Nr.82 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 42 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich. 8 Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. lung und Kleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Gozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpretje: Die einfaltige Nonpareille. Reklamezeile zeile 70 Pfennig. 4, Reichsmart.„ Kleine Anzeigen" dos fettgedruďte Wort 20 Bfennig ( auläffia awei fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 10 Bfennig. Steffengefuche das erste Bort 10 Pfennig, jedes weitere Bort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für awei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 30 Pfennia. Anzeigen für die nächste Stummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden itraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nahm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 18. Februar 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bosticheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diekonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Das Geschenk an die Ruhrindustriellen. Kritik an der Verteidigungsschrift. Betretenes Schweigen der Rechtspreffe. Rechtspresse.- Kritik Es ist eine alte Wahrheit, daß man Bilanzen zwar fri fieren, aber nicht auf die Dauer fälschen kann. Einmal fommt die Fälschung doch heraus. Die Frisur, die die Ruhrbilanz in der bekannten Entschädigungsdenfschrift erhalten hat, ist jedoch mehr als dürftig. Sie zerfiel am ersten Tage, als man sie der Deffentlichkeit präsentierte. Wenigstens so viel Mühewaltung hätte man von den Regierungsfachleuten, die der reichsten Industrie Deutschlands auf Kosten der Steuerzahler Hundertmillionenbeträge zuwandten, erwarten dürfen, daß sie eine ernsthafte Widerlegung der gegen sie gerichteten Angriffe versucht hätten. Millionen von betrogenen Sparern schreien nach ihrem Recht, Millionen der auf das Schwerste geschädigten Opfer der Inflation sind entrüstet über die gewaltigen Aufwendungen, die man Schadenersah" nannte, ohne auch nur die tatsächlich entstandenen Schäden ernsthaft nachzuprüfen. Die schwerindustrielle Bresse, die sonst so standallüstern ist, hat nach ihrer anfänglichen Befriedigung über die Regierungsverteidigung die Sprache verloren. Sie tut, als ob nichts geschehen wäre. Nun, den betrogenen Nach läufern der Rechtsparteien werden über die Wirkungen des Ruhrstandals noch die Augen aufgehen. Nur allzubald werden fie erkennen, daß sie lediglich Stimmvieh für die industriellen und agrarischen Magnaten maren, die nur auf die eigene Tasche bedacht sind. Durch nichts zu rechtfertigen ist jedenfalls die Tatsache, daß das Parlament bei der Ausschüttung der gewaltigen Summen nicht gefragt worden ist, ehe die Entschädigungsbeträge feststanden. 3m leberwachungsausschuß des Reichstags besteht das politische Instrument, dessen sich die Regierung auch in der Zeit unmittelbar vor der letzten Wahl hätte bedienen können, um sich wenigstens einigermaßen durch eine parlamentarische Entscheidung zu decken. Das Mittel wurde nicht versucht. Diese Nichtachtung des Barlaments steht in der Finanzgeschichte moderner Staaten einzig da! allgemeinen Entschädigungsnormen entsprach In dieser Bekanntmachung über Ruhrschäden war nämlich bestimmt, daß von den festgesetzten Entschädigungen 5000 Reichsmart voll plus 75 Proz. des Restes ausgezahlt werden sollten. Die 5000 m. volle Entschädigung fallen bei den großen Beträgen, um die es sich beim Ruhrbergbau und bei den anderen Großindustrien handelt, natürlich überhaupt nicht ins Gewicht. Weniger als die den allgemeinen Normen entsprechenden 75 Broz. hat aber auch der Ruhrbergbau nicht erhalten. Im Gegenteil wurde bei thm in einer Reihe von Schadenskategorien über die 75 Proz. hinausgegangen, nämlich in folchen Kategorien, in denen zufolge früherer Zusagen der Regierung ein Anspruch auf Erstattung in vollem Umfange in Aussicht gestellt worden war. Daraus ergibt sich also, daß die Schwerindustrie zum Teil günftiger, als es der Bekanntmachung vom 10. Dezember 1924 entsprochen hatte, behandlt worden ist. Dafür hat sie denn auch frühere Bezahlung bekommen als das Gros der gewöhnlichen Entschädigungsberechtigten." Schließlich wird noch mit Recht darauf verwiesen, daß auf die Entschädigungszahlungen Steuern angerechnet worden sind, wobei sich die Frage aufwirft, zu welchen Goldturfen die Steuerrücstände verrechnet wurden. Wo immer man die Denkschrift anfaßt, überall kommt man zu dem gleichen Ergebnis, es ist mehr verschwiegen und bemäntelf als erklärt worden. Noch einmal: der Stinnes- Brief. Die Zeit" findet für die sachlichen Einwendungen, die wir gegen die Denkschrift machen mußten, selbstverständlich einen Raum. Denn der Bergbauliche Verein hat noch nicht gesprochen, und ein selbständiges Umgehen mit dem Rechenstift kann man den Herren Bolkswirten der der Schwerindustrie freundlichen Bresse natürlich nicht zumuten. Dagegen behauptet sie, unsere Wiedergabe der Aeußerung Stinnes, Rhein und Ruhr müßten bei einer Ablehnung der Micum- Entschädigung vom preußischen und vielleicht deutschen Staatsverband abgeschrieben werden, sei eine Fäi Höchst überflüffig ist es, wenn ein Blatt darauf verweist, chung. Wir möchten einmal den Bergarbeitervertreter sehen, der daß sich die Kritik der Ruhrentschädigung ja gegen das so ein Wort mit der für Stinnes typischen Wendung der„ Ab Rabinett Mart richte. Denn mas beweist eine solche Festschreibung" in den Mund genommen hätte. Die Entschließung stellung? Doch höchstens das, daß bereits im Kabinett Marg der Bergarbeiter, die Stinnes allerdings in dieser feitsamen die rechtsgerichteten Kreise start genug waren, Umschreibung inhaltlich wiedergeben will, und die am 20. Oktober um ihm ihre Politik aufzuzwingen. Jeder weiß, wie außer der Reichsregierung überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: ordentlich schwierig die Stellung dieser Regierung durch die damals fchwebenden außenpolitischen Fragen geworden war, " Borstand und Bezirksleitung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands nahmen Stellung zu den mie fehr dieses Minderheitskabinett darauf sehen mußte, fich Fragen, die das Ruhrgebiet betreffen und zu denen das Reichsfeine Stimmen im Reichstag zu halten. Bei einer solchen fabinett nach uns gewordenen Mitteilungen heute Beschluß faffen Stellung war es sicher nicht immer leicht, das Richtige zu treffen. Zudem fann Marg höchstens für die Ausführung einer Zusage verantwortlich gemacht werden, die bereits von seinem Vorgänger Stresemann gegeben worden war, wobei die Durchführung der Aufgabe in den Händen des Finanzministers und jetzigen Reichskanzlers Luther lag, was für dessen politische Haltung und die Zusammensetzung feines Kabinetts deutlich genug spricht. Die Rechtsparteien und ihre Steigbügelhalter trifft die volle Berantwortung für den gewaltigen Raub am Wolfe darüber gibt es feine Täuschung. Mit ihnen wird im Barlament abzurechnen sein. Vergebliche Bemäntelung. Die ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die bei der Ruhrent schädigung den kleineren Opfern der Besetzung zugefügt wurde, indem man die Schwerindustrie besonders begünstigte, wird vpm Berliner Tageblatt" treffend gefennzeichnet. „ Schon durch diese Einteilung hat sich, wenn man die Gesamt fchäden betrachtet, eine bevorzugte Behandlung der Schwerindustrie ergeben.... Die Denkschrift gibt das auch offen zu... Das Wesentliche ist, wann die 3ahlungen erfolgt sind, und mit Rücksicht darauf, wann die Zahlungen an die kleineren Gewerbetreibenden aus technischen Gründen erst später erfolgen konnten, hätte auch die Auszahlung an die Großen entsprechend zurück gehalten werden müssen. Dann hätte sich auch ganz von selbst die Möglichkeit ergeben, die gewaltige Summen umfassenden Entschädigungsabfommen erst dem Parlament wenigstens in den zuständigen Ausschüssen des Reichstages zur Kontrolle vorzulegen." Die Regierungsbenkschrift tut sich viel darauf zugute, daß das Reich angeblich durch die rasche Zahlung an die Schwer industrie große Summen erspart habe. Wir haben das durch Berechnungen bereits widerlegt. Mit anderen Gründen kommt das Berliner Tageblatt" zu dem gleichen Schluß: " Ja Wirklichkeit hat die Regierung nichts erwirft, was nicht ben in ber Befanntmachung nom 10. Dezember 1924 niedergelegten wird. Ein Beschluß, die Sachleistungen für die Reparationen nicht zu bezahlen, hat nach einmütiger Auffassung der Konferenz die endgültige Abschnürung des Rhein und Ruhrgebiets und die wahrscheinliche Errichtung eines Rhein Ruhrstaates unter völliger französischer Oberherr schaft zur Folge. Das arbeitende Bolf an Rhein und Ruhr, welches jahrelang unerhörte Opfer gebracht hat, wird es nicht verstehen, wenn die Reichsregierung nicht alle Mittel bis zum äußersten erschöpfte, diese Abtrennung mit ihren Folgen zu ver= hüten." In dem Begleit brief wird überdies ausgeführt, daß eine andere Entscheidung, wie die von uns vorgeschlagene, zu unbeschreiblichem Chaos im Ruhrgebiet, zum Bürgerkrieg in Deutschland führen müßte und zu neuem Krieg mit Frankreich führen könnte, in dem Deutschland wiederum endgültig unterliegen müßte". Man erkennt deutlich: Die Bergarbeiter wollten vor der ungeheuren Gefahr warnen, die die von dem damaligen Innenminister Jarres unterstützte Bersackungspolitik naturnotwendig herbeiführen mußte. Was aber macht Hugo Stinnes daraus? Aus der Warnung wird in seinem Munde die unverhüllte Drohung mit dem Abfallen des Rhein- und Ruhrgebietes. Der Brief ist im übrigen von einer derartigen Hinterhältigkeit, daß man sich ihn zur Charakteristik schwerindustrieller Praftifen merken sollte. Zunächst legt Stinnes den Bergarbeitern die Aeußerung in den Mund, daß Rhein und Ruhr vom Staatsverband abgeschrieben" werden müßten. Vorher hat er die Forderung nach Mehrarbett um 1% Stunden vertreten. Nachdem er die Not der Bergarbeiter für sich hat fprechen laffen, erklärt Hugo Stinnes, der Bergbauliche Verein wolle von einem gemeinsamen Schritt mit den Arbeitnehmern bei der Regierung absehen, da in dieser hochpolitischen Frage die Re gierung aus eigener Verantwortung und ohne einen fo ungeheuren Drud, wie ihn eine gemeinsame Borstellung der vereinigten Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Ruhrbergbaus darstellen würde, entscheiden müsse. Einen moralischen Drud will also der Bergbauliche Berein nicht ausüben. Im naften Abfaz aber schon heißt es: " Ich wiederhole die gestern mehrfach ausgesprochene Bitte um eine flare eindeutige Entscheidung. Die Bergarbeiter an Rhein und Ruhr und wir müssen wissen, ob die Regierung alle Reparationslieferungen, insbesondere die Kohlenlieferungen, ablehnt. Im Falle der Ablehnung fritt selbstverständlich die Notwendigkeit ein um die Bevölkerung an Rhein und Ruhr am Leben zu erhalten fofortige weitergehende Verhandlungen mit den Franzosen und Belgiern anzuknüpfen." Also Stinnes wollte mit Franzosen und Belgiern sofort weiter verhandeln. Die Bergarbeiterverbände hingegen befürchteten bas unbeschreibliche Chaos". Deutlich steht man den Unterschied im Tonfall des Industriemagnaten und des Bergarbeiterverbandes. Daß sich nun die Wiedergabe des Stinnesschen Diktates als alles andere darstellt wie als eine Fälschung, wird jeder zugeben müssen. Im übrigen muß doch eins bemerkt werden: Daß die Micum asten und insbesondere die Kohlenlieferungen vom Reiche zu vergüten waren, wird ja von niemandem bestritten. Was aber bestritten werden muß, ist die Anmaßung der Regierung gegen den Willen des Bolles, unter dem Vorwand der Entschädigung dem Ruhrbergbau Zuwendungen zu machen, die weit über den entstandenen Schaden hinausgehen. Wenn sich die schwerindustrielle Bresse nachher an derartige Einzel heiten festflanumert, fo tut sie nur dasiclbe, was die Regierung mit ihrer ganzen Denkschrift verfucht hat: fie, jetzt Ausflüchte und Berlegenheitsgestammel an Stelle der von ihr geforderten fachlichen Auskünfte. Schreiende Ungerechtigkeit. Ruhrgelder, Steuersabotage und Ausgewiesenenfürsorge. Aus dem besetzten Gebiet mird uns geschrieben: Die ohne Bewilligung des Reichstages unter der Hand er folgte Hergabe einer Summe von mehreren hundert Millionen Reichsmart an die Großindustrie des alt- und neubesetzten Gebietes muß gerade im besetzten Gebiet bei allen rechtlich denkenden Menschen einen Schrei der Entrüstung auslösen. Insbesondere die Kreise, welche mit den sonstigen Methoden und Gepflogeuheiten der Finanzministerien vertraut sind, empfinden diese nicht ordnungsmäßig genehmigte Zahlung als einen neuen Beweis für die beherrschende Stellung des Großfapitals über die Regierung. Der Hinweis auf die Sonderbelastung diente der Großzindustrie dazu, fid; steuerliche Vergünstigungen der verschiedensten Art zu ver schaffen. Wir empfehlen daher den sozialdemokratischen Fraktionen des Reichstages und des Landtages, von den Regierungen fol. gen den Nachweis unverzüglich zu verlangen: 1. In welchem Umfange sich die Großindustrie des alt und neubesegten Gebietes den Steuerverpflichtungen nach Umstellung auf Goldsteuer dadurch entzogen hat, daß fie unter Hinweis auf die mangelnde Zulaffung der Gesetze durch die Rheinlandkommission die Rechtswirksamkeit derselben bestritt und die Leistung an Reich, Länder und Gemeinden verweigerte. 2. Db, nachdem das preußische Oberverwaltungsgericht in einer bemerkenswerten Entscheidung diese Rechtsauffassung der Steuerpflichtigen als abwegig gekennzeichnet hat, Veranlaffung genommen werden wird, den Unterschied zwischen den geleisteten Zahlungen und den gesetzlich geregelten Steuerverpflichtungen sofort nachzufordern. 3. Ob und in welchem Umfange den großindustriellen Be trieben des alt- und neubesezten Gebietes aus irgendwelchen Gründen Steuervergünstigungen zu teil geworden sind, insbesondere bei welchen Werken eine geringere Steuerverpflichtung festgesetzt wurde als sie den Bestimmungen der§§ 5 Abs. 1 und 3 sowie 12 der II. Steuernotverordnung gemäß betragen hätte. Eine wahrheitsgemäße Darstellung wird überraschende Tatsachen zu tage fördern und den Beweis erbringen, in welcher strupellosen Weise das deutsche Großkapital alle nur erdenkbaren Mittel anwendet, um sich steuerlichen Verpflichtungen zu entziehen. Da aber angenommen werden muß, daß das Reichsfinanzministerium seine Anweisungen an die Landesfinanzämter und Finanzämter nur deswegen herausgab, weil eine Erleichterung wegen der Micumlaften geboten sei, so ist es selbstverständlich, daß der Reichsdag dafür zu sorgen hat, daß diese Bergünstigungen nicht nur einwandfrei an Hand der amtlichen Akten festgestellt, sondern auch die unterbliebenen Zahlungen fofort nachgeleistet werden. Zu diesen generösen Methoden des Reichsfinanzministeriums im Gegensatz aber stehen die Kleinlichkeit und Engherzigteit der Behandlung derjenigen Bevölkerungsfreise, die in Zufammenhang mit dem Ruhrabenteuer Eristenz und Gesundheit viel fältig einzufegen verpflichtet waren und denen von seiten der Reichsregierung in mannigfachen programmatischen Rundgebungen volle Schabloshaltung zugesichert worden ist. Diese Engherzige feit zeigt fich auf das deutlichste bei ben zahlreichen Berjonen, Die feinerzeit aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen wurden. I Sie wurden nicht nur bei der Eisenbahnverwaltung die ja tein Reichshoheitsunternehmen mehr ist in erheblichem Um fange abgebaut oder mit furzer Kündigungsfrist aus dem Ar beitsverhältnis entlassen, sondern erfahren auch sonst fast täg lich, wie wenig Fürsorge ihnen zuteil wird. Ganz unzulängliche Beträge sind zur Wohnungsbeschaf fung zur Berfügung gestellt worden, alle weitergehenden Anträge der Kommunen, in die Ausgewiesene zurüdströmten, wurden unter Hinweis auf die schlechte Finanzlage des Reiches abgelehnt und in der Hauptsache nur Baracken zur Verfügung gestellt, die den Ausgewiesenen als ein Hohn erscheinen, wenn sie an die gemachten Bersprechungen denten. Die dirette Fürsorge ist in oft Häglicher Weise auf bureaukratische Behandlung der einzelnen Fälle abgestellt und die Akten des Fürsorgeamtes für Beamte aus den Grenzgebieten fönnen von dem mißmut, der aufgefpeicherten Erbitterung und der Empörung vieler Ausgewiesener zeugen. Fast jeder Ausgewiesene, sei es, daß er bereits in die Heimat zurückgekehrt ist, sei es, daß er noch wegen des Mangels einer Wohnung an der Heimkehr der Familie gehindert ist, fann ein Lied von dieser Fürsorge" singen. Ist doch eben erst ein neuer Erlaß des preußischen Finanzministers bes fannt geworden, wonach mit Rücksicht auf die Staatsfinanzen ab 15. Januar dig 3ahlung der Beihilfen an die Personen eingestellt wird, die im besetzten Gebiet wieder in ihrem Amt tätig sind, deren Familien aber noch wegen des Wohnungsmangels im unbefeßten Deutschland an ihrem Zufluchtsort leben müssen. Diese Maßregel trifft Beamte mit einem Einkommen besonders hart und ist ohne jede innere Berechtigung getroffen, aber wo es sich nur um die misera plebs handelt, vertragen die Staatsfinanzen feine Belastung, denn dann würden vielleicht die großen Almojenempfänger nicht ganz so gut abschneiden. Die Auslandspresse über den Ruhrskandal. Genf, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die gesamte Schweizer Bresse fritisiert die Denkschrift der deutschen Regierung über die Ruhrentschädigungen, die sie als Standal und Raub am Bolle bezeichnet. Die neue 3 ürcher Zeitung" ichreibt, es wäre ein unerhörtes Unrecht, dem deutschen Balfe zuzumuten, neben den direkten Lasten der Ruhrbefegung noch die Bürde un fontrollierbarer Riefenentschädigungen für schwertontrollierbare „ Opfer" einer fleinen Schicht der Ruhrbevölkerung auf sich zu nehmen. Pflicht des deutschen Barlaments und der Regierung fei es, in aller Deffentlichkeit eine Abrechnung über dieses beschämende Kapitel aus der Ruhrkampf- Finanzierung vorzulegen. Das gleiche Recht aller deutschen Staatsbürger vor dem Fiskus sei wiederherzustellen. Wenn es nicht gelänge, die Ausmünzung der Ruhrbejegung durch eine kleine Kapitalistengruppe zu verhindern, bleibe das Ruhrgebiet noch lange und nicht nur wegen der französi fchen Befagung eine eiternde Wunde am deutschen Volkskörper. Paris, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Presse hat bisher nur kurze Auszüge aus der von der deutschen Regierung veröffentlichten Denkschrift über die Millionenspende an die Ruhrindustrie gebracht. In den Besprechungen der Denkschrift tommt jedoch das Erstaunen darüber zum Ausdruck, daß in der deutschen öffentlichen Meinung die Entrüftung über diesen Finanz standal bisher nicht schärfere Formen angenommen hat. Das wird zu einem Teile darauf zurückgeführt, daß das deutsche Bolt durch die zahllosen Enthüllungen der legten Wochen abgeftumpft ift. Berschiebentlich wird auch die Auffassung laut, daß die Rechts preffe in Deutschland in der politischen Ausbeutung der verschiede nen Finanziandale gefidter und vor allem ftrupetTofer ift als die Organe der Liufen. Wenn auch die Stellung bes Kabinetts Luther schwer erschüttert fel, meint die Information fo Lasse sich unter diesen Umständen doch noch feineswegs voraussagen, ob es darüber stürzen werde, wie dies in jedem anderen Lande mit einer jo schmer tompromittierten Regierung der Fall sein würde. Heute Marx' Regierungserklärung. Das neue Minifterium. Im Preußischen Landtag wird der frühere Reichstanzler, der Führer der Zentrumspartei, Dr. Marg. heute sein Kabinett mit einer Regierungserflärung vorstellen. Die Annahme der Wahl zum Ministerpräsidenten durch Dr. Marg Julius Hirschberg. Prof. Julius Hirschberg, der Altmeister der deutschen Augenheil. funde und einer der berühmtesten Augenärzte unserer Zelt, ist gestern im Alter von 81 Jahren gestorben. Hirschberg, der in Potsdam geboren war, bezog nach seiner Gymnafialzeit 1862 bie Universität Berlin, um unter Birchow, du Bois- Reymond und Traube Medizin zu studieren. Im Jahre 1866 promovierte er, war dann bis 1868 Affiftent bei dem großen Augenheilkundigen von Graefe und ließ fich 1870 an der Berliner Universität als Privatdozent nieder. 