Ur. 105. Erscheint täglich außer Montag?. Preis pränumerando: Viertel- jährlich S.zo Marl, monatlich i.io Ml., wöchentlich SS Pfg. frei in's HauS. Sinzeine Rümmer s Pfg. Sonntag«-Nummer mit tlluftr. Sonntag«-B-tlage„Neue Well" lo Pfg. Post-Abonnement: Z.ZoMt. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn I Mt., für da» übrige Ausland ZMl.pr. Monat. Eingetr. tu der Post- Zeitung«-PreiSltjt« für lS»s unter Nr.?l»«. 12. Jahrg. Ansertlons-Bebühr beträgt für die fünfgespaltene Pelitzeile oder deren Nuum 40 Pfg., für Vereins- und Acrfammlungs- Anzeige» so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedilion iit an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vor- mittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt>, Ur. 1508. Telegran»»- Adresse: „Koiialdemolirat ftrrJOü' Verliner Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.lg. Aeutö-Strake 2. Der chiaefisch-japanische Krieg. Paris, 3. Mai 1895. Tie Regierungen aller kapitalistischen Nationen sind in Beivcgnng über den Friedensvertrag, der soeben den Krieg zwischen China und Japan abgeschlossen hat. Alle sinnen nur darauf, Japan zu verhmdern, daß es die Früchte seiner Siege genieße. Die Regierungen von Frankreich, Deutsch- land rmd Rußland haben sich verbündet, um den Vertrag von Schinlonoseki zu zerreißen, wie einst der Vertrag von San Stefano— nach dem letzten rusflsch-türkischen Krieg— von England, Oesterreich und Deutschland zerrissen wurde. Die Aufregung, in welche die europäischen Nationen durch Ereignisse versetzt worden sind, dre sich im fernen Osten abspielen, in Ländern, von welchen man im vorigen Jahrhundert nicht viel mehr als den Namen kannte — diese Aufregung beweist, daß wir uns vor einem Phänomen(einer Erscheinung) von außer- ordentlicher Tragweite befinden. Und in der That: der ch i n e s i s ch- j a p a ,i i s ch e K r i e g und die i n t e r- nationale sozialistische Beivegung sind die zwei bedeutsanlsten Ereignisse dieser zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts. Beide bereiten den Sturz der kapitalistischen Gesellschaft vor. » �<» Als vor 30 oder 40 Jahren China und Japan junge Männer nach Europa schickten, um die Zivilisalion des Westens kennen zu lernen, tiahm man dieselben mit Interesse und Neugierde auf. Diese kleinen*), gelben, bartlosen Leute, mitdcnzartenGliedern,den würdigen Geberden und dem natür- lichen Anstand wurden für seltene Exemplare einer unter- geordneten Menschenrasse angesehen; es mischte sich verachlnngs- volles Mitleid in den herzlichen Empfang, den nian ihnen angedeihen ließ. In England und Frankreich hatte nian im vorigen Jahrhundert ein ähnliches Gefühl einpsundcn, als die ersten Rothhänte hinkamen. Aus Sympathie sür diese kleinen liebenswürdigen Leutchen brachte man die zugleich mit ihnen niassenhaft ein- geführten künstlerischen Erzengnisse ihres Landes in die Mode. Der„Japanismus" war eine zeitlaug das Merkmal der rafsinirtcsten und ausgesuchtesten Geisler; nian kaufte mit wahrer Wnth die Lacke, Porzellanivaaren, Möbel, Gemälde und Mlisterzeichnungen von China und Japan. Man war sehr verwundert, bei den nach europäischer Art gebildeten Chinesen und Japanern eine lebhafte und scharfe Intelligenz und eine erstaunliche Fähigkeit zum Sichaneigncn der Wissenschaften und Künste des Westens zu finden. Es blieb bei der Venvunderung. Nian kannte die tausendjährige Unbeweglichkeit Chinas und bildete sich ein, daß alle Völker Ostasiens in die gleiche lethargische Starrheit ') Die Bezeichnung„klein" trifft nur sür die Japaner zu; die Chinesen sind durchschnittlich von höherem Wuchs. Anm. d. Uebers. J'citUlcUnt. INachbruil vtrbolen.f Kerttner Marztage. � Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Gotthold Plüddemann wollte sich entfernen, Grams aber nahm ohne weiteres seinen Arm»nd steuerte niit ihm nach dem Laden des Fellhändlers hinüber. Mit ängstlicher Miene folgte ihm der Armenvorsteher. In seinem Laden zog Ephraim Fisch ein schlecht gc- drncktcs, offenbar in aller Eile hergestelltes Flugblatt ans der Tasche, das in Kürze die überraschenden Forlschritte der Revolution in Frankreich und den westdeutschen Ländern zusammenfaßte und die Bürgerschaft in Berlin zum Handeln aufforderte. „Mitbürger! Brüder!" hieß es in dem Flugblatt— „die Sache des Volkes hat den Sieg an ihre Fahnen ge- heftet. Louis Philipp, der„Arm der Vorsehung", wie ihn die Monarchen von Europa genannt haben, hat vor dem heiligen Zorne des Volkes feige die Flucht ergriffen, und England hat die Republik anerkannt. In Wien haben sich Bürgerthum und Studentenschaft einmüthig erhoben, um dem Schurken Metternich den Garaus zu machen, und München fordert die Abdankung des Königs, nachdem die Maitressen- wirthschaft der Lola Montez hinweggefegt ist. In Württem- berg und Baden, in Naffau und Kurhessen, in Sachsen, Hannover und all' den übrigen deutschen Vaterländern haben die selbstherrlichen Machthaber vor dem Volke den Rückzug angetreten und seine nur allzu gerechten Forde- rungen bewilligt. Der Völkerfrühling ist angebrochen in den deutschen Gauen. Mitbürger, Freunde! Soll der Eiegeszug der Freiheit vor den Thoren von Berlin zum Stillstand komnien? Schon ist in Köln die Stimme des Kolkes laut geworden, aber nicht in Köln wird das versenkt seien. Man bewunderte die europäisirten Chinesen und Japaner, aber man glaubte, diese geistigen Errungen- schaften gingen nicht unter die Haut, und, nach Hanse zurückgekehrt, würden die Leute in ihre eingewurzelte Halb- Barbarei zurückfallen; nian verglich sie mit den jungen Orang-Utangen, die in der Kindheit so geweckt und gc- lehrig sind, und, sobald sie erwachsen, die ererbte Wildheit annehmen. China blieb verschlossen, und seine Söhne nahmen nach der Rückkehr in das Mutterland die alten Sitten und Leb cnsgcwohnheitcn wieder an. Anders war es mit Japan; es ließ Europäer kommen, die ini Herzen des Landes selbst die Wissenschaften, die Industrien und die militärische Organisation der kapitalistischen Zivilisation einpflanzen sollten und es auch thaten. Mit einer wunderbaren Schnelligkeit änderte Japan in wenigen Jahren seine Industrie, führte den Maschinen- betrieb ein, bewerkstelligte cine politische Revolution und errichtete ans einer feudalen Grundlage eine abgeschwächte Kopie des parlamentarischen Regimes, orgauisirle und be- waffnclc seine Armee und Flotte»ach europäischem Muster. Tie Ingenieure, die Industriellen, die Gelehrten, ivelche diese rasche Umgestaltung bewirkt hatten, kannte ohne Zweifel die Lage; allein Europa war in vollständig llu- wissenheit und hatte, als der chinesisch-japanische Krieg ans- brach, keine Ahnung von dem ungeheuren Wechsel, der sich vollzogen hatte. Man bemitleidete das kleine Japancrvolk, das den chinesischen Koloß angriff. Bald jedoch bekam die Sache ein andres Gesicht. Tie japanischen Armeen drangen in Korea ein; die japanische Flotte blokirte die Häfen, und von Sieg zu Sieg marschirtcn die Japaner nach Peking, Ivo mau zu An- fang des Krieges die Kleinigkeit von hundert Millionen Franks ausgegeben hatte, nm den Geburtstag der Kaiserin- Mutter würdig zu seiern. Tie zivilisirten Völker begriffen, daß im äußersten Osten Asiens, geivissermaßen durch Selbst- zeugung, eine große Weltmacht geboren worden iv a r, die das Stille Meer beherrschen wird und deren Vasall China werden muß, wenn es nicht auch seiner- seits eine ähnliche Umgestaltung und Revolution durchmacht, wie Japan. Man freute sich über die Niederlage der Chinesen, denn man hoffte, daß ihre Häfen nun geöffnet, und daß ein nn- geheurer Markt, weit weit bedeutender als ganz Afrika, der europäischen und amerikanischen Industrie gewonnen werden würden. Die Profite tanzten zu Millionen und Milliarden vor den verzückten Augen der Herren Industriellen. In ihrer Verzücktheit übersahen die Herren, daß Japan auch einen Theil des chinesischen Kuchens sür sich beanspruchte, und daß es entschlossen war, China industriell und kom- merziell zu erobern, nachdem es dasselbe militärisch be- zwungeu. Die Enttänschting kam, als man die öffentlichen Schicksal Preußens sich erfüllen— nein. Berlin ist es, dem das entscheidende Wort zukommt u. s. w. n. s. w." Fritze Grams und Fisch waren ganz hingerissen von dem Gehörten. „Das Dings ist gut gemacht," meinte Grams,„woher haben Sie's denn?" „Mein Gcheimniß", versetzte Fisch mit pfiffigem Lächeln, indcni er das Flugblatt zusammenfaltete und in cine ver- borgene Tasche seiner Weste steckte.„Und noch'ne Nenig- keit iveiß ich: Tee Pariser Rothschild ist zur Revolution übergegangen." „Dann sind die Monarchischen futsch", entschied Fritze Grams.„Und wir? Was machen wir?" Ephraim Fisch zuckte verächtlich die Achseln. „Wir werdeu Adressen und Bittschriften einreichen", sagte er,„und wenn's dranf und dran kommt, bleibt alles beini alten." „Die Hallökollckte für die Armeil werden Majestät wohl gestatten", wagte Plüddemann, der mit ängstlicher Miene zugehört hatte, schüchtern einzuwerfen.„Damit wäre doch der ärgsten Roth abgeholfen.", „Lassen Sie sich begraben mit Ihrer Hauskollekte", fuhr Fritze Grame den Armenvorsteher an.„Wenn's aus Euch Tickbäuche ankäme, dann könnten wir ans das bischen menschliche Freiheit lange warten." „Ich war am Donnerstag in den Zelten zur Volks- Versammlung", erzählte der Fellhändler leise.„Großartig, sag' ich Ihnen! Die Adresse an de» Köllig— ein Meister- iverk, und die Redner brillant. Wenigstens dreitausend Menschen waren dort." „Gut, geh'n wir anch nach den Zelten", meinte Grams. „Ist heut' was los da dranheii?" „Ich geh' dann nach der Zeitungshalle'rüber, da er- fahre ich näheres", sagte Ephraim Fisch. Herr Plüddemann hatte bereits von den Umtrieben munkeln gehört, die durch einige unruhige Köpfe von dem KjEpedition: SW. 19, Ueutö-Straße 3. Klauseln des Friedensvertrages von Schimonoseki erfuhr: Japan setzte seilten Fuß auf das Festland dergestalt, daß es Peking beherrschte; es nahm die Inseln in Besitz, die ihm in den chinesischen Meeren das Uebergewicht sicherten, lind es legte der besiegten Nation die Verpflichtung auf, seine Kanfleute, Fabrikanten und seine Maschinen in ihre Städte zuzulassen. Damit hatte Japan zwar nicht die direkte Annexion China's bewerkstelligt, aber sich die industrielle irnd kommerzielle Ausbeutung des ungeheuren Reiches gesichert. Es ist ivahr, um seine Großmuth zu bezeugen, fordert Japan die gleiche Znlassung sür die Europäer; wahrscheinlich ist es der Ueberzeugung, dieselben überflügeln»iild ohne große Schwierigkeiten verdrängen zu können. In der That, wie können deirn die Industriellen Europas oder Anierikas mit den Produkten konkurriren, die an Ort und Stelle hergestellt sind mit ähiilichen Maschinen und von einer technisch geschickten Arbeiterbevölkernng, die mit lächerlich niedrigen Löhnen abgefunden wird? Im ersten Augenblick wird nach europäischem Eisen, nach enropäischen Maschinen und einigen anderen Erzeugnissen Enropa's inassenhafte Nachfrage sein; doch nach kurzer Zeit werden diese Produkte von den in Japan und China selbst her- gestellten verdrängt werden. Aber eine andere für die kapitalistischen Völker Enropa's liild Asien's noch viel schlimmere Folge ivird eintreten. In die Vereinigten Staaten von Amerika und Australien sind Chinesen eingeführt worden, um die Löhne der meisten Arbeiter zu drücken. Vor ungefähr 12 Jahren verhandelte die Nationalökonomische Gesellschaft von Paris über die Nothwendigkeit der Einsührulig von Chinesen nach Europa. Dieser Wunsch ver Stationalökonomen steht jetzt vor der Erfüllung. Zu Hunderttansenden und zu Millionen werden die chinesischen Auswanderer nach der 5liiste strömen, sobald die wirthschaftliche Umgestaltung beginnt. Allein vor den Kulis werden die Maaren China's und Japan's in Europa ankommen. Vor ihrer Massenhastigkeit und ihren niedrigen Preisen wird unsere Industrie zusanimenbrechen, wie wir einen Umsturz der Landivirthschast erlebten, als das Getreide aus Indien, Australien lind den Vereinigten Staaten den europäischen Markt überschwemmte. Rußland, unterstützt von Deutschland und Frankreich, die ihren patriotischen Krakehl über den Handelsintereffel, vergesse», ivird sich vielleicht mit England und den Vereinigten Staaten verbünden wollen, die sich bisher noch nicht ein- gemischt haben; aber alle diese Großmächte zusammen werden den Lauf der Ereignisse, die der chinesisch-japanische Krieg entfesselt hat, nicht anfhalten. Dieser Krieg wird die Auflösung der vom Sozialismus durchdrungenen und bedrängten Gesellschaft des Kapitalis« m u s beschleunige n. Glallus. Lesckabinet der„Zeitnngshallc" aus ins Werk gesetzt sein sollten. „Machen alles diese Zeitungsschreiber, diese Glaßbrenner und wie sie sonst heißen," ließ er warnend seine Stimme vernehmen.„Wenn das nur nicht zum bösen ausschlägt! Wenn die Soldaten schießen und Bürgerblut fließen sollte..." „Lassen Sie's doch fließen!" meinte Grams.„Ohne Bliit geh'n solche Geschichten selten ab. Jedenfalls kommen Sie mit nach den Zelten, Nachbar Plüddeinann." Die drei Bekannten schieden von einander. Während Grams nach seinem Bäckerladen schritt, trippelte Herr Plüddemann iu gedrückter Stimmung nach seiner Be- hansnng. Er sollte mit diesen Demokraten hinaus nach den Zelten, den Gendarmen gerade in die Arme? Welcher Unsinn! Er hatte von den Bürgerversaminlnngen gehört, die in der verflosseneli Woche draußen im Thiergarten, außerhalb der Stadtnianer, stattgefunden hatte». Alle Welt sprach von nichts anderem als von diese» Versammlungen, die dem Fastnachtsverguügen der Berliner diesmal einen so merkwürdigen Beigeschmack gegeben hatten. Was wollten denn eigentlich jene Menschen? Was konnte ein Grams, oder ein Fisch, oder er selbst, Gotthold Jakob Plüddemann, zu seinem irdischen Glücke noch ver- langen? War nicht alles aufs schönste geordnet in dieser besten der Welten? Hatte man nicht einen wohleingcrichteten. sorgfältig abgestuften Staat mit einem trefflichen König an der Spitze, mit weisen Röthen und tapferen Soldaten? Und war es nicht recht und billig, daß der ehrbare Bürgers- mann zum Danke sür diese Segnungen dem König in Liebe und Treue diente? Nun sollte das unterste zu oberst gc- kehrt werden— d a s V o l k s o l l t e herrschen, hieß es ans einmal! WaS ivar denn dieses Volk im gründe gc- nommen? Eine leidenschaftliche, begehrliche, kindlich thörichte Masse, eine Gesellschaft von arnien Schluckern, die nichts zu beißen hatten, wenn der Bürger ihnen nicht Arbeit gab oder Volikifche AebevNckk. Berlin, 6. Mai. Anö dem Reichstage. Die zweite Lesung des von unseren Genossen eingebrachten Antrages ans Einführung eines Reichs-Dereins- und Versamnilungsgesetzes nahm heute die ganze Sitzung in Anspruch. Tie Kosten der Debatte trugen dabei in der Hauptsache unsere Abgeordneten, von denen von Elm, Stolle, Zubeil und Bebe" sprachen. Gerade unsere Partei ist es ja, welche unter der reaktionären Anwendung der Vereinsgesetzgebnng besonders zu leiden hat, undszu den zahllosen Fällen chikanöjer Auslegung der bestehenden Gesetze, welche in erster Lesung der Ab geordneie Grillenberger vortrug, brachten heute von Elm Stolle und Zubeil noch reichlichen Nachtrag. Bon Elm kam in seinen Ausführungen besonders auf die Schwierig- keilen zu sprechen, mit denen die Gewerkschaften zu kämpfen baben und koustatirte er dabei die Thatsache, daß die Arbeiter in ihren Lohnkämpfen nicht nur die Polizei, son> dern vor allem auch die Presse aller Parteien— den Freisinn nicht ausgeschlossen— gegen sich haben. Letztere Behauptung wollte nun der Freisinnige L e n z� m a» n nur für einige im Norden erscheinende freisinnige Blätter zugeben, während die freisinnige Partei in ihrer Gesammtheit stets für berechtigte Lohnforderungen der Arbeiter eingetreten ist und dies auch jetzt noch thnt und für die Zukunft thnn wird. Später hieb auch Herr Richter noch in dieselbe Kerbe und zum Beweise seiner„arbeiterfreundlichen" Gesinnung denunzirte der freisinnige Führer sofort den Buchdrucker- Bcrband als sozialdemokratische Organisation und dessen Leiter als sozialdemokratische Führer. Bebel nagelte aus der Stelle diese neueste Blüthe Richter'scher Arbeiter sreundlichkeit fest. Im übrigen wissen die deutschen Arbeiter, was sie von Richter und seinem Freisinn zu halten haben. Daß die Anträge unserer Genossen abgelehnt würden, stand von vornherein fest, weshalb Singer den Entwurf auch zurück zog, nachdem die beiden ersten Para- graphcn gegen die Stimmen der Freisinnigen und unserer Genossen abgelehnt waren. Die Abstimmung über die Wahl des Dr. Böttcher wurde vertagt und für morgen an zweiter Stelle auf die Tagesordnung gesetzt. Tie morgen beginnende zhieite Lesung der Um sturzvorlage wird damit eingeleitet, daß der Vorsitzende der Umsturzkommission und Hauptschreier nach diesem gesetz- lichen Monstrum vor die Thore des Reichstages ge setzt wird. Die Kassation der Wahl des Dr. Böttcher, entsprechend dem Antrage der Wahlprüsungskommission, steht nänilich fest, und alle Quertreibereien seiner Freunde können ihn vor diesem Schicksal nicht retten. Herr Professor Enncccerus hat zwar die Abgeordneten Mit einer 7 Seilen, Groß-Quart, langen Denkschrift heim- gesucht, in der er all' semen Witz ausspielt, um nachzuweisen, daß der Reichstag„schon im eigenen Interesse" die Wahl des Herrn Böttcher nicht kassiren darf. Leider findet die Majorität der Abgeordneten die Gründe des Herrn Pro- fessors nicht so durchschlagend, wie er selbst. Herr Dr. Böttcher ist nur mit einer Stimme Majorität gewählt; es steht aber fest, daß in die Wählerlisten am 21. Tage nach Beginn der Auslegung derselben, noch acht Wähler eingetragen wurde», welche nach Ablauf der Reklamationsfrist erst zugezogen waren. Von diesen zweifel- los zu unrecht in die Listen aufgenommenen acht Wählern haben zwei gewählt, und die niüßten Böttcher ab- gezogen werden. Geschieht dies aber, dann ist die Majorität flöten gegangen. Dieser eine Punkt liegt so klar, daß alles, was Enneccerus in seiner Denkschrift über weitere Beschlüsse der Wahlprüsungs-Komnüssion schreibt, hinfällig und gleichgiltig ist.— Die Stichwahl im 14. württembergischen Reichstags Wahlkreis(Ulm) zwischen dein Wuthschastsparteiler Ehinann und dem Volksparteiler Hähnle findet am Dienstag, den 14. Mai Die Ruhe, i» welcher der erste Mai überall verlausen ist, hat die ehrlichen unter unseren Gegnern geradezu ihnen aus christlicher Barmherzigkeit ein Almosen hinwarf. Wer konnte wohl mit mehr Fug und Recht über diese Dinge reden, als er, der Artnenvorsleher Gotthold Plüddemann? Diese Gesellschaft sollte herrschen? Lächerlich! Kopfschüttelnd setzte sich Herr Plüddemann zu Tisch. Der duftende Pökelbrate», sonst sein Leibgericht, wollte ihm heute gar nicht recht munden, und auch der funkelnde Bordeaux, der vor ihm stand, schien einen bitteren Bei geschmack zu haben. Da saß er nun mutterseelen allein in seinen vier Pfählen und konnte doch seines bescheidenen kleinen Glückes nicht froh werden. Er war seit einem Jahre Wiltwer, zum zweiten Male bereits, und hatte aus keiner seiner beiden Ehen Kinder. Familie— das ist's, was der Mensch zum Glücke braucht; wenn er im übrigen sein Schäfchen im Trockenen hat. Ein hübsches Weibchen mit runden Hüften, und ein paar Kinderchen mit runden Backen..... und diese Menschen schreien nach Freiheit, nach Volksrechten und Gott weiß, wonach sonst noch.... Seitdem Herr Plüddemann den ersten Schmerz über den Tod seiner geliebten Gattin einigermaßen überwunden hatte, sehnte er sich von neuem nach Liebe. Er hatte vor- läufig eine Wirthschaftcrin ins Haus genommen, eine ältere, häßliche Person, von der seinem Herzen keine Gefahr drohte. Wenn er noch einmal wählte, dann sollte es etwas Anuiuthigcs, Junges und Frisches sein— etwas, das ihm Freude und Lust bereitete auf seine alten Tage. Hatte er bei seinen ersten beiden Lebensgefährtinnen anch ein wenig auf äußere Glücksgüter sehen müssen, so konnte er diesmal von solchen Rücksichten Abstand nehmen. Er besaß ein hübsches kleines Baarverniögen, das in Eisenbahnaktien wohl angelegt war und jenes nette Häuschen, in dem er wohnte, und das er, wie er sich anszudrücken pflegte,„seiner Hände Arbeit" verdankte. Er hatte nämlich, bevor er sich selbst zum Privatier beförderte, ein einträg- lichcs Pfandleih- und Trödclgeschäft betrieben. Dieses letztere hatte ihn auch mit den Hofkreisen in gewisse �Be- ziehung gebracht, insofern er durch eine einflußreiche Hinter- lreppenbekanntschaft die ansrangirte Garderobe der könig- lichen Prinzen und Prinzessinnen an sich zu bringen und mit guteni Gewinn zu verwerthen wußte. Schon dieser Umstand war eine gnte Bürgschaft für Herrn Plüddemann'? loyale Gesinnung. Ein zweites, gleichfalls in der Petristraße gelegenes verblüsst. Sie hatten sich einreden lassen, der erste Mai sei von den Sozialisten dazu bestimmt worden, die Brand- fackel in die bürgerliche Gesellschaft zu werfen, das Signal zur Barrikaden- und Tynamit-Revolntion zu geben, oder doch mindestens den„allgemeinen Streik" zu proklamiren Und nun ist von allem dem nichts eingetreten! Man sollte wohl denken, das sei ja schon der s e ch st 1. Mai gewesen, seit Gründung des Weltfeiertags der Arbeit. Allein bisher war die bürgerliche Welt in solcher Angst vor diesem Tage der eingebildeten Schrecknisse, daß sie wie Kinder, die, von irgend einem fremdartigen Geräusch plötzlich aus dem Schlaf geweckt worden sind, die Augen zu kniffen und sich die Decke noch über das Gesicht zogen, so daß sie nichts sahen und hörten, als die grausigen Ausgeburten ihrer Phantasie. In diesem Jahr hat zum ersten Mal � durch das tolle Treiben der Reaktion ge- witzigt— ein Brnchtheilchen, wenigstens des Bürgerthums, die Augen offen behalten, und was sahen sie? Die Arbeiter haben den internationalen Festtag der Arbeit, ihren Festtag, so würdig und in solcher Ord- nung gefeiert, wie die sogenannten gebildeten Klassen bei ihren nationalen Festtagen noch niemals gethan haben. Keine Völlerei, keine Rohheit, kein barbarisches Reuommiren und Schimpsen, wie z. B. bei den jüngsten Orgien in Friedrichsruhe— sondern be- sonnene Zielbewußtheit und Begeisterung für die höchsten Ideale der Menschheit, so daß kein Wort, keine Handlung nicht im Einklang wäre mit dem Edlen und Schönen, das die höchsten Geister unseres Volkes gelehrt haben. Der 1. Mai ist dieses Jahr so gefeiert worden, wie die Arbeiter unter den herrschenden Verhältnissen ihn feiern wollten. Er ist freilich nicht so gefeiert worden, wie die Feinde der Arbeiter es gewünscht oder erwartet hatten. Und größere Massen haben ihn diesmal gefeiert als in früheren Jahren, und größere Massen als dieses Jahr werden den ersten Mai im nächsten Jahr feiern.— Ueber das Schicksal der Umsturzvorlage zu kanne- gießern ist der Gipfel der Thorheit. Ebenso unvernünftig wäre es, im April, während der Barometerstand jede Minute sich ändert, das Wetter auf noch einen Tag voraus- sagen zu wollen. Wir wollen hier aber vor optimistischen Auffassungen warnen. Die Thatsache, daß die Kon- servativen, Freikonservativen und Nationalliberalen sich gegen die Vorlage ausgesprochen, und daß Zentrumsorgane erklärt haben, wenn die Paragraphen des Zentrums nicht angenommen würden, werde es gegen die ganze Vorlage stimmen,— ist von vielen Zeitungen ganz nlsch aufgefaßt worden. Alle diese Parteien sind bereit, einzelne Theile der Vorlage zu bewilligen, jede von ihnen will blos die„Giftzähne" ausziehen, die'ihr gefährlich, aber die belassen, möglichenfalls solche einsetzen, die den anderen Parteien gefährlich sind. Es wird bei den bevor tehenden Debatten sehr verivickelte Abstimmungen mit wechselnden Majoritäten geben, das Endergebniß kann heute 'einer voraussehen, und mehr als je haben wir aus der Hut zu sein.