Abendausgabe Nr. 57 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 28 Beamesbedingungen ab Anzeigenstelle End in der Morgenausgabe angegeben Bebaftion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Jernfprecher: Donhof 292-298 Tel- Abreffe: Sozialbemoteat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Dienstag 3. Februar 1925 Berlag and angetgenabteilungs Gefchäftszeit 9-5 Ubr Berlager: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Ferufprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Mißglückter Verschleierungsversuch. Pfennige für die Vertriebenen. Scharfe Kritik der unabhängigen Presse.- Rechtsblock und Schwerindustrie. Die Regierung zeigt ben bösen Millen, ben- unge| Durchficht die Fragen zu stellen, bie bann gu ftellen noch nötig heuren Standal der unkontrollierten 700- Millionen- Entschädi fein werden." gung an die Schwerindustrie zu vertuschen Sie arbeitet Hand in Hand mit der Intereffentenpreffe, die offenfundig von amtlichen Stellen bei ihrem Ableugnungsfeldzug inspiriert wird. Das Berliner Tageblatt spricht den Wunsch aus, daß die Dentschrift fachlicher und befrie digender ausfalle als die Erflärung, die in ge reiztem Ton heftige Angriffe gegen die bösen Krititer in der Breffe richtet, denkern der Sache selbst aber nicht berührt. An die Adresse der Rechtsparteien men den sich folgende Worte: Die Bertuschungserklärung der Regierung ist durchaus unwahrhaftig. Sie verschanzt sich hinter die Ber fadungspolitik. Die Versadungspolitik mar umstritten zu einer Zeit, als die Micum- Berträge noch nicht zur Diskussion ftanden. Anfang Oftober waren vielmehr die Kredite an die Ruhrindustrie wertbeständig gemacht, ihre Einstellung am 20. Oftober beschlossen- das Gegenteil von dem, was Stresemann- Luther untontrolliert später taten. Die Forderungen der Versackungspolitiker gingen nicht um die Industrie, sie gingen auf Einstellung der sozialen Aufstehende Politifer hineingezogen werden, dann erscheint die deutsch mendungen, der Unterstügung an die Gemein den. Keinerlei Zusammenhang bestand mit Entschädigungen an die Industrie. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß die Rechtsparteien verfuchen, diese Frage, bei der es sich um die Interessen der Allgemeinbeit handelt, zu einer Frage der Parteipolitit zu machen, ja daß man sich sogar nicht scheute, fie als ein Ablenfungsmanöver zu diskreditieren. Es ist merkwürdig, sobald es sich um manöver zu diskreditieren. Es iſt merkwürdig, sobald es sich um Standale handelt, in die, sei es mit Recht, sei es mit Unrecht, lintsnationale Breffe, und, ihr treu folgend, die volksparteiliche, auf dem Plan und füllt mit weithin sichtbaren Ueberschriften die Spalten ihrer Blätter. Sind aber andere Kreise diskreditiert, wie beispielsweise das Konfortium Rüdiger v. Ehdorff. Wilhelm v. Karstadt und Hans v. Carlowitz im Falle der Preußischen Landespfandbriefanstalt, oder der Schmerindustrie, wie in der Frage der Ruhrentschädigung, dann herricht Schweigen im Bläfferwalde der Rechten oder, mon versucht die Dinge als harmlos hinzustellen." Als Stresemann am 12. Oftober jenen Brief schrieb, der Gesetz und Garantie ablehnte, war der Gedanke der Verhandelt es sich um eine Bevorzugung der Großzindustrie, vor allem fadungspolitik endgültig überwunden und niedergefämpft. Der pätere Brief Stresemanns hat mit der Berfackungspolitik nicht das geringste mehr zu tun. Die Sozialdemokraten aber, die gegen die Berfadungspolitit fämpften, die eine Begünstigung der Industrie ablehnten, die dem Standal der Geminne der Schwerindustrie auf Kosten des Boltes ein Ende machen wollten, wurden von den Interessenten und der