Nr.58+42. Jahrgang Ausgabe A nr. 30 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. 2nter Areuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Buremburg 4.50 Reichsmart, file das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolf und Beit" mit Sied Jung und Aleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" eticheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- breffe: Sozialdemokrat Berlin* Morgenansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille geile 70 Pfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 20 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Borte). jebes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Bfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Borte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Redaktion: Donboff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 4. Februar 1925 Gewerkschaften gegen Ruhrfkandal. Ein Schreiben der Spitzenverbände. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftswiesen, ihre Ansprüche bei der Micum in Paris geltend zu machen! bund und der Allgemeine freie Angestellten. Etwa 7000 Arbeiter und Angestellte, darunter folche mit einer mehr bund, die beiden großen freigemertschaftlichen Spitenorgani- als 30jährigen Dienstzeit, find allein auf diese Weise brotlos gemacht fationen, die über 7% Millionen Mitglieder umfassen, haben worden. Den erst von der Besagung gepeinigten, dann von ihren folgendes Schreiben an den Deutschen Reichstag gerichtet: deutschen Arbeitgebern auf die Straße gejetten Angestellten und Arbeitern ist bisher feine Entschädigung vom Reich bewilligt worden, während die Nuznießer ihrer Not aus Reichsgeldern eine unverdiente Ar.Bereicherung erfahren sollen. An den Deutschen Reichstag, Berlin! Die unterzeichneten Spitzenverbände der freien beiter und Angestelltengewertschaften Deutschlands erheben gegen die von der Reichsregierung an die schmere und chemische Industrie von Rheinland- Westfalen bewilligte und zum größten Teil auch bereits ausgeschüttete Gesamtentschädigung von 715 Millionen Goldmark schärfsten Einspruch. Sie verurteilen die von der Regierung eingeschlagene Art des Borgehens, die Riesenhöhe der bewilligten Summe und den völligen Mangel jeder ausreichenden Staatlichen Kontrolle. Ohne prinzipiell jede Reichsentschädigung für Die durch die Ruhrbejegung erwachsenen tatsächlichen Verluste abzulehnen, die selbstverständlich für alle Beteiligten nach gleichen Grundfägen zu erfolgen hätte, muß es von dem von schwerer Not bedrückten deutschen Volk als unerträglich empfunden werden, wenn Reichs: mittel je nach dem politischen und wirtschaftlichen Einfluß einzelner Interessentengruppen und ohne jede Rüdsicht auf die soziale Lage, unter Außerachtlassung aller rechtlichen Gesichtspuntte verteilt werden. Während die Arbeiter, Angestellten und Beamten, die als Hauptträger des passiven Widerstandes neben schwersten Opfern materieller Art auch persönlich Berlust von Angehörigen, Ausweisung, Berreißung ihres Familienlebens ertragen mußten, mit geringen Bruchteilen ihrer Ansprüche abgefunden wurden, und teils heute noch an den bitteren Folgen des Ruhrkampfes zu leiden haben, wird der rheinischen Großindustrie über den erfahrenen Schaden hins aus eine Summe verabreicht, die 15 Broz. des gesamten Einnahmeetats des Reiches für 1924 ausmacht. Die unterzeichneten Gewerkschaftsbünde erwarten von den Parteien des Reichstages eingehende Untersuchung diefer Borgänge und unter Mitwirkung der Gewerkschaften eine Gefamiregelung, die der fozialen Gerechtigkeit entspricht. Berlin, 3. Februar 1925. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. P. Graßmann. Allgemeiner freier Angestelltenbund. S. Aufhäuser. W. Stähr. Der Kern des Skandals. Zu dem in der heutigen Morgenausgabe des„ Borwärts" unter dem Titel„ Der Kern des Standals" erschienenen Artikel wird uns aus gemertschaftlichen Kreisen mitgeteilt: Die von dem Einsender aufgeworfene Frage, ob denn über. haupt schon eine endgültige Abrechnung der ausgezahlten Gelder haupt schon eine endgültige Abrechnung der ausgezahlten Gelder für die Lohnficherung stattgefunden habe", kann ich dahin beantmorten, daß weder eine endgültige noch eine vorläufige Abrechnung bisher ftattgefunden hot. Auch ist teine der in dem ange gebenen Artikel gestellten Fragen hinsichtlich der Verwendung der einzelnen Gelder durch die Schwerindustrie bisher in einer für das Reich einigermaßen zufriedenstellenden Weise geklärt worden. So. viel ich weiß, ist vielmehr die dringend nötige und in öffentlichem Interesse liegende Abrechnung durch einen Bergleich(!) worden. Welche Darlegungen oder sonstigen Einwendungen der herabgewischen den Industriellen und dem Reiche erledigt Interessenten dabei ausschlaggebend gewesen sind, wäre nicht ohne Intereffe für eine breitere Deffentlichkeit. Anscheinend hat die Schwerindustrie die zuständigen Stellen mit dem Hinweis zum Nach geben gebracht, daß sie durch genaue Rechnungslegung nachweisen fönnten, daß das Reich ihnen aus der Durchführung des paffiven Widerstandes noch erhebliche Beträge schuldet! Soviel wir wissen, Dies alles vollzieht sich in einer Zeit, in der das Reich seine fonstigen notwendigen Ausgaben auf ein Mindest maz herabgefenit hat und für die gesamten sozialen Zwecke im neuen Etat nur eine Summe von 300 Millionen Goldmark zur Verfügung stellt. Die Sachschäden der eigentlichen Ruhrkämpfer find unter Hinweis auf diese Finanznot des Reiches nur zu einem Eleinen Teil erfekt worden; die mittleren und fleineren geschädigten Unternehmungen follen insgesamt mit 70 Millionen Mart abgefunden werden, mährend die Großindustrie ohne jede gejeßliche Grundlage bereits nicht weniger als 645 Millionen Goldmart zugewiesen erhalten hat. Die offizielle Erklärung der Reichsregierung, daß sich diese gewaltige Ausschüttung von Reichsgeldern auf einen Brief des Reichsministers Stresemann an Hugo Stinnes vom 13. November 1923 stützt, fann niemals als eine staatsrechtliche Grundlage für solche außerhalb des Etats liegenden Riesenausgaben des Reiches anerkannt werden. Dieser Amtsmißbrauch ist um so mehr zu verurteilen, als statt einer individuellen Kontrolle der den einzelnen Großbetrieben tatfächlich erwachsenden Schäden die Gelder den Industrieverbänden überwiesen wurden, deren Kontrolle über die einzelnen Schadens. rechnungen in feinem Falle als Ersatz für die unterbliebene Prüfung durch die Reichsorgane angesehen werden darf. Dabei ist die Frage aufzuwerfen, ob und inwieweit die nach Abschluß des passiven Widerstandes gestundeten Steuern( Kohlen, Umsatz-, Körperschaftssteuern usw.) nachträglich entrichtet worden sind. ausgezahlt worden sind. besteht eine besondere Abrechnungsstelle für diese während des passiven Widerstandes vom Reiche an die Verbände und sonstige Körperschaften gezahlten Gelder. Es haben menigstens schon eine ganze Reihe nicht zur Schwerindustrie gehöriger Berbände usw. dieser Stelle Rechnung legen müssen. der Arbeit dieser Stelle in der Denkschrift flare Auskunft gibt. Bir verlangen von der Regierung, daß sie über das Ergebnis Interessant wäre auch, zu erfahren, wie hoch die festgestellten Ansprüche des Reiches aus dieser Rechnungslegung find. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostichedkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfaie Lindenstraße 3 Die Krise in Belgien.. Der Kampf um das Frauenwahlrecht. ( Von unserem Brüsseler Korrespondenten) Die belgische Kamimer, die seit Jahren mit dem innenpolitisch und teilweise auch außenpolitisch vollkommen aktionsunfähigen Notkabinett Theunis fortvegetiert, ist nunmehr am Ende ihres Lateins angelangt. Seitdem die sozialistischen Minister aus der Regierung hinausmanövriert wurden, um der kräftigen demokratischen und sozialpolitischen Reformarbeit der Nachkriegszeit ein Ende zu machen, hielt eben nur dieses negative Ziel die t'atholisch liberale Regierungsmehrheit zusammen, aber zu irgendwelcher aufbauender Arbeit war dieser Bürgerblock in feinem Augenblicke fähig. Aber die Furcht, daß das offene Eingeständnis ihres Bankrotts die Sozialisten zum maßgebenden Faktor der belgischen Politik machen würde, bewog die Regierungskoalition immer wieder dazu, sich ihrem fast ununterbrochen drohenden Zerfall frampfhaft entgegenzustemmen. Immer wieder fam es zu einem faulen Kompromiß, und zwar durchweg auf der Grundlage, daß beide Parteien auf die Berwirflichung ihrer gesetzgeberischen Forderungen verzichteten. So bietet die belgische Rammer seit dem Austritt der Sozialisten aus der Regierung ein Bild der Unfruchtbarkeit und der Konfusion, das nicht alltäglich ist. Nun geht dieses abstoßende Spiel aber doch zu Ende. Die Lebenszeit des Parlaments ist beinahe abgelaufen und die Neuwahlen müssen verfassungsgemäß spätestens am 24. Mai stattfinden. Aber obwohl die beiden Regierungsparteien in fast allen wichtigen Fragen vollkommen un einig sind, flammerten sie sich auch noch in der allerlegten Zeit und zum Teil noch heute trampfhaft an diefes Parlament, um möglichst feinen einzigen Tag der Macht zu verlieren. Trozdem stehen wir nun vor der offenen Krife. Es die Frage des Frauenstimmrechts zu den Provinzialwahlen, die sie zum Ausbruch gebracht hat. Die Katholiken wollen das Frauenstimmrecht zu diesen Körperschaften, weil diese ein Viertel des Senats wählen und weil die Katholiken vielleicht nicht mit Unrecht hoffen, daß der Stimmengewinn, den ihnen ihnen die Mehrheit im Senat zu sichern. Aus diesem Grunde das Frauenwahlrecht bringen würde, vielleicht ausreicht, um aber widersehen sich die Liberalen dem Frauenstimm recht mit aller Macht. Auch die Mehrheit der Sozialisten ist gegen seine sofortige Verwirklichung. Darüber hinaus betrachten die Liberalen die Behandlung dieser Frage im Barlament als einen Bruch des Koalitionspattes. Sie drohen schon seit Jahren mit dem Rücktritt ihrer Minister, falls die Kathp liten einen Gesetzesantrag über das Frauenstimmrecht stellen. Bis jetzt hat diese Drohung genügt, um die Katholiken einzuschüchtern. Nun aber drängt die Zeit. Kommt der Gefegentwurf nicht schnell zur Berhandlung, so wird das Parlament aufgelöst, ohne daß das Frauenstimmrecht Gesetz wird, vinzialversammlungen in ihrer gegenwärtigen Zusammenund dann wird der neue Senat wieder von den alten Brosetzung gewählt. Darum haben sich die Katholiken jetzt entschlossen, die Frage des Frauenstimmrechts ohne Rücksicht auf die Die neue Steuer- Reform". Liberalen gleich nach Berabschiedung des Gesezentwurfs Einschränkung der Steuerhoheit des Reiches. über die Erhöhung der Lehrergehälter auf die Tagesordnung Heute tritt im Reichsfinanzministerium eine Konfeder Kammer zu feßen. Die Diskussion dürfte in etwa zwei renz der Finanzminister der Länder zusammen. Der Kammer ist nicht zu zweifeln, weil außer den 75 KathoWochen beginnen. An der Annahine des Gesezentwurfs in Die Konferenz soll sich mit der neuen Steuerreform beschäfti- liten etwa 20 Sozialisten, die sich früher schon zugunsten des gen, insbesondere mit dem beabsichtigten Finanzausgleich zwischen dem Reich den Ländern und den Gemeinden. Ueber Frauenstimmrechts festgelegt haben, dafür stimmen und eine die Absichten des Reichsfinanzministeriums läßt sich folgendes ausreichende Mehrheit sichern werden. Es ist mit mitteilen: Sicherheit anzunehmen- allerdings sofern bei diesen Herren überhaupt etwas sicher ist, daß die Liberalen dann die Krise provozieren. In diesem Falle wird Herr Theunis voraus1. Es ist eine Ermäßigung der Reichseinkommen Durch die schärfste Anspannung der Steuerschraube, vor allem durch hohe Berbrauchs- und Lohnsteuern und eine startemischen durch hohe Verbrauchs- und Lohnsteuern und eine starte Belastung der Gewerbetreibenden ist im abgelaufenen Jahr ein Etatsüberschuß von 940 Millionen Goldmark erzielt worden, von dessen Gesamtertrag jetzt über 75 Proz. den erwähnten Industriellen und der Körperschaftssteuer um ein Drittel geplant. Ferner die Einsichtlich sofort die Kammer auflösen und die Neuwahlen werden Bei den Schiedssprüchen der Schlichtungsinffangen war der Hin. räumung eines 3uschlagrechts an Länder und Gemeinden Ende Februar oder Anfang März stattfinden. weis auf die von den Zechen zu tragenden Micum- Casten entschei- mit einer Höchstgrenze und dem Genehmigungsrecht des Reichstages. dend, um die Löhne niedrig zu halten, die Arbeitszeit zu verlängern. anteils an der 11 m sa ste u er soll eine Erhöhung dieses Anteils Die hohen, weit über den Friedensfäßen liegenden Kohlenpreise wurden der Oeffentlichkeit damit mundgerecht gemacht, daß die Zechen alle Caften des Ruhrkampfes felbft zu tragen hätten. Tatsächlich find jene Unternehmer doppelt entschädigt worden: einmal durch niedrige Löhne, hohe Preise und Steuerffundung, zum anderen durch die jetzt erfolgte Reichsentschädigung. Eine Anfrage des Deutschen Bergarbeiterverbandes vom 17. Oftober vorigen Johres ist jest nach vier Monaten be. antwortet worden, eine Bestätigung dafür, daß diese Zuwendung des Reiches an die Bechenbefizer erst nachträglich bekannt werden sollte. Reiches an die Zechenbefizer erst nachträglich bekannt werden sollte. Diese Borgänge haben, vornehmlich unter den Belegschaften der entschädigten Unternehmungen, Erbitterung und Empörung ausgelöst. Für die Arbeiter und Angestellten jener Werke bildete die Generalfündigung zum Zwecke des Cohndruds und der Beseitigung des Achtffundentages den Abschluß des passiven Widerstandes. Die Beleg. schaften der von der Micum beschlagnahmten Betriebe find wider Recht und Gesetz nach Rückgabe an die deutschen Besitzer von diesen fristlos entlassen worden; nur ein Teil murde zu verschlechterten Bedingungen wieder eingestellt, die Betriebsräte und Gewertschaftsver. trauensleute zum großen Teil gemaßregelt. Das Reichsarbeitsminifterium hat ihnen seinen Schug versagt und sie auf den Weg ver 2. Statt der ursprünglich geplanten Beseitigung des Ländererfolgen. 3. Als Ersatz für den Ausfall, der dem Reich durch Verminde rung der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Umsatz steuer entsteht, soll eine starte Steigerung der Berbrauchssteuern eintreten. Werden diese Absichten verwirklicht, so verzichtet das Reich auf einen wesentlichen Teil der Steuerhoheit, die es bisher hatte. Ob unter einem solchen System die großen Auf gaben des Reiches, insbesondere die Tragung der Reparationsverpflichtungen möglich sein werden, erscheint sehr zweifelhaff. Amerika und Weltschiedsgericht. Der Senat für Beitritt. Washington, 3. Februar.( WTB., Funkspruch.) Der Ausidius für auswärtige Angelegenheiten des Reviäfentantenbauies nahm eine Entschließung an, der zufolge dam Repräsentantenhaus durch Protokoll mitgeteilt werben fol. daß der Ausschuß ich für den Beitritt der Bereinigten Staaten zum Beltschiedsgerichtshof ausspreche. Es ist freilich nicht ausgeschlossen, daß die Katholiken eine Art fleinen Staatsstreich versuchen, indem sie die Ernennung eines rein fatholischen Kabinetis durchsetzen, das die Wahlen zu machen" hätte. In solcher Wahlmache" haben die belgischen Katholiken schon Erfahrung. So wurden die legten Wahlen vor dem Kriege, Jals die katholische Alleinherrschaft endlich ernst bedroht war, von dem damaligen Ministerpräsidenten de Borcqueville in der Weise gemacht", daß er inmitten des Wahlkampfes, wenige Tage vor den Wahlen, alle Staatsbeamten durch eingeschriebenen Brief von der bes porstehenden Erhöhung ihrer Gehälter in Kenntnis Ruder bleibe! Das war freilich in der guten alten Zeit des Bluralwahlrechts. Heute müßte die Wahlmacherei etwas weniger plump ins Werf gesezt werden. Nichtsdestoweniger märe den Herren manches zuzutrauen und aus diesem Grunde würden die Sozialisten sicher nicht untätig zusehen, wenn der Rönig es sich einfallen ließe, im Falle der Demission des Kabinetts Theunis eine flerifale Minderheitsregierung vor den Wahlen zu ernennen. Man fann sich nach dem Vorstehenden ein Bild davon machen, wie fonfus und zerrüttet der Wahlkampf bei den Katholiken und Liberalen sein muß, die den Wählern nichts aufzuweisen haben als Unfruchtbarkeii und innere Spaltungen. Der Kampf hat übrigens bereits eingesetzt. Die Sozialisten gehen ihm frischen Mutes entgegen. Die Kandidatenlisten der Sozialdemokraten werden in jedem Wahlkreis durch Urabstimmung aller in den Par- teigruppen, den Gewerkschaften und Genossenschaften organi» sierten Mitglieder festgesetzt. Dieser„Poll", wie man«s nennt, ist also eigentlich schon eine wirkliche demokratische Volkswahl, an der in der Regel ein großer Prozentsatz der Gesamtwählerschast teilnimmt. Es ist deshalb ein Deweis großer innerer Kraft und Geschlossenheit der belgischen Partei, daß bei den soeben stattgefundenen Polls die bisherigen Abgeordneten der Partei sowohl für die Kammer wie den Senat durchweg auf die Kandidatenliste gestellt worden sind, und zwar die hervorragenden Parteiführer stets an erster Stelle. Die Sozialdemokratie hat die besten Gründe, einen erheblichen Stimmen- und Mandats» Zuwachs zu erwarten, einen Zuwachs, der hinreichen wird, um die Wiederholung des mißkreditierten Bürgerblocks un- möglich zu machen. Die üeutfchnationale Kapitulation. Westarps Wahl zum Vorfitzeudeu. Dem„Lokal-Anzeiger" entnehmen wir folgenden Bericht: »Graf Westarp ist in der heutigen Frottionssitzung der Deutschnationalen zum Vorsitzenden gewühlt worden. Diese Wahl ist durch Zuruf erfolgt. Man wird in ihr ein politisches Bekenntnis nach der Richtimg sehen dürfen, daß sich a u chd e r söge- nannte altkonservatioe Teil der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion rückhaltlos hinter jene Erklärung der Deutschnationalen gestellt hat. sene Erklärung, die ja auch bereits durch den Mund de» Grafen Westarp abgegeben wurde, daß die Politik des Kabinetts Luther in ihren großen Zügen von den Deutschnallonalen gebilligt wird. Seit der Abgabe jener Erklärung ist bekanntlich auch die Red« des Reichskanzlers Dr. Luther an die Vertreter der ausländischen Presse gehalten worden, von der selbst ein links- demokratisches Blatt feststellte, durch sie seien die Hoffnungen* auf.reaktionäre" außenpolitische Entgleisungen des jetzigen Reichs- kabinells zuschanden gemacht worden. Wenn Graf Westarp jetzt den Vorsitz der deutschnationalen Reichstagsfraktion übernommen hat. dann liegt darin, daß auch er und sein enger Ireuadeskrci» die Außenpolllik de» jetzigen Relchskabinetls stützt und billigt. Da» dürste nicht nur i n n e r p o l i t i s ch von Wichtigkeit sein, weil es die völlig« Geschlossenheit der Deutschnationalen bekundet, sondern auch außenpolitisch von nicht geringem Interesse.* Diese Erklärung-r- zweifellos offiziösen Charakters— ist allerdings interessant. Sie besagt, daß die Deutsch- nationalen einschließlich ihres völkischen Flügels ohne Bs- denken die Erfüllungspolitik restlos geschluckt haben. Ihr jahrelanger Kampf war also nur Heuchelei. Nach außen ist sie nichts anderes als die offene Abgabe der Visitenkarte an den ,, Feindbund".„Wir sind ja gar nicht so schlimm! Auch wir wollen verhandeln. Kümmert euch nicht um unser Gebrüll das wir doch nur erhoben haben, um Dumme zu fangen. MachtmitunsGe schüft s." Das und nichts anderes besagt der Hinweis auf die völlige Ge- schlossenheit der Deutschnationalen in außenpolitischen Fragen. Sie werden im Gegenteil nationale Jnteresien m i t W o l l u st preisgeben, wenn nur das Ziel ihrer Sehnsucht erreicht ist: die Herrschast im Reich und— das preußische Innenministerium!