Nr. 104 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 53 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Areuaband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Bitanen, Luremburg 4,50 Reidsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reidsmark pro Monat. Der Vorwärts" mit ber Gonntags beilage Boff und Seit mit„ Sieb. Inng und Rleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Willen und Frauenbeilage Frauenftimme crfcheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: " Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltiae Rompareille. aetle 70 Pfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 20 Bfennis ( aufäffia zwei fettgebrudte Borte), febes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 10 Bfennig, icbes weitere Bort 5 Biennia. Borte über 15 Bud ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen flir bonnenten Seile 30 Bfennig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenfake 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 3. März 1925 An die Gewerkschaftsmitglieder! 15 Minuten Arbeitsruhe bei Friedrich Eberts Beisetzung. Der deutschen Republik erffer Reichspräsident, Fried. rich Ebert, der organisierten Arbeiter Deutschlands befter Vertreter und raftloser Förderer, wird am Donnerstag in jeiner Baterstadt Heidelberg zur letzten Ruhe bestattet. Unermüdlich war er am Werke, die demokratischen und fozialen Grundgedanken der Berfaffung in die Wirklichkeit umzusehen. Deshalb find die Herzen der Arbeiter, Angestellten und Beamten von der Treue um den Zofen am fiefften erfüllt. Die Millionen Mitglieder der Gewerkschaften find in erster Linie berufen, überall im Lande an den Trauerfundgebungen der republikanischen Bevölkerung Anteil zu nehmen. Ein großer Sohn des Boltes wird zu Grabe getragen. Um Friedrich Ebert die lehte Ehre zu erweijen, rufen die unterzeichneten Bundesvorstände das arbeitende Boll auf, durch eine allgemeine Kundgebung seinen großen durch eine allgemeine Rundgebung feinen großen Führer zu ehren. Zur Stunde der Bestattung soll am Donnerstag, den 5. März, im ganzen Lande die Arbeit von 11 bis 11.15 Uhr ruhen: Zam Zeichen der Trauer um den Toten und der geistigen Anteilnahme an der Feier seiner Bestattung, Als Kundgebung der Entschlossenheit, von Kraft und Ausdauer festzuhalten an den Zielen der Arbeiterbewegung bis zu ihrem endgültigen Siege, Als erneutes Trenegelöbnis für die deutsche Republik und zur Bekundung des festen Willens, mit Leib und Leben sie zu schüßen gegen alle Feinde. So werden die Trauerkundgebungen am Donnerstag im ganzen Cande zugleich ein Anlaß zu geistiger Erhebung und Willensstärkung sein, im Sinne des Dichterwortes: Das Banner steht, wenn der Mann auch fällt. Die örtliche Durchführung diefer Trauerfund. gebung unter Beachtung der für lebenswichtige Betriebe bestehenden Regeln wird den Ortsausschüssen und Ortsfartellen übertragen. Die Betriebsvertretungen werden fich mit ihren Betriebsleitungen ins Benehmen jetzen. Von den öffentlichen Arbeitgebern im Reich, den Ländern und Gemeinden wird erwartet, daß fie ihrem Personal die Teilnahme an dieser Kundgebung ermöglichen. Die Ortsausschüffe und Ortskartelle, die Deputationen vor. gesehen haben, werden gebeten, sie zu der Beisehungsfeier am Donnerstag vormittag 10 Uhr nach Heidelberg zu entfenden. Bon Kranzspenden foll im Sinne des Berstorbenen Abstand genommen werden. Die hierfür bereitgestellten Mittel find örtVorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3. Postichedkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafie Lindenstraße 8 Friedrich Eberts Sendung. Ein paar Worte an die Jugend. Morgen werden Schulfeiern stattfinden, in denen des toten Reichspräsidenten gedacht werden soll. Bir mürden uns freuen, wenn Lehrer, denen die Aufgabe zufällt, bei den Schülern Berständnis für das Mirien Friedrich Eberts zu meden, aus den folgenden Zeilen einige Anregungen schöpfen könnten. Redaktion des„ Borwärts". Märchen und Geschichte erzählen euch von guten und böjen Königen. Sie regierten ihr Land recht oder schlecht, führten Kriege, erwarben durch Eroberung oder durch Heirat neue Länder mit allen Untertanen, die auf ihnen lebten und wenn sie starben, übernahm ihr Sohn oder nächster Erbe ihren Reichtum und ihre Macht. Sie waren von Großen ihres Landes umgeben, die ihnen regieren halfen und die wieder, wenn sie starben, ihren Reichtum und ihre Macht an ihre Söhne vererbten. Die Masse des Boltes aber, eure Großväter und Urgroßväter, leistete Arbeit und zahlte Steuern, wie es von ihr verlangt wurde. gehorchen und durfte nicht fragen warum. Es fehlte ihr auch jede Möglichkeit, etwas von den Geschäften der Großen, den Regierungsgeschäften, zu erfahren und zu lernen, sie war arm und unwissend, fie fonnte weder lesen noch schreiben, es gab feine Schulen, wenig Bücher und feine Zeitungen. Sie hatte zu Im Lauf der Jahrhunderte wurde das allmählich anders. In den Städten famen Leute von niedriger Herkunft als Handmerfer und Kaufleute zu Bermögen, das gab ihnen Selbstbewußtsein und die Möglichkeit, Bildung zu erwerben. Da wollten sie sich nicht mehr von obenher regieren lassen, sondern sie wollien selber mitreden. Besonders feit die Maschinen erfunden worden waren und die moderne Industrie auffam, wurde das Bürgertum Als Ausdruck des verdienten Dantes für seine lich zu sammeln und der geplanten Friedrich- Ebert- stärfer. Aber für die Masse der arbeitenden Menschen war große und erfolgreiche Lebensarbeit, Berlin, den 2. März 1925. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Leipart Stiftung" zuzuführen. Allgemeiner Freier Ungestelltenbund Aufhäuser Stähr Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Faltenberg Sohur Trauerkundgebung für Friedrich Ebert. dächtnis des Reichspräsidenten gewidmet ist. Die Ansprache wird Am Mittwoch, den 4. März, nachmittags 3 Uhr, wird durch die Reichsregierung anläßlich der Ueberführung der Leiche Friedrich Eberts eine Trauerfundgebung veranstaltet. Im Anschluß daran bewegt sich der Trauerzug durch das Brandenburger Tor nad) bem Königsplay. Dort wird - etwa 33 Urh zu Ehren des Toten bei der Feier der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Reichstagspräsident 26be Gedenkmorte sprechen. Der Trauerzug bewegt sich dann vom Reichstagsgebäude zum Potsdamer Bahnhof, auf deffen Freitreppe während einer Stunde der Sarg aufgebahrt bleibt, um den Teilnehmern am Trauerzuge beim Borbeidefilieren Gelegenheit zu einem legten Abschiednehmen von dem Toten zu geben. vom Landtagspräsidenten Bartels gehalten werden. Der Mittwoch foll fihungsfrei bleiben. Für Donnerstag und Freitag ist die Besprechung der Anträge zu den Grubenfatastrophen porgefehen. Die nächsten Lage bleiben wieder sigungsfrei. Auf der Tagesordnung der Sitzung am Dienstag nächster Boche ſteht die Wahl des Ministerpräsidenten. Borher wird um 1 Uhr der Weltestenrat erneut zusammentreten. Zu der für Mittwoch vor dem Reichstag angefeßten Trauerfeier wird der Landtag eingeladen werden. Das Beileid der Internationale. Beim Parteivorstand sind folgende weitere Trauerfund gebungen eingelaufen: London, 2. März. Die Deutsche Republik hat durch das plöhliche Hinscheiden des Reichspräsidenten einen schweren Berluft erlitten. Die Arbeiter aller Länder hoffen, daß die fozialdemokratische schweren Stunde alle reaffionären Gefahren kraftvoll überdas fein Segen. Die Adeligen teilten mit den Reichen ihre Macht, um gemeinsam die Armen zu beherrschen. In Deutschland war das bis vor einigen Jahren fo, daß die wirkliche Macht dem Kaiser und seinen nächsten Ratgebern vorbehalten war. Das Bürgertum füm merte sich wenig um die große Politif, es ließ den Kaifer regieren, wenn dabei nur die Geschäfte gut gingen. Damit war das Bürgertum in Deutschland viel weniger flug als in den meisten anderen Ländern. Denn dort gab es schon damals entweder feine Kaiser und Könige mehr oder aber fie fpielten feine große Rolle, und die Geschäfte des Staafs wurden von den tüchtigsten Leuten aus dem Bürgertum besorgt. Das heißt: Deutschland war in feiner Staatsform hinter den der anderen Ländern zurückgeblieben, und das rächte fich bitter. Denn dadurch gerieten wir in den großen Krieg gegen die ganze Welt. Damals war Friedrich Ebert ein Führer der Sozialdemokratischen Partei. Diefe Bartei wollte, daß alle gleiches Recht haben sollten und daß das ganze Bolt selbst aus feiner Mitte die Tüchtigsten und Besten wählen follte, um sie regieren zu laffen. Sie wollte aud), daß die großen Betriebe, in denen die Menschen im Schweiße ihres Angesichts alle die Dinge berstellen, die wir zum Leben brauchen, nicht einzelnen reichen Leuten, sondern dem ganzen Bolt gehören und zu seinem Bohl verwaltet fratische Bartei arg verfolgt und unterdrüdt. Die Ehrung für den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert bedeutet für die freigewerkschaftlich organifierte Berliner Arbeitnehmerschaft zugleich eine Ehrung des verdienstvollen Arbeiterschaft, die die stärkste Stütze der Republik ist, in dieser werden sollten. Wegen dieser Ziele wurde die Sozialdemo Arbeiterführers. Die unterzeichneten, Berliner freigemerfichft= lichen Spizenorganisationen erwarten deshalb von der freigewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmerschaft, daß sie am Mittwoch, den 4. März, Friedrich Ebert die letzte Ehre durch Teilnahme am Trauerzug erweisen wird. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommiffion Berlins u. Umg. Siegle. Allgemeiner Freier Angestelltenbund. Ortskartell Berlin. Flatau, Reichelt. Gedenkfeier in der Oper am Königsplats. Der amiliche preußische Preffedienst teilt mit: Zum Gedächtnis des Reichspräsidenten findet auf Einladung des preußischen Unterrichtsministers am Mittwoch 12 11 hr in der Oper am Königs plag für Schüler und Schülerinnen der Oberstufe der Groß- Berliner höheren Lehranstalten und der obersten Klaffen von Bolfs- und mittleren Schulen eine Feier statt. Die Gedächtnisrede hält Minister Prof. Dr. Beder. Stapelle der Staatsoper und des Staats- und Domchors unter Leitung des Generalintendanten v. Schillings wirfen mit. Bertreter der preußischen Minifterien, Abgeordnete des Landtages und Bertreter her Schulbehörden find geladen. Traverkundgebung des Landtags. Der Landtag wird nach einem Beschluß des Helteftenrats am Dienstag nagniltag, 2 1, sine Sigung abhalten, bie bew Ge winden wird. Administrativkomitee der Sozialistischen Arbeiterinternationale. Wieu, 2. März. Die sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte Deutschösterreichs versichern Euch anläßlich des schmerzlichen Verluffes, den Ihr durch das Hinscheiden des Genoffen Ebert erlitten habt, ihres innigfien Mempfindens in brüderlicher Solidarität. Seih. Elders, Danneberg. * Wien, 2. März. Zu dem großen Berluff, den Eure Partei durch das Hinscheiden des Reichspräsidenten, Genoffen Ebert, erlitten hat, fprechen wir Euch das fiefste Beileid aus. Barteiausschuß Tschechoslowakisch- Sozialdemokratischer Arbeiterpartei in Desterreich. Bremen, 2. März. Tief erschüttert durch den fchmerzlichen Berluft des Herrn Reichspräsidenten, unferes Genoffen Friedrich Ebert, stehen wir an der Bahre dieses über alles vorbildlichen Mannes. Den faum er fehlichen Verlust der Parteiorganisation teilt aufrichtig die mit gliedschaft des Zentralverbandes der Böffcher. Beinfüfer und Hilfsarbeiter Deutschlands. Sain Witten wird in der Geschichte der Arbeiterbewegung wie der Geschichte Deutschlands unauslöfchlich sein. Die Hauptverwaltung ges 3ridiesigt Die Sozialdemokraten hatten es also im Kaiserreich nicht gut. Benn trotzdem, cis der Krieg ausbrach, viele von ihnen freiwillig ins Feld gingen und fich totschießen ließen, und überhaupt alles taten, damit Deutschland nicht unterliege, dann soll jeder anständige Mensch zugeben, daß sie damit sehr schön gehandelt haben. Ebert ist im Reichstag stets dafür eingetreten, daß alles geschehe, damit Deutschland nicht von seinen Gegnern besiegt werde, er hat felbst vier Söhne ins Feld geschickt und zwei davon draußen lassen müssen. Aber Ebert hat sich damit nicht begnügt. Er hat immer verlangt, daß rechtzeitig Frieden gemacht wurde, so Leider hat man seinen Rat nicht befolgt, man hat ihn dafür lange die Gegner Deutschlands nicht übermächtig werden. noch einen vaterlandslosen Gesellen gescholten, und so brad) bas Unglüd über uns herein. Als die Regierenden sahen, was sie angerichtet hatten, verloren sie den Kopf und liefen davon. Deutschland war gefchlagen, ihm drohte ein unbarmherziger Frieden. Nahrungsmittel tamen nicht ins Land, dafür kamen die Soldaten aus dem Felde zurück und wußten nicht wohin, die Maschinen, die bis dahin Munition hergestellt hatten, hörten auf zu laufen, es gab feine Arbeit, fein Brot und feinen Rat. Ein Teil der Arbeiter fam in seiner Verzweiflung auf den Gedanken, mon brauche fich nur mit Gemalt der Regie rung und aller Fabriten bemächtigen, dann fei für alle ein ghidliches Leben gemiß hätten diefe verzweifelten Menschen bie Dberhoub gemounen, fo mare bas für fie felbft und für bas ganze Bolf nur ein großes Unglüd geworden und es märe bei uns gefommen wie in Rußland, wo Millionen und aber Millionen Menschen starben, weil sie überhaupt nichts mehr zu essen hatten. Wollte man Deutschland retten, so durfte man sich nicht der Verzweiflung überlassen, sondern mußte mit Bedacht nach einem festen Plan zu Werte gehen. Das tat Friedrich Ebert. Nachdem ihm der letzte faiferliche Kanzler, der Prinz Mag von Baden, fein Amt übertragen hatte, wurde er auch pon den Bertretern des revolutionären Volfes, den Arbeiter- und Soldatenräten, mit Parteigenossen und Parteigenoffinnen! Berlin macht als Stadt einen pöllig teilnahmlojen Eindruck. Außer amtlichen Gebäuden und Gesandtschaften hatten am Sonnabend nur wenige Häuser halbstod geflaggt.... Die Be Die Berliner Arbeiterschaft ehrt den ersten Reichs- teiligung der Berliner an der Ueberführung der Leiche war ein präsidenten der jungen deutschen Republik am Mittwoch, den fach kläglich zu nennen. Soweit die Bresse tatsächlich die Stim4. März, dem Tage der Ueberführung des Genoffen Ebert in mung ihrer Leser widergibt, muß erflärt werden, daß die erbrüdende seine Heimatstadt Heidelberg, durch Massenbeteiligung vaterländische und völlische Mehrheit des Boites feineswegs irgendwelche Trauer befundet hat." am Trauer3 ug( fiehe Aufmarschplan). Am gleichen Tage veranstaltet die Partei abends 8 Uhr Auf der zweiten Seite flagt sie unter der Ueberschrift: „ Gefühlsverirrung" über die große Teilnahme des fünf anderen zuſammen, zum Bolksbeauftragten gewählt. Gedenkfeiern für Friedrich Ebert Bolkes, bie selbst nationale Männer" erfaßt habe: Darin zeigte sich das große Vertrauen, das man auf allen Seiten zu Ebert hatte. Und dieses Vertrauen war auch ge an folgenden Stellen: rechtfertigt. Denn Ebert faßte nun den Plan, daß das ganze Bolf, Männer und Frauen, eine Bersammlung von Bertre tern, die Konstituierende Nationalversamm I ung, wählen und daß die dann bestimmen sollte, was meiter zu geschehen habe. Die Konstituierende Nationalversammlung wählte Ebert zum ersten Präsidenten der Deutschen Repu blit. Ein Mann aus dem arbeitenden Bolt, ein früherer Sattlergeselle, stand nun an dem Blag, von dem aus Jahr hunderte lang Könige und Kaiser regiert hatten, da stand nun einer, der alles durch sich selber geworden war und sich selber verdankte. Damit war gezeigt worden, daß in Zukunft teine Herkunft, fein Beruf und fein Handwerk mißachtet werden follte, sondern daß von jetzt ab jeder zu den höchsten Stellen aufsteigen fonnte, wenn er nur ein ganzer Mann war. Und daß unser verstorbener Reichspräsident solch ein ganzer Mann mar, das haben auch seine Gegner, die ihn zuvor geschmäht hatten, zugegeben, nachdem er gestorben war. Ebert hat in den sechs Jahren, die er als Reichspräsident regierte, viel Schweres erlebt. Deutschland mußte, nachdem es geschlagen war, manches Stüd feines Landes abgeben und sollte eine ganz ungeheure Kriegsentschädigung zahlen. Da mußte man sehr flug und sehr vorsichtig sein, wenn man nur aus dem Allerschlimmsten herausfommen wollte. Viele verstanden das nicht. fie rebellierten dagegen und es gab viel Unruhe und Verwirrung im Lande. Den Großen aus der alten Zeit paßte es nicht, daß sie sich nun von einem ehemaligen Sattlergefellen regieren lassen sollten, die Reichen sahen mit Mißtrauen einen Arbeiter an der Spitze des Reichs, und Ebert erlitte die allerschlimmsten Anfeindungen. Sein Leben war Arbeit in fteter schwerster Sorge und persönlicher Gefahr, er leistete sie seinem Bolfe zuliebe. Oft und oft sah es so aus, als ob das Reich in Trümmer zerfallen sollte, in die alte Un einigkeit und Zerrissenheit. Eberts Arbeit war stets von dem Gedanken geleitet, daß das Reich als eine Republit einig weiterbestehen müsse, und damit hat er das höchste Gut des deutschen Volkes aus unzähligen Gefahren gerettet. Denn nur dann können wir einer befferen Bufunft entgegengehen und fönnen sich auch die Hoffnungen der Arbeiter auf ein freieres und glücklicheres Leben erfüllen, wenn Deutschland eine Republit und wenn es einig bleibt. Unser Bolf hat in dem letzten Jahre viel Unglüd, aber auch manches Große erlebt. Es ist doch etwas Großes, menn ein Mann, dem an der Wiege nicht gesungen wurde, daß er einmal das Oberhaupt eines Staates von 60 Millionen Menschen werden sollte, durch eigene Kraft zu dieser Würde emporsteigt und sich in seinem hohen Amt dann so bewährt, daß auch jeder anständige Gegner nor ihm den Hut ziehen muß. Wir lernen daraus, daß wir einer neuen Zeit ent gegengehen, die uns alle vor neue Aufgaben stellt, befonders auch diejenigen, die heute noch die Schulbant brüden und die später einmal als erwachsene Männern und Frauen das Schicksal des deutschen Boffes, ja der ganzen Menschheit mitbestimmen werden. Wir lernen daraus, daß jeder Ueber mut der Reichen und Hochgeborenen verderblich ist, und daß es eine Torheit ist, hochmütig auf ein Bolf herabzusehen, aus dem solche Männer, wie Friedrich Ebert, entspringen. Wir lernen daraus, daß alles Alte einmal stirbt, und daß etwas Heimkehr in die Stadt. Von Walther G. Ofchilewsti. Wir liefen die ganze Nacht, unn heimzukommen. Ueber den Regen, der feit nahezu vier Stunden nicht aufgehört hatte, unsere Sleider zu einem Irgendetwas zusammenzupeitschen, glitt dann matt unb ölig die Morgenfonne. Unsere Füße flatschten den nassen Sand und aus dem nebenhergehenden Fluffe flog ein frischer Wind In unsere Nasen. Hannes, mein Ramerad, sah wie eine Holzhaderhütte aus, vom Sturm bewegt, Gras hing aus seinen Taschen, der Regen. grub Furchen in seine Stirn, und die Schmutzwasser sammelten sich darin, aber ebenso frech wie lustig pfiff er die verweltten Sterne an. Mondlos ist der Tag. Mondlos war auch die Nacht. Wir liefen ja feit gestern abend. Immer die große Landstraße entlang, die von den Bergen in die Städte führte. Links fielen die Wälder in die Ebene, schwarz mit schlafenden Rehen und dem Zutraum der Bögel. In den Begrinden glänzte noch der letzte Schnee wie der Schutt verfloffener Sterne. Wir fürchteten immer, in eine der vielen Gruben zu stolpern- denn die Nacht war eine dunkle Band. Doch bis zum Steinhager Forst ging alles gut; der Regen rann, und dann wurde es Morgen; im Waldauer Hof flapperten schon die Mägde. Matt und friechend glitt die Sonne auf den naffen Welten. Dann fah man die Stadt. Aus den schmutziggrauen Feldern, die in die Ferne liefen, wuchs sie hervor. Als wir an der Ziegelei vorbeikamen, grüßten uns einige Arbeiter, in der Hand Ranne und Eßfad, fnorrige Gestalten, das getreue Abbild dieser Landschaft. Rechts floß langsam und träge der Fluß, ein lehmiges Wasser ohne Wellen und Schaum, die Weiden hingen wie Totenfinger darüber, und am Himmel frächzte eine Shar hungriger Raben. Obwohl es Morgen war, dunkelte es noch über der Erde. Sonft war alles still. Auch Hannes sprach lein Wort. Welche Rede follte sich auch finden, wo wir doch, traurigen Herzens, die freie Straße unserer Wanderschaft verlassen mußten, um wieder die Stadt um uns gebaut zu wiffen? Manchmal lächelte er, wenn der Wasserfad unseres lieben Herrgottes ihm ins Antlig schlug; ja, es war schön: Wind, Wald, Aeder, nasse Kleider, tein Stüdchen Brot in der Tasche- frei! Der Regen ließ dann nach. Uns war es gleich. Dann fam. die Brüde: wie eine machfame Meerkaze lag sie über dem Fluß. Sprungbereit, mit Sehnen aus Stahl und zwei rotglühenden Augen. Das waren die Signallaternen, den Schiffern zur Weisung. Hannes lief etwas langfamer, bis wir beide stehen blieben. Hier war noch Land, Erde mit Wurzelgeruch, Moosschwammi, Dampf aus den Bäumen und Aeckern, schon schwanger vom fommenden Frühling! Darüber lag die Stadt: ein asphaltenes Haus, Qualmzüge und stinkende Höfe. Hier noch Wolfe, Freiheit, Regen quer übers Gesicht, nasse Kleider, tein Stückchen Brot in der Tasche das wahnsinnige Hoden in den Kellern bei Stein und Aas. drüben Großes Schauspielhaus, Karlstraße, Bolfsbühne am Bülowylah. Deutsches Opernhaus, Charlottenburg, Bismardstraße. Die Genoffen Arthur Crispien, Robert Schmidt und Rudolf Wissell, Reichsminister a. D., werden der Persönlichkeit Eberts und seines Lebenswerks für die Arbeiterschaft gedenken. Ferner halten Ansprachen: Renner- Wien, Grum bach und Renaudel- Paris, Dan- Rußland und andere Vertreter ausländischer Bruderparteien. Männerchöre des Arbeiterfängerbundes haben ihre Mitwirkung zugesagt. Genossen und Genoffinnen! Es ist unsere Ehrenpflicht, Ebert zu besuchen. die Gedächtnisfeiern für unseren verstorbenen Genossen Frih Eintrittskarten werden unentgeltlich gegen Ausweis des Mitgliedsbuches bzw. Karte nur an den Theaterlaffen verabfolgt. Nichtmitglieder, durch Parteigenoffen eingeführt, zahlen 1 M. Der Bezirksvorstand. Neues fommt, dem wir nicht mit Haß und Hohn gegen überstehen dürfen, sondern daß wir prüfen müssen, ob es nicht etwas Gutes in sich birgt. Wenn die Kaiser und Könige aufgehört haben, zu regie ren, dann wird es auch nicht immer so bleiben, daß ein Teil des Boltes in Ueberfluß lebt, während der andere darbt und daß piele Tausende von einem einzigen abhängig find, in dessen Diensten fie arbeiten und fümmerlichen Lohn erwerben. So wollen wir hoffen, daß das, was mit der Regierung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert erst begonnen hat, sich weiter entwickeln und fortsetzen möge. Zum mindesten aber sollen wir alle gerecht genug sein, Berdienste anzuerkennen, wo sie vorhanden sind. Heute ist es so, daß man überall im Ausland unfern verstorbenen Reichspräsidenten als einen Mann anerkennt, der Großes für das deutsche Boff geleistet hat und auf den wir stolz sein fönnen. Dahinter dürfen wir Deutsche nicht zurücstehen. wenn wir den verstorbenen Reichspräsidenten ehren, so ehren wir uns selbst, wenn wir ihn schmähen, so ist das unsere eigene Schande und macht uns in den Augen der Welt verächtlich. Darum wollen wir das Andenten Friedrich Eberts rein in unserem Herzen bewahren, und jeder an seinem Platz nach besten Kräften wirten, wie er es getan, zum Wohl unseres Baterlandes und der ganzen Menschheit. Um der Wahrheit willen. Zwei Barianten blinden Haffes. Haß macht blind. Die Redaktion der Deutschen Zeitung" offenbart in jeder Ausgabe wütender Haß gegen Friedrich Ebert. Der Haß macht sie blind. Sie sieht nicht mehr, was sie schreibt. Gestern abend schrieb sie auf der ersten Seite unter der ileberschrift:„ llm der Wahrheit willen": Hannes schnupperte noch einmal den Duft hier draußen, wir schüttelten das Waffer, das auf den Bäumen stand, herunter und ließen es eintrodnen in unsere Haut dann ging es über die Brücke. Kunst und Proletariat. Zwei Vorftäge von Hans Baluschet. Was Prof. Hans Balujchet in seinen beiden Bolfsbühnenvorträgen in der Kunstgewerbe gule 34 fagen wußte, wor so erschöpfend und dabei so klar, daß man hierfür nur jenes höchste Lob spenden kann, das in der Aufforderung gipfelt, die Referate in einer Broschüre zu veröffentlichen. Wesentliches her auszufriſtalisieren ist schwierig, trotzdem sei es versucht: Kunst ist durch ihre Sinnfälligkeit ein besonders scharfes Instrument des menschlichen Geistes. Vorauslegung ihrer Wirkung ist feelische Geneigtheit der Mitmenschen. Sie ist mehr vorhanden, als man allgemein annimmt. Tritt sie nicht sonderlich in Erscheinung, fo ist das in erster Linie auf wirtschaftliche Gründe zu rüdzuführen. Kunstgefühl läßt sich leicht erweden, Kunstliebe und Kunstgenuß find Resultate einer planmäßigen Erziehung. Ber fich fimstlerischen Interessen widmet, bereichert sein Leben, mit dem lebendigen Kunstgefühl wächst fein persönliches Lebensgefühl: das Herz geht ihm auf. Aus der Liebe zur Kunst werden Wünsche geboren, die zu einer anderen Lebensform drängen. So wächst der ästhetische, der soziale und der rein ethische Wille. Stunft ist heute abhängig vom Reichtum. Bie jeder Wert. tätige lebt der Künstler von der tapitalistischen Gesellschaft. Daher darf er an fich nur das produzieren", was die Oberschichten mohlwollend dulden und was" Ruhe und Ordnung" nicht stört. Treibt eine Gesellschaft Kunstpolitit, so wird sie dafür sorgen, daß Einfäufe und Aufträge entsprechend einrichten. Kunstämter nur mit ihren" Produzenten besetzt werden, die dann Der schrankenlofe Kapitalismus läßt feine Stlaffe hochkommen, die sich nun ihrerseits eine Kunst genau so halten" tönnte. Die Armut lebt im Elend. Die seelischen Betäubungsmittel übertönen nicht das Grau des Tages. Mit den Lasten wächst die Entredung. Aber von Anbeginn an glimmt in allen der Funte eines heiligen Willens um Menschenrecht und Menschenwürde. Und außer einem Recht auf Arbeit gibt es ein Recht auf Kunst" ( Stirner). Der Künstler wirkt ja auch erst durch die Allgemein Zeit nicht nach, so revolutioniert er. heit, bevor er für sie wirkt. Gibt ein Künstler dem Geist seiner Kunstrevolutionen werden danach gewertet, wie weit sie durch neue Mittel Vermehrung des Kunstgefühls hervorrufen. So enthält zum Beispiel der Expreffionis. mus in unerhörtem Maße Keime zu einer Massenkunft. Je mehr sich ein Künstler mit der Ideenweit des Sozialismus verbunden fühlt, desto stärker wird sein Wert. Es ist ausge fchloffen, daß eine starte fünstlerische Berson Sozialismus will ben wirtschaftlichen und politischen Weltfrieden. Noch sind aber die Herzen nicht erschüttert genug. Hierfür wird ein großer Künstler arbeiten, weil er seiner inneren Natur nach hierfür arbeiten muß. lichkeit die werdende Tatenwelt nicht fühlt. Der Mitleid und Rührung übermannt die weichen1 Herzen, eine Frühlings epidemie schleicht durch dieses Boli, das einst vier Jahre in heldenhaftem Ringen dem Feinde die Stirn bot. Die Sentimentalität feiert Orgien, die Urteilslosigkeit und Berirrung der Geifter offenbart sich in erfahreden den Ausmaßen. Selbst national fühlende Männer lassen sich von der Gefühlsseligfeit ergreifen und widmen ihm warme Worte, der Borsigenber einer Bartei die bemußt die Widerstandstraft unserer Front untergraben hat. Die Gedächtnistraft scheint mie von dämonischen Einflüssen gelähmt. Weg ist alles, was du liebtest, weg, worum du dich betrübtest, weg dein Fleiß und deine Ruh, ach. wie tamst du nur dazu!" Alles trauert um Ebert und vergißt dabei die Nation." mar, Um der Wahrheit willen: wird min vorne oder hinten gelogen? Die Landestrauer vom Mittwoch. Amtlich wird mitgeteilt: Als Tag der Beifeßung des Reichspräsidenten im Sinne ber Berordnung des Breußischen Staatsministeriums vom 28. Februar gift Mittwoch, der 4. März. An diesem Tage sind, entsprechend der genannten Verordnung, öffentliche Mufit, öffentliche Lustbarfeiten einschließlich der Rennveranstaltungen, Schauspielvorstellungen einschließlich der Lichtspielvorführungen verboten. Schulausfall am Beisehungstage. Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat der Unterrichtsminister telegraphisch angeordnet, daß aus Anlaß des Ablebens des Reichs präsidenten in allen Schulen am Mittwoch der Unterricht ausfällt und eine würdige Trauerfeier der Schule stattfindet. Das Preußische Handelsminifterium gibt befannt, daß am Mittwoch der Unterricht in den Fachschulen( Maschinenbauschulen, Baugerberfschulen, Kunstgewerbe- und Handwerkerschulen, Textilfachschulen, Handelsschulen und dergleichen) auszuseßen und statt dessen eine Gedenkfeier zu veranstalten ist; in den Besichulen( Fortbildungsschulen) ist, soweit Unterricht stattfindet, gleichfalls der Bedeutung des Tages zu gebenfen. Ein Beileidsschreiben des Reichstags. Der Bizepräsident des Reichstages, Abg. Dr. Rießer, hat an die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion folgendes Schreiben gerichtet: Der Reichstagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutsch+ lands brüde ich anläßlich des plöglichen und frühen Hinscheidens thres einstigen hervorragenden Führers, des Reichspräsidenten Ebert, meine wärmste und aufrichtigste Teilnahme aus. Der leider Dahingegangene hat in langen, unendlich schweren Jahren mit hervorragender Klugheit und zugleich mit Taft und Bürde die Geschide des von allen Seiten bedrängten Reiches geleitet. Er hat einen unvergänglichen Anspruch auf des Dant des Baterlandes, dem sein Sinnen und Trachten galt ung dem er schwere Opfer gebracht hat Beileid der Deutschnationalen. Die deutsch nationale Reichstagsfrattion hat, wie TU. meldet, der Bitme des verstorbenen Reichspräsidenten Eberi ihr Beileid cusgesprochen. Fast immer zu teuer bezahlter Kitsch hängt faſt in jeder Broletarierwohnung. Das beweist mindestens Willen zum Schmud Der schwächere Schaffenstrieb vergeht meistens. Es fommt jedod nicht darauf an, Künstler zu züchten, sondern Freude am Kunst werf zu bilden. Der Mensch, in dessen Gesamtveranlagung das ästhetische Gefühl ohne weiteres enthalten ist, strebt nach Harmonie und Schönheit. Also: So lange eine Proletarierfamilie ihren Sonntag im Freien verbringt, ist fie reif zur Kunsterziehung. Ein guter Boden liegt brach, auf dem ein herrlicher Garten erstehen fann. Erft fchöpferische Freiheit ist sozialistische Bir haben ein Schulpolitif; wir brauchen aber auch eine Kunstpolitit, die zur Attivität leitet. Uebt der Dilettant geschulte Kritik, so wird er den Künstler aus seiner Einsamkeit erlösen un fich felber reich beschenken. Noch reicher wird er als Schöpfe stets sein. erich Gottgetreu 1 Die preußische Akademie der Künfte hat Frau Ebert zum Tode des Reichspräsidenten ihr Beileib ausgesprochen und dabei mit Dankbarkeit des Interesses gedacht, das Ebert fo häufig den Ausstellungsveranstaltungen der Atademie entgegen. gebracht hat. Benn Mag Liebermann ihn darum bat, hat Ebert niemals bei der Eröffnung einer Akademie Ausstellung gefehlt. Man darf bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß Wilhelm 11. jeder Veranstaltung der Akademie ferngeblieben ist, seit diese gewagt hatte, für die Ausstellung zur Borfeier seines Regierungs jubiläums Künstler einzuladen, deren Richtung ihm nicht pakte: unter diesen Eingeladenen befanden sich damals Lovis Corinth, Hugo von Habermann, Wilhelm Trübner und-Hans Thoma. Einführung in die deutsche Einheitsfurzschrift. Das Bentralinstitut für Erziehung und Unterrigt, Botsdamer Str. 120, beabsichtigt, in der Zeit vom 14. bis 18. April unter Leitung des Profeffors Dr. Amiel einen weiteren Einführungslehrgang in die neue deutsche Ein beitsturzschrift für auswärtige Teilnehmer zu veranstalten. Die Lehrmittel werden fostenlos geliefert, eine Zeilnehmergebühr wird nicht erhoben. Meldungen und Anfragen zieds Teilnahme find an das Zentralinstitut zu richten. Hedwig Wange, die ausgezeichnete Menschendarstellerin aus der Blüte zeit der Reinhardt- Bühnen, die vor einigen Jahren aus religiösen Gründen sich vom Theater zurüdzog, hat beschlossen, wieder zur Bühne zurüdzukehren.. Der Walzer, Konzert mit dem Philharmonischen Orchester, Dirigent: Berlin Mitte zum Besten der Berliner Künstlerhilfe, wird auf ben Generalmusifdirektor Gri leiber, veranstaltet vom Bezirksamt 19. März. abends 7 Uhr, berlegt. Gelofte starten behalten Gültigkeit. Die Jitternacht, das Gauflerfest der Schule Reimann, wird am Sonnabend, den 7. mars, wiederholt, und zwar im gleichen Nahmen und mit denselben Dekorationen wie am Rafinachtdienstag in famflichen Räumen Landshuter Straße 38, täglich 9-6 11hr( bis Donnerstag). des 300. Auf den Namen ausgestellte Karten nur beim Feftausschus niffen über alt und neuisländisches Besen und isländische Kultur zur AufDer Verein der Jslondfreunde", der sich die Vermittlung von Remit eigenes Vereinsorgan herausgibt, hat foeben eine Berliner Drts gabe macht und auch ein im Verlag Diederichs in Jena erscheinendes gruppe gegründet. die Reichspraftüentenwahl. Gerüchte und Kombinationen. Die Wohl des neuen Reichspräsidenten wird in kurzer Frist erfolgen. In der Presse werden mancherlei Namen für die Kandidatur genannt. Es handelt sich um Vermutungen und Kombinationen. Noch ist keine Nominanon erfolgt. Ebensowenig sind bisher Entscheidungen über ein gemeinsames Vorgehen großer Parteien gefallen. Die Presse stellt Vermutungen an über eine Sammlung der Linken wie der Rechten. Was die Rechtsparteien tun werden, ist ihre Sache. Daß die republikanischen Parteien in irgendeiner Form bestrebt sein werden, den Rechtsparteien möglichst geschlossen gegen- über m treten, ist selbstverständlich. Neben dieser allgemeinen Richtlinie bestehen taktische Er- wägungen. Das Wahlgesetz steht einen ersten Wahlgang vor, in dem die absolute Mehrheit entscheidet, und einen zw e i t e n Wahlgang, in dem die relative Mehrheit den Ausschlag gibt. Es sind deshalb verschiedene Formen des Zusammengehens der republikanischen Parteien denkbar. Ueber die l a k t l s ch c Frage, welche Form des Zufam- mengehens die glücklichste ist, werden in kürzester Frist Eni- scheidungcn fallen. Seöenkfeier im heffischev LanStag. varmstadk, 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Der hessisch« Landtag trat am Montag yi einer Trauertundgebung für den uerswrbcnen Reichspräsidenten Eberl zusammen. Die Kommunisten und ein Teil der Deutschnationalen waren in der Sitzung nicht erschienen. Auf den Rcgierungsbänken sah man die vier Minister und alle Referenten der Ministeriell. Die Galerien waren überfüllt. Landtogsprösident Genosse Adelung gedachte der grossen Verdienste des Reichspräsidenten Ebert. Er führt« etwa folgendes aus: Der oberste Beamte der deutschen Republik wurde mitten aus der Lolltraft des Lebens gerissen. Er war dem deutschen Balte in der schwersten Stunde ein unbeirrbarer Führer. Die Bedeutung des Reichspräsidenten ergibt sich aus den Aeusscrungen de» Ausland«», die auch den grohen Verlust für die deutsche Re- publik erkennen lassen. Reichspräsident Ebert trat ein für Frieden und Verständigung. Durch seine 5)aUung trug er dazu bei, die Kriegspsychose zu beseitigen. Er war ein glühender Patriot, der dem Loierlande olles opferte. Sein Leben und fein Wirken legen davon Zeugnis ab. Auch als Staatsmann war fein Grundwesen schlicht und einfach. Di« Geschichte wird würdigen und seslstcllen, daß die grosse Siaatskunst, der Takt und die Einsicht des Reichspräsidenten verhüteten, dah in stütinisch« Zeit das Deutsche Reich nicht zerfiel. Das deutsche Volk, das das Andenken Friedrich Eberts ehrt, ehrt sich selbst. Während der Ansprache des Landtagspräsidenten hatten sich oll« Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Dann wurde die Sitzung geschlossen. TrausrkunÜAebungen in Sayero. Ttüraberg. 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Sozial- u.'mokrotische Partei, die Gewerkschaften, die Demotraten, da» Zentrum und das Reichsbanner, sowie der.Rcichsbund der Kriegsbeschädigten hatten für heute abend zu einer Trauer- kundgebung die verfassungstreuen Bürger und Bürgerinnen Nürn- berg? aufgerusen. Die Feier fand in der Festhall« im Luitpoldhain statt. Bereits nachmittags um 4 Uhr zogen grosse Züge von T«'l- nehmern nach der Festhalle, die zirka 40 000 Personen saßt. Zu Beginn der Veranstaltung, um« Uhr war die große Festhalle bereits bis auf den letzten Platz gefüllt. Tausends mußten vor der Festhall« Platz nehm«». Wü dem Gesang„Ein Sohn des Volt«»" wurde die Feier eingeleitet, worauf namens der Sozial- demokrana die Reichstagsabgeordneten Simon und Hans Vogel, on den Demokraten der ehemaUg« Abgeordnete Schulrat Weiß und vom Zentrum Pfarrer ch o tz e l sprachen und die Wirk» samkeit Ebert» besonder, hervorhoben. Feierliche Weihe lag über dieser Massenkundgebung, als die hunderte von Fahnen sich zum Zeichen des Gelöbnisses im Sinne des Verstorbenen sich senkten und die ganze Versammlung d-z.Haupt entblößte. Zug um Zug zog dann in die Stadt, wo die Auflösung dieser gewaltigen Kundgebung ftatssand. In der Nochbar st adt Fürth wurden ebenfalls in den beiden größten Sälen der Stadt Trauerkundgebunzcn für den vcr- stcrbenen Reichspräsidenten abgehalten. Tausende von Teilnehmern fanden sich hier zusammen. Der Abgeordnete Hans Vogel und der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe hielten hier die Weiherede. Nachruf öes Hanfabunües. Dos Präsidium des Hansa-Bundes widmet dem dahin- geschiedenen Reichspräsidenten folgenden Nochruf: »Der erst« Präsident der deutschen Republik sst tot. I« all' den Iahren der Not und des Elends, der außen- und innenpolitischen Wirrnisse war er der Träger der politischen Vernunft. der treue und aufrichtige Sachwolter des deusschen Vaterlandes, der Führer derjenigen, die voll Hoffnung an der Gefundnng von Staat und Wirtschast arbeiten. Vertreter einer wirtschaftlichen Gedankenwelt, die im Gegensatz zu den privatwirtschaftlichen Grund- lagen der deutschen Bolkswirtschost steht, war er doch der Mann. dessen beruhigend« Kraft und dessen ftaatsmännisches Können dos unter dem außenpolitischen Druck zusammenbrechend« Deutsch- land,vor dem Bolschwismus bewahrte, war er der Erhalter der Einheit des Reiches und damit der Grund. lagen, auf denen wir jetzt den Wiederaufbau unseres Lölkes und snner Wirtschaft erstreben. Das Vermächtnis, das er dem deutschen Volke hinterläßt, sehen wir in der Voranstellung des Dienst-» für den Staat vor alle anderen Interessen und Bestrebungen. In diesem Geist so wie bisher der Einheit von Staat und Wirtschaft zu dienen und au» dieser Einheit die lebendigen Kräfte freiheitlichen Ausbaues und freiheitlicher Wirtschaft zu gewinnen, fei das Gelöbnis, das wir für Deusschlands Gewerbe, Handel und Industrie am Grabe des Reichspräsidenten ablegen. Die Teilnahme öes Reichsbanners. Al« offizielle Verireter deö Bundesvorstandes des Reichs- banner« Schwarz-Rot-Gold nehmen an der Ueber« tührung der Leiche deö Herrn Reichspräsidenten Ebert teil die Herren: Regierungspräsident P o h l m a n n, Redakteur Hölter- m au n. RechtSanloast Bärensprung. Parteiberatungen. ParteiauSschuft und Rcdakteurkonferenz. Der Parteivorstand beschloß, den ParteiauSschnß iur Sonnabend nach Berlin einznbenlfen und am Sonntag vormittag eine R c d a k t c n r k o n f c r e n z abzuhalten. Oer kreditaffSren.Unlersuchungsausichnß beS Landtages be- tckilov mit allen Siimmen gegen die der Uoilimnnisten. die Be- ratung auszusetzen. Tie Festsetzung der nächsten Sitzung wurde dem Vorsitzenden überlassen. Sie wird frühesten» am Sonnabend, wahrscheinlich erst rn der nächsten Woche stattfinden. Die Teilnahme öes ftuslanöes. Der englische Vosschatter Lord vllberno« hat an Frau Ebert unter dem 28. Februar folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr verehrte Frau Ebert! Ich hob« die Ehr« gehabt. Seiner Majestät, dem Köniss� Georg, die traurige Nachricht von dem schweren Schicksalsschlag, der<-ie betroffen, und von Deutichlands grossem Vcr- lust zu berichten, Seine Majestät hoben mich beouftragt, Ihnen und Ihrer Familie den Ausdruck seines austichtigen Bedauerns und Beileide zu über- miüeln Ich bin Ihr aufrichtig ergebener D'Abernon." Ferner hat der englisch- Bosschasier der Reichsregierung das Beileid der englischen Regierung ausgesprochen. Nach einer Mitteilung der hiesigen japanischen Bosschafi hat der Kaiser von Japan besohlen, daß als Ausdruck seines Mitgefühls mit der Family des Heimgegangenen Reichspräsidenten Ebert«in Blumenkranz an seinem Sarge niedergelegt werde. Der finnische Gesandte Hai aus Anlaß des Todes des Reichs- Präsidenten Ebert gestern dem Reichskanzler Dr. Luther dos per- sönliche Beileid des Präsidenten der Republik Finnland ausgedrückt. Der König von Spanien telegraphierte an den Reichskanzler; „Ich sende Euer Exzellenz und der Reichsregierung den Ausdruck meiner tieigefüh'ten Teilnahme on dem Tod« des Reichspräsidenten Ebert." König Fnad von Aegypten telegraphierte an den Reichskanzler: »Mit tiefem Bedauern erfahre ich von dem Tode des Reichs- 'Präsidenten Ebert und spreche Ew. Exzellenz ebenso wie der Reichs- regierung urch dem deusschen Volk« mein fieses Beileid aus." Der persische Tssinist-rpräsident Sardar Sepeh drohtet« an den Reichskanzler: .Aus Anlaß des schmerzlichen Verluste», den dos deutsch« Volk durch den Tod des Reichspräsidenten Ebert erlitten hat. vereinigen sich die persische Regierung und das persische Volk, um Ew. Exzellenz , ihr aufrichtigstes Beileid auszudrücken." Der Bcäsibent von Peru, ilognst B. Legula telegraphiert« an den Reichskanzler: .Im Nomen des Voltes und der Regierung von Per» spreche ich unser tiefgefühltes Beileid aus zu dem unersetzlichen Dettust, den die deutsche Nation erlitten hat." Dem Präsidenten des Reichstages ist dos folgende Telegramm aus Rom zugegangen: Die Ztnltenische Deyvkierlenkmnmee teilt suis lebhafteste den Schmerz des deutschen Volkes über den Tod des Präsidenten Ebert und spricht den Kollegen des Reichstags tietes Beileid aus. Der Präsident der Deputiertenkammer: Cosertemo. T s ch i t l ch« r i n sandte an den Reichsminister Dr. Stresemaiin iolgendes Telegramm:.In Tislis angelangt und tief betroffen durch die traurige Nachricht des Hinschcidens des Reichspräsidenten Ebert drücke ich Ihnen mein i i e i st e s Beileid aus und bitte Tie,«s der Familie des Reichspräsidenten auszudrücken." Das sozialistische Ausland. Lendon, 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Romsay Mae- donold hat an Frau Ed-ert folgendes Beileidstelegramm gesandt: „In einer Trauer, die ich nicht in Worte fassen kann, über den Tod meines alten Freundes spreche ich, zugleich im Namen der Parlo- mentssrokfion der Labour Party, mein herzlichstes Beileid au». Nicht ollein Deutschland, sondern Europa hat«inen weisen und geduldigen Diener verloren." Rom. 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Der„Avonti" be- schästigt sich in«inen; besonderen Artikel wtt dem verstorbenen Reichspräsidenten. Ebert war ein mutiger Verteidiger des vepubli- tonischen Gedankens, heißt es darin, deshalb müßten in einem Lande wie Deutschland auch die Sozialisten ihm dankbar sein. Man dürfe nicht vergessen, unter welch ungeheuren Schwieriakeiten Ebert die Präsidentschaft übernahm. Die Arbeiter werden nicht vergessen, daß er immer einer der Ihren war, auch aus der höchsten yöhe seines Amte». Deusschland verlier« nicht nur feinen ersten Präsi» den den, fw-denn einen ernsthaften Republikaner, der iurch feine persönlichen Tugenden der republikanischen Sache viel genützt hm. Steuermacherei öes Sürgerblocks. Ter neu« Finanzausgleich.— Neue Verbrauchssteuern. Endlich ist der Neichfinanzminister auch mit seinem neuen Finanzausgleichsqesetz fertig geworden, das dem Reichsrat zugeht. Es ist nicht uninteressant zu sehen, wie alle demagogischen Angriffe der Rechtsparteien auf die Erz- bergersche Reichsfinanzsteuerreform an dem Kern dieses neuen Entwurfs spurlos vorübergegangen sind. Im Gegen- teil— die Begründung bezeichnet ausdrücklich als den Zweck des Entwurfs die Aufrechterhaltung des bis- h e r i g e n F i n a n z a u s g l e i ch s f y st e m s. Man kann sich keine schärfere Ohrfeige für die vechtsparteisichen Kritiker der Zentralisierung des deutschen Steuersystems denken, als die dem Gesetzentwurf beigefügte Begründung. Ausdrücklich heißt es dort: „Der Grundgedanke des gegenwärtigen Finanzausgleichs— die Verantwortung des Reichs für Umfang und Maß d-r steuersichen Anforderung und für die richtige Verteilung des Steueraufkommens — muß gerade jetzt und für die folgenden Jahre Geltung beanspruchen. Waren die Reparationslasten der deusschen Wjrss'chast nach Art und Mass bisher unübersehbar, so kann auf Grund des Londoner Abkommens wenigstenz in der nächsten Zeit mit bestimmten Leistungen gerechnet werden. Damit sind erst die Voraussetzungen für eine planmäßig« Wirffchafts- und Steuer- politik eingetreten. Das Streben des Reichs mutz danach in erster Linie darauf gerichtet fein, daß es zur Erfüllung der im Londoner Abkommen übernommenen Verpflichtungen imstande bleibt. Denn die Nichterfüllung dieser Verpflichtungen kann politische Folge»hoben, die alle Wiederausbau- arbeit vergeblich machen, und kann dadurch Zu- kunftshoffnungen auf lange Zeit zerstören. Daraus muß dos Reich die doppelte Konsequenz ziehen: sowohl die Be- herrschung de» Steuersystems in möglichst vollem Umfang zu be- Haupte», wie sich den Anteil an dem Steuerouskvmmen zu sichern, der ihm die ihm obliegenden Leistungen ermöglicht. Außerdem muß die Steuerpolitik so geführt werden, daß die Wirtschast einer- seits ihre wesenlliche Funktion erfüllt, für die politisch« und tultu- rell« Neuentwicklung des deusschen Volkes die Grundlage zu bilden, andererseits aber auch den ihr»ach dem Reparationsplan obliegenden Verpflichtungen nicht nur im Augenblicke, sondern auf die in Aus- ficht genommenen langen Jahr« hinaus gewachsen bleibt. Dies« Steuerpolitik aber hat zentrale Gesetzgebung und Ver- waltung zur Voraussetzung. Denn nur vom Blickpunkt der zentralen Reichegewalt erscheint die deutsche Wirtschast alz der einheitlich« Organismus, dessen Ledensnotwend.gkciten in jedem Augenblick Rechnung zu tragen ist." Der vorliegende Gesetzentwurf hält deshalb„auch an den Grundgedanken des gegenwärstgen Finanzausgleiches absolut fest". Sowohl in Gesetzgebung wie in Derwaltung und Erhebung behält sich das Reich in allen Punkten seine Hoheits- rechte für die CrhcbunZ der Einkommen steuer vor. Den Anforderungen der Länder, die gegen die Absicht aus Er- höhung des Reichsanteils auf ZZlb Proz. protestiert hatten, wird insofern Rechnung getragen, als das Reich jetzt nur noch auf 2S Proz. des jetztigen Einkommensteuerertraaes Anspruch erhebt. Für das Steuerjahr 1925 soll das jetzig« �Verfahren überhaupt nicht geändert werden.' Am 1. April 19Z6 sollen Länder und Gemeinden(letztere nach Maßgabe landesgesetzlicher Regelung) das Recht erhalten, die ihnen bisher überwiesenen 75 Proz. auf dem Wege des Zu- schlagsverfahrcus zu erheben. Länder und Gemeinden sollen aber an der Derwaltung und Erhebung der Steuer nicht beteiligt werden, sie dürfen serner die Tarife und Spannen der Einkommensteuer nicht ändern. Die Prozentsätze des Reichstarifs und die Grundsätze, die das Reich für die Erhebung ausstellt, sollen danach also für all« Beteiligten gelten. Die Zuschläge der Länder und Gemeinden müssen für je ein Jahr festgelegt werden, nur im Jahre 1926 sind zur Erleichterung des Uebergangs vierteljährliche oder halbjährliche Zuschlagsfristen gestattet. Sehr wesentlich sind die Bestimmungen über die Haus- zinssteuer. Der Entwurf sieht vor. daß am 1. April 1926 die Mieten mindestens 199 Proz. der Frie« d e n s m i e t e betragen sollen. Der für Wohungsneubauten zu erhebende Anteil soll nicht mehr als 19 Proz. der Friedens- miete und mindestens 19 Proz. des Steueraufkommens sie» tragen. Der berühmte.Hohlraum" zwischen den reinen Selbstkosten und der Friedensmiete steht also zum Kampf zwischen den Länderoerwaltmrgen und den Hausbesitzern zur Verfügung. Es ist klar, daß dies« Bestimmungen des Ent- wurfs die heftigsten Kämpfe hervorrufen werden. Immer fehlt aber nocsi das Aufwertung sgefetz. das wie das Schwert des Damokles über den Häuptern der deuffchnationalen Minister hängt. Sie haben dem Volke di« Aufwertung versprochen. Jetzt heißt es. zu zeigen, was sie können und ohne neue Steuern werden sie eine Aufwertung nicht durchsetzen können. Länder und Gemeinden werden. nachdem ihr Anteil an der Einkommensteuer von 99 auf 75 Proz. reduziert ist, erst recht erklären, daß ein« Aufwertung die Erschließung neuer Einnahmequellen zur Voraus- fetzung hat. Einen„kleinen Anfang" macht der Entwurf eines Ge- fetzes über die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer. Nach Ansicht des Finanzministers„bieten die Lefitz- steuer kein geeignetes Objekt mehr".„Es bleibt nur übrig, auf die in den Berbrauchssteuern liegenden Reserven zurückzugreifen." Der Finanzminister empfiehlt deswegen siir das Bier eine Verdoppelung der Steuersätze und für den Tabak eine Erhöhung der derzeitigen Steursätze um durchschnittlich 25 Proz. Die Begründung des Entwurfes gibt für die Verdoppelung der Dterfteucr keine Schätzung über den voraussichtlichen Medrertrag. Die Mchrein nähme aus der Erhhöhung oer Tabaksteuer werden auf nicht weniger als 229 Millionen Äart geschätzt. ' Man sieht, der Bürgcrblock fängt gut an. In der rundlegenden Frage des Finanzausgleichs weih er im nmde auch kein« andere Lösung als das. was die viel- geschmähte Erzbergerfchs Steuerreform gebracht hat. Das Zuschlagsrecht, da? er darüber hinaus den Gemeinden gebe» will, wird sich für die Arbeiterschaft sehr bald als ein Danaergeschenk erweisen. Eine Abweichung von den Reichs- staffeln ist nicht möglich. Die ganze Sache wird darauf hinauslaufen, daß von den armen Gemeinden hohe Steuern und von den reichen Gemsinden niedrig« Steuern erhoben werden. B e fi tz st e u e r n beliebt der Bürgerblock nicht, daher bekanntlich auch sein Name. Um so fester sollen die Konsumenten bluten. Diesen, Steuerreform"» planen wird die Sozialdemokratie den heftigsten Widerstand leisten. Die Auswertung— ein politisthes Verhängnis Die deutschnationalen Demagogen in der Tchlmge. Die Aufwertungssrage ist geradezu ein politisches Ser- hangnis— für die Deutschnationalen. Sie haben dem he- trogenen Volk der Inflotionsopfer Gerechtigkeit versprochen. Kaum in der Regierung angelangt, war ihr erstes, die Ge- rechtigksit zu vertagen. Sie stimmten ihre eiaenen Anträge nieder. Ein politisches Verhängnis gab ihnen Verantwortung, nun leiden sie an der Hypertrophie ihrer unausführbaren Versprechungen. Am Mittwoch und Donnerstag wird die deutschuationql« Reichstagsfraktion zu einer entscheidenden Sitzung über die Aufwertungssrage zusammentreten. Ihre Entscheidung sst nicht leicht. Die Aufwertungssrage ist ein politisches Der- hängnis, so werden die d-utschnationolen Abgeordneten mehr als einmal sagen. Die Regierung des Nechtsblocks, di« die getäuschten und enttäuschten Inslation?opfer als Sprungbrett benutzt hat, hat als Ersatz für die Anträge der Deutschnotionalen einen Gesetz« entwurf versprochen. Der Termin, an dem das Versprechen eingelöst fein sollte, ist vorüber. Das Versprechen ist nicht gehalten worden. Es ist nicht leicht, ein Kompromiß zu finden zwischen der Haltung der Luther und S ch l i e b e n vom Herbst 1924 und zwischen den Wahlversprechungen der Deutschnationolen. Es ist ein politisches Verhängnis, daß die Deutschnationalen gerade über die Aufwertungssrage in eine Regierung mit Luther gelangten, über dieselbe Ausweriungsfrage. zu her Herr Luther als Finanzminister qemeinfam mit Herrn von Schlieben, dem Finanzminister von heute, sine so entschieden negative Haltung eingenommen hat. Zwischen den Herren Luther und Schlieben wird es darum noch zum klassischen Wort werden: die Aufwertung ist ein politi- sches Verhängnis. Jawohl, meine Herren, die Aufwertung ist geradezu«in politisches Verhängnis— für Sie. ffoesch bei tzerriot. Parts. 