1879 wurde er Außerordentlicher Profeffor, 1900 Ordentlicher Honorarprofeffor. Die wissenschaftliche Welt verdankt Hirschberg zahlreiche wichtige augenärztliche Arbeiten. Berühmt und auf der ganzen Welt bekannt wurde sein Name dadurch, daß er den Elettromagneten den Zweden der Augenheilkunde nuzbar machte. Während in früheren Zeiten Metallsplitterverlegungen der Augapfel, namentlich Stahlsplitterverlegungen, eine sehr schlechte Heilungsaussicht boten, gelang es Hirschberg, durch die besonders finnreiche Konstruktion feines Apparates Metallsplitter, deren Entfernung auf operativem Bege nicht möglich ist, mit Hilfe seines Elektromagneten felbst aus dem Inneren des Auges hervorzuholen und auf diese Weise zahlreichen Menschen, die früher erblindeten, das Augenlicht zu retten. So ist Brofessor Hirschberg vielen zum Wohltäter geworden. Seine Er. findung ist auch eine Großtat auf dem Gebiete der Gewerbemedizin. Sie hat naturgemäß besondere Bedeutung für die in der Metallindustrie tätige Arbeiterschaft. Daneben beschäftigten ihn physikalische und mathematische Studien, die er auch praftisch im Laboratorium von Helmholtz an wandte. Ihre Frucht war die im Jahre 1874 erschienene Schrift Mathematische Grundlagen der medizinischen Statistik". Hirschberg mar der Begründer des Zentralblatts für Augenheilkunde", das er lange Zeit redigierte und zu großer Blüte gebracht hat. Die Resultate feiner medizinischen Forschungen hat er in dem Lehrbuch„ Einführung in die Augenheilkunde" zusammengetragen. Dieser staunenswert vielseitige Gelehrte hat sich auch zuweilen auf das philosophische Gebiet begeben. Er schrieb Studien zu Homer und ein Wörterbuch zu Ariftoteles. Seine außerordentlichen Sprach fenntnisse ermöglichten ihm die Verfassung historisch ärztlicher Schriften:„ Geschichte der Augenheilkunde im Mittelalter und im Beginn der Neuzeit", die Augenheilkunde des Aetius und zu fammen mit Lippert und Mittwoch Die arabischen Augenheilärzte. Auch als Reiseschriftsteller hat sich Hirschberg einen Namen gemacht. In feinen Büchern Aegypten", Tunis"," Um die Erde" erzählt er non feinen ausgedehnten Reifen. Er war im übrigen ein Freund Klassischer Bildung und gehörte dem Vorstand der Bereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums an. Bor anderthalb Jahren erregte es nicht geringes Aufsehen, als der hochbetagte Julius Hirschberg in einer Sigung der Berliner MeIch kann den Gründen, welche Sie schriftlich anführen und die mich zur Mandatniederlegung führen müssen, nicht Folge geben. Ich habe mich nach reiflicher Ueberlegung entschloffen, soweit es an mir liegt, alles zu verhindern, daß durch meine Person der Partei Schaden zugefügt wird. Ich trete deshalb hiermit aus der Deutschen Zentrumspartei als Mitglied und fomit auch aus der Fraktion der Zentrumspartei des Deutschen Reichstags aus. Den Entschluß wegen Niederlegung meines Mandats werde ich in dem Augenblik fassen, wo der Fragenkomplet, soweit er meine Person angeht, geflärt erscheint." stellt die Rechtsparteien vor eine ihnen zweifellos unange-| bruar richtete er ein Schreiben an den Borfizenden der Graftion, in nehme Situation. 3war verbreitet eine Korrespondenz die dem er zur Sache folgendes mitteilte: Nachricht, daß die Oppositionsparteien" die Bildung der. Regierung durch Dr. Marr als eine Provotation" empfinden müßten und ihren Sturz mit allen verfassungsmäßigen Mitteln betreiben würden. Sollte diese Korrespondenznachricht sozusagen oppositionellen Charakter tragen, so müßte man fragen. wer die Oppositionsparteien" find: Rechtsparteien und Kommunisten oder nur die Rechtsparteien? Jedenfalls werden sich die Rechtsparteien darüber im flaren sein, daß ihre Versuche, wie sie auch ausgehen mögen, zu feinem Biele führen tönnen. Mit einem gegen den Minister des Innern Severing eingebrachten Mißtrauensantrag werden fie teinen Erfolg haben. Das Ministerium wird sich mit Severing solidarisch erklären und fein Rücktritt wird nur die wiedererfolgte Neuwahl von Marr zum Ministerpräsidenten zur Folge haben. Die Krisemacher werden ihr Ziel nicht erreichen. Die preußische Regierung setzt sich aus folgenden Persönlich keiten zusammen: Marg( 3.), Ministerpräfisident, Severing ( E03.), Innenminister, Dr. Höpter Aschoff( Dem.), Handelsminister, Dr. Steiger( 3.), Landwirtschaftsminister, Dr. Beder ( Dem.), Kultusminister, Am 3ehnhoff( 3.). Justizminister. Sirtsiefer( 3.), Wohlfahrtsminister. Der Genoffe Otto Braun wird sich am Mittwoch von den Be amten seines Ministeriums verabschieden und den neuen Minister. präsidenten vorstellen. Das gleiche gilt für den bisherigen Handelsminister Genossen Siering. Beschluß des Parteiausschusses. Der Parteiausschuß befaßte sich am Dienstag mit der allgemeinen politischen Lage. Er nahm zum Schluß feiner Beratungen einmütig folgenden Beschluß an:. handlung feiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der von der „ Der Parteiausschuß gibt nach eingehender BerPartei eingesetzte Prüfungsausschuß feine verantwor tungsvolle Tätigkeit in richtiger und geeigneter Weise ausgeübt hat und vertraut darauf, daß der Ausschuß auch ferner hin die erhobenen Vorwürfe gegen einzelne Barteigenoffen prüfen und daraus gegebenenfalls alle erforderlichen Konse quenzen rücksichtslos ziehen wird. Lange- Hegermann tritt aus. Der Vorstand der Fraktion hält an seiner Auffailung feft, daß aus den in seinem angeführten Schreiben vom 9. Februar dargelegten Gründen der Berzicht auf das Mandat durch den | Abg. Lange- Hegermann geboten mar. Nach der Erliärung des Abg. Lange- Hegermann ist er indes nicht mehr in der Lage, na nens der Fraktion, der der Abg. Lange- Hegermann nicht mehr angehört, etwas Weiteres zu veranlassen. Thüringische Gemeindewahlen. Scharfer Wahlkampf. Weimar, 17. februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Wahl. tampf au den Kreis und Gemeinderatswahlen wird namentlich in den Städten Dst thüringens, wo sozialdemokratijde Mehrheiten bestehen, mit ziemlicher Schärfe durchgeführt. In Gera haben die bürgerlichen Parteien Listenverbindung berein bart, um die Linksmehrheit zu brechen. Dagegen haben die& ommunisten das Angebot der Sozialdemokratie auf Listenverbindung abgelehnt. Im Kreise Altenburg und namentlich in Me u el wit, wo die Sozialdemokraten 17, die Bürgerlichen einen, die die Aussichten für die sozialdemokratische Partei gut. Demokraten fünf und die Kommunisten vier Size besaßen, sind Besten Thüringens wird mit einer 8unahme der Sozialdemokratischen Stimmen gerechnet. Die Staatsbankaffäre. in Weimar, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Unterfuchungsaussuchß gegen den Finanzminister v. Klüchner in der Angelegenheit 2oeb trat am Dienstag nach längerer Pause wieder zusammen, um zunächst die stenographisch festgehaltenen Aussagen Loebs verlesen zu lassen und die Bereidigung Loebs vorzunehmen. Loeb gab eine Erklärung dahingehend ab, daß er, Der Parteiausschuß warnt zugleich die Partei folange seine Aften durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt feien, genossen dringend, sich durch den fyftematischen Berfich nicht auf einzelne Daten festlegen fönne. Er habe teine leumbungsfeldzug, den gerade die erbittertſten Lust, sich in Thüringen erneut einen Strid drehen zu laffen. Der Feinde der Arbeiterklasse gegen die Arbeiterbewegung in- Borsitzende des Ausschusses, Abg. v., Thümmel, entgegnete, daß er fzeniert haben, vermirren zu lassen und so das Spiel der davon Abstand nehmen müsse, Loeb weitere Atten zugäng Reaktion zu erleichtern. lich zu machen, weil die ganze Angelegenheit bereits vom UnterDurch eine Herausgabe von fuchungsrichter bearbeitet würde. Schriftstücken und Akten würde die Arbeit des Untersuchungsrichters gestört werden. Dieser Auffassung trat der Abg. Krüger mit dem Hinweis entgegen, daß der vom Landtag eingesezte Untersuchungsausschuß über den Gerichten stehe und ein Abbruch der Verhand lungen durchaus nicht in Frage tomme. Es wurde muin, zur BerErsuchen des Vorstandes der Fraktion des Zentsuris join manwältigen hofft. Nachdem der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Höfle auf lefung des Protokolls geschritten, das man in 1½ Tagen zu bebat niedergelegt hatte, richtete der Vorsitzende der Broftion Landbund und Ruhropfer. Infolge eines bedauerlichen teiniauf Grund Beschluffés des Borstandes am 9. Februar an den Reichschen Verfehens ist in unserem Bericht über die Landbundragung tagsabgeordneten Herrn ange.Hegerinann das folgende die Feststellung, daß man dort neben langem Gejanimere über das Schreiben: Scidial der Fürstenhäuser auch mit einigen Worten der Stuhr. opfer gedacht hat, unterblieben. Die Folgerungen, die die Deutsche Tageszeitung" baran fnüpft, find deshalb abwegig. Ministerialdirektor a. D. Kaut wurde gegen Sinterlegung einer Sicherheitsleistung bon 50.000 m. aus der Untersuchungshaft ent laffen. Dr. Raug war vor fieben Wochen im Verfolg des Ermittlungsverfahrens gegen Barmat unter dem Verdacht des berfuchten Betruges und der Bestechung verhaftet worden. Er behält sein Mandat, verläßt aber das Zentrum. folgende Erklärung: Die Sentrums Frattion des Reichstags veröffentlicht „ Der Reichstagsabgeordnete Dr. Höfle hat in Berfolg der Entwicklung der Untersuchung in der Barmat- Angelegenheit fein Mandat niedergelegt, um der im Bange befindlichen linrerjugung freien Lauf zu lassen und der Fraktion volle Handlungsfreiheit zu geben. Der Vorstand der Frattion ist der Meinung, daß auch Sie aus denselben Erwägungen heraus Ihr Mandat nie. berlegen müffen Sie werben hierdurch ersucht, diesen Schritt sofort zu tun und mir entsprechende Mitteilung zugehen zu laffen. Herr Lange- Hegermann erbat auf diesen Brief hin Ausstand für seine Erklärung bis zum 14 Februar. Unter dem 16. FeA Asquith nahm zum ersten Male mit dem gewöhnlichen Zeremonie und bei einem vollbesezten Hause an den Sigungen des Oberhaufes als 2ord Orford and Asquith teil. des neuzeitlichen Fahr- und Meldedienstes eingeführt werden tönnen. Die Wagen laufen in bestimmten Kursen zwischen einer Reihe von dizinischen Gesellschaft in formvollendeter frueier Rede aus dem Steg-| Funtapparate sind vorhanden, so daß die Eisenbahner in alle Zweige reif über die Stellung des Hippokrates zu Konstitutionsproblemen fprach und mit einem fabelhaften Erinnerungsvermögen zahlreiche ausführliche Darlegungen aus der griechischen Literatur lückenlos zitterte, ohne auch nur ein Wort auf einem Bettel vermertt zu haben. Dem nun Dahingeschiedenen war ein feltenes Glück beschieden; bis in das höchste Alter verfügte er über eine große Frische und Beweglichkeit des Geistes. Um so schmerzlicher ist jetzt sein Heimgang. Gerhart Hauptmanns Jndipohdi" errang bei seiner geftrigen Erstaufführung im Leffingtheater nur einen Achtungserfoig, der wohl mehr dem früheren Schaffen des Dichters als der vorFerligen in feierlichen Jamben, verlegt die antite Beihe des Hölder liegenden Dichtung gau. Indipohdi", abgeflärtes Bert eines linfchen Empedofles" in abenteuerlich erotische Ferne. Eine fleine Banit, entstanden durch verdächtigen Brandgeruch, belebte das fonft nicht sonderlich angeregte Publikum. Dgr. Es gibt wieder Redouten bei Kroll! Die Zeiten ändern sich. unseren Großeltern machte es eine besondere Freude, zu Stroll zu gehen. Das war für sie immer ein reiner Festtag. Heute ist Kroll zwar neu renoviert", wie der Berliner sagt, und hat von dem Architekten Ostar Kaufmann, dem Erbauer des Boltstheaters am Bülowplay, einen Zuschauerraum erhalten, der an festlicher Bir fung unter den modernen Theaterräumen Berlins feinesgleichen sucht, aber der Berliner von heute scheint den Weg zu Kroll etwas 34 meit zu finden. Nun will man in dieser Dépendance der Staatsoper den durchaus lobens- und anerkennenswerten Verfuch wagen, von Zeit zu Zeit die Theaterräumlichkeiten in einen großen geftraum zu verwandeln, in dem Künstlerfeste besonderer Art stattfinden sollen, Feste, die einer erhöhten, aber geschmackvoll sich äußeriden Lebens. freude dienen follen. Bereits hat man Bühne und Zuschauerraum überbrückt, und es tann in wenigen Stunden das heutige Zuschauerparkett unter Hinzunahme des Bühnenraumes in ein Lanzparkett umgewandelt werden. Von diesem Parkett werden brei Freitreppen fühler Wirkung, will man durch farbige Lichter und Bekränzungen zu dem ersten Rang emporführen. Die Foners, heute von etwas gleichfalls dem Hauptfeftraum angliedern. Bereits am 26. Februar foll in diefem neugeschaffenen Rahmen die Krollredoute 1925" stattfinden und damit eine großstädtische Beranstaltung wieder aufgenommen werden, die über 40 Jahre geruht hat. Man darf diesen zweifellos wohlerwogenen Plänen nicht nur mit Spannung, fondern mit guten Wünschen entgegensehen. Fahrende Eisenbahnerschulen auf der Reichsbahn. Die hohen Anforderungen, die der Krieg und die Nachkriegszeit an die deutschen Eisenbahnen gestellt haben, machten ganz besondere Anstrengungen zum Wiederaufbau dieses Berkehrsmittels nötig. Die Reichsbahn läßt jezt durch besondere Schulen und Vorträge ihre Eisenbahner für die besonderen Aufgaben des Dienstes ausbilden. Um auch gänglich zu machen, wurde fürzlich eine Reihe ausrangierter Trieb. fleineren Dienstellen in einfacher Weise diese Veranstaltungen zuwagen zu fahrenden Schulsälen umgebaut. In ihnen sind ein Lehrfaal mit 36 Plägen und ein Lehrmittelraum angeordnet. Projektionsapparat, Meßinstrumente, Morje, Telephon, Fernschreibe- und Orten regelmäßig um, so daß jezt auch für abgelegenere Orte die Möglichkeit besteht, die Eisenbahner zu Bortrags- und Uebungskursen zu vereinigen. Mit 200 Wellen über den Ozean! Der Funfverfehr hat das Bestreben, mit immer größeren Energien und immer größeren Bellenlängen zu arbeiten. Die größten Wellenlängen, die bisher Derwendet worden sind, werden im Verkehr zwischen Europa und Amerika gebraucht. Sie betragen 18 Kilometer. Da die Entfernung zwischen Europa und Amerika je nach der Lage der Funfftationen 3000 bis 4000 Kilometer beträgt, tommt man mit 200 Bellen über längen. Während die in Nauen aufgewendete Energie 400 Kilowatt den Atlantischen Ozean. Man erstrebt jedoch noch größere Wellen beträgt, wird die neue Funkstation in Bayern, Herzogstand, 1000 Rilowatt verwenden. Die Bellenlänge wird sich dementsprechend steigern. schwebende Projeft der Erbauung einer bayerischen Bahn auf die Die banerische Zugfpihebahn. Das seit langen Monaten Bugspige ist in ein entscheidendes Stadium gerüdt. Die bayerische Staatsregierung hat dem Projekt einer Standbahn auf den Oft. gipfel der Zugspige nach den Plänen des Ingenieurs Cathrein die Konzession erteilt. Die Bahn fährt nach diesem Projekt unmittelbar vom Bahnhof Garmisch- Partenkirchen zum Eibsee, von dort durch einen über 2 Kilometer langen Tunnel zum Bratt und von da wieder durch einen Tunnel auf den Ostgipfel der Zugspize. Bom Eibsee wird die Bahn als Zahnradbahn gebaut, die hinsichtlich der Be. förderung großer Massen von Ausflüglern und hinsichtlich der Be triebssicherheit den größten und modernsten Anforderungen genügen wird. Eine Million für die Berliner Staatsoper. In dem neuen Etat bes preußischen Minifteriums für Kunst, Wiſſenſchaft und Bolfsbildung iſt eine bauses der Berliner Staatsoper. Für Bauausführungen an den übrigen Million Goldmart eingelegt zum Zwed einer Erweiterung des BühnenStaatstheatern find 100000 Mark angefordert. Die internationale Internationaler Städtebaufongreß in New Yort. Städtebau und Gartenstadt- Bereinigung, Sig London, veranstaltet bom punkte werden sein: Städtebauliche Dezentralisation in größeren Gebieten; 20. bis 25. April eine Konferenz in New York. Die HauptverbandlungsHauptverkehrsadern; Borbereitende Planung von Baugeländen; Aufteilungstechnischen Berbände werben gleichzeitig mit der Konferenz ihre Fabres. Die maßgebenden amerikanischen berlammlung abba ten; zu der zur felben Zeit stattfindenden Internationalen Architettur- Ausstellung in New Dort find auch die deutschen Architekten eingeladen. pläne; Eine schwedische Profeffur in Dorpat. Die schwedische Regierung hat im Reichstage einen Beichentwurf eingebracht, nach welchem Schweden für die Einrichtung einer schwedischen Professur in Dorpat 7500 Kronen bewilligen soll. Shaw lernt Tango. Shaw, der foeben von einem Ferienaufenthalt auf Madeira zurüdgelebrt ist, erklärt sich von seinem Aufenthalt für sehr sonst war er nicht mitgig. Er hat während der Ferien mehr geschrieben, befriedigt und ist flolz darauf, den Tango gelernt zu haben. Aber auch als jemals sonst auf einer seiner Reisen, und ein Stüd vollendet, das demnächst erscheinen wird. DeutMnatwnale unter sich. Warnung vor den Wahlen— aber erfolglos! Die Deutschnationalen wissen zu schreien. wenn ihnen etwas des Schreiens wert erscheint. Beweis: die Ebert-Hetze und die B a r m a t- H e tz e, die in Wirklichkeit ein Feldzug gegen die Sozialdemokratie ist! Die Deutschnationalen wissen aber auch zu schweigen, wenn es ihnen in den Kram paßt. Beweis: ihr Verstummen angesichts der DoluMente des gekauften Zeugen Kreil und angesichts des Skandals der Ruhr- Milliarden! Die Deutschnationalen wissen sogar zu schweigen. wenn sie von chren Parteigenossen vor ihren Parteigenossen gewarnt werden. Beweis: der nachfolgend« Brief, der uns von vertrauenswerter Seite auf den Redaktionstisch ge- legt wird und der wert ist, aus dem Dunkel des Lindeiner- Archivs an die Oeffentlichkeit gezogen zu werden. Der Brief hat diesen Wortlaut: verkraulichk S. November 1924. An die Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen Dolkspartei Berlin. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, bestehen seit Jahren ernste Differenzen zwischen dem Abgeordneten G e i s l e r und dem Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenoerband, als dessen Wortführer ich in diesem Falle aufgetreten bin. Vor etwa 2ü Jahren hat Herr Geisler mich verNagt. Am 16. Oktober d. I. fand der erste Termin statt, an dem wirklich ver- handelt wurde. Die Verhandlungen wurden dann vertagt. Auf dem nächstenTermin.der wohl leider erst n a ch d e m 7. D e» zember stattfinden wird, sollen dann die Zeugen vernommen werden. � Obwohl es üblich ist, daß in Prozessen die Parteien schweigen. nachdem die mündlichen Verhandlungen begonnen haben, verösfent- licht Herr Geisler über die Verhandlungen vom 16. Oktober einen Bericht, der, wie alles, was Herr Geisler schreibt, mit der Wahrheit nur mit Mühe in Einklang zu bringen ist. Auch die Deutsch» nationale Korrespondenz gibt sich dazu her, einen ein- seitig Geislerschen Bericht zu bringen. Dagegen protestiere Ich. Ich gehöre der völkischen B e w e gu n g seit 34 Jahren und der Deutschnationalen Volksparlei seit ihrer Gründung an. Ich bin nicht erst nachträglich untergekrochen, wie Herr Geisler. nachdem er anderweitig kein Unterkommen mehr finden konnte. Ich habe mich auch nicht damit begnügt, Mitglied zu fein. In Hamburg und-Berge- darf habe ich für die Partei gearbeitet und ich habe mehrfach Flug- b l ä t t« r für die Deutfchncitionale Schriftenvertriebsstelle gefchrie- den, z. V. die„B riefe an selbstdenkende Arbeiter�. Soll ich nun angesichts Ihrer Parteinahme für Geisler ö f f« n t- l i ch gegen die von G e i s l e r und von der Deutschnationalen Partei- korrespondenz veröffentlichten Aufsätze Stellung nehmen'). Es wäre das ungemein leicht, würde aber die Sache unserer Partei gerade seht vor den Wahlen schwer schädigen. Folglich werde ich schweigen. Wer Ihnen möchte ich einiges mitteilen, damit Sie mir später. wenn der Skandal- jommt. kein« Porwürfe mache» können. Dxp. beyorstehgiide-Prozeß wird, vermutlich.�zu. einer- v � oölligea Sytlaroung Geisler» führeni"".'..• Zeugest werden u. a.. beweisen:... 1. daß Geisler feit Jahren nitt falsche» Zahlen arbeilet: 2. daß er den Vorwurf, er Hab« gelogen, und betrogen, eulgegeu- nehmen mußte und enlgegen genommen hat; daß er einen Briet, sagen wir einmal,„korrigiert' hat: daß er selbst die Mitglieder finner Verbände hinter» Licht führt: daß er sich bei semein Kampf— gleichgültig gegen wen— Mittel bedient., d i« kauincin zroeiter Abg«> o r d n« t e r irgendeiner Pap t« i anwenden würde. Ich mache Tie bei der Gelegenheit aus die kürzlich erschienene Schrift des völkischen Wgeordneten Eh.watal:„Das Wesen der völkischen Kampfgewerkschaften' aufmerksam. In dieser Schrift sagt der Verfasser auf Seite 13: ..... Die ganze Bewegung charakierifiert sich am besten. in ihrem Führer:„Sage mir, wen Du als Deinen Führer anerkennst, und sch jage Dir. wer Du bist." Der Führer dieser Bewegung ist der bekannte deutschnational« Abgeordnet« G e i s l e r, ein Mann, der sich vom Vorwurf der Lüge beim seinerzeMgen Austritt aus der Deutschen volksparlci nicht befreien konnte. Ein Mann, der in die üble Briefdtebstahlsaffäre des Dr. v. Bvehmer verwickelt wurde, ein Mann, der als Porsißender der Dereinigten Vaterländischen Verbände das Leben eines Nur» Parlamentariers führt, dem von weilen Kreisen der deutschen Ar- 3. 4. S. beikerschaft scd: abgesprochen wird, der, wie ehr- liche und anständig« Parlamentarier sagen müßten, von den ande- ren nicht mit der Kneifzange angesaßt würde...." Ein mir völlig unbekannter Herr August Küppers(Volks- wirtfchaftsverband) aus Plau i. M. schreibt mir unaufgefordert am 22. Oktober 1S24: In der„D. T.