Abendausgabe Nr. 6942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 34 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Liudenstraße 3 Ferafprecher: Dönhof 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Dienstag 10. Februar 1925 Norwärts= Berliner Volksblatt Berlag und anzeigenabtetime: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Deutschnationaler Zeugenkauf. Paßfälscher, Zuchthäusler, Irrenhäusler und deutschnationaler Vertrauensmann Noch ist nicht vergessen, welche Ehrenmänner die Deutsch nationalen als Zeugen im Magdeburger Prozeß des Reichspräsidenten gegen einen völlischen Berleumder aufmarschieren ließen: Der Syrig, der von dem deutschnationalen Landtagsabgeordneten Pfarrer Koch in Wahlversammlungen geworben wurde, und der sich als Lügner und. Dieb erwies; und jener Käsemacher Gobert, der am letzten Tage der Beweisaufnahme als Beuge auftauchte, megen seines ,, graden aufrechten Wesens von der deutschnationalen Bresse über den grünen Klee gelobt wurde und schließlich als viel fach vorbestrafter Unterstützungsschwindler entlarnt werden konnte. Die Reihe dieser Kronzeugen scheint aber noch nicht erschöpft zu sein. Das ,, Berliner Tageblatt" bringt heute neue Enthüllungen über die Art, wie die Deutfchnationalen in trauter Gemeinschaft mit völkischen Agitatoren 3eugen für den Magdeburger Prozeß zu werben und zu kaufen bemüht waren. Ueber einen von diesen Ehrenbürgern des völkischen Staates fagt das Berliner Tageblatt": Es gibt einen Herrn Jsid or Kreil aus Rallmünz in Bayern. Ein Handlungsreisender. Trotz des Vornamens auch für Bölkische annehmbar. 3war mit einigen Schönheitsfehlern behaftet. Der Mann hat einige Jahre im Zuchthaus gefeffen. Wegen schweren Diebstahls. Auch sonst ist er mehrmals wegen Eigentumsvergehens verurteilt. Im Kriege ist er wegen Fahnenflucht bestraft. Nach dem Kriege megen Hochverrats, begangen durch Beteiligung an der Münchener Räteregierung. Einige Zeit war er auch zur Beobochtung seines Geisteszustandes in einer Jrrenanstalt unter gebracht. Gleichwohl Der Mann wird's machen. Er weiß mehr als Syrig und Gobert zusammen.. Diefer Ifidor Kreil hat den leichtgläubigen, aber wiffens hungrigen Deutschnationalen folgendes als sein Geheimmissen perraten: Er tot von 1916 bis 1918 Rurierdienste für die deutsche Mehrheits- Sozialdemokratie. Er brachte verschlossene Leder mappen geheimnisvollen Inhalts vom Gewerkschaftshaus am Engelufer nach Bern und umgefehrt. Für diese landesverräterische Verbindung mit dem Feind wurden die Mehrheitssozialisten natürlich bezahlt. Fünfhundert tausend Franfen brachte Kreil im Jahre 1917 von Bern nach Berlin und lieferte sie prompt im Gewertschaftshause ab. Borangegangen waren Briefe des damaligen Reichstagsabgeordneten Ebert Kreil sah dann auch Ebert in Ronstanz am Bodensee ( der Reichspräsident hat diese Stadt noch nie betreten). In Be. gleitung pon ausländischen Offizieren. Die maren natürlich in Zivil. Im Fremdenbuch des Hotels trug fich Ebert vorsichtig als Ehrensberger ein. Kreil aber, das versprachen ihm damals die Mehrheitssozialisten, sollte in der neuen Republik Staatsfetretär werden. Die wichtigsten Dokumente, so be hauptet er, find noch in der Schweiz. Die tann er von dort beforgen. Argentinier allerdings gegen Sicherheit bald auf freien| morden. Das hiesige M.-S. Organ hätte uns. Namen mit Bonne Fuß gefeßt, so daß er rechtzeitig verschwinden konnte. Ifidor aufgegriffen. Inwiefern Sie Ünannehmlichfeiten hatten, ist mir Kreil aber wurde wegen Baßfälschung von der badischen dunkel. Hier Klafft eine Lüde. Grenzpolizei verhaftet und figt jest wieder hinter Schloß und Riegel. Dabei wurden ihm allerlei interessante Dotumente abgenommen, selbst die, die er an einem verschwiegenen Orte schleunigst verschwinden lassen mollte. Einige von den Dokumenten, die der Behörde in die Hände fielen, gibt das Berliner Tageblatt" im Wortlaut wieder, und wir laffen sie weiter unten gleichfalls folgen. Diese Briefe stammen von einem völlischen Agitator Der Thurn legt dem Kreileine fertige Aussage namens Thurn in Augsburg, und sprechen für sich selbst. nach dem System Koch zur Unterschrift vor. Sie ist indessen gar nicht mehr in die Hände Kreils gekommen, sondern, wie wir erfahren, von der Staatsanwaltschaft direkt beschlagnahmt worden. Rührend ist der Glaube der völkischdeutschnationalen Gesellschaft, durch die Aussagen eines Irrenhäuslers die Sozialdemokratie niederschlagen zu fönnen. Mehrheitssozialdemokratie stürzt, Bonzen flüchten", schreibt Thurn im Borgefühl des Sieges, und er versichert gleichzeitig: Ihnen wird nie etwas geschehen, im Gegenteil. Geholfen tann Ihnen auch werden!" die Berufungsverhandlung im Prozeß des Reichs Am 17. Februar foll vor der Magdeburger Straffammer präsidenten gegen die völkischen Verleumder beginnen. Es fcheint uns notwendig, die Forstner und Bindewald, die Thurn und Kreil als Zeugen zu laden, um vor dem Gericht festzustellen, mit welchen mitteln einer höheren Moral die Deutschynationalen noch vor der Wahl Zeugen zu faufen suchten, um den Repräsentanten des Reiches und bie Sozialdemokratie niederzuheben. Es fann für das Be rufungsgericht nicht gleichgültig sein, welcher Art die Mittel und welchen Ursprungs die Gelder sind, die zu diesem Beugenta uf dienten. Auf die ganze Beweisführung des Angeklagten und seiner Helfershelfer würde die Aufrollung dieser Dokumentengeschichte ein noch grelleres Licht werfen, als die Geschichte der Zeugen Syrig und Gobert. Aber über den Schwurgerichtssaal von Magdeburg hin weg hat die ganze Deffentlichkeit ein Recht auf die Frage, woher die Deutschnationale Partei die Stirn nimmt, moralische Entrüstung über angebliche Korruption und Un moral der anderen zu heucheln, während sie selbst vor den verwerflichsten Mitteln nicht zurückschredt, wenn es gilt, Wahlgeschäfte auf Kosten des Ansehens des Deutschen Reiches und seines Präsidenten zu machen! Die fertige Aussage. Aus den vorliegenden urkundlichen Material veröffent. lichen wir im folgenden einige Proben: I. Borderseite des Briefumschlags. Herrn Ifidor Ktrell, St. Interfudungsgefängnis im Bern/ Schweiz Bezirtsgefängnis Bern entlaffen menden! Ganz abgesehen davon, daß der Reichspräsident bis heute noch die Stadt Konstanz nicht be. treten hat, find die Behauptungen des Ifidor Kreil so mahnmißig, daß fie bei seinem Aufenthalt in der Irrenanstalt erfunden sein tönnten. Nichtsdestoweniger ist er für die deutschnationalen Drahtzieher des Magdeburger Pro geffes ein glaubwürdiger Ehrenmann und hat, immer nach dem Berliner Tageblatt", lebhaften Brief- und Telegrammperfehr mit den prominentesten Berfonen, NB. Bem abgereift, nochfenden! Hauptpoftlagernd i die auf der Seite des Angeklagten in Magdeburg agierten. Der deutschnationale Parteisekretär von Forstner, Kornettentapitän a. D. und Entdecker der Tatsache, Abf. H. Thurn in Augsburg i. Bayern, Karolinenſtr. C. 22-23/ 4. daß Ludendorff im September 1918 den Waffenstillstand Rüdseite des Briefumschlags. Stuttgart Deutschland. nur deshalb innerhalb 48 Stunden verlangt habe, weil im Boststempel( Aufgabe) Augsburg, 11. 1. 25 4-5 n. Januar 1918 ein Munitionsarbeiterstreit von wenigen Tagen stattgefunden hatte, dieser Forstner schreibt dem Isidor Kreil ,,, die Sache" müsse noch vor den Wahlen in allen Buntten flargestellt werden. Noch vor den Wahlen müsse man Ebertöffentlich fragen tönnen, weshalb er während des Krieges mit der Schweiz einen Kurierdienst unterhalten habe. Aber noch vor den Wahlen, dann bekomme man auch reichlich Geld dafür! Augsburg, 10. 1. 25. Karolinenftr. C. 22-23/ 4. Herrn If. Kreil, 3. 3t. Bern. Betreff: Ihr Brief vom 6. 1. Tatsächlich wurde Kreil auch mit Geld reichlich versorgt. Rothardt, der Angeklagte aus Staßfurt, schreibt eben falls an Kreil und versichert, daß es an Gelb nichtmangeln solle. Und der Magdeburger Rechtsanwalt und Notar Bindewald, der Berteidiger Rothardts, schreibt gleich falls, daß, often erfegt werden, und fragt, wiebiel Borschuß gebraucht wird. Tatsächlich reist der Deserteur und Zuchthäusler Kreil nach der Schweiz. In seiner Begleitung fährt ein angeblicher Kaufmann Maaß aus Darmstadt, dem Orte, wo der deutsch nationale Parteisetretär v. Forstner feinen Siz hat. Maaß ist angeblich Argentinier, aber er hat das gleiche Interesse wie Forstner, aus der Schweiz Dolu mente zu holen, die vermeintlich den deutschen Reichspräfidenten moralisch vernichten fönnten. Aber der Kreil und der Maaß haben falsche Bäife. Sie werden deshalb in Bern festgenommen. Maaß wird als Sehr geehrter Herr Kr., für Ihre Zuschrift danke ich u. bin über derzeitigen Aufenthalt erstaunt. Ihre Fragen beantworte ich wie folgt: 1. Es geht mir wie es eben heute geht. Feiertage hätten von mir aus nicht kommen brauchen. Ich habe seit unserem legten Gehen ( Anfang Dezember 1924) sehr viel durchgemacht, mußte alles ausbaden, auch finanziell, auch heute noch. 2. Hochzoll wird befolgt, fommen übrigens sehr selten nach dort. 3. Mit Hr. W. stehe ich nicht in Verbindung, 8. 