Boltspartei aufs scharfste befämpft Erit mußte Hilferding weg, dann die anderen sozialdemofratischen Minister. Deshalb die Sprengung der Großen Roalition! Der Treiber war Herr Scholz, die Hintermänner Die Stinnes und Bögler, die Intereffenten. So fing der Bürgerblod an! Die Presse gegen den Verschleierungsversuch. Die Bertuschungsnotiz der Reichsregierung wird von der Bresse, soweit sie nicht von der Schwerindustrie gekauft ist ent, schieden abgelehnt. Sehr scharf äußert sich die Germania" gegen die Erklärung: P Man tann nicht sagen, daß diese vorläufige Erklärung ge eignet ist, die Beunruhigung im Bolte zu beseitigen. Die Frage, ob die besetzten Gebiete Reparationsp: oving sein sollen oder nicht, steht völlig außerhalb der Diskussion. Der Stompler der Fragen es handelt sich wirklich um einen ganzen Knäuel von tritischen Einmendungen, die megen des Bor gchens der Minister 2ut her und Stresemann in der vor läufig febr merkwürdigen Entschädigungsange legenheit aufsteigen müssen, hat mit der reparationspolitischen Selbstverständlichkeit, daß das ganze deutsche Bolt die Kriegslaften zu tragen hat, nichts zu tun, sondern entwidelt sich aus ganz onderen Betrachtungsminkeln. Die Regierung fäte gut, nicht ihrer seits durch einen Bersuch, die Betrachtungsweise festzulegen, das bestehende Mißtrauen zu vergrößern. Im übrigen erwarten mir mit Ungeduld die Denkschrift und behalten uns vor, nach ihrer Komödienspiel im Aufwertungsausschuß. Deutschnationaler Aufwertungsbetrug. Der Aufwertungsausschuß des Reichstages war auf heute ein berufen, um über die von der Regierung vorgelegte Referenten denkschrift, die das ganze Aufwertungsproblem behandelt, zu diskutieren. Man trat indessen in die Beratung eines auf grund des vorwöchigen Beschlusses des Ausschusses vom Justizministerium unterbreiteten Gesezentrours ein, der bestimmt, daß in Rechtsstreitigkeiten über Aufwertungsfragen die Berhandlung auf Antrag einer Partei einstweilen auszuse gen ist. Dieser Gesetzesvorschlag wich aber insofern von dem Ausschußbeschluß wesentlich ab, als er ausspricht, daß dem Antrag auf Auslegung des Verfahrens nicht stattzugeben ist, wenn der Gegner der Aussetung widerspricht und zu besorgen ist, daß ihm durch die Auslegung ein erheblicher Nach teil entstehen würde". Diese Bestimmung wurde sofort von Bertretern verschiedener Parteien angefochten, weil sie das ganze Gesetz illusorisch macht. Für unsere Fraktion erflärte der Genosse teil, daß mit einem solchen Gesetz für die Gläubiger lediglich nichts erreicht sei, die Rechtslage aber noch verworrener mürde, denn nachdem der Reichsfinanzhof nunmehr auch die Notverordnung von 4. Dezember 1924 für ungültig erflärt habe, fehle es für die Gerichte an jeder sicheren Rechtsgrundlage für eine Entscheidung. Das Swedmäßigste wäre die Annahme des von dem Antragsteller selbst bisher fabotierten deutschnationalen Anfrages auf Aufhebung der Notverordnung vom 4. Dezember und Erfehung derfelben durch ein Zwischengeset. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung stellte es sich her aus, daß die Parteien der Rechten zwar die beanstandete Bestimmung nicht annehmen, aber auch teine Mußvorschrift über die Auslegung des Verfahrens auf Antrag einer Partei befchließen So ist es in der Tat! Diefer Finanzstandal der Rechts politit wird zu vertuschen gesucht, um die unangenehme Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß die Schwerinduftrie diefe Riefenentfchädigungen in doppelter und dreifacher Höhe erhalten hat. Nämlich vom Reich durch die jetzigen Entschädigungen, die Entschädigungen und Kredite während des Ruhrkampfes, von den konsumenten durch höhere