Abendausgabe Nr. 5942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 29 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fnb in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoch 4. Februar 1925 Berlag und anzeigenabteilung: Gefäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Magdeburger Richter. Beleidigungsprozeß gegen einen Landgerichtsdirektor. Als erstes gerichtliches Nachspiel der an dem Magdeburger Urteil zahlreich geübten Kritif begann heute vormittag vor dem Erweiter ten Schöffengericht Berlin- Mitte in Moabit der Prozeß gegen den Berliner Landgerichtsdirektor Wilhelm Kroner wegen Beleidigung der im Magdeburger Reichspräsidentenprozeß tätigen Richter, den Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Bewersdorff und des Beisigers Landgerichtsrat Schulze. In Anbetracht des zu dieser Verhandlung zu erwartenden starten Andrangs war für die Sizung der fleine Schöffengerichtssaal im alten Kriminalgerichtsgebäude zur Berfügung gestellt worden. Tatsächlich war der Andrang heute früh ungewöhnlich groß. Auf den Zuhörerbänken fah man fast alle dienst. freien 2andgerichtsdirettoren und Staatsanwälte der drei Landgerichte, sowie zahlreiche sonstige Richter und Mit. glieder der Staatsanwaltschaft. Amtsgerichtspräsident Lieber war persönlich erschienen, ferner ein Vertreter des Kammergerichtspräsidenten. Neben dem Angeklagten Landgerichtsdirektor Kroner, der jetzt Vorsitzender einer Zivillammer ist, während er früher die Jugendstraftammer leitete, hatten feine Anwälte, Rechtsanwalt Landsberg, M. d. R., und Rechtsanwalt Dr. Roth Play genommen, auf der Gegenseite sah man Land gerichtsdirektor Bewersdorff und Landgerichtsrat Schulge aus Magdeburg mit ihren Rechtsbeiständen. Auf dem Platz des Anflagevertreters sah man den Generalstaatsanwalt Lindom perDie Anflage gegen Kroner ftüßt sich bekanntlich auf dessen am 24. Dezember vorigen Jahres unmittelbar im Anschluß an den Magdeburger Prozeß in der Bossischen Zeitung erschienen Artifel Die Urteilsgründe". In diesem Artikel unterzog Landgerichtsdirektor Kroner das Magdeburger Urteil einer sehr fchar fen Kritik und betonte u. a., das ist, es muß gesagt werden. eine jammervolle, fchamlofe, feige, verächtliche Kontlufion gegenüber dem Träger der Würde Deutschlands". Weiter wird in dem Artifel im Hinblick auf einzelne Handlungen des früheren Abeordneten bert von einer Auseinanderreißung der Tatsachen aus dem Zu fammenhang gesprochen und dabei die Ausdrüde milltürlich, perfünftelt, finnlos und tüdisch" gebraucht. Weiter meinte Kroner, daß die Richter des Freistaates, die es unternominen hätten, die Obrigkeit des Staates rüdlings zu infamie. ren, sich selbst infamierten und schließlich nannte er den Magdeburger Brozeß eine Prozedur, die mit ihrem traurigen Mut zur Ueberraschung jeden Respett permirtt habe Um 9% Uhr eröffnete Amtsgerichtsrat Ahlsdorff die Sizung. Noch vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung bat der Berteidiger Kroners, Rechtsanwalt Landsberg, um das Wort zu einem Antrag, den der Vorsigende, wie der Anwalt betonte, schon vorher abgelehnt habe, den die Verteidigung aber erneut stellen müsse. Der Antrag lautete auf Bertagung der Berhandlung gegen Kroner bis nach Abschluß des Magdeburger Prozesses in zweiler Instanz. Landgerichtsdirektor Kroner, fo erstörte Landsberg, denkt nicht haran, sich dem Urteil zu entziehen. Als er feinen Artikel schrieb, mußte er, mas ihm bevorstand. Diese Tatsache schließt aus, daß mir mit unserem Antrag Verschleppungsabsichten verfolgen. Aber unserer Ansicht nach fann das Gericht eine fachgemäße Ent fcheidung nur dann fällen, wenn ihm die Arten des Prozeffes gegen Rothardt und das Urteil der ersten Instanz vorliegen. Kroner hat in feinem Artifel scharfe Ausbrüde gebraucht. Was geschieht aber nun menn in der zweiten Instanz, wie ich hoffe, mit aller Schärfe zum Ausdruck gebracht wird, daß das Urtell der ersten Instanz juristisch verfehlt und unlogisch war und dak es ungeheuren Schaden angerichtet hat? Ist das der Fall, dann wäre dos für die Ahndungen der Verfehlungen Kroners von größter Bedeutung, und deshalb stellen wir den Antrag auf Bertagung bis zum Abschluß des Magdeburger Brozeffes in zweiter Intang, der bereits am 17. Februar beginnt und noch vor Ende des Monats beendet sein dürfte. Generalstaatsanwalt Lindow erklärte hierzu, daß das Gericht über diesen Antrag erst dann entscheiden fönne, wenn vorher for mellin die Verhandlung eingetreten sei. Er beharrte auf diesem Standpunkt auch troß mehrmaliger Bitten des Rechtsanwalts Landsberg, doch unverzüglich in die Beratung des Antrags einzutreten, da die Verteidigung gegebenenfalls noch einen Even tualantrag stellen wolle, den sie sich gerne ersparen würde. Als der Generalstaatsanwalt von seinem Standpunkt nicht abging, stellte dann Rechtsanwalt Landsberg diesen weiteren Antrag, der sich nun mehr gegen den Vorsitzenden richtete, den die Verteidigung wegen Besorgnis der Befangenheit ablehnen müsse. Der Verteidiger begründete diesen Antrag mit dem Hinweis, daß der Angeklagte von dem Borsigenden aus bestimmtem Anlaß heraus teine unparteiliche Beurteilung erwarten fönne. Der Borsigende Amtsgerichtsrat Ahlsdorff habe nach Bekundungen Don glaubhafter Seite Aeußerungen getan, die den Anschein er medten, daß er bereits vor der eigentlichen Verhandlung mit feinem Urteil ferfig gewesen sei. So habe er einem Herrn gegenüber erklärt: An der Verurteilung Kroners ist nicht zu zweifeln, das Magdeburger lirteil liegt vor und der gute Glaube der Richter fann nicht be stritten werden". Im gleichen Zusammenhange habe Ahlsdorf eine Strafe von drei bis sechs Monaten Gefängnis für Kroner als eine angemeffen Sühne bezeichnet, einem anderen Herrn gegenüber habe er von drei Monaten Gefängnis unter vermutlicher 3 u billigung von Bewährungsfrist gesprochen. Wenn das richtig ist, so erklärte Dr. Landsberg, dann muß dem Ablehnungsantrag der Berteidigung gegen den Herrn Vorsitzenden stattgegeben werden. Hirauf wurde die Verhandlung zunächst auf ungefähr eine Stunde vertagt, da die Entscheidung über diesen Ablehnungsantrag wegen Befangenheit der Straffammer zusteht. Die Strafkammer lehnt den Antrag ab. Sierauf trat fofort die erste Straffammer zusammen, die nach einer faft zweieinhalbstündigen Berhandlung und Beratung zu dem Ergebnis tam, bas bem Antrage bes Angeklagten, ben Borsigenden megen Befangenheit abzulehnen, nicht stattgegeben werden könne, da die Befürchtungen des Beklagten unbegründet seien. C Hierauf werbe gegen 12 Uhr die Berhandlung wieder eröffnet und der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Ahlsdorff teilte den Be schluß der Straffammer mit. Rechtsanwalt Dr. Landsberg wies barauf hin, daß in der Begründung der Straflammer bezüglich des Ablehnungsantrages es heiße, es fei nicht ungewöhnlich, daß ein Richter in einer die Deffentlichkeit interessierenden Angelegenheit sich mit anderen Richtern, über diesen Fall unterhalte. Die Berteidigung habe eine solche Unterhaltung zwischen dem Vorsitzenden und einem anderen Richter nicht im Auge gehabt. Dann wurde die Verhandlung formell eröffnet und der Beklagte, Landgerichtsrat Kroner, äußerte sich zur Sache: Kroners Vernehmung. Bon einigen Kritikern ist mein Aufsatz in der Bossischen Bei tung" lediglich als eine Schimpftanonade gegen das Magdes burger Urteil bezeichnet worden. So liegen die Dinge jedoch nicht. Ich habe mich zunächst juristisch sehr ausführlich mit dem Borfagbegriff beim Landesverrat befaßt und habe dann erst das Urteil tritifiert. Ich erkläre zunächst, baß ich auch heute zu allen meinen Aeußerungen stehe." Darauf wurde vom Gericht der inkrimierte Artikel verlesen, der in Nr. 610 der Bossischen Zeitung" vom 24. Dezember vorigen Jahres erschienen ist. Dr. Krone äußerte sich hierauf zu den einzelnen inkriminierten Aeußerungen seines Artikels. Was den Vorwurf einer jammerollen und schamlojen Konflufion betreffe, so habe das Urteil von Magdeburg den ersten Beamten des Reiches aufsschwerste belei digt durch die sogenannte tatsächliche Beststellung, daß er juristischen Landesverrat begangen habe." Bestände dieses Urteil zu Recht," so erflärte Landgerichtsdirettor Krone, so muß jeden ehrlichen Deutschen das Gefühl brennender Scham, Trauer und Empörung überkommen, wenn es möglich sein foll, daß zwei deutsche Parlamente mit erdrückender Mehrheit einen Mann an die Spihe des Reiches bringen, dem mit Recht das schimpflichste Berbrechen, das ein Deutscher als jolájer begehen fann, vorgeworfen werden kann. Nach meiner Auffassung besteht aber dieses Urteil con Magds burg nicht zu Recht. Das Magdeburger Gericht hat sich das durch, daß es dem erften Beamten des Reiches Frankreich Elsaß/ Vatikan. Die Stellungnahme der Sozialisten. Die außenpolitische Debatte in der französischen Kammer hat sich hauptsächlich auf drei Punkte bezogen: SowjetuBland, Deutschland und der Batitan leber Sowjetrußland ist es bisher vor allem zu einer Kontroverse zwischen Sozialisten und Kommunisten gekommen, wobei Renaudel die georgische Frage erneut zur Sprache brachte. Deutschland, das Abrüstungs- und Sicherheitsproblem und die Kölner Zone bildeten den Hauptbestandteil der Rede Herriots. Aber am meisten hat sich die Kammer mit der bringend innerpolitischen Frage der Abschaffung der Botschaft dringend innerpolitischen Frage der Abschaffung der Botschaft beim Batifan befakt, weil die Opposition hoffte, mit Hilfe der beim Vatikan befaßt, weil die Opposition hoffte, mit Hilfe der Briand- Loucheur- Gruppe, die nach Kriegsende die Wiederaufnahme der Beziehungen zum Papst befürwortet hatte und für die Beibehaltung eintrat, Herriot zu Fall zu bringen. Ins deffen ist es dem Ministerpräsidenten gelungen, durch ein Kompromiß dieser Gefahr vorzubeugen, indem er der Schaffung einer fleinen ständigen Mission beim Batikan für die selfaß lothringischen Kirchenfragen zu ftimmte. Ebenso wie einzelne Stellen der Rede Herriots bei den