3t. ist, wie ich erfahre, 3. 3. verreift tommen. 4. Dr. Fr. ist auch nicht hier, soll aber die nächsten Tage zurück 5. Pfarrer Traub schrieb ich zweimal, feine Antwort, es ist mir gefant worden, er hätte verschiedentlich schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn Sie ihm schreiben wollen, er wohnt: Solln bei München, Wolfratshauser Straße( die Adresse genügt). 6. Bezüglich Hr. Heim. Was Sie schreiben, ist mir unbetannt. Rann wohl auch taum sein. Die Sache mit dem Brief ist nur Behauptung des Hr. H.,( wenn er es getan hat!), ber jeder Grund fehlt. Der Brief tann ja auch eine Irreführung sein. Einem beliebigen ohne Beweisgrund, schenkt das Gericht wohl taum Aufmerk famfeit. m.-.-.- 3tg., die ihn genau gegeben hat, verfolgt. Da war von Außerdem aber habe ich täglich den Bericht der solchem Brief nicht bie Stebe, auch uns. Name ist nicht genannt Wenn ich etwas tun fann, ge Ich bedaure Ihre Lage sehr. schieht es. Unsere Sache fann aber erneut aufgegriffen werden, ich bin eten darüber, aber nicht mit Hr. v. F. tommt auf Sie an. Joh glaube, daß Sie wollen. Ich werde Ihnen in einigen Tagen ent. iprechendes vorlegen. In Deutschland( Berlin) geht es 3. 3t. toll zu. Große Kor. ruptions herde( Geldsachen) sind aufgedeckt morden. Barla. T. Riaffe.( Damit ist der Reichspräsident gemeint. Die Red.) Weltmentarier, Minister schwer belastet, einschl. Ihres ehe maligen Freundes( des ganz großen von Konstanz). Schweinerei I. standal. Jetzt ist es Zeit, das Material den Allerhöchsten an den Kopf zu werfen. Weiterer Brief folgt. Besten Gruß. gez. H. Th. II. Borderseite des Briefumschlages! Herrn Isidor Kreil, z. 3t. Untersuchungsgefängnis, Bern/ Schmetz Wenden! Rückseite des Briefumschlags! NB. Benn abgereift, nachsenden nach Stuttgart in Deutschland. Hauptpostlagernd. Abs. H. Th. in Augsburg, Bayern, C 22/23/4 Berkehrsausstellung: München 1925- Juni- Oktober. Der Brief ist verschlossen mit einer Reflamemarte: Deutsche Berkehrsausstellung: München 1925 Augsburg i. B., den 14. 1. 25. Karolinenftr. C 22-23/ 4. Herrn Is. Kreil, z. 3t. Untersuch.- Gef., Sehr geehrter Herr Str.! ald Bern Sache. Ich habe es nun aufgenommen, auch mit her. gesprochen, Im Nachtrag zu m. Brief, fomme ich nun wieder auf unsere aber nicht mit Sr. v. F. In Deutschland geht es zu mie in einem Affenstall, feine Regierung, täglich neue Enthüllun gen über die MSP.- Korruption, Bestechungen in bentbar größtem Ausmaß. Die MSP.- Tage sind gezählt. Der Revisionsprozeß Rat hardt soll in Magdeburg Ende Februar/ Anfang März d. 3. steiger vor dein Landgericht dort. Zuerst gedachten es die Herren MS. bis Was Sie wissen und bezeugen tönnen, ist von orößter Bichtigkeit Juli zu schieben, aber angesichts der Enthüllungen eilt es ihnen. unsere Sache eitt angesichts des furzen Termins Es genügt aber, wenn Sie vorerst mal die Hauptpuntte, wie zwischen uns oft be sprochen, und wie ich solche anbei beigelegt habe, mit Ihrer Unter schrift beglaubigen. Ich lege Ihnen das Konzept bei, Herr Kreil, ich bitte Sie, sehen Sie Ihre Unterschrift darunter. Aendern Sie nichts an der von mir verabfaßten Erklärung, wie sie beiliegt. Senden Sie die Erklärung unterschrieben, mit Tinte, wendend, an mich zurüd. Ich sage Ihnen Kr., MSP. ftürzt, Bonzen flüchten. Glauben Sie mir. Ich versichere Sie, ich werde mich für Sie einfegen, Ihnen wird nie etwas geschehen, im Gegenteil Geholfen fann Ihnen auch werden. Und was fich gehört, geschieht auch. Also nochmals: Handeln Sie, wie wir so oft besprochen, lassen Sie alle Verstimmungen uff. abseits. Ich ermarte mendend die Rückgabe der unterschriebenen Er. flärung. Weiteres folgt dann. Mit beftem Gruß Ihr gez. 5. Th. 1 Anlage. 2 Bogen: Erklärung. 1 Rouvert. 2 Coupons, umzutauschen gegen Marken zur Rücksendung. NB. 15. I. Sprach gestern mit noch jemand, der etwas zu sagen hat, es wird für Sie eingetreten, bestimmt aber biffe Dokument gleich zurüd. D. D. III. Diesem Brief lag die folgende Anlage bei: Festgelegt: Augsburg i. B. Erklärung: T. 1925. Ich, Unterzeichneter Kaufmann und Journalist Isidor Kreil aus Kallmünz i. d. Oberpfalz( Bayern), erfläre mich hiermit bereit, jederzeit nachstehende Punkte vor einem Notar oder Rechtsanwalt, oder vor einem Gericht eidlich zu erhärten. 1. Ich kam im Jahre 1916 nach der Schweiz, wandte mich an den Gesandten Dr. Jaffee, mir beizustehen, dieser sagte, er habe vielleicht später etwas für mich.( Den Gesandten Jaffee fannte ich von früher.) Hauptstadt Bern in der Schweiz und Berlin Kurier. 2. Später machte mir Dr. Jaffee den Vorschlag, zwischen der dienste zu verrichten. 3. Ich nahm das Angebot zu 2 an, verrichtete, weil in Not, von 1916 bis 1918 zwischen vorgenannten Orten Kurierdienste, die darin bestanden, daß ich jeweils acht bis vierzehntägig zwischen den beiden Orten eine Ledermappe. die verfchloffen und mit Inhalt, hin und her zu befördern hatte und selbe in Berlin jeweils im Ge wertschaftshause, Engelufer, abzugeben hatte. Bon dort nahm ich die Ledermappe mit Schriftstiden gefüllt, jeweils wieder mit nach Berlin( foll offenbar„ Bern heißen. D. Red.) zurüd. Ich reifte auf Ronfulatspaß, biefer lautete auf den Namen Corbular, 4. Im Srtljrc 1917 brachte ich einmal auf diesem meii�en!�e?ss- weg non Bern nach Berlin zirka 590000 Frank und lieferte diese» Betrag, wie immer, im Gewerk schaftshaukeam Engel. ufer ab. Dieser Geldsendung naraus ging ein Briefwechsel zwischen einem seinerzeit Äeichstagsabgeördneten und Mehr- ysitssozialisten E. sgemeiiN ist Ebert. Die Red.), hierzu noch Detailangoben. Z. Mir war versprochen, in der neuen Republik seinerzeit „T t a a t s s e k r e t ä r zu werden. 6. Im Jahre 1917 kam ich in ein Hotel nach Konstanz o. B. Dortselbst traf ich den unter 4. genannten Herr« E.. den ich zum ersten Male sah: in dessen Gesellschaft befanden sich zwei aus- ländifcheOffiziere in�ioil.(Nähere Details hierzu noch.) Herr E. hat sich seinerzeit in das Fremdenbuch des Hotels als Ehrensderger eingetragen, was ich selbst gesehen habe. 7. Im Lahr« 1918/19 fragte mich der unter 1 benannte Herr E.. ob ich von m. s. Zt. Kuriertätigkcit allesverräumt habe, worauf ich sagte:„Was denn..." 8. Als im Jahre 1917 in Hochzoll bei Augsburg ein Eisen- bahnunglück passierte, sagte man mir bei meiner Ankunft in Berlin im Gewerkschaftshausc, wenn mir auf meinen Reisen als Kurier mal so ein Unglück in die Quere käme, soll ich olles, was in der Ledermappe sei, oe r n i ch t e n. Auf m. Frage, warum, wozu, gab man mir zun Antwort, es brauche doch kein Mensch zu wissen, was in der Mappe sei. Dies sind die Hauptpunkte. Details zu 1 bis 8 bin ich bereit. wie eingangs dieses erwähnt, jederzeit zu geben, bzw. s. Zt. vor Gericht. Ich unterzeichne die vorstehenden Punkte 1 bis 8 m. Unter- schritt. Laut Unterschrist! Kaufmann und Journalfft. Wahl ües preußischen Ministerpräsidenten. Heute Entscheidung im Landtag. Heute mittag um 2 Uhr beginnt die Landtagssitzung, die die Wahl des Ministerpräsidenten nach dem Rücktritt des Ge- nosien Braun vorzunehmen hat. Die Parteien der Weimarer Koalition schlagen diesmal den früheren Reichskanzler Dr. Marx vor. Mit seiner Wahl ist unzweifelhaft zu rechnen. Die Kandidatur Dr. Marx begegnet in der Rechtspresse einer ungewöhnlichen Zurückhaltung. Offenbar sind sich die Rechts- Parteien darüber im klaren, daß diese Kandidatur ihnen politisch die größten Schwierigkeiten bereiten wird. Die„Ger- mania" wird s e h r d e u tl ich und läßt durchblicken, daß das Zentrum sich unter keinen Umständen einen Sturz des früheren Reichskanzlers gefallen lassen wird, und daß ein solches Vor- gehen der Rechtsparteien weittragende Folgen haben müßte. Die„Z e i r hat die Sprache vollständig verloren, mir die schwerindustrielle„D. 21. Z." bläst nach wie vor kriegerisch ins Horn. Im 2lnschluß an die Wahl des Ministerpräsidenten findet die zweite Wahl des Landtagspräsidenten statt. Die Pressemeldungen, daß die Fraktion den Genossen Vraun vor- schlagen wolle, sind vollkommen unzutreffend. Genosse SB a r- tele ist nach wie vor der Kandidat für den Posten des Land- tagspräsidenten und wird auch von den beiden anderen Frak- tionsn der Weimarer Koalition gewählt werden. ♦ Genosse Otto Braun ist seit einigen Tagen infolge eines schweren Jschiasanfall? bettlägerig und kann mfolgedesien an der heutigen Abstimmung im Landtag nicht teilnehmen die tägliche verleumüung. HilferdingS Landesverrat. Wie dielte die r e u z» Z« i t u n g" es aus, wenn sie nicht mindestens sechsmal in der Woche den Landesverrat «ine? Sozialdemokraten feststellen könnte! Dann müßte sie ihr Erscheinen einstellen. Sie hätte keine Daseinsberechtigung mehr. Wir haben heute morgen schon dos widerwärtige Ver- halten der„Z e i t" und des„Lokal-Anzeiger" festge- stellt. Heute früh schließen sich diesem ekelhaften Treiben die „Kreuz-Ze'tung" und die„Deutsche Tageszeitung� an Die „Kreuz-Zestung" ist dabei so geistreich, über Hilferdings in Grenodle gehaltene Rede folgendes zu schreiben:' „Nach einem Bericht der gewiß nicht nationalistisch verdächtigen E. P.