Abendausgabe Nr. 6142. Jahrgang Ausgabe B Nr. 30 = Vorwärts Beangsbedingungen unb Enseigensrett End in der Morgenausgabe angegeben Redattion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5 Pfennig Donnerstag 5. Februar 1925 Serleg rab ngeigenabteilungs Gefchäftszeit 9-5 Ubr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 2508-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Braun lehnt ab. Ein Zentrumsmann Ministerpräsident? Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, hat Minifter. präsident Braun heute nachmittag 1 Uhr dem Präsidenten des Breußischen Landtages folgendes Schreiben zugehen lassen: Auf Ihre Mitteilung vom 30. vorigen Monats über meine Wahl zum Ministerpräsident teile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich die Wahl nicht annehme Die Entscheidung über die Regierungsbildung in Preußen ist heute in negativem Sinne gefallen. Der von der Weimarer Koalition wiedergewählte Ministerpräsident Otto Braun hat heute die Erklärung abgegeben, daß er den Auftrag zur Regierungsbildung ablehne, da es ihm unmöglich gemacht wurde, eine parlamentarische Mehrheit zusammenzubringen. Die Deutsche Volkspartei hat gestern und heute eingehende Beratungen gepflogen, die mit dem Beschlusse der Fraktion endeten, eine Regierung der Weimarer Roali tion, auch wenn sie von einem anderen als von Braun geführt werde, weder zu unterstüßen noch auch nur zu tolerieren. Unter diesen Umständen war die Mission Brauns aussichtslos und er mußte die Barteien vor die Entscheidung stellen, ob sie selbst eine Regierung mit oder gegen die Sozialdemokratie zustande bringen. Augenblicklich steht das Zentrum vor der Frage, ob es den Ministerpräsidenten stellen will. Man spricht von der Möglichkeit, daß der schon wiederholt genannte Landeshaupt mann Dr. Horion, der seit einigen Tagen in Berlin mit der Zentrumsführern verhandelt, vom Zentrum vorgeschlagen werde. Die sozialdemokratische Fraktion, die heute vor der Blenar fitung zusammengetreten war, hat ihre Haltung gegenüber der neuen Situation noch nicht endgültig festgelegt. Aber allgemein war man tlar darüber, daß die Partei einem Kandidaten des Zentrums nur dann die Stimme geben fönne, wenn die Beteiligung der Partei an der Regie: rung gesichert ist. Es wird sich also jetzt darum handeln, welche Stellung das Zentrum und sein Kandidat zu dieser Frage einimmt, ob es sich von der Volkspartei und den Deutschnationalen die Richtlinien vorschreiben lassen oder ob es ſeinen eigenen so oft als richtig betonten Weg weitergehen will. Staatsanwalt gegen Barmatuntersuchung. darauf, daß das Verfahren von vornherein sehr merkwürdig Soll etwas vertuscht werden? Die materiellen Berhandlungen haben im Barmat- Ausschuß des Reichstags noch nicht begonnen. Der preußische Untersuchungsausschuß verhandelt seit einiger Zeit ausschließlich über Beweisanträge, die von den Deutschnatio= nalen und von den Kommunist en gestellt sind. Die Sozialdemokratie hatte teine Beranlassung, dieser Untersuchung zu widersprechen, im Gegenteil, fie ist außer ordentlich daran interessiert, daß alle Vorgänge restlos aufgeflärt werden. Die Untersuchung des Staatsan malts vollzog sich unter Ausschluß der Deffentlichkeit. Eine zuverlässige Berichterstattung gab es hier nicht. Nur eine Reihe von Korrespondenzen war merkwürdigerweise in der Lage, alarmierende Sensationsnachrichten zu bringen, deren Richtigkeit mindestens sehr ameifelhaft mar. Was zum Beispiel speziell Barmat von den Gerichtsbehörden vorge worfen wird, weiß heute eigentlich niemand. Die Berteidi gung verlangt dauernd seine Freilassung. Um so mehr ist das Verlangen der Deffentlichkeit berechtigt, authentisch über die Zusammenhänge dieser Kreditaffären aufgeklärt zu merden. Um so bedauerlicher ist es, daß jetzt auf einmal die Staatsanwaltschaft dieser Klärung Schwierigkeiten zu machen sucht. In einer langen Meldung der Sochaczewsti- Rorre spondenz wird die Sache so dargestellt, als ob die Berhandlungen des Preußischen Untersuchungsausschusses die Unterfuchung des Staatsanwalts gefährden tönnte. Eigentlich sollte man ja annehmen, daß nach fünf Wochen der Staatsanwalt mindestens im Falle Barmat zu einem Ergebnis gekommen jein könnte. Aber selbst wenn das nicht gelungen sein sollte, märe es fehr merkwürdig, wenn jetzt auf einmal wieder die Untersuchung der parlamentarischen Ausschüsse abgestoppt würde. Sollte eine folche Entwidlung gewissen Drahtziehern, die anscheinend bisher nicht auf ihre Kosten gekommen sind, angenehmer sein? Eine neue Wendung? gewesen sei, weil die Gebrüder Barmat nicht sofort dem Richter vorgeführt worden Jeien." Eine Niederlage des Nationalen Blocks. Maginot als Armecausschußzvorsitzender abgesetzt. Paris, 5. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Geschäftserdnung der Kammer bestimmt, daß die Präsidenten der Rom. miffionen des Parlaments jedes Jahr neu zu wählen sind. Die Rammer zählt deren 20, jede zu 44 Mitgliedern, die von den einzelnen Graftionen nach Maßgabe ihrer Stärte belegiert werden. Bei der Präsidentenwahl im Sommer des bergangenen Jahres war dem Startell der Linken der Borsiz in allen großen politischen Kommissionen mit Ausnahme der Armeekommission zugeftanden. Tort war der Kandidat der Linken, Paul Boncour, durch ein Ueberraschungsmanöver der Opposition dem ehemaligen Kriegs minister Maginot, einem der intimsten Mitarbeiter Boincarés, unterlegen. Bei der Neuwahl am Mittwoch ift Maginot glän. end durchgefallen. Er hat nur 19 Stimmen erhalten, während der Kandidat des Kartells, der republikanisch- sozialistische Abgeordnete Offola, mit 23 Stntimen gemählt worden ist. In den übrigen Kommissionen wurden die bisherigen Borfizenden sämtlich wiedergewählt, so daß nunmehr in allen großen Rom missionen die Linte den Vorsiz führt. Schutzzollbewegung in England. Ein Weißzbuch der Regierung. London, 5. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die englische Regierung hat dem Unterhaus ein Weißbuch vorgelegt, das sich mit dem Shuge der englischen Industrie gegen unfairen Bett bemerb" befaßt. Es handelt sich, offen ausgedrückt, um Schuß60lle unter gemissen Boraussetzungen. Der Zoll soll jedoch erst eingeführt werden, nachdem eine Sachverständigentommiffion über das Berlangen der einen oder anderen Industrie nach Böllen gehört worden ist. Die Bedingungen, unter denen die Regierung einen Bettbemrb als unfair" ansehen und sich zu Schutzöllen bereit erflären würde, find: 1. Das Handelsministerium muß der Meinung sein, daß die Schuh suchende Industrie für England von maßgebender Bedeutung ist, nach Umfang und Natur der Erzeugnisse; 2. muß der Beweis erbracht werden, daß der Wettbewerb durch das Ausland außergewöhnlich ist; 3. die betreffende Industrie muß be vorruft, unfair find; 4. das Gesuch einer Industrie tann zurüc gewiesen werden, wenn ihr Betrieb nicht mit größter Leistungsfähig. feit und Sparfamfeit arbeitet oder wenn ein Schuzzoll andere Industrien beinträchtigen sollte; 5. ein besonderer Ausschuß hat dar über zu berichten, ob der Wettbewerb ausländischer Waren unnormal ift, ob sie zu nicht billigeren Breifen an England vertauft werden tönnen, als fie in England mit Nuzen herzustellen sind, oder ob ein folcher Wettbewerb ernstlich den Arbeitsmarkt in England bedroht. 6. Der Wettbewerb wird als unfair betrachtet, wenn der niedrige Breis durch niedrigere Löhne oder längere als die in England übliche Arbeitszeit erzielt ift. 7. Ein Aus schuß wird darüber zu entscheiden haben, daß der in Frage kommende Schutzzoll so hoch bemessen fein wird, um unfairen Wettbewerb des Auslandes zu verhindern." Die liberalen Blätter nehmen entschieden gegen die Ausführungen des Weißbuches Stellung und wittern in ihm einen Borläufer zu einer umfassenden Schuhzollpolitit Englands. Die Berteidigung der Gebrüder Barmat schreibt uns: „ Die Affäre Barmat scheint eine Bendung zu nehmen, die nach dem angeblichen Vorgehen der Staatsbant die Deffentlichkeit nicht erwartet hätte. Das Verfahren gegen Barmat hat sich beweisen, daß die Bedingungen in dem Land, das den Wettbewerb her. fanntlich nicht aus Anzeigen von angeblich geschädigten Gläubigern entwickelt, sondern ist auch auf die Initiative Der Staatsanwaltschaft zurückzuführen, die in den Büchern neben Michael und Kutister auch den Namen Barmat fand und feststellte, daß dieser große Kredite bekommen habe. Der Bizepräsident der Staatsbant Rugge hat an Henri Barmat einen Brief in das Gefängnis geschrieben, worin er ihm erklärte, daß das Borgehen der Staatsanwaltschaft nicht auf die Staats bant zurückzuführen sei. Dasselbe hat er auch dem Rechtsanwolt Bahn bei der ersten Unterredung der Gläubiger mit Barmat gegen über ausgesprochen. Inzwischen ist nun heute endgültig die Liquis dation und Treuhänder G. m. b. H. zum Abschluß gelangt, indem die Gebrüder Barmat und ihre Frauen den Bertrag in Gegenwart eines Bertreters des Untersuchungsrichters unterschrieben haben. Bekanntlich haben die Barmats ihr ganzes in und aus. landisches und auch ihr persönliches Bermögen den Gläubigern dadurch zur Verfügung gestellt, und zwar darunter Bertobjefte, die noch nicht den Gläubigern als Deckung für die Krebite übertragen waren. Der Postminister Hoefle, gegen den in der Presse die heftig ften Anschuldigungen erhoben worden sind, ist nicht als Beschuldig ter, sondern lediglich als 3euge bisher vernommen worden. Unter diesen Umständen haben es die Rechtsanwälte Bahn, Schwerfens, Justizrat Davidfohn und