Nr. 106 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 54 Bezugsvrets: Böchentlich 70 Bfennig, monatit 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Sied. Lung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 70 Bfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 20 Pfennig ( zuläffa amei fettgedruckte Borte), jebes weitere Bort 10 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Bort 10 Bfennig. jebes meitere Wort 5 Bfennig. Borte über 15 Buche ftaben zählen für amet Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Bferinig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SB 68, Linden ftraße 3, abgegeben werben. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nahm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redation: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 4. März 1925 Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Voftichecktonto: Berlin 37586- Banffonto: Direktion ber Diekonto- Gesellschaft, Debofitentaffe Lindenstraße 3 Friedrich Eberts letzte Fahrt. Letzte Fahrt! Friedrich Ebert zum Gedächtnis. Bon Hermann Müller- Franken. Heute tritt Friedrich Ebert von Berlin aus seine Fahrt nach Heidelberg an, der Stadt seiner Geburt. In seiner Heimat hoffte er einmal Tage der Ruhe zu verleben. Ein hartes Schicksal gönnte ihm aber keine Ruhe. Er starb in Sen Sielen. An sich ein schöner Tod für einen waderen Mann, der im Leben die Pflicht gegen andere, den Dienst am Bolte über alles gestellt hat. Aber der Tod kam für diesen unermüdlichen Arbeiter viel zu früh. Was hätte der 54 jährige seinem Lande noch leisten können, wenn eine tüdische Krantheit nicht all feine Kraft in wenigen Tagen verzehrt hätte? Wir haben wahrlich feinen Ueberfluß an staatsmännischen Begabungen. lind wo folche vorhanden sind, fönnen fie fich nicht so leicht entfalten, wie z. B. in dem glücklicheren Eng land mit seiner jahrhundertelangen parlamentarischen Tra dition. Friedrich Ebert war bei aller sachlichen Tüchtigkeit fein Leben lang ein Muster von Zurückhaltung und Bescheidenheit. Trotzdem ging fein Werden in gerader Linie von unten auf bis zur höchften Stelle im Reich! Dabei hat sich Friedrich Ebert nie in seinem Leben zu einem Amt ge drängt. Auf dem Jenenser Parteitag von 1905 hat er fein Wort geredet. Auch ohne ,, Kandidatenrede" wurde er in den Parteivorstand gewählt. Er war mehr als 40 Jahre alt, als er feinen Einzug in den Deutschen Reichstag hielt. Als Prinz Mar von Baden im Oktober 1918 ihn dringend bat, in sein Rabinett einzutreten, lehnte er persönlich ab, trotzdem er damals der wärmste Befürworter der Beteiligung unserer Partei an der Regierung war, weil er noch ein leise Hoffnung hatte, daß eine auf die Parlamentsmehrheit gestüßte Regierung einen wirklichen Wilson- Frieden, der auch den Deut fchen das Recht der Selbbestimmung gewährte, erhalten fönnte, anstatt des Gewaltvertrags von Versailles. Als dann der militärische Zusammenbruch, tam und der letzte Kanzler Wilhelms II. ihm die Führung der Geschäfte des Reichs über gab, da gab es nur eine Stimme, und die sagte, daß Friedrich Ebert das Zeug dazu habe, den deutschen Staat und die deutsche Wirtschaft vor der völligen Berrüttung zu bewahren. Er hat sich damals durchgesetzt. Er ordnete alles einem Ziele unter: Die Wahlen zur deutschen Nationalverfammlung zu sichern und in dieser die neue republikanische Berfaffung zu schaffen. In Abstammung, Wesen und Dentart Lassalle ganz unähnlich, hat er doch dessen Lehre gemäß in schwerster Zeit, von außen und innen durch Tausenderlei gehemmt, alles auf einen Bunft fonzentriert und er hatte damit Erfolg. Warum irrte er aber in jener Zeit feinen Augenblid ab, als es galt, neue Wege zu gehen, um unserem geliebten Vaterland die Weiteregistenz zu sichern? Weil er bemo fratischer Gozialist war. Durch Demokratie zum Sozialismus, das war ihm Weg und Ziel. Die Politik mar ihm niemals Mittel zur Befriedigung persönlichen Ehrgeizes. Seit er sich als junger Sattlergeselle der sozialdemokratischen Bewegung angeschlossen hatte, arbeitete er ununterbrochen an feiner Weiterbildung. So wurde ihm die Lehre unserer großen Meister sicherer Besitz. Als in den letzten Wochen des Jahres 1918 und den ersten des Jahres 1919 Stürme tobten, die das Staatsschiff in den Abgrund zu reißen und das Leben des Steuermanns in Gefahr zu bringen drohten, da verlor er nie die Ruhe. Seine Selbstsicherheit war der Kompaß, der das Schiff schließlich doch an allen Klippen vorbeiführte. Deshalb wird der Name Friedrich Ebert in der Geschichte der Begründung unserer jungen deutschen Republit, für emige Zeiten an erster Stelle genannt werden. Gewiß, nicht er allein hat den Boltsstaat aus dem fozialistische Gegenwartsprogramm in die rauhe Wirklichkeit der Nachkriegszeit übergeführt. Wenn dieses Wert gelang, so deshalb, weil Friedrich Ebert den Dingen auf den Grund und den Menschen ins Herz zu sehen die Gabe hatte. Deshalb war es für alle ein großes Glüd, die sich seine Freunde und Mit arbeiter heißen durften. Seitdem Friedrich Erbert an der Spike des Reiches stand, war er ganz Diener des Staates. Die Partei hatte thren besten Mann dem Staate gegeben. Deshalb, Freunde, und würde längst in die Klinit gegangen sein," fagte er mit Bitter. teit, wenn der elende Prozeß mich hier nicht noch festhielte. Da hat man nun wieder ein Subjekt als Zeugen aufgetrieben, das das unglaublichste Zeug über mich befunden will. Wie die Dinge bei den Gerichten und in der Deffentlichkeit nun einmal liegen, unterziehen. Dann aber gehe ich weg." tann ich nicht umhin, mich auch noch darüber einer Vernehmung zu dürft ihr heute nicht traurig sein, wenn der uns allen teure| nate seelisch und körperlich frank gemacht hatten. Ich leide sehr Tote nicht nach den Gebräuchen der Partei seine letzte Fahrt antritt, wie weiland August Bebel in Zürich. Wenn Bebel Eberts Aufstieg hätte erleben fönnen, er, dem Weltkrieg und Zerrissenheit der Arbeiterbewegung zu schauen erspart blieb, Nachfolger wurde. wäre er sicher stolz darauf gewesen, daß Friedrich Ebert sein Internationale noch erlebt hat, wie Friedrich Ebert sechs Jahre Wer von den Alten der sozialistischen lang in schwerster Zeit sein hohes Amt ausfüllte, ohne mit den Idealen seiner politischen Frühzeit in Ronfiift zu kommen, hat feinem Wirken die größte Anerkennung gezollt. In wie warmen Worten hat mir das mehr als einmal Hjalmar Branting gesagt, der nun seit Sonntag auch von heißen Kämpfen in fühler Erde ausruht. Friedrich Ebert gehörte seit 1919 nicht mehr allein der Bartei. Ja, nicht mehr allein dem deutschen Volke. Wenn Deutschland in der fiebrigen Nachkriegszeit von mehr als einer Krise geschüttelt wurde, dann war Friedrich Ebert der ruhende Bol in der Flucht der Erscheinungen. Auf ihn sah Europa, sah die Welt. Deshalb die Anteilnahme des Auslands an unserer Trauer weit über die Parteitreise hinaus. Deshalb auch vielfach Besorgnis. Friedrich Ebert war ein starter Faktor für die erfehnte Befriedung der Welt. Wären die Gewaltigen in fremden Landen, die einst mit uns im Kriege standen, seiner Politit mehr und rechtzeitig entgegen gefommen, es stünde heute nicht nur um Deutschland, sondern um Europa besser. Wer wie ich in meiner Amtszeit und auch nachher Gelegenheit hatte, Urteile vieler fremder Gesandten über Wesen und Wirten Friedrich Eberts fennen zu lernen, durfte sich jedesmal freuen über das Lob, das diese weltgewandten Diplo maten aus aller Herren Länder diefem schlichten Mann aus dem Bolte, der feine fremde Sprache sprach, aus innerer Ueberzeugung spendeten, weil sie seine Tüchtigkeit erkannten. Wer ihm näher trat, merkte bald, daß Friedrich Ebert ein Charatter war. Und das bedeutet mehr für den wahren Staatsmann als alle Eramina der Welt, mehr als das größte einseitige Fachwissen, mehr als blendende Rednergabe. Seinen Charakter aber hat Friedrich Ebert ge stählt im Dienst der sozialdemokratischen Partei. Als er 1912 in den Reichstag eintrat, hatte er nicht nur in sieben Jahren der Tätigkeit im Parteivorstand, noch mit Auer, Bebel und Singer, in organisatorischer und politischer Wirksamkeit die Feuerprobe bestanden, sondern er hatte bereits in den Jahren vorher in der Bremer Bürgerschaft gezeigt, daß Politik treiben doch noch mehr ist als agitieren und organifieren, so notwendig auch beides für jede Partei ift. Eberts Wirken im Parteivorstand selbst zu schildern, wird mir noch an anderer Stelle Gelegenheit gegeben sein. Uns Kollegen aus der Parteileitung war er stets der beste Kamerad. Er blieb das bis an sein tragisches Ende. Was uns, die wir ihm in guten und bösen Tagen nahe standen, so schmerzlich berührt, das muß gejagt werden, obwohl ja alles Klagen nichts nügt und Klagen schließlich auch nicht in seinem Sinne liegt das ist, daß thn die tödliche Krankheit so jäh aufs Lager warf, und daß er, der dem von Parteileidenschaft zerriffenen Bolte sein Letztes gab, bei Lebzeiten nicht überall die Anerkennung fand, die er so sehr verdient hat. Doch über ihn wird in ruhigeren Zeiten die Gefchichte ihr Urteil sprechen. Ihr Spruch ist uns nicht zweifelhaft. Sein Name wird einst unter den großen Deutschen ge nannt werden. Bir Sozialdemokraten aber find stolz darauf, daß wir Friedrich Ebert vom Anfang feines politischen Birkens an bis an sein viel zu frühes Ende zu den Unseren zählen durften. Am Sarg des Freundes. Bon Otto Braun Heute ftand ich an feinem Sarge. Im selben Raume, in dem er mir noch wenige Tage, bevor er ihn zum letzten Male verließ, gegenüberfaß. Er beneidete mich, daß ich der Bürde meines Amies ledig geworden, menn auch die Sorge um die weitere Entwicklung unseres staatlichen Lebens unfer Gespräch erfüllte. Er gab der tiefen Sehnsucht nach Ruhe und nach Befreiung aus der Gebundenheit seines Amtes fo beredten Ausdrud, daß mir mit erschredender Klarheit offenbar wurde, wie ihn, der sonst nur die Pflichten seines hohen Umtes fannte, die letzten Wochen und MoZu spät, das Schicksal hat es anders gewollt. Ich stehe mun vor dem einfachen Eichenschrein, der den toten Freund und Kameraden birgt. Hier an seiner Arbeitsstätte, wo er als erster Prästdent der deutschen Republif für Volf und Vaterland fo Großes geleistet, so viel Gutes gestiftet und bis zum Zusammenbrechen gemirkt hat. Ein leuchtendes Vorbild republitanischer Tugend und Pflichterfüllung. Wenn erst die Miasmen der Schmähung und Berleumdung, die jeßt unser öffentliches Leben verpeften, dem frischen Windstoß eines gefunden Boltsempfindens gewichen sein werden, wird auch das Birken Friz Eberts, dieses aus dem Arbeiterstande hervorgegangenen ersten Staatsmannes des republikanischen Deutschlands, die verdiente Würdigung erfahren. Doch diese Zeilen sollen mehr dem Freund und Arbeitstollegen, dem Menschen Frik Ebert gelten, mit dem mich jahrelange Rameradschaft im engeren Wirkungstreise verbunden hat. Mit Recht wird als hervorstechendster Zug des Berstorbenen fein ausgleichendes Bejen, sein Sinn für die Realitäten des politischen und wirtschaftlichen Lebens betont. In schwierigsten Situationen, deren es im Leben der Partei wie im parlamentari schen Leben oft so viele gab, hat Ebert stets mit Ausdauer und Geschid nach einem Ausweg gesucht und ihn auch meist gefunden. Das Ganze zufammenhalten, das war sein Ziel, dem machte er auch oft die Konzession eines Kompromisses, die ihm sonst innerlich zurrider war. Denn Ebert war in seinem Grundwesen teine weiche Rompromißnatur. Im Gegenteil, er war ein Mann festen Willens und starten Wollens. Wo es die Sache erheischte, wußte er sich auch mit rücksichtsloser Energie durchzusehen. Er war eine Führer natur im besten Sinne des Wortes; er vereinigte wie faum einer Klugheit in der Taftit und Festigkeit in der Sache. Als Mensch war er eine heitere Natur, liebte Geselligkeit, natürliche Fröhlichkeit und gesunden Humor und hatte ein tiefes Berständnis für volkstümliche Bräuche und leberlieferungen. Schmere Tage, aber auch frohe Stunden haben wir miteinander verlebt. Nun ist alles aus. Hier an der Stätte, wo ich ihm zum legten Male die Hand gedrückt, steht ein talter Sarg, und meine Gedanken schweifen wieder zurüd zu der Stunde des Ab. fchieds. Er sprach damals mit einer Behmut, die ich heute erst voll begreife. Als ob die Borahmung feines herben Geschicks bereits ihre Schatten auf ihn sentte! Wir sprachen über die für den Sommer bevorstehende Präfi dentenwahl und waren einig darin, daß dem Ziel, die Wahl eines zuverlässigen Republikaners zu sichern, alle anderen Erwägungen untergeordnet werden müßten. Beim Abschied bat er mich dann inständigst:„ Otto, tue mir den Gefallen und wirke bei unseren Parteifreunden dafür, daß sie nicht auf meine Kandidatur bestehen, ich fühle mich so tranf und sehne mich nach Ruhe." Die Ruhe hast, du nun gefunden, toter Freund, schneller und gewünscht haben! anders als du, deine Lieben und wir alle es uns gedacht und Dem schleichenden Gift der Niedertracht und Berleumdung, das jetzt unser Volk vergiftet, für das du gelebt, gekämpft und gelitten haft, bist du zum Opfer gefallen. Ich hatt' einen Kameraden... Abschied von Friedrich Ebert. Bon Otto Landsberg. In der Stunde des Abschieds steigen die Erinnerungen auf. Meine Lebenserfahrungen haben mich zu der Erkenntnis gebracht, daß fein Mensch ganz flug, aber auch keiner völlig dumm ist. Ich ziehe daraus den Schluß, daß ich auf feinen herabsehe, aber auch feinen bewundere. Nur vor einem Manne habe ich mich innerlich verneigt: vor Friedrich Ebert. Sein scharfer Verstand, der ihn befähigte, stets den Kern der Sache zu erfassen, die ihm eigene Kunst, Menschen, einzelne, mie Massen zu behandeln, die Gewandtheit, mit der er die schwierigsten Verhandlungen zu leiten und zu dem von ihm für richtig gehaltenen Ziele zu führen wußte, alle diese Eigenschaften haben mir in gleicher Weise Berehrung ein geflößt für das Bolt, deffen Befen er treu widerspiegelte, wie| der Tiefe des deutschen Boltes war der Mann für den Mann, der hervorragte über alle anderen, denen ich begegnet bin. Die Belenner der demokratischen Weltanschauung fönnen mit Stolz auf Friedrich Ebert hinweisen, menn sie an einem Beispiel die tulturfördernde Kraft der Demokratie dartun mollen. Nicht der Staat hat die in ihm schlummernde Begabung geweckt. Hätte Friedrich Ebert fich mit dem Maße von Bildung begnügen müssen, das ihm die Schule vermittelt hatte, er hätte nichts anderes als ein tüchtiger Handwerksmeister werden können, der nach außen nichts bewegt hätte. Die Arbeiterbewegung, die die Keimzelle der deutschen Demokratie ist, lehrte ihn anderes. Sie zeigte ihm das Ziel der menschlichen Entwicklung, und sie unterwies ihn im Gebrauch der Waffen, die er im Kampfe für die erhabensten Ideale so meisterlich zu üben lernte. Ich tam mit Ebert zuerst in nähere Berührung, nachdem ich im Jahre 1912 mein erstes Reichstagsmandat erhalten hatte. Er gehörte in der Fraftion nicht zu den Vielrednern. Seine Bescheidenheit. die Neigung zum 3weifel an seiner Berufenheit, die ihn nie verließ, verbot es ihm, bei aller und jeder Gelegenheit hervorzutreten. Aber wenn er in die Be ratung der Fraktion eingriff, stand ich stets unter dem Eindrud: das ist der geborene Führer. Niemais suchte er das nächste Ziel jenseits der Grenze der Erreichbarkeit, immer gab ihm seine genaue, geradezu künstlerische Fähigkeit, sich in Die Geele derer zu versenken, die er zuni Handeln bewegen wollte, die richtigen Mittel in die Hand, von der Güte feines Rates zu überzeugen. Und was noch fehlte, ergänzte seine munderbare Redegabe. Er sprach schmudlos, er wollte nie durch Worte erdrücken. Sein Wille war, zu überzeugen. Und die fristallene Klarheit, die unerbittliche Folgerichtigkeit feiner Säge erfocht glänzende Siege. Jeder fühlte, daß in diesem Manne großes Können, feinste Berechnung, Liebe zu den Menschen und kräftigster Wille sich vereinten. Zu den beneidenswerten Menschen, die die ganze Kriegszeit hindurch nicht einen Augenblick die Gefahr erkannten, die unserem Lande drohte, denen die Eroberung jedes Stückes Schüßen graben die Bürgschaft für den Endsieg gewährte, hat Ebert nie gehört. Von Ausbruch des Krieges an war ihm flar, daß ein von der Hochstraße der Nationen abgeschnittenes, vom Hunger bedrohtes Land, an die Niederwerfung fast der ganzen Welt nicht denfen fonnte. Er erkannte und sprach es immer mieder aus, daß das Interesse des deutschen Bolkes, darin folidarisch mit dem auch der feindlichen Menschheit und den der Menschlichkeit, den Abschluß eines Berständigungsfriedens erheifchte. Wer wünschte heute nicht, daß Eberts jozialdemokratische Politit sich gegen diejenige größenwahnfirinig gewordener Kadetten oder diejenige von Staatslenkern, an denen Kautschutmänner verlorengegangen waren, durchgefeßt hätte! Der ehemalige Sattletgeselle hatte eine flarere politische Einsicht gezeigt, als alle getrönten und ungefrönten Fachmänher. Wenn die Revolution fast ohne Blutvergießen fiegen fonnte, fo lag dies in erster Reihe daran, daß der Gang der Dinge, die Unmöglichheit des herrschenden Systems für jedermann flar gemacht hatte. Die gestürzten Machthaber hinterließen ihren Nachfolgern ein böses Erbteil. Ich wäre bereit, jede Beriode meines DaJeins noch einmal zu burchleben, nur nicht die meiner Tätigkeit als Boltsbeauftragter. Ein ganzes Bolt jah fich plötzlich am Rande eines tiefen Abgrundes, nachdem ihm Jahre hindurch offizielle Lügenfabrikanten weisgemacht hatten, daß es nur eine fütze Spanne Weges noch von dem ersehnten ehrenvollen Frieden entfernt sei. Berzweiflung und grenzenlofes Miß trauen bemächtigten sich der Massen. Dazu tamen Ent. behrung und Hunger. Der Magen war leer und des halb die Dentfähigkeit geschwächt. Not und Gefahr erzeugten ni das Bedürfnis nach Zusammenschluß, nein, fast überall traten gefährliche Propheten der Spaltung auf, die das Ganze preisgeben wollten, um nur ein enges Gebiet zu retten. In 23anern fegte eine lebhafte Agitation für die Abtrennung des Südens vom Reiche ein. Am Rhein tauchten separatistische Tendenzen auf. In den Köpfen o ft preußischer Granden sputte der Gebante der Gründung einer oftdeutschen Republik. Die polnische Bevölkerung in den gemischt Iprachigen Gebieten schickte fich an, noch vor dem Friedensschluß die preußische Herrschaft abzuwerfen. In Oberschlesien fand eine autonomistische Bartei Bulauf, zu deren Bekämpfung man im übrigen Schlesien eine gesamtschlesifche selbständige Republik zu errichten trachtete. Und in Berlin gehörten Parabellumpistolen und Handgranaten zu ten bevorzugten Ausrüstungsgegenständen dummer Jungen, die mur sehr oft über die Jahre der Pubertät seit langem hinaus maren. Die Gebäude der Reichsämter ersetzten die fehlenden Schießfcheiben. Und wir sechs Boltsbeauftragten waren ohne einen Schatten von Macht. Das heißt, wir hatten wohl die Als wir den Matrosen, die sich im Schloß eingenistet hatten, die Staatsgewalt im Befib, nur bestand leider feine Staatsgewalt Auszahlung des Soldes verweigerten, um sie zum Abzug zu bewegen, verhafteten fie unter Führung des ehemaligen Leutnants Dorenbach eines Nachmittags Ebert und mich in der Reichstanzlei. Jeder Tag brachte Hiobsposten. Eine geordnete Berwaltung der deutschen Konkursmaffe erwies sich als unmöglich. aufgestiegen, der in der Stunde seiner größten Gefahr sein Retter wurde. Ich wünschte, Friedrich Ebert hätte etwas mehr Stolz über seine geschichtliche Leistung empfunden. Er hätte sich dann leicht darüber hinweggelegt, daß niedrige Bosheit, die durch nichts als ein gut Teil mit ihr verbundener Dummheit entschuldigt wurde, ihm der Borwurf des juristischen Landesverrats anzuhängen unternahm. Aber dieses Gefühl des Stolzes tannte der einfache Mann nicht, der für andere Rechte zu erorbern und zu begründen trachtete, mährend er für sich selbst nur Pflichten fannte. Und was noch auffallender ist, die Erfahrungen aus der Zeit der Kämpfe um Deutschlands Zukunft haben auch seine Liebe zu den Menschen nicht vermindert. D, mie ihn damals die ehemaligen Stüßen des Thrones umwedelten! Sie wandten im Berfehr mit ihm das wilhelminische Hofzeremoniell an. Die Scham verbot vielen von ihnen nicht, ihm zu befennen, daß fie feit langem gute Demokraten mit mehr oder minder startem sozialistischen Einschlag seien und daß sie sich aus Ueberzeugung hinter die neue Ebert schüttelte solche Ergießungen Regierung stellten. lachend von sich ab. die Saat, die er ausgestreut hat, ist auf fruchtbaren Boden Das zeitliche Wirten Friedrich Eberts ist beendet. Aber gefallen. Die deutsche Demokratie hat ihren besten Mann verloren. Aber fie fühlt sich genügend gefestigt, um den Schlag zu verwinden, den sie erlitten hat. In tiefer Trauer verneigt fie sich vor dem Sarge des Dahingegangenen. Aber Berzweiflung und Mutlosigkeit beschleichen sie nicht. Wäre es anders, sie würde ihres toten Borfämpfers unwert sein! Das Beileid der Internationale. Der Parteivorstand erhielt folgende weitere Beileidstele: gramme: Die amertanischen Sozialisten beflagen fief den Tod des Reichspräsidenten Ebert als einen großen Verlust der Demokratie und der Arbeiterbewegung der Welt. Gleichzeitig bitten wir Euch, der Familie unseres Genossen und Freundes unser herzlichstes mit gefühl auszudrücken. Morris Hillquit, Bictor Berger. New York. # MitTief erschüttert sendet die Arbeiterschaft Bulgariens dem machfigen deutschen Proletariat den Ausdrud ihres heißen Beileids über den großen Berluff, den es durch den Tod des ersten Präsidenten der deutschen Republit erlitten hat. Ebert bleibt das Symbol des unaufhalfamen Aufstiegs Deutschlands zum Sozialismus. Sofia. Sozialdemokratie Bulgarien. Die Auslandsvertretung des Jüdischen Arbeiterbundes( Bund" in Rußland) spricht ihr fiefftes Beileid aus zum Tode des Genossen Ebert, des langjährigen Führers der deutschen Bruderpartei und ersten Arbeiterpräsidenten der deutschen Republit. Berlin. Judin. Die Redaktion der ruffifchen republikanischen und sozialistischen Zeitung„ Dni" spricht euch das tiefste Beileid aus zu dem großen Berluft, den die europäische Demokratie durch das Hinscheiden des Reichspräsidenten Ebert, des Kämpfers und Menschen, erlitten hat. Für Redaktion Dai Senjinoff. Tief ergriffen von dem Ableben des Reichspräsidenten Ebert und bewußt des Berluftes, den die deutsche Republik und mit ihr die deutsche Arbeiterklaffe erlitten, sendet innigftes Beileid die Russische sozialrevolutionäre Organisation, Oris gruppe Berlin. Terpogoffian. Die ruffische Somjetregierung und ihr Außenminister Tichitscher in haben aus Tiflis Telegramme in sehr war mem Ton geschickt. Die ausländischen Trauergäste. ausländischen Bruderparteien eingetroffen die Genoffen Tom In Berlin find am gestrigen Dienstagabend als Bertreter der Shaw( England und Internationales Bureau), Renaudel und Grumbach( Frankreich), Schaper( Holland), Nielsen( Dänemark), Dr. Czech( Sudetendeutsche), Dr. Soutup( Tschechen) und Dr. Renner( Deutschösterreich). Nachruf im Wiener Parlament. Wien, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Nationalrat hielt heute beim Wiederzusammentritt der Präsident Miklas( chr.