-Äorrespondenz— der vom„Wolsfschen Telegraphenbureau" herausgegebene Bericht verschweigt schamhaft die Stelle— hat Hilferding im Derlaus seiner Rede die französischen Sozialisten er- sucht,„einer deutschen reaktionären Regierung keine Konzessionen zu machen, weil sonst die Ak- tionskraft der Sozialisten geschwächt würde". Am Schluß der Rede trat Hilserding für die baldige Räumung dcrÄölner Zone ein,„denn wenn dies geschehe, so würde der Kampf der Sozialisten gegen die Reaktion in Deutschland erleichtert werden"." Wer nicht ganz deutschnational verblödet ist, müßte auf den Gedanken kommen, daß der letzte Satz dem ersten dia- metral widerspricht und daß infolgedessen der Bericht in dieser Form nicht stimmen kann. Deutschnationale Blätter rechnen aber offenbar mit der Dummheit ihrer Leser und hoffen, daß ihre ekelhafte Giftmischerei doch die gewünschten Spuren hinterläßt. Die„Deutsche Tageszeitung" hat die Frechheit, die Meldung der EP.-Korrespondenz mit der Ueberschrift zu versehen:„So etwas war deutscher Minister". Im Reichstag haben sich gestern die Deutschnationalen künstlich darüber aufgeregt, daß die Sozialdemokraten angeb- lich außenpolitische Fragen mit innerpolitischen Differenzen verquickten, weil sie die deutschnationale Reichstagsfraktion zwangen, endlich einmal Farbe zu bekennen und ihre wider- liche demagogische Hetzerei an den Pranger stellten. Die deutschnationale Polemik gegen die Rede Hilferdings ist ein Schulbeispiel dafür, wie die Rechtskreise es verstehen, innenpolitische Hetze mit außenpolitischen Fragen zu treiben. SiVenn die„Deutsche Tageszeitung" nach dem S t a a t s a n- w a l t und nach der Regierung ruft, dann weiß man, wie dieses künstlich aufgemachte Geschrei zu bewerten ist. Der Staatsanwalt könnte schon Arbeit finden, wenn er einmal daran ginge, diesen berufsmäßigen Verleumdern das Hand- werk gründlich zu legen. Unsoziale Steuerpolitik. Tas Programm der Regierung.— Herabsetzung der Besitzstcucrn.— Keine Ermäßigung von Lohn- und Umsatzsteuern. Der Steuerausschuß des Reichstags trat am Dienstag- vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Staatssekretär P o p i tz gab eine Uebersicht über die steuerpolitischen Absichten der Reichsregierung. Slluch derjenige, der von einer Rechtsregierung eine Fortführung der bisheri» gen unsozialen Finanzpolittt erwartet hatte, wurde über- rascht. Die Rede des Staatssekretärs war ein einziges Plädoyer für die Milderung der Steuer- lasten des Besitzes, insbesondere der großen Konzerne und der Agrarier. Er lehnte ferner eine allgemeine Herabsetzung der Lohn st euer rundweg ab und teilte mit, daß die Reichsregierung keine Senkung der Umsatzsteuer vorschlage. Es war deshalb durchaus zu begreifen, daß die D e u t s ch n a t i o n a l« n von dem In- halt der Rede entzückt waren und ein Redner von ihnen sie als einen„sehrerfreulichenAusblick" bezeichnete. Im einzelnen führte Staatssekretär P o p i tz aus: Die Steuer- entwürfe liegen jetzt dem Reichsrat vor. Es fehlt nur noch der Entwurf über den Finanzausgleich. Schnellste Beratung der Vorlagen ist notwendig, schon wegen des Zusammenhang» mit den Ausgaben, die durch die zahlreichen Anträge der Parteien ver- langt werden und ivegen der Aufwertungsfrage. Besonders die'Aufwertimgsfrag« kann nicht losgelöst von der Gestaltung der Einnahmen behandelt«erden. Di« Reichsregierung legt folgende Sefehentwürfe vor: 1. Steuerüberleitungsgesetz, 8. Einkommensteuergesetz, Z. Körper- schaftsleuergesetz, 4. Vermögens- und Erbschastssteuergesetz, 5. Reichs- bewertungsgesetz. 6. Berkehrssteuergesetz und 7. Gesetz über die SSesteuerungsrechte von Reich, Ländern und Gemeinden. s Die grundsätzliche Betrachtung dieser EnttvSrse müll« j ausgehen von der Erwägung, daß die Rückkehr zu den Frieden:-- ' stcuerjätzen unmöglich sei. Die Aufgabe der jetzigen-Steuerreform sei ober auch nicht die Erhöhung der Steuersötze. Nach TUöglichkert müsse man die berechkigten wünsche der Wirtschaft ersüllen. Das gelte insbesondere von der Wiederherstellung des Rechlsschotzes und der Rechtssicherheit auf steuerlichem Gebiet. Die Jnjlarion habe diese Grundsätze gemildert, der Rechtsmittelweg ist in weitem Umfang ausgeschaltet worden. Jetzt könne man ohne Gefahren den Rechts schütz gemäß den Bestimmungen der Reichsabgabenordnung wieder einführen. Die Derzugszuschläg« und Zinsen seien bereüs herabgesetzt worden. Künftig müßten auch die Delegationen für die Reichssinanzoerwaltung eingeschränkt werden, da es möglich sei, alle Rechtsvorschriften in den Steuergesetzen unterzubringen. Die Beseitigung der einheitliche« Reichssteueroerwaliuog erklärt Popiy für nicht denkbar. Deutschland sei ein einheitliches Wirtschaftsgebiet mit einheitlichen Steuergesetzen, daher sei eine ein- heitliche Derwaltting notwendig, die von einer Stelle aus— Reichsfinanzministerium— geleitet werden müsse. Bei der Frage der Stundung oder des Erlasses von Steuern sei das besonders deutlich zu sehen. Wenn hier jedes Land selbständig vorgehe, so werde der damit geschaffene Zustand unerträglich. Man sei jedoch bereit, die Behörden der Länder und Gemeinden stärker als bisher an der Ver- anlagung zu beteiligen. Im Reichsbewertungsgejetz sei bereits Hör gesehen, daß Bewertungsausschüsse, in denen Vertreter des Reichs, der Länder und Gemeinden zusammenwirken, eingesetzt werden. Für die Steuergesetze gelte der Grundsatz der Mrtschasilichkeit. Ihm dien« in erster Linie das Reichsbewertungsgesetz. Die Ver- mögenswerte sollen künftig einheitlich festgesieUt werden und zwingend sein für Reich, Länder und Gemeinden. Es ist ferner an die Beseitigung der schnell auseinander folgenden Sleuerzahlungen gedacht. Bei der Einkommensteuer sollen die monatlichen durch vierteljährliche Zahlungen ersetzt werden. Die Zahlungen der Landwirtschaft sollen nur dreimal im Jahre, und zwar am 15. Februar. 15. Mai und 15. November stattfinden. Auch die Bemessung der Steuerlast müsse nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen. Man sei mit der Wirtschast darin einverstanden, daß die Besteuerung nach äußeren Merkmalen(Vermögen, Umsatz), wie sie jetzt bestehe, aushören müsse, und das sobald als möglich zur Bs- steuerung nach dem wirtlichen Ertrag zurückzukehren sei. wir habe« bisher viel zu hohe Steuersähe gehabt. Vorwürfe darüber aber sind nicht berechtigt, denn in der ganzen Welt sah man in der Erhöhung der �Steuersätze eine Mög- lichkeit der Steigerung des Steuertrags. Ueberall Hab« man das als Fehlschlag erkannt und mit dem Sinken der Steuermoral bezahlen müssen. Als Höchstsatz bei der Einkommensteuer sei-ine tatsächliche Belastung von ZZl« Proz. geplant. Die E n t l a st u n g der mit t leren und unteren Gruppen sei zwar erwünscht, aber uicht möglich. Man müsse auch bei der Einkommensteuer an der unteren Grenze von 10 Proz. festhalten. Eine tatsächliche Belastung von 15 Proz. würde bei 24 000, von 20 Proz. bei 48 000, von 25 Proz. bei 100 000 und von 3Z� Proz. bei 600 000 TO. erreicht werden. Der gering« Satz von 0,5 Proz. bei der V e r m ö g« u s st« u e r solle nicht weiter ermäßigt werden! Bei der besonderen Lage Deutschlands, m»des andere w Lw- betrocht der Notwendigkeit der Äapitalbildung„ s««ine Schonung de, Kapilalverwögeu« geboten Di« Entwürfe der Reichsregierung sehen deshalb vor: 1. daß die Progression bei der Bermögsnssteuer, die bis auf 0,75 Proz. anstieg, fortfällt. 