schwer unter den jetzigen Mißständen. Des- halb müssen wir für eine möglichst weitgehende sofortige Verbesserung der jetzigen Bestimmungen eintreten. Reform des versicherungstvesenz. Dabei ist eine der wichtigsten Aufgaben die Cr- höhung der Unterstützungen: eine Forderung, die wir nicht nur für die Erwerbslosen, sondern für alle gestend machen, die auf Unterstützungen angewiesen sind. Ebenso müssen wir die Leistungen aus der Arbeiter- und Angestellten- � Versicherung erhöhen. So steht der Reichstag vor der Frage, wie die Wirtschaft dies« Kosten, sei es zdurch ollgemeine Steuern, sei es durch besondere Beiträge detfen soll. Die Arbeiter werden den bürgerlichen Parteien zu zeigen haben, daß die Kosten gedeckt werden müssen und gedeckt werden können, wenn sie denen. auferlegt werden, die den größten Gewmn aus der Arbeit unseres Volkes zu ziehen verstehen. Ein besonders schwerer Kampf droht uns wegen der U n f o l l r e n t e n. Seit jeher hatte die Gesetzgebung zu wählen, ob sie die Höhe der Unkallrenten festsetzen will nach dem tatsächlichen wirtschaftlichen Schaden des Verunglückten oder nach der Größe der infolge des Unfalls eingebüßten Arbeitskraft. Obgleich auch das letzte Verfahren große Mängel bat, ist es in der llnfallversicherung angenommen worden, well es immerhin weniger bedenklich erschien als das erste Versahren. Jetzt aber wollen die Kapitalisten, daß das bisherige Verlahren dort beibehalten wird, wo es für hje A r- beiter oft nachteilig ist. in den schweren Fällen. nämlich dann, wenn der Verunglücke durch seine Verletzung überhaupt keine Arbeit oder nur ganz schlecht bezahlte Arbeit findet, trotzdem eine demgegenüber viel zu geringe Rente erhält, weil die Vertrauensärzte der Berufsgenossenschaiten bei ihm eine größere Arbeits f ä h i g k e t t feststellen. In den l-ichten Fällen jedoch soll fetzt i-ncs Verfahren beseitigt werden, d. h. dl« kleinen Renten sollen aufgehoben werden, weil hier ein Teil der.Verunglückten zwar einen geringen Teil ibrer Arbeits f ä h i g k e i t eingebüßt und deshalb bisher eine entfvreckende Rente" bezogen haben, zugleich oder den vollen Arbeitslohn erhielten. Eine so einseitige Aenderung der Unfallversieberung ist eine unverantwortliche wigerechtlgkeiü Die Arbeiter mit den kleinen Renten haben schon bisher durch die Geldentwertung einen, im Laufe der Zeit beträchtlich gewordenen Schaden erlitten. Denn sie wurden mit— einer Goldmark vierteljährlich ab» gefunden. Dieser Schaden darf nicht durch die völlige Ent- rechmng dieser Verunglückten abgelöst werden, sondern fordert iin Gegenteil die Erhöhung der Renten mindestens bis zu dem Sachwert der Vorkriegszeit. Die Regierung will den Ent- wurf zur„Regelung" der kleine» Unfallrenten schleunigst an den Reichstag bringen. Auch in der Krankenversicherung kommt die Frage in Betracht, wie die Lasten verteilt werden sollen; nur werden hier die Arbeiter gegeneinander ausgespielt. Am Cin neuer Waffenfunö. Ein Qefanpacreiti In Mach«nd»rf wandte sich an die IraniSstschi«e�iri�dtlega'.ion mit der Bitte, die im vemewdehan» aufbewahrten alten Waffe« bei«iaer geplanten Anitüiivuiiq verwenden 10 dürfen. Do» Gesuch wurde abgelehnt und dir Aufführung uerboteu. »Und da verlangen diese verdammten Boche» noch die Räumung der Kölner Zone!' besten wäre es, wenn in jedem Bezirke eine Krankenkasse alle Kräfte vereinigte, um das, was für die Kranken notwendig ist, am zweckmäßigsten durchzuführen. Statt dessen haben wir in den meisten Bezirken mehrere Kassen. Dieser, an sich schon nachteilige Zustand soll nach den Forderungen b ü r g e r- l i ch e r Kreise dadurch noch weiter verschlechtert werden, daß jeder Verufszweig berechtigt werden soll,«ine eigene Berufs- krankenkasse zu bilden. Das wird nur dann geschehen, wenn der Lerusskreis verhältnismäßig günstig für die Kranken- Versicherung ist, wenn der Kasse z. B. wenig Frauen und Mädchen angehören, die bekanntlich im allgemeinen größere Kosten verursachen, als die männlichen Mitglieder. Die anderen Kassen, für die dann nur die Mitglieder mit ungünstigeren Verhältnissen für die Krankenversicherung übrig bleiben, werden auf diese Weise zu Armenkassen und können ihren Mitgliedern trotz hoher Beiträge um so weniger bieten. Das drückt die Leistungen dieser Kassen herab und wird mit der Zeit maßgebend für die ganze Krankenversicherung: die Ent- Wicklung wird so von ihrem bisherigen Ziele, 8er B e r b e s f«- r u n g der Leistungen, abgebogen zu dem entgegengefetzten Ziele, der Verschlechterung der Leistungen. Achtstulldentog und Arbeiterschuh. Die soll es ferner mit dem Achtstundentag werden? Dag Reichsarbestsministerium wird mit den Vorarbeiten für das Arbeitszeitgesetz und für die Bestätigung des Washing- toner Abkommens über den Achtstundentag nicht fertig. Ebenso verhält es sich mit den Entwürfen eines Arbeits- Vertragsgesetzes, eines Gesetzes über Arbeits- rarifoerträge und Betriebsoereinbarungen und eines Arbeitsgerichtsgesetzes. Endlich muß mit dem Ausbau unserer Arbeiterschutzmaßnahmen ganz anderö vorgegangen werden als in dem letzten Jahr- zehnt. Die Pflicht der Arbeiterschaft. In allen diesen Fragen erfordern die traurigen sozialen Verhältnisse dringend wesentliche Verbesserungen. Wir können sie aber nur dann der bürgerlichen Mehrheit des Reichstages abringen, wenn die Aroeiter selbst den Kampf dafür aufnehmen, die große Masse von der Notwendigkeit und Durchführbarkeit unserer Forderungen überzeugen und sie zum Kampfe dafür in den Gewerkschaften und in der Partei sammeln. Deshalb: auf an die Auf- klärungsarbeitl Auf in den Kampf! Der Steg ist uns sicher! Der Kampf öer Hergarbeiter. Deutsche und englische Bergbauso�en. Aon Steiger G. Werner. Im deutschen und englischen Bergbau drohen aus ähnlichen Ursachen heraus schwere Auseinandersetzungen zwischen Unter- nehmern und Arbeitern. Die Verhältnisse im Bergbau beider Länder terinstussen sich wechselseitig. Die Kohlenpreise in beiden Ländern sind dort, wo sie im Konkurrenzkamps mit-. einander stehen, genau die gleichen. Auch im inneren Markt ist kaum noch eine Preisbifferenz vorhanden. Beide Staaten leiden an Absatzmangel. Die Zahl der Arbeitslosen ist hier wie dort sehr groß; in England sind es zirka 100 000, in Deutschland zirka 30 000, die vor den Zechentoren auf Arbeit warten. Die Unteuiehmer beider Länder versuchen mit allen Mitteln Ihren Absatz zu vergrößern. Di« U r s a ck e n des Absatzmongels sind die gleichen. Sieht man von der ollgemeinen industriellen Depression ab. so sind es vor allem die technischen Errungenschaften der l letzten Jahre, die den Minderoerbrauch an Kohle verschulden. � Die Krafterzeugung in den Großkraftwerken, hie Erneuerung der Kesselanlagen, di« Verbesserungen im Lokömotivbau, die Einführung der Goskraftmafchinen und der Oeiseueruna in der Schiffahrt, der Wegsall vieler Zentralheizungen und die über- all bemerkbare Sparsamkeit im Hausbrand, das und noch manche andere ähnliche Errungenschaften sind die Ursachen des Minderverbrauches an Kohle. Hinzu kommt weiter ein« stärkere amerikanischeKonkurrenzin einigen Ueber- seeländern. Eine Reihe von Wirtschaftssührern in beiden Ländern ist heute der Meinung, daß ein wirtschaftlicher Aufschwung, der die volle Ausnutzung der jpir Verfügung stehenden Bergwerks- onlagen in absehbarer Zeit zuläßt, nicht mehr zu erwarten sei. Die einzige Hoffnung auf Vollbeschäftigung wird in England sowohl wie in Deutschland in einem Niederringen des anderen im Konkurrenzkampfe gesehen. Und um diesen Kampf zu einem siegreichen Ende zu führen, hält jede Seite die Herab- setzung der Kohlenpreise für das alleinige Mittel. Die Herabsetzung der Kohlenpreise bedeutet Herabfetzunss der S e l b st k o st e n, und die wesentliche Herabsetzung der Selbst- kosten kann— das muß auch von uns Sozialisten anerkannt werden— nur mit Hilfe der Arbeiterschaft er- reicht werden, entweder, daß sie für weniger Lohn bei gleichem Förderanteil pro Schicht arbeitet oder daß bei gleichem Lohne der Förderanteil steigt. Die Stellung der Arbeiter im Pro- duktionsprozeß, die wichtigste Voraussetzung für eine Verbilli- gung der Selbstkosten, ist nun in den beiden Ländern wesent- lich verschieden. In einer Pressefehde, die auf der einen Seite von dem Zechenverbande in seiner Zeitschrift„Glückauf" und in einigen anderen Unternehmerblättern, auf der anderen Seite vom alten Bergarbeiterverband in seinem Verbands- organ und in einigen sozialistischen und bürgerlichen Zeitungen geführt wurde, dreht sich schon die Auseinandersetzung um di« Kernsrage: Wie kommt es, daß im englischen Bergbau bei gleichen Kohlenpreisen und ziemlich gleicher Leistung die Arbeitslöhne beinahe um das Doppelte höher sind wie in Deutschland? Man begegnet jetzt überall Hin- weisen und Mitteilungen, in welcher Weise die englischen Selbstkosten berechnet werden. Alle verantwortlichen Stellen haben dos Empfinden, diese englischen Lohnvereinbaningen sind in den kommenden wirtschaftlichen Kämpfen ein großer V o r t e i l für die Engländer. Man sagt sich: Gelingt es uns nicht, unsere Selbstkosten ähnlich wie die englischen k l a r u n d durchsichtig zu gestalten, müssen wir in den kommenden Konkurrenzkämpfen den kürzeren ziehen. Diesen Auseinandersetzungen in der deutschen Presse wird vom englischen Unternehmertum die größte Be- achtung geschenkt. So brachte z. B. die„Iran and Coal Trade Review" am 12. Dezember einen ausführlichen Artikel über die Kosten der Produktion und der Verkaufsergebnisse deutscher Kohle. Darin wurden die Auseinandersetzungen zwischen dem Verband der Bergarbeiter und dem Bergbaulichen Verein ein- gehend wiedergegeben. Zu dem Schlußergebnis des Bergbau- lichen Vereins, der einen Verlust von 3,39 M. pro Tonne Förderung errechnet, wird spöttisch gesagt: „Der Artikel von Dr. Jüngst kommt zu einem ganz besondern Ergebnis, aber er wird wahrscheinlich niemand finden, der es ihm glaubt. Wir gloubm es nicht einen Augenblick— und genau so wenig glauben es die deutschen Bergarbeiter." In der englischen Presse wird die Frage, ob die Angaben über die Höhe der Selbstkosten richtig seien, überhaupt nichterörtert. Die Zahlen werden gemeinsam von Unternehmern und Arbeitnehmern ermittelt und chre Richtig- lest ist selbstverständlich. Die Unternehmerpresse erklärt gegenwärtig, wir können bei den heutigen Preisen nicht mit Deutschland konkurrieren und wir werden das Lohnabkommen nach dem 1. Juni 1925 nicht mehr erneuern. Aus der Unter» nehmerpresse ist klar erkennbar, wie sich dort von Woche zu Woche die Situation verschärst. Während der Ruhr- b e s e tz u n g erhielten die' englischen Gruoen Preise für ihre Kohlen, die gegenüber den heutigen um zirka 3 M. pro Tonne höher lagen. Daraus trat aber der Rückschlag ein. Der Rückgang der Preise wirkt sich zwar im englischen Bergbau viel unaimenehnier für die Unternehmer aus als bei uns, oder die Gesamtkonkurrenzfähigkeit des Bergbaues wird wesentlich verbessert. In England sind alle ein- zelnen Selbstkostenantelle genau bekannt und sie lassen keinen Spielraum in den Preisen zu, wie es bei uns der Fall ist. Den englischen Bergarbeitern sind Minde st löhne garantiert, die sie erhalten müssen. auch wenn die Gruben mit Verlust arbeiten. Während nun im vorigen Jahre der U e b e r s ch u ß 3 M. pro Tonne betrug, ist er im Lause diesys Jahres ständig gesunken, die Löhne aber, die ja auf den Erträgnissen der zurückliegenden Zeit beruhen, stehen zum Teil noch über dem garantierten Mindestlohn. Die Folge hiervon ist, daß die Erkenntnis, ob ein Werk Aussicht .hat, wieder rentabel zu werden, sehr schnell kommt. Mit der Erkenntnis, daß dieses nicht der Fall sein wird, wird aber auch sofort die Stillegung beschlossen. Man sieht daher, daß in England viel rücksichtsloser stillgelegt wird als bei uns. was bei der viel geringeren Durschnittsgröße der Bergwerke aber auch viel leichter möglich ist. In jeder Nummer der englischen Fachzcitung wird über diese Stillegungen berichtet. Ebenso liest man darüber, daß eine große Reihe von Werken ihre Arbeiter mir noch mit täg» sicher Kündigung beschästigen, während andere nur mit größeren Unterbrechungen arbeiten Diese ungünstige wirt- chaftlicke Loge, die in einzelnen Revieren geradezu k a t a- t r o p y a l ist, veranlaßt kurzsichtige Unternehmer, ganz be- önders das Lohnabkommen und damit die Arbeiterschaft für nesen Zustand verantwortlich zu machen. Man findet daher etzt in der Unternebmerpresse ständig die Forderung nach einer llenderung des Lohnabkommens in der Richtung einer Kür» zung der Löhne und einer Verlängerung der Schichtzeit. Man macht ober nicht nur das Lohnabkommen, sondern genau so sehr die deutsche Konkurrenz für da? Still- legen so vieler englischen Zechen verantwortlich. In der englischen Presse wird tagtäglich darauf hingewiesen, daß die deutsche Kohlenförderung fast den Friedensstand wieder erreicht hat und daß Deutschland bei längerer Arbeitszeit und niedrigeren Löhnen überall die englische Kohle zu verdrängen vermag In der englischen Bergarbeiterbewegung ist infolge der großen Arbeitslosigkeit der linke, mit kommunistischem Einschlag durchsetzte Flügel sehr stark geworden. Diese Richtung hat ihr eigenes Organ, betitelt„The Mineworker. Der jetzige Sekretär des britischen Bergarbeiteroerbandes, Cook, der gleichzeitig auch der internationale Bergarbeiter- sekretär ist, gehört dieser Richtung an, die in allen großen Bezirken Anhänger und in den Hauptrevieren Males und Schottland schon die Mehrheit hat. Von dieser Seite wird die Nationalisier nng der Gruben verlangt, die Forderung der Sechsstundenschicht erhoben, damit alle Ar- beiter wieder Beschäftigung finden, außerdem aber eia Mindcstlohn von 12 SchiMng pro Schicht gefordert. Diese so- genannte Minority Movement(Minderheitsbewegung) wird