- foz.) dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert einen Nachruf, dessen be. fondere Wärme allgemein auffiel. Er sagte: Der Mann, der am legten Samstag die Augen für immer schloß, der einer armen wurde, einem großen Reich in schwerster Zeit vorzustehen, hat Handwerkerfamilie entsproffsen, zu der geschichtlichen Rolle berufen Gaben und Fähigkeiten bewiesen, die ihn wie felten jemanden würdig machten, das verantwortungsvolle Amt zu ver sehen, das ihm in schicfalsschwerer Zeit anvertraut war. Als Schirmer und Wahrer staatlicher Ordnung, als Bahnbrecher der Bölterverständigung, aus der Bölferversöhnung und wahrer demotratischen Gebantens in der Welt, hat Friedrich Ebert Völkerfriede erblühen foll, ein überzeugter Bertreter des 6 Jahre mit sicherer Hand am Steuer der deutschen Republik gedemokratischen Gedantens in der Welt, hat Friedrich Ebert standen, unbeirrt von Gunft und Ungunft der Stunde, immer nur ein 3iel vor Augen, seinem schwergeprüften Baterland zu wirt fchaftlicher Wiedergenesung und zum frieblichen Aufstieg den Beg zu bereiten. Der sittliche Ernst, mit dem er sein hohes Amt versah, immer eingebenf der großen Verantwortung, die ihm oblag, hat die neue Reichswürde, die er befleidete, in Deutschland und um Ausland zu Geltung und Ansehen gebracht. Darum darf auch die brüderliche Anteilnahme, die mir dem großen Nachbarreiche Friedrich- Ebert- Stiftung. Das Leben Friedrich Eberts bietet das bisher glänzendste Beispiel für den Aufstieg eines Mannes aus den arbeitenden Maffen zu höchsten Leistungen im Dienste der Allgemeinheit. Auf sein Vorbild dauernd hinzuweisen, die heranwachsende Generation zur Nacheiferung anzuspornen, und besondere Begabungen aus der Jugend des arbeitenden Volkes zu fördern, ist der 3med der Friedrich Ebert- Stiftung. Zu ihrer Verwaltung wird ein Kuratorium errichtet, das die Statuten der Stiftung veröffentlichen wird. = Geldsendungen find zu richten: Postschecktonto 153 654 Konrad Ludwig, Berlin( Ebert- Spende) oder direkt an Konrad Ludwig, Berlin SW 68, Ebert Spende Lindenstraße 3. Die Feier vor dem Reichstag. Die Trauerfeier vor dem Reichstag, die auf der großen Freitreppe am Königsplay stattfindet, wird vom Reichstag als Vertretung des Bolts veranstaltet. Als ersten Präsidenten der Republik den letzten Gruß der Volks Präsident des Reichstags wird Genosse Löbe dort dem vertretung darbieten. Nur durch diese Feier auf dem großen Platz vor dem Reichstag ist es den breiten Massen des Volkes möglich, auch persönlich dem volfserwählten Repräsentanten der Republif ihre Ehrung darzubringen. Die Beisetzung in Heidelberg. Heidelberg, 3. März.( WTB.) Die Anmeldungen zu der Teilnahme an den Beisehungsfeierlichkeiten für den Reichspräsidenten Ebert sind sehr zahlteich eingetroffen. Heute nachmittag wird eine Verkehrskonferenz stattfinden, die fich mit der Frage der Einlegung von Sonderzügen befassen wird. Um den ungeftörten Berlauf des Trauerkondukts zu sichern, wird die Polizeibehörde von Heidelberg alle notwendigen Vorkehrungen treffen. Alle Teilnehmer, die Spalier bilden wollen, müffen sich schon um 19 Uhr aufstellen. Die Rohrbachstraße wird schon in aller Frühe für den Wagen- und Fußgängerverkehr gefperrt werden. Der Friedhof selbst fann nur mit Eintrittskarte betreten werden. Für die eventuell am Bormittag noch eintreffenden Vertreter auswärtiger Behörden, der Prefse usw. werden auf der Bahnhofswache Borkehrungen getroffen. damit sie dort noch Karten erhalten. Nach der offiziellen Feier wird der Friedhof für das Publikum zur Besichtigung des Grabes freigegeben werden. Die Stadtverwaltung wird nicht nur das Grab der Mutter Eberts, fondern auch sein Geburtshaus in der Pfaffengasse mit würdigem Schmud versehen lassen. Auf dem Bahnhofsplahe herrscht rege Arbeit. Die Gerüste für die großen Pylonen und den übrigen Trauerschmud sind bereits fertiggestellt. Eine Ebert- Büfte für Heidelberg. Heidelberg, 3. März.( WTB.) Der hiesige Stadtrat und Vorstand der Stadtverordneten hielten heute eine Trauer figung ab, in der Oberbürgermeister Dr. Balz die Berdienste des verstorbenen Reichspräsidenten um das deutsche Vaterland würdigte und feiner Anhänglichkeit an seine Baterstadt gedachte. Es murde beschlossen. eine Büste Eberts als treuen Sohnes seiner Heimat in der neuen Treppenhalle des Rathauses zur Aufstel lung zu bringen. Die Trauer im Lande. Amtlich wird gemeldet: Um ber Trauer der Reichsbe amten über den Reichspräsidenten Ausdrud zu verleihen, hat die Reichsregierung beschlossen, daß die Reichsminister und die leitenden Beamten der Reichsministerien sich mährend der Dauer von vier Wochen nach dem Tode des Reichspräsidenten, also bis einschließlich 28. März, der Teilnahme an allen gefell. schaftlichen Veranstaltungen, auch amtlicher oder halb amtlicher Art, enthalten. Aus Anlaß der Trauerfeier für den verstorbenen Reichsprăfi. denten Friedrich Ebert am 4. März werden die Bureaus aller preußischen Behörden bereits um 1 Uhr nachmittags geschlossen. Gesetzes zur Uebernahme der durch das Ableben des Reichspräsi Der Reichsrat genehmigte am Dienstag den Entwurf eines benten entstehenden Roften durch das Reich. Der Text der Vorlage enthält nur die Bestimmung: Die Reichsregierung wird ermächtigt, die aus Aniaß des Ablebens des Reichspräsidenten entstehenden Koften auf Reichsmittel zu übernehmen." die nächste Sigung des Reichstages am Freitag nachmittag Wie vom Bureau des Reichstages mitgeteilt wird, findet 2 Uhr statt. Der Auf Anordnung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Schulunterricht fällt am Mittwoch, den 4. März, aus. In den Runst und Volksbildung haben die Schulen bis zur Beilegung des Reichspräsidenten Halbmaft zu flaggen Schulen ist eine würdige Trauerfeier zu veranstalten. Nach einer Verfügung des thüringischen ministe. riums des Innern ist Mittwoch ber 4. März als Tag der Beilegung des verstorbenen Reichspräsidenten anzusehen, so daß das Berbot aller Luftbarkeiten auf diesen Tag Anwendung findet. Weiter hat das thüringische Ministerium für Boltsbildung verfügt, daß am Donnerstag, den 5. März, in allen Schulen Thüringens zum Gedächtnis des Reichspräsidenten der Unterricht ausfällt. Die Gegenwart war troftlos. Nur der Glaube an die Zukunft fonnte uns aufrecht erhalten. Ein Zurüd gab es nicht. Unsere Parole fonnte nur vorwärts heißen. Der Glaube Eberts a ndie Demokratie blieb auch in diesen furcht baren Monaten unerschüttert. Nicht einen Augenblic befürchtete er, daß der Rauschzustand, von dem das Bolt ergriffen war, chronisch werden tönne. Aber es galt, zu verhindern, daß Massen in der Raserei dem Lande unheilbare Bunden schlugen. Um sie zur Besinnung zu bringen, gab es nach feiner Ueberzeugung nur ein Mittel: die chaotischen in verfàffungsmäßige Zustände überzuleiten, die Staats in diefen Tagen der Trauer befunden, von dem erhebenden Bewußt- ftimmung des Hauptausschusses des Landtages den 4. März anläßFriedrich Ebert hat dem deutschen Namen in der Welt Thre gemacht. Dafür danken ihm die Zeitgenossen und werden ihm auch die Nachfahren Dank wissen." Desterreich an der Trauer des Deutschen Reiches Anteil nimmt, geht Das Haus hörte diese Rundgebung stehend an. Wie sehr Deutsch gewalt in den Händen des Boltes zu verfein begleitet sein: antern und dieses durch den Vorspann des Gefühles der Berantwortlichkeit für seine Geschide zur Bernunft zurückzubringen, Schnellste Einberufung einer verfassungsgebenden Nationalversammlung, das war das Losungswort des Tages. Und seine große Kraft fette er ein, um alle Widerstände zu beseitigen, die sich der Verwirklichung dieses Gedankens in den Weg ftellten. Nach der Beendigung der entscheidenden Redeschlacht, die die Ausschreibung der Wahlen zur Folge hatte, jagte zu mir ein bürgerlicher Reichsminister, ein weit linksstehender Demokrat, der noch ganz im Banne der Schlußrede Eberts stand: Wiffen Sie, ich bin ganz ohne Bathos; aber, nachdem Ebert heute geendet hatte, wäre ich am liebsten auf ihn zugetreten, um ihn in die Arme zu schließen." Wilhelm Raabe sagt einmal, wie die reinen Bergwaffer aus den Tiefen der Erde hervorschießen, so tommt alles Schöne und Große aus den Tiefen des Boltes. Ja, aus Rathäusern und in den Landeshauptstädten von den Regierungsgebäuden Trauerfahnen wehen. auch daraus hervor, daß in allen Gemeinden von den Ein Kranz aus Schweden. Stocholm, 3. März.( WTB.) Bei der Trauerfeier für den verftorbenen Reichspräsidenten Ebert wird der schwedische Gesandte in Berlin, v. Ramel, den König von Schweden vertreten und im Namen des Königs einen Kranz niederlegen. woch, den 4. März, der Dienst in sämtlichen Staatsbe Die thüringische Staatsregierung hat angeordnet, daß am Mitttrieben von nachmittags 1 Uhr ab zu ruhen hat. Das braunschweigische Staatsministerium hat mit 3u. lich der Beilegungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsi denten als Trauertag erklärt. Aufführungen, Konzerte und Luftbarkeiten in öffentlichen Lokalen dürfen an diesem Tage nicht stattfinden, auch die Schulen bleiben geschlossen. Des des Vortages in würdiger Weise zu gedenken. Ablebens des Reichspräsidenten ist in der letzten Unterrichtsstunde öffentliche Mufit, öffentliche Tangluftbarkeiten einschließlich Rennver Der hamburgische Senat beschloß, daß am Mittwoch alle anstaltungen, Theatervorstellungen, Lichtbildvorstellungen unterbleiben sollen. In allen Schulen wird zu Beginn der Schulzeit in einer Trauerfeier des verstorbenen Reichspräsidenten gedacht werden. Der Rest des Tages bleibt fchulfrei. Die Trauerfeier des hamburgischen Senats wird Freitag vormittag im großen Gaale des Rathauses stattfinder, wobei Bürgermeister Dr. Petersen die Gedenkrede hält. Was wird in Preußen? Arife in der Krise. Die Schatten, die der Tod des Reichspräsidenten auf ganz Deutschland geworfen hat, haben zeitweilig auch die 2age in Preußen verdunkelt. Bis vor einigen Tagen laubte man wenigstens so weit zu sehen, daß Marr mit jeinem alten Kabinett abermals vor den Landtag treten würde. Das scheint sich inzwischen geändert zu haben. An gesichts der unsicheren Lage in seiner Fraktion hat Herr Marr, wie feinerzeit im Reich, eine taftische Schwentung in Der Richtung der Bolfsgemeinschaft" vollzogen. Er hat die Deutschnationalen gefragt, wie fie fich zu einem Rabinett, bestehend aus 2 Sozialdemokraten, 2 Deutsch nationalen, 2 Zentrumsmännern, 1 Boltsparteiler und 1 Demokraten stellen würden und selbstverständlich hat die Deutschnationale Landtagsfraktion diesen Vorschlag abgelehnt. Weiter wird die Lage durch den Umstand tompliziert, Jaß Genosse Severing aus gesundheitlichen Gründen den Bunsch hegt, von seinem Amt entbunden zu werden. Der Plan, die„ kleinste Koalition" von Zentrum und Demokraten mit Severing als„ Fachminister" noch einmal zum parlamentarischen Kampf herauszustellen, erscheint also als von zwei Seiten zugleich erschüttert. Für die Wahl des Ministerpräsidenten war der 10. März vorgesehen. Angesichts der Ratlosigkeit in der Mitte und rechts ist es aber wahrscheinlich, daß sie vertagt werden wird. Zeit von März 1923 bis Februar 1924 nicht von polizeilichen Unterstügungen, sondern von seiner Arbeit und seinen Ersparnissen" gelebt habe, als wenig glaubwürdig. Die Sigung wurde daraufhin auf Mittwoch 12 Uhr vertagt. Der erste Reichspräsidentenkandidat. Thälmann KPD.! Die Zentrale der KPD. hat beschlossen, den Reichstagsabgeordneten Ernst Thälmann als Kandidaten zur Reichspräsidentenwahl aufzustellen. Wieder ein Kommunistenprozeß. Sieben Jahre Gefängnis. senat des Reichsgerichts fand am Dienstag die Hauptverhandlung Leipzig, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem 5. Straf. gegen drei medlenburgische Kommunisten wegen Beihilfe zum Hochrerrat und hochverräterischen Unternehmens statt. Es waren angetlagt die Landarbeiter Karl Prehs, Otto Dörnbed und der Schloffer Friedrich Grasnic aus Benndorf in Medlenburg- Strelig. Im Sep tember 1923 war in dem Bezirt Benndorf ein großer Landarbeiter: ftreit ausgebrochen. Die Angeklagten benutzten die Streifbewegung verurteilte Grasnid zu 3 Jahren Gefängnis und 500 m. Geldstrafe, für die Berbreitung eines fommunistischen Butsches. Das Gericht ftrafe. Bei dem ersteren werden 1 Jahr und die Geldstrafe auf die Prehs und Dörnbed zu je 2 Jahren Gefängnis und 200 M. Geld untersuchungshaft angerechnet, bei den beiden letteren gilt die Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Elfäffer Kommunistenrevolte. Nach der„ Germania" foll Stresemann dem Ge Danten nahestehen, daß die Boltspartei Marg in Preußen, Sie wollen ihren Rappoport behalten. dafür das Zentrum Luther bei der Wahl zum Reichspräsidenten unterstützen soll. Dadurch würde der Reichsport, einer der wenigen Intellektuellen, den die französischen Paris, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Charles Rappo fanglerposten frei werden; wer diesen besetzen soll, darüber Kommunisten noch nicht aus der Partei ausgeschloffen haben, hatte soll sich Stresemann nicht geäußert haben. Außerdem wird es auf dem letzten Parteitag gewagt, die Rebattion ber Sumanité die ganze Geschichte bestritten and überdies, selbst wenn sie einer scharfen Kritif zu unterziehen. Die Maßregelung hat nicht gestern wahr gewesen wäre, wäre heute und morgen doch lange auf fich warten lassen. Das Zentralfomitee hat befchloffen, wieder alles ganz anders. daß Rappoport sein Amt als politischer Leiter der Straßburger Sumanité fofort nieberzulegen habe. Der Parteivorstand hat aber diesmal die Rechnung offenbar ohne die unmittelbar Be. teiligten gemacht, denn das Straßburger Blatt hat sich die Einmischung in feine eigenen Angelegenheiten aufs energischfte Der. beten, und Rappoport erklärt, daß es nicht daran bente, sich dem Beschluß des Zentralkomitees zu beugen. Zeichen der Zeit. Wozu Staatsanwälte fich berufen glauben. Breslau, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag be. ginnt vor der Straffammer in Schweidnig ein großer Land. Friedensbruchprozeß gegen Reichsbannerleute wegen der bekannten schweren Zusammenstöße zwischen Reichs. banner und Stahlhelm in Striegau. Die beteiligten Stabl selmleute find ingloischen zu Geldstrafen bon 30 m. ber urteilt worden, während die Anklage gegen Reichsbannermitglieder chweres Geschütz auffährt. Ueber 400 Zeugen sollen in dem Prozeß bernommen werden. Als Verteidiger fungieren die Rechtsanwälte Bandmann Breslau, Bärensprung- Magdeburg, Seine Berlin, Dtto Landsberg Berlin und der demokratische Abgeordnete Dr. Haas- Karlsruhe. Ples in Polen. Das Reichsbanner im Rheinland. Köln, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand die erfte große Kundgebung der republikanischen Organisation, des Reichsbanners Schwarz- Rot Gold, in Köln statt. Bekanntlich machen die Befagungsbehörden der Ausbreitung des Reichsbanners noch immer gewiffe Schwierigkeiten, so daß dieser Veranstaltung besondere Bedeutung zufam. Als der Redner, Bundespräsident Hörfing, den Gaal betrat, wurde er von den Bersammelten mit stürmischen Frei- Heil- Rufen begrüßt. Gleich zeitig erschallten aus den Reihen der anwesenden Roten Front fämpfer", die sich in provokatorischer Absicht schon, lange vor der Bersammlung in einem Teile des Saales eingenistet hatten, laute Der gekränkte Freund Wilhelms. Bfuirufe und gemeine Schimpfworte. Sofort entstand ein Hands Breslau, 3. März.( Eigéner Drahtbericht.) Unser Breslauer gemenge, als man die Ruheftörer hinausweisen wollte. Schließ Barteiblatt hatte vor einiger Zeit berichtet, daß der Fürst Bles. lich gelang es den Reichsbannerleuten, die Ruheftörer aus dem Saal Der Freund Wilhelms II, sich nach der Abtretung feines Wohnfiges zu entfernen, wo sie von der Polizei in Empfang genommen in Bolen einen polniiden Namen zugelegt habe. Anwurden. Dann konnte die Bersammlung in Ruhe durchgeführt Die Mitteilung dieser Zatfache waren einige fritische Bemerkungen werben. Sie begann mit einer eindrud soollen unbgebung gefnüpft. In erfter Instanz war der verantwortliche Rebatteur für den verstorbenen Reichspräsidenten. Die Aus dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Bor der führungen Hörfings fanden stürmischen Beifall Sahlreiche neue Berufungskammer führte als Bertreter des Fürsten Blek ber deutsche Mitglieder fonnten für das Reichsbanner gewonnen werden, nationale Breslauer Stadtberordnetenvorsteher aus, der Fürst habe feine Bolonisierung gerade mit Rüdficht auf die Lage des Deutichtums in Bolnisch- Oberschlesien vornehmen müssen. Nachdem der Name der Stadt Blej polonifiert worden sei, mußte er auch feinen eigenen Ramen bem anpassen. Im übrigen hätte er aber Geld für deutsche Kulturgwede gegeben. Die Straffammer des Landgerichts Breslau sprach den angeflagten Rebatteur der, Volkswacht frei, weil er den Fürsten nicht beleidigt babe. Die ritit des Artikels an dem Namenwechsel sei berechtigt gewesen. Erhöhung der Invalidenrente. Dem Reichstag ist eine Regierungsvorlage über 8u fabsteigerungen für Renten aus der Invalidenversicherung jugegangen. Danach werden bei der Invalidenrente 10 Proz. der feit dem 1. Januar 1924 gültig entrichteten Beiträge als Steigerungsbetrag gewährt. Ferner wird für jede ordnungsmäßig verwendete Beitragsmarte der bis zum 30. September 1921 gültigen Lohn faffen III, IV und V ein Steigerungsbetrag gewährt, der für jede beitragsmarke in der Lohnflasie III 4 Bf., in der Lohnklaffe IV 3 Bf. und in der Lohnflasie V 12 Bf. beträgt. Das Gejes soll ab 1. April 1925 in, Kraft treten. Der Spitzel König. N Die Berandlungen im Ticheta Prozeß wurden gestern mittag wieder aufgenommen. Es fand die Bernehmung des Angeklagten König aus Stuttgart ftatt, der von seinen Mitangeflagten ebenso wie Diener beschuldigt wird, Bolizeispigeldienste geleistet zu haben. Obwohl er dies zunächst entschieben leugnet, ergibt sich allmählich im Laufe der Berhandlung, daß König tatsächlia Spigeldienste den Behörden schon bei früheren Gelegenheiten geleistet hat. Indeffen bestreitet er, daß die geplanten Ermordungen des württembergischen Innenministers Bolz, des Kriminalfommiffars Schlotter und es im Spigelverdacht stehenden Kommunisten Wegel, von ihm ernsthaft erwogen worden feien Linkswahlblock in Italien. Rom, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz ber Beiter der sozialistischen Provinzorganisationen, die am Sonntag und Montag in Mailand tagte, nahm mit 14 000 vertretenen Stimmen einen Antrag an, wonach die sozialistische Fraktion mit allen Oppo fibionellen ein Wahlbündnis bilden solle. Ein Antrag, der ebenfalls für das Berbleiben in der Opposition war, aber ein Wahl bündnis ablehnte, erhielt 12 000 Stimmen. Ein dritter Antrag ging dahin, daß die Koalition mit den bürgerlichen Linksparteien aufzu geben und ein Bündnis mit den Kommunisten in der Rammer und für die Wahl zu bilden sei. Dieser Antrag erhielt jedoch lediglich 2500 Stimmen. Der Parteivorstand wurde beauftragt, die nötigen Schritte zu veranlassen und eventuell dafür zu wirken, daß sich die gesamte Opposition bei der Wahl der Stimmabgabe enthält. Coolidges neuer Amtsantritt. Am heutigen 4. März, da die deutsche Republik ihren ersten Präsidenten feierlich zum Grab. geleitet, treten in der mächtigsten Republik der Erde verfassungsgemäß die neugewählten Parlamen tarier, Staatsgouverneure und der Präsident und Bizepräsident der Vereinigten Staaten ihr Amt an. Coolidge, der seinerzeit als das maliger Bizepräsident automatisch den verstorbenen Präsidenten Harding ersetzte, ist nun durch die Wahlmännerwahl in diesem Amt neubestätigt. Reichskanzler Luther hat im ein Glückwunschtele. gramm im Namen des deutschen Boltes geschickt. Schutz den Deutschen im Auslande! Empörende Mitteilungen eines Genfer Blattes. Das in Genf erscheinende Blatt„ La Suisse vom 22. d. M. weiß von einem Borfall zu erzählen, ber, wenn er den Tatsachen entspricht, von geradezu haarsträubenden Zuständen und Auffaffungen im deutschen Konsulat in Genf zeugen würde: Zwei Deutsche, Karl Brunner und Josef Lapize, die cus der spanischen Frembenlegion in Marotto aus geriffen und über Frankreich bis nach Genf gelangt waren, hatten fich beim deutschen Konsulat in Genf mit der Bitte um Rückbeförde Nach seiner Berhaftung hat Rönig fehr detaillierte An- rung in die Heimat gewandt. Da fie jedoch teine Bapiere gaben über die Tätigkeit der Stuttgarter Hundertschaften, ihre Waffenläger usw. zu Protokoll gegeben. Dennoch bestreitet er, baß er jemals Gelb von der Bolizei erhalten habe. Später gibt er feine Berbindungen mit den Behörden indirekt dadurch zu, daß er die Antwort über alles verweigert, was, nach seiner Berhaftung geschehen sei. Die kommunistischen Berteidiger wollen aber feststellen lassen, daß er bereits vor seiner Berhaftung mit der Polizei in Berbindung gestanden habe. Zwischen dem Vorsitzenden und dem Reichsanwalt einerseits und dem Rechts anwalt Dr. Wolf andererseits tommt es zu einem lebhaften Wort wechsel darüber, ob die Berteidiger berechtigt find, die Bezeichnung „ Schurte auf König anzuwenden. Aus dem weiteren Berhör ergibt sich, daß König einzelne mit angetlagte im Gefängnis veranlassen wollte, resp. veranlaßt hat, ausführliche Aussagen vor dem Untersuchungsrichter in Stuttgart zu machen. einem Falle hat er selbst die beabsichtigten Aussagen des An agten Heidenreich schriftlich niedergelegt. Schließlich be zeichnet der Vorsitzende die Behauptung Rönigs, daß er in der besaßen was bei einer Desertierung aus der Fremdenlegion selbstverständlich ist wurden sie abgewiesen und von den Schweizer Behörden wieder an die Grenze zurückgebracht, die sie überschritten hatten, nämlich an die französische. Beim Grenzposten von