2. die bestehend« Vermögens- steuer soll in nächster Zeit nicht erhoben werden. Z. auch die Vorbelastung des Kapitalertrags mit 10 Proz. soll nicht er- hoben werden, 4. für die Kapitalverkehrssteuern, insbesondere die Gesellschaftssteuer, sind niedriger« Sätze beabsichtigt, 5. auch bei der Besteuerung der Schachtelgesellschaften soll ei» g«� Misses Entgegenkommen gezeigt werden. Blutes, des lieben Sohne, geht, dann brechen alle Gefühl« auf, dann loben sie ungehemmt und ins Uferlose, dann wird dieser norwegische Ätinnes zu einem wirklich gequälten und bedauernswerten Menschen. Das Lügenidyll am bäusllchen Herde wollte iibxigens der Regisseur des braven Provinzlheaters besonders zeigen. Auf die däüslichen Szenen war die ganze Sorgjalt gerichtet. Daß all« bchandellen Fragen bei Ibsen auch ins allgemeine ginge», wurde kaum merkbar. Auch in dieser Mißdeutung drückte sich ein bedenklich enger Geist au«._ TO. H. Fritz ftlall las am Sonnabend vor einer stattlichen Gemeinde. die nicht nur Menschen aus der Jugendbewegung vereinigte. Ab- slynitte aus gedruckten und ungedruckten Schriften, die„Fragen der Lebenskunst" zu beantworten suchten. Eine Vorlesung non Texten, die zunächst nur für das Auge bestimmt scheinen, hat ihre großen Bedenken, bei einem Menschen, der bei seinen oft sehr feinen Formulierungen nicht stehen bleibt, sonbern mit lebhafter Breite alle Anwendungen selbst aufsucht. So ist sein Buch„Die schöpferische Pause", aus dem mir zunächst«inen Abschnitt über den Körpertag der Menschen hörten,«in bequemes Buch: beim Hören mußte ich freilich oft an F. Th. Bischer? Mahnung denken: „Eine Rede ist keine«chreide" Sprachlich sehr schön und ge- diungener war ein zweites Stück über den Sinn der Liebe. Die Leser dieses Blattes aber würde fraglos der dritte Abschnitt am meisten interessieren, der ein Zusammentressen mit Arbeiterjugend schildert«: Junge Ruhrarbeiter vereinigen die Jugend eines Städt- chens in Spiel und Tanz um sich, doch beim abendlichen Zusammen- sein offenbart sich's, daß sie nur als Gemeinschaft fahrender Leute etwas sind, in ihrem Denken an das Parteidenken gebunden sind, eigenes Denken nicht gelernt boben.— Mir scheint, der Grübler Fritz Klatt, der reflektierend jede Lebensregung zerlegt und druckt, kennt die Not jener ringenden und sich befreienden Jugend nicht. die sich in den Formen der bürgerlichen Jugendbewegung ausdrücken muß, da sie im Gegensatz zum Beruf und zu allen anderen Mächten ihres Lebens noch keine eigenen Formen fand. Ihnen zu eigenem Ausdruck oerhelfen, ist mehr als sie analysieren und verurteilen. selbst wenn's so vornehm und sachlich geschieht wie hier.— Klatt schloß mit einer Betrachtung svrachphilosophijcher Art. die Atem und Rede in feine Wechselbeziehung brachte und das Wort in Schutz nahm gegen den Mißbrauch der Geschwätzigkeit wie gegen die Mißachtung"durch die. denen Schweigen Bald ist oder die in in der Tot den einzigen Maßstab für Leistung sehen. Man kann auf die ganze Arbeil"gespannt sein, aus deren Einleitung sich noch wenig auf den Inhal! des Ganzen schließen läßt. R Zwetz. Ueber„Unsere Saaslerziehvag» lprichl Pros. Riemerschmidt am 12., abends 8 Uhr, im Hörsaal des Kunstgewerbemuseums in der Priu»- Ulbrecht Straße. H. v«erlach"vrichi über da« Tbcma.Pom Qrtindoxen zum A t b e i st e n' an- 12.. Tilb-lmstr 48. in den Räunwn des£o*ia!mlf(. Elub«. ueranftaXtet vom Deutschen"Jioni'ienSunb.«nschlietzend« TiSlustion. Rudolf von Laban» Berliner Bewegung» �«re, die unier Leitung von Hertha Feist stehen, bringen am 23. im B l ü t b n e r- S a a l chorisch« Tanziviele aus den Werken Rudolf von Labans zur Schau. Das Programm enthält». a. Szene» cm».Promethaut-,.ÄgamemnovS Tod- und„Licht- »ende-. Stilwirrwarr. Dritte Tanzmatinee der Volksbühne. Ein« Marine« a-us lauter musiklosen Tänzen ist heut« noch ein SDagnis. Selbst wenn ein Meisterpaar«i« Rudolf von Laban und Gert Ruth Loeszer es unternimmt. Das Publikum der Bolksbühn« ging mit, gab lauten Beifall, aber man hatte doch den Eindruck, daß es nicht recht warm wurde. Lag das wirklich am Fehlen rhythmischer Musikbegleitung t Ich glaub«, nur zum Teil. Die Mehrzahl der Kompositionen war zu kompliziert. Di« liebe rfJiüe sich drängender tänzerischer Motive erschwerte, wie häufig bei Laban, das„Mitschwingen mit der Tanz- um«". Dazu kam, und das war die Hauptfach«, in vielen.Nummern «in« Stilmischung, die unvereinbare Elemente zusammenspanute und «ine einheitliche Wirkung unmöglich machte. Die reine Panwmine des„Duo aus Op. 17"(Nr. 9 des Programms) und die akrobatische Studie der„Phantasmagorie"(Nr. 7) wirkten in ihrer Art ebenso kräftig wie die im strengen abstrakten Stil gehaltene„Formate" (Nr. 5). Aber wo das Pantomimische und das Abstrakt« unvermittelt nebeneinander stehen, wie in Labans Solo„Tanz 79 aus Op. 34", da bekämpft das eine Element die Wirkung des anderen. Das Naturalistische wirkt dann oft als Karibatur und dos Abstrakte wirkt überhaupt nicht, well der Zuschmier eine Natursarm erwartet, wo ihm eine reine Form geboten wird. Der unablässig« Wechsel der Einstellung, der hier vom Aufnehmenden oerlangt wird, ist heute noch eine psychologische Unmöglichkeit. Heut« gilt es, di« Aus- druckskrast des menschlichen Körper» als reiner rhythmisch bewegter Farbform nach allen Richtungen hin stilistisch zu kultivieren, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich hier bieten. Heid das Publi- kum zum Erleben dieses Stils reif zu machen. Ist das doppelte Ziel erreicht, dann mögen naturalistische Elemente in gereinigter und geläuterter Form rrn Tanz wieder Eingang finden. Die Eni- wicklimg der modernen Tanzkunst geht der der bildenden Künste parallel. Wie in der Malerei und Plastik zuerst der sogenannte absolut« Stil klar und sicher hingestellt werden muhte, um die heute sich vollziehend« Wiederkehr de» Gegenständlichen ohne Schaden zu ermöglichen, so muß auch der abstrakte Tanzstil ausgebaut»nd g«. testigt werden,«b« au« seinem Nährboden«ine neue pantomimische Kunst erwachsen kann. Wer diese schon heute zu schaffen unternimmt. ist ein Utop-st, stör ernten will, bevor er geackert und gesät hat. Er wird di« historisch notwendige Entwicklung gewiß nichi umkehren, aber er kann Hindernisse aufbauen und Verwirrungen stiften. Rudtcks von Laban ist der Schöpfer des modernen Tanzes. Er hat ihn aus der Bevormundung durch di« Musik befreit. Das Publi- tum van heut« besitzt für den musiklosen Tanz aber noch nicht die nötig« Aufnahmefähigkeit. Di« körperryhthmische Bewegung geht ihm leickster<-!«, wenn sie weniaster.s durch Gongschläge markiert wird. Trotzdem wird das Publikum sich daran gewöhnen müssen. aus diese UntarfHchung zu nerzichten. Denn der Tanz ist keine Kunst, die zum Gehörsinn spricht, sondern er spricht durch den Ge- sichtsfin» zum törperrhythmifch-n Gefühl. Darum danken wir Laban, daß tt es wagte, ein ganzes Programm aus musiklosen Tänzen zu geb«, Auch hier handelt es sich um«ine llebergangs- erfcheiirnng. Das ideal« Endziel ist nichi der musiklose Tanz, fan- dern das große Bühnenwert, in dem der Rhythmus der. Körper- bewegung, der Musik und des gesprochenen Wortes(Sprechchöre) mit den architektonischen Elementen der Szene organisch zusammen- wirkt. Heute gilt es freilich, das Publikum zum Erleben des Tanzes allein durch das körperrhythmische Gefühl fähig zu machen. Laban ist als theoretischer Wegbahner und als«chöpfer fruchi- barer Motive unvergleichlich größer denn als««übender Tänzer. Da überragt ihn sein« Partnerin Loeszer. Sie verftigt über einen vorzüglich trainierten und durchgebildeten Körper. Ist gleich stark ftn Gang und Sprung, in der sicheren Beherrschung der schwingen- den Glieder(„Duo aus Op. 16". besonders schön ine Brück« am Schluß), wie in der Ausdrucksfähigveit des Rumpfes(„Tanz 215 Op. 25"). In den Duos.47 au» Op. 31" und„21 aus Op. 34" er- gänzten sich die hoch- und tiestänzerischen Charakter« der beiden zu vollkommenen Gesamtharmonien. John Schikow»ki. der„Dolksfeiuü�im Deutschen Theater. Der Abend verlies, als wäre Herr Albert Basfermonn an ein anständiges Provinztheater zu Gast gekommen. Nun gaben sich alle Mitglieder sehr viel Mühe, dem illustren Manne zu gefalle». Man konnte sehen, daß auch an dieser kleinen Bühne manche Talente blühten, wie etwa Herr Walter Fried, der einen knurrigen und verknoteten Schiffsbaumeister mit großer Anstrengung seiner vor- handenen Kräfte spielte. Man konnte sich auch darüber freuen, daß an diesem Provinztheater ein Fräulein Hermine S t e r l e r wirkt, die als Gattin des Konsuls Bernick, des eben noch falschen, dann aber zur Echtheit zurückgeführten Beschützers der Menjchmoral«ine schmelzende Weichheit erwies. Sonst hatten der Direktor und Regisseur wohl Schwierigkeiten, die richtigen Leute für das zahlreich gebrauchte Personal herauszufinden. Man möchte dein Theater wünschen, daß es sich bald von diesem Personalmangel befreie. Denn es ist nicht imstande, wichtige Rollen des I b) e n scheu Stückes, wie etwa die beiden Amerikafahrer, zweckmäßig zu besetzen. Der Gast selber bemühte sich, seine in Ehrsürcht harrenden Kollegen nicht allzu sehr in den Schatten zu stellen. Er sparte offenbar mit seinen Kräften. Und sicher war es ibm auch im