Menöausgabe Nr. 73 ❖ 42. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 36 Besugsbebinfluagtit und Anzeigenurbis« finb in der Morgenausgabe angegeben Bednttion: STD. 66, Ciaöcnflcafje 3 Aeralprecher: vonhaft 2S2— 293 XcL'UAccnerSojIaldemottal Bcclin G> Vevlinrv Volksblstt s pkennis) Donnerstag 12. Jebruar 1925 Verla« und Anzeigenabteilung: Geschästszeit K-3 Uhr Variager: vorwürta-verlog GmdH. varlw Sw 3«, clndenstrah, 3 ?er»sprech«r: VSahosl 2303-2332 ZcntraXorgan der Bozialdcmokratifchen parte» Deutfchlands furchtbares Grubenunglück bei Sochum. Schlagwetter auf der Zeche„Minister Stein". t&Tt Todesopfer.— Gegen 100 Leichen bisher geborgen. Bochum. 12. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Im Südostseld der Zeche„Minister Stein", Schacht 3, ereignete sich am Mittwoch eine Explosion, die auszerordenklich hesligen Charakter angenommen hat. Die Strecken sowohl der dritten wie der zweiten und ersten Sohle sind durch Brüche gesperrt. Die gleich nach der Explosion eingesetzten Reltungsmann- schaften versuchen, sich durch die Brüche zu arbeiten, um zu den hinter ihnen in zwei Revieren befindlichen Bergleuten zu kommen. Einzelne Bergleute sind gleich nach der Explosion noch lebend zu Tage gebracht worden. Die Zahl der Toten hat 100 überschritten. Die Ursache der Explosion ist noch nicht genau festgestellt. Die Rcllungsarbeiten wurden dadurch er- schwert, daß hinler den Brüchen infolge der völlig gesperrten Melterzusuhr die Gase nicht genügend abziehen konulen. Von zuständiger Stelle wird zu dem Unglück aus Schachl 3 der Zeche„Minister Stein" noch mitgeteilt: Die Gesamtzahl der durch die autzerordeutlich starke Schlagwetter- explosion. deren Ursache noch nicht festgestellt ist, betroffenen Bergleute beträgt 1 3 7. Acht konnten unmittelbar nach der Explosion noch lebend geborgen werden und sind wahrschein- lich außer Lebensgefahr. 93 Bergleute werden vermißt und find durch die zu Bruch gegangenen Kohlenmassen abge- schnitten. Obgleich die eigene Rettungslnanaschaft. sowie die Ret- tungswonuschafken der Uackibarzechen„Gneisenau".„Viktor". ..Achenbach",„Scharnhorst".„Preußen" und die Berufs- reliunzswehr von„Rhein-Elbe" fieberhaft lättg sind, ist nicht damit zu rechnen, daß auch nur ein einziger der abgeschnille- neu Bergleute noch am Leben ist. Der größte Teil der bisher geborgenen Toten ist auf der Flucht von den giftigen Schwaden erreicht und getötet morden. Es sind insgesamt 180 Mann Rettungsmannschaften zur Stelle. Andere stehen bereit, um die zu Bruch gegangenen Strecken mit größter Beschleunigung freizumachen. Die Rettungs- arbeiten«»erden erschlvert durch die teilweise noch vor- handenen giftigen Rachschwaden. In den nächsten Stunden ist mit der Bergung weiterer verunglückter nicht zu rechnen. * Wieder einmal rafft der schwarze Tod rechenweise die Pergproletaner dahin. Tiefe Trauer senkt sich plötzlich über hundert Familien, die ihren Ernährer verlieren. Huirderte von Frauen und Sinder weinen um Gatten und Vater. Und voll Ingrimm stehen die überlebenden Kameraden der Getöteten. weil sie wissen, daß jeden Augenblick auch sie das gleiche Schick. sal treffen kann. Es ist nicht einmal ein billiger Trost, darailf hinzuweisen. daß bei dem gefährlichen Betriebe die Möglichkeit ähnlicher Katastrophen niemals völlig ausgeschlossen werden könnte, auch wenn die Verhiitiingsmaßnohmen aufs beste bestellt seien. Ein solcher Hinweis klingt vielmehr geradezu wie ein Hohn in einer Zeit, da die Grubenkapitalisten mit Hunderten Goldmillionen entschädigt" wurden, während den Arbeitern, soweit sie nicht in der Zeit der Krise rücksichtslos auf die Straße gesetzt wurden, Verlängerung der Arbeitszeit. Kürzung der Löhne auf ein Minimum, kurz Ausnutzung ihrer wirtschaftlichen Notlage im übelsten Ausmaß auferlegt wurden. In einer Zeit, da dos Schwerkapital mit allen Mitteln bestrebt ist, die soziale und rechtliche Stellung auch der Grubenproletarier wieder auf das Hörigkeitsverhältnis der wilhelminischen Zeit herabzudrücken, wirken die schweren Blutopfer der Arbeiterschaft als doppell schwere Anklage gegen das Ausbeutungs» und Antreibefystcm, das sich gerade in den Bergreoieren mit unverhohlener Brutalität breit macht. Während man bemüht ist, die Opfer der neuesten Kala- strophe zu bergen, beeilt sich der Telegraph, in alle Winde zu versichern, daß über die Ursache der Schlagwetterexplosion noch nichts bekannt fei. Das ist nichts Neues mehr. Denn noch von je wußte man nichts über die Ursachen, wenn die Wirkung in 100 Arbeiterleichen zum Himmel schrie. Das war fo. als auf Zeche R a d b o d(1909) 341 Grubenarbeiter auf einmal getötet waren, das war nicht anders, a's im Jahre 1921 schlagende Wetter auf der Zeche M o n t C e n i s fast 100 Arbeiter dahinrafften. Aber später wurde festgestellt. daß die bergpolizeilichen Vorschriften nur mangelhaft beachtet wurden, daß das Antreibesystem die Arbeiter geradezu zwang. über die Unfallverhütungsvorschriften hinwegzusehen, um nur ja das Gedinge nicht zu versäumen. Die Zeche„Minister Stein" gehört zur G e l s e n k i r ch e- ner Bergwerks- A.-E., einem der größten zur Rhein- Vbe-Union gehörigen Stinnes-Unternehmen. Wie stand es dort mit den Sicherungseinrichtungen? Waren auch s dort die Arbeitervertreter(Betriebsräte usw.) von der prak- tischen Mitarbeit bei der Betriebskontrolle ausgeschaltet, wie das fönst so vielfach festgestellt wurde? Es handelt sich nicht so sehr um die„Schuld" eines Einzelnen, als vielmehr um ein System, das dem Leben der Arbesterfchast nicht die Einschätzung zuteil werden läßt, die es in kultureller und volkswirtschaftlicher Hinsicht berechtigt ist, zu fordern. Noch während die Kameraden der Opfer mit den giftigen Gasen ringen, um die Leichen zu bergen, fordern wir die strengste Ilntersuchung dcr Ursachen der Katastropye unter Mitwirkung von fachmännisch erfahrenen Vertretern der Arbeiterschaft! Noch eine Frage: Die folgenschwere Explosion ereignete sich am Mittwochabend gegen 8 Uhr. Um 12 Uhr nachts maren bereits die ersten Toten geborgen. Wie ist es möglich, daß die Nachricht von dem furchtbaren Unglück erst so spät herausgegeben wurde, daß— von einer Ausnahme abge- sehen— noch keine Berliner Morgenzeitung eine Mitteilung darüber hatte, trotzdem in allen Redaktionen bis spät in die Nacht gearbeitet wird? Wie erklärt es sich, daß die offiziösen Tclegraphenbureaus. die doch jede Luther-Rede in ihren Einzelheiten verbreiten, von dieser Katastrophe erst viele Stunden später die ersten Nachrichten erhielten? Tiefe Trauer erfüllt die Arbeiterschaft des Kohlenbeckens an der Ruhr. Vollste Anteilnahme finden die Hintcrbliebe- nen der Opfer in den Herzen oller, die die Gefahren der Ar- beit und besonders der Grubenarbeit zu würdigen wissen. Aber darüber hinaus erhebt sichchke Forderung, daß alle Maßnahmen getroffen werden müssen, um zukünftige Katastrophen zu verhindern und die Hinterbliebenen vor der Not zu schützen, die ihnen der Tod des Ernährers androht. Was hier zu geschehen hat. darüber wird im Reichstag zu reden fein. vis öergung öer Gpfer. Bis heute morgen gVJ Uhr waren auf der Zeche„Ministsr Stein" 38 Tote geborgen. Die Rettungsnwnnschoften von S Zechen sind an den Bergungsarbeiten beteiligt. Leider ist dannt• zu rechnen. daß fast süttiHiche eingeschlosieaeu 138 knappen der Mittags- schicht ein Opfer der Kalastroph« geworden sind. Die Ursache des Unglücks ist noch ungeklärt. Die in de» zu vruch gegangenen drei Strecken herrschende» Giftgase machten jeden Rettungsversuch un- wägllch. Einzeln« der Rettungsmannschaften mußten, von den Gasen betäubt, in Förderkörben über Tage geschafft werden. Bereits Dienstag abend sollen an derselben Stell«, an der dos Unglück passierte, kleiner« Schlagwetter vargekonunen fein, dir durch Funken einer Maschin« zur Entzündung gebracht worden waren. Dasselb« soll am Mittwoch passiert sein Doch nahm niemand an, daß dies zu einem größeren Unglück fiihren würde. Im allgemeinen gllt die 'Wetterführung der Zeche„Minister Stein" als gut. Eine unge» heurc Menschenmenge hotte sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks vor dem Zechentor versammelt. Die Stimmung unter der Menge war sehr erregt, besonders da den vor dem Tore Harrend«« keinerlei Auskunft gegeben wurde. Es wurde vielfach nerfucht, mit Gewalt durch das Zechenwr zu dringen, was aber durch das starke Aufgebot von Schupobeamten verhindert wurde. Bon der Zechen. Verwaltung war strengste Anweisung gegeben, kein« Nach- richten über d«n Umfang des Unglücks sowi« über Zahl und Namen der Taten den Draußenstehenden bekannt zu geben. Wenn dies« Maßnahme bezweckt hätte, die Erregung der Meng« zu dömp- fen, so � war sie natürlich völlig perfehlt. Di« Polizeikgtte mußte oerstärkt wcrden, da die anwachsende Menge den Zechenplatz zn st ü r me» drohte. Bor dem Zechen tor spielten sich herzzerreißende' S.zenen ob. Der an Ort und Stelle weilende Sonderberichterstatter der Tele- graphen-Union meldet, daß bis 9,30 Uhr gl) Tote in der Grube frei- gemacht worden sind, von denen bis zur. Stunde 69 zutage gefördert wurden. In dieser Minute werden weitere nach oben gebracht. Es sind im ganzen 7 Bergleute lebend geborgen, doch ist einer inzwischen g e si o r b c n, die übrigen sechs befinden sich im Krankenhaus, da sie Gasvergiftungen erlitten haben. Die meisten Toten sind fast vollständig verbrannt. Viele van ihnen wurden durch den kolossalen Luftdruck bei der Explosion 19— 29 Meter weit geschleudert und lzaben sämtliche Glieder.gebrochen. Die Identifizierung der Toten ist nur nach und nach aus Grund der Erkennungsmarken und der Lampen möglich In der Grube fanden die Rettungs- Mannschaften mit Kreide an-einem Stempel geschrieben:„Bis 11 Uhr alles wohl, wir sind 9 Mann. Doch sind diese 9 Mann jetzt bereits als Tote zutage gefördert worden. Das Um glück hat die Bergleute aus der Fluch» überrascht. Denn die Arbeits- stellen sind noch unberührt und die Kafseeslaschen unversehrt.