La Pleine, an den Toren Genfs, wohin sie gebracht wurden, fanden sie drei andere Deutsche vor, Konrad Bartai( 30 Jahre), Willy Faltenstein ( 28 Jahre), Otto Ha entschel( 25 Jahre), die gleichfalls einzeln defertiert waren und über Marseille zu Fuß nach der Schweizer Grenze gelangt waren. Anscheinend hat ihnen die deutsche Konfulatsbehörde bereits den gleichen Empfang bereitet, benn es heißt am Schluß des Berichts der Suiffe", daß alle fünf„ Deserteure" an die franzöfifche Grenze zurüdgebracht wurden. Wir fordern eine schleunige authentische Aeußerung zu diesen Angaben des Genfer Blattes. Ist das der Schuh, den die deutschen Konsularbehörden den mittellofen Reichsangehörigen im Auslande angedeihen lassen? Will man etwa die taum aus der spanischnarottanischen Hölle Entronnenen zwingen, sich bei der fran zösischen Fremdenlegion anzumelden? Ergänzung des Foch- Gutachtens. Von der Botschafterkonferenz verlangt. Paris, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschaftertonferenz ist am Dienstagvormittag um 11 Uhr unter dem Vorsitz Cambons zusammengetreten. Die Sigung war nur von turzer Dauer. Die Mitglieder haben von dem Kontrollbericht und dem Gutachten des Versailler Militärkomitees Kenntnis genommen und einstimmig beschlossen, Marschall Foch und seine militärischen Sachverständigen aufzufordern, das Gutachten in einigen Punkten zu ergänzen und sich insbesondere über die Schwere der deutschen Verfehlungen zu äußern. Weiter soll das Militärfomitee mitteilen, welche Maßnahmen es für geeignet halte, um die Ent. waffnung Deutschlands gemäß den Bersailler Bestimmungen die die Berhandlungen über die Räumung Kölns durch diesen ficherzustellen. Man glaubt, daß die neue Verschleppung. Beschluß der Botschafterkonferenz erfahren, auf den Wunsch der Alliierten zurückzuführen ist, zunächst die augenblicklich in Gang befindliche Regelung des Sicherheitsproblems zum Abschluß zu bringen. Dabei dürfte für England die Erwägung aus fchlaggebend sein, daß die französische Regierung sich gegenüber der deutschen Entwaffnung und der Räumung von Köln weniger unnachgiebig zeigen werde, wenn sie die Gewißheit einer befriedigenden Lösung des Garantieproblems haben werde. An zuständiger Stelle wird versichert, daß das Militärtomitee in Versailles für das neue Gutachten mindestens 8 Tage benötige und daß die Botschafterkonferenz taum vor Mitte oder Ende nächster Woche wieder tagen werde. Der Temps" will wissen, daß in der Unterredung zwischen Herriot und dem englischen Botschafter am Dienstag die Beröffentlichung des gesamten Konttollberichts fowie der Anhänge beschlossen worden sei. zeigt, daß bas Sicherheitsproblem jetzt energisch in Angriff ge Diese zweite Unterredung Herriot- Lord Creme in zwei Tagen nommen ist. Wie die Pariser Presse lehrt, wächst auch hier die Stimmung für Einbeziehung Deutschlands in die gegenseitine, Berbürgung der Sicherheit. Keine Entscheidung der Botschafterkonferenz? Condon, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Note wegen. der deutschen Abrüstung, die sich gegenwärtig in Borbereitung be findet, wird erklären, daß hinsichtlich der Räumung der Kölner Zone der Versailler Artikel 429 in Anwendung tommt. Es ist nicht zu erwarten, daß die Note rasch fertiggestellt ist. Die Ber handlungen scheinen fich in die Länge zu ziehen, weil innerhalb der Alliierten eine einheitliche Auffaffung über den Gegenstand nicht vorhanden ist und die Botschafter immer wieder InStruttionen von ihren Regierungen einholen müssen. Es wird fagar, bezweifelt, daß die Botschafterfonferenz zu einer einheitlichen Entscheidung fommt und man glaubt, daß eine demnächst zufammentretende aliierte Ministerkonferenz die Entscheidung über die in der Abrüstungsfrage zu unternehmenden Schritte treffen muß. England gegen das Genfer Protokoll. Condon, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Offiziös wird mit geteilt, daß das britische Kabinett bis jetzt eine Entscheidung über den Genfer Sicherheitspaft oder über Borschläge zu seiner Abände rung noch nicht getroffen hat. Dazu erflären Eingeweihte, daß die Entscheidung gegen das Genfer Protokoll ausfallen wird. Mehr als bie Hälfte aller Artikel des Genfer Battes werden voraussicht, ich als für England un annehmbar bezeichnet. Man erwartet, daß Chamberlain am Donnerstag in ber außenpolitischen Debatte bes Unterhauses nähere Erklärungen abgeben wird. Polen und die Sicherheitsfrage". Paris, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Der polnische Außen minifter Strzniti, der Bolen auf der Tagung des Bölkerbunds. rates vertritt, wird am Donnerstag in Paris erwartet, mo er mit der Regierung wegen bes Sicherheitsproblems Fühlung zu nehmen beabsichtigt. Das Beileid des Auslandes. Paris, 3. März.( Eigener Drahibericht.) Der Präsident der Republik hat den Botschafter in Berlin beauftragt, ihn bei der Trauerfeier für den verstorbenen Reichepräsidenten zu bertreten. und der Außenminister Graf Moltte haben den Gesandten in Kopenhagen, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Der König Berlin, Rammerherrn 3able, beauftragt, Kränze am Sarg des Reichspräsidenten niederzulegen. Italienische Würdigung Eberts. Rom, 3. März.( Eigener Drahtbericht.) Ebenso wie die Blätter Roms hat auch die gesamte Bresse des übrigen Italiens in aufrichtiger, warmer Weise Anteil an dem Geschid des Reichspräsidenten Ebert genommen. Die sozildemokratische Giustizia", der Corriere della Sera", die Stampa", ber Secolo"," Mattine"," Resto di Carlino" und andere führende Blätter Italiens haben teilweise in langen Artifeln Eberts Größe und Bedeutung für Deutschland in vollem Maße anerkannt. Der„ Secolo", der mirtlich nicht deutschenfreundlich genannt werden fann, fagt zum Schluß seines Artikels: " Ebert verstand es, fich während seiner Präsidentschaft die sehr großen Sympathien, die er besaß, zu bewahren. Das Deutsche Reich betlagt in ihm eines feiner besten und meistgeliebten Häupter. Das ift das schönste Lob, das man einem Manne der Politik machen fann". Frunse für Kriegsrüstungen. Mostau, 3. März.( Dst Expreß.) Frunje, der Nach folger Trogtis als Kriegstommiffar und Oberster Chef der Roten Armee, veröffentlicht in den großen Sowjetblättern einen Bro. grammartitel über die nächsten und wichtigsten Aufgaben der russischen Rüstungsindustrie. Diese sei noch lange nicht auf der Höhe, die sie notwendigerweise erreichen müsse, denn die Losung, mit der die Rote Armee jezt in das achte Jahr ihres Bestehens eintrete, laute: Unabhängigkeit vom Auslande! Alles, was für den Gas- und Luftfrieg, was an Tants, Autos und Motoren für das Heer nötig sei, müsse nach und nach im Inlande hergestellt werden. Dann erst werde man die Rote Armee wirklich als für jeden Fall gerüstet bezeichnen dürfen. Zeitungsverbote. Wie der Amtliche Breußische Breffedienst bie.Dberileiiiche Rote Fabne" auf 14 Tage und die mitteilt, find auf Grund des Gefeßes zum Schuße der Republik Schlesische Arbeiterzeitung" auf die Dauer von zwei Bochen verboten worden. Beibe Blätter brachten eine öffentliche Beschimpfung der verfaffungsmäßig feftgenreuten republikanischen Staatsform fowie eine öffentliche Berabwürdigung dieser Staatsform durch Beschimpfung des Reichspräsidenten. Die türkische Regierung Fethi Ben ift zurüdgetreten. Die Kurden rüsten zu neuem Vorstoß; die Grieden benußen die Krife, um Forderungen au stellen, so nach Nichtabschiebung ihrer Bischöfe. Gewerkschaftsbewegung Beteiligung der Beamten an der Trauerkundgebung. Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes erwartet, daß seine Mitglieder sich der Trauerkundgebung der Berliner Arbeitnehmerschaft anschließen und durch rege Anfeilnahme an den Kundgebungen anläßlich der Beisetzung des ersten Präsidenten der deutschen Republit ein machtvolles Bekenntnis zur Republit ablegen. Sie wissen nicht, was sie wollen. Vor einigen Tagen haben die sächsischen Kommunisten eine Barteiarbeiterfonferenz" abgehalten, von der der Kämpfer" in Chemnitz sagt, daß sie von weittragender Bedeutung für die Gesamtpartei" gewesen sei. Aus der langatmigen Gerede der Referenten ist höchstens bemerkenswert, was der Reichstagsabgeordnete Schnet. Ier von der fommunistischen Arbeit in den Bewerte fchaften fagte. Er meinte erft, es müsse endlich Schluß mit der Berbrüderungspolitit" gemacht werden, um so gründlicher sei das Zerstörungswert in den Gewerkschaften fortzufetzen. Hören mir: „ Es bestehen gewiffe Möglichkeiten für wirtschaftliche Kämpfe bei den Metallarbeitern. Weiber bei den Bergarbeitern, bei den Land- und Bauarbeitern. Es fehlt uns in dieser Beziehung das Einfachste zur Organisierung der Kämpfe. Man überläßt es leider noch den einzelnen Fraktionen, wie sie in den Gewerkschaften arbeiten sollen. Die Dresdener stelle andere Forderungen auf wie die Leipziger. Das ermöglicht natürlich den Reformisten, die Zersegung in die Arbeiter hineinzutragen, da wir noch nicht einheitlich arbeiten und wir noch nicht recht wissen, was wir wollen. So sieht es in der primitivsten Arbeit aus. Wir brauchen in jeder Angelegenheit eine Vorbereitung durch die Parteikörperschaften und fönnen es nicht den einzelnen Genossen in den Fraftionen oder fonstwo über.affen, der eme mehr oder weniger für die Bartei gute Auffassung hat, Borschläge in den Ortsverwaltungen Ruth Fischer, die der Beranstaltung durch ihre Anwesenheit erft die rechte Weihe gab, führte zur Ergänzung dieser Richtlinien aus: heute steden wir im ABC der Gemertsgafts bewegung drin. Wir müssen Frattionen auf. bauen wo wir praktische Arbeit treiben sollten. Wir sind jegt an dem Bunft angelangt, wo wir an die Durchführung unserer Linie herangehen müssen. Wir müssen die Bereinigung der selbständigen Berbande um jeden Preis durchführen. Das soll natürlich nicht heißen, daß wir morgen etwa den Chemnitzer Bauarbeiterverband auflösen werden. Hier müssen die taktischen Möglichkeiten der jeweiligen Situation aus genutzt und berücksichtigt werden." usm. zu machen." Das alles steht wörtlich in dem Bericht des„ Ränipfers". Wenn man nicht wüßte, daß hier Verbrecher an der Arbeiter lasse am Werte sind, so tönnte man glauben, es handle sich um Phantasien von Narren oder Tollhäuslern. Wie die Hampelmänner werden die„ Fraktionen" in den Gewerkschaften hin und her ge schoben, sie dürfen nichts unternehmen, was nicht von den Jüng lingen und Jungfrauen der Zentrale der Kommunistischen Partei vorgeschrieben ist. Und diese Leute, die von sich selbst aussagen, sie steden noch im ABC der Gewerkschaftsbewegung drin und sie wüßten selbst noch nicht, was fie wollen, maßen sich an, der Bortrupp" der Arbeiterbewegung zu sein, wollen die Gewerkschaften belehren, wann und welcher Art sie ihre Kämpfe zu führen hätten! Wer aber bisher noch annahm, daß es der Kommunistischen Partei mit ihrer Einheitsparole ernst sei, der beachte das, was die Ruth Fischer darüber sagt: fie denkt gar nicht daran, ihre Splitterorganisationen aufzulösen und deren Mitglieder den Gewerkschaftsorganisationen wieder zuzuführen. Man ist im Gegenteil noch dabei, diese Geschwüre am Beibe der deutschen Arbeiterbewegung organisatorisch zu festigen. Nach diesen kommunistischen Selbstbefenntnissen werden die Gewerkschaften gut daran tun, den kommunistischen Parteifilialen in ihren Reihen noch schärfer als bisher auf die Finger zu sehen. unktionärversammlung der VBMJ.- Betriebe. Kündigung des Rahmentarifs. Eine sehr gut besuchte Funktionärversammlung der Vertrauensleute aus den BBMI.- Betrieben beschäftigte sich mit der Kündigung des Rahmentarifvertrags, soweit die Arbeitsverhältnisse in Frage fommen. Bevollmächtigter Urich vom Metallarbeiterverband hielt das Referat. Er schilderte die Entwicklung der Tarifverhältnisse bis zum heutigen Tage; besonders wies er darauf hin, wie die Ar beitgeber während des Ruhrkampfes und beim Einfeßen der stabilen Währung mit Hilfe des Staates versuchten, Berschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzuführen. Dann kam Urich auf den Kampf zu sprechen, den die Unternehmer gegen die bean tragten Lohnerhöhungen führten. In einem Rundschreiben wiesen die Arbeitgeber darauf hin, daß die Währung nur aufrechterhalten werden könne, wenn der Reallohn unter allen Umständen recht niedrig gehalten wird. Die Unternehmer beriefen sich darauf, daß ein Pfennig Lohnerhöhung pro Stunde eine Belastung der Wirtschaft von 500 Millionen Goldmart im Jahre ausmache. Der Abbau der Sozialversicherung und die Beseitigung des Achtstundentages waren das nächste Ziel der Unternehmer. Urich brachte zum Ausdruck, daß die achtstündige Arbeitszeit unter allen Umständen wieder eingeführt werden muß. Nur durch kurze Arbeitszeit und Qualitätsarbeit ist es möglich, den Beltmarkt wieder zu erobern. Qualitätsarbett fann aber nur geleistet werden, wenn den Arbeitern Qualitätslöhne gezahlt werden. In seinen weiteren Ausführungen fam Ulrich auf die tommunistischen Sonderorganisationen zu sprechen und bezeichnete die Tätigkeit der Union der Hand und Kopfarbeiter und des Deutschen Industrieverbandes als schädlich für die Arbeiterbewegung. Er forderte auf, mit allen Kräften die Reihen der freien Gewerkschaften wieder zu stärken, damit den Berstörern der freien Gemertschaften Gehlmann, Bener und Ron jorten das Handwerk gelegt wird. $ Die Bersammlung beschloß einstimmig, den Rahmenver trag zu fündigen und zu perfuchen, mit dem BBMJ. Ber. handlungen über den Abschluß eines neuen Bertrags anzubahnen. Dann wurde die Frage des Abschlusses eines Lohn tarifvertrags behandelt. Bevollmächtigter 3ista gab die Auffaffung des Metallfartells bekannt, wonach zurzeit noch nicht die Möglichkeit bestände, einen Lohntarifvertrag abzuschließen. Eine Reihe Diskussionsredner sprach zu diesem Punkt Und es ist sehr bezeichnend, daß gerade die tommunistischen Redner für Dem Rufe der Gewerkschaften folgend beteiligt sich heute die Arbeiterschaft an der Trauerfundgebung für den Reichspräsidenten, unseren Genoffen Friedrich Ebert Der Massentritt der Arbeiterbataillone wird allen funstun, daß sich die Arbeiterschaft treu b'elbt und trauert um den Mann ihres Wertrauens. Gewerkschaftler, Sozialdemokraten, Republikaner beteiligen sich alle an der Trauerfundgebung! die Schaffung eines neuen Lohntarifs eintraten. Urich fonnte den Nachweis führen, daß es gerade die Gehlmann Richtung war, die in der Roten Fahne" während der Zeit des Tarifvertrags diese und die Berhandlungskommiffion nicht genug mit Dred be werfen fonnte, wodurch die Organisation start erschüttert wurde. Die fommunistischen Bühlereien zu verzeichnen ist, wird Aufwärtsentwidlung im Gewerkschaftsleben, die trotz der auch den Untergrund für einen neuen Larifvertrag schaffen. Er betonte, daß die Verbandsinstanzen die Ortsverwaltung be. auftragt haben, mit dem BBMI. einen neuen Lohntarif vertrag abzuschließen, wenn in diesem Tarifvertrag Mindestlohne und die wirklich in den Betrieben gezahlten Söhne festgesetzt werden. Pflicht der organisierten Metallarbeiter ist dann aber, den neuen Tarif für die Dauer seiner Laufzeit zu halten. Der Streit bei Bolle geht weiter. Bei den Verhandlungen, die gestern beim Schlichter in der Streifangelegenheit bei der Firma Tolle stattfanden, hat die Firma von einem Teil ihrer Forderungen Abstand nehmen müssen. Es gelang ihr nicht, Maßregelungen durchzufeßen und die Beleg schaft nur wieder neu einzustellen. Jedoch war in dem Vermittlungsvorschlag des Echlichters gefagt, daß die Entscheidung darüber, ob der Streik einen Vertragsbruch darstellt, einem paritätischen Schiedsgericht unter Borfiz des Gewerberats Schiedsgerichts sollte abhängig gemacht werden, ob die Beleg Störner übertragen werden sollte. Von der Entscheidung dieses fchaft neu, oder zu den alten Bedingungen eingestellt wird. Eine Bersammlung der Streifenden nahm besonders an der letzten Bestimmung Anstoß und lehnte mit erbrüdender Mehrheit den Bermittlungsvorschlag a b. Unternehmerwillfür in der Gold- und Silberstickerei. Die Unternehmer weigern sich, die Lohn- und Arbeitsverhält niffe tariflich zu regeln. Es haben deswegen schon drei Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin stattgefunden. In der lezten Verhandlung wurde durch einen einstimmigen Rammerbeschluß ein Zarif befchloffen. Bis zum Jahre 1915 zahlten die Unternehmer zum Teil noch dieselben Stüdlöhne, nehmer goldenen Zeiten sehnen die Herren wieder herbei. Un erster die im Jahre 1870 Geltung hatten. Diese für die Unter. Stelle steht die Firma Tröltsch u. Hanselmann, dessen Inhaber vor dem Schlichtungsausschuß als Ehrenmann erflärte, sie hätten in den Betrieben geheime Abstimmungen vorgenom men, um festzustellen, wieviel Stiderinnen im Deut. fchen Tertilarbeiterverband organisiert sind. Hier. bei versuchte er unrichtige Zahlen anzugeben, um den Schlichtungsausschuß zu täuschen. Aber alle Berdrehungen und Berrenkungen halfen den Unternehmern nichts, denn jeder Unbefangene mußte zu der Ueberzeugung fommen, daß hier ein Tarifvertrag dringend not tut, um die gegenseitige Schmugtonfurrenz zwischen den Unternehmern und die schamlose Ausbeutung der Arbeitskraft zu beseitigen. Die Stiderinnen erhalten in der Geschäftsstelle des Verbandes, Andreasstr. 17, jede weitere Auskunft. Ein Sechzigjähriger. In voller förperlicher Rüftigtet und geistiger Frische steht ber Sechzigjährige heute noch als Redakteur zweier Fachblätter des Deutschen Berkehrsbundes und als Vorstandsmitglied diefer Organi fation mitten im pulfierenden Leben der Arbeiterbewegung. Unfere Gratulation zu feinem fechzigften Geburtstage vereinigen wir mit den besten Wünschen, daß es unserem Freunde Louis Brunner der gönnt sein möge, seine reichen Erfahrungen und seine Arbeitskraft noch viele Jahre der großen Sache des Sozialismus widmen zu fönnen. Achtung, Mitglieder des Baugewerksbundes! Der Schiedsspruch im Berliner Hoch-, Tief- und Betonbaugewerbe für die Zeit vom 25. Februar bis 30. Juni 1925 ist von uns, wie von den Arbeitgeberorganisationen angenommen. Demnach beträgt der Lohn der Hauptgruppen für die Zeit vom 25. Februar bis 14. April für Facharbei er 1,08 m. die Stunde. für Bauhilfsarbeiter 85 Pf., für Tiefbauarbeiter 70 Pf.; für die Zeit vom 15. April bis 30 Juni für Facharbeiter 1.15 m., für Bauhilfsarbeiter 90 Pf. und für Tiefbauarbeiter 72 Pf. Die Juage beträgt gegenüber den voraufgegangenen Lohn chen 112% Proz. Der Borstand. Schlechter Geschäftsgang- verlängerte Arbeitszeit. Der Nordost deutsche Tegtilarbeitgeberverband erfennt für die Provinz eine fürzere Arbeitszeit an als für Groß- Berlin und das Reichsarbeitsministerium ftimmt dem zu. Hierbei sagten die Unternehmer, sie brauchen die längere Arbeitszeit, um ihre Aufträge erledigen zu können. Einige Tage später forderte die Arbeiterschaft eine zwanzigprozentige Lohnerhöhung, die Unternehmer aber lehnten auch die geringste Lohnzulage ab mit der Begründung, daß ein schlechter Geschäftsgang ist. Vielleicht nimmt hiervon der Herr Reichsarbeitsminister Kenntnis und revidiert seine oben angedeutete Meinung. Die Textilindustrie wurde von dem Referenten des Ministeriums, Herrn unge, schon früher als Eiendsindustrie bezeichnet und als Schädling aller anderen Industriegruppen Anstalt nun efe Elendsindustrie noch mehr zu gerelenden, natürlich nur insoweit, zuhelfen, daß dieser Zustand beseitigt wird, ist alles bestrebt, diese als die Arbeiterschaft in Frage tommt. Darum, Tertilarbeiter, stärkt euren Berband. damit endlich allen diesen Bestrebungen ein Halt geboten werden fann: Bis hierher und nicht weiter! Transportarbeiter der Metallbetriebe. Morgen Donnerstag, abends 6%, Ubr, im Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24 25: Allgemeine Funktionärversammlung. Stellungnahme zur Kündigung des Lohnabkommene. Alle Betriebe und Abteilungen müssen durch ihre Funktionäre vollzählig vertreten sein. Als Legitimation dienen Verbandsbuch und Funktionärfarte oder Bescheinigung durch den Betriebsrat. Transportarbetter- funktionäre anderer Diganisationen find ebenfalls eingeladen. Deutscher Verkehrsbund, Sektion V. mit Rücksicht auf die Trauerkundgebung heute nicht statt. Die Plenarversammlung der Gewerkschaftskommiffion findet Achtung, Eisenbahner! Die Eisenbahner treffen sich zur Trauerfundgebung um 2 Uhr Schöneberger Ufer, Ede Schöneberger Straße( RBD.) Fahnen sind mitzubringen. DEB., Ortsgruppe Berlin. Achtung, Bergmann, Rosenthal! Donnerstag nachmittag 5 Uhr bei Schneider, Hauptstr. 3, Versammlung aller SPD.- Genossen. Tagesordnung: Stellungnahme zur Betriebsratswahl. Jeder muß erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Graphisches Gewerbe, Donnerstag ab 5 Uhr nachmittags Ausgabe bes Rampfer". Es wird von allen Betrieben erwartet, baß unbedingt Abholung erfolgt. Schriffliche Benachrichtigung ergeht diesmal nicht. Der Berbeausidus für das graphische Gewerbe. 3. A.: Otw Fiedler. Servenwäschezu Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Filiale Berlin. Frauenversammlung fällt aus. fneider: Die für heute feftgefekte Berfammlung findet nicht statt. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Die für heute angefeßte Die Spartenversammlung für Hefte rinnen findet heute nicht statt, sondern am Mittwoch, den Die Drisverwaltung. 11. März, nachmittags 5% Uhr, im Bureau. Achtung, AEG.- Lokomotivfabrik Hennigsdorf! Seute vormittag 11 Uhr int Strandschloß Tegel, Betriebsversammlung. Die Seizer und Maschinisten treffen fich dortfelbft eine Stunde früher. Die Streilleitung. Der Betriebsvat. Sandelshilfsarbeiter des Einzelhandels. Während der Ueberführung der geiche des Reichspräsidenten Friedrich Ebert bleiben die Geschäfte des Einzelhandels heute, Mittwoch, in der Beit von 3 bis 5 Uhr geftoffen. Wir fordern deshalb alle Rollegen auf, fich an der Trauerfundgebung restlos au beteiligen. Die Branchenleitung. westen, Rentralverband ber Angestellten. Achtung, Bersammlungsabsage! Die für Mittwoch vorgesehenen Versammlungen der Bezirte Nordoften, Gilden- Sitd Tegel- Tegelort- Borsigwalde- Seiligenfee- Reinickendorf- West, Neukölln, Adlershof Alt- Glienice- Grünau- Bohnsdorf- Faltenberg fallen wegen der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert aus. Alle anderen angekündigten Bezirksversammlungen finden statt. Wir fordern unfere Mitalieder auf, die Breffe zu verfolgen und den Parolen Folge zu leisten, die gemeinsam von der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend und dem Ortskartell des Af- Bundes ausgegeben werden. Unsere Bureaus bleiben ant Mittwoch gefchloffen. Rentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin. Deutscher Wertmeisterverband, Fachgruppe Lederindustrie. Am Freitag, den 6. März, abends 7 Uhr, findet im Alexandriner", Merandrinenftr. 