Nr.60 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 31 Bezugsvreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatit 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defierreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, file bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts" mit der Gonntags beilage Boll und Seit mit„ SiedTung und Aleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einipaltige Vonpareille. Reklamezeile zeile 70 Pfennig. 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 20 Pfennig ( guläffig zwei fettgedruckte Worte). jebes weitere Wort 10 Biennia. Stellengefuche das erite Bort 10 Bfennig, jedes weitere Bort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Redaktion: Donhoff 292–295. Fernsprecher: Berlag: Donboff 2506-2507 Donnerstag, den 5. Februar 1925 Staatsanwalt gegen Untersuchungsausschuß. Der Reichstagsausschuß soll nicht verhandeln. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW es, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellichaft, Depofitenfaie Sindenstraße 3 Der Fall Kroner. Ein ,, unbefangener" Richter verurteilt. Die deutsche Justiz fann rasch und sie fann scharf sein. Am Mittwoch abend trat der Untersuchungsausschuß scheint. Es trat nämlich auf ihre Veranlassung ein Kriminal. gerichtsdirektor Dr. Kroner unter dem frischen Eindrucke des Am 24. Dezember vorigen Jahres veröffentlichte der Landdes Reichstags nochmals zusammen, nachdem in den Mittags. tommiffar Rlinghammer als Zeuge auf, typischer Ber. Magdeburger Urteils im Rothardt- Prozeß einen Auffaß, der stunden die Referenten des Ausschusses eine Rüdsprache mit treter des alten Regimes, der sein Gift gegen feinen früheren Bar- Magdeburger Urteils im Rothardt- Prozeß einen Auffah, der der von Millionen empfundenen Empörung über eine gegen dem Untersuchungsrichter und dem Oberstaats. gefeßten im Landespolizeiamt, Dr. Falt, ausspritzte und von dem anwalt gehabt haben, die das gerichtliche Vorverfahren in Sachen es immer offenbarer wurde, daß er der Treiber in einer Maße verstoßende Rechtsprechung Ausdruck gab. Die beiden das Recht und den gesunden Menschenverstand in gleichem Barmat- Kutister usw. leiten.. deutschnationalen Beamtenintrige gegen diesen inzwischen im Reichs- juristisch gebildeten Mitglieder des Magdeburger Schöffen ministerium des Innern von Jarres taltgestellten republikanischen gerichts, Landgerichtsdirektor Bewersdorff und Amtsgerichtsfeinem Schußpatron Deerberg offenfundig höchst peinlich ist, daß diese Strafantrag. Schon am 4. Februar d. 3. stand Termin zur Beamten ist. Darüber wird, obwohl es dem Klinghammer und gerichts, Landgerichtsdirektor Bewersdorff und Amtsgerichtsrat Dr. Schulze fühlten sich beleidigt und stellten gegen Kroner Sache überhaupt eingefädelt wurde, im Ausschuß noch eingehend hauptverhandlung vor dem Berliner Schöffengericht an. Das geredet werden müssen, und der Herr Kommiſſar wird, wohl oder Urteil des Schöffengerichts gab zwar dem Verlangen der übel, feine mitverschworenen nennen müssen. Herren Bewersdorff und Schulze, die Kroner für lange Seit feiner Freiheit beraubt wissen wollten, nicht statt, feiten aber inumerhin eine Geldstrafe von 3000 m. gegen ihn fest. Es ist in Deutschland ungleich gefährlicher, die Mitglieder eines Schöffengerichts, auch wenn ihre Art, sich richterlich zu be tätigen, den hellsten Widerspruch hervorzurufen geeignet iſt, Reichspräsidenten! an der Ehre zu fränfen, als demokratische Minister oder den Der Zentrumsabgeordnete Dr. Pfleger, einer der RefeEinwendungen hätten gegen die Untersuchungstätigkeit des Reichsrenten, machte zunächſt die Mitteilung, daß die Gerichtsbehörden tagsausschusses, während noch eine gerichtliche Untersuchung schwebe. Eine entsprechende Mitteilung wird an den Vorsitzenden des Ausschuffes ergehen. Dr. Pfleger sagte weiter: Wir sind nicht in der Lage, in einer öffentlichen Sigung zu erörtern, inwiefern und aus welchen Gründen persönlicher oder fachlicher Art die Beweisaufnahme, die nach unseren Beschlüssen Sonnabend beginnen follte, den Gang des strafgerichtlichen Verfahrens schädigend beeinflussen müßte. Ich muß deshalb die Herren bitten, fich mit der Zusicherung zu begnügen, daß nach den uns gegebenen Informationen die straf rechtliche Untersuchung in einem Tempo und mit einem Bersonalaufwand geführt wird, daß man fagen fann: es wird mit Hochdrud gearbeitet, um die ganze Sache so rasch wie möglich abzuwickeln. Nach Lage der Dinge fasse ich mich dahin zu ſammen: so wie der Stand des Strafverfahrens heute ist, crachte ich nicht nur die Tagungen, die jetzt im preußischen Ausschuß stattfinden, sondern genau so die Beweisaufnahme, die von uns angeregt ist, für abfolut unvereinbar mit den Anforderungen, die wir an eine gerichtliche Boruntersuchung und ein strafgerichtliches Verfahren ftellen müssen im Interesse der Deffentlichkeit. Wenn das auch dem Ausschuß gegenüber in der Deffentlichkeit Mißdeutungen erfahren fönnte, fo erfläre ich für meine Person ganz offen: ich nehme diese Mißdeutungen ruhig auf mich und warts ab, bis das ftrafgerichtliche Berfahren abgeschlossen ist. Ich beantrage daher die Borläufige Sistierung der Beweiserhebungen. abend vormittag doch noch eine Sigung abzuhalten und an das Der Vorsitzende, Abg. Saenger( Soz.), fchlägt vor, am Sonnpreußische Justiz ministerium das Ersuchen zu richten, einen Bertreter in diese Sigung zu senden, der dem Ausschuß noch nähere Mitteilungen über die Gründe machen folle, die im Interesse des Gerichtsverfahrens gegen eine Untersuchungstätigfeit des Reichstagsausschusses vorlägen. Auf Fragen des Abg. Dr. Breitscheid( Soz.) teilt Dr. Pfleger mit, daß er persönlich aus den Darlegungen des Untersuchungsrichters und Oberstaatsanwalts die Ueberzeugung gewonnen habe, daß diefe der Ansicht seien, daß die Tagung des preußischen Ausschusses bereits ungünstig auf den Gang der Unter. fuchung eingewirkt habe. Die von den preußischen Justizbehörden gemachten Einwendungen bezögen fid) auf den ganzen Ar. beitsplan des Reichstagsausschusses. Der Vorsitzende, Abg. Saenger, erklärt die Tatsache für bedauerlich, daß ein anderes Parlament hemmungslos in verschiedenen großen und langen Sigungen Beweiserhebungen vornehme und das Reichsparlament jetzt zurüdstehen solle. Die Deffentlichkeit werde selbstverständlich daraus ungünstige Schlüsse ziehen. Nach weiterer furzer Erörterung wurde einstimmig der Bor. schlag des Vorsitzenden angenommen. Es findet also am Sonn. abend vormittag um 10 Uhr eine Sitzung des Ausschusses statt, in der ein Vertreter des preußischen Justizminifteriums gehört werden soll Die Beamtenintrigen. Ein Kriminalkommissar gegen seine Vorgesetzten. Was sich im zweiten Teil der gestrigen Gigung des Preußischen Untersuchungsausschusses nach der Bernehmung des Abg. Heilmann abspielte, hatte mit der Affäre Barmat Seehandlung nur sehr entfernte Beziehungen; mie überhaupt festgestellt werden muß, daß ein großer Teil der Berhandlungen mit dem eigentlichen Aufgabenkreis des Ausschusses nichts anderes zu tun hat, als dem Bestreben der deutschnational- fommunistischen Ausschuß mitglieder zu dienen, möglichst viele Ramen von Sozial demokraten in irgendeinen fünftlich konstruierten Busammenhang mit der Barmataffäre zu bringen. Unsere Parteigenossen im Ausschuß haben bisher mit Recht diese Taktik nicht durchkreuzt, damit nicht unterstellt werden könne, man wolle irgendetwas vertuschen. Aber darüber muß man sich im flaren sein: Eine solche Methode führt zur Diskreditierung der nüßlichen und not. wendigen Einrichtung der parlamentarischen Untersuchungsaus schüsse, die dann nur no) zu Tummelplägen übelster Hege und Schüffeleien degradiert werden. Er wird u. a. darüber aussagen müssen, wie es fam, daß die von ihm auf Grund einer falschen Denunziation bei einer Haussuchung in den Barmatschen Geschäftsräumen beschlagnahmte Privat forrespondenz jekt in Abschrift durch deutsch nationale Blätter veröffentlicht wird. Wer hat die Abschriften vorgenommen, wer hat sie widerrechtlich veräußert? Mag die Rechtspresse ruhig alles veröffentlichen, was sie durch Diebstahl, Hehlerei und Korruption erworben hat aber die Ausschußmitglieder und die Behörden haben die verdammte Pflicht, die Fäden diefer deutschnationalen Machenschaften aufzudecken und zu zerreißen. Der Ruhrgelderskandal. Die moralischen Verluste Deutschlands. Amsterdam, 4. februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Ruhrtampfgelderstandal hat in den Niederlanden ungeheures 2uffehen erregt Die Blätter. bezeichnen ihn als eine Folge der durch die Schwäche sämtlicher Nachkriegsregierungen gegenüber den sozialen Verhältnisse. Schuld an diesen Zuständen sei zum sehr Großindustriellen und Agrariern entstandenen innenpolitischen und großen Teile das deutsche Bolk felbst. Es handelt sich bei dem Ruhrgeldersfandal um ein Panama nie dagewefenen um fanges, demgegenüber fämtliche Rorruptionsaffären der Geschichte eine Bagatelle darstellen. Der Courant" schreibt: So faßt man in Deutschland den Begriff Demokratie auf. Eine Regierung verschenkt 800 Millionen Goldmart an ihre Freunde, ohne daß das Parlament und das Bolt ben geringsten Dunst von einer derartigen finanzpolitischen Transaktion haben. Jedes Unglüd, das das deutsche Bolk trifft, hat sich bisher stets als ein Segen für die Groß industrie erwiesen. Weit größer als der Schaden, den der Skandal im Reich selbst anrichtet, sind die schädlichen Folgen, die die Angelegenheit im Ausland gegen Deutschland zeitigen wird. Das Gerede, daß gerade Deutschland sich mit allen möglichen Manövern seine alten Schulden und Reparationsverpflichtungen zu erledigen weigert, wird wieder Glauben finden. Die moralischen Berluste, die das deutsche Bolf durch diese Affäre erleidet, find zweifellos viel größer als der Schaden, der dem deutschen Steuer zahler durch den Tribut im Lande entsteht. Die Pariser Verhandlungen. Deutsche Antwort auf die französischen Vorschläge. Paris. 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die am Dienstag abend vom Staatssekretär Trendelenburg überreichte Ant wort auf die legten Borschläge der französchen Handels. delegation gibt einleitend einen historischen Rückblick über den bisherigen Berlauf der Berhandlungen, in dem die französische These zurückgewiesen wird, wonach alle Konzessionen nicht nur von fran 3ösischer Seite gemacht worden seien, während Deutschland sich auf eine rein negative Kritit der ihm unterbreiteten Borschläge beschränkt habe. Die deutsche Note gibt sodann dem Wunsche Aus drud, so rasch wie möglich zu einer Einigung zu gelangen, ohne allerdings die bereits früher gegen die französischen Borschläge erhobenen prinzipiellen Borbehalte fallen zu lassen. Sie teilt mut, daß die deutsche Regierung grundsäglich bereit ist, dem französischen Wunsch, zunächst nur ein provisorisches Ab. tommen abzuschließen, entgegenzukommen und für dieses Proviforium auch eine gewisse Benachteiligung der deutschen Einfuhr mit in den Kauf zu nehmen, wenn Frankreich dagegen schon heute die bindende Zusicherung gibt, daß Deutschland, wie dies in der Bereinbarung vom 12. Oftober festgelegt worden war, in dem später abzuschließenden Vertrag die Meistbegünstigung, wenn nicht de jure, fo bod de facto, erhalten wird. Die Einzelheiten der zu treffenden Regelung behält die deutsche Note den mündlichen Verhandlungen vor. Raynaldy, der Chef der französischen Dele gation, der am Mittwoch morgen eine längere Unterrebung mit Trendelenburg hatte, hat sich damit einverstanden erklärt und be reits für Donnerstag nachmittag eine Plenarsigung der beiden Dele. gationen vorgeschlagen. Dieser foll am Vormittag ein neuer per sönlicher Meinungsaustausch mit den beiden Delegationschefs ocrausgehen. Dabei wird allmählich sogar jeder Schein gerichtlicher Unparteilich feit preisgegeben. Das tam gestern besonders Praß bei dem deutsch nationalen stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Deerberg zum Vorschein. Dieser fanatische, aber unbegabte Gegner der Republit von Beruf Landgerichtsdirektor!-verwechselte offenbar den Ausschuß mit einer deutschnationalen Ticheta, während der gestern größtenteils abwesende Vorsitzende, der Volks parteiler Dr. Leidig, wegen seiner ruhigen, unparteilichen Art einige hämische Gloffen der Kreuz- Zeitung" über sich ergehen lassen mußte. Und doch muß man den deutschnationalen Schnüfflern dafür New Bort, 4. Februar.( TU) Präsident Coolidge übersandte bantbar sein, daß sie Den Senat die Antwort Hughes' auf Johnsons Resolution, woallerdings wider Willen der Deffentlichkeit nach dieser die Vorlegung des Tertes des Pariser Finanz. Gelegenheit gaben, Einblid in das Treiben einer reat abtommens verlangt. Darin stellt Hughes nochmals feft, daß tionär monarchistischen Beamtentamorra zu gebas Abkommen Amerika nicht verpflichte, sich an Santtionen minnen, wie fie leider nicht nur im Bolizeipräsidium zu egiftieren zu beteiligen, falls Deutschland seinen Zahlungen nicht nachtomme, Amerika kein Sanktionsgehilfe. Der Prozeß Kroner läßt wieder einmal erschreckend deutlich erkennen, wie gering der Rechtsschuß ist, den die deutsche Strafprozeßordnung den in die Schlingen des Strafgesetzes geratenen Opfern gewährt. Kroner dachte nicht daran, sich den Folgen seiner Tat zu entziehen. Er trat mannhaft für sein gutes Recht ein, ein unerhörtes Urteil mit der gebotenen schonungslosen Schärfe zu fritisieren. Aber er wollte, daß das Urteil gegen ihn erst gefällt werde, nachdem die zweite Instanz in Magdeburg gesprochen haben werde. Mit Recht befürchtete er, daß das Berliner Schöffen" feinen Ungunsten geltend machen werde. Hatte doch der Borburger Schöffengerichts stehe und daß dessen Einfluß sich zu gericht andernfalls unter dem Eindruck des Urteils des Magdefißende des Berliner Schöffengerichts, Amtsgerichtsrat 2 hisdorff im Privatgespräch geäußert: Was wollen Sie, das Magdeburger Urteil ist einmal da, es ist nicht anzunehmen, daß die Richter, die es gefällt haben, bösgläubig waren, und deshalb rechtfertigt die Tat Kroners feine Berurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei bis sechs Monaten." Selten war ein im Gerichtsjaal gestellter Antrag so wohl begründet wie der, der die Kronersche Anklagesache bis nach der Entscheidung des Magdeburger Falles in der zweiten Instanz zu verschieben trachtete. Der Justiz wurde damit nicht zuge= mutet, mit der Durchführung des Prozesses gegen Kroner lange zu warten, denn die Magdeburger Straffammer hat Termin für die Berufungsverhandlung bereits auf den 17. Februar angefeßt. Gleichwohl wurde der Antrag Kroners abgelehnt! Daß ein Richter sich vor der Verhandlung einer Straffache ein Urteil über Schuld und Strafe des Angeklagten bildet, tommt häufig vor. Selten ist es aber, daß er seine An- und Absichten Dritten gegenüber verlauten läßt. Herr Amtsgerichtsrat Ahlsdorff war unvorsichtig genug, zu einem Zeitpuntt, wo er nichts als die Anflageschrift, den Artikel Kroners und dessen Erklärung fannte, in Privatgesprächen Aeußerungen zu tun, die ihn entschlossen zeigten, Kroner für mehrere Monate seiner Freiheit zu berauben. Es war dem Angeklagten nicht zuzumuten, einen Mann als Richter über sich anzuerkennen, der vor der Hauptver handlung fich bereits ein Urteil gebildet hatte, zu dem er doch erst nach Durchführung der Verhandlung berufen ist. Kroner lehnte Herrn Ahlsdorff wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Wurde dem Ablehnungsgesuch in diesem Falle nicht stattgegeben, so fönnen die Bestimmun gen über die Ablehnung von Gerichtspersonen aus der Strafprozeßordnung ausgemerzt werden. Denn deutlicher als in den Aeußerungen des Amtsgerichtsrats Ahlsdorff wird die Befangenheit eines Richters niemals in die Erscheinung Die sofort zusammenberufene Straffammer I des Berliner Landgerichts I erklärte die Ablehnung Ahlsdorffs für unbegründet. Zwar fonnte Herr Ahlsdorff seine zur Kenntnis Kroners gelangten Aeußerungen nicht bestreiten. Aber nach seiner und der damit übereinstimmenden Ansicht der Straffammer waren fie belanglos! Es ist nicht ungewöhnlich und durchaus verständlich," so führt die Straffammer aus, daß der Richter bereits bei der Bearbeitung und Borbereitung eines Strafrechtsfalles über die Schuldfrage Klarheit zu gewinnen jucht und daß er vorliegend bei einer den Richterstand im allgemeinen interessierenden Sachlage in Privatgesprächen mit anderen Richtern sich über das vorläufig gewonnene Bild äußert. Daraus folgt feineswegs die Besorgnis, daß er über die Ergebnisse der Hauptverhandlung parteiisch entscheidet." Beiläufig bemerkt, hatte der Angeflagte gar nicht behauptet, daß Herr Ahlsdorff feine Aeußerungen in Brivatgesprächen mit anderen Richtern getan habe. Der Magdeburger Landgerichtsdirektor Bewersdorff, der Borsigende im Prozeß Rothardt, scheint davon überzeugt zu fein, daß seine Prozeßleitung und sein Urteil allen Anforde rungen entsprechen, die man billigerweise an einen Richter ,VJ stellen berechtigt ist. Die Verteidiger Kraners bemühten sich, diese gute Meinung zu erschüttern. Sie stellten unter das Zeugnis des Herrn Bewersdorff, daß er in seinem früheren Wirkungskreise Kottbus als die erste politische Aufgabe der Gegenwart bezeichnet habe,„den Sattlergesellen da oben" baldmöglichst von seinem Posten verschwinden zu lassen und durch Herrn Ludendorff zu ersetzen, und daß er ferner nach dem Urteil sich von seinen Kottbuscr Gesinnungsgenossen als den„Sieger von Magdeburg" habe beglückwünschen und feiern lassen. Die Verteidigung folgert- aus diesen Bor- gängen, daß Herr Bewersdorff an der Findung des Urteils in einer Sache nicht hätte mitwirken dürfen, in der der An- geklagte auf die Erreichung des Herrn Bewersdorff so sympathischen Zieles der Entfernung des Reichspräsidenten von seinem Amte hinarbeitete. Herr Bewersdorff bewies ein bedauernswert schlechtes Gedächtnis, indem er zu dem ersten Vunkt als Nebenkläger erklärte, mangels näherer Angaben könne er sich über die Behauptung der Verteidigung nicht äußern: M dem zweiten Punkt gebe er überhaupt keine Er» klärung ab. Das Gericht ersparte ihm die Peinlichkeit einer eidlichen Zeugenvernehmung, indem es den Beweis- antrag der Verteidigung ablehnte! Nun waren alle Hindernisse, die der für fein Recht kämpfende Angeklagte seiner Verurteilung entgegenstellte, be» seitlgt, und der für die Ehre und das Ansehen der Republik und der deutschen Justiz eintretende republikanische Richter konnte unter dem Vorsitz eines m a n a r ch i st i» s ch e n Richters wegen Beleidigung zweier seiner monarchisti» schen Kollegen zu einer Geldstrafe verurteilt werden, die die von dem Vertreter der Anklogebehörde in Antrag ge» rächte um das Dreifache übertrifft. Kroner konnte aber den Gerichtssoal erhobenen Hauptes verlassen. Das Urteil bedeutet eine neue Wunde, aber nicht für den Verurteilten, fondern für das deutsche Gerichtswesen! Sewersüorff/Kroner. Ter Republikaner zu SO«« M. Geldstrafe verurteilt. In dem Bcleidigungsprozefj gegen den Vorsitzenden des Re- publikanifchen Richterbundes. Landgenchtsdirektor Kroner. wegen Beleidigung der Magdeburger Ebert. Richter, lehnte dos Gericht den Bertagungsantrog ab. über den wir im Abendblatt berichtet haben. (?s komme nicht auf die Gründe des Magdeburger Urteils an, sondern man kann sogar dem Angeklagten unter. itellen, daß er damals der lkberzeugung war. die Gründe des Urteils a«g«n Rothordt seien unzutreffend gewesen. R.-A. S ch a p e r: Es könnte das Gefühl aufkommen, als wenn sich die Schöffen, die damals zu dem Magdeburger Gericht gehörten, durch den Artikel des Angskragten nicht beleidigt fühlten. Das ist jedoch nicht der Fall: ich habe vielmehr den Auftrog, den Beklagten zu fragen, ob er auch die Schössen mit seinem Artikel beleidigen wollte. Landgerichtsrat K r o n e r: Mir log es fern, die Laienrichter zu treffen. Die Sache richtete sich mehr gegen die Berufsrichter. Das Gericht beschloß ferner, die Gründe des Magdeburger Urteils nicht zur Verlesung zu bringen, da sie für den vorliegenden Fall unerheblich seien. R.-A. Dr. Landsberg: Durch die Presse und durch die Anfrage des demokratiichen Abgeordneten Riedel ist bekannt geworden, Herr Landgerichtsdirektor Bewersdorss habe noch zur Zell seiner Richtertätigkeit in Kottbus e r k l a r t, der einzig mögliche Reichs- Präsident sei Ludendorff, und der Sattlergeselle Ebert müsse so bald wie möglich verschwinden. Ich bitte, Herrn Bewers» dorff über diese Angelegenheit hier als Zeugen zu hören. Weiter ist uns bekannt geworden, daß Herr Bewersdorff nach dem Urteil in Magdeburg sich als den Sieg« von Magdeburg Hot feiern lassen. daß er Glückwünsche entgegengenommen hat und daß er es nicht für notwendig befunden Hot, diese Glückwünsch« zu seinem Urteil zurück» zuweisen. Bors.: Es ist Ihnen doch wohl bekannt. Herr Rechtsanwatt, daß Herr Landgerichtsdirektor Bewersdorff d i e n st l i ch dem Justiz« Ministerium erklärt hat, er könne sich aus eine Bemerkung, wie sie hm von dem Abgeordneten Riedel vorgeworfen wurde, nicht«nt> Innen. Gester«, Heute, Morgen. Sonzerkumschau von Kurt Singer. Als Erich Kleiber die Konzert« der Staatsopernkapellc über. nahm, wollte man wissen, daß er mit ungeheurer Energie, die ihn ja gewiß ziert, mit dem konservativen Einschlag der Konzert- Programme endgültig brechen werde. Ab und zu nahm«r einen Anlauf, doch sank er jedesmal wieder in den alten Mechanismus zurück. Dabei ist«r doch selbst so voller Impuls, so angefüllt mit musikantischer Sehnsucht und letzten Endes so differenziert nervös, daß es ihn unbedingt nach neuem gelüsten muß. Zudem hat er, wie kein anderer Kapellmeister in Berlin, die Möglichkeit, durch ge- naueste Vorarbeit auch schwierigste und problematischst- Werke der Deffentttchkeit in vollendeter Form vorzustellen. Mag fein, daß ihm in seinem ersten Konzertjohr, das vielleicht das erste seines ganzen Lebens ist, baß ihm unter der verantwortungsvollen Lost der künst- lerischsn Opernleitung bisher noch die Sammlung und Ruhe gefehlt hat, in die Programme der Staatsopernkapelle Richtung. Stil und Ziel zu oerweben: fest steht, daß die Gesamtauffrifchung des Berliner Durchschnittsmusizierens, was den Inhatt, nicht was die Leistung anbelangt, durch Kleiber bisher nicht erfolgt ist. Trotzdem glauben wir an feinen Willen, wie uns fein Können immer wieder über Vorbehalte hinweg zu ihm hingetrieben hat. Im letzten Konzert gab es allerdings auch eine Uraufführung, wenn auch eine von vor-, gestern. Die Bogriffe Gestern, Heute und Morgen sind ja in der Musik etwas sehr Relatives. Ein Werk, wie etwa der„Boris Godounow", der in den Stzcr Jahren geschrieben wurde, ist ent- schieden Musik von Heute und Morgen, und manches als futuristisch imponierende Stück etwa von Straoinski ist trotz aller modernen Zutaten ein Sttick von Vorvorgestern. Die S-renade G-Dur von Reznicek. die Kleiber«rstaustührt«. ist im Jahre 1903, ihrem Entstehungsjahr, schon 50 Jahre alt gewesen. Es ist fein und sachlich geschrieben« Unterhaltungsmusik höchsten Formats, die sich anlehnt an die Suiten alter Meister. Das fünffätzige Wert fdefstn Walzer ausgelassen winde) klingt sehr durchsichtig und verbindet in seiner Kontrapunktik den Reiz des Antiquierien mit der Blässe des oft Dagewesenen. Di« Erfindung ist nicht sehr stark; eigentlich hört man ein« gut gefaßte Thematik erst in dem Augenblick, wo der Türkische Marsch aus den„Ruinen von Athen" zitiert wird. Von einem so illustren Streichkörper wie dem der Staat so per exekutiert, hatte das Werk unter der sehr schmiegsamen Leitung Kleibers stärkeren Erfolg als die sinfonisch« Dichtung„Schlemihl", die in ihrer Strauß- Abhängigkeit heute wohl auch von Reznicek nicht mehr voll ge> uommen werden dürfte. Fritz Goldschmidt leitete sein drittes Konzert mit dem Philharmonischen Orchester. Auch diesmal bewährte er sich alz ein sehr geschickter Dirigent, vorläufig ohne besondere Kennzeichen einer überragenden Begabung. Das Meistersingervorspiel, ein Idealwerk von Gestern, Heute und Morgen, also von Ewigkeit zu Ewigkeit, litt unter dem Versuch, möglichst viel Abwechslung in die Zeitmaße hineinzutraHen. So ging die Stufung verloren,"und während der Anfang wirklich meistersingerhast, in heroischem, kräftigem Puls in uns hineinklang, stahl sich das allzu breit und pastos gebrachte Ende wieder schnell aus unserem Gedächtnis heraus. Dieses Vorspiel R.