Sozialisten großes Unbehagen hervorgerufen hatten, so daß zeitweilig die Möglichkeit einer Sprengung des Lintstartells und eines Rücktritts Herriots bestand, ebenso stieß dieser Kompromißvorschlag in der Batikan- Frage auf lebhafte Bedenken bei den Sozialisten und nicht nur bei diesen. Endlich beschloß noch die Fraktion mit 27 gegen 11 Stimmen( also bei an sich sehr schwacher Beteiligung), auch diese bittere Bille zu schluden. Es war nun die schwierige Aufgabe des Genoffen Leon Blum in der gestrigen Sigung der Kammer, ben kritischen Standpunkt der Sozialisten sowohl zu der großen Deutschland- Rede Herriots wie auch zu dem Kompromiß in der vatikanischen Angelegenheit zum Ausdrud zu bringen, ohne jedoch der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern. Er führte dabei u. a. aus: Die Frage, ob Frankreich beim Vatifan einen Gesandten habe oder nicht, fei für die sozialistische Frattion nur von sekundärer Bedeutung. Die Erregung, die am Monta abend die Mitteilung Herriots, daß die Regierung eine befondere diplomatische Mission für Elfaß- Lothringen zum Vatican zu entfenden gedente, der fozialistischen Frattion ausgelöst babe, fai aus der Befürchtung ent diesem Mafel in frivoler Weise ausgeliefert standen, mon molle durch dieses Zuneständnis der Rechten ent. hot, über das Gefühl der Scham hinweggefeßt, oiso schamios gegen fommen und dem Beschluß der Mehrheit auf Abschaffung gehandelt. Wenn ich in diesem Zusammenhang ferner von" feige" der Botschaft beim Bolifan die Schärfe nehmen. Serrint gab und berädtlich gesprochen habe so erinnere ich daran, daß im darauf eine lange Erflärung des Inhalts ab, daß er im Einver alten Staat fich mohl fein Gericht gefunden hätte, den damaligen ständnis mit dem Vorsitzenden und dem Berichterstatter der FinanzTräger der Würde des Landesverrois zu beschuldigen, weil hinter fommission gehandelt habe. Die Verstimmung, die dieser Be ihm eine reale Macht stand. Jeder Richter hätte sich sofort jagen fchluß bei der Mehrheit verurjocht habe, fei ihm um so unverständ müffen: am nächsten Tage bis du suspendiert und wirft mit Schimpflicher, als die Regierung ihre Absicht bereits in der vergangenen und Schande abgelegt. Heute aber, mo hinter dem Träger der Woche fofort nach Bekanntgabe der Entscheidung des Staatsrats Würde Deutschlands teine reale Mocht, sondern nur die mo= über die Rechtsverbindlichkeit des Konforbats begründet habe. Blum gab, in seinen Ausführungen fortfahrend, der Auffassung ralische Macht einer großen edlen Bersnölichkeit steht, da tft Deine Absicht intereffiert uns nicht, dein Borsaz war mi teinemmal der Mut vorhanden. Da sagt man mit einemmal: Ausdruck, daß die Trennungsgesetzgebung an sich die Ablehnung der diplomatischen Beziehungen zum Batifan feineswegs er Landesverrat. Das ist feige und verächtlich. Im übrigen fordere. Den Kampf haben nicht die Linten vom Zaun gebrochen, habe ich die Perfönlichkeiten der Magdeburger Richter nicht fondern der Nationale Blod, der nor fünf Jahren die gefannt, fenne sie auch heute nicht. Ich habe ihnen auch nicht den Gesandtschaft beim Batifan als aukeres Zeichen für den Triumph der Reation Vorwurf der persönlichen Feigheit machen wollen. Für mich sind wiedererrichtet habe. das eben Die sozialistische Partei die lediglich die volle Wahrung und Sicherstellung der Gemisiensfreiheit ermöglichen wolle, jei feineswegs antireligiös. Benn fie gegen die Kirche Stellung nehme, fo lediglich beshalb, weil der Klerus sich in den Dienst der Feinde der Republik gestellt und jeden Bersuch der Reaktion und der Restauration unterftübt habe. Die sozialistische Partei vermöge auch die vom Minister orandenten vertretene Anffaffung über die nationale Souveränität nicht zu teilen. Es gebe eine höhere Form für die Organisation der Böller als die nationale Souveränität, das sei die sozialirichters zwischen den Bölfern anstrebe, wozu sich die Kirche un fähig erwiesen habe. Ein wirklich dauerhafter und gerechter Friede tönne nur durch den Sieg des internationalen Sozialismus gesichert werden. die Bertreter eines Systems und leider Gottes die Vertreter des Gros der heutigen preußischen und deutschen Richterschaft. ( Bewegung im Saal.) Wenn ich von tüdisch" gesprochen habe, so meine ich damit, daß es die Pflicht des Richters gewesen wäre, über eine mögliche Veränderung der rechtlichen Gesichtspunkte vorher mit dem Vertreter des Nebenflägers zu sprechen, nicht aber damit zum Schluß der Verhandlung wie mit einem Blig aus heiterem Himmel zu kommen. Vielleicht wäre dieses Unglüd für die deutsche Justiz vermieden worden, wenn man auf die mögliche Trennung von Vorfaß und Absicht vorher aufmerksam gemacht hätte. Mit dem Ausstische Internationale, die die Rolle des friedlichen Schiedsbrud rüdlings infamierend meinte ich die Infamierung Eberts als früheren Abgeordneten und Parteiführer. Bon den Richtern des Freistaates wird doch immer Tattgefühl verlangt, Rüd fichtnahme auf das Beamtenverhältnis. Sie wären also verpflichtet, mit zu prüfen, ob es notwendig war, vom Standpunkt des Magdeburger Gerichts solche tatsächlichen Feststellungen zu treffen. In diesem Zusammenhang verwies Landgerichtsdirektor Kroner auf den Fall des Lübecker Großlaufmanns Possehl, der vom Reichsgericht während des Krieges von der Antlage des Landesverrats freigesprochen wurde, eine Anflage, die er sich zugezogen hatte, weil er seinen russischen Fabriten bei Kriegsausbruch befohlen hatte, Hufeisen für die ruffische Kavallerie herzustellen, um auf diese Wei'e feine ganzen großen Unternehmungen für Deutschland zu reiien Beiter erklärte der Angeflagte: Die republikanischen Richter haben und sie vor der Beschlagnahme durch die Russen zu bewahren. doch den Eid auf die Berfaffung geleistet, fie haben ger schworen, die Grundlagen der Berfassung, also auch das Ansehen des Obersten Beamten zu schüßen. Statt dessen hat man ihn in Magde burg in Berruf gebracht, und deshalb behaupte ich, daß sich die Richter damit selbst in Berruf gebracht haben. Ich erkenne an, daß meine Worte rauh waren, daß sie Verbalinjurien enthalten. Ueber die Beweggründe, die mich zu diesem Artikel veranlaßt haben, möchte ich mich erst im Schlußwort äußern. Rechtsanwalt Dr. Landsberg machte dann darauf aufmerksam, daß das Gericht noch nit über feinen Bertagungsantrag entschieden habe. Er betonte nochmals, daß hoffentlich das Magde burger Urteil in ameiter Instanz ihn von der Notwendigkeit befreien würde, Kritik an dem ersten Urteil zu üben. Generalstaatsanwalt Lindow erklärte demgegenüber, er sehe feine Notwendigkeit, die Berhandlung zweiter Instanz abzuwarten, ebensowenig wie er es mich für notwendig halte, das Urteil erster Instanz hier zu verleser. Für die Frage der Beleidigung und die Frage des Strafmaßes erscheine das unerheblich. Rechtsanwalt Bod- Magdeburg: Wir haben eine Kritif des Magdeburger Urteils in feiner Weise zu fürchten." Hierauf zog sich das Gericht zu der Beratung über den Bertagungsantrag zurüd. Er wies darauf hin, daß die wichtigsten internationalen Probleme durch Berhandlungen zwischen den ihre Unab hängigkeit betonenden Staaten nicht gelöst werden können und daß die Regelung dieser Probleme die Uebereinstimmung fämtlicher Bölker zur Vorausseßung habe. Er bedauere, daß der definitive Bericht der Militärtontroiltommiffion nicht vor dem 10. Januar veröffentlicht worden sei, wodurch man den heroischen Kampf der deutschen demokratlichen Parteien gegen die Deutfchnationalen unterſtügt hätte. Die franzöfifchen Sozialisten verurteilen die militärische Dilupation und vermögen barin feine Gewähr für die Sicherheit Frankreichs zu sehen. Sollte man sogar annehmen, daß der Rhein die wahre Garantie der französischen Sicherheit dar stelle, so entstehe die Frage, wie lange diese Besetzung dauern solle. Herriot habe die These seines Vorgängers aufgegeben. wonach die Räumungsfrist noch nicht zu laufen begonnen hätte. Die Möglichkeit, daß die Befehung unendlich lang dauern würde, fönnte nicht ernstlich in Befracht gezogen werden. Herriot ruft: Diese Möglichkeit habe ich schon tausend. mal verworfen! Leon Blum fährt fort, er glaube, daß nur eine Lösungsmöglichkeit für diese Frage bestände. Der Zeitpunkt der Räumung hänge von der Erfüllung der Vertragsbedingungen ab, und die Räumung werde von der Schaffung einer internationalen Kontrolle unter der Garantie des Bölterbunds begleitet werden. Blum fragt dann, mieso es möglich fei, daß eine bewaffnete Nation die Gefährdung ihrer Sicherheit von einer Nation, die zurzeit entwaffnet ist, befürchten könne. Die Wiederherstellung der normalen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich hänge in erster Linie von der Hallung Englands und Ameri tas bgm, non dem Beitritt diefer Staaten zum Genfer Brotofell ab. erreicht werden. der Deffentlichkeit aufgeworfen worden sind und die den Kern des Standals berühren. Ihre Antworten müffen sich jedoch an beträchtlich von den bisherigen Veröffentlichungen der ReSachlichkeit, Offenheit und Erattheit gierung unterscheiden, wenn sie ernst genommen werden follen. Eine vollständige Lösung des Problems tonne nur in einem inter| bereits vorher der Alte Bergarbeiterverband eine Entschädi| hat sie noch Gelegenheit, auf die Fragen einzugehen, die in nationalen Rahmen gefunden und die Sicherheit Frankreichs nur durch Entwaffnung und Schiedsgerichtsbarkeit Schließlich wurde der Kredit für die besondere Mission beim Päpstlichen Stuhl mit 317 gegen 246 Stimmen bewilligt. Die Rede Blums hat zweifellos dazu beigetragen, die gefähr lichen Spannungen innerhalb des Linksblocks zu beseitigen. Sie hat außerdem die sehr energische Erklärung Herriots pronoziert, daß Frankreich nicht an eine dauernde Besetzung der Rheinlande denke, wie es einzelne Rechtsblätter in Frankreich ( und Deutschland) gern hingestellt hatten. Indessen wird endgültige Klarheit und Beruhigung erst dann geschaffen sein, wenn Herriot die von Dr. Luther aufgeworfene Frage bejaht, ob