-Z." lese ich einen Bericht über die Verhand- lungen m dem von dem Abgeordneten Geisler gegen Ei« ange- strengten Prozeß. Im Interesse der Allgemeinheit— an der Per- fönlichkeit des Abg. Geisler habe ich kein Interesse— spreche ich Ihnen mein« Genugtuung darüber aus, daß Sie die Tätigkeit des Politikers Ge'sler einer notwendigen Kritik unterzogen haben. Ich habe Gelegenheit gehabt, den Werdegang dieses Mannes von Ansang an zu beobachten, zeitweise aus nächster Nähe. Mein Urteil fasse ich darin zusammen, daß die vielfachen Ualernehmuageu und Gründungen dieses Mannes viel Geld verschlungen haben, ohne wesentlichen, dem Vaterlande dienenden Nutzen zu zeitigen, lieber die Verhältnisse im„Deutschen Arbeiterbund", d-�en Schwerpunkt jetzt in Hannover liegt, wäre besonderes zu sagen. Die Oeffrvt- lichkeil kann nur verlangen, daß über die großen Summen, die Geisler besonders aus Arbeilgeberkreisen gesammelt hat bzw. hat sammeln lassen. Rechnung gelegt wird. Geisler. wie auch ander« ' Gründer von Bünden, hätten um ihrer selbst willen allen Grund zu beweisen, daß die Gelder im Geiste der Gründung verwandt worden sind: ob mit Erfolg oder nicht, sei dahingestellt. Ich hatte den volitiker und Abgeordnelen Geisler nicht für eine den vater» läadifchen Vellingen nützliche versöulichkeil. Das Urteil wird von angesehenen, mir bekannten Persönlichkeiten geteilt. Man hält Geisler vielfach für einen politischen Unternehmer. Mit treudeutschem Gruß! gez. Küppers." Ich weiß auch schon seit Monaten, unter welch' eigenartigen De- gleilerscheinungen Herr Geisler als hofpilank der Partei aufgenommen worden ist. Ich weiß z. 58., daß der Vorsitzende ihn„Schwein" genannt hat.„das man ja, wenn es zuviel Unfug mache, wieder hin- auswerfen könne". Ich weiß das, und ich weiß auch noch mehr, was ich im Interesse der Partei verschwiegen habe. Ob ich aber vor Gericht schweigen werde, kann ich heute noch nicht sogen. Nun suchen Sie sich bitte im ganzen ehemaligen Reichstage einen Mann, der 1. von. dem Sozialdemokraten Hörstng(über den man denken kann wi« man will) zwecks Klarstellung„bewußter Ver.,. leümder und Ehrabschneider" genannt wird,— der aber gleichzeitig 2. von dem dcutschvölkischen Ehwatal als.ein Mann bezeich- , net wird, von dem Parlamentarier gesagt hätten, daß ihn andere nicht mit der Kneifzange anfassen würden.— den 3. der Sitzungsleiter der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion„Schwein" genannt hat.— und dem 4. breite Parteikreise sowohl als so ziemlich oll« Arbeit- n.e h m e r t r ei s e voller Abneigung und Mißtrauen gegen- überstehen. Sie werden weder im alten Reichetag, noch sonst in unterer Partei, ja kaum in ganz Deutschland einen Menschen finde», der von ganz links bis nach ganz rechts Kritiker findet, die. sich in ihrer schar- fen Ablehnung so in Uebereinstimmung befinden. Em solcher Mann lst nicht-Zll. halten. Und die Partei, die ihn zu lange hält, muh sich aöf'Wimti« Rackestschlügt gesaßt MächcN.'. ..... Mir. ass Privatmann tonn, e» gleich sein,, welch« Stellung die Partei einnimmt Ich weiß, daß es mir gelingen wird. Herrn GdaUr früher oder später zu entlarven. Ihre Sache muß es sein, dafür zu sorgen, daß diese Enllarvung nicht zu einer schweren Schädigung de« parke! führt. Sie würden, da Sie rechtzeitig gewarnt»vor- den sind, für diese Schädigung verantwortlich gemacht«axhin müssen.• Deutschen Gruß! A. Zimmermann. Der Mann, der so deutlich über einen seiner deutschnatio- nalen Parteigenossen urteilt, ist nicht ein unbekonnter jemand. sondern Be r w a ltun g smit g li e d des Deutsch» nationalen Handlungsgehilfenverbandes in Hamburg und Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Bergsdorf der Deutschnationalen Partei! Vor den Wahlen ist die Geschäftsstelle der Deutsch- nationalen also ausführlich vor dem G e i s l e r gewarnt worden. Heute ist der Geisler Fcaktionsmitglied der- selben deutschnationalen Partei, die ihn auf der a l e i ch e n L i st e kandidierte, wie chren jetzigen Vorsitzenden Westarp! Westarp, Zimmermann und Geisler gehören der gleichen Partei Halb und Halb an, die sich gegenwärtig darin gefällt. über die Sozialdemokratie zu Pharisäern! Und Geisler hast nach wie vor„vaterländische" Tagungen ab! Nach öemparteitag vonGrenoble (Von unserem Sonderkorrespondenten.) Paris, 16. Februar. Die Presse des Nationalen Blocks hatte bis zum letzten Augenblick die Ueberzeugung und die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß sich auf dem Parteitag von G r e n o b l e keine Eintracht erzielen lassen werde zwischen den verschiedenen Strömungen innerhalb der sozialistischen Partei Frankreichs. Aber wie ist es schließlich, zur bitteren Ueberraschung für die Reaktion, zur einstimmigen Annahme der Hauptent- schließung gekommen?' In dieser Entschließung spricht der Kongreß 1. seine Be- friedigung aus über die von der sozialistischen Parla- mentsgruppe schon geleistete Arbeit: 2. wird die F o r t f ü h- r u n g, ja die verstärkte Fortsetzung der Unterstützungspoluik in der unzweideutigsten Weise gefordert und 3. wird die Auf- rechterhattung der völligen Selbständigkeit der Partei betont. Soweit die Entschließung Zugeständnisse an die ver- schiedenen Strömungen, wie sie in der Aussprache zum Aus- druck gekommen sind, enthält, lassen sich diese kurz folgender- maßen.zusammenfassen: Die kleine Opposition, die unter der Führung von Bracke im Bezirksverband der Seine (Croß-Paris) die Mehrheit für eine Entschließung erlangt hatte, die dem Bericht der Parlamentsfraktion die Zustim- mung verweigerte, hat sich entschlossen, dem Satz zuzustim- men, in dem von der bisherigen Tätigkeit der Fraktion„mit Befriedigung" Kenntnis genommen wird. Die Mehrheit dagegen, von der einzelne Redner wie Grumbach und Ren au de l auf eine genaue Festlegung der zukünftigen Beziehungen der Fraktion zu den anderen Gruppen der Mehr- heit der Regierung gedrängt hatten, stimmte einer Reihe von Sätzen zu, die die Selbständigkeit der Fraktion und der Partei und ihren uneingeschränkten selbständigen Charakter hervor- heben. In der Resolutionskommission,-die eine ganze Nacht durch beriet, war es zu einer besonderen lebhaften Debatte über einen von der Minderheit gestellten Antrag gekommen, der Kongreß möge erklären, daß die Fraktion nicht obligatorisch zur Regierungsmehrheit gehöre. Da die Mehrheit befürchtete, daß diese Erklärung mißdeutet werden könnte, lehnte sie einen solchen Beschluß ab.„Im Augenblick, in dem die sozialistische Partei einen der wesentlichen Pfeiler der Regierungsmehrheit bildet, wäre es eine Irreführung, zu sagen, daß sie nicht dazu gehöre," erklärte in der Resolutionskommission einer der Redner der Mehrheit.„Viel notwendiger ist es, zu sagen, daß die Tatsache unserer Zugehörigkeit zur Mehrheit die Bil- dung des Kabinetts Herriot ermöglichte und daß die dem Kabinett von den Sozialisten gewährte Unterstützung eine s rerw i l l i g e ist, die ihre Grenze ausschließlich in der demo- kratischen und reformatorischen Tätigkeit der Regierung selbst finden soll". Da in Wirklichkeit die Meinungsverschiedenheit sich auf unwichtige Dinge beschränkte, gelang dem aus den Genossen Blum, Renaudel und Bracke zusammengesetzten Unterausschuß ohne lange Diskussion eine Einigung. Wäre in der Hauptdebatte die Meinung zum Ausdruck gebracht worden, daß man um begangener Fehler willen die Unter- stützungsvolitik einstehlen und die Fraktion in die. Opposition Zurückkehren., soll«, dann wäre die Einigkeit schwieriger, wenn »nicht unmöglich geworden: aber kein einziger Redner hatte diese Forderung gestellt, und es war Bracke, der davon- sprach, durch eine strenge Kontrolle und eine mutigere-resor- matorische Tätigkeit die Unterstützungspolittk zu stützen. Alle Redner aus der Provinz haben sich tief von dem Gedanken durchdrungen gezeigt, daß ein Sturz des Kabinetts Herriot unselig« innere und äußere Folgen haben müsse und daß es deshalb irnInteressedersran- zö fischen Arbeiterklasse liegt, den weiteren Beständ dieser Regierung zu sichern. In der Entschließung wird das deutlich zum Ausdruck gebracht in den Sätzen, die auf die Gefahr einer Rückkehr des Nationalen Blocks zur Regierung hinweisen. Aus- drücklich und nicht ohne damit indirekt auf gewisse brennende Fragen anzuspielen, wird betont, daß die sozialistische Fraktion unter keinen Umständen Dingen zustimmen könnte, bei denen grundlegende Prinzipien sozialistischer Weltanschauung oder Verpflichtungen, die von der sozialistischen Partei Frankreichs der Arbeiter-Internationale gegenüber eingegangen sind, verletzt würden. Der Regierung wird damit unzweideutig zu verstehen ge- geben, daß die sozialistische Fraktion in den Fragen, die mit .t|r'c"en unb seiner Stärkung, mit den deutsch-fran- zösischen Beziehungen und ihrer freundschaftlichen Gestaltung zusammenhängen, k e i n e r l e i R ü ck f a l l zu den Methoden des Nationalen Blocks mitmachen werde. Für den Bestand der Regierung Herriot bedeuten diese Bescblüssc eine Stärkung: zu gleicher Zeit schalten sie ein gewisses Unbehagen aus, das in den letzten Wochen sich in gewissen Reihen der Linken bemerkbar machte, in denen man dem Kongreß von Grenoble mit Unruhe entgegensah. In diesen Kreisen hatte man die politische Schulung der französischen sozialistischen Partei wesentlich unterschätzt. Die harte Lehre, die die Ereig- nisse der letzten Jahre den Mitgliedern der sozialistischen Partei erteilt haben, hat in den kleinsten Bezirken ein starkes Verantwortungsgefühl entstehen lassen. Ein rusilstbes dement,'. Sie wasche« ihre Hände in Unschuld. Die russische Botschaft hält es für zweckmäßig, folgende Erklärung durch die Presse oerbretten zu lassen: „Die Botschaft der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken in Deutschland hat sich bisher zu den Aussagen des Ange- klagten Neumann in dem Prozeß vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik in Leipzig nicht geäußert, weil die Halt- losigkeit dieser Aussagen offen zutage lag. Da aber an dies« Aus- sogen verschieden« Pressetommentare geknüpft wurden, hält es die Botschaft der Union jetzt für zweckmäßig, zu erklären, daß di« Aus- sagen de» Angeklagten Neumann, insofern sie sich auf die Botschaft und auf amtliche Personen der Union beziehen, vollständig« r d i ch- kot sind und kein wahres Wort enthalten." Ganz abgesehen davon, wie die Aussagen Neumonns im Leipzig« Prozeß im e i n z e l n e n zur beurteilen sein mögen, emerle'., ob er ein Spitzel ist oder nicht, d,e russische Botschaft wird nicht erwarten können, daß man ausgerechnet ihren Dementis besondere Beachtung schenkt. Jedes Kind weiß, daß von der russischen Botschaft die Fäden zur Zentrale der KPD. und zur kommunistischen Bewegung ausgehen. Sie vermittelt die s a l s ch e n P ä s s e, mit denen die für politische Arbeit bestimmten Agenten der Kommunistischen Internatio- nale nach Deutschland einreisen, sie befördert unter ihren Postsachen die Geheimkorrespondenz zwischen den deutschen und russischen Kommunisten. Sie vermsttelt— direkt und indirekt— die Geldauszahlungen an die KPD. Auf der Botschaft gehen die Verbindungsmänner zwischen deutscher Zentrale und kommunistischer Exekutive ein und aus. Man weiß, was Dementis dieser Botschaft in solchen Dingen wert sind!_ Deutsch-rumänische Spannung.* Konflikt wegen der Aufwertung von Kriegsfordernngen. Das längst gespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Rumänien hat neuerdings eine wesentliche Verschärfung erfahren. Die rumänische Regierung soll z. B. neuerdings han- delspolitische Maßnahmen planen, die bei ihrer Anwendung den Wirtschaftskrieg gegen Deutschland bedeuten würden. Nähere Nachrichten liegen über diese ganze AngciSgenhest noch nicht vor. so daß es ratsam ist, vorläufig den Fall in Ruhe zu betrachten und zu erörtern. Soweit wir jedoch unterrichtet sind, ist von rumänischer Seite mit der Anwendung des Maximalzolles auf deutsche Waren zu r'echnen: dagegen bestätigen sich die Nachrichten über Ausweisungen von deutschen Staatsangehörigen aus Ru- mänien und die Beschlagnahme ihres mobilen Vermögens nicht. Der Konfliktsfall stammt noch aus der Kriegszeit. Deutschland war nach der Okkupation Rumäniens durch die deutsche Armee ge- zwungen, Lei-Roten in Höhe von 1�4 Milliarden Lei auszugeben. Diese Maßnahme war schon darum geboten, weil die Russen den rumänischen Goldschatz mitgenommen und so den rumänischen Gcldapparat zum Erliegen gebracht hotten. Deutschland stellte als Deckung für die Lei-Roten eine Summe sicher, die 114 Milliarden Mark in Papierwerten betrug, lllach dem Kriege trat die Ver. Wässerung der deutschen Papierwerte ein und damit begann sich die Regelung zwischen Rumänien und Deutschland äußerst schwierig zu gestalten. Es haben im Laufe des letzten Jahres allein dreimal Verhandlungen stattgefunden, die alle ergebnislos verliefen. Ein Angebot Deutschlands, die Schuld durch 56 Goldmillionen > abzulösen, wurde von Rumänien abgewiesen. Deutschland betonte immer, daß es zu einer Regelung innerhalb der Repa ra« tionssuminen bereit wäre. Dieser Standpunkt wird ober von Rumänien nicht geteill. Anfangs begründete Rumänien seine Forderung auf Aufwertung der Banca-Generola-Roten durch den Versailler Vertrag. Es fand aber damit bei der Reparationskommission und auch bei der letzten Tagung der Finanzminister in Paris Ablehnung. Jetzt betonen die Rumänen die Wssassung, daß die Angelegenheit außerhalb des Rahmens des Versailler Vertrages geregelt werden müsse. Damit wird die Grundlage der ganzen Debatte erheblich. ver- schoben. Deutschland, das auch heute seine Verpflichtung anerkennt, kann auf eine Regelung außerhalb der Annuitäten gemäß des Dawes-Plan» nicht eingehen, weil eben dann eine Durchlöcherung des Zahlungsplans stattfindet und Weiterungen eintreten würden, die den ganzen Dawes-Plan über den Haufen werfen dürften. tzoesch bei tzerriot. Paris, 17. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Bot- schaster in Paris hat am Dienstag dem französischen Ministerpräsi- denten Herriot den Dank des Reichspräsidenten und der Reichs- regierung für das von der französischen Regierung und vom Präsi- denten der Republik anläßlich der Grubenkatastrophe von Dort- m u nd bekundet« Beileid ausgesprochen. Er hat sich im Anschluß daran mit dem französischen Ministerpräsidenten über eine Reihe schwebender politischer Fragen unterhalten. Herriot und Chamberlain kommen nach Genf im März. Genf, 17. Februar(Eigener Drahtbericht.)„Traoail" meldet, daß der französische Ministerpräsident Herriot im März zur Tagung de» Dölkerbundsrats nach Genf kommen wird: als Der, treter Englands ist Chamberlain angemeldet. Lord Cecil er- wartet inzwischen die endgültige Form des G e n f er Protokolls, das auch den neuen englisch-französischen Garantievertrag berührt. Das Protokoll wird erst noch dem Völkerbundsrat vorgelegt und im September die Volloersammlung des Völkerbundes zur endgültigen Entscheidung beschäftigen. Gewerkschaftsbewegung Wo bleibt die Antwort der Reichsbahngesellschaft? Am 3. Februar haben die Eisenbahnerorganisationen an die Direktion der Reichsbahngesellschaft eine gemeinsame Eingabe einge: reicht, die die Notwendigkeit der Erhöhung der Löhne und Gehälter und der Herabfeßung der Arbeitszeit begründet. Es sind nunmehr zwei Wochen verstrichen, ohne doß die Direktion der Reichsbahngesellschaft es für notwendig gefunden hätte, auf diese Eingabe eine schriftliche Antwort zu geben. Oder soll man annehmen, daß die leitenden Beamten während der zwei Wochen damit beschäftigt waren, ihre eigene Lohnbewegung durchzuführen und feine Zeit gefunden haben, die Eingabe der Eisenbahnerorganisationen zu beantworten? Sicherungen baut, ftand int Etat des Reichsverfehrsministers sowohl wie auch im jezigen Geschäftsplan der Gesellschaft tein Pfennig für Versuche mit neuen Sicherungsanlagen. Für solche dringend notwendigen Sachen ist kein Geld da, zur Zahlung torrumpierender Zulagen dagegen haufenweise, trop der Dawes- Geseze, die die Eisenbahnen in erster Linie zu einem Reparationsobjeft machen. Die Milchversorgung Berlins bedroht! Durch die Halsstarrigkeit der Arbeitgeber. Vom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Wie wir in der Sonntagnummer bereits mitteilten, stehen dic falls in einer Lohnbewegung. Den vom Schlichtungsausschuß geArbeitnehmer bei der Milchlieferungsgesellschaft ebenfällten Schiedsspruch, der für die Arbeitnehmer eine Lohnaufbejle rung von 50 Bf. bis 2 m. pro Woche brachte, lehnte die MilchM. lieferungsgesellschaft ab. Die beantragte Verbindlichkeitserklärung wurde am 12. Februar vom Schlichter abgelehnt und damit die Belegschaft vor die Entscheidung gestellt, entweder für den alten Lohn weiter zu arbeiten oder sich den durch Schiedsspruch festgelegten Lohn zu erkämpfen. In dem ablehnenden Bescheide des Schlich ters heißt es, daß die Voraussetzungen des Artikels I§ 6 der dem betreffenden Artikel heißt es, daß ein Schiedsspruch für verbindlich erflärt werden fann, wenn die in ihm getroffene Regelung bei gerechter Abwägung der Interessen beider Teile der Billig eit entspricht und ihre Durchführung aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen erforderlich ist. Eine Gaftrolle in New York. Die Firma Umbi( auf deutsch: Artur Müller, BerlinJohannista 1) hatte einem ihrer Monteure Urlaub erteilt, damit er bei ihrer Tochtergesellschaft, der American Ambi in New Vorf, Spezialarbeiten verrichte. Nachdem der Monteur einige Bochen in New York gearbeitet hatte, merkte er, daß der Lohn, den ihm die American Ambi zahlte, den amerikanischen Verhältnissen nicht entsprach, er forderte deshalb eine angemessene Lohnaufbesserung. Da auch ein zweiter Arbeiter mit einer gleichen Forderung an die Firma herantrat, fürchtete sie, der Berliner Monteur werde eine allgemeine Lohnbewegung bei der American Ambi ins Werk segen. Um dem vorzubeugen, wurde der Monteur fristlos entlaffen. Er trat also wieder die Rück reise an und meldete sich bei der Berliner Ambi zur Arbeit, denn er war ja nur beurlaubt, fein Arbeitsverhältnis bestand also fort. Aber die Ambi lehnte die Weiterbeschäftigung ab. Nun focht der Monteur beim Gewerbegericht seine Entlassung durch die Berliner Ambi als unbillige Härte an und hatte den Erfolg, daß die Firma zur Wiedereinstellung oder zur Zahlung einer Entschädigung Don 600 m. verurteilt wurde. Die Firma stellte den Monteur nicht wieder ein, sie wollte auch die 600 m. nicht zahlen, sondern flagte eine Gegenforderung gegen den Monteur ein, die ihr die Die Zulagen, die die leitenden Beamten der Reichsbahngefell. schaft bekommen, gehen weit über die Bezüge hinaus, die nicht nur gleichgestellte, sondern höhergestellte Beamte des Reichsdienstes erhalten. Gleichzeitig haben sich die Mitglieder des Berwaltungsrats für ihre ehrenamtliche Tätigkeit Jahresbezüge von 10 000 bis Schlichtungsverordnung vom 30. Oftober 1923 nicht vorliegen. In American Ambi zediert hatte. Der Monteur hatte nämlich für die 20 000 m. zugebilligt. Angesichts dieser Tatsache ist es um so underständlicher, daß man teine Zeit findet, den Eisenbahnerorganisationen eine Antwort zugehen zu laffen. Bei den niedrigen Löhnen und Gehältern der großen Masse der Eisenbahner muß dieses Verhalten der Direktion der Reichsbahngesellschaft von den Eisenbahnern als eine Brüstierung empfunden werden. 