Wege, duß die Darstellerin der Loya Hessel, die Perleidigerin des guten und moralischen Freiheitsdranges, nicht aus einem schönen Herzen, sondern nur aus einer angestrengt bemühten Kehle ihre Tiraden gegen die Heuchelei der Menjchöu hervorbringen tonnte. Diese Missionarin des gesunden Menschenverstandes muß selber ungeheuer gesund wirken, nicht wie ein« gesteigerte Templerenzlerin oder Haupt- männin der Heilsarmee. Der berühmte Gast versuchte Hingebung»- voll diese Schwächen zu smirmen Darum wurde er selbst häufig in der Entfaltung seiner Prachtmittel gehindert. Im übrigen dachte Basjermann sich den Konsul Bernick, der seinen guten Ruf zwei Jahrzelmtelong mit der Lüge und Heuchelei nährt, zunächst als cinen überlegenen Haiardspieler. Konsul Bernick spürt wohl, daß er der stärkste Kops untei all diesen bornierten des norwegischen Krähwinkels ist. Darum erhctzt er sich nicht iehr, wenn er entlarvt wird als ein Mann, der gegen mündetsichere Moralsäge gesündigt hat. Das Niedertreten der Allgemeinheft macht ihm wenig Schmerzen. Nur, wenn es um das Leben des eigenen Fleisches und Als das Gegenstid zu diefen meitgehenben Erleichterungen für den Besiz bezeichnete der Staatssekretär die etwas stärkere" Gestaltung der Erbschaftssteuer. Die Besteuerung des Kindeserbes foll bis 15 Broz. gehen, die Befreiung der Ehegatten( Fall Stinnes) nur insoweit eingeschränkt werden, als die Ehen tinderlos find. Für die Wirtschaft werde es meiter außer. ordentlich bedeutsam sein, daß Steuererleichterungen für aus. mandernde Deutsche vorgesehen sind. Ferner werde die Reichs. regierung vorschlagen, daß Betriebe der öffentlichen Hand derselben Besteuerung unterliegen wie Privatunternehmungen. Orden. famp, in ber Urteilsbegründung Die Tat ber Angefagten, ie, mäh rend fie fich in gesicherter Lebensstellung, nhne bas Gespenst der beitslosigkeit vor Augen zu haben, befanden, sich an fremden Geldern vergriffen hätten. Die Dame, die stets ihr Portemonnaie vergaß. Festnahme einer Schwindlerin. Das Reich werde also die Einkommen, Körperschafts- und Ber. Beit folgend hat ein Gold und Juwelengeschäft in der Leipziger Dame war überall mit dem Auto norgefahren, hatte recht viele mögenssteuer erheben, die Länder sollen verpflichtet werden, ihre Grund- und Gewerbesteuern auf diese Unternehmungen auszustellung von dehnen. Die Steuerfreiheit bei der Umfahsteuer für Lieferungen der öffentlichen Gas- und Elektrizitätswerte müsse ebenfalls befeitigt werden. Im Reichsrat werde sicherlich diese Absicht erheb lichen Widerstand hervorrufen. Die Reichsregierung aber sei der Meinung, wer sich am Erwerbsleben beteiligt., müsse auch dessen Lasten tragen. Berlin ist gewiß nicht arm an Sehenswürdigkeiten. Da gibt es Museen, ba gibt es große Kauf- und Warenhäuser, da gibt es feudale Restaurants, da gibt es Caféhäuser mit Gefängen von Hafenfreuzfern und schwarzweißroten Musikkapellen. Ja, es gibt noch viel mehr, es gibt, wie man sich aus den Anschlägen an den Litfaßsäulen orientieren tann, deutschnationale Abende, an denen nicht weniger als sechs Bataillonsmusikhöre spielen. Ja, über haupt Militär und Uniform und alles, mas an Drill erinnert, steht mieder einmal besonders hoch im Kurs. Dem schönen Zug dieser tiefgefühlten Bedürfnis vieler Menschen entspricht. Es ist eine Aus: Straße in diesen Tagen eine Ausstellung eröffnet, die gewiß einem von den großen und fleinen bunten Bögeln, von schwarzen, gelben, Orden. Hier sieht man Hunderte und aber Hunderte grünen, roten und blauen Piepmägen. Dieses Geschäft in der Leipziger Straße hat aber anscheinend noch so etwas wie Hem mungen. Denn in den großen Auslagefäften nach der Straße werden nur ausländische Orden ausgestellt, bulgarische, serbische, Der Staatssekretär wendet sich sodann zur Erörterung der sozia und deutschen Orden dagegen( ebenfalls eine recht stattliche Bahn englische, franzöfifche, türkische und sonst noch was. Die preußischen Ten Momente. Der steuerfreie Lohnbetrag bei der Ein- find in Aushängefästen untergebracht, die im Flur hängen. tommensteuer fei von 50 auf 60 M. monatlich herausgesetzt worden. Und das Volk drängt und drückt sich vor dieser wunderschönen Dem Reichstag vorliegende Anträge wollen eine weitere Herauf. Ausstellung, und in den Augen vieler fann man lesen: Wie schön fezung Der fozialdemokratische Antrag, die Freiräre es doch, wenn wieder einer da wäre, der diese niedlichen grenze auf 100 m. monatlich zu erhöhen, verurfache einen Ausfall bunten Dingerchen verleiht! Ja, ja, scharf rechts ist der Kurs im Don 600 Millionen Mart.( Abg. Keil: Also weniger als die Reich, aber allen jenen, die betrübt sind über das leere Knopfloch, Liebesgaben an die Ruhrindustriellen!) Bei der muß man zu ihrer Trauer sagen: Bildet euch keine Schwachheiten Finanzlage des Reiches fei eine ein, Orden werden nicht wieder in Deutschland verliehen! Herauffehung des lohnsteuerfreien Einkommens nicht möglich. Eine Erhöhung der Berbauchssteuern sei nur bei dem ber= meidbaren Verbrauch beabsichtigt. Auch die Lurussteuer müsse beibehalten werden. Ihre Aufhebung sei bedenklich, da ihr Ertrag Eine Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1½ Pro3. fei nicht beabsichtigt. Als weitere wichtige Aenderung teilte der Staatssekretär mit. daß die Beranlagung zur Einkommensteuer fünftig in zwei Berioden erfolgen solle. Don 150 Millionen Mart nicht entbehrt werden könnte. Den Darlegungen des Staatssekretärs folgte eine Debatte, in der die meisten Redner sich auf kurze Anfragen beschränkten. Für die sozialdemokratische Fraktion erflärte Genoffe Keil, daß die Steuerpläne der Regierung für die Bolkskreise, deren Interesse die Sozialdemokratie in erster Linie vertrete, teine erfreuliche Aussicht bieten. Darüber werde aber noch ausführlicher zu reden jein. Die Frage Reils, ob die Regierung für die Zwecke der Aufwertung alle Sondersteuern von den Schichten, die ihr Vermögen in der Zeit der Geldentwertung zu erhalten oder zu vergrößern vermochten, zu erheben plane, beantwortete der Staatssekretär dahin, daß das nicht die Absicht der Regierung sei. Von dem Abg. Kuhlentamp wurde der Regierung nahegelegt, die am 15. Februar fällige Vermögens steuerrate nicht zu erheben. Der Staatssekretär Popig gab darauf dem Ausschuß anheim, sich mit der Stundung bis 15. Mai auf dem Berordnungwege einverstanden zu er flären. Das Ziel dieser Stundung sollte sein, im Jahre 1924 mur zmei Biertel statt vier Biertel der Bermögenssteuer zu erheben und den Rest zu verschieben bis nach der Neuver anlagung. Auf den entschiedenen Protest des Genoffen Keil wurden biese Anregungen nicht weiter berfolgt, sondern die Einbringung eines Initiatingefezes, das denselben 3med verfolgt, von ben Regierungsparteien ins Auge gefaßt. Die Pläne ber Reichsregierung find also: Herablegung der Einkommensteuer. Herablegung der Vermögenssteuer. Milderung der Kapitalverkehrssteuer. Auslegung der Vermögenszuwachssteuer und der Kapital. ertragssteuer. Reine Ermäßigung der Lohnsteuer, teine Ermäßigung der Umsatzsteuer, dafür aber Erhöhung von Verbrauchssteuern aus dem„, vermeidbaren Berbrauch". Der Justizetat. Was man im Frühjahr tragen wird. anschauungen und Lebenslagen ein brennendes Intereffe, daher Für modische Artikel haben Menschen der verschiedensten Beltherrscht auch in der Messe der Bekleidungsindustrie ein gewaltiges Gedränge. Die Frau, die nicht den Mut und die Berbindungen hat, eigene Wege zu gehen, möchte gerne wissen, was man an Konfektionsartiteln faufen fann, und ihre Frage ist immer wieder: was trage ich morgen? Und die Kunstgewerbler beiderlei Geschlechis sehen auf Berdienstmöglichkeiten durch freundliche Ausgestaltung. Was bieten nun die großen Auslagen in den Hallen am Kaiserdamm Neues? Da find zunächst die Handtaschen in allen befannten Formen aufmarschiert. Als Neuigkeit ist dann und mann mal ein fleines gemaltes Medaillon, das Blumen oder Früchte zeigt, auf der Besuchs. fleinem Streuzstich gesticht. Diese Ausschmüdung schlägt ins Kunst tasche angebracht. Mitunter wird auch solch ein Motiv in ganz gewerbe, während fich um die Entwürfe bunter Lederfiffen Kunstler bemühen. Man sieht die mannigfaltigsten Motive verwertet, beispiels weise die Sphing und die Moschee, die holländische Tracht und den Clown, die Postkutsche und das Automobil. Obwohl, um aile diese Borlagen zu verwirflichen, eine mühselige Aufnäharbeit einfeßen für die Abend- und muß, find diefe Riffen verhältnismäßig billig. Die Sd; uhe Suhe lichen Ballkleider erscheinen in allen mögFarbentönungen. Sie find aber überempfindlich, Einen guten Fang machte die Kriminalpolizei heute morgen in einem Hause der Linienstraße. Ein Dugend Geschäfte