Abendansgabe Nr. 67 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 33 Bezugsbebingungen unb Anzeigenprette find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Döngoff 292-295 Tel- Udresse: Sozialdemokrat Berlin 14 Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig. Montag 9. Februar 1925 Berleg und Anzeigenabteilung: Gefchäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2508-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Schuld am Ruhestandal. Die Ausschaltung der sozialdemokratischen Minister. Unmittelbar vor Redaktionsschluß geht uns folgende Er tlärung zu: Die früheren Reichsminister Robert Schmidt und So11. mann haben in einer Ertlärung zum Ausdrud gebracht, daß Reichsstellen versucht hätten, die am 3. November 1923 ausgefchieDenen sozialdemokratischen Reichsminifter für die unter Verlegung des Budgetrechts im Jahre 1924 an die Ruhrindustriellen gezahlten Entschädigungen mitverantwortlich zu machen", und haben im Anschluß daran drei Fragen an die Reichsregierung gerichtet. Dazu mird von unterrichteter Stelle folgendes festgestellt: Der Reichstanzler stellte feft, daß das Reichsministerium dem Antrage der Sechserkommission zustimme und die Formu lierung des Antwortschreibens dem vom Reichsfinanzminister vorgeschlagenen Ausschuß übertrage. " Soweit die tatsächlichen Vorgänge. b) Zu den Fragen der früheren Reichsminister Robert Schmidt und Sollmann ist danach folgendes festzustellen: 1. Es ist richtig, daß an den den entscheidenden Kabineffsfihungen vorangegangenen orientierenden Vorbesprechungen die sozialdemotrafischen Minister als Chefs des Reichsminifteriums des Innern, Verschleppung und Irreführung. 700 Millionen an die Schwerindustrie- das neunt Luther Ersparnisse. Die Dentfchift der Regierung über den Ruhr standal ist abermals verschoben. Sie wird nicht im Anfang der Woche, sondern erst gegen Ende der Woche fertiggestellt werden. Grund: Herr Luther ist nach dem deutfchen Süden gereift. Die Herren der Bureaufraten- Bürgerblodregierung haben es nicht eilig, dem Reichstag Rechen fchaft abzulegen. Die Schwerindustrie hat ja ihre 700 Millionen, wozu also die Eile. Inzwischen ist eine Dentschrift der Abnehmer der 700 Millionen erschienen, herausgegeben von dem Berein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Inter effen in Rheinland und Westfalen. Der 3wed ist, die Deffentlichkeit über den Ruhrsfandal hi megzutauschen. Die Regierung hat wohl auf diese Denkschrift gewartet, um zu sehen, wie die Nuznießer sich herausreden? Die Annahme ist nicht a) Bon Reichs stellen ist niemals verfucht worden, die am 3. November 1923 ausgeschiedenen sozialdemokratischen Reichsminister für die im Jahre 1924 erfolgte Auszahlung der Entschädigungen an die Ruhrindustriellen mitverantwortlich zu machen. Richtig ist nur, daß riums der Justiz nicht teilgenommen haben. Dies Verfahren ent. unberechtigt. Die Denkschrift der Industriellen führt folgenden November 1923 Richtigstellungen auf Grund der amtlichen Protokolle und Utten vorgenommen worden sind. Diese Richtigstellungen beziehen sich nicht auf die Auszahlung der Entschädigung, sondern auf die Eingehung der Verpflichtungen der Reichregierung gegenüber dem Ruhrbergbau aus Anlaß der Micumverträge, die im Oftober 1923 erfolgt ist. Die Verhandlungen zwischen Reichsregierung und Ruhrbergbau ( Sechsertommission) waren durch das Schreiben des Herrn Hugo Stinnes vom 7. Oftober 1923 eingeleitet worden. Ueber diefes Schreiben hat am 8. Ottober 1923 im Reichstag eine Dorbereitende Ressortbesprechung stattgefunden, an der der Reichsfinanzminister, der Reichswirtschaftsminister, der Reichsarbeitsminister, der Reichsminister für die besetzten Gebiete und Bertreter des Auswärtigen Amtes teilgenommen haben. Es wurde lout Protokoll beschlossen, daß man sich über die Angelegenheit im Rahmen des gesamten Rabinetts unter Leitung des Reichskanzlers aussprechen müsse, sobald die erforderliche außenpolitische Klarheit gegeben sei. spricht durchaus dem ordentlichen Geschäftsgang innerhalb des Reichsministeriums, nach dem an lediglich vorbereitenden Beſprechungen nur die unmittelbar beteiligten Reffortchefs teilzunehmen pflegen. Eine Bedeutung für die Entschließungen der damaligen Reichsregierung kommt diesen Borbesprechungen nicht zu, da Ent scheidungen dabei nicht gefallen find. Es haben vielmehr im AnIchluß an jede Borbesprechung Stabinettssigungen stattgefunden und nur in diesen find Entscheidungen getroffen worden. An diesen Kabinettsfizungen haben ausnahmslos sämtliche sozialdemokratischen Mitglieder des Kabinetts teilgenommen. 2. Es ist richtig, daß an der Kabinettsfizung vom 1. November 1923 die fozialdemokratischen Minister sich der Stimme enthalten haben. Eine Ablehnung der Verantwortung für die Haltung der Reichsregierung. fonnte in dieser Stellungnahme der sozialdemokratischen Minister nach den Gepflogenheiten des Reichsministeriums nicht erblidt werden, zumal irgendein Einspruch prinzipieller oder sachlicher Art nicht erhoben worden ist, und zumal die grundsägliche Entscheidung über die seitens der Reichsregierung gegenüber dem Ruhrbergbau Eine weitere Borbesprechung unter zuziehung aus Anlaß der Micum- Berträge einzugehenden Berpflichtungen be Der Bertreter des Ruhrbergbaues fand am 9. Dreits am 20. Ottober 1923, und zwar unter Zustimmung des tober 1923, nachmittags 5 Uhr, im Reichstag statt, die lediglich gesamten Kabinetts( einschließlich der sozialdemokratischen Reichsder Klärung der in dem Brief vom 7. Oftober aufgeworfenen Fragen minister) gefallen war. Am 1. November 1923 hat das Kabinett nur diente und in der laut Protokoll gleich zu Beginn von der Reichs noch über die Festlegung der Einzelheiten Beschluß ge regierung festgestellt worden war, daß irgendeine bindende Entscheidung der Reichsregierung bei dieser Besprechung nicht stattfinden faßt. Diese sind in den Schreiben vom 1., 3. und 13. November 1923 niedergelegt. tönne. Ueber die auf den Brief des Herrn Stinnes vom 7. Ottober zu erteilende Antwort hat am 11. Ottober 1923 eine Rabi. nettssigung stattgefunden, an der auch die sozialdemokratischen Minister Schmidt, Sollmann und Rabbruch teilgenommen haben und in der dann die unter dem 12. Oktober erteilte und am 14. Ottober im Wortlaut veröffentlichte Antwort 14. Ottober im Wortlaut veröffentlichte Antwort in jedem einzelnen Bunfte festgelegt wurde. Beweis: Die Besagungsmächte haben nach der Berechnung, die auf der Konferenz der interallierten Finanzminister vorgelegt wurde, aus dem befekten Gebiet 982 Millionen Goldmart herausgepreßt. Die 700 Millionen