12 Will der Schlichter mit seiner Entscheidung sagen, daß die durch Im Dawes- Gutachten ist ausdrücklich betont worden, daß die Schiedsspruch getroffene Regelung der Billigkeit nicht entspricht? Lebenshaltung der Arbeitnehmer Deutschlands nicht schlechter will der Schlichter damit sagen, daß die Milchlieferungsgesellschaft die Löhne nicht zahlen fann? die rein fubjeftive Begründung fein soll als die der Arbeitnehmer der allierten Länder. Vergleicht des Geschäftsführers der Milchlieferungsgesellschaft anläßman jedoch die Bezüge und die Arbeitszeit der Eisenbahner Franflich der Berhandlung fann doch für die Entscheidung des Schlichters reichs und Englands. mit denen der deutschen Eisenbahner, nicht maßgebend sein. Soll etma behauptet werden, die Erhaltung dann muß man feststellen, daß die Voraussetzung des Dawes Gut des Wirtschaftsfriedens für einen Betrieb, der das für einen großen achtens gegenwärtig bei weitem nicht erfüllt ist. Um so mehr ist es Teil der Bevölkerung( Krante, Säuglinge, Kinder) michtigste Nahdie Pflicht der Direktion der Reichsbahngesellschaft, den Forderungen tungsmittel handelt, ist aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen der Eisenbahnerorganisationen gerecht zu werden. Wir nehmen nicht nicht erforderlich? Wenn Arbeitgeber und Schlichtungsinstanzen an, daß man mit der Antwort jo lange warten will, bis eine Krijen die Lebenswichtigkeit für solche Betriebe verneinen, dann wird man fich nicht wundern dürfen, wenn die Belegschaft dieser Betriebe ftimmung erzeugt ist, die jede Verständigung nur erschwert. dem Beispiel der Arbeitgeber und der Schlichtungsinstanzen folgt. Die Arbeitnehmer der Metereibetriebe werden die notwendigen Schlüffe aus allem zu ziehen haben und diese Betriebe allen anderen Betrieben gleichstellen, d. h., daß bezüglich der Durchführung von Lohnbewegungen diese Betriebe genau jo bestreift wer den wie jeder andere. Eine sofort mit den Funktionären abgehal: tene Besprechung ergab, daß sich die Funktionäre für den Streif aussprachen. Bon einem Eisenbahnbeamten wird uns geschrieben: Der Borwärts" hat schon mehrfach mit danfensmerter. Offen heit das jetzt bei der Eisenbahnverwaltung beliebte System der Leistungszulagen als das bezeichnet, was es in Wirklichkeit ist, näm lich als ein System zur Korrunpierung der Eisen bahner. Die Hauptverwaltung befam es fertig, zu den im Bor: wärts" angeführten Tatsachen eine fogenannte Berichtigung zu bringen, die in Nr. 63 als ein Muster demagogischer Berdrehungsfünfte" bezeichnet wurde. " P = Die Belegschaft der Milchlieferungsgesellschaft wird zu der Ent scheidung des Schlichters in einer heute früh 7 Uhr stattfinden den Bersammlung Stellung nehmen. Nach Lage der Berhältnisse ist mit dem Ausbruch des Streits zu rechnen. Die Milch relieferung der Berliner Bevölkerung ist damit unter Umständen gänzlich unterbunden. Die vier, allerdings sehr peinlichen Fragen, die an die Haupt verwaltung gerichtet wurden, hat man nicht mehr zu beantworten gewagt. Damit ist also eingestanden, daß in der Hauptver waltung einschließlich Zweigstelle Bayern man sich selbst ohne Am heutigen Vormittag tagt auch der Schlichtungsausschuß in Mitwirkung der dazu berufenen Kontrollinstanzen vom General der Lohnstreitsache mit der Meierei Bolle. Fällt die Entscheidung direktor bis zum Bförtner Weihnachtsgelder bewilligt des Schlichtungsausschusses so aus, daß sie für die Belegschaft nicht hat, die durch die mit Lebensgefahr verbundene Dienstleistung des annehmbar ist, dann ist mit einem lebergreifen des Kampfes Betriebspersonals mühsam verdient worden waren. An diesem auf den Betrieb Bolle gleichfalls zu rechnen. Da die Einstellung des Raubzug haben sich auch alle anderen leitenden Beamten der Eisen- Schlichters durch seine Entscheidung im Falle Milchlieferungsgesellbahnverwaltung einschließlich der Amtsvorstände beteiligt. Die schaft befamt ist, ist es mehr wie fraglich, ob die Belegschaft von Deffentlichkeit wird am meisten die Tatsache interessieren, daß diese in Bolle auf die Entscheidung des Schlichters noch Wert legt und der gesamten Bresse fritisierte Geldverteilung Anfang Februar, mie darauf noch einige Wochen wartet. Die Arbeitnehmerorganiverlautet, erneut wieder vorgenommen wurde, diesmal fation, der Deutsche Verkehrsbund, hat noch in legter Stunde aber nur an die notleidenden" höheren Beamten, während man versucht, im Berhandlungswege zu einer Berständigung zu fommen, die Beamten aller anderen Grade glaif überging. ihre Bemühungen sind aber gescheitert. Während auf einer Seite mit dem Gefde förmlich geaaft wird, denn die Beträge, die hier ohne Kontrolle perteilt merden, gehen in die Millionen, Derlautet andererseits, daß der bisher erteilte Urlaub an Betriebsbeamte und Arbeiter gefürzt werden müsse, da dieses System zu teuer fei. Die leitenden Beamten hagegen beabsichtigen, ihre bisher erhaltene Urlaubsbauer noch zu verlängern. Ein feines Plänchen! Die Deffentlich wird am meisten interessieren, daß zur Durch führung von Sicherheitseinrichtungen allerdings ein Geld vorhanden ist. Nach jedem größeren Eisenbahnunglüd, mie auch jetzt wieder( mer spricht noch von dem pon Herne), erklärt die Berwaltung, daß sie neuerdings Bersuche anstelle, um die Betriebs ficherheit zu erhöhen In Wirklichkeit haben sich die Sicherheitsein richtungen des Eisenbahnbetriebes auf den deutschen Bahnen feit zirfa 50 Jahren nur unwesentlich verändert. Während unsere Technit für fremde Bahnen alle möglichen Systeme vervollkommneter Einigungsbestrebungen der Bankangestellten. Wie wir hören, sind gegenmärtig Berhandlungen zwischen dem Allgemeinen Verband der deutschen Banfangestellten und dem Reichsperbande der Banfangestellten im Gange, die den 3wed haben, den 3ufammenschluß beider Organisationen herbeizuführen. Ein solcher Zusammenfchuß wäre im Hinblick auf die im Bantgewerbe vorhandene Zersplitterung sehr zu begrüßen. Wir fügen hinzu, daß die Lage der Bantangestellten heute wahr. scheinlich wesentlich günstiger mare ohne die 3ersplitterung der gemertschaftlichen Organisation. Die gegenwärtig schwebenden Einigungsverhandlungen sind ein Zeichen dafür, daß die Erkennt nis, gegenüber dem Bantkapital die Front der gemerkschaftlich organisierten Banfangestellten zu schließen, eine zwingende Notmendigkeit ist, sich endlich Bahn bricht. Wir begrüßen diese Bestrebungen und wünschen ihnen einen schnellen und vollen Erfolg. Zeit feiner Ueberfahrt nach New Yort außer der freien Fahrt seinen bliebenen Familie verbraucht wurde, so daß der Rest für unvermeidBerliner Lohn bekommen, der zum größten Teil von seiner hiergeliche Nebenausgaben auf dem Schiffe nicht reichte. Deshalb hatte sich der Manteur von der American Ambi eine dem amerikanischen Lohn entsprechende Nachzahlung geben laffen. Dieser Betrag wurde nun im Klagemwege von ihm zurückgefordert. Das Gewerbegericht wies die Klage ab mit der Begründung, daß der Monteur für die eit feiner Ueberfahrt den amerikanischen Lohn beanspruchen fönne. Bolschewistische Diskussionsmethoden. Der Generalsekretär des englischen Bergarbeiterbundes Coot richtete in einer Rede in Llamelly einen heftigen Angriff gegen den früheren Generalsekretär des Bergarbeiterbundes und nachmaligen Zivillord der Admiralität im Arbeiterkabinett Frant Hodges. Legterer hatte fürzlich in einer Rede erklärt, die britische Kohlenindustrie brauche für die nächsten Jahre völligen Frieden. Coof bezeichnete ihn aus diesem Grunde als einen Berräter, der die Interessen der Arbeitgeber gegen die der Arbeiter, vertrefe. ( Hodges hat in Wirklichkeit, ausgehend von der gegenwärtigen Ueberproduktion im Steinfohlenbergbau, den Borschlag einer Berständigung zwischen den Hauptfändern des Kohlenbergbaus vorgeschlagen, um die auf Kosten der Bergarbeiterlöhne ausgetragene Unterbietung zu verhindern. Wie immer man fich zu dem Vorschlag von Hodges stellen mag, diejen deswegen als„ Berräter" abzutun, ist eine aus Moskau importierte Methode. Bekanntlich ist Cook einer der Führer der bolichemistischen Minderheitsbewegung". Es scheint aber, daß die Methoden made in Russia auch den englischen Gewerfschaften nicht erspart werden.) Straßenbahnerstreik in London. London, 17. februar. Die Angestellten des grožеn Londoner Straßenbahndepois traten heute vormittag in den Streit, da sich die Straßenbahngesellschaft geweigert hat, einen entlaffenen Angestellten wieder einzustellen. Der Verkehr in der Stadt hat durch den Streit erhebliche Störungen erlitten. Sattler und Bortefeuiller. Donnerstag abend 7 Uhr Vollverfammlung der Lederwarenbrauche. Bericht von den Lohnverhandlungen. Zutritt nur gegen Berbandsqusmeis. Gewerkschaftskommission( Abt. Reinickendorf, Bez. 20) Tadet die Bertreter zu Montag, den 23. Februar, abends 8 Uhr. ins Boltshaus, Scharnweber. ftraße, ein. Berbandsbuch und farte legitimiert S.. Der Obmann.. Bund der technischen Angestellten und Beamten, Ortsverwaltung Berlin. Chemotechniker und Angestellte der Chemischen Industrie: Heute abend 7% Uhe im Chemie- Bortragsfaal der 2. Sandperterschule, Berlin D., Andreasstr. 1-2, Bortrag über den heutigen Eiend der Colloidlehre. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Birtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Estorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanftalt Boul Singer u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sieran 1 Beilage und Unterhaltung und Bissen". Mufitaufträge T übergibt man nur dem Nachweis des Deutichen Mufiler Verbandes, Berlin O 27, Andreasfir. 21( Königstadt 4310). Geschäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch. 19 Kinderzeitung Der kleine Coco" gratis 1/2 nur 50& Rahma Frühjahrs Für stärkste Figuren! Extra- Preise! 39.Tachmantel( Modelle). 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Geschäft: Berlin NO Große Frankfurter Straße 115 81 Gewinne zu 300 m. 3269 5927 7035 8489 15513 16295 17171 18859 221169 23929 37782 39720 41090 46268 48117 52052 62471 63530 66227 68806 74336 76791 78699 81551 81606 89218 92620 101255 104796 108207 109962 118586 123400 127873 118011 137573 139115 141017 142152 143094 150085 153765 157548 175820 178382 188822 191912 193140 197797 198102 201175 204857 208499 208978 217972 220249 220991 221643 239128 253101 254814 259248 260285 262248 263581 265862 270310 271195 271624 277390 277458 278277 278469 278882 281813 282878 287319 296121 298863 303432 313507 10. Ziehungstag Ohne Gewähr 17. Februar 1925 Nachdruck verboten In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen. 1 Gewinn zu 50000. 54851 1 Gewinn zu 10000 2. 55990 4 Gewinne zu 3000 m. 161575 222982 245250 189417 5 Gewinne zu 2000 m. 23792 144570 194840 256956 270846 12 Geminne zu 1000 m. 45436 46831 60863 93042 100252 160399 166113 206189 257832. 263456 281686 290477 26 Gewinne zu 500 2. 16767 21450 30916 37709 78688 129467 142830 166498 174914 182145 191446 202028 203926 213238 214111 218462 247510 256689 262194 262510 286144 296924 2995-18 302454 803485 311769 8048 88 Gewinne zu 300 2. 6069 7738 17123 23300 32467 34134 36191 37220 37256 42438 46959 48454 48880 51529, 52998 59899 60495 67782 70030 72373 73109 74618 76611 91477 97796 98968 107116 109019 109190 109750 112324 112828 114143 115515 127736 128135 134916 139111 141116 141653 145705 147623 154780 164917 168144 172721 182159 191605 192252 194816 196679 198448 200297 203008 205330 210948 214081 223133 224816 228030 229998 232263 235044 239351 242306 246505 243473 254811 257291 257638 261785 263563 270999 276542 279818 284970 297031 297125 298790 301015 302284 302741 303895 310072 312051 !Tr. S2 ♦ 42.?ahrgar»g Heilage öes vorwärts Mittwoch, IS. Jebruar 1425 Berlin hat sich in die Breite gedehnt. Es ist der Riese unter den deutschen Städten geworden. Nur die Berliner suhlen sich nicht recht wohl dabei. Wer die Stadt in der Diagonale kreuzen muß. braucht dazu Stunden, und wenn er zurückkehren will, geht ihm ein Tag verloren. Unsere Masienverkehrsmittel sind so unzulänglich, daß ihre Benutzung so recht die Größe der Stadt zum Bewußtsein bringt. Es ist unerträglich zu wiflen, daß der Schnellzug uns in vier knappen Stunden in das Gebirge oder an die See. das Flug- zeug in der halben Zeit über die Grenzen des Landes führt, und daß man die gleiche Stundenzahl opfern muß, um eine kleine Reise durch Berlin zu machen. Ueberall ist Aufenthalt. Die Straßenbahn erscheint nur in den Außenbezirken als ein modernes Verkehrs- mittel. Die chochbahn hat eine viel zu träge Zugfolge, die Zahl der vorhandenen Schnellbahnstrecken ist unzureichend. Die Straßen selbst sind zu eng für einen Schnellverkehr für andere Gefährte. Kurz, die Großstadt ist an dem kritischen Punkt angelangt, an dem ihre Schattenfeiten das Licht bei weitem zu überdecker, beginnen. Mit Grauen denkt der Großstädter an die Zukunft Phantasieoolle Groß- stadtbilder von künstigen Zesten erwecken sein höchstes Interesse. Zukuttstsphtmtoften. Die amerikanische Zeitschrift„The Experimenter" bracht« kürz- lich eine solche Phantasie„Die Stadt in fünfzig Iahren" heraus. Zu der Ausdehnung in der Breite kommt hier das Wachsen in chöhe und Tiefe hinzu. Die Fernbahnen münden in Röhren, die unter denen der Skodtbahn liegen, lieber diesen rollen in zahlreichen anderen Röhren die eigentlichen Untergrvndschaellbahnen. In die Erde haben also die künftigen Städtebauer eine weitverzweigte Verkehrsstadt hineinaewühlt. in der der Großstädter horizontal und vertikal befördert wird, denn die einzelnen, wolkenkrotzertief ver- legten Röhren sind durch Schnellauszüge miteinander verbunden. lieber diesem unterirdischen Straßengewimmel strecken sich die ober- irdischen Straßenzüge auch gleich zu vieren übereinander.'Auszüge verbinden sie ebenfalls. Die"unterste Straße ist den Lastautos vor- behalten, die hier ungestört beweisen können, daß Zeit Geld ist. Uebcr dem Lastautoweg schleichen die„rollenden Straßen", die der Fußgänger nur zu betreten braucht, um stehenden Fußes seines Weges zu rollen. Er kann dabei nacheinander Rollstraßen von ver- fcbiedener Geschwindigkeil benutzen, lieber diesen rollenden Unge- Uimen laufen die Straßenbahnzügc ungehindert von dem jetzigen Getümmel der Fußgänger. Radfahrer. Pferdewagen und Autos. Diele drei Souderstraßcn sind mir durch künstliches Licht erhellt. Nur eine Straßenart wird vom Schein der Sonne bestrahlt und direkt vom Hauch der Luft getroffen, die oberste, die den wirklichen Fußgängern oder auch den Rollschuhläusern vorbehalten ist. wobei stillichweigende Voraussetzung ist. daß jeder vernünftige Mensch »den Rollschuhläufer ist. um so mehr, als die Rollschuhe von kleinen Elektromotoren angetrieben werden. Der gesamte>strom wird durch eine Groß Radio Sraftslolion ausgestrahlt und ist an jeder Stelle beziehbar. Der Grundsatz.Alles elektrisch" ist in fünfzig Iahren ideal verwirklicht. Ueber der obersten Straße aber türmen sich gigantische Wolkenkratzer, gegen die die heutigen wahre Waisen- knaben sind. Wir Berliner sind froh, daß wir irgendwo in unserer Stadt ein Meteorologisches Institut haben, in dem sich Gelehrte abmühen. Tag um Tag richtige Wettervorhersagen zu machen, die zuweilen auch zutresfen. Die Stadt in fünfzig Jahren ist über solches Unterfangen hoch erhaben. Sie besitzt ihre Wettermoschiue. Ueber hohen Türmen schweben seltsame, strahlende Gebilde, die es erlauben, ganz nach Belieben, Sonnenschein und Regen wechseln zu lassen. Die Sonne wird gezwungen, chre Strahlen in den Dienst der Grohkroflversorgung zu stellen. Dennoch soll in diese mechani- sierte Welt ein Schimmer von naturfrischem Grün fallen: Die ratenden Wolkenkratzer werden etwa in halber Höhe von wunder- schöneu Gärten umgeben. Selbstverständlich ist diese Zukunftsstadt frei von allen Belästigungen'durch qualmende Schlote. Sie wird für diejenigen, die nicht gezwungen sino, in der Unterwelt, abge» schlosien von Sonne und Wind, ihrem Beruf nachzugehen, der ge- sündest« Aufenthalt sein. Bielleicht wird der eine oder andere an Herzverfettung sterben— von wegen der mangelnden Be- Eia Verkehrstraum. wegung. Das aber tut dem Zukunftsideal des„Experimenter" keinen Abbruch. Auf den Riesenhäusern sind Flugzeugplähe, und die Lust ist von Verkehrsflugzeugen erfüllt,«oweit der„Experimenter". Es ist nur gm, daß ernsthafte Architekten und Ingenieure der Entwicklung der Zukunflsstadt andere"Wege weisen. Die Wirklichkeit. Lolche Phantasten entstehen nicht von ungefähr. Sie geben der Sehnsucht Ausdruck, aus dem als unzulänglich empfundene« ! gegenwärtigen Zustand der Großstadt herauszukommen. Die Groß- ladt wird zweifellos in fünfzig Jahren ein andere» Gesicht als heute zeigen. In welchem Grade sie sich ändert, wird von der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse abhängen. In dem Maße, als es gelingt, den Verkehr durch Schnellbohnen und Autos zu bewältigen, werden die Wohnbezirke mißerhalb der Arbeitsfladt in weitgedehnlen Siedlungen liegen. Wahrscheinlich wird hier das Reihenhaus vorherrschend sein. Vielleicht entwickell sich das Auto wirklich zu einem Volksverkehrsmittel, so wie es in Amerika heme schon begonnen Hot. Dann wäre die Schaffung von besonderen Autostraßen sicherlich eine brennende Frage. Die wolkenkraher- stadt ist kein Ideal. Heute werden die unteren Stockwerke der New Porker Wolkenkratzer nur schwer vermietet, weil sie keine natürliche Lichtzufuhr haben, dauernd im Halbdunkel liegen und künstlich be- leuchtet werden müssen. Trotzdem werden die Grund- und Boden- preise das Entstehen von Hochhäusern begünstigen. Schon heute gibt es in Berlin eine ganze Anzahl solcher hochragenden Bauten. Aber der Grund, auf dem viele dieser Hochhäuser zu errichten wären, sorgt dafür, daß sie nicht allzusehr in den Himmel wachsen. Er ist nämlich zu weich und daher nicht tragfähig genug. Ins- besondere in der Friedrichstadt, im Hauptgeschäftsviertel ist es, wie der Nordsüdbahnbau gezeigt hat, nicht ratsam, wahllos den Bau von Hochhäusern zu beginnen. Es ist keine leichte Aufgabe, eine Stadt wie Berlin in verkehrstechnischer und baulicher Hinsicht aus- zugestalten. Die Stadt hat, trotz Inflation und anderer Schwierig leiten, bisher zielbewußt an der Bsiferung ihrer Straßen und Verkehrsmittel gearbeitet. Die Nord- Süd konnte bereits teilweise in Betrieb genommen werden. Zwingende Notwendigkeit ist es, sie im Nörde» bis nach Tegel durchzuführen. Ein anderer Plan sieht die Verlängerung der Strecke Aleranderplah— Nordring über Pankow nach Rosenthal vor.'Die schmählich verlassene AEG.- Schnellbahn wird ebenfalls wesentlich zur Entlastung der ober irdischen Verkehrsmittel beitragen. Die projektierte Verlängerung der Strecke Darfchauer Straße— Gleisdreieck nach Wellen zur Ver meidung des Umsteigeverkehrs wird bekanntlich in nächster Zu kunst verwirklicht werden. Das ist schon ein ziemlich umfangreiches und kostspieliges Programm für die nächsten Jahre. Durchbrüche durch geschlostene Häuserblocks zur Anlage von Straßen, die einige der Hauptoerkehrswege verbinden und zu ihrer Entlastung beitragen sollen, sind ebenfalls geplant. Daneben bestehr die Absicht, durch einen großen Kanal den Tegeler See mit der Spree zu verbinden. Er soll die nordöstlichen Außenbezirke Berlins in einem Viertel- kreis durchschneiden. Hin und wieder werden auch Pläne zur Schaffung neuer Fabrikltädte vor den Toren Berlins erörtert. Alle diese Pläne zeigen noch nichts von dem phanrasiebeschwing- ten Zukunftsbild des Experimentes. Immerhin würde die jetzige und erst recht die für die Zukunft geplante Gestall Berlins noch vor fünfzig Iahren ebenfalls als etwas Unmögliches erschienen sein In diesem Zeitraum ist Berlin mit amerikanischer Schnelligkeit ge- wachsen, sind Straßenbahn, Hoch- und Untergrundbahn entstanden. ist das Eisenbahnnetz ausgebaut und hat das Auto Herrschajtsrcchte erworben. In dieser Zeit haben wir den Beginn eines wirklichen Luftverkehrs erlebt. Phantasien sind unterhaltsam. Sie sind schnell entworfen und mitgeteill. Die wirkliche Entwicklung geht unsäg- lich viel langsamer und— wenn man nach langer Zeit vergangene Prophezeiungen mit dem tatsächlich Gewordenen vergleicht, wird man oft feststellen können, daß die Phantasie noch übertroffen wurde Vorsicht, Siedler! Ein« Warnung vor einer Siedlungsgesellschaft, die uns von einem Geschädigten Zugeht, veröffentlichen wir gern im Interesse aller derer, die siedeln wollen. In der Zuschrift an uns wird mit- geteilt, daß di« Gemeinde F a l k e n s e e Ländereien durch«ine Siedlungsgesellschaft parzellieren läßt, an deren Spitze ein Herr Lucas, Hohenzollerndamm 96, stehi. Herr Lucas hat einen Unterhändler B u ch h o l z, Kniprodestr. 19, der Parzellen an Siedler gegen Anzahlung und Abzahlung abgibt. Buchhehz erläßt Inserate in den Zeitungen imd hat bereits von einer großen Anzahl von Siedlern Anzahlungen sich leisten lassen. Er selbst ist weder tele- phonisch, noch persönlich zu erreichen und geht allen Auseinander setzungen aus dem Wege. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß Buchholz die Grundstück« mehrfach oerkauft hat. Er fchiebl Der Apfel der Elisabeth Hoff. 241 Bou Wilhelm Hegeler. Während ein Blitz einen Augenblick das Dunkel erhellte. sah Rrzbeck, wie des Professors Augen in quälenden Zweifeln auf ihn gerichtet waren. „Ich brauche mir wegen der Fahrt doch keine Sorgen zu machen?" sagte er plötzlich.„Sie sind sich Ihrer Derantwor- tung bewußt?" .Keine Gefahr!" lachte Ryseck. ,Ln ein paar Tagen sind wir wieder zurück." „In ein paar Tagen kaim viel geschehen." Ahnte der Mann, was er sich selbst kaum anvertraute? dachte Ryseck plötzlich. Wollte er Dämmerungen ins helle Licht des Bewußtseins beschwören? „Was sollte in diesen Tagen wohl geschehen?" „Am liebsten führe ich mit." sagte Hoff versonnen.„Von allem sich losmachen, dos Morgen vergessen, dem Heute leben..." er holte tief Atem—„ach ja, das wäre schön. Aber—" unter einem neuen Blitz zuckte er zusammen, und seine Hand fuhr in jähem Schmerz von der Stirn über den Kopf.„Dies elende Gewitter macht einen ganz nervös. Da bat man so manchmal so kuriose Gedanken. Aber warum gleich das Schlimmste fürchten?" lind die Hand, die sich eben noch auf das Hinterhaupt preßte. Ryseck entgegenstreckend, sagte er in seltsamer Be- wegung: . Sie denken vielleicht, meine Frau wäre mir gleichgültig. well ich sie so oft allein lasse? Aber manchmal ist eine Tren- nuno notwendig. Und nicht wahr, Sie nehmen sich ihrer cm als ein Freund?" „WkII. ich werde tun. was ich kann." erwiderte Ryseck. dem dieser Gefühlsausbruch nicht recht verständüch war. etwas kühl. Eine Welle noch saßen die beiden Manner. von der Dunkelheit eingesponnen und von ihren eigenen Gedanken. Dann und wann flammte ein Blitz auf und riß ein fahles Stück Landschaft aus dem Dunkel: wie das bleiche Gesicht des Todes erschien's dem Professor. Ryseck aber, der, von beißen Wünschen und Hoffnungen belebt, in diesem Augenblick den Tod als unwirkliches Phantom verlachte, sah in das dunkle Morgen wie in eine grell aufflammende Gegenwart. Als nach einiger Zeit Elisabeth zurückkam, verließ Hoff sofort den Ballon und ging in sein Arbeitszimmer. 9. In früher Morgenstunde saß Elisabeth mit den schwatzen- den Kindern am Frühstückstisch. Ralf drängte seine Schwester zur Eile, die Mutter verbot das Hasten. „Doch! Doch!" versicherte Ralf.