__ Bereicherung öer Konzernmacht. DaS wahre Geficht der Bürgerblockpolickid. Di« Regierung hat der schwerindustriellen Interessenpresse Mittellungen aus der angekündigten Denkschrift an den Reichstag gemacht, noch che der Reichstag Kenntnis von dem Inhalt dieser Denkschrift hat. Diese Mit- teilungen sollen den Kern des Skandals abermals vertuschen. Morgen auf öem Schlefischen Bahnhof. Von Konrad Seiffert. Durch den dünnen Morgennebel, der auf dem Platz vor dem Schlefischen Bahnhof liegt, hobt der lange Zug der Verbrecher, strebt der Vorhalle zu, windet sich die Treppen zum Bahnsteig hoch. An jeder Seite jedes Vedkechers und jeder Verbrecherin geht ein Schutzpolizist. Lederzeug knarrt. Waffen kloppern. In der Vorhalle sammeln sich Menschen an, die wortlos dem Zug der Verbrecher nachsehen. Di« meisten der Gefangenen halten den Kopf gesenkt, sehen starr auf den Rücken des Vordermannes. Einige mustern mit gespielter oder natürlicher Frechheit die Gaffenden. Oben auf dem Bahnsteig bildet sich aus dem langen Zug ein quadratischer Haufen, um des sich dicht der grüne Kreis der Schutz- Polizisten legt. Reisende, die auf die Einfahrt ihres Zuges warten, kommen herzu. Bahnbeamte in dicken Mänteln, und mit schweren Holzkästen in der Hand, an denen vorn eine Laterne hängt, schließen sich an. Di« Verbrecher reden nicht miteinander, sehen starr auf den Rücken ihres Vordermannes oder frech in die Mauer der Gaffenden. Em Mädchen ist unter den Verbrechern mit zartem Gesicht und gepflegten schmalen Händen. Es kann ein« Dirne sein oder der degenerierte Sproß einer alten Familie. Auf den Schultern de» Mädchens liegt lässig ein Pelz, und seine schmalen Knöchel um- spannt ein hauchdünner Sei denstrumpf. Wenn ein Windstoß den Nebel zur offenen Bahnhofshalle heremfegt, dann zieht«s den Pelz fröstelnd etwas höher und schlägt den engen Rock zusammen, der eben Waden und Knie freigab. Apathisch starrt es auf die Schienen hinaus, über denen der Nobel liegt. Em Jüngling ist unter den Gefangenen mit schwarzem Haar, das ungebändigt unter feiner Schirmmütze hervorquillt. Er hat fein« Hände in dm Rocktaschen vergraben und starrt starr hinaus auf die Schimm. Beißt er die Zähne zusammen? Ballt er die Fäuste? Ein politischer Verbrecher? Männer und Frauen sind unter den Gefangenen mit den typi- schm Zügen der Gewohnheitsverbrecher, mit scheuen Augen, mst frechen Bewegungen. Und Menschen, denm man es ansieht, daß sie einen Schnitt taten zwischen sich und jenm Anderm, die«f der anderm Seite der grünen Schupomauer stehen. Und Menschen. die dos Schicksal zermalmte, ohne sie zu erheben. Mit weiten Augen sehen sie hinaus auf die Schienen, von dmen der Nebel schwindet. Eine schwindsüchtig« Lokomotive keucht mit dem Wagen für die Verbrecher in die Bahnhofshalle. Die grüne Mauer der Schutzpolizei löst sich, bildet eine Echse zum Verbrecherwagen, dessen kleine Fenster eng vergittert sind. Ein Gesongenmwärter kommt. Mießt die Tür des Wagens auf. winkt mit dem Kinn. Ein Verbrecher nach dem anderen gleitet an Je mehr die Regierung sich in eine Front mit den Interessenten und Nutznietzern der 70g-Millionen-Entschädigung stellt, um so klarer wird ihre Schuld. Mit diesen Methoden wird die Regierung nur den Eindruck verstärken, daß Rechtsblock gleich- bedeutend ist mit Ausnutzung der politischen Vormachtstellung der Großindustrie zu ihrer Bereicherung auf Kosten der Ge- samtheit. Dieser Skandal ist nicht nur ein Finanzskandal. Er ist ein politischer Skandal ersten Ranges. Die Wucht der Verantwortung trifft vor allem die Deutsche Volkspartei und die D e u t s ch n a t i o n a l e n. In diesen Lagern saßen die Treiber und Nutznießer der Inflation, die Saboteure der Staatsfinanzen und der Währung. Seit dem Jahre 1920 wurde in beiden Lagern daran gearbeitet, diese Parteien, die denselben klassenmäßigen Untergrund haben, zusammenzuführen zu einem Block, der die Arbeiter- schaft politisch beiseite schieben und gegen die Soziatdemolratie regieren sollte. Dom ersten Tage der ersten großen Koalition im Reiche an begannen die offenen Vorstöße der Schwer- industrie, um dieses Ziel zu verwirklichen. Das Feldgeschrei der Interessenten wurde: Bürgerblock. Zur Begründung konnte man in der gekauften Presse lesen, daß nur der Bürgerblock jene großen W i rt s ch a f t s f ra g e n lösen könne, die mit der Sozialdemokratie nun einmal nicht gelöst werden könnten. Heute weiß man, welche Wirtschaftsfragen sie nicht mit der Sozialdemokratie lösen konnten. Sie konnten nicht ge- meinsam mit der Sozialdemokratie die Allgemeinheit be- rauben, um die Schwerindustrie des Westens zu bereichern. Dieser 7lX)-Millionen-Skandal ist nichts anderes als eine gegen das Budgetrecht des Reichstages, gegen die höchsten Rechte der Volksvertretung und ihren Willen verstoßende Je- raubung des Staats- und Volksvermögens. Nicht in der Tatsache der Entschädigung der Micum- Lasten an sich liegt der Skandal, obgleich die Wirtschafts- kreise, die die Micum-Lasten tragen mußten, bis zum Ruhr- kämpf und erst recht während des Ruhrkampfes nicht nur nicht Opfer für Deutschland gebracht, sondern sich in der Zeit der allgemeinen Rot bereichert hatten. Der Skandal liegt im Uebermaß der gezahlten Entschädigungen, im Fehlen jederAbrechnung und jeder K o n t r o l l e, in der P e r- h« i m l i ch u n g vor dem Reichstag. Er liegt vor allem in jener verdächtigen Eile, in der Ende Dezember mit den Zahlungen begonnen wurde, die in wenigen Tagen schon beendet waren. Das muß den Eindruck erwecken, als hätten die Amtsstellen, die diese Zahlungen angeordnet und durch- geführt haben, die Befürchtung gehabt, daß der neugewählte Reichstag Widerspruch gegen diese Uebertragung einer Summe, die fast dem ganzen Ertrag der Auslandsanleihe gleichkommt, an die deutsche Schwerindustrie erheben könnte. Das erweckt den Eindruck, als habe man in einer Zeit, wo das Zustandekommen eines Rechtsblocks noch nicht sicher war. Rechtsblockpolitik auf eigene Faust geführt und das Präoenire zu spielen, um den Reichstag vor voll- zogen« Tatsachen zu st ellen. Die Nutznießer dieses Entschädigungsskandals aber sind zu einem guten Teil dieselben Personen, die am schärfsten für den Bürgerblock ein- getreten sind. Es sind Deutfcbe Volksparteiler und D e u t s ch n a t i o n a l e, denen diese Entschädigungen zugute gekommen sind. Diese Pnlitik ist aber auch von großer wirtschaftlicher Be- deutung. Es sind keine Verhandlungen geführt worden mit den einzelnen Geschädigten. Es haben keine Nachprüfungen individueller Schäden stattgefunden. In Bausch und Bogen ist ein ungeheurer Entschädigungsbetrag an das Ruhr- kohlsnfyndikat ausgezahlt worden. Die schuldigen Be- bürden haben das Ruhrkohlensyndikat kritikloser behandelt als sie jede Reichsbehärde behandelt hätten. Sie haben mit der Art der Entschädigung die mirtschaftspolftische Macht des Ruhrkohlensyndikats gegenüber den einzelnen Untornehmun- gen ungeheuer gestärkt. Fast muß man glauben, daß dies die Absicht war. ihm vorbei in das Grau des gähnenden Wagen». Hinter dem letzten schließt der Beamte die Tür mit zwei Schlüsseln ab und zieht die Türklinke heraus. Dann bringt er seine Tobakpfeife wieder in Ordnung. Das Schupoaufgebot trabt durch die Sperre und mit gewichtigen Schritten die Treppe hinab. Eine Weil« steht der Verbrecherwagen allein auf den Schienen des Bahnsteigs. Dann keucht die schwindsüchtige Lokomotive wieder heran und schiebt ihn fort. Longsam zerstreut sich die Menge der Gaffenden. Der Zug fährt ein. aus den die Reffenden warten. Mit vor- gestrecktem Bauch schreitet der Herr Stationsvorsteher die Wagen entlang nach hinten. Die schwindsüchtige Lokomotive schiebt eben den Berbrecherwogen an dos Ende des Zuges heran. Die Kuppe- langen krachen. Vorn, in der östlichen Oeffnung der Dahnhofshalle geht eben nn Nebel rot. feuerrot die Sonne auf. Der Zug fährt ihr entgegen. Am Gitterfenster des Verbrecherwagens erscheint das Gesicht des Jünglings mit dem schwarzen Haar. Mit weiten Augen sieht er in die blutrot ausgehend« Sonn«. * Alles flammt golden auf: die eisernen Troger und Säulen und Stützen der Bahnhofshalle, das schmutzige Glosdach, die«in- und ausfahrenden Vorortzüge. Wie flüssige; Gold quillt es aus den Schornsteinen der Lokomotiven, mit silbrigem Schein im Innern der Dampfmasisn. Gold sind die Fensterscheiben der Wagen, die Tritt- breiter und Mesiingklinken. Golden« Märchengestalten die schlanken Mädchen, die zur Schule oder ins Bureau gehen, Goldklumpen die Bogenlampen, die tief vom Glasdach herunterhängen. Auf goldenen Lettern steigen goldene Arbeiter hinauf, auf goldene Gerüste bis unter das Dach, wo ihr Arbeitsplatz ist. Gold ist das Siznalzeichen, das der Bahnhofsvorsteher hochhebt. Wie zwei fchmal« Goldströme laufen die Schienen hinter den abfahrenden Zügen her, bis die Schatten der Hinterhäuser sich tückisch darüber werfen. vie Anfänge üer öerlZoer Volksbühne. In der Schulaulo in der Gipsstraße plauderte der Genosse C u r t Baak« über die„Anfänge der Berliner Volksbühne", ein an Jahren schon verhältnismäßig altes, ober gewiß noch kein veraltetes Thema. Im Gegenteil, es waren auch sehr viel junge Menschen zu dem sehr interessanten Vortrag gekom- nie«: still saßen sie beim Flackerlicht und lauschten auf die Aus- fvhrungen und auf das, was die Debatte der„Allen" an Erinne- rungen offenbarte. Im Frühjahr lK89 hatte Bruno Wille den Anstoß zur Gründung der„Freien Bühne" gegeben. Der Verein mußte die Form einer geschlossenen Gesellschuft annehmen, denn die Polizei hätte unter Führung des Herrn von Richthofen, dem bekanntlich„die jonze Richtung" nicht paßte, nur zu gern den staatcr ährlichen Naturalis- nms, dessen Betonung erstes Prinzip der Jungen war, abgedrosielt. Nun, selbst das Staatsgejährliche darf nicht zu teuer sein, die Not- Das ist das Gesicht der B ü r g- r k>! o ck p o li ti k, die sich auf die Macht der großen Konzerne stützt und die der Stärkung der Macht der großen Konzerne und ihrer Bereiche- rung dient!_ Eine neue Lage in öer �ufwertungsfrage. Den, Bericht über die Sitzung des Auswertungsauzfckzusie? tn der gestrigen Abendnummcr ist»och folgendes hinzuzufügen: Bei Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende Kenntnis von einem Schreiben des deutschnationalen Reichswirtschasts- m i n i st e r s Neuhaus, worin derselbe mlf nachdrücklicher Beiür- worlung den Wunsch der Spitzenoerbände der Industrie, der Land- Wirtschaft und des Großhandels übermittelt, die Vertreter dieser Verbände vor der Entscheidung über die Neuregelung der Auf- wcrtungsfrage noch einmal im Ausschuß zu hören. Dein Schreiben war beigefügt die bekannte Resolution der Spitzenverbänd«. m der sie sich entschieden gegen iede Verbesserung der Aus- Wertungsvorschriften zugunsten der Gläubiger aussprechen. Der Ausschuß nahm von diesem Schreiben des Reichswirtschoftsministers Kenntnis und behiell sich vor, später daraus zurückzukommen und dann auch den Präsidenten des Reichsbank- direktoriums. Dr. Schacht, zu einer Aeußerung über die Auf- wertungsfrage einzuladen. Auf die Tagesordnung der nächsten, auf Donnerstag sestü-s-tztcn Sitzung wurde auf sozialdemokratisch«» Verlangen als elfter Punkt die Beschlußfassung über den deutschnationalen Antrag betr. Aufhebung der Notverordnung vom Z. Dezember 1924 gesetzt. Sodann soll über die Regie- rungsdentschrift zur Aufwertungssrage beraten werden. M-t Bezug hierauf sprach Abg. Keil sSoz.) den Wunsch aus. daß die Regiecung bis zur nächsten. Sitznug mit positiveren Mit- teilungen, als sie in der Denkschrift zu finden sind, über i h r e A b s i ch t e n aufwarten möchte. Mit dem Bekanntwerden der 700.Millionenspende der Regierung an die potente st en Wirtschaftslreije desRuhrgebi-tsseiinderAufwertungssrage-lne völlig neue Lage geschaffen. Es sei selbstverständlich, daß nunmehr die Ansprüche der verarmten Opfer der Inflation im Zu- sammenhang mit den gewaltigen Staatslelstun- gen an die zahlungsfähigsten Volksschichten zu würdigen seien. � � Arbeitsplan ües Landtags. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags beschloß am Dienstag, dem Landtage zu empfehlen, die Wahl des Landtags- Präsidenten auf Dienetag, den 10. Februar, zu ver- schieben. Dies« Abweichung von den Bestimmungen der Geschäfts- ordnung ist nur möglich, wenn die Fraktionen einverstanden sind. Im Aellestenrat ist die Zustimmung erfolgt, der Landtag muß enb- gültig entscheiden. Di« nächste Sitzung ist festgesetzt aus D o nn« r s tag. den 5. Februar, nachmittags 2 Uhr. Auf der Tagesodlnunz stehen ein« Reihe kleiner Gegenstände, wie Bildung von Ausschusten. Wahlen zum Wahlprüfungsgericht und zum Staatsschuldenausichi:?. Urantrag Dr. v. Campe(D. Vp.) auf Einsetzung eines Ausschusies von 21 Mitgliedern für das besetzte Gebiet» ferner«trai- verfolgungssachen. Ein Antrag auf Neuregelung des höherer Schulwesens, ferner Abbauanträge sollen ohne Beratung de zuständigen Ausschüssen Überwielen werden. Außerdem wird: kommunistische Amnestieantragam Donnerstag auf der Tast ordnung stehen. Wenn die Aussprache über diesen Antrag nie, beendet wird, soll sie am Freitag fortgesetzt werden. Außerdem soi. Freitag Schwerinstag sein. Am Donnerstag mittag soll der Aeltestenrat erneut zur weiteren Berowng d«r Geschästslage zu- sammentreten._ venlschland and das«rbsiksamk. Der Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes beschäftigte sich mit der Bereitswillig- keit Deutschland», seine Zahlungen umer der Bedingung wieder aus- zunehmen, wenn es keine Nachzahlungen zu leisten braucht und seine Beiträge herabgesetzt werden. Der Verwallungsrat ist mcht ab- geneigt, diese Wünsche zu erfüllen. Die Entscheidung hat die Lolt- Versammlung des Völkerbundes. Mündigkeit, für drei Parkettplätze fünfzehn Mark nehmen zu miisien. führte zur Volksbühne, die bei gleichen Leistungen zehnmal so billig sein sollte. Ein wegen des damals noch bestehenden Sozia- listengesetzes sehr vorsichtiger Aufruf Bruno Wistes im„Berllner Volksblatt"(dem Vorgänger des„Vorwärts") Ende März 1890 und eine von 2000 Proletariern besuchte Massenversammlung im„Böh- mischen Brauhaus" veranlaßt« die offizielle Gründung: Befreiung des Theaters vom Kapitalismus, Eroberung der Bühne durch eigene Kraft, Pflege der modernen Dichtung durch Aufführung zeitgemäßer und problematischer Dramen— das waren die hohen Ziele. Schon auf den ersten Anhieb traten der„Volksbühne" 1200 Mitglieder bei, die dreifache Anzahl gewann sie im Verlauf des ersten Geschäfts- jahres. Eröffnet w.rde mit Ibsens„Stützen der Gesellschaft", später kam Hauptmanns„Vor Sonnenaufgang", alles wurde im Ostend- Theater, dem heutigen Rose-Theater. gespielt. Die Polizei war selbstverständlich wütend über die Wohl der Stücke, die doch nun einmal„tendenziös in sozialdemokratischem Sinne" seien, selbst„Kabole und Liebe" behagte ihr ebenso wenig wie Sudermanns kraß- kapitalistische„Ehre". Im Oktober 1892 kam es zur Spaltung. Mit gemeinsamem geistigem Fundament bestanden zwei Volksbühnen nebeneinander. Sie marschierren getrennt und sie trafen sich wieder. Vereinigt mögen sie nun kämpfen die heilige, ewige Schlacht um unseres Tages Veredelung. Erich Gottgetreu. Eduard v. Gebhards vor einem Menschenaller einer der ge- feierfften deutschen Meister der religiösen Malerei, ist, 88 Lahre alt, in Düsseldorf gestorben. Mit 16 Iahren war er, ein geborener Deutschrusse, auf die Petersburger Akademie gekommen, doch fand er die für seine Kunstrichtung entscheidenden Anregungen erst in Düsseldorf unter der Leitung von Wilhelm Sohn. Gebhardt wurde ein Vertreter des Düsseldorfer sogenannten„koloristischen Realismus" und er sah sein Ideal in der deutschen und nieder. ländischen Malerei des 13. und 16. Jahrhunderts. Seine Begelste- rung für die allen Meister ging so weit, daß er die Gestallen seiner biblischen Historienbttder in Kostüme der Renaisiance steckte und daß er seine Marien den Leichnam des Herrn in einem altdeutschen Zimmer beweinen ließ. Trog dieser Maskerade sind die besten Werke Gebhardts«cht und ehrlich empfunden und namenttich seine Köpf« zeichnen sich nicht nur durch herbe Größe, sondern auch durch Innig- keit des Ausdrucks aus. Eines seiner Hauptwerke, das„Abeudmah!" von 1870, befindet sich in unserer Nationalgalerie. Gebhardts alt- meisterlicher Kolorismus wurde später durch die impresflonistische Hellmalerei Überholl und seine altdeutschen Heiligen übertrumpfte Fritz v. Unruh, als er Christus in das Milieu des modernen Prole- torierheims stellte.__ 5- S. ver neu« Vorstand der verliner Sezession. Di- verlwer S-zesfisn. die jedt nach der Auflösung der Freien S-zcsflon-me Anzahl heroorrag-nd-r Mitglieder der anderen Gruvp- an sich zieht, hat tn ihrer Keneralversamm- lung die Neuwabl ihre» Vorstand«» für l»« vorgenommen. Dem Vor- stand« gebären an Prot. Lovi« Corintb. Charlotte Berend. Franz Hecken. darf. Willy Saeckel. Bruno Kraujlops. Eugen Spiro. Vrof. Ernst Mcnck, dann oB neue Mitglieder Pros. Artur D-gner, Otto Dix und Koncad Felixmüller. .Bild und Buch». Wilbelmstr. 69. veranstallet Im Februar eine Ausstellung der Pre st-I. Drucke nach H-ndzeichnungen der großen Meister aller Zeiten. Heilmann vor dem Untersuchungsausfthuß. Al»fsichtsrat Stresemann und der Sprit-Weber. tLch'luß des Berichts aus der 2. Beilage.) Hermann erklärt, er wünscht vereidigt zu werden, und kommt dann auf die Beziehungen zwischen dem Sohn Eberls und Barmal zu sprechen. Die verschiedenen Angriff«, die gegen den Sohn des Reichspräsidenten wegen seiner Stellung in der Reichszentrale für chsimatdienst gerichtet worden seien, hätten ihm diese Stellung vsr- leidet. Er wollte gerne ausscheiden und suchte eine andere Tätigkeit. Deshalb wandte er sich eines Tage» ohne Lorwisssn von ihm, Heil- mann, an Barmat und fragte, ob er nicht in seinem Betriebe eine Stellung finden könne. Barmat habe nicht ja und nicht nein gesagt, londern ihn gebeten, einmal zur Bremer Privatbank zu gehen und mit deren Leitern zu verhandeln. Daraufhin sei cherr Ebert junior vom Leiter der Bremer Privatbank engagiert worden zum Zwecks, ein sozialpolitisches Referat für den gesamten Konzern auf, zuziehen. Das sei im cherbst 1924 gewesen. So lange dieses sozial- politische Referat aber nicht bestünde, sollte Ebert jun. i n d c r B u ch- Haltung arbeiten, und zwar zu einem(Behalt von 600 M. monatlich. In der Buchhaltung sei er 1!� Monat beschäftigt gewesen, die Tätigkeit habe ihm aber wenig behagt und er habe zu ihm, Heilmann, den Wunsch geäußert, wieder auszuscheiden. Heitmann habe ihm geantwortet, daß, wenn er ihn gefragt hätte, er ibm das früher hätte sagen können, daß diese Tätigkeit nichts für ihn iei. Heumann hätte ihm den Rat gegeben, sich zunächst beurlauben zu lassen für die Dauer des Wohikampfes, um dann auszuscheiden. Das habe Ebert junior getan und er habe später am 28. November an Barmat gc- schrieben, er möchte nicht zurückkehren, weil er das dortige Tätigkeits- feld als für ihn nicht geeignet finde. Weiter äußert sich H e i l m a n n über seinen Verkehr mik Julius Barmat. In den Iahren 1919 bis 1921 habe er mit Julius Barmat sehr viel verkehrt. In der Zeit, in der er in Berlin war. sei fast kein Tag vergangen, wo sie nicht zusammengekommen wären. Seit 1920 habe an diesen Zusammenkünften, die meist abends stattfanden, auch Polizeipräsident Richter teilgenommen. Gewöhnlich sei er mit diesen zwei Herren allein gewesen, und sie seien für die Beteiligten die anregendsten gewesen und die, die sie am liebsten gehabt hätten. Es sei schließlich ganz unvermeidlich geworden, daß sich dieser starke Berkehr allmählich auch auf die Familien ausdehnte, und es fei weiter unvermeidlich gewesen, daß er, Heilmann, bei diesem engen Verkehr natürlicherweise auch von de« vielen SeschSflen Barmal» gehört habe. Barmat habe mit ihm meist abends die abgeschlossenen Der- riäge auf die juristische Tragweire hin durchgesprochen. Er, Heil- mann, glaube, daß Barmat in den Jahren 1919 bis 1921 keine größeren Geschäfte getätigt habe, wo er nicht selbst den Bertrag las. Aus der Kenntnis dieser Geschäste heraus müsse Hcilinann scstslellcn, daß es in der Hauptsache cebensmitkelgeschöf!« marsn, die seines Wissens nur mit Reichs stellen und anderen st v a t'l i ch e n Stellen abgeschlossen wurden. Deshalb verstehe er nicht die Frage, ob Barmat so viele Einfuhrkmrtingcnte bekommen Hütte, daß er vre Kontingerrischdn« hätte verkaufen können. Einziger iääuser war damals das Reich und gekauft wurde nur von der Tieichsstelle. Di« Reichsstelle gab einen Auftrag aus so und so viele Doppslzenitner Schmalz oder Fett, und dieser Auftrag mußt« von dem Manne, mit dem der Bertrag geschlossen war, auch ausgeführt werden. Er konnte gar nicht rvdrer veräußert werden. Dg? hast« sich keine Reichsstelle gefallen lassen, daß plötzlich ein anderer Liefe- rent unterschoben worden wäre. Ihm, Heilmann, sei auch ein solcher Fall nicht bekannt. Don Einfuhrmonopolen süx Barmat ist Hrünnznn nichts bekannt. Barmat fei als einer von den viAin Lieferanten mit herangezogen worden. E» haudelle sich k* der Hauptsache um amstrtkaulsches Schmalz und amerikamscheu Speck. Wer den Auftrag bekam, fuhr nach Rotterdam und taufte dort«m. Barmat habe als Holländer nur den Vorteil gehabt, daß er auch mal nach Antwerpen und Lc Havre fahren konnte, um dort b« günstigerer Marktlage zu taufen. Dies« Verträge seien regelmäßig ge'.Ai-zt worden mit den zuständigen Reichsstellen und von politischen Empfehlulwren für diese Verträge sei nichts bekannt geworden. Di« Verträge feien durch das Rcichswirtschaftsmintfterium gegangen, an desien Spitz« damals der Sozialdemokrat Robert Schmidt stand. Em- ober zweimal fei Barmat amtlich von Schmidt emp- fangen worden, außeramttich hätte zwischen ihnen seines Wissens aber kein Verkehr bestanden. � Heilmann kommt weiter auf die vielbesprochene Reise der drei Herren nach Amsterdam zu Justus Barmat zu sprechen. Anfang 1920 sei im Roklerdamer Hafen ein Streik der Hasenarbeiter ausgebrochen, wodurch der Hafen für mehrere Wochen stillgelegt wurde. Bei Streikausbruch sei Julius Barmat nach Berlin ge- kommen und habe dem Reichswirtschoftsministertum angeboten, er wolle bewirken, daß die in Rotterdam liegenden waren, die vom Deutschen Reiche gekauft und bezahlt waren, von den Streikenden abtransportiert würden. Das Reichswirtschaftsministerium habe da- mals diesen Vorschlag abgelehnt nach einem Gutachten des Generalkonsulats Amsterdam, das mitteilte, es würde die Freigab« der Waren selbst herbeiführen: außerdem werde der Streik sehr rasch zusammenbrechen. Als ab-r der Streik sich ia die S. Woche bin- gezogen habe, habe das Wlrtfchastsministerlum aus den Vorschlag Normals zurückgegriffen und ihn ermächtigt, Verhandlungen über die Freigab« der Waren zu führen. Dies« Verhandlungen seien dann in der Weise geführt worden, daß ein Vertreter der damaligen SPD.. Abg. Franz Krüger, ein Vertreter der damaligen HSPD, Abg. Wilhelm K o« n- n. und ein Vertreter des Deutschen Trans- portarbeiteroerbandes, Vorsitzender Döring, nach Holland kamen, dr bei dem kommunistisch-syndikalistisch und freigewerkschaftlich or» --anisierten holländischen Lrbeiterverbänden mit dem Hinweis auf di- aefährdete Ernährung des deutschen Volkes für die Freigabe des'Transportes vorstellig wurden. Dem wurde auch zugestimmt und der Abtransport der Waren konnte erfolgen. Dos sei, so er- klärte H-ilmann. die Reise des Abg. Koen.n gewesen, bei der-- sich um die Erörterung der Soeaeu-Kredst- handelte. Soenen habe selbst diese Reise dazu benutz«, um von Barmat ein Darlehen von 6000 Rt. zu bekommen. Auf Hwilckenrm- erklärt Hcilmann. daß er die Quittung ge- ,N eV L- die Koenen ÄZ bekannt, die Soenen Barmat zu vernichten gebeten habe, um seiner Stellung in der kommuniitischen parte» willen. Auch ncht sei aus politischen Tendenzen entstanden und habe sich restlos oufgeklart. Graf Bassenheim, der den Bericht versoßt habe, rrage jegt selbst bei Barmat um Auskunft an. Als Heilmann 1920 erstmalig in Amsterdam war, hatte er die Gelegenheit benutzt, um den damaligen Chef der Paßstelle zu fragen, welches Ma- leriol das Generalkonsulat Amsterdam über Barmat oder gegen Barmat besitze. Herr Brandner, der damals dort war und der jetzt noch im Reichsdienst steht: habe ihm damals erklärt, es sei nicht ein setzen Material da. Er begreife nicht, wie dieser Brief habe geschrieben werden können. Im übrigen würde er nicht mit Julius Barmat verkehren, wenn er glaube, daß an diesem Briefe auch ein Funken Wahrheit wäre. Heilmann hat dann Brandner auch in der Gesellschaft von Barmat verschiedene Male getroffen. Auch als Brandner nach Berlin rersetzt wurde, hat er Barmat aufgesucht. Deshalb glaubt Heilmann, daß er richtig schließe, daß in den Akten des General- konsulats Amsterdam sich keinerlei Mitteilungen befinden können, die die persönliche Ehre von Barmat herabzusetzen geeignet wären. Ueber das Giitachten der Bochumer Handelskammer habe Barmat gesogt, daß es nichts weiter sei als der Bericht eines Korrespondenten eines holländischen Konkurrenten, den die Bochumer Handelskammer leider zur Information an ihre Mitglieder weiter- gegeben hätte. Er habe dann hinzugefügt, daß er das Verhalten der Bochumer Handelskammer um so mehr bedauere, als sie in Essen hätte Erkundigungen einziehen können: denn in den letzten krlegsiohren sei Barmat der Lebensmittellieferant von Krupp ge- wesen und die Handelskammer Bochum hätte leicht erfahren können. öaß die aufgestelllen Behauptungen nicht wahr seien. Die ganz« Angelegenheit sei auch eininal im Ernährungsministerium zur Sprache gekommen. Slls Barmat sich um einen neuen Austrag bewarb, wurde ihm mitgeteilt, es seien so ungünstige Gerüchte über ihn im Umlauf, daß man mit ihm nicht abschließen könnte. Barmat habe daraufhin ein Aktenstück mit zahlreichen Gutachten über seine Firma eingereicht. Danach konnten keine Bedenken gegen die menschliche wie ges-!llschaftliche Anständigkeit Barmats bestehen. die öeteilkgung an See„derno'. Es ist die Frage aufgeworfen worden, so erklärte Heitmann. ob und in welcher Höhe Barmat an der.Dema* beteiligt gewesen sei und warum gerade der Ausländer Barmat die Liefe. rungen für die.Dema* bekommen habe. Barmat hat niemals das Geringste an die.Dema* geliefert. Vielmehr waren seine Geschäfts- Verbindungen zu diesem Werk derartig, daß er, weil die Fabrik während der Inflation in Schwierigkeiten geriet, Rechnung«. betröge in Devisen verauslagte, die später zurück- gezahlt werden sollten. Da die.Dema* zur Rückzahlung nicht in der Lage war, wurde ein Ausweg dahin gewählt, daß die Werke eine Kapitalserhöhung vornehmen sollten, die Barmat übernehmen svllte. Barmat hat dann später seine Forderungen an die„Viag* übertragen, jene.Bereinigte Industrie-A.