durch die stündigeit Drohungen der Unternehmer, das bis zum 1. Juni 1925 laufende Lohnabkommen nicht mehr zu erneuern, wesentlich gefördert. Als weiteres Ziel wird von dieser Bewegung die Zusammenfassung aller britischen Berg- arbeiterverbände in eine Organisation gefordert, ferner ver- langt sie eine gemeinsame Abwehraktion der Berg- arbeiter Englands. Deutschlands und Frankreichs, um die von den Unternehmern dieser Länder überall beabsichtigte Herabsetzung der Löhne zu verhindern. Es ist nicht zu ver- kennen, daß die Bewegung in England mit ihrem entschlösse- neu Borgehen Erfolge erzielt. Erst vor wenigen Tagen wurde berichtet, daß im Foreft-of-Dean-Bezirk ein Streik auszu- brechen drohte, allein zu dem Zweck, die Nichtorganisierten Bergarbeiter der Gewerkschaft zuzuführen. Die Zahl der unorganisierten Bergarbeiter nimmt auch in allen Revieren ständig alu Die Aussichten in beiden Ländern sind für den Bergbau trübe. Der Rückgang der Beschäftigung im Steinkohlen- bergbau, so erfreulich die Ursachen, wie die Verbesserung der Technik für die Gesamtheit auch sein mögen, kann für den Bergarbeiter st and die schlimmsten Folgen haben, besonders wenn die Unternehmer beider Länder einen wüsten Konkurrenzkampf im Interesse ihres Landes bzw. ihrer Sondermterefsen entfesseln. Die Arbeitnehmer, Arbeit- geber und Regierung in England sowohl wie in Deutschland haben alle Veranlassung, sich mit dieser Lage zu befassen. Für die deutschen Arbeitnehmer aber ist es von der größten Wichtigkeit, das Problem klar zu erkennen. In diesem Kampfe der englischen Bergarbeiter müssen sie diese unter- stützen, indem sie die gleichen Löhne wie diese ver- langen. Der Preiskampf zwischen beiden Ländern darf nicht durch Herabsetzung der Löhne auf dem Rücken der Arbeiter. sondern muß auf Kosten der übrigen Selbstkostenanteile aus- gefochten werden. währungsumwälAimg und Hypothekenbanken. Das arbeitende Volk Deutschlands hätte keinen Grund sich mit den deutschen Hypothekenbanken zu beschäftigen, wenn nicht auch an ihnen zerstörte Hoffnungen von Sparern mit über 11 Goldmilliarden Spargeldern hingen, die die Inflation vernichtet hat. Natürlich waren die Hypothekenbanken nur die Ve-mittler zwischen den Hausbesitzern, die das Hypothekengeld nahmen und den Pfandbrief- käufern, die es gaben. Es war ihr Geschäft, aus dem Unterschied zwischen dem Hypothekenzins und dem Pfandbriefzins ihren Gewinn zu machen. Aber sie waren doch die Vermittler, und die „Mündelsicherheit" der Pfandbriefe, der man allgemein vertraute, hing fast ebenso an den Hypothekenbanken selbst, wie an den Wert- objekten, die als Hypothekendeckung galten. Sie werden diese Ver- mutler in der Zukunft auch wieder werden. Denn das kapita- l'stischc System hat die Inflation überstanden, die Pfandbriefanlage ist für die Sparer, die Zinsen wollen, nach wie vor sicherer als spekulative Anlagen: und gespart wird werden und gebaut wird werden. Dorum muß den Sparer das Schicksal der Hypotheken- banken im Krieg und in der Inflation interessieren. Er muß auch wissen, wie sie heute dastehen in stabilen Währungsverhällnissen und wie sie ihrer Zukunft» aufgäbe gewachsen sein werden. Kriegs- und Inflationswirkungen. Zunächst brachte der Krieg das Geschäft der Hypothekenbanken zum Stillstand, weil an Wohnhäusern fast nichts mehr gebaut und alles Ersparte in Kriegsanleihen angelegt wurde. Ihr einziges Geschäft war die Verlängerung von Hypotheken, die während des Krieges noch fleißig nachgesucht wurde, weil die Hypotheken- schuldner durch die Herabsetzung der Mieten für die Kriegsteil. nehmerfamilien oft in Verlegenheit kamen. Nach dem Krieg brachte die zunehmende Inflation nicht nur die Entwertung der Pfandbriefe für den Sparer, sondern auch die Entwertung der Hypotheken für die Bonken. Je stärker die Geldentwertung wurde, desto stärker der Ansturm der Hypothekenfchuldner, die ihre Schulden in schlechtem Gelde abtragen wollten. Die Pfandbriefgläubiger hingegen hätten auch von einein Sturm auf die Banken nichts gehabt, weil diese ihnen nur die gleichen Mark hätte geben können, an denen die Sparer ohnehin verzweifelten. So mußte das alte Geschäft der Hypothekenbanken natürlich unmöglich und die„Substanz*, wie die Banken das Kapital nennen, das sie eingezahlt haben, niöglicherweise zerstört werden. Deshalb sannen sie auf neue Geschäfte. Sie brauchten diese neuen Geschäfte, wenn sie die Mittel, die ihnen aus der zum Teil vor Fälligkeit zurückgezahlten Hypotheken zuwuchsen, zur Rettung ihres Bank- kapitals verwerten wollten. fiuf der Suche nach neuen Setätigungsfeldera. Die weitere Entwicklung der Hypothekenbanken zerfällt in z w e i zeitlich scharf voneinander getrennte Perioden. die auch durch vollständig voneinander verschiedene neue G e- schäfte ausgefüllt find. Die erste Periode dauerte bis in die Zeit der Hoch- inflotion im Sommer 192?. Da das Hypotheken-Pfandbriefgeschäft tot lag, warfen sich die Hypothekenbanken zunächst auf das schon in der Vorkriegszeit betriebene Darlehensgeschäft für Kommunen. Zu erhöhten Zinssätzen, 8, ll>, 12 Proz., brachten sie Kommunal- obligationen unter und gaben den Gegenwert, der in die tausend Milliarden Papierinark ging, den Kommunen als Darlehen. Dabei blieben sie nicht stehen. Do auch die Kommunäldarlehen Mark gefchäfte waren, die sich äußerst schnell entwerteten, warfen sich die entschlossensten unter den Hypothekenbanken, ihren Charakter als solche verleugnend, auf eigentliche Bank- und reine Kredit- gefchäfte. Nicht nur für staatliche und kommunale, sondern auch für private Industriewerke begannen sie Kredite zu besorgen und selbst zu geben. Daneben betrieben sie wie andere Banken Ver- mittlungsgeschäste für Wertpapiere, die mit der allgemeinen Flucht aus der Mark das breite Publikum immer stärker in Auftrog gab. Konzentration im hppothekenbankwesen. Neben diesem inneren Wandel der Geschäfte vollzog sich auch ein vollständiger Wandel im äußeren Bilde der Hypothekenbanken Der Konzentrationsgedanke hielt, zum Teil aus Not, zum Teil aus prioatwirtschaftllchen Gewinn- obsichten unter den Hypothekenbanken seinen Einzug. Früher ebenso unmöglich als überflüssig, weil die einzelnen Hypothekenbanken ge- wisfermaßen ihr streng abgegrenztes Landgebiet hallen, in dem die Pfandbriefe ihre bestimmten Käufer und die Hypothekendarlehen ihre bestimmten Wertobjekte hatten, schloffen sich nun die stärkeren .Nypothekenbanken durch das ganze Land zu bestimmten Aktions- und Geschäftsgruppen zusammen, um mit vereinigter Kapitalkraft ihre Geschäfte billiger und besonders größere Geschäfte zu machen. Vor ollem traten drei Gruppen in den Vordergrund. Erstens die Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypo. rhekenbanken, 7 Banken mit einer Gemeinschaftsdirektion (Deutsche Hypoihekenbank Meiningen) und der Ende 1923 gegrün- deten„Treuhandvereinigung für Hypothekenbankwerte— Berlin*, der die Hälfte der Aktien aller sieben Banken zur Wahrung der Un- abhängigkeit der Einzelbanken der Gruppe übergeben wurde: die am weitesten in hypothekenbankfremde Geschäfte vorstoßende Gruppe. Zw eitens die Deutsche Centralbodenkredit-Ver- e i n i g u n g, 4 Banken, ebenfalls mit einem Gemeinschaftsdlrek- torium, aber konservativer in den Geschäften und mehr auf die Wahrung des Hypothekenbankcharakters bedacht. Drittens die Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Hypotheken- banken, 6 Banken in loserer Geschäftsvereinigung, ohne Ge- meinschaftsdirektorium, die nur gelegentlich zur gemeinsamen Durch- führunq großer Geschäfte zusammentraten, aber 1923 eine gemein- same Bant zur Unterbringung ihrer Anleihen gründeten, die„Süd- deutsche Fe st wertbank in Stuttgart*. Die Gemeinschaftsgruppe insbesondere trat durch Aktivität her- vor und beteiligte sich mit 49 Proz. des Kapitals an der vom Thü- ringischen Staa, 1923 gegründeten G o l d k r e d i t- A G. Wei- mar(öl Proz. behielt der Thüringische Staat), die an die Land- Wirtschaft und die Industrie lange Vorschüsse gewähren und dar- über hinaus olle Bankgeschäfte betteiben sollte, unter Garantie des Thüringischen Staates. Jeflwertanleihen und Soldpfandbn'efe. Die zweite Periode in der Entwicklung der Hypotheken- banken. in welche die Konzentration schon hineinreicht, beginnt mit dem 23. Juni 1923 bzw. dem 39. September 1923, an welchen Tagen die Auslage von Fe st Wertanleihen gestattet und die Er. laubnis dazu auch den Hypothekenbanken gegeben wurde. Waren die bisherigen neuen Geschäfte der Hypothekenbanken ganz deutlich Not- oder Verlegenheits geschäfie, so wuchs ihnen mll der Vermilllung von Fcstwertanleihen ein S p e z i a f geschäft zu, das ihnen wie auf den Leib zugeschnitten war. Die Arbeits- gcmeinschaft Süddeutscher Hypothekenbanken gründete zur Wahr- nehmung des neuen Geschäfts auch sofort eine gemeinschaftliche Spezialbank, die schon genannte Süddeutsche Festwertbank in Stull- gart, die bald große Festwcrtkredlle für die elektrischen Kraftwerks in Süddeutschland besorgte. Ziemlich natürlich'war es, daß die Hypothekenbanken sich weniger auf Kohlen-, Roggen-, Kali-, Holz- und ähnliche Anleihen einließen, sondern sich wegen der Stabilität des Goldpreises Haupt- sächlich aus die Unterbringung und Vermittlung von Feingold- a n l e i h e n spezialisierten, die allmählich auch die anderen ver- drängten. Das Geschäft wuchs rasch. Gestört wurde es zunächst durch die anfänglich zu niedrige Verzinsung mit 5 Proz., die im Laufe des Jahres 1924 die Goldpfandbriefe bis unter die Hälfte des Pari- kurfes herunterdrückt«, weil die Zinssätze am Geldmarkt das Drei- und Vierfache betrugen. Die Schwierigkeit wurde später durch die Ausgabe von 6-, 7-, 8- und lüprozentiaen Goldpfandbriefen behoben, so daß sich im September 1924 die öprozentigen zwischen öö und 95 Proz., die öprozentigen zwischen 82 und 95 Proz. und die iüprozentigen zwischen 85 und 199 Proz. bewegten. Der U m- laufsmenge nach beherrschte am 1. Dezember 1924 der 8pro- zentig« Goldpsandbries den Markt. Er umfaßt« 36 Proz. des Ge- famtumloufs, während auf den öprozentigen 28 Proz., auf den 19proz«ntigen 27 Proz.. auf den öprozentigen 6 Proz. und auf den 7prozentioen 2 Proz. des Goldpfandbriefumlaufs fielen. Nach einer Statistik der Roggenrentenbank A.-(3. verteilte sich der Gesamtum- lauf der Sachwertpapiere folgendermaßen(ohne Kali-, Holz- und Zuckeranleihen): Goldpapiere Roggenpop. Koblenpap. am 1. Januar 1924.. 43 Proz. 34 Proz. 23 Proz. , 1. Juli 1924... 48, 42. 19, , 1. Dezember 1924. 57, 35, 8, Sämtliche Gold-, Roggen- und Kohlenpapiere hatten am 1. De- zember 1924 einen Nennwert von rund 699 Millionen Goldmark. Wie sich nun die Goldpfandbriefe auf die einzelnen Hypotheken- banken und Bonkgruppen oertellen, dos steht bis heute nicht fest. Nur für die Gemeinschaftsg wppe Deutscher Hypothekenbanken und die Dodenkredit-vereinigung kann das für 31. Dezember 1923 bzw. für 1. Januar 1924 an Hand der 1923er Schluß- und der Golderöff- nungsbilanzen festgestellt werden. GemeinfckaftSgr. Pereinigung Pfandbriefe auf Gold 20.26 Mill. M. 10,89 Mill. M.) auch auf Kommunalobl. a. Gold 31,65„, 3,72„„(Roggen Ueber die Ausdehnung des Goldpfandbriefgeschäfts im Laufe des Jahres 1924 bei den einzelnen Hypothekenbanken und Bankengruppen werden erst die Schlußbilanzen für das Jahr 1924, die demnächst herauskommen müssen, Aufschluß geben. Wie die Hypothekenbanken durch die ganzen Kriegs- und In- flattonsjahre als privatkapitalistische Unternehmun- gen hindurchgekommen sind, dafür sind die Golderöffnungsbilanzen der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken ein Beispiel. Sapilal und Reserve« der Gemeinschaftsgruppe 1913:1924. Deutlche Hypothekenbank Meiningen Frankfurter Piandbriesbant A.