37a, eine Mitgliederversammlung statt, in der Herr Ogrodowsky ein Referat über„ Berufsberatung" halten wird, zu dem alle Intereffenten freundlichst eingeladen find. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". ' s Sodener Heute vollendet Genosse Louis Brunner sein sechzigftes Lebensjahr. Auf ein an Arbeit und Kämpfen, aber auch an Erfolgen reiches Leben fann unser Jubilar am heutigen Tage zurückblicken. Am 4. März 1865 zu Erba ch im Odenwald geboren, erlernte Brunner, nachdem er die Bolksschule verlassen hatte, das Drechsler. handwerk und ging 1884 nach Berlin. 1887 wandte er sich nach Hamburg. Im gleichen Jahre, also noch unter der Zeit des Sozialiftengefeges, erwarb Brunner die Mitgliedschaft im Verbande der Drechsler und in der Sozialdemokratischen Partei. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten, sowie fein tadelloser Charakter brachten ihn bald in führende Stellungen der Arbeiterbewegung. So war er 1893 bis 1903 Raffen und Rechnungsführer der Ortsfrankenfaffe der Tabalarbeiter in Hamburg. Bon 1903 bis 1908 war er Sekretär in der damaligen Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands. Als die schon früher gegründete Organisation der Eisenbahner, an deren Leitung B. im Nebenamie hervorragend Anteil nahm, fich 1908 als Reichsfektion dem damaligen Deutschen Transportarbeiter. verbande angliederte, wurde B. deren Vorsitzender und zugleich Trinkkur mit Sodener Waffer von vorzüglicher Wirkung. Redakteur des Verbandsorgans„ Wedruf". Bei der Gründung des Deutschen Eisenbahnerverbandes im Jahre 1916 wurde Brunner dessen erster Borsigender. Auch politisch ist Brunner hervorgetreten. Er gehörte der verfassunggebenden Preußis hen Landesversammlung als Mitglied an und war von 1920 bis 1924 Reichstagsabgeordneter. Sie rauchen keine andern Cigaretten mehr. Sondern nur noch unsere altbewährten Qualitätsmarken, wenn sie diese einmal probiert haben. Fay' Husten, Mineral- gegen Heiserkeit, Verschleimung. echte, Pastillen seit 40 Jahren glänzend bewährt Muftaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Mufiler Verbandes, Berlin 027, Andreasitr. 21( Königstadt 4310). Geschäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch JOSETTI KON LINON JUNO 33 VERA43 Nr. 10642. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Trauerfeier der Republik. Mittwoch, 4. März 1925 201 hirotta Vor dem Hause Wilhelmstraße 73 damals hatten einen Barapraphen, in dem dieses ausdrücklich be. stimmt und festgelegt war. * Heute findet die Trauerfeier für den verstorbenen Reichs.| des ersten Präsidenten der Republit nicht verschwinden will. Wie präsidenten statt. Mit den Angehörigen geben ihm die Mitglieder immer diese Dinge liegen mögen, das Eine muß jedenfalls im Der Reichsregierung, die Mitglieder der Partei und bes Reichs Gegensah zu der verlogenen Mitteilung der Deutschen Zeitung" banners Schwarz- Rot- Gold das legte Geleite vom Reichstag nach bem festgestellt werden, daß die Stadt Berlin( und wie man es aus Botsdamer Bahnhof, von wo er die legte Reise nach Heidelberg zahlreichen Meldungen aus dem Reich weiß, aus ganz Deutschland) um Ebert weithin fichtbar trauert. Man trauert nicht nur dadurch, antritt, um in heimatlicher Erde zu ruhen. Nicht nur die Stadt daß man Fahnen halbmast gehißt hat. Man fieht 3. B., zuweilen feier gesehen. Das war, als after Rathenau, der den Berlin trauert heute, ganz Deutschland trauert um den verstorbenen Reichspräsidenten. Trauer aus dem Herzen. in den Schaufenstern ein Bild des Entschlafenen, frauerumrandet, und da, wo eine Photographie fehlte, stellte man, und das hat gewiß, ohne daß man fentimental ist, etwas Rührendes an sich, die Lithographie Ebert, die man aus dem Borwärts" geschnitten hat, in das Fenster und schmüdte sie mit einem Trauerflor. Die Liebe des freien Mannes. Als Wer in diesen Tagen durch Berlin gewandert ist, der hat gefehen, daß nicht nur die Leipziger Straße und die Friedrichstraße, daß nicht nur die Hauptverlehrsadern dieser großen Stadt Zeichen der Trauer zeigen, Zeichen einer allgemeinen und aus dem Herzen kommenden Trauer, fondern daß auch in den Bororten und entlegeneren Straßen Trauerzeichen für den Verstorbenen herausgesteckt sind. Nicht nur auf allen öffentlichen Gebäuden, ob sie nun staatliche oder stadtliche Behörden unter ihrem Dach bergen, wehen die Flaggen halbmast und trauerumflort, sondern auch von den Dächern der großen Geschäfts- und Warenhäuser und aus den Fenstern vieler Wohnungen winkt die Flagge Schwarz- Rot- Gold. Freilich, ein großer Flaggenwirrwarr, so groß wie er in dieser Ausdehnung noch niemals in Berlin zu fonstatieren war, fällt auf. Neben der Flagge der Republik sieht man die preußischen Farben Schwarz- Weiß, man sieht allerdings ganz verringert schwarzweißrote Fahnen, man erblickt die Fahne der Stadt Berlin mit dem breiten weißen Streifen in der Mitte, auf dem der Berliner Bär ich befindet, rotumtandet, man hat Flaggen in den Farben aller deutschen Landesteile gehißt, man fann auf einem Hotel am Anhalter Bahnhof z. B. eine Flagge Rot- Weiß sehen, das find, was gewiß nur wenige wiffen, die Farben der früheren Pro- Liebe des freien Mannes" aus der Nationalhymne gestrichen vinz Brandenburg. Eigenartig genug muß es auch berühren, daß das Aschingerhaus am Botsdamer Plaz die Fahne der Stadt gehißt hat. Fürchtete man sich vor der schwarzrotgoldenen Fahne? Eine eigenartige Fahne weht auch auf dem Haufe der Deutschen All gemeinen Zeitung" in der Wilhelmstraße. Sie hat die Farben Schwarz- Weiß- Rot- Schwarz. In der Mitte steht A. St. A.-G. und darunter befinden sich die Symbole des Bergbaus. Es ist die Flagge des Hauses Stinnes, die über seinem Gruben- und Bergwerkbejiz meht. Dieser Flaggenwirrwarr legt ein ebenso lautes wie bedauerliches Zeichen ab von der traurigen Zerrissenheit Deutschlands, von der Zerrissenheit der noch jungen Republit, die auch vor dem Sarge Diefe ganze Trauerfeier und die weithin fichtbaren Trauerzeichen in allen Teilen der Stadt Berlin zeugen von der Liebe. des Boltes und von der Liebe des freien Mannes. Es brauchte niemand diese Trauer zu kommandieren. Das aber war früher das Zeichen bei den großen Trauerfeiern, die Berlin gesehen hat. Wilhelm I., den man fälschlicherweise den Begründer des Deutschen Reiches genannt hat, beerdigt wurde, überboten sich vor allem die Hoflieferanten", feligen Angedentens. in der Ausschmückung ihrer Geschäfte und Häufer. Ganze Häuserfassaden wurden in Krepp gehüllt, und die Schaufenster mit Trauerdekorationen bestellt. Man fürchtete unangenehm aufzufallen", wenn man nicht genügend Trauer zeigte, und seinen Hoflieferantentitel zu verlieren. Mit der Liebe des freien Mannes hatte dies alles recht wenig zu tun. Die Liebe des freien Mannes war ja bekanntlich überhaupt sehr anstößig damals, anstößig namentlich bei dem jungen Herrn", der sich dann Landesvater nennen durfte und der als einer der ersten Regierungshandlungen anbefahl, daß die ominöjen Worte: wurden. Bei den Trauerfeiern damals zu Ehren der getrönten Landesväter nahm man auch in feiner Weise Rücksicht auf bedrängte und in bedrückten Verhältnissen lebende Untertanen. 3. B. eine Landestrauer von 14 Tagen verhängt. Sie hatte zur Folge, daß während dieser Zeit alle Theater, Barietés und sonstige Luftbarkeiten unterbleiben mußten. Die Schwergeschädigten waren Schauspieler und Schauspielerinnen, die während dieser Zeit mit ihren Familien auf die Straße gesetzt wurden und brotlos waren, denn der Theaterdirektor von damals durfte während dieser Zeit der Landestrauer, die als höhere Gewalt galt, fein Personal auf die Straße fezen. Die Kontrakte der Schauspieler von Es murde Die Trauerfeier der Republif gibt sich einfach aber würde. voll. Schon einmal hat die deutsche Republik eine große TrauerKugeln von Mördern zum Opfer gefallen war, zur letzten Ruhe hestattet wurde. Auch für Rathenau hatte man, ebenso wie heute für den verstorbenen Reichspräsidenten eine Trauerfeier im Reichstag veranstaltet. Das zahlreiche Publikum, das damals auf dem Königsplay und um das Reichstagsgebäude herumftand, verharrte in andächtigem Schweigen. Es war mit dem Herzen dabei, es war nicht gekommen, um Brunt und Gepränge zu sehen und an einer Trauerparade teilzunehmen. Auch heute, wenn die ungeheuren Massen den verstorbenen Reichspräsidenten auf dem letzten Wege begleiten, geschieht es nur um dem Mann, dem wir alle so vieles verdanten, ein letztes Lebewohl zu sagen, das mit dem Herzen gesprochen wird und an das das Herz noch lange denkt. Die Polizei- Absperrungen. Für die Beijeßungsfeierlichkeiten am heutigen Tage sind von der Bolizei umfangreiche Sperrmaßnahmen vorbereitet. Bon 2 Uhr nachmittags ab wird die Gegend Potsdamer Platz, Potsdamer Bahnhof, Pariser Platz und Reichstagsgebäude für den gesamten Fahrverfehr auf einige Stunden gesperrt. Die Straßenbahn wird umgeleitet, die Untergrundbahn fährt weiter. Für die Fußgänger wird die gleiche Gegend von 2 Uhr ab auf furze Zeil gesperrt. Nach der Ueberführung der Leiche zum Potsdamer Bahnhof und Aufbahiung am Portal des Bahnhofs wird dem Bublifum Gelegenheit gegeben, an dem Sarge vorbei zu defilieren, und zwar in der Richtung Budapester Straße über den Botsdamer Platz nach der Königgräger Straße. Infolge der für heute angeordneten Absperrung finden in der 3eit von 2 bis 7 Uhr umfangreiche Linienumlegun gen der Straßenbahn statt, von denen die Linien betroffen werden, die die Gegend des Potsdamer Plages berühren. Aue dort postierten Aufsichtsbeamten werden über die veränderte Linienführung Auskunft erteilen. Der Apfel der Elisabeth Hoff. Gie- fo leidenschaftlich geliebt von zwei Menſchen chen durchſchlängeltes Wieſental, auf deſſen jenseitiger Höhe, 36]. Bon Wilhelm Hegeler. Ihr Arm war dem seinen entglitten. Er schien das Gespräch für beendet zu halten. Gebückt, den Blick zu Boden richtend, ging er neben ihr her, gedankenversunken, während fie fühlte, wie eine immer dichtere und schwerere Traurigkeit ihren eben noch beredten Mund verschloß. Sie hatte ihren Mann verteidigen, hatte sagen wollen, ihrer beider Verhältnis sei früher ganz anders gewesen. Aber war es denn so? Hatte es in all den Jahren nicht immer wieder ihres ganzen Mutes bedurft, um die leise Enttäuschung, die Leere, die Bitterfeit, die aufwallende Sehnsucht in ihr zu befämpfen? War denn wir lich eine plötzliche Wandlung eingetreten? War es nicht viel mehr so, daß das, was sie in der legten Zeit so befremdete und peinigte nur der offenbar gewordene Ausdrud eines schon lange bestehenden Zustandes war? Irgendwo in ihr war eine Stimme, die widersprach, eine Hand, die auf glücklichere Stun ben zeigen wollte, aber sie lagen versunken unter der schwerer und müder fich wölbenden Kümmernis. So ging auch sie schweigend neben ihrem Begleiter, in fich verloren, fast ohne Bewußtsein seiner Nähe, bis ein Gefühl von Enttäuschung sie wider an ihn erinnerte: mit so bangem Glüd hatte sie ihn an diesem Abend erwartet, nun ging er neben ihr, ein ehrlicher, treuer, befümmerter und ratloser Freund. Und während zugleich mit der leisen Enttäuschung ein Gefühl dantbarer Sicherheit sie ergriff, sob sie wieder ihren Arm unter feinen Er blieb stehen. Ach, Elisabeth, was das Leben so schwer erträglich, so unheimlich oft und hassenswert macht, find nicht die großen Schrednisse, sind nicht Krankheit und Tod: das ist die Tat jache, daß es mit so unbarmherziger Gleichgültigkeit fein wertvollstes Gut, sein wertvollstes Menschengut verfümmern| den Blid in ein Tal öffnete, in ein weiches, von einem Flüßläßt. von Hochwald umrahmt, sich das Gemäuer eines alten Schlosses erhob. Wie trübe, im Dunst ertrinkende Funken schimmerten einige Lichter aus den lezten Häusern des Städtchens herauf und wurden überstrahlt vom bleichen Retzengianz der blühenden Kastanienbäume, die wie zwei Reihen feierlicher Fadelträger aus der Tiefe zu diesem Höhenvorsprung hinanführten. Rysed, beide Arme auf den verwitterten Ballen eines größtenteils eingefallenen Geländers stüzend, das unbedeckie Haupt weit vorbeugend, schien ganz in den Anblick versunten, und doch fühlte Elisabeth feinen rasch sie überflammenden Blid, als wollte er eine lange berechnete Wirkung feststellen. Sie geraten an einen dritten o sicher, wenn ich jetzt mit Ihrem Mann spräche, er würde behaupten, Sie bedeuteten ihm unendlich viel. Aber alles, was er an Ihnen schätzt und liebt, das alles fönnte ihm eine andere Frau ebenjogut geben. Mein, es waren nicht gerade Sie, nicht gerade Elisabeth, die er brauchte. Es war ein Zufall, daß er Sie fand. Ich habe Sie begehrt und liebe Sie noch, aber wenn mein Freund Sie errungen hätte, wenn Sie seine Frau geworden wären ich hätte mich, wenn auch nicht neidlos, doch dem Schicksal gefügt, denn Sie wären ihm die Ergänzung geworden, die den Mann erst zum vollen Menschen macht. Aber daß es diefer dritte sein mußte, nein, ich jehe in diesem Zufallswurf nicht die Hand des weifen Schicksalsspielers. Nur eine Sinn losigkeit, wie alles, was unser Leben bestimmt. Die Stämme wurden fürzer, standen dichter. Ein tiefer Hohlweg, bewachsen mit Moos und Schachtelhalmen und Schlingfräutern aller Art, führte bergan. Die schweren Schleppen der Tannenzweige streiften ihre Gefichter, umhüllten sie halb, schlossen jede Durchficht zum Himmel ab. Die brennende Hize des ganzen Tages hatte sich in dem nadeligen Gezweig verfangen, und aus dem Boden, wo gelb geflecte Salamander trochen, stieg ein feuchter Brodem. Schwer und mühsam flommen sie hinan, das Rascheln des Krauts, das feine Knacken der zahllosen dürren Zweige machte jeden ihrer Schritte hörbar und schien ein leises tappendes Echo zu weden, wie in stiller Nacht das Nachschleppen eines hinfenden Uhrpendels... oder war es noch etwas anderes? dachte Elisabeth. Seltsam, fie bildete sich ein, die Schritte ihres Mannes zu hören, der zu Hause auf und ab ging, auf und ab, und ruhelos an sie dachte. Dann hellte es sich auf, grüßte durch Stamm und Gezweig mit vielen Augen, und plötzlich standen sie vor einer Lichtung, die ihnen, hinter einem jähen, mit saftigen Haselnuß- und Eschentrieben bestandenen Abhang, War es der rasche Uebergang aus schwüler Finsternis in diese fühle und lichte Klarheit, die Ueberraschung und das plögliche Wiedererkennen des Ortes: sie war bestürzt, umwittert von Gefahr, und fühlte zugleich doch, wie hundert ausbrechende Kraftquellen, brodelnden Unwillen, heiße Widerstandskraft. Erinnern Sie sich?" fragte er leise. Wie sollte ich nicht?" Er fam auf sie zu, die Hände nach ihr ausstredend. Seine Büge, feine Augen blidten ganz wie einst, in dunklem Schmerz in verborgener Wildheit. es war der alte ,, Elisabeth, schöne, schöne Elisabeth" Klang, nie wieder seitdem und doch so oft seitdem von ihr wiedergehört- Elisabeth, um die ich so viel gelitten, um die zu leiden noch ein Glück ist hören Sie mich an!" „ Erst sollen Sie mich anhören." Den gepreßten Atem zur Ruhe zwingend, blickte sie zurüd, in die vom Tannendidicht überdachte, schwarze Höhlung des Weges, als. müßte der Schatten, der sie geängstigt, daraus hervortreten, der Schatten, den ihr aufgeftörtes Gemiffen zum Bild ihres Mannes geformt hatte. Aber niemand kam. ( Forthegung folgt.) Straßensperrungen von 2 bis 5 Uhr. Zu den Mitteilungen über die erfolgenden Straßensperrungen ift noch das Folgende ergänzend nachzutragen: Für jeden Durchgangsverkehr von Fahrzeugen einschließlich aller öffentlichen Verkehrsmittel mit Ausnahme der Untergrundbahn wird oon 2 1hr nachmittags ab ein Raum gesperrt, der durch folgende Straßen umgrenzt ist: Mittelstraße, Schadowstraße, Dorotheenstraße Ede Neue Wilhelmstraße, Reichstagsufer von der Marschallbrücke ab, Kronprinzenufer, Richard- Wagner- Straße, Spreeweg, fämtlich einschließlich, Bellevue Allee, Kemperplay, Bittoriastraße, Königin- Augufta- Straße, Hafenplay, Schöneberger Straße, Astanischer Blaz, Anhaltstraße, sämtlich ausschließlich, Kochstraße einschließlich, Friedrichstraße von Kochstraße bis mittelstraße ausschließlich. Um diesen Raum werden die öffentlichen Verkehrsbahn hält ihren Betrieb aufrecht, jedoch sind die Bahnhöfe mittel während der Absperrung herumgeleitet. Die Untergrund Potsdamer Play und Kaiserhof von 2 Uhr ab bis zur Aufhebung der Sperre geschlossen. Die Reichs: bahn verkehrt bis zum Botsdamer und Wannseebahnhof, 3u- und Abgang für das Publikum vom Hafenplag aus durch die Röthener Straße. Gleichzeitig von 2 Uhr nachmittags ab wird der Fuß. gängerverkehr für einen Raum, der durch folgende Linie gefennzeichnet ist, gesperrt: Platz nördlich und westlich des Reichstags gebäudes mit Ausnahme des Königsplates an der Siegesfäule, Friedensallee, Play moestlich des Brandenburger Tors, Budapester Straße, sämtlich einschließlich, Lennéstraße ausschließlich. Bon da ab diefelbe Linie wie oben bis zur Wilhelmstraße. Diese ausschließ lich füdlich der Kreuzung mit der Leipziger Straße, Leipziger Straße östlich dieser Kreuzung ausschließlich, Friedrichstraße, Jägerstraße, Mauerstraße, Schadomstraße ausschließlich, Dorotheenstraße Ede Neue Wilhelmstraße ausschließlich, Reichstagsufer westlich der Marschallbrücke einschließlich. 3utritt hat das Publitum aum Königsplay an der Siegessäule. Es ist damit zu rechnen, daß die Sperre erst in den späten Nachmittagsstun. den, in der nördlichen Hälfte etma gegen 5 1hr, in der südlichen erst später, aufgehoben wird. Nach den Feierlichtelten am Reichstag wird der Sarg nach dem Potsdamer Bahnhof übergeführt und dort vor der Mitteltreppe aufgebahrt. Anschließend erfolgt das Borbeidefilieren von Bereinen, Organisationen usw. und vom Bublifum, und zwar in der Richtung von der Budapester Straße am Bahnhof vorbei nach der Königgräßer Straße. Wer hieran teilnehmen will, muß durch die Bellevueftraße, Budapester Straße, Boßstraße und Leipziger Straße fommen. Die Sperre in diesen Straßen sowie im ganzen nördlichen Teil wird für Fußgänger rechtzeitig aufgehoben werden. Der Berkehrsturm auf dem Botsdamer Platz wird durch Lichtzeichen diese Maßnahmen unterstützen. Maßnahmen der Eisenbahn für den 4. März. Für die Bewältigung des anläßlich der Trauerfeierlichkeiten für ben Reichspräsidenten Ebert zu erwartenden Maßenverkehrs hat die Reichsbahnbirektion Berlin umfassende Maßnahmen getroffen. Auf fämtlichen Stadtbahn, Ring- und Borortlinien wird die Zugfolge in dem Maße verdichtet, daß die Beförderung des Publikums nach allen Richtungen ohne Stodung vor sich gehen kann. Fünf Minuten für den toten Präsidenten. Allgemeine Arbeitsruhe am Donnerstag von 11-11 2hr 5 min. Auf Beranlassung der freigewerkschaftlichen Spizender. bände der Arbeiter, Angestellten und Beamten follte ursprünglich am Tage der Beiſegung des verstorbenen Reichs präsidenten am Donnerstag, den 5. März, zur Stunde der Beftat tung im ganzen Lande die Arbeit vormittags von 11 bis 11.15 Uhr ruhen. Nach Verhandlungen im Bolizeipräsidium haben fich, wie das Bolizeipräsidium mitteilt, die Spizenverbände unter Bürdigung der besonders schwierigen Berkehrs verhältnisse der Großstadt damit einverstanden erklärt, daß verhältnisse der Großstadt damit einverstanden erklärt, daß in Berlin diese Arbeitsruhe auf fünf Minuten, und zwar auf die Zeit von 11 bis 11.5 Uhr beschränkt werde. Im Interesse der Sicherheit des Verkehrs ist es wünschenswert, daß während dieser fünf Minuten auch alle fibrigen Berkehrsmittel still stehen. Auch tommt die beabsichtigte Ehrung des Staatsoberhauptes nur durch eine derartige allgemeine Teilnahme an der Trauerfundgebung in würdiger Weise zum Ausdruck. Friedrich- Ebert- Straße in Berlin. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion hat folgenden Dringlichkeitsantrag eingebracht: Wir beantragen zu beschließen: Die Bersammlung ersucht den Magiftrat, eine Berkehrsstraße in Groß- Berlin zu Ehren des ver storbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert Straße zu benennen. Heimann und Genossen. Max Adler in Berlin. Zu Sonnabend abend hatte die Bereinigung sozialdemokratifcher Studenten eine Berfommlung einberufen, in ber Genoffe Prof. Mar Adler von der Universität Wien über das Thema Prof. Mar Adler von der Universität Wien über das Thema „ Soziologie des Margismus" jprechen follte. Ursprüng. lich sollte dieser Vortrag in der Universität gehalten werden, aber der Rektor der Berliner Universität verweigerte die Hergabe eines Raumes, angeblich weil das vorgesehene Thema ein politisches" fel. Der Vortrag fand deshalb in der Aula des Dorotheenftädtischen Realgymnafiuns statt. Der große Raum war bis auf den letzten Blayz gefüllt. Der Redner schllberte in seiner tief eindringenden, feffelnben Ari den historischen Entwicklungsgang der sozialistischen Ideen und wies sowohl auf dem Gebiete der Gesellschaftswissen schaften wie der Philofophie die enge Verknüpfung zwischen der margistischen Theorie und der modernen Wissenschaft nach. Die Die Gegner, betonte Genosse Adler mehrfach, machten es sich in ihrem Kampfe gegen den Margismus leicht, indem sie als Popanz eine vulgare, flache Theorie aufstellten, die nichts mit der von Marr und Engele gefchaffenen Theorie zu tun habe. Der eigentliche Marris mus jedoch, der nicht nur auf Marg und Engels, sondern auch auf die Ideen der großen sozialistischen Utopiſten zurückgehe, fei nicht nur wissenschaftlich fest begründet, sondern habe auch auf allen Gebieten der wissenschaftlichen Forschung bahnbrechend und frucht bringend gewirkt. Im Kampfe der Arbeiterklasse jedoch sei die aus dem Margismus geborene Erkenntnis die vorwärtstrebende Kraft, die den Willen der Menschen eingliedere in den Prozeß des Aufbaues einer neuen, freien Gesellschaft. Einen zweiten Bortrag hielt Genosse Adler am Sonntag vormittag in einer vom Kulturfartell des 11. Kreises nach der Schloßbrauerei Schöneberg einberufenen Bersammlung. Auch diese Bersammlung war außerordentlich gut besucht. Nachdem Genoffe Ed. Bernstein des Hinscheidens Eberts in einer furzen Ansprache gedacht, hielt Genosse Abler einen Bortrag über„ Staat und Margismu's", in dem er die verschiedenen Staatstheorien auf ihren Ideengehalt prüfte, um dann auf die Stellung des modernen Proletariats zum Staate einzugehen. Es sei falsch, führte er aus, in dem heutigen Not staat bereits jenen von dem Philofophen geforderten Bernunft staat zu sehen, deffen Aufgabe die Verwaltung der Angelegenheiten aller auf Geheiß der Beherrschten und nicht auf Grund einer von oben diktierten Sazung fet. Wenn Marg und Engels vom Staate sprechen, jo meinen fie stets ben heutigen Notstaat, während sie den kommenden Bernunft. staat als gesellschaftliche Ordnung bezeichnen. Diese Ordnung müsse aber erst erkämpft werden. Erst der Sozialismus werde die wahre Nation und das wahre Baterland schaffen. Wenn trotz des fümmerlichen Anteils an Macht, der heute, dem Brole tariat zugestanden wird, die Demofratie voll bejaht merbe, jo geschehe das deshalb, weil auf ihrem Boden erst die Möglichkeit zur stärkeren Entfaltung des Klaffenfampfes gegeben merde, der durch eine grundlegende Renderung der Befigverhältnisse die Möglichkeit fchaffe, zu einer fozialen Demokratie zu ge langen, wie wir sie als Sozialdemokraten erstreben. Den flaren und packenden Ausführungen Adlers folgte anhaltender stürmischer Beifall. Die Bersammlung schloß unter den Klängen der Internationale". Gattenmord in der Koloniestraße. Nach einem Bierteljahr entdedt. Der Täter verhaftet. Ein Kapitalverbrechen, das schon ein Vierteljahr zurückliegt, wurde soeben in dem Hause Kolonieftr. 