„Es ist die höchste Zeit. Gleich wird's sechs schlagen." „So pünktlich wird Herr Ryseck wohl nicht kommen." „Doch! Er hat mir gestern noch gesagt, bei Verabredun- gen mit dir ist er immer pünktlich." Als sollten seine Worte bestätigt werden, brummte nach kurzer Zeit draußen die Hupe. Die Kinder stürzten hinaus. Elisabeth folgte ihnen. Auf dem Gange begegnete sie ihrem Manne, der eben jetzt sein Zimmer verließ. Er hatte unge- wöhnlich langsam Toilette gemacht. Einige Minuten waren ausgefüllt mit Begrüßen, Hin- und Herlaufen, Mäntelanziehen. Elisabeth trat auf ihren Mann zu. und. alle Vorwürfe ihres Herzens zurückdrängend, suchte sie mit einem Blick voll Innig- keit die starre Fremdheit seiner Augen zu erweichen. „Leb' wohl. Lieberl Laß es dir gut gehen! Denke freund- lich an mich!" Sie hatte feine Hände ergriffen, ihr Kopf neigte sich ihm entgegen, ihr Mund, eine stumme, fast ängstliche Zärtlichkeit aushauchend, suchte den seinen; ihr ganzer Körper war eine Bewegung des Anschmiegens, die jedoch zerbrach an dem kaum spürbaren, aber unüberwindlichen Gegendruck, womit er sie von sich fernhielt. Die Lippen schließend, näherte er sich rasch ihren Schläfen, berührte kaum die letzten Haarspitzen und stand in sich zurückgewichen, während das gequälte Lächeln den Zwang, den er sich angetan hafte, mehr verriet als verbarg. Schon ratterte der Motor, die Maschine schnellte vorwärts. Die Kinder ließen die Taschentücher flattern, ihr helles Ge- kreisch vereinigte sich mit der Stimme des Dienstmädchens. Ein Hündchen sprang kläffend dem Wagen nach. Ein Wirbel von Bewegung hatte alle erfaßt, außer dem einen, nach dem Elisabeth sich noch ein letztes Mal umwandte. Flehend und antwortheischend umfing sie die standbildhafte Gestalt, aber ibr Blick glitt ab von den spiegelnden Brillengläsern, und ihr dürstendes Herz verbrannte sich, wie an einen: verdorrten Brunnen, an diesen Zügen, die kein innerer �Ouell belebte. Da sank sie auf ihren Sitz zurück und überließ sich ihren bitte- ren Gefühlen. Nach einer Welle erwachte sie aus dem Halbschlummer. worin der brausende Luftstrom sie eingelullt hatte. Braune, glänzende Aecker umgaben sie. von zitterndem Sonnenblust überrieselte Kornfelder, Wiesen voll Schlüsselblumen, gelb flammende Rapsbreften; aus der Ferne leuchtete der rote Rock einer Bäuerin. In der Luft war ein Singen und Klingen und eine solche Fülle von lichtem Blau, daß chr Blick, den eben noch Trauer und Bitterkeit umdunkelt hatten, wie in süßer Blendung erftank. „Haben Sie ein wenig geruht?" fragte Ryseck. „Ich glaube beinah, ich habe geschlafen." Sie beugte sich vor und gab ihrer kleinen Tochter«inen herzhaften Kuß. Als sie eine wehende Locke unter ihren Schleier zurück- schieben wollte, bat er:„Lasten Sie doch" und fügte leiser hinzu:„Sie sind so schön!" Schön— jung— geliebt, es war, als wenn alles in der weiten Runde sich wiegte im Rhythmus dieser drei Worte. Mit tröstlicher, jubelnder Beglückung, in die zugleich etwas wie eine leise Drohung klang, stieg in ihr das Gefühl auf, daß der Freund sie nicht zurückstoßen würde wie eine an- steckende Kranke. Einen Augenblick überließ sie sich der Vor- stellung, wie sie sich zu ihm hinunterbeugte, fiihlle sie die gewaltsame Umpressung seiner Arme und den heißen saugenden Druck seiner Lippen auf ihren..Es glich einem fekunden- kurzen, schwindelnden Fall, aus dem sie sogleich wieder er- schrocken emportaumelle. Sie gab sich anderen Träumereien hin. Heute abend würden sie Margret treffen. Sie sah die Schwester vor sich, ihr verjüngtes Ebenbild, so schlank, so behend, so morgenfrisch, wie sie selbst einst gewesen war. Die beidey mußten einander gefallen. Vielleicht würde anfangs eine gewisse Fremdheft zwischen ihnen bestehen. Sie kannte Margrets Art. die jede wärmere Regung so gern unter kühler Spolllust verbarg. Ryseck aber würde vielleicht anfangs in der Schwester die störende Dritte sehen. Elisabeth erlebt« im voraus das erste, etwas gezwungene Beisammensein zu dreien, wenn Ryseck über die Schwester weg das Wort an sie richtete. Dann mußte sie die Bermittlerin(vielen, mußte eine Gelegenheit finden, um die Schwester aus sich herauszulocken und wirken zu lasten. Würde es leicht sein oder schwer? Wenn nun Margret sich absichtlich zurückhielt, indem sie bei Elisabeth ein wärmeres Interesse für Ryseck voraussetzte und ihr nicht Grund zur Eifersucht geben wollte? Margret aber in den Plan einweihen, das hieß, sie von vornherein auffästig machen, zum hochmütigen Rührmichnichtan. Ach. wieviel Ver- wirrungen, wieviel Ueberraschungen konnte es noch geben und was für Listen mußte sie vielleicht aufwenden, ehe ihr das Spiel gelang! Denn daß es gelingen würde, davon war sie fest überzeugt! Der Augenblick würde kommen, wo Ryseck fest überzeug tl(Fortsetzung folgt.) Hemmungsschuh in der freien Entwidlung der Radiobewegung. Der Arbeiter- Radioklub wird in den nächsten Tagen öffentlich dazu Stellung nehmen." die Schulb auf die Siedlungsgesellschaft und sucht weiter Räufer. I nicht gestattet ist. Die Audion- Berfuchserlaubnis der RTB. ist ein Wie uns der Einsender ferner mitteilt, hat er auf diese Weise die Ersparnisse von einem Jahr verloren. Inzwischen ist nun zwar Buchholz abgesezt worden, hat aber sehr viele, meistens Arbeiter und fleine Angestellte geschädigt. Die Siedlungsgesellschaft aber erklärt, daß fie mit allen denen, die seinerzeit Geld an Buchholz ge zahlt haben, erst dann wieder verhandeln fönne, wenn diese ihr Geld von Buchholz zurückerhalten haben. Dazu ist jedoch wenig Hoffnung vorhanden. Die Siedler seien daher vor Herrn Buchholz gewarnt. Ein Kampf ums Leben. Miststände im städtischen Krankenhaus Friedrichshain. Die Zustände auf der Tuberkulofestation des Städtischen Krankenhauses Friedrichshain bis in die neueste Zeit hinein bildeten den Gegenstand einer eingehenden Beweiserhebung vor der 3. Zivil. kammer des Landgerichts I. Anlaß dazu bot eine Klage, die der Affistenzarzt Dr. Werner Arendt gegen die Stadt Berlin auf Schadenersatz angeftrengt hatte. Da der Ausfall des Brozesses darüber entscheidet, ob der schwerkrante Arzt Dr. Arendt einen Heilund Genesungsaufenthalt im Süden beziehen kann, so ist es hier tatsächlich ein Kampf ums Leben. Dr. Arendt war auf der Tuberkulofestation seit 1921 tätig. Ende 1922 bekam er während des Dienstes einen Bluf sturz und es wurde bei ihm offene Lungentuberkulose festgestellt. Nachdem er längere Zeit frant gewesen, war er noch einige Zeit in einer anderen Abteilung des Krankenhauses tätig. Die Krankheit nahm aber einen so rapiden Berlauf, daß nach ärztlichem Gutachten eine Rettung nur möglich ist, wenn der Krante schnellstens ein südliches Klima aufsucht. Dr. Arendt führt feine Erkrankung auf die unhaltbaren Zustände im Städtischen Krantenhaus Friedrichshain zurüd und bat die Stadt Berlin verklagt, da diese sich weigert, ihm einen Erfab zu leisten. Da Gefahr im Zuge ist, hat der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Gottfried Samter, vor Entscheidung des Hauptprozesses eine einstweilige Verfügung beantragt, durch welche der Stadt aufgegeben werden soll, Dr. Arendt fofort die Mittel zu einem Sture aufenthalt während eines Jahres in Davos bereitzustellen. Ueber diesen Antrag wurde vor der Ziviltammer verhandelt. Der Ber treter der Stadt Berlin, Rechtsanwalt Dr. Walther Fabian, bean. tragte die Abweifung der Klage. Es wurde von ihm behauptet, baß ber Kläger sich schon im Felde 1915 den Reim zu seiner Krankheit zugezogen habe und daß der Nachweis nicht erbracht werden könne, daß die Verhältnisse im Krankenhaus schuld daran seien. Auf einer Tuberkulosenstation werden immer Erkrankungen von Aerzten und Pflegepersonal vorkommen. Der Verteidiger berief fich auf ärztliche Gutachten, daß der Kläger vordem niemals lungenfrant gewesen sei. Drei Borgänger des Klägers und mehrere Krankenschwestern hätten fich in der gleichen Weise Tuberkulofe zugezogen. Der Einwand, daß es fich um Berhältniffe während der Inflation gehandelt habe, fei in diefem Falle teine ausreichende Entschuldigung. Einer der leitenden Aerzte habe bei seinem Dienstantritt erklärt, daß die Berhältnisse im Pavillon III so standalös find, daß sie ihm Etel einflößten. Prof. Dr. Richter habe den Assistenzärzten und Schwestern dringend geraten, fich wegen der großen Anstedungsgefahr nicht eine Sefunde fänger als nötig sei auf der Station aufzuhalten. Schon früher habe fich auf die Eingabe von Kranten die Stadtverordneten: verfammlung mit diesen unerquidlichen Berhältnissen auf der Tuberkulojeftation beschäftigt. Das Gericht beschloß, in eine Beweiserhebung einzutreten und es wurde zunächst Dr. Riesen feld vernommen, der 1919 und 1920 dort Assistenzarzt gewesen und selbst erkrankt war. Die hygienischen Zustände waren, so befundete Dr. Riesenfeld, unglaublich schlecht. Es herrschte großer Mangel an Wäsche. Die fchwersten Kranten blieben wochenlang in derselben Bett- und Leibwäsche, woraus allein schon eine große Quelle der Ansteckung entstand. Der Fußbodenbelag war zerfekt. In den Rizen bildeten fich Schlupfwinkel für Bazillen. Es fehlten alle Einrichtungen zu einer ausreichenden Desinfektion. Er selbst sei ein Opfer dieser Zustände gewesen. Zufällig habe er ein halbes Jahr nach seinem Eintreffen von fich eine Röntgenaufnahme machen laffen und sei voll tommen gefund gewesen. Während seiner Tätigkeit sei eine Schwester ertrantt und gestorben. Mehrere andere, vorher fräftige, blühende Bersonen, feien erfrantt. Aehnliche Aussagen macht der praktische Arzt Dr. Zolfi, der bis zum 1. Januar 1924 Oberarzt auf der Station, im Bavillon III a mar. Auf Antrag der beklagten Partei wurde dann Prof. Dr. Richter, der dirigierende Arzt der immeren Abteilung des Krantenhauses Friedrichshain, vernommen. Er leugnet nicht, daß die Zustände den modernen Ansprüchen nicht entsprächen. Seine Warnung sei aber nur allgemein gehalten gewesen, denn auch auf der befteingerichteten Tuberkulosestation beständen immer große Gefahren. Die Mißstände lagen in den Zelfverhältnissen. Während der Inflationszeit hatte die Stadt fein Geld zu Ber befferungen. Die Frage der Bett- und Leibwäsche sei Sache der Berwaltung. Verwaltungsdirettor 2orenz, der aber erst im November vorigen Jahres seinen Dienst angetreten hat, überreicht dem Gericht eine Auskunft der Oberin, wonach zu der fritischen Zeit der Wäschewechsel in ausreichendem Maße stattgefunden habe. Dem. gegenüber jedoch befundet sein Borgänger, Milewski, der jegt in den Ruhestand ist, daß bei seinem Dienftantritt 1922 von der Ober. schwester und den Aerzten immer wieder auf die Mängel hingewiesen wurde, daß im Pavillon III a die Schwertranfen sehr lange in der felben Wäsche liegen müßten. Bei nächtlichen Kontrollen habe er die Luft in dem Raum unerträglich gefunden. Nachdem der Berteidiger nochmals den Klageantrag auf Bewilligung eines Kurgeldes von monatlich 600 Mart auf die Dauer eines Jahres begründet und Rechtsanwalt Dr. Fabian für die Stadt die Abweisung dieses Antrages perfochten hatte, setzte das Gericht einen unbefristeten Berkündigungstermin fest, der voraussichtlich den Parteien schriftlich zugestellt werden wird. Weitere Notstandsarbeiten in Vorbereitung. Durch die weitere Steigerung ber Erwerbslosigkeit hat sich der Magistrat veranlaßt gesehen, neuerdings wieder mehr Motstandsarbeiten in Aussicht zu nehmen. Die Stadtverordnetenversammlung wird ersucht, hierfür einen Kosten. aufwand von 782000 Mart zu bewilligen. An Zuschüssen aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge sind von Reich und Staat etwa 95 000 M.( 12 Broz.) zu erwarten. In Vorschlag ge bracht sind Ausbesserungsarbeiten an Krantenanstalten, namentlich Buzz- und Anstricharbeiten. Werden die Aufwendungen in der vorgeschlagenen Höhe bewilligt, dann kommen insgesamt 36 000 Erwerbslosentage in Betracht. Außerdem werden 73 000 m. nachgefordert für Notstandsarbeiten, die bereits im Gange find. -Urbeiter- Radioklub und Audionverfuchserlaubnis. Der Arbeiter. Radioklub ersucht uns um Aufnahme des folgenden:„ Der ArbeiterRadioklub erklärt hier nochmals öffentlich, daß seine Mitglieder durch die Angehörigkeit zum Arbeiter- Radioklub nod nicht im Besize der sogenannten Audion- Bersumserlaub nis sind, und daß die Mitglieder durch ihre Mitgliedschaft nicht Berechtigung haben, fich Lampenapparate selbst herzustellen. Der Arbeiter- Radioklub ist nur für Mitteldeutschland bis zur Stunde anerkannt worden und kann in diesen Gebieten seinen Mitgliedern, aber nur nach vorhergehender Prüfung durch den zustänbigen Brüfungsausschuß, die Audionversuchserlaubnis erteilen. Die Mitglieder in den übrigen deutschen Gebieten, die fich Lampen apparate bauen, feßen sich der Gefahr der Beschlagnahme und Bolizeiftrafen aus. Darüber hinaus machen wir die Bevölkerung Darauf aufmerffam, daß der Betrieb von fogenannten Lampen apparaten durch eine Berordnung der bestehenden Gesetzgebung Panik in einem Untergrundbahnzuge. Selbstmordverfuch eines Verhafteten. Große Aufregung verursachte gestern mittag ein Selbstmordverfuch in einem fahrenden Zuge der Untergrundbahn auf der Strede Hausvogteiplah- Spittelmarkt. Die Bestattung der Grubenopfer. Am gestrigen Nachmittag wurden die Opfer der Grubenkatastrophe af dem Nordfriedhof in Dortmund und den Friedhöfen in Kirchberne, Bresten und Lünen beigesetzt. Die Hauptzahl der Verunglückten, nämlich 95 Knappen, wurden in zwei Massengräbern auf dem Dortmunder Nordfriedhof bestattet. Um 3 Uhr setzte sich vom Schacht 3 der Zeche Minister Stein der lange Trauerzug in Bewegung, dessen Spize um 4 Uhr den Friedhof erreichte. Zwischen den beiden Massengräbern war eine Ranzel errichtet worden, von der die Geistlichen beider Konfessionen Ansprachen hielten. Alsdann wurden die Särge auf mit Flor und Tannengrün geschmückten Wagen zu den Gräbern gefahren und Grab gefentt. Kommunisten hatten vorher versucht, mit einem unter den Klängen des Liedes Ich hatt' einen Kameraden" ins Demonstrationszug, in dem Plakate mit Inschriften geführt wurden, den Leichenzug aufzuhalten. Herbeieilende Polizei verhinderte Störungen. Nachdem die katholischen und evangelischen Geistlichen gesprochen hatten, wurden die Opfer bestattet. Einfendungen für diese Rubrik find Berlin 68. 68, Lindenstraße 3. Streifbeamte des Sonderdezernates für Taschendiebe nahmen wegen gewerbsmäßigen Taschendiebstahls von verschiedenen auf der Station Friedrichstadt einen gewiffen Walter Keil fest, der Strasbehörden gesucht wurde. Um ihn ohne Auffehen nach dem Polizeipräsidium zu bringen, ließen sie ihn den nächsten 3ug befteigen und sich auf eine Bant jeten. Die beiden Beamten stellten sich vor ihn, um ihn in dem dicht besetzten Wagen nicht aus holt, die Beamten zu überreden, ihn laufen zu lassen. Als ihm das felbstverständlich nicht gelang, griff er plöglich in die Gefäßtasche. Die Beemten glaubten zunächst, daß er beabsichtige, Diebesbeute zu Parteinachrichten beseitigen. Als einer von ihnen zugriff, um das zu verhindern, sprang Keil plötzlich auf und brachte den Beamten zu Fall. Während ber zweite Beamte jegt eingriff, fielen zwei Schüsse. Die Fahrgäste schrien entsetzt auf. Einige versuchten in ihrer Angst. die Türen aufzureißen und hinauszuspringen und fonnten nur mit Ge malt baran verhindert werden. Bald lief der Zug in die Station Spittelmartt ein. Die beiden Kriminalbeamten trugen jetzt mit Hilfe von Bahnbeamten Reil in das Stationsgebäude und ließen ihn durch einen Arzt untersuchen. Wie dieser feststellte, hat er sich zwei fchwere Schüsse beigebracht. Der Schwerverlegte wurde mit einem Rettungswagen nach dem Staatsfrankenhauſe in der Scharnhorststraße gebracht. Reil spielte ftets den wilden Mann und wurde auch bei seiner letzten Festnahme wieder in eine Jrrenanstalt gebracht. Aus dieser entsprang er vor einiger Zeit, um seine Spezialität, den Taschendiebstahl, wieder aufzunehmen. Es ist unseres Erachtens von den amtierenden Kriminalbeamten fehr leichtfertig gehandelt, einen notorischen Verbrecher in einem so start frequentierten öffentlichen Verkehrsmittel, wie es die Untergrundbahn darstellt, ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen zu transportieren. Berlin im Zeichen der Trauer. für Groß- Berlin flets an das Bezirksjekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten... Abteilungsmietervertreter. Donnerstag, ben 19. Februar, 7% Uhr, im Ronferensiaal ber Borwärts Rebattion. Genoffe Stelling, M. b. R.: Mieter und Bartei". Mitglieds buch und Funktionärkarte bienen als Ausweis. * 2. Areis Tiergarten. Sonntag, den 22. Februar, abends 5 Uhr, Bunter Abend im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 23. Karten zum Preise von 75 Bf.( inkl. Tang) bei allen Funktionären, 4. Kreis Brenzlauer Berg. Donnerstag, den 19. Februar, pünktlich 6½ Uhr, Gigung des engeren, 71 Uhr des erweiterten Kreisvorstandes bei Hoffmann, Lychener Str. 8. Donnerstag 6 Uhr Funktionärinnenkonferenz ( Agitation und Arbeiterwohlfahrt) bei Alug, Danziger Str. 71. Pünkt Tides Erfcheinen Pflicht, da um 6½ Uhr engere Kreisvorstandssikung ift. 14. Kreis Reukölln. Donnerstag, den 19. februar, 7 Uhr, Sigung der Funk tionärinnen in der Spedition Nedarftr. 2. Heute, Mittwoch, den 18. Februar: 15. Abt. Seute, Mittwoch( nicht Dienstag), 7% Uhr in der Turnhalle ber Weltlichen Schule, Butbufer Str. 3, Lichtbildervortrag: Das proletarische Rind". Die Genossen der 14. Abteilung und die Arbeiterjugend sind ein geladen. 91. bt. Mentaln. 21. und 39. Bezirk: 7% Uhr bei Röfter, Rarisgartenftr. 4, Rahlabend. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr im Lobal Werner, Röpenider Str. 108, italieber perfammlung. Bortrag des Genoffen Stahl:„ Die Politik im Reich und in Breußen". Vortrag des Genoffen Stadtvat W. Friedländer: Jugendfürsorge, und Jugendgemeinschaft". Morgen, Donnerstag, den 19. Februar: 28. 61. 7 Uhr bei Alug, Danziger Str. 71, Sufammenkunft der Mitelteber der 18. Berkaufsstelle der Ronfumoenoffenschaft sur Delegiertenwahl. 108. wbt. Röpenid. 88. 96t. 9arienhorf. 8 Uhr Funktionärkung im Simmer. 26. 7 Uhr Vorstandssikung in Jugendheim Grünauer Straße 5, 8immer 1. 131. Abt. Niederschönhausen. Deffentlicher Lichtbildervorteng Das Arbeiters tind um 7% Uhr in der Aula des Enseums Niederschönhausen, Raiser Wilhelm- Str. 69. Referent Genoffe Bittmaad. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 19. Februar: 8. Areis Spanbau. 7% Uhr bei Wind, Bichelsdorfer Str. 5. Bortrag der Genoffin Remptens: Die Frau in der Gemeinbepolitit". 85. bt. Tempelhof. 7 Uhr bei Buse, Raifer Wilhelm, Ede Berherstraße, Seiterer Abend. Bortragender Genosse Beer Loth. Gäfte willkommen. Berlin bot gestern ein ungewohntes Bild, und zwar ganz be fonders in der Wilhelmstraße und den Nachbarstraßen. Dort Junpfosialisten. Gruppe Charlottenburg: 8 Uhr im Bolkshaus, Rosinenstraße, erwiesen die Ministerien des Reiches und des Landes Haus bei Haus den Opfern der Arbeit die lezte Ehre: Alle Flaggen, die schwarz weißen Preußens und die schwarzrotgoldenen deutschen Nationalflaggen auf Halbmast. Das Reichswehrministerium an der Ecke der Leipziger und Wilhelmstraße fiel auf durch sechs große wehende schwarzweißrote Flaggen mit dem Eisernen Kreuz und der schwarzrotgoldenen Gösch, den offiziellen Fahnen. Selbstverständlich erregten alle diese Fahnen Auffehen und so hatten sie auch eine volls erzieherische Wirkung. Nicht minder auffällig allerdings war das Aussehen des Potsdamer Plages. Hotels, Restaurants, Cafés und Barenhaus, die ein Wald von Fahnenstangen auf ihren Dächern aufweisen, hatten nicht eine Trauerfahne gezogen. Besonders auf fällig und befremdend war das Fehlen der Trauerflagge auf dem Gebäude der Groß- Berliner Straßen. bahn am Leipziger Platz. Auf Anfrage wurde uns von einem Direktionsmitglied mitgeteilt, daß dort von einer Verfügung des Magistrats( im Vorwärts bereits am Sonntag mitgeteilt), die städtischen Gebäude halbmaft zu flaggen, nichts befannt sei. Man hätte wohl von dem Magistrat erwarten dürfen, daß er seine Anordnung rechtzeitig und unmißverständlich allen in Betracht kommenden Stellen mitteilt. Oder war die städtische Straßenbahn ausgeschlossen? Sehr merkwürdig berührte es auch, daß das Hauptgebäude des Potsdamer Bahnhofs bis 11 Uhr vormittags ohne Trauer. fahne war und sie erst später aufzog. Die Deutsche Tages: eitung" hingegen hatte ihre schwarzweißrote Freu. denfahne in offenbarer Angst vor der Empörung des Bolkes gestrichen. Weder das Stinnessche Esplanade Hotel noch das Gebäude des Stinnes Blattes,„ Deutsche Allgemeine Beitung", hatten Trauerflaggen gehißt. Man tat hier, als ob einen das Unglück der Stinnes- Zeche Minister Stein" gar nichts anginge. Das arbeitende und trauernde Bolt draußen im Reich mag also wiffen, daß in der Reichshauptstadt Reich und Staat die Opfer der Arbeit ehrten, daß aber gerade die Vertreter der Kreise, die so gern über den Klaffenfampfstandpunft des Sozialismus aetern, aus diesem Anlaß ihren Klassenstandpuntt ganz besonders betonten: Sie lehnten es ab, wegen hundert und einiger toter Proletarier zu trauern. Eine Fraffionsverfammlung der SPD- Mitglieder, die in der Konfumgenoffenschaft Berlin und Umgegend befchäffiat find, findet am Donnerstag, 19. Februar, abends 7, Ubr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 24/25( Saal 1), statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten aus den Generalversamm lungen der RGB. fowie Stellungnahme zur Neumabl der Delegierten und Aufstellung der Kandidaten, 2. Reumabl bes Fraktionsvorstandes und Berschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Bortrags, über das Genoffe Adolf Hoffmann im Berein ber Wie schüßt sich der Freidenfer vor der Hölle? lautet das Thema cines reibeter für euerbestattung( 20. Bezir! Reinidendorf Dft) am Donnerstag, 19. februar, abends 7, Uhr, in offentlicher Ber iammlung im 2otal 8ur legten Minute am Bahnhof Schönholz. Provinzftr. 