Entschädigung find nur 60 Pro 3. davon, also bringt die Industrie ,,, ungeheure Opfer". Sofort, nachdem die Industriellen diese verlogene Beweisführung der Deffentlichkeit vorfetzen, meldet fich auch die Regierung Luther wieder. Sie verbreitet eine offiziöse Erklärung, in der es heißt: D Was die 700 millionen anlangt. so stellen sie nicht eine Entschädigung für irgendwelche, im Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung erlittenen Schäden dar, sondern sie sind die Bezahlung für die nicht nur von der Schwerindustrie, sondern auch von der übrigen Wirtschaft der besetzten Gebiete geleisteten tatsäch lichen Reparations Sachlieferungen fagungsmächte. Diese Leistungen der besetzten Gebiete sind auf der fürzlichen Konferenz der alliierten Finanzminister in Paris mit rund 1 milliarde Goldmart berechnet und dem Reich auf Reparationskonto gutgeschrieben worden.. t an die BeEs ist ganz selbstverständlich, daß das Reich sich diese zunächst Don der pripaten Wirtschaft aufgebrachten Leistungen nicht auf Reparationskonto gutschreiben lassen tann, ohne andererseits der privaten Wirtschaft diese Leistungen zu be zahlen. Wie aus dem Vergleich der vom Reich gezahlter rund 700, Millionen Marf mit der dem Reich gutgeschriebenen Summe von rund 1 Milliarde Mart hervorgeht, ist bei der endgültigen Ab. rechnung mit der Wirtschaft der besetzten Gebiete über diese Leistungen im Wege des Vergleichs für das Reich eine erhebliche Ersparnis erzielt worden." 3. Es ist richtig, daß sich feine Kabinetfsfigung der großen Koalifion mit der Frage der Zustimmung des Parlaments zu den EntSchädigungszahlungen an die Ruhrinduftrie befaßt hat. Richtig ist jedoch auch, daß die Form der Auszahlung für die Frage der Eingehung der Verpflichtung völlig unerheblich ist. Für die Diese amtliche Erklärung ist eine unerhörte Irre päter erfolgte Auszahlung der Entschädigung kommt eine Berant- führung der Deffentlichkeit. wortung des damaligen Kabinetts der großen Koalition felbftver- Beitung" macht darauf aufmerksam, wie die 982 Millionen Die Frankfurter ffändlich nicht in Frage. Dadurch wird aber nichts an der Tatsache Goldmart, von denen die Regierungserklärung sagt, sie seien Am 19. Oktober 1923 fand eine erneute Begeändert, daß auch die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichs zunächst von der privaten Wirtschaft aufgebracht", sich zufprechung mit den Bertretern der Sechsertom mis sammensetzen. fion statt. Bon den Reichsministern haben daran teilgenommen der Reichstanzler, der Reichsarbeitsminister, der Reichswirtschafts. minister und der Reichsverkehrsminister. In dieser Sigung berichtete die Sechfertommiffion über ihre Berhandlungen mit der Micum und entwickelte die Borschläge, die darauf in dem Schreiben des Herrn Stinnes vom 20. Oftober der Reichsregierung schriftlich übermittelt wurden. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, die einzige Busage bestand darin, daß der Reichstanzler laut Protokoll in Aussicht stellte, die erbetenen Entscheidungen nach Erörterung im Rabinett mitzuteilen. fabinetts die Entschädigungsverpflichtung des Reichs gegenüber dem Ruhrbergbau anerkannt haben. Zu dieser Antwort der Regierung auf die Fragen der Genoffen Schmidt und Sollmann stellen mirturz fol. gendes feft: Die Regierung zieht sich jetzt zurück auf eine grundsägliche Zustimmung zu einer Entschädigung für den Ruhrbergbau, die für jeden selbstverständlich mar. Demgegenüber möchte sie die Auszahlung der Entschädigung für unerheblich erklären. Kohlensteuer 129 Millionen, 3ölle 163, Erlaubnisscheine usw. 101. Waldungen 27, Reingewinn der Regiebahn 67 und Bässe und Diverse 3 Millionen Mart. Aus der Beschlagnahme von Martnoten, aus Strafen und Requisitionen werden meiter 45,5 Millionen aus. gewiesen. Das ergibt rund 535 Millionen. Für die Lieferungen der Industrie bleiben übrig nach der Angabe der interalliierten Rechnung 446,4 millionen Mart. Benn die Denkschrift der Industriellen eine Entschädigung von 60 Broz, für die Industrie aus diesen Zahlen herausIm Anschluß an den Brief des Herrn Stinnes vom 20. Ottobet, Riefenausmaß, die unter so standalösen Bedin rechnet, so ist das ein plumpes Fälschungsmanöver. in dem die obengenannten 20. Ottober mittags 12 Uhr eine Rabinettssigung statt, an der von sozialdemokratischer Seite die Reichsminister Schmidt, Sollmann und Radbruch und der preußische Ministerpräsident Braun teilgenommen haben. Der einstimmig gefaßte Beschluß des Rabinetts ging dahin, den Reichskanzler zu ermächtigen, auf der Basis der Vorschläge der Sechserfommission mit dieser zu verhandeln. Der Inhalt des Kabinettsbeschlusses ist in dem Schreiben vom 21. Ottober an Herrn Hugo Stinnes niedergelegt. leber die meiteren Verhandlungen zwischen Sechserfommission und Micum, die auf der Basis des Kabinettsbeschluffes vom 20. Oktober stattgefunden hatten, berichtete Herr Hugo Stinnes in einer Besprechung am 31. Oftober abends 5 Uhr. Von den Reichsministern waren anwesend: der Reichsarbeitsminster, der Reichsfinanzminister, der Reichswirtschaftsminister, der Reichsverkehrsminister und der Reichsminister für die besetzten Gebiete. Nach Entgegennahme des Berichts und einer Er örterung der Lage wurde laut Protokoll beschloffen, die Angelegenheit einer möglichst unter Vorsitz des Herrn Reichskanzlers stattfindenden Kabinettssigung zu unterbreiten. Diese Kabinettssigung hat am 1. November 1923 ftattgefurden. In ihr waren Don sozialdemokratischer Seite anwesend die Reichsminister Schmidt, Sollmann und Radbruch In dieser Sigung bat der Reichsminister des Innern Sollmann, die Stellungnahme der sozialdemokratischen Mitglieder bes Rabinetts zu ben Anträgen als Stimmenthaltung zu betrachten. Der Reichsminister der Finanzen schlug vor, die Redaktion des Antwortschreibens an Herrn Stinnes einem Ausschuß zu übertragen, in dem die Reichskanzlei, das Reichsfinanzministerium, bas Reichswirtschaftsministerium und das Reichsministerium für Bieberaufbau nertreten feien. Richtig ist, daß an eine Entschädigung von solchem gungen unfontrolliert und ohne Berrechnung aller Entschädigungen, die der Ruhrindustrie bereits zugeflossen sind, am 20. Oftober niemand gedacht hat. Weder die sozialdemokratischen Minister, noch Herr Stresemann, noch Herr Stinnes, der die Zusage vom 20. Oftober als„ Mondwechsel" bezeichnete. Im übrigen bestätigt die Erklärung bis in die Einzelheiten die Darstellung der Genossen Robert Schmidt und Sollmann. Es ist richtig, daß fie von allen Borbesprechungen mit Herrn Stinnes ausgeschaltet worden sind. Es ist richtig, daß sie die Verantwortung für den Beschluß vom 1. November abgelehnt haben. Was die Herren Stresemann und Luther sich dabei gedacht haben, ist unerheblich. Sie mögen das Protokoll dieser Kabinettssigung veröffentlichen, wozu fie fich immer noch nicht verstehen wollen. Der südslawische Wahlsonntag. Ungeheurer Regierungsterror. Belgrad, 9. Februar.