Abendausgabe Nr. 7942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 39 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Ferufprecher: Donhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Montag 16. Februar 1925 Berlag und Anzetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin' Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Rechtsblock Bereichert Euch! eine Organisation zur Beraubung des Volkes. Die Ruhrindustrie hat vom Reichsfinanzministerium, unter der Verantwortung der Herren Luther und Strefe mann, 700 Millionen Entschädigung erhalten. 700 mil lionen Steuergelder, die der Staat dem unter der Not leiden den Bolke nur in der äußersten Notlage des Staates, nur für die Zwecke des Staates selbst nehmen durfte, sind der reichsten und mächtigsten Industriegruppe des Landes geschenkt worden. Diese Handlung ist aufs tiefste unmoralisch. Sie ist nicht in Einklang zu bringen mit der Staatsmoral. Die Herren, die für diese vom Parlament nicht kontrollierte Zuwendung perantwortlich sind, haben das Be steuerungsrecht des Staates mißbraucht, um eine Gruppe von Privat leuten zu bereichern. Man rede uns nicht von moralischer Pflicht zum Schadenersa 3! Zum Schadenersatz gehört der Schaden nachweis. Die Gruppe, um die es sich handelt, ist in der trübsten Zeit Deutschlands überreich und übermächtig geworden. Sie hat sich selbst auf Kosten des Reiches, auf Kosten des ganzen Boltes schadlos gehalten. Von allen Seiten strömten ihr Gelder zu. Wo ist ihre Abrechnung? Wo ist die Abrechnung der Regierung über die Gesamtsummen, die diefe Gruppe erhalten hat? Die Regierung überläßt es der Breffe und einzelnen Barlamentariern, diese Dinge unverhüllt offenzulegen. Allmählich rundet sich das Bild, und man erfennt, wie diese Gruppe das„ Bereichert Euch!" verstanden hat. Das Berliner Tageblatt" erwirbt sich ein großes Verdienst, daß es in diesen ungeheuren Skandal hineinleuchtet. Wir stellen in furzer Uebersicht zusammen, worum es sich Wir stellen in furzer Uebersicht zusammen, worum es sich handelt. Die Quellen der Bereicherung. An den Zuschüssen des Reichs während des Ruhrkampfes waren beteiligt das Reichswirtschaftsministerium, das Reich arbeitsministerium, das Reichsfinanzministerium. Folgende Organisationen waren dazu geschaffen worden: 1.. Die Hita. 2. Die Kredithilfe für die befehlen Gebiete. 3. Die Cohnsicherungsorganisation, 4. Die Stahlfinanzkaffe. 5. Die Bergbaukaffe. Für 1 und 2 war das Reichswirtschaftsministerium zuständig, für 3 das Reichsarbeitsministerium, für 4 und 5 das Reichsfinanz ministerium. Dazu schreibt das B. T.": Man hatte damals während des passiven Widerstandes natürlich alles Interesse daran, die Arbei ter meiter zu beschäftigen und ihnen ihr bisheriges Eintommen zu garantieren, um die Betriebe in Gang zu halten und so ziale Unruhen zu vermeiden. Insofern war die Lohnsicherung und erst recht die Erwerbslosenfürsorge berechtigt. Nicht berech tigt war die Lohnficherung für den Fall, daß die Unternehmer diese geschenkten Reichsgelder dazu benutzten, ihre Betriebe zu ergänzen. zu erweitern und Neuanlagen zu schaffen. Sind diese Fälle vorge tommen? Bielfach. Wir begnügen uns für heute, zunächst ohne Namen zu nennen, einen typischen Fall aus dem uns vorliegenden Material herauszugreifen: Ein schwerindustrieller Eisen, Stahl. und Sohlentonzern hat aus den ihm so überreichlich zufließenden Reichsgeldern( Papiermartkrediten und Lohnficherungssummen) nicht meniger als folgende Reuanlagen geschaffen: Berschiedene Walzenstraßen, eine Berzinkanstalt, eine Gas schweißerei, eine Gaszufuhrleitung in einer Länge von über dreißig Kilometern, eine Erweiterung der Gasanlage und den Neubau von zwei Direktorenvillen und den Ankauf mehrerer Häufer. Das macht, alles in allem, beträchtliche Gold. millionen aus, die für diese angeblich unproduktiven Arbeilen, lehten Endes auf Reichsfosten, verausgabt worden find. Wie der Soz. Pressedienst dazu mitteilt, handelt es sich um die Firma Thyffen. Dieselbe Firma Thyssen, die selbst ihr Vermögen auf 1 milliarde schäßt, die in der Zeit der deutschen Not um Hunderte von Goldmillionen sich bereichert hat. Die Lohnficherungen haben also dazu gedient, daß Firmen wie die Firma Thyssen immer reicher, das Volk aber immer ärmer wurde! Wo bleibt die Rechenschaftslegung?. Das Volk und der Reichstag als Bertretung des Bolles haben ein Recht, genaue Rechenschaft von der Regierung zu verlangen. Nicht nur über die Verwendung der 700 Millionen. Um diefe 700 Millionen zu verstehen und richtig zu würdigen, muß man bis ins einzelne die finanziellen Beziehungen zwischen Reich und Ruhrindustrie in der Borgeschichte dieser Entschädigung fennen. Da handelt es sich um milliarden von Goldmark. Wo bleibt die Rechenschaftslegung? Das„ Berliner Tageblatt" fragt erneut: 1. In welchen Fällen ist die„ hika", wie es unter Ziffer 6 der Richtlinien für die Kredithilfe heißt, an den Gewinnen der mit& rediten bedachten Unternehmungen wirklich beteiligt worden? 2. Welche Summen find vom Reichsarbeitsministerium direkt oder von der Reichsbank indirekt als Lohuficherungen für fogenannte unproduttive Urbeiten gegeben worden? Erforder. fich dabei ist die Angabe des Berechnungsschlüffels( Kurs der Kölner oder der Berliner Börje) und Datum des Umrechnungsturies. 3. Welche Summen find vom Reichsfinanzminifterium oder, um es ganz präzise auszudrüden, von den dem Reichsfinanzminifferium beigeordneten Finanzierungstaffen für die Stahl- und die Kohlenbergwerte gegeben worden? Erforderlich ist auch hier die Angabe des Berechnungsschlüffels( Kurs der Kölner oder der Berliner Börje) und Datum des Umrechnungsfurfes 4. Wann, wie und ob überhaupt find diese Papiermarktredite zurüdgezahlt und welche Goldmilli ardenverlufte sind dem Reiche aus diesen Lohnficherungen in bar und aus den Papiermarkkrediten erwachsen? 5. In welchem Etatstitel sind diese Berlustfummen des Reiches ausgewiesen worden? Heute wird die Denkschrift der Regierung veröffentlicht. Sie schweigt über die Vorgeschichte des 700- MillionenStandals. Sie vermeidet die Rechenschafts legung über die Zuwendungen des Reichs an die Ruhr industrie während des Ruhrkampfes. Die politischen Tatsachen sind die folgenden: als der Rechtsturs in Deutschland gesichert schien, haben Reichsbehörden der Schwerindustrie des Ruhrgebiets ein Gefchent von 700 millionen gegeben. Sie hätten es niemals gewagt in einer Regierung, in der Sozialdemotraten saßen! Um den Rechtsblod in den Sattel zu heben, haben die Schwerindustriellen die Rechtsparteien, die Deutschnatio nale Partei und die Deutsche Volkspartei bei den Wahlen finanziert. Die Millionen, die sie gegeben haben, haben hundertfachen Zins getragen Sie haben mit wenigen Wahlmillionen Hunderte von Millionen getauft. Die von der Schwerindustrie finanzierten Parteien bilden den Rechtsblod. der unter dem Feldgeschrei: Keine Sozial demokraten in die Regierung! freie Bahn schaffen will für die brutale, räuberische, in notdürftig gefeßliche Formen gekleidete und doch gefeßlose Ausplünderung des Volkes. Das ist der Sinn der Rechtsblockpolitik. Nieder mit dem Kontrollrecht des Parlaments! Pfeift auf das Wohl des Staates und des Bolkes! Bereichert Euch! Bereichert Euch! Gemeindewahlen in Braunschweig. Der Rechtsblod büßt 4300 Stimmen ein. Braunschweig, 16. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fanden im Freistaat Braunschweig die Stadtverordneten und Gemeinderatswahlen statt. Das vorläufige Ergebnis der Stadtverordnetenwahl in der Stadt Braunfchweig ist folgendes: Sozialdemokraten 29 933, Kommunisten 5074, Demokraten 2639, Wirtschaftspartei 14 505, Nationale Einheitslifte 27 313, Bund der Invaliden und Witwen 838, Liste Volkswohl 1843, Nationalsozialisten 286. Die Wirtschaftspartei hatte ihre Liste mit der nationalen Einheitsliste verbunden. Bon den 35 Sigen des Stadtparlaments hatte bisher die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 13, Demokraten 6, Mieter 1, Sozialdemokraten 14 und Kommunisten 1 inne. Das neue Stadtparlament wird sich zusammensetzen aus 13 Sozialdemokraten, 2 Kommunisten, 1 Demokrat, 6 Wirtschaftsparteilern, 12 Vertretern des Rechtsblocks und einem Bertreter der Cifte Bolfswohl. Die vereinte Rechte, deren Wahlreklame der Stahlhelm übernommen hatte, büßte gegenüber der Wahl vom 7. Dezember 4300 Stimmen ein, während die SPD. nur 1200 Stimmen verfor. Der Berluft ist auf schlechtere Wahlbeteiligung zurückzuführen. Im Laufe des Wahlfonntags iff es mehrfach zu Zusammenstößen, vor allem zwischen Stahlhelmjüngern und Kommunisten gekommen, so daß die Polizei verfchiedentlich eingreifen mußte. Braunschweig, 16. Februar.( WTB.) Bei der Stadtver. ordneten wah! wurden abgegeben in Helmstedt für die Sozialdemokraten 3014, Kommunisten 424, Invalidenbund 448, Unpolitische Lifte 1501, Liste Zentrum und Demokraten 1529. Bereinigte Wirtschaftsgruppen 2578 Stimmen, in Wolfenbüttel für die Sozialdemokraten 2373, Kommunisten 1053, Bürgerliche Einheitsliste 4791, Mittelstandsliste 792 Stimmen. Braunschweig, 16. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der Stadt Braunschweig stieg bei den Stadtverordneten der Anteil der Sozialdemokratie an der Gesamtstimmenzahl von 26 Broz. am 4. Mai und 35,5 Proz. am 7. Dezember auf 36,3 Prog. Während die Sozialdemokratie seit der Maimahl ihren Anteil an der Stimmenzahl dauernd steigern konnte, geht die PD. it ándig zurüd. Am 4. Mai erhielt sie in der Stadt Braunschweig 11 Broz. aller Stimmen, am 7. Dezember 6,3 Proz. und am 15. Februar nur noch 6,1 Pro3. Auch die Stim menzahl der Rechtsparteien fant von 54,5 Proz. am 4. Mai und 52,6 Proz. am 7. Dezember auf 51 Broz. am 15. Fe bruar. Der jetzige Nationalsozialist Sepp Derter erhielt am Sonntag noch ganze 289 Stimmen und ist damit endgültig erledigt..Das Wahlergebnis in der Stadt Wolfenbüttel ist folgendes: Cozialdemokratie 4 Size, Kommunisten 2, bürgerliche Einheitsliste 8 und Mittelstandsliste 1 Siz. In der Stadt Blankenburg erhielten die Sozialdemokraten 4 Sitze, die Komunisten 1, die bürgerfiche Arbeitsgemeinschaft 5, der Mittelstand 4 und der Rentnerbund 1. Im Harzkreis Blankenburg haben die Sozialdemokraten die mehrheit errungen; von 11 Streisratsmitgliedern stellt die SPD. legs! Der Aufmarsch der Landwirtschaft Die Zollkampagne der Großagrarier. Wieder ist die Große Landwirtschaftliche o dh e, die vom 15. bis 21. Februar dauert, begonnen wor den. Das Ereignis, das alljährlich die Führer landwirtschaftlicher Berufsorganisationen zu einer großen Zahl fachlicher Aussprachen, aber auch politischer Rundgebungen zusammenführt, gewinnt diesmal eine besondere Bedeutung durch die immer unverhüllter hervortretenden Macht be strebungen der Reaktion, deren stärkste Träger die Führer der Großlandwirtschaft sind. Schon am Sonnabend haben die preußische Hauptlandwirtschaftskommer und der Reichslandbund die Deffentlichkeit mit einer Reihe von Refolutionen beglückt, die zeigen, wohin der Kurs geht. 2 bbau der Vermögenssteuern, Erhöhung der Berbrauchssteuern, 3oll- und Steuerfchug für die Groß= landwirtschaft, das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den sachlichen Wünschen, die hier vorgetragen wurden. Dar über hinaus ergeht sich die Entschließung des Reichslandbundes in einer offenen Auflehnung gegen den parlamentarischen Gedanken: „ Die Staatsvernunft verlangt die Beseitigung der Alleinherrschaft von parlamentarischen und Finanzcliquen, die unter der Maske des Massen willens unfer Staatswesen in schmarozerhafter Weise aussaugen. Die Schaffung einer gleichberechtigten weiteren Kammer, die alle geistigen, fulturellen und wirtschaftlichen Gruppen des deutschen Volkes gebührend vertritt, ist dringend geboten. Staaten werden nur durch die Kräfte erhalten, durch die sie groß geworden sind." So heißt es in der Resolution des Reichslandbundes. Hinter den schlüssigen Phrasen verbirgt sich die unverhohlene Forderung nach der Beseitigung der Demokratie durch die Einführung eines ständischen Parlaments. Die landwirtschaftliche Presse, die eine Reihe von Begrüßungstartikeln veröffentlicht, ist ganz auf den hohen Ton gestimmt: der Bauer ist der erste Mann im Staate. Kein Wort davon, daß die weit überwiegende Mehrzahl des deutschen Bolles heute ihr Brot durch die industrielle Produktion findet; kein Wort davon, daß nur innigstes hand- in- hand- Arbeiten von Industrie und Landwirtschaft die Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähig keit des Volkes bringen fann. Selbstverständlich schweigt man auch darüber, daß gerade das Gedeihen des Bauernstandes von der Zahlungsfähigkeit und auftraft der Arbeiterschaft in hohem Maße abhängt. Man hat Grund, diese Dinge zu