Preise und von den Arbeitern und Angestellten burch längere Arbeitszeit, niedrigere Löhne und Abbau der fozialen Leisumgen. Unwahrheit über Unwahrheit. Wer hat fie erfunden? Die schmerindustrielle Bresse stellt die Behauptung auf, daß eine Miniftersigung an 20. Ottober in Gegenwart des preußischen Ministerpräsidenten die Absich'en ber Strefemann und Luther gebilligt habe. Diese Be hauptung erscheint allerdings vorsichtiger formuliert auch in der Beit". Die Ministersigung in Gegenwart Otto Brauns am 20. Oftober befchäftigte sich nicht mit der Frage der Geld entschädigungen. Sie suchte einen Weg, um die Industriellen zur Annahme der Micum- Berträge zu bewegen. Sie sah einen Ausmeg in der Steuerstundung, vorbehaltlich späterer Berrechnung und Borlage anden Reichs tag. An eine Entschädigung, noch dazu in so ungeheuer lichem Ausmaß, hat in diefer Sigung niemand gedacht. Der Versuch, die untontrollierte Auszahlung von Entschädi gungen ohne genaue Verrechnung und Verfügung durch has Barlament mit dieser Sigung zu decken, ist ebenso ummahr haftig, wie die anderen Bertuschungsersuche. Geht auch dieser Bersuch von der Regierung aus? wollten. Es wurde schließlich ein Antrag Bunderlich( Deutsche Bollspartei) und Schetter( 3.) gestellt, der die Mußvorschrift in eine Rannvorschrift ändern und das Recht der Antragstellung auf Auslegung des Verfahrens nur dem Gläubiger einräumen will. Das Ergebnis war, daß in einer Reihe von Abstimmungen fämtliche An träge abgelehnt wurden und der Ausschuß vor einem Richts stand. Nach einer Kunstpause entschloß man sich auf dringendes Zureden des Abg. Her gt( Dnat.), der den Eindruck, daß der Ausschuß tattos jei, in der Deffentlichkeit vermeiden wollte, noch ein mal über bie erneut vorgelegten Anträge abzustimmen. Nunmehr wurde die von den Demotraten neu beantragte For mulierung, wonach das Verfahren ohne Einschränkung auszusetzen ist, wenn eine Partei es beantragt, mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten die gesamte Linke und der deutschnationale Ausschußvorsitzende Dr. Steiniger. Angenommen murde hierauf mit. 14 gegen 12 Stimmen, wobei der Borsigende mit der Rechten stimmte, der neue Antrag Wunderlich, wonach das Verfahren auf Antrag des Gläubigers ausgefegt werden kann. daß dieses Gesetz mit dem Infrafttreten des neu zu schaffenden Auf. Den von den Sozialdemokraten unterstützten Antrag der Demofraten, wertungsgesetzes, spätestens aber am 30. April 1925, außer Kraft trete, wurde von den Rechtsparteien abgelehnt. Sie beschlossen, den Zeitpunkt des Außerkrafttretens die Reichsregierung bestimmen zu lassen. Aus der Haltung der Rechtsparteien erklärt sich mit aller Deutlichkeit, daß es ihnen nicht barum zu tun ist, ben gebotenen Diud auf die Regierung auszuüben im Interesse der baldigen Rc gelung der Aufwertungsfrage und daß fie auch für die Zwischen zeit den Gläubigern und Sparern ben Schutz nicht gemähren rollen, den fie in der vorigen Sigung nortäuschten Aus einzelnen Ausführungen von Rednern der Rechten war auch zu entnehmen, daß es den Herren schon jezt darum zu tun ist, den angeblich übertriebenen Aufprüchen der Gläubiger und Sparer entgegenzutreten Aber Millionen für die Ruhrindustrieellen. Bon Emil Fischer Nürnberg. Die durch die Sozialdemokratische Partei aufgedeckten Liebesgaben an die Ruhrindustriellen haben innerhalb der werftätigen Benölferung die größte Empörung hervorgerufen. Die stärkste Empörung aber herrscht bei den Flüchtlingen, die nach Ausgang des verlorenen Krieges aus dem Ausland und den abgetretenen deutschen Gebieten nach Deutschland zurückkehrten. Seit Jahr und Tag tämpfen die verdrängten Deutschen