- G.*, die alte Llktiengesc lisch asten des Deutschen Reiches unter einem Hut vereinigt. Dazu gehörte auch die Reichskreditgesellschaft. Auch hier muhte sich Barmat mit einem allmählichen Abzahlen der Dcvisenvorauszahlungen einverstanden erklären. Bei den VerHand- lungen mit der Reichskreditgesellschaft hat Barmat auch zum ersten Male den Ministerialdirektor Kautz kennengelernt. Barmat hat weder mit dem Reichsverwertungsamt, noch mit der R-ichstreu. handgeselllchast jemals in irgendeiner Geschäftsverbindung ge- standen, ebenso wie er niemals mit Heeresgut gehan- gelt hat.. Zur Frage der Durchreise der Familie Barmat im Jahre 1920 erklärt Heilmann: Ich fragte damals Barmat, ob denn seine Angehörigen im Besitze einer Einreiseerlaubnis nach Holland seien. Ich glaube, daß der Irrtum, es handle sich um eine zur holländischen Gesandtschaft gehörige Famllie Barmat. damals dadurch entstanden ist, daß Barmat antwortete: Ia, dos Einreise- vlsum haben meine Angehörigen von der Holländischen Gesandt- schaft bekommen. Zur Frage der Beziehungen Barmat« zur Stoaksbauk erklärt Heibnann zunächst, daß er bis vor einigen Wochen keinen Herren der Staatsbank persönlich gekannt habe. Rühe und Hell» wig habe er gelegentlich bei Barmat kennengelernt. Seine ganze Beteiligung an dem Verhältnis Barmats zur Staatsbank beschränke sich auf die bereits öfter erwähnte Empfehlung an den Finanz- minister Dr. p. Richter, daß er den neuen Staatsbankpräsidenten Schröder bitten sollt«, er möge Herrn Julius Barmat bald nach seinem Amtsantritt empfangen. Stresemann unö üer Sprit-Weber. Im übrigen gebe jeder Abgeordnet« eine Unzahl von Emp seh- lungen ab, wobei natürlich zahlreiche Irrtümer passieren, denn man könne ja nie vorher wissen, wie der Empfohlens sich in Zukunft v«r< halten werde. Es ist z. B. der Name Hermann Weber, der des sogenannten Sprit-Webers, genannt worden, von dem Barmat die Mehrheit der Mien der Merkurbank«rworbei, habe. Bar- mat habe es abgelehnt, mit Weber zu verhandeln, weil er ihn nicht für einen einwandfreien Kaufmann ge« halten habe. Hermann Weber habe sich damals durch einen Empfehlungsbrief des Reichskanzlers Dr. Stresemann eingeführt. In diesem Schreiben, das aus dem August 1923 datiert, heißt es: „Sehr geehrter Herr weher! Ihre freundliche Aufforderung. in dea Aufsichtsrat einzulrelen- werde ich gern an- nehmen, vorausgesetzt, daß ich bei der Reubildung der Re- gierung nicht in die Reichsregicrunq eintrete, was mir natürlich die Täligkcit im Aufsichtsrat unmöglich macheu würde. Ich bleibe mit deu b e st e u G r ü ß e u Ihr sehr ergebener.* Kein vernünftiger Mensch könne Stresemann aus dieser Empfeh- lung einen Dvrwurs machen, denn er habe natürlich nicht vermuten können, daß Weber in der nächsten Zeit Schwindeleien begehen würde. In der französischen Kammer lägen solche Empfehlungs- schreiben vorgedruckt aus dem Platze jedes Abgeordneten und er brauche sie nur auszusüllcn. Wenn ein solches Schreiben geeignet sein soll, den Anschein von Korruption zu erwecken, dam, sei das ganz« Parlament von oben bis unle« korrumpiert. Hellmann erklärt weiter ausdrücklich, daß er aus seinen Auf» sichtsratsposten m den Barmat-Firmen weder direkt noch in- direkt jemals«inen Pfennig erhalten habe. Auch seicie sonstigen finanziellen Beziehungen zu Barmat hätten ihm keinerlei Einnahmen gebracht. Er habe höchstens verauslagte Beträge zurück- empfangen und die öfters ihm von Barmat gemachten Angebot« stet» abgewiesen. Heilmann zählt dann im einzelnen seine Einnahmen aus und kommt in diesem Zusammenhang auf einige K o r r e» spondenzen, u. a. die..Bolitisch-Parlamentarischen Nachrichten*. zu sprechen, die er in der Inflationszeit abzegeben habe, weil sie Zuschußunternehmen wurden. Seine gegenwärtigen Einnahmen, außer den Abgeord- netendiäten, bestünden in einem Gehalt von 600 Mark monatlich, das er aus einer Stellung beim drahtlosen Dienst beziehe. Geschäft- lich sei er bei Barmat zweimal tätig gewesen, wobei es sich um Slyiedsrlchterposten gehandelt habe, die»hm aber auch nichts einge- bracht hätten. Mit erhobener Stimme erklärt er: Ich kann heute, wie unter meinem Eid mit ruhigem Gewissen bekunden, daß ich mir von Barmat nicht mehr habe geben lassen, als ich bor an Zluslagen für ihn gemacht habe. Es heißt nun, ich sei von Barmat durch gutes Essen und Trinken bestochen worden. So lächerlich es ist, hierüber zii sprechen, muß ich sagen, daß«in« bescheidener« Leben«. führung als bei Barmats bei reichen Leuren schwerlich zu iinden sein wird. Barmat ißt jeden Tag dasselbe. Zu Mittag ein Stück Rind- ffi fleich und einen Herstig.(Zuruf des Komm. Bartels: Der wird bald Gelegenheit hqben.. das weiter zu essen.) Jeder, der Barmat kennt, wird bezeugen können, daß dieser Man» nur seinem ge- schäftlichen Ehrgeiz lebt«. Mit bezug aus die Frage, wer bei den Barmat-Banken von Parlamentariern Konten gehabt Hobe, erklärt Heilmann, daß er bestimmt sagen könne, daß weder Kuttner noch Wels noch Lüdsmann ein Konto bei irgendeiner Barinat-Bank jemals gehabt hätten. Er selbst habe ein persönliches Konto bei der Msrkurbonk gehabt, das zur Nachprüfung zur Verfügung stehe. Ueber das„palostähniiche Schloß in Schwanenwerder" könne er sagen, daß es sich um ein einfaches Landhaus handele, das Barmat kaufen konnte, weil es für dos Wohnungsamt wegen seiner abwegigen Lage nicht verwendbar war. Was die Gefchäsle mit der Staatsbank angehen, so mache ich meine Bekundungen aus eigener Erfahrung. und zwar nicht aus der Zeit vor dem Dezember 1924, sondern aus der jüngsten Zeit noch der Berhaftung. Zuerst wurde Kredit ge- geben für das Dema-Gsschäft. Der Kredit wurde dann ausgedehnt zur Verwendung in eigenen Unternehmungen und zur weiteren Der- leihung. Es war der Staatsbank bekannt, daß Barmat den Kredit weitergebe. Ich habe die Angestellten gesprochen, die mitgewirkt haben und die sich auf freiem Fuß besindcn. Die Direk- toren der Merkur-Bank Scheffer und Lichtenstein haben versichert, daß bis zum Juni 1924 Barmat, wenn der Kredit gekündigt worden wäre, ihn bar hätte zurückzahlen können. Das nötige Geld war vorhanden, die Zurückzahlung binnen 24 Stunden auszuführen. Im Juni 1924 hat Barmat sich dann am Roth-Konzern und an Berlin-Burg beteiligt. Diese Beteiligung geschah auf Wunsch von Herrn Obersinanzrat H e l l w i g, der war der Vermittler. Cr hat gesagt, unser Kredit bei I. Roth und Derlin-Durg ist schlecht, wir möchten das Geld retten. Ein bis eineinhalb Millionen seien nötig. Frau Barmat hat erklärt, das Drängen von H e l l w i g sei so stark gewesen, daß er in der Nacht um 3 Uhr herum telephonisch in Schwanenwerder angerufen und Barmat aus dem Schlaf geweckt habe. Später hat sich herausgestellt, daß unermeßliche Mit- tel zu den Umstellungen nötig waren. Es sind dann die Direktoren Scheffer und Lichtenstein im November gemeinsam zu Hellwig gekommen und haben ihm erklärt:»Sie haben uns bc- trogen, die Skaatsbank hat uns hineingelegt.* Hellwig verwahrte sich gegen diese Beleidigungen und erklärte:„Ich war der Gegenspieler des Herrn Barmat und hatte die Interessen der Staatsbank wahrzunehmen. Wenn er ein schlechtes Geschäjt gemacht hat, mag er es ausbaden.* Das ist der Grund, daß nach kurzer Zeit Herr Hellwig aus dem Barmat-Konzern wieder ausgeschieden ist. Ich persönlich habe von den Barmat-Krediten, von ihrer Höhe, von der Deckung, von Hergabe, Verlängerung oder Kündigung nicht bas geringste gewußt bis zum Dezember 1924. In den Aussichtsräten ist von diesen Krediiea niemal» die Rede gewesen, mit Ausnahme eines Falles, wo die Staatsbank wünschte, daß der Kredit aus einzelne Gesellschaften umgelegt werde. Es handelte sich damals um 1.3 Millionen Mark für die Merkur-Bank. Ich habe gefragt, ob dieser Kredit in Ordnung sei, das ist alles, was ich von diesen Kre- diten gehört habe. Nach der Verhaftung bin ich mit den Krediten näher befaßt worden. Am 16. Januar habe ich auf eine Einladung den Syndikus der Reichspostverwaltung Kohlen aus Köln besucht Er wünschte, daß ich die van ihm aukgearbeilekcn Trcuhandverlräge, auf die sich die Gläubiger geeinigt hätten, übernehme und die Zu- stimmung von Barmat im ilntersuchungsgefäng. nis erwirke. Als ich ablehnte, erklärte Herr Kohlen, es liege ein öffentliches Interesse vor. Wenn jetzt durch das greifen der Staateanwaltschaft die Werke zum Konkurs gingen, verlören die Gläubiger ihr Geld. Durch Schaffung einer Treuhov gcsellschaft könne ein Teil des Geldes gerettet werden. Herr Kohlen erklärte auf meine Weigerungen, der llnlersuchungsrtchler werde mir auch den Zutritt zum Gesäugnis gestatlen. Ich habe den Vertrag daraushin an mich genommen und drei Tage im Gefängnis verhau- dclt. Es ist mir schließlich gelungen, die Zustimmung Barmats zu erhallen, daß er sein ganzes vermögen, das seinige und das seiner Frau, den Gläubigern übereigne, also auch sein Privateigeniuw, und daß ihm nur eine bescheidene Rente zum Leben und zur Verteidigung vorbchalken werde. Es war sehr schwierig, die Unterzeichnung zu er- wirken. Er forderte eine Erklärung der Staatsbank, daß er sie niemals betrogen oder geschädigt hätte. Der Untersuchungsrichter sagte, die Staatsbank hätte eine Erklärung, daß er sie betrogen hätte oder nicht, nicht abgegeben. Rachdem aber wochenlang die Untersuchung schwebe und die Staatsbank eine solche Erklärung nicht abgegeben habe, sel eine solche Erklärung ohne Bc- deutung. der Abschluß könne dadurch nicht aufgehalten werden. Barmat hat weiter eingewendet, er wolle unterschreiben, wenn die Gläubiger eine Kaution für die Freilassung stellten. Das haben die Gläubiger abgelehnt, weil der Eindruck w der Oesfentlichkeit für sie nicht zu tragen wäre. Man sagte schließlich, wenn die Unter- suchungsbehörde eine Freilassung gegen Kaution genehmige, so würden die Gläubiger verraten, was sie verantworten können. Ich Hab« schließlich den Knoten durchgehauen und gesagt:„Julius, ich glaube, es kommt darauf an, daß Du auch im Gefängnis Dich als der Gentleman zeigst, als den ich Dich kennengelernt habe." Daraufhin hat Barmat unterschrieben. Das beweist, daß er nicht, wie der Abg. Wulle im Landtag gesagt hat, em Lump oder Blutsauger ist, daß der Beweis dafür nicht geführt ist. Barmat hat mir ein« Generalvollmacht onsgestellt für all« Geschäfte, die durch einen Vertreter vorgenommen werden können. Ich habe davon keinen Gebrauch gemacht. Jedermann muß solange als anständiger Mensch behandelt werden, bis ihm das Gegenteil nachgewiesen wird. Ich freue mich, daß mir Gelegenheit gegeben wurde, vor der Oeffetttlichkeit zu beweisen, daß ich als anständiger Mensch gehandelt Hab«. Vorsitzender Dr. Leidig gibt noch ein SckMiben des Reichsfinonzmimsters bekannt, wonach die Armeekoniervenfobrik Spandan-Hasclhorst im Sommer 1922 an die Bremer Margarine» A-G. übergegangen ist, die später in die„Dema" umgewandelt wurde. Beschlossen wird, daß Zuschriften aus dem Publikum den Ausschußmitgliedern zur Kenntnis gebracht werden sollen. Darauf wird die Woiteroernehmung Heilmanns auf Mittwoch vormittag 10 Uhr vertagt. Schluß 9 Uhr. Immanuel Kant zur �ufwertungsfeage. Die Frage, ob ein Aufwertungsanspruch besteht, wird vän Immanuel Kant grundsätzlich verneint. In den im Jahre 1797 er- schienenen Metaphisischen Anfangsgründen der Rechtslrhre(Harten- steinscye Slusgabe von Kants Werken, Band 7 Seite 31) führt Kant folgendes aus: „Der Hausdiener, dem fein bis zu Ende des Jahres laufender Lohn in einer binnen der Zeit verschlechterten Münzsorte bezahlt wird, womit er das nicht ausrichten kann, was er bei Schließung des Contracts sich dafür anschaffen tonnte, kann bei gleichem Zahl- werth, ober ungleichem Geldwerth sich nicht auf sein Recht berufen, deshalb schadlos gehalten zu werden, sondern nur die Billigkeir zum Grunde anrufen(eine stumme Gottheit, die nicht gehört werden kann): weil nichts hierüber im Contract bestimmt war, ein Richter aber nach unbestimmten Bedingungen nicht sprechen kann." Dieses erleuchtende Zitat finden wir in der„vertraulichen" Denk- schrift der Relchsregierung über die Aufwertungsfrage. Welch Trost für die betrogenen Sparer, daß der große Philosoph Kant als Kronzeuge für den an ihnen verübten Betrug aufmarschieren muß. Gewerkschaftsbewegung Moskau und Amsterdam. Der Krieg und die Revolution haben die Macht der Gemertschaften gestärkt, ihre Aufgaben und Funktionen erweitert und eine mächtige Waffe der internationalen proletarischen Politit aus ihnen geschmiedet. Es ist kein Zufall. daß die Amsterdamer Internationale gegenwärtig in gleicher Weise wie die sozialistische als Grundpfeiler des Friedens, der Demokratie und der Sozialpolitit eine hervorragende Rolle spielt. Wenn es der Arbeiterklasse in den letzten Jahren gelungen ist, auf den wichtigsten Kriegsschauplähen des Klaffenkampfes die Angriffe der internationalen fapitalistischen Reaktion zurückzuschlagen und bis zu einem gewissen Grade die Völkerversöhnung in Europa zu fördern, so ist es in erheblichem Maße der Amsterdamer inter nationalen Politit zu verdanten, die in enger Fühlung mit der Sozialistischen Internationale durchgeführt wurde. Auf dem 6. Kongreß der russischen Gewerkschaftsverbände aber haben die Bolschewisten u. a. erklärt, daß die zukünftige vereinigte Internationale der Gewerkschaftsverbände sich zur Aufgabe machen müßte, die Durchführung der Dowes- Pläne energisch zu bekämpfen, die Beziehungen zum Internationalen Arbeitsamt zu lösen und mit der pazifistischen Politik Schluß zu machen. Sie wollen also die Politik der Amsterdamer Internationale untergraben und damit die ohnehin unsichere internationale Lage in Europa noch verschlimmern. Darf jedoch die Einigung der Gewerkschaftsbewegung mit dem Preise der Sprengung der Friedenspolitik erfauft werden? Die jetzigen russischen Verbände sind Organisationen, die voll und ganz den Staats- und Parteiorganen der Dittatur untergeordnet sind, und die nach der Aussage Losomstys ein organischer Bestandteil des Systems sind, die den Billen und die Selbständigkeit der arbeitenden Klassen völlig unterjochen. Es wäre vergeblich, in den russischen Verbänden die freie Meinungsäußerung, das freie Wahlrecht oder die Arbeiterdemokratie zu suchen. Das ist unter einem Regime der terroristischen Diktatur auch unmöglich. Es tommt noch hinzu, daß die Tätigkeit der ruffischen Gewerkschaften mehr auf die Durchführung der Unternehmer politit der staatskapitalistischen Wirtschaftsorgane, als auf die Wahrnehmung der Interessen der Arbeiterklasse gerichtet ist. Als Voraussetzung eines wirklichen Zusammenschlusses, muß eine, wenn auch minimale, Gemeinschaft der Ziele und Aufgaben gelten, die von den zu vereinigenden Organisationen, wie auf dem Gebiete der sozialpolitischen und gewerkschaftlichen For Derungen, so auch in bezug auf die von den Gewerkschaftsverbänden anertannien Richtlinien der internationalen Politit des Friedens und der Demokratie, verfolgt werden. Eine solche Gemeinschaft der Biele und Aufgaben ist gegenwärtig nicht vorhanden. In der Tot, welche Gemeinschaft besteht zwischen der Friedenspolitik der Amsterdamer Internationale und dem von ihr mit demokra tischen Mitteln geführten Rampf für den S0zialismus und der bolfchemistischen Expansionspolitit zum Zwecke der Einführung der terroristischen Diftatur? Welche Geameinschaft tann bestehen zwischen dem organisierten Klassentampf und dem finnlosen Butschismus? Die Bolschemisten sind sich sehr wohl dieser Unvereinbar teit bewußt. Sie wissen auch sehr gut, daß Don England abgefehen, wo man in diesem Puntte noch feine Erfahrungen hat ihr Versuch, mit Hilfe des Eintritts der russischen Gewerkschaften in den 3GB. wieder ihre Zerstörungspolitit in den Gewerkschaften aufnehmen zu können, auf den schärfsten Widerstand stoßen würde. Deshalb denten die Bolschwisten gar nicht daran, den Eintritt in den JGB. zu denselben Bedingungen wie alle anderen Gewerkschaften zu vollziehen. Sie wollen ihre sogenannte Rote Internationale, ihre Bellen, ihre internationalen Propagandakomitees, ihre minority mouvements" aufrechterhalten und unter der scheinheiligen Parole Der Einheitsfront die Schwachung und Spaltung der Arbeiterschaft weiter betreiben. Wir sind überzeugt, daß die russischen Gewerkschaften eines Tages sich dem JGB. an tehen werden; aber erst nach dem sie der bolschewistischen Bartei und Sowjetrußland gegenüber die Unabhängigkeit erkämpft haben werden, die die Gewerkschaften in den anderen Ländern befizen. • Ein Verteidiger des Zweischichtensystems. Acht Tage nachdem die gegenwärtige Regierung den Hütten arbeitern den Schutz des§ 7 der Arbeitszeitverordnung zugestanden hatte ab 1. April 80g der Reichsschahminister a. D. Dr. Ing. Gothein in der Berliner Börsen- Beitung" dagegen zu Felbe. In der gesamten Montanindustrie habe dieser Beschluß schwere Be denten und Besorgnisse wachgerufen. Es handle sich zwar nur um einen fleinen Teil der in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter, allein man fürchte die Rückwirtung einer solchen Arbeitszeitbeschränkung auf die in den anderen in örtlichen oder sogar betrieblichen Zusammenhang mit den Kofs- und Hochöfen stehenden Betriebszweigen. " Der Stahlwerts- und Walzwertsarbeiter, der mit dem Rots- und Hochofenarbeiter auf demselben Wert innerhalb derfelben Umzäunung tätig ist, wird es schwer verständlich finden, daß er, dessen Arbeit eine weit schwerere, ungleich weniger von Bausen unterbrochene ist, der den Einwirtungen der Hize länger und intensiver ausgesetzt ist als die jerrer Betriebsabteilungen, meit längerarbeiten foll als jener. Er wird also dann auch das Dreischichtensystem verlangen. Und der Bergarbeiter, der den Standpunkt vertritt, daß seine Arbeitszeit, die er unter Tage verrichtet, fürzer sein muß, als die des Uebertagearbeiters, wird dann ebenfalls nicht mehr bereit fein, acht Stunden zu arbeiten, sondern die siebenstündige Schicht einschl. Ein- und Ausfahrt verlangen, in der er höchstens 5½ Stunden vor Ort arbeitet." Eine beffere Begründung dafür, daß auch die Stahlwerks- und Walzwerksarbeiter des Schußes des§ 7 teilhaftig werden müssen, wie fie hier Herr Gothein gibt, ist wirklich nicht erforderlich. Doch die Folge diefer notwendigen Ausdehnung der sehr unzulänglichen Berordnung auf alle Schmerarbeiter sei ein furchtbarer Rückgang unserer Bergwerks- und Hüttenindustrie und unserer Ausfuhr, eine ungemeine Berteuerung von Kohle und Eisen und damit unserer gesamten Produktion und schließlich eine weitgehende Arbeitslosigkeit. Zur Begründung bringt Gothein die ganze Liste der befannten Argumente vor. Die Ausfuhr der Vorkriegszeit müsse erreicht werden, was nur möglich sei burch niedrigere Breise als sie im Auslande bestehen, die Preisunterbietung aber sei nicht möglich, wenn unsere Produktionskosten durch türzere Arbeitszeit und geringere Arbeitsleistung gesteigert werden“. Für Oberschlesien lägen die Dinge ganz besonders ungünstig infolge des fostspieligen Erzbezuges, der durch hohe Eisenbahntarife verteuert werde. " Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl mit Filzring. ALTER WEINBRAND Ein großes oberschlesisches Eisenmert hat mit einem Monats perluft von 1 Million Mart gearbeitet." Wann, wo, warum und weshalb, trog der bis jetzt noch ver längerten Arbeitszeit, wird nicht gesagt. Dabei seien die Löhne der oberschlesischen Hüttenarbeiter derart niedrig, daß fie feine Verfürzung mehr vertragen. Doch wenn das Dreischichtenfystem eingeführt würde, erhöhe fich das Lohntonto um wieso ausgerechnet um 50 Proz? 50 Proz müßten die Werte den Betrieb einstellen. und dann Mir sind eine große Reihe von Fällen bekannt, gesteht Herr Gothein, wo mit der Berkürzung der Arbeitszeit sogar eine Eteige rung der Leistung eintrat. Wo sich der Arbeitsvorgang entsprechend fonzentrieren läßt, ist die fürzere Schicht ebenso im Jaferesse des Arbeitnehmers wie des Arbeitgebers geboten. Das veranlaßt lezteren, nicht selten die Arbeiterschaft zur fürzeren Arbeitszeit zu erziehen. Denn es ist ein Irrtum, daß die Arbeitsverkürzung automatisch die höhere Arbeitsleistung nach sich ziehe." -ww Doch bei den Kofswerfen und dem Eisenhüttenbe trieb lasse sich die Arbeit nicht so fonzentrieren, daß in 8 Stunden die Höchstleistung erzielt werden könnte. Zudem gäbe es im Marfinwert Arbeiter, die knapp 4 Stunden Arbeit- inner. halb 12 Stunden verrichteten. Nur bis 5 Stunden seien Arbeitsbereitschaft und 1½ bis 3% Stunden völlige Ruhepausen. Selbst die Arbeiter der Draht- und Feinwalzwerke, die eine ununterbrochene Arbeitszeit haben, jedoch von Zeit zu Zeit abgelöst werden, arbeiteten in Wirklichkeit nicht einmal sechs Stunden. Karl Marr und Rodbertus werden von Gothein ais Kronzeugen heraufbeschworen: fie seien feineswegs Anhänger des allgemeinen Achtstundenarbeitstages gewesen. Sie hätten im Gegenteil erklärt, daß sich die Arbeitszeit nach der Schwere und Kompliziertheit der Arbeit richten müsse und meinten, daß es angemessen sei, daß, während die eine Arbeit nur 8 Stunden