134, im äußersten Norden der Stadt, aufgedeckt. Hier hatte seit dem Jahre 1920 der 33 Jahre alte aus Berlin gebürtige Dr. phil. Bruno Schreiber mit 9 Jahre alten Töchterchen in einem fleinen Fabrikgebäude im ersten seiner 2 Jahre älteren Ehefrau Martha, geb. Ball, und einem jezt Stod eine fleine Wohnung inne. Schreiber war eine Zeitlang Redakteur, betrieb aber in der letzten Zeit Scheckschwindel. Deshalb wurde er am Sonntag von der Kriminalpolizei verhaftet, vom Untersuchungsrichter vorläufig wieder auf freien Fuß gefeßt, jetzt Halbmast in der Wilhelmstraße RK. aber auf Grund feines Geständnisses, seine Frau ermordet zu haben, erneut verhaftet. Die aufsehenerregende Berhaftung hat folgende Borgeschichte: worden sein muß, als fie in tiefftem Schlaf lag. Dem Amisrichter Dr. Schulz in Belzig gegenüber hat der Angeklagte im Juni v. J. zugegeben, daß er zuerst seine Frau im Schlaf erfchoffen und bann feine Schwiegermutter im Altoven erschlagen habe. Dabei hat der Angeklagte noch weiter gesagt:„ Ich fonnte unter den Familienverhältnissen nicht mehr leben". Ein Zeuge befundet, daß das Berhältnis der Tochter zu ihrer Mutter das denkbar schlechteste ge wefen fei. Stetigkeit der Milchzufuhr? An den Anschlagfäulen wird aus Anlaß der Milchfachausstellung Propaganda für die Milchernährung gemacht. Es wird darauf hingewiesen, wie groß die Nährkraft der Milch im Bers hältnis zu anderen Nahrungsmitteln ist, es wird außerdem die befannt sind, nicht bloß denjenigen die sich mit der Wolfsernährung Billigkeit der Milch in den Vordergrund gestellt. Alles Dinge, die theoretisch und praktisch beschäftigen, sondern auch der großen Masse. Nur hat die Sache einen Hafen. Augenblidlich ist ein Ueberfluß an Milch vorhanden. Wir haben ja schon im Borwärts" darauf hingewiesen, daß tausende von Litern in die Goffe wandern. Denn heute paßt es nämlich den Landwirten, große Mengen Milch in die Stadt zu liefern. Es fann aber fein, baß fie es morgen wieder für zweckmäßig halten, mher Milch als bisher zu verbuttern. Die Massen haben sich dann auf die Milchernährung eingestellt, fie marten auf die Milch, die vom Lande tommen foll, und nicht tommt. Wenn die Milch mehr als bisher für die Ernährung Verwendung finden soll, dann muß eine Stetigteit der Milchlieferung garantiert werden. Wenn die landwirtschaftlichen Organisationen das erreichen können, daß unabhängig von der Konjunktur ein gewisses Mindestmaß von Milch in die Städte fommt, bann fann auch die Mild als Nahrungsmittel mehr als bisher Berwendung finden. Eine gefährliche Rede. Was einem Pfarrer übelgenommen wurde. Eine unliebfame Szene ereignete sich im Auguft v. 3. bei der Beerdigung des Gastwirtes Domröse aus Spandau auf dem Friedhof in Staaten. Die Beerdigung fand unter einem großen Trauergefolge von Verwandten, Freunden, Berufskollegen, Gesangund Kriegervereinen, Feuerwehr und Gastwirtsvereinen mit ihren Bannern statt. In der Kapelle hielt in Bertretung des Drispfarrers der Paftor Bindemeyer aus der Gartenstadt Staaten die Trauerrede. Dabei wandte er sich auch gegen das Gift des Alkoholismus, das schon viele Opfer gefordert habe, und führte weiter aus, daß auch der Berstorbene dieser Seuche zum Opfer gefallen sei. Nun gäbe es gewissenlose Leute, die aus gewinn füchtigen Gründen schwache Naturen verführen wollen, so daß aud Diese der Truntfucht anheim fallen. Diese Worte riefen bei der Trauergemeinde große Aufregung hervor, namentlich bei den Gastwirten, die schon bei den ersten Worten erregt die Kapelle ver ließen. Der Weg zum Grabe gestaltete sich hernach geradezu tumultuarisch und es foftcte Mühe, die aufgeregten Gastwirte und Familienangehörigen vor Kundgebungen zu bewahren. Nach der Angabe bes Borsigenden des Gastwirtsvereins, der dem Berstorbenen das Zeugnis eines anständigen Mannes ausstellte, der niemals mehr getrunken hätte als es in seinem Beruf erforderlich sei, und der auch nicht an Truntjucht, fendern an Blutvergiftung gestorben sei, habe es nicht viel gefehlt, daß man den Geistlichen am Grabe ange griffen hätte. Diese Bortommniffe hatten das Organ des deutschen Gastwirtsverbandes„ Das Gasthaus zu einem scharfen Artikel unter der Ueberschrift Nicht einmal Ehrfurcht vor dem Tode."-Abiti artikel gegen den Bastor veranlaßt. Der Auffaz enthielt schwer be nenglerische Schamlosigteit zu einem scharfen Angriffs leidigende Ausbrüde, die eine Anflage gegen den verantwortlichen Redakteur wegen Beleidigung des Pfarrers einbrachten. In der geftrigen Berhandlung vor dem Schöffengericht mitte gab Pfarrer Bindemeyer zu, die Worte in seiner Rede wohl gebraucht zu haben, bestritt aber, daß sie eine Beschimpfung des Gastwirtes enthalten hätten. Er habe es für seine Pfiicht gehalten, bei dieser Gelegenheit auf die Gefährlichkeit des Altoholismus hinzuweijen, ohne daß er selbst fanatischer Abstinenzler sei. Der Angeklagte machte für sich den Schuß des§ 193 geltend. Das Gericht ließ es im Urteil dahin gestellt sein, ob der Pfarrer sich über die Todesursache richtig ausge. laffen habe. Soweit der Gastwirtsberuf in Frage kommt, hätte dem Angeklagten der Schuß des§ 193 zur Seite gestanden. Das Gericht hatte dem Pfarrer aber geglaubt, daß er nur aus idealen Gründen fich verpflichtet gefühlt habe, so zu sprechen. Der Angeklagte habe die Grenze der Berteidigung der Standesehre überschritten und wurde daher zu 100 Mart Geldstrafe verurteilt Am 24. Dezember v. J. zeigte Dr. Schreiber auf dem zuständigen Bolizeirenier an, daß er feit bem 4. Dezember feine rau vermisse. Sie habe an jenem Lage die Wohnung ohne Angabe eines Zieles verlassen und seitdem nichts mehr von sich hören Lassen. Nach seinen Angaben rechnete man mit einem Unglüdsfall Boltsmund in jener Gegend aber beschuldigte Dr. Schreiber schon oder Selbstmord, aber auch mit einem Berbrechen. Der länger, seine Frau ermordet und die Leiche irgendwie beseitigt zu haben. Irgendein Anhalt aber, der diese Beschuldigung bestärkt oder gar bewiesen hatte, war nicht zu finden. Die Frau war und blieb spurlos verschwunden. Am Dienstag morgen nun fam Schreibers Mutter mit einer Tochter nach der Wohnung, um einmal die Sachen ihrer vermißten Schwiegertochter zu durchsuchen. Hier bei ging fie auch nach dem Boden hinauf. An einem Treppenver schlag, der unter dem Dache schräg abfällt, sah die Frau eine Anzahl gebündelte Zeitungspakete. Als sie diese wegräumte, stieß fie auf Badelafen und Tücher und darunter auf Segelleinen. Das ganze war verschnürt, der Inhalt fühlte sich weich an. Frau Schreiber schöpfte Berdacht und ließ ihren Mann holen. Als der alte Schreiber zu feinem Sohne in die Wohnung hineingehen wollte, fand er sie von innen verriegelt. Jest benachrichtigte er die Polizei, die fofort erschien. Als sich auf ihr Klopfen in der Wohnung nichts rührte, fliegen die Beamten mit einer Beiter von einem nebenan liegenden Stallgebäude durch ein Fenster ein. In diesem Augenblic erhob sich Dr. Schreiber aus dem Bett und erklärte, daß Das Urteil im Banderolendiebstahlsprozeß. er fich eingeriegelt habe, um sich das Leben zu nehmen. Man fand auch ein Schreiben, das dahin lautet und an einen be In später Abendstunde fällte das Schöffengericht mitte unter fannten Kriminalfommiffar gerichtet ist. Schreiber wurde verhaftet Borfig von Landgerichtsdirektor Bethge das Urteil in dem zwei und geftand sofort, daß er seine Frau mit einem Hammer, der in ber tägigen Brozeß wegen des Einbruchs in das Hauptzollamt Norb. Stüche liegen müsse, in dem Wohnzimmer erschlagen und die Leiche in Das Gericht nahm gemeinschaftlichen Diebstahi an und verurteilte dem dunklen Berschlag auf dem Boden versteckt habe. Wie hier der den Zollinspektor Jordan 3 2 Jahren Zuchthaus und Befund ergab, hatte er die entkleidete Leiche in Badelaten und andere wegen Bergehens gegen das Labatteuergesetz zu 1000 Mark Geid Tücher und die Segelleinwand eingepackt und das Batet mit einer ftrafe, sowie zu fünf Jahren Ehrverlust. Weiterhin wurden ver Waschleine stark verschnürt. Schreiber wurde unter sicherer Beurteilt: Scholz zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus, Ernst zis deckung mit einem Automobil nach dem Polizeipräsidium gebracht. 1 Jahr Gefängnis, Leichtmann zu 1 Jahr Buchthaus, Schulz In der Bernehmung behauptete Dr. Schreiber, daß er seine zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 1000 Mart Geldstrafe; drau nach vorangegangenem Streit getötet habe. Den Hammer, den fämtliche vier Angeklagte zu je 3 Jahren Ehrveriust. Grahl erhielt entdeckte man aber in dem Bodenverschlag auch noch ein Bell, an dem perurteilt: die Zigarettenhändler und fabrikanten Badalo pou er allein benugt haben will, fand man in der Küche. Außerdem wegen Begünstigung 6 Monate Gefängnis. Wegen Hehlerei wurden Blutspuren festgestellt wurden. Zur vorläufigen Besichtigung der los und Wedwerth zu je 2 Monaten Gefängnis und 200 Mart Toten erschien im Laufe des Tages der Gerichtsarzt Prof. Dr. Geldstrafe, Findeis zu 3 Monaten Gefängnis und 600 Dart Strauch. Er ließ die Leiche aus dem duntien Verschlag heraus. Geldstrafe, Neumann und Stern zu je 3 Monaten Gefängnis nehmen und enthüllen. Sie war übrigens infolge der Einwicke und 1000 Mark Geldstrafe. Frau Jordan und mehrere weitere lung und der dauernden Kälte in dem Bodenraum zum größten Teil Angeklagten wurden unschuldig befunden und freigesprochen. mumifiziert mit Hemd und Nachtjacke belleidet. Dr. Schreiber wird also seine Frau erschlagen haben, als fie im Begriffe stand, ins Bett zu gehen oder bereits darin lag. Nachdem das Berbrechen bekanntgeworden war, fammelte fich vor dem Gebäude bald eine große Menschenmenge, die in laute Berwünschungen ausbrad, als das Auto mit dem Mörder vom Hofe herausgefahren tam. Dr. Schreiber, der sehr starke Nerven haben muß, ist ganz ruhig. Er erklärte, daß man feine ganzen Berhältnisse pinologisch hat er fein Geſtändnis nur kurz schriftlich figiert. Wie feitgestellt würdigen müffe, um die Tat begreifen zu können. Borläufig wurde, ist er feit dem Verschwinden seiner Frau fast täglich betrunken gewesen. Vermutlich hat er den Alkohol genossen, um sich zu betäuben. Der Potsdamer Mordprozek. Am 2. Verhandlungstage gab der Angeklagte Kühn zu, das Fahrrad feiner Schwiegermutter verstedt zu haben. In der Sattel talche bewahrte die alte Frau stets die Schlüffel zu ihrem Alien fübden, um sich nachts einschließen zu fönnen. Der Behrer des Dorfes Lüffe als Zeuge pernommen, schildert die Erfchoffene junge Frau als einen Menschen ohne Seele und Gemüt Unter 27 Bewerbern fuchte die Siegermutter den Schwarz fopf", wie fie den Angetlagten früher immer bezeichnet hatte, für ihre Tochter aus. Nach den Zeugenausfagen, hat aber die alte rau recht trübe Erfahrungen mit diesem Schwarzkopf" machen müffen. Sie wurde nicht nur schlecht behandelt, troh der reichen Wirtschaft mußte fie auch bei ihrem angeheirateten Schmiegerfohm hungern. Der Angeklagte bleibt auch heute dabei, daß er den Schuß auf ausdrüdliches Verlangen abgegeben habe. Die Gutachten der ärztlichen Sachverständigen ftimmten fait ein stimmig dahin überein, daß der Schuß auf die junge Frau abgegeben " Der Maun mit 30 Namen. Seit etwa einem Jahr wurden in einer Reihe von Berliner Hotels geheimnisvolle Diebstähle verübt, deren Urheber unentdedt blieben. Wenn die Hotelgäfte sich bisweilen nur wenige Minuten aus ihren Zimmern entfernt hatten, waren Juwelen, Brieftaschen und bares Geld verschwunden. Die ganzen Umstände, unter denen die Diebstähle ausgeführt wurden, riefen in den Geschädigten fast mit diesen in Berbindung stehende andere Berinoen in Betracht. Der immer den Verdacht hervor, als Täter fämen Hotelangestellte oder Kriminalpolizei ist es jegt gelungen, den langgefuchten Dieb in der Berson des bereits wegen Betruges seit längerer Zeit gesuchten berufslosen Bernhard Riederowicz zu ermitteln und festzunehmen. Rieberowicz arbeitete in der Weise, daß er in eleganter Stleidung in den betreffenden Hotels Wohnung nahm und nach Verübung des Diebstahls verschwand. Im Laufe der Zeit ist er in den Hotels unter etwa 30 perfchiebenen Namen aufgetreten. Ganz erstaunlich ist es, daß er troß der großen Zahl der von ihm be. nutzten Namen in Hotels, die er mehrfach aufsuchte, stets denselben Namen angab, unter dem er früher bereits dort gewohnt hatte. Er erklärt felbst, daß er ein vorzügliches Gedächtnis habe, so daß ihm ein Irrtum in dem anzugebenden Namen nie unterlaufen fei. Riederowicz führte eine ganze Anzahl von Hauptschlüffeln sowie Schlüffel zur Deffnung von Koffern bei fich. Er hat derartig geschicht gearbeitet, daß verschiedene von ihm bestohlene Hotelgäste das Fehlen ihrer Brieftaschen und Schmudfachen überhaupt nicht auf einen Diebftahl zurüdfährten, vielmehr glaubten, die Sachen verloren zu haben. Stieberowicz hat 27 Diebstahle eingestanden, dürfte aber noch für eine größere Anzahl in Betracht tommen. Ein erheblicher Teil der von ihm entwendeten Gegenstände fonnte wieder herbei geschafft werden Die Trauerkundgebung der Stadt Berlin. 3 Die gestern abgehaltene Stadtverordnetenversammlung war nur furz; sie war dem Andenken des verschiedenen Reichspräsidenten Ge. nossen Ebert gewidmet. Bor dichtbeseztem Hause die kom munisten fehlten und vollzählig erschienenem Magistrat hielt der Vorsteher Genosse aß einen tiefempfundenen Nachruf, den die Bersammlung und die Tribünenbesucher stehend anhörten. Unter stillschweigender Zustimmung der Bersammlung schloß darauf der Borsteher die Sigung, ohne daß in eine Beratung eingetreten wurde. Die Ansprache des Stadtverordnetenvorstehers hatte folgen den Wortlaut: Meine Damen und Herren! Wir haben uns heute zu einer Trauerfundgebung versammelt.( Die Anwesenden erheben fid).) Der unerwartet schnelle Tod des deutschen Reichspräsidenten hat uns alle schwer getroffen. Sofort nachdem die Todesnachricht hier cinging, heben der Oberbürgermeister und ich namens der städtischen Störper schaften sowohl der Reichsregierung als auch der Gattin des Reichs präsidenten unser Beileid ausgesprochen; ich glaube, das in Ihrer aller Namen mit getan zu haben. Der Tod des Reichspräsidenten hat in den weitesten Kreisen nicht nur menschliches Mitgefühl mit dem tragischen Schicksal des Reichspräsidenten ausgelöst, sondern wir haben aus allen deutschen Landen hohe Achtungs. bezeugungen lesen tönnen. Auch in der außerdeutschen Welt hat fich felten sowiel Anteilnahme gezeigt und jelten sind so viele Sympathietundgebungen nach Deutschland gerichtet worden, wie beim Tode dieses ersten Präsidenten der deutschen Republik. Erst an seiner Bahre scheint der Welt zum Bewußtsein gekommen zu sein, daß ein großer Mann von uns gefchieden iff, ein Mann in den besten Jahren, in der vollsten Mannestraft, ein Mann, von dem wir noch manche Arbeit erwarteten. Blühendes, hoffnungsvolles Leben ist frühzeitig durch eine tüdische Krantheit vernichtet worden, und deshalb ist unsere Trauer und unsere Klage so laut, daß ein solcher Mann so schnell hat sterben müssen. Jeder verspürt, daß ein tüchtiger Mann, ein tadelloser Charakter von stärkstem Berantwortlichkeitsgefühl, von unermüdlichem Arbeitseijer und großer Liebe für das deutsche Boll und sein Vaterland verstorben ist. Friedrich Ebert war am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Er war der Sohn eines armen Schneidermeisters, der chwer um sein Brot fämpfen mußte. Sechs Kinder waren in der Familie vorhanden, und in der Proletarierwohnung in der Pfaffen gaffe herrschte manchmal bittere Not. Der sehr lerneifrige Jüngling founte deshalb auch nur die Volksschule besuchen, und obwohl jene Intelligenz und Lernbegierigkeit allgemein auffiel, fonnte er doch nicht in hohere Bildungsanstalten geschidt werden. Nach der Gdjui zeit erlernte er das Sattlerhandwert, und nach der Auslehre zog er in die Fremde, um in der Welt seinen Charakter zu üben, um zu lernen und ein tüchtiger Mensch zu werden. In der Gewerkschafts. bewegung in Hannover verdiente er sich die ersten Sporen. Ais er die Interessen feiner Mitkollegen vertrat, lernte er dort nicht nur reden, sondern auch handeln. Wir sehen ihn dann in Bremen als Arbeiterfekretár, wo er sich der Mühseligen und Beladenen annimmt, vo er den Kampf führt für ein Arbeiterrecht. Auch wird er in Aus der Stadt Nowawes. Bremen Kommunalpolitiker und pertritt die werftätige Bevölkerung in der Stadtverwaltung. Im Jahre 1905, als alle Welt schon auf diejen tüchtigen Menschen aufmerksam geworden war, wählte ihn der Parteitag der sozialdemokratischen Bartei zu einem ihrer Führer; 1912 wurde er Reichstagsmitglied und damit wirksamer Reichs politifer. Die Feuerprobe seines Wirkens legte er aber im Kriege ab. Er war einer berjenigen Arbeiterführer mit, die für die Baterlandsverteidigung eintraten und des Glaubens waren, daß die Arbeiterschaft nach einem niedergebrochenen Kriege die größten Leiden zu erdulden hätte, und deshalb war er der Meinung, daß auch die Arbeiterschaft ihr Vaterland verteidigen müsse, trat aber auch gleichzeitig ein für einen baldigen und gerechten Frieden. Nach dem Zusammenbruch des Krieges und des alten Staates übergibt ihm Prinz Mag von Baden das Reichs fanzleramt, durch die Revolution wird er Boltsbeauftragter, aus. gerüstet mit einer Macht, wie sie vielleicht selten ein Arbeiterjuhrer in Händen gehabt hat. Aber in ihm regt sich fein Machtdünkel; er sucht nicht Vergeltung zu üben an seinen politischen Gegnern, sondern mit festem Griff ergreift er die Zügel, um das Chaos entwirren zu helfen, das durch den Niederbruch des Krieges entstanden ist. Wir verdanken ihm, daß damals fein Bürgerkrieg über unser Cand hereingebrochen ist. Wir verdanten ihm, daß die Auflösung des Deutschen Reichs ver. hindert wurde und daß eine demokratische Ordnung entstand. Und zum Dant dafür wählte ihn die Nationalversammlung 1919 zum Reichspräsidenten. Bas er als Reichspräsident dem deutschen Bolke gegeben hat, wird die Geschichte einst feststellen. Ich glaube, wir find noch zu nahe den Dingen, um ein gerechtes Urteil zu haben. In einem aber, glaube ich, sind wir uns alle einig, ich glaube, daß wir uns alle dein legten Satz der Regierungserklärung anschließen fönnen, der da sagt: Friedrich Ebert hat dem deutschen Bolt, dem deutschen Baterland in schwerster Zeit als aufrechter Mann gedient". Daß der Reichspräsident auch Gegner und Feinde haben tonnte, erklärt sich durch die Mirren und die Not der Zeit. Daß aber dieser Reichspräfident des Landesverrats bezichtigt werden tonnie, das fennzeichnet die Leidenschaftlichkeit und Maßlofigfeit des politischen Tagestampfes. Als der verstorbene Reichspräsident im vorigen Jahre in diesem Hause meilte, fonnte wir ihm Dant fagen für die Teilnahme an dem Hilfswerke der Stadt für die Allen, Kranten und Siechen; auch heute wollen wir dem Dantgefühl Ausdruck geben fur vorbildliche staatsmännische Arbeit, die Friedrich Ebert in den sechs Jahren seiner Reichspräsidentschaft geleistet hat. Er wird uns ais leuchtendes Borbild in Erinnerung bleiben, als Führer Deutschlands in Zeiten schwerster Not und tiefster Erniedrigung nach einem furcht baren Kriege. Wir danken ihm, daß er uns fein tonnte ein Mehrer deutschen Ansehens in der Welt, Baumeister eines neuen Deutschlands, eines glüdlicheren Deutschlands, das in friedlicher Kulturarbeit zu Ansehen und Macht gelangt. Sie haben sich zu Ehren des Berstorbenen erhoben. Ich dante Ihnen. Ich glaube, daß wir unserer Trauer ben besten Ausdrud geben, wenn wir heute von der fachlichen Arbeit absehen. Ich Ichließe deshalb die Sigung Schluß 7 Uhr. Der Berliner Nahverkehr. In Hundertfäßen ausgebrüdt, war die Stadt- und Ringbahn 1923 mit 66,4 Pro3., 1924 mit 44,5 Broz., die Straßenbahn mit 20,2 bzw. 39,2 Broz, Hochbahn mit 11,8 bzw. 13,4 Proz., Omnibusse mit 1,6 bzw. 2,9 Proz. bdes gesamten Bertehrs beteiligt. Achtung, Reichsbanner! Alle Kameraden, die nicht der Fahnentompagnie angehören, mit Ausnahme der Kameradschaft Berlin- Mitte, welche um 12 lbr Sebaftianstr. 