Abendausgabe Nr. 8542. Jahrgang Ausgabe B Nr. 42 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Bebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Douhoff 292-295 Sel- Adresse: Sozialdemokrat Berlia Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Donnerstag 19. Februar 1925 Berlee und ansatgenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Ubr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. Es, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Ursachen der Grubenkatastrophe. Interpellationen im Reichstag über das Dortmunder Unglück. Der Reichstag genehmigt zunächst in dritter Beratung endgültig den am 10. Februar d. 3. unterzeichneten Vertrag zwischen Deutsch land und Litauen zur Ausführung der Konvention über das Memel gebiet. Zur Beratung fommen dann die Interpellationen fiber bie Kontrolle der Sicherheit der Gruben, die anläßlich der jüngsten Grubenkatastrophe bei Dortmund Don verschiedenen Barteien eingebracht worden sind. Abg. Schwan( Romm.) begründet eine Interpellation der Kom. munisten, in der die legte Grubenfatastrophe als ein neues Zeichen für die grenzenlose Unsicherheit im Grubenbetriebe bezeichnet wird. Diese Unsicherheit werde noch verschärft durch die rüdsichtslose Ausbeutungspolitit der Grubenkapitalisten, die die Kon trolle der Betriebssicherheit in den Gruben durch die Betriebs rate fabotiert. Es wurde erklärt, daß jekt doppeltgearbeitet merden müßte, um den Verlust durch das Unglüd wieder einzu bringen. Die Betriebsräte werden systematisch zurüdge drängt und zu ihren Aufgaben nicht zugelassen. Das ist namentlich in den legten Tagen auf der Unglüdszeche geschehen. Auf allen Schachtanlagen im Ruhrgebiet sucht man das Rüdgrat der Betriebsräte zu brechen. Von einer gütlichen Verständigung zwischen Unternehmern und Betriebsräten ist nirgends die Rede, weil die Unternehmer stets gegen die Interessen der Arbeiter sind. Die Arbeiter werden bestraft, wenn sie zu spät ihre Arbeit be ginnen, aber oft werden sie dadurch aufgehalten, daß sie einen sehr langen Aufhau zunächst auf Grubengase hin prüfen müssen. Infolge der Strafen nehmen sie diese Prüfung oberflächlich vor, und dadurch wird eine Explosionsgefahr nicht entdeckt. Redner weist feiner darauf hin, daß die Versorgung der Hinterbliebenen ungenügend sei und der Arbeiterlohn im Jahre 1924 herabgedrückt lei. Die Kommunisten verlangen von den Arbeitern gewählte Sicherheitsfommissionen, die Auszahlung des vollen Lohnes in diesem Monat an die Hinterbliebenen und Durchführung der siebenstündigen Schicht. Nieder mit den Kapitalisten!( Beifall bei den Kommuniften. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Imbusch( 3.): Ich habe zum besseren Verständnis eine Karte des Grubenfelbes von Minister Stein" auf den Tisch des Hauses niedergelegt. Die Zeche Minister Stein" ist bisher von größeren Explosio. nen verschont geblieben. Es war gutes Nebengestein vorhanden, sowie auch die Berieselungsanlage. Die Kohlenstaub- Sperren waren zum Teil fertig, zum Teil im Bau. Für die Sprengungen wurde Sicherheitssprengstoff verwendet. Es ist nicht richtig, daß dem ntersuchungsausschuß manche Stellen nicht gezeigt worden sind, der Ausschuß bestimmte selbst, mohin er fahren wollte.( hört, hört!). Bon der Wucht der Explo. fion tann fich nur ein Fachmann eine Vorstellung machen. Man darf sich nicht damit abfinden, daß solche Unglücksfälle unvermeidlich find. Wir müssen vielmehr alle Mittel der Abwehr prüfen.( Sehr richtig!) 3or allem müssen die Schlagwetter möglichst schnell abgeführt werden, damit sie ungefährlich find. Größere Mengen von Hohlenffaub waren vorhanden. Wenn wirklich ein Schuß die Explosion verursacht haben sollte, so ist damit noch nicht gesagt, daß irgendeine Schuld vorliegt. Die Arbeiter müssen vollkommen über die Gefahren aufgeflärt werden; es ergab sich, daß ein Arbeiter, ein Maschinist, über die Schlagmetter nicht genügend unterrichtet mar. Die elektrische Sicherheitslampe hat den Nachteil, daß der Arbeiter das Vorhandensein von Schlagwettern nicht fest, stellen fann, wie mit Hilfe der anderen Lampen. War die Wetter führung vollkommen? Die Wetterführungen müssen überall so Dolfommen wie möglich gemacht werden. Die Schußarbeit muß möglichst beschränkt werden, es wird möglich sein, ohne die Produktion zu beschränken. Die von den überladenen Wagen herab. fallenden Kohlen bilden allerdings eine Gefahr für die Kohlenstaub bildung. Die Kohlenstaubsperren werden eine größere Sicherheit bieten.( Inzwischen ist der Reichsfangler Dr. Luther erschienen.) Für unsere Partei spricht der Borsigende des Deutschen Bergarbeiterverbandes, Abg. Genosse Husemann. ( Schluß im Morgenblatt.) Aussprache im Landtag. Ueber die Regierungserklärung. Bräsident Bartels eröffnet die Sigung um 11 Uhr 15 Minuten. Das Haus überweist zunächst ben Antrag der Sozialdemokraten, bes Zentrums und der Demokraten auf Annahme eines Gefeßes über die Wahlzeit der Provinziallandtage und der Kreistage dem Ausschuß für Gemeindeangelegenheiten. Das Gefeß bestimmt, daß, soweit die Wahlzeit der Provinziallandtage und Kreistage vor dem Zeitpunkt endigt, an dem die Neuwahl erfolgen fann, auf Grund des zurzeit dem Staatsrat vorliegenden Gefeßes die bisherigen Abgeordneten bis zur Bekanntmachung des Ergeb. nisses der Neuwahl, jedoch nicht über den 1. Juli 1925 hinaus, in Tätigkeit bleiben. Dem gleichen Ausschuß wird der Entwurf überwiesen, der die Aufnahme ausländischer Kommunalkredite an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde knüpft. Dem Hauptausschuß wird überwiesen der Entwurf, der weitere Geldmittel bereitstellt für die Regelung der Hochwasser, Deichund Borflutverhältnisse an der oberen und mittleren Oder. Darauf wird die Aussprache über die Regierungserklärung fortgelegt. Abg. Pied( Komm.) fordert die Auflösung des Lanb. tages und legt die Gründe für den fommunistischen Antrag dar, ber belagt:„ Dem Staatsministerium wird das Bertrauen versagt, beffen es nach Art. 57, bl. 1 der Berfaffung zur Geschäftsführung Lernt aus der Geschichte! Zur neuesten Entwicklung der Kommunistischen Partei. Bon Wilhelm Dettmann. Die Kommunistenprozesse der legten Zeit entrollen von der Kommunistischen Partei Deutschlands ein Bild, das völlig dem der anarchistischen Bewegung gleicht, die in der Zeit bes Sozialistengefezes der deutsche Bürgerschred war. Die historische Parallele trifft bis in die fleinsten Einzelzüge zu. Wenn die deutschen Kommunisten die Geschichte der Klassentämpfe in Deutfájland fennen würden, hätten sie ihre Partei vor dem Schicksal bewahrt, dem sie jezt verfallen ist Dann würden sie wissen, daß in den Kinderjahren der Arbeiterbewegung und in den 3eiten schwerster Ber folgungen rein gefühlsmäßige Ausbrüche der Empörung, Attentate, bewaffnete Erhebungen und Putsche die primitiven Kampfmethoden waren, mit denen impulsive Naturen und Fanatiker den Kampf gegen die herrschenden Gemalten führten. Sie würden aber auch wissen, daß solche Emeuten stets zu Niederlagen führten und die proletarische Bewegung fchwächten, statt ihr zu nuken. Sie würden dann endlich wissen, daß diese primitiven Mittel bes Klaffenkampfes überwunden wurden durch die sozialdemokratische Erkenntnis, daß der Kapitalismus wirksam nur bekämpft und schließlich beseitigt werden fann auf dem Boden der von ihm selber geschaffenen Gesetzlichkeit und mit den Methoden des geistigen und poli tischen Kampfes. bedarf. Ruhrgelbschiebungen, Barmat Standal, Ebert Broze zeigen die heutige Korruption. Die neue preu bische Regierung ist nichts als der Ableger der Luther Re gierung im Reich. Das zeigt auch die Stellung der Regierungserklärung zu der reaktionären Kirchen und Schulpolitik. Herr Se vering ist allerdings ein famoser Fachminister gegen das Prole- zu. tariat. Das Marr- Rabinett ist nichts als eine Klaffenregierung der Bourgeoisie, die werftätigen Massen haben nichts von ihr zu ers marten. Unter Marg, find der Ruhrindustrie die gewaltigen Trillionen in den Echoß geworfen. Die Junfer wollen ihr alter Regiment wieder aufrichten; daß zeigen die Steuerpläne und die Ecuzzollbestrebungen. Ronsequent führen die Der: tfd nationalen den Klassentamps, den sie bei uns befämpfen. Der frühere Finanzminister v. Richter hat die Arbeit der großen Koalition gefeiert; jyt ist seine Partei, die Deutsche Boltspa.ctei, der Ludergeruch diefer Soalition peinlich und die Sozialdemokraten der Ludergeruch diefer Soalition peinlich und die Sozialdemokraten haben der Realtion cioßartige Vorspanndienste ge efter, um die revolutionäre Arbeiterschaft niederzuschlagen. Sie haben ihre anderen Minister geopfert; Severing bleibt. Der Mohr hat seine Schuldig. Minister geopfert; Severing bleibt. Der Mohr hat seine Schuldig feit noch nicht voll getan, er muß noch weiter der Kettenhund der Bourgeoisie sein. Bezeichnend für die Sozialdemokratie ist die Selbstdemastierung im Ebert und Auerprozeß und das warme Eintreten des Herrn Heilmann für Barmat im Ausschuß. Nur Bauer scheint ausgeschloisen zu sein, weil er Barmat Schaden zugefügt hat.