( TU.) Nach Kroatien waren vier Infanterieregimenter geschickt worden. Der Führer der Oppofition, Dawibovits, ber bei der letzten Wahl nur 4000 Stimmen erhielt, wurde mit 6000 Stimmen gewählt. In Laibach wurde der Oppositionsführer Dr. Anton Korosche 3 gewählt. Hervorzuheben ist der große Stimmenzuwachs der oppofifionellen Parteien. Ein flares Bild über den Ausfall der Wahl wird man sich kaum vor Dienstag machen können, da die Resultate aus Bosnien, der Herzego mina und Dalmatien faum vor Montag eintreffen werden. Geht man von den Zahlen aus, die die Abnehmer der 700 millionen und die Regierungserklärung zur Grundlage ihrer Berteidigung machen, so ergibt sich folgende Bilanz für die Industrie: Schaden durch erpreßte Lieferungen. 445 millionen Entschädigung durch das Reich Dez. 1924: 645 Millionen Geschenk an die Industrie: 200 Millionen So sehen die Dinge aus, wenn man die Zahlen zugrunde legt, von denen Regierung und Schwerindustrie ausgehen. Das nennt die Regierungserflärung:„ Ersparnisse". In der Tat mögen die Schäden höher gewesen sein. Aber die 700 Millionen aus dem Dezember 1924 sind nicht die einzige Entschädigung, die der Industrie des besetzten Gebiets biets den großen Konzernen der Schwerindustrie- zugefloffen sind. Wo bleibt die Abrechnung über die Summen, die die Schwerindustrie während des Ruhrkampfes erhalten hat? Wie werden die niedrigeren Löhne der Arbeiterschaft, die Arbeitszeitverlängerung, die Hochhaltung der Kohlenpreise zugunsten der Industrie berechnet? Darüber muß mit flaren und einwandfreien Zahlen Aufschluß gegeben werden nicht mit Notizen, die nur der Irreführung dienen. Die Ersparniserklärung der Regierung ist ein besonders standalöser Fall in dem amtlichen Berschleierungsfeldzug der letzten Tage. Die amtlichen Er. flärungen. Die bisher abgegeben wurden, werfen von vornherein ein schlechtes Licht auf die Denfschrift, die immer wieder verschleppt wird. Die Regierung ist bisher von einer Ausflucht in die wiffen wollen. Dann hieß es, es handele sich nur um andere gefallen. Sie hat zunächst überhaupt von nichts Bagatellbeträge. Schließlich mußte man, gezwungen nom Haushaltsausschuß des Reichstages, 8ahlen nemment: 715 Millionen. Darauf begann die Lüge von der Mitverantwortung der Sozialbemotraten. Dann suchte man sich hinter eine Mitverantwortung des Bergarbeiterner bandes zu verstecken. Auch diese Ausflucht ist zurückgewiesen worden. Nun geht der amtliche Verschleierungsfeldzug zu einer neuen Methode über und schließt: Wir haben mit den 700 Millionen ja mur Ersparniffe gemacht! Die Methode ist inspiriert von den Interessenten. In diesem Feldzug der Irreführung der öffentlichen Meinung, der Ausflüchte und falschen Behauptungen liegt eine ungeheure Mißachtung des Parlaments und der öffent lichen Meinung durch die Bureaufratenregierung des Rechtsblocks, Diefe Regierung will nicht die Bahrheit. Sie will den Ruhrsfandal verdunkeln, um im Dunkel der Bureaukratie die Möglichkeit zu geben, die Interessen der Schwerindustrie gegen die Intereffen des Staates wahrzunehmen. Diese Regierung ist dem Parlament Berantwortung schuldig. Statt sich zu verantworten, entzieht sie sich der einfachsten Auskunftspflicht und täuscht die Deffentlichkeit. Dies Verhalten der Regierung ist minde= itens ebenso standalös wie die Tatsache der 700miffinnen- Entschädigung an fichy! Om Zeichen des weißen Elefanten. Die Deutschnationalen in der Zwangslage. Die blamable Haltung der deutschnationalen Reichstagsraktion bei den Berhandlungen über das Wirtschaftsabkom men mit Siam verseht die deutschnationale Presse in tödliche Berlegenheit. Der völlische Vertreter der Deutschnationalen, ein Hochschullehrer, der mit den Disziplinarbehörden schon öfters in Konflikt geraten ist, hatte für sich und seine Freunde die Erklärung abgegeben, der Vertrag mit Siam mideripreche dem Ansehen und der Würde des Reiches. Nach dieser feierlichen Erklärung durfte man neugierig sein, wie sich die deutschnationale Fraktion bei der Abstimmung verhalten würde. Nach den Gesetzen der Logif war nicht anzunehmen, daß die Deutschnationalen einem Bertrag ihre Stimme geben, der das Reich nach ihrer Ansicht schädigt. Aber als es zur Abstimmung fam, verließ der größte Teil der Deutschnationalen fluchtartig den Sizungsfaal und machte auf diese Weise aus Angst vor einer Ablehnung des Bertrages das Haus beschlußunfähig. Das dürfen aber die Wählerim Lande nicht wissen. reuzzeitung" und" Deutsche Tageszeitung" unterschlagen die Tatsache einfach ihren Lesern. " Nationalpost" und" Lokal- Anzeiger" bemerken so bescheiden und unauffällig wie möglich, daß vor der Abstimmung mehrere Abgeordnete der Rechten den Saal verließen". Auf diese Weise glaubt man wieder einmal den Wählern, die man so lange mit nationalen Phrasen gefüttert hat, Sand in die Augen streuen zu können. Aber es bleibt trotzdem ein Reft, zu tragen peinlich. Die fozialdemokratische Reichstagsfrattion denft natürlich nicht daran, den Deutschnationalen ihre Berantwortung als Regierungspartei abzunehmen. Sie wird nicht für einen Vertrag stimmen, den die stärkste Regierungspartei als gegen das Ansehen und die Würde des Reiches verstoßend bezeichnet. Wenn die Kreuzzeitung" darin ein Anzeichen dafür erblidt, daß die Oppositionsparteien es auf eine Regierungstrife abgesehen haben, so zeigt das, wie ängstlich man auf der Rechten ist. Die Angst ist verfrüht. Der fozialdemokratischen Reichstagsfraktion liegt es fern, sich in den Ruhm der rechtsgerichteten bürgerlichen Barteien teilen zu lassen, Krisentreiber um jeden Breis zu sein. Sie beschränkt fich lediglich darauf, der Deutschnationalen Partei einen gefunden staatsbürgerlichen Anschauungsunterricht zu erteilen, eine erzieherische Tätigkeit, die auch das Kabinett Luther zu würdigen wissen wird. Ultima Eden. Bon Richard Rainer. Jch gestehe es frei heraus, daß meine Erfahrungen auf dem Gebiete der Großwildjagd vorwiegend aus der Literatur geschöpft sind. Mit brennendem Interesse verfolgte ich stets die Erzählungen jener furchtlosen Jäger, die den afrikanischen Busch durchstreifen und zurüctehren im Schmucke von sieben Löwenfällen, beladen mit zwölf Baar Elefantenzähnen, einer Krofodilshaut und dem linken Hinterjuhe eines Hippopotamus. Bei solchen Schilderungen