37/88 antritt, nehmen um 2 Uhr Aufstellung Siegesallee, Spige Charlottenburger Chauffee und Stemperplatz. Zur Trauerfeier für Ebert treffen sich die Ordner für die Pro letarische Feierstunde am Mittwoch, den 4. März, abends 6 Uhr 50 Minuten im Großen Schauspielhaus, Gingang Schiffbauerdamm, beim Genossen Wilhelm Schent. Wir erwarten, daß alle Ordner pünktlich zur Stelle find. 3ur Mitwirkung an der Trauerfeier für den verstorbenen Reidys. präsidenten treffen sich die Mitglieder des Sprechchors für Proletarische Feierstunden am Mittwoch, den 4. März, abends pünktlich 6 Uhr 30 Minuten im Großen Schauspielhaus, Eingang Schiffbauerdamm, beim Genossen Schent( Requiem). Das Rettungsamt der Stadt Berlin wird heute am Beisehungstag gegenüber der Dorotheenstraße am Reichstag und in der Linkstraße nahe dem Potsdamer Bahnhof je einen Krantenwagen bereit. stellen. Der Dienst auf den nahegelegenen Rettungsstellen ist verftärkt. Großfeuer in den Osramwerken. Wie aus Weißwaffer in der Lausitz gemeldet wird, brach bei den dortigen Osramwerken Feuer aus. Ein 80 Meter langes einstödiges Geund getrocknet werden, brannte iet ganz kurzer Zeit bis auf die bäude, in dem die Chamottehafen für die Glasbereitung hergestellt Grundmauern nieder. Der Feuerwehr aus Weißwasser und Umgebung blieb nur übrig, sich auf den Schutz der umliegenden Glashüttenwerte zu beschränken. Typographia, Gefangverein Berliner Buchdruder und Schrifte gießer. Heute, Mittwoch abend 8 1hr, im Deutichen Opernhaus, Charlottenburg( Bühnenraum): Mitwirtung bei der Ge bentfeier für Friedrich Ebert. Alle Sänger müssen erscheinen. Trauerfundgebung des Reichsbanners in Potsdam. Das Neids. banner Schwarz Rot Gold, Ortsgruppe Potsdam, veranstaltet Donnerstag, den 5. März, eine Trauerfundgebung für den Reichspräsidenten Ebert in Botsdam auf dem Bassinplag und einen Fadelzug um 8 Uhr abends vom Konzerthause aus. Arbeiter- Samarifer- Kolonne Berlin E. B. Treffpunkt der Mitglieder zum Dienst Stronprinzenbrüde, Abmarsch dortselbst 1 Uhr, Tragen sind mitzubringen, Die von der Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale 3ion zum Mittwoch, den 4. März. angezeigte fozialistische stundgebung für bas arbeitende Palästina, in der Reichstagspräfident Paul Lobe, Reichstags abgeordneter Eduard Bernstein und Reichstagsabgeordnete Toni Sender sprechen follten, wurde anläßlich des Trauertages für den Reichsprflädenten auf Montag, den 16. März, verlegt. Gelöfte Starten behalten ihre Gültigkeit. Englisch und Französisch. In den nächsten Tagen beginnen neue Anfänger! urse für Erwachsene( bendunterricht) und für Kinder ( Nachmittagsunterricht). Anmeldungen am Donnerstag, den 5. März, unb Freitag, den 6. März, son 4-6 Ubr nach für Kinder unb bon 6-8 he abends für Erwachsene; bei Genoffin Heß, W 50, Spichernstr. 16, warren baus, 3 Kreppen( Untergrundbahnhof Nürnberger Blak). Die Anmeldung fann auch schriftlich erfolgen. Sprachschule für Proletarier. Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgeunen unb genoffinnen! Alfe Abteilungsver anstaltungen fallen heute, Mittwoch, cuts. Beteiligung au ber Erenerkundgebung. Treffpunkt pünktlich 4 Uhr nachmittags vor ber Rrall Oper( Freie Bollsbilhne) em Rönigsplas. Rote und schwarzTotgoldene Fahnen find umflort mitzubringen. 8 Uhr abends Be teiligung an ber Trauerfeier der Partei im Großen Schauspielhaus. Quifenstadt: Treffpunkt heute nachmittags 43 Uhr Morigplat. Abends Besuch der Veranstaltung in der Boltsbilhne. hörenden Strantenanstalten, ihren etwaigen Befit on Radiumpräparaten nicht ohne meine Zustimmung zu veräußern. Im Falle Die am vergangenen Sonntag stattgefundene Stadtverber Bumiberhandlung würde ich genötigt jein, gegen die betreffenden Das Jugendfetretariat wird heute, Mittwoch, um 1 Uhr gefchloffen. ordnetenwahl mit dem Achtungserfolg der SPD. und der Anstalten geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Niederlage ber RBD. scheint den Kommunisten auf die Ner uen gefallen zu sein. Denn in der Ausgabe der Nr. 46 der Roten Fahne vom 24. Februar steht zu lesen, daß an dem Erfolg der SPD. der Gewerkschaftsapparat, sowie das Zusammenarbeiten der fozialdemokratischen Betriebsräte mit den Unternehmern in den Betrieben schuld ift. Nebenbei gejagt, find ja auch dieje Lügen sehr dumm, denn jeder Nowaweser Arbeiter ist in der Lage, dieses nad zuprüfen. Die Rote Fahne" soll doch nur den kleinsten Beweis dafür bringen, daß der Gewerkschaftsapparat in den Dienst der Wahl gestellt worden ist. Sie wird die Antwort schuldig bleiben. Oder ist sie der Meinung, daß man von sich selbst auf andere schließen muß? Es gab auch mal in Nowawes eine Zeit, wo der Gewerkschaftsapparat in den Dienst einer Partei gestellt wurde. Nur waren da Kommunisten an der Spitze, die sehr emsig für ihre Partei arbeiteten und niemals unterscheiden fonnten, was Gewert fdjafts und Parteiarbeit ist. Wie ein Zusammenarbeiten der SPD.. Betriebsräte mit den Unternehmern stattfinden soll, ist selbst den fommunistischen Betriebsräten hier am Ort, die man danach fragte, wwerständlich. Sie bezeichnen darum auch diese Notiz als Dumm heit. Jeder in Nowawes weiß, daß gerade die SẞD.- Betriebsräte die bestgehaßteten Leute bei den Unternehmern sind. Wie un gerade zur Stadtverordnetenwahl ein lebereinstimmen und Zufammenarbeiten der SPD.- Betriebsräte mit den Bürgerblod. Unternehmern zustande tommen fann, weiß natürlich niemand, cußer der Roten Fahne". Das kostbare Radium. Der Berliner Bolizeipräsident hat an die Leiter der staatlichen, der tommunalen und der den sonstigen öffentlichen Körperschaften fowie den Stiftungen gehörenden Krantenanstalten in einem Schreiben folgende dringende Bitte gerichtet: „ Es ist demnächst beabsichtigt, das zurzeit noch bestehende Ausfuhrverbot für Radium aufzuheben. Angesichts der großen Bedeutung, die das Radium als unerfegliches Heilmittel zum min desten für die Gynäkologie hat und die es wahrscheinlich auch auf anderen Gebieten der Medizin gewinnen wird, erscheint es zum Nutzen der Heilbehandlung dringend erwünscht, die im Deutschen Reiche vorhandenen Borräte an Radium Präparaten, die im Verhältnis zum gesamten Weltvorkommen äußerst geringfügig sind, für den inländischen Bedarf zu erhalten, zumal die Kapitalarmut Deutschlands und namentlich der Geldmangel bei den deutschen Krantenanstalten und Aerzten nach wie vor einem Anfauf von Radium im Auslande entgegenstehen wird. Ich bitte daher im Interesse der Allgemeinheit die staatlichen, die kommunalen und die den sonstigen öffentlichen Körperschaften und den Stiftungen geWetter für Berlin und Umgegend. Beitweise etwas aufbeiternd, jedoc meist bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge, fühl, bei ziemlich lebhaften östlichen Winden. Für Deutschland. Jm Süden vielfach leichte Nieder schläge, fonit troden, überall meist bewölkt und fühl Aufklärung! In der Zeit vor dem Kriege hatte der Berliner Nahverkehr eine stetige Steigerung von jährlich 5 bis 7 Broz aufzuweisen. Daran waren beteiligt die Straßenbahn mit einer Betriebslänge Don 556 Kilometern, Stadt, Ring. und Borortbahn mit 385 Kilometern, Bfer be. umb Auto omnibuffe mit 109 Rito- ELCIUS metern und die hoch und Untergrunbbahn einschließlich der Schöneberger, Wilmersdorfer und Dahlemer Strecken mit 37,3 Kilometer. Die ruhige Weiterentwicklung wurde Ende Juli 1914 bei Ausbruch des Weltfrieges jäh unterbrochen. Erst im Herbst 1923 mit Einführung der Rentenmark begann die Entwicklung des Berkehrs wieder in normale Bahnen einzulenten. Während im Jahre 1913 insgesamt 1290 Millionen Personen be fördert wurden, stieg diese Zahl im letzten Kriegsjahr 1918 auf 1576 Millionen, fiel dann langfam, um 1924, dem ersten Jahre der stabilen Währung, auf 1366 Millionen zurüdzugehen, immerhin Interessant och 76 Millionen mehr als im legten Friebensjahr. wird die Betrachtung der Einzelergebnisse, namentlich der Bergleich Die left zwischen Straßenbahn und der Stadt- und Ringbahn. genannte mar im Jahre 1913 mit 385 Millionen beteiligt, ihr Anteil tieg bis zum Jahre 1923 auf 920 Millionen; in ben Jahren vorher waren die betreffenden Zahlen gewesen: 428, 624, 723, 817 Millionen Berfonen. Dagegen das ständige Fallen bei der Straßenbahn in den gleichen Jahren 1919 bis 1923: 1011, 784, 672, 521, 289 millionen. Diese Erscheinung beruht auf der ungefunden, selbstmörderischen Tarifpolitit, die in dieser Zeit die Reichs eifenbahnverwaltung auf den Berliner Streden verfolgte. Sie mar außerordentlich billig meit unter den Selbstfosten. So sehr man nun auch der großstädtischen Bevölkerung billige Berkehrseinrichtungen gönnen und wünschen möchte, so schlägt doch der Vorteil in fein Gegenteil um, wenn, wie es hier der Fall war, das andere Bertehrsmittel, eben die Straßenbahn, dadurch vollständig dem Ruin entgegengebracht werden mußte. Außerdem bezahlten die Berliner für die billige Stadtbahn um so mehr an Fracht für die zurollenden Lebensmittel. Im Spätsommer 1923 war die Straßenbahn am Ende ihrer Kraft; fie schloß ihren Betrieb für etliche Tage und erstand neu als Gesellschaft m. b. H. Um dieselbe Zeit änderte die Berwaltung der Stadtbahn ihre Tarifpolitit, fie erhöhte die Tarife nicht unerheblich und ist jetzt auch über den Friedenstarif gegangen. Da ändert sich denn auch sofort die Frequenz, bei beiden Berfehrsmitteln in umgekehrter Richtung. Während nämlich die Stadtbahn von 920 Millionen Beförderung im Jahre 1923 auf 608 Millionen im Jahre 1924 finft, steigt die Beförderungsziffer bei der Straßenbahn in den genannten Jahren von 289 auf 534 Millionen. Der Frauenwelt wird seit einiger Zeit von einer Firma, die ein Haarwaschsalz herstellt, anempfohlen, Kopfwaschpulver selbst zu untersuchen. Die Firma bewirkt hiermit eine Irreführung des Publikums, indem sie eine Methode vorschreibt, welche zu vollkommen falschen Schlüssen führt und dem Fachmann ein Lächeln entlockt. Durch Gerichtsbeschluß wurde die Verbreitung dieser irreführenden Behauptungen untersagt. Der Ruf des Kopfwaschpulvers ,, Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" das seit 22 Jahren das Vertrauen von Millionen von Verbrauchern genießt, und dessen Vorzüge anerkannt sind, bürgt Ihnen für die absolute Unschädlichkeit, die von einer Reihe als Haarspezialisten bekannter ärztlicher Autoritäten bestätigt wird. 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Thema: Die neue Erziehungsbewegung und unser Brogramm. Die Berliner Bezirksgruppe der Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. # 1. Streis Berlin- Mitte. Sämtliche Abteilungen außer ber& b& Ereff punit 1% Uhr Roppenplak, an ber deritzake; 2. bteilung Unter ben Binben 53; 3. Abteilung Azilger, Engelufer 29. 5. Rrcis Friebrichshain. Die fire beurte angefekte Bezittsvenebustennes fammlung im Rathaus fällt umfänbehalber aus. Rädte Sigung Freitos den 6. Mära, dafelbft. 7. Rreis Charlottenburg. Die Borteigenollen treffen fidh Mittwoch admiting um 3 Uhr am Wilhelmspiah. Der Abunarf erfolgt piltlich 2 Uhr. 14. Kreis Reutolla. Treffpunkt bez steifungen und Betriebe 8 Uhr Sex mannsplag. 15. Kreis. Treffpunkt ber Genoffiumen b Genoffen sur Tamerleier mit be Rug 2.20 Uhr ab Niederschönemetde bis Lehrter Bahnhof. Gammelpunit bort am Safen gegenüber dem Sauptportal. Stote Fahnen Anb mitan bringen. Heute, Mittwoch, den 4. März: 1. Abt. Treffpunt bei 8fchiefing. Aderft. 1, Burnt 1% L. f 2 Uhr. 15. Abt. Treffpunkt 2 Uhr Gardenplag. 16. Abt. 2 Uhr bei Krüger, Suffitenftr. 34 21. Abt. 2 Uhr bei Stoll, Utrechter Str. 21 22. Abt. 2 Uhr bei Radzan, Briffeler Str. 43. 32. Abt. Die Genoffen treffen fic em Luther- Denkmal om Reuen Mort mat 3 Uhr. 38. Abt. 2 Uhr Landsberger Blak, aut Bandsberger Sor Bonner unb Fahnen mitbringen. 81. Abt. Friedenau. Eceffounft zur Erauerfeier 144 Ufte am Raifer- Wilhelm Blak in Schöneberg. Der fozialistische Seminarabend fällt aus. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Trianon- Th. Opernhans Heute geschlossen. Tägi. 8 Uhr Heute geschlossen Opernhaus Der Werwolf am Königsplatz Heute gesch ossen Hans! Arnstadt Lia Bibenschütz Schauspielhaus Kaiser- Titz Heute geschlossen Schiller Theater Heute geschlossen Volksbühne Lettinger Klubertanz Geschloss Morgen Lessing- Theater 7 Uhr: Wer weint am Juckenack? Deutsch. Theater Heute geschlossen. Tägi. 8 Uhr Gastspiel der Heute geschlossen. Reluberdt- Bühnen Morgen 7 Uhr Die heilige Johanna Kammerspiele Coriolan Heute geschlossen. von Shakespeare Morgen 7 Uhr: Regie: Erich Engel Die Stützen or Gesellschaft Die Komödie Kleines Th. Kurfürstendamm 206/207 Heute geschlossen Heute geschlossen Täglich 8 Uhr: Morgen Uhr. Der Diener Frau Lohengrin zweier Heiren Theater i. d. Königgrätzer Str. Gesciloss Morgen & Uhr: Wir lassen uns scheiden Komödienhaus Geschloss Morien 8 Ultr: Heimliche Brautfahrt Berliner Theater Geschloss Morgen 7.30 Uhr: Gisela Werbezirk Olga Limbari, Schreker Strehlen, Matkin Deatsch. Konstlertbeat. Heute geschlossen Lustspielhaus Heute geschlossen Anneliese v. Dessau Operettenhaus SCALA Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: VarietéREVUE mit 18 Getrude HoffmannGirls Schiffbanerdam Heute geschlossen Taubenstr. 48 23. 2. Sidderfelbe. Die Bezizenezes Bei Danbe fit beute aus und finder dafür Donnerstag abenb 8 Uhr ebenda ftatt. 84 sollzählig bt. Sanfmig. Die Genossen und Genoffinnen beteiligen fi an der Trauerfunbgebung. Treffpunkt spätestens 24 Uhr Bahnhof Sant wik ober 24 Uhr Botsdamer Ringbahnhof, Ausgang. 188. 6. Röpenid. Treffpunkt der Genoffinnen und Genossen nachmittags 2 Uhr Bahnhof Friedrichstraße, Schiffbauerbamm, Cde Albrechtstraße. Stenberg 115. bt. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Frankfurter Allee are 117. ht. Treffpunkt 3 Uhr Behrter Abfahrt nach dem Rönigsping. Bahnhof, Saupteingang. 125. Wht. Weißenfee. Treffpunkt 2 Uhr bei Gallas sum gemeinsamen Abmarsch. 128.130. 6. Vantom. Steffnunft zur gemeinsamen Abfahrt zur zonerkund gebung madymittags 2 Uhr Bornholmer Straße, Ede Schönhauser Allee, Fahnen und Banner mitbringen. Bereinigung Sozialdemokratischer Stubenten. Die Genofen und Genoffinnen treffen fich zur Teilnahme an ber Trauerfunbgebung am Königsplag t 2% Uhr im Bormum der Universität. 3.647 Morgen, Donnerstag, den 5. März: Uhr bei Sibner, Büsnader Str. 84, Frauenverfammlung. Thema: Sozialpolitik in Breuken. Referentin Genoffin Rähler, M. 5.& Säße willkommen. Bernen. Die reattenverfammhme am 4. Ses bei Robifch fit ens. Großbeeren. Berkehrslobal Moris Gumpert Rieinbeeren. Derbebrslobal Basbook. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefä& ftstelle: Berlin G 14. Sebaftianfte. 37/38. Sef 2 St. Ramerabithaft Röpenid unb Untergruppen: Mittwoch, ben 4. März, nadmittags 1½ Uhr, treffen fi bie Ramenaben am Bahnhof Röpenid. 3n Berlin arbeitende Stameraden sind nachmittags 2 hr am Bahn hof Friebrichstraße, negang Schiffbauendamm. Rameradschaft Brenzlauer Berg: Mittwoch, den 4. März, nadmittags 1% Uhr, freffen fich die Ramevaden ant Brenzlauer Tor Mrr Trauerfeier. Nachzügler am Rönigsplan, Nordwestede des Reimstagsgebäudes. Arbeitsfreie Ramezaben ab 12 Uhr bei Burg, Kameradschaft Wilmersdorf: Brenzlauer Allee 189. Alle Fabren mit Floz. Zur Teilnahme den Ueberführungsfeierlichkeiten Antreten nachmittags URANIA TaubenFilmvorträge str. 48 Oberingenieur DREYER verlängert Donnerstag, den 5. März, bis Sonntag, den 8. März, 5 Uhr nachm. u. 7 Uhr abends. COLUMBUS, der Film vom Bau und Betrieb des größten deutschen Lloyddampfers, Ueberfahrt, das Meer, New Yorker Hotelund Eisenbahnwesen. Klare, fesselnde Trickfilme, prachtvolle Wirklichkeitsaufnahmen der Döring- FilmWerke, Hannover. Vorverkauf: Theaterkasse, Wertheim and Layalidondank 39 Mark echt Eiche Sprechmaschinen Gelegenheitskauf! Riesenposten! Konzertapparate, trichterios: Nr. M. 9,50 Nr. 11 M. 26, 7 11, 15, Haubenapparate, echt Elche: 12 14 35,- 45, Schrankapparate, echt Eiche: Nr. 19 M. 89, 24 1816 38, 26 20 110, Vollkommenste Wiedergabe Platten wieder billig! 30 cm 1,90 M. an Theater am Kottbusser Tor. Tägl 8 Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr Elife- Sänger. Fabelhaftes März Programm! Humor über Humor Volkstümliche Preise. Theater d. Westens Circus Heute geschlossen Tägi. 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März, abends Ramerab 6 Uhr, Antreten auf dem Friedrich- Karl- Plak aur Trauerfeier, schaft Mitte: Die Rameraden treffen sich nicht am Reichstagsgebäude, sondern nachmittags 1 Uhr Sebaftianfte. 37-38. Ramerabschaft Teltow: Mittwoch, den 4. März, ab Ruhlsdorfer Blas präzise 1.22 Uhr. Susammentreffen Bots damer Ringbahnhof. Der Jugendbund im 6b. beteiligt fidh am Mittwoch an ber Tranerfeier für den verstorbenen Reichspräsidenten durch Spalierbildung. Alle Jungen und Mädel, die es ermöglichen tönnen, follen versuchen, die genügende Beit für die Teilnahme bei ihrer Lehrfirma zu erbitten. Die GD- Jugend fammelt fich( in Kluft mit umflortem Wimpel) 1 Uhr vor der Gaugeschäftsstelle Schüßenstr. 29-30. Reichsband der Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bezirk Webbing& Mitgliederversammlung Mittwoch, den 4. Mära, abends 8 Uhr, Chauffeeftr. 64, Bakenhofer. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berfin- Treptem. Freitag. den 6. März, 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Bilden brugstr. 53, 3 Tr., Bortrag des Schulrats E. Salla:„ Boraf beruht die Autorität in der Erziehung Eintritt frei. Am Donnerstag, bez Berband Bollsgesundheit, Ortsverein Berlin. 5. März, abends 8 Uhr, in der Schule Ifflandz. 9, Ipricht Genoffin Else Bed über„ Broletariat und Gdatle". Disfuffion. Uhr, im Deutsch- Basener. Die Borstände der Deutsch- Bofener Bereine treffen fich in der Zusammenschlußfrage am Mittwoch, den 4. 5. M., abends 7 Lehrernereinshaus, Aleganderftr. 41. Arbeitersport. Witersriegenturner. Am Freitag, den 6. März, ist Mtersriegen- Sufammen turnen in der Koppenstr. 75. Der gute Besuch des legten Rufammenturnens hat aur Neuorganisierung des Altersriegenturnens veranlaßt. Die nach dem Turnen stattfindende Bersammlung in der Großen Frankfurter Str. 125 bet Renelt hat folgende Tagesordnung: 1. Neuorganisierung des Altersriegenturnens: 2. Altersriegenpartie; 3. Rriti! des Schauturnens. Arbeiter- Echachklub. Die Generalversammlung findet am Sonnabend, den 7. März, 7 Uhr, bei Wollschläger, Adalbertftr. 21, ftatt. Das Erscheinen aller Schadh freunde ist erforderlich. Schach vieler, Jeden Donnerstag 8 1hr Spielabend des Arbeiter- Schach Flubs Neukölln bei Rell, Bannierstr. 40. Gäste, auch Anfänger find herzlichst willkommen. Lichtspiele Kammermusikhaus, Lützowstr. 112 Flottwellstraße Am 2., 3., 4. u. 6. bis 14. März, täglich 5, 7, 9 u. Sonntags 3, 5, 7 u. 9 Uhr Der Film, von dem alle Welt spricht! Muß die Frau Mutter werden? Eine Tragödie vom Kreuzweg der Liebe und Mutterschaft mit einleitendem Vortrag des Vorstandes der Gesellschaft für Sexualreform in 6 Akten, Außerdem in Uraufführung: ,, Die Tragödie einer Frau" Ergreifendes Drama aus dem Tagebuch des Graphologen Prof. Schermann in 6 Akten. In den Hauptrollen: Erika Gläßner. Käthe Dorsch, Marg. Kupfer, Karl Auen, Harry Lledke, Hanna Ralph, Paul Otto, Max Landa usw. Eintrittspreise: 1.-, 1.20, 1.50, 2. u. Loge 2.50.- Frauen u. 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Für diejenigen, die der richtigen Zahl am nächsten kommen, sind ausgesetzt worden: 1. Preis: 1 Kanu. 2. Preis: 1 Herren- oder Damenrad, 3. Preis: 1 Sporfanzud od. Sportkostum, 4. Preis: 1 Rundflug über Berlin Außerdem 100 Tros preise in Form von sportildien Gebrauchsgegenständen. Die Lösungen müssen bis zum 19. März, abends 10 Uhr, der Ausstellung durch die Post zugestellt oder in die auf dem Ausstellungsgelände belindlichen Kästen geworfen werden. Bedingungen: Die Zahl muß auf dem Briefumschlag mit Tinte be zeichnet werden. Die Adresse des Einsenders muß sich im geschlossenen Umschlag befinden. Suchtag für die Besucherzahl ist der 28. März, abends 10 Uhr. Unter Leitung eines Notars werden die Einsendungen durch Herren der Sportpresse und bekannte Sportler geprüft Volkskraft- Ausstellung für Spiel- Sport- Turnen- Wandern vom 14.- 29. März im Landesausstellungsgebäude, Berlin NW 40, Alt- Moabit 4-10. Geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. bellenden Wunden. 