Nr.46 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 24 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 3 Reichsmart noraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, gitanen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der Borwärts" mit der Gonntagsbeilage Bolt und Beit mit„ Gied Lung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise Die einfpa Itige Nonpareille. geile 70 Pfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Rieine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( auläffig zwei fettgebrudte Worte), jedes meitere Bort 10 Pfennig. Stellengesuche bas erfte Bort 10 Pfennig, fedes weitere Wort 5 Pfennig. Borte über 15 Buc ftaben zählen für amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer milfen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftoaße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Berlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 28. Januar 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Geiellichaft, Devontenkane Lindenstraße 3 Gegen den Rechtskurs! Der Massenaufmarsch der Berliner Sozialdemokratie. Denn gleichviel, was jetzt fommen mag, der tatkräftige Beweis ist nun erbracht: die Sozialdemokratie ist zum Kampfe für die Republit, gegen die Reaktion und gegen den tommmunistischen Arbeiterverrat ftärter und entschlossener denn je! Räme es der Sozialdemokratischen Partei lediglich auf| beiwohnen durften. Aber ihr Widerhall wird weit über die ihr parteipolitisches Interesse an und nicht auf das Wohl des 3ahl der unmittelbaren Zuhörer und lange über diesen deutschen Volkes, dann könnte sie sich nichts Besseres wünschen 27. Januar hinaus die politische Lage Deutschlands und als, fern von jeder Renierungsverantwortung, in dauernder Preußens beeinflussen. Opposition gegen das regierende Bürgertum zu stehen. Als Partei hat die SPD. von einem Rechtsturs nur eine gewaltige Stärtung ihrer Werbetraft zu ermarten. Das ist die eine Lehre der ungeheuren Massentundgebung, zu der der Berliner Bezirksverband am Dienstag abend im Sportpalast aufgerufen hatte. Sie war die Probe auf das Erempel dafür, daß die Sozialdemokratische Partei nach ihrem gewaltigen Wahlsieg vom 7. Dezember lebendiger, fampffreudiger denn je ist, und daß jeder Versuch, diesen Sieg zu verneinen, den Volkswillen in jein Gegenteil umzufälschen, die Kräfte, die in den sozialdemofratischen Arbeitermassen ruhen und in den letzten Jahren hauptsächlich zur possitiven Aufbauarbeit herangezogen wurden, nur um ein Vielfaches vermehren würde. Aber aus dem Verlauf der gestrigen Rundgebung ergibt fich auch eine weitere Lehre: die Arbeitermassen haben längst erkannt, daß es in der Republik nicht lediglich darauf antommt, durch Opposition gegen die Machthaber die Ents widlung der eigenen Partei zu fördern, sondern daß es im Interesse des gesamten Boltes und der eigenen Klaffe liegt, wenn die Männer ihres Vertrauens mit der verantwortungsvollen Aufgabe beauftragt wurden, die Geschicke des Reiches und der Länder zu lenken. Sie sind bereit, ihre aufbauende Kraft in den Dienst der demokratischen Staatsform zu stellen. Aber sie sind mindestens e benso entschlossen man auf ihre Mitwirkung mutwillig verzichtet, in jene Oppo= fition zurückzukehren, der sie einst ihren stärksten Aufstieg verdankten. Und gegenüber dieser Opposition find die kühnen Pläne des Rechtsblocks trotz der Liebesdienste der Kommuniften zum Scheitern verurteilt. Kein Zweifel daran, daß der bloße Aufruf der Berliner Organisation genügt hätte, um zur gleichen Stunde mindestens fünf Sportpaläste an verschiedenen Stellen der Hauptstadt zu füllen. Denn selbst die eine Riesenhalle in der Botsdamer Straße, die für die meisten Berliner Arbeiter, mit Ausnahme der im Südwesten und in Schöneberg wohnenden, recht un günstig liegt, war schon lange vor Beginn überfüllt. Bereits um 6 Uhr, also eine volle Stunde vor der angesetzten Zeit, Im Sportpalaft. Die gewaltige Rundgebung wurde kurz nach 7 Uhr vom Vorfigenden des Berliner Bezirksverbandes, dem Genossen Künstler, eröffnet. Braufender Jubel erhob sich, als er erklärte, daß mit dem sten Kampf anfage. Erneuter Beifall wurde laut, als er barauf hinwies, daß die von radikaler Seite beabsichtigten Störungen entschieden unterdrückt würden. Bon lang anhaltendem Beifall begrüßt, ergriff als erster Redner Reichstagspräsident Löbe das Wort. Er führte aus: Die Rechtsregierung ist eine Kriegsertlärung an das deutsche Broletariat. Mit Gift und Haß, mit Verleumdung und Berachtung wurde gegen Erzberger gearbeitet, bis er blut überströmt am Kniebis zusammenbrach.( Stürmische Pfuirufe!) 3hm folgte Rathenau; Birth wurde durch diesen verheßenden Einfluß der Reaktion gestürzt. Ich will nicht auf alle Opfer der Reattion hinweisen. Bulegt erhoben fie ihr Gefläff gegen Severing und Braun, und jetzt sehen wir, wie gewühlt wird, um dem Reichspräsidenten ein gleiches Schicksal zu bereiten. Das war der Feldzug der Zermürbung, der verhindern sollte, daß der Bedante der Demokratie sich verbreitete und der ihre feſteſte Säule, die Arbeiterschaft, aushöhlen sollte. Das geschieht um der Lastenperteilung willen, das geschieht, um die Ausbeutungs. freiheit der besißenden Klassen zu verewigen. Auch in den lezten Jahren hat eine Schicht sehr reicher Spekulanten Gewinne einsteden fönnen. Aber Junfertum und Schwerindustrie wollen durch diese Taktik der Zermürbung die dauernde Entrechtung der Arbeiterklasse festlegen.( Sehr wahr!) Drei Etappen führen uns das plastisch vor Augen: 1914, 1918, 1925. 1914. Da finden sich unsere Machthaber bereit, der Arbeiter. fchaft entgegenzukommen, mit einer gnädigen Handbewegung laden fie fie ein, den Staat zu verteidigen, der sie entrechtet hatte. A die schönen Sprüchlein, wie: Jch lenne teine Parteien mehr usw." hatten nur den 3wed, die Arbeiterschaft in ihre Gefolgschaft zu bringen. 1918 tam der Zusammenbruch und aus den Reihen derer, die heute wieder tausendköpfig erschienen sind, heraus erscholl der Ruf: Dieser Staat joll jeht unser Staat sein!" Da begann eine andere Einstellung der Arbeiterschaft zu staatlichen Dingen. Der Staat war Republit geworden, er hatte aber feinen alten Inhalt behalten. Er blieb ein tapitalistischer Staat. Trozz bem fagten wir uns: wir tönnen ihn jezt nach unserem Wil. len gestalten, wir wollen ihn ausbauen und verteidigen. 1925 600 Millionen für die Ruhrindustriellen! Ein ungesetzliches Abkommen. Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat am 27. Januar folgendes Schreiben an den Reichskanzler Dr. Luther gerichtet: Die Bertagung des Reichstags hat die sozialdemokratische Reichs. tagsfraktion gehindert, in öffentlicher Reichstagssigung die Frage der Entschädigung der rheinisch- westfälischen Großindustriellen aus Anlaß des Ruhrkampfes zur Sprache zu bringen. Wir gestatten uns deshalb, Ihnen, Herr Reichskanzler, auf diesem Wege folgendes zu unterbreiten: Nach Pressemeldungen ist vor einigen Tagen zwischen den zu8. daß damit die Millionen Liquidationsgeschädigter, Ber triebener, Auslandsdeutscher und Inflationsgeschädigter, die mit Pfennigentschädigungen abgespeist worden find, weit schlechter behandelt werden als die kapitalfräftigen Ruhrgeschädigten, 9. daß damit die Reichskaffe jo start belastet wird, daß der Abbau der Massenbelastung gefährdet wird und gewaltige Ansprüche anderer Geschädigter hervorgerufen werden. Hinzu kommt, daß den nach der Rückgabe der Micum- Zechen an ihre früheren Befizer von diesen fristlos entlaffenen Angestellten waren alle Pläne befeht. Aber immer neue Massen strömten ständigen Reichsstellen und dem Ruhrbergbau ein Abkommen über und Arbeitern bisher von den Bergwerksgerichten weder das Recht blid. in die Halle herein. Waren es 20 000 oder mehr? Wer kann es wissen, wer fann außerdem die Tausende schätzen, die noch um 7 Uhr und später eintrafen und fehrimachen mußten? Das Innere der Riefenhalle bot einen gewaltigen AnDie große Demokratenfundgebung zu Beginn des legten Wahlkampfes an der gleichen Stelle wurde durch diesen Andrang noch erheblich übertrumpft. Dennoch sorgten die Hunderte von Reichsbanner Kameraden durch Kettenbildung in aufopfernder und geschickter Weise für das notwendige Mindestmaß von Bewegungsfreiheit. Um das hohe, rotgeschmückte Rednerpodium standen in dichten Gruppen die Arbeiterjugend sowie die Bannerträger zahlreicher Berliner Abteilungen. = Aber nicht allein die Zahl, sondern vor allem die Stimmung der Masse gestaltete diesen Abend zu einer unvergeßlichen Willensfundgebung zum Schuge der Republit. Der jubelnde Beifall, der die einzelnen Redner begrüßte, als sie das Podium bestiegen, fowie während und auch nach ihren Reden war der sichere Gradmesser der Kampfesluft unserer Parteigenossen. Es war wohl fein Zufall, sondern ein wichtiges politisches Symptom, daß von allen Ovationen, die den Rednern des Abends entgegenflangen, diejenige besonders lebhaft war, die dem zurückgetretenen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun bei seinem Erscheinen auf dem Bodium zuteil wurde. Die Sozialdemokraten find weit davon entfernt, sich vor der Opposition zu fürchten, aber sie haben volles Berständnis für die Leistungen, die unsere Genoffen in der preußischen Staatsregierung im Interesse der Festigung der Republit vollbracht haben. Inverständlich hingegen ist für ihren gefunden Arbeiterfinn das Verhalten der kommunistischen Arbeiterperräter, mit deren Hilfe allein die Reaktion ihren Zielen im Reich und in Breußen nähertommen tonnte. Jedesmal, wenn dieses Verhalten von den Rednern erwähnt wurde, erichollen durch die Riesenhalle pieltausendstimmige Pfui- Rufe. Die paar Kommunisten, die Dagegen demonstrierten, wurden entweder schnell zur Ruhe gebracht, oder, falls fie auf weitere Störungsversuche nicht verzichten wollten, an die frische Luft befördert. Nach Inapp 1% Stunden hatte die Rundgebung ihr Ende erreicht. Sie wird all denen unvergeßlich bleiben, bie ihr den Ersatz der Schäden geschlossen worden, die dem Bergbau wäh- auf Beschäftigung noch auf Entschädigung zugesprochen worden ist. rend des Ruhrkampfes entstanden find. Das Reich erkennt darin Der Gedanke, daß aus den Begleiterscheinungen des paſſiven Biderfeine Entschädigungspflicht an und habe sich zur Zahlung einer standes die kapitalkräftigen Zechenbefizer unverdiente Bereicherung, entsprechenden Entschädigungssumme bereit erklärt. Die Berteilung dagegen die eigentlichen Träger des Ruhrkampfes nach den schon der Entschädigungszahlungen des Reiches, auf die bereits größere gebrachten ungeheuren Opfern jeder Art jezt auch noch den BerAbschlagszahlungen erfolgt seien, gefchehe durch die Ruhrust der Eristenz und die Ablehnung jeder Ent. worden. Auch der Zeitpunkt dafür stehe noch nicht fest. Die Entfohle- A.- G. Die endgültige Verrechnung sei noch nicht vorgenommen schädigung erfahren sollen, ist unerträglich. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichs. schädigungsansprüche der Eisen- und der Stahlindustrie sollen ähn tagsfraktion sieht sich deshalb veranlaßt, an die Reichsregle lich geregelt werden. rung das Ersuchen zu richten, Ferner ist durch die Bekanntmachung über Ruhrschäden vom 10. Dezember 1924, die anscheinend die formelle Grundlage für das porerwähnte Abkommen darstellt, eine außerordentlich weitreichende Ausdehnung der Entschädigungspflicht des Reiches vorgenommen worden. Die Entschädigungspflicht, die bisher nur bis zum 31. Dftober 1923 bestand, ist auf alle Schäden ausgedehnt worden, die bis zum 15. November 1924 entstanden sind. Des weiteren werden fünftig 5000 m. voll entschädigt( bisher 2500 m.), höhere Beträge mit 75 Pro 3.( statt bisher 25 Broz.). Außerdem ist die bisherige Höchstgrenze von 50 000 m. aufgehoben worden. Beunruhigung hervorgerufen. Sie ist entstanden aus der Erwägung, Diese Mitteilungen haben in der Deffentlichkeit eine große 1. daß es sich bei dieser Maßnahme um den gewaltigen Be trag von mehreren hundert Millionen Goldmark handelt. Die Presse beziffert den Anspruch der rheinisch- westfälischen Großindustriellen allein auf 600 millionen Goldmart. 2. daß Entschädigungen gezahlt werden nicht nur für den tatsächlich erlittenen Schaden, sondern auch für enfgangene Gewinne, 3. daß den Entschädigungsansprüchen Preise zugrundeliegen, die mit Rücksicht auf die Tragung der Micumlasten durch die Industrie weit über den Produktionskosten festgefeßt waren, 4. daß die Zahlung erfolgt ohne gründliche und einwandfreie Nachprüfung der Schäden, so daß ein neuer Typus von Ruhr gewinnlern" geschaffen wird, 5. daß bei der Bemessung der Entschädigungen weder die gewaltigen Gewinne durch Papiermarkkredite der Reichsbant, des Reiches sowie durch die Ausgabe von Notgeld und die bisher be. reitsgezahlten Entschädigungen, die sogenannte Lohnsicherung, berüdfichtigt werden, 6. daß die Anerkennung der Ansprüche erfolgt auf dem Ver. waltungswege, und daß die gefeßgebenden Körperschaften bei diefer gewaltigen Ausgabe überhaupt nicht befragt worden find, 7. daß die durch das Abkommen zur Auszahlung gelangenden Beträge in dieser Höhe weder im Haushaltsplan für 1924 noch in dem für 1925 angefordert werden, 1. die Ausführung der mit der Ruhrkohle- A.- G. geschlossenen Bereinbarungen fofort einzustellen, 2. die Ausführung der Bekanntmachung über Ruhrschäden Dom 10, Dezember 1924 vorläufig einzustellen und 3. dem Reichstage sofort eine Denfschrift über die Vergütung der Ruhrschäden vorzulegen, die sowohl eine vollständige Ueber ficht über die der Ruhrindustrie feit dem 11. Januar 1923 von allen öffentlichen Stellen gewährten Kredite und Entschädigungen enthält, als auch die Materialien, die zur Begründung einer unferes Erachtens unbedingt erforderlichen gesetzlichen Regelung der Entschädigungsansprüche notwendig sind. Wir halten diese Forderungen für um so berechtigter, als eine gesetzliche Grundlage für eine so weitgehende Ausdehnung dieser Entschädigungsansprüche uns nicht gegeben erscheint. Wenn aus der Reichstasse durch selbständige Entscheidung der Verwaltung so ge waltige Summen zur Auszahlung angewiesen werden könnten, würde damit jedes geordnete Budgetrecht des Reichstags illusorisch werden. Deswegen sehen wir in dem Vorgehen der Regierung eine Berletzung des Budgetrechts des Reichstags. Angesichts der gespannten Finanzlage des Reichs, die zur erheblichen Einschränkung der sozialen Fürsorge geführt hat und der Ansprüche, die die Aufwertung der öffentlichen Anleihen und der Entschädigungen der Liquidationsgläubiger an die Reichstaffe stellen, warnen wir auf das ernsteste vor einer Anerkennung von unberech figten Ansprüchen der Ruhrinduftrie, die das Reich mit Hunderten Don Millionen Goldmart belastet. Bereits jetzt hat die Ankündigung der erheblichen Entschädigungszahlungen zu einer Hauffe in Mon tanpapieren an der Börse geführt, die den Aktionären unberechtigte hohe Gewinne verschafft. Die beschränkten Mittel des Reichs dürfen nicht zur Bereicherung des Großfapitals führen, sondern müssen ausschließlich zur fozialen Fürsorge der Millionen Rofleidender, insbesondere der bedürffigen Opfer der Inflation und des Ruhrkampfes dienen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. peginnt die neue Etappe, in der die Arbeiterschaft zurüdge 1 ichlagen wird und in der die Reaktion versucht, den alten Obrigkeitsstaat wieder aufzurichten. Aber dieser Staat wird nie mehr so aussehen wie der alte. Niemand fann uns das gleiche Wahlrecht nehmen, denn in den Staaten, die uns umgeben, ist es heimisch geworden. Auch das Frauenwahlrecht wird die Reaktion niemals abschaffen, denn es hat ihr ja die besten Dienste geleistet. Sie wird aber versuchen, das Parlament als Ganzes zu entrechten und auszu chalten. In dem Augenblicke aber, wo der Versuch gemacht wird, den Staat der Junker und Nationalisten wieder aufzurichten, das Proletariat zu fnechten und die Beamten zum alten Kadavergehorfam zu zwingen, wird die Arbeiterschaft den revolutionären Kampf mit aller kraft aufnehmen.( Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Jahrzehntelang ist die Berliner Arbeiterschaft an der Spitze der Arbeiterbewegung marschiert, bis die Spaltung fie entträftete. Aber die letzten Wahlen haben gezeigt, daß diese Epoche der Entfräftung überwunden ist, daß fie allmählich in die Vergangen heit zurüdfinft. Wenn die Arbeiterschaft ihre Stellung verteidigt, dann ist kein Zweifel daran, daß die Regierung Luther bald wieder die Arbeiterbataillone wird marschieren hören. Sie wird es hören, daß die Beit, da die deutsche Politik von den Junkern as feelt ihnen zu: allein gemacht wird, vorbei ist. Wir rufen ihnen zu: Plak und wenn ihr nicht freiwillig geht, so werden wir es erringen und erzwingen.( Langanhaltender Beifall.) Es folgte, gleichfalls lebhaft begrüßt, 0 Reichstagsabgeordneter Breitscheid: Bir Sozialdemokraten haben im wesentlichen geholfen, die deutsche Außenpolitik zu tragen. Unsere internationale Einstellung hat uns nicht gehindert, die Interessen des deutschen Volkes zu fördern. Sie hat uns im Gegenteil wesentlich dazu geholfen. Gemeinsam mit unseren sozialdemokratischen Brüdern jenseits der Grenzen haben wir unseren Einspruch gegen das Diktat von Bersailles erhoben, das den Krieg abSchloß, ohne den Frieden zu bringen. Aber wir haben uns nicht in tönenden Protesten gefallen, noch weniger haben wir uns be teiligt und werden wir uns jemals beteiligen an den ebenso( innlofen und für uns gefährlichen Drohgesten über den hein Bobbe in hinüber, in denen unsere Nationalisten fo groß find. Wir haben eine Einheitsfront mit den Nationa Listen hergestellt und werden es nicht tun, denn diese Leute find nicht zu einem ehrlichen Frieden geboren.( Bustimmung.) Sie haben ihre wahren Gefühle gekennzeichnet, als sie im Landtag bei der bekannten Erflärung des Genossen Braun den Saal ver. ließen.( Sehr richtig!) The Nationalhaß ist start, aber ihr Sozialistenhaß ist stärker. Wir haben die Erfüllungspolitit unterstützt und wir haben auch an Stresemanns Seite gestanden, els er den Faden der Erfüllungspolitif.weiter spann, wenn er es auch perstand, diese Politik mit nationalistischen Redensarten zu verbrämen. Diese Außenpolitif, die wir trieben, war die einzige Möglichkeit, den Weg zu einer schließlichen Verständigung zu bereiten. Wir mußten beroeijen, daß die Kriegsheger nicht die Bertreter des wahren Deutschland sind.( Sehr gut!) Wir redeten und handelten im Namen der zahlreichen Millionen, die den Ausgleich und den Frieden anstreben. Daß wir damit auf die Nationalisten chensowenig belehrbar wie unsere Nationalisten. Aber wir wollten auf die Arbeiterschaft des Auslandes und auf alle Kreise einwirken, die einem Zustand ein Ende machen wollen, in dem die Kon flitte der Kapitalisten der verschiebenen Länder begründet find, Konflikte, die das Broletariat mit seinem Blut und seinen Tränen büßen muß. Wir sind dafür von den Nationalisten inter nationale Landesverräter gefcholten worden. Wir haben das ertragen in dem Bewußtsein, daß unser Internationalismus nido anderes ist als dic im Auslande feinen Einbrud machen fonnten, war flar. Sie sind # 3 Berförperung nationaler Jntereffen auf breiferer Grundlage Bir glauben an die Gemeinschaft der Nationen, an den wahren plferbund. Und auf der anderen Seite perhöhnen uns noch heule die Stommunisten wegen unseres angeblichen Schwächlichen Pazifismus. Ja, wir sind Bazifisten!( Lauter Beifall)| Nicht Pazififten des Gefühls, fondern des Berstandes und bes Willens in der Ueberzeugung, daß es möglich fein muß, die Gewalt in den Auseinanderlegungen der Staaten auszuschalten.( Beifall.) Tiefe Bolitik hat Erfolge erzielt. Sie trug dazu bei, daß an Steile Bon Boincaré Herriot teat, und nur ein Nurr wird leugnen mollen, daß das System in Frankreich fich nicht geändert habe. Diele Bolitit hat es mit sich gebracht, daß die politischen Streitig feiten auf das wirtschaftliche Gebiet übergeführt worden sind. Die Lawes Gefeße stellen sicherlich teine sozialistische Lösung der Schwierigkeiten dar, aber sie waren die einzig bentbare 20: fung. Die Deutschnationalen befämpften sie und gaben schließlich tere tlägliche Buftimmung. Jegt aber verlangen fie ihren Lohn, und die Deutsche Volkspartei des Herrn Stresemann war es, die ihnen zu ihrem Lohn verholfen hat. Jetzt fizen im Kabinett dies jenigen, die unsere Bolitit geschmäht haben, die die Politik der Gewalt gepriesen haben. Die Frage ist nun, ob sie in der Re gierung die Linie einhalten werden die fie in der Opposition gegangen find. Wir wissen es nicht. Nach den Erfahrungen, die wir mit den Deutschnationalen gemacht haben, fönnen wir freilich vermuten, daß fie wenigstens vorübergehend bereit sein werden, auf dem Gebiete der Außenpolitik zugeständnisse zu machen, um ihre Machtpofitionen im Innern um so sicherer behaupten zu fönnen. Die nationalistische Außenpolitik ist immer ein Mittel ges mesen, die Kräfte zu mobilisieren, die für die Beherrschung der inneren Bolitik ausgenugt werden sollen. Im Auslande aber ist das Mißtrauen mach. Herr Stresemann hat nie Vertrauen besessen. lind feine neuen Kollegen tönnen nicht dazu beitragen, dieses Manto auszugleichen. Im Ausl inde glaubt man nicht an die Befehrung der Nationalisten durch Ministerportefeuilles. Man ist auf der Hut und rüftet sich zur Abwehr. Nicht nur die friedensfreund lichen Kreise in Deutschland, nein auch die in Frankreich haben durch das Zustandekommen des Kabinetts Luther eine fchwere Miederlage erliten Den Nationalisten im Auslande wurde Wind in die Segel geleitet, und die deutschen Arbeiter werden es zu fühlen bekommen. Und felbst wenn das Löwengebrüll diefer nationalistischen Regierung sich in ein Blöfen fanfter Lämmer der. wandeln sollte, wird es bestehen bleiben, daß fie eine Gefahr für den Frieden Europas find. Schwarzweißrot find die Farben der Verhegung... Schwarzrofgold find die Farben des Friedens und der Bölferverföhung.