Nr.72 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 37 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monafid 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit„ Gied Tung und Rĭeingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 70 Pfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Bfennig ( zuläffig zwei fettgebrudte Worie).. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erfte Bort 10 Bfennig, jedes weitere Wort 5 Bfennig. Borte über 15 Budj ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Bindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 12. Februar 1925 Die Mannesmann- Kredite der Post. Peinliche Antworten. Am Sonntag haben wir an die Poftverwaltung eine Reihe von Fragen gerichtet, um über den Charakter der an die Mannesmann Industrie- und Handels- A.-G. gegebenen Kredite volle Klarheit zu erhalten. Heute erhalten wir die Antwort. Sie ist derart, daß wir die einzelnen Fragen und die dazu erhaltenen Antworten noch einmal gegenüber stellen. 1. Frage: Ist es Tatsache, daß das Darlehen von 5 Millionen Mart an die Handels- und Depositenbank auf Drängen des früheren Reichstagsabgeordneten Fleischer( 3.) bewilligt worden ist? Antwort: Das Dorlehen von 5 Millionen Mark ist der Depositenund Handelsbank auf wiederholten Antrag des früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Fleischer, der zum Aufsichtsrat der Bank gehörte, bewilligt worden. 2. Frage: Hat Herr Alfred Mannesmann die selbstSchuldnerische Bürgschaft bis zur Höhe von 13 Millionen Mark für die Handels- und Depofitenbank übernommen und dafür von dem Darlehen eine Million für die Deutsche Auslandsbank zu Origi nalbedingungen abbekommen? Antwort: Der Großindustrielle Alfred Mannesmann hat die selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen. Soweit bekannt, hat die Depositen- und Handelsbank von dem erhaltenen Kredit 900 000 Mart an die Deutsche Auslandsbank als Darlehen weiter gegeben. Die Bedingungen dieser Weitergabe sind nicht bekannt. 3. Frage: Stimmt es, daß für das Darlehen an die Handels- und Depofitenbank eine weitere Sicherung der Reichspoft nicht ge geben worden ist? Anntwort: Die Bürgschaft des Alfred Mannesmann genügte damals, für den Kredit von 5 Millionen Mart. Eine weitere Sicherheit ist nicht gegeben worden. Ein von Alfred Mannesmann befonders beauftragter Fach mann hatte die Weitergabe der von der deutschen Reichspost der Depofiten- und Handelsbank darlehnsweise überlassenen Summe zu überwachen. 4. Frage: Hat die Reichspost, als die ersten fälligen Zinsen am 18. Juni 1924 nicht bezahlt wurden, das Darlehen zurüdver. langt oder wer hat dies verhindert? Antwort: Das Darlehen von 5 Millionen Mart, das in Raten gezahlt worden ist, war ursprünglich in der Zeit vom 18. Juni bis 7. Juil 1924 fällig und ist von dem damaligen Reichs post= minister mindestens einen Monat vor der Fälligkeit prolon= giert worden. 5. Frage: Was ist seitens der Reichspost gefchehen, um die Haftpflicht des Herrn Alfred Mannesmann aus feiner BürgIchaft in Anspruch zu nehmen? Antwort: Am 18. Juni 1924 fonnte der Bürge nur wegen der verhältnismäßig geringen Zinsen, dagegen nicht wegen der Kapitalforderung in Anspruch genommen werden. Die Rapitalforderung wurde erst in den Monaten September bis Oftober 1924 fällig. Die deutsche Reichspost hatte aber in der damaligen Zeit der stärksten Wirtschaftskrise und Geldverknappung und angesichts der inzwischen mit der Depofiten- und Handelsbant gemachten Erfahrung ein dringendes Interesse daran, das Darlehns verhältnis mit dieser Bant so rasch als möglich zu lösen und die Forderung dinglich zu sichern. Sie hat zu dem Zweck unter Berücksichtigung der Bürgschaftsverpflichtung des Alfred Mannesmann für die fällige Binsforderung mit der Mannesmann- Industrie- und Handels- A.- G. der Dachgesellschaft des Mannesmann- Konzerns nach langwierigen Verhandlungen ein Abkommen getroffen, wonach diese Gesellschaft die Schuld der Depofiten- und Handelsbank von 5 Milfionen Mart übernahm und sie dringlich in vollem Make ficherte. Außerdem murde die selbstschuldnerische Bürgschaft des Alfred Mannesmann erneuert. 6. Frage: Ist es Tatsache, daß, anstatt Herrn Mannesmann haftbar zu machen, versucht wurde, ihm ein 3ujagdarlehen von weiteren 5 Millionen Mark bei der Reichspost gegen Bürgschaft der Mannesmann- Industrie- und Handels-.- G. zu erwirken? Antwort: Als Gegenleistung für die Schuldübernahme und für die dingliche Sicherung wurde von der MannesmannGesellschaft ein weiteres Darlehen von 5 Millionen Mark verlangt, ihr aber nur ein solches von 2½ Millionen Mart bewilligt, das ebenfalls hypothetarisch und durch Bürgschaft gefichert ist. 7. Frage: Stimmt es, daß im Laufe dieser Verhandlungen der Sinsjaß für das Darlehen an die Depofiten- und Handelsbank, der ursprünglich 18 Pro3. betrug, auf 10 Pro 3. vom Tage der Hergabe des Darlehens nachträgliche ermäßigt wurde? Untwort: Eine Bedingung für das Zustandekommen der Vereinbarung war auch, daß der Zinsfuß für alte Darlehen vom Tage der Hergabe an die Depositen und Handelsbank sowie der Zinsjah für das neue Darlehen auf den Reichsbankdiskontsatz festgesetzt wurde. 8. Frage: Stimmt es, daß Herrn Mannesmann ein Darlehen ron 2,5 millionen Mart zum jeweiligen Reichsbankoiskont auf ein Jahr gewährt wurde mit der bestimmten Zusage, auf viermalige Verlängerung zu je ein Jahr? Antwort: Das Darlehen wurde auf ein Jahr gegeben, und es murde ausgemacht, daß mit einer viermaligen Prolongation zu rechnen sei, es sei deim, daß sich diese Frist durch die besondere Ralur ter Schedgelder verbietet. 9. Frage: Ist es richtig, daß von dieser Summe 1 Million Mart zur Sanierung der Depositen- und Handelsbant, 1% Millionen Mart aber zu bem ausgesprochenen 3wed dienen sollte, Herrn Alfred Mannesmann Geldgeschäfte zu ermöglichen, die es ihm geftaffen, feine Berluste bei der Depojifen- und Handelsbank auszugleichen? Antwort: Obiges Vergleichsabkommen ist als Ganzes zu betrachten, und der Leistung auf seiten der Mannesmann- Industrieund Handels- A.- G. entsprach die Gegenleistung auf seiten der Deutnicht Gegenstand des Abkommens gewesen. Mannesmann wollte schen Reichspost. Der Berwendungszwec des Zusaßdarlehens ist felbstverständlich den ausbedungenen. neuen Kredit möglichst nutbringend verwenden, um in seinem Interesse und im wohlverstandenen Interesse der Deutschen Reichspost seine Zahlungsfähigkeit zu erhalten und zu sichern. 10. Frage: Kann bestritten werden, daß Herr Alfred Mannesmann mit diesen zuletzt erwähnten 1½ Millionen Mart durch Hergabe von Hypothefen rund 400 000 Mart an Provifionen und rund 400 000 Mart an Zinsen in einem Jahr bar verdient hat? Antwort: Was die Mannesmann- Industrie- und Handels- 2.- G. an den 1½ Millionen Marf insgesamt verdient hat bzw. bei der Schlußabrechnung verdient haben wird, ist hier nicht bekannt. Zu der Zinsermäßigung auf den Reichsbankdisfont ist zu bemerken, daß die Reichspoft schon seit einiger Zeit allgemein bei der Hergabe von Geldern einen Zinsfag von 10 v. 5. festsetzt. alfo der Mannesmann- Industrie- und Handels- A.- G. und Herrn 11. Frage: Kann, insgesamt genommen, beftritten werden, daß Alfred Mannesmann der Betrag von 7,677 millionen Mart( 7,5 millionen Mark Darlehen und die aufgelaufenen nicht bezahlten Zinsen der Depofiten- und Handelsbant) aus den mitteln der Reichspoft zum jeweiligen Reichsbantdiskont zurzeit 10 Proz. auf fünf Jahre feffgegeben worden find? Antwort: Das Darlehen ist, wie schon zu 8 erwähnt, auf ein Jahr und nicht auf fünf Jahre festgegeben. 12. Frage: Sind hiernach dem Mannesmann- Konzern unangemessene Vorteile zugeflossen oder nicht? Antwort: Mit Rücksicht auf die Belange, um die es sich bei dem Bergleichsabkommen für die Reichspost handelte, fann nicht zugegeben werden, daß die Reichspoft der Mannesmann- Gesellschaft unangemessene Vorteile zugewendet hat. Frage und Antwort ergänzen sich demnach, wie man sieht, ganz ausgezeichnet. Es steht also jetzt fest, daß der Reichstagsabgeordnete Dr. Fleischer für eine Privatbant durch mehrmaliges Drängen beim Reichspostminister einen Kredit in Höhe von 5 Millionen Mart durchfezte. Wie weit diese Kreditgewährung sich auf dem zu„ charitativen 3weden" angelegten Ronto des Herrn Dr. Fleischer ausgewirft hat, muß an anderer Stelle erörtert werden. Die Handels- und Depositenbank war jedenfalls nicht in der Lage, den Kredit zurückzubezahlen, und Herr Mannesmann, der bis dahin an dem Geschäft nur mit rund einer Million beteiligt war, mußte infolgedessen als Bürge einspringen. Da die Poſt ihr Geld nicht verlieren wollte, pumpte fie Mannesmann weitere 2% Millionen und ermäßigte gleichzeitig den Binsfag auf 10 Proz. Formell ging das gesamte Darlehen von nun 7 Millionen nur auf ein Jahr, tatsächlich aber auf fünf Jahre. Selbst wenn Herr Mannesmann mit diesem Geld weiter nichts macht, als es weiter zu verleihen, wird Konto der Handels- und Depositenbank entfallenen Millionen er wahrscheinlich den Schaden, der ihm bei den vier, auf das betroffen hat, mit Leichtigkeit abdecken können. Das ist rund und nett der Tatbestand. Nimmt man ihn zufammen mit den Tatsachen, die sonst noch auf dem Umkreis der Depositen- und Handelsbank bekanntgeworden sind, dann genügen sie vollständig zu der Behauptung, daß hier eine ungeheuerliche und standaloje, Wirtschaft mit den Geldern der Bost getrieben worden ist. Man kann dabei zunächst ruhig unterstellen, daß die Poftverwaltung im Juni 1924 die weitere Transaktion mit der Mannesmann- Industrie- und Handels- A.- G. nur vorge nommen hat, um sich vor Berlusten durch die Fleischer- Bank zu schützen. Die Kabinettsbildung in Preußen. Erste Versuche des Ministerpräsidenten Mary. Der preußische Ministerpräsident Dr. Mart beabsichtigt, wie BD3. aus parlamentarischen Kreisen des Landtags hört, zunächst zu verfuchen, ein Kabinett auf breiter Basis, ein Boltsgemein fchaftsfabinett, zustande zu bringen. Die Aussichten diefes Versuches werden von deutschnationaler Seite sehr ffeptisch beurteilt. Die Wirtschaftliche Vereinigung vertritt den Standpunkt, daß sie grundsätzlich ein Rabinett auf der Grundlage der Volksgemeinschaft ftüßen, ein solches der Weimarer Koalition jedoch ablehnen würde, insbesondere deshalb, weil für sie Minister wie Severing und Hirt fiefer nicht tragbar wären. Die Deutsche Volkspartei hâlt an ihrem Standpunkt feft, fid) an einer Realition, wie sie die frühere große Koalition dargestellt hat, nicht zu beteiligen. Die sozial. demokratische Fraktion wird sich von sachlichen Gefichts punften leiten laffen. Sie hält es für selbstverständlich, daß fie mit mindestens zwei Ministern im Rabinett vertreten ist. Die demokratische Frattion unterstüßt diefe Forderung. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Voftfcheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße& Die neue Handelspolitik. Die Rechte will den Zellkrieg.. Als in der ersten Hälfte des Januar der frühere Reichstanzler Marr den Versuch machte, ein Minderheitskabinett aus Zentrum, Demokraten und Deutscher Volkspartei zu bilden, haben die Herren Luther und Stresemann das verhindert. Zur Begründung wurde gesagt: Man brauche für die Lösung der großen gefeggeberischen Fragen eine stabile, auf einer ficheren Mehrheit beruhende Regierung. Sie sei nur durch die Heranziehung der Deutschnationalen zu bilden. deutlich ausgesprochen. Noch bestimmter hat sich Stresemann Später hat Luther das in der zweiten Regierungserklärung geäußert, als er meinte, daß die Probleme der HanSozialdemokratie zu lösen wären. dels und Wirtschaftspolitit nur gegen die Der Reichstag hat vor einigen Tagen die Beratun gen über die Handelspolitit aufgenommen. Er prüft zurzeit das deutsch- spanische Handelsabkommen. Es iſt zwar von der Regierung Marr abgeschlossen worden, aber von der neuen Regierung am 14. Januar dem Reichstage vorgelegt, also von ihr auch gebilligt worden. Der Beratung dieses Bertrages tommt eine besondere Bedeutung zu. Denn sie ist entscheidend für die Gesamtrichtung der deutschen Handelspolitik und entscheidend für die Frage, ob die je gige els politischen Probleme überhaupt egierungsmajorität zur Lösung der hanftande ist. im= Die bisherigen Beratungen haben bereits gezeigt, daß die Regierungsmajorität für die Handelspolitif in feiner Weise arbeitsfähig ist. Niemand kann das wundern, der weiß, daß diese Regierung ja nur zustandegekommen ist aus dem Haß und der Abneigung gegen die Arbeiter und dem Wunsch eines verschärften Kampfes gegen die Sozialdemotratie. So einig deshalb die Regierungsmajorität in diefer sie zur Lösung irgendeiner positiven Frage. negativen Frage ist, so uneinig und fo unfähig ist Alle bürgerlichen Parteien sind in der Beurteilung des. deutsch- spanischen Abkommens gespalten. Aber nur wenige Abgeordnete bekämpfen den Bertrag aus Ueberzeu gung. Die meisten wünschen seine Annahme, jedoch ohne ihre Mitwirkung und Verantwortung. Diefelben Leute, die bisher nicht scharf genug gegen die Sozialdemokratie hezen konnten, weil mit ihr Wirtschaftsfragen nicht zu erledigen feien, betteln jetzt um die Zustimmung der Sozialdemokratie, damit sie die Verantwor tung übernimmt, die den Rechtsparteien aus agitatorischen Gründen so unangenehm ist. Rechtsparteien reicht an das Verhalten der Deutschnationalen Die Charakterlosigkeit dieses Verhaltens der bei den Dawes- Gesezen heran. Die Industrie will zwar die Annahme des Handelsvertrages, aber ihre Vertreter denken nicht daran, ihre demagogische Hetze einzustellen. Deutschnationale und Volkspartei haben zwar die Wahlgelder von der Industrie genommen, sie wollen aber jetzt ihre agrarische Wahldemagogie nicht aufgeben. Sie müssen jedoch dazu gezwungen werden. Und wie bereits feinen Zweifel daran gelassen hat, daß die DeutschSonnabend die Sozialdemokratie im Plenum des Reichstags bei Beratung des deutsch- siamesischen Wirtschaftsabkommens nationalen die Verantwortung für alle Regierungshandlungen übernehmen müssen, so wird sie die Rechtsparteien auch bei dem deutsch ipanischen Handelsvertrag dazu zwingen. Die Sozialdemokratie verlangt die Beachtung des Hauptgrundsazes des parlamentarischen Systems, daß die Parteien die ver antwortlichen Träger der Regierungspolitik sind, und daß die Regierungsparteien zu allererst für die Regierungspolitik und ihre Vorlagen einzutreten haben. Die bisherigen Verhandlungen über die Handelspolitik haben aber bereits ein sachlich sehr wichtiges Ergebnis gehabt. Es ist deutlich zu erkennen, daß sich das alte Bündnis. zwischen der Schwerindustrie und den Agrariern, das der deutschen Handelspolitik der Vorfriegszeit eine so verhängnisvolle Richtung gegeben hat, jetzt wieder anbahnt. Ohne Rücksicht auf die Lebensinteressen der deutschen Volkswirtschaft, die eine starke Förderung der Ausfuhr verlangen, kämpfen die Deutschnationalen gegen alle fertigen und schwebenden Vertragsverhandlungen. Wenn es nach ihnen ginge, so ständen wir in furzer Zeit in einem 3011trieg mit der ganzen Welt. Daß die Ablehnung des deutsch spanischen Handelsabtommens den Zollfrieg mit diesem Land automatisch zur Folge hat, hat der Referent beim Deutschen Industrie- und Handels tag, Dr. G. Riedberg, vor wenigen Tagen in der D. A. 3." festgestellt. Er schreibt: Also eine Fülle ungeklärter Fragen, über die die Meinungen im Weinbau selber nicht einheitlich find: auf der anderen Seite die flare und unbestreitbare Tatsache, daß Ablehnung dieses Vertrages gleichbedeutend mit 3 ollfrleg ist. Es tann unter diesen Um ständen nicht zweifelhaft sein, daß alles getan werden muß, um zu verhindern, daß die Infereffen einzelner Wirtschaftszweige die| Maffenelend untrennbar verbunden ist. Man geht diesen| gebaut ist. Sie ist eine Mehrheitsregierung und als solche ja doh ganze deutsche Wirtschaft in ein Abenteuer stürzen, deffen Folgen Weg, weil Eisenzoll und Brotzoll das politische eigentlich die allein in Betracht kommende Regierungsform für den und deffen Ende nicht abzusehen sind." Ziel der Rechtsregierung und der Rechtsparteien parlamentarischen Staat. darstellen, derselben Parteien, deren Unterhändler in Paris, soweit sie den Wirtschaftskreisen angehören, die Empfänger der Liebesgaben von 700 Millionen sind. Genau so ist die Lage bei jedem anderen Vertragsabschluß. Ordnet man das Intereffe einzelner Wirtschaftszmeige nicht dem Interesse der gesamten Wirtschaft unter, ja mird man eines Tages fich in einem 3o11frieg mit der ganzen Welt befinden. Dann aber wird Deutschfands Wirtschaft den schwersten Erschütterungen ausgesetzt, wird die Massenarbeitslosigkeit zu sozialen und politischen Ratastrophen treiben, wird die angebahnte, außenpolitische Berständigung furz und flein geschlagen werden. Für die Rechtsparteien ist der Schutz einzelner Wirtschaftszweige aber nur ein Bor wand. Ein Vorwand für das Ziel, mit dieser Rechtsregierung endlich den schon lange erstrebten Brot und Eisenmucher zu erreichen. Eberts„ Verfassungsbruch". Ein neuer Schurkenstreich der Kreuz- Zeitung". Das führende Blatt der deutschnationalen Regierungspartei, die Kreuz- Zeitung", wendet sich gegen unsere Be trachtung über die Reichs präsidentenwahl mit folgenben Bemerkungen: Anscheinend ist ihm( dem„ Borwärts"), gar nicht zum Bewußtsein Ein Schritt auf diesem Wege ist das fürzlich veröffent- gekommen, daß er damit einen Verfassungsbrych festlich begeht. An lichte Abfommen zwischen der eisenerzeugenscheinend muß man das Organ des Herrn Reichspräsidenten wieder lichte Abfommen zwischen der eisenerzeugen den und der eifenperarbeitenden Industrie. einmal baran erinnern, daß sein hoher Protektor schon längt In diesem Abkommen wird der eisenverarbeitenden Industrie eine ihm durch die Revolution geschentte Würde für die Zustimmung zu einer wesentlichen Erhöhung des hätte niederlegen müssen. Freilich trifft hierin auch den Eisenzolles eine Ausfuhrprämie zugesichert. Der deutschnatio. Reichstag die Schuld, der leider seinerzeit unter Führung von Herrn nale Reichswirtschaftsminister Neuhaus hat zwar dieses Stresemann Herrn Ebert die Wege ebnete. Abkommen als ein privates" bezeichnet. Aber bei dem ungeheueren Einfluß, den die Schwerindustrie auf die Rechts regierung ausübt, fann kaum ein Zweifel daran bestehen, daß dieses private Abkommen bald öffentliches Recht sein wird. Was bedeutet dieses Abfommen? Die Fertigindustrie wird damit für die Ziele der Schwerindustrie gelauft, und das geschieht auf Kosten der Kleinen, zugunsten der großen Exporteure. Und zwar nur zugunsten derer, die unmittelbar Eisen erzeugen und verarbeiten, deshalb also einen Vorteil pon den Ausfuhrprämien haben. 2lle übrigen, 3. B. die Textilindustrie oder die keramische Industrie, die feine Ausfuhrprämien erhalten, deren Produktionskosten aber durch den hohen Eisenzoll mittelbar verteuert werden, merden geschädigt. Der hohe Eisenzoll hat ferner eine hohe Rartellrente zur Folge. Er bewirkt so eine gewaltige. Ausbeutung des inneren Verbrauchs, steigert das Breisniveau, schädigt die arbeitenden Boltsmassen durch Einschränkung der Lebenshaltung und Berringerung der Beschäftigungsmöglichkeit. Bor allem aber zieht der Eisenzoll den Brot 3011 automatisch nach sich. Schon jetzt haben die Agrarier zur Begründung ihres Berlangens nach Getreidezöllen nur ein Argument: die Industriezölle. Wird gar der Eisenzoll start erhöht, so wird das Berlangen der Agrarier nach einem Ausgleich ihrer gestiegenen Produktionsfosten durch Getreidezölle politisch unabweisbar. Dann wird das Bündnis zwischen Schwerindustrie und Großagrariern alles beherrschen. Ausbeutung des inneren Berbrauchs ist dann die gemeinsame Parole. Eine Steigerung der Kartell herrschaft durch Angliederung der weiterverarbeitenden Industrie wird folgen und so die Macht der großen Konzerne auf allen Gebieten ausschlaggebend machen. Das Berhalten der Schwerindustrie muß die ungünstigste Wirkung auf die deutsch- französischen Handelsperfragsverhandlungen ausüben. Die deutsche Schwerindustrie will die Eiseneinfuhr von Frankreich nach Deutschland erschweren. Die französische Schwerindustrie mehrt sich gegen diese Absichten. Aber auch die deutsche weiterverarbeitende Industrie wird dann einen Schuh dagegen durch Prämien für den Export nach Frankreich verlangen. Die Folge davon wäre, daß die Bestrebungen der französischen Fertigindustrie zum Hochschußzollsystem gefördert werden oder daß Frankreich Anti- Dumpingmaßnahmen trifft, um sich vor der Ueberflutung mit deutschen Waren zu schüßen. Beides aber bedeutet den 3ollfrieg mit einem der wichtigsten Länder. Die deutsche Handelspolitik ist fo an einem gefährlichen Wendepunkt angelangt. Die Handelspolitit der Rechtsparteien steuert bewußt auf den 3offfrieg zu, ungeachtet daß das mit Wirtschaftszerstörung und Bach und die Zipfelmühen. Konzerfumschau von Surf Singer. Es war 1896, als Siegfried Ochs Berlin mit der ersten vollständigen Aufführung der H- Moll Messe Bachs über tafchte. Die 3öpfe wackelten, die Zipfelmützen rutschten. Eine un erhörte Borarbeit, Lebensarbeit war vollendet; das größte Musit mert, das überhaupt existiert, wirfte fo offenbarungsrein mie ein Dom, den wir mit ahnungsvollem Schauer betreten. Es gibt schlechterdings feinen Vergleich mit diesem Wert, weder aus den Jahrhunderten vor 1733, dem Entstehungsjahr der Hauptstücke, noch nachher. Nicht Legte und Töne und Melodien scheinen zu uns zu sprechen, sondern Musik selber beginnt zu flingen. Wunder über Bunder. Neben dem alarinierend Brunkvollen, dem Glaubensobjektiven steht in unmittelbarem Kontrast das subjektiv Fromme, Berinnerlichte. Rätsel der abgrundtiefen Bersentung in die Mystik gefellt sich zu Rätsel des gigantischen Hochflugs in phantasievoll getürmte Forminhalte. Auch die dramatische Mufit unserer Zeit hat feine Stelle, die so übermenschlich padt, wie das plögliche, atem beklemmende Adagio in Confiteor, wo die Schauer des Todes über das Leben dahingleiten, teine so gemüthaft großen Alzente wie das Ueberspringen der Grablegungselegie zu dem tanzartigen Auferstehungschor. Es ist uns, als sei hier zum ersten, vielleicht zum legten Male, ficher in vollendetster Sprache der Messentegt aus feiner Stuminheit in die Ausdruckskraft dogmenloser Mufit übergeführt. Kein Saz ohne das Grundelement schimmernder Erhabenheit oder milder Berklärung, und all dies in einer pomphaften Selbstübersteigerung, die nicht von dieser Welt ist. Nicht ein Mensch ein Jahrtausend firchlicher, fünstlerischer, menschlicher Sehnsucht hat an diesem Werk gearbeitet. Man vergißt die Klarheit und auch die Komplizierthel der Form, die innere Spannkraft jedes fugenreisen Themas, vergißt die vielen Parodien, die Uebernahme mancher Kantatenmufif zu ganz anderen Texten in dieses Weihewert hinein. Die Aesthetik wird an sich selbst irre: die Zusammenhänge zwischen Wort und Ton lockern sich, und es gibt keine mathematischen For meln in der konstruktiven Musik, und es gibt nichts Protestantisches oder Katholisches, wenn die Welt von hier und von drüben in Tönen flingt, es gibt nur ein Wunder an Gestalt, Klang, Entwicklung, Befeeltheit, Trauer, Freude und Demut: die Messe in H- Moll. Ochs hat seine Lebensarbeit in dieser Aufführung getrönt. Dieser wahrhaft große Erzieher, der Bülow des Chorgefanges, erschloß uns eine neue Belt. Zweifellos geht alle Bach- Renaissance im bürger. fichen Berlin von ihm aus. Heute sind alle Fesseln einer verant wortungsvollen Arbeit von der Technik dieser schwersten