Dr. Klee für erforderlich gehalten, einen energilen aftentlaffungsantrag für die Gebrüder Barmat dem Untersuchungsrichter zu unterbreiten. Sie sind auch beim Justizminister vorstellig geworden, mit dem Antrage, hie Staatsanwaltschaft anzuweisen, der Haftentlaffung der Gebrüder Barmat nicht meiter zu mibersprechen. Die Berteidigung ftigt fich Deutsch- amerikanischer Handelsvertrag. Günftige Stimmung des Senatsausschuffes. New York, 5. Februar. Eigener Drahtbericht.) Die Mehrheit des Genatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten steht dem handelsvertrag mit Deutschland äußerst günstig gegen Ausmerzung der Meistbegünstigungsflaufel für das nächste Jahr ab. über. Der Borsigende Borah wurde ermächtigt, den Vertrag durch zuanbern dem bisher vollkommen faschistischen Ort Strabella in der Brn Der Rüdrang des Faschismus. Bei den Gemeindewahlen in vinz Bavia siegte die antifalistische Liste mit 1300 gegen 800 Stimmen. I Der unsoziale Reichsetat. Luthers Versprechungen und seine Taten. Der Reichstanzler Dr. Luther und der neue Reichs finanzminiffer n. Schlieben sind die Verantwortlichen minister, der andere als sein bisheriger Etaireferent. In der für den Reichsetat. Der eine als bisheriger ReichsfinanzRegierungserklärung hat Dr. Luther Pflege des fozialen Geistes, Förderung und Unterstügung aller sozialen Aufgaben versprochen. Wir wollen prüfen, ob die bisherigen Taten beider Herren in der früheren Regierung, soweit fie fich aus dem Etat erkennen lassen, Vertrauen zu diesen Versprechen beanspruchen dürfen. Herr Luther und Herr Schlieben find feineswegs unbeschriebene Blätter. Sie haben bereits in der Regierung Marg für den Rechtsblod vorgearbeitet, der eine als Reichsfinanzminister, der andere als Ministerial direktor. Sie gehörten beide zu den ausgeprägtesten Vertretern der Rechtstendenzen in der Regierung Marr. Benn man den Wurzeln des Rechtsblocks in der Regierung Marg nachgeht, wird man neben den Herren Jarres und Strefe mann die Herren Luther und Schlieben nicht ver gessen dürfen. An ihren Taten follt ihr sie erkennen! allgemeinen Betrachtung des Reichsetats der Nachweis geKürzlich ist an dieser Stelle( Nr. 26) bereits in einer führt worden, daß er absichtlich unflar gehalten ist, die großen Ueberschüsse aus dem Jahre 1924 perstedt, ein Defizit vor täuscht, wo ein Ueberschuß besteht, eine Anleihe verlangt, wo das Reich selbst eine geben fönnte, und daß infolgedessen der ganze Reichsetat falsch und als Grundlage für eine Sanierung der Reichsfinanzen nicht zu gebrauchen sei. Daß dieses Verhalten weder der fachlichen Unmöglichkeit, noch der persönlichen Unfähigkeit, einen richtigen Etat aufzustellen, zu banten ist, ist flar. Wir wollen auch zur Ehre der neuen Herren nicht annehmen, daß das die Einleitung der ver sprochenen inneren Wahrhaftigkeit und Reinheit des öffent lichen Lebens" ist. Neben politischen Erwägungen, die wir im Augenblid unerörtert lassen wollen, scheint uns vielmehr in erster Linie die Abficht maßgebend gewesen zu sein, die unfoziale Politit fortzusehen, die auf Drängen des Unternehmerfums gerade von den Herren Dr. Luther und Schlieben bisher betrieben worden ist. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt den Etat. Er zerfällt in zwei Teile: die allgemeine Reichsverwaltung und die Kriegslasten. Die allgemeine Reichsverwaltung um faßt sämtliche Ressorts mit Ausnahme der Reichspost und der Reichsbahn, die feit Oktober 1923 finanziell selbständig sind. Der Etat der allgemeinen Reichsverwaltung für 1925 weift im ordentlichen Haushalt Einnahmen in Höhe von 5513,8 Millionen Reichsmart auf. Von dieser Summe entfallen auf die fortdauernden Ausgaben 5167,2 Millionen, auf den Haushalt der Kriegslaften 161,8 Millionen und für einmalige Ausgaben 1848 Millionen Reichsmart Der außerordentliche Haushalt enthält eine Ausgabe Don 433,4 Millionen Reichsmart. Davon entfallen auf die Kriegslaften 141,2, auf Ausgaben der allgemeinen Reichsverwaltung 292,2 Millionen. Der bei der allgemeinen Reichsverwaltung rechnerisch vorhandene ungedeckte Ausgabenbedarf Don 136,2 Millionen Marf, fomie der bei den Kriegslasten vorhandene von 141,2 Millionen, insgesamt 277,4 Millionen Mart, sollen durch eine Anleihe aufgebracht werden. Der allergrößte Teil der Einnahmen des Reichs fließt erwartete man eine Einnahme von 5394,6 millionen Mark. aus Steuern, 3ŏllen und Abgaben. Das ist zwar nur eine Schäßung, zudem eine falsche, wie die folgende Uebersicht zeigt: andere Bon ihnen Wirklicher Erfrag Schäßung b. Gist bom 1. April 1924 nabmen für das bis Ende Dez. cr. Rechnungsj.1924 Reichsmart Reichsmart Einkommensteuer aus Lohnabaug 953 893 879) 643 393 612) 280 158 725 828 048 354 16 950 975 1858 757 808 85 205 651 19 601 630 117 262 807 Körperschaftssteuer Vermögenssteuer Erbschaftssteuer Umfassteuer, allgemeine. erböbte Grunderwerbesteuer 0 Rapitalverfebrestener Kraftfahrzeugfteuer. Versicherungssteuer. Rennwett und Lotteriesteuer Wechselsteuer. Beförderungssteuer. Steuer auf Schuldverschreibungen Andere Befiz- und Verkehrssteuern Rölle Zabalsteuer Biersteuer Budersteuer Branntweinmonopol Weinsteuer. 1 344 000 000 144 000 000 876 000 000 80 000 000 1 260 000 000 180 000 000 150 000 000 45 000 000 65 000 000 230 000 000 198 000 000 41 722 087 50 000 000 9 0 21 908 757 32 000 000 40 540 864 48 749 340 241 822 816 88 126 062 82 078 697 86 000 000 230 123 366 160 000 000 365 300 441 860 000 000 146 409 419 159 269 181 89 341 415 63 707 583 19 697 628 6 976 932 Andere Verbrauchssteuern Sonstige Einnahmen 126 000 000 231.000 000 140 000 000 48 000 000 84 700.000 47 035 Danach hat die tatsächliche Entwicklung der Einnahmen im Jahre 1924 die vorläufige Schäßung bereits nach neun Monaten überholt. Während der Voranschlag mit einer Jahres einnahme von 5243.7 Millionen rechnete, sind in neun Monaten bereits 5293 Millionen, also 50 millio. nen mehr eingegangen. Noch interessanter aber ist die Entwicklung der SteuerBefiges und der Belaftung des Arbeitseinkommens und einnahmen, wenn man fie trennt nach der Belastung des des Verbrauchs, also der Maffen belastung. Rechnen wir zur Massenbelastung nur Lohnsteuer, Umfagsteuer, Beförde rungsfteuer, Zölle und Berbrauchssteuern, fo ergibt fich fol-| mindert worden. Das geschah im Hinblick auf die Bei-| wobei 2ohn, Arbeitszeit, ohnungsfragen, Bersiche gendes Bild: Ons bez Es tamen auf in den Monaten Durchschn. April Mai Juni Juli Aug. Sept. Dit. Nov. Dez. Apr.- Dez. in Dillionen Reichsmart Sohnsteuer. 80 88 96 108 107 113 115 120 126 106 Hmiozsteuer. 156 135 134 161 139 145 197 153 140 Beförb.@teu. 18 19 24 21 23 66 28 21 22 Zölle u. Ver brauchssteu. 93 93 94 116 127 124 129 142 158 119 maffenbelaft. 347 335 348 406 396 448 469 436 446 403 151 37 Der Anteil der Maffenbelastung am Gesamtbetrage aller Steuern betrug also in den Monaten: Mat Juni Jult Aug. Sept. in senten 69 75 April 66 64 74 67 Dft. Rov. Dez. 67 Durchschn. tragspflicht der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber, sowie megen der Einführung der fleinen Rotstandsarbeiten. Alles in allem fieht der Etat für 1925 also eine wesentliche Berringerung der sozialen Lasten des Reichs fädels vor. Das Gesamtbild dieses Etats ist demzufolge: in immer steigendem Umfang tragen die großen er werbstätigen Schichten des Boltes die Laften. Sie bringen den größten Teil der Steuern auf, trotzdem wird die soziale Fürsorge weiter eingeschräntt. Schon als der Abbau der Sozialpolitit begründet wurde mit der Erhaltung der Währung waren Be Apr. Des denten dagegen berechtigt. Jezt ist die Währung stabil. Die Reichsfinanzen find attiv und das Reich bei anderen 3weden und Gruppen in der Bewilligung von Ausgaben sehr ent gegenfommend. Reeder und Ruhrindustrielle fönnen das bezeugen. Deshalb ist der Etat in feiner vor. liegenden Form geradezu aufreigend. Die Sozialdemokratie wird es an Berfuchen nicht fehlen laffen, ihm einen anderen, sozialeren Inhalt zu geben. 69 65 70 In steigendem Maße trugen alfo Arbeit und Berbrauch höhere, der Befiz geringere Steuerlaften. Durch den Abbau der Besigsteuer mird dieses Berhältnis in den nächsten Monaten noch ungünstiger werden. Werfen wir nun noch einen Blid auf die Ausgaben. Auf die einzelnen Ministerien entfallen folgende Beträge: Reichspräfibent Reichstag 4 Reicheminifterium, Reichslangler und Reichstanzlei Auswärtiges Amt Reichsminifterium des Innern Reichsministerium für die befegten Gebiete Reichswirtschaftsministerium Borläufiger Neidswirtschaftsrat Reichsarbeitsministerium. Reichswehrministerium Fortbauernde Ausgaben 861 950 5 595 630 470 574 40 183 400 116 982 799 6 429 630 6 593 698 649 280 818 448 057 460 174 420 8 310 720 Reichsministerium für Ernährung 3 394 898 78 898 460 1 202 220 776 2009 814 Reichsjuftigminifterium und Landwirtschaft Reichsperlehrsministerium gemeiner Bensionsfonds Rechnungsbof. Reichsichulb Reichsfinanzministerium Reichepoftministerium Einmalige Ausgaben 80 000 63 000 2 800 000 8.075 100 1 800 000 3 950 600 492 800 81 056 040 70 000 1 456 650 39 838 400 19 861 360 144 838 535 378 685 580 85 292 gemeine Finanzverwaltung.. 