2. Mörz.(Eigener Drahtbertcht.) Der deutsche Botschafter in Paris Hot am Montag dem französischen Mnusterpröstdenten Herriot einen Besuch abgestattet, um ihm im Namen der Reichs- regierung für die Beileidskundgebungen de» Prössdenten der Repubtik und der sranzöiisch-n Regierung aus Anlaß des Ablebens des Präsi- denken der deusschen Republik zu danken. Im Aoschtuh daran hat eine längere Aussprache über die schwebenden internationalen Fragen und vor allem über das Problem der Sicherheit im Zu- sammenhang mit der Möglichkeit eines deutsch-französifch-englisch-n Garantievertrags stattgefunden. Sozisliftischsr Sieg in Luxemburg. Luxemburg, 2. Mär» iCigener r:ahtbericht) Bei den Parka- mentSwahlen hat die Sozialdemokratie als einzige»s» allen Parteien eine Reihe neuer Sitze erringen können. Di« vereinigte Reckte konnte ihren Besitzstand halten, während die SiSeralen die von den Arbeitern gewonnenen Sitze verloren. Gewerkschaftsbewegung fichtigen war, daß durch die unterbrochene Milchzufuhr der Betrieb Für den Achtstundenta. Gegen das infernationale Eisenfartell. Köln, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag und Montag fand in Köln eine internationale Hüttenarbeiter. Ronferenz ftalt, auf der nicht weniger als 14 Länder durch 128 Delegierte vertreten waren. In In der Eröffnungsfizung gedachte der Sekretär des Internationalen Metallarbeiterverbandes, Jig Bern, zunächst in einem warmen Nachruf des verstorbenen Reichspräsidenten. Ebert habe die deutsche Arbeiterbewegung einen ihrer Besten perioren; in ihm habe das deutsche Volf einen Präsidenten gehabt, der in der bewegtesten Zeit Deutschlands einzige Hoffnung war und auch im Ausland das größte An= fehen genoß. Die internationale Arbeiterbewegung betrauere mit den deutschen Arbeitern und dem republikanischen Deutschland den Berlust eines der großen Söhne des $ roletariats. Ein zweiter Nachruf galt den Opfern der Dortmunder Grubentatastrophe. Beide Ansprachen hörte der Rongreß stehend an. Als erster Punkt der Tagesordnung stand die soziale Lage der Hütten und Walzmertarbeiter zur Erörterung, unter besonderer Berücksichtigung der Berhältnisse in Deutsch= land. Das Referat lag gedruckt vor, die ausländischen Delegierten gaben lediglich furze Ergänzungen. Hervorgehoben zu werden verdienen die Ausführungen des Engländers Browning, der mit teilte, daß der Wochenlohn des englischen gelernten Hüffenarbeiters bel 48 Arbeitsstunden 120 bis 140 Mark beträgt, gegenüber faum 50 Mart, die der entsprechende deutsche Arbeiter erhält; dabei muß für diesen Lohn in Deutschland 60 bis 72 Stunden gearbeitet werden. Aehnlich lauteten die Berichte des Belgiers Solau und anderer ausländischer Delegierten. Die Hütten- und Metallarbeiter des Auslandes, wo der Achtstundentag überall voll in Geltung ist, haben alle die Befürchtung, Daß er gefährdet wird durch die zwölfftündige Arbeitszeit in der deutschen Hüttenindustrie. Die ausländischen Delegierten Jagten daher den deutschen Hüttenarbeitern meitgehende Unterfügung zur Rüderoberung des Achtstunden tages zu. Am Schluß dieser Debatte wurde eine Entschließung angenommen, in der die internationale Hüttenarbeiter- Konferenz mit Befriedigung feststellt, daß in sämtlichen europäischen Industrieländern mit Ausnahme von Deutschland und PolnischOberschlejten in den Hochofen, Stahl- und Walzwerken, in den ZinkBlei und Kupferhütten die dreigeteilte Schicht und damit der Achtffundentag besteht, und ferner der Achtstundentag zum allergrößten Teil auch in der übrigen Industrie zur Anwendung fommt. Die Wiedereinführung des Achtstundentages in Deutschland für die Hochöfen- und Roferei arbeiter jei eine unzureichende Maßnahme und mit Rüdficht auf die arbeitstechnische Berbundenheit der Hochofenwerke mit den Stahl, Walz- und Hammerwerfen feine Lösung des Schichtproblems. Dem janitären Achtstundentag müßten alle Feuerarbeiter unterstellt werden. Die schleunigste Ratifizierung des Washingtoner Abkommens wird von allen Bändern gefordert, in denen sie noch nicht erfolgt ist. Beim llebergang zum Dreischichtensystem sei ein entsprechender Lohnausgleich und darüber hinaus auch eine angemessene Er höhung der biel zu geringen Löhne notwendig. Um Montag erstattete Dißmann ein Referat zum Thema: Handelsvertrag, europäisches Eisenfartell und Arbeiter? Laffe." Er verlangte eine Bereinigung der Bölter für eine gemeinsame Handelspolitik und Freihandel statt des Hochichuzzolles. Die Gründung des europäischen Eisenkartells herachtet Dißmann als schwere Gefahr für die Eisenarbeiter bei Bahnbewegungen. Daher müßten die Arbeiter danach trachten. ihre internationale Organisation auf die Höhe der Internehmer zu bringen. 9 Stein Desterreich beezichnete die Eijenkartellierung Europas als den Versuch der europäischen Industrie, sich gegen die amerifanische zu organisieren. Hodge. England pries den Freihandel als das einzige Mittel zur Verständigung der Bölker und zur Sicherung bes Briedens. Schweizer vom Bund der Technischen Angestellten fordert statt Hochschutzzoll eine europäische Zollunion. in den ersten Tagen nicht wieder voll aufgenommen werden fann. Maßregelungen foliten nicht vorgenommen werden, die Einstellung von Betriebsfremden sollte solange unzulässig sein, als noch am Streif Beteiligte ohne Arbeit sind. Dieser Vorschlag war also ganz zugunsten der Firma Bolle. gabe der Arbeitsmöglicht eit erfolgen, mobei zu berüt. I zueinander streng gewahrt. In zielbemußter Arbeit haben sich die Eisenbahner durgesetzt. An der Bilanz des ersten Betriebsjahres der Reichsbahngesellschaft sollten die deutschen Eisenbahner fennen. Der 2 bbau des Personals ist auch in Defterreich die Wirkungsweise des Privattapitalismus in der Reichsbahn er cor fich gegangen, allerdings in anderer Form und mit anderem Erfolg als in Deutschland. In Desterreich wurde tein Mann abgebaut, aber auch fein Hofrat gehalten, ohne die Genehmigung des Berbandes. Die Ansicht der Einheitsorganisation. daß im Lande der Castiglioni, Möllersdorf und Stlarz auch Getd für Eisenbahnerpenfionen vorhanden sein muß, ist durch gefekt worden. Bezüglich der Stellung der deutschen Reichsbahnbediensteten erflärte Smantal: Das Berufsbeamtentum, von vielen Eisenbahnern noch mit Klauen und Zähnen verteidigt, findet in der Reichsbahn feinen Plah mehr. Kapita lismus und Berufsbeamtentum sind entgegengesezte Begriffe. Die tsterreichischen Eisenbahner haben sich ihr Berufsbeamtentum er haiten. Der Kampf geht steis um die Nun geschah das Unglaubliche: Während sich die Streifleitung und die Organisationsvertreter bereit erflärten, diesen Vorschlag den Streifenden zur Annahme zu empfehlen, lehnten die Anläßlich der Trauerkundgebung für den Reichspräsidenten Ebert am Mittwoch, den 4. März, bleiben die Bureaus der Freien Arbeiterund Angestellten- Gewerkschaften auf Grund eines Beschlusses der Ausschüsse der Gewerkschaftskommission und des Ortskartells Berlin des Aff- Bundes von 12 Uhr ab geschlossen. Firmenvertreter nicht nur den Vermittlungsvorschlag a b, sondern wiesen auch einen weiteren Vorschlag des Schlichters zurück, der fie verpflichten sollte, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Damit haben die Scharfmacher der Firma, die Werhahn, Hoymann, Rüde und Opfendorf und Konsorten mit dankenswerter Offenheit gezeigt, worauf es ihnen anfommt. Der Einfah der Technischen Nothilfe dient nicht der Aufrechterhaltung des lebenswichtigen Betriebes." mit Hilfe der Teno soll der Machiwille der Firma durchgefeht werden. Wenn je mit der Teno Mißbrauch getrieben ist, so hier. Die Streifenden werden es fich angelegen fein laffen, die amtlichen Steffen darauf aufmerksam zu machen; dabei wird auch ein fräf tiges Wort zu reden sein. Die Firma hat sogar den Stalleuten, die die Pferdepflege als Rotstandsarbeit mit Juftimmung der Streifenden verrichteten, die Papiere zugestellt und sie aus dem Betriebe verwiesen. Höherstellung der untersten Gruppe; Die anderen folgen infolge ihres natürlichen Aufwärtstriebes und infolge ihrer Organisationsschulung von selbst. Da gehts dem Wagenwäscher und dem Kohlenschieber nicht anders, als dem Präfidenten, weil ihre Anstellungsgrundlagen die gleichen sind. Im Gegensatz zu diesen gesunden Verhältnissen haben die deutschen Berufsgenossen noch nicht den Weg zur richtigen Dr. ganisationsform gefunden. In Desterreich versteht man ein fach nicht, daß es deutsche Eisenbahnbeamte gibt, die eine Einheits organisation mit den Arbeitern ablehnen. Gewiß fennt man auch in Desterreich den Kategorienstreit, aber menn der Streit am höchsten steht, erkennt jeder, daß feiner Berufsvorrecte hat, sondern daß alle zusammen die Eisenbahn fahren machen und daß alle zusammen die Organisation ausmachen. Unter dem großen Beifall der Versammlung gab Smaykal den Rat, Organisationstämpfe nach dem Kampf mit dem Gegner aus zu tragen. Angesichts der bedrohlichen Lage der deutschen Eisenbahner ist die Umwandlung der Eisenbahner vereine in eine Eisenbahner organisation eine zwingende Notwendigkeit. Je cher diejer Rotwendigkeit Rechnung getragen wird, desto eher werden die Eisenbahner die Früchte ernten können. Rach furzer Aussprache nahm die Versammlung eine Resolution im Sinne des Referats an. Die Bereinigung aller Eisenbahnbediensteten in einer Organisation wird gemäß der Beschlüssen des letzten Verbandstages der RG. gefordert. Zu Be ginn der Kundgebung gedachte der Borsigende in warmen Gedent morten des verschiedenen Reichspräsidenten und der im Kriege gefallenen Eisenbahner. Abgewirtschaftet. Die Firma scheint der Auffassung zu sein, daß sie mit ihren Maßnahmen die Front der Streifenden erschüttern fann. Nach all den Drangsalierungen, Schifanierungen und Provokationen der letzten Zeit ist bei der Belegschaft nun endlich das Maß über. gelaufen. Drud erzeugt Gegendrud; die Streifenden wissen fich jedenfalls frei von Schuld. Eine überfüllte Versammlung der Streifenden nahm gestern einen Bericht von Nellinger und Roch entgegen. Die Anwesenden zeigten Geschloffenheit und ein mütigen Willen zum Durchhalten. Der Streit wird nicht eher be endet werden, bis die Einstellung der Streifenden zu den alten Bedingungen gesichert ist. Der Schlichter hat die Parteien zu heute, Dienstag, nochmals zu Einigungsverhandlungen geladen. Um 2 Uhr versammelt sich die Belegschaft im Moabiter Gesellschaftsverband teilt mit: Die in dem Aufruf der vier Bergarbeiterver haus, Wiclefstraße. Das Wolff- Bureau verbreitet hierzu folgende Meldung: Bon den, anläßlich des Konflitis in der Meierei Bolle einge feizten Nothelfern find seit Sonntag vormittag bis heute vormittag rund 200 000 Liter Milch von den Bahnhöfen in die Rühlhallen der Firma Bolle abgefahren worden. Gegenüber anders lautenden Mitteilungen wird ausdrücklich betont, daß die Technische Nothilfe lediglich zu den, vom Polizeipräsidium als lebenswichtig angeordneten Transportarbeiten eingesezt ist. Srgendeine Weiter. verarbeitung der Milch tommt für die Technische Nothilfe nicht in Betracht. Zur Organisation der Eisenbahner. A In einer von der Reichsgewertschaft Deutscher Eisenbahnbeamter und-anwärter einberufenen Bersammlung behandelte Gen. Sman fal, der Borsigende der österreichischen Eisenbahner- Organis fation, die Frage: Was haben die österreichischen Eisenbahner ihren deutschen Berufskollegen zu sagen? Der Referent versicherte der deutschen Eisenbahnbeamtenschaft zu nächst der märmsten Sympathie der österreichischen Berufsgenossen Für die belgisch- französische Abordnung gab Labe eine Erflärung hinsichtlich ihrer Eninidlung und ihrer Berufsforgen. Die Defter ab, in der das Internationale Arbeitsamt in Genf und reicher erwarten von den deutschen Eisenbahnern, daß ihre organi. der Bölkerbund als geeignete Stellen für die internationale Regelung fatorischen und wirtschaftlichen Erfolge groß genug sein werden, der Zollfragen und des Eisenkartells bezeichnet werden. um in Desterreich als Vorbild zu dienen. In Defterreich Die Forderungen des Kongresses wurden auch hier in einer stellt man die deutschen Eisenbahnbeamten stets dann als Entschließung zusammengefaßt. Gegenüber der Forderung des Muster hin, wenn die Berhältnisse in Deutschland Kapitals nach Errichtung von Schußzzollmauern, ein Drängen, dem schlechter find, als jenseits der Grenzpfähle. Es ist ein altes fich die Regierungen überall beugten, müßten auch die Vertreter der Gesez, daß die Beamten die Verwaltungsbehörden haben, die sie organisierten Arbeiterschaft gehört und als gleichberechtigte sie verdient haben. Die österreichischen Eisenbahner haben ihrer Sachverständige zu den Bertragsverhandlungen hinzugezogen Verwaltung nicht die Toleranz entgegengebracht, als es die deutschen merden. Durch die von der Schwerindustrie geplante Bildung eines Eisenbahnbeamten getan haben. Nicht zuletzt ist das auf die verinternationalen Eisenfartelis, eine Art privater Schußzo1! hältnismäßig junge Gewertschaftsbewegung der Beamten gefeggebung, würden die Eisenabjazgebiete der Welt aufgeteilt in Deutschland zurückzuführen. Im Gegensatz zu der öster und monopolistisch vergeben. Die Folge wäre eine ungeheuer- reichischen Einheitsorganisation habe sich in Deutsch liche Berteuerung der Rohmaterialien für jämtliche land noch zum gut Teil der alte Bereinsgeist erhalten. Der Industrien und eine Bersfladung ganzer Länder durch das rücksichts- große Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit jei in den Reihen der lofeste, das Schwereifentapital. Demgegenüber müßten die Ber- Beamtenschaft nicht erkannt und deshalb nicht begriffen, daß das treter der Gewerkschaften auch zur Ausarbeitung der Gefeße als Berhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch den Berater hinzugezogen werden und ebenso bei den Aufsichtsbehörden Klaffenfampf bedingt wird. Auch in Desterreich drohte man über die Wirtschaftsverbände der volkswirtschaftlichen Bedeutung mit der Privatisierung der Eisenbahnen; die österreichischen der Arbeitnehmerschaft entsprechend Siz und Stimme erhalten. Beamten und Arbeiter waren darum nicht bange. Sie mußten, Ueberwachung der staatlichen Handelsvertragspolitik und der tapita daß fich fein Kapitalist finden würde, der die Bundesbahnen mit listischen Konzentration feien lebenswichtige Aufgaben für die Ge- der unangenehmen Beigabe der Einheitsorganisation der mertschaften in allen Lindern. Nachmittags um 1½ Uhr fand die Eisenbahner nehmen würde. Die öfterreichischen EisenKonferenz ihr Ende. bahner sind zu 76 Proz. in der freien Organija tion. Die restierenden 24 Broz. hängen bald diefer, bald jener Organisation an, so wie gerade der politische Wind weht, aber: alle Eisenbahner find organisiert! Smantal erklärte, daß er als Vorsitzender des freien Berbandes nicht böse darum sei: In einem Berein" feien alle zu vereinigen gewesen, nicht aber in einer Kampforganisation. In seinen weiteren Ausführungen ging der Redner auf die Betriebsund Organisationsverhältnisse in Desterreich ein. Die Erfennt punit des einzelnen Unternehmers ausschalten muß, hat in Dester. nis, daß die moderne Betriebsführung den Herrn im Hause- Stand reich zur attiven Mitarbeit der Eisenbahner an der Ber Unerhörte Scharfmacherei. Bolle will teine Arbeitsaufnahme. Gestern morgen fanden beim Schlichter für Groß- Berlin Ber handlungen zur Beilegung des Konflittes in der Meierei Bolle statt. Was sich dabei abspielte, zeigt die Scharf macherei beffer als alles, was man bisher erlebt hat. Der Schlichter machte einen Bermittlungsvorschlag, nach dem der Lohnschiedsspruch, den die Arbeiterschaft abgelehnt, die Firma bagegen angenommen hatte, für verbindlich erklärt werden folile. dingungen aufnehmen. Die Einstellungen sollten nach Maß in den Körperschaften das Mitgliederverhältnis der Organisationen Essen, 2. März.( WTB.) Jm Ruhrgebiet sind die Bergarbeiter der Aufforderung der Kommunisten, die Arbeit eine Stunde vor Ablauf der bisherigen Schichtzeit niederzulegen und die frühere Ausfahrt au erzwingen, nicht gefolgt. Soweit bisher bekannt geworden ist, wurde auf allen Schächien die achtstündige Schicht berfahren. Zu Ruheftörungen ist es nirgends gekommen. Bochum, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergarbeiter bände herausgegebene Barole, die Butschtaktik der KPD. und Union abzulehnen und zu bekämpfen, ist von den Bergarbeitera als richtig anerkannt und befolgt worden. In Hamborn unb margloh tam es am Sonntag bei der von der KPD. veran stalteten Demonstration, an der sich auch auswärtige Kommunisten beteiligt haben, zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die KPD. ließ ihre Fahnen dabei im Stich. In Gladbef, mo die RBD. eine öffentliche Versammlung abhielt, mußte festgefteüt merden, daß die Stimmung für die Bergarbeiterverbände sei. Der unionistische Betriebsrat auf der Zeche Helene Amalie per sprach am Sonntag der Belegschaft, am Montag eine Barole her cuszugeben, ob mit 7 oder 8 Stunden ausgefahren merden fo. Am Montag maren jedoch diefe Helden nicht vertreten. Auf Per Zeche Kaiserstuhl II in Dortmund waren die Radikalen fehr vorsichtig. Sie hatten bereits einige Tage vorher Krantenschein genommen. Damit ist bewiesen, daß die Bergs arbeiter fich nicht mehr vor den Mostauer Karren spannen lajfent. Die von Moskau herausgegebene Aufforderung, mit 7 bzw. 8 Stun den, ist damit jämmerlich zusammengebrochen. Drohender Holzarbeiterftreit in Gera. einen Weimar, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) In der Geraer Solzindustrie droht ein Streit der Arbeiter. Die Unternehmer wollen einen Abbau des 2ohnes vornehmen, gegen den fich die Arbeiter sträuben. In der Etui- Fabrikation in Eisenberg fireiten bereits feit acht Bochen 500 Arbeiter. Bisher besteht keine Aussicht, den Streit, der ein reiner Zohnstreit ist, beizulegen. Deutscher Bertmeisterverband, Geschäftsstelle bes Bezirks X. Begen der Trauerfeierlichteiten für den verstorbenen Reichspräsidenten ist die Geschäfts ftelle am Mittmoch von 11 hr normittags ab gefchloffen. Rentralverband der Angestellten. Achtung, Bersammlungsabiage! Die fir Mittwoch vorgesehenen Bersammlungen der Bezirke Rorbofien, Güden- Südmesten, Tegel- Tegelort- Borfigwalde- Seiligensec- Reinidendorf- West, Reutils, Adlershof Alt- Glienice- Grünau- Bohnshorf fallenberg fallen wegen der Trenerfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert aus. Alle anderen angellindiaten Bezirksverfammlungen finder ftatt. Bir fordern unsere Mitalieder auf, die Breffe au verfolgen und den Barolen folge zu leisten, die cemeinfam von der Gewerkschaftskommiffion Berlins und Umgegend und dem Dztstartell bes A- Bundes ausgegeben werden. Unfere Bureaus bleiben aut Mittwoch geiloffen. Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groz- Berlin. Deutscher Solzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. Die Bertrauens männerversammlungen der Branchen und Beairte, welche am Mittwoch tatt finden follten, fallen anläßlich ber Trauerfundgebung für ben Reichspräsidenten aus. Die vorgesehene Tagesordnung wird in den am 12. März stattfindenden Mitgliederversammlungen miterledigt. Die Bureaus des Berbanbes werben am 4. Mära nachmittags von 4 bis 16 Uhr gefchloffen bleiben. Die Bez frauensmännerversammlung der Musikinstrumentenbranche findet am Freitag nachmittag 5 Uhr im Reichenberger Sof statt. Berantwortlich für Boliti?: Craft Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Catoru: Feuilleton: 3. S. Difcher: Lokales und Sonstiges: Fris Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode; famtlich in Berlin. Berlag: Barwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwäris- Buchdruderet und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße& Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Billen. Ihr Mund wird entstellt durch häßlich verfärbte Zähne. übler Mundgeruch wirkt ab froßend. Beide Schönheits'ehler werden fofort in vollkommen unschädl. Weise be feitigt b. die Zahnpaste Chlorodont, wirksam unterfifiht burch Chlore dont- Mundwaller. überall zu haben. Die Belegschaft sollte die Arbeit wieder zu den alten Be- maliung unb ber Betriebsführung geführt. Dabet i Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Bicmalz 3 a Norden 9296. Säle frei! Gründliche Kräftigung und Auffrischung verschafft das vorzügliche, billige, wohlsmedende Biomalz. Es gibt wohl fein einfacheree, bequemeres Mittel; teine erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomala. Neben der Hebung des Araftgefühls tritt faft immer eine auffallende Beiierung des Aussehens ein. Dan fübit fim aerabeau wie berjünat. Mit feinem andern Kräftigungsmittel fann man beffere Erfolge erzielen als Mos nehmen die erate? 90e Echucaparate und Efeumittel ergelen nicht bir tung. mes appetitanregung und Rrobigune enfanat, mie Biomaly. Sa me: ner eigenen Famille bis hit bez noung be fanbers zufrieden. Dr in Ch. Das von mir schon oft und mit gutem Gefolge in ber Bragis verordnete Biomols wird man diesmal meinen Rindern gugute tommen Dr. med. R mit Biomalz Biomaty hat sich bei meiner Frau und briden Sobnek vorzüg.