Mujit ab gefallen. Bom Kyrie bis zum Sanftus ist fein Studium, feine Er schöpfung, fein Stillstand mehr zu fühlen. Jeder Mitwirkende scheint vom Geiste Bachs einen Hauch verspürt zu haben und seht Seele und Körper für dieses Geschenk als Opfer ein. Von den Solisten meiß Maria Philippi am ehesten den Stil des Werfes zu treffen und von Herz zu Herzen zu singen, Emmi von Stetten bringt noch mehr Noten als Inhalt. Rosenthal schien indisponiert, und der Tenorist Topik muß eine Ungleichheit der Tongebung ablegen, um freier zu wirken. Auch die verleumderischen Schurken, die in der Redaktion der Kreuz- Beitung" fißen, wissen, daß Ebert von der Regierung seinerzeit verlangt hat, sie solle die Wahl des Reichspräsidenten ausschreiben, daß gegen seinen Willen, in allen Formen des Rechts, vom Reichstag eine Verfassungsänderung zur Berlängerung feiner Amtszeit bis Ende Juni 1925 beschlossen worden ist, und daß Ebert sodann von der Regierung gebeten wurde, fein Amt bis dahin beizubehalten. Daß sie das alles wiffen, geht aus dem Satz hervor, der auf den Reichstag und auf Stresemann abzielt. Nun bedeutet aber die Mehrheitsregierung nicht den Gedanken das habe ich immer wieder ausgesprochen daß nun der Zeil des Reichstages, der hinter der Mehrheit steht, sich zusammengefunden hätte, um das Regieren für sich allein in Anspruch zu nehmen und den anderen allein den Widerspruch zu überlassen. Ich weiß zwar mit Ihnen allen, daß im parlamentarischen System zur Mehrheit auf der einen Seite die parlamentarisch- technische Opposition auf der anderen Seite gehört. Aber wir bleiben darum doch ein einheitliches Bolf. Deshalb darf diese Opposition natürlich nie bedeuten, daß nun etwa das Bolt sich in verschiebene einander gegenüberstehende Heerlager verteilt, sondern die Tendenz der Regierung, die ich zu führen die Ehre habe, wird immer sein, für die bevorstehenden schweren Entscheidungen auch in der Innenpolitik eine fo breite Grundlage zu finden, wie wir sie nur irgend zustande bringen können, die alle staatsbejahenden Kräfte und ich bleibe dabei, daß der ganz überwiegende Teil des deutschen Boltes aus solchen staatsbejahenden Kräften besteht miteinander vereinigt. Ich habe als Geschäftsführer für den Deutschen Städtetag gesehen, daß um diese Einheit zu erzielen, mir das, was in den einzelnen Teilen Deutschlands als gewachserver Boden unseres politischen Lebens vorhanden ist, nicht auslöschen dürfen, und daß wir auf diesen tatsächlichen Entwicklungen, wie sie in den einzelnen Teilen Deutschlands gegeben ist, aufbauen müssen, um als Gegebnis den Zusammenschluß des ganzen deutschen Boltes zu erreichen. In diesen Bemerkungen, verehrter Herr Staatspräsident, liegt allgemein gesprochen meine Antwort auf die von Ihnen gestellte Frage über das Verhältnis von Reich und Ländern. Alles einzelne gehört in die Amisstuben, wo wir gemeinschaftlich verhandeln wollen. Das Große und. Ganze aber muß getragen werden von dieser Auffassung, wie ich sie hier im Bilde ausgesprochen habe und wie ich sie in Trozdem erheben sie bewußt wahrheitswidrig nüchternen politischen Worten in der Regierungserklärung niedergegen Ebert den ungeheuerlichen Vorwurf, er habe sich einen gelegt habe. Im weiteren Verlaufe seiner Rede betonte der Reichskanzler die Berfassungsbruch zunuze gemacht, um sein Amt nicht nieder- Bedeutung Württembergs im geistigen, wirtschaftlichen und legen zu müssen. Mit folchen Mitteln lügnerischer Boltsverhegung wird gearbeitet! Das tut das führende Organ einer Regie rungs partei! Und was tut die Regierung? Luther bei Bazille. Höfliche Antwort auf Unverschämtheiten. Herr Luther bereist die deutschen Lande. In Köln ließ er sich als fünftiger Befreier der Rheinlande begrüßen, in München wurde er gefeiert als der Mann, mit dem die Herren Bajuwaren zur Not noch auskommen fönnen, und schließlich landete er in Stuttgart bei dem deutschnationalen Herrn Bazille. Hier wurde es ein Empfang eigener Art, wie ihn ein deutscher Reichskanzler wohl noch nicht erlebt hat. Herr Bazille hält dem Dr. Hans Luther ein Collegium Doliticum. Unverschämt, wie ein deutschnationaler Ministerpräsident sein muß, verbreitet sich Herr Bazille über den schlechten Ruf, den Berlin genieße. Er verlangt eine öffentliche Erklärung von Luther über das Verhältnis zwischen Reich und Ländern. Er markiert Interesse für die Aufwertung, und über alles soll der arme Luther Rede und Antwort stehen. Man muß Herrn Luther zugeben, daß die Situation offensichtlich peinlich war. Die Nationalliberale Korre fpondenz" verbreitete sich gestern sehr instruktiv über den Cha rafter einer Bernunftebe. Die Jiamesische Elefanten fomödie gab ihr Anlaß dazu. Die Gardinenpredigt des Herrn Bazille scheint ein weiterer Beitrag zu den Annehm lichkeiten der neuen Vernunftehe zu sein. Herr Luther markiert den liebenswürdigen und elegant ausweichenden Ehemann. Er hält die Reibungen mit Berlin für ,, fleine Störungen" und fegt dann höflich auseinander, daß er offensichtlich von den Auffassungen des Herrn Bazille doch etwas abweicht: " " Was zunächst die politischen Grundlagen anbetrifft, fo fennen Gie ja aus mancherlei Aeußerungen, die ich als Reichskanzler getan habe, die Tendenz, auf der die gegenwärtige Reichsregierung auf Zu Bach strebt unsere Jugend hin, ohne ihn eigentlich ernsthaft zu fennen. Auch die Genialen übernehmen seine Form, seine Sprache, fein konzertierendes Spiel. So Stravinsti, Kaminsti, Krenek. Von letzterem brachte Otto Klemperer das neueste Wert, ein conzerto grosso, zur Erstaufführung. Eine glänzende Aufführung, die dem Charakter und der künstlerischen Gradheit des Dirigenten ehrendes Zeugnis ausstellt. Der Name Rrenet wirft wie ein rotes Tuch auf die Zipfelmützen Berlins. Ein Anonymus hätte mit diesem straffgeformten, höchft sauberen, in träftigen Strichen daher fahrenden Stück Musif einmütigen Erfolg gehabt. Aber in Berlin verzeiht man, so unmittelbar neben Schubert und Schumann ( dessen Klavierkonzert A- Moll Schnabel unerhört schön spielte), fein Anrempeln an fonservative Empfindungen. Diefes Konzert hat mieder Tonarten, es ist durch Festhalten zweier Rhythmenmelodien innerlich zu einem einzigen Guß gekommen. Es verwendet 3wingburgtatte fehr trogig und steigernd zu dramatischen Effetten. Mehr zur Sinfonie als. zum Konzert strebend verbindet Krenet das große Format des fontrapunktisch freien Sages mit der gefanglichen Episode und der grotest- migigen Pointe à la Straminiti. So lyrisch fam er uns noch nie wie in diesem Andante, und so flar sprach er selten Radenzen aus. Gemiß flingt nicht alles junamädchenhaft, und die Synthese Bach- Mahler ist lange noch nicht reif geworden in Krenet. Er ist das große Tabent der Uebergangsmerte, angefüllt mit Musik und gar zu fingerschnell bei der Partitur. Troß vieler haftenden Erinnerungsreste erkennt man ihn schnell; von wie vielen läßt sich das eigentlich noch sagen? Großes Können rollt heute noch über eine Unfertigkeit des Gemüts und des Erlebens hin. Ein gespaltener Mensch schizoiden Typs ist am Werf. Wer durch tattloses Heraus. rennen den Eindruck der Aufführung zu stören fuchte, ist ein Bhilister. Auch Zipfelmützenträger fönnen mit ihrer Mißbilligung 20 Minuten warten. Ein herzhaftes„ Bravo" dem Akademischen Orchester, dessen Leistungen unter der Zucht des Weimaraners Prätorius außerordentlich geftiegen find. Welch eiserne Disziplin, welch feftgekitiete Einheitlichkeit im Streichtörper, welche Leichtigkeit, piano zu spielen! Solche fünstlerischen Nuanzierungen findet man oft in Berufsorchestern weniger, gut ausgesprochen. Ich hörte die B- Dur Sinfonie von Schubert( deffen Adagio eine Kürzung verträgt); es war etwas von wienerischem Schwung, gemischt mit deutscher So libität im Spiel der jungen Garde, und es ist nicht zu zweifeln, daß die innere musikalische Begeisterung, die heute überhaupt nur noch in Dilettantenorchestern möglich ist, auch über die Riesenschwierigkeit der D- Moll- Sinfonie Bruckners tühn hinweggetragen hat. Wenig vorbereitet, sicher nicht durch vollste künstlerische Berants mortung getragen war das 3. Abonnementskonzert Edmund Meisels. So schön und ehrenwert es ist, neues aufzuspüren und cufzuführen: ein so buntes, von Mozart bis Bruckner reichendes cufzuführen: ein fo buntes, von Mozart bis Bruckner reichendes Brogramm braucht, wenn eine Uraufführung sich hineinstiehlt, vier Proben statt einer. Das Violinkonzert des jungen Hans Lange ist ein effettisches Wert von guter Einfühlung in die vorhandene Geigenliteratur, menig felbftändig und sehr redfelig. Die Senti mentalität des Adagio ist schwerer zu tragen als die Laune des Finales, das reizen fann, auch menn es inhaltlich Phraseologie bleibt. lngeschickte Orchestrierung brüdt das Geigenkonzert eines Geigers und macht sich in Zwischenspielen ein wenig großtuerisch | fulturellen Leben und die Tatsache, daß das Schwabenland immer wieder aus seinem Reichtum für ganz Deutschland hat abgeben fönnen. Schließlich wies der Reichskanzler darauf hin, für ihn stehe im Bordergrund das Denten an das Ganze, das Denken daran, daß wir nur bestehen können, wenn wir uns fest zusamenschließen als einiges deutsches Bolt, und er schloß mit einem Hoch auf das deutsche Volk und das deutsche Vaterland. Der Mann und die Partei. Die„ Germania" über Höfle. Die ,, Germania" widmet dem Fall Höfle eine Betrachtung, in der sie schreibt: Der Partei, der er viel verdankt, hat er unübersehbaren Schaden zugefügt. Viele seiner besten Freunde stehen heute un faßbar vor der Tatsache, daß Höfle auf Grund doch wohl schweren Berdachts im Untersuchungsgefängnis fizt. Die Partei hat einen Mann verloren, auf den sie mit berechtigter Hoffnung blicken durfte, aber die Partei als folche steht mit reinem Schilde da. An einem Manne tönnen die Wähler irre werden, an der Partei niemals. In der Tat finden wir bisher in der ganzen Bresse teine Stimme, die behauptet, nun sei die christliche Weltanschauung im Sinne des Zentrums erledigt, nun sei diese Partei als forrupt entlarot und ihre Regierungsunfähigkeit bepielen. Der Grund liegt auf der Hand: die Rechte will ja das Zentrum für eine Rechtsregierung gewinnen; nicht gegen das Benirum richtet sich der Kampf, sondern gegen die Sozialdemp fratte. Bas gäbe fie dafür und welche Töne würde fie anschlagen, wenn Höfle nicht Zentrumsmann, sondern Sozialdemokrat wäre! Dagegen muß sich freilich Birth im Reichstag gegen die schmußigften persönlichen Berleumdungen der Rechtspresse wehren, denn er gilt ja für sie als ein Sozialdemokrat". Kann sittliche Entrüstung, wenn sie echt ist, so nach parteibreit. Mar Modern nahm sich der nicht sehr dankbaren Novitat an. Zur legten Inbrunst der Rantilene fehlt seinem Lon zwar die Fülle und die Größe. Doch ist man sonst bei feinem Spiel gut geborgen. Die Sicherheit der linken Hand auch bei schweren Passagen, die Klarheit der Dispofitionen, Abstufungen der Dynamit vom allzu Vorsichtigen zum Atzentuierten, eine weiche Beseelung durchfühlter Partien machte das Wiedersehen mit dem schon halb vergessenen Geiger Modern zur Freude. Der mitwirkende" Stala"-Bariton Agostino Grandis hat eine ganze Stala von barbarifch großen, brufttönerischen, überlauten Musikgebärden und Kehleffekten in sich, aber die Schaljapin- Kopie wurde bei diesem Mangel an Kultur zur Parodie. Und Meisel selbst? Ist er ein Meißel? Er follte ein Hammer oder ein Bildner werden. Bisher fühlen sich die Bezipfelten bei ihm am wohlften. Ein Drache aus Deutsch- Ostafrifa. Im Lichthof des Berliner Museums für Naturkunde ist jetzt ein Stelett aufgestellt worden, das wie ein Märchenwunder aus fabelhaften Urzeiten wirkt und es auch tatsächlich ist. Ein Drache aus der Bendezeit der Juraund Kreideperiode stellt sich hier dar, und das seltsame Bild wird noch anschaulicher durch eine Refonstruktion, die das Tier jo dar. ftellt, wie es im Leben gewesen sein mag. Es handelt sid), mie Prof. Henning in der Umschau" ausführt, um ein Ungeheuer aus der Gruppe der Dinosaurier, das aus deutschem Kolonialboden ftammt und Ricfengröße mit einem Schlangenleibe voll abenteuericher Dornen, Stacheln und Schuppen vereinigt. Der Fundort liegt im Süden des früheren Deutsch- Ostafrika mitten im afrikanichen Busch, etwa 4-5 Tagemarsche von der heutigen Küfte ent ferni. An jenem unscheinbaren Hügel, dessen Name. Tendaguru durch die deutschen Ausgrabungen von Fossilien berühmt geworden ist. Diese Drachen, die mit ihren 5 Metern Länge und 1% bis 2 Metern Höhe unter den anderen Riesen jener Vorzeit fast niedlich gewirkt haben müssen, lebten damals in ganzen Herden. Auf engem Raum wurden die Reste von mehr als einem halben Hundert ausgegraven. Eine ganze Herde muß hier durch irgendeine Katastrophe zugrunde gegangen fein. Tausende von Knochen lagen völlig durcheinander gemischt; Köpfe und Füße müssen meist var der endgültigen Einbettung abgefault sein und fanden sich an weit entfernten Plägen. Es war daher schwierig, das Zusammengehörige zu ermitteln, aber megen der verhältnismäßigen„ Kleinheit" geleng es, ein ganzes Skelett zusammenzustellen. Eine Doppelreihe mächtiger Haustacheln, die im Leben mit Hornscheiben überzogen waren, verleiht dem Reptil ein schreckhaftes Aussehen. Aber gefährlich war dieser Drache sicherlich nicht, denn sein Gehirn ist von fast unglaublicher Kleinheit, und der Körper, besonders die Beine, so plump, daß sich das Ungeheuer nur schlecht bewegen konnte. Sein Gebiß weist auf einen friedfertigen Pflanzenfresser hin. des Schubert im Dreimäberlhaus" vom 17. bis 28. Februar fingen. GleichIm Thalia- Theater wird Hermann Jablower als Gaft die Rolle zeitig fingt Elfa Zuschlan von der Boltsoper das Hannerl Das Plechanow- Denkmal. In Petersburg wurde der Blas beſtimmt, auf welchem das Dentmal für Blechanow, den bekanntesten theoretischen Borkämpfer des Marrismus in Rußland, seine Aufstellung finden soll, und awar ist der Plas vor dem Technologischen Institut dazu außerfeben worden. Die Enthüllung des Denkmals soll an 1. Mai d. 3. stattfinden. tattischen Gesichtspunkten dosiert werden? Oder sieht nicht jedermann, daß hier ein niederträchtiges Mand oer ausgeführt wird zu Zwecken der Reaktion? Lange- Hegermann. Er soll sein Mandat niederlegen. Die Pläne des Bürgerblocks. Das Steuerprogramm der Reichsregierung. Die Reichsregierung hat dem Reichsrat eine Reihe von| fratischen Antrag, der die Berücksichtigung dieser Berhältnisse un Steuergefeßentwürfen vorgelegt, die den Hauptteil des neuen Steuer. mittelbar bei dem Lohnsteuerabzug fordert, einfach hinweggehen will, programms darstellen. Das gegenwärtig wichtigste Gesetz ist hierbei das Steuerüberleitungsgeseh, das die Bestimmungen 3ur Ueberleitung der Einkommensteuer und Körperschaftssteuer in das regel mäßige Veranlagungsverfahren" enthält. Daneben sind überreicht worden die Entwürfe eines Einkommensteuergesetzes, eines Körperschaftssteuergesetzes, eines Gesetzes über Bermögens- und ErbschaftsGesetze über Berkehrssteuern und über den Finanzausgleich. Die freuer und eines Reichsbewertungsgesetzes. Es fehlen noch die Der Rechtsvertreter des Zentrumsabg. 2ange.Seger. mann hat der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, daß sich Lange Hegermann jederzeit zu einer Bernehmung zur Verfügung stellen werde. Er hat gleichzeitig darauf verwiesen, daß Lange- Hegermann bereit ist, die Aufhebung seiner 3mmunität zu be antragen, falls das erforderlich erscheint. Der Staatsanwalt soll geantwortet haben, daß im Augenblick dazu noch kein Anlaß vor liegt. Die Zentrumsfraktion des Reichstags und die Partei dürften Die Zentrumsfraktion des Reichstags und die Bartei dürften fich mit dem Willen Lange- Hegermanns für den Eventual. fich mit dem Willen Lange- Hegermanns für den Eventual- Regierungsentwürfe enthalten folgende wichtige Aenderungen: fall, die Aufhebung seiner Immunität zu beantragen, nicht zu-. frieden geben. Im Reichstag wurde erzählt, daß der Ausschuß Lange- Hegermanns erfolgen wird, wenn er nicht innerhalb drei Tagen sein Mandat niederlegt. Sprit- Weber. Der Ehrenmann im Klub der Volksparteiler. Herr Sprit"-Weber, der Freund Stresemanns, entpuppt fich immer mehr als eine höchst bedenkliche Persönlichkeit, die schon aus der Zeit, als Stresemann ihn in den Bolfsparteilichen Klub einführte, recht viel auf dem Kerbholz hat. So laufen auch seit längerer Zeit in Mittelbaden Erhebungen der Behörde gegen sein Treiben. Es handelt sich dabei um die Aufdeckung umfangreicher Branntwein steuerbinterziehungen. In Gemeinschaft mit großen und fleinen Brennereien Badens hat Weber durch ein raffiniertes System die Ueberwachungsbeamten der Reichsfinanzverwaltung monatelang zu täuschen verstanden. Der Umfang der Betrügerein ist so groß, Daß das Landesfinanzamt Baden jezt sogar einen besonderen Unterjuchungsbeamten zur Verfolgung der Angelegenheit bestellt hat. Der Tscheka- Prozeß. Weitere Aussagen Neumanns. Das Rundschreiben„ Die Taftit der Partei" wird hierauf verlesen. Dann wird in der Bernehmung des Angeklagten Neumann fortgefahren. Der Angeklagte erklärt auf Befragen, daß ihm von füddeutschen Terrorgruppen vorher nichts bekannt gewesen sei, mohl aber habe er einen gewissen Wollenberg, den Waffenleiter von Südwest" fennengelernt, der ihm im Februar 1924. mitgeteilt habe, daß er den württembergischen Minister des Innern, Golz, längere Beit hätte beobachten lassen. " Borf.: Kennen Sie ein Rundschreiben der Zentrale vom 28. Ja nuar. 1923, in dem aufgefordert wird: Spitzel und Provofateure find zu erledigen? Angell: Jawohl, ich habe das Rundschreiben auf dem Sefre. tariat der M.- Abteilung( Militärische Abteilung) gesehen. Borher mar in einer Sigung des Fünfer- Stopfes auf die ungeheure Spigeltätigteit in der Partei hingewiesen und die Beseit gung und Erledigung dieser Spigel als notwendig bezeichnet worden. Das Sdriftück wird verlesen. Es enthält eingehende Anwetfungen organisatorischer Art, sowohl innerhalb der Partei, wie über die kommunistischen 3ellenbildung in den Betrieben für die Beit der Illegalität der Partei. Der Angeflagte Neumann erflärt hierzu, daß dieses Rundschreiben, das verlején jei, nicht Sentisch wäre mit dem, was er auf die Frage des Borsigenbent gemeint habe. Ueber die Echtheit dieſes Schrijfſtuds tommi es bann zu längeren Auseinanderlegungen zwischen der Reichsanwalt schaft und der Verteidigung, die erst durch den Eintritt der Mittags. pause beendigt werden konnte. " Der Steuerabzug vom Kapitalertrage soll im Rahmen der Eintommensteuer erfolgen. Er bleibt bestehen wie bisher, tilt bet nicht zur Einkommensteuer hinzu, sondern wird auf fie angerechnet. Stapitalerträgen mit 10 Broz., die früher bestand, aufgehoben Das bedeutet, daß die Vorbelastung des Einkommens aus wird. Der Abzug, der also nur eine technische Form der Erhebung darstellt, wird gegenüber der zweiten Steuernotverordals stiller Gesellschafter auf wertbeständige Anleihen mung ausgedehnt auf die Kapitalerträge aus der Beteiligung und auf Anleihen, die nach Einführung der Rentenmart aufgelegt worden sind. Ferner werden abzugspflichtig die 3insen aus Spartassen und Bantguthaben, sowie aus Dar. lehen, sofern die Zinsen über 50 m. jährlich betragen. Nicht dagegen unterliegen dem Abzug wie auch bisher die Zinsen aus hypotheten und im Gegensatz zur zweiten Steuernpiperordnung auch nicht die Kapitalerträge aus Anteilen an einer Gesell. über das Körperschaftssteuergeseh lehnen sich im wesentlichen an die Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes an. Das Steuerüberleitungsgesetz enthält in drei Abschnitten Bestimmungen über die regelmäßige Beranlagung nach dem fünftigen Einkommen- und Körperschaftssteuergefeß, über die vereinfachte Veranlagung für das Jahr 1924 und über die Bemessung der Vorauszahlungen und der Steuerabzüge vom 1. Januar 1925 ab. Danach kommt für das Jahr 1924 eine regel- chaft mit beschränkter Haftung. Die Bestimmungen mäßige Veranlagung nicht in Frage. Sie foll erst nach Ablauf des Ralenderjahres 1925 erfolgen. Für das Jahr 1924 wird ein fo genanntes Ablösungsverfahren eingeführt. Es besteht darin, daß die Borauszahlungen im allgemeinen als Ablösung der Einkommensteuer gelten und eine Beranlagung ersetzen. Im Gegensatz zur Regelung der zweiten Steuernotverordnung für das Jahr 1923 ist eine allge. meine Abschlagszahlung nicht vorgesehen. Es ist aber vorgesehen, auf Grund besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse des einzelnen Steuerpflichtigen eine Erhöhung oder Ermäßigung des Ablösungsbetrages im Wege eines besonderen Steuerermittlungs berfahrens durchzuführen. Eine Herableßung erfolgt nur auf Frane; der dabei zugrunde zu legende Steuerfaß beträgt bis zu Antrag. Die Herauffehung tommt nur für große Einkommen in 50 000 m. Jahreseinkommen 20 Broz., für die Beträge von 50 000 bis 100 000 m. 25 Proz. und für die Beträge über 100 000 m. 30 Broz. Die Regelung der Vorauszahlungen und Steuerabzüge im Jahre 1925 baut sich im wesentlichen auf den bisher geltenden Bestimmungen der zweiten Steuernotverordnung vom 19. Dezember 1923 und der Steuermilderungsverordnung des Reichspräsidenten vom 10. No pember 1924 auf. Die Vorauszahlungen der Landwirtschaft betrugen nach der zweiten Steuernotverordnung vierteljährlich 1 Goldmark für 1000 M. des steuerpflichtigen Vermögens, also 4 Goldmart jähr lich. Die Steuermilderungsverordnung ermäßigte diesen Betrag auf 3 M. Der Regierungsentwurf hält daran feft, verteilt aber die Borauszahlungen mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Land wirtschaft auf 3 Termine anstatt wie bisher auf 4 Termine. Auch bei den Borauszahlungen für Einfommen aus Gewerbebetrieben wird der bisherige Steuersatz aufrechterhalten. Der Entwurf sieht aber vor, daß die Vorauszahlungen des ersten Halbjahrs die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen beträchtlich überschreiben. Die Vorauszahlungen der freien Berufe haben insoweit eine Er. mäßigung erfahren, als nach dem Regierungsentwurf der Betrag ihrer Einkünfte, der jährlich 8000 M. überschreibet, zunächst mit 15 Prozent besteuert wird, während der bisherige Sag von 20 Broz. erst für die Einkommensbeträge Anwendung findet, die über 16-000 m. jährlich hinausgehen. Eine ganz unwesentliche Erlichte rung bringt ber Regierungsentwurf bei der Lohnsteuer. Hier soll für das vierte und jedes folgende Kind der Steuerfak statt bisher um 1 Broz. um je 2 Broz, cefenft werden. Diese Ermäßigung bedeutet naturgemäß eine Itarte Bevorzugung der Lohnsteuer pflichtigen mit hohen Einkommen. Denn ſie führt dazu, daß auch der Diretfor mit 8000 m. Jahreseintommen, wenn er nur 6 Stinder haf fteuerfrei bleibt. Dieses Unrecht gegenüber ben aering beföldeten Lohnsteuerpflichtigen ist um fo größer, als der Regierungsentwurf Den gleichen Zweck wie die Entwürfe über die Einkommenund Körperschaftssteuer verfolgt der Entwurf eines Gesezes über Bermögens- und Erbschaftssteuer. Das bisher grundsäglich maßgebende Bermögenssteuergeseß som 8. April 1922 und das Erbschaftssteuergesetz vom 7. August 1922 sind ebenfalls durch die Geldentwertung vollständig überholt. Der Entwurf will hier die notwendigen Menderungen durchführen. Bei der Vermögenssteuer interessiert, daß die Steuerpflicht im Gegensatz zur zweiten Steuernotverordnung auch wieder auf Ra. ausgedehnt worden ist, die durch die Stabilisierung wieder an Be pitalvermögen und den Besitz von Wohngrundstücken deutung gewonnen haben. Das Gesetz fieht eine allgemeine Freigrenze bei Vermögen bis zu 10 000 m. vor, wenn das letzte Jahreseinfommen 3000 m. nicht überstiegen hat. Diese Eintommensgrenze erhöht sich staffelweise, wenn der Steuerpflichtige zwei und mehr Kinder hat. Ist der Steuerpflichtige über 60 Jahre alt oder erwerbsunfähig, so bleibt er steuerfrei, wenn sein Bermögen 20 000 m, fein Gintommen 5000 Reichsmart- nicht übersteigt. Der Steuersatz soll für Bermögen bis zu 25 000 m. 0.3 Proz, bis 31 50 000 m. 0,4 Proz., über 50 000 m. 0,5 Proz. betragen. weitere Staffelung bis auf 0,75 Broz. foll wegfallen. Der. Entwurf hält an dem System der vierteljährlichen Vorauszahlungen feft. Er sieht vor, daß die Bermögenszuwachssteuer vorläufig außer Hebung gesetzt wird. Die Begründung, die dem Gesezentwurf beigegeben ist, rechtfertigt diese Maßnahme in Hinblick auf das Interesse der Volkswirtschaft an der Hebung des Spartriebs und der Förderung der Kapitalneubildung. Die Die Aenderungen des Erbschaftssteuergesetzes beziehen sich vor allem auf die Steuerpflicht und den Tarif. Künftig foll der überlebende Ehegatte, der bisher in fast allen Fällen steuerfrei mar. nur dann steuerfrei sein, wenn Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind oder Entel leben., Sind dagegen Kinder nicht vorhanden, so wird der Ehegatte steuerpflichtig. Diese Bestimmung bedeutet nur eine ganz geringfügige Einschrän tung der Steuerfreiheit des Ehegatten, denn in den weitaus meisten Fällen hinterläßt der Erblasser Kinder. Der Regierungsentwurf berücksichtigt also teineswegs die sozialdemokratische Forderung, die Steuerpflicht des Ehegatten wieder ganz allgemein herzustellen, wie sie nach dem Erbschaftssteuergesetz von 1919 beſtand. Der Tarif der Erbschaftsiteuer iſt in ſeinen Grundsteueregen unverändert. geblieben. Dagegen ist die Progreffion etmas anders geftaltet worden. Er erhöht die Progression bei den nahnerwandten Steuerpflichtigen und hat fie bei bent ent fernteren Verwandten und den Richtverwandten ab. Er tommt da mit einer Forderung des Sachverständigengutachtens nach, bas pen geringfügigen Ertrag der gegenwärtigen deutschen Erbschaftssteuer por allem auf die Tatsache zurückführte, daß die Erbanfälle an nahe Berwandte zu gering belastet seien. Eine wichtige Ergänzung erfährt der Gefeßentmurf über die Bermögens und Erbschaftssteuer durch den Entwurf eines Reichsbewertungsgesetzes. In der Nach. ttagsfizung wies der Borsigende barauf hin, daß ter fozialdemokratischen Forderung auf Erhöhung des fteuerNeumann in der Boruntersuchung gesagt habe, daß Brandler, freien. Cohnbetrags von 60 auf 100 m monatlich nicht statt. der Leiter der Politischen Abteilung der Zentrale, auch der Vorgegeben hat. fizende des Fünfer- Kopfes gewesen fet. Weiter erflärte der Bor. Es bleibt hier lediglich bei der unzureichenden Regelung durch die fizende, daß sich in den Aften eine Abrechnung folgenden Inhalts Steuermilderungsverordnung. befinde: Die vom Genossen Sans" erhaltene Abrechnung über, Neben dem Steuerüberleitungsgefeß tritt die gegenwärtige Be erhaltene 1100 m. habe ich geprüft und in allen Teilen richtig bedeutung der Regierungsentwürfe für ein funden. 