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Die Berliner Arbeiterschaft ehrt den ersten Reichspräsidenten der jungen deutschen Republit am Mittwoch, den 4. März, dem Tage der Ueberführung des Genossen Ebert in feine Heimatstadt Heidelberg, durch Massenbeteiligung am Trauerzug Am gleichen Tage veranstaltet die Partei abends 8 Uhr Die Genoffen treffen sich zur Beteiligung am Trauerzug auf dem Königsplaß. Um 4 Uhr müssen alle zur Stelle fein. Den Ordnerdienst übernehmen die Mitglieder des Reichsbanners. Den Anordnungen der Gruppenführer ist Folge zu leisten. Alle Fahnenträger der Bartel versammeln sich an der Siegesfäule. Der Trauerzug der Partei wird geführt vom Reichsbanner durch die Siegesallee, Bellevueftraße, Potsdamer Platz. Gedenkfeiern für Friedrich Ebert etter durch die Königgräher Straße, Prinz- Albrecht- Straße, Charan folgenden Stellen: Großes Schauspielhaus, Karlstraße, Bolfsbühne am Bülowplat Deutsches Opernhaus, Charlottenburg. Bismardstraße. Die Genossen Arthur Crifpien, Robert Schmidt und Rudolf wisselt und die Genoffinnen Bohm- Schuh, Marie Juchacz und Anna Nemi die Arbeiterschaft gedenten. werden der Persönlichkeit Eberts und feines Lebenswert's für Nach einem turzen, aber qualnollen Strantenlager ist am 28. Februar der Reichspräsident Friedrich Ebert aus dem Leben geschieben. Im ganzen Reiche und meit über die Grenzen Deutsch lands hinaus hat dieser Schicksalsschlag tiefe Trauer imb warme Anteilnahme erwedt. Im besten Mannesalter auf der Höhe feiner Schaffenstraft hat der Tod bem Birken des ersten Präsidenten der heutschen Republit ein Ziel gefeht. Friedrich Ebert war ein Sohn des Boltes und ist es geblieben bis zu feinem felbft heraus das geworden, was er feinem Volfe war. Als Ende. Aus einfachen Verhältnissen entstammend, if er aus fich Sohn des Arbeiterstandes bezeichnete er sich selbst, als er im Februar 1919 von der Nationalversammlung in Weimar auf den höchsten Vertrauensposten, den das deutsche Bolt zu vergeben hat, berufen wurde. Sechs Jahre bat bert fein verantwort Itches Amt befleidet. Sechs Jahre schwerfter Aufgaben für das Reich, in denen die allergrößten innen- und außenpolitischen Schwierigtetien zu lösen waren. Mit Festigkeit und Besonnenheit haf er es verftanden, das Schicksal bes beutschen Boltes in den fchlimmen Nachfriegsjahren entscheibend zu beeinfluffen. Seine Eintrittskarten werden unentgeltlich gegen Ausweis des überlegene Sachlichkeit, feln Berantwortungsgefühl und die StaatsFlugheit, mit der er ble Interessen feines Baterlandes zu wahren Mitgliedsbuches bzw. Karte nur an den Theaterfaffen verstand, hat nicht nur in der Heimat, sondern auch im Auslande verabfolgt. Nichtmitglieder, durch Parteigenossen eingeführt, Achtung vor feiner überragenben Persönlichkeit und reiche Anzahlen 1 M. erfenming hervorgerufen. Den anerkennenden Worten in der Rundgebung der Reichsregierung: Friedrich Ebert hat dem deutschen Bolte und dem deutschen Baterlande in schwerster Zeit als aufrechter Mann gedient", fchließt sich der Landtag als Vertreter des preußtschen Boltes in bankbarer Erinnerung an den Verstorbenen voll an. Wenn fich in den letzten Jahren die außenpolitischen und wirtschaftlichen Berhältniffe in Deutschland ein wenig befferten, so ist dies in ftarfem Maße dem Birken bes bahingefchiedenen Reichspräsidenten au per banken. Obgleich an der Bauterkeit seines Charafters und feiner Gesinnung nicht zu zweifeln war, ist Ebert durch die heftigen politischen Gegenfäße unserer Zeit oft fweren Angriffen ausgefeht gewesen. Wenn statt der Leidenschaft die Geschichte fprechen wird, wird diese feststellen, daß er es war, der feinem Bolte aus der Ratastrophe und dem Zusammenbruch den Weg gebahnt hat zu einem allmählichen Aufstieg. In der Geschichte des Wiederaufbaues nach dem verlorenen Weltfriege wird die Persönlichkeit Friedrich Ebert einen ehrenvollen Plah finden! Sie haben sich, meine Damen und Herren, von Ihren Plätzen erhoben und damit zum Ausdruck gebracht, daß der Breußische Band tag in tiefer und aufrichtiger Trauer bes Dahingefchiedenen gebentt. Der erste beutfche Reichspräsident ist tot! Möge das deutsche Bolt zu feinem Nachfolger einen Mann wählen, der mit gleicher Liebe und Hingebung feinem Baterlande dieni! Möge das deutsche Bolt von weiteren Schicksalsschlägen verschont bleiben, damit der be: gonnene Aufstieg fortschreiten fann und für unser gequältes Land und Boit endlich eine glüdlichere, forgenfreiere Belt anbricht! Die Trauerrebe wurde ohne jebe Unterbrechung angehöhrt. Der Präsident schlug dann vor, die Sigung zum Zeichen der Trauer abzubrechen und die näcyfte abzuhalten am Donnerstag mittag 12 Uhr mit der Tagesordnung: Anträge zum Dortmunder Grubeningtüd. Das Haus ftimmte bem Antrage zu Nach Schluß der Gigung erschien der Abg. Died( Ronm.) Im Saale unb verlangte bas Wort zur Gefchäftsordnung. Der Prä fibent verweigerte ihm das Wort. Bied brach darauf in wilbe Shimpfworte aus, verließ aber foliesti auch den Saal Schluß 3 Uhr. Hochstapleratmosphäre. Schwere Anklagen gegen das Zikewis- Konsortium. Als der Zizewiß- Ausschuß zur Bernehmung des Adelsfonzerns fchreiten wollte, plädierte die deutschnationale Preffe in ben bewegteften Tönen für Einstellung der Untersuchung. Die deutsch nationale Scheu vor der Deffentlichkeit ist jeht verständlich. Das Gebaren des Kreiles um Bigewig erinnert nach den neuesten Aufichlüffen der Untersuchung an hoch ft a petèt in der schlimm ften form: In der geftrigen Gigung wurde zunächst jener Dr. Bedhoff vernommen, mit bem das Adelskonsortium die Häufetspekulation zufammen betrieb. Beckhoff ist der erste Räufer der Grundstücke Geschäftshaus Börse und Sifthäuser gewesen. Nach seinen Auss fagen hatten die Zihewih, Ehdorf, Carlotoik und Karstadt gar nicht das Recht, die Sifthäuser zu belaften, und er ist bereit, das auf Grund eines notariellen Bertrages zu beweisen. Er wurde nicht davon unterrichtet, woher die Herrschaften das Geld zur Mit beteiligung am Kauf nahmen. Erst als man Direktor Lüders ohne fein Wiffen in die Geschäftsführung der Häujer übernahm, war er im Bilde. Er forderte nunmehr, ihm seine Giftanteile zurückzugeben. Darauf fehte ihn die famose Gesellschaft einfach ab und ließ eine Grundschuld von 4 Millionen Mart einfragen! Cüders," fo fagt Dr. Bedhoff, waren meine Rechte wohlbekannt, er hat alfo unter beroußter Berlegung diefer Rechte gehandelt." Bedhoff hat einen Schadenserfahprozeß gegen die Landespfandbriefanstalt mit dem Anspruch auf zunächst etwa 4 millionen Mark angestrengt! Der Trauerzug defillett vor dem Sarg und nimmt feinen Weg lottenstraße, Unter den Linden, Cuftgarten. 3m Cuftgarten erfolgt die Auflösung des Zuges. Bom Custgarten begeben sich alle Genoffen und Genoffinnen ja den Gedächtnisfeiern. Mariendorf, Neukölln, Weißenfee, pantow und Reinidendorf gehen Die Genossen der Kreise mitte, Wedding, Kreuzberg, Tempelhofzum Großen Schauspielhaus in der Karlstraße. Die Genossen der Kreise Prenzlauer Berg, Friedrichshainn, Treptow, openid and Lichtenberg gehen zum Theater der Bolts bühne am Bülowplah Die Genossen der Atelje Tiergarten, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg und Steglitz gehen zum Deutschen Opernhaus, Charlottenburg, Bismardstraße. Der Bezirksvorstand. Ferner halten Ansprachen: Renner- Wien, Grum bach und Renaudel- Paris, Dan- Rußland, Dr. Diamant- Warschau und andere Bertreter ausländischer Bruderparteien. Männerchöre des Arbeiterfängerbundes haben ihre Mit- Sozialistische Arbeiterjugend Gr. Bln. wirkung zugejagt. fam Dr. Cann, wie er versicherte, die Provision, noch ließ sich der Konzern zu der Eintragung der entsprechenden Hypothef bei der Niederländischen Bant herbei. Auch Dr. Cann begann un die Carlowiße zu durchschauen, und als man ihm auf die Frage, wie sie mit Geheimrat Nehring jo enorme zinjen vereinbaren tönnten, antwortete: Mit dem Herren werden wir schon fertig werden, wenn wir erst das Geld haben, wurde es ihm klar, daß der Adelskonzern fein fauberes Spiel trieb. Die Niederländische Bant follte lediglich als Strohpuppe fungieren, um der Landes. pfandbriefanstalt die Wohnungsgelder in enfloden. Er brach die Berhandlungen ab, und die Niederländische Bank strengte einen Prozeß gegen das Konsortium an. So ficht diese faubere Gesellschaft aus, deren geriffene Manipulationen die deutschnationale Preffe mit Unerfahrenheit und Jugend zu entfchuldigen wagt!" Aber das Bild wäre nicht vollständig, wollte man nicht auf sehr tennzeichnende Einzelheiten hinweisen. Da ist diese Londoner Reife, für die die Direktion der Landespfandbriefanstalt 30 000 32. zur Verfügung stellte. Der Geheimrat Mehring belundete gestern auf wiederholte Fragen ausdrücklich, daß die Summe lediglich zur Zahlung von Provisionen bestimmt war, und daß es die Aufgabe der v. Carlowik, v. Ehdorf und des 48jährigen Direktors der Commerz- und Brivatbank Dr. Fleischmann wat, die von Cann ver. mittelten holländischen Pfandbriefe unterzubringen. Die Herten, die die Wallfahrt nach London unternommen hatten, haben bisher immer behauptet, daß ihnen das trot vierzehntägigen intensiven Bemühens nicht gelungen sei. Abg. 2abendorff von der Wirtschaftlichen Bereinigung stellte gestern fest, daß zur gleichen Zeit eine Kommission des Berliner Stadtbriefamtes in ähn licher Mission in London war und bereits nach 48 Stunden zurüdtehrte, well fie fich Klarheit darüber verfchafft hatte, daß fein Geid aufzutreiben war. Auch Dr. Cann war in diesen Tagen in London und erkundete, daß es sehr wohl möglich ist, die holländlichen Pfandbriefe zu beleihen. Er hat das nach seinen Angaben ben Carlowig und Egdorf sogar mitgeteilt. Aber diese Herren... Jch wußte nicht, daß Dr. Cann in London war und fannte ihn auch nicht," fagt Dr. Fleischmann und muß von dem fozial demokratischen Abg. Brückner darauf aufmerksam gemacht werden, daß der v. Carlomit ausdrücklich in seiner früheren Bernehmung gefagt hat, er hätte mit nach Condon gehen müffen, weil et Dr. Cann tennt und mit ihm dort arbeiten wollte. Wie diese 14tägige Arbeit" in London ausjah, darüber tann heute kein Zweifel mehr bestehen und der Borsigende Leinert fann nicht umhin, blefe fogenannte Geschäftsreise als eine Bergnü gungsreise mit dem Luguszug zu bezeichnen. Eine Bergnügungsreife allerdings mit dunklen Bunften, über die Dr. Cann in öffentlicher Gigung auszusagen sich aus privaten Gründen weigert. Geschäftsreije! Auch Frau. v. Eyborf hat an der Reise teilgenommen, wie man gestern erfuhr. Auf weffen Kosten? D. Egborf: Meine Frau hat für sich felbft bezahlt. De Fleifmann: 3ch habe es wealgftens ausgelegt. Borf. Beinert: Haben Sie das ausgelegte Geld deau wieder bekommen? Dr. Fleischmann: Nein. Also auf Kosten der Landespfandbriefenstatt! Auf Kosten der Wohnstättengelber! Alle Genoffinnen und Genossen freffen fich am Mittwoch 3% Uhr vor der Krolloper( Boifsbühne) am Königsplan. Sämtliche Fahnen mit Trauerflor werden mitgebracht. Abends 8 Uhr be fuchen wie die Gedächtnisfeier der Partei im Großen Schauspielhaus, Aacificaße. 3ihewige mit bem der Barmats. Man verglete die handlungsweise der Barmats mit der der 8itemize! Aber die 3igemine laufen frei herum, während die Barmats feit amet Monaten thret Freiheit beraubt sind! Deutschnational- kommunistischer Vertushungsstandal In später Abendstunde tommt es im Bigewig- Ausschuß zu einem Stanbal, der einzig basteht. Als bei der Erörterung der Bonität der Holländischen Kreblibant Dr. Cann an führt, die Stadt Berlin habe von der Bant einen Kredit von 500 000 Gulden erhalten, unterbrechen die Abgg. Dört( Komm.) und Koch ( Dnat.) die Darstellung mit Swischenrufen, nach benen biefes Gefchäft 1918 als Lebensmittelgeschäft guftande tam. Daraufhin fei noch eine Lieferung aus der Zeit der Inflation fällig. Der Kommu nist und der deutichnationale Pfarrer erheben sich, um in längeren Ausführungen das holländische Institut zu diskreditieren. Der Rommunist Stolt erbietet sich, dementsprechende Briefe zu verlesen.n Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt Fleischmann, er hätte die Briefe dem fommunistischen Abg. Stoll gegeben, da er darum gebeten habe. Der Borsitzende erklärt einen Berkehr zwischen Abgeordneten und Beugen für ungulässig. Es tommt dann zu einer Ge idhäftsordnungsdebatte darüber, burch wen die Briefe verlejen merden fönnen. Abg. Rod)( Dnat.) beanstandet, daß die Verlesung durch ben Berichterstatter Abg. Riedel( Dem.) erfolgt, worauf biefer erklärt: Jedenfalls ist ein solches Berfahren, daß burch einen Abgeordneten Schriftftüde eingeschmuggelt werden, unzulässig. Der Borsigende und die fommuniffifchen Ausschußmitglieder wenden sich gegen die Bezeichnung fhmuggeln". Darauf Abg. Koch( Dnat.): 3ch richte an den Jeugen Fleischmann die Frage, was ihm noch ferner über die Grundfrebitbank befannt ist. Dr. Fleischmann verllest eine Reihe von Auskünften, bie er im Sommer 1924 bei holländischen Firmen eingezogen hat, um sich über die Unterbringungsmöglichkeit der Pfandbriefe ber holländischen Grundstücksbank zu informieren. Die Austünfte fauten burchweg sehr ungünstig. Abg. Riedel( Dem.) will daraufhin Beweisanträge stellen darüber, welche persönlichen Motive Herrn Dr. Fleischmann zur Einziehung dieser im Jutereffe der übrigen Herren des Konzerns liegenden Auskünfte bewogen haben. Beuge Dr. Cann verlieft Ausfünfte, ble gleichfalls im Gommer 1924 eingezogen sind und in denen erklärt wird, die Bantfirma habe gute Erfolge erzielt. Abg. Riedel( Dem.) macht weiter darauf aufmerkjam, daß der angebliche red der Reise nach Condon die Unterbringung ber holländischen Pfandbriefe gewesen fel, während Dr. Fleischmann nach Sem jehigen Befund fchon vorher Auskünfte eingezogen habe, die die abfolute Unverwertbarkeit der Pfandbriefe etgaben. Dr. Cann fügte hinzu: Det hiesige Bertreter der niederländischen Grundfrebitbant, Herr Kunert, hat mir vor einigen Tagen mitgeteilt, daß die ungünftigen Amsterdamer Auskünfte auf falsche Anzeigen zurückzuführen jeien, die von den Herren des Zihewitz- Konzerns dank ihrer guten Beziehungen beim Auswärtigen Amt der Amsterdamer Polizei gemacht worden sind. v. Ehdorf und v. Jihewig bestreiten entschieden, daß der Konzern berartige Anzeigen bei der Amsterdamer Bofizet gemacht habe. Dunkle Punkte. Und noch ein Rugnießer der Londoner Geschäftsreife" taucht auf. Herr v. Karstadt hat 5000 R. von ben Reisespelen" erhalten, obgleich er gar nicht in London war. Mit derfelben Unver forenheit, mit der man hier die Gelder ber Landespfandbriefanstalt vergeudete, hat man fie auch dazu mißbraucht, um Prozeßtoften au bezahlen, und es vervollständigt das Bild, wenn man erfährt, daß D. Carlowig eines Tages von Dr. Cann ein Darlehen von 20 000 Mart verlangte, well er unbedingt eine Perlentette taufen müßte. Der Ausschuß beschließt nach vertraulicher Beratung, die Desfent Als weiter Hauptbelastungszeuge gegen v. Carlomig, D. Eh. Ich verweigerte das Geld für diesen 3wed. Nachdem er stunden borf und v. Rarstädt tritt der Kaufmann Dr. Cann auf, der lang gejammert hatte, gab ich ihm ein Darlehen von 4000." fügt lichkeit für die Aussagen Dr. Canns über den„ dunklen Punkt der Londoner Reise nicht auszuschließen. Dr. Cann fagt aus, v. EDon Carlowig im Ramen der Gesellschaft beauftragt wurbe, gegen Dr. Cann hinzu. eine Abschlußprovision von 2 Bros. eine niederländische hypothet Dumme Jungens, die Siemige, Carlowige, borf habe ihm eines Tages- er habe sich wohl mit der Gruppe aufzutreiben. Die Rieberländische Bant erflärte fich auch dorfe und Karstadts, wie die deutschnationale Carlowig- Starstädt entzweit angedeutet, daß a Carlowig und bereit, dem Abelstongern Pfandbriefe zu geben. Aber weder berelle fagt? Man vergleiche das Alter ber Dr. Fleischmann zueinander in homofeguellen Beziehungen stünden | WEERAND JACOBL1880 und daß der 3 wed der Londoner Reise wohl mehr des gefellige Beisamemnjein der beiden gewesen sei. v. Ehdorf versucht das als einen Scherz seiners ei ts hinzustellen, muß aber auf Fragen zugestehen, daß Fleischmann die Anregung der Mitfahrt des Carlowitz gegeben habe. Fleischmann bestreitet diese Darstellung. v. Carlowih gibt auf Fragen verschwommen zu, daß er die 6500 m., die er von den 30 000 m. Reisespesen" der Landespfandbriefanftalt erhielt, dazu verwendete, verschiedene Berbindlich reiten zu erledigen, da er sonst nicht nach London abfahren fonnte. 1m 10 Uhr wird die Weiterverhandlung vertagt. Der Vorfizende Leinert wird ermächtigt, die nächste Sizung anzuberaumen. Was ists mit den Reichsbetrieben? Zu den Stillegungen der Deutschen Werke. In Nr. 96 des Vorwärts" wird die Betriebsstillegung der Wert Kiel Deutschen Werke A.-G. geschildert und zum Schlusse bemerkt, daß man auf die weitere Entwicklung der Dinge fehr gespannt sein könne. Dazu wird aus den Kreisen des bereits feit Oktober 1924 stillgelegten Betriebes der Deutschen Werke Wert Rüstringen folgendes mitgeteilt: Es sind trügerische Hoffnungen, menn die Arbeiterschaft oder deren Vertreter glauben, daß diese Betriebe als Reichsbetriebe zu erhalten sind, selbst dann nicht, wenn fie für die privatkapitalistische Produktion umgestellt sind, wie das im Falle des Werkes Rüstringen zu verzeichnen ist, von dem außerdem noch gesagt werden kann, daß es im allgemeinen gut florierte und mit Aufträgen versehen war. Das Wert Rüstringen beschäftigte im Durchschnitt 3000 Arbeiter, war mit guten Betriebsmitteln und ausreichendem Material versehen, so daß Schiffsneubauten, Reparaturen und Umbauten an Schiffen, sowie Lokomotiv- und Waggonbauten mit bestem Erfolg ausgeführt wurden! Trotzdem erfolgte die Schließung dieses Betriebes, unbefinnumert um die furchtbaren Wirkungen der Arbeitslosigkeit, die diese Maßnahme für die Jadestädte Wilhelmshaven- Rüstringen mit sich brachte. Alle Bemühungen um die Weiterführung des Werkes Rüstringen durch die Organisationen, die Vertretung der Städte und der oldenburgischen Regierung blieben erfolglos! Bon der Hauptverwaltung der Deutschen Werke, wie auch von der Reichsregierung wurde die Notwendigkeit der Betriebsschließung mit dem Kapitalmangel begründet. Diese Begründung wurde in der hiesigen Deffentlichkeit feinesfalls als ausschlaggebend anerkannt, es bestand vielmehr ganz allgemein das Gefühl, daß es sich hier um die Beseitigung einer Konkurrenz der kapitalistischen Berftbetriebe handelte, was durch die weitere Entwicklung der Dinge erhellt. Zum Beweise folgendes: Bei allen Vorstellungen um die Weiterführung des Werkes Rüstringen ist von der Hauptverwaltung der Deutschen Werte wie auch der Reichsregierung erklärt worden:„ Bir fönnen nicht, es fehlen die Geldmittel, wir wollen uns aber bemühen, das Wert an Privatunternehmer zu verpachten oder zu ver kaufen, damit dasselbe weitergeführt bzw. wiedereröffnet werden fann!" In welcher Weise nun in diesem Sinne verfahren worden ift, ergibt sich daraus, daß die gesamten Materialbestände und die besten Maschinen herausgenommen bzw. verkauft wurden. Die Berwaltung der Deutschen Werte begründete diese Maßnahmen damit, daß die Maschinen nur leihweise an die Schwesterwerke( in der Hauptsache nach Kiel?) gegeben und bei Biedereröffnung des Werkes Rüftringen wieder zurüdgebracht mürden! Harmlose Gemüter mochten diese Angaben glauben, in Wirklichkeit scheinen die Dinge fo zu liegen, daß ein Betriebs. abbruch vorgenommen wurde, um so die Konkurrenz eines Reichs betriebes gegen die Privatmerstindustrie verschwinden zu lassen, denn sonst wäre folgender Vorgang, den unser Rüstringer Parteiorgan Die Republit" in ihrer Nr. 47 vom 25. Februar schilderte, wohl nicht möglich. Der Bericht lautete: Sonderbares von den Deutschen Werten. Unter diefer Ueberschrift wird uns folgendes geschrieben: Nach zuverlässigen Nachrichten haben. Verhandlungen mit Interessenten über die Wiedereröffnung der hiesigen Deutschen Werte vor zirfa 14 Tagen zu dem Ergebnis geführt, daß die fraglichen Interessenten diesen Betrieb in Pacht übernehmen und mit der dauernden Beschäftigung von zirfa 2000 Arbeitern demnächst eröffnen mollten. Wie wir nun erfahren, ist dieser Bertrag jezt infolge Einspruchs des Reichswehrministeriums( Abteilung Marineleitung) zerschlagen worden bzw. nicht zustande gekommen! Ein Verfahren, das zu der Frage berechtigt, ob und wann die Regierungsstellen sich zu dieser eigenartigen Affäre äußern wollen? 1 Trog der Auforderung an die in Frage kommenden Stellen, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern, ist bis jetzt eine solche Aeuße rung unterblieben und muß demzufolge angenommen werden, daß die privatfapitalistischen Kreise in Verbindung mit der Reichsregierung, die Fortführung dieser Konkurrenzbetriebe zu hintertreiben verstehen, vielleicht daß auch marinetechnische und flottenpolitische Gründe dabei mitspielen bei dieser Einstellung und Entscheidung der Regierungsstellen! Auf jeden Fall ist es aber ein öffentlicher Standal, wenn von der Regierung der Wieder aufbau unserer Wirtschaft auf diese Weise betrieben wird! Nach diesen Erfahrungen muß man fürchten, daß die Deutschen Berte ein Wert um das andere zum Erliegen bringen und nur noch so lange fortführen, als noch Mittel flüffig gemacht werden können durch den Verkauf von Material und Maschinen zur Bezahlung der noch in sehr großer Anzahl angestellten Beamten und wenn dann nichts mehr da ist, dann verlassen die Ratten das sinkende Schiff, unbefümmert um die Tausende von Arbeitern und Angestellten, die dadurch der Arbeitslosigkeit verfallen. Wenn die Reichsregierung ernstlich diesen Betrieben helfen wollte, so wäre sicher ein Weg zu finden gewefen. Man hat boch für die Ruhrindustriellen Hunderte von Millionen übrig gehabt! Für die Weiterführung der Reichsbetriebe, genannt Deutsche Werte, aber ist tein Geld da. Danziger Sozialdemokraten in Warschau. Sur Erwiberung des Besuches polnischer Sozialisten in Danzig trafen die Danziger Sozialdemokraten Gehl, Rahm, Mau und Spielmann in Barschau ein. Kinderzeitung Der kleine Coco" gratis Wirtschaft Der Dividendensegen. Ganz allgemein war im vergangenen Jahre die Klage der Unternehmer und ihrer Presse darüber, daß die deutsche Wirtschaft unter der Belastung durch Steuern, Sozialabgaben und hohe Löhne fast zum Erliegen komme. Daß die Sub stan z wesentlich zusammengeschrumpft war, das wurde immer aufs neue wiederholt, und ebenso die Behauptung, daß sich eine Rentabilität der Betriebe immer schwerer erzielen lasse. Nun sind in den jüngst vergangenen Wochen eine ganze Anzahl Jahresberichte solcher Gesellschaften erschienen, die mit dem 31. Dezember ihr Geschäftsjahr abschließen. Die Berichtsperiode umfaßt also die Zeit, in der die deutsche Industrie am schwersten mit Absahstockungen, mit Rapitalmangel, mit der oben erwähnten angeblich so hohen Belastung zu kämpfen hatte. Und was sehen mir jetzt? Beurteilt man den Geschäftsgang nach der Höhe der zur Ausschüttung gelangenden Dividende, so muß er als geradezu glänzend bezeichnet werden. Die Deutsche Bergwerks- Zeitung" brachte fürzlich folgende Zusammenstellung über die bisher veröffentlichten Dividendenvorschläge: 1913/14 Tertilunternehmungen. 1924 1. Mechanische Weberei, Linden 2. Rheinische Möbelstoffweberei, Barmen 3. Concordia Spinnerei und Weberei, Bunzlau 13 4. Württemberg. Baumwollspinnerei u. Weberei 12,5 5. Bachmann u. Ladewig • 6. Baumwollspinnerei am Stadtbach, Augsburg 12 7. Baumwollfeinspinnerei Augsburg 8. Mechanische Weberei Fischen • 9 9. Leipziger Baumwollspinnerei 10. Weberei und Spinnerei Rottern. 11. Spinnerei und Buntweberei Pferfee 12. Baumwollspinnerei Unterhausen. 13. Augsburger Buntweberei( vorm. Niedinger) 14. Stiderei Plauen 15. Hornstetter Spinnerei und Weberei 16. Leipziger Wollkämmerei. Banten. 000000000000 .. 15 20 14 9 5 9 12 10 10 7 • 10 171 10 15 10 10 8 10 6 10 8 31/2 8 6 12 • 10 8,5 10 10 878 1. Handels- und Verkehrsbank A. G., Hamburg 12 2. Spar- und Gewerbebank A. G., Leipzig. 3. Berliner Handelsgesellschaft 4. Deutsche Ünionbant 5. Plauener Bank A. G. ° 6. Medlenburgische Depositen- und Handelsban! 10 7. Roggenrentenbank. 8. Baugener Bank. 9. Wurzener Bank 10. Mitteldeutsche Creditbank 11. Preußische Pfandbriefbant 12. Bank des Berliner Kaffenbereins 18. Berliner Hypothekenbank A. G. 14. Frankfurter Bankverein A. G.. 15. Deutsche Verkehrsbant a. G.. Verschiedene. 6,5 10 10 10 8 6 8 6 7 7 6 4 1. Vereinigte Strohstoffabriken A. G. Dresden 18 2. Deutsche Warentreuhand A. G. Hamburg 3. Prestowerke Chemnitz. 4. Rheinische Spiegelglasfabrit, Edamp 8. Exzelfior- Fahrradwerke Brandenburg 8622008 0.00% 7766 41 11 0 16 12 12 10 5. Sächsische Emailliers und Stanzwerke. 10 6. Braunschweig. Koblenbergwerke( Rhein- Elbe) 10 7. Ruberoidwerte Hamburg 12 6 8 10 9. Jise Bergbau.. 8 26 6 20 9 4 6 8 10. Glas- und Spiegelmanufaktur Gelsenkirchen 8 11. Wandererwerte Schönau. 12. J. P. Kayser Sohn A. G. 13. Wegelin u. Hübener 14. Bittoriawerke A. G. • 15. A.-G. Gerresheimer, Glashüttenwerke. 16. Braunschweiger Portlandzementwerke 17. Univerfum Film-.- G. 18. Wandsbeder Lederfabrik, Hamburg. 19. Kaiserbad Schmiedeberg. 20. Deutscher Eisenhandel A. G. 21. B. Polad A.