2 554 665 941 26 800 000 In diesen Beträgen sind die Steuerüber meisun gen an die Länder mit 1857,6 Millionen Reichsmart enthalten. Bon den reinen Berwaltungsausgaben der allgemeinen Reichsverwaltung entfallen auf die persönlichen Bezüge 2068,8 millionen Reichsmart= 62,51 Broz. und auf die fachlichen und allgemeinen Ausgaben 1240,7 mil Honen Reichsmart= 37,49 Broz. Unter ben fächlichen Aus. gaben befinden sich folgenbe größere Beträge für soziale 1. min. Reichsmart 3 mede. T Zuschüsse bes Reichs zu den Invalidenrenten. Wochenhilfe. Unterstützende Erwerbslofenfürforge Broduttive Erwerbslofenfürsorge 114,5 20,0 40,0 70,0 Kriegsteilnehmer beibilien 18,5 Mentengewährung an bebürftige Inhaber von selbstgezeichneter Striegeanleihe 40,0 Rotstandsbeihilfen 6,8 Bur Förderung der Wohlfahrtspflege 4,0 Interftigung von Anstalten und Einrichtungen ber privaten Wohlfahrtspflege 6,0 10,0 Shaffung von Wohnungen für Steichsbebienftete Insgesamt erfordern also die sozialen Aufmendungen des Reichs rund 825 Millionen Reichsnart, das find etwa 6 Broz ber Musgaben des ordentlichen Haushalts. Gegenüber bent Etatjahre 1924 find die Reichszuschüsse zur Invalidennerfiches rung erhöht um 8 Millionen, die Machenhilfe um 4 Millio nen. Dagegen sind die Aufwendungen des Reichs für die unterstüßende Ermerbslofenfürsorge um 40 Millionen, die ber produttiven Erwerbslosenfürsorge um 70 Millionen ver Stalins falte Dusche. Die Revolution wieder einmal verschoben. Die Perspektiven- Oberkiefer der KPD. sehen sich genötigt, ein wenig flein beizugeben. Die Perspettive auf furze Sicht hat zu offenfundig versagt. Der Hinausschmiß Brandlers, Thalheimers und anderer Unglücksraben hat nicht verhindern fönnen, daß die Kassandra- Stimmen in der KPD. Schließlich durch die tatsächliche Entwicklung doch Recht bekommen haben. Die Revolution hat zum soundsovielten Male ihr Erscheinen vorläufig absagen müssen, die Sozialdemokratie lebt immer noch und der armen KPD. bleibt gar nichts anderes übrig, als sich als Konkurrenzunternehmen der Sozialdemokratie aufzutun und mit ihr im faulen Reformismus zu wetteifern. rungsfragen, die Fragen der Steuer, der Arbeitslosen. der Teuerung und dergleichen mehr Fragen die ernſtefte, menn nicht entscheidende Rolle spielen müssen. Die Sozialdemokratie auf dem Boden dieser Fragen täglich zu schlagen, ihren Verrat zu entlarven: hierin besteht die Aufgabe." die spätere Revolution und die spätere Machtergreifung, Selbstverständlich fehlt bei Stalin der nötige Hinweis auf mill( agen, auf die planetarische" Perspettive auch nicht. Aber er hält es doch für notwendig, seinen deutschen Jüngern eindringlich zu empfehlen, daß die Parole der Partei nicht auf Grund eingelernter Formeln und geschichtlicher Analogien" ausgearbeitet werden dürfe. Die Schwierigkeit, in die die KPD. sich mit ihrem, auch vom tommunistischen Standpunkt aus furzsichtigen und überhitten Vorstoß hineinmanövriert hat, zwingt Stalin zu geradezu klassischen Drehscheibenformulierungen: größte Prinzipienfestigkeit( was nicht mit Seftierertum verwechjeit Es ist unbedingt erforderlich, daß die Partei es versteht, die werden darf!) mit einem Maximum an Berbundenheit und Kontakt mit den Maffen( was nicht mit Chwostismus", d. h. mit einer Schlepptaupolitit verwechselt werden kann) zu verbinden, da ohne Erfüllung dieser Pflicht es für die Partei unmöglich ist, nicht nur die Arbeitermassen zu lehren, sondern auch von der Arbeitermasse u lernen, nicht nur die Massen zu führen, und sie auf das Niveau und ihre brennendsten Bedürfnisse zu erkennen." der Partei zu heben, sondern auch die Stimme der Maffe zu hören und ihre brennendsten Bedürfnisse zu erkennen." Wenigstens ist unser Sprachschah um ein neues schönes Bort bereichert: Menschemismus, Bolschemismus, Otsowismus und jezt noch Ch wostismus. Die deutschen Arbeiter werden auch diese neue Abweichung von der allein selig machenden Lenin- Sinowjew- Stalin- Richtung sicher mit großem Eifer studieren, bis die neueste Schmentung von Moskau befohlen wird. Inzwischen gibt es noch eine fleine moralische Ermahnung: Unbedingt muß die Partei es verstehen, in die grundlegende Führergruppe der Partei die besten Elemente der Avantgarde zu wählen, die eine genügende Hingabe befizen, um zu wahrhaftigen Bertretern der Bestrebungen des revolutionären Proletariats zu werden und genügend erfahren sind, um wahrhaftige Führer der proletarischen Revolution zu sein, die fähig sind, die Taftit und die Strategie des Leninismus anzumenden." Mit der linken" Führung, die die KPD. auf Berlangen der Mostauer Troita sich vor einem Jahre hat geben müssen, stimmt diese Entwicklung freilich gar nicht überein. Auf die Revolution tippte Sinomjew im Oktober 1923 erft, als es zu pät war, und jetzt muß er sehen, wie infolge seines per späteten Einschwenkens die KPD. in Deutschland in ihrer Nei gung zum Butschismus gänzlich über das Ziel hinausgeschossen Dabei dachte Stalin sicher an die schöne Reichstags. ist. Das Ganze alt! Das ist die Parole, die jetzt von frattion und an die ebenso schöne LandtagsfrakMoskau aus gegeben wird. Die Rote Fahne" sieht sich ge- tion. Man fann nur jedem deutschen Arbeiter empfehlen, nötigt, ein Interview Stalins mit Wilhelm Herzog zu verfich die besten Elemente der Avantgarde möglichst aus öffentlichen, das nichts anderes als eine gründliche falte Ab der Nähe anzusehen. Wahrscheinlich werden die meisten dann reibung für die erhitzten Gemüter in der KPD. darstellt. boch kuriert sein. Stalin tonstatiert eine Befestigung der europäischen Lage. Er Lonstatiert fogar- wie entfeßlich schließlich eine gewiffe entfeglich- schließlich Befferung der materiellen Lage der Ar beitertlaffe". Die Revolution fann natürlich tommen, aber wann, das weiß man nicht! Und ehe sie kommt, muß erst die verdammte Sozialdemokratie vernichtet werden. Damit hat es aber noch gute Weile. Jm Interview heißt es: Herzog fragte: Sie sagten, daß die KPD. die Mehrheit der Arbeiter hinter sich haben solle. Diesem Ziel wurde aber bisher äußerst wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Was sollte nach Ihrer Anficht geschehen, um aus der KPD. eine solche energische Bartei mit ständig wachsender Berbetraft zu machen" Stalin antmortete darauf: Gemütsruhe abwarten, wie die KPD. auf Grund dieser neuen Inzwischen aber fann die Sozialdemokratie mit großer Gemütsruhe abwarten, wie die KPD. auf Grund dieser neuen formismus mit der Sozialdemokratie aufnimmt. Die Anweisung Stalins den Konkurrenztampf im ReBD. als Arbeiterpartei wird sinnlos, wenn die Revolution verschwindet. Als Konturrent mit der Sozialdemokratie wird fie zweifellos nicht egiftieren fönnen. Wenn sie es schon aus fachlichen Gründen nicht fann, dann wird die„ beste Avantgarde an der Spize der KPD. ihr sicher den Rest geben. Eine verdiente Niederlage. Anerkennung ber Hamburger Schulpolitit. Hamburg 5. februar.( Cigener Drahtbericht.) In her Hamburger Bürgerschaft ist nach meitägiger ausgedehnter Debatte ber feit Monaten mährende Anfurm der vereinigten Rechtsparteien gegen die fortschrittliche Hamburger Soulpolitit zurüdManche Genoffen meinen, haß bie Feftigung und Bolschemisie tung der Bariei gleichbedeutend fel mit dem Herausschmeißen aller anders Dentenden aus der Partel. Dies ist natürlich unrichtig Die Entlarmung der Sozialbemptratie, ihre Herabbridung auf die Rolle einer nichtigen Minderheit in der Arbeiterflaffe ift lediglich im Brozeß bes tagstampfes für bie tonfreten Bedürfnisse der Argeschlagen worden. Mit allen mitteln mar gegen die Grund. beiterflaffe möglich Die Sozialdemokratie foll nicht auf Grund planetarischer( weltliegender) Fragen, sondern auf Grund des Alltagsfampfes der Arbeiterklasse für die Befferung ihrer materiellen und politischen Cage geschlagen werden, Warum müssen wir einen Kaiser haben? ber beffer! Kann man sich vielleicht nach einem Sattlergesellen Bon alther Braun. richten! „ Mit Entrüstung mendet der edelste Teil des Boltes fich ab pon den Errungenschaften der glorreichen" Revolution und ermartet Don ben gemählten Vertretern, daß sie den heutigen unfagbar elenden und geistlosen Zuständen unverzügli chein Ende bereiten. Erst wenn mir wieder einen Kaiser haben ichule und ben achtjährigen Behrgang ber höheren Shule gearbeitet morden. Jegt hat die Rechte eine entscheidende Niederlage erlitten, benn mit großer Mehrheit nahm die Bürgerschaft am Mitimoch nacht einen demokratischen Antrag an, der eine Anartenmung der bisherigen Hamburger Schulpolitik bedeutet. Das Trianon- Theater führt ein Ehebruchsluftspiel Einmal ift teinmal auf. Deutsches Erzeugnis eines Herrn Friß Mad, Leipziger Rebatteurs. Es hat die Besonderheit, ein ver. schämtes, faft fönnte man sagen, züchtiges Ehebruchstüd zu sein. Es handelt von dem Chekonflikt eines Binchologie Professors, eines Besserwissers, der zu seinem psychologischen Scharfblid mehr Ber. trauen hat als zu offenfundigen Tatsachen und daher ben einOch jag' es grab' heraus: Bir brauchen einen Raijer, meil wir hoch mein, ich mill niemand beleidigen meil fie( Mehrzahl van man, die unbestimmte Menge) alle in die Irre geben mie Schafe, die teinen Hirten haben. Hilflos und verloffen fühlen fie fich, und ihr Fenster öffnen sich schwarzweißrote Fahnen flattern hoch im Wind gestandenen Fehltritt seiner Frau nicht glaubt. Die Komödie ist trourig- erregtes Blöten nach dem verlorenen Hirten flingt jämmer. fich in die hartherzige Menschheit. Die Sehnsucht nach dem ver lorenen Barabies mischt sich herzzerreißend in ihren Schrei, Die Sehnsucht nach ihrem Parables, in dem sie nicht zu denken brauchen und wo es ihnen gut geht, folange fie fein bran beim großen Haufen bleiben und ruhig und friedlich die Wiesen abgrafen, in die der gute Hirte fie führt. Und sie würden doch so brav. sein und so gefittet! Bie Schäflein find! Mein vielleicht jemand, der Befer des Lotal- Anzeigers" fei brennand interessiert an den Fragen der inneren und äußeren Bolitif, etma mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit daran intereffect? Es ist ihm wurscht und schnuppe, im Grunde! 