Abendausgabe Nr. 95 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 47 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sw. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-298 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin = Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoch 25. Februar 1925 Berlag und Angetgenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250r Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Obstruktion in Leipzig. Offizialverteidiger für die Angeklagten. BS. Leipzig, 25. Februar 1925. Der heutige 12. Berhandlungstag im Tichefa- Prozeß fah, als die Sizung erst um 10% Uhr eröffnet wurde, auf den Berteidiger. bänken an Stelle der bisherigen 13 Anwälte nur die beiden bisherigen Offizialverteidiger Dr. Goldstein und Dr. Schümichen Leipzig und dazu vier meitere nach den gestrigen Vorfällen neugestellte Leipziger Offizialverteidiger. Un mittelbar nach Eröffnung der Sitzung erklärte der Vorsitzende: Nach tem gestern die Wahltverteidiger der Angeklagten sich ohne Genehmigung des Gerichts entfernt haben, war nach dem Gesetz der Fall gegeben, Offizialverteidiger zu ernennen. Der Vorfigende gab dann die Namen der vier Offizialverteidiger bekaunt, und zwar der Rechtsanwälte Dr. Drechsler, Dr. Nietschte, Dr. Fiedler und Dr. Blume, fämtlich aus Leipzig. Rechts anwalt Dr. Goldstein nahm dann noch in einer kurzen Erklärung zu einer in einer Leipziger Zeitung erschienenen Zeichnung der gestrigen Abführung Dr. Samters Stellung, durch die der Eindruck esmedt werde, als ob Dr. Samter sich heftig gewehrt habe und mit Gewalt habe aus dem Saale entfernt werden müssen. Ohne im übrigen zu dem geftrigen Vorfall Stellung zu nehmen, müsse er im Interesse der Anwaltschaft feststellen, daß Dr. Samter freiwillig den Saal verlassen habe, bevor die Polizei mit Gewalt gegen ihn eingeschritten fei. Borf.: Wir fahren in der Berlefung der Bernehmungsprotokolle bes Angeflagten Szou fort. Ungefl. Szon: Ich verweigere meine Ausfage, bis mein Wahl= verteidiger wieder hier ist. Borf.: Ich werde Ihnen das Protokoll trozdem vorhalten, wenn Sie dann Ihre Aussage verweigern wollen, fo fönnen Sie das tun. Während die Berlefung des Protokolls in vollem Gange tit, erklärt der Angeklagte Intorf plöglich: Herr Präsident, mir tommt das Brechen an. Ich möchte mal hinausgehen. Dr. Niedner sah fich daraufhin genötigt, die Sigung auf furze Zeit zu unterbrechen, während Intorf, der sehr wohl aussieht und vergnügt lächelt, langfam und abfolut nicht eilig den Sigungsfaal in Begleitung eines Beamten verließ. Der Anfang der Obstruktion der Angeklagten scheint damit gemacht zu fein Bei den Bernehmungen vor der Bolizei und des Unterfudmgs rahters in Stuttgart hatte Szon u. a. ertlärt, Neumann habe ihm defant, wenn er die Reise nach Süddeutschland nicht mitma he, dann merte er als Verräter behandelt. Was das bedeute, habe er. Ezon, fehr gut gewußt. Einen Waffenschein habe er nicht befeffen, wie er cuch niemals eine Waffe gegen Menschen habe gebrauchen Er habe sie nur bet fich gehabt, weil das in ber Gruppe so üblich gewesen sei. Den Namen Helmuth" habe er oft von Neumann gehört. Es sei auch möglich, daß er Neumann mit diesem Heimuth einmal flüchtig zufammen gesehen habe. wollen Borf.: 3ft nun Stoblewsti jener„ Helmuth"? Sjon: Ich gebe teine Uniwort. Reichsanwalt Neumann: Wollen Sie mit auch keine Antwort geben, wenn ich Sie frage? Szon: Nein Bandgerichtsrat Flögel: Neumann, wann haben Sie den falschen Baß für den Anneflagten Szon erhalten? Neumann: Bestimmt fann ich es heute nicht mehr fagen. Landgerichtsrat Flögel: Nach den Feststellungen, die in der Sache der kommunistischen Basfälscherzentrale getroffen worden sind, muß das einen Tag vor der Abreise nach Südwestdeutschland gewesen sein. Als dann der Borsigende die Geständnisse des Angeklagten Boege als Zeuge in der Straffache gegen Hahnfeld und Genossen perlesen wollte, erklärt der Reichsanwalt Neumann, er halte es für eine Pflicht der Loyalität, darauf hinzuweisen, daß an einem früheren Sigungstage R... Dr. Wolf gegen diese Verlesung recht liche Bedenken geäußert habe. Er, der Reichsanwalt, halte diese Bedenken aber für rechtsirrig. Der Offizialverteidiger Boeges, R- A. Dr. Nietschte, erhob gegen die Verlesung Widerspruch und bat um einen Gerichtsbeschluß Das Gericht beschloß die Berlesung, worauf nunmehr der Angeklagte Poege gegen die Berlejung protestierte und jede Aussage bis zum Wiedererscheinen feines Wahlverteidigers verweigerte. Das Protokoll, das vom 17. Dezember 1924 stammt und von dem Untersuchungsrichter Land gerichtsdirektor Jürgens aufgenommen wurde, wurde daraufhin verlesen. In diesem Protokoll berichtet Poege zunächst über die Bildung von Abwehrformationen im Frühjahr 1923 und von sogenannten Fünfzehnerausschüssen, in denen außer Kommunisten auch Sozialdemokraten und Unabhängige gesessen hätten. Diese Abwehrformationen seien von kleine, dem Delegierten der Moskauer Exekutive in der Zentrale der KPD. besichtigt worden Kleine fei Ruffe und habe in Wirklichkeit einen anderen Namen. Angeblich soll er aus Polen flammen. Kleine habe den Aufstand in Bulgarien militärisch und politisch geleitet, er fel eine prominente Persönlichkeit in der kommunistischen Internationale und werde in Deutschland der Turkestaner" genannt. Dann schildert Poege in diesem Protokoll weiter die Tätigkeit der Bartisanengruppe, die lo fale Terroratte dará führen sollte. Er selbst war Leiter der Leipziger Partisanengruppe und hatte Befehl, die Mitglieder unter sich selbst, die nicht alle kom Sie sollten nur von ihm die Aufträge entgegennehmen, während munisten zu sein brauchten, über alles weitere im Unklaren zu lassen. ihm selbst freie hand gelassen wurde. Alle Hilfsmittel follte er aber von der Partei erhalten, und es sei ihm auch gejagt worden, daß er eventuell nicht vor Gift morden zurückschreden dürfe. Bei einer eventuellen Berhaftung werde sich die Gruppe damit abfinden müssen, daß die Partel von ihr abrücke und sie in der kommunistischen Preffe als gemeine Berbrecher hinstelle In Tätigkeit sei die Gruppe aber nicht getreten. Aus Berlin feien Baffen, Sprengstoffe und Gift angefündigt, aber nicht abgesandt worden, weil inzwischen die Reichswehr in Sachen eingerüdi jet ſei. Diese Bartisanenorocnisation sei im Laufe der Zeit über ganz Deutich land verbreitet worden. Eine Zentrale habe sich im Bolitischen Bureau der Partei, beren Leiter Ulbrich, war, befunden. Beim Ein marich der Reichsmehr floh Boege und begab sich mit dem fächsischen Finanzminister nach Dresden, wo er Brandt als tüchtiger Be noffe" norgestellt und von diesem an kleine verwiesen wurde. Dieser ernannte ihn zum Kontrollkommissar des militärischen Appa rates und unterstellte ihn dem Hansl, dem jezigen Angeklagten Neumann. Sn Boege machte nach seinen Angaben in diesem Protokoll eine Kontrollreise in das Ruhrgebiet, wo er feststellte, daß alle Sekretäre und Redakteure der Partei militärisch tätig waren. Bor ihm hatte Stoeder schon eine Kontrollreise unternommen, und er traf mit diesem dann in Düsseldorf in einer militärischen Sitzung zusammen. In langen Ausführungen ist dann in dem Protokoll die Tätig feit Boeges in Stettin, seine Zusammenkunft mit verschiedenen fommunistischen Führern des dortigen Bezirks geschildert. Etettin fonnte man Boege aber nicht gebrauchen und schickte ihn wieder nach Dresden zurück. Bon dort schichte ihn Neumann nach Weimar zum Staatsrat Dr. Neubauer, der der kommunistische militärpolitische Oberleiter des Bezirks Mitte( Sachsen- Thüringen) mar. Bei Neubauer fand Boege einen Ruffen mit dem Decnamen Alfred" vor, der besonders militärische Aufträge zu haben schien. Er hatte eine Aufstellung über Sprengstoffe und Waffen bei sich und stand in engem Zusammenhang mit dem Waffenauffäufer Pfaff in Bella- Mehlis. Die Verteidiger beim Justizminister. Angriff auf das Reich. Reichsfinanzhoheit und Länderforderungen. Bon Landeshauptmann Dr. Cafpari In diesen Tagen wurde, von der Deffentlichkeit taum beachtet, eine Entschließung der Finanzminister der deutschen Länder bekanntgegeben, die geeignet ist, das lebhaftefte Intereffe zu wecken. Diese Entschließung fagt in ihrem wesentlichsten Teil folgendes: Die in dem Referentenentwurfe des Reichsfinanzministeriums vorgesehene Neuregelung bringt eine weitere untragbare finanzielle Verschlechterung für Länder und Gemeinden und trägt dem aner tannten Grundsage der Trennung der Steuerquellen in feiner Weise Rechnung. Die Länder sind übereinstimmend der Auffassung, daß ein endgültiger Finanz ausgleich grundfäßlich nur dann möglich ist, wenn ihnen die Einkommensteuer und Körperschaftssteuer mit Einschluß der Steuer vom Kapital. ertrage nach Maßgabe eines Reichsrahmengesetzes voll zurüd gegeben wird. Die endgültige Regelung des Finanzausgleichs soll zu einem möglichst frühen Zeitpunkte, wenn irgend angängig mit Wirkung vom 1. April 1926 ab erfolgen. Die endgültige Stellung nahme zur Frage der Rückgabe der Finanzverwaltung bezüglich der Einkommensteuer und der Körperschaftssteuer auf die Länder und Gemeinden bleibt vorbehalten. Die Mehrzahl der Länder fordert diese Rückgabe." Die hier erhobenen Forderungen der Länder laufen auf nichts mehr und nichts weniger als auf eine Zurückschraubung der Reichsfinanzgesetzgebung und Reichsfinanzverwaltung auf den Stand der ehemaligen Reichsverfaffung heraus. Die Rückgabe der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Steuer vom Kapitalertrage heißt nichts anderes als das Reich auf die Zölle und die indirekten Steuern, also die Besteuerung des Massenkonsums, zu ver des Zwischenfalls überfandt, so daß der Minister bereits in der Lage weijennbar haben die Länder die schweren Kämpfe der Heute vormittag haben sich die Rechtsanwälte Reichstagsabge ordneter Dr. Kurt Rosenfeld, Dr. Wolf- Düsseldorf und Dr. Marschner- Leipzig zum Justizminister begeben, der den Herren mitgeteilt hatte, daß er sie