aus Elsaß Lothringen und Tausende von Auslandsdeutschen um Ersatzleistung für ihr verlorenes Hab und Gut. Was die Flüchtlinge aus Elsaß- Lothringen im ehemaligen Reichsland zurüdlassen mußten, ist dort von Franzosen auf Bersteigerungen an Franzosen abgegeben worden. Das Geld für den Erlös haben aber nicht die Flüchtlinge erhalten, sondern das wurde der deutschen Regierung für die Reparations leiftung gutgeschrieben. Nach den gesetzlichen Festlegungen erhält, ein vertriebener Flüchtling für seinen verlorenen Hausrat, ganz gleich, ob es sich um eine Wohnugseinrichtung im Werte von 3000 m. oder von 20 000 m. handelt, eine Hö ch stentschädigung von 1250 M. Hat er Berufsgegenstände verloren, was zum Beispiel bei Schuhmachermeistern, bei Schreiner- und Sattlermeistern, bei Krämern und sonstigen Kaufleuten durchweg der Fall war, so erhält der Geschädigte Dom Reich, ganz gleich, wie hoch sein Verlust ist, eine Hö ch stentschädigung von 1500 m.! Haben Flüchtlinge beides verloren, Hausrat und Berufsgegenstände, so befommen fie lediglich eine Höchstentschädigung von zusammen 2000 m. Noch ungerechter ist die Entschädigung für liqui. dierte Häuser und Grundstücke. Eine ganze Reihe von Arbeitern, fleinen Beamten und Handwerkern, die aus dem Elfaß, aus Rußland oder Polen verdrängt mor den find, hatten fich eigene Häuser gebaut. Diese Häuser sind versteigert worden; den Erlös erhielten aber nicht die Eigentümer, sondern er wurde wiederum dem Reich als Kriegsentschädigung gutgeschrieben. Wie ganz anders wurden dagegen bie Ruhry industriellen von der bürgerlichen Reichsregierung behandelt. Ueber 650 Millionen Goldmart sind bereits, mie aus den Enthüllungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion bekannt wurde, an die Schwerindustrie im Ruhrgebiet ausgerahlt worden. Während die Flüchtlinge aus dem Grenz- und aus dem Auslande jahrelang bitten und betteln müssen, um eine im Berhältnis zu ihrem Berlust lächerlich geringe Summe Schadensgeld zu erhalten, genügte bei den Schwerindustriellen ein Brief von Stresemann, von dem der Reichstag nicht einmal Kenntnis hatte, um einen Millionensegen auszuschütten. Hat eine Firma im Ruhrgebiet einen Schaden von 20 000 m., so erhielt fie nicht, wie die Bertriebenen aus Elfah- Lothringen, 1500 m., fondern 16 500 M. Haite ein anderes Unternehmen einen Schaden von 100 000 m., so befam es nicht, wie das bei den Flüchtlingen in Elfaß- Loth ringen oder dem übrigen Ausland der Fall ist, die Höchst entschädigung von 1500 m., nein, diese Firma erhielt 76 250! gezahlten Entschädigungen mit denen, die die Flüchtlinge aus Noch toller ist der Bergleich der an die Ruhrindustrie dem Ausland für ihren liquidierten Besiz erhielten. Benn im Ruhrgebiet einer mittleren Firma Bureaus von den Franzosen beschlagnahmt wurden, so erhielt diese Firma zur Beschaffung von Erfagräumlichkeiten rund 12.000 m. Entschädigung. Ist dagegen einem deutschen Flüchtling ein Anwesen im Werte von 100 000 m. von den Franzosen liquidiert worden, später dann in der Versteigerung für 70 000 bis 90 000 Fr. veräußert worden, so erhielt er nicht diese Summe für sein verlorengegangenes Eigentum, sondern er erhielt sage und schreibe 500 m. Entschädigung! Der Unternehmer im Ruhrgebiet alfo, der für die Beschlagnahme seiner Bureaurs 12 000 m. aus dem Stresemann- Millionen- Beutel erhielt, befam genau soviel mie 24 Flüchtlinge aus Elsaß- Lothringen oder dem Ausland, von denen jeder einzelne ein Anwesen im Werte von 100 000 m. hafte. Das Tollste aber ist in der ungerechten Behandlung der Geschädigten im Ruhrgebiet gegenüber den geschädigten deutschen Flüchtlingen aus dem Ausland ein