3 mill met Rub ha'm!" Und das ist die frechfte Tat der Novemberverbrecher, daß fie tommen und pon einem verlangen, man foII über seine eigenen Wngelegenheiten nachdenken. Es bringt einen aus dem Häuschen. Unb das ist noch nicht einmal das schlimmste. Nicht genug bamit, baß fie von einem verlangen, man soll sich durchaus intereffteren für Dinge, die einem mun mal jana ejal find, fie besigen auch noch die Gemeinheit, einem alle Dinge zu nehmen, für die man fich früher so lebhaft interessieren tonnte. Wo man dabei war mit Leib und Seele! Die Halunfen! Bo find denn in dieser Judenrepublik die Baroben auf dem Tempelhofer Feld geblieben und der schöne Bauten ichlag und bas„ ffingende Spiel" der aufziehenden Bache mit den schneidigen Kommandos. Futsch, alles bahin!! An nichts tann sich mehr bie Seele begeistern. Die Seele des heldischen deutschen Mannes! Bo find die Berichte über die Hoffestlichkeiten, die Toiletten der Bringeffinnen, die melterschütternden Ereignisse in den höchsten Streifen", an denen sich Badfische und schmarzweißrote Matronen in fetcher glühender Weise begeisterten?! Alles bahin! Kümmerlicher Irjob with einem Dom Leibblatt zugemutet. Und wir sind doch all. nöhlich raus aus der Erfazepoche! Nichts ist mehr da, für das der Mensch sich wirklich intereffieren Fann Reine höhere Tochter fann mehr mit fliegendem Atem zu Hause erzählen: Ich habe die Brinzessin-( men oder was??) fehen. Ein Jammer ift es! Gelftige Dede berricht in dem Deutsch nd der glorreichen Revolution". Entfeßliche Debe! Richt mal mehr ein Zatütata, das einem anfündigt, baß man ans Fenster( pringen muß, meil es draußen was zu fehen gibt. -Latutata" -Ehrenjungfrauen überreichen Blumensträuße Kaiferinnen( ach, nicht mehr sie!) lächeln huldnolift gnädig Heldenjünglinge schreien mannhaft Hurra- und 62 Schäflein grafen mieder auf blumiger Beide. In ihrer Seele Frieden. Sie gehen nicht mehr in die Irre. Da sie ja einen Hirten haben. war für das französische Ehebruchsdrama epochemachend Sardou und Orsta. Die Einführung der gefeßlichen Ehefcheidung Man fonnte jetzt dem fattiam abgehandelten Thema neue Wendungen geben. led so hat Sardou, der geschichtefte und aktuellste Bühnen lieferant für den Tagesgebrauch, 1880 den Liebhaber enthront und den Ehemann als den befferen Teil glorifiziert. Das komödien haus glaubte an dieses Ereignis erinnen zu müssen, und so brachte es die„ Cyprienne" oder„ Wir laffen uns scheiden, Cyprienne besonderer Urt zu haben glaubte. offenbar meil es in der für Berlin neugewonnenen Frau Drsta eine Orsta, die die letzten Jahre auf Gastspiel reifte, manechs Sardou Sicherlich hat Frau hafte. Sie besteht, wie ihr Meifter, aus raffinierten Ginzelheiten, Bugefpihtheiten, plöglichen Wandlungen, wenn sie auch feine Salon dame im Sinne Sardous ist. Dazu ist sie zu feltfam- erotisch( auch in der Sprache, die immer noch öftliche Antlänge bat), zu egaltiert, zu faßenhaft. Für gewisse Frauentypen Wedefinds und Strind. bergs hatte die Drsta gute Mitgiften, und ihre manchmal penetrante Art war hier ein Haut- gout. Über Berlin W. wird sich schon daran gewöhnen, die Orsta ebenso interessant bei Sardou zu empfinden, wie es Sardou interessant bei der Orsta empfand. Ihre übergracile Schlant heit, die 3erbrechlichkeit der Finger, das Raffinement der Kleider, ein wehes Lächeln, ein manchmal gefprungener Zon 4 alles das gab der Sardouschen Gestalt einen besonderen Reiz R. A. Ro berts befleißigte sich als Ehemann, der das Spiel gegen die Liebhaber gewinnt, größter Burüdhaltung. Aber als Regiffeur follte er das Chambre feparée anders garnieren. Den Trottel von Liebhaber stattete Hans 21bers mit den gewohnten und immer wieder einschlagenden Späßen aus. Wie denn überhaupt alles gefiel bei diefer Novität: Sardou ist offenbar für viele Theaterbesucher noch ein Erlebnis. 4. Ein Nationalpart am Kongo. Die Brüsseler Regierung hat ein Gejes erlaffen, durch das ein Nationalpark im belgischen Kongo gejchaffen wird. Dieses Naturschuggebiet, das den Namen„ Albert Rationalpart" führen wird, liegt im nordöstlichen Gebiet der Rongotolonie zwischen dem Kipu- See und Uganda. In diesem meiten Gebiet wird nicht nur die gesamte Tierwelt, unter der sich Gorillas befinden, sondern auch die Pflanzenwelt gegen jede Bernichtung Einen Ralfer maffen mir wieber habent Dann wird alles mie- geschützt. U Es bestand nicht die zwingende Notwendigkeit, fie zu fahreiben und schon gar nicht, fie aufzuführen. Drei Personen stehen im ganzen auf der Bühne. Faltenstein, mie immer, eine prächtige Type: vertnödjerter Pedant mit Oberlehrerallüren, Raiser Zig, unwiderstehlicher Herzenstnider, Hansi Arnstadt, die verführerische und ver führte Gattin. In ihrer nadelspigen Art, den Mann mit mohl. gezielten Stichen zu reizen und mit messerscharfer Stimme zu quälen, hatte sie etwas Strindbergisch- Unheimliches. Dgr. Jnfel- Sanatorium für Keuchhustenfinder. In Preußen sterben jährlich 4000 bis 5000 Rinder an Keuchhusten; in schlimmen Jahren. 3.3. 1912, fogar 9000! Säuglinge, die von Reuchhusten befallen werden, sterben in ber Mehrzahl, und zwar an diesem Leiden selbst: ältere Kinder meistens an Nachfrankheiten. Der Keuchhusten ist ins besondere ein Wegbereiter für Erkrankungen an Tuberkulose, und daher ist die Frage berechtigt, ob nicht tuberkulosenorbeugend auch fajon gegen alle Keuchhuftenfälle viel energischer vorgegangen chlage, den Kreisarzt Dr. Kramer Wilhelmshaven im Aerztwerden sollte, als bisher. Diese Frage ließe sich nach einem Bor. lichen Bereinsblatt näher begründet, am besten durch Insel- Sanatorien für Keuchhuftentinder lösen. Die reine, falzhaltige Luft der Nordseeinseln läßt die trampfartigen Sustenanfälle schon nach 24 bis 36 Stunden, den begleitenden Ratarrh in einigen Wochen ficher perschwinden. Die Baraden müßten fern vom Inseldorf im Winter in den Dünentälern, im Sommer auf den Dünenfämmen, mit der offenen Seite nach dem Meere zu, aufgestellt werden. # fache Weise feftlich begangen werben, besonders durch Ausstellungen, bie Die Jahrhundertfeier der Eisenbahn wird in England auf mannig einen Ueberblid über die Entwidlung des Eilenbahnwesens geben sollen. Die Londoner und die Nordoft- Eisenbahngesellschaft planen überdies, am 2. Juli auf der Strede von Ctodton nach Darlington Lokomotiven aliez Art, non den ältesten bis zu ben modernsten Shpen, jahren zu lassen. Ein Museum zum Ruhm difons. Die Elektrotechnifer bon Rem Port baben beschlossen, zum Zeiden der bantbaren Anerkennung bes bon Edison im Interesse des Fortschritts der Zivilisation ge leisteten Beifes zu feinem Rubm einen Wollenfrager von 20 Stod werlen zu erbauen. Edison soll eingeladen werden, den Grundstein zu dem Gebäude zu legen, bas im Mittelpunkt von New Bort feinen Blas finder Joll. Am Eingang wird eine neun Meter hohe Bronzeftatue des Erfinders errichtet werden. Auger Bureau- und Geschäftsräumen wird in dem Be bäunde ein umfangreiches Glettrizitätémuseum Unterkunft finden. Die lürfifche Universität in onslauf nopel gefchloffen. Infolge dez feindlichen Haltung der Studentenschaft der türkischen Universität gegenüber ichließen. Die Regierung hat einen Betrag von 2 000 000 türtile Lire zuz der türkischen Republik beschloß bie turfifche Regierung, die Universität zu Verfügung gestellt, um türkische Studenten als Staatsstipendiaten ins Ausland, besonders nach Deutilanb zu senden. Der Danziger Postkonflikt. Entscheidung des Oberkommissars. Danzig, 5. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In dem Danzig Bolnischen Poststreit hat die freie Stadt Danzig bei dem hohen Kommissar des Bölterbundes entsprechend den Bestimmungen der Berträge um Entscheidung ersucht, daß der Anfang Jonuar d. I. eingerichtete polnische Postdienst sich lediglich innerhalb des der polnischen Regierung für diese Swede zugeteilten Gebäudes abwidein dürfe und daß außerhalb dieses Grundstüdes postalische Funt tionen, insbesondere durch Briefträger und Briefkästen unzulässig jeien. Auf diesen Antrag hat nunmehr der Obeikommissar am Mittwoch abend eine Entscheidung herausgegeben, die den von Danzig vertretenen rechtlichen Grundlagen entspricht. Der Oberkommissar sagt in seiner Entscheidung, daß der Post, Tele. graphen- und Telephondienst, zu dessen Einrichtung die polnische Regierung auf Grund des Vertrages von Paris berechtigt ist, nur ein Bostamt am Hafen in Danzig bedeutet und der durch diesen Postdienst von den Gebieten der freien Stadt nach Bolen und umgekehrt bewirkte Berkehr darf nur von dem Hafenpoſtant nach Polen führen. Außer diesem Postdienst dürfen teine posta lischen und telegraphischen Sendungen oder Mitteilungen oder sonstige Postfachen auf diesem Wege angenommen oder ausgegeben werden. Der Gebrauch von Brieffästen außerhalb der Grenze des jezt als Hafenpostamt eingerichteten Gebäudes und ein Beſtelldienst durch Briefträger in irgendeinem Teile der freien Stadt ist unzulässig. Das Hafenpoftamt ist nur dazu bestimmt, mit den burchgehenden Bostsendungen aus Polen über den Hafen von Danzig nach Ueberseeländern und umgekehrt sich zu befassen und ben im Danziger Gebiet rechtmäßig errichteten polnischen Be hörden zu ermöglichen, auf diesem Postami und feiner anderen Stelle Bostsendungen zusammenzustellen und