Frankreich die Kölner Zone räumen werde, wenn Deutschland die ihm angekündigten Entwaffnungsforderungen crfüllt hat. Ruhrskandal und Interessentenpresse. Sie nehmen aus Patriotismus. Die Zeitungen des Herrn Hugenberg, der ,, otal Anzeiger" und der Tag", schäumen vor 3orn, daß in die Machenschaften der Schwerindustrie hineingeleuchtet wird Die Fragen, die mir unter der lleberschrift Der Kern des Standals" aufgeworfen haben, rühren an die empfindlichsten Punkte. Das Geschrei, das die Presse der Schwerindustrie darüber erhebt, beweist das schlechte Gewissen der Nuznießer des Standals. Der Tag" befißt die Stirn, alles abzuleugnen. Es ist alles nicht wahr. Es ist aber alles fontrolliert. Es hat feinen zu hohen Kohlenpreis gegeben, und Steuern sind der Industrie nie erlassen worden. Es fehlt nur noch die Behauptung: es gibt überhaupt feine Ruhrindustrie. Der Tag" leugnet zuviel ab, und das ist gefährlich. Es zeigt, daß er lügen will. Im übrigen sucht sich die Interessentenpresse nach dem Vorbild der Verschleierungserklärung der Regierung hinter einem sehr schlecht aufgezogenen Patriotismus zu verstecken. Der, a g" befigt die Dreiftigkeit zu folgenden Ausführungen: Und auf die Gesinnungstüchtigkeit des Borwärts" fällt ein besonderes helles Schlaglicht noch durch seine Frage, wie hoch die Gesamtbeträge sind, die das Reichsfinanzministerium zur Unterstügung des paffiven Widerstandes verausgabt hat. Darüber Aus funft, verlangen heißt nichts anderes, als Frankreich Kunde davon verschaffen, wie weit das Reich bei neuen französischen Rechtsbrüchen zur Wiederholung der pas fiven Abwehr fähig wäre." Die Ruhrindustriellen haben wohl aus Patriotismus 700 Millionen Entschädigungen eingesteckt? Sie haben wohl aus Patriotismus in der Inflationszeit das Bolt ausgeraubt und aus dem Ruhriampf ein Geschäft gemacht? Die Berufung auf den Patriotismus steht denen schlecht an, die sich ihren Patriotismus immer haben bezahlen lassen und daraus ein Geschäft gemacht haben, und nun diesen. Ge schäftspatriotismus als Dedmantel für einen Riesenstandal benugen wollen. Warum sagt der Tag" nicht gleich: es ist Landesverrat, fich nicht schweigend von der Schwerindustrie ausbeuten zu laffen? Es ist Landesverrat, die Berbrechen der Schwer industrie am Bolte aufzudecken? Das hat gerade noch gefehlt, daß ausgerechnet die Leute vom Rechtsblod sich auf den Patriotismus berufen, um diesen Standal zu verbeden! Der wahre Patriotismus besteht nicht in der Bertuschung diefes Standals. Er besteht in der Auftlärung des Boltes ilber die Räuberpolitit der Schmerinduftrie und über den Schmachvollen Handel, den sie in der Zeit der deutschen Not mit ihrem Patriotismus getrieben hat. Diese Aufklärung muß und wird erfolgen- da hilft kein Ableugnen mit feder Stirn! Die deutschen Bergarbeiter und der Ruhrskandal. Der Gemertverein Christlicher Bergarbeiter Seutschlands hat in einer Entschließung zu den Vorgängen der Ruhrentschädigung Stellung genommen und hierbei ebenso wie Diktatorenlatein am Ende. Bon Richard Rainer. Schon manchem General der älteren und neueren Geschichte taugte eine flotte Rampagne zum Sprungbrett, das ihn in die hängenden Gärten des Ruhms emporschwang, in deren luftiger hängenden Gärten des Ruhms emporschwang, in beren luftiger Höhe er alsdann, allem Bolte entrückt, den Annehmlichkeiten des Schulbuchheldenbaseins ungeniert frönen durfte. Diese heiter- einJane Attitude mochte auch dem diden Primo vorschweben, als er auszog, feinen Säbel am Atlasgebirge zu wezen. Eins aber hat er nicht bedacht: daß man nämlich vom Sprungbrett auch ins Wasser plumpfen kann. Die strategische Situation der Spanier hat verzweifelte Aehnlich. feit mit der Lage des Mannes, der, rittlings auf einem Sprung brett fizend, vor seinem Gegner bis an dessen äußerste Kante retiriert ist. Ein unsanfter Stoß, und der Ruhm einer Armee findet ein idyllisches Grab in den schmeichelnden Fluten der Meerenge. Jedem Kenner militärischer Dinge dürfte es einleuchtend sein, daß in einem folchen Falle ein ganz besonderes Maß von strammer Saltung vonnöten ist, wenn das honette Exterieur ber Radres gemahrt bleiben soll. Da hat sich nun Primero de Rivera mit der Aufgabe beladen, die nach rückwärts gerichteten Operationen seines Heeres mit neuem mut und neuer Siegeszuversicht zu erfüllen. Die geeignete Handhabe hierzu bot, was für einen Oberbefehlshaber gar feiner Ueberlegung bebarf, ein Armeebefehl. Dieses Dokument verbient megen feiner geradezu klaffischen Form der Nachwelt über liefert zu werden. Primos Konzept lehnt sich syntaftisch an die echt militärischen, strengen und ausdauernden Berioden eines Cajar an. Ein einführender Satz spreche für das übrige: gung für die Arbeiter gefordert. In seiner Entschließung bringt er dabei eine Aufzählung aller der Fälle, in denen unter Hinweis auf die Micum- Lasten von der Arbeiterschaft Opfer zugunsten der Unternehmer gebracht worden find. Es heißt dort:„ Nach dem Abschluß der Micum- Berträge jegte ein verstärfter Lohndrud um Bergbau ein. Im Dezember 1923 diftierte der Zechenverband mit dem Hinweis auf die übernommenen micum- Lasten einen Lohnabbau. Durch Schiedsspruch vom 19. DeMicum- aften einen Lohnabbau. Durch Schiedsspruch vom 19. De3ember 1923 ist der Gesamtdurchschnittslohn- der Schlichter berief fich ausdrücklich auf die Micum- Lastenmäßigte man gegen den Willen der Arbeitervertreter im Schiedsum 12 v. 5. gesenkt worden. Infolge der Micum- Verträge erspruch den Gesamtdurchschnittslohn von 5,25 m. auf 4,62 M. Aber 2aft en noch nicht aufgehört. Am 4. Januar 1924 wurde ein neuer damit hatte der Lohndrud unter Berufung auf die Micum Lohnabzug mit den für den Bergbau übernommenen Micum- Lasten begründet. Das Schiedsgericht fürzte den Durchschnittslohn gegen dic Stimmen der Arbeitervertreter um weitere 9 v. 5. und führte ols Hauptgrund die Micum- Lasten an. Der Durchschnittslohn wurde somit ab 1. Januar 1924 von 4,62 m. auf 4,20 m. heruntergedrückt. Aber nicht nur die Löhne wurden im besetzten Gebiet so erheblich unter Protest der Arbeitervertreter gekürzt, auch die Schiedssprüche über die fulturwidrige Berlängerung der Arbeitszeit im Eteinkohlen, Braunkohlen, Erz- und Schieferbergbau sind in der Hauptsache mit der Uebernahme der Micum Last en begründet worden." Entschädigungs- Spekulanten. Wozu die Entschädigungen benutzt wurden. Das Berliner Tageblatt" macht darauf aufmerksam, daß die ftien der entschädigten Werfe" im Zusammenhang mit der Schädigung im Kurs gestiegen nd. Es veröffentlicht folgende Tabelle: Bochumer Effener Steinkohlen Gelsenkirchen. Harpener Hoesch Klöckner • Söln- Neueffen Phönig. Kommunistischer Fastnachtsulk. Die Kommunisten sind endlich aus dem Schlafe erwacht. Sie hatten so lange mit dem Barmat- Rummel zu tun, daß sie es gar nicht merkten, welche Riesenstandale sich unter der LutherRegierung entwickelten. Erst die sozialdemokratische Fraktion hat durch ihren energischen Vorstoß in der Presse und im Haushalts, Millionen an das Ruhrkapital an die Deffentlichkeit gebracht. Als ausschuß des Reichstages die Verschleuderung von Hunderten von die Sozialdemokraten alle notwendigen Feststellungen gemacht, als fie alle Maßnahmen getroffen hatten, um den 700- Millionen- Standal rücksichtslos aufzudecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, da rieben sich endlich die kommunistischen Helden die Augen. Und siehe da! In der Reichystagssigung vom Dienstag erhob sich Herr Stöder, um einen fleinen Fastnachtsult aufzuführen.( Er stammt aus Köln, der Residenz des Prinzen Karneval.) Was die Sozialdemokraten im Ausschuß schon längst getan haben, das hatte er in aller Schnelligkeit in einige Anträge geleidet und glaubte damit den Beweis für die Gesinnungstüchtigteit feiner kommunistischen Freunde erbracht zu haben. Der Führer der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Hermann Müller, erwiderte auf diesen Scherz folgendes: Zunächst einige Bermerfungen. Derr Herr Abg. Stöder hätte feine Rede hier gar nicht halten fönnen, wenn nicht meine Ent- raftion die Dinge im Reichshaltsausschuß zur Sprache gebracht hätte.( Sehr richtig b. d. Sozialdemokraten.) Sie haben ja 3hr Material erit von uns befomme n. 22.12. 2.1. 8784 893/ 10. 1. 20. 1. 89,3 94% 80 80% 77 841 2.2. 961 98 9114 988 987 103,4 100 125 781 129% 80 621/2 621 130,8 1491 80/ 687/8 671 1553 92 1041 81,9 691/ 108 4 697s 781/2 80,9 9314 57,4 6012 573/4 6818 Das B. T." gibt die Auffassung der Börse wieder, daß zu nächst nur die entschädigten" Werte ihre eigenen Aktien getauft haben, und fährt dann fort: Wie weit auch von anderen Personen, die Kennt nis von der Auszahlung jener Riefensumme erlangt haben, solche Räufe zu fpetulativen 3weden getätigt werden sind, Dermögen wir nicht zu beurteilen. Jedenfalls sollte einmal der Haushaltsausschuß des Reichstages feststellen, nötigenfalls mit Hilfe der Börsenvorstände, von welcher Sei te damals die Räufe aus gegangen find. Eine solche spekulative Ausnutzung von Tatsachen, die der weiteren Deffentlichkeit zunächst unbekannt waren, hätte fich jedenfalls als außerordentlich gewinnbringend er wiesen. Denn von Mitte Januar an, als nun auch weitere Kreise der Börse von den zugrundeliegenden Tatsachen Wind befamen", fette, wie bie obige Tabelle zeigt, eine sehr starke, teilweise stür mische Hausse in Montanmerten ein." Die Untersuchung wird immer notwendiger! Die Ruhrschäden- Denkschrift erst am Freitag. Die Dentschrift der Reichsregierung in der Frage der Erlah Leistung für die unter dem Wicum- System von der Industrie aus geführten Reparationsleistungen wird, wie die Telegraphenunion erfährt, voraussichtlich erst am Freitag dem Reichstage zugeleitet werden. Die Regierung hat der Preffe der Intereffenten bereits Auszüge aus der Dentschrift zugänglich gemacht, noch ehe sie dem Reichstag vorgelegt wurde. Wenn sie trotzdem die Ülebergabe der Dentschrift an den Reichstag verzögert, fo des Ruhmes und ehernen Schweigens fich