80, sprechen wird. heute, Mittwoch, abends 7%, Uhr, im Zeichensaale der Sophien Serech- Chor für Proletarische Feierstunden. Die nebungsunde findet shule, Beinmeisterstr. 16/17, statt. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 18. Februar. S Ronfumaenofenschaft. Moabit: Sente, Mittwoch, 7 Uhr, bei Baufdh, Bredow, Ede Wiclefitnake, rattionsfikung fämtlicher Ronfirmaenoffenfchaftsmitalierer der SBD. Sympathiserende find eingeladen. SBD. Konfumgenoßensafts mitglieber ber 58. Warenaboabestelle, Sochmeisterfte, 16, treffen fich am Donners tag, den 19., abends 7 Uhr, im Lotal B. Alug. Danziger Str. 71. Mit ahedsbuch mitbringen. od pra Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungen Rorbring, Brenzlauer Borstadt und Senefelber Biertel! Seute, Mittwoch, ben 18. februar. abends 7½ Uhr, im Jugendheim Danziger Str. 62( Baraden), gemeinsame Mitgliederversammlung. Achtung, Abteilungskaffierer! Seute von 5-7 Uhr Abrechnung. Heute, Mittwoch, den 18. Februar, abends 7% Uhr: Webbing: Schule Ruheplak, Ede Antonftraße, Bortrag: Militarismus Friebrichshain: Jugendheim Große Frankfurter Str. 16, Bortrag: Religion und Rosa- Luxemburg- Abend. Gübolt( Reichenberger Biertel): Jugendheim und Sozialismus". Buisenstadt: Gdule Stallschreiberste 54, Rarl- Liebknechta Reichenberger Str. 66, Borirog: Einführung in die Pflanzenkunde". Wannsee: Schule Charlottenstraße, Bortvag: Entftehung der Erbe". Friede richsbanen: Sunendheim Scharnweberstr. 105, Bortrag: Das Gosialiftengeset". Friedrichsfelbe: Jugendheim Berliner Str. 45, Distuffion: Unfer Statut", Ren- Lichtenberg: Mittelschule, Mattistraße, Borivaa:„ Das Sosialistengejek". Weißensee: 8u dem Elternabend am 22. b. M. müffen alle Eltern eingeladen werden. Anmeldungen für die Einführungskurse im Anschluß an die Funk. Etionärturfe find fofort bem Jugendfekretariat einzufenden, Beginn der Rurfe Anfang Mära, Dauer 10 Abende. Unkostenbeitrag 75 Bf. für bis 18jährige, 1,50 mt. über 18jährige. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsfefie: Berlin 6 14. Sebaftianfte.$ 7/ 38. Sof 2 Ec. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Für alle Rameraden, die im Gastwirts gewerbe tätig finb, findet in der Racht vom Montag, ben 23., aum Dienstag, den 24. Februar, eine Nachtversammlung statt. Referent Rame. Lichtenberg: Mittwoch, den 18. Februar, abends 7 Uhr, Turnen in der Bild rab Frik Ebert jr. Näheres burch Handzettel. Gauvorstand. Kamerabschaft straße. Alles muß erscheinen, wichtige Mitteilungen. Ramerabschaft Lichten. Kamerabschaft Rieberschöneweibe, Ortsgruppe Treptow: Donnerstag, den 19. e. berg, Untergruppe Raulsdorf: Mittwoch, den 18. februar, abends 8 Uhr, Mite gliederversammlung bei Hübner, Wilhelmstraße. Wichtige Mitteilungen. bruar, abends 74 Uhr, Turnabend in der Turnhalle der 1. Gemeindeschule, Riefholzstraße. Sämtliche Kameraden müssen erscheinen. Alle Kameraden, die nach Magdeburg fahren, müssen am Sonnabend, ben 21. Februar, pünktlich um 5 Uhr Bahnhof Treptow stehen. Ramerabschaft Wilmersdorf: Donnerstag, den 19. Februar, abends 8 Uhr, Kamerabschaftsabend im großen Gaal des Restaurants Bittoriagarten, Wilhelmsaue. Pflichtabend mit sehr wichtiger Tagesordnung. Die Führer laben ein. Kamerabschaft Lichtenberg, Unter gruppe Karlshorft: Mittwoch, den 18. Februar, abends 8 Uhr, Mitglieder Kamerab perfammlung im Wirtshaus Rur Rennbahn", Trestomallee 94. schaft Prenzlauer Berg: Alle Kameraden des 2. und 3. 8uges am Mittwoch, den 18., abends 7 Uhr, in der Turnhalle Seinersdorfer Straße. Fahrgeld füle Magdeburg wird ausnahmsweise noch bis Mittwochabend angenommen. Achtung: 8um Bundestag in Magdeburg. Die Rameraden merben barauf aufmertfam gemacht, ihren Bebart an Mügen, Winbjaden, 2ebergarnituren und Abzeichen beim Barenvertrieb bes Reigsbanners beizeiten einzubeden. Die Berkaufsstelle bleibt vom 16. bis 20. Februar bis abends 7 Uhr geöffnet. aliederversammlung am Mittwoch, den 18. Februar, abends Uhr, in der Reichsbund der Ariegsbeschädigten, Ortsgruppe Schöneberg. Nächte Mite Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptste. 122. Referent Ramerad Ludwig, Steglig: Maßnahmen der Fürsorge", Internationale Frauenliga für Frieben und Freiheit, weigstelle, Berlin. Straße 104, Eingang, Rurfürstenstraße, Dr. Chem. Claudia Loewe: Die Ge. fahren des Giftgastrieges. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Alte liebe Märchen für unsere jüngsten Hörer. 1. Das Aschenbrödol, Grimm. 2. Schneeweißchen und Rosenrot, Grimm. 8. Die Störche, Andersen. Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.55 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Wechselwesens". Handel. Privat- Handelslehrer Franz Fischer: Grundzüge des begebung". Hochschulkurse der Funkstunde. 7 Uhr abends: 4. Vortrag, Wechselstempel und WechselMedizinalrat Dr. Stoermer: Aus dem Gebiet der gerichtlichen Medizin". 6. Vortrag. Ueber krankhafte Geisteszustände vom gerichtsärztlichen Standpunkt aus". 7.35 Uhr abends: Professor Dr. Geiger: Radioaktive Substanzen und ihre Strahlungen". 4. Vortrag. Entstehung von Helium. 8.30 Uhr abends: Ein musikalisch- Donnerstag, den 19. Februar, abends 48 Uhr, in der Werffreude, Botsdamer literarischer Abend bei Frau v. Stein. 1. Andante für Flöte und Cembalo, Mozart( Walter Kramer, Flöte: Anna Linde, Cembalo). 2 a) Zuruf eines seligen Kindes aus der Ewigkeit an seine boch betrübten Eltern, Karl Günther, b) Seele, wirf den Kummer hin, Karl Günther. c) Auf das Glück, Karl Günther, d) Abendlied, Karl Günther. e) Am Abend, Karl Günther, f) O Gott, Karl Günther, wechslung im Lieben. Karl Günther, k) Hier starb ein Schlesier, g) Endlich, Karl Günther, h) Trinklied, Karl Günther, i) AbKarl Günther( Joseph Bunzl, Reziation). 8. a) Bitten, Ph. E. Bach, b) Die frühen Gräber, Chr. Neefe, c) Wiegenlied, J. P. Schulz, d) Liebes Mädchen, hör' mir zu, Jos. Haydn( Lolo Barnay, Sopran: Anna Linde, Cembalo). 4. Brief vom 30. November, aus b) Die Werbung. J. Himmel, c) An Alexis( Die Sendung) Werther". Goethe( Joseph Bunzl). 5. a) Hoffnung, L. Reichardt. Himmel, d) Ständchen, W. Weiß( Lolo Barnay, Anna Linde). 6. Adagio aus der Sonate E- Moll, J. S. Bach( Walter Kramer, Anna Linde). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Berliner Arbeiter- Schachtlab. Abteilung Westhafen beginnt am Donnerstag, Anfänger 8 Uhr und für Fortgeschrittene 29 Uhr. Spiellokal bei Serrmann, ben 10. Februar, mit bem erften Abteilungsturnier. Bother Unterricht für Quikofir. 120, Ede Savelberger Straße. Gäfte haben zu jedem Spielabend, Donnerstags 812 Uhr, Zutritt. Touristenverein Raturfreunde", Abt. Charlottenburg. Donnerstag, den 19. februar, außerordentliche Generalversammlung im Seim, Rosinenfte, 14. Jebes Mitglied muß erscheinen Bollsreifebund, e. B., Bilhelmftr. 41 und Deutfibe Boltserholungsheime", Boftfte. 10. Sonnabend, ben 21. Februar, abends 8 Uhr, im Bürgerfant des Berliner Rathauses, Königstraße, Lich bilderporirag: Eine Reise durch den grünen Harz", unter mufitalifcher Umrahmung. Eintritt 60 Pf. Mantolinenflnb Ne bische Klänge 1906. Donnerstag, den 19. februar, 8% Uhr, Artonahallen, Antlamer Str. 29, Uebungsabend. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, 28 Uhr, Edhule Gipsite, 23a, aroke tedmifche Ausschußßigung. Dazu alle Turnwarte der Abteilungen. Verkehrsfragen im Reichstag. Die sozialdemokratische Fraktion für Zentralisation. Der Reichstag fette gestern die zweite Lesung des Reichshaus- der ihm übertragenen Richtlinien( Hört, hört! bei den Soz.) Wir| Die Berkehrsunternehmungen müffen zu dem gemacht werden, was haltsplanes fort beim Reichsverfehrsministerium. Der Ausschuß erheben schärften Protest dagegen und verlangen vom Reichs sie sein müssen im Interesse einer gefunden Entwicklung der Bolks. fordert u. a. den Entwurf eines Reichswasserstraßen veifehrsministerium, daß es alles aufbietet, daß solche Zustände wirtschaft( Lebhafter Beifall b. d. So3.) gefeges. Ferner ersucht er die Reichsregierung, der Entwidlung bejeitigt werden. des Kraftverfehrswesens besondere Beachtung zu schenken und jedem Bersuche der Reichsbahn, diese Entwicklung im Interesse der Ausnutzung des Eisenbahnmonopols zu hindern, entschieden entgegenzutreten, Weiter Jollen die Bahnhofsbuchhandlungen von Schund und Schmußschriften gefäubert werden. Abg. Schumann- Frankfurt( 503) gibt feiner Genugtuung Ausdruck, daß die Borteile der Bereinheit lichung des Verkehrswesens jetzt von allen Seiten anerkannt werden. Wir wären beffer gefahren, wenn die Bereinheitlichung schon ge= schaffen wäre, als wir sie gefordert hatten. Nur das Ineinandergreifen aller Berfehrseinrichtungen ermöglicht den größten volts. ririschaftlichen Nutzen. Die gefunde Entwicklung des Eisenbahnwesens ist leider durch die Gründung der Eisenbahngesell. fchaft gestört worden. Wir können das zurzeit leider nicht ändern. Um so nachdrücklicher muß die großzügige Förderung der anderen Berkehrseinrichtungen durch das Reich gefordert werden. In erster Linie muß für den Ausbau der Wasserstraßen alles Notmendige getan werden. So ist der noch unfertige Teil des Mittel= landfanals möglichst schnell fertig zu stellen und dem Berkehr zu übergeben. Es machen sich Bestrebungen breit, die eine Aende rung der Linienführung wünschen. Wenn wir ihnen nachgeben wollten, so würde der Bau um viele Jahre verzögert werden. An der sogenannten mittleren Linie muß unbedingt festgehalten merden. Von großer Bedeutung ist auch der Rhein- MainKanal, nicht nur als Verkehrslinie, sondern auch für die Kraftversorgung. Allein an der Strede Aschaffenburg- Passau tönnen 33 Kraftstationen errichtet werden. Auch bei den anderen Kanälen spielt neben der Berfehrsentwicklung die Krafterzeugung eine wesentliche Rolle. Leider sind die Organisations- und Rechtsfragen noch ungeflärt, wir müssen eine einheitliche Verwaltung und ein einheit. liches Reichswasserstraßenrecht haben, bei denen auch die Interessen und Wünsche der Länder gebührende Beachtung finden fönnen. Nicht nur in Bayern, auch in Preußen haben einige Parteien Borstöße gegen die Einheitlichkeit des Wasserstraßenwesens unternommen. So wurde im Preußischen Landtag von der Bolts. partei und den Deutschnationalen beantragt, daß das Reich vom weiteren Bau von Wasserstraßen Abstand nehme, daß das Reich lediglich die Oberaufficht behalte, die Länder aber die bauliche Ber. waltung und den Betrieb übernehmen sollen. Wir befämpfen auf das schärffte diese Absichten, die die Einheit lichkeit des Wasserstraßenwesens durchtreuzen. Es sind auch Bestrebungen zutage getreten, die dem Reiche das Schleppmonopol auf den westlichen Ranälen nehmen und es einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen übertragen wollen. Auch hiergegen wenden wir uns energisch, da das Reichsmonopol bisher gut funttioniert hat. Dem von Jahr zu Jahr steigenden Kraftwagenverfehr muß die größte Aufmerksamkeit zugewendet werden, aber auch hier find einheitliche Grundfäße zu schaffen. Bei uns ist das Kraftwagen mesen noch unentmidelt. Während in Amerita auf jeden 6., in Eng. land auf jeden 50., in Frankreich auf jeden 90. Einwohner ein Straft wagen entfällt, tommt bei uns erst auf 300 Einwohner ein Kraft mogen. Zweifellos wird der Verkehr noch ganz andere Formen anhmen als bisher. In Paris fand fürzlich eine internationale Besprechung statt, es ist zu bedauern, daß über deren Ergebnis dem Reichsbeirat für Kraftwefen noch nicht berichtet worden ist. Der Zubringerverkehr ist durch Abgaben so start belastet, daß er sich nicht entwideln fann. Aehnlich liegen die Dinge bei der Lohnpolitit. Die Reichsbahngesellschaft soll ein Musterbetrieb sein. nicht nur in thren volts wirtschaftlichen Leistungen, sondern auch bei der Entlohnung. Shr Erfolg ist von der Tätigkeit der Arbeiter und Angestellten abhängig Aber in bezug auf die Löhne sieh: es sehr traurig aus. Der Redner legt zwei Lohntüten von Leipziger Arbeitern vor, von denen der eine 99,11 m., der andere 86,20 M. im Monat, also 22 und 20 m. die Woche ausgezahlt erhalten hat.( Hört! hört! bei den Soz.) Dem gegenüber müssen die Gehälter gestellt werden, die den leitenden Beamten gezahlt werden. Bu einem Ein fommen von 10 000-24 000 m. im Jahre tommen noch ei.| stungszulagen und Dienstaufwandsentschädigun gen. Jirka 1000 höhere Beamte beziehen das Bierfache an Ceiftungszulagen von dem, was 50 000 mittlere und untere Beamte bekommen. Die Beamten des Reichsverkehrsministeriums, die als Aufsichtsrat tätig sind, fommen geradezu in Gefahr, ihre Aufgaben nicht zu erfüllen, wenn fie fich sagen, daß sie vielleicht in wenigen Monaten gleichfalls in folche Stellungen einrücken tönnten. Wenn man alle diese Summen zusammenrechnet, dann würde man die berechtigten Forderungen der unteren und mittleren Beamten schon erfüllen fönnen. Wir müssen weiter feststellen, daß bei der Wah rung der Rechte der Reichsbahnbeamten die Busagen bisher nicht erfüllt sind, die im Ausschuß gemacht wurden. Die Arbeiter und Beamten verlangen vom Reichstag, daß et ihnen den notwendigen Schuh gegen die Willkür der Reichsbahngesellschaft gewähre. Wir fordern vom Verkehrsministerium, daß es alles tut, um die Rechte der Arbeiter und Beamten zu fichern. Abg. Koch- Düsseldorf( Dnat.) hat lebhafte Bedenken, ob das neue internationale Regime bei der Reichsbahngesellschaft auch die deutschen Wirtschaftsinteressen ausreichend berücksichtigen werde. Abg Groß( 3.) begrüßt die durch den Staatsvertrag auf dem Gebiete der Wasserstraßen erzielte größere Einheitlichkeit, hält aber eine gewisse Selbständigkeit der Einzelfia aten besonders bei der Ausnutzung der Wasserstraßen für notwendig. Der Entwicklung des Flugverkehrs müsse die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Reichsbahnverwal tung habe die moralische Verpflichtung, die Wünsche des Reich tages zu berücksichtigen. Ein Standal sei es, daß man die treuen Ruhrbeamten abgebaut habe. Reichsverkehrsminister Krohne erklärt sich bereit, die vorge. brachten Beschwerden auf das forgfältigfte nachzupiüfen. Abg. Dr. Gildemeister( D. Bp.) stellt als einmütige Meinung des Reichstages fest, daß das Berkehrsminifterium erhalten werden müsse. Die Befugnisse der Reichsbahngesellschaft seien streng abgegrenzt und dürften nicht erweitert werden. Eine Monopolisierung des Verkehrswesens durch die Reichsbahn sei nicht zulässig. Der Redner regt an, den Kraftwagenverkehr auf dem Lande zu erweitern. Der ungebührlichen Erhöhung der Beamtenbezüge bei der Reichsbahn könne die Reichsregierung nicht ohne Widerspruch zusehen, weil dadurch die gleichstehenden Beamten der anderen Berwaltungen herabgesetzt werden.( Zustimmung.) Abg. Schüh( Komm.) fritisiert die hohen Gehälter der höheren Cisenbahnbeamten. Darauf wird die Beratung abgebrochen. Das Haus vertagt fich auf Mittwoch nachmittag 2 Uhr: Weiterberatung. Schluß 6% Uhr. Die Illegale. Der Verschwörersumpf der Kommunistischen Partei. die Angelegenheit nicht unnötig hineinbringen wollen. Wie dann festgestellt wurde, haben die Mitglieder der Gruppe zweimal bei dem Lotal Arche Noah" vergeblich Aufstelung genommen. Schlotter tam aber nicht und damit war der Fall ers ledigt. Dann tommt der Vorsitzende auf den Fall Jant Im weiteren Berlauf seiner geftrigen Bernehmung sagte Neu-| flagte bei seiner heutigen Angabe, er habe ihn von vornherein in mann aus: Ich erhielt von Helmuth" jeden halben Monat 300 Dollar. Borf.: Bei Ihrer früheren Bernehmung hoben Sie erflärt, der Geldgeber fei der Reichsfurierleiter Klemm gewesen. Angefl: Geldgeber war die M. Kaffe. Wegen Diffe renzen in der Kaffe bestanden Auseinandersegungen zwischen dem Raffierer Charpentier und dem Sekretar der M.- Abteilung re B. Deswegen erhielt ich von Helmuth" Anweisung, die Abrechnungen persönlich zu übergeben. Ueber die Verrechnungs. method en zwischen dem Angeklagten und der M.- Kaffe entpinnen sich längere Auseinandersetzungen mit der Verteidigung. R.- 21. v. Bagnato: Sie sollen Ihre Gruppe zweimal auf eine Boche im voraus entlohnt haben, sollen einigen Mitgliedern 200 mart egtra gegeben haben? Angell: Das ist mir nicht bekannt. Der Angeflagte Margies steht auf und deutet auf sich selbst. Neumann: Sch habe Margies eine größere Summe für die organisatorischen 3mede gegeben in Heidelberg und Mannheim. Nach seiner Rüdtehr aus Mannheim hat er mit mir abgerechnet und den restlichen Betrag abgegeben. Nach einer Bause wurde auf Wunsch der Berteidigung eine Abschrift der von R.- 2. Dr. Samter erwähnten Richtlinien für die illegale Tätigkeit der PD. Derlesen. Das Original des Schriftstückes befindet sich bei den Aften Das Landstraßenwesen muß so gefördert werden, daß es den des tommenden Brozeffes gegen die Mitglieder der Zentrale der gesteigerten Berkehr ertragen fann. KPD. Das Schriftftüd weist darauf hin, daß der dritte KonDie Verkehrssicherheit läßt leider noch viel zu wünschen übrig. Die greß der Kommunistischen Gretutive ebenfalls Richt Bestrebungen der Arbeiterorganisationen auf Einrichtung von Kraftlinien für die Tätigkeit der Kommunistischen Partei bei deren Berbot wagenführerschulen werden noch nicht so gefördert, wie es notwendig festgelegt habe. Die KPD. sei durch die Oktobernieder wäre. Die wilden Fahrer tönnten beseitigt werden, wenn ent lage und durch das Verbot der Partei überrascht worden. fprechende Schulen eingerichtet sind. Biel zu wünschen übrig läßt für ihre unterirdische Existenz gefte als oberster Grundsay: Mög auch noch der Krafibroschtenverfehr in den Großlichste Kampfbereitschaft. 