( Stürmischer Beifall.) nicht nur aus innerpolitiſchen, sondern auch aus außen pott. tischen Gründen hat die Sozialdemokratie dem neuen Kabinett Scharfen Kampf und entschiedene Opposition anzusagen. Wir haben unsere Auffassung zu verteidigen, auch wenn man uns hundertmal Landesverräter und vaterlandslose Gefellen schimpft. Für euch. Arbeiter, gilt das Wort, das der Apostel Paulus den Korinthern zurief: Wachet, steht fest im Glauben, seid männlich und feid start." ( Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Sobann ergreift das Wort, jubelnd begrüßt, Ministerpräsident Otto Braun: Es ist natürlich nicht meine Absicht, über die preußische Regieustrise eingehend zu sprechen. Als am Freitag der vorigen Boche durch das Zusammenwirten der naflonaliffifchen und der fommunistischen Parteien( stürmisches Bful!) unter dem tofenden Beifall der Reaktionäre die preußische Regierung gestürzt wurde ( 3wistenrufe. Der Bersammelten bemächtigt fich eine ungeheure Unruhe, die zu einer minutenlangen Unterbrechung der Rede des Genossen Braun führt), legte ein Abgeordneter der Kom munistischen Fraktion einen Kranz auf den Blatz des preußischen Ministerpräsidenten nieder.( Anhaltende Bfuirufe.) Diefe Handlung war fymbolisch. Zum ersten Male seit Bestehen der Arbeiter bewegung haben wir es erlebt, daß Arbeiter einen Kranz auf das Grab legten, das sie sich selbst und ihrem politischen Einfluß ge graben haben. Biele Arbeiter haben Nationalisten gewählt, weil sie glaubten, daß es durch deren Einfluß besser werde. Aber wir haben es faum jemals erlebt, daß Arbeiter, die da glaubten, revolutionär zu handeln, derartige Hausknechtsarbeit für die Reaffion Reaktion, mit den Kommunisten verbündet, wohl eine Regierung verrichteten.( Stürmischer Beifall.) Es hat sich gezeigt, daß die stürzen, aber feine neue aufbauen fann. Wenn die Arbeiter in ihrer Berblendung eine so große Zahl von Kommunisten gewählt haben, so ist das eine tranthafte Erscheinung, und wir müffen alles tun, daß die deutsche Arbeiterschaft von der ruffischen Krankheit befreit wird.( Zustimmung.) Gelingt das nicht, so fann fich die Reaktion weiter ins Fäustchen lachen, denn so willfährige Knechte hat sie noch nie gehabt.( Buftimmung.) | dem die profetarisd, en Mittelstandsmänner spüren werden, daß sie betrogen find, in Auswertungsausschuß sind die Anzeichen dajur schon zu sehen. Die vielen Beamten, die sich nach dem Obrigkeitsstaat zurückfehnen, werden warten können, bis die Rechtsregierung das fchreiende Besoidungsrecht vom legten Frühjahr wieder gut maút; auch sie werden die Beirogenen sein. Die Kriegsbeschädigten, die der Rechten nachgelaufen sind, werden warten fönnen, bis die Ber. erhöhen( Sehr wahr!) aber die Massen werden dabei leer ausprechungen eingelöst werden, die die Rechtsparteien ihnen gemacht haben. Vielleicht wird diese Rechtsregierung die Offizierspensionen gehen und auch sie werden einsehen, wie sie hintergangen find. Wir haben jetzt eine Politif zu treiben, die uns diese Massen aufnehmen läßt, sobald sie ihre klaffenlage begriffen haben Ind weil die Rechte weiß, daß sie die belogenen und betrogenen Wähler enttäuschen muß, deshalb haben wir seit Monaten und Wochen diesen Basfrieg gegen die Sozialdemokratie.( Heiterfeit und Zustimmung.) Deshalb der Verleumdungsfeldzug, in dem täglich neues Gift gegen uns ausgespritzt wird. Auch eine andere Gefahr draht: Schon einmal in der Geschichte hat man erlebt, zur Zeit des großen Napoleon, daß eine Regierung, die im Innern die Maſſen nicht befriedigen fonnte, schließlich außenpolitische ben= te u er zu machen versuchte. Wir müſſen auf der Hut sein, daß solche Abenteuer verhindert werden. Unſer höchftes Gebot muß Wachjamgenschaften, die uns noch geblieben sind, zu erhalten. Die Massen müssen die volle Gleichberechtigung auf politischem Gebiet erkämpfen, rung zu bilden. Die Deutsche Voltspartei glaubt, jegt soweit zu Nun steht die Reaktion vor der Frage, eine neue Regie fein, in Gemeinschaft mit ihren sinnesverwandten Parteien von rechts ihre Aufbauarbeit durchzuführen. Aber sie wird sich täuschen. Sie versucht heute mit aller macht, das Zentrum in dieselbe Knechtseligkeit hineinzupressen, in die sie sich selbst hineinmanövriert bat. Für die Republit und das Proletariat iſt es entſcheidend, ob es diesen Kräften gelingt, die Republik zu unterwühlen, Borfeit sein. Wir haben daran zu denken, die revolutionären Errunbereitungsarbeit für die Monarchie zu leisten.( Laute Zurufe: Niemals!) Das ist davon abhängig, ob sich die Arbeiterklasse Deutschlands ihrer historischen Mission bewußt wird, daß es darauf ankommt, die Republik zu stüßen und die. Demokratie sicherzustellen. Ist sich die Bevölkerung dieser Mission bewußt, so find die Versuche der Reaktionäre zum Scheitern verurteilt. Schwarzweißrot, das einmal niebergeholt ist, soll und muß niedergeholt bleiben. Wenn die Reaktion glaubt, mit den Mitteln der Borfriegszeit das deutsche Bolt beherrschen zu können, so irrt sie sich. Das deutsche Volk ist durch die Schule des Krieges und der Nachkriegszeit ge gangen. Das werden die Herren auch bald merfen. Es liegt an uns, ihnen die Gewißheit beizubringen, daß es unmöglich ist, das alte Breußen wieder zum Leben zu erweden. Wird diese Ueberzeugung tatkräftig betätigt, so fönnen wir diese Rechtsschwenfung mit ruhiger Gelaffenheit erfragen, die Linksschwenkung wird alsdann um fo gründlicher und entscheidender sein.( Stürmischer Beifall.) Unter lebhaftem Beifall ergreift sodann das Wort Reichstagsabgeordneter Crifpien: Das Erstarten der Reaktion vollzieht sich zu einer Zeit, in der wir auch auf internationalem Gebiet vor großen Aufgaben stehen, die wir löfen müffen, wenn wir auch immenpolitisch die arbeitenden Massen start machen wollen. Die englische Ar beiterregierung mußte aurüdireten. 3br Birten aber fann aus der Geschichte nicht mehr ausgelöscht werden. Es hat aller Welt den Beweis erbracht, daß, wenn wir in einzelnen Ländern Arbeiterregierungen und, wie in Frankreich, zu perläffige Sintsregierungen haben, haben, der Alpdruck dauernder friegerischer Gefahren verschwindet. Die englische Arbeiterregierung hat im Zusammenwirten mit der franzöfifchen Linfsregierung auf der fünften Tagung des Völkerbundes einen großen Blan erörtern lassen, um eine Grundlage zu finden, auf der die Länder fich vereininen tönnen zur Abrüstung, zur Befeitigung des Krieges, zur Berwirklichung friebscher, wirtschaft lider Beziehungen zwifchen allen Vörfern. Diefer Borstoß hat Widerhall gefunden in der ganzen Welt. Und auf der letzten Tagung der Eretutive der sozialistischen Internationale haben wir beschloffen, diefe große deg der Abrüftung in allen Ländern in die Massen zu tragen, um sie auch für diesen Kampf au gewinnen.( Bravo!) Darum ist es wichtig, daß das Proletariat in Deutschland dafür sorgt, daß die reaktionäre Beriode zu einer turzen Episode gemacht wird.( Beifall.) Bir müffen auch in Deutschland in allen Schichten der Bevölferung den Gedanken meden, daß mir nicht dahin zu ftreben haben, aus Deutschland wiederum eine mitärische Macht merben zu laffen. Wir haben pielmehr die Aufrobe, dahin zu wirken, daß die Staaten, bie ftätter gerüftet find als mir, abrüften.( Beifall.) denn nur in einem demokratischen Deutschland fann die Führerauslese gefunden werden, von der auch große bürgerliche Demokraten, wie der ermordele Walter Rathenau im Kriege schon gesprochen haben. Wir haben dafür zu sorgen, daß der Weg nach oben der Masse Mensch auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet eröffnet wird. Wir sehen jezt die Rechte in der Regierung. Wir sehen dort laue Republikaner mitt Monarchisten zusammen eine Regierung bilden. Wenn wir oben ein solches Schauspiel erleben, dann haben wir unten zu zeigen, daß wir da sind.( Stürmischer Beifall.) Die deutsche Republik ist nicht umzubringen, wenn wir auf dem Posten sind, und wir wollen bercit fein. wir müssen zu ihrer Verteidigung bereit sein, weil nur auf dem Boden einer demokratischen Republik der Sozialismus reifen tann, deſſen Lehrmeiſter larg und Engels, B bas Berſprechen geben, daß gewesen sind. Deshalb wollen wir uns uns wir in Bewegung bleiben, und zum Zeichen dessen rufen wir: Es lebe die deutsche Republif, es lebe die Bölferverständigung, es lebe der deutsche, es lebe der internationale Sozialismus. Die ungeheure Bersammlung erhebt sich, stimmt begeistert in das dreifache Hoch ein und singt die Internationale. Als der Massendor verklungen ist, und die tausende Teilnehmer sich in Bewegung setzen um die riesige Halle zu verlassen, hört man einige störende Ruje, wie schon ofter an diesem Abend, sie werden aber von den Nachbarn der Rufer und von Reichsbannerleuten tasch zum Schweigen gebracht. Inzwischen hatten Löbe, Ludwig, Ofto Meier und Litte vor der Halle zu vielen Taufenden gesprochen, die keinen Einlas mehr hatten finden können. Draußen auf der Siraße, wo sich die Tausende natürlich mur... langfam zerstreuen tönnen, hört man noch abwechselnd Hoch- und Niederrufe. Der erhebende Eindrud ter gewaltigen Manifestation bleibt unberührt in den Gemütern haften. Antwort der Reichsregierung. Auf die letzte Entwaffnungsnote. Die Antwort der Reichsregierung auf die Rollettivnote in der Räumungsfrage ist gestern vormittag den alliierten Ber tretern übergeben worden. Sie lauigt: „ Herr Botschafter! In der dem Herrn Reichstanzler am 26. Januar überreichten Mote ertfären die Affiierten Regierungen, daß fie einfiwellen nicht bem berichtet wird, daß genenwärtig 5½ Millonen Märter unterlichen Rheinlandzone mit der deutschen Regierung zu er In diesen Tagen ist ein Buch des Börterbundes erschienen, in die Absicht haben, die Frage der Räumung der norb Waffen stehen, und daß mehr als das Doppelte in den Krieg gefchickt werden Bann. Darum wollen wir überall den Gedenten der frieblichen Arbeit der Bölfer propagieren. Darum wollen wir überall den Gebenten Das Genfer Brotofoft verlangt, daß alle Stanten sich zusammen finden fallen zu einem Vertrag, demzufolge fie gemeinsam vor. gehen sollen gegen jeden Etaat, der den Krieg gegen andere Länber proflamiert. Zum ersten Mate wurde erflärt, daß es nicht Striege einzuschränken, die Mordwerkzeuge zu humanisieren", nur darauf ankommt, auf Friedens- und anderen Konferenzen zum ersten Male wird der Krieg moralid als fulfurlos und barbarisch gebrandmarkt. Die deutschen Reaktionäre und ihre Regierungsmänner haben Scheingründe, um den Eintritt Deutschlands in dem Völker. bund und damit seine Erweiterung zu hintertreiben. Es ist unsere Aufgabe, die Regierung zu zwingen, den Anschluß an den Bölker. bund durchzuführen oder abzutreten, und den Kräften Blak zu machen, die für die Wohlfahrt der Menschheit arbeiten wollen. Benoffe Crifpien schildert nun den Stond der Wirtschafts. beziehungen Deutschlands zum Ausland. Erft mit 6 von 50 Steaten haben wir wieder dauernd ger gelte Handelsper perträge. Die Schwerindustrie hüben und drüben versteht es wohl, sich über ihre Intereffen auf Kosten der Bölker zu einigen. Diese Riefentundgebung zeigt, daß wir da find, lehrt auch unsere Brüder im Ausland, daß mir ge meinsam mit ihnen fämpfen wollen. An dieser eisernen Front wird die Reaktion zerschellen.( Stürmischer Beifall.) Paul Levi mit Beifall und einigen fommunistischen Zwischenrufen empfangen, spricht zuerst von ten Opfern der Klassenjuftig. Davon zu sprechen, ist nicht leicht, denn diefelbe macht, bie törichte Arbeiter mißbraucht, hier unsere Kundgebung stören zu wollen, die treibt die Arbeiter vor das Echwert der Klassenjuſtiz. Die Justiz tann auch Jahre?!( Lebhafte Zustimmung.) Und die Barteifreunde dieser wo ist die Sühne für all die feigen Morde der letzten der Justiz will man der Kampf der Arbeitstlaffe hemmen. Bon Mörber fchicken fich nun an, zu regieren und zu verwalten. Mit Kriegsgefahr ist viel die Rede. mild sein Bon gewiffen reaffionären, öffentlichen und geheimen Organifationen darf keiner reden. Das Zuchthaus ristiert, wer von dieser schwersten Gefahr für Deutschland reden will. Die Reaktion glaubt ihr Spiel Ichon gewonnen. Gemach! Wir haben in diesen sechs Jahren freilich ver. geifen, fo nianches Nest der Gegenrevolution auszubrennen. Aber bie soziale Revolution der Arbeiter ruft ihren Feinden zu:„ Ich war, ich bin, ich werde sein!"( Brausender Beifall.) Hermann Müller örtern oder auf die Darlegungen der deutschen Note vom 6. Januar einzugehen. Sie verschieben die bereits in ihrer ersten Note ange. fündigte Mitteilung derjenigen Punkte, von deren Erledigung fie die Räumung jener Zone abhängig machen wollen, erneut auf eine spätere 3eit, wobei fie, ebenso wie früher, möglichste Beschleuni gung dieser Mitteilung in Aussicht stellen. Im übrigen beschränken weite der Artikel 428 und 429 des Versailler Bertrages entgegenzu fie fich darauf, der deutschen Regierung eine Verkennung der Trag halten und die Behauptung zu miederholen, daß Deutschland die in diesen Artikeln vorgesehene Voraussetzung für die fristgemäße Räu mung der nördlichen Rheinlandzone nicht erfüllt habe. Die deutsche Regierung muß zu ihrem Bedauern feststellen, daß die Ausführungen der deutschen Sie vom G. Junuar den Werten Regierungen lebiglich zu einer formalen Erwiderung Anlaß ge geben haben, die diese für Deutschland und für die europäische Ver ftändigung fo bedeutungsvolle Angelegenheit in feiner Reise förder Die Alliierten Regierungen halten die Deutsche Regierung sie auch bie Deffentlichkeit noch immer in Untenntnis des Tatsachenmaterias, mit dem sie den von ihnen bereits vor mehreren Wochen gefaßten Beschluß begründen wollen. Das deutsche Bolt wird wiederum der Nichterfüllung des Vertrages beschuldigt, ohne dib ihm die Mögitá feit gegeben würde, fich gegen diese Beschuldigung zu verteidigen. Die Altierten Regierungen ziehen aus einer einjetigen Beur teilung des Sachverhaltes die schwerwiegendsten Folge ausdrücklich ab, mit der Deutschen Regierung in eine Erörterung der rungen und lehnen es in ihrer neuen Note sogar bis auf weiteres Angelegenheit einzutreten. Die Deutsche Regierung vermag nicht zu verstehen, inwiefern ihr eine Berkennung der Tragweite der Artikel 428 und 429 vorge daß diese Artikel die Räumung der nördlichen Rheinlandzone am worfen werden fönnte. Sie hat nicht bestritten und bestreitet ni ht, 3hre Behauptung geht vielmehr dahin, daß diese Voraussetzungen 10. Januar 1925 von gewiffen Voraussetzungen abhängig machen. erfüllt sind. Die Tatsache der völligen Entwaffnung Deutschlands ift zu offenkundig, als daß die Allierten Regierungen die Richtinnehalkung des vertragsmäßigen Räumungstermins mit dem gegenwärtigen Slande der deutschen Abrüftung begründen fönnten. Die Alliierten Regierungen einen in ihrer Note einen Unter fchied zwischen der Tragweite des Artikels 428 und des Artikels 429 in dem Sinne machen zu wollen, daß die im Artikel 429 vorgesehene etappenweise Räumung eine von ihrer Entscheidung abhängige Dies würde dem Vergünstigung für Deutschland darstelle. → herzlichst begrüßt führt aus: Der scharffte Klaffentampf von aben ist dem Gerede von der Volksgemeinschaft gefolgt; fein Biellaren Wortlaut des Vertrages widersprechen, der feinen Zweifel ist die Rückkehr zum alten preußischen Bidelhaubentlaffenstaat. Dazu darüber läßt, baß die Bestimmungen des Artifels 429 nit brauchen fie auch Preußen, um ben Reichsrat zu beherrschen. Ein weniger bindendes Vertragsregt find als bie. reaftionäres Preußen soll mit Bayern, mit dem Bazillen- Württemjenigen des Artifels 428. berg, dem Bürgerblod Thüringen und dem Graefe- Mecklenburg zu fammengehen. Soweit fonnte es aber nur fommen, weil viele Mittelständler immer noch nicht begriffen haben, daß die Ursache ihrer Not der Krieg und ist und jene Politit, die zum Kriege ge, führt hat.( Bebhafte Buftinimung.) Zwei Millionen Deutsche liegen in fremder Erde. Da man nicht rufen tann: Cafar, gib uns unsere Legionen wieder, so fagen diese Mittelständler: Kaiser, gib uns unser Bermögen wieder!( Seiterfeit.) Wegen dieser Geiftesverwirrung hat am 7. Dezember Schwarz- Weiß- Rot nicht gefiegt, aber doch nicht die verdiente Niederlage erlitten. Run, ber Lag wird fommen, an 5090 Das gemeinfame Interesse an einer fruchtbaren politischen Zu fammenarbeit gestattet es nicht, den gegenwärtigen Zustand, der das Schicksal eines großen deutschen Gebiets und feiner Bevölkerung im Ungewiffen läßt, auf unbestimmte Beit zu verlängern. Die Deutfge Regierung erwartet deshalb, daß die Alllierten Regierungen die Mit teilung des angekündigten Materials nunmehr alsbald folgen lassen und so die Voraussetzung für eine Berständigung über die Beilegung des entstehenden Konflikts schaffen. Genehmigen Ste... ufw.... ndmurd GASC Entlarvter Schwindel. 6 pianodsad Deutschnationale Aufwertungsdemagogie am Pranger. gefeßt werden. Nicht zwischen Luther und Schlieben, sondern zwischen dem Schlieben von heute und dem Schlte. ben oor 4 Monaten besteht ein Unterschied. Im September er. flärte v. Schlieben im Ausschuß, die Kriegsanleihe aufzuwerten fet eine Aufwertung ganz allgemein noch für bevor. Mittel dafür zu schaffen seien. Es tomme meder zugte klassen in Frage". Große Meinungsverschiedenheiten werde die Deckungsfrage hervorrufen, in der die Sozialdemo fratie jordere, daß die Bollstreise, die in der Zeit der allgemeinen: Berarmung ihr Vermögen gerettet oder vermehrt haben, die Opfer tragen. Der Aufwertungsausschuß des Reichstags fegte gestern die am 21. Januar abgebrochene Beratung des deutsch nationalen Antrages auf Aufhebung der Notver ordnung vom 4. Dezember 1924 betr. die Aufwertungsfrage fort. Namens des Reichsfabinetts verlas Justizminister Dr. Frenjeßt. eine absolute Unmögliteit, ba feinerlei ten eine Erflärung, in der er den Erlaß jener Verordnung zu recht anfertigen versuchte. Die Regierung habe mit der Verordnung, die aus der Erschütterung der Rechtsgrundlagen der 3. Steuernotverord nung hervorgegangenen schweren Gefahren für die Deffentlichkeit durch eine Notverordnung aus Artikel 48 der Reichsverfassung ab. zuwenden gesucht. Es handele sich nur um eine einstweilige Regelung. Die endgültige Regelung des Auswertungsproblems fönne nur im Wege der ordentlichen Gesetzgebung gefunden werden. Eine Regierungsvorlage zur Ergänzung der 3. Stuernot verordnung fei in Vorbereitung. Ihre Einbringung bei den gesetz geberischen Körperschaften fönne für nahe Zeit. in Aussicht gestellt werden. Das Schutzzoll- Komplott. Schwerindustrie und Verarbeitungsindustrie für Eisenzolle Wir berichteten bereits über das von der französischen Breffe veröffentlichte Protokoll, das zwischen Vertretern der Schwerindustrie und der eisenverarbeitenden Industrie ver einbart wurde und das einen gemeinsamen Kampf dieser Gewerbe für den Hochschutzoll anfündigt. Bon amtlicher deutscher Seite wird dieser Bersuch, die Eisenzölle durchzusehen, als eine Abwehr der französischen Weigerung hingestellt, Frankreichs Markt der deutschen eisenverarbeiten den Industrie zu öffnen. Tatsächlich liegen die Dinge anders. Die Schwerindustrie hat schon längst vor den delsvertragsverhandlungen ihre Hochschuß zollforderungen angemeldet und damals einen Biderstand bei den eisenverarbeitenden Industrien gefunden, der erst jetzt durch die deutsch- französischen Schwierigteiten gebrochen worden ist. Es ist fein Wunder, daß an dieser Jerabredung lediglich die Großindustrie beteiligt ist. Denn selbst die vorgesehenen Rückvergütungen des Bolles bei Der Ausfuhr fönnen die schlimmste Begleitwirkung des Eisenolles nicht verhindern, die Schwächung des inländischen Parftes für alle Waren, die aus Eisen hergestellt werden, und Die Gefährdung der fleinen und Mittelbe. riebe, die aus der Exportvergütung feinen Ruhen ziehen innen. Die Eisenzölle werden für die deutsche Industrie ann zur ständig wachsenden Gefahr, wenn die immer wieder nterbrochenen, aber auch wiederholt wieder aufgenommenen Berhandlungen über das internationale Eisensyndikat doch och einmal zum Ziele führen sollten. In diesem Falle wäre ann der deutsche Markt vollkommen dem Monopol der nternationalen Schwerindustrie preisgegeben. Abfag idyvierigkeiten in den weiten Zweigen der Metallindustrie und damit Arbeitslosigkeit wäre die unvermeidliche Folge. Die Eisenverarbeiter, die hier zu dem nun schon sattfam bekannten Raubzeug der Schwerindustrie ihre Hand gegeben haben, scheinen sich der ganzen Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt zu fein. Dieselben Leute, die nicht oft genug barüber flagen konnten, daß ihre Produktion durch hohe Berteuerung ihrer Rohstoffe 3 u ge stimmt, deren Folgen öhne verteuert wird. haben in Paris einer fünstlichen noch gar nicht abzusehen sind. Der Schwerindustrie aber ist es gelungen, große Kreise der industriellen Berarbeiter auf ihre Seite zu ziehen und damit ihr seit jeher vertretenes Hoch Schutzzollprogramm feiner Erfüllung näherzubringen. Sie haben es unter dem Druck der deutsch- französischen Schwierig feiten getan, wie sie noch nie davor zurückgeschreckt sind, eine dhwierige außenpolitische Lage des Reiches ihrem privaten Borteil nugbar zu machen. Es ist selbstverständlich, daß der neue Anschlag auf die Boltsinteressen im Parlament von der Sozialdemokratie auf das schärffte befämpft werden wird. Trendelenburg wird nach Berlin berufen. Auf der Tagesordnung der geftrigen Kabinettssitzung standen verschiedene Fragen der schwebenden Handelsvertragsper. handlungen. Das Rabinett beschloß den Vorsitzenden der deutschen Delegation, Dr. Trendelenburg, zur Berichter. tattung nach Berlin zu berufen. Die verschluckten Wahlmillionen. Erst lügen, dann fneifen. Der größte fommunistische Wahlschwindet, die Büge der Roten ", els habe zu den Waswahlen aus der Reichskanzlei drei Mattel Millionen Mart zur Wahlpropaganda für unsere Partei er clten, hat ein unrühmliches Ende gefunden. Bekanntlich hatte Genoffe els fofort nach Renninisnahme der Rotiz in der Roten Fahne" gegen ben veranwortlichen Rebatteur Dörr Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Dörr kniff, ndem er behauptete, fein Name als Berantwortlicher hätte zu un recht noch unter der infriminierten Nummer gestanden, in 2Birklichkeit fei er schon aus der Redaktion ausgeschieden gewesen. Als dann ein von Dörr an Wels Rechtsbeistand gerichteter be- und wehmütiger Brief in unserer Parteipreffe veröffentlicht wurde, in dem er sich sogar zu einer Erflärung bereitfand und felbst bemeifelte, daß der Nachweis für diesen größten aller fommu nistischen Schwinder zu erbringen fei, wurde ihm von der tommu nistischen Zentrale eingeheizt, so daß er mutig erffären mußte, bie polle preßgefeiliche Berantwortung für alle jene Arbitel der Roten Fahne", die während seiner Abwesenhelt erschienen sind und die sich mit der Korruption und Räuflichkeit der SPD. be. faffen, zu übernehmen und bei jeder daraufhin angestrengen Riage die Rote Fahne" vor Gericht zu vertreten". Diefe Courage hat nicht lange vorgehalten. Sie diente nur noch zur Auffrischung des Wahlschwindels für die Dezembermahl, um bei den Wählern den Eindruck zu erwecken, als tönnten die Kommunistenhäuptlinge für ihre blöde Behauptung doch noch den Beweis erbringen. Sie haben gar nicht die Absicht. Aus dem Verlauf der Diskussion, die sich an diese Erflärung fnüpfte, ergab sich, daß die Deutsch nationalen nach einem Ausweg suchten, der ihnen eine Entscheidung über ihren eigenen Antrag ersparte. Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Best war allerdings nicht sofort im Bilde und wandte sich gegen die Regie. rungserklärung. Artikel 48 jei keine Grundlage für den Erlaß einer folchen Berordnung. Auf diesem Wege tönne ja sonst in das ge. amte Gebiet der Gesezgebung eingegriffen wer den. Das sei mit den Grundlagen des Rechtsstaates nicht ver. einbar. Die Bevölkerung müsse sehen, daß der Reichstag damit nicht einverstanden sei. abficht vor. Dr. Be ft( Dnat.) führt in der Rechtsfrage noch ein Höllein(.) hält den Deutschnationalen ihre Berschleppungs Bertagung der Entscheidung über ihren Antrag zu haben set, Scheingefecht. gibt aber schon zu verstehen, daß seine Bartei für eine wenn eine gesetzliche Regelung getroffen werde, wonach die Gerichte die Entscheidung über Streitfachen in der Aufwertungsfrage bis zur gesetzlichen Neuregelung aus fegen tönnen. Da Staatssekretär Joel sofort einlenft und Bedenten gegen diese Anregung nicht erhebt, konzentrieren sich die nachfolgenden Redner der Rechtsparteien auf diesen Borschlag, von dem der Demofrat Dietrich sagt, daß er die Rechtslage nur total zu Derwirren geeignet jei. Es wird eine Pause gemacht, in der die Bertreter der Rechten cine Resolution abfassen, die in zwei Variationen dem Ausschuß unterbreitet wird. Die eine ist unterzeichnet von Dr. Schetter( 3.), Dr. Wunderlich und Frau Dr. Maz( D. Bp.), die andere von ergt( Dnat.). Diese Resolution fordert von der Regierung die Borlegung eines Gesezentwurfes, durch den vorgesehen wird, daß Staatssekretär Jo el vom Reichsjuftizministerium bemühte sich, die bei den Aufwertungsstellen oder ordentlichen Gerichten anhändie Ausführungen von Dr. Best zu widerlegen und versprach, daß gigen Verfahren über Auswertungsstreitigkeiten auf Antrag die Regierung alles tun werde, um die Lösung der Aufwertungsfrage eines Beteiligten bis zur gefeßlichen Neurege zu beschleunigen. Es habe fich aber ergeben, daß die Ansichten der Tung der Aufwertung ausgefeßt werden. Hell( Saz.): Wenn man aus einer Berlegenheit keinen Aus Länderregierungen und selbst innerhalb der einzelnen Länderregie. tungen febr weit auseinandergehen. Im Reichsrat sei weg weiß, jezt man entweder einen Untersuchungsausschuß ein oder mit Schwierigteiten su rechnen. Es werde sich daher noch beantragt eine Resolution. Mit dem Unterausschuß hat man sich tönnten die Abgeordneten das gewaltige Material der Referenten- nationalen Antrag, der ben Antragstellern un um einige Wochen handeln, bis eine klärung erzielt fei. Bis dahin im vorigen Reichstag um allen Krebit gebracht. Jezt versucht man es mit der Resolution. Sie soll dazu dienen, bem deutschdenkschrift, die in der Sigung verteilt wurde, studieren.(!) Abgeordneter Hell( S03.) stimmte dem Abgeordneten Best barin bequem ift, weil er eine sichere Mehrheit hat, ein volltommen zu, daß Artikel 48 hier zu Unrecht angewandt wor Begräbnis zu bereiten. Das machen wir nicht mit den sei. Bei Schaffung dieses Artikels in der Nationalversammlung Gründen für die Aufhebung der Notverordnung. Wir sind aus staatsrechtlichen und fachrechtlichen habe kein Mitglied an eine solche Anwendung gedacht. Dr. Preuß, und wünschen die Entscheidung über den deutschder eigentliche Schöpfer der Weimarer Verfassung, bezeichne die Ver ordnung vom 4. Dezember als juristisch am ungeheuer- naitonalen Antrag in der heufigen Gigung. Wird ich it en". Schon um der möglichen Konsequenzen willen, die sich der Resolution entsprochen, so bedeute das nur eine negative daraus für die Zukunft ergeben tönnten, st im me die Sozial. Das Verfahren in den Aufwertungsfachen wird still. Lösung. demokratie dem deutschnationalen Aufhebungs: gelegt. Nicht einmal eine Frist fieht der Antrag vor. Wenn antrag zu. Sollte aus rechtlichen oder aus wirtschaftlichen Grün- fchon dieser Ausweg gewählt werden will, fo müßte die Zwischenden eine Zwischenregelung bis zur endgültigen Lösung des Aufregelung mindestens bis zum 1. März d. 3. befristet werben. wertungsproblems geboten fein, fo möge die Regierung im Wege ber Hauptantrag zu verhindern suchen, entsteht eine hef Da die Deutschnationalen eine Abstimmung über ihren ordentlichen Gefeggebung ein neues Gesez schaffen, das tige Geschäftsordnungsbebatte, in der Dr. Hilfernach der Geschäftsordnung zuerst über den deutsch nationales bing und Dr. Serb, ebenso wie Dietrich( Dem.) und Stöder( S.) mit allem Nachdruck den Standpunkt vertreten, daß Hauptantrag abzustimmen sei. Jedes andere Berfahren fei ein manöver, um einer Entscheidung über den deutschnationalen Antrag aus dem Wege zu gehen. Sergt( Dnat.), 23 underli( D. Bp.) und Emminger( B. Bp.) fordern zuerft Ab Stimmung über die Entschließung und im Falle der Annahme der felben Bertagung des Ausjousies.. an die Stelle der Berordnung trete. Dr. Herat erwogen darauf die Frage, ob eine Ausfeßung der Die nächsten deutschnationalen Redner Dr. Steiniger und Entscheidung über ihren Antrag möglich fei. Staats. fefretär 3o el fuchte ihnen das Ausweichen zu erleichtern mit der Erklärung, daß der neue Gefeßentwurf im Justisministerium in drei bis vier Wochen fertiggestellt sein werde. Auch Finanzminister v. Schlieben versprach, alles zu tun, um jo fchnell wie möglich" mit der Borlage vor den Reichstag zu fommen. In der Frage der Aufwertung der öffentlichen leihen müsse man einen Mittelweg zwischen Privat- und allgemeinem Jntereffe fuchen. In erster Linie feien diejenigen zu berüdjidhtigen, die in der Beit der Not dem Baterlande Opfer gebracht haben, und unter ihnen wieder zuerst die Bedürftigen. Ausgefchloffen müsse sein, daß die Spekulation von der Aufwertung Vorteil ziehe. Der Boltsparteiler Dr. Wunderlich freute sich, daß Schlieben im Gegenfag zu Dr. Luther, der nur finanzielle Gründe tannte, auch ethische und moralische Gesichtspuntte anerfenne. Dr. Setter( 8.) lehnte die Aufhebung der Notverordnung a b. Regierung, bie Rechtsunflarheit, die sich daraus etwa ergeben follte, Dietrich( Dem.) stimmt der Aufhebung zu und überiäßt es der zu beseitigen Auf Anfrage aus der Mitte des Ausschusses teilte Geheimrat norben mit, daß die Verhandlungen mit den Banten, die zurzeit im Finanzministerium geführt werden, nur die technische Frage der Unterscheidung von altem und neuem Anleihe befit betreffen Kell( Soz.): Die Gründe, die uns bestimmen, dafür einzutreten, daß heute der deutsch nationale Antrag angenommen wird, find nicht widerlegt Es wird noch gerauine Seit bauern, bis eine Neuregelung zustande kommt Daher muß durch aufhebung der Notverordnung ein Drud hinter die Regierung Auswärtige Debatte in der Pariser Kammer Im Wege der Abstimmung führt Borsigender Dr. Steiniger einen Mehrheitsbeschluß mit 15 gegen 18 Stimmen in bem Sinne herbei, daß zuerft über die Refolution abgestimmt wird. Hierauf erflärt Dr. Herg, daß bie Sozialdemo traten fich an der Abstimmung nicht weiter beteili gen, ba geschäftsordnungswidrig verfahren werde. Die Mehrheitsparteien 15 von im ganzen 28 Stimmen erflären sich hierauf für die Entschließung ergt, die damit als angenommen erflärt wird. Auf Anfrage des Reichsfinanzministers erflärte der Antragsteller Hergt, daß mit seiner Entschlie Buna ber fünftinen materiellen Aufwertungsfrage nicht vorgegriffen werden soll. Sparet, die den Deutschnationalen ins Garn gegangen find, Diese Ausschußverhandlung ist für die Gläubiger und äußerst lehrreich. Sie zeigt, daß die Deutschnationalen ihre Aufwertungsanträge nur als Schaugerichte betrachten, mit denen der Deffentlichkeit Sand in die Augen gestreut werden foll. Befteht die Gefahr", daß ihre Anträge angenommen werden, so laffen die Antragsteller sie selbst im Sti und greifen zu Berlegenheitsmanövern ihre Zuflucht. Die deutschnationale Aufwertungsbemagogie fonnte nicht wirksamer entfarpt werden, als es durch das Verhalten der deutschnationalen Bertreter im Aufmertungsausschuß geschehen ist. Faschistische Frechheit. Seit einigen Tagen ist eine Aussprache über die auswärtige Italienischer Druck auf die Schweiz. Genf. 27. Januar. Der Generalstaatsanwalt hat nämlich jetzt den Bescheid erteilt, Politik Frankreichs aus Anlaß der Beratung des Etats des Mi ( Eigener Drahtbericht.) Die Genfer daß Herr Dörr nicht zu faffen ist. Seine Erklärung, daß er die nifteriums des Auswärtigen in der Deputiertenfammer im Gange Travail" meldet, daß der italienische Gesandte in Bern neue Schritte Berantwortung für alle jene Artikel übernimmt, die während seiner neben der Frage der Eniwaffnung Deutschlands und beim Bundesrat unternommen hat, um diefen zum Einschreiten Abwesenheit in der Rebattion erschienen find", ift fo rabulistisch. der Beziehungen zu Sowjetrusland spielt die Frage der Ab. gegen Schweizer Blätter zu veranlaffen, deren Kritik an den tah auch daraufhin Herrn Dörr nicht beizutommen ist. Einer erschaffung der Botschaft beim Päpstlichen Stuhl bie inne politischen Zuständen in Italien den Faschisten unangenehm ist. neuten Bernehmung hierüber aber lagt ber Staats. Sauptrolle. Dadurch erhielt diese Debatte, insbesondere am geftrigen Bleichzeitig versucht die italienische Regierung vom Bundesrat U us. anwalt hat sich ber Beschuldigte fortgefeßt zu Tage, einen ausgesprochen innerpolitischen Anstrich erweisungsbefehle gegen italienische Flüchtlinge in der Schwetz entziehen gewußt. Die Strafverfolgung gegen riot hat im Gegensatz zu der Mahnung Briande seine Absicht zu erfangen unter dem Bormande, daß sie Bläne gegen den Fafonstige Berfonen, die an feiner Stelle als Täter nicht aufgegeben, die Botschaft abzuschaffen. Dennoch dürfte seine fchismus schmiedeten. Im Zusammenhang mit diesen Borgängen steht Etellung nicht gefährdet sein. Er hat allerdings das Zugeständnis eine von den italienischen Behörden durchgeführte Briefzenfur in Frage fommen, ift perjährt gemacht, einen Berbindungsmann beim Batikan für die effäffischen an der italienisch- schweizerischen Grenze, durch die die gesamte Korce. Kulturfragen in der Verion etterlés beizubehalten. fpondeng mit den Führern der italienischen Opposition und ebenso mit den mißliebigen Schweizer Blättern willkürlich beschlagnahmt wird. Die italienische Regierung behauptet natürlich offiziell, dağ anthr von diesen Zenfurmaßnahmen nichts befannt sei. Das haben die kommunistischen Helden fein aefchoben! Die Infamie mit diesem Schwindel haben fie für beide Bahlen benugt, nun haben sie fein Interesse mehr an der von ihnen vorher fo beiß begehrten Feststellung der Wahrheit. Deutsch- belgische Wirtschaftsverhandlungen In den Wirtschaftsverhandlungen mit Belgien hat Deutschland Belgien gleich zu Beginn die gegenseitige meist begunstignng vorgeschlagen. Belgien machte gewisse Vorbehalte. Man ließ alio die grundfäglichen Fragen aunddift beifeite und ging an die praf tiibe Arbeit der Durchberatung der Bolltarifpofitionen. Das ge fcob in einer Stommiffion in wochenlanger Arbeit und, wie von deutscher amtlicher Seite betont wird, mit vorbildlicher Sachlichkeit und Berständigungsbereitschaft von beiden Seiten. Es wurden da gegenseitig 8 uge ständnisse gemadt, von deutscher Seite aber nur unter der Vorauslegung, baß man fit fließlich auf bie Meistbegünstigung einigen werde, die mindestens nach einer Jurgen Uebergangszeit ohne jede Ausnahme in Kraft treten folle. Wenn die franzöfifche Breffe behauptet, daß Deutschland Belgien nicht die Meistbegünstigung gewähren wolle, so heißt das, die Tat fachen einfach auf den Kopf steen, denn die Verbandlungen batten bamit begonnen, daß Deutschland die Meistbegünstigung anbot. England will nicht räumen. Erst nach Erfüllung. Condon, 27. Januar.( WTB.) Wie das Reutersche Bureau erklärt, ift es ermächtigt, die Nachricht, daß Großbritannien eine Räumung der Kölner Zone erwäge, nachdrücklich zu dementieren. Hinsichtlich der Gerüchte über Berhandlungen zwifchen Deutschland und Großbritannien in diefer Fenge muß erneut festgestellt werden, daß diese Frage nicht Großbritannien allein angeht, fondern eine interalliierte Angelegenheit ift Die britischen Truppen in dieser Zone find dort nur als ein Teil der Befagungsarmee. Die geflern Deutschland überreichte note macht es völlig flar, daß wir hinsichtlich der Räumung der Kölner 3one nichts unternehmen werden, bis Deutschland die Beffimmungen des Versailler Bertrags erfüllt hat. Wenn dies geschehen ist, wird die Räumung automatisch folgen. Jugoslawischer Schuh der Minderhelfen. Der deutsche Ab. geordnete und Listenführer in dem Wahlbezirk Banat, Herr Dr. enner, wurde berhaftet, weil er feine agitationsrebe in deutscher Sprache gehalten hatte! Rom. 27. Januar.( Eca.) Die legte Nummer des Ruobs Basje", in der die geitung die Einstellung des Erfcheinens bis zur Wiederherstellung der Breffefreiheit anfündigte, wurde beschlagnahmt. Sunjatsen gestorben. Condon, 27. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsident der ühinesischen Republik, Dr. Sunjatsen ist am Leberkrebs georben. Die Operation hat die hoffnungslos schwere Krankheit nicht beseitigen können. Mit ihm ift einer der fähigsten Staatsmänner des modernen China und der raftlose Vorfämpfer für bie Reiches und seiner Bodenschäge aus dem Leben geschieben. Sunwirtschaftliche und verkehrstechnische Aufschließung des chinesischen jatsen hatte u. a. als erster ein vollkommenes Syftem chinesischer Berkehrsanlagen durch Hafenbauten, Schiffahrtstanäle, Stromregulierungen und Eisenbahnen für das ganze chinesische Reich ent worfen. Sulegt hatte er eine politische Annäherung an Sowjetrußland vollzogen. Gewerkschaftsbewegung Verbandstag der Reichsgewerkschaft. Im Virchow- Langenbedhaus in der Lufeastraße wurde am Dienstag die 5. Hauptversammlung der Reichsgewertschaft deutscher Eisenbahnbeamter und Anwärter eröffnet. Der erste Borsigende Menne begrüßte als Gäste den Vorsitzenden der öfterreichischen Eisenbahner- Gesamtorganisation Smental und den Bertreter des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Nach der Wahl des Präsidiums wird beschlossen, in Anbetracht der Einigungsperhandlungen die Bertreter der gegnerischen Eisenbahnerorganisationen und des freigewerkschaftlichen Deutschen Eisenbahner verbandes zur Teilnahme an der Tagung einzuladen. In den Bordergrund feines Geschäftsberichtes, der die Zeit vom 1. Ditober 1921 bis 31. Dezember 1924 umfaßt, stellte menne das Befenntnis zur Republik. tereffe der Allgemeinheit müßte höher stehen, als die Neinlichen| Lohnerhöhung durch Verbindlichkeitserklärung verhindert Gruppenintereffen. In der neuen Einheitsorganisation würden die Intereffen der Beamten und der Arbeiter behandelt werden. Es gäbe aber so viele gemeinfame Fragen, daß ein einheitlicher Macht blod nur Erfprießliches leisten tönnte. Konferenz der Bezirkssekretäre des ADGB. Anläßlich der Tagung des Bundesausschusses, die am heutigen Tage beginnt, hatte der Bundesvorstand die Bezirkssekretäre zum 26. Januar zu einer Konferenz eingeladen. Zweck der Besprechung war, Richtlinien für die Agitation festzustellen. Die Bezirtsjefretäre fonnten aus allen Teilen des Reichs über eine erfreuliche innere estigung der Gewertschaftsbewe gung berichten. Die rückläufige Bewegung in der Zahl der Mit. glieder ist zum Stillstand gefommen. Die Werbefraft der Organi fationen macht sich dank der Energie, mit der eine Reihe von Berbänden den Kampf um die Wiederherstellung des Acht Der Tag von Weimar ist gerade für den Beamten der Tag der Best un dentages erfolgreich aufgenommen haben, wieder geltend freiung aus der Versklavung des Obrigkeitsstaates. Die RG. stehe trotz der kommunistischen Agitation, die die Konsolidation der Ge trog der fommunistischen Agitation, die die Konsolidation der Geaber auch auf dem Standpunft, daß zwischen Kapitaf und Arbeit ein unüberbrüdbarer Gegensatz besteht. Dieser Gegensatz sei nur in all wertschaften erschwerte. Es tommt zunächst darauf an, daß die Gemählicher Entwicklung und in zähem Ringen zu beseitigen, wobei je werkschaften wieder über einen festen Kreis erprobter Funktionäre der Beamte die fittliche Pflicht habe, an der Erreichung des Zieles verfügen, die die Agitation in den Betrieben übernehmen fönnen. mitzumirfen. Bezüglich der Steilung der Gewerkschaften zu den po Im letzten Quartal sind auf Anregung der Bezirkssekretäre in litischen Parteien, erklärte der Redner, daß die vom Unternehmerein allen Teilen des Reichs Hunderte von Bersammlungen fluß beherrschten Barteien abzulehnen und nur reine Arbeitnehmer- abgehalten worden, die vor allem den Zwed hatten, die Funktionäre parteien zu unterstützen sind, ohne dak die Gewertshaften in Abhän mit den Aufgaben vertraut zu machen, auf die sich die gewerkschaft gigkeit von einer Partei geraten. Die Privatisierung der fiche Propaganda jezt einzustellen hat. Einigkeit bestand darüber, Reichsbahnen ist von der RG. stets befämpft worden, weil liche Propaganda jetzt einzustellen hat. Einigkeit bestand darüber, Hand in Hand damit die Beseitigung des Berufsbeamtentums gehen daß insbesondere in der Arbeitsmartt politit die Gemertmüßte. Die Bedeutung des Februarstreits 1922 liegt darin, daß die schaften ihren Einfluß nach einheitlichen Gesichtspuntten zur Geltung damals schon befchloffene Privatisierung aufgehalten wurde. Nach bringen müffen. Der Bundesvorstand wird in der Gewerkschaftseinem leberblick über den Ruhrkampf, das Ermächtigungsgefeß, die zeitung" und in der Arbeit" diesen Fragen besondere Aufmerfiam Dawes Gesetze und die dadurch ausgesprochene Ueberführung der leit schenken. Gegenüber den im Freistaat Sachsen wieder auf. Reichsbahn in den Besitz des Privatfapitals, tam Menne zu der Fest- gelebten Bestrebungen eine Arbeiterfammer zu errichten, stellung, daß sich die bleiben die Gewerkschaften bei ihrer Auffassung, daß der Bundes vorstand sich nach wie vor dafür einfegen muß, parifäfische Wirtfchaftskammern zu schaffen. In der Konferenz fam die einmütige Entschiedenheit zum Ausdrud, daß die Gewerkschaften gerade jetzt, wo im Reiche wie in Preußen der Bürgerblod Trumpf ift, besonders darüber zu wachen haben, daß die Arbeiterrechte in der Aera der politischen Reaktion gewahrt bleiben. Sie müssen mit verdoppelter Energie versuchen, in allen Körperschaften, die wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Ziele der Gewerkschaften zur Anerkennung zu bringen. Rechte der Beamten feit der Privatisierung Der Eisenbahn grundlegend geändert haben. Das Berufsbeamtentum sei einem Privatdienstverhältnis gewichen. Der aus den Kreifen des Privatfapitals gebildete Verwaltungsrat der. Eisenbahn hat in allen Angelegenheiten der Beamten das entscheidende Wort zu sprechen. Der Eisenbahnbeamte von heute steht mitten im Criſtenzkampf, der von der Industrie bestimmt wird. Leider glaubt der Beamte immer noch, in seiner Stellung gesichert zu sein, während der Arbeiter seine Klaffenlage längst erkannt hat. Der Beamte ist nicht mehr Beamteter", fondern nur noch Dienstposten in haber". Wird sein Bosten eingezogen, fo fällt er, ohne rechtliche Ansprüche zu haben, in der beruflichen Stufenleiter zurüd. Die Rechtsverhältnisse der Beamten find denen der Arbeiter tart genähert worden. Die Gegenseite hat ein System geschaffen, das geeignet ist, den Zusammenhalt der Beamten vollkommen zu zertrümmern. Der Borstand der RG. hatte gehofft, die Mitgliedschaften fest zusammengeschweißt zu finden; angesichts der Entwicklung der Dinge ist aber die Tagung verpflichtet, neue Wege zur " Bildung einer großen Einheitsorganisation zu finden.