verschweigen. Denn mit ihrer Erfenntnis würde das ganze Programm, das sich die Groß landwirtschaft unter Führung des Reichslandbundes gestellt hat, in sich zusammenbrechen. Haben doch wissenfchaftliche Autoritäten von höchstem Rang übereinstimmend festgestellt, daß die Getreidezölle feineswegs eine Förderung der Landwirtschaft bedeuten. Borübergehende Vorteile bringen sie höchftens der Droßlandwirtschaft, jedoch zum Schaden der dauernden Produktionsfähigkeit. Der Bauer aber, dessen wirtschaftliche Lage vornehmlich bestimmt ist durch billige Gestehungskosten für Bieh und Biehprodukte, hat von dem jegt propagierten lückenlosen Schutzzoll nur Nachteile. Den großen landwirtschaftlichen Organisationen ist also der Bauer gar nicht ,, der erste Mann im Staate"; ihnen liegt nur der private Borteil der Großgrundbefizer am Herzen. Das den beiten Bauernmassen zu verheimlichen, die Zollschutzfampagne bis zum äußersten zu entfalten, das ist der Sinn der großen Tagung! Bezeichnend genug ist es, daß diese Forderungen von der Reichsregierung bereits in weitgehendem Maße geteilt werden. Reichskanzler Luther hat auf der Königsberger Oftmesse bereits ein tiefes Kompliment vor der Landwirtschaft gemacht. Selbstverständlich fonnte hinter ihm ein Mann nicht zurückstehen, der als Beauftragter der Deutschnationalen heute den Posten des Reichswirtschaftsministers bekleidet. Herr Neuhaus nahm Gelegenheit, in einer öffentlichen Rede vor den Ehrengästen der Königsberger Messe einige Aufschlüsse über die Zolltarifnovelle zu geben, die den hochschutz 3öllnerischen Charakter diefer bisher geheim ge haltenen Borlage nach drücklich betonen. Weder um die gegenwärtige Wirtschaftslage noch um die allgemeine Preislage dürfe man sich fümmern, wenn man Schußzölle einführen wolle, meint Herr Dr. Neuhaus. Wirtschaftliche Tatsachen sind also wir verzeichnen das mit Genugtuung für die Schutzzollabsichten der Regierung nach feiner Richtung hin maßgebend. Die Vorlage müsse so beschaffen sein, daß sie die berechtigten Schußintereffen aller wirtschaftlichen Kreise Deutschlands ausreichend berückfichtige." Hat Herr Neuhaus auch daran gedacht, daß ein derartiger Gesichtspunkt die Arbeiterschaft zu der Forderung veranlassen fönnte, Schuhmaßnahmen gegen die Ronkurrenz ausländischer Arbeiter und Lohndrücker zu verlangen, wie sie jetzt und seit jeher von der deutschen Landwirtschaft in Anspruch genommen wurden, wie sie unter anderem kürzlich die Bauunternehmer für ihren immer noch unter starfer Arbeitslosigkeit leidenden Gewerbezweig gefordert haben? Wenn die Arbeiterschaft diefe Forderung in solchem Zu fammenhange nicht stellt, so geschieht das nur deshalb, weil ein Unsinn nicht dadurch besser wird, daß man ihn selbst auch macht. Herr Neuhaus hat mit Recht darauf hingewiesen, daß unsere Boll- und Handelsvertragspolitik uns wieder den Beltmartt öffnen müsse. Wie das möglich ist, wenn mir uns, unbefümmert um die Rücksicht auf Handelsvertrags- Aber schon eine flüchtige Durchsicht bietet zu einigen, Richter hat nicht mie beim Haftbefehl bas Recht auf eigene Brüfung abschlüffe, mit einer nur von innerpolitischen Rüdfritischen Bemerkungen Beranlaffung. Biele Wochen hindurch ist der Gründe. fichten diftierten Schuzzollmauer umgeben, das ist von der Reichskanzlei die reaktionäre Presse mit der unwahren Der Antrag auf Boruntersuchung gegen Justizrat Werthaner einigermaßen rätselhaft. Kürzlich hat Professor Jastrow sehr mitteilung gespeist worden, die sozialsemotratifchen war gleichzeitig mit dem Antrag auf deffen Berhaftung gestellt. mit Recht betont, wir müßten in unserer Handelspolitik alles minister feien für die letzten Ruhrentschädigungen mitver. Der Richter hat den von ihm zu prüfenden Haftanirag ab vermeiden, was nach außen hin den Schluß zuließe, daß antwortlich. Die Dentfchrift verzichtet darauf, gelehnt. Die Boruntersuchung mußte er eröffnen, auch wenn er wir uns vom Weltmartt absperren wollten. Hierzu diese Lüge zu wiederholen. Ihre Darstellung beginnt er st von der völligen Unschuld der Angeschuldigten feft überzeugt war. gehören in allererster Linie die Getreidezölle. Herr mit der Zeit nach Abbruch des passiven Wider. Die Staatsanwaltschaft hat, nachdem durch den Justizminister eine Dr. Neuhaus, der sich um wissenschaftliche Gründe ebensowenig ist andes. Damit wird zugegeben, daß der sozialdemokratische Reichs forgfältige Nachprüfung feitens des Generalstaatsanwalts angeordnet fümmert wie um wirtschaftliche Tatsachen, hat in Königsberg finanzminister Dr. Hilferding überhaupt nichts mit der Angelegen war, sich bei der Ablehnung ihres Haftantrags durch den Richter die Agrarzölle grundsäglich gutgeheißen. Die Fachminister heit zu tun hat. Aber auch die Behauptungen bezüglich der übrigen beruhigt. Ich muß es als des Bürgerblockkabinetts scheinen große Eile damit zu haben, sozialdemokratisechn Reichsminister fallen in sich zusammen, weil aus ihre Unfähigkeit vor aller Welt zu dokumentieren. der Darstellung flar ersichtlich ist, daß die damaligen Berhandlungen des Reichskabinetts sich nur auf die Lieferung auf Grund der Micumverträge bezogen, nicht aber auf das Gesamtproblem der Ent# Im übrigen aber wird die Denkschrift diejenigen enttäuschen, die geglaubt haben, daß die Reichsregierung neue Gesichtspuntte zur Rechtfertigung ihres Berhaltens bringen würde. Die beschleunigte Erstattung wird damit zu begründen versucht, daß die Reparationsleistungen sehr viel größer gewesen sind, erheblich länger durchgeführt wurden, als man ursprünglich angenommen hatte. Nachdem die Reichsfinanzen sich gebeffert hatten, seien deshalb die Voraussetzungen gegeben gewesen, um die Verpflichtungen des Reichs gegenüber der Wirtschaft des besetzten Gebiets abzudecken. Daß die Reichsregierung mit der Auszahlung dieser Riesen beträge gese zwidrig gehandelt hat, wird beftritten. Die Regierung habe entsprechend§ 33 Abs. 1 der Haushaltsordnung gehandelt. Man könnte diesen Eifer nicht begreifen, wenn nicht längst bekannt wäre, daß bie Bollwünsche der Agrarier in entschei dender Weise von dem Wunsche bestimmt sind, die wirtschädigung. fchaftliche und politische Machtstellung des reaktionären Großgrundbefizes wieder hers zustellen. Aus den bisherigen Kundgebungen der Landbündler ergibt sich das mit aller Klarheit. Sie erkennen ganz deutlich, daß ihre wirtschaftlichen, auf die Privilegierung des Großgrundbesiges hinauslaufenden Forderungen im frassesten Gegensatz zu den gesamten wirtschaftlichen Er fordernissen stehen. Denn ein Bolt, das auf dem Beltmarkt fonfurrenzfähig sein will, bas dazu einen starken Inlandsmarfi und eine lebhafte Beschäftigung der Industrie braucht, muß in erster Linie billiges Brot haben. Die Höhe der Lebensmittelpreise bestimmen auf die Dauer bis zu einem hohen Grade die Produktionskosten der Industrie. Rann man es doch der Arbeiterschaft in feinem Falle zumuten, zu den übrigen ihnen zugedachten Steuerlaften noch den 3oll auf Brotgetreide zu tragen, und das obendrein bei Löhnen, die weit hinter denen des Auslandes zurüdstehen. Einseitige Bevorzugung der Großlandwirtschaft also bedeutet auf lange Sicht hinaus eine Schmälerung ber industriellen Produktionsfähigteit und Dor allem unseres Barenerportes, deffen Steigerung bei einem Defizit der Handelsbilanz von rund 50 Proz. der Ausfuhr zwingendes Gebot ist. Es ist daher nicht mehr als fonfequent, obfchon auch im Interesse der Gesamtwirtschaft widersinnig, wenn die Organisationen der Großlandwirtschaft ebenso hartnäckig an der Forderung nach Getreide zöllen festhalten, wie sie jedes Zugeständnis bei Handelsvertragsverhandlungen auf Kosten der Landwirtschaft ablehnen. Aber hinter alledem verbirgt sich nur der rüdsichts: lofe Wille zur Macht, zur Wiederherstellung des Klassenstaafes, zur Bernichtung aller demofratifchen Einrichtungen, die das deutsche Bolt im Gefolge des militärischen Zusammenbruches im Weltfriege fich gefchaffen hat. Die Arbeiterschaft tut gut. aufzumerken auf das, was die landwirtschaftlichen Organisationen jetzt auf ihr Programm schreiben.„ Beseitigung parlamentarischer und finanzieller Kliquen", sagt man, Auslieferung ber Regierung an die reaktionäre Minderheit meint man. Und dieses Streben findet nur allzuviel Unterftügung bei jenem Teil der Arbeiterschaft, der auf Mostauer Befehl seinerseits alles tut, um die Bertreter der Demokratie in Deutschland zu bekämpfen, den Kommunisten. Man muß den Großagrariern dankbar sein, daß sie jetzt mit aller münschenswerten Deutlichkeit zeigen, worum es ihnen geht. Die Sozialdemokratie mird daraus ihre Schlüsse zu ziehen wiffen an Die Ruhrdenkschrift der Regierung. Kritische Vorbemerkungen. Die lang angefündigte Dentschrift der Reichsregierung über die Ruhrschäden ist ebnlich heute gegen Mittag dem Reichstag zugegan. gen. Sie ist 84 Seiten start, wovon allerdings fast 60 Seiten auf die Wiedergabe pon Dofumenten entfallen. Eine ausführliche Be sprechung der Denkschrift müssen wir uns selbstverständlich por: behalten. Ich träume... Aus dem literarischen Nachlaß von Kurt Eisner. Wenn die Leute ihre Traumgedanken drucken lassen, so wollen fie gemeinhin allerlei poetisches Eacharin über die Grenzen der Wirklichkeit schmuggeln. Ich träume ganz nüchterne Proja aus der Beitung einer Zukunft, in der es ein eifriges Geschäft der Staatsanwälte fein wird, Menschen wegen politischer Täuschungsversuche und Vorspiegelungen zu nerhaften.... Ich träume... * Auf der Straße murde gestern ein Greis in erschöpftem Zustand aufgefunden. Man ist auf der Spur der Frevler, die durch soziale Pflichtversäumnis das Verbrechen verschuldet haben. Der Berliner Zoologische Garten ist durch ein höchst interessantes Exemplar der osteuropäischen Fauna bereichert worden: einen preu Bifchen, Junter. Es scheint das einzige Exemplar einer ausgestorbenen Raffe zu sein, die einmal der Schrecken der Gegend gewesen fein soll. Die feltene Strafe einer Berbannung wurde gestern von dem höchsten Gerichtshof ausgesprochen. Der Berurteilte hatte Einzelheiten über Liebesbeziehungen einer Bürgerin erzählt. # Die 200 Familien der ehemaligen Aristokratie, deren Gold man das erbliche Recht auf Bezug von Arbeitserzeugnissen gefaffen hatte, weil sie ohne dieses Privileg angesichts ihrer Entartung und Arbeits: unfähigkeit hätten verhungern müssen, sind dem Erlöschen nahe. Sie weigern sich, Kinder in die Welt zu setzen, um sie nicht der Schande auszuliefern, von ihrem Reichtum zu leben. # 3 Die Bogenzahl, die ein Schriftsteller innerhalb 10 Jahren drucken d herausgeben darf, wurde vom Barlament auf 24 festgelegt. Eine borgeschrittene Minderheit wünschte die Frist auf 20 Jahre zu er höhen, weil es unmöglich fei, innerhalb 10 Jahren 24 Bogen reifer, geistiger Erzeugniffe hervorzubringen. Nachdem nunmehr die Erfindung geglückt ist, die im Schlafe ge lekete Phantafiearbeit unmittelbar automatisch in Wirklichkeiten umzusetzen, ergeht an das gesamte Bublifum die dringende Mahnung, bei den Träumen die äußerste Vorsicht und Besonnenheit walten 3u laffen. $ Noch bezeichnender aber ist die Tatsache, daß die Regierung auf alle übrigen Fragen, insbesondere auf die Frage der An rechnung bereits früher erfolgter Leistungen eine Antwort gibt. Das gleiche gilt von der Lohngestal. tung und der Arbeitszeitverfängerung und dem Ab bau der sozialen Lasten. Darüber schweigt sich die Dentschrift völlig aus. Ungenügend ist auch die Antwort bezüglich des Gewinns aus den erhöhten Roblenpreisen. Man fann fich deshalb auch darüber nicht wundern, daß über die Unter verteilungen der Ruhrentschädigungen die Denkschrift eine Auskunft gibt. Strafanzeige gegen den Staatsanwalt. Gegen die Pressekampagne der Staatsanwaltschaft. Justizrat Dr. Löwenstein, der Vorsitzende der Strafrechtlichen Bereinigung der Berliner Anwaltschaft, schreibt uns: = „ Der Amtliche Preußische Pressedienst verbreitet die ihm von zuständiger Stelle" zugegangene Nachricht, daß auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den Abgeordneten ange Segermann wegen Anschuldigung der un treue und es Betruges zum Nachteile des Reichspoftfistus so wie gegen die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Engelbert wegen der Anschuldigung des in Gemeinschaft mit Kutister gangenen Betruges zum Nachteil der Seehandlung die gerichtliche Boruntersuchung eröffnet worden sei. eine gesetzwidrige Irreführung der öffentlichen Meinung bezeichnen, wenn durch die zwei Tage nach Ablehnung des Haftantrags erfolgte amtliche Bekanntgabe des die Boruntersuchung er öffnenden Beschlusses der falsche Anschein erweckt wird, als ob das Gericht sich nachträglich von der Begründetheit der seitens der Staatsanwaltschaft erhobenen Anschuldigungen überzeugt