sie von dort unmitte: bar nach Bolen oder dem Auslande zu befördern. Mit diesem Spruch des Völkerbundkommissars ift nunmehr in erster Instanz die Entscheidung über den Danzig- Bolnischen Pestdienst gefällt. Falls gegen diese Entscheidung Berufung ein gelegt werden sollte, was Bolen in einem für sich ungünstigen Falle bereits angekündigt hat, so steht die Entscheidung in legler Instanz dem Rate des Bölferbundes zu, der Anfang März in Genf zusammentritt. Auch dieser wird teine andere Entscheidung treffen fönnen, als die ungerechtfertigten Ansprüche Polens zurüdzumeijen. Die polnische Regierung legt Protest ein. Die polnische Telegraphenagentur versieht, mie aus Warichau gemeldet wird, die Entscheidung des Böllerbundtommiffars mit einem amtlichen Kommentar, in dem Schluß heißt: es zum Diese Entscheidung ftüßt der Rommissar auf die Auslegung früherer Schiedssprüche, die sich nicht auf polnische Einrichtungen im Danziger Hafen beziehen. Er läßt aber hier außer acht den Bertrag von Bersailles, die verpflichtenden Abkommen zwischen beiden Par teien und die Brotokolle zum Warschauer Abkommen, die mit ab. weichenden Erklärungen der beiden Parteien versehen find. Die obige Entscheidung des Kommiffars hat einerlei egetutive Kraft. Polen legt beim Bölferbund Protest ein, der die end. gültige Entscheidung fällen wird." Die Affäre der Wohnstätten G. m. b. 5. Die Ziegelsteine des Herrn Schiele. mitgeteilt habe, es fõnne den als Zengen benannten Regierungsrat| Spekulanten liefern die Basis, auf der sich Paläste erheben, deren Kiemel nicht zu der Berhandlung beurlauben, da dieser mit dringen- gemaltigen linjang der einfache Menschenverstand nicht begreifen den Arbeiten überhäuft sei, und das Wiederaufbauministerium habe fann den Regierungsrat müller, der gleichfalls als 3euge benannt war, die Genehmigung zur Aussage über die zur Berhandlung stehenden Dinge verweigert. Baläste, in denen vom Keller bis zum sechsten Geschoß gearbeitet wird im Keller am Tage bei fünftlichem Licht.. Der nationalistische Vereinsgründer. Der Angeflagte Fernbach entwidelte zunächst die Lage, die sich Dor und während der Ruhrbesegung und während des passiven Widerstandes im Westen des Reiches ergeben hatte. Er ftreifte dabei Der Jugendfchänder als„ Jugendpfleger". auch die politische Seite, namentlich die separatistischen Be Leuten gehört habe, die der Ansicht waren, daß ein Berbleiben Burschen, Erich Sohan, der nicht weniger denn 140 Juge strebungen und erklärte, daß der Kläger Himmelsbach zu denjenigen Bor turzem berichteten wir über die Machinationen eines ju der Rheinlande bei Deutschland nicht allzu wahrscheinlich sei, vereine ins Leben gerufen hatte. In der Hauptfache handelt es während der Sozius des Herrn Himmelsbach, der Inhaber der größ sich hierbei um Schülervereine. Das Kapitel Sohan ist recht umten Holzhandlung der Pfalz, Herr Schen?, fich sehr intensiv für fangreich. Dbgleich feine Sünden bereits bei verschiedenen Behörden Unter diesen Gesichtspunkten müffe man die Berträge ansehen, die und Vereinen vielfache Warnungen ergangen waren, gelang es dem die Errichtung des autonomen Rheinlandes eingesetzt habe. in diden Aftenbündeln zusammengefaßt mären, abgleich an Schulen von den Firmen Himmelsbach und Schent ohne Bissen und betriebſamen Herrn immer wieder unter Lehrern und insbesondere worden seien, um die von den Franzosen vollkommen widerrechtlich schnell aufgeflärt. Bei den Schülern gelang das nicht so schnell Ein ohne Genehmigung der Reidsregierung geschlossen Schülern willige Anhänger zu finden. Die Lehrer wurden meist vorgenommenen sogenannten 3 usagholzschläge zu ermög- zeine Jugendamter haben von vornherein jede Mitarbeit dieses Herrn fichen. Die französische Forstkommission in Koblenz habe nämlich er abgelehnt. Das störte ihn wenig. Er suchte auf andere Art Ber tannt, daß den Kriegsgeschädigten in Frankreich es nichts nüße, menn bindungen mit den Schulen folcher Bezirke. Als ihm die Sache zu fie aus Deutschland ungeschnittenes Stammholz erhielten, mit dem sie brenzlich wurde, scheute er nicht davor zurüd, unter anderem Namen ihre Häuser nicht wieder aufbauen tönnten. Dieses deutsche Holz aufzutreten, um für seine Vereinsgründungen Propaganda zu machen. habe muglos in Frankreich herumgelegen, da man feine Möglichkeit Für den Charakter dieses seltsamen Gründers ift es bezeichnend, daß besaß, es zu zerschneiden und es jei in gemaltigen Mengen einfach er öffentlich frei geftand, daß er zu der Arbeit derjenigen Jugend Derfault. Infolgedessen beschloß die französische Forstkommission, amter, deren Dezernat zufällig von Sozialisten verwaltet von deutschen Firmen fertig geschnittene's Bauholz zu wurde, tein Vertrauen habe. Das hinderte ihn allerdings nicht. perlangen. Diese Lieferungen von deutschen Firmen wurden nicht wenigstens den Bersuch zu unternehmen, auch hier Helfer für seine etwa bar bezahlt, sondern die französische Forstkommission wies dafür dunklen Geschäfte zu finden. Die Hauptgründung Sohans stellte deutschen Holzfirmen in vollkommen unrechtmäßiger und unzu fich in dem fogenannten Boltsbund für Leibesübungen läffiger Beise beutsche Waldgebiete zur Ausschlachtung an, da bie e. 23. dar. Von dieser Organisation gingen mancherlei Berhörden, namentlich der Forstbehörden, nicht im geringsten fümmer- Ball endeten. Das Milieu war hier bewußt dem Leben sogenannter Franzosen sich um die berechtigten Einsprüche der deutschen Be- anstaltungen aus, die fast immer in einem Gesellschaftsabend oder ten. Diese eben geschilderten Holzschläge wurden als Zusagholzschläge höherer" Kreise nachgeahmt. Der Inhalt literarischer und fünstle bezeichnet, die ebenfalls gegert jedes Recht und gegen alle Abrischer Veranstaltungen war auf das nationalistische Niveau machungen des Bersailler Bertrages von den Franzosen über die eingestellt und nahm bei Ansprachen ufm. oft rein anti republi. ihnen rechtmäßig zustehenden Holzschläge hinaus vorgenommen tanischen Charakter an Bei den Formen heutiger Erziehung, besondes in höheren Schulen, mag es hiernach verständlich erscheinen, daß ein berartiger nationalistischer Rummel manche Schülertreise cnzuloden vermochte. Es wurde jetzt die höchste Zeit, daß einem solchen Jugendpfleger" gründlich das Handwerk gelegt wurde. Jammerhin ist es bezeichnend für die Intelligenz antirepublikani. scher Kreise, daß fie auf jeden Schwindler hereinfallen, wenn er es nur versteht, jebes etwa auftauchende Mißtrauen durch nation" Rebensarten zu beseitigen. wurden. Himmelsbach und Schent mehrere Berträge ab. Die franzöfifche Forstkommission schloß mit den Firmen Da einige deutsche Holzfirmen doch von den Geheimnerträgen Wind betommen hatten, mußten die Herren Schent und Himmelsbach auch andere in das sehr lohnende Geschäft mit hineinnehmen. Im ganzen melbeten fich elf deutsche Firmen zur Uebernahme der Coupes Schläge, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die Schent- Gruppe umfaßte fünf Firmen, die Himmelsbach- Gruppe feds Firmen. Die Franzosen gaben die Ausbeutung der Waldbestände in der Pfalz der Schenk- Gruppe, während der Himmelsbach- Konzern Rheinhessen und Rheinpreußen ausnuten sollte. Die näheren Bedingungen wur den in einem Geheimvertrag festgelegt, der in Coblenz ge schlossen wurde. Eines Tages später schloß der Inhaber der Firma Himmelsbach mit der Interalliierten Rheinlandtommiffion in Coblenz jedoch noch zwei andere Verträge ab, von denen jedoch weder sein Sozius Schenf, noch die anderen deutschen Firmen Kennt nis erhielten und in welchen ihm von den Franzosen auch der Bald schlag in der Pfalz zugesichert wurde. Als diese Berträge mit den Franzosen durch deutsche Firmen getätigt wurden, nahm das Dames. Gutachten bereits greifbare Formen an und Herr Himmelsbach, der Die Rechtspreffe hüllt sich über die Borgänge bei der Wohnpolitische Beziehungen bis zum Reichskanzler stätten. m. b. 5. und über die Berleihung beträchtlicher besaß und sie auch ausnußte, war ganz genau darüber unterrichtet, Kredite an die Trianon- Filmgesellschaft in verständliches Schweigen. Franzosen hinfällig werden müßten. Infolgedessen habe die daß mit dem Infraftreten des Dames- Plans die Verträge mit den Das darf uns nicht abhalten, einige Fragen aufzuwerfen, deren Firma Himmelsbach bei der Ausnutzung der deutschen Balbungen Beantwortung boch vielleicht von Interesse ift. Geschäftsführer ber in der Pfalz eine Eile an den Tag gelegt, mie man sie niemals Bohnstätten- B. m. b. 5. ist bekanntlich der Schwiegerlohn vorher in der Forstwirtschaft gesehen habe. Heber 2000 Solz des Herrn Reichsinnenministers Schiele. Sürzlich murbe bei berarbeiter und ein ungeheurer Fuhrpart fei in die Pfalz geworfen Baufirma Held u Frante- eine polizeiliche Haussuchung und morden, mo ein Waldschlag begann, der einen großen Teil der besten Kontrolle der Registratur und Rorrespondenz vorgenommen. Ist Bestände nernichtete. Die Firma Himmelsbach habe in acht Wochen es richtig, daß der jezige Innenminister Schiele diefer Firma etma 80000 eftmeter 5plz in ben Forsten der Pfalz ge Steine aus feinen Siegeleten geliefert hat? schlagen, während die zehn anderen deutschen Firmen zufammen es richtig, baß die Lieferpreise erheblich über bem jeweiligen genommen nicht einmal die Hälfte bapon heruntergeschlagen hätten. Tagespreis gelegen haben? Ist es richtig, daß von bar Firma meil sie die mit den Franzosen gefchloffenen Berträge lediglich zu m Einige Firmen hätten überhaupt feinen Holzschlag