-G.. Leipziger Hypothekenbank.... Norddisch. Grundkreditbank Weimar Preuh. Bodenkredlt-Aktienb. Berlin. Schlei. Bodenkredll-Aklienb. Breslau Westdeutsche vodenkredllan'iaüKöln Stammkapital 1913| 1933|l 1.34 31.5 19,8 12,0 7,5 30,0 25.8 10,0 162,0 75,0 43.8 33,0 136,5 75.0 43,8 12,0 6,0 2,5 2,5 10,0 6,0 3,0 Reserve» 1918 1 1,1.24 7.90 7.04 4,28 1.08 7,00 10,25 1,32 1,20 0,60 0,25 0,23 1.00 0,60 0,80 Vor- ratS- aktien t 1.1924 3,792 2,238 0,200 0,700 3,160 2,192 0.600 136,6| 569,1|42,0 38,87] 4,20 12,882 Die 7 Banken der G nwinlchastsgruppe hallen 1913 zusammen ein K a p i ta l von 136,9 ur7. R e s e r v« n im Betrag von 38,87 Millionen. A m 1. Januar 1924 haben sie«in Goldkcpital von 42,9 und Reserven im Bcttagr von 4,2 Millionen ausgewiesen. Dazu kommen Vorrat satllen im Werte von 12,882 Millionen Mark, die als Ztktioum, allerdings nur mit 59 Proz. ihres Werte-, eingesetzt sind. Ohne Berücksichtigung dieses Bewertungsabschlags beträgt das eigene Gesamtkapital 1924 also 59,08 Millionen gegenüber 175,47 Millionen 1913. Das ist ziemlich genau ein Drittel, viel mehr, als man allgemein erwartet hatte. Die Banken der Gcmeinschaftsgruppe hoben ihre„Substanz* durch die verschiedenartigen Geschäfte in der Inflationszeit, also mindestens ebenso gut schützen können wie z. B. die Großbanken, die es als Kreditbanken etwas leichter hatten. Die Goldhypotheken und Goldpfandbriefe, kam- munalen Golüdarlehen und Goldobligaiionen. di.e die Gemeinschafts. banken im Jahre 1923 besorgt und untergebracht haben, machen unter den Aktiven und Passiven gleichmäßig 29,26 und 31, 6ö Mll- lionen aus. Interessant ist ein Posten„freie Hypotheken* unter den Aktiven, die also reine Vermögensforderung der Gemeinschaftsbanken sind, ein Betrag von 19,55 Millionen, von denen in der leptcn Papiennarkbilonz noch nichts stand, Ueber diesen Posten be- steht keine Klarheit. Man weiß nicht, wie die Banken in den In- flationsjahren z» ihm gekommen ssnd. Unter den Passiven befindet sich ein Posten„Rückstellung aus Hypothekenauswertungen*, der auch die 226 999 Goldmark Hypothekenaufwertungsgelder enthäll, welche die Gemein» schaftsbanken 1923 bei der Tilgung noch nicht fälliger Papier- kp.arkhypotheken von den Schuldnern erlangen konnten. Diese 226 999 Goldmark sollen für die Aufwertung der Papiermarkpfandbriefe reserviert, nicht als Gewinn verteilt werden. währnng und hppothekenmarkt. Das nun die Zukunft der Hypothekenbanken an- belangt, so ist deutlich, daß in den Goldpfandbriefen und Gold- obligationen bereit» die Grundlage für die spätere Entwicklung ge- geben ist. Ob Pfandbriefe und Obligationen„m ü n d e l> I ch e r* sind, das hängt ja weniger von den Hypothekenbanken selbst, als von der Stabilität der Währung ab. Soweit die Viondbriese und Obligationen auf Feingoldgcwicht lauten, sind sie auch von der Währung unabhängig. Wahrscheinlich aber wird die n e u e R e i ch m a r k bald wieder die Hauptgrundlage werden, schon um die Sicherheit der Reichsmarkwährung psychologisch zu unterstützen. Fraglich ist es. ob die Konzentration der Hypotheken- danken förderlich ist oder nicht. Wahrscheinlich wird sie bleiben und braucht auch dann nicht schädlich zu sein, wenn die Auswohl der Hypothekenobjekte und der Darlehenssucher sorgfältig genug ist. Es liegt an sich kein Anlaß vor, nicht ein ganzes Land oder dos Reich als Spar- und Darlehensbccken auszunutzen und durch ver- wallungsinäßige Vereinheitlichung das Hypothekenbankwesen aktionskräftiger zu machen. Verhandelt doch gegenwäriig die Gemeinschafts- gtuppe Deutscher Hypothekenbanken bereits in New Port, um amerikanische Spargelder für deutsche Bauzwecke aufzutreiben. Jedenfalls ist bei stabiler Währung der Pfandbrieferwerb durch die Sparer wieder möglich. Die Sparer müssen nur, ganz anders und viel nachdrücklicher als im Krieg und während der Inflation, als Staatsbürger ihre Interessen erkennen und von vornherein alle Wünsche ihres patriottscheii oder sonst idealistischen Herzens der absoluten Notwendigkeit, die Währung stabil zu erhalten, unterordnen. K— r. Geringere Seschästigung der Serliner Industrie. Die Beschäftigungsmöglichteiten sind in Berlin während der letzten Woche weiterhin zurückgegangen. Diese Verschlechterung tritt auch zahlemnäßio, wenn auch nicht so stark wie in der Lorwoche, bei den Arbeitssuchenden und Unterstützungen empsängern in Erscheinung. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ent- sollt hauptsächlich auf die Gruppe ungelernte Arbeit und aus das Baugewerbe. Einzelne Spezialfachkräsie, vornehmlich in der Metallindustrie, dem Nahrungs- und Genußmittelgewerbe, dem Belle idungs- und Dervielfälligungsgewerbe und in den technischen Berufen blieben noch wie vor gesucht. Es waren 6S328 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetra- gen, gegen 63 838 der Vorwoche. Darunter befanden sich öl 389 (49 896) männliche und 13 939(14 932) weibliche Personen. Unter- stützung bezogen 27 274(26 721) männliche und 5533 (5547) weibliche, insgesamt 32 897(32 268) Personen. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pslichtarbeiten Ueberwiefenen betrug 408 gegen 378 der Lorwoche.__ die Iinanzlage der deutschen Neichsbahn-Gefellschafl Die Ausschüsie und der Derwaltungsrot der Deutschen Reichs- bahn-Gesellschaft haben in dieser Woche in Berlin getagt. Emen Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Finanzlage der Gesellschaft und insbesondere die Sicherstellung der R e p a r a- tionszahlungen. Die erste Rate von 199 Millionen Mark wird am 1. März 1925 gezahlt werden. Die Finanzlage der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft erwies sich nach dem amtlichen Bericht, immer noch als so gespannt, daß bei etwa nicht zu umgehenden Erhöhungen der Ausgaben von einer gleichzeitigen Steigerung der Einnahmen' nicht abgesehen werden kann. Eine solche müßte gegebenenfalls in der Erhöhung der Personentarife und unter Unständen in der Steigerung der Tarife für die Zeitkarten gefunden werden. Für das System des Fracht stundunosgefchäfts der Deutschen Reichsbahn-Gesellfchaft mst der Bertehrs-Kredit-Bank wurden neue Bestimmungen gegeben. Der Derwaltungsrot ist damit einverstanden, daß die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft noch ihrem Ermessen flüssige Gelder der Deutschen Derkehrs-Kredit-Bant zur bankmäßigen Berwaltung überläßt unter der Bedingung, daß die Deutsch« Lertehrs-Krebit-Donk sich nicht mit allgemeinen Bankgeschästen be- faßt und demgemäß sich nicht zu einem ollgemeinen Kreditinstitut entwickelt. Die Gelder dürfen durch die Bank nur an anerkatmte, angesehene Banken gegeben werden. Die Kreditgeroährung der Verkehrs-Krsdit-Bonk ist gebunden an die Zustimmung des Aufsichtsrats und des Ueberwachungsausschusies der Bank, die nach den Wünschen des Berwaltungsrats der DRG. zusammengesetzt sein müssen. Zum Abschluß eines Vertrages der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft mit der sranzösisch-belgifchen Fähiboot-Gesellschast erteilte der Verwaltungsrot seine Ermächtigung. Es soll dadurch die Möglich- kell einer unmittelbaren Ueberführung von Essenbohrewagen.zwischen dem Festlande und England geschaffen werden. Die Statistik der DRG. soll entsprechend der Neuordnung des Unternehmens unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaststontrolle ausgebaut werden. Kür die Annahme des denssch.spanischen Handelsabkommen» setzt ssch in einer ausführlichen Resolution eine Reihe von Spitzen- oeroänden der deutschen Wirtschaft ein, nämlich der Deutsche Industrie- und Handelstag, der Reichsoerband de« deut- schen Ein- und Ausfuhrhandels, der Reichsverband deutscher Reeder und der Zentralverband des deutschen Großhandels. Sie verweisen darauf, daß bei einer Ablehnung de» dcutsch-spareischen Handels- abkommens der M a x i m a l t a r i f auf deutsche Waren, die noch Spanien gehen, angewandt werden würde und daß die Gefahr eines Zollkrieges besteht. Dieser würde schwer« Schädigungen für die deutsch« Ausfuhr zur Folg« haben. Sie richten an die Reichsregierung die Bitte, in weiteren Verhandlungen mit der fpani- schen Regierung zu versuchen, die Nachteile de, Abkommens für den deutschen Weinbau aus dem Bertram zu beseitigen. Eine Znduslrie. die nur zu 30 Pro,, ihrer Lelssungssäh igtest beschäftigt ist. ist die deutsche Ka l k i n d u st r i e. Dabei hat sich der Beschäftiaungsgrad der Kalkwerke gegenüber 1923 im letzten Jahr« wesentlich gebessert. In Süddeutschland war die Kalkindustrie zeit- wellig nur 10 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen. Man kann sich danach ungefähr ein« Vorstellung machen, wie hoch dl« Kaltpreis« sein müssen, um die Werk« bei so mangelhafter Ausnutzung noch rentabel zu machen. Di« straffe Syndikats- Politik ermöglicht es den Unternehmungen derart die Preis« zu überspannen. Im Hinblick darauf, daß heute der Wohnungsbau aus öffentlichen Mitteln gespeist wird, wäre es dringend erforderlich. nachzuprüfen, ob nicht der Zlur qemeinwirffchafllichen vautätigtett erforderliche Kolk durch volle Ausnutzung weniger leiftungsfährger Werke wesentlich billiger beschafft werden könnte, als dies bei einem so gewaltigen Leerlauf in der Industrie möglich ist. Kanada baut seine DifserenzialzSlle ab. Die kanadisch« Regt» rung hat die Reichsmart als„Standard'-Währung. als vollwertige, Geld anerkannt. Di« zollpolitische Wirkung diese, so un. icheinbar aussehenden Beschlusses ist für Deutschland von großer Tragweite. Bisher lagen nämlich auf deutschen Waren, die nach Kanada gingen, erheblich« S o n d e r z ö l l e. die sich geg«n da, deutsche Baluta-Dumping wandten und die seit der Marksiobilisse�ung die deutsche Aussuhr nach Kanada überaus erschwerten, mindesten» aber die Einfuhr Kanadas aus Deutschland wesentlich schlechter stellten, gegenüber der Einfuhr aus anderen Ländern. Dies« Zoll, differenzierung ist— wohl al» Folg« de» deutsch-englisch«» Handel». vertrag«— jetzt aufgehoben. Gegen den Rechtsturs! Große Kundgebung Sportpalast Gewerkschaftsbewegung ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Vierundzwanzig Stunden Dienst! Gemeingefährliche Ausbeutung. Am Freitag beschäftigte sich eine vom Deutschen Berkehrsbund einberufene öffentliche Versammlung der Kraftdroschtenführer im Gewertschaftshaus mit der Lage im Kraftdroichtengewerbe. Die überfüllte Bersammlung folgte mit größter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Genossen Heyl, der einleitend ein Schreiben der Hauptverfehrsstelle des Bolizeipräsidiums verías, welches bliz artig die Berhältnisse im Kraftdroschtengewerbe in bezug auf die Arbeitszeit unserer Kollegen beleuchtet. Da diese Zuschrift für die gefamte Deffentlichkeit von Interesse ist, bringen wir sie im Wortlaut: am 27. Januar, im Redner: Ministerpräsident Otto Braun, Reichstagspräsident Löbe, Reichstagsabgeordnete Trispien, Dr. Rudolf Breitscheid, Dr. Levi, Müller- Franken, Scheidemann Massengesang von 250 Arbeitersängern Die Arbeiterjugend trifft sich abends 27 Uhr am Hochbahnhof der Station Bülowstraße „ Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß die Führer von Kraftdroschten in großem Umfange einen durchgehenden 24stündigen Dienst verrichten. Dies widerspricht nicht nur dem§ 66 Abs. 7 der Droschtenordnung, sondern in der Regel auch der Berordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 RGBI. I, S. 1249) und bedeutet eine starte Gefahren quelle für den öffentlichen Bertehr. Ich erjuche ergebenit. Ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um diesem gesezwidrigen Zustande sobald als möglich ein Ende zu machen. Ich werde die Angelegenheit in einiger Zeit zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung machen und mich dann gegebenenfalls genötigt sehen, mit Strafverfügungen bzw. Strafanzeigen durchgefällt, in dem die Lage der Arbeiterschaft als sehr verbesserungs greifend vorzugehen." men wiedergewählt. Die Anträge auf Wiederaufnahme der Aus geschlossenen wurden abgelehnt und eine Resolution angenommen, die die sofortige Freilaffung der politischen Gefangenen in allen europäischen Ländern verlangt. Die Bersammlung fordert insbesondere von der Sowjetregierung Rußlands die Freilassung der russischen revolutionären Sozialisten. Heyl gab in furzen Zügen ein Bild über die durch verschiedene behördliche Maßnahmen herbeigeführte Umwälzung im Kraft broschtengemerbe und behandelte dann im besonderen die ohn und Arbeitsverhältnisse der Kraftdrofchten. der Kraftdroschten führer: In der anschließenden, zum Teil sehr erregten Diskussion wurde von allen Rednern ein sofortiges Eingreifen der Organisation gefordert Zwei in dieser Woche stattfindende Massenversammlungen der Kraftdrojchtenführer werden sich eingehend mit der Regelung der Lohn und Arbeitsverhältnisse im Kraftdroschtengewerbe be. faffen, um die augenblicklichen unhaltbaren Zustände möglichst zu beseitigen. Generalversammlung der Gasthausangestellten. Die Generalversammlung des Verbandes der Hotel-, Restaurant. und Café- ir gestellten am Donnerstag im Gewerkschaftshaus hatte die Wahlen der Bevollmächtigten und Raffierer vorzunehmen. Die femmunistische Opposition ließ zu Beginn der Disfuffion er tlären, daß sie feine Gegenvorschläge madyan fönne, daß fie aber ter neuen Berwaltung eine Reihe von Forderungen unterbreiten würde. So verlangten die Kommunisten, die behaupteten, nuz fie befäßen das Bertrauen der Masse, daß die Parteipolitik zurüdgestellt werde und politische Neutralität eintrete. Ferner ver. langten sie den starren Achtstundentag über das Abkommen pon Bashington hinaus. Schließlich wurde, mie üblich, die Befreiung der politischen Gefangenen und die Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen gefordert. Im felben Atemzuge erflärte aber der Sprecher der Kom mumisten, daß für fie auf dem Boden der jetzigen Gewerkschaften feine Arbeitsmöglichkeit bestände. Bon der Funktionärverfammlung waren die alten Bevoll mächtigten und Kassierer Saar, Hennings, Warnat und Gruber wieder vorgeschlagen. Die Redner der Opposition hatten eben ihre Ausführungen beendet mit der Erklärung, teine Gegenvorschläge zu machen, als unter großem Gelächter der Versammlung Flug blätter verteilt wurden, die wie folgt schlossen: „ Deshalb wird jeder flaffenbewußte Gastwirtsgehilfe, jede Koflegin, die bereit ist, den Kampf um ihre Existenz zu führen, Saar und feinen Komplizen den verdienten Fußtritt geben und nur Kollegen wählen, die sich zum Kommunismus und Klaffenkampf bekennen. Darum jede Stimme für die Liste Sauber- Schlör- Mehrer- Weiß." Offenbar war die Berbindung mit der Rosenthalerstraße nicht in Ordnung. Die Folge war denn auch, daß die fommunistische Minder heit vollständig zugedeckt wurde. Bon den verschiedensten Diskussionsrebnern wurde verlangt, daß die Verwaltung nun noch mehr Dampf mache für die SPD., als wie bisher. Die Erklärungen der Opposition wurden als unehrlich und fabritmäßig hergestellt bezeichnet. Ein Redner fagte, daß die Arbeiter auf den KPD.- Kohl nicht mehr hereinfallen. Er als Koch tönne den Kommunisten ein sehr gutes Rezept geben:„ Man nehme einen Raum in der Rosenthalerstraße und jete einen Bonzen hinein, dann hole man Schupo herbei, um die Schlangen der sich anmeldenden Mitglieder für die„ revolutionäre Gewerkschaft zu regeln. Die alte Berwaltung wurde mit allen gegen 17 StimEin Riesenverlust to be rudens ur Haupt- und Schlußziehung der 24.( 250.) Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie versäumt, fich Jubiläumslotterie rechtzeitig au fichern Ueber 16 Millionen Reichsmart tommen in biefer Hauptziehung innerhalb 8 Bochen zur Ausspielung. barunter im günstigsten Falle ein Hauptgewinn von 1 Million Reichsmart Ablauf ber planmäßigen Erneuerungsfrist am nächsten Freitag, den 30. Januar, abends 6 Uhr Siehungsbeginn am 6. Februar Wettlauf „ L ed side Streifgefahr in der Metallindustrie des Saargebiets. Saarbrüden, 24. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Zur Regelung der Löhne in der eifenverarbeitenden Industrie des Saargebiets hat der Schlichtungsausschuß Saarbrüden einen Spruch bedürftig bezeichnet wird. Gleichzeitig wird aber erklärt, daß eine wesentliche Belastung der eifenverarbeitenden Industrie des Saargebiets nicht möglich sei. Der Ausschuß verlangt deshalb von den Arbeitern, den bisherigen Widerstand gegen die Leistung von Ueberstunden aufzugeben und zur Vermehrung und Verbilligung der Produktion für eine noch zu vereinbarende Zcit notwendig merdende Ueberstunden zu leisten. Dafür sollen die Arbeitgeber den Stundenlahn um 10 Proz. erhöhen. Es ist zu erwarten, daß die Unternehmer die von ihnen geforderte Lohnerhöhung ablehnen werden und daß es dann voraussichtlich zu einem Streit tommen wird, der die gesamte Metallindustrie des Saargebiets erfaffen dürfte. Neue Entschädigungssäge für Monteure. Bur Regelung der Auslösung bei Außenmontagen und für die Entschädigung für Fahr- und Laufzeit bei Stadtmontagen ist für die Beit vom 26. Januar bis 30. April 1925 ein neuer Tarif vertrag zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und dem Verband Berliner Metallindustrieller abgeschlossen worden. Die Auslösungssäge für die Gruppe der Großmaschinen- Monteure betragen 6 refp. 7.50 m. Die Säge für die anderen Monteurgruppen regeln fich ungefähr im bisherigen Verhältnis. Der Tarifvertrag ist im Deutschen Metallarbeiterverband, Linienftr. 83/85, erhältlich. Arbeitsangebote nach Werkzeugmacher und Schnittbauer! Erfurt find wegen den dort zurzeit bestehenden Differenzen a b Deutscher MetaDarbeiter Verband. zulehnen. Ortsverwaltung Berlin. Berliner Gewerkschaftsschule. Der Lehrplan der Schule umfaßt wie bisher drei Stufen: Einführungsturse als Unterstufe, für Hörer, die feinerlei Vorbildung befizen, Arbeitsgruppen der Mittelstufe auf den Gebieten der Wirtschaft, des Rechtes, des Gewerkschaftswesens, der Sozialpolitik und der Kulturpolitit, und Seminare als Oberflufe für Hörer mit umfassenderer Vorbildung. In Sophien- Cy3eum, Weinmeisterstraße 16/17, finden folgende Lehrgänge ftatt: SO. 9. Boltswirtschaftliche Arbeitsgruppe für Anfänger. Lehrer: Dr. Heinrich Ader. Beginn: Dienstag, den 10. Februar 1925, abends 7 Uhr, Zimmer 19. SO. 11. Sulfurpolitische Arbeitsgruppe. Lehrer: Henny Schumacher. Beginn: Montag, den 9. Februar 1925, abends 7 Uhr, Zimmer 18. Im Hygienischen Juffitut der Universität, Dorotheen ftraße 28 a: SO. 10. Arbeitsgruppe: Sozialpolitit. Lehrer: Dr. Norbert Mart. Beginn: Donnerstag, den 12. Februar 1925, abends 7 Uhr, Achtung, Holzarbeiter! Troh der Kundgebung im Sportpalaft haben die SPD.- Holzarbeiter am Dienstag, den 27. Januar, zunächst die Bersammlungen ihrer Branchen und Bezirke zu besuchen, um an der Wahl der kommiffionen feilzunehmen. Alsdann gehe jeder zur Kundgebung im Sportpalast. Der Bezirksverband Berlin SPD. Achtung, SPD.- Metallarbeiter! Am Montag abenb 7 Uhr in den Garbe- Sälen, Sophienstr. 34. Ber fammlung aller SPD. Mriallarbeiter und-arbeiterinnen. Tagesorb nung: 1. Die Ronzernbildung in der Metallinbustrie, unter besonderer Berücksichtigung ber Handelsprobleme". Referent Rebatteur Genosse Saternus. 2. Frettionsangelegenheiten und Berschiedenes. Barteiausweis legitimiert. Bollzähliges Erscheinen erwartet Dez Fraktionsvorstand. {}} Mufifinftrumentenarbeiter der SPD. Morgen, Montag, nachmittag 5 Uhr wichtige zufammenkunft der Bertreter aller Betriebe der Richtung Amsterdam. Rein Betrieb barf fehlen. Trog der Barteiverfammlung am Dienstag hat jeder Rollege nub Anhänger unserer Richtung zunächst in unserer Branchenversammlung zu erscheinen. Der Berbeausschuß. Rigarettenindustrie. Morgen, Montag, nachmittag 5% Uhr im Rosenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11-12( Weißer Goal), Gizung fämtlicher Funktionäre der Sigarettenindustrie. Rartellvorstand und Beirat eine Stunde früher. Der Kartellvorstand. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe bez Töpfer. Die Mitglieder webden aufgefordert, fich an der öffentlichen Bersammlung am Dienstag, den 27. Januar, abends 6 Uhr, in Saverlands Feftfälen, Steve Friedrichstr. 35, su beteiligen. Entwidlung und heutiger Stand der Seiztechnic." Referent Here Eder- München. Der Fachgruppenleiter. Achtung, Zimmerer! Berbandskameraden, sendet Eure Vertrauensleute und Betriebsräte zur Vertrauensmännerversammlung am Dienstag, den 27. Januar, abends 7 Uhr, in Haverlands Festfälen, Neue Friedrich ffr. 35, Eingang Rochftraße. Auch fendet alle Lehrlinge in unfere Lehrlingsversammlung am 28. Januar, abends 7 Uhr, im Gaal 3 des Gewerkschaftshauses. Der Borstand. Zentralverband der Schuhmacher. Montag Versammlung der Seimarbeiter ( Stepper, Stepperinnen, Bender, Benderinnen, Stablerinnen) alfer Betriebe, abends 6 Uhr, im Gaal 5 des Gewerffaaftshauses, Engelufer 25. Mittwoch Branchenversammlung der Bouisbinder, nachm. 5% Uhr, im Saal 2 des Gewerf. schaftshauses, Engelufer 25. Geschäftliche Mitteilungen. Und wenn einmal bas Gelb nicht reicht, fauft man bei Feder feberleicht, dem bekanntesten und allergrößten Kredithause Deutschlands, dessen allzeit bewährtes und in weiten Kreisen beliebtes Teilzahlungsinfiemt jedermann GeTegenheit bietet, auf Reebit unter leicht an erfüllenden Rahlungsbedingungen einautaufen. Man beachte die vier Adreffen der Firma B. Feder: im Norden, Brunnenstr. 1, am Rosenthaler Blak: im Often, Frankfurter Allee 350; im Gülden, Rottbufer Damm 103; im Besten, Charlottenburg, Scharrenfle, 5, Direkt ant Wilhelmsplak. Wir verweifen auf das Inferat in der heutigen Ausgabe. Es gibt auf jedem Raufgebiet Ein Bestes", daß die Räufer zieht". Durch 3m großen Rüdenmarktbereich Ift dies die Rahma buttergleich") ihre buttergleiche Gülte Weshalb fie Gift fie als aller Marten Blüte, auch der Butter facht So Rang mie Sausrecht streitig macht. 3hr Preis on führt fie zu dem Riel: Die Rahma toftet halb fo viel! Darum, zum Kochen, wie zum Speifen Berbraucht man heut in allen Areifen Rahma buttergleich" tagtäglich Denn ihre Wohltat ist unsäglich. *) feinste Margarine. Nure beitnehmer. Lehrer: Maria Hodann. Beginn: Dienstag, den 10. Februar 1925, abends 7 Uhr( 10 Abende). C. 1. Einführungsfurfus: Die gesellschaftliche Stellung der Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. C 2. Bollswirtschaftliche Arbeitsgruppe für Fortgeschrittene. abends 7 Uhr. Lehrer: Dr. Mar Klesse. Beginn: Freitag, den 13. Februar 1925, C. 3. Arbeitsgruppe: Arbeitsrecht( für Anfänger). Lehrer: Willi Beinberger. Beginn: Dienstag, den 10. Februar, abends 7½ Uhr. C. 4. Arbeitsrechtliche Gruppe für Fortgeschrittene. Lehrer: Clemens Nörpel. Beginn: Dienstag, den 10. Februar 1925, abends 7 Uhr. C. 5. Arbeitsgruppe: Gewerkschaftswesen. Lehrer: Richard Seibel Beginn: Donnerstag, den 12. Februar 1925, abends 7 Uhr. Jm Leibniz- Gymnasium, Berlin SD., Mariannenplag: SO. 6. Einführungsturfus: Die gesellschaftliche Stellung der Arbeitnehmer. Lehrer: Richard Linnede. Beginn: Montag, den 9. Februar 1925, abends 7 Uhr, Zimmer 17. SO. 7. Urbeitsgruppe: Betriebslehre. Lehrer: Dipl. Handels. abends 7 Uhr, Zimmer 17. Norden 9296. Säle frei! Gute Ratschläge zur Haarpflege! Wie oft hört man den Ausspruch Sie hat wundervolles Haar!" und immer wird man feststellen, daß das schöne Haar- gutgepflegtes Haar ist. Nicht jeder ist von Natur mit starkem Haarwuchs ausge ftattet, aber jeder fann gutgepflegtes und damit auch schönes Haar haben. Zur guten Pflege gehört in erster Linie eine regel mäßige Kopfwäsche, die dem Haar das überschüssige Fett nimmt und ihm das duftige volle Aussehen gibt. Doch darf man das Haar nicht mit einem beliebigen Waschmittel behandeln, da irgendwelche scharfen Bestandteile das Haar stumpf machen würden und äußerst Schädlich wirken. Darum ist der Kauf eines geeigneten Ropfwaschmittels entschieden Vertrauenssache. Als mild und absolut unschäd lich, leicht löslich und start schäumend, dabei durch seine sachgemäße Zusammensetzung ganz vorzüglich reinigend, desinfizierend und die Hauttätigkeit anregend, hat sich seit langen Jahren das allgemein beliebte Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" bewährt, das unter fopf, Berlin- Dahlem hergestellt wird. Es fann jedem mit bestem Gewissen empfohlen werden. Jedoch achte man beim Einkauf genau auf die altbekannte Schußmarte Schwarzer Kopf" und verlange ausdrücklich„ Schaumpon mit dem schwarzen Kopf". Lehrer Paul Roste Beginn: Dienstag, den 10. Februar 1925. Berwendung allerfeinster Rohstoffe von der Firma Hans SchwarzSO. 8. Arbeitsgruppe: Einführung in die Rechtsbegriffe und die Rechtsanwendung. Lehrer: Dr. Theodor Tichauer. Beginn: Dienstag, den 10. Februar 1925, abends 7% Uhr, Zimmer 18. mach guten Qualitäten Kinder- Schnürstiefel Damen Halbschuhe Lack- Schnürschuhe Herren Schnürstiefel 90 mod. Ia Lackleder, in eleganter spitzer Form, prima Rindbox, in bequemer runder 50 Derbyschnitt 980 Herren- Halbschuhe prima Rindbox, in allerneuester spitzer Form, mit flachem prima echt Bindbox, in bequemer pa. echt Chevreaux und Boxcalf, in elebreiter Form mit starken Leder. 380 ganter moderner Form, mitig. 5 Fabrikat, hochf. Verarbeitung 12 material, gute Verarbeitung.... Bohlen, Ia Qualität 23-24..... Kinder- Schnürstiefel Lack- Spangenschuhe Lack- Spangenschuhe prima Lackieder, in eleganter sp tzer pa. Lackleder, in alleruenester spitzer moderner Form. elegantem 50 und halbspitzer Form, einschaft, echt rahmengenäht... 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Die Berüde" erlebte in der Alhambra ihre Uraufführung und erzielte den wohlverdienten großen Erfolg. Die Haupthandlung ist in eine Vision verlegt, die von einer Rohmenhandlung eingeleitet und geschlossen wird. Ein fleiner Schreiber, ein alterndes schrullenhaftes Original, der in irgendeinem Hinterhause, das sehr lebendig vorgeführt wird, sein cinsames Dasein führt und in seiner Schreibstube von den Kollegen besonders wegen seiner Glaze zur Zielscheibe ihres Gefpötts gemacht wird, beschließt, diesem ein Ende zu machen. Er ersteht beim Friseur cine wunderbare Perücke, die ihm ein ganz anderes Aussehen verleiht und ihn zu einem respektablen würdigen Mann macht. Die Perücke hat einem Fürsten gehört, der irgendwie spurlos aus dem Leben verschwunden ist. Während der Schreiber die Perücke- vor feinem Spiegel probiert, schläft er ein und erlebt als Traum das Schicksal des Fürsten, dem einst die Perücke gehörte. Der Fürst, der verschollen ist, fehrt nach langer Abwesenheit wieder in sein Schloß zurück. Er wird wie ein Gespenst empfangen, an dessen Wirklichkeit man nicht recht glaubt. Seine junge Frau hat sich längst einem jugendlichen Geliebten ergeben, dem Neffen des Fürsten. Schwere Konflikte steigen auf, der Fürst, dem allein ein alter Diener treu geblieben ist. wird stummer Zeuge eines bacchan tischen nächtlichen Gartenfestes. Im Schattenbilde sieht er, wie seine Frau ihm untreu wird. Er muß das Martyrium bis zum letzten durchkosten, daß das junge Leben über ihn hinweggestürmt ist und daß er wie ein unwillkommener Gast angeschaut wird. Die jungen Liebenden beschließen, als er ihre Festfreude stört, ihn unschädlich zu machen, entführen ihn nächtlicherweile in eine Irrenanstalt, wo ihm eine Zwangsjacke angelegt wird. Aber der treue Diener, den man zunächst unschädlich gemacht hatte, weiß die Fürstin, die von schweren Bisionen gepeinigt wird, umzustimmen. Der Fürst wird mieder heimgeholt, aber nach einem gewaltsamen Auftritt mit dem Liebhaber seiner Gattin räumt er der Jugend das Feld. Er entläßt die Liebenden und erschießt sich. Der Schreiber erwacht aus seinen angstvollen Träumen, sieht verduzt die Perücke an, legt sie refigniert wieder in den Kasten und beschließt, zu bleiben, was er ist: ein armes fleines Schreiberlein. Berthold Viertel läßt die ganzen Vorgänge der Zwischenhandlung im Charlottenburger Schloß geschehen. Alles ist in Dämmer und Halbdunkel gerückt, und dadurch wird der phantastische Charakter gewahrt. Gleichzeitig entsteht so ein Drama des Halbdunkels. Dämmerige Gänge, spärliche Kerzenbeleuchtung, durch Vorhänge eindringendes Licht, nächtliche Fackelbeleuchtung, alle diese Faktoren des Halbdunkels und Helldunfels werden, in ihren magischen Wirkungen erprobt und so ein geheimnisvoller Schimmer über das ganze gebreitet. Wunderbare Schattenwirkungen werden erzielt, ganz phantastisch und groß ist das Spiel der Schatten in Tanz und Umarmung des Liebespaares und in der gespenstischen Irrenhauszelle. Nicht alles ist flar.