| Crhaffi in Sootheken, Drogenhandlungen und einschlägigen li bomohrt. Dr. Fr Gridöt reis einer Dale Stomely 1,00 ar, mit Lecithin 5 Mart, mit Eifen( für Plutarme ambige) 2.20 tárt, Reu: tamala Bonbons, bestes Pinderungsmittel Fei mit Raft egtza( für Zungenleibende) 2.50 Rart Deudschriften Suftex und Seiferteit, vorzüglicher Geimad, je Beutel 30 Braif Buns umsonst und poftfest umb Bismals Gasfolabe je 100- Grom- Tafel 60 St Sebe. Saturnine, dhe Bellz 10 Nr. 104 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Maffenwanderung durch die Wilhelmftraße Wie tot iſt fonft der Teil der Wilhelmstraße, der zwischen Leipziger Straße und Unter den Linden liegt. Bei den verschiedenen Ministerien, Botschaften und anderen amilichen Gebäuden ist für Geschäftsleute, die lauflustige Massen brauchen, fein Plaz. Doch jett einigen Tagen weist die Straße einen äußerst regen Verkehr auf, denn Wilhelmstraße 73 ist aufgebahrt der erste Bräsident der deutschen Republik. Von der Straße aus ist das Amtszimmer, in dem der Sarg aufgestellt ist, zu sehen. Mattes Kerzenlicht durchdringt die dichten Gardinen. Dort brinnen liegt Ebert" einer flüstert's dem anderen zu, und immer wieder richten sich die Blide nach dem heiligen Ort. Es gibt sonst nicht fehr viel zu sehen vorm Haus des Reichspräsidenten, und Leute, die nur Neugier dorthin treibt, werden bestimmt wieder enttäuscht von dannen ziehen. Aber das Ereignis ist ja den Tausenden und aber Taufenden, die langsam hier vorübergehen oder auch so lange stehen bleiben, bis der Schupo unbeliebtes, aber wohl notwendiges Weiter. gehen!" fie fortbringt, weit mehr als eine Sensation. Das Volt will seinem Führer noch einmal nahe sein. TT Immer wieder bilden fich Gruppen, in denen über Friedrich Ebert, seine Persönlichkeit, sein wirken und sein Bert gesprochen mird. Nicht nur Arbeiter und Aagestellte, deren Stolz darüber, daß der Reichspräsident ihnen wegen seiner Herkunft besonders nahe: steht, unverkennbar ist, beteiligen sich an ihr. Biel weiß mancher Barteigenoffe, der Ebert und fein selbstloses Wirken von früher her aus eigener Anschauung fennt, zum leider aftuellen Thema beizutragen. Irgendwo wird auch ein Zeitungsartifel vorgelesen, der von dem Verstorbenen handelt. Es ist eine Schmutzerei aus der„ Deutschen Zeitung" so groß die Gemeinheit des Schreibers ist, so groß ist hier die Empörung seiner Leser. Er war doch ein ganzer Rerl!" das sagt darauf ein ziemlich weit linksstehender Proleta rier, der in feiner Kritik an Friedrid Ebert nicht immer sachlich und verstehend geblieben war. Ihm tut es leid, aber er ertennt wenigstens heute, was die Geschichtsforschung später noch belegen wird. Immer wieder drängen neue Menschenscharen sich herbei, immer wieder, immer wieder... Männer, Frauen, Alte, Junge: Bolt. Keiner vergißt das schlichte, eindrucksftarte Bild, das das Präsidentenpalais, das Licht im Totenzimmer, das schwarze Blumentischlein vor der Freiireppe, die stummen Reichswehrposten rechis und links vom Tor ergeben. Und feiner vergißt Friedrich Eberi! Ebert in Treptow. Man schreibt uns: dem plößlichen Sprung in die Höhe gar nicht wohlfühlie, nicht leicht geworden. Als es ihm endlich möglich war, den von vielen Seiten, besonders natürlich von den Treptower Parteigenossen gewünschten Besuch in Treptow aus Anlaß eines Liederabends im Treptower Realgymnasium zuzusagen, fam an dem berüchtigten 11. Januar 1923 die Belegung des Ruhrgebietes dazwischen. Er mußte fich num darauf beschränken, in seiner Bertretung seine Frau und einen Sohn zu enisenden, und hat Treptow night wiedergefehen. Im Hause Defreggerstraße 20 wie überhaupt in der Nachbarschaft, obwohl diese Aufmarschplan der Partei am Mittwoch, den 4. März. Dienstag, 3. März 1925 ürde ftärter an Anstand sind. das ist Bor. bereitung. Die Beteiligung an dieser Trauerfundgebung des deutschen Bolles wird eine ungeheure fein. Frizz Ebert, der ja anfangs nur bei unferen Barteigenoffen befannt und geschätzt war, hatte fich durá seine Arbeit die Sympathie aller redlich denkenden Menschen erworben. Arbeiterschaft und Reichsbanner werden sich auf dem Königsplatz in Maffen einfanden und das demokratische Bürgertum wird gleichfalls start vertreten sein. Das ist Symbol, daß eine übermältigende Mehrheit nach sehr wilden und zerrüttenden Jahren int Deutschland endlich einen Mann anzuerkennen, wagt, obwohl er Republikaner, ja, obwohl er Sozialist gewesen ist das ist das Symbol der Morgenröte befferer, menschlicherer Zeit. Friedrich Ebert hat ihr Kommen mit vorbereitet diese Anerkennung sei des Volkes Danf. www Der Trauerschmud auf dem letzten Weg. Jm Einvernehmen mit den zuständigen Reichsstellen ist ge nachmittag die Ausschmüdung der Straßen, durch die am Mittwoch nachmittag der Leichenzug des Reichspräsidenten seinen Weg zum Botsdamer Bahnhof nehmen wird, in allen Einzelheiten fefigelegt Die Genoffen treffen sich auf dem& önigsplay Bis 4 Uhr worden. Bom Wilhelm play erhält der Weg, die Wilhelmmüssen alle zur Stelle sein. Alle Parteifahnen werden im Juge mitgeführt. Die Fahnenfräger müffen ohne Ausnahme und plintilich erscheinen. Die Parteigenoffen schließen fich dem Trauerzuge an, der um 4% Uhr sich vom Königsplatz in Bewegung feht. Dem Celchenwagen folgen zunächst die Angehörigen des Genoffen Ebert. Denn folgen Reihsregierung, Reichstag, Reichswehr Ehrenfompagnie und das Reichsbanner. Daran schließt sich die Partei an. Der Trauerzug nimmt seinen Weg vom Königsplatz durch die Friedensallee, Budapester Straße zum Potsdamer Bahnhof. Dort wird der Sarg auf der Freitreppe aufgebahrt. Der Trauerzug defiliert vor dem Sarg und nimmt seinen Weg weiter durch die Königgräßer Straße, Prinz- Albrecht- Straße, Charlottenstraße, Unter den Linden, Luftgarten. Cuffgarten begeben sich alle Genoffen und Genoffinnen zur Ge3m Custgarten erfolgt die Auflösung des Zuges. Bom dächtnisfeier im Großen Schauspielhaus, Bolts bühnen- Theater und Deutschen Opernhaus Der Bezirksvorstand. faß durchweg aus Bürgerlichen bestand, erfreute sich die Familie Ebert durch ihre stets bescheidene Zurüdhaltung großer Sympathien. Noch sehe ich Frau Ebert am Borgartenzaun stehen, wie sie Nach barn weinend erzählte, daß ihr auch ein zweiter Sohn im Kriege gefallen sei. Vielleicht nirgends so wie in Treptow, mit dem Ebert jahrelang eng verwachsen war, wird sein allzufrühzeitiges Hinfcheiden schmerzlich empfunden. Vorbereitung. straße hinunter, Unter den Linden bis zum Branden. burger Tor, die Sommerstraße, bie Umgebung des Reichstages, die Budapester Straße und der Bor. plaz des Botsdamer Bahnhofes mürdigen Schmud durch Florumhüllung der Laternen und grüne Guirlanden. Am Wilhelmplatz werden vier Pylone mit Tannengrün errichtet, die als Einfahrt zu dem Straßenzug vor dem Reichspräsidentenpalais gedacht sind, vor dem Palais jelbst weitere vier Breiler, die Opferschalen tragen, als Ausgangspforte abermals vier Bylone an der Ede der Wilhelmstraße und der Linden. Ebenso erhält der Pariser Blazz schwarzdrapierte Pyramiden aus Tannengrün. Grüne Guirlanden und schwarzer Flor werden auch die Rampe und Freitreppe des Reichstages schmüden. Auf dem Borplatz des Boisdamer Bahnhofs werden im Halbkreis 17 Meter hohe Masten mit langen schwarzen Trauerfahnen errichtet, die untereinander mit Guirlanden und grünem Schmid verbunden werden. Die Aufbahrung des Sarges erfolgt auf einem hohen, schwarzdrapierten Katafalk in der Mitte der Bahnhofsfreitreppe, Bahnhofs wird mit schwarzem Tum ausgeschlagen, darüber in ber eingerahmt von Lorbeerbäumen und Palmen Die Säulenhalle des Säulenbogen ein Baldachin aus Tannengrün. Der Balton des Bahnhofs erhält reichen Schntud von weißen Hortensien. Bom Katafalt auf der Freitreppe wird dann der Sarg durch eine Allee von Lorbeerbäumen in die ebenfalls mit würdigem Schmud versehene Bahnhofshalle zum Sonderzug getragen. Die Ausschmüdungsarbeiten, die von der Firma Hermann Rothe ausgeführt werden, find am gestrigen Montag abend bereits in Angriff genommen worden, und zwar wird mit einer großen Schar von Arbeitern in Zwölfftundenjchichten, Tag und Nacht, an der Feriig fiellung des Schmudes bis zum morgigen Mittwoch Mittag ge arbeitet. den Frühzeitiger Bureauschluß am Mittwoch. Der Magistrat hat beschlossen, die Bureaus am Mittwoch, den 4. März, nachmittags 1 Uhr mit Rücksicht auf die Trauerfeierlichkeiten für den Reichspräsidenten Ebert zu schließen. Die Sizungen des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts find an diesem Tage möglichst um i Uhr zu fchließen. Neue Termine werden an diefem Tage nicht mehr an geordnet. Beifizern, die zweds Teilnahme an der Trauerfeier Befreiung von der Sitzung beantragen, wird diese gewährt. Bange Jahre hat Eberi in Berlin- Treptow gewohnt, in einer Eleinen Wohnung im dritten Stockwerf der im mittleren Ortsteil gelegenen Defreggerstraße. Gerade ihm als Süddeutschen erregten die Berliner Mietsfasernen mit ihrer Fülle von Wohnungselend schmerzliche Gefühle. So wollte er, wenn auch ihm selbst die Arbeit mur ganz wenig Zeit zur Erholung fieß, wenigstens Morgen wird die Berliner Bevölkerung Friedrich Ebert die fein damals noch zahlreichen, aus Frau und fünf Kindern bestehen letzte Ehre erweisen. Nachdem die offizielle Trauerfeier im Palais den Familie Gelegenheit geben, täglich die Nähe des schönen Trep- des Reichspräsidenten beendet ist, beginnt die letzte Fahrt. Das große tower Parkes zu genießen. Man sah Ebert hier nur, wenn er Halt vor dem Reichstag wird ein eindrucksvoller Beweis werden für morgens Stunde in das Parteisekretariat mit hinhörte, immer vernahm man den Borja, teilzunehmen an der Feier, von der man durch die Abendzeitungen bereits Runde erhalten hatte. Taufende und aber Tausende werden den Nachruf des Genoffen Paul Löbe vernehmen, aber ebenso groß wie das Gefühl der Trauer wird das Gefühl der Treue sein, das zur republikanischen Arbeit jeden Staatsbürger verpflichtet. Ebenso start wird auch der Bille fein, den provozierenden Bestrebungen verheizter und verdummter Hakenkreuzier nicht zum Opfer zu fallen. Diese Batrioten" möchten auch den Trauertag des deutschen Volkes nicht vorübergehen lassen, ehne demonstrieren zu wollen, daß sie auch noch da sind. Wir aber wollen ihnen zeigen, daß wir stärker an 3a h1, stärker an Geist und alien Siemensbahn, fuhr, pdet am ſpäten Aben al het nie ber bas große Borwärts der Republik. 130 man geſtern auch hinte. So etwas ist nur in Deutschland möglich 1" oder auf dem gleichen Wege zurückkehrte, wenn ihn nicht die häufigen Reisen für die Partei von Berlin fernhielten. Viele Trepiomer fannten ihn gar nicht, da er auch seine Person niemals in den Vordergrund stellte, und wurden auf den Treptower Mitbürger erst aufmerksamer, als er zum höch ften Staatsamt berufen wurde. Er blieb auch als Bräsident der jungen deutschen Republik noch geraume Zeit in der fleinen Treptower Wohnung, bis die Pflichten feines hohen Amtes den Umzug nach der Wilhelmstraße gebieterisch erforderten. Der Abschied von Treptow ist ihm aber, wie er oft im vertrauten Kreise erzählte, und namentlich seiner so außerordentlich bescheidenen Frau, die fich bei Der Apfel der Elisabeth Hoff. Von Wilhelm Hegeler. 35] Noch eine gute Tat? Berjuchen wir's!" lachie er über mütig. Aber ob's nun Altruismus oder sonst was war, jedenfalls freue ich mich, daß ich den alten Jugendkumpan von feinem Menschenhaß losgeeift habe. Sein ganzer Menschen haß war ja nur unglüdliche Liebe zu Ihnen. Sie waren es, die ihn am Leben fefthielten, die ihn dem Leben fernhielten. Erst jetzt, wo er weiß, daß ich so wenig der Blüdliche bin wie er selbst, sieht er die Welt wieder vernünftig an. Ach, Elisabeth, ist das nicht ein seltsames Gefühl für Sie, so starte, so unvergeßliche Leidenschaften einzuflößen und dabei felbft fo... so gut im Lot...?" Sie antwortete nicht. Doch als fie fühlte, wie unter seinem dunkelflammenden Blid ihr das Blut in die Wangen stieg, wandte sie sich rasch um und sagte: „ Kommen Sie! Sonst wird es für unseren Abendspazier gang zu fpät!" Aber in der Tür blieb sie noch einmal stehen und lauschte zu dem Zimmer der Kinder hinauf. Ob Sufi in der kurzen Zwischenzeit wirklich einen unheimlichen Menschen gesehen hatte? Aber der freie Platz vor ihr und das Stüdchen Straße, das sie überblicken konnte, bot im bräunlichen Abenddämmern nur das Bild eines friedlichen Landstädtchens. Auf einer Wagendeichsel faßen eng umschlungen junge Mädchen und fangen. Ein paar junge Burschen, ihre Liebsten im Arm, fchlenderten dem Tanziaal zu. Bor den Türen ihrer Häuser standen behaglich schwazende Alte. Im Dunkel der Linden Im Dunkel der Linden vor ihr saß bei Bier und Zigarre ein einzelner Gast. Wenn man wollte, fonnte man vor dessen im Dunkel zerfließender Geftalt sich fürchten. Aber man mußte sie schon ansehen mit den Augen eines aufgeregten Rindes. ihr. ,, Das Wie hübsch!" jagte Rysed neben ihr. Das ist das liebe alte Deutschland, wie's mir drüben immer vorgeſchwebt hat. Die Mädchen da- wie die Schwalben auf dem Telegraphendraht. Die jungen Bärchen- so verliebt und so fittfam. Und die Alten mit ihren langen Pfeifen- so bedächtig, und so bescheiden. Das ist das alte Deutschland noch, trok Krieg und Revolution. Das Deutschland Werthers und Lottens. Man sagt, die Originale stürben aus. Aber hier leben sie noch Eben erit habe ich ja eins getroffen. Nur hier gibt es noch folche romantischen Querföpfe. Die versteht man nirgendwo anders, am wenigften in Amerita." da und dort noch originelle Käuze, Nachkommen der Deutschen, die in den achtundvierziger Jahren ihrer politischen Ideale wegen ausgewandert sind, aber die sind so rar, daß sie nicht zählen. Das Gros der Deutschen aber, die ihr Baterland verlassen haben, tat es aus ganz denselben praktisch- ökonomifchen Beweggründen, wie das der anderen Nationen. Sie find eine tüchtige, strebjame, aber nüchterne Raffe. Nüchternheit, Frau Elisabeth, ist das Signet Ameritas. Und was uns drüben verblüfft, was uns Bewunderung abzwingt, ist gigantische Müchternheit, Rausch der Zahlen, Phantastit der Di menfionen, Tempo des Wirbelwinds. Deutschland mag ein überwundener Zustand sein, ein unpraktisches, wurmſtichiges, unbequemes Möbel. Aber ich schwärme nun mal für Antiunbequemes Möbel. Aber ich schwärme nun mal für Antiquitäten. Ich ziehe sie allen Konstruktionen von größtmöglicher 3medmäßigkeit vor. Aber fommen Sie!" Er reichte ihr den Arm. Kaum hatten sie sich entfernt, als der einsame Gast, ohne erst sein Bier auszutrinken, die Zigarre neben das Glas legte und sich ebenfalls erhob. Die Büchse hatte er sich über die Schuiter gehängt. Ein schmaler Wiesenpfad, der in einiger Entfernung am Balbrand entlang führte, nötigte die beiden, einzeln zu gehen. Der Berfolger hinter ihnen war von der Wiese gleich querfeldein in den Wald abgebogen, so konnte er sie im Auge behalten, ohne von ihnen gefehen zu werden. Rysed erzählte noch von den Verhältnissen drüben. Elisabeih hörte nur mit halber Aufmerksamkeit zu. Sie dachte immerfort an ihren Mann. Es war ja die größte Torheit, sich einzubilden, er fönnte ihr nachgereift sein. Dann hätte er eifersüchtig sein müssen. Und um das zu sein, hätte er sie lieben müssen. Nach einiger Zeit traten sie in den gelichteten Hochwald ein. Der bis dahin deutlich erkennbare weg verlor fich im weichen Nadelboden. Ein schwüler Wind strich über sie hin und ließ die Bäume leise rauschen. Da und dort standen noch refige Wölfchen am Himmel, der sonst ein zartes, überflares Email zeigte, von durchsichtigem blassen Gold und Apfelgrün. Die Stämme leuchteten in geheimnisvolem Licht, das ihre Färbung vertiefte: das Graugrün der Schwarztannen, das warme Rot der Fichten, das rostige Grau der Kieferborken. Nach einer Meile blidte Elisabeth um sich. Hinter ihr, in ziemlicher Entfernung und taun erfemmbar, glaubte fie je manden zu sehen, der aber, sobald sie fch umwandte, wie an gemurzelt stehen blieb, so daß sie zweifelte, ob sie sich nicht ge Aber es gibt doch auch drüben so viel Deutsche Deutsche aber nicht folche Deutsche. Gewiß gibt es täuscht hatte. Seit Sonntag fann man ftündlich beobachten, wie auf den Potsdamer Plaz größere Haufen nationalistischer Strolche, mit dem Hatenfreuz geschmückt, ihren Tummelplaß haben und sich in wüsten. Schmähungen auf die Republik und auf den verstor benen Reichspräsidenten auslassen. Bassanten, sowie die dort des Weges kommenden Reichsbannerleute, denen dies mit Recht doch zu start ist, und die versuchen, dagegen Front zu machen, werden in der wüst est en Weise beschimpft und bedroht. So paffierte es gestern nachmittag 5% Uhr, daß wiederum Bassauten und Reichsbannerleute, die von den rohen und wüsten Beschimpfun gen des Reichspräsidenten gehört hatten, fich diefes verbaten, von dem Was haben Sie?" fragte Ryfed.„ Hören Sie überhaupt zu?" Jemand verfolgt uns." Warum nicht? Es haben noch andere die kluge Idee, die Abendluft zu genießen." " Wohin gehen wir eigentlich?" „ Sie werden schon sehen. Folgen Sie mir nur.- Ach, ich bin heute wirklich froh. Sagen Sie, Frau Elisabeth, glauben Sie an die Duplizität der Ereignisse? Ich für mein Teil glaube daran. Ich habe die lleberzeugung, daß mir heute noch eing gute Taf gelingt." Er nahm ihren Arm und begann in leisem zärtlichen Ton: Darf ich Sie mal etwas fragen, als ein teilnehmender und -Wie stehen Sie eigentlich zu Ihrem besorgter Freund? Mann?" ,, Das habe ich Ihnen doch schon gesagt." Sie haben mir gefagt, daß Sie Ihren Mann lieb haben, aber wie steht Ihr Mann zu Ihnen?" ,, Seltsame Frage!" " Nicht so seltsam von einem Menschen, der Sie beide eine ganze Weile beobachtet hat. Ich weiß ja, wie fühl oft das Berhältnis zwischen Eheleuten ist. Aber bei Ihnen ist es noch anders. Ich habe das Gefühl, als wenn Ihr Mann sich geradeu 3wang antun müßte, um Ihre Gegenwart nur zu ertragen. Ist es so? Sagen Sie, Frau Elisabeth!" ,, Es wäre mir lieber, wenn wir dies ganze Gespräch abbrächen!" ,, Wie Sie wollen, aber da Sie als teilnehmende Freundin meinen Kummer und meine Sorgen angehört haben, ist es da ein so seltsames Verlangen, wenn ich da auch die Ihrigen wiffen möchte? Ich hätte ja nie gefragt, menn das alles nicht fo auffällig wäre. Elisabeth, wollen Sie mein Bertrauen fo wenig erwidern?" „ Ich gebe zu, daß zwischen uns eine vorübergehende Verftimmung besteht." ,, Können Sie mir sagen, aus welchem Grund?" „ Ich weiß ihn selbst nicht." ,, Sie wissen ihn nicht? Und glauben doch, es handle sich nur um etwas Borübergehendes. Aber seitdem ich Sie be cbachtet habe, ist Ihr Mann gleich geblieben. Gesprächig und lebhaft, wenn es sich um Dinge handelte, die ihn interessierten, und fühl gegen Sic. Selbst seine Kinder schienen ihn nicht befonders zu interessieren. Und Sie wissen feinen Grund für sein Berhalten? jein Berhalten? Ja, wenn es feinen besonderen Grund gibt, dann wird es doch wohl der aller Durchschnittsehen sein. und ich kann Ihnen nicht helfen." ( Fortfegung folgt.) Haufen der ungefähr 150 Mann starten Stahlhelmer start bebrohi murden. Die dortigen Verkehrsbeamten schritten, nach Ansicht der Augenzeugen, viel zu spät dagegen ein, und zwar bergestalt, das sie die Reichsbannerleute in Schughaft nahmen und bie Angreifer und Beschimpfer des Staatsoberhauptes unge ichoren ließen, obwohl diese unter weiterem wüsten Schimpfen ihren Beifall über die Festnahme der Reichsbannerleute und zweier Bürger, die als Zeugen ebenfalls mitgingen, befannt gaben, diese bis zur Wache des Revier 16 begleiteten. Auf der Wachtstube war das Gebahren des Wachhabenden und einzelner Beamter zum mindesten eigentümlich" zu nennen. Unser Gewährsmann tonnie vergleichen, in welcher Form man sich gegenüber den Reichsbanner: Icuten und den republikanischen Bürgern und den nationalistischen Herren" gegenüber benahm. Die Bürgerschaft Berlins hat ein Recht und setzt auch in den neuen Polizeivizepräsidenten das feste Bertrauen, daß er hier und mit eigenen Augen nach dem Rechten sicht und durch geeignete Polizeiträfte diefes Eldorado der nationalistischen Rohlinge befeitigt. Bezeichnend war die Veußerung eines Ausländers, der da sagte:" So etwas ist ja auch nur in Deutschland möglich!" Der große Banderolendiebstahl. Ein Oberzollinspektor als Hauptangeklagter. Wie erinnerlich, war am 10. November vorigen Jahres mit Hilfe eines Zollinspettors im Hauptzollamt Nord ein Einbruch verübt worden, wobei Zigarettenbanderolen im Gesamtwert von 472 000 Mart gestohlen wurden. Vor dem Schöffengericht Berlin Mitte haben fich nunmehr 15 Personen zu verantworten, unter ihnen als Hauptangeklagte der Oberzollinspektor Jordan und der Fabrikant Adolf Schulz. Die Entdeckung gelang durch die Ruhmrebigfeit eines ber beteiligten Einbrecher, als er mit feiner Braut an einem Sonntage spazieren ging, mit Stolz auf die Anschlagfäule wies, auf der für die Entdeckung des Einbruchs von der Zollbehörde eine Belohnung von 30 000 Mart ausgefeßt war. Er fagte zu feiner Braut:" Das ist mein Geschäft, davon lebe ich. Die Braut aber hatte nichts Eiligeres zu tun, als Anzeige zu erstatten, um sich selbst die Belohnung zu verdienen. Die Ermittlungen ergaben, daß Jordan mit dem Zigarettenfabrikanten Adolf Schulz und Emil Grahl den Einbruch von langer Hand vorbereitet hatte. Schulz hatte sich zur Ausführung mit dem Techniker Dito Jezig in Berbindung gefeßt, der ihm wiederum, da er bald darauf zur Strafverbüßung ins Gefängnis wandern mußte, mit dem bereits mit Zuchthaus verbestraften Arbeiter Paul Scholz und deffen Kameraden", dem Arbeiter Hans Ernst und dem Dreher Willi Leichtmann zufammen brachte. Diese drei übernahmen die Ausführung des Planes. Jordan besorgte in der Zwischenzeit Wachsabdrücke von den Schlüffeln zu den Türen und Schränken und Stizzen der Ortlichkeit im Zollgebäude, wo die Banderolen aufbewahrt wurden. Die gestohlenen Banderolen wurden mit Hilfe der Ehefrau Jordans, des in Kairo geborenen Griechen Telemachos Bodalopulos und des Kaufmanns Bedwerth ant zahlreiche Zigarettenhändler, meistens Ruffen, weitervertrieben. Die Abnehmer waren die Raufleute Neumann, Stern, Schindels, Sarno und Rabuta, die sämtlich ebenfalls wegen Hehlerei sich zu verantworten haben. Der Angeflagte Hans Ernst schildert in eingehender Weise die halsbrecherische Verbrecherfahrt über die Dächer, die sie hin und zurück gemacht hatten. Hinter der Tür lauschten fie, als der Wächter auf seinem Kontrollgang vorbeifam. Auf dem Rückgang über die Dächer stellte sich eine besondere Schwierigkeit ein, auf das sehr tiefliegende Dach eines Rebenhauses herunterzufommen. Es gelang ihnen schließlich, in einem Boden raum eine Leiter aufzuftöbern, mit deren Hilfe ihnen der Rüdmeg gelang. Nachdem sie in einen Hausflur gekommen waren, öffneten fie die Tür mit einem Dietrich. Mit dem Zollinspektor Jordan find die drei Einbrecher niemals direkt in Berührung gekommen. Ernst hat aber Jordan einmal beobachtet, als er auf der Straße aus einem Auto Schulz einen Wachsabdrud gab. Der Angeklagte sep Zollinspektor Jordan beftritt, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Allerdings habe ihm Schulz derartige Vorschläge gemacht, er fei aber nur zum Schein darauf eingegangen und habe alles getan, um den Plan zu vereiteln. Deshalb habe er immer nur falsche Abdrücke gegeben. Daß der Einbruch ausgeführt wurde, will er nicht wissen. Auf die Frage von Landgerichtsdirettor Bethge, weshalb er den Plan nicht der Behörde angezeigt habe, fann der Angeklagte feine flare Antwort geben. Zugeben muß er aber, daß er 150 bis 200 Banderolenbogen zur eigenen Verwertung erhalten habe. Auch die angeklagten Händler fuchen ihre Antäufe so darzustellen, als ob sie nicht gewußt hätten, daß es sich um einen Diebstahl handle. Die Verhandlung wurde in später Abendstunde auf den heutigen Dienstag vertagt. Einziehung von Reichsbanknoten. Das Opfer eines unbekannten Verführers. Ein allzu hartes Urteil Auf der Anklagebant jaß unter Tränen ein blondes Mädchen, ble 21jährige Stüge Marie St. Sie hatte sich vor dem Schwur. gericht des Landgerichts I wegen Kindestötung zu verantworten. Ein trauriges Schicksal enirollte die Berhandlung. Die junge, noch findlich aussehende Angeflagte stammt aus chrfamer Handwerkerfamilie vom Lande und war erst turze Zeit in Berlin. Sie war im Hansaviertel in Stellung. Im Auguſt rande in der Nähe des Bahnhofs Bellevue von einem unbekannten wurde fie, als fie eines Abends spät nach Hause fam, am Tiergarten Rann überfallen und vergewaltigt. Die Folge war, daß fie nach acht Monaten einem Kinde das Leben schenkte, das sie gleich nach der Geburt beseitigte. Wie sie angab, soll das Kind fchon tot ge wesen sein. Der Gerichtsarzt, Professor Dr. Frankel, hielt es für sicher, daß das Kind bei der Geburt gelebt hatte. Wann es gestorben fei, taffe fich aber nicht feststellen. Der Verteidiger machte für die Angeklagte geltend, daß es sich um eine Verzweif lungstat gehandelt hatte und daß ihre Darstellung durchaus glaub würdig erscheine. Wenn das Kind auch gelebt habe, so fönne es fehr wohl während der Ohnmacht der Mutter unter der Bettdecke erftidt fein. Das Schwurgericht glaubte der Angeklagten jedoch nicht ihre Darstellung und war der Meinung, daß sie ihr Kind vorfäßlich getötet habe. Deshalb ging die Strafe auch über das Mindestmaß hinaus und lautete auf 2% Jahre Gefängnis. Sechs Monate wurden auf die Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. die meisten sind wohl in der Lage, ein paar Pfennige für die armen Arbeitslosen zu opfern. Wenn Unternehmer an dic'en Bersammlungen teilnehmen würden, so müßte ihnen tiefer Ch's eine Anflade in den Ohren schallen. Bis zu ihrem Gewissen aber dringt dies ja boch nicht, da dieses burch eine Goldplatte etwas allzu sehr verhärtet ist. bes Konsumgenossenschaftswahlen. Kommunistische Wahlkampfmethoden. daß ausgeübt Am Sonnabend, den 28. Februar, lief die für die Einreichung gesehene Frist ab; mit Befriedigung fann festgestellt werden, bah der Borschlagstiften zur Konfumgenossenschaftsvertreterwahl vor aus allen 176 Wahlbezirken rechtzeitig gültige Wahlvorschläge der Liste Genossenschaftsaufbau beim Zentralwahlleiter eingereicht wurden. Damit hat der erfte Teil der Wahlvorbereitungen seitens der Funktionäre der Fraktion Genoffenschaftsaufbau seine forrette Erledigung gefunden und es gilt nun, tie noch umfänglicheren weiteren Wahlarbeiten mit derselben Gründlichkeit und Sorgfalt in jedem einzelnen Wahlbezirk durchzuführen; es wird hierbei auf nachhaltigste Unterstützung durch die Barteifunktionäre und SPD.- Genossenschaftsmitglieder gerechnet und es ergeht deshalb die Bitte an alle, sich der Mithilfe vor und besonders am Wahltag( 15. März) nicht zu versagen. Als wichtig ist zu beachten, daß das Wahlrecht nur gegen Borzeigung werden fann; biejenigen Genoffenschaftsmitglieder, die sich nicht im Befige des Mitgliedsbuches befinden, müssen es unverzüglich in der Verkaufsstelle, in ter fie ihre Einkäufe decken, abfordern. Zu diesem Fall und dem Urteil schreibt uns ein juristischer Mitarbeiter: Das Gericht hat der Darstellung der Angeklagten wiederholenden Ergüffen, für die fommunistische Lifte Stimmung zu Die Rote Fahne" bemüht sich trampfhaft, in sich fast täglich nicht geglaubt." Es ist deshalb über das Mindestmaß, das auf machen. Aus Mangel an jedwedem fachlichen Werbematerial nimmi zwei Jahre lautete, hinausgegangen. Ja, was ist denn eigentlich den Richtern zweifelhaft erschienen? Daß die St. vergewaltigt fie Zuflucht zu den hanebüchensten Lügen( frei nach Lenins Anworden ist, oder daß fie in ständiger Angst vor der Geburt beweisung). Nur ein Beispiel: In Nr. 45 der Moskau- Stipendiaten wird behauptet, Bäst lein vom Zentralverband deutscher KonsumKindes gelebt hat, daß sie den Makel der unehelichen Mutterschaft vereine und andere Bersonen in führender Stellung hätten die gcfürchtet und das Kind aus Verzweiflung getötet hat? Die friminalistische Erfahrung lehrt, daß es unter Kindesmörderinnen Umsatzsteuer beantragt, eingeführt und sie am liebsten auf drei Prozent erhöht; in Wirklichkeit hat der Zentralverband und feine feine rüdfälligen Verbrecherinnen" gibt. Es sind also immer nur Organe, im befonderen aber gerade Bästlein im Reichswirtschaftsrat, Zufalls, Gelegenheitsverbrechen, Handlungen, die entweder ihre fich unter Aufbietung aller Mittel für Freistellung der Genoninnere Begründung im seelischen Erleben der Mutter haben oder schaften von der Umsatzsteuer eingefekt und, als dies nicht erre den Ausfluß einer frankhaften Störung der Geistestätigteit toährend der Geburt bedeuten. Nur einmal tun dieses jene unwerden fonnte, einen energischen Kampf für Ermäßigung der Steuer geführt. Wenn in den Barlamenten genossenschaftsfreundliche glüdlichen Frauen und fast immer bei ihrem erſten Kinde, dann Steueranträge feine Mehrheit fanden, so lag dies nicht zum wenig nie wieder. Was soll hier die schwere Strafe? Wäre in diesem sten daran, daß fommunistische Parlamentarier bei Falle nicht eher als sonst irgendwann die Aussehung der Strafe am Blake gewesen? Das Gericht hat aber anscheinend die wesenheit glänzten.