dauere, die andere leichte 10 bis 12 Stunden fortgesetzt werden könne. " Ich selbst habe zu den Vorfämpfern der Achtstundenfchicht im Bergbau gehört, habe im Parlament das Wort geprägt, eine längere Arbeitszeit im Bergbau sei Raubbau an Men schenfraft". Ich habe mich stets gegen das Unwefen der Ueberfchichten ausgesprochen, wobei nach einigen Tagen die Leistung geringer als in der normalen Schicht werde. Aber ich habe stets unterschieden zwischenwirtlicher Arbeit, Arbeitsbereitschaft und in der Natur der Arbeit liegenden Ruhepausen. Der schematische Arbeitstag ist ein Unding, 8 Stunden Arbeit fönnen eine förperliche Ueberlastung, fie tönnen aber auch eine völlig ungenügende Ausnutzung der Arbeitskraft sem. Eines hidt sich eben nicht für alle. Das alles gleich machende Schema bringt die größte ungerechtigkeit und die größte UnwirtSchema bringt die größte ungerechtigkeit und die größte Unwirt Schaftlichkeit mit fich. Die achtffündige Arbeitszeif habe zweifellos einen gewaltigen sozialen Vorzug. Wo sie ohne schwere technische und wirtschaftliche Nachteile durchgeführt werden kann, soll es unbedingt geschehen. Aber dies bedinge meist eine weitgehende Modernisierung und Rationalisierung des Produktionsapparates, die jedoch Kapitals investitionen erfordere, wozu das Kapital fehle. Ein Bert fann aber nur modernisiert, fann technisch nur dann auf der Höhe gehalten werden, wenn es verdient, wenn es nicht mit Berlust arbeitet." Umgekehrt wird ein Schuh daraus, Herr Gothein: Ein Werf fann nur verdienen, wenn es modernisiert, technisch auf der Höhe ist. Allein Herr Gothein hat sich nun einmal in die Vorstellung verrannt, daß gerade seine Industrie, die Eisenindustrie, mit dem Dreischichtensystem nicht arbeiten könne. Es sei zwar bitter für das Familienleben der Arbeiter, wenn fie 12 Stunden lang in zwei Schichten arbeiten, aber doch nicht so schlimm wie die Arbeitslosigfeit. Nur dann, wenn die Entente auf die Zahlung der Reparationslasten nach dem Dawes- Plan verzichte, will Gothein mit sich reden lassen. Herr Gothein müßte nicht Aufsichtsrat sein, Gutachter in eigener Sache, wenn er als Sachverständiger in dieser Frage gelten wollte. Er ist Interessent, und seine Argumente gegen den Achtftundentag gerade in den Betrieben, in denen er am notwendigsten ift, haben feine Beweiskraft für all die Schwerarbeiter, die fich im Intereffe ihrer selbst erhaltung, eines vorzeitigen Berbrauchs ihrer Arbeitsfraft, gegen die 3umutung wehren müssen, länger als acht Stunden zu arbeiten. Vor allem gibt Herr Gotheinreine Antwort auf das entscheidende Argument, nämlich daß in der ganzen Welt Deutschland und Polnisch- Oberschlesien ausgenommen à das Dreischichtensystem besteht, weil es probuftiver ist als das Zweifchichtensystem, und daß die Einführung des Zweischichtensystems in West- Oberschlesien praktisch das Resultat hatte, daß man auch in Ost- Oberschlesien der Arbeiterschaft dieses barbarische System aufzwang. Die Eisenbahner stellen Forderungen. In geschloffener Front baben gestern die gesamten Eiſenbabner organisationen befchloffen, mit der Reichsbahngesellschaft fofort organisationen beschlossen, mit der Reidsbahngesellschaft fofort in Lohn und Gehaltsverhandlungen einzutreten. An den Verwaltungsrat der Reichsbahn wurde ein Schreiben gefandt, in dem die Organisationen betonen, daß fie umgehend Bere Arbeitszeitfrage erwarten. handlungen über die Erhöhung der Bezüge und über die Der Schritt der Eisenbahnerorganisationen ist infofern von besonderer Bedeutung, weil sie als Tariffontrahenten der Reichs. bahn die Lohn- und Arbeitszeitparagraphen des Tarifvertrages zum 28. Februar gekündigt haben. Das gesamte Reichsbahn personal fordert also schleunigfte Erhöhung der Bezüge und Berfürzung der Arbeitszeit. Die Kämpfe in der chemischen Industrie. Mainz, 3. Februar.( Mtb.) Die Verhandlungen in der chemischen Industrie am vergangenen Sonnabend in Frankfurt a. M. haben au teinem Ergebnis geführt. Wohl sah der gefällte Schiedsspruch eine Lohnerhöhung von 6 Pf. pro Stunde vor, jedoch wurde er wegen zu langer Befristung von Arbeitnehmerseite ab. teben im Mainz- Biebricher Wirtschaftsgebiet etwa 1400 Arbeiter der gelehnt. Der Streit wird fonach fortgesetzt werden. Zurzeit chemischen Industrie im Kampf. Durch den Anschluß weiterer Betriebe, der heute und morgen zu erwarten ist, wird sich ihre Zahl auf 2000 erhöhen. Wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, sind neben der Arbeiterschaft der Grube Messel auch die Arbeiter der chemischen Fabrif Mert in den Streit getreten; ferner streifen die Arbeiter der chemischen Industrie in Fulda und Gießen. In gesamt sind an der Streitbewegung in Hessen und Hessen- Nassau bisFrankfurt ftreift zunächst nur die Gummi- Industrie. Ins her etwa 5000 bis 6000 Arbeiter beteiligt. In der Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Zeit wurde bei der Wahl der Ortsverwaltung die Amsterdamer Lifte mit großer Mehrheit gewählt, während die Moslauer nur 91 Stimmen auf sich vereinigten. Die Kraftwagenführer des Kabelwerts in Oberschöneweide бefinden sich seit dem 2. b. M. im Streit, nachdem sowohl die Direktion der AEG. als and der BBMJ. die nachgesuchten Vers handlungen immer wieder verschleppten. Anscheinend will die AEG. nicht von der 60stündigen Arbeitszeit und der minimalen Bezahlung abgehen. Die Kraftwagenführer Groß- Berlins werben nicht in Versuchung lommen, der AEG. aus der Klemme zu helfen, indem fie ihren streifenden Kollegen in den Rüden fallen. Donnerstag 4½ Uhr bei Achtung, Deutsche Werke, Spanbau! Schlunte, Spandau, Breite Str. 34, wichtige Versammlung aller SPD.Genossen. Jeder muß erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Knorr- Bremse, Lichtenberg! Donnerstag nachmittag 4 Uhr bei Sworffi, Gilrtel-, Ede Doffeftraße, Bersammlung aller SPD.- Ge noffen. Wichtige Tagesordnung. Der Fraktionsvorstand.. Achtung, AEG., Brunnenstraße! Freitag nachmittag 4 Uhr im Lokal von Krüger, Suffitenstr. 34, wichtige Fraktionssihung der SPD.. Genoffen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Frattionsvorstand. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Buchbinderbrauche: Seute, Mittwoch, nachmittag 5% Uhr im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24, Alle in VDB., Buchdruderei- und Api- Be Jahres- Branchenversammlung. trieben beschäftigten Berbandsmitglieder find verpflichtet, zu erscheinen. togt auf heute nachmittag 1 Uhr im Sigungsfaal Linienſtr. 83-85. Die Versammlung der Streifenden der Firma Adam Schneider wurde der Adytung, Chirurgische Branche! Die Bersammlung der Ausgesperrten mußte pertagt werden auf heute nachmittag 4 Uhr im Barterresaal des Berbonds hauses, Linienſtr. 83-85. Zentralverband der Angestellten. Bezirk Charlottenburg: Die Februar Bezirksveranstaltung findet nicht, wie im Freien Angestellten" des ZDA. be tanntgegeben wurde, am Donnerstag, den 5. Februar, sondern am Donners tag, den 12. Februar, ftatt. Rentralverband der Schuhmacher. Branchenversammlung der Ballschuh macher Donnerstag abend 6 Uhr im Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Tapezierer! Freitag abend 7 Uhr im Gaal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, Jahresbranchenversammlung. Neuwahl der Branchenleitung. Eintritt nur gegen Berbandsausweis. Aus der Partei. Ein 75. Geburtstag. Karl Egon Frohme, der altbewährte Führer der Hamburger Sozialdemokratie, feiert heute seinen 75. Geburtstag. In Hannover geboren, fand er als junger Mensch durch rastlose historische und nationalökonomische Studien den Weg zum Sozialismus und zur Publizistit. Vor fünfzig Jahren begann er seine Laufbahn als Redakteur am Bolfsfreund" in Frankfurt a. M., seit 1890 gehört er der Redaktion des hamburger Echo" an, dem er lange Bett hindurch den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückte. Er hat in den harten Zeiten des Sozialistengesetzes und in späteren Zeiten der Berfolgung seinen Mann gestanden und den Weg durch den Gerichtssaal ins Gefängnis mehr als einmal zurückgelegt. Dem Reichstag hat er nicht weniger als 43 Jahre lang angehört, davon 35 Jahre lang als Abgeordneter ein und desselben Kreises AltonaStormarn. Aber seine Belastung mit journalistischen und parlamen tarischer Arbeit ließ ihm doch Zeit, größere Schriften von dauerndem Bert zu verfassen, von denen eine, die über Monarchie und Republik" ihrer heute erst recht aktuellen Bedeutung besonders hervorgehoben sei. In den Kreisen der Partei und weit darüber hinaus hat er sich stets hoher Achtung und lebhafter Sympathie erfreut. Unzählige, die ihm für seine Arbeit dankbar und ihm von Herzen freundschaftlich gesinnt find, begrüßen heute den Jubilar mit den herzlichsten Glückwünschen. Die nationalen Minderheiten in Polen und die PPS. kratische Partei, die Deutsche Arbeitspartei und der Bund" verDrei fozialistische Parteien Polens: die deutsche Sozialdemo öffentlichten nachfolgendes Schreiben an die Polnische Sozialiſtiſche Bartei( PPS.): Die vorgenannten Parteien stellen fest, daß der Vertrag, der einer gemeinsamen Aktion gegen Faschismus, Nationalismus und am 10. August 1923 zwischen ihnen und der PPS. zum Zwede Antisemitismus abgeschlossen wurde, durch das Verhalten der PPS. nicht realisiert werden konnte. Alle vertragschließenden Barteien waren sich darin einig, daß die Aktion ihren Ausdruck finden follte in einem fyftematischen Presse- und Versammlungsfeldzug und in der Verteidigung der gerechten Forderungen der Arbeitermassen der nationalen Minderheiten des Landes. Gemeinsam sollten die Parteien die nationalistischen Stimmungen in den Arbeitermassen bekämpfen und den Gedanken der internationalen Solibarität propagieren. Tatsächlich wurde aber von den Bresse organen der PPS., insbesondere von ihrem Zentralorgan Robotnit die Existenz einer Arbeiterbewegung bei den nationalen Minderheiten nach wie vor totgeschwiegen. Wiederholt haben der Bund" und die Deutsche Arbeitspartei der PPS. vorgeschlagen, qe meinsame öffentliche Bersammlungen polnischer, deutscher und jüdi. scher Arbeiter zur Bekämpfung des nationalen Chauvinismus zu veranstalten die Führer der BPS. haben diese Borschläge abgelehnt. Einzelne Vertreter der PBS. haben auch nach dem Bertrage wiederholt im Sejm die elementarsten nationalen Forderungen der Minderheitsnationen bekämpft. Die offizielle Politik der PPS. hat fich nach dem Bertrage nicht geändert. Nach wie vor bestand sie eher in einer Anpaffuma an die nationalistischen Stimmungen, als in einer Bekämpfung dieser Stimmungen. fängst als nicht bestehend und erklären jetzt offiziell, daß fie es als Die vorgenannten Parteien betrachten den Bertrag daher schon zmedlos erachten, weiter die Fiktion einer Verständigung aufrecht zu erhalten. Die Verständigung hätte eine große politische Bedeutung haben können, wenn alle Parteien sie loyal durchgeführt hätten. Infolge des Mangels am gutem Willen bei den Führern der PPS. hat sie jegliche Bedeutung verloren. Die drei Barteien halten unerfütterlich fest an der Ueberzeuguna, daß der Rampf an die Reaktion nur darin Erfolg haben wird, wenn fammenschließen. Sie sind daher stets bereit, sobald die Interessen alle flassenbewußten profetarischen Kräfte des Landes sich zuder Arbeiterflasse es erfordern, mit der PPS. und den übrigen proletarischen Organisationen Polens zusammenzuarbeiten. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewertschaftsbewegung: Frichr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales Karftädt: Anzeigen: in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. 5., Berlin, Drud: Borwärts- Buchbruceret und Verlagsanstalt Raul Singer u. Co. Berlin SW 68 Bindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Dr. Thompson Seifenpulver bequem SCHUTZ- MARKE DE THOMPSONS SCHUTZ- MARKE sparsam SEIFENPULVER Überall zu haben JACOBL1880 Üt. 5«*44.5ii()tja«g 1 ♦ snlftesS, 4.Sebtunt 19 J5 Em verjmkenöes Dorf. Hart an der Grenze Krog-Berlins, unweit der bekannten Garten- stadt Frohnau, liegt die Gemeinde Hohen-Neuendorf. In einer guten halben Stunde erreicht man sie vom Stettiner Vorort- dohnhof aus mit der Nordbahn. Malerisch liegt der kleine Ort in dem märkischen Wald- und Wiesenteppich, und auch sein Straßenbild macht einen sehr guten Eindruck. Der Bahnhof, bekanntlich das Plakat eines icden Ortes ist in frohen Farben bemalt worden, und er läßt den Besucher nicht ahnen, welche Tragödie sich in der kleinen Gemeinde seit Jahrzehnten schon abspielt. Auch dieser Artikel soll dazu beitragen, daß der letzte Akt des Dramas, der bereits begonnen hat, nun doch noch einen befriedigenden Schluß erhält. .Das Wasser flekgt.. Der siidlichc Ortsteil von Hohen-Neuendorf hat seit Zahlen unker sehr starkem Grundwasserandrang zu leiden. Früher waren die Verhältnisse normal, Grundwasser war in den Kellern nichl zu beobachten und die Tageswässer hatten einen geregelten Ab- -"«SSV'ÄAitz! ---- J*~ � üiSs, ö/rm ----->»-ät-Sr Kin.*- Aw-st r&iir-«t3r jS?S. wrö �"■ —'ttS�»Jh*Ä - C& yZ�zMsZ iil isgL« «NN "«W? *"jsssöisg; Das Oraadwasser im Keller. fluß nach einem südlich an die Gemarkung angrenzenden umfang- reichen Luch, ehemals der.große Bergpfuhl' genannt. Dieses von Gräben durchzogene Luch war Sammel- und Ausgleichbehälter, hatte nach Osten hin Verbindung und Vorflut nach dem bedeutend tiefer gelegenen Hubertussee und durch diesen mit dem Biesel-, Kindel, und Tegeler Fließ zur Havel. Das vorhandene Gleichgewicht der be- stehenden Vorflutoerhältnisse wurde jedoch nach und nach«inschnei. dend gestört. Dämme für die Nordbahn wurden geschüttet und vor- handene Gräben umgelegt oder.begradigt", obwohl die angeord- neten Durchlässe nur den auf das Luch zugeschnittenen Verhättnissen Rechnung trugen. Die Folgen stellten sich bald ein. Die Keller des südlichen Ortsteils wurden feucht und nach einiger Zeit drang Grund. wafser ein, das im Laufe der Jahre langsam, aber unaufhaltsam stieg und sich wie eine unheimliche Seuche immer welter ausbreitete. Die vorflut war gestört. Das Wasser von Hohen-Neuendorf-Süd konnte seinen Weg nicht mehr ungehindert nehmen. Es wurde durch aufge- schüttete Bodenmaiien verdrängt und zurückgestaut. So war auch die Gründung der Earteostadt Frohnau mit ein Grund zur Erkrankung von hohen-Neuendors, der idyllischen Nachborgemeinde. Die Befürchtungen der Gemeinde, daß die Grundwasserverhält- nisse zu geradezu katastrophalen Zuständen führen, haben sich selbst übertroffen. Bis fetzt sind nicht nur Souterrainwobnungen, fouderu auch Parterrewohnungen geräumt worden, was bei der großen Woh- nungsnot schwer ins Gewicht fällt. Außerdem befürchtet die Gc- meinde. daß nicht nur die früher trockenen Häuser in kurzer Zeil gänzlich durch Feuchtigkeit und Schwamm unbewohnbar und vom Einsturz bedroht werden, sondern daß auch nachteilige Gesundheits- fchädigungen der Bewohner, Seuchengefahr usw. zu erwarten sind. Die hohen Zahlen bereits geräumter und noch in Kürze zu räumen- der Wohnungen, Keller, Werkstätten. Stallungen. Schuppen, ent- werteter Gärten und vernichteter Obstplantagen geben ein er- schütterndes Bild von der trostlosen Lage. Wenn nicht schleunigst Abhilfe geschaffen und für durchqreisende schnellste Beseitigung des Grundwassers gesorgt wird, so wird es bald Talsache sein, daß die meisten der bereits mehr oder minder stark durchweichten Gebäude einstürzen werden und daß schließlich auch den bis jetzt noch einiger- maßen verschonten Häusern im nördlichen Ortsteil ein gleiches Schick- sal beschieden sein wird. Akut ist die Gefahr baldigen Verfalls in einem reichlichen Drittel der Gemeinde, ungefähr hundert Wohnungen sind hier bereits zerstört, fünfzehnhundert Obstbäume schenken keine Frücht« mehr. tfn Silü öes Grauens. Kein« Erdgeschoßwohnung gibt es in dieser bedrohten Gegend, keine Wohnung im sogenannten Hochparterre, welche hygienisch ein- wandfrei wäre. Alle sind feucht, haben Schimmelpilze an den Wän- den. und die Lust in den Wohnräumen ist stickig und dunstig. In den Kellern rosten die Wasser-, Gas- and Abflußröhren durch. Die Trink- Wasserversorgung ist gefährdet und mtt solchen gesundheitlichen Ge- fahren verbunden, daß viele Brunnen bereits gesperrt werden mußten. Gesundheitsschädigungen der Bewohner des bedrohten Orts- tells sind trotzdem unausbleiblich. Es wurde die Beobachtung ge» macht, daß gerade in den dort hausenden Familien ganz besonders häufig ZNostel. und Gelenkrheumatismus sowie Gicht vorkommen Bei allen in Hohen-Neuendorf auftretenden Epidemien, besonders bei Grippe, fiel es fern« auf, daß die meisten und die am schwersten verlaufenen Fälle in dieser Ortsgegend zu verzeichnen waren. Das ist nicht erstaunlich, denn in solch hygienisch schlechten Derhältnisten kebendo Menschen sind mit ihren dadurch geschwächten Körpern für Infektionen am empfindlichsten und am wenigsten fähig, die Krank- heiten niederzukämpfen. Es sei in diesem Zusammenhang nur auf die Gefahr einer Typhusepidemi« hingewiesen. Ganz besonders ge- fährdet ist in diesem Ortstell der jugendliche Nachwuchs, denn alle Erkrankungen der Atmunasorgane, besonders Tuberkulose und Rachitis, finden in so nassen Räumen vorzüglichen Nährboden. Tränenden Auges erzählt eins Frau in einem Grundstück der Flora- straße:.Das Haus wäre ohne das Grundwasser in einer glänzenden Verfassung. Schon vor 2b Jahre« hat mein Bater 3000 M. ausgegeben, um Fußboden und Wände auszementieren zu lassen.— Alles war umsonst. Obwohl ich nun im ersten Stock in entsetzlicher Enge wohn«, während dos ganze Erdgeschoß l««r stehen muß, will ich meiner Eltern Heim nicht eber verlassen, als bis alle« zusammen- gebrochen ist..." Die Steuerkroft der Einwohner ist herabgemindert, was zur Folg« hatte, daß fast alle ohne Ausnahm« Steuereinfprüche geltend gemacht und Ermäßigung der Steuern erhallen mußten. Helft! Helft! Die Gemeinde hat seit Jahren bei den vorgesetzten Behörden auf diese Mißstände hingewiesen, zahlreiche Besichtigungen haben statt- gefunden. Entwürfe wurden ausgearbeitet, um Abhilfe zu schaffen. Aber es fehlt überall an Geld! Da die Gemeinde nicht in der Lage ist. diesem Zustande fernerhin ruhig zuzujehen, versucht sie nunmehr mtt ollen Kräften eine Rettungsaktion durchzuführen. Notwendig ist nach dem Artest von Sachverständigen die Schassung einer geregellen Entwässeruag nach Westen hin in der Richtung nach der Havel. Die Gemeinde allein ist bei den derzeitigen wirtschafttichen Ber- hällnissen nicht in der Lage, die hierzu erforderlichen Vorarbeiten und ihre Durchführung finanziell selbständig zu bewirken. Sie bedarf dazu der Unterstützung durch die vorgesetzte Behörde und wendet sich Notsicherangen. daher in ihrer Notlage an Reich und Staat. Wie wir erfahren, ist bereits ein entsprechender Antrag im Landtage eingebracht worden. » Auch wir stehen aus dem Standpunkt: Wenn der Staat Mittel zur Schaffung neuer Wohnungen auswirst, so ist es erst recht im Interesse der Bevölkerung notwendig, Mittel zur Erhallung bestehen» der und an sich einwandfreier Wohnungen flüssig zu machen. 90 Wohnungen sind berells unbrauchbar geworden, wird nicht um- gehend für Abhilfe gesorgt, gehen weitere 100 bis 200 Wohnungen verloren, außerdem erleidet die Dolkswirtfchast ganz bedeutende Vor- luste durch entwertete tullivierte Obstgärten. Stallungen für Kloin» tierzucht usw., ganz abgesehen von den Gesundheitsschädigungen der betreffenden Bevölkerung. Vernunft und Menschenliebe verlangen hier sofortigen Eingriff— also: Helft! Helft! wie Auskunfterteilung im Reiseverkehr. Für die Auskunfterteilung im Reiseverkehr stehen, die Deutsche Reichsbahngesellschaft mitteill, besonders hierfür geschulle Beamte wie Pförtner, Bahnhofsschafsner, Aufsichts- und Zugbeamte, außerdem die Fahrkartenausgaben und feste Aus. kunftsstellen zur Beifügung. Auf größeren Lahnhöfen tragen die Auskunftsbeamten gelbe Armbinden mit der Aufschrift„Auskunft". Es empfiehlt sich also, zur Erlangung ein« zuverlässigen und er, schöpfenden Auskunft möglichst die besonders gekennzeichneten Be- amten und Auskunstsstellen in Anspruch zu nehmen. Der Apfel der Elisabeth Hoff. 12J von Wilhelm Hegeler. „Nicht?— Du wirst ihn ja selbst näher kennenlernen. In seinen guten Augenblicken kann er entzückend sein. Uebri» gens haben wir beschlossen, heute abend—" „Liebling, ich kann heute abend nicht mitkommen." „Was?" Eine so tiefe Enttäuschung malte sich auf ihrem Gesicht, daß es ihm schwer fiel, fortzufahren. „Ja. ich bin selbst ärgerlich. Aber es liegen gewisse Um- stände vor— eine Arbeit, die ich eigentlich aufschieben wollte» muß durchaus fertig werden. Ueber die nächste Zeit kann ich beim besten Willen nicht verfügen." „Das ist nicht richtig," sagte sie leise und schüttelte den Kopf.„Wirklich, das ist nicht richtig von dir. Immer gehst du deine eigenen Wege und läßt mich allein." „Aber, Herz, habe ich je ein Vergnügen ohne dich ge- nossen? Haben wir nicht alles miteinander geteilt?" „Du hast dir nie ein Vergnügen gegönnt. Immer lagen besondere Umstände vor. Aber diesmal lasse ich mich nicht so abfertigen. Du hast versprochen, mitzukommen. Uebrigens habe ich dir etwas sehr Wichtiges mitzuteilen," fügte sie hastig hinzu. Er warf einen flüchtigen, bedauernden Blick in das aufgeschlagene Buch und lehnte sich in geduldiger Erwartung zurück. „Was hast du mir Wichtiges mitzuteilen?" Mit einem raschen, herzhaften Griff hatte EUsabeth das, was sie bedrückte, hervorholen wollen, aber nun merkt« sie, daß es irgendwo verborgen lag wie ein Sandkorn im Sande oder vielmehr ihr entschlüpft war in ein verstecktes Fältchen ihres Innern.__ „Handelt es sich um die „Ne-n." „Also um dich?" Sie nickte zerstreut._ „Hast du Sorgen? Kommst du mit dem Geld nicht aus?" »Ach. mit solchem äußerlichen Kram würde ich dich doch nicht behelligen!" „Also ist es etwas Inpersiches.