um 12 Uhr empfangen werde, um von ihnen einen Bericht über die Vorgänge der Dienstag- Sizung im Leipziger Tscheta- Brozeß entgegenzunehmen. Inzwischen hat auch das Gericht selbst dem Reichsjuftizministerium eine Darstellung sein dürfte, sich aus beiden Schilderungen ein Bild der Borkommnisse zu machen. Im übrigen muß ausdrücklich befont werden, daß auch die ausbrüdlich nach Berlin gelommenen Leipziger Verteidiger fi teineswegs für die Berfon des Rechtsanwalts Dr. Samter einsetzen, dessen Vorgehen in der Erklärung der Gesamt verteidigung bereits hinreichend gefennzeichnet murben, sondern daß fie lediglich aus prinzipiellen Gründen dagegen protestieren, daß es einem Gericht möglich fein soll, den Rechtsanwalt an der Ausübung seiner Tätigkeit als Verteidiger zu behindern. Die Krankheit des Reichspräsidenten. Fortschreitende Besserung. Reichspräsident Ebert hat die schwere Operation außer gewöhnlich gut überstanden. Abgesehen von einem ganz leichten Morgenfieber ist er vollständig fieberfrei. Die Rranfheit nimmt einen normalen Berlauf. Angesichts der Tatsache, daß der Reichspräsident seit längerer Zeit gallensteinleidend ist, erflärt Geheimrat Bier das Befinden des Präsidenten als äußerst zufriedenstellend. Auslandsstimmen über Eberts Erkrankung. früheren Zeit um die Sicherung des Finanzbedarfs des Reichs völlig vergeffen. Der alte Grundfaz:„ die diretten Steuern den Einzelstaaten, die indirekten Steuern dem Reich", hat in der Kaiserzeit zu den schwersten konflikten geführt und das Reich in die schwierigften Finanznöfe gebracht. Glaubt denn wirklich der Finanzminister irgendeines deutschen Landes, daß das Reich in der Lage sein tönnte, seine Lasten, insbesondere seine außenpolitischen Finanzverpflichtungen, zu erfüllen, ohne im Befiz der vollen Finanzhoheit zu bleiben? Soll das Reich etwa wieder zu einem Roftgänger der Länder herabgebrüdt werden, und follen mir wieder den Kampf um die Matrikularbeiträge erleben? Der Kampf gegen die Erzbergersche Finanzreform geht seit Jahren. Mit der Tatsache, daß die Uebertragung der direkten Steuern auf das Reich zweifellos ein starter Schritt zum Unitarismus war, hat man sich in den Ländern nicht abfinden wollen. Die Finanzreform von 1919/20 hat ohne Zweifel eine Beeinträchtigung der den Ländern gebliebenen Selbständigkeit gebracht. Aber andererseits war und ist fie staatspolitisch die stärkste Klammer zur Erhaltung des Reichs, zur Erhaltung seiner Staats- und Finanzhoheit, soweit nach dem Bersailler Vertrag hiervon überhaupt noch zu reden ist. Daß damit die Länder in eine finanzielle Abhängigkeit nom Reich gerieten, war eine unvermeidliche Folge; aber sie war immer noch das bei weitem geringere Uebel gegenüber der Gefahr des Auseinanderfallens des Reichs. Eine einheitliche Reichsfinanzgefeßgebung, die sich in allen Ländern gleichmäßig auswirkt, und eine einheitliche Reichsfinanzverwaltung find wahrscheinlich stärkere Mittel zur Erhaltung des Reichs gewesen, als fleingeistiger Partikularismus, der bedauerlicherweise aus mancher Zeile der Entnur sagen, daß die Forderung der Finanzminister der Länder in Anbetracht der Lage des Reichs, in Anbetracht seiner außenpolitischen Berpflichtungen und gegenüber dem dauernden Druck gewiffer ausländischer Stellen auf Absprengung lebenswichtiger Gebietsteile des Reichs geradezu unverständlich und umverantwortlich ist. Paris, 25. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldungen vom zufriedenstellenden Befinden des Reichspräsidenten Ebert merden in Paris, namentlich von der Linkspresse, mit Genugtuung verzeichnet. Einzelne Blätter bringen längere Artikel über Ebert. Go erinnert der„ Quotidien" daran, daß Ebert während des Krieges, obwohl er der festen Ueberzeugung war, daß Deutschland einen Berteidigungstrieg führe und er viel dazu beige. tragen habe, die Sozialdemokratie bei der Stange zu halten, doch stets für den Abschluß eines Berständigungsfriedens ein getreten sei. Von der Nationalversammlung zum Präsidenten der Republif gewählt, habe er, getreu dem gegebenen Wort, seinen proletarischen Ursprung und seine sozialistische Beschließung der Finanzminister der Länder spricht. Man kann jinnung nicht verleugnet, zugleich aber sein hohes Amt mit einer über den Parteien stehenden Gerechtigkeit und Unparteichfeit ausgeübt. Troß der von Jahr zu Jahr schwieriger gewordenen ausgeübt. Troß der von Jahr zu Jahr schwieriger gewordenen Lage in Deutschland, troß der fortschreitenden Schwächung der Links. parteien babe Ebert, ohre jemals feine Befugnisse zu überschreiten, es verstanden, den Nationalismus im 3aume zu halten, er habe alles getan, um zu verhindern, daß die Revancheparteien die Regierung an fich riffen und bis zuletzt gegen die Bildung eines reaktionären Kabinetts gefämpft. In den sozialdemokratischen Strei. sen diskutiere man darüber, ob es richtig gewesen sei, den Präsidenten poften der deutschen Republik mit einem Sozialdemokraten zu befeßen. Wie dem auch sei, man werde jedenfalls nicht leugnen fönnen, daß der Wall, den die deutschen Republikaner gegen jeden Versuch stets einen der festesten Pfeiler gehabt habe. einer Biebereinjehung der Monarchie aufgerichtet haben, in Ebert Brüffel, 25. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der sozialistische Beuple" befiagt die Erkrankung Eberts, weil durch fie die deutsche Republik in schwerster Zeit der Dienste eines ihrer fähigsten und geschichtesten Berteidiger beraubt werde. Vor der Finanzreform 1919/20 gab es im Reich keine einheitliche Besteuerung des Einkommens. Es ist bezeichnend, daß die Forderung der Finanzminister der Länder in der eingangs wiedergegebenen Schärfe zu einem Beitpunkt erhoben worden ist, in dem in einem großen Teil deutscher Länder der sozialdemokratische Einfluß in Ser Regierung ſtarf zurückgedrängt, wenn nicht ausgeschaltet worden ist. Es mag sein, daß man in manchen Länderregierungen den Zustand der ungleichmäßigen Eintommenbesteuerung, wie er früher bestand, wieder herbeiführen will, und man wird in diesem Gedanken bestärkt, wenn man liest, daß zwar nicht die Gesamtheit, aber doch die Mehrzahl der Länder auch die Rückgabe der Finanzverwaltung bezüglich der Einkommensteuer und der Körperschaftssteuer auf die Länder und Gemeinden gefordert hat. Condon, 25. Februar.( WTB.) Einige Blätter veröffentlichen aus Anlaß der Operation des deutschen Reichspräsidenten Bilder Man wird vielleicht entgegnen, daß die Forderung der Eberts. Daily Mat schreibt, im ganzen fönne gesagt werden, daß Finanzminister auf Rückgabe der Einkommen und der KörperEbert als Präsident ein Erfolg gewesen sei. Mit beharrschaftssteuer und der Steuer vom Kapitalertrage zu den hier licher Slugbeit habe er versucht, das Staatsschiff einen mitt. gezogenen Konsequenzen nicht unbedingt führe, da ja die BeTeren Surs zu steuern. Sogar das Magdeburger Urteil habe Eberts zugnahme auf ein Reichsrahmengefeß auch die Stellung nicht ernstlich erschüttet, aus dem einfachen Grunde, weil Möglichkeit der Festsetzung von Reichstarifen für diese Steuern große Maffen gemäßigter Leute in ihm die befte Gewähr fäben, in fich schlöffe. Aber schon die Tatsache, daß der hier beabum Deutschlands Staatsschiff in rubige Gemäffer zu lenten. fichtigte Schritt zur Rüd märtsrevidierung der ReichsfinanzgesetzgcblMg und zur völligen Aushöh- lung der Reichsfinanzverwaltung über kurz oder lang zu den angedeuteten Konsequenzen führen kann, genügt,«m mit aller Kraft dem Länderverlangen zu begegnen. Die Frage, wovon das Reich leben soll, wie das Reich feine gewaltigen, als Folgen des verlorenen Krieges zu tragenden Ausgaben bestreiten soll, haben die Länder offen gelassen. Wenn man aber in den Länderregierungen glauben lollte, die dem Reich obliegenden Lasten einschließlich der Reparationslasten könnten durch indirekte Steuern, also eine Besteuerung des Massenkonsums, aufgebracht werden, so zeugt dies von einem Mangel an politischem Augen- maß. den ich selbst dem in stärksten partikularistischen Ge- dankengängen befangenen Minister irgendeines Landes nicht zutrauen möchte. Nebenbei noch eine Frage: Die Mehrzahl der Länder fordert auch die Rückgabeder Finonzverwaltung bezüglich der Einkommensteuer und der Körperschastssteuer auf Länder und Gemeinden. Soll daneben etwa auch das Reich für die Erhebung seiner indirekten Steuern, was doch wohl un- vermeidlich wäre, seine eigene Reichsfinanzverwaltung be- halten? Und glaubt man, daß die Mehrheit des deutschen Volkes diese Vergeudung von öffentlichen Mitteln, die von ihr aufzubringen waren, mitzumachen bereit ist? Glaubt man weiter, daß die Finanzverwaltung, bei Ländern und Gemein- den geführt, besser funktionieren würde als beim Reiche? Es muß doch gerechterweise anerkannt werden, daß, so sehr ver- ständlicherweise die Finanzämter im Anfang ihrer Tätigkeit versagt haben, sie heute im großen und ganzen den an sie ge- stellten Anforderungen genügen, und wenn sie im Laufe der Zeit mitunter mit dem geradezu rasenden Gang der Finanz- gesetzgebung nicht mitkamen, so glaube ich kaum, daß die Finanzverwaltungen der Länder und Gemeinden diesen Auf- gaben gerecht geworden wären. Nach dem Wortlaut der Entschließung der Finanzminister der Länder sind diese überein st imme-d zur Forderung der RückÜbertragung der Einkommensteuer, der Körperfchafts- steuer und der Steuer vom Kapitalerträge gekommen, also auch Preußen. Der„Amtliche Preußische Pressedienst"' verbreitete dieser Tage eine Mitteilung aus dem preußischen Finanz- Ministerium, in der die Stellung der Finanzminister zu ver- leidigen versucht wird, die aber in Wirklichkeit an dem Kern des Problems vollkommen vorbeigeht. Während die Entschließung der Finanzminister als ihr Kernstück die Forderung der Rückgabe der direkten Steuern auf die Länder enthält, spricht die preußische Auslastung im wesentlichen von dem Finanzausgleich als einem Per» tcilungsproblem. Es ist vom Standpunkt der Länder durch- aus zu