-A. Landsberg: Man weiß, wie solche Dinge den Bs- Hörden gegenüber gehandhabt werden. Ich ziele deshalb auf eidliche Vernehmung des Herrn Vewersdorff hin. Gleichzeitig über- -eiche ich dem Gericht eine Aufzeichnung, die von meinem dama- ligen Mitoerteidiger Wolfgang Heine und von mir stammt, und aus der die Voreingenommenheit des Landgerichtsdirektars Bewersdorff im Magdeburger Prozeß deutlich hervorgeht. R.-A. Roth: Dem Abgeordneten Riedel ist nur auf eine An- frage hin die Antwort ertellt worden, daß dem preußischen Justiz- Ministerium von der fraglichen Aeußerung des Herrn Bewersdorff in K g t t b u s nichts bekannt sei. Der Amtliche Preußische Presic- dienst ist dagegen in der Lage gewesen, über diese Sache eine sehr lange Darstellung zu geben. Es bedarf noch der Aufklärung, wie der Amtliche Preußische Presiedienst hier Mitteilungen der Presse zuleiten konnte, die den Tatsachen nicht entsprechen. Generalswatsanwatt Lindow: Das alles geht ins Ufer« los«. Wichtig für dos Gericht ist doch lediglich die Meinung, die Herr Kroner hatte, als er den Artikel schrieb. Herr Kroner hatte damals noch keine Ahnung, daß die llnpartellichkest des Herrn Bewersdorff angezweifett werden könne und auch von der angeblichen Kottbuscr Aeußerung konnte ihm nicht» be» könnt sein. R.-A. Dr. L a n d s b e r g: Es muß dem Beklagten ab« ge- stattet werden, hier den Beweis dafür zu führen, daß Herr Bewers- dorff tatsächlich voreingenommen gewesen ist. Der Le- Nagte hat das Recht, hierüber Beweisführung zu verlangen. R.-A. Roth: Herr Bewersdorff hätte sich damals selbst schon in dem Prozeß des Reichspräsidenten gegen Rothardt als be- fangen ablehnen müsien. R.-A. Bock: Wir haben die Vernehmung des Landgerichrs- direktars Bewersdorff nicht zu fürchten. Landgerichtsdirektor Bewersdorff: Ich lege Wert darauf, hier öffentlich zu der Anfrage Riedel Stellung zu nehmen. Alles. was darüber in der Presse verbrettet ist, trifft nicht zu. Man hat den ersten Satz meiner Antwort in dem Justizministerium sortgelassen. Ich habe folgendes erklärt:.Mangels näh«« Angaben über Zeit. Ort und Veranlassung kann ich mich nicht ent- sinnen ustv...." Das ist etwas ganz anderes, als mir immer vorgehalten wird. Wenn Herr Riedel nähere Angaben macht, dann werde ich mich gern äußern. Der Justizminister hat aus die Int«- pellation nur mit einem Satz geantwortet, weil er auch nur ge- fragt wurde, ob vor meiner Ernennung zum Landgerichtsdirektor von diesen Aeußerungen dem Ministerium etwas bekannt gewesen sei. Es war dem Ministerium von solchen Denunziationen eben nichts bekannt. Im übrigen hat in dem Prozeß gegen Rothardt Rechtsanwatt Landsberg noch der Vernehmung des.Leichenmüller" mir tatsächlich den Vorwurf mangelnd« Obsektlottäl gemacht. Ein solcher Vorwurf war unerhört und ist auch als unerhört dem Schöffengericht und mir gegenüber von vielen Richtern bezeichnet worden. R.-A. Landsberg: Ob dieser Vorwurf unerhört war, dar- über haben Sie, Herr Nebenkläger, nicht zu entscheiden. Ich will an dieser Stelle auch nicht näher erörtern, ob die Art, wie Sie den Prozeß gegen Rothardt geführt haben, unerhört war. obgleich ich den nötigen Anlaß dazu hätte. Ich habe mich lediglich vor der A n w a l t s k a m ni e r z» verantworten. Wenn Sie glauben, daß ich die Grenzen überschritten habe, dann ergreifen Sie gegen mich doch die nötigen Schritte. Im übrigen bestehe ich nun noch mehr ouf der Vernehmung des Landgsrichtsdircktors Bewersdorif. Hätte ich einmal-ine derartige Aeußerung getan:„Der Sattler. geselle da oben muß verschwinden", dann würde ich wich auch ohne nähere Angaben daraus besinnen. Landgerichtsdirektor K r o n e r: Ich möchte nur noch betonen, baß das Maß des E h r e n s ch u tz e s, ouf das ein Richter An- spruch hat, natürlich davon abhängt, ob es sich um«inen unantaft- baren Richter oder um einen handelt, gegen den mit Recht Angriffe erhoben werden. Nach kurzer Beratung lehnte das Gericht die gestellten Beweis- onträge als unerheblich ab, worauf Ecneraiftaatsanwall Lindow das Wort zu seinem Plädoyer ergriff. Er beantragte eine Geld» straf« oon 1000 M. oder SO Tage Gefängnis. Der Pertreter des Nebenklägers, Dtahlhelmrschtsan» wolt Schaper-Magdeburz, forderte gar Gefängnisstrafe! Als Verteidiger des Angeklagten besprach R.-A. Otto Lands- berg kurz die Widersprüche des Magdeburger Urteils und fuhr dann' fort: Wcnn durch das Magdeburger Urteil der Ehr« des deutschen Volkes und des deutschen Namens im Auslande Abtrag geschehen ist, so ist das die Schuld des Magdeburger G e- r i ch t s, das Deuischland draußen in der Welt als den Gegen- satz eines Rechtsstaates erscheinen ließ. Der Angeklagte ist viel einfacher, als sich Herr Goidschnridt da« henkt. Wer sein« Plastik und seine Form erkannt hat, dürste nicht so abseitig dirigieren. Der große Erfolg des Abends war Gregor Piatigorsti. Man sagt wohl olles, und dennoch nicht zuviel, wenn man diesen Solo- Cellisten des Philharmonischen Orchesters den Kreisler der Kniegeige nennt. Sein Ton erinnert an den von Pablo Cosals, feine Technik ist so virtuos, gelenkig, spielend, wie man es ükwrhaupt nur sonst bei Geigern findet. Widerstände des Instrument» oder der Hand gibt es nicht für ihn, und fem Gesang ist oon so unerhörter Schönheit, sein Vibrato so männlich durchdringend, daß man von ihm nur in Superlativen der B-egeistcrunq sprechen kann. Er erwies fein« Künsth'rschaft im H-Moll-Konzert oon Dvorak. „M usik oon Heute" nannte Felix Günther einen musikalischen Abend, der erweisen sollte, daß"moderne Kunst ohne die Fesseln der Atonalitttt wirksam sein kann. Da eine Programm- Umstellung geschaffen war. so entgingen mir die vielgerühmtcn Lieder von Werner Wolsf. Die Gesänge oon Ciwara und Rejpighi, von Lotte Leonard inbrünstig dargeboten, waren allerdings Ableger von Gestern, zum Teil sehr peinlich an Puccini anklingend. Günther durfte einen Teil des Erfolges der sehr eingängigen Werke auch auf seine feinfühlige Begleitung setzen. Der Name Tans, mann begegnete uns zum ersten Male im Kammermusikabend des Roth-Quartetts. Ein Streichquartett von Mozart er- klang unter den Fingern dieser auf Moderne» eingeschworenen Musiker wie eine Neugeburt. Dies« Herren haben das spritzige Temperament und den Sinn für Gesangliches, der, auch bei Tempo- Übertreibungen, Mozart ewig jung erscheinen läßt. Das urauf- geführte 2. Streichquartett des genannten Tansmann ist schal. arm an eigenem Ausdruck, geschickt im Satz, klanglich ein wenig interessierender Nachkomme von Debussy Zwei Klavierspieler ließen aufhorchen. Zu Edwin Fischer zog es eine große Monge in einen längst ausverkauften Beethovsnsaal. Fischer hatte seinen ganz großen Tag, und er machte ihn besonders reizvoll dadurch, daß er vom Klavier aus(beim Vortrag des 1. Konzerts von Beethoven, des 7. von Bach und des 9. von Mozart) das Philharmonische Orchester dirigierte. Daß er in Vorspielen und Zwischenspielen zu . der Last des Spiclens auch noch die des Zeichengebens aus sich nahm, ist Beweis dafür, daß er die Werke ganz nach fernem Stil- aefühl zu gestalten wünschte. Das gelang ausgezeichnet. Ob dos Taktieren mit dem Kopf während des Spiels für die Dauer nicht allzu anstrengend ist, dürfte in Frage gestellt bleib«,,. Aber auch die andere Frage taucht auf. ob bei Begleitkonzecten, wenn man ein Philharmomsches Orchester zu Gebote hat, der Dirigent wirklich noch die starke Position besitzt, die ihm im allgemeinen«ingeräumt wird Es war ein Hand-in-Hand-Gehen zwischen Solist und Orchester, wie es auch bei fremder Taktierung nicht sachlicher, nicht nuancierter, nicht seiner gemacht werden konnte. So blieb nur di« kotette Art der Kadenzen zu beanstanden, die allerdings in der Fischerschen Manier sehr delikat einen Kontrast zu o:m mozart- ähnlichen jungen Beethoven bildeten. Der zweite auserwählte Pianist ist Wilhelm K e m p f s. Dieser junge Mann spiett geniehaft. Es scheint zuweilen, als gehe ihn das Instrument gar nichts an, und als bedeute das Werk, dos er interpretiert, ihm alles. Er macht Musik, scheinbar gairz für sich, ebenso verwegen wie selbständig, ebenso ernst wie amüsant. hat unter dem frischen Eindruck des Urteils den Artikel geschrieben, der objektiv sicherlich beleidigend ist. Aber es fragt sich doch, ab ihm nicht§ 193 zur Seite stand. Der Generalstaat-anwatt hat dem Angeklagten das Recht der Kritik ohne weiteres zuerkannt. Die Vorstellung, die den Angeklagten zu serner ljandlungsweise veranlaßt«, war die, daß da» höchste Gut des Volkes ang-kastek war. In diesem Falle, in dem die höchsten Ideale de» Volke» auf d-nr Spiel standen, hatte der Angeklagte da» Recht, in dem Arteil eine Herausforderung der Republik zu«blicken, der sein Herz nun einmal gehört. Jeder Schriftsteller und Künstler muß sich eine Kritik an seinem Wert gefallen lassen und dem Kritiker steht das Recht des§ 193 zur Seite. Dadurch will ich nicht gesagt haben, daß das Urteil des Magdeburger Schöffengerichts etwa eins wissenschaftlich« oder künstlerische Arbeit gewesen ist. (Heiterkeit im ganzen Saal.) Jeder Bürg« muß das Recht haben. Kritik zu üben an der Rechtsprechung, schon aus-dem Grunde, weil das Volk ja immer mehr zur Rechtsprechung herangezogen wird. In einem demokratischen Staate muß der Bürg« auch das Recht haben, an der Justiz tadelnde Kritik zu üben. Dos Gericht ha- bi« zu prüfen, ob die Beleidigungen in dem Artikel lediglich formaler Natur sind, oder ob der ganze Inhall beleidigend ist. D-r Angeklagte hatte den Eindruck, daß das Magdeburger Arieil von Parteipolikik gelragen war. daß die Richter eine bestimmt g e- färbte Brille auf hatten und daß sie sich mit dem neuen System nicht befreunden konnten. Die Magdeburger Richter haben es nicht verstanden, daß einem Menschen nm so höhere An«kennu»g zn zollen ist, wenn et au» der Tiefe in die höchsten höhen steig», als wenn dies einem Mann gelingt, der durch Geburt und Er- Ziehung besondere Chancen besitzt. Der Angeklagt« hat sich mit hohem Mute auch heute wieder zu seinen Worten bekanM. Er wehrt« einen Angriff auf die höchsten Güter der Nation ab. Der Angeklagte wußte, daß man ihm nach dieser Stellungnahme ins Gefangnis zu bringen, versuchen werde, daß, wie das Urteil auch immer ausgehe, seine Existenz vernichtet sei. Gleichwohl wagte er es. in den Abgrund zu springen, der ihn verschlingen mußte. Landgerichtsdirektor K r o n« r sagte im Schlußwort: E» ist richtig, daß bei der Niederschrift des Artikels mir die Personen der Magdeburger Richter und meine eigene Person ganz neben, sächlich waren. Ich habe mich nur als das Instrument gefühlt. Ich habe es als meine Aufgabe betrachtet, für die höchsten Belange von Volk und Vaterland und besrnbers auch des Richtertums einzutreten. Deshalb glaube ich, auch für mich meine Freisprechung beantragen zu dürfen. Das Urteil. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: Was die angeblichen Aeußerungen des Landgerichtsdirektors Bewersdorff in Kottbus anbetreftcn, so mögen sie wahr o d e r s o l s ch s e i n. In der Urtellssindung in der vorliegenden Sache können sie überhaupt nicht in Betracht kommen. Gegen de» Landgerichtsrat Schultz log nach dieser Richtung überhaupt nichts vor. Das Gericht hat ausführlich die Motive geprüft, die den Angeklagten zu seiner Handlung veranlaßten. So hat das Gericht angenommen, daß der Angeklagte im Affekt gehandelt hat, hingerissen von politischer Leidenschast, und es hat ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 3090 Mark oder je«inen Tag Hast für je 60 M verurteilt. Den Nebenklägern wird die Genehmigung der Veröffentlichung des Urteils in der „Vossischen Zeitung", der„Deutschen Richter-estung" und der „Magdeburger Zeitung" erteilt. Kredite für die kleinen Küstenfische?. Ein sozialdemokratischer Antrag. Die sozialdemokratiiche ReickSiagSsraktion hat zugunsten der kleinen Küstensucher folgenden Antrag gestellt: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu«fuil en 1. im Hinblick auf die außerordentliche Rotlag« der Küsten- fiicherei, ganz besonders der Kleinbetriebe, größere Kredite auf lange Frist zu einem niedrigen Zinsuß den Kleinbetrieben zu gewähren und für diesen Zweck ReichSmittel bereitzustellen: 2. bei der Durchführung dieser Maßnahmen und bei der Gr« Währung der Kredite im einzelnen den ReichSverband der deutschen See- und Küstenfischerei beratend hinzu« zuziehen. Ganz versteckt wollen wir auf das noch ungescklossene, doch technisch freier gewordene Spiel von Kläre K ö h n l e i n. den nicht mehr sehr frischen, aber kultivierten Gesang von Gertrud B r a n- des hinweisen. Lotte Schräder, die Geigerin, ist noch vor dem Stadium, in dem man öffentlich konzertiert. Bei sichilicher Begabung wird sie Ton und Technik noch gründlichst festen müssen. „Die Ansänge der vttliner Volksbühne." Zu unserem Bericht in Nr. 58 schreibt uns Genosse Kurt Baske: Ihr sehr sympathi- scher Bericht über meine Plauderei„Von den Ansängen der Volts- bühnenbeipegung" enthält einen Irrtum, den ich richtigstellen muß. Bnmo Wille hat nicht die Freie Bühne gegründet. S>« ist aus Grund eines Aufrufs entstanden, der im Frühjahr 1889 erschien und vm, Theodor Wolfs und Maximilian Haiden unterzeichnet war. Ihre Leitung lag in den Händen von Brahm und Schienther. Wille hatte mit der Leitung nichts zu tun, ist aber entscheidend zur Grün- dung der Freien Bolksbühnc durch das Bestehen der Freien Bühne angeregt worden. Was ich schildern wollte, waren die Elemente, denen der Willesche Aufruf zur Gründung einer Freien Volksbühne im März 1890 seinen beispiellosen Erfolg zu verdanken hatte: die Hochspannung der Berliner Arbeiterbewegung in den letzten Jahren des Sozialistengesetzes und das Heraufkommen des Naturalismus mit seinem sozialkrittschen Geist. Daß die Freie Bühne für Ar- deilxr zu teuer war. kann nur als Nebenumstand gelten. Berliner Sezession und Freie Sezession. Lovis Corinth, der Vorsitzende der Berliner Sezession, schreibt uns:„Um Irrtümern vorzubeugen, teste ich Ihnen im Namen der Berliner Sezession mit, daß ditselbe für März bis April eine große Aquarell-Ausstellung plant. Der Vorstand der Berliner Sezession empfindet die Auflösung der Freien Sezession auf dos Allerschmerzlichste. Mit mir ist die Berliner Sezession sich einig, daß wir— wenn es auch noch so bc- stritten wird— es für unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit hatten, jetzt gerode mit allen Kräften und aller Energie die Ber- liner Sezession aufrechtzuerhalten, als Hort und Schutz der Freiheit und des Friedens." Berichtigung. Der unermüdliche und unausrottbare Druck- fehlersatan hat in dem Artikel über„Cduard v. Gebhardt" in der gestrigen Morgennummer aus Fritz v. U h d e einen Fritz v. Unruh gemacht. Den gibt's auch, aber er matt keine Christus- bilder. Spielplanändernng. Die für den S. anqesehte Premiere von Kerbort Hauptmanns.Biberpelz" sindet am 10., abends"'/, llbr, in der Tribüne ilatt. Max varlhel liest am Gonntaq. den 8.. abends 8 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. Z, bei den Jungsozialisten ouS eigenen Werken. Gäste sind will-. lammen. Uebrr.Sünstlerische Form als werbende Suast- spricht Prot. Peter Behren« im Zentialiuitilut für Erziehung und Unterricht. Potsdamer Sirahe 120. am 13., abends 8 Uhr, im Rahmen des Bunde» Deutscher Gebrauchsgraphiker®. B. Der Vortrag ist von Lichtbildern und Werbe- filmen'owte von Ausstellungen»on Warenpackungen und Werbemitteln degleitet. Sine neue Veizensorte. Bleringiam. ein Wisienschastler deS Institut« Basteur, brachte durch die Kreuzung von wildem Weizen und gewöhnlichem Weizen eine neue Weizeulorl« hervor, die außerordentlich ergiebig sein soll und mit Zustimmung de« Londwirtschastsmintsteriu«« in ganz Frankreich eingeführt werden wird. Der neue Zinanzausgleich. Ein Vortrag Schliebeus. Auf der Konferenz der Finanzminister der Länder hielt Reichs. finanzminister v. S ch l i e b e n«inen Dortrag über den geplanten Finanzausgleich, der die Srundlage der Finanzwirtschaft oonReich, Länder undTemeindenauf lange Zeit bilden soll. Er wies darauf hin, daß in der Inflation lpid unmittelbar nach der Stabilisierung ein« dauernde Regelung dieser wichtigen Rechts- frage nicht möglich gewesen sei, daß aber jetzt eine Lösung auf lange Frist ins Auge gefaßt werden könne. In seiner außerordentlich wortreichen Rede wies dann Herr v. Schlieben darauf hin, daß der Finanzausgleich ein Derteilungsproblem sei, besten Schwierigkeit darin liege, daß ein« überschüssige Steuer» kraft nicht vorhanden sei. und daß man den Finanzbedarf der Staatsorgane der Leistungsfähigkeit der Wirtschast anpasten müsse. Wie hoch sind nun die Summen, die im Wege de» Finanz. ousglciches zu oerteilen sind? Folgendermaßen stelle« sich die Posten dar: Anteile der Länder an der Einkommen-, 5lörperschaflZ-, Umsay- und Rennwetisteucr 1 876 Mill. M. eigene steuern der Länder und Gemeinden. 3 000,, Ucberschüsse der BelrrebSverwaliungen... eso,, Zu,, b 525 Mill. M. In den eigenen Steuern der Länder und Gemeinden sind die Steuern und Grundvermögen und von Gewerbebetrieben mit 636 Millionen Mark enthalten. Dieser Derteilungsmasse steht nach den Schätzungen des Finanz. Ministeriums ein Bedarf der Länder und Gemeinden an Ein- nahmen von 5326 Millionen Mark gegenüber. Daraus ergibt sich ein U e b e r s ch u ß der erwarteten Einnahmen über die veranschlagten Ausgaben in Höhe von 206 Millionen Mark. Der Reichsfinanzminister ist so optimistisch, diesen Ueberschuß als sehr wahrscheinlich hinzustellen, da er annimmt, daß die Ein- nahmen der Länder mit 146 Proz. des Friedensbedarfs und die der Gemeinden mit 160 Proz. des Friedensbearfs sehr reichlich eingesetzt wmden sind. Diese Voraussetzung erweift sich bsi näherem Hinsehen jedoch als durchaus irrig. Die Weltmarktpreise, die aus die Dauer das deutsch« Preisniveau bestimmen, liegen um mehr als 60 Proz. über den Vorkrisgspreisen. in ähnlichem Verhältnis werden auf die Dauer die Gehälter heraufgesetzt werden müssen. Ews aber hat Herr v. Schlieben mit dem ihm eigenen und oft gerühmten sozialen Verständnis vollkommen übersehe«, nämlich das. daß die Nach. Wirkungen des Krieges und der Stabilisierungskrise den Ländern und Gemeinden ganz bedeutend höhere soziale Lasten auf. erlegen als vor dem Kriege. So erweist sich der für Länder und Gemeinden bereitgestellte Teil der steuerlichen Einnahmen als viel zu gering im Verhältnis zu den Leistungen, die von den Ge- mcinden und Ländern verlangt werden. Dogegen hilft keine Mahnung zur Sparsamkeit und keine künst. liche Maßnahm«, wie die Aufrechterhaltung des Besoldung-. sperrgesetzcs, das nach den Wünschen des Kabinetts Luther um zwei Jahre verlängert werden soll. Ein neuartiger Gedanke ist die sogenannt«„horizontale Verteuerung der Steuern", die Schlieben ankündigte. WSH- rrird bisher Länder und Semeinden weit überwiegend an der Ein- kommen- und an der Körperschaftssteuer. das Reich hingegen ebenso überwiegend an der Umsatzsteuer beteiligt sind, will man einen Ausgleich folgendermaßen herbeiführen. Es erhalten: Retch. Länder u. Kemeinden Einkommen- u. Körperschaftssteuer 83V, Pro». se»/, Proz. Um- atzsteuer........ 70. 80 Wer diese Neuoerteilung nicht nur in dem schönen Licht« sieht, dos der Reichsfinanzminister ihr spendet— e» soll damit angeblich eine bessere Ausgleichung der Risiken beim Steuereingang erzielt werden—. der merkt deutlich die wahre Tendenz der Reu- rcgclung. Erstrebt wird nämlich ganz offenbar ein weitgehen. der Verzicht des Reiches auf die direkten Steuern und eine um so größere Abhängigkeit der staatlichen Zentrolgewalt vom Ertrag der indirekten Steuern. Dos ist die Finanzpolitik de» kaiserlichen Deutschlands gewesen, das sich mit Händen und Füßen gegen eine Uebertragung der direkten Steuern auf das Reich wehrte und so das Reich zum Kostgänger der Bun- desftooten macht«. Finanzpolitisch« Reaktion also kennzeichnet das Schliebensch« Programm des Finanzausgleichs. Rein persönlich bemerkte Schlieben. daß er das Zuschlag- recht der Länder und Gemeinden zur Einkommen- und zur Körperschaftssteuer wieder ins Auge gefaßt hat. Er war so vorsichtig zu betonen, daß dieses Recht nicht mehr die Bedeutung haben könne wie vor dem Kriege. Nach der oben aufgezeigten Tendenz der neuen Lastenoerteilung würde die Einführung des Zuschlagrechtes eine weitere Schwächung der finanziellen Zentral- gemalt des Reiches und eine Stärkung der dezentralen Tendenzen bedeuten, die die deutsche Finanzwirtschast vor der Finanzreform Erzbergers kennzeichneten. Die Länder gegen Schlieben. In der Finanzministertonferenz wurde eine Entschließung der Länder angenommen, die geplante Neuregelung als eine untragbare finanziell« Derfchlechterung für Länder und Gemeinden, ebenso wie den bisherigen Finanzausgleich abzulehnen. Die Länder forderten� für einen endgültigen Finanzausgleich die Rückgabe der Einkommen», und Körperschafts- st c u e r mit Einschluß der Steuer vom Kapitalertrag. Die end- güllige Regelung müsse möglichst mit Wirkung vom 1. April 1926 ab erfolgen. Bis zur endgültigen Regelung sollte das Reich Em- kommen?- und Körperschaftssteuer erheben und gegen eine Derwal- tungsgebühr verteilen. Die Länder fordern weiter ein« Erhöhung ihres Anteils an der Umsatzsteuer über 20 Proz. hinaus. Der Reichsfinanzmini st er erklärte, daß man an die Rückgabe der Einkommens- und Körperschaftssteuer an die Länder in absehbarer Zeit n i ch t d e n k e n k ö n n e. Er betonte den engen Zusammenhang und die gegenseitige Bedingtheit der Fragen der Aufwertung, der Steuerreform und des Finanzausgleichs. Daraus wurde in eine«ingehende Beratung eingetreten. » In den Besprechungen mit den Finanzministern der Länder wurde beschlossen, zur weiteren Beratung des Finanzausgleichs eine Kommission einzusetzen, die aus Beauftragten der im'Steuer- ousfchuß des Rcichsrates vertretenen Länder bestehen wird. Diese Kominission wird am Dienstag ihr« Beratungen aufnehmen. ?m Auswärtigen Ausschuß berichtet« Außenminister Dr. Streiemann über die außenpolitischen Gesichtspunkte, die bei den abgeschlossenen bzw. jetzt noch schwebenden Handel«. vertragsverbandlunaen mit Spanien. England, Oester- reich. Schweden. Frankreich, Italien, Belgien. Japan. Rußland und Polen maßgebend waren. Reich«wirtschoft»m'iiisler 52 e u h a»« ging in längeren Ausführungen auf die wirtscha'llichen Hintergründe dieser Verhandlungen ein und teilte dem Ausschuß dabei feine grundsätzliche Einstellung zur Handelspolitik mit. Sozialpolitik im Reichstag. Gegen die kommunistische Lügenpolitik. Der Reichstag nahm gestern zunächst das Abkommen mit Polen über die Benutzung von Baulichkeiten im Dorf« Kurze- brock im Kreise Marienwcrder durch Polen in erster und zweiter Lesung an. Abg. Schulh-Bromberg(Dnat.) kündigt dabei für die dritte Lesung scharfe Beschwerden gegen Polen an. Darauf wird die zweite Lesung de» Reichshaushalts fort. gesetzt dein, Reichsarbeitsmini st eriu in. Verbunden damit werden zahlreiche Anträge über die Arbeitszeit. Abg. Schneider-Berlin(Dem.) bemängelt die viele über- flüssige Schreibarbeit, die in den Dtinisterien geleistet werde. Frischer Geist in die Sozialpolitik könne nur durch demo- kratische Gedankengänge kommen.