vorgenommen, Helo u. Frante die Wohnstätten-. m. h. H. ihre Steine bezogen Gut des deutschen Balhes ausmußten. hat? Bestand zwischen dem Schwiegerjohn des Herrn Schiele als Geschäftsführer der Wohnftätten- 6. m. b. 5. und dem Lieferanian Shiele außer ber bermandtschaftlichen Beziehung auch eine geschäftliche Beziehung? Wir wären sehr dankbar, menn mir darüber eine Austunft erhalten fönnten. Die Verleumdungsflut steigt. Erfundene Liebesgabenpakete und Dankschreihen. Die Berliner Börsenzeitung"-trog ihres Namens ein deutschnational- antisemitisches Blatt bringt heute in großer Aufmachung Mitteilungen eines angeblich durchaus pertrauenswürdigen Ge währsmannes, der Besen und Zusammenhänge ber Amerima on Ort und Stelle tennengelernt haben soll. Darin wird auch be hauptet, daß der Reichspräsident in den Jahren 1921 und 1922 Liebesgabenpalete pon Barmat erhalten habe, für die fich Frau Ebert in schönster Form brieflich bedankt habe. Dazu wird im Auftrage bes Reichspräsidenten von zuständiger Stelle öffentlich erklärt, daß diese Behauptung vollkommen unwahr ist. Beder hat der Reichspräsident oder seine Frau Liebesgaben pakete von Barmat erhalten, noch hat der Reichspräsident nach jenem Empfang holländischer Gewertschafter, bei denen sich auch Herr Barmat befand, im Jahre 1919, irgend etwas mit Barmat zu run gehabt. Selbstverständlich hat auch Frau Ebert nicht DantIchreiben für nicht erhaltene Liebesgabenpafete gefchrte ben oder abgesandt. Es wird von der gleichen zuständigen Stelle auch erklärt, daß man unmöglich alle diese Behauptungen widerlegen tönne, zumal Die öffentlichen Verhandlungen des Untersuchungsausschusses, wobei die einzelnen vernommenen Personen unter ihrem vollen Namen für ihre Aussagen einstehen, alle notwendige Klärung schaffen. Pfälzer Wälder und die Fa. Himmelsbach. Politischer Beleidigungsprozeß gegen den Solzmarkt". Die B. S.- Korrespondenz schreibt: Ein Prozeß, der durch seine wirtschaftliche und politische Bedeutung meit über den Rahmen einer Beleidigungsflage hinausgeht, begann heute vormittag im Großen Schwurgerichtssaal in Moabit. Unter der Antiage, den Borsigenden des Aufsichtsrats der Gebrüder Himmelsbach -G., eine der größten europäischen Holzhandlungen, fortgejezt be-, Leidigt und verleugnet zu haben, hatte sich der Herausgeber der Beitschrift Der Holzmarft", Otto Fernbach( Berlin), zu ver antworten. In einer Serie pen mehr als 70 Artikeln hatte Fernbach Pfalz mit Einverständnis der Franzosen verwüstet zu haben, so daß der angerichtete Schaden nach Ansicht von Sachverständigen sich in hundert Jahren nicht wieder gutmachen lasse. In der heutigen Berhandlung, die unter dem Borsiz des Amts. gerichtsrats Zorging stattfand, war der Beklagte durch die Rechtsanwälte Vogt und Granz, der Kläger Himmelsbad durch die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Beschte vertreten. Die Bayerische Staatsregierung hatte bei dem großen Intereffe. bas biefer Prozeß gerade für Bayern befigt, Ministerialrai Dr. Ringemann entfandt. Zu Beginn der Berhandlung teilte ber Borsigenbe mit, daß das Reichsfinanzministerium dem Gericht Das Gegenüber. Eine größere literarische Arbeit führt mich des Defteren zur Staatsbibliothet; aus der Straßenbahn in der Charlotten straße aussteigend, habe ich wenige Schritte bis zu linter den Linden". Geraume Zeit deckte ein Bauzaun die rechte front her befanntlich dort schmaler werdenden Charlottenstraße; er ist gefallen und die paar Rüftstangen auf der Seite Unter den 2mnden, tie noch gestern zu sehen waren, werden heute auch schon fort sein Der sechsstödige Sandsteinpalaft der Band ist vollenhet. Bom Keller bis oben in schmindelnder Höhe: bie Galerie am fünften Stad ist doch wohl mur für Schwindelfreie wird ge fünften Stad ist doch wohl nur für Schwindelfreie meiner geschäftlichen und architettonischen Unschuld bachte ich immer: arbeitet, und zwar um eller auch am Tage bei Lampenlicht. In dieser Kellerraum ist ein Provisorium, aber es scheint nicht so, denn das Lampenlicht fäßt immer noch fleißige Angestellte bei der Arbeit schen. Wer von Jugend auf an frische Luft gewöhnt ist, muß solche Arbeit Tag ein Tag aus bei fünstlicher Beleuchtung als etwas Widerwärtiges empfinden. Doch dies wir nebenbei. Das Rapitel Arbeitsraume in Berlin bietet reiche Gelegenheit zu Betrachtungen: oft genug heißt es: außen hut, innen pfui Aber etwas anderes löst die Betrachtung dieses Bantpalaftes Man tann Staatsbibliothek und ( Sandstein aus Schlesien) aus. Banfhaus als Gegeruiber( etwas schräg zwar) ansehen, und menn fühlt die Bauförper find ungefahr gleich. Es wird man num die beiderfeuigen Massen betrachtet, so hat man das Ge→ um pedantische Seelen von vornherein zu beruhigen nicht stimmen: die Bibliothel wird größer fein; aber wie gesagt, das Gefühl der Gleichhett ist da. Und dann denkt man weiter: girta 2 Millionen Bücher, die Geiftes schätze einer vielhundertjährigen Entmidlung nicht nur des eigenen Landes, sondern aller Stuüurländer, aufgespeichert und dort: vielleicht 2 Millionen„ Konten"? Was muß das für ein fegensreicher Betrieb sein, der fagen wir mal, von der Wiederaufrichtung bes Reiches an( denn vorher waren wir ein armes Bolt) so viel Geld und Geldesmert in fich verförpert, um einen solchen Platz und einen solchen fedsstädigen Hochhau erforderlich zu machen, wobei noch die dunkeln Kellerräume zur Bewältigung der Arbeit in An spruch genommen werden müssen. Wie schnell muß sich das Geld permehrt haben und noch vermehren, und mie langsam geht es mit den geistigen Schagen! So werden die zwei Bauten zu Symbolen unserer heutigen Kultur, unserer Wirtschaftsordnung, unferes Lebens überhaupt Better fällt Einem ein, daß diese Bant ja nicht allein dasteht, daß Dugende Paläste sich in der Nachbarschaft erheben, daß fie durch ihre Filialen ihre Fangarme bis in die reichen und armen Draußenstraßen streden, damit nur ja tein Mensch ohne Banttonto herumläuft. Ach. es laufen doch noch so viele ohne folch nützliches Ding umher, und vielleicht ist die Zahl derer eben so groß. die noch nie nut emem Buch sich so beschäftigt haben, daß sie geistigen Gewinn daraus gezogen haben. Fast auf den Tag finb es 1000 Jahre, daß deutsche Kultur sich in dem Lande zwischen Eibe und Ober festlegte: und das Ergebnis? Das Banffoniobuch hat das geiftige Buch in die Ede gedrückt, und zahlloje glückliche und unglüdliche B. Ein rätselhafter Todesfali. Die Kriminalpolizei bemüht fich, einen rätselhaften Lobesia. aufzuklären. Der Braumeister Reiche vom Grünen Weg 8 hatte am 27. Januar mit seinem Arbeitgeben der in Charlottenburg fottenburg um 6 Uhr abends eine Besprechung. Beide waren ganz eine Brauerei einrichtet, in einem Lotal in Ser Ballstr. 6 zu Char nüchtern, tranfen jeder nur ein Glas Bier und hielten fich nur von 6 bis 64 Uhr auf. Der Arbeitgeber ging dann in der Richtung nach der Berliner Straße zu nach Hause, Reiche schlug die Richtung nach der Bismarckstraße ein. Erst abends gegen 10% Uhr fam er mit einer Beule am Kopf nach Hause und legte sich gleich zu Beit, Am ohne mitzuteilen, wie er zu der Verlegung gelommen war. nächsten Tage führte er mirre Reden. Man brachte ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain. Hier befam er während der Untersuchung durch den Arzt einen Tobluchtsanfall Der farb der Mann schon am nächsten Tage. Auf Anzeige der An Arzt ließ ihn deshalb nach der Jrrenanstalt Herzberge bringen. Dort gehörigen, die einen lleberfall vermuten, murde die Leiche beschlag. nahmt. Gin Gerichtsargt stellte jegt feft, daß ihm an der Stelle, ma fich die unblutige Beule befand, bar Schadel gertrümmert worden war. Die Ermittlungen der Sriminalpolizei ergobar, baß Reiche auch in der Gegend des Schlesischen Lores gemefen fein gus Mitteilungen zur Aufflärung nimmt rimmaltommiffar Rehe heim Bolizeiamit Mitte entoenen. yachwiffenschaftier Man fchreibt uns: Genoffe Bandgerichtsrat Ruben hat fürzlich fich im Vormärts" mit hem abgebauten Stadtrat Br. aus Neuton, ber auch eine furze Gaſtrolle in der Sozialhemptratischen Bariei ge geben hatte, fritisch befaffen müssen. In der von diesem Herrn berausgegebenen Zeitschrift Einigungsamt", Nr. 12, befindet fich eine Notiz, in der er neben dem Bezirksamt im allgemeinen die Genoffen Dr. Gilberstein und Dr. Lömenstein beschimpft. Diefe Schimpfepiftei fpricht für fich selbst. Man brauchte fich beshalb mit dem neuesten Schimpfproduft des Herrn im„ Einigungsamt nicht zu beschäftigen, menn nicht dieses Blatt, hergestellt in der Stapt. bruderei in Neukölln, als ein angeblich fachmiffenfchaftliches, Don Berlin und auswärtigen Wohnungsbehörden gehalten und unterstüt mürbe. In Wirklichkeit enthält diefes Organ, außer einer mahllosen Zusammenstellung, Verfügungen auf dem Gebiete des Bohnungswesens und Urteile aus der Sprüch pragis der Ginigungsämter nicht das Geringste, was den Anspruch auf Fachwissenschaft erheben tönnte. Wenn Herr Br. nunmehr in fönliche Beschimpfung Abwechslung zu bringen versucht, fo follten Die Eintönigkeit seines Organs durch müste parteipolitische und pers fönliche Beschimpfung Abwechslung zu bringen versucht, fo follten fich die abonnierten Behörden ernstlich überlegen, ob auf den Fortbezug diefes Blattes noch Wert zu legen ist Der beste nachträgliche Beweis für die Richtigkeit des Abbaubefchluffes der Neuköllner Bezirksversammlung und für die Wertiofigfeit bes steller Br. unter die Bamphletisten gegangen ist. Ginigungsamt als Fachorgan ift die Tatsache, daß Herr Schrift. fchaftler", jo feben fie aus! ..Faduniffen. 