pflegt mein nahme für das Tier und in Haß gegen den Jäger. Zumal es sich mit annähernder Sicherheit feststellen läßt, daß troß der angelegentlichen Bemühungen unserer Chemiter und Generäle eine unmittelbare Gefahr der Ausrottung der weißen Rasse fürs erste von der Hand zu meisen ist, wohingegen der Untergang der besten Repräsentanten der Steppe, der Wüste und des Dschungeís in zunehmendem Maße Blaz greift. So nehme ich denn mit heiterem Gleichmut selbst den Tod cines gelegentlichen Mitglieds unserer edlen Spezies hin, das einem von ihnen zu einem guten Diner verhelfen mußte, und wenn dieses Mitglied zufällig ein Großwildjäger gewesen sein sollte, so wird sich ein heiteres Lächeln der Genugtuung in meinen Gleichmut mischen, ind ich werde nachträglich wünschen, gut gespeist zu haben. Indessen gibt es eine bestimmte Sorte von Leuten, die auf wilde Fiere losziehen, vor denen ich in neidvoller Achtung den Hut lüfte. Das sind jene, die ihre Büchsen an der Wand hängen lassen und allein mit einer Kamera bewaffnet auf die Jagd gehen. Sie bringen eine unendlich wertvollere Beute mit als einige Felle oder Zähne. Auch carf man sich diesen Sport, wiewohl er soviel humaner ist, feinesmegs leichter vorstellen. Der Mann mit der Kamera geht dichter an das Tier heran, als der Mann mit dem Schießprügel. Er muß sich auf jeine Beine und seine Geistesgegenwart verlassen, um sich aus kritischen Situationen zu retten. Dazu kommt, daß infolge der Betriebsamkeit der„ Sportsleute" der afrikanische Elefant z. B. so scheu geworden ist, aß er nur nachts heraustritt. Tagsüber steht er im dunkelsten usch. Das Auge der Kamera vermag ihn nur in der Dämmerung Freien zu erspähen, und selbst dann selten genug. Das leichte lick" des Knipstastens erschreckt das riesige Tier; es stampft auf regt herum und rennt entweder davon oder auf das närrische Zefen los, das soeben dieses dumme Geräusch verursachte. In diesem genblick würde ich, versetzte ich mich in die Lage des Photographen, Recht um die Würde meiner Art besorgt sein. Schon öfter, wenn ich lesen mußte, daß es nur noch wenige erden von Giraffen gibt, oder daß das Rhinozeros immer seltener ird, oder daß die Ausbeute von Löwenfellen in irgendeiner Kolonie und so hoch gewesen sei, hegte ich den Wunsch, ein nur mäßiges Territorium etwa von der Ausdehnung eines mittleren deutschen Freistaats zu besitzen, daß ich einzäunen würde, und in dem sich die Tiere unbefäftigt bewegen dürften. Zu meiner Freude erfahre sportliches Blut sich zu erhitzen; doch entbrennt es immer in TeilEiniges hat man in der Partet der Bestarp, Hergt und Freytagh bereits gelernt. Wenn die Kreuzzeitung" z. B. anerkennt, daß Deutschland seit der Aufoktronierung des Bersailler Friedens unter einer 3 wangslage handelt und wenn die Deutsche Tageszeitung" anerkennt: „ Das mehrlose deutsche Bolt, umfagert von bis an die Zähne bewaffneten Feinden, ist in der 3 wangslage, solche Ber. träge abschließen zu müssen. Der Wehrlose tann eben alle Zeit vergewaltigt werden. Müffen wir das auch, dann bleibt uns doch aber das Recht, in jedem Falle die Berlegung des An. sehens festzustellen." fo find das außerordentlich bemerkenswerte Zugeständnisse an jenen Geist des Pazifismus und der Erfüllungspolitik, der bisher von den Deutschnationalen als landesveräterisch mit tieffter sittlicher Entrüstung befämpft wurde. Beffer fönnte auch der„ Borwärts" die 3wangslage Deutschlands nicht kennzeichnen und was das Recht anbelangt, in jedem Falle die Verlegung des Ausschusses festzustellen", so ist gerade dieses Recht stets von der Sozialdemokratie als fittliche Pflicht bezeichnet worden unter dem Hohn und Spott der Deutschnationalen. Die preußische Regierungsfrage. Sigung des Interfraktionellen Ausschusses. Der Interfrattionelle Ausschuß des Landtages ist am Montag vormittag um 11 Uhr erneut zu einer Sigung zu fammengetreten. Es besteht, wie wir hören, die Aussicht, daß der frühere Reichsfanzler Marg einen Auftrag zur Rabinettsbildung in Preußen übernehmen wird. Er wird, wie verlautet, versuchen, zunächst auf Grund der alten Weimarer Roalition eine Lösung zu finden. Der Prozeß des Reichspräsidenten. Während die reattionäre Preffe angefüllt ist mit immer neuen Standal" geschichten, um die Sozialdemokratie und ihre Führer zu erledigen, während der Untersuchungsausschuß des Landtages eingesetzt, die Kreditpolitik der Preußischen Staatsbant nachzuprüfen sich zu einem Inquisitionstribunal gegen die Sozialdemokratie gestaltet hat, ist im Berlag für Sozialversicherung" ein Buch er schienen, das einen Beitrag zu unserer Zeiten Schande liefert. Es gibt einen gedrängten lleberblid über jene Berhandlungen vor dem Magdeburger Schöffengericht, die das Ansehen unseres Landes vor der ganzen Welt geschädigt haben, aber boch das eine Gute erzielten, daß zahllose Stellen im Lande fich gezwungen fühlten, demonstrativ Zeugnis abzulegen für den ersten Präsidenten der Republik, der durch jene Brozeßführung und das Urteil als Schädling gebrandmarkt werden sollte. Das Buch Der Prozeß des Reichspräsidenten ist von Karl Brammer herausgegeben, der schon eine Reihe politischer Prozesse im gleichen Berlag publizistisch verarbeitet hat. Es enthält das Wichtigste aus den Beugenaussagen, die Anklage- und Berteidigungsreden, die hier zum ersten Mat veröffentlichte schriftliche Urbeitsbegründung ( 34 Druckseiten!) und, mit das Wichtigste, eine große Anzahl von Gutachten juristischer Autoritäten gegen bas Urteil des Schöffen gerichts. neue aufgerollt werden. Für diese Verhandlungen bietet das Schrift. Der Prozeß soll am 17. Februar in der Berufungsinstanz aufs chen eine gediegene Zusammenfassung des Wesentlichen, aber darüber hinaus wird es ein wichtiges Kulturdokument bleiben. Sie verleumden weiter! Unter dem Schuh des Staatsanwalts. Der Tag" hatte behauptet, der frühere Reichswirtschaftsminister zurüd, bemerkt aber zugleich: Benn Schmidt ben Staatsanwalt habe mobilmachen mollen, so habe er offenbar tein Vertrauen zu seiner Sache"( dabei wideruft der Tag" selbst!) und wolle die Roften im Fall einer Freisprechung dem Staat aufhalsen, Seine Beschwerde an das Justizministerium werde ihm nichts helfen und sei wohl auch nur als Geste gemeint. Es folgt eine Reihe von Sägen, aus denen jeder herauslesen muß, Schmidt sei aufs schwerste fompromittiert, aber feine einzige fubftanziierte Behauptung. Dies infame Berleumdergesindel treibt hier sein Spiel, und die Justiz versagt! Besprechung der Räumungsfrage. Barifer Blätter wollen wissen, daß die Beiber der franzöfifchen und der belgischen Politik, Herriot und Theunis, Ende Fe bruar oder Anfang März nach London kommen werden, um mit Außenminister Chamberlain por deffen Reise zur Bölkerbundstagung die Frage der Räumung der Kölner Zone zu besprechen. Da Chamberlain wohl über Paris nach Genf reisen wird und Herriot und Theunis gewiß auch dort sein werden, erschiene diese Londonreise der beiden Premierminister als Zeit- und Mühever geudung, wenn man nicht annehmen will, daß dieses Kompliment für England Berbekosten für die franto- belgische Forderung dar stellt, die Räumung bis zur Sicherung" Frankreichs aufzuschieben. Das deutsche Bolf verdankt es dem Treiben seiner zivilen und uniformierten Revanche- Narren, daß auch franzöfifche Linkspolitiker auf diesen Standpunft gelangt find. Kommunisten schänden Kommunisten schänden Revolutionsopfer. Radan am Grabe der Gefallenen. Bremen, 9. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die geftrige Ge Dentfeier der SPD. für die 28 Gefallenen bei den Bremer Revolutionstämpfen am 4. Februar 1919, die auch diesmal, mie alljährlich, bei den Revolutionsopfern am Massengrabe stattfinden follte, hat ein blutiges und tief beschämendes Zwischenspiel gehabt. Die Kommunisten, die bereits am 4. Februar am Revolutionsin ihrer Zeitung zur Störung der sozialdemokratischen Gedenkfeier grab ungestört ihre Sondergedächtnisfeier abgehalten hatten, hatten aufgefordert. Schon lange vor Beginn unserer Feier hatten etwa bundes", das Grab und die nähere Umgebung des Grabes befeht. 70 Kommunisten, zumeist Mitglieder des„ Roten Fronttämpfer= 21s die Genossen der SPD., unter denen sich zahlreiche sozialdemo fratische Reichsbannermitglieder befanden, am Grabe anlangten, fangen die Kommunisten ihre Lieder und drei der Kommunisten. häuptlinge hielten von den Gräbern herab Agitations. und Schimpf. reben auf die„ verräterischen Sozialdemokraten". Die Kommunisten erklärten, niemand von den Sozialdemokraten an die Gräber herantommen lassen zu wollen. Als nach langen, in größter Ruhe mit den besetzt hielten, versuchte der Leiter der sozialdemokratischen GedenkKommunisten gepflogenen Verhandlungen diese immer noch das Grab besetzt hielten, versuchte der Beiter der sozialdemokratischen Gedenkfeier zum Grabe vorzugehen, wurde aber sofort von den Kommunisten zurückgeschlagen und gleichzeitig auch auf die Umstehenden mit Fäusten, Schlags und Schußwaffen los gegangen. Unsere Genossen setzten sich energisch zur Behr und nach minutenlangem Handgemenge auf den Revolutionsgräbern tonnten unsere Genossen die Ruhestätte von den Kommunistenhorden säubern. Bei dem Handgemenge wurden zahlreiche Bersonen ver= Grab dann eine furze Gedenffeier ab, und in geschlossenem Zuge von lebt Die Rommunisten entwendeten bei diesem Zwischenfall auch fozialdemokratische Kranzschleifen. Unsere Genossen hielten auf dem etma 1000 Personen marschierten die sozialdemokratischen Reichsbannerleute und die Arbeiterjugend zur Stadt zurüd. Zum ersten Male mußte bei diesen Borfommnissen auch die Polizei am Grabe ber Revolutionsgefallenen eingreifen. Gen. Robert Schmidt habe mit Barmat im Hotel Bristol getafelt. Die Absicht, Schmidt zu beleidigen, war offenfumdig. Trotzdem lehnte der Staatsanwalt die öffentliche Klageerhebung ab, ba teine Be- interfrattionelle Sigung unter Zeitung des Reichstagspräsidenten leidigung vorliege. Was macht der„ Tag"? Er nimmt die sachliche Behauptung, Schmidt habe als Minister an Diners mit Barmat teilgenommen, ich, daß dies jetzt geschehen ist, obgleich gänzlich ohne mein 3utun. Die belgische Regierung hat ein Gefeß erlassen, wonach etliche Tausend Quadratkilometer im nordöstlichen Rongogebiet zu einem Nationalpart abgegrenzt werden. Auf dieser heiligen Erde darf der Mensch weder Tieren noch Pflanzen den mindesten Tort antun obwohl hier die Tiernatur zu studieren. es Professoren gestattet sein wird, hier zu beobachten, und Malern. Ich habe es mir fest vorgenommen: Sobald jenes neue Eden offiziell geöffnet wird, werde ich den Staub dieses häßlichen Erdteils von den Füßen schütteln, um sodann den Rest meiner Tage auf dem Duzfuße mit meinen Bettern aus dem Urwalde zu beschließen. Ab und zu werde ich neugierig einen der drei Bultane untersuchen, die dieses letzte Asyl paradiesischer Gepflogenheiten verzieren. 3meifels ohne werde ich des öfteren einem Zoologen mit einer Kamera oder einem Botanifer mit einem Mitrostop begegnen. Ich werde mich erinnern, ein solches Tier bereits irgendwann einmal gefehen zu haben und ich werde hastig vorbeischreiten, um seine unangenehme Witterung zu verlieren. fach Gelegenheit, 3 af cha Horenstein an der Spize feiner einGemischter Chor Groß- Berlin. Wir hatten in letzter Zeit mehr zelnen Chöre zu hören, die an Mitteln und fünstlerischen Gestaltungs. möglichkeiten so grundverschieden sind. Immer wieder zeigt er sich als ein Dirigent, der zielbewußt und sicher seine Leute führt, der eine durchaus eigene, wenn auch manchmal start ungewohnte, so doch stets hinlänglich künstlerisch motivierte Auffaffung mitbringt, und der es immer versteht, Programme zu schaffen, die einen durchaus fünfjähriges Bestehen nicht besser ehren, als durch dieses Programm, eigenen Stil haben. Der Gemischte Chor Groß- Berlin fonnte sem das alte Meister des 17. und 18. Jahrhunderts vorführte, von Isaac und Scandellus bis zu Burtehude, Krieger und Senfl. Deutsche und Italiener in anmutigem Wechselspiel, das ein Bild des damaligen Hin und Her in der Komposition beider Länder entstehen ließ. Der Chor hat sich mit der Pflege der alten Kunst ein schwieriges Ziel gefeßt, dem er mit Aufopferung und Erfolg zustrebt, mögen auch Wünsche nach längerer Atemführung, plastischerer Liniengestaltung bedeutet doch viel, wenn ein Verband des Deutschen Arbeiterfänger und ausgeglichener Vokalisierung noch unerfüllt bleiben. Aber es bundes ein Wert wie Schüz Ofterdialog Weib, was weinest du" in einer solchen Vollendung schon bringt, und es entkräftet am besten die Vorwürfe gegnerischer Schreier, die von nur politisch tendenziöser aber sonst unkünstlerischer Einstellung der Bewegung immer wieder reden. Friz Kleiner spielte Bugtehudes D- Moli Passacaglia in geringer Klangstärken. Ein hoher Genuß war es, Della Curiel und Atemtechnik föftliche Kabinettflüce altitalienischer Opernkunft zu hören, die defifat und mit einer raffinierten Leichtigkeit in Ton beisteuerte. Der Begleitung hätte man eine gleiche Leichtigkeit im Ton gewünscht. Ein Abend, der auf beachtlicher künstlerischer Höhe stand. G. G. " Eine städtische Galerie in München. Der Münchener Stadtrat hat beschlossen, im Anschluß an die Erwerbung des Lenbachschen Anwefens und die Schentung seines fünstlerischen Nachlaffes und feiner Die Wünsche der Opfer von Kriegs- und Verdrängungsschäden. Auf Beranlaffung der beitsgemeinschaft der Intereffen gefchädigte fand am Sonnabend vormittag im Reichstag eine bertretungen für Berdrängungs- und Liquidations. 