— 16 Leichen wurden an einer einzigen Stelle gefunden. 20 Knappen sitzen zurzeit im Feuer. Die von Angst und Sorge verzerrten Gesichter der Angehöngen der noch nicht aebargeven Bergarbeiter bieten einen furchtbaren. erschütternden Emdruci. Viele Frauen stehen mit ihren Kin. dern seit den späten Abendstunden des gestrigen Tages am Eingang der Zeche, ohne sich, von der Stelle zu rühren. Der Bergarbeiter selbst' hgt sich eine ungeheure Erregung bemeichiigt. Man hörl in einem fort Fluche und Verwünschungen gegen die Vcrgver. wollung. Einzelne Bergorbeiter zeigen den Fremden ihre Lohn« tüten, gm zu beweisen, für wie niedrige Löhne sie tag- lich dem Tod ins?luge sehen müssen. Wenn ein so großes Unglück wie heute geichcbe, erzählen die Bergleute, hätte die Oeffentllchkeit einige Tage Mitleid mit ihnen, während in der nächsten Woche unbeachtet die Bergleute schwere Kämpfe um Löhne und Arbeitszell zu bestehen hätten. Die Bergverwaltt.'ng hofft, daß noch im Laufe des Tages samt. llche Verunglückte geborgen werden können. D'>» Rettungsmannschaften der umliegenden Werke im Richrgebiet, aus Geilenkirchen und aus Essen, waren bereits im Laufe der Nacht an der Unglücks- statte zur Stelle. Münster. 12. Februar(2BX2J.) Gleich nach Bekanntwerden de? furchtbaren Grubenunglück- auf der Zeckte„Minister Stein" ist der Oberpräsident von Westfalen, Gronowski, an die Un- glücksstell..' geeilt. Dem Oberbürgermeister von Dortmund, Dr. Richhofs. ging solgendes Beileidstelegramm hrs Oberpräsideillen zn:„Die schmerzenden Wunden von Iserlohn und .fterne sind noch nichl vernarbt und schon wieder bricht ein neues Unglück über uns herei.i, dessen erschruckendo Größe in diesem Augenblick noch nicht ganz zu erkennen ist. Im Namen der Staatsregierimg und der Provinz Westfale» spreche ich Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister und allen von der grausamen Katvstroph.: auf der Zeche„Minister Stein" Betroffenen die herzlichste und mnigst« Teilnahme aus und wünsche aufrichtig, daß die westfälische Erde von weiteren Schickfalsschlägen in Zukunft bewahrt bleiben möge." Dortmund. 12. Februar.(Eigener Drohibericht.) Bei dem ent- setzlichen Grubenunglück aus„Minister Stein" Dortimmd-Eving sind bis 12 Uhr mittags 84 Tote und 8 verletzte geborgen. 52 Bergarbeiter werden noch vermißt, die aber ebenfalls als tot ausgegeben wcrden. Die Gesamtzahl der Toten wird aus 137 geschätzt. Trauertunügebung des Reichstags. Eine Ansprache Lobes. Bei Beginn der heutigen Reichstagssitzung um 12.20 er- griff das Wort der Reichstagspräsident L ö b e: Meine Damen und Herren! Am vormittag hat uns heule die Schreckensnachricht erreicht von einem schweren Unglück aus der Zeche„Minister Stein" bei Dortmund. Durch eiae Grubenexplosion wurden dort 125 Bergleute verschüttet, und man wird befürchten wüsieu. daß sie nicht alle lebend wieder ausgefunden werden. Die tehlea amtlichen Nachrichten melden schon, daß 36 Tote zukage ge- fördert wurden und daß man an weitere S7 Bergleute nicht heran- kommen könnte. Von einer Zeitung wurde die Nachricht vou 61. ja 100 Toten gebracht. Meine Dameu und Herren! wer je einmal in örtliche oder persönliche Berührung mit einem schweren Unglück gekommen ist. der kann sich den Schrecken und die Angst ausmalen. wenn huude'te vou Menschen verunglücken, wir schließen uns der allgemeinen Trauer au. die durch den Tod dieser Bergleute hervor- gerufen ist. und sprechen den Angehörigen der verunglückten das herzllchste Beileid des Reichclages ans. wir können die äußeren tasten wohl erleichtern, aber den tieferen seelischen Schmerz können wir nicht lindern, kaum einer von uns kann sich eine Vorstellung macheu vou den Todesqual«», unter denen die Opfer ihr Leben ver- loren haben, wir können der Trauer, dem Mitgefühl mtt den An- gehörigen nur dann würdig Ausdruck geben, wenn wir un» bemühen, soweii menschliche Vorkehrungen dazu imstande sind, solche Furchtbarkeiten zu verhindern, wenn wir den Angehörigen die äußeren Lasten zu erleichtern suchen, wenn wir alle» tun, um denen. die unter solchen furchtbaren Gefahren ihrem Berus nachgehen müsien. mehr Schutz. Erleichterung und Besserung ihrer Verhältnisse zu gewähren. Die Abgeordneten hatten sich während der Erklärung des Prüft- deuten erhoben. Zadasch(Komm.) beantragt sofortige Bildung eines Untersuchungsausschusses. Präsident Lobe bittet angesichts der Majestät des Tode« keinerlei Streitfragen aufzurollen und ersucht die Kommunisten. den Antrag erst in der Freitag-Sitzung einzubringen, wenn nähere über das Unglück bekannt ist. Die Kommunisten sind damit einverstanden. Die zwette Lesung des Haushaltsplanes wird dann d«im Relchsarbeitsmiutsterium fortgesetzt. die vermSgenssteuerstunöung. LluSflüchte des ReichSfluanzmiuisteriumS. Das Reichsfinanzministerium plant, wie wir berichtet haben, eine Stundung der Vermögenssteuer in dar Weise, daß der Zahlungstermin vom 15. Februar zunächst bis zum Mai hinausgeschoben wird. Diese Stundung, die sachlich eine Abänderung eines geltenden Gesetzes bedeutet, soll ohne eine formelle Gesetzesänderung, also ohne Zustimmung des Reichstogsplenums durchgesetzt werden. Darüber hinaus verlangt der neue inzwischen dem Reichsrat vorgelegte Gesetzentwurf einer Vermögenssteuer eine Neuregelung der Zahlungstermine für die Der- mögenssteuer dahin, daß nur noch am 15. Mai und 15. No- vember je«in V i e r t e l des Iahresbetrages an Vermögens- steuern gezahlt werden soll. Das Uobrige soll am Jahresende zu zahlen sein. Der Umstand, daß eine Neuregelung der Vermögenssteuer beabsichtigt ist, wird nun vom Reichsfinanzministerium dazu ausgenutzt, um die vorläufige Stundung der dem- nächst fälligen Steuerrate zu begründen. In einer Erwide- rung, die durch die Telegraphenunion verbreitet wird, kommt man sogar zu dem Schlüsse, daß eine solche Stundung nicht, wie wir es dargestellt haben, ein Anschlag auf die Rechte des Reichstags sei. In der ganzen übrigen Steuerpraxis besonders gegenüber den kleineren Gewerbetreibenden und gegenüber den Minderbemittelten angewandt wird, gilt der mit großer Schärfe durchgeführte Grundsatz, daß eine B e- s ch w e r d e gegen die Steuer von der Zahlungspflicht auch dann nichtentbindet, selbst wenn der Steuerzahler kein Geld hat. Nur den großen Steuerzahlern soll hier eine Stundung gewährt Werden im Hinblick darauf, daß eine „Neuregelung der Steuer beabsichtigt ist", von der man nicht weiß, wie sich das Parlament dazu stellen wird. In jedem Falle bringt die Stundung eine Schädigung und Belastung d e r R e i ch s k a s f e, die um so auffallender ist, als wiederum gegenüber den kleineren Steuerzahlern bei jedem Zah- lungsverzug hohe Verzugszinsen berechnet werden. Die geplante Stundung der Vermögenssteuer aber wird erst richtig beleuchtet durch die Tatsache, daß man mit der Verminderung der Vorauszahlungstermine ganz offenkundig einen Weg beschreitet, der schon früher zur Untergra- bung derBesitz steuern mit Erfolg angewandt worden tft. Es besteht die große Gefahr, daß die restlichen Steuer- Zahlungen toffächlich gestrichen werden, wenn bereits die zwei vorgesehenen Vierteljahresraten am 15. Mai und 15. November einen Betrag ergeben würden, der den Vor- anschlag erreicht. Das Ministerium Schlieben hat ja bisher kein Hehl daraus gemacht, daß es auf einen Abbau der Vermögenssteuern und eine Erhöhung der Ver- brauchs steuern abzielt. Die Sozialdemokratie kann derartigen Bestrebungen nicht ihre Hand reichen. Wenn eine Stundung durchgeführt werden soll, die dem Wortlaut des geltenden Gesetzes wider�richt. so muß die Regierung schon den Mut zu einer Gesetzssabänderung in Form einer Reichs- tagsvorlage aufbringen. Dann wird sich zeigen, welche Par- teien es wagen werden, die Schonung der Groß« oermögen so weit zu treiben, daß selbst die sozial notwendigen Steuererleichterungen für die Minderbemittelten hinausgeschoben werden sollen, wie «S das Reichsfinanzministerium beabsichtigt. Eine Steuer- «rmäßigung für die Besitzenden unter Umgehung des Reichs- tages muß aber den Widerstand aller demokratischen Parteien finden, die nicht die Rechte des Parlamentes einer eigenwilligen Beamtenburemrkratie preisgeben wollen. die ßreüite der Reichspost. Eme ausführliche Darstellung des Reichspostministeriums über seme Kreditgewährung bestätigt die Mitteilungen, die wir bereits in der heutigen Morgenausgabe veröffentlicht haben. Darüber hinaus ist der Darstellung zu entnehmen, daß' die Kreditgewährung der Reichspost au dem Tage, als der Sonderausschuß des Ver- malvingsrats feine bereits beendete Prüfung begann, mehrere hundert Millionen Mark umfaßte. Davon ist der größte Betrag der R e i ch s dank gegeben, ein mindestens ebenso großer Betrag an die« t a a t s b o n l e n, die ll- B a n k e n und andere ersttlassiae Geld in st i t u t e. Nur wenige Posten stammen noch aus der Zeit, wo die Richtlinien noch nicht bestanden und sind andererseits geschossen worden dadurch, daß der damalige Reichspostminister im Oktober unmittelbar Kredit