( Berhandlungen über Befreiung von den entscheidenden Abstimmungen durch Möglichkeit der Zubilligung einer Bewährungsfrist gar nicht in Erwägung gezogen. Und daß bei einem so einfachen Tat der Gewerbesteuer in Preußen.) Alles dies weiß der Wahrheitsheld der Berliner„ Prawda", aber den durch die Lektüre der bestand fechs lange Monate Untersuchungshaft Roten Fahne" geistig Verarmten fann man eben alles, auch die verstreichen mußten, ehe es zur Hauptverhandlung fam! Das Urteil erscheint ungerecht und grausam, die Ge größten unwahrheiten, vorfezen. Die noch selbständig denkenden fängnisstrafe nuglos. Das Mädchen ist tief zu bedauern. Wird Genossenschafter in der Kommunistischen Partei wenden sich mit Etel denn wirklich nicht der Versuch gemacht werden, Strafaussetzung für von diesem Treiben ab. Beweis: Bor zwei Jahren schrieb eine Kettn Guttmann in der Roben Fahne" holprige Propagandaartikel fie zu erlangen? für die fommunistische Lifte heute hat fie längst der Lügenpartei den Rüden gefehrt; im vorigen Jahre holte man im Wahlkampf fommunistische Genossenschafter aus der Provinz zu Hilfe( die Berint liner Intelligenzen" erwiefen sich wohl als unzureichend) vorigen Herbst haben die Betreffenden( Ertinger aus Jena und andere) ber KPD. Balet gesagt! Nur so weiber die Wahl am Mostaus bringen, indem die Genossenschaftsgeneralversammlung eine 15. März wird die längst fällige Abredung mit den Söldlingen beseitigt und einem wahrhaften Genossenschaftsaufbau die Bufammensetzung erhält, die die störenden und lähmenden Einflüffe $ 233 Bege ebnet. Genoffenschaftsmitglieder! Bählt am 15. März Der Lüffer Doppelmord. Ein Geffändnis des Angeklagten. Teilnahmslos nimmt der Angeklagte Kühn in der Anflagebant bricht er in leises Schluchzen aus und nun erzählt er die furchtbare Play. Doch faum richtet der Vorsitzende das erste Wort an ihn, Tragödie feiner Ehe. = hineinheiraten und mit der Schwiegermutter, Die einem Auf Wunsch seiner Eltern mußte er in den reichen Bauernhof Leufel glia, zusammenlebent. Mutter und Tochter haben sich fast jeden Tag geschlagen. Noch am Tage der ftandesamtlichen Trau ung wollte er zurüd, aber die Eltern brangen auf die reiche Heirat. Das Leben in seinem Hause machten ihm die zwei Frauen zur Hölle. Vorf.: Kühn, wollen Sie nicht jetzt ihr Gewissen erleichtern und alles gestehen? Angett: Ja, Herr Richter, heute mill ich die Wahrheit sagen, wie ich fie beim Abend mahl im Gefängnis gefagt habe. Meine Frau hat ihre Mutter erschlagen, dann habe ich meine Frau auf ihren Wunsch mit meiner Pistole erschossen. Nachdem meine Frau die Mutter erschlagen, legte sie sich ins Bett und flehte mich an, daß ich doch abbrüden sollte. Ich legte mich zu ihr und eine halbe Stunde lang haben wir vom Himmel und vom Wiedersehen im Himmel erzählt. Herr Borfigender, ich bin ein gläubiger Mann. Und dann brüdte ich ab. Als der Vorsitzende bem Angeklagten vorhielt, daß er im Belziger Krankenhaus dem Kriminalfommissar Ziegler ein Beständ nis abgelegt hat, nach dem er beide Frauen ermordert hat, meint der Angeklagte gleichgültig, davon weiß ich heute nichts mehr. Bu der Berhandlung sind eine große Anzahl von Zeugen und Fadiver. ständige gelaben. Die Berhandlung wird etwa nier Tage dauern. Nachahmenswerte Sprechchöre. Man fchreibt uns: Mit Ausfertigungsdatum vom 11. Oftober 1924. Das Reichsbankdirektorium ruft auf Grund des§ 3 des Bant. gefeßes vom 30. August 1924( Reichsgefehblatt Teil II, S. 235) alle Reichsbantnoten, deren Ausfertigungsdatum vor dem 11. Oftober 1924 liegt, foweit nicht bereits aufgerufen find, zur Einziehung auf. Mit dem Ablauf des 5. Juni 1925 verlieren die aufgerufenen Noten ihre Eigen faft als gefeglides 3ahlungsmittel. Die Befizer diefer Noten fönnen sie noch bis zum 5. Juli 1925 bei allen Kaffen der Reichsbant in Zahlung geben oder in dem gemäß§ 3 Abs. 3 des Bantgejeges vorgeschriebenen Berhältnis, wonach eine Billion Mart durch eine Reichsmart zu ersehen ist, gegen gefeßliche Zahlungssprochenen Worten empfingen:„ Gebt für die Arbeitslosen, mittel umtauschen. Mit diesem Zeitpunkt werden die aufgerufenen Bantnoten fraftlos, und es erlischt damit auch die Einlösungspflicht der Reichsbant. Noten in Abschnitten unter 10 milliarden Mart sollen nur in Gebinden und in einem durch 10 Milliarden teilbaren Betrage eingereicht werden. Die Gebinde sollen nach den im Geldverkehr üblichen Gebräuchen formiert und gepact sein. Im Publikum tauchen immer wieder Gerüchte auf, wonach die alten Tausendmarkscheine wieder ihren vollen Gelbwert erhalten follen. Es ist daher notwendig, wieder einmal darauf hinzuweisen, daß eine solche Aufwertung nicht in Frage kommt. Stapellauf des größten märkischen Paffagierdampfers www die Lifte Genossenschaftsaufban! AbDer Deutsche Aero- Clond im neuen Zentralflughafen Tempelhof. Am Donnerstag bezog der Deutsche Aero- Lloyd den neuen Bentralflughafen Tempelhof. Ein Geschwader dieser Luftverkehrs gefellichaft, welches den regelmäßigen Dienst zur Leipziger Messe versehen wird. Ireugte mittags über Berlin und landete glatt in Tempelhof. Bon heute ab wird hier der gesamte inner. beutsche und internationale Quftberfehr Berlins abge tidelt werden, in Staaten verbleiben lediglich Die Berwaltung, die Werft und die Fliegerschule des Deutschen ero- 2loybs. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Die für Mittwoch abend, den 4. März, angefeßte Helferversammlung fällt in Anbetracht der Trauerfeier für Genoffen Ebert aus. Nächste Eizung am 1. April. Die Sprechstunden der Kinderfreunde am Donnerstag finden fünftig im Bezirkssekretariat in Zimmer 13 ftatt. 3. A.: Irma Epstein. Sprechhor für Proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde findet Bestimmt Donnerstag, abends 7, Uhr, im Gesangsjaal der Sophienschule statt. Jugendveranstaltungen. Bolfstanze unb Frühlingsspiel heute, Dienstag, den 3. März, abends pünktlich 7 Uhr. im Jugendheim. Alle Teilnehmer müffen erscheinen, Arbeitsgemeinschaft Abraham: Die Zusammenkunft findet am Mittwoch, den 4. März, nicht fbatt. Nächster Abend Mittwoch, den 11. Mära, abends 7 War. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7% Uhr: ,, Die Bersammlung ist geschlossen. Ich bitte, die Herren, die daran teilgenommen haben, ihrer arbeitslosen Kollegen zu gedenten und ihr Scherflein zur Linderung ihrer Not beizutragen. Am Ende des Soales, am Ausgang, werden Kaffen bereitstehen, in die jeder nach feinem Können das hineinwirft, was er feinen arbeitslosen Kel. legen zukommen lassen möchte." Mit diesen Worben entließ am Schluß der Versammlung der Versammlungsleiter die Teilnehmer der Bantbeamtenversammlung. An den Treppen und vor dem Scale hatten fich Gruppen von Funktionären und Ordner Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplak. Webbing- Norb: Schule zufammengetan, die jeden, der den Saal verließ, mit taftmäßig ge- Müllerftr. 48. Rorbolt II: Jugendheim Danziger Str. 62. Norbring: Jugendheim Greifenhagener Str. 22. Rofenthaler Borstadt: Schule Gips traße 23a. Schönhauser Berftabt: Schule 3bfenftr. 17. Genefelber- Biertel: den tt der arbeitslojen Rollegen!" In jeder Gruppe Oberberger Str. 57 Gibaft( Görliger Biertel): Schule Görliger Str. 51. war einer vorhanden, der den Tatt angab und gewissermaßen den Besten: Baugewerfdule, Aurfürstenstr. 141. Schöneberg II; Schule FrankenStrake 10. Chorführer darstellte. Man erinnerte sich an feine vergangene SchulBilmersdorf: Jugendheim Hildegarbitr. 4. Marienborf: Alte Schule, Dorfite. 7.- Stealin 1: Jugendheim Albrechtstr. 47.- Reukölln III: zeit. Da fießen Lehrer oft, um den Kindern gewiffe Dinge ins GeSugendheim Rogatitr. 58. Rentola IV: Lofal Bum Bärwintel", Steinbod dächtnis einzuprägen, die Worte nach einem Schema im Chor nach fraße. Renton V: Jugendheim Schierkeftr. 44. Reinickendorf- DH: Bankow: Rosenthal: Schule Kaftanienallee. Jugendheim Residenzftr. 46. sprechen. Aesthetisch fann man gegen diese Art der Werbung Be Jugendheim Breite Str. 32. Spanban: Altes Schülkenhaus, Neuendorfer denten haben. Jedenfalls erfüllte sie vollkommen ihren Zwed, um Straße 37. Brenzlaner Borftabt: Jugendheim Danziger Str. 23, Distuffion: fo mehr, als die Chöre genau darauf achteten, daß feiner ihnen ent- Unfer Banbern". Ghöneberg 1: Jugendheim Rubens-, Ede Hauptstraße, ging, und wenn fich wirklich einer von der Gabe brüden wollte, damn Bortrag: Die moderne Arbeiterbewegung". stellten sie das durch den Sprechchor feft:„ Es hat sich schon wieder einer von der Gabe für die arbeitslosen Stollegen gebrüdt. Diese Art, für die bemitleidenswerten Opfer der kapitaliſtiſchen Wirtschaft praktisch einzutreten, fann nur als nachehmenswertes Beispiel emp fohlen werden. Gewiß, es ist gewiß mancher unter den Versamm Das Rundfunkprogramm. In Brandenburg an der Savel fand am Sonntag bormittag in Gegenwart von Vertretern der Regierung und Be- fungsteilnehmern, der auch nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Aber hörden der Stapellauf des Dampfers Wintermärchen I der Reederei Nobiling statt, der als größtes Schiff von Berlin aus die märkischen Wasserstraßen befahren wird. Er bietet für über 1000 Berfonen bequeme Siggelegenheit, hat eine. Länge von 45 Meter und eine Breite von 7 Meter und ist mit den modernsten schiffstechnischen Einrichtungen der Gegenwart aus. gestattet worden. Wegen der Landestrauer wurde nach dem Stapellauf von jeglicher Feier auf der Werft abgesehen und von den Anweienden der Wunsch zum Ausdrud gebracht, daß das stolze märkische Schiff fortan den Namen Präsident Ebert" führen möge. TV Ein Opfer des rasenden Autos. Der Dreher Adolf Raß, der in der Nacht zu Montag um 1 Uhr vor der ehemaligen Garde- Ulanen- Kaserne in der Invaliden Straße von einem Auto überfahren wurde, ist seinen Verlegungen erlegen. Nag starb im Krankenhaus Moabit, ohne das Bewußte sein wiedererlangt zu haben. Der Chauffeur, der rüd fichtslos metterfuhr. ohne sich um den Berunglückten au fümmern. ist noch nicht ermittelt. Beugen des Vorganges, dar unter ein Offizier der Reichswehr, werden gebeten, fich umgehend beim 1. Kriminalbezirk des Polizeiamts Tiergarten zu melden. Dienstag, den 3. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Literatur und Kunst. Professor Colson: Französische Literaturgeschichte"( in französischer Sprache). 7.10 Uhr abends: Theodor Kappstein: Deutsche Klassiker". 5. Vortrag, Goethe, Faust I. Teil. 7.30 Uhr abends: Handel: Dr. Kurt Magnus:" Was muß man von den Steuern wissen". 8 Uhr abends: Vortragsreihe: Berlin von Anno dazumal". 2. VorZeiten. I. Teil. 8.30 Uhr abends: Ein Abend im Varieté. Das trag. Schriftsteller Georg Bamberger: Berlin zu Großvaters Programm der Sensationen. Tanzattraktionen Humoristen Farbenspiele: Braun- Weiß Soubretten Stimmungskanonen. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 Uhr abends: Vortragsreihe: die Hauptfragen des Der verantwortliche Redakteur und die Reform des Reichsdeutschen Presserechts". 2. Vortrag. Ministerialrat Dr. Haentzschel: Pressegesetzes. I. Teil: Muß der Angabezwang beibehalten werden? TITLE Achtung, Jugendgensken und genoffinnen! Alle Abteilungsver anstaltungen fallen morgen, Mittwoch, aus. Beteiligung an der Trauerhundgebung. Treffpunkt pünktlich 4 Uhr nachmittags vor der Aroll- Oper( Freie Boltsbühne) am Rönigsplak. Rote und schwarzrotgoldene Fahnen find umflort mitzubringen. Berbebezirk Teltowfanel: Die Beranstaltung der Freien Schulgemeinde Charlottenburg am Dienstag, den 3. März, an der unser Chor mitwirken follte, fällt aus. Seimabende der Abteilungen finden also wie immer fratt. Briefkasten der Redaktion. 6. S. 148. Gin Anspruch auf Gewährung bes Borschuffes steht Ihnen Teider nicht su. .. 107. Die Umschreibung hätte nicht erfolgen dilrfen. 1. und 2. Ja. Reufsan 15, Die Unterhaltspflicht den Rindern gegenüber ift nicht aufgehoben. besteht pielmehr nach wie vor weiter. Sorn. 1. Ja, feboch muß bie Bartezeit erfüllt und die Anwartschaft barf noch nicht erloschen fein. 2. Benben Sie fich ans Bohnungsamt. Nehmen Sie auf§ 8 ber Befanntmachung des Magiftrats Beau. 3. Ja. Sch. 99. Die Rahlung tann verlangt werden. Bitten Sie unter Sinweis auf Ihre wirtschaftliche Lage um Erlaß oder Ermäßigung des Betrages. 6. A., Berlin. Maßgebend ist die Brüfungsordnung der Sandwerkskammer. Abweichungen hierson find mit deren Genehmigung aufäffia. Besprechen Sie zunächst die Angelegenheit mit der Handwerkskammer. . B. 18. 1. Der Oberpräsident der Broving Brandenburg und von Berlin, Charlottenburg, Raiferbamm 1. 2. Rein; fic find etwas gemilbert morben. 3. Ja, aber es fann davon Dispens bewilligt werden. 23. 8. 96. Cine gefesliche Regelung ist noch nicht erfolgt: es Tiegt nur die Annahme eines Antrages vor. Welter är Berlin. 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Dot BUSCH Leopoldine Konstantin 7 Neue März- Sens Staats- Theater Trianon- Th. dele Sandra, Korff, Burs Hagenbecks Eisbären Opernhaus Tägl. 8 Uhr: 6%: Rosenkavalier Der Werwolf Opernhaus Ehser, Alexander Mattoni, Rosé Hagenbecks Elefanten Luft- Gladiatoren am Königsplatz Hanst Arnstadt Rose- Theater Luft- Equilibristen 7 Uhr: TOSCA Lia Elbenschütz Schauspielhaus 7% U.: Peer Gynt Schiller Theater 7 Uhr: Candida Kaiser Titz 73: Berlin wie es 9U.: Lettinger weint und lacht 9: Lady Hamilton Klubertanz Theater d. Westens Philharmonie Tägl. 73 Uhr 8 Uhr Volksbühne Lessing- Theater Berlinsgr.Operettenerfolg Liszt- Wagner71, Uhr: Sakuntala Deutsch. Theater 7 Uhr: Die heilige Johanna Kammerspiele Heute 7 Uhr Tägl. 8 Uhr: Gastspiel der Der Graf Abend des Philharm. Orch. Reinhardt- Bühnen V. Cagliostro Dirig: Prof. R.Hagel Coriolan zum ersten Male von Shakespeare Der Herr seines Regie: Erich Engel Herzens Schausp. in 3 Akten Von Paul Raynal Kleines Th. Regie: R. Gerner Bühnenbild: Her mann Krehan Täglich 8 Uhr: Die Komödie Frau Lohengrin Rurfürstendamm 206/207 72 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor The afer i.d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Wir lassen uns scheiden Komödienhaus 8 Uhr: Heimliche Brautfahrt Berliner Theater 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA Das fabelhafte MärzProgramm! Gisela Werbezirk Olga Limborg, Schreker Strehlen, Hatkin Milow tsch, Uri, unt. getl. Mitwirk. v. Arno, Hell C. Chop- Groenevelt Ung Fant.f.KI.- Liszt Casino- Theater Vorsp Parsif. Wagn. Lothringer Str. 37 Tägl.8 Uhr Nur noch b.z.5 März die Schlager- Posse Graf Koks u. das bunte Progr. Freit 6.3. z. 1. Male: Der Oberschieber Ernst Deutsch. Künstlertheat. Friedrich 348 Uhr: Riquette" Operette von Oscar Strans Lustspielhaus 8 Uhr: Guido Thielscher D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbauerdamm Heute geschloss.! Wallner Theat. 1/8 Uhr: Romeo u. Julia Herrnfeld 8 U. 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März 1925 Bockbier- Fest in den bayer. Alpen $ 8 Kapellen Heue Dekorationen 30 bayer. Mad'l Bergschloß- Bockbier Braten eines ganzen Ochsen auf dem Riesen- Lucullus- Bratapparat und Prämiierung des phantastischsten Damenschuhes. Drel bare Geldpreise: 50, 30 und 20 M. Anmeldungen von 8 bis 10 Uhr abends an der Kasse Einlaẞ 6 Uhr Anfang 7 Uhr Yoranzeige: Donnerstag, den 5. März 1925: Großes Schweineschlachten 舍 Für die rege Teilnahme bei der Eindfcherung meines lieben Mannes und unseres lieben Baters, Karl Bidtner, fagen wir allen daran Beteiligten unferen herzlichen Dant. 87/17 Ww. Anna Eidtner nebst Rindern. 13 Baez., 190 Qu.-R., gepflaft. Str., Stra genb. 47, vor Rudom, pert, auch getrennt, Brandenburg, Rent. Brufendorfer Str. 20. Ab 10 Tfl. 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Du hast fürs Vaterland geblutet, Du darfst auch für mich bluten, und hungern, und Dich schinden, und Steuern zahlen, daß Dir die Seele im Leibe quiekt. Du unbegabtes, mit der Klauenseuche behaftetes Schäfchen. So spricht der kredit- und vertrauenswürdige Kutisker, Dr. Unblutig gibt ganz anderen Rat. Er sagt: Wenn Du, lieber Michel, jemals wieder auf gesunde Füße kommen und fähig werden willst, die Schieber, die Ausbeuter und ihre Gönner und Förderer kräftig in den edelsten Teil zu treten, den sie haben, so kukirole! Benutze fleißig das wohltuende Kukirol- Fußbad. Es kräftigt die Nerven and Sehnen, und verhütet vorzeitige Ermüdung, Fußschweiß, Brennen und Windlaufen, und Du wirst aus einem Schlappmlehel wieder der frische und elastische Kerl, der Du vor 10 Jahren noch warst. Du weißt, wie Dir damals auf Deinen Märschen zwischen Ostende und Mesopotamien die Fußpflege als die wichtigste Beschäftigung an Ruhetagen gepredigt worden ist. Du hast es nur, als der Frieden der Gerechtigkeit ausbrach, wieder vergessen, in Deiner Not. Zur vollkommenen Fußpflege gehört auch der Kukirol- Streupuder. Er hält die Füße trocken und warm und ist besonders bei starkem Fußschweiß zu empfehlen und für alle, die viel gehen und stehen müssen. Er verhütet das lästige Durchschwitzen der Strümpfe und hält das Schuhwerk innen sauber und geruchfrei. Das millionenfach bewährte Kukirol- Hühneraugen- Pflaster aber entfernt Kutisker, sondern nach System Dr. Unblutig. Allerdings darfst Du nicht warten, bis Du vor Schmerzen jodeln mußt, denn wenn bei einem vernachlässigten Hühnerauge plötzlich solche starken Schmerzen eintreten, so ist anzunehmen, daß es entzündet ist. In diesem Falle ist unter dem Hühnerauge bereits ein Eiterherd vorhanden, den nur der Arzt behandeln kann. Berein der Berliner Buch: Hahneraugen binnen wenigen Tagen schmerz- und gefahrlos, nicht nach System drucker und Schriftgießer Wegen der Bestattungsfeier des Reiche präsidenten Ebert werden unfere Bureaus am Mittwoch, den 4. März, um 1 2hr mittags gefchloffen. Wenn Sie richtig kukiroten wollen, so verlangen Sie in der Apotheke oder Drogerie Auskunftserteilung findet ant biefem die neue Kukirol- Kur- Packung. Tage nicht statt. Wir ersuchen die Kollegen, fid) an dem von der Berliner Gewerkschaftstommiffion zu treffenden Arrangement zahlreich zu beteiligen, 97/6 Der Ganvorstand. Sie kostet nur 2 Mark und enthält alles, was dazu nötig ist. Die wichtige Broschüre ,, Kukirolen Sie" sendet Ihnen auf Verlangen kostenlos die Kukirol- Fabrik, Groß- Salze( Bad Elmen). 6 Arbeiter- Sport Die Weltolympiade der Arbeiterschaft. Aus Frankfurt am Main wird uns berichtet: Das im Werden begriffene Stadion der Stadt Frankfurt, das am Himmels: fahrtstage teilweise seiner Bestimmung übergeben werden soll, ist bestimmt, die Erste Internationale Arbeiter Olympiade aufzunehmen. Brachten schon die nationalen Olympiaden in Prag und Leipzig imponierende Teilnehmerzahlen, so rechnet man für Frankfurt mit weit mehr als 200 000 auswärtigen Feftteile nehmern. Dies wird sich auch in den geplanten Massenübungen der Turnerinnen und Turner auswirken, die am Hauptfesttag auf den Wiesen des Stadions gezeigt werden. Der Dienstag ist den Vorführungen der Kinder gewidmet. Dann werden auch alle 3 weige bes Sports gezeigt; für Klajje bürgen die Vorfämpfe und die Ausscheidungsfämpfe zur Erreichung der Höchstleistungen der Turner und Schmerathleten. Für Leich athleten und Schwimmer, die jetzt in Hallensportfesten und Winterbädern üben, wird die beginnende wärmere Jahreszeit en scharfes Trainieren mit fich bringen. In jeder Sportgruppe stellt jedes fonkurrierende Land die gleiche Teilnehmerzahl, so auch dem kleinsten Land Gewähr gegen Benachteiligung bietend. Die Leistungen der Radfahrer im Reigenfahren sind hinlänglich bekannt und als hochstehend anerkannt. Schon seit längerer Zeit sind die verschiede nen Kommissionen der Berwaltung und Technifer in Frankfurt tätig, um die Borarbeiten zu bewältigen. Gilt es doch, mindestens 10 000 Hilfskräfte, zuverlässige Mitarbeiter, auf die Beine zu bringen, die von den 14 Hauptausschüssen mit über 500 Mitgliedern ihre Anweisungen erhalten. Der Berkehrsausschuß rechnet mit 250000 Besuchern, die mit der Eisenbahn nach Frankfurt gebracht merden müssen, wozu mindestens 150 Sonderfernzüge benötigt werden. Dazu kommit noch der tägliche Nahverkehr, der auch mit 100 Extrazügen anzusehen ist. Die Unterbringung aller Festteilnehmer in Frankfurt wird nicht möglich sein, und so muß auf die Umgebung gegriffen werden. Man hofft aber in 100 000 Frankfurter und Offenbacher Familien für mindestens 150 000 Besucher Quartier zu beschaffen. Für die Sportler find, ähnlich wie im Vorjahr in Colombes, große Zelte geplant, die dann ein Athletendorf bilden sollen. Die Schulen stehen ebenfalls für Maijenquartiere zur Verfügung. Die Verpflegung wird durch Berabreichung eines guten Eintopfgerichts an möglichst vielen Ausgabestellen geregelt werden. Außer den sportlichen Beranstaltungen im Stadion, die wohl mehr die Leichtathleten, Fußballer und Schwimmer bestreiten werhen, finden auch seiche der sonstigen Sportarten auf dem est hallengelände statt, wo das groß angelegte Eröffnungsfest abgehalten wird, während im Palmengarten ein Begrüßungsabend stattfindet. Mit der Olympiade verbunden ist eine Ausstellung der Arbeiter Sportverbände im Haus Offenbach der Frankfurter Messegesellschaft. So ist denn in Frankfurt ein Sportfest zu erwarten, das wohl als eine der größten Massenvorführungen angesprochen werden darf. Harmonische Körperausbildung. rechts 45 Meter und links 35 Meter, zusamunen 80 Meter; er ist also nach meinem Vorschlag der höher zu Bewertende, obgleich seine Höchstleistung um 5 Meter geringer ist als die des A. Die Kampffportarten Ringen, Boxen, Jiu- Jitsu tommen der Forderung nach doppelseitiger Ausbildung von sich aus am meitesten entgegen, ja fie erfüllen fie fogar. Daher sollte man gerade diesen Leibesübungen ganz befandere Beachtung und Pflege angedeihen lassen; ganz abgesehen davon, daß sie reiche hygienische und äußerst A. S. wichtige erzieherische Momente in fich bergen. Von der Kreisvertreterkonferenz. eingeladen, en biefes Sagung testnehmen. Jahrestarter ver Earten Legitimieren. ches Die Abteilung Süben des Berliner Arbeiter- Schachubs fpielt jeden Donnerstag 7 Uhr im Lokal von Otto Sadbarth, Mustaner Giz. 10, Ede Eisenbahnstraße. Am Sonntag, den 8. März, 3 Uhr, findet daselbst ein Berbespiel, verbunden mit Vortrag und Simultanspiel, statt. Rum Jiu- Jitsu- Rursus des Sportvereins Libertas 96 tönnen sich noch Teil. nehmer melden. Der Rursus beginnt am Donnerstag, den 5. März. Trainer und zwei neue Matten stehen zur Berfügung. Uebungsabende Dienstags und Freitags von 8-10 Uhr. Näheres dortfelbft Spreestr. 29( Turnhalle). Vorträge, Vereine und Versammlungen. als. gegen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianfte. 37/38. Sof 2 Tr. Ramerabschaft Rönigswusterhausen: Mittwoch, den 4. März, abends 7 Uhr, im Rafino zu Bildau, Schwarzkopffstraße, republikanische Rundgebung mit dem Thema„ Republit oder Monarchie". Erscheinen der Rameraden und Republikaner ist Bflicht. Kamerabschaft Tempelhof: Mittwoch, den 4. März, abends 8% Uhr, im Genossenschaftswirtshaus, Dorfftr. 51, Mitgliederversammlung. Referent Ramerad v. Butttamer, Rameradschaft Tiergarten: Dienstag abend 10 Uhr bei Berger, Levezomitraße, Mitgliedernerfammlung. Kameradschaft Zehlendorf: Die Mittwochversammlung fällt Alle Kameraben haben fich restlos für den Ordnerdienst zur Berfügung Att stellen. Allenfalls am Abend freiwillige Zusammenkunft im Lokal. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen: Dienstag, den 3. März, abends 10 Uhr, Befprechung. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Kameradschaft Brenzlauer Berg: Dienstag, den 3. März, abends 9 Uhr, nimmt die gesamte Rameradschaft bei Burg, Brenzlauer Allee 189, die Befehle für Mittwoch ent Ramerabschaft Kreuzberg: Mittwoch, den 4. März, nachmittags 2 Uhr, Treffpunkt der Kameraben in den Blücher- Sälen, Blücherstr. 61. BeKameradschaft Mitte: Mittwoch, den 4. März, nachmittags 2% Uhr, trifft sich die Kameradschaft am Rönigsplag, Nordmestecke des Reichstagsgebäudes. Rameradschaftsfahnen und Fahnen der Züge Nord und Mitte haben fich einzufinden. Fahnen und Schärpen find umflort zu fragen. Rameradschaft Zoffen und Umgegend: Mittwoch, den 4. März, fährt die Ortsgruppe fo nach Berlin, daß fie nachmittags 1.38 Uhr am Botsdamer Bororibahnhof zusammentritt, aur Teilnahme an der Ueberführung des verstorbenen Kameradschaft Webbing: Mittwoch, den 4. März, nachReichspräsidenten. mittags 1 Uhr, trifft sich die Rameradschaft bei Müller, Ufer-, Ede MartinOpik- Straße. Bollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Rameradschaft Den Röthener, Ede Bernburger Straße. Ramerabschaft Mitte: Der Turnabend findet jest jeden Donnerstag van 8 bis 10 Uhr in der Turnhalle der 5. Oberrealschule, Aleine Frankfurter Straße, Eingang Elisabethstraße, statt. Kameradschaft Beißensee: Donnerstag, den 5. März, abends 7 Uhr, im Grünen Baum", Monatsvollversammlung. Erscheinen fämtlicher Rameraden, auch der älteren, Pflicht. Kamerabschaft Steglig: Der Turnabend findet am Donnerstag, den 5. März, ftatt. Die Rameraden, die noch in die Kapelle eintreten wollen, müffen bestimmt erscheinen. Am Sonnabend und Sonntag waren in Leipzig die Vorfizenden der Kreise sowie der Landesausschuß und Bundesvorstand des Arbeiter- Turn- und Sportbundes versammelt, um zu einer Reihe wichtiger Fragen Stel'ung zu nehmen. Nach Erledigung der internen Bundesangelegenheiten wurden auch die schwebenden Streitfragen behandelt und die Stellungnahme des Bundesvor standes einstimmig oder gegen menige Stimmen gutgeheißen. Be treffs Reichsbanner, Frontkämpferbund usw. bleibt es bei der Bestimmt erscheinen. fanntgabe, daß allen Bundesmitgliedern die Einzelmitgliedschaft gestattet, der forporative Beitritt von Vereinen dagegen verboten ist. Alle dem entgegenstehenden Beschlüsse einzelnet Kartelle, Bereine usw. sind daher ungültig. Der Kaffeler Beschluß betr. der parteipolitischen Neutralität und feine Anwendung wurden aufs neue bestätigt und gilt dies auch betr. der Roten Sportinternationale, deren tätige Mitglieder nicht gleichzeitig dem Bund ange- Steglis: Mittwoch den 4. Märs, nachmittags 2 Uhr, treffen fich die Ramelahören fönnen. Der Streitfall Fichte- Bund fonnte erfreuficherweise in guter Form gelöst werden, da die Vertreter von Fichte erklärten, daß der Verein dem Verlangen des Bundesvor standes nachgekommen sei, die Beschlüsse des Bundes anerkenne und sie loyal durchführen werde. Daraufhin beschloß die Kreisvertreterkonferenz, den Verein Fichte wieder in feine Rechte einzusehen. Es ist daher zu hoffen, daß die Arbeitersportler Groß- Berlins wieder gemeinsam in Reih' und Glied zum Bohle des großen Ganzen marschieren werden. Diese Geschehen Oberschöneweide:„ Pflege des Gemilts im Rindesalter".