2öbe statt, zu der Bertreter der Arbeitsgemeinschaft zugezogen waren und in der die Wünsche der Arbeitsgemeinschaft vorgetragen würden. | Sammlungen eine städtische Galerie zu errichten. Das Haus, das Gabriel von Seidl an der Luisenstraße für Lenbach baute, soll ebenso mie Lenbachs Werkstatt erhalten bleiben, aber im baulichen Zu sammenhange mit den vorhandenen Gebäuden die neue Galerie auf demselben Grundstück errichtet werden. Bernünftigermeise plant die Stadt München bort fein Konkurrenzunternehmen gegen die Neue Pinafothef, die Staatsgalerie oder Schad- Galerie, sondern die Be schränkung auf ausgesprochen Münchener Runstwerke. Bon solchen hat sie bereits eine ganze Anzahl im Eigentum, aber diese sind im Rathaus und anderen städtischen Gebäuden zerstreut. Darunter find gute Dinge. Die Stadt verfügt ferner über den Gemäldebesiz des Stadtmuseums, wo vorzügliche Werke alter Münchener Meiſter höchst ungünstig aufgestellt find. Belingt es, fünftige Stiftungen auf Er ftrebenswertes zu beschränken und vielleicht noch andere hervor ragende Münchener Künstlerhäuser wie die von Franz Stud und Eduard Grüßner in städtischen Besiß zu bringen, so würde München das Kunstschaffen in seinen Mauern allmählich in einer Weise zeigen können, wie das feiner anderen deutschen Stadt möglich ist. Hundertjährige der Tierwelt. Das Alter, das Tiere erreichen, ist äußerst verschieden. Unter den Säugetieren leben die großen Tiere meistens länger als die fleinen, aber dies Gefeß gilt nicht unter den Vögeln, denn der Papagei erreicht z. B. dasselbe Alter wie der Adler. Spinnen leben 1-2 Jahre, Käfer sind in der Gefangenschaft bis zu 5 Jahren alt geworden. Die Bienenfönigin bringt es öfters bis auf 5 Jahre, während die Arbeiterinnen im Bienenforb nicht älter als 6 Wochen werden. Ameisen hat man in der Gefangenschaft bis zu 15 Jahren gehalten, und von der Kröte ist festgestellt worden, daß fie bis 40 erreichen fann. Eine Schildkröte lebte in der Gefangenschaft 150 Jahre, und da das Lier damals, als es gefangen 300 Jahre schäßen. Am besten bekannt sind die Altersverhältniffe wurde, schon recht alt war, fann man das Alter auf ungefähr bei den Bögeln. Das Haushuhn lebt bis zu 20 Jahren; Gänse und Eiderenten bringen es bis auf 100 Jahre; beim Schwan hat man sogar ein Alter von 102 Jahren beobachtet. Das höchste Alter des Etorches wird mit 70 Jahren, das des Falten mit 162, das des Adlers mit 104 Jahren angegeben. Droffein bringen es bis zu 18 Jahren. Kanarienvögel bis zu 24, Papageien bis 100 Jahre. Unter den Säugetieren erreicht das Pferd 40-60 Jahre, das Schaf 200 Jahre alt. 20, der Hund 28, die Kaze 22 Jahre; Elefant und Walfisch werden Hörsaal 122 der Universität, einen Vortrag über Die Sprache der Vorträge. Prof. St. von Frisch hält am Mittwoch, abends 8 Uhr, int Bienen". Karten am Saaleingang. " einen Lichtbilbervortrag über„ Gotische Kathedralen". Mag Deri hält am 11., abends 8 Uhr, in der Aula Georgenstr. 30 findet Fallnacht, den 24. Februar, und Sonnabend, den 7. März, in den Die Flilfernachi", das diesjährige Gaullerfest der Schule Reimann, Gesamtsälen des 800 statt. odorf, wird im Stadttheater Lübed zur Uraufführung gelangen. Die Nacht der Barmherzigkeit", Schauspiel in drei Alten von Mag Ausgrabungen in Megito. Mit Unterſtüßung des Carnegiefonds plant die Unterrichtsabteilung des Instituts die Ausgrabungen in Merito ant eine breite Grundlage zu stellen und hat zu diesem 8wed die bedeutenden Archäologen Meritos aur Mitarbeit aufgefordert. Die Ausgrabungen sollen besonders im Staate Dutatan stattfinden. Man beabsichtigt u. a. auch die Pyramide von Rachalcalco bloßzulegen. I 366. und Russen. Kein Weltkongreß. (Von unserem Korrespondenten.) Amsterdam, den 7. Februar. Die Besprechung der Russenfrage, des wichtigsten Punktes der Tagesordnung der am 5. Februar in Amsterdam eröffneten Ausschußsitzung des JGB-, nahm zwei volle Tage in Anspruch. Zur Verhandlung stand das am 29. Januar in Amsterdam eingetroffene Telegramm des Allrussischen Gewerk- schaftsrates, in dem die Russen im Gegensatz zu ihrem Brief vom 23. Oktober, in dem sie von der Notwendigkeit eines ,.W e l t a rbe i te r k o n g re sse s" sprechen, vorschlagen, „eine gemeinsame Konferenz von Vertretern des IGB. und des Allrussischen Gewerkschaftsrates", die„Mittel und Wege finden soll, die volle Einstimmigkeit sichern und so die Grün- dung einer vereinten internationalen Gewerkschaftsorganisation ermöglichen, der sich alle jetzt dem IGB. und der Roten Ge- werkschaftsinternationale angehörenden Organisationen an- schließen können". Wenn nicht der Zweck dieser Konferenz angegeben wäre, könnte sie harmlos erscheinen; so aber zeigt es sich, daß es sich nur um einen Schritt aus einem Wege standest, von dem die Russen nie abgewichen sind, zu dem Ziele: die Z e r- störung der Amsterdamer Internationale. Als Antwort auf den in allen kommunistischen Blättern in diesem Zusammenhang gemeldeten„Hausstreit" innerhalb der Amsterdamer Internationale, geben wir nachstehend ein Interview mit Genossen Sassenbach, Sekretär des IGB., wieder, der auf die Frage, in welchem Geist sich die Verhand- lungen über die russische Frage vollziehen, folgendes ausführte: „Die Verhandlungen haben von neuem bewiesen, welcher Geist der Zusammengehörigkeit in der Gewerk- schaftsbewegung herrscht, auch dann, wenn über einzelne Punkte Meinungsverschiedenheiten bestehen. Es hat sich bei den Be- sprechungen des Ausschusses herausgestellt, daß verschiedene Mißverständnisse vorlagen, teilweise wegen der verschiedenen Taktik in den einzelnen Ländern, teilweise wegen der irre- führenden Berichte der kommunistischen Presse. Das stellte sich vor allem heraus, als die englischen Vertreter im Ausschuß erklärten, daß sie niemals für den von den Kommunisten propagierten„Weltkongreß" gewesen seien, ja, daß sie diesen als Unsinn betrachten, daß sie nur statt des fort- wahrenden Briefwechsels eine persönliche Aussprache wünschen, um die russischen Gewerkschaften dem IGB. zuzuführen. Gegen eine solche Aussprache haben natürlich auch die übrigen Länder keine Bedenken, da stets der Wunsch bestanden hat, die russischen Gewerkschaften in organisatorische Beziehungen mit den Gewerkschaften der anderen Länder zu bringen. Wenn trotzdem die Vertreter