— Betrifft es uns beide? Hast du etwas gegen mich?" „Ja, auch gegen dich, erwiderte sie, doch noch zerstreuter. da sie fühlte, daß seine Fragen die Last nur noch tiefer in ihr Inneres zurückdrängten. i „Also, womit habe ich dich gekränkt? Sprich dich doch frisch und frei aus!" „Wie soll man sich aussprechen, wenn du immerfort auf dein Buch schielst? Du hast mich überhaupt nicht gekränkt. Oder vielmehr, du kränkst mich dauernd. Wie leben wir denn? Wie ein paar Fremde. Wir kennen uns überhaupt nicht. Das heißt, ich kenne dich. Ich weiß, was in dir vor- geht. Aber du— im Grunde kümmerst du dich überhaupt nicht um mich und weißt nichts vor mir." „Ich dich nicht kennen! Ich glaube, ich kenne dich besser als du selbst. Gewiß kenne ich nicht jede Regung in dir, aber—" gehen wir, so betrachtet, nicht alle einsam durchs Leben? wollte er fortfahren, sprach das jedoch nicht aus, sondern sagte—„aber ich kenne die Art und den Umkreis deiner Regungen. Ich kenne dich wie dies Buch hier. Da weiß ich auch nicht jede Zeile auswendig, aber ich weiß, dieses werde ich darin finden und jenes nicht." „Ach, laß mich doch mit deinen Büchern zufrieden!" Der vor wenigen Minuten noch so weiche Glonz ihrer Augen, die einem schimmernden Wasserspiegel geglichen kalten, war jetzt aufgesogen von trockener Glut, und ihr Gesicht hatte einen entschieden bösen und feindlichen Ausdruck. Aber dieser Zorn galt nicht ihm, sondern war durch den ver- geblichen Kampf' mit ihrem Innern hervorgerufen. Da predigt man seinen Kindern Wahrhaftigkeit und Freimut, und man selbst verkriecht sich und läuft mit einem bösen Gewissen herum. Wie ist das möglich... es einfach zu vergessen, als wäre es nicht geschehen, während es doch eines Tages heraus- kommen mußte. Warum sage ich's nicht? Warum bin ich so feige? Hoff blickte sie forschend an und sah, daß ihr blühendes Aussehen nur eine täuschende Augenblicksmaske gewesen war. Er ahnte, daß ein heftiger Ausbruch sich in ihr vorbereitete. Aber gerade jetzt fühlte er sich nicht genügend Herr über sich selbst, um ihm liebevoll zu begegnen. Ruhig, mit erzwunge- ner tmd übertriebener Ruhe, die Konsonanten stark betonend, sagte er: „Sage inir, was du gegen mich host. Fange mit dem Nächstliegenden an. Ich kenne dich nicht— gut. So lehre du mich dich kennen. Ich höre mit aller Aufmerksamkeit zu. Denn daß ich jetzt nicht arbeften kann, wirst du wohl selbst ein- sehen.— Also mal heraus mit der Sprache!" „Ich kann nicht." _„Versuch'»! Sei doch nicht kindisch!— Ich glaube ja, offengestanden, was dich quält, das ist etwas, was sich einfach nicht aussprechen läßt. Nicht etwa eine Laune. Gewiß nicht. Aber eine Verstimmung, die mit körperlichen Ursachen zusammenhängt. Weißt du"— er zog ein wenig ihr unteres Augenlid herunter—„du scheinst mir recht blutarm zu sein. Vielleicht solltest du Eisen nehmen." Als hätte er ihr unversehens einen Streich gegeben, zuckte sie zusammen. „Ich bin doch kein Tier, daß ich willenlos auf körperliche Zustände reagiere! Befaß dich mit deinen Läusen und Meer- schweinchen, dafür langt deine Kunst.— Ach, du verzeih! Ich allein bin ja schuld. Aber ich kann nicht! Daß kein Mensch einem hilft!" Während sie ihr schluchzendes Gesicht an seiner Brust verbarg, strich er zärtlich über ihr Haar und sprach ihr Trost- warte zu. „Ich ahnte ja nicht, wie herunter du bist. Weine doch nicht! Du hast ja vollkommen recht. Ich bin auch nicht der richtige Arzt für dich. Morgen gehen wir zu einem Kollegen und lassen dich untersuchen, vo beruhige dich doch! S'eh mich mal an! Glaubst du wirklich, daß du nicht mein ein und alles bist?" Sie lächelle schon wieder unter Tränen, überwälligt von der Treuherzigkeit seines Blickes. Aber nach einem schweren Seufzer sagte sie:„Glaub mir, es ist wittklich nichts Körperliches. Ich muß mich mit dir aussprechen. Aber jetzt kann ich's nicht. Komm heute abend mit! Ich habe eine solche Sehnsucht nach einem schönen Abend mit dir zusammen. Und wenn wir dann zu Hause sind, werde ich auch den Mut haben, dir alleg zu sagen." Eine dunkle Straßenschlucht nahm die beiden auf. In weiten Abständen zitterte der kreisrunde Lichtfleck einer La- terne auf dem schwärzlich nassen Asphalt. Da und dort lockte zu ebener Erde die rauchumwogte Helligkeit einer Bierkneipe. das verhängte Rot einer Likörstube. Höher hinaus waren die Häuserfassaden kaum zu sehen, doch spürte Hoff ihre, lastende Schwere, die Sorge, Eier und Enttäuschung, das ganze enge Leben, das in diesen steinernen Bchältern zusammengepreßt war. Er sehnte sich nach seinem Schreibtisch zurück. Arbeitend den letzten Atemzug tun— fast mutete ihn das wie Glück an. Da fühlt« er den leisen Druck de» Frauenarmes unter seinem�•. Wortsetzun» fvt»!)..■ Das Flugzeugunglück in Staaken. Ein Flugschüler tödlich verunglückt, 10 Arbeiter verletzt. Das schwere Flugzeugunglüd in Staaten, über das wir bereits im geftrigen Abendblatt berichteten, gehört zu den seltensten seiner Art. Wir erfahren über die eigenartigen Begleitumstände, die das Unglüd so fd; wer gestalteten, noch folgendes: In Staaten war seit einigen Wochen der Referendar Dr. jur. Freiherr v. Wilissen zu feiner Ausbildung als Flugzeugführer tätig. Gestern machte er vor einer Kommiffion feinen Prüfungsflug. In beträchtlicher Höhe beschrieb er mit dem Flugzeug in dem böigen Wetter verschiedene Wendungen. Plötzlich stürzte er, als er eine Kurve zu scharf nahm, gerade über der großen Zeppelinhalle ab. In der Halle, die jezt anderen Zweden dient, waren Arbeiter dabei, für die AtlanticFilmgesellschaft zu einem neuen Film große Gerüste aufzuI Das Stammkapital der Straßenbahn. unter Bormundschaft stehenden Mündel, wenn das Sparbuch einen| bahndirektion werden nur die Ausweise zur freien Beförderung Sperrvermert des Inhalts trägt, daß zur Abhebung des Geldes die des ständigen Begleiters eines schwerbeschädigten Kriegsilnehmers" Genehmigung des Gegenvormundes oder des Vormundschaftsgerichts ausgestellt. erforderlich ist.(§ 17 der Sparkassenfahung.) Bom 5. Februar 1925 ab fann die Zahlung des Aufwertungsvorschuffes bei der Sparkasse beantragt werden, die das Sparbuch ausgestellt hat. Die Sparer werden in ihrem Intereffe aufgefordert, die Anmeldungstermine eine leberfüllung der Kassenräume und längeres Warten vermieden wird. Die Anmeldungen werden während der Kassenstunden von 9 bis 3 lhr, an den Sonnabenden von 9 bis 1 Uhr entgegenge: Fünfundfechzigjährige Sparer, die troß der ihnen zuge fandten Benachrichtigungen bisher nicht über ihren Vorschußbetrag nommen. verfügt haben, werden ersucht, dies umgehend nachzuholen. einer längeren Beratung mit der Festfeßung des Stammkapitals der Der städtische Haushaltsausschuß beschäftigte sich in Berliner Straßenbahn G. m. b. H. Die Sazungen der Gesellschaft find bekanntlich von der Stadtverordnetenversammlung immer noch nicht verabschiedet und zurzeit läßt sich noch nicht übersehen, wann sie endgültig beschlossen werden. Die Vorschriften des Goldbilanzierungs. gefeßes zwingen aber alle städtischen Gesellschaften zur Neufe ft. bauen. Das Flugzeug stürzte mit großer Bucht auf das Glasdach Große öffentliche Beamtenkundgebung und Bankguthaben per 1. Januar 1924 nur rund 2½ Millionen Mark der Halle herab. Die beiden Tragflächen brachen ab und blieben auf dem Gerippe des Daches liegen. Der Körper des Flugzeuges mit dem schweren Motor dagegen durchschlug das Dach, zerbrach die Gerüfte unter ihm und schlug durch bis auf den Grund, in den er sich einbohrte. Der Führer lebte noch, starb aber bald unter den Händen der Aerzte, die sich seiner annahmen. Zehn Arbei ter lagen unter den zertrümmerten Gerüsten, mit denen sie zum Teil in die Tiefe gestürzt waren. Aus Spandau rückten alsbald die Feuerwehr mit einem Buge, zwei Krantenwagen und Samariterpersonal, eine Abteilung der Schußpolizei und Kriminalbeamte zur Hilfeleistung, den erforderlichen Absperrungen und Aufnahme des Tatbestandes nach Staaten ab. In der Halle sah es wüst aus. Die Berunglückten, die zum Teil unter zerbrochenen Balken und Stangen lagen, wurden von der Feuerwehr befreit. Am fchwersten verlegt war der Arbeiter Kurt 3empt aus der Berlichingenstr. 16 zu Berlin. Er mußte mit einer gefährlichen Rüdgratverlegung sofort nach Spandau ins Krantenhans gebracht werden. Die anderen Arbeiter, die zum Teil durch in den Rörper eingedrungene Holzsplitter verlegt waren, wurden an Ort und Stelle von Aerzten und Samaritern verbunden. Einige fonnten im Betriebe bleiben, andere begaben sich nach Hause. Die Leitung der Flugschule in Staaten ist von dem Vorwurf nicht freizusprechen, daß sie Flugschüler, die in der Handhabung eines Flugzeuges noch unerfahren sind, über Gebäuden manövrieren läßt, die anderen als Flugzwecken dienen. Die polizeiliche Aufsichtsbehörde wird festzustellen haben, in welchem Maße diese Uebungs. flüge über bewohnten Gebäuden ausgedehnt werden und wer für die Schäden an Leib und Leben haftbar gemacht werden kann, die durch das leichtfertige Ueberfliegen von Gebäudeteilen durch Ungeübte entstehen. Die Verfehlungen eines Justizbeamten. Ein Opfer übermäßigen Zigarettengenuffes. Die Begierde nach einem alten, wenig wertvollen Jagbgewehr hat einen Justizoberferretär S. zu einem faum verständlichen Schritt veranlaßt, dessen Folgen für ihn vernichtend geworden sind. S., der 20 Jahre Beamter im Justizdienst gewesen war, ohne fich jemals etwas zu schulden kommen zu lassen, ist im Sommer v. 3. von der Laufbahn eines pflichtgetreuen Beamten aus diesem nichtigen Anlaß abgewichen. Unter den Aufbewahrungsgegenständen des Amtsgerichts BerlinMitte, bei dem S. beschäftigt war, befand sich auch ein beschlag nahmtes Mausertesching, in dessen Besiz sich S. fezen wollte.. Zuerst wandte er sich an einen Amtsgerichtsrat mit der Frage, ob er nicht das Gewehr bei der späteren Versteigerung erwerben fönnte. Dieser rict ihm ab, da es sich um ein ziemlich altes und menig mertvolles Jagdgewehr handelte. Trotzdem nahm der Angeflagte die zusammenlegbare Flinte heimlich mit nach Hause. Angeblich wollte er nur einen Büchsenmacher um Auskunft fragen, was die Reparatur foften würde. Schließlich aber wurde das alte Bagdgewehr vermißt und der Verdacht fiel auf den Angeklagten, bei dem eine Haussuchung abgehalten wurde, wobei man den ver mißten Gegenstand fand. Zu der ersten fügte der Sekretär alsbald eine zweite Torheit. Er ließ sich unter falschem Namen im Kriminalgericht den Schlüssel zu seinem Amtszimmer geben, versuchte hier anscheinend, die auf die Entwendung des Gewehres bezüglichen Atten zu verstecken oder gar verschwinden zu lassen und wurde darüber abgefaßt. Das Große Schöffengericht Mitte hielt den Angeklagten jedoch auf Grund einer Rette von Indizienbeweifen fur schuldig. Bei der Strafbemessung berücksichtigte das Gericht als mildernd, daß das Nervensystem des Angeflaglen in folge übermäßigen 3igarettengenulies und als Rachwirtung einer Gehirngrippe erheblich zerrüttet war. Strafverschärfend war jedoch, daß der Angeklagte Beamter gerade desjenigen Zweiges der Staatsverwaltung war, der über Recht und Unrecht zu entscheiden habe. Deshalb find seine Berfehlungen schwerer zu beurteilen. Da er als Gerichtsbeamter feine Bertrauens ftellung mißbraucht hat, wurde ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf drei Jahre abgesprochen und er wurde wegen Unterschlagung und Beseitigung von Aften zu neun Mo= naten Gefängnis und wegen des Besitzes einer Waffe ohne Waffenfchein" zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Ueberfall auf einen Oberlentnant der Schuhpolizei. Einen bösen Ausgang nahm die Menschenfreundlichkeit eines hilfsbereiten Oberleutnants der Schußpolizei. Der Oberleutnant Sommer fam in bürgerlicher Kleidung mit seiner Gattin gegen 1% Uhr nachts auf dem Heimwege durch die Kaiser- Friedrich- Straße in Neukölln. In der Nähe des Herzbergplates wurde er auf ein Paar aufmertfam, das sich tätlich angriff. Die Frau lag schließlich hilferufend am Boden und wurde von dem Manne schwer geschlagen. Oberleutnant Sommer eilte hinzu und versuchte durch gütliches Zureden den Streit zu schlichten. Als er jedoch die Frau vom Boden aufheben wollte, erhielt er von dem Manne zwei schmere Messerstiche. Darauf ergriff der Mann die Flucht. Trop feiner starten blutenden Berlegungen verfolgte ihn der Offizier in ein Lofal an der Ede der Treptower und Weserstraße hinein. Als er von hier aus das leberfallkommando anrufen wollte, verweigerte ihm der Wirt die Benutzung des Fernsprechers und schob thn zur Tür hinaus. Unterdessen aber eilte Frau Sommer nach der Bache des 219. Reviers, das sofort zwei Schutzbeamte entsandte, die den Uebeltäter aus dem Lofal herausholten und nach der Wache brachten. Hier wurde er festgestellt als ein 48 Jahre alter Buger Albert Krause aus der Treptower Straße 14. Die Fiau, mit der er sich geschlagen hatte, war seine Braut. Cber leutnant Sommer ist dienstunfähig und befindet sich in ärztlicher Behandlung. Aufwertungsvorschüsse auf Sparguthaben. Die Sparkasse der Stadt Berlin gibt aus den ihr vom Magiftrat Berlin zur Verfügung gestellten Mitteln a) Mündeln, b) laufend unterstügten Sozial- und Kleinrentnern, c) Empfängern von laufenden Unterstützungen der Wohlfahrtspflege( früher Armenpflege), d) Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen somie e) Erwerbslosen, die laufend Unterstüßung beziehen, auf den Goldmartwert der auf ihren Namen lautenden Papiermarksparguthaben einen 10prozentigen Aufwertungsvorschuß bis höchstens 100 Rentenmart im Einzelfalle. Guthaben, auf die bereits ein Aufwertungsvorschuß gezahlt worden ist, fönnen von den Sparern nicht nochmals angemeldet werden. Mit diesem als Wohlfahrtsmaßnahme zu betrachtenden Borschuß soll einer tommen den gefeßlichen Aufwertung nicht vorgegriffen werden. Bei der etwaigen Aufwertung wären diese Borschußbeträge anzurechnen. Wohlfahrtsunterstügungen, Renten usw. werden deshalb in feinem Falle gekürzt. Als Mündelguthaben gelten Sparguthaben der noch am Donnerstag. 5. Februar, abends 7%, Uhr, in der Stadthalle, klofterstraße 47-59. Das Tagesordnung: Der Bürgerblod und die Beamten Syftem Schlieben." Referenten: Ministerpräsident a. D. Stelling, m. d. R., Ministerialcat a. D. Albert Falkenberg. Beamte! Sorgt für maffenhaften Besuch diefer Beranstaltung. Wehrt Euch gegen die Reattion und gegen die Berelendung der unteren Besoldungsgruppen! Die Bezirksarbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Beamten und Lehrer Groß- Berlins. Die abgeleugnete Vaterschaft. Buchstabenjuftiz statt Wiedergutmachung. Wegen Meineides und Berleitung zum Meineide wurde ein 21jähriger Handelsschüler Karl W. vom Schwurgericht I zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte hatte ein Liebesverhältnis mit einem Dienstmädchen in seinem Heimatort und hatte, als er Bater geworden war und wegen der Alimentierung seines Kindes in Anspruch genommen wurde, unter Eid jeden Verkehr mit der Mutter des Kindes bestritten. Als dann das Verfahren schon gegen ihn eingeleitet war, hatte er die Belastungszeugin auch noch verleiten wollen, zu seinen Gunsten eine falsche Aussage zu machen. Das Schwurgericht erkannte ihn schuldig und verurteilte ihn zu obiger Strafe. Dieser Fall ist ungemein typisch für unsere gesamte Rechtspflege! Der junge Menich wird durch die Zuchthausstrafe Zeit seines Lebens schwer bematelt, und das unschuldige Kind wiederum wird sein ganzes Leben darunter zu leiden haben, daß es unehelich" und sein Vater ein Buchthäusler" ift. Sollte nicht eine menschliche Justiz denkbar sein, die den wieder gut zu machen, b. h. zunächst einmal Mutter und Kind zu jungen törichten Menschen mit schärffter Berwarnung veranlaßt, ehelichen und zu versorgen und durch seinen weiteren matellofen Lebenswandel nachzuweisen, daß er feinen ersten Fehltritt bereut? Das obige Urteil aber ist Ausfluß einer unerträglichen Buchstabenjustiz, der in unserer Zeit kein Raum mehr gewährt werden sollte. Gründung eines Kartells für Reform des Sexualstrafrechts fchen Strafgesetzbuch waren vor einigen Tagen eine Reihe Berbände Nach Beröffentlichung des amtlichen Entwurfes zu einem deulund Bereine zu einer Aussprache zusammengetreten, die zur Gründung eines Kartells für Reform des Sexualstrafrechts führte. ich u 3. der Dem Kartell gehören u. a. an: der Verband für Mutter Berband Eherechtsreform, die Gefellihaft für Geschlechtstunde, die Gesellschaft für täte Romitee. lebereinstimmend herrschte die Auffassung, daß Segualreform und das Wissenschaftlich- humani der Entwurf den modernen Forschungen und Forderungen nicht getritischen Prüfung zu unterziehen sei. Das Kartell tritt Ende Februar nügend Rechnung trage und daß derselbe in zahlreichen Bunkten einer wieder zu einer neuen Sigung zusammen, in der inzwischen vorbereitete Eingaben und Gutachten besprochen werden sollen. Beamte oder Büttel? Vor dem Neuköllner Schöffengericht hatten sich drei Schupobeamte, der Wachtmeister Frik Berg und die beiden Oberwacht meister Robert Belding und Wilhelm Lonel wegen Körperverlegung im Amte zu verantworten. Der Antlage liegt die faum glaubliche Tatfache zugrunde, daß Berg und Belding den Arbeiter Harry Feuchtmer, der nachts in der Emfer Straße zu Neukölln feinen vorangehenden Freunden zurief, sie möchten doch einen Augenblid warten, meil er fich eine Bigarette anzünden wollte, wegen dieses von den Beamten als„ Lärm" empfundenen Zurufes zur Rede stellten und den Feuchtner Turzerhand zur Wache transportierten. Auf der Wache ist F. dann in der schändlichsten Weise mißhandelt worden. Das Gericht hielt die Schuld der Angeklagten für erwiesen und vers urteilte alle drei zu je drei Monaten Gefängnis wegen Rörperverlegung im Amte. Außerdem wurde den Berurteilten die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren abgesprochen. Bemerkt sei noch, daß die drei prügelnden Beamten gegen Feuchtner Strafanzeige wegen Miderftandes gegen die Staatsgewalt gemacht hatten, F. ist des wegen vor etwa vier Wochen zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Beamten hatten damals beschworen, den Angeklagten nicht mißhandelt zu haben. Sollte es bei den modernen psychologisch- pädagogischen Methoden nicht möglich sein, schon bei der Ausbildung zu erkennen, welche Beamten fich wirklich als Schuh polizeibeamte eignen? Die Ausweise für Kriegsbeschädigte. Noch immer wird die Ausstellung der Ausweise für ſizend zu befördernde Kriegsbeschädigte irrigerweise bei der Reichsbahnbireftion beantragt. Diese Ausweise werden nach wie vor von den zuständigen Kriegsbeschädigten- Fürsorgestellen ausgefertigt. Bon der ReichsDas Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 4. Februar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: fegung ihres Goldmartfapitals. Die Straßenbahn hatte dabei nach dem Vorbild der Gas- und Elektrizitätswerte ein Stammfapital von 15 Millionen Goldmark vorgeschlagen. Da diesem Kapital an Materialien, laufenden Betriebsmitteln, Kaffenbeständen gegenüberstanden, ergab sich die Notwendigkeit, die Differenz in Höhe von 12% Millionen als Rapitalentwertungskonto in die Bilanz ein zusetzen. Gegen diesen Bilanzposten wurde im Haushaltsausschuß energisch Front gemacht. Es wurde die Befürchtung geäußert, daß die städtischen Gesellschaften allgemein zu fehr zur Selbständigfeit neigten, daß eine so hohe Fefffehung des Kapitalentwer tungskontos die Möglichkeit gäbe, den Charakter der Gesellschaft als einer Betriebsgesellschaft in eine Befiggesellschaft zu verwandeln, und daß dadurch zu starte Gewinnverschleierungen in den nächsten drei Jahren möglich seien. Nach längerer Debatte einigte sich der Haushaltsausschuß auf einen sozialdemokratischen Rompromißantrag, das Stammfapital auf Straßenbahnen auf 10 Millionen Goldmart festzusehen. Auf die Gas- und Elektrizitätsmerte wurde dieser Beschluß nicht ausgedehnt. In der gleichen Sigung wurde die Goldmarkbilanz der Neuköllner Stadtbant G. m. b. S. verabschiedet. Der Kämmerer stellte in Aussicht, daß die Neuköllner Stadtbanf evtl. später mit der in Bilduna begriffenen Berliner Stadtbank zusammengelegt werden könnte. Die Beratungen darüber schweben noch, eine Entscheidung sei erst im Laufe dieses Jahres zu erwarten. Die Zwölfjährigen. In einem Haufe der Dunderstraße fiel es auf, daß ein 50 Jahre alte Dreher L., ein verheirateter Mann, öfter Besuch von fleinen Mädchen erhielt, denen er Süßigkeiten und auch Geld schenkte. Schließlich nahm ihn die Revierpolizei fest und ermittelle sechs Mädchen von 12 bis 14 Jahren, alle aus Bankow, an denen fich 2. vergangen hat. Er bestreitet aber, der Verführer gewesen zu sein und behauptet vielmehr, daß die Mädchen ihn an sich gefodt hätten. So unwahrscheinlich bas zunächſt far bezeich es sich doch als wahr erwiesen. Die Mädchen machten durch nenden Augenaufschlag und andere Gesten im Bürgerpart Männer auf sich aufmerksam und folgten ihnen, wenn ihre Begleitung angenommen wurde. Durch eingehende Bernehmungen ist anderen Männern verbotenen Umgang gehabt haben. 2. muth festgestellt worden, daß sie nicht bloß mit 2., sondern auch mit dem Untersuchungsrichter vorgeführt und in Haft behalten. Nach den anderen Männern wird geforscht. Die großen Berliner Bekleidungsmessen. und die zweite Messe der Schuh- und Leberwirtschaft, die Die Fachmesse der deutschen Bekleidungsindustrie in den Tagen vom 8. bis 11. Februar m den drei Ausstellungshallen lückenlose Uebersicht über das gesamte Gebiet der deutschen Bekleiam Raiserdamm in Berlin stattfinden, werden zum ersten Male eine dungsindustrie bieten. Nahezu 1400 der namhaftesten deutschen Firmen aller Zweige dieser Industrie zeigen auf einer Ausstellungsfläche von rund 30 000 Quadratmetern alles, was den Menschen bedt, ziert und wärmt. In der Funkhalle wird die DamentonfefAutohalle die Schuh- und Leder- und die Lederwaren- und Sattler= tion, in der neuen Autohalle die Herrentonfettion, in der alten warenbranche untergebracht werden. Daß sich der Gedanke der BerTatsache, daß ein außerordentlich hoher Prozentsatz der Ausstellerliner Fachmessen in ganz Deutschland durchgefeht hat, beweist die firmen nicht in Berlin ansässig ist. Ebwa 60 Fachverbände der Industrie, des Großhandels und des Einzelhandels find Träger dieser Meffen. Fast alle an den Messen beteiligten Industrieverbände haben während ihrer Dauer besondere Tonungen oder Ausschußsizungen nach Berlin einberufen. Für den 10. Februar ist ein sogenannter Bekleidungstag" geplant, an dem führende Wirtschaftspolififer und leitende Männer der Bekleidungsindustrie über die aktuellen wirtschaftlichen Fragen sprechen werden. Das neue Telephonbuch. Das amtliche Fernsprechbuch für Berlin und Umgegend für das Jahr 1925 ist jezt erschienen. Viele Neuerungen gegenüber dem vorjährigen Berzeichnis enthält das neue Buch, das die Kleinigkeit von dem neuen Buch sind die beiden neuen Fernsprechämter 1526 Seiten und einen Anhang von 68 Seiten aufweist, nicht. In Westend und Hasenheide aufgenommen. Wer mit einent diefer Aemter verkehren will, muß der ersten Beamtin zugleich Amt dorf werden durch das Zwischenamt Nikolas vermittelt, das sich als und Nummer nennen. Die Berbindungen nach Potsdam und Behlenzweites Amt meldet. Wer mit Potsdam oder Zehlendorf telephonieren will, darf jedoch nicht Nifolas verlangen, sondern immer nur Potsdam oder Zehlendorf. Das neue Buch bringt dann wieder, ebenso wie die früheren Berzeichnisse, eine ganze Seite Erklärungen, wie Zahlen ausgesprochen werden sollen, damit Mißverständisse vermieden werden. Besonders kompliziert ist die Anleitung zur richtigen Aussprache von drei, viet- und fünfstelligen Zahlen, die in zwei Gruppen zerlegt werden müssen. Hier muß der Telephonierende ein reguläres Studium abfolvieren, bevor er genau weiß, was er tun und wie er sprechen soll. " Ein Rodauffchliher hat sich schon ein paarmal bei den Bodbierfesten in der Neuen Welt" bemerkbar gemacht. als eine Berläuferin Frieda F. aus der Bergmannstraße nach der Garderobe ging, um sich zur Heimkehr ihre Saden herausgeben au lassen, mertte sie, daß ihr der Rod von oben bis unten aufgeidligt war. Sie erinnerte sich eines Mannes, der fia) an einer Würfelbude in ihrer Nähe auffallend benommen batte und fand diefen Mann auch wieder. Er wurde als ein Maler 2. festgestellt und der Kriminalpolizei zugeführt. 