Fall, der sich dieser Tage in Frankfurt a. M. abgespielt hat. Dort ist ein Lagerhaus abgebrannt, in dem Vertriebene aus dem Ruhrgebiet wie auch Flüchtlinge aus Eljak- Lothringen ihren geretteten Hausrat untergestellt hatten. Eines dieser Opfer fam als Rhein und Ruhrgeschädigter mart. in Frage, erhielt für seinen verbrannten Hausrat 16.000 ColdWas aber haben die 80 aus Elsaß Loth= ringen vertriebenen deutschen Familien für ihren verbrannten Hausrat bekommen? Für sie fommt das Berdrängungsschädengesez in Frage, das eine höchstentschä digung für verlorenen Hausrat von 1250 m. vorsieht! Wie lange will die Reichsregierung Luthernachdem die Deffentlichkeit nunmehr weiß, daß man den Ruhrindustriellen Millionen über Millionen an Ruhren schädigung bezahlt hat, ohne daß der Reichstag überhaupt gefragt wurde diesem offensichtlichen Standal der verschiedenen Behandlung der Ruhrindustriellen und der deutschen Flüchtlinge aus dem Ausland noch zusehen? Gilt für sie die Beimarer Berfaffung, worin geschrieben steht: Gleiches Recht für alle" nicht mehr? Will sie den Bormurf auf sich fitzen lassen, daß die O p f e r d e s verlorenen Krieges, die aus dem Ausland ohne j)ab und Gut verdrängt wurden, wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden, während die Ruhrindustriellen nicht nur am Kriege selbst, sondern auch noch an der Ruhrbesetzung zweifach und dreifach ver> dient haben? Im Vergleich mit der Ruhrentschädigung an die Schwer» industrie stnd die Entschädigungen, die den vertriebenen deutschen Familien aus dem Ausland gegeben werden, ein Skandal, der zum Himmel schreit und den sich das deutsche Volk schon aus Reinlichkeitsgründen dem Ausland gegenüber nicht gefallen lassen sollte. Sie verleumüung ohne Enüe. Wels» Wissel! und Robert Schmidt. In der„Deutschen Tagesztg." vom 3. Februar wird aus einem Aufsatz des Dr. Walter Schott«, Herausgeber der„Preußischen Jahrbücher", eine fabelhafte Geschichte zitiert. für die das Agrarierblatt Herrn Schotte vorsichtigerweise„die Verantwortung überlassen" will. Dies der Inhalt der Ge- schichte: .Wie war es möglich, daß ein Vorsitz �n der der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, daß der Genosse Wels Arm in Arm mit dem.Genossen" B a r m a t bei dem da- maligen Wirtschaftsminisler Wissell(Soj.) auftreten durste, um ein Monopol für die Einfuhr von Arbeiterkleidung zugunsten dieses berüchtigten Schiebers zu verlangen? Herr Wissell— einer der weißen Raben— lehnte dies und andere Monopolgesuche ab. Er verfiel der Rache des Herrn Wels! Sein Nachfolger wurde der be- währtere Genosse Robert Schmidt. Unter seiner Aera kamen die Monopole zugunsten der Schieber zustande, die ihnen einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Goldmark in Deutschland brachten. Die Moral, die die„Deutsche Tageszeitung" aus diesem Geschreibsel zieht, ist die, die Sozialdemokratie müßte schon„im Interesse ihrer eigenen Sauberkeit" in Preußen aus der Regierung ausscheiden und einstweilen das Regieren anderen Parteien überlassen, bis„die Säube- rungsaktion vollendet" sei! Nachtigall, ich hör dir laufen! In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser Geschichte um «ine der vielen Sumpfenten, die in die Welt gesetzt werden, um Personen und Parteien mit Schmutz zu oespritzen. Die von dem Agrarierblatt aus„Sauberkeits- gründen" aufgegriffene Ente war bereits am 22. Ja« n u a r(!) in der„Bergssch-Märkischen Zeitung" aufgeflattert, einem Blatte, dys an„Wahrheitsliebe" der„Deutschen Tages- zeitung" nicht nachsteht. Unterm 24.. Januar, unmittelbar nachdem er' von dem Erscheinen der Notiz Kenntnis erhalten, hat Genosse Wels unter Berufung