habe, während in Bahrheit nichts Neues geschehen ist, antrages die Boruntersuchung eröffnet hat, wozu er ohne eigene und der Richter lediglich zugleich mit der Ablehnung des Haft Prüfung gefeßlich verpflichtet war." Aus dieser Erklärung des Verteidigers Justizrat Berthauers geht hervor, daß von seiten der Anwälte Werthauers gegen die geht hervor, daß von seiten der Anwälte Werthauers gegen die Staatsanwaltschaft eine strafrechtliche Verfolgung an gestrengt und eine disziplinarische Verfolgung beantragt worden ist. Die Betrogenen wehren sich. Die gestrige Protestversammlung des Hypotheken. gläubiger und Sparerschuhverbandes, Gau BerlinBrandenburg, gestaltete sich zu einer Rundgebung gegen die gewissenlose Politik der Deutschnationalen. Die Deutschnationalen und Deutschvölkischen hatten den durch die Inflation vollständig aus. geplünderten Mittelständlern versprochen, in der Regierung und den Barlamenten sich für schärffte Aufwertung der entwerteten Reichs und Staatsanleihen, sowie der Pfandbriefe und Hypotheken einzufeßen. Auch die Mitglieder des Sparerbundes hatten auf Grund der großmäuligen Bersprechungen treu und brav deutſchnational gewählt. Es ist bei dem schönen Wollen geblieben, und die enttäuschten deutschnationalen Sparer haben gestern ihrem empörten Herzen in draftischer Beife Luft gemacht. Insbesondere der Hauptreferent Professor Dr. Meyer aus Heidelberg fand die schärfsten Worte der Entrüstung und Empörung gegen die Rechtsregierung, die unerbittlich an einer Aufwertung von höchstens 15 Proz. festhält. Der Redner erklärte, daß man nicht mehr gewillt, sich durch Berhandlungen hinhalten zu lassen. Ale Argumente gegen eine höhere Aufwertung sind nicht stichhaltig, speziell der Einwand, es jei fein Geld da, ist eine faule Ausrede. Großindustrie und Landwirtschaft haben sich unermeßlich auf Kosten der fleinen Sparer bereichert, und legthin hat die Ruhrindustrie noch 700 millionen Mart bekommen. Die Aufwertungsfrage ist fein Rückzahlungsproblem, sondern ein Anerkennungs- und Berbezinfungsproblem. Die Prozentfagabfindung ist undiskutabel. Auch der neue Gesezentwurf über das Auswertungsproblem sei unannehmbar, da es sich faum von der 3. Steuernotverordnung unterscheidet. Es wird der Regierung und den Barlamenten der schärffte Kampf angesagt. Sollten Regierung und Reichstag den Bestschen Entwurf nicht annehmen, so soll in der Aufwertungsfrage ein Bollsentscheid herbeigeführt werden. Nach§ 17 des Reichspreßgesezes dürfen amtliche Schriftstücke eines Strafprozesses, und dahin gehört auch der Beschluß über Eröffnung der Boruntersuchung, ihrem wesentlichen Inhalt nach durch die Bresse nicht eher veröffentlicht werden, bis dieselben in öffentlicher Berhandhing Rund gegeben sind, oder das Verfahren sein Ende erreicht hat. Die Suwiderhandlung ist strafbar. Die amtlich verbreitete Nachricht stellt daher eine neue schwere und überdies ftrafbare Indistrefion der mit der Behandlungen des Falles betrauten Behörde dar, deren Strafrechtliche und isziplinare Ahndung in die ege geleitet worden ist. Im übrigen sei zu dieser die Betroffenen in ihrer Ehre und ihrem Beruf schwer schädigenden Publikation folgendes bemerkt: Die Eröffnung der Boruntersuchung muß nach dem Gefeß§ 160 Strafprozeßordnung vom Untersuchungsrichter in dem Umfange an geordnet werden, wie die Staatsanwaltschaft es beantragt. Der Kunststreben der jungen Generation. Ein nicht sozialisiertes Theater wird immer ein Geschäftstheater jein. Die Auswahl der Stücke und Schauspiele richtet sich nicht nach dem künstlerischen Wert, sondern nach dem voraussichtlichen Kassenerfolg. Der Künstler mit ehrlichem Willen fühlt sich degra diert, wenn er jo gezwungen wird, dem Geschmack des Publikums schaffen, schlugen feht. Nur die Junge Bühne" hielt ftand. nachzulaufen, statt ihn zu bilden. Versuche, hierin Bandel zu Eie ist eine Arbeitsgemeinschaft von Dichtern, Schauspielern und Regiffeuren, die ihre Kraft dem großen Wert unentgeltlich zur Berfügung stellen. Dem ernsten Streben der Vereinigung, deren geistiges Haupt Morig Seeler ist, verdanken wir die Aufführungen Batermord" und" Anarchie in Sillian" von Arnolt Bronnen, " Olympia" von Ernst Weiß, Ueberteufel" von Effig und gestern Brantraz erwacht" oder„ Die Hinterwäldler" von Karl Zuckmayer. " Der Erfolg dieses Stüdes aus dem fernen Westen". dessen Uraufführung im Deutschen Theater stattfand, war starf umstritten. Es zeigt, mit gewaltigem dramatischen Wollen gestaltet, die Tier- und Triebhaftigkeit von Menschen, die irgendwo fernab der Zivilisation in Abgeschiedenheit hausen und nur auf sich angewiesen find. Extreme plazen aufeinander, Leidenschaften toben. Ewiger Kampf um das Weib und um Geld. Der Trieb ist stärfer als das Gefeß, der Bater schändet die Tochter und ermordet sie, und hält doch mit wütender Zähigkeit an seinem verfuschten Leben fest. Aehnlichen Stoff behandelt D'Neill in seinem Einafter unter dem faribischen Mond", der in der Volksbühne gespielt wurde. D'Neills Bilder sind lebenatmender, Zuckmayer ist efstatischer und Unverkennbar aber seine packende Gestalstellenweise verworren. tungskraft, die in mächtigem Wurf Bilder von bleibendem Eindruck schafft. " Unter den Darstellern war keiner, deffen Spiel nicht fünftlerischen Genuß bereitet hätte. Walter Frand, Rudolf Forster, Leonhard Steckel und Gerda Müller waren die hervorstechendsten. Hätte der Regiffeur den technischen Apparat besser in der Hand gehabt--der Szenenwechsel ging zu langsam- so wäre auch ihm uneingeschränktes Lob zu ſpenden. Das Publikum geriet manchmal in eine aufgeräumte ülfftimmung, die hier deplaziert war. Man pfiff, man johlte, man schrie. es wäre Karl Man, aber der Beifall behielt Dgr. die Oberhand. Paralysol und Barmathol. Einen entzückenden Hereinfall eines Fachblattes registriert die Wiener Arbeiter- Zeitung". Das mit Alwiffenheit und Informationen dictuende Wirtschaftsorgan„ Die Börje" bringt einen„ Ein industrieller Raubmord" betitelten Artikel, der den Zusammenbruch der Rütgers A.-G. behandelt. Das Kern stück dieses Artikels, eine Zuschrift eines( angeblich) ehemaligen ChefAus alten Quellen erfährt man von drei schrecklichen Seuchen: chemikers der Rütger A.-G. spricht von einem Geheimkabinett, das Hunger, Wohnungsnot und Arbeitsqual. Belcher Art diese Krant- zum Vorteil gewisser Intereffenten systematisch auf den Ruin des beiten gewesen sind, was die Krankheitserreger waren, hat sich bisher Unternehmens hingearbeitet habe. Dann heißt es:„ Die Ende 1920 allen Bemühungen der Forschungen entzogen. Auch neuerliche Labo- fertiggestellte hochmoderne Imprägnierungsanlage für eiche ne Ridialholznieten und drehbare Schwellen war mit ratoriumsversuche, Hungergefühle Aufträgen überhäuft.... Inzwischen reifte der Plan zur Errichtung einer Paraffinzündholzfabrit nach italienischem System. Da die gemäß den alten Schilderun en an ermeden, blieben ergebnislos. Die Zukunft des Parlaments und der Boltsvertreter hängt bonon ab, wie sie sich zur Aufmertungsfrage stellen. Wenn die Barlamentraier nicht das leisten, mas man von ihnen verlangt fo mird der Sparerbund eigene Abgeordnete in den Reichstag entfenden, Am Schluß der Rundgebung wurde eine scharfe Resolu tion gegen die haltung der Reichsregierung in der Frage der Aufwertung und ihr beharrliches Festhalten an der 3. Steuernotverordnung angenommen. Ferner wurden die Barteien ( Deutfcnationale, Bolfische, 3entrum) ermahnt, ihren Wahlversprechungen nachzufommen und sich für die Wünsche der Sparer einzusetzen. Ronzeffionierung auf Schwierigkeiten stieß, half man sich mit einer jogenannten Bersuchsanlage in großem Stile, die aber nur dann rentabel sein konnte, wenn die Nebenprodukte entsprechend aus. gewertet wurden; dies geschieht in der Weise, daß die durch Abpaltung der Vertikalhölzer bei den Großrinder. maschinen gewonnenen sogenannten Schwarten nach Berfegung mit einer falorischen Baralyfollösung direkt in die fahren im Einzelschnitt, sondern durch schwingende SpannAuswuchtmaschine gelangen und nicht wie beim schwedischen Berrollen in einem ungeheuer ökonomischen Arbeitsprozeß die Ber schweißung der Zündstreifen mit der Schachtel vornehmen." Und so geht es fort mit Grazie und im wirriten Durcheinander aller mög lichen technischen Fachausbrücke Reines Baralyfol Zum Bara Insol gesellt sich übrigens im weiteren Berlauf ein hochattuelles Barmathol. Es ist ferner die Rede von Residualparaffin, das durch Glühtopfmotoren" elettrolntisd) ertrahiert wird, pon Lokomotivvergasern und schließlich von der amerikanischen Firma James Strewhead, was zu deutsch„ Strohtopf" heißt. Der Die Ergebnisse der neuesten Erpedifion von Kozlow. ruffische Forschungsreifende General Kozlow, der por furzem pon feiner fünften Erpedition nach Innerasien nach Betersburg zurüdtehrte, gab in einem Bortrag einen Ueberblid über die Ergebnisse feiner neuesten Forschungen in der„ toten Stadt" Chara- Choto. Er hat drei verschiedene Gruppen von alten Begräbnisplägen untersucht und in den Grabhügeln Anlagen gefunden, die 2000 Jahre alt find. gebaute hölzerne Grabfammern, die Häusern mit zwei oder drei Die Grabhügel find 30 bis 40 Fuß tief und enthalten merkwürdig Stockwerten ähneln. Bei der Tiefe war die Temperatur um den Nullpunkt herum, und da der Boden in der Wüste sehr trocken ist, war der Inhalt vortrefflich erhalten. Man fand feidene und wollene Gewebe, tunstvolle Teppiche, Gobelins mit eingeftidten Menschenstände mit Bronze- und Goldschmuck von hohem fünstlerischen Weri und Tierfiguren und uralte Schriftstücke. Außerdem wurden Gegenfanden sich in den Gräbern. Manche dieser Funde sind einzigartig ans Licht gefördert. Auch lange schwarze 3öpfe von Frauenhaar und ziehen den Borhang von einem bisher unbekannten Teil in der Geschichte der Menschheit". Man fonnte Einflüsse der indischen, byzantinischen und sogar griechischen Kunst feststellen. Ein großer Teil der Funde ist bereits in Moskau und Petersburg angelangt: mehr als 20 Riften sind noch unterwegs. Auch große botanische unt zoologische Sammlungen hat Rozlow mitgebracht. " Mathilde Mann, eine unserer besten Uebersegerinnen aus den standi navischen Sprachen fle hat 1. a. auch Rerös Belle" übertragen it in o ft od geftorben. Frau Mann war efter an der Univerſitä in Rostod und wurde von der Universität fürzlich erst zum Dr. phil ehrenhalber ernannt. Museenbesuch bei Mufit. In den deutschen Galerien und Museen wa bisher der Besuch nur während der Tagesstunden üblich. Dadurch war vieler Menschen, die im Berufsleben stehen, die Möglichkeit genommen, auch in die Wufcen zu fommen. Nunmeyr bat man in Frankfurt a. M. aus Abend heluche eingerichtet. Während der Abendstunden, in denen das Mu'eun Besuchern offen steht, wird flaffische Mufif geboten. Für eine internationale Radiofonferens bewilligte der amerikanisch Kongres 75 000 Dollar. Etwa 50 Staaten sollen eingelaben werben. " Während der ganzen Rundgebung fchente man sich, den Namen der Bartei auszusprechen, die diesen plumpen Bolfsschwindel begangen hatte. Es war meistens von dem Neutrum Bolfsvertreter" die Rede, obgleich jeder Hellhörige fofort wußte, daß es sich um die Deutsch nationalen handelt. Aus der Versammlung murde zahlreich der Ruf nach dem Gesetzgeber der Sparer, Dr. B e ft, laut; doch über Dr. Bests Lippen fam fein Sterbenswörtchen, und der Wunsch der Versammlung, Dr. Best sprechen zu hören, blieb unerfüllt. Der Herr ist nämlich deutschnational. Handelskrieg mit Rumänien. Die schon seit einiger Zeit sehr gespannten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Rumänien haben eine starte Jufpihung erfahren. Die rumänische Regierung hat, um einen Drud auf Deutschland auszuüben, deutsches Eigentum in Rumänien mit Beschlag belegt. Man muß damit rechnen, daß deutsche Bergeltungsmaßnahmen ergriffen werden. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat feine Ausführungen in der heufigen Sigung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags heute nachmittag wegen diefer Borgänge plöhlich abgebrochen. Eine amtliche Darstellung foll im Laufe des heutigen Tages die Deffentlichkeit über den deutsch- rumänischen Handelstrieg weiter aufklären. Bis zum Redaktionsschluß diejes Blaffes war fie jedoch noch nicht erschienen. Die„ Untreue" des Landrats. Eine deutschnational- völkische Verleumdung zusammen. Oktober v. gebrochen. Am letzten Sonnabend ist in Neu- Strelig durch die Straffammer ein Unrecht wieder gut gemacht worden, daß gegen unseren Parteigenoffen, den Landrat Dr. Foth, Anfang J. vor dem Schöffengericht geübt wurde. Dieses Schöffengericht hatte auf die Denunziation eines völft fchen Rechtsanwalts hin den sozialdemokratischen Beamten megen Betrugsperfuches und Untreue im Amte zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Hatten schon vorher die Berdächtigungen gegen Foth in der ganzen deutschnationalen und deutschvölkischen Bresse einen breiten Raum eingenommen, so gab das schöffengericht. liche Urteil erft recht Anlaß, über die sozialdemokratische Mißwirt schaft zu orakeln. Die Ursache zu dem Prozeß war von geradezu lächerlicher Bedeutungslosigkeit. Dr. Foth war seinerzeit von Berlin nach Streliz berufen, um das dortige Amt zu verwalten. Ihm stand die 10 3 immer umfassende Amtswohnung sei nes Vorgängers zur Verfügung, von der er jedoch nur einen Teil für sich in Anspruch nahm, mehrere andere Zimmer aber dem Amt für Bureauzwecke überließ. Bor seinem Einzug mußte die Wohnung auf Kosten des Amtes, das vertragsmäßig die Aufwandsentschädigung zu tragen hatte, renoviert werden. Ein Beschluß des Amtsausschusses, der die Mittel für diese Erneuerung bereitstellte, lag vor. Da jedoch die endgültige Erledigung fich längere Zeit hinzog, ordnete Foth an, daß zunächst drei Zimmer für Wohnzwede in Stand gesetzt würden. Er veranlaßte die beteiligten Handwerker, spezialisierte Rostenanschlä. ge einzureichen. Ein Tapezierer, namens Berlin, war jedoch dazu nicht zu bewegen, da er die Bedeutung solcher Kostenanschläge offensichtlich nicht begriff, vielleicht auch wegen der dauernden Geld entwertung nur sehr schwer dazu in der Lage war. Während der Arbeiten für die Amtwohnung hatte Berlin auch einige Nebenarbeiten für den Privathaushalt Foths zu verrichten. Auf mehrfache Mahnungen, diese Brivatarbeiten befonbers liquidieren, reagierte der Tapezierer zunächst nicht, sondern erklärte beiläufig, er würde sie mit auf die Amtsrechnung feßen. Dagegen hat die Frau des Landrats, wie vor Gericht schon im Oktober fest Seftellt wurde, auf das entschiedenste protestiert und verlangt, daß ihr die Rechnung besonders zugestellt mürde. Trogdem hatte Berlin biese Brivatarbeiten auf der Gesamtrechnung mit aufgeführt. Da nun bei der bureaukratischen Berrechnung immerhin einige Zeit verging und mit jedem Tage die aufgefeßten Summen an Wert verloren, erhielt Dr. Foth auf Anfrage vom Ministerium die Genehmigung, den Betrag der Rechnung einstweilen zur Zahlung anweisen zu lassen und die Behebung der Unstimmigkeiten später vorzunehmen. Als sich einige Zeit darauf Differenzen zwischen Berlin und dem Landrat ergaben, hat Berlin davon dem im Hause des Landrats untergebrachten völfischen Anwalt Dr. Müller Kenntnis gegeben, daß er Privatarbeiten für Foth auf die Rech nung des Amtes gesezt hatte, und daß ihm diese Gesamtsumme vom Amte ausbezahlt worden sei. Der Nationalsozialist Müller juchte nun weiteres Material zu bekommen und reichte Anzeige bei Der Staatsanwaltschaft gegen den Landrat megen Betruges und Untreue" ein. Die gesamte Differenz in der Rechnung machte einen Wert von etwa 2 Goldmark aus. Die Untreue", deren sich Dr. Foth schuldig gemacht haben sclite, wurde darin erblickt, daß er aus den Beständen des Amtes Preußische Roggenbriefe gekauft und nicht zum Tagesturje bar bezahlt haben sollte, wodurch er angeblich einen Gewinn erzielt hätte. Die Sache wurde schon vor dem Schöfengericht dahin aufgeklärt, daß Dr. Foth aus Borsorge den Antauf von Roggen rentenbriefen für das Amt veranlaßt hatte, um die Entwertung der Papiergeldbestände möglichst hintanzuhalten. Als dann plötzlich Bargeldmangel eintrat, mußten einzelne Roggen rentenbriefe verkauft werden. Er bot in einem solchen Falle, da die Sache eilig war, einen Roggenbrief den Beamten des Landratsamtes zum Kaufe an, aber da er damit feinen Erfolg hatte, übernahm er selbst den Brief und ließ die Zahlung auf eine für ihn bereits fällige Gehaltsnachzahlung zum üblichen Kurse verrech nen. Wie sich später herausstellte, hat er dabei noch 40 mil lionen Papiermart zuviel gezahlt, weil der Kaffenbeamte sich im Kurse geirrt hatte. Schlimmstenfalls wäre die Differenz auch bei dem Umsatz der Roggenrente auf einige Goldmark zu bemessen gewesen. So belanglos diese Kleinigkeiten an sich auch waren, hielt der Staatsanwalt nach der Beseitigung der sozialdemokratischen Regie: rung es für notwendig, den Antrag des deutschvölkischen Anwaltes Dr. Müller zu berücksichtigen und das Strafverfahren einzuleiten. Allerdings fam er nicht umhin, den Tapezierer Berlin, der die faliche Rechnung ausgestellt hatte, wegen Betrugs mit anzuflagen. Und nun ergab sich die Ungeheuerlichkeit, daß der Tenunziant Müller die Berteidigung des mitan getlagten Tapezierers selbst übernahm, ein Borgang, der in der Geschichte der Anwaltspraxis wohl einzig dastehen dürfte. Vor dem Landgericht, das am Sonnabend über die Sache in neuer Verhandlung zu befinden hatte, trat der Tapezierer jetzt als Zeuge auf und wollte seine Aussage, die er sorgfältig auf dem Papier vor sich hatte, verlesen. Als er daran verhindert wurde, erklärte er sich selbst für gedächtnisschwach und unfähig, im Zusammen hange auszusagen. Er fönne sich auf die Einzelheiten nicht mehr befinnen. Man nahm dann seine papierene Aussage unter die Lupe, und nun wurde festgestellt, daß er den Tert durchaus nicht selbst angefertigt hatte, sondern daß er dabei iuristische Hilfe gehabt haben müsse. Sein völkischer Anmali mußte als 3euge zu: geben, daß er seinem früheren Klienten die Zusammenstellung des Tatbestandes besorgt hatte! -Die neue Beweisaufnahme bei der auch der frühere Staatsminister Freiherr v. Reibniz als Zeuge bestätigte, daß das Ministerium dem Landrat die einstweilige Auszahlung des Rechnungs betrages unter Vorbehalt späterer Klarstellung genehmigt habe, um die Handwerker vor Verlust zu bewahren ergab die völlige Saltlosigkeit der erhobenen Anklage. Der Staats: anwalt mußte felbst die Freisprechung Dr. Foths beantragen, und diesem Antrage mußte, wie wir bereits furz meldeten, das Gericht stattgeben. Die Kosten des Verfahrens, einschließlich der Auslagen Foths für die zweite Instanz, wurden der Staatstasse auferlegt. Wie im Falle Hermann, so hat auch im Falle unseres Genossen Dr. Foth die gesamte Rechtspresse den Namen eines sozialdemofratischen Beamten wochenlang durch den Schmutz ge30gen. Von der Freisprechung und völligen Rehabilitierung Foths aber wird sie, wenn überhaupt, so doch nur ganz versteckt und nebenher Notiz nehmen. Die Berleumdungen werden ausgestreut, damit fie ihre Wirkung tun. Daß eine nachträgliche Richtigstellung erfolgt, liegt nicht in der Absicht der Berleumder. Pieck und Stolt. Eine Ergänzung. Wir haben am Sonntag eine Zuschrift aus Bremerhaven veröffentlicht, die das„ makellose" Leben des kommunistischen Landtagsabgeordneten und Sittenrichters Stolt behandelte. Der Mann, der über schwerbelastete" Sozialdemokraten zetert, ist am 6. Juni 1912 wegen Unterschlagung von Arbeitergelbern, also ehrloser Handlungen, aus der Sozialdemokratischen Partei aus: geschlossen worden, nachdem man lange Zeit ihm eine Nachsicht hatte auteil werden lassen, die sich später bitter rächte. Der Ehren- Stolt ist heute großer Mann bei den Kommunisten gemeinsam mit seinem Freunde Pied. Bon letzterem war in der Buschrift angenommen, daß der Ausschluß Stolts unter seinem Vorsiz als Bezirkssekretär in Bremen erfolgt sei. Wir werden nun heute darauf aufmerksam gemacht, daß Bied schon seit 1910 in Berlin angestellt, also 1912 nicht mehr Bezirkssekretär für Bremen( Nordweft) gewesen ist. Diese Feststellung ändert natürlich nichts daran, daß der Ausschluß Stolts wegen Unterschlagung von Arbeiter= geldern tatsächlich erfolgt ist, und zwar von der zuständigen Dr. ganisation, nämlich dem Bezirtsvorstand Nordwest. Daß der Landtagsabgeordnete Pied von den Unterschlagungen Stolts und seinem damaligen Ausschluß aus der Sozialdemokratie teine Renntnis haben follte, ist allerdings faum anzunehmen, da schon in der alten USP. die Vorgänge oft besprochen wurden. Die Moral der Kommunisten, die einen wegen ehrioser Handlungen aus der Sozialdemokratie Ausgeschlossenen mit Führerstellung bes traut, dichte ficb oon selbst. Die Verleumder kneifen. Reichstandbundpräsident Graf p. Raldre uth hatte vor eini ger Zeit in einer öffentlichen Versammlung den preußischen Minister. präsidenten Gen. Braun einen ehrlosen deutschen Mann genannt. 3um großen Vergnügen der deutschnationalen Breffe, die, wie die Schlesische Tagespost", über die Rede referierte. Gen. Braun hat nunmehr gegen den Grafen einen Strafantrag ge stellt und in demselben Augenblick iſt's mit dem Mut der deutsch nationalen Dreckschleuderer aus. Die Deutsche Tages eitung", die sonst unter den Berleumdern und Ehrabschneidern das große Wort führt, versucht die Aeußerungen Kaldreuths ungeschehen zu machen, indem sie behauptet, der Graf habe in ber Bersammlung überhaupt nicht vom preußischen Ministerpräsidenten gesprochen. Das ist die alte Praris aller Berleumber. Mutig sind sie nur, so lange sie dem Objekt ihrer Behauptungen nicht gegenübers stehen. Werden fie gestellt, dann entwideln fie eine erbärmliche Feigheit. Neue Franken- Panik. Gegenmaßnahmen der Regierung. Baris, 16. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Das starte Sinten des Franten hat in den politischen Kreisen start beunruhi gend gewirkt. Im Laufe des Sonntag fanden unter dem Vorsitz von Herriot zwei Besprechungen statt. An der einen nahmen die Bertreter der Finanzkommission des Senats teil, der zweiten Be fprechung wohnten der Finanzminister, der Vorsitzende der Finanzkommission der Kammer und verschiedene einflußreiche und in Finanzfragen erfahrene Abgeordnete bei. Bei diesen Besprechungen wurden verschiedene Maßnahmen erörtert, die aus der gegenwärti gen kritischen Lage heraushelfen sollen. Als Hauptursache des letz ten Franksturzes soll die Kapitalflucht angesehen worden sein. Infolgedessen will man verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Gründe, die die Kapitalisten zur Ueberführung ihrer Gelder ins Ausland bewegen, aus der Welt schaffen. So soll u. a. beabsich tigt sein, gewisse Rontrollvorschriften für die Einlösung der Rupons und die Beschränkung der Rapitalausfuhr abzuschaffen. Gieich zeitig aber soll die Strafe für Steuerhinterziehungen erhöht werden. Im Laufe der Debatte über das Finanzgefetz, das am Montag in der Kammer erörtert wird, werden Herriot und Finanzminister Clementel Erflärungen zur Baluta und Finanzfrage und über die Absichten der Regierung abgeben. Die fatholischen Verbände in Frankreich' veranstalteten am Sonntag Kundgebungen gegen die Vatikan- Politik Herriot's Die Mordpläne der Tscheka. Attentate auf Spitzel und Wirtschaftsführer. B. S. Leipzig, 16. Februar. Am heutigen fünften Verhandlungstag des Tscheta Pro 3 effes murde in der Bernehmung des Hauptangeflagten te u mann fortgefahren, und zwar wurde der Attentatsplan auf Hugo Stinnes erörtert. Neumann erklärte hierzu, daß, nachdem der Attentatsplan auf Seedt aufgegeben morben mar, Helmuth" ihm den Auftrag erteilt habe, Hugo Stinnes zu erledigen, der als einflußreichster Mann in der deutschen Wirtschaft als einer der gefährlichsten Gegner der KPD. betrachtet werde. Neumann informierte darauf die Mitglieder feiner Gruppe Boege, Szon und Margies, und zwar beobachtete man zunächst das Berliner Quartier des Großindustriel len, das Hotel Esplanade. Gleichzeitig wollte man auch am Wohnfiz Stinnes, in Mühlheim a. d. Ruhr, Erkundigungen vornehmen lassen, und zu diesem Zmed beantragte Neumann bei dem Leiter der kommunistischen Baßstelle„ Ernst die Ausstellung von Päffen zur Ausreise in die besetzten Gebiete. Tatsächlich haben bereits Boege und Szon solche Bässe, die natürlich gefälscht waren, betommen, doch fam es nicht mehr zu ihrer Verwendung, da mittlerweile die Gruppe einige andere Aufträge erhielt, die angeblich vorgehen sollten. Das Attentat auf Stinues unterblieb, statt dessen, so erklärte Neumann, habe er von Helmuth" den Auftrag erhalten, anläßlich des Metallarbeiterstreits in Berlin, Anfang Januar 1924, den Borfizenden des Verbandes Berliner Metall industriellen, von Borfig. zu erledigen, und zwar erklärte Neumann hierzu auf das bestimmteste, daß der Anschlag auf Borsig im Fünfertopf erörtert worden sei. Aber auch dieses Attentat gelangte nicht zur Ausführung, weil inzwischen, nachdem schon die Vorarbeiten der Gruppe eingeleitet waren, der Metallarbeiter. streit in Berlin zusammenbrach und infolgedessen von der Tat abgesehen wurde, und zwar aus der Erwägung heraus, daß bei der damaligen Berfaffung der Berliner Metallarbeiterschaft eine Ermordung Borsigs teine revolutionäre Wirkung gehabt haben würde. Ein weiterer Attentatsplan bezog fich auf die früher in einem kommunistischen Verlagsbureau bei der Biva" angeftellte 19 jährige Stenotypistin Anna Behnpfund, die vordem auch