2. bestreitet die Tat. Die Wahlen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden am Sonntag ergaben, wie jetzt schon aus den vorläufigen Ergebnissen im ganzen Freistaat Prenßen ersichtlich ist, eine liberale Mehrheit. Selbst in den Wahlbezirken, in denen Gemeinichaftstiften von den Orthodoxen mit den Zionisten aufgeftellt waren, find die Liberalen in der Mehrheit geblieben. Tas Berliner Abstimmungeergebnis ist folgendes: Liberale 26 Mandate, 16 Mandate und Boale 3ionisten( sozialistisch- zionistische religiöse Mittelpartei& Mandate, Orthodore 4 Mandate, Zionisten Arbeiterorganisation) 2 Mandate. 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Liebe alte und neue Märchen für unsere jüngeren Hörer. 1. Schneewittchen, Grimm. 2. Die Wassernixchen, 8. Wie derSchneemann spazieren ging, Verena zur Linde, 4. Bei den Mäuschen im Mäusepalast, Else Hofmann. 5. Einige gute Antworten auf meine Dornröschenfrage.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.55 Uhr abends: Handel: Privathandelslehrer Franz Fischer: Grundzüge abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr des Wechselwesens". 2. Vortrag. Hauptformen und Personen des Wechsels".( Abt. Hochschulkurse). 7 Uhr abends: Geh. Reg.Rat Dr. Waetzoldt: Die Kunst der Gegenwart". 4. Vortrag. Neue Wege und Ziele". 7.35 Uhr abends: Professor Dr. Geiger: Radioaktive Substanzen und ihre Strahlungen. 3. Vortrag. Zer- Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17, fallsreihen und Zerfallstheorie*. 8.30 Uhr abends: Einführende Worte zum Sendespiel. 8.45 Uhr abends: Sendespielbühne. Abt. Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Erster Klasse, Schwank in einem Akt von Ludwig Thoma. Josef Filser, Landwirt und Abgeordneter: Ferdinand Bonn; Marie Filser, dessen Ehefrau: Fanny Wolff; Sylvester Gsottmaier. Landwirt: Otto Kronburger; Kaufmann Stüve aus Neuruppin: Alfred Braun; Assessor Alfred von Kleewitz: Hugo Schrader; Lotte von Kleewitz: Friedel Koller; v. Scheibler, Ministerialrat: Bruno Rahn; Ein Schaffner: Franz B. Erich; Ein Zugführer: Willi Eberhardt. Die Handlung spielt in einem Eilzugkupee erster Klasse. Ort: Oberbayern. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Sprechhor für Proletarische Feierstunden. Nebungsfiunde am Donneretag. 5. Februar, abends 7% Uhr, im Gesangssaal der Zeugen gefucht. Am 16. Juni 1918 ift der Landsturmmann Konrad Schulze, Armierungsfompagnie, auf der Insel Sylt auf Westerland Nord) burch einen Unfall auf der Militärbahn verunglückt. Zeugen dieses Borfalls, eventuell diejenigen, die über die Angelegenheit etwas ausia en tönnen, was von Belang ist, werden gebeten, ihre Adresse an Frau Bitwe Anna Echulze, Berlin S., Hafenbeide 10/11, rechter Seitenfiügel III, anzu geben. Untesten werden vergütet. Ginen Lichtbildervortrag, Unsere Stauden hält am 5. februar, abends 6 Uhr, im Höifaal VII der Landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin, Inval den. Straße 42, Kurt Geisler für die Abteilung der Pflanzen und Gartenfreunde der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft, zu dem jedermann jreien Eintritt hat. Nr. 58+42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 4. Februar 1925 Haushalt des Reichsarbeitsministeriums. Die Sozialdemokratie fordert den Achtstundentag. In erster und zweiter Beratung wird zunächst das deutschffchechoslowakische Abkommen vom 4 März 1924 ohne Debatte angenommen. Abg. Stoeder( Komm.) beantragt dann außerhalb der Tages crdnung die Einfeßung eines Untersuchungsausschusses anläßlich des 700- Millionen- Geschenks der Reichsregierung an die Rhein- und Ruhrindustriellen". Dieser Ausschuß solle sich mit den rechtswidrigen Begünstigungen beschäftigen, die der Schwerindustrie von den Regierungen Cuno, Streiemann, Marg und Luther gewährt worden seien. Die Mitglieder diefer Re gierungen müßten außerdem vor den Staatsgerichtshof gestellt werden. Abg. Müller- Franken( Soz.) erklärt, seine Freunde würden den tommunistischen Antrag nicht unterstützen. Sie würden selbst die Einsegung eines Untersuchungsausschusses beantragen, sobald tie Regierung ihre Denfschrift vorgelegt hat. Vbg. Stoeder( Komm.) bezeichnet die Haltung der Sozialdemokraten als einen elenden Scheintampf.. Die sofortige Beratung der fommunistischen Anträge scheitert an dem Widerspruch aus dem Hause. Das deutsch- fiamesische Wirtschaftsabkommen wird debattelos dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Dann beginnt die zweite Beratung des Etats mit dem Haushalt des Reichsarbeitsministeriums. Bor Eintritt in die Tagesordnung wird dem Geschäftsordnungs.| Schwerindustriellen die Laften aus den Micum- Berträgen bis der Achtstundenfag schleunigst wieder gesetzlich gesichert werden. ausschuß ein Antrag des preußischen Kultusministers überwiesen auf den legten eller bezahlt. Ich frage das Reichsarbeits. Darüber ihnaus verlangen wir den gesehlichen Achtstunden. auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den deutsch- ministerium, wenn die Industriellen schadlos gehalten worden find, tag für alle Hand- und Kopfarbeiter in Stadt und Land, und wir tationalen Reichstagsabg. Universitätsprofessor Dr. v. Freytagh wie stellt es sich denn zur Rückvergütung der Schäden an die werden diese Forderung nicht nur ftellen, sondern mit aller Kraft Boringhoven. Arbeiter? Es handelt sich aber hier nicht allein um die Arbeiter, sondern auch um alle anderen Geschädigten, die bisher für ihre Erfüllung eintreten.( Lebhafter Beifall b. d. Sozialdemo traten.) Jch erinnere daran, daß die Arbeiter in den Braunkohlennicht abgefunden worden sind. Wir erheben den schärfften Brotest gruben noch immer eine Arbeitsfron von 12 Stunden haben. Wir dagegen, daß man immer und immer wieder die Stärksten bevor- verlangen, daß zur Erhaltung der Arbeitskraft und der Gesundheit zugt, während die Schwachen nicht den notwendigen Schuß der allen Arbeitern der Achtffundentag unverzüglich zurüdgegeben wird! Regierung erhalten. Bu gleicher Zeit stelle ich fest, daß das Glauben Sie wirklich, daß den Bergarbeitern die Beriängerung ihrer Budgetrecht des Reichstages mit Füßen getreten worden ist, daß Arbeitszeit noch länger zugemutet werden fann? Für alle Arbeiter diese ungeheuren Ausgaben ohne Kontrolle und unter Mißachtung in den Bergwerfen und in den Industrien, die gesundheitlich unter des Mitbestimmungsrechts des Reichstags bezahlt wurden. besonders ungünstigen Arbeitsbedingungen zu schaffen haben, muß Ich habe aber noch eine zweite Frage an das Reichsarbeitsdie Arbeitszeit unter acht Stunden herabgesezt werden. Das ist ministerium. In das Ruhrgebiet find während des Ruhrkampfes eine Forderung, an der wir festhalten und für deren Erfüllung wir fämpfen werden im Interesse des Familienlebens, der Haltung der Riefenfummen für Lohnficherungen Arbeitskraft und der menschlichen Kultur.( Lebhafter Beifall.) gefloffen. Dem Reichsarbeitsministerium werden gewiß die NachIch lenne die Einwände, die gegen den Adylstundentag erhoben prüfungen durch Kontrolleure des Reichs nicht unbekannt geblieben werden. Besonders wird behauptet, daß darunter die deutsche Kon= sein, bei denen festgestellt wurde, daß erhebliche Summen von turrenz im Auslande zu leiden habe. An den Löhnen der einem Teil der Unternehmer mehr angeschrieben worden find als deutschen Arbeiter liegt das wahrlich nicht. Wenn in den Jahren wirklich ausgegeben waren. Auch bei diefer Nachprüfung find die 1920 bis 1923 ein Nachlaffen der Arbeitskraft zu bemerken war, so zuständigen Bertretungen der Arbeitnehmer beiseite geschoben dürfen Sie doch nicht vergessen, wie die Arbeiter in dieser Seit der worden. Nun spricht man soviel von der produttiven Er. Inflation Tag und Nacht gepeitscht wurden, um nur für ihr armwerbslosenfürsorge. Wenn das Reich dafür Ausgaben feliges Papiergeld etwas zu erhalten. Diese Jahre dürfen nicht zum macht, dann müssen wir verlangen, daß die Arbeiter durch Vergleich herangezogen werden. Nicht die Arbeiter sind schuld daran, ihre Organisationen die notwendige Kontrolle darüber wenn die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zurückgegangen erhalten. Ich will einen Fall aus den letzten Wochen erwähnen. ist, sondern ganz andere Kreife. Als unverdächtige Zeugen nenne Für die produktiven Erwerbslosenunterstüßungen find 50 Milich Ihnen den Professor Dr.- Ing. Beder, der fürzlich vor der lionen den Reedern zur Verfügung gestellt worden, um die ATG. fehr interessante Ausführungen über die deutsche Automobilnotwendigen Neubauten von Schiffen fortsetzen zu können. Was industrie gemacht hat. Wenn Deutschland mit England wettbewerbsfähig werden wolle, dann müsse es seine Automobile um ist das für ein Zuffand, daß die Mitglieder des Reichstages diese Tatsache erst aus den Zeitungen erfahren müssen? 40 Pro3. verbilligen. Es liege nicht an den Arbeitern und nicht an dem mangelnden Schußzoll, wenn die deutsche AutomobilIch lege von dieser Stelle aufs schärffte Berwahrung dagegen ein. industrie rückständig fei. England versorgt seinen Marit zu% mit Wir haben im Boltswirtschaftlichen Ausschuß oft genug verlangt, eigenen Erzeugnissen, troßdem es feinen Schutzoll babe. Der engdaß nicht allein Unterstügungen an die Erwerbslosen gezahlt werden, lische Metallarbeiter verdiene 1,83 m. die Stunde, der Lohn ist also An die Spize meiner Ausführungen stelle ich die Artikel 151, sondern daß für sie Arbeit geschaffen wird. Aber dann muß dafür mefentlich höher als in Deutschland. Dafür sind aber die 157, 163 und 165 der Reichsverfassung, in der auf die Gewähr gesorgt werden, daß die produktive Erwerbslosenfürsorge nicht zu Generalunkosten in der deutschen Automobilindustrie weit höher als leistung eines menschenwürdigen Daseins für die Arbeiter hinge einer Liebesgabe für die unterenhmer wird. Wir verlangen, daß im Auslande. Ich empfehle dem Reichsarbeitsministerium solche reiesen, wo gesagt wird, daß die Arbeitstraft des besonderen Hierbei die zuständigen Bertretungen der Arbeiterorganisationen Feststellungen, ich glaube, es fönnte noch einiges baraus lernen. Echuzes des Reiches genieße und jeder Staatsbürger angemessene volles mitbestimmungsrecht haben.( Beifall b. b. S03.) Insbesondere, daß die mangelnde Abfaßfähigkeit der deutschen Arbeitsgelegenheit finden müsse. Die Reichsverfassung ist nunmehr Die Sozialpolitik darf nicht für sich, sondern sie muß im Su Industrieerzeugnisse nicht auf hohe Löhne und geringere Arbeitsfeit über fünf Jahren in Kraft. Wie war bisher ihre Auswirkung? fammenhang mit der gesamten Wirtschaftspolitik behandelt werden. leistungen zurückzuführen ist. Wir treten für eine Rationali. Hat sich das Reichsarbeitsministerium danach gerichtet? Wir sehen. Der Zuſtand muß aufhören, daß das Finanz- und das Wirtschafts- fierung der Wirtschaft, für eine beffere Betriebs wie in den letzten Jahren ein zunehmender Sturm auf ministerium, beeinflußt durch fapitalistische Intereffen, auf das organisation und technische Fortschritte ein. Daraus folgern die Arbeitstraft unternommen wird, wie das Arbeits. Reichsarbeitsministerium einwirft, sondern umgekehrt. Die not wir, daß den Arbeitern und Angestellten das Mitbestimmungsrecht recht immer mehr verfürzt wird, wie unzureichend die Unterwendigen Mittel müssen herbeigeschafft und der notleidenden Be- gewährt wird und der weitere Ausbau der Betriebsräterechte erfolgt. ftigungen der Erwerbslosen sind, so daß sie diefen nicht einmal völkerung zugeführt werden.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Ich erinnere Meine Fraktion hat einen Antrag eingebracht, der die die notdürftige Existenz sichern. Sozialpolitik und Arbeiterschutz an den Brief. den das Reichsfinanzminifterium im Borjahre an müssen sich der besonderen Fürsorge des Staates erfreuen. Doch das Arbeitsministerium gerichtet hat, der sich gegen eine zu weitRafifizierung des Washingtoner Abkommens über den da erklärt man, die Belastung der Arbeiterversicherung sei fo groß. gehende Erhöhung der Löhne wandte. Dagegen legen wir aufs verlangt. Wir legen schärfste Berwahrung dagegen ein, daß durch Achtstundentag daß sie nicht mehr tragbar wäre. Es muß jedoch erste Pflicht des fchärfste Verwahrung ein.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Der Einfluß, Staates sein, denjenigen beizustehen, die die Leiden der letzten ber nicht mur dire it, sondern auch auf dem Umwege über das Borbehalte und Ausnahmen, wie sie die Regierung dabei schaffen zehn Jahre durchgemacht haben. Das werftätige Bolt hat besonders Reichswirtschaftsministerium zugunsten der Unternehmer ausgeübt will, nur scheinbar der Achtstundentag hergestellt wird. Wir werden barunter gelitten, während des Krieges und nach dem Kriege wird, ist ohnehin schon start genug. Auf dem Gebiet der Lohn schärfften Kampf dagegen führen. Wie weit sind denn endlich die mußte es eine Hungerfur durchmachen und Massenarbeits- und Tarifbifferenzen sowie des Schlichtungswesens haben wir be- Borbereitungen für die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens losigkeit über sich ergehen lassen. fänger überhaupt ausgegeben worden? Ich meine nicht die müssen boch auch die Il riach en bafür untersucht werden. Und nichts anderes übrig, als das Bolt zur Entscheidung darüber aufWas ist denn für rie Sozialunterstützungsemp. gefagt wird, daß die Lohnbewegungen fein Ende nähmen, so Reichstag unterbreiben? Wenn das nicht bald geschicht, dann bleibt die Hauptursache zu den Lohntämpfen sind die ununterbrochen zurufen, und dann wollen wir sehen, ob diejenigen Arbeiter, die gegeben werden, sondern die wirklichen Zahlen. Nach den fich folgenden Breissteigerungen. Was hat das Reichsarbeitsbürgerlichen Abgeordneten bei den letzten Wahlen noch ihre Stimmen Mitteilungen des„ Reichsarbeitsblattes" find pro Jahr 1610 Mil- ministerium gegen diese fortgesetzte Berteuerung der Lebenshaltung gegeben haben, sich selbst ins Gesicht schlagen werden, indem sie Nach dem durch den Abg. Ho ch( S03.) erstatteten Ausschußbericht spricht als erster Redner Abg. Dißmann( Soz.): lionen Mart ausgegeben worden. Man muß aber dabei bedenken, daß diese Beträge zum größeren Teile von Arbeitern selbst auf. gebracht wurden, und den anderen Tell hat das Unternehmertum nur scheinbar beigesteuert. Es hat verstanden, durch vermehrie Ausbeutung feine Ausgaben dafür auf die Arbeiter abzuwälzen. Die Unternehmer sagen: Wir fönnen feine höheren sozialen Lasten übernehmen, sonst würden wir die Substanz der Wirtschaft angreifen. Ist es aber nicht das dringendste Erfordernis, daß Sie Substanz der menschlichen Arbeitskraft erhalten und vermehrt wird? ( Sehr wahr! bei den Soz.) Darum verlangen wir die ausreichende Unterſtügung der Erwerbsbeschränkten und Invaliden somie auch derjenigen Arbeiter, die ihr Leben lang ihre Pflicht erfüllt haben und heute erwerbslos geworden sind. Für die Sozialrentner, für die Unfallbezieher, für die Kriegsopfer muß alles gefchehen damit ihnen eine menschenwürdige Existenz gesichert ist. Dazu kommt die besondere Fürsorge für die Erwerbslosen, die arbeiten wollen, aber nicht arbeiten können. In Besorgnis erregender Weise steigt wieder der Umfang der Erwerbslosigkeit. In der ersten Januar bälfte ift die Zahl der Unterſtügungsempfänger von 535 000 auf 583 000 gestiegen. In diesen Ziffern sind aber nur diejenigen Er. werbslosen enthalten, die Unterstügung beziehen. Ich frage das Reichsarbeitsministerium, ob es festgestellt hat, wie groß die Zahl derjenigen ist, die bei der Erwerbslosenunterstützung ausgefallen find? Nimmt man noch die hinzu, dann werden ganz andere Siffern herauskommen. Wenn wir die Erhöhung der Unterstügungssäge fordern, darm hefft es immer, es jei kein Geld da. Ich verweise darauf, daß der Gesamtetat des Reichsarbeitsministe Tiums von 481 Millionen herabgefeßt worden ist auf 323 Millionen. Es steht fest, daß ein Teil der Belastung, die das Reich bisher getragen hat, jetzt auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt wird Auf dem Verordnungswege wurde die Arbeitslosenversicherung geschaffen, zu denen die Arbeiter und die Unternehmer je bie Hälfte der Beiträge beifteuern. In demselben Jahre, in dem 150 Millionen weniger eingefeßt werden für soziale 3wede, find an andere„ Nofleidende" über 700 millionen Mark verteill worden Ich meine die Werkherren aus dem Ruhrrevier. Diese Summen find gefloffen zu einer Zeit, in der das Reichsarbeltsminifterium mit dabei geholfen hat, das soziale Unterstützungswefen abzubauen. Diese Unterstügungen find an jene Industriellen gefloffen, die den Arbeitern erflärt hatten, wenn sie in den Schacht, in die Wert. ftatt, in die Fabrit zurüdiehren wollten, dann müßte die Arbeits. geit verlängert, der Lohn reduziert werden. In der Tat hat, um nur einen Punkt herauszugreifen, die Schwereisen induftrie die bisherigen drei Schichten zu 8 Stunden beseitigt und eine Doppelschicht zu 12 Stunden eingeführt. Die Bergarbeiter. fbhne find gekürzt morben, erft von 5,25 auf 4,25 m und im März v. J. auf 4,06 m. Der Stundenlohn für gelernte Metallarbeiter wurde herabgefeht von 70 auf 50 Bf., für ungelernte fogar auf 40 Pf. Die Industriellen haben ihr Borgehen damals be gründet mit den schweren Lasten des Micum- Bertrages, die fie felbft zu tragen hätten. Hinter der Oeffentlichkeit haben sich aber in zwischen ganz andere Dinge abgespielt. Die Micum- Lasten wurden berechnet mit 80 Millionen im Monat, das macht für 9 Monate etwas über 700 millionen Mart aus. Die sozialen Unterſtügungen find nicht erhöht morben, aber zur selben Zeit hat man ben fonders Klage zu führen. getan? und stören den Redner durch fortgesetzte lärmende Unterbrechungen. ( Die Kommunisten haben sich um die Retnertribüne geschart Präsident 2öbe ersucht die Abgeordneten, ihre Bläge einzu nehmen. Die Kommunisten folgen dieser Aufforderung nur zögernd, der Abg. Bar muß erst zur Ordnung gerufen werden und auf die weiteren Folgen seines Benehmens aufmerksam gemacht werden, ehe er sich dazu bequemt, auf seinen Platz zurückzukehren.) Abg. Dißmann( S03.) fortfahrend: Wir haben erlebt, wie von den Unternehmern gegen die Zwangswirtschaft Sturm gelaufen worden ist. Munmehr sehen wir, daß dieselben Kreise jetzt auf dem besten Wege sind, um eine neue Zwangswirtschaft für ihre eigenen Intereffen aufzurichten, die für die Bevölkerung unerträgliche Folgen haben muß. ( Sehr wahr! b. d. Sc., Jch erinnere an die Bestrebungen zur Crrichtung eines europäischen Eisenfartells, das eine so rüdsichtslose Preisdiktatur ausüben wird, daß eine weitere erhebliche Berteuerung der Lebenshaltung die notwendige Folge sein muß. Auch bei den Berhandlungen über den deutsch- französischen Handelsvertrag arbeiten diefelben Kreise, die Schwerindustrie drückt der Regierung die Feder in die Hand, und so werden diese Verhandlungen in Wirklichkeit nicht von der Regierung, sondern von der Schwerindustrie geführt.( Sehr wahr! b.d. G03.) Die Beche werden die breiten Massen zu zahlen haben. Da die Kommunisten fortwährenden Lärm machen, ruft ihnen Genosse Dißmann zu: Ich habe auf Ihre Zwischenrufe bisher nicht geantwortet und dente es auch weiter nicht zu tun, weil mir die Intereffen der Arbeiterklasse höher stehen als Ihr Parteistandal. ( Lärm bei den Kommunisten.) Dißmann( fortfahrend): Wir verlangen von dieser Stelle aus, daß endlich die wirklichen Bertreter der Wirtschaft an den Verhandlungen über die Handelsverträge Antell nehmen; es ist Verhandlungen über die Handelsverträge Anteil nehmen; es ist Pflicht der Regierung, die Gewerkschaftsvertreter als mitbestimmende Mitglieder der Delegationen hinzuzuziehen, nicht aber ihnen hinterher höchst unvollkommene Informationen zu geben. Diefer Zuſtand muß beseitigt werden, und wir werden uns die nötige Achtung zu verschaffen wiffen. Her mit dem Achtstundentag! Ich frage jetzt das Reichsarbeitsministerium, ob es richtig ist, daß die Schlichtungsstellen im legten Jahre dahin inforiniert worden sind, daß man bei der Gewährung von Cohn- und Gehaltszulagen Zurückhaltung üben müsse, damit nicht di Währung gefährdet werde. Es wäre boch beffer gewefen, eine Mahnung dieser Art nach der anderen Seite zu richten. Dem Sturmlauf der Unternehmer gegen den Achtstundentas muß endlich ein Ziel gesetzt werden. Erst in den letzten Tagen haben wir endlich eine Verordnung bekommen, wonach zum 1. April 1925 für die Arbeiter in den Koferrien und an den Hochöfen das Dreischichtensystem wieder eingeführt werden solle. Das ist aber erst ein fümmerliches Ergebnis. Wir erwarten die Er weiberung des Achtstundentages auch auf alle anderen Arbeiter, die des erhöhten Arbeitsschutes bedürftig sind. Die Arbeiter in den Stahl- und in den Balzwerken sind in der gleichen Zwangs. lage wie die Arbeiter in Kofereien und an Hochöfen. Aber auch für die Schwerarbeit der übrigen Metallarbeiter und auch der anderen Industrie muß werden, bis sie durchgefeßt ist. Mit dem Achtstundentag verbunden Ich fasse zusammen: die Forderung nach der gefeßlichen Siche rung des Achtstundentages wird von uns nachdrüdlichst vertreten werden muß ausreichende Hilfe für alle Unterstützungsbedürftigen, der notwendige Schuß der Arbeitskraft, die Gleichberechtigung der Arbeitnehmer. Wir mahnen die Regierung an die Pflicht, die fie gerade hierbei zu erfüllen hat. Wir werden inner- und außerhalb des Parlaments nichts unversucht lassen, um die berechtigten Intereffen der arbeitenden Bevölkerung mit dem notwendigen Nachdrud brochen strömen auch der So ialdemokratle neue Maffen zu. Wir zu vertreten Die Gewerkschaften erftarten wieder und ununterwerden ihnen auch an dieser Stelle den notwendigen Respekt sichern. Wir nehmen den Kampf für die Intereffen der wertfäfigen Bevölke rung auf und werden ihn bis zum endgültigen Siege weiterführen. ( Lebhafter Beifall.) zialpolitit. Mit den wirtschafts- und sozialpolitischen Experi Abg. Koch- Düsseldorf( Dtn.) verlangt eine Förderung der Gomenten der legten fünf Jahre fei freilich fein Segen gestiftet viel zu jung in der Arbeiterbewegung. Die nachrevolutionären worden( Lärm b. d. Komm.). Sie( zu den Komm.) find meist noch viel zu jung in der Arbeiterbewegung. Die nachrevolutionären Großmäufer sind nicht die besten Arbeitervertreter.