verstehen, wenn das preußische Finanzministerium ausführt,„daß das Verlangen der Länder verständlich erscheint. jeden weitergehenden Zugriff des Reichs auf die Erträge der Reichseinkommen- und Körperschastssteuer mit Entschiedenheit abzulehnen". Die Klage des Landes Preußen, daß ihm die bisherig« Regelung des Finanzausgleichs nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stelle, um ihm, den Gemeindeverbänden und den Gemeinden die Durchführung seiner Aufgaben, in Sonder- heit auf dem Gebiet des Dolksschulwefens, der Polizei, der Cr- werbslosenfürforge, des Wegebaues, der sozialen Für- sorge usw. zu ermöglichen, erscheint berechtigt, und es ist auch durchaus richtig, wenn die preußisch« Auslassung hervorhebt, daß„der Gedanke einer Schicksals- und Notgemetnschaft zwischen Reich, Länder und Gemeinden in den Vordergrund zu stellen ist". Gerade wenn man dies aber anerkennt und in den Bor- dergrund stellt, ist das Verlangen der Finanzminister der Lander um so unverständlicher. Eine Entkleidung des Reiches von der Finanzhoheit auf dem Gebiet der direkten Steuern würde eine solche Notgemeinschaft zwingend zer- stören, würde zu einer übermäßigen B e l a st u n g der breiten Massen mit indirekten Steuern, zu einer un- gleichmäßigen. Zustände früherer Zeit wiederherstellenden Ein- kommenbesteuerung, zu einer Lockerung des Gefüges des Reichs, wahrscheinlich auch zu außenpolitischen Kom- plikationen führen, d. h. letztens zu Folgen, die zwingend zu einer Abkehr von dem von den Ländern gewünschten Weg« und in ihrer Auswirkung zu einer viel stärkeren Einschrän- kung der Länderhoheit führen müßten, als sie bisher noch be- stehen. Was not tut, ist ein gerechter, auf die Dauer berechneter Finanzausgleich, bei dem den Ländern, den Ge- meindeverbänden und den Gemeinden das gewährt werden muß, was sie zur Durchführung ihrer Aufgaben gebrauchen. Ein Weg zu einem verständigen Finanzausgleich ist aber nicht das Unternehmen, die Finanzhoheit des Reiches, eine der bedeutendsten Errungenschaften der Nachkriegszeit, leicht- fertig zu zerschlagen._ Die Thüringer Wahlen. Nur geriuge Verschiebungen. Weimar. 23. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Ergebnisse der letzten Thüringer Kreis- und Gemeinderatswohlen haben eine kleine Aenderung gegenüber dem früheren Besitzstand der Parteien gebracht. In den Stadtkreisen waren früher 139 sozial- demokratische und kommunistische Vertreter gewählt, in dieser Wahl- Periode werden die Linksparteien mit 136 Sitzen vertreten sein. Di« Bürgerlichen einschließlich der Demokraten, die früher 169 Sitze zählten, werden jetzt bei den Stadtkreisen 174 innehaben. In den Landkreisen ist ebenfalls eine kleine Verschiebung eingetreten. Die Linksparteien, die früher 97 Sitze innehatten, werden diesmal 87 be- sitzen. Die Bürgerlichen einschließlich Demokraten, die früher 119 Sitze besaßen, werden jetzt 137 einnehmen. Nicht einbegrijsen in drese Zusammenstellung sind die Ergebnisse aus den kreisfreien Städten. Diese Zusammenstellung des amtlichen Bureaus illustriert den angeblich glänzenden bürgerlichen„Sieg", von dem die Rechtzpresie faselt. Die Verluste der„Linken" be- stehen in erster Linie in Verlusten der Kommunisten, außerdem ergeben sie sich daraus, daß Wahlrefultate von 1925 denen von 1921 gegenübergestellt werden. In Wirklichkeit zeigen diese Wahlen, daß der sozialdemokratische Einfluß nach der starken Erschütterung des Jnflationsjahres unaufhaltsam im Wachsen ist und daß dieser Entwicklungsprozeß, der bereits bei den Dezemberwahlen sich bemerkbar machte, durch keine Hetze, selbst nicht durch die Barmathetz e, aufgehalten werden kann. fibss« wurde dos Gedränge geradezu beängstigend. Aus dem großen Bahnhofsvorplatz standen die Massen Kopf an Kopf, ebenso aus dem Bahnsteig selbst. Als nach dem Einlaufen des Zuges diesem zur Aufnahme der Oesterreicher ein Sonderwagen angehängt wurde, war er von der begeisterten Meng« im Nu mit Girlanden und schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückt. Unter Fahnenschwenken und den Klängen der Neichsbannerkapelle rollte der Zug aus der Halle und trug die österreichischen Gäste ihrer Heimat entgegen. Die Oester. reicher werden in ihrer Heimat nicht erzählen von einer„kühl ab- lehnenden Haltung der Bevölkerung", wie e» ein« verlogene Bericht- Erstattung der monarchistischen und kommunistische» Presse hinzu. stellen suchte, sondern von einem gewaltigen republitaui- s ch e n Erleben im Herzen der deutschen Republik. Der Eindruck der Reichsbannertagung in Amerika. Frankfurt a. IN.. LS. Februar.(Mtb.) Wie der„Frankfurter Zeitung" gemeldet wird, hoben die Magdeburger Reichsbanner- demonstrationen in Rewyork einen starken Eindruck gemacht. Die„Times" und die„Tribüne" berichten über ste in halbspalten- langen Berichten, auch andere Blätter haben ausführliche Meldungen über die republikanisch« Kundgebung gebracht. Kommunistischer Zerfall. Die Erfolge der Bolschewifieruag in der Dschechoslwakei. Seit dem Novsmberkongreß der tschechischen kommunistischen Partei geht es w dieser einst großen Arbeiterpartei drunter und drüber. Die neue Parteileitung mit chrer„linken" Mehrheit bemüht sich, dem Parteisekretariat und den Parteiblättern, besonders dem Zentral- organ eine neue Richtung zu geben. All« bisher öffentlich an führen- der Stelle tätigen Kommunisten werden der Reihe nach von ihren Posten entfernt. Die in der ganzen Tschechoslowakei bekannten Führer, die die Partei eigentlich gegründet haben, Muna, Zabotocky und S ch m e r al wurden beiseite geschoben, die Führerin der Frauen- bewegung, die gewandte und gebildete Journalistin Grimmichowa, wurde ihres Postens enthoben, da sie sich weigerte, in«ine Auslösung der Frauensektionen einzuwilligen. Fast täglich wechselten die Sekrc- täre und die jungen Leute, die auf Moskaus Anweisung an die Spitze der Partei gestellt waren, gaben sich olle nur erdenkliche Mühe, um zu zeigen, daß die Partei bereits„iolfchewisiert sei". Nur eins haben diese Kommissäre nicht durchsetzen können: die Einsüh- rung d«s Zellenfystems bei gleichzeitiger Auflö- sungderb«stehinbenWohnb«zirteorganisationen und die Einrichtung einer kommunistischen Gewerkschaft s- zentrale in der Tschechoslowakei, trotzdem die ihnen für die Durchführung dieses Auftrages gestellte Frist demnächst abläßt. Bisher führten alle Versuche, die Arbeiterschaft an!»ie linke Füh- rung zu fesieln, fehl. Erst eine neue Teuerungswelle schien Gelegenheit zu einem„revolutionären" Aufmarsch zu geben. Während die sozialistische Partei bei der Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung der Teuerung und Wohnungsnot gegen den Wider- stand der bürgerlichen Parteien erzwangen, hielten die Kommunisten es für angezeigt, Teuerungsbemonstrationen zu veranstalten, die den ausdrücklichen Zweck hatten, Zusammenstöße mit der Polizei hervorzurufen. Diese Pläne mißlangen ihnen im ganzen Lande, mit Ausnahme von Prag, wo die Polizei dumm genug war, den Kommunisten auf den Leim zu gehen. Hier kam es wirklich zu einem Zusammenstoß: S0 Polizisten und IS Demonstranten wurden oenvundet. Den am Kampfplatz intervenierenden kommunistischen Abgeordneten sagte nachher der Polizeitommandant, daß diese Zusammenstöße sich hätten vermeiden losten, wenn die Abgeordneten an der Spitze des Zuges marschiert wären.(Wozu sie noch 8 14 der 21 Bedingungen eigentlich verpflichtet waren.) Der kommunistisch« Generalstab begab sich jeden- falls nach geschehener Heldentat in ein« bekannte Weinkneipe und feierte den Sieg. Die erste Proger Kreisorganisation hatte die Demonstrations- onocdnung außer Acht gelösten und beteiligt« sich nicht an der Durch- füh rung. Es stellte sich sogar heraus, daß der Kreisobmann, der Ab- geordnete Bubnik«in« Aktion zum Sturz der neuen Parteich itung unternahm, dabei soll er sich geäußert haben, er werde s« l b st M o s- taunicht weichen. Di« Parteileitung kam diesem Kamplou zu spät auf die Spur. Bubnik gelang««.' mit' den Organisationen un Lande in Verbindung zu treten und Kreisorganisationen, Sekretäre und einflußreich« Personen auf seine Seite zu ziehen. Merkwürdiger. weise handelt es sich dabei um die Hochburgen des Kommunismus umKladno und Brünn. Di« Parteileitung hat daraufhin Bubnik misgeichlosten und das Sekretariat des ersten Kreises in Prag mit Gewalt besetzt, den Sekre- tär hinausgeworfen und die Kreiskonferenz, von der man genau wußte, daß sie sich auf die Seite Bubniks stellen würde, auf u n. bestimmt« Zeit vertagt. In der Zwischenzeit wollen die Dorstadt. Von Willi Birnbaum In Innern der Stadt ist der Fluß schmal, durch hohe Mauern eingedämmt. Häuser, Fabriken, Straßenzüge drängen sich dicht heran. Halbhohe Gitter nur sind die Wand. Der Fluß ist hier ausschließlich Zweckgebilde wie all die anderen Verkehrsadern pulste- renden Großstadtbetriebes, kaum, daß er weiterfließt. Schmutzig- graugrün das Wasser. Die Menschen hasten an ihm vorbei. Nur wenn hier und dort Möven in eleganten Flügen über dem Flusse �reisen oder Wildenten an Brücken das Waiser beleben, bleiben Großstädter zuweilen stehen, schauen das alles gleich einem Wunder. Weiter draußen aber, wo die Stadt sich lockert, Vorstadt an hebt, weicht erdrückende Enge. Di« Dämme werden niedriger, 'chwinden schließlich stellenweise schon ganz. Nur zahlreiche Fabriken liegen noch immer dicht an langgestreckten Usern. Aber schon schieben üch Bootshäuser, Gartenlokale, Parkslecken, vereinzelte Landhäuser, Laubengelände, Sport- und Badeflächen dazwischen. Die Straßen- mge liegen abgedrängt vom User. Ihre Reihen weisen noch zahllose Lücken aus. Ganze Flächen tebouungsreiscn Geländes harren seit langem der Besiedlung. Klein- gänen sind allenthalben angelegt. Da stehen nun die armseligen Vrcttgehäuse, mit Mühe und viel Opfern errichtet, wüste Sand- Hachen, mit unendlichem Schweiß zu kargem Ertrag gezwungen, zu Füßen ihrer hochousgeschossenen, engbrüstigen, grauen, steinernen Schwestern. Dreistöckigen Mietskasernen mit allerlei„Putz" und .Zierrat" an Fassaden und Dächern. Putz und Zierrat ist bei vielen Häusern losgebröckelr. Sie schauen sich dann wie kranke Gebilde an. ..Altcrsschwächecrscheinungen" bei kaum Zwanzigjährigen. Wie ein Fremdkörper hat sich dazwischen eine Kleinhaussiedlung Räum geschaffen— ein einfacher, schmuckloser Reihenblock, im Rechteck gebaut._ Inmitten ein großes Gartenaclände mit winzigein Spielplatz nur für die Jugend. Die Grcnzpflocke hat auch hier ein Jeder möglichst weit gesteckt. Was bedeutet nicht schließlich kleinen Menschen Licht, Luft, Raum für die Jugend gegen ein paar Kohlrabi- iöpfe mehr?.... O, es gibt aber so viele stille Straßen noch hier draußen, die niU schönstem Kopfpslaster bepackt, von kaum einem Dutzend Fuhr- werken den Tag über befahren werden, wo Kinder in Unzahl sich tummeln. Die ärmsten Viertel weisen auch hier die kinderbevö'.kert äen Straßen auf. Es sind fast ohne Ausnahme kleine, hohlwangige, blasse Geschöpfe mit frühreisen Augen. In engbewohnten Bebau. ! ringen schauen sie sicherlich schon gar zu viel der Sorge, der Welt der Erwachsenen. Große Backsteinbauten mischen sich in das graue Einerlei der Nielskasernen— die Schvlgebäude. Sie sind ungewöhnlich groß, ,n weiteres Wahrzeichen großen Kinderreichtums. Und doch auch irr wieder der bewegende Eindruck— wie bei den Häusern!