( M. Barth.) heit und Einigkeit ist wegen der bevorstehenden großen Veran staltungen ganz besonders wünschenswert. Vereinigung für Erziehung und Unterricht, Ortsgruppe Ober-, Niederschöne weibe und Johannisthal. Dienstag abend 8 Uhr Bortrag im Realgymnafiume Einfritt fret. Reichsbund der Ariegsbeschädigten, teilnehmer und Sinterbliebenen, Dris gruppe Süben. Mittwoch, den 4. März, 8 Uhr, Mitgliederversammlung in Gliefings Festfälen, Waffertorfir. 68. Bortrag der Genoffin Todenhagen: Die neuen Bohlfahrtsfazungen". Freie Hochschule. Mittwoch, den 4. März, 8 Uhr, Sophien- Schule, Wein meisterftr. 16-17, Bortrag von Dr. med., jur., phil., dent. Sammer:„ Der Liebe Not und ihre Linderung im Leben des Menschen und des Boltes" Theosophische Gesellschaft, Zweig Berlin. Mittwoch, den 4. März, abends 7 Uhr in den Gesellschaftsräumen Wilhelmstr. 120, öffentlicher Bortrag non Ernst John: Mahatma Gandhy". Diskussion. Eintritt frei. Städtekampf Kolberg- Berlin. Am Sonntag meilten die Ringer. und Heber- Auswahlmannschaften des Sport Club.Siegfried 09 beim Kraftsportverein Kolberg zu Gaft. Die Aufnahme war eine sehr herzliche, aber dafür mangelte es an Sportgeist. Die Ringtä npfe endeten une tidieden, obwohl die Berliner fast durchweg die besseren waren und sich nun infolge der parteiischen Schiedsrichter der Kolberger mit diesem Resultat be gnügen mußten. Die Heber des Sport- Club Siegfried 09 fiegten mit damer Str. 104, Gingang Aurfürstenstraße, ſpricht Frau Clara Rörber über 13% Mehrpunkien. Luzern- Sportler bes 17. Berwaltungsbezirks. In wächster Zeit findet fa Lokal von Seiple, Kronprinzen-, Ede Scharnweberstraße, ein Bortrag über Reichsbannerund Arbeiterfport statt. Bir bitten alle Luzern Sportler, auch diejenigen, die außerhalb Lichtenberg wohnen, den Borwärts" zu verfolgen, wenn die Bersammlung stattfindet. Durch die Sichtenberger TB.- Resolution, die im RB. angenommen wurde, ist die Biener Richtung ausgefchloffen worden. Wir bitten davon Renntnis zu nehmen, daß diese Resolution" in der Lichtenberger Kartelligung am 21. Januar mit 18 gegen 8 bei 16 Enthaltungen angenommen wurde. Alle Sportler, die auf unserem Boden stehen, werden gebeten, sofort ihre Adresse abzugeben bei Heinz Wagner, Lichtenberg. Sagenftr. 6. Lichtenberger Schwimmverein Reptun 94, t. B. Am Sonnabend, ben 14. März, findet bei Braun( Bahnhof Treptow) bas 31 Stiftungsfest statt. Brudervereine werden um rege Teilnahme gebeten. Tischbestellungen ( Tischbanner vorher abgeben) bei Richard Gelchow, Lichtenberg, Goetheftr. 11, Fernsprecher Sichtenberg 1735. Am Sonnabend, den 7. März, Monatsver fammlung bei Dabertom, Hagen-, Ede Gudrunstraße. Vortrag des Genoffen Reimer über Brust und S.. H.- Schwimmen". Das Erscheinen aller Mit glieder ist Pflicht. Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Mittwoch, den 4. März, Hauptprobe aller Teilnehmer am Bezirkshallenwetturnen in Röpenid in der Turnhalle Schreiberhauer Straße. Die Kampfrichter erfcheinen mit. Anfchaften, namentliche Meldungen, auch der Rampfrichter, dortfelbft. Es ist bekannt, daß das Nervenzentrum für die lintsseitigen Körperfunktionen in der rechten Gehirnhälfte fiegt und ungefehrt. Go tritt bei Verlegungen der linken Gehirnhälfte rechtsfeitige, bei Verlegung der rechten, fintsfeitige Lähmimg ein. Diese Tatsache hat ihren Grund in der Kreuzung der Nervenbahnen im Rüden mart. Man tann aber nicht nur von einer vom Gehirn ausgehenden Wirkung fprechen, sondern es muß auch umgekehrt eine Beeinflussung der Gehirntätigkeit durch die Körperfunktionen stattfinden. Da er fahrungsgemäß feststeht, daß llebung jedes Organ( auch das Gehirn) ftärft, wie Bernachlässigung es fdywächt, fo muß die gewohnheitsemäßig bevorzugte Tätigkeit der rechten hand, resp. des rechten Armes die finte Gehirnhälfte intensiver ausbilden. Nun steht fest, daß die Mehrzahl der Menschen( etwa 95 Proz.) rechtsfchließend bei Ritter in der Schilferite. 26 Sigung Aufstellung der Manndeitig ist; es muß also bei ihnen eine Vernachlässigung der rechten Gehirnhemisphäre eintreten; denn die Bevorzugung der rechten Hand ( des rechten Armes) verschafft folgerichtig der linken Gehirnhälfte die häufigsten Reize und Eindrücke und macht sie zugleich zur Vermittlungs: resp. Ausgangsstelle für alle fdywierigen Bewegungen. Der ftiefmütterlich behandelten linken Hand entspricht die ver nachläffigte rechte Gehirnhälfte, und es entsteht dadurch eine völlige Abhängigkeit der linken Hand von der rechten. Das alles sollte zu denten geben und insbesondere uns Turnern und Sportlern eine Mahnung sein, die eine Seite in der Hauptfache Arm und Hand nicht zugunsten der anderen Seite zu vernachlässigen. Wir fördern damit nicht nur die harmonische Körperausbildung, sondern erreichen zuleich, daß die beiden Gehirnhälften gleichmäßig ausgebildet und bamit die gesamten geistigen Fähigkeiten gesteigert werden. Nur so können wir das Ziet aller Leibesübungen: Beherrschung des Körpers durch den Geist" erreichen. C Unser Turn- und Sportbetrieb wird der genannten Forderung nur zum Teil gerecht. Der Grund ist flar: man will möglichst schnell Erfolge erzielen. Id) bestreite jedoch, daß gute Leistungen schwerer und später erreicht werden, wenn der Uebende von vornherein bestrebt ist, auch der Seite, die ihm nicht liegt" bei den meisten die linte die gleiche Beachtung und Ausdauer zu widmen. Bir Arbeiter Turner und Sportler befämpfen das Nur Streben nach Höchstleistungen und zwar mit Recht. Wie wäre es, menn wir um endlich einmal bahnbrechend zu wirken bei unseren Wettkämpfen die Leistungen beider Seiten werteten und als Endergebnis deren Summe gelten ließen? Beispiel: Speerwerfer A erzielt rechts 50 Meter, links nur 20 Meter, da er diese Seite ſträflich vernachläffigt hat; gewertet wird er mit 50+ 20= 70 Meter. B, der stets bestrebt war, rechts und links gleichmäßig zu trainieren, wirft Wenn Du willst gewinna Spiele bei„ Siwinna" No. 7 Bestellschein An die Bitte 888achnei den! Staatliche Lotterie- Einnahme Siwinna BERLIN W 35, Potsdamer Straße 123 B. Senden Sie mir unter Nachnahme aus der 281. Preuß. Staatl. Klassen- Lotterie 3.314 6.15.Los der 1. Klasse وا Doppel- Les 12.- 24- 48.-R.-M. Los für alle 5 Klassen 4/2 Doppel- Los 30.- 60.- 120.- 240.- R.-M. der Abteilung Charlottenburg findet nicht mehr bei Bohne, sondern am Mitt Freie Schwimmer Charlottenburg 04, e. B. Die Mitgliederversammlung woch, den 4. März, abends 8 Uhr, im Restaurant Wilhelmshof am Wilhelms plas statt, Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Wichtige Tagesordnung. Beiträge für 1925( jährlich 10 Bf. pro Mitglied über 14 Jahre) find fofort den Arbeiter- Sport- und Kulturfartell Lichtenberg, 17. Berwaltungsbezirk. Die Raffierer Georg Gerhard, Lichtenberg, Rantstr. 3, einzusenden. Vereine, die ihre Fragebogen noch nicht eingefandt haben, werden aufgefordert, diese beim Schriftführer Seinz Wagner, Lichtenberg. Sagenstr. 6. abzugeben. Am 9. März Borfitandssigung, am 18. Mära Delegiertenfißung bei Wegener, Frank furter Allee 236. Am 22. Mäta bei Tempel, Friedrichsfelde, Goalsportfeft. Athletik- Sport- Club, e. B. Geschäftsstelle: Kurt Liebruds, Berlin O. 34, Tilfiter Str. 46. Dienstag, den 3. März 10 Uhr, Borstandssikung bei Linse ner nach dem Baden. Freitag, den 6. März, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Linfener, Mühlenstr. 56. Schriftführer der Sockenabteilung Willi Mielte, Berlin 34, Beidenweg 27. Bom Regelsport. Am Bezirk Süden des Freien Reglerbundes gelangie am Gonntag auf sämtlichen Bahnen des Brizer Reglerheims ein Rampf auf 500 ugeln zum Austrag. Bon den zahlreichen Sportteglern, die sich am Start einfanden, gelang es vier Teilnehmern, den Siebendurchschnitt zu überbieten: 1. Meier( Geselligkeit), vorjähriger Bundesmeister, phts 89 Sola; 2. Bezirks. leiter Blank, plus 29 Sol;; 3. Kleemeier( Mariendorf 1919) plus 29 Solz; 4. Martini( Gofide 1922) plus 27 Sofa. Der 5., Lilders( Sohe Rante) brauchte bie fürzeste Seit: 88 Minuten. Am fommenden Sonntag beginnen die großen Bezirksmeisterschaftskämpfe. Als erster startet der Bezirk Zentrum. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Süben. Tirenen, Leichtathletik, Sandball. Männer Dienstags, Frauen Montags und Donnerstags, Jugend ittwochs und Freitags von 8-10 Uhr, Anaben Mittwochs und Freitags, Mädchen Montags und Donnerstags von 6-8 Uhr in der Turnhalle Boedh ftraße 17-20.- Am Sonntag, den 8. März, vormittags 8-11 Uhr, Fauftball Am Sonnabend, ben Spiele; nadmittags 3-5 Uhr Sandballspiele. 21. Mära, großer Alpenball in den Zentral- Festfälen, Alte Jakobftr. 32. Turn- und Sportverein Fichte. Ane 4. März, abends 7 Uhr, Frauenturnausschußfikung im Klubhaus Ohmstraße. musikerfälen, Berlin, Raifer- Wilhelm- Str. 31, die Tagung des Freien Segler Freier Seglerverband. Am 8. März, Dormittags 11 Uhr, findet in den verbandes statt. Diese ist öffentlich für alle Mitglieder des Verbandes, doch haben mur beglaubigte Delegierte Siß und Stimme. Alle Mitglieder find Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Aweiofbelle Berlin. Donnerstag, den 5. März, 48 Uhr, in den Räumen der Werkfreude, Bots " Pan- Europa und die Friedensgefährdung im Osten". Fortschrittliche Berkehrstechnik, e. B. Bortragsabend über Die Empfangs möglichkeiten mit Detelforkrifball" am Donnerstag, den 5. März. 8% Uhr, int Rollendorf- Rafino, Kleiftstr. 41. Eintritt für jedermann frei. Freie Bereinigung von Sternfreunden, Berlin. Bersammlung am Sonne abend, den 7. März, abends 8 Uhr pünktlich, im Berliner Rindi, Kurfürften. Damm 101, 1. Gaal links. Tagesordnung: 1. Bortrag des Vorfikenden 6. Freund:„ Oberflächenbeschreibung des Mondes.( Selenographie.) 2. Be obachtung des Mondes am Teleftop. 3. Berschiedene Mitteilungen und Auf nahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. 25 Bf. Unkostenbeitrag. Geschäftliche Mitteilungen. Sin Ssen Schin, der bekannte Tibetforscher, erzählt, dag die Bemohner Tibeis als Lieblingsgetränk heißen Tee mit Butter vermischt genießen. Se ranziger diese Butter ist, desto beffer mundet der Tee bem echten Tibetaner. europäischer Gaumen fönnte sich an diese fonderbare Misoung und vor allent an den Geschmad der nach unserem Begriff verdorbenen Butter nicht gewöhnen. Wir wollen die Butter ftets möglichst frisch haben, da fie dann das fire unferen Geschmad schönste Aroma hat. Diefes Aroma befizt auch die Feinfoftmargarine Schwan im Blauband", die wegen ihrer vorzüglichen Eigen schaften und ihrer Billigkeit in feinem Saushalt fehlen follie. Auserlefene feine Qualitäten Preußische Staats- Lotterie 550 000 Lose in 5 Klassen 195 COO Gewinne im Gesamtbetrage von 38 Millionen Reichsmark Hauptgewinne: Höchst- 2 Millionen R.-M. auf ein Doppel- Los gewinn: Höchst- 1 1 Million R.-M. auf ein Ganzes Los gewinn: 1 Amti. Ziehungeliste( f alle Klass 1,- Ziehung 1. Klasse 17. u. 18. April ( Nichtgewaschtes bitte su streichen) Name: Beruf: Ort Bivaßee Siwinna Berlin W 35 Staatl. Lotterie- Einnehmer Potsdamer Straße 123 B an der Potsdamer Broke( Esha Schöneberger Ber KAFFEE TEE Molja Mischungen mit 20,40& 50% Kaffee Tel.- Adr: Glückskollekte Berlin In Sachsen u. Hamburg erlaubt. Haupt- Gewinne: 1225000 4mal 500000k. 12 mal M. M. M. 2300000 58m 10000 2 mal 200000H. 116 mal 5000M mal M. M. 10mm 100000 324d 3000, 2000M. 4 mal 75000M. 532 mal 14m 50000 1048 1000ML. M. mal für jede 8 Achtel- Lose 24 M. Klasse. aus versch. Tausenden Postecheck: Berlin 120 399. Fernspr.: Kurfürst 3583. Nr. 104 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 3. März 1925 Hausrecht im Tscheka- Prozeß. Auffällige Manipulation der Zihewize Partei eintreten. Rechtsanwalt Es ist aber nicht immer Schuld der einzelnen Prozeßfaftoren, die zum Konflikt führt und diesen reftios aufklärt. Bielmehr ist die Fehlerquelle für derartige Borkommnisse, die den geordneten Gang der Rechtspflege gefährden, zunächst die Struktur des Strafprozeffes felbft. Solange im geheimen Borverfahren unter der Direktive des Berdachts das Belastungsmaterial gesammelt wird, wird diese einseitige Methode den Angeklagten nur als Objekt der Ueberführung behandeln und seine Bewegungsfreiheit einengen. Wenn in solchen Verfahren noch überdies die seelische Tortur der Haft einsetzt, wird der Angeklagte mit seinem Entlastungsmaterial faft völlig außer Gefecht gefeßt und auf seine Kosten dem Anfläger eine allzu günstige Position geschaffen, die sich auf den geficherten Boden det geheimen Boruntersuchung stüßt. Immer neue Entdeckungen im Untersuchungsausschuß. Geh. Rat Nehring erklärt, dazu, das Schreiben über das Stettiner Abkommen sei bereits am 14. Mai nach telephonischer Rück Sprache dittiert worden. Aus den weiteren Aften ergibt sich, daß Herr v. Etdorf bei seinem Briefwechsel in der Bergleichsfache mit Dr. Bodhof Briefbogen mit dem Kopf der Landaspfandbriefanstalt benutzt hat. Er schreibt dabei u. a., es sei ihm bekannt, daß die Anstalt die Zahlungen als Treuhänder der Sparkasse Stettin geleistet habe. M 3m Sigungsfaal ist die Atmosphäre mit Sprengstoff ge schmängert. Eine Explosion folgt der anderen. Noch zittert der eine scharfe Zusammenstoß zwischen Vorsitzenden und der Berteidi- Der Untersuchungsausschuß des Landtags für die Kreditgeschäfte lich und ohne Begründung von der Anstalt weitere 3ah. gung in den erregten Gemütern nach und schon bereitet sich der der Landespfandbriefanstalt fegte am Montag seine Verhandlungen Iungen verlangt und erhalten für das Konto„ Bes nächste vor. Der fenfationslüfterne Lefer findet in feiner Breffe fort. Der Borsitzende, Abg. Beinert, gedachte bei der Eröffnung meinfchaft v. 3ige mig", also nicht für die Sparkasse genügend Staff in diesen Konflikten zur feelischen Motion, die ge- der Sitzung des Todes des Reichspräsidenten. Aus den vom Aus- Stettin. Am 14. mai hat in einer Verhandlung vor einem steigert wird durch die Kommentare, die die Zeitungen je nach ihrer schuß eingeforderten Aften verlas der Schriftführer Abg. Riedel Steffiner Notar v. Ziher angegeben, er habe von der Stettiner politischen Parteistellung tagtäglich bringen. Und die politischen( Dem.) zunächst den Bericht des Direktoriums der Landespfandbrief: Spartaffe ein Darlehen von 3 336 000 m. erhalten, das der LandesBarteien, die in Kämpferstellung einander gegenübertreten, schieben anstalt über den Abelskonzern. Es heißt darin, anfangs März fei pfandbriefanftalt zu überspeisen sei. Diese Angabe des Herrn Herr v. 3ie wt mit feinem Schwiegerfohn v. Carlowig und v. Sigewig war mindestens objettiv untichtig, denn sich gegenseitig die Schuld zu, indem sie für die eine oder die andere mit Herrn v. Ezdorf an die Anstalt herangetreten mit dem An- felbst das Scheinabkommen mit der Stettiner Sparkasse ist erst am fuchen, ihm einen Kredit von 600 000 m. auf vier Wochen zu ge- 15. Mai getätigt worden. währen, der gedeckt jei durch eine Hypothet, die Herr v. Zihewit auf seine Güter durch den Reichslandbund erhalten habe. Die Einfragung der Hypothek follte bereits vollzogen jein. die weiteren von der Anstalt hergegebenen Summen. Die Spar Dann wird über das Scheitern ver Hypothek berichtet und über taffe Stettin habe sich, wie es in dem Bericht heißt, bereit erflärt, als ihrem Treuhänder der Landespfandbriefanstalt die Durch führung der Finanzierung zu übertragen. In dem Bericht des Direitoriums ist immer nur bie Rede von Herrn v. 3igewiß als dem Kreditbegehrenden und Darlehensnehmer. Hierzu steht in traffem Widerspruch der Inhalt der Aften der Landespfandbriefanstalts Daraus geht zunächst hervor, daß tatfächlich zuerst die Herren v. Ehdorf und v. Carlowig als Kreditfuchende an die Anstalt herangetreten sind. Von Zihewitz ist zunächst nicht die Rede. Auch follte es sich nicht nur um einen furzfristigen Kredit von 600 000 m. handeln, sondern außerdem um einen solchen von 2% Millionen Goldmart, der auf ein Jahr gewährt werden sollte. Auf diesem Antrage steht ein Bermert von eh. Rat Nehring, der sein Einverständnis fund gibt. Weiter befindet sich dann in den Akten eine schriftliche Vereinbarung vom 8. Mai, die von Zikewiß unterzeichnet worden ist. Hiernach sollte die Girozentrale in Dresden ber Landespfandbriefanstalt ein Darlehen für die Bizewiß- Kredite zur Berfügung stellen. Unterzeichnet ist die Bereinbarung von 8igewig und den anderen Kreditnehmern. Falls die Girozentrale das Darlehen nicht geben sollte, fo verpflichtete fich Deckung für die Kredite. Dabei ist in dem Bertrag die Rede von einer Zihewih zu einer Hypothet an zweiter Stelle auf seine Güter als Summe von 400 000 Mart. Unter den Unterschriften befindet sich ein handschriftlicher Passus, daß diese Summe nicht stimme und daß es fich um 500 000 m. handele. Erst in der Hauptverhandlung, und damit oft zu spät, wird dem Berteidiger die Gelegenheit gegeben, im Sinne der Entlastung seine Wirksamkeit zu entfalten. Diese viel zu sehr verkannte Schwierig feit feiner Solnation, in der er sich eingeengt und gefeffelt fühlt, erklärt die Behemenz, mit der der Berteidiger vergebliche Anstrengungen versucht, gegen den wohlgefügten Bau der Anklage anzutämpfen. Seine Tätigkeit wird und wirkt destruktiv. Aber die Schwierigkeiten feiner Stellung, die sich aus der heuti gen Gestaltung des Strafprozesses erklärt, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch der Vorsitzende seinerseits insbesondere in einem Monsterprozeß von diesem Ausmaß sehr erhebliche Schwierig: feiten zu überwinden hat. Der voluminöfe Stoff, den er in wochenlanger Arbeit zu bewältigen. und zu sichten hat, zwingt den Vor fikenden, einen bestimmten Plan für die Hauptverhandlung, die Bochen dauert, ins Auge zu faffen, um die Fülle des Materials nach bestimmten Gesichtspunkten zu gruppieren. Diese verschiedenartige Stellungnahme hüben und drüben trägt fchon in fich Konfliftsmöglichkeiten, denen nur bei gegenseitiger fein fühliger Rücksichtnahme vorgebeugt werden kann. So leicht es gefagt ist, so schwer ist es auszuführen. Wie schwer, darüber belehrt uns der in den Annalen der Strafprozesses ungeheuerliche Vorgang, daß ein Wahlverteidiger, der mit seinem Berhalten Erregung auf seiten des Gerichts hervor gerufen hatte, auf Befehl des Vorsitzenden unter Begleitung von Schupobeamten den Sigungsfaal verlassen mußte. Die Frage, ob fein Berhalten einen berechtigten Grund hierzu abgegeben, ist von individueller Bedeutung und dürfte bei den kompetenten Be hörden der Anwaltschaft nachzuprüfen fein. Dann befinden sich bei den Aften eine Anzahl von Schuldurkunden, in denen immer die Schuldfumme einschl. der Zinsen 14. Auguft und von Carlowig und Egdorf unterzeichnet; fie genannt wird. Die lehte biefer Schulburtunden ist ausgestellt am lautet über rund 4,8 millionen Mart. Das Eigentümliche an diefen Schuldurkunden ist, daß sie nebeneinander bestehen und daß als Dedung dafür in drei verschiedenen Urkunden derselbe Wechsel von 530 000 m. genannt wird. Außerdem wird immer auf die 95 000 Dollar hingewiesen. Der Wedhjel fann aber nur einmal als Dedung für eine Schuldurfunde dienen. Außerdem fällt auf, daß jede neue Schuldurfunde immer mit einem erheblich größeren Anfangsbetrag ohne Zinjen beginut, als die alte aufhörte. Darin scheinen die Summen zu fteden, die eine persönliche Verwendung gefunden haben. Der Briefwechjet mit der Holländischen Grundkreditbank ist sehr dürftig. Er begimit mit einem Schreiben des Dr. Cann, worin eine telephonische Unterhaltung bestätigt wird, daß die Grundtrebitbank fich verpflichtet habe, eine hypothet auf die Zihewig- Häuser in Gestalt von Pfandbriefen zu geben. Sie sollte bei Auslieferung ber Bfandbriefe eine Provision von 1 Proz. und die Spesen bekommen. Die Grundkreditbank hat dann öfters anfragen laffen, wann fie gegen tönne. Es bleibt unerfindlich, wie der Betrag von 388 000 2. an den leberreichung der Pfandbriefe die Provision in Empfang nehmen Bermiffler Dr. Cann hat bezahlt werden können, ohne daß die Pfandbriefe zur Auslieferung famen. Welches waren für diese Bab wäre zu prüfen, ob auf Grund dieser Zahlung an Cann nicht ftrafrechtliche und zivilrechtliche Folgerungen gezogen werden fönnen. Dies wird unter Umständen im Intereffe der Landespfandbriefanstalt erforderlich sein, 3. B. um die Ansprüche der Anstalt auf Rüderstattung dieses Betrages zu sichern. Die Frage aber, ob ein Wahlverteidiger aus dem Saal zwangs weise entfernt werden fann, ist von prinzipieller Bedeutung und greift in die vitalsten Interessen der Verteidiger ein. Gerade aus diesem Grunde allein hat die neu begründete strafrecht liche Bereinigung der Berliner Rechtsanwälte trotz mancherlei Bedenken sich entschlossen, sofort bei dem Reichsjuftizminister eine Audienz zu erbitten, über die eine offiziöfe Breffenotia verbreitet wurde, die mancherlei Unrichtigkeiten enthält. Schreiber dieser Zeilen, der mit Rechtsanwalt Walter enn deputiert war, hat dem Reichsjuftizminister Bortrag über die Rechtslage gelung die Unterlagen? Herr Dr. Cann hat das Gelb befommen. Es halten, die derartige Befugnisse des Borfißenden ausschließt. Ohne zu dem Berhalten des Verteidigers, das zu dieser außergewöhnlichen Maßregel geführt hat, Stellung zu nehmen, wurde diesseits betont, daß der Verteidiger( von einem hier nicht vorliegenden Fall abge fehen) gerichtlich feines Mandats nicht entfleibet merden barf und, folange er sich in der Ausübung des Mandats befindet, einen gefeßlichen Anspruch auf seine Anwesenheit befigt und daher mit Recht im Sigungsfaal verbleiben darf. Sugegeben, daß ein Rechtsanwalt ein Verhalten zeigen kann, das die rigorosesten Maßnahmen moralisch rechtfertigen könnte, dann trägt er vor feiner Disziplinarbehörde, der Anwaltskammer, die volle Berantwortung, die sich bis zur Eriftenzfrage steigern fann. Aber diese Verantwortung trägt auch der Staatsanwalt, wenn er ein ähnliches Verhalten zeigen würde. Im letzteren Falle hat das Reichsgericht entschieden, daß der Borsigende, um unliebsame Bor tommniffe auszuschließen, jedesmal das Recht hat, die Sigung zu unterbrechen, um außerhalb berselben weitere Maßnahmen zu treffen. Innerhalb der Sigung aber dem Wahlverteidiger das Mandat, das er gar nicht vom Gericht übertragen erhielt, zwangsweise zu entziehen, ist eine Maßregel, die geeignet ist, ihm den weiteren Aufenthalt im Sigungsjaal zu entziehen, aber eine Maßregel, deren Illegalität wie diesseits bem Reichsjustizminister erklärt wurde den weiteren Borgang der zwangsweisen Entfernung nicht decken kam. Soll der Anwalt seines Amtes wirken, nicht allein als Vertrauensmann des Angeklagten, sondern auch als Mittler des Vertrauens zur Rechtspflege, dann darf seine Bofition nicht durch die Möglichkeit illegaler Maßnahmen unterwühlt werden, die ihm die Ruhe und Sicherheit raubt. Um der Gefahr einer Wiederholung ähnlicher Borgänge vorzubeugen, wurde der Proteft gegen die gewaltsame Entfernung des Verteidigers erhoben und der Reichsjuftigminifter um rechtzeitiges Eingreifen ersucht. Bon unserer Seite wurde betont, daß ein Eingriff in richterliche Atte des Borsigenden unzulässig und baher nicht beabsichtigt sei, sondern eine Direttive an den Reichsanwalt erbeten wird, der dem Reichsjustizminister unterfteht, um den Fall zu applanieren. Der Reichsjuftigminer begnügte fich mit der Ertlärung, er merde den Fall prüfen. 