— Protest deutscher Geuieindevertoaltungen gegen die Umsturzvorlage. Vertreter von mehr als 60 Kom- munen— ca. 240 Personen— hatten sich am Sonntag im Hotel Kaiserhof in Berlin versammelt. Die einstimmig an- genonimene Resolution lautete: „Die in Berlin versammelten Mitglieder deutscher kom- irnmaler Körperschaften erblicken in der sogenannten Umsturz- vorläge eine Einschränkung derjenigen Freiheit der öffentlichen Kritik, welche die unembehrliche Voraussetzung einer gesunden Entwickelung des öffentlichen Lebens und insbesondere kommunaler Selbstverwaltung ist. Erfüllt von der Besorgnih, daß die gesetz- gebcrische Zurückdrängung der öffentliche» Kritik auf allen Ge- bieten des staatliche» Lebens den Fortschritt hindern, vielfach die zewerbliche Thätigkeit i» hohem Maße beschränken, die Heilung ozialer Schäden erschweren und damit die Unzufriedenheit vermehre» würde, richtet die Versammlung an den Reichstag das dringende Ersuchen, die Umsturzvorlage in jeder Gestalt äb- lehnen zu wollen." Folgen die Unterschriften der Versammelten. „Dieser Petition haben sich, außer den Anwesenden, Vertreter von 170 Städten und Gemeinden Deutschlands brieflich bezw. telegraphisch angeschlossen." Hierunter befinden sich Kund- gebungen aus Erfurt, Posen, Kolberg, Mainz, Mann- Häuschen, das ihm seine erste Ehegattin hinterlassen hatte, war von Herrn Plüddemann aus Rücksicht aus eine Reputation bald nach dem Tode derselben verkaust ivorden. Es war nämlich eine gewisse Konzessiotl mit jenem Häuschen verbunden, die geeignet schien, das kleine Gebäude sammt seinen Bewohnerinnen bei Leuten von heikler Auffassung in Verruf zu bringen. Die Petristraße >var zu jener Zeit, gleich der„Königsmauer", wegen dieser kleinen Kasernen der Venus berüchtigt, denen so mancher ehrbare Bürgersmann" seinen Wohlstand verdankte. Herr Plüddemann hatte Gelegenheit gefunden, Haus und Kon- Zession„gut" zu verkaufen, und so war nichts mehr einem Ehrgeiz im Wege, der ihn nach höheren Zielen, zu- nächst nach irgend einem städtischen oder kirchlichen Ehren- amt, streben ließ. Herr Plüddemann war, wie man sieht, eine recht gute Partie zu nennen, und es hätte ihm gewiß nicht fehle» können wenn er unter die Schönen des Landes getreten wäre und seine Hand ausgeboten hätte. Allein er hatte bereits etwas gefunden, daß nach seinem Geschmack war: armK zwar, aber jung und hübsch, und von einer Be- scheidenheil und einem sittlichen Ernst, der ihm so ganz zu 'einem eigenen soliden Wesen zu passen schien. Es ivar niemand anders als Lotte Wernicke, die Tochter des Schneider- meisters Mathias Wernicke, � der im oberen Geschoß des Plüddemann'schen Hinterhauses wohnte. Dieses Hinterhaus, das durch einen engen und winkligen Hiff vom Vorderhaus getrennt war, hatte der Vorgänger des jetzigen Besitzers für seineil eigenen großen Haus- tnnd errichtet. Als Gotthold Plüddemann das Haus übernahm, hatte Meister Mathias das Parterre des Vorder- Hanfes inne. Er galt als ein tüchtiger, leistungsfähiger Hand- iverksmeister und hatte bisweilen bis zu fünf Gesellen sitzen. Seit dem Tode semer Gattin jedoch war es mit ihm ab- wärts gegangen, er hatte ans den Vorderräumen in das enge, dumpfe Hinterhaus ziehen müssen. Es that Herrn Zlüddemajm leid, um den braven Meister und seine vier ! übscheu Kinder, aber was war da schließlich zu machen? Da hatte nun, bald nach dem Tode der seligen Frau Plüddemanli, Herr Eotthold die überraschende Entdeckung � cniacht,. daß Lotte Wernicke, die ältere Tochter des Meisters, ini Laufe der Jahre zu einer blühenden Jungfrau I �angewachsen war. Und um dieselbe Zeit war es gleichsam beim,'Halberstadt, Arnstadt, Frankfurt a. M., Baden-Baden, Glatz, Karlsruhe, Kassel, Halle, Gollup, Brieg, Wolgast, Steinau, Slullgart, Slellin, Altona, München, Heidelberg, Offenburg, Schneidewühl, Nordhausen, Brandenburg, Polsdain, Kulmbacd, Freiburg i. Breisgau, Elbing, Nürnberg, Osnabrück, Hagen t. Wests., Koburg,'Eisenach, Gera, Staßfurt, Bunzlau, Annabera, Bremen, Köslin, Spandau, Naumburg a. S., Rudolstadt, Konstanz. Eigenthünilich berührte es in der Versammlung, deren politische Bedeutung wir gerne anerkennen, daß an stelle eines der vielen redegewandten Vertreter des Bürgerthnms der als Gast anwesende Prinz Schönaich-Carolath über die Bedeutung der Umsturzvorlage referirte. Sollte der Prinz als besonderes Paradestück vorgeführt werden oder erhielt er das Wort als künftiger Oberbürgermeister von Berlin? Bekanntlich waren gewisse Kreise nach dem Tode Forcken- becks eifrig bemüht, den Prinzen Schönaich-Carolath zum Oberhaupte Berlins zu machen. Man wollte damit dem Hofe eine genehme Persönlichkeit präsentiren.— Bürgerliche Versammlungen gegen die Umsturz- vorläge wurden unter anderem auch in Dortmund und G ö t t i n g e n abgehalten.— Das preustische Ministerium steht im Vordergrunde der Agitation gegen die Umsturzvorlage. Durch seine Maßregeln gegen die Berliner und andere Stadtverordnetenvcrsammlnngen hat es die Bedeutung der Petitionen dieser Körperschaften wesentlich gesteigert. Von einer Kundgebung der Breslauer Studentenschaft hätte man auch'nicht viel gesprochen, wenn nicht durch eine telegraphische Verfügung des Unterrichtsministers die von den Studenten ausgelegten Listen zur Unterzeichnung einer Petition gegen die Umsturzvorlage beschlagnahmt worden wären.—» Friedrich„der Große" und das Nmsturzgesetz— be- titelt sich ein Aufsatz des„Hamburger Echo", der eine Blumen- lese von umstürzlerischen Süllen aus den Schriften des„allen Fritz" giebt. Die Sammlung könnte mit Leichtigkeit verzehnfacht werden. Denn schriftstellerisch wie auch politisch hat es nie einen größeren Umstürzler gegeben, als den Gründer des modernen preußischen Staates und den amtlich approbirtcn Erfinder des„friedericianischen Geistes", welcher »ach amtlicher Versicherung auch heute noch der— allerdings sehr problematische—„Geist" der preußischen Politik ist. Die ganze Regierung des alten Fritz war eine lange Kette, von der jedes Glied ein Umsturz. Und nun gar, was der„Atheist auf dein Königsthron" an Religionsschmähungen verbrochen hat! Auch das neu aufgewärmte:„Wer aus Gott vertraut unb feste um sich haut" war ein Lieblingsspruch des „verhärteten Heiden", freilich einer der sanftesten. Einige kräf- tigere werden wohl die bevorstehenden Umsturzdebatten er» heitern.— Tie Tchiiapöbrenner sind die Edelsten und Besten der Nation. Ihr staatserkaltendes Wirken wird durch die folgende Mittheilung trefflich illustrirt: Steuerdefraudationen der Brenner. Die Sympathien für das Gewerbe der Branntweinsteuer werden nicht gerade vermehrt durch eine Statistik ihrer Stenerhinterziehnngen, die in der Zeitschrift des„Deutschen Vereins gegen den Miß- brauch geistiger Getränke" veröffentlicht wird. Wegen dieses Ver- gehens sind im Branntweinsteuergebiet von 1830/81—93/94 nicht weniger als 4763 Verurlheiluiigen erfolgt, darunter 48 zu Frei- heitsslrafen; wegen bloßer Ordnungswidrigkeiten haben 17 764 Ver- nrtheilungen stattgefunden. Die hinlerzogenen Steuerbeträge belieken Ich ans 1090019 M.,dieDefraudationsstrafe» mifol/�MillioiieiiM., Sie Ordnungsstrafen aus1/« Million M. Die allermeisten dieser Ver- gehen und Bestrafungen entfallen auf Ostdeutschland; allein in den vier Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen unv Schienen uid in den 14 genannten Jahren 4366 Verurtheilungen und Geldstrafen im Gesammtbetrage von 4V< Millionen Mark erfolgt, die hinterz ogenen Steuerbeträge beliefen sich auf 300 000 M.— Znr Beschränkung der Lehrfreiheit an deutschen tniversitätc». Einiges Licht auf die Hintergedanken der- enigen, ivelche der Regierung bei ihrem Vorgehen gegen unfern Genossen Arons Beifall klatschen, wirft ein etwas unbedachter Stoßseufzer der„Elberfelder Zeitung". An- knüpfend an unsere Mittheilung, daß Dr. Arons vor drei Jahren zum außerordentlichen Professor vorgeschlagen war, chreibt das Blatt: „Das hätte auch gerade noch gefehlt, daß ausgesprochene Sozialdemokraten zu Universitätsprofefforen gemacht werden. Man hat an den Kathedersozialisten schon vollauf genug." Noch Keffer macht es das Baare-Blatt, die„Rheinisch- Westfälische Zeitung"; sie schließt einen von Schmähungen wie von selbst geschehen, daß der alte Herr— wenn man einen wohlkonservirtcn Fünfziger so nennen darf— sich in das chlanke, wohlgewacksene Mädchen mit den großen, dunklen Augen und dem üppigen, braunen Haar bis über die Ohren verliebte. Noch niemals hatte Gotthold ein Gefühl von solcher Stärke für ein weibliches Wesen empfunden. Sein Inneres gerieth förmlich in Aufregung beim Anblicke des jungen Mädchens, das er den ganzen Tag vor Augen hatte, ohne doch bisher eine mehr als oberflächliche Annäherung be- werkstelligen zu können. Er konnte von seiner im ersten Stockwerke des Vorder- Hauses gelegenen Wohnung ans täglich und stündlich das Treiben der Familie Wernicke beobachten. Zur Zeit des Vor- besitzers waren die beiden Wohnungen zu einer einzigen vereinigt gewesen, wie eine schmale Verbindungstreppe bewies, die gleich einer Brücke von dem Hinterzimmer der Borderwobmmg quer über den Hof nach der tiefer ge- ' egenen Wernicke'schen Wohnung hinüberführte. Die Zugänge der Treppe waren jetzt verrammelt, doch war es Frau Muckenich, der Wirthschaftcrin des Herrn Plüddemann, bereits aufgefallen, daß der Herr Vorsteher seit einiger Zeit jenes Hinterzimmer zu seinem Schlaf- und Arbeitsraum gewählt hatte, während er ihr selbst statt desselben das kleinere der beiden Äordcrzimmer angewiesen hatte. Ter Tausch wäre für Frau Muckenich gar nicht so übel gewesen, wenn da nicht im Hintergründe gewiffe Pläne gelauert hätten— schwarze, pechschwarze Pläne, die Frau Muckenich nur zu bald errathen hatte, und die ihr ehrbares Wittwcn- herz aufs allerbitterste betrübten. Herr Plüddemann hatte sich nach dem Mittagsmahl in das Hinterzimmer zurückgezogen, um„ein halbes Stündchen zu ruhen", wie er Frau Muckenich>m Vorüber- gehen eröffnete. „Die Ruhe kennen wir," knurrte die würdige Dame in sich hinein, während sie das Eßgeschirr abräumte und ihrem Herrn und Gebieter einen grimmigen Blick nach- andte.„Nicht'mal das Essen schmeckt ihm mehr— so bat die schwarze Hexe es ihm angethan. Ein gelb- schnäbeliges Ding, das kaum die Kinderschuhe vertreten bat, und ein armseliges Schneidcrmädel dazu! He, bc! Wie man nur so wenig auf seine Reputation geben kann!* (Fortsetzung fVgt.) vub Lügen strotzenden Artikel gegen Arous mit den' Morien: Unseres Ernchtens ist das Wort von der Lehrfreikieit an Universitäten ein ziemlich leeres. Thatsächlich besteht diese Lehr- freiheit darin, dast die in der betreffenden Fakultät herrschende politische, wirthschaslljche, wissenschaftliche Richtung immer nur Kandidaten ihrerFarbe vorscblägt. So erben sich auf den Universitäten die romanistischen oder germanistischen Juristen, die historischen oder theoretischen oder sozialistischen Nationalökonomen u. s. w. wie eine ewige Krankheil fort. Wer nicht zur Schule gehört, wird ausgestoßen, wer aber zur Schule gehört— und stände auch seine wissenschaflliche Leistung auf der Höhe derjenigen des Dr. Zlrons— wird, wenn auch nicht geachtet, so doch geduldet. Wäre hier schon ein gelegentliches Durchgreifen der Staats- regierung zu wünschen, so muß umso mehr betont werden, daß eine staatliche und gesellschaftliche Qualifikation für die Lehrer und Erzieher der Söhne der führenden Klassen durchaus noth- wendig ist. Das ist deutlich. Zum„Fall 3lton3". Ergötzlich ist es häufig, gleichzeitige Urlbeile verschiedener Parteirichlungen über die nämliche Perion zusammenzustellen. So schilderte z. B. die„Rheinisch- Westsälische Zeitung" vom Z. Mai unfern Genossen Arons als einen„sogenannten Repräsentations-Tozenten", der„zu der zahl- reichen Klaffe derjenigen vermögenden Leute gehöre, welche wegen irgend einer mehr- oder minderwerlhigen Arbeit an einer Uni- vcrfilät sich habilitiren, um auf ihren' Visitenkarten das Wort „Privatdozent an der X-Universität" anbringen zu können und sich so eine gesellschaftliche Stellung zu erobern. Herr Dr. Arons, der eine wissenschaflliche Null allerersten Ranges ist, gehört aus diese Weise der Friedrich- Wilhelms- Universität unserer Reichs- Hauptstadt an." Dagegen bezeichnet ihn im Abendblatt vom 4. Mai die„Volks- Zeitung" als einen„hervorragenden Physiker", und meint, er sei einer der fähigsten Schüler des großen Physikers Kundt, ein Ge- lebrter, dessen Arbeiten in den Veröffentlichungen der Berliner Akademie der Wissenschaften der deutschen Wissenschast zur Ehre gereichen, dessen Erfindungen in der physikalischen Reichsanstalt nutzbar gemacht werde». Für einen sachgemäßen Austrag der wichtigen Frage, welche dem Fall Arons zu gründe liegt, wäre es wünschcnswerth, daß alles persönliche, sowohl die unbegründeten Schmähungen wie die unverdienten Lobeserhebungen bei seile gelassen würden. Daß die letzteren auf unzutreffenden Voraussetzungen oder Mißver- ständnissen beruhen, lheilt uns Genosse Dr. Arons selbst mit.— Aus den Ferienkolonien. In dcni in Bamberg liegen- den 5. Infanterie-Regiment sind zahlreiche Erkrankungen vor« gekommen. Ueber die Ursachen derselben liegen die folgenden, offiziös abgeschwächten Mittheilungen vor: Eine Quantität Mehl aus der Jngolstädtcr militär-ärarialischcn Mühle scheint in etwas verdorbenem Zustande hier zur Verwendung gelangt zn sein und schädlich gewirkt zu haben; es sind davon Erkrankungen leichter Art bei etwa 60 Mann festgestellt und die erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden. Zur Währnngöfrage. Nicht eine Eiuladungsschrift an die auswärtigen Negierungen zur Theilnahme an einer internationalen Münzkonscrenz ist zur Vorlegung an den Bundesrath fertig gestellt, sondern der Reichskanzler hat. wie die„Voss. Ztg." er- fährt, die deutschen Regierungen aufgefordert, sich darüber zu äußern, ob, entsprechend seiner Erklärung vom IS. Dezember 1894, eine Münzkonferenz berufen werden soll, um zu prüfen, ob Maßregeln gegen den zunehmenden Werthunterschied zwischen Gold und Silber möglich sind,„ohne unserer Reichsregierung zu präjudiziren".— CTnvI Bogt f. Gestern, den 5. Mai, starb in Genf 78 Jahre alt, Carl V o gt, der auf naturwissenschaftlichem Gebiet, theils als Forscher, theils— und hauptsächlich— als Verbreiter des von größeren Forschern Gewonnenen Tiichtiges, in einigen» Bedeutendes leistete, auf politischem Gebiet aber, wo er sich von 1848 bis in die LOer Jahre versuchte, wenig Lorbeeren geerntct hat. Nachdem er im . Frankfurter Parlament und später im Rumpfparlament sehr viele Reden gehalten und als„Reichsregent" dem Kanipf für die Reichsvcrfassung sorgfältig aus dem Weg gegangen war, lebte er längere Zeit als Flüchtling im Ausland. Nach dem Sturz der französischen Republik gericth er in die korrupte Athmosphäre des französischen Kaiserreichs, ließ sich vom„Rothen Prinzen'(„iplonplon"), der demokratische Gimpel für die Dynastie Bonaparte einfing, zu allerhand Dingen gebrauchen, worüber das nähere nachzulesen in der trefflichen Streitschrift von Marx:„Herr Bogt". In späteren Zeiten scheint er von den imperialistischen Wand- lungen zurückgekommen zu sein.— Die Volksabstimmung nach belgischem Muster, die von unseren Wiener Genoffen anläßlich der morgen stattfindenden Nachwahl im HI. Wiener Wahlbezirke geplant»var, ist von der Polizei untersagt»vorden. Die„Wiener Arbeiter- Zeitung" er- liart aber, daß dieselbe trotzdem staltfinden wird.— Tie„ngarische Ministcrkrisis und die des Mi- nisters d e s A u s n? ä r t i g e n scheint nach gegenseitigen Er- klärnngen der betheiligten Staatsinänner gütlich beigelegt zu sein.— Ein Opfer des Spitzelauarchismus. Die Leser des „Vorwärts" erinnern sich des sogenannten„W a l s a I l- K o m- p l o t l z"(in England), das vor drei Jahren viel Staub aufivirbelte. Es wurden Bomben gemacht und entdeckt unter Uinstanden, die uns sofort klar machten, daß wir bestellte Arbeit vor uns hatten. Der Prozeß ergab die Richtigkeit unserer Ver- muthung. Das Haupt der„Verschwörung", ein gewisser Coulon, der„revolutionärste" der Revolutionäre", entpuppte sich als Agent der französischen und englischen Polizei(speziell des Londoner internationalen Oberpolizeispitzels Melville); der Biedermann verduftete aber, als die Sache für ihn und seine Brotgeber brenzlich wurde, und die Polizei hat ihn auch nicht gesucht. Drei der Gutmüthige», die sich von Coulon hatten vas- führe», lassen, wurden zu längeren Gefängnißftrafen verurtheilt, der Sozialist Charles, ein ehrlicher, jedoch nicht allzuiveltkluger Arbeiter, zu 10 Jahre», von denen er noch 7 Jahre zu verbüßen hat. Ein ehemaliger Londoner Detektive, Mr. Mac Jnlyre, der zur Zeit des Walsall-Koinplottes in Dienst war, veröffentlichte vor kurzem in„Reynold's Newspaper" einiges ans seinen Er- lebnissen, namentlich auch über Coulon und dessen Thäiigkeit. An diese Enthüllungen anknüpfend, verlangt die„Justice" jetzt die sofortige Freilassung des unglücklichen Charles; und die englische Regierung wird, nach der Beichte ihres Ex-Beamte» Mac Jnlyre. kaum umhin könne», diese selbstverständliche Forderung zu erfüllen.— Zum Fall Giolittl. Die Begründung in dem Kassations- urtheil Giolitti»vird soeben veröffentlicht; sie ist geradezu ver- nichtend für Crispi, ihr Hauptsatz lautet»vörtlich:„Koni- Petent, über diese Frage der Moralität, die ja in der Kammer entstanden ist(uaba nelln Caininera), z» diskutiren, ist allein die Wahl-Autorität,»velcher das Land seine Ehre, seine Güter, sein 'Blut anvertraut bat; und also kommt es allein dem Parlament zu, hierin das entscheidende Wort ansz,»sprechen." Man denke sich das Gesicht Crispi's, der eben dies Par- lament mit Fußtritten nach Hause gejagt hat.— Rußland. Man schreibt uns aus Petersburg: Tie Ictzlen Vorfälle in unserem„heiligen" Rußland, wie die Entlassung der besten Prosessoren an der Moskauer und Petersburger Uni'verfität, die Verhaftung mehrerer Militär-� Personen, die hiesigen Februarunrnhen und das bcab- sichligte Schuwalow-Altentat, zeigen zur geuLge, daß einerseits der Tespotismiis, der Mörder eines jeden menschllcheil Gedankens augenblicklich mit voller Kraft und Macht die heiße» Strahlen der komniendeii„lichtangenholden neuen Zeit" zu unterdrücken ver- sucht, andererseits wieder die Unzufriedenheit, die langsam aber sicher zur hellen Gluth entfacht. Wenn auch die ganze Vureaukratie, vom Mimsterrath, wie Du r n o w o, M u r a w jo w, General Nowitzki w. bis zum letzte» Lalldgendarm, in beuch- lerischer Ergebenheit und Unterthänigkeit Jlingväterchen Nikolans II. zu schützen versuchen— unisonst. Das Volk streift langsam seinen Knechtsinn ab, und das ist nicht mit Bajonetten, Cchlüsselburgskerker(bei Petersburg) und den Bergwerken in Sibirien zu verhindern. Tie Angriffe auf die bestehende Staats- ordnung werden immer heftiger und häufiger. Heute bin ich im stände, in dieser Hinsicht folgendes mitzulheilen. Dem Einwohner des Torfes Nowaja Rndna der Kurnenskiscken Gemeinde, Friedrich Werner, wurden von dem Pristaw(Polizei- beamlen) des 3. Staus(Distrikts) Broschüren, Jour- nale und Handschriften in deutscher Sprache abge- nonimen und dem Nowograd-Wolynskischen Jsprawnik(Unter- snchlingsrichter) mit dem Bemerken übergeben, daß Werner diese Schriften aus Teutschland erhalte und unter den Kolonisten ver- breite. Die Broschüren und Handschriften wurden dem Schitomir'schen Erzdischof zur Begutachtung übergeben, welcher den Gouverneur ersuchte, die Verfügung zu treffen, alle derartigen Broschüren:c. bei den Kolonisten wegzunehmen. Zugleich legte der Erzbischos folgenden Bericht des Aichimandriten S osronji über den In- halt lind die Richtung dieser Schriften vor: „Bezügliche Broschüren und Briefe tragen den Charakter eines sehr schädlichen Slundismus, und wie ans den Briefen ersichtlich, versendet man dieselben nach allen Orten Rußlands. I» allen diesen, von den Denlschen a» die russischen Slundisleil gerichteten Briefen beschwören erstere die letzteren, ruhig alle Verfolgungen der russischen Regierung zu ertragen.... Diese Schreiben dienen zur Versührung des russischen Volkes. Sie sind sowohl für die rechtgläubige Religion als auch für die Regierung selb st änßttst gefährlich.... Ihr Ziel ist nicht nur die Be- kehruug des russischen Volkes zum Slundismus, sondern auch die Erschütterung der Grundlagen des Reiches s e l b st."— Nussifizirnngs-Maßregelu im Königreiche Polen. Unter der polnischen Bevölkerung soll nach einer dem„Lokal-Anzeigcr" zugegangenen Mittheilling aus Warschau wegen der beabsich- rigte» Schließung der polnischei» Lehranstalten große Erregung herrschen.— Franeustndinm in Rußland. Der russische Reichsrath prüfte am Sonnabend den Gesetzentwurf für die Errichtung höherer medizinischer Kurse für Fraucu in Petersburg und nahni denselben der„Nowoje Wremja" zufolge sympathisch auf. Die Existenz des Instituts ist durch private Mittel sicher gestellt.— Bulgarisches. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Sofia vom 4. d. M. gemeldet: In Vranja fanden Zusammen st öße der Parteien statt, bei welchen eine Person getödtet und mehrere verwundO wurden. Der Bürgermeister, der zugleich liberaler Teputirter ist, telegraphirte an den Prinzen Ferdinand, daß die Polizei die Verh.afteten im Gefängniß miß- handle und, mit Partei-Umtriebe» beschäftigt,»hre Aufgabe nicht erfülle. Wenn nicht Abhilfe geschaffen werde, würden die Bürger die Waffen ergreifen, um ihre Rechte zu vertheidigen. Der Bürgermeister wurde seines Amtes entsetzt.— Der Aufstand in Euba wird in Madrider Depeschen als fast erloschen bezeichnet. Glauben verdienen diese Nachrichten nicht.— Nicaragua. Ein Telegramm aus Corinto meldet, daß Ni- caragua das britische Ultimatum angenommen und die englische Flotte heute den Hafen verlassen hat. Für England dürfte der politische Erfolg so manchen kommerziellen Nachlheil im Gefolge haben, wie die folgende Mittheiluug vermuthen läßt: Alle zentral- amerikanischen und niehrere südamerikanische Staaten haben in Telegramme» an den Präsidenten Zelaya eine kommerzielle Union gegen englische Waaren und Schiffe angeregt und vorgeschlagen, daß die von England geforderte Entschädigung innerhalb 14 Tage» in London unter Protest gezahlt und im übrigen das Ultimatum Englands einem Schiedsgericht unterbreitet werde.— Die Japaner haben auf den, im Friedensvertrag ihnen zugesicherten Besitz der Halbinsel Liaothing verzichtet. Port Arthur, das die Halbinsel beherrscht, und voui Festland durch einen Meerarm getrennt ist, behalten sie aber, ,»id dadurch wird dieses Zugeständniß praktisch vollständig iverthlos. Wie es scheint, werden die Mächte des„neuen Dreibundes" sich damit begnügen. Diese„Lösung" war gleich zu Anfang von den englischen Zeitungen empfohlen worden, wir dürfen also an- nehmen, daß sie in Uebereinstimmung mit der englischen Re- gierung erfolgt. Wir wollen abwarten, was der„neue Dreibund" ni», thut— ob er sich zufrieden giebt oder ob Rußland seine Gefolgschaft in einen Krieg verwickeln will, den selber und allein zu führen es nicht in, stände ist.— Formosa. Wie das„Reuter'sche Bureau" aus Hongkong meldet, ist die Lage auf Formosa ernst. Mannschaften aus- ländischer Kriegsschiffe sind in Anpeng gelandet, um die fremden Ortsansässigen zu schützen. Die britischen Matrosen patroulliren im Hafen von Takao in bewaffneten Booten. Die Schwarz- flaggen sind sehr unruhig; es werden ernstliche Ruhestörungen befürchtet.