an B a r m a t und andere gegeben hat. Zu Goldanläufen in der schlimmsten Inflationszeit war nach den Darstellungen die Reichspost gezwungen, wenn sie nicht eines Tages außerstande sein sollte, daß für den Telegrophenbau benötigte Kupfer und Blei nicht wertbeständig bezahlen zu können. Die Reichs- dank konnte damals kein Geld mehr bekommen, der Reichspost wurde Gold angeboten, und im Einvernehmen mit der Reichsregicrung wurde durch die Handels- und Deposikenbant Gold angekauft. Die Handels- und Depositenbank erhielt siir diese Goldankäufe 900 000 Goldmark. Der Goldpreis sank nach der Stabilisierung, so daß bei der Verwertung dieses Goldes nur 800 000 Goldmork eingenommen werden konnten, also ein buchmäßiger Verlust von lOO 000 Goldmark entstanden ist. der aber aus inzwischen wertlos gewordenem Papiergeld bestand. Die Handels- und Depositenbank hat, auch nach dem Urteil des Devisenkommiisars, bei dem Goldankauf nur den normalen Gewinn(!) erzielt. Diese Goldankäufe waren am Sä. November 1923 beendet, in den nächsten Tagen wurde abgerechnet und damit waren und sind die Geschästsbeziehungen der Reichspost zu der Handels- und Depositenbank erledigt. Die Reichspost hat e r lt später gehört, daß die Direktoren dieser Bank geflüchtet sind. sie ist daran nicht beteiligt. Zm Jebruar/Mär, 1924 trat der damalige Zentrumsadgeord- nete Dr. Aleischer wiederholt an die Reichspostverwaltung mit dem Vorschlag heran, die Handels- und Depositenbank mit der Vewirt- schaslung der Postkredite zu beauftragen, wobei die Post an dem Ruhen teilnehmen würde. Die Reichspost hat dieses Angebot a b g e- lehnt und gewährt Kredite nur selbst an Banken gegen volle Sicherheit. Ver Postkredit an den Abgeordneten Lange-Hegermann in Hohe von 2 Millionen Mark war von der Abteilung München des Reichspostministers für die besetzten Gebiete(Dr. H ö s l e) gegeben worden. Lange-Hegermann hatte es übernommen, diese Kredite dem besehten Gebiet zuzuführen, der Betrag ist auch nach Poun gegangen. von da au« jedoch in andere Kanäle. Die Ausfallbürgschaft haben übernommen die M e r k u r b a n k und die P r e u ß i i ch e Seehandlung. Auch in diesem Falle glaubt die Post nichts einzubüßen. Der von Dr. Höst« an Larmat gegeben« Pvstkredit vnn I4Z4 Millionen(nicht etwa 50 Millionen) ist von der Bannat- schen Garantiebavk und durch Derträg« mit l7 in- und ausländi- schen RückVersicherungsgesellschaften garantiert. Gebeckt sind diese UH Millionen durch Effekten im Goldwert von 4 Mil- lionen. Barmat hat jein ganzes Vermögen, wie b«rannt, einer Treuhand-G. m. b. H. übergeben, die aus Vertretern der beteilig- ten Behörden und der Gläubiger sowie aus Bertretern politischer Parteien besteht. An der Spitze des Aufsichtsrots steht Reichstags- abgeordneter Dr. Dernburg(Demokrat). Die Treuhand- G. m. b. H. ist überzeugt, daß ein großer Teil des ausstehenden Geldes hereingebracht werden wird: sie ist entschlossen, etwa nicht rentable Betriebe des Barmot-Konzerns rücksichtslos einzustellen, die anderen Betriebe aber weiter arbeiten zu lassen, damit sie Werte schaffen. Der außenstehend« Rest von 10 H Millionen Mark wird nach der Meinung der Treuhand-G. m. b. h. ans diese weise gedeckt werden. Man ist der Meinung, daß die in den Betrieben stecken- den Wert« hoch genug sein werden, um ein« Heranziehung der Rück- Versicherungsgesellschaften gegebenenfalls ganz zu vermeiden. Uebrr- gens sind die Rücknersiche.runqsgeseVchafien auch seMt wieder weit«? ntriitbtrt Isidor Kreil. Seen, 12. Februar.(Eigener Drohtbericht.) Die„Benrer Tagwacht" meldet übte den deutschnationalen Kranzeugen Kreil, daß dies« Lump vor wenigen Wochen mit einem auf drei Tage lautenden und nur für den Grenzübertritt gültigen Paß unter falschem Namen nach Bern gekommen ist. Die Bern« Polizei nahm ihn fest, ehe er in Tätigkeit treten konnte. Er hatte hier nach seinen eigenen Aus- sagen u. a. auch den Auftrag, noch der Adresse von Professor Förster zu forschen und bestimmte Parteigenossen über Zestsaal und Hörsaal. Di« Frage nach dem Vorhandensein einer Leserschaft, nach ihrer Zusammensetzung, vor allem aber nach ihrer inneren Beziehung zum Werk ist heut« genau so wichtig wie in früheren Epochen, lind immer und immer wieder muß festgestellt werden: zur Moderne hoben die Massen fast noch nicht das geringste Verhältnis. Diese Tatsache, die täglich und überall Bestätigung findet, läßt es nicht als grotesk erscheinen, wenn die Leser des durchaus nicht kapitalistisch- fnobistiichen„Dreiecks" sich ihr großes Stelldichein am Mittwoch. nachmittag ausgerechnet im Marmorsaal des Hotels E f o l a n a d e geben. Denn selbst bei denen, welchen ein dichter Geldbeutel gestattet, in Seidenkostümen einherzurauschen, reicht die „Beziehung meist bloß bi» zum Buchhändler. Dichter sind wie Propheten, sie reden nickt nur. sie leben auch Zukunft, und im Jahre 1925 ist der Abstand erschreckend groß, eben zu groß. Leider war dieser Nachmittag des„Dreiecks" ein!�.Eck, ein Kreis: da war kein rechter Anfang, kein rechtes Ende, auch keine Steigerung, kurz und gut keine Regie. Und Geschmack war insofern nicht vorhanden, als zwischen Dichtung und Musik das Programm «inen Vortrag schob von Dr. med. Fritz P u l f e r über O r g a n o- therapeutische Verjüngung. Das Thema ist aktuell, es ist auch für den Laien sehr wichtig, aber bei Tee und Kuchen und in diesem Milieu hat kein Mensch dafür das absolut-sachliche Interesse, dos jede Wissenschaft für sich beanspruchen darf. Waren's die Dichter zufrieden, daß bei ihrer Schöpfungen Vermittlung durch Maria E i s und Wolfgang Zllzer die Zuhörer weit stärker folgten? Beifall fanden auch Franz Koppen mit seinem klugen Referat über moderne Literatur, Sigmund P i s l i n g mit einem Vortrag über neue Musik. Otto Z a r e k als Leser eigener Werke, Nora P i s l i n g- Boas als feinsinnige Sängerin von Hindemith und Schönbcrg. „Beifall fanden..."— könnte man, ehrlich die Wirkung beschauend, nicht ebensogut sagen: ferner liefen...? Daß die junge Generation er st dann zieht, wenn sie für bie, bei denen öle Bekanntschaft mit ihr vom 18. Lebensjahre an zum g u ten Ton gehört, in den Marmorjoal des Efplanade einzieht, ist die größte Anklage gegen jene Klafie. die dem Bolk allein schon wirtschaftlich jede Möglichkeit nimmt, eine direkte Beziehung zu den Verkündern des Ewigen zu finden. Daher ist der Kampf gegen den Geldsack gleichbe- deutend mit dem Kampf iür die Kunst: Produktion ohne Rezeption M aui die Dauer unmöglich. Herrschaften, die Maschine läuft leer! Die Maschine laust leer, doch sie ist nicht kaput: Ansätze von der anderen weite, vom„Volk" her. machen irei die Bahn, um beim Bild« zu bleiben: sie ölen das Gewerk. Während im„Efplanade" noch die Tische entkrümelt wurden, saß ich auf harter Bank in der Universität, dahin war ich einer Einladimg vom„Sprech- chor an der Universität Berlin" gefolgt. Männer und Frauen hielten unter dem Leiter Dr. Wilhelm Ley hausen eine gemeinsame Probe ab. Dieser Ehor will an der Wiederbelebung der monumentalen dramatischen Poesie mitarbeiten. Mindestens so wichtig ist. daß er in Deutschland, dem klassischen Lande der Sprach- I schlamperei, rein und deutlich sprechen lernt. Roch wesentlicher, daß ' es sich hier an sich um eine Angelegenheit der Masten handelt, über- all notwendig, überall möglich. Ist doch die Dichtung des Proletariats oftmals heute schon Mastendichtung in der Form(Toller, Schönlank. Rothenfclder usw.). Der Erfolg des Universitätssprechchors bei der Aufführung des Aeschylcischen.Prometheus" ist noch in sehr guter Erinnerung. Noch der Probe am Mittwochabend läßt auch die Goethe-Feier, die am 22. Februar stattfinden soll. Besonderes erwarten. Aber es gilt ja weit mehr, es gilt die Bemeisterung des Heute, des Morgen! Das Individuum sehen wir nicht mehr als Einzelkörper mit glatter, un-. durchdringlicher Oberfläche, seine Existenz ist uns keine private, jim- dern eine soziale Angelegenheit. Zeitgeist, Blut und Milieu bilden Vcrknäuelungen, die dos Bewußtsein zwar beleuchtet, aber nicht ent- wirrt. Moderne Erkenntnis, die die gleichen Quellen von Expressto- nismus und Marxismus ahnen läßt. Wir kennen über den Jndivi- dualismus hinaus'wieder„Mächte", infolaedesten wird auch die Dich- tung, vor allem das Theater, in naher Zukunft einen Chor haben. Kunstliebende Dilettanten kommen in erster Linie als Mitglieder in Frage, nun werden sie endlich wieder Mit-Glieder im künstlerischen Schöpfungsprozeß. Das Publikum oerwächst mit der Bühne, die Sache der„Leute vom Bau" wird aller Sache: das ist noch nicht der Weg, ober es ist ein Weg zur schaffenden Gemeinsamkeit. Sprechchor ist Orchester menschlicher Stimmen. Nach seinen dynami- schen und rhythmischen Möglichkeiten müßte es in noch nie dage- wesener Intensität die Qual unserer Tage hinausschreien können Nun, der Schrei, auch der erlösende Schrei, kommt von selbst schon, wenn die Bindung, die Beziehung sich einstellt. Kommt sie, was anzunehmen ist, dann entsteht sie bestimmt„von unten auf". Der Sprechchor ist ein Weg. Erich Gottgetreu. Zeit: Um 1750. (Zur �Heimlichen Brautfahrt" im Komödienhaus.) Solange die Theater Privatunternehmungen sind, kann man es den Direktoren nicht verübeln, wenn sie ihren Spielplan nach dem voraussichtlichen Kassenersolg einrichten. Der Normalbürger unserer verschämte» Republik, der zum Umlernen Jahrzehnte braucht, der ewig mit griesgrämiger Trauer nach der guten alten Zeit barmt. erschauert in wonnigem Hochgefühl, ivcnu er Barone, Grasen und — o Gvtt, o Gott— regierende Fürsten leibhaftig vor sich sieht. Dabei schadet es nichts, wenn die Theaterfürsten also Talmi sind. Aber die Uniformen müssen stimmen. Die innerliche Gehobenheit hängt am glitzernden Aeußeren. Daher findet der Durchschnitts- bourgeois Gefallen an Kostümstücken in historischem' Gewand. Diesem kitschigen Geschmack rennt die Direktion Meinhard und Ber- nauer mit geöffnetem Portemonnaie nach. Im Berliner Theater feiert„Anneliese von Dessau" bald die 100. Aufführung und im K o m ö d i e n h a u s gab es gestern das Lustspiel„Heimliche B r a u t f a h r t" van Leo Lenz. Im Programm siehl: Vm spiel: Im Schloß Lichtenau. 