auf Z 11 des Preßgesetzes ihr eine Berichtigung ühersandt, in der es heißt: 3ch habe niemals ein solches verlangen an Herrn wissell gestellt. Herr Wissell war deshalb auch niemals in der tage, ein solches oder Ähnliches Gesuch abzulehnen. Im übrigen erkläre ich im Einoersläadais mit Herrn wissell. daß unsere unverändert kreundschoflllcheu Beziehungen das Gerede von meiner.Rache" an ihm«flu besten widerlegen." Diese Berichtiauqg ist spätestens am 2S. Januar in der„Bergisch-Märkischen Zeitung" abgedruckt worden. Trotzdem kommt eine vo.lle Woche danach die .�Deutsche Tageszeitung", um den vorleumderischen Kohl Sfeder aufzuwärmen. Nur ist sie so unvorsichtig, mit ihrer nspielung auf Preußen gleichzeitig zu verraten, kj welchem Zweck dieser ganze Verleumdungsfeldzug geführt wird. Dadurch wird das Gericht noch ungenießbarer, als es ohnehin schon ist. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, daß auch Ge- nofse Robert Schmidt dem sauberen Blatte in Elber- iech ein? Erklärung hat zugehen lassen, in der er die Monopol- Her Vater der Soldaten." B»n Dr. I. M üller. war in den Revplfltionstagen 1018. Die Nachricht von den Lorgängen in Kiel irnd Berlin war wich bis m unsere Stadt ge» kommen. Und nach allem, whs sich hier während des Krieges ab» gefMt hatte, hurst- man annehmen, daß die Entwicklung nicht glatt und ruhig vor sich gehen würde. Da war ich Zeug« eines Gesprächs zwischen unserem Stadtkommandant«! und dem Leiter unserer Polizei. .Sind Sie sicher. Herr von F.. daß ine Truppen bei uns nicht ebensalls meutern?" .Aber ich bitte Sie, mein Bester, bei der B-rehrung, die ich bei den Truppen genieße, sst«ich nicht das geringste zu befürchten. Ich habe sie fest m der Hand und würde auch niemandem reiten, nur zu mucken." Jb. aber.. .Ich bttie Sie. wo» soll dieses.Aber"? Sie wissen doch, wir hohen so viel Offizier« während des ganzen Krieges hier in der Garnison gehabt, die genau wissm, mit welchen Mitteln man vor- zugehen hat. und schließlich hat man sich doch bei den Truppen hier ein starke» Vertrauen«worden. Sie nennen mich doch ihnen Vater!" .So? De» habe ich noch nicht gehört." erwidert« der Polizei. direktor.. .Nv. jeder Offizier wird's Ihnen jagen." .Ja. die— aber lassen wir da«. Wissen Sie. ich war heute zu- fällig Zeug« eines Gesprächs, wo zwei Soldaten, Bürger uns«« Stadt, ihrem hsstigsten Unwillen darüber Ausdruck gaben, daß sie. die hier zum Heere sinberuten wurden, auf Ihren generellen Befehl vom Vürgersteig hätten hinuntergehen müssen, wenn sie auch Ocm jüngsten Leutnant begegneten. Sogar wenn sie mit ihren Frauen gingen, hätten sie das zu tun. Diese Ihre Anordnung scheint doch außerordentlich weiter zu wirken, denn« Handell sich doch um ältere Familienväter, die hier, wie sie sich auedrückten, geistig und moralisch auf da, schwerst« mißhandelt warben seien." .Unsinn, olles. Im Heer heißt es gehorchen. Basta! Im '.ihrigen, das sind doch nur einzeln» Unzufriedene. Das hm nichts '-iter zu bedeuten. Und letzten Endes setzt man die eben fest." Am nächsten Tag« wurde ich telephonisch angerufen. Mir wurde mitgetellt, daß am Nachmittag zu einer bestimmten Stunde an einem bestimmten Platz mehrer« Kompagnien uns«« Garnison meutern wollten. Man hatte dies auch dem Polizeidirektor mitgeteilt, ab« er hatte erwidert, uns« Stadtkommandant habe«klärt, er habe die Truppen fest in der Hand. Danach sei eine Meuterei ausgeschlossen. Tatsächlich waren um die bestimmte Zeit an dem bestimmten Ort ver- Hiedene Kompagnien versammelt, die ihre Waffen fortworfen und '-md h«aus erklärten, dem Befehlshad« nicht mehr Folg« zu leisten. Ihre erst« Forderung lautete:.Weg mit dem