19. 1. 24. gez. riz". AngelL: Die Unterschrift stammt von Charpentier, dem ich Einkommen- und Körperschaftssteuergesetz über diese Auslagen aus den 500 Dollar Abrechnungen ablegte. Der Angeklagte äußerte sich dann über die Bildung einer T.- Gruppe, zurüd. Diese Gefeßentwürfe sollen die Grundlage für eine ordnungsDer Angeklagte äußerte sich dann über die Bildung einer L.- Gruppe, mähige Beranlagung der beiden Steuern schaffen und damit den für die er zunächst die Angeklagten Meus, Margies, Szon Zustand wiederherstellen, der bestand, bevor die alten gejeglichen und Boege durch Handschlag und Berlesung der Berpflichtungsunterlagen durch die Geldentwertung hinfällig geworden waren. Die formel berpflichtete. König fam erst später hinzu. Der Chauffeur Gesetzentwürfe begnügen sich aber nicht mit einer bloßen Wiederher Märsner gehörte offiziell nicht zur Gruppe. Borf.: Die Mitglieder hatten nun falsche Bässe und Ausweise. stellung, sondern fügen auch hier Angeft: Jawohl, wir erhielten sie von der Baßstelle der. Sentrale. Borf.: Sie sollen felbst an die Gruppe Munition und Pistolen ausgeteilt haben. Woher haben Sie die Waffen gehabt? Angefl.: Von dem Waffenleiter für Berlin- Brandenburg, dem Angeklagten Maner, der den Spitznamen Albert" hatte. Ferner habe ich mich direkt an die Abteilung für Waffen bei der Zentrale fommen von 8000 bis 16 000 m. steigt der Steuerfaß auf 15 Pro3 in die die einzelnen Wertobjekte nach Bodengüte, Lage, Klima, Ber riftolen. weitgehende Ermäßigungen der Steuerleistungen der Befihenden ein. So, wird der Tarif der Einkommensteuer, der vor der Geld entwertung nahezu 60 Broz im Höchstfalle erreichte, bis auf 35 Pro3. ermäßigt. Er sieht vor einen Steuerfag von 10 Broz. bei einem Einkommen bis zu 8000 M. Bei einem jährlichen Einbei 16 000 bis 24 000 t auf 20 Broz., bei 24 000 bis 48 000 m. auf gewandi und mit Pfaff verhandelt. Es handelt sich um Ortgies auf 35 Broz. Borf.: Die Munition dazu war zu Dumdum geschossen umAngell: Die Spitzen der 0,9- mm- Patronen sind abgefeilt gearbeitet. worden. Bori.: Hatten Sie denn feine Bedenken? Diese Dumdumgeschoffe riefen doch die grausamsten Berießungen hervor. Angeti.: Ich hatte nie die Absicht, diese Munition zu gebrauchen. Borf: Wer hat die Abseilung vorgenommen? Angell.; Das weiß ich nicht. Ich glaube aber, Margies hatte den Rat gegeben. Borf.: Sie sollen auch in Erwägung gezogen haben, nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Giften zu arbeiten. Angell: Von der Gruppe ist nie ein solcher Borschlag gemacht worden. Lediglich Helmuth" hatte gesagt, wir müßten unsere Tätigkeit mit allen Mitteln ausüben, mit Waffen, Sprengstoffen und Giften. Já habe daraufhin mit einer gewissen„ Eva", die zu cinem Chemiter Beziehungen hatte, gesprochen über Beschaffung von Giften. Sie hat mir Reagensgläser mit Typhus- und Ruhr bazillen übermittelt. Ich habe sie kennengelernt durch das weibliche Mitglied der Gruppe Cu". Borf.: Was hat es mit dieser Qu" für eine Bewandtnis? Ungefl: Sie verrichtete schriftliche Arbeiten für die Gruppe. Wie sie eigentlich hieß, weiß ich nicht. Später habe ich gehört, fie heiße Luise Scheuer. Sie hat früher in der Zentrale gearbeitet. In welchem Raum fie in der Rosenthaler Straße befchäftigt war, weiß ich nicht. Sie hat auch im Landtagsgebäude in Dresden schriftliche Arbeiten ausgeführt, auch hat sie im Auftrag des Revolutions Tomitees gearbeitet. Borf.: Auch in der Handelsmission? Angell.: Nein, aber in der Russischen Botschaft, wo sie zur Berfügung des Genoffen el muth" bzw. fetes Stabschefs stand. Sie hatte dort Befehle der M.- Abteilung abzuschreiben. Borf.: Ift fie russische oder deutsche Staatsangehörige? Angefl: Lu" war deutsche Staatsangehörige. Nach ihrer eigenen Angabe stammt sie aus Bayern. Sie hatte Beziehungen zu dem Mitglied der Gruppe Heinz Neumann. Landgerichtsrat Flögel: Heinz Neuman ist vor furzem in Wien verhaftet worden. Borf: Hatten Sie die Absicht, die Ruhr- und Typhusbazillen Angell:„ Eva" hat mir einen Vortrag über ihre Berwendbarzu verwerten? 25 Bros., bei 48 000 bis 98 000 m. auf 30 Broz. und über 98 000 m. Der Entwurf enthält ferner Bestimmungen über den Steuer. abzug vom Arbeitslohn und vom Kapitalertrage fomie über die Vordie Bor: auszahlungen. In den Bestimmungen über die Lohnsteuer ist nichts gesagt, wie die Anrechnung des vollen steuerfreien Cohnbefrages bei Cohnausfall infolge Erwerbslosigkeit, Krankheit, Kurzarbeit, Streit, Aussperrung und bei den Saijongewerben geschehen foll. Es scheint also, als ob die Regierung auch über diesen sozialdemofeit gehalten, daß man sie in Speisen auflösen und sie dem Betreffenden beibringen kann. Borf.: Sie sollen versucht haben, die tödliche Wirksamkeit an einem Kaninchen zu erproben. Angefl: Ja, das stimmt, wir haben einmal mit einem Kaninchen experimentiert. Es wird schließlich festgestellt, daß mehrere Erperimente vorgenommen worden sind, und zwar habe das Kaninchen später, nachdem Neumann vorher angeordnet habe, es solle vorher hungern, plöglich sowohl die Milch, wie auch das Kohlblatt mit den Bazillen gefressen. Darauf habe man das Tier ein paar Tage lang beobachtet und als es dann ruhig weiter lebte, habe Neumann gefagt, es werde 1000 Jahre alt. 7 Borf.: Jedenfalls steht fest, daß das Raninchen heute nod) lebt.( Große Heiterfeit.) In große Erregung gerät der Angeklagte Neumann dann, als R.-A. Schinder unter Hinweis auf das Nichtvorhandensein von Quittungen für die für die Bazillen gezahlten Dollar den Verdacht ausspricht, daß Neumann sich dieses Geld in die Tasche gesteckt und dafür einen wertlosen Inhalt in die Reagensgläser getan habe. Der Angeklagte bezeichnet diesen Einwurf als standalös. Er habe niemals während seiner Parteitätigkeit Geld in seine Tasche gesteckt. Wäre dies der Fall gewesen, dann brauchte heute seine Frau nicht von früh bis spät in die Fabrik zu gehen. Er habe immer vorschriftsmäßig Abrechnung gehalten. Bors.: Auch für die Ampullen? Angekl: Ich brauchte nur anzugeben, daß ich das Geld für Material perwendet habe, ohne zu spezialisieren. Auf Befragen von R.- 2. Wolf erklärt der Angeklagte Neumann nochmals, daß feine Gruppe nie die Absicht gehabt habe, diese Bazillen tatsächlich zu verwerten, und auf die Frage, was er getan hätte, wenn Sto. | Die Höhe der Steuerpflicht hängt nämlich nicht nur pon der Höhe des Tarifs, sondern wesentlich pon der Schärfe der Bewertungsvorschriften ab. Der vorliegende Entwurf sucht zweierlei au er reichen. Einmal will er den bisherigen Mißstand beseitigen, daß Reich, Länder und Gemeinden dasselbe Vermögen nach persie. denen Grundsäzen bewerteten und infolgedessen auch verschieden hoch belasteten. Grundsäglich sollen fünftig für alle drel Steuergläubiger die gleichen Bewertungsrichtlinien gelten. Daneben. ver. fucht der Entwurf aber vor allem die Bewertungsvorschriften der Reichsabgabenordnung in entscheidenden Punkten zu mildern. Das geschieht zunächst dadurch, daß sowohl bei landwirtschaftlichen als euch bei gewerblichem und bei Grundvermögen an Stelle des ge meinen Werts wieder der Ertragswert der Besteuerung zugrunde gelegt wird. Die Ermittelung des Ertragswertes bei landwirt. schaftlichem Vermögen erfolgt nach Ertragstlaffent, Lehrs- und Absazverhältnissen eingereiht werden. Und zwar wird für den Bereich eines jeden Landesfinanzamts oder eines sonstigen einheitlichen Wirtschaftsgebietes eine Klaffe von Normalbetrie en ermittelt, an denen die Berhältnisse der anderen Betriebe bezüglich ihrer Einreihung in die Ertragsffaffen gemessen werden. Die nötige Wertermittlung nimmt die Steuerbehörde vor unter Mitwirkung eines Bewertungsbeirates, der beim Reichsfinanzministerium gebildet wird, und von Grundwettausschüssen, die für jedes Finanzamt gebildet werden. In ähnlicher Weise wird für die Ermittlung des Betriebsvermögens am Size eines jeden Finanzamis ein Gewerbeausschuß gebildet, blewsti ihm den direkten Befehl dazu gegeben hätte, meint er: Dann hätte ich das even verhindert. Um 4 Uhr nachmittags wurde dann die Berhandlung auf Freitag früh 9 lhe vertagt. Der Donnerstag ist sizungsfrei, da einige Angeklagte als Zeugen in einem vor dem Süddeutschen Senat des Staatsgerichtshofs stattfindenden Prozeß auftreten müssen. Bürgerblock- Taten. Weimar, 11. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Thüringische Regierung hat im Landtag. mitteilen lassen, daß in nächster Beit die Wohnung s3 wangs wirtschaft abgebaut und die Miete an den Friedensstand angepakt werden soll. In Thüringen werden jetzt 80 Proz. der Friedensmiete erhoben. Die Pariser Verhandlungen. Paris, 11. Februar.( WIB.) Zwischen den Mitgliedern der deutschen und der französischen Handelsvertragsdelegation hat eine Besprechung stattgefunden, in deren Verlauf es nicht möglich war, eine geeignete Berhandlungsbasis zu finden. Es hat sich herausgestellt, wie große Schwierigkeiten noch zu überwinden sind, wenn bezüglich der Bestimmungen für das Handelsprovisorium und bezüg lich der Bestimmungen für den endgültigen Handelsvertrag eine Eini gung erfolgen foll. Unter diesen Umständen ist vorerst eine weitere Besprechung der beiden Delegationen nicht vereinbart worden. den Berhandlungen haben die Delegationsführer nicht teilgenommen. An Gewerkschaftsbewegung Jahrestagung der Berliner Fabrikarbeiter. Am letzten Sonntag nahmen die Berliner Fabritarbeiter vom ersten Bevollmächtigten W. Reimann den Jahresbericht ent gegen. Zur Arbeitszeitfrage wies Reimann darauf hin, daß die Unternehmer trotz ihnen günstiger Schiedssprüche durch die Schlich tungsbehörden nach dem finanziellen Wiedrerstarken der Gewerk fchaften es nicht magten, den Achtstundentag zu beseitigen. Auf sozialpolitischem Gebiet sei es als ein mesentlicher Fortschritt zu bezeichnen, daß es endlich der Berliner Arbeiterschaft nach jahrzehntelangen Bemühungen gelungen ist, die Familienver ficherung durch die Krankenkassen durchzuführen. Es sei be( chämend, daß im letzten Aerztestreit die" Rote Fahne" und ihr Anhang gegen die Krankenkassen für die Aerzte Stellung genommen hat. Den Bestrebungen einzelner Unternehmer, in der chemischen Industrie Betriebstrantenfassen zu errichten, die den 3wed haben, die Gefahren der Arbeit in der chemischen Industrie vor der Deffentlichkeit zu vertuschen, müssen die Betriebsräte entgegentreten. Die Arbeiterschaft hat jetzt vor allem auch wieder den hygienischen und sanitären 3uständen in den Befrie ben erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Neben der Erringung austömmlicher Löhne muß der Ruf der Gewerkschaften nach mehr Sozialpolitik arhoben werden. In der Arbeitslosenfrage mußte namentlich wegen der Berordnung über die Pflichtarbeit gegen das Arbeitsministerium Stellung genommen werden. Die Gewerkschaften lehnen die Pflichtarbeit nicht grundfählich ab, aber fie verlangen dafür tarifliche Bezahlung. Die Mitgliederzahlen zeigen ein auf steigendes Bild. Bet den Wiederaufnahmen fönne man jetzt nicht wahllos vorgehen, um die Zahlstelle nicht wieder der Gefahr schwerer innerer Kämpfe auszufeßen. Von dem Gesichtspuntt hat die Verwaltung die Wiederaufnahme von befannten Gewerkschaftszerstörern abgelehnt und ersucht die Generalversammlung, diefer Stellung beizutreten. Die Lokalkaffe zeigt kein günstiges Bild. Zwar fonnte der Etat in Einnahme und Ausgabe in Einflang gebracht werden, doch genügt das nicht, um für tommende Kämpfe gerüstet zu sein. An die Haupttasse sind rund 23 500 m. im legten Quartal abgeliefert. Karl Schulz gab den Bericht des Gewerkschaftsrats. In der anschließenden Diskussion sprachen sich Sewetom und Kämmerer gegen die Aufnahme der Gewerkfchaftszerstörer aus und machten zugleich Vorschläge für den finanziellen Wiederaufbau der Zahlstelle. Gloger, der den Standpunkt der Moskauer vertrat, rief den stürmischen Widerspruch der Versammlung mit seinen zum Teil unsachlichen Ausführungen hervor. Stade forderte entschiedeneres Borgehen des Verbandes in der Arbeitszeitfrage. Mit übergroßer Mehrheit bil. Tigte die Generalversammlung die Stellung der bisherigen Ortsverwaltung, die unter Hinzuwahl von Georg Melzer wiedergewählt wurde. Gegenvorschläge lagen nicht vor. Folgende Resolutionen wurden angenommen: 1. Die Generalversammlung des Verbandes der Fabritarbeiter Deutschlands, Bahlstelle Berlin, am 8. Februar verlangt mit aller Entschiedenheit weiteren Ausbau der Sozialpolitik. Sie verpflichtet ihre Betriebsräte, die Errichtung von Betriebskrankenkassen zu verhindern. Dem Geschrei der Unternehmer über die starke Belastung Der deutschen Wirtschaft durch die Sozialpolitik tritt die Generalversammlung entschieden entgegen und hält das Geschrei durch die objektiven Darstellungen im Reichsarbeitsblatt für widerlegt. 2. Die Generalversammlung erhebt den schärfsten Brotest gegen die Berschleuderung öffentlicher, durch die breiten Massen aufgebrachter Mittel an die Ruhrindustriellen. Sie fordert die parlamentarischen Vertreter des arbeitenden Volkes auf, mit aller Entschiedenheit für Aufklärung und Beseitigung des Ruhrsfandals zu forger Streit der Berliner Böttcher. tretern der Organisation su verhandeln. Auch haben die Herren wörtlich erflärt, daß sie sich einem Spruche des Schlichters nicht fügen würden. Die Böttchergesellen haben es satt, sich noch länger von den Arbeitgebern an der Nase herumführen zu lassen und jo beschlossen sie in ihrer Versammlung am Montag einstimmig, am Dienstag, den 10. Februar, die Arbeit in den genannten Betrieben einzustellen. Das ist nunmehr restlos geschehen. Die Streifenden fordern die Anerkennung der Organisation, Die Lokomotivführer zur Einheitsorganisation. Bom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund ward uns geschrieben: Die Hauptversammlung der Reichsgewerkschaft hat auf dem Rongreß des ADB. am 27. und 28. Januar beschlossen, gemeinsam mit dem Deutschen Eisenbahnerverband eine Einheitsorgani sation des gefimten Eisenbahnperfonals zu bilden imd mit allen Gruppen, die gewillt sind, in diese Einheitsorganisation die tarifliche Regelung des Achtstundentages und einen Mindest einzutreten, ohne Rücksicht auf vorhandene organisatorische Hemmunstundenlohn von 1,10 m. für gelernte Böttcher. Streit der Kraftwagenführer bei der AEG. Der Streit der Kraftwagenführer im AEG. Kabelwert Oberschöne weide geht mit unverminderter Schärfe weiter. Die fireifenden Fahrer stehen nach wie vor geschlossen zusammen. Trog Streifbrechergesuchen in sechs bürgerlichen Zeitungen ist es dem Werk nicht gelungen, arbeitswillige Kraftfahrer zu bekommen. Die Werksleitung läßt nunmehr die von den Kraftfahrern bisher abgefahrenen Waren in Waggons verladen, die von den Güterbäden Berlins durch Spediteure abgefahren werden sollen. Bodenarbeiter, Rutscher, Kraftwagenführer! Achtet bei der Beladung der Fahrzeuge auf die mit der Firmenbezeichnung verfehenen Waren, verweigert die Berrichtung von Streitarbeit. Die Streifleitung. Hoch die Solidarität! Streit bei der Gleichrichter- Gesellschaft, Berlin. Die Belegschaft dieser Firma, Elisabethufer 44, legte am 31. Januar die Arbeit nieder. Die Differenzen, die zur Arbeitsniederlegung führten, ergaben sich aus der Absicht der Firma, Lohn abzüge von 5 Bf., 8 und 9 Pf. vorzunehmen. Wiederholte Verhandlungen scheiterten, so daß die Arbeiterschaft gezwungen war, in einen Abwehrkampf einzutreten. Aussperrung in der Schnellwagenfabrik Video". ftraße 40/41, ist am 10. Februar ausgesperrt worden. Die AusDie Belegschaft dieser Firma, Inhaber Georg Heinrich, Beuffelfperrung ist auf folgenden Vorfall zurückzuführen: Die Firma befoll nun gegen seine bisherigen Kollegen provozierend vorgegangen stimmte einen Maler Radau zum Borarbeiter. Der neue Vorarbeiter sein und den Betriebsrat beleidigt haben den er der Betriebsleitung gegenüber als den Aufwiealer bezeichnete. Er, der Vorarbeiter, würde als Betriebsleiter mit den Betriebsräten ganz anders verfahren. Die Belegschaft nahm in mehreren Versammlungen zu arbeiters. Mehrere Verhandlungen hierüber mit der Betriebsleitung diesen Borkommnissen Stellung und forderte die Entlassung des Vorverliefen ergebnislos. Weil die Belegschaft den Betrieb eigenmächtig Derlassen habe, um sich zu versammeln, wurde sie entlassen. Die Ausgesperrten appellieren an die Solidarität der Arbeiterschaft, den Betrieb zu meiden. Gescheiterte Verhandlungen in der Nordwestlichen Gruppe Bochum, 11. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Metallarbeiterverband teilt mit: Am Mittwoch fanden in Essen die Verhandlungen über die von den Gewer shaften getundioten ohnund Arbeitszeitabkommen in der Nordwestlichen Gruppe statt. Die Forderungen der Gewerkschaften waren: Lohnerhöhung mit der Maßgabe, daß der Spizenlohn der 21jährigen Facharbeiter auf 70 fg. die Stunde festgesetzt werden soll, Wiedereinführung der örtlichen Tarife und Eingruppierung der Arbeiter in die Lohnklasse durch die Ortstarifgemeinschaft. In der Arbeitszeitfrage wurde gefordert: Ab 1. April soll auch in den Stahl- und Walzwertbetrieben die dreifache Schicht wieder eingeführt werden. In der Uebergangszeit vom 1. März bis 1. April foll an Sonnabenden die achtstündige Arbeitszeit eingeführt werden und, vorausgesetzt, daß der Arbeitgeberverband diefer Forderung auftimmt, foll unter grundsäglicher Aufrechterhaltung des Standpunktes der Gewerkschaften bezüglich der achtstündigen Arbeitszeit in den weiterverarbeitenden Betrieben abzuschläge die Arbeit 56 Stunden betragen. Obwohl von den für eine furze Zeit unter Zahlung der tarifmäßigen UeberstundenGewerkschaftsvertretern diese Forderung damit begründet wurde, daß Besserung der Hüttenindustrie sowohl in der Preisfrage feit dem letzten Tarifabschluß im Oftober 1924 eine wesentliche als auch im Auftragsbestand eingetreten ist, haben die Arbeit. geber jede Lohnerhöhung und Arbeitszeitvertür In den Faßfabriten, ertstellen und handlungen des Arbeitgeberverbandes, Gruppe Dingelden, stehen die Böttcher im Streit. Troz wiederholter Bemühungen der Arbeiter, einen Tarifvertrag mit den Unternehmern im Böttchergewerbe abzuschließen, ist es bisher nicht dazu gekommen. Die Arbeitgeber unter Leitung des Herrn Dr. Dingel ben haben es wiederholt ftritte abgelehnt, überhaupt mit Berung abgelehnt. Damit waren die Verhandlungen ge ' s Sodener Fay's Husten, Mineral- gegen Heiferkeit, Verschleimung. Pastillen seit 40 Jahren glänzend bewährt echte Trinkkur mit Sodener Waffer von vorzüglicher Wirkung. Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Säle frei! Norden 9296. Gewinnauszug 5. Klasse 24. Preußisch- Süddeutsche ( 250. Preuß.) Klassen- Lotterie. 4. Ziehungstag Dhne Gewähr 10. Februar 1925 Nachdruck verboten In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne zu 5000 m. 62081 78460 2 Gewinne zu 3000 921. 201987 273042 4 Gewinne zu 2000 2. 16965 174811 255691 268° 56 11 Gewinne zu 1000 m. 17074 24999 53664 58054 119946 148454 233: 46 265824 276716 284977 286125 27 Gewinne zu 500 m. 9212 34565 44490 65170 78332 8 010 10-105 109818 112048 124540 126791 127618 127964 165681 180666 184360 203608 210152 232092 233560 24 007 246364 273 42 276816 296738 317576 318274 5. Ziehungstag Ohne Gewähr fcheitert. Der Arbeitgeberverband wird die Angelegenheit beni Schlichter zur Entscheidung überweisen. Am Schluß der Berhandlungen gab die Verhandlungskommission nachfolgende schriftliche Erklärung ab: " Die Verhandlungskommission fann einer längeren Arbeitszeit als 48 Stunden in der weiterverarbeitenden Industrie nur zustimmen unter der Borauslegung, daß in den Hüttenbetrieben generell die dreifache Schicht wieder eingeführt wird und für die zurzeit noch über die wöchentlich 48 Stunden hinausgehende Arbeitszeit Ueberstunden. Lohnzuschläge gezahlt werden. Hierdurch wird unfere grundfäßliche Stellungnahme zur Achtstundenschicht nicht berührt." 11. Februar 1925 Nachdruck verboten In der Bormittagsziehung wurden Gewinne über 150 Mk. gezogen. 1 Gewinn zu 25000 2. 41555 2 Gewinne zu 10000 2. 127157 201187 2 Gewinne zu 3000 m. 30760 137892 1 Gewinn zu 2000 m. 7557 6 Gewinne zu 1000 m. 52737 175447 205186 222414 245058 267197 23 Gewinne zu 500 227. 