der Beinents, Wollmaren und Modebranche hatten in der legten Zeit angezeigt, daß jie von einer scheinbar pornehmen Rundin schwer betrogen worden maren. Eine feingefleibete fie ihr Portemonnaie vergessen hatte. Jedesmal bat diese und wertvolle Sachen eingetauft und dann plöglich gemerkt, daß mitzugeben. Er sollte zu Hause gegen quittierte Rechnung das Kauf Stundin, um feine Zeit zu verlieren, einen Boten mit dem Einkauf geld erhalten. Das Batet wurde verstaut, der Bote stieg mit ein ein und die Fahrt ging durch mehrere Streßen, bis die Dame sor irgendeinem Hause halten ließ. Hier stand ein Mann mit einem Roffer, angeblich ein Bobe eines anderen Geschäftes, ber auf eine einer Familie foundio abzugeben. In Erwartung eines Trintgeldes boten, diesen Roffer in den vierten Stod hinauf zu tragen und bei Anweisung wartete. Die Dome entlieb ihm und bat den Begleittat ihr der Bote immer den Gefallen. Er fand aber nie die Familie, und wenn er mit dem merifosen Koffer zurüeffehrte, mar bas Auto mit der Dame verschwunden. Kein Bote schöpfte Berdacht, jeder glaubte, nach ihrem Auftreten und der Behandlung des Chauffeurs, es mit einer ganz vornehmen Kundin zu tun zu haben. Nur einer hatte sich unwillkürlich die Nummer forschten nun nach diesem Wagen, ermittelten ihn und erfuhren von des Autos gemerft und fie auch behalten. Die Rriminalbeamten dem Chauffeur das Ziel einer solchen Fahrt. Es mar ein Haus in der Linienftraße. Das Haus wurde beobachtet, und fo fanden die Beamten heraus, daß die vornehme Kumbin eine 25 Jahre alte überraschenden Besuch und fanden noch allerlei erfchwindelte Sachen. frühere Schneiderin Else Muchom war, die dort ein möbliertes Bimmer bewohnte. Heute morgen machten die Beamten einen Else Muchom murde verhaftet und legte auch ein Geständnis ab. Das moderne Krankenhaus. Bei der allgemeinen Deutschen Hygiene- Messe und-Ausstellung, die vom 1. bis 8. März 1925 in dem Haus der Funkindustrie" auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm stattfindet, wird neben der Gesamtausstellung der deutschen Fachindustrie auch eine Sonderausstellung Das moderne Krantenhaus" gezeigt werden. Diese Ausstellung umfaßt alle wesentlichen Abteilungen eines mo lings und Kleinkinder Abteilung, Chirurgische Abteilung, Augendernen Krankenhauses mit Einschluß der Nebenbetriebe, z. B. Säug flinit, Gynäkologische Abteilung, die dazu gehörigen Operations zimmer, Krankenzimmer und fäle in verschiedenen Ausführungen usw. Daran schließen sich an: die Badeabieilung, eine Desinfektionsanstalt, die Wäscherei, die Küche. Das Krankenhaus hat als moderne Anstalt auch eine eigene Infallstation, eine Apotheke, eine Röntgenanlage, eine Abteilung für Behandlung mit uitra- violetten Strahlen, eine Dzonanlage usw., so daß dem Besucher das vollständige Bild ist zunächst für die Zwecke der engeren Fachkreise gedacht, wird jedoch eines neuzeitlichen Krankenhauses vermittelt wird. Diese Ausstellung darüber hinaus infolge ihrer übersichtlichen und leichtverständlichen Anordnung auch für das breite Bublitum eine Fülle wertvoller Anregungen und Belehrungen bieten. Die Ausstellung„ Das moderne Krankenhaus" wird unter Mitwirkung der staatlichen und städtischen Behörden, der Berliner Charité, des Krankenhauses Moabit, der Aerztekammer für Berlin und die Provinz Brandenburg, der zu ständigen fachärztlichen Berbände, des Reichsverbandes der privaten und gemeinnügigen Kranten und Pflegeanstalten Deutschlands, des Bereins deutscher Apothefer, des Deutschen Desinfektorenbundes usw. eingerichtet und infolgedessen ist eine unbedingte Bürgschaft dafür norhanden, daß die sämtlichen Einrichtungen den höchsten Anforde rungen der Fachelute entsprechen. Der Besuch der Ausstellung wird baher auch für die Bertreter anderer Kommunen, die für das Gefundheitswesen zuständig find, von besonderem Interesse sein. das bekümmert die Dämchen, die sie tragen, nicht. Der auffällig farbige Schuh, das heißt der rote, der grüne und der blaue, wird in Butunft aus dem Straßenbild verschwinden. Man bleibt bei den bewährten Farben schwarz, braun, grau und( für helle Kleider) weiß. eine Zukunft für die nächste Saison. Der hohe Absah ist ver. Dem braunen Lacleder und der Durchbrucharbeit prophezeit man schwunden, der mittlere triumphiert. Da er aber wirtlich bequem ift, fönnen jegt auch Frauen, die arbeiten und Mütter von Kindern find, Halbschuhe tragen. find, Halbschuhe tragen. Bon den leidern wäre zu berichten, daß das Abendkleib noch immer ärmellos und tief ausgeschnitten ist. Würde die Dame, bie etwas auf fich hält", in einem solchen Aufzug ins Bett gehen müffen, fie mürbe beftimmt über zu leichte Be leibung felten. Für die Abendkleider tommt die Berlmode auf, das heißt in diesem Falle, der Stoff ist wie mit Berlen übersät. Ob nian fich mit einem solchen Kleide hinfegen fann, ohne daß die Berlen entzmei gehen, oder, falls fie haltbarer find, Drudstellen hinterlassen? Das billige Kleid prosentiert fich furz, eng und mit einem recht furzen Mermel. Mit ihm ist man wirklich sehr schlecht bedeckt. Trikotseide Unterfleid genau so viel foftet wie das Oberfleid. Beim Damenscheinend toller Sund, der auch eine Berfon gebiffen hatte, auf dem ist nur dem Scheine nach billig, weil das zu jedem Trikotkleid gehörige mantel will die Bekleidungsindustrie offenbar durch geschickte Ber- Bahnhofsgelände Rahnsdorf getötet. Bei der Zerlegung In den letzten Tagen des Januar wurde ein herrenlofer, an wendung eines größeren Kragens irgendwie eine gefällige Lösung finden. Die Blusen sind ziemlich abgemeldet, man sieht meistens ben Rajat. Interessant ist der Schlupfschal aus Gabelarbeit, der das ganze Kleid bedeckt und nur eine Deffnung zum Kopfdurchstecken Landsberg gegen Emminger Justiz und Landesverrats: läßt. Unter den Kopfbedeckungen hat der fleine Sut die Borherrs schaft. Die Garnitur wird meistens auf seinem Kopf angebracht sber, wenn fie recht reichhaltig ist, seitlich. Unfug. Der Haushaltsausschus des Reichstages segte heute die Be ratung des Haushalts des Reichsjustizministeriums fort. Abg. Landsberg( Soz.) forderte die Beseitigung der in der Zeit der Not erlassenen neuen Strafprozeßord nung und die Wiederherstellung der Berufung in den Fällen, in denen fie durch die neue Strafprozeßordnung beseitigt ist, sowie die Beseitigung der millkürlichen Ein. schränkung der Beweiserhebung in einzelrichterlichen und schöffengerichtlichen Sachen, ferner eine Reform der Bestim mungen über die vorläufige Festnahme und Verhaftung. Sodann mandte er sich gegen die neuere Praris des Reichsgerichts in Landesverratsprozeffen, bie geradezu eine Entwertung des Landesperrats. begriffes bedeute, da Angaben über Baffenporräte rechtsgerich teter Organisationen in der Regel als Landesverrat abgeurteilt merden auch ein Rechtsgutachten des Reichswehrministeriums vertrete den gleichen Standpunkt, während doch derjenige, der die Waffen depots anlegt, der wahre Schuldige sei. Deshalb hätte seine Fraktion beantragt, dem Landesverratsparagraphen(§ 92) einen Zusak hinzuzufügen, nach dem Landesverrat nicht begehe, mer über gesetzwidrige Zustände wahrheitsgemäße Mitteilungen mache. Abg. Dr. Kahl( D. Vp.) bemerkte zu den Ausführungen des Berichterstatters über die Vermehrung der Kosten für den Staatsgerichtshof, der Staatsgerichtshof hätte schon beseitigt sein fönnen, wenn er nicht immer wieder durch die kommunistischen Hochperratsprozesse neuen Arbeitsstoff erhielte. Kri tische Aeußerungen zu dem Magdeburger Prozeß feien fein Eingriff in die Rechtspflege; weit eher tonne man davon bei den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen in der Barmat- Sache sprechen. Strafanträge in Hamburg. Feftungshaft bis zu 15 Jahren. Hamburg, 10. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Im HamBurger Hodyverratsprozeß beantragte heute vormittag die Staatsamwaltschaft unter Jubilligung mildernder Umstände gegen den Angeflagten Urbahns als geistigen Führer und polififchen Kopf wegen vollendeten Hochverrats die bei mildernden Umständen zuläffige Höchststrafe von 15 Jahren Feftung, gegen den Angeklagten Freede 12 Jahre Festung, wegen Beihilfe zum Hochverrat gegen den Angeklagien 3 enjen 6 Jahre, Saipel und Rühl je 5 Jahre and gegen Effer 3 Jahre Festung, ferner gegen die Angeklagten oppen und Levy megen vollendeten Hochverrats 12 Jahre bzw. BJahre Feftung. gut verkauft. Kleinlauter Hingt's, menn gejagt wird:„ Wir haben Und der Geschäftsgang? Man hört prahlend:„ Wir haben sehr geftellt: lnfer Stand ist immer so belagert, es fönnen ja gar feine ja unfere festen Kunden". Ablentend wird die Behauptung auf Räufer herantommen." und andere zuden die Achsein und sagen: na, heutzutage?! Mutige Tat zweier Polizeibeamten. Am Montag abend gegen 8% Uhr raften zwei Pferde, die vor einem Blattenwagen der Firma August Bagniz, Swinemünder Straße 78, gespannt waren, die genannte Straße in schärffter Gang art ohne Führer entlang. 