— der tjerne. Gar so oielstockig und ausladend sind die roten Baute» 'd innen so arm an belebenden, frischen Farben Flure und kalt- irkende, nüchtern weißgrüne Klassenzimmer mit immer wieder. 'uender militärstch strenger Reihung der Bänke, fast ohne Bild- muck viele, seit die Potentaten- und KriegsMinmnngsbilder schwin- -mißten. Man begreift, daß aller Farbensinn de» Kindes mählich doch sicher in dieser Welt obsterben muß. Daran ändern auch nichts die lichtgelben Ziegelbauten der zahl- reichen an Hauptstraße und Spree sich hinziehenden Fabrikanlagen. Große Bauten sind's, umfastender noch als selbst die Schulqebäude. Tausende und Abertausende müder, blosser, ausgemergelter Gestallen strömen täglich durch die großen, eisernen Tore, Männlein und Weib- lein. Wie viele Mütter sind's neben jungen, kaum entknospeten, schnell verblühenden, jungen Mädchen? Tag und Nacht wird hier gearbeitet. Der Qualm der vielen Schlote gibt Zeugnis davon. Rauch der Esten liegt über Häusern und Gassen, frißt sich in die Lungen, unmerklich fast in dieser Well der Gewohnheit. Bei Abend aber, wenn oll die bunten und weißen Lichter an Brücken und Fabrikufern aufslainmen, spiegell's sich im glallen Dunkel des Wassers viel hundertfältig, Umrisse von weitausgreifenden Krananlagen, Werkgcbäude, deren weitläufige Fensterfronfen erleuchtet sind, erstehen aus dem Halbdunkel. Es bleibt der wuchtige Eindruck der Ställe der Arbeit. Dahinter liegt dann Dorstadt in Nacht. Nur der eherne Rhythmus der Arbeit bleibt sieghaft! Zum Thema flrbeiterkabarett. An dieser Stelle wurde neulich eine Kritik mit den Worten beendet. Schafft ein Arbeiterkaborettl Diese— einmal auch ichon mit wenig Glück verwirklichte— Forderung ist alt, heute ober doch besonders dringend. Die Dringlichkeit ist eine geistige, politische und wirtschaftliche. Die Dringlichkeit ist eine geistige: Das Kabarett bietet einer großen Menge künstlerischer Schöpfungen die einzig mögliche Ber- mittlung zum Publikum. Das Kabarett ist eine durchaus un- problematische Angelegenheit, stets darf es Publikum und Künstlern nur eine lustige und bunte Spielbude sein oder wenigstens scheinen. Merkt man, wo's heiter ist, eine Absicht, so wird man oerstimmt. Die meisten Mensche» stehen heute der„höheren" modernen Kunst ohne das notwendige Verständnis gegenüber, mehr noch: sie ist ihnen fremd. Diese hier nicht näher zu erörternde Tatsache ist be- klagenswert.�aber traurig würde es sein, wenn sie nur beklagens- wert wäre Sie hat ja das ungeheure Plus für sich, auf die moderne ..Kleinkunst" hinzuweisen: die wird verstanden, die wird ge- nossen, d i e interessiert, d i c begeistert sogar— was alles die Praxis bewies. Und sie wird auch eine der Brücken sein, die alle wieder zu jenen Quellen führen, die ewig allen gehören— was die Praxis noch beweisen wird.(Ueber den Sprcchchor als einen anderen, ganz anderen Wetz wurde hier kürzlich schon gesprochen.) Außerdem hat natürlich diese Kleinkunst ihren vollen Wert in sich. Um 1890 geißelte man das Morsche mit den Mitteln des Natura- ttsmus und. wie der Theatsrskandal bei der Premiere von„Vor Sonnenaufgang" z. B. bewies, wurden die Hiebe gefühlt. 1926 de- darf es stärkeren Tobaks: mit Ironie und Satire muß dos moderne Kabarett arbeiten, wenn es seine Aufgabe erfüllen will. Diese Aufgabe ist nicht nur Schaffung einer guten Unter- l-oltung— da» ist wichttg, gewiß. Diese Aufgab« ist auch«ine politische— das ist heute jedeniolls ebenso wichtig. Es genügt nicht, zu sogen, trotz aller Blamagen fühlen sich die Führer der Reaktion so mächtig, weil es so viel Dumm« gibt. Es ist vielmehr nötig, die Werkzeuge zu entgiften, mit denen diese Dummen erst veridiotisiert worden sind. Der Werkzeuge gibt es viele, das Kabarett ist eins davon. Entschieden republikanisch und entschieden sozialistisch soll das neue Arbeiterkabarctt sein, weil wir die Er- ziehung zur Republik und zum Sozialismus für«ine sehr ethische Tendenz hallen. Muß denn die Republik so tolerant sein, daß chr jeder auf der Nase herumtanzen kann? Verdient die Glosse nicht häufig just das, was rechts und links der Republik passiert? Die Glosse! Sitzt sie so sicher, wie sie verdient ist. wird sie bestimmt stärker wirken als Münchener und Moskauer Pöbelton. Solllc das dann die Ueberrechten und die Ueberlinken anregen. Geisteswaffen m Zukunft gleichfalls weniger klobig auszuwählen— um so besser. Sollte sie aber— und das soll sie— noch mehr unter den Pro- letoriern den Gedanken verbreiten: Wir lieben vereint, wir hassen vereint, wir haben alle nur«inen Feind: System Ludendoffs und Stinncs— noch besser. Von der wirtschaftlichen Dringlichkeit braucht nicht näher gesprochen zu werden, sie liegt klar auf der Hand. Aus beste Unter Haltung hat auch der Proletarier ein Recht, doch diele» selbstoer- stündliche Recht schützt ihn nicht vor dem üblen Zustand, daß heute im allgemeinen beste Kunst nur gegen bestes Geld zu haben ist. In bezug auf das Kabarett stimmt das ausnahmslos, einige Unter- nehmer könnten sich mäßigen, billig sein kann, wie die Dinge hier liegen, auch der Sozialste nicht. So muß es ober sein: Eintritt außer Sonnabend und Sonntag frei. Bier gibt es— leider!— zu trinken. Kalles und Waimes preiswert zu essen. Und dort muß es sein, wo Arbeiter wohnen! Da, Programm: Politische Revuen, nette, kleine Sketchs, satirische Lieder und„Sprüchle"— Verfasser hierfür gibt es„noch und noch", denn alle, alle sind sie links—. Tänzer. Tänzerinnen und etwas Literatur. Und wer wird's machen und jeden Dilettantismus in künstle- rischcr und technischer Organisation oermeiden? Wir schlagen vor und hoffen: die Volksbühne. Splelplaaänderuvg. In, Deutschen Odernhau«gelangen an- statt der.FrejschL�.Soritellung am l. Mär,.<5 Ubr. zu ermäßigte» Preisen .Di« Meistersinger von Nürnberg" zur«ussuhrunz. v»rtrag Seluschet. Der zweite Bortrag Pro«. Bawicke!» über P r- letariat und.» u n st im Ziabmeu der Btranstattungen der V o I k S b ü h n e E. V. findet am 28. Icbriiar. abends 8 Uhr, im Hörsaal de? Kunstgewerbe- Museums, Prinz Atbrechtstr. i a, statt. Einlaßkarten(M. 0,60) am«aaleingang. 3b der BerNner Sejeffion findet am 3. März»in Vortragsabend statt. an dem die Münchener Dichterin Hilde stiel er eigene Dichtungen vor- tragen und der Rezitator Kurl Felix Gedichte von Rilke, Lersel und Rudolf Borchard sprechen wird. Karten bei Bote u. Bock. Wilhelm»»» Scholz wurde von der Buchhandlung I.®. xpaeth eingeladen. in ihren Räumen aus eigenen Reiten vorzulesen. Der Vortrag dürfte Ansang März stattfinden. vee luternafioBole Zltalariatongreß, der ursprünglich für das Frühjahr lSS geplant war. vttrd erst am«. b. und S. Ottober d. F. in Rom tagen Durch die Veitegung des Aettpauktes soll auch de» Vertretern enifernUnz Länder«Aelegenheit gegeben werden, an de» Kongreß teüzuaehmen. Rostaner Kommiffäre gegen alle Ser Unbotmäßigkeit verdächtigen Elemente mit Schärfe vorgehen. Der rechte Flügel unter Schmerals Führung hatte seine Hoff umgen auf Trogtis Sieg in Moskau gesetzt. Schmeral sieht sich aber n dieser Hoffnung getäuscht und läßt infolgedessen den Dingen ihren Bauf. Dieses Verhalten wird aber von seinen Gesinnungsgenoffen icht gebilligt. Die Folge ist, daß eine ganze Reihe von Bezirken sich ffen gegen die Prager Leitung und gegen Moskau auflehnt. Der eht ausgebrochene Kampf wird dadurch verschärft, daß auch die felb tändigen kommunistischen Gewerkschaften sich weigern, den Anschluß m die Rote Gewertschaftsinternationale zu vollziehen. So ist die anze tommunistische Partei in vollem Aufruhr, es ann fein Zweifel sein, daß sie unter der Wirkung dieser Kämpfe ihren egten Einfluß verliert. Wie weit die Dinge in der Tschechoslowakei bereits gediehen find, jeigen die neuesten Nachrichten: Am Freitag abend fand im Brünner Arbeiterhaus eine Bersammlung der fommunistischen Vertrauensmänner statt, melhe nit allen gegen eine Stimme einen scharfen Protest gegen en Ausschluß des Abgeordneten Bubnit aus der Partei beschloß. Die Konferenz sprach sich weiter dafür aus, daß der auf Befehl Moslaus eingejezte Chefredakteur B. Burian von seiner Stelle beeitigt werde. In der Nacht von Freitag auf Sonabend wurde dieser Beschluß urchgeführt: Bertrauensleute der Arbeiterschaft begaben sich in die Redaktion der„ Rovnost“ und warjen Burian heraus. Die Rovnost" von Sonnabend früh teilt der Arbeiterschaft die Einsegung der neuen Redaktion mit. Sie bittet die Leser um Entchuldigung, daß ein Teil des Blattes noch von der alten Redaktion hergestellt wurde, kündigt aber an, daß in Zukunft das Blatt im euen, der Gesinnung der