( Seiterfeit.) Wir jagen jeder bürgerlichen Regierung den Kampf bis aufs Messer an. Abg. Falt( Dem.): war CS mar Auch wir gedenken in Trauer und Anteilnahme der Berg. arbeiter, die einen so jähen und schredlichen Tod gefunden haben. Wir erwarten, daß den Opfern diefer Katastrophe fofort tat fräftige Hilfe wird, daß darüber hinaus sofort untersucht wird, ob nicht durch Gefeßesmaßnahmen die Wiederholung solcher Ratastrophen verhindert werden kann. Was der Abg. Pied hier zu diesem Bei leidsatte beigesteuert hat, nicht Teilnahme, Demagogie und Agitation, seine Fraktion hat den Antrag auf Bewilligung Don fünf Millionen für die 186 Bergarbeiterfamilien nur gestellt, damit er abgelehnt werde. ( Buftimmung in der Mitte.) Sehr bedauern wir, daß unser Parteifreund Dr. Bendorff dem neuen Rabinett nicht wieder angehört; er hat die Bedeutung der Siedlungsfrage erfannt, wenn ihm auch nicht vergönnt mar, feine Pläne durchzuführen. Bon Dr. Marg miffen wir, daß er, abgleich nicht unser Parteimann, der rechte Mann am rechten Platz ist Sehr Befremden muß es erregen, daß die Deutsche Bolts. partei sich dem Danf des Dr. Mart an das abgetretene Kabinett, bem toch zwei ihrer hervorragendsten Mitglieder angehört haben, nicht angeschlossen hat. Dr. Marg hat das Opfer der Annahme des Postens des Ministerpräsidenten gebracht; er verbürgt uns das Fest halten on der Außenpolitit, dem weitaus wichtigsten Gebiet der deut fchen Politik fiberhaupt. Wie nötig es gewesen ist, die Schupo so auszubauen, wie es geschehen ist, zeigt uns der Ticheta- Prozeß( Lachen bei den Rominu niften), zeigt die erfolgte nadie Aufforderung zum Bürgerfrieg. Ist dem das System Severing wirklich so furchtbar gewesen, daß es in den untersten Raum der Hölle verbannt werden muß? So frage ich die Deutsche Volkspartei. Wir tönnen feine Außenpolitit treiben im Gegensah zum Reich, fondern nur als dienendes Glied des Reich. Die be stehenden Gegenfäße müssen durch Stärke und Nachgiebigtit ausgeglichen werden; Breußen muß zeigen, daß es frei von Partitularis mus ist, daß es stolz darauf ist, der erste Diener des Reichs zu sein. Wir Demofraten find unitarier, aber dieses Ziel ist fern unb so müssen wir inzwischen für die Stärkung des deutschen Gedankens alle unfere Kräfte aufbieten. In den Kreifen der Deutschnationaien im Osten, in Ostpreußen und Bommern, benft man anscheinend nicht so. es haben sich in ihren Organen Aeußerungen gefunden, die dem westlichen Separalismus feineswegs abgeneigt schienen.( Lärm bei den Deutschynationalen.) Aber auch die Deutsche Bolts partet hatte am 9. Januar den politischen Moment nicht erfaßt, als fie bei dem Proteft der Regierung Braun gegen die widerrechtliche Nichträumung der Kölner Zone den Landtagsfaal verließ.( Burufe bei der Deutschen Bolkspartei.) Im besezten Gebiet ist die Entrüstung darüber allgemein. Die Deutsche Boltspartei mar überhaupt nicht gut beraben, als fie ur plöglich die Große Roalition sprengte, weil urplötzlich ein Zufammen gehen mit den Sozialdemokraten ihr nicht mehr erträglich erschien. Die Mißtrauensanträge. Die Deutsche, Bolfspartei hat im Preußischen Landtag zu der Besprechung der Erflärung des Ministerpräsidenten vom Mittwoch den folgenden Mißtrauensantrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen, der Landtag hat nach Artikel 5 Abjak 1 Sag 1 ber Breußischen Berfassung jedem einzelnen Minister Landtag bekundet dieses Bertrouen nicht: 1. dem Minister des Inzu beffen Amtsführung das Bertrauen des Bolles auszusprechen. Der neren Severing. 2. dem Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung Beder, 3. dem Minister für Handel und Gewerbe Dr. Schreiber, 4. dem Finanzminister Dr. Höpfer Aschoff, 5. dem Minister für Volkswohlfahrt Hirtsiefer, 6. dem Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Steiger und dem Justizminister Dr. Am 3ehnhoff Die Fraktion der Nationalsozialisten hat den folgenden Bertrauensantrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen, der Landtag spricht das zur Amtsführung des Kabinetts erforderliche Vertrauen aus: 1. dem Innenminister Severing, 2. dem Kulhus. minifter Beder, 3. dem Finanzminister Dr. Hopter Aschoff, 4. dem Handelsminister Dr. Schreiber, 5. dem Wohlfahrts minister Hirtfiefer, 6. dem Landwirtschaftsminister Steiger, 7. dem Juftizminister Dr. Am Rehnhoff Der Untrag der Kommunisten zur Erflärung des preußischen Ministerpräsidenten lautet: Der Landtag molle bejchließen, dem Staatsministerium wird das Bertrauen versagt, dessen es nach Ar. titel 57, Absatz 1 der Berfaffung zur Geschäftsführung bedarf. All das, was im Laufe der letzten. Jahre von den Rom munisten den Arbeitern als funfelnagelneue, angeblich allein revolutionäre Rampfmethoden angepriesen worden ist, entstammt in Wahrheit dem Arsenal der Rinderjahre des Proletariats, gehört zu den längst in die Ecke gestellten, weil ais unbrauchbar erkannten Baffen. Die Bomben-, Gift- und Revolveraffären. die Spitzel und Verbrechergeschichten, die in den lekten Brozessen gegen Kommunisten eine so große Rolle spielen, sind eine Wiederholung aus vergangenen Beiten. Franz Mehring schildert in seiner Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" lebendig und anschaulich dieselben Erscheinungen aus der anarchistischen Bewegung der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Während Wilhelm Liebknecht und August Bebel damals ben Arbeitern rieten, sich von der Reaktion nicht provozieren zu laffen, die nur nach einem Vorwand für ein Blutbad suche, während diese gefestigten Kampfnaturen darauf ver wiesen, daß Bismards Brutalitätspolitik gegen das Proletariat von Attentaten lebe und zusammenbreche, menn folche Bormande fehlen, stachelten entgleifte Naturen, wie Most und Hasselmann in finnloser Wut die Arbeiter auf, es den russischen Nihilisten nachzumachen, mit Gift, Dolch und Bomben den Kampf zu führen. In seiner Londoner Freiheit schrieb Moft, genau wie es heute die Kommunisten tum die Arbeiter müßten Zehnergruppen bilden, sich bewaffnen, Polizei und Militär überrumpeln und in fühnem Handstreich die Macht an sich reißen. Mehring sagt von Moft, daß er durch die jahrelange Verfolgung ,, in einem Grade aufgereat und verbittert" worden sei, ber sich pinchologisch sehr wohl erklären ließ, aber das Bewußtsein seiner politischen, Berantwortlichkeit start herabminderte". Dasselbe gilt heute von einem großen Teil der älteren kommunistischen Führer. Und was Mehring von dem Moftfchen Anhang sagt, gilt auch heute von einem Teil der Kommunisten: Es waren nicht immer die schlechtesten und nicht immer die zurückgebliebensten Elemente, sondern auch fühne und trozige Naturen." " Die Propaganda der Tat", die damals von den Anarchisten genau so wie heute von den Kommunisten die ,, Beltrevolution" gepredigt wurde, mündete schließlich in einem Sumpf gemeinster Verbrechen, bei denen Lumpen und Svizzel ihre Hände im Spiel hatten, genau wie es fich in dem Ticheta- Prozeß zeigt, der jetzt in Leipzig verhandelt wird. Seitenlang schildert Mehring die frevelhafte Snikel und Verbrecherwirtschaft in der damaligen anarchistischen Bewegung, besonders auch das Treiben eines Spigels Neumann, der als engster Vertrauter von Haffelmann und Most in der Expedition der Freiheit" faß und mit dem Altonaer Polizeikommissar Engel in engster Berbindung stand. Von einem Spikel Schröder Brennwald sagt Mehring, daß er feine Rifte Dynamit mit sich führte mie ein Probereifender seinen uft er toffer". Ueber die Atmosphäre, die durch diese Nichtgentlemen" geschaffen wurde, berichtet Mehring: Während die deutsche Sozialdemokratie immer mehr über die. bürgerlichen Barteien hinauswuchs, wurde der deutsche Anarchismus immer mehr vom Locsptgeltum genarrt. Nicht als ob die deutschen Anarchisten durchweg aus Lumpen und Maulheiden oder auch nur aus zurüdgebliebenen Arbeitern bestanden hätten; es befanden fich feurige, leidenschaftliche Naturen darunter, die dem psychologisch erklärlichen, aber politisch verhängnisvollen Irrtum verfielen, daß die gewaltsame Unterdrückung der Arbeiterflaffe nur gewaltsam gebrochen werden könne... Ihr zuverlässiger Charakter verschaffte ihnen Vertrauen bei den Arbeitern. während ihre fanatische Beschränktheit sie den Einflüsterungen der Bodipigel zugänglich machie." Trifft diese Schilderung nicht mortwörtlich zu auf den ehrlichen aber fanatischen Teil der heutigen Kommunisten? Mehring schildert, wie die anarchistische Taktik durch die liebevolle Pflege der polizeilichen Lockspitzel sich bis zur Form des gemeinen Raubmordes entmidelte. Die ■» Anarchisten