2905 16115 53631 84946 92094 95147 104891 129526 141540 155612 178322 209243 220540 221212 223070 234755 242056 242216 242279 250108 254265 256384 292365 75 Gewinne zu 300 m. 10169 15059 17993 21134 25108 25997 2694) 28773 31391 33977 35206 37059 48626 63044 63773 64013 6542070721 77691 79262 83496 84645 90157 91563 92289 106119 108089 109879 110051 112478 87 Gewinne zu 300 m. 7356 13497 23437 117099 129233 134332 138203 135288 138331 23731 31595 33575 34090 34226 37560 40406 157845 160396 162320 171038 176870 180241 42044 44397 46192 46395 48896 48916 54816 18: 558 184211 192974 193545 197388 198335 55247 6418 564 2 78569 792: 6 79497 86356 199011 199832 203330 216780 218270 225330 87956 898 91696 94920 104527 10 934 110899 229146 232916 433416 246309 250638 261350 121119 121140 123 61 126051 127796 129918 264254 264351 267769 269046 269677 272213 130132 133537 140184 141238 143330 144150 277178 281266 288128 292292 295424 301671 141850 1437-1 148142 1 2413 153233 153587 302653 305336 310739 161333 163643 171301 171501 171819 178292 186719 187: 27 19280 196345 197303 197420 198911 Stottern 202307 203557 207261 212012 217-28 217824 Fachheilung! Unferem lieben Genoffen und Ab224887 224955 227229 2 0712 232296 238205 Dauererfolgteilungsleiter 238706 241122 245971 247363 257871 260106 Ganz neues Snitem! 262192 269911 277811 293502 299893 308519 tofp. fret. G. Made! Friedrich Kiefer 312313 Ortstrantentaffe d. Steindruder ee und Lithographen zu Berlin. Die in der Ausschuß Sisung vom 21. 11. 24 befchloffene 13. Sagungsänderung ( 88 31 31a) ift vom Oberoerficherungsamt Berlin am 23. Januar 1925 genehmigt morden und mit diesem Tage in Kraf getreten. Der Bprstan b. Wilmersdorf, Bran denburgische Str. 18 Unferm 2. Borsigenden, dem Gen. Fritz Kiefer zu feinem 50. Geburtstage die beffen Glückwünsche. 3. Kreis Bedding. Auf bequeme Teilzahlung. Grammo zu seinem 50. Geburtstage unsere herzlichsten Glückwünsche. Mögest Du alter, treuer Kämpfer noch recht lange als unser Führer tärig fein. Genojjinnen und Genoffen be: 19. Abteilung. Stahlmatratzen Sugo Albrecht. Borfisenber. Abolf Riefer phone und Musikinstrumente. Gantarb- n. Maß. Bolfterauft, Metallh.a. Briv. Günft Schriftführer 169/13 fraße 1, am Bahnhof Aleranberplas Bebing Stat30Afrei.Eisenmöbelf.Suht.Thür. gen vorläufige Berträge abzuschließen. Der Borstand der Gewerkschaft der Lokomotivführer hat an diesem Beschluß nicht mitgewirkt, weil die Lokomotivführergewerkschaft in Braunschweig den Beschluß gefaßt hatte, aus der Reichsgewertschaft auszutreten. Auf Grund der Beschlüsse der Reichsgewerkschaft haben fich am Mittwoch Vertreter der Lokomotivführer aus dem ganzen Reiche zu einer gemeinsamen Tagung ver sammelt und die Fachgruppe deutscher Lokomotiv führer, Maschinisten bzw. deren Anwärter gebildet, mit dem Ziel, die heute isoliert stehenden Lokomotivführer einzeln oder in ihrer Gesamtheit in die Einheitsfront der Eisenbahner überzuführen. Da der Austrittsbeschluß der Lokomotivführer nur mit geringer Mehrheit und gegen heftige Opposition gefaßt wurde, ist damit zu rechnen, daß große Teile der Lokomotivführer sofort zur Frage der Einheitsorganisation positiv im Sinne der Bestrebungen dieser Fachgruppe Stellung nehmen. Zunahme der Arbeitslosigkeit in Wien. Die Zahl der Arbeitslosen hat in der letzten Woche abermals um etwa 20 000 zugenommen. Nach privaten Säägungen stellt sie fich im ganzen Bundesgebiet auf 210 000, darunter etwa 100.000 in Bien; Arbeitslosenunterstützung beziehen etwa 190 000. Gewerkschaftsschule. Sente, Donnerstag, abend 7 Uhr, beginnt die Arbeitsgruppe Gewerkschaftswefen", geiter Genofe Richard Geibel Morgen, Freitag, abends 7 Uhr, beginnt die volts mirtighaftliche Arbeits gruppe für Fortgeschrittene. Leiter: Genoffe Max Ieffe. Beide Arbeitsgruppen find im Sophien- Eyzeum, Weinmeisterstr. 16/17. Die Klassenzimmer find auf der schwarzen Tafel am Eingang ersichtlich. Jm Hygienischen Institut, Dorotheenftr. 28a, beginnt heute abend 7 Uhr angerbem eine Arbeitsgruppe Sozialpolitit. Seiter: Genoffe Dr. Norbert Marx. Der gehrfaal ist auf ber schwarzen Tafel am Eingang erkenntlich. Rentralverband der Angestellten, Bezirk Charlottenburg. Seute, Donners tag, abend 8 Uhr, im Charlottenburger Ratsteller" Charlottenburg, Berliner Straße( Eingang durch die Beinabteilung), Mitgliederversammlung. Bortrag des Rollegen Jofeph Amann über: Ludwig Thoma." Sentralverband der Schuhmacher. Heute, Donnerstag, Jahresgeneralverfammlung, abends 6% Uhr, im Gaal 4 des Gewerkschaftshausues, Engelufer 24. Raffen und Geschäftsbericht für 1924. Neuwahlen. Mitgliedsausweis legitimiert. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Sateruus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Entorn: Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanftalt Paul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Bissen". Für nur 35 Pfennig kann man sich einen prachtvollen Nachtisch bereiten, denn aus Dr. Oetker's Puddingpulver stellt man einfach und schnell einen Detter- Pudding her, der namentlich für Kinder ein Hochgenuß ist. Am beliebtesten sind Vanille- und Mandel- Geschmack. Es gibt außerdem noch Himbeer-, Erdbeer-, Zitrone- und 8600 Ananas- Geschmack. Für 3-6 Personen genügt: 1 Päckchen Dr. Oetker's Puddingpulver 1 Liter Milch. M. 0,10 • ca. 0,17 2 EBIöffel( 50 g) Zucker 90 " 9 0,04 1 EBlöffel( 20 g) Margarine( oder Butter) 50 " 0,04 M. 0,35 Angerichtet wird der Pudding mit eingemachten Früchten oder Fruchtsaft, wenn nicht zur Hand, nimmt man Dr. Oetker's Saucenpulver, entweder Vanille- oder Schokolade- Geschmack. Verlangen Sie nur Originalpäckchen"( niemals lose) mit der Schutzmarke Oetker's Hellkopf". 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Er ftehr mitten im Herzen Berlins,-mischt flammendes Ziegelrot mit schöner Patina der Kuppeln, hat sogar— und das ipill viel be- deuten— aus seinen Mauernischen erlauchte Herrscherstandbilder hinausgeworfen, ohne indessen bei vielen Berlinern, es sollen sogar sehr viele sein, sich gesteigerter Beliebtheit zu erfreuen. Der„Alex" ist das Polizeipräsidium am Alexanderplatz. Welch tressliche Wortverkürzung! Es klingt so heimlich und gemütlich und dabei ist es doch etwas recht Unheimliches und es soll darin zuweilen ziemlich ungemütlich zugehen. Auf alle Fülle handelt es sich um einen der geistigen Mittelpunkte einer Millionenstadt, um eine Groß- macht in der Großstadt, um eine Arbeitsstelle von kosmopolitischer Bedeutung. Und wenn man trotzdem nicht aus diesen Erkenntnissen ehrfürchtig vorbeigeht, so kommt es daher, daß der gewallige Bau auch recht viel Kleines und Enges besitzt, kleine, enge Zellen voll seelischer Schmerzen und in dieser Gedrängtheit eine ganze Well des Menschenschicksals. Das Wort„Alex", scheinbar vertraut, fast heiter, echter Berliner Galgenhumor, vermag nach Jahren noch erschütternd zu wirken, wurde es zum Mittelpunkte eines Zwangserlebnisses. Es ist eine traurige Stätte, ein Haus der Tragik, und selbst die Erinne- rung wühll noch so stark auf, daß man sich Mühe geben inuß, sachlich .zu schreiben. Aber es ist sehr gut und heilsam, dies zu tu», denn ' reder Volksgenosse kann einmal in die Lage eines unfreiwilligen Be- suches kommen, und weiß er im voraus schon, was er durchzufallen Hot, dann trägt er es sicher auch mll größerer Gelassenheit. Wie kommt man hinein! Es ist sehr einfach, Gastrecht im roten Hause gewährt zu er- hallen, weniger leicht aber, wie immer in solchen Fällen, rasch und mll heiler Haut herauszukommen. Zum Beispiel: man inacht von seinem Staatsbürgerrecht Gebrauch und mietet sich in einem Hotel em. In aller Frühe kommt die Fremdenpolizei und nimmt einen »zur Feslstellung der Persönlichkeit" auf die Wache mit. Sind nieh rcre Personen auf diese Weise zusaminengekoinmen, so erfolgt der Abmarich in militärischer Formation. Nehmen wir an, das Miß- geichick Hot sich in einem Hotel am Anhalter Bahnhof ereignet, dann ist der Weg folgender: man trifft auf der Bahnhofswoche mit ver- fchiedenen anderen Trupps zusammen. Man wartet dann, Soldaten einer Ucbung gleich, die sich rühren dürfen, ein oder Zwei Stunden auf Bescheid. Fällt dieser schlecht aus, so kommt man in die Zell«, einem llchllosen Verschlag mit einer Bank, berechnet für den kurzen Aufenthalt von ein oder zwei Menschen— und zuweilen Zwangs- benutzt von einem Dutzend Menschen, die auch schon einen ganzen Tag dort verbringen mußten! Man geht in Berlin so viel auf Eni- deckiingen. man arbeitet in unseren sozialistischen Blättern ehrlich zur Aushebung von Mißständen— aber diese Ungeheuerlichkeit, aus- gerechnet m Nähe des preußischen Landtags, hat noch niemand aus- findig gemacht, denn wäre es so, alle Kreise des Volkes hätten an der Beseitigung eines Schandflecks im Berliner Bilde mitgewirkt. In diesem Kaninchensiall hat man nun, abgeschnitten von jeder Be- rührungsmöglichkeit niit der Außenwelt, wieder einige Stunden zu verbringen, bis der Magen vom Polizeipräsidium erscheint. Die Sistierung erfolgte sechs Uhr morgens, zwölf Uhr mittags erscheint das unheimliche Gefähtt, um zunächst noch mtt den Insassen eine Rundfahrt nach anderen Polizeiwachen zu unternehmen und sich neuen Inhalt einzuverleiben. Wenn es gut geht, ist nach einer wei- teren Stunde der Hof des„Alex" erreicht. Die fiufaahme. Zunächst kommt man in einen Raum, der mittelalterlich-klSster- lich anmutet. Es sind regelrechte Chorstühle, m denen man Platz zu nehmen hat. Ein Aufseher überwacht den Raum. Der Sinn des Ganzen ist indessen verloren— vieleicht auch eine der geringen Ver. besserungen, die in den letzte» Jahren zu erzielen waren—. man darf miteinander sprechen: Gespräche, die von Heiterkett bis zu Selbstanklagen gehen, während andere wahnsinnig, totenbleich. zusammengekauert, schon hier an der Schwelle der.Verzweiflung ver- »allen. Der Aufenthall hier kann auch eine Stunde und mehr dauern. Aber dann ist man doch endlich in seiner Zelle— man sreut sich schon darauf und kann von all dem Aufregenden aus- ruhe». O nein, so schnell schießen die Preußen nicht einmal am Aleranderplatz. Jetzt geht es erst in«inen Schalterraum, wo man Personalien an- und Geld und Papiere abzugeben hat. Alles immer schön in Gemeinschaft, man wird über seinen Mitmenschen genau unterrichtet und der entlaufene Fürsorgezögling weiß genau Bescheid über einen angegrauten polllischen oder sonst geistigen Kämpfer. Nur eins erfährt man nicht: warum man hier ist."Die Beamten, im Ton fast freundlich, ohne irgendwelchen Unterschied in der Behandlung des einzelnen, zucken nur mir den Achseln— sie wissen es ja selbst nicht. Endlich ist man im Gefängnis und wird aufs neue visitiert und kontrolliert. Zwischen der Verhaftung und dem Betreten der Zelle sind acht Stunden vergangen und der Magen rumort gotts- erbärmlich. Die Mulle. Deine neue Heimat hat man rasch übersehen. Die ist kurz und schmal, zwei Betten hätten nicht nebeneinander Platz. Die Wände sind unglaublich schmutzig— das ist gut so, inan kann sein« Phan. msie schwelgen lassen und aus den Flecken Märchengebilde entziffern. die einzige Zerstreuung, die man hat— und der Kübel stinkt noch unglaublich. Erschöpft, nicht mehr fähig des Denkens, wirft man sich aus den weißblauen Ueberzug und läßt sich alle Viertelstunde von den Glocken der Parochialkirche vorspielen, z. B.»Nun danket alle Gott" oder„So well bat uns der H«rr gebracht" usw. Nicht jeder hat es so gut. Man kann auch in den Gewahrsam kommen, dort gibt es kein Bett, nur Holzprllschen, in deren Besitz sich viele Gefangene zu tellen haben. Auch gibt es Läuse>«d der Gestank spottet jeder Beschreibung. Es ist sicker nur Tragik des verlorenen Krieges, nicht Unter- lassung oder Böswilligkeit: der.Alex" ist Deutschlands kläglichstes und traurigstes Gefängnis— und t i n Tag darin genügt, um für Jahre zu erschüttern. In furchtbarer Sprache redet der Ernst der Zeit, das Spiegelbild eines unglücklichen Volkes macht erzittern, und denen am meisten Menschlichkeit versagt wird, vielleicht versagt werden muß, sind die Armen, die dieser Zeit unseligste Opfer sind. Aufent- hall im„Alex" erniedrigt, lastet auf der Seele, drückt Stempel ein. Wäre nicht die gute hallung der Aufseher, ein geschultes und ver- fiändnisvolles Beamtenlum, es würde mancher aus dieser„Ver- Währung" in den Tod hinauswanken. Wenn man als gereifter Mann, der nicht das Geringste sich zuschulden kommen ließ und lediglich im • Hotel stets in einem möblierten Zimmer Wohnung nahm, vor der Entlassung sich in der Milte von unreifen Jungens verwarnen lassen muß, so bedeutet das eine Demütigung, die kaum ihresgleichen findet. Und der Beamte, der über seine Instruktion hinaus menschlichen Takt bewahrt, wird zum Retter— für den Betrieb. Sonnabenö. Lon sechs Uhr morgens bis fast um sechs Uhr abends ein buntes Durcheinander von Fahrt, Ausnahme, Kontrollen— und endlich ein kleines Prot und eine Wassersuppe! Welch köstliche Labung! Und gleich hinterher das Entsetzen: heute, Sonnabend, ist niemand mehr zu sprechen, und warum ich da bin, erfahre ich imnier noch nicht. Und morgen ist Sonntag! Verdammtes Glockenspiel! Man wird be- straft, ehe man vernrteill ist. Ein einziger Tag voll Untragbarem, der die Ruhe aus hartem Lager und das Bctrübtsein zu wahrem Glück erhebt. Zu jedem Zahre geschieht dies Tausenden mitteo im herzen Verlins, und niemand kümmert sich darum. Es ist da? Schlimmste im Leben eines Proletariers, daß ihm all dies zuteil wird. ohne daß er sein Leid klagen kann. Es ist das Bitterste, daß wn alle nicht einen Bund bilden, der das Unwürdigste von den mensch- lichen Seelen nimmt. Das Glockengeläute klingt wie Hohn. Nein, das Kirchenchristentum hat nicht dijÄMartern von hilflosen Seelei» genommen. E i n Tag in einem Gefängnis müßte genügen, um einen Gefangenen zum Sozialtsten zu zwingen. Und wenn Sozialismn i In der Aufnahme. heute noch nicht durch diese Mauern dringt, so liegt es daran, daß sich gerade die Kleinen und Almen nicht dessen bewußt sind, was es heißt, ein Glied in einer großen Kette zu bilden. Es ist heut« besser geworden, aber noch vor einem Jahre konnte man sich nicht genug an Razzien tun. Osl standen Tausende von Menschen zv gleicher Zell im Hofe des Polizeipräsidiums. Man Hot heute davon Der Apfel der Elisabeth Hoff. 19s Von Wilhelm Hegeler. Aber wie er dann zu ihr aufsah, veränderten sich plötzlich seine Züge Tränen schössen ihm aus den Augen. »Elisabeth... Sie sind nicht jung..Sie sino die Jugend? Sic sind das Wunder. Und wissen es nicht. Und beten— ach, was ist das für ein Gott, zu dem Sie beten. Der Gott des häuslichen Herdes, der friedlichen Herde. Er wirkt, dcß das Leben ist. Aber daß es lebenswert ist, daß es Schönheit, Äunst, irgend etwas Reizvolles gibt, das wirkt der wilde Wundeigott, von dem Sie nichts wissen... nichts wehr wissen wollen, denn einst haben Sie es gewußt. Kommen Sie. Elisabeth! Auf? Hinaus ins weite Land! Wir wollen in den Tiergarten fahren, irgendwo, an die Seen. Ich bnngc eoie wieder nach Haus." „Ich kann nicht." Er bat, flehte. Seine Augen brannten in Gier und Ver- zweiflung. Als sie auf ihrer Weigerung verharrte, benahm er sich wie ein ungebärdiger Junge. Da streifte einer der nächtlichen Flaneure Elisabeths Arm und rief ihr nach: „Laß doch den Hampelmann! Komm lieber mit mir!" Rhseck wollte dem Menschen nachstürzen. Sie ergriff seine Hand:„Um Gottes willen, wem setzen Sie mich aus!" Todblaß, in erschrockener Flucht eilte sie dem Bahnhof zu. Er nahm für sie ein Billett und stieg mit ihr in den Zug. Auf dem kurzen Nachhauseweg bat er sie noch einmal um Verzeihung. Sie wiederholte, ernster, gefaßter, was sie ihm schon früher gesagt. Es war nicht Furcht, nicht kleinliches Be- denken, dem sie folgtet kein künstliches Band, das sich zer- reißen ließ Sie fühlte sich mit ihrem Mann unlöslich ver- einigt. Sie war nicht mehr die, die sie als junges Mädchen gewesen Und es war ihr unmöglich, anders zu sein, als sie heute war. Sie hätte ihr innerstes Wesen verleugnen müssen. Wenn ihm an ihrer Freundschaft lag, muhte er sie nehmen, wie sie sich gab. Er versprach alles. Er war ebenso weich und zärtlich, wie er soeben trotzig gewesen war. Sie schieden versöhnt— als Fre'mde. Wie war sie glücksich über diese Wandlung in ihm. die. das war ihr fester Glaube, ihrem eigenen Gefühl entsprach. Der wilde Gott mit der Fackel, der einst ihr Herz entzündet hatte, daß es in allen Wundern und Wirren der Leidenschaft glühte, hotte seine Macht abtreten müssen an den milderen, gesitteteren Gott, der das Feuer des häuslichen Herdes bewacht. Sie war eine Frau an der Schwelle der Dreißig nun, be- ruhigt durch die stille Harmonie ihrer Ehe und erfüllt von den Freuden und Sorgen, die ihre Kinder ihr bereiteten, war zu der Einsicht gekoinmen, daß es für eine Frau kein wahr- Haftes Glück gibt ohne Entsagung. Was an Traum, an Sehnsucht, an magischem Verklärungsdrang jetzt wieder in ihr erwacht war, richtete sich auf ein Ziel außerhalb ihrer selbst. Zuerst war es nur ein oberflächsicher Einfall gewesen, der den Freund mit der Schwester verband, aus der Tatsache ent- sprungen, daß Ryseck bei seiner ersten Begegnung Margret mit ihr verwechselt hatte. Aber bald wurde ein Lieblings- gedanke daraus, eine immer fester wurzelnde Ueberzeugung, daß die beiden einander aufs glücklichste ergänzten. Sie war so erfüllt von diesem Plan, daß sie eines Tages mit ihrem Mann darüber sprack. „Waru?n nicht? erwiderte dieser zerstreut, fragte dann aber: „Was sagtest du? Margret und Ryseck. Ein so unsteter Chrakter wie er?" „Unstet ist er nur, weil bis jetzt niemand ihn gefesselt hat." „Und du meinst, das würde Margret tun?" „Ich denke. Sie ist kein Mensch, der sich ohne weiteres anschmiegt. Sie will immer neu erobert sein und braucht auch ihrerseits einen Menschen, den sie sich immer neu gewinnt. „Ihre Ehe wäre also sozusagen eine Harmonie aus Dis- Harmonien." „Em stiller Hafen würde sie vielleicht nicht. Aber jeden- falls würden die beiden sich nicht langweilen." „So bringe sie doch zusammen. Bon nun ab betrachtete Elisabeth den Freund gewisser- maßen mit den Augen ihrer Schwester und fand, diese müsse ihn sieb gewinnen. Sie fürchtete nur'das eine, daß er in- zwischen vielleicht eine andere Frau fände. Daß er sich etwa ernstlich verliebt hätte, war unmöglich. Sie hätte es sofort gespürt. Aber war es nicht denkbar, daß er zu den Erregun- gen des nächtsichen Spiels andere Ausschweifungen gesellte? Schon der Gedanke an diese Möglichkeit verursachte ihr Pein. Eines Tages, als er ihr mit lächelndem Galgenhumor erzählte, daß er in der vergangenen Nachl tüchtig hätte bluten müssen, fragte sie ihn nach der Gesellschaft des Spielklubs aus. Ob sie aus lauter Herren bestände? „Im Gegenteil, es sind ebensoviel Domen darunter. Und zwar die hübschesten und«legantesten von Berlin," „Welch eine gefährliche Gesellschaft!" „Nicht für mich! Die Halbweltdamen, und wären sie noch so schön, erinnern mich immer an Rosen aus Papier, an Früchte aus Seife. Ohne Saft und ohne Duft! Man kann alles karikieren. Es gibt nichts so Ehrwürdiges und Hohes, auf das sich nicht eine gelungene Karikatur machen ließe. Nur nicht auf die Liebe. Die Parodie der Liebe ist für mich der Inbegriff aller Melancholie. Schon als Student konnte ich das Wort Prostitution nicht hören, ohne einen Anfall von Uebelkeit zu bekommen. Das ist kein Verdienst. Kein edler Charakterzug. Dann würde ich mich nicht damit brüsten. Es ist nur ein Geschenk." Elisabech erhob fragend ihren Blick. Da erzählte er ihr, daß zu seiner Primanerzeit im elterlichen Hause einen Sommer lang eine Sängerin gewohnt hatte. Er hatte sich in die glänz- volle Reife ihres Weibtums, sie sich in den schmerzvollen Drang seiner Jugend verliebt. Sie hatte ihn die Liebe gelehrt, mit aller Süßigkeit der wissenden, mit oller Zartheit der ihrer Verantwortuna bewußten Frau. Seitdem war er gegen kauf- liche Reize gefeit. Elisabeth fühlte sich ergriffen. In diesem Augenblick be- neidete sie ihre Schwester um einen solchen Mann. Selbst ihr Gatte hatte, wie sie wußte, in seiner Jugend alle Stationen der niedrigen Minne durchlaufen. Denselben Abend schrieb sie an Margret noch einen langen Brief, in welchem sie von Ryseck erzählte und sie fragte, ob sie ihren Besuch nickst bald einmal wiederholen könnte. 7. So war die Bergangenhcit vemegeit, und die schmerzlichen, beunruhigenden Erinnerungen waren wohlverwahrt. O besser noch! dachte Elisabeth. Die Vergangenheit, dieser eine dunkle Bezirk ihres Lebens, an den sie die ganzen Jahre nur mit Scheu, mit Verwirrung und Scham hatte denken können, war nun erhellt und gelüstet, und es mar kein Grund zur Furcht mehr vorhanden. Der Mensch, der in ihrer Mädchen- zeit einmal die Roll? des Unruhstifters und Störenfrieds ge- spielt hatte, des sprengenden Schicksals beinah, war zurückge- kehrt, war ihr treuer, ergebener und lenksamer Freund ge- worden. Seine blinde Unbeherrschtheit war gesänftigt in Ver- ehrung. die ihre Grenzen kennt. Und sollte sie, was den Scherz, der verhüllten Andeutung verziehen werden konnte, je mit Ernst wieder hervorbrechen: sie fürchtete sich nicht, denn sie fühlte sich als die Ueberlegene. Ja. was er einst ihr nicht geworden war, das wollte sie ihm fein: Lenkerin seines Schicksal«,.................(Fortsetzung folgt). hört hat. Er fann leider das Haus nicht bezeichnen. Andere Mit| toch, besireitet, mit den Knaben irgend etwas vorgehabt zu haben. Es wurde ihm jedoch nachgewiesen, daß er in einem Falle schon in der Anstalt felbst einen unsittlichen Angriff auf einen Knaben versucht hat. Schon deshalb besteht wohl fein Zweifel, dag er bei den anderen teine besseren Absichten gehabt hat. Er wurde daher unter dringendem Verdacht in haft behalten. abgelaffen, man fam pom Sport zur Pflichterfüllung zurtid. Es find noch übergenug der hjärten, und der Aller" ist mehr als reparaturteilungen aus dem Publikum sind der Kriminalpolizei bisher noch bedürftig. Ich glaube, ich hoffe, wir stehen am Anfang einer Wand- nicht zugegangen. Das zum Einpacken der Kleidungsstücke benutte lung. Selfs mit, helft alle mit! Das war meine Sonntagsbetrachtung große braune Backpapier hat wohl einmal ein Zeichner, Techniker im Aleg". Montag mittag bringt die Erlösung. 