100 Farbfreifel und optische Farbenmischer des Staatlichen Bauhanjes Weimar itiftet die gemeinnüßige Gesellschaft m. h.. Bertfreude ber Grof Berliner Schulen für die physikalischen Sammlungen. Die Areifel tönnen werttäglich zmischen 2 unb 7 Uhr in der Bertauisitelle Bots damer Str. 104( Eingang Kurfürstenstr.) abgeholt werden. Borzulegen ift ein Ausweis der Schule, für die ber Streifel angeforbert wird. Der Beginn der Verteilung des zweiten Hundert wird rechtzeitig bekanntgegebest. Bälfergemeinschaft im 3nfereffe Deutschlands. Am Freitag, des 6. Februar, wird in einer Bersammlung der Atabemiigen Ber einigung der Bällerbundfreunde Berlin Frau S. b. Dheimb einen Vortrag über das Thema Böllergemeinichaft im Intereffe Hochschule für Bolitit, Schinkelplek 6. im arieel III ftatt; Säfte find millDeutschlands halten. Der Vortrag findet abends 8 Uhr in der fommen. Ein herrenioses Vermögen. Alle Welt klagt, daß sie fein Geld hat, und da gibt es let sinnige Beute, die ihre Baterstadt verlassen, nie etwas von sich hören laffen und darum auch nicht missen, daß für sie in der Heimat Gelb bereit liegt, das nur darauf wartet, abgehoben zu merden. Man teat uns mit, daß in Schlüsselburg einst eine Familie Haller ge pehnt hat, die zwei Söhne Ostar und Felig besaß. Die beiden Söhne wanderten nach dem Tod der Eltern in die meite Weit und hatten Paterhaus und Heimatstadt vergeffen. Da starb eine Tante pon ihnen und hinterließ ihnen ein fleines Bermögen. Dieses Geld ist bei der Spartasse in Schlüsselburg hinterlegt, fann aber nicht ausgezahlt werden, weil man nicht weiß, wo sich die Erben befinden Es ist, mie man uns schreibt, ein fleines Vermögen, das natürlich im Lauf der Zeit durch Zins und 3inseszins geschwollen und gewachsen ist. Wir wünschen unseren Lesern, daß sich unter ihnen die netSchollenen Söhne Dstar und Felix befinden oder daß fie, wenn hie Erben tot sein sollten, nahe Verwandte von ihnen find. Wer näheres erfahren mill, muß sich an den Pfleger des Nachlafſes der Tante, Herrn Louis Kinofe in Schlüffelburg menden. Biel Glück! 21 619 Straßennnfälle in einem Jahr. Nach einer Statistik der Bolizeibehörde ereigneten sich in London im Jahre 1924 21 619 Straßenunfälle, von denen 238 tödlich verliefen. Im Borjahre 1923: 18 593 Unfälle, von denen 189 tödlich verliefen. Eine alte Lehrerin. Die folgenden feinfühligen Reilen aus der Weber einer Fran Behandeln das Leidensproblem jener alten Zehrerin, beren Be ziehungen au einem Amölfjährigen vor turzem die Deffentlichteit beschäftigten. Sie mögen dazu dienen, eine Tragit verständlich m machen, der die große Maffe beute nod fremò und Balt gegen übersteht. Die Ereignisse jagen fiches muß schon Abnormes passieren, menn der haftige Zeitungsleser bei dem Bericht verweilen soll. Dieser Fall ist eingetreten: eine Lehrerin und Erzieherin verführte einen 3mölfjährigen Knaben! Als vor Jahren Karin Michaelis uns die Frau im gefährlichen Alter schilderte, horchten wir auf: die späte Liebe, der zweite Triebes flang neu für unsere Ohren eine Frau von 40 Jahren mar bis dato abgetan war es in ihr aber noch nicht still geworden, fo gab sie sich der Lächerlichkeit preis. Die Bierzigjährige feßte einen Rapottehut mit Bindebändern auf und hatte ihre Gefühle einzu schachteln! Diese Beiten sind ja nun vorüber aber eins ist geblieben, menn auch alles sich wandelte: Bestimmungen in großer Härte für Lehrerinnen Bestimmungen, die jedes Liebesleben verbieten das Zölibat sie darf nicht heiraten, sonst verliert sie ihre Pofition und damit die Pensionsberechtigung. So schwindet ihre Jugend fie wird älter mas macht fie nun mit ihrem unverbrauchten inneren Jungsein? Ist fie eine Lehrerin, wie es fich gehört, so wird fie alt und fnöchern nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Diese Lehrerin aber, die man vor ihren irdischen Richter jetzt brachte, scheiterte ihr unverbrauchtes Liebesgefühl raubte ihr die ruhige Ueberlegung, verwirrte ihre Sinne fie rig einen Knaben an sich sie, die bis zum 51. Lebensjahre sich dem Manne verschloß( ärztliche Untersuchungen haben ergeben, daß sie bis zum 51. Jahre eine virgo intacta mar), fie lebte ihre erste große Liebe aus! Wie schwer mag diese Frau gelitten haben unter der Schuld, die sie auf ihre Seele lud durch diese irrige Handlung? Es ist Zeit, aufzuräumen mit dem alten Zopf! Wenn eine Lehrerin ihre Pflicht tut, jo laßt auch ihr die Bestimmung für ihr Privatleben. Eine gute Erzieherin wird ihr Leben mit dem nötigen Taft leben, wie jede andere feinfühlige Frau es tut. Dann werden folche frankhaften Erscheinungen der seruellen Hysterie nicht auf kommen wie bei diefer 53jährigen, betlagensmerten Frau. Leider bedarf es immer erst einer Ratastrophe, um auf Krebsschäden auf. Frau Dr. Thea Sutoris. merfiam zit werden. Neue Verkehrstürme in Berlin. Gewerkschaftsbewegung Sowjetrußland und Einheitsfront. E. F. R. Wenn man die Bolemit verfolgt, die in den sozialbemo fratischen, gewerkschaftlichen und fommunistischen Blättern im 3u sammenhang mit den Berichten und Aeußerungen der Mitglieder der aus Rußland zurüdgefehrten britischen Gewerkschafts. delegation geführt wird, so gewinnt man den Eindrud, daß zwei Faktoren nicht genügend auseinandergeholten merden: 1. das Los und die Bedeutung des sowjetrussischen Staatsgebildes und 2. die russische Außenpolitif und insbesondere das Verhältnis der russischen Kommunisten zur westlichen Sozialdemokratie. Dies sind zwei voll ständig verschiedene Fragen, die von verschiedenen Faktoren bedingt sind und vollständig anders bewertet werden müssen. behaupten, bie Massen entscheiben. Bollen bis Stuffen atmes auberes, fo mirb fich dies ja zeigen. Die Lohnbewegung der Eisenbahner. kommenden Dienstag, am 10. Februar, werden die Organis fationen der Reichseisenbahner ihre Wünsche und Forderungen für die meitere Gestaltung der Lohn- und Arbeitszeitverhältnisse der Berwaltung der Reichseisenbahn vortragen. Daran werden sich die Berhandlungen anschließen. Berliner Gewerkschaftsschule. Das neue Semefter der Gewerkschaftsschule beginnt in der Woche vom 9. bis 13. Februar. Es bringt wie bisher Arbeitsgemeinschaften auf den Gebieten der Volkswirtschaft, Be der Sozial- und Kulturpolitik. Anmeldungen werden von den Orts triebswirtschaft, des Arbeitsrechts, des Gemertschaftswesens sowie rerwaltungen der Verbände und im Bureau der Gewerkschafts Schule, Engelufer 24/25 I, angenommen. Die Gewerkschaftsschule gibt jetzt eine Bierteljahreszeit. schrift für ihre Hörer, Mitarbeiter und Freunde heraus. Die erite Nummer ist erschienen und enthält außer einem grundsätzlichen Auffaß über den Zwed gewerkschaftlicher Bildungsarbeit von Richard Seidel, Darstellungen über die Entwicklung der Berliner Ge wertschaftsschule, über die Bildungsarbeit des Deutschen Me Tin, über die Akademie der Arbeit in Frankfurt a. M. tallarbeiterverbandes, über die Heimvolkshochschule und über die staatliche Wirtschaftsschule in Düsseldorf. Cin meiterer michtiger Auffah ist der von J. W. Brown, Sefreldr des Internationalen Gewerkschaftsbundes, über die Arbeiterbildungs Internationale. Unter der Rubrif Aus der Arbeit der Berliner Gewerkschaftsschule" erscheint ein Bericht über den letzten Lehr gang sowie eine Arbeit über die Frauen- Bildungs- Gemeinschaft der Gewerkschaftsschule von Gertrud Ellert. Außerdem enthält das Heft das Berzeichnis der am 9. Februar beginnenden Lehrgänge der Berliner Gemertschaftsschule und eine umfangreiche Literatur übersicht. Die Berliner Gummiarbeiter. Man muß diese beiden Faktoren deshalb scharf trennen, weil die tommunistische Bresse bei der Kritif der Berichte der engfifchen Genoffen, die im Hinblid auf eine richtige Bewertung des Don allen Seiten sich häufenden Materials notwendig und durchaus fachs lich und selbstverständlich ist, die Sache so darstellt, als ob die weft fiche Sozialdemokratie gegen Sowjetrusland an sich sei. Wenn die Kommunisten zurzeit, wo Rußland feine Gefahr von außen droht, glauben, eine Ari Patent auf die papierene Berteidigung Sowjetrußlands zu haben, so muß demgegen über festgehalten werden, daß sich zum Beispiel der JGB. und damit die ihm angeschlossenen Arbeiter schon viel früher und in einem viel entscheidenderen Stabium energisch für Somjetrußland eingefeßt haben. Die Ruffen haben es au einem sehr großen Teil den seinerzeit noch unter dem Vorsitz des Bourgeois- Lataien" I H. Thomas im JGB. vereinigten englischen Genossen und dem Vorgehen des JGB. betr. die Ber weigerung der Munitionstransporte nach Bolen zu berbanten, daß in einem sehr fritischen Augenblid eine größere Aktion der fapitalistischen Staaten gegen Rußland unterblieb. Schon im Jahre 1919 nahm der IGB. eine Resolution an, in der der GrünEine überfüllte Bersammlung der Gummiarbeiter am 3. Fedungstongreß ersucht wurde, die von den alliierten Regierungen gegen bruar nahm den Jahresbericht des Branchenleiters Genossen Krü Rußland und Ungarn organisierte Blodade zu verurteilen. ger entgegen. Eine wesentliche Rolle spielte in Bericht der fünfhat alles getan, un diefen Beschluß in die Tat umzusetzen. Als der wöchige Streit um den Achtstundentag im letzten Früh JGB. die Aktion zugunsten des hungernden Ruß- jahr. Das von einigen Unternehmern gesteckte Ziel, die Zertrüm Wenn die I and einleitete, schrieb er in seinem Aufruf wörtlich: Der Sturz merung der Organisation, ist nicht erreicht worden der Sowjetregierung wäre nur das Signal