in der Zentrale der Partei und in der Bezirksleitung Berlin unter dem Namen„ Annaliese Gerber" beschäftigt war. Helmuth" soll ihre Erledigung empfohlen haben wegen Parteiperrat, und zwar im Zusammenhang mit einer polizeilichen Durchsuchung einer kommunistischen Buchhandlung. Neumann will sich vorbehalten haben, nachzuprüfen, ob das junge Mädchen wirklich Berrat getrieben hat. Er habe nicht die Absicht gehabt, die Zehnpfund zu erledigen, da er fie für ein junges Mädchen hielt, das sich der Tragweite feiner Handlungen nicht bewußt gewesen sei. Er ließ sich von Meus über die Tätigkeit der Zehnpfund Bericht erstatten und fam auf Grund des Berichts zu der Auffassung, daß sie nicht ernst zu nehmen sei. Im Einverständnis mit der Gruppe will er dann der Zehnpfund lediglich eine Warnung haben zukommen lassen. Im Anschluß hieran fam es zu einer Auseinandersetzung zwi schen dem Borsigenden und dem Berteidiger Stoblemstis, Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld, wobei der letztere den Vorsitzenden bittet, bis auf weiteres den „ Helmuth" nicht als mit Stoblewski identisch zu betrachten. Der Borsigende, Dr. Niedner, betont hierzu, daß Neumann von An fang an Stoblewiti als den Helmuth" bezeichnet habe, daß er, der Borfizende, aber bereit sei, dem Wunsche des Berteidigers Folge zu leisten. Auf eine Frage des Borsigenden erklärt dann der Angeklagte Neumann weiter, daß Helmuth" seines Wissens die Mitglieder feiner Gruppe nicht tennengelernt habe, bis auf Szon, den er be stimmt einmal gefehen habe. Das Berhör wendet sich dann drei weiteren Affenfatsplänen zu, die zur Erledigung von drei Spigeln, eines gewissen Jaucher in Heidelberg, eines gewissen Bezel in Stuttgart und des Fabrikanten Krenz in Zella- Mehlis betrafen. Es handelt sich dabei um die Berlegung der Tätigkeit der Neumannschen T- Gruppe nach Südwest. Begen Einzelheiten sei er, Reumann, son Helmuth und reß an den militärises Leiter von Südwest, Walter", der in Wirklichkeit Erich Wollenberg hieß, gewiesen worden. Hinsichtlich des betannien Krenz erfuhr Neumann von dem Sefretär der militärischen Ab teilung Alfred" nähere Einzelheiten, der diese wieder von dem früheren Boltsschullehrer Pfaff alias Dr. Winter aus Zella. Mehlis erhalten hat. Auf Grund dieser Mitteilungen habe er von Helmuth" den Bescheid bekommen, auch Streng zu erledigen für den Fall, daß eigene Ermittlungen die Schuld des Betreffenden nachweisen würden. Borf. Die Terrorgruppe follte also nicht mur prominente Bersönlichkeiten und Spigel, fondern auch solche Berfonen erledigen, deren. Berhalten für das Parteiintereffe schädlich war? Angefl.: Jawohl. Die Fälle Jaucher und Wezel find bereits in den schon genannten Rundschreiben der Oberbezirksleitung Süh mest vom 28. Januar 1924 erwähnt worden. Der Angefl. Neumann schildert nun, mie man zunächst mit dem Horch- Wagen nach Frankfurt a. M. fuhr. Die Gruppe hatte für die Reise 2000 Marf erhalten, und zwar in Dollar, von denen ein Teil vorher von Meus in der russischen Botschaft umgewechselt wurde, wobei der gute Kurs von 4,30 Mart für den Dollar bezahlt murde. Unterwegs machte man in Bella- Mehlis Halt, wo der Fabri tant Krenz wohnte.( Gegen Krenz schwebt eine gerichtliche Borunter suchung, weil er verdächtigt ist, in großen Mengen Waffen an die KPD. geliefert zu haben, von welcher wiederum er beschuldigt wird, Barteigelder in Höhe von etwa 20 000 M., die er zum 3mede der Baffenbeschaffung erhalten hatte, unterschlagen zu haben.) In Bella Mehlis fand zwischen Neumann, Szom, Alfred" und einigen Funktionären eine Besprechung statt, in der von den Funktionären die Beschuldigungen gegen Krenz nach Angabe Neu manns bestätigt worden seien. Da Krenz sich aber gerade nicht in Bella- Mehlis befand, sollte die Sache erft bei der Rüdfehr aus Frankfurt erledigt werden. Borf.: Was wollten Sie denn dann nun tun? Angefl.: Ich hätte versucht, den Fall zu erledigen. Vorf.: Sie hätten also den Krenz getötet? Angefl: Das hätte von weiteren Ermittelungen abgehangen. Einen inneren Vorbehalt, die Tat nicht auszuführen, habe ich hier aber nicht gehabt. Ich hatte den offenen Willen, Krenz zu erledigen, wenn sich die Beschuldigungen gegen ihn als wahr erwiesen hätten. Neumann sagte dann weiter, möglicherweise wäre er an dieser Abficht auch schwankend geworden, wenn ihm ein anderes Bild von Krenz entworfen worden wäre. R.-A. Dr. Brandt: Beim Fall Seedt will der Angeklagte einen inneren Vorbehalt gehabt haben, bei den späteren Fällen jedoch nicht mehr. Aus welchem Grunde? Angefl.: Infolge des Falles Seedt hatte ich Differenzen mit helmuth". Ich mußte befürchten, daß ich denselben Weg gehen würde, auf den ich andere befördern sollte. Deshalb mußte ich nun etwas ernstliches tum. Die Fälle Stinnes, Borsig ufm. maren mir durchaus ernst. Bors.: Weshalb machen Sie diese Angaben in der Hauptvers handlung, während Sie in der Boruntersuchung nichts davon ge sagt haben? Ungefl.: Ich möchte dazu folgendes erklären: Schon els die Bartei mich ausgeschlossen hatte, versuchte die Partei, sich durch Ver trauensmänner mit meiner Frau in Berbindung zu setzen, um sie zu veranlassen, meine Briefe auszuhändigen, die ich ihr aus dem Gefängnis schrieb. Angeblich wollte man je feststellen, wie es mir gehe, und man erklärte auch, die Bartei werde für mich sorgen. Mir ist aber bekannt, daß man ver sucht hat, mißliebige Personen im Gefängnis durch Zusendung vergifteter Nahrungsmittel zu beseitigen. Heute würde ich natürlich von der KPD. oder ihr nahestehenden Bersonen nichts annehmen. Ich habe auch meine Frau dahin instru tert. Während meiner Untersuchungshaft in Berlin sind mir tat sächlich Lebensmittel angeboten worden, und zwar an geblich von Leuten aus der Reichsbruckerei, wo ich gearbeitet hatte. Die Betreffenden hatten aber ihre Ramen nicht genamt Die Verleumder aus Tradition. Heute wie damals. Neben der brutalen Gewalt, in deren Anwendung die Ronservativen stets Meister gemesen sind, haben sie auch schon immer die giftige Waffe der Verleumdung gegen ihre politischen Gegner strupellos gehandhabt. Das vor allem dann, wenn sie zeitweilig in etwas von der politischen Macht abgedrängt waren. So nach 1848, in der Zeit, da die Revolution zwar niedergeschlagen war, in der man aber doch notgedrungen den liberalen Ideen auch in Preußen noch teilmeife Rechnung tragen mußte. Erst nach und nach fehrte man zu den alten Methoden zurüd, zur nadten Gewalt, zu Unterdrüdung aller Freiheiten, die man im tollen Jahr dem Bolke hatte gewähren müssen. Borläufig aber arbeitete man mit allen Mitteln der Verleumdung und Beschimpfung. Dies geschah besonders durch das Blatt der Edelsten der Nation, die Kreuz- Zeitung", die das Privatleben bekannter demokratischer Persönlichkeiten beschnüffelte. Sie führte eine Rubrik Zuschauer", in der in der unanständigften Weise die politischen Gegner durch Tratsch und Klatsch bekämpft wurden. Hier einige Proben, die wir dem Buch F. Wendels Das 19. Jahrhundert in der Karitatur" entnehmen, zusammengestellt aus nur einem Monat: Herr Borchard amüsierte sich gestern in der„ Esmeralda" in Begleitung seiner Schwester Freundin. Herr Eisner hat fein Stammiotal im Café de la liberté aufgeschlagen und macht dort einer Hebe bedeutend den Hof. Herr Elsner scheint eine Bassion für schöne Kellnerinnen zu haben. Johann Jacobi macht in seiner Heiratsangelegenheit ruftige Fortschritte. Gestern um 12 Uhr nachts sah man einige vermummte Gestalten nach der Krausenstraße in die Halle ziehen. Leider nutzte die Bermummung nichts. Es waren die Herren Bauer, Grün und Delischer. An der Tür der Halle überließen wir die Herren ihrem Amusement. Die Herren Waldeck und Berends fuhren am 18. März in einem offenen Wagen vom Friedrichshain fommend, durch die Königstraße und grüßten die hoch" schreiende Straßenjugend sehr herablaffend. Der Ertultusminister setzt seine Abendpromenaden Unter den Linden fleißig fort. Auch vorgestern bemertten wir ihn. Er promenierte allein nach dem Tor und auf dem Rückwege hatte er eine kleine Jüdin am Arm, offenbar, um die Emanzipation praktisch zu zeigen.- Zum Abholen der Kufine in der Wallstraße begleitete der Kultusminister seinen Freund. Es schien jedoch Herrn von Berg feineswegs sehr angenehm, daß die Schöne Herrn Rodbertus so viel Aufmerksamkeit widmete. Der Kultusminister ist ein Herzensbezwinger von seiner zartesten Jugend an bis zu Fräulein Splitter mit dem Sechzig- Taler- Kleid. In dieser Weise ging es weiter, ein halbes Jahr lang. Die Redaktion rühmte sich, durch diese schäbige Art Mißtrauen und Zwietracht in demokratische Zirkel und Familien getragen zu haben. Der Unwille über diese Art, wie von dem Blatt der Gottesfurcht und frommen Sitte der politische Kampf geführt wurde, und der Efel, selbst bei dem anständigeren Teil der eigenen Anhänger, stieg dermaßen, daß das Blatt sich schließlich doch genötigt sah, die Tendenz seiner Redaktionsführung etwas zu ändern. Heute ist das Junkerblatt nicht mehr allein; deutschnationale und schwerindustrielle Organe helfen bei der Sudelei. Der Kontrollbericht. Militärkontrolle und Sicherheitsfrage. Paris, 16. Februar.( BIB) Der Bericht der Interalliierten Kontrollfommiffion traf gestern in Paris ein und wurde sofort dem Militärischen Komitee in Bersailles übermittelt. Journal" zufolge wird die Frage der teilweisen Beröffentlichung des Berichtes nicht eher ins Auge gefaßt werden. als bis er der Botschaftertonfe renz porliegt, mas frühestens in etwa 20 Tagen der Fall sein dürfte. Der Bericht soll 70 Seiten umfassen. einem Staat nicht geführt werden. Daraus schließt man, daß inoffiziell verhandelt werde. Dreifache übersteigt? Es gibt nur eine Erflärung, die Reichswehr stellt den Rahmen für eine ausdehnbare Armee dar. Was ist von der Sicherheitspolizei zu denken? Die Frage, ob die Polizisten in Kasernen leben oder nicht, ob sie so oder so armiert sein sollen, ob je 20 Mann Anrecht auf ein MaschinenWenn einmal die Ententemilitärkontrolle in Deutschland aufhört, dann hat der Völkerbund die weitere Befolgung der Versailler Entwaffnungsvorschriften zu überwachen woraus sich nebenbei auch ergibt, wie bedeutungsvoll die Mit- gewehr haben oder nicht, ist nicht so bedeutend, als die Tatsache, die Polizei ein auswechselbares Element mit der gliedschaft Deutschlands am Völkerbund sein wird. Obwohl Reichswehr(?) darstellt. Wahrheit ist es, daß hinter jedem der Zeitpunkt noch nicht sichtbar ist, wo die Völkerbundkontrolle Reichswehrsoldaten die Silhouette eines Polizisten steht. Wenn die und damit wohl auch die Mitwirkung Neutraler dabei ein- Reichswehr wirklich so sehr reduziert ist, wie es die deutsche Reseßt, hat der Völkerbund doch schon den( französischen) Brä gierung behauptet, warum ist denn die deutsche Regierung so ver fidenten für diese spätere Behörde ernannt, ebenso wie die Prä- schwenderisch mit ihren Militärausgaben? Wenn die Regiefidenten der Kontrollkommiffionen für die anderen Ex- Bier- rung aber behauptet, nicht verschwenderisch zu sein, so bedeute das, bundmächte. Dabei wird das fleine Deutschösterreich wieder daß die Reichswehr stärker ist als sie sein sollte. Die Armee ist in Wirklichkeit fo organisiert, daß es genügt, auf einen elektrischen einmal als der Rechtsnachfolger der großen Habsburger Knopf zu drücken, um die Armee wieder so start zu machen wie monarchie behandelt jetzt in dem Augenblid, wo derselbe früher. 