Stellniachcr, Kammerer und Genossen nerübten im gerbst 1883 schnell hintereinander einen Raub» mord an einem Apotheker und an einer Schildwache in Straß» bürg, eine Dynamitexplosion im Frankfurter Polizeigebäude, ein Raubmordattentot auf einen Bankier in Stuttgart und endlich in Wien einen Mord an einem Polizeibeamten, einen Raubmord an einem Wechselagenten und dessen zwei Söhnen, sowie einen Mord an einem Polizciagenten. Dieses A b- gleiten einer ursprünglich politischen Bewegung in die Sphäre des gemeinen Verbrechens war damals die Grund- löge der skrupellosen Hetze— gegen die Sozialdemokratie, die den Wahnsinn mit allen Kräften bekämpft hatte, genau wie heute der Kommunistenschreck gegen die Sozialdemokratie fruktifi- ziert wird. Zu derselben Zeit wie die Verbrechen der Stell- macher und Kammerer brachten auch die Taten der R e i n s- d o r f. R u p s ch uno K ü ch l e r die ganze honette Gesell- schaft gegen die proletarische Klassenbewegung auf. Rems- dorf hatte ein halbes Dutzend junge und unreife Burschen zu Dynamitattentaten angestiftet. Der Hauptclou seiner Derschwörerbande war das Dynamitattentat auf das Niederwalddenkmal, bei dessen Einweihung am 27. September 1883 der Kaiser und die deutschen Fürsten in die Luft gesprengt werden sollten. Auch bei diesem Attentat, das rechtzeitig„entdeckt" wurde, hatten Spitzel ihre Hände im Spiel. Die Hinrichtung der Reinsdorf und Äüchler, der Stell- macher, Kammerer und Genossen genügte der Reaktion nicht zur Befriedigung ihrer Rache. Die erkte politische Folge der Verbrechen war die Annahme des Dynamitgesetzes vom 9. Juni 1884, das für Verbrechen, bei denen Spreng- stoffe verwendet worden sind, eine Mindest strafe von 5 Jahren Zuchthaus vorsieht. An den j u g e n d» lichen Kommuni st en, die kürzlich wegen der P o t s- damer Vombenaffäre auf Grund dieses Dynamit- gesetzcs zu diesen furchtbaren Mindeststrafen verurteilt war- den sind, rächen sich jetzt nach 40 Jahren die Sünden der .Llnarchisten der Tat" aus der Zeit des Sozialistengesetzes? Bei der Reichstagswahl von 1884 hieß es in einem gegen Wilhelm Liebknecht gerichteten nationalliberolen Flugblatt in Offenbach a. M.:„Die Namen der Mord- gesellen Hödel, Nobiling, Kammerer, Stellmacher tragen das Gepräge des Feindes, der Sozialdemokratie nämlich, die sich nicht scheut, offen zu erklären, daß ihr Weg nur über Blut und Leichen führt, recht deutlich an sich." So wurden die anarchistischen Verbrechen gegen die Sozialdemokratie aus- genutzt und die Stimmung geschaffen, in der das Sozialistengesetz immer wieder auf Jahre verlängert werden konnte. Die Sozialdemokratie hat sich damals trotz der Schlammflut von Verleumdungen, die über sie ausge- gössen wurde, trotz all der unerhörten Verfolgungen der Ge- walthaber nicht abdrängen lassen auf die Bahn der Gewaltanwendung, und hat mit ihrer Taktik schsießlich gesiegt über das Schandgesetz, das zwölf Jahre lang auf ihr lastete. Die jüngere Arbeitergeneration, die jetzt in das politische Getriebe hineingewachsen ist und unter den ver- wildernden Ein- und Nachwirkungen des Krieges vielfach zu einer gefühls- und gewaltmäßigen politischen Einstellung hin- neigt, sollte sich diese geschichtlichen Erfahrungen aus der Zelt der schlimmsten Verfolgung der Sozialdemokratie z u r W a r- nung und zur Lehre dienen lassen. Das gilt de- sonders von denen untex ihnen, die des irrigen Glaubens waren, von den heutigen Kommunisten das Heil für da« Proletariat erwarten zu können. Der Putschprozeß im Ham- bürg, der Tscheka-Prozeß in Leipzig imd so viele andere Kom- nrunistenprozesse der letzten Zeit zeigen, daß die kommu» mstische Bewegung in Deutschland auf dem Wege ist, der Auslösung und dem Untergang im Sumpf des Spitz eltums und des Verbrechens zu ver- fallen. Wie vor 40 Jahren ist auch heute allein die »Sozialdemokratie der Kompaß für den schwe- ren Weg des Proletariats in das Land des Sozialismus. Legrüßung mit Schimpf. Marx und die Rechtspresse. Der neue christliche Ministerpräsident Preußens findet in der Rechtspresse die gehässigste Begrüßung, die sich nur denken läßt. Die.Lreuz-Zeitung" nennt„diesen Herrn Marx mit seinem Kabinett eine unerhörte Provokation des preußischen Voltes" und„einen e i n- zigen großen Wandel"! Sie nennt ihn einen«Epe- kulationspräfidenten" und unterstellt ihm, daß er das preu- ßische Amt nur als„Durchgangsstation", als„Sprungbrett zum Reichspräsidenten" benutzen wolle. Ganz ähnlich spricht die„Deutsche Tageszeitung" von einer„d r e i st e n Provokation" und behauptet, daß die Rede des Ministerpräsidenten, den denkbar schroff- sten Widerspruch zwischen Wort und Wirk» l i ch k e i t" aufzeige? Gegenüber dieser Grobkörnigkeit ist die„Deutsche Zeitung" geradezu von unbegreiflicher Milde. Sie versichert schamhaft, daß sich die Angriffe der Deutschnationalen—„wie wir hören"— nicht g e n Marx selbst richten! Man möchte mit ihm und seiner Partei, trotzdem er ein„Speku- lationspräsident" ist, schließlich doch noch Geschäftchen machen. Die volksparteiliche„Zeit" gibt zu, daß die Darlegungen des Ministerpräsidenten eine Reihe von Programmpunkten enthielten, die auch in den Reihen der Oppositionsparteien keinen Widerspruch fänden. Dennoch kommt das Blatt„zu dem unabweisbaren Schluß, daß das neue preußische Kabinett unter einer Flagge zu segeln versucht, die es tat- sächlich nicht führen kann". Und schließllch erklärt das Organ Sttesemanns: .Die Regierungstätigkeit der Sozialdemo- traten kann in der Vergangenheit zweckmäßig ge- wesen sein. Sie hat aber gegenwärtig abgewirtschostet. Es ist des- halb außerordentlich bedauerlich, daß Herr Marx bei der Bildung seines Kabinetts alle Partelen rechts von dem Zentrum zurück- gestoßen hat. Es versteht sich von selbst, daß daraus auch die K o n- sequenzen gezogen werden müssen." Dagegen sagt die„Bossische Zeitung" u. a.: .. Für Marx gibt es nur einen politischen Grundsatz, der den Kompromiß ausschließt: da» vekeuulul» zur Rcpubllk. Dieses Bekenntnis hat er auch gestern abgelegt und zweimal unterstrichen. Er hat in diesem Zusammenhang mit deictlicher Betonung auch von dem Beamtentum gesprochen, dos sich unbe- schadet oller durch die Berfasiung gewährleisteten Freiheit des poli- tischen Glaubensbekenntnisses doch bewußt sein müsse, daß es seine erste Aufgabe sei, die Verfassung zu achten und zu schützen." Die Front ist also ganz klar abgesteckt. Die Mon- a r ch i st e n bekämpfen Marx nicht nur, sie beschimpfen ihn auch, um eine republikanische Regierungstätigkeit von vornherein unmöglich zu machen. Den Ostelbiern ist der.Rhein- kelle" Marx und sind seine.westlichen" Kollegen im Mi- nisterium ohnehin verdächtig. Zwar haben sie den Ost- vreußen Braun und den Pommern Wendorff noch schärfer bekämpft. Aber es geht bald so und bald so, je nach- dem das Interesse der Schwerindüsttie und des Lgrariertums es erfordert. Der Ursprung üer Skandale. Eine Geschichte zum„Schieße»". In der.Deutschen Tageszeitung' behandelt der Rechtsanwalt beim Kamemrgericht, Ludwig Flügge, chle soziologisch« Bshsutuug der Varmat-Affäre". Dabei macht er eine aussehenerregend« Cnt- dockung. die schleunigst zum Patent angemeldet werden sollt«. Cr stellt fest, daß die ganze Barmat-Assöre au» dem verschwundenen .Standesbcwußtsem" der gebildeten Schichten entstanden sei: .Wesentlicher war da» Bewußtsein der besonderen Standes- ehre, daß alle nicht offenbar deklassierten Edelleute. alle böheren Beamten und alle Akademiker damals besaßen. Dies Siandcs- bewußlsein wurde zu einem wesentlichen Dell dadurch errelchk. daß die jungen Leute während Ihrer Sludentcnzeil sich daran ge- wohnten, die kleinste cthrenkröatung mit der blanken Wassc ans» zukragen. Für Menschen, die einen schiefen Blick oder einen provozierenden Ton als Anlaß zum Ehrenhandel nahmen, mußten ernste Verstöße, vor allem solche, die aus mate- riellen Motiven geschahen, psychologisch ganz außer Reichweit« des Möglichen liegen... Daß man daran auch nicht früher gedacht hat? Wenn die kneip. frohen Korpsstudenten noch jeden zum Kampf bis zur Unfähigkeit fordern könnten, der ihnen überschüssige Geldmittel zustecken wollt«, dann— hätten wir wahrscheinlich alles Elend der Well längst über- wunden. Aber so— na ja, die Rühe und Hellwig stammen ja auch aus jener Sphäre. Aber, aber... Helfershelfer üer Reaktioa. Kommunisten und Nationalsozialisteu im Bande. Nürnberg. 19. Februar.(Mtb.) Im Nürnberger Stadttat wurde gestern nach einer erregten Debatte das von den Nationalsozialisten gegen di� parlamentarische Geschäftsführung des Oberbürgermeisters Dr. Luppe eingebrachte Mißtrauensvotum mit 23 Stimmen der Nationalsozialisten. Deutschnationalen. Bayerischen Lolksparteiler. Kommunisten und Mittelständler gegen 24 Slirnmen der Demokraten und Sozialdemokraten angenommen. Auch hier wieder haben sich die Konmrunisten als die treuen Bundesgenossen der Reaktion erwiesen. Sie selbst wissen es genau, daß ihr Vorstoß� gegen einen Mann wie Luppe auch Lrbellerinteressen schädigt. Das macht nichts. Die Reaktion m u ß in den Sattel. So will es Moskau und so handell seine Jüngerschaft. Stäötetag unü Reichstag. Em bezeichnender Borfall spielt« sich gestern im Zteühstage ab. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat« die Frak- ticnen zu einer Besprechung über das lebenswichtige Problem des Finanzausgleichs eingeladen. Zur festgesetzten Zeit war außer dem Vorsitzenden des Städtetag«-, dem Berliner Oberbürgcr- meiste? B ö h, und dem Hauptgeschästsführer. Oberbürgermeister Mitzlaff. van den bürgerlichen Parteien der demokratische Abgeordnete Dr. Külz, der in seinem Beruf Bürgermeister von Dresden ist, erschienen, ferner zwei Dertreter der Sozialdemokratie. Alle anderen Fraktionen hielten es nicht der Mühe für wert, auch nur einen einzigen Vertteter zu entsenden. Ein Kommentor zu diesem Borgong erübrigt sich wohl. Die Reaktion in Lettlanü. London. 19. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Das Sekretariat der Sozialistischen Arbeitcrinternationale hat von der lettischen Sozialdemokratie ein Telegramm erhalten, daß die lettische Regierung beschlossen habe, im Anschluß an den blutigen Straßen- lampf in Riga zwischen Arbeitersporttern und Faschisten des Ratio. nalen Klubs, bei dem Genosse Massak getötet wurde, den Arbeitersportocrband zu oerbieten. Di« bürgerlictx: Parlamentsmehrhett hat am Mittwoch diese Maßnahme der realiio- nären Regierung gutgeheißen. Di« lettisch« Sozialdemottatta appelliert au alle Arbeiterpartelen um Unterstützung in ihrem Kampf. Auch in Berlin sind Mitteilungen aus Rigc einge- troffen, daß die lettländische Regierung, statt gegen die scschisti- schen Moröbuben einzuschreiten, Maßnahmen gegen die A r- beiterschaft ergreift, die sich nicht dem Terror d?r Natio» nalifttn beugt. So hctt die Saulcitung des Reichsbanners Schwcrrz-Rot-Gold ein Telegramm des Vorstandes des Rigaer Arbellersporwerbandes erhalten, in dem um Unterstützung gegen die Maßnahmen der reaktionären Regierung gebeten wird. Diese moralische Unterstützung ist den lettischen Arbeiter- verbänden sicher. Nichts kann da« Ansehen der lettländischen Republik im Auslande so sehr untergraben, wie tms feige Zurückweichen der Regierung und der Parlamentsmehrhett vor den faschistischen Terroristen und ihr einsettiges Vorgehen gegen die in berechtigter Abwehr befindliche Arbetterfchaft. der Reformator von Zwickau. Von Hans R e k. Ein abgebauter Bezirksobertierarzt in Zwickau hat etwas g e- wagt. Es wird In unserer betriebsamen Zell zwar viel uitter- nornmen. wohl auch manche» riskiert, wenn dabei etwas zu ver- dienen ist, aber dennoch ist sie arm an wirklicher Tot. Der abgebaute Bezirksobertierarzt Böters besitzt die Kühnhctt des Außenseiters und den Elan des von seiner Idee besessenen Mannes. In Zwickau werden Menschen operiert, deren Fortpflanzung im Interesse einer Verbesserung der Rasse unerwünscht sein muß. Test der berühmte Leipziger Strasrechtslchrer Gcheimrat Dinding gemeinsam mtt dem Mediziner Professor Hache den großen Entwurf über die Ber- ntchfung lebensunwertcn Lebens ausgearbeitet hat, ist dieses Pro- blem nie ganz zur Ruhe gekommen. Diese kühne Schrift wurde als Material dem großen Archiv der Theorien und Utopien über- geben, wo es seit Iahren, umstritten aber unverwirklicht, ruht. Ein Zwtckauer Arzt wogt, an die Verwirklichung der rossenbiologisch und «rgenisch ungeheuer wichtigen Frage heranzugehen. Er tötet nick: lebensunwettes Leben,— wer würde das zu tun wagen, ohne die christliche Moral, die den Schutz der Bresthasten sordert, tief zu verletzen—, sondern er verhindert, daß lebensunwertes Leben ge- zeugt wird. Der ehemalige Zwickauer Bczirksobertierarzt hat damit einen höchst wichtigen menschlichen Bezirk betreten. Erst hat er Eingaben und Denkschriften an die Behörden und Ministerien verfaßt— ein aussichtsloser Weg, wenn man etwas Kühnes und Außerordentliches durchsetzen will. Als er sah, daß er so nicht weiter kommt, hat er auf eigene Verantwortung zum erstenmal diese operativen Eingriffe befürwortet, er hat in einer Mittelstadt für seine Idee so tatkräftig geworben, daß das staatlich« Krankenhaus und die ersten medizinischen Autoritäten der Stadt auf Anregung des abgebauten Bezirksobertierarztcs die Operationen vornahmen. Die sächsische Regierung ist natürlich mit dem Zwickauer Refor. mator wenig einverstanden. Es ist eine wilde, gesetzlich noch un- geregelt- Sache, die da in Zwickau betrieben wird. Es ist mehr als cm Eingriff, es ist ein Griff in die Zukunft, und wie dürste man d e n ohne behördliche Konzession wagen! Man wird, kein Zweifel, dem abgebauten Bezirksobertierarzt auf den Kopf steigen und ihn, all die Prozesse machen, die man seit s-h-r den wagemutigen Lorläufern und Reformern gemacht hat. Bis jetzt wurden über sechzig Menschen beiderlei Ge- schlecht- sterilisiert. Wenn die verbrecherischen, die minder- und unwertigen Menschen keine Kinder in die Well setzen können(wobei sie der sexuellen Funktion nicht beraubt werden), dann wird man dem gesunden Rachmuchs dereinst bessere Lebensbedingungen schaffen können als heme. Es ist eine westreichende Angelegcnhest der Zu- kunst. Der abgebaute Bczirksobertierarzt in Zwickau hat begonnen. auf»ine sehr kühne Art die Irren- und Zuchthäuser abzubauen. Reckisches Lnflsplel:.Zurück zur Schul«", bereits in Pari» mit Erfolg gespielt und jetzt in der„Kam öiid i e dargestellt, ist ein Lustspiel des Franzosen GeorgesBirabeau. nicht zu verwc-bseln mit Mirobeau oder mit Andre« Biroibeau, der in Paris als omüsan- ter Schriftsteller bekannter ist als sein Namensvetter George. Georges also hotte einen Einsall. originell, nicht ganz überzeugend und daher in geistvoller Philosophie glitzernd. Der Direktor eines Internats. das in einem überbesuchten Seebad gelegen ist. oermietet seine Schul« als Fremdenpensstm. Das Milieu, die Atmosphäre üben nunmehr einen wunderlichen Einfluß auf die Sommergäste aus. Man wird wieder zum Kirch. Luch auf den Amor scheint da» Milieu gewirkt zu haben- Das Spielchen ist so kindlich, daß man es fast fade nennen könnte. Einige lustige Einfällchen geistern durch dos Stück. Bei de? Anspruchslosigkeit des Ganzen kam man auf die Vermutung, daß die Geistesfunken gar nicht von Birabeau stammen, sondern Extempore» der prächtigen Margarete Kupfer sind. Sie sprüht als energisch« Mutter und Ehefrau in einem Drillantseuer. wert von ttockenem Humor. Ein gestrenger Hausdrache, der ttotz seiner männlichen Zielbewußtheit warme Sympathie errinat. Ha n» Brausewetter fliegen vom ersten Aultritt an all« Herzen zu. Sein« strahlende Iungetthaftigteit. seine sonnig« Frflche find de- zwingend. Etlinger, ein rührend tomischer Pantoffelheld. Der erste Akt ging flott, der zweit« langsam, der dritte schleppt«. Umgekehrt, Herr Regisseur P a b st, kommt lustspiekhaft« Steigerung heraus. Dgr. wie sich musikalische Begabung nererbk. Daß musikalisch« Begabung erblich ist, zeigt nicht nur der Stammbaum der großen Musiker, sondern ist auch im Alltagsleben vielfach zu beobachten. Ueber die Gesetze dieser Vererbung war aber bisher wenig bekannt, und es ist daher«ine daufenswert« Tat der beiden Professoren Haecker und Ziehen, daß sie in ihrem Werk.Vererbung und Ent- Wicklung der nulsikalischen Begabung' durch statistisch« Erhebungen bei mehreren tausend Menschen gewiss« allgemein« Drundsätz« der Vererbung festgestellt haben. Nach ihren Ergebnissen, über die in der Leipziger.Illustrierten Zeitung' berichtet wird, überwiegen in Ehen, bei denen mir eins der Ellern musikalisch ist, die männ- lichen ausgeprägt musikalischen Nachkomme» die weiblichen: dies gilt vor allem, wenn di« Mutter der musikalische Teil ist. Wenn beide Eltern musikalisch sind, dann kommen etwa 40 Proz. sehr ausge- prägt musikalische und fast 4ß musikalische Nachkommen vor. Es vor allem, etwas in» Land zu bekommen. Am 7. Marz 1919 ,« Barmat zum erstenmal bei ihm gewesen mit Empsehlungen der niederländischen Sozialdemokratie und des Abg. Hellmann vorsehen. Gs Hab« sich damals vornehmlich um den Einkauf von Alaschiuen für den Rotterdamer.vorwärk,' gehandelt. Barmat Nagt« über Scherereien mit dem Visum und er. 'Uchte um ein Dauervisum für drei Monate. An und für sich konnte Barmat sowieso schon ein- und ausreisen, wie er wollte, das Dauer- visum sollte ihm nur die bureaukratischen Scherereien ersparen. 