( Ist es der Traum des Schreibers oder hat eine Seelenwandeiung stattgefunden?) Nicht alles ist gestrafft und geglückt. Aber das, was der Kunstfilm auf seinem eigensten Gebiete leisten kann, ist als Ziel vortrefflich erfannt und in Szene gesetzt. Als Darsteller maren Otto Jebühr und Jenny Hasselquist hinzugezogen. Otto Gebühr entwidelte als Schreiber ein höchst bewegliches Mienenspiel und er wählte dann als Fürst den seriösen, gütigen aber auch etwas starren Typ, den wir schon von seinem Fridericus Reg her kennen. Er hatte wundervolle Momente, besonders des beseelten Augenausdruckes. Das junge lockende, lebensfreudige Blut war durch Jenny Hassel. quist finnenfroh verkörpert. Sie hatte einen schönen Rhythmus der bewegten Linie. Henry Stuart, ihr Geliebter, setzte prächtige förperliche Qualitäten ins Spiel. Ein rührendes Bild treuer Hingabe bot der alte Diener Karl Platens. Die Filme der Woche. D. Einen rechten Publikumserfolg hatte der in der Schauburg auf Geführte Film der Münchener Lichtspielkunst„ Aus der Jugendzeit flingt ein Lied Mar Ferner hat es verstanden, ein Spiel ven Liebe und Leid zusammenzustellen, das die Herzen rührt und die durch widrige Schicksale getrennten Jugendgeliebten schließlich dech zum beseligenden Bunde führt. Wirkungsvolle Musik und Ge fung unterstützt die Handlung und steigert die schon durch das Bild gegebene Stimmung. Der Regisseur Franz Osten segt alles in vor. trefflich geratene Bilder um, weiß die Handlung gefchickt zu steigern und hat auch das richtige Menschenmaterial herangezogen. Sehr fimmungsvoll hebt der Film an. Der junge Goldschmied Jurgen Asmussen fommt nach fünfjähriger Wanderzeit wieder heim in die Läterliche Schusterwerkstatt, von Heimweh getrieben. Die Erinne rungen seiner Jugend werden wieder wach in ihm, die Bilder ciner glücklichen Rinderspielzeit fteigen vor ihm auf. Er spielt wieder mit Klein- Anne, der Tochter des Müllers, er lebt noch einmal das erste Regen der Liebe und dann das große Leid, als der gräfliche Rebenbuhler sie ihm verführt und seine ganzen Hoffnungen zertrümmert. Der junge Graf freilich wird selber zum Opfer, als er Anne aus der brennenden Mühle retten will. Ihr Vater hat, um Spröde u.rote Haut Aufspringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und unreinen Teint beseitigt sofort Dieses bewährte Haut Leokrem pflegemittel erhalten Sie B überall, wo Sie die bekannte Chlorodont Zahnpajte taufen. sich zu rächen, das Schloß des Grafen angesteckt, aber der Inhalt ber brennenden Benzinfässer ergießt sich in den Bach und entzündet die Mühle. Alles das zieht vor den Augen des Heimgefehrten wieder vorüber, aber seine Liebe zu Anne ist nicht ec loschen. Er wird sie heimführen und das Lied aus der Jugendzeit Wirklichkeit werden lassen. Maria Minzenti, die bekannte Ballerina der Wiener Staatsoper, die zur Uraufführung erschienen war und ihre vollendete Kunst als Tänzerin im Beiprogramm im Walzer bewährte, ist die richtige jugendliche Geliebte, wie die jungen Mädchen sie sich tiäumen: frisch, anmutig und ausdrucksvoll. Ihr Partner at my long- Münz war ihrer in jeder Weise würdig, auch die onderen Figuren waren gut befeht. Besonders ist der Schuster des Ferdinand Martini hervorzuheben, der auch brillante fomische Wirkungen erzielte. Bon entzückender Natürlichkeit waren die kindlichen Darsteller, die auch in natura erschienen. Die ariftokratische Welt war durch Manfred Koempel und Lilian Gray respektabel vertreten. U Geschiedene Frauen" ist der Typus cines amerikanischen Filmes unbestimmbaren Alters, der in feiner Weise, außer vielleicht in seiner Billigkeit, Ansprüche auf eine Uraufführung in einem Berliner Premierentheater hat. Sein Schicksal in Ufa Theater am Kurfürstendamm bewies denn auch, daß unser Publikum von dieser Art Import genug hat. Die Personen sind in diesem Filmdrama nach ältestem Schema schwarz oder weiß: Unschulds lämmer oder Teufel. Insbesondere wird die geschiedene Frau, die einen braven, jungen, plöglich zu Reichtum gefonunenen Ingenieur seiner treu ergebenen, fameradschaftlich mitarbeitenden Frau abspenstig macht, als ein Ausbund von Schlechtigkeit und Raffinement hingestellt. Ein ganz arger Böswicht ist der Kompagnon des Ingenieurs, der bewußte reiche Mann, der die geschiedene Frau zu diesem Streich aufwiegelt, um so selber die Frau seines Partners verführen zu können. Das Ganze endigt mit einer großen Knallszene. Der Verführer wird von seinem Sekretär, dessen Frau er gleichfalls auf dem Gewissen hat, erschossen, die getrennten Che satten finden sich wieder, und das Spiel ist aus. In die Kolportagehandlung sind als Ruhepunkte ein paar luguriöse Szenen gesezt. Das Netteste ist eine Fahrt auf einem Privatdampfer. Von den Darstellern gewinnen Grace Darmond, die treue reine Frau, und Raby Miller, die verführerische geschiedene Frau, ein gewisses Interesse. Ein deutscher Film, der auch keine großen fünsterischen Ansprüche stellt, aber den Vorzug einer ununterbrochenen Spannung und sicheren Rhythmus hat, ist der Eichberg- Film„ Die Motorbraut ( Marmorhaus). Die Handlung ist etwas wild und unwahr. fcheinlich. Eine Fabrikantentochter, die mit einem Manne ihrer Klasse verlobt ist, hat den Ehrgeiz der Selbständigkeit und des eigenen Lebens. Sie arbeitet an einem Motor, der neue Wege weisen soll. Auf einem Autoausflug, den sie allein unternimmt, MARIA MINZENTI UND JACK MYLONG MUNZ KOMMEN ZU DER URAUFFÜHRUNG DES FILMS DER MUNCHENER LICHTSPIELKUNST A. G. AUS DER JUGENDZEIT KLINGT EIN LIED.. . REGIE: FRANZ OSTEN AB HEUTE TÄGLICH ABENDS 6 UND 19 UHR IN DER SCHAUBURG KONIGGRATZER STRASSE 121 NACH BERLIN BAYERN BAYER FILMS FILMS Sonntag, 25. Januar 1925 rettet sie einen entsprungenen Zuchthäusler vor seinen Verfolgern, bringt ihn bei einem Arbeiter ihres Werkes unter und sichert ihm eine Stellung in der Fabrik ihres Vaters. Der Zuchthäusler ist fein gemeiner Verbrcher. Er hat in der Leidenschaft einen jungen Dann schwer verwundet, der seiner Schwester nachstellte. Et vollendet den Motor der Erfinderin, die ihr Mitleid für den Verfolgten cllmählich in innere Teilnahme und Liebe verwandelt. Der neue Motor wird auf einem Motorbootrenner erprobt. Ein sensationeller Brand beendigt die Regatta; aber die beiden Erfinder kommen glücklich davon. Der Zuchthäusler rettet seiner Herrin das Leben, muß aber sogleich fliehen, da die Polizei auf seine Spuren gehez! ist. Er verschwindet aus dem Leben der Frau, die schließlich eine Stüge in dem ersten Verlobten findet. Aber der Verschollene kehrt nach Jahr und Tag zurück, und die Frau steht zwischen beiden Mannern. Durch eine Art Lotteriespiel soll entschieden werden, wem sie gehören soll. Sie fällt dem Zuchthäusler zu, und der andere will sich einsam aus dem Leben stehlen durch einen Absturz( dieser Aft spielt in den Schweizer Bergen). Aber der Sieger sieht, daß ihre Liebe dem anderen gehört, er rettet im letzten Augenblick den Todeskandidaten und stürzt sich selber in den Abgrund. Die Heldin ist Lee Parry. Sie ist ein forsche:, unternehmungsluftiges Mädchen, eine vortreffliche Sportlerin und sieht immer vortrefflich aus. Im Ausdruck seelischer Hochspannung versagt fie freilich noch, aber in diesem Film ist das nicht entscheidend; es ist mehr ein Sports und Sensations- denn ein Seelenfilm, der besonders allen sportlich Interessierten mancherlei Genüsse bietet. Amerikanische Spezialitäten. I. Der Amerikaner verlangt scheinbar nicht nach den Filmdar. ftellern ganz großen Formats, er ist befriedigt, wenn jeder seine eigene Note hat. Er freut sich über die Plattfüße des einen, die fautschufartige Gelentigkeit des anderen, er ist frohgelaunt, menn Baby Peppy große, erstaunte Augen macht, Jackie lächelt und Tom Mig mit Lasso und Revolver umzugehen versteht. Es ist ein Züchten con Spezialitäten. So erleben wir in Der Bon von Flandern"( UT. Nol lendorfplatz) wieder die Geschichte von dem armen Kinde, dem es endlich gut ergeht, weil Jadie Coogan die Hauptrolle spielt. Diese ist ihm filmficher auf den Leib geschrieben, so daß jede Szene der regsten, um nicht zu sagen der innigften Anteilnahme gewiß ist. Man sieht Jackie in der für ihn recht fleidsamen holländischen Tracht, mit den großen Holzschuhen und den langen Hosen. Oft spielt er schon etwas recht bewußt, aber es bleibt dennoch so viel unbewußt wirkendes übrig, daß man die Freude an dem Kinde behält. Wie nett ist Jackie, wenn er, als Glanznummer einer Kindergeburtstagsgesellschaft, in Mädchenkleidern mit seinem Rivalen liebäugelt, ihn fnufft und pufft oder tanzt und tanzt, bis die ver ratenden Hosen unterm Rock zum Vorschein kommen. Außer Jackie fieht man noch andere, recht gut spielende Kinder. Ferner hat man an einem prächtigen Hund seine Freude. Der deutsche Text, der u. a. die zeitgemäße Anfrage bringt:" Petrus, tommen Hausbesizer auch in den Himmel?", schlägt leider manches tot. Damit das Publikum Tom Mir in gewohnten Heldentaten bewundern kann, beehrt sich Fox, Wölfe in tief verschneiten Gegenden drehen zu lassen. Der Film bekam den Titel„ Unter den Wölfen von Alaska". Er wurde im früheren Bafag- Theater aufgeführt, das jegt og im Palmenhaus" heißt. Der Film ist start getürzt, Tom Mir bekommt aber auch dort unten in der tiefsten Wildnis, obwohl er fälschlich des Mordes verdächtigt wird, leine Goldmine und fein Mädel. Mit hervorragend guten Landschaftsbildern umrahmte man die beiden Sensationen, eine Fahrt durch Stromschnellen und einen Ringkampf mit Wölfen. Erstklassige Varieté nummern werden als Beiprogramm geboten. Das erinnert an die allerersten Anfänge des Films, wo er auch nur als Nachspeise eines Barieté programms serviert wurde. Die Amerikaner unterbieten sich im Film„ Die Probierdame" ( Tauenzien- Balast). Dieser grobe Unfug wird ein Film Melodrama genannt. Es ist ein wüftes Durcheinander von Unwahrscheinlichkeiten und Brutalitäten. Schlaganfälle, Entführungen, Mordversuche, Verfolgungen und dergleichen Ergöglichkeiten mehr wechseln miteinander ab. Aber die Millionenerbin erhält ihr Vermögen und ihre Mama, wenn sie auch eine Zeitlang zu unserer Augenweide als fabelhaft schöne Probierdame ging. Filmnotizen. e. b. Der Flug um den Erdball", der neue Ellen- Richter- Film, deffen Aufnahmen auf einer Expedition nach Dftafien ausgeführt wurden, gelangt Mitte Februar im UT., Surfürstendamm, zur Aufführung. Die Deutiche Vereins- Film A... wird ihren For Film, Tom Mig, der Damenfreund" im Theater Filmed", Stalizer Str. 94, als Uraufführung starten laffen. Gleichzeitig läuft der Film in zwanzig nam haften Berliner Theatern. Friedrich 8eInit hat im Rahmen der Phoebus- Produktion die Aufnabmen zu feinem neuen Großfilm, Athleten nach dem Roman von Dlga Bohlbrüd beendet. Die weibliche Hauptrolle spielt Asta Nielsen. Die Kulturabteilung des Universum- Films plant für Anfang März eine zweite Einatter Presseborführung, die ein ausgewähltes Borführungsprogramm enthalten wird. Die Export- Film- Bertrieb G. m. b. H., die unter der Regie von Fris Staufmann die Soldatentragödie Reveille das große Beden herstellt, hat für die Hauptrolle Berner Strauß verpflichtet. 9 Einen großen Erfolg hatte der Nibelungen Film bei feiner Uraufführung in Etodholm. Der Film wurde mit großer Begeisterung aufgenommen, und die Presse begrüßte den Film als eine neue große Tat. Das„ Svenska Dagbladet" spricht von einer glänzenden Filmschöpfung. Togal hervorragend -Tabletten bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 126% Lith, 0,46% Chinin, 74,3% Acid acet salic., ad 100 Amylum Sine neue Super Bey: TULA 62% W.H.WITTIG Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Tägi. 8 Uhr; 5 Uhr Götter Professor dämmerung Opernhaus am Königsplatz 72 Fledermaus Schauspielhaus 7 Charleys Tante Schiller Theater Bernhardi v. Artur Schnitzler Boun, Klein- Rhoden, Becker, Chandon, Bur er, Schröder- Schrom a. a. m. 2: Guten Morgen, Kleines Th. Hr. Fischer!<-was Pest d Handwerker Tägl. 8 Uhr. 7 Der Widerspen- Leopoldine Konstantin stigen Zänmung in BANCO Gr. Volksoper Konstantin, Falkenstein, 7 Uhr Fidelio Volksbühne 22 Uhr Sakuntala 7 Uhr Don Carlos Deutsch. Theater 7 U. zum 75. Male: Die heilige Johanna Aachm 24 Uhr Alt- Heidelberg Kammerspiele 6 Uni Der Lampenschirm Korff, Rosé Trianon- Th. Tägl. 8 Uhr: Erika Glässner in Mary Nachm& Unr: Haller- Revuel Frühlings Erwachen Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 Uhr Dardamelle, der Betrogene Nacam. 3 Uhr 1925. Th. i. Admiralspalast 24. Woche 31% un 8 Uhr Die größte Revue d. Welt: Die deutschen Noch und Noch" Kleinstädter Theater. d. Königgrätzer Str. 8 U.: Der Tokaler Komödienhaus > Uhr. Die Cousine a. Warschau Berliner Theater 7.30 Uhr Anneliese v. Dessau SCALA Tagl.& Ut VarietéREVUE mit Winstons Heute naсm. 31 Unr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen 2. Rang 1 Maik B Central Theater 3 U. G'wissenswurm 72: Die vers. Glocke Deuts Opernhaus Zu ermaß. Preisen Warfigar.Hochzeit Mtg. 6: Götterdämmerun Wagner- Zyklus IX) Intimes.Theater TauchSensation nach dem Tode etc. Sonntags 3. U zu halben Prei.das 8 Katzi Abenteuer Metropol- Theater Tägl. 7 Unr vol e Programm Grain Mariza Rose- Theater 312 U.: Aschenbrodel Neues Th. am Zoo $ 48 Milchmädchen von Schöne erg Täglich 3 Up Circus Wild- West- Mädel Busch Th. in Kommand. Str. Beate onstag: Heute 32 Uhr: 2X3+ 7 Uhr! Raubd.Sabinerinnen bends 8 Unr Gr. Sensations- Progr. Die frau ohne Kuß In beiden Vorstellg. von Richard Keßier Quo vadis? Mus v. Walter Kollo Nachm. halbe Preise! mit Molly Wessely Fritz Spita Komische Oper 8 Uhr Direktion: James Klein 10% DIE FOX- WOCHE 23-19, JANUAR KEIN KINO OHNE FOX! Folgende Theater Groß- Berlins spielen in der Fox- Woche Fox- Filme: Berlin W.: Lichtspiele Fox- Palmenhaus, Kurfürstendamm; Elite- Lichtspiele, Bülowstraße. Berlin NW.: B. T. L, Moabit, Turmstraße; Gesellschaftshaus- Lichtspiele. Moabit, Wiclefstr.: Thalia- Theater, Alt- Moabit 151; Prinzess- Theater, Linienstr. 132. MonopoTheater Karistraße. Berlin C.: Film alast Börse; Rosenthaler Str.; Lichtspiele Hackescher Markt; Centrum- Lichtspiele, Landsberger Str. 43/44;. Alexander- Lichtspiele, Alexanderstr. 27; Münz- Lichtspiele,' Münzstr. 16. Berlin N.: Colosseum- Lichtspiele, Schönhauser Allee Ecke Gleimstraße; Theater des Weddings, Müllerstraße; Pharus- Lichtspiele, Müllerstr. 142; Fortuna- Lichtspiele, Müllerstr; Walhalla- Lichtspiele, Chausseestraße 79; Astra- Lichtspiele. Chausseestraße 16; Central- Lichtspiele, Vinetaplatz; Elite- Lichtsp ele, Brunnenstr. 181; Moderne Lichtspie e, Brunnenstr. 27; Groß Lichtspiele, Schönfliesser Str. 17; Nord- Kino, Greifenhagener Str. 32; Roland- Lichtspie e, Reinickendorfer Straße 47; HeimholzLichtspie e. Raumerstr. 