1. Akt: Im Gasthof zu Morigbura. 2. Akt: Im Palais des Grasen Brühl. Z. Akt: Im Königlichen Schloß in Dresden. Zeit: Um 1750. Als ich das las, war ich bereits trüber Ahnung«« voll. Sie trügten mich „Material" gegen Etert auszuhorchen, obwohl er selbst nicht einmal die Nomen der bekanntesten Berner Sozialdemokrat", kannte. Er hau« sich ihre Adresse von einer Münchener Hakenkreuz- zentrale ausschreiben lassen. In Bern hat überhaupt kein Mensch be- gtiffen. wie man einem derartigen Ignoranten mit so wichtigen Missionen betrauen konnte. Krell rühmt« sich, daß er Ebert niederschießen werde, wenn er in dem vorgesehenen Prozeß nicht erledigt wird. Die eidgenössischen Behörden wiesen ihn nach einigen Wochen Untersuchungshast über Basel aus(wie wir erfahren. wurde er hier bereits auf dem Bahnhof von einem badischen Staats anwcllt in genommen). Ueber Isidor Kreil teilt uns der Baugewerksbund München folgendes mit: Dieser Krell war bei uns Mitglied(kurze Zeit) und am 13. November 1922 Baudelegierter bei der Firma Schalk in Pasing (Baustelle Freundlich, Pasing). Er bekam von uns Beilrazsmork-:n zum Berkaus cm die Mitglieder an dcr Baustelle. Diese Marken hat er verkauft: das Geld hat er aber für sich behalt«m. Am 7. Februar 1923 machten wir Anzeige wegen Betruges bei der Polizei in Pasing. Der Kassierer Michael N e s z ge r wurde wiederholt im Amtsgericht München vorgeladen wegen dieses Kreil. Krell war immer nicht auffindbar. Erst im Herbst 1923 wurde Krell im Polizeigesängnis in Landshut wegen verschiedener anderer Delikte interniert und auch dieser Fall verhandelt. Die Bo» arbeiter. die den Krell kennen, sagen ihm nach, daß« ein ganz ge- rieben« Gauner ist. Einige Kollegen haben auch den Eindruck ge- wonnen. daß er geistig zeitweise nicht ganz zurechnungsfähig ist. In einer Delegiertenoersommlung der Bauarbeiter Münchens äußerte sich Kreil dem Verwaltungsmitglied Leonhard Heilmann gegenüber felgendermaßen: Wie stellst du dich dazu, wenn ich Hitler be- s« i t i g e n würde. Heilmann«klärt« dem Kreil, daß di« Gew«k- schaften mit solchen Methoden nicht arbeiten. Heilmann ist der Ueberzeugung. daß Kreil zu diesem Mord fähig wäre in seinem Wohn. In dies« Delegiertensitzung hat Kreil sich auch zum Wori gemeldet und solches konfuses Zeug gesprochen, daß alles darüber gelocht hat. In dieser Versammlung wurde allgemein die Stimmung laut, daß Kreil geistig nicht normal sei. Dos ist also der berühmte Zeug« der Deutschnationalen und Völkischen, soweit wir ihn kennen." Milderung des Sefatzungsregimes. Neue Verordnungen der Rheiulaudkommisflou. Paris. 12. Februar.(Eigen« vrahtb«icht.) Elue Meldung. aus Koblenz kündigt zum 15. Februar eine neue Serie von Der. ordnungen der Rheinlandkommission an. durch die die Okkupation, insbesondere auf dem Gebiete der Rechtspflege und der politischen Freiheiten, gemäß den in London gegebenen Zusagen eine weitere Lockerung erfahren soll. England und die Sicherheitsfrage. Die verschiedenen Meinungen im englichen Kabinett. London. 12. Februar.(wTv.) Der parlamentarische Be- rtchterstatter des„Daily Telegraph" schreibt, bei den Erörterungen über die Frage de? Genfer Abrüslungsprolokolls und der französischen Forderung aus Sichcruag hälleu sich im Kabinett bereits ziemlich deutliche Meluuugsvcrschiedenhellcu euthülll, 5n der Hauptsache würden drei Standpunkte eingenommen: A m e r y keile die Abneigung der vomininm, gegen da? Prakatoü und lrcke für eine Art PoMik der? sali erung ein. Eh am ber- laln sei für einen Sicherheitspakt mit Frankreich ohne militärische Garantie. Churchill wünsche, wie angenommen werde,«in Vrelländerabkommen über gegenseitige Sicher- hell zwischen Großbritannien. Frankreich und Deutschland, durch das eine Schranke gegen Rußland «richtet würde, jalls sich dieses zu einer großen militärischen Macht entwickeln sollte, wie verlautet, sei dcr Ministerpräsident geneigt. Churchills Plan zu unterstützen. V«seibe» Ansicht sei auch Lord Cnrzon. nicht: von Akt zu Akt wurde ich trauriger. Geschlagene dre.ieinha!b Stunden dauert dcr süßliche Schmarren, besten Inhalt zu erzählen ein ebenso geschmackloses Unterfangen wäre wie die Ausführung des Stückes in heutiger Zeit. Der selige Joseph von Laust, der königlich preußische Hofdichter weiland Sc. Majestät Wilhelm II. steigt moderig aus dem Grabe aus. Herr Lenz bekennt sich treu- herzig zu stramm feudaler Gesinnung. Sein Witz besteht darin, daß eine leibhaftige Fürstin, die die Roll« einer«chenkmamsell über. nimmt, sich scheinbar Schnitzer gegen den höfischen Komment erlaubt und— welche Tollkühnheit"— als Dorfschone aui eine Stufe mit den Hochgeborenen stellt. Der kondensierte Kastengeist erweist sein immer noch blühendes Leben und Gedeihen. Dos Publikum, besten Geiftes- entmicklung offenbar noch nicht über 1750 hinausgewachsen ist, jubelt in unbedenklicher Verehrung des absolutistischen Gedankens dem traurigen Lustspiel zu. Die Schauspieler sind zu bedauern, die ihre bewährte Kraft dem Machwerk lechen müssen. Es ging nicht anders, sie mußten im un. natürlichen verstaubten Hoftheaterstll spielen. Schade, daß die allzeit charmante Erika Gläßner ihre süße Schnoddrigkeit nicht einem wertvollen Sujet zugute kommen lassen kann. ___ Ernst D e g n e r. Das verhallen d« Tiere bei der Sonnenfinsternis. Zum ersten Male wurde jetzt dos Verhalten der Tiere während der Sonnen- iinsternis von Zoologen beobachtet, um gewisse tier-psychologische Studien daran zu machen. Zu diesem Zweck wurden die Tier« im Bronx Zoo zu New York beobachtet. Man stellte fest, daß die Einwirkungen der Naturerscheinung recht bemerkenswert waren. Als die Dunkelheit«intrat, rannten die im Freien weilenden Hirsche in Angst und Schrecken durcheinander. Die große arktische Eule slaUerte heulend herum. Die Paradiesvögel, die sonst nur einmal wöchentlich ihr Gefieder zeigen, flogen ziellos umher und konnten von den Tausenden, die sich eingernnden hatten, als die Sonne wieder strahlte, bewundert«erden. Die drastischste Wirkung ober zeigte sich im Afsenhause. Vor Beginn des Phänomens trieben die' Asten ihre lustigen Kapriole». Der Orang Illang rasselte mit seinen Ketten, der Schimpanse leitete den schrillen Chor. Während der Totalität aber waren die Mitglieder der Afsenfamilien zu verängstigt. um auch nur zu wimmern. Sie hockten dicht aneinander und hielien sich umfangen, als ob sie da? Ende der Astenwell gekommen glaubten. Erst eine Stunde später wurden sie wieder lebendig und ließen ihre Schreie wie zuvor ertönen. Singvögel wurden ruhig und begannen zu schlafen, als der Glanz der«omie erlosch Als die Eneüchterin des Erdballes dann wieder in Funktion trat, erwachten sie, aber es währte vierzig Minuten, ehe der Opernchor der Singvögel wieder in voller Stärke erscholl. Abeadbesuche in den Alnseen. Während Berlin und München an d« Ostenbaltung der Staatsmuseen zur Tageszeit festhalten, hat Direktor Prof. Swarzenlki In Froniflirt a. M. Abendbesuche eingerichtet, die durch Darbielungen aller Muftk bereichert werden. Li« Anive'si'äl von Vovia bat allen Hochschulen der Erde mitgeteilt. daß im iWat dicies O.abres die E I' d u n d e r t j a h r f e i e r dcr„Schola PaoienfiS" slatlsindel. Im Iadre 825 ordnete der Karolinger Lothar, König von Italien, die'Studien neu und machte Pavia zum Mittelpunkte der Lehr- tätigkeit für das lombardische Land. Universität und Stadt Vavia beabsichtigen die 1100 Jahre alle Neuordnung der Studien seillich zu begeh«». /luftlarungen üer Handelskammer. Und wieder Patzkleinkram? Zu Beginn der Sitzung teilt der Vorsitzende Dr. Leidig mit, daß am Freitag, 10 Uhr, noch eine kürzere Sitzung anberaumt werden soll, zu der der frühere Finanzminister Dr. v. Richter geladen wird. Es soll dann eine Pause bis zur nächsten Woche«in- treten. Cs wird zunächst vernommen der Syndikus der Berliner Handelskammer Dr. Meyer. Er soll sich darüber äußern, weshalb die Industrie- und Handels- kammer das abfällige Gutachten des gerichtlichen Sachver- ständigen Behr über Kutister und die Stcinbank u n. günstig kritisiert Hab«. Der Zeuge gibt an, daß die Kammer zunächst ein eigenes Gutachten an den Generalstaatsanwalt er- stattet habe. Weiter sei beim Landgerichtspräsidenten eine B e- schwerde über die Tätigkeit des Behr erhoben worden auch wegen anderer erstatteter Gutachten. Die Beschwerde lies auf den An- trag hinaus, daß Behr als Sachverständiger in Bank fachen nicht mehr zugezogen würde. Die Gründe dafür lagen darin, Behr war wohl für K I e i d e r s a ch e n als früherer Inhaber eines solchen Geschäfts zuständig, nicht aber für Banksachen qualifiziert. Er führte jedoch einen Stempel mit dem Aufdruck .gerichtlich vereidigter Sachverständiger"', mit dem die Gutachten unterstempelt wurden, daraus war nicht erkennbar, daß er eben nur für Kleider