fr.88 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 45 Bezugspreis: Töchentlich 70 Bfennig, tone 3. Reichsmart noraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutſchland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Bitanen, Suremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Seichsmart pro Monat, Der Bormärts" mit der Gonnings beilage Bolt und Seit mit Sieb Jung und Aleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille. zeile 70 Pfennig. Reflamezeile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Bort 20 Bfennig ( aufäffig amci fettgedruckte Borte); jedes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das erste Bort 10 Pfennig, jebes meitere Bott 5 Brennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 30 Bfennig. Anzeigen für die nächste Rummer milfen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nochm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands bod Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292--295 Berlag: Douhoff 2506-2507 Sonnabend, den 21. Februar 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostscheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 anoid and sailor Marx zurückgetreten! sid 1052 Ablehnung des Vertrauensvotums mit 221 gegen 218 Stimmen. Stimmen.- Rücktritt der Gesamtregierung. Das Bertrauensvotum für Marr ist gestern mit 221 Stimmen gegen 218 abgelehnt worden. Die Regierung hat daraufhin ihren Rüdtritt erklärt. Sie führt die Geschäfte weiter bis zum 3. März, an dem abermals, zum drittenmal im neuen Landtag, ein Ministerpräsident gemählt mer den soll Für das Bertrauensvotum stimmten Sozialdemofraten, Bentrum, Demofraten und Polen, dagegen Deutschnationale, Bolkspartei, Kommunisten und Wirtschaftspartei. Bon den Regierungsparteien fehlten ein franter Sozialdemokrat, drei trante und zwei gefunde Zentrumsleute, nämlich die beiden Dissidenten v. Papen und Loenary, im ganzen fechs. Von der Opposition fehlten fünf. Was soll nun weiter geschehen? Die Rechtsparteien haben in Gemeinschaft mit den kommunisten den Rüdtritt von Marg erzwungen. Sie wollen jezt mit dem Zen trum eine Rechtsregierung bilden, aber das Zentrum macht nicht mit. So bleibt logischerweise nur: Wiederwahl von Marg zum Ministerpräsidenten, Wiederherstellung des gestern gestürzten Kabinetts, neue Abstimmung im Landtag.. Diefer Borschlag ist schon gestern hier gemacht worden. Das Echo, das er in der Rechtspresse findet, ist nicht unintereffant. Die Deutsche Tageszeitung" gibt zu, daß die theoretische Möglichkeit" zu seiner Berwirklichung gegeben ist, spricht aber von einer geplanten offenen Verhöhnung des Boltes" und meint, sittlich entrüftet, das hieße doch mit dem Willen des Volkes und dem Sinn der Demofratie Schindluder treiben". Aehnlich schreibt eine andere Kämpferin für die Demokratie, die ,, Kreuzzeitung", was da geplant werde, sei eine Bergewaltigung der Mehrheit und eine Verhöhnung der Wähler". Das Zentrum hält an Marr fest. Wird der Beschluß gefaßt, so müssen die davon betroffenen Minister zurücktreten, der Ministerpräsident jedoch nur dann, wenn er von seiner Befugnis, die Auflösung des Landtages zu beantragen, feinen Gebrauch macht oder wenn sein Antrag vom Ausschuß abgelehnt worden ist. Diese Bestimmungen gelten entsprechend für den Fall, daß das Staatsministerium in feiner Gesamtheit oder ein Staatsminister die Bertrauensfrage stellt. Da die Vertrauensfrage nicht von der Regierung, sondern von den Parteien gestellt war, entfiel die Notwendigkeit einer zmeitätigen Ueberlegungsfrist. An die Möglichkeit eines Berfrauensantrages aus dem Hause scheinen die Schöpfer der preußischen Verfassung überhaupt nicht gedacht zu haben. Leider haben sie auch an verschiedenes andere nicht gedacht. Die Verfassung sagt, daß die Regierung und jeder Minister des Bertrauens des Boltes bedürfen, das durch den Landtag bekundet wird. Daraus wird gefchloffen, daß jede neu ernannte Regierung eines Vertrauensvotums bedarf. Auf der anderen Seite ist aber ein Mißtrauensvotum nur bann gültig, wenn ihm mindestens die Hälfte der Abgeordneten zustimmt. Offenbar war diese Bestimmung als Schuh gegen leicht fertige Krisenmacherei gedacht. Durch die Wahl bekundet das ist doch so flar wie etwas der Landtag dem Minifterpräsidenten sein Vertrauen. Der gewählte Bertrauensmann des Landtags soll nicht von Zufallsmehrheiten gestürzt merden tönnen. Das ist der offenbare 3med. Aber wenn die neue Regierung der Vertrauensfund= gebung durch den Landtag bedarf, dann geht der Sinn jener Bestimmung wieder verloren. Die 221 Stimmen der Oppofition hätten gestern nicht ausgereicht, die Regierung durch ein Mißtrauensvotum zu Fall zu bringen, sie haben aber ausgereicht, um durch Ablehnung des Vertrauens das gleiche Ziel zu erreichen. Da flafft offenbar in der Berfassung oder der Auslegung, die man ihr gibt, ein Widerjpruch. Nur diesem Widerspruch und der gütigen Hilfe der Kommunisten verdanken die Rechtsparteien ihre verhältnismäßig taktische Stärke. Von den 450 Abgeordneten sind nur 185( die Rechtsparteien plus Bapen und Loenarz) für die Rechtsregierung, 265( Weimarer Koolition plus Bolen plus Kommiinisten) sind gegen jie. Bem in Preußen eine Rechtsregierung zustande fäme, wäre der Wille des Volkes Bäre das der Sinn der Verfasse Der Sinn der Ber enung fann doch nur positiv und nicht negatip sein. Das heißt, daß der Bille des Landtages einen Ministerpräsidenten zu haben, störfer fein muß. als: der Wille, den eben erst aus dem Willen des Landtags hervorgegangenen Ministerpräsidenten sofort wieder zu stürzen. und so unbestritten die Mehrheit vom 10. Februar in der Verteidigung Luthers und Stresemanns Kein Wort auf die sachlichen Anklagen! 320noign Diese Borwürfe zurückzumeisen ist leicht. Niemand denkt daran, die Mehrheit zu vergewaltigen. Die Mehrheit besteht aus Deutschnationalen, Kommunisten, Bolkspartei und Wirt- Die Denkschrift der Regierung über den Ruhrskandal war schaftspartei. Diese Parteien, die gestern gemeinsam Marg die erste Niederlage der Luther und Stresemann in gestürzt haben, brauchen doch nur die Konsequenz aus ihrem ihrer Verteidigung gegen die schweren Anklagen, die gegen gemeinsamen Tun ziehen, sie brauchen sich nur auf einen gefie in der Deffentlichkeit erhoben worden sind. Die Reichsmeinsamen Ministerpräsidenten und ein gemein- tagsdebatte vom Freitag, in der diese Denkschrift besprochen James Regierungsprogramin einigen, dann fönnen sie mit wurde, hat zu dieser ersten Niederlage eine zweite, noch einander ab 3. März Regierung spielen, solange ihnen das schwerere, hinzugefügt. Diese Reichstagsdebatte war eine ihre Zweistimmen- Mehrheit erlaubt. politische und moralische Berurteilung der Herren Luther und Stresemann wie der Rechtsblockregierung, die den Ruhrsfandal deckt. Vor dem Plenum des Reichstages zur Verantwortung aufgefordert, fonnten die Herren Luther und Stresemann ihrer Verteidigung in der Denkschrift nichts hinzufügen. Das ist die demokratische Konsequenz aus dem gestrigen Verhalten der Mehrheit. Aber höchst undemokratisch ist es, die Mitglieder der Zentrumspartei gegen ihren Willen in eine Rechtstoalition zu zwingen. Es ist nicht nur undemokratisch, sondern auch moralisch und, wenn das Zentrum feftbleibt, physisch unmöglich. Es heißt aller Logif und allem anständigen Empfinden Gewalt antun, wenn man meint, der Sinn des gestrigen Bor: ganges sei der, das Zentrum zum Berzicht auf einen eigenen Willen zu zwingen. Solange fich das Zentrum gegen diese Zumutung wehrt, wird es der Unterstützung und der Zustimmung aller aufrichtig demokra tischen Kreise sicher sein. Marr wurde am 10. Februar mit 223 gegen 162 Stimmen, die Herr v. Richter erhielt, zum Ministerpräsidenten gewählt. Der Landtag will, daß Marz Ministerpräsident sein soll. Am 20. Februar wird er mit 221 gegen 218 Stimmen gestürzt. Der Landtag will nicht, daß Marr Ministerpräsident ſein fall? Wie geht das zu? Um diesen sonderbaren Vorgang zu verstehen, muß man sich den Artikel 57 der preußischen Verfassung gegenwärtig halten. Er lautet: Das Staatsministerium als solches und jeder einzelne Staatsminiſter bedürfen zu ihrer Amtsführung des Bertrauens des Boites, das dieses durch den Landtag befundet. Der Landtag fann dem Staatsministerium oder einem einzelnen Staatsminister burch ausdrücklichen Beschluß sein Bertauen entziehen. Der Beschluß ijt nicht zuläjjig, wenn ein rechtswirksames Volksbegehren vorliegt, den Landtag aufzulösen. Der Antrag auf Herbeiführung eines solchen Beschlusses muß von mindestens dreißig Abgeordneten unterzeichnet sein. Ueber den Antrag darf früheftens am zweiten Tage nach seiner Besprechung abgestimmt werden. Er muß binnen vierzehn Tagen nach seiner Einbringung zur Erledigung tommen. Ueber die Vertrauensfrage muß namentlich abgestimmt werden. Der Beschluß auf Entziehung des Bertrauens ist nur wistfam, wenn ihm mindestens die Hälfte der Abgeordneten zustimmt, aus denen zur Seit bez Abstimmung ber Landtag besteht. die Empörung nicht nur der sozialdemokratischen Frattion, sondern der gesamten Linken des Reichstages. Diefe Verteidigungsreden zeigten mit der größten Klarheit, daß die führenden Minister des Rechtsblods wohl Verständnis haben für die finanziellen Interessen der Schwerindustrie, daß sie aber verständnislos hinweggleiten über die Nöte und Leiden der Massen der arbeitenden Bevölkerung, der Opfer der Inflation. In diesen Reden trat die Mentalität des Rechtsblocks aufs schärffte hervor. Begünstigung des Besizes, Verständnislosigkeit für die Massen des Volkes das ist das wahre Gesicht der Rechtsblockpolitik. Solche Männer fonnten freilich mit Sozialdemokraten nicht aujammen regieren. Durch den Ruhrsfandal und durch die Die Herren Luther und Stresemann Herr Berteidigungsreden der Herren Luther und StreseLuther, der Reichsfangler des Rechtsblocks und früherer mann ist völlig flar geworden, warum die Luther und Finanzminister, Herr Stresemann, der Außenminister Stresemann als Borkämpfer des Rechtsblocks die große und frühere Reichstanzler haben in diefer Debatte zu ihrer Roalition gesprengt und auf die Bildung des Bejizblodes Berteidigung kein Wort der Entkräftung gegen hingearbeitet haben. Sie handelten im Geifte und im Interesse die schweren Vorwürfe fagen fönnen, die der Genosse her tiener Schwerindustrie, die mit brutaler Gleichgültigkeit sich über in feiner wuchtigen Anklage gegen sie vorbrachte. Sie haben Wohl und Wehe des deutschen Volkes hinwegsetzt, um ihren viel geredet. Aber in ihren Reden fiel kein Wort, das die Reichtum und ihre Macht zu stärken. Genosse Herz Anklage entfräften konnte, daß ihr Vorgehen geieglos batte Herrn Stresemann im Berlaufe seiner Rede wiederholt und geiezwidrig war. Sie haben geschwiegen zu der Anklage, daß die Riesensummen an die Ruhrindustrie untontrolliert gegeben worden sind. Sie haben geschwiegen dazu, daß der Ruhrindustrie weitaus zu große Beträge gezahlt worden sind. Kein Wort haben fie gefunden gegenüber der Feststellung, daß sie mit vollem Bewußtsein diese Angelegenheit vor dem Parlament verheimlicht haben, und daß sie selbst dann noch zu vertuschen fuchten, als im Haushaltausschuß des Reichstages Aufklärung und Rechenschaft von ihnen gefordert murde. Nicht ein fachliches Wort vermochten sie den Argumenten ihrer Antläger entgegenzusetzen! Mit dieser Feststellung ist ein entschiedenes Urteil gegen fie gesprochen. Die Verhandlungen des Untersuchungsausschusses, der vom Reichstag eingesetzt worden ist, um den Ruhrsfandal nachzuprüfen, werden dies Urteil vertiefen. eindringlich gefragt, aus welchen Gründen die sozialdemokratischen Minister ausgeschaltet worden wären? Weder Herr Stresemann, noch Herr Luther ist auf die wiederholten ausdrücklichen Fragen eingegangen. Hätten jie geantwortet, so hätten sie das wahre Geficht ihrer Politik der Vertretung der Besitzinteressen offen aufzeigen müssen. Ihr Schweigen aber war mindestens so beredt, wie eine Antwort gewesen wäre. Diese Debatte war nicht nur eine moralische Berurteilung der Luther und Stresemann, fie mar zugleich eine moralische Berurteilung des Rechts biods. Nach dieser Debatte meiß das ganze deutsche Bolt, daß an der Spitze des Reiches eine Regierung steht, deren Ziel es ist, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer zu machen. Eine Regierung, die die sozialen Interessen des arbeitenden Bolfes, die stürmischen Aufwertungsforderungen der Opfer der Inflation mit einer Handbewegung beiseite schiebt und die Reichsmittel zur Stärkung der wirtschaftlichen Uebermacht der Schwerindustrie verwendet. Herr Luther und Herr Stresemann haben sich nach Kräften bemüht, ihre fatastrophale Niederlage in dieser Auseinandersehung zu verbergen. Aber vergebens bemühten Auf der einen Seite der Schrei des Boiles nach fozialer jie sich, die Dinge zu verschieben und zu verschleiern! Ber- Gerechtigkeit auf der anderen Seite die Luther und gebens redeten sie von ihrem Verantwortungsgefühl, ver- Stresemann und die Rechtsblodregierung, die den brutalgebens versuchten sie. die Ruhrindustrie, die fie begünstigt ften Befizegoismus des Großunternehmertums nertritt. Das haben, zu decken. Diese Verteidigungsreden, die fich ist die flare Scheidung, die in dieser Auseinandersetzung herängstlich bemühten, auf die Dinge nicht einzugehen, medten norgetreten ist. Sphäre ihres verfassungsmäßigen Rechts geblieben ist, menn fie gegen das Bertrauensvotum für Marg ftimmte, ebenso unbestritten wird die Mehrheit vom 3. März in der Sphäre ihres verfassungsmäßigen Rechts bleiben, wenn sie den Mi nisterpräsidenten Marg miederwählt. 1920. Roalition bestand, tonnte das Land Breußen in Ruhe und Ordnung| gänge im Amt während seiner Miniftertätigkeit Bericht erstattet verwaltet werden. Die Deutsche Voltspartei hat die Große worden. Auch unter seinem Nachfolger Simons sei anscheinend tein Koalition aus nichtigen Gründen zerschlagen. Sie hat Verfahren eingeleitet worden, auf Grund des Berichts vom 21. Juni fich in Widerspruch mit ihrer eigenen Vergangenheit und mit den Auf Fragen des Abg. Dr. Rosenberg( Komm.) erwidert Zeuge Erklärungen ihrer Wortführer und Minister gesezt, die die NatMüller, bei den Verwendungen Heilmanns für bie Barmats habe Un demselben Tag, an dem die Volkspartei im Landtag wendigkeit der Großen Roalition überzeugend bargetan haben. Die es sich immer nur um Familienangelegenheiten gehandelt. Geschäft Marg stürzte, gab im Reichstag der Boltsparteiler Deutsche Boltspartei trägt in erster Linie die Berlich habe er nie mit Barmat zu tun gehabt. Die Einführung BarCremer zur Frage der Ruhrentschädigungen für Deutsch antwortung dafür, wenn es jetzt in Preußen an einer festen mats beim Reichspräsidenten habe seiner Erinnerung nach jedenfalls nationale, Volkspartei und-3entrum eine gemein Regierung fehlt, die die immer bringender werdenden Aufgaben nur in einer telephonischen Anfrage durch Wels ohne ihn, Müller, fame Erklärung ab! Das Reichszentrum erklärt mit Ent lösen fönnte. Die Deutsche Voltspartei trifft die Haupt- bestanden, ob Barmat empfangen werden würde. Auf weiteres Befchiedenheit, daß es fich nicht in Koalition mit den Rechtschuld, wenn jetzt bei dem bevorstehenden Finanzausgleich zwischen fragen durch Dr. Rosenberg erklärt der Beuge, er habe parteien befinde. Trotzdem die gemeinsame Erklärung. Reich und Ländern Preußen nur mit einem geschäftsführenden niemals ein Konto bei der Merkur beseffen. Auf eine Finanzminister vertreten sein wird. Die Krisenmacher und Frage des Abg. v. Dewiß( Dnatl.) ertiärt der Zeuge, daß auch Ministerstürzer haben es zu verantworten, wenn wichtige Wünsche“, die dem A. A. gegenüber geäußert wurden, immer nachgeprüft worden wären. Ein Aufenthalt Barmats in Weimar habe und bringende Aufgaben, die Lebensfragen des Mittelmohl einmal stattgefunden. Damit ist die Bernehmung Hermann standes, der Landwirtschaft, der Beamten, der Arbeitnehmer, furz des Müllers beendet. ganzen Wirtschaftslebens, berühren, nicht in Angriff ge. nommen werden fannen. Die Deutschdemokratische Frattion bes preußischen Landtages ist fest entſchloſſen, mit aller Kraft an ihrer bisherigen Politit festzuhalten und aus nationalen Gründen den Uebergang der preußischen Berwaltung an die Reaktion zu verhindern." Trok dieses Vorganges fönnen wir uns nicht vorstellen, daß das Zentrum im Reich eine Rechtsregierung unter stügt, während das Zentrum in Preußen sich gegen ihr Rommen mit anerkennenswerter Entschiedenheit wehrt. Marg fann wahrscheinlich auch ohne die Boltspartei leben, aber Luther tann ganz bestimmt nicht ohne das Zentrum leben. Das Zentrum in Preußen geht jetzt gegen seine beiden Dissidenten v. Pap.en und Loenart vor; follen sich die darauf berufen tönnen, daß sie doch nur wollten, was das Zentrum im Reich tue? Sei dem wie immer jedenfalls wird es recht lebendig in der deutschen Politit, und es gilt, fich für große Entscheidungen bereit zu halten. Die Haltung des Zentrums. Kein Nachgeben gegenüber dem Terror der Oppofition. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags befaßte fich noch am Freitabend mit dem Sturz der Regierung Marg und dem Berhalten ihrer Mitglieder v. Papen und Loenart, die während der entscheidenden Abstimmung nicht anwesend waren. Die Fraktion faßte einstimmig folgenden Beschluß: „ Die Zentrumsfraktion des preußischen Landtags sieht nach dem heutigen Berhalten der Herren von Papen und Soenarh, die durch ihr unzweifelhaft abfichtliches Fehlen bei der entscheidenden Abstimmung wesentlich zum Sturze des Kabinetts beigetragen haben, feine Möglichkeit mehr, mit den genannten Herren in der Fraktion meiterzuarbeiten. Sie beauftragt daher den Vorstand, die beiden Abgeordneten unverzüglich zu einer baldigen Niederlegung ihrer mandate aufzufordern" In Ergänzung dieses Beschluffes erfahren war, daß die Zentrumsfrattion beabsichtigt, von Papen und Loenary aus der Frattion auszuschließen und bei dem Barteivorstand den Ausschluß der beiden Bersönlichkeiten aus der Partei zu beantragen, falls der Berzicht auf die Mandate nicht unmittelbar erfolgt. Schon diese Absicht zeigt, daß die Zentrumsfraktion des preußischen Landtags entschlossen ist, ihre bisherige Politit fortzusehen. Das fam in der gestrigen Fraftionssigung besonders start zum Ausdrud. Man will sich unter teinen Umständen dem Terror der Boltspartei fügen. Das Zentrum wird infolgebeffen wie der Sozialdemokratische Breffe dienst erfährtam 3. März bei der Neuwahl des Minister. präsidenten Herrn Marr wieder präsentieren. Marg ist persönlich bereit, diefem Wunsche der preußischen Bentrumsfrattion zu entsprechen. Er wird nach vollzogener Bahl mit dem gleichen Rabinett porben Land tag treten, das am Freitag gestürzt morden ist So weit wir unterrichtet sind, ist die Zentrumsfraktion bereit, dieſe Tattit fo oft fortzusehen, wie die deutschnafionale Dolfsparteifiche- tommunistische Oppofition es münscht. Eine Kundgebung der Demokraten. Die Deutsche Demokratische Landtagsfraktion erläßt folgende Ertlärung an die preußischen Wähler: Eine Zufallsmehrheit aus Rechtsparteien und Kommunisten hat bas Kabinett Marg gestürzt u. damit die Krise im größten Lande Deutschlands erneut herbeigeführt Solange die Große Englands Bon Dr. Erich Bitte Genoffe Haenisch beklagte es fürzlich in seinem Bortrag, den er bei der Rundgebung der Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen in dem früheren Herrenhaus hielt, mit Recht, daß das in den ersten Jahren nach dem Weltkrieg fo rege Intereffe her Deffentlichkeit für Schulfragen in der letzten Zeit wesentlich nach gelaffen habe. Dies erklärt sich zum Teil daraus, daß die Parteien der Rechten die Verabschiedung der nach der Reichsverfassung not. mendigen Reichsschulgesetes verhindert haben, und das der preußische Unterrichtsminister Boelig während seiner mehr als breijährigen Amtstätigkeit weber mit seiner Neuordnung des höheren Schul wesens noch mit einer anderen feiner Reformen einen Schritt auf dem Wege zur Einheitsschule getan hat. ie ist es nun in andern Ländern? Das Reichsministe. rium des Innern gibt uns in der Schrift Europäische Unterrichtsformen feit dem Belitriege"( Quelle und Mener, Leipzig) Material zum Vergleich. In England hat man schon in dem letzten Kriegsjahre begonnen, ben Aufbau des ziemlich rückständigen Schulwesens fozialer zu gestalten, den Boltsschülern den Uebergang in die höheren Schulen zu erleichtern und diejen den Standes charakter zu nehmen, ben fie bort noch weit mehr als in Deutschland haben. Die höheren Schulen, die Staatszuschüsse erhalten, müssen mindestens 25 Broz. ihrer Plage als Freistellen vergeben. Um die Gemeinden zu ermutigen, mehr für ihre Schulen aufzuwenden, ersetzt der Staat die Hälfte der Be träge, die sie ausgeben, also um so mehr, je mehr sie selbst aufwenden. Die Zahl der Schüler hat in den höheren Schulen fo außerordentlich zugenommen, daß sie schon im Jahre 1920/21 ungefähr das Doppelte betrug wie vor dem Kriege. Das Schulgeld ist an allen öffentlichen Bolfsschulen beseitigt worden. Die Pflicht zum Besuch einer Fort bildungsschule soll nach dem Borbild Deutschlands allmählich auf alle Jugendlichen bis zur Bollendung des 18. Lebensjahres ausgedehnt werden. Die entgegengesezte Entwicklung wie in England hat sich in Frankreich vollzogen. Hier hat das Ministerium Poincaré eine Einrichtung getroffen, die Preußen schon vor mehr als sechs Jahr zehnten durch Errichtung der ersten Realgymnasien beseitigt hatte: Dort fönnen fünftig nur die studieren, die die beiden alten Sprachen gelernt haben. In den beiden untersten Klassen der höheren Schulen ist das Lateinische ein Pflichtfach für alle Schüler, in den beiden folgenden Klaffen sind es die lateinische und die griechische Sprache. Nur in den oberen Klassen tönnen die Schüler statt der toten Sprachen lebende lernen. Diefe Reform hat einen politischen Hintergrund: Sie will das französische Bolt insbesondere die Bildungsschicht - mit dem Gedanken erfüllen, daß Frankreich der Erbe des römischen Weltreichs fei, ber Hort und wesentliche Träger der abendländischen Kultur, fofern fie am Mittelmeer entstand. Die gebildete Jugend soll die Geburt der franzöfifchen Stultur aus der Antife erfassen, und dadurch soll ihr Nationalbewußtsein, der Glaube an die fulturelle und politische Mission aim Mittelmeer und in Europa bestimmt werden."( Seite 16/17 der Schrift.) Diese Umgestaltung, die von der franzöfifchen Stammer mit 330 gegen 255 Stimmen angenommen wurde, hat in der Deffentlichkeit, Untersuchung der Kreditaffären. Hermann Müller als Zenge. Im Untersuchungsausschuß bes Reichtsags wurde der Abg. Her. mann Müller( Soz.), früherer Reichstanzler und Minister des der Bernehmung sei die Frage, ob mährend der Amtszeit Müllers Auswärtigen vernommen. Der Vorsitzende bemerkt, das Hauptstüd Beziehungen Barmats zum 2. 2. bestanden, Zeuge Müller, Außenminister vom 21. Juni 1919 bis Ende März 1920, fagt aus, er habe Barmat zum ersten Male am 29. oder 30. April in Amsterdam bei einer Internationalen fozia liftifchen Konferenz fennen gelernt. Barmat wurde ihm von Huysmans vorgestellt. Der Beuge erklärt: Benn ich mir einen Ein brud von damals zurückrufe, fo muß ich sagen, daß ich Barmat für mindestens einen Guldenmillionär hielt. Wenn ich unb els nur fehen, hätten wir ihn nicht zur llebergabe des Schreibens Huysmans ben geringsten Grund gehabt hätten, einen Mafel an Barmat zu an den Reichspräsidenten zum Empfang empfohlen. Während seiner Amtszeit, so fährt der Beuge fort, mußten alle persönlichen Beziehungen aus Zeitmangel zurücktreten. Er habe in dieser Zeit Barmat sich direkt an ihn gewandt habe. Bei persönlichen Wünschen vor Barlamentariern habe er immer die Formel gebraucht: Einver. standen, wenn keine fachlichen Bedenken vorliegen. Er habe ich ftets bemüht, auch nach feiner Amtszeit in allen Fällen den Mit teilungen über Barmat nachzugehen und wiederholt mit Heilmann darüber gesprochen. Der Beuge erinnert an die Breßpozele in Sachen Barmat, es fei nie gelungen, etwas Bofitives liber die Be. trüger fei. Anflogen über Indiskretionen im A. A. und über Unhauptungen herauszubringen, daß Barmat ein Schieber und Be annehmlichkeiten, die Beamte der Gesandtschaft und des General tonfulats im Hoag und Amsterdam wegen ungünftiger Berichte über Barmat erwachsen feien, sei ihm nichts bekannt. Er habe allen Beamten gegenüber nur von ftrerefter Sachlichkeit feiten faffen. Unter anderem habe er Herrn von Malzan zum Leiter des Referats Rußland in der Oftabteilung gemacht. Sozialisten, bie ins Ausland gingen, hätten fich oft borüber betlagt, daß man auf den deutschen Ger Zegationsrat Roſter let nad feiner Grinnerung fein Berfahren Bertretungen im Auslande immer noch bie alten Gefichter fehe. eingereitet worden. 