weiter zurückzieht. Die wilhelminische Epoche hat einen Feldherrn getannt, der sich( neben anderen militärischen Fähigkeiten) durch besondere Schweigfamfeit auszeichnete. Auf die erwähnten Fähigkeiten hat Primo de Rivera mit der Bescheidenheit des wahren helben verzichtet. Eines aber hat er sich vorbehalten: Den Kommentar zu diesem Feldzug will er allein fprechen und legt das Schweigen lieber feiner ganzen Armee auf. trappistischen Brüdern übernommene Regel auf innerpolitischem Er unternimmt dies jedoch keineswegs, ohne diefe von den Gebiete bestens erprobt zu haben. Seit nämlich der Schriftsteller Ibanez seine Anschuldigungen gegen Alfons und die Generals clique erhob, hat gegen die spanische Breffe eine ins Maßlose ver härfte Bensuraktion eingefeßt, so daß tatsächlich wie zu Beiten des Marquis Bosa wieder die ideale Ruhe des Kirchhofs herrscht. „ Bon Morgen bis Mitternacht" im Schillertheater. Es mar nicht gelungen, ben Stil des Georg Kaiserschen Lebens- und Rolportagestudes vom durchgebrannten Raffierer richtig und stil. gerecht zu spielen. Dieses Stüd ist zwar einfach, im Sachlichen vorwärtsgehend, jehr schlagfertig und nicht mehr auszulöschen aus dem modernen Theater; aber der Regisseur muß wissen, daß es sich handelt. Irgendwie geht es über die menschlichen Kräfte und Da hier nicht um Naturalismus und um Expressionismus ganz allein feinsbanalitäten hinaus. Das Ganze als gespenstische Farce zu fpicien, das wäre ungefähr der Stil. Im Schiffertheater wurden die Methoden durcheinander geworfen, einmal Naturalismus, dann wieber riefiges Tempo und Stimmen, die ihre Worte nur in den Saal bellten. Die Freunde des staatlichen Schillertheaters wurden häufig enttäuscht. Man zischte und flatschte jogar durcheinander. Kaiser statt. Natürlich siegten die Anhänger des Stückes, das in Es fand eine Schlacht, wenn auch eine ziemlich fanfte, um Georg feinem schönen Aufbau und feiner gradlinigen Unverfrorenheit heute schon wie ein klassisches Bert jenes Expreffionismus angu fehen ist, der menig Bollkommenheit brachte. Bolfstheaterfreunde werden immer sozial aufgebracht sein, menn sich in wenigen Stun den das Schicksal dieses plöglich aufgewühlten Banffaffierers er filt. Aber alle Etappen auf der Lebens- und Todesflucht des Raffierers, das Zusammenbrechen feines häuslichen Glüces, fein Serumtoben auf dem Sechstagerennen, sein Suchen nach der großen Schönheit im Nachtlokal und endlich sein Zusammenbrechen auf der Sünderbant der Hellsarmeefoldaten müssen blizen und ver puffen. Im Schillertheater war der Aft des Sechstagerennens matt, fogar schläfrig, der der Heilsarmee wurde taritiert, man glaubte das Serrbild einer Betschwesternversammlung zu sehen. So ging die legte Tragit auch verloren. Besonders, da Alexander Es ist sehr bedauerlich, daß die Armee, weiche sich in den schwersten Tagen mit Ruhm bedeckt hat, in dem Augenblick, da sie das Ziel ihrer Bemühungen erreicht hat, die darum nicht weniger leicht oder praktisch bedeutsam sind, weil sie nach rüdwärts gesehen ist, der wenig Bollkommenheit brachte. Bolkstheaterfreunde richtet sind, sich von der zerseßenden Einwirkung übertriebener Getüchte und peffimistischer Prophezeiungen beeinflussen läßt, welche den heldenmütigen Geift, auf den die Armee mit Recht stolz sein fann verändern." Um nun diesem„ schmachvollen Uebel ein Ende zu bereiten", wird allen Angehörigen der Armee aufgegeben, sich jeder Diskus sion über die militärischen Operationen stritteft zu enthalten, da dies ganz natürlicherweise und wie es fich für einen Soldaten eigentlich von felbst verstehe, der Seeresleitung allein vorbehalten bleiben müsse. Wer von seinem Vorgesetzten beim Nachdenten fiber diese Dinge ertappt werde, fei unverzüglich einem friegsgerichtihen Verfahren, das die Todesstrafe Dorfieht, zu unterwerfen. Bei etwaiger Renitenz haben die Borgesezten das Recht, die Todes Strafe praftischerweise gleich felbst zu rollziehen. Wir müssen also des erhabenen Schauspiels gewärtig sein, mie die opferbereite Spanische Waffenjugend unter ber doppelten Last ranach, der Darsteller des Raffterers, ganz und gar verfagte. Ihm war feine Steigerung möglich, da er von Anfang an mit gesteigerten Kräften nur in das Broteste und Graufige hineintrad tete. Der Künstler hatte die Deutlichkeit seiner Sprache vergessen und da er nur als Schredensbild wirfen wollte, wurde faum etwas offenbar von alledem, was im Innern dieses rebellischen Broletariers vorgeht. M. H. Nun zur Sache selbst. Ich habe bereits im Reichshaushaltsausschuß angekündigt, daß meine Frattion fich vorbehält, einen An. trag zu stellen, nach dem ein Untersuchungsausschuß eingesetzt werden foll. Ich halte es für ganz selbstverständlich, daß dieser Antrag in dem Augenblick gestellt wird, wo uns die. Dent fchrift vorgelegt wird, die auf Grund der Ziffer 3 unseres An trages von der Regierung in Aussicht gestellt worden ist und die mit einer Indemnität verbunden werden soll, das hier ebenfalls vor gelegt werden wird. Der Herr Abg. Stöder hat von mir verlangt, daß ich mich flar aussprechen soll. Ich will deshalb ganz flar sagen, daß meine Frat. tion heute seine sämtlichen Anträge ablehnt. Wenn wir einen Untersuchungsausschuß haben wollen, so beantragen wir das selbst. Antrag als aft nachts ulf bezeichnet. Nein, ich habe es als Der Herr Abg. Stöder hat dann weiter gemeint, ich hätte seinen Fastnachtsult bezeichnet, daß der Abg. Stöcker einen Antrag auf Antrag als Fastnachts ult bezeichnet. Rein, ich habe es als Mitglieder zusammenfinden und seinen Antrag unterschreiben. Das den Tisch des Hauses legen und warten will, bis sich die ist meiner Auffassung nichts anders zu bezeichnen. Unter anderem die Unteranflagestellung der Minister der verschie Dann hat der Herr Abg. Stöcker noch weitere Anträge gestellt. denen Kabinette. Ich habe unter diesen Anträgen noch einen vermißt, der eigentlich dazu gehört. Er hätte gleichzeitig beantragen müssen, daß die Immunität für die Reichskanzler Marg und Antrag wirksam werden. Ich bitte ihn, diesen Antrag bis zu bem Stresemann aufgehoben werden muß, dann erst tann ja sein Tage zu stellen, an dem wir uns im Zusammenhang mit dem Inbemnitätsgeleg barüber unterhalten werden, ob mir seinen Anträgn folgen werden oder nicht. Ich glaube, mich dem Herrn Abg. Stöder gegenüber flar genug ausgesprochen zu haben. richtigen Zeitpunkte tun Was wir zu tun haben, wiffen wir allein; wir werden es im Die fommunistische Fraktion wird aus diesem Zwischenfall hoffentlich die Lehre ziehen, daß man nicht nur schwägen, sondern auch arbeiten muß. Der Sozialdemokratie ist es zu danten, daß der Riefenfinanzstandal mit den Ruhrkrediten ans Licht gezogen wurde; fie hat auch bereits die Einfegung eines unter suchungsausschusses beantragt. Den Kommunisten aber ist zu raten, die sa chliche Arbeit der Sozialdemokraten zu unterstützen, statt sie durch Karnevalsscherze zu verderben. Das Deutsche Opernhaus foll fein städtisches Theater werden Der Städtische Nachrichtendienst teilt uns mit: Die Stadt beabsichtigt nicht, das Opernhaus in eigene Verwaltung zu nehmen, wohl aber, ich einen maßgebenden Einfluß auf den Betrieb zu sichern. Defini tipe Beschlüsse sind entgegen anders lautenden Mefbungen noch nicht gefaßt worden. Die Frage der Besetzung der leitenden Stellen ist morden. Auch haben sich weder der Intendant Berg- Ehlert( Altenvon den maßgebenden Instanzen bisher nur vorberatend geprüft burg) noch der Intendant Tietjen( Breslau) um den Intendanten posten beim Deutschen Opernhaus beworben. Holtar von Indore hat zur Feier feines diesjährigen Geburtstages Eine Ruhmeshalle der ganzen Menschheit. Der Maharadscha in feiner Hauptstadt eine Stiftung eröffnet, die einzig in der Welt dasteht. Unter dem Namen aus der Größe enthält das Institutsgebäude eine Porträtgalerie der berühmten Männer und Frauen aller Länder und Zeiten, aller Rassen und Religionen, dazu eine riesige biographische Bibliothek und Hörfäte zu Vorlesungen über die Berühmtheiten. Bei der Eröffnung funttionierten Bertreter aller Religionen der Welt. Echt hinduistisch, das Verhalten dieses Fürsten: das indische Pantheon hatte von jeher Blaz für alles, mas groß und ebel erschien. Hat doch erst vor wenigen Jahren cin anderer nordindischer Fürst ein Institut gegründet, das den Studium, der Verkündigung und der Bersöhnung aller Religionen gewidmet ist. Und doch ist ein neuer Zug in dem Vorhaben des Holtar erkennbar: die Betonung des Historischen, die dem Charafter des Hindu von Haufe aus eigentlich ganz fremd ist. Gilt ihm doch das Leben des einzelnen nicht mehr als ein Tropfen im Dzean, die Idee des Fortschrittes der Menschheit als eine Illusion Aber aus folchen Stimmungen heraus erzieht man teine Tatmenschen für die Gegenwart; und es ist offenbar Absicht des Fürsten, durch den Hinweis auf die großen Männer der Menschheitsgeschichte den Ehrgeiz feiner jungen Landsleute zu weden. Auch ein Zeichen für das Erwachen des Ostens! durchgeführten Probeversuchen, die das Biel perfolgten, von der Amerifa spielt Australien zum Kampf auf. Nach wochenlang amerikanischen Funistation Pittsburg aus Gespräche und mufilalische Borträge nach Australien zu senden, hat man jetzt zwischen den beiden Erdeilen einen tabellos funktionierenden Radioverbehr her gestellt. Gespräche sowohl wie Mufit, die von Pittsburg aus über eine Entfernung von rund 14 000 Kilometer übertragen wurden, fonnten in ganz Australien cinfchließlich der Städte Perth, Sidney. Ballarat, Hobart und in Queensland mit tadelloser Deutlichkeit gehört werden. Die australischen Tanzpaare drehten sich an einem Sommerabend im Tanz nach dem Taft einer Musit, die an einem Wintermorgen in Pittsburg gespielt wurde. Else Caster- Schüler wird im nächsten Autorenabend der Boltsbühne in der Stadthalle, Stioflerstraße( nicht im Bürgersaal des Rathauses) lesen. Die Verlosung findet am 6. Februar abends 8 Uhr statt. Borträge. Prof. Behold spricht über Politibistische Cibil Beranlassung des Deutschen Monistenbundes. Anschließende Disfusion. am Donnerstag, Wilhelmstr. 