— Peiffehtcidii'idjfim. Auffordertiug? Die zur Vertheilimg gelangten 80600 Flug- blättcr, das Fr a u e n- W a h l r e ch t betreffend, haben bei weitem nicht hingereicht, daß alle Wünsche hätten berücksichtigt werden können. Es muß deshalb in uächstcr Zeit eine Neu- Auflage des Flugblattes veranstaltet werden. Damit diese i» der erforderlichen Höhe hergestellt wird, ersucht die Unter- zeichnete die 5treis-Vertrauenspersonen, sowie die Genossinnen, die die Vertheilung der Flugblätter übernehmen wollen, ihr möglichst bald mitzutheilen, wieviel Exemplare des Flugblattes sie für ihren Kreis oder Ort benöthigen. Frau v. Hosstetten, Berlin, Luisen-Ufer 46, parterre. »» Bon der Agitation. Im Wahlkreise Görlitz-Laub an habe» die Parteigenossen, wie uns von dort geschrieben wird, 90 000 Exemplare eines Flugblattes verbreitet,»vorin das herrschende politische System, iliebesondere die reaktionären Bestrebungen und das Verhallen der Mehrheitsparteien des Kreises Görlitz-Lauban kritisirt worden. Versamm- lungen in diesem ausgedehnten Landkreise abzuhalten ist wegen der Furcht der Lokalinhabcr vor den„maßgebenden" Persönlichkeiten äußerst erschwert, weshalb die Verbreitung von Flugblättern Ze. noch größeren Werth hat, als es sonst der Fall ist. Trotz der Hinderniffe, die nian ims natürlich auch hierin bereitet, geht die Bewegung doch vorwärts, was auch von allen Delegirte» der zu Ostern abgehaltenen Wahlkreis-Konferenz be- richtet werden konnte. In Apolda hielt am Sonnabend Bebel zu gunsten der Wahl Baudert's eine allgemeine Wählerversamm- lung ab, die in der städtischen Turnhalle stattfand und so zahlreich besucht war, daß viele Hundert Wähler keinen Platz mehr fanden. Nachträgliches über die Mälseier. In Freiburg i.V. war die Zahl derjenigen, die die Arbeit ruhen ließen, im Ver- hältuiß zur Größe der Stadt gering, aber dennoch bedeutender als im vergangenen Jahre. Die Hauptseier am Abend war dagegen außer- ordentlich stark besucht. Die Festrede hielt der Schriftsteller I a e k h aus Mülhausen E. Die Maifestblätter wurden diesmal sämmt- lich abgesetzt, was früher nie der Fall war. Die Begeisterung unter den Festtheilnehmern war groß. Seltsamerweise war die bei Arbeilerfesten an stch überflüssige Polizei noch besonders zahlreich aufgeboten.— I» Gießen wurde der 1. Mai durch die Abbaltung einer Bolksversammlung gefeiert, die gut besucht war und nach einem Referat des Parteigenossen G. O r b i g ein- stimmig eine Resolution für den Achtstundentag annahm, worin zugleich gegen die Umsturzvorlage Protest erhoben wird.— Am Sonntag war Nachfeier.— Die Feier in R u d o l st a d t war am I. Mai von über 200 Personen besucht. Arthur Hos- mann aus Saalfeld referirte. Die Nachfeier ist Sonntag, den 12. Mai.— In Mühlhausen i. Th. war die Stadtverwal- tung ersucht worden, einen Zuschuß zur Maifeier zu bewilligen und zu gestatten, daß sie in der Gymnasial-Tlirnhalle abgehalten werde. Aber der Magistrat jener Stadt hat's den verflixten Rothen gut gegeben. Er schrieb unserm Genossen Aenstergerling kurz und bündig:„Ans Ihren Antrag vom 18./20. April er- öffnen wir Ihnen, daß es nicht zur Aufgabe der Gemeinden gehört, politische Parteien mit Geld zu unterstützen oder ihnen Lokale für ihre öffentlichen Versammlmigen zur Vcrfüglnig zu stellen. Wir lehnen daher Ihren Antrag je. je. ab." Ein zweites Gesuch, worin um die Genehmigung zu einem„Umzüge mit Musik" eingekommen worden war, fand begreiflicherweise ebensowenig Gnade; den Grund zur Ablehnung mußte hier die Behauptung abgeben, durch den Aufzug sei eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu besorgen. Daß aber die Maifeier in Mühlhausen auch ohne Umzug imposant ausfiel, hat der Magistrat nicht verhindern können. In der Vormittagsversamm- luug waren immerhin 40 Personen erschiene», was bei den un- günstigen wirthschastlichen Verhältnissen für eine kleine Stadt eine ganz achtungswerthe Ziffer ist; aber nachmittags und abends steigerte sich diese Zahl aus rund 800, was für Mühlhausen eine hervorragend gute Belheiligirng bedeutet. Alles ist gut ver- laufen.— Auch in Salza bei Nordhausen ist die Mai- seier den örtlichen Verhältnissen entsprechend befriedigend ausgefallen.— Ebenso in Metz in Elsaß- Lothringen. Dort Halle die Polizei den„Volkssreund", den„Wahren Jakob" und sonstige sozialistische Lektüre, deren sie habhaft werden konnte, konfiszirt. Aber alles hat nichts genützt. Das Weltfest der Arbeit wurde nur mit um so größerer Begeisterung gefeiert.— In Aachen war die Volksversammlung an, 1. Mai so zahlreich besucht, daß schon lange vor ihrer Eröffnung der Saal polizeilich abgesperrt werden mußte. Hunderte fanden keinen Einlaß. Alle Arbeiter waren in Festtagskleidung erschienen. Wenn wir auch — schreibt man uns— noch nicht im stände waren, an unserem Wellfeiertage die Arbeit ruhen zu lassen, so ist die Zeit doch nicht mehr fern, wo wir uns diese erkämpft haben werden.— Nach der M a i n u m m e r des„W ahren Jakob" wurde am Sonnabend in Stuttgart in den Räumen der I. H. W. Dietz'schen Buchhandlung eifrigst von der Polizei ge- fahndet. Die heilige Herniandad hatte jedoch kein Glück. Ebenso wenig in S t e t t i n, wo sie in den Herstellungsräumlichkeiten des„Volksboten" beim Suchen nach dem„Wahren Jakob" und nach dem„Süddeutschen Postillon" auch nicht ein einziges Exemplar erwischte. Der Geschäftsführer hatte übrigens in Ab- Wesenheit des Besitzers des„Volksboten", des Reichstags- Ab- geordneten Herbert, gegen die Haussuchung protestirt, da Herbert durch seine Jminnnität als Abgeordneter auch gegen Maßnahmen solcher Art geschützt sei, � die Polizei kehrte sich aber nicht daran. Der Militärbohkott ist in D r e s d e n über die Lokalitäten der Waldscklößchen-Brauerei, in Gotha über den Gasthof zum Anker verhängt worden. Die Arbeiter haben dort den 1. Mai gefeiert. *• » Ju Bilbao ,'n Spanien ivaren die Mitglieder des sozialisti- schen Komitees verhaftet worden, als die Bergleute eines be- nacbbarten Bezirkes die Arbeit niedergelegt hatte». Jetzt sind die Verhafteten wieder in Freiheit gesetzt worden. Wahrscheinlich war die Verhastlmg der reine Willkürakt, der nur geschah, un» die Bergleute der agitatorischen Hilfe verlustig zu machen, der kämpfendeii Arbeitern überall von der Sozialdemokratie zu theil ivird. In den Bergwerken herrscht nämlich jetzt„vollkommene Ruhe". Danach hätte die Fortdauer der Haft ja auch keinen Zweck mehr. Uebrigens wäre es unrecht, eine solche polizeiliche Praktik als etwas spezifisch Spanisches zu charakterisiren. Sie ist auch in vielen anderen„Kulturländern" nichts Neues. Polizeiliches, Gerichtliches ie. — Eingestellt ist das Strafverfahren, das gegen niehrere Parteigenoffen im Kreise Schwedt wegen Verbreitung des Flugblattes„Sklaverei in Deutschland oder die Rechtlosig- keit des Gesindes und der ländlichen Arbeiter" eingeleitet worden war. — Der„Bremer Kourier" hat vor längerer Zeit einen Ar- tikel des„Hamburger Fremdenblattes" veröffentlicht, worin dem früheren Geschäftsführer der„Bremer Bürgerzeitimg", Alois D o u t i n ä, der Vorwurf gemacht wurde, er hätte die Geschäfts- buch er in einem wahrhaft chaotischen Zustand zurückgelassen und unter anderem 1300—1800 Abonnenten nicht gebucht. Doutinö klagte gegen den Vertreter des„BremerKollriers",Ordemann,unddie Sache kam nun vor dem bremischen Schöffengericht zur Verhandlung. Die Zeugenvernehmung ergab, daß die in dem inkriminirten Artikel aiifgestellleii Behauptungen sämmtlich auf Unwahrheit beruhten. Der Vcrtheidiger Ordemann's mußte selbst zugeben, daß nach der Beweiserhebung sein Klient zu bestrafen sei, doch bat er mildernde Umstände walten zu lassen, da Ordemann sich auf das„Hamburger Fremdenblatt" und auch auf ein hier kursirendes Gerücht verlassen habe. Das Gericht verurtheilte Ordemann in eine Strafe von 2ö0 M., event. 25 Tage Hast. Außerdem hat Ordemann die Kosten des Berfahreils zu tragen. Dem Kläger wird das Recht zugesprochen, das Urlheil auf Kosten des Beklagten in der„Bürger-Zeitung", dem„Bremer Kourier" und dem„Hamburger Fremdenblatt" zu veröffentlichen. In seiner Urtheilsbegründung hob der Richter hervor, daß die Ver- Handlung ergeben habe, daß auch nicht ein Schimmer von den über Donlins aufgestellten Bebauptungen wahr sei, uud daß Kläger i» seiner Ehre tief gekränkt und in seinem weiteren Fort» konimen hätte behindert werden können. — In F r a n k e„ h a u s e n in Schwarzburg-Rudolstadt hat der Bürgermeister eine für den 14. April von unserem Ver- trauensmann einberufene Volksversammlung auf grund von Z 8 des Vereinegesetzes verboten. Dieser Paragraph handelt nur von Bereinen. Danach scheint man dort die Sozialdemokratie jetzt als einen geschlossenen Verein z» betrachten. Diese Vermuthung wird einigermaßen durch die Thatsache bestätigt, daß der Ver- trauensmann F. Winter, welcher im Januar d. I. über Ein- nähme und Ausgabe der Parteigelder in öffentlicher Versamm- lung Bericht erstattete, wie auch der Vorsitzende dieser Ver- sammlung, A. Böttcher, bereits zu Protokoll vernoiiiinen worden sind. — Sächsisches. Der Parteigenosse M ä n n e l in Ellefeld sollte, wie die„Leipziger Volkszeitung" berichtet, durch Nichlanmeldung einer Versammlung, die gar nicht statt- gefunden hatte, das Vereins- und Versammluiigsrecht übertreten haben. Das Schöffengericht Falkenstein, vor dem er die angeb- liche Uebertretung rechtjertigen sollte, erkannte aber auf Frei» sprechung. — Redakteur Geiger von der„Schwab. Tagwacht" wurde vom Stuttgarter Landgericht wegen Beleidigmig der Gemeinde-Kollegien in Wangen zu 30 M Geldstrafe verurtheilt. In einem Artikel der„Schwab. Tagwacht" war die Bürger- Ansschußwcchl in Wangen besprochen und an die Mittheilung der Thalsache, dag dabei 5 Sozialdemokraten gewählt worden waren, die Bemerkung geknüpft, die Bürgericl)aft habe endlich die„Vetterles-Wirthschaft" auf dem Ralhhause satt. In dieser Bezeichnung fand das Gericht die Beleidigung, trotzdem der Beweis geliefert worden war, daß in Wangen bisher alle Ge- meinderaths- und Bürger-Ausschußmitglieder bis ans zwei Aus- nahmen mit einander verwandt und verschwägert waren. Soztale ZUebevstchkt Was eine Preissteigerung des Pctrolcnms ausmacht, schreibt die„Deutsche Warle", das kann sich der Laie kaum vor- stelle». Das Deutsche Reich verbrauchte nach amtlichen Quellen im Jahre 1893 764 944 609 Kilogramm Petroleum. Eine Steigerung von 3 M. per Zentner macht auf dieses Quantum den Mehrbetrag von 45 896 649 M. aus, und die Preiserhöhung von einem einzige» Pfennig pro Liter ergiebt eine Mehrbelastung von 19 Millionen Mark. Nun ist der Petroleumpreis schon um 15 Pf. pro Liter gestiegen, und wenn er wie 1876 von 11 auf 34 M. pro Zentner gesteigert würde, so ergäbe das eine Mehr- ausgäbe von 399 Millionen Mark für Deutschland. Und diese schandbare Ausräuberei des Volkes ist nach der- , selben„Ordnung" rechtens, die durch die Umsturzvorlage ge- schützt werden soll. Fürwahr, die Ordnung und die Vorlage sind einander iverth! Krankenversicherung. Der Kranken-Unterstützungsknsse der Zimmerer der Sladt Kiel(E. H.), der Hilfskasse vereinigler Schiffer aus Stadt und Dorf Alsleben, Murren a und Beesen- laublingen, der Holzhauer-Krankenkasse(E. H.) in Friedrichsroda, ?der Kranken- und Sterbekasse des Breslauer Hnndlungsdiener- Instituts(E. H.), der Kranken- Unterstützungslasse„Bornheim" (E. H.) in Frankfurt a. M. und der Kranken- und Slerbekasse für Handivirker der Bürgermeisterei Langenberg ist auf arund des g 75a des Krankcnversicherungs- Gesetzes vom preußische» Handelsministerium die Bescheinigung ertheilt worden, daß sie. vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 a a. a. O. genügen. Nnßcrgetvöhnlich krasse Zlnsbentung von Kinderu wird der Direktion des Mainzer S t a d t l h e a t e r s von den dortigen„Neuesten Nachrichten" nachgesagt. Verschiedene Mütter nrit ihren Sprößlingen fanden sich auf dem Redaktionsburean jenes Blattes ein und deponirte» folgendes: Gestern Nachmittag saud im Theater die Auszahlung des Honorars statt, das die Kinder für die Mitwirkungen in 13 Vornellungen(Carmen. Hannele, Trompeter von Cäkkingen, Schlicrseer Bauern Ensemble w) zu beanspruche» hatten. Die Kostüme mußten sich die Kinder selbst stelle». Die Direktion zahlte für sä m m t- lrche 13 Vorstelt ringen jedem Kinde 29 Pf., sage und schreibe: Zwanzig Pfennige! Demnach IVe Pf. pro Vorstellung. Selbst die bürgerliche Presse meint, daß wenn sich die Sache wirklich so verhielte, die Handlungsweise der Direktion allerdings unerhört wäre. Die Wurstfabrikaute» Deutschlands hielten dieser Tage irr Gotha eine Versammlung ab, von der sie vorsichtigerweise die Berichterstattung der Presse ausgeschlossen hatten, was sicher- lich tief blicke» läßt. Den Gothaer„Neuesten Nachrichten" ist es aber doch gelungen, zu erfahren, was die Herren Wurstfabrikantei sich zu sagen hatten. Danach war hauptsächlichster Zweck der Versammlung, Stellung gegen die Färbung der Dauer- rv u r st zu nehmen. Alle Redner bekannten sich als Gegner des färbens, meinten aber, das Publikum erblicke in der rothe» arbe der Wurst das Merkmal einer besseren Qualität, woher der Eifer der Verkäufer rühre, sich in„roth" gegenseitig zu überbieten. Eine besonders interessante Aussage machte Herr u«>tag aus Eisenach:„Ich habe", so sagte er,„Wurst mit und ohne Farbe, je nachdem es das Publikum verlangt. Die Golhaer sagen, sie färbten nicht, und ich bin von der Gothaer Fleischer-Innung beim Polizei-Amt in Eisenach als Harber" augezeigt worden. Ich habe darauf ans zwölf Gothaer Geschäften Proben entnommen und durch einen Chemiker untersuchen lassen x neun darunter waren gefärbt. Sollte ich bestraft werden, werde ich diese Geschäftsinhaber ebenfalls zur Anzeige bringen." Schließlich wurde mit 52 gegen 11 Stimmen folgende Resolution angenommen:„Wir ersuchen den hohen Bundesrath, jeden Farbzusatz zur Wurst als Fälschung an- zusehen und die(später) dieser Bestimmung nicht entsprechenden gefärbten Vorräthe konsisziren und vernichten zu lassen. Wir berufen uns hierbei auf§ 5, Absatz 1 des Gesetzes vom 14. Mai 1879(Nahrungsmittel> Gesetz) und konstatircn, daß der Verwendung guten Materials ein Farbezusatz nicht ersorder- ltch ist." ,.. sehr nützliches Institut, der S a n i t ä t s v e r b a n d .s u r München, feierte, wie die„Müuchener Post" nlittheilt, am 5. Mm den zehnten Jahrestag seiner Gründung. Am 5. Mai 1835 von wenigen Personen beim Scheine einer Kerze in einer Privatwohnung gegründet, gewann die Ueberzeugung von der segensreichen Wirkung eines solchen Instituts so rasch Ausdehnung, daß dem Verband am Ende desselben Jahres schon 29 Krankenkassen mit 3599 Mitgliedern angehörten, heute nach 19 Jahren sind beim Verbände 87 Kassen mit 8599 Mitgliedern und nahezu 39 999 Angehörigen, denen 42 Aerzte zur Verfügung stehen. In den 19 Jahren seines Bestehens hat der Verband die Summe von 367 893,19 Mark eingenommen und 348 939,25 Mark ausgegeben. Allein im vergangenen Jahre erhielten die Verbandsärzte 47 595,63 Mark, es wurden in diesem Jahre von denselben 44 292 Besuche gemacht und in 49 982 Fällen in Sprechstunden Rath ertheilt. Die Zahl der behandelten Mitglieder im Jahre 1894 betrug 29 312, wozu noch 54 Ledige kommen, die sich im Kranken- Hause verpflegen ließen. Der Verband hat schon manche Thräne getrocknet, schon mancher Familie ans der größten Roth und vielen zu ihrer Gesundung verholfen. Die schwere Zeit des Sozialistengesetzes ist jedoch auch an diesem Institut nicht spurlos vorübergegangen, im Mai 1887 wurde der Verband unter Polizei- lichc Kontrolle gestellt, der erste Vorstand, der erste Kassirer und der Schriftführer abgesetzt und durch andere von der Polizei be- stimmte Personen ersetzt. In einer Festschrift, die der Verband herausgegebeil hat, sind darüber nähere Angaben gemacht. Die Wohnnngsverhältuifse der badischen Arbeiter wareil im letzten Jahresbericht der Fabrikinspeklion gerügt worden. Das hat nun— wie ein Offiziosus meldet--„dem Ministerium des Innern Veranlassung gegeben, die Bezirksämter aufzufordern, dieser Angelegenheit auch fernerhin Ansmerksamkeit zuzuwenden, sich genau darüber zu unterrichten, an welchen Orten etwa Mißstände der bezeichneten Art vorhanden sind, und zu erwägen, inwiefern durch bau- und gesundheitspolizeiliche Maßnahmen Zlbhilse geschaffen oder durch geeignete Anregungen auf günstigere Wohnungsverhältnisse hingewirkt werden könne." Hoffentlich kommen die Bezirksämter der ministeriellen An- Weisung mit der nöthigen Schnelligkeit nach, denn nickt von allen Dingen gilt das Sprichwort: Was lange währt, wird gut. Die Abschaffung des Schulgeldes in den Volksschulen ist auch von den Gemcindekollegien der württembergischen Stadt Göppingen beschlossen worden. Der achtstündige Arbeitstag, der in den Vereinigten Staaten von Amerika schon in den fü n fz i g e r Jahren ge- fordert ward, wurde in Europa— wie in Erinnerung ge- bracht sein mag— zum ersten Mal von dem Genfer Kongreß der Internationalen Arbeiter- Assoziation, 1866, also vor 29 Jahre», zur Forderung des Proletariats erhoben. Damals beschloß der Kongreß aus Vorschlag des Generalraths in London: „Wir erklären die Beschränkung des Arbeitstages für eine vorläufige Bedingung, ohne welche alle anderen Bestrebungen nach Emanzipation scheitern müssen. Wir schlagen acht Arbeits- stunden als gesetzliche Schranke des Arbeitstages vor." Geuterltsicki kiftl ichres. Achtung, Vergolder! Die Vertrauensmänner werden ersucht, die Hamburger Sammellisten abzuliefern und die Leip- ziger Sammellisten in Empfang zu nehmen. Außerdem fordern wir die Vertrauensmänner auf, mit den Marken von der General- kommission abzurechnen. Die Kollegen der Metlo'schen Fabrik werden ersucht, recht zahlreich in der nächsten Veisammlung zu erscheinen, da seit dem letzten Abzug die Löhne äußerst gesunken sind. Den Kollegen, die im Westen ivohnen, machen wir bekannt, daß in der Blumenthalstraße 5, bei Behrendt, die 3. Zahlstelle errichtet ist. D i e O r t s v e r w a l t u n g. Wegen Lohudifferenzen befinden sich die Arbeiter der inechanischen Schuhfabrik von Müller u. S ch l i tz w e g, Louisen-Ufer 34, im Streik, und ist der Zuzug streng fern zu halten. Die S t r e i k- K o n, m i s s i o n. Die Generalkommissiou ersucht uns in Beziehung auf die bekannte Kundgebung des Vorstandes des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiler noch um Aufnahme folgender Erklärung: Der„Vorwärts" bringt in Nr. 92 eine Erklärung des Vor- standes des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter, in der bezüglich der Generalkommission folgendes gesagt ist:„Sie ist lediglich ein gewerkschaftliches Korrespondenz- und Aus« kunflsbureau geworden. Aber selbst in dieser ihrer Eigen- schaft ist sie durchaus nicht zuverlässig und läßt viel zu wünschen übrig, was ja am besten aus dem Umstand hervorgeht, daß sie behauptet, auf der Generalversammlung des Tabakarbeiler- Vereins zu„Nordhausen" sei der Beschluß gefaßt worden, die Beiträge an die Generalkommission weiter zu zahlen. Es ist überhaupt auf keiner Generalversammlung der Beschluß gefaßt worden, an die Generalkommission Beiträge zu entrichten." Der Vorstand macht hier der Generalkommission den Vor- wurf, sie wäre über die Vorgänge in den einzelnen Organisationen nicht orieutirt. Wenn dem wirklich so wäre, so kann immerhin als Entschuldigung angeführt werden, haß erst seit dem Ansang des Jabres 1894 eine Vertretung der Generalkommission aus den Kongressen und Generalversammlungen ftaltgefunde» hat. Dafür aber, daß der Vorstand selbst über die Be- ichlüsse der Generalversammlungen nicht orientwt ist, gicbt es wohl keine Entschuldigung. In dem„Protokoll der General- Versammlung des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter zu Halberstadt, abgehalten vom 6. bis inkl. 12. Juni 1892" heißt es auf Seite 23: „„Der Unterstützungsverein deutscher Tabakarbeiter anerkennt die von den allgemeinen Gewerkschastskongressen, welche seitens der Generalkommissiou der Gewerkschaften Deutschlands einberufen werden, gefaßten Beschlüsse."" „Die dort festgesetzten Beiträge zu allgemeinen Zwecken hat der Vorstand aus der Kasse zu entnehmen; ist kein Geld vor- banden, so ist der Vorstand berechtigt, den Mitgliedern einen Extrabeilrag aufzuerlegen." Dieser ivortgetreuen Abschrift aus dem Protokoll haben wir weiter nichts hinzuzusetzen. Nun haben wir behauptet, die General- Versammlung in Nordhausen habe beschlossen, die Beiträge an di.e Generalkommission weiter zu zahlen und wir halten diese Be- haupkung aufrecht. In dem auf dieser Generalversammlung seitens des Vorstandes gegebenen jtasseubericht sind als Beiträge an die Generalkommission 3221,89 Bt. angegeben. Gegen diesen Ausgabeposten ist von keinem Tclegirtcn Einspruch erhoben, sondern dem Vorstande Dccharge ertheilt. Die Delcgirtcn haben es für selbstverständlich gehalten, daß die Beiträge iveiter bezahlt werden, da weder vom Vorstande noch von irgend einer anderen Seite auch nur die geringste Bemerkung dagegen gemacht wurde. Eines formalen Beschlusses bedurste es nicht, da dieser Beschluß in der Decharge-Ertheilung lag. Ter Vorstand behauptet seruer, daß sich vier Fünstel aller Gewerkschaften bei einer von der Generalkommissiou veranstalteten Umfrage für Stattfinden eines Gemerkschaftskongreffes erklärt hätten. Diese Behauptung ist unwahr. Das Resultat der cnd- giltigen Abstimmung über das Slaitflnden des Kongresses war solgendes: Für das Stattfinden des Kongresses stimmten 7 Orga- nisationen mit 22 635 Mitgliedern; gegen das Stattfinden des Kongresses 39 Organisationen mit 172 828 Mitglieder»; 3 Organisationen mit 25 268 Mitgliedern wollten ihren Eutscheid erst nach Erscheinen des Berichtes der Generalkommission treffen; 1 Organisation mit 799 Mitgliedern betheiligte sich nicht an der Abstimmung. Die G e n e r a l k o m m i s s i o n. Mai-Opfm. Aus dem Brückerbergwerk bei Zwickau durften am 3. Mai 6 Mann nicht wieder anfahren, weil sie sich zur vorhergehenden Siachtschicht. also am I. Mai. hatte» eut- schuldigen lassen. Die Entlasseuen sind noch kräftige junge Männer, die aber trotzdem aus einem anderen Werke schwer an- kommen dürfte», da die schwarze Liste umgeht. In Dresden sind aus gleicher Ursache vom Tischlermeister Zimmer in der Josephinenstraße 13 Tischler, in Berggießhübel 6 Ar- veiter der Kirchemvalds-Sandsteinbrüche entlassen worden. Es versteht sich von selbst, daß auch bei dieser Gelegenheit die sächsische Bourgeoisie wieder an der Spitze der Arbeiter- bedrnnger marschirt, denn in keinem andern Distrikte Deutsch- lands steht die Bourgeoisie dem Zeitpunkte ihrer Abwirlhschastung so nahe als in Sachsen. Des Unterganges innerlich gewiß, ist die Gewalt ihm ausschließliche Zuflucht. Wege» der Maifeier wurden bei dem Zimmermeister Meyer, Berlin, Hochstr. 29a, drei Arbeiter gemaßregell. Diese Maßregelung wäre gewiß unterblieben, wenn die dort Be- schäsligten ihren anfänglichen Beschluß, den ersten Mai gemeinsam zu feiern, befolgt hätten. Eine Konferenz der Vertrauensmänner der©«Uierk- schaften Württemberg'ö wird am Sonntag, 12. Mai. vor- mittags, im„Hirsch" i» Stuttgart abgehalten. Auf der Tages- ordnung befindet sich die Berichterstattung der einzelnen Ver- tranensmänuer und die Besprechung der Jahresberichte der Gewerbe-Jnspektoren. Ueber diesen Punkt werden 3 Referenten prechen. Auszahlung deS Lohnes am Freitag wünschen die vereinigten Gewerkschaften Göppingens in Würliemberg durch das Gewcrbegericht herbeigeführt zu sehen. Hoffenilich haben sie mehr Erfolg, als die Arbeiter Cannstatts, denen man das gleiche Gesuch abschlug. Auö dem nordwestböhmischeii Vrannkohlenrevier. Aus allen Werken haben die Bergleute durch Telegirte de» Ver- waltunge» das gedruckte Gesuch zustellen lassen, daß die tägliche Arbeitszeit einschließlich der Ein- und Ausfahrt nicht mehr als 3 Stunden betragen soll. Vis zum 15. Mai wird Antwort ge- fordert. Erfolgt Ablehnung, so wird es allem Anschein nach zum Streik kommen. Mit einem günstige» Vergleich endete ein zweitägiger Streik der Belegschasren des Karls- und Josephs- S ch a ch t e s der(ungarischen) Salgo-Tarjaner Kohlengcwerkschaft. Die Arbeiter ermäßigten ihre angeblich„exorbitanten" Forderungen, worauf eine Verständigung zu stände kam. Ter Glasarbeiter- Streik im belgischen Jndustriebezirke Cha rleroi, der seit Ansang April währt, soll im Abnehme» «>» Nach einer Meldung des Wolff'schen Bureaus habe eine größere Zahl der Ausständigen die Arbeit wieder aufgenommen. Man hofft nun, daß der Streik binnen 14 Tagen beendigt sein werde. Ueber den Maurerstreik in Basel wird gemeldet, daß dieser große Ausdehnung angenommen habe. Vier Kompagnien der Feuerwehr sollen zur Unterstützung der Polizei aufgeboten worden sein und das Polizeidepartcment soll die Ausständigen in einem Aufrufe um Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ersucht haben. Weiter heißt es, die Baumeister hätten be- schloffen, die Arbeil auf allen Bauten völlig einstellen zu lassen. Am Sonntag hätten die Maurer in einer Versammlung be- schloffen, den Streik mit allen Mitteln so lange als möglich durchzuführen.