Sachverständiger war. Ferner waren feine Gutachten fast durchgehend falsch. So sei es ihm passiert, daß er in einem Fall« Papier- und Goldmark verwechselt hat. Des weiteren waren sein« Gutachten nicht lediglich sachlicher Natur. Er erhob in ihnen auch persönliche Angriffe, so auch gegen führende Per- söillichkeiten des Bankgewerbes, bei denen«ine Begründung für die Angriffe nicht vorhanden war. Was die Sache Kutisker anlangt, so hat die Industrie- und Handelskammer in ihrer Beschwerde an den Landgerichtspräsidenten für notwendig gehalten zu betonen, daß sie die Persönlichkeit des Kutisker nicht zu schützen beabsichtige. Um einige Fragen der Ausschußmitglieder zu beantworten, ver- liest Syndikus Meyer das Gutachten der Industrie- und Handels- kammer in Sachen Kutisker. Das Gutachten beschäftigt sich zunächst mit der Frage, ob die von Kutisker in Rechnung gestellten 2 2 P r o z. Zinsen taglich für das betr. Darlehen in höhe von 10 000 Bil- l'onen Papiermark an eine Erfurter Firma, fest für 10 Tage, als zu hoch angesehen werden müssen und kommt zu dem Schluß, daß diel er Zinssatz in der damaligen Zeit nicht als Wucher zu be- zeichnen ist. Es handelt sich um die Tage vom 23. November bis 4. Dezember 1923. Daß später eine Entspannung eingetreten ist, ändert nichts an dieser Beurteilung des Abkommens, es hätte ja auch bei einem weiteren Anziehen des Kurses Geltung behalten. Tatsächlich hat die Firma von Stein-Kutisker das Darlehen nach Ablauf der zehn Tage von dem Erfurter Geldnehmer, der übrigens in Bezug auf Zahlungsfähigkeit nicht über jeden Zweifel erhaben war, nicht zurückerhalten. Die Stein-Bant hat dann für jeden weiteren Tag auf das Grunddarlehen von 10 000 Billionen Papier- mark 4 Proz. Verzugszinsen berechnet. Dieser Satz muß iwar als etwas hoch angesehen werden, kann aber nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer auch nicht als Wucher bezeichnet werden. Auf eine Frage des Abg. Dr. vadk(SozI äußert sich Syndikus Dr. Meyer auch zu der Frage, wie die Handelskammer dazu kam. die Erteilung der Großhandelserlaubnis an die Amerima zu befür- warten. Es log ihr diesbezüglich eine Anfrage des Landes- polizeiamtes Berlin vor, die sich auch mit dem rechtlichen Charakter dieser Frage, in Bezug darauf, ob«ine solche Erlaubnis botwendig fei, well dos Stammhaus- der Amerima sich in Holland defind«, besaßt«. Di« Industrie- und Handelskammer äußerte die Austastung, daß ein« Handelserlaubnis erforderlich sei. Die Industrie- und Handelskammer hat dann Nachfrage über die Amerima in Kreisen der deutschen Lebsnsmittelfinnen gehakten und auf Grund der eingegangenen Antworten erklärt, es dürfte stch bei der Handelzerlaubnis für die Amerima, die äugen- scheinlich ein größeres Unternehmen darstelle, auch um volkswirtschaftliche Bedürfnisse handeln. Ueber die Zuverlässigkeit der Firma hat sich die Industrie- und .Handelskammer nicht geäußert, weil es sich um«in ausländisches Unternehmen handelte und diesbezüglich-' Informtionen daher der Polizei bester bekannt fein mutzten als der Handelskammer. Abg. Dr. Veerberg(Dnat.j: Für die subjektive Seite der Sache war die Polizei zuständig: was das vielleicht der Herr Polizei- Präsident? Borsitzender Dr. Leidig: In Berlin wird die handelserloubni« nicht vom Polizeipräsidenten, sondern von einer besonderen k o l- kegialen Behörde ausgestellt. Damit sit die Vernehmung des Zeugen Meyer beendet Ministerialdirektor köpke vom Auswärtigen Amt soll sich äußern über die Beziehungen der Gebrüder Barmat zum Auswärtigen Amt, wobei e« sich wesentlich »m Paßangelegenheiten handelt. Im Iamiar 1921 erhielt der Zeuge als Vertreter des erkrankten Ministerialdirektors von Stockhammern, der die Ostabteilung leitete, einen Brief vom ileichskanzlsr a. D. Bauer, in dem um Erleichterung der Durch. reis« der aus der Ukraine geflüchteten, in Rumänien nusgeiundenen Familie Barmat nach Holland gebeten wurde. In den Voraklen besand sich ei» Vermerk:.Der Reichsmimster des Innern ist damst einverstanden.'' Uni die Durchreise dieser Personen kontrollieren zu können, habe ich, so bekundet der Zeuge weiter, um entsprechende Mitteilungen der Grenzbchörden gebeten. Weiter bin ich nicht mit dieser Sache besaßt worden. Als dann im Januar des Jahres dos Bureau des Reichspräsi- deuten sich mit uns in Verbindung setzt«, um die in der Presi« erhobenen Beschuldigungen dementieren zu können, habe ich Anw«'- !ung gegeben, sämtlich« Barmat betreffenden Akten aus allen Abteilungen zu einem besonderen Band zusammenzuziehen. In dies« Akten hat ledialich die mit der Sache besaßt« Stell« des Bureaus des Reichspräsidenten Einsicht gehabt. Jetzt befinden sich die Akten beim Reichstags-Untersuchungsausschuß. Ich habe in dem Ersuchen lediglich ein« humanitäre Maßnahme erblickt. Abg. Dr. Saufhold(Dnat.) bittet um Berlesun« eines Blattes. das sich auch auf ein Dauervisum für Julius Barmat im Jahr« 1919 bezieht. Der Zeu ge weiß nur aus den Zeitungen davon: die Vorgänge wüsten in den Akten fem. Abg. Dr. kaufhold(Dnat.): Es bandelt sich um den Vermerk des Reichspräsidenten aus einem Telegramm aus Amster- dam an den Bersttzenden der Sozialdemokratischen Partei Wels. Dieses Telegramm ist auf irgendeinem Weg« in die Hände des Reichspräsidenten gekommen, und dieser hch dann mit Bleistift die Randbemerkung gemacht:„Wünsche, daß der Ge- sandte im Haag noch einmal ersucht wird." Zeug« hat im Januar des Jahres im Bureau des Reichspräsi- drnten«in« Feststellung des dort vorhandenen Materials vorge- nmnmen. Mit den Vorgängen im Jahre 1919 selbst Hot er nichts zu tun gehabt. Abg. Dr. veerberg(Dnat.): Mir sit ein« Nachricht zugegangen von einem früheren Angehörigen der deutschen Kolonie Rußlands, wonach«in großer Teil der Kolon:« vor der deuischen Grenz« zu- qru n de gegangen ist, weil die Flüchtlinge nicht hin üb er kommen kannten. Können Sie darüber irgendein« Auskunft geben? Das wird Sache der Ostobteiiung gswcheo fem. Borsitzender: Bedeuten die Worte des Reichspräsidenten „Mit dem AnHeim stellen der weiteren Deranlastunz"«in« amtliche Weisung? Zeuge: Nach meiner Auffassung nicht. Aber dem Wunsch noch einer Nachprüfung würde ich an sich unbedenklich Rechnung getragen haben. folgen üer üeutfthaatiooalen Taktik. Wir haben aus Anlaß der uferlosen Debatten, die durch die Aussagen des Kommissars Klinghammer hervorge- rufen wurden, bereits der Meinung Ausdruck gegeben, daß, wenn dies so weitergehe, der preußische Untersuchungsaus- schuß sich um jeden Kredit bringen würde. Am Mittwoch ist es nun so weitergegangen. Schuld daran tragen die Deutschnationalen, die, ebenso wie sie die Vernehmung Klinghammers und Falks beantragt hatten, die Ladung Davidsohns gefordert hatten. Dieser der Ver- lcumdung wiederholt und längst überführte Querulant war wie kein anderer geeignet, die Tintensischpolitik der Deerberg, Kaufhold und Genossen zu fördern. Er hat die sinnlosesten und ungeheuerlich st en Anwürfe gegen Führer der Sozialdemokratie, einschließlich Ebert. ausgestreut— mußte allerdings, als er in die Enge getrieben wurde, zugeben, daß er Überhaupt nichts aus eigenem wisse, sondern nur von B a u m e i st e r.(Das gleiche jämmerliche Spiel hatte er bereits in der Sklarz-Affäre getrieben.) Es war nun selbstverständlich, daß unsere Genossen mit Nachdruck die Ladung Baumeisters forderten. Dagegen wandten sich die Vertreter des Zentrums und der Demokraten, sicherlich aus der berechtigten Sorge heraus, daß nun eine neue uferlose Debatte entstehen könnte. Das mag schon sein. Aber unsere Genossen konnten unmöglich die blödsinnigen, angeblich von Baumeister stammenden Verleumdungen Damdsobns auf Ebert, Robert Schmidt und anderen einfach sitzen lassen. Das hätte sich der Ausschuß vorher überlegen müssen, als die Deutschnationalen aus durchstchöaen Gründen die Berneh- mung Davidsohns beantragten. Der Ausschuß hat nun ein- mal der deutschnational-komnrunistischen Hetze nachgegeben und. wenn er jetzt jcit Tagen alles mögliche Zeug„unter- a r ran sucht", das mit den Krediten der Seehandlung in keinem Zusammenhang steht— und dazu geh u. E. auch die Paßangelegenheiten, die heute morgen wieder breitgetreten wurden—, so ist das feine eigene Schuld. Das deutsche Volk wird schließlich durchschauen, welch infame. Spiel die Deutschnationalen in der Presse und in den Aus- schössen unter dem Vorwande der„Aufklärung" und der „Reinigung" seit Wochen mit ihm treiben. Ilm die Heuchelei zu krönen, hat der Deutschnationale Dr. Deerberg gestern behauptet, seine Anträge lägen dock? nur„im Interesse des Reichspräsidenten". Der Zentrums- abgeordnete Dr. S ch w e r i n g hat diese Aeußcrung halblaut aber treffend als„s ch a m l o s" bezeichnet. Bald wird dieses Werturteil Gemeingut aller anständigen Deutschen hinsichtlich der ganzen politischen Ausnutzung der Barmat-Affäre sein. Und letzten Endes wird der Zweck der ganzen Uebung, die Aufmerksamkeit des ganzen Volkes von dem ungeheuerlichsten Korruptionsskandal der Weltgeschichte abzulenken, kläglich scheitern: wir werden uns durch keinen Terror davon abhalten lasten, in das 7 0 0-M illionen-Panama der deutschnationalen Ruhrindustriellen gründlich hineinzuleuchten' In dem Bericht der heutigen Morgermummer über den Staat- bankuillersuchuTtgsausschuß hat sich bei der Vernehmung des Zeugen Davidsohn ein sinnstörender Fehler eingeschlichen. Nicht G« nesse Kuttner hat Daumsister brieflich aufgefordert, sein« Beschuldigungen gegen Sklarz zu formulieren, wcrous Baumeister gekniffen hat, vielmehr las Genosse Kuttner im Ausschuß einen Brief Davidsohns vor, in dem Davidsohn sich mit äußerster Eni- rüstnng über Baumeisters„jämmerliches Verhatten" beschwert, weil Baumeister fortwährend kneif«, wenn er von der Partei out gefordert werde, sein Material vorzulegen. Davidsohn teilt dann in dem Briese mit, daß er Danmeister wegen seines feigen Derhoitens „geschnitten" habe.