31 Der Borsigende verlieft aus den Atten einen Brief Hellmanns an Müller Dom 24. Junt 1919, worin es heißt: Ich muß Sie schon mieter mit einer Bitte belästigen im Interesse des Hauses Barmat. Müller mird gebeten um Beschaffung der Einreifeerlaubnis für Bar matiche Mitglieder aus Bodz, und es heißt am Schluß des Briefes, bomit auch Sie die Familie Barmat nollständig fennen lernen. ( heiterfeit). Beuge Miller erklärt barauf, er babe auch auf biefen Brief, wie in allen anderen Fällen, nur bie Formel an die unter. gestellten Beamten geschrieben wenn feine besonderen Bedenten bestehen". Der Vorsitzende tommt nochmals darauf zurück, daß Indis. trebi tionen zugunsten Barmats begangen seien. Mütter erklärt, ihm fet feines Biffens niemals über folche Bor. Seuge auch bei den Lehrern der höheren Schulen und bei ben Eltern, lebhaften Widerspruch gefunden. Das gegenwärtige Ministerium hat die Einsetzung einer Kommiffion angefündigt, die unter dem Borsig von Ferdinand Buiffon jene Reform" rüdgängig machen und die Einführung der Einheitsschule vorbereiten soll. In einer Beziehung fann uns indes das französische Schulwefen als Muster dienen. Ein Schüler, der stets verfegt wird, erlangt bort nach 11 Jahren, also im Alter von 17 Jahren die univerfitätsreife. Während die Sozialdemokratie und die Deutsche Demokratische Partei in Uebereinstimmung mit dem Deutschen Städtetag im Reichstag Anträge auf Einführung der achtjährigen höheren Schule eingebracht haben, wollen die Parteien der Rechten die neunjährige höhere Scule beibehalten, so daß ein Schüler nicht wie vor Einführung der vierjährigen Grundschule 12 Jahre, sondern 13 Jahre bis zur Erlangung der Universitätsreife braucht. Armen Eltern wird es dadurch noch mehr erschwert, ihre Rinber eine höhere Gdyule burchmachen zu lassen. Schule und Vogelschuh. In gewissen Zeitschriften finden fich fortdauernd Anzeigen von Naturalienhandlungen, bie Bäige von Bögeln au faufen wünschen. Die gesuchten Arten find größtenteils folche, die durch das Reichsvogelschußgefeß oder durch Berordnungen pöllig gefchüßt finb. Soweit etwa noch von Schulen Nachfrage nach ausgestopiten Bögeln dieser Art gehalten wird, sei daran erinnert, daß der Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolfsbildung in dem Eriaß vom 16. Juli 1923, betreffend den Schuß der Bogelwelt, vor. geschrieben hat, daß die Verwalter der Schulfammlungen und die Seichenlehrer anzuweifen feien, bei den Lehrmittelhandlungen nur solche Bögel zu erwerben, die nicht geschüßt find. Basco da Gamas Ausreise. Die großen Feste, mit denen Bortugal fürzlich den pierhundertsten Todestag Basco de Gamas be ging, geben einem Dokument, das fürzlich in der Volksbibliothek von Oporto aufgefunden wurde, ganz besondere Attualität. Das amt liche Schriftstüd erzählt ausführlich, wie am Morgen des 8. Juli 1497, an einem Sonnabend, Basco da Gama mit der gesamten Be sagung und unter Begleitung einer riesigen Boltsmenge zum Ein. schiffungsplatz zog, während eine gewaltige Schar von Priestern und Mönchen fromme hymnen fang und den Segen des Himmels auf die fühmen Seefahrer herabflehte. Die Ausreise zu der Entdeckungsfahrt, die zur Auffindung des Seewegs nach Indien führte, geschah am gleichen Tag vom Hafen Raftelle aus unter dem be. täubenden Geschrei der Menge, die fich meinend und betend auf dem Strand drängte und den abreifenden Helden Glüd- und Segens wünsche nachrief. Die für die lange Fahrt bestimmte Flotte fetzte fich aus drei Karavellen und einem Beiboot zusammen, deren größte, die 120 Tonnen fassende S. Gabiele", von dem Führer der Er. pedition, dem Admiral Vasco da Gama tommandiert murde, während die 100 Tonnen große S. Raffaele dem Befehl des Baolo Basco, dem Bruber des Großadmirals, unterstand. Die dritte der Karavellen von 50 Tonnen Rauminhalt trug den Namen Berrio". zum Gedächtnis des gleichnamigen Loisen, der das Fahr. zeug dem König Emanuel I. verfauft hatte, und wurde von dem Rapitan Nicola Coelbo fommandiert. Das legte Fahrzeug endlich mar eine große Barte, die mit dem Proviant und den zum Tausch Um 2% Uhr verbagte sich der Ausschuß bis 5 Uhr, um noch den Gesandtschaftsrat Dr. Köster zu vernehmen. im Haag, jetzt Gesandtschaft in Brag vernommen. In der Abendsigung wurde Dr. Köster, früher Legationsrat Er war im Haag von 1915 bis 1919 tätig. Der Zeuge Köfter fagt aus: Die einzige Schwierigkeit, die ihm aus der Barmat- Affäre erwachsen, sei das bekannte Telegramm Heilmanns gewesen, mit der Beschwerde über Grenzschwierig feiten, die auf Rösters Beranlassung Barmat gemacht fein sollten. Darüber sei dann eine Korrespondenz mit dem Auswärtigen Amt entstanden. Die Berfezung des Zeugen nach Hamburg habe nichts damit zu tun. Der Borsigende fragt, ob der Zeuge etwas Positives wiffe über die Indiskretionen, die es Barmat ermöglichten, per. trauliche Berichte in die Hände zu bekommen. Der Zeuge fann allgemeinen davon, daß Indiskretionen vorgekommen find, als Folge teinen positiven Fall mitteilen, sondern spricht nur im der allgemeinen Demoralisation nach dem Kriege. Der Zeuge betont nachmals, daß er feine dienstlichen Unannehmlichkeiten wegen seiner Stellungnahme gegenüber Barmat gehabt habe. wunderlich erschien, auf drei Telegramme, die fich auf Heilmanns Dr. Beder( DBp.) fragt, ob es der Gesandtschaft nicht verBeschwerde bezogen, feine Antwort von Berlin zu bekommen. Zeuge Dr. Köfter: Ja, es war etwas komisch. Aber im ganzen war es eine Bagatelle, über die man sich nicht aufregte. Auf Fragen gar nicht und habe niemals etwas mit ihm gehabt, daß Heilmann Aufhäuser( S03.) erwidert der Zeuge, er tenne Heilmann perfönlich hätte veranlaffen tönnen, gegen ihm vorzugehen. Damit ist die Vernehmung Dr. Köfters beendet. der Reichspräsident" sei die Frage, ob der Reichspräsident, Der Borf. bemerkt, das Wesentliche im Kapital Barmatund wiffend, daß Barmat übel beleumbet, ihm dennoch begünstigt habe. Diese Frage sei nach seiner persönlichen Ueberzeugung genügend geprüft. Das Glaatsoberhaupt dürfe dann vernommen werden, menn fonft teine Klärung erfolgen tönne. Der Reichspräsident habe den Borfizenden wissen laffen, daß er feiner staatsbürgerlichen Pflich: nachkommen würde, aber etwas neues tonne er nicht ficht auf das Ausland fönne nunmehr dieses Kapitel gefchloffen ausfagen. Im Interesse des Staates und mit Rüd werden. Die beiden Berichterstatter sollten jegt einen schriftlichen Bericht erstatten. Es entspinnt fich fobann eine längere Befchäftsordnungsdebatte barüber, ob Reichspräsident Ebert als Beuge vor dem Aus vernommen werden soll Nach weiterer Erterung wird der Antrag des Borfizenden Sänger in folgender Form angenommen: Der Fragenkomplex Reichspräsident und Barmat wird verlassen, und als nächstes nimmi Die Sigung wird barauf auf Montag, ben 2. März, abende der Ausschuß in Angriff Fragentompler Reichsfettstelle" 6 Uhr bertagt Eine Erklärung Stresemanns. In später Nachtstunde verbreitet BTB. eine Erklärung. Strefe manns gegen die Behauptungen des Genoffen Heilmann in feiner gestrigen Rede im Landtag( siehe 3. Seite der 1. Beilage) bezüglich der Beziehungen Stresemanns zu Sprit- Weber, Bolpe usw Wir müssen leider aus Raumgründen c, der Wiedergabe dieser Er. Elärung in diefer Nummer Abftand nehmen, fommen jedoch auf die Angelegenheit zurüd. Das gleiche gilt für eine Entgegnung des Abg. Wilhelm Bruhr auf unseren Auffaz: Reiniger Deutschlands. handel mit den Eingeborenen bestimmten Waren belaben war. Die Besatzung war unter der Elite der portugiesischen Seeleute aus. gewählt. Es waren im ganzen 160 Wann, von denen nur 55 die Heimat wiederfahen. Die übrigen 105 waren während der Reife zugrunde gegangen. Unter ihnen befand sich auch der Bruder des Großadmirals, Hervorhebung verdient aus dem Berich: noch eine bemerkenswerte Einzelheit. Unter den an Bord befindlichen Perfonen waren nämlich auch zwei begnadigte Schwerverbrecher, die fozusagen als Geifeln mitgeführt wurden, und die, falls eitte fatale Wendung auf der Reise eintrate, als Sühneopfer zu Tode gepeitscht werden follten. Die Flotte war im übrigen mit allem Notwendigen wohl versorgt. Man führte eine breifache Referve von Segelzeug und anderen Schiffsutensilien mit, außerdem große Behälter mil Trinkwasser, Wein unb Del, Mehl, Weintrauben, Gemüse, Medikamente, Munition und anderes. Kein Straßenlärm mehr! Einen eigenartigen Berfuch hat die Stadt Colombo auf der Insel Ceylon gemacht, um den Straßenlärn zu beseitigen. Sie hat eine der Hauptstraßen mit Gummi pflasters laffen. Der Gummi wird erhitzt, bis er flüffig wird, dann wird feiner Kies dünn heraufgeschichtet, die ganze Masse wird dann festgewalat Gummipflaster find ein wenig höher als die Kosten für afphaltiertes Sie ift nach dem Walzen etwa 4 Zentimeter did. Die Kosten für dies Bflafter. Aber man hofft, daß der höhere Breis durch die größer Dauerhaftigkeit des Gummis aufgewogen werben mirb. Für Europe dürfte der Preisunterschied allerdings bedeutenb fein, da der Trans port große Summen verschlingt. In der Staaffichen Sunffbibliofhet Brinz- Albredt- Str. 7s wird an 25. d. M. eine Ausstellung der Beröffentlichungen der Marées- Besellschaft eröffnet. Sie wird den März hindurch, werftäglich von 9-9 Uhr, be freiem Eintritt zugänglich sein. Die Berliner Sezeffion veranstaltet im März ihre Frühjahrs- Ausstellung die ausschließlich dem Aquarell. Bastell und der Plasti! gewidmet sein wird An dieser Ausstellung dürfen sich auch nichtmitglieder beteiligen. Jum beffen der Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute in der Seche Minifter Stein" veranstaltet der Erdiche Männergesangverein unter Leitung seines Dirigenten, des Professors Mag Stange, in Gemeinſchaf mit dem Kosledichen Bläsertorps, birigiert von dem früheren Armeo muffinspizienten, Prof. Grawert, am Sonntag, den 22, vormittags un Uhr, im 8irtus Buf ein Konzert 11 Der Männerchor Fichte- Georginia 1879 gibt vm Sonntag, nahm 3 br, in ber Bhilharmonie, ein Stonzert mit Bolksliedern und Liedern in Bolfston. Kartenpreis 1.- Mart Karl Vogt bält amt 25 ,, 7%, br, in der Kunstausstellung Des Sturm, Potsdamer Str. 134 a, einen Bortrag über .Spieltuni des Theaters". Die Galerie J. Casper, Kurfürstendamm 233, eröffnet die neue Aus ftellung am 22. mit einer Rollektion von Gemälden, Aquarellen und Zei nungen von Magimilian Sels und Aquarellen von 2a811 Gabor und. v. Armin. Hanns Jehner, der feit etwa 16 Sabren völlig erblinbete Mater, wiri am 25. b. M., abends 8 Uhr, in der Aula Georgenstr. 30 Ernstes unt etteres aus seinem Beben erzählen.( Mit Richtbilbern.) Für den Ball der Bühnengenossenschaft am 28. in ben gesamten Fest räumen bes 800 wird nur eine bestimmte Anzahl von Karten ausgegeben um eine Ueberfüllung der Säle zu vermeiden. Der Startenberlauf beginn am 23., vormittags 10 1hr, im gos, Eingang blerportal poeges Widersprüche. Fortsetzung der Vernehmung im Leipziger Tscheka-Prozetz. In der Vernehmung von P o e g e— über die wir im Abend- blatt berichteten— hielt der Vorsitzende dem Angeklagten P o e g e die Niederträchtigkeit vor, daß er a u s H o ß falsche Aussagen gegen Neumann gemacht habe. Angekl.(sehr Fregt): Ich habe diese Beschuldigungen aus Em- pörung über diesen Menschen gemacht, der mich aus Ehrgeiz zu solchen Sachen gebracht hat. Man hat mich zum Verbrecher gemacht. Veumoan(erregt): Unerhört. Seitens der Verteidiger wurde hierauf vom Vorsitzenden oer- langt, daß er dieses Verhalten Neumanns rüg«, was Dr. Niedner auch tat, sich gleichzeitig eine Kritik der Verteidigung verbat. Es kommt im Anschluß hieran zu einer erregten Szene zwischen dem Vorsitzenden und der.Verteidigung. Nachdem sich die allgemeine Aufregung gelegt hatte, wurde in der Vernehmung de» Angeklag- ten Poege fortgefahren. Auf den Vorhalt de« Vorsitzenden, daß er in der Loruntersuchung bekundet Hobe, Margies hätte sein De- dauern ausgedrückt, daß bei der Erschießung des Rausch die®«» schösse nicht abgefeilt worden seien, erklärt poege: Do» war nicht richtig. Er nehme diese Beschuldigung zurück, die er nur gemacht habe, weil Margies von der Polizei als Schwer- Verbrecher hingestellt worden sei. Vors.- Sie haben weiter oesagt, N e u m a n n hätte Ihnen später erklärt, als sich später herausstellte, daß Rausch nicht wt war: JD u. da» Aas ist noch nicht kaputt". poege: Nein, das hat er nicht gesagt. Vors.: Dann soll Neumann auch beim Abfeuern gerufen haben: .So.DuAas.das ist für Potsdo m". poege: Nein, er hat gar nichts gesagt. Dazu war er viel zu erregt. Diese Behauptung ist nur von der Polizei fabri» ziert worden. Auf weiteren Lorhall des Vorsitzenden erklärt Poege, er habe seine Bekundungen nicht gemacht, um die Partei zu belasten, sondern well man ihm die bei Margies gefundenen abgefeilten(Beschösse vorgelegt habe. Nachdem ich selbst«ingestehen muß, daß ich ein Lump war und weil ich wenigstens als ehrlicher Mensch in» Zuchthaus gehen will, widerrufe Ich meine Angaben, die ich gegnr meinen Mitangeklagten gemacht habe. Auf Befragen des R.-2l. Dr. Wolf erklärt Poege zum Fall Eeeckt, daß er keineswegs den Eindruck gehabt habe, als ob nun Neumann seine Leute Hab« ins Feuer schicken wollen. Längere Erörterungen entspannen sich über die Frage, wie weit Margies an dem Mordplan gegen Rausch beteiligt war. Vors.: Wissen Tie etwas davon, daß �elmuth" auf der Polizei- wache Neumann gesagt hat, für ihn sei der Fall solange nicht erledigt, als Rausch noch lebe. poege- Ja, da» hat mir Neumann erklärt. Vors.: Hat er Ihnen auch gesagt, daß Rausch fortgesetzt im Krankenhaus beobachtet werde? Hat er Ihnen von den dahingehen- den Mitteiluvoen, die auf einem Zettet vorgefunden wurden, mit der Uebersch-.Abteilung IS"«rzähll? poege: Dieser Zellel ist mir erst später vorgelegt worden. Wir selbst haben uns nach dieser Affäre nie wieder mit Rausch beschäftigt. Dann kommt es zu der Erörterung der Iälle Sllnaes. vorsig und Zehnpfund. Neumann, so erklärt Poege.«rzähll« mir. er beschäftige sich mit Stinnes und schickt« mich zum Hotel Esplanade, um festzustellen, ob Stinnes dort wohne. Vors.; Hat er nicht gesagt, er habe den Auftrag, Stinnes zu erledigen? Poege: Nein, er sagte, es sei notwendig, sich mit Stinnes zu beschästigen. Erledigen hat er nicht gesagt. Ich stellt« dann sest. daß Stinnes nicht im Esplanade wohnte, vielmehr, daß er sich m irgendeinem Winterkurort befände. Darauf erklärte Neumann, er werde mich nach dem Wohnort Stinne»', nach Mühlheim a. d. Ruhr. schicken, um dort durch Befragen von Angestellten und Bediensteten die Lebensweise Stinnes' festzustellen. Er, Neumann, wolle dann nachkommen. Er werde dazu Päis« besorgen. Vors.: Es sollen bereits Pässe mtt dem Visum der Besatzung». bchtrden besorgt worden sein. poege: Im Erfrischungsraum von Dertheim muht« ich mein Bild einem Mann übergeben, der in Derbindung steht mit.Ernst" (Leiter der kommunistischen Paßstelle)� Während der Ermittlungen im Fall« Rausch, so fuhr poege fort, erklärte mir Neumann, er habe Margies und Szon zum Aus- kundschaften der Wohnung Borsigs nach Tegel geschickt. Der Kampf der Arbeiter müff« dadurch gestärkt werden, daß innn sich mit B o r s i g beschäftigte. Während die Sache noch lief, sagte er. ich müsse mich jetzt mit einer anderen Angelegenheit befassen. und zwar handele es sich um die Stenotypistin Z e h n p f u n d. Der Vorsitzende häll dem Angeklagten dann seine Aussagen in der Voruntersucdung vor, in denen Poege u. a. betont hatte, er Holle es für ausgeschlosien. daß.helmuih". als Ehes des Mililär- opparale». den Auslrag zur Erledigung Seeckt» ohne wissen de, Dlrekioriums erkeilt habe. Zn diesem Zusammenhange halte poege auch von Pieck und vraadler gesprochen. Heute erklärt der Äuge- klagte dazu, daß der Untersuchungsrichter ihm olles vorgehalten hätte, was Neumann schon ausgesagt habe Aus diesem Grunde habe er alles einfach bestätigt, obwohl er aus eigener Er- fahrung davon keine Ahnung gehabt Hab«. Ebenso habe Neumann ihm«rzähll, daß er mit„Helmuih" Auseinandersetzungen gehabt und sich mit ihm g e b o y t Hab«. Tatsächlich Hab« Neumann an dem b-tresfenden Tage«me Wunde im Gesicht gehabt. Nach Er- ledigung des Falles Rausch habe Neumann ihm erklärt, daß die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg ein« Untersuchung des Falles Rausch beabsichtigt bade, daß aber da» Reichsdirektorium den Fall niedergeschlagen hätte. vors, zu Neumann: Haben Sie sich wegen Ihrer Aufgab« jemals mit dem Leiter des Nachrichtendienstes, einem Russen, der unter dem Decknamen„Otto" tätig war, in Lcr- bindung gesetzt? Neumann: Nein._„_ � t.._. Poege- Nach dem Fall Seeckt sagt« mir Neumann:„Wir haben nichts mehr mll der Partei zu tun. Wir haben uns als A u ß« n. st e h e n d e zu betrachten. Wir haben nur mit dem m i l i t ä r i f ch e n A p p o r a t zu tun." Deshalb Hot er ia noch S ch o d r o w s l i als Kurie-- genommen...... Vors.: Neumann, ist das richtig..~. Neumann: Nein. Poege M eme falsch« Darstellung Ich habe gesagt, wenn uns etwas passiert be. Ausudung unserer Tätig- keit. dann werde die Partei a l s s° l ch e offiziell nicht für uns em- treten. . Vors.: Die Milllärabteilung war doch ober«ine Organ i- fationderPartei?,... m Neumann- Jawohl, sie führt« m d«r Abte.lungsliste d,e Nummer 12.» . poege: Neumann sagte mir auch noch,.wir lassen uns nicht in die Verbannung schicken, wir bleiben zu- sammen. vorf.: Sie selbst haben in der Voruntersuchung die Aussage Reumanns dadurch bestätiot indem Sie sagten. Neumann Hab« Ihnen befohlen, im Falle einer Verhaftung nie zuzugeben, daß die Gruppc im Auftrage der Partei handelte. poege: Jawohl, das ist richtig. � � Vors.: Sie haben serner gesagt. Reumann war vor Gründung T. Druppe Sekretär der Reichs, enkrole und es wäre möglich. daß die Zentrale von seiner neuen ISllgkeil aichl« gewußt habe. poege: Ich nehme an. daß er im Einverständnis mll der Partei hondelle. Ich wußte ja nicht, was alles später kommen würde. Vors.: Sie haben ferner bekundet, daß die Partei A b s ch r i f- tenderAussagedesRausch von der Polizei im Besitz Halle. poege: Neumann hatte vom 4. Bezirk erfahren, wie es Rausch ging, und später erzählte er mir dann auch, man wisse genau, was Rausch vor der Polizei ausgesagt hatte. Vors.: Sie behaupten, daß alle Ihre Bekundungen auf Grund einer Broschüre„Das wahre Gelicht der Kommuni st en" von Ihnen angefertigt seien. Sie haben aber noch ganz ander« Bekundungen gemackt, die unmöglich aus der Broschüre stammen können, so über oie Mitglieder der Zentrale und Über ihren Aufgabentreis. poege: Das habe ich aus meinen Unterhaltungen mit Neumann erfahren. Ich selbst habe aber mll diesen Leuten keinen Verkehr gehabt. Vors.: Sie waren doch ober auch in Dresden. Sie haben doch bekundet, daß St r ö z e l Militärleiter von Sachsen war. Reichsanwost Neumann: Ich möchte hierzu mitteilen, daß auf Grund dieser Mitteilungen Poeges in der Leipziger Wohnung des Angeklagten S t r ö z e l, wie in seinem Bureau, eine Durchsuchung stattgefunden hat, bei der ein große» militärische» Material beschlagnahmt wurde. Die Doruntersuchuno schwebt gegen ihn. Die Akten könnten gegebenenfalls herbeigeschafft werden.— Reichsanwatt Neumann fortfahrend: Im übrigen habe ich mir die mir bisher noch nicht bekannte Broschüre„Das wahre Gesicht des Kommu- niste n" beschafft, aus der der Angeklagte feine Aussage angefertigt haben will. Der Reichsanwall überreicht die Broschüre dem Gericht, worauf die Verteidigung die Echtheit dieser Überreichken Vroschüre bezweifelt, während poege sie als die echte anerkennt. Gleichzeitig überreicht die Verteidigung eine zweite Broschüre, die ebenfalls den gleichen Titel tragen soll. Vors.: Sie haben in der Voruntersuchung auch detaillierte Be- schrcibunzen von„Ernst Günther",„K a r l- C h e m n i tz", „P f a s s W i n k l e r" gegeben. Sie haben auch davgn gesprochen, daß der Verbindungsmann des Wafsenletter»„Albert"«in ge- wisser Wüsselmann gewesen sei, der ein Zigarrengeschäft an der katholischen Kirche in Tempelhos hatte und den Decknamen„Gott- f r i e d" trug. Für den Verkehr mit ihm bestand folgende Formel: Man sollte in dem Geschäft fragen:„Haben Sie russische Zigaretten Nr. 100?" Wen» die Leute entgegneten„Nein?", sollten sie weller fragen:„Vielleicht russisch« Zigaretten Nr Sli", und wenn die Leute auch darauf nicht eingingen sollte man sagen:„Ich will„Gottfried" sprechen, es Handell sich um Apfelsinen".— Apfelsinen hieß Spreng st off und tatsächlich lagerte dieser Sprengstoff im Eis- schrank von Wüsselmann. poege: Ich erhielt einen Zettel, aus dem diese Erkenaungsfonnel stand, von Seelmann. Vors.: Sie haben von Kr e s s e gesagt, daß er Sekretär des Militärischen Bureaus sei und daß er In einem Hotel in der Iohan- niterstraße am Halleschen Tor wohne, ferner, daß„Aler"«in Russe sei. dessen Lichtbild Ihnen in Stuttgart gezeigt worden je«. War das Stoblewsti? poege: Da» war«in anderer„Alex". Vors.: So. Ihr habt mehrer«„Alexe" schabt. Sie sprachen auch von Stockei-, der die militärische Organisation für ha? R i'inlund geschassen hat. B:im'.hm hätten Sie auch militärisch« Größen des Ruhrreviers gesehen. Stöcker habe den militärischen Ausbau im.Ruhrrevier toittrolliert. Er sei auch nach der Reise Brandlers nach Moskau Elzes des Dlreklortum» gewcjen. Weiter haben Sie zum Fall Seeckt bekundet, daß die„Co, wie Neumann Ihnen erklärt habe, mit OssHeretx sich einlassen sollke, mn so Näheres über Seeckt zu erfahren.(Zu Neumann): Sie unterhielten Beziehun» gen zu„Lu?"— Neumann(sehr erschrocken): Ich, nein nis. (Heiterkeit.) Vors.: Nein, entschuldigen Sie dllt?, Heinz Neumann unterhiell zu„Lu" Beziehungen. Ist«e aber richtig, daß Sie von dem gesprochen haben, was Poege eben sagte? Neumann: Jawohl, das lst möglich. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Neumann, daß Poege entgegen seiner jetzigen Darstellung unbedingt auf Grund eigener Erfahrungen seine Aussagen gemacht haben müsse. Zu längeren Erörterungen kommt es dann noch einmal wegen der sogenannten Dresdener Konferenz, der Anweisung Brand- lers, den Attentatsplan auf sich zu nehmen usw. Poege hatte hierzu erklärt, daß aus ein Schreiben Radeks Ruth Mischer«inen Brief abgesandt habe, in dem sie für Berlia Demonstratioaea und als provotalion der Bourgeoisie die Ermordung Seeckt» angekündigt habe. Neumann: Ich habe Poege ausdrücklich erzählt, daß Brandler gesagt hat. die Gruppe müsse zusammenbleiben. Sie dürfe auch auf keinen Fall aus der Partei ausscheiden. poege: Neumann sagte sogar, wir würden hinter dem Rücken Brandlers weiterarbeiten und erst nach einer Rücksprache mit„Helmuth" erklärt« et, es bleibe alles beim allen. Eingebend wird auch noch einmal die tätliche Auseinandersetzung zwischen„Helmuih" und N« u m a n n In der Wohnung Brandlers erörtert, wozu Neumann noch erklärt, er Hobe sich zwar den Befehlen �Helmnths" fügen müssen, habe es ober nicht nötig gehabt, sich von Ihm schlagen zu lassen. Deshalb habe er sich zur Wehr gesetzt. Vors. zum Angeklagten Poege: Ei« haben bei Ihrer ersten Gegenüberstellung mit Stoblewsti«rtlört, das ist �) e l m u t d", auf den sich all« unser« Angaben beziehen. Hellten Sie das noch auf- recht? poege: Nein, es ist nicht wahr. Ich habe da» nur gesagt, weil mir Landgerichtsdirektor Bogt so zugesetzt hatte. Vors.: Sie haben diese Aussagen aber zweimal wiederhol«. Sie haben dreimal vor dem Richter zugegeben, daß Stoblewsti„Helmulh" sei. Daun Höllen Sie also drelmal gelogen. poege: Jawohl.(Bewegung und Heiterkeit.) R.