( Stürmischer Beifall.) Nach dem Bericht des Kassierers und der Revisoren erstattete Blons einen Bericht der Kommission, die von der RG. eingesetzt worden war, um eine Grundlage für die Einigung aller im Eisen bahndienst Beschäftigten zu finden. Der Kommission waren Richtlinien mit auf den Weg gegeben worden, die die Wahrung der Roalitionsfreiheit, die Beobachtung einer Wirtschaftpolitif im Sinne des ADB. und die Herstellung einer einheitlichen Finanzgebarung einschloffen. Bei den Berhandlungen zeigte sich, daß nur der deutsche Eisenbahnerverband zustimmte; die Führer der anderen Organisationen gaben zu erkennen, daß sie sich nicht über die Einstellung der bei ihnen organisierten Beamtenschaft hinweg zufegen wagten. Diese Beamten sind noch nicht reif für den strengen gemertschaftlichen Gedanken. Wenn in den Berhandlungen der Kom miffion feine einheitliech Basis gefunden wurde. fo waren dafür Momente maßgebend, die in der Psyche der Kollegenfchaft liegen und die auf der Hauptversammlung geflärt werden müßten. Der Borsitzende der Gewerkschaft Deutscher Reichs. beamten, Rusch, der auch an den Einigungsverhandlungen teil. nahm, erklärte feine J Prämiensystem der Eisenbahnverwaltung. Man schreibt uns: Der Eingeweihte fragt sich ob der Untätigfeit der Eisenbahnverwaltung, die ganz fraß in Erscheinung tritt hinsichtlich der Einführung automatischer Bremseinrich tungen im Fahrbetriebe, womit denn wohl der große Berwaltungsapparat feine Zeit totschlagen möge. Die Erflärung ist sehr einfach. Je weniger Zeit für die Durchführung von Betriebsverbesse rungen verwendet wird, desto mehr 3eit bleibt für Methoden zur Korrumpierung des Personals. Die Hauptverwaltung fam im Dezember mit einer Berordnung heraus, die die Prämiierung bestimmter Dienst Poften vorfah. Bezeichnenderweise lehnte die Verordnung die Mit wirfung der Beamtenräte bei dieser Maßnahme fategoris ab. Da fomit flar ersichtlich war, daß die Prämiierung einzelner Dienst posten nur zu dem 3wede gedacht war, einzelne Beamte als Angeber oder Spitzel in dem großen Beamtentörper zu benußen, lehnten alle Gewerkschaften jede Mitwirkung bei der Durchführung dieser Maßnahme nicht nur ab, sondern erhoben förmlich Proteft gegen diefelbe. Die Hauptverwaltung, die sehr wohl weiß, daß augenblicklich der„ Herr- im- Hause" Standpunti im allgemeinen sehr beliebt ist und fich auch des Wohlwollens der Industrietapitäne ver sichern möchte, schert sich um die einmalige Brotestaktion des Per fonals nicht im geringsten, sondern zwingt diese Verordnung, die an Nichtswürdigkeit selbst im alten Obrigkeitsstaate nicht ihresgleichen hatte, dem Bersonal einfach auf. Die Verordnung besagt, daß die Höhe der Zulagen genau nach dem Vorbilde der Sozialzulagen mit der Höhe der Gehälter wächst ( System Schlieben). Diese Zulagen sollen nur solchen Beamten ge Bezahlt werden, die an sehr verantwortlichen Stellen stehen. oder Dienstposten zu versehen haben, für die sie feine entsprechende Bezahlung erhalten. Auch in diesem Falle sollen lediglich ein Siebentel der in Frage fommenden Beamten bedacht werden. Die Praxis dagegen sieht ganz anders aus. Juftimmung zum Programm der Reichsgewerkschaft, tann sich aber mit einer organisatorischen Verbindung der amten mit den Eisenbahn arbeitern nicht befreunden. Ber tragliche Bindungen genügten vollkommen. Im übrigen stehen seine Mitglieder unbedingt auf dem Boden der Fachgewerkschaften, die im Gesamtverbande selbständig fein müßten. Sollte jedoch die neue Einheitsorganisation auf freigemertidhaftlichem Boden fortgeführt werden, wäre eine Einigung mit feiner Organisation un möglich. Herr Rusch meinte am Schluß seiner Ausführungen, daß seine Mitglieder und er sich nicht als Arbeitnehmer fhlechthin, sondern als beamtete Arbeitnehmer" fühlen. Ein Vertreter der Gewerkschaft technischer Eisen bahnbeamten vertrat diefelben Gedankengänge. Genoffe Scheffel, Hauptvorsitzender des DEB., zeigte, wie 90 die Beamten und Arbeiter bei der Reichsbahn immer mehr zu Ausbeutungsobjekten degradiert würden. Die profitwirtschaftliche Tendenz der Berwaltung zwingt die Arbeitnehmer zu Organisations formen, die nur freigewerkschaftlich" sein können. Haben nicht die Regierungsvertreter oft genug die Organisationsvorstände mit der Rase daraufgestoßen, daß sich Beamte und Arbeiter zu einer Macht zusammenschließen müssen? Bei der RG. ist die Erkenntnis vor. handen; die gegnerischen Berbände glauben mit den Kapitaliſten in der Reichsbahn allein fertig werden zu können. Wir denken uns einen Einheitsverband, der einen Garant für die freiheitliche Ent widlung darstellt. Scheffel entwickelte die organisatorische Grundlage, Die Berhandlungen auf der sich der DEB. die Einigung vorstellt. werden am Mittwoch weitergeführt. In der Diskussion wurden recht unterschiedliche Auffaffungen über eine Einheitsorganisation laut. Ein Teil der Redner trat für ein Wiederaufleben der alten fachgewerkschaftlichen Organisations. form ein, während andere für eine Beschleunigung der Entwicklung eintraten. Kunze bebauerte namens des größten Teiles der Mit gliedschaft der Fachabteilungen, daß der ewige Organisationsstreit die NG. von der praktischen Gewerkschaftsarbeit abhalte. Das In. Mißfarbene Zähne entstellen d. schönste Antlig. Übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schön heitsfehler werd. fofort t. vollkomm. unschädl. Weile beseitigt d. die Zahnpaste Chlorodont, wirksam unterstügt durch Chlorodont- Mundwaljez Der Effen, 26. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag nahm eine Konferenz der Arbeiter der Gas., Wasser und Elek. trizitätswerte von Rheinland und Westfalen zu dem nunmehr verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 7. Januar 1925 Stellung und verurteilte auf das schärffte die Haltung der Arbeitgeber und in diesem Falle des Reichsarbeitsministe riums, weil nach einwandfreien Nachweisen die Lohnforderung der Gewerkschaften auf 20 Proz. Erhöhung den Verhältnissen ent sprechend gerecht und auch für die Werte tragfähig war. Echiedsspruch läßt die bisherigen Löhne unverändert bestehen. Die Konferenz brachte nach mehrstündiger Beratung in einer Entschlie. Bung zum Ausdruck, daß der Antrag auf Lohnerhöhung den gegenDurch die Vermärtigen Verhältnissen entsprechend gerecht war. bindlichkeitserklärung des Schiedsspruches seitens des Reichsarbeits. ministers ist den Gewerkschaften die Möglichkeit genommen, die Streitfrage weiter zu verfolgen. Die Konferenz beauftragte ihre Gemertschaftsvertretung und die Verhandlungskommission, das ohn- und Arbeitszeitabkommen zu gegebener Zeit zu fündigen Alle Konferenzteilnehmer verpflichten sich, die nächsten Tage und Wochen auszunutzen und alle gewerkschaftlich Fernstehenden aufzu rütteln, um für die Zukunft einen durchschlagenden Erfolg zu sichern. 142 Ratifikationen. Die 25. Tagung des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts fand vom 8. bis 10. Jamuar 1925 in Genf statt. seit der letzten Tagung sechs Ratififationen internationaler Arbeits Aus dem Bericht des Direktors ergab sich unter anderem, daß übereinkommen vollzogen wurden, so daß die Gesamtzahl der Rati fifationen num 142 beträgt. Ueber das Achtstunden über. einfommen entspann sich eine Erörterung. Der Direktor be richtete über die diesbezüglich in verschiebenen Staaten verbreiteten oder den Barlamenten bereits zugegangenen Gefeßesvorlagen. Die nächste Eagung wird am 3. April beginnen. Bom Arbeitsmarkt im Bergbau. Die Lage des Arbeitsmarktes im rheinisch westfäliscen Bergbau weist im großen und ganzen weiterhin eine leite Befferung auf. Zwar stehen nach wie vor Neueinstellungen und Belegschaftsvergrößerungen Entlassungen und Betriebseinschrän fungen gegenüber. Do scheint sich neuerdings vor allem auch in einigen Bezirken des südlichen Randgebietes eine etwas boffnungs vollere Gestaltung der Werhältnisse anzubahnen. Die Abfazmöglich feiten sind immer noch recht ungünstig, so daß die Bahl der Feier fchichten( in der Zeit vom 11. bis 20. Januar 22834) noch recht groß und der Lagerbestand an Kohle und Kots recht umfang reich ist. Die Zahl der Belegschaftsmitglieder im rheinisch westfälischen Bergbau batte fich Ende Dezember gegenüber dem Vor monat um rund 1000 vermehrt und beträgt 471000 Mann. Berhandlungen der Saarbergleute in Paris. Paris, 27. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Eine gemischte Kommission der Gewerkschaften der Saarbergleite weilt seit Diens tag mit der Direktion der in französischen Staatsbefig übergegan genen Saargruben in Paris, um mit den zuständigen Regierungsstellen über die Lohnforderungen zu verhandeln. Die Saarbeigleute verlangen eine den start gestiegenen Rosten der Lebens. haltung angepaẞte Erhöhung der bisherigen Löhne, haben aber Fisher wenig Entgegenkommen gefunden. In unterrichteten Kreifen halt man den Ausbruch eines neuen Streits der Saarbergleute des halb für nicht ausgeschlossen. Achtung, Bauarbeiter! Die auf den Baustellen der Firma Streubel, Lankwiz, Mühlenstraße und Grüner Weg. beschäftigten Maurer und Steinträger find megen Lohndifferenzen zur Arbeitseinstellung geschritten. Wir ersuchen unsere Kollegen, dort Arbeit nur zu den von uns herausgegebenen Richt linien anzunehmen. Deutscher Baugewerksbund. Baugewerkschaft Berlin. Verband der Atfordmaurer Groß- Berlin. Rundgebung der Bankangestellten. Seute, Mittwoch, abend 6 Uhr, im großen Saal der Germania- Brachtfäle, Chauffeeftr. 110, öffentliche Ber fammlung der Bantangestellten. Die vom Allgemeinen Berband der Deutschen Banfangestellten einberufene Bersammlung wird zur Unterbezahlung im Bant gewerbe Stellung nehmen. Als Redner find die Kollegen Marr unb Emonts vorgesehen. Berband der Maler und Ladierer! Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Bersammlung aller Maler, Ladierer und Anftreicher. Behandlung von Lohn- und Tariffragen. Referent: Rollege Otto Schiemann. Erscheinen aller Rollegen dringend notwendig. Achtung, SPD.- Metallarbeiter, 4. Bezirk( Often). Morgen, Donners tag, 5 Uhr, bei Lojad, Bennteste. 8, Bersammlung aller SPD.- Metallarbeiter und Arbeiterinnen. Gehr wichtige Tagesordnung. Der Fraktionsvorstand. ET 3ulagen dieser Art haben erhalten: der Generaldiret. tor, die sämtlichen Direttoren, und zwar in die Tausende Don Mart, sämtliche Beamte der Hauptverwaltung, alle Präsidenten und Dezernenten, alle Amisvor stände, und zuletzt eine ganz minimale Anzahl Beamter der äuße antwortliche Tätigkeit ausüben, sondern solche, die im Berwal. ren Dienststellen, und hier auch nicht einmal diejenigen, die eine vertungsdienste ſizen. Die Durchführung dieser Maßnahmen ist Schiedsfpruch aur Regelung der Januargehälter. Erscheinen aller Mitglieder von dem gesamten Berfonal, ausschließlich der berücksichtigten pro duttiven Kräfte, als eine Maßnahme empfunden worden, die zum Himmel stinkt. Bei der Verabschiedung der verfaffungsändernden Eisenbahngefeße am 29. August vorigen Jahres ist dem Finanzminister ein Betorecht zugestanden worden, falls die Eisenbahnverwal. tung die Beftimmungen der Besoldungsgesetze wesentlich ändern wollte. Man fann neugierig sein, ob Herr v. Schlieben dieses Vetorecht jetzt ausüben wird, da fich das Direktionspersonal und die ihnen ergebenen Beamten des Bureaudienstes auf Kosten des produktiv tätigen Personals die Taschen füllen. In den Kreiſen der Beamten hat man lange erfannt, daß das System dieser Korrup. tionszulagen, die fortlaufend gezahlt werden sollen, nur die Durchsehung des Wunsches des Bundes höherer Beamter" bedeutet, nach dem die notleidensten Menschen in ganz Deutschland die höheren Hat die Hauptverwaltung der Eisenbahnverwaltung übriges Beld, dann soll fie dringend notwendige Berbesserungen im Betriebe vornehmen, besonders aber die dringend erforderliche Modernisierung der Sicherheitseinrichtungen durchführen. Würde sie dann die Bezüge der am schlech= teften bezahlten Teile des Personals gleichmäßig wenigftens dem Eriftenzminimum angleichen, so würde sie eine Soziale Tat buchen fönnen. Morgen, Afa- Mitglieder der Geldschrankfabriken und Bauschloffercien. Donnerstag, abend 7% Uhr im Restaurant Schwedenzelt, Eperzier-, Ede Schwedenstraße, wichtige AfA- Mitgliederversammlung. Stellungnahme zum Butab. unbedingte Bflicht. DBB. 83A. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: R.$. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sieran 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". daß übermorgen, Lette Erinnerung: 30. Sanuar, abenbs 0 Lt, morgen, Freitag, ben 6 Uhr, die planmäßige Frin zur Erneuerung Haupt- und Schlußziehung der 24.( 250.) Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie Jubiläumslotterie Hauptziehung verfallen lassen würde, in der Gewinne von 500 000 91M abläuft. Es wäre unberantwortlich, wenn jemand sein Los zu diefer 200 000 9, 200 000 R 150 000 99, 100 000 N und zahlreiche andere Go winne ausgespielt werden, die heute ein Vermögen bedeuten. Bei der anhaltend Starten Nachfrage nach Losen besteht die Gefahr, daß über nicht rechtzeitig erneuerte Lofe fofort anberwelt verfügt werden muß Siehungsbeginn am 6 Februar 1925. Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! 99 In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl" mit Filzring. Das jetzige Syftem der Korrumpierung des eigenen Personals durch die vorgelegte Berwaltung ermedt bei dem gesamten Berfonal Der wieder erwachende Karneval nur ein Gefühl des Abfcheus. Der Reichstag würde gut tun, Seimweg Ertältungen usw. nicht ausbleiben u beren tafchen Behebung gebrauche wird es mit fich bringen, daß beim Tanzen in überhigten Gälen und auf dem fich dieser ganzen Dinge einmal anzunehmen. man fofort nur Fans echte Gobener Mineral Baftillen Maggi Würze altbewährt Nr. 46 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 28. Januar 1925 風 Volkstag im Sportpalast. Am Abend des 27. Januar gab's im vorrevolutionären Berfin ein größeres Leben und Treiben auf den Straßen Berlins ais fonft. Hohe Beamte und Bürdenträger des Reiches in goldbeftidten Uniformen mit Dreispitz und Galanteriedegen eilten zum Festmahl zu Ehren des Geburtstages von S. M., Offiziere mit großen Feber büschen auf den Helmen flizten über die Straßen, und Soldaten fuchten sich eine Tänzerin für den Kaiser- Geburtstagsball Ein Teil des Bürgertums aber schwärmte, vorausgelegt, daß das Better gut war, auf den Straßen, um sich die Ausschmüdung der Häufer zu betrachten und die Jllumination. Diese Begeisterung des 27. Januar früherer Jahre war zum allergrößten Teil hohl und brüchig und aufs Aeußerliche gerichtet. Die Masse der Menschen aber, die gestern, auch an einem Abend des 27. Januar, an der Kundgebung von gigan tischer Größe der Sozialdemokratischen Partei im Sportpataft teilnahm, mar anderen Schlages. In ihr glühte das heilige Feuer der Begeisterung für die Republik, für Freiheit und Bölferversohnung Der Aufmarsch der Versammlungsteilnehmer. Bald nach 5 Uhr auf 7 Uhr war der Anfang der Demonstration im Sporipulast festgelegt befam der westliche Teil der Potsdamer Straße ein anderes Aussehen. Reichsbannerleute rückten an, zum Teil in gesalossener Formation, zum Teil einzeln, und faßten an den beiden Vortalen des Borgartengitters sowie an den Eingängen zum Saal Besten. Und nun strömte es immer #arter und mächtiger von allen Seiten und in Dollen Fluten bem Saalbau zu Jeder Straßenbahnwagen, jeder Autobus, jeder Zug der Hochbahn brachte neue Besucher Des Sportpalaires, und eilig machte sich jeder auf den Weg, um in den Gaal hinein und auf einen noά möglichst guten Platz zu kommen. Nach 6 Uhr aber war die Potsdamer Straße von der Bülowstraße an wie ein einziger breiter Menschenstrom. Neugierige blieben stehen, Schauluftige sammelten sich an. Immer lauter, immer lebhafter murde das Treiben auf den Straßen, und als dann-um 7 Uhr etwa- lauter Gesang ertönte, öffneten sich viele Fenster in der Botsdamer Straße, drängten sich die Menschen auf die Balkons und schauten auf die Kundgebung. In geschlossenem Suge, mit vielen Fahnen, Fähnchen und Bannern fan: die Arbeiterjugend angerüdt. Frisch und lustig ericholl die Internationalc aus blanten Rehlen. Berschiedene AbieiLungen der Partei aus Schoneberg, aus Wilmersdorf, ja selbst aus Charlottenburg, waren in geschloijenem Zuge gekommen mit ihren Fahnen und Barnein. Auch das Reichsbanner rückte in verschiedenen Formationen geschlossen an. Die schwarzrotgoldenen Fahnen flatterten in der flaren falten Winterluft, und die Reichsbannerleute fangen auf dem Marsch zum Sportpalast republikanische und Freiheitslieder. Kurz vor 7 Uhr jedoch bis etwa 8 Uhr war der größte Andrang der Besucher. Arbeiter und Arbeiterinnen tommen ja erit spát von der Arbeit, und bevor sie von ihren meist weit vom Sportpalast entfernt liegenden Wohnungen in der Potsdamer Straße angelangt find, wird es naturgemaß ipät. Um 7 Uhr etwa war das weite Rund des Saales gefüllt. Nun wurden die Tore an der Seite des Sportpolaftes geöffnet, die Besucher strömten über die Treppen hinauf zu den Galerien, mo man bereits in drangvoll fürchterlicher Enge stand. Um 7 Uhr verfündeten Reichsbannerieute im Garten, daß niemand mehr hineingelassen werden könne. Aber immer mehr Besucher Abteilungen berenaren Scharen herbe geftrömt, immer neue des Reichsbanners famen anmarschiert, und gegen ½8 Uhr war auch der große Borgarten vor dem Sportpalaffgebäude voll von Menschen, die dicht bei dicht und Kopf an Kopf standen. Und nun mutete der Sportpalast an wie eine Insel, umbrauft von einem Meer DOR Menschen. Die Disziplin der Massen. Trotz des gewaltigen Andranges, der nament fe aus, als ob sie eine Verabredung unter sich getroffen hätten und Berjammlungsteilnehmer belästigen wollten. Das Bublifum jedoch das eilig nach dem Sportpalaft ftrebte, fümmerte sich um die Radaubrüder nicht, und wenn sie sich auf der Straße zu läftig machten oder die Baffage zu sehr störten, schritt die Schußpolizei ein und zerstreute sie schnell. Der Arbeiter Samariter.Bund fehlte gleichfalls nicht. man sab seine Mitglieder mit den Armbinden und dem Abzeichen des Roten Kreuzes in den Saal eilen, und an der Seite des Sportpalastes standen Mitglieder mit einer Tragbahre, um bei Unfällen jofort erste Hilfe leiften zu können. So vollzog sich der Anmarsch der Massen mit jener ruhigen Gemessenheit, mit jener unbeirrbaren Selbstverständlichkeit, die unsere Gegner im Grunde genommen immer wieder in Erstaunen und Berwirrung feßen. Die Heimtüdischen unter ihnen würden gar zu gern Erzeffe sehen, Lärm, Krateel und Eingreifen der Schupo. und sie fahen heute wie so oft Tausende und aber Tausende, Junge und Alte, in unabsehbaren Zügen zu der Stätte der Versamm lung schreiten, und der Geist, der aus ihren Mienen leuchtet, ist der Gcift der Ordnung, der Disziplin, der Arbeit und des Sozialismus. Im Sportpalast. wie gesagt lich furz vor und furz nach 7 Uhr zum Teil von beängstigender Im Innern des gewaltigen Baues verwirrten Menschenleiber, Größe war, ging alles in beiter Ordnung und Ruhe vor sich. Reichs. Farbenfläche, Lichterfunken und Stimmentärm fich zu einem Meer bannerleute, die an den Türen und Torer standen gaben ben ewiger Bewegung. Bas in Fülle auf Aug und Ohr, stets sich über Waffen die Richtung an, in der sie zu marschieren hätten, und steigend, einstürmt, tann das Hirn kaum faffen. Um halb fechs Uhr das Tor, durch welches sie in den Sportpalast hineingehen sollten. ist der Saal geöffnet worden, unablässig fluteten feitdem die Massen Es trat wohl zeitweise eine Stockung ein, langfam nur fonnte die hinein. Borwärts, vorwärts drängt alles un gespenstischen HalbMenge aus dem Borgarten in den Borraum des Sportpalast dunkel. vorwärts, vorwärts, dem Rednerpult zu, das fila umkleidet gebäudes hinein, aber niemand drängte, niemand mar und festlich rot überschmückt deutlich hervorragt. Allmählich zuden ungeduldig. Die Masse stand ruhig im Garten, fang die Inter- öfters Lampen auf im Riesenhaus, heller wird es, Seitentr bünen nationale und wartete, bis die Reihe an den einzelnen lam. Gelbst- und Galerien füllen sich mit unhy imlicher Geschwindigkeit. Geduldig verständlich hatten Kommunisten und ihre deutsch natio. wartet das Publikum, und froh ist jeder, der überhaupt noch einen nalen Radaubrüder die günstige Gelegenheit nicht vorüber. Blak fich erobert hat. Zeitungshändler mit Reichsbanner" und gehen laffen, um Störungen herbeizuführen. Mehrfach versuchten " Vorwärts", Bonbonverfäufer und Würstchenmänner machen gute Heldenjünglinge" mit schwarzweißroten Kofarden, mit Hakenkreuzen Geschäfte. Auch das„ Geschäft" der zahllosen Reichsbannerleute und anderen heldischen Abzeichen durch die Tore des Sportpalastes blüht: Ordnung zu schaffen, ist ihre schwere Aufgabe, fie erfüllen fie einzubringen. Sie wurden von den hier aufgestellten Reichsbanner. mit anerkennenswertem Taftgefühl Tatkräftige Unterstüßung finden leuten zurückgehalten, und den lärmenden Brotest dieser Helden sie im Bublifum, das sich musterhaft benimmt. Dabei sind alle, die tat man mit lächelnder Geste ab. Auch tommunistische Jünglinge die Bänke bestehen und sich die Hälfe verrenken, um auch was" nerfuchten einzubringen, und es fab eine Seitlang auf der Straße zu sehen, gewiß in seiner beneidenswerten Bage", fofern man von einer Bage hier überhaupt sprechen fann. Bohl nie fah eine Rad rennbahn auf einmal soviel Sieher". Immerhin, um einen Aus gleich zu schaffen, merden von mehr Waghalsigen als Geschickten die steilen Rurven unablässig berollt. Lustig find solche Einzelszenen, ein rührendes Bild bietet der Kranke und der Kriegsbeschädigte, die es fich nicht nehmen lassen, im Rollstuhl ans Rednerpult gefahren zu werden, erhebend ist der Gesamteindrud der barrenden Menge.. Mit uns zieht die neue Zeit". Und nicht nur der tlassenbewußte Arbeiter ist gekommen, den deutlicher als alles andere das