Brünner Arbeiterschaft entsprechenden Beiste geführt werden wird. Die Brünner Arbeiterschaft ftimme mit en blindgehorchenden Mostaudienern nicht überein. In Brünn hat siese Balastrevolution innerhalb der kommunistischen Partei großes Aufsehen und in der Arbeiterschaft Befriedigung hervorgerufen. An die Spize der Oppofition gegen die Prager Führung hat sich der Direktor des Arbeiterkonsumvereines Bzajemnost" komanda getellt, der auch juristisch der Herausgeber der„ Ropnost" ist, so daß ie tommunistische Parteileitung in Brünn über kein journalistisches Sprachrohr mehr verfügt. Nach einer Beratung mit seinen westböhmischen Anhängern hat Abgeordneter Warmbrunn den Austritt aus dem kommunistischen Abgeordnetenflub vollzogen. Barmbrunn teilte bem Präfidium des Abgeordnetenhauses mit, daß er aus dem Klub der kommunistischen Abgeordneten austrete und meiterhin außerhalb aller Abgeordnetenlubs verbleibe. Der tommunistische Abgeordneten lub äußert sich überhaupt nicht zu diesen Bor jängen. Der Umstand, daß er sich in tiefstes Schweigen hüllt, tann aber nur schwer die Tatsache verbecken, daß im 2bgeordneten lub eigentlich eine rechte Mehrheit besteht. Nur der Feigheit Smerals, der es noch immer nicht magt, hervorzutreten, iſt s zuzuschreiben, daß sich der Abgeordnetentlub nicht offen gegen die Barteileitung wendet. Der Abgeordnete Roucef ist ebenfalls entchlossen, den Abgeordnetenflub zu verlassen. Im Zusammenhang mit all diesen Ereignissen steht wohl auch die Resignation des tom nunistischen Abgeordneten Touzil auf seine Mitgliedschaft in der Brager Zentralvertretung. Er sowie brei andere fommunistische Ab. geordnete wollen ebenfalls den kommunistischen Abgeordnetenflub berlassen. Abgeordneter Bubnit will fich demi Diktate der Minderheit nicht ohne weiteres fügen. Er will gegen die Ausschließung aus der tommunistischen Bartei an den Parteitag refurrieren. Die skandinavischen Ermoskauer. Sopenhagen, 24. Februar.( Franff. 8tg.") Die Kommunisten in den vier skandinavischen Ländern haben sich als Stanbinanische Kommunisten Separation" zusammengefchloffen, um Bropagandisten auszumedhfeln und dadurch erhöhten Einfluß zu gewinnen. Stresemann der Gekränkte. Er klagt in einem fort. Köln, 25. februar.( Eigener Drahtbericht.) Wir berichteten bereits in diesen Lagen, daß gegen zmei Redakteure unseres Kölnerr Parteiblattes gegenwärtig minifterlagen laufen. Stresemann allein hat nicht weniger als brei Beleidigungsprozeffe gegen unser Kölner Parteiblait angeftrengt Der erste diefer Brozesse foll am 19. März vor dem Kölner Schöffengericht verhandelt werden. Strefemann fühlt sich durch einen Artikel Stresemann als Hellfeher" beleidigt, der mährend des legten Reichstagswahlkampfes in unserem Barteiblatt erschien und die Parteifonstellation im neuen Reichstag behandelte. Besonders haben es ihm die Ausbrüde Flei. E wurden dann noch durch Bernehmung des Genoffen Hirsch einige besonders fraffe Dinge festgestellt. Aus einer Aften notiz die Genosse Hirsch verlas, geht hervor, daß Krüger mußte, daß der bei der Wohnungsfache an sich zuständige Baurat Küttner während der Barmatschen Wohnungsangelegenheit in Urlaub ge: wesen war. Irozdem hat Krüger in seinem Bericht es als befonders auffällig bezeichnet, daß Küttner nicht zur Unterschrift bei der entscheidenden Genehmigung mitherangezogen worden sei. Barmat hatte ferner für übergroßen Wohnraum eine Abstandsfumme von 8000 m. in vier Raten zu 2000 m. zu zahlen. Er hat die ersten zwei Raten gezahlt, die dritte Rate, die am 1. Januar 1925 fällig war, ist nach Barmats Verhaftung angeboten, aber vom Wohnungsamt nicht angenommen worden. Troß dem behauptet der Krügersche Bericht, daß Barmat mit der dritten Rate in Verzug geblieben sei und überhaupt nicht habe zahlen wollen. Mit dem Krügerfchen Bericht sind die Deutschnationalen wochen. lang haufieren gegangen. Jeßt sieht man, mas dieser Bericht eines Dölfischen Beamten mert ist! Aschermittwoch. Heute ist Aschermittwoch! Die Feste und Feiern haben ein Ende, das große Fasten beginnt, und wer lange in tatholischen Gegenden gelebt hat, der weiß, daß die Kirchengloden schweigen und eine Art Knarre die Stelle der Gloden versieht. Der reuige Sünder tut Buße, streut Asche auf sein Haupt und lebt still und in aller Zurüdgezogenheit. Am Rosenmontag und am faschingsdienstag ist alle Luftigkeit noch einmal hoch aufgeflammt, find Karnevalstollheit und lebermut überschäumend dahingerauscht. Jezt ist alles dunkel, grau in grau. Rojenmontag, Fastnachtsdienstag und Aschermittwoch für die meisten Menschen in Norddeutschland und namentlich in Berlin find das alles Worte ohne Bedeutung. sind das Lage wie alle anderen Tage auch. Ja, piele, die nicht zu fällig in den Ralender gesehen haben, wiffen nicht einmal, baß heute Aschermittwoch ist. Sie wiffen und sehen nur, daß bie, die es fich leisten tönnen, weiter Feste feiern, daß der sogenannte Karneval weiter tollt und tobt mit immer neuen Veranstaltungen, eine immer als der andere. Ob man sich dazu tostümiert oder im Frad und ele ganten Ballkleid die Feste besucht, es bleibt dieselbe langweilige Note und Nüance. Biele, die diese Bälle mit Leidenschaft und Ausdauer befuchen und höchstens einen gediegenen Kater von diesen Luftbarkeiten mit nach Hause bringen, treibt weiter nichts als Ner pofität in diese Stätten des Bergnügens, ein trampfbaftes, aber vergebliches Bemühen, der eigenen Leere zu entfliehen. Borher war als Zeuge über die Honorarangelegenheit Dr. Rühe fader als die andere, mit immer neuen Bällen, einer immer banaler und Helwig General a. D. von Livonius, Aufsichtsrat und Berater im Michael- Konzern, vernommen. Er be fundet, daß anläßlich einer geschäftlichen Differenz zwischen Kutister und dem Michael Konzern die Staatsbant als Schiedsrichter aufgetreten sei und Dr. Helwig und Dr. Rühe als Schiebsriter fungiert hätten. Der Hauptgläubiger war die Brivat- und Handels bant des Michael- Konzerns. Kutister schlug zur Ausgleichung der Differenz ein Schiedsgericht durch Angestellte der Staatsbant vor. Nach anfänglicher Ablehnung wurde die Staatsbant schließlich als Schiedsrichter anerkannt. Während oder vor dem Schiedsgericht ist von einer Honorierung der Schiedsrichter nicht die Rede gewesen. Aber jeder, der im Wirtschaftsleben steht, weiß, daß Schieds gerichte honoriert werden, und zwar verhältnismäßig hoch. Nach dem Schiedsgericht beauftragte Michael mich, die Frage der Schiedsgerichtsgebühren zu regeln. Ich habe dann Herrn Michael den Satz von 200000 Mart für jeden Herrn vorgeschlagen. Bei dem recht hohen Objekt hätten sich bei genauer Ausrechnung ungefähr 56 000 m. Gebühren ergeben, da es in Groß- Berlin üblich ist, in solchen Fällen dem Schiedsrichter die zwei bis dreifachen Gebühren eines Anwalts in der Berufungs. instanz zu gewähren. Ich habe den Scheck den Herren überbracht und damit war die Sache erledigt. Persönlich habe ich mich darüber gefreut, daß ich den beiden Herren, die ich als absolut forrette und höchst ehrenhafte Bersönlichkeiten seit Jahren tenne, einen rechtmäßigen Verdienst überbringen konnte. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der 3cuge, er habe an den Vorverhandlungen nicht teilgenommen, tönne also nicht sagen, ob die Staatsbant als Institut zum Schieds: richter gewählt wurde oder ob die Herren Rühe und Helwig per fönlich um diese Tätigkeit ersucht wurden. Bors. Dr. Leidig: Haben die Herren nicht Bebenfen wegen der Höhe des honorars geäußert? Zeuge v. Livonius: Herr Rühe meinie wohl, das sei doch sehr piel. Er sagte das fo, als wenn man einer Dame schöne Blusen schenkt und sie meint dann, das wäre doch zu tostbar. Borf.: Aber fie nimmt sie doch. 3euge: Jawohl( Seiterfeit.) Der 3euge äußert sich weiter auf verschiedene Fragen dahin, das Honorar fei nach seiner Meinung nicht unverhältnismäßig hoch gewesen, denn die beiden Schiedsrichter hätten auch eine lange und anstrengende Arbeit zu leiften gehabt. Die Berhandlungen hätten zwei Tage in Anspruch genommen. Um die Unterlagen für die schwierigen Zinsberechnungen zu schaffen, hätten Unterbeamte ber Staatsbant umfangreiche Berechnungen angestellt Abg. Dr. Badt( Soz): Dann ist die mefentliche Arbeit also von diesen Unterbeamten geleistet worden, die dafür teine Enf schädigung erhalten haben? 3ft es denn und den Dienstnorfchriften der Staatsbauf zulässig, daß Unterbeamte zu solchen Diensten non höheren Beamten in Unfpruch genommen werden, die in diesem Falle cinen privaten guten Nebenerwerb treiben? Staatsbantpräsident Schröder erflärt bazu, er erfahre jest er ft non diefer Inanspruchnahme der Unterbeamten und merbe nähere Erfundigungen einziehen. Auf die Frage, ob dem Zeugen nicht befanni mar, daß die Herren Rühe und Helwig einen entscheidenden Einfluß auf die Kreditgemährung hatten, erklärt der Zeuge v. Linonius, für Michael hätten die Kredite der Staatsbank in jener Zeit gar feine Rolle gespielt Die Honorierung der beiden Herren jei auch deswegen nicht spielt. Die Honorierung der beiden Herren sei auch deswegen nicht befonders auffällig, weil in der Inflationszeit, wo die Beamten unmöglich mit ihrem färglichen Gehalt auskommen konnten, die Ministerien und Behörden selbst verfügt hätten, man folle jetzt im Gegensatz zu der Uebung der Borfriegszeit den Beamten teine Swierigkeiten bei der Uebernahme von Nebenverdiensten machen. Abg. Diel( 3tr.) betont, es sei auffällig, daß die Staats. bant, die an dem Streitfall Michael- Kutister durchaus des Für die anderen aber, die große Mehrzahl, die weder in der Lage find, solche Feste zu feiern, noch Luft dazu haben, bedeutet der Aschermittwoch erst recht nichts. Er ist für sie fein besonderer Tag und nicht der Anfang eines besonderen Zeitabschnittes. Für sie i stfast immer Aschermittwoch, ohne daß fie fich als äußeres Symbol Asche auf das Haar streuen. Für sie hat auch der Aschermittwoch teine Bedeutung nach der Richtung, daß nun das große, mochen lange Fasten beginnt. Fleisch, lebe wohl! Lange, lange ist es her, daß sie den Ruf haben ausstoßen müssen. Und so leben sie weiter und machen selten nur mit dem Fleisch als Nahrungsmittel Bekannt schaft. Ein ewiger Aschermittwoch, den nur die Hoffnung erträglich macht, daß auch für die Enterbten einst der Tag des Umschmungs tommen muß und fommen wird. Um die proletarische Hundertscha, i. Ein Prozeß in Potsdam. Bor der großen Potsdamer Straffammer unter dem Borsiz des Landgerichtsdirektors Dr. Westerkamp wurde heute im Berufungsverfahren gegen die Teilnehmer an dem tommunistischen Aufruhr in Glindow verhandelt. Nicht weniger als 41 Zeugen find zu dem Brozeß geladen. Der große Schwurgerichtssaal, in dem die Berhandlung stattfindet, ist durch Schuhpolizei unter Führung eines Offiziers gesichert. Auf der Anklagebant nehmen acht Glindomer Einwohner, Mitglieder der Kommunistischen Partei, plaz, die am 4. September v. J. vom Potsdamer Schöffengericht aus§§ 128 und 129 zu 2 bezw. 