-A. Dr. Rosenfeld: Ist Ihnen nahgelegt worden, gerade Stoblewsti wiederzuerkennen, weil es daraus ankomme, �inen Russen festzustellen, hat man Sie irgendwie bedroht? poege: Ich tonn nicht sagen, daß man mich bedroht hat. aber man sagte mir, er wäre derjenige, der uns ins Unglück gestürzt hat, wir wären arm« betrogene Arbeiter. Darauf habe ich diese wissent- lich falsche Aussage gemacht. Vors.: Um sich zu entlasten, hätten Sie danach also einen Unschuldigen der Anstislvag zum Morde beschuldigll Vors. zu Neumann: Sind Sie einmal irgendwie beeinflußt worden bei Ihrer Aussage? Neumann: Ich kann nur sagen, daß auf mich t« i n v ruck von irgendwelcher Behörde ausgeübt worden ist, in meiner Gegenwort auch nicht auf Poege. Ich möchte aber noch folgendes sagen: Ais wir beide, Poege und ich, zu Landgerichtsdirekwr Bogt geführt wurden, sagte Poege zu mir heimlich: Ich wache es Dir ober zur Gewiss enspflich), daß Du„Helmut h" gegenüber so austrittst, wie wir es als Gruppe verlangen können, daß Du gründlichst auspackst gegen ihn. Ich habe dann auch, ohne von Lairdgerichtsdireltor Bogt ausge- fordert zu sein,„Helmuth" gegenüber meiner Empörung darüber Ausdruck gegeben, daß er jetzt allesableugn«, nachdem er uns ins Feuer geschickt habe. poege(höhnisch): Dazu hätten wir ja«ine halbe Stunde brauchen müssen. R.-A. Dr. Samler: Hat Neumann nicht aus andere Angc- klagte einen Druck ausgeübt, hat. er sich nicht mit Landgerichtsdircktor Vogt bemüht, die Leute zu Aussagen gegen Ihr« Partei zu bringen? Neumann: Da» muß ich ganz entschieden bestreiten. Ich habe Hute einmal vorgeholten, daß'«» doch Unfug wäre, was er abge- leugnet hat. Ich hätte kein« Beranlaflung mehr, die Partei zu schützen und ich habe chm gezeigt, was die„Rote Fahne" über uns geschrieben hat.. huke: Neumann hat mir aber auch dabei gedroht, er werde bei einer günstigen Gelegenheit über mich noch persönlich aiüi- sagen. Jetzt ist ja der Zeitpunkt günstig, jetzt kann er ja auspacken. Neumann: Davon ist mir nichts bekannt. Ich entsinne mich besten nicht. Ich hatte keine Veronlastung, Hute reinzureißen. R.-A. Dr. Wals: Weshalb entrüstet sich denn Neumann, daß ii-n heute die Partei fallen lasse, er hat es ja selbst Poege vorher ange« kündigt, daß das passieren werde. Neumann: Ich habe gesagt, die Partei wird offiziell von uns abrücken. Da» ist aber etwas anderes, als uns hinterher sa zu beschimpfen, obgleich(auf Stoblewsti zeigend)„helmulh" un» auch noch versprochen hatte, daß jede /famllie bei einer verhaskuag sofort 150 Dollar erhalten würde. Ich habe keine Ursache, einer Partei dir Irene zu halten, die kein keine» Schild hat.(Bewegung.) Zu längeren Aueeinandersetzungen kommt e» dann über die Frage, ob Neumann im Polizeigesängnis in Stuttgart regelmäßig die „Rote Fahne" erhalten hat, während ihre Aushäeidigung den übrigen Angeklagten, wie der Vorsitzende durch Befragen der Reihe nach seststellte, verweigert wurde. N.-A. Dr. töwenthal beantragte hierzu die Vernehmung- der zuständigen Gefängnisbeamten, denen die Postzensur oblag. Nach einer l�stündigen Mittagspause stellte der Dorsttzende zunächst sest, daß der Angeklagt« Poege an und für sich zugebe. das, was in den Protokollen steh«, auch gesagt zu haben. Er wider- rufe nur das. womit er sich oder seine Partei belaste.— Im Einver- ständnis mll der Berteidigung und der Reicheanwaltschast wird be- lchlosten, der Einfackbeit halber von allen übrigen den Angeklagten Poege betreffenden Fällen zunächst seine Protokolle j|u verlesen und nur in einzelnen Punkten aus die Widerspruche einzugehen. Zunächst wird ein Brief P 0 e g e s an seine Frau verlesen, den er aus dem Untersuchungsgefängnis geschrieben hat und in dem er seine Schwäche während der 9 Monat« langen„Inquisition" bereut. Dann werden zu den Fällen Jauche, Schlotter und Wetzet die diesbezüglichen Protokolle Poeaes verlesen. Zum Fall Jauche bekundet Poege in seinem Protokoll weiter, Neumann habe ihm er- klärt, der Svltzel Jauche müsse erledigt, d. h. gelilel werden, eine Darstellung, die der Anaeklagte Neumann jetzt als unrichtig be- zeichnet. Cr Hab« lediglich gesagt: Jauche soll« erledigt werden, wenn die Nachprüfung des Derdachts besten Bestätigung findet. Wetter Heißt es: In Heidelberg hat Margies mir(Boege) den Plan mitgeteill. bei Krenz in Eella-Mehlis nacht« einzubrechen und ihm den Hals durchzuschneiden, dann einige Sachen fortzunehmen und so vorzutäuschen, daß es sich nicht um ein polt- tische» Derbrechen, sondern um«inen Raubmord bandele. Als ich ihm mein Entsetzen über diesen Plan ausdrückte, erklärte Margies: „Du hast noch etwas in Dir. was dumme Meni-lien Gewissen nennen. Das aibl es bei mir ni-bl. Bei mir gibt es nicht lange» Federlesen. Vors. zu Poege: Ist das richtig? Voea»: Nein. Vorl.: Es war doch aber ein« große Nteberträchligkeik. da» wider bessere« TVisten zu behaupten. poege(leise): Ich habe kein« Erklärung dafür, als die, die ich vorhin schon gab. Vors.: Das genügt uns aber nicht. Margies: Nicht Poege trägt die Schuld daran, sondern die Aussage ist zustandegekommen, weil der Kriminalkommissar Koppenhöfer so viel auf ihn eingeredet hat. . Weiter beißt es in dem Rroto'oll, daß in Heidelberg Margies den Jauche sofort bei der ersten Begegnung habe über den Hausen schießen wollen. Ms Poege daraus nicht einging, Hab« er vorge- schlagen, den Jauch« in«in Bordell oder auf einen Aussichtsturm in der Nähe de» Heidelberger Schlosses zu locken, und ihn dort zu töten. . poege: Ich war damtt nicht einverstanden, worauf Margle» mir Vorwürfe wachte, daß ick«ine günstig« Gelegenhett Hab« verstreichen lasten und drohte, den Beseht Neumann» selbst auszuführen. Ich bab« dann M ö r e n e r, der mir von Neumann au» Stuttgart nach Heidelberg gesandt wurde, die Mitteilung an Neumann meiter- gegebe», daß die Sache in Heidelberg abgebrochen werde, weil sich der Verdacht gegen Jauche nicht bestätigt habe. Neumann: In dieser Form habe ich dies« Mitteilung nicht er- halten. Nach Feststellung einiger weiterer Widersprüche zwischen den Bekundungen Neumanns und Poege zu diesem Fall erklärten stch die Rechtsanwälte Dr. Wolf, Dr. Samter, Dr. Herzfeld ans profestualen Gründen gegen eine weitere Verlesung der Protokolle, woraus der Borsitzende mit dem eigentlichen Verhör Poeges sortfuhr, der dann die Stuttgarter Tätigkeit der Gruppe schilderte. Um 5 Uhr wurde hierauf die Sitzung auf Sonnabend früh 9 U'-r vertagt. Moskauer öenchterstattuug. »owjetruHland und der Leipziger Prozeß. Moskau. 18. Februar.(Ost-Expreß.) Der Leipziger Prozeß beschäftigt die Sowjetpresse aufs lebhafteste. In ihren Berichten geht sie auf die einzelnen in dem Prozeß gemachten Aussagen wenig«in. dies« werden vielmehr in Bausch und Bogen als Provo- ta Honen und Spitzelaussagen abgetan. Ein« Ab- lentung sucht die Sowjetpress« darin, daß die Leipziger Zeugenaussagen immer.wieder im Zusammenhang mtt den Barmat- und K u t i s k e r- Skandalen betrachtet werden. Es soll der Ein- druck erweckt werden, daß der Leipziger Prozeß ebenfalls durch korrupte und provokatorische Mittel künstlich g«- stellt sei. In den„Iswestija" widmet S t« k l 0 w diesen Affären einen langen Artikel und stellt ihnen den Leipziger Tscheka-Prozeß gegenüber, um dann zu dem Schluß zu kommen, daß die„Bourgeoisie" all« Mittel„de» Terrors, der Spitzel« und der Korruptton" aufbiete, um ihr„Scheinleben" künstlich zu verlänger-' Das britische Zrauenwahlrecht. Erweiterungsautrag der Arbeiterpartei abgelehnt. eoado«, 20. Februar.(Eigener Drahtberickt.) Im Unterhaus stand am Frettag der Antrag der«rbeiterparlei. da« Stimmrecht allen Über LI Jahr« alten Frauen zu gewähren, zur Beratung. Die Regierung forderte Ablehnung.. weil die Frage.noch nickt genügend geklärt fei; sie selbst wolle jedoch nock in dieser Tagung ein Geietz-ernbringen, das in Erfüllung de» Regierung?- verinrechens den Frauen das gleiche Wahlrecht geben werde. Wenn der Antrag der Arbeiterpartei angenommen würde, würden öl()00(?() neue Frauenstimmen, geschaffen und die Männeistimmen die Minderheit haben. Der Antrag wurde mit 220 gegen 188 Stimmen abgelehnt._ Zoht» Bradbury, der bisherig« Vertreter England« in der Reparalionskommission, nahm gestern Abschied von dieser Körper- schaft und stellte ihr seinen Nachfolger Lord BlaneSburyh vor Mittiflerpräsidenl Theuni» stellt« die A u i l 3 s u n g der belgischen Kammer cn etwa 14 Tagen in LuSsickt. Die Neuwahlen waren ohnedies in diesem Frühjahr fällig, doch ist die klerik-n- liberale Koalition bekanntlich am Ende ihres Latein». Gewerkschaftsbewegung Einheitsorganisation im Bankgewerbe. Die Verschmelzung vollzogen. Wie die Zentralnorstände des A1lgemeinen Berbandes der Deutschen Banfangestellten und des Reichsverbandes der Bantangestellten mitteilen, haben die Beratungen der bevollmäch tigten Berhandlungsfommission über den Zusammenschluß der beiden Organisationen zu einer vollen Einigung geführt. Der gefamte Organisationsbestand des Reichsverbandes der Banfangestellten wird sofort in den Allgemeinen Verband der Deutschen Bantangestellten übergeführt mit der Maßgabe, daß den mit gliedern des Reichsverbandes ihre in dieser Organi fation erworbenen Rechte im Allgemeinen Verband voll angerechnet werden des Aus dem Zentralvorstand des Reichsverbandes treten vier Mitglieder in den 3entralvorstand des Allgemeinen Verbandes ein. Die Geschäftsführer Reichsverbandes fomie das gesamte Bureaupersonal werden vom Allgemeinen Berband übernommen. In den Ortsgruppen Dorständen des Allgemeinen Berbandes wird den Mitgliedern des Reichsverbandes eine angemessene Bertretung sichergestellt. In den Kreisen der Banfangestelltenschaft sind die geführten Einigungsverhandlungen mit lebhafter Anteilnahme verfolgt worden. Die Befanntgabe des nunmehr pollzogenen Zusammenschlusses der beiden Berbande hat in den Bankbetrieben begeisterte 3uftimmung ausgelöst. Mit diesem Zusammen fchluß ist zweifellos ein großer Schritt nach vorwärts auf bem Wege zur Einheitsorganisation der Bandangestellten gemacht worden. Im Intereffe der Hebung der sozialen und materiellen Lage der Bantangestellten ist diese Fusion nur zu be grüßen. Nun gilt es aber auch, die notwendige tukanwendung daraus zu ziehen. Es muß jeßt als Ehrenpflicht aller Mitglieder der Einheitsorganisation gelten, durch eifrige Berbearbeit alle noch außen. ftehenden Bantangestellten dem Allgemeinen Verband der Deutschen Bantangestellten zuzuführen. Er wird dann eine Macht darstellen, Die auch das vereinigte Banttapital zu respektieren haben wird und die allein imftande ist, mit Nachdrud die Interessen der Banfange ftellten wahrzunehmen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. ermerbslos gemordenen. Bichtiger sei die Durchführung prat.| die Ausgesperrten moralisch mnd finanziell zu unterstützen und so tischer Maßnahmen: Berhinderung und schnelle Beendigung der Arbeitslosigkeit, planmäßige Umstellung, Umschichtung und Ausgleich der Arbeitskräfte, Arbeitsvermittlung und Berufsberatung. Der Redner erinnert fodann an die Verhältnisse in England, das feit mehr als bier Jahren über 1½ Million Erwerbslose, d. h. 10 Broz. aller Versicherten, habe. Das sei nicht mehr das Schidfal zahlloser Einzelner, sondern das Schicksal der Gesellschaft. Deutschland stehe vor dem gleichen Problem, das es nur durch eine gut durchgeführte Arbeitsofenversicherung lösen fönne. Im weiteren Verlaufe der Tagung wurden Referate über die 2a stenverteilung und die verschiedenen Systeme, ihrer An mendung in den Landeszentralen erstattet. Eingehend erörtert wurden die Maßnahmen zur Berhütung und Bekämpfung der Ar. beitslosigkeit als Aufgabe der Arbeitslosenversiche rung, sowie die Frage, inwieweit der Arbeitsnachweis als Organ der Arbeitslosenversicherung dienstbar sein soll. haft geführter Diskussion die Tagung und sprach den Teilnehmern Der Vorsitzende der Gesellschaft, Dr. Freund, schloß nach leb. haft geführter Diskussion die Tagung und sprach den Teilnehmern den Dank der Gesellschaft aus. Die ersten Stadtverordnetenwahlen von Nowawes finden am Sonntag, den 22. Februar 1925 statt. Der Ausbau der jungen Stadt na modernen, Lommunalpolitischen Gesichtspunkten wirb mur möglich sein wenn die Sozialdemokratie bei der Wahl einen überwältigenden Sieg erringt. Tue jeder sozialistische, republikanische und freiheitliche Bähler am Sonntag, den 22. Februar, seine Pflicht! Mann für Mann, Frau für Frau an die Wahlurne für die zum Siege zu verhelfen. Das taufende Publikum soll sich aber vor dem Betreten des Schuhwarengeschäftes erst die Firma genauer anfehen. Kollegen und Arbeitsbrüder, übt strengste Solidarität! Gegen die Spaltungsmanöver. = Am 17. Februar fand eine Sigung der SPD. Funktionäre des AEG. Konzerns statt. Nach einem Referat des Genoffen 3ista ftellte sich die Fraktion einstimmig auf den Standpunkt, daß die Wahl der Betriebsrate nur nach freigewerf: fchaftlichen Grundsäßen zu erfolgen hat. Unter Hinweis auf die Richtlinien der KPD.- Zentrale erklärte die Versammlung, daß unsere Genossen unter feinen Umständen irgendwie Bedingungen der KPD. entgegennnehmen dürfen. Außerdem faßte die Fraktion einstimmig folgenden Beschluß: In letzter Zeit sollen sich nach Mitteilungen der Roten Fahne" in einzelnen Betrieben des AEG.- Konzerns Parteigenossinnen oder Genossen bereit gefunden haben, sich in verschiedene Delegationen, die zu parteipolitischen Zweden von der fommunistischen Bartei aufgezogen werden, wählen zu lassen.( Betriebsrätefongreß- Delegationen zum Reichstag usw.) Die Fraktionsversammlung der SPD. des AEG.- Konzerns stellt feft, daß diefe Genossen nicht das Recht haben, im Auftrage unserer Genossen bzw. Genofsinnen zu handeln und fordert die betreffenden auf, sofort ihre Mandate in diesen Delegationen niederzulegen. Das Recht, Betriebsrätefongreffe einzuberufen, steht nur den Gemertschaften zu. Sidy zu handlangern der Kommunistischen Partei. degradieren zu laffen, lehnen die Ge= noffen mit aller Entschiedenheit ab.. Ohne Zustimmung der Gesamtfrattion des AEG- Konzerns hat für die Zukunft te in Parteimit glieb das Recht, fich irgendwie an Delegationen zu beteiligen. Der Frattionsvorstand wird beauftragt, den Bezirtsvorstand zu ersuchen, einen Beschluß dahingehend zu fassen, daß Barteimitglieder, die sich dazu hergeben, gegen diesen Beschluß zu handeln, nicht mehr Mitglied der Partei sein tönnen." 9. Der Fraktionsvorstand wurde einstimmig wiedergewählt, ferner zwei Groffen neu hinzu gewählt. Der Besuch der Versammlung und die Aussprache ergab, daß es überall in den Betrieben wieder voran geht. Die Arbeiterschaft fieht immer mehr ein, daß die Kommunisten nur die Reaktion gestärkt haben und die Arbeiterschaft die Kosten zu zahlen hat. Unsere Genossen sehen der Betriebsratswahl mit den größten Hoffnungen entgegen und find überzeugt, daß die Listen der gesloffen hinter( ich haben wird. Sozialdemokratische Partei Deutschlands freien Gemertſchaften auch in diesem Jahre die Arbeiterschaft Auch in Bayern. ( Eca) Im Plenarjaal des Reichswirtschaftsrates begann gefiern Lohnverhandlungen in der Bekleidungsindustrie. München, 20. Februar.( BTB.) Der Wirtschaftsausschuß des Dormittag die start besuchte Tagung der Deutschen Gefell- Für die Herrenmaßbranche finden am fommenden baherischen Landtages hat mit großer Mehrheit einen sozialfchaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Als Montag in Nürnberg zentrale Lohnverhandlungen statt. Auch in demokratischen Antrag angenommen, der die Regierung einziger Gegenstand der Tagesordnung ist vorgesehen: Das Broder Damenmagineiderei stehen örtliche Verbands erincht, die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 20. Jablem der Arbeitslosenversicherung in Deutschlungen in Aussicht, ebenso für die Konfettionsändenuar 1925 über die Arbeitszeit in hochofenwerfen ab Land. rinnen. Sier werden die Verhandlungen deshalb örtlich ge- 1. April 1925 in Wirtiamfeit au feßen. Der Vertreter des Als erster sprach Professor Dr. Jastrow Berlin vom hifto führt, weil die Arbeitgeber nicht zentral organisiert sind. Die im Handelsministeriums hatte im Laufe der Aussprache die Auffaſſung rischen Standpunkt aus über den Werdegang der Arbeitslosenver Deutschen Belleidungsarbeiterverband organisierten Herrenmag vertreten, daß wegen der wirtschaftlichen Lage der baherischen ficherung im Rahmen der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Entschneider nahmen bereits am Dienstag Stellung zu dem Ergebnis Werfe der Zeitpunkt der Herabjegung der Arbeitszeit noch hinauswidlung, von den ersten Anfängen bis zu den heute bestehenden der Nürnberger Verhandlungen. Berordnungen der Erwerbslofenfürsorge, welche die Grundlage zu geschoben werden sollte. dem Gesetz abgegeben haben. Für die Vereinigung der Deutſchen Arbeitgeberverbände sprach Dr. Erdmann. Er hob besonders die finanzielle Auswirkung auf unferen Etat, die Mehrbelastung nach dem Fortfall der Bedürftig teitsfrage fowie die organisatorischen Gesichtspunkte hervor. Die tommende Arbeitslosenversicherung, so führte der Redner aus, fei ein Sprung ins Dunkle. Der dritte Redner Spliedt Berlin( Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund) zeigte bas Broblem der Arbeitslosigkeit als Problem der Organisation unserer Wirtschaft. In Deutschland wären auch in der Borfriegszeit, felbft in Zeiten guter Ronjunttur, dauernd 250-300 000 Arbeitsträfte erwerbslos gewesen. Diese Zahl sei in Krisenzeiten auf das Drei- und Mehrfache geftiegen. Die Nachtriegszeit habe eine bedeutende Zahl der ArbeitsLofen gebracht, und die Bage, besonders der älteren Erwerbslosen, durch die fortschreitende Technik und vermehrte Produktion, die nicht mehr im Eintlang zum Berbrauch stehe, ganz bedeutend verschärft. Die Nachfriegszeit habe die Erwerbslosenhilfe auf eine breitere Grundlage gestellt, jedoch an das Brinzip der Armenfürsorge gebunden. Diesem Standpunkt dürfe in der ArbeitsIofenversicherung nicht stattgegeben werden. Die Forderung einer Unterfügung aus der Versicherung fei eine Rechtsforderung Der Rebner ging sodann auf die Möglichkeit der Durchführung der Arbeitslosenversicherung ein. Die sozialpolitische Belastung sei nicht so, daß sie einen Hinderungsgrund für die Einführung der Arbeits: fofenversicherung bedeuten fönne. Die Klage, daß die Wirtschaft die Belastung nicht zu tragen vermöge, fei ebenso unberechtigt. Sie fonne fie tragen, umſomehr, als die Belastung allein aus dem Verficherungsprinzip heraus nicht wesentlich steigen werde. Die deutsche Wirtschaft habe im deutschen Arbeiter, feiner Bildung, seinen Arbeitseifer, feiner Lebensauffassung, einen Attio posten, um den die Wirtschaftsführer des Auslandes uns beneiden. Dieses Gut müsse gepflegt werden; es dürfe nicht verfommen. Sozialpolitit jei nicht nur ein Gebot der Ethit und Humanität, sondern zugleich eine rein nüchterne Wirtschaftsrechnung. Aus diesem Erkennen fließe die Forderung nach einem genügenden Arbeitslofenschuß und dem Gesetz der Arbeitslosenversicherung. Die Arbeits. Infenversicherung bedeute nicht die pefunäre Unterstügung der Muſitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Mufiler Berbandes, Berlin O 27, Andreasitr. 21( Sönigftadi 4310). Geschäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch. Lohnverhandlungen im Steinsetgewerbe. im Steinfeggewerbe am 19 Februar d. J. in der paritätischen Die Verhandlungen über die Neuregelung der Stundenlöhne Schlichtungstommiffion führten noch zu feinem Ergebnis. Die Arbeitgeber erklärten, für die Lobnperioden im März mehr als 4 Broz. Stundenzulage nicht gewähren zu können. Die Verhandlungen sollen aber am 27. Februar erneut aufgenommen werden. Aussperrung bei H. Leifer Nachfg., Schuhfabrik. Das Schuhwarenhaus H. Leifer Nachflg., Inhaber Klaußner, unterhält in Berlin neben vielen Schuhverkaufsstellen auch eine Schuhfabrik in der Großen Frankfurter Straße 32. Die Firma scheint das Bedürfnis zu haben, das taufende Publikum von der Eristenz ihrer Schuhfabrik in Kenntnis zu sehen, indem sie von fich reden macht. Erst vor drei Wochen drohte in der Fabrit ein Stepperei in eine andere Abteilung versetzt werden sollte, wobei Konflikt auszubrechen, weil ein Betriebsratsmitglied aus der sehr start die Bermutung einer Strafperfegung vorlag. Die Belegschaft wehrte sich gegen diese Maßnahme der Firma, gab aber schließlich nach, was scheinbar als Schwäche ausgelegt wurde. richtung, daß die Arbeiter beim Berlassen der Fabrik sich der KugelBei dieser Firma besteht nun seit Ende 1923 die schöne Einſtellten, unterwerfen müssen. Gegen diesen Zustad hat sich nun die tontrolle mit Leibesvisitation, durchgeführt von AngeBelegschaft gewandt und den Betriebsrat beauftragt, am 30. Ja muar zum 13. Februar die Kugelfontrolle zu fündigen, weil sie sich nicht länger will als Spizbuben hinstellen lassen und die Körperfontrolle als einen unwürdigen Zustand empfindet. Bei der Kündi gung am 30. Januar erklärte Herr Klaußner, über diese Frage mit dem Betriebsrat in einer besonderen Sigung zu sprechen. Da während der vierzehntägigen Frist fich die Firma aber gar nicht meldete, unterwarf feit dem 14. Februar die Belegschaft sich nicht mehr der Kontrolle, da ein stillschweigendes Einverständnis der Firma vorlag oder zum mindestens angenommen werden mußte. Nachdem die Firma durch mehrere Anschläge in der Fabrik. die Belegschaft nicht zur Aufgabe ihres Standpunktes bewegen fonnte, erfolgte gestern unter Bruch des Tarifvertrages die Ausiperrung. Der Betriebsrat hat die Firma vor der Aus die Firma diesen Weg nicht beschritten hat, so ist das ein Zeichen Sperrung auf den vorschriftsmäßigen Klageweg hingewiesen. Wenn dafür, daß sie von ihrem vermeintlichen Recht nicht so sehr überzeugt ist und statt dessen den Machtstandpunft hernorfehrt. Sache der Kollegenschaft der Berliner Schuhindustrie wird es sein, Der Lohntarif der Solinger Metallindustrie wurde von den be erhöhung und Beseitigung der Lohnſpannen. teiligten Gewertschaften gefündigt. Sie forderten 20 Proz. LohnE Achtung, Mitglieder des Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiter- Verbandes! ( Bortals Reatralverband der Bäder und Ronbitoren.) Sonntag vormittag 9 Uhr ist im Gewerkschaftshaus die Jahress generalversammlung. Die Rote Fahne" forbert im bekannten Zone ihre Anhänger auf, vollzählig dort zu erscheinen. Um so mehr ist es Bflicht aller unserer Genossen und Anhänger der Einigkeit, der gewerfchaftlich organisierten Arbeiter, auf dem Bosten zu sein und bafür au forgen, baß die Soffnungen der moskowitischen Zerstörer der Einheitsfront zuschanden werden. Achtung, AEG.- Rabelwerk Oberspree! Gouring vormittag 9 Uhr im Lokal non Rethel, Niederschöneweide, Bridenstr. 15, wichtige Bersammlung aller SPD.- Genoffen. Es ist Pflicht aller Parteigenpffen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch Legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Gewerkschaft Deutscher Bollslehrer. Montag abend 7½ Uhr wichtige Bollfihung im Rathaus, Rimmer 55. Tagesordnung: Der nächste Berbandstag. im Rathaus, Zimmer 109. Thema:„ Kirche, Staat und Schule". Am Sonnabend treffen fich alle Gewerkschaftler aum Bortrag ber Freidenker Musikinstrumentenarbeiter der Richtung Amsterdam! Montag nachmittag 4 Uhr wichtige Besprechung der Betriebsvertrouensleute im Reichenberger Sof, Reichenberger Str. 147. Seber Betrieb muß einen Bertreter entfenden. Der Berbeausschuß. Berantwortlich für Politik: Crust Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn: Feuilleton: A. S. Döscher; Lofales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. 5. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Sonfliges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode; fämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin GB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wifen". M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor M.Schulmeister Einsegnungsanzüge Mabes кефика in blau, schwarz u marengo Cheviotstoffen 29, 32, 34, 38, 40, 42, 46, 50 M. Nur Qualitätsware kommt zum Verkauf Rahma MARGARINE buttergleich selbst aber ohnegleichen! weil sie den Nährwert und Feingeschmack der besten Tafelbutter mit der Billigkeit der Margarine in sich vereinigt. Pfd. nur 50 Pfg. Kinderzeitung Der kleine Coco" gratis! Neu erschienen; Fips Lachzeitung für liebe kleine Kinder", Nr.$« ♦ 45. Jahrgang 1« Beilage des vorwärts SonnabenS, 27. 