3«ug« ha, in«wem viel belleten Brief an den damaligen «wichen Tistindten im Haag Herrn von Rosen, in dem es sich«den m» d«e Erteilung jenes Dauervesum« handelte, geschrieben. Barmat stehe in intimsten Beziehungen zum Neichspräsidenton. Darüber vcsrogt, wie er zu einer solchen Ausfassung gekommen sei, erklär: de? Zeuge, er wisse aus eigenem über Beziehungen Varrnats zum Reichs- vrästdenten g a r n i ch t s, es könne fein, daß Heilmann oder Krügcr davon zu ihm gesprochen, auf alle Fäll« habe es sich dabn nur um politisch« Beziehungen gehandelt. Der Reichspräsidenit war natürlich erfreut, daß in Rotterdam ein Teuischland wohlgesinntes Blatt begründ.'t werden sollte. Staatssekretär Töpfer berichtigt dann die Aussage des Botschafters von Maltzahn, wonach dieser ihn, Töpfer, Scheidsmann und ander« als Gönner Barmats be- zeichnet haben soll. Maltzahn habe ihm persönlich erklärt, er habe das nicht gesagt, sondern nur, Barmat Hab« sich auf Beziehun- g e n zu Scheidemann und Töpfer berufen. Barmat stand schon im Zrühsahr 1918 in Deziehuugea zur Regierung des Reichskanzlers v. Herlling. Ein Gesaudlschafisberlcht aus dem Haag bezeichnete ihn als eiuen„vorleilhasl bekannleu Hussen mit beträchtlichem Vermögen", der auch starken politischen Ehrgeiz zu haben scheine. der fiufwertungsplan für Sie Reichsanleihe Bettelpfennige für die verarmten Reichsgläubiger. Ueber den Inhalt der von der Reichsregierung für nächste Woche versprochenen Gesetzesvorlage betreffend Answer- tung erfahren wir, soweit es sich um die öffentlichen An» leihen Handell, das folgende: Alt« Reichsan leihen, d. h. solche, die vor dem 1. Juli 1929 begründet wurden, sollen in eine Anleiheoblösungs- schuld umgetauscht werden. Der Umtausch erfolgt im Derhällnis von 199:5, bei der Sparprämienanleihe von 1919 im Verhältnis von 199:2,5. Es werden nur Abschnitte der Anleihe- ablösungsschuld über 59 M. ausgestellt. Stücke im Nennbetrag von weniger als 1999 M. sind daher vom Umtausch aus- geschlossen. Was aus den Inhabern solcher kleinen Stücke werden soll, ist noch ungeklärt. Der Gläubiger kann die Schuld nicht kündigen. Eine Verzinsung findet vor Erledigung der Reparotionsverpflichtungen nicht statt. Eine besondere Behandlung ist für die Eigentümer alter Reichs- anleihen dauernden Besitzes, d. h. solcher Anleihen, die nach- weislich vor dem 1. Juli 1929 erworben wurden, vorgesehen. Diesen Eigentümern wird auf Antrag für die Zeit vom 1. Januar 1929 bis 91. Dezember 1'9S8 eine A b l ö s u n g s r e n t e gewährt. Diese Rente beträgt 5 P r 0 z. der Anlcihcablösungsschuld. Wer also 1999 M. Reichsanleihe gegen 59 M. Anleiheablösungsschuld umge- tauscht hat, bekommt 2,59 M. Ablösungsrente. Diese Rente kann nach dem 3l. Dezember 1V28 weiter gewährt werden, wenn die Finanzloge des Reick, es es gestallet. Für alle Reichsanleihe dauernden Besitzes, die vor dem 1. Juli 1923 auf Grund gesetzlichen Zwanges zur mündel- sicheren Anlage erworben wurde, ist eine Sonderregelung vor- gesehen. Hier soll eine Rente von 2% pro Mille des doppelten Geld- wertes der Anleihe zur Zell des Erwerbs gewährt werden. Den Kern der Vorschläge bildet die Gewährung einer Vorzugs- rente an bedürftige Eigentümer von Abiösungsremenscheinen. die diese Schein« aus Grund des Umtausches von Kriegsanleihe zugetsill erhallen hoben. Die Vorzugsrente beträgt das Achtfache der Ablösungsrente, also 49 Proz. des Nennbetrages der Anlciheablösungsschuld. Bei 1999 M. alter Reichsanleihe dauernde» Besitze«, die in 59 M. Anleiheavlösungs- schuld umgetauscht wurden, wären hiernach 29 M. Vorzugsrente oder 2 Proz. der ursprünglichen Kriegsanleihe zu bezahlen. Bedürftig i st. wer ni cht nur vorübergehend den notwendigen Lebens- bedarf für sich und sein« Angehörigen mangels eigener Mittel und Kräfte nicht beschaffen kann. Ferner Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterblieben«, die dauernd der sozialen Fürsorge zur Last fallen. Für die Aufwertung der vom Reich übernommenen Eisen- bahnschulden der Länder und der sonstigen Anleihen der Länder. Gemeinden und Gemeindeoerbände»st ein sehr kompliziertes System vorgesehen, aus dem sich für die Gläubiger letzten Endes nicht mehr ergibt, als noch dem oben mitgeteilten den Gläubigern des Reiches gewährt werden soll. Heeres- und Marine-Kammern. Di« Forderung nach einer gese�ichen Regelung der Heeres- und Marinekammern ist fett langem der Wunsch der Angehörigen von Reichsivehi: und Marin«. Genosse Künstler forderte von dem Reichswehr minister die alsbaldige Vorlegung eines diesbezüglichen Gesetzentwurfes. Heute bcstebt noch die vorläufige Heeres- und Marine kam riier als eine Einrichtung auf Grund der Verordnung vom 8. Junz�929, obwohl der Z 19 des Wehrgc setze« vom Jahre 1921 ein« beratende und begutachtend« Heeres- und Marinetanm»:? fordert, deren Berfasiung und Zuständigkeit durch«in besonderes Reichs- gefetz geregell werden soll. Di« Mitglieder der Heeres- und Marine- lamme rn sollen aus geheimer Wahl hervorgehen. Genosse Künstler verwies darauf, daß die gegenwärtig« Zusammensetzung des Hauptausschusses der Heeres- mid Marinekammer nicht den Wünschen der Soldaten in der Reichswehr entspricht. Dei einem Ofsizierkorps von 4999 Offizieren entfallen auf dasselbe 17 Vertreter, während die 96 999 Unteroffiziere und Mannschofben ebenfalls nur 17 Vertreter in den Hauptausschuß entsenden. Dasselbe Verhältnis ist bei der Marinekammer vorhanden. Genosse Künstler forderte, daß das System der Vertrauensmänner unbedingt erhalten und weiter ausgebaut werden muß. Reichswehrminister Geßler still!« die alsbaldige Vorlegung eines Gesetzentwurfes in Aussicht. Ministerpräsident Herriol wird am 8. März der Einhüllung des Denkmals für Iauräs, das in dessen engerer Heimat Eastres in Südfrantreich errichtet wird, beiwohnen und dabei eine große politische Rede hallen. �Reiniger" Deutfthlanös. Herr Wilhelm Bruhn, deutschnatwnales M.d.R. und Herausgeber der„Wahrheit. Im Preußischen Untersuchungsausschuß zur Neinigung der politischen Moral tut sich besonders hervor Herr Georg Stolt, kommunistisches M. d. L und mehrfach rückfälliger Unterschlager von Arbeitergeldern. Im Untersuchungsausschuß des Reichstages führt ein anderer Reiniger Deutschlands für die Deutschnationalen das große Wort. Herr WilhelmBruhn, seit etwa zwei Jahr» zehnten Herausgeber des antisemitischen SkandalwochcnbläU- chens„Die Wahrheit". Die deutsche Oeffentüchkeit und die Berliner Gerichte mußten sich bereits mehrfach mit diesem Edelprodukt moderner Journalistik beschäftigen, insbesondere im Oktober 1909 ge- legentlich eines Prozesses wegen Erpressung und Betruges gegen einen Redakteur der„Wahrheit" namens Hermann Dahsel, der wiederholt Schweigegelder für das Nichterscheinen von Skandalartikeln gefordert und zum Teil erlangt hatte. Herr Bruhn, damals schon„nationaler� Reichs- tagsabgeordneter, versuchte als Zeuge von seinem Mit» arbeiter abzurücken und ihn zu belasten. Daraufhin stellte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Wert- Hauer, den Antrag, zehn namhaft gemachte Zeugen zu laden, die den Nachweis der völligen Unglaub» Würdigkeit des Zeugen Bruhn führen sollten. Diese Zeugen sollten serner bekunden, daß dieser seine Zeitung zum Zwecke der Inseratenerpressung benutzt und Artikel je nach der Erteilung oder Verweigerung von Inseraten der angegriffenen Personen bringt oder wegläßt Wir lassen hier den Bericht des>Lokal°Anzeigers" vom 10. Oktober 1909 nüchtern sprechen: Insbesondere sollte nach den Anträgen der Verteidigung folgen- des festgestellt werden: Die Zeitung„Die Wahrhell" brachte vor zwei bis drei Iahren fortgefetzt Schmähungen gegen den Klub„Berolina". Der Borsitzende des Klubs wandte sich auf Anraten der Mitglieder an den Cafetier Dr e i w u r st, der mit Bruhnt befreundet ist. Zwischen Bruhn und Dreiwurst wurde ein Abkommen getroffen, daß Drelwurst von dem Klub eine Zahlung von insgesamt 1999 M. er- hallen sollte, welchen Betrag der Klub in vier Quartalsraten 3 250 M. zu bezahlen hatte. Der Klub bezahlte, und es unterblieben die Aogrifssartikel als Gegenleistung. Demnächst weigerte sich der Klub, eine der Qualtalsraten weiter zu bezahlen. Der Vorstand (Herrmann und M e r t e r) traten darauf wieder durch Dreiwurst mit der Zettung.Di« Wahrheit" in Verbindung, da sofort wieder ein Artikel erschienen war. Nachdem die Zahlungen wieder aufgenom- men waren, entschuldigte sich die Zeitung„Die Wahrheit" damit, daß der Arttkel inzwischen erschienen wäre, da ja die Zahlungen nicht er- folgt seien. Die Q u i t t u n g e n der„Wahrheit" befinden sich in den Akten de« Klub» von 1998. Der Zeuge D i e t r i ch hat in dem Brief- kosten einer anderen Zeitung dem Zeugen Bruhn mit diesbezüglichen Enthüllungen gedroht. Als einer der Inhaber der Firma N. Israel in«ine unangenehme Angelegenheit verwickelt war, fürchtete das Hau» Israel, daß Lruhn in ssiner Zeitung nicht, wie die anderen Zeitungen, eine kurze Nottz bringen, sondern die Sache ausschlachten werde. Infolgedessen trat der Inseratenches N 0- w a r r a de» Hauses Israel mit Bruhn in Verbindung. Es wurde «in lieber einkommen gekroffen, um Bruhn Geld zuzuwenden, damit der Artikel unterbliebe. Damit aber die Oeffentlichkeit, der es auf- gefallen wäre, wenn plötzlich Inserate des Hauses Israel in der onti- lemllischen Zeitung erschienen wären, nichts merke, wurde das Ab- kommen getroffen, daß chiffrierte Annoncen betreffend an- gebliche Personalgesuche und eine Veröffentlichung des Winter- katalog» tn der.Wahrhell" erfolgen sollten. Die Inserate wurden weit über die mittelmäßige Gebühr honoriert, well sie nur der Deckmantel für das dem Lruhn gezahlte Schweigegeld waren. Nachdem jedoch der Inhaber des häufe« Israel sich selbst gelölet halte, wurden meilere Ansprüche de« Bruhn abgewiesen, so- bald dieser solche erhob. Daraus sehte Bruhn sofort mit den empörendsten Artikeln in feiner Zeitung ein. Die Origlllolguiltuuge« des Bruhn üb« die ihm gegebenen Schweigegeld« befinden sich tu den Händen de» Zeugen Nowarra.