1 Nächsten Tages na biefer Borstellung der ftrafrecht lichen Bereinigung, die aus leicht erklärlichen Gründen fich von ber Deputation der Berteidiger gesondert hielt, wurde ber all ap planiert. Die Wahlverteidiger ohne Ausnahme übernahmen wieber ihr Amt und damit bie felbstverständliche Berantwortung, Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1923: 13 000 Badegaste, 13 In dem Bericht spielt v. Zihewiß eine ganz andere Rolle als nach den bisherigen Berichten. Im Auguft hat v. 3izemiz einem Konsul Wöhler Dresden. Generalvollmacht erteilt. Wöhler hat dann wiederholt turg fchriftdischen Grundfrebiibant, in dem fich die Bankdirektion gegen den Vorwurf verwahrt, übertriebene Provisionsforderungen gestellt zu haben; fie habe eine Abschlußprovision non 1 Pro3. beansprucht, die jedoch nicht bezahlt worden ist und die von der Bant in einem jetzt noch schwebenden Prozeß eingeklagt wird. Dr. Cann, der eine viel zu hohe Brovision ohne Gegenleistung von dem Konsortium erhalten hatte, hat nach Angabe der Direktion gar fein Recht gehabt, für die Bant Bertzage abzuschließen oder 3ahtungen anzunehmen. Er fet lediglich Vermittler, nicht Bertreter der Bant gewefen. Der in der legten Sigung vernommene Steuerberater Dr. Georg Schule hat eine schriftliche Ergänzung feiner Ausiage eingesandt. Er hat, wie er jetzt schreibt, feine Kenntnis davon gehabt, daß der von den Herren v. 3igewig und v. Karstädt lationen bestimmt war. Er habe nach dem Gang der Berhandnachgesuchte Kredit für städtische Grundstücsipetn fungen annehmen müssen, daß es sich auch hier um landwirtschaftliche Kredite handelte und habe auf eine gelegentliche Frage des Herrn v. Karstädt ausbrüdlich gesagt, daß für städtische Grundftücksgeschäfte englischer Kredit nicht zu haben sei. Borf. Leinert fragt hierauf Herrn v. Karstädt, ob er die bei zahlung seiner Schulben von 70 000 m. mitgebracht habe. der legten Bernehmung versprochene ufftellung über die Be v. Katstädt erklärt, er habe sie von den einzelnen Banken no ch nicht erhalten fönnen, werde sie aber später beibringen. Er verneint die Frage, ob er über feine finanziellen Verhältnisse Buch führe. Bors. Leinert macht Herrn v. Karstadt rauf aufmerkjan, daß auch diese Befundungen unter feinen Elb faven. Er geht dann cuf die Provisionsangelegenheiten mit dem Dr. Cann für den nicht erreichten holländischen Kredit ein. Zeuge fagt aus, er habe dem Dr. Cann vor dem eigentlichen Termin das Fünffache der später von der Bant geforderten Brovision gezahlt, aus Furcht, Canns Bater als Banter feines Hauses fönne sonst das Guthaben sperren. Der Ausschuß nimmt hierauf die Befragung des 28jährigen Beugen Hans Karl v. Carlowig vor, ber bis zu Oftober 1924 ctwa Schwiegersohn des Herrn D. 3izemiz gemesan ist. Beuge behauptet, mit dem Geschäft nichts zu tun gehabt and fich lediglich intereffent war. Er hat sich zwecklos an der Loudower Reise beals Vermittler des Bizewig betrachtet zu haben, bar der Haupttciligt und etwa 6000 m. ber Landespfandbriefanstalt verbraucht. 170 000-180 000 m. der von der Anstalt zum Brundstüdgeschäft ausgezahlten Kredite habe er nicht für das Geschäft, fondern für fein" Guf verwendet, das ihm übrigens gar nicht gehört, sondern nur bis 1940 gepachtet ist. Ob Mering das wußte, weiß er nicht: Er hat für das Geld eine Brennerei getauft und Reparaturen auf seinem Gute damit bezahlt. Die Brennerei haf ungefähr 74 000 m. getoftet. Er felbft hat keinen Pfennig in das Geschäft hineingestedt. Sein Bermögen gibt diefer Herr auf etwa 100 000 m. an; die Wechsel, die ex unferschrieben hat, lauten aber auf Millionen! Im übrigen stellt sich der Beuge dumm und gilt ausweichende Antworten. auch ihrerseits an dem geregelten Gang der Verhandlung mitzu- bedarf sowie für Waldwirtschaft. Der Ausstellungsraum hat sich wirken. Damit allein wird der Abschluß des sensationsreichen Prozesses ohne weitere persönliche Reibungen garantiert, die auch den Interessen der Angeklagten nur schaden können. Wirtschaft Die Leipziger Messe. nommenen Bergrößerungen und Neuerungen auf der Leipziger Leipzig, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Wenn die vorge Messe für deren Berlauf ausschlaggebend wären, so hätte die Früh. jahrsmesse 1925 in Leipzig den Erfolg für sich. Beider scheinen aber Unternehmungsgeist und Organisationstalent der Meßleitung die Hemmungen der andauernden Wirtschaftskrise nicht überwinden zu können. Die eigentlichen Räufer waren allerdings bereits an Sonntag zahlreicher erschienen als auf der vorigen Herbstmesse. Die Berliner Züge waren durchweg überfüllt, aus anderen Gegenden war der Andrang jedoch weniger groß. Der Tod Eberts hat zweifellos feine Schatten auf die Messe geworfen. Leipzig hatte den Reichspräsidenten zur Meije eingeladen und er hatte sein Erscheinen zugesagt. Der Tod hat diese Absicht vereitelt; die Trauerbotschaft selbst hat auch den Meffe trubel wesentlich gedämpft. Aus den Unterhaltungen ber effe. besucher geht deutlich hervor, wie groß die Wertschäzung des deutschen Bolles für Ebert als Mensch und Politiker mar. von 80 000 qm im Borjahre auf 130 000 qm erhöht. Imposante Fortschritte und Neuerungen zeigt die Wärmemeffe. 3ahlreich be schickt und vielbesucht ist die Baumeffe, Erweiterungen zeigt die Ausstellung von Werkzeug und landwirtschaftlichen Maschinen. Mit einem lebhaften Auslandsgeschäft rechnet man in Tertilmashinen. Der eigentliche Kauf fetzte erst am Montag lebhafter ela, besonders in der Stahlwarenbranche, in Hausgebrauchsartikeln, und in der Textilindustrie, vor allem, in Herrenwäsche, Leinen und Konfektion. Auch die Nachfrage nach Metallwaren war zeitsveife bedeutend. Biel Zuspruch hatte auch die photographische esse. Baltan. Auslandsabschlüffe gingen in erster Linie nach dem Osten und dem Das Kennzeichen des Geschäfts ist, daß es immer noch an den nötigen Geldmitteln fehlt. Es ist sehr leitht, Waren gegen Krebit loszuwerben. Darin sind die Berkäufer jedoch äußerst vorsichtig. Dagegen find sie bereit, bet Barzahlungen große Erleichterungen zu gewähren. Zweifelsohne leidet das Gschäft auch jetzt noch unter der durch. lleberpreis und niedrigen Reallohn start geschwächten Kauftraft. Berlangt werden daher wie schon auf der Herbstmesse, in erster Linie sehr billige Waren Die Fabrikation hat sich infolgedeffen durchweg auf billigste Stapelware umgestellt. Das Preisproblem ist noch absolut nicht gelöst. Die Bekämpfung der Wirtschaftskrisen. Im Berlaufe der legten Jahre hat sich das Internatio nale Arbeitsamt mit einer besonderen Untersuchung der Frage der regelmäßigen Arisen der Arbeitslosigkeit befaßt, gemeinsam mit der Wirtschafts- und Finanzabteilung des Bölterbundes. Die Messe meist zahlreiche Neuerungen und Ber. größerungen auf. In der Mustermeffe ist vor allem das neue Untergrund- Messehaus zu erwähnen. Neu ist eine groß auf- Auf der legten Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz gemachte Retlamemesse und eine Messe für Jagd- und Fischerei find vom Amt Berichte über den Stand der Angelegenheit vor. Wildunger Helenenquelle Schritten und Nachweis billigster Bezugsquellen durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. gelegt worden. Es wurde darin die enge Berbindung zwischen den| dagegen werden die englischen Kohlenlager in einigen Generationen Krisen der Arbeitslosigkeit und den Schwankungen des Preisniveaus erschöpft sein. hervorgehoben und vorgeschlagen, die Untersuchung über die Ursachen der wirtschaftlichen Schwankungen fortzusetzen und die Möglichkeit zu prüfen, diese Schwankungen durch die Anwendung von Wirtschaftsbarometern" vorauszubestimmen, fie abzuschwächen oder sie zu begrenzen und schließlich die Rolle zu bestimmen, die auf diesem Gebiet die Kreditunternehmungen spielen können. Der Vorschlag, das Problem auf diese Weise zu erledigen, hat die Aufmerksamkeit der Konferenz gefunden, welche dem Internationalen Arbeitsamt den Auftrag gab, seine Untersuchung in 3usammenarbeit mit dem Bölkerbund fortzusetzen. Die Entschließung, die sie dazu angenommen hat, befagt u. a. folgendes: „ Die Konferenz ersucht den Direktor des Internationalen Arbeitsamtes den zwischen der Wirtschaftsabteilung des Völkerbundes und dem Internationalen Arbeitsamt gebildeten Ausschuß mit der Untersuchung der verschiedenen Faftoren zu befassen, wie die Funktion des Kreditwesens, die allgemeine Unsicher= heit der Preise und die Währungsschwankungen, welche geeignet sind, die gleichmäßige und regelmäßige Entwicklung des Verbrauches und der Erzeugung zu verhindern und welche auf diese Weise die Gleich= mäßigkeit der Beschäftigung, beeinträchtigen." Zu diesem Zweck hat sich ein gemischter Ausschuß, der sich aus bem Unterausschuß für Wirtschaftskrisen des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes und den vom Internationalen Arbeitsamte bezeichneten Fachleuten zusammensetzt, am 26. und 27. Januar 1925 in Genf versammelt. Eine Reihe von Dentschriften über die Kreditpolitik und die Währungsstabilisierung, die das Internationale Arbeitsamt vorbereitet hat, wurde dem gemischten Ausschuß vorgelegt, der Be fchlüffe folgenden Inhalts jaẞte: Die fyftematische Beröffentlichung von Wirt schaftsbarometern soll gefördert werden, und zwar sowohl durch Verhandlungen mit nichtamtlichen Organisationen, wie mit den Staaten. Außerdem wird die technische Abteilung des Sekretariats des Bölkerbundes und des Internationalen Arbeitsamts seine Arbeiten über die Feststellung von Wirtschaftsbarometern fort setzen und dabei die Frage berücksichtigen, inwieweit die internationalen Inderzahlen miteinander vergleichbar sind. Der gemischte Ausschuß vertritt die Auffassung, daß unzweifelhaft die außerordentlichen Schwankungen der Tätigkeit des Handels den Beschäftigungsgrad der Industrie start beeinflussen und daß es daher wünschenswert sei, diese Schwanfungen zu mildern. Das soll in erster Linie durch eine zwed= mäßige Kreditpolitif geschehen, die ihre Entscheidungen mit Rücksicht auf alle wirtschaftlichen Faktoren einschließlich der Lage des Arbeitsmarktes und der Preise zu treffen hat. Die aufgemorfenen Finanz- und Währungsfragen werden dem Finanzausschuß des. Bölkerbundes vorgelegt werden. Die Erklärungen sind von besonderem Interesse für die Abschwächung der Arbeitslosigkeitskrisen. Maßnahmen von weitgehender Bedeutung sind auf dem Gebiete der Kreditkontrolle im Laufe der letzten Jahre besonders von den Bundes Reservebanten der Bereinigten Staaten ergriffen worden. Diese Maßnahmen hatten zum Gegenstand die Berringerung der Heftigkeit der mirtschaftlichen Schwankungen, und der Industrie während einer längeren Zeit hindurch einen hohen Tätigkeitsgrad zu sichern. Die in den oben erwähnten. Entschließungen enthaltenen Erklärungen bekräftigen die Grundsäge dieser neuen Maßnahmen. Sie werden, wenn fie fich allgemein durchfezen, ohne Zweifel dazu beitragen, die Tätigkeit der Banten zu entwickeln und aus der Kreditpolitif ein wirtfames Mittel zu machen, zur Aufrechterhaltung der Tätigkeit der Industrie und des Arbeitsmarktes. Stbal Die Weltversorgung mit Kraft. Gelegentlich der in London stattgefundenen Weltfrafikonferenz wurden aus allen Ländern Studien über die vorhandene traft gesammelt. Auf Grund dieser sehr umfangreichen Beröffent: lichungen ffellt van Hens in der Wirtschaft und Technit" eine Anzahl aufschlußreicher Angaben zusammen, denen wir folgendes entnehmen: Kohlenvorräte der Welt. Auftralien. Afrita fien Amerita Europa. " Flächeninhalt Millionen Quadratkilom. Rohlen: Tonnen je Quadratkilom. 8,5 60 000 30 60 000 45 60 000 43 110 000 10 110 000 Wafferkräfte der Welt. Leiftung der Leistung d. ge Flächeninhalt Wafferträfte je famten BafferQuadratkilom. fräfte in Mill. in Rilowatt Kilowatt 51 150 Millionen Quadratkilom. Australien. 8,5 6 30 5 45 360 43 10 10 10 430 100 Afrika Aften Amerifa Europa. 08800 Daraus ergeben sich im Jahr( mit 3600 Benuzungsstunden) rund 4 Billionen Kilowattstunden. Die Delporräte der Welt sollen für 300 Jahre ausreichen und die jährliche Förderung 300 Milliarden Kilowattstunden entsprechen. Arbeitswert der vorhandenen Kraftquellen in Billionen Kilowattstunden. Kohle Wasser Torf Del . 7.000 7000 22 90 Die mittleren Jahresleistungen aller Kraftquellen. Kohle 400 Mill. Kilowatt Wasser 1 100 Torf Del. 9 8 120 " 1 Auf den Kopf der Bevölkerung der Erde entfallen etwa 0,85 Kilowatt oder bei 2500 Benugungsstunden rund 2100 Kilowattstunden pro Jahr. Gegenwärtig entfallen aber in Deutschland zum Beispiel noch nicht einmal 200 Kilowattstunden auf den Kopf der Bevölkerung pro Jahr. Scheidemandel. In der Generalversammlung der Attien gesellschaft für chemische Produkte, vorm. H. Scheidemandel, die das Monopol für die Verarbeitung von Knochen in Deutschland in Händen hat, gab Geheimrat Kempner einen interessanten Bericht über den Werdegang des Unternehmens. Die Ge sellschaft ist im März 1915 saniert worden. Es ist falsch so führt der Referent aus die Gesellschaft als Kriegsgewinnler zu bezeichnen, sie hat nicht ein Gramm Fett, das für Lebensmittelzwede Wenn es ihr gelungen ist, fast ohne geeignet war, verarbeitet. Substanzverlust über die Kriegs und Inflationsjahre hinwegzutommen, jo liegt das daran, daß völlig wertlose Fabrikationsstätten technisch so pervollkommnet wurden, daß fie in der Lage maren, rentabel zu arbeiten. Es wurden die Fabrikationsmethoden verbessert und die so gewonnenen Gelder wurden zur inneren Stärkung des Unternehmens verwendet. Es fommt hinzu, daß ein großer Teil des Befigtums der Gesellschaft sich im Auslande befindet und daß die Gesellschaft dadurch von der Inflation nicht so betroffen wurde wie die Unternehmungen, die nur über inländischen Befih verfügen. Die Gesellschaft hätte eine noch günſtigere Bilanz vorlegen fönnen, wenn nicht ein Teil der Unternehmungen im Auslande wertlos geworden wäre, dadurch daß sie ftillgelegt werden mußten und ein weiterer Teil neu aufgebaut werden muß. Die Fabriten sind teils in direttem Eigentum der Gesellschaft, teils werden sie in Aftienform betrieben, ein großer Teil der Fabriken liegt, wie erwähnt, still, von ihnen sind einzelne schon abgestoßen, die übrigen find natürlich sehr niedrig in die Bilanz eingesetzt worden. Zu den arbeitenden Fabriten sind die Fabriken Schierstein und nehmen zirka 50 Fabriken. Sie hat sich an der chemischen InWilhelmsburg hinzugekommen. Mit ihnen besitzt das Unter dustrie neu beteiligt, doch tann das Fabritationsprogramm erst in Zufunft ausgeführt werden und, da die Gesellschaft start von der Ronjunttur abhängig ist, ist es natürlich unmöglich, ftabile Dividenden bei der Bewertung der Aktiven und Paffiven in Rechnung zu stellen. „ Ausfuhrvereinigung Oft G. m. b. 5. Unter dem Namen Ausfuhrvereinigung Oft G. m. b. 5. wurde in Berlin eine Gesellschaft mit einem zu einem Viertel eingezahlten Kapital Don 500 000 m. zum Zwede der Förderung der Ausführ deutscher Industrieerzeugnisse nach Rußland gegründet. GeWelt- fellschafter find nachfolgende Firmen: Allgemeine Elettri 3itäts- Gesellschaft, Berlin; Bergmann Elektrizitätswerfe A.-G., Berlin; Chemische Fabrit auf Attien( vormals E. Schering), Berlin; Deutsche Werte A.-G., Berlin; Kirchner u. Co. A.-G., Leipzig- Sellerhausen; Fried. Krupp A.-G., Effen; Fried. Krupp A.-G., Grusonwert, Magdeburg- Budau; Deutsch Luremburgische Bergwerts- und Hütten A.-G., Bochum; Gelfentirchener Bergwerts A.-G., Gelsenfirchen; Motorenfabrik De u A.-G., Köln- Deuß; Heinrich Lanz, Mannheim; Maschinenfabrik Badenia, Weinheim; Osram B. m. b. H., Kommanditgesellschaft, Berlin; SiemensSchudertwerte G. m. b. 5., Siemensstadt bei Berlin; Hugo Stinnes A.-G. für Osthandels- und Industrieunternehmungen, Berlin; Westfälische Drahtindustrie A.-G., Hamm; Otto Wolff, Köln. Dem Aufsichtsrat gehören an: Geheimrat Deutsch ( 2. E. G.), Direttor Dr. Bonn( Deutsche Bant) und Direktor Fehr mann( Hugo Stinnes). Rohlenverrat in Milliarden Tonnen 500 1 800 2700 4400 1 100 Die Kohlenvorräte der Erde werden auf 10,8 Billionen Tonnen geschätzt. Die jetzige Kohlenförderung beträgt 1,5 milliarden Tonnen im Jahr. Die Kohlenvorräte reichen also noch für viele taufenb Jahre. Die deutschen Rohlenvorräte reichen für 200 Jahre, # Der Geburtstagskuchen ist vortrefflich geraten, weil er mit der Feinkostmargarine ,, Schwan im Blauband" zubereitet wurde. Neben ihrem köstlichen Aroma sind es der grosse Nährwert und der wohlfeile Preis, welche die Blauband- Margarine jeder Hausfrau unentbehrlich machen. Preis 50 Pfennig das Halbpfund in der bekannten Packung. Schwan im Blauband frisch gekirnt Wir bitten, beim Einkauf von Schwan im Blauband" das farbig illustr. Familienblatt ,, Die Blauband- Woche" gratis zu verlangen. Kriegsschulden und soziale Aufgaben. Der internationale bea fannte englische Professor Keynes befaßt sich in einer Veröffent lichung im Hamburger Wirtschaftsdienst" mit der Frage der interalliierten Schulden. Nachdem er festgestellt hat, daß England sich den Bereinigten Staaten gegenüber verpflichtet hat, 60 Jahre lang jeben Tag eine halbe Million Dollar zur Abtragung seiner im Kriege aufgehäuften Schulden zu bezahlen, fährt Rennes fort:„ Dieſe Summe entspricht etwa zwei Dritteln unseres Flottenbudgets und ist faft gleich unseren gesamten staatlichen Unterrichtsausgaben. Sie ist größer als der gesamte Reinertrag unferer Schiffahrt und unseres Kohlenbergbaues zusammengenommen. Mit einem gleichen Aufwand während desselben Zeitraums wären wir in der Lage, die Elendsviertel zu beseitigen und unserer Bevölkerung behagliche Wohnungen zu bauen."- Etwa gleichzeitig liest man in der" miner Res Erklärung des Premierministers von Kanada, daß es gierung nicht möglich sei, die Erwerbslosenfürsorge zu finanzieren, da sie zwei Milliarden Dollar Kriegsschulden zu verzinsen und zu tilgen habe.( Die kanadische Staatsschuld betrug 1914 erst 336 Millionen, 1924 aber 2424 Millionen Dollar.) Das sind einige der täglichen Beispiele für den„ Nuzen" des Weltfrieges für die Siegerstaaten. Aus der Partei. Die Wiener Arbeiter- Zeifung" hat ihren Bezugspreis für Deutschland( beim Postamt zu abonnieren) auf 2 M. monatlich ermäßigt. Dadurch wird allen Parteigenossen, besonders den aus Deutschösterreich im weitesten Umfang stammenden, die neben dem örtlichen Barteiblatt unser Wiener Zentralorgan beziehen wollen, das wesentlich erleichtert. Parteinachrichten Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. 1. Areis Mitte. Für die Montag( 2., März) ausgefallene Kreisvorstands fikung findet heute, Dienstag, eine allgemeine Funktionärkonferenz in den Sophien- Sälen, Sophienftr. 16, statt. Mitglieder als Gäfte will fommen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die Arbeitsgemeinschaft des Genossen Ragen stein Grundfragen der Politit" findet am Mittwoch, den 3. d. M., nicht statt. Fortfehung Dienstag, den 10. März. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, den 4. März, 6 Uhr, Bezirksverfamm Tung im Rathaus, Eingang Königstraße. Einlaßkarten beim Genoffen F. Fischer, oben am Eingang. 6. Areis Kreuzberg. Sämtliche Abteilungen treffen sich zur Bestattungsfeierlichkeit des Genossen Ebert nachmittags 2 Uhr abmarschbereit ant Blücherplak( Hallesches Tor). 7. Kreis Charlottenburg. Freie Schulgemeinde Charlottenburg: Der für heute, Dienstag, den 2. März, angekündigte Elternabend der Freien Schulgemeinde fällt aus Anlaß des Ablebens des Reichspräsidenten aus. Nähere Mitteilung erfolgt fpäler. 9. Areis Bilmersdorf. Alle Parteigenonen, die an der Beerdigungsfeier teilnehmen, finden sich am Mittwoch nachmittag 14 Uhr auf dem Fehr. belliner Blas ein. 1½ Uhr dafelbft Abmarsch. Zahlreiche Beteiligung. unbedingt erforderlich. Diejenigen, die nicht dort erscheinen können, fchließen sich dem Reichsbanner bei seiner bekannten Marschroute an. 10. Kreis. Die Genoffen des 10. Areises treffen fich am Mittwoch pünktlich 2 Uhr an der Potsdamer Brüde in Berlin, Ede Bittoriastraße. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Treffpunkt zur Trauerfundgebung am Mitt mod 2 Uhr Raiser- Wilhelm- Plak. Die Abteilungen haben alle Banner mitzubringen. Erscheinen aller Genoffinnen und Gcnoffen ist Pflicht. 16. Areis Röpenid. Dienstag, den 10. März, abends 7% Uhr, beginnt in der Dorotheen- Schule in Röpenid, Freiheit, die Arbeitsgemeinschaft des Genoffen Crifpien: Geschichte der politischen Barteien". Der Preis der Sörerkarte beträgt für fünf Abende 1 RM., zu haben bei den Abteilungs leitern des Areifes und am Eingang zum Schulfotal. 17. Areis Lichtenberg. Dienstag, den 3. März( heute), 7% Uhr, in der Bibliothek Weichselftr. 28, 6. Abend über Moderne Probleme des Gozialismus". Heute, Dienstag, den 3. März: 33. Abt. 18 Uhr bei Lonjad, Benmestraße, erscheinen die Funktionäre und Frei habende Genoffen für Mittwoch. 34. Abt. 7 Uhr bei Rosin turze Besprechung der Parteigenossen der Abt. 74. Abt. Zehlendorf. 8 Uhr Funktionärsikung im Parteilobat midlen, Bots damer Str. 25. 108. Abt. Röpenid. 7 Uhr Funktionärfonferenz bei Rabel, Freiheit 5. Junafozialisten. 8 hr in der Hochschule für Bolifit, Schinkelplak 6, fpricht Dr. Adolf Behne über Alte und neue Runft Rußlands( mir Lichtbildern). Gruppe Süben: Die Gruppe beteiligt sich gefchloffen an der Beranstaltung der Internationalen Jugendliga". Bortrag des Genossen Dr. Behne über Runst im neuen Rußland". Treffpunkt 48 Uhr vor der Sochschule für Bolitit, Schinkelplak 6. Gruppe Niederschöneweibe: Das Jugendheim bleibt für Jungsozialisten Heute geschloffen. Nächste Veranstaltung Dienstag, den 10. März. Morgen, Mittwoch, den 4. März: 46. Abt. Die öffentliche Bersammlung muß umständehalber ausfallen. Die Genoffinnen und Genoffen treffen fich nachmittags 1 Uhr pünktlich Schlefifche, Ede Cuornstraße, zum gemeinsamen Abmarsch. Die Bezirksführer faden hierzu ein. 58. Abt. Charlottenburg. Die fällige Funktionärsikung fällt wegen der Trauertundgebung aus und findet Mittwoch, den 11. März, statt. 76. Abt. Dahlem. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch fällt aus. 104. Abt. Rieberschöneweibe. 8 Uhr im Lokal Thiele, Berliner Str. 38, Gigung fämtlicher Funktionäre, besonders auch der Konsumvereinsdelegierten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 44. Abt. Am 25. Februar verstarb Genosse Albert Bangrin, Dres dener Str. 128-129, im 63. Lebensjahre. Einäicherung heute, Dienstag, nachmittag 4% Uhr im Krematorium Baumschulenmeg. 3 Tropfen Kaol Metall- Oel- Politur besser als Putzwasser Leſt ய் Die URANIA Monatsfchrift für Naturerkenntnis und Gesellschaftslehre. Sie bermittelt in für jeden berständlicher Form notwendiges willen. Sie ist das Organ dieses Gebiets aus eigenem Bager. Sorgt für Derbreitung! Jährlich 12 Hefte, reich illuftriert, u. 4 wertvolle Buchbeigaben. Das Mara- Heft erscheint als 3ndien- Gonbernummer" mit hoch intereffanten Ausführungen, u. a. über die Bandhi Bewegung, Sagore, bie soziologischen Verhältnisse in Indien und Europa, Buddhismus und Sozialismus, Saedel in Indien usw. mit reichem Wilberschmud. Urania"-Ausg. A( mit broschierter Buchbeigabe)... bierteljährlich 1.25. Utoria"-Ausg. B( mit geb.Buchbeigabe in Bangleinen) bierteljährl.1.90 me. Su beziehen burch elle Botenfrauen und Ausgabestellen des Vorwärts" fowle dirett vom Borwärts"-Berlag semiblow bea Dienstag 3. März 1925 Unterhaltung und Wissen Weiße Berge. Bon Armin T. Wegner. Hinter Hirschberg wurden die Aecker weiß. Es war sechs Uhr abends, und die engen heißen und verräucherten Wagen dritter und pierter Klasse schüttelten eine ungeordnete Masse in bunte Sweater und Halstücher gehüllter Menschen, Schneeschuhe und Rodelschlitten durcheinander. Von Zeit zu Zeit, wenn der Lichtschein aus den Wagenfenstern über die Straße fiel, glizerte der Schnee hell auf. Alis der Zug hielt, begann eine große Stille um uns laut zu werden. Eine schwarze Winternacht, die Wald und Häufer eng aneinander drängte, ruhte über Krummhübel und schien schwer von Geheimnissen. Nun fingen die Lüfter hinter den hohen Scheiben der Hotels an ihre Lichtarme auszustrecken. Die glatte und steile Hauptstraße war noch von Rodelfahrern belebt. Kleine, geduckte Schlitten jausten an uns vorüber wie flüchtende Hafen, überschlugen sich und rollten weiter. Zuletzt nahm der Wald uns auf, fahle Bäume, schwarze Finger einer verkohlten Hand, die aus dem weißen Laken der Erde griffen. Wir wollten noch in der Nacht auf die Höhe, und schlugen den Weg nach der Hampelbaude ein, während das Rufen der Glockenzeichen und Schlittenfahrer ferner und ferner in der Stille verklang. Von der ersten Holzung aus fonnten wir den Lichtschein der Brinz- Heinrich- Baude erblicken, der langsam durch den Nebel sickernd über den Kamm herabfloß. Es wurde heller, der Mond stand von Nebel bedeckt wie hinter Seidenpapier. Einige Zeit später begannen die Schultern vom Tragen der Schneeschuhe zu schmerzen. Als wir nach furzer Raft aus der Hampelbaude traten, schlug uns der Sturm mit der flachen Hand in das Gesicht. Die hohe Böschung, die dicht hinter der Baude gegen den Kamm ansteigt, war mit Schnee übermeht und völlig vereist. Wir schnallten unsere Schneeschuhe um, flommen in schräger Linie den Abhang hinauf, und erst als wir die Höhe erreichten, wurde der Weg eben. Die Martungsstangen waren mit breiten Eisbüscheln befiedert, und kaum zu erkennen. In den hohlen Eisstücken flirrte der Wind, und zuweilen blieben wir stehen und lauschten, als hätten mir die Stimme von Menschen vernommen. Wieder orgelte der Wind. Allmählich begannen die Schneeschuhe unter unseren Füßen zu gleiten. Das odergelbe Licht aus dem Fenster der Baude drang matt durch das Dunkel; Hunde bellten. In dem Lichtschein rauchte der Nebel, als wüchse seine weite Masse aus diesem kleinen brennenden Fenster des Hauses und erfüllte die unendliche Nacht. Stimmengewirr erflang, als wir den Saal betraten. Es war zwölf Uhr nachts, und alle Räume und Kammern waren bis unter das Dach mit Menschen bepact. So zogen wir in das Massenquartier in der Dependance hinüber, in dem eine Anzahl hölzerne Pritschen cufgebaut war. Ueberall von der Decke hingen Kleidungsstücke herab. Nur vorne am Eingang brannte eine magere Kerze. Die Schlafenden rückten zusammen, bis zwei schmale Plätze frei wurden, und mühsam fauerten wir uns auf die hölzernen Bretter, mie zwei Handwerksburschen unter der fröstelnden Decke liegend. Ohne Aufhören drang durch das Dunkel das Schnarchen eines Touristen an unser Ohr, das laut wie eine Holzmaschine sägte. Je mand donnerte mit der Hand gegen die Bretter. Die Schlafenden fuhren zusammen und eine Weile murde es still. Dann begann das Schnarchen von neuem, langjam und zögernd, immer schneller und haftiger wie eine furzatmige Dampfmaschine, bis ein neuer Schlag gegen die Bretter fuhr. Jemand rief: Bindet ihm doch ein Handtuch unter das Kinn." Und ein anderer:" Eine zu