— Nach dieser vom„Wolff'schen Bureau" ver- breiteten Nachricht scheint es bei dem Streik nicht ganz so ruhig zuzugehen, als man es von Schweizer Arbeitern sonst zu hören gewohnt ist. Ter sozialdemokratische Basler„Vorwärts" fordert denn auch die Maurer auf, stramme Disziplin zu halten und sich in jeder Hinsicht tadellos aufzuführen; nicht blas einig und standhaft, sondern auch klug und besonnen zu sein und jedem Anlaß oder Vorwand zu polizeilichem Einschreiten sorgsam aus dem Wege zu gehen. Das Streikkomitee und der Ausschuß des Arbeiterbundes veröffentlichen folgenden Aufruf:„Die Maurer Basels haben, nachdem ihnen die an die Meister gestellte Forderung eines den Verhältnissen einigermaßen entsprechenden Minimallohnes von 5 Fr. von denselben rundweg verweigert wurde, am 1. Mai be- schloffen, die Arbeit niederzulegen und in den Streik einzutreten. Schweizer, Deutsche und Italiener stehen einmüthig zusammen und hoffen wir, die noch Arbeitenden bald auf unsere Seite zu bringen. Da wir zur Durchführung dieser nun angefangenen Sache Geldmittel bedürfen, so richten wir an die gesammte Arbeiterschaft des In- und Auslandes die Bitte, uns nach Kräften zu unterstützen. Für eingehende Beiträge wird öffentlich quittirt. Geldsendungen und Briese sind zu richten an E. I a n s l i n, Rappoltshof, Basel. Zuzug von Maurern nach Basel ist mög- lichst fernzuhalten." SluS Holland. Als eine Folge der Maifeier ist ei» Streik d e r T e x l i l a r b e i t e r i n E n s ch e d e zu betrachten. Vier- zehn Tage vor dem ersten Mai hatten die Arbeiter einer Fabrik um Urlaub gebeten, um den Wellfeiertag mit begehen zu können. Trotz der wiederholten Weigerung des Fabrikherrn feierte nun doch ein Arbeiter. Als er tags daraus wieder in die Fabrik kam, wurde er sofort entlassen. Eine erhebliche Anzahl der andern Arbeiter legte darauf die Arbeit gleichfalls nieder. Die Streikenden sind meist Familienväter. Sie bitten nun dringend die deutschen Arbeiter, den Zuzug streng fernzuhalten und sie auch finanziell zu unterstützen, da die Kräfte der holländischen Arbeiter durch die Unlerslütziing einer Reihe anderer Streiks stark in Anspruch genommen sind. Zur Ertheilung jedweder näheren Auskunst sind bereit: I. T e u s i n k und I. T u s v e e d. beide in Ens chede(Holland). 9l»ö Paris wird uns über die Verurtheilung von Proust und D e v i l l e, der Leiter des Omnibusbediensteten-Streiks, die wegen angeblicher Aufreizung zur Gewaltthätigkeit angeklagt waren, geschrieben: Wie die Verhandlung zeigte, beruhte die ganze Anklage auf einem Versammlungsbericht des„Temps", der den beiden Augeklagten Worte in den Mund gelegt hat, gegen die sie sich entschieden verwahrten und für die auch kein einziger Zeuge auftreten konnte. Dennoch wurde dem„Temps", dessen Reporter nicht einmal vorgeladen worden war, um so mehr Ver- trauen entgegengebracht, als die Berichte mehrerer anderer Blätter „übereinstimmend" mit dem„Temps" lauteten, was sich aber stir jeden, der das hiesige Zeituugswesen kennt, ganz einfach dadurch erklärt, daß die„übereinstimmenden" Berichte nichts anderes als ein Abklatsch des„Tcmps"-Berichtes sind. Und auf den Bericht eines Vourgeoisreporters hin, der vor allem„interessant" sein will und darum vieles würzt oder erfindet, würde ein gewissen- hasler Mensch nicht einmal eine» Hund verurtheilen. Der Gerichts- Hof hat aber, wie bekannt, Proust und Dcville zu je 6 Monaten Gefängniß verurthcilt. Gleichzeitig mit ihnen wurden 5 andere Oniuibusbcdienstete wegen Angriffs auf die„Freiheit der Arbeit" — der eine hatte während des Streiks eine Omnibusscheibe zer» brechen, die anderen ein paar Pferde ausgespannt— zu S biS 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Devsetztttlttlnngen. Ter Verband der Möbelpolirer hielt am 29. April ein» Versammlung ab. Aus dem Berichte des Äorstandes ging hervor, daß auch im letzten Quartal die Mitglicderzahl in erfreulicher Weise zugenommen hat. Der zur Verlesung gebrachte Kassen- abschluß weist einen Bestand von 533 M. auf. Sodann wird beschlossen, die bisherige Fachkommission auf 3 Mitglieder zu rednziren, und setzt sich dieselbe nunmehr aus den Mitgliedern F r o h in a n n, Schreier und Schulz zusammen. Das Amt des Kässirers übertrug die Versammlung wiederum dem Mitgliede Echtermeier. Für die Zukunft soll einem Antrage gemäß auch den nicht vollberechtigten Mitgliedern bei Streiks llnlerstützuiig gewährt werden. Auf Antrag des Vorstandes wurden die Mitglieder Lange, Heiu.Werbelow, Daus und Zernilow, da sie als Streikbrecher gegen die Interessen der Organisation gehandelt haben, ausgeschlossen. Gleichfalls wird der Antrag angenommen, die Mitglieder Fistel und I. Kratzsch auszuschließen. Die betreffenden haben, nachdem sie durch Vermittlung des Verbandes in Altona Arbeit bekommen haben, die dortigen Genossen um 69—79 M. geschädigt. Wie zum Schluß mitgctheilt wird, findet das Sommersest des Vereins am 23. Juni statt. Tic freie Vereinigung der Zivil-Verufsmnsiker nahm in ihrer Sitzung vom 3. Mri den Bericht des Vorstandes über die Thätigkcit des Vereins im vergangenen Jahre cutgegeu. Der Berichterstatter beklagt, daß in der Besetzung der Remter im Vor- stand so oft gewechselt werden mußte. Ein Beweis, wie wenig Neigung unter den Mitgliedern vorhanden ist, die Arbeit der Vcrcinsleitung zu übernehmen. Die Mitgliederzahl des Vereins beläust sich jetzt auf 327. Am Schluß seiner Mit- theilungen ersucht der Redner die Mitglieder. sich recht rege an den politischen Versammlungen zu be- theiligen, sowie auf die Arbeiterpresse zu abonnireu. Hierauf wird die Neuwahl des Vorstandes vollzogen, die solgendes Resultat ergab: Schonert erster, Kummer zweiter Vorsitzender; Roland erster, Btußfeld zweiter Schriftführer; Müller Rendant, Hart- mann Kassirer; Voigt Beisitzer; Blanchefsky Bibliothekar. Der Kassenbericht weist im letzten Jahr eine Einnahme von 1357,89 M. und eine Ausgabe von 1112,95 M. auf. Mit einem vorhandenen Bestand beträgt das Kassenvermögen 379,31 M. DezreMien. Wolff's Telegrapheu-Bureau. Tschifo, 6. Mai. Die Flotten der fremden Mächte sind hier versammelt. Das russische Geschwader besteht aus stl Schiffen einschließlich dreier Torpedoboote. Es werden noch mehr russische Sckiffe erwartet, ebenso noch ein englisches, amerikanisches und französisches, sowie zwei deutsche Schiffe. (Devescheu-Vurean Herold.) München, 6. Mai. Der engere Ausschuß der Volkspartei in Bayern übergiebl dem Reichslags-Abgeordneten Kröder eine Petition gegen die Umsturzvorlage mit 29 999 Unterschriften zur Beförderung an den Reichstag Mehrere tausend Unterschriften sind bereits früher direkt nach Berlin abgeschickt worden. Der Münchener demokratische Verein sammelte ca. 6999 Unterschriften. In Nürnberg wurden 6999, in Würzburg gegen 3599, in Fürth 3999 Unterschriften zusammengebracht. London, 6. Mai. Wie die„Times" aus Hongkong melden. hat der Gouverneur von Forinosa erklärt, er könne für die fernere Haltung seiner Truppen keine Verantwortung über- nehmen.— Falls Formosa an Japan fallen würde, müßte«in» Revolution unausbleiblich sein. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug rn Berlin KV., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilage». ■-'i*'■■■ 1. Beilage zum„Vomärts" Berlinn Volksblatt. Ur. 103. Dienstag, de» 7. Mai 1895. II. Jahrg. Psu-Iaiucufslrcvtrfjtc. Deutscher Reichstag. 85, Sitzung vom 6. Mai I8S5, 1 U h r. Ani Tische des Bundesraths: Fürst zu Hohenlohe, v. B ö t t i ch e r. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Berathung des sozialdemokratischen Antrages wegen des Vereins-, Versa nimlungs- und Koalitionsrechts. ?lbg. von Elm(Soz.): Unser Antrag ist nicht, wie der sächsische Bundesraths-Bevollmächtigte meint, eine gesetzliche Eanktionirung der Anarchie, sondern er hebt die bestehende Anarchie auf dein Gebiete des Vereins- und Versammlungswesens auf. Nur der ganz Eingeweihte findet sich durch das Labyrinth der deutsche» Vereinsgesetze hindurch. Soll das Koalitionsrecht dem Arbeiter nützen, so muß er sich durch das ganze Reich hin- durch olganisiren können. Dem stehe» besonders das sächsische und bayerische Vereinsgesetz entgegen. Die Arbeitgeber haben vollständige Freiheit nach jeder Seite hin, und dem Arbeiter muß daher dasselbe Recht verstalter werden, denn dieser kann seine Interessen mit Erfolg nur ver- treten, wenn er sich mit seinen Kollegen im ganzen Reiche verbinden darf. Die Vereinsgesetze werden nach Erklärungen der Regierungsverlreter gegen die Arbeiter schärfer angeivandt/weil die öffentlichen gewerkschaftlichen Versammlungen angeblich die Geschäfte der Sozialdemokratie be- treiben. Mit einer solchen Begründung kann man alle gewerk- schaftlichen Bestrebungen der Arbeiter als politische bezeichne» und unmöglich machen, weil die Mehrzahl der Gewerkschafls- Mitglieder Sozialdemokraten sind und die aufgeklärtesten Arbeiter zur Sozialdemokratie gehören. Die Auflösung des Berg- und Hnttenarbeiter-Verbandes und des Textilarbeiter-Verbandes in Sachsen soll erfolgt sein, weil beide Vereine Politik getrieben hätten. Ter erster? wurde nach dem gerichtlichen Urtheil ausgelöst, weil das Verbandsorgau„Glückaus" sozialdemokratische Artikel gebracht hat. Für den Inhalt eines Blattes nicht nur den Redakteur, sondern die Mitglieder eines ganzen Verbandes verantwortlich zu niachen, ist ungeheuerlich. Der Verband hatte dieses Organ seit sieben Jahren. Erst neuerdings ist man in Sachsen zu dieser scharfen Handhabung der Gesetze gekommen, und kein einziger Verein ist mehr vor der Auflösung sicher. Und wenn die statutenmäßigen Bestrebungen des Tcxtilarbeiterverbandes poli- tische sein sollen, so giebt es gcwerkschastliche Bestrebungen überhaupt nicht mehr. Den sächsische» Behörde» gilt eben jede Organisation der Arbeiter als eine sozialdemokratische. Das sächsische Vereinsgesetz, jenes„Juwel" der sächsischen Gesetz- gebuug, ist nur eine Waffe in der Hand der Behörden zur gemalt- samen Unterdrückung der Bestrebungen der Arbeiter auf Ver- besscrung ihrer sozialen Lage. Allein im Jahre I3S4 wurden i» Sachsen drei Vereine verboten, 24 politische, 20 gcwerkschaslliche, 27 Gesaug- und 5 Turnvereine aufgelöst, 91 Versammlungen und 43 Festlichkeiten verboten und 28 Versammlungen aufgelöst. Bei de» Behörden herrscht ein wahrer Zerstörungsfanntismus gegenüber allem, was Arbeiterorganisation heißt. Nach den preußischen Verordnungen von 1343 bedurften nur Versammlungen unter freiem Himmel der polizeilichen Genehmigung. Da kam 1850 das reaktionäre Vereinsgesetz, welches Sie alle kennen. Wir haben, das möchte ich Herrn Bachem sagen, der meinte, daß die Verhältnisse nicht ohne unsere Schuld ge kommen wären, das Vereinsgcsetz vom 11. Marz 1850 nicht zu stände gebracht und die schwächliche Haltung des liberalen Bürgerlhums ermöglicht es noch heute. daß dieses Gesetz in so drakonischer Weise gegen uns angewendet wird. Bei den Wahlen ist selbst die Freisinnige Partei den Landrälhen dankbar für die Hilfe, welche sie ihnen in der Verhinderung von sozialdemokratischen Ver- sammlungen leisten. Das preußische Vereinsgesetz wird ganz willkürlich gehandhabt; was in dem einen Orte erlaubt ist, ist in dem anderen verboten. Ganz gesetzwidrig hat man in Düsseldorf und Dortmund Versammlungen beim Eintritt der Polizeistunde aufgelöst. In Schleiz wurde eine Versammlung verboten, weil der Erbprinz gerade an diesem Tage seinen Geburtstag halte. In Cöslrn wurde eine Versammlung ver- boten, iveil sie eine Herausforderung gegen einen Theil der Bürgerschaft sei. In Halstenbeck bei Pinneberg wurde eine Ver faminlung verboten, weil sie in einer Durchfahrt stallfinden sollte, welche nicht heizbar war, obwohl Tanzlustbarkeiten in diesem Raum unbeanstandet bliebe». Von dem agitatorischen Auf- treten einer Frau, heißt es in verschiedenen Erkenntnissen fei eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und des Familien- friedens zu befürchten. Zahlreiche Versammlungen sind wegen dieses Grundes aufgelöst worden. Das Vercinigungsrecht der Arbeiter{§ 252 der Gewerbe- Ordnung) wird ganz illusorisch gemacht. Die Vereinigung der Schmiede in Kiel wurde zur Verantwortung gezogen, weil dieselbe nicht ein Mitgliederver- zeichniß der Behörde einreichen wollte. Das Schöffengericht sprach sie frei, das Landgericht verurtheille sie und das Reichs- gericht verwarf die Revision. In rein gewerkschaftlichen Bestrebungen sozialdemokratische Tendenzen zu erblicken, zeigt, daß die preußischen Behörden einen Unterschied zwischen gewerkschaftlichen und politischen Be- strebunge» überhaupt nicht mehr zu machen im stände sind. Welche Leute der Gewerkschaft angehören, das kommt natürlich zur Kenntniß der Behörden und von ihnen werden dann die in Slaalsbelrieben befindlichen Arbeiter gemaßregclt. Nach einem Erkenntniß des Ober-Verwaltungsgerichts vom. 14. Januar 1830 ist jeder Meinungsaustausch über öffentliche Angelegenheiten ein politischer. Es sind also von nicht politischen Vereinen ausgeschlossen alle Bestrebungen für Koalitionsrecht, Arbeiterversicherungen, Arbeiterschutz, Normalarbeitstag, Krankenkassenwesen, Besprechungen über Ausstände ganzer Gewerkschaften, Gewerbestatistik, Maßregeln zur Verhütung von Unfällen. Von den Düsseldorfern Gerichten wurde die Lohnkonimission der Schreiner ausgelöst, weil das ein Verein sei, durch dessen Bestrebliiigen das wirlhschastliche Wohlbefinden der gesammten Bevölkerung bedroht sei. Ein ganz besonderes Interesse hat der Fall in Tilsit. Tort führt das Polizeirecht der Stadtrath Witschet. Dieser Herr hat eine ganze Anzahl von Versammlungen aufgelöst. Es war eine Tischlerversammlung anberaumt worden. 10 Minuten vor 8 Uhr besetzten 4 Polizeibeaiirte die säuimtliche» Räume. Kurz nach 8 Uhr fragte der Polizeikommissar den Einberuser: Sie wollen heute hier eine Versammlung abhalten?— Nun ja, ich habe doch dieselbe angenieldct. Gewiß, aber es findet hier keine Versammlung statt. Ans die Entgegnung des Einberufers, daß die Versammlung fast noch eine Stunde warten könne, er- widerte der Beamte: ach was, Sie haben gesagt, daß Sie die Versammlung abhalten wollen, und das genügt mir; die Ver- sauunlung findet nicht statt; ich will sofort das Lokal räumen lassen. Das geschah den» anch ohne Angabe von Gründen. Zwei Polizei- beamte erhielten die Weisung, riiemand i» das Lokal hinein zu lassen. Die anderen bliebe» in den Nebenräumen und über- wachten die Anwesenden bei ihren Erzählungen und beim Bier- trinken. Witschet ließ sich noch mehrere solcher Ungesetzlichkeiten zu schulden kommen, so daß ihn der Oberbürgermeister seines Amtes enthob. Witsche! wurde aber von dem Regierungspräsi Umstnrzgesetz fertig werden. der Tagesordnung herrscht Versammlung darf über die Stadtverordneten-Versammlung Protest einlegte. Ich meine, solche Gewaltmenschen sollten unter keinen Umständen an so ver- antwortliche Stellen gesetzt werden. Minister v. Köller sollte gegen solche einschreiten, die das Anscheu des Staates ge- führden. Nun soll das preußische Vereinsgesetz noch verschärft werden; als Ideal hat sich, wie verlautet, Herr v. Köller das sächsische und hamburgische Gesetz ausersehen. Nach dem letzteren kann die Polizeibehörde bei dringender Gefahr für den öffentlichen Frieden jede öffentliche oder nichtöffentliche Versammlung unter- sagen. Das ist eine äußerst dehnbare Bestimmung; danach kann die Behörde rhun oder lassen was sie will. Die Antisemiten durften in Hamburg auch erst keine Versammlungen abhalte», jetzt gelten sie nicht mehr für staatsgefährlich. Der Heilsarmee und den Freidenkern wurden auch keine Versammlungen gestattet, den letzteren wurde sogar eine Versammlung verboten mit dem Thema: Genügt der Konfirmationsunterrichl unseren Kindern für das fernere Leben? Der Hamburger Freidenker-Jngendbund wurde schließlich aufgelöst. Jede Kritik einer behördlichen Maß- regel kann dort untersagt werde», man kann auch ohne In bezug auf"die Mittheilung die reine Willkür. In einer einen Punkt geredet werden. der nicht ans der Tagesordnung steht und in der anderen nicht. Die Polizei darf so viel Polizisten hinschicken, wie sie Lust hat. Und so wimmelt es denn in manchen Versammlungen von unifor- mirten Beamten und Kriminalbeamten in Zivil/trotzdem in dem friedliebenden Hamburg niemals eine Störung in einer Arbeiter Versammlung vörgekommen ist; allerdings auch nicht seitens der Beamten. In Preußen ist es in dieser Beziehung anders. In Altona erlaubte sich der preußische Beamte jedesmal, nachdem die Ver sammlung ordnungsmäßig geschloffen war, die Versammlung auf zufordern, das Lokal sofort zu verlassen, und wenn das nicht geschah, suchte er die Leute mit blankgezogenem Säbel aus dem Lokal zu treiben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir konnten uns davor nur dadurch schützen, daß wir die Versammlung nicht schlössen� sondern auf eine Viertelstunde vertagten, um den Anwesenden Gelegenheit zu geben, sich ordnungsmäßig zu entfernen. In Hamburg ist es ohne weiteres erlaubt, geheime Versammlungen abzuhalten, in welchen zum Umsturz der bestehenden Gesetze direkt aufgefordert wird. Ich habe die Hamburger anläßlich des Hamburger Tabakarbeiler ausschlusses daraus aufnierksam gemacht, daß die Zigarren sabrikanten in deni Restaurant von Ludwig Tamm bei ver- schlossenen Thören tagten und Posten aufstellten, uni sich gegen unliebsame Lauscher zu schützen. In dieser Versammlung wurde darüber beralhen, wie man die Arbeiter zwingen könnte aus ihr Koalitionsrecht zu verzichten.(Hört! hört! bei den Sozial demokraten.) Ich nenne das einen räuberischen Angriff auf das Eigenthuni der Arbeiter(Sehr wahr! links), und die Behörden hätten die Pflicht gehabt, solche offenen Gesetzes verächtcr ganz gehörig beim Schöpfe zu nehmen. Aber es ist erklärlich, daß man Leuten, mit denen man gesellschaftlich ans gutem Fuße lebt, nicht gern zu nahe treten will. Die Krone gebührt dem Staate Mecklenburg. Dort können politische Versainnr lungen ohne Genehmigung ve» Ministeriums überhaupt nicht ab� gehalten werden. Man sagt, unser Antrag ginge zu weit; auch die sreisiuuigc Volkspartei will kein gleiches Versammlungsrecht für Männer. Frauen und Minderjährige. Die Fortschrittsparlei machte in ihrem Antrage aus Gewährung des Koalitionsrechts 1867 einen solchen Unterschied nicht, sondern verlangte allgemein das Koalition?- recht. Waldeck sagte damals:„Das Kapital hat rollkommen Freiheit erlangt. Die durch die Verfassung garantirle Freiheit des Bürgers muß mindestens dem schlimmer gestellten Arbeiter werden. Die Koalilionsverbote stehen ganz lind gar auf dem Standpunkt der Sklaverei, Koalitivnsverbote sind grober Miß brauch des Stärkeren." Und der damalige Präsident des Bundeskanzleramts, Dellbrück, erklärte, die Zeit der Koalition?- beschrcnkungen sollte nun ein für allemal vorbei sei». Man hat sich aber in dieser Beziehung rückwärts entwickelt, auch die freisinnige V o 1 k s p a r l e i.(Widerspruch links.) Mein Genosse Grillenberger hat recht, das Programm derselben stimmt niit ihren Thaten nicht überein.(Widerspruch links.) Bei Streiks stehen die sreisinnigen Zeitungen immer auf seile der Kapitalisten(Sehr richtig! und Widerspruch), ebenso beim Koalitionsrecht. Die gcsammte freisinnige Volkspartei hat ihren Boden in den Kreisen der Arbeiter längst verloren.(Sehr richtig!) Sie stützt sich iresentlich auf einige freisinnige Fabrikanten und nimmt gerade deshalb gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter Stellung.(Widerspruch links.) Dasselbe gilt von ihrer Stellung zur F r a u e n f r a g e. Von 1675—1882 hatte sich die Zahl der männlichen Arbeiter in Deutschland um O�/w pCt., die der weiblichen Arbeiter um 35 pCt. vermehrt, die Frauenarbeit nimmt stetig zu. Der bayerische Vnndesrathsbcvvllmächtigte behauptete, daß es in Bayern den Frauen gestattet sei. sich zu organisiren. Wenn von den 67 000 weiblichen Arbeitern in Bayern nur ca. 150 gewerk- schaftlichen Organisationen als einzelne Mitglieder angehören, so beweist das, daß dort der Organisirung der Frauen die größten Schwierigkeiten bereitet werden.(Sehr richtig! links.) In dem steno- graphischen Bericht fehlt auch eigenthümlicherweise die Angabe der Zahl 150 in der Rede des bayerischen Vertreters; er hat wohl selbst gefühlt, daß diese Zahl der organisirtcu Fralieu der Handhabung des bayerischen Vereinsgesetzes kein ehrendes Zenguiß ausstellt. Von den mehr als zwei Millionen Arbeiterinnen in ganz Deutschland gehören nur etwa 5000 den Gewerkschaften an. In andere» Ländern, wie England und Amerika, haben wir ganz andere Resultate. In England sind allein 361 424 weibliche Arbeiter organisirt, bei uns nur 5000. Wirlhschaftliche und politische Fragen sind untrennbar, hier ist keine scharfe Grenzlinie möglich. Die weib- liehen Arbeiter bilde» in der Tabakindustri« die große Mehrzahl, sie sind durch ein Tabaksteuer- Gesetz ebenso bedroht wie die männliche» Arbeiter. Außerdem müssen sie eben so gut direkte und indirekte Steuern bezahlen. Die Minderjährigen. sagt man, gehören nicht in Vereine und Versammlungen. So lange Sie den Kapitalisten. gestatte», bei einem Streik niinder- jährige Arbeiter in größerer Zahl als Lehrlinge einzustellen, nm den erwacht enen Älrbcilern Koukurrenz zu machen, so lange müssen Sie auch de» letzleren gestatten, die jungen Arbeiter zu de» Organisationen heran ziehe» zu können, wenn Sie nicht einseitig die Kapitalisten beschützen wollen. England, Amerika, Australien, besitzen ein volles un- eingeschränktes Vereins- und Versammlungsrecht und doch herrscht dort keine Anarchie, ja eine größere Ordnung als in Deutschland. Bei uns bevormunder man die Arbeiter als unmündige Kinder. Je mehr Freiheit Sie den Arbeitern gewähren, desto mehr Orb- nung werden Sie haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Bachem verlangt als Korrelat unseres Antrages Straf- bestimmungen gegen die jungen sozialdemokratischen Störenfriede. Solche jungen Störenfriede giebt eö in jeder Partei. Herr Pfarrer Jskrailt wird uns bezeugen können, daß man mit Knütteln unter Umständen sozialdemokratische Versamnilungen auseinandertreibt. Wenn aber einzelne Sozialdemokraten gegnerische Versammlungen stören, so finde ich das erklärlich, weil heute der Sozial- lokalitäten abgetrieben werden. England und Amerika hat keine solche Bestimmungen gegen Störenfriede. Würde einmal der Versuch gemacht, eine Versammlung zu stören, so würde er von seiner eigenen Partei ganz gehörig zurecht gewiesen werden. Der Bundesrath würde heute allerdings nur einem reaktionären Vereinsgesetz seine Zustimmung geben. Darum trägt aber die Volksvertretung einen Theil der Schuld durch ihre Be- günstigung reaktionärer Bestrebungen. Herr Bachem hält es für nöthig, daß wir jetzt praktische Arbeit leisten. Es würde ein Segen für das Volk sein, wenn Ihre ganze„praktische Arbeit" eingestampft würde.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn auch die Umsturzvorlage dazu gehört und der Kommissionsbeschluß angenommen wird, dann ist es überhaupt mit dem Koalitionsrcchte in Deutschland aus, dann giebt es kein Vercinigungsrecht mehr, und einer Partei, die dazu mitwirken will, steht eS sehr schlecht, sich bei unserem Vor- schlage ein demokratisches Mäntelchen umzuhängen. Ich schließe mit den beherzigenswerthen Worten des Volks- freundes Friedrich Albert Lange in seiner„Arbeiterfrage":„Die O f f e n h e i t u n d W a h r h e i t ist das große Mittel, welches das Ersehnte befördert und das Gefürchtete abwendet. Darum möge man die Arbeiter nicht nur gewähren lassen, wenn sie ernsten Blickes ihre Lage prüfen, wenn sie, statt sich dem finstern Groll und dumpfen Zagen hinzugeben, ihr Auge dem Sonnenlicht eines neuen Zeitalters zu wenden? Man möge die Mittel und Wege erwägen, wie es herbeizuführen sei, und sich freuen, daß sie darauf aus sind, sich als menschliche Wesen im Bewußtsein ihres Rechtes und ihrer höheren Be- stimmnng jene Freiheit zu erringen, die nur dem Segen bringt, der sie e r r u» g e n hat. Man sollte nicht die Gefahr, sondern den Ansang der Rettung aus einer großen Gefahr in dieser Bewegung erblicken. Meine Herren! Von dieser allein richtige» Auffassung sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt. Der Reichstag wird den Arbeitern nicht eher Vereins- und Versaimnlungssreiheit ge- währen, bis sie im Staate eine solche Macht repräsentiren, daß auch der reaktionärste Politiker es für nützlich erachten wird, den Arbeitern Konzessionen zu machen. Der gebieterischen Forderung der Arbeitermassen werden weder Regierung, noch Parlament auf die Dauer widerstehen können, sie werden ihnen bewilligen müssen das freie und durch keinerlei Zwang beschränkte Koalitionsrecht.