— Der Zeuge Busse soll ins. besonder« bekunden, daß Bruhn den Dietrich angestellt habe, um die Fabrikanteil, die in der.Staatsbürgerzeitung" inserierten, an zu- greifen. Wenn die Direktoren dann Annoncen für die„Wahr- hell" aufgaben, wurden die Angriffe sofort eingestellt. Rechtsanwalt-Dr. Werthauer beantragt des weiteren, noch einig« Sachverständig« zu laden, dl« über den Charakter der.Wahrheit" ihr Gutachten abgeben sollen. Nach längerer Beratung verkündet Landgerichtsdirektor Ja- nisch den Beschluß das G»richts dahin: Die Bewel-antrSge des Rechtsanwalt» werkhaver werden ab- gelehnt, weil als wahr ualerstelll wird, daß Angriffe fel- leus der.wahrheil" auf bestimmte D«souen unterbleiben, wenn seilen» der Lelresseude« Zuseratenauslröge an die Zeitung uleill werden, well fern« als wahr ualerstelll wird, daß so. wie die„Wahrheit" geführt wird, sie in weiten Kreisen des Publikum» als Bedrohung«achtet wird. Im Laufe der Berhandlung hatte zwar der Vorsitzends mehrfach erklärt, daß nach den Akten kein Beweis dafür vor- liege, daß Bruhn an d e n dem Angeklagten Dahsel zur Last gelegten Erpressungen beteiligt sei. Er verwahrte sich allerdings mehrfach entschieden gegen die Auffassung, als be- deute diese Feststellung irgend eine Art Ehrenerklärung für den Zeugen Bruhn und betonte wiederhosi, daß die(an- gebliche) Nichtbeteiligung Bruhns nur für die be stimm» ten im Prozeß Dahsel zur Sprache gebrachten Delikte gelte. Auch der Staatsanwalt Leisering äußerte sich wiederholt im gleichen Sinne und fügte hinzu: .Eine Charakteristik der.Wahrheit" sei nach sein« Meinung n i ch t n ö t i g. auch« Halle dos Blall für sehr oerderblich und die Tendenzen, die es oerfolge, für he i l l 0 s." In seinem Plädoyer führte Staatsanwalt Leise- ring u. a. aus: „Esliegeihmfern, hier etwa einLobliedfürHerrn B r u h n zu singen:« habe seine Meinung üb« das Organ desselben schon genügend zum Ansdrnck gebracht. Jemand, der in öffentlicher Gerichtssitzung bekennen muh, daß in der Zeitung die dritte Spalte offen geHallen wurde, um die intimsten Familien- g e h e i m n i s s e der OefsenUichkeit preiszugeben, jemand, der es zu- läßt, daß aus der Schande und dem oft unverschuldeten Unglück einzelner in seiner Zeitung Kapital geschlagen wird, d« kann sich nicht wundern, wenn sein Blatt..Die Wahrheit", al» Skandal- und llevoloetblaU augesehen wird. Etwas anderes ist die Frage, ob Herr Bruhn an den hi« in Frage stehenden Erpressungen beteiligt ist." Herr Bruhn gibt heute noch„Die Wahrheit" heraus. an deren Charakter sich seit 1909 wahrhaftig nichts geändert hat. Dieser Mann wird von seiner Fraktion m einen Ausschuß des Reichstages delegiert, der für die R e i n i- g u n g der politischen und wirtschaftlichen Moral sorgen soll. Dieser Mann ist sogar stellvertretender Vor- sitzender jenes Untersuchungsausschusses? Ausgerechnet Herr Bruhn als Reiniger Deutschlands! " Karneval an der Ecke. Fastnacht ist nicht mehr fern, füßer Pfannkuchenduft zieht aus den Läden der Bäcker und Konditoren, wir stehen auf der Höhe des Karnevals, und alle Belt ist puppenluftig oder tut wenigftens fo. In Berlin freilich muß man sich dringend bemühen, um dem Karneval zu begegnen. Neulich aber stand Prinz Karneval an einer Straßenede. Er trug einen alten, zerrissenen und verschossenen Mantel, feine Beintleider waren ausgefranft, seine Stiefel, viel zu groß für die Füße, waren schief getreten und hatten Luftlöcher, und fein Hut, den er auf dem Kopfe trug, vor langer Zeit schwarz, schillerte in allen Regenbogenfarben. An das Hutband, das zerfranft und eingerissen war, haite er fich bunte Fähnchen gesteckt, und an der Stirnfeite des Hutes prangte ein Schild mit der Aufschrift: Die neueste Nummer der Faschingzeitung". 3m Arm hielt er einen großen Baden dieser Faschingzeitung, deren Bige schal und abgestanden sind und deren Humor gequält ist. Prinz Karneval an der Straßenede, ein Symbol des Berliner Karnevals, ja ein Symbol des Karnevals in Deutschland, bes Karnevals gequält, unnatürlich, bleich wangig und hohläugig An dem Prinzen Karneval auf der Berliner Straßenede huschen am Abend wie verstohlen, schüchtern und ver schämt ein paar Masten vorbei, schleichen sich Pierrot und Pierette norüber. Karneval an der Ede aber schreit mit heiserer Stimme: Die neueste Nummer der Faschingzeitung". Selten nur bleibt einer stehen und tauft. Er sieht wirklich höchft verdächtig aus, der Karneval an der Berliner Straßenede, und sicher wird die nächste Schupopatrouille, die vorüber tommt, den verdächtigen Gefellen verhaften. Wohnungskündigungen zulässig? Zwei neue gerichtliche Entscheidungen. ftellung wiederum behauptet, daß die Kriegsbeschädigten zu Borzugs preisen getauft hätten. Ein besonderer Zwischenfall ereignete fich jobann, nachdem die Aussage der Mitangeklagten, Fräulein lähn, verlesen worden ist, die nach dem Gericht gewordenen Mit. Dr. Julius Meŋer I erhob gegen die Berlefung nachträglich Einteilungen nor einiger Zeit verstorben sein soll. Rechtsanwalt spruch und bedauerte, daß er etwas verspätet in die Sigung getommen sei, sonst hätte er es vorher getan. Er fönne den Beweis führen, daß die angeblich Berstorbene no por acht Lagen frisch und gesund von Zeugen gesehen worden sei. Die Berlesung fei deshalb prozessual unzulässig. Das Gericht be. schloß nach dieser Richtung hin Beweise anzutreten. Geplante Verteuerung der Hochbahnfahrt? Wie es heißt, tit von der Hoch- und Untergrundbahn beim Bolizeipräsidium der Antrag auf Genehmigung einer Erhöhung der Tarife dieses Unternehmens eingegangen. Nachdem erst vor einiger Zeit bei der Hochbahn der Tarif in der 2 laffe für weite Streden von 20 auf 25 Pf. erhöht worden ist soll jetzt auch eine Revision der übrigen Tarife dahin erfolgen, daß der Fahrprets 3. Klasse von 10 und 15 Bf. auf 15 und 20 Pf. und in der 2. Klaffe für turze Strecken von 15 auf 20 Bf. erhöht wird, während es in der 2. Klasse für weite Streden bei dem bisherigen Preis von 25 Pf. bleiben soll. Wie verlautet, ist es aber noch fraglich, ob das Polizeipräsidium diesem Antrag der Hochbahngesellschaft Folge geben wird, da von der Stadt gegen eine folche Tariferhöhung Einspruch erhoben werden dürfte. Wanderer und Obdachlose. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge hatte nach dem Berliner Rathause die Vertreter der beteiligten Reichs ministerien, des preußischen Boltswohlfahrtsministeriums, der Stadt Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß nicht wenige Hauswirte solchen Mietern, mit denen sie in Konflitt geraten, regel rechte Kündigungsbriefe zufchiden, obwohl es nach dem Mieterschußteit( Frankfurt a. M.) erläuterte die gegenwärtige Notlage, ihre gefeß nur eine Aufhebung des Mietverhältniffes durch gerichtlichen Urteilspruch und auch nur unter erschwerenden Umständen, bei Gewerkschaftsbewegung Aus einer kommunistischen Hochburg. Der Proletarier", das Organ des Verbandes der Fabrikarbeiter. veröffentlicht in Nr. 8 eine Zuschrift aus Mitteldeutschland, der einstigen kommunistischen Hochburg, in der es heißt: Ein neues Flugblatt, das in der vorigen Woche an die Arbeiter der chemischen Großbetriebe zur Verteilung gelangte und in der gemeinsten Weise gegen die Vorstände des Fabrikarbeiter- und Metallarbeiterverbandes mettert, soll den Auftakt zum diesjährigen März putsch bilden. Genau wie im Borjahre läßt man trog der wüsten Beschimpfungen der Arbeiter die Einheitsfront Ser Chemie arbeiter hochleben, fordert man erneut Massenaftionen, trobem auch der einfachste Arbeiter weiß, daß gerade in den Großbetrieben der chemischen Industrie Mitteldeutschlands: Leuna, Biesteris, Bitterfeld, Wolfen usw. dank der fommunistischen Lügereien die Aktionsfähigkeit der Chemiearbeiter vollständig zerschlagen ist und heute überhaupt kein ver. nünftiger Arbeiter ernfilidh baran denkt, diesen Rabaubrüdern nachzulaufen. We fah es denn im Vorjahre aus mit der Gefolgschaft? Leuna hat den Streit beschloffen, non morgen ab ruhen sämtliche Betriebe, besgleichen stehen die weiteren Großbetriebe fur vor dem Streit!" So fonnte man täglich im Klaffenkampf und deren verwandten Sdmugpresse lesen. Aber wie fah es denn in Wirklichkeit aus? Die Rubel waren vergeudet, die Halleschen Akteure befamen ihre Abreibung und gleichzeitig die Drohung, daß ihnen die Geldlieferungen entzogen würden; es mar eben nichts, denn außer 12 großen und kleinen KPD.