tägliche Erleben die Notwendigkeit einer zielficheren Linkspolitik lehrt, auch die Jungen find da mit hellem Haar noch und Glanz der Hoffnung in den Augen, ja, felbft das graue und weiße Alter ist reichlich vertreten. Lebhaft geftitu lieren in meist politischer Diskussion Männer und Frauen, die Un zähligen, die mun lange schon feinen Blaz mehr finden fönnen, unterhalten sich miteinander trotz ihrer Enttäuschung da über. mindet plötzlich heller Gesang den wirrigen Schall: Mit uns zieht die neue 3ei t! Die Arbeiterjugend ist's, mit rasendem Beifall wird fie begrüßt. Ein stürmisches Befenntnis ist es auf den unzähligen roten Fahnen, die sie mit sich führt, und das Bewußtsien auch: Ihr feid der Weg! Die Arbeiterfänger lassen gleichfalls macht, vollen Gesang das Haus durchbrausen, st, ft zischt's dann von hier und dort, von dort und hier, Ruhe wird's fdmell- der erste Redner. Gespannt lauscht diese Masse des einheitlichen Willens zur end. fichen Befreiung den fonzentrierten und fachlichen Reden ihrer Führer. Gestrafft find die zahllosen Hörer, die sich nichts, aber auch gar nichts entgehen laffen möchten. Wohin auch die Scheinwerfer ihr Licht ausgießen, überall überblenden fie Gesichter, denen man fast unzerstörbare Aufmerksamkeit deutlich ansieht. In zahllosen Zwischenrufen befundet sich ferner das rege Interesse, und den Herren Luther und Stresemann, aber auch manchem Rommunisten dürften gestern abend recht laut die Ohren geflungen haben. Ob die Kommunisten auch geahnt haben, wie einmütig die Menge ihre findischen Störungsversuche ablehnte? Mit ziemlicher Geschwindig teit werden einige von ihnen an die Luft gefeßt, doch wurde feiner trog begreiflicher Erregung geschlagen. Nicht hauen, nicht hauen!" lautet das pazifistischste aller Kommandos. Im übrigen aber brauchte gemiß nichts befohlen zu werden, denn die rüdsichtslose Politik brutaler Junker und egoistischer Kapitalisten hat der deutschen Mr. beiterschaft die Forderung der Stunde von selbst gezeigt. Begeisterte Zustimmung lohnte deshalb jeden Sprecher, deutlich offenbarte fich im Aufmarsch der Berliner Arbeiterschaft im Sportpalast die Era fenntnis: Das Maß ist voll die neue Zeit mird unsere Zeit! Kommunistische Rüpeleien. Nach der Kundgebung ist es in der Potsdamer Straße zu Zu fammenstößen mit den Kommunisten gelommen. Die BS.. Korrespondenz bringt darüber folgende Einzelheiten: „ Die Polizei hatte von vornherein mit Unruhen gerechnet und in den Seitenstraßen in der Umgebung des Sportpalastes standen zahlreiche a ft magen mit Schupobeamten, die die Aus gabe hatten, ernste Zusammenstöße zu verhindern. Schon am Schluß der Versammlung fam es im Saal zu Reibereien, die Schließlich bei Verlassen des Sportpalastes in Tätlichkeiten aus. arteten. Auf der gegenüberliegenden Seite der Potsdamer Straße halten sich etwa 600 bis 700 kommunisten eingefunden, die in Hundertschaften anmarschiert waren. Zumeist handelte es sich um Mitglieder der fommunistischen Jugend, doch jah man in den Ab teilungen, deren Leiter ausnahmslos aus älteren Leuten bestanden, auch viele Personen in reiferem Alter. Die Kommunisten waren zum großen Teil mit 5 and stöden und Knüppeln ausgerüstet. Führer gingen von Trupp zu Trupp und gaben die Parolen aus. Man sollte sich zunächst auf Demonſtrationsrufe beschränken und erst zum Schluß, wenn die Sozialdemokraten den Sportpalast verließen, den ganzen Damm sperren, um die Polizei zum Einschreiten zu veranlassen. Diese Kommandos wurden sehr laut und ungeniert abgegeben. In dem Augenblick, als die Versammlungsbesucher aus dem Vorgarten herausströmten, setzte dann auch ein Höllenlärm ein. Die Kom munisten jarien unausgefeßt:„ Nieder mit den Arbeiterverrätern, heraus mit den politischen Gefangenen! Amnestie!"- Als letzte ver. ließen den Sportplatz die Reichsbannerleute mit den Fahnen. Kaum hatten sie den Fahrdamm erreicht, als die kommunisten wie auf Kommando auf die Fahnenträger zustürzten, und run erhob sich ein wüster Kampf um die Abzeichen und Banner. Beide Parteien schlugen aufeinander los und es wäre zweifelsohne zu wüftesten Ausschreitungen gefommen, wenn nicht im letzten Augenblid einige Hundertschaften der Bolizei herangebracht worden wären. Wie aus der Erbe gewachsen erschienen die Schupoleute und räumten mit ben Gummifnüppeln unter den Rom munisten auf. Auf den Ruf: Die Grünen!" wandten sich die fom. munistischen Schreier zu wilder Flucht und stürmten nach der Bülowstraße zu, verfolgt von den Beamten, die zahlreiche Verhaftungen vornahmen. Noch lange Zeit fam es zu fleineren Zu fammenstößen, bis endlich die Schupo die Straße endgültig fäuberte." Auch in anderen Stadtteilen überfielen fommunistische Trupps einzelngehende Bersammlungsbesucher, was ihnen bei der Dunkel heit nicht sehr schwer fiel. Blutige Zusammenstöße in der Lindenstraße. Im Anschluß an die Ausschreitungen vor dem Sportpalast tam es in der elften Abendstunde noch im Südwesten Berlins, in der Lindenstraße, zu blutigen Zusammenstößen zwischen Kommu nisten und Reichsbannerleuten. Ein etwa 100 Mann Starter Zug des Reichsbanners marschierte, von der Kundgebung im Sportpalast tommend, die Lindenstraße hinunter, als er furz hinter dem Vorwärts"-Gebäude von einem etwa 300 mann starten Kommunistentrupp, der. von Radfahrerpatrouillen umringt, im LaufSchritt vom Halleschen Tor und Belle- Alliance- Plaz heraneilte, von hinten überfallen wurde. Ehe die völlig überraschten Reichsbannerleute sich zur Wehr sehen konnten, waren die Kommunisten unter müſtem Geschrei über sie mit knüppeln und Mieffern hergefallen. Es entspann sich nun in der Dunkelheit ein heftiger Kampf, der sich beinahe eine halbe Stunde lang hinzog. Die in der Uebermacht befindlichen Kommunisten waren nicht nur mit schweren Schlaginstrumenten, armdiden Fahnenstangen und Schlagringen, sondern auch mit Messern auf ihre Gegner eingedrungen. Nach den ersten oberflächlichen Feststellungen an Ort und Stelle find mindestens 10 bis 12 Reichsbannerleute durch Schlag- und Stichwunden verlegt und mußten von schleunigst requirierten Droschfen und Autos abtransportiert werden. Ein sechzig jähriger weißhaariger Reichsbannermann hatte von den Kommunisten einen Messerstich in den Kopf erhalten, Müge und Koppel waren ihm geraubt worden. Ein Reichsbannermann soll so schwer verletzt sein, daß sein Zustand besorgniserregend ist. Leider muß festgestellt werden daß die Polizei völlig versagte. Nach dem die Prügelei hinter dem Borwärts"-Gebäude begonnen hatte, erschienen zwar vom Belle- Alliance- Platz her vier Beamte, die aber nicht eingriffen, sondern bald wieder umfehrten, trotzdem von der Neuenburger Straße her erneuter Kampflärm und Hilferufe der Ueberfallenen ertönten. Erst nach geraumer Zeit, als hinter der Markgrafenstraße die Parteien sich schon voneinander gelöst hatten, traf das Ueberfallkommando mit wenigen Beamten ein, das aber nicht mehr einzugreifen brauchte, ebenso wenig wie eine zehn Minuten später eintreffende Polizeiverstärkung auf einem Laftkraftwagen. Infolgedeffen fonnte von den an dem Ueberfall beteiligten Kommuniften niemand mehr festgestellt werden. Abschied von der Volksoper. schaft feine Schatten in dus Theater des Westens warf, verabschiedete Während schen das Gespenst einer überzähligen Operettengesellfich das künstlerische Ensemble in drei Aufführungen( Fidelio", Boris Godounow"," Don Juan"), die den starken Willen und em großes Können verrieten, ja in einzelnen Szenen von elementarer und großartiger Wirkung waren. Das Haus war dreimal so voll, daß keine Stadel zu Boden fallen konnte, und solche Ehrungen und Beifallsstürme, wie sie in den drei Sterbetagen der Boltsoper zuteil murden, waren wohl nie in diesen Räumen Ereignis geworden. Man nimmt mit ichmerzlicher und doch hoffnungsvoller Erinnerung von diesem Institut Abschied, das in den Berliner Opernbetrieb eine befondere und auch eine fünstlerische Note gebracht hat. Wir erinnern an die Aufführungen Hände lscher Opern und( neben dem Boris) mancher russischer Stimmungsbilder. Das gehört nun, da das JnDer Stamm des stitut fcine Pforten schließt, der Geschichte an. tünstlerischen Personals glaubt durch seine Tätigkeit mit Berlin fest verbunden zu sein, auch noch für die Zukunft. Zweifellos find hier große, wertvollste Kräfte am Wert gewesen und haben sich zu einem glänzenden Ensemble eingespielt Die Stadt Berlin, das Bezirksamt Charlottenburg haben die Absicht, soweit es äußere Möglichkeiten quíaffen, die besten Kräfte für den eventuellen Neuaufbau des Char lottenburger Opernhauses mitzuverwerten. Eine solche Entscheidung wird drängend, ehe die Sehnsucht nach einer neuen Position bei den Künstlern eine Liebe zu Berlin unterdrückt Aus den Abschiedsrusen, die nach den Aufführungen den Dirigenten Blech, 3weig, Dobrowen entgegenflangen, fonnte man deutlich den Wunsch des Wiederkehrens hören. Es darf zum Schluß noch auf einen besonders fchönen Zug hingewiesen werden, der die enge Gemeinschaft und die innere Gebundenheit des Ensembles so recht zum Ausdruck bringt: Seit Wochen wurde in der Boltsoper so gespielt, daß jeder, vom General nufitdirektor angefangen bis zum legten Bühnenarbeiter, allabendlich das gleiche Honorar empfing. Eine schwere Wartezeit steht vielleicht den Künstlern bevor; wir wollen hoffen, daß alle auch Der Apfel der Elisabeth Hoff. 6] Bon Wilhelm Hegeler. Wir hier leiden Mangel," erwiderte Elisabeth. In geistiger Beziehung noch mehr als in leiblicher. Denn das ist das Schlimmste, daß die materiellen Gorgen unsere geistigen Bedürfnisse verschlingen. Aber nicht von solchen traurigen Dingen wollen wir sprechen. Erzählen Sie doch ein bißchen von sich. Sie müssen eine Menge erlebt haben in all den Jahren," ,, Erlebt was man so die Erlebnisse desfen, der über den großen Teich schwimmt, nennt habe ich eigentlich nichts. Ich bin weder fliegender Wursthändler noch Aufwäscher in einer Kneipe gewesen, noch habe ich als Tramp auf dem Buffer den Kontinent durchfahren. Es ist alles glatt verlaufen. Ehe ich noch amerikanischen Boden betrat, hatte ich schon eine Anstellung gefunden. Da haben Sie aber Glück gehabt. Das heißt, Sie hatten ja auch eine gute Borbereitung." Nicht was ich auf der Technischen Hochschule gelernt habe, hat mir diese Anstellung eingetragen, sondern ja, wenn Sie das ahnten. Raten Sie mal!" ,, Schwierig. Sollten Sie etwa als Taschenspieler drüben Ihr Glück gemacht haben?" „ Nein. Aber so ähnlich. Erinnern Sie sich an unser Schachspielen? An das schöne alte Schachspiel mit den hübschen Figuren?" Gewiß erinnere ich mich und wie Sie es mal umwarfen vor But, weil ich Ihnen die Königin genommen hatte, warfen vor But, weil ich Ihnen die Königin genommen hatte, mitsamt dem Tisch und Mutters foftbaren Porzellantasjen. Die eine ging in tausend Scherben, und ich bekam dafür das Donnerwetter. Uebrigens baben Sie das öfter getan. das Schachbrett umgestoßen. Es war bei meiner Mutter schon eine ständige Redensart: wenn du mit Herrn Ryfed ipielst. nimm bloß das sch'echte Porzellan. Er hat ein tatastrophales Tempe rament." 24 ,, Aber es war doch auch höchst ärgerlich, mich von Ihnen immerfort. besiegen zu lassen!" Schließlich war ich doch Ihre Lehrerin." Ja, Sie haben mich das Schachspiel gelehrt. Und daß Gie es mich nicht beffer gelehrt haben, gerade das hat mir meine Anstellung eingebracht." die Fahne der Hoffnung gehißt haben und daß ihre tünstlerischen| fonengleich mit dem in den Zeitungsberichten erwähnten gesuchten Kurt Ott. Krause gab bei seiner Verhaftung die Tar sofort zu. Wünsche für die nächste Zukunft in Erfüllung gehen. Kurt Singer. Er ist unverzüglich dem nächsten Gerichtsgefängnis zugeführt worden. Der Luftmord am Arnswalder Plah. Eine Verhaftung. Zu dem Luftmorde am Arnswalder Platz wird noch folgendes berichtet: Wie erinnerlich, trat am Montag ein junger Mann an einen Chauffeur in der Neuen Friedrichstraße unweit der Börse heran und bot diefem im Laufe des Gespräches eine Tasche und eine Perlentette, ähnlich den Sachen, wie sie die ermordete Stangiersti besaß, zum Kaufe an. Gestern vormittag ist es der Kriminalpolizei gelungen, einen weiteren Anhalt über diesen jungen Mann zu erlangen. Er hatte sich bei einem Berliner Verlagshause um eine Stellung als Chauffeur, oder Wagenwascher beworben. Gestern nachmittag fonnte er von Be amten der Morbkommission auf dem Anhalter Bahnhof im Wartefaal ermittelt werden. Er befand sich in Begleitung zweier jüngerer Leute. Fest genommen und zum Polizeipräsidium gebracht, befundete er folgendes: Er ist der 26 Jahre alte Korrespondent Eugen Gantner aus Stuttgart. Er hat studiert, ist aber verbummelt und fam zu Weihnachten nach Berlin. Berschiedentlich versuchte er Arbeit zu bekommen, auch als Chauffeur oder Wagenwascher. An den Haltestellen der Autodroschten und der Privatwagen, z. B. in der Nähe des Börsengebäudes, machte er sich an die Chauffeure heran. Er fragte sie um Arbeit, wurde aber meistens abgewiesen. Dann spiegelte er ihnen vor, daß er einen Koffer auf dem Anhalter Bahnhof zu stehen habe, den er nicht einlösen fönne. Er bat fie um Geld, um wieder zu feinem Eigentum fommen zu fönnen und als Entgelt dafür bot er ihnen Kleidungsstücke aus seinen Sachen an. Hin und wieder gelang es ihm auch tatsächlich. Geld zu erhalten. Einen Koffer hat er jedoch weder auf dem Anhalter Bahnhof noch anderswo. So hatte er sich auch jenem Chauffeur an der Börse genähert. Er gibt zu, auf diese Weise Geld erschwindelt zu haben, weil alle Bemühungen, Arbeitzubetommen, ergebnislos waren, bestreitet aber ganz entschieden, die Perlenfette oder Handtasche angeboten zu haben und behauptet, daß der artige Sachen nie in seinem Besitz gewesen sind. Ferner bestreitet er ebenso entschieden, irgendwie mit dem Luftmord in Verbindung zu stehen und tritt ein umfangreiches Alibi an. Dieses wird von den Beamten der Mordkommission noch im Verlaufe des heutigen Lages eingehend geprüft werden. Vorläufig wird Gantner selbstverständlich in Haft behalten. Verhaftung des Dennewiher Raubmörders. Wie uns foeben telegraphisch mitgeteilt wird, ist es gelungen, den Dennewitzer Raubmörder in Neuendorf zu ermitteln und zu verhaften. Die wiederholten Veröffentlichungen in den Zeitun gen Berlins und der Provinz regten besonders die Landbevölke rung zu eifriger Unterstützung an. So gelang es gestern nachmittag, den Gesuchten im Orte Neuendorf, unweit von Dennewitz, zu ermitBeamten herausgeholt. Es ist der am 28. November 1888 in legene Strohmiete vertrochen. Hier wurde er von den teln. Der Mörder hatte sich in eine in der Nähe des Dorfes geLeipzig geborene Otto Krause. Krause war im Besitz falscher Papiere und nannte sich auch Kurt Ott. Er ist offo perDas Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 28. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 8.30 Uhr abends: 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Legenden von Rübezahl, von J. K. A. Musäus. 4.30-6 Uhr abends: Unter640-7.55 Uhr abends: haltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse.) Handelskurse. 6.40 Uhr abends: Privathandelslehrer Franz Fischer: Grundzüge des Wechselwesens. 1, Vortrag. Die geschichtliche Entwicklung des Wechsels".( Abteilung Hochschulkurse).. 7 Uhr abends: Geh. Reg.- Rat Professor Dr. Waetzoldt: Die Kunst der Gegenwart". 3. Vortrag. Die europäische Lage". 7.35 Uhr abends: Professor Dr. Geiger: Radioaktive Substanzen und ihre Strahlungen". 2. Vortrag. Radium und Radiumemanationen". Deutsche und amerikanische Shimmylieder unter Mitwirkung von Alfred Braun, Rezitation 1. a) Aus Alt- Berlin", Philippi. b) Lotte aus'm Kohlenkeller. Schnitzer Alfred Braun). 2. Fünf deutsche Shimmylieder: a) Was hab' ich dir getan, Engel- Berger, b) Lieber Mond, sei ein Kavalier, H. May, c) Wenn die Jazzband spielt, aus der Operette Mister Globetrotter", Otto Urack, d) Wenn du meine Tante siehst, Nelson, e) Hab' ein blaues Himmelbett, Lehár ( Willi Weiß, Tenor). 8. a) Jakob Krakel- Krakel, Kyber, b) Aus Karlchens Aufsätzen. Ettlinger( Alfr. Braun). 4. Fünf amerikanische Berlin, c) Vater liebt Muttern, Friend and Baer, d) Sag's ihr zum Shimmylieder: a) Der Scheik, T. Snyder, b) Orangonlied. Irving Tanze, Silver, e) Mein Liebling heißt Mädi, Roß( Willi Weiß). Orchester: Berliner Funkkapelle, Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterdienst. 11 Wie ging das zu?" ,, Auf dem Schiff war ein alter Deutschamerikaner, mit dem ich jeden Tag ein bis zwei Partien machte. Er spielte nicht gerade hervorragend, aber doch besser als ich- etwas beffer, so, daß er ziemlich regelmäßig die Partie gewann. Er hatte in New York ein großes Baugeschäft, und als er hörte, daß ich Architekt wäre, machte er mir den Vorschlag, in sein Bureau einzutreten. Aber das war die einzige Bedingung, die er stellte ich müßte dann jeden Abend mit ihm eine Partie machen, denn, sagte der Kerl mir ins Gesicht, er hätte noch nie einen Menschen gesehen, der sich so wundervoll ärgerte, wenn er verlor, wie mich. ,, Aber bei dem haben Sie's doch keine vier Wochen aus gehalten!" ,, Wieso?" mitsamt Ihrer Stellung vor die Füße geworfen?" Haben Sie ihm nicht nach acht Tagen das Schachspiel 0 schlechte Angewohnheit zu Hause gelassen. Ich habe ganz ,, Wie wenig Sie mich fennen!. Natürlich habe ich diese schlechte Angewohnheit zu Hause gelaffen. Ich habe ganz etwas anderes getan." Seine schwarzen Augen funkelten vor Bergnügen. Ich habe heimlich bei einem erstklassigen Schachmeister Stunde genommen Es hat mich eine hübsche Anzahl Dollar gekostet. Aber nach vier Wochen fah die Sache anders aus. Da fonnte mein Brotherr zeigen, wie wunder voll er sich ärgerte, wenn er matt gefeßt wurde Als er eines Kopf auf dem man hätte Toast rösten können. Seitdem Abends sämtliche Bartien verloren hatte, bekam er einen flagte er über Schlaflosigkeit und war überzeugt, an hoch grabiger Arterienverkalkung zu leiden. Er war es, der das Rennen aufgab, nicht ich, indem er mich einem Geschäftsfreund empfahl. Das war der Anfang." ,, Und dann... find Sie immer in New York geblieben?" Später ging ich nach San Franzisto und habe geholfen, die Wolfenfrager wieder aufzubauen. Da bin ich geblieben. Habe jegt meine eigene Firma, éin nettes fleines Anwesen, eine gemütliche Häuslichkeit Er fah Elifabeth an, als erwartete er eine Frage, als aber nichts auf ihrem Gesicht sich bewegte, fügte er felbft hinzu: allerdings ohne Frau. Verheiratef bin ich nicht." Auch jetzt verriet Elifabeth mit feiner Miene, daß diese Mitteilung ihr irgendwelchen Eindruck machte. Keine Erhöhung der Miete für Februar. Die Breußische Staatsregierung hat, toie ber amtliche Breußi The Prefedienst mitteilt, von einer Erhöhung der Miete für Monat Februar abgefeben Infolgedessen verbleibt es auch für den Februar bei dem bisher geltenden Mietfas. Diese Entscheidung des jetzt demiffionierten Wohlfahrteministers ist gegen den heftigen Widerspruch der Hausbesitzerfreise erfolgt, die die Erhöhung der Mieten auf 86 Proz. der Friedensmiefe verlangt haben. Wenn erst die Kommunisten ihren Willen durchgefeßt haben und eine Rechtsregierung auch in Preußen gebildet fein wird, werden die Mieter sehr bald den Segen dieser famoſen proletarij ben Boliti!" zu spüren bekommen. Das Urteil in dem Warenkredit- Befrugsprozeß Wreesmann, Nach mehrtägiger Verhandlung wurde vom Großen Schöffengericht Mitte das Urteil in dem Massenbetrugsprozeß gegen den Kaufmann Theodor Wreesmann und dessen Mitschuldige gesprochen, der in Tausenden von Fällen Gefchäftsleute um erhebliche Summen betroffen. Das Schöffengericht bielt Breesmann des fortaciesten vollendeten und verfubten Betruges für schuldig und berurteilte ihn zu 2 Jabren 6 Monaten Gefängnis. Ebenfalls wenen Betruges wurden die Angeklagten Schirmer zu 2 Jabren 3 Monaten und Saafe au einem Jahr 6 Monaten Gefänanis verurteilt. Wenen gewerbsmäßiger Hehlerei erhielt der MöbelHändler Gerhold 2 Jahre Zuchthaus. Gegen fämtliche vier Angeflaate wurde auch dreijähriger Ehrverluft ausgesprochen. Wegen Beihilfe zum Betrug wurden die Kaufleute Rabe und cho! au je 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Sprehchor für Profetarische Feierstunden. Nebungsstunde am Donners tag, den 29. Januar, abends 7%, Uhr im Gesangssaal der Sophienschule, Beinmeisterftraße 16/17. Der Defferreichisch- Deutsche Boltsbund veranstaltet beute, Rittwoch. abends 8 Uhr, im Leffing Museum, Brüderitrake 13, einen Vortrag Iorian Stiens 1s über: Das deutsche Desterreich im Spiegel seiner Der Vormarz". Ferner: Subert Lieder, Dichtung". I. Teil: gefungen von Stäre Streich. Am Klavier: Dr. Werner Reibbrand. Eintrittskarten M. 1,- im Bureau des Boltsbundes, Schloß Bellevue, und an der Abendkaffe. Einheitsverband fozialistlicher Unternehmer. Donnerstag, den 29. d. M.. 8 Uhr, außerordentliche Versammlung bei Tschiefing, Aderftraße 1. Tages ordnuna: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen aller dringend notwendig. Sozial flische Wahlfundgebung zu den Wablen zum Preußischen Landesverband der Jüdischen Gemeinden findet am Donnerstag, den 29. Januar, abends 8 Uhr, im Lonenbaus Joachimsthaler Straße 13, veranstaltet von Per jüdisch foaialdemokrarischen Arbeiterorganisation Boale Bion ftatt. Redner: Staatsbant- Präsident a. D. Walther Loeb( Thüringen), Dr. Dslar Cohn, Julius Kalist, Alfred Berger, Dr. Georg Cohn und andere. Alt- Berlin in Wort und Lied heißt der Kunstabend, den State Qgan am Mittwoch 8 Uhr im 2yzeumflub( Rükow- Plak 8) veranstaltet. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungstaffierer! Seute von 5-7 Uhr Abrechnung der Bei fragsmarken. Ausgabe der Arbeiter- Jugend" und Jugend voran. Heute, Mittwoch, den 28. Januar, abends 7% Uhr: Wedding: Schule Ruheplak-, Ede Antonftrake: Technischer Bortvag. Bankwig: Buifenfiadt: Schule Stallschreiberstr. 