(Beifall bei den Sozialdenwkraten.) Bayerischer Ministerialrath v. Herumun erwidert hierauf. daß er das Referat desjAbg. Pichler im bayerischen Landtage durch- aus richtig wiedergegeben habe, wie er sich inzwischen aus dein Stenogramm jenes Referats überzeugt habe. Der Abg. Pichler hat danach gesagt, daß in Bayern nicht nur gewerkschaftliche Vereine existirten, sondern daß auch ihre Mitglieder von den bayerischen Behörden in keiner Weise angegriffen würden, als uichtpolitischen Vereinen gehörten ihnen auch weibliche Arbeiter an. Abg. Lenzmann(frs. Vp.): Da das Haus schon jetzt unter den: Eindruck ganz anderer Interessen steht, so will ich nur antworte» auf die heftigen Angriffe des Vorredners auf nieine Fraktion. In dem Streite zwischen Grillenberger und Beckh ist die Vertretung der Vereins-, Versannulungs- und Koalitionsfreiheit etwas zu kurz gekommen. Wenn Herr v. Elm meinte, daß wir Gegner dcL Koalitionsrechts sind, so kann das nur daher kommen, daß er einige wenige Zeitungen gelesen hat, die nicht freisinnig sind. Die freisinnige Presse ist stets für die Koalitionsfreiheit eingetreten, nicht blos theoretisch, sondern auch praktisch, zum Beispiel bei dein Bergarbeiler-Aus- stand iu Rheinland und Westfalen. Freilich einen solchen Streik, wie er später ausbrach, der von vornherein aussichtslos erschien, konnten wir nicht billigen. Wir spielen uns ebenso wie die Sozialdemokraten als Arbeiterfrcunde auf.(Große Heiterkeit.) Die Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine sind aus der Fortschrittspartei hervorgegangen, und in unserem Programm »cht wie in dem der Fortschrittspartei das freie Vereins-, Ver- sammlungs- und Koalitionsrecht. Nach meiner Meinung spricht die deutsche Verfassung auch nicht blos eine Verheißung des Vereinsgesetzes aus, sondern sogar eine Verpflichtung dazu. Es ist bedauerlich, daß seit 25 Jahren noch nichts dafür geschehen ist. Die Einzelstaateu können gar keine neuen Vereinsgesetze machen, da diese Materie der Neichsgesetzgebuug vorbehalten ist. Ein einheitliches Reichs-Versammlungsrccht ist nothwendig, schon weil bei der Verschiedenartigkcit der Gesetze die größten Schwierig- keilen für diejenigen entstehen, welche einmal in einem anderen Staate in einer Versammlnug auftreten. Ich studire immer erst die Vereiuegesctze des Staate?, in den ich mich begebe, und wenn es Lippe- Detmold-Biesterfrld sei» sollte. Denn ich möchte nicht mit den Lippe-Biesterfcld'schen Polizisten in Konflikt kommen. Am besten ist der Zustand jetzt in Württemberg, wo ein Vereins- gesetz überhaupt nicht besteht. Wo Bereinsgesetze bestehen, da kommt auch mancher Mißbrauch bei Auflösungen von Versamm- lungen u. s. w. vor. Namentlich wird häufig das Auftreten eincS sozialdemokratischen Redners als Vorwand für die Auf- lösuug benutzt. Beschwerden dagegen haben keine Wirkung, weil die Rcmedur zu spät kommt. Der Beamte, der aus purer Laune eine Versammlung auflöst, könnte auf grund des Strafgesetzbuchs augeklagt werden. Im Gegensatz zu meineni Freunde Beckh bin ich der Meinung, daß den Frauen ebenso ein Vereins- und Ver- samniluugsrecht zusteht, wie den Männern, da sie im wirth« schaftlichen Leben wie diese thälig sind. Der Antrag kann durch eine Amendirung im Plenum nicht verbessert werden; wir werden zunächst für den ersten Paragraphen stimmen, und wenn das Haus auf diesen Antrag eingeht, werden wir Ab- änderungsanträge stellen. Die Annahme einer Resolution hätte wohl jetzt unter der Acgide des Herr» von Köller keine Aussicht. Wir treten mit Nachdruck für ein freies Vereins- und Ver- sammlungsrecht ein und betrachten es als eine Anmaßung der Sozialdemokraten, diese Forderung für sich allein in Anspruch zu nehmen. Wir haben das Feld eher beackert, als die Sozial- demokraten. Abg. v. Czarliuöki(Pole) spricht sein Einverständniß aus mit den Aussührungen der Abgg. Bachem und von Hodenberg in der ersten Lesung. Gerade die polnische Bevölkerung ist auf grund des Vereinsgesetzes unsäglichen Quälereien ausgesetzt; man betrachtet die Polen nicht als vollberechtigte preußische Staatsangehörige. Die Tendenz des Gesetzentwurfs wird von uns gebilligt, aber wir wollen das Gesetz nicht allein für die Arbeiter geben. sondern für alle Bevölkernugsklassc». Wir glauben auch im Namen der polnischen Arbeiter zu sprechen, ohne deren Ver- trauen wir nicht hier wären. Aber die Form des Antrages ist nicht ganz glücklich gewählt; wir wünschen einen Unterschied zwischen politischen und uichtpolitischen Aersanimlungen, und wir wünschen die Frauen nicht aus ihrer natürlichen Sphäre heraus zu bringen. Abg. Pachnilke(frs. Vg.): Es wäre eine interessante Streitfrage, welcher Landsmann mit recht die meiste» Be- schwerden über das Vcreinsgesetz zu führen hat; ich reiche die Palme dem Lande Mecklenburg.(Heiterkeit.) Die konservativen Versammlungen hat mau in Mecklenburg genehmigt, auch einige liberale, aber die sozialistischen hat man verboten. Allerdings hat bisher das Verfahren der mecklenburgischen Re« gierung»ur dazu beigetragen, daß die Zahl der sozialdemokrati- scheu Stimmen sich ständig vermehrt hat. Ein gutes Vereins- oeute» in Gmubinnen wieder in sein Amt eingesetzt, wogegeudemokratie in einer ganzen Reihe von Orlen die Versamiulirngs-g e/ctz und tickt l.lnnäsix L.lcsckr auf ciuaige» Mißbraich «chiucn, so»d« n> ituv de» orduungSniäßigen Gebrauch der Vereins. u»d Verscliiimluugsfrciheit schützen. Um den Antrag annehmbar ?u machen, wären allerdings einige Verbesserungen erforderlich. Die Zeit für die Regelung dieser Frage ist jetzt nicht günstig. Was die Billigung der Regierung finden würde, würde uns nicht gefallen, denn eine Regierung, die eine Umsturzvorlage wacht, kann kein freies Vereinsrechl schaffen. Wenn wir gegen den Antrag stimmen, so geschieht es nicht, weil wir mit seiner Tendenz nicht einverstanden sind, sondern weil der Zeitpunkt kein geeigneter ist. Abg. Stolle(Soz.): Wie in Sachsen das Vercinsgesetz ge. handhabt wird, das verstößt sowohl gegen die Verfassung des Königreichs Sachsen, als auch gegen den Artikel 77 der Reichs Verfassung. Wir haben in Sachsen nicht mehr das Recht, uns zu versammeln oder über öffentliche Angelegenheiten uns ans- zusprechen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vom Minister des Innern ist erklärt worden in einer Kammersstzung, daß allerdings die Gesetze gegen unsere Partei schärfer geHand- habt werden müßten, als gegen andere. Die Verwaltungs behörden des ganzen Landes werden diesen Ausspruch zu dem ihrige» machen. So wird bei uns mit«veierlei Recht gemessen. Tie Maifeier ist verboten worden, Vereine sind ausgelöst, Versammlungen sind untersagt worden. Namentlich ist man scharf Auf grund des§ 5 gen gegen die Agitalionsverbände. Lereinsgesetzes kann man bei uns in Sachsen alles machen, er bietet der Regierung mehr Gewalt als alle Umsturzgesetze. In der Auslegung der Polizeigesetze gehört dem Königreich Sachsen die Krone. Trotzdem wir bei den letzten Reichstagswahlen 270 000 Stimmen, mehr als die Hälfte er- 'halten haben, wird uns, dem größten Theil der Einwohner, das Recht, sich zu versammeln, verwehrt. Die Verfassung wird ver- letzt. Der§ 26 derselben gilt für uns nicht; wir erhallen nicht das gleiche Recht wie andere Parteien. Eine Versammlung wurde verboten mit der Motivirung, daß aus der Perjon des Referenten, 'des Abg. Stolle hervorgehe, daß die Versammlung eine sozial- 'demokratische sein werde, obgleich ich noch nicht ein einziges Mal überführt worden bin, daß ich gegen die Gesetze gehandelt habe! Eine ganze Anzahl von Vereinen ist verboten worden mit der Motivirung, sie hätten sozialdemokratische Lieder gesungen. Die Kassengeldcr der Vereine sind von der Polizei mit Gewalt ge- nommen worden. Den Bergarbeiter- und Hüttenvcrbänden hat man das Recht der juristischen Persönlichkeit genommen. Die höchste Instanz bei uns ist der Minister des Innern, ein Ober- verwaltnngsgericht haben wir nicht: was sollen da Beschwerden fruchten! Ter Juflizminisier hat in der Kammer offen erklärt: Wir können zwar keinen direkten Einfluß auf die Rechtsprechung ausüben, aber wir werden nicht unterlassen, unrichtige Rechts- spn'iche wenigstens zum Gegenstand vertraulicher Rücksprache zu innchen.(Hört! hört! links.) Da ist es denn freilich kein Wunder, daß die härtesten Urtheile gegen die Arbeiter gefällt 'werden bei leichten Vergehen, während bei anderen die gröbsten Vergehe» gleichsam durch die Finger angesehen werden. Will die Regierung nnserem strebsamen und fleißigen Volk alle Rechte nehmen, die auf grund der Verfassung gewährten Rechte wieder ausheben? Das fordert offen ein Wahlaufruf der Konservativen, der niit Hilfe der Behörden überall verbreitet worden ist. Das zielt alles nur dahin, daß die Flinte schießt, daß der Säbel thaut und daß das Blut fließt. Das läßt man zu, aber die ' Sozialdemokraten werden überall zurückgesetzt und auch wirthschast- lich benachtheiligt. Gegenüber diesem Nothstande müssen wir schreien und Abhilfe verlangen. Wir haben keine Rechte mehr, � daher sind wir berechtigt, sie hier im Reichstag zu verlangen (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Sächsischer Bnndesbevollmächligter Graf Hoheuthal: Die Vehauptnngen, daß der Wahlaufruf der Ordnungspartei durch Beamte kolportirt fei, hat der Vorredner schon einmal aufgestellt aber weder damals noch heute bewiesen. Wenn der Vorredner bei der Verhandlung am I. Mai, von der er wahrscheinlich durch •größere Vergnügungen abgehalten war, gegenwärtig gewesen tväre, so wurde er wissen, daß ich mich auf die einzelnen Be- schwerden nicht einlassen kann, weil sie vor den sächsischen Land- tag gehöre».(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Vorredner glaubt, daß in Sachse» eine Justizverweigerung staltfindet, so kann er sich ja auf grund des Artikel 77 der Reichs- Verfassung an denBundesrath mit einerBcschwerde wenden.(Heiter- keit rechts.) Ter Vorredner hat mir vorgeworfen, ich hätte gesagt, die Sozialdemokratie steuere dem Anarchismus zu. Ich habe nur gesagt, der vorgelegte Gesetzentwurs sei nur die gesetz- iliche Sanklionirung der Anarchie. Das Verdienst der sächsischen Führer ist es nicht, daß die Sozialdemokratie nicht schon längst zum Aufruhr geschritten ist. Wenn jemand verständig ist, so ist «s das Volk, aber nicht die Führer, die alles gethan haben, um die Bevölkerung auf Wege zu bringen, auf denen ich sie nicht sehen möchte. Der ruhige Sinn der sächsischen Bevölkerung hat es möglich gcniacht, die Ruhe zu bewahren und ich hoffe, daß es auch in Zukunft so gehen wird.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Förster-Neustettin(Resorm-P.): Auch wir sind der Meinung, daß das Reich durch die Verfassung die Verpflichtung überkommen hat, das Vereins- und Versammlungsrecht �u ordne» Eigentlich sollten die Sozialdemokraten mit dem jetzigen Aus- nahmeznstand zufrieden sein; denn wlnii sie gleichartig mit den anderen Parteien behandelt würden, wenn das Martyrium von ihnen weggenommen würde, dann würde ihnen auch eine gewisse Macht genommen. Das Vereins- und Versammlungsrecht für "die Frauen würde nur dann Bedeutung haben, wenn die Frauen auch politische Rechte erhielten. Abg. v. Elm(Soz.): Die Stellung der freisinnigen Partei zu den Streiks war früher eine andere; das ehemalige Mitglied dieser Partei, Abg. Harkort, erklärte einmal, Dr. Max Hirsch könne stch nickt soviel Seife kaufen, um die Schmach des Waldenburger Streiks wieder abzuwaschen. In keiner Zeitung werden die Streiks so maßlos angegriffen wie gerade in der „Freis. Ztg.". Es ist sehr schön, hier Reden für das Ztoalilionsrecht halten, aber mit den Worten stimme» die Thaten der Freisinnigen nicht überein. In der Theorie sind sie dafür, wenn es aber zur That kommt, hat es an den Freisinnigen noch immer ge- fehlt. Die Gewerkvereiue haben ivir uns nicht zum Vor- wurf genonnnen, sonst hätten wir eine jämmerliche Organi- sation. Nein, wir haben uns die Kampforganisalionen in England zum Vorbild genominen, von denen die Gewerk- vereine nur ein jämmerlicher Abklatsch sind. Es giebt keine Jnteressengemeinschast zwischen Kapilaliste» und Arbeitern, der gesellschaftliche Riß zwischen ihnen ist nicht zu überkleistern. Herr Pachnicke steht kein Bedürfniß, den Frauen die- selben Rechte einzuräumen, solange sie es nicht selbst wünschen, an politischen Versammlungen theilzunehmen. Wir wollen aber denen, die daran theilnehmen wolle», die Möglichkeit dazu schaffe». Herr Lenzmann vermißt in unserem Antrag Be- stimmungen über die Ueberivachung und Auflösung von Ver- sammlunge», er kann sich also eine Versammlung ohne Polizei gar nicht denken. Es geschieht durchaus lein Schade, wenn jeder Bürger des Deutschen Reichs sich versammeln kann(Heiterkeit), wann und wo er will. In Eng- kand, wo volle Freiheit besteht, ist das Verhältniß zwischen Kapitalisten und Arbeitern viel besser. Druck erzengt Gegendruck, und in Deutschland ist daher eine andere Kritik mit bitteren und scharfen Worten erklärlich. Die Zeit soll für unser» Antrag nicht geeignet sein. Wtr haben schon chreiinal ans den sreisinnigeu Antrag über die Ab- ändening des Wahlgesetzes so viel Zeit verwendet, wir können also auch auf diesen für die Arbeiter so wichtigen Gegenstand einige Zeit verwenden. Wenn der Antrag nicht angenommen wird, so werden wir damit wiederkomme» und Sie werden ihm schließlich Ihre Zustimmung nicht vorenthalten können. Abg. Nichter: Der Vorredner kennt die Parteien wohl nur aus der Lektüre des„Vorwärts" und ans den Reden seiner Parteigenossen. Da kann nur ein Zerrbild Heranskommen. Älber wenn man so irenig unterrichtet ist. sollte man wenigstens hier zuhören. Herr v. Elm kann zwar sprechen, schön kann ich seine Reden freilich nicht nennen.(Heiterkeit.) Aber er kann nicht zuhören, sonst hätte er Herrn Lenzmann nicht das Gegentheil seiner Worte in den Mnnd gelegt. Herr Lenzmann hat daran � hingewiesen, daß über die Auflösung von Versammlungen nichts in dem Antrage stände; daraus folge das unbegrenzte Au" lösnngsrecht. Das beweist aber nicht, daß Herr Lenzmann sich ein Versammlungsrecht ohne Polizei nicht denken kann. Vom Waldenburger Streik hat Herr Lenzmann nicht ge� sprachen, sondern vom Dortmunder Streik, in welchem die Freisinnigen für die Arbeiter eingetreten sind.(Zürn' eines Sozialdemokraten: Auch beim Buchdruckerstreik?) Allerdings nicht; der Buchdruckerstreik war frivol vom Zaun gebrochen und hat den Buchdruckern Millionen gekostet. Das ist eben der Unterschied, daß die Sozialisten zwar manchmal vom Streik abrathen, aber nachher, wenn er trotzdem staltfindet, ihn doch unterstützen. Wir sind zur Zeit die einzige Partei, welche die Nolhwendigkeil einer freiheitlichen Vereinsgesetzgebung be hanplet. Wenn Sie einen Streit mit den Freisinnigen vom Zaune brechen bei dieser Angelegenheit, so bewei' das. daß es Ihnen nicht ans die Erreichung praktischer Ziele ankommt, sondern daß Sie blos nachher eine Broschüre herausgeben wollen über die Handhabung der Vereinsgesetze. Schließlich beantrage ich, daß über die einzelnen Sätze des Z 1 gesondert abgestimmt wird. Abg. Zubeil(Soz.) bespricht einen Fall von Saalabtreibung in Zossen, worauf der Preußische Minister des Innern v. Köller ihm bemerkt, daß er sich an die zuständige Instanz wenden möge, von der es schließlich an den Minister kommen würde.(Zuruf: 2 Jahre.) Das wird abzuwarten sein.(Zuruf Singer's: Wenn Sie noch Minister sind!) Das wird auch abzuwarten sein Tie Gastwirthin hat eine Erklärung abgegeben, daß sie ihren Saal nicht hergeben will. Abg. Stolle: Wenn wir Sozialdemokraten in Sachsen wirk- lich eine wüste Agitation getrieben hätten, so würden Polizei und Justiz dies verhindert haben. Wir verlangen nur, was jeder freidenkende Man» verlangt: Freies Vereins- und Versamm lnngsrecht; wir verlangen es auch für die Frauen als gleiche Lastenträger wie die Männer. Die Behörden in Sachsen er- blicken natürlich in jeder Versammlung von Sozialdemokraten den Anfang der Anarchie. Daß die sächsischen Behörden sich an konservativer Partei-Agatation betheiligen, wird auch von gegnerischer Seite anerkannt, und könnte von uns an Dutzenden von Beispielen erhärtet werden, wenn wir nicht fürchten müßte», daß die Zeugen, untergeordnete Arbeiter— so kann man sie ja nennen— gemaßregelt werden können. I» Sachsen herrscht nicht so wohl der Minister, als die geheime Ober- Hosrathspartei. Wir stehen in der Kammer einer geschlossenen Phalanx gegenüber, welche uns, wenn sie sich uns gegenüber für geistig bankrott erklären muß, uns durch einen Schlußantrag mundtodt macht. Hier im Reichstag, wo noch mehrere Parteien existiren, können wir wenigstens unsere Klagen vorbringen, und wir werden dies auch i» Zukunft thun. Abg. Bebel: Daß Herr Richter s. Z. ein heftiger Gegner des Buchdruckerstreiks war, mehr als es sich vielleicht von seinem Parteistandpunkt aus rechtfertigen ließ, ist seine Sache, es muß aber auf das entschiedenste zurückgewiesen werden, daß die Leiter im Bnchdruckerstreik Sozialdemokrale», und womöglich Führer der Sozialdemokraten seien. Es ist im Gegentheil mit einer gewissen übertriebenen Aengstlichkeit alles vermieden worden, was als eine politische Belhätigung angesehen werden konnte. Wir haben uns in den Streik nicht eingemischt, aber nachdem er ausgebrochen war, gereicht es den Gewerkschaften zur höchsten Ehre, daß sie ihre Genossen unter- stützten. So haben die Schuhmacher, die wöchentlich 12 M. verdienen, die Buchdrucker unterstützt, die doch bis zu 40 M. verdienen. Daß die Diskussion nur den Zweck habe, eine Agilations broschüre herauszugeben, kau» nur Herr Richter behaupten. Es handelt sich hier um eine Programmforderung, die wir immer verfechten müssen, da der gegenwärtige Zustand durchaus nicht als ein idealer anzusehen ist. Es ist noch nicht einmal der Ge danke aufgetaucht, die Verhandlung zu einer Broschüre zu ver- arbeite». Dazu bietet die Umsturzvorlage viel mehr Material. Aber freilich, wenn es gilt, der Sozialdemokratie etwas aus zuwischen, dann ist Herr Richter immer dabei. Abg. Richter: An dem Buchdruckerstreik habe ich kein Interesse; ich kann aber seslstellen, daß der Streik ein un- berechtigter war. Die Unternehmer wollten entgegenkonunen; diese friedlichen Verhandlungen sind aber gescheitert durch das Auftreten der Führer und ihre weitergehenden Forderungen. Die Buchdruckergewerkschast hat sich von politischer Thätigkeit fern gehalten; um so bedauerlicher ist es, daß ihre Fonds so zerstört worden sind. Daß die Führer aber, trotzdem sie sich nicht öffentlich betheiligt haben, sozialistischen Ideen huldigen, ging aus den Artikeln des„Correspondenten", des Organs der Gewerkschaft. deutlich genug hervor. Trotzdem die Sozialdemokratie vom Streik abgerathen hat, hat sie den Streik nachher unterstützt. Das Broschürenschreiben halte ich durchaus nicht für eine schädliche Thätigkeit.(Heiterkeit.) Ich habe nur darüber geklagt, daß es eine falsche Taktik ist, daß man die Polemik mit besonderer Schärfe gegen diejenigen richtet, aus deren Unter- stützung man rechnen muß. Tarauf wird der Antrag gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, der Süddeutsche» und Freisinnigen Volksparlei, der Polen, sowie einiger Angehöriger der Freisinnigen Vereinigung abgelehnt. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung D i e n st a g 1 Uhr.(Dritte Berathnng des Nachlragsetats; Erledigung der Wahle» der Abgg. Böttcher und v. Dziembowski; zweite Berathnng der U m st u r z v o r l a g e.) xtarlkmumkauisilzes. Dem Bnndeörarh sind die Entwürfe eines Gesetzes, betr. die Feststellung eines zweiten Nachtrages zum Reichs- Haushalts-Etat und eines Nachtrags zum Haus- halts-Etat für die Schutzgebiete zugegangen. Dem Reichstage sind nunmehr die— wie bereits mit- getheilt— vom Bunsesraih beschlossenen Entwürfe eines Gesetzes, betreffend 1. die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Personen des Soldatenstandes des Reichsheeres und der Marine vom Feldwebel abivärls, sowie 2. eines Gesetzes über den gegenseitigen Bei st and der Behörden der Bundesstaater» bei Einziehnng von Abgaben und V o l l st r e ck u n g von Vermögens- 'trafen zugegangen.— Lokurles. Zu den Unter- so geringfügigen Die Solintago.,.»r un, dem Biehhofe. nehmern, die sich halsstarrig gegen jeden noch_ Arbeiterschutz verhallen, gehören in der Regel'die'Herren Schlächtermeister. Nach ihrer Auffassung, der sie kürzlich erst in einer Petition an die gesetzgebenden Faktoren Ausdruck gaben, ist jeder Eingriff des Staates in ihre Ausbeulungsfreiheil ge- eignet, das„gute Einvernehmen" zwischen dem ehrsamen Meister und dem patriarchalisch regierten Gesellen zu erschüttern und darum zu bekämpfen. Wir wissen also ziemlich genau, daß die Herren vom Schlächtergewerk die ganze Arbeiterschutz-Gesetzgebung als ein Greuel betrachten und hallen deshalb das, was uns über die Art mitgelheilt wird, wie seitens der Schlächtermeister die gesetzlichen Bestimmungen betreffend die Sonntagsruhe ausgesaßt werden, für sehr wohl möglich. Es wird uns berichtet, daß ein größerer Theil der auf dein Zeutral-Viehhofe arbeitenden Gesellen ge- zwungen wird, regelmäßig die Nacht vom Sonnabend zum Sonntag durchzuarbeiten. Am Sonntag früh haben die Gesellen die Ausgabe. Gelder einzukassirrn. Ist diese Beschäftigung beendet, was in der Regel nicht vor nachmittags 2—3 Uhr der Fall ist, dann wird noch verlangt, daß die Gesellen das Ans- schlachten der in der Nacht getödleten Thiere, z. B. der Käloer, vornehmen. Wir denken, es ist Pflicht der Polizei-Organe. darauf zu achten, daß diesem Treiben auf dem Viehhof schleunigst ein Ende bereitet wird. Auch eine Reibe Firmen, von denen dieser Unsug namentlich geübt werden soll, sind wir in der Lage mit- zutheilen, Zur„Kirchennoth", die trotz aller Kirchenbauerei, welche wir in de» letzten Jahren in Berlin staunend miterlebt haben, angeblich immer noch kein Ende nehmen will,� that auf dem diesjährigen Jahresfest der„Berliner Stadtmisnon" Stocker i« seinem Thätigkeitsbericht(der im letzten(Doppel-)Heft der „Blätter aus der Stadtmission" im Wortlaut mitgetheilt wird) einige durch ihre herzersrischende Naivität bemerkenswerthe Aeußerungen. Zunächst jammerte der Wackere, ein Stadt- Missionar habe vor einiger Zeit in der Kirche einer schon alten Vorstadtgemeinde von 3S000„Seelen" im � regelmäßigen Gottes- dienst nur öö Personen gezählt. Da könne man sich nicht wundern, daß es in den neu gebauten Kirchen„noch nicht so steht, wie es stehen � müßte".„Eine von unseren neuen Kirchengemeinden," fuhr dann der theure Goltesmann fort,„hat beinahe 50 000 Seelen. Man könnte denken, die Leute würden in Schaaren kommen und das große, neu gebaute Gotteshaus ausfüllen. Aber so steht es noch nicht. Am Todrenfest und am Sylvesterabend war die Kirche gefüllt; sonst sind Sonntags 3— 400 Leute da, nicht mehr." Das hindert natürlich Stöcker und Konsorten nicht, immer weiter nach mehr Kirchen zu schreien und zu hoffen, daß„die Leute in Schaaren kommen werden". Aber die Sache, meinte Slöcker weiter, fange doch bereits an; denn die innere Mission, auch die Stadtmission, beginne zu arbeiten. Man solle nur Gedssld haben, es werde schon werden. Ach nein, Herr Slöcker, die innere Mission „beginnt" nicht erst zu arbeiten, sondern arbeitet schon recht lange; aber sie wartet noch immer darauf, daß es mit dem Kirchenbesuch„anfangen" soll. Ganz ohne Erfolg arbeitet die innere Mission allerdings doch nicht, wenn man den Versicherungen Slöcker's glauben will. Er beklagte ych zwar bitter darüber, daß die„Umsturzmänner"(aus die er weid- lich schimpfte) seinen Bestrebungen hindernd in den Weg träten, aber hinterher prahlte er wieder, daß doch schon mancher von ihnen seine Trakrälchen mit Begier läse.