14: Grei'swalder Lichtbildbühne, Grei swalder Straße. Gesundbrunnen: Alhambra Film Buhne, Badstraße 58. Berlin NO.: Korso- Lichtspiele, Prenzlauer All- e 49 und Berlin 0.: Alhambra Film und Bühne, Koppenstr.; Frank urter Lichtspiele, Frankturier At ee; Mirbach- Kino, Mirbachstraße; Plaths- Lichtspiele, Frankfurter Allee. Berlin SW.: Universum- Lichtspiele, BelleAlliance- Sr. 99; Hofjäger- Lichtspiele, Hasenheide 52/54. Berlin SO.: Filmeck, Skalitzer Str. 94. Neukölln: Passage- Lichtspiele, Berg straße 161; Apollo- Theater. Bergstrate Charlottenburg: Corso- Lichtspiele, Bismarckstraße; Lichtspielhaus Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße; Bayreuther Lichtspiele Bayreuther Straße; Boheme-. Lichtspiele, aiserdamm; Schloß- Licht spiele, Schloßstr. 30/31; Wittenberg- Kino. Kleiststr:-22; Apollo- Lichtspiele, KaiseFriedrich Str 103: Roland- Theater, Suarezstrate 52; Lchtspiele des Westens, Bismarckstraße 66 Schöneberg: Saalburg, Hauptstraße 144; Schöneberger Lichtspiele, Hauptstraße 11 Gala- Lichtspiele, Hauptstr. 48. Wilmersdori: Wittelsbach- Theater. Berliner Str 106; Ko so Lich spiele, Pariser Ecke Unland tr. 48; Eva- Lichtspiele Augustastr. 7. Steglitz: Filmburg, Schloßstr. 92; P. T.Lichispiele, Albrechtstr. 91; Deutsches Theater, Albrechtstr 132. Friedenau: Rheinschloß- Lichtspiele, Filmund Bühnenschau, Rheinstr. 60. Halensee: Kurfürstenpark- Lichtspiele, Kurfürstendamm 118 120 Potsdam: Vereinigte Licht- piele, Hohenzollernstraße 27 und Nauener Str. 40, Tegel: Union- Theater, Bahnhofstr. 2. Spandau: Concordia- Palast, Klosterstraße. Lichtenberg: Simplon- Lichtspiele, Simplonstraße 29 a: Boxhagene Lichtspiele, Boxhagener Str. 3; Amor Lien spiele, Wühlichsir 15/16 Monopol- Lichtsplele Petersburger Str. 20. 8 Uhr Pankow: Pankower Lichtspiele, Berliner Straße 27. Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht gesehn mit über 250 Mitwirkenden Die Sensation des Berliner Theaterlebens! Sonntag. 3, Uhr Die große Revue! jeder Erwachs. 1 Kind frei zu halben Preisen ( 50 Pf. ois 6 Mk.) Vorverkauf ununterbrochen! 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Dagegen entdeckte ich draußen am Gürtel, wo der fühne Biadukt von einer großen eisernen Brüde unterbrochen wird, eine graue Ratte. Was sonst wäre solch ein grauer feiner Bürger, der im Keller des Lebens geschäftig tut, schnuppert, wühlt, schwiht und Kinder macht, ganz wie das graue Tier, das ja auch nie in den ersten Stod hinaufkommt, das sein Leben lang nur unten im Keller rumort? Alte Ratte, wie tommst du zu diesem Hoderl, wie fommst du die Monte Groffo war ein Dred." „ San Michele war ein Dred." Bab's bort zehntausend Tobe?" Behntausend? Du wagst den Mund aufzumachen? Hundert tausend waren's und mehr!" " Du sprichst in die Luft hinein." In die Luft? Was siehst du hier, wo die Augen sind?" " Du bist halt erblindet." Auf dem Monte Grosso tam ein Flammenwerfer und brannte mir die Augen aus!" „ Schau auf meine Füße!" Beilage des Vorwärts Ostasien- Reise. Bon Richard Huelsenbed. intersturm in der Biskaya. Bis zum Kanal ging die Sache sehr gut. Das Schiff lief ruhig wie ein Droschke. 3m Kanal gab die ersten Wellenföpfe, das Schiffchen begann teise zu schaufeln und am Bug wurde der Schaumftreifen einige Meter breiter. Der Wind frischte auf. Gegen einen flaren Horizont famen die Kreidefelsen von Dover hoch. Harrich wurde sichtbar. Einer der schönen Schnelldampfer der Dover- Ostende- Linie treuzie ha- ha- ha! Hinschauen soll ich?" " Siehst du nicht, daß die Granaten des San Michele mir die unseren Kurs auf einige tausend Meter. Füße abgeschnitten haben?" Die Elektrische brauft verbei; der breite Gürtel dröhnt, der große Biadukt donnert, der Wind pfeift, der Schnee fnirscht, aus einem Mir legten uns nichtsahnend in die Kojen. Gegen Mitternacht Mein Tisch war von unsichtbarer Gewalt gehoben gegen die Tür wedte mich ein Geräusch, als würde Holz gebrochen. Ich fuhr auf. meiner Kammer geschleudert worden. Meine Bücher lagen zerstreut am Boden. in diefen infernalischen Luftzug, mo bie staje abftet, oben bin Herrn Hof- und Domprediger D.Döhring. harmloſe Uebung ist. Bom Borderſchiff ſchallte ein scharfes Krachen, Eisenbahn, unten die Straßenbahn gehen, dröhnen, brausen, rat'ern und Menschen, Menschen, Menschen über dich ausschütten?" Die Ratte aber sprach: ,,, das ist ein patentes Platzerl. Ich bin prinzipiell für Ber. tehr, denn nur aus dem Berfehr kommt Geld und ich, ich will fressen! Aber warum nennst du mich Ratte? Siehst du nicht, daß ich ein Mensch bin?" ,, Boran follte ich das erfennen?" Sind meine Füße nicht Holz, meine Sehnen nicht Stahlschienen, meine Muskeln nicht Stahlfedern?" Ja, wo hast du denn deine Menschenfüße gelaffen?" ,, Auf dem großen Berg, dem San Michele. Hab' ich auch feine Menschenfüße, so hab' ich doch eine Ziehharmonita." Seine Frostnase blüht flammenrot aus dem lilafarbenen Ge ficht, in dem reglos, wie Knochenknöpfe, zwei wasserfarbene, fehende Augen stehen Aber die Hände sind geschäftig, sie drücken und ziehen, fie machen Musik: Behüt dich Gott, es wär' zu schön gewesen, Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein... Alte Ratte! Ueber dir die Eisenbahn, neben dir die Straßen. bahn, was willst du da mit deinem Lied?" " Es gibt Invalide, die betteln; ich verdien' mir ehrlich mein Geld. Meine Füße sind Holz, aber ich hab' noch Charakter im Leib." Al'e Ratte! Weißt du, wie hoch der Stefansturm ist?" 12 Zu seiner Spitze reicht mein Blid nicht mehr hinauf." Weißt du, wie hoch der Gaurisankar ist? Kein Mensch stieg noch so hoch." Ich fize hier und mufiziere, vor mir die Bolksoper, rechts die Währinger Straße. In diesem Lärm halte ich anständiger Invalide feit zwei Jahren meinen Stand: was soll mir der Gaurisantar?" Alte Ratte! Gewaltig hoch ist der Gaurifanfar; aber ein ge waltigerer Berg liegt auf dir, hochgetürmt: die fapitalistische Gesell. fchaft." Eine Frau temmt daher eine Frau mit geschwollenem Bauch, im Ehrenfleid ihrer Fehen. Die Frau spricht: Komm, Papa, es ist spät!" Und sie greift San Michele unter die Achseln, ergreift ihn, hebt ihn hoch, stellt ihn auf. Sie montiert ihren San Michele, Rum fann er fogar gehen, der Holzfuß von San Michele. 2. Eines Tages jedoch tam über den großen Gürtel ein Solbat, genauer gesprochen: einer, dem man' s anfah, daß er einmal ein Soldat gewesen war. Der Mann fam über die Straße mit feinen zwei Augen, beren Licht erloschen war, eine Tafel an der Brust, auf der man lesen fonnte, zu melder Tierart unserer Gesellschaft er eigentlich gehörte: Bin im großen Weltkrieg vollkommen erblindet Hochwürden gestatten: mein kompliment Die Predigt war witflich egzellent! Mit Peitsche und Auüppel eins auf den Brägen Das ist der wahre driftliche Segen Gesetzt, daß der Kerl dann nicht völlig betehrt Und noch zu den gottlosen Sozen schwört: Dann haut man die Bibei ihm fest auf die Neefe Und bohrt ihm das Kruzifig ins Gefcöle. So empfängt er doch quafi das Satrament Und nimmt ein gottfeilges Christenend'. Wie wär's, Here Paftor, wir machten im Dom Einen Laden auf für ord und Pogrom? Sie predigen über die wahre Liebe Und über den Nutzen der chriftlichen Hiebe; 3ch verkaufe& nüppel zu chriftlichen Preizen; Dazwischen Gelang und Orgelweisen. Wir wollen nicht, daß man mit Friedensschalmelen Und humanitären Quadfalbereien Die deutiche Seele uns weiter verhunze! Ju diefem Sinne Jhr& nüppel- Kunze. Sprach der Blinde, in deffen offenen Augen aus Schleiern grau- gleichgültigen Himmel stürzt eine grausame Kälte herunter, die blaue Tümpel stedien: Bo werben wir heute spielen?" Der fleine Bub, der den Blinden am Arm führte, fprach: Wir werden schon ein gutes Plaberl finden." Und sie tommen zu dem Bunft, wo der fühne Biadukt von der großen eisernen Brüde unterbrochen wird, oben die Eisenbahnzüge donnern, unten die Straßenbahnzüge Sturm läuten, wo der maffige Rörper der Boltsoper muchtet und die Währinger Straße ihren Ber. tehr ausspeit. Sprach der Blinde: Was ist das für ein Lärm?" Sprach der Knabe; Hier ist ein gutes Blazerl für dich." An den Gipsabgüssen der Glyptotheken sieht man so Icere Augen. Aber der blinde Soldat mit den Gipsaugen begann zu musizieren. Er stand wie eine Säule in ungeheurer Büfte; rings um ihn das Dröhnen der Menschen und Züge und Straßen. Er spielte. Weißt du, junge Ratte, wie hoch der Stefansturm ift?" " Den Stefansturm seh' ich nicht; bei diesem Knaben halte ich meine Augen. Und der Gaurisankar! Ist der erst hoch! " Was soll mir der Gaurisankar? Ich spiele Balzer und Schnadahüpfel!" Junge Ratte, gewaltig hoch ist der Gaurifantar; aber ein gewaltigerer Berg liegt auf dir, hochgetürmt: die kapitalistische Gesell. schaft!" Sprach der Knabe: Biel Menschen sind hier! Hier gibt's Geld! So spiel doch. Spiel!" Und der Blinde spielte: D Katarina! O Katarina! Trint'n mr noch a Rapuzina!.. Holzfuß trat auf und sprach: 3. Geh weg, das ist mein Blaz!" Blindauge Sprach: Warum fagft bu mein Blat?" Hier ist mein Geschäft!" „ Das fag' ich auch!" „ Stör' mein Geschäft nicht!" „ Das jag' ich auch!" Die rote Spize in Holzfuß' Lilageficht flammt auf: die lichtlofen Lumpel in Blindauges totem Gesicht fladern auf. Die Bähringer Giraße stürzt über die Streitenden... Holzfuh brüllt: " Du Rozkerl! Weißt du etwas von San Michele?" Weißt du etwas von Monte Grosso?" Währinger Straße schwemmt ihren Verkehr über den Auflauf auf. geregter Menschen, die um Monte Groffo und San Michele streiten. Blinder, du hast recht." Holzfuß, du mußt hier weiter mufizieren." San Michele! Du hast hier nichts zu suchen!" Monte Grosso, schau, daß du weiter fommft!" 4. Da fam ein Schußmann. Ein hübscher, abrett gefleideter, rot. mangiger Junger: Was gibt's hier, meine Herren?" Er verhöhnt den Monte Grosso." " San Michele ift für ihn ein Schmarrn." Der Schußmann: Bur Sache! Wer spielt hier immer?" Sehen Sie, das laß ich mir gefallen. Sie haben's gleich her. aus. So muß man fragen. Ich spiele hier alle Tage, Sonntag und wochentag, ich, der alte Holzfuß." Da entschied der weise Salomo: „ Na, dann laffen wir einmal auch Blindauge etwas verdienen! heute wird er hier spielen." Da sprach San Michele zur großen Frau mit dem geschwollenen Bauche, die in ihren ehrenvollen Lumpen wie die verförperbe bürgerliche Ordnung neben ihm stand: Manuschta, fomm! Das halt ich nicht aus." Darauf muß ich eins trinken. Ich verfauf meinen ganzen Wochenverdienst. Es gibt teine Gerechtigkeit mehr." Blindauge sette die Geige unter's Kinn und begann: O Katarina! O Katarina! Trinf'n mr noch a Kapuzina! 5. Raifer Start ist tot, ihn fuche ich nicht. Wer aber fann mir fagen, an welcher Straßenede der große Conrad steht, der General Don Afiago. Ich muß ihm tausend Kronen schenken. Fürworter als Rangbezeichnungen. Es war früher feineswegs gleichgültig, ob man einen mit Sie"," Ihr", er" oder noch anders anrebete, Sondern alle diese Anreden schlossen ganz bestimmte Rangbezeichnungen ein, und es war nicht ratsam, sich darin zu ver greifen. Juftinus Kerner gibt in feinem Tagebuch in launiger Weise bie verschiedenen, dem Range Rechnung tragenden Morgengrüße wieder, mit denen ein Schulrat, wenn er die Schulen revidierte, fich einzuführen pflegte: Wünsch Ihnen wohl geruht zu haben, Herr Oberpräzeptor! Euch gleichfalls, Herr Präzeptor! Wünsch Ihm guten Morgen. Schulmeister! Sind wir wohl und munter, Provisor? Ift man auch da, Häuberle?( Das war der Schuldiener.) In der Koje begann ein Wadelianz, gegen den der Jimmy eine als wenn Tausende von Bettüchern mit einem Zug durchrissen worden wären. Als ich halb befleidet aus meiner Kammer heraustrat, hörte ich das Pfeifen des Windes. Sturm in der Bistana! Nichts ist unheimlicher als das mondlose nächtliche Meer im Sturm. Es ist, als wenn das Innerste der Welt sich brüllend geöffnet hat. Das Klirren und Pfeifen steigert sich von Stunde zu Stunde zu einem Ronzert von unerhörter Gewalt. Man sieht nichts. Die endlose Schwärze, das Urfeindliche umtoben höllenhundartig das Schiff. Der Morgen zeigte die entfesselten Gewässer. Bon fernher fah man die Wellen mit schaumbedeckten Rücken wie Heerden vorsintflutlicher Tiere heranjagen. Ungeheure Wasserberge näherten sich bem Schiff und drohten, es unter sich zu begraben. Bom Reling des Laufganges war man diesen tödlichen Massen ganz nahe. Auf einige Meter hatte man sie mit der Hand berühren können. Man spürte geradezu ihren eisigen Atem. Man schauerte vor Entsetzen und Neugierde. Aber immer, wenn man glaubte, daß das Schiff hätte unter den gläsernen Stürzen begraben werden müssen, wurde es von ihnen gehoben weit in die Luft und den Sturm gehoben, und das Waffer rollte mit dröhnender Gewalt unter dem Kiel dahin. Das Schiff hob sich bis zu einer schwindelnden Höhe und stürzte bann tief in das Wellental hinab. Es legte sich von einer Seite auf die andere, so weit, daß man meinte, es müffe jeden Augenblick fentern und fieloben treiben. Es stöhnte und schnaubte wie ein er mattetes Tier. Unaufhörlich flatschten die Scen auf das Dec. Die Matrofen in Delsachen, mit breiten Südwestern liefen an ben gezogenen Striden so schnell fie tonnten. Sie paßten eine fleine Pause ab, wo das Schiff in der Tiefe eines Wellentales einen Augenblick Ruhe hatte, um nicht von den Wassermassen erwischt zu werden. Eine Stunde lang schien der Wind Einsicht zu haben, dann Steigerte fich der Sturm zum Orfan. Die Sache begann das Vergnügliche zu verlieren. Die Bewegungen des Schiffes wurden immer feiltänzerischer. Das Meer tobte, brüllte, donnerte. Es begann zu hageln. Der Sturm hatte eine foldye Gewalt, daß man nicht aimen fonnte, wenn er einem entgegenblies. Er riß einem die Kleider vom Leibe, er zerschnitt einem mit Messern das Gesicht. Immer wieder wurde man hingerissen von der Großartigkeit des Schaufpiels aber die unheimliche ängstliche Note begann, sich in den Bordergrund zu drängen. Die Brecher schlugen bis auf die Rommandobrüde hinauf. „ Das ist die christliche Seefahrt," sagten die Matrosen wütend zwischen den Zähnen. Das Hinterschiff hatte das Meifte auszuhalten. „ Das reine Unterseeboot," sagte jemand. Durch den Gang der Rudermaschine lief das Wasser in die