— Genosse Kuttner oerlas diesen Brief, weil Davidsohn bei seiner ersten Vernehmung sich mst der höchsten Anerkennung über Baumeister als Mustrrzougen avegesprächen hatte. Die Katastrophe auf Feche Bn üer Unglücksstätte. Minister Stein // Aus Dortmund wird uns weiter telegraphisch mitgeteilt:„Beim Schichtwechsel hatten sich noch keine Zl n z e i ch e n bemerkbar gemacht. daß der gefährlichste Feind des Bergmanns, die schlagenden Wetter, in Bildung begriffen seien. Wenigstens hotten weder die ausfahrenden Bergleute noch die Steiger irgendwelche Meldungen erstattet, daß in den Wetterstationen und in den Komrollapparaien sich irgendwie verdächtige Anzeichen bemerkbar gemacht haben. Bis zur Stund« ist es noch nicht geklärt, auf welchem Schacht die Explo- sinnen eingesetzt haben. Kurz noch 8,20 Uhr ertönte aus der Grube beraus das bekannte charakteristische Rollen, dem dann mehrere Erplosionen folgten. Die aus der Grube anwesen- den Steiger alarmierten alle?, was über Tinge an Arbeiter» vor- Händen war. Gleichzeitig wurden nach Dortmund und an Nachbar' schachte Meldungen weitergegeben, die um Hilfe baten. Die gesam- ten Ingenieure der Grube sowie die von der Tagschicht eingekehrten Bergarbeiter eilten sofort an die Arbeitsstätte zurück, wo«in groß zügiger Hilfsdienst organisiert wurde. Trotz der in der Tiefe droherll>ev Gefahren fanden sich mehr als genug Freiwillige. dl« mit Schutzanzügen und Gashelmen unter Leitung der Steiger und Ingenieur« einfuhren, um zu retten, was noch zu retten war. Schon nach den ersten zwei Stunden wurde es leider klar, daß die Schlagwellerkatastrophe fürchterliche Folgen gehabt haben mußte. Ueberall waren duriy die Explosionen die Stempel in den Stollen fortgerissen, die Gänge zun, Teil ver oerschüttet und auf längere Strecken durch Gesteineinbruch jedes Vorwärtskommen verhindert. In ausopsernster Weise drangen die Hilfsmannschaften über entlegene Gänge und vtollen vorwärts. um an die Arbeitsstätten zu gelangen, wo nach menschlicher Berech- nung die Schlagwetterexplosionen Verheerungen unter den Berg- arteitern angerichtet haben mußten. Di« Hoffnung, daß es den Belegschaften gelungen sein könnte, sich in Qucrstollen zu retten, war bei der Größe der Explosion von vornherein nicht allzu wahrscheinlich. Die Befürchtungen fanden bald ihre Bestätigungen, als man in den Haupt st ollen auf die ersten Leichen der so jäh vom Tode ereilten Arbeiter stieß. In sieborhofter Eile drangen die Retter vorwärts, doch vermochten sie nur in einigen Fällen noch HUs« zu bringen. Die Nachrichten, die im Lause der Nacht zutage drangen. lauteten mehr als trostlos. Bis zum Morgengrauen hatte man etwa 80 Leichen gefunden und an die Förderschächte gebracht. Auf der Grube selbst� wo die Frauen der eingefahrenen Mannschaften mit ihren Kindern harrten, spielten sich herzzerreißende Szenen ab, als nach den Stunden der Ungewißheit die ersten Opfer an die Oberfläche gebracht wurden. Auf Bahren schaffte man die Opfer der Katastrophe in die nahegelegenen Berwoltungsgebäude. wo sie zunächst aufgebahrt wurden. Margens um 5 Uhr wurden die total erschöpften Rettungsmannschaften abgelöst. Die zweite Schicht setzte die Bemühungen, nach etwa abgeschlossenen noch lebenden Gruppen von Bergleuten zu forschen, mit allen Mit- teln fort, doch lauteten die telephonisch weitergegebenen Meldungen wenig trostvoll. Nach den letzten Mitteilungen um 11 Uhr vor- mittags sind außer 80 bereits geborgenen Taten noch weitere 30 aufgefunden worden, die jetzt zutage gefördert werden sollen. vie Ursachen noch nicht onfgeklärt. An der Unglücksstätte wurden an mehreren Stellen Auf- Zeichnungen gesunden, daß einzelne Kolannen noch mehrere Stunden nach der Explosion lebten. Als der Weg zu ihnen freigemacht war, konnten sie aber nur noch als Leichen geborgen werden. Daß von den in der Grube befind- lichen 00 Mann noch ein Teil lebend gerettet werden kann, dafür besteht nach Ansicht der Verwaltung leider nicht die geringste Hoff- nung, zumal ja bereits heute früh um l? 10 Uhr in der Grube selbst 90 Leichen gefunden waren. Die Leichen sind in der neuen Wach- kaue in langen Reihen aufgebahrt und bieten ein erschütterndes Blld. lieber die Ursache der Explosion ist immer noch kein positiver Ausschluß möglich. Verwalter und Vertreter der Bergbehörde, die sofort alle Maßnahmen eingeleitet hatte, erklärten übereinstimmend, daß genaue Feststellungen erst gemacht werden können, wenn die Sohle 1 von den Gasen freigemacht worden sei. Bezeichnend für die Gewakt der Explosion ist die Totiache, daß von ihr die erste, die zweite und die dritte Sohle betroffen wurde». Die erste Sohle be- findet sich 173 Meter unter der Erde: sie ist die niisziehcndc Wetter- sohle, durch die die Ventilation geregelt wird. Gearbeitet wird Haupt- sächlich auf der zweiten und dritten Sohle. Es schwirren die wildesten Gerüchte über die Ursache des Unglücks umher. Unter anderem wird von einer Entzündung der Gase durch die Funken einer Maschine ge- sprachen. Das scheint jedoch noch Ansicht maßgebender Fachleute ak»m möglich. Oberberghauptmann Ooerthun, der mit der Gruben- rettungszentrale Esten ebenfalls hier eingetroffen ist, ist nach seiner ersten Einfahrt van hoitte nacht mit Bergrat Funke, dem General» direktor der Zeche, heute vormittag um 11 Uhr noch einmal in die Grub« eingefahren. Die endgültig« Feststellung wird sich wohl //' noch über Tage hinziehen. Nach den Vorschrijten werden«ine Fachkommission und dann auch ein parlamentarischer Ausschuß noch eingehende Prüfungen anzustellen haben. Die Rettungsarbeiten sind vom ersten Augenblick an mit voller Energie durchgeführt worden. Um 5�9 Uhr abends rückten bereits die ersten Rettungsmannschaften an. Ihr Vordringen gestaltete sich ober nicht nur dadurch außerordentlich schwierig, daß die Strecken infolge der Explosion starke Brüche erlitten hatten und durch das Gestein versperrt waren, sondern auch dadurch, daß die Zerstörung der Dentilaticm jedes Vordringen jehr gefährlich mochte. Die Rettungsmannschaften mußten infolgedessen mtt aller Eiche- rung arbeiten, indem sie sich einer Vorhut und einer Nachhut de dienten. Von der Verwaltung wird betont, daß die Zeche olle modernen technischen Vorsichtseinrichtungen besaß, die geeignet er schienen, Unglücksfälle Ki vermeiden. Bon den 12 Steigerrevieren sind zwei in Mitleidenschaft gezogen. Der Schacht III. in dessen Nähe sich das Unglück ereignete, hat lediglich die Bedeutting Ber Seilfahrt und der Wetterführung. Wenn das Unglück nicht in der Nähe des Luftschachtes, sondern m eigentlichen Wbaufeld passiert wäre, so könnte man sich von den ohnehin schon jetzt ungeheuer- lichen Ausmaßen de« Unglücks gar keine Vorstellung machen. Die Belegschaft der Zech«„Minister Stein" betrug 3000 Mann ftus der Chronik üer Grubeakatosteophen. Das V-rgweicksirnglück auf der Zeche„Minister Stein", diese. furchtbore Katastrophe, fft wieder aus schlagend« Wetter zu- rückzuführen. Unter schlagenden Wettern oder feurigen Schwaden versteht man Grubengas oder Kohlenstaub, der, wenn er in Berührung mit offener Flamme kommt, explodiert. Man schützr stch vor ihm durch geeignete Grubenlampen, z. B. die Fleißnersche. Schlogwetterlamp«, sowie durch Apparat«, welche die Ansarmnluing von Grubengas anzeigen, nach Art der von Prof. Haber erfundenen «chlagwetterpfeif«, welch« auf der Verschiedenheit der vm, verschio- denen Gosen, Lust- und Grubengas, in gleich gestimmten Pfeif«, erzeugten Tönen beruht. Bon den Expiosiönen in deuffchen Gruben. die als Massenunglück« zu bezeichnen sind und ein« große Anzahl von Toten zur Folg« hatten, find nachstehende besonders zu er wähnen: Im Jahre 1809 wurden auf der Zeche Neu-Iserlohn»1 und rn demselben Jahr auf der Zache Burgker Schächte 269 Bergleute getötet. Das Jahr 1876 fordert« auf N« u> I s« r« lohn 33 Tote. Im Jahr« 1879 kamen auf der Zech« Brücken.- berg-Schächte 89 Bergleute ums Leben. 1881 auf der Zeche Luise Tiefbau 17, 1885 auf der Zeche Camphausen 181 Bergleute, im Jahre 1893 aus der Zeche Kais er stuhl 63 und aus der Zeche General Blumenthol 20. 