7. Die deutsche Regierung behauptet unaufhörlich, daß die Bölkerbund durch sein Finanztomitee( lauter Großbanfiers) Aufgabe der Kontrollfommission beendet sei, und daß nichts mehr das dringende Hilfegesuch der wirtschaftlich zusammenbrechen zu entdecken ist, da der Versailler Vertrag ehrlich durchgeführt den Alpenrepublik mit gehässigen Urteilen über die Durch worden sei. Wie erklärt sie denn, daß, wenn ein pazifiſtiſcher Arbeiter ein geheimes Waffenlager entdeckt, dieser Arbeiter führung der Sanierung ,, beantwortet" hat. Zu Präsidenten der militärischen Nachforschungskom- wird? Solche Berurteilungen sind zu Dutzenden vorgekommen, doch fofort verhaftet und zu vielen Jahren Gefängnis verurteilt mission des Völkerbundes auf ein Jahr sind ernannt worden: haben diese Arbeiter nichts weiter getan, als an der Erfüllung des Für Deutschland der französische General Destider, Versailler Vertrages mitgearbeitet. Wenn diese Waffenverheimfür Deutschösterreich der italienische General Malichungen von der deutschen Regierung nicht gutgeheißen werden, warum werden dann die Arbeiter, die diese entdecken, bestraft und rietti, für Bulgarien der schwedische Generalleutnant der Reserve Jungstedt und für Undarn der englische General weshalb werden die Industriellen, die diese Lager anlegen, in Freiheit gelassen? major Rirte Das Bedürfnis, die Sicherung des Friedens nicht den wechselnden Regierungen allein zu überlassen, hat im britischen Unterhaus zu einem liberal- sozialistischen Zusammenwirten geführt. Eine Anzahl führender englischer Abgeordneter der Liberalen und der Arbeiterpartei, darunter Snowden, Ben, Kenworthy, Johnson und Ponsonby, haben eine interfraktionelle Unterhausgruppe gebildet, um jede politische Entwicklung zu bekämpfen, die den Weltfrieden gefährden könnte. Diese Antwort ist, falls die obige telegraphische Zusammenfaffung ihren wesentlichen Inhalt richtig wiedergibt, etwas dürftig, gemessen an den schweren allgemeinen Anklagen, die derselbe Morgan vor zwei Monaten in der„ Quarterly Review" veröffentlicht hatte und die damals ein so großes Aufsehen erregten. Einige Bunfte mögen wohl bedenklich sein, andere wiederum zeugen von. einer sehr oberflächlichen und mangelhaften Kenntnis der ganzen Frage: insbesondere sind es nur billige Redensarten, wenn man die Sicherheitspolizei als ein„ auswechselbares Element mit der Reichswehr hinstellt, und wenn man behauptet, es genüge auf einen elektrischen Knopf" zu drücken, um die deutsche Armee wieder fo start(!) wie früher zu machen. Die letzte Frage dagegen, die der Landesverratsprozesse, bestätigt, troß ihrer äußerst ungeschickten Formulierung, das, was wir stets gesagt haben: daß die bloße Tatsache der Landesverratsverfahren den schlimmsten Landesverrat bildet, weil sie nicht anders gedeutet werden kann, als daß Deutschland schlimme Dinge um jeden Preis verheimlichen will. Deutschland schlimme Dinge um jeden Preis verheimlichen will. Was wird aus dem Genfer Sicherungsplan? Paris, 16. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die seit einiger Beit zwischen der französischen und englischen Regierung nicht offiziell geführten Berhandlungen über die Sicherheitsfrage sollen nach dem" Matin" zu einer grundsätzlichen Verständigung über gewisse modifitationen des Genfer Protofolls geführt haben. Man habe sich geeinigt, das in Genf in Aussicht ge nommene System gegenseitiger internationaler Garantien zunächft auf die westlichen Grenzen Deutschlands zu beschränken. Der Garantievertrag soll vorläufig Frankreich, England, Italien, Belgien, später auch Deutschland und Holland zu Partnern haben. Im Interesse der völligen Klärung der Situation habe man Faschisten überfallen Arbeitersportler. geglaubt, auf die zuziehung Deutschlands nicht verzichten zu können, wenn auch nicht schon jetzt die Rede davon sein könne, da zunächst Riga, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Zu blufigeu ein vollkommenes Einvernehmen zwischen den Alliierten selbst er. zielt werden müsse. Es sei beabsichtigt, die Ausdehnung des Verümpfen tam es zwischen 500 Arbeitersportlern, die fozialdemokratische trages auch auf die mitteleuropäischen und östlichen Flugblätter auf den Straßen verteilten, und Faschisten vom Nationalen Klub. Beide Parteien hatten viele Verwundete. Der ArbeiterGrenzen Deutschlands in die Wege zu leiten. Es handle sich um die erste Etappe des in Genf beschlossenen Systems, dessen Realisierung sportler Maffat wurde getötet. Die Arbeitersportler blieben bisher an dem Widerstande der englischen Dominions gescheitert sei. schließlich Herren der Cage. Straßenkampf in Riga. Millerand wird für den durch den Tod des Senators Magny freigewordenen Senatsfiz des Seine- Departemens lantidieren. Es dürfte einen harten Stampf gegen diesen Erareaktionär geben. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Gaternus; und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin: Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerek unb Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin EW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Neue Anklagen General Morgans. London, 15. Februar.( EP) Der General Morgan, ehemaliges englisches Mitglied der Militärkontrollkommission, veröffent licht in der„ Nevue of Revues" eine Antwort auf einen Artikel des Professors Forster, der ihn aufgefordert hatte, die Tatsachen Gewertschaftsbewegung: Friedr. Entorn: Feuilleton: K. S. Doscher; Lotales bekannt zu geben, die die Kontrollkommission zu der Anklage berechtigt, die deutsche Regierung habe in der Entwaffnungsfrage ein Doppelspiel gespielt. General Morgan antwortet wie folgt: meigert, der Kontrollkommission die Mannschaftstabellen 1. Warum hat der Reichswehrminister sich seit fünf Jahren geund die Rekrutierungstabellen vorzulegen, die einzig und allein über die Zahl der unter die Fahnen gerufenen Leute Aufschluß geben fönne. Wenn die deutsche Regierung nichts zu verstecken hat, marum weicht sie diesen Aufforderungen immer aus? 2. Warum hat der Reichswehrminister fich bis jetzt immer geweigert, uns die verzeichnet sind. Dieses Dokument allein tönnte uns geftatten, 3. Warum besteht das Reichswehrministerium so sehr darauf, die einen Bergleich mit der deutschen Artillerie von 1919 anzustellen? großen militärischen Anlagen, wie Artillerieparts, Munitionsparts, Munitionsdepots, Proviantlager und Pferdedepots zu behalten, die doch für die Bedürfnisse der früheren Armee eingerichtet waren? 4. Warum behält das Reichswehrministerium unter feinem Personal eine so große Anzahl von Offizieren und außerdem von Generalen für das Kommando der Militärmehr als zwei Jahre Dienst geleistet haben, den Sold eines Majors bezirke? 5. Warum bekommen alle Hauptleute der Reichswehr, die und die Leutnants den Sold eines Hauptmanns? 3u welchem 3mede hält die deutsche Regierung die Feldmebel und Aspi. rantenschulen aufrecht, und zwar in einer so großen Zahl, die die im Versailler Bertrag vorgesehenen Bedürfnisse um das Wenn das ,, Journal" Recht hat, so ist von o ollständis ger Beröffentlichung dieses Berichts, der die Vertragsvere gift er zu zeigen, auf denen die Kriegsproduktionen legung der Weiterbesehung Kölns rechtfertigen" foll, über haupt nicht mehr die Rede. Und ob diese Anklagefchrift dem vorläufig schon Berurteilten auch nur teilweise bekanntgegeben wird, soll frühestens in 20 Tagen nicht etwa beschlossen, jondern ins Auge gefaßt werden. So sieht die Abschaffung der Geheimdiplomatie aus, die dieser Frieden nach Woodrow Wilfon bringen sollte.... Inzwischen wird in Pariser und Londoner Blättern wieder einmal viel über Sicherheitsfrage und Garantiepaft geschrieben, jenen Vertrag, durch den England Frankreichs Sicherheit garantieren foll Der britische Außenminister Chamberlain hat im Unterhaus erklärt, daß irgend melche offizielle Berhandlungen derartiger Natur mit irgend SEIT 1869 JUFT HL Fur Feinrauc Theater am Kottbusser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sänger. Der Gipfel des Humors: Die Baxe der Pandero! Volkstümliche Preise. Reichshallen- Theater Allabendl 8 U. u. Sonntags nachm.3 Uhr Steffiner Sänger Nachmittags halbe Preise volles Programm. Dönhoff- Brett'i: Familien- Varieté Anf. 7% U. Sonnt 5%, U. Gardinen Verkauf R. Witte, Wilmersdorfer Str. 66a, erste Etage. Kein Laden! Konkurrenzlos billig kaufen Sie im Etagengeschäft! Reiche Auswahl in Bettvorlegern, Brücken, Tisch- und Divandecken. Besichtigung ohne Kaufzwang! 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Doch sind es nur allzu oft die Aermsten der Armen, die bestraft werden. Das ist eben das alte Lied und Leid, daß man die kleinen Diebe hängt und die großen laufen läßt. Tue recht und scheue niemand! Was ist Recht? Ein kinderloses Ehepaar hatte sich am 5. Oftober vorigen Jahres einen fleinen Hund getauft. Am 7. und 8. Oktober zirkulierte bei den Mietern die Hausliste der Polizeibehörde. Auf dieser vermerkten die Eheleute auch den Besiz eines Hundes. Sie verblieben in dem guten Glauben, die rechtmäßige Anmeldung ihres Hündchens sei damit erfolgt. 3u ihrem Schreden erhielten sie als Weihnachtsgeschenk eine polizeiliche Strafverj.igurg von 30 Mart. Da sich die Eheleute einer huld bewußt waren, legien sie Berufung ein und beantragen gerichtliche Emfcheidung. Der Einzelrichter des Amtsgerichts arbeitete in Gil tempo. Er stellte fest, daß das Verschulden nicht so groß ei, um eine Strafe von 30 Mart zu rechtfertigen. Das Gericht ertannie auf 5 Mart Geldfi: cse. Die Eheleute erklärten, sie werden diese Etra'e cnnehmen, denn ein ganz fleines Verschulden treffe fie ja doch. Der Nächite: Ein 59jähriger Laubenkolonist. Er hatte an den Rattentampftagen vom 22. und 23. november v. J. fein Rattengift ausgelegt. Deswegen erhielt er eine Strafverfügung von 10 Mart. Er legte aber Berufung ein, da er im November im Krankenhaus gewesen sei. Zu seiner Frau habe er gesagt, sie solle tein Gift legen, damit sie feinen Schaden anrichte. Wenn er aus dem Krankenhause fomme, dann wolle er sofort das Bersäumte nachholen. Mitte De zember habe er auch noch neun Ratten getötet. Das Gericht sah den Fall wohl als milde an, aber stützte sich auf den Grundsatz, daß an Rattentampftagen die Rattenvertilgung nur dann Erfolg habe, wenn jeder Eigentümer und Pächter an dem gleichen Tage Gift streue. Der Laubenfolonist wurde wegen Uebertretung zu 7 Mart Geldstrafe verurteilt. S." Der nächste Angeklagte ist ein unvorsichtiger Kutscher. Er fuhr, um fich den Weg abzufürzen, über einen Ader. Der Besizer erhob bei der Staatsanwaltschaft Anflage. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 6 Mark Geldstrafe, da er gegen den§ 368 des Straf gesetzbuchs verstoßen habe. Richter:" Damit ist die Berhandlung zu Ende. Es beginnt die Straffache gegen den Schlächtermeifter G. Der Angeklagte hatte sich wegen Bergehens gegen die Gewerbeverordnungen zu verantworten. Ein Aufsichtsbeamter hatte an einem Sonntag vormittag festgestellt, daß gegen 10 Uhr noch Wurst und Fleisch verkauft wurde. Wohl war die Ladentür verschlossen. Die Kunden des Schlächtermeisters wurden durch die Wohnungstür der Privatwohnung hinausgelaffen. Da nach der Gewerbeordnung die Geschäfte Sonntags zur Wahrung der Sonntagsruhe geschlossen sein müssen( es darf auch kein Verkauf stattfinden!), erfannie das Gericht auf 15 Mark Geldstrafe. Wegen Uebertretung der Polizeistunde waren ein Gastwirt und feine 15 Gäste angeklagt. Im Halbkreis standen die 16 Angeklagten vor dem Einzelrichter. Man hatte Geburtstag gefeiert. Das Ge .burtstagskind hatte allerlei gespendet. Gegen 1 Uhr war man schon in einer solchen Stimmung, daß man gar nicht mehr an die Polizeistunde dachte. Gegen 2 Uhr fam ein Schupomann feines Weges daher, der sämtliche Gäste aufschrieb und das Lofal räumte. Da sich der Gastwirt schon mehrmals wegen Bolizeistundenübertretung vor dem gleichen Richter zu verantworten hatte, fragte ihn der Borfigende, warum er immer wieder gegen die Polizeiverordnung verftoße. Prompt erwiderte der Angeklagte:„ Der Wachtmeister hat ja daran Schuld!" Damit meinte der Gastwirt:„ Die Schupo fann mir ja aus dem Wege gehen." Das Gericht erkannte gegen den Gast wirt auf 40 Mart und gegen die 15 Gäste auf je 5 Mart Geldstrafe. Daß ein Berlosungsstand ein steuerpflichtiges Unternehmen ist, vergaß eine arme Arbeiterfrau, die fürzlich auf einer Bergnügungsſtätte im Norden Berlins eine kleine Verkaufsbude eröffnet hatte. Der Verlosungsstand war ihre einzige Erberbsquelle. Zufällig tam eines Sonntags der Steuerfontrolleur hinzu und verlangte die Steuerbescheinigung. Die Frau tonnte nichts vorzeigen. Anzeige. Strafverfügung von 30 Mart! Berufung. Gerichtliche Entscheidung. , Soviel tann ich nicht bezahlen!" beteuerte die Angetiagte. Boher foll ich nur die 30 Mart nehmen? Ich bitte doch um müdernde UmStände!" Sie findet auch Entgegenkommen. Das Gericht verhängte megen Uebertretung mur 15 Mark Geldstrafe. P In der letzten Verhandlung hatte sich wegen unerlaubten Schant. betriebes auf einem Laubengelände ein 50jähriger Arbeiter zu verantworten Kriminalbeamte hatten festgestellt, daß in einer Laube Bier und Schnaps ausgefchänkt wurde. Der Angeklagte hatte verabfäumt, um eine Genehmigung dafür beim zuständigen Polizeiamt nachzusuchen. Er erhielt 20 Mart Geldstrafe. tam Richter: Die Sigung ist hiermit geschlossen!" Nachdenklich verläßt man den Gerichtssaal. Folgenschwere Prügeleien. Er 3m Rrug zum grünen Krange" in Treptow, Waldstr. 