„Auch zielbewußte Sozialdemokralen lassen oft mit sich reden und bitten die Stadt- Missionare um ihr Wiederkommen." Daß zielbewußte Sozial- demokraten auch ihre Gegner zu Worte kommen und ausreden lassen, halten wir für selbstverständlich. Wenn sie aber Trak- tälchen annehmen und Slöcker'sche Sendboten um Wiederholung ihrer Besuche bitten, so kann man das eben nur auf einem Jahressest der Stadtmission erklären, ohne ausgelacht zu werden. Wie übrigens die neuen Berliner Kirchen zu stände zukommen pflegen, darüber siehe auch die folgende Notiz: Wie man Kirchen baut? In Berlin soll bekanntlich auch eine Kaiser Friedrich-Gedächtnißkirche gebaut werden, für welche ebenfalls in der bekannten Weise gesammelt wird. Ain Sonnabend wurde, um Geld zusammenzubringen, ein großes Fest veranstaltet, zu dem folgendes Programm ausgegeben wurde: „Unter dem Protektorate Ihrer Hoheit der Prinzessin Aribert von Anhalt: Großes Fest zum besten des Fonds der Kaiser Friedrich-Gedächtnißkirche am Sonnabend, den 4. Mai 1395, im Saale der Philharmonie, Bernburgerstr. 22a/23. Anfang 7Vs Uhr, Ende 1 Uhr. I. Theil. Lebende Bilder (Orgelbegleitung, unter gütiger Mitwirkung des Herrn Dr. Reimann). dargestellt von Damen und Herren der Gesellschaft. II. Theil. Deutsches Theaterstück. Unter gütiger Mitwirkung, der königlichen Schauspielerin Frl. Vilnia v. Mayburg. Ungle's Will.(Englisches Lustspiel.) Musik der Kapelle VöröS Miska, unter persönlicher Leitung des Diri- genten. Neuheit! Neger- Melodie von sechs sehr schwarzen Engländer». Neuheit! LäKertys Tea and Coffee room. Büffet. Bierhalle. Patisserie frani;aise. III. Theil. Lebende Bilder(unter Orgelbegleitung). Tanzmusik von Vörös Miska. Daß die 5 Schwestern Barrison nicht mitgewirkt haben, bemerkt sogar das christlich- soziale„Volk" zu diesem Kirchenbau-Programm, daran war wohl blos ihre vorzeitige Ab- reise von Berlin schuld. Ob übrigens Herr Vörös Miska seinem aristokratischen Publikum. das eifrigst zu Ehren des Kirchbaues getanzt haben soll, dieselben Melodien aufgespielt haben mag. mit denen er sonst die Dirnen der Blumensäle zu vergnügen pflegt? Nun, das thut ja nichts. Wenn sich die Herrschaflen nur gut amüsirt haben. Nachher werden sie in der neuen Kaiser Friedrich-Gedächtnißkirche um so fleißiger beten. gluf de», Friedhofe der Thomasgemeinde wurde am Sonntag der Gastwirth Wilhelm Schmidt(Adalbertstr. 16) beerdigt. In jüngeren Jahren war er einer der rührigsten Ge- nossen und auch stets für seine Gewerkschaft thätig. Von dem Wahlverein des 4. Reichstags-Wahlkreises und mehreren Gewerk- chafien sind ihm prachtvolle Kränze mit Widmungsschleifen ge- pendet worden; ebenso erwies ihm ein Gesangverein die letzte Ehre. Dem letzteren passirle leider das Mißgeschick, bei dem 3. Vers des Liedes:„Ein Sohn des Volkes«." vom Tobten- gräber unterbrochen und zum Verlassen der Grabstätte aus- gefordert zu werden. Hätte der oder die Veranlasser dieses Gesangverbotes die Bemerkungen der hierdurch in ihren Gefühlen verletzten Leidtragenden mit angehört, sie würden es sich vielleicht ein zweites Mal überlegen, dasselbe noch einmal zu thu». Di- Sympathie für die„christliche Religion der Liebe" wird jeden- alls keineswegs bannt gefördert, eher ist anzunehmen, daß manch einer, der der Kirche schon halb den Rücken gekehrt hat, in seinem Vorhaben, ans ihr auszuscheiden, erst recht bestärkt wird und es endlich ausführt. Gefängnißarbeit. Am Freitag begann in London der Ausschuß, welcher zu untersuchen hat, inwieweit in ausländischen Strafanstalten angefertigte Waaren nach� England eingeführt werden, die Zeugenvernehmung. Der erste Zeuge war der Journalist James Tollitt, welcher von einer englischen Zeitung nach Deutschland gesandt worden war, um über die Anfertigung von Waaren in deutschen Strafanstalten zu berichten. Tollii will namentlich das Gefängniß von Brauweiler bei Köln und Plötzensee besucht haben. Man verweigerte ihm den Zutritt in beiden Anstalten. Er wußte ihn sich dennoch aber zu verschaffen. Wie. das theille er nicht mir. In Brauweiler de- druckten ihm zufolge die Sträflinge Papierdüten und Schreib- hefte, machten Notizbücher, banden Bürsten und strickte» Strümpfe. »m Strumpsstricken sind Maschinen siir Handbetrieb da. n Plöyensee würden namentlich Peitschen angefertigt. Jeden Tag liefert Plötzensee drei Tons Peitschen. Auch die Blech- indnstrie blüht in Plötzensee. Die Sträflinge fertigen die Blech- waaren theilweise nach englischen Mustern an. Auf den in Plötzensee hergestellten Teppichbürslen sah Tollit den Namen einer Liverpooler und zweier Manchester Firmen. Bürste» sowohl wie Peitschen werden in Masse von Brauweiler und Plötzensee nach England ausgeführt. Das Papier, in welches zu Plötzensee die Peitschen eingewickelt werden, trägt sogar theilweise englische Aufschristen.— Es muß abgewartet werden, ob die Plötzenseeer Gefängnißverwaltung in der Lage sein wird, dies« Behauptungen als unwahr zu erweisen, oder ob in der That den englischen Arbeitern von deutschen Gesängnissen aus so schmutzige Konkurrenz gemacht wird. Ein Bauunfall ist am Montag auf dem Postneubau an der Ecke der Leipziger- und Maurrstraße geschehen. An der Etenze des alten Postzeitungsamles sollte ein Stück altes Mauer- «m! unterhalb der Erdoberfläche abgerissen werden. Um dies schneller zu bewerkstelligen, war das Mauerwerk unterhöhlt worden; es stürzte daher wider Erwarten früher ein als es sollte und begrub zwei Arbeiter unter sich. Hilfe war sofort zur Stelle. sodaß die Verschütteten sofort wieder herausgearbeitet werden konnten und nnr kleine Verletzungen davongetragen haben. Die Rettungsarbeit ging so schnell von statten, daß die auf die Meldung„Mittelfeuer und Bauuuglück" eingetroffene Polizei und Feuerwehr nichts mehr zu thun fanden. Der Maurerpolier, der sich weigerte, dem revidirenden Brandinspektor Auskunft zu er- theilen, wurde zur Wache sistirt. Ein räthselhafter Selbstmord macht in Süden der Stadt Aufsehen. Es handelt sich wieder um einen begüterten Mann und Hausbesitzer, den Eigenthümer des Grundstücks Großbeeren- straße 50, früheren Kaufmann Julius May. Im März vorige» Jahres verlor May. der im 63. Lebensjahre stand, durch den Tod seine Frau. Schon bei deren Lebzeiten war er oft wirr und mit sich selbst unzufrieden; nach dem Verluste der Gattin steigerte sich das Leiden. Als das Dienstmädchen am Sonntag Morgen den Kaffee in das nach der Straße zu gelegene Wohn- zinuuer tragen wollte, fand es den Dienstherrn todt auf dem Fußboden liegen. May war in früher Morgenstunde aufgestanden und hätte üch aus einem Revolver eine Kugel in das Herz gejagt. Die Veranlassung zu dem Selbstmorde glaubt man auch darin suchen zu müssen, daß May vor kurzem sein Haus verkauft bat. Die Aussicht, bald sein Grundstück, das er 10 Jahre lang besessen hat, räumen zu müssen, und der Wahn, daß er nirgends mehr Unterkunft finden werde, scheinen ihn in den Tod getrieben zu haben. Bewnsttlos und am Kopfe schwer verletzt wurde Ende voriger Woche ein Mann im Alter von ungefähr 35 Jahren auf der Straße aufgefunden und einem Krankenhause zugeführt. Dort ist er am Sonnabend infolge Schädelbruches gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Man hat daher weder über die Persönlichkeit noch über den Vorfall, der die Verletzungen herbeigeführt hat, etwas feststellen können. Der Unbekannte hat dunkles Haar, einen Schnurrbart, blaue Augen, eine spitzgebvgene Nase und eine kräftige Gestalt. Tie Pracht des FriedrichShasns wird am Sonntag wesentlich dadurch beeinträchtigt, daß die Wege nicht gesprengt werden. Dieser Park liegt mitten zwischen verschiedene» Arbeiter- vierteln, deren zahlreiche Bewohner im Frühling wie im Sommer und im Herbst hier ihre sonntägliche Erholung suchen. Des Sonntags nachmittags beleben stets Zehntauseude die Wege des Parkes, Slaubivolken aufwirbelnd, welche Baum und Strauch. Blatt und Blüthe in ein schmutziges Grau hüllen und das Athme» erschweren, so daß es aufhört, ein Genuß zu sein,' in dem sonst so schönen Park zu lustwandeln. Zur Nulegnng einer elektrische» Bahn»ach Spandau hat der Regierungspräsident zu Potsdam die Genehmigung er- theilt, und zwar für die Zeit bis zum 31. Dezember 1942. Zur Erhebung des Fahrgeldes wird das Zahlkasten- System eingeführt. Unternehmerin ist die Allgemeine deutsche Kleinbahnen-Gesellschaft zu Berlin. Wegen Zuhalte» der Konpeethiir eines Stadtbahn-Zuges wurde am Sonntag Nachmittag ein Herr Sl.behuss Feststellung seiner Personalien sistirt. Derselbe hatte aus Bahnhof Friedrichstraße die Thür einesWagenabtheils zugehalten, um dasKoupee vor Ueberfüllung zu schützen, wiewohl noch ein Sitzplatz frei war. Dadurch hat sich St. straffällig gemacht.— Wie uns übrigens mitgetheilt ivird, ist das Zuhalten der Thüren auch bei wirklich überfüllten Koupees untersagt und haben dawider Handelude Personen eine Geld- strafe verwirkt. Besser wäre es jedenfalls, wenn die Direktion auch des Sonntags nachmittags so viel Wagen und Züge zur Verfügung stellte, um eine Ueberfüllung der einzelnen Koupees auf alle Fälle zu verhindern. Wer ist denn der schuldigere: Der Passagier, der die Wagenthüre zuhält, wenn zehn Personen im Koupee Platz genommen haben, wie es nach dem Reglement die höchst zulässige Taxe ist,— oder die Eisenbahudireklion, die es — entgegen ihrer eigenen Instruktion— zuläßt, und die Ursache ist. daß sich 25 und mehr Personen in einem Koupee zusammen- pferchen müssenk Elektrische Bahn Berlin-Charlotteuburg. Wie der „Charlotlenb. Ztg." mitgetheilt wird, hat auch die Thiergarten- Verwaltung � die Umwandlung der Berlin- Charlottenburger Pferdebahn in eine elektrische Bahn und die Ausstellung der zu diesem Zwecke nöthigen Ständer u. s. w. für den Bereich des Thiergartens genehnngt. Es bleibt jetzt nur noch der mehr- erwähnte Einspruch der Physikalisch-lechnischen Reichsanstalt zu beseitigen. Schiller'S TodeStag. Am Mittwoch, den 9. Mai, ist die neunzigjährige Wiederverkehr des Todestages Friedrichs von Schiller, der 1805 zu Weimar starb. Aus Anlaß dieses Tages soll das Marmorstandbild des großen deutschen Dichters am Schillerplatz mit Blumen geschmückt werden. Der Droschkeukutscher-Berei» hat die löbliche Absicht, die Pferdebahn-Gesellschaft ein wenig an ihre Pflichten zu er- innern und zwar hinsichtlich der Instandhaltung der Geleise, die vielfach recht sehr zu wünschen übrig lassen und den öffentlichen Wagenverkehr in den Straßen oft nicht unerheblich stören, der genannte Verein hat eine entsprechende Petition an das Kom- missariat für das öffentliche Fuhrwesen zu richten beschlossen. WitteruugSiibersicht vom K. Mai 1805. Welter-Prognose für Dieustag, 7. Mai 1805. Trockenes, vorwiegend heiteres, am Tage warmes Wetter mit ziemlich frischen östliche» Winden. Berliner Wetterbureau. Polizeibcricht. Am 4. d. M. vormittags warf in der Ziouskirchstraße ein Mädchen seine 5 Jahre alte Tochter durch das Flurfenster des 5. Stocks auf den Hof hinab und stürzte dann selbst nach. Beide starben auf der Stelle infolge von Schädelzertrümmerung.— In der Neuen Friedrichstraße erhielt ein Kutscher von seinem Pferde, als er ihm die Decke abnahm, einen Husschlag ins Gesicht und erlitt einen Bruch des Nasen- beins.— Gegen Mittag stürzte in der Fichtestraße ein zwei- jähriger Knabe aus dem Fenster des 3. Stocks hinaus und starb bald darauf an den erlittenen Verletzungen.— Nachmittags wurden eine Arbeiterin auf der Kreuzung der Reinickendorfer- und Dalldorferstraße, und ein sieben Jahre alter Knabe in der Langestraße durch übermäßig schnell fahrende Bierwagen überfahre». Erstere wurde am Fuße erheblich verletzt, der Knabe auf der Stelle getödtct.— An der Kielerbrücke wurde die Leiche eines Mannes aus dem Schifffahrlskanal gezogen.- Am B. d. M. wurden zwei Männer erschossen in ihrer Werkstatt resp. Wohnung vorgefunden.— Ein in der Franseckistraße wohnhafter Mann hatte sich anscheinend vergiftet und wurde morgens sterbend in seinem Bette vor- gesunden.— In der Linienstraße wurde vormittags ein Kauf« mann durch einen Postwagen überfahren und anscheinend inner- lich bedeutend verletzt.— In dem Keller eines Hauses Leipziger- straße entstand beim Anzünden einer Gasflamme eine Explosion, bei der ein Mann und eine Frau so erhebliche Brandwunden an den Händen und im Gesicht erlitten, daß sie nach einer Unfall- station gebracht werden mußten. In der Hasenhaide wurde nachmittags ein achtjähriger Knabe durch eine Kutsche über- fahren und am Kopfe, am Arm und am Fuß verletzt.— Am 4. und 5. d. M. fanden neun kleine Brände statt. GsviS»ks--Äsikuttgl Fragen nach den persönlichen Verhältnisse» an Zeugen, durch welche diese herabgesetzt werden sollen, sind, so wnt dies irgend möglich ist, zu versagen. Ein Referendar hatte in einer Prozeßsache in seiner Eigenschaft als Nebenkläger an eine Zeugin die Frage gerichtet, ob sie nicht im Jahre 1879 wegen Ehebruchs bestraft worden sei. Der Vorsitzende der sechsten Strafkammer am Landgericht I, Landgerichlsdirektor Frauke, untersagte in sehr scharfer Form diese Frage und ries dem Referendar zu, daß derselbe, wenn er sich der Rechts- karriere widmen wolle, sich vor allen Dingen vergegen- wältigen solle, daß den Vorsitzenden die Anweisung ertheilt sei, solche Fragen, durch welche Zeugen herabgesetzt werden sollieu, nach Möglichkeit zu verhindern. Diese Anweisung ist thatsächlich nothwendig geworden, denn nicht selten werden von den An- geklagten oder ihren Verlbeidigern an die Zeugen Fragen ge- richtet, die mit der Sache selbst in keinem Zusammenhang stehen, und nicht einmal für die Frage der Glaubwürdigkeit eines Zeugen von Belang sind, denn wenn wirklich der Zeuge einmal irgend ein Unrecht begangen haben sollte, so kann man hieraus noch nicht folger», daß er nun auch einen Meineid leisten müsse. Ei» nener großer Wucherprozeß begann beute vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdireklors Rieck. Augeklagt sind: I.Rentier Wilhelm Fleh er, 2. Kleiderhänd'er Jacob Sch olem, 3. Agent Albert Wasilewski, 4. Rentier Albert Motteck, 5. Agent Fritz Arendt und 6. Kaufmann Hermann L u w e n o w. Die Anklage vertritt wieder Staatsanwalt Strähler, die Vertheidigung führen Rechisauwälte Dr. I v e r s, Dr. Fritz F r i e d ni a n n, Weber, Frank und B l a s ch k a u e r, Justizrath Kleinholz, F l a t o w und Dr. S e l l o.— Nach Annahme der Zluklage gehören die An- geklagten einer Gruppe von Geldgebern an, welche vorzugsweise Offizieren und Höheren Beamten Geld lieh und sie gruppirten sich als Hintermänner um den Angeklagte» Scholem. Dieser ist der Sohn des verstorbenen stadtbekannten Kleiderhäudlers Scholem nomine Brühl. Er hat seines Vaters Geschäft übernommen und betreibt dasselbe seit 1873. ES besteht hauptsächlich darin, daß er Offizieren alte Sachen und Uniformstücke abkauft. Dadurch kam er mit Osfizierkreisen in eine nähere Berührung und es entwickelte sich daraus ein Geldverkehr zwischen ihm und den Offizieren. Wenn letztere Geld brauchten, dann wandten sie sich vertrauensvoll an Scholem und dieser besorgte ihnen die gewünschten Summen, zum kleinsten Theil aus eigenen Mitteln, zum größten Theil aus Mitteln anderer Geldgeber, zu denen die Augeklagten gehört haben. Scholem nahm für seineu Theil von den Geldsuchenden 6 bis 8 pCt., ließ sich aber gelegentlich auch Gefälligkeiis-Akzepte gebe», die in einem Falle die Höhe von 30 000 M. erreicht haben sollen. Die Mitangeklagten solle» für ihre Gcldvermittelung, bei denen die üblichen Prolongations- Wechsel eine Rolle spielten, bis zu 40 pCt. genommen haben; sie haben auch vielfach selbst direkte Geldgeschäfte gemacht. Die Verhältnisse, die bei diesem Prozesse zur Sprache kommen, sind die nämlichen, die in den Vorprozessen schon so oft besprochen worden. Sämmtliche Angeklagten bestreiten ihre Schuld und behaupten, daß bei ihren Geldgeschäften weder eine Ausbeutung einer Nothlage oder des Leichtsinns vorlag, Zinsen verlangt worden seien, die bei dem obwaltenden Risiko übermäßig hoch erschienen. Namentlich bestreiten die beiden letzten Angeklagten, sich des Wuchers schuldig gemacht zu haben und versichern, daß sie nur ganz legale Geldgeschäfte gemacht haben.— Es sind 48 Zeugen zur Stelle. Der Prozeß füllte die gesammte Sitzung der ersten Straf- kammer aus. A« charakteristischen Einzelheiten ivar die Beiveis- aufnähme ärmer als bei anderen derartigen Prozessen. Als Zeugen traten auf: verabschiedete Osfiziere, die zur Tilgung von Spielschulden Geld gebrauchten, Hauseigenthümcr, denen die Mittel zur Vornahme nothwendiger Reparaturen fehlte», der Geheimraths- söhn, der imJugendübermuthe Schulden gemacht hatte und dabei die Hoffnung hegte, daß sie von„seinem Alten" bezahlt werden würden, es fehlte aber auch der Rechtsanwalt und der Staats- auwalt nicht. Ein provinzieller Staatsanwalt stand sogar mit dem Angeklagten Scholem auf ganz vertrautein Fuße. Er redete ihn brieflich recht jovial„Mein lieber Schorlemer" an, lud ihn zur„koscheren Gans" ein und verrieth ihm in einem Briefe aus Karlsbad, daß er dort eine„kleine Französin" kennen gelernt habe, die ihm viel Geld koste, so daß er ivieder eine Anldhe machen müsse. Der lebenslustige Herr Staatsauwalt hat übrigens bestritten, daß er in einer Nothlage gewesen. Auch ein anderer Zeuge hat zu der Zeit, als er noch die preußische Offiziers- Uniform trug, in ähnlichem engen Verkehr mit Herrn Scholem gestanden, was aus der Thalsache hervor- geht, daß er demselben für 30 000 M. Gefälligkeils- Akzepte ge- geben hat. Da Scholem im Jahre 1894 ein außergerichtliches Engagement mit seinen Gläubiger» einzugehen gezwungen war, so sind dem Offizier aus diesen Akzepten viele Weiterungen und Verluste entstanden. Ein Zeuge, der von dem Angeklagten Motleck gezwungen worden war, wegen einer Schuldsumnie von 300 M. den Offen- barungseid zu lefften, wurde von dem Vertheidigertische aus ver- dächligt, aus Ingrimm hierüber dem bekannten„Oberaiutniann" Krause Material zu seiner Wucherbroschüre geliejert zu haben. VorsÄtttmlungen; Die Möbelpolirer beschäftigten sich am Sonntag in öffent- licher Versammlung bei U l l r i ch, Waloemarstr. 75, mit Stellung- »ahme zu der wegen der Maifeier erfolgten Maßregelung ihrer Kollegen bei den Firmen Hoflieferant C. P r ä ch t e l, Krauseu- straße 31/32, und Fr. Müller, Krautstr. 37. Der Verbands- Vorsitzende Schulz stellte den Sachverhalt in der Weise dar. wie er bereits im„Vorwärts" zur Veröffentlichung ge- langt ist. Dringende Arbeiten seien bei P r ä ch t e l nicht zu erledigen gewesen, nur„wegen verletzter Disziplin" trat die Strafe der Entlassung ein. Wer die eigentlichen Anordner dieser Maßregel waren, gehe ziemlich klar hervor aus den Sleußerungen zweier Buchhalter und des Werk- führers W i e d e n, e y e r bei der am Donnerstag nachgesuchten Rücksprache gegenüber der Kommission: wenn auch Herr Prächtel die Polirer wieder einstellen wollte, sie würden es verhindern, und an die Einstellung aller sei übrigens kaum zu denken, da bereits einige Plätze besetzt seien. Trotzdem will die Kommisston nochmals eine Rücksprache mit Herrn Prächtel versuchen. Kluge erwartet von dem Solidariiätsgefühl der bei Prächtel arbeitenden Tischler, daß sie nicht die vorkommenden Polirarbeiten machen; einige Tischler gaben diesbezügliche Erklärungen in sehr bedingter Form ab. Werkführer W i e d e ,n e y e r führte aus: hätten die Polirer bis Mittag gearbeitet, dann wäre ihre Enl- lassuug nicht ersolg:; er wurde aber von Meier a» seinen Ausspruch erinnert: wer nur bis Mittag arbeitet, der habe die- selben Konsequenzen auf sich zu nehmen, als wenn er am I. Mai gar nicht zur Arbeit kommt. Lediglich infolge dieses Ausspruches beschlossen die Polirer, nunmehr am 1. Mai gänzlich zu feiern, da ihnen die Erlaubniß von 4 Uhr ab zu feiern, dafür aber die Mittagspause durchzuarbeiten, wie es seitens der Tischler auch geschehen ist, als der reine Hohn erschien. In einer einstimmig zur Annahme gelangenden Resolution erklärte die Versammlung das Vorgehen der Kollegen Eür korrekt und versprach ihnen jede moralische und pekuniäre lnterstützung. Die Werkstellen- Sperre bleibt bestehen.— Bei Fr. Müller. Kraulstr. 37, einigten sich die Polirer für gänzliche Arbeitsruhe am 1. Mai; jedoch trotz seiner bestimmten Zusage arbeitete einer(Joch) de» ganzen Tag, die übrigen„flogen raus". Leider ist, wie Schulz weiter bemerkte, hier außerdem die traurige Thatfache zu verzeichnen, daß zwei arbeitslose Verbands- Mitglieder, Witzelhausen und F e ch n e r, die Tags vorher sich ebenfalls an der Maifeier betheiligten, am Donnerstag sofort bei Fr. Müller in Arbeit traten. Von den dort beschäftigten 20 Tischlern sind nur 6 organisirt, daher ist eine moralische Unterstützung der Gemaßregelten ihrerseits kaum zu er- hoffen. Der Kommission wurde nahegelegt, mit Herrn Müller eine Verständigung zu versuchen; ebenso soll sie auch bei Stövesandt, Blücherstr. 12, wegen der in der Versammlung gemeldeten Entlassung eines Kollegen aus gleichen Gründen vorstellig werden. In einer baldigst einzu- berufenden Versammlung wird die Kommission über die Erged- nisse der Unterhandlungen berichten. Auch die Werkstelle von Fr. Müller, Krautstr. 37, und Stövesandt, Blücherstr. 12, gelten als gesperrt; die Gemaßregelten werden aus Mitteln der Gewerkschaft unterstützt. I» e>»er öffentlichen Versammlung der in der Schuhindustrie beschäftigten Arbeiter und Ar- b e i t e r i n n e n, die am 5. Mai bei Niefttin der Weberstraße tagte, berichtete Genosse Lange über die Situation des Streiks bei R o s e n t h a I u. G r o ß. Gegenwärtig befinden sich noch vierzehn männliche Arbeiter und sieben weibliche Arbeiter im Ausstand. Von diesen sind sieben wegen nicht Jnne- halten der Kündigungssrist vom Firmeninhaber verklagt, und dazu verurtheilt worden, binnen drei Tagen die Arbeit wieder aufzunehmen, oder je eine Entschädigungssumme von 16 und 20 M. an den Kläger zu zahlen. Hildebrandt kon- statirt, daß am Sonnabend sechs Streikbrecher entlassen wurden, der Fabrikant sich zur Unterhandlung mit den sieben ver- urlheilten Kollegen bereit erklärt hat, jedoch weigert er sich, den von den Arbeitern gestellten Bedingungen zu sich fügen. Die weitere Debatte drehte sich um die einzuschlagende Taktik zu dem weiteren Vorgehen, und zeitigt die Annahme folgender Resolution: „Die k. Versammlung spricht den Streikenden ihre vollste Sympathie aus und hofft, daß sie ausharren werden, um Herrn Siosenthal zu zeigen, daß auch er seine Unterschrift zu hallen hat; ferner verspricht sie den Streikenden moralische und materielle Unterstützung." Hierauf giebt der Kassirer Hühn die Abrechnung vom Streik bei Fürstenheim u. Maröffe. Die Abrechnung schließt in Einnahnie und Ausgabe mit 4645,83 M. ab. Nach Klarstellung der Revisoren über das Aufgehen der Aus- gabesumme in den Einnahmen, ertheilte auf Antrag derselben die Versammlung dem Kollegen Hühn einstimmig Decharge. Ueber die Verhältnisse bei Müller u. Schlitz weg wurde von verschiedenen Rednern erklärt, daß die Betriebe im Winter einige Zeit still standen; vor einigen Wochen nun erging seitens des dortigen Wcrksührers an die Arbeiter die Mit- theilung, daß ihre Löhne reduzirt werden müßten. Verhandlungen der Arbeiter mit dem Fabrikanten wegen der angedrohten Lohn- rednklion verliefen resultatlos, und eimnüthige Arbeitsnieder- legung war die Folge. Die Preise für die einzelnen Arbeiten find von 1,35 M. aus 1,10 M. und diejenigen von 1 M. auf 90 Pf., die von 90 Pf. auf 60 Pf. u. f. w. herabgesetzt. Beim früheren Lohnsatz liejerte der Fabrikant die Zwecken, jetzt soll sie der Arbeiter liesern. Bei diesen herabgesetzte» Preisen find die Arbeiter nicht mehr im stände, wöchentlich 12 M. zn ver- dienen. Im vorigen Jahre ließ Schlitzweg noch im Zuchthause arbeiten, heut nicht mehr. Durch die billige Zuchthausarbeil war er im stunde, viele Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen und dennoch Millionär zn werden. Sämmtliche Fabrikanten be- riefen sich bis dato stets auf Schlitzweg, wenn den Arbeiten» Lohnreduklioiien aufgetischt wurden, die Löhne wurden auf ein so tiefes Niveau herabgedrückt, daß selbst die Zuchthausarbeit nicht mehr mit der freien Arbeit konkurriren konnte. Von vielen Rednern wurden die angeführten Lohnreduktionen bestätigt und fachmännisch dahin delaillirt, daß sie bis zu 50 pCt. betragen. Folgende zur Diskussion gestandene und viel« fach besürworlete Resolution wurde einstimmig angenommen: „In Erwägung, daß der Fabrikant Schlitzweg den Arbeitern und Zlrbeiterinnen Lohnabzüge von 30 bis 50 pCt. zuzumnthen sich erdreistet, erkennt die Versammlung den Streik für gerechtfertigt, sich mit den Streikenden solidarisch, und verspricht bei der günstigen Konjunktur mit allen zn Gebote stehenden Mitteln Unterstützung." Zum Schluß erging an die Inhaber der Sammel- listen für Jnhaflirte die dringende Mahnung, recht bald abzu- rechnen. Hiernach erschloß sich noch eine längere unliebsame Debatte über die leidige Frage: Zentral- oder Lokalorgauisation. «Zxuverrin K«rli»»r Kildl>a««r. Dienstag, den 7. Mai, abend? s?; Uhr, Annenstr. 