enge Fechtmaste!" Der schmale Lichtschein fladerte und zudte fingernd über die blaffen Gefichter der Liegenden. Erst gegen Morgen schliefen wir ein. Helle Sonne schäumte über den Schnee. Geiergude und Koppe hoben sich golden gegen den blauen Himmel und tausend Kleine Schneehügel gligerten wie die Wellenfämme des Meeres. Karawanen von Schiläufern zogen den Weg nach der Prinz- HeinrichBaude hinüber. An dem Abhang des zugefrorenen Wiesenbaches war eine Sprungschanze errichtet, und das Aufschlagen der Schnee Im Kosakendorf. Bon Magim Gorki. I. Der Wind jagt über die Steppe dahin und prallt gegen die Bergwand des Rautajus, der Bergrüden schwillt und bläht sid) wie ein gewaltiges Segel, und die Erde fliegt pfeifend durch die boden lofen, tiefblauen Gründe und läßt die vom Winde zerriffenen Wol fen hinter sich, deren Schatten über die Erde dahinkriechen und sich an ihr festzuhalten suchen, jedoch immer wieder abgleiten und varob meinen und stöhnen. Die Bäume neigen sich vor, als wenn sie liefen; die Sträucher schütteln sich wie zottige Hunde und breiten sich an der schwarzen Erde hin, die zu rauchen scheint von den aufsteigenden Staubwollen; unaufhörlich erschallt ein trockenes Rauschen, Pfeifen und Heulen, die Störche flappern, die fatten Krähen frächzen, die Steppengrillen zirpen, und über alles hin fönen wie befehlend die lauten Rufe der stämmigen, großgewachsenen Kosaken. Von der fahlen Steppe fliegt goldgelbes Beizenftroh heran, das die Dreschmaschinen zerklopft und zerknüült haben, und auf dem Marktplage der schmuden oſafenftaniza*) tanzen graue Wirbel, fliegen Hühnerfedern, Zwiebels halen und von der Sonnenhize versengte gelbe Blätter empor. Bon der Steppe her nahen endlose Reihen von Wagen mit dem ausgedroschenen Getreide; in dem Staube, der so schwarz und so fett ist wie Ruß, schreiten die fteilhörnigen Zugochfen gefeßt und schwer fällig daher, die runden Augen mit dem Ausdruck der Geduld zu Boden gerichtet; auf dem Wagen liegt ein Kosat, sein Hemd ist grau von Staub, die zottige hohe Müze figt ihm tief im Nacken, das Gesicht ist schwarz gebrannt von der Sonnenglut, die Augen sind rot vom Winde, und der vom Schweiß zufammentlebende, staubbedeckte Bart erscheint wie aus Stein gemeißelt. Ab und zu geht er dem Wagen voran, neben dem Joche her. He!... He!..." ruft er von Zeit zu Zeit den Ochsen zu. Sie haben in diesem Jahre eine gute Ernte, sie sind alle gesund und satt, ihr Blick aber hat etwas Finsteres, und sie sprechen nur ungern, durch die Zähne. Bielleicht sind sie müde von der Arbeit... Ich habe jedoch den Eindruck, daß man in diesem Lande der wohlgenährten Leute nur wenig lacht, und nur selten bekommt man ein Lied zu hören. Mitten im Dorfe ragt der rote Ziegelbau der Kirche mit den fünf Kuppeln und dem Glockenturm über der Vorhalle empor. An der Kirchenmauer, gegen den Wind geschützt, haben sich auf bem trockenen rotbraunen Steppengrafe die Arbeitsuchenden" gelagert. Es sind ihrer an die zwei Duzend, lauter zusammengelaufenes Bolt, Leute von irgenbher, Träumer, die auf einen Glücksfall, ein freundliches Lächeln des Schicksals warten, oder Faulenzer, denen. Staniza Dorf schuhe auf dem hartgefrorenen Schnee gab einen dumpfen Glocken ton, wenn die Läufer hinüberflogen. Die flache Mulde des Kammes, in deren Tiefe die Wiesenbaude liegt, war von springenden Flöhen bedeckt. Alte Damen auf Schneeschuhen watschelten vorüber, schwerfällig gleich alfen Enten. Wir glitten an der steilen Berglehne entlang, die nach den Richterbauden hinüberführt, weiter zwischen den Tannen hindurch, die mit schneeüberladenen Aesten und geborstenen Kronen unter ihrer meißen Last zu ächzen schienen, schneller und schneller, bis der Bald uns aufnahm, und der Schnee unter unseren Füßen zu singen begann. Erst gegen Abend kehrten wir nach der Wiesenbaude zurück. Der Saal war mit bunten Fähnchen behängt, die überfüllten Tische entlang marschierten Galerien leerer Flaschen, auf die brennende Lichter gepfropft waren. Tannenreiser schaufelten von den Lampen herab; ein buntes Mastengewand war über Tische und Bänke gestreut. Die Lagerfeuer wurden entzündet, von allen Tischen qualmten die hohen Schüsseln, und aus den arrafübergossenen Zuckerblöcken der Feuerbowlen zuckten die kleinen Flämmchen. Wir löschten die Lampen aus, überließen uns ganz dem fladernden Schauspiel der Lichter. Ein Zitterschläger spielte die Wachtparade( immer noch). Dann wurde getanzt, bis die Diele unter den harten Tritten nägelbeschlagener Bergschuhe zu erbeben begann. Als es zwölf Uhr schlug, drängte die Masse ins Freie hinaus. Eine tiefe und flare Nacht hob sich über den Bergen, der Mond schien. Ein Norweger fletterte mit seinen Schneeschuhen den Dachgiebel hinauf, und sprang die steile Dachfläche entlanggleitend in die weiße Tiefe hinab. Die Paare tanzten auf der geforenen Schneefläche weiter, und ab und zu versank einer mit leisem Aufschrei bis über die Hüften im Schnee. Wir schnallten noch einmal die Schneeschuhe um und fuhren langsam in die laue Nacht hinaus. Das Lachen der Tanzenden hinter uns klirrte durch die Stille, und Eis und Schnee schienen von den hellen Rufen zu erzittern wie hohles Glas. * Am Abend des dritten Tages in Schreiberhau. Eine weite Fahrt über den Kanım, der mit hohen, eisüberdeckten Buckeln, nur an der Peterbaude von einem tiefen Einschnitt unterbrochen, sich wie der weiße Rücken eines mächtigen Dromedars dahinzieht, hat uns bis an die Josephinenhütte hinuntergeführt. Aber nicht lange leidet Schoß der Berge, der die Stürzenden umfängt, einsame Pfade der es uns im Tal. Die sanft geschwungenen Linien der Höhe, der weiße Holzfäller zwischen den Tannen, sind es, die der Schiläufer sucht. Er liebt den Sturm, der seinen fnatternden Mantel um ihn schlägt, die langen, warmen Abende in den Bauden( dem Rettungsschiff aller geweichten Seiten nächtlich im Bett gelesener Bücher, mit furcht Sturm und Schiffbrüchigen), bei Schach- und Zitterspiel, die auf famen Frauenstimmen im Nebengemach, das Zittern der Bretterwände, wenn der Sturm das neue Jahr mit Els und Hagel über das Dach in das Land wirst, und der Schnee hörbar in unseren Traum fällt. Häuser lagen mit geschlossenen Augen. Nur aus einem breiten Es war noch dunkel, als wir von Schreiberhau aufbrachen. Die. Giebeldache drang einsam ein Lichtschein, wie ein heller Stern, der Vorhängen die glühende Stirn eines Dichters fich in der Morgen über dem Dorfe aufging. Vielleicht hatte hier hinter geschloffenen frühe über weiße Bogen geneigt, und die Bogen schienen unter ihm hinauszuwachsen zu der weiten Schneefläche da draußen, die über die Berge gebreitet lag, und auf der die Gedanken des einsamen Mannes. geschrieben standen in einer großen, wunderlichen Schrift. Wir fuhren mit der Bahn über die Grenze hinüber, und es war schon gegen Abend, als mir die Höhe wieder erreichten. Wir ſtanden, bei den Schneegruben; dichte Wollenmassen breiteten fich in der Höhe des Rammes und deckten die Aussicht. Einen Augenblic teilte fich der Nebel, und mir sahen die Spuren unserer Schneeschuhe den Weg hinunter, den wir gekommen. In schmaler Lmie zogen sie am Abhang fort, und wir konnten die Stürze zählen, die sie unterbrachen. In enger Kurve liefen sie an den blauen Schatten eines Abgrunds vorüber, andere Spuren treuzten sie, und die Fährte der Genossen, die sie begleitet hatten, verlor sich in halber Höhe im Wald. Nun schoben sich die Wolken wieder zusammen, drängten dichter und dichter wie ein Meer, eine weiße Sintflut, die um die Spitzen der die freie Weite des reichen Landes es angetan hat: stille Opfer des russischen Wandertriebes. Sie ziehen in Gruppen von zwei oder drei Mann von einem Kosakendorf zum andern, unter dem Vorwand, daß fie Arbeit suchen", sehen bei der Arbeit wohl zu, munbern fich, daß es soviel Arbeit gibt, legen jedoch nur im äußersten Notfalle selbst mit Hand an, wenn sie ihren Hunger schon gar nicht mehr auf andere Weise, durch Betteln oder Stehlen, stillen können. Morgen ist Mariä Himmelfahrt), das reiche Kosakendorf feiert das firchliche Fest, und nun sind sie von allen Seiten zusammen gelommen, in der Hoffnung, daß der Feiertag fie reichlich mit Speise und Trank versehen wird, ohne Arbeit von ihrer Seite. Sie sind alle richtige Russen, aus den zentralen Gouvernements; die Sonne des Südens, an die sie nicht gewöhnt sind. hat ihre Gefichter schwarz gebrannt, ihr Haar ist in der Sonnenglut verschossen, der Wind zerrt und zaust ihre Lumpen, sie stellen sich alle friedlich und ehrbar, müde von der Arbeit, von den Schlägen des Schicksals, und sind hier nur zusammengekommen, um ein flein wenig auszu ruhen und zu beten. Wenn einer der schwerbeladenen Getreidewagen ächzend und freischend entlang fährt und der ihn lenkende Kojat, einen Strohhalm tauend, an ihnen vorüberschreitet, verneigen fie fich mit zudringlicher Unterwürfigkeit vor ihm, er aber blidt sie geringschäzig von der Seite an, ohne an die Müge zu fassen, oder sieht überhaupt nicht, wie das graue, zerlumpte Rudel fremder Menschen sich vor ihm bückt und frümmt. Tiefer und in gewiffer Weise auffallender als die andern bückt sich vor den Kosaten der„ von der Hungersnot heimgesuchte" Bauer Ronew aus dem Tulaschen, ein hagerer Mensch, versengt wie ein Feuerbrand, mit einem dürftigen schwarzen Bärtchen, das ungepflegt Lächeln in den dunklen, tief in den Höhlen liegenden Augen. aus dem knochigen Gesicht hervorsproßt, und einem freundlichen Ich habe mich diesen Leuten erst heute angeschlossen, Konew jedoch ist mein alter Bekannter; ich bin ihm auf dem Wege von Kurst nach dem Gebiete des Teref mehr als einmal begegnet. Er ist ein Mensch, der gern niit andern zusammen ist, sich in der Kolonne" am wohlften fühlt, hauptsächlich wohl aus angeborener FurchtsamKreise Alerinst liegenden feit. Wo er auch, außerhalb seines irgendwo in dem fandreichen stets führt er dieselben überzeugungsvollen Worte im Munde: Heimatdorfes meilen und wandern mag, „ Gewiß, das Land hier ist reich, aber die Menschen gefallen mir nicht... ganz und gar nicht! In unserer Gegend ist das Volk viel herzlicher, echt ruffisch eben, nicht zu vergleichen mit dem hiesigen! Hier find fie hart wie Rieselstein, nicht für drei Rubel Seele ist zu finden!" In seiner Gesellschaft befinden sich zwei Frauen. Die eine von ihnen mag etwa zwanzig Jahre zählen, sie ist von kleiner, gedrun*) In Rußland ein hoher Feiertag, wird am 15. August a. St. begangen. Beilage des Vorwärts Berge brandete. Einen Augenblick schwebte die Sonne dicht darüber, tauchte zischend in ihre Wellen, übergoß Berge und Wolfenmeer mit roten, gelben, grünen und violetten Tinten, noch einmal schlug eine Feuergarbe empor, dann erlosch alles im Finstern. Plötzlich empfanden wir die Einsamkeit, und die Kälte ließ uns erzittern. Wir wandten uns der Kuppe des hohen Rades zu. Nebel schlug auf unsere Kleider nieder und erstarrte zu Eis. Es begann zu schneien, und der Wind rannte an uns vorüber wie ein betrunkener Straßenpassant und stieß uns in die Seite. Schnee beftäubte unser Gesicht. Wieder begann der Sturm in den hohlen Eisstücken der Markierungsstangen zu orgeln. Wir fuhren immer weiter... weiter in die Nacht hinein. Heilung der englischen Krankheit". In der Regel werden die Kinder mit der Neigung zu geraden und wohlgeformten Gliedern geboren. Wenn soviel Kinder trotzden mit frummen Beinen, mit verkrümmtem Rückgrad, mit deformiertem Schädel und mit zusammengepreßtem Brustkasten, wie ein Bild des und auf dem Lande, zu sehen sind, so liegt es nicht an der OrganiElends in den Straßen der Großstadt, aber auch in der Kleinstadt fation des Körpers oder an irgendeiner Vererbung, sondern an einer ganz bestimmten Krankheit, die sich schon in den ersten Monaten nach der Geburt herauszubilden beginnt. Es ist dies die sogenannte englische Krankheit"( Rachitis). Die Ursachen und der Charakter dieser Krankheit waren bisher noch nicht völlig erforscht. Man glaubte zum Teil, daß sie auf falscher Ernährung des Säuglings zurückzuführen sei oder daß der Mangel an Luft und Licht die Schuld daran trüge. Die Tatsache, daß nicht die Kinder der Reichen, die sicherlich nicht an Unterernährung leiden, nur die Kinder der Armen an dieser Krankheit leiden, sondern auch gab die Veranlassung, daß man nur in einer falschen Ernährungsweise die Krankheit begründet glaubte. Tatsächlich sind die Kinder, die nicht einseitig mit Milch und Eiern ernährt werden, sondern die wechslung der Ernährungsstoffe Plaz griff, von der Rachitis. geheilt. entweder die Muttermilch erhielten oder bei denen eine richtige AbAuch der Aufenthalt in frischer Luft und Sonne konnte das Fortschreiten der englischen Krankheit" hemmen oder sogar den Beginn verhüten. In lezter Zeit wurde sehr viel die Bestrahlung mit Höhen. fonne angewandt, die auch gute Erfolge zu verzeichnen hatte. Ferner fauren Salzen im Blute zurückzuführen ist. Dieser Mangel von wurde festgestellt, daß die Krankheit auf einen Mangel an phosphorPhosphor im Blute verhindert eine reichhaltige Zuführung von Kalf zu den Knochen, wodurch die Knochen sehr lange weich bleiben. zur Biegung des Rückgrades und anderen schweren Mißbildungen Dadurch sind sie zu Berkrümmungen, zu Bildung von O- Bemen, geneigt. In der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglingsterblichkeit" wurde festgestellt, daß mangelhafter Stoffwechsel die Schuld an der englischen Krankheit" trüge. Die Haut des Menschen ist der wesentlichste Faktor des Stoffwechsels, da die in der Haut des Stoffwechsels veranlaßt werden. Auf diesem Prinzip beruht mündenden Nervenenden durch bestimmte Reize zu einer Aenderung auch die wohltätige Wirkung der Bäder, die nicht nur durch ihren Stoffwechsels hervorrufen, wie sie jeder an sich durch ein großes Salzgehalt fräftigen, sondern auch wesentliche Veränderungen des Frischgefühl und eine star? gesteigerte Eslust an der See bereits erlebt haben wird. In richtiger Ahnung der inneren Zusammenhänge hat man auch schon bis jetzt rachitische Kinder in Salzmaffer gebadet, um den Stoffwechsel zu beleben, den Körper zu fräftigen. Es war nun notwendig, ein Mittel zu finden, durch das der Phosphorstoffwechsel im menschlichen Körper, besonders im Körper des Kindes beeinflußt wird. " Dazu find Salten vermendet worden, die Eierstock und Gchurnanhangs- Substanz enthalten, also Säfte aus Drüfen des menschlichen Körpers, durch die der Stoffwechsel im menschlichen Körper geregelt wird. In der Reichsanstalt" wurde durch Eintelben mit diesen Salben eine starke Berbefferung der Rachitis erzielt, da dadurch der Phosphorgehalt im Blut gesteigert wurde und die schädigende Säureausscheidung im Harn zurückging. Durch diese Verbesserung des Stoffwechsels ist eine stärkere Zufuhr von Kalk zu den Knochen erzielt worden, die von selbst ein Ende der Uebelstände, also eine gener Gestalt, hat gläserne Augen, und ihr Mund ist immer halb geöffnet. Ihr Gesicht hat einen einfältigen Ausdruck: der untere Teil, mit den sichtbaren Zähnen, scheint zu lachen- blickt man dagegen in die unbeweglichen Augen unter der niedrigen Stirn, so glaubt man, daß sie jeden Augenblick in ein erschrockenes Weinen und Kreischen ausbrechen wird, als sei sie in Krämpfe verfallen. Mit fremden Leuten hat er mich hierhergehen heißen," flagt fie im Baß, während sie mit dem kurzen Finger ihr ausgebleichtes Haar unter das grüngelbe Kopftuch steckt. Ein junger Bursche mit dicem Gesicht, vorspringenden Backenfnochen und kleinen Mongolenaugen stößt sie mit dem Ellbogen in die Seite und sagt mit träger, heiserer Stimme: ,, Er hat dich eben laufen lassen, was sollt' er auch mit dir anfangen?" Ja- a," sagte Konem gedehnt, in nachdenklichem Ton, während er in seinem Bündel framt, Beiber fann man jetzt sehr leicht loswerden. Sind überhaupt in diesem Jahre sehr billig, gar nichts foften fie..." " Die Frau runzelt die Stirn, Hlinzelt erschrocken und verzicht den Mund; ihre Freundin aber jagt fed und scharf: " So hör' doch nicht auf die frechen Kerle..." Sie ist etwa fünf Jahre älter als die andere und hat ein nicht alltägliches Gesicht: die großen, dunklen Augen spielen in einem und wechseln fast jeden Augenblick den Ausdruck, bald blicken sie scharf und ernst irgendwohin die Dorfstraße entlang, in die Steppe, wo der Wind dahinfegt, bald beginnen sie plöglich voll Haft irgend etwas in den Gefichtern der Umstehenden zu suchen, blinzeln dann unruhig, während ein Lächeln um die hübschen Lippen huscht, und nachdem sie für einen Augenblick den Kopf gesenkt und das Geficht versteckt hat, legt sie, es wieder emporhebend, in ihre Augen etwas völlig Neues: fie find weit geöffnet und blicken zornig drein, zwischen den feinen Brauen liegt eine herbe Falte, die vertrockneten Lippen des regelmäßig geformten Mundes find fest und trozzig aufeinandergepreßt, und mit den feinen Nüstern der geraden Naje zieht sie ge= räuschvoll, wie ein Pfen, die Luft ein. Man spürt aus ihrem Wesen etwas Nichtbäuerisches heraus: unter dem blauen Rocke gucken, wie sie da im Grase sitzt, die riffigen nackten Fußsohlen hervor das sind keine breiten, flachen Dorffüße, das hohe Fußblatt fäßt vielmehr darauf schießen, daß sie an das Tragen von Schuhen gewöhnt waren. Sie bessert eine blaue, weißpunktierte Jacke aus, und man sieht, daß ihr der Gebrauch der Nadel nicht fremd ist: die sonnverbrannten fleinen Hände hantieren rajch und geschickt an dem zerknüllten Stoffe herum. Bergeblich sucht der Wind ihren Händen die Näharbeit zu entreißen. Gie jigt mit porgeneigtem Oberkörper da, und durch einen Riß in dem Leinwand hemd sehe ich den festen, kleinen Busen, den Busen eines Mädchens, aber die vorragende Brustwarze verrät, daß die Frau da vor mir bereits ein Kind genährt hat. Mitten unter diesen Menschen kommt sie mir vor wie ein Stück Kupfer in einem Haufen verrosteten alten Eifens. ( Fortsegung folgt.) tinische Heilung der Rachitis bedeuten. Diese Präparate find bereits der Allgemeinheit zugänglich, so daß diefe furchtbare Krankheit, die große Teile des Boltes verheert, voraussichtlich ihrem Ende entgegen geht. Wie bei allen neuen Heilungsmethoden ist natürlich auch hier erft der Weitererfolg in längeren Zeiträumen abzuwarten. Aber auch die bisherigen Ergebnisse erscheinen recht günstig. Die Tierwelt des Suezkanals. Eme biologische Expedition der Universität Cambridge hat in den letzten Monaten das Tierleben im Suezkanal eingehend studiert und wichtige Ergebnisse gewonnen. Das Problemi, das es zu unter: fuchen galt, ist recht interessant. Der Kanal, er 168 Kilometer lang ist, verbindet zwei Meere miteinander, deren Tierwelt ganz verschieden ist. In vorgeschichtlichen Zeiten verband eine Wasserstraße beide Meere, aber später verschlammte dieje. In der Zeit der Pharaonen dehnte sich noch ein Arm des Roten Meeres 60 Kilometer nördlich von Suez aus, und über den nördlichen Teil dieses Meeresarmes find wahrscheinlich die Ifraeliten zur Zeit der Ebbe geflohen. Die Pharaonen erbauten einen Schiffstanal von diesem Arm nach einem Teil des Niltales, so daß eine Berbindung zu Wasser zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer bestand; später wurde diejer Kanal aufgegeben und trodnete aus, aber noch zu den Beiten der Eroberung durch Napoleon I. wurden verschiedene Fischarten des Mittelländischen Meeres im Golf von Suez gefunden, und ste müssen auf einem diefer alten Wafferwege nach Süden gewandert sein. Seit der Erbauung des gegenwärtigen Guestanals find viele Arten von Getteren durch den Kanal aus dem einen Meer in das andere gekommen. In der Mitte des Kanals liegen die sogenannten Bitteren Seen", deren Waffer fehr viel falziger ift als das des Meeres. Diefer hohe Salzgehalt rührt von einem Salzlager auf dem Boden der„ Bitteren Seen" her, das gebildet wurde, als das frühere nördlichste Ende des Roten Reeres austrodnete. Man hatte nun bisher angenommen, daß dieses überaus jalzige Wasser eine Schranke bilden würde, über die die meisten Seetiere, die durch den Kanal BY | "\ schwimmen, nicht herausfommen. Zu ihrer Ueberraschung fanden aber die Cambridger Biologen in den Wassern der Bitteren Seen" eine reichere Tierwelt, als sie fich in beiden Meeren an den Enden des Kanals vorfindet. Die Meertiere waren in diesem Salzwasser nicht nur zahlreicher, sondern viele Tierarten erreichten auch einen größeren Umfang, besonders einige Seewürmer, Seebarben und Seezungen. Die Seezungen in den Bitteren Seen" find besonders schmackhaft und werden von den Fischern gern gefangen. Die Expedition sammelte alle Seetiere und Seegräfer an einer großen Anzahl von Stationen des Kanals und der Seen und fonnte eine Karte von dem Boden des Suezkanals entwerfen. Es wurden auch chemische Studien mit dem Wasser angestellt, und man unterfuchte den schwarzen, schlechtriechenden, schleimigen Schlamm auf dem Boden der Bitteren Geen", der voll von Batterien ist. Bei den blutroten salzigen Teichen in der Wüste zu beiden Seiten des Kanals stellte man fest, daß die rote Farbe von einer nur mit dem Mikroskop erkennbaren Pflanze herrührt. Wahlplatate und Straßenreklame im Klaffischen Altertum. Deutschland hat während der jüngsten Reichstagswahlen zum ersten mal eine Wahlpropaganda großen Stils mit farbigen Bildplataten, Straßenaufzügen und Trompetenfignalen Pennengelernt. Die Bropaganda der Parteien für ihre Kandidaten wurde diesmal in einem Umfang und in einer Ausdehnung durchgeführt, wie sie bisher nur vom Hörenjagen aus Amerifa befannt war. Gar mancher ehrsame Spießbürger, der mit Kopfschütteln diese ungewohnten Borgänge erlebte, wäre recht erstaunt, zu hören, daß bereits vor 2000 Jahren folche Wahlpropaganda nichts Ungewohntes war. Die Reflame, in jeder Form, ist durchaus nicht ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die jüngsten Ausgrabungen in Bompeji jener römischen Landstadt, die im Jahre 79 n. Chr. durch einen Ausbruch des Befuos verschüttet wurde liefern neue Belege für diese Tatsache. In älterer Zeit rühmte man den Kandidaten bei den Römern einfach als: quten Mann". Später fegte man gern hinzu:„ würdig des öffentlichen Amtes" oder sonst eine hochtrabende Empfehlung, etwa:„ Solche Knaben- Woche! Billige Preise zur Einschulung. Gr. 0-6, sehr Manchester- Schulanzug haltbar, Sportform, in brauner und grauer Farbe. verschiedene Farben, Matrosen- Anzüge Größe 0-7, M. 13.50, Kottbuser Fabrikat, 13.Verkäufe Raumann- Rähmaschinen für Sausge | -M Männer sollten fiets in ber Rolonie leben". Ungemein zeitgemäß flingt es, wenn ein Kandidat die Empfehlung mitbekommt: ,, Diefer Mann wird den Daumen auf den Stadtfädel halten." Man verstand es auch recht gut, den politischen Gegner dem öffentlichen Gelächter preiszugeben mit dem beziehungsreichen Hinweis: Bum Bolizei Auch die bireftor erbitten den Batinius die Spikbuben. faschistische Bedrohung, allerdings in recht amüsanter Form, scheint nicht unbekannt gewesen zu sein: ,, Wer dem Quinftius feine Stimme versagt, soll auf dem Efel reiten." Wenn die oftelbischen Grundbefizer heutzutage die Wähler durch Freibier, Musik und Tanzvergnügen zu födern suchen, so gewann man damals die Gunst der Menge durch Tierheßen und Fechterspiele. Da liest man in großen Lettern Anfündigungen wie: Bon Alleius Nigidus Daius Quin quennal( Titel des Kandidaten) werden ohne irgendwelchen Aufchub zwanzig Fechterpaare und ihre Erfahmänner in Bompeji fämpfen." Auch die Geschäftsreflame war den Pompe janern nicht unbekannt. Wie heute jebe Druckerei den fleinsten Auftrag bazu benuẞt, um für sich selbst wenn auch nur durch FirmenBermert Refiame au machen, so vergaßen die Plakatmaler der alten Zeit nie, ihre Tüchtigkeit anzupreisen. Aemilius Celer hats gemalt, ganz allein, im Mondenschein", das heißt ohne die übliche breifache Hilfe des Laternenträgers, bes Grundierers, der die weiße Tünche auftrung und des Leiterhalters. Neidische Konkurrenz hielt man fich durch Berwünschung vom Leib: Krantheit über dich, wenn Die Liebeserklärung und der du mein Wert neidisch verdirbst. Heiratsantrag im Inferat war vor 2000 Jahren nicht minder beliebt als heute. Rur benußte man dazu, da es noch feine gedruckten Nachrichtenblätter gab, die Blakatfäule oder wand. Liebe des Bolkes fehre bald zurüd! Sehnsucht der Mädchen! Bierbe der Mädchen! Arzt der Mädchen!" Das galt ben Gladiatoren, jenen mustelftarten, schöngewachsenen Zirfusfechtern, die Abend für Abend unter dem Beifall der Menge ihr Leben aufs Spiel sehen mußten. Büfe 3ungen behaupten, daß die Bergötterung der modernen Fauftkämpfer und Rennfahrer durch das schönere Geschlecht beweise, daß wir um nichts flüger und gefitteter geworden seien. " Batentmatragen, Kufiegematragen, Fahrrad- Groß- Sandlung, Baldemar, Metallbetten, Chaiselongues. Walter, Ede Bidlerstraße. Riefenlager. Quali tätsmare. Spottpreise, fachmännische Starnarherftrase achtzehn. Metallbetten 19.00, Meffingbetten, Bebienung. Teilzahlung, Wenger brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re- Rinderbetten. paratur- Werkstatt für alle Enfteme Auguststraße 26. Emil Salbarth 6. m. b. S., Friedrich trake 55a. Merkur 6268. 4 Garten:: Laube:: Balkon Teilzahlung. Möbel jeder Art. Ge Gemüsefamen, Düngemittel, Bauinringe Anzahlung, bequeme baahlung. pfähle, Bogelfutter. Samenhandlung Teppiche, Diwandeden, Tischbeeten, öbelhaus Buifenftabt, Röpenider Ganermann, Charlottenburg, Berliner5845* Bettvorleger, Läuferstoffe, prachtvolle ftraße 77/78, Ede Bridenstraße. ftraße 107. Breislisten frei. 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