48, in den Räumen des Soz. wiff. Klubs, auf Brerom, spricht am Sonnabend in der Aula der Luisen- Schule, Ziegelstr. 12, Dr. Klatt, der Leiter des Erziehungsheimes und ber Volkshochschule über Fragen der Lebenstunft. Weitere Vernehmung Heilmanns. Verhandlungen des Untersuchungsausschusses. Siebenter Tag. Borsigender Dr. Leidig eröffnet die heutige Sigung des Preukischen Untersuchungsausschusses um 10 Uhr 15 Minuten und erhebt Verwahrung gegen einen Artikel der reuzzeitung", der die Berhandlungen des Ausschusses in ironischer Form behandelt und zum Schluß erklärt, der Vorsitzende des Ausschusses müffe gerührt den Herren Heilmann und Barmat den Wunsch aussprechen:„ Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der Dritte. Der Vorsitzende weist diese Bemerkung als eine große Lattlosigkeit zurück. Der Ausschuß tritt dann in die Vernehmung des Zeugen Heilmann ein. Borsitzender Dr. Celdig fragt, ob Barmat mit Heilmann aud; über seine Beziehungen zur Staatsbant gesprochen habe, die bis zum Jahre 1923 zurückgehen. Heilmann entgegnet, er habe seit 1923 gewußt, daß Barmat in irgendwelchen Beziehungen zur Staatsbant stand. Einzelheiten habe er bis zum 8. Dezember 1924 nicht erfahren. Damals hätte Die„ Rote Fahne" allerlei Enthüllungen gebracht, und er habe daher Barmat um Aufschluß gebeten. Barmat habe ihm sehr eingehend dargelegt, wie er die Dinge sah. Dr. Leidig: Waren Sie auch in dieser Art Ehrensynditus? Heilmann: Diese Berater eigenschaft ist im Laufe der Jahre in dem Maße verloren gegangen, als fich das Unternehmen erweiterte. Im letzten Jahre fam von ciner solchen Beraterschaft überhaupt nichts mehr in Frage. Zahl reiche Syndizi beschäftigten sich berufsmäßig mit diesen Dingen. Es toar im letzten Jahre geradezu unmöglich, Barmat allein zu sprechen. Sein Zimmer war immer überfüllt. Borsitzender Dr. Leidig gibt dann den Borsiz an Dr. Deerberg ab, da ei eine Besprechung mit dem Vorsitzenden des Reichstag untersuchungsausschusses Saenger vereinbart habe, damiti die beiden Ausschüsse nicht gegeneinander arbeiten. Der Kommunist Stolf richtet nun eine Reihe von Fragen an Heilmann. Er erinnert an die Papierlieferungen an den Rotterdamer Vorwaarts" und fragt, ob Heilmann bekannt sei, daß gerade in dieser Zeit die deutsche Arbeiterpresse außerordentlich unter dem Papiermangel litt. Heilmann gibt das zu, erwidert aber, daß er mit der Aus= fuhrbewilligung nichts zu tun gehabt habe. Der Kommunist Stolt fragt dann weiter, ob Heilmann davon etmas bekannt sei, daß die Erlaubnistarte des General. tommandos Lüttwis, die Barmat besaß, und ob diese Bermittlung durch den Parteigenossen, dem damaligen Oberkomman dierenden Noste, zustande gekommen sei, ferner ob, wie der frühere Adjutant der Berliner Komandantur, Fischer, in feinen Er. innerungen erzähle, von holländischer Seite einmal Geld zur Ver fügung gestellt wurde, um die spartatistische Bewegung zu unterdrücken, und ob Barmat diefer Geldgeber gewesen sei. Barmat und die Sozialdemokratie. Borf. Deerberg stellt an Heilmann die Frage, ob irgendwelche finanziellen Beziehungen zwischen Barmat und der Sozialdemokratischen Partei bestanden haben. Bernehmungen zu beginnen. Es sollen höhere Bostbeamte unh dann auch Dr. Höfle und Abg. Lange Hegermann über die Pofikredite vernommen werden. Der Kronprinz bei den Agrariern. Der Handfuß des Titus Livius. Breslau, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Begrüßung des früheren Kronprinzen durch einen höheren Schupo- Offizie in Uniform nor der Breslauer Agrarversammlung ist inzwischen Abg. Heilmann erwidert darauf, daß Barmat niemals der Par- durch amtliche Feststellungen geflärt worden. Der betreffende Beamte, tel oder Genossen irgendwelche Summen zur Verfügung gestellt habe, ein Major mit dem tiassischen Namen Titus Livius erflärt, er ohne sich vorher mit ihm, Seilmann, ins Benehmen zu setzen. Heilhabe bem Gutsherrn von Dels nicht die Hand gefüßt, sondern sich mann gibt zu, daß die 15 000 m., die an das Cöpenicker Blatt ge nurtief oor ihm verneigt. Dies hätte er in der eigenartigen geben wurden, von Barmat stammen. Weiter habe Barmat anläß. Gituation getan, nachdem ihn der frühere Kronprinz, ohne ihn lich der Dezember wahl 1924 auf seine Beranlassung hin, da angesichts der vorangegangenen Maiwahlen es um die zu fennen, ansprach. Offenbar bewegt der einstige Thronerbe Barteitaffe nicht mit dem besten bestellt war, die Summe von noch in der alten Gewohnheit, jeden Offizier als seinen Untergebenen 20 000 M. zur Verfügung gestellt. Abgesehen von diesen größe zu betrachten. Es handelt sich also um eine doppelte Taftren Beträgen habe Barmat nur hin und wieder fleinere Beträge losigkeit, zu der der Erfronzrinz als erster beitrug. gegeben, die aber nur in die Hunderte von Mart gingen und zwar Während die Berliner Rechtspree übrigens die Teilnahme an in Fällen, wenn irgendein Parteisekretariat fich wegen Geldverlegen der Landbundversammlung als eine harmlose Standesangelegenheit beit an Barmat wandte oder wenn einzelne Parteigenossen durch darstellt, haben die Blätter der schlesischen deutsch nationalen Sankheit in der Familie oder durch Stellenlosigkeit in Not geraten Breffe die Dvationen der Landbündler für den früheren Hohenzollern waren. Heilmann schätzt die gesamten Aufwendungen, mit Nachdruck unterstrichen und bisher mit keinem Wort den poli Partei gab, auf höchstens etwa 50000 m. Weiter habe tischen Charakter der Landbunddemonstration zu bestreiten die Barmat in einem Zeitraum von sechs Jahren an die Barmat auf eine Anregung des Ministers Schwarz in der Ge- gesucht. gend von Pirnai. Sa. aus seinen Mitteln ein Kinderheim errichtet, das ungefähr 25 Kinder beherberge und ausschließlich unter der Berwaltung fächsischer Behörden stehe. Weiter sei ihm über diese Angelegenheit nichts bekannt. Abg. Deerberg( Dnat.): Wissen Sie etwas über die Finanzbeziehungen zwischen Barmat und dem Reichsbanner Schwarz Rot- Gold? 4 Abg. Hellmann( Goz.): Barmat hat dem Reichsbanner niemals Geld zur Verfügung gestellt; das Reichsbanner hat auch niemals um Unterstützung durch Barmat gebeten. Abg. Deerberg: Ist Ihnen etwas über die Geschäftsbeziehungen zwischen Barmat und dem Reichsfangler a. D. Bauer bekannt? Abg. Heilmann: Reichstanzler a. D. Bauer hat mit Barmat häufig auch über Geschäfte gesprochen. Ob und wieweit daraus Ge schäftsbeziehungen entstanden sind, ist mir nicht bekannt. Der Kriminalkommiffar. Abg. Kaufhold( nat.) beantragt sodann, den Kriminalfommiffar Klinthammer als Zeugen zu laden, der über die gegen Barmat früher erstatteten Anzeigen Austunft geben soll. Seine politischen Freunde vertreten den Glandpuntt, daß wenn diesen Anzeigen feinerzeit nachgegangen worden wäre, die Staatsbank vielleicht nicht in die Lage gelommen wäre, Kredite an Barmat zu geben. Abg. Nuschte( Dem.) erweitert den Antrag Raufhofd dahin, daß auch der Präsident des damaligen Landespolizeiamts Falt geladen wird, worauf der Abg. Kaufhold seinerseits noch als dritten Zeugen den Kriminalfominiffar Pipo zu laden beantragt. Der Ausschuß beschließt, diefe Zeugen heute noch zu vernehmen. Heilmann erwidert auf diese Fragen, daß Baimat seines Wissens Der Untersuchungsausschuß des Reichstages zur Nachprünach Noste niemals gefehen oder gesprochen hat und daß er, Heil- fung aller Kreditaffären trat heute vormittag unter dem Vorsitz des mann, selbst in dieser Angelegenheit nicht mitgewirkt habe, da er Barmat erst später fennen lernte. Bur zweiten Frage glaubt Heil- bg. Saenger( Soz.) zu einer Sigung zufammen, in der das Arbeitsprogramm besprochen wurde. Es ist beschlossen, am Sonnmann feststellen zu können, daß Barmat Fischer niemals einen abend, den 7. Jebruar, vormittags 10 Uhr, mit den eigentlichen Pfennig zur Verfügung gestellt hat. Stolt richtet ferner die Frage an Hellmann, ob der verstorbene Abg. Krüger niemals die geringste Entschädigung von Barmat erhalten hat. Heilmann bemerft dazu, daß für das Köpenicker Boltsblatt" 15 000 Mart gegeben wurden und daß darüber ordnungs. mäßig quittiert ist. Dann fragt Stolt, ob Herr Heimann seine juristischen Kenntnisse in der Steuerangelegenheit Barmats aufgeboten habe, da damals von der Sozialdemokratie und in der Deffentlichkeit sehr starke an griffe wegen der Steuerflucht erhoben wurden. Hellmann ist nichts betannt, daß Barmat mit dem Finanzamte irgendwelche Verträge gefchloffen hätte. Auch über die Steuerleistu gen habe er nichts gehört. Gesprächsweise habe er gehört, daß Barmat auf dem Standpunkt stand, daß er seinen Wohnsiz in Amsterdam habe und persönlich in Deutschland nicht steuerpflichtig fei. Die Steuern seien von der Amerima" in Berlin gezahlt worden. Abg. Stolt( Komm.) will wissen, ob außer Ebert jun. auch Bels jun. in einem Barmat Unternehmen tätig gewesen sei. Heilmann verneint legteres, Walter Wels sei Privatsekretär bei Barvus gewesen. Barmat in Condon. Abg. Stolf( Komm.): Ift dem Zeugen Heilmann bekannt, daß der Abg. Wels im Jahre 1924 Barmat von Berlin aus als Kurier an den damaligen Premierminister und Sozialdemokraten Macdonald geschickt hat, um Barmat auf diese Weise in englischen Kreisen einzuführen? Abg. Heilmann: els hat Barmat, mit einem Brival brief versehen, im Jahre 1924 zu Macdonald geschiat. In dem Briefe erinnerte Wels Macdonald daran, daß Macdonald den Barmat in derselben Beit fennengelernt habe, in der Herr Wels mit ihm zufammentam. Weiter ging Barmat mit einem inoffiziellen Auftrage des Reichspoftministers nach London, um mit der damaligen englischen Regierung über eine Renderung des Bostabrechnungsverfehrs zu verhandeln. Diese Berhandlungen waren von Erfolg getrönt. Natürlich hat Barmat als Kaufmann derartige Attionen nicht lediglich aus Eitel feit und Gemeinnüßigkeit übernommen, sondern er hat selbstverständ lich dabei stets seine geschäftlichen Biele im Auge gehabt. So hat er damals zu