der nichtenglischen Länder dem schriftlichen Vorschlag der Eng- länder betr. eine Konserenz nicht zustimmen konnten,„die durch keine Formeln und statutarische Vorschriften gebunden" ist, so hängt dies mit den Erfahrungen zusammen, die sie im Gegen- satz zu den davon verschont gebliebenen Engländern gemacht haben". Die mit 14 gegen 5 Stimmen angenommene Resolution Stenhuis-Smit, in der der Vorstand des IGB. beauftragt wird, dem Allrussischen Gewerkschastsrat mitzuteilen, daß der IGB. sich bereit erklärt, die allrussischen Ge- werkschaften in den IGB. aufzunehmen und ferner gejagt wird, daß mit den Russen in Amsterdam zwecks gegenseitigen Gedankenaustausches eine Konferenz abge- holten werden kann, sobald die russischen Gewerk» schaften diesen Wunsch zum Anschluß äußern, bedeutet eine vollständige Klärung der Lage. Wir geben nachstehend einige Aeußerungen führender Ge- werkschafter und Mitglieder des Allsschusses über die-Bedeu- tung dieser Resolution und ihre Folgen wieder. ' Genosse Oudegeest, Sekretär des IGB.:„Bis jetzt waren alle unsere Versuche, die Russen zum Anschluß zu brin- gen, vergeblich. Sie haben sich in Wort und Schrift immer gegen einen Anschluß ausgesprochen und selbst in ihrem Tele- gramm von 29. Januar haben sie dies noch einmal zum Aus- druck gebracht, indem darin eine Vereinigung des IGB. und der RGI. vorgeschlagen wird. Daß davon keine Rede sein kann, besagt die Resolution Stenhuis, derzufolge es sich bei der geplanten Konferenz nicht um eine Besprechung betr. die Vor- bereitungen für einen Weltkongreß oder eine neue Internatio- nalc handeln kann. Durch die Resolution wird die bis jetzt vom Vorstand des IGB. eingenommene.Haltung gutgeheißen. Wir werden mst den Russen über den Eintritt in den IGB. sprechen. Schließen sie sich dem IGB. an, so müssen sie natür- sich die RGI. verlassen." Iouhau� lGeneralsekretär des Französischen Gewerk- schaftsbundes):„Die Resolution bestätigt die Haltung des Vorstandes. Wir waren nie gegen den Anschluß der Russen und machen lediglich einen Unterschied zwischen den Russen und der RGI. � Der nächste Schritt sollte logischerweise die Aushebung der RGI. und der dissidenten Organisationen in den Ländern sein, wo es zu Spaltungen kam. Denn diese Organi- sationen haben die Aufgabe, uns zu zerstören." L e i p a r t(Vorsitzender des ADGB.):„Bei den Debatten »nd besonders den Ausführungen der englischen Genossen er- hielt ich den Eindruck, daß a l l e sich gerne mit den Russen ver- tragen würden, andererseits aber die Hoffnung der Kommu- nisten auf eine Spaltung innerhalb der Amsterdamer Internationale nicht in Erfüllung gehen wird." T a y c r l e(Vorsitzender des Tschechoslowakischen Gewerk- schaftsbundes):„Die Russen verfolgen allerdings gegenüber England eine andere Taktik, und zwar auf Grund der Erfah- ningen, die sie in den Ländern gemacht haben, wo es zu Spaltungen kam. Ihr Ziel ist jedoch das g l e i ch e. Ich glaube nicht an ihre Aufrichtigkeit. Die Einheit kann nicht durch einen„Weltkongreß" erzielt werden, sondern sie muß auf Grund gegenseitigen Vertrauensund ehrlicher Zu- sammenarbeit kommen." Die Haltung der englischen Delegation kam besonders gut in einer Rede von Fred Bramley(Generalsekretär des Britischen Gcwerkschaftsbundes) zum Ausdruck, der sich der schlimmen Folgen der ru fischen Praktiken genau bewußt ist und dies auch in Rußland elbst nicht verhehlte. Ganz besonders gelte dies für die oft irreführenden Ausführungen S> n o w- je ws. der die Beziehungen der Gewerkschaften auch Gewerk- schaftern überlassen sollte, da seine Manöver der Arbeiter- bewegung nur schaden können. Selbstverständlich dürfe es an der wirklich nötigen Vorsicht gegenüber den Russen nicht fehlen, und es sei auch nicht anzunehmen, daß wir nicht verstehen werden, unsere Interessen wahrzunehmen. In seiner Schlußrede stellte der Vorsitzende. A. P ur c e l l. mit besonderer Genugtming fest, daß die Offenheit und Aufrichtigkeit. von denen die Debatten beherrscht waren, trotz der schwierigen Fragen ein erfreuliches Zusammen- arbeiten ermöglichten und eine Einigkeit sicherten, von der gewisse Kreise vielleicht mit gemischten Gefühlen Kenntnis nehmen werden. Wulle-tzenning gegen Luöenöorff. Verschärfung der Krise im völkischen Lager. B. S. München. 9. Februar. Der interne Kampf in der national- sozialistischen Freiheitspartet, der auf der sogenannten„Preußen- tagung" zum Ausdruck kam, scheint nunmehr vor einer entscheidenden Wendung zu stehen. Wie der„Völkische Kurier" erfährt, ist für die nächsten Tage beabsichtigt, mit der Gründung emer ..Deutschvölkischen Freiheitsbewegung Groß- d e u t s ch l a n d s" an die Oeffentlichkeit zu treten. Die Bewegung wird in erster Linie den Gedanken der sozialen Ständegcmeinschast betonen. An die Spitze der Partei soll eine mehrgliedrige Führer- schaft treten. Aus dem Kommentar, den das Blatt dieser Meldung anfügt, geht hervor, daß es der Kreis um W u l l e und Henning ist, der mit dieser Initiative die Führerschaft der Nationalsozialisti- schen Freiheitsbewegung(Ludendorff, Graefe, Strasser) vor vollendete Tatsachen stellen will, die zwangsläufig den Rück- tritt der Reichsführerschaft nach sich ziehen würden. Der „Völkische Kurier" bedauert das Vorgehen Wulles und Hennings, erkennt ober an, daß eine längere Vertagung der völkischen Krise allerdings kaum mehr zu rechtfertigen sei. Das Blatt rechnet damit, daß die Reichsführerschaft in den allernächsten Tagen beratend Stellung nehmen wird. Diese Stellungnahme wird wohl das Aus- scheiden Ludendorffs und Strasser» aus der aktiven Betätigung mit sich bringen. Pastors Sorgen. „Lachen links" und die Drei Könige. Dem republikanischen Witzblatt„Lachen links" ist eine hohe Ehre widerfahren: Die Nationalsozialisten des Preußischen Landtags, an ihrer Spitze der Superintendent Voß, haben seinetwegen eine wutschnaubende Anfrage an das Kultus- Ministerium gerichtet, die in der Forderung eines Gottes- lästerungsprozesses gipfelt. Der Anlaß ist ein Gedicht des bekannten Dichters K l a b u n d zum Dreikönigstag. In süddeutschen Gegenden besteht, was ein ostelbischer Super- intendent natürlich nicht zu wissen braucht, der altertümliche Brauch, daß am Dreikönigstag Bettler und Vaganten als Heilige Drei Könige verkleidet umherziehen und betteln. Einem solchen Bettlertrio hat Klabund in drastisch urwüchsigem Volkston ein Bettellied in den Mund gelegt. Der Superintendent Voß aber redet sich ein, daß mit diesem Lied die Heiligen Drei Könige der Bibel gemeint seien, und außerdem spekuliert man auf gewisse Empfindlichkeiten des Zentrums