(Lachen rechts.) Aber nicht nur das Ministerium, sondern auch Arbeitgeber und Arbeit- n e h m e r brauchen den neuen Geist in der Sozialpolitik. Die A r- beitsloscnoersicherung müsse endlich fertiggestellt werden. Dringend notwendig seien Reformen in der A n g e st e l l t e n- und Unsallversichcrung. Die Frage der Arbeitszeit fei eine Kulturangelegenheit. Der Redner fordert Beseitigung des jetzigen Systems der Lohnsteuer. Auf Antrag der Parteien werden nunmehr nach etwa 60 Interpellationen und Anträge, die Arbeitsfragen betreffen, mit zur Verhandlung gestellt. Abg. Drewitz(Wirtsch. Bg.) fordert nachdrückliche Hilfe für G e> werbe und Handwerk. Di« Arbeitgeber im Kleinhandel und Gewerbe wehren sich gegen Ueberspannung der Sozialpolitik. Abg. Schwarzer(Bayr. Bp.): In der U n f a l l v e r s i ch« r u n g müssen die berechtigten Forderungen der Rentenempfänger und der Hinterbliebenen endlich durch organisch« Reformen berücksichtigt werden. � Abg. Stöhr(Rsoz.) verlangt gründlich« Prüfung des Gedankens eines Arbeitsdienstjahres, das die inner« Kolonisation erheblich fördern würde. Es sei ein Skandal, wenn vielfach heute noch nicht einmal die Porkriegslöhn« gezahlt werden. In der Bank. weit habe man den Personalabbau mit unglaublicher Brutalität durchgeführt. Darauf nimmt Reichsarbeitsminister Dr. Brauns das Wort und gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit seines Amtes. Er erinnert an feine Rede im Haushallsausschuß und lehnt es ab, sich über Dinge zu äußern, die noch im Stadium theoretischer Er> wägungen sind. Es sei ein wesentlicher Erfolg, wenn schon kurze Zeit nach dem Zusammenbruch unsere Sozialversicherung aus festen Füßen stand. Nach Verabschiedung des Unfallversicherungs- g e s e tz e s werde man überall wieder die F r i e d e n s l e i st u n g e n erreicht haben. Die Reichsregierung werde eine planmäßige und zusammenfassende Gestaltung der Sozialversicherung nicht aus den Augen verlieren. Es sei ober eine gesetzliche Atempause notwendig. Es habe keinen Zweck, Beschlüsse zu fassen, die man nachher wieder korrigieren müsse. Der Minister spricht sich für eine baldige endgültige Schaffung der Arbeitslosenver» s i ch e r u n g aus. Selbstverständlich könne auch hier nicht allen Wünschen Rechnung getragen werden. Die Leistungen der Er- werbslosensürsorge hätten sich seit Jahresfrist um rund 100 Proz. gehoben. Der Minister beschäftigt siä, dann mit der Frage der Arbeitszeit. Die Rettung der deutsche« Wirtschaft und Sozialpolitik erblicke die Reichsregierung keineswegs in verlängerter Arbeltszeit und in verkürzten Löhnen. Die Mehrheit der deutschen Unternebmer werde auch nicht so kurzsichtig sein, zu glauben, mit solchen Mitteln ihren Platz auf dem Weltmarkt zu behaupten. Di« Verlängerung der Arbeitszeit war nur ein Hilfsmittel in der Not. Der s ch« m a t i s ch e Achtstundentag fei für den Gesetzgeber nickt tragbar, auch wenn er Dißmann heiß«.(Heiterkeit.) In der Frage de» Washingtoner Ueberelnkommen» sei d« Stand- puntl der Regierung bekannt. Deutschland beabsichtige telne»- wegs ein vorgehen, das als soziale» Dumping bezeichnet werden könne. Aber auf die besonderen Verhältnisse müsse Rücksicht ge- nommen werden. Abg. Dr. Raschig(Dem.) erhebt Einspruch gegen Ausführungen des Abg. Stegerwold, die als gegen den Apothekerstand gerichtet auf- gefaßt werden könnten. Abg. klönoe(Dnat.) fordert Sicherung de» arbeitsfreien Sonntags. Abg. Dihmann(Soz.): Ich stelle fest, daß der Reichsarbeitsminister sich zu einer Reihe von Problemen nicht geäußert hat, die ich angeschnitten habe und die doch außerordentlich wichtig sind. Ich erwähne nur die Mit- Wirkung der Gewerkschaften bei btf Frage der produktiven Erwerbslosensürsorge, bei den Verhandlungen über die Han- dclsverträge usw. Hat der Herr Minister sich mtt Absicht nicht dazu geäußert, oder geschah das nur aus Persehen? Der Reichsarbeits- Minister hat dann weiter darauf hingewiesen, daß nur durch die weitgehende Kürzung der Arbeitslöhne und die Verlängerung der Arbeitszeit die Erhaltung der Wirtschaft im Jahre 1923 möglich gewesen sei, und daß im Jahre 1924 sich eine Besserung vollzogen habe, die sich auch in dem Nachlassen der Arbeitskämpfe zeige. Ich stelle bei dieser Gelegenheit fest, daß bei den Verhandlungen Ende 1023 die Löhne der Metallarbeiter im Ruhrgebier von 70 auf 60, die der Ungelernten auf 40 Pf. gegen den Willen der Arbeiter reduziert worden sind. Die Metallarbeiter haben damals vor dem Kampf gestanden, um diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abzuwehren. Damals hat die Regierung dadurch eingegriffen, daß sie den Arbeitern die Erwerbs- losen Unterstützung entzog, dazu kamen die Perhältnijse im Ruhrgebiet, durch die ungeheure Massen von Arbeitern dem Elend überliefert worden ssnd. Auf kommunistische Zwischenrufe stellte Redner fest, daß die Ko m m u n i st e n im Kampfe gegen die Gewerkschaften Hand in Hand mit den Schwerindu- srriellen arbeiten. So vorsichtig der Reichsarbeitsminister sich über die Frage der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ausgesprochen hat, so scharf hat der deutschnationale Redner seine Gegnerschaft gegen den Achtstundentag ausgesprochen. Er sagt, daß er für die Ratifizierung des Abkommens sei, wenn Nordamerika, Südamerika, die Oststaateu usw. gleichfalls die Ratifizierung vornehmen. Ich stelle demgegen- über fest, daß in Belgien, in Schweden, in Frankreich. in der Tschechoslowakei, in England noch heute das Dreischichtensystem zu acht Stunden für die Metallarbeiter besteht und daß lediglich Polen wie Deutschland die längere Arbeitszeit haben. Bei der Schilderung der amerikanischen Verhältnisse hör Herr Klönne auch vergessen, daß in den Vereinigten Staaten ein Lohn von 30—45 Dollar gezahlt wird, das sind durchschnittlich 160 Mark. Stellen Sie dazu im Vergleich die Beträge, die Sie den deutschen Arbeitern an Löhnen zahlen! Glauben Sie, daß die Arbeiter sich die jetzigen Arbeitsverhältnisse gefallen lassen werden? Die Arbeiter verlangen den Zlchtstunden. tag, sie verlangen eine auskömmliche Existenz, solange sie das nicht haben, werden Sie keine Ruhe finden!(Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg. Dißmonn(Soz.) stellt gegenüber Ausführungen des Apg. Rödel(Komm.) weiter folgendes fest: Zu der Bewegung im Ruhr. gebiet bemerke ich; Unser« Streikakten liegen vor aller Welt offen da, sie ergeben, daß wir den Kanips um den Achtstundentag mst den denkbar schärfsten Mitteln geführt haben. Zum süddeutschen Metallarbeiter st reik stelle ich fest, daß dieser Kampf von unserer Organisation ein Vierteljahr lang geführt worden ist im vollen Einvernehmen mit sämtlichen Funktionären der Kommunist!. schen Partei. Weiter: Als nach dem Ende des Kampfes verhandelt wurde, haben wir die 4Sst2ndige Arbeitswoche durchgesetzt. von dem Verlassen des Prinzips des Achtstundentages ist also kein« Rede. Unter den Funktionären, die an der Abstimmung teilnahmen, befanden sich 19 oder 20 Kommunisten, und lediglich zwei von ihnen haben gegen die Abmachungen gestimmt. Wir haben dann eine Urabstimmung unter allen Mstgliedern vorgenommen, gleichgültig, ob es sich um Sozialdemokraten oder Kommunisten handelte/ haben die Arbeiter den Abmachungen zugestimmt. Ja, noch mehr. Gerade in den Hochburgen der Kommunisten, wie in Stuttgart. Eßlingen usw. ergaben sich für die Abmachungen 86 bis 9 2 Proz. Vergleichen Sie damit die L ü g e n, die fortgesetzt gegen den Metallarbeiterverband oerbreitet werden. Ich stehe zwar hier als Hauptobjekt der kommunistischen Arbeiter. Ich muß aber vor den Arbeitern im Lande folgend« Tatsache ausdrücklich feststellen: Der kommunistisch« Redner hat 20 Minuten gesprochen, ober er hat nicht zwei Minuten daran verwandt, üm den, deutschnationalen Redner. Herrn Klönne, ent- aegenzutreten. Die ganze übrige Zeit war ausgefüllt mit den schwersten Verleumdungen gegen die Arbeiterbewegung, gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften.(Lebhafter Beifqll b. d. Soz., Lärm b. d. Komm.I) Die Sitzung wird um 8 Uhr auf Donnerstag, nachmittags 1 Uhr, vertagt. Ein Antrag der Kommunisten, auf die morgige Tagesordnung die Bildung eines Untersuchungsausschusses über die Micum, Lasten zu setzen, wird abgelehnt. Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung steht die Fort- setzung der heutigen Beratungen der Entwürfe über die Gesetze der Haushaltspläne für das Rechnungsjahr 1924/26, in Verbindung mit den dazu von den Parteien eingebrachten Anträgen. Das Kulturprogramm der Reichsregierung. Und die Forderungen des Bildungsausschufses. In der Mittwochsstzung des Bildungsausschufses des Reichstags kündigte Staatssekretär Schulz folgende Gesetzentwürfe der Reichsregierung an: ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Schund, und Schmutzliteratur, eine Novelle zur Abänderung des Lichtspielgesetzes, ein Gesetzentwurf zum Schutz der Jugendlichen bei Lustbarkeiten und das Reichsbühnongesetz. das die Förderung der Gemeinnützigkeit im Theaterwesen anstrebt. Im übrigen empfahl der Ausschuß eine Eingabe des Kongresses für Blindenwcchlfahrt, die ein Reichsschulgesetz zur Beschulung der blinden Kinder fordert, der Reichsregierung einstimmig zur Berücksichti- gung. Außerdem wurde dem Wunsch Ausdruck gegeben, möglichst bald ein Gesetz zur Neuordnung der Lehrerbildung einzubringen. Staatssekretär Schulz stellte ein solches Gesetz erst für die Zeit noch der Erledigung des Finanzausgleichsgesctzes in Aussicht. Die sozialdemokratische Reichstags» fraktijon hat ihrerseits bereits einen Gesetzentwurf zur Reu- ordnung der Lehrerbildung eingebracht. das Ende der yakenkreuzler. Neue Tpaltung und neue Fehde. Seit dem mißglückten Rooemberputsch verlor die deutschvölkische Bewegung dauernd an Boden. Ludendorsf versuchte zwar auf dem Weimarer Parteitag noch einmal die Zusammenfassung und eine festere Bindung zwischen Nord und Süd, aber tatsächlich nahm der Verfall der Völkischen unter seiner Leitung ein immer schnelleres Tempo an. so daß Hitler bei seiner Freilassung nur noch Trümmer- hausen vorfand. Ludendorff ist heute ein politisch erledigter Mann. Nach seiner blamablen Auseinandersetzung mit Rupprecht von Wit- telsbach sieht er sich genötigt, sich aus dem politischen Leben zurück- zuziehen. Damit ist die Flucht'aus dem völkischen Lager aber nicht beendet. In Bayern haben bereits namhafte Abgeordnete der völ- tischen Landtagsfraktion den Weg in andere Parteien gefunden. In Norddeutjchland scheint sich der Krach im großen vorzubereiten. Durch die Indiskretionen eines Völkischen ist die .Münchener Post" in der Lage, von einer Preußentogung der Nationalsozialisten zu berichten, auf der der Abg. Wull« ein« Hetzrede g e g e n H i t l c r hielt und in Aussicht stellte, Hitler werde sich vor dem Ultramontani»inus beugen, der noch gefähr- licher sei als die jüdische Gefahr. Man dürfe Hitler nicht nachgeben, wenn er verlange, die Nationalsozialistisch« Freihettspartei solle aus das Mittel des Parlamentarismus verzichten, müßt« im Gegenteil von ihm und seinem Anhang verlangen, daß er sich der einheitlichen politischen Führung Berlins unter- stelle. Aehnlich sprach der Abg. Dr. Henning. Abg. von Graes« wars Hiller Treubruch vor und erklärte, er habe Hiller in einem Brief vor die Alternative gestellt, entweder mit Esser und Linter zu brechen oder sich auf die Spaltung der Partei gefaßt zu machen. Diese Ausführungen der drei Führer sollen nach den Angaben des Gewährsmannes zu lebhaften Auseinander- setzungen. Beschimpfungen und Verdächtigungen auf dem Delegier- tentag geführt haben— das übliche Bild der völkischen Einheits- bewegung. tzitlers Sektgelage. Die Ableugnungen des Abg. Feder. In der ReichStagesitzung vom 22. Januar hat Genosse Hermann M ü l ler» Franken au» einem Briefe zitiert, den August Gottfried Feder nack einer im Verlag des«Bayerischen Kurier' erschienenen Broschüre an Hitler geschrieben haben soll und in dem Hitler vor dem Umgange mit hervor- ragenden völkischen Parteifreunden wie Esser, Hanf- stängl, Amann u.a. gewarnt wurde. Der.Bayerische Kurier" holte dabei aus Sektgelage in Berchtesgaden hingewiesen. Darauf bestritt der völliicke Abgeordnete Feder in einer persönliche» Bemerkung in derselben Sitzung, daß er einen solchen Brief geschrieben hätte. Er hütete sich aber den Inhalt de« Briefe» wiederzugeben, den er tatsächlich geschrieben hat. Genosse Müller hat bei dem.Bayerischen Kurier", dem füh- renden Organ der Bayerischen Voltspartei in München, ongesrogt, ob der zitierte Feder-Brief sich als unecht erwiesen habe. Dar« aufhin hat der.Baherische Kurier" dem Genossen Müller geont- wartet, daß Feder zwar die Richtigkeit de« Briese« bestritten habe, der Kurier jedoch die Zuverlässigkeit seiner Lnformalion betont habe und darauf eine gerichtliche Klage nicht erfolgt sei. Eine Mystifikation de«.Bayenschen Kurier«" erscheine ausgeschlossen. 52 un hat Herr Feder da» Wort. Warum klagt er nicht gegen den.Baheriichen Kurier"? Reichsdeutsche in Elsaß- Lothringen. Nach der Statistik vorn 1. Februar leben zurzeit rund 72 000 Reichsdeutsche, meisten» Arbeiter, in Elsaß-Lothringen. Am zahlreichsten sind die Zuwande- rungen au» der bayerischen Pfalz und dem Rheinland. Gewerkschaftsbewegung Die Putilow- Aktion. Der furze Brief, den eine Arbeitergruppe der Butilom- Werte in Petersburg an die Borwärts"-Redaktion gerichtet hat und der in Nr. 12 des„ Borwärts"" Ein Gruß aus Rußland" über schrieben veröffentlicht wurde, hat zu einer großen Aftion" geführt. Behe den Briefschreibern, wenn man fie fassen könnte Wie die kommunistische Telegraphenagentur Inprefor" aus Moskau meldete, wurde eine Betriebsversammlung in den Butilom. Berten einberufen und der Vorwärts". Brief oorgelesen. Angeblich habe er stürmische Proteste fämt. licher Arbeiter hervorgerufen. Diese Broteste dürften freilich nur von den Kommunisten ausgegangen sein, denn die anwesenden Sozials demokraten sowie die Berfasser des Briefes hatten selbst verständlich nicht die Möglichkeit, auch nur ein Wort zugunsten des Briefes zu sagen, da sie sonst unverzüglich von der Ticheta berhaftet worden wären. Niemand von den Arbeitern, die die Wahrheit wirklich bennen, fonnte auch nur wagen, gegen die fommunistische Protestresolution, die sich gegen den„ Borwärts" richtet, zu stimmen, die infolgedessen einstimmig" angenommen wurde! Und diese erpreßte Einstimmigkeit wird nun als freier Willensausdruck der Butilow- Arbeiter ausgegeben. Darin liegt der abgrund. tiefe Unterschied zwischen Sowjetrußland, wo angeblich die Arbeiter regieren, und dem tapitalistischen, aber immerhin demokratischen Deutschland. In Deutschland ist es den Arbeitern in ihren Bersammlungen unbenommen, sich für oder gegen das herrschende Regime auszusprechen. In Rußland kommt jeder ins Gefäng nis oder in die Berbannung, wenn er eine von den Moskauer Dittatoren nicht beliebte Meinung vertritt. Gelbst einen Trogki ergeht es nicht besser. Bekanntlich hat man die Butilom- Arbeiter den Vorschlag machen lassen, die Vorwärts Rebattion folle eine Dele gation von Arbeitern deutscher Betrieb zusammenstellen und sie nach Rußland schiden, um die Lage der Arbeiter in den Butilow- Werfen und auch in den übrigen Betrieben der Sowjet union aus eigener Anschauung fennen zu lernen, auf Kosten der utilom Arbeiter. Schon die Formulierung dieses Vorschlages zeigt, daß er nicht ernft gemeint ist, denn die Moskauer Drahtzieher missen natürlich, daß die Entsendung einer Arbeiter, delegation Sache der Organisationen und nicht einer Zeitung ist. Unter normalen Verhältnissen würden wir dieses Angebot an Partei und Gewerkschaften weitergegeben haben, um eine solche Delegation nach Petersburg zu schicken. Nicht etma auf Kosten der Butilow- Arbeiter oder der Sowjetregierung, fondern auf Kosten der deutschen Arbeiter. Eine solche Delegation tönnte sich hinsichtlich ihrer Zusammensetzung natürlich keine Bor schriften machen lassen. Vor allem müßte es ihr gestattet sein, sich einen oder mehrere in Deutschland lebende vertrauenswürdige russische Genossen, die die Sprache, Land und Leute kennen, als Begleiter und Dolmetscher auszuwählen. Die Delegation müßte frei und unbehindert reifen und auch mit den Arbeitern der Betriebe in Rußland unkontrolliert reden können. Unter diesen Borauslegungen ließe sich über die Sache reden. Die Berliner KPD. sucht jedoch die befohlene Einladung ber Butilom Arbeiter für ihre 3wede auszuschlachten und agitiert baher in den Betrieben für die Zusammenfegung einer Dele gation sozialdemokratischer Arbeiter. Sie spekuliert darauf, daß der eine oder andere Arbeiter recht gern einmal ein paar Wochen ausspannen möchte, um eine Reise auf allgemeine Untoften zu machen, ganz abgesehen von dem begreiflichen Intereffe, aus eigener An schauung die Berhältnisse in Rußland tennen zu lernen. Es wäre also leicht möglich daß einige unserer Gewerkschafts- und Partei genossen den Rapedisten auf den Leim gehen und ch als joizaldemofratische Arbeiterbelegation nach Rußland gewinnen ließen, ohne zu bedenken, daß ein solches Berhalten mit der Zugehörigkeit zur Ge mertschaft und Partei unvereinbar ist. Wird uns die Bewegungs. freiheit, die wir als unbedingt notwendig erachten, zu einer folchen Delegation vollauf zugesichert von den Stellen, die bazu fompetent find, bann fönnen wir in unseren Gemertschaften darüber reden und im Einvernehmen mit der Berliner Gewerkschaftskommission darüber entscheiden. Unsere Genossen in den Betrieben müssen jedoch jedes Anfinnen von from munistischer Seite zurüdweisen, das darauf hinaus läuft, fie als Rußlanddelegierte zu einer fommunistischen Aktion an zuwerben. Konflikt im Kachelofengewerbe. Mit dem Kachelofenfabrikantenverband, Bezirk I( Provinz Brandenburg, Pommern, Grenzmart und beide Mecklenburg), und der Fachgruppe der Töpfer im Deutschen Baugewerksbund besteht ein fäge von Zeit zu Zeit festgesetzt werden. Die letzte Bereinbarung lief Mantel tarif, der bestimmt, daß die Stundenlöhne und Alfordläge von Zeit zu Zeit festgesetzt werden. Die letzte Bereinbarung lief am 31. Januar ab und wurde vom Baugewerksbund gekündigt. Der bisherige Spizenstundenlohn betrug in den Hauptfabrikationsorten 65 Bf.; in einzelnen Provinzorten war von diesem Stundenlohn ein 10prozentiger Abzug beiderseitig anerkannt. Die Forderung des Baugewerksbundes war ein Stundenlohn von 70 Bf., welcher dem Friedenslohn entspricht. Weiter follte der 10prozentige Abzug für die fleineren Provinzorte falle gelaffen werden. Desgleichen wurde eine bezirkliche Regelung der Hilfsarbeiterlöhne verlangt. Der Wegfall des 10prozentigen Abzuges wurde in der Hauptsache damit begründet, daß die Ofenfabrikation in den fleineren Brovinzorten durch die tech nische Unzulänglichkeit der Betriebe einen wesentlich niedrigeren Verdienst als 10 Broz. für die beteiligten Ofenformer bedeute. Weiter wurde bestritten, daß die Lebensmittel- und Produktenpreise erheblich niedriger wären, als die in den Großstädten. Die Tarifierung der Hilfsarbeiterlöhne ist eine Notwendigkeit, da die örtlichen Differenzen fein Ende nehmen. | einem Streit in den beteiligten Brovinzen tommt, ber nach der Einstellung des Rachelofenfabrikantenverbandes zu einer Aussperrung über ganz Deutschland führen würde. Die Aussperrung in der Chirurgiemechanik beigelegt. Im Streit bei der Firma Adam Schneider in der Fennstraße ist es am Montag zu Verhandlungen beim Schlichter getommen. Es kam ein Vergleich auf folgender Basis zustande: Die Affordpreise werden von Fall zu Fall nachgeprüft, wobei Preise, auf die nachweisbar nicht mehr als bisher verdient werden kann, aufgebessert werden. In Streitfällen entscheidet eine viergliedrige paritätisch zusammengesetzte Kommission. Die Aussperrung in der Chirurgiebranche wird aufgehoben, Maßregelungen finden nicht statt. Die Belegschaften treten in ihre alten Rechte wieder ein. Einer Bersammlung der Streifenden lag gestern nachmittag dieser Vergleich zur Beschlußfassung vor. Man war sich allgemein darüber klar, daß das Ergebnis nicht befriedigen kann, weil es feine positive Regelung der Streitfrage bringt. Die Streifenden fühlen sich aber start genug, nach Biederaufnahme der Arbeit eine für sie günstige Auslegung und Anwendung der Vergleichs= bestimmungen im Betriebe durchzusehen. Jedenfalls stellt der Ber gleich gegenüber der bisherigen ablehnenden Stellungnahme der Firma einen beachtenswerten Erfolg auch in moralischer Hinsicht dar. Die Bersammlung nahm schließlich den Vorschlag des Schlichters gegen eine starke Minderheit an. In einer Vollversammlung der Ausgesperrten gab anschließen daran Rahmann vom Deutschen Metallarbeiterverband einen Eituationsbericht. Die Anwesenden faßten ihre Meinung zum Streit und zur Aussperrung in folgender Resolution zusammen: Die Bersammelten der ausgesperrten Betriebe protestieren gegen das brutale Vorgehen der Arbeitgeber, die wegen einer Forderung eines Betriebes von 60 Beschäftigten über 1000 andere Arbeitnehmer auf die Straße geworfen haben. Sie verpflichten fich, einmütig und geschlossen ihrer wirtschaftlichen Organisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband, beizutreten. Gleichzeitig erwarten die Versammelten von der Ortsverwaltung des DMV. und der zuständigen Branchenfommission, daß sofort alle Maßnahmen getroffen werden, um für die Branche wieder einen Rahmenvertrag, b. h. Urlaubsregelung und arbeitsrechtliche Bestimmungen, zu schaffen. Arbeitsaufnahme im Metallwert. Die Aussperrung bei der Firma Deutsche Metallwerte in der Lindenstraße ist beendet. Die Ausgesperrten haben in ihrer Mehrheit einer Vereinbarung zugestimmt, die für den größeren Teil der Belegschaft sofortige Arbeitsmöglichkeit schafft und den Unternehmer verpflichtet, vor Ablauf eines Vierteljahres feine betriebsfremden Arbeiter einzustellen. Rabelwerke Oberspree. Freitag nachmittag 4 Uhr Fraktionsligung ber GPD.- Genossen in Oberschöneweide, Lobal Jmberg, Wilhelminenhofstraße. Der Fraktionsvorstand. RAG., Oberschöneweide. Freitag nachmittag 3% Uhr Gigung der SPD.- Mitglieder bei Lange, Wilhelminenhofftt. 64. Tagesordnung: Stellungnahme zur Betriebsratswahl. Der Fraktionsvorstand. Bei der Berhandlung erkannten die Unternehmer den 70- Pf. Stundenlohn an, wollten ihn aber auf 5 Monate festlegen. Dem fonnten die Arbeitervertreter unter feinen Umständen zustimmen, da in den übrigen Bezirken des Kachelofenfabrikantenverbandes schon seit dem 1. Januar ein Stundenlohn von 70 Bf. gezahlt wird und diefe Vereinbarung am 31. März abläuft. Die Arbeitnehmer waren bereit, über den 31. März hinaus eine Vereinbarung einzugehen, wenn der Stundenlohn auf mindestens 75 Pf. festgelegt würde. Daran scheiterten die Berhandlungen. Der Fortfall des 10prozentigen' ST+ FFFFFFFFELFYTITELLECT Abzuges wurde ebenfalls abgelehnt, doch wollten die Unternehmer in den nächsten Verhandlungen von Fall zu Fall, wenn die notwendigen Unterlagen vorhanden sind, darüber entscheiden. Die beBirkliche Regelung der Hilfsarbeiterlöhne wurde rundweg abgelehnt, Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei weil die Hilfsarbeiter im Hauptfabrikationsort Belten im Fabrifarbeiterverband organisiert sind. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eklorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstroke 3. Sierzu 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Biffen" und Frauenstimme". erflärt, fofort einzugreifen. Sollten die Berhandlungen jedoch zu feinem anderen Resultat führen, so ist vorauszusehen, daß es zu Der Schlichter für die Proving Brandenburg hat sich bereit Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. NFsrad Norden 9296. Säle frei! KÖNIGSTR.