3ch werde end- oder Ingenieur besessen, es weist Federstriche und Pinselspuren von lich verhört. Sofort stellt sich heraus, daß eine Berwechslung meine schwarzer und farbiger Tinte, sogenannter Ausziehtinte auf. Wer Hotelfiftierung zu einer regelrechten Berhaffung machte. Fünf Mi- über den Eigentümer der blutdurchträntten Klei. nuten genügten und wie viele Stunden, find es nicht Tage ge- dungsstücke und die Herkunft des Padpapiers, fo hatte ich darauf warten müssen? wie über einen verdächtigen Vorgang in einer Behausung im Südwesten Berlins oder in Schöneberg etwas weiß oder sonst zur Aufklärung des unheimlichen Fundes beitragen fann, wird ersucht, sich unverzüglich bei Kriminalkommiffar Albrecht im Zimmer 96a des Polizeipräsidiums zu melden. Hausanruf 514. worden? * Wenn man jemand am Sonnabend nach allen Regeln der Tortur einliefert und einfertert, dann haben auch Beamte bereitzustehen und nicht achtundvierzigftündige Sonntagsruhe zu pflegen. Jeder Verhaftete muß außerdem die Möglichkeit haben, seine Angehörigen zu verständigen. Jeder Eingelieferte hat ein Recht darauf, sich vor seiner gesundheitlichen Schädigung zu schüßen. Das waren die Gedanken, mit denen ich mich in die wiedergewonnene, nach dem Gesch erfämpfte Freiheit begeben wollte. Aber erst geschah noch märchenhaft Unglaubliches. Ein junger Beamter führte mich in ein 3immer, schwärzte meine Finger und machte- Fingerabdrücke. Dabel lachie er und machte Bite, so sehr schämte er sich, und ich lachte auch und machte noch bessere Wizze, um nicht vor Scham in den Boden verfinfen zu müssen. Dann taumelte ich in die Freiheit. Jährlich geschieht das tausend Unschuldigen und Wehrlosen und feiner fann es aussprechen. Aber seitdem es mir geschah, schleppe ich ein Glockenspiel in mir herum. Berdet Sozialisten, werdet Sozialisten...! Laßt es flingen aus allen Türmen und Herzen! Elefanten- Konzert. Konzerte im Zoologischen Garten sind von jeher etwas Gewohntes. Aber auch in der falten Jahreszeit dürfen wir sie hören, umb zwar von vierbeinigen Künstlern im Elefantenhause. Das Gebäude, welches eine indische Pagode im bunten Farbenschmuck treffend darstellt, hat schon immer eine besondere Anziehungskraft beseffen. Sie wird gesteigert durch die musikalischen Leistungen der beiden afrikanischen Elefanten aus Nord- Rhodesia, die dem Garten vor mehreren Jahren von der Firma Mampe geschenkt worden sind. Bei ihrem Eintreffen waren sie noch sehr flein, sind seitdem erheblich gewachsen, legen aber in ihrem Aussehen und Auftreten noch viel Jugendliches an den Tag. Wenn sich vor ihrer Behausung eine genügend starle Menschenmenge gesammelt hat, läßt der Wärter sie tongertieren. Der eine segt mit dem Rüssel eine Drehorgel in Bewegung, während der andere durch iaftmäßige Fußtritte eine Baute mit Becken zum Lönen bringt. Daß vor ihm Noten aufgestellt sind, auf die er unverwandt den Blick richtet, erhöht den Effekt. Wenn am Schluffe lauter Beifall ertönt, machen beide vor dem Publifum eine dankende Berbeugung. Dem Orgeldreher gelingt sie tabellos, während bei dem Baufenschläger der Märter noch mit einem gelinden Druckt nachhilft. Ihr Spiel scheint nicht ganz ohne Eindruck auf ihren gewaltigen Better aus Indien in der gegenüberliegenden Stallung zu fein, denn manchmal sehen wir ihn förmlich andachtsvoll darauf lauschen. Es ist erfreulich, daß wir hier außer den großen Rüffelträgern jetzt auch zwei Zwergflußpferde und ein Schabrackentapier begrüßen dürfen. Dieser neueste Insasse des hohen Hauses stammt aus dem südöstlichen Asien und weist in der Farbe feines Felles die eigenartige Berteilung von Schwarz und Grauweiß auf, welche ihm den Namen gegeben hat. Wenn es nun auch noch gelingen follte, bem Garten wieder ein Rashorn zu verschaffen, fo bürften die alten Glanzzeiten des Elefantenhaufes wohl bald wiedertehren. Taschendiebe und Kriminalpolizei. Auf frischer Tat verhafiet. Unter lebhaftem Beifall der Fahrgäste wurden gestern in einem Straßenbahnwagen drei Laschendiebe bingjeft gemacht. Kriminalbeamten der Sonderstreife fielen vor den Räumen des Kaffenvereins drei Männer auf, die taten, als ob sie sich nicht fannten und fich doch gewisse Zeichen gaben. Einer nach dem anderen ging in die Räume des Kaijenvereins hinein, endlich auch der dritte, der noch eine Weile draußen geblieben war. Dann tamen fie nach einander wieder heraus und bestiegen einen Straßenbahnwagen. Die Beamten der Streife vermuteten in ihnen Taschendiebe und nahmen an, daß fie die Absicht hatten, in dem Straßenbahnwagen zu orbeiten". Sie fulegen ebenfalls auf, um sie weiter zu beobachten. Die drei taten ganz harmlos und rauchten ihre Zigarette. Als sie jedoch schon an der ersten Haltestelle auf ein Zeichen wieder abfliegen, waren die Beamten sicher und nahmen die drei unter einem lebhaften Bravo" des Publikums fest. Die drei protestierten, besonders aber der eine, ein gutgekleideter Herr in schwerem Belz, der sich für einen Detektiv ausgab. Im Auto, das die Gesellschaft nach dem Polizei präsidium brachte, mertte einer der Beamten bald, daß einer der Bestgenommenen ein Gelhpatet im Bolster des Wagens versteckte. Er ließ ihn auch ruhig gewähren. Als dann auf dem Licht hofe des Polizeipräsidiums das Päckchen aus dem Bolster heraus geholt wurde, wollte niemand wissen, wie es da hineingekommen fei. Bald darauf aber erschien ein Kassenbote mit der Meldung, daß ihm in den Räumen des Kassenvereins ein Bädchen mit 500 Mart in Fünfmartscheinen gestohlen worden war. Er hatte es in der äußeren Manteltasche getragen und so den Dieben die Arbeit leicht gemacht. Es war das Pädchen aus dem Bolster des Wagens, Trogdem leugneten die Diebe auch jetzt noch. Sie wurden natürlich in Haft behalten. Bom Bockbierfest in den Tod. In der Nacht zum vergangenen Montag fand man um 3 1hr in der Nähe des Bahnhofes Butligstraße auf dem Bahn törper die Leiche eines Mannes auf. Ein Bein war ihm abgefahren und am Kopfe hatte er schwere Berlegun gen. Die Kriminalpolizei des Polizeiamtes Tiergarten stellte den Toten feft als den 35 Jahre alten Schloffer Friz habebant cus der Brunnenstraße. Dieser besuchte zwei Tage vorher mit feiner Frau ein Bockbierfest. Die Frau ging allein nach Hause. Der Mann blieb noch und kehrte dann nicht mehr heim. Nach Der Starte, die man in seiner Tasche fand, muß er erst auf der Station Putligstraße den Zug bestiegen haben. Ob er bald darauf aus dem Abteil gefallen oder hinausgeworfen worden ist, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Jedenfalls ist er von einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Zug überfahren worden. Habebant hat früher in der Berlichingenstraße gewohnt und verkehrte in der Gegend auch noch. Alle, die zur Aufflärung beitragen tönnen, werden ersucht, sich bei Kriminalkommissar Geb. 1. Bezirk des Bolizeiamtes Tiergarten, zu melden. Das verdächtige Kleiderpaket. Die verschwundenen Akten. Zuchthaus für einen Juftizbeamten. Eine Strafkammersihung im Salonwagen. Nachspiel zu dem Eisenbahnunglüd bei Belzig. Ein im Justizverfahren feltener Fall, eine Gerichtsver. handlung im rollenden Eisenbahnabteil, er cignete fich gestern. Mit lauter Im Berufungsverfahren mußte sich der Oberbahnmeister Albert Eichelbaum aus Belzig wegen fahrlässiger Tötung in Tat einheit mit fahrlässiger Körperverlegung und Transportgefährdung Am Durch unverschuldete Not und Krankheit in der Familie hatte vor der Großen Potsdamer Straftammer verantworten. sich der Justizobersekretär A. zu schweren Attendiebstählen ver. 31. Mai 1924 fam es durch Trennung eines Arbeitszuges auf leiten lassen, die ihn jetzt ins Zuchthaus brachten. Durch den Ber- offener Strecke bei Belzig auf der Brandenburgischen Städtebahn zu einem schweren Unglüd. Dort löften sich dret Güterwagen, die auf von Altpapier, der ihm nur wenige Pfennige einbrachte, burch Hemmschuh gesichert schienen, plötzlich und ſauſten in voller hat er sich nun seine Zukunft verscherzt. Fahri in einen Arbeiterzug hinein. Ein Streden wärter Anfang 1923, als in der Inflationszeit das Altpapier einen ro urbe getötet und eine große Zahl von Arbeitern verhältnismäßig hohen Wert erreichte, begann er mit der Ent zum Teil leicht, zum Teil schwer verletzt. Der Oberbahnmeister wendung von Atten und setzte das auch bis zur Entdeckung wurde feinerzeit vom Potsdamer Schöffengericht als der BerantEnde Oktober 1924 fort, obwohl er da nur noch 2 Pfennige wortliche zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen für das Pfund Altpapier erhielt Zuerst beschränkte er sich darauf, das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Aus Zweckmäßigs abgelegte Aften, die zum Einstampfen bestimmt waren, zu ver- feitsgründen begab sich die Potsdamer Straffammer unter dem taufen. Später ging er dazu über, auch aus den Attenschränken Vorsiz des Landgerichtsdirektors Helwig nach Belzig. Auf dem andere Aften, die unbedingt aufbewahrt werden mußten so Bahnhof hatte die Direktion der Eisenbahn ihren Betriebssalons Disziplinaraften und die Akten der freiwilligen Gerichtsbarkeit wogen mit einer Lokomotive dem Gericht als Berhandlungsraum jowie Belege, die in feine eigene Tätigkeit fielen, in seinen Rud zur Verfügung gestellt. Alle Prozeßbeteiligten bestiegen den Salonfad und in seine Attentasche einzupaden und hinauszuschleppen. wagen und pünktlich 10 Uhr begann im rollenden Zug, dem drei nicht weniger als 10 000 Aftenstücke sind auf diese Weise Güterwagen angehängt waren, die Verhandlung. in die Produktenfeller gewandert. Allmählich fiel das Fehlen der Elimme, um das Geräusch der Räder zu übertönen, verlas der fchiedener Attenstücke auf und Justizwachtmeister stellten auch Berichterstatter Landgerichtsrat Kaufmann das vorinstanzliche Ulr. Dann An der Unglüdsstätte fand ein Lotaltermin statt. mehrfach jest, daß einzuftampfende Attenbündel, die fie auf den teil. Boden geschafft hatten, bald darauf verschwunden waren. Dem bestieg das Gericht wieder den Salonwagen. Nach stundenlangen Täter fonnte man lange Zeit nicht auf die Spur kommen, da man eisenbahntechnischen Debatten hielt zum erstenmal ein Anflageauf falscher Fährte suchte. Schließlich nahmen die Wacht vertreter, in diesem Fall Staatsanwaltsrat Stargard sein Plädoyer meister, um sich von dem Verdacht, der in erster Reihe auf fie in einem Eisenbahnabteil. Er beantragte Verwerfung der Befallen mußte, zu reinigen, die Nachforschung selbst auf und legten rufung. fallen mußte, zu reinigen, die Nachforschung selbst auf und legten rufung. 3ur Beratung zog sich in diesem Falle nicht wie üblich fich auf die Lauer. Dabei stieß man auf den Angeklagten, der mit das Gericht zurüd, sondern der Herr Staatsanwalt, die Sachverstän seinem Rudfad und der gefüllten Aktentasche manchmal hatte digen und das Publikum stiegen aus dem Wagen und marschierten er auch eine Reisetasche in den Dienst mitgebracht die Akten draußen auf und ab. Nach einer Stunde rief ein Richter aus dem wegschaffte. A. war nur zu häufig auf dem Boden gewesen und Rupeefenster Fertig" und alle bestiegen wieder den Gerichtswagen, hatte auch in auffälliger Beife Aften vom Boden in sein Dienft in dem der Freispruch des Angeklagten auf Roffen zimmer heruntergeschleppt. Daher wurde er eines Tages ge- der Staatstaffe ausgesprochen wurde. stellt, und mußte nun auch seine Schuld eingestehen. Auá nor Gericht war er in vollen Maße geständig. Wie er zu dieser Tat gekommen fei, tann er heute selbst nicht erklären. Nur Not habe ihn fomeit gebracht; er habe sehr bescheiden gelebt, aber die Strantheit seiner Frau, die herzleidend und blut arm war, und ein schweres Frauenleiden hatte, habe ihn in Schulden gebracht, besonders nachdem seine Frau eine fostspielige Operation durchzumachen hatte. Dem Angeklagten find auch wieder. holt seit dem Jahre 1919 Wirtschaftsbeihilfen gewährt worden und es war ihm auch gestattet, außer den Dienststunden Kanzlei arbeiten zu verrichten. Der Angeflagte entschuldigt sich damit, daß er geglaubt hätte, daß es sich in allen Fällen um Einstampfpapier gehandelt hätte. Benn er auch nur wenige Pfennige erlöst habe, so habe der geringe Betrag es ihm doch ermöglicht, zur Pflege feiner franken Frau etwas beifteuern zu fönnen. Was er getan hobe, habe er lediglich aus Liebe zu seiner Frau getan. Meb. Rat Dr. Stormer hat den Angeklagten eingehend untersucht und ist zu dem Schluß gekommen, daß er zwar geistig und förper lich minderwertig, aber zurechnungsfähig set. Wenn auch fein Vater im Irrenhaus gestorben sei und bei ihm verschiedene Degenerationszeichen vorhanden feien, so sei doch feine Spur Don Geistestrantheit zu bemerken. In der Beweisauf nahme wurde festgestellt, daß noch 6% 3 entner Atten bei Althändlern beschlagnahmt werden fonnten. Oberstaatsanwalt Binder bezeichnete den Berlust der Disziplinaraften als einen ungeheuren Schaden für das Kammergericht. Als alter Sefretariatsbeamter tonnte der Angeklagte nicht im 3weifel sein, daß es sich bei diesen Aften, ebenso wie bei den Belegen aus feiner eigenen Tätigkeit, die er auch verkauft hat, um Atten im Urfundensinne handele. Aus diesem Grunde bedauere er, feft. stellen zu müssen, daß nur affein§ 349 in Frage tomme, bei dem das Gefeh nur 3uchthausstrafe zulaffe. Das Urteil fautete auf ein Jahr Zuchthaus und 50 Mart Geldstrafe, oder im Nichtbeitreibungsfalle auf weitere 5 Tage Zuchthaus. Dem Gericht blieb, wie Landgerichtsdirektor Schneider im Urteil ausführte, nichts anderes übrig, als auf Zuchthausstrafe zu erkennen. Als langjähriger Beamter, der mit diesen Aften schon viel direkt zu tun gehabt hat, mußte der Angeklagte über den Urfundencharakter der Aften im flaren sein. Bedauerlich ist es, daß es nicht möglich war, um eine Buchthaus firafe herumzukommen. Das Gefeß schließe bei derartigen Ber gehen durch einen Beamten mildernde Umstände aus und schreibe Buchthausstrafen vor, ebenso eine Geldstrafe. Alles, was mildernd für den Angeklagten spricht, ist von dem Gericht berücksichtigt worden, indem es auf die Mindeststrafe erkannte. Ein Anabenfreund" wurde von ber Neuköllner Kriminal polizei festgenommen. Es waren Anzeigen eingegangen, daß fich in der städtischen Badeanstalt zu Neukölln ein Mann verdächtig an Knaben beranmachte und sie durch kleine Gelbgefchente au einem späteren Zusammentreffen au beranlassen fuchte. Die Senaben waren jedoch mißtrauisch geworden, batten ihren Eltern von den Einladungen erzählt, und diese wandten fich an die Kriminalpolizei. Mehrere Beamte beobachteten die Badeanftalt, fanden so den verdächtigen Mann heraus, verhafteten ihn und stellten ihn feit als einen 28 Jahre alten Kaufmann Hans R., der angeblich in Rottbus wohnt. St., der ftart gepudert war, fein Schläfenhaar hell gefärbt hat und durchdringend nach Parfüm Das Rundfunkprogramm, Donnerstag, den 12. Februar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Technik. Direktor Lempelins:„ Dies und das vom Gas". 7 Uhr abends: Handelskurse. Geh. und Oberregierungsrat Neuberg:„ Gewerblicher Rechtsschutz und Verwertung gewerblicher Schutzrechte". 3. Vortrag. Das weitere Verfahren vor dem Patentamt bzw. dem Reichsgericht". 7.30 Uhr abends: Literatur und Kunst. Mr. Hamilton, Lektor an der Universität Berlin: Englische Literaturgeschichte( in englischer Sprache). Uhr abends: Vortrag Obermagistratsrat Dr. jur. Josef Mödlinger: Das neue Berliner Wohnungsnotrecht".$ 30 Uhr abends: XV. Sonderveranstaltung der Funkstunde A.-G. 1. Adagio Der Fund blutdurchtränkter Kleidungsstücke, über den wir aus aus der D- Dur- Senate, Locatelli( Otto Urack. Cello). 2 a) Ich der Nacht zum Freitag voriger Woche berichteten, ist noch nicht trage meine Minne( Henckell) Strauß. b) Traum durch die aufgeflärt. Es gewinnt jedoch mehr und mehr den Anschein, daß Dämmerung( Bierbaum) Strauß, c) Ich schwebe( Henckell) Strauß, er auf ein Berbrechen zurüdgeführt werden muß. Der Träger des d) Ich liebe dich( Liliencron) Strauß( Heinrich Rehkemper, Bariton. 8. a) Der Engel( Wesendonck) R. Wagner, b) Im Treibbunkelblauen Jadetts mit schwarzen Hornknöpfen und der feld. haus( Wesendonck) R. Wagner. c) Schmerzen( Wesendonck) R. grauen Weste mit gelbem Wildlederfutter und Aermeln aus grauem Wagner, d) Träume( Wesendonck) R. Wagner( Dorothee Manski, Zeltbahnstoff hat wahrscheinlich durch einen Hieb oder mehrere von der Berliner Staatsoper, Sopran). 4. Cellosonate, Grieg, eine stark blutende Berlegung am Hinterkopf erhalten. In dem Allegro agitato Andante molto transquillo Allegro( Otto Batet war bekanntlich noch ein Kopftiffenbezug, der oberflächlich Urack, Cello). 5. a) Meine Liebe ist grün( Schumann) Brahms, frisch ausgewaschen war. Das läßt darauf schließen, daß das mut- b) Feldeinsamkeit( Hermann Allmers) Brahms, c) Morgen( Mackay) maßliche Berbrechen in irgend einer Behausung in der R. Strauß, d) Cäcilie( Hart) R. Strauß( Dorothee Manski) Rähe des Fundortes in der Immelmannstraße verübt worden ist, 6. a) Rivolgete a lui lo aguardo( altitalienische Arie) Mozart, b) Archibald Douglas( Fontane) Löwe( Heinrich Rehkemper). Am Es hat sich bei der Kriminalpolizei auch ein blinder Mann Flügel: James Simon. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der gemeldet, der in der Freitagnacht zwischen 12 und 1 Uhr aus einem neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, SportnachHaufe der Hohenfriedbergstraße heraus Hilferufe gerichten, Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Ein Schreibmaschinenkauf. In der Nacht vom 17. zum 18. November v. 3. wurde ein Einbruch in die Räume der Industrie- Attiengesellschaft verübt, bei dem mehrere Schreibmaschinen gestohlen wurden. Nach den Cimittlungen tommt als einer der Täter ein Mann in Frage, der in Berbrechertreifen unter dem Namen der englische Georg bekannt ist. Mitbeteiligt scheint auch ein Kaufmann Rönner 3 fein, der mit dem englischen Georg" in ständiger Berbindung stand. Beide sind bisher noch nicht ermittelt worden. Dagegen gelang es festzustellen, wo die Schreibmaschinen hingekommen finb Daher hatte sich gestern eine Gruppe von Hehlern vor dem Schöffen Durch Vermittlung eines gericht Schöneberg zu verantworten. Staufmanns Bracht und eines gewissen Reimann waren bie Schreibmaschinen weiter an einen gemiffen 3indel vertauft wor den. Bracht hat sich bei dem Bertauf eines falschen Namens bes dient. Das Gericht tam zu der Ueberzeugung, daß Bracht und telmann gewußt haben, daß es fich um gestohlene Schreibmaschinen handelte und verurteilte sie zu neun bzw. drei Monaten Ge fängnis. 3indel dagegen wurde freigesprochen. Das Berfahren gegen einen vierten Angeklagten mußte abgetrennt werden. Erfolgreicher Abschluß der Berliner Fachmessen. Die Fachmesse der deutschen Bekleidungsindustrie und die zweite Messe der Schuh- und Lederwirtschaft in Berlin, die gestern ihren Abschluß fanden, hatten einen starten wirtschaftlichen Erfolg zu verzeichnen. Sowohl aus den Kreisen der Aussteller als auch aus denen Der Käufer fonnte man mit ziemlicher Uebereinstimmung hören, daß sich der Gedanke der Fachmessen in der Reichshauptstadt siegreich burchgefeßt habe und daß die Berliner Messen zweifellos eine 3utunft befizen, wie sich das Meffemefen auch im allgemeinen entwickeln möge. Noch am letzten Tage waren recht anfehnliche Umsäge zu verzeichnen, insbesondere in der Damentonfettion. Die Gesamtzahl der mit Käuferausweis verfehenen Messebesucher betrug bis zum Schluß der Messe über 50000 für eine Fachmesse ein außerordentlich günstiges Ergebnis. Auch Ausländer waren in stattlicher Zahl vertreten. Sie tamen vor allem aus den Randstaaten, aus Dänemark und Standinavien. Das Infandgeschäft war für die verschiedenen Zweige der Bekleidungsbranche sehr wenig einheitlich. Die größten Umfäße hatten die Krawattenindustrie, die Blusen, Kleider und Wäschebranche. Die von der Messeleitung am letzten Tage unter den Ausstellern der Befleibungsmesse veranstaltete Umfrage hat beinahe zu 99 Proz. der Ausstellerschaft eine unbedingte Bejahung nach wieder. holung der Meffe in Berlin ergeben. Es ist unzweifelhaft, daß die gestern beendeten großen Bekleidungs- und Ledermessen bie Entwicklung des Berliner Fachmessegedankens sehr gefördert haben. Berbefferungen im Sonntagsverkehr der Ringbahn. Bur Sicherung der Anschlüsse an die legten Rüge am Tage wird der Bug. der Sonntags planmäßig 1.09 nachts von Treptow nach Niederschönetveide abfährt, nötigenfalls in Treptow auf den dort 1.07 eintreffenden Bug vom Potsdamer Ringbahnhof 5 Minuten warten. Ebenso wird der Zug, der bisher 1.09 nachts von Stralau- Rummelsburg nach Charlottenburg abfuhr und jeyt 4 Minuten später verlehrt, auf den gleichen Zug vom Potsdamer Ringbabnbof- Stralau Rummelsburg an 1.11 nachts- Sonntags nötigenfalls bis au 20 Minuten in Stralau Rummels. burg warten. 10 Mit dem Fahrstuhl in die Tiefe. Gestern nachmittag gegen 2½ Uhr war der Monteur Erich Stade, der in Neukölln, Thomas ftraße 27, wohnte, im Hause Briger Str. 7 mit der Reparatur des schadhaften Fahrstuhls beschäftigt. Er befand sich gerade in der Söhe des 2. Stockwertes in dem Aufzuge, als plöglich der Fahrlub mit größter Gefäwindigkeit in bie Liefe fauste und Kade mit sich rib. In besinnungslosem Zustande schaffte man den Berunglüldten nach dem Krankenhause Am Urban, wo er mit inneren Berlegungen und einem Beinbruch Aufname fand. Die Baupolizei ist mit der Untersuchung des Falles befchäftigt. Bezittsbildungsaus'chuß, Sonntag, den 22. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gaalbau tebrichshain: Gründungsfeier des Reichsbanners Schwarz. Rot- Gold. An brache: Reichstagspiäfident Gen 2öbe. Rezitation: Starl Gbert vom Staatstbeater. Berliner Sinfonieorchester. Mufitalische Lei tung: Stapelmeister a etelin Eintrittstarten zum Preise von 1( M. find im Bureau des Bildungsausschusses, Lindenstr. 3, Zimmer 8/9, zu baben. Urbeiterbildungsschule. 8., 19., 20. Streis: morgen. Freitag, den 13. februar, pünftlich 7, Uhr abends, beginnt im Schullofal Gemeindedinle Grünthaler Str. 4/5 die Arbeitsgemeinschaft des Gen. Breuer. Thema: Die Geschichte der Arbeiter- Internationale. Der Bildungsaus chuß Treptow- Baumschulenweg bringt in feiner 32. Borführung wissenschaftlicher Filme am Freitag, den 13. Februar, abends 8 Ubr, in der Treptow- Sterntarfe den Film Kolumbus", der Riefendampfer des Norddeutschen Lloyd mit Begleitbortrag des Herrn Ingenieur Svedmann ( Bau, Gurtchtungen, Sicherheitsvorkehrungen, Berproviantierung, Leben an Bord auf der Fahrt nach New York). Karten zu 50 j. an der Abenblaffe Wirtschaft Ufa.- Lichtspiele( Universum- Film- AG) Berlin. 