5ebr«»ar 1225 Die Heimat öes Reichsbanners. Zum Jahrestag der Neichsbanttergründmtg in Magdeburg. Zum ersten Gebunstagsfest des„Reichsbanner Echwarz-Rot-Gold" rollen am Sonntag Extrazüge über Extrazüye nach der Heimat des republikanischen Bundes, nach Magde- bürg. Hunderttausend und mehr Reichsbannerleute werden in den Mauern der alten Elbestodt zusammenströmen, um Zeugnis dafür abzulegen, daß der republikanisch« Gedanke trotz Stahlhelm, Wer. wolf und Iungdo tiese Wurzeln im Volke geschlagen hat. Der Massen. besuch aus Ost und West, aus Süd und Nord wird dem republi- konischen Tag m Magdeburg seine Bedeutung und sein Gepräge geben. Frellich ist Magdeburg nicht nur die Heimat des„Reichs banners", sondern auch des„Stahlhelms*. Bon dort ging zuerst de� Versuch aus, die„Frontkämpser* in einer angeblich überparteiliche!' Organisation zusammenzufassen. Nationalliberale waren die Grün- der und der Form noch steht heute noch ein volksparteilicher Kauf- mann Seldt« cm seiner Spitze. Seinerzelt fehlte es nicht an Be- znühungen, auch bekannte Sozialdemokraten für den Gründungsakt zu interessieren. Aber die kühle Ablehnung, die der.Lriegerverein auf breiter Grundlage* bei ihnen fand, wurde ersetzt durch die brünstige Liebe, die alle„Völkischen* und Konservativen ihm entgegenbrachten. Sie wußten, was man den Sozialdemokraten glaubte ausreden zu können, daß der„Stahlhelm*«in nur allzu- williges Werkzeug der monarchistischen Reaktion sein werde und sein wolle. Bei jeder Gelegenheit, die sich nur erspähen ließ, stellte der „Stahlhelm* seine �Zeitfreiwilligen*. Die Magdeburger haben das Auftreten dieser Braoos während des Kopp-Putfches noch nicht ver- geffen. Und nicht zuletzt der Zorn über das anmaßende Auftreten dieser Günstlinge der Schworz-Weiß-Roten hat gerade in Magdeburg den Gedanken an die Gründung des großen„Bundes republi- konischer Kriegstellnehmer* entstehen lassen, das„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold*. das binnen Jahresfrist Millionen von Mit- gliedern um die Reichsfarben schart« und heute schon allen Re- ahionäreu ein Scheue! und Greuel geworden ist. von Ser 5estuog— zur Iaüustriestaöt. Wer die Straßen der„alten Stadt Magdeburg* prüfend durch- wandert, wird schon durch mancherlei an die vernichtende Wirkung jedes Krieges erinnert. Andere Städte gleichen Alters zeigen dem Besucher wohl ein einheitliches architektonisches Bild. Gerade in Mitteldeutschland sind köstliche Proben mittelalterlichen Baustil» erhalten. Nicht weit von Magdeburg zeigen Halberstadt, Goslar. Hildesheim, was die Baumeister früherer Jahrhunderte an Schönheit ans Holz und Stein zu gestalten wußten. Magdeöura ober wurde im Dreißigjährigen Kriege bis ans spärliche Reste niedergebrannt. Bon dem, was es einst an baulichen Reizen befcflen, zeugen heute nur wenige Stätten. An Stell« des alten Stadtbildes ist in den Zeiten der damaligen Kriegsnöte und ihrer Nachwirkungen ein neues in f icher künstlerischer Einheitlichkeit nicht wiedererstanden. Ader bst als die Zeit neuer Blüte kam, blieb Magdeburg in harten steln. Denn es war inzwischen ni den Bereich der Hohenzollern» Herrschaft geraten und blieb bis in die letzten Jahrzehnte des vorige» Jahrhunderts Festung mit all den einschränkenden Wirkungen, die auch viele aridere preußische Festungsstädte in ihrer Entwicklung ge- hemmt haben. Aber der Zwang kapitalistischer Ausdehnung, der schon andere Ketten gesprengt hat. als preußische Festungsgürtel, hat auch in Magdeburg die Bichn lreiaemacht. Von alters her eine der bedeutendsten Umschlagsplätze für den Handel vom Osten nach dem Binnenlande, hat die Eldestadt sich inzwischen zu einer der größten Industriestädte entwickelt. Woher auch die Bahn den Besucher bringen mag. überall sährt er erst durch Bororte mit ragenden Schloten und mastigen Fabrikgebäuden. Weit bekannt wegen seiner Zuckersabrlkation und Zichoriendarren. Ist Magdeburg heute auch eine Heimsladt der Eisenindustrie in großem Ausmaß geworden. Diese Industrialisierung hat den politischen und kulturellen Charakter der Stadt nicht unberührt gelassen. Schroffes Herrentum. das keineswegs durch lange Tradition gemildert war, stand hier den proletarischen und kleinbürgerlichen Schichten gegenüber. Deshalb war der Klassengegensatz wohl nirgends schärfer ausgeprägt als in „des Herrgotts Kanzlei, wie die nationalliberalen Philister noch heute die Stadt der kirchlichen Reformation gern nennen hören. Das „Herrentum* der Industrie- und Handelsgrößen wurde noch oer- Magdeburg vor der Zerstörung 1631. größert durch einen Kirchtumsgeist von unsäglicher Beschränktheit. Daß die Revolution eine überragende sozlaldemokralifchc Mehrheit aufs Rathaus sandte und damit einen tatkräftigen sozialdemokratischen Oberbürgermeister an die Spitze der Stadt- Verwaltung stellt«, war den nationolliberolen Kleingeisteru«in schwerer Schlag. Sie hatten vor dem Kriege, krasi des Geldsacks, die Stadt fast unbeschränkt beherrscht. Und ihre geistigen Handlanger— zu denen«ine Reihe von Jahren auch der jetzige Reichskanzler des Bürgerblocks gehörte— hatten es verstanden, durch weiter« Der- schnürung der ohnehin engen Gesetzesmaschen die Herrschast der Fabrikanten partei noch sicherer zu stellen. Bis die Revolution und das gleich« Wohlrecht ihre Bormacht endgültig brach... Das oeue Magdeburg unterscheidet sich vom alten wie ein demokratischer St«« vom wilhelminischen«aisertum. Die sozialdemokratisch« Stadtverordnetenmehrheit berief als städtischen Baurat den Architekten Bruno Taut, dessen karb entroh« Gestaltung des Stadtbildes den Namen der„bunten Stadl* bald wieder mit Anerkennung im Lande nennen ließ. Taut selbst Hai freilich nicht lange in Magdeburg gewirkt. Das Schwergewicht der Krämertradition behinderte noch allzustark den künstlerischen Schaffensdrang des Erneuerers. Er zog es vor, sich wieder der freien Tätigkeit zuzuwenden, als im Kampfe mit dem Bcmaufentum der Bureaukratie und der Schildbürgerei zu zermürben. Wer wer in Magdeburg durch dit Straßen schlendert. ssndet von der Fanbensreude des Kunstlers manches Wahrzeichen. Wer das alte unscheinbare Rathaus in seiner grauen Monoto- nie gekannt hat und es wieder sieht m der farbigen Neugestaltung, die seine Konturen scharf hervorhebt und unscheinbaren Zierrat ins fröhliche Licht rückt, der ist erstaunt über das Schatzkästchen, das hier aus Staub und Grau neu erstanden scheint. Auch das in der Großen Münzstraße gelegene Haus unsere» Parteiblattes, der „Vollsstimme*, ist m den Grundtönen Schwarz-Rot-Gold„getautet*. wie der Volksmuivb die Buntmalerei zu nennen pflegt. Wenige Schritte von der„Dolksstlmm«* zeugt das Haus der Städtischen Spar- kasie lsrüher Reichsbankgebäube), wie mit einsachsten Farbenstrichen aus einem alten Gebäude ein vollkommen neuer machtvoller Eindruck erzielt werden kann. Aber nicht nur dos Neue ist sehenswert. Der Magdeburger Dom in seiner massigen Gestaltung gehört zu den de- deutendsten Bauwerken deutscher Städte. Aus dem Domplatz fanden früher die militärischen Paraden statt. Seit der Revolution ist er mehr als einmal Zeuge wuchtiger Massenkundgebungen gewesen und auck) das„Reichsbanner* hat dort schon in ridfigen Demonstrationen die Farben des neuen Reiches aufgezeigt. Di« alt« Elb«, die der Stadt noch immer Leben und Bedeutung gibt, hat im Laufe der Jahrhunderte viele Gefchlechterreihen an ihren Ufern gesehen. Sie wird das leuchtende Schwarz-Rot-Gold de» Reichs- bannertage» grüßen, und nicht vergessen, daß inmitten dieses Farben- drestlangs das Rot der Sozialdemotratte leuchtet, die in Magd�mrg feit Jahrzehnten ewe sichere Statt hat ...agdeburger Dom von der Elbe aus gesehen. Gefährliches Herlin» Man hat lange und eingehende Studien gemacht, ja. selbst per- sönlich die Einrichtungen fremder Länder in Augenschein genommen, bis man an einer Stell«, am Potsdamer Platz, eine Art von Betriebsmuseum zu Wege bracht«. Das große Problem Llexanderplatz harrt schwieriger Läsung, und mau braucht gar nicht so weit zu gehen: wer beim Roland mi- beschädigt und ohne Rervenchock über die spiegelglatte«utorenn- straß« in den Tiergarten gelangt, darf von Glück sprechen und sich selbst das Zeugnis von Geistesgegenwart ausstellen. Ganz anders, wenn man in der Gekahr ist, ohne e« zu wissen, und ganz besonders tragisch, wenn die Derkehrskatastrophe, gleichbedeutend mit bedauerlichster menschlicher Tragödie, an scheinbor unbelebtem und Verkehrs- losem Platz vor sich geht Dann hat alles Borbauen von Jahren nicht geholfen und man hört nur verwundert sagen: Wie ist es nur möglich? Der Mann hat doch sonst so peinlich acht gegeben.... Ja. es ist möglich, und mehr als einmal schon hat der Tod an einer Stell« Menschen hinweggerafft die sehr freundlich und ruhig aus- sieht w Wirklichkeit aber«ine Menschenfalle schlimmster Art dar- stellt Es gibt einen Platz, den möchte man warnend als dos gefähr- lichste Berlin bezeichnen. Er ist schön, reizvoll und gefährlich Pie die Sünde, und«in Warnungsruf ist um so mehr notwendig, als weder die Allgemeinhett noch die Verkehrspolizei von ihm wissen. Lieber Wanderer, verlestet dich dort, wo die Karlsträße unve- stimmt und zaghaft in die Kronprinzenbrück« einlenkt über- raschende Schönheit des Stadtbildes zu beschaulichem Verweilen, tz» klammere dich schleunigst an eins der Brückengeländer an, je nach/ dem du das prächtige Reichstagswasserbild oder die stattlichen PalaW der AEG., des Landratamtmanns Niederbarnim mit dem reprä'en» table« Lessingtheater aus der«inen Seite, mit dem großzügigen An- blick vom Lehrter Bahnhof, Ausstellungskuppeln und Moabiter Spitzen auf der anderen Seite betrachten willst. Diese Linie, beginnend am Bahnhof Friedrichstraße, endend, in den weiten, seeähnlichen Hafen anlagen am Lehrter Bahnhof, gehört zum Schönsten, was man an Stadtbild in Berlin sehen und«rieben kann. Bilde dir aber des- wegen nicht ein, es wäre auch«in besonders schöner Tod, was dich dort in Gestalt eines zermalmenden Autorades ereilt Die Hilf- Der Apfel der Elisabeth Hoff. 271 von Wilhelm Hegel«. ,j)ier, Papa, den habe ich gefunden.' „lim Gottes willen, Kind, das ist ja einer von der aller- giftigsten Sorte.' „Schade! Die netten sind immer die giftigen?' Sie gab schüchtern und zutraulich Elisabeth und Ryseck die Hand und ließ sich, ihr kurzes Röckchen, so gut es ging. herunterziehend, neben ihrem Bater nieder. Dieser berichtete ihr, wer die Fremden wären, und er- zählte in behaglicher Breite das Mißgeschick mit seiner Zi- garre. Dabei machte er Ryseck, in der Annahme offenbar. daß Elisabeth kein Deutsch verstände, darauf aufmerksam, daß seine Frau achtgeben müsse, ihre zarten Schuhe nicht am Feuer zu verbrennen. Elisabeth zog ihren Fuß zunick und sagte lächelnd, seine Tochter sei in derselben Gefahr. „O. mit unseren Oderkähnen ist es nicht so ängstlich. Außerdem haben wir sie tüchtig in den Pfützen eingeweicht, gelt Esther?'., Das junge Mädchen versuchte vergeblich, ihre unförmigen Schuhe unter dem Röckchen zu verbergen. Als sie kah, daß die Augen der Fremden sich unwillkürlich darauf richteten. stieg in ihre bleich getönten Wangen eine feine Röte bis hinauf zu den langen Wimpern, die sie über ihre schwarzen Augen niedergeschlagen hakte. Werkwürdig, dachte Elisabeth, trotz dem ungestalten Schuh zeug hatte sie doch die Borstellung. daß darunter ein seiner ebenmäßiger Fuß sitzen müsse und sie fühlte, daß Ryseck dieselbe Vorstellung hatte. Dleser. eben noch bis an die Grenze der Unhöflichkeit zurückhaltend, blickte mit unoer- ho'enem Woblgekallcn die zierliche schone an und meinte lächelnd, sie hätte an dem reichen Pilzvorrat wohl nur einen geringen Anteil sondern sich lieber mit Blumenpflücken ab- gegeben. Sie nickte und zeigte ihm unter den Leberblümchen «in kleines Bund Veilchen. Daheim im Garten seien sie schon längst abgeblüht, aber an schattigen Waldstellen gäbe «s noch welche. Ob es auch in Amerika Beilchen gäbe? Während Frage und Antwort hin- und hergingen, teilte Esther das Bund Veilchen in zwei und reichte eins Elisabeth. eins Ryseck, dos dieser in lein Knopfloch steckte. Wie nun die Unterhaltung zwischen den beiden immer zutraulicher wurde, und Ryseck, dem jungen Mädchen gegenüber immer mehr Liebenswürdigkeit entfaltend, Elisabech ganz zu ver- geffen schien, glitt durch diese«in seltsames Gefühl, nicht Eifersucht, nein... aber etwas wie ein leises Erschrecken. Sie mußte sich vorstellen, daß das, woran zu denken, was im Ernst zu erwägen sie immer vermieden hatte, dennoch ein» treten könnte: sie ließ sich von ihrem Mann scheiden, begann ein neues Leben mit dem Freund— in diesem Augenblick fragte sie sich voll Angst, ob sie dem auch gewachsen sein würde? Ob sie die Schwungkraft besaß, ihr Glück täglich neu zu erkämpfen, die Leichtigkeit, um unter seinen wechselnden Stimmungen nicht zu leiden, um nicht immer fürchten zu müssen, was sich vielleicht nie ereignete? Es war, als wenn sie unvermutet in einen bisher nicht bekannten Bezirk ihres Innern getreten wäre, wo das in Klarheit und Ordnung sich zeigte, was in den gewohnten Räumen ihres Bewußtseins sich kaum verhüllt ange- deutet hatte. Roch ging die Unterhaltung so fort, als von weitem die Kinder mit lautem Geschrei angelaufen kamen. Einen Augen- blick sah Elisabeth eine etwas peinliche Szene und verlegene Erklärungen voraus, wenn sich berausstellte, daß sie gar nicht Rysecks Frau war. Diesem mochte derselbe Gedanke ge- kommen sein. Während der Pastor seine Freude äußerte, die Kinder begrüßen zu können sprang er auf und stapfte ihnen eilig entgegen. Er hatte kaum ein paar Worte mit ihnen ge- sprachen, als sie sich umdrehten und ebenso rasch, wie sie ge» kommen waren, wieder davonliefen. „Eine wilde kleine Gesellschaft! Nicht zu halten— Aber nun wollen wir Ihre Zeit auch nicht länger in Anspruch nehmen.' Nachdem er noch versprochen hakte, bei der Rückfahrt im Pfarrhaus anzuhalten, wünschte er den beiden weiter guten Erfolg bei ihrem Pilzsammeln und hatte sie, ehe sie sich's versahen, aus ebenso höfliche wie unwiderstehliche Art ver» abschiedet. Als sie fort waren, blinzelte er Elisabech mit seinem durchtriebensten Lächeln an. „Von Pastors wegen sind Sie nun meine Frau. Was meinen Sie, Kinder und Narren sagen die Wahrheit? Aber Sie sahen zu reizend aus mit dem bißchen bösen Gewissen bei dieiem Abenteuer." 10. Langsamer fuhr das Auto über das holprige Pflaster des Städtchens. Elisabech las in der Dämmerung die alten wohl- bekannten Namen wieder. In der Tür der.Lindenhauses' stand statt der Hünengestalt des alten ein neuer Wirt Aber wenn auch kleiner von Statur, stand er doch ebenso selbst» herrlich und breitbeinig wie der alte. Das schien der Besitz des Gasthofes mit sich zu bringen. Als das elegante Auto hielt, kam etwas Bewegung in seine ungeschlachten Glieder. Er eilte herbei, den Schlag zu öffnen. Elisabeth fragte gleich nach der Schwester. Das gnädige Fräulein fei noch nicht an- gekommen Bon einem Brief oder einem Telegramm war dem Wirt nichts bekannt. Ein Zug traf erst wieder am nächsten Morgen ein. Ryseck versuchte zu trösten. Auf seinen Wunsch versprach der Wirt, an die anderen Gasthäuser zu telephonieren. Biel- leicht war«in Irrtum passiert und Margret anderswo ab- gestiegen. Der Wirt führte die Gäste hinaus. Für Elisabeth und die Kinder war das Staatszimmer eingerichtet. Zwei mächtige Betten standen nebeneinander. Der imitierte Gobelin da- hinter zeigte ein ruhendes Liebespaar und einen Amor, der die Fackel löschte. Ein drittes kleineres Bett stand in einer Ecke. Der Herr sei nebenan untergebracht. Wenn man die Berbindungstür öffnen wollte, braucht« man drüben nur den Riegel zurückzuschieben. Nachdem Elisabeth sich selbst und die Kinder ein wenig gesäubert hatte, begab sie sich hinunter. In dem„Privatzimmer", das für die Fremden reserviert war, stand der Tisch schon sauber gedeckt. Elisabeth fühlte ein leises Erschrecken, als hinge in der Luft noch etwas anderes, als der kaum merkliche Geruch von Wein und Zigarren. In vielem Zimmer hatten Ryseck und Hellborn um sie gewürfelt. Ryseck hatte den Wirt schon ins Verhör genommen. Er wollte anfangs nicht recht mit der Sprache heraus. Gewiß der Förster von Hellborn, oder, wie er allgemein hieß, Schmundt, war ihm bekannt Aber nur oberflächlich. Er ließ sich selten im Gasthaus sehen, zeigte sich überhaupt kaum im Städtchen. Er war nicht beliebt, nein, ganz im Gegenteil. Vor ein paar Iahren war er in eine dunkle Geschichte ver- wickelt gewesen, hatte zwei Arbeiter, Bater und Sohn, beim Holzdiebstahl getroffen und den Alten niedergeschossen. Er war freigesprochen worden wegen Notwehr. Aber die öffentliche Meinung war gegen ihn. Er ging auch gar zu scharf vor. Allerdings mußte man zugeben, das Hblzstehlen stand hier im Schwange, wie nicht leicht irgendwo anders. Die Herrschaften würden das ja selbst morgen konstatieren, bei ihrem Spaziergang. Im Sraatsforsr natürlich nur. Den zum Rittergut gehörigen Wald ließ man hübsch in Ruhe. Das war das Derdienst Schmundts. Aber, wie gesagt, ein unge- mütlicher Mann. Die Leute hatten einen Spottvers auf ihn gemacht:„Schlau wie ein Fuchs und grob wie'ne Sau, das ist der Förster von Ruprechtsau.' ____,'(Fortsetzung folgt.) losigkeit dem Verkehr gegenüber spottet vor dem Leffingtheater| durch einen Schupobeamten aus seiner Wohnung zwangsweise vor| jeder Beschreibung. Die Straßen treffen in einem spigwinkligen geführt. Er will einen richtigen Baß gehabt haben und in mehreren Wirrwarr aufeinander, jebe Uebersicht ist genommen, jede Möglich Fällen nur bei bringenden Anlässen durch Bermittlung eines gewiffen feit fluchtartiger Rettung versagt. In der Mitte steht wohl ein Gehrmann ein eiliges Bisum durch die Vermittlung von Schulz beRandelaber, aber während hier der Sitz des Wasserschutzes ist, scheint tommen haben. Schulz war damals bei der Auslandspaßftelle tätig. Man hat bei der Haussuchung bei ihm einen Brief des Zeugen die Berkehrspolizei den Schuß vor Autos den Spreemotorbooten gefunden, daß er für die Gefälligkeit etwas gezahlt habe. Schulz überlassen zu wollen. Eine Verkehrspolizei ist tagsüber nicht zu habe nur das Auto erseht erhalten, wenn er ihn spät abends den jehen, und wer nachts nicht im Lessingtheater etwas zu tun hat, pisierten Baß nach Friedenau in feine Wohnung gebracht habe. Der der hütet sich um diese Zeit selbst vor Beobachtung. Man tann faum Sachverständige, Polizeioberinspektor Rrodom erflärte dazu, daß vorübergehen, ohne Menschen in Verwirrung und Lebensgefahr zu er während der 6 Jahre, die er bei der Paßstelle beschäftigt war, erblicken. Bor furzem erlebte man, wie ein Bater von sieben Rin. niemals angerufen worden sei, jemanden feinen Baß in die Wohnung dern tödlich überfahren wurde, eine alte Frau tippelte ängstlich hin zu bringen, wohl aber sei er oft in das Dienstgebäude beordert worden, sogar am Sonntag, wenn es sich um die Erledigung von und her, bis sie die rettende Brüde erreicht hatte und brach dort tot Bässen handelte, für die wirtschaftliche Gile geboten war. Die Ber zufammen. Mühelos ließe sich aus den Unfallsberichten für diesen handlung wurde dann auf Sonnabend früh vertagt. Blaß eine eigene Chronit aufstellen- aber mer befchäftigt sich denn damit? Man darf nicht ungerecht sein, vielleicht trägt man in der Berkehrspolizei schon Material zusammen.... Gehst du weiter, lieber Wanderer, dann kommst du an eine lange Brücke, die für den Wagenverkehr gesperrt ist. Gottlob, denkst du dir und schleichſt doch ängstlich dahin. Lints und rechts find die großen Steinplatten der Fußgängersteige aufrecht als Geländer gestellt, denn die ge waltige Stein- und Eisenbrüstung neigt sich noch gewaltiger und ist zum Teil schon geborsten und eingestürzt. Das dauert nun schon seit vielen, vielen Monaten und, wohlbemerkt: hier ist eine Hauptver kehrsader zum Lehrter Bahnhof, und es ist kein Wunder, daß die Fahrzeuge an der Kronprinzenbrüde Tänze, Wendungen und Sprünge vollführen, die auch einen starfnervigen Menschen mit Bangen erfüllen. Es ist hier schönes, aber auch gefährliches Berlin. Sieh es nicht persönlich an- oder, wenn schon, dann nur im Rino, mo es doch in kurzer Zeit der Allgemeinheit als ganz besonderes Kuriosum gezeigt werde dürfte. Die Barmat- Untersuchung im Rathaus. Ein fommunistischer Reinfall. Gegen die Erhöhung der Hochbahntarife. Keine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Magistrat der Stadt Berlin hat sich am Freitag ausführlich mit der von der Hochbahngesellschaft beabsichtigten Tariferhöhung eingehend beschäftigt und ist zu dem Beschluß gekommen, daß die Stadt Berlin, die ja bekanntlich an der Hochbahn ebenso wie an den anderen Verkehrsunternehmungen beteiligt ist, der geplanten herauffegung der Fahrpreise nicht zustimmen fönne. Ebenso hat das Polizeipräsidium seine 3ufti m mung abgelehnt. Darüber hinaus erfahren wir, daß sowohl die maßgebenden Stellen im Handelsministerium wie auch im Minifterium des Innern ihre Zustimmung versagen werden. auszutommen Dermag. Auch ein Stellenbermittler. Die manns Ada mat. Von dem Rorridor ging eine Tür in den Baden, die eine große Glasscheibe hatte. Adamat und Eichstädt waren verfeindet. Nach einem heftigen Auftritt brütete Eichstädt Rache. Er stiftete feinen Reisenden Willi Ehmer an, bei Adamet einen Einbruch in die Wege zu leiten. Ehmer warb nun eine ganze Bande an. Verabredetermaßen hatte Eichstädt die Haustür in der Nacht, in der der Einbruch stattfinden sollte, offen gelaffen, auch die Koridor. tür zu seiner Wohnung hatte er nur eingeflintt, so daß sie leicht mit dem Dietrich geöffnet werden konnte. In einer Dezembernacht rückte die Einbrechergesellschaft an und hatten auch einen Wagen zur Wegschaffung der Diebesbeute mitgebracht. Unter den gegebenen Umständen war es leicht, in die Wohnung einzudringen. Eichstädt verhielt sich in feiner eigenen Wohnung mäuschenstill, als die Diebe an der Arbeit waren. Diese drückten die Glasscheibe ein, erbrachen dann die Tür zum Lagerraum und schleppten soviel an Vorräten, Margarinetübeln und Raffeefäden hinaus, als der Wagen faffen fonnte. Vorsorglich hatten sie die Signalleitung, dank der ihnen von Eidystädt gegebenen Informationen, durchgeschnitten. Erst nach Jahr und Tag gelang es, das Komplott aufzudecken und Eich städt als die treibende Kraft zu ermitteln. Das Schöffengericht hatte sehr schwere Strafen verhängt. In der Berufungsinstanz billigte das Gericht Eichstädt jedoch trotz der gemeinen Motive, aus denen die Lat entsprungen war, mildernde Umstände zu. Eichstädt hatte fich übrigens nicht bloß mit der Kühlung seiner Rache begnügt, sondern auch seinen Anteil an der Diebesbeute in Anspruch genommen. Des halb wurde er wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die übrigen Beteiligten erhielten Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu 1½ Jahren. Die Molkereiausstellung in Berlin. Seit dem Jahre 1803 hat das Milch- und Maltereigemerbe trok mehr veranstaltet. Inzwischen hat sich in der Gewinnung und feiner großen volkswirtschaftlichen Bedeutung keinerlei Fachmessen den Berwertungsmöglichkeiten der Milch ein durchgreifender Wandel pollzogen. Um dem Landwirt und Kuhhalter einen lleberblid über die neuesten Errungenschaften der Technik, die gerade auf diesem Gebiet aufs engste mit dem Fortschreiten der Wiffenfchaft verknüpft ist, zu geben, haben sich verschiedene Interftellung zu veranstalten. Dank der Unterstüßung der staatlichen und eflentenverbände zusammengetan, um eine fachgewerbliche Ausstädtischen Behörden wird aber die geplante Meffe, die in der Zeit vom 28. februar bis 8. März in der 12 000 Quadratmeter großen Fleischengroshalle, Landsberger Allee 116/117 stattfindet, eine Bedeutung weit über den Rahmen einer Fachmesse hinaus erhalten und in hervorragender Weise auch dem breiten Publitum Intereffeantes zu bieten vermögen. Die einmütige ablehnende Haltung aller in Frage kommenden Stellen gründet sich darauf, daß eine wirtschaftliche a win. gende Notwendigkeit für die Hochbahn nicht besteht, die Tariffchraube anzuziehen. Gleichwohl hat der Magistrat der Stadt Berlin die Hochbahndirektion noch einmal aufgefordert, ihm genaue Unterlagen über den Stand des Unternehmens einzureichen. Der Magiftrat ging ebenso wie andere Stellen bei seinem ablehnen den Beschluß davon aus, daß die wirtschaftliche Lage der Hochbahn eine berartige fei, daß das Unternehmen sehr wohl ohne die Als der sehr ehrenwerte Stadtverordnete