zum Entscheidungskampf bann nicht zuletzt deswegen, weil sie in ihrer großen Mehrheit die Gummiarbeiter heute noch eine feste, geschlossene Organisation haben, der Gegenrevolution." Tätigkeit der Moskauer Bellenbauer ablehnen. Jm neuen Jahre muß wieder den sanitären und hygienischen Zuständen in den Betrieben ein erhöhtes Augenmerk zugewandt werden. Auf die Lohnpolitik übergehend, erklärte der Berichterstatter, daß es ge lingen muß, in den bevorstehenden Sonderverhand fungen die Abtrennung der Löhne von denen der chemischen In duſtrie zu erreichen. In der sehr regen und fachlich geführten Dis fussion wurde die Tätigkeit der Branchenleitung im allgemeinen an erkannt. Ein Bertrauensvotum für die bisherige Tätigkeit, von den Anhängern der Amsterdamer Richtung eingebracht, fand fast einstimmige Annahme. Die Abstimmung ergab die ein ft im mige Wahl der von den Funktionären vorgeschlagenen Branchenleitung, die mit einer Ausnahme aus Kollegen der Amsterdamer Richtung besteht. Er fritisiert werden, so geht es nicht gegen Rußland, sondern um Wenn also die Berichte über Sowjetrußland besprochen und eine fachliche Beurteilung. Wenn Urteile start auseinanderlaufen, so liegt die Wahrheit gewöhnlich in der Mitte, und wenn sie in der Mitte liegt, so übertreiben eben die Kommunisten mindestens so start wie die tendenziösen kapitalistischen Nachrichtenagenturen. Daß ein Bericht wie derjenige von Herbert Smith über die Lage der Wie die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung erfährt, ift das Verkehrsaint der Stadt Berlin der Ansicht, daß die Regelung des Berkehrs durch Verkehrstürme jur Berlindas 3wed mäßigste sei. Der Vorteil wird erst dann zur Geltung kommen, wenn mehrere Türme aufgestellt sind, die zu fammenarbeiten, tönnen. Es schwebt vor, den Berkehr einbeit lich zu regeln, jo daß 3. B. die, Strecke vom Potsdamer Platz bis zur Leipziger, Ede Friedrichstraße durchfahren werden fan.. Durch das 3usammenarbeiten der Türme soll vermicden werden, daß an den einzelnen Kreuzungen( Wilhelmstraße. Maner- russischen Bergarbeiter dieser Mitte ungefähr entspricht, tommt z. B. ſtraße usw.) der Verkehr nach dem Gutdünfen der einzeinen Be amten geregelt wird. Ueber den Ort und die Zeit der Aufstellung dieser Türme, die von den verschiedenen Verkehrsunternehmungen der Hochbahngesellschaft, der Nordsüdbahngesellschaft, der voag, dem Verband der Automobilindustrie und dem Berein der Auto: mobilhändler.. geftiftet werden, ist noch feine Enis- hadung getroffen. Auch über die technische Einrichtung ist man sich ne nt flar, da die Erfahrungen, die man mit dem Turm auf dem Beis damer Plaz macht, vermertet merden sollen. sicher schon in seiner Bemerkung zum Ausdrud, daß im Bergleich zur zaristischen Zeit ohne Zweifel große Fortschritte zu verzeichnen feien. Dieses Urteil mag richtig sein, obwohl es noch nicht viel bedeutet. Bir bleiben im Rahmen unserer Politif, wenn wir sogar fagen: es würde uns freuen, wenn es in Rußland so gut stände, daß die Russen nicht gezwungen wären, die Hilfe der ausländischen Kapitalisten in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen Apparat wieder einigermaßen in Bewegung zu sehen. Soviel über den ersten Punkt. Was die russische Außen. Gegen die Straßenkämpfer. Auch die Belegschaft der AEG, A f. 2, Kopf- und Handarbeiter, hat fich in einer Resolution vom 2. februar gegen das die Inters effen des Proletariats schädigende robe Berhalten eines Teils der gemaradt. politik und das Verhältnis der ruffifchen Kommunisten zur weft Arbeiterschaft anfäßlich der Sundgebung gegen den Rechtsfurs lichen Sozialdemokratie betrifft, fo muß vor allem auf folgenden unterschied hingewiesen werden: während die Berhältnisse in Rußland felbst- wie wir gerade im Zusammenhang mit der Hinzu Notwendigkeiten und vor allem von der Wirklichkeit bestimmt merden, ist die tommunistische Außenpolitik nur ein Galat von Borniertheit, Kurzfichtigkeit und starren, unfruchtbaren Formeln. Leuten, die es versuchen, in einer Mehrheit non tapitalistischen Staaten unter Bekämpfung der einzigen Parteien, die, wenn auch mit anderen Methoden, in ihrer Richtung fämpfen, blindwütend an einer Politit festzuhalten, bie sie nicht einmal in ihrem eigenen tommunistisch- diktatorischen Staat ohne Konzessionen durchführen können, find, gelinde gesagt, kindisch leichtsinnig. Sie heißen Ginomjer und Losowsky und gehören dorthin, wohin sie die anderen wünschen. Im Kampf für neue Wohnungen und gegen Wietstafernen Heraus aus der Wohnungsnot! Finanzierungsversuche und -möglichfeiten", lautete das Thema, über das Genosse Bittor No ad gestern abend in der Aula der Oberrealschule in Bantow auf Einladung des Bundes Deutscher Bodenreformer sprach. Erziehung des westlichen Kapitals fahen mehr oder weniger von zeichnete im ersten Teil seines Vortrages drei Bilder von Boh. mungselend auf dem Lande, in der Kleinstadt und in Berlin und erschütterte damit die zahlreiche Hörerschaft. Er überzeugte von der meit in die Gebiete der allgemeinen Sozialpolitif, insbesondere der Bolkswirtschaft, ausstrahlenden Bedeu tung des Landarbeiterwohnungselendes. Im zweilen Teile gab er eine eingehende Darstellung der verschiedenen Bersuche des Reiches, der Länder und der Gemeinden, den Woh mungsbau zu finanzieren sowie neuer Borschläge hierfür, wobei er charfe Worte der Kritik über die schwebenden Finanzstandale fand. Seine Ausführungen gipfelten im dritten, grundsäglichen Teile, morin er als Bodenreformer zu den Anträgen auf Schaffung eines Bodenreformgefeges, die gegenwärtig dem Reichs- Nicht die Lage in Rußland, sondern die Beziehungen zu tuge vorliegen, insbesondere zu dem betreffenden Antrag der den russischen Gemertschaften stehen zur Disfuffton. Sozialdemokratischen Partei Stellung nahm und von Wollten wir über diese Frage reden, fo müßten wir Dinge wieder den Gemeinden die Abgrenzung von heimstätten holen, die wir schon oft gesagt haben und die sich letzten Endes auf gartengebieten verlangte. Eine Entschließung wurde einstimmig angenommen, in der gefordert wird, daß mit aller folgende Formel bringen lassen: Der Borstand des A11. Beschleunigung gemäß dem preußischen Ausführungsgesetz russischen Gewerkschaftsbundes, um dessen Anschluß an Dom 18. Januar 1924 zum Reichsheimstättengefeß nun wirflich den JGB. es geht, fetzt sich aus Dittatur Rommunisten von den Gemeinden heimstättengartengebiete abzufammen. Der Borstand des JGB. und die ihm angeschloffenen gegrenzt werden und daß die den Stadtgemeinden aus der Haus. Organisationen sehen sich aus Sozialdemokraten zusaminen. zinssteuer zur Förderung der Neubautätigkeit zustehenden Mittel Benn die Ruffen als Kommunisten jeder hat das Recht, Komrorzugsweise für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern und munist zu fein mit uns als Sozialdemokraten und jeder hat nicht für Mietstasernenbau herausgegeben werden. wohl auch das Recht, Sozialdemokrat zu fein? ehrlich zu fammenarbeiten wollen, so tann sie nichts daran hindern, sich der beiterbildungsschule. Der Kinius der Genoffin obm.6 repräsentatioften Organisation, d. h. dem JGB. anzuschließen. in weißenice muß umständehalber heute ausfallen Fortiehung Im übrigen werden ja, wie die Russen immer und immer wieder nähiten Donnerstag. HOLZHAUSER von 500 Mk. on, Schuppen, Hallen. Ge ragen etc. liefert preis wert kurzfrist g Belzhausbau Litimann # 54, Lothringersirasse 91/33 Harden 6020/21 Dem Schaffenden das Wissen! GEGR.1954 PAUL SCHENCK REICHENBERGER STR. 30 MEZEK BANN KOTTOUSEN TOR „ Die größte Berachtung fprechen wir dem fich Kommunisten. Ichimpfenden Teil der Arbeiterschaft aus, denn mit Fußtritten, Schlagringen und Messern ist der Aufstieg zur Rultur mcht zu erreichen. Die anständige Arbeiterschaft wird aufgefordert. zwischen sich und diesen Schädlingen der Arbeiterbewegung endgültig den Trennungsftrich zu ziehen." Achtung, Ofenfeher! In der syndikalistischen Zeitung Der Töpfer" ist wiederholt die Firma Oslar Beber Spandau gesperrt worden, weil der Unternehmer und feine Beauftragten fich erlauben, nach der Organisationszugehörigkeit zu fragen. Wir Dienseggewerbe verpflichtet sind, in der Regel nur folde Cien weisen darauf hin, daß lout Tarifvertrag die Arbeitgeber im ieger zu befchäftigen, die dem Dentiden Baugewerks bund angeboren. Die Töpfermeister sind also ber pflichtet, fich zu vergewissern, ob die bei ihnen beschäftigten Dienfeßer dem Deutschen Baugewertebund angehören. Die Evere ift desbalb unanlafiig. Die Mitglieder des Deutschen Baue gewerkebundes haben nach wie vor das Recht, bei der Firma Weber in Spandau zu arbeiten. Die Fachgruppenleitung. Zentralverband der Maschiniffen und Heizer fowie Berufsgenoffen Deutschlands. Generalnerfammlung, Freitag abend 6 Uhr, im Saal 1 bes Gemertschafts hauses, Engelufer 24 25. Jahresbericht, Stassenbericht, Reuwahlen. Da die Branchen- und Bezirksführer laut Ortsstatut,$ 3, in ber Generalversammlung heftätigt werden, müssen diefelben unbedingt erscheinen. Außerdem ist es Bilicht jedes dienstfreien Kollegen, die Bersammlung au besuchen. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Bolitik: Craft Renter: Wirtschaft: Arthur Gaternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ehforn; feuilleton: 2. S. Doscher; Lokales und Sonstiges: Friz Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag Gm b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin 6 68. Lindenstrake 2. 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