3mei Polizeibeamte, die sich auf einem Streifengange befanden, bemerften die Gefahr für den Straßennerfehr, und einer von ihnen, der Polizeiobermachtmeister Meier vom Revier 51, sprang den Tieren in die Zügel, während der andere ben in voller Fahrt befindlichen Wagen erfletterte. Nach dem Meier etwa zehn Meter meit mitgeschleift morden war, und sein Ramerad die Zügel mit aller Kraft angezogen hatte, gelang es, die Pferde zum Stehen zu bringen, ehe fie noch Schaden anrichten fonnten. Feuer beim Deutschen Opernhaus. Die Charlottenburger Feuermehr hatte gestern abend in der Bismarckstraße 32, Ede Krumme Straße, längere Zeit zu tun. Dort waren neben dem Deutschen Opernhaus angeblich durch Fahrlässig. feit Benzintannen explodiert. Als die Feuermehr an der Brandstelle antam, standen dort Armaturen und eine Tankanlage in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung an Benzin und Del gefunden. Trogdem gelang es durch schnelles Wassergeben mit Schlauchleitungen stärksten Kalibers das Feuer auf die Tankanlage zu beschränken. Finanzbeamte als Spekulanten. Gewagte Sch marzipetulationen und die sich daraus er gebenden hohen Zinsforderungen führten den Obersteuersekretär Bil helm Mausha de und den Steuersekretär Gustav Springer Dom Finanzamt Beclis dazu, hohe Beträge aus der Finanztasse zu entnehmen. Beide Beamten arbeiteten bei ihren Unterschlagungen tragungen in das Hauptfaffiererbuch sehr geschicht verschleiert. UnterHand in Hand. Die entnommenen Gelder wurden durch falsche Einftügt wurden die Beamten bei ihren Berfehlungen durch die geradezu ft räflich lage kontrolle, die auf der Finanztaffe geherrscht hat. Als die außerordentliche Revision aus Berlin einfegte, entzog sich der Obersteuerjefretar Maushade dieser durch die Flucht. Die Be träge gingen in die Tausende, die die beiden Spetulanten unterschlagen Schöffengericht angeflagt, verjagte das Gericht den beiden die milhatten. Wegen schwerer Amtsunterschlagung vor dem Botsdamer bernden Umstände und erfannte gegen jeden der Angeklagten auf 13ahr Zuchthaus und 3 Jahre Ehroerlust. In scharfen Morten geißelte der Borsigende, Landgerichtsdirektor Dr. Befter. Abermals ein toller Hund. to art festgestellt. Der Bolizeipräsident hat daber die unbe des Tieres wurde durch den zuständigen Veterinärarat Tollfperre auch für den Amtsbeziri Copenid bis auf weiteres angeordnet. Zu dem Leichenfund in der Aderstraße wird mitgeteilt, daß der verhaftete Julius Reichmann nach mie nor bei seiner Darstellung bleibt, daß Ruppin beim Berlassen seiner Wohnung in der Finsternis die Treppe hinuntergefallen fei. Die Brieftasche und bie Ihr gestohlen zu haben, bestreitet er entschieden weiter. Er und seine Geliebte werden im Laufe des Tages noch einmal nerhört merden. Zu den Schmuhgeschichten in Pankow erfahren mir, daß außer dem Dreher Lange noch drei Männer megen Berfehrs mit Schulmädchen ermittelt und verhaftet morden sind. Außer den sechs be fannten find auch noch zwei Mädchen festgestellt. Es ist erwiesen. daß die Mädchen, die alle Schillerinnen einer Hilfsschule sind, manner angelodt haben. Weitere Verhaftungen von Män nern stehen noch benor. Die 5. Oberrealschule( leine Frantjurter ir. 6) eröffnet, zu Dftern mehrere Serten und eine neue Dberselunda. Für die Segten Yommen vor allem Schüler der 5. und 4., eventuell auch 3. Stlaffe bon Gemeindejajulen in Frage, für die Oberfefunda solche Schüler von Realanstalten, die his Oftern voraussichtlich das Abschlußzeugnis erhalten. Schüler der Obertertia eines Reformrealgymnafiums, die auf eine bermehrie mathematisch- naturwissenschaftliche Bildung Bert legen, tönnen fib jekt für die Unterjekunda der 5. Obetrealsbule anmelden. Der Direktor nimmt schon jest täglich von 11-12 Uhr vormittags Anmeldungen entgegen. Sturmschäden in Westdeutschland und am Niederrhein. In der vergangenen Nacht wurde Düsseldorf an einen gewaltigen Sturm heimgesucht. Die Telephonleitungen wurden zum größten Teil gestört. Bom Niederrhein laufen Meldungen über große Sturmschäden ein. Go murde in Uerdingen die Einwohnerschaft gegen Mitternacht durch einen Wirbelwind aus dem phonleitung an verschiedenen Stellen niederlegte und jeden Berkehr in den Straßen des Ortes unmöglich machte. Auch in Effem hat ber Sturm große Schäben angerichtet. Auf foft allen wichtigen Streden, besonders nach Holland, Frankfurt am Main. Rasses. Mannheim, Hannoner und Elsaß Lothringen sind starte Telepho störungen eingetreten, deren Beseitigung längere Zeit in Anspr nehmen wird. Schlaf geschredt der in hurzer Zeit die Hochspannungs- und TeleGroß- Berliner Parteinachrichten. Mittwoch, den 11. Februar: 10. Abt. 7 The Abteilungsversammlung, Seihenfeal ber Gonnie Wit- sabit 23 19. Abt. Bablabend in den betannien Betalen. 20. 6. 7 1hr Bahlabenb in den bekanntent Botalen. 21. Abt. 7 Uhr Rahlabend in ben bekannten Betalex inczier. 45. bt. 7 Uhr Gruppenabenbe. Gruppe Stichter und Mensfus bei Reichenberger Str. 104, Gruppe Stephan u Walter bei innig, Bausker Str. 49 3n ben beiben Bersammlungen Tagesordnung: Die fouisolitische Lage un bas bayerische Rontorbat". Referenten: Gen. Marste und Gen. Bitte 31. Abt. Charlottenburg. 7%, Uhr Sahlabenbe. 1. Gruppe bei Schellbach. RönigirElifabeth Gr.& 2. Gruppe Dantela, 18.& Geppe Deutelmauftr. 1. Gewerkschaftsbewegung ops slam Das Eingeständnis. Zu unserer Feststellung, daß die kommunistische Reichstagsfraktion nur deshalb den lächerlichen und wie sie selbst wußte, unmirtiamen Antrag im Reichstag einbrachte, die Schließung der Werkstätten bei der deutschen Eisenbahn" habe zu unterbleiben, um ihre Unfähigkeit und Untätigkeit zu bemänteln, ant wortet die„ Rote Fahne", mir hätten verschwiegen, daß die SPD. mitgeholfen habe, dem Reichstag das Verfügungsrechi über die Reichsbahn zu entziehen. Damit gesteht bas bolichemistische Blatt also ein, daß die kommunistische Reichs tagsfrattion be Einbringung ihres Antrages gemußt hat, daß dieser Antrag auch bei seiner Annahme vollständig wirtungs. los bleiben müßte und also nichts anderes mar, als ein Mittel niedrigster Demagogie, um ganz Dumme zu fangen. Damit aber die Untätigkeit und Unfähigkeit der Kommunisten in hellstern Lichte erstrahlt, druckt das Bolschewistenblatt im An. schluß an seine Erwiderung eine Resolution des fommunistischen Die Be triebsräte des FEB. find sich bewußt, daß fie allein den Kampf Freien Eisenbahnerverbandes ab, in der es heißt: nicht führen können Wir haben nie etwas anderes behauptet. Bor den Wahlen las man es freilich anders. Jezt, wo sie ihre Wahlverfprechen einhalten sollen, fagen sie, daß fie dazu nicht im stande feien. Sie bedürften der Hilfe der Reformisten. Sie gestehen das freilich nur, um sich auf Kosten der Reformisten her auszureden. Sie möchten schon, fagen die fommunistischen Eisenbahner, die Reformisten" verhindern fie jedoch. Nun be haupten aber die Kommunisten fortgefeßt, daß fie die einzige Arbeiterpartei seien und daß sie darüber hinaus in Berlin die stärkste Eisenbahnerorganisation find. Die KPD. hätte allein die großen Arbeitermassen hinter sich. Entweder schwindelt die KPD., menn fie dies behauptet, oder aber fie schminbelt, wenn sie sagt, daß die SPD. die kommunistische Aftion jabotiere. Soweit die freien Gewerkschaften in Frage fom men, find fie gewohnt, ihre Aktionen felbst zu bestimmen und nicht fich auf die Unfähigkeit und Untätigkeit der Kommunisten herauszureden, die sich wie die fleinen Kinder benehmen. Krankenpflege und Politik. shem dhe 3m Spandauer Krankenhaus. Mon schreibt uns: Daß in der städtischen Verwaltung Beamte ihre Dienstgewalt bazu mißbrauchen, monarchistischen Bestrebungen Bor fchub zu leisten, gehört leider nicht zu den Seltenheiten. Im Spandauer Krankenhaus aber treiben diese Bestrebungen genz besondere Blüten. Bei den Lohn und Gehaltszah fungen nimmt eine von der Frau Oberin beauftragte Edhmester im Borraum der Kaffe Platz und kassiert die Beiträge für die Deutschnationale Boltspartei. Wer feine Beiträge zahlt, wird fein fäuberlich in eine Lifte eingetragen; wer nicht in der Liste drin steht, zieht sich den Zorn der Frau Oberin zu und sein Verbleiben in der Anstalt ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber nicht nur die politische, sondern auch die gemertfchaftliche Richtung bestimmt die Frau Oberin. Beim Neueintritt von Schwesternschülerinnen wird diesen zugleich mit den Einstellungspapieren ein Aufnahmeschein des Kommunal= beamtenverbandes( Komba) vorgelegt Wer sich nicht gleich von vornherein die Gunst dieser unverständlicherweise mit großer Machtbefugnis ausgestatteten Dame verscherzen will, muß wohl oder übel Mitglied des Komba werden. Daß die Verwaltung des Küchen Spezist Qualitäts- Möbel in der denkbar größten Auswahl zu enorm billigen Preisen, bis zu den feinsten Modellen. behandl. Bar tir Küche Margaret:, roh, mit Anrichte kompl. 