* SPANDAUER STR. Damenkleidung GEGR. 1815* BERLIN C Weißwaren Tisch- u. Hauswäsche Bubikragen.50 Tischtuchhalbleinen Jacquard Stubenhandtuch Jumper- Untertaille 1605.201304.20 in Ja mit Hohlsaum-... 1.35 Servietten 60x60cm 0.85 Kragen mit Westenteil, Kaffeedecke Mittelstreifen.. aus Opal mit Moiréband.. 1.50 Morgenhaube Opal mit Valenciennes 0.90 Spitze Kleiderstoffe Weißer Krepp mit weißschwarzen Effektstreifen. M.0.55 Voll- Voile weiß. Schweizer Ware, ca. 112 cm weiß, Nr. 1.60 Wollkrepp 90cm 2.75 Wollpopeline weiß, 105 cm... Mer. 3.95 Wollcheviot weiß, 130 cm... Mtr. 3.75 weiß, 130 cm... Mtr. 5.90 Seidenstoffe Reinstückmuster, reseda, gold, blau, 130x160cm 4.95 Stubenhandtuch weiß, 50 × 100 cm halbleinen Drell, 0.85 halbleinen Jacquard, 48x100 cm. Küchenhandtuch 1.05 creme reinlein. Drell, 1.05 mit roter Kantel, Rolltuch grau- weiß gestreift abgepaßt, Leinen, abges gesäumt, 80x195 cm 2.90 Reinleinene Tischtücher 130X Rasengebleicht Jacquard 30% 5.25 130 6.35 unter regulärem Preis 130 cm 160x 7.75 170 160cm 160x 220cm 10.50 ca. 30% unter Preis Servietten 60x60 cm.... 1.05 regulärem Teedecken weiß Damast, Staubtücher gelb mit farbiger Kante, 4.15 130x130 cm..... Weiß mit farbiger Kante oder bunt Damast 4.90 130x160 cm.... Weiß mit farbigen Lama, 37X38cm, 3 St. 0.65 Tischgarnitur weiß Ausschnittarbeit mit Spitze, 3 teilig. 1Decke oval 45X70 cm, 2 Decken Kanten, 145-180 cm 5.90 55 cm, rund od.eckig 5.45 Damenwäsche Langette zusammen....... Herrenwäsche mit Hohls Taghemd 1.45 Farbiges Oberhemd Beide Mt. 2.80 Taghemd mit Stick- 1.75 L. Klappmanschetten 3.90 Messaline seide Mr. Waschseide echt Ansatz.. u. japanisch, 90 cm Mtr. 3.60 Garnitur Taghemd 6.25 Weißes Oberhemd Crêpe de Chine weiß oder farbig 4.90 100 cm... tr. Marocain Reinseide vorzügl. Qualität Mtr. 7.80 Korsette Strumpfhalter- Gürtel mit 2 Haltern 1.20 Hüfthalter weiß, 1.95 mit 4 Haltern Hüfthalter oben Gummi, mit2 Haltern 2.75 Korsett für starke Figuren, weiß Drell, mit 2 Haltern 3.90 u. m. Stick. Nachthemd im Rumpf gestickt.... mit Pikee- Einsatz und festen 3.50 Waschen geplättet 5.50 Manschetten, tuch Beinkleid Stickerei 2.40 Taghemd aus Haus- 2.50 Prinzeßrock Sick. 3.60 Nachthemd mit mit mit Hemdhose Stick. Bademantel weiß, 4.60 3.75 farbigem Besatz Sportkragen 0.25 weiß Pikes Frottierstoff, farb. Aufschl. 12.90 Morgenrock- Schürze vorzüglicher gemusterter Satin Bluse aus weißem 2.90 Voll- Voile, bestickt Jumper- Bluse weiß Opal mit Bubikragen 5.90 Kgl. Voll- oile. 9.75 Kleid aus vorzügl. weißem Kleid vorzüglicher weißer Voll- Voile, m. Eins. reich garniert..... 14.50 Kinderkleidung Kinderkleid weiß Voll- Voile mit Stick.- Einsätzen 5.20 Länge 60 cm..... je 5 cm länger 0.60 mehr Jungmädchenkleid weiß Vall- Voile m. Eins. Lge. 95, 100, 105, 110 cm 10.60 Bettwäsche Deckbettbezug Linon, zum Knöpfen 7.90 130x200 cm..... Kissenbezug dazu passend, 80X80 cm... 2.10 Garnitur 1 Deckbettbezug 130x200 cm, 2 Kissenbezüge 80 × 80 cm, aus Satin 18.zusammen..... Laken Datlas, 146220 5.75 Laken Hemdent. 160X2257.50 Taschentücher Damentücher weiß Batist, langettiert, m.reicher 0.90 Weiß Makobatist Plattst.- Ecke 3 Stück mit Ripskante und Schlafanzug gestreift Zephir Hohlsaum 3 Stück 0.85 mit Besätzen und 6.90 Herrentücher weiß Linon 5.90 Verschnürungen.... 6.90 Wäsche- Stickereien Serie! 0.18 Mtr. Mtr. Ser. 0.25 Ser. 0.35 Mar. mit farbig eingewebten Bordüren, ca. 45 cm..3 Stück 0.75 Weiß Makobatist mit 21½ cm Buchstab., gebrauchsfertig, 48 cm 3 Stück 1.65 Mengenabgabe vorbehalten Weiße Waren stisg Nr. 60 ♦ 42. Fahrgang 1* Heilage öes vorwärts donnerstag, 5. Jebruar 1025 „Gibt es jetzt im Tiergarten soviel zu arbeiten?' könnte nan fragen.— 3m Tiergarten oerrichten immer, zu jeder Zahreszelt, Menschen ihre Margenarbeit. Nur mit dem Unterschied, datz die einen.Morgenarbeit' auch de» ganze» Tag über fortsetzen müssen, wahrend die anderen nach ihrer Morgenarbeit in den Sesseln der bereitstehenden Luxueauros in ihre Wohnungspaläste eilen, wo zwar nicht erneute Arbeit wartet, wohl ober die Vorbereitungen zu anstrengenden Frühstücks, Diners, Nachinillagsempfängen und Abendveranstaltungen. Der Früh- ritt Im Tiergarten ist für die einen die Massage des gepflegten Körpers: ihre Morgenarbeit ist notwendiges Requisit des feudalen Lebenswandels. Die anderen Helsen durch ihre Morgenarbeit die Vorbedingungen dafür schassen.— vor Sem TattersaU. Im Sommer früh schon, jetzt im Winter wesentlich später, be- ginnt die 2lrbeit der Pferdepsleger und der Stallbursche» im Tatter- fall am Bahnhof Zoo. Das Pferdematerial muh frisch, blank und sauber sein, wenn die Kundschaft zum Morgenrilt erscheint. Die Morgenarbeit der Stalleute ist bereits gemacht, wenn die der Herren und Damen beginnt. Und dann erscheinen sie, denen die Morgen- arbeit nicht Notwendigkeit des Lebens, sondern der Stellung im Leben ist: Zuerst der üerr General a. D. In etwas gekünstelter Haltung, im schwarzen Rock und dito Hut. Die wildlederne Reithose loht noch ebenso w'e die hohen Stiefel die Zugehörigkeit zur fr i Heren Militärausrüstung erkennen. Er hält sich noch sein eigenes Pferd, das ihm auch sejn Bursche, der gleichzeitig auch Kutscher hei ihm ish selbst versorgen muh. Im Tuttersall ist es nur eingemietet. 'Militärisch salutiert der Bursche, militärisch besteigt der General sein Roh und stolz, als hätte er noch etwas hinter sich, reitet er seinem Burschen voran zwllchen Zoo und Bahnhofsgebäude hindurch in den Tiergarten. Nickst so exakt, aber mit nicht geringerer Grandezza wiederholt sich der Vorgana beim Herrn Rentier, der e, besser als fein Kollege von der S-chierfakultät verstanden hat. seine Papier« vor der Inflation in Sachwerte zu retten. Das Interesse an der Pferdehaltung, das seinem Genosien vom Militär das Reiten noch interessanter macht, fehlt bei ihm. Er ist auf seinen Gaul abonniert, at sich mit ihm eingearbeitet und so ist er— wie auch sonst im eben— gesichert. Der Herr Generaldirektor, dem der gefällige Arz« .viel Bewegung' empfohlen hat. nimmt die Chose nicht so genan. Die Reiterei ist immer noch das einfachste. Im Prinzip hat man S ja als Einjähriger bei den Dragonern gelernt, man hat weiter keine großen Vorbereitungen nötig, denn schliehllch wird das Pferd ja vom Tattersall aus bedient und eine andere Hose kann man sich auch in den Direktorenappartements des Werksverwaltungsgebäudes I anziehen. Hopp, hopp, wie ein Ritt ins Dioisionsmanöver geht's los, dreimal herum auf dem Hippodrom, ein kleines Hindernis— gröhere werden bei der Aussichtsratsitzung genommen— und dann kehrt marsch, in den Stall zurück. Ziemlich als letzte kommen Rafskes. Dickfleischig, unbeholfen klettern sie aus ihrem Auto. Frau Raffte sieht aus wie eine gulgenährte Zlllegestalt: der Oberkörper ist einem p- allvollen Zementsack nicht unähnlich, für den unteren Teil fehlt ein parlamentarisch zulässiger Vergleich. Es ist ein hartes Stück Arbeit für den Stallburschen, die beiden in den Sattel zu bringen. Der Gaul ist leidlich stabil und wenn die Gnädige end- lich oben ist, bilden beide mit ihren Hinterteilen Doppelkugeln von recht ansehnlichem Durchmesser. Sie reitet wegen der Hannonie der Temperamente nur sogenannte lammfromme Tiere. Dem teuren Gatten ist der ganze Rummel unbehaglich. Wenn'» in den Kreisen, in denen man jetzt verkehrt, nicht Bedingung wäre, weitz Gott, er ließe Pserd Pferd sein. Und dann der„Spleen der Ollen'.— Wenn der General bereits zurückkommt, jlitzt ein hundertpferdiger Meredes vor den Tattersall: Die Jilmdioa mit ihrem„Freund". Schwarzweiß karierte Breeches, knappester englischer Rock, flacher, großkrempiger Steifhut: die Stiefel unbeschreiblich schick. Eine silberbeknopste Reit- gerte vervollständigt die Ausrüstung. Er oertritt die männliche Rich- tung dieser Eleganz. Die teuersten Pferde des Stalles find reserviert, ein eleganter Schwung des trainierten Körpers, das Vollblut ist kaum zu halten. Während sie im Hippodrom die Pferde in allen Gangarten lausen lassen und während sie dabei über ihre letzte Be- gegnung mit dem berühmten Boxer nachdenkt, langweilt sich der Chaufseur auf seinem Wagen und ärgert sich darüber, daß er nur den Tariflohn beim Stellenantritt verlangt hat. Schließlich kommen Se olle zurück von der„Morgenarbeit". Die Stalleute setzen ihre rbeit nach der Ruhepause fort und General und Direktor, Rentier und Raffkes haben die Hauptarbeit des Tages hinter sich. Nur der Filmstern muh sich noch ein bißchen— trotz der Riesengage— im Flimmerhause ausbeuten lassen. Morgenarbeit Oer anderen. Während aus der Reitbahn am Wasserturm Pserd und Reiter sich tummein, rattern aus der Stadtbahn pie Züge in das Stadt- innere. Vollgestopft mit all den kleinen kopsarbeilern. die später als die Fabrikarbeiter ihr Tagewerk beginnen. Sie kommen.entwederc aus den Wohnvierteln des Westens oder den weiteren Vororten, Span- bau, Nowawes, ja aus Potsdam. Mißmutig in ihre Ecke geklemmt, sehen sie ohne Neid, aber mit geheimem Groll auf die da unten im losen Sanh. Für diese Buchhalter, Kontoristen, Stenotypistinnen und verkäuserinnen ist die Morgenarbeit im überfüllten Ablest wirk- lich kein Training zur Erlangung der Körperelastizität. Wer hier nicht schon«lastisch bis zur Akrobatik ist, kommt bei der Morgen- arbeit unter die Räder— bildlich und leider manchmal auch wört- lich. Die Züge aus der anderen Richtung speien aus Bahnhos Tier- garten oder Zoo ihre Menschenlast aus: dieselben Gehaltsempfänger in Talmieleganz, so wie es das Publikum der Gegend im Geschäfts- lokal haben will. Sie sehen den Luxus, für den der Tattersall die Gelegenheit bietet, sehen, wie vielleicht gerade der eigene Chef oder Direktor hoch zu Roh seine„Arbeit" beginnt. Und dann warten sie im Bureau oder hinterm Ladentisch, bis der Herr Vorgesetzte er- scheint und findet, daß die Arbeit absolut nicht vorwärts geht. Der Apfel der Elifabekh Hoff. 13f von Wilhelm hegeler. „Schön ist das, durch dunkle Straßen zu gehen, dem Lichterglanz entgegen,' sagte Elisabeth glücklich.„Wie lange ist das her. daß wir beide abends zusammen aus warenl In diesem Jahr ist's, glaub' ich. das erstemal." Wer weiß, ob nicht auch das letzte! dachte er und ärgerte sich zugleich über seinen Gedankenzwang. „Du gehst doch auch wirklich gern mit?" „Ja. Wirklich." „Bereust es nicht, daß ich dich von der Arbeit weggelockt habe?" „Nein! Nein!" erwiderte er und drückte ihre Hand.„Ich werde es schon wieder einholen." „Du lieber Mann!" Sin gingen weiter. Unter einer Laterne drängte ein kleines Mädchen sich an Hoff und bat, ihr einen Strauß abzu- kaufen. Cr legte rasch einen Schein in ihr Körbchen. Aber lchon zum Weitergehen drängend, betrachtete er einen Augen- blick ihr hohlwangiges Gesicht. Ich betrüge dlch mit meinem Almosen, dachte er. Wenn ich dir wirklich helfen wollte, müßte ich dir Sonne, Landluft, eine Kost geben, wie du sie nie genossen, du arme Todeskandidatin! Wie glücklich bin ich doch gegen hunderttausend, durchfuhr es ihn. Ich habe wenigstens mein Leben gelebt, wenn's auch kurz ist... Aber vielleicht denkt sie nicht an den Tod. Das wenigstens hat sie vor mir voraus. Im Theatervestibül, das eine kleiner, überheißer, überheller Raum war, mit bunten Teppichen auf dem Boden, mit bunten Malereien und Spiegeln an den Wänden, saß in einem Klub- sessel schon Ryseck, düster, fingertrommelnd, unruhzerfurcht. Aber sein hundertfältiges Gesicht erhellte sich, sobald er die beiden erblickte. Hoff wollte Karten nehmen, doch Ryseck hatte bereits einen Tisch bestellt. Ein Strauß spitzer Rosenknospen lag auf Elisabeths Platz. «Sind wir zu spät gekommen?" „Gerade rechtzeitig. Was haben Sie solange gemacht, Frau Hoff?" „Eine Menge. Als Hausfrau hat man immer zu tun. Und Sie?" „Ich— was habe ich gemacht? In meinem Hotelzimmer gesessen, bis ich meine Gesellschaft nicht länger aushielt. Dann bin ich auf die Straße gelaufen und habe... einen Droschken- kutscher beneidet." „Einen Droschkenkutscher?" „Er saß auf seinem Bock, mit einer Ruhe, einer Würde— wirklich ein Herrscher über sein Reich. Wir anderen haben in unersättlicher Gier so viel an uns gerissen, daß wir nur noch die Sklaven unseres Machtbereichs sind." „Daß ein Droschkenkutscher Ihnen soviel Ehrfurcht ein- flößen k/nnte, hätte ich nie geglaubt," lachte Elisabeth.„Heute morgen haben Sie noch aus unsere Autos wegen ihrer Lang- samkeit so geschimpft—" „Ach, heute morgen! Was hat mein Dormittagsmensch mit meinem Nachmittagsmensch zu tun?" „Also hat man immer mit zwei Menschen bei Ihnen zu rechnen?" „Mit einem Dutzend? Was denken Sie, Herr Hoff? Auf wieviele schätzen Sie sich ein?" „Ich begnüge mich mit einem.— Was möchtest du trinken. Elisabeth?" „Trinken Sie Champagner, Frau Hoff!" .-Ja," erwiderte sie vergnügt,„bestellen wir Sekt." Das Theater war klein und niedrig. Die Decke ver- dämmerte in ruhigem Nachthimmelblau. Ein Halbkreis wenig erhöhter Logen umgab die Saalmitte. Lampen auf kurzen Ständern, mit bräunlich gpldenen Schirmen tönten das Weiß der Tischdecken und Bügelhemden, verlöschten mild die Ge- wöhnlichkeit der Gesichter und gaben nur den nackten Frauen- schultern und-armen atmendes Leben. Bon irgendwoher kam auf weichen Sohlen Musik. Ryseck fützte die Gläser. Elisabeths Auge glitt zur Nachbarloge. Dort saß auch eine Dame zwischen zwei Herren. Der eine erzählte, die Mitwirkenden seien lauter russische Aristokraten, die vor der Revolution, geflüchtet. Offiziere der Petersburger Garde, Fürstinnen, Baronessen, die hier mit Singen und Tanzen ihren Unterhalt verdienten... Elisabeth blickte in den Saal. Ihr fiel auf, wie an all diesen kleinen Tischen die Dreizahl vor- herrschte: eine Dame zwischen zwei Herren. Welchem rcn beiden mochte sie gehören? Dielleicht allen beiden? Und ich? ... durchfuhr es sie. Wenn Roland wüßte... Ihr Blick streifte Rysecks Gesicht. Aber ihre Gedanken wichen vor den aufdrängenden Erinnerungen zurück. Es ist ja nichts geschehen! Und was geschehen ist. daran trage ich keine Schuld, beschwich- tigte eine Stimme sie. Der Vorhang rauschte auseinander. Auf der Bühne stan'O eine gläserne Kutsche. In ihrem Innern saß, allein, einil!k Schöne. Ein Mohr machte den Kutscher. Hinten auf den»; Lakaiensitz schlief Amor. Die junge Schöne langweilte sich,> sie sang sehr kläglich in die Nacht hinaus. Auf ihre immer'■ verzweifelteren Hilferufe kletterte der Mohr von seinem Boct j und öffnete den Schlag. Gar nicht schnell genug konnten die:; Füßchen unterm Reifrock hinaustrippeln. Nach einem kurzem t Liebesduett verschwanden die beiden in der Kutsche. Zlmoy.' ergriff die Zügel.- i Ryseck füllte wieder die Gläser. i z Wie blaue Sonnen strahlten Elisabeths Augen. Da*! glückliche Verlorensein im Schauen und das leise erregte Wohl-- empfinden an ihrem Selbst gaben ihren Zügen Glanz und: Bewegtheit eines jungen Mädchens. Zwischen ihren lächeln-- den Lippen schimmerte ein wenig weißes Email. Vom Licht: liebkost, blühten Hals und Schultern, und selbst das Stückchen Hemd, das hervorblickte, nahm Teil an diesem Leben voll. Unschuld und Verführung. Die Erinnerungen, die sie eben'. noch gestört, hatten sich empfohlen wie höfliche Gäste, die hören, daß die gnädige Frau nicht empfängt. Ohne einen von- ihnen geradezu anzusehen, liebkoste sie doch die beiden mit.' ihrem Blick, dankte ihrem Mann, daß er sie begleitet, und, dem Freund, daß er die Veranlassung dazu gegeben. Und von dieser sanften Lockung unwissentlich verführt, empfanden:' beide Männer, über die Mittlerin hinweg, Wohlgefallen an-- einander, wünschten die trennenden Schranken zu heben und) einander zu gefallen. �! „Seit wann sind Sie in Deutschland?" fragte Hofs. i! „Gestern angekommen. Aber der Anfangstag zählt nicht.. In der Heimat fühle ich mich erst seit heute. Denn was ist: die Heimat ohne Freunde? Ich bin fo glücklich, daß ich diesen- Abend nicht allein verbringen muß." Ryseck erhob sein Glas;: „Auf die Heimat!"> j „Bravo!" sagte Hoff.„Also fühlen Sie sich doch als z Deutscher." n „Ich? Aber selbstverständlich!" „Heute morgen behaupteten Sie noch, Amerikaner zrr i sein," sagte Elisabeth. „Heute morgen— der Vormittagsmensch!" „Kann diese doppelte Buchführung nicht manchmal Irrtümern führen?" scherzte Hoff. „Ich werde mich jedenfalls an den Nachmittagsmenh halten," sagte Elisabeth. (Fortsetzung folgt) l*., 1 *5 Derweilen hat der Bahnhof Tiergarten längst fein Morgenpensum geleistet; er hat die Tausende Fabritarbeiter und Maschinenarbeiterinnen der Fabrifen am Salzufer, im nördlichen Charlottenburg und im angrenzenden Moabit freigegeben. In langer Rarawane zogen fie, an der alten Porzellanmanufaftur vorbei, in die grauen und roten Steinfästen der Fabriken von 3wietusch und Siemens. Wenn die Reiterfavalladen in den angrenzen den Tiergarten ziehen, schließt ein schrilles Glockenzeichen in den Fabritsälen bereits die Morgenarbeit von dem größeren Teil der Tagesarbeit ab. Ein„ Sammler"? Die Untersuchung in dem einzigartigen Kriminalfall bes Dr. phil. Haut nimmt ihren Fortgang: Staatsarchivare sind dabei, die mäch tige Sammlung des Privatgelehrten zu sichten. Wohlgeordnet igen die einzelnen Stüde darunter auch Handschriften von Luther, Melanchthon, Friedrich dem Großen, Jetatherina der Großen, Nietzsche, mit Kommentaren versehen, zu Bänden zusammengefaßt in den Räften. Es sind 30 Bände, die der Baterstadt des Sammelwütigen, der Stadt Köln, vermacht werden sollten; auch den gestohle. nen Autogrammen war das gleiche Schicksal zugedacht. Wieviel Haut entwendet haben mag, läßt sich noch nicht sagen. Er will nur das Wiener Museum und das Hohenzollern- Museum in Berlin geschädigt haben; die Behörden sind anderer Ansicht. Geschädigt?! Im Gegenteil: Dr. Haut behauptet, verstaubte, vergessene Handschriften aufgestöbert, sie ans Tageslicht gezogen und auf diese Weise erst zur Eristenz und durch die Eingliederung in seine Gesamtarbeit zur Daseinsberechtigung verholfen zu haben. Ist er etma tein Verbrecher? Er glaubt es nicht zu sein. Seinem Wert ge hörte sein ganzes Leben, seine Sorge, Lust und Liebe. Man denkt unwillkürlich an ähnliche Fälle. Da war es im Jahre 1922 der Studienrat Dr. Do we, ein einsamer Mann, der in der Inkunabelnabtei lung der preußischen Staatsbibliothek wertvolle Eremplare an sich nahm, die staatlichen Stempel ausmerzte, die Bücher mit neuen Einbänden versah und sie in seine Bibliothef einreihte.- Dieser Fall erinnert in mancher Beziehung an den Fall Dr. Haut. Dann durcheilte wieder vor einigen Monaten die Presse die Kunde von dem Rittmeister Bethe, der anscheinend aus rein gewinnsüchtigen Gründen die Münzsammlung der Weimarer Stadtbibliothet ausge plündert hat. Und vor einigen Jahren erst war es Dr. Mann, der fich das Leben nahm, als seine Münzdiebstähle aus dem Deffauer Rabinett entlarvt wurden. Der Fall des Dr. phil. Hauf steht aber einzig da. Er dürfte zu den serual- und friminalpathologisch intereffantesten Fällen der Kriminalistik gehören. Dr. Hauf war durch feine Triebrichtung gleich Taufenden seiner Leidensgenossen zur Einfamkeit und zum Unbefriedigtsein verdammt. Er sublimierte, d. h. er and Ersag für sein unbefriedigtes Triebleben in leiner Sammelleidenschaft, ging vollkommen in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf. Das Studium alter Autogramme, die Erforschung der kulturgeschichtlichen Zusammenhänge wurde ihm zum Lebensinhalt, steigerte sich zur höchsten Luft. Er schwelgte in Bonnegefühlen, wenn er sich so in die Geschichte der Vergangenheit hineinverfenfen konnte, die handelnden Personen vor seinem inneren Auge entstehen ließ, fich ihr Seelenleben in der Gesamtheit und insbesondere ihre Seelenverfassung bei dem Niederschreiben der Dekrete und Handschriften lebenswarm vorstellte. Er ging sogar soweit, sich gewissermaßen mit dem Autor zu identifizieren, einem Schauspieler gleich, fich ganz in die Personen einzufühlen, die Stellungen, in denen sie ihre Schriftstücke verfaßten, vor Augen zu führen und die Manuskripte ihre Handschrift nachahmend selbst niederzuschreiben. Dies war für ihn der Höhepunkt der Luft. Ein abnormes und zu gleicher Zeit ebenso reiches, wie armes Seelenleben! Was half es ihm, daß die Schriftstücke in den Archiven lagen und verstaubten? Als leblose Dinge lieblos von den verknöchert talten Gelehrten ein. mal im Jahrzehnt aus ihrer Bersentung hervorgeholt wurden? Für ihn waren sie Luft, Liebe, Leben. So waren die toten, vergilbten Dokumente für ihn zu Fetischen geworden. Er nahm fie an fich hauchte ihnen Leben ein und machte sie zum Gegenstand feiner Liebe. Dr. phil. Haut fonnte die Autogramme entwenden, weil niemand ihn des Diebstahls verdächtigen durfte. Hatte er aber einmal die Scheu vor dem Diebstahl überwunden, so war es für ihn ein Leichtes, die Handlung zu wiederholen. Interessant ist es übrigens, weshalb er aus den entwendeten Autogrammen auch Gewinne gezogen hat. Waren die Sachen einmal in seinen Besiz gelangt, so hatten sie bald aufgehört, für ihn Gegenstand der Luft zu sein. Die psychiatrischen und psychologischen Sachverständigen werden fich mit Dr. Haut eingehend zu beschäftigen haben. Das Gericht wird entscheiden müssen, ob er für die Entwendung der Schriftstücke, die er der Stadt Köln zu vermachen beabsichtigte, als verantwortlich zu be trachten ist. Weniger schwer wird wohl die Entscheidung hinsichtlich der Verkäufe entwendeter Schriftstücke fein. Wie sollte diese auch mit dem Fetischismus in Einklang gebracht werden. Der Antrag der Berteidiger auf Haftentlassung ist abschlägig beschieden worden. Ein Kurpfuschereiprozeß. Krebsbehandlung mit Butter, weißem Käse und Baterunfer. Ein sonderbares Heilverfahren hatte der Heilmagnetiseur Hans Schermutki angewendet, der sich vor dem Schöffengericht Tempelhof wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten hatte. Schermuzli war Bankbeamter, wandte sich aber dem Beruf des Magnetopathen zu, weil er die in seinem Körper schlummernden magnetischen Heilfräfte zum Wohle der leidenden Menschheit ausnutzen zu müssen vermeinte. Eine Frau Olga St. mar an Brustkrebs erkrankt, scheute sich aber, ba fie bereits vor einigen Jahren auf der einen Seite operiert worden mar, wieder einen Arzt aufzusuchen. Auf Anraten einer Nachbarin wandte fie sich an Schermutzfi, der im Januar vorigen Jahres ihre Behandlung begann. Ohne die Patientin zu unter suchen, ordnete er ihr an, daß sie die Wunden mit Um slägen von ungesalzener Butter und weißem Räse behandeln sollte. Dabei sollte sie das Baterunser für sich und für andere beten. Der Zustand der Patientin verschlimmerte fich derart, daß ihre Schwester sich bemühte, sie zu einem Arzt zu bringen. Es war aber nicht möglich, die Vertrauensselige aus den Händen des Heilkünstlers zu befreien. Die Schwester wollte nun den Angeklagten entlarven und suchte ihn selbst als Patientin auf, indem sie ihm fagte, sie habe Blutstockungen und dicke Beine. Der Angeklagte blickte ihr nur in die Augen und erklärte, daß sie einen Knoten im Gehirn habe. Dann machte er auch bei ihr seinen Hokuspokus. Für diese eine Behandlung" nahm er vier Mart. Im Mai hatte sich der Zustand der Schwester so verschlimmert, daß ein Arzt zu Hilfe gerufen werden mußte. Aber es war schon zu spät. Im August starb die Kranke. Die Schwester hatte inzwischen bereits Etrafanzeige gegen Schermuzti erstattet. Der Angeklagte bestritt, daß er seine Patientin von einer ärztlichen Behandlung abgehalten habe und behauptete, daß seine psychische Behandlungsmethode nur eine Ergänzung der ärztlichen Tätigkeit gewesen sei. Auf Grund der Gutachten mehrerer Aerzte, die dahin gingen, daß bei recht: zeitiger Behandlung die Krante gerettet, mindestens aber ihr Leben hätte verlängert werden können, tam das Gericht zu dem Urteil, daß der Angeklagte in grob fahrlässiger Weise die Aufmerffamfeit, zu der er vermöge seines Gewerbes verpflichtet gewesen war, außer acht gelaffen hat. Auch ein Heilfünstler habe dasselbe Maß von Verantwortung aufzubringen, wie ein Arzt. Deshalb war er wegen fahrläffiger Tötung zu verurteilen. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verurteilte Schermutzfi 3u cinem Jahr Gefängnis. Lich bildervortrag für Schwerhörige. Das Pflegamt für bie wissenschaftliche Weiterbildung der Schwerhörigen beranſtaltet in der Urania, Taubenstraße 48/49, am Sonntag, 8. Februar, bormittags 11 Uhr. einen bunten Lichtbildervortrag Berner Ober. land. Die Verständigung des Vortrags wird den Schwerhörigen durch einen elettrijchen Bielhörer übermittelt. Großfeuer im Spandauer Gefängnis. Mehrere Feuerwehrleute verletzt. Großfeuer tam am gestrigen Nachmittag um 2 Uhr aus noch nicht ermittelter Ursache in der ehemaligen Militärftrafanstalt und dem jezigen Staatsgefängnis in Spandau, Wil. helm str. 23, während der Mittagspause aus. Als die Spandauer Feuerwehr unter Leitung des Branddirek tors Kreiß an der Brandstelle antam, stand der halbe Da ch st u hl mit dem Wäschetrodenboden ichon vollständig in Flammen. Wegen der großen Gefahr wurden noch die Feuerwachen von Siemensstadt und Charlottenburg herangezogen. Das große Ge bäude mit seinen engen Treppen war vollständig verqualmt. Um einer Banit unter den Strafgefangenen vorzubeugen, wurde die Schußpolizei benachrichtigt, die mit mehreren Hundertschaften erschien und die Brandstelle vollständig absperrte. Beim Borgehen der Feuerwehr mußte eine zugemauerte Tür auf dem Boden auf gebrochen werden, wobei unter dem Druck der großen Hize das Mauermert einstürzte und z. T. die Feuermannschaften perschüttete. Das Mauerwerk machte den Treppenaufgang infolgedessen noch schwieriger, als er so schon infolge der Hize und des Qualmes war. Es gelang aber trotzdem die Flammen abzuriegeln und die eine Hälfte des Dachstuhls zu retten. Die andere Hälfte ist vollständig niedergebrannt. Ein großer Teil der Bäsche ist den Flammen zum Opfer gefallen, auch haben Teile der Waschküche und Wirtschaftsräume gelitten. Gegen 5 Uhr nachmittags war das Feuer gelöscht und es fonnte mit den Aufräumungsarbeiten durch Strafgefangene unter Leitung der Feuerwehr begonnnen werden. Von den verschütteten Mannschaften der Feuerwehr haben mehrere leichtere Bein und Fußperlegungen erlitten. Ueber die Entstehung des Brandes war nur soviel zu ermitteln, daß er nach der Mittagspause erst bemerkt wurde, als der Brand schon geraume Zeit auf dem Wäscheboden und in der Waschküche gewütet hatte. Bermutlich ist das Feuer schon vor der Mittagspause dort ausgekommen. Wohnungsschiebungen in Werlfee. Fünf Beteiligte festgenommen. Gemeindebezirk Werisee hinter Erfner aus betrieben wurden, be Umfangreiche Wohnungsschiebungen, die planmäßig von dem schäftigen zurzeit die Kriminalpolizei. Die bisherigen Ermittlungen führten zur Berhaftung des ehemaligen Gemeindevorstehers Mar Jerk aus Fangschleuse, des Gemeindehilfsarbeiters Wilhelm Grawunder aus Alt- Buchhorst, der bis jetzt noch in der Gemeindever waltung tätig war, eines Gustav Wegener jun., der früher ebenfalls auf dem Gemeindeamt beschäftigt war, eines Elektrotechnifers Erich Sauer aus Grünheide und eines Richard Kaschner, der in der Augsburger Str. 6 zu Berlin ein Vermittlungsbureau für Wohnungstausch betrieb. wollten. Ein solches Kaufgeschäft fonnte aber nur zustande tommen, Kaschner hatte Leute an der Hand, die ihre Wohnung verkaufen wenn der Verkäufer zu gleicher Zeit dem Wohnungsamt eine andere feiten verbunden. Kaschner nutzte deshalb seine Bekanntschaft mit Wohnung zur Verfügung stellte. Das war immer mit Schwierig. amtes Werl see stand, zu dem auch Fangschleuse- Alt. Sauer aus, der in Verbindung mit Beamten des Gemeinde. such horst und Grünheide gehören. Wegener besorgte in Verbindung mit Grawunder Blantoformulare der Gemeinde mit deren Stempel und seiner Unterschrift. In zwei Fällen, so weit bis icht festgestellt ist, hat der damalige Gemeindevorsteher Jerz selbst diefe Blankoformulare unterschrieben. Sauer spielte nun wieder den Vermittler zwischen dem beteiligten Gemeindeamt und Kaschner. Er übergab ihm jedesmal die Formulare, die er dann entsprechend ausfüllte. So wurden im Gemeindebezirk Werffee zum Schein die ihrigen verkaufen fonnten. Allen Vorschriften war genügt, und Wohnungen zur Verfügung gestellt, so daß nun die Leute in Berlin dem Wohnungsamt Wilmersdorf doch auf, daß in Werlſee allein die Wohnungsämter nahmen teinen Anstand. Endlich aber fiel es so viel Wohnungen zur Verfügung gestellt wurden. Die Kriminalpolizei ging der Sache auf den Grund. Der jezige Gemeindevor ſteher von Werffee hatte von diesen Schiebungen feine Ahnung. Bis icht sind 12 Fälle bekannt und aufgedeckt. Die Schieber bes famen in jedem Falle von Kaschner durchschnittlich 300 m. Fünf Beteiligte wurden verhaftet. Das Treiben geht bis in den Februar D. I. zurüd. Oskar, der Unwiderstehliche. Ungewöhnliches Glüd bei den Frauen hatte ein Heiratsschwind ler, der von der Kriminalpolizei festgenommen wurde. Ein 31 Jahre alter Ostar B. betätigte sich früher als Geschäftsreisender, aber mit menig Erfolg. Auch mit dem Horoskopstellen ging es ihm nicht viel besser. Da legte er sich auf den Heiratsschwindel und hatte hier mehr Glüd." Der schöne Ostar", wie er sich gern nennen ließ, riffen sich um ihn. In einem Falle tam es dazu, daß Mutter und hatte bald an jedem Finger eine Braut. Witwen und junge Mädchen Tochter sich entzweiten, weil beide ihn begehrten. Der schöne Oskar" aber, der eine wirkliche Braut hatte, dachte gar nicht daran, eine der anderen zur Frau zu nehmen. Er begnügte sich damit, diesen Schmud fachen besaßen. Einige zeigten ihn endlich an, nahmen Bräuten alles abzuloden, was sie an barem Gelde und aber alles zurüd und erklärten sich für nicht geschädigt, sobald sie ihm gegenübergestellt wurden und nun sahen, daß er nicht ein Diplomingenieur oder ein Student in hohen Semestern, für den sie ihn gehalten hatten, sondern ein Mann ohne jede Beschäftigung war. Waren fie auch erst böse, so genügte eine Träne im Auge des schönen Mannes", um sie versöhnlich zu stimmen. Auch seine richtige Braut will nicht von ihm lassen. Eine Betrogene blieb jedoch fest und hielt ihre Anzeige aufrecht und B. mußte im Gewahrsam bleiben. Seine Bräute suchen ihm hier das Leben möglichst zu erDas Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 5. Februar. an Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Technik: Kurt Joel: Moderne Alchimie". berg:„ Gewerblicher Rechtsschutz und Verwertung gewerblicher 7 Uhr abends: Handelskurse: Geh. und Oberregierungsrat Neu7.30 Uhr abends: Literatur und Kunst. Mr. Pender, Lektor Schutzrechte". 2. Vortrag. Wie melde ich ein Patent an?" der Universität Berlin: Englische Literaturgeschichte"( in englischer Sprache). 8 Uhr abends: Vortrag stud. ing. W. Edgar Schley: Akademikersport". 8.30 Uhr abends: Fritz Reuter und Schmidt, b) Und Lola tanzt( Solo) Roland Alexander, c) Finken anderes. 1. a) Alpenveilchens erste Liebe, Jodler( Trio) Albert Meyer- Helmund, d) So wird gejodelt!( Trio) A. Schmidt( Gebr. und Drosseln( Duett) A. Schmidt, d) Rokokoständchen( Solo) Alexander, Okarinavirtuosen, unter Mitwirkung von Schmidt; am Flügel: Rudolf Schmidt). 2. Haunefiken, Reuter ( Karl Zander, Rezitation). 3. a) Der Rolandsbogan, Mania, b) Spielmannsart, Schmalstich, c) Alt- Heidelberg. Jensen, d) Trinklied Osterkamp. Baß). 4. Aus Abenteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor", Nicolai( Ernst Zander, Rezitation). 5. a) Wein vom Rhein, Binder, b) Arie des aus Meckelborg- Schwerin, von ihm selbst erzählt", Reuter( Karl Osmin aus der Oper Die Entführung aus dem Serail", Mozart, c) Arie des Baculus aus der Oper„ Der Wildschütz", Lortzing ( Ernst Osterkamp). 6. a) Wanderliedermarsch( Trio). b) Lo, sei nicht so!( Solo) Alex Alexander, c) Die Post im Walde( Duett) Schäfer, d) Horsey!( Duett). e) Schuhplattler( Trio) Gebrüder Alexander( Gebr. Alexander, Okarinavirtuosen; unter Mitwirkung von Albert Schmidt; am Flügel: Rudolf Schmidt). Am Flügel: Albert Otto Urack. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichton, Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik, leichtern. Eine nach der anderen bringt ihm ble schönsten eder. bissen. Alle scheinen sich zu ihren Lieferungen nach einem be stimmten Plane verabredet zu haben. Betrogene Witwen und Mäd chen, die noch keine Anzeige gemacht haben, werden ersucht, sich bei Kriminaltommissar Wächter, Dienststelle B II im Polizeipräsidium zu melden. „ Diese Leute von der Schupo." Der schredlichste der Schreden, das ist der Mensch in seinem Wahn!" hat Schiller bekanntlich gedichtet. Wenn Schiller hundert Jahre später gelebt und in Preußen gewohnt hätte, dann hätte er gewußt, daß der Schneidigste der Schneidigen der preußische Leut nant und der Allerschneidigste der Schneidigsten der Reserveoffizier ist. Der Reserveonkel, wie die aktiven Offiziere früher respektios altbewährten deutschen Schneidigkeit, er lebt Gott sei Dant heute genug den Reserveleutnant nannten. Dieser Reserveleutnant mit der rech. In der Nr. 4 der Berliner Automobilzeitung" beschäftigt, die den Verkehr an den Straßenfreuzungen zu regein Dcm 24. Januar finden wir eine Zuschrift, die sich mit den Beamten haben. Gegen den Vorschlag, der hier gemacht wird, ist an fich zeitung" heißt es: nichts zu sagen. Aber am Schluß der Zuschrift an die„ Automobil „ Ich persönlich laffe mir von diesen Leuten, ehemaligen Unteroffizieren, vielleicht Feldwebeln als 2. d. R. nichts gefallen, sondern trete stets sehr energisch auf, und zwar immer mit Erfolg!" 2. d. R., d. h. bekanntlich„ Leutnant der Reserve". Man erfährt also, daß er immer noch lebt und immer noch verflucht schneidig ist. Dieser Leutnant der Reserve ist aber auch außerordentlidh bescheiden. Er nennt nicht seinen Namen, sondern unterzeichnet nur mit A. St. Diese Art Bescheidenheit pflegt ja mit der Art von Schneidigkeit immer Hand in Hand zu gehen. Es ist wirk lich schade, daß der Herr Leutnant seinen Namen nicht gerannt haben. Die Schupobeamten, die Tag und Nacht bei geringem Ge halt ihren außerordentlich strengen Dienst mit einem vollgerüttelten Maß von Verantwortlichkeit auf den Straßen ausüben, fönnten doch, wenn sie den Namen des schneidigen Autofahrers wüßten, sich persönlich bei ihm für die geäußerte Liebenswürdigkeit und die Nichtachtung ihrer Persönlichkeit bedanken. Der Affe am Trapez. bis zu unserer Menschenherrlichkeit scheint uns die Fähigkeit, durch Auf dem langen Wege vom Urwaldbasein unserer Affen- Urväter die Bäume zu turnen, verlorengegangen zu sein. Unsere Artisten zeigen, wie man es machen muß, um sich zurückzubilden", und einer von ihnen voltigierte sogar im Affentoftüm durchaus affenähnlich. Jezt zeigt uns einer im 3irtus Busch, wie ein richtiger Meiner Affe am Trapez ganz nach dem Turn- und Artiftenreglement zu arbeiten versteht.( Also die Sehnsucht des Menschen nach affenähnlicher Geschicklichkeit wird von einem Affen nichtäffisch, sondern menschlich kopiert.) Natürlich ist's Dreffur, aber so begeistert und vollendet von dem talentierten fleinen Geschöpf ausgeführt, so in jeder Bewegung dem großen Menschenbruder getreu nachgeübt, daß man sich fast eines unheimlichen Gefühls nicht erwehren fann. Griff folgt auf Griff, Sdywung auf Schwung, so sicher und überlegt, als ob die genaue Berechnung des Schwungs in dem Kleinen Schädel unausgesezt zirtuliert. Der Affe des Herrn Charles Lebs ist ein artistisches Genie. Als Abschluß des Programms wird eine harmlose, aber vergnüglich anzusehende Zirkuspoffe ,, Die lustigen Bagabunden" gegeben, die aber in den nächsten Tagen durch ein neues Manegefchaustüd Lady Hamilton" abgelöst werden foll Berlin- Danzig- Königsberg in 3 Stunden. Diese Leistung vollbrachte fürzlich der Flugzeugführer der Junker- Luftverkehr A.-G. Nistandt mit der Junters Ganzmetallimousine D 506. Er startete mit zwei Passagieren 10 Uhr 30 vormittags in Tempelhof bei startem Südweststurm, der der eine Windgeschwindigkeit von über 100 Kilometer in der Stunde hatte. Die direkte Luftlinie Berlin- Königsberg, die 550 Kilometer beträgt, hätte bei dem starken Rückenwind und der eigenen Reisegeschwindigkeit des Flugzeuges von 130 Kilometer sogar in der 3cit von 2½ Stunden zurückgelegt werden können. Der polnische Rorridor und besonders schwere Unwetter in der Gegend von Küstrin zwangen jedoch den Führer, den Umweg über Stargard in Pommern zu nehmen, wobei über den Pommerschen Höhenrüden bis in die Berge hängende Wolkenmassen noch zu weiteren Umwegen nötigten. Die Strede Elbing- Rönigsberg murde in 25 Minuten zurückgelegt. Das Flugzeug landete 1,40 Uhr nachmittags nach menig über dreiftündiger Flugzeit auf dem Flugplay Denou. Die Durch schnittsstundengeschwindigkeit betrug alfo über 200 Kilometer. Der Berlin bereits um 9 Uhr 30 verlassende Königsberger D- 3ug murde vom Flugzeug zwischen Berlin und Rüstrin überflogen, fein planmäßiges Eintreffen in Königsberg erfolgte erst 6 Stunden nach Landung des Flugzeuges. „ Wilhelm Tell", Schillers volkstümlichstes Bühnenwert, brachte bas Rose Theater heraus. Das ausverkaufte Haus folgte in sichtlicher Anteilnahme, und der herzliche Beifallsdant bewies, daß auch bei der Bevölkerung des Berliner Ostens wirkliche Dichterfältig vorzubereiten und aufzuführen. Wie schon so oft, hatte man werte Anklang finden, wenn man nur den Willen bat, sie sorgauch diesmal wieder für sehr gut wirkende Kulissen und Beleuch tungseffekte geforgt. Dir. Bernhard Rose, dem die Verkörperung einer rechtschaffenen Gestalt aus dem Bauernstande besonders gut liegt, spielte den Tell. Für den Geßler verschrieb man fich Georg John vom Leffing- Theater als Gast, eine Wahl, die man nicht zu bereuen hatte. Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenitraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, zu richten. 3. Kreis Wedding. Freitag, den 6. februar, 7 Uhr, Sigung des erweiter ten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 6. Februar, 7% Uhr, erweiterte Rveisvorstandssigung bei Bieler, Dieffenbachstr. 76. 11. Rreis Schöneberg- Friedenau. Sozialistisches Kulturkartell: Die Arbeitsausschußigung findet Sonntag, den 8. Februar, vormittags 11 Uhe pünktlich, bei der Genoffin Roeder, Hauptstr. 97, ftatt. Die Vertreter der Organisationen werden um Erscheinen gebeten. 14. Kreis Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Freitag, den 6. Februr, 7% Uhr, Zusammenkunft aller Helfer in der Neckarstr. 3. Jugendschriften." 18. Kreis Weißensee. Seute, Donnerstag, abend 7% Uhr im Realgymna fium Fortfehung der Arbeitsgemeinschaft der Genoffin Bohm- Schuch. Neue Teilnehmer willkommen. 21. Abt. Heute, Donnerstag, den 5. Februar: Ronfumgenossenschaftsmitglieder der 10. Abgabestelle( Sochstädter Straße) und der 103. Abgabestelle( Bring- Eugen- Straße), welche Partei. mitglieder find, oder mit uns sympathisieren, werden zu einer Be fprechung betreffend Delegiertenwahlen um 7½ Uhr nach der Bibliothek des Karl- Schrader- Hauses Malplaquetftr. 14-16, geladen. Jungsozialisten. Gruppe Neukölln: Pünktlich 8 Uhr in der Kinderlesehalle Rogatstr. 11, Vortrag des Genossen Löwenstein: Staat und Erziehung". Gäste, besonders die SAZ., willkommen. Gruppe Friedrichshain: 7% Uhr im Jugendheim Tilfiter Str. 4, Politische Arbeitsgemeinschaft" Gruppe Treptow: Pünktlich 7% Uhr im Jugendheim Elfenstr. 3, Dis tuffionsabend. Gruppe Niederschöneweide: 18 Uhr Uebungsstunde der Bereinigung Sozialdemokratischer Studenten. Musiker. Dienstag abend 8 Uhr Mitgliederversammlung. Uhr Bersammlung im Sörfaal 41 der Universität. Morgen, Freitag, den 6. Februar: 3. Abt. 7 Uhr wichtige Sigung der Funktionäre, auch der weiblichen, bei Krüger, Engelufer 23. 5. Abt. Pünktlich 7½ Uhr Aufammenkunft der Funktionäre bei Engel, Bartelstr. 7. 6. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Dobrohlam, Swinemünder Str. 11. Elternbeiräte und Betriebsfunktionäre müssen anwesend fein. 25. 6. 7% e bel Bidmome, Beißenburger Str. 1, wittige Bunitioner. besprechung. 34. Abt. Alle Mitglieber nehmen an der Areismitgliederversammlung in der Andreasstr. 21 teil. 38. Abt. Die Genoffen nehmen an der Rreismitgliederversammlung um 7 Uhr Wirtschaft in ben Andreas- Feitfälen, Andreasitt. 21, teil. 8ur Flugblattver. Die Verbrauchsbelastung durch den Zwischenhandel. breitung finden fich alle Genoffen Sonntag früh 8½ Uhr in den Be zirkslokalen ein. Die Bezirksführer nehmen das Material am Sonnabend in den bekannten Lokalen in Empfang. Die Kunstkommiffion tagt Gonntag vormittag 11 Uhr beim Abteilungsleiter. Echöneberg. 77. Abt. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Jürgens, Barbaroffaftr. 5a. 78. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung im Lokal König, Feurig, Ede Brinz- Georg- Straße. Wichtige Tagesordnung. 79. Abt. Bünktlich 8 Uhr bei Groß, Sedanstr. 17, wichtige Funktionärsihung. 81. bt. Friedenau. 8 Uhr bei Alabe, Sandjernftr. 60-61, Funktionärsihung. fizung. Die Bezirksführer laden hierzu ein. 88. Abt. 7 Uhr Funk tionärsbung bei Nut, Ringbahnstr. 34. Die Bezirksführer laden hierzu ein. Rentölin. 93. Abt. T½ Uhr bei Ruppelt, Kaifer- Friedrich- Git. 172, Funktionär 108. bt. Köpenid. 7% Uhr Funktionärligung im Jugendheim Grünauer Straße 5, Rimmer 1. 128./130. bt. Bankow. T½ Uhr Funktionärtonferens bei Mees, Berliner Straße, Ede Sindenpromenade. Jungfezialisten. Gruppe Rorden: 18 Uhr britte fortfegung des Borttages vom Genoffen Burchardt über Gosiale Theorie". Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 41. st. Genoffe Johann Biehofer, 3. Gruppe, ift am 1. Februar verstorben. Einäscherung Freitag, den 6. d. M., nachmittags 1 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 53. Abt. Charlottenburg. Genoffe Rar! Genf ist verstorben. Beerdigung Freitag, den 6. Februar, nachmittags 4 Uhr, in Prößensee, Johannes- Kirchhof. Jugendveranstaltungen. Achtung! Dienstag, ben 17. februar. 1. gufammenkunft derjenigen Genoffen, die am Jugendspiel" Frühling im Baldreich" mitwirten wollen, im Jugendheim Lindenstr. 3, abends 7 Uhr. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7% Uhr: Friebenan: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2. Südmeft: Jugendheim Lindenftr. 3. Sehlendorf: Sudschule, Wilhelmstraße. Schönhauser Borftabt: Schule 3bfenftr. 17, Bor trag: Entstehung der Reitung". Senefelder- Bicetel: Badeanstalt Oberberger Straße 57, Vortrag: Was ist Marrismus?" Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gef&& ftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 Tr. Ramerabichait Tempelhof: Donnerstag, den 5. Februar, abends 7 Uhr. Mitgliederversammlung im Genossenschaftswirtshaus, Tempelhof, Dorfftr. 51. Ramerabschaft gehlendorf: Freitag, den 6. Februar, abends 8 Uhr, Sportabend in der Nordschle, Landsmannschaft ber Schleswig- Holsteiner zu Berlin.( Gegr. 25. März 1892.) Donnerstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr, im Restaurant von Jaccb Effer, Röpenider Str. 70a, humoristischer plattbertscher Bortragsabend. Bortrag des plattdeutschen Dichters Wilhelm Sentschel über Fris Reuter in min Heimat. stadt Treptom a. d. Tollenfe". Borlesungen aus den Werken von Reuter, Groth, Brinkmann u. a. Sonnabend, den 7. Februar, abends 8 Uhr, im Dresdener Rafino, Dresdener Str. 96, großer Maskenball. Landsleute, Gäste zu beiden Beranstaltungen sehr willkommen. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 6. Februar, abends 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53, 8 Tr., Bortrag: Runsterziehung in der Grundfchule". Referent Lehrer Baul Gärtner. Eintritt frei. Berliner Arbeiter- Schachklub, Abt. Westhafen. Am Donnerstag, den 5. Februar, beginnt der 1. Lehrkurfus: a) file Anfänger um 8 Uhr; b) für Fort gefchrittene um 8½ Uhr. Außerdem um 9 Uhr Simulbanspiel des Schach. genoffen F. Lange. Gäste haben hierzu fowie jeden Donnerstag von 7 bis 11 Uhr Rufritt. Spiellokal bei Serrmann, Quigowstr. 120, Ede Havelberger Straße. Arbeiter Radio- Klub, Dezirk Rorben. Jeden Donnerstag abend 7% Uhr Bersammlung bei Monat, Kopenhagener Str. 9. Gäfte willkommen. Geschäftliche Mitteilungen. Gesellschaftsfonbergine 4. Al. mit Fahrpreisermäßigung zur Leipziger Meffe. Der Besuch der Leipziger Frühjahrsmesse vom 1. bis 7. März( Technische Meffe vom 1. bis 11. März) wird auch diesmal durch Eonderzülge 4. Klaffe ant 4. und 5. März mit 33% Bros. Fahrpreisermäßigung eine Erleichterung erfahren. Fahrkarten au diefen Rügen find feinesfalls beim Meffeamt zu bestellen, sondern beim Lloyd- Reisebureau, Berlin. Unter den Linden 1 und beim Reisebureau Wertheim, Berlin, Leipziger Str. 132-137. Dort werden auch Mehabzeichen verkauft und sonstige Auskünfte über die Messe erteilt. Im übrigen wird auf die auf allen größeren Bahnhöfen und allen größeren Berkehrsbureaus zum Aushang gelangenden Meß- und Sonderfahrpläne hin. gewiesen. Briefkasten der Redaktion. $.. 55. Nach unferer Auffaffuna find Sie nr Zahlung nicht ver Nichtet.- E. R. 83. Der Wert der Snpothet beträgt tatsächlich 750 Reichsmart. Ob Gie zur Zahlung dieses Betrages verpflichtet sind, ist zweifelhaft. Rufen Sie die Aufwertungsstelle zur Entscheidung an.- Schberftr. 122. Ja, der Hauswirt Bann fogar bazu durch den Riageweg gezwungen werden. B. G. Die Polizei kann nicht helfen. Ruständig ist das ordentliche( Amts-) Gericht. Aber nur eine Rlage des Sauswirts ift aussichtsvoll. 2. 8. 1. 1. Ja. Bovausfekung ist jedoch, daß der Bater etwas hinterlassen hat. 2. Bon ber Stiefmutter tann Auskunft über den Bestand der Erbschaft und über den Verbleib der Erbschaftsgegenstände gefordert und im Weigerungsfalle Rlage gegen fie erhoben werden. Es tann sogar her Offenbarungseid von ihr verlanat werden. 3. Nein. Der Nachlaß des Baters, zu dem auch das Geschäft gehört, fteht den Erben( der Stiefmutter und den beiden Rindern) zu. 4. t unerheblich. R. R. 40. 1. In 10 Jahren. 2. Bei der Staatsanwaltschaft. 3. Nicht erforderlich. A. B. 72, Gie können nur Vermessungstechniker wer den. Ru diefem Swed müffen Sie bei einem Landmesser in die Lehre treten. Bergütung während der Lehrzeit muß vereinbart werden. Wegen Nachweises einer Lehrstelle empfehlen wir, fich an das Berufsamt, Niederwallstr. 13, zu wenden. Rum Bandmesser ist Abiturium und Besuch der Landwirtschaftlichen Sochschule erforderlich. Wetter für Berlin und Umgebung. Etwas fühler, vielfach beiter, teine erheblichen Niederschläge, schwache Luftbewegungen, später, etwa in der Nacht zu Freitag, wieder Windbrehung nach Südwest, langfame Trübung, wieder Erwärmung. Für Deutschland. Bunächst überall vielfach heiter, später im Westen beginnende Trübung. organisierte Birtsaft bie einzige Möglichkeit bietet, ber in jeder Richtung ungefunden Entwicklung der privaten Handels. wirtschaft entgegenzumirten. Außerdem aber bieten allein verkehrs zwischen Erzeuger und Berbraucher, wodurch die überdie Konsumgenossenschaften die Möglichkeit eines direkten Geschäfts. flüffigen und vertcuernden Zwischenglieder ausgeschaltet werden tönnen. Die Entwicklung treibt auch in dieser Richtung, aber sie fönnte viel mehr beschleunigt werden, wenn die Verbrauchermassen die Konsumgenossenschaften zwedbewußt organisatorisch burch die Mitgliedschaft bei ihnen, finanziell und wirtschaftlich, durch die Eindurch den Warenumsaz bei denselben fördern würden. ff. Es ist von einigem Intereffe für die Berbraucher, daß die landwirtschaftlichen Genossenschaften ohne alle Rüdfit nahme auf die sogenannte mittelstandspolitik flipp und flar den Standpunkt vertreten, daß der überflüssige 3 wisen handel ausgeschaltet werden müsse. Und in der Tat ist es ja auch so, daß durch das Hineindrängen Tausender vom eigentlichen Beruf losgeriffener Eristenzen in den Handel die Versorgungswirtzahlung von Geschäftsanteilen und Spareinlagen und vor allem schaft ganz außerordentlich belastet wird. Nach dem Kriege in viel größerem Umfange als vor ihm. Den fühlbarsten Schaden davon haben die Verbraucher, im ganzen aber die Boltswirtschaft. Unter der Ueberschrift Die Drohnen des Wirtschaftslebens" Die Maschinenindustrie in der Auslandskonkurrenz. veröffentlicht beispielsweise das Landwirtschaftliche BeNach den Berichten der preußischen Handelskammern, die dem nofienichaftsblatt" in Neuwied a. Rh., das Hauptorgan des Handelsminister erstattet wurden, machte die Besserung der Generaiverbandes der deutschen Raiffeisen- Genossenschaften( Eigirtschaftslage im Januar langsame Fortschritte. Es wird Berlin) einen Aussaß, der mit voller Klarheit den Widersinn der darauf verwiesen, daß Deutschlands Handelsbilanz im vorigen Jahre Ueberfüllung des Privathandels feststellt und geißelt. Nach der mit 2,7 Milliarden Mark passiv ist, daß aber trotzdem die Ausfuhr vom Statistischen Reichsamt veröffentlichten Bestandsstatistit der von Fertigwaren um 20 Broz. gestiegen ist. Erwerbs und Wirtschafts gesellschaften gab es in der Ge= werbeflaffe handelsgewerbe" am Ende der Jahre: 1918 835 9 409 10 244 1919 872 11.420 12 292 1923 4629 81 822 36451 Aftiengesellschaften. Gesellschaften m. 5. S.. zusammen Das bedeutet also gegenüber 1913 eine prozentuale Zunahme Der kollektiven Handelsbetriebe von 256 Pro3. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Handelsgesellschaften in den Rechtsformen der Aktiengesellschaft und der Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Neben dieser sich aufs ganze Reich erstreckenden Statistit gibt es noch einige lofalftatistische Nachweisungen, aus denen die in den letzten Jahren stattgefundene zunehmende Ueberfegung des Han dels zu erkennen ist. In den Berliner Wirtschaftsberichten ist eine Statistik über das Berliner Handelsregister veröffentlicht, die eine fortschreitende starte Vermehrung der Handelsfirmen in Groß- Berlin feststellt. So waren in den Berliner Handelsregistern eingetragen: 31 600 Sandelsfirmen 1913 1919 1921. Anfang 1924. • • 39 500 48 600 60 000 Die Zahl der Handelsfirmen in Berlin, hat sich dem nach im Laufe des letzten Jahrzehnts nahezu verdoppelt. Zu ähnlichen Ergebnissen fommt ein Auffah Warenerzeugung und Warenpreise" in Nr. 806 der Kölnischen Zeitung", in weidhem an Hand des statistischen Jahrbuches der Stadt Köln festgestellt wird, daß in Köln die Zahl der handelsgewerblichen Betriebe von 5295 im Jahre 1913 auf 13 820 im Jahre 1921 gestiegen ist. Dementsprechend ist selbstverständlich die Zahl der einzelnen Zwischenhändler ganz riesig angewachsen, und da jeder verdienen will, wird die Ware mit überflüssigen Handelstoften belastet, die in den Preisen zum Ausdruck fommen. Hierbei wird von der landwirtschaftlichen Genoffenschaftspreffe betont, daß die Spannungen zwischen Erzeuger und Handelspreisen heute wesentlich höher find, als vor dem Kriege, so daß der Landvirt nicht etwa mehr verdient als vor dem Kriege, sondern eben die Wirtschaft durch die angeschwollene Zahl der Bielzupielen" un produttiv belastet wird. So machte z. B. im August 1924 der Erzeugerpreis für Roggen nur 81 Proz. des Friedenspreises aus, während die Spanne zwischen ihm und dem Kleinhandelspreis für Roggenmehl bedeutend größer war als vor dem Kriege. Fast überall läßt sich feststellen, daß die Belastung der Verbraucher viel starter ist, als es fid) durch die Aenderung des Erzeugerpreises rechtfertigen laffe. Bergleidt man z. B. den August 1924 mit dem Vormonat, so sieht man, daß der Erzeugerpreis für Butter um 8 M., der Verbraucherpreis aber um 39 M. im Zentner gestiegen war. Im Kleinhandel tofteten 100 Pfund Schweinefleisch im August 41 m. mehr als im Juli 1924. der Erzeugerpreis für Schweine war indessen nur um 10 M. für den Bentner gestiegen. Allerwärts dasselbe Bild: Bei Butter begnügte sich der Handel vor dem Kriege mit einem Zuschlag, der kaum ein Sehntel des Erzeuger preises betrug; jetzt hat sich die Handelsspanne vervier bis verfünffacht. Aber nicht nur der Handel, auch das Gewerbe wird von der landwirtschaftlichen Genossenschaftspreise unter die Lupe genomnien und eine Königsberger Rede" des Reichsernährungsministers Graf v. Kanizz zitiert, in welcher dieser gewiß unverdächtige Zeuge u. a. jagt. " Es gibt in der Tat zu viele 3 wischeninstanzer, zu viele Bäcker und Metzger, zu viele Getreidehändler, Vich handler, Geldhändler. In allen Gebieten des Güterumfaßes ist es dasselbe Bild. Eine förmliche Drohnenmirtschaft ich spreche von den Answuchsen, nicht von den gefunden Organen der Wirtschaft- hat sich im Haushalt unferes Boltes eingeniftet. Wie ein Keil steckt dieses Gebilde zwischen dem Erzeuger und Verbraucher; es beengt auf der einen Seite durch Niederhaitung der Erzeugerpreise den Spielraum für die Produktion, verteuert auf der anderen Seite die Waren für den Berbraucher...." Wenn man diesen Tatsachen, deren Wirkung die Verbrauchermassen am eigenen Leibe zu verspüren haben, gegenüberstellt, daß die Konsumgenossenschaften bestrebt find, die Zahl der Organisationen zu vermindern, um die Produktions- und Handelskosten herabzudrücken, und daß gleichzeitig ihre Mi igliederzahlen immer stärker anwachsen, dann ergibt sich die notwendige Folgerung, daß die genossenschaftlich M Interessante Ausführungen enthalten die Berichte über die Lage der deutschen Maschinenindustrie: men In 1er Maschinenindustrie fällt auf, daß über die Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung und die Geldknapp. heit nur wenig und nebenbei gesprochen wird. Im vergangenen Jahr sind einige Hindernisse, die den Welthandel beengten, durch das Dawes- Gutachten und die Währungsstabilisierung gemildert worden, und von den Bereinigten Staaten ausgehend, hat sich ein wirtschaft. sicher Optimismus verbreitet. Die Folge davon ist eine gesteigerte Tätigkeit der Industrie in allen Ländern.„ Jedenfalls macht sich auf dem Auslandsmarkt die betreffende Landes industrie immer stärker bemerkbar";" Doch mußte immer wieder die Erfahrung gemacht werden, daß das Auslandsgeschäft ständig schwieriger wird";" Das Ausland hält mit den Bestellungen in einer Weise zurüd, wie wir es felten gefannt haben";" Neue Aufträge sind nur in spärlichem Umfange eingegangen, und zwar ausschließlich aus dem Inlande". So lauten die Meldungen, aus denen hervorgeht, daß die aus der stärkeren Tätigkeit der ausländischen Industrie her. rührenden Schwierigkeiten der Ausfuhr mit Sorge verfolgt werden. Die hohen Zölle tragen weiter zu einer Berminderung der Ausfuhr bei. Ueber die ausländische Konkurrenz in Deutschland wird nicht getlagt, dagegen über die Ronkurrenz der deutschen Fire untereinander auf dem Auslandsmarti Charakteristisch sind noch folgende Meldungen: Die Verhältnisse im Auslande sind nicht näher bekannt, da die Industrie„ infolge der augenblicklich herrschenden Verhältnisse zu wenig Fühlung mit dem Auslande hat".Zurzeit sind die Auslandsfabr fare auch dort vorherrschend, wo früher bei gleichen Breiden den deutschen Fabrikaten der Vorzug gegeben wurde. Die Resignation über das Auslandsgeschäft fönnte man als die wichtigste Tatsache aus den Januarberichten bezeichnen. Die Firmen find, wie es fcheint vielfach der Ansicht, daß sie diesen Hindernissen machtlos gegenüberstehen. Diejenigen Firmen, die die Beziehungen zum Ausland aufrechtzu erhalten sich bemühen, fönnen nur ungenügende oder sogar Berlust preise erzielen. Eine Firma( Bapierindustrie) schreibt: Die Absatzverhältnisse sind schlecht; es muß zuviel exportiert werden zu schlechten Preisen um die Erzeugung unterzubringen." Die zweite Sorge ist die Entwicklung der Preise für Roh. stoffe und Halbfabritate cinerseits und für Fertigfabritate andererseits. In der Aufwärtsbewegung der Rohstoffe zeigt sich die erwartete Geschäftsbelebung. Qualitätsfeinbleche sind in den letzten Monaten um fast 50 Broz. auf 270 m. pro Tonne gestiegen. Schwerer Stahlschrott stieg auf 85 M. und Kernschrott auf 83 M., Stabeifen auf 135 bis 140 M. Stahlform- und Temperguß ist um 5 Broz. er. höht. Eine andere Firma gibt für Gußstüde eine Preiserhöhung von 20 Brez. an. Der Walzeisenmarkt hat sich in den lehten Wochen, fehr belebt. Aber die Belebung des Eisenmarktes hat bis jetzt der Maschinenindustrie nur eine Erhöhung der Pro. duftionskosten gebracht, so daß man verstehen kann daß die Maschinenindustrie einige Sorge vor diefer ansteigenden Konjunktur des Eisenmarktes hat, denn es fonnten die Preise für Fertigwaren noch nicht entsprechend erhöht werden. Da bei der gegenwärtigen Martilage die Möglichkeit, Erhöhungen durchzusehen, gering ist, erwartet man von der Preiserhöhung der Rohstoffe und Halbfabrikate einen ungünstigen Einfluß auf den Abfaz von Maschinen. Die Steigerung der Produktionskosten durch die Steuern wird hervorgehoben. Der Auftragsbestand wird im allgemeinen als befriedigend bezeichnet, wobei zu bedenken ist, daß heute, nach den vergangenen schlechten Jahren, die Ansprüche an den Auftragsbestand zurüdgeschraubt sind. Obwohl also nach den amtlichen Berichten die Maschinenindustrie bereits die teuren Rohstoffpreise als eine Gefährdung ihres Abfahes ansieht, haben die maßgebenden Vertreter dieses Gewerbezweiges bei dem bekannten, in Paris abgeschlossenen Zollpaft einer Erhöhung der Eisenzölle zugestimmt! Sie hätten es nicht getan, wenn sie nicht hoffen würden, daß sie die Folgen der von der fünstlichen Eisenverteuerung zu erwartenden Absatz- und Arbeitslosigkeit auf die wirtschaftlich Schwächsten, die Arbeitnehmer und Verbraucher abwälzen, den eigenen Profit aber durch hohe Maschinen zölle fichern würden. Kapitalumstellungen im Siemens- Konzern. Die Siemens u. Halste A. G. leat ihr Aftienfapital, das jetzt auf 260 millionen Papiermart sich bezifferte, auf 97,5 Millionen Reichsmart zusammen. Bor dem Kriege betrug das Aftientapital 63 Millionen Goldmark, es wurde im Jahre 1920 um 197 Millionen erhöht, ein Betrag, der damals nur den Wert von 14,6 Millionen Goldmark darstellte. In Geschäftsjahr 1923/24 wurde ein Reingewinn von 2,65 millionen Das ideale UniversalPutz- und Scheuer mittel! VIM ist die wesentlichste Stütze jeder Hausfrau u ihres Personals bei der Jnstandhaltung des größten wie des kleinsten Haushaltes. Küche u. Küchengeräte, Badewanne u.Waschtisch, Messing beschläge, Fenster, Holz- u. Linoleumfußböden, Marmor u Fliesen, alles reinigt man hygienisch mühelos u schonend mit VIM Jede Hausfrau macht den Versuch! Alleinige Herstellerin: SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. Goldmark erzielt, der nicht ausgeschlittet, fondern auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Dem Wohlfahrtsfonds wurden in der Goldmarferöffnungsbilanz 2,6 millionen, dem Dispositionsfonds 2,8 Millionen Goldmart vorbehalten. Das Goldmarttapital ftellt sich also heute höher dar als das Bortriegstapital zuzüglich des Goldwertes der inzwischen eingetretenen Rapi. talerhöhung, obwohl die Verwaltung im Brüfungsbericht be. merkt, daß die Inflationsgewinne aus der Entwertung der Schulden geringer feien als die Verluste der Gesellschaft infolge des Bersailler Dittats, und obwohl überdies betont wird, daß die vor dem Striege bei der Bilanzaufstellung geübte Borsorge auch bei der Berechnung der Goomarfbilang sen großem Einfluß war. Die Siemens. hudert Werte G. m. b. 5. leßen in der Goldmartbilang ihr Borkriegstapital von 90 Millionen unverändert bestehen, zweigten dabei für den Wohlfahrtsfonds 7,15 und für den Dispositionsfonds 2,25 Millionen Goldmart ab. Die Gesellschaft lieferte überdies ein Beispiel dafür, daß die Industrie nicht in allen Fällen im Rahmen der Steuernotverordnung aufzuwerten braucht: ein untundbares Darlehen, das feinerzeit 110 Millionen Goldmart betragen hatte, wurde in freier Bereinbarung mit den Gläubigern auf 30 Millionen Goldmart festgefeßt. Während Siemens u. Halste 30 Millionen Mart in Reserve ftellte( vor dem Kriege maven es 24,5 Mienen!), wurbe non bem einvermögen ber Siemens- Schudert 15 Millionen der Rüdiage zugewiefen. Legtere Gesellschaft hat im Geschäftsjahr 1923/24 einen Reingewinn von 430 445 M. nach reichlichen Abschreibungen auf Gebäude erzielt, um fie auf neue Rechnung vorzutragen. Musilaufträge S übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Mufiler Berbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310). Geschäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch. 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Paul Steinberg& Co., BERLIN N 54, Rosenthaler Str. 40,41 Postscheck- Konto Berlin 32555 Nr. 60 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 5. Februar 1925 Zusammenstöße im Untersuchungsausschuß. ( Fortsetzung des Berichts aus der Abend- Ausgabe.) Abg. Deerberg( Dnat.) fommt auf die durch die Bochumer Handelskammer verbreitete holländische Warnung zu sprechen und er wähnt, daß im Jahre 1919, seinen Informationen zufolge, die Butterhandelsvereinigung den Reichswirtschaftsminister, vor Barmat gewarnt habe.. Abg. Heilmann erklärt, daß Barmat 1919 Prozesse mit zwei Raufleuien in Leipzig und Elberfeld gehabt habe und daß seiner Erinnerung nach der Elberfelder Brozeß sich auf ein Butter gefchaft bezogen habe. Barmat sollte damals einen Vertreter des Elberfelder Geschäftes nicht empfangen und als notorischen Schieber bezeichnet haben, worauf die betreffende Firma eine Ziviltlage einleitete. Auf weitere Fragen erklärt Abg. Heilmann, daß, soviel ihm be. fannt sei, sozialdemokratische Organisationen und Gewert schaften an irgendwelchen Geschäften Barmats niemals be. teiligt gewesen sind. Eine Ausnahme davon mache eine Geschäfts. verbindung Barmats mit dem Leipziger Konsumverein. Heilmann erklärt auf Befragen weiter, daß Barmat von der Gewerkschaftsbant einen Kredit von 300 000 m. erhteit, der aber bald gekündigt und auch zurückgezahlt wurde. Diese Kredit verbindung habe im übrigen nur sehr furze Zeit bestanden. Abg. Dr. Waentig( S03.) verlangt von Heilmann eine noch. malige eingehende Darlegung des Verhältnisses zwischen Barmat und J. Roth und Berlin- Burg. $ Zeuge Heilmann gibt darauf eine ausführliche Schilderung über die Lage des Barmat- Konzerns im Juni 1924 ot Barmat besaß damals u. a. die„ Amerima", die Berliner MerkurBant, die Altenburger Handelsbant, alles fleinere Unternehmungen, die feinen besonderen finanziellen Aufwand für den Betrieb erfordert hätten, ſelbſt dann nicht, wenn der Geschäftsgang ungünstig gewesen wäre. Barmat war damals ferner beteiligt bei Eisen Matthes in Magdeburg. Dann murden die Beziehungen zu 3. Roth und Berlin- Burg angeknüpft, und zwar durch die Vermittlung des Oberfinanzrats ellwig. Soviel jich Heilmann erinnern fann, ist das im Mai 1924 gewesen. Hellwig sei es gewesen, der Barmat zuerst mit dem Inhaber von 3. Roth zusammengebracht hat, und darauf sei auch die Beteiligung Barmats am I. Roth- Konzern und bei Berlin- Burg erfolgt, die beide etwa 20 bis 30 große abriten in Deutschland, der Tschechoslowakei, Deutsch- Desterreich und Holland unterhielten. Diese Unternehmungen seien damals start ubet. schuldet und ohne jede Betriebsmittel gewesen. Vor der lebernahme durch Barmat hätten diese Firmen, namentlich Berlin- Burg. bereits einen Vertrag abgeschlossen, in dem sie sich mit einer Art Schrottfirma zu einem fogenannten Metageschäft über den Berkauf der Maschinen geeinigt hätten, um dadurch neue Mittel zur Betriebsführung zu gewinnen. Dieser Verkauf scheine schon teilweise vor der lebernahme durch Barmat durchgeführt gewesen zu fein. Barmat habe zunächst große Bedenken gehabt, das Risito cinzugehen, und er habe angelegentliche Verhandlungen gepflogen darüber, wieviel Kapital notwendig sei, um alle diese Unternehmungen zu fanieren. Es sei Barmat damals gesagt worden, es handle fich um etwa 1 bis 1½ millionen Mart. Bereits wenige Wochen nach dem Abschluß des Vertrages habe sich aber heraus gestellt, daß felbft das Zehnfache dieser Summe nicht ausreichte, um die Fabriken wieder aktiv, d. h. überschußfähig zu machen. Man müsse das aber mit Einschränkungen verstehen, denn es feien unter den Fabriken auch solche gewesen, die bereits nach furzer Investition wieder produktiv arbeiten fonnten. Heilmann erklärt, daß er diese Mitteilungen einem Herrn olf verdante, der von Barmat 6 Wochen vor seiner Berhaftung als Industrieleiter engagiert worden ist, und der diese Werte einer Machprüfung unterzogen hat. Andere Fabriken, wie beispiels weise das Stammwert Burg und Rost od hätten jedoch fehr großer Mittel bedurft, um wieder betriebsfähig zu werden. Die Staatsbank habe später feine weiteren Kredite geben mollen, aber fie gab wertvolle Sicherheiten frei, damit Barmat sich andere Kredite beschaffen fonnte, um die Sanierung von V. Roth und Berlin- Burg zur weiteren Durchführung bringen zu fönnen. Er, Heilmann, sei selbstverständlich im Auf fichtsrat von B. Roth oder Berlin- Burg gewesen. Er misse alles nur von Erzählungen Dritter, dem genannten Herrn Wolf, sowie von Direktoren der Merkur- Bank, die dieselben Angaben dem Untersuchungsrichter gemacht haben, als fie am 31. Dezember verhaftet waren. Abg. Deerberg( Dnat.) stellt nach dieser Aussage Heilmanns fest, daß also der Zusammenbruch des Barmat- Konzerns dadurch hervor. gerufen wurde, daß Oberfinanzrat Hellwig den Konzern bestimmte, schwer nolleidende Gesellschaften im großem Stile zu übernehmen. Heilmann bemerkt, daß er sich nur dem Urteil eines Ber. teidigers anschließen fönne, der erklärt habe, die Auffassungen Heilmanns jei auch die Auffassung der Staatsanwalt= Ichaft. Die Staatsanwaltschaft habe gesagt, Barmat sei wohl ein Betrüger, aber ein betrogener Betrüger, der durch die B. Rothund Berlin- Burg- Angelegenheit hineingelegt wurde. Hierauf erklärt zunächst der Präsident der Seehandlung Schröder, daß Ende Mai oder Anfang Juni mit Herrn Barmat wegen fchleuniger Rückzahlung der Kredite in Verbindung getreten fei. Barmat habe erklärt, er könne das nicht sofort, sondern könne erst im August mit Abzahlungen beginnen. Er hat dann auch im August damit begonnen. Sodann teilte Finanzrat Brekenfeld mit, daß die Seehandlung mit Bezug auf ihre Kredite an Berlin- Burg absolut ichergestellt war, ehe Barmat Berlin- Burg erwarb, und daß es ihm daher nicht ganz verständlich erscheine, wenn Herr Seilmann erflärt habe, daß Oberfinanzrat Hellwig im Interesse der Staatsbant Barmat gedrängt habe, Berlin- Burg zu erwerben. Abg. Pinkerneil( DBp.) fommt sodann auf den von Heilmann erwähnten Brief Stresemanns an Sprit- Weber zu sprechen, fragt Heilmann, ob er diesen Brief gesehen habe und teilt auf eine Berneinung des Zeugen mit, daß sich in den Aften fein Durchschlag dieses angeblichen Briefes Stresemanns gefunden habe. Zur Sache selbst bemerkt der Abg. Binferneil, daß Sermann Weber durch Frau Katharina v. Dheimb in ten pollsparteilichen Klub eingeführt worden sei. Abg. Heilmann( Soz.) erklärt, daß ihm bekannt geworden sei, daß Sprit- Weber durch die Abg. Frau v. Dheimb und Herrn Stresemann in den volksparteilichen Klub eingeführt worden sei und daß er Kenntnis von dem erwähnten Brief Stresemanns burch seinen Gewährsmann Generaldirektor Ka resti erhalten habe, der früher beim Kahlbaum- Konzern gewefen fei. Weber habe Karesti aufgefordert, in den Aufsichtsrat der deutfhen Spirituosen- Werke einzutreten und erft als karesti Bedenken geltend machte, habe Weber den erwähnten Stresemannschen Brief gezeigt. Auf weitere Fragen erflärt Heilmann, daß eine persönliche Verbindung zwischen Barmat und dem Staatssekretär Hagedorn Dom Reichsernährungsministerium nicht bestanden habe und daß auch von einer engeren Berbindung Barmats mit Scheidemann nicht die Rede fein tönne. Ein aufgeregter Kriminalfommissar. Auf weitere Fragen des Abg. Brunt( Dem.) erflärt Heilmann, daß seines Wissens Barmat fein Geld in das Ausland verschoben habe. Wenn Geld von ihm ins Ausland z. B. nach Helland geflossen sei, so sei das im Wege des mit der Amerima in Holland bestehenden Geschäftsverkehrs geschehen. Unbekannt jei ihm auch, daß der Reichspräsident Ebert Barmat seine Photo graphie mit Unterschrift geschenkt habe. Erst aus einer Erflärung der Verteidiger Barmats habe er entnommen, daß Barmat angegeben habe, eine Postfartenphotographie des Reichspräfis denten zu besigen, auf die dieser seinen Namen geschrieben habe. Er entfinne sich auch nicht, jemals eine Zeile des Reichspräsidenten an Barmat gefehen zu haben. Auf die Frage des Abg. v. Waldthausen( Dnat.), ob Barmat während seiner Anwesenheit in Deutschland die Amsterdamer megima als Hauptgeschäft betrachtet habe oder ob er den Schwerpunkt nach Berlin verlegt hätte, gab Heilmann eine Auskunft dahin, Barmat habe das Amsterdamer Geschäft als seine Bermögensverwaltung angesehen, in der die wirkliche Kraft des Geschäftes war. Den Hauptteil seiner geschäftlichen Tätigkeit habe er in den Jahren 1919 und 1920 nach Deutschland und später nach Deutsch österreich verlegt, um in den letz ten Jahren wieder ganz überwiegend namentlich seine persönliche Arbeit den deutschen Geschäften zu widmen. Die Wiener Amerima bestand ungefähr ebenjolange wie die Berliner. Barmat ging immer dahin, wo im Augenblid die größten Geschäfte schwebten. Es gab geschäft mit einer amtlichen Stelle geführt wurde, an dem der da eine Zeit, mo in Wien ein außerordentlich großes Lebensmittelmalige österreichische Ernährungsminister beteiligt war. Außerdem wurden große Lebensmittelgeschäfte abgeschloffen mit dem Wiener Konjumperein. über eine bei Barmat Unter den Linden im November 1919 durch Heilmann gibt sodann auf weiteres Befragen eine Darstellung ben Bolizeioberinspektor Klinkhammer ausgeführte Haus ſuchung. Es sollte nach gefälschten Einfuhrscheinen gefucht werden. Er sei telephonisch von dem in der Wohnung anwesenden Schwarger Barmats herbeigerufen worden und habe den Beamten erklärt, daß eine Haussuchung nicht nötig sei, daß eine einfache Nachfrage beim Wirtschaftsministerium nach der Echtheit der Scheine genügen würde. Klinkhammer ließ sich darauf nicht ein. Er ist später dann zum Reichswirtschaftsministerium gefahren, wo die Echtheit bestätigt wurde. Ein Verfahren wurde dann fortgeführt wegen Betreibens Don Lebensmittelgeschäften ohne Großhandels. erlaubnis. Auf Antrag des Landespolizeiamtes und der Staatsanwaltschaft wurde dieses Verfahren vom Amtsgericht Berlin- Mitte eingestellt. Auf die Frage, ob Herr Klinthammer gesagt habe, daß die Anzeige auf Grund einer Angabe der Deutschen Tageszeitung" erfolgt fei, erwidert Heilmann, daß er gelegentlich vom Präsidenten Falt von einem Leitartikel der Deutschen Tageszeitung" und der Aufforde. rung, die Sachlage zu untersuchen, gehört habe. Abg. Schwering( 3.) bringt noch einmal die Frage Berlin Burg zur Sprache, insbesondere die Frage der Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Seilmann erklärt, von der Zusammensetzung sei ihm nichts betaunt. Che Barmat die Beteiligung erworben frer Dominicus dem Aufsichtsrat angehört habe. Sjerr habe, habe er zufällig gehört vom Minister Severing, daß MiniDominicus sei im Interesse von Berlin- Burg wiederholt bei Severing gewefen und habe den Wunsch ausgesprochen auf Ueberlassung von Räumen im Hause neben dem Ministerium des Innern. Severing habe dem Wunsche, den unteren Stock zu mieten, nicht entsprochen. Ob sonstige Barlamen tarier in Berlin- Burg gesessen hätten, sei ihm nicht bekannt. Die Frage, wie es zu erflären sei, daß ein so erfahrener Geschäftsmann wie Barmat sich habe täuschen lassen, beantwortet Heilmann mit der Ausführung, Barmat sei ein erfahrener Kaufmann, aber fein Jndustrieller gewesen. Es seien zwei Abteilungen gebildet worden, eine Finanzabteilung und eine Industrieabteilung. In der Industrieabteilung hätten zwei Männer, Staub und Rali. nowitsch an der Spike gestanden. Barmat habe den Angaben der beiden unbedingtes Bertrauen entgegengebracht. Die Angaben feien aber in wesentlichen Punkten falsch gewesen. Später habe Barmat dann die einzelnen Werke durch einen Herrn Wolf fontrollieren lassen. Wolf habe ein Gutachten erstattet über den Wert des gesamten Konzernes. Als am 8. Dezember nach dem Wahlkampf Heilmann Barmat gefragt habe, wie es wirtschaftich mit feinem Konzern stehe, habe dieser ihm gejagt, ein gericht licher Sachverständiger, der Baurat Saß, habe den Wert bei V. Roth und Berlin- Burg auf 75 millionen Mart festgestellt. Nach der. Berhaftung habe er gehört, daß diese Schäßung absichtlich falsch und zu hoch gewefen fei. Barmat habe Heilmann gesagt, daß er diesen Baurat Saß niemals gehört habe. Auf die Frage, ob er meine, daß Barmat bei diesem Geschäft hineingelegt worden fei, erwiderte Heilmann, eine Beteiligung fönne ein schlech tes Geschäft sein, aber nicht jedes schlechte Geschäft er. fülle den strafrechtlichen Tatbestand. Abg. Schwering( 3.) äußert den Wunsch, daß Herr v. Rich. ter als 3euge geladen wird, der als preußischer Finanzminister Chef der Staatsbant war und es als geschäftsführender Minister heute noch sei.