16: Vertammlimg. Tags«-Ordnung; Slichwahi zwischen den Kollegen Eandvoß und Schneider zur«eneralversanunluna. Nationale kaufmannische Kranken-«»d Sterbekast». iE. y. II.) Bureau: 0 Holzmarllstr. 67. Dienstag, den 7. Mai, abend« Uhr, im Nestaurani Etiihler, Neue Sriinstr. 38: Borstands-Sitzung und Ausnahme neuer Mitglieder. Frei» tzier-inigung der Graveure, Ziseleur»«. s. w. Dienstag, den 7. Mai, abends»!; Uhr, in den„Oranienhallen", Oranienstraße 61.»ertrag de« Herrn Schulz über:„Die deutsche Dichlliinst vor und während der «8er Revolution". Arbeitrr-Sildnngalchul». Dienstag Abend von?V-sx Uhr: Letiüre 8Zc— toz; Uhr: Nordschule, Müllerstrabe t7Sa: Bollsthümliche Medliin (Die Kranlhellen der Proletarier mit besonderer Berüllstchligung der Berufs- lranlheiten). S ü d o st s ch u l e, Waidemarftrabe i«: Nattonalölonomie lpraltische). Bei allen Unlerrichtifächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit ausgenommen. ver Nodakkion. Wir bUlen bei jeder Ansrage eine Shistre(Zwei Buchstaben aber eine Zahl) anzugeben unter der die Antwort ertheilt werden soll. I» Rechtsaugelegenheiten wird aus schließ- lich am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7 bis 8 Uhr abends Auskunst er- theilt. „Ausländer." Der„Patron" hat sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht, indem er das Kouvert Ihrer Zeitungen erbrach und dieselben annektirte. Wenn ver Herr Chef nicht schleimigst Ihr Eigenthum— das beiläufig nicht verboten ist— zurückgiebt, so zeigen Sie denselben bei der Staatsanwaltschaft an wegen Verletzung des Brief- geheim nisses und wegen widerrechtlicher An- e i g u« it g fremden Eigenthums. Dann kann der Herr Varerlandsretter für seinen dennnziatorischen Eifer noch einen sehr unerwünschten, wenn auch wohlverdienten Lohn erhalten. Theilen Sie mir persönlich das weitere niit. W. L. B., Stuttgart. Aus bestimmtem Grunde ist von einer Ver- öffenllichung des Artikels abgesehen worden. Eisenbahn-Schaffner. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Petitionskommission sind die Reichstags- Abgeordneten E. Vogtherr und Förster-Gera. W. 50., A.B. 8«. Toni. Sprechen Sie mit den Akten in der Sprechstunde vor.— Bierer. Wende» Sie sich an die österreichiscbe Gesandtschast.— F. S, Ehorinerstr. 60, ». S. 2, R. 15. Nein.— X.% 26. Bei der Polizei- und bei der Gemeindebehörde.— Nr. 00. Nickt recht verständlich; ein Zeuge hat nach bestem Gewissen die Wahrheit zu sagen.— Für den Inhalt der Inserate ttberl nimmt die Redaktion dem Pnbliknm geaenüber keinerlei Verantwortung Tljeater. Dienstag, den 7. Mai. Opernhaus. Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Die Journalisten. Deutsche« Theater. Prinz Friedrich von Homburg. Lesstug-Tlieater. Madame Bonivard. Kerliner Theater. Madame Sans Gene. Deues Theater. Im Forsthause. Schiller- Theater. Don Carlos. Friedrich-.Wilhelinstädt. Theater. Der Obersteiger. Ziesidenz-Thrater. iFernand's Ehe- kontrakt. Adolph Grust»Theater. Madame Suzette. Central-Theater. Figaro bei Hof. Alerand»r-Dlah-Theater. Durch- gegangene Weiber. Alle b Bar- risons. National» Theater. Die lebende Brücke. Theater Unter den Linden. Pariser Leben. Deutsches UolKstheater. Der Schmied von Rolandseck. Urichshalleu- Theater. Speziali- täten-Vorstellung. American» Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kanfmann's Daristv. Spezialitäten- Vorstellung. Zedilier-IIiester. (Nlstlnoe«. Dienstag. 7. Mai, abends ö Uhr Don Carlo». Mittwoch, S. Mai, abends S Uhr Die zärtliche« Uerwandten und ein � eraft-appovt. 9. Mai, abends 8 Uhr Zum I. Male: Der Aerenkestel und Der zündende Funke. Freitag, 10. Mai, abends 8 Uhr Do» Carlos. Sonnakend, 11. Mai, abends 8 Uhr DerKerenkessel und Der zündende Funke. foAtrsI-�leawr Alte Iakodstraste Ur. 30. ttovität! Zum 3. Male: Hovltät Unter artistischer Leitung des Herrn Kdoll Brahl vom königl. Gärtnerplatz- Theater in München: Hgsna bei Hof. (Koreoro.) Operette in 3 Sitten(nach Beaumarchais' Memoire») von Bodrmaon-Biegen. Musik von ällreä Atiller lioräeo. Morgen: Dieselbe Vorstellung. National-Theater. Große Franksnrterstraße 132. Direktion: Max Samst. Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft WilSiam Calden. Vorletzte Woche: Die lebende Brücke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(11 Bildern), nach dem Eng- tischen von Sutto» Vane, übersetzt von S. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedeche. lektr. Beleuchtnngseffekte v. Lakoivsky. Regie: Haz Samst. Kassenöffnung S'/e Uhr.— Anf.7>/sNhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Krasses Concert nnd Spezialitäten-Vorstellung. Die Theaterbesucher haben freien Zu- tritt zum Sommergarten. iKaufmaniTs Variete. Köuigstrasse, Kolonnaden. Täglich: Netimann- Bliemchen's eseWast: Neumann, Wilb. Wölfl, Horväth, Gipner, Lemke, Foldow und Ledermann. Novität! Entree 30 Pf. Novität! Groster Lacherfolg! Zur UmßUWrlage. Zeitgemäße Posse v. W. W o l f f. du der Fusta! Der Zigeuner- könig Horväth! Berlin. Strassen- hilder! Bliemchen's Abenteuer! Bomben-Erfolg! Anfang Uhr."*(2 Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes Aussteiiungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im Wissenschaft liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Adolph Ernst-Theater Madame Suzette. Vaudeville-Posse in 3Akten von Ordonneau. Musik von Edmond Audran. Anfang 7Ve Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. l'aaaaga-I'aaaMiiin. Neu! Eine laljtt auf dem Golf von Neapel. Gastan's Fanoptikum. Ein Flug durch die Luft! Chamly's mysteriöse EC a takombe. Reichskanzler Fürst Hohenlohe. Brauerei „Wedding", Urinickendorferstr. 48, verkauft Weiß-, Braun-, Werdersch- und Weizenbier zu soliden Preisen in kleinen Gebinden, sowie Jungbier, in und außer dem Hause._ 23598* Wiing, AmrWsttll! Große Räume stehen den geehrten Gewerkschaften(passend zur Zentral- Herberge) zur Verfügung. E. Siegemund, Berlin, C. Alexanderstr. II. Auch werden Zahlstellen gerne an- genommen. 23418* Achtung I"WE Zahnersah, auch Theilzahl., wöchentl. l Mark, G u ck e l, Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. 12. Gisspinden. s owie Milcbgeschäfts-Utensilien. Jordan, Kleine Ularkusstr. 28. für Brautleute: Im Möbelspeicher Nene Königftr. 59, vor» l., sollen über 100 Wirthschaftseinrichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene n. neue Möbel spottbillig verkaust werden. Ganze Einrichtungen 100, 150, 200—1000 M. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspiuden 15, Küchen- spinden, Kommoden 12, Sophas 15 M., Bettstellen mit Sprungfeder-Matratzeu 18, Nußbanm-Kleiderspinden 30, Stühle 3 Mark, hochfeine Muschelkeiderspinde» 40, Plnschgarnituren 60 Mark, Herren- schreibtische, Damenschreibtische 30, Cylinderburcaus, Schreibsekretäre 15 Mark, Garderobenspinden, Paneel- sophas 75, Büffets, Trumeaus 65 M., Betten, Coulissentische, alles spott- billig. Auch einzelne Gegenstände werden zu Engrospreisen verkaust. Empfehle allen Herrschasten, mel» größtes Möbellager Berlins zu be- sichtigen u. sich von den staunend billige» Preisen zu überzeugen. Gekaufte Möbel können bis April kostenfrei stehen bleiben und werden durch eigene Ge- spanne transportirt und aufgestellt. Posamenten* Arbeiter M Arbeiterinm. Uersammlnng am Mittwoch, den 8. Mai, abends 81/, Uhr, im Lokale Annenstr. 16. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen A. Hoffmtnn über:„Der Kampf ums Dasein." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 209/9 Ter Bertrauensman». Männer- Gesangverein„Oberon" ersucht stimmbegabte Herren, beizn- treten. Donnerstags 9 Uhr Oranien- straße 121 bei Grauer. 945b* In der Mäntelfabrik �ntiir eas- Ho? Andreasstraße 32 SfW Hof Eingang 5 _ werden die von der Engros-Saison übrig gebliebenen Mäntel Umhänge Kragen, die verschiedenartigsten Besatsstoffe und Mäntelstoffe, Plüsche 33/13 im Einzelnen?« f-hr billigen preisrn abgegeben. Ganz sichere Brotstelle. Gemüse-, Obst-, Kartoffel-, Herings- Handlung, Drehrolle, bis Oktober miethesrei, sof. Umstände halber billig zu verkaufen. Umsatz nachweisbar. 995b Wienerstr. 33B. 1 Ztiinl-KM»-°. AttMe heutigen Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch! H. D., W. D., P. B., J. B., F. M., P. H., W. P., R. K,, A.~ ■ Wer hilft? Gesuche, Eingaben u. Briefe jeder Art, An stellungss. u. jurist. Rath f. 1,50 M. im Rechtshureau Prinzenstr. 91, Moritzplatz. Billigste Prozeßführung. Am Ehrenberg Molkenmarkt No. 7 (früher Annenstr. 16) knipf.�Freunden U.Bekannten sein Weiss- n. Bairisch-Bierlokal. 22658* c Bolzmann's Gesellschafts- Säle, Lichtenbergerstr. 16. Säle und Tereinszimmer von 20 bis 500 Personen mit großer Bühne. I? Neu eröffnet: Akßliiirlliit iiilh Steftierhiille Emil iikäleiibei'g. Königsbergerstr. 13. Arbeitsliiizüge VI. Pahr,; Krunncnstr. 112, Möbelz Straße 13. gebraucht, Handlung kauft Möbel- Rosenthaler- SipOitiiick. Wchlvereiil für he» I.Berliiler RelWgs- Wahlkreis. Allen Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser langjähriges treues Mitglied, der Gürtler Karl Kriatz. am Montag früh nach langen, schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittags 6 Uhr von der Wohnung, Langestr. 62, nach dem freireligiösen Friedhof, Pappel-Allee. statt. Um zahlreiche Beiheiligung ersucht Der Uorstanb. Parteigenossen des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Allen Genossen die traurige Nach richt, daß unser Genosse Karl Printz am Montag früh verstorben ist. Er war einer von denjenigen, welche unter dem Sozialistengesetz gekämpft und ge litten, stets an der Stelle, wo er ge- braucht wurde. Er wird nie vergessen werden. Um zahlreiche Betheiligung bei seiner Beerdigung ersucht Her Vertrauensmann. Todes-Anzeige. Allen Bekannten und Freunden die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Vater, Sohn, Bruder nnd Schwager Karl Printz, nach langen, schweren Leiden am Montag früh verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Wohnung, Langestr. 62, nach dem Begräbnißplah der freireligiösen ö meinde, Pappel-Allee, statt. Tie Hinterblicbeuen. Todes-Alijeitt. Den Mitgliedern des Zentral- Ver bandcs deutscher Maurer(Filiale H Berlin) zur Nachricht, daß unser alt- bewährtes Mitglied Friedrich Kalläwe am 4. d, M. verstorben ist, 191/15 Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute Nach- mittag 7 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Zwölf Apostel- Kirchhofes aus statt. Her Vorstand. kleines, mehrere Zahlstellen, sofort verkäuflich. Offerten M. 600 Postamt 26. 985b Mein Lokal ist zu verkaufen. Albert Bäron, Grüner Weg 6. 963b Schlafstelle für ein anständiges junges Mädchen Langestr. 82/83 v. 2 Tr. bei Walther. 993b Grosstes Etablissement der Reichshanptstadt. Grösste Sehenswürdigkeit in Berlin. Stadtbahnstation Zoolog. Garten. Eröffnung der dieofährige» Kaisö« am 14. April, nachmittag» 2 Uhr. Auftrete» der neu engagirten 12 italienischen Sängerchöre und Musiltkapelleir. Maestro Cav. Gielde Gialdini mit seinem Opern- Orchester, der Bersaglieri-Eapelle(Dirigent Maestro Giacomo Gatti), des italienischen Serenaden-Chors(Damen nnd Herren) unter Leitung des Maestro Benizefti Gaetano, der italienischen Tolkssäuger-Gesell- schatten Signor Raphaele Liberti, Pema, Delarosa, Tribnnl, Lorenzo, Salvatore, Facienda Rafaele, der italienischen Tänzer-Gesellschaft Marano und Giletti u. a. m., sowie Auftreten des Ensembles des Berliner American-Theaters und schließlich: SjSgT der schönen Margherita Astaiti, des Sternes der Weltausstellung von Chicago."TMS tyA Täglich: Großer Gondel-Korfo auf dem Canalc grande. Entree 50 Pf. Bei Regenwetter gewähren die Ansstellungsgebäude bequem Schutz nn Aufenthalt für 12000 Personen. Familien-Abonnements pr. Sais. a 10 M. werd. v. 1. Mai an t. den Bureaus d. Direktion ausgegeben. Todes-Anzeige. Allen Verwandten und Bekannten die traurige Mittheilung, daß meine liebe Frau und unsere gute Mutter am Sonntag, den 5. Mai früh 5'/4 Uhr, verstorben ist. 987b Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. d. M., nachmittags 6 Uhr, von der Wohnung Wilhelmstraße 2 in Neu- Weißeusee nach dem Weißenseer Kirchhof statt. Uen-Weißeufee. Ei. Conrad, Steindrncker, _ nebst fünf Kindern._ Besuchtestes Tergnügnngslokal der Residenz. Neu: Novitäten in besten populären italienischen Konzerten. Viincfl r/JJliii/i2M. Vollst. schmerzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M. Rep. lVUllMl.£idllliesoj.'rheil2. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr.22.Spr. 8-7 Ohr. Schweizer Garten 91m Königsthor— Am FriedrichShai». ggr Jeden Sonntag-WE kr. I'deatkr u. Spezialitäten-Vorstellung. Volksbelustigungen I Im neuen Saale aller Art. I B A 1. 1». Anfang 4 Uhr."WS LM" Entree 30 Pfennig. An den Wochentagen ist das Etablissement an Vereine, Gesell- schaften zur Abhaltung von Sommerfesten zu vergeben. Tohts-Zlliztige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, der Kistenmacher Gusfaw Schmidt am 5. Mai früh 43/4 Uhr sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 5 Uhr vom Tranerhause Görlitzerstraße 56 nach dem Emmauskirchhof in Britz statt. 990b Die trauernden Kinterblirbrnen. Bertha Schmidt nebst Kindern. Nachricht, 156/18 Todes-Anzeige. Den Kistenmachern zur daß das Mitglied Kolltge Schmidt am 5. d. M. an der Proletarierkrankheit gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Mai, nachmittags 5 Uhr, vom Tranerhause Görlitzerstr. 56 nach dem Emmauskirchhofe in Britz statt. _ Der Vorstand. Achtimg!!! Allen Freunden und Bekannten zur gefl. Nachricht, daß ich mein Lokal von Claudiusstrahe 19 nach 888b kostoekensinsssv 21 (Ecke Wittstockerstraße) verlege. Begrüßungs-Abend am Sonn- abend, den 11. und Sonntag, den 12. Mai. Einweihung mit musikalischer Unterhaltung. VereinSzimmer zirka 50 Personen fassend, zur gefl. Ver- fügung. August Wandt, Claudiusstr. 19. her Tischler Oertlicbe Verwaltung Berlin ZL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler krieärieli Rull am 4. Mai 1895 im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Mai, nachmittags b'/s Uhr, von der Leichenhalle des Emmauskirchhofes aus statt. 237/19 Um zahlreiche Betheiligung bittet _ Die Grtsvermaltung. Achtung! Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, mitzutheilen, daß unser treues Mitglied, der Kollege 229/11 (Mar König im Alter von 20 Jahren an der Proletarierkrankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 7. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der St. Georgen- gemeinde in Weißensee statt. 229/11 Um rege Betheiligung ersucht Der Vorstand des Vereins zur Vahruug der Interessen der Stockarbeiter Berlins Verband aller in der Metallindustrie beschäft. Arbeiter Kerlin« und Umgegend. Todes-Auzeiqe. Am Sonntag, den 5. Mai, verstarb nach längerem Krankenlager unser lang« jähriger treuer Kollege, der Gürtler Gustav Puls an der Prolelarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Marknskirchhoses in Wilhelmsberg ans statt. Um rege Belheiliaung ersucht 194/10 Der Vorstand. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannte», sowie dem Gesangverein Sangesecho, dem 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis, dem Deutschen Holzarbeiter- Verband, dem Tischlervereui, dem Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend und dem Konsektionshaus Solidarität für die liebevolle Theilnahme und die ahlreichen Kranzspenden bei der Zeerdignng meines lieben Manne? VI. Schmidt sage ich meinen herz- lichsten Dank. 9S2b Ww. Schmidt nnd Kinder. Ich habe meine Sprechzeit auf 8 bis 10 vorm. und 4 bis 6 nachm. verlegt. Dr. Gustav Heymann, Skalitzerstr. 108(Oranienstr. 207). Ich warne hiermit jeden, ineiner Frau Emma Becker, geb. Gottschalk, etwas zu borgen, indem ich für nichts aufkomme. 936b Paul Becker, Rammlerstr. 14. Kinder-Bettstelle billig Solmsstr. 33 v. 2 Tr. zu verk. 932b Lumpen-Geschäft, 13 I. bestebend, zu verkaufen Sebastianstr. 5. 994b Rover, sehr schöne Maschine billig zu verkaufen. 31>t0 Vossstr. 23 Portier. 8MF~ Reisende, gewandt im Verkauf an Private, finden bei Gehalt und Provision lohnende und dauernde Stellung Fennstr. 43, Hof Quergeb. prt._ 991b Meitsmkt. Möbelpolirer! Die Kollegen vom Hoflieferanten C. Prächtel, Krausenstraße 31, und F. Muller, Krautstr. 37, sind wegen des 1. Mai gemaßregelt. Es wird ge- beten, den Zuzug fernzuhalte». 203/12 Die zchkunmisjw. Tüchtige Wiener Uock u. Paletot Schneider finden 33/15 iei den jöAeil Mtitslöhueil dauernde Beschäftigung im JocIccv-LJul), kFriedrichstraße. IVO. (Milte PilUltl gtstiht. Shotöjsfabriken. Gothersgade 14, Kopenhagen, Marmorschlrifer verlangt A. Zabel, Schönhauser Allee 163._ 989b 8 Arbeiter auf Bambusmöbel gesucht Bergmann& Michaelis, Alexandrine». kraße 104._ 996b Goldleisten. 23428* 1 tüchtiger Auswalzer für Dampf- Verzierungs-Maschinen sofort gesucht. Oscar Llepmann, Königs-Wusterhausen. Für die hiestgeir Leser liegt N Klatte« dir grltrige Gewinnliste der prrust. Lotterie bei. Verantwortlicher Retatreur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SW, Beuthstraß» 2. 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner �olksblatt. Ur. 103. Dienstag, den 7. Mai 1893. 12. Jahrg. Die Maifeier im Auslände. HI. Italien. Aus Mailand schreibt unser Korrespondent Die Maifeier der Arbeiter ist bei herrlichem Wetter in Mailand roic in ganz Italien, mit reger Betheiligung der Feiernden wu Ssltört und zum theil glänzend verlaufen. Hierin Mailand war Vie Arbeitsruhe überraschend, weit bedeutender als im letzten Tshre. Entgegen den lügnerischen Depeschen der Regierung will ich Namen und Zahlen anführen. Fast alle großen Fabriken t er Metallindustrie blieben seit frühem Morgen geschlossen, so die große Gießerei von Bosisio(600 Arbeiter), die große Fabrik von Prinetti u. Stucchi(800 Arbeiter), serner die große Gerberei Fari- noni n. Gerli(500 Arbeiter), die große Strumpfwirk-Fabrik Creina n. Rovati, die Fabrik Aurora und viele andere kleinere Fabriken. Die so feiernden Fabrikarbeiter allein be- trugen an Zahl 18 000 gegenüber etwa 8000 vom vorigen Jahr. Außerdem feierten von Gewerken alle Buchdrucker, Schriftsetzer und Lithographen, alle Handschuhmacher(4000 an der Zahl) und die große Mehrzahl der organisirten Maurer und Zimmerer (etwa 5000). Im großen Saale der Arbeiterbörse, die mit Standarten und Gewerkschaftsfahnen wie mit Blumenguirlanden reich geschmückt war, hielt vor gedrängtem Publikum der Advokat Luigi Maino den angekündigten Vortrag. Er hob die Bedeutung des Wellfeiertages für die italienischen Arbeiter hervor und wies mit ergreifenden Worten darauf hin, wie auf die gegenwärtige Zeit der tiefsten Bedrückung in diesem Lande nothwend'ig ein um so glänzenderer Ausschwung der Arbeitersache erfolgen müsse. Um I Uhr begab sich eine sehr zahlreiche Kommission der vereinigten Gewerkschaften Mailands in feierlichem Aufzuge zuni Stadlhause, wo sie der I. Stadtrath Mailands, Fano, in Ab- Wesenheit des Bürgermeisters Vigoni— der zur Ausstellungs- feier nach Venedig berufen ist— empfing. Der Sekretär der Arbeiterkammer, Croce, und der Präsident der Delegirten, Strazza, trugen darauf die in 7 Punkten formulirtcn Forderungen der Arbeiterschaft Mailands an die Kommune vor: Strenge Be- aussichtigung über die Frauen- und Kinderarbeit, Sonntagsruhe, Abschaffung der Agenturen, Vorzug der organisirten Arbeit für die Stadt. Die Befürwortung dieser Forderungen wurde mit feierlichem Handschlage zugesagt. Etwa zwanzig andere Vortrage wurden im Verlauf des Tages gehalten. Der bemerkenswertheste von diesen war der überaus zahlreich besuchte, von E. Gicotti— ordentlichem Professor der Geschichte an der Mailänder Akademie— im großen Äereinslokal Brahma nachmittags gehaltene Vortrag. Turati war zum Vortrag nach dem Orte Bnsto, Lazzari nach Chiavenna, Rondani nach Cantci gegangen. Der Tag schloß mit zerstreuten Ausflügen aufs blühende Land und mit einer großen, gelungenen Festunterhaltuug im Saale der glänzend illuininirten Arbciterbörse. Eine ähnliche glänzende Abendfeier gab der große Bund der Eisenbahnarbeiter Mailands, der außerdem ein eigenes, vorzüglich gehaltenes Festblatt zum 1. Mai in einer Zahl von 30 000 Exemplaren verbreitet hatte. *« « Belgien. Aus Gent wird depeschirt: Am letzten Sonntag fand hier ein großer Umzug der Sozialisten statt, an welchem 6000 Personen theilnahmen. Ein mit Blumen geschmückter Wage», welcher das sozialistische Ideal darstellen sollte, wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Auch in Antwerpen ver- anstalteten die Sozialisten einen Umzug, an welchem sich etwa 3000 Personen belheiligten. Die Ruhe wurde nicht gestört. TlzeAkev. Deutsches Bolkstheater. Seit Wochen schon verkündeten große Plakate, daß abermals eine neue„Volksbühne" mit edlem Repertoire, diesmal vor dem Halleschen Thor erstehen werde; auch sie werde gegründet, um den Unbemittelten künstlerische Wohlthalen zu erweisen. Am Sonnabend nun war die Heils- Verkündigung in Erfüllung gegangen; das Bellealliance-Theater wurde unter einer neuen Direktion mit einem neue» Volksstück, „Der Schmied von Rolandseck" von Franz Keim und mit einer neuen Schauspielertruppe feierlich eröffnet. Das„SchillerTheater" des Südwesiins halte seine Lausbahn begonnen. Daß der Anfang erquicklich gewesen wäre wird wohl kein Besucher der Eröffnungs- Vorstellung behauplen wollen; auch wenn er über den kläglichen Mißbrauch, den profitgierige Unternehmer mit dem Begriff Volks- bühue treiben, weniger erbittert wäre, als der Schreiber dieser Zeile». Deutsches Volkstheater! Ein vollklingender Raine und bettelhast armselig war, was man vor dem Halleschen Thore bot. Wen, der durstig ist, soll solche Lüdriankunst erfrische»? Ein berüchtigter Verleger von Schundliteratur sagte mir einmal, um die Nützlichkeil der Existenz von seines- gleichen darzuthun:„An dem Schandzeug, das ich vertreibe, lernen die Leute erst lesen. Von selber greifen ste dann zu besserer Nahrung." Eine ähnliche Logik befolgen, wie es scheint, die spekulativen Volksbühnen-Gründer. Sie halten eine Elementar- schule des Erbärmlichen i» der Kunst für nothwendig, um die Leute„überhaupt erst" an Kunst zu gewöhne»! Schädlinge, die der Welt etwas vorgaukeln! Heinrich Laube, der spröde Geselle, der mit preublschem Unlerosfiziersftock gerne die große Kunst maß, war der Entdecker des poetischen Genies von Franz Keim. In seinen Erinnerungen erzählt er einmal, wie der junge schüchterne Keim zu ihm, dem Theatergewaltigen, gekomnien wehe, und sein Erstlingswerk, das Jambendrama„Sulamith" übergeben hätte. MitFeldHcrrnblick hätte Laube sofort erkannt: hier steckt etwas. Der prahlerische Unterossizier, der Shakespeare und Goethe brutal zu verstümmeln verstand und einen Lubliner und ähnliches Volk künstlerisch ernst nahm und begierig förderte. Die Wiener Presse i» ihrer Pudel- Hund-Manier begann sofort schön aufzuwarten vor dem Genie der Zukunft, dem Franz Keim. Nie brach aber ein Schwindel jämmerlicher zusanimen. Ein patriotisches Preußcndrama mit dentschnalionalen Srastphrasen bis zum Platzen gefüllt von eben diesem Keim war zur Eröffnung des Deutschen Volkstheaters ge- wählt worden. Auch das ist charakteristisch. Ter Autor führt uns init seinem„Volk-stück" in die Zeit der Besreiungskriege. Napoleon herrscht noch am Rhein, aber schon ist die„Völker- fchlacht" bei Leipzig geschlagen. Auf Rolaudseck sitzt der alte Schmied, ei» wackeres Preußenherz, im Schulzenamt. Er hat zwei Söhne. Der eine ist ein wenig leichtfertig, burschikos ge- nesen, aber er macht gut, was sein Jugendübermuth etwa ge- sündigt hat. Er geht zu den Lützow'schen Jägern. Während er fort ist, benutzt der andere Sohn— Wolfgang, nicht Franz heißt die Kanaille—, die Gelegenheit, den kühnen Freischärler, den Liebling des Vaters anzuschwärzen. Wolsgang jubelt, als die Nachricht eintrifft, alle Lützow'schen sind gefalle». Nun wird er bald den alten Vater beerben können. Aber noch gemeiner enthüllt sich seine Bösewichtnatur. Ganz wie sein Vorbild, der Franz in den Räubern, verfolgt er seines Bruders Liebste mit unsittlichen Anträgen; die aber wendet sich empört von dem Scheusal, dem Wolfgang. So weit stimmt die Handlung mit den Schicksalen der Familie Moor genau Spanien. Das Maifest der Arbeiter wurde in ganz Spanien in der würdigsten Weise begangen. In Madrid fand in dem Hotel San Francisco el Grande eine große Versammlung statt. Die Festräume waren mit rothen Teppichen und Fahnen und mit Inschriften, die auf den Achtstundentag und aus die Arbeiter- emanzipation bezug hatten, prachtvoll geschmückt. Den Vorsitz führte Genosse Valentin Diego Abascal, der in seiner Be- grüßungsrede die Bedeutung des Tages hervorhob und mit Wärme die Forderungen der Arbeiter: Achtstundentag und Erhöhung des Arbeitslohnes verfocht. Dann sprachen die Genossen Barrio, Saz, Gonzalez und andere, und zuletzt hielt Genosse Pablo Jglesias eine mit jubelndem Beifalle ausgenommene Rede, in welcher er besonders die republikanischen Parteien an- griff. Unter dem Rufe:„Hoch die Vereinigung der Arbeiter!" ging die Versammlung, welcher mehr als 3000 Personen bei- gewohnt hatten, auseinander.