3u welchen Riefenunternehmungen in verhältnismäßig furzer Zeit die privatfapitalistische Befriedigung des Massenbedarfs an Rinozerstreuung und Rinovergnügen geführt hat, dafür ist die Goldbilanz der Ufa- Besellschaft ein lehrreiches Beispiel. Sie wird nach Umstellung ihres Papiermartfapitals von 300 Millionen im Verhältnis von 6%: 1 mit einem Grundkapital von 45 Millionen und Referven von 15 Millionen, zusammen 60 Millionen Goldmart arbeiten. Darüber hinaus wird fie ihr Rapital im Laufe der nächsten Jahre um 15 Millionen RM., damit die arbeitenden eigenen Mitel auf 75 Millionen er höhen. Das ist ein gewaltiger Betrag. Der Kapitalsstärke nach läßt er die Ufa- Gesellschaft vor den stärksten deutschen Großbanfen und gleich hinter den stärksten Montan, Chemie- und Elettri. zitätskonzernen rongieren. Diese Stellung der großen Lichtspiel. industrie ist nicht verwunderlich, wenn man die beispiellofe Massenhaftigteit und Gleichartigkeit des Massenbedarfs berücksichtigt, den die Lichtspielindustrie zu befriedigen hat. Der Geschmads- und Modenwechsel spielt für die Filmgroßindustrie deshalb feine so große Rolle, weil, wie bei der Mode überhaupt, die Geschmacksbildung sehr viel mehr ein Produkt der Industrie ist. als des Publikums selbst, das sich heute von den Anregungen der Filmindustrie fast willenlos leiten und lenten läßt. Dazu kommt die fast monopolartige Stellung der großen Lichtspiel industrie mit eigener oder von ihr fontrollierter Filmerzeugung gegenüber den mittleren und fleinen Lichtspielhäusern, deren Kon furrenzposition gegenüber den großen Lichtspielpaläften faft hoff nungslos ist, weil sich Spezialitäten nicht entwickeln lassen wie etwa beim alten Theater und beim Barietè, und weil den Eintritts. preifen nach unten eine absolute Grenze gesezt ist, über die die große Lichtspielindustrie fast beliebig bestimmen tann. Die Ufa- Gesellschaft hat die Inflationswirtschaft glänzend über. standen. Die Verwaltung betont selbst, daß den Aktionären der Goldwert ihrer Einzahlungen restlos erhalten geblieben ist. 1922/23 wurden auf das Papiermartkapital von 200 millionen 700 Prozent Dividende ausgeschüttet. Im Geschäftsjahr 1923 verteilt die Ges fellschaft 9 Goldmark auf je 1000 Mart Papierfapital, das ist bei einer Zusammenlegung von 6%: 1 eine Golddividende von 6 Prozent. Den Hauptposten im Reinvermögen von 60 Mil lionen bilden 110 Beteiligungen, die vorsichtig mit 49,96 Millionen bewertet sind. Grundstücke erscheinen, offenbar in mehr als vorsichtiger Bewertung, mit 4,88, neue Filme mit 2,0, halbfertige Filme mit 4,39 Millionen. Daß starte stille ReDaß starte stille Re ferden gebildet find, ergibt sich auch daraus, daß die Gesellschaft ihre eigenen Mittel um 15 Millionen erhöht, die vorläufig durch 10prozentige Schuldverschreibungen beschafft, später aber durch Um tausch in Aftien umgewandelt werden sollen. Damit macht auch die Ufa den interessanten Bersuch, mit den sogenannten„ Con vertible Bonds" aus dem immer noch schwachen und miß trauischen deutschen Kapitalmarkt durch Bersprechung hoher fester Zinsen und Zusage günstiger Umtauschbedingungen in der Zukunft ihren Kapitalbedarf nicht im Ausland, sondern im Inland zu be friedigen. Sie ist allerdings, mehr als andere große Unternehmun gen, an das Inland gebunden, weil die Ufa- Attien an der Börse noch nicht notiert werden. Diese Zulassung soll aber demnächst er. felgen. Die Gesellschaft verpflichtet sich, die Schuldverschreibungen, nis mit befriedigender Dividende für die Aktionäre zu erzielen. In das Jahr 1925 find wir mit guten Aufträgen hinein. gegangen, die uns für die nächsten Monate Beschäftigung sichern. Die aufsteigende Konjunktur für Rohmaterialien trifft uns nicht, weil wir für die vorliegenden Aufträge mit Rohmaterialien zu günstigen Preisen verfehen find." Diese Darlegungen find Diese Darlegungen find umso bemerkenswerter, als bekanntlich in der Wäscheindustrie mit die niedrigsten Löhne von allen Erwerbszweigen gezahlt werden, die Arbeit wird zum Teil als Heimarbeit vergeben und bringt den Heimarbeiterinnen, die gewöhnlich neben ihrer Heimarbeit noch die Hauswirtschaft verrichten müssen, so wenig, daß sie troß ihrer Arbeit die bitterste Not leiden. Das einzige, was bei der Wäscheindustrie günftiger ist als bei der ihr sehr nahestehenden Konfektion, die zum Teil ebenfalls mit dem Verlagssystem arbeitet, ist die Tatsache, daß die Wäscheinduftrie nicht in dem Maße Saisonarbeit ist, mie die Konfektionsindustrie, und daß fie bei normaler Konjunktur den meisten in der Industrie Beschäftigten eine während des ganzen Jahres dauernde Beschäftigung sichert. Jedenfalls zeigen die Dar legungen, daß die Klagen der Industrie über die schlechte Ronjunttur zum mindeſten ſtart übertrieben sind. Aufhebung belglicher Boytoffs gegen deutsche Waren. Berfchiedene öffentliche Verwaltungen Belgiens haben befchloffen, die bei öffentlichen Bergebungen seit dem Waffenstilstand in Belgien üblichen Bedingungen, wonach deutsche Firmen oder deutsches Material von den Lieferungen aus geichloffen find, zu streichen. Durch diesen deutschfeindlichen Vorbehalt find die Kaffen der öffentlichen Verwaltungen vielfach schwer gefchädigt worde. der Wiener Staatsanwaltschaft wurde die Untersuchung gegen Die Untersuchung gegen Caftiglioni eingestellt. Auf Antrag Camillo Castiglioni eingestellt. In der Begründung beigt es, fiten bant, als Castiglioni die Leitung in andere Hände über die Untersuchung babe ergeben, daß die Allgemeine Depo gab, aftib und lebensfäbig gewefen fei und daß der ipätere gu fammenbruch nicht auf die Tätigkeit Caftiglionis zurüidgeführt werden könne. Castiglioni habe auch keine Schuld an den Spiritus schiebungen. Das„ Silber- Jubiläum" der amerikanischen Automobil- Industrie. Die amerikanische Automobil- Industrie, die eben in New York ihr Silbernes Jubiläum" gefeiert hat, ist in diesen 25 Jahren mit solcher Schnelligkeit gewachsen, daß heute ein Rapital von 1% Milliarden Dollar in der Industrie angelegt find und sie 2½ Millionen Menschen beschäftigt. Sie ist einer der größ ten Konsumenten für die Produkte von Bergwerfen, Wäldern und der verschiedensten Fabrikationszweige in Amerika und ist der drittgrößte Kunde des Eisenbahnfrachtverkehrs; ihre jährliche Produktionsfähigteit beträgt gegenwärtig 5% millio nen Fahrzeuge. Im Jahre 1924 zahlten die Industrie und ihre Abnehmer über 5 Milliarden Dollar an Bundes, Einzelstaatsund Gemeindesteuern, einschließlich 57 Proz. der gesamten Berbrauchs- Sondersteuer. 124a. bt. Mahlsdorf- Cüb. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Dick. CD fdeinen Bflict. 141. Abt. Rofenthal 7% Uhr im Lokal Schneider( Rachf. Röhm), Elternver fammlung. Thema: Unfere Schule in Gefahr." Ref.: Genoffe Lehrer Richard Schröter. * PD..onfumgenofenschaftsmitglieder der 15. und 16. Abt., im Bezirk der 39. Berkaufsstelle wohnhaft, werden ersucht, sich Gonnabend, den 14. Februar, abends 7 Uhr, im Lokal Jasmunder Str. 3 einzufinden. Arbeiterwohlfahrt, Arbeiterjugend, Jungfozialisten! Sonnabend, den 14. Februar, abends 7 Uhr, Linhenftr. 3, 2. Sof, 3 Tr., Versammlung aller Parteinertreter, älterer Jugendgenoffen, Sungsozialisten und Funktionäre ber Arbeiterwohlfahrt. 1. Bie tanu bie Arbeiterjugend in der Jugenh fürsorge und Jugendgerichtshilfe mitarbeiten?( Jugendrichter Dr. Franke.) 2. Aussprache. Alle fich intereffierenden Genoffen find eingeladen. Frauenveranstaltung am Freitag, den 13. Februar: 7. t. 7 Uhr in Röhlers eftfalen, Steditt. 24, Borttag der Genoffin Gener: Bilgerblod und die Frauen." Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgenoffen und-genossinnen! Am Sonntag, den 15. b. M., vormittags 10 Uhr, pünktlich im Jugendheim, Linden. Straße 3: Uebungen von Boltstänzen für die Frühlingsfeier. Jede Abteilung muß vertreten fein. Heute, Donnerstag, den 12. Februar, abends 7% Uhr: Schönhauser Borstadt: Sayule Jbsenstr. 17, Mitgliederversammlung. Reutölln II: Jugendheim Nogatstr. 58, Bortrag: Jugendfchuß und Jugendredit." Werbebezirk Areuzberg. Am Freitag, den 13. b. M., findet int Jugendheim, Diskutierzimmer, Lindenstr. 3, eine Mädchentonferens ftatt. Erscheinen aller Mädchen ist Pflicht. Wichtige Tagesordnung. Vorträge, Vereine und Dersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäfts Relie: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 Tr. Rameradschaft Rönigsmusterhansen. Donnerstag, den 12. Februar, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Lobal Czanta, Restaurant Bflicht. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen. In der heute, Donnerstag, abend 7 Uhr in der Aula Marktstr. 11 stattfindenden Generalpersammlung haben vor allen Dingen auch diejenigen Kameraden zu er fcheinen, die an der Fahrt nach Magdeburg teilnehmen. Wichtige Mitteilungen. Rameabschaft Niederschöneweibe, Ortsgruppe Treptow. Donnerstag, den 12. februar, abends 7 Uhr, haben alle Rameraden in der Turnhalle der 1. Gemeindeschule, Kiefholaftraße, anzutreten. Kameradschaft Köpenid und Untergruppen. Freitag, den 13. Februar, abends 7% Uhr, im feinen Gaal Geora Täubert. Die Teilnehmer der Magdeburger Fahrt milffen das Fahrgeld des Stadt- Theaters Röpenick Mitgliederversammlung. Bortrag des Kameraden in Söhe von 7 M. abrechnen. Mitgliedstarten aur Rontrolle mitbringen. Kamerabschaft Streuzberg. Freitag, den 13. Februar, abends 7% Uhr, Generalverfammlung in den Blücher- Sälen, Blücherftr. 61. Borstandswahlen. Bortrag bes Rameraden Rebatteur Rlühs und Besprechung der Fahrt nach Magdeburg. Cricheinen aller Kameraden Pflicht. Kamerabschaft Neukölln- Brig. 3. ang. Freitag, ben 13. Februar, abends 8 Uhr, Sugverfammlung im befcheinen fämtlicher Kameraben, auch ber paffiven, unbedingt erforderlich. Wegen der dringend wichtigen Angelegenheit ist das ErRameradschaft Reblenbort. Freitag, den 18. Februar, abends 8-10 Uhr, Sportaum unterberg, Berliner Str. 17. Bünftliches Erscheinen der Kameraden ist fannten Zotal abend in der Nordschule. In den Vereinigten Staaten sind über 16 Millionen Automobile eingetragen, während in der ganzen übrigen Welt die Gesamtzahl brei Millionen beträgt, wovon noch übrigen Welt die Gesamtzahl brei Millionen beträgt, wovon noch dazu viele in den Bereinigten Staaten fabriziert sind. Die fie jetzt zu 105 Brozent begibt, spätestens am 31. mai 1928 Parteinachrichten gegen Aftien zu Bari umzutauschen und für den Fall, daß irgendein Grund die Aktienausgabe verhindert, spätestens am 1. Juni 1928 die Schuldverschreibungen zum Rurs von 130 Prozent einzulösen. Da die Ufa- Attien heute etwa 15 Prozent stehen, das find nach Umstellung rund 100 Brozent, fo liegt in den Zeichnungsbedingun gen offenbar ein starfer Anreiz. Bird von dem Umtauschrecht 1928 fein Gebrauch gemacht, fo werden die Schuldverschreibungen 35 zum ursprünglichen Erwerbspreis, zu 105 Prozent, fällig. Außerdem fann die Gesellschaft die nicht umgetauschten Schuldver schreibungen ab 1928 für einen beliebigen Zeitpunkt monatlich fündigen. Ueber den Geschäftsgang wird günstig berichtet und man tann der Ufa glauben, wenn sie ihren Aktionären eine ange. messene" Dividende versprechen zu tönnen glaubt. Für die arbeitenden Massen ist es nur höchst bedauerlich, daß auch diese Art des Massenbedarfs vieler Millionen Arbeiter, Angeftellten und Beamtenhaushalte privattapitalistisch ausgebeutet wird, statt großzügig in eigenen Unternehmungen der Arbeiterfchaft organisiert zu sein; ganz abgesehen von den eminenten Gefahren für die Geschmadstultur und aus der Ausnügung des Films( ebenso wie des Rundfunks) gegen die Interessen der arbeitenden Klasse. Bank der Arbeiter, Angeftellfen und Beamten 2.-G. In den Borstand dieser Bank, deren Attien sich in den Händen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes befinden, ist Ministerialdirektor 3. D. H. Bachem eingetreten. Dieser Beamte ist, wie erinnerlich, aus dem Staatsdienst ausgeschieden infolge von Diffe renzen, bie er in der Frage der Auseinandersetzung über die An Sprüche der Hohenzollern an Preußen mit dem voltsparteilichen Finanzminister v. Richter hatte. Die Beschäftigung in der Wäscheindustrie. In der Generalversamm. fung der A.-G. vorm. Gebr. Rifter wurde mitgeteilt:„ Wir waren im Jahre 1924 sehr gut beschäftigt, und es dürfte uns gelun gen fein, trop des Streifes im Auguft ein zufriedenstellendes Ergeb. Ginfendungen für diese Rubrik find Berlin 68. 68, 2labenftraße 3, CS für Groß- Berlin flets en bas Bezirksfekretariat, 2. Sol, 2 Trep. rechts, an richten Bezirksvorstand. Sonnabend, den 14. Februar, pünktlich 6 Uhr, Sigung des er weiterten Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der Borwärts". Redaffion, Lindenstr. 3. 13. Kreis Tempelhof- Marienborf Seube, Donnerstag. 7% Uhr, Teations ftung im Rathaus Mariendorf, Simmer 26. 34. st. Heute, Donnerstag, den 12. Februar: Alle Borwärtslefer werben zu einer Besprechung betreffenb bie Delegiertenwahlen aur Ronfumgeneralversammlung am Freitag, 7 Uhr, file bie 144. Abgabeftelle Memeler Straße bei Seefe, Memeler Str. 63, für die 34. Abgabestelle Ropernitusstraße bei Rofin, Gubener Str. 19, eingeladen. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr Funktionärserfammlung bei Bufe, Raifer Wilhelm, Ede Werberstraße. Thema: Der nächste Frauenlefeabend." 132. Abt. Blankenburg. 7% Uhr Bohlabend bei Klug, Dorfitt. 1. Bortrag Sungsosialisten, Gruppe Nordost. In den Bavaden, Danziger Straße, um be's Genossen Buttkamer. 48 Uhr, Bortrag des Genoffen Ofterroth: Die jungsozialistische Be wegung. Arbeiterjugend und Intereffierte find eingeladen. Gruppe Lantwis. Pünktlich Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant, Spott ede". Gruppe Friedrichshain. 7% Uhr im Jugendheim Tilsiter Str. 4: Aus dem Leben und den Werken Friz Reuters." Gruppe Treptow. 7% Uhr im Jugendheim Elfenste. 3, Bortrag des Genoffen Lipinski: Die bildende Kunst im Testen Jahrhundert." Gruppe Renköln. Seute Ar beitsgemeinschaft. Morgen, Freitag, den 13. Februar: 5. 6. 74 Uhr Borstandssitung bei Dobrohlam, Gwineiniinder Str. 11. 33. Abt. 7% Uhr Gigung sämtlicher Ronfumvereinsmitglieder, welche jen feits der Bahn wohnen, bei Rofin, Gubener Str. 19. Tagesordnung: Stellungnahme aur Aufstellung ber Randidaten zur Genoffenfchaftswahl. 98. Berlaufsfielle ber Ronfumgenossenschaft Berlin und Umgegenb, Reufän, Weserstr. 28/29. Zusammenkunft der SBD.- Genossenschaftsmitglieber am Freitag, den 13. februar, abends 8 Uhr, im Lotal Fiedler, Weferftraße 184. Delegiertenwahl." Parteibuch legitimiert. 101. nab 102. Abt. Baumsaulenweg und Treptow. 8 Uhr, 32 Borführung wiffenfchaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. Rolumbus ber Riefendampfer des Norbbeutschen Lionb, mit Lichtbildervortrag des Serrn Ingenieur Spedmann. Ratten au 50 Pf. an der Abendblaffe. Ber Bereinigung Hir Schaf ab Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. fammlungsort: Reichenfaal der 6. Ereptomer Gemeindeschule, Wildenbruchftraße 53 III. Freitag, den 13. Februar, 8 Uhr abends: Ausbildungsmöglich feiten im Beftaloaai- töbelhaus."( Lilli Dröscher, Leiterin d. BFFS.) Eintritt frei. Berein bez Stralsunder. Donnerstag. 8 Uhr, 8ur Sonnen- Uhr, Oberbaumbrlide, Bortrag: Der Teufel." Filehner Landsmannschaft zu Berlin. Jocks Bereinshaus, Oranienstz. 86, Donnerstag, den 12. Februar, 8 Uhr. Gäste willkommen. Gesellschaft für Söhlenforschung und Höhlenkunde. Donnerstag, den 12. Februar, abends 7 Uhr, in ber Geologischen Landesanftalt, Jnnalibenftraße 44, fpricht Sert Biegers liber: Söhlenbildung und Entbedung eines altsteinzeitlichen Höhlenmuseums." Mit Sichtbildern. Gäste willkommen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Berein für beutsche Schäferhunde( SB.), Ortsgruppe Moabit. Monats. perfammlung am Freitag ben 13. Februar, abends 8 Uhr, im Infelrestaurant, Brokenice, Seeftraße. Dafelbft Schuß- und Polizeihund- lebungsturse file it glieder. Während der Wintermonate Sonntag vormittags 9-12 Uhr. Arbeiter Rabio- Klub, Bezirk Rorben. Jeben Donnerstag, abends 7 Uhr, Bersammlung Ropenhagener Str. 9 bei Morat. Gruppe Rottbuser Tor unb Sallesches Tor. Donnerstag, den 12. Februar, abends 148 Uhr, in Lobal von Wolfchläger, Adalbertstr. 21, nahe Rottbufer Tor, findet eine wichtige Sufammenkunft fämtlicher Radiofreunde statt. Stellungnahme zum Reichsfongreh. Berliner Arbeiter- Schachklub. Abt. Wefthafen. Spielabend leben Donners tag abend bei Herrmann, Quikowite. 120, Ede Savelberger Str. Am 12. Fe bruar Forifegung des Unterrichtes für Anfänger 8 Uhr und für Fortge. fdjeittene um 19 Uhr. Gäfte willkommen. Abt. Nord- Weft fpielt jeden Dienstag in den Arminiushallen, Bremer Str. 72/73. Arbeitersport. GB. Sparta 1911( Soden) sucht noch Intereffenten zur Bernollfländigung einer Sodenmannschaft. 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Neues Tb. am Zoo Tä ich 48 Uhr ,, Riquette" Täglich 8 Uhr Oparetia on Oscar Straus Wild- West- Madel Lustspielhaus 8 Uhr Guido Thielscher D. wahre Jakob Th. in Kommand. Str. Operettenhaus em Schiffbanerdamm * Unr Die vertauschts Frau Wallner Theat. 8 Uhr Pelleas and Melisande Thalia- Th. Tägl. 8 Uhr Täglich 8 Uhr: Molly Wessely in Nachmittags halbe Preise volles Programm. Dönhoff- Brett'l: Familien- Varieté Anf. 7 U.. Sonnt 31, U. Circus Busch 7%, Uhr: Circus- Spielplan! Fliegende Affen! 9 Uhr: Das romantische Manege- Schauspiel Lady Hamilton aus dem Leben Admiral Nelsons in der Hauptrolle. Paula Busch Die gewalt. Ausstattung, die der Circus Busch seit Jahren gezeigt hat. Volkstümliche Preise Das Buch für Mädels und Buben: Kinderland 1925 Breis 1,25 Mart Bu haben in ber Buchhandlung 3. H. Dies und in der Borwärtsbuch bruderet, Lindenstraße 3, ferner in allen Barteifpeditionen Bezirksführer und- Raffierer nehmen ebenfalls Bestellungen gern entgegen. 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Der Redner stellt fest, daß nach seinen Erfundigungen beim Gerichtsvorsitzenden der Name Birth oder irgendwelche Beziehun gen seiner Person zur Firma Himmelsbach während des ganzen Prozesses überhaupt nicht zur Sprache gekommen sind.( Elürmisches hört, hört! links und in der Mitte.) Troz dieses Tatbestandes habe der Lag" Jeinen Namen vor die Deffentlichkeit gezerrt. Der Redner erklärt weiter, daß er in der fraglichen Zeit überhaupt tein öffentliches Amt befleidet habe. Nachdem vom Gericht diese Feststellung getroffen wurde, erkläre der Tag", daß mit dem Aus drud Reichskanzler" nicht Dr. Wirth, sondern der damalige Reichstanzler Cuno gemeint sei.( Seiterfett.) Der Tag" fügt dann hinzu, angesichts der Tatsache, daß die geschäftlichen Be ziehungen Births mit der Firma Himmelsbach bekannt feien, läge es nahe, ihn und nicht einen anderen Reichskanzler als Quelle der Informationen der Firma Himmelsbach zu bezeichnen.( Stür mische Pfuirufe und große Erregung links und in der Mitte.) Das Berhalten des„ Tag" müffe als politische und moralische Korruption bezeichnet werden, wie sie schlimmer nicht gedacht werden könne.( Zustimmung lints und in der Mitte.) Der Redner steilt dann weiter fest, daß auch Cuno mit der Sache nichts zu tun haben fönne, da er zu jener Zeit ebenfalls schon aus dem Amte geschiedn sei.( Erneutes stürmisches Hört! hört!) Sein Nachfolger war Stresemann. Der Redner bezeichnet dann alle Vorwürfe. die über ein geschäftliches Zusammenarbeiten zwischen ihm und der Firma Himmelsbach erhoben worden feien, als unzutreffend, ebenso die Behauptung über verwandtschaftliche Beziehun gen. Auf der Rechten scheine die Lüge zum politischen Syftem 3 werden.( Stürmische Zustimmung links und in der Mitte, Unruhe rechts.) Zu einer weiteren Erklärung erhält dann der frühere Reichs. wirtschaftsminister Abg. Schmidt( Soz.) bas Mort: In der Deutschen Tageszeitung" und in der Zeitung Der Tag" find in Berbindung mit meiner Tätigkeit im Wirt fchaftsminifterium ehrverlegende Beschuldigungen erhoben, die mich nötigen, folgende Erklärung hier abzugeben: Die Deutsche Tageszeitung" behauptet in Nr. 61 vom 6. Februar, daß die Einfuhr eines größeren Quantums Butter durch die Firma Barmat durch meine Anordnung erfolgt sei. Um den Eindruck der Glaubwürdigkeit zu erweden, beruft sich die Seitung auf bestimmte Atten im minifterium. Die Zeitung Der Tag hat wiederholt troß der von mir ein. gefandten Berichtigung behauptet, ich hätte im Hotel Bristol mehrfach an Diners, die Barmat gegeben hat, teilgenommen. Ich erkläre, daß diefe Angabe frech erlogen ist. Ich habe weder im Hotel Bristol noch an anderen Orten an einem Diner Barmats tell genommen. Und zwar aus dem Grunde, um jebe Beziehung zu Bersonen zu vermeiden, die Lieferungen für die Reichsstellen aus. führten. Ich werde deshalb den verleumderischen deutschnationalen Ich werde deshalb den verleumderischen deutschnationalen Gewährsmann im Tag" an Gerichtsstelle zur Berantwortung ziehen. Meine Herren, ich bin jeif 1893 Mitglied des Reichstags, and ich weiß, daß im politischen Leben die Leidenschaften off sehr hoch gehen, aber eine solche Niederirächtigkeit der deutschnationalen Presse ist mir in meiner politijden Tätigkeit noch nicht begegnet. ( Lebhafter Beifall links, andauernder Lärm. Ruferets: Bauer foll eine Erklärung abgeben! Zwischenrufe zwischen rechts und links. Der Abg. Schmidt wird wegen eines Zwischenrufs, der auf der Tribüne unverständlich bleibt, vom Präsidenten Löbe zur Ordnung gerufen.) Abg. Dr. Frid( Natsoz.): Nach Zeitungsmeldungen hat ber Staatsanwalt ben Antrag auf Aufhebung der 3mmunität des Abg. Bange- hegermann gestellt.( Große Unruhe.) Ich beantrage, daß dieser Antrag fofort als erster Punkt auf die Tages ordnung gefeht wird und noch in dieser Stunde der Reichstag dem Antrag bes Staatsanwalts ftattgibt. Es ist doch merkwürdig, daß eine Partei, deren Vertreter vorhin in fo großen Worten sprach ( Stürmische Erregung und andauernder Bärm. Rufe fints und im Zentrum: Bful!) Präsident Cöbe: Ich glaube, diese Ausführungen abkürzen zu können, wenn ich mitteile, das bisher ein solcher Antrag des Staatsanwalts dem Reichstag nicht zugegangen ist. Abg. Frid verläßt unter lebhaften Pfuirufen von links und aus dem Zentrum die Rednertribüne. Der Lärm und die Erregung bauern noch eine ganze Zeit an. Haushalt des Reichsarbeitsministeriums die gestern Das Haus tritt darauf in die Tagesordmmg ein und feht beim abgebrochene Aussprache über das Wohnungs- und Siedlungs mejen fort. Abg. Dr. David( Soz.): Nach Beendigung des Kriegszustandes herrschte Uebereinstim mung darüber, daß das Siedlungsmefen im größten Maß ftabe gefördert merden müffe. Die Regierung der Volksbeauftragten Schuf zu diesem Zwecke eine Reichsfiedlungsordnung, die später in das Reichsfiedlungsgesetz überging. Die Ausführung war den eindas Reichsfiedlungsgefek überging. Die Ausführung war ben ein einen Ländern übertragen worden. Wenn wir heute nach dem Erfolg diefer Ation fragen, so wird die Antwort sehr unbe. friedigend lauten. Manches ist zwar geschehen, aber gemessen an der Größe der Aufgabe ist es doch sehr gering. Die Streitfrage, ob der Klein- oder Großbetrieb rentabler wirischaftet, tommt praktisch dabei nicht in Betracht. Einigkeit besteht über die unzulängliche Wieffchaftlichkeit jener Betriebsformen, die wie der Catifundienbefit mehr als 10 000 Heftar besitzen. Sie find an der Wirtschaft gar nicht mehr beteiligt. Hier ist noch viel Band vorhanden, das für die Siedlung in großem Maßstabe einge bracht werden kann. Wir haben deshalb einen Antrag gestellt, daß zunächst das Land freigemacht wird, das mehr als 750 Heftar landbiet umfaßt. Das überschüssige Band ist dem Reich abzugeben, der Wert der Entschädigung wird nach der Bermögenssteuer. veranlagung und Selbsteinschätzung des Besizers festgelegt. Benn man den Anspruch auf eine angemessene Entschädigung" gelten lassen würde, so würde das wegen der schwierigen Geftfehung deffen, Festsetzung was angemessene Entschädigung bedeutet, zahllofe Brozesse zur Folge Die Einsicht der Aften im Ministerium hat ergeben, daß diefe Behauptung unwahr ist.( Hört, hört! links.) Der Abschluß des Geschäfts erfolgte ohne mein Jufun.( hört, hört! links.) Festgestellt fei, daß der dittatorische Ausschuß selbständig handelte, mie es überhaupt unmöglich gewesen wäre, daß dem Minister die einzelnen Geschäfte unterbreitet wurden. Der Wirtschaftsminister tonnte felbftherrlich überhaupt keine Einfuhrbewilligung geben. Die„ Deutige Tageszeit teine gebiet beruft sich auf die des Minifteriums, daß enigegen dem Willen der Beamten meinerseits Der Abschluß von Geschäften mit Barmat angeordnet sei. Bei der Durchsicht der Aften durch die Beamten des Ministeriums und nachdem auch ich persönlich mich der gleichen Mühe unterzogen habe, ift festgestellt, daß nicht ein Bermert oder eine Nofiz über das Ergebnis einer persönlichen Rücksprache vorhanden ist, die direkt oder indirekt erfennen läßt, daß ich eine Anordnung getroffen, ein bestimmtes Geschäft abzuschließen oder eine Bevorzugung der Firma Barmat eintreten zu lassen. Die in der Deutichen Tageszeitung" dahin erhobene Anklage ist somit eine niederfrächtige Lüge.