74, es Sonntag abends gegen 9 Uhr zu einer wüsten Schlägerei, nachdem der Wirt mehreren Gästen, die übermäßig lärmten, sein Lofal verboten hatte. Man alarmierte das Ueber fallkommando, das acht Teilnehmer festnahm und nach der Wache des 233. Polizeireviers führte. Bei der Schlägerei find mehrere Personen verlegt worden, am schwersten der 21 Jahre alte Dachdecker Otto Thomas aus Köpenick, dem die Pulsader am linken handgelenk durchschnitten wurde. mukte nach dem Elisabeth- Hospital gebracht werden. Um 11% Uhr nachts tam es in dem Lokal von Klabunde am Tegeler Weg 26 zu einer Schlägerei zwischen einer Anzahl von Gästen. Das alarmierte leberfallfommando stellte vier Personen fest, die an der Schlägerei beteiligt waren. Schwer verletzt wurde die Frau des Gastwirts durch einen hieb mit einem Schlagring am rechten Auge und ihr Sohn durch mehrere Schläge am Kopfe. Frau Klabunde mußte nach einer Augenfinit geschafft werden. Die Tscheka- Partei demonstriert. sturms mit Anuppeln und Cotschlägern auf die Polizei ein. Ein Oberwachtmeister wurde durch Schläge mit einem Knüppel am Kopf verlegt und mußte später ärztliche Hilfe in Anspruch nehwobei mehrere Kommunisten verlegt wurden. men. Die übrigen Polizeibeamten griffen nunmehr energisch ein, marschierten dann nach Potsdam, wo am Bassin- Plaz cine kurze Die Demonstranten Kundgebung stattfand und fuhren dann, ohne daß es zu weiteren 3wischenfällen getommen wäre, nach Berlin zurüd. Gegen das Besoldungssperrgesetz. Protest der Gemeindebeamten. Montag, 16. Februar 1925 Das Grubenunglück bei Dortmund. Noch Tote im Schacht. Dortmund, 16. februar.( BTB.) Bis gestern abend 9 Uhr wurden weitere fünf Bergleute aus dem Schacht der Zeche minifter Stein geborgen, so daß fich jetzt nur noch fieben Tote in der Grube befinden, zu denen man noch nicht gelangen fonnte. Eine gestern in Effen abgehaltene Konferenz der Betriebs räte und Bertrauensmänner des Gemertvereins christlicher Bergarbeiter nahm eine Entschließung Eine im Neuen Schauspielhaus tagende Riesenversamman, in der erklärt wird, daß das Mitleid und die Sympathie für lung, die von Gemeindebeamten aus dem ganzen Reich besucht war, protestierte gestern vormittag gegen die Berlängerung des Befoldungssperrgesetzes über den 31. März d. J. hinaus. Reichsbund der Kommunalbeamten und Angestellten( Komba) beIm Hauptreferat wandte sich Bundesdirektor Ehrmann vom fonders gegen die Denkschrift des Reichsfinanzministeriums, die den Barlamenten die Notwendigkeit der Verlängerung beweisen soll. Das Reichsfinanzministerium hat offenbar die Absicht, durch seine Maß nahmen gegen die Kommunalbeamten auch die Reichs- und Staats beamten niederzuhalten. Mit Nachdruck forderte Herr Ehrmann wie auch der folgende Redner, Oberbürgermeister Cuno Hagen, dak den Gemeindeverwaltungen die Selbstverwaltung wiedergegeben stellen abzielt. Der Synditus des Bundes, Rechtsanwalt Steg wird, auf deren Beseitigung man unzweifelhaft in den Regierungssprochene Lohnzulage zu gewähren. Bei Sympathiekundgebungen mayr München sprach über die mangelnde Rechtsgrundlage des Gesezes. Stadtamimann Schid- Düsseldorf wandte sich gegen das Besoldungssperrgesez, das eine Drangsalierung der Beamten des befepten Gebietes durch die eigene Reichsregierung darstelle, die im Hinblick auf die Drangsalierungen der Besazungsbehörden wirklich überflüffig sei. Die Versammlung erklärte sich schließlich einstimmig für eine Entschließung, die u. a. folgendes besagt: S „ Der deutschen Kommunalbeamtenschaft wird seit fast fünf Jahren jede Rechtssicherung in ihren elementarsten Lebensbelangen vorenthalten. Sie sieht sich täglich ungerechtfertigten Eingriffen ausgesetzt, die mit den durch die Verfassung gewährleisteten Grundrechten der öffentlichen Beamten unvereinbar sind und den Glauben an Recht und Gerechtigkeit völlig zerstörten. Eine Kette von hintereinander geschalteten Zuständigkeiten, ein Wirrjal von Staats- und Reichs= aufsicht, deren Entscheidungen sich gegenseitig widersprechen und auf. heben, läßt sie nicht zur Ruhe kommen. Immer neue Gründe werden hervorgesucht, um diesen in der deutschen Beamtenschaft nie da gewesenen Zustand zu verlängern, obwohl erwiesen ist, daß die Be hauptung unangemessen hoher Besoldung in der vom Reichsfinanz ministerium beliebten Verallgemeinerung falsch und unhaltbar ist. Die deutschen Kommunalbeamten verlangen von den regierenden Gewalten, insonderheit von Reichstag und Reichstat, daß sie diesen Entrechtung nicht länger bestehen laisen, um so mehr, als die für die feit fünf Jahren ertragenen Zustand quälender Unsicherheit und letzte Berlängerung der Geltungsdauer des Besoldungssperrgesetzes bestimmend gewesenen Reichsbesoldungszuschüsse an Länder und Gemeinden bereits seit Jahresfrist fortgefallen find. Die vom Reichs: finanzministerium neuerdings versuchte Berquidung der Auf rechterhaltung des Besoldungssperrgeleges mit fertigender Borwand, um die deutsche Selbstverwaltung dem Finanzausgleich ist ein fachlich nicht zu rechtund ihre Beamten dauernd in die Fesseln einer reichsbureaukratischen, wesensfremden Aufsicht zu schlagen, die mit den durch die Reichs verfassung gewährleisteten Hoheitsrechten der Länder unvereinbar ist. Das Besoldungssperrgesetz hat sich als unbrauchbar, unwirtschaftlich und demoralisierend erwiesen und muß deshalb fallen. Wie bereits in der Sonnabend- Abendausgabe des„ Borwärts" mitgeteilt wurde, hat die sozialdemokratische Stadtper ordnetenfrattion, analog dem Vorgehen unserer Reichstags frattion, den Antrag gestellt, daß der Magistrat bei den zuständigen Reichsbehörden die Aufhebung des Sperrgeseges verlangen soll. Der Hauptmann von Grünau". Die Geschichte eines Billeneinbruchs. Toach fünf Jahren wurde jegt von der Kriminalpofizei der Dieb ftahl einer ganzen Billeneinrichtung in Grünau aufgeflärt. Ein Metallwarenfabrikant in der Ritterstraße befigt eine Billa in Grünau, die er früher nur in Sommer benußte. Im Jahre 1920 stellte ihm das Wohnunsamt die Wahl, entweder seine Berliner oder die Grünauer Wohnung aufzugeben. Er entschloß sich, dem Wohnungs amt die Villa zur Verfügung zu stellen. Die Einrichtung von vier Zimmern und Küche wurde in den beiden Hinterzimmern der Villa verstaut. Die beiden Borderzimmer bezog ein Mann namens Brunn mit seinen beiden Söhnen und einer Wirtschafterin. Als der Besizer im Frühjahr 1921 nach Grünau fam, fand er von der ganzen Einrichtung der Villa nur noch ein paar alte Stiefel, die er bei der Gartenarbeit benutzt hatte, den Stiefel fnecht und ein paar perrostete Nägel mieber. Sonst war alles nerschwunden. Der Zwangsinieter, feine Söhne md feine Wirt fchafterin versicherten, von dem Verbleib der Sachen nichts zu wissen. Der Bestohlene erfuhr im Laufe der Zeit, daß der Sohn Eduard Brunn, der jetzt 24 Jahre alt ist, nach Oberbayern ge fahren sei. Er vermutete, daß der junge Mann die Einrichtung auf die Seite gebracht und verfauft habe, um mit dem Grlös in Oberbayern einen guten Tag zu leben, fuhr ihm nach und ermittelte ihn auch in einem Alpendorf. Aber der junge Brunn besaß bein Geld und fristete sein Leben als Sennhirt. Im vergangenen Jahre kehrte er nach Berlin zurüd. Hier prahlte er nun wiederholt, wenn er etwas über den Durst getrunken hatte, mit Streichen, die, er früher verübt habe. So habe er im Jahre 1920 den haupt mann von Grünau" gespielt und mit seinen Freunden die ganzen Lampen ausgedreht. Die Kriminalpolizei erfuhr von diesen Erzählungen und setzte mit neuen Ermittlungen ein. So gelang es endlich, festzustellen, was Brunn mit dem„ Lampenaus drehen" gemeint hatte. Er und seine Jugendgenossen hatten die ganze Umgebung der Villa zur Nachtzeit verdunkelt und die Einrichtung weggeschafft. Der Vater, der jüngere Sohn, damals noch ein Junge, und die Wirtschafterin wollen davon nichts gemerkt haben. Sie hätten fich, wie fie faqen, um die Hinterzimmer und was darin oder nicht darin war, niemals gefümmert. Eduard wurde verhaftet und gab nun auch den Diebstahl zu. Bei einem Möbeltrödler in der Cauerstraße zu Charlottenburg, der die Einrichtung gekauft hatte, fanden die Kriminalbeamten nur noch einen fleinen Teil der Sachen. Die Speisezimmereinrichtung, die im ganzen weiterverkauft worden war, entdeckten fie an einer anderen Stelle, ebenso die Schlafzimmereinrichtung, die aber beim jetzigen Befizer wegen rüdständiger Steuern gerade gepfändet worden war. Andere Sachen, so auch die Kücheneinrichtung, waren in einzelnen Stücken überall hin verkauft worden und sind verschwunden. Die Helfershelfer des Haupttäters find zum größten Teil ebenfalls ermittelt. Dreifacher Selbstmord. Die KBD. hatte gestern ihre Mitglieder erneut zu einer Provinzdemonstration bzw. zu einem„ Roten Landtag" aufgeboten. Diesmal war das Ziel der Demonstrationen Nauen und Potsdam. In Nauen felbft versammelten sich faum 300 bis 400 Personen, die schon nach furzer Zeit wieder den Ort verließen, um bei dem schönen Wetter In dem Hause Shiverbeiner Straße 34 hat fich gestern Spaziergänge in die Umgegend zu unternehmen, während in No. ein Drama abgespielt. Die 36jährige Ehefrau Emma orens, mames etwa 3000 bis 4000 Anhänger der PD. zusammentrafen. der dreijährige Günther Lorens und die 72jährige Witme In der Lindenstraße wurden Ansprachen gehalten und die Kommu Emma Alcher wurden am Nachmittag in ihrem Bette liegend riften sperrten die nach Potsdam führende Straße vollständig, unter bergiftet tot aufgefunden. Welches Gift die Lebensmüden gebanden auch den Straßenbahn- und Autoverkehr, so daß schließlich nommen haben, muß erst die Obduktion ergeben. Aus hinterlassenen Schußpolizei eingreifen mußte. Als die Beamten zum Beitergehen Briefen geht hervor, daß fie freiwillig megen zerrütteter Fa aufforderten, brangen etme 20 taux des Reten Jung- milienverhaliniffe aus dem Leben geſchieben flub. die Bergleute, die man in allen Kreisen seit dem Grubenunglüd cuf der Zeche Minister Stein" zeige, den Beroarbeitern nicht genügen tönnen. Die berechtigten Wünsche und Forderungen der Bergarbeiter nach einem ausfömmlichen Lohn müßten endlich anerfannt werden. Der Mann, der die aufreibendfte und gefähr lichste Arbeit verrichte, dürfe in seinem Einkommen nicht schlechter gestellt sein als andere Arbeitnehmer oder ein großer Teil der Beamtenschaft. Weiter sprach die Konferenz ihre Entrüstung über die fich immer mehr im Bergbau breit machende Unternehmermilltür aus und forderte von der Regierung, daß sie die Unternehmer zwinge, den Hauern die im Schiedsspruch vom Dezember 1924 ausge allein dürfe es nicht bleiben. Schließlich forderte die Konferenz, daß alles getan werde, um Katastrophen wie das Unglück auf der Zeche Minister Stein" zu verhüten. Der französische Bergarbeiter.Berband hat für die Opfer der Bergwerfsfatastrophe von Dortmund eine Sammlung eingeleitet. Der Allgemeine franzhe Gewerkschaftsbund Opfer von Zeche„ Minister Stein" soll am nächsten Dienstag eine hat 1000 Franken nach Dortmund gesandt. Zur Bestattung der Delegation der Grubenarbeiter von Courrieres. entfandt werden, zur Erinnerung daran, daß vor 19 Jahren eine deutsche Rettungsmannschaft bei der großen französischen Grubenkatastrophe Hilfe leistete. = Schwerer Unfall auf einer belgischen Grube. Auf der Unfall ereignet. Ein vollbefeßter Förderforb stürzte in den Schacht, St- Andreas Grube im Hennegau hat sich ein schwerer wobei acht Grubenarbeiter tödlich verlegt wurden. Orkan in den bayerischen Alpen. Ein Eisenbahnzug vom Sturm umgeworfen. Im Bayerischen Alpenvorlande hat am Sonntag ein unge. wöhnlicher Höhensturm bei strahlendem Sonnen. fchein und frühlinghafter Wärme gewütet. In München wurde Häusern angerichtet. Mehrere Leute wurden von herabfallenden eine Reihe von Bäumen umneriffen und erheblicher Schaden en den Ziegeln und umstürzenden Bäumen teilweise schwer verletzt. BeSiegeln und umstürzenden Bäumen teilweise schwer verletzt. Be Der bekannte Gafthof, Zur Bost im Urfeld am Walchensee büßte fonders schweren Schaden richtete der Sturm im Gebirge an. Im Kessel des Walchensees gab es eine direkte Verwüstung. über die Hälfte seines Blechdaches ein, das wie ein Teppich am Haus herunterfiel. Die Straße am See war vollkommen unpassier bar. Die abgeriffenen Bäume und Ziegel stürzten fortwährend hinunter und rissen eine Menge von Felstrümmern mit sich. Tele. graphen-, Telephon- und Lichtleitungen wurden umgerissen, fo daß fees( Garmisch- Partenkirchen) tobte der Sturm in außerordentlicher der gesamte Berfehr unterbrochen wurde. Auch im Gebiet des EibBeife. Bom Hotel Eibsee wurden rund 450 Quadratmeter vom Dach abgehoben und in den nahen Wald zerstreut. Hier fielen Dem Wüten des Sturmes nach oberflächlicher Schäkung rund 15 000 Quadratmeter Bäume zum Opfer. Die meisten Bäume wurden in der Mitte einfach abgeschnitten. In Ehrwald ( Desterreich) brach Großfeuer aus, dem fünf Häuser zum Opfer fielen. Einzelheiten darüber waren nicht zu erhalten da die Tele phondrähte durch das Unwetter zerstört worden sind. Auch die Telephonleitungen auf dem Observatorium auf der Zugfpite find unterbrochen. Salzburg, 15. februar.