Stolt, der sich neuer Fahrpreisermäßigung dings so außerordentlich um die Reinigung der öffentlichen Sitten Wenn die Hochbahn ihre Tarifherauffeßung damit begründet, daß und die Aufrechterhaltung einer guten Moral auch im Rathaus be im verflossenen Jahre die Behälter um 55 Broz. gestiegen feien, jo ist müht, feine ,, Barmat- Enthüllungen" in der Berliner Stadt. dem entgegenzuhalten, daß bei der Straßenbahn und bei der verordnetenversammlung losließ, wurde durch einstimmigen Beschluß Omnibusgesellschaft die Löhne fast um 75 Broz ein Untersuchungsausschuß von 17 Mitgliedern eingesetzt. aufgebeffert worden sind, ohne daß diese Unternehmungen eine Dieser Ausschuß hat gestern getagt und alle Beteiligten ver Fahrpreisermäßigung verlangt ober 3weifel an der weiteren Birt Auf der Ausstellung wird ein fompletter Muft erftall auf. schaftlichkeit der Betriebe ausgesprochen haben. Bielmehr ist es eine nommen. Er hat zum Schluß den kommunistischen Antrag, den in bekannte Tatsache, daß gerade alle Berkehrsunternehmungen im gebaut, der etwa 40 Rasferinder der tierärztlichen Hochschule be Form einer Feststellung die beiden sozialdemokratischen Stadtver verflossenen Jahre außerordentlich gut abgeschloffen, herbergt und in dem sämtliche Neuerungen auf dem Gebiete der ordneten Heitmann und Löwn treffen sollte, abgelehnt und auf daß fie fogar weit über den ursprünglich geplanten Rahmen hinaus vorrichtungen usw. enthält. Die verschiedenen Melt methoden und praktischen Stalleinrichtungen, FütterungsAntrag Dethleffen( Dnatl.) beschlossen, lediglich einen Bericht an Neubeschaffungen und Abschreibungen vornehmen tonnten. das Plenum zu erstatten. Ein Antrag des Boltsparteilers Dr. Tarifpolitit der Hochbahn würde, wenn sie Erfolg hätte, zweifellos von dem primitiven Handbetrieb bis zum pneumathischen Melk. apparat werden praktisch Sundt, festzustellen, daß die von Stolt angepöbelten beiben fozial- auch eine Breiserhöhung bei der Straßenbahn und der Omnibus Brofefforen Bongert und Stang von der tierärztlichen Hoch vorgeführt werden. Borträge der demokratischen Stadtverordneten vollkommen intatt aus diejer Unter- gesellschaft nach sich ziehen und eine allgemeine Herauffchraubung Schule werben im Berein mit einer Anzahl von Filmen die Not fachung hervorgegangen feien, wurde aus dem rein formalen ber Fahrgelber müßte zwangsläufig auf der ganzen Linie zu Lohn Grunbe nicht zur Abstimmung gebracht, weil der Auschuß sich zur forderungen aller Arbeitnehmer führen. Diese wirtschaftlichen Be- wendigkeit und Bedeutung der hygienischen Milchgewinnung und die Abgabe eines Werturteils nicht für befugt hielt. Es war aber fein Mittel zur Erhöhung der Milchleistung der Kühe und zur Erzielung Zweifel, daß eine folche Feststellung jonit einstimmig mit den Stim- ist auch dort der Ansicht, daß die verteuerte Fahrgelegenheit durchaus aus wird mit einer Sonderschau auf der Ausstellung vertreten fein. denken werden auch in den maßgebenden Ministerien geteilt und man besonders vitaminreicher Milch schildern. Das Auguste- Bittoriamen aller Anwesenden, mit Ausnahme des fommunistischen Ver- nicht im Sinne eines Breisabbaus liegt. Da zudem die Wirt Diele wird alles umfaffen, was zur planmäßigen Bflege und freters, erfolgt wäre. Der Berichterstatter ist besonders beauftragt, fchaftslage ber Hochbahn durchaus gefund ist, dürfte dem geplanten Ernährung des Säuglings und Kleinfinbes gehört. f barauf hinzuweisen, daß bie Neuföllner Stadtbant in Angriff auf die jeßige Fahrpreisftaffelung ein Gelingen faum beber Ausstellung wird ferner ein großer Bettbewerb für jeder Weise forrett geleitet fet und torrett gehandelt fchieden sein habe. Für die Deffentlichkeit ist aber folgendes noch von Intereffe: Nach Erledigung der Geschäftsordnungsdebatte au Anfang der fach lichen Beratungen erflärte der Rämmerer: Reine städtische Bant und feine städtische Gesellschaft hat jemals mit den Gebrüdern Barmat oder einer dem Barmat- Konzern angehörenden Gesellschaft Geschäfte gemacht. Mit einer Ausnahme: eine jetzt zum Barmat- Konzern gehörige Gesellschaft hat vor ihrem Eintritt in den Konzern von der Girozentrale einen Kredit von 320 000 Mart erhalten, der durch Goldhypotheten in absolut sicherer Form auch heute noch gebedt ist. Auf die Frage, ob Stadtoebordnete dieses Geschäft empfohlen hätten, erflärte der Kämmerer, daß fein einziger Stadtverordneter weder empfehlend noch mitwirkend dabei beteiligt gewesen sei. Im übrigen aber sei ihm Mitwirkung von Stadtverordneten bei allen Kreditgeschäften der Stadt gerade in der schwersten Zeit städtischer Not außerordentlich willkommen gewesen. Die städtische Wirtschaft hätte sich ohne diese Mitwirkung vielleicht überhaupt nicht aufrecht erhalten laffen fönnen. Hierbei feien Stadtverordnete aller Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Rommunisten, erfreulicherweise bereit gewesen, ihre Kenntnisse über wirtschaftliche Beziehungen in den Dienst der Stadt, b. b. in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Sowohl Kredite der Stadt als auch Anlegegelegenheiten feien fortgefeht durch Stadtverordnete aller Parteien vermittelt worden, und der Kämmerer habe nicht geglaubt, fich die Namen der Vermittelnden jeweils notieren zu müssen. Insbesondere habe der damals noch ehrenamtlich als Stadtrat tätige, jetzige Stadtverordnete Stolt ihn ersucht, falls der Kammerer bei feinen Beziehungen zu den D- Banten auf Schwierigkeiten floßen follte, fich an ihn zu wenden, da er bei seinen Beziehungen zu anderen Finanzinstituten sehr wohl in der Lage wäre, der Stadt andere günstige Kredit- und Anlagemöglichkeifen zu vermitteln. Man kann sich penken, daß gerade diese Feststellungen des Kämmerers mit lebhaftem hört, hört" von den Untersuchungsrichtern der Stadtverordnetenversammlung begrüßt wurden. Eine deutlichere Zurückweisung der widerlichen Heuchelei, mit der die Kommunisten ihre Hehe gegen die Sozialdemokratie betreiben, läßt sich faum denken. Im übrigen fann man nach diesem Ergebnis den Bericht im Plenum der Stadtverordnetenversammlung wohl ruhig abwarten; er wird mit den Berleumdungen der Kommunisten gründlich aufräumen. Auf welche Art und Weise den Arbeitsuchenden, bie mit großer Entbehrung zur Erlangung einer Stellung ersparten Groschen aus der Tasche gezogen werden, fam in der Berhandlung gegen den gewerbsmäßigen Stellenvermittler Heinrich Kreutner, Berlin, Hannoversche Str. 2, vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte zum AusKreutner unterhält eine Informationsabteilung sowie den Berlag von Chauffeurnachrichten des Reichswirtschaftsbundes der Kraftfahrzeugbefizer. In den Zeitungen erließ er fol gende Annonce: brud. Autobegleiter, Stellungen allerorts, Gelegenheit Autofahren kostenlos erlernen, Gehalt, Verpflegung, fpäter Führerschein durch Informationsabteilung, Chauffeurnachrichten, Autobefizer. Reichswirtschaftsbund, Berlin NW 6. Freiprospett, Rüdporto. Auf diese Annonce meldete sich eine ganze Anzahl Arbeitsuchender. Sie wurden aufgefordert, 6 Mart einpusenden und erhielten dafür ein wertlofes Informationsblatt, aber feine Stellung, worauf es in der Hauptsache doch anfam. Die andauernd einlaufenden Beschwerden beim Lanebesarbeitsamt Mitte, sowie bei anderen Behörden gaben Beranlassung, gegen Kreutner vorzugehen. In der Berhandlung tam zum Ausdruck, daß durch dieses Borgehen Kreut ners fast in allen Teilen Deutschlands diese Aermsten der Armen geprellt wurden. Die in den Annoncenliften des Herrn Kreutner aufgeführten Stellen erwiefen sich auch als wertlos, da sie schon zum größten Teil längere Zeit befeht waren, wenn der Bewerber fich dorthin mandie. In dem besonderen Falle eines Chauffeurs wurde erwiesen, daß der betreffende Arbeitgeber dem Kreutner gar feinen Auftrag übergeben hatte. Kreutner wurde wegen fort gesetzten Betruges zu 500 mt, megen Bergehen in zwei weiteren Fällen zu 50 mt. und 20 mt., insgesamt 570 Mark Geld ftrafe verurteilt. Einbruch auf Bestellung. Auf nicht alltägliche Beweggründe war ein Einbruch zurüd. zuführen, der in der Berufungsinstanz das Landgericht I beschäftigte. Aus Rache gegen seinen Feind hatte der Kaufmann Alfons Eich städt eine Einbrecherbande zusammengestellt, um seinem Gegner Schaden zuzufügen und ihn zur Pleite zu bringen. Eichstäbt wohnte in der Simplonstraße 37. Neben seiner Wohnung, nur durch einen in der Simplonstraße 37. Neben seiner Wohnung, nur durch einen Sorridor getrennt, befand sich das Lebensmittelgroßgeschäft des KaufDas Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 21. Februar. Milch und Rafeerzeugnisse stattfinden, für den seitens der Behörden eine große Anzahl von Medaillen und Ehrendiplomen zur Berfügung gestellt worden sind. Abgesehen von der tierärztlichen Hochschule und dem Augusta Bittoria Haus find an der Ausftellung u. a. noch das Haupternährungsamt und das Hauptgefundheitsamt der Stadt Berlin, bas Pestalozziröbelhaus, die Landwirtschaftstammer von Berlin und Brandenburg sowie das Reichsernährungsministe rium beteiligt. Sittlichkeitsprozeß gegen eine Lehrerin. Vor dem Schöffengericht Pantom wurde gestern gegen die 53jährige Lehrerin Helene St. aus Niederschönhausen verhandelt, die angeflagt war, den 14jährigen Dito D. zu unfittlichen Hand lungen verleitet zu haben. Der medizinische Sachverständige, Dr. Magnus Hirschfeld, bezeichnete die Angeflagte als eine physisch und psychisch infantile Persönlichkeit und sprach sich für die äußerst verminderte Zurechnungsfähigkeit aus. Auch der Staatsanwalt ließ mildernde Umstände gelien und erklärte fogar, daß die Angeklagte den Eindruck mache, als gehöre sie eigentlich vor das Jugendgericht. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Niemann versuchte den Nachweis zu führen, daß der Junge vor den unter Anklage stehenden Handlungen schon das 14. Lebensjahr erreicht hatte, und daß die Angeflagte zu ihm nicht im Verhältnis einer Lehrerin gestanden habe. Das Gericht erkannte in feinem Urteil an, daß es sich in diesem Falle um eine Persönlichkeit handele, die auf einer findlichen Entwicklungsstufe stehengeblieben sei. Das Urteil lautete auf acht Monate Gefängnis unter Anrechnung von sechs Wochen Untersuchungshaft und Zubilligung einer Bewährungsfrist nach Berbüßung weiterer sechs Wochen Gefängnis. Die Berurteilte verzichtete auf Berufung. Schwere Anschuldigungen gegen einen Lehrer. gestern durch eine Berhandlung vor dem Botsdamer Amtsgericht auf Geradezu unmenschlichen Züchtigungen an Schülern scheint man Die Spur gekommen zu sein. Weil er seine beiden sieben- und acht. jährigen Söhne, Hans und Alfred, dem Schulunterricht in der Schule zu Safrom mehrere Male ferngehalten hat, erhielt der Arbeiter Betau aus Satrom eine Strafverfügung, gegen die er vor dem Botsdamer Gericht Entscheidung forderte. Der Angeklagte, der eine franke Frau und eine zahlreiche Kinderschar besitzt, erzählt mi: Tränen in den Augen, daß er seine Jungen deswegen nicht zur Schule im November geschickt habe, weil sie von dem Lehrer Sasze trant geschlagen worden feien. Die Körper der Knaben sollen nach den Angaben des Baters braun und blau von Schlägen und mit Striemen überdeckt gewesen sein nicht genug damit, waren die Ohrmuscheln der Kinder, Lippen und Gesicht manch mal did aufgelaufen, da der Lehrer mit Stod und Fäusten wahllos auf die Kinder eingeschlagen haben soll. Es tam so weit, daß eines der Kinder aus der Schule ausrüdte und jammernd durch Sakrom lief. Als Zeugen waren sowohl der betreffende Lehrer als auch die beiden Knaben geladen. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Westphal, nahm die Knaben zu sich auf das Richterpodium und unter. hielt sich in väterlicher Weise erst harmlos mit ihnen über dies und jenes. Die Kinder sprangen zutraulich um den Richter herum und Die Vorgänge bei der Paßftelle Tiergarten. In dem Prozeß wegen der Vorgänge bei der Paßstelle Tier garten fonnte durch Teilgeständnisse der Beamten die Beweisauf nahme wesentlich eingeschränkt werden. Das Gericht wird sich morgen erst schlüffig werden, ob die Borführung des Regierungsrats Bartels notwendig sein wird. Auch der Angeklagte Feldmann, der übrigens gegenwärtig eine ihm in Ostpreußen megen Urfumden fälschung zudiftierte Zuchthausstrafe verbüßt, gab zu, daß er gefündigt habe und wisse, daß er seine Verfehlungen zu büßen hätte. Er müsse aber bestreiten, daß er die Beamten bestochen habe. Der Vorfizende hält dem Angeklagten vor, daß sein Geschäft sehr geblüht habe, er habe 3 möblierte Zimmer am Kurfürstendamm bewohnt und auf großem Fuße gelebt. Kriminalfommiffar Gennat erklärt auf Befragen der Verteidigung, daß er nicht glaube, daß die Beamten große Vergütungen bekommen haben. Landgerichtsdirektor Dr. Leh- abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Hochschulkurse). 7 Uhr erzählten dann, wie sehr der Lehrer fie immer und immer mann verweist dem gegenüber darauf, daß Feldmann meistens 12 Dollar für jeden Baß bekommen habe. Das fei zu der damaligen Zeit ein so großer Betrag gewesen, daß man halb Berlin auftaufen Ponnte. Andererseits hätten damals die Beamtengehälter nicht mehr als 30 Goldmart ausgemacht. Zeuge Gennat gibt zu, daß die Be amten, wenn sie zu den Paßstellen kamen, bald wirtschaftlich beffer gestanden und fit häufig zur Wehr gesetzt hätten, wenn sie von der Baßstelle versetzt werden sollten. Es wurden dann mehrere Einzelfälle erörtert. Ein Zeuge befundete, daß er einen Auslandspaß brauchte, weil ihm sein Baß infolge unerlaubter Ausfuhr abgenommen worden war. Im Viktoriacafé habe er einen Unbekannten tennen gelernt, der ihm versprach, gegen 5 Dollar einen neuen Baß zu perfchaffen. Er habe nur nötig gehabt feine Photographie auszu händigen und nach 2 Tagen schon sei er im Besitz des Baffes gewefen. Intereffanter war der nächste Fall, bei dem es sich um einen Aus: länder handelte, der in Berlin angeblich als Vertreter einer amerika nischen Firma Handelsgeschäfte betrieb. Der Zeuge war zu der borigen Sitzung nicht erschienen und wurde in eine Strafe von 100 Mart genommen, außerdem wurde er auf Beschluß des Gerichts Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Sprachunterricht: Direktor Jul. Glück: Esperanto". 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle), 6.40 Uhr abends: Vortrag Dr. v. Walck: Biochemie und Vitamine"( Einleitende Worte: Sanitätsrat Dr. Frank). 7-7.55 Uhr abonds: Dr. Franz Leppmann:" Dentsche Lyrik von Hölderlin bis Werfel 1. Vortrag. Hölderlin, Novalis, Brentano". 7.35 Uhr der Familienmitglieder schienen fo echt und wahr, daß das Gericht abends: Dr. Gustav Leithäuser:", Ueber die Empfangstechnik der von einer Bernehmung des Lehrers abjah, die Sache ausfeßte und drahtlosen Telegraphie und Telephonie". 8.30 Uhr abends: die Atten fofort der Staatsanwaltschaft überweisen ließ, damit biefe Balladenabend. 1. Aus dem Persischen von Ad. Friedr. v. Schack: gegen den Lehrer Saize wegen gefährlicher Körper. a) Die Königstochter Tehmime und Rustem, der Held, Abdul verlegung die nötigen Schritte unternehmen kann. Kasim Mansur, gen. Firdusi( 940-1020). b) Die Geschichte des Sängers Barbud, e) Die Piraten( Serbisches Volkslied aus Gerhards Wila")( Ralf Ebersperg, Rezitation). ( Kopisch) Löwe, b) Tom der Reimer( Fontane) Löwe, c) Prinz 2. a) Der Nöck Eugen( Freiligrath) Löwe( Kammersänger Cornelis Bronsgeest). 3. a) Die Madonna der Ehe. A. de Nora, b) Die Madonna des Zuchthauses. A. de Nora( Ralf Ebersperg). 4. a) Der Mohren fürst auf der Messe( Freiligrath) Lowe, b) Der seltene Beter( Fitzan) Bronsgeest, Bariton). 5. a) Der Teufel und die Musikanten, BusseLöwe, c) Graf Eberstein( Uhland) Löwe( Kammersänger Cornelis Palma, b) Des hl. Antonius Fischpredigt, Abraham a Santa Clara ( 1642-1709)( Ralf Ebersperg). Am Flügel: Clemens Schmalstich. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tansmusik Die halbierte Droichte. Gegen 1 Uhr nachts wurde an der Ede der Liegenburger und Faianenstraße in Charlottenburg die Pferdebrofchte Nr. 31 dur ein Brivatauto angefabren. Der Bufammenstoß war derart start, daß die Droichte in der Mitte auseinanderbrach. Der Suticher stürzte vom Bock und das Pferd fam zu Fall, doch sind beide unverfehrt davongekommen. Der rajte babon, doch war bereits die Nummer feines Wagens erkannt, fuldige Chauffeur blendete zwar das Erkennungszeichen ab und fo baß er zur Berantwortung gezogen werden kann. Der Borbereitungsunterricht in der Schule Naglerftr. 3( für die Jugendweihen im Großen Schauspielhaus) ift von Donnerstags auf Sonnabends berichoben morben und findet jeben Sonnabend von 3-5 Uhr im Simmer 9 Fait Einbruch bei einem persischen Ronfulatssekretär. Bon Sonntag Rachmittage- Einbrechern" wurde der Koniulats. jefretär Pal Gableng, der in einem Benfionat am Kurfürstendamm wohnt, heimgesucht. Der Sekretär ging am vergangenen Sonntag nachmittag um 4 1hr mit seiner Gattin aus. Als das Ehepaar um 8 Uhr abends heimlehrte, entdeckte es alsbald, daß Einbrecher in der Zwischenzeit dagewefen waren. Sie hatten un bemerkt die Tür zu den Wohnräumen aufgeschlossen, aus einem Schrant mehrere Bullanfibrefoffer, die verschlossen waren, herausgenommen, mit einem Meffer aufgeschnitten und ihres Inhaltes beraubt. Den Verbrechern, die unbemerkt wieder enifommen waren, fielen für 8000 Mart Somudiaden Kleidungsstüde in die Hände. Für die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes ist eine hohe Belohnung ausgelegt Mitteilungen an Kriminaloberinfpettor 9ennat im gimmer 105 des Polizeipräsidiums. und Der Sturz der Regierung Marx. Stürmischer Verlauf der Landtagsfizung. In der Sigung des Landtags, über die wir bereits im Abendblatt berichteten, wurde die Besprechung der Regierungserklärung fortgesetzt. Der Abg. Riedel( Dem.) schloß seine scharfe Rede gegen die Rechte mit folgenden Ausführungen: Die wahren Gegner des Mittelstandes feien nicht in der Mitte, sondern rechts zu suchen!( Ankommunisten weiter stärten und die Gegensäge weiter haltende Unterbrechungen rechts.) Wahlen würden nur die verschärfen. Wer die Regierung stürzen wolle, ohne ihre Taten abzuwarten, trage die Berantwortung gegenüber der Geschichte und mache fich zum Helfershelfer der Schuldigen an unserer Not.( Lebhafter Beifall in der Mitte, Gegenfundgebungen rechts.) Schaufrisieren. Im Anschluß an die vom Berufsamt Berlin- West( VerAbg. Biester( Wirtsch. Bereinig., D.- Hann.): Das Brogramm waltungsbezirte Charlottenburg, Spandau und Ziergarten) veranstalteten beruisfundlichen Vorträge findet in den Feitfälen und im Märkischen Saal Marg ist ja sehr schön, aber um so weniger schön ist die Zusammendes Charlottenburger Rathauses in der Beit vom 22. Februarlegung des Kabinetts; bei einer solchen Zusammenseßung ist das bis 8. März eine Ausstellung von 2ebrlingsarbeiten statt. schöne Programm gar nicht durchführbar. Die Ausstellung wird am Sonntag, den 22. Februar, vormittags 11 Uhr, eröffnet. Am Sonntag, den 1. März, nachmittags 3 Uhr, findet ein Schau frisieren statt. Die beiten Arbeiten werden prämiert. Der Besuch der Veranstaltungen ist fostenlos. Kon er des Leipziger Gewandhausquartetts. Am Freitag, den 27. Fe bruar, gibt das Leipziger Gewandhausquartett, das vor furzem von einer sehr erfolgreichen Konzertreise durch 16 spanische Städte zurückgefehrt ist, in der Singatademie ein Konzert für die Deutsche Rotbilie. Das befannte Quartett bat seit einem Jahr nicht in Berlin gespielt. Der Kartenverkauf hat begonnen. Die Juristische Sprechstunde fällt heute( Sonnabend) aus. Parteinachrichten Einsendungen für diese Nubri! find Berlin B. 68. Lindenstraße 3, flets an bas Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten Abg. Wulle( Nat.- S03.): Heute tommt alles auf die Personen der Staatslenter an. Herr Marg gehört einer Partei an, die der Entwidlung Preußens stets ablehnend gegenübergeftanden hat.( 3uftimmung rechts; stürmischer Widerspruch und Aufruhr im Zentrum.) Der jezige Ministerpräsident Marg hat Aeußerungen getan, die von Haß gegen die Entwicklung Preußens zeugen( Lärm im Zentrum) und noch mehr spricht dieser Haß aus den Worten des Zentrumsfozialisten Schwering. In Weimar hat man das alte Preußen zerschlagen.( Andauernde Unruhe und Zurufe im Zentrum.) Unter ungeheurem minutenlangen Geschrei und Gejohle der Rechten und der Kommunisten besteigt darauf die Tribüne Abg. Heilmann( Soz.) Jedesmal, wenn Heilmann zu reden beginnt, übertönen 150 Kehlen durch unartikuliertes Gebrüll seine Stimme. für Groß- Berlin Nachdem sich dieses Schauspiel fünf- oder sechsmal wiederholt hat, hebt Präsident Bartels die Sitzung auf für die Dauer einer Viertelstunde. In der Pause ließ der Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten die deutschnationale Fraffion wissen, daß Heilmann von feiner Fraktion ein stimmig als Redner bestimmt wurde und daß fie jede weitere Obstruktion seitens der Deutschnationalen als eine Beleidigung und Herausforderung der gesamten fozialdemokratischen Fraktion auffaffen und vergelten müßte. Es wurde den Deulichnationalen offiziell mitgeteilt, daß, wenn Heilmann nicht feine Rede in der nächsten Sihung würde halten fönnen, niemals wieder ein deutschnationaler Redner im Landtag zu Worte kommen würde; die fozialdemokratische Fraktion würde dies mit allen Mitteln zu verhindern wissen. 9. Arcis Wilmersdorf. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Sonntag, den 22. Februar, nachmittags 5 Uhr, Bunter Abend" in Schmargendorf, Goethe- Luzeum, Spandauer Str. Fahrgelegenheit: Linien 191, 57, 76, 176, Die Parteigenossen werden gebeten, fich zu beteiligen. Abteilungsleiter: Die Karten für den„ Republikanischen Abend" bei Krais abholen. 43. Abt. Heute, Sonnabend, den 21. Februar: Die Bezirksführer werden gebeten, am Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, bei Wolf die Sanbaettel für die Mitgliederversammlung abzuholen. Betershagen. 8 Uhr in Lofal Aultowski, Sennidendorfer Straße, Monatsver fammlung. Bortrag des Genossen Wissell: Unfere Gegenwartspoliti". Disfuffion. Berschiedenes. Freunde und Anhänger als Gäfte willkommen. Morgen, Sonntag, den 22. Februar: 8. Abt. Die Abteilung beteiligt sich am Bunten Abend" im Moabiter Ge. fellschaftshaus, Wiclefftr. 23. 40. Abt. Bormittags 10 Uhr. Funktionärversammlung bei Reufner. Sagel. Radaufzenen ruhiger verhalten hatten, fagten gleichfalls zu, daß fie berger Str. 20a. 101. Ast, Treptow. Ru der Borwärtsagitation am Sonntag müffen alle Genoffen am Sonntag früh um 9 Uhr in der Spedition erscheinen. Die Beairksführer Taben ein. 125. Abt. Weißenfee. Die Jugendgruppe veranstaltet am Sonntag, den 22. Februar, im Jugendheim Noelde, Ede Charlottenburger Straße, einen Elternabend, zu dem alle Bartelgenossen eingeladen find. Jungsozialisten. Gruppe Mitte: Sonntag Wanderung mit der Arbeiterjugend Rofenthaler Vorstadt. Treffpunkt 8 Uhr Stettiner Borortbahnhof. Gruppen Friedrichshain und Süden: Gruppenfahrt nach Tiefensee. Treffpuntt 84 Uhr Briesener Bahnhof. Gruppe Neukölln: Ausspracheabend mit Maria Sodann und Frans Offerroth, 8 Uhr, Baraden, Ganghoferite. 6. Jungjozialisten. Montag, den 23. Februar, 8 Uhr, im Breußischen Zandtag spricht Genoffe Dr. Bade über„ Berfaffungsrechtliche Grundlagen der preußischen RegierungsFrife". Alle Gruppen beteiligen sich geschlossen daran. Borher, 7 Uhr, Rreisvertreterversammlung, Sebe Gruppe entfendet zwei Bertreter. 146 Uhr Arbeitsausschussigung ebenda. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Gefäftsstelle: Berlin G 14. Cebaftianste. 37/38. Sof 2 Tr. Kamerabschaft Prenzlauer Berg: Fahrkartenausgabe für Magdeburg Sonntag, den 22. Febrar, früh 5.50 Uhr, Brenzlauer Tor. Kameradschaft Steglig: Die Magdeburg- Fahrer, die nicht für Sonnabend ein setellt find, treten Gonntag, den 22. februar, früh 6 Uhr, Bahnhof Steglit an. Kameradschaft Tiergarten: Gonntag, den 22. Februar, frith 8% Uhr, treffen fich die Kameraden zur Beranstaltung im Friedrichshain an der Sei Tandstirde im Aleinen Tiergarten. Kameradschaft. Wilmersdorf: Die Kame. raben, die nicht nach Magdeburg fahren, treffen fich Sonntag, den 22. Februar, früh 9 Uhr, am Fehrbelliner Plak zur Teilnahme an der Gründungs feier der Berliner Kameradschaften im Saalbau Friedrichshain. Eintritts farten find bei den Zugführern zu haben. Diese Karten find auch in weiteren republikanischen Kreifen möglichst zahlreich abzusehen. Freireligiöse Gemeinde. Gonntag vormittag 11 Uhr, Pappetalfee 15, Bor trag des Serrn Dr. K. Sturm: Die Echule der werdenden Gefellfchaft". Harmonium: Aus„ Der Freischüt"( Weber). Gäste willkommen. Arbeitersport. Berliner Arbeiter Schachtub, Abt. Charlottenburg, veranstaltet am Sonntag, den 22. februar, nadmittags 3 Uhr, einen Bettbampf an 80 Brettern mit Spandau und Staaten im Bereinslofa! von Gottschalt, Bismarditr. 