( Heiterkeit.) Auf eine Frage des Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) erklärt Abg. Heilmann, daß der Sohn des bisherigen preußischen Handelsministers Siering schon lange bevor Barmat den Namen Berlin- Burg fannte, bei den Berlin- Burger Werfen als Tech nifer angestellt worden sei. 0 Abg. Deerberg erklärt sodann im Namen des Staatsministers Dominicus, daß Herr Dominicus zwar Aufsichtsratsmitglied bei Berlin- Burg gewesen war, aber aus diesem Posten ausgeschie. den sei, als Berlin- Burg in den Besiz von Barmat fam. " Abg. Nuschte( Dem.) wendet sich dann der von Heilmann erwähnten Prozeßangelegenheit Barmat contra Berliner Bolkszeitung zu und et erklärt, daß die„ Berliner Volkszeitung schriftliche Beweisanträge für ihre Behauptungen seiner zeit dem Gericht zur Verfügung gestellt habe. Abg. Heilmann verliest sodann einen Brief des damali gen Rechtsbeistandes des verantwortlichen Redakteurs der Berliner Volkszeitung", in dem aber, wie Abg. Nuschte ausdrücklich feststellt und mie aus dem Inhalt des Briefes hervorgeht, nur die persönliche Auffassung des Anwalts zum Ausdruck tommt, die von der Schriftleitung der Berliner Boltszeitung" abweiche. In dem Schreiben des erwähnten Rechtsbeistandes fommt zum Ausdrud, daß eine Absicht der Berliner Boltszeitung", Herrn Barmat periönlich zu be leidigen, nicht vorhanden gewesen sei. In erster Instanz ist der verantwortliche Redakteur der Berliner Boltszeitung" damals zu 50 m. Geldstrafe verurteilt worden. In der zweiten Instanz haben dann Bergleichsverhandlungen begonnen. Abg. Nuschte( Dem.) erwähnt dann den von Heilmann zitierten Brief des Holländischen Bebels Troelstra, den er gern vorgelegt haben möchte. Abg. Heilmann erflärt, daß er sich diesen Brief zwar nicht sechs Jahre aufgehoben habe, daß Troelstra aber nach der Verhaftung Barmats einen ähnlich lautenden Brief gefúrieben habe, der sich bei den Akten der Staatsanwaltschaft befinde. es Heilmann antwortet auf eine fommunistische Frage, daß er niemals irgend etwas zu seinem persönlichen Ruzen bekommen hat. Auslagen habe er selbsiverftändlich bei Reisen nach Amsterdam usw. gehabt, und inüßten über die ihm dafür erstatteten Beträge auch Quittungen vorhanden sein. persönliche Zuwendung erhalten. Es handelte sich damals um eine Nur in einem Falle habe er einmal eine Stadtanleihe der Stadt Altenburg. in Thüringen, die Heilmann vermittelte. Barmat habe die Anleihe zu wesentlich billigeren Bedingungen gegeben, als sie seitens der Girozentrale zu erlangen war. Von dieser Anleihe, bei der es sich um eine wertbeständige und über 20 000 Zentner Gasfots handele, habe Barinat damals allen seinen Bekannten ein paar Stüd zum Selbstkostenpreis angeboten und er, Heilmann, habe davon etwa 200 Stud befommen, die einem ungefähren Wert von 300 Mark entsprächen. Ob er sie bezahlt oder nicht bezahlt habe, fönne er sich heute nicht mehr erinnern. Abgesehen davon befize er feine einzige Attie. Außerdem habe er niemals bei der Merkur- Bank oder bet einer anderen Bank börsenmäßige Geschäfte gemacht. Auf weiteres Befragen, ob Heilmann während seiner Tätigkeit im Hauptausschuß niemals Beamte der Staatsbant fennen gelerit habe, bemerkt Heilmann, daß das nicht der Fall gewesen ist. Abg. Ladendorff( Wirtsch. Partei) bringt das Buttergeschäft der Firma Heinemann in Elberfeld zur Sprache und beantragt zu diesem Fall die Ladung von Vertretern der Firma Butterete Herrn Heilmann, ob ihm bekannt sei, daß im Mai die Reichs. Importgesellschaft Heinemann- Elberfeld. Weiter fragt der Abgeord poft einer hiesigen Bank 9 Millionen angeboten hat zu dem 3wed, 6 Millionen sofort der Firma Barmat zu überliefern und 3 Millionen für eigene Zwecke zu benutzen, welche Offerte die Bant allerdings abgelehnt habe. Heilmann ist von diesem Vorgang nichts bekannt. Abg. Ladendorff bittet darauf, zur Aufklärung der Unstimmig feiten bei der Beteiligung Barmats an der Dema Regierungsrat edler, sowie den Baurat Sa ß zu laden. Befragung des Kriminalkommiffars. Pipo, sowie der jezige Ministerialdirektor Falt erschienen. Der Inzwischen sind die Kriminalkommiffare Klinghammer und Ausschuß beschließt, die Genannten als Zeugen zu vernehmen und wendet sich zunächst der Befragung des Kriminalfommissars Klinghammer zu, die Klarheit über den im November 1919 erfolgten Su hammer bringen follen. fammenstoß des Abg. Heilmann mit dem Kriminalfommissar Kling Der Zeuge Klinghammer sagt aus: Eines Tages ging mir eine Firma Gebrüder Barmat bezichtigt wurde, auf unlauterem Anzeige der Bochumer Handelskammer zu, in der die Wege Einfuhrlizenzen für große Lebensmittelmengen aus Holland nach Deutschland sich verschafft und erhalten zu haben. Ich ging dann zur Firma Barmat hin, um eine Durchsuchung der Räumte vorzunehmen. Anwesend in der Wohnung war ein Herr, von dem ich jedoch nicht mehr genau weiß ob es Herr Barmat oder sein Ber märts", verlangte nach Herrn Heilmann und sagte ihm: Stominen treter mar. Dieser Herr telephonierte mit dem„ Bor erschien nach wenigen Minuten, stellte sich mir als Abgeordneler Sie schnell, nehmen Sie ein Auto, hier ist Polizei." Herr Heilmann Weise, die ich als Drohung auffaßte". Er fragte barich, was los vor und funkte in meine dienstlichen Obliegenheiten hinein in einer fei. Ich verwahrte mich energisch gegen dieses Borgehen, worauf Herr Heilmann gefügig wurde.( Heiterfeit.) Aus der jülle der Mappen, die ich vorfand, griff ich eine heraus und fand in ihr 1. eine 3usdrift des Reichswirtschaftsministers mit der persönlichen Unterschrift von Wissell, in der Einfuhrlizenzen genehmigt waren. Mir fiel das auf, weil mir befannt war, daß nur der Reichskommissar für die Ein- und Ausfuhr, der allerdings dem Wirtschaftsministerium unterstand, für solche Bewilligungen die zuständige Stelle war. 2. fand ich einen Brief aus Holland, in dem die Schiuß Staudinger und sagen Sie ihm schönen Dank für das Drud morte etwa lauteten:.... und dann grüßen Sie mir den Genossen papier für die holländische Parteipresse. Auch das fiel mir auf, weil ich mußte, daß sich Deutschland damals in einem fatastrophaien Druckpapiermangel befand. 3. fand ich eine deutschnationale 3nterpellation, deutung beilegte. die mir jedoch gänzlich unbekannt war und der ich daher feine BeMeine Frage, ob die Unterschrift Wissells echt sei, wurde bejaht. nannte ihm den jeßigen Ministerialdirektor Falt. Nach dem Schreiben des Reichswirtschaftsministers erfundigte ich mich dann noch im Reichswirtschaftsministerium, konnte jedoch nichts darüber erfahren und fah die Angelegenheit zunächst als erledigt an, um so mehr als von dem Verdacht großer Lizenzenschiebung für mich zunächst nicht mehr die Rede sein konnte, nachdem die Unterschrift des Herrn Wiffell sich als echt herausgeftellt hatte. Am anderen Tage fagte mir Herr Falf, er habe von dieser Angelegenheit erfahren, die man anders hätte behandeln müssen; Herr Falf übernahm dann die Aften, die ich nicht mehr gesehen habe. Nachdem Herr Falt seinen Plaz verlassen hatte, sah ich mit seinem Nachfolger die beir. Akten nochmals ein und entdeckte einen Bermerk des Herrn Fall, demzufolge es fich bei der ganzen Angelegenheit um einen entschuldbaren Irrtum gehandelt haben soll. Später erfuhr ich auch, daß das Amtsgericht mitte sich mit der Sache befaßt hat. Diese Atten aber find verschwunden. Auf eine Frage des ftellvertretenden Vorsitzenden, Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) erklärt der Zeuge Klinghammer, daß ihm der Name Wissell nicht in dieser Lizenzangelegenheit bekanntgeworden set, sondern bei einer früheren Gelegenheit, als Reichswirtschaftsminister Wissell den Reichskommissar für die Ein- und Ausfuhr er suchte, einen der Gebrüder Stlarz Einfuhrlizenzen in einem sehr hohen Betrage zu erteilen. Sonst habe er, der Zeuge, niemals eine Lizenz zu Gesicht bekommen, die vom Reichswirtschaftsminister Bissell ausgestellt worden ist, gegen den er übrigens Abg. Heilmann fragte mich dann, wer mein Borgefegter sei, und ich auch nicht den Schein eines Verdachtes aussprechen möchte, als ob er unlauter gehandelt habe. Der in dem holländischen Schreiben erwähnte Dr. Staudinger sei damals Refe rent im Reichswirtschaftsministerium gewesen und Angehöriger der Sozialdemokratischen Partei. Es sei dem Zeugen aufgefallen, daß das Verfahren gegen die Barmats damals eingestellt wurde, um so mehr, als gerade der Reichsmirtschafteminister Wissell unter dem Druck aller politischen Parteien und Behörden den Kampf gegen das Schieberium führen mußte. Mit dem Abg. Heilmann sei er, der Beuge, später nochmals zusammen gekommen, als es sich um die Besprechung einer neuen Gehaltsregelung für die Kriminalbeamten handelte. Er habe sich damals an Heilmann„ als einen der prominentesten deutschen Polititer nach der Revolution" gewandt.( Seiterfeit.) Abg. Hellmann beffreitet die Angaben diefes Jeugen, die ihm schon aus dem Bericht des Beamtenausschusses bekannt seien. Die Firma Gebrüder Barmat ist 1923 gegründet, der Zeuge fann also nicht im Jahre 1919 bei ihr eine Hausfuchung vorgenommen haben. Auch ein Irrtum ist, daß eine telephonische Berbindung mit dem Vorwärts" hergestellt wurde. Es erklärt sich vielleicht daraus, daß mein Bureau Lindenstr. 3 mar. Meiner Erinnerung nach habe ich ruhig und fachlich gefragt: Was machen Sie? Weshalb wird die Durchsuchung peranstaltet? Welche Anklage schwebt?" Ich erhielt die Antwort:„ Ich suche nach gefälschten Einfuhrscheinen. Das war alles. Dann habe ich nur noch in der Frage, ob das Mitgehen zum Wirtschaftsministerium nötig sei, die heute bereits wiedergegebene Ansicht geäußert. Daß ich auf den Anruf erscheinen mußte, hielt ich für selbstverständlich, ebenso ist es selbstverständlich, daß ich den Beamten nicht in der rechtmäßigen Ausübung seiner Dienstverrichtungen hinderte. Auf den weiteren Verlauf der Ereignisse hahe ich feinen Einfluß gehabt. Landgerichtsrat Falt habe ich erst im Jahre 1920 fennengelernt. Beuge Slinghammer erflärt: Wenn die Firma noch nicht beftanden habe, dann handle es sich jedenfalls um die Namen, um die es sich hier drehe. Auf die Frage an Heilmann, ob er seine Ansicht aufrechterhalte, daß der Zeuge das, was er gefunden habe, der Presse zugeführt Mit dieser Auskunft ist der Ausschuß zufrieden. Als der Zeuge Klinghammer dem Abg. Badt( Goz.) unterstellt, daß er, Badt, in seiner Eigenschaft als Ministerialrat im preußischen Innenministerium wahrscheinlich ohnedies, als Vor. gefekter Klinghammers, diese Angelegenheit weiter per folge, weist der stellvertretende Vorsitzende Dr. Deerberg( Dnat.) mit lebhafter Zustimmung des Ausschusses diese Unterstellung zurüd. Die Akten des Reichsjustizministeriums. Ausschuß mit, daß ein Vertreter des Justizministeriums, MiniStellvertretender Vorsitzender Dr. Deerberg teilt hierauf dem fterialrat Ruhn, anwesend sei und ein Attenstüd über die ganze zur Sprache stehende Angelegenheit der öffentlichen Angriffe gegen Barmat und der Durchsuchung dem Ausschuß zur Verfügung stellen könne. Ministerialrat Kuhn gibt hierauf den Inhalt dieses Aktenstückes an. Es beginnt mit einer Anzeige der Reichseinfuhr. stelle für Lebens- und Futtermittel vom 20. Dezember 1919, der ein Ausschnitt aus der Deutschen Tageszeitung" vom 9. Oktober 1919 mit der Bitte um weitere Beranlassung beistattet an das Landespolizeiamt und dazu den Ausschnitt einer Abschrift aus einer Berliner Tageszeitung überfandi. Zeuge ftizziert den bereits erwähnten Artikel. Diese Anzeige bildete die Unterlage eines Verfahrens, welches bei dem Landespolizei amt anhängig gemacht worden ist. Diese Anzeige ist mir, auch meinem Vertreter sowie dem Sachbearbeiter nicht vorgelegt worden, sondern ist geschäftsmäßig als eine Bagatellfache unmittelbar an den damaligen Kriminalkommissar Klinghammer weitergegeben worden. Dieser hat auf Grund der Unterlagen in genommen und seiner Beamteneigenschaft eine aussuchung bei Barmat vorverschiedenes Material beschlagnahmt. Nachdem diese Durchsuchung und Beschlagnahme erfolgt war, bin ich später vom preußischen Staatsfommissar den, ich sollte über die betreffende Angelegenheit zu einem Bor für Boltsernährung, meiner vorgesezten Dienststelle, gebeten mor fter Robert Schmidt wünschte von mir Auskunft über die trage in den Reichstag fommen. Der damalige Wirtschaftsmini Sache. Und ich habe dann darüber Vortrag gehalten. Klinghammer hat mir erklärt, die Haussuchung bei der Firma Barmat fei vorgenommen worden, weil die Firma teine Großhandelserlaubnis gehabt hat. Er habe sich dann mit einem Referenten des Reichswirtschaftsministeriums in dieser Angelegenheit in Verbin bung gesetzt, der ihm gesagt habe, es sei gut, daß endlich einmal Barteizugehörigteit habe Minghammer damals nicht gefprochen. Er, Falt, habe den Referenten im Reichswirtschaftsministerium aufge fucht, der ein Herr Niels Petersen gewesen und beim Dittatorischen Ausschuß für die Einfuhr beschäftigt worden sei. Dieser Herr habe auf ihn den Eindruck gemacht, als ob er ein Aufschnei der sei und habe dann auch die von Klinghammer gemachten Mitteilungen als unrichtig bezeichnet. Bei der Abstimmung über die zweite 3one in Schleswig habe dieser Herr Petersen für Däne mart gestimmt, sei dann nicht mehr im Reichswirtschaftsmini. fterium beschäftigt gewesen, sondern flüchtig geworden, weil der Verdacht einer Schuhschiebung auf ihm lastete. Klinghammer habe Falt in bezug auf die bei Barmat beschlagnahmten Papiere, insbefcedere auf die von Herrn Wissell ausgestellte Ausfuhrgenehmigung für Drudpapier hingewiesen. Gie feien beide der Meinung gewesen, daß diese Urkunde echt ist. hätte, erwidert Heilmann: Ich bin der Ueberzeugung, daß die Briefe Bezirtsausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuß jemand in die Sache hineinleuchte, da stimme etwas nicht. Bon zwischen Barmat und mir damals bei der Durchsuchung beschlagnahmt und jetzt der Preffe zugeleitet sind. Der Borfizende Dr. Deerberg macht den 3eugen Klinghammer darauf aufmerksam, daß er nach bestem Wissen und Gewissen auszusagen und mit einer eventuellen Vereidigung zu rechnen habe. Polizeikommissar Klinghammer im Kreuzfeuer. Klinghammer erklärt, daß er niemals irgend welches Material der Gebrüder Barmat zu privaten oder publizistischen Zweden vermendet habe. Abg. Buttner( Soz.) stellt darauf mehrere Fragen an den Zeugen, die dieser nicht direkt beantworten kann. Auf die Frage des Abg. Kuttner( Sc3.), ob der Zeuge die Bapiere lediglich unter dem Gesichtspunkt untersucht habe, daß es sich dabei um die Frage der Einfuhrbewilligung handele, oder ob er auch sonst material mitzugenommen habe, daß ihm intereffant erschien, erwidert Klinghammer, daß er die Staudin ger Sache Herrn Fall in die Hand gegeben habe. Einer dritten Berfon habe der Zeuge fein Material in die Hand gegeben. Er jei fich niemals bewußt, bei Barmat jemals Briefe gefunden zu haben, die heute in der Deffentlichkeit erscheinen, er habe solche auch niemals beschlagnahmt. Borfizender Dr. Deerberg( Dnatl.) fragt den Zeugen, ob er beschwören fönne, daß das gefundene Material auch im amtlichen, Berkehr blieb. Diese Frage beantwortet der Zeuge mit einem Unbedingt! Die weitere Frage des Abg. Kuffner( Soz.), ob der Zeuge vor furzer Zeit im Beamtenausschuß des Polizeipräsidiums einen Bericht über die fragliche Angelegenheit erstattete und ob es sich dabei um eine Art Beschwerdejührung darüber handelte, beantwortete Klinghammer bejahend. Abg. Kuliner( Soz.) fragt dann, wie sich das mit den dienst. lichen Pflichten des Zeugen vereinbare und warum er für sein Bergehen nicht den nächſtliegenden dienstlichen Weg gewählt habe. Es sei doch auffällig, daß ein Beamter erst nach sechs Jahren mit solchen Dingen tomme. Beuge Klinghammer erklärt, er habe fofort nach dem Rücktritt des Herrn Falk dessen Amtsnachfolger dienstliche Mitteilungen ge macht, der dem Zeugen gegenüber erflärt habe, daß es sich hierbei um eine unerhörte Angelegenheit handele. Weiterhin bemerkt Zeuge Klinghammer, daß ihm ein höherer Berwaltungsbeamter darauf aufmerksam gemacht habe, daß Herr Fall in hohem Grade unaufrichtig sei und daß ihm allerlei Schlechtigkeiten nachgesagt werden. Deshalb habe er, Klinghammer, fich gesagt, es brohe Gefahr. Abg. Kutfner( Soz.) erklärt, daß der 3wed wohl der war, über den Weg des Beamtenausschuffes eine Neubefehung des Berliner Bolizeipräsidiums zu erzwingen Klinghammer verweigert die Aussage. Dann tommt es zu einer scharfen Auseinander. fegung, als Suttner den Namen des höheren Verwaltungsbeamten von dem Jeugen feftgestellt wissen will, der Zeuge aber die Aussage verweigert. Auch auf eine zweite Frage antwortet der Zeuge, daß er dabei bleibe, die Aussage zu verweigern. Er habe allerdings fein Zeugnisverweigerungsrecht, er habe aber das Bertrauen zu halten gegenüber der Person, die ihm für die Sigung des Beamtenausschusses das Material für eine halbe Stunde zur Verfügung stellte. Er möchte diesem Herrn feine Unbequemlich feiten bereiten, und menn sein Name notwendig sei, so habe er das Butrauen zu ihm, daß er sich morgen vor dem Ausschuß persönlich melde. Abg. Kuffner hält es für unter der Würde des Aus. fouffes, daß hier mit Verdächtigungen operiert werde, ohne die Quellen zu nennen. In diesem Falle sei die Berteidigung eine außer ordentlich schmere. Klinghammer habe einen ganzen Wortschatz von Schimpfworten genannt. Auf eine Zwischenbemerkung des Zeugen verbittet sich Abg. Kuttner ganz energisch dieses Berhalten, und auch der Borfihende ermahnt den Zeugen, ruhig und fachlich zu bleiben. Klinghammer bittet seinerseits den Vorsitzenden um seinen Schutz. Abg. Stolt( Komm.) bemerkt, daß er zwar betreffende Zeugenaussagen befürworten, aber nicht verlangen fönne. Die Ausiage des Zeugen sei jedenfalls nicht zu bewerten mit der geftrigen Ausfage Heilmanns, die schon an politische Masochismus grenze. Abg. Martwald( S03.) fragt den Zeugen Klinghammer, ob er bei seiner Durchsuchung die Ueberzeugung gehabt habe, daß die Firma Barmat vom Wirtschaftsministerium eine ordnungsgemäße Erlaubnis zur Einfuhr bekommen habe. Der 3euge Klinghammer bejaht das. Gin Delift habe trog dem vorgelegen, meil nämlich Barmat nicht die Großhandelserlaubnis hatte, die in Deutschland notwendig ist. Abg. Dr. Badt( Soz.) wünscht von dem Zeugen Ringhammer Auskunft darüber, ob er über die ganze Angelegenheit damals oder spöter mit Perfonen gefprochen habe, die nicht Be. amte find. Man könne dann vielleicht feststellen, wie diese Angelegenheit in der Deffentlichkeit befannigeworden ist. Der Zeuge habe doch gesagt, daß er im vertrauten Kreise von dem Borfall ge sprochen hat. Stellvertretender Borsigender Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) ist der Ansicht, daß diese Frage nicht hierher gehöre; der Ausschuß beschließt jedoch mit 16 Stimmen ihre 3 ulassung. Der Zeuge Klinghammer erklärt nunmehr, daß er mit feiner Frau über die Angelegenheit gesprochen habe, und auch sonst im vertrauten Kreife, verweigert jedoch eine nähere Auskunft über diesen vertrauten Kreis mit dem Hinweis darauf, daß aus einer folchen Aussage ihm evtl. ein Disziplinarperfahren wegen Berlehung eines Dienstgeheimniffes erwachsen fönne. Vollkonferenz Freitag, den 6. Februar 1925, abends 71 Ahr, Zimmer 109 des Berliner Rathauses( Eing. Jüdenstr.) Tagesordnung: 1. Neues aus der städtischen Wohlfahrtspflege. Referent: Genoffin Todenhagen 2. Bericht über die Reichsfonferenz des Hauptausfchuffes für Arbeiterwohlfahrt am 4. Jan. 3. Wichtige Mitteilungen. ein Mitarbeiter darf fehlen!- Funktionäre, die in der städtischen Fürsorge arbeiten, find besonders geladen. Fürforge arbeiten, find befonders geladen. Die Kreisvorsitzenden verfammein fich um 6 Uhr Zimmer 63.