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Gegen das Urteil haben sowohl die Statsanwaltschaft als auch die Angeflagten Berufung eingelegt. Bor Eintritt in die Verhandlung beantragt der Untagevertreter, Staatsanwaltschaftsrat Stargardt, den Ausschluß der Deffentlichkeit mährend der ganzen Dauer des Prozesses. Seinem Anfrage mird norläufig nicht stattgegeben. Im Oftober/ November 1823 gährte es in den Ortschaften Glindom und Begom in bedenklicher Weise. Am Kriegerdentmal perjammelten fich tommmunistische Trupps, zogen unter Abfingen aufreizender Lieder und Schmährufen auf die Sand jäger durch die Straßen. Alle Anzeichen sprachen bafür, daß eine mohlorganisierte proletarische Hundertschaft befſtand. Brattiſh tra bie Organisation hernor, als fich in der Nacht zum 19. November die Nachricht im Ort verbreitet hatte, baß der junge Sjerr v. Rachne 3 mei Arbeiter fhmer perfekt habe. In Gruppen erSchienen die Romunumisten auf der Straße, militärische Befehle murden gegeben und in furzer Zeit maren alle Eingänge durch tommu nistische Boftenfetten in Glindom belegt. Blanmäßig ging die Führung vor. Ein Oberleutnant mit feinem Burschen wurde famer mißhandelt und nom Rade gefchleift. Von der politischen Boliger in Berlin wurde als Sachverständiger Bolizeirat Hennig gener Das Urteil ist erst in später Nachtstunde zu erwarten. Schwerer Banunfall in Charlottenoury. Bei einem Garagen- Neubau in der Kaftanienallee in Charlottenburg ftürzte aus bisher noch nicht aufgeflärten Gründen eine Wand zusammen und begrub mehrere Arbeiter unter Biger Außenminister rede mann"," Großer Stresemann", Streje interessiert war, die Durchführung des Schiedsspruchs dadurch fich Während einige von den Berunglückten mit leichten Schür mann, ein Gemisch von Staatsmannsgetue und Charakterlofigkeit" und„ Der Konjunkturpolitifer Stresemann" angetan. Der angeflagte Redakteur, Genoffe Trimborn, ift entschlossen, für die unter Anklage gestellten Behauptungen einen umfangreichen Wahrheitsbeweis an zutreten, so daß der demnächst in Köln zur Verhandlung tommende Brozeß außerordentliches Interesse gewinnt. Die Quellen der Hehe. Wie Material zustande kommt. erleichterte, daß sie den befannten Bechsel über 1,8 millionen disfontierte. Borf.: Uns interessiert lediglich das Honorar. Der Zeuge hat hefundet, daß vor dem Schiedsspruch von einem Honorar überhaupt nicht die Rede war. Abg. Ruffner( Soz.): Durch men ist der Gedanke in die Ber handlungen hineingebracht worden, daß die Staatsbank die Zahlung der Kapitalsumme durch Distontierung des Rutisterschen Wechsels übernehmen folle? Zeuge v. Civonius: Nicht durch die Partei Michael, das ist eine Einigung zwischen Kutister und den Herren gewesen. Damit ist die Bernehmung des Zeugen beendet. Rechtsparteien und Inflationsgewinnler. Die kleinen Steuerpflichtigen mögen zahlen. Die Reichsregierung hatte die Absicht, den Befißenden noch vor chen zu machen. Sie regte im Steuerausschuß des Reichstags an, der Erledigung der neuen Steuervorlagen ein feines Geschenk und im Mai fällig sind, zu erlassen. Die Sozialdemokratie hat diesen Absichten ein brutales Nein entgegengefeßt, und man hat feitdem nichts mehr darüber gehört. fungen und Berlegungen davonsamen, geriet Arbeiter Starl Bainrom unter die Schuttmassen. Die herbeigeeilte Feuerwehr fonnte ihn nur noch als Leiche bergen. Feststellungen zu den Schlachthof- Diebereien. Die Diebereien auf dem Schlachthofe, über die wir schon be richteten, beschäftigen immer noch die Kriminalpolizei. Durch die bisherigen Ermittlungen wurden 36 Perfonen festgestellt, die an den Diebstählen beteiligt find, die Hehler nicht mitgerechnet. Die allermeisten haben nur fleinere Stüde und Fleischwaren entwendet und wurden vorläufig wieder auf freien Fuß gefeßt. Fünf Mann wurden bisher megen größerer Diebstähle dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Noch nicht ermittelt ist ein Mann, der nur unter dem Spitznamen„ ber lange Hermann" bekannt ist. Allem Anscheine nach war er der Haupttäter. Die bisher festgestellten Personen, Schlächtergesellen, Abträger und Arbeiter, haben zum Teil auch Diebstahle gestanden, die von den Bestohlenen gar nicht angezeigt worden sind. Es gewinnt beinahe find. Ferienheime für den deutschen Mittelftans. Im Breußischen Untersuchungsausschuß über die Barmat- Ange legenheit fonnte man heute vormittag recht interessante Studien darüber machen, mie belastendes Material" entsteht. Es handelte fich um die Wohnungsangelegenheit des Henry Barmat in Charlottenburg. Ueber dieje Sache lag ein schriftlicher Bericht des Oberpräsidiums vor, gefertigt vom Referenten Re fälliger Beise darstellt. Nach der Berlesung dieses Berichts, die bereits gierungsrat Krüger, der die Wohnungsangelegenheit in äußerst ab in einer früheren Sigung erfolgte, wollten die Deutschnationalen die Zahlungen auf die Bermögenssteuer, die im Februar den Anschein, als ob die ersten Nachrichten start übertrieben worden weitere Zeugenausfagen abdrehen, weil angeblich der Bericht schon alles befage. Es wurden aber schon damals grobe Unstimmig teiten des Berichtes festgestellt. Run ergab am heutigen Vormittag die Bernehmung des Stadtsekretärs Thieme ein geradezu erschreckendes Bilb über das Zustandekommen des Berichts. Thieme sagte aus, daß er von dem Regierungsrat Krüger in jeder Weiße beeinflußt worden fei, ungünstig zu berichten. Krüger habe zunächst an ihn, den Zeugen, als forretten Beamten" appelliert. Als der Zeuge aber nicht das ausfagte, was Krüger wünschte, sei er direkt umgeschlagen und habe ihn, den Zeugen Thieme, durch die Drohung eines Disziplinar, verfahrens einzuschüchtern gesucht. Dabei ist ein Disziplinarver: fahren gegen Thieme schon deswegen völlig ausgeschlossen, weil dieser in der ganzen Sache lediglich auf Anweisung seiner Borgeſeßten gehandelt hat. Nachdem in der mündlichen Borbesprechung Thieme bei seiner Darstellung verblieben war, habe Regierungsrat Krüger troßdem in der protokollarischen Niederschrift seine ungünstige Aufailung über den Fall durstzusehen versucht. Der Zeuge hat jeden Gag des Brotofolls beanstanden müssen. Erst nach heftigen Auseinandersetzungen habe Krüger nach gegeben, aber die Formulierung sei gleichwohl in Ton und Ausdrud eine andere gemorden, als der Zeuge es haben wollte. Auch feien richtige Angaben und Formulierungen des Zeugen von Krüger aus dem Protokoll weggelassen worden. Krüger suchte auch aus dem Beugen herauszubekommen, ob er vom Genoffen Stadtrat Hirigh beeinflußt worden fei oder mit ihm vorher gesprochen habe. Als der Zeuge dies entschieden verneinte, jagte Krüger: Mir tönnen Sie das ruhig anvertrauen." Die Genossenschaft Deutsche Bolfserholungsheime, Berlin C. 2, Auch das angefündigte Initiativgefeß der Rechtsparteien ist nicht Boftstr. 10/11, die in Gemeinschaft mit dem Boltsreisever. erschienen. Die Ursache dafür liegt in dem Verhalten des Zentrums. band arbeitet, besitzt Ferienheime für den deutschen Mittelstand in Dhne das Zentrum ist eine Mehrheit für diejen Antrag nicht zu den schönsten Gegenden Deutschlands. Während Alexisbad im schaffen. Die Rechtsparteien traten deshalb an das Zentrum mit Harz, Elgersburg in Thüringen, oster wi( sächsische der Bitte um Unterstützung ihrer sauberen Pläne heran. Wie wir Schweiz) und Josefstal am Schliersee den ganzen Winter über mitteilen tönnen, hat das Zentrum feine Zustimmung davon ab- geöffnet find, werden die übrigen Häuser in Baabe auf Rügen, Neuhaus an der medlenburgischen Ostseeküste, Helgoland, hängig gemacht, daß der Erlaß der Vermögenssteuer nur gewährt Bilfchenbruch bei Lüneburg, Buchenhaus bei Flinsberg werde bei einem steuerpflichtigen Vermögen bis zu 50 000 M. Das ( fergebirge), Tambach in Thüringen und Seebad Rübers ist auch schon eine nette Summe. Denn wer am 31. Dezember 1923 dorf am Kaltsee Anfang April ihre gastlichen Tore zu den billigen 50 000 Mart als Vermögen anerkennen mußte, der ist nicht gerade Bensionspreisen von 3,60 m. ab eröffnen. Auf Helgoland hat die Genossenschaft bekanntlich in der völlig renovierten Marinnetajemne ein prächtiges Kinderheim, das von Anfang Mai bis Ende Ottober in Betrieb ist, während die Kinderheime Graal an der Ostsee, Friedrichroda in Thüringen und Lähn im Riefengebirge das ganze Jahr über geöffnet sind. ein armer Mann. Da die Rechtsparteien ihren Antrag auf Erlaß der Vermögens. fteuer mit dem Hinweis auf die Not im Mittelstand be gründet hatten, fo hätte der Borschlag des Zentrums eigentlich Gegenliebe bei ihnen finden müssen. Statt beffen wurde er schroff abgelehnt und es wurde der in Aussicht genommene Gesetzentwurf nicht eingebracht. Die Rechtsparteien haben damit auf bas deutlichste ihre wahren Absichten gezeigt. Nicht Hilfe für die kleinen Vermögenssteuerpflichtigen war ihr Ziel, sondern für die großen. Und nachdem sie die Bergünstigung für die die großen. Und nachdem sie die Bergünstigung für die reichen Inflationsgewinnler nicht durchsetzen konnten, verzichteten