erreichen versucht, daß als eine der Abrechnungsstellen für den deutsch- englischen Bostverkehr auch die Merturbant zugelassen wurde. Den englischen Vertretern war das recht, ich glaube aber, daß dieser Vorschlag vom Reichspoftministerium abgelehnt wor den ist. Auf die Frage des Abg. Dr. Deerberg, ob Barmat unmittelbar mit dem Reichspostministerium in Beziehung getreten fei, erwidert Heilmann, Barmat habe dauernd im persönlichen Verkehr mit dem Reichspostminister geftcnden und offenbar persönlich von Dr. Hoefle den Auftrag gehabt, zu verhandeln. Barmat hat auch Kreditverhandlungen mit dem Oberft Kerr, einem Großmafler an der Londoner Börse geführt. Diefer war Anfang 1924 in Berlin. Ich traf ihn in der Merturbant und er sagte mir, er wolle an der Bon doner Börse 20 Millionen Obligationen der Barmat- Werte unterbringen. Auf weitere Fragen des Abg. Stolt( Komm.) antwortet Heilmann, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Kuttner weder für Barmat- Unternehmungen oder für Barmat- Blätter tätig gewesen sei. Solange Barmat Lebensmittelfäufe tätigte, habe er niemals einen Reichs- oder Staatsfredit gehabt. Der erste Kredit fei 1922 von der Reichsbant gegeben worden. Das endete, als die Beziehungen mit der Staatsbant anfingen. Spekulative Stäufe in Mart habe Barmat nie gemacht. Marttäufe dienten nur dem 3wed Der Eindedung für neue Lebensmittelantäufe, ba dazu Valuta nötig war. Dah eine Quitfung Koenens über 8000 mart erifilert habe, jei sicher. Im übrigen bemerkt Heilmann über die Verbindung Koenens mit Barmat, daß oenen eines Abends Barmat aufgefordert habe, nach Adlon" zu fommen, um mit kraffin wegen Anknüpfung von Geschäftsverbindungen mit Rußland zu sprechen. Auf Heilmanns Anraten, der davor warnte, die Vermittlung Koenens anzunehmen, babe Barmat abgelehnt. Eine Demonstration der Invaliden. Vor dem Reichstag. Im Reichstag wird in diesen Tagen über die Renten für die Arbeitsinvaliden gesprochen. Sie erhalten jetzt fo fümmerliche Beträge, daß sie zum Berhungern gezwungen sind. Die ungeheure Freigiebigkeit des Reiches gegenüber den Ruhrindustriellen hat nun auch diese sonst recht stumpfe Schicht der Arbeitsunfähigen zum Erwachen gebracht. Als heute früh die Abgeordneten sich dem Reichstagsgebäude näherten, überraschte sie ein seltsamer Anblid. Alte abgehärmte Gestalten wandelten in langen Reihen mit farbigen und bedruckten Plakaten in der Hand vor dem Reichstagsgebäude auf und ab. Kein Wort fam aus ihrem Munde, ganz anders wie bei Kommunistendemonstrationen wirkten diese Enterbten und Entbehrenden rein durch ihr Dasein. So offenkundig ist ihr Elend, daß sie auf jedes laute Ausdrucksmittel ihrer Not verzichten können. Diese stumme Demonstration, organisiert vom 3entralverband der Arbeitsinvaliden, verfehlte des. halb auf mitfühlende und sozial denkende Menschen kaum ihren Eindruck. Ob die durch die Inschriften der Plakate zum Ausdrud tommenden Hoffnungen auf den Reichstag in Erfüllung gehen werden, steht dahin. Dieser Reichstag mit seiner start bürgerlichen Mehrheit, mit feiner gewaltigen Abhängigkeit von der Schwerindustrie und den Großagrariern hat zwar stets jedes Verständnis für fapitalistische Schichten gehabt, gegenüber den darbenden und notleidenden aber bisher noch nie seine Pflicht getan. Die Sozialdemokratie wird wie bisher so auch jetzt alles tun, um das Los dieser Arbeitsinvaliden zu erleichtern. Gemeinnütziger oder privater Wohnungsbau? Der Bezirksverband Berlin- Brandenburg des Reichsperder einzelnen Benoffenschaften erflärten übereinstimmend, daß ein bandes deutscher Baugenossenschaften hatte aan Dienstag zu einer Gigung geladen, in der Berbandsrevisor R of cher über die Wohnungspolitif der Stabt Berlin fpra Der Bortragende betonte, daß versucht werden joll, nach Möglichkeit Ordnung in die Wohnungs- und Bauverhältnisse GroßBerlins, fomeit fie besonders die gemeinnügigen Baugenossenschaften betreffen, zu bringen. Er ging in feinen Ausführungen von allge meinen Gesichtspuntien aus. Die Stadt Berlin stand früher auf dem Standpunkt, daß das freie Spiel der Kräfte auf dem Bau- und Wohnungsmarkt zur Befriedigung der Wohnansprüche der Bevölkerung ausreicht. Dabei war der Begriff„ Befriedigung in der Weise gedacht, daß man sich mit einer bloßen Unterbrin gung der Bevölkerung in Wohnungen begnügte, ohne Rücksicht auf bie hygienischen und tulturellen Anforderungen zu nehmen. Während des Krieges traten unter Protektion der Stadt Berlin die Intereffenten zusammen, um eine besondere Förderung des Wohnungsbaues durch gemeinnügige Baugenossenschaften zu erreichen. Die von einigen meitsichtigen Polititern gemachten Bemühungen scheiterten aber schließlich daran, daß man in den maßgebenden Stellen nicht die alten, bewährten Baugenossenschaften be rüdsichtigen wollte, sondern sich mit der Absicht trug, eine neue Drganisation ins Leben zu rufen. Die Wohnungspolifit der Stadt Berlin, 39 folcher Zustand unter feinen Umständen weiter geduldet werden darf. all nicht der Wohnungsbau im tommenden Jahre vollkommen zu fammerbrechen. Die Berfammlung wählte schließlich eine drei gliebrige Kommission, der die bekanntesten Bertreter der gemeinnügigen Baugenossenschaften angehören, die bei den Reichs-, Landesund Kommunalbehörden in legter Stunde ihre Mahnungen erheben sollen. Der Bersammlung wohnten Bertreter vieler Behörden und der Barlamente bei Wir sind der Ansicht, daß für das Berhalten der Behörden bei der Zuweifung der Baukostenzuschüsse ihre grundsätzliche Abneigung gegen eine gemeinnützige Wohnungs- und Bauwirtschaft maßgebend ift. Selbst wenn in den höchsten Stellen die erforderliche Einsicht vorhanden ist, wird aber doch durch die Sabotage der unter geordneten Organe die gute Absicht in das Gegenteil verkehrt. Eine gesunde Wohnungspolitit ist gleichbedeutend mit einer gefunden Bevölkerungspolitif. Teutschland hat beides sehr nötig. -Bon der Gemeinnüßigen Bau- und Siedlungsge noffenschaft Dietinberreiche Familie e. G. m. b. 5)." mird uns geschrieben: Mit Interesse haben wir die Aus führungen Dentt an die Schwerbeschädigten" in Summer 56 gelejen. Die gemeinnüßige Bau- und Siedlungsgenossenschaft " Die finderreiche Familie" hat sich auf Grund des Ar die in neuester Zeit mit Hilfe der Baufostenzuschüsse aus den Er- titels 155 der Reichsverfassung gegründet, da es bisher nicht trägnissen der Hauszinssteuer getrieben mird, ist alles andere möglich war, daß ein tinderreicher Familienrater für seine Familie als eine Förderung der Bestrebungen der gemeinnügigen Organi- ein ben Bedürfnissen entsprechendes Gigenheim bauen fonnte. Aus fationen. Die Wohnungsfürsorgegesellschaft", der diesem Grunde hatte sich die Genoffenschaft an den Landtag gewandt, die Berteilung der Zuschüsse obliegt, ist von einer Behörde, von der um eine enderung der Richtlinien der Hauszinsman eine lebendige Mitarbeit erwarten sollte, zu einer Berfteuerhypothet zugunsten der in der Reichsverfaffung Arteilungsstelle herabgejunten. 3rgendeine Begünstigung der titel 155 beranferten Gruppen von Kriegsbeschädigten, gemeinnüßigen Baugenossenschaften wird nicht mehr ausgeübt. Die Kriegshinterbliebenen und finderreiche Familien zu erlangen. Ein Berhältnisse haben sich so entwickelt, daß jedem Bauunternehmer, folcher Antrag stand am 18. und 20. Oftober 1924 im Breußischen dem irgendeine gemeinnühige Absicht natürlich vollkommen fernliegt, Landtag zur Beratung. Die Abstimmung verfiel aber durch die Aufder also baut, Geld zu verdienen, Bautostenzuschüsse lösung des Landtages. Im neuen Parlament ist der Antrag zur Verfügung gestellt werden, ohne Rücksicht darauf, wie wiederum von der gemeinnüßigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft die Wohnungen später aussehen, die er der Bevölkerung an. Die finderreiche Familie" geftellt worden. Die Genossenschaft hofft, bietet. Die Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gebaut find, baß in Anbetracht der unsozialen Lage der finderreichen Familien, werden dann an den Meistbietenden buchstäblich verkauft, so daß der der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen dieser Antrag einstimmig unhaltbare Bustand entstanden ist, daß Leute, die es dazu haben, eine angenommen wird. Die genannte Genoffenschaft bittet ferner, alle Wohnung bekommen, während gerade die wirklich notleidende ar finderreichen Familien mit vier und mehr Kindern, alle gemeinbeitende Bevölkerung leer ausgehf. Unter der un- nüßigen Bau- und Siedlungsgenossenschaften, die Mitglieder obiger, genügenden Zuweisung dieser behördlichen Baukostenzuschüsse haben in der Reichsverfassung Artifel 155 veranferten Gruppen führen, sich bie gemeinnüßigen Baugenossenschaften naturgemäß in viel stär- mit ihr in Berbindung zu sehen. Buschriften find zu richten an die ferem Maße zu leiden. Ganz abgesehen davon, daß ihnen der gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft,„ Die finderreiche private Kapitalsmartt wegen der hohen 3insforderungen fast voll. Familie", Berlin N. 4, Chausseestr. 1. Fernsprecher: Norden 6916. tommen versperrt ist, fönnen fie aber von ihren Mitgliedern un möglich solche Summen an Baukostenzuschuß und laufenden Mieten fordern, wie es den privaten Bauherren möglich ist. Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, daß weder Privatbauunternehmer noch Baugenossenschaften ihre neuen Wohnungen loswerden können, weil um Großfeuer in Altona. Gin Großfeuer, das erhebliche Werbe zerstörte, hat gestern abend die Altonaer Futtermittelfabrik Don Hamelmann heimgesucht. Das Feuer entstand aus bisher unbekannter Ursache der Markt der zahlungsfähigen Wohnungsuchenden leer in der Hädselschneiderei der Strohpresse. Die mit allen verfügbaren Mannschaften erschienene Feuerwehr stand einem Flanunenmeer ist. Daß das keine Lösung der Wohnungsnot ist, liegt flar auf der gegenüber. Zur Bekämpfung der immer neu auftauchenden BrandHand. Die Baugenossenschaften fordern deshalb in erster Linie eine herde wurden 20 Rohrleitungen angelegt. Mit großem GeBevorzugung dergestalt, daß die Bautostenzuschüsse aus der töfe stürzte in furzen Zwischenräumen das Fachwert des Hädselwerts Hauszinssteuer, die jetzt 50 Broz. der Baufosten betragen, so er zufammen, 20 Meter hohe Feuergarben zum weithin geröteten höht werden, baß es ihnen möglich ist, die Wohnungen auch an Himmel entfendend. Eine riesige Menschenmenge umfäumte die von wirtlich Bedürftige abzugeben. In der Diskussion ber Schußpolizei abgesperrte Brandstätte. Erst in später Abend wurde con allen Rebnern der Unwille über die jetzige Wohnungsstunde fonnten die ersten Aufräumungsarbeiten in Angriff genommen politik der Behörden recht fraß zum Ausdrud gebracht. Dem Ber werden. liner Bau- und Sparverein ist es beispielsweise nicht möglich, eine Ein; immerwohnung unter 80 2. Miete pro Monat herzustellen. Für ein Sweizimmerwohnung muß über 100 m. gefordert werden. Unter diesen Umständen gehen die gemeinnüßigen Absich ten und Bestrebungen der Baugenoffenschaften polltommen verloren. Auch bei ihnen fann nur derjenige eine Wohnung bekommen, der das Gelb dazu hat. Die Bertreter Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenverfammlung niorgen Donnerstag steht neben einer Reihe Borlagen und Anträge, die aus den Ausschüssen zurüdfommen und dem Plenum zur Beschlußfaffung vorliegen werden, auch eine Vorlage betreffend die Wieberbefeßung der Stadtschulratsstelle, die seit dem Abbau unseres Genossen Paulsen unbesetzt ist. 4 Aushebung einer Falschmünze. Falsches Silbergeld. Der Kriminalpolizei ist es gestern gelungen, eine Falschmünzer werkstatt im Hause Landwehr str. 5/6 auszuheben und das ge famte vorgefundene Material zu beschlagnahmen. Schon längere Zeit murde ein Mann beobachtet, der an der schiedenen Stellen der Stadt in fleineren Geschäften usw. falsche jilberne Einrentenmarfstüde in Zahlung gab. Beamte der Falschgeldabteilung beobachteten ihn und stellten fest, daß es sich um den 59 Jahre alten Mechanifer Karl Humboldt han. delte. Ueberraschend fielen fie gestern nachmittag in dessen Woh nung in der Landwehrstr. 5/6 ein. Nach kurzer Durchsuchung fand man schon das ganze Material, Tiegel, Gipsabgüsse usm., alles, was zur Herstellung von falschen Dreimart und Ein martstiden dienen fonnte, vor. Ebenso wurde falsches fertiges Silbergeld bei ihm vorgefunden. Das Falschgeld ist im großen und ganzen dem Fälscher ziemlich gut gelungen. Kenntlich ist es ruur an dem Rande, der, wie ja befannt, den Fälschern die meisten Schwierigkeiten bereitet. Am Rande der Falschstüde fehlen nämlich die bei den echten Geldstücken vorhandenen fleinen Zweige und Lünktchen. Humboldt, der bereits vor 33 Jahren einmal wegen Münzverbrechens bestraft worden ist, feit Berbüßung jener Strafe aber ehrlich gearbeitet hat, will zu dem jezigen Schrift durch Arbeitslosigkeit und Geschäftszusammenbruch getrieben worden sein. Er wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Neuer Schlafwagentyp der Mitropa. Gewerkschaftsbewegung Die Prüfung der Arbeitseignung. Für die Einstellung der Lehrlinge in einen Beruf oder in einen bestimmten Betrieb waren früher bestimmend das Schulzeugnis, der Wille der Eltern, die oberflächliche Beurteilung des Aufnahmefuchen den durch den Unternehmer oder seinen Stellvertreter. Ob der Prüfling fich für den von den Eltern gewählten Beruf eigne, ob er auch seinen eigenen Wünschen entsprach, wurde entweder gar nicht oder nur nebenher festgestellt. Seitdem die Industrie das Handwert verdrängt hat, famen aber immer mehr Arbeitskräfte zur Einstellung, die nur hände zu sein brauchten; nach dem Schulzeugnis wurde nicht mehr gefragt; eine eigentliche Lehrzeit war nicht durchzumachen. Der Typ des ungelernten Arbeiters, des Fabritarbeiters". des Handlangers" mar damit geschaffen, der an feinen bestimmten Be ruf gebunden war, wenn er nicht durch Gewöhnung oder Unfernung in einem bestimmten Gewerbezweige blieb. Die Ausdehnung des Maschinensystems hat die Zahl der ungelernten oder nur angelernten Arbeiter außerordentlich vermehrt. Je mehr aber die Industrie Berfeinerungsindustrie wird, desto größere Bedeutung ge winnt wieber die Heranbildung eines ordnungsgemäß ausgebildeten Nachwuchses. Nunmehr genügt bei der Auswahl der Lehrlinge nicht mehr das erfahrene Auge des Unternehmers oder Betriebsleiters, der junge Arbeiter muß auf seine Eignung nach wissenschaft lich- technischen Grundsägen geprüft, er muß auf feine Fähigkeiten untersucht werden. 4. Rightpinholegen( Bertmeister z bergi) lefie miffenfchaftliche anfechtbare Brüfarbeit. Auf der Berliner Konferenz murde über bie Seripfittes rung und Eigenbrödelei auf diesem Gebiete getlagt. Das Syftem weise noch viele 2üden und Mängel auf, aber nach der ersten Ueberschätzung, besonders nach Ausscheidung des Dilettantismus, seien doch günstige Ergebnisse bei der Eignungsprüfung erzielt worden. Für die Art der von den Großbetrieben vorgenommenen Prüfungen einige Beispiele. Bei Linke Hoffmann Lauchhammer( Breslau) gliedert sich die Prü fung in eine schriftliche und in Prüfungen an Apparaten und Verfuchsanordnungen. 1. Die schriftliche Prüfung erstrect fich auf Auffassung und Wiedergabe des Inhalts eines vorgelesenen Berichts, eines Mär chens oder auf Abfassung eines Auffages, aus dem Berstandes bildung und die moralischen Qualitäten des Prüflings festgestellt werden fönnen. Ferner erstreckt sich die Prüfung auf Löfen voR einfachen Rechnungsaufgaben, Feststellung des Gedächtnisses für Bahl, Wort und Figur. 2. An Apparaten werden geprüft die Raumvorstellung, der Taftsinn, die Handfertigkeit, die Geschicklichkeit, das Augenmaß und die Reaktionsfähigteit. Bei Borsig in Berlin merden dem Prüfling eine Reihe von Aufgaben vorgelegt: Inhaltsangabe eines Textes, einfache Bruch rechnungsaufgaben, Figurenversuche, ein Bild zur Feststellung des technischen Verständnisses, Rad mit Hemmvorrichtungen, Holzmodell bestimmung, Ausfüllung von Stüden bei einem Teilmodell, Drahtbiegen, Einziehen einer Feder, Augenmaß für die Feststellung eines rechten Winkels. Bei der Reichseisenbahn wird besonderer Wert auf die allgemeine Intelligenz, auf Auffassung und Gedächtnis gelegt. Für das technische Verständnis wird ein Rangiertableau mit verdeckten und unverdeckten Stellwerktafeln vorgelegt. Außerdem lichkeit unterfucht. Die Mitropa( Mitteleuropäische Schlafmagen und Speisewagengefellidaft) zeigte fürzlich auf dem Potsdamer Bahnhof einen von der Firma Wegmann in Kassel erbauten neuen Schlafwagen, der vier Reisenden 1. Klaſſe und 14 der 2. Klasse Einzelabteile bietet. Die Unannehmlichkeit, mit anderen Schlafgästen gemeinfam ein 2bteil benußen zu müffen, fällt bei den neuen Wagen Frage befonders interessierten Behörden und Organisationen ein werden die Prüflinge noch vom Bahnarzt auf ihre förperliche Taug fort. Von einem die qus gehen rechts und links die Abteile ab, die jeden Komfort bieten. In der 2. Klasse befinden sich neben dem Tagessitz einige hochflapp hare Stufen, die zu dem höher gelegenen Beit führen. Die Lagerstätten sind unter der Decke des Wagens, über dem Gang und quer zu ihm angeordnet; es wird dadurch viel Raum erspart und das läflige Umbauen der Betten vor und nach der Benutzung wird ver mieden. Die Betten der 1. Klasse befinden sich in normaler Höhe, fie werden durch einfaches Ausziehen des Tagesfizzes hergerichtet. Jedes Abteil hat Waschgelegenheit, Barmwasserheizung und elektrische Beleuchtung. Der Wagen ist ganz aus Eisen erbaut und hat eine Länge von 23,5 meter. Bau einer Havelbrücke bei Caputh. Der Kreistag des Kreises Baud- Pelzig hat für den Bau einer Havelbrücke Caputb- Gelton 50 000 it. als vorläufigen Kosten beitrag bewilligt. Die Brüde foll im Zuge des jezigen Fährweges errichtet werden. Dadurch wird nicht nur eine Verbindung zwischen Caputh und Geltow geschaffen, sondern auch eine neue wichtige Verkehrsstraße, die die reise Zauch- Belzig und Dit- Havelland verbindet. Winter im Thüringer Wald. Aus dem Ferienheim Stu tenhaus( Thüringer Wald, 750 Meter hoch) mird uns geschrieben: Endlich hat sich das Wintersportmetter gebessert und der Wintersport fann min, wenn auch spät, beginnen. An den letzten Tagen, vor allem aber am Sonntag, gingen reiche Schneefälle nieder, so daß der Schnee durchschnittlich 30 Zentimeter Höhe erreicht hat bei 3 bis 4 Grad Kälte. Bei nordöstlichen Winden hält leichter Schneefall auch weiter an. Starke Rauhreisbildungen geben dem Bald einen märchenhaften In den nächsten Wochen finden Kurse im Schneeschuh laufen statt, an denen sich Wintersportler tostenlos beteiligen tönnen. Buschriften find zu richten an das Ferienheim Stutenhaus, Kreis Schleusingen( Thüringer Wald). Anblick. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin E 14. Sebaftianstr. 37/38. Sof 2 r. Kamerabichait Rrenzberg, Abt. Sño. Dit. Seute, Mittwoch, ben 4. Februar, abends 18 Uhr, Salefishes Tor Kamerabschaft Aren berg. Donnerstag, ben 5, abends 7.30, erweiterte Borstandssigung Blod und Gruppenführer. Sport. Brandenburgische Meisterschaften im Boren. Die Entscheidungs fämpfe um die Brandenburgischen Bormeisterschaften wurden gestern abend im Sportpalast ausgetragen. Im Papiergemicht wurde der ausgezeichnete Herosmann Remp über Weidner( Weißensee) durch einen guten Panitfieg Meister seiner Klasse. Ebenso errang 3igiarsti( Alt- Wedding) in Fliegengewicht den Buntisieg über after( Weften) und somit den Titel Neuer Meister im Bantam. gewicht murde der ringerfahrene Bolfmar( Heros) über Aust ( Boring- Club) nach Bunften. Im Federgewicht fonnte Werner ( Westen) durch gute Arbeit mit einem Buntisieg über Hardt( Heras) den Titel für fich erkämpfen. Der Kampf der Leichtgewichte mar nöllig ausgleichend, erst zwei Zufahrunden verhalsen dem ausgezeichnet arbeitenden Thorny( Westen) zum Titel über Stöhr ( Heros) nach Buntben. 