( Beifall.) Wir zialpolitik, die Sozialpolitik ist aber mindestens ebenso sehr ein verkennen nicht den Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und So Bestandteil der allgemeinen Bolitik und der Kuliurpolitit. Die Sozialpolitik darf nicht nur die wirtschaftlichen Zahlen, fie muß auch den lebendigen Menschen berücksichtigen.( Beifall.) Bon den Sozialdemokraten wird scheinbar der schädigende Einfluß der Dames Verpflichtungen auf die Sozialpolitik unterschäßt. taß fie einfach nicht mehr so gut leben tönnen wie vor dem Kriege. Es ist eine Irrejührung der Massen, wenn man ihnen verschweigt, Das jebige System der Erwerbslosenfürsorge läßt fich nicht aufrechterhalten. Auf dem ganzen Gebiet der Sozialversiche rung muß eine wesentliche Bereinfachung des Berwal. tungsapparats erfolgen im Interesse der Versicherten. Wir find gegen jede Bentralisation, befonders in der Krantenverficherung. Die fleinen und mittleren Kranfenfaffen müssen erhalten bleiben. Die Leistungen der Unfallversicherung bedürfen einer beträchtlichen Erhöhung. Die jetzigen Unfallrenten find ganz unzureichend.( Sehr wahr!) Der Redner tritt schließlich für die Neueinrichtung der Zentralarbeitsgemeinschaft ein. Abg Stegerwald( 3tr.) verlangt Aufbefferungen der Invalidenrenten und der Säße der Erwerbslojenfürforge. Unter Mitwirkung des Zentrums fei der Ausschußantrag zuftandegekommen, der eine Beteili gung des Reiches an der Aufwertung von Renfen der Invalidenversicherung nach näherer Bestimmung des Reichsarbeitsministers verlangt. Der großen Notlage der Kurzarbeiter und Ausgesteuerten müiffe endlich stundentag babe mon das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Für abgeholfen werden.( Beifall.) Mit dem schematischen Acht eine gefeßliche Regelung der Arbeitszeit sei der Augenblick wenig geeignet. Beffer wäre eine Vereinbarung zwischen den Gemertschaften und Arbeitgebern. Die Verlängerung der Arbeitszeit dürfe nicht zur Dauereinrichlung werden. Die Arbeiter dürften nicht auf dem Umwege über die Verlängerung der Arbeitszeit zu Cohnstlaven des internationalen Großfapitals werden. Die gegenwärtige Cohnpolitik tann nicht fortgefeht werden. ährend die Preise der Zigarren heute gegenüber ber Borfriegszeit| Er betämpft einen Antrag Dernburg( Dem.), der den Trägern| auf das Dret bis Fünffa che gesteigert sind, betragen die der Sozialversicherung die Berechtigung entziehen will, Löhne der Zigarrenarbeiter teilweise weniger als vorher. selbständig unmittelbar ihre Kapitalien zu verleihen. Die Die Löhne der qualifizierten Arbeiter sind im Verhältnis zu Arbeitsgerichte müßten in die ordentliche Gerichtsbarkeit cingebaut den Gehältern der unteren Beamten sehr gesunken. Hier ist werden. ein Ausgleich notwendig. Die Schäden des Ruhreinbruchs sind den Arbeitgebern ganz oder zum größten Teil vom Reich erseht worden, die Arbeiter und Angestellten haben jedoch nichts bekommen. Bir fordern die gleichberechtigte Bertretung der Arbeitnehmer in allen wirtschaftlichen Körperschaften, in denen die Unternehmer vertreten sind. Wir haben wohl einen sozialen Aufstieg in den letzten Jahren zu verzeichnen, aber es müssen mehr aufrichtig fozialempfin Dende Menschen erzogen werden. Abg. Thiel( DBpt.) wirft der Sozialdemokratie vor, daß sie mit einem gewissen Schematismus die sozialpolitischen Fragen behandele. Die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer follten mehr als bisher fich bemühen, ohne Inanspruchnahme der Schlichtungs: ämter durch freie Bereinbarung zur Verständigung zu kommen. Die Berbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen werde aber in den Fällen notwendig bleiben, wo eine wirtschaftlich fchwache Gruppe aus eigener Kraft nicht zu angemessenen beitsbedingungen fommen fann. Der Redner verlangt in dieser Beziehung besondere Berücksichtigung der Interessen der Angestellten. Er empfiehlt einen Antrag des Ausschusses auf Veranstaltung einer Erhebung über die Stellenlosigkeit der Angestellten. Er verurteilt unter allgemeiner Zustimmung eine Beröffentlichung des Reichsverbandes der Bankleitungen, in der angedroht wird, bei Durchführung der zehnprozentigen Gehaltserhöhung müßten evtl. die älteren Angeftellten durch weibliche billigere Kräfte erjeht werden. Mit dem Hin weis auf die 700 millionen jür die Ruhrindustrie wollten die Sozialdemokraten offenbar die Aufmerksamkeit von anderen Finanzstandalen ablenten.( Sehr richtig! rechts.) In Wirklichkeit handle es fich nur um die Einlösung von Versprechungen, die in schwerster Zeit auch im Interesse der Arbeitnehmer gegeben wurden. Bei der Regelung dieser Angelegenheit sollten aber auch die Arbeit nehmerorganisationen im Ruhrgebiet zu Berhandlungen herangezogen werden. Der Redner nimmt dann die Reichsversiche rungsanstalt für Angestellte in Schuß gegen Angriffe der Linken. Im Wohnungswesen müßten die Mieten so erhöht werden, daß wieder das Interesse für den Bau neuer Wohnungen gewedt wird. Deutschland fönne nicht gerettet werden durch Klaffen und BruderDeutschland fönne nicht gerettet werden durch Klassen- und Bruder fampf. zialdemokraten, die den Achtstundentag preisgegeben und Abg. Schütz( Komm.) richtet heftige Angriffe gegen die So= durch ihre Zustimmung zum Dawes- Plan die deutsche Arbeiterschaft dem internationalen Großfapital ausgeliefert haben. Das Reichs arbeitsministerium stehe immer auf der Seite der Unternehmer, besonders in der Arbeitszeitfrage. Die Millionen- Liebesgabe des Reiches an die Zechenbarone verdiene die schärfste Berurteilung. Die fozialdemokratischen Minister Hilferding und Sollmann hätten seinerzeit diesem Plan Stresemanns zugestimmt. Um 8 Uhr wird die Weiterberatung auf Mittwoch, 3 1hr nachmittag, vertagt. Der Aeltestenrat des Reichstags hat in seiner gestrigen Sitzung den Arbeitsplan für das Reichstags plenum bis zur Dfterpause folgendermaßen festgesetzt. Diese Woche und die beiden nächsten Wochen werden vollkommen durch Blenarsizungen in Anspruch genommen werden bis zum Freitag, den 20. februar. Darauf tritt eine Pause vom 21. bis 25. Februar einschließlich ein. Vom 26. Februar bis zum 12. März wird regelmäßig an jedem Wochentage eine Plenarsizung abge halten werden. Bom 13. März bis 16. März einschließlich folgt wieder eine Pause, sodann Plenarsikungen vom 17. bis 26. März täglich. Bom 27. März bis 31. März einschließlich ist Pause. Die nächsten Tage vom 1. April bis zum 8. April find wieder durch Plenarsizungen ausgefüllt, und darauf tritt am Gründonnerstag, den 9. April, die Osterpause ein, die bis Sonnabend, den 18. April dauern wird. Wer ist Julius Barmat? Ausführungen Heilmanns vor dem Untersuchungsausschuß. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages fekte gestern die Berhandlungen über die Kredit= politit der Staatsban? fort. Vor Eintritt in die weiteren Bernehmungen entspann sich eine Debatte darüber, ob sämtliche zu vernehmenden Personen als Zeugen im Sinne der Strafprozeß ordnung angefehen werden und möglicherweise vereidigt werden sollten. Der Ausschuß lehnte einen dahingehenden deutschnationalen Antrag ab und überließ es dem Vorsitzenden, die entsprechenden Unterscheibungen bei den einzelnen Bernehmungen zu machen. Alsdann wurde zunächst noch einmal ausführlich der frühere Präsident der Staatsbant, v. Dombois, gehört. Er erklärt auf Befragen, daß der erste Kredit an Julius Barmat von ihm selbst auf Grund der Unterhandlungen mit Bar mat gegeben worden sei. Er habe dann mit dem Sachbearbeiter gesprochen und erfahren, daß Der Kredit vollständig gebedt war, nämlich durch Baren wechsel. Außerdem war noch ein Devisendepot in Höhe der Hälfte der Kreditfummte vorhanden. Auch das Konto Rutister war anfangs ganz unverfänglich. Es sind Effekten und Devisen in Höhe von 1½ Millionen eingezahlt worden, für die nur mäßige Kredite in Anspruch genommen wurden. Erst später sind die Kredite gewachsen. Gine Auf eine weitere Frage erflärt v. Dombois: Ob die ersten 3ufagrebite von Dr. Rühe als Referenten vorgetragen worden sind, ist mir nicht erinnerlich. Wahrscheinlich ist, daß einzelne Kredite ermähnt worden find. Erinnerlich ist mir besonders das Datum des 20. Februar. An diesem Tage belief sich das Lombardund Kontokorrenttonto auf 4,2 Millionen Marf. Damals wurde als Zusagdedung das Hanauer Leger hinzugezogen. Der Referent Rühe erflärte in der Generaldirektion, daß das Banthaus v. Stein bezüg lich des Hanauer Lagers der Seehandlung ein Meta- Geschäft vorschlüge, d. h. ein Geschäft, bei dem Gewinn und Verlust zu gleichen Teilen verteilt würden. Dieser Vorschlag fand feine Annahme, weil die Staatsbant feine Meta- Geschäfte macht. In einer anderen Sizung hat Rühe die Sache fo vorgetragen, daß die bisherige Schuld in Höhe von 4,2 Millionen auf drei Monate gestundet werden solle, damit Kutister Zeit habe, das Hanauer Lager zu verwerten. Hierbei hob Rühe hervor, daß bereits aussichtsreiche Verhandlungen über eine Veräußerung diefes Lagers eingeleitet worden seien, und daß Rutister der Staatsbant eine Gewinnbeteiligung anbiete. Auf unsere Frage, wie er zu diefer Gewinnbeteiligung fänre, gab Rühe teine bestimmte Antwort. Wir haben uns dann mit dem Gedanten abgefunden und die Gewinnbeteiligung als equivalent dafür afzeptiert, daß der Kredit verlängert wurde, was ja damals sehr viel mert war. Ueber die Urt der Kreditgewährung fagt v. Dombois, es fei feit Beginn feiner Amtstätigkeit eingeführt worden, daß bei solcher Kreditgewährung mindestens zwei Beamten gemeinschaftlich zu handein hätten, und daß die Dezernenten zu ihrer eigenen Entlastung über Kredite größeren Umfangs vor ihrer Bewilligung dem General direktorium Bortrag zu halten hätten. Das sei allerdings bezüglich eines großen Teil des Konto soon Autister und E. v. Stein nicht geschehen, ebenso auch nicht bei der großen Transaktion des Barmat. Abg. Auffner( So.) fragt, ob Dombois etwas über die Mitwirfung der Herren Rühe und Hellwig bei einem Schiedsspruch in der Sache Michael- Kutisker. bekannt sei, und ob die genannten Herren dafür ein ansehn liches Honorar erhalten hätten, sowie ob ihnen die Genehmigung zur Mitwirtung erteilt worden sei. Weiter frogt Abg. Kuliner, ob Dombois etwas davon wiffe, daß Herr Hellwig am 24. Januar die Barmatschen Kredite auf 4 Millionen bis zum 16. Februar festgesetzt hat, und weiter die Kredite von 9,6 Millionen bis zum 29. Februar, sowie ob diese Srediffeftfezung der Direffion vorgetragen und genehmigt wurde. Drittens fragt der Redner, von wem die Bewertung der Unterlagen vorgenommen wurde, ob von den Schuldnern oder von der See. handlung und durch wen imb wie die Kontrolle vorgenommen worden ist. v. Dombois stellte zur ersten Frage fest, daß es sich hier um eine Angelegenheit handelte, die die Seehandlung nichts anging, und da die Seehandlung bei diesem Streit unbeteiligt war, habe er teine Bedenten gehabt, Herrn Rühe die Genehmigung zur Mitwirkung bei diesem Schiedspruch zu erteilen. Es habe sich auch um eine reine Nebenbeschäftigung gehandelt. Bei dem Schieds: Spruch habe ferner Herr Hellwig mitgewirkt. Ueber Lie Höhe des Honorars ei omais nicht gesprochen worden, und auch nach dem Schiebsspruch hätten sich Rühe und Hellwig nicht geäußert, auch den Relegen gegenüber nicht. Erst später habe er, v. Dombois, gehört, daß fie den namhaften Betrag von zufammen 60 000 m. erhielten: Trotzdem es zu einem Vergleich gefommen fei, fei Kutister doch der unterliegende Teil gewesen. Kutister habe 20 000. gegeben, poren Re 12 000 und Heilsig 8000 m. bekommen hätten. Später habe ez van Rühe gehört, daß der Vertreter von Michael ihm noch 40 000 M. angeboten habe, die er aber am Anfang nicht nehmen Bollte Im weiteren Verlaufe der Sigung tommt nochmals die Angelegenheit des Hanauer Lagers zur Verhandlung. v. Dombois äußert sich zur Bewertungsfrage und erklärt, daß ihm von Lagerscheinen nichts in Erinnerung ist. Aus einem späteren Bericht habe er erfchen ,, daß die Lagerscheine anscheinend schon vorher verpfändet worden seien. Hanauer Lagers neue Kre dite eingeräumt worden feien Abg. Dr. Waentig( Soz.) bemerkt, daß auf die Bereitstellung des und fragt, ob denn da der Seehandlung nicht Bedenten gekom. daß da irgend etwas nicht stimmen konnte, entweder in den Effetten men wären, daß Autister hier ein Geschäft machen wollte, und oder beim Hanauer Lager. v. Dombois gibt zu, daß die Gewinnbeteiligung allerdings mert. würdig war. Die Gegenleistung habe in der Verlängerung des Kredits bestanden, die damals für Kutister fehr wesentlich war, denn es habe der Fall eintreten fönnen, daß bei einem Bestehen auf Zahlung Kutister tatsächlich nicht imftande war, diese zu leisten. beamten als Bei der weiteren Erörterung der Tätigkeit von Staatszwischen verschiedenen Firmen fragt Frau Dr. Wegscheider( Soz.), Schiedsrichter in Streitigkeiten ob auch jener Beamte der Staatsbank honoriert worden ist, der über Die thüringische Staatsbanf ein Gutachten erstatten mußte. Präfident Schröder antwortet: Im Sommer 1924 ist von der thüringischen Staatsbank der Wunsch geäußert worden, daß über beſtinimte Fragen ein Bertreter der Preußischen Staatsbant ein Gutachten erstattet. Ein Mitglied der Generaldirektion hat dieses Gutachten erstattet. Er hat die Reisekosten ersetzt, sowie die gerichtlichen Sachverständigengebühren bekommen. Abg. Ladendorff( Wirtschaftl. Vereing.): Bei der Verwendung der den Barmats bewilligten Kredite nannte Präsident v. Dombois auch die Demag. Das überrascht mich um so mehr, als der Reichs. Unternehmen ableugnete. Ist Ihnen die Höhe des für die Demag fanzler a. D. Bauer eine namhafte Beteiligung Barmats an diesem bewilligten Krebits befannt? Präsident o. Dombois: Mit der Demag haben wir nicht in direkten Beziehungen geftanden. Der fragliche Kredit war an die Amerima gerichtet, die die Rohstoffe für die Demag lieferte und als Dedung auch Wechsel der Demag mit hereingab. Wir wußten, daß die Aktienmajorität der Demag sich in den Händen des Reichs befand und daß die Margarine der Demag damals als Volfsnahrungsmittel sehr begehrt war, so daß in diesem Falle ein großes voltswirtschaftliches Intereffe vorlag. Die Vernehmung Heilmanns. Damit ist die Befragung des Präsidenten v. Dombois beendet. Der Ausschuß wendet sich nun der Befragung des Abg. Heil Debatte darüber, ob einmal der Abg. Heilmann als Zeuge vermann( S03.) zu. Borher kommt es jedoch noch einmal zu einer nommen werden soll oder ob überhaupt alle vor dem Ausschuß zu vernehmenden Persönlichkeiten als Zeugen zu betrachten seien. Abg. Deerberg( Dnat.) vertritt legteren Standpunft, ebenso Abg. Ruschte( Dem.) vertritt diesen Standpunkt. Abg. Binterneil( DBp.) und Abg. Kaufhold( Dnat.). Auch 3eitung einzukaufen. Als er zu diesem Zwede nach Berlin fam, ließ er mir mitteilen, daß ich zu ihm fommen möchte, weil er den Wunsch habe, mich fennenzulernen. Ich bin dann hingegangen. Nach dem 4. März bin ich nach Weimar zurückgereift, wo ich schon vorher zur Nationalversammlung gewesen war und bin erst Mitte März wieder nach Berlin zurückgekommen. Wenn die Verhandlungen Barmats mit Töpfer schon vor Mitte März stattgefunden haben, so fann ich diese Berbindung schon deshalb nicht hergestellt haben, weil ich gar nicht in Berlin war. Führer der holländischen Sozialisten, als ein Mann geschildert Heilmann erklärte weiter, daß Barmat von Troelstra, bem wurde, der zwar nicht mitglied der Sozialdemokratic, aber ein aufrichtiger Freund der Arbeiterbewegung sei sowie von dem früheren Anwalt Barmats als eine durchaus einwandfreie Persönlichkeit charakterisiert worden wäre. Heilmann felbft hat während des fechsjährigen sehr häufigen vertrauten Verfchrs mit Barmat denselben Eindruck gewonnen. Die Berbindung Barmat mit Hermann Müller und Wels sei im April 1919 zustande gekommen. Das Bureau der Sozialistischen Internationale hatte aus dem besetzten Brüsset nach Amsterdam fliehen müssen. Das Bureau befand sich dort im Hause des holländischen Parteivorstandes. Nad dem Kriege wurden die Räume zu eng und das Bureau nahm ein Angebot von Barmat an, der drei Räume in der Straße Kaisersgracht zur Verfügung stellte. Was die Behauptung angeht, Barinat habe den Dolch stoß finanziert, so verweise ich darauf, daß der Cinzug in dieses Haus erst mehrere Wochen nach dem Waffenstillstand erfolgt ist. Ende April 1919 sollte dann in Amsterdam die erste sozialistische Konferenz nach dem Kriege stattfinden; es sollte versucht werden, die sozialistischen Parteien auf ein Friedensprogramm zu einigen und Einfluß zu ge winnen auf die Friedensverhandlungen. Die Konferenz hat am 29. und 30. April stattgefunden. Teilgenommen haben von den damaligen Unabhängigen Haase und Luise Kautsky. Meine Parteigenossen Müller und Wels trafen erst am 30. ein, als die Konferenz zu Ende war, da das Einreisevisum zu spät erteilt wurde. Sie haben dann im Mai Barmat tennengelernt, und diese Bekanntschaft später in Berlin fortgesetzt. Zu der bekannten Paßaffäre ist zu bemerken, daß Barmat schon früher in Deutschland gewesen ist. Nach dem Kriege hat ihm die Baßstelle in Amsterdam dr.ei= mal das Visum erteilt.( Borsigender Dr. Leidig: Wissen Sie das aus eigener Erfahrung?) Jawohl, ich habe das Bisum gesehen für Februar, für März und für April. Ein Dauerbisum wurde abgelehnt von Herrn von Malhan bei der Deutschen Gesandtschaft im Haag, der erklärte, ein solches fönne nur das Auswärtige Amt in Berlin ausstellen. Die entstandenen Diffe renzen führen zurück auf die Rolle, die Barmat 1917 politiſch gespielt hat. Als 1917 die russische Revolution gefiegt hatte, ſezte befannilich Kerenski den Krieg fort. Die im Ausland lebenden Russen wurden zu Zustimmungsfundgebungen für Ententetreue und Kriegsverlängerung Da hat Barmat gejagt, er würde es vernünftiger finden, wenn veranlaßt. Auch in Amsterdam fanden solche Kundgebungen statt. dos neue revolutionäre Rußland einen anständigen Frieden mit Deutschland schlösse. Daraufhin wurde Barmat in Amsterdam ausgepfiffen. Auch die Amsterdamer und anderen Russen hatten sich der Forderung auf Kriegesverlängerung angeschlossen. Als die Bolschewiti zur Macht famen, sahen fie daraufhin in Barmat einen Berteidiger. Da die Russen inzwischen zum Standpunkt der Frie benspolitit fich durchgerungen hatten, fam eine Adresse mit der Unterschrift von mehreren in Holland lebenden Russen zustande. Ein Angebot, boischemistischer Generalkonsul in Holland zu werden, lehnte Barmat ab, weil er nicht Boliche wijt war. Das ist die Borgeschichte! Baron v. Malzahn sah meiner Ansicht nach in Barmat einen Partelgänger Deutschlands, während Legationsrat Graf Bassenheim ihn im Verdacht hatte, ein Revolutionär und Bolschewik zu sein. Als dann Barmat dem Staatsfcfretär Töpfer seine Pläne mit dem Rotterdamer„ Borwaarts" usw. entwickelte, hat dieser sich für ein Dauervisum eingesetzt, das auch ordnungsmäßig erteilt wurde. Gewundert habe ich mich über einen Vorfall, daß Barmat eines Tages während des Belage fonnte. Er zeigte mir darauf eine rungszustandes nach Amsterdam telephonieren Erlaubnis des Herrn v. Lütfwiß, vom Korpskommando nach Amsterdam zu telephonieren. Bei dieser Gelegenheit hat Barmat den Adjutanten des Herrn v. Lüttwiß, den Träger des Namens eines alten Adelsgeschlechtes fennengelernt. Dieser erklärte ihm, er werde aus der Reichswehr entlassen und wolle sich eine neue Eristenz in Südamerifa schaffen. Er habe zu niemandem in Deutschland ein solches Vertrauen wie zu Barmat. Barmat stellte ihm die erforderlichen Mittel zur Verfügung. Der Offizier ging dann nach Südamerika und hat im Jahre 1923 das Darlehen zurückgezahlt. Nun zum Berkehr Barmats mit dem Reichspräsidenten. Nach der Konferenz von Amsterdam fehrie Barmat nach Berlin, zurüd. Er wies ein Schreiben eines hervorragenden belgischen belgischen Politiker, mitzuteilen, welche besonderen Wünsche die Bolitikers an Ebert vor, in dem dieser gebeten wurde, ihm, dent Sozialdemokraten für die Friedensverhandlungen in Versailles hätten. Er wolle diese Wünsche dem sozialistischen Vertreter Belgiens auf der Versailler Konferenz übermitteln. Deshalb wurde; Barmat Ebert vorgestellt. Dieser hat von dem Schreiben Kenntnis genommen und seiner Freude Ausdruck gegeben über eine solche Gelegenheit, da es für Deutschland nicht viele Wege gäbe, auf die Friedensverhandlungen einzuwirken. Barmat wurde dann vom Reichsdes Antwortbriefes zu einer Tasse Kaffee. Seitdem hat der Reichspräsident Barmat oder einen der Barmats nie wieder gefehen. Abg. Kuffner( S03.) erklärt: Wir sind selbstverständlich, damit auch nicht der Schein erweckt wird, daß mir irgend etwas zu verpräsidenten zum Abendessen eingeladen und später zum Empfang heimlichen hätten, damit einverstanden, daß Herr Heilmann hier als 3euge vernommen wird. Herr Heilmann hat mir persön lich erklärt, daß er ebenfalls großen Wert darauf lege, in dieser Form verhört zu werden. Im allgemeinen teilen wir allerdings den Standpunkt des Vorsitzenden. Nach weiterer Debatte in dieser Angelegenheit stimmt der Ausschuß dem Vorschlag des Vorsitzenden zu, heute nochmals für jede einzelne Person zu bestimmen, ob sie als Zeuge vernommen werden soll oder nicht und die Frage grundsäglich in der nächsten Sigung des Ausschusses zu flären. Ebenso stimmt der Ausschuß für die Bernehmung des Abg. Heilmann als Jeuge: Herr Barmat ist 1907 von Polen nach Holland gegangen. Damals war er 20 Jahre alt. Er hat in Rotterdam als