- Türkontrolle hat der 1. Kreis. gefügt war. Die betr. Ausführungen der Deutschen Tageszeitung" beschäftigten sich mit der schon bekannten Mitteilung der Bochumer Handelskammer. Weiter enthält das Aftenstüd u. a. ein Protokoll über eine Bernehmung des Kaufmanns D. Winter auf dem Landespolizeiamt beim Staatsfommiffar für Bolts. ernährung. D. Winter war damals einer der Berliner Ber treter Barmats. In dem Brotokoll äußert er sich über die gegen Barmat in der Offentlichkeit erhobenen Angriffe und fagt u. a.: Die Lieferungen unserer Firma erfolgten ausschließlich an Reichsstellen, fleinere Sendungen auch an Kommunalstellen mit Genehmigung des Reichsernährungsministeriums. Es waren haupt fächlich Lebensmittelfendungen. Textilwaren gingen an Tertilstellen. Wieso es kommt, daß meine Firma derart umfangreiche Bescheinigungen bekommen hat, weiß ich nicht. Belohnungen bzw. Bestechungen habe ich an niemanden bezahlt. Ich habe auch feine besonderen Beziehungen zu leitenden Stellen des Reiches. Von Beziehungen Barmats zu solchen Stellen ist mir nichts bekannt, ebensowenig, daß das Gepäd Barmats auf befondere Anweisung an der Grenze nicht untersucht wird, und daß wir über baupt vorzugsweise zu behandeln feien." In der Atte des Justiz ministeriums befindet sich außerdem noch das Protokoll über die Durchsuchung in der Wohnung Barmats, das vom Kriminalfommiffar Klinghammer unterzeichnet ist und aus dem her vorgeht, daß Heinrich Barmat bei der Untersuchung u. a. zugegen mar. Schließlich findet sich eine von Dr. Frant unterzeichnete mit teilung des Landespolizeiamtes an den Ersten Staatsanwalt beim Landgericht I vom 27. November 1919, in dem Bezug genommen wird auf die§§ 1 und 9 der Verordnung über den Handel mit Lebensmitteln usw und die Einstellung des Verfahrens empfohlen wird im Hinblick darauf, daß die Firma Barmat ihre Geschäfte mit den obersten Reichsbehörden getätigt hat und nicht auf das beson dere Erfordernis der Großhandelserlaubnis aufmerksam gemacht würde. Die Staatsanwaltschaft verfügte darauf, daß anzunehmen sei, daß Barmat und D. Winter in entschuldbarem 3rrium die Tat für erlaubt gehalten haben. Schließlich wurde nach weiterem Schriftwechsel zwischen Staatsanwaltschaft und Amtsgericht das Berfahren des Amtsgerichts eingestellt. Abg. Dr. Badt( Soz.) fragt den Zeugen, ob er nach diesen Mitteilungen seine Empörung noch für berechtigt hält und worauf fich diese gründet. Der Zeuge erwidert, sie gründe sich auf die Feststellung eines entschuldbaren Irrtums und auf die verfehlte Einstellung des Ber fahrens, das sei ungewöhnlich. Auch der Amtsnachfolger sei empört gewesen. Der Zeuge berichtigt dann seine Angabe, es wäre lediglich eine Mappe von Einfuhrscheinen beschlagnahmt worden, nachdem festgestellt war, daß auch Korrespondenz und Schriftftüde, die nicht wieder zurüdgegeben wurden, beschlagnahmt worden sind. Auf die Frage, weshalb er das von ihm behauptete brutale Berhalten des Abg. Heilmann nicht aftenfundig gemacht habe, insbefondere auch den von ihm behaupteten Eingriff in die Erekutive, erwidert der Zeuge, er habe die Aften entlasten wollen; es sei doch langweilig, alles hineinzuschreiben. Nach Auffaffung Falts fonnte daher die Polizei in der Angelegenheit nichts weiter fun, weil ein tonfrefer Berdacht nicht vorhanden gewesen sei. Die wirtschaftspolitische Notwendigfeit einer Ausfuhrgenehmigung für Artikel, die im Lande selbst dringend gebraucht werden, zu bestimmen, sei Sache des zuftändigen Minifiers gewesen. Ministerialdirektor Dr. Falf erklärt weiter: Bei meinem Bortrag beim Reichswirtschaftsminister fagte der Minister zu mir: Bas machen Sie da für Geschichten, haben Sie denn nicht gelesen, daß ich in der Nationalversammlung eine Rebe geheiten habe, in der ich mich über die Angelegenheit Barmat ausgesprochen habe?" Ich kannte diese Nationalversammlungsrede nicht und zeigte dem Minister nun meine Unterlagen für das Vorgehen. Er sagte, feit wann denn die Polizei nachprüfen fönne, ob der WirtIchaftsminister, mit Recht oder Unrecht, Ausfuhrbewilligungen für Bapier irgendeiner Firma gebe. Ich trug unsere Verdachtsmomente vor. Er sagte mir, die Urfunden seien in Ordnung. Näheres darüber würde Geheimrat Staudinger fagen fönnen. Bezüg lich der Großhendelserlaubnis erflärte mir Reichswirt schaftsminister Schmidt, daß diese doch wohl nicht notwendig gewesen sei, wenn die oberste Behörde eine Einfuhrbewilligung aus irgendwelchen Gründen erteilt habe. Ich persönlich habe die Richtigkeit dieser Rechtsauffaffung bestritten. Der Reichswirtschaftsminister betonte dann noch, daß ich die Aften der Staatsanwaltschaft übergeben möchte, aber nicht ohne entsprechende Vermerke des Tatbestandes, aus dem fich doch ergebe, daß es sich um einen entschuldbaren 3rrtum handele. Geheimrat Staudinger habe ihm erklärt, die Papierausfuhrbewilligung sei den Barmats erteilt morden, meil sie in Holland ein fozialdemokratisches deutschenfreundliches Blatt gründen wollten, das im Gegenſch zu dem ententefreundlichen het Bolt" eine Unterstügung der deutschen Sache herbeiführen sollte. Die Barmats erklärten außerdem, daß fie anderweitig für diesen 3wed fein Papier befommen tönnten. Andere Barmat betreffende Fälle find dem Zeugen nicht bekannt. Als er später zur Auffrischung des Gedächtnisses einen Einblid in die Uffen nehmen wollte, waren diefe für eine Zeitlang verschwunden, wurden aber später wieder bei dem betreffenden Amtsgericht gefunden. Von einer amtlichen Aneige der Handelskammer Bochum ist dem Zeugen nichts bes tannt. Bekannt ift dem Beugen, daß Barmat am 3. Januar 1920 den Beschluß der Einstellung des Verfahrens übermittelt bekommen hat. Zum Schluß wird noch festgestellt, daß dieser Beschluß auf Einstellung des Berfahrens nicht mit Gründen versehen worden ist. Darauf vertagte sich der Ausschuß auf Sonnabend vormittag 10 Uhr. Arbeitersport. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", Ortsgruppe Neukölln. Sonntag, den 8. februar, nadmittags 1 Uhr, nach Groß- Riethen, Restaurant Ludwigs Tuft, Dorfftr. 12. Start bei Fleiß, Canner, Ede Gaalefttage. Arbeiter Sportkartell Neukölln. Alle Vereine, die dem Kartell angehören. müffen schnellstens die Adressen ihres Borikenden oder Ralffierers und ihrer Rartellbelegierten an Bertold Quade, Neukölln, Weichselstr. 37, senden. .- A..Sp.- B. Reukölln- Sturm- Oberschöneweibe. Am Freitag, den 6. Februar, abends 8 Uhr. findet der fällige Serienkampf Neukölln- Sturm- Oberfchöneweide in Neukölln, Karlsgartenstr. 6-11, ftatt. Reutöln tritt in der bekannten Serienmannschaft in folgender Aufstellung an: Loefer, Rarigus, Müller, Kurz, Bilfe, Kaufe und sagen. Der Sport- Club Siegfried 09" hat folgenden Borstand einstimmig gewählt: 1. Borfihender und 1. Ringmart: Willi Paul; 1. Raffierer: Friz Buffe: 1. Schrift 1. Bortrainer: Crich Sagner; Bundesdelegierte: Mehlbaum und Sagner; Rar führer und Preffe: Willn 8fchalet; Sport und 1. Stemwart: Mar Baul; tebelegierte: Bergemann und Steindor. Uebungsstunden Dienstags und Frei. taas von 8 bis 10 Uhr in der Turnhalle Wiclef., Cde Emdener Straße. Am Sonntag abend 6 Uhr veranstaltet der Alub im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 24, ein Roftümfeft. Auf weitere sozialdemokratische Fragen erklärt der Zeuge feinen Irrtum, daß das Reichskabinett mit Barmat Geschäfte ge macht habe, damit, daß die Dinge schon 5 bis 6 Jahre zurüd liegen. Er habe auch ausdrücklich betont, daß er nicht glaube, daß es aus persönlichen Gründen geschehen sei. Seine Empfindung, daß Heilmann mit Barmat in Verbindung gestanden habe, erkläre sich aus dem Eingreifen des Abgeordneten einer großen Parteiſcher Ausschuß um 17 Uhr. und seinem Verhalten dabei. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob ihm das Berfahren bei den Ein- und Ausfuhrämtern bekannt sei, erwidert er, Fälle zu tennen, wo die Großhandelserlaubnis nicht geprüft wurde. Nähere Angaben fann er darüber nicht machen. Es wird darauf in die Vernehmung des Ministerialdirektors Dr. Falk. eingetreten, der damals Leiter des Landespolizeiamts mar. Dr. Falf sagt aus: Die Gebrüder Barmat habe ich in meinem noch unmittelbare Beziehungen zu ihnen gehabt, es sei denn, daß die ganzen Leben nie gesehen. Ich habe auch weder mittelbare Behandlung dieser Dienstsache als eine solche Beziehung zu bezeich. nen märe. Zur Sache selbst erkläre ich: Das Landespolizeiamt hat in jener Zeit fehr viel zu tun gehabt mit Aus- und Einfuhrschiebun gen. Diese Angelegenheiten wurden mit bearbeitet durch den da maligen Bevollmächtigten der Reichsstelle für Lebens- und Futtermittel, der später in die Reichsstelle zur lleberwachung der Ein- und Ausfuhr übergegangen ist. Diese Dienststelle hat eine Anzeige er. Arbeiter Wintersportler Groß- Berlins. Donnerstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr. Bersammlung im Klubhaus, Ohm, Ede Röpenider Straße. Techni Turn- und Sportverein Fichte. Sonntag, den 8. februar, nachmittags von 3-6 Uhr, Sonntagsturnen für fämtlice Männer, Frauen und Jugendabtei lungen in der Sentralturnhalle Bringenftr. 70,-Die Kreistagsprotokolle er. fcheinen in ben nächsten Tagen. Der Preis beträgt pro Exemplar 15 Bf. Bei Entnahme von 25 Eremplaren 10 Bf. Bestellungen find au richten an die Geschäftsstelle des Turn- und Sportvereins Fichte, Berlin, Röpenider Str. 108. Arbeiter- Athleten- Buub, 4. Kreis. Am Donnerstag, den 5. Februar, abends 71 Uhr, findet die fällige Monatsdelegiertenverfammlung im Lokal von Schulz, Elifabethstr. 30, ftatt. Sport. Nächstes Spor palaft- Radrennen. Nachdem an den beiben legten Renn. fagen die Flieger das Wort batten, wartet das Abschiedsrennen am kommenden Sonntag mit einem der so beliebten langen Mannschaftstennen nach Sechs- Tage- Art auf, das diesmal über die stattliche Strede bon drei Stunden. Aus der Fülle der Gemeldeten nennen wir nur Rütt, Hahn, Kruptat, Bauer, Sawall, Saldow, Lelpanow, Schrage, Ties usw., die alles daransezen werden, dem Ansturm der starken Auslands. bertreter den nötigen Widerstand entgegenzulegen. Von den Ausländern starten: Zonani, der starte Holländer van Net, der schnelle Schweizer sich mit den Eigenheiten ber fleinen Bahn vertraut zu machen. Der Bor Kaufmann und der Australier Epaers, der jetzt genügend Zeit gehabt hat, vertauf für das um 7%, lbr feinen Anfang nehmende Rennen beginnt am Sonnabend um 10 Uhr früh im Sportpalaft und Passageladen 30. Henko Henkel's Wafch- und Bleich- Soda Henke Heate Wathund Bleich da spart Seife und Seifenpulver! Mitverwendung von Henko bei der Wärche verbilligt das Wafchen. Vorzügliches Einweichmittel Rubi aufbewahre Vonnerstag 5. Jebtnot 1925 nterhaltung unö AAlssen Seilage des vorwärts Sonnenkrast- Malchin en. Unser ganzes Leben hängt von der Sonne ab, alle unsere Ma- schinen werden durch Sonnenenergie getrieben, sei es als Wind hei Windmühlen und Segelschisfen, wie auch dem neuen Rotorschiff von Flcttner, sei es durch Wasserkraft oder durch Kohlen, die in unseren Dynamomaschinen in Elektrizität umgewandelt werden. Da liegt der Gedanke nahe, ob nicht die Sonnenenergie auch unmittelbar durch Sammlung der Sonnenwärmenutzbar gemacht werden kann, zumal die Kohlenvorräte der Erde in absehbarer Zeit erschöpft sein müssen. Dieser Gedanke ist schon sehr alt: man braucht nur an die Spiegel des Archimedes zu erinnern, durch die dieser hervorragende Mathe- inatiker und Physiker des griechischen Altertums schon 200 Jahre vor Christi Geburt die römischen Schiffe, welche seine Vaterstadt Syrakus belagerten, in Brand gesteckt haben soll. Ist diese Erzählung auch nur«ine Legende, so beweist doch die Legendenbilduna, daß die sammelnde Kraft von Hohlspiegeln bekannt war. Tatsächlich haben auch Heran, Euklid u. a. den Gedanken erörtert, durch Hohlspiegel die Sonnenstrahlen zu sammeln und die so gewonnene Wärme zur Erzeugung von Luftströmungen zu benutzen, um Windräder damit zu betreiben. Auch der berühmte Salomon von Caus hat im Anfang des 17. Jahrhunderts zwei Spielereien angegeben, die auf dem näm- lichen Gedanken beruhen. Ernstere Gestalt gewann er erst gegen Ende des vorigen Jahr- Hunderts, indem man die Sonnenwärme zur Erzeugung von Dampf und zum Treiben von Dampfmaschinen benutzen wollte. Die erste derartige Maschine, die eine Zeitlang gearbeitet hat, ist meines Wilsens von dem französischen Pbnsiker Mouchot Ende 1864 in Algier gebaut worden. Ein großer Spiegel warf die Sonnenstrahlen aus einen röhrenförmigen Kessel, mit dessen Dampf eine Dampf. pumpe getrieben wurde. Mouchot setzte seine Versuche noch 14 Jahre lang fort und führte eine erheblich verbesserte Anlage noch 1878 auf der Pariser Wettausstellung vor. Doch erwiesen sich Betriebs- und ?lnlagekosten als zu hoch, als daß diese Sonnenmotoren erhebliche Verbreitung finden konnten. Erst in unserem Jahrhundert ist der Gedanke wieder aufge» griffen worden. Bei Los Angeles in Südkalifornien wurde im Jahre 1002«in Sonnenmotor aufgestellt, der auch heute noch im Betriebe sein soll. Ein Riesenspiegel von 10 Meter Durchmesser wirst die Strahlen auf einen röhrenförmigen Kesicl, mit dessen Dampf eine IZpferdige Dampfmaschine getrieben wird, die ihrerseits eins Dynamomaschine und eine Zentrifugalpumpe zur Bewässerung der Farm in Bewegung setzt. Der Spiegel ist auf einem Eisengestell montiert, und zwar so, daß er durch ein Uhrwerk ähnlich wie die großen astronomischen Fernrohre der Sonne in ihrem Tagcslauf nachgeführt wird. Ein solch riesiger Spiegel, für dessen Sauberhaltuna peinlichst gesorgt werden muh, macht nicht nur die Baukosten der Anlage, son. dern auch ihr« Unterhottungskosten sehr groß. Infolgedessen legten Bemühungen ein, den großen Hohlspiegel durch eine Reihe kleinerer zu ersetzen: vor allem gelang dem Amerikaner Shumann«ine Kon- struktlon, bei der an Stelle des«inen großen Hohlspiegels eine Reihe von ebenen Spiegeln trat: auch der Kessel erhielt eine wesentlich andere Gestalt, er wurde durch eine Reihe kleinerer sogenannter Ver- dumpfer gebildet, deren Wirtungen sich summierten. Die erste der- artige Anlage stellte Shumann im Jahre 1311 für eine Farm bei Takony in der Nähe von Philadelphia auf. Dann arbeitete er unafr lässig an der Verbesserung seiner Konstruktion und im Jahre 1913 wurde«ine größere Anlage dieser Art bei Meadi, südlich von Kairo, Dabei muß man aber wohl beachten, daß diese Anlagen doch nur in solchen Ländern einigermaßen rentabel sind, in welchen die Kohl« einen so außerordentlich hohen Preis hat, daß eben die kompli- zierten Sonnenkraftanlagen mit ihr konkurrieren können. In kohle- reichen Ländern kann davon gar keine Rede fein, und ebensowenig ist anzunehmen, daß Sonnenkraftmaschinen der erwähnten Art in wetter nördlich gelegenen Gebiete», wo die Sonnenstrahlung zufolge der veränderlichen Witterung sehr unregelmäßig ist, selbst in späteren Mch ein Leiötragenöer. Ulbert Thomas, direktor des Internationalen Arbeitsamtes:»Möchten Sie nicht endlich diese Rechnung begleichen!" Reichskanzler Lutcher:»Tut mir leid— unsere Kasse ist völlig leer— wir haben alles für soziale§ürso?ge ausgegeben 1" Zellen nach Erschöpfung der Kohlenvorräte einen vorteilhasten Ersatz bieten können. Unsere Nachkommen werden, wenn sie sich ohne Kohle behelfen müssen, wohl aus andere Wege sinnen müssen, um die Sonnenenergie unmittelbar in chren Dienst zu stellen. Zum Teil geschieht das schon heute durch Umwandlung der Kraft des fallenden Wassers in Elektrizität: aber auch noch andere Methoden werden ersonnen werdett, um vor allem die in den Pflanzen alljährlich ange- häufte Sonnenenergie nutzbar zu machen. Bt. Sprachliche». Man gebraucht oft das Wort„T a m t o m", wenn man andeuten will, daß etwas geräuschvoll angekündigt wird oder wenn wegen einer Kleinigkeit viel Lärm geschlagen wird. Dabei ist man sich in den wenigstens Fällen bewußt, woher das Won kommt. Das Wort Tamtam kommt aus dem Chinesischen und hat dieselbe Bedeutung wie Gong. Und dies ist bekanntlich ein Schlag- iiistrulncitt, das in Ostasien in Anwendung ist, eine metallene Scheibe, die mit einem tuchüberzogenen Hdl.zschlägel in Schwingungen oersetzt wird. Bei uns hat das Gong auch als Orchesterinstru- ment Eingang gefunden. Im Piano wirkt es düster und geisterhast. im Torte entsetzenerregend.'— Das Wort„Kleinod" ist ein zu- sammengesetztes Wort,' wenn dies auch auf den ersten Augenblick nicht zu erkennen ist. Es will sagen: Kleiner, niedlicher Besitz. Denn Od heißt Besitz. Es ist ein uraltes deutsches Wort und findet sich schon in dem Stamm des Ausdrucks Allodium, der bereits im 10. Jahrhundert bekannt war.— Die Bezeichnung ,„Z i f f e l"«M- stammt dem Arabischen. Bei den Arabern hieh'zciir leer. Man gebrauchte das Wort, um Null auszudrücken. Später verwandle 'man das Wort Ziffer auch für die Bezeichnung der übrigen Zahle». »i Mauki. Von Zack London. Wenn man die Meringe-Lagune bei Psabel verläßt und den Kurs genau nach der Mognetnadel nordwärts nimmt, sichtet man nach hundertfünfzig Meilen den sandigen Korallenstrand von Lord Howe. Lord Howe ist ein Landring von etwa hundertfünfzig Meilen im Umkreis, an der breitesten Stelle einige hundert Ellen breit und erhebt sich stellenweise bis zu zehn Fuß über den Meeresspiegel. Innerhalb dieses Sandringes befindet sich eine mächtige, mit Korallen- inseln übersäte Lagune. Lord Howe gehört weder geographisch voch ethnologisch zu den Salomoninseln. Es»st ein Atoll, während die Salomoninseln hoch sind; und Bevölkerung und Sprache sind polynesisch. während die Bewohner der Salomoninseln Melanesier sind. Lord Howe wurde durch die polynesische Wanderung nach Westen bevölkert, die noch heute in den großen Auslegerkanus an- dauert, die der vüdostpossot hier auf den Strand wirft. Daß auch eine geringe melanestsche Einwanderung in der Periode des Nord- westmonsums stattgefunden hat, ist einleuchtend. Sein Mensch kommt je nach Lord Howe oder Ontong-Java, wie es auch genannt wird,-ichos. Cook u. Eon verkaufen keine Fahrkarten dorthin, und kein Reisender träumt von seiner Existenz. Noch nicht einmal ein weißer Missionar ist an seiner Küste gelandet. Seine fünftausend Einwohner sind ebenso friedlich wie primitiv. Aber sie waren nicht immer friedlich. Doch die Verfasser der See- Handbücher haben nie etwas von dem Wandel im Herzen der Ein- geborenen gehört, die vor noch nicht vielen Jahren einer großen Bark den Weg abschnitten und die ganze Besatzung mit Ausnahme des zweiten Steuermanns niedermachten. Dieser Ueberlebende brachte die Nachricht seinen weißen Brüdern. Die Kapitäne dreier Handelsschoner kehrten mit ihm nach Lord Howe zurück. Sie ließen ihre Schiffe direkt in die Lagune einfahren und predigten das Evan- gelium des weißen Mannes, daß nur weiße Männer das Recht haben, weiße Männer zu töten, und daß die geringeren Rassen die Finger davon lassen müssen. Die Schoner fuhren plündernd und vernichtend durch die Lagune. Es gab kein Entrinnen von dem engen Sandkreis. keinen Busch zum Flüchten. Wer sich sehen ließ. wurde niedergeschossen, und es war unmöglich, dem Gesehenwerden Zu entgehen. Die Dörier wurden niedergebrannt, die Kanus zer- stört. Hühner und Schweine getötet und die iostbaren�Kokosbäume gefällt. Das dauerte einen Monat, dann fuhren die Schoner weg: ober die Furcht vor dem weißen Manne war in die Seelen der Insulaner«ingebrannt, und nie wieder waren sie so unbesonnen, iema"ke" Zu schädigen. McBunster war der einzige Weiß« auf Lord Howe, als Händler der Allerwelts-Mondschein-Seifen-Gesellschaft. lind die Gesellschaft hatte ihn auf Lord Howe gesetzt, weil sie sich seiner nicht entledigen zvollle, und dies doch jedenfalls der entlegenste Ort war, den ma» ausfindig machen konnte. Daß man sich seiner nicht entledigen wollte, lag in der Schwierigkeit, Ersatz für ihn zu finden. Er war ein großer stämmiger Holländer, bei dem eine Schraube los war. Halb- verrückt wäre«ine zarte Umschreibung seines Zustandes gewesen. Er war ein Rausbold und ein Feigling und dreimal so wild wie irgendein Wilder auf der Insel. Da er ein Feigling war, hatte seine Roheit die Art des Feiglings. Als er in den Dienst der Gesellschaft getreten war, hatte man ihn zuerst auf Savo stationiert. Als dann ein schwindsüchtiger Kolonist geschickt wurde, um seine Stelle ein- zunehmen, schlug er mtt den Faulten auf ihn los und schickte ihn als Wrack mit dem Schoner zurück, der ihn gebracht hatte. Darauf wählte Mr. Haoeby einen jungen Riesen aus Porkshirc, um Dunster abzulösen. Der Mann aus Porkshire hatte einen Ruf als Boxer usid mochte lieber kämpfen als essen. Aber Bunster wollte nicht kämpfen. Er war ein richtiges Lämmlein— zehn Tage lang. Nach Ablauf dieser Zeit hatte der Jörkshireinann einen kombinierten Anfall von Dysenterie und Fieber. Da ging Bunster zu ihm, schlug ihn unter anderem nieder und trampelte etwa ein Dutzendmal auf ihm herum. Aus Furcht, was beim Erwachen seines Opfers ge- schehen würde, floh Bunster in einem Kanu nach Guvutu, wo er sich durch Verprügeln eines jungen Engländers auszeichnete, der infolge einer Vurenkugel durch beide Hüften Krüppel war. Da schickte Mr. Hoveby Bunster nach Lord Howe, um ihn los zu werden. Er feierte seine Landung, indem er eine halbe Kiste Schnaps aussoff und den ältlichen asthmatischen Steuermann des Schoners, der ihn gebracht hatte, niederschlug. Als der Schoner weg war, rief er die Kanälen an den Strand und fordert« sie zum Ring- kämpf heraus, indem er demjenigen, der ihn besiegen würde, eine Kiste Tabak oersprach. Drei Kanälen warf er, wurde dann aber prompt von einem vierten geworfen, der statt des Tabaks eine Kugel durch die Lunge bekam. Und so begann Bunsters Herrschaft über Lord Howe. Drei- tausend Einwohner hatte das Hauptdorf: aber wenn er es durch- guerte, war es selbst am hellen Tage verödet..Männer, Weiber. und Kinder flohen vor ihm. Selbst Hunde und Schweine gingen ihm aus dem Wege, und der König verschmähte es nicht, sich unter der Matte zu verkriechen. Die beiden Premierminister lebten in Angst und Schrecken vor Bunster, denn er ließ sich nie auf die Erörterung einer Streitfrage ein, sondern entschied sie mit den Fäusten. Und nach Lord Howe kam Mauki, um für Bunster achteinhalb lange Jahre zu arbeiten. Es gab kein Entrinnen von Lord Howe. Im Guten und Bösen waren Bunster und er aneinander gefesselt. Bunster wog zweihundert Pfund, Mauki hundertundzehn. Bunster war ein entarteter Unmensch: aber Mauki war ein primitiver Wil- der. Und jeder von ihnen hatte seinen eigenen Willen, seine eigenen Wege. Mauki hatte keine Ahnung, für was eine Art Herrn er arbeiten sollte. Man hatte ihn nicht gewarnt, und er hatte es für felbstver- stüsidlich gehalten, daß Bunster wie andere weiße Männer war: ein größer Whiskytrinker, ein Herrscher und Gesetzgeber, der stets sein Wort hielt und nie jemanden unverdient schlug. Bunster war im Borteil. Er wußte von Mauki alles und sreute sich hämisch, ihn in ?lrm und eine verrenkte Schulter, und so machte Bunster Mauki zum Arm und eine verenktc Schulter, und so machte Bunster Mauki zum Koch und allgemeinen Hausdiener. Bald lernte Mauki, daß es verschiedene Arten weißer Männer gab. Noch am Tage der Abfahrt des Schoners sollte er bei Samisee, dem eingeborenen Tonga-Missionar, ein Huhn kaufen. Zlber Samisee war über die Lagune gefahren und kehrte erst nach drei Tagen zu- rück. Mauki brachte die' Meldung. Er kletterte die steile Trepp« hinaus(das Haus stand auf zwei Fuß hohen Pfählen über dem Sande) und ging ins Wohnzimiiter, um Bericht zu erstatten. Dcc Händler verlangte dos Huhn. Manki öffnete den Mund, um die Abwesenheit des Missionars zu erklären. Aber Bunster fragte nickst nach Erklärungen. Er langte mit der Faust aus. Der Schlag traf Mauki auf den Mund und schleuderte ihn hoch. Er flog direkt durch die Eingangstür, über die schmale Veranda, zerbrach das Geländer und fiel auf die Erde. Seine Lippe» waren einp unförmliche Masse und fein Mund mit Blut und ausgebrochencn Zähnen gefüllt. „Ich will dich Widerrede lehren!" schrie der 5iändlex, rot vor Wut, von dem ze«brochenen Geländer zu ihn, herunter. Mauki hatte noch nie einen jolcken weißen Mann getroffen, und er beschloß, vorsichtig zu sein und keinen Anstoß zu erregen. Er sah. wie die Pootsleutc geschlagen und wie einer von ihnen drei Tage ohne Nahrung in Eisen gelegt wurde wegen des Verbrechens, eine Ruderrolle zerbrochen zu haben. Dann hörte er auch den Dorfklatsch uiü> erfuhr, warum Bunster eine dritte Frau genommen hatte— mit Gewalt, wle ma» wohl wußte. Die erste und zweite lagen ou? dem Friedhof unter den, Kvrallensand, mit Korallenblöcken zu Kopf und Füßen. Sie waren, wie man sagte, an den Schlägen gestorben. die er ihnen gegeben hatte. Die dritte Frau wurde bestinnnt miß- handelt, das konnte Mauki selbst sehen. Aber es war unmöglich, den weißen Mann nicht zu beleidigen. der schon durch das bloße Vorhandensein eines andern beleidigt zu sein schien. War Mauki still, so wurde er geschlagen und ein trotziges Biest genannt. Sprach er. so wurde er geschlagen, weil er wider« sprach. War er ernst, so beschuldigte Bunster ihn eines Komplotts und verprügelte ihn im voraus: bemühte er sich, heiter zu sein unh zu lächeln, so wurde ihm vorgeworfen, daß er seinen Htrrn und Meister verspotte, und er kriegte, den Stack zü schmecken. Bunster war ein Teufel. Das Dorf hätte ihn längst abgetan, wenn es sich nicht der Lehre von den drei Schonern erinnert haben würde. Trotz- dem hätte man ihn abgetan, wenn man in einen Busch hätte fliehen könne». So wie die Ding« lagen, mußte die Ermordung des weißen Mannes oder überhaupt irgendeines weißen Mannes ein Kriegs- schiff bringen, das die'Angreifer tötete und die kostbaren Kokosbäume fällte. Das ganze Sinnen und Trachten der Bootsleute ging daraus aus, ihn zufällig ertrinken zu lassen, wenn der Kutter einmal das Unglück hatte, zu kentern. Aber Bunster achtete darauf, daß der Kutter nicht kenterte.(Schluß folgt.) W EISSE OCHE W Mengenabgabe vorbehalten Verkauf nur sowelt Vorrat ir bringen in dieser oche eisse aren aller Art elche z. T. eigens für diesen Zweck aufgestapelt, Wäschestoffe zu enorm billigen Preisen zum Verkauf Handtücher Hemdentuch ca. 80 cm breit...... Renforcé ca. 80 cm breit Weisse Weisse Weisse Meter 65. Bettstellen Nachttische Bettstellen ..... Meter Meter 75. Köperbarchent 85. ca. 80 cm breit Louisianatuch ca. 80 cm breit....... Makotuch Meter Meter PI. 85PL mit Stahlzugfeder- Matratze ta sauberer Ausführung 1550 1750 mit Stahlzugfeder- Matratze Besonders stark 2650 Grösse 80X190 cm Grösse 90x190 cm 85 Bettfedern und Daunen tür feine Leibwäsche, ca. 80 cm breit.... Meter Pr Seidenbatist 95. 125 Schweizer Ausrüstung, ca. 110 cm brett...... 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