von wegen der RechtskoalitionI Ein vernünftiger. Mensch, auch ein religiöser, kann sich natür- lich durch die Darstellung eines alten Volksbrauches nicht verletzt fühlen. Aber die Nationalsozialisten sollten überhaupt ihre Finger von den Heiligen Drei Königen lassen. Erinnern sich die anii-' semitischen Herren nicht, daß die Sehnsucht dieser drei Weisen war, den neugeborenen König der Juden zu sehen und ihm zu huldigen? Liebesgabenpolitik. Schliebcn und die Schnapsbrenne«. Das Reich sfinanzministerimn verhandelt, wie wir zuverlässig er» fahren, mit den führenden Interessentenverbänden über dt« Ab» schaffung des Reichsbranntweinmonopol«. Dies« ist von den deutschen Äarwftelbauern und Schnapsbrennern seit langem gefordert worden. Der Abbau des Branntweinmonopols würde den Kontingentierungszwanq. der im Interesse der Bolls- ernährung geboten ist, aufheben und die Spritpreise in die Höhe treiben, außerdem dos Reich einer wichtigen und bisher infolge un- zulässiger Verwaltung und mfolg« der Inflation nur allzu wenig ausgenutzten Einnahmequelle berauben. Di« Verhandlungen werden uns als aussichtsreich bezeichnet. Einig« Gruppen von Graß- brennereien versprechen sich von dem projektierten Abbau der Reichs- Monopolverwaltung größer« Gewinne durch die Bildung eines Zwangssyndikats. das ihnen die unbeschränkt« Herrschaft über den inneren Markt geben würde. Herr von Schlieben, der den Wünschen der Interessenten nicht unzugänglich zu sein scheint, stößt aber bei der Durchführrmg des Planes auf Schwierigkeiten insofern, als das Reichsmonopolamt noch auherordenllich große Sprit» b« st ä n d e hat, zu deren Uebernahme erhebliche und jetzt schwer aufzutreibende Geldmittel gehören, über die die Interessenten nicht verfügen. Sie könnten sie nur durch umfangreiche Kreditgewährungen erholten. Man muß gespannt sein, ob bei der starken Vorliebe des neuen Reichsfinanzmin isters für die rechtsgerichtete Großlandwirt. schaft die Reichsregierung den Mut finden wird, die Liebes- gabenpolitik des kaiserlichen Deutschlands wieder «inzuführen. öaperischer Ehrverlust. Noch immer ein Fall Fechenbach. Aus unser« Darlegungen über die Behandlung von Fachen- b o ch z Begnadigung hat dos bayerisch-offizlös«„Süddeutsche Kor. respondenzbureau" eine offensichllich vom bayerischen Iustizmini- sterium inspirierte Notiz gebracht, in der gesagt wird, daß der gegen Fechenbach und seine beiden Msiv-erurteilten ausgesprochen« Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestehen bleibe. Die bayerische Regierung drückt sich durch diese Notiz um«ine amtliche Beantwortung der Frage herum, ob Fechenbach trotz der Begnadigung, oder richtiger Strafminderung, auch weiterhin mit zehn Jahren Ehrverlust belastet bleiben soll. Da« wundert niemanden, der weiß, daß Bayern das tlasstsch« Land politischer Unwahrhastigkeit und Heuchelei ist. Man lese nur die amtliche bayerische Meldung nach, die am 29. Dezember 1924 die Begnadigung Fechmbachs bekanntgab. Sie begnügt sich nicht damit, wahrheitswidrig zu behaupten, daß nach dem Gutachten des Obersten bayerischen Landesgerichts die Schuld der Angeklagten„einwandfrei feststehe"; vielmehr versteigt sich diese amtliche Msiteilung noch zu der heuchlerischen Bemerkung, die Minderung der Strafen sei trotz der feststehenden Schuld erfolgt, „weil es angezeigt sei, die Strafen den vom Reichs- gericht in ähnlichen Fällen angewendeten Straf- maßen anzupassen". Nun steht aber heute fest, daß da» Reichsgericht im Falle Ritter-Telegramm zu einem freisprechen- den Urteil gekommen wäre. Vom Volksgericht hat aber Fechenbach für die Veröffentlichung des Ritter-Telegramm» zehn Jahr« Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust bekommen! Was soll da die innerlich unwahre Phrase von der„Anpassung an die Rechtsprechung des Reichsgerichts m ähnlichen Mllen"? Für die B«- richte an das Bureau Gargas wurde Fechenbach zu fünf Iahren Festungshaft verurteilt, umgewandelt in ein Jahr Zuchthaus. Fechcn- dach hat aber schon zwei Jahre vier Monat« Zuchthau» verbüßt! Hätte nian die Anpassung an die Rechtsprechung des Reichs- gerichts wirklich ehrlich gewollt, so gab es nur eines: völlig« Begnadigung Fechenbachs ohne Bewährungsfrist, Beseitigung de« Ehrverlustes und öffentliche Rehabilitierung des zu Unrecht Der- urteilten, wie das vom bayerischen Iustizminister im Landtag bei Beratung des Volksgerichtsgesetzes im Juli 1919 für solche Fälle zu- gesichert wurde. Aber nichts von alledem! Nur verlogene Phrasen, die ver- schieiern sollen, daß im Falle Fechenbach mit der sogenannten Be- gnadigung ein schwerer Fehlspruch des Münchener Volksgerichts in aller Oeffentlichkeit eingestanden werden'mußte. Das letzte Wort über die Urteile der bayerischen Volksgerichte im allgemeinen und über den Fall Fechenbach im besonderen ist noch nicht gesprochen. Und die Ehre kann Fachenbach durch bayerische Institutionen zwar formell, aber nicht tatsächlich abgesprochen werden. Wie die Dinge nun liegen, muß der Reichstag um so mich- drücklicher für die Annahme des Einwurfs über die W i« d« r a u f> nahm« von durch B o l ts ger ich ts ur t« ile abge- schloffen« Verfahren Sorg« tragen. Dann wird«in« große Zahl von Menschen, denen vom Dolksgerichi Unrecht geschehen, zu ihrem Recht kommen und auch Fechenbach bekommt dadurch die Müg- lichkeit, trotz aller Heuchelei, sich in einem Wiederaufnahmeprozeß vor dem Reichsgericht zu rehabilitieren. Unverfrorenheit von Stinnes. Da» Wirtschaftsorgan der Familie Stinnes, die„Indu» st r i e- und Handelszeitung", verteidigt den 70()-Millioiwn. Skandal mit folgender unoerfrorenen Behauptung: „Wenn allerdings der„Vorwärts" über die Höhe der den Ruhrindustriellen gewährten Entschädigung jammert, so wird man ihn mit aller Höflichkeit darauf aufmerksam machen dürfen, daß ein großer Teil der jetzt zur Auszahlung gelangenden Sum- den in sich die Lohnforderungen birgt, die damals seitens der Arbeiter und Angestellten im Ruhrgebiet er- hoben wurden." Bom 1. Januar 1924 an haben die Ruhrbergindustriellsn die Schichtlöhne um rund 1 Mark gedrückt. Wieviel hundert Millionen hat die Arbeiterschaft ihnen damit schon Eni- schädigung gezahlt? Wie groß ist die Entschädigung, die der Stinnes-Konzern durch diesen Lohndruck aus der Arbeiterschaft herausgepreßt hat? Wieviel von den 799 Millionen hat der Stinnes-Konzern«r- halten? Der Untersuchungsausfthuß. Tintenfischtaktik der Deutschnationalen. In: Untersuchungsausschuß des Landtags über die Krcditwirtjchast der Staatsbank teille vor Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen der Vorsitzende Dr. Leidig