sie jogar auf bie erreichbare Siffe für die feinen. Die poliklinische Sprechkunde für Unbemittelte im Institut für Sexualwissenschaft, Berlin RB. 40, In ben 3el. 10, findet von jest ab täglich vormittags von Sonntag bis Freitag bon 11-12 Ubr unter Leitung von Herrn Dr. Schapiro statt. Die Sprechftunben in ber öffentlichen Cheberatungsstelle unter Zeitung der Aerzte Son- Rat Dr. Magnus Hirschfelb, Dr. Kronjelb, Dr. Schapiro und Dr. Kreiselmacher find jett ebenfalls täglich, unb stvar an jedem Bochentage nachm. von 6 sis Zube M Klatsch und Klagen. Privatflagen entstehen aus Ratsch und übler Nachrede. Gin unbedachtes Mort, vielleicht nur im Scherz der andere aber geht und flagt. Frau Schulze ist auf Frau Krause neidisch, meil diese eine neue Bluse trägt und sie nicht. Die Schulzen" spricht ein Bort zuviel Die Krausen" erfuhr das von der„ Meyern". Als die Kraufen über die Schulzen" wie ein Rohrspaß schimpfte, stand diese mit gespitzten Ohren hinter der Tür. Einige Tage später haben alle drei eine Einladung zu einer Berhandlung por dem Gericht in der Tasche. Pünktlich sind alle zur Stelle: Zeugin, Angeklagte und Klägerin. Alle drei drücken trampfhaft mit dem Daumen. Die Leute jagen, ein Prozeß sei ein Glücksspiel und da müsse man mit dem Daumen drüden. Als nun die Berhandlung begann, da glaubten die Kraufen, die Schulzen und die Meyern, jede müsse den ganzen üblen Hausflatsch zum besten geben. Doch der Richter griff energisch ein und versuchte, alle Beitschwelfigkeiten der Klatschbasen zu unterbinden. Sören Sie mal meinte der Richter, hier ist doch ein Bergleich möglich. Angeklagte, mollen Sie die Beleidigung nicht zuriidnehmen?" Wat, id soll zurüdnehm, id habe teen belei digt, dat is blok' n Racheati!" Die Klägerin: Ha Richter, die hat mair beleidigt, jest mill se schwindeln!" Der Borsitzende setzt dem Redeftrom einen Damm:„ Aber Frau Krause, hören Sie mal, wollen Sie nicht erflären, falls Sie die zur Berhandlung stehende Beleidigung ausgesprochen haben, daß Sie dieselbe zurüdnehmen?" Nie und nimma!" Um die Bagatelle wird weiterverhandelt. Es drohte der§ 187 des Strafgesetzbuchs: Ber rider besseres Wissen auf einen anderen eine unwahre Tatsache(!) behauptet.. Welche Bonne spiegelte fich auf dem Gesicht der Klägerin, als der Rechts. ftreit zu ihren Gunsten entschieden war.. 4. Beit ist vergeudet worden. Der Haß bleibt. Gewerkschaftsbewegung Die Moskauer Abenteurer an der Arbeit. Unverschämte Einmischung.. Die Abenteurer von Moskau, die als kommunistische und rote Gewerkschaftsinternationale firmieren, erlassen einen Aufruf an alle deutschen Bergarbeiter", in dem es zum Schluß heißt: Die klassenbewußten Arbeiter aller Länder unter Führung der Kommunistischen Internationale und der Roten Gewerkschafts internationale rufen euch auf, zum Kampf zu schreiten. Erkämpft die Siebenstundenschicht! Rüftet zum Kampf! Die toten 136 Brüder dürfen nicht umsonst gefallen sein! Die deutschen Bergarbeiter haben, als die heutigen Diktatoren von Moskau noch nicht daran dachten, gewerkschaftlich sich irgend mie zu betätigen, schon schwere Kämpfe gegen das Grubenkapital geführt. Sie haben vor zehn Monaten einen vierwöchigen Kampf um die Siebenstundenschicht geliefert und sie werden zum gegebenen Zeitpunkt diesen Kampf wieder aufnehmen. Den Zeitpunkt zu wählen ist jedoch ihre ureigenste Angelegenheit. Sie werben sich diesen Zeitpunkt vom Grubenkapital auch dann nicht vorschreiben lassen, wenn diesem wie so oft, die zweifelhaften Elemente von Moskau zu Hilfe tommen. Diesen Abenteurern, die Geld und agents provocateurs nach Deutschland schicken, um hier Butsche zu organisieren und ehrliche deutsche Proletarier ins Unglüd zu bringen, mögen zunächst einmal Dor ihrer eigenen Türe fehren, wo der Unrat sich bergehoch türmt. Wenn in dem Aufruf gegen die Affordschinderei, lnterernährung und die Arbeitslosigkeit Stellung genommen wird, dann genügt es, an die Hungerlohne in Rußland, an das unmensch liche Antreibersystem, an die Akkordschinderei der Sowjetrepublik zu erinnern, wo selbst im Laugewerbe alle nur erdenklichen Arbeiten in Afford ausgeführt werden. Und wie steht es denn dort mit der Die Sparkasse der Stadt Berlin hat in den Rathäusern Einreihung der Arbeitslosen in den Produktionsbetrieb"? ProNikolassee und Wannsee sowie in dem Gutshause Da bzentual dürfte Rußland, was die Arbeitslosigkeit betrifft, so ziemlich Lem amtliche Nabenstellen ihrer Kaffe eröffnet. an der Spitze stehen. Borübergehende Schließung der Volfsbücherei I in Lichtenberg. Begen Bestandsaufnahme bleibt die Boltebücherei 1. Lichtenberg, Möllendorffitr. 5. während der Zeit vom 28. bis 28. Februar ge schloffen. Die Ausleihefristen werden entiprechend um eine Boche verlängert Die Stadtverordnetenversammlung wird morgen, wie gewöhnlich, wiederum um 4% Uhr beginnen. Aus der reichhaltigen Tages ordnung ist hervorzuheben die Beratung der Magistratsporlage be treffend die Ausführung eines Straßentunnels unter dem Pots dapier Außenbahnhof und der Antrag der sozialdemocratischen Fraktion, der die weitere Aufwertung von Spartaffenguthaben verlangt. Nachdem dieser Antrag in dem vorbereitenden Ausschuß einstimmig angenommen morden ist, besteht die Russicht, daß die Rechtsparteien, die sich ja mährend der zurüd liegenden Wahlperiode sehr stark für die Aufwertung interessierten, auch im Plenum dafür stimmen werden. Zur Behandlung steht ferner noch der fommunihild; e Antrag wegen der Kreditgewährung der Neuköllner Stabibant an ten Baimatkonzern. Die Kommu misten merber: bei der Beratung ihres Antrages nicht viel Frende crieben. Erdbeben in Belgien und Holland. In der Provinz Lüttich und Belgisch Luremburg wurde ein heftiges Erdbeben verspürt, das 30 Sekunden dauerte und von unterirdischem Donner begleitet mar. Auch in Maastrich wurden Erdstöße von geringerer Seftigkeit verspürt. Heftiger Sturm an den französischen Küsten. An den Küsten granfreichs tobt sett geftern ein heftiger Sturm, dem bereits ver schiedene Dampfer zum Opfer gefallen find. In Concarneau find vier französische Tischdampfer zufammengefioßen. Die Besagung fonnte gerettet werden. 3 Sport. Deutsch- dänischer Borkampfabend. Der Bogiportklub heros erlin veranstaltete im Saalbau Friedrichshain einen deutsch- dänt then Borkampfabend mit Pippow, Sportmart des BBB., ais Kingrichter und Buttrup Kopenhagen, Borfizender der Däni fchen Amateur- Box- Union, als ersten Bunttrichter. Im Jugendedergewicht fiegte 28 iIfch( BC. Westen) nach Buntten, ebenjo & temp( Heros) im Fliegengewicht. Im Leichtgewicht liegte Nitschke( Heros) in der Zusagrunde, die nach drei unentschiedenen Stunden erfolgte. Bon nationalen Kämpfen ist wenig bemerkens mert, nur Braiß nom JBC. Maccabi, der gegen Hagen( heros) fiegte, lieferte einen interessanten, technisch vollendeten Kampf. Die internationalen Kampen begannen mit Nittel Laursen( Sparta Kopenhagen) 106 Pfd., gegen E. Bolfmar( Heros). Legterer hatte einen durchaus gleichwertigen Gegner, fo daß der Schiedsrichter nach drei Runden unentschieden erklärte; in der Zusagrunde führte Bolfmar und trante so einen Bunftsieg erringen. Im Feder gewicht trafen 3eri Ropenbogen und hardt( Heros) 34lammen. Beriß war der überlegenere Technifer und trug den wahl verdienten Sieg nach Burften davon. Die Beltergewichte Schro der( Heros) und Larsen( Hermad Kopenhagen) begannen im schärfften Tempo, jedoch schon in der ersten Runde mußte Larsen die Führung an Schröder abtreten, der der weitaus bessere Technifer mar, obwohl Larsen über die größere Reichweite verfügte. Auch eine Berwarnung wegen Tiefschlag, in den Larsen hineinlief, fonnte Schröder den Bunttfieg nicht nehmen. Einen ganz überlegenen Sieg gewann Michaelsen( Chriftianshavn K., Kopenhagen) gegen Schmer( heros). Man sollte es vermeiden, so wenig durch gearbeitete Beute mie Schmers so hervorragenden Fightern, gegen überzustellen. Schwer mußte in der zweiten Runde bis acht zu Boden und konnte sich erst in den letzten Phasen der dritten Runde wieder auf fich selbst befinnen. Sieger nach Bunften Michaelsen. Wohl den besten und spannendsten Kampf des Abends brachten die Schwergewichte Robert Larsen( Sparta- Stopenhagen) gegen Knöpnadel( BA. Brandenburg). Lepferer gab das Lempo non Anfang an und bewies, daß er im Nehmen und Geben gleich bart ift. Anopnadel ist ein so guter Techniker, daß er Treffer auf Treffer bei Larsen landen fonnte und seine große Fähigkeit im Nehmen ermöglichte es ihm, drei Runden durchzustehen. Sieger nach Bunk ten Knöpnadel Berliner ElektrikerGenossenschaft angescht. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N 24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Piliale Westen, Wilmersdorf 1al Pfalzburg 9831 Landhausstr. 