189S fanden auf der Zeche Prinz von Preußen 37 Bergleute den Tod. 1896 gab es auf der K l e o p h a s g r u b« 30 Tot«, im Jahr« 1897 fielen aus Kalserstuhl II 20 Bergleute schlagenden Wettexn zum Opfer. Di« Explosionen im Jahre 1898 auf den Zechen Z o ll e r n und Korolinenglück forderten 165 Opfer, im Jahre 1909 kamen auf den Zechen König Ludwig und K o n s o l i- d a t i o n 28 Bergleute ums Leben und im Jahre 1907 sielen oiif der Zeche Reeden 148 Bergleute schlagenden Wettern zum Opfer. Das Unglück auf der Zeche Rad b od am 16. November 1908 schlug den Rekord in der Massenvernichtung von Bergleuten. In der Unglücksnacht waren 380 Arbeiter und 6 Beamte angefahren. Das Unglück raffte 343 Berglen le hinweg. Dos Unglück auf der Zeche Radbod wird aber noch übertroffen durch die entsetzliche Katastrophe in dem Bergwerk van Eouri-rs In Frankreich, hier sielen 1100 Bergleute der Katastrophe zum Opfer. Französifck)« Bergwerk,- betriebe wurden dann noch einmal von einer großen Schlagwetter- katastrophe heimgesucht. Auf der Zeche Mont Cenis wurden fast 200 Tote geborgen. Im Preußischen Handelsministerium hat man heute früh die ersten Nachrichten von dem entsetzlichen Unglück erhalten. Mehrere Herren vom Oberbergamt sind sofort nach Bochum gefahren, und der Dezernent des Grubensicherheitsamte«, Mini- stcrialrat Hatzfeld, begibt sich n o ch h e u t c an die Unglücksstelle. Wie uns Geheimrat Flemming»itieilt, steht man in der Berg- Werksdirektion der Ursache des Unglücks zurzeit noch vollständig ratlos gegenüber. Di« Zech«„Minister Stein" war, wie Geheimrat Flemming erwähnte,«ine der nach allen Richtungen auf das beste«ingerichteten Gruben. Man Hot hier besonders gute, d. h. besonders weit« Wetterwege, man hat elektrffche Grubenlampen, fein« Benzins am pen und in der Gesteinsstaubbekämpfung war man gerade hier auf der Zeche„Minister Stein" am weitesten fortgeschritten. Di« Zeche konnte man als mustergültig mtt ihre» Einrichtungen bezeichnen, und man neigt im Bergamt der Ansicht zu, daß es sich bei der Katastrophe um besondere Gasavsbrüche handle. Di« Untersuchung wird ja Näheres ergeben, aber dos eine kann wohl heute schon gesagt werden, daß«» sich hier um Natur- gewatten handelt, die eben allen menschlichen Sicherungen mtt» Bar» sichtsmaßregelp Hoho wrtaKo. Sa öer 1. Klosse. Sie wollten einen Exzch herbeiführen. Ein Zusammenstoß, den Reichstagsabgeordnoter Genosse Dr. JturWR osenfeld am 5. April 1924 in einem Abteil I. Klasse de» D-Zuges nach Stuttgart auf dem Anhalter Bahnhof mit zwei Fahr- gasten hatte, bei dem er schwer beleidigt wurde, fand heute vor dem Schöffengericht Schöncberg seinen Abschluß. Der Fall hatte das Gericht schon mehrfach beschäftigt. Die von der Statsanwoltschast gegen den Rittergutsbesitzer Frey und den Kaufmann G r ö n i g e r erhobene ötfcntlichc Anklage wegen Beleidigung des Abgeordneten konnte bisher nicht durchgeführt werden, da der Angeklagte Frey stets ausgeblieben war. Zuletzt hotte das Gericht gegen ihn Haftbefehl erlassen. Frey ist inzwischen aber auf Grund eine» Steckbrieses von der Staatsanwalt- schalt Cisenoch wegen Betruges verhaftet worden und wurde heute als Untorfuchungsgefangener vorgeführt. Bei der Feststellung der Personalien ergab sich, daß Frey bereits wegen Nötigung und unerlaubten Großhandels mit Gefängnis, Grö- niger wegen Preistreiberei mit Geldstrafe vorbe- straft sind. Der Norfall, der seinerzeit erhebliches Aufsehen in poli- tischen Kreisen erregt hotte, hat sich nach der Schilderung des Reichs- tagsabgeordneten Rechi.onwolts Dr Kurt Rofenfeld, der sich als Nebenkläger dem Verfahren angeschlossen hat, wie folgt abgespiett: Der Nebenkläger hatte ein« Minute vor Abgang des Zuges vom Gange aus feine Mappe auf einen Platz eines Abteils I. Klasse gelegt, in dem sich schon zwei Herren befanden In demselben Augen- blick hörte er abfällige Bemerkungen über seine Kleidung und dann die Wort« des einen der Herren, des Angeklagten Frey:.Sind die Reichstagsabgeordneten auch immun gegen Backpfeifen?'"— Als der Nebenkläger bei Abfahrt des Zuges dann Platz nahm, wurde er weiter angepöbelt. Es sielen wieder Worte über seine ungebügelte Hose und dann sagte Frey:.Dachwohnung, aber I. Klasse." Weiter sagte er:.Als mein Freund Helfferich bei mir zur Jagd war, äußerte er: Die Schweine werden wir schon alle erledigen. Schacht ist auch so ein Jude. Diese Schweinehunde müßte man nicht erschießen oder aufhängen, sondern gleich vierteilen. Man muß den Kerl zum Fenster hinauswerfen."— Als der Schaffner herein- kam und der Nebenkläger die Personalien feststellen lassen wollte, weigerten sie sich und ergingen sich beide in unflätigen Beschimpfungen. Dr. Kurt Rosenfeld verließ das Abteil und begab sich ins Neben- abteil, wo er den' dort befindlichen Reichsverkehrsminister O e s e r und dessen Frau und den Landtagsabgcordneten Menzel Mittei- langen von dem Vorfall machte.- Der Angeklagte Frey entschuldigt« lein Verhalten mit Trunkenheit. Auch Gröniger entschuldigte sich oamtt. Da» Gericht oerurteilte Frey zu zwei Monaten Ge« fängnis, Gröniger zu 1009 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsrat Schenk aus, das Gericht habe den Eindruck gewonnen, daß die Angeklagten einen Exzeß herbeiführen wollten, der auf parteipolitisch« und antisemitische Gesinnung zurückzuführen und der aus einer gewissen kapitalistischen Ueberhebung entsprungen ist. Dem Beleidigten-wurde die Befugnis zugesprochen, das Urteil in zwei Tageszeitungen veröffeittlichen zu lassen. Em Kindesmord in Neukölu. Einen Mord an einem neugeborene« Kinde, der schon länger« Zeit zurückliegt, wurde gestern in Neukölln entdeckt. Vom 26. Dezember v. J. bis zu Anfang dieses Jahres wohnte in der Rosenstraß« 8/g zu Neukölln«ine Frau, die sich Witwe Elisabeth Bölk«, geb. Rösiken, nannte. Sie verschwand dann plötzlich, nachdem sie Betrügereien verübt hatte. Gestern nun wurde in der Küche das Feuerungsloch des Bratofen», der bisher nicht benutzt worden war, nachgesehen. Jetzt fand man darin hinter Lumpen ver- steckt die Leiche«ine» neugeborenen Kinde» mann» lichen Geschlechts. Noch dem Ergebnis der Ermittlungen kann die Mutter nur die angebliche Witwe Bölke sein, die«inen falschen Nomen angenommen hat und in Wirklichkeit Meta Kosch- n ich heißen soll. Es ist festgestellt, daß sie schwanger war, al» sie die kurze Zeit in dem Haus« wohnte. Sie ist seither unter siasschem Namen wieder als Betrügerin aufgetreten und hat«inen etwa S Jal»re alten Jungen bei sich, der auf den Vornamen Rudi hört. Die Kindesmörderin, die verheiratet gewesen fern soll, ist ungefähr 30 Jahr« alt und etwa 1,65 Meter groß. Am verqangenen Sonnabend wurde sie mit dem Knaben in der Gegend des Weddingz gesehen. Man wollte sie dort festnehmen. Sie bemerkte das stdoch und es gelang ihr, zu entweichen. Mitteilungen zu ihrer Festnähme an jkriminalkommissar Goetfch. 2. Kriminakbezirk m Neukölln Ucverfall auf einen Autoführer. In der vergangenen Nacht wurde der Autofahrer August Schneider von seinen Fahrgästen überfallen und beraubt. Ich der vergangenen Nacht um 3 llhr war SchneSier im Leariff, nach Pankow zu fahren, um den Wagen auszuwechseln. In der Lothringer Straß« fnrachcn ihn drei Herren an und fragten ihn�ob er den Weg nach Duchholz wisse. Als er bejaht«, stiegen st««in und liehen ihn durch die Äastanienallee und die Prenzlauer Promenade fahren. Kurz vor Pankow erklärt« einer, nachdem er an die Scheibe g«. klopft hatte, daß die Fahrt zu Ende fei. All« drei verließe» den Wagen. Auch Schneider stieg ab, um nach der Uhr zu sehen und den Fahrpreis zu berechnen. Jetzt rissen ihn plöschch zwei der Fahrgäste zu Boden. Der dritte hielt ihm ein« Pistole vor den Kops mit der Drohung, wem, er abdrück«, so sei er„alle". Di« Räuber zogen dann dem Ehausfeur den Pelz aus, kälten feine Brieftasche mir 6 0 M. heraus und verschwanden damit in der Richtung»ach Barlin. Schneider benachrichtigt« das 282. Revier und fuhr mit dessen Kriminalbeamten nach dem Tatort zurück. Di« Nachforschun» gen blieben jedoch erfolglos. Bon den Räubern, Männern von 30 vis 40 Jahren, war kein« Spur mehr zu finden. Mitteilungen zur Aufklärung an das Naubdezernat im Polizeipräsidium. Roch einmal die.hirsch-poltzei." Bor kurzem haben wir an dieser Stelle von der nach den verschiedensten Richtungen so merk- würdigen.Hirjch-Polizei" Mitteilung gemacht, wie der Wacht- und Sicherheitsdienst Groß-Berlin genannt wird. Wir können heute zu diesem Thema noch mehrere interessante Einzelheiten mitteilen. Der Leiter des Wacht- und Sicherheitsdienstes Groß-Berlin, Herr von H i r s ch- S ch w a b«, ist, wie uns glaubwürdig versichert wird, nicht Major. Er war früher Leutnant d. R. beim Train, wurde während des Krieges Hauptmann d. R. und ist dann als svgenann- fcr charakterisierter Major entlassen worden. Herr von Hirsch- Schwabe hat wiederholt— darüber liegen Akten und Prozeßberichte vor— tätliche Angrisse aus seinen Schwiegervater, auf einen Kellner und andere Personen unternommen. In der Gerichtsver- Handlung wurde ihm be/§ 51 zugebilligt. Der andere Inhaber der Firma ist der frühere Kriminalkommissar G e h r i ck e. Herr Gehricke ist ebenfalls sehr geeignet für diesen Posten, was sich aus der Tatsache ergibt, daß gegen ihn ein Verfahren wegen Sprit- schiebung schwebt. Im Anschluß daran wollen wir nichl verfehlen darauf hinzuweisen, daß Herr G ro venstei n, von dem wir in unserem Artikel, die.Hirsch-Polizei", gesprochen haben, aus dem Wacht- und Sicherheitsdienst ausgeschieden ist. Er hat Herrn o. Hirsch-Schwabe einen Brief geschrieben, in dem er ihm mitteilt, daß ihitt so ehrenrührige Dinge über Herrn v. Hirsch- Schwab« zu Ohren gekommen seien, daß er sich infolgedessen ge- notigt sehe, seine Stellung heim Wacht- und Sicherheitsdienst nieder- zulegen. Herr Gravenstein bittet uns ferner, darauf aufmerksam zu machen, daß er niemals der Ehrhardt-Brigade angehört hat. Er habe auch nicht die Aeußerung getan:„Juden bewachen wir nicht'" Die Abwickelungsstelle des Reichskommissarlals für Zivil- gefangene und ZlüchMnge hat ihre Geschäftsstelle von Potsdamer Straße 134«ach Lettin NW. 40, Königsplatz S. vettegt. OswerMastsbewegung Die Solschewisten gegen die Einheit. Das Berliner Bolschewistenblatt weiß zwar immer noch nichts zu sogen zu dem Beschluß des Internationalen Gewerkschaftsbundes, es verösfenllicht aber heute ein Jnprekorr-Telearainm aus Moskau, das dke Auslassungen des ,Trud" und der„Prawda" wiedergibt. Wir