54, Bortrag: Darwinismus." Wannsee: Schule Schule, Schulfte.: Stelling der SAJ. aum Reidsbanner." Erfner: Bolfsküche. Diskussion: Charlottenstraße, Mitgliederversammlung. Monarchie oder Republiz?" Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22, Bortrag: Lebensreform."- Neu- Lichtenberg: Scule Markifte. 10/12, Bortrag: ,, Wilhelm Busch." Vorträge, Vereine und Verfammlungen. 137 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof- 2 Tr. Kamerabfcraft Lichtenberg. Mittwoch, den 28. Januar, abends 7 Uhr, Antreten in der Turnhalle Südftr. 60. Liederterte mitbringen. Wichtige Mitteilungen. Alle Rameraden, auch die älteren, find ver pflichtet, zu erscheinen. oft Lir terhere, in Mittwoch, den 28. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal von Anders, Bahnhofftraße, außerordentliche Kameradschaftsverfammlung. Wichtige Tagesordnung und Besprechung zur Fahrt nach Magdeburg am 22. Februar. Republikaner find freundlichst eingeladen. Kamerabschaft Bernau. Donnerstag, den 29. Ja nuat, abends 7 Uhr, Antreten sämtlicher Kameraden im Vereinslokal zur KamerabGründungsfeier nach Buch. Erscheinen aller Kameraden Pflicht. fchaft Kreuzberg. Donnerstag, den 29. Januar, abends 7 Uhr, wichtige Ber. fammlung in ben Flüchersälen, Blücher-, Ede Urbanstraße. Betrifft Fahrt madh Roffen und Magdeburg. Der Arbeiter- Bildungsverein Bankow- Schönhausen, Mitglied des Arbeiter Sport- und Kultur- Rartells, veranstaltet am Mittwoch, den 4. februar, in der Geboten werden Lyzeumsaula in Bankow, Görschstraße, einen Kunstabend. Ronzert und Rezitationen. Da erste Künstler ihre Mitglieder zugefagt haben, Derspricht der Abend recht genußreich zu werden. Eintritt 50 Bf. ,, Aber nun ist an Ihnen die Reihe zu erzählen." Ich habe noch weniger zu erzählen als Sie. Meine beiden Kinder haben Sie ja gesehen. Sie machen mein ganzes Glüd aus, machen mir natürlich auch viel zu schaffen. Und meinen Mann, der Abteilungsleiter im Batteriologischen Institut ist, werden Sie ja wohl noch fennen lernen. Denn Sie bleiben doch noch einige Zeit hier?" Ich weiß nicht," erwiderte er kurz angebunden. Ich habe allerhand vor." Nachdem er Elisabeth mit flüchtigem Blid gestreift hatte, nahm sein Gesicht wieder den verschlossenen und zerstreuten Ausdrud an. Eine kleine Weile schwieg das Gespräch. Plötzlich fagte er: ,, Wiffen Sie was, Frau Hoff, Sie würden mir eine große Freude machen, wenn Sie mit mir in die Stadt führen. Ich möchte ein bißchen shopping gehen." Gern. Aber Sie müssen sich einen Augenblid gedulden." „ Ich habe Zeit." Was kann ich Ihnen zum Zeitvertreib geben? Intereffieren Sie meine Bücher? Oder soll ich Ihnen die Kinder chiden?" ,, Die Kinder." Als Elisabeth hinausgegangen war, hörte Rnsed vor der Tür einen kleinen Disput zwischen Mutter und Kindern, die anscheinend nicht viel Lust hatten, dem unfreundlichen Befucher noch einmal Gesellschaft zu leisten. Um den schlechten würdigkeit auf, erzählte von seiner Seereise, von seinem Leben Eindruck wieder gutzumachen, bot er seine ganze Liebensdrüben, fragte die Kinder nach dem ihren und ergötzte sich an ihren zugleich klugen und naiven Antworten, aus denen hervorging, daß eine Menge feiner eigenen Kindheit vertrauter Genüsse ihnen infolge des Krieges ganz unbekannt oder nur märchenhafte Unwirklichkeiten waren. Er lud fie ein, einmal mit ihm nach Berlin zu fahren, damit er ihnen Diese Märchen in Natur vorführte. Elisabeth trat ein. Rysed erhob sich, und beinahe hätte sie gelächelt über die rasche und gänzlich unverhohlene Menderung auf seinem Gesicht. Wie mit Kinderhandschrift stand darauf zu lesen, daß sie ihm in ihrer neuen Toilette gefiel. All die Jahre Amerika haben ihn nicht verändert, dachte sie. Er ist noch ganz der alte. Und es tat ihr wohl, mehr als sie sich eingeftand, feinen glänzenden Blick auf sich zu fühlen. ( Fortsetzung folgt.) Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkslekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. Achtung, SPD.- Stadtverordnetenfraktion Die Mitglieder der Fraktion werden ersucht, am Donnerstag vollzählig und pünktlich zu der Stadtverordnetenversammlung zu erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Deffentliche Boffsversammlung in Reinidendorf- Best am Donners. bag, den 29. Januar, abends 7% Uhr, in Sartmanns Brauerei, Scharn weberstraße 104. Tagesordnung: Der neue Rechtsturs in DeutschJuno. Referent: Reichstagsabgeordneter Rudolf Wiffell. 19. Streis( Pankow- Niederschönhansen). Freitag, den 30. Januar, abends 7 Uhr, im Lokal Bum Bantgrafen", Pankow, Schloßstraße, Kreis- Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Der trockene Rechtsputsch. Die Pflicht der Arbeiterklaffe." Referent: Redakteur Alegander Stein. Heute, Mittwoch, Mitgliederversammlungen: 3. Abt. Pünktlich 7 Uhr im Gaal 5 des Gewerkschaftshauses, Engefufer 25, Bortrag des Genossen Adolf Soffmann.( Ausgabe der Funktionäraus meife erfolgt.) Der Seehandlungs- Skandal. Die Untersuchung im Landtag. Der Ausschuß des Preußischen Landtages ur Untersuchung der Geschäfte der Breußischen Staatsbank( Seehandlung) segte feine Berhandlungen fort. Bors. Dr. Ceidig richtet zunächst an die Bertreter der Staatsbant die Frage, ob bei dem Beginn der Geschäftsverbindung mit Kutister alles normal zugegangen sei, oder ob für die eingeräumten Kredite die nach den normalen Geschäftsbedingungen ausreichende Deckung vorhanden war. Finanzrat Brekenfeld erwidert: Für das Bankhaus E. v. Stein bestanden zwei Konten, ein Lombard und ein Kontoforrent- Konto. Ein Lombarddarlehen von 2 Billionen wurde eingeräumt auf Brund einer Bürgid, aftserklärung der Disconto- Gesellschaft. Die Stein- Bant hinterlegte dann ein Depot in gemischten Effekten. Bors.: Wie find die überwerteten hypotheten briefe in das Depot gekommen? 6. Bot. The bet Bittner, Schwester Str. 23, Bortrag des Genoffen unverlangt dorthin und sind erst nach und nach dem Depot einverRuben über: Die politische Lage." 7. Abt. 7½ Uhr Röhlers Festfäle, Tiedste. 24, Bortrag des Genossen Bendel über Die politische Lage". 9. Abt. Rahl- und Distuffionsabend 7% Uhr bei Sufenbach, Berleberger Str. 64. Ausgabe der neuen gegen Ridgabe der alten Funktionärbarten. 10. Abt. 7 Uhr im Reichensaal der Schule Alt- Moabit 23: Bortrag des Genoffen Koste, M. d. R., über Die politische Lage". Finanzrat Brefenfeld: Die überwerteten Hypothekenbriefe find auf eigenartige Weise in das Depot gefommen. Sie tamen zunächt leibt worden. Auf weitere Fragen erklärt Brekenfeld: Noch im Februar waren die Sachbearbeiter der Auffassung, daß das Lom bardkonto durchaus gededt sei. Die Pfundwechsel sind eingelöst worden, aber auf irregularem Wege. Sie wurden von dem Lombardbeamten ohne Kenntnis der Generaldirektion zu 11. Abt. T½ Uhr bei Berger, Levegow, Ede Jagowitake, Thema: Die rückgegeben und durch andere Wechsel erfegt. Diese trugen die Unpolitifahe Lage." 12. bt. 7 Uhr in Lofal Schmidt, Biclefftr. 17, Bortrag des Genoffen Döhring über Wirtschaftspolitische Reitfragen". 14. Abt. Mittwoch abend 8 Uhr Mitgliederversammlung. Gdyule Buttbufer Straße 3. Thema: Der Rechtsfurrs", Referent Gen. Bengfch. 15. Abt. über 16. Abt. 7% Uhr bei Arilger, Suffitenstr. 34, Mitgliederversammlung mit Lichtbildervortrag über Das proletarische Rind". Borwärtsleser als Gäste willkommen. 7 Uhr bei Goldbach, Binetaplas 7, Bortrag der Genoffin Sanna Die politische Lage". 18. Abt. 7 Uhr Schulaula Bankste, 17. Thema: Die neue Neglerung und ihre Auswirkung." Ref.: Gen. Stelling, M. b. R. 21. Abt. 7% Uhr Schulaula Plantagenstr. 15/17. Theme: Reichspolitik." Referent: Gen. Dr. Moses, M. d. R. 22. Abt. 7 Uhr Schulaula 2ticher Str. 47/48. Thema: Aktuelle Birt fchaftsfragen." Ref.: Gen. Kurt Heinig. 3. Abt. 7 Uhr in der Schulaula Müllerstr. 48, Bortrag der Genon Juchacz, M. d. R. Die Funktionäre treffen sich dafelbft in% 7 Uhr au einer wichtigen Besprechung. 24. Abt. 7½ ihr Baradenschule Danziger Straße( Turnhalle), Bortzog des Gen. Reventlom über Die politische Lage". 25. Abt. 7 Uhr im fleinen Gaal des Ronzerthaufes Friedrichshain. Thema: Rechtsfurs in Deutschland." Ref.: Gen. Dreffel, 27. Abt. 7 Uhr Schulaula Sonnenburger Str. 20. Thema: Religion und Sozialismus. Referent: Gen. Pastor Bleier. Gäste und Borwärts. Tefer find eingeladen. 23. Abt. 7½ Uhr abends bei Büttner, Schwedter Str. 28. Bortrag des Ge. noffen Dr. Koradh über Die politische Sage". 80. Abt. 7 hr Bahlabend der Bezirke: 813-815 bet Bohft, Endener Str. 108, 816-819 bei Schmidt, Bappelallee 64, 824-827 bei Bofmann, 2nchener Str. 8, 856-859 bei Riebergall, Carmen- Sylva- Str. 22. 81. Abt. 71 Uhr zahlabend in den bekannten Lokalen 82. Abt. 7 Uhr bei Schmidt, Fruchtstr. 36a( unterer Gaal). 1. Bortrag bes Genoffen Rista. 2. Diskussion. 3. Abteilungsangelegenheiten. 4. Ber fchiedenes. Freunde und Vorwärtslefer find eingeladen. Die Abteilungs. vorstandsmitglieder und die Gruppenleiter werden ersucht, um 167 Uhr zu erscheinen. 83. Abt. 7 Uhr Borttag über, Sozialismus als Rulturfattor. Schule Sohen. Ioheftraße 10. Ref.: Gen. Theek. Die Bezirksführer rechnen mit den Raffierern ab. Bücherkreismitgliedstarten mitbingen. B5. Abt. 7 Uhr bei Neumann, Samariterſtr. 12. Thema: Rechtshirts und Proletariat." Ref.: Genoffin Wachenheim. 38. Abt. 7 Uhr in der Schulaula Petersburger Str. 4: Bas in Sozialts. mus?" Ref.: Genoffin Adele Schreiber- Krieger. 38. Abt. Pünktlich 7% Uhr in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a ( oberer Gaal). Bortrag des Genoffen Stadtrat Bermuth ber Die poli tische Lage" 80. Abt. 7% Uhr Juristische Sprechstunde Lindenstr. 3, Bortrag bes Gen. Schröter. Die Funktionäre bringen ihre alten Funktionärtarten aum Umtausch gegen die neuen Ratten mit. 42. bt. 7% Uhr Blüchesfäle, Blücherste. 61. Die politische Lage. Gen. Dr. Lohmann, Ref.: 43. Abt. 7% Uhr in Raabes Feftfäten, Wichtefte. 20. Bortrag der Genoffin A. Geyer fiber Die politische Lage". 44. bt., 84. Stabtbezirk: 7 Uhr bei göns, Naunynftr. 69, Rahlabenb. 47. Abt. 7% Uhr Funktionärtonferens bei Mar Roaufe, Mariannenplak 22. Ausgabe der neuen Funktionärausweise. Die Bezirksführer bringen ihre Mitgliederlisten mit. Reiner darf fehlen. Charlottenburg. 51. Abt. 7% Uhr bei Schellbach, Rönigin Elifabeth- Str. 6, Sozialistische Erziehung des einzelnen und der Gemeinschaft." Refe rent: Gen, Dr. Kurt Löwenstein. Eingeführte Gäste find willkommen. 53. Abt. 7 Uhr im Zeichen faal der Gemeindeschule Raiferin- Augufta Allee( Eingang gegenüber Wiebestraße). Thema: Die Bolitik der Bartei in den kommenden innerpolitischen Rämpfen." Ref.: Gen. A. Richter, M. d. 2. 54. Abt. 7% Uhr im Lofal Rum Birnbaum", Galvantftraße 13. Bortrag des Gen. Breuer: Der neue Kurs im Reidhe. 55. Abt. 7% Uhr Rahlabend. Gruppe 8 bei Cogert, Wallstr. 90, Gruppe 9 bei Reimer, Wilmersdorfer Str, 21, Gruppe 10 bei Bohne, Schloßftr., 43. 56. st. 7½ Uhr in der Gemeindeschule Bestalozzistraße, große öffentliche Berfammlung. Referent Gen. Dr. Herk, M. d. R. Thema: Wie foll die Aufwertung erfolgen?" 57. bt. 7% Uhr bef Thunad. Wielandftraße 4. Vortrag des Genoffen Rietisch über die Die politische Lage". 81. Abt. Friedenau. 7% Uhr im Gesellschaftszimmer des Friedenauer Rats. Zellers am Lauterplat, Bortrag des Genoffen Rünftler. 83. Abt. Lichterfelbe. Straße 5. Pünktlich 8 Uhr Lichterfelder Festfäle, Behlendorfer 84. Abt. Lankwig. Abends 8 Uhr bei Lehmann, Raiser- Wilhelm- Str. 29/31. Bortrag des Genoffen Steinford über Erziehungsfragen". Es wird um zahlreichen Befuch gebeten. Gäste und Borwärtslefer find mitzubringen. 92. Abt. Rentölln. 7½ Uhr im Gambrinus", Raiser- Friedrich, Gde Trep. tomer Straße. Bortrag des Genossen Gutschmidt über Bohnungsbau und Wohnungspolitik." Die guntiionäre müffen alle erscheinen. Jeder muß aur Stelle fein. 108. bt. Röpenid. 7 Uhr im Jugendheim Grünauer Straße 5, Simmer 5, Borftandsfizung. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. 7% Uhr im Jugendheim Seebad, Refidena. Rowawes. 7% Uhr im Lokal Gebauer, Wallstr. 62, Mitgliederversammlung. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwabl. Straße 49: Die politische Lage." Ref.: Gen. Bildung. terschriften einer Firma Gruber und sie sind auch wieder heraus gegeben und durch andere erfeßt worden, wiederum ohne Genehmigung des Sachbearbeilers. Der Lombardbeamte war der inzwischen abgebaute Bankoberinspektor Blodo. In der Inflation war es so, daß die Deckung den entnommenen Darlehen immer vorauseilte. Nach der Stabilisierung wurde eine genaue Prüfung der Lage aller Darlehen vorgenommen, wobei auch das Konto Kutister. Banthaus Stein in Ordnung befunden wurde. Rachträglich hat fich herausgestellt, daß diese Prüfung in grob fahrlässiger Weise vorgenommen worden war. Anfang Februar wurden deswegen die drei schuldigen Beamten enflaffen. Die Sahbearbeiter haben vermutlich guten Glaubens gehandelt. Insbesondere Herr v. Rühe hat das Bankhaus E. v. Stein immer als potenten Kunden bezeichnet. Abg. Dr. Waenfig( S03.) weist darauf hin, daß seinerzeit in der Presse amtlich mitgeteilt wurde, es handle fich um Geschäfte mit der durchaus zuverlässigen Stein Bant, nicht mit Kutister. Darauf habe die Frankfurter Beitung" erwidert, jedes Darauf habe die Frantfurter Beitung" erwidert, jedes Kind in der Finanzwelt habe schon im Oftober 1923 gemußt, daß die Stein- Bank vollständig in den Händen Kutisfers mar. Bräsident Schröder: 3m Oftober 1923 war tatsächlich noch nichts von einer Zahlungsunfähigkeit der Stein- Bant befannt. Auf weitere Fragen aus der Mitte des Ausschusses erklärt Präfident Schröder: Schriftliche Niederlegungen darüber, daß bei ab weichenden Geschäftsgebaren zwei Referenten zufammenwirken mußten, egiftiert bei der Staatsbant nicht; aber es war anzunehmen, daß sich die zuständigen Referenten bei größeren Geschäftsabweichungen verständigten. Die unteren Beamten hatten jedenfalls nur auszuführen, was von ihren Borgesezten an geordnet wurde. " Auf eine Frage des Abg. Kuffner( Soz.), ob sich die Staatsbank über die Bonität der oft a g" erfundigt habe, erklärt Finanzrat Bretenfeld, daß er darüber nichts miffe, weil das Angelegen heit des Sachbearbeiters gewesen fet. Kutister habe übrigens von der Wost a g" das Hanauer Lager getauft. Wie kam Kutister nach Deutschland? Die Untersuchung wendet sich dann der Frage zu, wie und mit wessen Unterstützung die Kutisfer, Barmat usw. in Deutschland wohnen und hier ihre Geschäfte machen tonnten. Ein Bertreter des Innenministeriums erklärt auf Befragen: Der Minister des Innern hat den Polizeipräsidenten beauftragt, zu ermitteln, wo und wie Kutister, Barmat und die übrigen in Deutschland eingereist sind; zweitens, von welchen preußischen Dienststellen ihnen Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden ist und welche Beamten die Berantwortung tragen für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung; drittens foll festgestellt werden, welche Schritte unternommen worden sind, um ihre Entfernung zu erzwingen. cuf die eva vorhandenen Alten des Wohnungsamtes BilAbe Stolt( Komm.) beantragt, die Aftenherbeischaffung aud mersdorf auszudehnen, und zwar: Ist dem Breußischen Innenministerium bekannt, daß die Einreise Kutisters in Begleitung eines russischen Majors und in Begleitung des früheren rullichen Generalfonfuls Rosenfrang stattgefunden hat? Sit dem Preußischen Innenministerium ferner bekannt, daß Kutister in Berbindung mit der sogenannten Altlederstelle G. m. b. 5. gestanden hat, und daß der Vorläufer dieser Auleder- Berwertungsftelle die Reichsentschädigungsstelle war, die in einzelnen Orten des besetzten Gebietes sogenannte Beschlagnahmefommissionen hatte, dar unter auch eine in Libau? Haben schon bei der Befchlagnahmetommiffion in Cibau engere Geschäftsverbindungen mit Kufisfer bestanden? 3ft dem Preußischen Innenministerium bekannt, daß von Kutister Ist am Pfingstjonntag 1921 eine Anzahl von Waggons als Eilgut Schneidemühl gelang, einen diefer Waggons festzuhalten? 3ft es nach Endtkuhnen abgegangen ist, und daß es der Kriminalpolizet in dem Preußischen Innenministerium bekannt, daß eine ganze Reihe felde bei Berlin, nachdem für dieje Plähe mit einigen Berficherungsvon Lagerplätzen der Akleder- Berwertungsgesellschaft in Friedrichs. gesellschaften langfristige Verträge abgeschlossen waren, an kufister übergegangen find? lediglich Aufgabe des Untersuchungsausschusses im Landtage set, die Der Vorsitzende, Dr. Celdig( D. Bp.), ist der Ansicht, daß es Susammenhänge Kutisters mit den Kreditgeschäften der Staatsbank festzustellen und daß alle darüber hinausgehenden Fragen dem AusSchuß des Reichstages vorbehalten bleiben müßten. Abg. Nuschke( Dem.): Nachdem die Staatsbank erklärt hat, daß die Empfehlungen militärischer Stellen für sie so maßgebend waren, daß sie daraufhin eine weitere Prüfung unterlassen hat, muß bringend geboten. die Aufklärung dieser Zusammenhänge auch hier erfolgen und ist Abg. Schwering( 8) jchließt sich dieser Auffaffung an, und die Mehrheit des Ausschusses beschließt darauf die Erörte rung der Frage. Abg. Dr. Pinferneil( D. Bp.) ftellt nach der Beantwortung verfchiedener Fragen fest, daß der Staatsbant über die Persönlichkeit Kutisters wenig bekannt war, daß fie nichts mußte von seinem Streit mit dem Wohnungsamt und von dem gegen ihn schwebenden Strafverfahren. Der Vertreter des Finanzministerium stellt mit, daß der Stein- Bant die Devisengenehmigung im September Landesfinanzamts Kutister als unzuverläffig betrachtet werden 1923 versagt worden ist, weil nach einer Auskunft des mußte. In dem Schriftwechsel habe Kutister den Oberfinanzrat Dr. Rühe als Treuhänder für 51 Broz. der Aktien vorgeschlagen, um so die Voraussetzung für die Genehmigung zu erfüllen. Bräf. Schröder: Uns ist von dieser Auskunft des Landesfinanzamts nichts bekannt, erst recht nichts von der angebotenen Treuhänderschaft De. Rühes. Wenn das irgendwie im Einverständris mit Ruhe geschehen ist, hätte er es der Generaldirettion milteilen müssen. Wir haben an einer Aufklärung dieser Frage durch sich hier aber um dieselbe' n verfrorenheit von Kutister, die die Staatsanwaltschaft des größte Interesse. Bermutlich handelt es er in einem anderen Feile bewiesen hat. Da fieß er im Januar 1924 in der Generalversammlung seiner Scharlachbant den Bize: präsidenten der Staatsban! Dr. Rugge in den Aufsichtsrat wählen nichts und hat die Wahl dann abgelehnt. und auch handelsgerichtlich eintragen. Dr. Rugge wußte davon gar Das Hanauer Lager. Finanzrat Bretenfeld erklärt: Als das Hanauer Ruger als Deckung der Staatsbant angeboten wurde, betrug die Gesamtschuld Kutisters rund 4,5 Millionen Mark. Kutister sollte feine neuen Kredite für das Lager erhalten, sondern wollte für diese neue Deckung nur den Vorteil, daß die bis dahin täglich fündbaren Kredite in feste Kredite unfündbar für drei Monate umgewandelt würden. Die Kutister- Stein- Bank verpflichtete sich, das Lager innerhalb von drei Monaten zu perfaufen und der Staatsbant die Hälfte des Mehrerlöses über die Schuld bei der Staatsbant als eine Art Zinjen zu überlassen. Die Lagerscheine befanden sich bei Abschluß dieses llebereinkommens bereits im Lombardtonto der Staatsbank. Ob von den Lombardbeamten dafür doch noch redlie gegeben worden find, fann ich nicht feststellen, sollte es geschehen sein, fo ist ein folches Berfahren unrechtmäßig. Abg. v. Waldthausen( Dnat.) fragt, wie die Staatsbank auf die Idee kommen konnte, ein solches Risitogeschäft einzugehen, das für eine Staatsbant unmöglich sein follte. Finanzrat Brekenfeld: Das fragliche Geschäft ist das einzige, das die Staatsbank in dieser Art abgeschlossen hat. Wenn das Luger nicht innerhalb von drei Monaten verkauft worben wäre oder nicht mehr, als die Kreditschuld betrug, an Erlös gebracht hätte, hätte die Etein- Bank den Zinsendienst nachholen müssen. Was wir bisher vom Berliner Polizeipräsidium bekommen haben, ist auch unseres Erachtens nicht ausreichend, und wir find bereit, Ergänzungen heranzuschaffen. Nach den bis herigen Ermittlungen ist Iwan Kutister mit Frau und Sohn am 1. Juni 1920 nach seiner eigenen Angabe aus Litauen zugereist ohne Baß und Simtpermert. Für das Polizeipräsidium bestand damals die Bestimmung, daß Ausländern, die vor dem 15. November 1921 ohne Baß und Sichtvermert nach Deutschland gefommen waren, aus diesem Grunde allein nicht die Aufenthaltsgenehmigung versagt werden sollte. Das traf auch auf Kudaß tisfer zu. Kutister ist zunächst nach Berlin zugereift. Anfang 922 find die Behörden auf ihn aufmerksam gemacht worden durch eine Firma haberling. die ein Strafverfahren gegen dieses Strafverfahren betraf, geht aus den bis jetzt gemachten Fest Kutister einleitete und zugleich feine Ausweisung beantragte. Was stellungen nicht hervor. Am 21. März 1922 hat das Wohnungs 141. 6 tento periaate Funktionärsihung findet am Mittwoch, ohne Genehinigung eine Sechszimmerwohnung bezogen hatte. Kutis7 Uhr, im Lokal Frische, Riederstr. 5, statt. Frauenabende am Mittwoch, den 28. Januar: Dichter." Ref.: Gen. Bartel. Salzmann, Weſtfälische Str. 42. Moderne 9. Kreis Wilmersborf. Bünktlich 8 Uhr im Lobal von Rroiß, Solsteinische, Ede Gaſteiner Straße. Thema: Welche Aufgaben hat die Frau?" Ref.: Genoffin Meyer- Ludau. Morgen, Donnerstag, den 29. Januar: so. Abt. Schöneberg. 7½ Uhr bei Gürlich, Rubens-, Ede Begasstraße, Frauenabend. Ref.: Genoffin Dr. Froth. Thema: Bas die Frau von den häufigsten Krankheiten wiffen muß." 86. Abt. Mariendorf. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Königstraße. Genoffe v. Buttkamer( pricht über„ Die Politik im Reich und in Breuken". Die Genoffen der 87. und 88. Abteilung können an diejer Beranstaltung teilnehmen. 91. Abt. Rentöku. Funktionärkung 714 Ube bei Mäufeler, Münchener Str. 23. Feftausfdruk muß anwesend fein. Berlosungsstände fönnen bei Luddele, Karlsgartenstr. 12, abgegeben werden. 4. Kreis Brenzlauer Berg., Kreisausschus für Arbeiterwohlfahrt und Rinder. fchuk. Abends 7 Uhr große Konferenz aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffinnen und Genoffen im Altersheim, Danziger Gtt. 62. Thema: Unfere Stellung zum Rotdienst." Ref.: Genoffin Schmik. 7. Kreis Charlottenburg. 7 Uhr im Jugendheim Rofinenitr. 4' Rurfus: Moderne Probleme des Sozialismus." Ref.: Gen. Razenftein. Die Ab. teilungsletter müssen am Mittwoch in den Bersammlungen auf den Rurfus hinweisen. Hörerfarten im Rurfustotal. 7% Uhr im Schiller- Realgym. naftum, Schillerstr. 26, Jahresversammlung der freien Schulgemeinde, t. Abrechnung und Neuwahl des Borstandes. Tagesordnung: Gefr 17. Kreis Lichtenberg. 7% Uhr Rathaus Möllendorfitt. 6, 8immer 25. Thema: Das neue Fürsorgegejen. Ref.: Genoffin Wachenheim. Alle ehrenamt lich in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffinnen und Genoffen werden ge. beten, baran teilzunehmen. 9. Rreis Wilmersdorf. Freitag abend 8 Uhr in der Oberrealfchule inden. buraftraße, Erdgeschoß rechts. 1. Cingelvortrag des Gostaliftifden Gemi. mars". Moderne Frauenprobleme." Ref.: Genoffin Wally Repler. Wetter für Berlin und Umgegend. Vorwiegend bewollt, trübe, Regen. falle, etwas milder. Für Deutschland. In Bestdeutschland fchlechtes Better, mild, in Dideutschland meist bewölft. Temperatur um und etwas unter Null Grab. fer selbst hat am 16. Ottober 1922 eine Aufenthaltsbescheinigung beantragt, in der er als besondere Referenz, nachdem er inzwischen In Beauftragten des deutschen Gesandten bei der Regierung Zettlands und Estlands dem Polizeipräsidium vorlegte. Trotz dieser Emp fchlung hat am 19. Ottober 1922 das Polizeiam: Wilmers: dorf, ein Fremdenamt gab es damals noch nicht, die Ausmei. ( ung Rutisters verfügt. Da erschien der Fabrikant Blau und erklärte, daß Kutister als Mitinhaber der Firma v. Stein unentbehrlich in Deutschland set und bat, den Ausweifungsbefehl zurückzunehmen und der Aufenthaltsgeneh migung ftattzugeben. Am 7. November erteilte Geh. Rat v. Müller die Aufenthaltsgenehmigung und vom Zentralwohnungsamt wurde am 5. Januar 1923 dem Kutister die Wohnung endgültig zugewiesen. An Bedenken lag gegen Kutister das Strafverfahren der Firma Haberling und der Umstand, daß er sich unrechtmäßig in den Besitz einer Wohnung gebracht hatte, vor. Das Strafverfahren murde im Herbst 1923 eingestellt. Und es ist wahrscheinlich, daß es diesem Umstande und dem Antrag des Fabrikanten Blau, der ein Reichsdeutscher ist, zuzurechnen ist, daß der Ausweisungsbefehl zurüdgenommen wurde. Der Borsigende, Dr. Ceidig( D. Bp.), schlägt vor, die diesbezüglichen Alten des Polizeipräsidiums und des Zentralwohnungsamtes herbeizuschaffen. Kutiskers frühere Verbindungen. Abg. Ladendorff( Wirtsch. Bereinig) stellt sodann eine Reihe von Fragen an das preußische Innenministerium, u. a., ob Kutister als Wohnungsuchender überhaupt eingetragen war und was er für die Beschaffung der feudalen Sechszimmerwohnung bezahlt hat, ferner wie es möglich war, daß Kutister, nachdem er aus der Wohnung ausgewiesen worden mar, faft im selben Moment die Wohnung wieder befam und ob es bekannt sei, daß das Oberhaupt der Stadt Berlin dabei mitgewirkt habe. es sich beim Hanauer- Lager- Geschäft etwa um ein dheinAbg. Kuttner( S03.): Wie war die Staatsbant dagegen gesichert, geschäft handelte? Finanzrat Brefenfeld: 3n bezug auf ein etwaiges betrügerisches Vorgehen beim Hanauer- Lager- Geschäft hatte die Staatsbant in der Tat teine Sicherheiten. Das Lager hat häufig seinen Besitzer ge wechselt und es sind daraus auch schon häufig größere Bestände an die Industrie verkauft worden. Zurzeit befinden sich dort insbesondere große Vorräte von Artilleriewagen, vielleicht 1500, weiter geringere Bestände von Schienen, Feldbahnwagen, große Bestände Pioniergerät, Spizhacen und ähnliches. 4,2 Millionen Mark mill die Stein- Bant für das Lager ausgegeben haben. Ob sie das wirklich getan hat, ist mir mehr als zweifelhaft. Zuverläffiges darüber kann ich nicht angeben. Abg. Dr. Pinkernell( D. Bp.): Dann hat also bei der Hergabe des Kredils die Staatsbant nicht gewußt, was das als Dedung gegebene Hanauer Lager werf war. Welchen Wert hat das Lager jett? Ausschluß der Oeffentlichkeit. Präsident Schröder erklärt sich bereit, die Frage erschöpfenb zu beantworten, äußert aber Bedenken dagegen, dies in einer öffentlichen Sigung zu tun, meil gerade jezt die Verhandlungen über den Verkauf des Lagers schweben. Mit 16 gegen& Stimmen, aljo mit der erforderlichen 3 weidriffelmehrheit, wird der Ausschluß der Deffentlichkeit und die Prüfung des gegenwärtigen Wertes des Hanauer Cagers befchloffen. Nach Wiederherstellung der Deffentlichkeit schildert Finanzrat Bretenfeld die Entwicklung des Hanauer Lager- Geschäftes. Die Staatsbant, die inzwischen mißtrauisch geworden war( heiterkeit). mollte fich vergewiffern, was es mit den mucherischen Verhandlun gen auf sich habe. Oberfinanzrat Dr. Hellwig wurde beauftragt, beim Abschluß des Vertrages in Hamburg zugegen zu sein. Hellwig fuhr mit Rutister gemeinsam nach Hamburg. Dort wurde in ber Tat ein Vertrag abgeschlossen, in dem die Rumänen das Lager zum Breise von 9,6 millionen erwarben. Ob dieser Vertrag nur ein Scheinvertrag, entzieht sich unserer Nachprüfung. Üm festzustellen, daß De calescu berechtigt sei, diesen Vertrag abzufchließen, wurde verlangt, daß seine Unterschrift von der rumänischen Gesandtschaft beglaubigt würde. Eine derartige Beglaubigung ist auch gegeben worden. Die Rumänen zahllen nicht, sondern machten Ausflüchte, die darauf hinausliefen, daß die Regierung in Bukarest der Auffassung fet, im Hanauer Lager wäre möglicherweise nicht alles in Ordnung und daher eine Kontrolltommission nach Hanau entfandt hätte, um die Bestände nachprüfen zu laffen. Diese Kontrolltommiffion erhärte aisbann den Rüdtritt vom Bertrag, meil inzwischen die Durchsuchung des Lagers burch das Polizeipräsidium in Berlin an geordnet war. Eine romantische Sache. Bors.: Burde festgestellt, ob die Kommission tatsächlich von ber rumänischen Regierung entfandt war? Finanzrat Brekenfeld: Daz Dascalescu Mitglied dieser Regierungskommiffion war, ist festgestellt worden, aber ob unter Mitwirkung Dascalescus in Hanau eine Scheinfommiffion zusammengestellt worden ist, ist nicht festgestellt worden.( Bewegung.) Borf: Hat von einer amtlichen Stelle eine direkte Fühlungnahme mit der rumänischen Regierung ftattgefunden darüber, ob die ganze Angelegenheit der rumänischen Regie. rung eigentlich bekannt sei oder nicht? verschleierte Zuwendungen handelte. Halten Sie es vom Standpunkt des Beamten mit den Pflichten eines Beamten für vereinbar, daß Dr. Rühe für einen Schiedsspruch Honorare nahm von denselben Firmen, über deren Kredit er zu bestimmen hatte, und daß er aus eigener Machtpollfommenheit einen Wechsel Michaels über 1800 000 m. im Schiedsverfahren von der Staatsbant bistontierte? Bräsident Schröder: Die Frage der Wechselbistontierung hätte Dr. Rühe unbedingt der Generaldirettion vorlegen müffen. Abg. Kaufhold( Dnat.): Der Schiedsspruch wurde im Januar 1924 gefällt und das Geschäft mit dem Hanauer Lager am 22. e. bruar von diesen beiden Schiedsrichtern abgeschlossen. Die beiden Herren haben sich trotz der Annahme des Honorars bei ihrer weiteren Lätigkeit in den Angelegenheiten von Rutisfer und Michael nicht Finanzrat Bretenfeld: Eine solche Fühlungnahme hat zunächst für befangen erklärt. Auf eine weitere Frage des Abg. Brunk( Dnat) erklärt Bra nicht stattgefunden.( Große Bewegung.) Bor: Die ganze Sache macht einen etwas romantischen Ein- fident Schröder, daß die sämtlichen Reiſeſpeſen zu Lasten Kutisters gingen, aber von der Staatsbant ausgelegt worden sind. brud.( Heiterfeit und Zustimmung.) Abg. Dr. Waenfig( Soz.) fragt, ob von den Effekten, bie Kutister ins Depot der Staatsbant gab nichts herausgezogen worden ist, und stellt fest, daß sogenannte schwere Papiere fid) nur in geringer Zahl darunter befanden. Auf Fragen der Abgg. Kuffner( Soz.), Nufchte( Dem.) und Dr. Binkerneil( D. Bp.) erklärt Finanzrat Bretenfeld, Kutister habe noch im März und April 1924 kredite erhalten. Darauf sei das Straf verfahren wegen Untreue zurückzuführen Kutister habe zwischen den einzelnen Firmen seines Konzerns offenbar Wechselretterei getrieber. Nach Feststellung der Minderwertigkeit der beiden Deckungshypothefen habe Kutister jebod) feinen Kredit mehr erhalten. Der Ausschuß beschließt, die Finanzräte Dr. Ruhe und hell. wig fowie Kutister und General Livonius und ferner alle biejenigen Bersonen zu laden und zu vernehmen, die über die von dem Aba. Stolt( Komm.) behaupteten früheren Schieber gefäfte Kutisters mit der Attleber Berwertungsstelle unterrichtet oder an ihnen beteiligt sind. Ferner foll ein genaues Berzeichnis über die Personalverhältnisse in den einzelnen zu dem Kutister- Konzern gehörigen Firmen aufgestellt werden. Die Weiterverhandlung wird dann auf Mittwoch vor. mittag 10 11 hr vertagt. Bräsident Schröder: Wir hatten nur dafür zu forgen, daß der Staatsbant fein Schaden zugefügt wird. Auf eine Frage des Abg. Dr. Binferneil( D. Bp.) bestätigt Finanzrat Bretenfeld, daß der Steinbant, nachdem sich die Bertaufs verhandlungen zerschlagen hatten, die Zinsen aus ihren Krediten zu Lasten geschrieben wurden. Er führt weiter aus, daß die Verkaufs verhandlungen mit Rumänien dann erneut aufgenommen worden feien, und zwar in Paris, dort sollte sich nämlich der zuständige rumänische Minister befinden. Oberfinanzrat Dr. Hellwig ist mit in Baris gewesen. Es stellte sich zunächst heraus, daß der rumänische Mmister bereits einige Tage vor Ankunft der Verhandlungsdelegation abgereift mar. Verhandlungen fanden dann in der rumänischen Gesandtschaft statt, führten aber zu feinem Abschluß. Eigentliche Brotokolle liegen über die Pariser Verhandlungen nicht vor, nur eine Uttennofiz des Oberfinanzrafs Hellwig. Damit war das rumã nische Geschäft erledigt. Die Lawinen- Wechsel. Die Berhandlungen wenden sich nun der Frage zu, mie die Schuldenlaft Rutisters von 4,5 Millionen( 4,2 Millionen Lombard schuld und 300 000 Mart Kontoforrentschuld) auf 14,2 Millionen Mart gestiegen ist. Finanzrat Brekenfeld erklärte hierzu: Die Schuldenlast Kutisters vergrößerte sich namentlich dadurch, daß früher in Zahlung gegebene Wechsel feine Dedung fanden, so daß er mit diesen Wechselbeträgen belastet werden mußte. Infolge weiterer Lombardierung von Wechseln, die durch Finanzrat Rühe vorgenommen worden war, ftieg die Schuld Kutisters bis Ende März auf 6,7 Millionen Mart. Ende April betrug sie bereits 10 660 000 Mart, und zwar ist dieser Betrag hauptsächlich durch Lastenbuchung zurüdgefommener Wechsel entstanden. Bis Ende Mai stieg das Debet Kutisters aus dem gleichen Grunde auf 12,4 Millionen Mart, wozu schließlich noch ein Wechsel in Höhe von 1,8 Millionen Mart tam, so daß die Gefamtschuldsumme fich auf 14,2 millionen Mart bezifferte. 3m Januar traten die Leiter des Bankhauses E. v. Stein und die Firma Michael an die Staatsbank heran mit der Bitte um Stellung des Dr. Rühe als Schiedsrichter in einem Streit zwischen Kutister und Michael, der mit der Scharlach- Bank zu fammenhing. Dr. Rühe wirfte als Schiedsrichter, und das Verfahren endete damit, daß Michael von Kutisfer 200 000 Marf in bar und 1800 000 Mart in Wechseln erhalten sollte. Dr. Rühe wurde gebeten, diese Wechsel durch die Staatsbant zu biston tieren. Diese Zusage wurde gemacht.( Borf. Dr. Leidig: Allein Don Dr. Rühe?) Ja, ohne Zustimmung der Generaldirektion, aber wahl mit Kenntnis von Dr. Hellwig. Ich bin überzeugt, daß das, mas ich jetzt fage, in einem Lichte erscheinen wird, das die Staats bant gern vermieden hätte. Als über diese Wechsel gesprochen wurde, fragte der Vertreter von Michael den Dr. Rühe, ob die Staatsbank gededt wäre. Diefe Frage wurde bejaht, obwohl die Dedung in dieser Zeit überaus schwach war. Diese mündliche Aus funft wurde später schriftlich bestätigt. Das ist natürlich für die Staatsbank fehr übel. Der einzige Vorteil des Wechsels ist, daß Kufister dadurch persönlich verpflichtet ist. Zu der Schuld Kufisters von 12 400 000 Marf fam nun noch der Wechsel über 1 800 000 Mart. Borf. Dr. Leidig: Die Angelegenheit des Hanauer Lagers lag dodh eigentlich nicht im Rahmen der sonstigen Geschäfte der Staatsbant. Finanzrat Bretenfeld: Es war ein Geschäft besonderer Art, wie es ein zweites Mal nicht mehr vorkommen wird. Abg. v. Waldthausen( Dnat.): Die ursprünglich von Kutister lom bardierten Aftien waren zum großen Teil recht gut; warum wurden sie herausgenommen und durch das sehr unfichere Geschäft mit dem Hanauer Lager erfegt? Finanzrat Bretenfeld: Dem Dezernenten ist wohl dieses Geschäft ganz besonders günstig(!) er. schienen. Angenehme Schiedsrichtertätigkeit. Abg. v. Waldthausen( Dnat.): Ist es richtig, daß den Schiedsrichtern für ihre Tätigkeit im Streit Kutister- Michael ein Honorar von 52 000 m. im ganzen gezahlt worden ist? Ist eine Genehmigung zu dieser fchiedsrichterlichen Tätigkeit gegeben worden? Bräsident Schröder: Rühe und Dr. Hellwig hatten von meinem misporgänger von Dombois die Genehmigung erhalten, als Schiedsrichter tätig zu sein und ein angemessenes Honorar dafür 31 befommen. Bon Kutister wurde an Rühe ein Honorar von 12 000 M. gezahlt, wovon Dr. Hellwig 5000 m. erhielt Im Auftrage der Firma Michael erschien dann deren Vertreter, General von Livonius, bei Dr. Rühe und brachte ihm weitere 40 000 m. Rühe zögerte erst, diesen Betrag anzunehmen, tat es aber, nachdem ihm Dr. Hellwig gesagt hatte, ein solches Honorar entspreche bei Dem Objekt von 2 Millionen ungefähr dem üblichen Satz, den ein Anwalt für die erste Instanz erhielt. Daß mein Amtsvorgänger die Genehmigung zu der Schiedsrichtertätigkeit und zu dem anges meffenen Honorar erteilte, war nach meiner Meinung torreft, da es sich um zwei Kunden der Staatsban? handelte. Ueber die Höhe des Honorars ist aber mein Amtsvorgänger nicht unterrichtet worden. Ich halte es für absolut falsch, daß die beiden Herren diese hohen Honorare genommen haben. Ich würde als Präsident nie meine Genehmigung dazu gegeben haben. Borf. Dr. Leidig: Dr. Rühe hat dann den Wechsel Michaels für die Staatsbant distontiert, nachdem er als Schiedsrichter einen Michael günftigen Schiedsspruch gefällt hatte. Mußte ihm das nicht bedentlich erscheinen? Bräf Schröder: Das Honorar wurde ihm gegeben, nachdem cr fchon die Distontierung des Wechsels zugesagt hatte. Abg. Dr. Deerberg( Dnat.): Die Tätigkeit der Schiedsrichter war verhältnismäßig einfach. Ich bin überzeugt, daß es sich bei dem chen Honorar um Der Fall Barmat. Die Trenhandgesellschaft endgültig gebildet. Nach Beilegung der noch bis zuletzt bestehenden Differenzen ist am gestrigen Dienstag der Bertrag über die Bildung einer Treu. handgesellschaft zur Uebernahme der Werte des Barmat- onzerns von den in Frage kommenden Parteien unterzeichnet worden. Treuhänder find, wie bereits gemeldet, Justizrat Dr. Bald. midt und Kommerzienrat Manasse. Die Bertreter der als Gläubiger interessierten Behörden fomie der Gebrüder Barmat werden im Laufe des heutigen Mittwochs bestimmt werden. Grumbfötzlich ist den Barmats ein mitbestimmungsrecht bei der Berwertung der von der Treuhandgesellschaft zu übernehmenden Werke und sonstigen Bestandteile des in- und ausländischen Vermö gens der Gebrüder Barmat zugesichert worden. Aufgabe der Treu händer wird es zunächst sein, die Lebensfähigteit der ver fchiedenen zum Barmat- Konzern gehörigen Betriebe zu prüfen und eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Berte eventuell abzustoßen sein werden. Im übrigen nimmt die Untersuchung im Fall Barmat ihren Fortgang, wie auch die Staatsanwaltschaft immer noch mit weiteren Ermittlungen beschäftigt ist. Augen blicklich sind die Bücherrevisoren, die in den legten Tagen die Bücher ber verschiedenen Betriebe des Konzerns in Berlin und im Reich geprüft haben, an der Arbeit, um über ihre dort getroffenen Feststellungen einen Bericht abzufassen. Wirtschaft Gewerkschaften und Schiffahrtsubvention. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat die deutsche Regierung mit den Reedereien ein Rreditablommen geschlossen, durch das aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge dem deut schen Schiffsbau 50 Millionen Mart als Darlehen für den Bau neuer Schiffe ut außerordentlich günstigen Zinsbedingungn gewährt merden. Schon anläßlich der Meldung haben wir darauf hinge niesen, daß diese Kredite voltswirtschaftlich feinen Nutzen, sondern im Gegenteil eine Gefahr bedeuten weil bereits jetzt zuviel Schiffsraum auf der Welt vorhanden ist und die internationale Ronkurrenz auf diesem Gebiete durch den Bau neuer Schiffe nur weiter verschärft wird. Die Gewertschaften find- vor dent Beschluß des Reichstabinetts um ihre Meinung überhaupt nicht gefragt worden. Erst nachdem der Beschluß gefaßt mar, gab man ihnen von der vollendeten Tatsache Kenntnis. Die schweren volfs. wirtschaftlichen Bedenken gegen diesen Kredit werden nun, wie die nachstehenden Ausführungen der„ Gemertschaftszeitung" bestätigen, von den freigewerkschaftlichen Spizenverbänden durchaus geteilt. so schreibt das Organ des ADGB.: „ Die Krise in der Schiffahrt und dadurch in der Schiffbauindustrie ist nicht zu leugnen. Auch nicht, daß die in anderen Ländern geübte Subventionierung die Lage kompliziert. Aber in ähnlicher Lage steden auch andere Industrien, ohne daß es möglich ist, ihnen in der hier angewandten Methode Hilfe zu bringen. Es ist sogar fraglich, ob die jetzt eintretende Kredithilfe wirklich hilfe bringen fann, denn die Ursache der Krise fit tiefer. Es besteht die Gefahr, daß die Kreditgewährung lediglich etnen weit überspannten Produktionsapparat fünstlich ftüht und dadurch auch für die Zukunft wettbe mer bsunfähig hält. Kommt nur Hilfe für den Arbeitsmarkt in diage, nicht aber Liebesgaben an Reeder und Werften, so wäre zu prüfen, ob nicht die großen Mittel, die hier der produktiven Erwerbslofenfürsorge" entzogen werden, zur Durchführung von Arbeiten genutzt werden sollten, die künftig dauernd für die deutsche Wirtschaft sehr viel wertvoller sind und die auch zur augenblicklichen Hebung der Erwerbslosigkeit viel mehr und viel Durchgreifenderes leisten fönnten. Man dente z. B. an das Baugewerbe, deffen durchgreifende Belebung weit über den Kreis des eigentlichen Baugewrbes hinaus den Arbeitsmarti fördert, daneben aber durch Beschleunigung und Verbilligung des Wohnungsbaues die unserer Bolkswirtschaft drohende immense Ge fuhr abwendet, daß eines Tages unerhörte Wohnungsmieten die CHRISTIANUS Preußengold 5 Edelcigarette in eleganter 25 Stck- Phg deutsche Exportindustrie erbrüden. Man bente en die langgeplantes Ranalprojette, deren Ausführung nicht nur erhebliche Maffent ungelernter Arbeitsloser binden, sondern zugleich durch die Möglich feit billiger Wasserfracht volkswirtschaftlich segensreich wirken würde. Die Bedingungen des Kredits sind überraschend günstig fallen tatsächlich ganz fort. Wenn auch die Hergabe des Kredits Selbst die während der Bauperiode zu zahlenden ½ v. H. Zinsenz ratenweise entsprechend dem Baufortschritt erfolgt, so wird doch eine auch nur leidlich geschickte Bauleitung die Summen so frühe zeitig zu erhalten wissen, daß erhebliche Teile bis zur endgültigen Berwendung bantmäßig angelegt werden müffen. Bei der weten ½ v. H. wird ein ganz erheblicher 3 wischengewinn entstehen, Spanne zwischen der derzeitigen bankmäßigen Berzinsung und den der die Verzinsung mehr als mettmacht. Jedoch, es wird die finanz wirtschaftliche Seite des Abkommens noch besonders im Barlament eingehend zu besprechen sein. Hier genügt es, festzustellen, daß die geplante Aktion weniger eine Erwerbslosenfürsorge als eine Reederstätigt der Schiffbau auch diese Auffassung, indem er die Preise be reits start steigen ließ. Daß die Reeder, die sich gern als die Haupte leidtragenden des Friedensvertrages hinstellen, bereits mehr als glattes Geschenf ist, weiß jeder Kundige." genug erhalten haben und daß jede Mart weiterer Zuwendung ein Da die Gewerkschaften auf den Beschluß der Regierung feinen Einfluß nehmen fonnten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Eicherung der arbeitsrechtlichen und sozialpolitischen Interessen der Arbeitnehmer gegen das als reaktionär bekannte Werftkapital zu bemirfen. Sie forderten daher, daß die Kreditgewährung an die Bedingung gefnüpft wird, daß die bauausführende Firma be ftimmte fozialpolitische und arbeitsrechtliche Verpflichtungen übernimmt, wie die tollektive Regelung der Arbeitsbedingungen durch Tarifvertrag, Achtstundentag, Beruzung des öffentlichen Nachweiſes usw. Neben anderen Forderungen, die eine sachgemäße Berwentung der Kredite bezwedten, wurde auch die erhoben, daß die Arbeitnehmer organisationen mit maßgeblichem Einfluß an der Ber gebung und Kontrolle der Kredite beteiligt werden. Wirkungen der Eifenpreistreiberei. Die Folgen der von der Rohstahlgemeinschaft durchgefehten Preiserhöhungen für Roheisen, Stahl usw. zeigen fich u. a. in einem Beschluß des Verbandes Deutscher Gas- und Wafferarmaturen Fabrikanten, die ihre Preise um 20 Prozent erhöhen. Die Erhöhung wird mit den gestiegenen Preisen für Rolmetalle begründet. Tomaten Knorr ler Suppe 35Pfy you Besonderes in Geschmankund Unsymbighit Versuchen Sie die hervorragende neue: Knorr Suppen Wurst 1 Stück- 6 Teller feine kräftige Suppe 35 Pfg. Blumenkohl, Grünkern, Krebs, Ochsen7 Sorten: schwanz, Pilz, Tomaten, Spargel Sozialistische Wahlkundgebung Donnerstag, 29. Januar, 8 Uhr abends Logenhaus, Joachimsthaler Straße 13: Sozialistische Wahlkundgebung zu den Wahlen z. Preußischen Landesverband d. Jüdisch. Gemeinden Redner die Genossen Staatsbankpräfident a. D. Walter Locb( Thür.) Dr. Oskar Cohn Julius Kaliski Alfred Berger Dr. Georg Cohn u.a. Wahlkomitee der jüdifchen fozialdemokratifchen Arbeiter. Organisation Poale Zion. 187/18 srL Mnkerhaltung unö ÄNlssen Seklage öes vorwärts Schliebetis Seamtenpslitik. Der Austen. Don Dr. Mosbacher. Wie begrüßenswert ist des Morgens ein Austen, der mit einigen wenigen Stößen die in der Lunge de. Nachts über angesammelten Schleimmassen herousbefördert. so daß die Lunge frei ausatmen kann! Ein solcher Hüsten erfüllt sein« Ausgabe in vollem Umsange, und es wäre töricht, ihn zu unterdrücken oder gar dagegen Mdika- n.ente einzunehmen. Bekanntlich ist der Husten ein nüglicher Reslexvorgang, der zu den drei Schutzmaßnahmen der Lunge gc- hört. Dchleimabsonderung, Flimmerluwegung(die Zellen der Schleimhäute des Atemapparates besitzen zum großen Teil feine bewegliche Flimmerhärchen, mit deren Hilfe sie kleine Fremdkörper, Schleimpartikel-hen und dergleichen nach oben befördern) und schließ- lich der Husten. Für die Beseitigung von geringen Mengen von fein verteiltem Eiter. Schleim und Blut reichen die Flimmerbewe- gungen aus: es genügt dann ein leichtes Anhusten oder Räuspern, um das Abgesonderte(Sekret) völlig herauszubringen. Es ist diese Tatsache besonders bei Lungenblutungen zur Verhütung von Wieder- holungen von Wichtigkeit, da hierbei die gefährlichen übermäßigen Erschütterungen wie beim angestrengten Aushusten unterbleiben.