4 Herstellung elektr. Lidht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Der gute KapitänKaufabak $ t in den meisten Zigarren eschäften erhältlich C. Böcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 39 Hark echt Fiche Die Moskauer Abenteurer, die nun schon seit Monaten im trauten Verein mit der deutschen Reaktion gegen die„ Barmat- Sozial demokratie" hezen, obwohl auch heute noch fein Mensch die Berbrechen der Barmat und die Verantwortung der Sozialdemokratie für diese noch unbekannten Berbrechen anzugeben weiß, schlagen auch in diesem Aufruf in dieselbe Kerbe. Demgegenüber sei einmal die" Pramda" vom 12. April 1924 zitiert, in der Karl Radek in seinem Nachruf an Stinnes folgendes schrieb: " Stinnes verstand es aber auch, einen nicht weniger harten Kampf gegen seine eigene Bartei zu führen, wenn in ihr sich auch nur die geringsten Selbständigkeitstendenzen regten. Der Führer der Deutschen Volkspartei, Stresemann, ist aus den Kreisen der fächsischen Textilindustrie hervorgegangen. Bei der Berteidigung ihrer Interessen, der Interessen der verarbeitenden Industrie, war er von Zeit zu Zeit gezwungen, feine eigenen Wege zu gehen. Das genügte, damit Stinnes ihm den Krieg erklärte. Er konnte diesen Krieg nicht in brutaler Form in seinen eigenen Zeitungen führen. Deshalb versorgten feine Agenten die kommunistische Preise mit Mitteilungen, die Stresemann fompromiftierten. Von Stinnes Agenten erfuhr das Zentralorgan unserer Partei( d. h. die Role Fahne"), daß Stresemann von einem russischen Juden, den Kaufmann Citwin, finanziert wird. Daß die Nachfolger des Sarismus mit Stinnes und anderen Großkapitalisten und Ausbeutern Geschäfte machen, sich da gegen meigern, mit reinen Arbeiterunternehmungenin handelsbeziehungen zutreten, ist cine befannte Tatsache. Diese Abenteurer, die mit dem Großfapital eingeftandener maßen Hand in Hand arbeiten, besitzen die Unverschämtheit, die deutschen Proletarier zum Kampf" aufzurufen. Abgesehen davon, daß sich die Moskowiter da in Dinge hineinmischen, die fie, auf gut deutsch, einen Dreck angehen, sei ihnen hiermit gefagt, daß sie am allerlegten qualifiziert find, solche Aufrufe zu erloffen. Im übrigen rückt die deutsche Arbeiterklasse immer mehr ab von den Stipendiaten jener Moskauer Abenteurer. Das muß angesichts der stärker zum Ausdrud tommen. unverschämten Einmischung der Moskowiter noch deutlicher und die Löfung bes Problems immer bringender mird. Sie fordert bes halb von Gemertschaft und Partei intensivere Tätigkeit im Sinne der Auffassungen unseres Verbandsvorstandes. Gleichzeitig erklärt die Gaufonferenz, daß die systematische Herabsetzung der Berbandsleitung durch einige Blätter der sozialdemokratischen Par tei durchaus zu verurteilen ist. Die Funktionäre des Verbandes haben für die nötige Aufklärung zu forgen." Die Diskussion über das Referat Jäckel mar recht lebhaft. Ueber die Resolution wurde auf Antrag getrennt abgestimmt. Der erste grundlegende Absatz wurde gegen eine Stimme und der zweite gegen 11 Stimmen angenommen. Durch diese Abstimmung zeigt sich, daß die überwältigende Mehrheit der Vertreter des Tertil arbeiterverbandes in Sachsen in dieser Frage hinter dem Verbandsvorstand steht. Wir dürfen wohl annehmen, daß die Geschlossenheit der Tertilarbeiter merklich zur Abkühlung des Streites, wie er von den fächsischen Parteiblättern geführt wird, beitragen wird. Eingabe des ADB. an das preußische Staatsminiſterium. Das Landessekretariat Preußen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes ist an das preußische Staatsministerium herangetreten, angesichts der Notlage namentlich der unteren und mittleren Beamtenschaft die Gehälter für März bereits am 25. Februar 1925 auszuzahlen. Daß eine solche Notlage beſteht, beweisen die Anträge aller Parteien bei Reichs- und Landesparlamenten, die unzureichen den Gehälter der Beamten so aufzubessern, wie es die augenblickliche Teuerung verlangt. Die unzutreffenden Angaben des Reichsfinanzministeriums be züglich Ueberschreitung der Borkriegsbezüge in gewiffen Beamten gruppen durch die letzten Gehaltsaufbesserungen sind von den Beamtenorganisationen des öfteren bereits widerlegt worden. Lohnabkommen in der Silberwarenindustrie. In der Silberwarenindustrie Berlins ist ein neues Lohn abkommen abgeschloffen worden. Die Unternehmer halten fich auf die Forderungen der Arbeiter und Arbeiterinnen gar nicht erst eingelaffen, sondern waren damit einverstanden, daß sofort der Schlichtungsausschuß angerufen wird ,,, da eine größere Zulage doch nicht in Frage tommt. Der Spruch des Schlichtungsausschusses erhöht die Stundenlöhne der gelernten Facharbeiter um 10 Pf., die der Angelernten und Hilfsarbeiter mit über fünfjähriger Berufs tätigkeit um 8 Pf, unter fünf Jahren im Beruf um 7 Pf. Hand poliererinnen erhalten 7 Pf. und sonstige Arbeiterinnen 6 Bf. pro Stunde mehr. Der Spihenlohm beträgt danach im Durchschnitt 86 Pf. Das Abkommen gilt bis zum Ablauf der Lohnwoche, in die der 30. April fällt. Eine Branchenversammlung nahm gestern den Schiedsspruch mit einer schwachen Mehrheit an. Zum Schiedsspruch in den Metallgießereien. Die Vereinigung Berliner Metallgießereien schickt uns folgende Berichtigung: Es ist nicht wahr, daß die Bereinigung Berliner Metallgießereien den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses Groß Berlin vom 18. Februar 1925 bereits angenommen hat und daß derselbe dadurch rechtsfräftig geworden ist. Die Vereinigung Ber liner Metallgießereien hat vielmehr die Annahme des Schiedsspruches davon abhängig gemacht, daß vorerst zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Ueberein. Stimmung über die Auslegung des Schiedsspruches geschaffen wird. Die Vereinigung Berliner Metallgießereien hält die Auslegung, die der„ Borwärts" dem Schiedsspruch gibt und die Angaben, die er über die danach eintretenden Lohnerhöhungen macht, für unzutreffend." Wir wissen nicht, was die Unternehmer mit dieser sonderbaren Berichtigung wollen. In Wirklichkeit scheint da wieder ein über. eifriger Syndikus seine Existenzberechtigung bemeisen zu müssen. Bir nehmen nicht an, daß die Unternehmer es nachträglich noch zu einem Kampfe tommen lassen merden. Aus der Herrenmaßbranche. Am Dienstag berichteten Faustmann und Gramenz in einer gut besuchten Versammlung der Herrenmaßbranche über die Tätigkeit der Branchenleitung. Bon etwa 4000 Herrenmaßschnerdern in Berlin gehören 2000 der Organisation an, wogegen der Oppositionsverband trotz aller Großsprechereien und wiederholten Spaltungsverfuche nur 500 Mitglieder zählt. In der Branche wirð zu 70 Broz. Heimarbeit geleistet, während der übrige Teil auf Beschäftigung in der Werkstatt entfällt. Die Referenten hoben mit be fonderem Nachdruck hervor, daß es auch Aufgabe jedes einzelnen Kollegen sein müsse, bisher Unorganisierte dem Berbande zuzuführen. Diesem Zwede sollen auch die in der nächsten Zeit statt findenden Werbeversammlungen dienen. Nach fachlicher Aussprache, in der bemängelt wurde, daß der Branchenleiter gleichzeitig die Herren- und Damenmaßbranche zu nertreten hat, wurden Genosse Faustmann als Branchenleiter. und die bisherigen Mitglieder der Branchenkommission fast ein Textilarbeiter und Gewerkschaftspolitik. Gelegentlich der Gaufonferenz des Deutschen Tertilarbeiterverban des für den Freistaat Sachsen am 22. Februar im Boitshaus zu Dresden hielt der Verbandsvorsitzende Genosse 3 ad e! einen Vortrag über die politischen Interessen des Deutschen Terstimmig wiedergewählt tilarbeiterverbandes. Im Mittelpunkt des fozialistischen Klaffentampfes stehe das Prinzip der Wirtschaftsdemofratie. Die Bewertihaft werde genötigt, fich auch politisch zu betätigen. Dazu bedürfe es eines Organs, in dem Gewerkschaft und Partei verbunden sind. Wenn wir in die Arena des politischen Kampfes treten müssen, wollen wir nicht die Partei auseinanderreißen, sondern zu dem Ziel kommen: Partei und Gewerkschaften findeins! Es müßten neue Formen geschaffen werden, modurch den Gewertschaften eine angemessene Bertretung gesichert wird. Das Referat purde mit großem Beifall aufgenommen. 3a del legte folgende Resolution vor: Die von 137 Delegierten aus allen Teilen des Freistaates Sachsen besuchte Gaufonferenz befennt sich zu den Auffassungen des Berbandsvorstandes in Sachen der Aufgaben und Stellung der Gemertschaften im allgemeinen und des Deutschen Tertilarbeiter verbandes im besonderen im politischen Kampf. Sie erkennt, daß die Lösung des gewerkschaftlichen Problems nur erfolgen fanm durch absolut gleichberechtigte und entscheidende Mitwirtung der Gewerkschaften bei Be handlung aller politischen Fragen, einschließ. lich der parlamentarischen Repräsentationen, im Rahmen der aufs innigfte nerbundenen Organisationen von Gewerkschaft und Partei. Die Gaufonferenz betont auf das nachdrücklichste, daß mit dem Fortschreiten der weltwirtschaftlichen Entwicklung und Umwälzung Sprechmaschinen Gelegenheitskauf! Riesenposten! Konzertapparate, trichter os: Nr. 4 7 9 M. 9,50 11, 15, Haubenapparate, echt Eiche: 18, 12 14 35,- 45 Schrankapparate, echt Eiche: 16 58, 20 26 160, Nr. 11 M. 26, Nr. 19 M. 89,- 110, 24 125, Vo'lkommenste Wiedergabe Platten wieder billig! 30 cm 1,90 M. Schulz& Gundlach Berlin C.. Mürzsir. 18 räuter- Franzbranntwein K Ueberall erhältlich opp& Joseph, Berlin W. Gelegenheit Reste f. Wintermäntel B. Rostume: Sealplüsch, Samt, Krimmer. Futterseiden a. Halbseiden bedeutend unter Preis. Haarpuder, Goltzstr.2 ( Grunewaldstraße) Zu den zentralen Lohnverhandlungen konnte die Versammlung nicht Stellung nehmen, da ein Ergebnis noch nicht vorlag. Zum Schluß wurden noch verschiedene Branchenangelegenheiten erledigt. Der Schiedsspruch für die Kaliindustrie abgelehnt. Am Sonntag tagte in Magdeburg in den Reichshallen zweds Stellungnahme zu dem am 17. Februa: gefällten Schiedsspruch eine von allen am Tarifvertrage beteiligten Organisationen beschickte Konferenz. Nach eingehender Beratung wurde folgende Ent. fyließung ein garge amer: Die am 22 Februar in Magdeburg tagende Kon cren; der Kaliaroeiter nimmt Renntnis von den Lohn- und rnet and lungen und von dem am 17. Februar gefällten Echiedsspruch. Trc de rht befutedigenden Lohnerhöhung erklärt die Konferen die un'er Abschnitt 1, 3iffer 1-6 getroffenen Bestimmungen nicht abzulehnen. Der Schiedsspruch läßt jedoch die Wünsche der Arbeiter in der Arbeitszeitfrage vollständig unberücksichtigt und nimmt nur eine faum wesentliche Aenderung im Manteltarif vertrag vor. Die Konferenz beschließt deshalb die Abschnitte II, III und IV des Schiedsspruches nicht anzunehmen. Berantwortlich für Politit: Craft Neuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Dölcher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin G 68. Lindenstrake 3. Korbmöbel! Sonderangebot! Einst und Jetzt An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegen. Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl and billig bei Wilhelm Schulze Monbijouplatz 12, Hol part. Nähe Hackescher Markt Zahlungserleichterung Telephon: Alexander 4112 Möbel Berlin staunte Speise, Herren, Schlafzimmer. 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