( hört, hört! und lebhafte Zustimmung lints.) Die Deutsche Tageszeitung" beruft sich unter Angabe des Aktenzeichens darauf, daß Barmat einen Geschäftsabschluß, der sehr ungünstig für ihn verlief, zur Aufhebung brachte, daß die Reichsfleischstelle fich dagegen wandte, und erst durch den Eingriff des Ministers Barmat seinen 3wed erreichte. Die Einsicht der Akten ergab, daß das Gegenteil richtig ift. Die Reichsfleischstelle verlangte in einem Schreiben vom 22. September 1919, baß der Bertreter des diftatorischen Ausschuffes mit aller Entschiedenheit dahin wirken möchte, daß der Bertrag aufgehoben wird. Das geschah aus dem Grunde, weil mittlerweile vorübergehend Preise und Baluta sich günftiger ftellten, als es beim Geschäftsabschluß mit Barmat zu er tennen war. Das Reich war also nicht benachteiligt, fondern hatte Nutzen von der Aufhebung des Vertrages, aber ich selbst habe in der Sache gar nichts getan. Ich stelle außerdem fest, daß der Reichstag feinerzeit einen Ausschuß von 42 Mitgliedern einfegte, der alle Geschäfte der Reichsstellen nach prüfte. Mir ist nicht befannt, daß an irgendeiner Stelle der Ein wand erhoben wurde, daß unzulässige Geschäftsabschlüsse mit Bee mat festgestellt wurden. Da damals schon folche Angriffe in der Breffe laut wurden, wäre es ganz unverständlich, wenn diesen Be schuldigungen nicht nachgegangen wäre, zumal das Protokoll des Ausschusses ergibt, daß 32 3eitungsartikel Anlaß au Nachforschungen gaben. Die Deutsche Tageszeitung" behauptet in der Notiz ferner, daß bei dem erwähnten Geschäft ein Zeit der Gewinne an bie fozialdemokratischen Berteifaffen in Deutschland und Holland gegangen fei. Eine falche Erklärung habe in einem Brozeß ein Bertreter Barinats abgegeben. Mir ist von dieser Erflärung und von dem Brozeß nichts befannt, und ich erinnere mich auch nicht, baß eine solche doch jehr auffebenerregende Mitteilung in die Presse übergegangen wäre. Daß ein Bertreter Barmats folche Erflärung abgegeben hat, erfcheint mir etwas ameifelhaft. Benn es aber geschehen ist, dann wäre es Bflicht ber Staatsanwaltigaft gewesen. fich dieser Sache anzunehmen.( Sahr richtig!) Es ist nicht geschehen. Besitz, 3ch fordere nunmehr die Staatsanwaltschaft auf, das Bersäumte nachzuholen. Es wird sich dann herausstellen, bak hinter diejer Behauptung ein elender Berleumder stedt( Lebhafter Beifall fints.) 3ch erkläre, daß, sowelt ich daran beteiligt sein follte, ich auf die Immunitat als Abgeordneter verzichte und nicht dem Beispiel gewisser Herren von rechts folgen werde.( Beifall fints.) feit mehreren Tagen in Befih, ohne fie bisher abzudruden. Ich folge Den Inhalt dieser Erklärung hat die Deutsche Tages- eitung bem Beispiel des Herrn Abg. Becker, um von dieser Stelle aus mich gegen das leitende Organ der Deutfchnationalen zu wenden. Auf journalisfifchen Anfland fann ich somit bei der Deutschen Tages. seifung nicht rechnen. Aber ich bebe ausdrücklich hervor, daß dieses Blatt vor einigen Tagen eine hämische Natiz darüber brachte, daß ich mich bisher zu ihren Anschuldigungen nicht äußerte. Ein solches Verfahren tann ich nur als eine ganz perfide Handlungsweise bezeiden. 99 haben. Donnerstag, 12. Febenar 1925 Nach weiteren Ausführungen der Abg. Dhler( Dnil.), Rönne. burg( Dem.), Behrens( Dntl.) und Lude( Birtsch. Bg.) schließt die Siedlungsdebatte. Die Erörterung wendet sich sonstigen sozio alen Maßnahmen azt. Frau Juchacz( S03.) Wenn die Sozialdemokratische Bartel diesmal davon Abstand genommen hat, besondere Anträge zu diesem Titel zu stellen, fo Derfolgen wir die Absicht, die Berhandlungen mit den Ländern abzuwarten, damit die Fürsorgeverordnung endlich burchgeführt und nicht dauernd Experimente mit der Fürsorge gemacht werden. Wir wünschen, daß endlich die ganze Materie einer eingehenden Beratung im Ausschuß unterzogen wird, damit endlich den Selbsthilfeorganisationen ist befürchtet worden, Klarheit über die vielen Mißstände geschaffen werden kann. Bon daß sie auf das Lebensniveau der Armemunterstügungsempfänger herabgedrückt werden sollen, um die alte Berminologie zu gebrauchen. Wenn wir auch diese Befürchtungen teilen, jo ift der Fortschritt doch nicht zu verkennen, der in der Zusammenfassung der Fürsorge liegt. Der Wille der Sozialdemokratie it, auch die Armenpflege nach den Gesichtspuntten moderner Fürsorge auszu bauen. Es dürfen nicht zwei Schichten von Fürsorgebedürftigen gefchaffen werden.( Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) die Sozialdemokratie gegen die Bripatanstalten fel. Das ist In einem Teil der Breffe ist es so hingestellt worden, als ob nicht richtig. Gewiß haben wir aus fachlichen wie aus weltanschau lichen Gründen die Pflicht, die Entwicklung so zu beeinflussen, daß die Fürsorge Immer mehr in öffentliche Hand übergeht. Die private Fürsorge muß von der Allgemeinhelt übernommen merden, wenn es in ihrem Intereffe liegt. Es ist nicht richtig, daß von 255 Fürsorgeanstalten noch 205 in privatem Befty find, und daß nur 10 Prozent aller Stellen in öffentlicher Hand liegen. Wir wollen die gemeinnüßigen Anstalten nicht unterdrücken, fie aber die Brinatanstalten jemals jo gefäßt worben mohl in Stand setzen, ihre Aufgaben besser zu erfüllen. Sind wie jetzt? Bir Sozialdemokraten find gewiß nicht Gegner der privaten Initiative, wollen wir doch herbeiführen, daß jeder gefunde Staatsbürger nicht nur die Gelegenheit, fondern auch die Bilicht hat, sich im Dienst der öffentlichen Fürsorge zu betätigen. Wir unterschägen auch nicht die ungeheure moralische Kraft, die in der Initiative der einzelnen liegt. Benn die Arbeiter in gewiffen Sinne ihre Lage heben tonnten, so ist das gerabe zurüdzuführen auf die Inititative, die in der Selbsthilfe der Arbeiter unb ihrer Organisationen liegt. Wir wollen aber nicht, bag bie Entwicklung der offentlichen Wohlfahrtspflege nach rfid wärts ge richtet wird. Wir haben heute schon ein großes Heer geschutter Wohlfahrtspflegerinnen im tommunalen Dienste, die viel mehr leisten tönnten, wenn sie nicht durch die Bureaukratie gehemmt merden. Die Rednerin welft an Beispielen nach, daß die in ben öffentlichen Anstalten tätigen Personen mindestens die gleichen Leistungen vollbringen wie die in der privaten Fürsorge. Die Fürsorgerinnen werden gezwungen, thre Arbeit vei unzulänglichem Einfom men zu leisten. Man befoldet sie nach Stlasje IV und V. trojdem man von ihnen die Ausbildung von Boltsschullehrerinnen verlangt. Die Leiterin einer Anstalt, die eine hohe Ausbildung genojien und ein hervorragender Mensch ist, mird nach Gruppe VI befoldet, während eine Junglehrerin in derselben Anstalt nach Gruppe VII bezahlt wird. Besonders feelische und körperliche Straft hergeben, von einem Elend zuin ber fitimin geht es den Fürsorgerinnen im Außendienst, bie lire ganze tönnen. Hier ist eine Schicht von Frauen, die Blonierarbeit leisten, andern wandern, ohne das befriedigende Gefühl zu haben, helfen zu die fich einen Lebensberuf gefchaffen haben, der ihre Arbeliskraft schnell verbraucht. Bir dürfen sie nicht vergeifen. Für die Ent hließung des 3. Ausschusses werden wir slimmen.( Bebhafter Bei fall bei den Sozialbemotreten.) Seit 18 Jahren haben wir feine Betriebszählung gehabt, die bisher vorliegenden Ziffern sind daher unzureichend. Eine Betriebsstatistik ist dringend notwendig.( Sehr richtig!) Es dürfta aber im allgemeinen noch zutreffen, was Prof. Conrad festgestellt hat. Es gab 1883 Leute, die zufantmen 4,9 Millionen Quadratmeter Land beseßen, das waren 21 Broz. der ganzen Gebietsfläche. 158 hatten davon einen Besitz von über 5000 hektar. Sie besaßen insgesamt 678 Güter mit 585 000 Heftar. Im Durchschnitt famen auf jeden von ihren 34 Güter mit 29 000 hektar Fläche. Diese Beute stammten zumeist aus ehemaligen regierenben fürstlichen Häusern. Wir finden darunter Namen wole Graf Echaffgotfch, Fürst Donners. mard usm. An der förperlichen Arbeit für den Boden sind sie gar nicht beteiligt, fie beziehen fediglich ihns Revenuen baraus. Es handelt sich hier um reine Drohneneristenzen im volkswirt. fchaftlichen Sinne( Sehr richtig!), während auf ber anderen Seite strecken. hunderttausende fleine Leute die Hände vergeblich nach Band aus Wir wünschen verschiedenartige Siedlungs. formen, forohl die bäuerliche Neusiedlung mie bie bäuerliche Anliegerfiedlung. Bor den Wahlen haben uns die Rechtsparteien als Bauernfeinde hingestellt. Wenn die Bauern unseren Antrag lesen, dann werden sie nicht mehr daran glauben, daß wir ihre Feinde sind.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir fordern weiter, daß der Pachtschuh nicht abgebaut, wie es die Rechtsparteien toünschen, sondern ausgebaut wird. Bir haben dazu einen Gesezeniwurf vorgelegt und hoffen auf die Zustimmung des Hauses. Uns liegt baram, daß den 2andarbeitern eine freie Wohnstätte gesichert wird und nicht, wie es ein beutschnationaler Antrag will, lediglich Gutswohnungen. fähiges Land im Umfange von 2.7 Millionen Hettar bat, Ich verweise darauf, daß Deutschland nach kultur. sind zusammen 4.2 Millionen Hettar nusbar 3 dazu noch kulturfähiges Heideland von 1,5 Millionen Hettar. Das machende Fläche. Um einen Begriff dapon zu geben, mas das bedeutet, jei daran erinnert, daß der Freistaat Bayern 4,32 millionen Hettar landwirtschaftlich genußte Fläche umfaßt, das meiter das Land, das Deutschland durch den Versailler Bertrag verfor, insgesamt 4.23 Millionen Hektar umfaßt. mir tounen alfo durch die Nuhbarmachung unseres Deblandes und der Heidefläche faft den gesamten durch den Krieg ver Lorengegangenen Landbelih wieder gutmachen. Gerade die Latifundienwirtschaft Ariege hat bazu geführt, daß die Ostgebiete von Jahr vor dem zu Jahr mehr polpnisiert wurden. Dieser Prozeß der Enteölferung der Ostprovinzen nimmt auch heute noch seinen Fort gang, Hunderttausende von fremden Arbeitern werden hin eingezogen, die deutschen Arbeiter hinausgetrieben. Wenn muß für eine enderung dieser Berhältnisse, die auf dem Syften Sie nicht wünschen, daß auch tiefe Gebiete noch verloren gehen, jo Europa noch bestehen, gesorgt werden. der alten feudalen Betriebsführung beruhen und nirgends sonst in Der einzige zuverlässige Grenzschuh ist eine dichte Bauernbesiedlung. Man hat den Sozialdemokraten früher die nationale Gefinnung abgeftritten.( Unruhe rechts.) Es handelt sich aber nicht um nationale Worte, sondern um ein nationales Wert. ( Widerspruch rechts.) 2n ihren Früchten follt ihr fie erkennen. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) beugende Fürsorge und fordert ein allgemeines Wohlfahrtsgefez. Abg. Frau Mueller- Otfried( Dnat.) empfiehlt vor allem die porrichtungen der privaten Fürsorge auf die Gemeinden oder den Abg. Frau Dr. Mah( D. Bp.) lehnt die leberführung der EinStaat ab. Abg. Frau Dr. Cübers( Dem.) fordert, daß den Fürsorgepflegezinnen die Beamtencigenschaft mit Irlaub zugebilligt merbe. erdnung als eine unerhörte Maßnahme gegen 3 Millionen Hilfs Abg. Frau Arendfee( Romm.) bezeichnet die Fürsorgepflichtver bedürftige und fordert ihre schleunigste Beseitigung. Abg. Frau Teusch( 3.): Es wäre ungerecht, wenn die flaatiden und städtischen Anstalten große Vergünstigungen und den Borrang vor den privaten genießen. Rach weiteren Ausführungen des Abg. Mamm( Dnat.) mird die Beratung abgebrochen. Das Haus persagt sich. Donnerstag 12 ühr: Weiterberatung. Schluß nach 7 Uhr. Zusammentritt eines Sonderausschusses. Prüfung der Vorfälle in der Landespfandbriefanstalt. Der im Preußischen Landtag als Sonderausschuß eingefette Untersuchungsausschß für ble Bottommnisse bei der Landespfandbriefanstalt belt am Dienstag abend unter dem Borjit des Abg. Leinezt( Goa) feine fonftituierende Sigung ab und besprach den Arbeitsplan. Der Borsigende teilte mit, daß ein Bertreter des Justizministeriums Bedenten ben Antrag des Justizministeriums abzumarten und dazu in einer wegen einer Stoflifton mit einer etwaigen strafrechtlichen Interchung geäußert habe. Der Ausschuß beschloß einen entsprechenfolf am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, stattfinden. Am Freitag nichtöffentlichen Sigung Steffung zu nehmen. Die nächste Sigung felt dann mit der Beweisaufnahme begonnen merden. Um die Erwerbslosenversicherung. Sozialdemokratische Anträge vor dem Ausschuß. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages nahm den 2in trag auf Einführung einer Arbeitslofenversicherung grundläglich an. Er sieht vor, daß bie höchst grenze für die Bei forge von bret auf zwei Bro3. herabgelegt wird. fragspflicht der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur ErwerbslafenfurUnterstügung maßgebenden drei Wirtschaftsgebiete aufzuheben, Ein Antrag der Sozialdemofraten, bie für die Höhe per wurde abgelehnt. Doch wurde die Regierung ersucht, elma bei auf diejenigen landwirtigaftlichen Arbeiter, bgrenzung der Wirtschaftsgebiete entstehende Härten auszugleichen. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Beitragspflicht gehilfen und ländliches Gesinde auszubehnen, die bisher beifragsfrei waren, murbe abgelehnt, nachdem von deutschnalionaler Seite darauf hingewiesen war, daß auch nach der bisherigen Regelung die Unterstügung ermerbslofer landwirtschaftlicher Arbeiter gefichert sei, daß aber die beantragte Menberung der Eigenart fand wirtschaftlicher Berhältnisse nicht Rechnung trage, Eine Entschlie Bung der Demokraten, bie bie gleiche Regelung für das fünftige Gesetz fchon jest feftauiegen fudgie, murbe ebenfalls abgelehnt, aus. Der Staatsbank- Untersuchungsausschuß. Davidjohn als deutschnationaler Zenge. Polizeipräsident Richter sagt aus. In der Nachmittagssigung des Intersuchungsausschus ses verliest zunächst Abg. Stoli( Komm.) namens der kommunistischen Mitglieder des Untersuchungsausschusses eine Erklärung, in der berichtet wird, Abg. Rutiner habe als Redakteur des „ Vorwärts" und der„ Glocke" die Interessen von Barmat und Eflarz gegen alle Angriffe selbst aus eigenen Parteireihen verfochten. Er habe ferner im Kapp- Butsch 1920 zum Schuze der Republik von Herrn Sklarz rund 50 000 M. zur unbeschränkten Verfügung erhalten, wodurch eine Spaltung im Republikanischen Führerbund eintrat." Der ausgeschiedene Teil benannte den Abg, Kuttner einen Stipendiaten. Ein Teil der Informationen, mit benen Herr Kuttner hier im Untersuchungsausschuß operiert hat, stammt direkt oder indirekt von Barmat." Davidsohns fragt Eine Sklarz- Debatte. Im Anschluß an die im Abendblatt kurz skizzierten Aussagen Abg. Kuffner( Soz.): Der Zeuge Davidsohn hat als Gewährsmann Baumeister genannt und die besondere Glaubwürdigkeit dieses Zeugen scharf unterstrichen. Ich habe seinerzeit Baumeister brieflich aufgefordert, in einem Briefe an Stlarz alle Beschuldigun gen gegen diesen aufzustellen, um zu sehen, wie Sklarz darauf reagiere. Baumeister hat darauf nicht geantwortet. Wegen dieses jämmerlichen Benehmens habe ich ihn dann geschnitten. Kann der Zeuge Davidsohn sich zu diesem Brief äußern? Davidjohn: Ich erinnere mich an diesen Brief. Aus diesem Brief geht nur hervor, daß Baumeister in den entscheidenden Tagen nicht den Mut hatte, zu seinen Informatio= nen zu stehen. Richtig waren diese Informationen. Baumeister hat aber geklemmt" und er wußte, was er tat, man hat ihm ein hohes Amt angeboten. Von sozialdemokratischer Seite war der einmütige Beschluß gefaßt worden, gegen Baumeister, gegen mich, gegen Sonnenfeld und Socchaschewsti, gegen alle, die gegen Brominente der Sozialdemokratie etwas getan hatten, den Klage meg zu beschreiten. Dieser Klageweg ist nie beschritten worden.( Hört, hört! bei den Komm.) Abg. Kultner bestreitet die Richtigkeit dieser Aeußerungen. Ist dem Zeugen ein Beschluß bekannt, demzufolge der zur Unter. suchung der Sflarz- Angelegenheit eingesetzte Aus: schuß vergeblich auf den Genossen Davidsohn gewartet, auf feine Befundungen dann keinen Wert mehr gelegt und die Sache zum Abschluß gebracht hat? Zeuge Davidjohn: Ich war damals gerade in Holland, bin aber nachher vor dem Ausschuß erschienen, habe meine Aussage gemacht und mich auf die mir übergebenen Dokumente berufen. Angeregt war von mir ein parlamentarischer Ausschuß oder das bürgerliche Gericht. Die Partei wollte sich aber nur auf einen Parteiausschuß einlassen, da sonst Dinge befannt werden konnten, die für die Partei nicht tragbar seien. Die Dickfälligkeit der Prominenten der Sozialdemokratischen Partei war eben außerordentlich groß. Borj.: Wir haben es hier ja nicht mit Stlarz, sondern mit Barmat zu tun. Abg. Kuliner( Soz.): Davidsohn ist als Zeuge dafür vernommen worden, daß er Warnungen an die Partei gerichtet habe. Da tommt es doch auch auf die Person des Warners an. Borf.: Herr Kuttner, Sie sind hier auf einem falschen Wege: Sie sind hier Richter und müßten evtl. austreten und selbst als Zeuge befunden oder jemand anders dafür als Zeuge benennen. Abg. Kuttner benennt darauf den Reichstagsabgeordneten Sollmann als Zeugen dafür, daß Herr Davidjohn angeblich gewarnt hat, aber dann nicht vorm Ausschuß erschienen ist. Beuge Davidjohn: Es ist doch notorisch, daß verhandelt worden ift, mit Scheidemann, Bauer, Wels. Abg. Kuliner verliest ein an ihn gerichtetes Telegramm des Generalsekretärs der holländischen Partei, Genossen Matthyssen vom 27. Januar 1920: Davidjohn fann darüber nichts aussagen, ebenso wenig weiß er aus eigener Renntnis über geschäftliche Beziehungen zwischen Barmat und sozialdemokratischen Führern. sondern Generalsekretär der Sozialdemokratischen Abg. Kuttner( Soz.) stellt fest, daß Mattysjen tein Unbekannter, scheidens Davidschns aus der Sozialdemokratischen Partei war der Partei Hollands gewesen ist. Der Hauptgrund für das AusFall Rodin. Ein Herr Rodin hatte Material gegen Herrn Scheidemann angeboten, das er dann nicht beibringen konnte. Dann hat Herr Baumeister Material aus dem Kopfe rekonstruiert. In emem gegen Rodin anhängig gemachten Strafverfahren ist Herr Rodin zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. In dem Verfahren sind dann Herr Davidsohn, Herr Baumeister und einige andere Herren wegen Verdachts der Mittäterschaft nicht vereidigt worden. Herr Davidjohn hat sich bei der Zusammenfunft mit Herrn worden. Herr Davidsohn hat sich bei der Zusammenkunft mit Herrn Rodin sogar einen falschen Namen beigelegt und sich Cohn genannt. Daraufhin wurde das Ausschlußverfahren eingeleitet, das Herr Davidsohn nicht abgewartet hat. Davidjohn behauptet, sein Ausschluß aus der Partei habe sich gar nicht auf diese Dinge bezogen, sondern auf seine 1919 gegen Bauer usw. erhobenen Beschuldigungen. Das andere sei künstlich und nachträglich hineinkonstruiert. Davidjohn hatte im Verlauf seiner Befragung des öfteren behauptet, auch Marimilian Harden habe das Treiben Barmats, auf Schwanenwerder des öfteren u. a. auch in einem Gespräch mit ihm gegeißelt. Vom Abg. Lüdemann gestellt, kann Davidjohn nichts Genaueres über die Unterredung mit Harden angeben, noch jagen, ob Harden ihm gegenüber den Namen Barmat genannt hat. Er muß zugeben, daß er zwischen Barmat und Sflarz nicht unterscheiden tönne. 1923 nach Schwanenwerder gekommen ist. Aus den Akten wird festgestellt, daß Barmat erst am 2. Januar Davidsohn deutschnationaler Musterzeuge. Abg. Dr. Deerberg( Dnat.): Ist Ihnen bekannt, daß Barmat bereits vor dem 9. November 1918 Beziehungen zum Reichspräsidenten unterhalten hat und welcher Art diese Beziehungen gewesen sind? Ist Ihnen weiter bekannt, daß während des Krieges Herr Barmat Gelder aus der Schweiz an die Sozialdemokratische Bartei abgeliefert hat, und zwar an Herrn Ebett? Es handelt sich darum, ob sich politische Einflüsse geltend gemacht haben für die Kreditgewährung der Seehandlung. Zeuge Davidsohn: Was die Frage der Hergabe von belgischen Geldern anbetrifft, so weiß ich nichts darüber.. Ich fann mich nur auf das beziehen, was ich am 8. Februar in der Presse gelesen habe. Wie weit Herr Baumeister auf das Jahr 1918, 1919 oder 1920 Bezug nimmt, fann ich heute nicht mehr feststellen. Baumeister müsse darüber die Antwort geben fönnen. Was die Gelder aus der Schweiz anbetrifft, so möchte ich sagen, daß hier eine Ver. wechslung mit der Affäre Splarz vorliegt. Soviel ich weiß, bestanden die Beziehungen zwischen Barmat und Stlarz darin, daß Stlarz die Berbindungen anknüpfte und Bar mat die Lieferungen besorgte. Abg. Deerberg( Dnat.): Ist Ihnen bekannt, daß 1919 an Reichsftellen erhebliche Mengen Butter geliefert worden sind, und daß von diesen Butterlieferungen eine Reihe fozialdemokratischer Herren Butter erhalten haben? Beuge Davidjohn: Baumeister hat behauptet, daß es sich um Natural- und Geldlieferungen handele. Ich weiß das alles nur von Herrn Baumeister.( Heiterkeit.) Der Zeuge Davidjohn wird darauf für heute entlaffen. Heilmann und Barmat. Abg. Kaufhold( Dnat.): Der Zeuge Heilmann hat gesagt, daß er der Bertrauensmann Barmats war und daß er aus all seinen Aufsichtsratsposten im Barmat- Konzern nie eine Vergütung bezogen habe. Ist das richtig? Abg. Heilmann: Das ist vollkommen richtig. Im übrigen möchte ich nochmal erflären, daß ich nichts weiter gewesen bin als ein persönlicher Freund Barmats. Ich wünsche nicht, daß dieser Bezeichnung etwas hinzugefügt wird. Bon all den Gesellschaften, in denen ich Aufsichtsrat war, habe ich niemals, weder direkt noch indirekt, einen Pfennig bekommen. Auf Anfrage erklärt Abg. Heilmann: Ich bin bei der Durch Im Besitz des vom Genossen Davidsohn verfaßten und verfuchung in die Räume der Amerima geeilt, weil ich interessiert öffentlichten Briefes, in dem er ein Urteil einiger namhafter hol- daran war, was dort festgestellt wird. Wenn die Untersuchung er ländischer Sozialdemokraten über den Herrn Barmat wieder geben hätte, daß gefälschte Aus- oder Einfuhrbewilli gibt und dessen Verhältnis zur hofländischen Partei fritisiert, habe gungen gefunden worden sind, hätte ich selbstverständlich meinen ich bei den von Davidjohn genannten Genossen de Rohde, Chef- Berkehr mit den Barmats eingestellt. Ich habe dem redakteur von Set Bolt", Fimmen, Sekretär des Internatio- Kaufmann de Winter bei der Untersuchung gesagt:" Du brauchst nicht nalen Gewerkschaftsbureaus, und Bollat jun., Redakteur von mit zum Wirtschaftsministerium zu gehen," weil ich annahm, daß Set Bolt", eine Information eingeholt, aus der hervorgeht, daß zur Feststellung, ob die Schriftstücke echt oder unecht feien, Davidjohn von seiner Unterhaltung mit genannten Herren eine Kriminalkommissar Klinghammer allein genügte. durchaus faische Darstellung gegeben und dadurch auch ohne Grund und mutwillig die Partei bloßgestellt hat, welche mit Herrn Barmat megen Finanzierung eines Teiles unserer Presse in Verbindung steht. Es war Davidjohn, der sich ungünstig ausließ und allerlei Beschuldigungen und Anwürfe gegen die deutsche und holländische Partei und gegen Barmat vorbrachte. De Rohde war nicht, wie Davidjohn behauptet, gerade im Begriff, sich zur Reise nach Berlin fertig zu machen, zu dem Zweck, sich den Herrn Barmat in seinem Berliner Milieu etwas näher anzufehen", sondern er hat erklärt, daß er sein Urteil über die durch Davidson erwähnten Tatsachen und Verhältnisse solange aussehen wolle, bis er gelegentlich seines Berliner Besuchs zu einer persönlichen Untersuchung Gelegenheit gehabt haben würde. De Rohde fügte hinzu, daß ihm bis dahin auch nicht durch Barmats Feinde jemals eine Tatsache genannt worden ist, die zu einer fiftlichen Verurteilung von dessen Perfönlichkeit Anlaß geben tönnte. Die erwähnten Beschuldigungen betrafen freilich nicht nur die unwahrscheinlichkeiten, welche Davidjohn über Barmats Tätigkeit in Berlin erzählte, sondern Davidfohn äußerte auch Vorwürfe gegen viele Führer und gegen die Politik der deutschen Partei, die derart waren, daß de Rohde sehr erstaunt war, als er auf eine diesbezügliche Frage zur Antwort erhielt, daß Davidsohn selbst zur Mehrheitspartei gehöre. Fimmen bestreitet bestimmt, die in Davidjohns Brief hervorgehobene Berachtung Barmats jemals ausgesprochentag als Zeugen zu laden. zu haben und erflärt, zu einer solchen Berachtung auch gar feine Veranlaffung zu haben. Pollak berichtet mir, daß es David fohn felber war, der die Furcht aussprach, daß auch die holländische Partei durch Barmat forrumpiert sei oder werden würde, worauf Pollat antwortete, daß er dies für unmöglich erachte, daß er es aber für seine Pflicht halte, sobald sich dafür jemals irgendein Anschein ergeben sollte, die ganze Partei zu alarmieren. Irgendeine Tatsache wurde von Davidsohn für seine Behauptungen nicht beigebracht. Hieraus geht hervor, daß Davidjohn eine feiner firen Idee tendenziös angepaßte unwahre Darstellung der Tatsachen gegeben hat. Ich ermächtige Sie gern, von meinen obigen Ausführungen öffentlich Gebrauch zu machen. it dem Zeugen das Telegramm befannt? Matthyssen." Auf kommunistische Fragen stellt Heilmann fest, daß Wels Barmat nicht zu Macdonald geschickt hat, Barmat wollte nach London reifen und hat von Wels eine Empfehlung an Macdonald erbeten und erhalten. Rost in war Angestellter des Auswärtigen Amts, wurde dann von Barmat eingestellt, fuhr mit diesem nach London und ist zur Fortführung der Verhandlungen dort geblieben. Er halte es für ausgeschlossen, daß das Zentrum 60.000 m. von Barmat erhalten habe. Es wäre möglich, daß Barmat Herrn Lange- Hegermann einen Betrag zur Verfügung gestellt hat, den dieser dann der Parteikasse überwiesen haben tönnte. Es wird beschlossen, gemäß dem Antrag des Abg. Schwering den bisherigen Finanzminister Dr. v. Richter für Frei Deerberg auf Ladung Baumeisters angenommen und Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird der Antrag der Ausschuß wendet sich nunmehr der Befragung des Polizeipräsidenten Richter zu. Polizeipräsident Richter: Ich habe den von mir bereits gemachten Aussagen über meine Beziehungen zu Herrn Julius Barmat und der Familie Barmat überhaupt nichts hinzuzufügen. Meine Beziehungen zu Julius Barmat waren rein freundschaftlicher Natur; sie haben auf meine Amtstätigkeit nie einen Einfluß ausgeübt. In Schwa nenwerder bin ich gelegentlich auch gewesen, aber nur fel ten, weil ich nur zu Herrn Julius Barmat in freundschaftlichen Beziehungen stand. Abg. Suttner( S03.): Bei jedem Zeugen, der hier vernommen worden ist, ebenso wie bei jedem Zeugen, der vor Gericht vernommen wird, ist ein bestimmtes Beweisthema gestellt, zu dem er gehört werden soll. Mh ist bis jetzt nicht bekannt geworden, uni was es sich eigentlich beim Polizeipräsidenten Richter handelt, zu welchem Beweisthema eigentlich Herr Richter geladen ist. Vorsitzender Dr. Leidig: Das vermag ich nicht zu sagen, der Ausschuß hat seinerzeit die Vorladung beschlossen. Abg. Kaufhold( Dnat.): Hat der Herr Polizeipräsident Richter nicht auch Empfehlungen für die Gebrüder Barmat für irgend welche Zwede gegeben? Polizeipräsident Richter: Nach meiner Erinnerung habe ich zweimal Empfehlungen in Paßangelegenheiten für Mitglieder der Familie Barmat gegeben. Eine Empfehlung war für Herrn David Barmat bestimmt und an das deutsche Kon sulat in Wien gerichtet. In dieser Empfehlung fam zum Ausdruck, daß der deutsche Konjul in Wien in einer Paßangelegenheit Herrn David Barmat empfangen möchte. Abg. Kaufhold( Dnat.): Ist das der folgende Brief: Sehr ge ehrter Herr Generalfonful! Der mir bestens bekannte Kaufmann Herr David Barmat wünscht Sie in einer Paßangelegenheit zu sprechen, und ich bitte Sie, ihn zu empfangen. Herr Barmat reist häufig aus geschäftlichen Gründen nach Deutschland, und bestehen hier gegen seine Einreise teine Bedenken. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Richter. daß er in Wien Schwierigkeiten hätte. Ich möchte aber gleidh bePolizeipräsident Richter: Jawohl! David Barmat fagte mir, tonen, daß ich in freundschaftlichen Beziehungen zu David Barmit nicht gestanden habe. Nach einem halben Jahr befam ist vom Generalkonsul in Wien ein Antwortschreiben auf meine Empfehlung, in dem mitgeteilt wurde, daß David Barmat an der Grenze megen Schmuggel von Rauchwaren ange halten worden sei und daß er mein Empfehlungsschreiben dem Generalkonsul erst ein halbes Jahr nach feiner Au5= stellung vorgelegt hätte, so daß die Möglichkeit bestanden habe, daß David Barmat diese Empfehlung inzwischen auch bei anderen Behörden verwendet haben könne. Auf Grund dieser Mittcilung habe ich Herrn David Barmat für die Folgezeit überhaupt nicht mehr empfangen und habe verboten, in irgendwelcher Weise für ihn tätig zu sein. Die zweite Empfehlung habe er für die Eltern des Herrn Julius Barmat ausgestellt, die nach Holland reisen wollten und an der Grenze Schwierigkeiten befürchteten, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Kaufhold( Dnot.): Der Zeuge Richter hat erflärt, er habe von Julius Barmat ein Darlehen bekommen und mit Zinsen zurüd gezahlt. Hat der Zeuge sonst weiter nichts erhalten? Vielleicht hat Ihre Familie irgendwann einmal von Julius Barmat etwas geschenkt bekommen, oder Sie haben vielleicht zur Ausschmückung Ihrer Wohnung etwas erhalten. Richter: Ich habe niemals etwas Derartiges von i Barmat einmal eine Base geschenft habe zur Ausschmidung Barmat bekommen, möchte aber, um präzise zu sein, mitteilen, daß id feiner Wohnung.( Heiterfeit.) Auf weitere Fragen erklärt Polizeipräsident Richter, er habe einmal 100 Stüd Bastotsanleihe getauft. Ein person. licher Vorteil fomme aber dabei nicht in Frage. Es fönnte sera, daß von der Amerima einmal eine Rechnung ausgestellt worden ist. Ferner habe er emmai in Berbindung gestanden mit der Disfonto Gesellschaft. Diese Verbindung sei aber sehr bald illusoriich dadurch geworden. weil bei der eintretenden Inflation sein Guthaben in nichts zerfloffen fei. Barmat habe einmal 100 Stüd Atiren der Dema ihm überlassen. Nach seiner Erinnerung habe er später non 50 Stud hinzugekauft. Welche Vergütung der Zeuge dafür gegeben hat, ist nicht mehr genau in seiner Erinnerung. Berichterstatter Dr. v. Waldthausen( Dnat.): Haben Sie einmal die Anordnung gegeben, daß alle Aftenstüde über Barmat Ihnen vorgelegt werden sollen, und haben Sie dem zuständi gen Dezernenten dann diese Anzeigen entzogen? Jeuge: Eine derartige Anweisung ist von mir niemals er gangen. Damit ist die Bernehmung des Polizeipräsidenten Richter be endet, und man tritt noch in die Vernehmung seines Stellvertreters, des Vizepräsidenten Moll, ein, der seit dem 1. Auguft 1919 diesen Posten innehat. teilt attenmäßig mit: Vizepräsident Moll Julius Barmat hat auf Grund eines Empfehlungsschreibens des Reichsschazministers Bauer die Aufenthaltsbewilligung erhalten. Mit Rücksicht auf dieses Empfehlungsschreiben ist von einer Befragung des Wohnungsamtes abgesehen worden. In dem Empfehlungsschreiben Bauers heißt es u. a.: Barmat ist mir seit langer Zeit gut bekannt. Da er zur Erledi gung seiner laufenden Geschäfte in Berlin anwesend sein muß und auch die Absicht haben soll, für seine Geschäfte hier ein Grunds stüd zu erwerben, befürworte ich das Ansuchen um Gewährung Salomon Barmat hat einer Aufenthaltsbewilligung gern." " die Aufenthaltsbewilligung auf Grund einer schriftlichen Anordnung des Polizeipräsidenten vom 21. Juli 1923 erhalten. Isa at Barmat, der in Deutschland sein Abiturium machen wollte, hat auf Vermittlung des Polizeipräsidenten ebenfalls die Aufenthaltsbewilli rückgewiesen worden, es war auch ein Strafverfahren gegen sie ein gung bekomen. Die Kontoristin Rosa Barmat ist zunächst 31geleitet, weil sie von der in ihrem Paß vorgezeichneten Reiferoute abgewichen war. Sie wurde jedoch am 19. Mai 1924 erneut vorstellig und hat am 8. Juli 1924 vom Fremdenamt auf Beranlassung des Polizeipräsidenten für eine begrenzte Zeit Aufenthaltsbewilli gung erhalten. Borsigender Dr. Leidig: Ist Ihnen zur amtlichen oder außeramtlichen Kenntnis gekommen, daß weiteres Material, den behandelt worden ist? Barmat- Fall betreffend, abweichend vom üblichen Geschäftsgange Bizepräsident Moll: Da tommt nur noch ein Fall in Frage, der von der Staatsanwaltschaft in Verbindung gebracht ist mit dem Fall Barmat. Die Erörterung dieses Falles stellt der Vorsitzende zurück; sie soll wegen der Möglichkeit einer Beeinträchtigung des gerichtlichen Berfahrens eventuell unter Ausschluß der Deffentlichkeit behandelt werden. Zum Schluß erklärt Abg. Kuttner( Soz.), die am Nachmittag vom Abg. Stolt über ihn verlesenen Behauptungen seien pöllig erfunden, insonderheit daß er in den Kapp- Tagen von Herrn Stlarz zum Schutze der Republik 50 000 Mart erhalten hätte. Nächste Sizung: Donnerstag 10 Uhr.- Schluß 6% lihr, Dixin Henkel's Seifenpulver Bastes Seifenpalv Díxin erikast Des Ape ca 2000000 Henkel isf sparsam im Gebrauch und von ausgezeichneter Wafchwirkung. Donnerstag 12. Februar 1925 Unterhaltung und Wissen Berliner Jungen in Bremen. Bon Rudolf Zweh. Es war feine Ferieneinladung; in den Ferien zu reisen und bei fernen Freunden zu Gaste sein, ist ja auch für die Kinder des Ber liner Proletariats fein unerreichbares Glück mehr, seitdem die Klaffengenossen des Auslandes unserer Armut zu Hilfe tamen. Das monarchische Deutschland hatte bloß Almosen für diese Jugend; und wie die aussahen, mag man im Borwärts" vom 23. Januar 1922( abends) nachlesen. 11 Hier galt's, 14 Tage Schulzeit in einem fernen Schulfreise zu verbringen. Nicht in der von Heimat und Elternhaus, Schule und Arbeit losgebundenen Freiheit des Ferienlebens, sondern im Getriebe des Alltags sollten sich die Kinder beider Städte fennenlernen. Sie wohnten daher auch nicht in einer unpersönlichen" Herberge, die so, wie sie ist, auch in Schlesien oder Baden stehen könnte, sondern waren Gäste der Arbeitereltern von der Volksschule Staderstraße, die als Versuchsschule freie Formen jugendlichen Gemeinschaftslebens pflegt. Bremen Scheußlich weit, man soll sich's auf der Karte bloß mal anguden, weiter als Breslau! Aber dank dem freundlichen Berständnis des Lehrter Bahnhofshäuptlings gab's feine Ertra abteile, und der Vollmond reiste mit, bis wir um Mitternacht von der unübersehbaren Schar der Bremer Freunde umringt standen. Sie rissen und schlugen sich beinahe um uns. Keine Massenführungen, feine Herdenwanderungen gab's nun. Selbständig sollte jeder sich unter den fremden Menschen bewegen, fich allein zurechtfinden lernen in der Stadt und dem Umkreise von Marsch, Moor und Geest. Bloß wenn mal seltene Gelegenheiten ausgenutzt werden mußten, blieben wir zusammen, jo, als es nach Bremerhaven ging zum Kolumbus". Das größte deutsche Schiff ein Hotel für mehrere tausend Gäste. Gewiß sind auch die Menschen dritter Klasse jezt menschenwürdig untergebracht( für schweres Geld), aber unsere Jungen empfanden doch gleich, daß die Klassen sich hier noch genau so scheiden wie einst. Vor der technischen Let itung hatten sie Achtung, besonders als sie von der Kommandobrücke in die 30 Meter Tiefe hinabschauten. Aber es blieb ihnen fremder Boden. Die ganze Fahrt war eine Probe darauf, ob die freien Formen unserer Arbeit an der Neuköllner Aufbauschule vor den Ansprüchen des Lebens bestehen können. Wie oft hört man nämlich auch von Freunden freier Schulgestaltung die bange Sorge äußern: Ja, das ..Kindheitsparadies" wollen wir unserer Jugend erhalten. Aber wenn's auf den Schulschluß und auf den praktischen Beruf zugeht, muß da nicht heilsamer Zwang auf den Ernst des Lebens" vorbereiten?" Die Jungen haben die Probe bestanden. In fleinen Gruppen durchstreiften fie die Stadt, frochen in die engsten Winkel AltBremens, wo man mit der Schulter an die Dachtraufe stößt, zeich neten, füllten ihr Tagebuch und waren bald in der Stadt bekannter als mancher Bremer Kamerad. Aber nun die Menschen, die Jugend dieses anderen Staates und Volksstammes! Zunächst gab's in der Schule großes Staunen über die unglaubliche Mundfertigkeit der Gäste( dafür gibt's ja verschiedene in Mitteleuropa weitbekannte Ausdrücke). Auf diese Weber iegenheit taten sich unsere Jungen erst viel zugute. Ha, was sind wir für fire Kerle! Doch dann tam die große Entdeckung: nämlich daß die bedächtige Langfamkeit der Bremer durchaus nicht etwa Stumpfheit bedeute, sondern eben der anderen Boltsart entspringe, die mit Boden und Klima eng zusammenhängt. Thr eigenes jchnelles Reden das sahen sie mit gesunder Selbstkritik selber fam nicht vom schnelleren Denken, sondern Dom anderen Temperament. So gab's besonders bei den kleinen Jungen und Mädchen der Unterstufe ein endloses Fragen, Erzählen und Vergleichen zwischen Berlin und Bremen, während die Großen, Gleichaltrigen mit den Gästen bald in enge Arbeitsgemeinschaft gerieten. Die andere Sprache, die anderen Anschauungsformen, die andere Natur, die Stadt mit ihrem immer noch gewaltigen Warenverkehr das waren alles selbstverständliche Unterrichtsstoffe, die auch ohne Unterricht lebendig wurden. Die Wirtschaftsverbundenheit unserer beiden Städte wurde zum Problem, wie eine auf die andere angewiesen bleibt, wie unsere Interessen hinausführen über die nebelverhangenen Gewässer nicht zur Eroberung mit jenen Waffen, von denen früher unsere Häfen starrten, sondern zur Verständigung mit Brüdern, und dann doch wieder die Frage, wohin der Konkurrenzkampf der Daradiesvögel des Meeres. Bon Wilhelm Bölsche. ( Schluß.) Die schwarzweißroten Fakire. SER Hei, wie voll Männerstolz sie rannten Beim Schritt des weißen Elefanten! Doch über Nacht geschah der Wandel! Gott sprach durch Industrie und Handel; Und sieh, als frommer Büßerchor Stellt man sich anderen Tages vor. großen Geldmächte die Völker führt: all das wurde ohne jedes lehrhafte Wort vor den Tatsachen bewußt. Ob es in seiner Nachwirkung das weckt, was man den Reichsgedanken nennen kann? Ob es noch weiter hinaus führt über die Grenzen unseres Sprachgebietes hinweg? Ein Erlebnis noch, das näherliegende Gebiete erschloß. Jene Schule an der Staderstraße hat das, was fast allen anderen Schulen fehlt: einen ganz engen Zusammenhang mit den Schulentlassenen. Nicht etwa allen, sondern denen, die in der Schule zu selbständigem Denken und Urteilen reiften und in ihr noch nach Jahren ernster und abstumpfender Berufsarbeit ihre Bildungsstätte haben. Bei jedem Spiel, jedem Vortrag oder festlicher Zusammenkunft sind sie mit Lauten und Geigen dabei. Was Berusfsnot ist, die den Menschen nach frei durchlebter Schulzeit ergreift, das sahen unsere Jungen; was denen dort und ihnen hier die Schule sein tann, wenn sie nur selbst wollen, das erfuhren fie. Und wenn abends der Vater mit Zeitung und Pfeife hemdärmelig am Ofen saß, die Mutter das( ach oft so schwere und reich liche) Mahl auftrug und eigene und fremde Kinder zu unterscheiden vergaß, dann war Heimat um die meist noch nie verreisten vierzehnjährigen Jungen. Klassenbrüder, Menschen wie sie, und doch ganz anders das band fie eng aneinander. Ein alter Mann Er stellte bloß eine Art gefütterten, einseitig blinden Sacs aus Haut, Magen und Mundöffnung dar. Noch jetzt wiederholen zahlreiche Jugendstadien der höheren Tiere diesen Urtyp. Mit feinen Flimmerhaaren trundelte der hungrige Sad fich Schlund. Wirtschafts abkommen mit Siam Beilage des Vorwärts Eevry Wilky , Des Reiches Würde" schmilzt wie Schnee. Hier geht es um das Portmonneh. Man wirft sich voller Opferfinn Dem Untier vor die Füße hin Steht auf dann welch Mirakel doch! Und wandelt munter- noch und noch! O. K. | hatte Tränen in den Augen, als wir in bunt durcheinander gewür feltem Haufen die letzten Händedrücke tauschten. Aber es war ja fein Abschied fürs Leben: denn die Bremer- das war voit vornherein so ausgemacht tommen als unsere Gäste nach Berlin, wenn die Schulverwaltung dort nichts dagegen hat. Dann erst wird aus dem Besuche ein Bund. Tausend Beziehungen find angesponnen Privateinladungen, stille Freundfchaften, gemeinsame Arbeitsaufgaben, vor allem Mitarbeit an der famosen Schulzeitung der Bremer, Briefwechsel und stumme Hoffnungen. Aber hinter allem steht weit und flar wie ein Sonnenaufgang der Glaube an die Menschheit, deren Splitter wir sind. vielleicht diejenige Stadt, in der das größte foziale. Glend herrscht. Bombay, die Stadt des Elends. Bombay ist augenblicklich Nach neueren Meldungen aus Indien beträgt der DurchschnittsLohn eines Bambayer Arbeiters nur 14 Rupie den Tag, das ist etwa 1,25 M. Eine Rupie ist das mindeste, was ein einzelner Mensch zu feinem Lebensunterhalt braucht, so daß also zur Ernährung einer Familie fast nichts übrigbleibt. Das Wohnungselend ist unbeschreiblich. Die Wohnungen bestehen zum weitaus größten Teil nur aus einem Raum. Die Kindersterblichkeit ist infolgedessen unerhört: fie beträgt 87 Proz. Das Problem wäre also, wie sich die schwimmende Gasträa in einen urtümlichsten friechenden Wurm verwandelt hätte. Und nun interessant: jene töftlichen Paradiefier des bíatten Meeres, die Ctenophoren, die uns auf der einen Seite noch so echt die Gasträa selbst zu bewahren scheinen, fie haben uns neuerdings vor Augen geführt. Aber wie der wirkliche Regenbogen durchweg vor tiefblauen durchs Wasser, und was oorüberfam, das erfaßte fein gefräßiger auch diesen Uebergang zum Burm in anschaulichster Möglichkeit noch Wolfen ragt, so erblaut bei der geringsten Störung und Erschütte rung auch hier die lebendige Wolfe, die ihn trägt: der ganze Gürtel taucht von innen her durch sogenannte Fluoreszenz seiner Zellen in ein eigenes herrliches Ultramarin. Ich habe viel Schönes gesehen im weiten Reich der Natur. phantasie. Dieser blaue Ctenophorengürtel war doch vielleicht das Schönste. Selbst der nüchterne Zoologengeift ist hier poetisch geworden: Cestus Veneris, den Gürtel der Aphrodite, hat man ihn benannt. Ich habe aber immer in die große Szene der Odyssee dabei denken müssen, wie Leukothea dem halb ertrunkenen Dulder ihren rettenden Schleier reicht: „ Da, umhülle die Brust mit diesem heiligen Schleier, Und verachte getrost die drohenden Schrecken des Todes. Aber sobald du das Ufer mit deinen Händen berührest, Löse den Schleier ab und wirf ihn ferne vom Ufer In das finstere Meer mit abgewendetem Antlitz. Die See stürmte so mußte das Wundergebild in seinem tiefsten Blau sein. Und es war Nacht. So mußte dieses Blau als große Flamme erstrahlen. Denn so leuchtet, sobald es dunkelt, heute noch der lebendige Venusgürtel durch die purpurne Nacht. eine glühende Milchstraße dämonisch durch die Wasser ziehend. Inzwischen muß zu alledem aber jetzt noch etwas„ Darwinistisches" erzählt werden. Realiter befehen, ist auch solche Ctenophore ein fressendes Tier. Es macht auf andere Tiere seines Kristallreichs Jagd, wozu ihm meist eine Art Frausenlasso mit besonderen Klebzellen dient, den es bei Richtgebrauch säuberlich in ein Etui zurückzuziehen weiß. Und es hat einen Mund sowie ein entgegengesetztes Dirigter organ, das zugieich wie ein Kompaß Richtung hält, die Ruder als Kapitän regelt und sich durchs Wasser wittert wie ein Spürhund am Lande. Ja, im Punkte Magen und Mund ist sogar auch solcher hochpoetische Benusgürtel" noch sozusagen auf„ llrform" des höheren Freßtiers zugeschnitten Nach jener finnreichen Deutung Haeckels, die heute fast alle Tierfundigen annehmen, begann der ganze Freßstammbaum der oberen Tiere mit einem Urfresser, den man die Gasträa"( eigentlich Urbauch) genannt hat. Alle Tafelfreuden bis zu dir, wenn du Austern schlemmst, haben hier einmal begonnen: ,, und mancher, der sich nicht wenig versteht Auf feine Manier und Kulturschwang, In schwachen Momenten gar deutlich verrät Den schlichten gasträischen Ursprung", wie es in Reymonds Laienbrevier des Haeckelismus" heißt. Die echte Gasträa ist nun freilich heute, scheint es, von unserer Erde verschwunden. Sie ging in mancherlei Abänderungen, über die man sich noch streitet, in Wurm und Krebs, in Seestern, Schnecke und Fisch ein, und darüber verfant sie selber im Dunkel des Urmeers. Aber es scheint fast, als ob sie nirgendwo bis heute in besserem Porträt fortlebe als eben in unserer Ctenophore. Schneidet man der die äußeren Nebenzutaten, auch die blauen Flügel des aphrodisischen Meerschmetterlings oder Meervogels, herunter, so bleibt, abgesehen von einer gewissen Futtereinlage, fast genau noch das„ derbe Leibchen", wie es im" Faust" heißt, des einfachen großmütterlichen Gasträaſacks. Zwar auch die bekannten Aquariengäste Seerose und Qualle haben noch solchen Gasträazug. Auch sie bestehen wesentlich noch aus Haut, Magen und Mund. Um dieser Aehnlichkeit willen hat man die Ctenophore früher wohl selber nur als eine Art Qualle nehmen wollen. Aber in jedem Falle hat sich die Gasträa blütenhaft am Boden festgesetzt, und von diesem Blumenstande der Seerose hat sich dann erst wieder die Qualle als neue Schwimmblüte abgelöst, die sich mun recht mühsam, gleichsam durch Auf- und Zuklappen dieser Blüte, dahinbugsieren muß. plättchen noch heute durchaus die alten Flimmerhärchen, mit denen Die Ctenophore dagegen bewährt in ihren irifierenden Ruderdie Gasträa selber sich wohl pfeilschnell durchs Wasser trieb. Und hier entsteht mun sofort eine neue merkwürdige Frage. Nicht von Seerose oder Qualle, sondern von solcher frei dahingestrudelten Urgafträa müßten einst alle jene höheren Tierstimme im Sinne des alten Haeckelschen Gedankens ihren Ausgang genommen haben. Man denkt sich aber gewöhnlich die Sache so, daß zuerst aus der Gasträa selbst der Wurm wurde und dann aus allerhand Würmern erft parallel zueinander die Krebje, Schneden, Seefterne und Fische emporstiegen. In fernen Meeren tamen ein paar bisher übersehene Ctenophorenarten zutage, die anscheinend ihre eigene Baradiefiernatur gründlich noch einmal auf den Kopf gestellt hatten. Wie der echte Paradiesvogel doch schließlich irdische Beine und ein Nest im Baume belam, so fand sich eben an der Küste der Paradiesvogelinsel Neuguinea felbst ein fleines ctenophorisches Geschöpfchen, das außer schwimmen wie eine Gasträa auch platt auf dem Boden friechen konnte wie ein Burm. Ganz wie solcher Wurm niedrigster Art segte es den Mund dabei nach unten, machte nach oben einen flachen Buckel und fdjob fich so im Seegrunde dahin. Bei Japan aber fischte man gar einen entsprechenden Bruder, der überhaupt nur noch so friechen fonnte: er hatte die Ruderplättchen völlig verfümmern lassen und das Schwimmen total verlernt. In beiden Fällen aber war die Aehnlichkeit eine schlechtmeg frappante mit den wirklich urtümlichsten und vermutlich ältesten Würmern von heute nämlich den sogenannten Planarien, wie sie, äußerlich eher fleinen Radtschnecken als etwa einem schon viel höher entwickelten Regenwurm gleich, sich allenthalben in unseren Bächen und Teichen auf dem Wassergemüs herumtreiben, aber auch die See und in den Tropen sogar den feuchten Urwald bevölkern. Kaum ein Forscher zweifelt, daß mit solchen Planarienwürmern einst der ganze obere Stammbaum jenseits der Gasträa begonnen habe. Was aber tönnte uns dann besser noch jetzt den Uebergang vor demonstrieren, als eben jene planarienhaft friechende Ctenophore, mit der gleichsam noch unseren Blicken die Gasträa felber wieder in das wurmhafte Nachststadium übertritt? Und so ist schließlich, was in der Paradiesvogeliegende die profane Wendung zur Erde bedeutete, bei diesen unseren Wasserparadiesiern gerade ihr höchster Trumpf geworden, mit denen sie in die oberste Entwicklungslogit für uns cintreten sollten. Sehr leicht möglich, daß über ähnliche erdgewandte, friechende Formen aus ihrer eigenen Reihe einst, vor vielen Millionen von Jahren, der wirklich große Schritt geschehen ist vom Urbauch zum Urwurm ein Schritt von gar nicht auszudentender Bedeutung. Denn in diefer Linie ist in der großen Schöpfungslogif zuletzt ja irgendwie auch der Mensch gedacht worden er, aus beisen Seele der Traum vom Paradiese stieg frauen Berlins! 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