65, email. 100 M. Küche Marta, roh, m. Anrichte kompl. 70 M., emailliert 120 M. Küche Gerty, roh, m. 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Es ist gewiß das gute Recht der Oberin, der Deutschnationalen Volkspartei und der Komba anzugehören, auch außerhalb des Dienstes für diese Organisationen uwirken. Aber unter Mißbrauch ihrer amtlichen Dienststellung preffen, das darf nicht länger geduldet werden. die Angestellten mindestens moralisch in diese Organisationen zu Arbeiter eine Beleidigung. Bei der Konditorei Gumpert. Die der Berfammlung hatte afle Mühe, die Ruhe menigftens foweit het zustellen, daß die Redner einigermaßen verständlig waren. Erregung über die verräterische Haltung dieser Angestelltenverbände fam immer wieder zum Durchbruch, ein Beweis dafür, daß es die Banfangestellten satt haben, sich von diesen ausgehaltenen Verbänden an der Nase herumführen zu lassen. Marr, Schottner und Emonts nechneten unter dem tosenden Beifall der Versammlung in schärfster Weise mit den Herren ab. Gegen einige deutschnationale Stimmen wurde folgende Resolution angenommen: Die in den Sophien- Sälen überaus zahlreich versammelten Bankangestellten Groß- Berlins begrüßen es, daß es den energischen und zielbewußten Bemühungen des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Banfangestellten gelungen ist, endlich Berhandlungen über die Reform des vollkommen unzulänglichen Bantentarifes im Bank. zu gewerbe zu erreichen. über ein Jahr zu jämmerlichen Entlohnungsbedingungen verurteilt Mit Rücksicht darauf, daß die Banfangestellten nunmehr weit waren, erwartet die Versammlung, daß unter allen Umständen der Forderung des Berbandes auf sofortige Zahlung einer Wirtschafts beihilfe in der Mindesthöhe eines Monatsgehaltes Rechnung getragen die Versammlung in der Einheitsorganisation aller Banfangestellten wird. Die sicherste Gewähr für die Erfämpfung dieses Zieles erblickt auf freigewerkschaftlicher Grundlage. Eine Betriebsverfammlung der Konditorei von Gumpert, Königstr. 22/24, beschäftigte sich am Montag mit der Maßregelung des Betriebsratsvorsitzenden. Dieser war 17 Jahre als Konditor bei der Firma beschäftigt. Man muß also annehmen, daß es sich um eine in jeder Beziehung brauchbare Kraft handelt. Seine Entlaffung erfolgte wegen eines an sich bedeutungslosen Borfalls. Der Betriebsratsvorsitzende hatte sich in den Vorraum der Café. füche begeben, um das dort beschäftigte Personal auf die bevorstehende Betriebsratswahl aufmerksam zu machen, als der Direktor, übrigens ein früherer Funktionär des Verbandes, erschien und dem Betriebsratsvorsitzenden in scharfem Tone Borhal tungen machte. Dieser beschränkte sich darauf, dem Direktor zu erwidern, er solle nicht ein solches Geschrei wegen einer solchen Kleinig- fönnen, finden die reft- und vorbehaltlose Zustimmung der Bcrfeit machen, fchließlich feien sie ja alle Arbeiter. Die Bemerkung daß sie alle Arbeiter feien, faßte der neugebadene Direttor und frühere Konditor als Beleidigung auf, morauf die Entlassung erfolgte! Diese Entlassung ist ungefeßlich und die Firma mußte fich zur ahlung einer verhältnismäßig hohen Abfindungsfumine verstehen. Es handelt sich hier jedoch nicht um den ersten Fall in der Ron ditorei Gumpert, die sich nach außen ein soziales und auch ein christ. liches Mäntelchen zu geben versteht. Somie einer der Angelteil en fich als Funktionär betätigt, wird er auf die eine oder die andere Art hinausgebracht. Es tommt der Firma gur mht baruuf an, in solchen Fällen hohe Abfindungssummen zu Buhlen. Ra den Breifen, die sie nimmt, fann sie es sich ja leiften. Aber geht der Krug so lange zum Brunnen, bis er bricht. Die ftliche Konditorei Grumpert würde gut tun, dieses Sprichworts ein zedent zu sein. Die Gehaltsbewegung der Bankangestellten. Eine überfüllte Bersammlung, die der Allgemeine er and der deutschen Bantangestellten gestern Abend einberufen hatte, befaßte sich mit der Situation, die durch die Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches durch den Reichsarbeitsminister entstanden ist. Emonts bezeichnete dic Haltung der bürgerlichen Harmonieverbände, die den Schiedsspruch spruchs herrschte eitel Freude, obwohl nur die höheren Klassen becrwirft hatten, als geradezu kläglich. Bei Fällung des Schiedsrücksichtigt wurden und gerade die Empfänger der unteren Gehälter leer ausgingen. Jezt ist Ruhe im Blätterwald, man liest und hört tein Wort der Kritif. Der Allgemeine Verband fonnte natürlich diese Gehaltspolitik nicht mitmachen, seine grundsäßliche Gegner schaft zu den anderen Berbänden macht auch in Zukunft ein Zile femmenarbeiten unmöglich. Der Allgemeine Verband steht auf dem Boden der freien Gewerkschaften und lehnt es ab, seine parlamen tarische Vertretung von Leuten besorgen zu lassen, die mit den Vertretern der Landwirtschaft und der Schwerindustrie in einer Fraftion fizen. In den Verhandlungen am Donnerstag werden die Banf leitungen vor die Frage gestellt, ob sie die vom Allgemeinen Berband geforderte Wirtschaftsbeihilfe bewilligen wollen. Jedenfalls wird die Unruhe in den Betrieben den Bankherren zeigen, daß die Geduld der Angestellten zu Ende ift. In der Diskussion sprachen u. a. auch Bertreter des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und des GdA. Der Leiter Alle Schritte der Verbandsleitung, die zu diesem Ziele führen sammlung." Wieder eine Korruptions".Affäre. Die Rote Fahne" bringt heute im Morgenblatt in großer Auf machung eine Mitteilung, nach der im Ausschuß des Gesamtbetriebs. rats des Siemens- Konzerns von einem Mitgliede der SPD. eine Korruption" entdeckt worden sei, die zur sofortigen Einfegung eines Untersuchungsausschusses geführt habe. Um im Rahmen ihrer son stigen Gepflogenheiten zu bleiben, nennt die Berliner Pramda noch Schauergeschichte stüßt sich auf folgende Vorgänge: Das genannte einen deutschnationalen Handlungsgehilfen als Kronzeugen. Diese Mitglied der SPD. und der Deutschnationale wollten in ihrer Eigen. schaft als Revisoren die Kasse des Ausschusses revidieren zu einer Zeit, als der Raffierer drei Tage in Weihnachtsurlaub mar. Durch das Fehlen des Kassierers tam die Revision nicht zustande und die Revisoren beruhigten sich wieder. In einer Sigung des Gesamtbes triebsrats wärmte nun fürzlich ein Revisor die Angelegenheit wieder auf und genierte sich nicht, von Korruption" zu sprechen, obwohl führung ergeben hatten. Vom Vorsitzenden des Gesamtbetriebs. alle bisherigen Revisionen eine ordnungsgemäße Rassen. rats, dem Genossen Lübbe, wurde nun sofort die Einfezung eines Untersuchungsausschusses beantragt. Als dieser Ausschuß heute tagen wollte, weigerte sich der Anfläger, zu erschei und auch der Kassierer sehen der„ Untersuchung mit größter Ruhe nen, so daß die Sitzung ausfallen mußte. Der Gesamtbetriebsrat entgegen und sind auf das Material" der Revisoren gespannt. Die Belegschaft der Firma Maffen Harris u. Co., Charlotten burg, Windscheidtstr. 18, Fabrit landwirtschaftlicher Maschinen, iff wegen Lohndifferenzen seit dem 4. februar ausgesperrt and die Belegschaft als entlassen erklärt. Die Forderung für gelernte Arbeiter von 80 Pf. pro Stunde glaubte die Firma nicht tragen zu fönnen. Es wird versucht, vom Arbeitsnachweis neue Leute zu bekommen. Vor Arbeitsannahme wird gewarnt. Bund der technischen Angestellten und Beamten, Gauverwaltung Branden burg. Gemeinsame Wiitgliederversammlung der Fachgruppen Baugewerbe, Archi tetten und Steinmeßtechniter am Donnerstag, abends 7 Uhr, im Lotal que alten Geheimratstneipe", Berlin SW, Jerufalemerftr. 8( Näbe Dönhoffelag) Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Sateruns; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eslorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Rarftabt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenftrake& Wer Möbel kaufen will, Rorbmöbell Sonderangebot! Will, Korbmöbell Sonderangebot! 1000 Strickwesten muß unser neues An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegen. Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Zahlungs- System kennen! Wilhelm Schulze Fragen Sie uns- und wir sagen Ihnen den Weg, der für Ihren Fall und Ihre Verhältnisse der beste ist. 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