Dolmet cher und gerichtlicher Ueberseber fungiert und sich später dem Handel zugewandt. In den Jahren 1910 bis 1914 handelte er hauptsächlich mit Tulpenzwiebeln, Lebensmitteln und deutschen Klavieren Ich selbst habe Julius Barmat erst nach dem Kriege, und zwar am 4. März 1919 tennengelernt. Die Befannischaft fam dadurch zustande, daß ich die Berliner Berichterstattung für ein holländisches sozialistisches Blatt übernahm, zu dessen Gründung Julius Barmat 350 000 Gulden hergegeben hatte. Journalisti. schen Einfluß auf dieses Blatt hatte Julius Barmat selbstverständlich nicht, denn die sozialistischen Blätter unterstehen fast überall in bezug auf ihre Richtung, auf Redakteuranstellung usw. ciner gemischten Brejsetommission, die sich aus Parteiführern und Verlagsjournalisten zusammenießt. Herr Barmat hatte sich, mit Rücksicht ouf den Betrag, den er zur Verfügung stellte, nur Einfluß auf die aufmännische Zeitung des Berlagsunternehmens gesichert. Er tam nun Anfang März 1919 nach Berlin, um hier eine Rotationsmaschine und deutsches Bapier für die erwähnte Borfizender Dr. Leidig: Das ist Ihre Annahme?. Heilmann: Ich weiß es von beiden Beteiligten. Nach der fekten Zusammenfunft erfuhr der Reichspräsident etwas von Barmat, was ihm nicht gefiel und machte eine Bemerkung, in der das Wort Jude" vortam. Herr Barmat fühlte fich beleidigt. Seitdem haben beide es vermieden, irgendwo zusammenzutreffen und sind Einladungen, wo das zu befürchten war, ausgewichen. Nach dem Januar 1919 haben keine Beziehungen mit dem Reichspräfidenten bestanden. Abg. Heilmann fommt darauf auf die Rolle zu sprechen, die der stellung von Ausweisen usw. gespielt hatte. Dieser habe dabei nicht jozialdemokratische Abgeordnete Franz Krüger bei der Ausim Sinne des Reichspräsidenten, sondern auf seine eigene Verantwortung gehandelt. Krüger habe sich nicht als Beamter, sondern als politischer Berbindungsmann zwischen Reichspräsident und der Sozialdemofratischen Partei angesehen. Aus feiner Stellung hätten sich fortwährend Konflitte zwischen ihm und dem Reichspräsidenten ergeben, die schließlich dazu geführt hätten, daß Krüger feine Tätigkeit bei dem Reichspräsidenten mit der Be gründung niedergelegt habe, die ganze Tätigkeit im Bureau des Reichspräsidenten fei rein beamtenmäßig und bureaukratisch organifiert; neben diesem Beamtentum, das alles in der Hand habe, sei für ihn fein Blaz mehr. Zuwendungen habe nach Heilmanns Ansicht Krüger weder angenommen von Barmet noch feien solche angeboten werden. Die Ausweise hätten nicht den Stempel getragen„ Der Reichspräsident", sondern den Stempel, den Krüger amtlich zu führen hatte, Bureau des Reichspräsidenten". ( Schluß des Berichts stehe 3. Seite Hauptblatt.) Mittwoch 4. Februar 1925 Unterhaltung unö AAssen Seilage Ses vorwärts Das Enöe öes Dauphins. Zteue Aktenstücke nach Vaisions' Memoiren. Die Frnge> ob der Dauphin, der sogenannte Ludwig XVII., in seinem Gefängnis im Temple wirklich am 8. Juni 179Z, wie die Todesurkunde des Arztes.Pclletan angibt, verstorben ist oder nicht, wurde dadurch so lange offen gehalten, daß sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts bekanntlich eine Anzahl von Schwindlern wie Hervagault, Marhurin Bruneau und der Spandauer Naundorf für den Dauphin ausgaben. Dem stand die erwiesene Tatsache'gegen- über, daß tatsachlich noch dem genannten Todesdatum eine Knaben- leiche in dem Massengrab auf dem Kirchhof St. Marguerite bcisefetzt und mit ungelöschtem Kalk bedeckt wurde. Trotzdem bereiteten die immer wieder auitauchend-i, Gerüchte, daß der Dauphin am Leben sei, seinem Onkel, Ludwig XVIII., unruhige Stunden, und er ließ daher unter der Restauration durch seinen Justizminister den Grafen Elie Dccazes, der übrigens früher Lätitila Bonapartcs Sekretär ge- wesen war, eine Untersuchung anstellen, die in dessen Auftrag der Gras de Naifsons im April 1819 vornahm. Das Ergebnis dieser Untersuchung blieb bis zu Vaisfons' Tode in der ersten chälft« der 1879er Jahre ein Geheimnis, das, obwohl er es seinem Memoiren anvertraute, erst jetzt veröffentlicht wird, da nach seinem Testament diese Memoire» nicht früher als fünfzig Jahre nach feinem Tode seinen Erben übergeben werden dursten. Nach diesen Memoiren hat Vaissons' Mission folgende Ergebnisse gezeitigt: Vaissons suchte zunächst die Witwe des Schusters Simon auf. Diese schilderte den kleinen Dauphin als ein � liebenswürdiges, munteres und hübsches Kind. Aber der Knabe, den man nach dem Besuch des ersten, infolge der Erkrankung des Dauphins herbeigc- rufenen und bald danach verstorbenen Arztes Dasault vorfand, war schüchtern, verdrossen und stumm. Diese Aeußerung der Schusters- ira-'. die übrigens nicht lange nach der Erklärung starb, brachte Vaissons weiter auf die Untersuchung des.Journal de Temple', einer Art Tagebuch über die Gefängniszeit der Königsfamilie. Es zeigte sich jedoch, daß der bekannte Barras es beiseite geschafft hatte. Die meisten von denen, die direkte Ausklärungen hätten geben können, z. B. der Gefangenenwärter Laurant und der Arzt Dcsault. waren tot. Aber der Arzt Pelletan, der die Todesurkunde ausgestellt und die Obduktion vorgenommen hatte, lebte. Er war jedoch nicht weiter erpicht darauf, eine Erklärung abzugeben. Schließlich gab er jedoch an, er hätte durchaus keine Sicherheit, daß sein Patient wirklich mit dem Dauphin identisch gewesen sei. In Begleitung des berühmten Anatomen Dr. Marotte begab sich nun Vaissons eines Nachts auf den Kirchhof St. Marguerite, und mit chilfe des alten Totengräbers fand man in der Armen- abteilung in ein Tuch eingehüllt einen Körper, der der Dauphin fein sollte. Marotte maß die Knochen und gab dies« positiv« Er- klärung ab: Wenn dies wirklich der Körper ist, den Dr. Pelletan obduziert hat, dann ist es nicht der Neine Dauphin. Denn das lsier ist ein Jimge von mindestens 13 Jahren, während der Thron- iolger bekanntlich nur 10 Jahr« alt war. Vaissons ersuchte nun Ludwig XVlll. um ein Handschreiben, das er auch erhielt mit der Vollmacht,„hochstehende" Zeugen zu vernehmen: aber man gab das königliche Wort als Sicherheit dafür, daß ihnen nichts Böses widerfahren und man nicht in ihre? politischen Vergangen- heit nachforschen werde. Di« meisten waren ja nun alte Leute. Zunächst wandte man Laurant seine Aufmerksamkeit zu. Er war eine Kreatur von Barras gewesen, und man konnte sich wohl denken, daß er als früherer Revolutionsmann, der sich stets den politischen Verhältnissen anpaßt«, den Dauphin entführt hott«, nicht um ihn zu töten, sondern um ihn als eine Art Geisel den Royal isten gegenüber zu halten und ihnen dann gegen Belohnung ihren König auszuliefern. Den Schlüssel zum Rätsel fand man sicher bei Barras und dem Umgangskreif« der früheren Kaiserin Josephine. Die meisten davon waren jedoch tot. Einig«, z. B. die Herzogin von Abrantes, waren gesprächig genug, aber das war nur Hofklätsch. Einen guten Rat bekam Vaissons jedoch hier: „Suchen Sie Barras selbst und den früheren Polizeiminister Fouchö aus.' Das war jedoch leichter gesagt als getan. Borras, der sich nun zur Ruhe gcs-tzt hatte, wollte nicht in seinem Alter gestört werden und bekannte schließlich, er hätte— allerdings mit Hilfe von Jolephinens Landsmann Laurant— ein anderes Kind unter- geschoben, den Sohn einer armen Witwe Boltot, die ihren kranken Jungen, dessen Tod nur eine Zeitfrage war, gern los werden wollte. Der Jung« iwr blond und blauäugig wie der Dauphin, aber in- folg« seiner Krankheit so gut wie völlig außerstande, zu sprechen. Das Vertauschen der beiden Kinder geschah so, daß Laurants Schwester mit einein kleinen Mädchen an der Hand ins Gefängnis Luöengrins /lbsihieö. Noll, riner ScüKnsüncISmw will Ludcndoiff sich vom politischen Leben«urllckziehen. E» schwank, es schwant Uns allzumal: Der Held kam nicht Vom heil'oea Gral! Erhebt die Hände Zum Gebet: Goik fei gelobt— Er geht, er geht! O.K. nung lebte. Er wollte aber nichts sagen, ohne daß er eine NN- gemessene Belohnung erhielt: Erlaubnis, nach Frankreich zurück- zukehren und dort eine anständige Stellung zu bekommen. Wäh- rend diese Verhandlungen andaurrien. starb jedoch Fouchö; kurz daraus kam aber sein« Witwe zu Vaissons mir verschiedenen Doku- menten und einem Notizbuch, die die Lösung des Rätsels gaben. Charles Leblanc war nach Port-mi-Prinre gebracht worden, wo er einer Madame de La Toste übergeben wurde, einer Bekannten von Fonche, einer liebenswürdigen Dame, die Eharles seine Parin nannte und die den schönen Jüngling ver�ötlerte. Er siel bei einem großen Regerausstemd und starb den 18. Sep- tenrber 1603 an seinen Wunden in den Armen seiner verzweiselten Pjlegemutter. Ludwig XVIII. brauchte nicht länger für seinen Thron zu fürchten und die Herzogin von AngouK-mo, die Napoleon „den einzigen Kerl unter allen Bourbonrn" nannte, konnte die Arbeit sür ihren armen Bruder, mit dem sse das Gefängnis im Temple geteilt batte, einstellen. Soweit Vaissons Bericht, der an med für sich nicht unglaubwürdig klingt. Es ist nur nicht zu verstellen, warum das Ergebnis dieser Feststellungen nicht bereits im Jahre 1819 oder 1829 ver- öffentlicht worden ist, da es zu diesem Zeitpunkt erheblich zur Festigung der Dynastie Bourbon beigetragen istitte. kam und es mit dem mit Mädchenkleidern versehenen Dauphin wieder verließ, weil das vermeintliche Mädchen, das natürlich der Sohn der Witwe Boltot war, nun zu Ludwig XVII. gemacht wurde. In der Rue Portefv'.n wartete ein Wagen mit dem Royaliften Petitoal als Kutscher, und los ging es, was die Zügel hielten. Aber was sollte man nun mit dem Jungen machen? Es traf sich günstig, daß Barras einen Freund hotte, der Leblanc hieß und gerade im Begriff stand, nach den„Jles-sous-le-Vent" zu reisen. Er nahm„den kleinen Charles' mit sich nach San Domingo und weiter nach den Antillen. Hier brach Barras seinen Bericht ab und erklärte, daß er danach nichts mehr von Charles Leblanc gehört liätte: denn Fouchö hätte ihn seit dem Jahre 1800, da er in Napoleons Dienst getreten war, nicht mehr auf dem laufenden gehalten., Nun reiste Vaissons nach Triest, wo Fouchö in der Verban- Schloigewohnheiten der Tiere. Warum pflegt ein Hund, ehe er sicl? zur Ruhe legt, sich ost rund im Kreist um die erwählte Lagerstatt zu drehen? Zoologen sehen in dieser Gepflogenheit ein atavistisches Ueberbleibfel aus der Zeit, als der Hund noch wild in den Dschungeln lebte und genötigt war, das hohe Gras niederzutreten, eh? er sich bettete. Die verschiedenen Arten und Stellungen, die Tiere ein- nehmen, wenn sie zur Ruhe gehen, sind überhaupt ein Kapitel für sich, das noch nicht nach Gebühr gewürdigt wird. Bis in die jüngste Zeit nahm man beispielsweise an. daß der Orang-Utan gleich dem Schimpansen und anderen Menschenafsen beim Schlaf aus der Seite lieg«. Heute wissen wir indessen, daß gerade der Orang-Utan mit dein Menschen zusammen das einzige Lebewesen ist, das sich dadurch auszeichnet, daß es beim Schlafen die Rückenlage einnimmt. Kleinere Affen schlafen ans Baumüsten, wobei sie die Hand zur Faust geballt halten, als wenn sie einen Zweig umklammerten. Airasse:! halten beim Schlafen ihren langen Hals auf den Rücken zurückgebogeu. Hörnertrazendes Wild, wie Hirsche, halten dagegen auch im Schlaf den Kopf in der normalen Stellung des wachen Zustande s. Pferde schlafen oft im Stehen, und viele hat man in der Nacht nie liegend gefunden. Tiere mit kurzen gedrungenen Beinen, wie die Schweine, das Rhinozeros und das Nilpferd, liegen beim Schlafen auf der Seite, da sie ihre Leine nicht unter sich ziehen können. Bären haben keine besonderen Gewohnheiten. Man kann in den Zoologischen Gärten beobachten, daß sie während des Sclilafes die seltsamsten Positionen wählen. Häufig sitzen sie in einer Eck? des Käfigs auf ihren Hinterbeinen. Das Faultier hält sich beim Schlafen mit alle« Vieren an einem Baumast fest, während der große Ameisenfrcs'er seinen Körper ganz mit seinem dnfckngeii Schweif einhüllt, so daß man nur seine Zehennägel sieht. Eine australische Fledermausort hängt sich zum Schlafen an einem Fuß auf und faltet die Flügel so um den Kopf, daß sie ein vollständig licht- und wasserdichtes Zeltdach bilden. Plakaiunwcsen in alter Zeit. Sehr bald nach Erfindung der Buchdruckerkunst zeigten sich auch die Anfänge des Plakats, uns fagur Auswüchse im Dlakutwefen mochten sich bald bemerkbar. End« des lö. Jahrhunderts bildete sich bis Sitte heraus, daß Gläubiger ihre Schuldner, die nicht bezahlen konnten aber wollten, zu öffentlichem. Anschlag brachten. Eine kurze Mitteilung in Flugblatliorm wurde gcdruckl und genauso wie heute an Zäuyen und Hausyscmerg angeklebt. Sehr bald blieb es aber nicht bei der bloßen Mitteilung, rdM der oder jener nicht gezahlt habe, sondern man fügte ajstrhand Schmähungen und Beleidigungen hinzu, und man verdanb- dcncht sehr oft noch ein Spottbild oder eine Karikatur. Der Schuldner wurde beispielsweise dargestellt, wie er am Galgen zappelte, oder in sonst einer wenig schmeicheihasien Siiualion. Das nahm schließlich io überhand, daß im Jahre 1577 eine Reichspolizeiverordnung er- schien, die es verbot,„den Schuldner oder Bürgen, der nicht bezahlt, mit schändlichen Gemälden oder Briefen öffentlich anzuschlagen, zu schelten, zu beschreien und zu berufen". Mauki. 2s von Zack London. Als er viele Tage auf dem Schoner zugebracht und mehr Län- der und Inseln gesehen hatte, als er sich sich je hätte träumen lassen, wurde er auf Neu-Gcorgia an Land gesetzt und damit beschäftigt, Buschwerk zu roden und Rohr zu schneiden. Zum ersten Male er- fuhr er, was arbeiten heißt. Selbst als Sklave bei Fansoa hatte er nicht so gearbeitet. Und er machte sich gar nichts aus der Arbeit. Es hieß in der Dämmerung ausstehen und im Dunkeln zu Bett gehen, mit zwei Mahlzeiten täglich. Und das Essen war schlecht. Wochenlang gab es nichts als süße Kartoffeln, und dann wieder wochenlang nichts als Reis. Tag für Tag schnitt er Kokosnüsse aus den Schalen: und lange Wochen unterhielt er das Feuer zum Rösten der Kopra, bis feine Augen krank wurden und er zum Baumfällen versetzt wurde. Er arbeitete gut mit der Axt und kam später in die Brücken- bauabteilung. Einmal wurde er durch Versetzung in die Wegebau- abteilung bestraft. Zuweilen tat er Dienst In der Besatzung eines Walfängers, wenn Kopra von fernen Gestaden eingebracht wurde, oder wenn die weißen Männer ausfuhren, um mit Dynamit zu fischen. Unter anderein lernte er Trepang-Englisch, so daß er sich mit den meisten Weißen und mit allen Arbeitern unterhalten konnte, die sonst in tausend verschiedenen Mundarten gesprochen hätten. Auch lernte er manches über die weißen Männer, vor allem, wie sie Wort hielten. Wenn sie einem Kerl sagten, er solle ein Stück Tabak habe«, so bekam er es auch. Sagten sie, daß sie ihn. wenn er etwas Bestimmtes täte, prügeln würden, daß er die Glocken läuten hörte, so hörte er unweigerlich die Glocken läitten, wenn ex es tat. Mauki mußte nicht, was die Glocken waren, aber sie kamen im Trepang. Englisch vor, und so bildete er sich ein. daß es das Blut und die Zähne waren, die den Prozeß des Läutens begleiteten. Und noch etwas lernte er: Niemand wurde bestraft oder geschlagen, wenn er nicht etwas Unrechtes getan hatte. Selbst wenn die weißen Män- ner betrunken waren, was häufig vorkam, so schlugen sie nur, wenn ein Gebot übertreten war. Mauki liebte die Plantage nicht. Er haßte die Arbeit, und er war der Sohn eines Häuptlings. Dazu war es zehn Jahre her, seit ce durch Fansoa aus Port Adams gestohlen war. und er hatte Heim- weh. Er hotte sogar Heimweh nach der«laocrei pnter Fansoa. So Ues er fort. Er schlug sich in die Büsche in der Absicht, sich südwärts bis zur Küste durchzuarbeiten und dort ein Kanu zu stehlen, um darin»ach Port Adams zu fahren. Aber er bekam Fieber, wurde ergriffen und mehr tot als lebendig zurückgebracht. Ein zweites Mal sie? er in Begleitung zweier Malaita-Leute reo. Sic kamen zwanzig Meilen die Küste hinab und versteckten fch in der Hüne eines freien Malauen, der in dem Dorf wohnte. Wer mitten in der Nacht kamen zwei weiße Mäuer. die keine Angst fK ben T>nnij|iiin des Dorfes hatten, lauteten den drei Flüchtlingen die Glochen, banden sie wie Schweine und stießen sie ins Wal- boot. Der Mann jedoch, in dessen Haus sie sich versteckt hatten, mußte, Haaren, Haut und Zähne noch zu urteilen, die Glocken überlaut zu hören bekommen haben, und er war für den Rest seines Lebens davon kuriert, entlaufene Arbeiter zu beherbergen. Ein Lahr arbeitete Mauki tüchtig. Dann wurde er zum Haus- diener gemacht, hotte gutes Essen, angenehme Zeiten und leichte Ar- beit, hielt das Haus rein und bediente die weißen Männer zu allen Tages- und den meisten Nachtstunde« mit Whisky und Bier. Das gefiel ihm, ober Port Adams hatte er doch immer noch lieber. Er hatte noch zwei Jahre zu dienen, aber die zwei Jahre waren zu viel für fein Heimweh. Er war in dem einen Jahre klüger geworden, und als Diener boten sich ihm mehr Gelegenheiten. Er hatte die Flinten zu reinigen und wußte, wo der Schlüssel zur Vorratskammer hing. Er entwarf einen Fluchtplan, und eines Nachts machten sich zehn Malaitaleute und einer von San Cristoval aus dem Staube und zogen eines der Walboote an den Strand. Mauki war es, der drn Schlüssel zum Vorlegeschloß des Bootes besorgte, und Mauki war es. der das Boot mit einem Dutzend WInchesterflinten, einer im- geheuren Menge Muniton, einer Kiste Dynamit mit Zündfchnlir und Zünder und zehn Kisten Tabak versorgte. Der Nordwestmonsum wehte, und sie flohen zur Nachtzeit nach Süden, während sie sich bei Tage auf einsamen, unbewohnten Inseln versteckten oder ihr Boot in das Dickicht der großen Inseln zogen. So erreichten sie Guadalcanar, fuhren die halbe Küste entlang»nd kreuzten durch die Indispensable Stroits nach der Floridainsel. Hier töteten sie den Mann aus San Cristoval, hoben den Kopf auf und kochten und fraßen das übrige. Die Küste von Malaita war nur zwanzig Meilen entfernt, ober in der letzten Nacht hinderten ein« starte Strömung und widrige Winde sie daran, hinüberzugelangen. Der kommende Tag fand sie noch einige Meilen von ihrem Ziele. Der Tag brachte aber auch einen Kutter mit zwei weißen Männern, die keine Angst vor elf mit zwölf Gewehren bewoi'ncten Malaita- leuten hatten. Mauki und seine Kameraden wurden nach Tulagi zurückgebracht, wo der große weiße Herr über alle weißen Männer wohnte, und der groß« weiße Herr hielt Gericht, worauf die Aus- reißer einer nach dem anderen angebunden wurden und zwanzig Peitschenhiebe erhielten: außerdem wurden sie zu einer Geldstrafe von fünfzehn Dollar oerurteilt. Dann wurden sie nach Neu-Gcorgia zurückgeschickt, wo die weißen Männer sie alle die Glocken läuten hören und dann wieder arbeiten ließen. Er wurde in die Wegebau- abteilung versetzt. Die Geldstrafe von fünfzehn Dollar war von den weißen Männern bezahlt worden, denen er entlaufen war,«nd man sagte ihm, daß er sie abarbeiten müsse, was sechs Monate Zwange- arbeit bedeutete. Außerdem brachte ihm fein'Anteil an dem ge- stohler.en Tabak ein weiteres Jahr Arbeit ein. Port Adanrs war im» drei- inhalb Jahr enlsernl, und st) stahl er eines Nachts ein Kanu, verbarg' sich' auf den Inseln der Manniug Straits, durchquerte die Straße und begann, die Osttüste von Isabel entlang zu fuhren» um nach zwei Dritteln des Weges bei der Meringe- Lagune von den weißen Männern gesaßt zu werden. Nach ei icr Woche entwischte er ihn?» und floh in den Busch. Ans Isabel waren keine Buschmänner, mir Salzmasserleute, die Christen waren. Die weißen Männer setzten eine Bslohmmg von sünshundert Stück Tabak aus, und jedesmal, wenn Mauki sich ans Meer schlich, um ein Kanu zu stehlen, wurde er von den Salzwasserleuten verscheuch?. So ver- strichen vier Monate. Als dann die Belohnung auf tapsend Stück erhöht wurde, faßten sie ihn und brachten ihn zum Wegebau nach Neu-Georoia zurück. Nun sind tausend Stück Tabak sünfzig Dollar wert, und Mauki muhte die Belohnung selbst bezahlen, was ein Jahr � und acht Monate Arbeit bedeutete. Part Adams war jetzt also fünf Jahre entfernt. Sein Heimweh mar größer als je, und es. siel ihm nicht ein, sich zu beruhigen, gut zu tun, seine fünf Jahre abzuarbeiten und dann heimzukehren. Das iiö.chstemal wurde er auf frischer Tat ertappt. Sein Fall wurde Mr. Haoeby, dem Jnselverunilter der Mondschein- Selsen Gesellschaft, vorgelegt, der ihn für unverbesserlich erklärte. Die Gesellschaft besaß Plantagen aus den Veracruzinsetn, Hunderte von Meilen jenseits des Meeres, und dahin schickte sie ihre Unverbesserlichen von den Salornoninseln. Und dahin wurde Mauki ge- schickt, kam aber niemals an. Der Schoner hielt bei Santa Anna, und in der Nacht schwamm Mauki an Land, stahl dem Händler dort zwei Flinten und eine Kiste Tabak und snhr in einem Kann noch San Cristoval. Malaita lag jetzt im Norden, fünfzig bis sechzig Meilen entfernt. Aber bei dem Versuch der Uebersahrt wurde er von einem frischen Wind gefaßt und nach Santa Ärma zurückgetrieben, wo ihn der Händler bis zur Rückkehr des Schoners von Santa Cruz in Eisen legte. Die zwei Flinten fand der Händler wieder, die Kiste Tabak aber winde Mmiki als weiteres Jahr auf die Rechnung gesetzt. Er schuldete der Gesellschaft jetzt im ganzen sechs Jahre. A'-f dem' Rückwege nach Nen-Georgia ging der Schoner im Maraufund, an der äußersten Südöfteeck von Guadalcanar vor Slnker. Mauki schwamm, mit Handschellen an den Gelenken, an Land und flüchtete in den Busch. Der Schoner fuhr ab, aber der Vertreter der Mondschein-Gesellschait setzte eine Belohnung von tausend Stück aus, und'so brachten die Buschmänner ihm Mauki mit einem weiteren Jahr und acht Monaten auf der Rechnung. Wieder floh er. diesmal, ehe der Schoner einlief, in einem Walbooc in Begleitung von einer Kiste Tabak des Händlers. Zlber eine Nordwest- strömung warf ihn bei Ugi an Land, wo die christlichen Eingeborenen feinen Tabak stahlen und Mauki zu dem dort residierenden Mond- fcheinhändler brachten. Der von den Eingeborenen gestohlene Tabak bedeutete ein weiteres Jahr für ihn. so daß die Rechnung sich jetzt auf acht und ein halbes Jahr belief. „Wir schicken ihn nach Lord Howe," bgt' Mr. Haoeby...Da ist Bunster, und die können sehen, wie sie miteinander fertig werden. Entweder, denke ich, wird Mauki um Bunster fertig, ober Bunster mit Mauki, und wir sind sie auf jeden Fall los." 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