3um Bunkie Berschwiegenheit" wird, städten. In Berlin müssen die Führer 24 Stunden auf dem was für die vorherigen Aussagen des Neumann von besonderem Bagen fiken, weil sie innerhalb 12 Stunden nicht soviel verdienen, Intereffe ist, untersagt, daß bei illegaler Tätigkeit der Partei um davon leben zu können. As das Berliner Polizei irgend welches schriftliche Material, Adressen oder präsidium eine enderung dieser Verhältnisse verlangte und die sonst dergleichen von den Mitgliedern der Partei bei sich geführt Führer eine Neuregelung des Lohnes wünschten, wurde das von den Unternehmern abgelehnt, und sie suchten dann noch nach Leuten, die sie selbst im Fahren ausbilden wollten. Solche unhalt baren Zustände müssen beseitigt werden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen befißt das Reich gegenüber der Eisenbahngesellschaft nur wenig Rechte, aber fie müssen bis aufs äußerste ausgenügt werden. Wir wollen gegen die Reichsbahngesellschaft teine Rampfstellung einnehmen, sondern müssen versuchen, auf dem Berhandlungswege möglichst viel heraus. zuholen. Darüber hinaus haben wir zu versuchen, die uns zu stehenden Rechte noch zu erweitern. Berlangen müffen wir, daß die Reichsbahngesellschaft nicht bloß Ueberschüffe erzielt, sondern die notwendigen Rüdsichten auf die deutsche Volkswirtschaft nimmt. Wenn man sich das Berhalten der Reichsbahngesellschaft betrachtet, fo erfennt man, daß sie diesen Grundsatz vernachlässigt, beispielsweise in der Tariffrage. Es sind Bestrebungen im Gange, um den Wasserstraßen zugunsten der Reichsbahn eine unlaubere Ronkurrenz zu machen und sie möglichst auszuschalten. Aber nicht bloß der Eisenbahnverkehr, sondern auch die Wasserstraßen und der Kraft megenverkehr müssen nach den Bedürfnissen der ganzen Wirtschaft eingestellt fein. Das Verkehrsministerium hat auch die Pflicht, nach zuprüfen, was mit dem der Reichsbahngesellschaft übergebenen Material geschieht. Wenn die Bestrebungen, möglichst hohe Ueberschüsse herauszuwirtschaften, überwuchern, dann würde das Reich bei der Wiederübernahme die Eisenbahnen völlig heruntergewirtschaftet vorfinden. Aufs schärfste wenden wir uns gegen die Tendenzen, die zur Schließung einer Reihe von Werkstätten geführt haben. Man ist dabei ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der davon betroffenen Gegenden vorgegangen, man hat sich um die Arbeiter nicht gekümmert, die feine Gelegenheit finden, in anderen Berufen unterzukommen, nachdem sie oft ein Menschen alter in den Werkstätten beschäftigt waren. In Erfurt find 1026 Arbeiter entlassen worden und nur durch die Intervention des Deutschen Eisenbahnerverbandes tonnte verhindert merden, daß am 28. Februar noch weitere 1300 Arbeiter entlassen merden. Als die Bertreter der Organisation darauf aufmerksam machten, daß bei der Schließung der Werkstätten doch auch Staatsnotwendigkeiten und soziale Rücksichten in Betracht tämen, da wurde von dem Vertreter der Reichsbahngefell. schaft geantwortet, das gehe ihn nichts an, er handle nur im Sinne werden. Reichsanwalt Neumann: Das Schriftstüd ist nach Untersuchung des Richters beim Staatsgerichtshof in Stargard bei einem Kommunisten namens Bernhard in Rostoc in dessen Woh nung beschlagnahmt worden. Auf Befragen der Berteidigung er tlärt der Angetlagte Neumann, daß er dieses Schriftstick nicht tenne. Wenn er nach diesen Instruktionen hätte handeln sollen, dann hätte man nicht von ihm verlangen können, daß er über alle Einzelheiten in seinem Apparat eingehende Berichte zu erstatten habe. Reichsanwalt Neumann beantragte dann zum Beweise dafür, daß die KPD. bereits etwas Aehnliches in dem offiziellen Hallenser Organ Der Klaffentampf vom 4. Juni 1924 in einem Parteibefehl veröffentlicht habe, der vom 26. Mai 1924 datiert war und die Unterschrift trug Zentrale der KPD.", die BerGericht beschloß demgemäß, und der betreffende Artikel wurde ver lesung einer Abschrift dieses Artikels im Klassenfampf". Das lesen. Der Parteibefehl enthält das unbedingte Schweige verbot für alle Mitglieder bei politischen und sonstigen Berneh mungen. Für Zuwiderhandlungen wird Ausschluß aus der Partei angedroht. Neumann erklärt, daß ihm dieser Parteibefeh! schon deshalb unbefannt sei, weil er erst nach seiner Berhaftung herausgekommen sei. Jugend welche Direktiven für sein illegales Berhalten seien ihm nicht gegeben worden. Dann wurde der Fall Schlotter t weiter erörtert. Bei einer Zusammenkunft, bei der außer Neumann auch Margies, Poege und König zugegen waren, wurde vereinbart, Schlotter beim Berlaffen des von ihm oft besuchten Lotals Arche Noah" zu erledigen. Margies machte wieder den Borschlag, Schlotter niederzuichießen und ihm, wie es in dem Falle Bezel geplant war, mit einem Rasiermesser die Schlagader durch zuschneiden. Borher hatte Margies schon vorgeschlagen, zur Wohnung des Schlotter zu gehen, an dessen Wohnungstür eine Bombe mit fchwacher Ladung niederzulegen, durch deren Explosion Schloiter herausgelodt werde, während dann beim Deffnen der Tür eine starte, schwere Bombe explodiere und so Schlotter erledigen sollte. Dieser legte Plan fand jedoch feine Zustimmung. Boege und König follten die Tat mit Toffchläger und Rasiermesser ausführen. Die übrigen sollten sie decken und Mörsner sollte bereitstehen, damit die Flucht im Kraftwagen bald erfolgen tönne. Als der Angeklagte hierzu erflärt, daß der Chauffeur Mörsner über die Erledigung Schlotters nicht im Bilde mar, verweist der Borsigende darauf, daß er in der Boruntersuchung das Gegenteil ausdrücklich angegeben habe. Trotzdem bleibt der Angezu sprechen und verliest hierzu zwei 3ettel, die bei der Berhaftung Neumanns bei diesem getunden wurden. Der erite tragt Die Aufschrift Nr. 12" and tammt von der Nachrichtenzen: ra.e. Es heißt darin, daß die Nachrichtenzentrale aus Pommern einen teilung erhalten habe. Es handle fich um einen Spigel namens Bericht über Spigelvorgänge innerhalb der P.-Ab. 3ant. Beiteres Material merde folgen. In einem zweiten Zettel, der ebenfalls die Ueberschrift Nr. 12" und gas Datum 31. Januar 1924 trägt, wird dem Zant, der aus Wismar ftammt, vorgeworfen, daß er sich an politische Ge. fangene heranmadhe, um sie auszuhorchen und um auf sie zersetzend zu wirken. Er habe sich auch an führende Persönlichkeiten herangemacht, so u. a. an Bogenhardt und habe sich gerühmt, daß er in der Lage sei, die ganze Deruha( deutsch- russische Handelsvertretung in Berlin), bei der Bozenhardt angestellt ſei, hochgehen zu lassen. Ferner wird in dem Zettel behauptet, daß Bant die Geheimnisse der P.- Abteilung ausfundschafte. Ebenso wird ihm vorgeworfen, daß er die Entbedung einer Ber liner Billa, die dieser Abteilung gehört habe, verursacht hätte und daß er ferner den Bezirkssekretär für Bommern bei der Polizei denunziert habe. Der Angeklagte Neumann erflärt zu diesen Betteln, daß er sie furz vor feiner Abreise nach Frankfurt von Kreß er halten habe. Reichsanwalt Neumann: Ich müßte schon jezt ankündigen, daß ich den Untersuchungsrichter Landgerichtsdirettor Jürgen als Zeugen dafür laden werde, daß die in diesen Betteln erwähnten Einzel. heiten sich als richtig erwiesen huben. Jürgens hat die Unterjuchung gegen Bogenhardt geführt, gegen den wir jetzt Anklage beim Staatsgerichtshof eingereicht haben. Rechtsanw. Dr. Wolf: Die Verteidigung wird sich eingehende Gegenbeweise vorbehalten. Reichsanwalt Neumann( zum Angeklagten Neumann): Was heißt denn B.- Abteilung? Angefl.: Das bedeutet 0 Partijanen- Abteilungen. Diese Abteilungen wurden vom Revlo" in denjenigen Bezirken gebildet, die größtenteils von ländlicher Bevölkerung bewohnt waren, und zwar bildeten diese Gruppen von 5 bis 15 Personen, die die Aufgabe hatten, bei eventuellen Aufständen einen fogenann ten Guerilla Krieg zu führen. Sie sollten Sprengungen vornehmen, den Einmarsch von Truppen auf Berlin verhindern und die Feindseligkeiten gegen faschistisch eingestellte Gutsbefizer sind in dieser Richtung vom Chef der Revto in Gemeinschaft und Bauernorganisationen eröffnen. Sehr eingehende Instruttionen gangen, so zum Beispiel an den Oberletter Frey vom Obermit Eberlein an die militärischen Leiter der Gutsbezirke erbezirk Nord( Mecklenburg- Pommern). teilung? name. Reichsanwalt Neumann: Wer war denn der Leiter der P.- AbUngefl.: Ein gewisser Andree. Das war aber nur ein Ded Es war ein Russe. dessen Namen ich sonst nicht fenne. Das habe ich jedenfalls von dem Oberleiter von Nordwest erfahren, der von einer bestimmten Stelle Anweisung erhalten hatte, nicht nur von„ Revto", sondern von Andree Befehle entgegenzunehmen. Weiter habe ich erfahren, daß Bohenhardt ausersehen war, im Oberbezirk Südwest solche Partisanen- Gruppen zu bilden. Kleine jagte mir, er fenne Bohenhardt von der Deutsch- Russischen Handelsvertretung her. Er sei ein sehr tüchtiger Mann, das wißer auch schon aus seiner Tätigkeit in Parchim. Als fizrat Fränk! gegen diese weitere Befragung Neumanns als unerheblich protestiert, erklärte der Reichsanwalt, daß er aus diesen Darlegungen leicht die Glaubwürdigkeit des Angetlagten Neumann beurteilen fönne. R.-A. Dr. Wolff: Die Berteidigung behält sich eine Stellung, nahme zur Glaubwürdigkeit Neumanns, der ja von anderer Seite als pigel"," Berráter", Syfterifer" und" Lump" bezeichnet wird, noch nar. Dem Herrn Reichsanwalt möchten wir aber sagen, daß wir ve ihm ein ganz anderes Material erwartet haben als das, was by jegt hier vorgebracht worden ist. WEINBRAND JACOBI1880 F Es werden dann noch zwei ffeine Fälle erörtert, und zwar handelt es sich um den Fall Kaiser Sahn, zwei mürttembergische Kommunisten, die von König als Spizel der mürttembergischen Landespolizei bezeichnet waren König hat diese beiden Namen dem Neumann angegeben, diefer hat ihn jedoch an den Angeklagten Diener verwiesen. Weiter fand in dieser An gelegenheit nichts statt. Dann war bei Neumann auch ein Zettel gefunden worden, auf dem die Namen Müller und Braune, ebenfalls zmel Stuttgarter, verzeichnet waren, bie nach Angabe des Areß ebenfalls als Spigel verdächtigt waren. Bollenberg hatte diesen Berdacht jedoch für haltlos erklärt, so daß in diefer An gelegenheit nichts geschah. Bors: Ist es richtig, daß Sie Ihren Gruppenmitgliedern ein geschärft haben, bei eventueller Festnahme nicht zu verraten, daß sie im Auftrage der Partei handeln? Angeft.: Jawohl, das war mir von Helmuth befohlen worden. Wir sollten niemals sagen, daß wir die Aufträge für die Partei durchführten. Borf.: Haben Sie fonft Gigungen belgewohnt, in denen die Rede] Sinter dem Boranflag surñdge von L.- Gruppen gewesen ist? Neumann: Nein Borf.: Bei der Durchsuchung des Zimmers der Landtagsabge oroneben ist eine Liste von französischen Kommunisten gefunden worden. Wie der Reichsanwalt hierzu feststellt, wurde dieses Schriftstück im Wandschrank des Abgeordneten Bied gefunden. Es wird dann behandelt. die Berhaftung des Neumann Neumann: Bir faßen am 27. Februar 1924 zu der Geburtstagsfeier des Mörsner in dem Lokal von Broß in Stuttgart zusammen und wurden megen Uebertretung der Polizeistun de Dom Bolizeibeamten aufgefordert, mit zur Bache zu kommen. Ich nannte mich Burg, und wegen der Bapiere, die ich bei mir trug, versuchte ich zu fliehen. Der Bolizeibeamte holte mich aber ein. Ich versuchte ihn durch Bedrohung mit meiner Bistole einzuIm Anschluß hieran tam es zu lebhaften, teilweise sehr erregten fchüchtern. Der Beamte hob die Hände hoch. Ich wollte ihn aufAuseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten Neumann und fordern, zur Bache zurüdzukehren und mich laufen zu lassen. Blogden kommunistischen Verteidigern über die Frage, ob Neumann lich schlug er mir die Waffe aus der Hand, wir fielen beide hin Es tatsächlich im Auftrage der Partei gehandelt hat. gelang dem Beamten aber, mir dabei die Waffe zu entreißen. Ich sprang barauf auf und bat ihn, mich gehen zu lassen, ich Neumann bejahte das mit dem Hinmeis, auf seine engen Befei lein Berbrecher, sondern ein politischer Mensch und hätte Frau ziehungen zu Brandler. Brandier, so erklärte er, war ja und Kind zu Haufe. Aber er ließ sich nicht darauf ein. Ein zweiwährend der Zeit der Illegalität der Partei der Chef des Fünferter Bolizeibeamter eridien, fie nahmen mich fest und führten Kopfes". Infolgedessen vertrat er tatsächlich die Partei mich zur Wache. Dort wurden mir alle Bapiere abgenommen, und R.-A. Dr. Wolf: Das ist unrichtig, denn im belegten Gebiet ich wurde in eine Zelle gebrady. Am nächsten Tage wurde ich dem war die Bartei nicht verboten. Infolgedessen bestanden dort die Polizeipräsidium in Stuttgart zur ersten Bernehmung legalen Organisationen. zugeführt. Ich hatte bei meiner Festnahme versucht, eine zweite Bistole fortzuwerfen, aber es war mir nicht geAngel verweist dann weiter darauf, daß Brandler über ihn, Neumonn, ursprünglich anderweitig verfügen wollte, aber auf nraten Helmuths" davon wieder abgefommen set. R.-A. Dr. Wolf: Benn Brandler wirklich der eigentliche Führer war, dann hatte doch Helmuth" nicht dreinzureden. Angeti.: ei muth" ist von Mostau, und zwar von der Komintern" nach Deutschland delegiert worben. Er war also den Führern der KPD. eben. bürtig. Jedenfalls hat er mit ihnen sehr freundschaftlich ver fehrt. Die Komintern" hat ja auch Kleine( Guralsti Chaifez. D. Red.) in die Zentrale delegiert und auf ihren Befehl ist auch die Bervollständigung der Zentrale um vier Mann zurückzuführen. Aus diesem Grunde wurde ja Bierath= Berlin zum Mitglied der Reichszentrale gemacht. Kleine wurde dann für die Oktober- Niederlage verantwortlich gemacht und tattgestellt. Er fegte mir damals selbst:„ Ich gehe jetzt in die Berbannung nach Paris, ich warte nur noch auf meinen Baß."( Den er von der hiesigen Botschaft bekam. D. Red.) Borf.: Woher hatten Sie nun den Eindruck, daß Sie bei der Zentrale ressortierten? Angekl.: Ich habe ja schon gejagt, es wurde in einer Sigung in Mariendorf eine Umwandlung beschlossen, und zwar wurde das Revolutionsfomitee aufgelöst. Aus der Tatsache, daß damals erst eine militärische und dann eine politische Sigung statt. fand, geht doch flar hervor, daß die Partei mit der militärischen Organisation ganz einverstanden war, daß sie sie nicht nur billigte, fondern daß auch die Belegung der militärischen Führerstellen nur im Einverständnis mit der Partei erfolgen durfte. R.-A. Dr. Wolf: In diefer Sigung war doch nicht die ganze 3entrale anwesend. Angefl.: Neumann: Aber deren Chef, nämlich Brandler, ferner derjenige, der jetzt eine to große Rolle im linken Flügel der Bartei spielt und Vorsitzender der Reichstagsfraktion ist, nämlich Thälmann. RA. Dr. Wolf: Damit ist doch nicht bewiesen, daß die anderen Mitglieder der Zentrale mit Brandler einverstanden waren. Brandler mag ja für militärische Dinge geschwärmt haben. Bir merden Ihnen aber bemeisen, daß politischer Leiter der RBD. jemand anders war. Ungerl( fehr erregt): Brandler mar doth Borfizender des Fünfer- Kopfes R... Dr. Wolf: War der Fünfer- Kopf" vielleicht der Leiter Der Partei? Lungent. Festnahme betrunken? R.-A. Dr. Schindler: Bar der Angeklagte Neumann bei seiner Neumann: Ich glaube, daß ich ziemlich start angeheitert war und habe mich auch auf der Mache übergeben. Dr. Schindler: Hat Boege zu dem Angeklagten Reumann gefagt: Berhalten wir uns ruhig, dann fann uns nichts passieren. Angefl.: Nein. Darauf wurde die Sigung geschloffen und auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagi. Haussuchung bei der Kommunistischen Partei. In den Räumen der Zentrale der Rommunistischen Bartei Deutschlands in der Rosenthaler Straße, in der Redaktion der Roten Fahne und in der Verlagsbruderei fand am Dienstag eine aussuchung durch Beamte der politischen und der Kriminalpolizei statt. Wie erinnerlich, hatte die Rote Fahne", während noch die Dawes- Berhandlungen im Gange waren, Ent. würfe über das Eisenbahnstatut veröffentlicht, die, zum Teil menigstens, auf amtlichen Entwürfen beruhten, und die nach Annahme der zuständigen Stellen, auch wenn die Dokumente hinter her, un bie Spuren zu vermischen, ungefälscht worden sind, doch durch unlautere Manipulationen in den Besitz der Zentrale der KPD. gefommen sein müssen. Begen der Beröffentlichung der Dokumente ift gegen einzelne Mitglieder der Zentrale und gegen den verantwort ichen Redakteur der Roten Fahne" ein Verfahren wegen 2anbesperrats eröffnet morden. Bei der Haussuchung murden die gesuchten Dokumente nicht gefunden, doch fonnte anderes Material beschlagnahmt werden, das der Staatsonmalt. fdraft bereits zugeleitet worden ist. Wirtschaft Wachsende Belastung des Maffenhaushalts. Der Ausweis des Reichsfinanzministeriums über die Einnahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben im Monat Januar zeigt, daß fich die Reichsfinanzen auch weiterhin günstig entwidelt haben. Das gesamte Auftomen on Steuern usw. ist in den ersten 10 Monaten des Rechnungsjahres 1924 ständig gestiegen. Es 472 Angell.( in wachsender Erregung): Die Bildung des Fünfer: Kopfes ist im Parteiausschuß beschlossen worden. Den Beschluß habe ich im Stenogramm gesehen, und zwar wurde er mir von Heins Reumann gefchict, der mit allen Abteilungsbetrug in Millionen in den Monaten: leitern der Zentrale in engster Fühlung stand. April Mai Juni Juli Aug. Sept. Dit. Rob. Dez. Jan. 524 519 588 592 609 687 672 635 769 Während also im Durchschnitt der ersten 9 Monate nur 588 Mi. lionen M. an Steuern usw. auffamen, betrug das Gesamtauftommen im Januar 768 Millionen Mart. Damit erhöht sich abermals der Ueberschuß, den die Reichseinnahmen schon in den ersten 10 Monaten gegenüber dem Boranschlag für das Rechnungsjahr 1924 erzielt haben. Während der Boranschlag für alle 12 Monate ein Gefamimuffomanen von nur 5244 Millionen Mar? Dorfah, beträgt das tatsächliche Aufkommen in den ersten 10 Monaten bereits 6081 Millionen Mart. Waren denn in der Rosenthaler Straße bei den Zentralfitzungen alle 26 Mitglieder anwesend? Da waren doch auch nur Pied, Brandler, Thalheimer, Eberlein und die alte Herta ( Staffowa. D. Red.), und an der Zentraljihung in Dresden haben wieder nur Brandler, Pied, Eberlein usw. teilgenommen. Wer leitete denn die Zentrale im Sächsischen Landtag? Brandler leitete fie. Auf Befragen des Vorsitzenden schildert Neumann dann den Berlauf der Sigung in Mariendorf am 9. Ofober 1924, an der auch zwei Russen teilgenommen hatten. An der Bes ratung der militärischen Frage hatten fich diese beiden Ruffen nicht beteiligt, mohl aber elmuth". den der Angeklagte in diesem Sinne nicht als Ruffe, sondern als Mitglied der deutschen Bewegung bezeichnete. Bei der Teilnahme Brandlers an dieser Sigung in Mariendorf sei es ihm vorgelommen, als wenn Brandler einen norher gefaßten Entschluß, die militärische Abteilung weiter bestehen zu lassen, vertreten wolle. Borj.: Wer sollte denn diesen Beschluß gefaßt haben? Neumann: Den Beschluß kann nur die Stelle, der Brandler on gehörte, nämlich die 3entrale der Partei, gefaßt haben. Die Bersammlung wurde dann rein politisch geführt. Alle Teilnehmer, die nur der militärischen Organisation und nicht der politischen angehörten, verließen den Versammlungsraum, und es blieb nur die politische zurüc. Dann ist nur über politische Fragen gesprochen morden. Es handelt sich darum, festzustellen, ob die Parteileitung an dem Weiterbestehen der militärischen Abteilung interessiert mar und fie gebilligt hat. R.-A. Dr. Wolf sucht durch Fragen das Gegenteil zu beweisen. Neumann: Es ist auch über Bertehrsfragen gesprochen morden. Melcher, der Leiter der Abteilung„ Berkehr", war auch dorthin beordert worden. In diefer Sigung mar von L.- Gruppen noch nich die Rede. Bermögenssteuer.. blieben find aber folgende Befigsteuern: 362 878 Erbichaftssteuer 19 30 144 198 22 150 44 55 50 65 Kapitalverkehrssteuer Grunderwerbssteuer. Kraftfahrzeugsteuer. Wechselsteuer 9 Zu dem gleichen Ergebnis tommt man, wenn man die Besizbelastung der Massenbelastung gegenüberstellt. Wenn man unter massenbelastung die Einnahmen aus Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Beförderungssteuer, Zöllen und Verbrauchssteuern zusammenfaßt, ergibt fich, daß das durchschnittliche Monatsaufkommen in den Monaten April bis Dezember 403 Millionen Mart betrug. Im Januar dagegen stieg es auf 528 Millionen Mart. Daher betrug auch in diesem Monat wie im Durchschnitt der vorangegangenen 9 Monate die Einnahmen aus der Maffenbelastung 69 Proz. der Gesamteinnahmen des Reiches an Steuern, Zöllen und Verbrauchsabgaben. Das ist um so bemerkenswerter, als im Monat Januar auch die Einnahmen aus der sonstigen Einkommensteuer infolge des regen Weihnachtsgeschäftes start gestiegen find. Diese Entwicklung zeigt mit unwiderleglicher Deutlichkeit, zu welchen Ungerechtigkeiten das Steuerprogramm der neuen Regierung führen muß. Wenn schon jetzt die Reichsfinanzen in erster Linie auf dem hohen Einkommen der drückenden Massenbelastung beruhen, so muß das in Zukunft, wenn die Besitzbelastung durch die Bürgerblocregierung noch weiter abgebaut wird, in noch weit größerem Maße der Fall sein. Die weitgehende Ueberschreitung der Voranschläge durch die Steuern der Massenbelastung müßte jede sozialempfindende Regierung veranlassen, diefe Steuern energisch abzubauen. Die neue Rechtsregierung aber tut das Gegenteil. Sie baut die Besitzsteuern ab, lehnt die Ermäßigung der Massenbelastung ab. Diese Haltung der Regierung muß in den weitesten Kreisen der Arbeitnehmerschaft gerechtfertigte Empörung hervorrufen. Nicht nur der sozialdemokratische Arbeiter sieht darin eine Frucht der Bürgerblodpolitif, sondern auch die in anderem Lager stehenden Arbeitnehmer werden dies Verhalten der Rechtsregierung verurteilen. Schreibt doch" Der Deutsche", das Blatt des Herrn Stegerwald, unter dem 17. Februar: „ Ein Etat, der zu 45 v. 5. allein auf Umsatzsteuer und Lohnsteuer gestützt ist, wie das im Jahre 1924 der Fall war, ist staatspolitisch als Dauererscheinung unmöglich". Es wäre zu wünschen, daß die Zentrumspartei dieser Anschaung entsprechend ihren Einfluß dahin ausübte, daß dieser staatspolitische" unhaltbare Zustand beseitigt wird. Deutsch. Metallarbeiter- Verband Am Sonntaa, den 15 Februar, verstarb unser Rollege, der Haustaffierer Otto Müller Maybachufez 17. am Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet Donnerstag, den 19 Februar, nachmittags 5% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Die Detsverwaltung. Allgemeine Ortsfrantentaffe für den Stadtbezirk Cöpenick Bekanntmachung fagung hat der Borstand befchloffen, die Grundlöhne zu erhöhen, indem drei neue Unter Bezugnahme auf§ 19 der Kaffen Lohnftufen aufgefegt werden, und zwar: Berdienst Grundl Beitrag Stufe per Tag monatl. 7,00 0,49 14,70 M 6,51-7,50 7,51-8,50 8,00 0,56 16,80" 8,51 u. mehr 9,00 0,63 18,90 Borstehender Beschluß tritt am 1. März b. 3. in Kraft. VIII 18 X " Die durch die Erhöhung der Grundohngrenze fich ergebende höhere Leiftung an Krankengeld tritt 5 Bochen nach dem Tage der heutigen Bekanntmachung in Kraft Um die durch die Grundlohnerhöhung fidh ergebenbe Neueinstufung rechtzeitig ornehmen zu tönnen, ersuchen wir die Serren Arbeitgeber, umgehend die erfor berlichen Lohnänderungen an uns ein aureichen. Es muß uns daher von allen zurzeit in Stufe VII zahlenden Mit gliedern ber derzeitige Berdienst angegeben werden. Aber auch die Ergebnisse des Monats Januar bestätigen erneut, daß diese günstige Entwicklung der Reichsfinanzen in allererster Linie durch das hohe Aufkommen aus der brüdenden Belastung der Gleichzeitta weisen wir nochmals darMassen durch Cohn- und Umsatzsteuer, sowie durch die Berbrauchs auf hin, daß die Einkommensgrenze zur abgaben hervorgerufen worden ist. Wenn man das Auffomamen der Krantenversicherungspflicht ab 12. Januar b. 3 auf 2700 M. jährliches Eintommen einzelnen Steuern in den 10 Monaten April bis Jamuar den erhöht ist. Gowett auch hier die Um Schätzungen des Boranschlags gegenüberstellt, so findet man, daß der meldungen an uns noch nicht erfolgt find. Boranschlag zwar von fast allen Steuern der Massenbelastung weit ersuchen wir, bies umgehend nachzuholen. überschritten wird, dagegen nur von wenigen Besitzsteuern. Das zeigt folgende Uebersicht: witt icher Ertrag Scha ung für das Rech von Den Boranschlag haben überschritten Lohnsteuer Umiaßiteuer Beförderungssteuer Zölle und Berbraudssteuern Dagegen von Beiigsteuern nur Einkommensteuer Störperschaftssteuer Die Porbedingung ist guter Schlaf im guten Bett! für Fhre darum 109/16 Berlin- Cöpenid, den 16. Februar 1925, Der Borstand Otto Nickel Fr. Murcken Borsigenber Schriftführer April- Jan. nungsi. 