3m Weftergewicht standen sich zwei Heros leute gegenüber, Pabst und Schröder. Der Kampf, der viel zu persprechen schien, wurde bereits in der ersten Runde gestoppt megen Armverlegung von Pabst, damit kam Schröder ohne allzu große Mühe zum Titel. Einen recht intereffanten Rampf gab es im Mittelwärter auf den Titel auf Vogt( Tasdorf). Auch hier mußte erst gewicht; hier traf Hoffmann( Weißenfee) als jahrelanger Aneine Bufagrunde nach schönem Rampf Hoffmann zum Bunfifieg ver. helfen. Im Halbschmergewicht schlug Nispel( Heros) seinen Klub. fameraden Gimpel fehr überlegen nach Puntten. Das Schwergewicht vereinigte den Taubstummen Knöpnadel( Brandenburg) und Carls( Astoria), hier siegte Knöpnadel technisch gut nach Punkten: Der Sieg Knäpnadels ist insofern beachtenswert als es dem Laubstummen gelang, sich ausgezeichnet im Ring zu bewegen. Die Kämpfe gegen die Holländer fielen aus, da diese wegen Paßschwierigkeiten an der Einreise verhindert waren. Besuch und Sport waren gut. Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Strumpfwaren Trikotagen a Qualitätsware. große Auswanl zu bili sten reisen, kauf n Sie bei Erich Schulz Die deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene hat fürzlich in Berbindung mit dem preußischen Wohlfahrtsministe rium in Berlin eine Konferenz abgehalten, in der den an dieser Ueberblid über Theorie und Praris der Berufseignungsprüfung gegeben wurde. Nach mehreren Vorträgen fonnte eine entsprechende Einrichtung in einem Berliner Großbetrieb besichtigt werden. Die wissenschaftliche Grundlage für die Arbeitseignungsprüfungen bildet die Psychologie, das ist die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der inneren, seelischen Erscheinungen beschäftigt. In der experimentellen Psychologie werden die äußeren Ausdrucksformen der feelischen Erscheinungen untersucht, ebenso die Wirkungen, die beſtimmie Borgänge des äußeren Lebens auf sie ausüben. Die Berufseignungsuntersuchungen auf psychologischer Grundlage wird zurzeit nach der von Gewerbemedizinalrat Dr. Bette im Bentralblatt für Gewerbehygiene und Unfallverhütung gegebenen Formu fierung zu zwei ganz verschiedenen Zweden angewendet: Bie Berufsauslese oder Berufsberatung fucht für eine bestiminte Person einen Beruf aus, für den die betreffende Ber. sönlichkeit Eigenschaften, Fähigkeiten und förperliche Eignung mitbringt. Im Gegensatz dazu wird bei der Personenauslese für eine bestimmte Berufsart eine Anzahl von Personen daraufhin untersucht, ob sie zur Ergreifung des betreffenden Berufs auch die erforderlichen Fähigkeiten mitbringen. Aus der Konkurrenz der Geprüften erfolgt dann die Auswahl und Annahme der besten. Die Berufsauslese geht von der Personenkunde, der Kenntnisse der Eigenschaften einer Person aus, fie setzt voraus, daß von jeder psychischen Eigenschaft bekannt ist, welcher Grad dieser Eigenschaft für den einzelnen Beruf erforderlich ist. Die Ber. fonen auslese dagegen geht von der Berufstunde aus und fekt voraus, daß für den in Frage kommenden Beruf bekannt ist, welche Eigenschaften er erfordert, sowie melche Eigenschaften und melche Grade davon für eine gute oder wenigstens ausreichende Berufstätigteit schädlich oder hinderlich sind. Die Berufsberatung hat ihre rechtliche Grundlage ge funden im Arbeitsnachweisgesetz vom 22. Juli 1922; am 12. Mai 1923 find vom Reichsamt für Arbeitsvermittlung weitere Ausführungsbestimmungen erlassen worden. Auch einige Länder gaben im Anschluß daran Berordnungen über die Berufsberatung heraus.. Bei den öffentlichen Beratungsstellen stedt die psychologische Brüfung noch in den Anfängen. Das Berliner Landesberufsamt hat einen Fachpinchologen zum Leiter, das Landesarbeitsamt West, falen und Lippe unterhält eine Abteilung für praktische Psychologie. Sonst gilt für die augenblickliche Stellung der Berufsberatung zur Eignungspfychologie das, was Dr. Langenberg im März 1924 auf der Tagung der Landesberufsämter in Jena ausgeführt hat: Wir müssen schon zufrieden sein, wenn vielfach die Berufs beratung von einem Mann oder einer Frau ausgeübt wird, die außer dem flaren Blid für das prattische Leben auch genügend pädagogisches Geschid und psychologische Einfühlungsfähigkeit be. fizen, um ein junges Menschentind zu beurteilen. Ihre Menschen tenntnis und Menschenbehandlung werden wohl in den meisten Fällen das Richtige treffen, wenn außer den Angaben der an wesenden Eltern und des Kindes außerdem die Angaben der Schule( Personalbogen) zum Gesamturteil herangezogen werden. In der von uns erwähnten Konferenz ist vom Staate gefordert worden, daß er für die wissenschaftliche Förderung der Berufseignungsprüfungen mehr als bisher tue. Jetzt wird die Arbeitseignungsprüfung vornehmlich von den industriellen Großbetrieben ausgeführt, die in der Regel einen pinchologisch besonders vorgebildeten Ingenieur mit der Einstellung der LehrBor einigen Jahren schon hat sich Dr. Hildegard Sachs gegen die Einzelunternehmer als Träger linge und Arbeiter betrauen. der Eignungspsychologie gewandt, weil deren privatwirtschaftliche Einstellung folgende Nachteile ergeben müßte: 1. Bermehrte Arbeiterausschließung. Die fleineren Werte tönnen die Ausgeschlossenen im eigenen Betriebe nicht unterbringen. 2. Die Arbeitsuchenden müssen viel Zeit und Kraft vergeuden durch Bewerbungswege vor der Einstellung. 3. Doppelarbeit in der Forschung fann nicht vermieden werden, da der Unternehmer seine Ergebnisse der Kon turrenz vorenthält. Fritz Ranmar Krükölln, Reuterstraße 53 die billige Bezugsquelle für Leib- Wäsche Wäschestoffe jeder Art. 2. Geschäft: Anzengruber- Straße 27 ähne 1.2 G.-M. auf Teilzahlung gestattet b. l. Anzanl u. wöchentl. 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Wenn das an fleineren Orten nicht ohne wei die Eignungsprüfung mit der Berufsberatungsstelle teres durchführbar ist, so ist doch der eignungspsycholo gischen Borbildung der Berufsberater größere Aufmerksam. gischen Vorbildung der Berufsberater größere Aufmerksam feit zu schenken. Ferner müssen die Hochschulen in die Lage versetzt werden, diesen Wissenschaftszweig besonders zu pflegen. Berufs beratung und Eignungsprüfung werden aber immer nur Stückwert bleiben, wenn sie nicht in engster Verbindung mit den Gewerkschaften stehen. Mit gutem Recht hat der Nürnberger Gewerkschaftsfongreß im Jahre 1919 die Einsehung von 3 entrai stellen zur Regelung der Lehrlingsverhältnisse gefordert, die paritätisch zusammengesetzt werden sollten. Mit der Berufs beratung, so murde von den Gewerkschaften weiter gefordert, müsse eine Prüfung der Eignung verbunden sein; für jeden Beruf seien gemeinsam mit den dafür geeigneten Männern der Wissenschaft Merkblätter anzufertigen, die die Eigenschaften nachweisen, die für den Beruf nötig sind, und ebenfalls die Eigenschaften, die vom Er greifen des Berufs abraten." Eugen Braget. Sie bewilligen keinen Pfennig. Halle, 3. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Berhandlungen bot dem Schlichtungsausschuß Halle über eine Rohnerhöhung in der Metallindustrie für die Tarifgebiete Salle, Anbalt, Magdeburg Tiefer fieht scheiterten, so daß ein Schiedsipruch gefällt wurde. vor, daß der Lohn aller Arbeiter über 18 Jahre um 2 Bf.. der unter 18 Jahre um 1 f. erhöht wird. Die Arbeiterinnen in tem Tarifgebieten Halle und Anhalt erhalten die gleiche Erhöhung. Die Metallindustriellen haben aber fogar diefer geringfügigen Sohnerhöhung ihre Zustimmung berweigert. Lohnbewegung der englischen Eisenbahner. Condon, 3. februar.( WTB.) Die Vertreter der britiscen Eisenbahngesellschaften haben die neuen Lohnforderungen der nationalen Union der Eisenbahner abgelehnt und ihrerfeits Gegenvorfaläge zu einer Serabfegung der Löbne gemacht. Der Generaliekretär der Union, Cramp, gab der Meinung Ausdrud, baß diese Haltung zu sehr schwierigen Birren führen werde. Erhöhung der Beamtengehälter in Italien. Rom, 3. Februar.( EU.) Der Ministerrat bat in seiner heutigen Sigung für Beamte und Boltsschullehrer ab 1. April eine Teuerungs zulage genehmigt, die zwischen der sechsfachen Vertenerung der Lebensmittel und der nur fünffachen Erböhung der Gebälter ausgleichen soll. Die Verteilung nach den einzelnen Beamtengrupper ist noch nicht festgelegt. Die Einheitsfrontmacher in Italien. Rom, 4. Februar.( BTB.) Die Leitung des italienischen Gewerkschaftsbundes, der Confederatione Generale del Iapore in Mailand hat heute beschlossen, daß die vor einigen Tagen dortselbst von den tommunistischen Bertretern der Arbeiterfammern von Trieft und Treviso, sowie der ganzen Gewerbeangestelltengewerkschaft eingebrachte Resolution gegen di: Leitung die Grenzen der Kritik überschritten habe und eine Beleidigung und Berleumdung darstelle, und daß dadurc die proletarische Einheit verlegt wurde. Demgemäß wurden die genannten drei Vertreter von der Confederatione a us geschlossen. Gegen alle Organisationen, welche sich mit ihnen solidarisch erklären, wurde dieselbe Maßnahme angeordnet. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Putzer. Der Bau des städtischen Krantenhauses in Spandau ist wegen Tarifftreitigkeiten für Puter gesperrt. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Neuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Rarftabt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin GB. 68. Lindenstrake 3. Weiße Woche Nur Qualitätsvom 2. bis 7. Februar. waren! Prima 130/200. 2.75 Hemdenfach Mtr. 75, 65.55 Pt. Laken Nessel 1/200. 3.25 ohne Naht. Renforce Mtr. 80. 75, 68 P. Bezug 130 200 Macco 80.cm 5.50 . Mtr. 1.10, 95, 80 Pt. Hissenbezug 80/80..-1.35 Louisiana 10, 95, 85 P. Gerstenkorn Mtr. 65, 48 PI Louisiana 120 cm Hassel " tr. 85, 21.80 1.50 Drellhandinch m. Kante 75 Pf für Leib- u. Bett- 48 Pt. Jaquardbandtuch 48/12 1.05 wäsche 70,62 1.20 Ella Dehmel, Neukölln Nähe: Richardpl. Niemetzstraße 9 Telephon 469 Kronen: Plomben Zähne Brücken:: Gebisse gegen günstige Zahlungsbedingungen sorgfältigste, gewissenhafteste Behandlung Zahn- Arzt Dr. med. Wolf, Potsdamer Str. 55 dent. Sprechst, 9-7, Sonnt. 9-12-1 Min. Hochb. Bülowstr. 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