- Strategen, die Don Halle in Merseburg erschienen waren, um die Maffenbewegung in bie richtigen Bahnen" zu lenfen, waren fage und schreibe 58 Männeden, darunter noch über die Hälfte Erwerbsloſe, erschienen. Und der Massenstreit im Leunamerf Don 15 000 Chemie proleten hatte berlaffenkampf und die Rote Fabne" gefafelt-murde von einem einzigen Mann, dem Arbeiter Adolf Mory aus Merseburg, dargestellt! Her mit dem Achtstundentag! brüllten diese schwankenden Gestalten, trozdem sie es gerade waren, die durch ihre Wahnsinnstaten dem Chemieproletariat im Jahre 1924 jede ernste Abwehr der Arbeitszeitverschlechterung unmöglich gemacht haben! Rampf um die Betriebsräte und beren Rechte lautet die 3. Phrase, trotzdem fie genau wiffen, daß Arbeiter, die den fommunistischen Unsinn glauben, grundläklich unfähig find, ihre Berlin und der freien Wohlfahrtspflege zu einer Aussprache über Wanderer- und Obdachlosenfürsorge eingeladen. Dr. Bollig Busammenhänge mit der allgemeinen Lage der Wirtschaft und des Bohnungswesens. Zur notwendigen Abhilfe mükten Maßnahmen gefeßliche von Reich und Staat, soziale durch die Kommunalperbände und die freie Wohlfahrtspflege- ergriffen zerben. In Köln und Hamburg feien neuerlich Lösungsverfu ie unternommen wordenBesonders dringend aber werden Borkehrungen erwartet zum Schuhe und zur Fürsorge der wandernden Jugend. Ii djen; berm die zahlreichen Vorgänge in legter Zeit erbeifchen Kollegen zu vertreten. Jm euna mert, dem größten Betrieb in Schleunigst Abhilfe.- Bürgermeister Scholz gab eine furze Darftellung über die im letzten Jahre eingeleitete umfangreiche Reform auf dem Gebiete des Berliner Obdachlosenmesens. Diese Reformen feien von dem Gedanten getragen, eine hngienische und foziale Berbesserung der Obdacheinrichtungen zu erzielen, die AufWohlfahrtsstelle einzurichten. Die Frage der polnischen Saison arbeiter und Schnitter familien mache eine baldige Lösung durch Reich und Staat unbedingt notwendig, wie auch die Frage der Seuchengefahr und des Berbrechertums eingehend beleuchtet werden müsse An der sich anschließenden sehr lebhaften Aussprache beteiligten fich alle anwesenden Bertreter und gaben Anregungen, für die Dr. Bolligkeit für den Deutschen Berein für" ntliche und private Fürsorge seinen Dant aussprach. Er verlangte, einen stärke. renamischenörtfchen Geift" in der Fürsorgearbeit, eine weitgehende Aufklärung der Deffentlichkeit und unbeschadet der erforderlichen gefeglichen Regelung fofortiges startes Eingreifen der sozialen Kräfte der Gemeinden und der freien Arbeit. spielsweise bei fortgesetter erheblicher Belästigung durch den Mieter oder bei längerer Nichtzahlung der Mete, gibt. Nummehr haben die Landgerichte I und III Berlin solche Kündigungen, die unter der Zwangswirtschaft natürlich den tommenden Ereignissen porauseilen, übereinstimmend für zulässig und rechtswirt fam erflärt- Aus den Entscheidungsgründen ist folgendes bemertenswert. Die Kündigungen beruhen auf der fast in allen Miet verträgen enthaltenen sogenannten Verlängerungstlaufel, das heißt auf der Bestimmung, dak der Bertrag, falls nach seinem Ablauf nicht von einer Seite die Kündigung erfolgt, für ein Jahr oder ein halbes Jahr, wie es nun unter den Barteien ausgemacht ift, stillsameigend weiterläuft. Solche Bestimmungen haben unternahmefontrollen im Obdach zu verbessern und im Obdach selbst eine der Zwangswirtschaft teine Bedeutung, werden aber bedeutsam mit Aufhebung der 3mangswirtschaft. Deshalb müsse dem Vermieter, mas nicht gegen das Mieterschuhgefeß verstößt, jederzeit ge ftattet fein, sich dahin zu erklären, daß er nach Ablauf der vertraglich festgesetten Mietzeit von der Berlängerungsflaufel feinen Gebrauch machen wolle. Die Folge der Kündigung sei also unter der Zwangswirtschaft, daß der Vertrag nach seinem Ablauf nicht automatisch um das vereinbarte ganze oder halbe Jahr weiterläuft, fondern daß das Mietverhältnis auf unbestimmte 3eit fort gelegt wird. Der Zwed dieser Kündigungsübungen wird wohl in den meisten Fällen nur der sein, unter Ausschaltung der Verlängerungsklausel fofort nach Eintritt freier Wohnungswirtschaft die Miete träftig hinaufzuschrauben. Es ist allerdings fehr fraglich, ob nicht solchen unbegrenzten Steigerungsgelüften für eine ganze Reihe von Jahren burch gefeßliche Festlegung von Steigerungsgrenzen ein Riegel porgeschoben wird. Delila von der Friedrichstraße und ihr Simson. Die Geschichte wiederholt sich ständig, und sogar die biblische Geschichte. In diesem Fall handelt es sich um eine sehr droilige Abmandlung der alten Legende von Simson und Delila. Ein Ge schäftsreisender, der sich vorübergehend in Berlin aufhielt, traf auf einem Abendbummel in der Friedrichstraße ein Mädchen, das fich ihm gern anschloß. Man besuchte gemeinsam eine Anzahl Lokale. 21s man endlich ein Hotel aufsuchte, war der Mann so betrunken, baß er gleich einschlief. Am nächsten Morgen war er nur noch allein im Bimmer. Als er sich erhob und, wie gewöhnlich, seinen fchönen schwarzen Bollbart streichen wollte, entdeďte er zu seinem Schreden, daß er dieses Mannes Zierde, auf die er nicht menig stolz gemejen war, nicht mehr besaß. Jm Spiegel erkannte er fich faum noch wieder. Seine Begleiterin mar wohl, da sie in feiner Brieftasche nur noch 15 M. fand, sehr enttäuscht und hatte sich dafür gerächt. Während er schlief, hatte sie ihm den ganzen Bart einschließlich des Schnurrbartes abge. fchnitten und ihn dann auch noch eingeseift und glatt rasiert. Leider kann der aljo„ eingefeifte" Herr feine Begleiterin nicht befchreiben. Er weiß auch nicht mehr, wo er überall mit ihr gepesen ist. Ein anderer Herr aus der Provinz bezahlte sein Schäferstündchen mit 3000 m. Er lernte in der Chauffeestraße in der Nähe der Schlegelstraße ein Mädchen kennen, besuchte mit ihm noch eine Diele in der Elsasserstraße und führte es dann ebenfalls in ein Hotel. Hier bot ihm die Begleiterin einige Pralinés an. Bald nach ihrem Genuß verfiel er, obgleich er ganz nüchtern war, in einen tiefen Schlaf. Beim Erwachen entdeckte er, daß das Mädchen mit feiner Brieftasche, die 3000 m. enthielt, verschwunden war. Selbstmord zweier angeblicher Berliner in Dresden. In einem Dresdener Hotel erschoß sich ein junger Mann, der fich als Erwin Pẞusemann, am 1. Januar 1895 in Berlin geboren, in bas Fremdenbuch eingetragen hat. Man fand bei ihm mehrere nicht abgesandte Briefe. Der eine ist an Frau Lina Paulfen in Berlin- Friedenau gerichtet. Der Absender bezeichnet sich hierin als Ehemann der Empfängerin. Ein zweiter trägt die Aufschrift Generaldirettor Segall, Berlin". Der dritte ist an eine Frau Margarete Scholz in Berlin- Steglik gerichtet. Diese Empfänger sind noch nicht ermittelt, die Person des Loten tonnte deshalb noch nicht festgestellt werden. In einem anderen Hotel in Dresden wurde ein etwa 30 Jahre alter Mann mit einer schweren Morphiumvergiftung aufgefunden. Er starb im Kranten hause, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Genannt hatte er fich Kaufmann Ernst Kahrtau, am 17. Februar 1897 in Stargard geboren. Als seine Wohnung hatte er Berlin, Kupferfiraße, angegeben, die es hier nicht gibt. Am Kupfergraben fonnte er nicht ermittelt werden. Seine Wäsche war mit L gezeichnet. Besondere Kennzeichen sind eine 25 Zentimeter lange Operationsnarbe an der rechten Bauchseite und eine Berkürzung des rechten Beines infolge Herausnahme der Kniescheibe. Mitteilung zur Feststellung der Berfönlichkeiten an Kriminalfommiffar Gahmig, Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium. Die Autoverschiebungen beim Reichsverwertungsamt. Bei Beginn der heutigen Verhandlung erbat sich Generaldirektor Troschte das Wort zu einer Erflärung, das ihm auch von dem Borsigenden, Landgerichtsdirektor Dr. Sachs, gestattet wurde. Troschte wandte sich sehr scharf gegen eine irreführende Meldung eines Sonderberichtes in einem geftrigen Abendblatte. In der geftri. gen Sigung sei von dem Herrn Borsigenden in Uebereinstimmung mit dem Standpunkt der Staatsanwaltschaft festgestellt worden, daß die Kriegsbeschädigten zu dem für alle Kaufreflettanten gelten ben Schägungspreise und sogar mit 30 Prozent aufschlag gekauft haben. In hem erwähnten Bericht merbe jedoch trop bieler Fest Zum Schluß wurde noch ausgeführt, daß die entscheidenden Ge