unteren Schiffsräume. In den Rammern, wo die Ingenieurafpiranten schließen, stand es bald 10 Zentimeter hoch. Es begann in den Maschinenraum zu tropfen. Die Pumpen wurden flar gemacht. Am Abend des zweiten Tages schlug eine See mit solcher Gewalt auf das Hinterdeck, daß eine Holztiste aus dicken Bohlen zehn Meter weit über Ded geschleudert und wie eine Spielzeugschachtel zertrümmert wurde. Ich gestehe, daß meine Zähne zu flappern begannen. Seit 48 Stunden war nicht an Schlaf zu denken. Wir erwarteten den dritten Tag. Da war es, als hätte jemand, ein übermächtiger Geist, den Wind abgedreht. Es blieb noch eine himmelhohe Dünung, aber die Gefahr war vorbei. " Das war furchtbar," sagte ich zu einem Erfahrenen, dem das Meer feit einem Menschenalter Heimat ist. Der Mann lachte. ' n bißchen schlechtes Wetter in der Biskaya." Gibraltar. Das Meer hatte sich beruhigt. Nur eine Dünung war noch vom Sturm in der Bistana zu radgeblieben so hoch, daß die Schiffe wie zwischen Hügein fuhren, hinter denen fie zeitweise ganz verschwanden. Wir hatten die Tajo- Mündung hinter uns gelassen. Auf zerflüfteten, fahlen Fels schien die Sonne. Manchmal jah man ein Segel, das vorsichtig an der Rüfte entlang steuerte. Am folgenden Morgen tam Trafalgar in Sicht. Dann die blaue afrikanische Küste. Bet herrlichstem Better liefen wir in die Straße von Gibraltar ein. Sehen Sie dort die äußerste Spize von Europa, Europa point," sagte der Kapitän. Er erzählte, wie er 1915 von den Engländern gefangen genommen wurde. Auf der Fahrt von Südamerika nach Deutschland, auf einem Schiff, das als Norweger frisiert war. „ Das wedt jedesmal wehmütige Erinnerungen in mir, wenn ich um diese Ede tomme." Gibraltar ist nur ein Fels, der mit dem Lande durch eine fahmale Zunge verbunden ist. An der Landseite flebt eine fleine Ortschaft. Hier wohnt der englische Gouverneur mit seinen Damen. " Sehen Sie dort nehmen Sie das Glas das sind die Safematten, in denen zahlreiche Deutsche während des Krieges ge feffen haben. Alle, die auf der Fahrt vom Süden her von den Schiffen gefangen wurden, wenn sie unter irgendeiner Verkleidung die Heimat zu erreichen suchten, mußten hier zuerst unfreiwillige Station machen." An einigen Felswänden flebt dürftiges Grün. Sonst eine troft. lose Grauheit. Nach der Seefeite haben die Engländer den Fels zementiert. Er sieht aus wie glatt gewalzt. Wenn hier die Sonne nicht scheint, muß man tiefsinnig werden. Wo Engländer hinkommen, hat man gesagt, wird die Welt nüchtern. Die Besizergreifung Gibraltars wirft wie ein fühner Piratenftreich. Sie haben sich einem großen Bolt, den Spaniern, direkt auf die Nase gefeßt. Sie find zähe, verschlagen und sehr moralisch. Sie haben mit einer Art moralischer Korrektheit die Welt erobert. Sehen Sie," sagte der Kapitän, uns Zeitungen streng verboten waren. nachrichten für Deutschland noch günstig -O das Schlimmste war, daß Damals waren die Kriegswir wußten es. Ich mußte nun hin und wieder zum englischen Gericht, aus dem Gefängnis heraus, weil sie mein Schiff als gute Prise genommen hatten. Dann gaben sie mir einen Tommy mit, und wir marschierten friedlich den Berg hinunter zum Städtchen. Wenn die Gerichtssigung länger als bis ein Uhr dauerte, fonnte ich auf Kosten Englands in einem Speiselokal zu Mittag effen. ,, Bleiben Sie mal hier draußen stehen," sagte ich zu meinem Tommy. Das tat er auch grinsend. Ich sezte mich ins Restaurant, aß gut und reichlich und kaufte mir vom Kellner eine spanische Beitung. Dann gab es abends in den Zellen ein großes Siegesfest." In einem Landeinschnitt hinter Gibraltar wurde Algeciras fichtbar. Platte, weiße Dächer, die in der Sonne aufleuchteten. Dahinter Berge und Gebirgszüge, die nach dem Inneren des Landes zu höher, dunstiger, eindrudsvoller wurden. Da mußte irgendwo die Sierra Nevada sein. Längs der Küste verfallene Bastionen, Gemäuer mit SchießScharten, uralte Rundtürme mit sagenhaften Zinuen. Alles zer bröckelt, halb ins Meer gestürzt, mit dürrem Gras bewachsen. Zwischen gestürzten Säulen und Gängen flattert Wäsche zum Trocknen. Das sind Befestigungen, die vor Jahrhunderten gegen die Mauren errichtet wurden. Meilenweit werden sie immer wieder sichtbar. Zeugen furchtbarer Kämpfe ums Dasein. Die afrikanische Süfte bleibt zum Greifen nahe. Ein dunkler Grat des Atlasgebirges läuft mit dem Schiff. Der Charakter der Rifffabylen ist dunkel, verschlossen und unwegiam wie das Land, das sie bewohnen. Die Spanier sind lässige Leute. Caballeros. Kein Primo de Rivera wird ihre Art ändern tönnen. Sie ftehen der Piratentaftif der Kabylen hilflos gegenüber. Der größte Held Spaniens wird der sein, der den ungleichen Kampf freiwillig aufgibt. Das dunkle Afrifa gegen das sonnenhelle Spanien überbrückbare Gegensäge. Abende im Mittelmeer. zwei unMan muß auf kleinen Frachtdampfern fahren, wenn man etwas von See und Seefahrt begreifen will. Eine schreckliche Geschmacklosigkeit sind die Schiffe, die Theater, Kino und den ganzen Zivilisationsrummel über See mitnehmen. Man muß erst einsam und ein bißchen stumpfsinnig werden, wenn einem der Begriff des Meeres aufgehen soll. Die Eintönigkeit feiner Bewegung muß sich einem ins Blut gesungen haben. Dann sieht man und hört man plöglich eine neue Welt. Abende im Mittelmeer! Das ist eine unbeschreibliche Einfonie von Farben und Klängen. Wir fuhren an der afrikanischen Küste entlang. Dunkle Gebirgszüge begleiteten uns. Manchmal schien das Land sich aufzuschließen, aber dann trat wieder ein schroffer Grat aus Meer, geheimnisvoll Einblick und Erfenntnis verwehrend. Hin und wieder einige Häuschen, die an den Berg geflebt zu sein schienen. Abends, wenn die Sonne finkt, steigt von der Wüste ein Dunst auf. Ein blagroter Schimmer legt sich auf die spizen Gebirgsrücken. Die Konturen werden sanft, wie mit dem Pastellstift gezogen. Die weißen Häuschen versinken langsam in blaugrauen Schatten. Am Schiffsbug spielen die Delphine, die der Seeniann Schweinsfische nennt. Die mächtigen Tiere springen wie junge Hunde, baden fich in dem Gischt, den das Schiff aufwirft, schnellen meterweise über das Wasser hin, scheinen sich zu jagen und verschwinden dann plötzlich. Am Bug des Schiffes zu stehen ist der höchste Genuß. Bor sich hat man nur das Meer, man verliert das Gefühl, auf einem Schiff zu jein. Man ist gelöst von allen menschlichen Mitteln und scheint über dem Wasser zu schweben. Wenn der Sonnenball auf das Wasser sinkt, wird er bluirot. Die Strahlen haben noch eine so große Kraft, daß sie auf dem Schiffsdeck scharfe Schatten werfen. Aber die Figuren und Dinge, die sich in diesem Licht bewegen, wirken geisterhaft. Die Schatten wachsen ins Riesengroße. Die Berge sind jetzt schwarz und aus der Schwärze flimmern die Lichter verstreuter menschlicher Ansiedelungen. Nun hat das Meer seinen letzten violetten Farbenschimmer verloren. Die Wellentäler werden drohend. Je weniger das Auge fieht, um so mehr ist das Ohr dem flatschenden und zischenden Geräusch der Seen hingegeben. Die Sonne ist verschwunden. Aber lange noch, nachdem fie verschwunden ist, sieht man am Himmel gemischt und vermalt mit dem Dunst der Wüste das rötliche Pastell. Nacht auf der See! Die Geräusche fommen mehr und mehr zur Geltung. Das Meer ist wie eine schwarze schwankende Scheibe. Am Horizont fett sich der Himmel mit einem lichteren Streifen ab. Der drohende Schatten einer kleinen Insel naht sich und zieht vorbei. Da erscheint der Mond, das tröstliche Gestirn. Das Gefahrvolle, Heimtückische, Endlose ist gewichen. Der Mond ist ein Freund der Seefahrer. Es läutet zum Essen! In der Messe setzen sich die Herren um die runden Tische. Man stellt Wetterprognosen. Man erkundigt sich, wo sich das Schiff befindet. Malta ist in Sicht, noch drei Tage bis Port Said." Langsam verlöschen die Lichter in den Kammern. Es wird stille. Aber man hört das Schäumen des Walfers vom Schiffsbug und das dumpfe Stampfen der Maschine. Morgen ist wieder ein sonniger Tag. Ein Vergessener. Von Walter G. Osch: lewski. Zu den allzu schnell Bergessenen unserer Zeit, zu denen, die zwischen zwei Jahrhunderte gestellt, die schmerzhafte Geburt des Neuen quälend, aber dennoch jubelnd empfanden, zu dence, die in mitten von Lüge, Verkauf und starrer Konvention es wagten, die Fahne einer gesünderen Gesinnung aufzupflanzen, gehört her mann Conradi. Jede Literaturgeschichte weiß von ihm nur als von einem verirrten und frankhaften Bathetiker zu berichten. Heute wie ehemals werden nach Geschmack und Bedarf, nach Seitenlänge und Stundenzahl Abonnementsromane und pazifistische Dramen, Hochzeitsverfe und Revolutionspoems verfertigt. Auch zur Zeit Conradis( 1862-1890) gefiel sich eine Literatur, ihren Zeitgenossen und Mäzenen zu schmeicheln, und wenn das nicht, so in einem selbstgefälligen Brausepathos mit sozialer Garnierung ihrem Talente vor der Menge, von der Hölderlin sagt, daß ihr das gefällt, was auf dem Martiplay taugt", zu produzieren. Mit wenigen ehrlichen Geistern begann am Ende des vorigen Jahrhunderts auch in der deutschen Literatur die Morgenröte auf zuſteigen. Zu den Bertretern eines neuen sozialen Reinlichkeits und Gesinnungspathos, ja zu den glühendsten überhaupt, gehört Hermann Conradi. Ganz ein Kamerad jener Feuerköpfe, die von Jesus von Nazareth an über Huß, Danton, Lassalle, Nietzsche die ewige Revolutice in die Zeiten tragen, genügte ihm der Naturalismus nicht, um ins Herz der Dinge, ins Herz der Uebel und Widerstände vorzustoßen. Schon sein erstes Auftreten sprengte die Müdig feit dieser anfangs so revolutionären Gesinnung, die nun immer mehr zu einer Literaturmarte herabzusinken drohte. gerade in den Tagen, als das preußisch- deutsche Reich 1871 in Ber failles gegründet wurde. Der Mann, der als feucht- fröhlicher Bayer ein großes Verständnis für einen guten deutschen Rausch halte, meinte:„ Die meisten Leute tönnen sich für Wilhelm dem Preußen und sein Kaiserreich nur begeistern", wenn sie einen gewaltigen Rausch haben, wir brächten es gar nicht zuwege". Also selbst die Bunderwirkung des Rausches versagte bei einem Sigl in der sonst so allgemeinen nationalen Stimmung des Versailler Kaiserproflamationstages. Ueber den 18. Januar 1871 schrieb er diese grinamen Beilen im„ Bayerischen Vaterland":" Wilhelm der Preuß' läßt durch die„ Neueste" die Münchener Neusten Nachrichten." Red.) eine Proflamation veröffentlichen, durch die er dem erfreuten deutschen Volke zu wissen tut, daß er auf Andringen der deutschen Fürsten den Kaifertitel zu führen gedente Zum Schluß verspricht er nationale Wohlfahrt und föniglich preußische Freiheit und Gefiltung. Das Reich wäre damit fertig, und wir werden es wahrscheinlich auch bald sein. Wie lange das„ Reich" dauern wird, das weiß Goll, und wir können geruhig nod) alle es erwarten." Am Tage fraß Dr. Sigl die Preußen, abends aber trant er gemütlich mit ihnen. In seiner Tafelrunde in München saßen häufig Breußen und Juden, gegen die er in ständiger Wiederkehr seine gesalzenen, derb- antisemitischen Späße in seinem weißblauent Blättchen losließ. Die frühere Münchener Geselligkeit, die eine Tischgemeinschaft zwischen Bajuvaren und Borussen, orthodoren Katholiten und freigeistigen Juden zulich, wird prächtig durch folgende Schilderung Konrad Haenischs in seinem Buche" Parvus( Berlin SW. 68, Berlag für Sozialwissenschaft) gekennzeichnet: „ Ich erinnere mid: aus diesen Münchener Jahren( der Bende Dom neunzehnten ins zwanzigste Jahrhundert. Red.) nur eines Besuches bei Parvus im Jahre 1900, bei dem er mich außer mit seinem Freunde Louis Cohn, wohl dem letzten heute noch lebenden Mitglied der Internationalen Arbeiterassoziation, und Adolf Müller, dem langjährigen Redakteur der Münchener Bost", banerischer Landtagsabgeordneter und heutigem deutschen Gesandten in der Schweiz, auch mit dem Vorfämpfer des bayerischen Bartilularismus zusammenbrachte, dem damals weithin berühmten Herrn Sigl. Die neue Generation weiß wohl faum noch etwas von diesem verschrobenen Urbayern, dessen Vaterland" an Naturwüchsigkeit des Tones getrost den Vergleich mit dem heutigen Miesbacher Anzeiger" aushalten fonnte; an Geist jedoch übertraf das seltsame fleine Quartblatt, bei aller Enge seiner politischen Auffassung, das Organ der heutigen Hitler- Leute bei weitem. Barvus hatte, mte an allen Originalen, auch an dem närrischen Kauz Sigl seine unbändige Freude und sagte denn auch in irgendeinem der Münchener Keller einen höchſt amüsanten Abend mit diesem wunderlichen Eingänger, dem seine Maß nun einmal nicht schmeckte, wenn er zu ihr nicht mindestens einen dieser Malifizpreußen verzehren fonnte." " Im allgemeinen tranf sich aber Dr. Sigl aus seinem Maß einen allversöhnenden Rausch an, in dem er sich selbst mit Preußen verbrüderte. Conradis Profa, die sich in einer schwülstigen realistischen Mystik gefiel, aber nicht mit Unrecht ein Supranaturalismus genannt wurde, entbehrt der gewinnenden Eindringlichteit. Mag der rotierende Puls feiner Romane( ,, Adam Mensch"," Phrase", der Novelle Unterm Nußbaum") auch menschlich einem nahe gehen, so ist doch das Dickicht feiner Sprache nicht die geeignete Mitteilung, um ins Leben einzubringen. Wohl wird einem der Atem genommen, da sie wie eine glühende Mühle sind, aber irgendwie wird man von der schwülen Bewerbung abgestoßen. Es ist die Tragif Conradis geworden, wie auch die fo vieler unserer heutigen Dichier, an der Ueberhitzung und Einseitigkeit zugrunde zu gehen. Die immerwieder Pehrende Mahnung lautet darum: Ausgleich der Kräfte. Erst Feuer, dann Wind. Und dann Zucht. Und dann immer wieder Zucht. Reiner, florer, fühn im Wurf, zwingend und erhebend im Ruf, ist die Lnrik Conradis. Boren seine Romane kühne und menschmir:„ Den müssen Sie unbedingt fennen lernen!" Wir verichten lide Rücksichtslosigkeiten, so gehört feine