57, Efe Raifer- Friedrich- Straße. D felbe Abteilung hat am Freitag, den 27. Fe bruar, im Lobal von Schäfer, Helmholtstr. 34, abends 8 Uhr, ihren Werbeabend. Borttaa am Wandbrett, Simultanspiel und andere schachliche Beranstaltungen finden statt. Freunde und Gäste find herzlich willkommen. Stellverband Wedding, 3. Bezirk. Am Montag, den 23. Februar, abends 28 Uhr, findet im Ledigenheim Schönstedtstraße, Rimmer 19, eine Startellſkung tatt ein Berein und lebe Abteilung muß vertreten fein: befonders folgende Bereine: Schachklub Norden, Sch.-B. Borwärts, Mufit. verein Norden, Sp.-kl. Walhalla, E.-B. Gesundbrunnen und Wedding. Fichte 2. Jungmädchenabt. und 2. Mädchenabt. Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis( Broving Brandenburg). Streis ratsfizung am 22. februar, vormittags 9 Uhr, im Lotal Butlikitr. 10, mit folgender Tagesordnung: 1. Konstituierung des Kreisrates und feine Aufgaben. 2. Die noch zu erledigenden Arbeiten des Kreistages. 3. Olympiade Frank. firet a. M. 4. Kreisfest 1926. 5. Verschiedenes. Wetter für Berlin und Umgegend. Weitere Abkühlung, Froft, zunächst meist bewölft bei leichten Schneefallen, dann aufbeiterna. Für Deutschland. Fast überall Frost, leichte Schneefälle, besonders im Osten wollig, stellen weise husheiternd. GOOD 24 Darauf hin traten die Deutschnationalen zusammen und beschloffen, in der neuen Sigung den Saal zu verlassen. Die Kommunisten, die sich schon während des lehten Teiles der sich an weiteren Obstruktionsversuchen nicht beteiligen würden. Bei Wiedereröffnung der Sizung erklärte Präfident Bartels, es sei das Recht eines jeden Abg- ordneten zu sprechen und er würde gegen diejenigen, die dieses Recht zu verletzen versuchen würden, von allen Mitteln der Geschäftsordnung rüdsichtslos Gebrauch machen. Bei dieser Mitteilung verließen die Deutschnationalen sowie einige Boltsparteiler den Saal, die übrigen Oppositionsparteien verblieben im Plenum. Während der Rede Heilmanns begaben sich etliche Deutschnationale auf die Tribüne des Publikums oder mischten sich unter die Ministerialbeamten hinter der Staatsregierung, andere hörten hinter den Gardinen der Aus gänge zu! Abg. Heilmann( Soz.): Herr Abg. Schlange- Schöningen hat gestern gemeint, es müsse um mich und meine politischen Freunde ein Pesttordon gezogen werden. Er hat sich für dieses Wort auf mein Beispiel be. rufen. Ich lehnte diese Berufung ab. Was ich in frischem Schmerz und jäher Empörung über die brutale infchlachtung eines io hochverdienten und für das Baterland so notwendigen Mannes wie Walter Rathenau gesagt habe, das duldet keinen Vergleich mit dem, was gestern hier falte Affenbosheit mit ruhiger Ueberlegung ausgeftunten hat. Herr Schlange hat gesagt, der Bestkreis der Korruption umfchlinge meine Bartei. Als gestern Herr Kollege Schwering hier sprach, wurden ihm dauernd die Zwischenrufe gemacht: Höfle! Lange- Hegermann! Barmat! Warum sind die Herren nicht so ehrlich, wie Herr Wulle es eben war möchte ich sagen( sehr gut! und Heiterkeit bei den Soz.) und ziehen relativ ehrlich, in diesen Bannkreis auch das Zentrum hinein. Dann wäre es wenigstens deutlich, was sie meinen. Aber meine Damen und Herren, der Herr Abg. Mulle hat verlangt, daß in die lehten Winkel des Korruptionsfumpfes hineingeleuchtet werde, und dieser Aufgabe möchte ich mich mit ein paar Worten unterziehen.( Lärm bei den Kommunisten.) Die Deutschvölkische Bank in Berlin, die Herrn Wulle nicht unbekannt ist, da ihr, Direktor Herr Bruß Empfehlungsschreiben vom Ludendorff und vom Wulle in Besitz hat, ist in Bankerott gegangen, und der Direktor Bruß wird wegen etwa 2000 Betrugsfällen gegenwärtig staatsanwaltschaftlich verfolgt. ( Lebhafte Rufe Hört, hört! bei den Soz.) Ich darf bemerken, daß diefer Herr Bruß auf seinen Geschäftsbriefbogen die Aufschrift führt: Offizielle Bank der deutschvölkischen Freiheitspartei".( Erneute lebhafte Rufe: Hört, hört! bei den Goz.) Ich wende mich zu ernsteren Parteien. Ich habe heute leider nicht die Beit, von gewiffen Korruptionsangelegenheiten zu sprechen, die mit dem Namen des neugewählten Borjihenden der Deutschnationalen Boltspartei, des Grafen Westarp, und mit dem Namen des Herrn Reichsinnenministers Schiele zusammenhängen; aber ich verspreche, sobald ich eine längere Redezeit habe als heute, das gründlich nachzuholen. Hingegen muß ich an die Deutsche Boltspartei die Frage richten, welchen Standpunkt sie jetzt einzunehmen gedenkt, nachdem Herr Dr. Stresemann durch den Mund des Herrn Abg. Dr. Pinkerneil zuerft hat ableugnen lassen, daß er den Sprit- Weber als sein Batenkind in den Reichsklub der Deutschen Bolkspartei eingeführt hat, und nachdem später durch die Erklärung der Frau von Oheimb nicht nur festgestellt worden ist, daß Herr Stresemann in Gemeinschaft von Frau von Dheimb den Sprit- Weber in den dem festgestellt worden ist, daß er dafür vom Sprit- Weber auch Reichsklub der Deutschen Volkspartei eingeführt hat, sondern nachgrößere Geldsummen für Parteizwede erhalten hat( Lebhaftes Hört, hört! b. d. Soz.) Ich frage weiter: Ist Ihnen bekannt, daß die Angabe der Reichsregierung, Dr. Stresemann habe das Empfehlungsschreiben für die Algemeine Depofiten- und Handelsbank für den Millionenschieber Wo I pe nur im guten Glauben an die Zuverlässigkeit seines Ministerkollegen Höfle unterschrieben, unrichtig ist( Hört, hört! bei den Goz.), daß vielmehr Herr Dr. Stresemann persönlich Herrn Wolpe und feinen Rechtsbeistand, dessen Name Löwenthal- Landed ist, wiederholt persönlich empfangen hat,( Hört, hört! bei den Goz.), daß die Herren ihn wiederholt perfönlich über das Goldankaufsgeschäft, das sie zum Schaden des Relches durchgeführt haben, befragt haben?( Hört, hört! bei den Soz.) Ist Ihnen ferner befannt, daß Herr Krassin im Besizz ciues Empfehlungsschreibens ist, das Stresemann zu ge. fchäftlichen Sweden an ihn gerichtet hat, um feinen Freund und Aufsichtsratskollegen, den Ostjuden Litwin, Hezen Kraffin zu Handelsgeschäften zu empfehlen? ( Hört, hört! bei den Soz.) Ist Ihnen bekannt, daß Herr Kraffin sich Zeugen gegenüber, die zur Verfügung stehen, dahin geäußert hat: Wenn Herr Stresemann solche Freunde geschäftlich empfiehlt, dann möchte er wenigstens dafür sorgen, daß sie Rußland nicht wou dyerische und betrügerische Geschäfte anbieten? ( hört, hört! bei den Soz.) Nach diesen Fragen wende ich mich zu einem anderen Gebiete. Der berühmte Millionenschieber Wolpe hat auch einen Sozius gehabt. Diefer Sozius heißt Bittor von Rafowiti und ist Mitglied des Deutschnationalen Klubs in Berlin hört, hört! bei den Soz.) und, wenn ich nicht irre, sogar Borstands mitglied der Deutschen Adelsgenoffenschaft.( hört, hört! b. d. Soz.) Ich habe in meinen Händen einen Vertrag, in dem der Herr Reichsfinanzminister von Schlieben für diesen Herrn von Hafowiti Bürgschaften von je 500 000 mart übernimmt bei der Preußischen Staatsbant, bei der Preußischen Zentralgenoffenschaftskaffe und bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte.( Hört, hört! bei den Soz.) Diejer Kredit geht auf den Namen der Deutschen Beamtengenossenschaftsbant, deren Direktor Herr von Rakowsti wurde, nachdem er von Wolpe aus der Allgemeinen Depojilen- und Handelsbank herausgedrängt worden war. Jetzt ist Herr von Rafowoffi auch von der Deutschen Beamtengenossenschaftsbant wegen Unregelmäßigkeiten entlassen worden.( hört, hört! bei den Soz.) In dieser Bürgfchaft für das Darlehen, die Herr von Schlieben übernommen hat, find als Sicherheit aufgeführt Grundstücke, die dieser Bant gehören, Grundstüde in dem Seebad Ahlbed. Sie find als Sicherheit für den Betrag von 200 000 Goldmart angenommen, obwohl der Herr Reichsfinanziminister von Schlieben wußte, daß diese Grundstücke im Jahre 1922 vom Deutschen Reich an dieselbe Bank für den Preis von 6000 Goldmart verkauft worden sind.( Hört! hört! und große Unruhe im Zentrum und links.) Ich sage Ihnen: Wir sind bereit, in die Korruption hineinzuleuchten bis in die legten Wintei, und mir können den Herren versprechen: Ueber all das werden Untersuchungsausschüsse tagen und nichts von alledem wird unaufgeklärt bleiben. Ein Wort zur Angelegenheit B armat! Ich kann dazu sehr viel erklären: Ich werde abwarten, ob die Barmats etwas moralisch Berwerfliches oder Strafbares begangen haben.( Lachen bei den Komm.) Sollte es der Fall sein, dann haben sie in erster Reihe Ihre Freunde getäuscht; denn eins ist in diesem schwebenden bens) gehandelt haben, und wenn Sie den Beweis dafür haben Verfahren schon festgestellt; daß wir alle optima fide( besten Glau wollen dann, bitte, fragen Sie den Finanzminister Dr. Don Richter.( Sehr gut! im Zentrum, bei den Dem. und bei den So3.) Meine Damen und Herren, die Sozialdemokratische Partei hat gezeigt, daß sie mit den Mitgliedern, die sich etwas Ehrenrühriges haben zu schulden kommen lassen, im Augenblick der Feststellung dieser Tatsachen aufräumt( Sehr richtig! bei den S03.), und die Fraktion hat mich beauftragt, zu erklären, daß mit jedem Mitgliede der Partei, sei es, wer es fei, ebenso verfahren werden wird.( Bravo! bei den Soz. Lachen bei den Komm.) 2ibet Sie können und werden die Sozialdemokratie nicht daza zwingen, auf bloße Beschuldigungen hin irgend jemand zu entehren. ( Sehr richtig! bei den Soz.) In diesem Zusammenhang ein Wort über meinen Parteifreund und persönlichen Freund den Herrn Polizeipräsidenten Richter. Meine Damen und Herren, auch hier bitte ich Sie, in aller Ruhe abzuwarten, bis die Sache ausgetragen ist, und ich tröste mich heute damit, daß, wer 3ulegt lacht, am besten lacht. Gerade im Fall Richter kann ich Ihnen versprechen: es wird teine vier Wochen dauern, bis nachgewiesen ist, daß all die Beschuldigungen eltel Lüge und Befrug gewesen find.( Lachen und Zurufe b. d. Komm.) Was uns hier eigentlich beschäftigen sollte ist die Herstellung einer arbeitsfähigen dauerhaften Regierung für Preußen. ( Sehr richtig! im Zentrum, b. d. Dem. u. b. d. Soz.) Keine Bartei ist davor geschüßt, daß in ihren Reihen sich ein räudiges Schaf einDrei Beispiele unserer Leistungsfähigkeit 1850 HerrenLackhalbschuh, für Gesellschaft und Straße, Orig.- GoodyearWelt 1650 DamenLackhalbschuh, rassige Form, Orig- GoodyearWelt 1450 HerrenSchnürstiefel, echt Rindbox, Orig.- GoodyearWelt Der gute Loene TACK SCHUH Schüffabrit 113 eigene Verkaufsstellen, davon in Groß- Berlin: Somece Tacks SW, Friedrichst.240/ 41 NW, Wilsnacker Str.22 W, Potsdamer Str. 50 W. 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Im Reichstage wurde Liebknecht das Wort entzogen, und er hat seine Beschuldigungen in dvei Artikeln des„ Vorwärts" niedergelegt. Wegen diefer drei Artikel wurde Anflage erhoben, und de Königliche Staatsanwaltshaft am Landgericht I Berlin hat in der Untersuchung über diese Korruptionsbeschuldigungen des Abgeordneten Liebknecht ber für feine Berfon noch befonbers Strafantrag gestellt hat, hat auch feinerseits den Strafandrag zurüd genommen.( hört hört! b. b. Goz.) Zugleich ist dem Staatsanwalt eine Rüge dafür aus gesprochen worden, daß er fein Gutachten schriftlich niedergelegt habe.( hört, hört! und Heiterfeit b. d. Soz. Zuruře b. d. Komm.) Auf politischem Gebiet aber liegt die Sache so. Wie Herr Dr. v. Campe denft, das hat er im Oftober vorigen Jahres hier ausgesprochen.( Sehr richtig! links.) Und meine Herren, durch kein Argument schaffen Sie aus der Welt, daß die Stellung der Deutschen Bolkspartei zur großen Koalifion durch den Einfluß der Kreise eine andere geworden ist, von benen die Deutsche Boltspartei ihr Wahlgeld erhält. ( Sehr gut! links. Unruhe und Zuruse b. d. D. Bp.) Das ist die politische korruption großen Stils, um derentwillen wir jeht Regierungstrife auf Regierungstrife haben.( Sehr richtig! b. d. Soz. Unruhe und Zurufe b d. D. Bp.) und gegen diese Korruption fämpfen wir, diese korruption wollen wir zu Bodenschlagen!( Stürmischer Beifall tints.) 32 Bände Atlen zusammengeschrieben. ( Hort, hört! b. d. Soz.) So geschehen im Jahre 1914! Dann hat die Abg. Kölges( 3.) verwahrt die Zentrumsangehörigen des RheinKönigliche Staatsanwaltschaft am Landgericht I Berlin an das landes gegen die vom Abg. Bulle erhobenen Borwürfe und preußische Gesamtministerium, das den Strafantrag gestellt spricht sodann seine große Befriedigung aus über das dem ge= hatte folgenden Bericht erstattet: Es sei zwar eine direkte Bewerblichen Mittelstand im Programm des Kabinetts Marg erwiesene fichung nur in wenigen Fällen anzunehmen( hört, hört! b. d. Soz.), Entgegenkommen. aber die Untersuchung hätte eine folche Unmenge unlaulerer Beeinfluffungen bei Vergebung namentlich von Professuren und Orden ergeben, daß die Königliche Staatsanwaltschaft dringend widerraten möchte, es zu öffentlichen Gerichtsverhandlungen kommen zu lassen. ( Lebhafte Rufe b. d. Soz.; Hört, hört!) Und wissen Sie, was dann geschehen ist? Dann hat das preußische Staatsministerium unter dem Borsig den Herrn v. Bethmann Holweg beschlossen, den Straf antrag zurückzunehmen. Der Kultusminister v. Trott zu Solz Abg. Dr. Pinkerneil( DVp.): Herr Heilmann hat den Sprit meber als Protégé vom früheren Reichskanzler Stresemann vorgeführt. Herr Heilmann erklärt den Ursprung der Schwenkung der Deutschen Boltspartei aus den von ihr empfangenen Wahigeidern. ( Andauernde Unruhe.) Wir haben niemals in der Politik eine Schwenkung vorgenommen.( Stürmisches Gelächter in der Mitte und fints.) Wir haben uns vorgefeht, den Einfluß der Revolution zu brech'n( Aha! und allgemeine Bewegung), und der 7. Dezember hat uns Recht gegeben. Abg Schlange( Dnat.) lehnt eine Belehrung des Zentrums. abgeordneten Schwering, deffen Rede völlig unqualifizierbar gewesen fei, ab. Die neue Regierung muß mehr eine Regierung der Reinigung als der Einigung sein.( Lebh. Beif. rechts.) Abg. Ladendorff( Wisch. Bgg.): Die Korruptions. zustände im Zentrum linken zum Himmel Benn das Zentruan sich nicht wohl befindet, dann rate ich Ihnen: Gehen Sie aus der Koalition raus. Abg. Dr. Körner( Nat. S03.) mit Heilrufen begrüßt an anderen Parteien. bes ftreitet dem demokratischen Abg. Riedel das Recht, zur Kritik Abg. Koch( Dnat.) wendet sich gleichfalls gegen den Abg. Riedel, der nicht ernst zu nehmen sei. Abg. Kuffner( S03.) wendet sich in persönlicher Bemerkung gegen den Abg. Wulle. Dieser habe seine jüdischen Redaktions follegen in den Krieg ziehen lassen, sei aber selber daheim geblieben. Damit ist die Aussprache beendet. Es folgt die Abstimmung über den Antrag der Regierungsparteien: „ Der Landtag billigt die Regierungserflärung und spricht dem Staatsministerium das Vertrauen aus". Bei der namentlichen Abstimmung werden 439 Karten abgegeben. Die Mehrheit beträgt also 220, auf 3 a laufen 218, auf ein 221. gelehnt. Damit ist also das Vertrauensvofum für das Kabinett abMinisterpräsident Marg erhebt sich sofort und erklärt angesichts des Ergebnisses der Abstimmung für sich und sämtliche Minister den Rücktritt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag, den 3. März: Besprechung Don Anträgen zum Dortmunder Grubenunglüd.- Schluß 4.35 Uhr. 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Die Denkschrift läßt die Unsicherheit der Regierung erkennen, die gegen das Etatsrecht gehandelt hat. Die Reichsregierung hat sich auf eine Vereinbarung mit den Ruhr industriellen eingelaffen, weil zwei Juristen der Ruhrindustrie ein Gutachten ausgearbeitet hatten, wonach die Entschädigungen noch viel höher sein müßten. So behauptet die Regierung noch sparsam gewesen zu sein! Es handelt sich um eine Erpressung der Ruhrindustriellen gegen die Reichsregierung. Diese Ruhrindustriellen, die als patriotische Helden gefeiert werden, waren zu allererst bereit, den paffiven Widerstand zu durchbrechen und die Kohlen an Frankreich weiterzuliefern, wenn fie fie nur bezahlt bekommen. Stinnes hat in feinem verbrecherischen hochverräterischen Brief der Regierung die Pistole auf die Brust gefeßt: Entweder zahle die Millionen für unsere Betriebe oder wir geben das Rheinland preis! Wir kommunisten wollen die Arbeiter in den Stand jezen, die Betriebe felbst zu übernehmen. Die SozialdemoPratic ift forrumpiert von Bebei zu Barmat. Die Sozialdemokratie ist mitverantwortlich für die Regierung, die die Ruhrentschädigungen gezahlt hat, und heute stimmt sie im Landtag wieder für ihr Juwel, für die Marg- Regierung. Die Sozialdemofraten scheuen nicht zurück vor Landesverrat, Hochverrat und fonstigen Berbrechen, wenn sie nur unsere Leute beseitigen tönnen. Die sozialdemokratischen Minister sind mitverantwortlich für die Ruhrentschädigungen, da fie darum gemußt haben, ober menn fie es nicht gewußt haben, dann sind sie Efel ( Heiterfeit.) Warum stürzen denn die Sozialdemo fraten nicht diese Regierung Luther? Ihr( zu den Goizaldemokraten) brüllt wie die Löwen und seid zahm wie die Schafe. Wir begnügen uns nicht mit einem Untersuchungsausschuß, mir werden die Maffen draußen aufpeitschen.( Lärm.) Wir verlangen eine fiebenstündige Schicht im Bergbau, eine Erhöhung der Löhne auf die Höhe der Abgeordnetendiäten.( Seiterfeit.) Wir verlangen die Beschlagnahme des Bermögens des Hochperräters Stinnes und deffen Ueberführung in die Hände der Arbeiter. Wir verlangen An flage gegen Luther, Stresemann, Marg, Sollmann, Robert Schmidt! Ins Suchthaus gehören nicht die Kommunisten, sondern gehört diese Zuchthausregierung.( Bizepräsident Dr. Rießer erieilt einen Orb nungsruf. Ruf rechts: Sie gehören in eine Kaltwasserbehandlung. Heiterfeit.) Abg. Dietrich- Baden( Dem.) erklärt, daß nach dem Ruhrkampf wohl niemand geahnt habe, daß es jezt noch ein solches Nachspiel geben würde. In der Denkschrift werde von den Summen, die der Ruhrindustrie durch die Lohuficherung und auf anderen Wegen geflossen find, nichts gesagt. Es besteht fein Zweifel, daß das Ruhr gebiet in einem gewissen Umfange entschädigt werden müßte. Die entscheidende Frage war damals: Wie werden Rhein und Ruhr er han? Wie diefe hochpolitische Frage in dem Briefwefel mit Stinnes behandelt wird, ist bedenklich. Wir wollen aber hier feine Borwürfe erheben und das Urteil der Zukunft imb Geschichtsschreibung überlassen. Bei der Berechnung der Prelfe hat sich der damalige Finanzminister Dr. Luther zu sehr von den 3ntereffenten beraten laffen. Der Redner verweist darauf, daß man Arbeiter, Angestellte und Beamte unter Hinweis auf die hohen Micum- Lasten dauernd in den Löhnen gedrüdt und nr Mehrarbeit ange feuert habe. Diese Abwälzung der Micum Lasten auf Arbeiter, Angestellte und Beamte sei in der Dentschrift völlig unberüdsichtigt geblieben, ebenso die Abwälzung auf die Berbraucher. 3weifellos find große Summen zu Unrecht an die Ruhrinduftriellen gezahlt worden.( Lebhafte Zustimmung links.) Der Redner erinnert weiter an die geringe Entschädigung der Auslandsdeutschen. Pflicht des Untersuchungsausschusses fei es, die zuviel an die Ruhrindustrie gezahlten Summen abzuschäßen und ihre Rüdzahlung zu erreichen.( Buftimmung links.) Sweifellos find auch wesentliche Kredite von der Ruhrindustrie in Anspruch genommen worden, die dann im wertlosen Bapier zurüdgezahlt wurden. Unter Berüdfichtigung der Infla fionsgewinne würde sich das in der Dentschrift gegebene Bilb erheblich ändern. Merkwürdig fei die Begründung der Regierung, daß es leichter fei, die Großen zu befriedigen als die Kleinen. Die Bevorzugung der mittleren und fleineren Betriebe gegenüber der Großindustrie ist unerhört.( hört, hört! links. Buruf des Abg. Roch( Dnat.): Ihr seid ja selbst dabei gewesen, wartim habt Ihr früher nichts dagegen getan?) Die Eile, mit der die Zahlungen erfolgten, läßt sich nur damit erklären, daß die Regierung fürchtete, angesichts der Notlage des Boltes vor den Reichs: Tag zu treten. Trog des Daniederliegens der Wirtschaft haben die Ruhrindustriellen ihre Betriebe aufrechterhalten fönnen. Da glaubt fein Mensch, daß sie vor dem Zusammenbruch standen. Eventuell hätte man ihnen Kredite geben tönnen, anstatt das ganze Geld hinauszuwerfen. Ueber die Indemnität werben wir im Ausschuß unterhalten. Benn schon aufgeräumt werden muß, muß nicht nur mit Barmat, sondern auch mit den RuhrPrebiten aufgeräumt werden. Aufgeklärt werben muß auch, ob und was der preußische Staat bekommen hat, der doch auch Grubenbefizer ist. Das Bolt fann nicht neben den hohen Steuern auch noch fiebenhundert Millionen an die Ruhrindustrie zahlen. ( Sehr richtig! b. d. Dem.) Diese Sache fann innerhalb des Volkes fchlimme Folgen haben.( 3wischenrufe rechts.) An Rationalgefühl nehmen wir es mit jedem auf.( Lebh. Beifall b. d. Dem.) Wir müssen darauf bestehen, daß das Reich verfaffungsmäßig verwaltet wird. Bir beantragen deshalb auch die Einiegung des Untersuchungsausschusses. Was den Ruhrindufiriellen versprochen ist, muß ihnen gegeben werden, aber nicht mehr, und namentlich nicht bevor die kleinen auch entschädigt find. Wir können nicht zulaffen, daß die Reparationsfrage zum Gewinn für großtapitalistische Unternehmungen wird.( Bebh. Beifall b. d. Dem.) Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Ich bitte Sie, fich die Situation zu pergegenwärtigen, als bas erite Greiben des Herrn Stinnes an mich als Reichetangler tant 2m 25. September wurde die Aufgabe bes passiven Widerstandes beschlossen. Es entstand für uns die Frage, wie wir angesichts der abfichtlich bilatorischen Behandlung ber Reparationsfrage durch Poincaré für diejenigen forgen tönnten, die getreu den Anforde rungen des Reiches und Breußen, die Werke ftillgelegt und die Arbeit niedergelegt hatten. In diefer Zeit, taum 14 Tage nach der Aufgabe des passiven Widerstandes, tam der erste Brief von Stinnes vom 7. Oftober. Die Herren der Ruhrindustrie haben uns erklärt, ste übernehmen die Berantwortung für die BerhandLungen, fie werfen aber gleichzeitig die Frage auf, wenn von franzöfifcher Seite Forderungen geftelli würden megen Nachzahlung ber Sohlensteuer um, wie bann wir als Reichsregierung bazu ständen. daß Here Sfinnes die Hilfe des franzöfifchen Generals gegen den Achtstundentag angerufen hat. Die Stellungnahme der Reichsregierung hat, darin| Berhandlungen an sich haben jo große Aufmerksamkeit erregt, fonhat der Abg. Her recht, verschiedene Phasen gehabt. Es dern die Tatsache, ist auf den Widerspruch der ersten Antwort an Stinnes und dem Kabinettsbeschluß vom 20. Oftober hingewiesen worden, aber Herr Herz wird es verständlich finden, wenn er sich vor Augen führt, daß bei diesen ganzen Fragen doch auch der Gesamtkomplex der außenpolitischen Lage mit hineinspielte. Am 8. Oktober waren wir noch der Meinung, daß es zu einer Vereinbarung tommen fönnte, die uns diese unerhörten Laften nicht auflegen mürde. Der Borwärts" behauptet ferner, daß die sozialdemo. fratischen Minister im Reichsfabinett nicht informiert worden feien. Selbstverständlich ist das ganze Kabinett in Kenntnis über die erste Anregung des Herrn Stinnes gewesen, die er nicht als Brivatmann, sondern als Vertreter der Sechserfommission machte, als er die Regierung fragte, ob sie mit der Führung der Berhandlungen durch die Sechserfommission einverstanden sei. Die Regierung erklärte das Einverständnis unter der Voraussetzung, daß allen Firmen der Beitritt zur Sechserfommission freistände und niemand ausgeschlossen werde. Am 20. Ottober trat bas Rabinett zu einer Sigung zusammen, die ich als die ent cheidende bezeichnen möchte. In der damaligen Zeit war die Inganghaltung der Industrie im Ruhrgebiet nicht nur eine soziale und wirtschaftliche, sondern eine politische Frage ersten Ranges. ( Lebhafte Buftimmung rechts.) In dieser Situation mußte felbftverständlich das Reich auch seinerseits Garantien übernehmen. An dieser Sigung hat auch der Breußische Ministerpräsident, de mals Herr Braun, teilgenommen. Ich machte tein Hehl in dieser Sigung daraus, daß die Reichsregierung die Garantie fummen, die von der Ruhrinduftrie gewünscht wurden, da mals zu leisten nicht in der Lage war. Damals lag von der Industrie ein Vorschlag vor, der für die nächste Zeit eine gewiffe Lösung bringen fonnte, der befagie, daß die Bergherren des bejezten Gebietes versuchen würden, die Wiederaufnahme der Arbeit zu ermöglichen. Dann sollten Reparationsfohlenlieferungen in einem Umfange von 16-18 Prog. Der Gesamtförderung zunächst auf Kosten der Privatindustrien geliefert merden. Die Mittel dafür wollte die Industrie sich selbst im Auslande durch Kredite beschaffen. Dieser Vorschlag fand meine volle Billigung, ebenfalls das geforderte Versprechen, daß das Reich sich zur Erjakleiftung bekennen müjie. Die Erfagleistung mußte eintreten, jobalb die Reichsfinanzen in Die Ersatzleistung mußte eintreten, jobalb die Reichsfinanzen in Ordnung gebracht sind. Der alte Bergarbeiterverband, der politisch der Sozialdemokratie nahesteht, hat fich damals in einer der politisch der Sozialdemokratie nahesteht, hat sich damals in einer Entschließung und einem Begleitschreiben zu dieser Entschließung an die Reichsregierung gewendet. In dieser Entschließung des alten Bergarbeiterverbandes heißt es: Der alte Bergarbeiterverband hat erfahren, daß das Reichs fabinett heute einen entscheidenden Beschluß für die Situation im Ruhrgebiet faffen will. Nach einmütiger Auffaffung der Bertreter des alten Bergarbeiterverbandes würde ein Beschluß, die Sache leistungen für die Reparationen nicht zu bezahlen, die endgültige 2bschnürung des Rhein und Ruhrgebietes von Deutschland zur Folge haben und die Errichtung eines Rhein- und Ruhrstaates unter französischer Oberhöheit nach sich ziehen.