1924 Deutscher Metallarbeiter- Verband in Mill. Reichematt 720 1260 160 1 079 1555 282 1248 1 099 762 259 624 144 Achtung! Klempner Achtung Beute, Mittwoch. den 18. Februar. abends 7 Uhr, im Rosenthaler Hof. Rofenthaler Straße 11 12: Bertrauens männerfonferenz der Klempner. Die Ortsverwaltung. Gesundheit ALLES REINIGT BESSER ALS JEDE SEIFE KOKONA REINIGER HELENENWERK G. m. b. H. 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Sie waren auch bereit, dem Staate die Bezahlung bis zum Friedensschlusse zu stunden. Der Staat aber mußte fich nach Livius verpflichten, die Lieferanten vom Kriegsdiensie frei 3 lassen und die Versicherung gegen Seegefahr zu tragen. Wie von anderer Seite berichtet wird, sei auch gefordert und zugestanden worden, während dreier Jahre feine anderen Heereslieferanten zugulassen. Das war auf den ersten Büd eine so große im Interesse tes Staates liegende Tat, daß Livius jagt:„ So wurde der Staat mit privatem Gelde verwaltet". Und doch war das Ganze nur ein Scheinmanever. Die„ Vaterlandsfreunde" versicherten nämlich alte, mit wertvollen Kriegsgegenständen beladene Schiffe sehr hoch beim Staate, ließen sie auf See anbohren und so versenken. Die Vercherungssumme strichen sie dann ein, denn der Staat mußte ihnen ten„ Berlust" im Nennwert wiedererstatten. Bezeichnender Weise forit aber der Staat, als der Betrug endeckt wurde, nicht gegen biefe Schwindler ein, weil er, wie ebenfalls Livius berichtet, in dieser ichweren Zeit niemunden fränfen wollte. Das Boif dachte anders über diese betrügerische Handlungsweise, obgleich es freilich rechtlich von sich aus nichts gegen diese Feinde des Staates unternehmen fonnte. Richt viel anders wurde der Römische Staat bei seinen öffentfihen Arbeiten über das Ohr gehauen. Rom pflegte seine öffentlichen Bauten nicht selbst auszuführen, sondern alles auf dem Bege der offentlichen Ausschreibung zu vergeben. Heeresstraßen, Wasserfraßen, Befestigungsarbeiten, Staatsgebäude, Tempel, Anlegung ganzer Kolonien, insbesondere der Militärfolonien, wurden auf diesem Wege hergeftellt. Dabei kam die Arbeit immer an den Mindestfordernden. Auch Lieferungen von Beförderungen von Sebensmitteln und Waffen für das Heer usw. wurden so an den Mindestfordernden vergeben. Da natürlich fleine Kapitalien hier. far nicht in Betracht tamen, fo bildeten sich schon damals große Gesellschaften, die ihrerseits über viel Geld und große Arbeitermassen verfügten, und so aus den Staatsaufträgen die größten Gewinne ziehen konnten, da sie nur geringe Löhne zahlten. Ebenso aber wurden durch den Römischen Staat auch seine Cinnahmen durch öffentliche Ausschreibungen vergeben. Insbeson dere gilt dies von den Steuern, deren Einziehung nun aber an den Meistbietenden vergeben wurde. So fam es denn auf ganz natürfichem Wege dazu, daß die Steuerpächter die Provinzen, die sie als Gebiet der Steuereinziehung erhalten hatten, ganz nach ihrer Willkür ausbeuten fonnten. Sie verpachteten ihrerseits ihre Borrechte wieder an andere Unternehmer, die nun durch Zölle die Bevölkerung auspreßten. Und da für diese Steuererhebung in erster Linie die eroverten Provinzen in Frage kamen, so waren die Gewinne der großen Steuereinziehungsfirmen ganz gewaltig, denn Schonung fannte man nicht. Für die Erhebung der staatlichen Zölle wandte mian das gleiche Verfahren an: Aufträge zu Staatsausgaben also urden immer an den Mindesfordernden, Staatseinnahmen an den Meistbietenden vergeben. Damit gab sich der Römische Staat ganz und gar in die Hände tes Privatkapitals. Die Folge war ein ungeheurer Zustrom von Geld nach Rom. Und damit trat die Verlockung zum Lurus jeder Art ganz von selbst ein. Diese Wirtschaftsform war der Anfang vom Ende Roms. Denn fie führte nicht nur zur Berweichlichung, zur Berschiebung des Reichtums nach der einen und der Berarmung des Rolfes nach der anderen Seite, sondern sie untergrub auch den Beftand des Staats von Grund aus. Da aber zur Befriedigung des / im Ausland hergestellten Lurus das Edelmetall aus dem Lande gefährt werden mußte, so trat zugleich eine Berarmung ganz Italiens ein. Zur Zeit des Plinius( 23. bis 79 n. Chr.) floffen nicht weniger als rund 16 Millionen Goldmart für Waren ins Ausland, die Hälfte nach Indien. Und da man in Italien selbst wegen des aus den erpoerten Brovinzen kommenden, aus Bachten fließenden Geldes wenig Gegenstände des Bedarfs herstellte, sondern alles im Auslande faufte, so mußte der Staat allmählich verarmen. So tam es, daß man ganz von felbst wieder gezwungen wurde, zur Naturwirtschaft zurückzukehren und Naturalsteuern einzuführen. Daher wandeilen fich die öffentlichen Kassen in Staatsmagazine", sagt Brentano. 2] - Der Roman einer Ehe. Bon Jwan Heilbut. Beilage T- AU des Vorwärts Jedem das Seine.ARTEMUT UR837.et.MзROM G.M. 700,000.000 nov nemast LION SUNG Paulskimpolet und für Euch, meine Braven, den Dank des Vaterlandes!" Aber auch die Brivatwirtschaft litt unter den Methoden der Striegsgewinnler. Denn was der Staat machte, tat der Privatmann leider ebenfalls. Wie der Staat seine Lieferungen vergab, so taten es auch die Privatleute. Dies zeigt sich besonders bei den Mieten, die infolgedessen eine ganz unglaubliche Steigerung erfuhren. Die Miete war in Rom ja sehr alt. In der Zeit, als diese Kriegsgewinnler fich breit machten, mußte z. B. Sulla( 37 bis 28 v. Chr.) als junger Mann für die von ihm in einem Privathause bowohnte Wohnung 450 Goldmark zahlen, während ein Freigelassener 300 Goldmark zu zahlen hatte. Und wenn man sich vergegenwärtigt, daß es schon damals seit alters in Rom Mietstafernen gab, so fann man berechnen, welches der Gewinn dieser Hausbefizer war. 400 Gramm wog und feiner mar als ihre Hand, mit abgezogener Frauenmilch, der Ruhmilch zugesetzt wurde. Heute ist der Affe ein vier Kilogramm schwerer gesunder Kerl von vier Jahren mit riesigen Körperträften, der vor dem Menschen in feiner Weise Respekt zeigt. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen lutscht der Affe am Däumchen, mas der Vortragende aus einem nicht befriedigten Saugtrieb erklärte. Das in Freiheit aufgezogene Affenjunge hängt nämlich immer an der Brust der Mutter, auch wenn es nicht trinkt. Dieser Zustand war urspünglich jedenfalls auch dem Menschen eigentümlich. Besonders bemerkenswert sind die Aeußerungen der Angst bei dem Affen, die auf verschiedene Weise hervorgerufen werden können. Starres Firieren oder den Anblid von Augen ähnlichen Dingen fann er nicht vertragen, da fann es noch heute vorkommen, daß er am Däumchen lutscht. Bei gesteigerter Angst legt er sich wie feine Artgenoffen platt auf den Bauch und stellt sich tot. Auch Wut weit aufgerissenem Maule und zeigt sein menschenähnliches Gebiß. Eine Zärtlichkeitsbezeichnung beim Eine Zärtlichkeitsbezeichnung beim Affen ist das Laufen", das aber fein Absuchen von Ungeziefer bedeutet, denn das besitzt der Affe nur in feltenen Fällen. Zu laufen versteht ,, Raspar" ausge zeichnet, aber nicht das Gelaustwerden, bei dem die Artgenossen häufig in Trancezustände verfallen. Diese Sustände kommen auch häufig bei anderen Gelegenheiten bei dem Verfuchsaffen vor, müssen alio als normal bezeichnet werden, während sie beim Menschen pathologisch find. Als Höflichkeitsbezeugung legte der Vortragende das Beigen des Hinterteils aus, das für die Affen charakteristisch ist. Die Entwicklung eines isolierten Affen äußert sich wie bei den in Freiheit lebenden Tieren, er gähnt mit Welche Leiftungen find dem Menschen angeboren, was ist ihm triebhaft gegeben? Diese Frage, die Klarheit schafft über die Bedeutung von Anlage und Umwelt für die Entwidlung des Menschen, ist troß ihrer Wichtigkeit außerordentlich schwer zu beantworten, weil der Mensch von einigen Aufsehen erregenden Ausnahmen ab gesehen, niemals ohne Mitmenschen aufgezogen wird. Hier wie vielfach muß die Anwendung der vergleichenden Methode, bie Hin zuziehung der Ergebnisse der Tierpsychologie, Klärung schaffen. Aber auch das Tier ist von seiner Geburt an allein ohne seinesgleichen schwer aufzuziehen. Es ist deshalb der Versuch von Ostar fung ft, einen Affen fern von seinen Artgenossen sich entwickeln zu lassen, von weittragender Bedeutung. Ueber die Ergebnisse des Verfuches, insbesondere über die Gebärdensprache des Verfuchs affen afpar" berichtete Pfungst, der seinerzeit durch die Entlarvung des lugen Hans" auch in Laientreifen befannt wurde, in der Berliner Physiologischen Gesellschaft Für die Aufzucht des Affen gewann man eine gut ausgebildete Säuglingspflegerin. Sie ernährte den Affen, der bei feiner Geburt Sie doch. Es handelt sich um mich, ich fühle das ganz genau ob ich bei Verstande bleiben soll oder nicht. Ich weiß, daß ich es länger nicht mehr in mir herumzutragen vermag. Nun, wenn ich es heraus fagen fann vielleicht befreie ich mich so davon. Großer Gott... fann sich der Mensch von seinem Herzen befreien? Aber Krante erledigen sich eines Geheimnisses und sterben ruhig; der Schuldige verläßt den Beichtstuhl und fühlt sich begnadigt. Die alte Sage erzählt von dem Diener, der sein Geheimnis in ein Loch hineinwirft, das er im Walde gegraben hat. Nun, ich will sagen: Das Reden befreit den Menschen, jawohl, befreit, befreit. Ich brauche es in der Seele nicht auszuträumen, wenn ich es aussage vor Gericht. Warum trinken Sie nicht? Begreifen Sie doch, daß ich in diesem 3uftand nicht zu Ihnen sprechen fann, wenn Sie nicht trinken. Besonders interessant war das Gegenüberstellen des 3% jährigen Raspars" mit einem weiblichen Artgenossen, in dem sich ein Trieb zur Gruppe, ein sozialer Trieb, wie beim Menschen, offenbarte. Während er sich zuerst sehr schüchtern zeigte, wurde er um so frecher, je zurückhaltender das Weibchen wurde; er trampelte jogar gewaltig. Der Versuch zeigt ferner einwandfrei, daß alle Ausdrucksbewegungen angeboren sind, und daß die erste Jugend entscheidend ist für die Entwicklung des Tieres wie des Menschen und zwar um so mehr, je schneller fie vor sich geht. e. h. und bat meine Wirtin, die Lampe zu puzen. Als ich eben dabei war, einige Bilder, die noch zu unterst im Koffer gelegen hatten, an die grüne Tapete zu nageln, flingelte es. Sie fam. Ich wußte gar kein Wort zu sagen, ich stand mur da. Klara fragte aber zu allererst, wie es um meinen Wäschevorrat stünde, ob der in gutem Zustande fei, was es zu flicken, zu stopfen gäbe. Sie übernahm Amt und Würden einer fleinen Mama. Dabei fonnte sie gut über einer Näharbeit sitzen und doch auf jedes Wörtchen achten, das ich sprach. Mitunter legte fie das Leinen oder den Wollstrumpf in den Schoß. Dann sah sie mich an meil ihre Augen müde waren. Sie rieb Die Lider mit der äußeren Hand und gähnte. Wenn sie mich dann ansah, mußte ich denken: Könntest du doch die Löcher in meinen Strümpfen vergessen! Für wen bewegen fich deine emfigen Hände? Für mich. Aber du felber bist nicht bei mir. Dein Blid geht gleichsam durch mich hindurch, als wäre ich Glas. In deiner Stimme ist ein Gefang wie die Sehnsucht nach fernen Ländern. Eine Brinzeffin, gefangen, von allen Männern des feindlichen Volkes geliebt, fie muß immer an ihre Heimat denken. Nur wenn du Pläne aussprichst, die für die Zukunft bedeutsam sind, oder Erinnerungen, die in die Zukunft weisen, wird dein Auge giänzend und meit, und du hebst deine Stimine. Aber das Wort ist darum doch nicht an mich noch an sonst einen Menschen gerichtet. Es ist, als ob du dich mit deinem guten Glück felbst besprächest. Du fannst mich wohl leiden... ob du mich wohl liebst? Wir haben uns einmal gefehen es ist nun mehr als ein Jahr Darüber gegangen. Damals faß ich an einem Aprilmorgen mit Jad im Bart. Sie nahmen neben mir Plaz. An Ihrer Seite war Ihre Grau." An feinem Ausdrud bemerkte ich, daß er sich auf den Morgen noch gut besann mich mit dem Hunde hatte er wohl gar nicht beachict. „ Sie gaben damals nicht acht auf Ihren Nachbarn. Man sieht Haben Sie damals auch erfahren, wie lange wir zusammen es Ihnen an: Vieles fann an Ihnen vorübergehen, neben Ihnen Sie aber bemerken das alles nicht. lebten die Frau und ich? Als ich in diese Stadt kam, um die finen Aufenthalt haben Leidenschaften find in Ihnen. Damals bin ich denn Zeuge geworden, legten Semester auf diefer Universität zu studieren, war mein Ge. um mir selber nicht müt von Einsamkeit( und daraus resultierender Feindseligkeit gegen unfreiwillig, wie man zu sagen pflegt. Aber hat eine Stimme mie du -: ich hatte faum bemerkt, daß ich mich in's Be- die Menschen) auf solche Weise zugerichtet, daß ich damals meinte, Unrecht anzutun es fönnte an Elend des Herzens fein entsetzlicherer Grad erreicht lauschen verloren hatte, als ich mich neben Ihnen erhob und ging. Aber in all der Zeit, die zwischen jenem Morgen und diesem Abend werden. Mein Plan, den, ich mir jeden Tag erneut in's Gehirn liegt, habe ich weder den Inhalt der damals gehörten Worte, noch prägte, war: durch unnachgiebige Arbeitswut alles Mitleid mit mir den Ausdruck der neben mir von einer großen Frage bewegten felber und jene zersetzende Grübelei über das Dasein zu unterdrücken. Aber, wie ich es zu nennen pflege: Man trägt es drinnen jungen Menschen vergessen. So fommt es auch, daß ich Sie im aus, was man sich fürchtet, herauszulassen, und was man nicht einerften Augenblick dieses Wiedersehens erkennen fonnte." mal vor sich selber zu sagen wagt, das vergiftet einen wie giftiges Gas. Es weicht überhaupt nicht mehr, es weht in der Atmosphäre bei Tag, und besonders bei Nacht. Der Arzt saß mit zusammengebissenen Kiefern da, sein Kopf bewegte fich unmerklich, ununterbrochen, als ob er zitterte. Mir war, als hätte ich dies alles nicht sagen dürfen. Und ich fuhr fort: Sie werden es kaum begreifen Ich habe eine Hochachtung bor jedem Schicksal, vor jeder Leidenschaft, vor jeder Handlung, die aus Leidenschaft geschicht, vor jedem Wort, das von der Macht ter Gefühle auf die Lippen getragen wird. Berzeihen Sie... ich weiß felber nicht, warum ich das sage." Er fah mich für einen Augenblid an und rückte verlegen auf dem Stuhl. Damit wußte ich, daß ich ihn nicht beleidigt hatte. Trinken Sie feinen Wein?" fagte er.„ Wir könnten miteinander trinken. Kellner, ein Glas!" Ich heiße übrigens fagte ich und nannte meinen Namen. Ich schenke Ihnen ein, wenn Sie erlauben. Ich möchte Ihnen etwas erzählen. Ich habe Bertrauen zu Ihnen. Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen. Trinken Sie. Es wird Ihnen natür, lich gleichgültig sein, was ich Ihnen erzählen will. Aber es handelt fich ja in diesem Augenblid nur um mich, verstehen Sie, Sie dürfen mich darum nicht für einen schamlojen Menschen halten. Trinken Frau Das ist jetzt fünf Jahre her. Damals also begegnete mir diese ich meine Klara. Und zwar war es in einem Augenblick. als ich im Garten der Universität aus meinem Buch in die Höbe sah. Es ist nichts weiter zu sagen, als daß ich wieder in's Buch hineinfah, wieder aufsah... und grüßte.. obgleich ich sie noch niemals ge sehen hatte. Und wie es den chronisch Traurigen zu geschehen pflegt, daß der helle Jubel über sie herstürzt wie plötzliche Sonne ich mich um, schwenkte mein Buch und rief:„ Oder ist es nicht erlaubt, eine Kollegin von der schönen Fakultät zu grüßen?" Brano, wie fein!" rief ste. Da waren wir schon meinander verliebt. drehte Die Stube, wo ich die entsetzlichen Stunden der Lebensunluft, auf dem Rücken liegend, zugebracht hatte, war mir zum Grauen geworden. Bon jenem Abenb an, als Stara mich zum erstenmal besuchte, wurde es anders. Ich gruppierte die Möbel, die wenigen, die dort standen, in ordentlicher Weise, id reinigte selber den Tisch Sehen Sie, ich stand morgens mit Liedern auf. Abend für Abend fam sie zu mir. Ihr Studium hatte sie aufgegeben. Sie hatte es mir mitgeteilt, wie etwas, das sich in diesem Falle von selber verftand. Sie wurde nicht müde, den Obliegenheiten nachzuspüren, bie ein Mann so gerne von sich weist. Sie wußte mir all meine Schwierigkeiten zu entlocken und lachte mir dann mit einem Blick so tief und fraulich in meine Augen, daß ich dastand wie ein Knabe und fie doppelt liebte, bewundernd und schmerzhaft erregt von dem Glück meines Lebens. Die fleinen Wege ging fie für mich, die längst schon fällig ge worden waren. Sie ordnete Bücher und Papiere; verbrannte Briefe, die ich nicht anzusehen mich traute. Sie sorgte für Ermunterung durch Musik und Theater in meinem zurückgezogenen Leben. Sie war Abend für Abend an meiner Seite, Lernte ich bei der Lampe, so faß sie mir gegenüber und nähte. Wir teilten das Leben, Ger wo ich das Leben an ihrer Seite nuß und Sorge. Aber immer wie töftliche Blumen in mich faugte- gingen ihre Blicke burd) mich hindurch, ihre Stimme sang nach der Ferne ( Schluß folgt) UFA- THEATER TURMSTRASSE TURMSTRASSE, ECKE STROMSTRASSE ERÖFFNUNG: MORGEN, 19. FEBRUAR Der Ufa- Film Pietro der Korsar nach dem gleichnamigen Roman von WILHELM HEGELER Regie: ARTHUR ROBISON In den Hauptrollen: Paul Richter, Aud Egede Nissen, Rudolf Klein- Rogge Photographie: F. A. Wagner und Rudolf Mayer Bauten und Kostüme: Albin Grau * Außerdem läuft der Film im Ufa- Theater TAUENTZIENPALAST und Ufa- Theater ALEXANDERPLATZ Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus TU: Die Bohème Operahaus am Königsplatz 71% Die lustigen Weiber Schauspielhaus 7% Pr. v. Homburg 8 Uhr: Indipohdi von Gerhart Hauptmann Schiller Theater Kleines Th. T Von morgens bis mitternachts Täg.ich 8 Uhr: Tauben- URANIA Taubenstr. 48 str. 48 Tom 18. bis 19. Februar, 7 Uhr abends, vom 20. bis 22. Februar, 6 Uhr nachmittags und 7 Uhr abends Filmvortrag Volksbang Frau Lohengrin COLUMBUS Schluck u.Jau von Friedmann und Luerer Deutsch. Theater 7 Uhr Die heilige Johanna Gisela Werbezirk alga Limber, Schraklar Strahlen, Harkin Kammerspiele Trianon- Th. 7% Uhr. Die Stützen Tägi. 8 Uhr. der Gesellschaft Einmal Die Komödie Karfürstendamm 206/207 Heute 7 Uhr zum ersten Male Zurück zur Schule Lastspiel in 3 Akten von Birabeau 1st keinmal von Fritz Mack Hanst Arnstadt Falkenstein, Kaiser- Titz Regle: Frich Babst Haller- Revue Bühnenbilder Hermann Krehan Thester 1. d. Königgrätzer Str. 1925 der größte Dampfer Deutschlands 32 354 Br.- Reg.- Tonnen, Länge 236 m Norddeutscher Lloyd Bremen Vortragsredner Obering. DREYER, Hannover Kartenvorverkauf: Theaterkasse Wertheim, Invalidendank Näheres siehe auch Pakate Th. 1.Admiralspalast Deatsch. Künstlertbeat. 27. Woche 8 Uhr: Wir lassen Allabend1.8 Uhr uns scheiden Komödlenhaus Die größte Revue d. Welt: & Uhr Heimliche Noch und Noch Brautfahrt Berliner Theater Sonntag nachm 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA * Unr VarietéRevue Residenz- Th. Tagl. 8 Uhr 66 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen 2. Rang 1 Maik Central Theater 7%, Uhr: Die versunk. Glocke Tä lich 8 Uhr: Riquette" Operette von Oscar Stree's Lustspielhaus 3 Uhr Guide Thielscher D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbaterdam 8 Unr: Die vertauschte Frau Wallner- Theat. 8 Uhr Pelleas and Melisande Brast Douts Opernhaus Friedrich 1, Uhr: Wenn ich spricht König war... 22. Februar, 8 Uhr, in d. Arbeiter- Kunst" Metropol- Theater Parochialstraße 29 Tagl. 7 Uhr. Märchen- and Gräfin Mariza Gespenster- Geschichten Mrs. Dot Heves Th. am Zoo Leopoldine Konstantin Adele Kandrock, Kerff, Barg Enser, Alexander Matloni, Rose Bia Bonnerstag wege Vorbereitungen geschlossen. Freitag 7 Uhr: Premiere Die weiße Weste Casino- Theater Musikal. Lustspiel NovitätenSonntags 3 Uhr Spielplan! halbe Preise Laferinger Str. 37 Tagl. 8 Uhr Th. in Kommand. Str. Rauchen to Trotz d. gr. Erfolges 8: Molly Wesselin nur noch kurze Zeit die Schlager, Posse Die fran cant Graf Koks Letzte Woonen! Inlerieren volle bunte Teil Vorher der humor- Rose- Theater bringt ERFOLGI Willy Melbrycki 74: Wilhelm Tell' Tha la- Th. Tägl. 8 Uhr: Das Dreimäderthaus Schubert Jadiowker tellenangebote beste Beachtung finden im Verwärts Komische Uhr Oper Uhr Direktion: James Klein Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht geseha mit über 250 Mitwirkenden Die Sensation des Berliner Theaterlebens! Sonntag 3%, Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs. I Kind frei zu kalben Preisen ( 80 PL. bis 6 M.) Vorverkauf ununterbrochen! Sil Das prachtvollste Schneeweiß zeigt iede Wäsche, die mit Sil behandelt ist. 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