Lyrik zu dem Gefündesten, Gelösteten und Freihesten, was je in deuischer Sprache gedichtet wurde. Die Zeit mit ihren Stürmen, aber auch mit ihrer geistigen und fünstlerischen Trächtigkeit gab ihm das Thema, sein springendes Blut und ein trokiges Herz, die Lust, die Lieder eines Sünders" zu fingen. Diefes einzige inrische Gedichtwert, was er uns hinterlassen hat; ist nicht nur ein Buch voll Anklagen, Berzweiflungen, Stimmungen es ist ein Buch herrlicher Gesänge, die der Bergrauch, die Wolfe, der Blih. der Wald mit seinein Donner nachsen ließ. Heroisch gebaute Gesänge, Gesänge des Hirauf, der moffenumlagerten Wipfelfauft, Gefänge, die einem Hölderlin und Nietzsche nicht weit nachstehen. Während eine alte Generation fich am Spiel um edle Delikatessen vergnügte, eine ganze Dichterwelt noch erlernten Vorschriften die Dürre ihrer Seelen in didleibige Fücher legen und zu verlegen fuchte, stieg Conradi aus staubiger Erdenqual, aus Wirrnis und dem Zwang der Zeit zum himmlischen Grat, zum Licht. Er war Angehöriger des gleichen Bundes, den cirt Schwur zur Treue band, den Menschen und die Welt aus der Knechtschaft zu befreien. Wo je die Bosaunen der Freiheit ertönen, da steht auch diefer fündige Sänger. Immer in hymnischer Selbstvergessenheit, ganz dem Strome des Aethers hingegeben mie Sölderlin. Ganz Mann, ganz Suchender, ganz Mensch Michiche. Ein aufgeworfenes Schild. Eine steile Flamme. wer, Nur ein Mensch", crbeitende Bolt muß seine Dedichte tennen bie„ Gipfelgefänge", die Licder des„ Emporfiiegs" schreiben fonnte, ist wert, gehört zu werden. Auch heute noch. Wohl nahm sich der hinterlassenen Werte Georg Müller in München an, und neuerdings fchuf Kurt Liebmann durch feinen Feuerball rollt"( Karl Rauch, Dessau) eine Auswahl Conradischer Schriften( hauptsächlich Gedichte), die wie feine zweite geeignet ist, die Flamme wachen Geistes hochzuheben aber allzu menig ist tavon ins Bolf gedrungen! Auch die Jugend geht daran vorüber. Conradi ahnte dies Vergessen: Ich weiß ich weiß: Nur wie ein Meteor, Der flammerd fam, jach sich in Nacht verlor, Werd' ich durch unsere Dichtung streifen! wie Das So bleibt die Frage: Soll sich die ewige verfluchte Tragit, daß der Mensch erst lebt wenn er zu Staub geworden ist, immer und immer wiederholen? Nun, wenn es schon recht sein soll, fo läßt wenigstens das Grab und das Werk Erinnerung sein. Es staubt allzuviel in den Bibliotheken heraus damit! Das Flammende Feuertuch der Conradischen Gesänge: euch heutige Generation, euch Jugend! Den Ewig- Jungen, den Eecleuten der Zeit, denen, die das Aufwärts, das Trogige mehr lockt als die bürgerliche Stabilität und Sicherheit. Stefan George sagt einmal: Wer je die Fiamme umschritt, bleibe der Flamme Trabant". Auch in Erinnerung Her mann Conradis müssen wir es immer wollen. Parvus und Dr. Sigl. Eine geschichtliche Persönlichkeit des alten Münchens war Dr. Sigl, der Redakteur des„ Bayerischen Vaterlandes". Bajuvarischer Partikularist mit Leib und Seele, verbrauchte er seinen originellen mizigen Geist im Tagestampf gegen das schwarzweiße Preußentum. Und dieser Geist sprühte die zündendsten Funken Eine schwimmende Universität. Ein großer Dampfer, die ,, Prin 3effin Alice", ist jetzt in Amerita zu einer schwimmenden Hochschule eingerichtet worden, auf der die Studenten die beim Studium so notwendige Anschauung zu gleicher Zeit mit den Vorlesungen erhalten. Diese Dampfer- Hochschule" nimmt 400 Studenten und eine größere Anzahl Professoren auf, und mit den theoretischen Borlejungen sind stets praktische Uebungen und Ausflüge in den verscheidenen Teilen der Erde verbunden. Der einjährige Lehrkursus umfaßt zugleich eine Reise um die Erde, und in jedem Lande, das man berührt, wird die Geographie und Geschichte, die Kunst und Kultur, Botanif und Zoologie behandelt. Die erste Reise führt über Japan, China und Indien nach Griechenland und der Türkei, be rührt dann Italien, Algier, Tunis, Spanien, Deutschland, Holland, Standinavien, Frankreich und England. Die Tollkifte. Diesen seltsamen Namen führte die erste deutsche Irrenanstalt, die vermutlich im Jahre 1375 in Hamburg errichtet wurde, da man in den Stadtrechnungen aus diesem Jahre zum erstenmal Eintragungen über die für die Tollkifte" gemachten Ausgaben fand. Diese Ausgaben beschränkten sich hauptsächlich auf Unterhalt und Reinigung der Anstalt, die in einem besonderen Befestigungsturm untergebracht war wie auch auf die Kosten für die Bekleidung der Kranken und deren Strohlager. Es ist anzunehmen, daß auf die Gründung der Tollkifte, wie man die Anstalt tatsächlich nannte, auch in anderen Städten Norddeutschlands die Pflege der Geistesfranken in eigenen Anstalten in die Wege geleitet wurde, in Süddeutschland jedoch dauerte es noch volle hundert Jahre, ehe man an die Gründung von Irrenhäusern schritt. Borher waren die Geisteskranken gewöhnlich in den Spitälern oder, wenn sie gefährlich in den Familien. Merkwürdigerweise war es damals nicht Brauch, maren, sogar auch in Gefängnissen untergebracht. Viele blieben auch Geistestrante unter Vormundschaft zu stellen. Was nicht gedruckt werden durfte. Die Zensur murde früher mit äußerster Strenge gehandhabt. Die geringfte Kleinigkeit ge nügte, um Anstoß beim Sensor zu erregen und das Schicksal eines Buches zu besiegeln. In Sachsen durfte um 1800 ein Buch, das die Galanterien Karls II. von England zum Gegenstand hatte, nicht ge druckt werden, weil man fürchtete, den englischen Gesandten dadurch zu beleidigen. Ebenso in Sachsen wurde ein Buch verfolgt, weil Christus darin Jüngling" genannt wurde. Ein drittes Buch wurde erit freigegeben, nachdem der Ausdruck Schranzen", der darin von Hofleuten früherer Jahrhunderte gebraucht wurde, gestrichen war. Rapps Naturgeschichte wurde in Köln beschlagnahmt und verboten, weil alle Bücher, in deren Titel das Wort„ Natur" vorkomme, höchst verderblich seien. Endlich wurde sogar das Verzeichnis der verbotenen Schriften verboten, weil die schlechten Leute nicht die schlechten und die klugen" Leute nicht die klugen" Bücher kennen lernen und sie sich um den zehnfachen Preis von den Bücherschwärzern fommen lassen sollten". CHRISTIANUS Preussengold 5. 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Am Kurfus nehmen teil bie Werbebezirke: Oftbahn, Often und Brenzlauer Berg und die Abteilungen Brenzlauer Bor fladt. Genefelder- Viertel und Nordring. Rosenthaler Borstadt: Treffpunkt aum Museum 94 Uhr Sadescher Markt. Seute nachmittags um 3 Uhr Ueben des Eprechchors bei Bh. Summel, SophienStraße 5. Werbebegir? Weften: Abends 6 Uhr im Jugendheim Charlottenburg, Rofinenftr. 4, Werbebezirks- Mädchentonferenz. Alle Genoffinnen müssen erscheinen. Abteilung Ertner: Radmittags 5 Uhr in der Turnhalle in Erfner, Werbeabend. Gesang, Resitationen ,, Bollstänge. Morgen, Montag, den 26. Januar, abends 7% Uhr: Friebenau: Sugendheim Offenbacher Str. 5a, Diskussion: Barum bin ich in der GAS.?" Sermsdorf: Schule Roonftraße, Mitgliederversammlung. 45 Rofenthaler Borstadt. Achtung! Die Mitgliederversammlung am Dienstag fällt aus, bafür ist am Montag um 7 Uhr bei B. Endrejat eine erweiterte Funktionärsigung. Es waren zwei Großftabifinber, Die liebten sich manches Jahr, Sie fonnten zufammen nicht kommen, Richt werden ein Chepaar. Ach Liebfter, Serzallerliebster, Wie schrecklich ist doch die Welt, Daß wir bei all unfrer Liebe Nicht frein tönnen ohne Geld." Boher nehmen Möbel und Wäsche? Wie fchaffen wir Betten und Schrank? Dies unglüdfelige Barten, Es macht mich beinahe noch trant!" Sent freue Dich mit mir, mein Lieben, Borbei i, vorbei unser Seid! Ein Bunder will ich Dir tünden: Bald trägt Du das Sochzeitskleid!" Das Mädchen blidte verwundert Aus feuchten Augen ihn an: „ Bas fagft Du, versteh' ich Dich richtig, Balb bift Du, Geliebter, mein Mann?" Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsfefie: Berlin G 14 Gebastianfte. 37/38. Sof 2 St. Rameradschaft Tiergarten: Die Rameraden treffen sich um 6½ Uhr im Aleinen Tiergarten an der Kirche. Dienstanzug. Kamerad fchaft Schöneberg- Friebenau: Am Montag, den 26., findet in der Turnhalle der Wartburg- Schule unfer Turnabend statt, punilich um 8 Uhr. Dienstag, ben 27., müffen um 6 Uhr abends fämtliche Rameraden marschbereit am Bahnhof Ebersstraße stehen. Rameraden, die an der Fahrt nach Ragdeburg teilnehmen, müffen fich fofort beim Kameradschaftsvorstand melden. Arbeiter- Stenographen- Berein Stolze- Schrey.. Au den in diefer Boche be. gonnenen Anfängerturfen werden noch Anmeldungen entgegengenommen, und awat: 8enttu m': Montag, den 26. Januar, abends 28 Uhr, in der Schule Gipsstr. 23a; Dften: Montag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, im Jugendheim Große Frankfurter Str. 16 1, Simmer 6; Lichtenberg: Donnerstag, ben 29. Januar, abends 8 Uhr, in der Schule Scharnweberstraße; Mariendorf: Donnerstag, den 29. Jannar, abends 17 Uhr, im Jugendheim Dorfftr. 7, 8immer 9: ReufölIn: Dienstag, den 27. januar, abends 18 Uhr, im Realgymnafium, Raifer- Friedrich- Str. 209-210. Das Rurfusgeld beträgt einfchließlich aller Lehrmittel für Erwachsene 7 M., Jugendliche unter 18 Jahren 5 M. Erwerbslofe haben 1 M. Ermäßigung. Die Zahlung fann eventuell in Raten erfolgen. Schriftliche Anfragen beant wortet B. Riedel, Bantow, Sertaftr. 31. Arbeiter- Radio- Klub, Ortsgruppe Berlin. Alle Mitglieder des engeren und des erweiterten Borstandes fowie alle Gruppen- und sonstigen Funktionäre müssen am Montag, den 26. d. M., abends 7 Uhr in der Geschäftsstelle, Gendelstraße, zu einer erweiterten Borstandssigung mit den Berliner Funt tionären erfcheinen. Tagesordnung: 1. Unfer Brief an Staatssekretär Bredow. 2. Die Anerkennung der mitteldeutschen Gruppen durch die zuständige Be hörde 3. Die Reichstonferenz am 28./29. März im Gemertschaftshaus Berlin und die dazu notwendigen Borarbeiten. Sonntag, 25. Januar 1925 Jungproletarischer Bund, Bezirk Westen. Am Mittwoch, den 28. Sanuar, findet im Saedel- Gaal bes Snstituts für Sexualforschung, In den Belten. Gde Beethovenstraße, die Fortjesung des Vortrages Die Geichlechtsnot der Jugend Es foricht Dr. Beffer über bas Thema„ Bau und Funktion der Geschlechtsorgane und die Fortpflanzung". Beginn pünktlich 8 Uhr Untoften. beitrag 30 Bf. ftatt. Berein der Freibenker für Feuerbestattung, e. B., Gau Berlin. Bezir? Bökow bei Belten: Montag, den 26. Januar, abends 7 Uhr, in Böhow bet Belten, Lotal Bollert, öffentlicher Filmvortrag in 4 Atten. Referent abeff Soffmann Berlin. Eintrittsgeld 50 Bf. Bezirk Marwig: Dienste den 27. Januar, abends 7 Uhr. in Marwin bei Belten. Lotal Lehmann, Sffent licher Filmvortrag in 4 atten. Referent Abolf$ offmann. Eintritis ged 50 Bf. Bolts Feuerbestattungsverein Groß- Berlin. Montag den 28. 5... abenté 8 Uhr, finbet in der Schulaula, Sagelsberger Str. 34 die Babiberfamming für ben Westen und Südwesten ftatt. Zagesordnung: Jabresberichs. Babl ser Delegierten. Bercin der Freidenker für Feuerbestattung. 20. Bezirk. Am Montag, bes 26. Januar, abends 7½ Uhr, im Sofa! Sur legten Minute", Reinidendorf- Oft. Brobinzstraße. am Bahnhof Schönbols, Versammlung der Lehrer und Eltern beträte des 20. Bertoaltungsbezirts. Thema: Das Freidenfertum und die frete Schule". Referent: Gen. Behrer C. Sübner. Wet er für Berlin und Umgegend Vorwiegend bewölft. Reblig. Ge ringe Riederichläge. Mild. Für Deuts land. Mild, meist bewölktes, nebliges Better Nur im Westen etwas startere Niederschläge. Dftbeuti land vielfach beiter und Nachtfroft. Im deutschen Mittelgebirge Neuschnee. Auch im neuen Reichstag wird mancher Abgeordneter für feine heifere Stimme oder Suften die dafür ser züglich geeigneten Fans echten Sodener Mineral- Paftillen mitnehmen, um fich burdy beren Gebrauch bei Deba ten wirksames Gehör au verschaffen Pronatum est. Moderne königskinder. Drum lieber Cefer, mert Dir fein, Bertrau' auf Feber nur allein, Die Baren, bie er bietet an, Gibt auf Rredit er jedermann, Von A. Rusult. Und wirklich nach wenigen Tagen Bringt er ihr den Sochzeitsstrauk Und tüßt glüdftrahlend fein Liebchen-: Jest ift die Wartezeit aus!" Romm mit mir, wir gehen ins eigne Uns felber gehörige Seim Und freuen uns unferes Lebens. Seut foll die Sochzeit fein!" Ungläubig folat fte bem Ziebten, Wohin er fie eilig nun führt, Und ftaunend fteht fie, verwundert, Die Faffung fie faft verliert. Ad Liebster, Sergallerliebster, Bie ift das möglich nuz, Bie tommen wir plöklich zu beÏn, Zu Teppich und Garnitur? Der Bäscheidtant fteht gefüllet, Gelbft Kleider fehe ich fdjön, Anzüge, Mäntel, was weiß ich Bie foll ich das alles verstehn?! Saft Du im Gludsfpief gewonnen? Saft günstig Du fpekuliert? Beerbt eine reiche Sante? Der Ginn fio mir verwirrt!" Ach Liebste, Serzallerliebste, Bie glücklich bin ich heut! Die Welt, ich tönnt' fie umfaffen. Burufen es allen Beut': Auf Zeitzahlung hab ich's erftanden. Doch nenne id's heute fchon mein. Soch lebe die Firma B. Feber, 3hr bant' ich mein Glüd ganz allein. Denn fiehe, B. Feber gibt jebem, Der Bargeld nicht aufbringen tann, Rredit auf all feine Waren, Die man tann abzahlen bann!" Go wurden zwei Großftadtkinder, Die treu fich geliebt manches Jahr, Durch Feders Teilzahlfnftem nur Rum glücklichsten Ehepaar! Man braucht mit Sorgen fin nicht quälen, Dart ruhig fich das Befte wählen Und wenn einmal das Geld nicht reicht, Rauft man bei feber federleicht! Wirtschafts Woche Mengenabgabe vorbehalten Wirtschaftsartikel Bürstenwaren Steingut Steingut Kohlenplätten er 3.25 Roßhaarbesen.. 1.85 Obertassen 0.05| Speisenäpfe 2 Gasplätten ver nickelt, mit Erhitzer. 7.75 Robhaarhandfeger 0.85 Wirtschaftswagen 2.45 Schrubber...... 0.35 2.45 Kleiderbürsten... 0.48 Glanzbürsten 10 kg wiegend. Wandkaffeemühlen Tnit gutern Mahlwerk.. 4.45 Waschbecken Emaille, m. 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