( Großer Lärm fints.) Die Entschließung fährt fort: Das arbeitende Bolt an Rhein und Ruhr mirb es nicht verftehen, wenn die Reichsregierung nicht alle Mittel bis zum äußersten erschöpft, diese Abschnürung unmöglich zu machen." Das beweist, daß damals die gesamte Arbeiterschaft von umms mehr verlangt hat, als wir leisten konnten. In dem Begleitschreiben zu der Entschließung des alten Bergarbeiterverbandes, das damals ebenfalls vertraulich behandelt werden sollte, tam zum Ausdrud, daß eine andere Entscheidung des Kabinetts als die vom Berg arbeiterverband vorgeschlagene das vollkommene Chaos in Deutsch land sowie einen Bürgerfrieg und vielleicht sogar einen neuen Krieg mit Frankreich zur Folge haben müßte. Wir standen also unter einem sehr scharfen Drud. Da gingen wir an die Industrie heran und sagten ihr, sie soll zunächst sich mit ausländischen Krediten perfehen, für die wir dann die Erfaßpflicht hätten. Die Industrie hat das auch getan. Dieses Berhalten ber Industrie ist boch schließlich ein Beweis thres nationalen Willens, den man auch einmal anerkennen muß.( Lebhafter Beifall rechts, lär mende Kundgebungen links.) Ich habe am Schluß der Sigung feftftellen tönnen, daß eine volle Einmütigkeit des Kabinetts besteht. ( hört! hört!) Ich babe damals gewünscht, daß wir, angesichts der Bedeutung der Frage, noch eine zweite Stabinettsfigung zu ihrer Erörterung einberufen. Diese zweite Sizungs fand am 1. Ro Dem ber statt. Wenn ich mich recht erinnere, find am 3. No vember die sozialdemokratischen Mitglieder aus dem Rabinett aus geschieden. In der Sizung am 1. November handelte es sich namentlich um die Klärung der Einzelheiten der Bereinbarungen des Sechserausschusses mit der Micum. Der Minister Schmidt erklärte damals, er fönne zu den Einzelheiten nicht Stellung nehmen. Aus dem Protokoll geht dann hervor, daß die jozial demokratischen Minister des Kabinetts gebeten haben, ihre Stellungnahme als Stimmenthaltung aufzufassen. An ihrer grundfäßlichen Zustimmung zu dem grundlegenden Beschluß in der entscheidenden Kabinettssigung ändert bas aber nichts, suena später bie Reichsregierung zur finanziellen Hilfeleistung bei den Micum- Berträgen geschritten ist, so weise ich darauf hin, daß die Erledigung dieser Angelegenheit namentlich außenpoli iche Bedeutung hatte. Gerade von der politischen Einstellung der Linten aus muß doch der Standpunkt gebilligt werden, daß mit Hilje weltwirtschaftlicher Möglichkeiten die politische Lage Deutsch lands gefeftigt wird.( Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Hertz( Soz.): Der Herr Reichsaußenminister Stresemann hat behauptet, daß für uns innerpolitische Gesichtspuntte maßgebend gewesen seien, wäh. rend er von außenpolitischen Gesichtspunkten ausgehe. Aber gerade dem Herrn Außenminister ist zum Vorwurf zu machen, daß er die außenpolitischen Interessen nicht gewahrt hat. Sie sind doch über das Echo im Auslande mindestens so gut unterrichtet wie wir, und da werden Sie genau wissen, daß man dort nicht das geringste Verständnis dafür hat, daß ohne die gelehgebenden KörperSchaften diese Ausgaben gemacht worden find. Wenn wir die Frage der Rechtmäßigkeit der Ausgaben flären wollen, so doch nur aus bem Grunde, weil wir nicht zusehen wallen, daß alles Außen politische zerschlagen wird, was wir mühsam aufgebaut haben.( Leb. bafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Ich nehme an, baß die Deutfcnationalen in biefer Frage nicht so ge teilt find wie beim Dames- Gutachten. Herr Stresemann hat sich berüber beschmert, daß fein Briefwechsel mit Herrn Stinnes be zeichnet fei als ein Briefwechsel mit seinem Parteigenoffen. Ich finde nichts baran. Aber man wird diese Zeitungen nicht allzuhart be. urteilen können in einer Zeit, wo selbst wir Sozialdemokraten für minderen Rechts erklärt werden. Bei den Beziehungen des Herrn Stresemann zu seinem Organ" Die Zeit", sollte er doch ein gewiffes Verständnis dafür nicht vermissen lassen. Bereits im Oktober 1921, als im Borwärts" und in der„ Boffischen Zeitung" diese Angelegen heit besprochen wurde, war das Entscheibende bie Befprechung I on Stinnes mit dem General Degoutte, Richt die Die Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß den sozialdemo fratischen Mitgliedern die Einzelheiten des Abkommens mit den Ruhrindustriellen erst nach dessen Beröffentlichung befannt geworden ift. Es fonnte nicht bestritten werden, daß der damalige Minister der besetzten Gebiete, Robert Schmidt, an der Kabinettssitzung vom 31. Oftober nicht beteiligt gewesen war. Es zeugt zum mindesten von einer unerhörten 31loyalität, wenn ein Minister, in dessen Ressort die betreffende Angelegenheit fällt, an den Borbesprechungen nicht teilnimant. Bas würden Sie( nach rechts) dazu fagen, menn in solchen Fällen Ihre Vertreter aus geschaltet werden! Herr Stresemann hat die Eizung vom 20. Oktober als die entscheidende hingestellt. Ich bin damit einverstanden, denn es steht fest, daß dorf nichts von den Zugeständnisfen enthalten ist, die entscheidend find. Man hat die fozialdemokratischen Minister nicht hinzugezogen, als es fich um die Bewilligung handelte, marum mill man fie jest hinzuziehen, wo es sich um die Auszahlung handelt. Herr Stresemann hat sich darüber befchwert, daß die Entschädigungen als Gefhent bezeichnet worden find. Unabhän gig von mir hat aber der Abg. Dietrich nachgewiesen, daß den Ruhrindustriellen ein Geschent von mindestens 140 Millionen gemacht worden iff. Ueber die Höhe der Summe will ich jetzt nicht streiten. Es steht aber fest, daß die Zahlungen weit über die tatsächlichea Kosten hinausgehen. Sie berufen fich auf den Brief des Deutschen Bergarbeiterverbandes, wenn Sie ihm aber noch einmal zur Hand nehmen, fo werden Sie finden, daß Sie gerade ben wichtigsten Sas nicht verlesen haben, wo es beißt, daß der Berband nur zum Angebot der Steuerfundung feine 3uftimmung geben fann. 3 das parlamentarifch einwandfrei, wenn in diefer Weise ein Brief verlesen wird? ( Lärm rechts.) . Der Reichskanzler hat uns eine Irreführung der öffentlicher Meinung vorgeworfen, indem wir den Eindruck erweden wolltes als feien mur bie menigen Großen befriedigt worden. Ich habe dem gegenüber bereits eine Reihe von Tatsachen angeführt. Ich berufe mich aber auf die Berfügungen, die von der Regierung erfassen worden sind. Im Feststellungsverfahren, das nur die kleineren Geschädigten betrifft, find die Feststellungsbehörden am 12. Dezember angewiefen worden, in Zweifelsfällen zugunsten des Reiches zu emb icheiben. Am 18. Dezember erging eine neue Berfügung, die die großen Firmen betraf, deren Forderungen in Zweifelsfällen vor ein Sondergericht gebracht werden sollen, das man nicht für ein wandfrei erklären fann. Weshalb hat der Bergarbeiterverband auf fein Schreiben vom 17. Oftober erst am 30. Januar eine nichtsagende Antwort erhalten? Wenn Sie( nach rechts) damit einveranden find, so stellen Sie fich damit auf den Standpunkt, daß diefe Dinge den Reichstag nichts angingen, wozu und an wen die Gelder ausgezahlt worden find. Das ist derfelbe Standpunkt, den vor 20 Jahren ein fonfervativer Abgeordneter eingenommen hat, als er erflärte, das Parlament dürfe nicht über unseren Geldbeutel" entscheiden. Ein unerhörter Borwurf ift dann von dem Reichskanzler gegen uns geschleudert worden, daß wir nicht zufrieden feien, baß Die Regierung die Finanzen in Ordnung gebracht hat. Sie wissen doch ganz genau wie wir, was die Cohn- und Gehaltsempfänger dazu beigetragen haben und daß auf deren Schulfern die ganze Schwere 3hrer Sanierungsarbeit gelastet hat. Es ist das große Berdienst der Sozialdemokratie, daß wir die Pflicht in uns gefühlt haben, daß die Arbeiterklaffe das ihrige zur Sanierung der Reichsfinanzen beitragen müsse. Wie find demgegenüber die Arbeiter be handelt worden! 80000 Eisenbahnarbeiter sind im Ruhrgebiet entlassen worden, von denen heute noch 30 000 erwerbslos sind. Als einzige Entschädigung hat man ihnen eine 14tägige Lohnzahlung gegeben, dann waren sie auf Erwerbslosenunterstügung angewiesen. Man hat ihnen die volle Entschädigung aller durch die Entlassung entstandenen Berlufte beriprochen, aber nichts ist von diesen Bersprechungen gehalten worden. Diese ungleichmäßige Behandlung, dieses Meffen mit zweierlei Maß, daß die Grundlage dieser Rechtsregierung ist, muß uns init fieffler Erbitterung erfüllen. ( Lebhafter Beifall b. d. Goz.) Abg. Schneller( Komm.): Die Sozialdemokratie hat mit der Schwerindustrie zusammengespielt. Es hieß, die Entschädigungen müffen gezahlt werden, damit der Bürgerkrieg nicht ausbricht. Abg. Robert Schmidt- Berlin( S03.) bemertt persönlich: In der Kabinettssigung vom 20. Ottober haben wir allerdings grundsäglich eine Entschädigung für die Ruhrindustrie anerkannt, aber im kabinett it nie bauen gesprochen worden, daß eine solche Summe an die Industrie ansgezahlt werden und daß ohne Zustimmung des Reichstages fiber diese Entschädigung entschieden werden folle. Meine Stellungnahme in der Kabinettsigung vom 1. November ist wesentlich von dem unangenehmen Gefühl geleitet worden, daß bei der Chef besprechung vom 31. Ottober mein Ministerium, das federaufbauministeFium, night beteiligt worden ist. Obwohl gerade diefes dabei intereffiert war. 3d frage den Außenminiftet, ob die Mitteilung, die mir geworden ist, richtig ist, daß Herr Sfinnes an ihn oder einen feiner leitenden Beamten den Wunsch geäußert hat, daß der sozialdemokratische Minister Schmidt nicht angehört werden möge. ( hört, hört! bei den Goz.) Das wäre ja erffärlich aus der persönlichen Stellung, die Herr Stinnes mir gegenüber einnahm. Ich habe mich im Kabinett vorfichtig der Stimme enthalten. Die Borlage, die am 1. November im Kabinett zur Berhandlung fam, ist vorher mir und meinen Kollegen nicht zur Kenntnis gebracht worden, ich wurde im Rabinett davon überrascht.( hört, hört! bei den Soz.) Da konnte kein Mensch die Berantwortung für eine solche Zuweisung an die Ruhrindustrie übernehmen, ehe er die Vorlage geprüft hat, und ich habe deshalb im Rabinett gesagt, daß ich eine solche Entscheidung im Augenblic nicht fällen fönne. Außenminister Dr. Stresemann: An mich ist Herr Stinnes mit dem Wunsche, daß der Minister Schmidt an den Vorverhandlungen vor dem 1. Rovember bei der Chefbesprechung nicht teilnehme, nicht herangetreten. Ich würde auch einen solchen Wunsch ganz entschieden zurückgewiesen haben. Ich habe Herrn Staatsferretär Rempner, ber damals in der Reichstanzlei war, gefragt, ob ihm bekannt fel, bas an irgendein Mitglied der Reichskanzlei diefer Wunsch gerichtet wäre; er hat mir mitgeteilt, daß auch ihm ein folcher Wunsch nicht bekannt fei.( Hört, hört! rechts.) Damit schließt die Aussprache. Der Antrag auf Einfehung eines Untersuchungsausschusses von 21 Mitgliedern wird angenommen. Die Ruhrdenfschrift wird dem Haushaltsausschuß überwiesen. Das Haus vertagt sich dann auf Montag, den 2. März, nach mittags 3 Uhr: Reichsverkehrsministerum, Schluß nach 4 Uhr. Wirtschaft Die internationale Kohlenkonvention. Die äußerst wichtigen Debatten im englischen Unterhaus, in benen Macdonald für eine Löhung des europäischen Wirtschaftsproblems gemäß der Idee einer Bedarfsdeckung eintrat, haben erneut das Intereffe auf die Versuche gelenkt, der Industrietrise mit den Mitteln der plazmäßigen Zusammenfassung der Produktion und des handels zu Leibe zu gehen. Frant Hodges, der frühere Sekretär des britischen Bergarbeiterver bandes, hatte fhon früher eine Vereinbarung zwischen Amerita, England und Deutschland zur Kontingentierung der einheimischen Kohlenförderung als Heilmittel gegen die Depression auf dem Weltfohlemmarft empfohlen. Dieser Borschlag ist weder neu, noch hat er in dieser Form Aussicht, verwirklicht zu werden. Die Bergarbeiter internationate forderte besonders nach dem Kriege in wiederholten Kundgebungen eine internationale Regelung der Kohlenwirtschaft eine internationale Planwirtschaft und der vorjährige internationale Bergarbeiterfongres in Prag bestätigt diese Forderung ausdrücklich. 55 Riemand wird sich dabei der Schwierigteiten verschlossen haben, die fich der Ausführung einer folchen Absicht entgegenstellen. Es war Frank Hodges selbst, der in feinem Brager Memorandum betr. Bureau für die internationale Berteilung der Kohle erklärte, daß ein solcher Blan nicht verwirklicht werden fönne, folange die Regierungen die Kohlenindustrie nicht in Händen haben. Auch die deutschen Bergarbeitervertreter haben sich ftets für eine folde internationale Regelung eingesetzt. Sie würden jeben Beg begrüßen, der diesem Ziele näher führte. Frank Hodges hat es jedoch verfäumt, nähere Angaben über die nächsten Schritte zu machen, denn bas er nicht an eine ganz gewöhnliche internationale Breis- und Mengenvereinbarung der Kohlenindustriellen gebacht hat, geht aus feinem zitierten Memorandum ganz zweifelsfrei hervor. Man muß schon feinen neuen Borschlag im Zusamenhang mit seiner ganzen Rede betrachten, die daneben den Zusammenschluß des engfischen Bergbaus mach dem Borbilde der britischen Eisenbahnen propagiert, ferner eine 33% prozentige Frachtermäßigung für Kohlen, unter Umständen durch Regierungsfubventionen, vorsieht und die endlich einem vier bis fünfjährigen Frieden in der englischen Stohlenwirtschaft, in jozialer und fommerzieller Hinsicht, das Wort redete. Hodges hat hier als Engländer feine persönliche Meinung geäußert. Sowohl der Präsident der englischen Bergleute Herbert Smith als auch andere Bergarbeitervertreter sind von dieser Rebe ihres früheren Sekretärs abgerudt. So bleibt Hodges damit zunächst ein einsamer Prediger. Er teilt so das Schickfal anderer. Als im Jahre 1919 der amerikanische Staatssekretär Hoover mit Unterstützung der franzöfifchen und italienischen Regierung die Gründung einer europalichen Rohlentommiffion in die Wege leitete, war es Englands Widerstand, welcher die Wirksamkeit biejer Kommiffion verhinderte und die Einrichtung zu Fall brachte, benor sie noch etwas geleistet hatte. England wolite eben bei der Jeftfegung der englischen Exportfohlenpreise ethe internationale Einmischung nicht dulden. Es hat daher die Konjuntiur der europäischen Kohlennot 1919 and 1920 ausgenutzt, wie die Kurve der englischen Kohlenpreise in jener Zeit zeigt. Das Blättchen hat sich längst gewendet: England feufzt heute unter der Last von 120000 arbeitslosen Bergleuten und 250 ftillgelegien Behen. Alle anderen bergbautreibenden Länder haben ähnliche Sorgen. Ganzlich abmegig aber ist die Meinung, die man häufig bei den Engländern porfindet, daß die Kohlenlieferungen nach dem Dawes- Plan mit diefer ungünstigen Weltkohlenlage in Verbindung standen. Auch Hodges ist nicht frei von dieser Auffassung. Aus den jüngsten Darlegungen des deutschen Bergarbeiterverbandes in Hannover geht aber mit aller Deutlichkeit hervor, daß die per thinderten Dames- Kohlenlieferungen mit der allgemeinen Depres sion so viel ju tun haben wie ein Wort aus Hodges Rede va riierend der Mann im Monde. Eine englische Unternehmerzeitung veröffentlichte fürzlich ein Interview mit einem führenden englifchen Kohlenegporteur, der sagte:„ Wenn es schon erfreulich ist, daß Reparationstohlenlieferungen nunmehr im Wege geschäftlicher Berträge erfolgen, so würde es doch weit besser sein, wenn an Stelle der Sachlieferungen Barzahlungen in festgelegten Summen treten inütben. Es ist möglicherweife fraglich, ob das jetzt durchgeführt werden farm, aber je eher wir in der Lage sind, die Reparationen, foweit Rohlen in Betracht tommen, zu beseitigen, am so beffer ist es für den englischen Handel." Hier spricht der britische Interessent der wirtschaftlichen Befriedigung der Welt fann mit solcher Meinung nicht gedient werden. Am Wege des internationalen Bergbaus werden in den näch fien Jahren feine Rofen blühen. Wenn die Kohlenhändler ihn ge= meinsam gehen mollen, mohlan! Aber leben und leben lassen ist eine dabei nicht zu entbehrende Devise, wie schließlich die maßgeb( toje Beteiligung der Arbeiterorganisationen, am Gemeinschaftswert die Voraussetzung ihres Einiretens da für ist. Dr. Berger, Bochum. Preisstillstand. Die auf den Stiming bes 18. Februar 1925 berechnete Großhandelsinbeziffer des Statistischen Reidsamts ist mit 136,1 Gorivoje 136,0) unteranbert Söher lagen die Preise für Roggen, Beizen, Safer, Butter, Buder. Mi, Baumwolle, Baumolgaen, ute, Gasol and Maschinenöl. Gejunken find die Bretfe r Startoffeln, Samalz, Rind, und Schweinefleisch, Kalbrelle, ber 2ebensmittel lautet 184,5( gegen 134,3) und diejenige der Industriestoffe 189,1( gegen 139,2). Auch die Reichsindergiffer für die Lebens haltungslosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Kleidung) für Mittwoch, den 18. Februar, ist nach den Fest ftellungen des Statistischen Reichsamts mit 125,2 gegenüber der Borwodge( 125,1) unverändert geblieben. Ermäßigung der Rentenbankzinfen. Die Deutsche Rentenbank teilt mit: Zur Berbilligung der landwirtschaftlichen Produktion hat der Berwaltungsrat der Deutfchen Menten bant be schlollen, eine Ermäßigung der ginsfage fowohl für die eigenen Mittel der Deutichen Rentenbank wie auch für die AbDie Deutsche Rentenbant widlungsfrebite eintreten zu laffen. gibt ihre Gelber an die Kreditvermitler nunmehr au Bedingungen, Rentenbant herrührenden Kredite au 12 Prozent an die Landbie es dem legten Geldgeber ermöglichen, alle von der Deutschen wirtschaft zu leiten, Diefer Beschluß tritt fofort in Straft. Der Binsfag von 12 Brozent ift ale soft fab aufzufassen und eine Ermäßigung unter diefen Sag anguftreben. Bei laufenden Wechseln soll von der ersten Fälligkeit an ebenfalls die Verbilligung eintreten. Ungarns Industrialisierung. Im Friedensvertrag mußte Ungarn einen großen Teil seines Gebietes, darunter auch wichtige Industriegebiete, abtreten. Im verbleibenden Teil Ungarns, im fogenannten Rumpfungarn, fetzte ein sehr bemerkenswerter Industriali fierungsprozeß ein, der durch die Inflation wesentlich gefördert wurde. Die Metall- und Maschinenindustrie war bereits früher entwickelt; fie ist vornehmlich in der Hauptstadt Budapest fonzentriert. Außerordentlich war aber die Entwicklung der Tegtilindustrie in den legten Jahren, in den Jahren 1921 bis 1924. Bor dem Krieg gab es im heutigen Gebiet Ungarns 125 Textilfabriten mit 16 000 Arbeitern, 1921 131 Fabriken mit nur 13 200 Arbeitern. Aehnlich fant die Zahl der Arbeiter in der Befeidungsindustrie. Im Jahre 1922 ftieq die Zahl der beschäftigten Legtilarbeiter auf 25 000, 1923 auf 27 500, 1924 auf 32 000. Die 3ahl der Baumwollspindeln erhöhie sich von 33 000 im Jahre 1921 auf 93 000 1924, die der Webstühle von 4100 auf 8420. Die Regierung hat die Einfuhr ausländischer Teritlwaren durch Einfuhrverbote gedroffeft. Gegenwärtig fann die ungarische Textilindustrie einen großen Teil des Inlandsbedarfes selbst versorgen. Die Breise der Tertilwaren find aber dant des Hochschußzzollsystems enorm hoch, so daß die Berbraucher die Entwicklung dieser Industrie teuer bezahlen müssen. Aus der Partei. Eine Mandatsniederlegung. In Deutschböhmen ist eine ge meinnützige Bauunternehmung, die der langjährige Vertrauensmann der freiorganisierte Bauarbeiter, Genosse Hausmann leitete, zahlungsunfähig geworden. Dazu veröffentlicht unsere fudetendeutsche Parteipresse das folgende: Der Parteivorstand stellt nach Prüfung der Angelegenheit der gemeinnügigen Bauunternehmung fest, daß die Partei von der Gründung dieses Unternehmens niemals unterrichtet, über feine Führung nicht auf dem Laufenden gehalten wurde und CUPREX JOHK Das unfehlbare Mittel gegen Ungeziefer dessen Brut bei Menachen. Teren Käuflich in Apotheken und Drogerien. Bären- Stiefel unverwüstliche wasserdichte Strapazier- Stiefel für Straße u. 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Ringäpfel, armerik. Getr. Pilaamen 90/100 Pflaumen, entsteint. Cal. Pflaumen 40/50,. Resineni Kist., Candia. 60,00-73,50 Sulkaninen Caraburna. 70,00-85,00 Korinthen, choice 58,00-74,00 Mandeln, süße Bari 190,00-205,00 Mandeln, bittere Bari. 197,00-208,00 108.00-105,00 Zimt( Cassia). Kümmet. holländischer 83,00- 52,00 Schwiz Pfeffer Singap. 106.00-116,09 Weißer Pfeffer Rohkafice Brasit 153.00-170,00 25.00-235.00 Renkalfee coulam 26,00-17.00 Röstkaffee Brasil 270,09-310,00 Restkaffe Zenetralam. 330,00-400,00 Restgetreide, test 300 Kakao, fettare..... 60,00- 96,00 Kakao, leicht. entoft.. 100,00-120,00 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,08 Tee, indischer, gepackt 400,00-470,08 Inlandszucker bas me!. 20,00-32,50 Inlandszucker Raffina. Zucker Würfel. Konsthonig Zackersirup hell i. Elm. Speisestrop dunk.i.Elm Marmelade Einfr. Erdb. Marmelade Vierfrucht Pflaumenmos 1. Elmern Steinsalz, la Säcken Siedesalz in Säcken 31,09- 35,00 36,51-38,00 33,00 36,75- 40,00 27,00-30,00 84,08- 95,00 35,00- 40,00 37,88-55,00 3,10 2,60 3,704,20 4.40- 5,00 5,208,60 Bratenschmatz i, Tiers. 84,50- 85.25 Bratenschmalz 1. Kübl. 85.00 86,00 Purelard in Tierces.. 84.50-36,00 Purelard in Kisten. 84,50-86,50 Speisetalg in Packung 65,00 65,00 Speisetalg in Kübeln Margarine, Handelsm. I 66,00 desgl. li. 60,00-63,00 Margarine, Spezialm. I 80,00- 84,00 desgl. II. 69,00-71,00 Molkereibutter 11. Päss. 221,00-225,00 Molkereibutter, i.Pck 228,00-233,00 Molkereibatter Ila i. Fs. 201,00-210,00 Molkereibutter, I.Pck. 211,00-216,00 Auslandbutter in Fässr. 228,00-216,0 Corned beef12/ 6 lbs p.K. 38,00-39,00 Ausi.Speck, geräuchert 103,00-106.00 Quadratkase. 28,00 40,00 Tilsiter Käse, vollfett. 115.00-125.00 Echter Emmenthaler. 163,00-173,00 122,00-125,00 Echter ame: 87,00 50,00 Auslangezucker. Coodonsmilltir 48/16 28,80 22,50 gen.Ceaér- M. 18/14 20, Brücke) Räumungs- Verkauf! wegen Umbau. 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Um jeder Berquidung der Berhältnisse der gemeins nüßigen Bauunternehmung mit der Partei, wie dies gehässige und verleumderische Gegner bereits versucht haben, ein für allemal vors zubeugen, hat Genoffe Hausmann, der feit der Gründung der Unternehmung an der Spizze stand und nach der gegenwärtigen Sachlage vollkommen felbfifos und uneigennüßig gehandelt hat, fein mandat als Abgeordneter niedergelegt. Jugendveranstaltungen. Gesangschor zur Frühlingsfeier. Montag, den 23. d. M., abends 71 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Alle fangesfreudigen Genoffen und Genosfinnen müssen erscheinen. Schönhauser Borstadt: Heute, Sonnabend. Fahrt nach Hakenfelde Spandau). Treffpunkt nachmittags 46 Uhr Bornholmer Straße, Ede Schönhauset. Allee Morgen, Sonntag, den 22. Februar: Rosenthaler Vorstadt: Banderung nach Erkner. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Börse. Often( Stralauer Biertel): Fahrt Oranienburg Nauen. Treffpunkt! Westen: Fahrt 7 Uhr Eingang Martgrafendamm, Stralau- Rummelsburg. Reubabelsberg-- Spandau. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Großgörschenstraße. Tempelhof: Fahrt nach dem Grunewald. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Tempelhof. fallenbergWannsee: Wanderung. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr Schule. Alt- Glienicke: Fahrt nach Rauen.. Treffpunkt 17 Uhr. Bhf., Grünau. Ricberschönhausen: Wanderung nad) Dubrow- Forst. Treffpunkt 7 Uhr Fries denspak. Renkölln 1: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Reute Fölln. Werbebezirk Tiergarten: Bormittags 10 hr bei Berger, Jagow, Ede Levegow ftraße, wichtige Funktionärversammlung. Die sogenann ten Aelteren sowie Mitarbeiter und Parteivertreter find besonders eingeladen. Werbebegir? Reutöln: Abends 148 Uhr im Jugendheim Schierkestraße 44, August-Bebel-Fe.er. Werbebezirt Ostbahn: Abends 7 Uhr im Jugendheim Parlaue 10, Auguft- Bebel- Feier Abteilung Beißensee: Abends 7 Uhr im Jugendheim Roelde., Ede Charlottenburger Straße, Elternabend. Die Eltern find herzlichst eingeladen. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde fällt heute( Sonnabend) aus. 9. B. 14. 1. Die Anmeldung muß bei der Gemeindebehörde( Bezirksamt) erfolgen. 2. Es tommt entweder die Allgemeine Ortskrankenkasse oder eine der Dp. 3ft uns nicht bekannt, Reg.- Rate Erfastvankenkaffen in Frage. Schwiegereltern 39. Der Schwiegerfohn haftet nicht. Kromp, Bajach. Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen lassen sich im Brieftasten" nicht beantworten. Benden Sie sich zunächst an Ihren Vater und verlangen Sie von ihm die Aufstellung eines Berzeichniffes des von der Mutter hinterlassenen Vermögens. Das Vormundschaftsgericht fann nicht eingreifen. Rommen Sie auf gütlichem Wege zu feiner Berständigung mit Ihrem Bater, fo müffen Sie das Gericht sweds" Serbeiführung einer Erbauseinandersetzung anrufen. Ein Triumph der Küche ist die neue Knorr- Suppenwurst Versuchen Sie Knorr Suppenwurst: Grünkern, Ochsenschwanz, Tomaten, Blumenkohl, Krebs, Pilz, Spargel. Eine Knorr Suppenwurst kostet nur 35 Pfg. und gibt 6 Teller Suppe. Warum ist Erdal soviel beffer? Die Qualität erzeugt im Nv Den feinsten Glanz, die tieffte Schwärze Auf jedem noch so alten Schuh! Erdal für die Schuhpflege 1 Sonnabend 21. Februar 1925 Unterhaltung und Wissen Der Pilgrim" von San Juste.bes Kaiſers gelangt waren. Das Gewicht, des gesamten TafelRadt ist's, und Stürme faufen für und für, Sifransche Mönche schließt mir auf die Tür." Am 17. September 1556 tat Karl V. den entscheidenden Schritt, der seinem ereignisreichen Leben einen gewissen Abschluß gab: er juhr von Seeland nach Laredo in Biscaya und trat in das Hierony mitentlofters San Jufte in Estremadura. Ein dichter Kranz von Sagen hat sich über diesen Eintritt Karls in das Kloster gesponnen. Der Herrscher der Hälfte dieser Welt" wird als Bewohner einer fleinen Mönchszelle geschildert, der müde von seinen stürmischen weltgeschichtlichen Taten ausruht und nur der religiösen Vorbereitung auf das Jenseits hingegeben ist. Das ist eine stimmungsvolle Fabel, eine fromme Lüge, zu chrift lichen Andachts- und Erbauungszweden geschickt ersonnen. Der Herrscher, in dessen Weltreich die Sonne nicht unterging, umgab sich in San Juste mit einem Gefolge von fast hundertundfünfzig Personen und genoß in vollen Zügen alle Annehmlichkeiten eines großen Hofes. Was für ein verwöhnter Feinschmecker diefer faiserliche Mönch" war, das hat der Engländer Prescott in seinem Anhang zu der Gefchichte Karl V. von Robertson nachgewiesen. Den Bericht Prescotts hat H. G. Wells zum Teil in seine Grundlinien der Weltgeschichte“ ( 1925, Berlag für Sozialwissenschaft) übernommen. Dem Staatssekretär von Valladolid wurden zahlreiche Aufträge für die Tafel Karls gegeben. Prescott schreibt: Für den Staatsjetretär muß es nicht leicht gewesen sein, beim Lesen der Depeschen ernft zu bleiben, in denen Bolitit und Feinschmeckerei so seltsam durcheinander gingen. Der Kurier von Valladolid nach Lissabon war beauftragt, den Umweg über Jarandilla zu machen, um Borräte für die königliche Tafel zu bringen. An Donnerstagen mußte er Fische bringen, die für den folgenden Fasttag zu dienen hatten. Karl fand Die Forellen aus der Umgebung zu flein, deshalb mußte eine größere Gattung aus Balladolid beschafft werden. Er liebte Fische aller Art, auch Aale, Frösche und Austern nahmen einen gewichtigen Plaz_auf dem königlichen Speisezettel ein. Eingelegte Fische, besonders Sardellen, fanden Gnade vor seinen Augen, und er bedauerte sehr, daß er feinen größeren Borrat davon aus den Niederlanden mitgebracht hatte. Eine Aalpastete begeisterte ihn besonders." Der Bapst Julius III. bemühte sich, dem raffinierten Gourmand das Klosterleben" besonders angenehm zu gestalten. Er dispenfierte ihn vom Fasten. Karl frühstückte selbst vor der heiligen Kommunion". Die fleine Zelle Karls muß aus einer ganzen Flucht von Zimmern bestanden haben, um alle die Seiden- und Samtgewänder, die Teppiche, die Garnituren von Gobelins, die Thron himmel des Kaifers aufzunehmen. Prescott berichtet nämlich: " Daß Karl gegen seine äußere Erscheinung in Jufte nicht gleichgültig war, läßt sich aus der Tatsache folgern, daß seine Garderobe nicht weniger als sechzehn Seiden- und Samigewänder umfaßte, mit Hermelin, Eiderdaunen oder den weichen Haaren der Berberziege gefüttert. Was die Möbel und die Deforation seiner Appartements anbelangt, so fönnen wir sehen, wie wenig den leichtsinnig darüber in Umlauf gebrachten Berichten zu trauen ist, wenn wir einen einzigen Blid auf das Inventar feines Befizes werfen, das Quirada und Gaztelu bald nach ihres Herrn Tode aufnahmen. Unter den angeführten Dingen finden wir Teppiche aus der Türkei und aus Aicarez, Thronhimmel aus Samt und anderen Stoffen und Wandbehänge aus feinem schwarzen Tuch, wie er fie seit dem Tode seiner Mutter stets für sein Schlafzimmer benutte; für die übrigen Apparte ments waren nicht weniger als fünfundzwanzig Garnituren von Gobelins vorgesehen, von den Webstühlen in Flandern herrührend, reid) geziert mit Tierfiguren und mit Landschaften." ,, Unter den verschiedenen Stücken des Tafelgeschirrs finden wir einige aus purem Gold, andere, die wegen ihrer merkwürdigen Arbeit befonders hervorgehoben werden, und da in jenem Zeitalter die Kunst, Edelmetalle zu bearbeiten, zu höchster Vollendung gediehen war, tann Bußtag. Bon S. Buez( Schluß.) Lieber Gott hör doch... Vielleicht war es nicht mal eine Sünde... Bielleicht hat es... gar nicht gelebt. Ich habe nicht hingesehen... Lieber Gott... glaube mir... ich habe wirklich... richt hingesehen..! Ehe als er hätte schreien tönnen es durfte doch nicht schreien... die Bäuerin hätte es doch gehört!... gleich habe ich ihn die Hand um den Hals gelegt. Gar nicht... fest... Nein, es hatte nicht gelebt! Sonft tomte es doch nicht gleich fo stille gelegen haben. Sie hatte doch nur... doch nur so wenig... mit der Hand gebrüdi. Ju --- hu..! schrie der Kaug. Das Mädchen freischte auf. " Ich sage doch die Wahrheit! So wahr ich lebe doch die Wahrheit-!!" ich sage Mit schlotternden Knien lief fie weiter. Jetzt unten in dem schmalen engen Graben, in dem eine Drainierröhre fief. Wieder fang eine Glocke liber das Feld. Diesmal nur zu einem furzen Schlage, den das Echo in die Länge zog. Halb zwölf... Und Annemarie fah schon die dürftigen, eng aneinander gedrängten Häuser des Kirchdorfes von Lichtenberg. Da nahm sie ihren braunen Rod fäuberlich hoch und hockte fich auf die Drainierröhre hin. Die Ellenbogen auf das Knie geftüßt, ben müden Kopf in die verarbeiteten Hände gelegt, versuchte die junge Magd dem Gott da droben in Hinamel über den funfelden Sternen auseinanderzufezen... zu erklären, warum sie nicht anders zu handeln vermochte. Leife, mutlos sprach sie vor sich hin. Gott im Himmel, was hätte ich denn sonst wohl tun follen? Ich bin bei Bauer Henisch in Stellung. Schon zwei Jahre... Die Frau ist zufrieden mit mir. Viel Lohn gibt es nicht. Wo aber soll ich konst wohl him... Die Mutter habe ich nicht mehr; der Bater hat die zweite Frau, die gönnt mir nichts... Nicht mal Mus aufs Brot, wenn ich Sonntags mal herkomme. Was sollte da wohl für den Kleinen abfallen?! 30 Mart habe ich auf der Sparkasse, mehr nicht. All mein bischen Lohn geht sonst in Bantienen Schürzen und Strümpfen drauf. Mal ein neues Kleid muß auch sein,... tanzen will man doch auch zu meilen. Man ist doch noch jung! Ich geh doch schon längst nicht alle Sonntage. Bo hätte ich es auch laffen sollen?.. Wo denn das Geld für die Ziehfrau hernehmen?! Und aus der Stellung hätten sie mich auch gejagt, nee, nee, es fonnte nich leben! Es ging janz wirklich nicht.. Wenn nur der Aschlaften nich wäre!... Ich fann und kann den Aschkasten nicht mehr sehen! Herrgott im Himmel, Jefu,... Schn Gottes!... i bereue meine Sünden!! Bieber Gatt, im Him. mel, laß mich mieder mit gutem Gewissen die Asche ausschütten tönnen! Dan jchweren eijernen Dedel aufheben..." Die Moge hittelte fich voll Goquen sund Entfezen brüdie fein Zweifel darüber bestehen, daß die allerschönsten Stücke in den bis geschätzt." Nach dem Tode der Kaiserin nahm seine Frömmigkeit" dann einen Zug strenger Bigotterie an. Karl geißelte sich in der Fasten zeit und wurde ein fanatischer Glaubenseiferer, der dem Großinquisitor direkt Anweisungen zur Ausrottung der protestantischen Ketzerei geben wollte. Die krankhafte Anlage seines Geistes, die er von seiner wahnsinnigen Mutter geerbt haben mochte, offenbarte fich in einem pathologischen Totenkultus, in dem Veranstalten zahlreicher Toten messen, ja in der Feier seines eigenen Begräbnisses. Darüber vermittelt uns H. G. Wells folgenden von Prescott stammenden Bericht: " Die Kapelle war schwarz ausgehängt und der Schein von Hunderten von Wachskerzen genügte kaum, das Dunkel zu erhellen. Die Brüder in ihrer flösterlichen Gewandung und der Hofstaat des Kaisers in Trauerkleidung versammelten fich um einen ungeheuren, Die Ruhrgewinnler. Wir hielten uns wertbeständig Wir verdienen uns tot und lebendig, Und zahlten in Mafulatur; Wir Helden von Rhein und Ruhr! E. W. schwarz verhüllten Katafalf, der inmitten der Kapelle errichtet worden war; dann wurde die Totenmesse gelesen; und inmitten der dumpfen Klagelieder der Mönche stiegen Gebete für den abgeschiedenen Geist empor, auf daß er droben in den Wohnungen der Seligen empfangen werde. Die fummervolle Teilnehmerschaft zerfloß in Tränen, als fich das Bild von ihres Herrn Tod ihrem Geiste darbot vielleicht waren sie auch von Mitleid erfüllt über diese bedauernsmerte Kundgebung von Schwäche. Karl selbst, in einen dunklen Mantel gehüllt und eine brennende Ketze in der Hand, mischte sich unter seinen Hofstaat, ein Zuschauer bei seinem Leichenbegängnis, und am Ende der traurigen Beremonie reichte er die Kerze dem Priester zum Beichen, daß er feine Seele Gott dem Allmächtigen übergebe." Nach anderen Berichten lag Karl in ein Leichentuch gehüllt im Sarge und verblieb dort allein, bis der letzte Leidtragende die Kapelle verlassen hatte. Karl V. ftarb menige Monate nach diesem seltsamen„ Begräbnis" am 21. September 1558. Beilage des Vorwärts Die Erforschung des Krebsproblems. In der Sigung des Deutschen Zentralfomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebstrantheit, über deren Berlauf wir im Feuilleton berichtet haben, sprach Prof. Lubarsch von der Wiener Universität über die Entwicklung der Krebsforschung in den letzten. 25 Jahren. In der Epoche führte der Redner aus in der die Forschung das Rätsel der Infektionskrankheiten auf bakteriologischem Bege löfte, dem menschlichen Auge unsichtbare Spaltpilze als Gr reger feststellte, versuchte man auch die Entstehung des Krebses auf bestimmte Batterien zurückzuführen. Die Versuche sind gescheitert und diese Auffassung ist endgültig aufgegeben. Das Krebsproblem ist ein Bellenproblem, aber es fragt sich, ob die Entstehung der Ertranfung nur von den Zellen allein oder auch von der Gesamtfunktion des Organismus abhängt. Die größte Verwandtschaft zeigt das Krebsgewebe mit dem Embryonalgewebe. Aber sein anarchistisches Wachstum, unterscheidet es vom geregelten Wachstum der gefunden Körperzelle. Zwischen gutartigen und bösartigen Geschwüiften gibt es feinerlei abfolut scharfe Grenze, denn auch gutartige Neubildun gen zeigen bisweilen das Auftreten von Tochtergeschwülsten, die aus abgesprengten Geschwulstzellen in den Organen sich entwickeln, wohin fie der Säftestrom verschleppt hat. Demgegenüber gehen normale Körperzellen im Wechselstrom zugrunde. Sind es äußere oder innere Faftoren, die das menschliche Körpergewebe umstimmen, anarchistisch zu wachsen frebfig zu entarten? Daß äußere Momente Krebs hervorrufen tönnen, haben die früher zahlreichen Fälle von Berufstrebs( Schornsteinfeger, Paraffinarbeiter, Arbeiter in Anilinfabriken) erwiesen. Dieses Ursachenmoment wurde wissenschaftlich an Mäusen durch Teerpinselungen verfolgt. Vor allem geht daraus hervor, daß große Zeiträume notwendig find, bis die Dauerwirkung des Reizes das Krebswachstum auslöft. Daneben wirken innere Bedingungen geschwulstauslösend und wachstumfördernd. Die Frage nach den Brutstoffen der Krebse ergibt sich damit und die weitere Frage, ob diese angeborene totale Mißbildungen, embryonale Gewebeausschaltungen, in späteren Lebensabschnitten zum Wachstum bringen, auf diese Weise also der Krebs entsteht. Die pathologische Forschung widerspricht dem aber, weil gerade in den Organen, in denen am häufigsten lokale embryonale Gewebsausschaltungen gefunden werden, der Krebs am seltensten auftritt. Als weiteres Moment für die Entstehung der Erkrankung spielt wohl die Erblichkeit der Disposition zur Krebsbildung eine Rolle, zu der aber noch etwas hinzukommen muß, wie wir gesehen haben auslösender Reiz. Damit aber besteht noch heute die alte, Birchowsche Reiztheorie zu Recht und es wird die Aufgabe fommender Forschung sein, neues Licht in das immer noch herrschende Dunkel der Krebsentstehung zu tragen. 1 ein Ein Weltschriftverein. Nicht nur der Sprachunterricht wird durch den Mangel einer einheitlichen, phonetischen Schreibung start et schwert, das Bedürfnis nach einer solchen wird auch durch den internationalen Berkehr täglich bringender; trifft man doch ständig auf fremde Namen und Wörter, über deren Aussprache man mangeis einer allgemein verständlichen Schreibung im unflaren ist. Üleber furz oder lang werden sich die europäischen Kulturvölker dazu ent fließen müssen, die Fesseln des allzu engen lateinischen Alphabets abzuwerfen und sich nationale Alphabete zu schaffen. Könnten diese Reformen nach gemeinsamen Richtlinien durchgeführt werden, fo wurde dies von größter Bedeutung sein und auch über Europa hin aus wirken. Von diesen Gesichtspuntten aus wirft jezt Jörgen Forchhammer in München für die Gründung eines Beltschriftvers: eins, der in allen Ländern für die Einführung einer einheitlichen Lautschrift eintreten will. Sie soll beim fremdsprachlichen Unterricht, bei der Schreibung mundartlicher und individuell eigentümlicher Aus sprachen, bei fremdsprachlichen Namen, in Konversationslegila, Fremdwörterbüchern usw. Berwendung finden und bei Recht chreibungsformen als Richtschnur dienen. Eine solche Lautschrift hat Forchhammer bereits in Seft 5/6 des 12. Jahrgangs der„ Germanisch- Romanischen Monatsschrift" aufgestellt. L Anne die Hände gegen die Schläfen, Tränen liefen über ihr junges verschreiten?! Bann nun der Pfarrer noch nicht schlief!? härmtes Gesicht. ,, Alles und alles will ich ja tun! Arbeiten für drei! Nur laß mich, den Aschlaften wieder ansehen fönnen!" Das Mädchen war so tief in ihre Gedanken eingefponnen, daß fie die Schritte nicht hörte, die in sachter Vorsicht über die Felder tamen. Erst als über den mondhellen Weg ein dunkler Schatten fiel, jah fie auf, Entfeßen, Erschrecken bis zur Sinnlosigkeit im Blid. Mit einem einzigen schweren Schlag warf Annemarie sich auf den feuchten Grund des Grabens. Ihre bebende Gestalt versuchte sich in die spärliche Grasnarbe einzudrüden, ihre Hände wühlten sich in den Schmus stammelte sie die Borte finnlos vor Angst vor sich hin. Rur Erdboden. Und vergib uns unsere Schuld!" Den Mund voll marie hatte gehört, feine Leute gingen spät zu Bett.Beten.! beten...! Beten, hilf. Ihre irren Augen fuchten verzweifelt umher... Hilfe!... Ach, wer hilft in ihrer Not...?! jegt, barmherziger Gott!, nur jetzt nicht noch gesehen werden! Wenn man sah, daß sie zur Bußtagnacht gen St. Johannis schlich.. Wenn man sah, daß sie zur Bußtagnacht gen St. Johannis schlich... allein... Wie wir vergeben unseren Schuldigern..." Sie lallte stöhnte. Hart neben ihr hallten Schritte. Annemaries Herz schien stillzu ftchen. Die Schritte stockten... Hielten an. Nein, fie ent fernten fich, gleichmäßig ruhig. Annemarie lag still und horchte. Die Spannung ihrer Glieder löste sich. Was mochte die Uhr jegt wohl sein? Wenn sie nun am Ende gar noch zu spät fam?! Borsichtig auf allen Vieren troch sie in dem Graben weiter.. Dann hob sie den Kopf sachte über den Rand. Ach, da gingen fie! Ein Mann und ein Mädel. Sie bogen in einen Seitenweg ein, der sich weit von dem ihren entfernte. Annemarie atmete auf. Nun fonnte sie ruhig gehen die da würden sich nicht nach ihr um sehen die hatten genug mit sich allein zu tun. Einen Augenblick blieb die Magd stehen und schaute zu dem Baare, das sich langsam immer weiter entfernte, trübe hin. So hatte das bei ihr auch angefangen... Nur, daß es Sommer war blühender warmer Sommer, und das Korn hatte gerauscht.. Annemarie ging davon, schnell und dennoch vorsichtig. Sie hatte die Bewegungen des scheu schleichenden Tieres. Mit vorgeneigtem Ropfe strebte sie haftig threm Ziele zu. 4 Da...! Schwer und laut schlug die Kirchenglocke von St. Jo hannis zu Lichtenberg den ersten Schlag der zwölften Stunde, und ehe der breite Klöppel noch zum zweiten ausgeholt, lag Annemarie schon an den Stufen der Eingangstür zum Gotteshause. Ihre gefalteten, emporgeworfenen Hände schimmerten elfenbeinimarie hatte vergessen, daß im Büchchen vorgeschrieben stand, fie farben im Mondlichte. Stumm blieb ihr junger roter Mund. Annefolle beten. Alles hatte sie vergessen...!; fie mußte nur, sie lag auf der Schwelle der Johannistirche zu Lichtenberg und Bußtag mar!! Die heilige Mutter, Jesus und der große Gott, die feierlich hoch über den Sternen wohnen, verziehen. Almählich trat über ihre vollen Lippen ein frohes Lächeln, und langsam öffneten diese volien jungen Lippen sich und legten eine Reihe periglänzender Sähne bloß. 3hr war vergeben. Burschen aber, die heranschlichen, felbft für geheime Sünde Ab bitte zu tun, sahen das Mädchen Annemarie... die junge Annemarie hatte ja alles um sich her vergessen! Es sprach sich herum... Es raunte dumpf. Ein Knecht auf dem Hanischhofe fand sich, der mit Andeutungen fam... Er hatte die Dirne gesehen..., mit einem Bündel im Arme. am Aschkasten.. Bor Wochen, hatte sich nichts dabei gedacht... nun aber... Wenn die Magd zu Bußtag nacht nach, St. Johannis schlich...! Und niemals hatte sie seitdem die Asche fortschaffen wollen! Hatte sich gesperrt wie eine, die nicht richtiges Gewissen mehr hat. Ja so... also dann -www Gemiß... das hatte Hand und Fuß! Sie sahen in dem großen schweren, eisernen Aschenfasten nach. Fanden. Ein solcher Befund heißt 44 Zuchthausstrafe, Sie nahmen die Annemarie fest. Der Gendarm fam, als Annemarie eben am: Herde stond, und Bußtag nacht bei St. Johannis!. Dann schrie fie. Shrie und wand sich auf dem Steinboden. „ Der Fall ist ganz flar," fagte der Gendarm. Bedächtig trug er den Tatbestand in sein Notizbuch ein. Die Häuser von Lichtenberg lagen friedlich. Nirgends brannte ein Licht. Stumm standen die fahlen Bäume längs der Dorfstraße. Die Magd mußte, Bauern haben einen harten Schlaf. Aber sie fürch- fang. Froh, gesund und glücklich. Ihr mar ja vergeben worden zu tete die Hunde. Wieder brach ihr der Schweiß aus. Sie lief. In dem Dorfteiche spiegelte sich klar der Mond. Noch zwanzig Schritte vor ihr lag die Kirche von St. Johannis. Annemarie starrte gierig darauf hin. Doch sie wagte nicht über den freien Platz zu gehen, der zwischen dem Waffertümpel und dem Gotteshaus lag. Ach, daß der Mond auch so hell schien! Ihre Knie zitterten, die Baunlatte, die ihre linke Hand unbewußt umflammerte, flapperte. Diüben sein. da drüben sein!! Sahen die Linden im Pfarrersgarten sie nicht rächend an?! Schrie es, wimmerte es nicht bis hierher aus dem Aschkaften empor?! Hob sich der Deckel nicht. „ Erbarmen...! Jesus- Maria! Alle Heiligen droben! Helft!" Die Magd griff mit der zweiten Hand in die Zaunlatten. Ihr Körper slog. Entfeßen schüttelte fie. Bor ihr lag flarblinfend, hell der See. Wie, wie? würde sie bis zur Kirche tommen? eie ungefehen, unbemerkt den freien, fast. taghellen Blag über. 917 Das halbe Dorf stand vor des Hanisch Hofe. Gaffte. Barf mit Steinen nach der Kindesmörderin! Die wantte; ihr blau schwarzes Haar stürzt flutend in ihr junges verzerrtes Gesicht... Auf dem Aschkasten gleißte spottend die Sonne. Schimpfworte, Flüche schallten um die Magd. Fäuste ballten fich. Beiber freischten ihre Empörung in die Luft: In den Buchen des Hofes aber rauschte dröhnend wie Orgelton der Wind. Der ricf und wurde zum Sturm, der schrie. ., Gerechtigkeit für Annemarie! Schafft mir Gerechtigkeit für fie!" Die Menschen aber verstanden ihn nicht, fie hoben die Fäufte mno warfen erneut mit Steinen hinter der Bankenden her. 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Deutsche Bank Direction der Disconto- Gesellschaft Dresdner Bank J. Dreyfus& Co. Hardy& Co., G. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank 5. Klaffe 24. Preußisch- Süddeutsche ( 250. Preuß.) Klassen Lotterie 12. Biehungstag Ohne Gewähr 19. Februar 1925 Nachdruck verboten In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 1 Geroinn zu 5000 2. 67986 3 Gewinne zu 3000. 169504 208537 218813 5 Gewinne zu 2000 221. 2423 67515 107353 138938 223268 15 Gewinne zu 1000 m. 6841 61540 99045 112613 113941 135401 138845 149536 181931 189658 207757 251276 254048 268168 300384 38 Gewinne zu 500 m. 169 1072 6632 12760 17119 29187 38082 39846 46428 47135 92707 94695 103542 118763 123291 127016 1.1531 154557 175762 181299 185600 204871 216395 228129 286926 243820 247611 258167 260590 272872 277105 279581 82501 288572 289642 296847 317888 319880 79 Gewinne zu 300 2. 3546 8144 8597 15318 39624 40861 41500 44177 44777 46610 58675 64661 65462 65832 71264 76352 77411 80158 85708 92417 93992 109477 11-317 110346 116.6 119180 121: 63 121496 121528 122288 128177 12440) 127937 139227 150709 158702 159228 160 12 162254 167214 171289 176575 182677 182826 185667 188691 188975 192.40 201808 204044 206094 21022 210552 214928 230006 288717 241876 24: 808 245554 249106 252523 253627 258443 29202 264855 267510 272869 273459 27883 279428 280073 282592 286262 298970 306051 306213 310590 314732 316758 Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In der Gesamtauflage des Verwirts" and 13. Ziehungstag 20. Februar 1920 Ohne Gewähr Nachdruck verboten In der Bormittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen. 1 Gewinn zu 25000 21. 222406 1 Gewinn zu 10000 2. 259703 1 Gewinn zu 3000 2. 100106 8 Gewinne au 2000 M. 3398 166497 188762 232657 279202 803475 8 Gewinne au 1000. 21391 47614 103211 108836 228679 231760 249796 291948 Verkäufe Bichtig für jebermann! Täglich wer Ariegsbeschädigter Berkzeugmacher, ben verlauft: Aleiderschränle, Bertilos mindestens 50 Bros., auf Schneidecifen 18. Bettstellen, fomplett, 16, Metal- gefucht. Schraubenfabrit, Beißenfee. 22 Sanghansstraße 132/184. Raumann- Rähmaschinen für Sausgebettstellen mit Auflegematraßen brauch und Gewerbe, Teilzahlung. Reurschränke. Baftoiletten 18, Chaife paratur- Werkstatt für alle Safteme Tongues 18, Rommoden 15. Bücher Emil Safbarth G. m. b. S., Friedrichy Büfetts 15, Tische 6, Rüdeneinrichtungen fpinden, Schreibtische 36, Trumeaus 29, ftraße 55a. 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