fichtspunkte für die alsbaldige freiwillige wie auch für die spätere gefeßliche Regelung eine scharfe Trennung der verfchiebe fchreiben, eine Forderung, be an diefer Stelle bereits im Rahmen nen Gruppen der andernden und Obdachlosen vor bereits eines längeren Artikels erhoben wurde. Schwarz- Rot- Gold um die Welt. Reifende, die sich vorgenommen haben, zu Fuß um die Welt zu mandern, sind heute nicht selten. Meistens sind es junge Leute, die dabei allen möglichen phantastischen Zielen nachjagen und dann auf halbem Bege, enttäuscht und ernüchtert, umfehren Heute stellte fich aber auf unserer Redaktion ein Weltreisender vor, der wesentlich andere, moderne und vernünftigere Zwecke mit seiner Reise verfolgt. Herbert Goldmann, der zusammen mit zwei Freunden Schmieg und Marg wandert, stammt aus Brieg, ist der Sohn eines begüterten Restaurateurs und aus Bildungszweden auf die weite Reise gegangen. Die drei jungen Leute sind Mitglieder des Reichs banners Schwarz- Rot- Gold. Sie mollen auf ihrer Reise überall, wo sie hinkommen, die Farben des Reichsbanners vertreten. Nach der Rüdtehr aber beabsichtigen sie, in Kreisen der Reichs. bannermitglieder Vorträge über ihre Erfahrun= gen zu halten Bon Stuttgart aus haben sie sich auf den Weg gemacht, um in 11 Jahren um die ganze Welt zu wandern. Sie wanderten zunächst durch Bayern, die Schweiz, Italien, Serbien, Rumänien, Desterreich und die Tschechoslowakei. Die von ihnen zu rüdzulegende Strede foll 80600 Rilometer betragen. Sie hatten am 6- Januar bereits 4800 Kilometer zurückgelegt. Reise soll nun durch Polen, Rußland, Sibirien, China, Japan, Balästina, Indien, Afrika, Brasilien, Amerita, England, Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland nach Deutschland zurüd gehen. Die Weltreisenden mit den schwarzrotgoldenen Farben haben fich Die Weltreisenden mit den schwarzrotgoldenen Farben haben sich übrigens auch dem„ Berliner Lofal- Anzeiger" vorgestellt. Hier betam man aber über diese Mitglieder des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold einen solchen Schred, daß man es ablehnte, fie für die illustrierte Beilage zu photographieren! Die Die Berliner Jahresfeler des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold findet am Sonntag, 22. Februar, bormittags 10 Uhr, im Saalbau Friedrichshain ftatt. Zu Beginn der Ver anstaltung werden die Fahnenbelegationen der Ber liner Rame adidasten einmarschieren. Schauspieler Starl Ebert vom Staatlichen Schauspielhaus und das Berliner Sinfonie Drchester werden mitwirken, der Feier einen würdigen Rahmen zu geben. Karten find erhältlich an den Theaterkaffen von Ziez und im KdW., im Bureau des Gau borstandes, Sebastianftr. 87/38, bei der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Demokratisten Partei Bernburger Str. 18, in der Borwärts- Buchhandlung und Bezirksbildungsausschus Lindenstr. 3. Der österreichische Gesandte in Berlin F. Riedl veranstaltete im Rahmen eines Tees einen Empfang, zu dem er zahlreiche Ange hörige der österreichischen Kolonie in Berlin eingeladen hatte. Mehr als 250 Personen hatten der Einladung Folge geleistet. Der Aufforderung des Gesandten, fich in irgend einer Form zusammenzufchließen, wurde durch die Gründung eines Ausschusses Folge gezuschließen, wurde durch die Gründung eines Ausschusses Folge geleiftet, der sich zur Aufgabe seßt, die österreichischen Bundesangehöri gen in Berlin zu sammeln und einen regeren Kontakt zwischen den Landsleuten herbeizuführen. Eine schwarzweiße Trauerfahne, nicht, wie es irrtümlich in der heutigen Morgennummer hieß, eine schwarzweißrote Fahne, war am Dienstag auf dem Gebäude der Druckerei des Deutschen Reichsanzeigers und des Preußischen Staatsanzeigers in der Wilhelmstraße gezogen. Falsche 50- Rentenpfennigftüde. In Thüringen find falsche 50- Rentenpfennigftüde mit dem Münzzeihen A im Umfauf. Die Falschstücke sind aus melfingartiger Legierung und unschwer zu erkennen, da das Wort„ Reich" ohne jeden Abstand an„ Deutfches onschließt. Auf der Nehrenfeite sind die Körner in Form von zusammenhanglos stehenden Biereden miedergegeben. Mitteldeutschland, war der famose KP.- Betriebsrat nicht einmal in der Lage, der Belegschaft die Arbeitszeitverlängerung duch einen Anfchlag bekanntzugeben! Aber auch nicht ein einziger Rommunist, nicht einmal der Betriebsratspor figende, hat den Verfuch gemacht, fich gegen den Raub des Achtstundentages zu wehren! Niemals haben die Direktionen der Großbetriebe der chemischen Industrie Mitteldeutschlands ein so leichtes Spiel gehabt, wie in der Glanzzeit fommunistischer Betriebsratsherrlichkeit! Wie der Kapitalismus vor diesen Revolutionären zu Kreuze triecht? Ganz einfach! Irgendein Beamter, mitunter ist es auch ein Angestellter in untergeordneter Stellung, teilt dem Betriebsrat mit, was er zu machen und wie er sich zu betrogen hot, und wenn der Laden nicht flappt, gibt's zum besseren Nachdenken eins auf den Deckel! Einigungsbestrebungen der Bankangestellten. Zu den Berschmelzungsverhandlungen zwischen dem Allgemeinen Berband her deutschen Bantangestellten und dem Reichsverband der Banbangestellten wird mitgeteilt, daß die Borverhandlungen eine haben, daß nunmehr eine aus den Zentralvorständen beider Organiderartige Annäherung der beiderseitigen Standpunkte ergeben fationen gebildete bevollmächtigte Rommiffion fammentreten wird, um die noch bestehenden wenigen Differenza puntie aus dem Wege zu räumen. Alsdann soll ein gemeinsamer Fusionsvertrag entworfen und den beiderseitigen Organisationsinstanzen zur Beschlußfaffung unterbreitet werden. Der Zahlenschwindel im Bankgewerbe. In den jetzt heraustommenden ersten Reichsmartbilanzen der Großbanken find die Untoften mit besonders hohen Ziffern bes dacht worden. Die Banten wollen damit zeigen, daß im Verhältnis zum letzten Friedensjahr( 1913) die Untoften erheblich gestiegen sind. Sie vergessen dabei allerdings, der Deffentlichkeit mitzuteilen, daß in den jezigen Untoftenziffern die Lantiemen mit enthalten sind, während im Jahre 1913 diese Tantiemen auf Gewinntonto verbucht wurden. Rechnet man diese 1913 zu den Unkosten zu, so ergibt sich schon dadurch ein ganz anderes Vergleichsbild. Die Sache verschiebt sich aber noch weiter, wenn man verlangen würde, daß in den Untoftenziffern die Bezüge der höheren Ang stellten gesondert aufgeführt werden; denn dann würde sich herausstellen, daß die Gesamtsumme der Gehälter, die an die mittleren und unteren Beamten gezahlt wird, die des Jahres 1913 frog der größeren Anzahl der Beamten nicht oder nur sehr gering übersteigt. Das kann ja auch gar nicht anders sein, da die Bankbeamtengehälter des Jahres 1924 hinter den Friedens. ge bältern erheblich zurüdblieben. Diese Irreführung der Deffentlichkeit mit den hohen Untoftenziffern hat schon ihren 3wed. Sie ist erfolgt, um bei einem notwendigen Abbau diesen der Deffentlichkeit gegenüber rechtfertigen zu können und auf der anderen Seite bei erforderlichen Neueinstellungen die Einkommens fätze für die Beamten möglichst niedrig zu halten. Mit dieſem Bahlenschwindel arbeiten ja die Arbeitgeber aller Kategorien, warum follen fich ausgerechnet die Beherrscher des Finanzkapitals davon ausschließen?! Neue Verhandlungen mit der nordwestlichen Gruppe. Am 18. Februar trat in Dortmund der Schlichtungsausschus für die Metallindustrie zusammen. Die Berhandlungen zwischen der nordwestlichen Gruppe und den Bertretern der Metallarbeiterver bände in Essen waren am 11. Februar refultatios verlaufen. Die Forderungen der Gewerkschaften liefen auf eine Lohnerhöhung von girta 15 Broz. fowie auf die Einführung der Achtstunden. fchicht in den gesamten Hüttenwerfen hinaus. Die Berhandlungen wurden am Donnerstag fortgesezt. Boraussichtlich wird heute der Schiedsspruch gefällt werden. Streit japanischer Baumwollespinner. Shanghai, 18. februar.( WTB.) Der Streif der japanischen Baumwolleipinner, der gestern begann, bat fich auf 30 C00 Arbeiter ausgedehnt, die 13 japanischen Baumwollefpinnereien angehören. Als am 16. Februar die Streifenden die Spinnereimaschinen aer stören wollten, fam es zu Zufammenstößen. Jest ist die Lage ruhiger. Wie Reuter meldet, ist die Bewegung durch berichiedene Härten und durch die japanfeindliche Stimmung verursacht worden. In der New Yorker Kleiderfonfeffion ist ein Sohnlampf aus. gebrochen. Mehrere tausend Arbeiter und Arbeiterinnen steben An dem Streif find im Streit um eine 20 proz. Lohnerhöhung. Hauptsächlich Frauen beteiligt. Berantwortlich für Politif: Genft Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewertschaftsbewegung: Friedr. Entorn: Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Budbruderet und Sonstiges: Fris Rarstäbt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. unb Berlagsanstalt Boul Singer. Ca. Berlin 68. 68, Lindenstraße&