erinnern nochmals daran, daß der Beschluß der Gewerkschaft� internationale die Bereitwilligkeit ausspricht, mit den russischen Ge- werkschaftsvettretern eine Vorkonferenz abzuhalten, sobald die russische Gewerkschaftszemrale erklärt, daß sie den Wunsch hat, dem Internatwnalcn Gewerkschaftsbund beizutreten. Dazu bemerkt die „Trud": „.. Die Amsterdamer Exekutive hinderte durch di» Annahme der Resolution Stenhuis den Kampf um di« Ein- h e i t. Dadurch ist aber der Kampf nicht beendet. Die Arbeiterklasse brauch: die EinHeft so sehr, daß sie sich der Amster- damer Resolution nicht wider st andslos unterwerfen kann. Früher oder später wird die Einheit verwirklicht... Die.Prawda" schreibt zu dem Beschluß von Amsterdam unter anderem: .... Hierauf stimmte der rechte Flügel für die sogenannte Kompromißresolution Stenhuis, die nichts mehr und nichts weniger fordert, als die Anerkennung der Satzungen der Amsterdamer Internationale settens der russischen Gewerkschaften...." Di«.Prawda' schreibt dann weiter, daß der Kampf noch nicht beendet se: und daß der rechte Flügel nicht gewagt habe, die Engländer an ihrer selbständigen Arbeit zur Schassung der Ein- heit zu hindern. Die Amsterdamer Resolution sage nichts über da» Anglo-russische Aktionskomitee. Zu letzterem Punkte wäre zunächst zu bemerken, daß der Sekre- tär des JGB., Genosse Oudegeest, in den Pressenochrichten des JGB. bereits festgestellt hat. daß dieses sagenhaft« Komitee bisher noch keinerlei Lebenszeichen von sich gab. Es sind nicht einmal die Namen der Mitglieder des Komttees bekanntgegeben worden, so daß man berechtigte Zweifel an seiner Existenz haben kann, um so mehr. als zwischen der Auffassung der Ei gländer und der der Russen eine liefe Meinungsdifferenz klafft. Aber davon abgesehen, wird durch die Aeußerungen der beiden Moskauer Blätter klar sestgestellt, daß die Gegner der Einhett der Gewerkschaften ausschließlich in Moskau sitzen. Der Ausschuß des JGB. ist den russischen Gewerkschaften sehr weit entgegengekommen. Wenn eine Gewerkschoftsorganisation eines anderen Landes der Gewerkschoftsinternationale beizutreten beabsichtigt, dann stellt sie einen diesbezüglichen Antrag, über den in der nuchslen Dorstandsiitzung abgestimmt wird. Diesen Weg zu beschreiten, hat sich der Zentralrat der allrussischen Gewerkschaften bisher stets geweigert. Einen Antrag um Aufnahme in den Internationalen Gewerkschaftsbund hat er nie gestellt. Nun hat der Ausschuß des 2GB. den Beschluß gefaßt, vor Stellung eines formellen Antrages um Aufnahme und vor einer Abstimmung über dieses Aufnahmegesuch mit den Vertretern der russischen Ge- wcrkschoften in einer Vorkonferenz zu verhandeln, inner der Voraussetzung. daß die russischen Gewerkschaften den Wunsch aus- sprechen, in den JGB. aufgenommen zu werden. Und was erklären die bolschewistischen offiziellen Organe dazu? Man wird vergebens nach einer Aeußerung suchen, di« darauf schließen läßt, daß die Bolschewisten zu einer solchen Vorkonferenz Vertreter entsenden würden..Trud" erklärt ausdrücklich, daß die Resolution Stenhuis den K a in p f um die Einheit hindere. Damit hat das offizielle Orgeln Lesowikis den Nagel auf den Kopf getroffen. W t r wollen die Herstellung der Einheit und keinen Kampf der Arbeiter untereinander. Die russischen Gcwerk- schasten sollen genau so behandelt werde» wie die Gewerkschaften eines anderen Landes. Es wird für die amerikanischen Ge- »oertschasten, saU» sie der Geroertschastsinternationale beitreten wollen, ebensowenig ein Ausnahmerecht geschaffen werden wie für die russischen Gewerkschaften. Die Bolschewisten verlangen aber nur deshalb allerlei Sonderrechte, weil sie von der Einhett der Gewerkschaften nichts wissen wollen. Wenn sich die russischen Gewerkschaften befreit hoben werden von der bolsche- wistischen Diktatur, dann erst werden sie die Freiheit haben, einen Antrag inn Ausnahme in den JGB. zu stellen. Schiedsspruch im Holzgewerbe. Vom Deutsche» Holzarbefterverband wird uns mttgeteiltt Im Verlauf der Lohnoerhandlungen zwischen unserer Organi- satton und der freien Vereinigung der Berliner Holzindustriellen ist vom Echlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, der einen Tarif von 85 Pf. für erwachsen« Facharbeiter vorsieht. Außer» dem sollen sich nach diesem Schiedsspruch alle bestehenden Löhne und Akkord« um 8 Proz. erhöhen. Die Laufzeit dieses Lohnabkommens soll im Falle der Annahme bis zum 30. April d. I. seilt. Die er wetterte Ortsverwaltung wird zu diesem Schiedsspruch am Freitag Stellung nehmen. Die Funktionäre aller Betriebe, die dem Reichs- mantcloertrag unterstehen, werden Stellung nehmen am Montag. Die Ortsverwaltung. Die Jeme des vöM?. Di« Firma Dinse entließ 15 Arbeiter, welche ein« Lohn- «rböhung gefordert hatten. Wie üblich, machte die Firma dem Bsr- band Berliner Metallindusttieller von dieser Tatsache Mttteilung. cht» die Namen der Entlassenen anzugeben. Der DBMI. gaö d.« Mitteilung an seine Mitglieder weiter. Das hat nach den herrschen- den Gepflogenheiten die Wirkung, daß Arheiter, die von Dinse kommen, b«, keiner B e rb o n ds s i r ma«ingestellt werden, solange Dinse nicht die Beendigung des Konflikls gemeldet Hot. Einen Tag nach der Entlassung der 15 hörten bc, D: n s e zwei andere Arbeiter auf, die mit dem Lohnkonflikl in keiner Verbindung standen. Von der Firma Eanitas. wo sie Arbeit hätten bekommen können, wurden sie zurückgewiesen, well sie von D i n s e kamen. Ebenso ging es den beiden Arbeitern bc, anderen Verbandsfirmen. Sie konnten infolgedessen fett dem 15. Januar kein« Arbeit bekommen.., Beim Gewerbegericht klagten die ohne Grund boykottlerten Arbeiter auf Schodenersatz aegcn die Firma Dinse. weil diese durch ihre Mitteilung an den VBMJ. den Klägern die Möglichkelt. Arb«l zu bekommen, abgeschnitten habe. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung: Ein« spezielle Auskunft über die Kläger hat die De klagt« nicht erteilt. Die Mttteilung an den DBMI., dag 15 Arbeiter wegen Lohnforderungen ihre Entlassung genommen haben, entsprach der Wahrheit. Nack)§ 824 BGB. ist ober nur der zum Schadenersatz oerpslichtet, welcher der Wahrheit zuwider eme Tatsache behauptet oder verbreitet, die geeignet fit. Nacheeil« für den Erwerb oder das Fortkommen eines anderen herbeizuführen Di« Kläger hotten das Unglück, daß der Einstellungsbeamte der Firma Sanitos glaubte, sie gehörten zu den wogen Differenzen Entlassenen. Dafür kann die Beklagte nicht verantwortlich gemocht werdeil...„.■ Mit diesem Urteil gibt das Berliner Gewerbegericht allen Scharfmachern einen Freibrief auf schwarz« Listen, darüber hinaus sogar auch solche Arbeiter in Acht und Bonn zu tun. di« nicht«tv- mal Forderungen gestellt haben. In eigener Sache. Unterschrieben:.Lentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin", bringt die„Rote Fahne" die in unserem gestrigen Abend- blatt veröffentlichte Mitteilung, daß die Berbindlichkeitsorklarung des Schiedsspruchs von, 26. Januar sich aus Rheinland-Westfalen be.Ziehi. Außer dieser Mitteilung enthält jedoch die Notiz der„Roten �ahne" noch folgenden Satz:„Der„Vorwärts" will wahrscheinlich durch seine Mitteilung den Berliner Arbeitgebern Fingerzeige geben, wie sie vorgehen sollen in den m 14 Tagen sich in Berlin absviclenden Lohnoerhandlungen". Obwohl die Unterschrift der Zahlstelle'Berlin unter dieser schuftigen Unterstellung sich befindet, fragen wir hiermit die Berliner Zahlstellenlcitung des Zimmereroerbandes öfienllich. ob sie sich zu diesem Satz bekennt. Wir stellen diese Frage erstens, weil das„Deutsch" des zitierten Satzes den charakteristischen Stempel der Eigenproduktion der„Roten Fahne" trägt, und zweitens/ well wir nicht annehmen können, daß eine Gewerkschaft, die die Unle« stützung des„Vorwärts" in Anspruch nimmt, eine derartige bewußte Verleumdung gegen uns ausstreuen wird. Unsere weiteren Bf- Ziehungen zur Berliner Zahlstellenleitun� des Zimmcrerverbond-!. werden von der Beantwortung unserer Frage abhängen. Löhne in der bäuerischen Papierindustrie. München. 11. Februar.(Eigener Drahibericht.) In der bayer- schen Papierindustrie wurden durch Schiedsspruch des Tarif omtes die Arbeitslöhne neu geregelt und der Spitzenlohu des Betriebsarbeiters in der höchsten Ortsklosse um 2 Psg. aus 53 Pfg. und der Arbeiterin um 1 Psg. auf 3 7 P s g. dir Stunde erhöht. Diese Löhne gelten ab 2. Februar bis einschließlich 29. März. Ab 30. März bis 31. Mai erfolgt eine weitere Erhöhung. und zwar bei dem Betriebasrbeüec auf 56 Pfg. und bei der Ar- beiterin auf 39 Pfg. Beravtwcrllilb kür Volitik:«tag Reuter; Wirtschaft:«rtchor Sater-a»! Sewerkschaftsb-weauna: Zrieln. Silks-u: Feuilleton: St. fi. Döschci: Lata!:» unb LonNiqe«: Sftifc«irstädt: anjtiacn: Ich. Stocke, sämtlich in Berlin. Berlaa: Vorwärts. Berlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Pormärts-Buchdruckeret und Nerlaasanltalt Baut Singer u. Co.. DerU» SW.«8, Lindenftraste 3. Eine glückliche Familie 'II Münzstraijc 25/ Kottbuscr Damm 13/ Frankfurter Allee 54 Wir bringen der Grob-Berliner Bevölkerung Damen-, Herren- und Kinder- Schuhe, welche wir unier besonderen Umständen billig eingekauft haben, zu ganz enorm billigen Preisen, s Wir führen über 400 verschiedene Sorten in den elegantesten Luxussachen wie in den soliden Gebrauchs- und Strabenschuhen, so z. B.: Herreiutiefel kräftig. SpalUeder SSO. 4.90/ Herrenstiefel echt Boxrind 7.90, 6.90/ Orig. 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