— Ausgelöst wird der Husten durch Reizung der Schleimhäute des Kehlkopfes. Luftröhre und der Bronchien. Der hartnäckige Reiz- husten bei Kindern im Anschluß an ansteckende Krankheiten, insbc- sondere bei Tuberkulose, beruht gewöhnlich aus den Druck ge- ichwollener Lymphdrüsen auf die Bronchien. Hier wie bei der ein- fachen Schwellung der Vronchialschleimhaut oder bei der Absonde- rrmg zähen und schwer beweglichen Schleims tritt— im Gegensatz zu dem eingangs genannten„lockeren" Husten— der ,t r o ck e n e. .rauhe oder bellende" Husten auf, der durch Resonanz hohl klingen kann. Dieser erfolglose Husten ist quälend und schädlich wie auch sonst jeder Husten, der die Lunge über Gebühr anstrengt. Der trockene Reizhusten zu Beginn eines Bronchialkatarrhs steigert dos Wundgefühl in der Luftröhre und den Bronchien, löst Schmerzen in der'Atem- und Bauchmustulatur aus und führt u. a. durch Fern- halten des Schlafes zn allgemeiner Erschöpfung. Gleichzeitig kommt es— vorwiegend bei angestrengtem Husten— zu erheblicher Blutstauung und Blutdrucksteigerung in den Lungenarterien. Durch einen scharfen Hustenanfall werden bekanntlich nicht allzu selten bei Lungenkranken schwere Lungenblutungen ausgelöst. Derartige Per- sonen müssen sich davor hüten, hemmungslos heraus zu husten— ebenso wie Menschen, die an ollgemeiner Gefäßschwäche(Arteria. sklerose) leiden, da es hier zu Zerreißung von Blutgefäßchen im Gehirn kommen kann. Bei Keuchhusten kann man vielfach Blutungen In die Bindehaut de« Auge, beobachten. Selbstverständ- lich übt ein übermäßiges Husten aus das Lungcnleiden selbst einen ungünstigen Einfluß aus. 2fn einem lockeren, erfolgreichen Husten, der sich in Grenzen bält, gibt es nichts zu behandeln: man läßt ihn am besten seine Ausgabe, die abgesonderten Schleimmasten heraus zu befördern, un- gestört vollbringen. Natürlich dürsen Schlaf- und Nahrungsaus- nähme nicht leiden. In solchen Fällen wird der Arzt einige Zeit vor dem Schlafengehen und vor den Mahlzeiten hustenstillende M-dikomeM« nehmen lasten. Dagegen muß der trockene, erfolglose Husten, wenn er durch zähes Sekret oder durch sonstige Reize aus. gelöst wird, die nicht durch den Husten entfernt werden Schwel- lung der Schleimhäute in den Bronchien. Druck von Drüsen Ge. schwülste— gemildert oder gor unterdrückt werden, zumal'wenn er im Uebermaß auftritt. Zunächst vermag der Krank« selbst durch Willensanstrengung viel zu leisten. Er kann es ternen. de» Husten- r�iz zu unterdrücken und nur leichte Hustenstöße erfolgen zu lasten. Besonders wichtig ist diese Erziehung bei Keuchhustenkindern und Asthmakranken. Natürlich muß die Lust im Krankenzimmer rauch-, staubfrei und feucht sein. Da, Aufhängen von nasten Tüchern. Auf- stellen von Derdunstungskesleln und ähnliche Mittel leisten gut» Dienste. Je nach Art des Husten? und des Grundleidenz wird der Arzt Gurgeln, Inhalieren, Salmiakpostillen,>n schweren Fällen narkotische Hustenintttel, z. B. Kodein, verordnen. Bei ganz ersola- losem Husten wird man versuchen, den Husten zu„löfen", d. h. dt« Absonderung anzuregen und zu beschleunigen. Damplböder— je- doch nur bei kräftigen Personen—, feuchte Wickel, Emser Salz und dergleichen leisten hierbei vorzügliche Dienste. Nun kann es aber vorkommen, daß wohl genügend leicht de- wegliche Abfonderungsmastcn vorhanden sind, daß es aber Infolge allgemeiner Schwäche oder sonstiger Umstände nicht zum Hustenreiz. und zum Husten lommt; dann können recht gefährlich« Stauungen >» der Lunge austreten. Hier ist es«in« der wichtigsten Aufgaben de» Arztes, vorbeugend und helfend einzugreifen. Alte Leute mit derartigem Lungenleiden wird man aus dem Bett herausnehmen. Mattes Zalcone. Von Prosper Merimö«/) Wenn man von Portooecchio In da» Innere der Insel wandert, tn nordwestlicher Richtung, steigt der Weg ziemlich rasch, und nach drei Stunden Marsch auf sich schlängelndem Saumpfad, den mächtige Felsblöcke verbauen und zuweilen Schluchten unterbrechen, steht man am Rand einer weit ausgedehnten Macchla. Hier Ist die Heimat der korsischen Hirten und der Schlupfwinkel derer, die mit dem Gericht in Widerstreit geraten sind. Nun muß man wissen: auf Korsika erleichtert sich der Bauer die Mühe, sein Feld zu düngen, indem er ein Stück Wald in Brand steckt: fliegt das Feuer weiter als der Zweck es erheischt, so ist da» schlimm: doch was auch geschehen mag, die Saat unter der Asche der Bäume, die diese Flur beschatteten, sichert ihm gut» Ernte. Die Aehren werden gc- sichelt, während da» Stroh, das zu sammeln zu umständlich wäre, liegen bleibt: und aus den unvcrbrannten Baumwurzeln treiben im Frühling daraus üppig« Sprößlinge, die in ein paar Jahren sieben bis acht Fuß hoch sind. So entsteht ein Buschwald. die Macchia geheißen, ous allerlei Bäumen und Sträuchern, die wirr durchein. ander wachsen, wie der göttliche Zufall es fügt. Nur mit der Axt in der Hand bricht sich der Mensch darin Bahn, und an manchen Stellen ist das Dickicht so unzugänglich, daß sogar Wildschase nicht durchkommen. Wer einen Menschen umgebracht hat. enteilt in die Maccksia von Portooecchio. Dort fristet er sein Leben ungesährdet. wenn er eine gute Büchse, Pulver und Blei besitzt: nicht zu vergessen den Pilone (das ist ein brauner Kapuzenmantel), der als �oger und Decke dient. D.e Hirten spenden Milch. Kose und Kastamen: vom S-r.cht und von der Sippe de» Gemordeten hat er nichts zu betu.chlen, außer wenn er noch neuem Schießoorrot in» Dorf muß. Als ich im Jahre 18.. auf Korsika weilte, hatte Matte» Fol- sei» Ha„s ein, halbe Migli« vor diesem Buschwald. Nach dar- tigem Begriff war er ein wohlhabender Mann: er lebt« vornebm. das heiß, ohne viel zu tun. vom Ertrag seiner Herden, dl« von *' 2lu, her schönen Ausgabe der.Gesammellen Werk« de» französischen Novellisten(1803— 18(0), We in«mer vor- ttculichen Uebersetzung«rtur Schurias bei Buchenau und Reichen in München erscheinen. wie eine ftmme ihrem kiuö, So bin ich üea Seamtea gewogen j auf«in« Chaiselongue mit aufgerichtetem Oberkörper oder in einen Lehnstuhl legen, schwache Personen oft aufsetzen lasien und sie veranlassen, tief zu atmen oder auszuhusten. Kleine Kinder reizt man zum Schreien, um sie zum"Husten zu bringen. Dann gibt es noch«in« Reih« von Mitteln, di« hustenerregend und»lösend wirken. Man muß sich aber in allen Fällen bewußt bleiben, daß der Husten seine Aufgab« nur dann erfüllt, wenn mit seiner Hilfe di« Lungen gelüstet und schädlich« Stoffe entfernt werden. All« Beziehungen zwischen Europa und Amerika? In den letzten Jahren haben sich amerikanische Forscher wiederHoll mit ewigen Jndianerstämmen Mittelamenlas beschäftigt, die ein« ausfallend hell« Haut und teilweis« auch blondes Haar besitzen. Die Vermutung europäischer Abkunft lag nahe. Worum sollten nicht irgendwelche europäische Auswanderer oder stunnverfchlagene Schiffer m uralten Zeiten den atlantischen Ozean gekreuzt haben, wo inan doch sicher weih, daß lange vor Kolumbus die Normannen über Island und Grönland noch Nordamerika gekommen sind, und wo daneben auch noch andere, allerdings weniger sichere Nachrichten von irischen und baskischen Westsahrten überliefert sind? Uebrigens sind alle dies« Dinge nicht neu, Humboldt hat ausführlich darüber geschrieben, und Hirten(ein«r Art Nomaden) nach den verstreuten Weiden im Hoch» lande gesührt werden. Ich Hab« ihn kennengelernt zwei Jahre nach dem Ereignis, da, ich erzählen will: er kam mir höchsten» sünszig Jahre all vor. Man stelle sich einen kleinen, ober kräftigen Mann vor mit pechschwarzem krausen Haar, Adlernase, schmalen Lippen, großen lebhaften Augen und einer Hautfarbe vom Braungelb der Stulpenstiesel. Er galt als hervorragender Schütze, was viel besagt in einem Land«, da» daran nicht Mangel hat. Wildschase zum Bei- spiel traf Matteo auf hundertzwanzig Schritt mit der Kugel im Kops oder Blntt, je nachdem. Nachts handhabt« er seine Waffe genau so gut wie bei Tag, und man hat mir eine Probe seiner Geschicklichkeit berichtet, die mancher, der Korsika nicht kennt, kaum glauben wird. Man stellt« in Entfernung von achtzig Schritt ein« angezündete Kerze hinter«wer tcllergroßen Scheibe au» Oelpapier auf. Er legte an: dann blies man das Licht au». Nach einer Minute drückt««r ab und verfehlte die Scheibe im Stockdunklen bei vier Schuß nur einmal. Bei so außerordentlicher Tüchtigkeit erfreute sich Matteo Fat- cone hohen Ansehen». E» hieß, er wäre als Freund so treu wie ge- fährlich als Feind. Sonst war er gefällig und mildtätig, hielt mit jedermann Im Bezirk Frieden; allerdings ging das Gerücht, er habe sich in Corte, woher sein Weib gebürtig war, eine» im Streit wie bei Liebschaften gleich unbequemen Rivalen in urwüchsiger Weise«nt- ledigt. Jener Flintenschuß nämlich, der besagten Nebenbuhler beim Rasieren am Fenster Ins Jenseits befördert«, ward keinem anderen zugeschrieben als dem Matteo. Noch war dies« Geschichte nickst ganz vergessen, da führte er Giuseppa heim. Seine Frau schenkt« ihm zunächst drei Mädchen(worüber er wütete), und endlich einen Iun- gen, der— die Hoffnung der Familie und der Erbe de» Namen»— Fortunata getauft wurde. Di« Töchter waren längst gut verheiratet: bei Bedarf konnte Matteo aus die Dolche und Stutzen seiner Schwiegersöhne rechnen. Der Knabe war erst zehn Jahre alt, aber seine Anlagen versprachen das Beste. An einem schönen Herbsttage brach Matteo mit seiner Frau zu früher Ettind» auf, um in einer Lichtung der Macchia«in« seiner Herden zu besichtigen. Der Neine Forwnato wollte mitgehen, aber der Ort war zu weit, und es war wohl auch nötig, daß jemand zu- rückdlteb. da» Hau» zu hüten. Also schlüge ihm der Dater ab. Er sollte e» zu bereuen haben. Die Eltern waren etliche Stunden fort: der Knab« lag behaglich m,»gestreckt m der Sonne, schaut« nach d«n blau«n Bergen und de- Natürlich our, weoa es»höhere' flnü- die andern find meistens hinausgeflogen. 0.?. er konnte sich darauf berufen, daß schon die ersten Eroberer unstr Cortez in Mexiko weiße Indianer fanden, die angaben, ihre Ahnen seien vom Osten über das Meer gekommen. In Zuni, dem Hauptort des Ländchens Cibola in Biexiko gab es Menschen mit weißem Gesicht und blonden Haaren, sogar blaue Augen fanden sich. Die Bewohner von Jucatan erklärten, mit den übrigen Eingeborenen nicht» gemein zu haben, sie stammten von jenseits des Meeres. Ja schon Kolumbus »and. daß die Bewohner einiger Antillen denen der Kanaren auf- fallend alichen. Schon vor hundert und mehr Jahren hat man nach sprachlichen Zusammenhängen geforscht. Der eine fand wallisch« An- klänge bei den Tuscarora, em anderer wies hebräische Wörter in der Jnkasprach« nach, und ein dritter hörte in Mexiko altarmenische Aus- drücke. Wer sich mit solchen Dingen befaßt hat, weiß, daß solch« An- klänge überall zu finden sind, und daß man damit alles und nicht» beweisen kann. Bekannt sind ferner Aehnlichkeiten in Bauwerken, Dolmen, Pyramiden u. dgl., schließlich in den Vorstellungen vom Tierkreis, der Iahreerechnung, dem Kalender. Indessen so sehr em- zeln««ms solche Deweise schwören, so wenig gelten sie anderen. Im allgemeinen wissen wir heute noch nicht mehr von alten Zusammen- hängen des Ostens mit dem Westen, als Humboldt gewußt hat. Aber nichts verbietet uns anzunehmen, daß schon im Altertum Leute aus Tancssos, Tyrus, Karthago die große Fahrt gewagt haben, m. dacht«, daß er am kommenden Sonntag in der Stadt bei seinem Onkel, dem Eaporale, zum Mittagsmahl eingeladen war, als ihn plötzlich der Knall einer Feuerwaffe seiner Träumerei entriß. Er sprang auf und horchte in der Schallrichtung, der Niederung zu. Nochmol» schoß e» und immer wieder, in ungleichen Abständen, näher und näher. Schließlich erschien auf dem Pfad, der vom Hang her zum Hause führte, ein Mann, rnif dem Haupt eine Zipfelmütze, wie di« Bergbewohner sie tragen, mit struppigem Bart, in zerlumpter Kleidung. Auf sein« Büchse gestützt, vermochte er sich kaum weiter- zuschleppen. Ein Schuß hatte Ihn in den Schenkel getroffen. E» war ein Bandit, das heißt ein Geächteter, der in der Nacht, um Pulver zu kaufen, nach der Stadt gegongen war. unterwegs aber auf«inen Streiftrupp korsischer Jäger gestoßen war, die im Hinter- halt lagen. Nach mannhafter Gegenwehr war es ihm gelungen. den Rückweg zu gewinnen, lebhaft beschossen, von Fels zu Fels wieder feuernd. Er hatte nur geringen Dorsprung vor den Sol- baten, und seine Wunde hinderte ihn. den Buschwald zu erreichen, ehe sie ihn«inhotten. Cr näherte sich Fortunato und rief ihm zu: „Bist der Sohn von Matteo Falconc?" „Bin ich!" antwortet« der Knabe. „Ich bin Gianetto Sanpierro. Die Gelbkrogen sind mir aus den Nähten. Verbirg mich! Ich kann nicht weiter." „Was wird mein Dater sagen, wenu ich dich ohne seine Erlaub- ni» verstecke?" „Er wird sagen: Hast recht getan!" „Wer weiß?" „Rasch verbirg mich! Sie sind schon nahe." „Warte, bis mein Dater heimkommtl" „Warten soll ich? Gottverdammichl In fünf Minuten sind dl« Kerle hier. Rasch, verbirg mich— oder ich schlage dich tot!" Mit größter Kalrblütigkett erwidert« rhm Fortunato:„Deine Flinte ist nicht mehr geladen. Hast auch nicht» zu schießen in deiner Carchera." „Ich habe meinen Dolch!" „Kannst du so schnell laufen wie ich?" Er machte«inen Satz und brachte sich in Sicherheit. „Du willst der Sohn von Matteo Folrone sein und läßt mich vor eurem Haus« gefangennehmen?" Der Knabe war flchttich betrosfen.(Forts, folgt.) 2300 Theater Deutscher Metallarbeiter- Verband Lichtfpiclettwoch, ben 28. Januar, abends w. Staats- Theater Opernhaus 7 U Cosi fan tutte Opernhaus 7 Uhr, in großen Saal bes Berbandshaufes, Cinienste. 83/85: Branchenversammlung der Maschinen-, Autound Motorenfchloffer. Tagesordnung: 1. Die 28hne und am Königsplatz Arbeitszeiten in der Branche. 2. Bet 7 Uhr Zar and Zimmermann ichiebenes Mitgliedsbud legitimiert. Schauspielhaus Achtung! Betriebsräte Achtung! 7: Charleys Tante Schiller Theater Am 25. Jan. D. rftarb nach fura, fchmer. Beiben mein lieber Mann, unf. Stief und Schwiegervater, ber Steinbruder Fritz Quast Alter von 61 Jahren. im Er war uns ein guter, gerechter Mann 1.werb. ihm ein lieb AnbenLbewahr Witwe Martha Quast 528b Johanna u. Erich Piepers Allgemeine Ortstrantentaffe für Berlin- Steglig Bir bringen den Arbeitgebern hiermit Nr. 2 der Betriebsräte- Zeitschrift zur Kenntnis, daß uns gemäß§ 404 b 2 Wilhelm Tell ift erschienen und tann gegen Borlegung fas 2 feitens des Berficherungsamts ber T/ Der Widerspen- ber Seg timationstarte des Betriebsrats- Stabt Berlin die Befugnis zur Durch stigen Zähmung obmannes im Verbandsbureau, Sinien- führung des Berwaltungs- Swangsver fahrens übertragen wurbe 109/8 ftraße 83/85, Rimmer 5, in Empfang ge Berlin- Steglig, den 24. Januar 1925 Volksbahnenommen werden. Nachm nach 4 Uhr, Der Borstand Moeckel, Borfigenber 7 Schlacka.Jau außer Sonnabends, wird bie Zeitschrift Deutsch. Theater 7 Uhr Die heilige Johanna Kammerspiele 8 Unr Der Lampenschirm Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 71 Uhr Sechs Persones suchen einen Autor Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 U.: Der Tokaler im gimmer 4 ausgegeben. Die Detsverwaltung Drucker and Stereotypeure Berlins Erfinder Vorwärts ftrebenbe gute Berdienstmöglichkeit! Auftlärung und Anregung gebb. Broschüre Ein neuer Geift Am Sonntag, 1.Februar, vorm 1/10 Uhr. Finbet im inbhans", Ohmite, eine ge meinfame Berjammlung ftatt. Das Mate rial hierzu wird den Druderfollegen gur Berteilung in den Betrieben zugesandt. Die Bertrauensleute ber Stereotypeure holen gratis burd: Erdmann& Co., Berlin, basfelbe am Freitag im Berkehrslofal ab. Die Spartenvorstände. Röniggräger Straße 21. 5276] Darmstädter u. Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien In unserer Generalversammlung vom 9. Dezember 1924 ist u. a. beschlossen Komödienhaus worden, das Aktienkapital unseres Instituts von PM. 600 000 000.- auf 8 Uhr: Die RM 60 000 000- in der Weise umzustellen, daß die Cousine a.Warschau 1000- Mark- Stücke auf RM. 100.und die 1200- Mark Stücke auf RM. 120Berliner Theater abgestempelt werden. 7.30 Uhr: Nachdem der Umstellungsbeschluß in das Handelsregister eingetragen Anneliese v. Dessau worden ist, fordern wir unsere Kommanditisten hiermit auf, ihre Aktien( ohne Gewinnantellscheinbogen) SCALA Tägl. 8 Unr: VarietéREVUE mit Winstons TauchSensation Residenz- Th. 8 Uhr Lairie& Vorstellunge Gisela Werbezirk in: Bosa Altschul bis zum 20. März 1925 einschließlich bel folgenden Stellen wahrend der Geschäftsstunden zur Abstempelung einureichen: 1. bei unseren Hauptalederlassungen In Berlin( Behrenstr. 68/69, Bremen, Darmstadt; 2. bel unseren sämtlichen Fi lalen und Zweigniederlassungen; 3. In Breslau bei den Herren Bichborn& Co. . SP . Cassel bei den Heren Fiorino& Sichel Coblenz bei Herrn Leopold Seligmann Essen a. d. Ruhr bei den Herren Gebrüder Hammerstein. bei Herrn Simon Hirschland Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effecten- und Wechsel- Bank bei den Herren Otto Hirsch& Co. bei Herrn Jacob S. H. Stern bei den Herren Gebrüder Sulzbach Göttingen bei den Herren H. F. Kettwig& Refbstein Hamburg bei den Herren L. Behrens& Söhne bei den Herren M. M. Warburg& Co. Köln bei dem Bankhaus A. Levy Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit- Anstalt München bei der Bayerischen Vereinsbank bei den Herren Merck, Finck& Co. Stuttgart bei den Herren Stuber& Co. Die Abstempelung erfolgt gebührenfrei bei unseren Hauptniederlassungen, mit Karl Ettlinger sämtlichen Filialen und Zweigniederlassungen und an den Schaltern der son Preise 1, 2, 3 M. usw stigen Abstempelungsstellen. Soweit bei letzteren Stellen die Abstempelung im Wege der Koi respondenz veranlaßt wird, werden diese die ubliche Gebühr in Anrechnung bringen. Haller- Revue 1925 Nach dem 20. März 1925 erfolgt die Umstellung der Aktien auf Reichsmark nur noch bei unserer Centrale Berlin W 8. Behrenstraße 68/69. Die Notierung wird vom 5. Börsen age vor Ablaui der Abstempelungsfrist Th. L.Admiralspalast ab nur noch für Reichsmarkbeträge festgesetzt und vom gle chen Zeitpunkt 25. Woche Allabendl. 8 Uhr Die größte Revue d. Welt: Noch and Noch" Sonntag nachm. 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen 2. Rang 1 Maik Central Theater 71 Uhr: Die versunk. Glocke Deuts Opernhaus an sind nur noch auf Reichsmark abgestempelte Akt en an den Börsen lieferbar. Es liegt daher im Interesse der Aktionäre, die Abstempelungs frist einzuhalten. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß a) die Gulden- Aktien der ehemaligen Bank für Handel und Industrie und b) die Aktien der ehemaligen Aktiengesellschaft in Pirma Nationalbank für Deutschland( ausgegeben vor dem Jahre 1920) untergegangen sind und ein Aktienrecht nicht mehr gewähren. Wir sind auch jetzt noch bereit, einen Umtausch dieser Stücke vorzunehmen, und zwar entfal en: zu a) auf 7 Aktien à nom. fl. 250.- der Bank für Handel und Industrie 3 Aktlen unseres Instituts à nom. PM 1000.- umgestellt auf je nom. RM 100-, zb) entweder auf einen Nennbetrag von PM. 1200- Aktien der Aktiengesellschaft Nationalbank für Deutschland( eine Aktie zu nom. PM. 1200oder 4 Aktien zu je PM 300-) eine Aktie unseres Instituts zu nom. PM. 1200.-, umgestellt auf nom RM. 120.-, oder auf eine Akte der Aktiengesellschaft Nationalbank für Deutschland zu nom PM 1000- eine Aktie unseres Instituts zu nom PM. 1000.umgestellt auf RM 100Den Hinzukauf oder Verkauf von Spitzenbeträgen zwecks Durchführung The Boccaccio des obleen Tuusches übernehmen wir zum Tageskurs. Intimes Theater 8. Katzi Abenteuer nach dem Tode etc. Berlin, im Januar 1925. Metropol- Theater Lessing- Theater Tagl 7 Uhr. Tägl. 8 Uhr: Gräfin Mariza Professor Bernhardi v. 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