— In Barcelona fand die Festversammlung im Teatro de Novedades statt. Eine zweite, gleichfalls sehr besuchte Volksversammlung fand im Circo Ecuestre statt. In den großen Fabriken wurde nicht gearbeitet; serner feierten sämmtliche Maurer, Zimmerleute, Steinträger, Barbiere, Perrückenmacher jc. Abends war im Calvo Vico- Theater Festvorstellung; man gab das soziale Drama„El pan dcl pobre"(Das Brot des Armen). In den meisten Ortschaften der Provinz Barcelona war die Arbeil gleichfalls eingestellt worden, so in San Andres de Pa- l o m a r, in San Martin, in Sans, in Gracia, in M a t a r o u. s. w. Bei der Volksversammlung im Teatro de Novedades beschloß man, die Regierung aufzufordern, daß sie den 1. Mai für einen Nationalfeiertag erkläre und den Acht- stundentag einführe. Auch in La C o r u n a, in C o r d o b a, in Palma, in San Sebastian, in El Ferrol, in Valencia, in Toledo, in Saragossa, in O v i d o u. s. w. fanden Fest' Versammlungen statt. Jn Linares trug die Feier fast einen „offiziellen" Charakter, denn ihr wohnten die städtischen Be- Hörden bei; anfangs hieß es sogar, daß die Stadtverwaltung Mittel zur würdigen Gestaltung der Feier bewilligt habe,— die Nachricht war jedoch unbegründet. Während des ganzen Tages waren, wie im vorigen Jahre, die meiste» Kaufläden geschlossen. Das Hauptthema der Festredner bildete hier„die Nothwendig- keit der geistigen Erleuchtung der Arbeiterklasse". In vielen Ortschaften, so in Palma, Sabadell u. a., fanden in den Theatern Festvorstellungen statt. « Portugal. Die Kundgebungen, die von den portugiesischen Sozialisten zur Feier des I. Mai organisirt wurden, verliefen in durchaus harmonischer Weise. In O porto und in anderen Städten fanden am Vormittag des Festtages gut besuchte Volks- Versammlungen statt. Am Abend gab es festliche Veranstaltungen in den Versammlungsräumen der Arbeitervereine. Am Nachmittag zog der größte Theil der hiesigen Sozialisten zum Friedhose, wo Jose Fontana. der wackere Vorkämpfer des Sozialismus in Portugal, ruht. »» 1» Schwede». Ans Stockholm schreibt man uns am 1. Mai: Von wunderschönem Wetter begünstigt, feierten viele tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen in Stockholm den 1. Mai. Die Proletarier versammelten sich in der Stadt und zogen in einer langen Prozession nach dem Exerzierplatz für das Militär, auf dem wir stets am 1. Mai unser Fest feiern. Um �-3 Uhr begann man sich zu sammeln. 55 verschiedene Vereinigungen, 10—12 000 Mann stark, zum theil mit weißen Standarten und Mnsikkorps, marschirten unter den Klängen der Marseillaise und des Sozialistenmarschcs in dem Demonstrationszuge, der zu einer Riesenprozession wurde. Auf dem Festplatze waren vier rothe Tribünen aufgestellt, von denen acht Redner sprachen. Di Hauptrede hielt Genosse Hjalmar Branting.— Auch ausMalmö wird uns der glänzende Verlauf der Maiseier berichtet. Dort sprach Axel Danielsson. überein. Was soll man davon noch weiter erzählen. Wolfgang etzt aller Schensüligkeit die Krone auf; er wird napoleonischer Parteigänger und wühlt gegen seinen eigenen Vater. Da kommt nnerwarlet der verloren geglaubte Sohn des Schmieds iin Kostüm des Freischärlers zurück. Wenn Wolsgang seine» Bruder bei den Franzosen denunzirt, ist der arme Lützower verloren. Er ist zur Denunziation bereit, aber der alte Moor, der Schmied, kommt dazwischen, schwingt einen Hammer und tödtet den erbärmlichen Sohn. Ihn selber hat die Erregung übermannt. Vom Schlag getroffen stürzt er nieder, Rolandseck aber und der Rhein werden frei, die Preußen kommen und rufen Hurrah! Das ist der Inhalt eines eichten, geschwätzig-dileltanlischen Dramas, von dessen lächerlich» geschraubtem Palhos die knappe Skizze keine volle Anschauung gebe» kann.— Ueber die armen Tarsteller sei lieber nichts be- richtet. Sie, die vermuthlich recht und schlecht auf Wander- bühv.en sich durchschlugen, sind wahrscheinlich für Jammer- Honorare nach Berlin gekommen, mit der begreiflichen Hoffnung, hier endlich ihre Wünsche, ihre Träume erfüllt zu sehen. Wozu ihnen wehe thun? Lessing- Theater.(4. Mai.) Madame Bonivard, Schwank in drei Akten von Alexandre Bisson und Antony Mars. Deutsch von Emil Neumann. Dem Berliner Theaterpublikum ist das Stück nicht unbekannt, hat es doch vor Jahr und Tag das Publikum des Restdenz-Theaters ergötzt, so daß wir von einer Inhaltsangabe des übermütdigen, geschickt aufgebauten Schwankes absehen können. Das Publikum, das das Thealer nicht füllte, nahm auch die Auf- ührung in> Lessing- Theater mit viel Behagen ans. Von der Darstellung ist weder viel Tadclns- noch Lobenswerthes zu melden. Am besten spielte Frau Marie Meyer(Madame Bonivard). Recht gut war auch Herr Guthery(Bourganeus) und in einzelnen Szenen Herr Sauer(Duval). Die übrige» Darsteller störten das Ensemble nicht.— Figaro am Hofe— es wäre schon ein Stoff, an dem Dichter und Komponist Phantasie und Gestaliungskrast er- weisen könnten, w e n n—. Aber die Operette, die am Sonn- abend unter diesem Titel im Z e n t r a l- T h e a t e r als Er- öffnungsstück eines Operetten- Ensembles in Szene ging, erwies nur den guten Willen und einen glücklichen Titel. Ueber de» Text des Librettos sagt man am besten nichts. Der Verfasser— Bohrmann- Rieger— knüpfte nach der ältesten und dürftigsten, Schablone eine lose Reihe Szenen aneinander, ja sogar einen sentimentalen mondscheinsüchtigen Figaro brachte er fertig. Sticht so öde ivie das Libretto ist die Musik von Müller- N o r d e»; ein paar Melodien im zweiten Akte sind sogar sehr gefällig und ansprechend, wen» auch nicht ureigen, und mußten iviedcrbolt werden, was freilich auch dem munteren Vortrag des Frl.Welden zu danken war, dieausderso ungenügendcharaklcrfesten Susanne in lieblicher Erscheinung und Darstellung machte, was zu machen war. Der Figaro des Herrn B r a ck l vom Gärtner- platz-Theater in München war gesanglich ermüdet, darstellerisch Schablone, und geradezu zur Jahrmarktsbuden- Karrikatur stempelte Herr H eck m e r d i n g den Oberstallmeister v. Fronsac. Solch' eine alberne Figur dürfte selbst in Ostelbieus Junker- ställen nicht zu finden fei», geschweige am damaligen französischen Hofe. Und„Witze", wie Herr Helmerding am Sonnabend sie riß, rufen selbst in der Burgstraße Protest hervor. Von den übrige» Darstellern ist lobend nur Herr Müller zu nennen und vielleicht noch Frl. P r o s s i. Tie AusstaUuug war reich- Gevickks-Isikung; Gewerbegericht. ZurRückkehr in dasArbeitsverhältniß bezw zur Zahlung von je 16,20 Mark wurden einige Schuh- niacher(Müller und Genosse») verurtheilt, die bei der Firma Rosenthal und Groß beschäftigt waren und an> 22. April die Arbeit niedergelegt hatten. Die Beklagten behaupteten, auf grund einer Abmachung mit der Firma deshalb zur sofortigen Niederlegung der Arbeit berechtigt gewesen zu sein, weil Rosen- thal einen Streikbrecher einstellen ivollte. Das Gericht glaubte aus dem Verlauf der Verhandlung entnehmen zu müssen, daß erwähnter Verlrag von der klägerischen Firma nicht gebrochen wurde und den Beklagten sonnt nicht das Recht zustand, ohne vorherige Auskündigung die Arbeit zu verlassen. Einen Lohnabzug suchte der Restaurateur F. damit zu rechtfertigen, daß der Kläger— ein Hausdiener, der u. a. 4,50 M. rückständige» Lohn forderte— niehrere Tage krank ge- wesen sei und so lange die Arbeit ausgesetzt habe. Die Kammer VII war jedoch der Meinung, daß der Abzug ohne eine dahingehende Vereinbarung nicht gemacht werden durfte, und urtheilte dementsprechend. Auch jdie Weih- nachts- Gratifikation, die sich der Beklagte auf den, Wege des Lohnabzuges wieder zugeeignet hatte, sicherte das Gericht den: Kläger, indem es annahm, dieselbe sei als eine belohnende Beschcnkung anzusehen, die deshalb nicht zurück- gefordert werden könne, weil sie keine übermäßige gewesen sei. Es handelte sich um 10 M. Betont wurde der Charakter des Klägers als eines Gewerbegehilsen. Mit einem Lohnentfchädigungs- anspruch wurde der betreffende Hausdiener aus tristigen Gründen abgewiesen. Weil er sich zwei Zigarren für 10 Pfennig gekauft hatte, die ihm von seinem Arbeitgeber zu einem anderen Zwecke anvertraut waren, wurde ein Kutscher mit der Klage auf Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung abgewiesen. Unterschlagung ist einer der Entlassungs- gründe, welche der§ 123 der Gcwerbe-Ordnung aufzählt. Wenn er seinen großen Mundnicht halten könne, dann könne er in vierzehn Tagen gehen, sagte eines schönen Tages ein Herr Schmidt zu seinem Kutscher. Derselbe wurde nach vierzehn Tagen denn auch thatsächlich entlassen. Der Kutscher klagte auf Lohnentschädigung, gegen welchen Anspruch der Beklagte geltend machte, den Kläger ja vierzehn Tage vor der Entlassung gekündigt zu haben. Das Gericht erblickte aber in den oben zitirten Worten keine Kündigung und ver- urtheilte Herrn Schmidt. Elbiug. Das Schwurgericht verurtheilte am Sonn- abend nach viertägiger Verhandlung sechs Bürger der Stadt Stuhm wegen wissentlichen Meineides und Anstiftung dazu zu Zuchthausstrafen von 2 bis 5 Jahren und zwei Bürger wegen fahrlässigen Meineides zu 6 bezw. 18 Monaten Gefängniß; ein Bürger wurde freigesprochen. Der Meineidsprozeß war durch Beschuldigungen veranlaßt, welche dem katholischen Pfarrer von Stuhm Fälschung von Wahllisten zur Last gelegt hatten. In dem Prozeß wurde» etwa 100 Zeugen vernommen. lich, aber schließlich gehören Effekthaschereien, wie sie den zweiten Akt abschließen— Esel, Roß und Wagen erschienen auf der Szene— nicht ins Theater, sondern in den Zirkus, woher sie genommen sind und wo sie belassen werden sollten. Am durch- schlagendsten arbeitete die Klaque— aber auch das ist ja nur vorübergehender Erfolg. Kmß ii-d WiHlist. Im wissenschaftliche» Theater der Urania hielt am letzten Sonnavend Herr Dr. Schivahn einen Vortrag über das Laibacher Erdbeben, welcher durch bildliche Darstellungen ergänzt wurde. Ter Vortragende und Professor Lubarsch waren von der Direktion an den Ort des Unglücks geschickt worden, um dort Studien zu machen und an Ort und Stelle die intcresfantesten Momente bildlich aufzunehmen. In Wien verproviantirien sie sich mit Brot und Wurst, weil sie den Zeitnngs- berichten zufolge glaubten annehmen zu müssen, daß sie in Laibach nichts würde» erhalle» könne». Doch hatten sie sich hierin getäuscht. Das Unglück, welches über die Stadt hereingebrochen, hatte den Unterschied zwischen arm und reich nur in bezug auf das Wohnen aufgehoben, da eben die Häuser zu», großen Theil eingestürzt waren, während in bezug auf die Nahrung die besser Gestellten keinen Mangel zu leiden hatten. Die Stadt Laibach war der Mittelpunkt des starken Erd- bebens gewesen, das in der Nacht vom 14. zum 15. April ein ausgedehntes Gebiet Nieder- Oesterreichs heinigesucht hatte; der Hauptstoß war in der Richtung von Nord nach Süd erfolgt, und hatten deshalb die Fronten derjenigen Häuser, welche in dieser Richtung lagen, nur wenig oder gar nicht gelitte», während diejenigen, welche de» Stoß senkrecht erhallen hatten, meist vollständig zerstört waren. Allerdings machte sich noch ein großer Unterschied zwischen den beiden Stadttheileii auf dem linken und rechten User der Laibach gcltendj; denn die Häuser auf dem rechten Ufer hatten einen viel festeren Untergrund, als die auf dem linken, und hatten sich daher widerstandsfähiger gezeigt. Menschenleben waren weniger zu beklagen gewesen, als man bei der großen Zer- störnng erwarten sollte; die meisten hatten sich instinktiv unter die Holzverkleidungen der Thüren geflüchtet, wo sie vor dem herabfallenden Mauerwerk gesichert ivaren; daher waren nur 6 Menschen gelödtet und 50 verwundet worden. Die Worte des Vortragenden wurden, wie gesagt, durch perspektivische Darstellungen ergänzt, welche mit solcher Voll- endniig ausgeführt waren, daß man die vorgeführte» Gebäude und Plätze plastisch mit voller Deutlichkeit vor sich sah. Freilich fehlten einige der interessantesten Aufnahmen, weil die preußische Zollbehörde eine Schachtel mit noch nicht entwickelten photo- graphischen Platten geöffnet und dadurch zerstört hatte. Aber immerhin erhielt nia» ein anschauliches Bild von den Folgen der Katastrophe, welche über die Stadt hereingebrochen; ein schwächerer Erdstoß erfolgte auch am 22. April, während der Vortragende in Laibach weilte, und schilderte derselbe recht an- schanlich die Verwirrung und den Schrecken, welcher dadurch hervorgerufen wurde. Auf die Ursachen des Bebens ging der Vortragende nicht ei»; er widersprach nur der durch die Zeitungen gegangenen An- sichl, daß es durch den Einsturz von Höhten veranlaßt sei» könnte. Einerseits war die Ausdehnung des Bebens hierfür zu groß, andererseits zeigten sich auch die hauptsächlichsten in bctiachl tvimnenden Höhlen völlig intakt. So Ä�oJtVrtt Mahlvevein fnr dm �?Kerl. Remsstags-W ahlkreis. MU� Mglieäer-Versammwvg am Dienstag, den 7. Mai, abends 8'� zzhr, bei Grnndel, Krunnrilstr. 188. Tages-Ordnunct I. Vortrag des Genossen«ili,. pst-el.' 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenhsiten. 303/13 4. Fragekasten. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 7. Mai I8SS, abends 8'/2 Uhr, bei Cohn, Bcuthftraße 80(großer Saal): KkuersI-Versammlllug. T a g e s- O r d n u n g:z 1. Kassenbericht des Kassirers. Berichlcrstattnug des Vorstandes, der Beisitzer, des Arbeitsvermittlers und der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreiches Erscheinen erwartet 240s 153* Die Grtsverwaltung. kiL. Die Beitragsammler und Obmänner der Werkstatt-Kontrollkommission werden ersucht, vollzählig zu erscheinen und an der Kontrolle Material ent- gegen zu nehmen. Vertrauensmantter-Uersammlung: Mailbtt Mittwoch, 8. Mai, abendo 8'/- Kl' r. bei Frau Aotzbächer, Mtlllvlt» Siliurmstrasie 84. Pflicht einer jeden Werkstatt ist es, einen Delegirten zu entsenden. �__ Die Grtsverwaltung._ herein zur Wahruilg der Intereßeil der Maurer VerliV ll. Umg. Ordentliche Mitglieder-Versammlung amDounerstag» S.Mai, abends SheUhr, in Miike'« Lokat, Andreasstr. 26. T a g e s- O r d ti u n g: 1. Die kapitalistische Produktion gegenüber den Arbeitern. 2. Diskussion. 3. Lokalfrage und Vereinsangelegenheiten. 186/19 Verein der Mogmphen. Stkindnuiter und Berufsgen. Deutschlands(Filiale Berlin). Donnerstag, den 9. Mai 1895, abends 81, Uhr: �ussei'oi'tleutlielle lienergIvei'8ainm!unA bei Herrn vrülläel, Brunnenstr. 188(am Rosenthalerthor). Tages'Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Wahl der Delegirten. 3. Dringlichkeitsantrag zur Generalversammlung in Nürnberg über„Abschaffung der Akkordarbeit. 4. Fragekasten. 168/13 HS. Quittungsbuch legitimirt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht __ Die Verwaltung«_ Schweizer Garten Am Königsthor. Am Friedrichshain, Bekanntmachung. Da an den Wochentagen das Etablissement zur Abhaltung von Sommerfesten an Vereine, Gesellschaften vergeben wird, so ersuchen wir die betreffenden Vorstände nm zeitige Bestellung. ftöampemik Pomeranzen Ueberau zu haben! Feinste Alikormiscjiuns jparkl25 Carl Mampe Berlin, Veteraiieastr.£4. nitraulr frisch, ausgezeichnet k Flasche 60|lf. inkl., 10 Fl. Mk. 5,50. Joliauuisbeeiweiu, herb, Fl. 60 Pf. Derertwei», sü», Fl. 75 Pf. Stackrlbeerwein. ganz vorzüglich, Flasche M. 1,—. Echt Stonsdorstr Mör. k Ltr. 1,30, 5 Ltr. 5,50, 10 Str. 10,—, 50 Str. 47>/-. 100 Sir. 90,-, Echte» elteit Uordhäuser Strsi. Mk.1.10. 5 Siter ä Mk. 0.90. Kerliner Vetreide- Kii mutet Strsi. Mk. 1,10, 5 Siter a Mk. 0,90. Kim beer-, Kirsch-, Jolian>ti»l'eers.tft, vorzüglich, Strfl. 1.00. Medizin. Ungarweilt, beste Qualität, ä Siterflasche Mk. 3,10. Empfehlen und sende» einzelne Flaschen frei Haus Berlin. JBr f'n 6a> Belle-Allianceplatz 6a, Dieumanu& OO«, si. Neue Friedrichnr. 81, Öranienstr. 8» Genlhinersir. 39. Potsdam, Waisenstr. 37._ Eugen KrünMerel v. ölimienPIii« Bcbert EVSeyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Unt häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. Wer noch will reell und billig kaiifen. Durch Ankauf aus Atiiltionrn und von Konllursmassen bin ich in der Sage, jedes Stück billiger zu verkaufen, als alle anderen Geschäfte! Ich verkaufe daher: Hocheleg. Herr.-Soin>nerpal.v.S,75M. an Damenmäntel, Jaquets u. Capes„ 3.50 tochfeine Herren-Anzüge"12,75" ochseine Herren-Hosen„ 2,75„„ Seder- u. Arbeits-Hosen zu 2,55„„ Kellner-Jaquets u. Hosen v. 4,75„„ Herren-Jaqnets und Westen in allen Größen, Knaben- und Burschen-Anzüge, Hüte. Schirme, Stöcke, Wäsche, Stiefel, Koffer, Operngläser, Kessel, Revolver, Deschings, Gewehre, Harmonikas, Betten, Uhren, Kelten, Ringe it. s. w. zu enorm billigen Dreisen! Gustav Lücke, 131. Grauienstr. 131.' Eine Restauration und Destillation im Norden ist umständehalber, wegen Uebernahme eines Grundstücks, preis- würdig zu verkaufen. Zu erfragen bei O. Titius, Excerzierstr. 5. Jubiläums- Ausgabe. Soeben erschien die fiiufuudzwauzigste Auflage von August Kebel: Die Frau und der Sozialismus. Heft- Ausgabe. Komplet in 16 Hefte» a 30 Pfennig. DW- Zu beziehen durch alle Kolporteure. T|fpograpliia Gesangverein Berliner Bnchdrncker nnd Schriltgiesser. Sonntag, den 18. Mai 1895, in Lonis Keller s F e st s ä l e n, K o p p e n st r. 89: Liedee-Abend unter gütiger Mitwirkung 152/10 der Konzertsängerin Fräulein Helene Bartenwerlfer. Anfang 7 Uhr. Gntree 50 Pf. inkl. Tan». Killets sind ini Setzersaale des„Vorwärts" und bei den Mitgliedern zu haben. Wemhandlimg C. Böhme, 148. Reichenbergerstr. 148, empf. Bordeaux-, Spanische, Portugiesiscb., mediz. Ungar-, Rhein- u. Hoselw., äFl.60Ps. fr.Cognac, Rum, Liköre, Haitrank äFl.GOPf. fttrr-ltpvl o o Max Koch' Maitjiaßr.l? � V-V ÄAAk-V'A-U UT(zw. Brandenburg- u. Alexandrinenstr.), �_ onintiphTt frr� ß�orrnfiFn jnr Pterpviina _________________ empfiehlt sich den Genossen zur Sieferung s n in in l l i ch e r Biere für Werkstätten sowie den Hausbedarf._ MauereiHichelsdorf| Telephon: Amt Spandau Nr. 13. Telephon: Berlin Amt VI Nr. 1116. B empfiehlt ihre aus bestem Malz und Hopfen hergestellten Biere. i78SL» W Kagerbier, steil, Eiportbier, dnnbel. Marbgrafen-Dran«ch Mjl«che«er Art. Niehtckge: Berli«, Kökigiil-Augußaftraje 1, am Hafenplatz, Ringbahnbogen 1—3. Kiolin-Unterricht, gut nnd fördernd, wird ertheilt Wils- nackerstr. 39, vorn 1 Tr. r. 651* Berliner„ In Flaschen lind in Fässern. Fabrikc» und Werkstiitte» erhalten Wirderveekänfer-Peeise. öesl. blßrnl-WeiWblts- öMSsSl A. Seidler Seliiinedei'A— Berlin W. Sedanstr. 73-75 u. 82. ophastoff- ii�Uips.�Damalt. Crepe. Phantaste, Eobeli» nnd piiisch spottbillig! DWk- Probe» franko! Lüsilftjsl Li»! bekövre, --• 158. IHäbeB- Kaufgelegeuheit bietet sich Brautleulen tc. im Möbel- speicher, 1721S' Bosenthaler» Strasse 13, I. Daseldst stehen täglich zum Verlaus: neue gediegene Möbel zu außergewöhn- lich billigen Preisen, gebrauchte und verliehen gewesene Möbel zu wahr- haften Spottpreisen. Theilzahlung ge- stattet. Kleiderschränke 15, Kuchen- spinde, Kommoden 12, Sophas 15, Bettstelle» mit Matratzen 18 Mark, Nnßbanni>5kleiderschräiike,Vertiko>vs30, Stühle 3, Mnschelspinden 40, Tru- meaiix 65, Paneelsophas 75, Plüsch- garnituren 60 Mark. Herren-Schreib- tische, Schrei bsckretnre, Bussets, Kon- lifsentische, Spiegel, alles staunend billig. Gekatiftc Möbel können auf meiiiem Sagerspeicher bis isipril kostenfrei lagern und werden durch eigene Gc- spanne transportirt und aufgestellt. ! I �fiSrtn �ünz, Strasse 5, ju.ölu« I"»pi.iedriclistr.25l26| Llj«böil,M«rzipa«, Rupturen« IBei Erkält., Husten tc. mache man> einen Versuch m. Sturm's Fectoral-« BcnbomperPacke��ßst���I Rohtabak. Krösste �usvahl! Billigste Freise W Lager in Fennen, Beckkagons.| Heinrich Franck, Ur. 185, Krunnenstraße Mr. 185. Niißliiiiii-Mölie! verk. schleunigst Kleiderschrank, Wäsche- schrank, Spiegel 10, Ausziehtisch, Sophatisch 9, Oelgemälde, prachtvolle Köpfe 4,50, Bettgestelle 12, Plüschgarn., Schlagregul., Teppiche, Gardinen spott- billig Landivehrstr. 5/6, I.(Nähe Alexanderplatz). Pfund Albrecht's Brot für Röoirppai 50 Pfennig DdUlkBrei, liefert Wrangel-Strasse 8. Langestr. 26, Falkensteinstr. 28. von der Linoleum Rixhorser Liiloleuik-Fabrik habe ich wiederum von der Magdeb. Fener-Vers.-Ges. erstanden und wird dasselbe: Länier, Treppenplatten, Stück- vaare bedruckt u. glatt zu enorm dllUgen Preisen abgegeben. Verkaufsstelle: 0st» dahnhot, PersonenHalle, Raum 6, Ltn- gang Rüdersderkerstrasse. j. Weiss, Partiewaaren- Handlang, Serlin. Kaiser Wilhelmstr. 17. Möbel' Gelegenheitskauf zu außergewöhnlich billige» Preisen. Für Brautlente� ganze Einrichtungen von 200—1000 M. Theilzahlung ge- stattet. Elegante Nnßbanm-n.Mahagoni- Kleiderspinden und Vertikows 30 M., einfache 15 M., Sophas, Betlstellen mit Matratzen 20 M., Waschtoiletten. Küchenspinden, Kommoden 12 M.. Stühle 3 M., Sophatische 6 M., Säulen- Trumeaux 65 M., Plüsch- garnitnr 60 u. 100 M., Mnschelspinden 40 M., Paneelsophas 80 M. Büffets, Silberschränke, Herren- Schreibtische, Schreibsekretäre, Zylinder- Bnreaiix, Spiegel. Wenig gebrauchte'Möbel zu halben Preisen und sollte es niemand versäumen, der gut und reell kaufen will, mein großes Säger zu besichtigen. Gekauste Möbel werden bis 1. Juli kostenfrei ansbewahrt, transporlirt und aufgestellt. Schiltzenstr. 2, MSbelsabrik. ! lüöü Modell) Iaine« I Spitzen— Seidene— Sainmetkragen. Capes 7,50—25,00. Jaqnet- Kostüme 10—15,00. Aparte Regenmäntel und Sommerjaquets, um zu räumen, 5,00 bis 15,00, wasserdichte Siaubmäntel von 5,00—15,00. Sandöbergerstr. 59, 1 Tr. Mvbel � MsgAZin Leflin AZW., Lnemensii'. 67. Otto& Slotawa, lijfijkriiieijtfr. 2. Geschäft: Gotzkowskysti*. 3. 1787L* Ssrg- Mognzin| und Beerdigungs■ Comtoir. ZWQQrenhQUS Sigm. Simonsvhn,�ramenstratze 166, S Hans vont Oranienplatz. Hiiiiäscbubc mi 13 Pf.«n. Gla�e-Damen-Handscliulie voll 1,08«ll. Socken von 19 Pf. an. Damens trftmpfe von 19 Pf.««. Berantivortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, LW., Beuthstraße 2.