-G. • 22. Phönig A. G. für Braunkohlenberwertung 28. Bierbrauerei Müser, Langenbreer " 10 10 10 10 6 6 8 6 5 6 5 8 Am besten steht die Textilindustrie da. Das von uns genannte Blatt sagt selbst, daß hier bei der Aufstellung der Goldbilanzen feine Gewaltfur" dadurch vorgenommen worden sei, daß man das Kapital zu scharf zusammengelegt habe. Die Aktionäre feien hier durchweg im Vollbesit ihrer alten Substanz geblieben, die Gesellschaften hätten meistens das Vorkriegstapital wieder eingesetzt oder seien sogar noch über den früheren Goldstatus hinausgegangen. Es lag für fie," sagt die" Bergwerts Beitung", allerdings auch teine Notwendigkeit vor, zu sanieren. Gerade in den Jahren der Uebergangswirtschaft und der frisenhaften Erschütterungen der Wirtschaft im ganzen erfreuten sich die Textilunternehmungen einer günstigen Geschäftslage. Eine Dividende von 10 Proz. hat man in der Textilindustrie offenbar als die untere Grenze des Angebrachten angesehen. In sechs Fällen hat man bei aller Vorsicht und bei reichlichen Abschreibungen 12 Broz. und mehr zur Ausschüttung gebracht. Dies ist, wie gesagt, um so bedeutsamer, als es sich um durchweg ungeschmä= lerte Bortriegstapitalien handelt, die zu verzinsen waren." • Ein ähnlich günstiges Ergebnis zeigen die Jahresabschlüsse der Banten. Hier sind die Dividenden allgemein weit höher als in der Borkriegszeit, zumeist betragen sie bis zum Doppelten der Friedensdividende. Nun wird zwar gerade von den Banken be hauptet, daß sie bei der Aufstellung der Goldbilanzen weit unter das Friedenstapital gegangen seien und daß sich hierin der starke Substanzverluft zeige, den sie in der Inflationszeit erlitten hätten. Aber Die Banten haben es auch verstanden, ihre Gewinne erst zu versteden und dann abzuschreiben, so daß man auch mit ihnen fein mit leid zu haben braucht. Die Deflation und der Drang nach Kredit. tapital schaffte den Banten neue große Verdienst möglich. 1/2 nur 50 Rahma Margarine feiten, zum Teil durch Berechnung hoher Provisionen bei der Geldvermittlung, zum Teil dadurch, daß sie selbst für die wieder stärker zufließenden Depositengelder verhältnismäßig niedrige Zin fen zahlen, um so höhere Zinsen aber den Kreditnehmern be rechnen. In der dritten Gruppe zeigen sich erhebliche Unterschiede bei der Dividendenausschüttung. Am höchsten sind die Dividenden bei den Fahrrad- und Automobilfabriken und bei Unternehmungen für Spezialerzeugnisse. Auch die Brauereien und Brennereien, von denen früher schon eine Reihe von Abschlüssen veröffentlicht worden sind, haben nicht über schlechten Gefchäftsgang zu flagen. Die verhältnismäßig geringeren Dividenden bei den anderen Gesellschaften sind noch kein Zeichen dafür, daß es ihnen schlechter geht; man kann vielmehr annehmen, daß sie im vergangenen Jahre ihre Konsolidierung noch nicht völlig durchgeführt haben. Und wo diese jetzt erfolgt ist, wird das laufende Geschäftsjahr um so bessere Erträgnisse abwerfen. Man mag es begreifen, daß die Unternehmungen eine besonders hohe Dividende herauszuwirtschaften suchen, um den Kurswert ihrer Aktien zu steigern und dadurch neues Kapital heranzuziehen. Wenn der Geldgeber für Leihkapital 9 bis 12 Broz. erhält, dann wird er für ein Aktienpapier nicht den Barikurs zahlen, für das ihm nur 4 bis 5 Proz. Dividende in Aussicht stehen. Die Aftionäre halten sich also für berechtigt, den doppelten Bera dienst der Vorkriegszeit als das Normale zu beanspruchen, und die Verwaltungen der Gesellschaften müssen sich beeilen, um diesen Anspruch des Kapitals zu befriedigen. Wie verträgt sich aber der Dividendensegen mit den Klagen der Unternehmer über die so hohe Belastung? Wie vertragen sich die glänzenden Abschlüsse der Betriebe mit der Tatsache, daß der Reallohn der deutschen Arbeiter wesentlich unter dem Friedens stande liegt? Handel und Gewerbe im Februar. Nach den Berichten der preußischen Handelskammer hat sich die Wirtschaftslage im Monat Februarmenigverändert Der Absatz von Kohle ging starf zurüd, nur der Brikettabsatz hielt sich auf der Höhe des Bormonats. In der Eisenindustrie hielt der günstige Beschäftigungsgrad an, doch wird von einem Teil der eisen. verarbeitenden Industrie ein Rückgang der Konjunktur befürchtet. Die Preise der Hauptwaren sentten sich. Ebenso sank die Aktieninderziffer. Die Aufnahme von Auslandsanleihen ging zurüd. Die Kapitalneubildung im Inlande machte Fortschritte. Ueber das plögliche Hereinbrechen der Kohlenabsazkrise wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Aus den Meldungen der Handels tammern über die einzelnen Gewerbezweige verzeichnen wir das Folgende: Die Kaliindustrie konnte ihren Januarabsag in Höhe von 1659 953 dz auf 1900 000 dz Reintali steigern. Damit übera trifft der Absah in den beiden ersten Monaten dieses Jahres den Abfaz der gleichen 3iffer des Jahres 1913. An den Februar- Abrufen war vorwiegend die deutsche Landwirtschaft_beteiligt, was auf die günstige Witterung zurückzuführen ist. Der Auslandsabjah hielt sich auf der früheren Höhe. Die Lage der Metallhüttenindustrie weist teine Veränderungen auf. In der Metallhalbzeugindustrie gingen erhebliche Aufträge ein, so daß eine gute Beschäftigung der meisten Werke für die nächsten Wochen gesichert erscheint. Im Eisen-, Hoch und Brüdenbau steht die Beschäftigung gegenüber der Bortriegszeit immer noch stark zurüd. Die Anfragen in der Maschinen. industrie zeigen in der letzten Wochen steigende Tendenz, doch steht man der Konjunktur mißtrauisch gegenüber. Die Lage wird allgemein als unflar bezeichnet und die längere Dauer des günstigen Geschäftsganges bezweifelt. Wenn auch Rohstoffe und Halbzeug im Preise noch etwas angezogen haben, jo dürften doch die Vorgänge auf dem Schrottmarkt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung verstärkt haben. Die wenig zupersichtliche Beurteilung der nächsten Monate ist um so bemerkenswerter, als der Auftragseingang im allgemeinen verhältnismäßig lebhabt war. Die Lokomotiv bauindustrie zeigte eine nicht unerhebliche Befferung. In der Waggon bauindustrie erteilte die Straßenbahn einige Aufträge. Von der Compagnie du Chemin de fer du nord find 700 Wagen der„ Lochner- Gruppe" in Auftrag gegeben. Ueber einen weiteren Auftrag von 3300 Wagen, der auf die einzelnen Firmen verteilt werden soll und von den französischen Mittelmeerbahnen ausgeht, wird verhandelt. Die Lage in der elektrotechnischen Industrie hat sich weiter gebessert. Es herrschte ein großer Bedarf an Start- und Schwachstromkabeln. Das Exportgeschäft ist nach wie vor schwierig. Die Warenpreise sind im Steigen begriffen, entsprechen jedoch nicht den Preiserhöhungen der Rohstoffe. Die milde Witterung war auch im Februar dem Bau gewerbe günstig. Neue Bauten konnten in Angriff genommen und die begonnenen gut gefördert werden. Die Hoffnung auf ein besseres Baujahr wurde genährt durch die Etatsentwürfe des Reichs und des Staats sowie durch die mannigfachen großen Bauvorhaben der Kommunen und Verkehrsgesellschaften. In manchen Gegenden machte sich ein großer Mangel an Baustoffen bemerkbar. Die Baustoffpreise gingen weiter in die Höhe, so daß der Bauinder von Mitte Januar bis Mitte Februar von 1,68 auf 1,73 stieg. Das Margarinegeschäft hat sich im Februar mieder etwas erholt. Die Umfäge sind bei einzelnen Fabriken größer ge worden. Besonders lebhaft ist noch immer die Nachfrage nach den führenden Marken, allerdings hat sich auch der Absah der billigen Marten gehoben. Die Lage am Rohstoffmarkt war in der ersten Hälfte des Monats verhältnismäßig günstig. Später gingen jedoch die Preise sämtlicher Rohstoffe wieder in die Höhe. Gleichwohl wird vorläufig nicht damit gerechnet, daß diese Preissteigerung eine Aenderung der Verkaufspreise hervorrufen wird. In der Tabakindustrie war das Geschäft weiterhin außer, ordentlich still. Zahlreiche Betriebe find bereits eingeschränkt oder stillgelegt, und es muß mit weiteren Einschränkungsmaßnahmen be stimmt gerechnet werden. Die Zahl der beschäftigungslosen Tabak. arbeiter ist im Steigen, ein großer Teil arbeitet mit verkürzter Arbeitszeit. Der deutsche Außenhandel im Januar 1925. Der deutsche Außenhandel zeigte im Januar 1925 wiederum eine außerordentlich hohe Bassivität von 674 Millionen Rentenmark. Die Einfuhr ist gegenüber dem Vormonat um 63 Millionen Rentenmart gestiegen, während die Ausfuhr eine Verminderung 42 Millionen Rentenmar! aufweist. Dies erklärt sich zum Teil daraus, daß die Einfuhr von Kontingentwaren auch im Januar noch fehr groß war. Kinderzeitung Der kleine Coco" gratis buttergleich Mittwoch 4. März 1925 Unterhaltung und Wissen und uns war er mehr". Erinnerungen an Frih Ebert. Ein einziges Mal in dreißig Jahren enger Rampf- und Arbeitsgemeinschaft mit Fritz Ebert habe ich erlebt, daß ihm die Stimme verjagte.. Das war an jenem düsteren Tage, als er der Fraktion die furchtbare Nachricht von dem völligen militärischen Zusammenbruch Deutschlands überbrachte. Im nächsten Augenblick war er wieder Herr über sich und sprach so martig und fest wie immer. Für Frizz Ebert war des Volkes Wohl das oberste Gesetz. Die Worte wollen genau so verstanden werden, wie sie dastehen. Reines davon ist eine Phrase, wie der ganze Mann ein Feind jeder Phrase war. Das Wohl des Voltes. Er fannte das Bolt, dessen einfachsten Schichten er entstammte. Er mußte, was dem Bolke an seinem Wohle fehlte. In der großen Arbeiterbewegung hatte er früh die einzige Hilfe erkannt. Als blutjunger Sattlergeselle trat er in Reih und Glied. Mit dem Wort, mit der Feder, mit dem Gesetzbuch hat er gedient; im kleinsten Kreis begann er, den fleinsten Kümmernissen ormer Proletarierfrauen war er treuer Anwalt; die größlen Sorgen des ganzen deutschen Volkes liefen in den letzten Jahren bei ihn zujammen und fanden in ihm den gleichen treuen Anwalt, bis ihn der Tod von seiner hohen Warte herunterholte. Den Sohn des Volkes! Bor dreißig Jahren haben wir uns in Bremen zum ersten Male die Hand gereicht. Als ich einige Johre vorher meine Baterstadt verlassen hatte, um mir auswärts die politischen Sporen als Sozialdemokra: zu verMienen, war Ebert erst kurz zuvor von Süddeutschland zugewandert. Er hatte sich trotz seiner Jugend in furzer Zeit an die Spitze der bremischen Parteibewegung geschwungen und neue Kraft und jugendliche Frische in ihren etwas schläfrig gewordenen Gang gebracht. Bremen wurde seine zweite, seine Wahlheimat, selbst ihr liebes Plattdeutsch sprach er wie ein„ Tagenbarer". Einige Jahre später beriefen mich die Bremer Parteigenossen, unter ihnen mit maßgeblicher Stimme Friß Ebert, als Nachfolger Franz Diederichs an das Bremer Parteiblatt. Wir haben gut zusammengearbeitet. Ohne Gegenfäße ging es dabei natürlich nicht ab, fie ergaben sich aus verschiedener tattischer Einstellung zu bestimmten Parteiproblemen. Aber Ebert stellte stets die Sache über die Person. Das habe ich besonders wohltuend empfunden, als wir später beide in Berlin in der Zentrale zusammenzuarbeiten hatten. In der Bildungsarbeit war er mir stets ein bereitwilliger Förderer und Helfer. Besonders eng führte uns die Arbeiterjugendbewegung zujammen. Mit dem sicheren politischen Instinkt, den er wie taum ein zweiter hatte, ahnte er schon in den umstrittenen Anfängen der Jugendbewegung die tiefere Bedeutung, die sie zu gewinnen vermochte. Als der Nürnberger Parteitag eine vorläufige Regelung getroffen hatte, der auch die mißtrauischeren Gewerkschaftsgenossen zustimmten, stellte sich Ebert an die Spitze der neugeschaffenen Zentralstelle für die arbeitende Jugend. Bei dem großen Bertrauen, das er gerade bei den Gewerkschaften genoß, war das besonders flug von ihm. Als er den Vorsiz in der Zentralftelle niederlegen mußte, weil ihm seine höheren Aufgaben dazu feine Zeit mehr ließen, wurde ich sein Nachfolger. Und als ich ihm 1922 berichten fonnte, daß auch ich den Borsiz abgeben und ihn nunmehr der Arbeiterjugend selber überlassen durfte, hat er diesen Aufstieg der Arbeiterjugendbewegung mit lebhafter Freude begrüßt. In jenen wilden Wochen und Monaten vom 9. November bis zur Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung war ich bei ihm in der Reichskanzlei. Ich war Zeuge der vielen stürmischen Auftritte, zahlreiche ungebärdige Besuche habe ich abgefangen, andere 21 Im Kosakendorf. Bon Marim Gorki. Die meisten Menschen, zwischen denen ich, bald aufwärts, bald abwärts steigend, über die Erde hinschreite, erscheinen mir so grau mie der Staub unter ihren Füßen; ich habe das peinliche Gefühl ihrer Ueberflüssigkeit, und ich finde keine Handhabe, in ihr Wesen einzubringen und auf den Grund ihrer Seele zu bliden, um dort vielleicht noch einen neuen Gedanken, ein noch nie vernommenes Bort zu entdecken. Diese Frau aber wedt meine Phantasie, ich suche ihre Bergangenheit zu erraten und fable mir irgendeinen fomplizierten Liebesroman zusammen, dessen Heldin sie ist, wobei meine Wünsche und Hoffnungen der Geschichte das nötige Kolorit verleihen. Ich weiß, daß das alles Lüge ist, und ich weiß, daß für mich dabei nichts Gutes herauskommen fann aber die nackte Wirklichkeit in ihrer ganzen Häßlichkeit, ohne ein bißchen Phantasieschmuck zu sehen, er scheint mir doch gar zu betrübend... ... II. Einen großen, rothaarigen Menschen, der beim Sprechen mühsam nach Worten sucht und die Augen schließt, höre ich langfam, mit tiefer Baßftimme, erzählen: Gut also. Wir gingen weiter. Unterwegs fagte ich zu ihm: Sprich, was du millst, Gubin aber nur du fannst es gestohlen haben, fein anderer sonst. 41 Der Bursche mit den vorspringenden Badentnochen start die junge Frau im grünen Kopftuch unverwandt mit seinen bleiernen Augen an, deren Bupillen so trüb sind mie die eines Blinden. Er reißt ein paar graue Halme ab, führt sie zum Munde und taut daran wie ein junges Kalb dann streift er den Hemdärmel bis an die Schultern hinauf, streckt den Arm im Ellenbogengelenk auf und nieber, läßt seine Muskeln spielen und betrachtet sie wohlgefällig. Ganz unvermittelt wendet er sich zu Konew: Soll ich dir mal eins versezen?" Stonem betrachtet nachdenklich die Faust des Burschen, die so groß ist mie ein Budgewicht, stößt einen Seufzer aus und er mibert ihm: हुए FRIEDRICH EBERT Denn er war unser! Mag das stolze Wort Den lauten Schmerz gewaltig übertönen! Beilage des Vorwärts OTTENS ( Goethe.) mit Ebert verband: Das Schöpferische, Ursprüngliche, das aus dem Urgrunde der menschlichen Seele tommt und allem wissenschaftlichen Intelleft und aller fünstlerischen Gestaltungskraft doch erst die letzte höchste Weihe gibt. habe ich zu ihm geleitet. Ich war zugegen, als die matrosendeputa-| die ganz Großen im Reich der Wissenschaft und der Kunst unbewußt tionen anrüdten, eine nach der anderen. Ich war zugegen, als ein wildes Heer in der Wilhelmstraße Ebert hinausrief, um ihn zum Präsidenten zu machen. Und ich höre noch seine flare, starte Stimme, mit der er die Präsidentenmacher beruhigte und nach Hause schickte. Und in feinem Augenblid Verzagtheit, auch wenn die Kugeln um die Ohren pfiffen. Und zu jeder Zeit bereit, mit seinem Leben für seine Sache ein zustehen. Und dabei zu jeder Zeit flaren Kopfes, immer fähig, auch in der gefährlichsten Situation das rettende Wort zu finden und die befreiende Tat zu veranlassen. Dieses Schöpferische und Ursprüngliche befaß Ebert für die Politik. Ebert hat besonders in den letzten zehn, und ganz besonders in ben letzten sechs Jahren unendlich oft vor den schwierigsten Lagen gestanden. Wohl hatte er Berater. Aber die einen sagten so und die anderen so und die dritten noch anders. Sie alle maren fluge Leute und alle hatten die besten Gründe für ihren Rat. In solchen Lagen versagt der Nurtaktiker, versagt der Routinier, wenn er nicht den eigenen sicheren Ratgeber in der eigenen Bruft hat, der durch alle Schwierigkeiten hindurch und über alle abweichenden Ratschläge der anderen hinweg den einzigen rcttenden Weg sieht und unbeirrbar auf ihm voranschreitet: versagt der Klügste Defter bin ist später in amtlicher Stellung im Kreise von Männern des geistigen Deutschlands, Männern der Wissenschaft und der Kunst mit ihm zusammen gewesen. Und ich weiß, wie diese Männer über Ebert denten, Männer, deren Namen den besten Klang haben, weit über Deutschland hinaus, Männer, die parteipolitisch anders denken als er, die aber vor der großen, geschichtlichen Persönlichkeit Eberts, vor seinem hervor ragenden staatsmännischen Geschick und nicht zuletzt vor seiner schlichten Menschlichkeit die höchste Achtung haben, und die bis ins tiefste Herz hinein erschüttert waren, als die Nachricht von feiner schweren Erkrankung kam. Bielleicht war es ein gemeinsames, geheimnisvolles Band, das ,, Schlag' dich lieber selbst vor den Schädel vielleicht wirst du dann schlauer. Der andere sieht ihn mit großen Eulenaugen an und fragt: ,, Willst du damit sagen, daß ich ein Dummtopf bin?" " Es scheint mir beinah' so..." Hör' mal," versetzt der Bursche gereizt, während er sich schwerfaig auf die Knie erhebt woher weißt du denn, wie ich bin?" ,, Euer Gouverneur hat mir's gesagt. " Der Bursche schwieg, sah Konem ganz verwundert an und fragte: ,, Aus welchem Gouvernement bin ich denn?" " Schlimm genug, wenn du's vergessen hast." ,, Wart' mal, du wenn ich dir eins auf die Nase gebe. Die ältere der beiden Frauen hörte auf zu nähen, bewegte die runden Schultern, als wenn sie fröre, und erkundigte sich freundlich: Rein, fag' mal aus welchem Gouvernement bist du eigentlich?" Ich? Aus dem Bensaschen", antwortete der Bursche, während er aus der knieenden Stellung in die hockende überging.„ Warum fragst du?" 05" Die jüngere Frau ließ ein verhaltenes Richern hören. „ Auch ich bin von dort her...," sagte sie dann. Aus welchem Kreise?" ,, Auch dem Kreise nach bin ich aus dem Pensaschen," versetzte die junge Frau nicht ohne Stolz. Der Bursche hoďte vor ihr wie vor einem Wachtfeuer, streckte die Arme nach ihr hin und sagte in überzeugtem Tone: „ Unfre Stadt ist wunderschön! Schenken, Kirchen, gemauerte Häuser sind dort. und in einer Schenke spielt eine Maschine... alles, was man will, spielt fie... alle Lieber!" .. Auch das Lied vom dummen Iwan spielt sie," murmelte Konem spöttisch, aber der Jüngling aus Pensa hört ihn nicht, er ist ganz bei feiner Erzählung von den Herrlichkeiten der Stadt, schwatzt mit den großen, feuchten Lippen und brummt, gleichsam die Worte beleckend: Gemauerte Häuser..." Die Frau hielt wieder in ihrer Näharbeit inne und fragt: " Gibt's dort auch ein Kloster?" „ Ein Kloster?" Der Bursche tratzte sich heftig am Halje, schwieg eine Weile und wiederholte dann, wie ergrimmt über irgend etwas: Ein Kloster? Bestimmt kann ich's nicht sagen. Ich war Dieser Mann war Ebert! So wie ein großer Künstler oder Wissenschaftler plötzlich aus dem Nichts, aus der Nacht einer unbekannten Vergangenheit auffteigt und da ist, mit all den unerklärlichen Eigenschaften, die wir anderen bewundern, so ist Ebert aus dem Nichts, aus unbekannter, schlichter Vergangenheit da gewesen, als Deutschland in schwerster Zeit einen Führer brauchte. und uns war Heinrich Schulz. Wir merden einen großen Mann begraben er mehr! nur ein einziges Mal in der Stadt, wie man uns im Hungerjahr zum Eisenbahnbau getrieben hat.. " „ Aehä hä!" seufzte Konew, erhob sich und ging fort. Die guten Leutchen schmiegen sich an die Kirchhofsmauer wie ein Haufen Rehricht, den der Steppenmind zusammengeweht hat, und der wieder in die Steppe zurücfliegt, sobald der Wind ihn dahintreibt. Drei von ihnen schlafen, etliche bessern ihre Lumpen aus, andere suchen sich das Ungeziefer ab oder verspeisen mit Widerwillen das altbackene Brot, das sie an den Fenstern der Kosakenhäuser zufammengebettelt haben. Am Kirchhofseingang stehen gleich Wächtern vier Pappeln der Wind fährt über sie hin, und sie neigen sich vor der trockenen, staubigen Erde, nach der trüben Ferne hin, wo die schneebedeckten Gipfel der Berge emporragen. Die bräunlich- rote Steppe ist vom goldenen Sonnenschein übergossen, sie ist so leer und glatt und lockt durch das leise Pfeifen des Windes und das sanfte Rauschen der trockenen Gräser zu sich hin. Was sagst du zu dem Weibchen?" fragt träumerisch Konem, der sich gegen einen der Pappelstämme anlehnt und ihn mit den Armen umfaßt. hm Woher ist sie? Aus der Gegend pon Rjäsan, sagt sie. Sie heißt Tatjana... ja." „ Geht sie schon lange mit dir?" " Bewa- ahre! Heute morgen bin ich ihr begegnet, dreißig Werst von hier... mit ihrer Freundin ging fie. Bin ihr auch schon früher begegnet, bei Maitop am Laba- Flusse, zur Zeit der Heuernte. Da mals war ein älterer Mann bei ihr, mit rasiertem Gesichte, wie ein Soldat sah er aus; vielleicht war's ihr Liebhaber, vielleicht aber auch ein Onkel. Ein Trunkenbold war's, und ein Händelsucher, zweimal in drei Tagen bekam er dort die Ruten. Jezt geht sie mit dieser Freundin, de: Ontel aber fist irgendwo in einem Sofafengefängnis, weil er das Pferdegeschirr vertrunken hat. Die Kosaken sind streng. Konew spricht gern, doch klingen seine Worte zumeist so, als ob sie den laut gesprochenen Schluß eines griesgrämlichen Gedankens bildeten. " gar Sm- ja," sagt er gedehnt und spuckt durch die Zähne fein übles Weibchen! Ein strammer Kerl, mit einem Wort! Muß der Teufel diesen dickschnauzigen Lümmel herführen! Ich hätt mich ganz hübsch mit ihr eingerichtet, und der Kerl verdirbt mir den Spaß..." ( Fortjeßung folgt.) - Konfektion Damen Kaufhaus Tempelhof Kasak aus la Schweizer Opal 650 flotte Oberhemdiorm Jumper ans kunstseid. Trikot 650 mit geschmackvoller Handmalerel.. 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Verband der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Steindruderei- Achtung! Hilfsperfonal Berlins. Die für heute, Mittwoch, ben 4. März, angefegte Beefemmlung findet nicht an biefem Tage, sondern am Donnerstag, den 5. März, um 5 Uhr, im Reichskafino", Mene Rönigfte. 26, ftatt. Tagesordnung: Bericht von dem Berlauf der Lohnverhandlungen. Alle muffen erscheinen! 97/10 Det Ortsvorstand: Gustav Grohmann. 1000 Strickwesten Sportjacken etc aller Art. Bleyle's Kinder- Kleidung zu Originalpreisen. Billigste Quelle für Kenner u. auserlesenen Geschmack SIGGEL Aparte Neuheiten in Damen- Konfektion Putz Kleider- Stoffe* Seiden- Stoffe Beachten Sie bitte die Schaufenster- Auslagen. Liscrett- Glocke mit fescher Bandgarnierung. 3.95 295 Liserett- Glocke ringsberam aufgeschlagen 465 Garnierung ühjahrs Modelle Reine Reklamewarea! Nur gute and beste Qualitäten Spezialitäten: Liserett- Glocke mit Seldenrand breiter Bandgarnierung.. Kleid,' n. 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