Stadtkommandanten, der uns in dies« Weise geschuriegelt hat, der selb« niemals an der gefchichte ins Reich der politischen Fabeln vermesst. Wir konnten bisher aber nicht fessstellen ob sie abgedruckt wor» den ist._ Empfehlungsschreiben aus üer Kaiserzeit. Geschäftsreisen nach dem Balkan. Das»Berliner Tageblatt" veröffentlicht sehr merkwürdige Do- tumcnte aus d« Kaiserzeit. Es Handell sich um drei Empfehlungsschrei den des Kaiserlichen Geheimen Zivilkabinetts aus den Jahren 1917 und 1918 für gewisse Persönlichkeiten, die im Auftrage der Kaiserlichen Herr» schaft Cadinen nach dem Balkan reisten. Eines dies« Schreiben hat folgenden Wortlaut: Es wird hiermit bescheinigt, daß....... im Auftrage und im Interesse der Herrschaft Eadinen(Besitzer: Seine Majestät der Kaiser und König) noch Oesterreich-Ungarn und dem Balkan reist. Die Behörden werden gebeten, ihn auf seiner Reise zu unier. stützen und ihm möglichste Erleichterungen zu ge- währen. Die beiden anderen Schreiben haben einen ähnliche» Wortlaut. Die Empfehlungen hotten die Wirkung, daß der ungarische Innenminister sämtliche Zivil- und Militärbe- Hörden anwies, die betreffenden Herren zu unterstützen und sie von der Gepäckkontrolle zu encheben. Das»Berliner Tageblatt" fragt, ob die Reisen der bevorzugten Herren überhaupt etwas mit der Kinserlichcn Herrschaft Eadinen zu tun hatten und ob sie nicht vieltrehr privaten Zwecken dienten. und verlangt den ehemaligen Dureaudirektvr des Geheimen Zivil- kabinetts Geh. Hofrat T i l l i ch. den lippischen Seh. Finanzrat und früheren Rittmeister S i m s o n, den Regierungsrat Oeding und den Geh. Regierungsrat Leopold Schröder in der Angelegen- heit zu vernehmen. Es ist anzunehmen, daß sich die deutschnativnale Presse, die den Finanzskandal des Schwiegersohns des deulsch- nationalen Innenministers Schiele so topf« totschweigt, dieser Sache mir derselben Energie anehnien wird. Sie hat sich nicht umsonst die Reinigung der Oeffenllichkeit von der Korruptions- atmofphäre zur Aufgab« gestellt. das Washingtoner Abkommen. SteNflflsinahme der Reichsregierung. Dem Reichstag ist eine Auslassung des Reichsorbellsministers Dr. Brauns über die Stellungnahme der Reichsregierung zum Washingtoner Zlbtommen über den Achtstundentag zugegangen. Darin heißt es, daß die Reichsregierung die Ratifikation dieses Ab- kommen? niemals grimdsätzlich abgelehnt habe. Die jetzige deutsche Gesetzgebimg über die Arbeitszeit sei von der Reichsregierung stets als eine Rotgesetzgebung-betrachtet und gekennzeichnet worden, an der sie von vornherein nicht länger festhalle» wolle, als es die ganz außerordentlich schwierige Lage Deutschlands essordere, llnscrc Ber- luste, Lasten und Bindungen infolge des Krieges feien soviel schwerer alz die aller anderen großen Staaren, unsere wirtschaftliche Zukunft so ungellärt, daß niemand von Deutschland ein Vorangehen in der Flage der Ruiif-ziciung erwarten könne.(Vorangegangen sind längst andere große Industriestaaten. Anm. d. Red.) Das gelle um so mehr, als der Inhalt des Abkommens und demnach auch das Maß der Bindung bisher in Gesetz und Praxi« der einzelnen Länder eine sehr oerscki!edene Auslegung gefunden habe. Deutschland sei gern bereit, mit bei: übrigen in Betracht kommenden Staaten eine Ber» ständigung über die Auslegung de» Abkommens herbeizuführen und würde sichindiesemFallzurRatsfikationberert- finden. Dabei müsse die Reichsregierung al» selbstverständlich voraussetzen, daß zur Verhütung außerordentlicher Gefährdung beut. scher Lsbensnotwendigkeiten der Artikel 14 de» Washington« Abkommens Anwendimg finde. Da» Zentrum tn Bayern. Auf einem in München verunstaltet