( WTB.) Der vor zwei Tagen ein getretene Fön entwidelte sich heute zu einem außerordentlich heftigen Sturm, der an verschiedenen Gebäuden Schaden anrichtete. Ein Personenzug der Salzkammergut- Lotalbahn wurde auf der Strede Ischl- Santt Wolfgang- Strobl vom Sturm erfaßt und aus dem Gleise geworfen. Mehrere Wagen stürzten die Böschung hinunter. Dabei wurde ein Schaffner getötet, mehrere Eisenbahnangestellte und 15 Passagiere leicht verlegt. Gin an die Unfallstelle abgegangener Hilfszug mit Aerzten usm. wurde ebenfalls vom Sturm erfaßt und umgeworfen. Verletzt wurde dabei niemand. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen find geftört. Dammrutsch auf der Bahnftrede Effen- Süd- Effen- Stadtwald, Auf der Strede Effen- Süd- Stadtwald rutschte bei Kilometer fechs in der Nähe der Walpurgisstraße der 24 Meter hohe Eisen. ba hndamm in einer Breite von 30 Metern ab. Der Betrieb wird eingleifig aufrecht erhalten. Verspätungen bei allen Zügen sind in den nächsten Tagen unvermeidbar. Die Ausbesserungsarbeiten sind in die Wege geleitet. Sturm auch in Norditalien. Bei Celle an der Ligurischen Küste hat eine Wasserhofe großen Schaben angerichtet. Ein Haus wurde weit fortgetragen und auf eine Bahnstrede geworfen, so daß der Verkehr längere Zeit gesperrt mar. Die Wasserhose war von einem starten Sturm begleitet, der auf einer Strede von etwa 100 Metern alle Telegraphen. und Telephonstangen niederriß. Auf den Feldern richtete der Orkan großen Schaden an. In Savona wurden zwei Fabrikgebäude start beschädigt und mehrere Häuser abgedeckt, die teilweise einstürzten. Im Hafen von Genua mußten die Anferfetten der Schiffe verstärkt werden. Die internationale Regatta fonnte infolge des Sturmes nicht abgehalten werden. Aus den oberitalienischen Boralpen wird der erste reich 11che Schneefall dieses Winters und der Niedergang vieler Laminen gemeldet. Jer den Bergamaster Tälern liegt der Schnee 1 Meter hoch. Aus dem Beltlin wird außergewöhnlicher Schneefall gemeldet. Auf dem Bernina- Paß mütet ein heftiger Schneesturm. Der Paßverkehr über die Bernina nach dem Engadin ist eingestellt. Die meisten Telephonlinien nach der Schweiz und nach Frankreich sind unterbrochen. Lawinenfturz auf die St. Gotthard- Bahn. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag verschüttete eine Lawine einen Teil der St. Gotthard Eisenbahnlinie zwischen Ambri und Mirolo auf einer Strede von etwa 100 Metern. Groß- Berliner Parteinachrichten. 12. Areis Steglig, Lichterfelbe- Santwig. Kreisvorstandsisung Dienstag, 17 Fe bruar an belannter Stelle, ausnahmsweise pünktlich 7 Uhr. 46. Abt. Der unter Frauenveranstaltungen angekündigte Vortrag bes Genaffest Stuben über Mieterichus findet sicht fait. Die Gesinnen nehmen tell an ben Praperabous bes 47. Whilung Gewerkschaftsbewegung Schlecht gespielte Naivität. Den Communisten ist die revolutionare" Heldentat gelungen, ehntausende von Arbeitnehmern, die erst neu zur Gemertfchaftsbewegung gekommen waren, durch ihre Aktionen wieder ins Lager der Unorganisierten zu treiben. Die plötzliche Hoch flut nach der Revolution, die den Gewerkschaften Millionen neuer Mitglieder brachte, wäre zwar auch ohne die Zellenbauerei, die Bergiftung des Bersammlungslebens und das ganze fomnunistische zetben zu einem guten Teil verebbt. Doch die Verwüstungen, die darüber hinaus unter den Mitgliederbeständen der Gemerfschaften erfolgten, sind der gemeinschädlichen Gegenagitation der Kommunisten in den Betrieben, unter den Arbeitslosen und in den Gewerkschaftsversammlungen zuzuschreiben. Der Bersuch. die von den Gewerkschaften abgesplitterten Massen, durch Brovozierung des Ausschlusses fommunistischer Führer" und Rabauhelben aus ihren Gewerkschaften, die diese Maffen mitreißen" follten, für fommunistische Sonderorganisationen einzufangen, ift gescheitert. Die Herrschaften mußte ihre Tattif umftellen und ihre Borfämpfer" für die 3ersplittterung der Gemertschaften, die Schumacher, Weŋer und Kaiser, aus ihrer Gemertchaftsbewegung ausbooten. Die Parole der„ Einheitsfront", wie man sie in der fommunistischen Parteizentrale auffaßt, murde propagiert und den Funktionären und Mitgliedern der KPD. die Verpflichtung auferlegt, wieder in die Gewerkschaften einzutreten, um darin fommunistische Parteiarbeit zu verrichten. Der Zuwachs, der unter folchen Umständen den Gewerkschaften zugeführt werden soll, oder nachdem die den KPD.- Mitgliedern gestellte Frist abgelaufen ist zugeführt wurde, ist für die Gewerk schaften von vornherein ein recht zweifelhafter Gewinn. Die Massen, die ins Lager der Unorganisierten und teil weise sogar in das der Gelben getrieben wurden, tann feinfom munistischer Parteibeschluß wieder zurüd bringen. Sa felbst ein ganzer Teil der Revolutionäre", der die kommunistische Heze gegen die Gemertfchaften gefühlsmäßig als lleberzeugungsfache aufgefaßt und sie nicht als Mittel zum 3 med erkannt hat, is: dem Parteibefehl nicht nachgekommen und hat sich dafür lieber aus der Partei ausschließen lassen. Die durch jahrelange üble Erfahrungen mit den Einheitsfront- Barolemachern gewißigten Gewerf. fchaftleitungen müßten tatsächlich aus den unfähigen Trotteln bestehen, als die sie von der KPD.- Presse tagtäglich verleumdet werden, wenn sie es unterlassen hätten, sich den ihnen von der KPD. bescherten neuen Zuwachs etwas näher anzusehen. Den Gewerkschaften ist jeder Arbeiter, jeder Angestellte will. kommen, der sich in Reih und Glied stellt und im Sinne der Gewerkschaften mitarbeitet. Wer jedoch gegen die„ reformistischen" Gewerkschaften jahrelang aufgeputscht ist und erst recht gegen die Gewertschaftsleitungen, wer in die Gewerkschaft kommt, um tommunistische Parteiparolen zu verfechten, bedeutet für die praktische Gewerkschaftsarbeit und für die Gewerkschaftseinheit fein Gewinn. Kurzum, die Gewerkschaften sind gezwungen, etliche Bei trittsertlärungen fommunistischer Parteisend. Linge zurüdzumeisen. Das benutzt die Rote Fahne" zu einer gut gespielten jittlichen Entrüstungsaftion, weil der Metallarbeiterverbant einige folcher Beitrittserklärungen unter Hin meis auf seine Sagungen abgelehnt hat. Auch der 3d A. hat einer Stenotypistin im Betrieb der„ Roten Fahne" die Aufnahme ver. meigert. Dem Fabritarbeiterverband bzw. seinem Bor fizenden Reimann wird zur Last gelegt, daß er fagte, man müſſe bei Neuaufnahmen vorsichtig sein, um feine Verbands: zerstörer in den Berband zu bekommen. Wir sind der Meinung, es ist für die Gewerkschaften weit beffer, wenn die„ Rote Fahne" sie beschimpft, weil sie ihren statutatischen und fonitigen reformistischen Verpflichtungen nachfommen, als daß die Gewerkschaften sich von neuem einem Keffeltreiben der KPD. irunerhalb ihrer Reihen aussehen, das lediglich dazu führte, baß auf jeden neuaufgenommenen KPD.- Parolenmann mindestens ein Dugend Austrittserklärungen fämen. Beschlüffen der KPD. zu folgen. Die Gewerkschaften müssen es nach wie vor ablehnen, den Beschlüffen der KPD. zu folgen. Berhandlungen im Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Berband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, finden am Montag, den 23. Februar, freie Berhandlungen zwischen den bisherigen Trägern des Reichstarifvertrages für das deutsche Bankgewerbe ftatt. im dritten 8 Mt. und im vierten Jahr 10 Mt. Roftgelb. Ob diese Beträge für das notwendige Fahrgeld, für Nahrung und Kleidung oder gar als Entschädigung für die nach beendeter Lehrzeit sofort cintretende Arbeitslosigkeit gezahlt werden, fonnte bisher nicht festgestellt werden. Tatsache ist aber, daß der größte Teil der Ausgelernten fofort nach Beendigung der Lehr ent lassen wird. Dann beginnt die Arbeitslosigkeit, die nicht nur wochen, sondern monatelang dauert. Nach der Statistik des Arbeits. nachweises arbeiten feit 1919 nur rund 450 Glafer im Beruf. Rund 300 find infolge der schlechten Lage im Beruf noch in anderen Branchen tätig. Sie tämen gern zum Beruf zurüd, wenn Arbeits möglichkeit bestände. 1922 waren durchschnittlich pro Tag 66 Glaser arbeitslos. Bolle drei Monate war tie Höchstzahl 169. 1923 ciaren durchschnittlich pro Tag 170 Arbeitslofe, die Höchstzahl betrug 379. In den ersten drei Monaten des Jahres 1924 ging diese Sahl auf 324 zurüd und fiel dann bis Mitte Noventber auf 15. Seit Mitte November ist die Zahl der Arbeitslosen wieder ständig gestiegen und beträgt jetzt 176, bei 450 im Beruf stehenden Glasern. Die Eltern müssen sich also wohl überlegen, ob fie bazu beitragen wollen diese Zahlen noch zu vergrößern durch ihre Söhne. Nun zu den Löhnen. Zugegeben, daß gegenwärtig die Löhne der Glaser denen der anderen Berufe im Baugewerbe gleichstehen, sie zum Teil vielleicht sogar übersteigen. Es muß jedoch beachtet werden, daß fein Beruf im Baugewerbe so sehr Saisonberuf ist wie das Glasergewerbe. Sollten sich für die Zukunft die Vera hältnisse bessern, dann werden auch die wieder zum Beruf zurüd fehren, die heute noch anderswo beschäftigt sind oder Handel treiben. Es bedarf also feiner Lehrlingszüchterei. Jedenfalls ist es notwendig, daß Eltern, ehe fie ihren Jungen Glafer lernen lassen, sich mit der zustehenden Organisation in Bera bindung setzen. Baugewerfsbund Fachgruppe Glaser. Der Konflikt im Rachelofengetverbe beigelegt. Bei den Verhandlungen vor dem Schlichter der Provinz Brandenburg am 12. Februar ist es zu einer neuen Lohnverein ( Friedenslohn) und der volle Affordtarif vom Jahre 1920 barung gekommen. Der geforderte Stundenlohn von 70 Bf. wurden von den Unternehmern afzeptiert. Der Streit drehte sich nur darum, wie lange die Vereinbarung gelten soll. Die Arbeit nehmer wollten einen zweimonatigen Abschluß für Februar und März, während die Fabrikanten eine Geltungsdauer bis 1. Juli forderten. Nach mehrstündigem Berhandeln wurde die Bereinbarung bis zum 30. April abgeschlossen. Wenn in der benachbarten Kachelindustrie( Sachsen) die Löhne am 1. April steigen, sind die Barteien verpflichtet, erneut zusammenzutreten und wegen der Bezahlung im Monat April zu beraten. Ueber den viel umstrittenen Lohnabzug vom Spigen lohn von 10 Broz in den fleineren Provinzorten soll erneut verhandelt werden. Bis zum 3. März follen diese Verhandlungen erledigt sein, sonst wird ein paritätisches Schiedsgericht unter einem unparteiischen Borsitzenden, der eventuell durch den Schlichter der Proving Brandenburg ernannt wird, end- Forderungen der polnischen Gewerkschaften in Danzig. tommission haben Rüdwirtung ab 15. Februar. lleber die Hilfs gültig entscheiden. Sämtliche Entscheidungen dieser Schiedsarbeiterlöhne foll örtlich verhandelt werden. Soll der Junge Glaser werden? Ostern steht vor der Tür und für viele Eltern ist es schmer, einen Beruf für ihren aus der Schule kommenden Sohn zu finden. Eine besondere Neigung, Glcser zu werden, wird wohl faum ein Junge haben, es sei denn, daß er zeichnerisch gut veranlagt ist und sich der Bleiglaserei zuwenden will. Doch wird mancher Glaser werden, weil in anderen Berufen schmer unterzukommen ist. Womöglich ist bei einzelnen Eltern noch die Auffassung vertreten, ein Glaser brauche wenig Kapital, um selbständig zu werden. Das ist natürlich falsch. Wie in allen Branchen fann auch in der Glaserei nur der bestehen, der über größeres Rapital verfügt. Heute übersteigt in Berlin z. B. die Zahl der Selbständigen die Zahl der Gehilfen um mindestens ein Drittel. Wieviel von diesen Selbständigen" einen geringeren Verdienst, eine längere Arbeits sind sie zwar nicht arbeitsins, sondern sie haben nur nichts zu zeit und mindestens diefelbe Arbeitslosigkeit( nach Meisterbegriffen tun) wie die Gehilfen haben, soll hier nicht untersucht werden. Dreieinhalb bis vier Jahre soll nach Innungsbeschluß die Lehrzeit dauern. Bezahlt wird im ersten Jahr 6 Mt., im zweiten 7 M., In Düffeldorf noch starke Opposition. Düffeldorf, 16. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Bei der New wahl der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter Berbandes in Düsseldorf entfielen auf die Amsterdamer Liste 657 Stimmen, auf die Moskauer nur 330. Immerhin bedeutet auch dieses Resultat ein erfreuliches Zeichen fortschreitender Gesundung der Gewerkschaften. für die die deutschen Eisenbahner in Danzig von der Um 31. März d. J. läuft nach einer DE- Melbung bie Frist ab, deutschen Reichsregierung beurlaubt worden sind. Der polnische Gewerkschaftsverband in Danzig hat sich an die polnische Re gierung mit dem Ersuchen gewandt, in eine Berlängerung dieser Frist nicht einzuwilligen und die frei gewordenen Stellen mit polnischen Eisenbahnern zu befehen wird die Forderung gestellt, daß sämtliche frei werdenden Stellen in der Hafenverwaltung ausnahmslos mit polnischen Beamten und Arbeitern befezt werden sollen, bis in der nationalen Zusammenfeßung des Personals das Verhältnis 50:50 erreicht sei. 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