Str. 110 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 56 Bezngspreis: Bentlich 70 Bfennig. monatlich 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen. Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Gonntags bellage Boll und Beit" mit„ Gied. lung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauentimme" erfcheint mochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: -Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt ( 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Nonpareille. seile 70 Pfennig. Reflumezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Breunig ( auläffia zwei fettgebrudte Worte). jebes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Pfennig. jebes meitere Bort 5 Pfennig. Worte über 15 Budh faben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft., Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 6. März 1925 Der Abklang in Heidelberg. 141 Letzter Gruß am Bergfriedhof. Heidelberg, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) In feinem Abschiedsgruß am Grabe Friedrich Eberts führte Genoffe Hermann Müller aus: Die wir die letzte Nacht die letzte Fahrt mit unserem Toten Friedrich Ebert gemeinsam machten, sahen, mit welcher Liebe die weitesten Kreise des deutschen Volkes an dem ersten Präsidenten des deutschen Volksstaates hingen. Hätte der Tote nur noch im geringsten erfernen können, wie sehr das Bolt an ihm hing, er hätte vielleicht manches gar nicht so schwer und ernst genommen, wie er es insbe fondere in den lezten Wochen und Monaten getan hat. Es ist zu jpät, darüber zu flagen. Seine Geburtsstadt nimmt den toten Friedrich Ebert auf. Wir wissen, daß sie hegen und schüßen wird, was an Friedrich Ebert fterblich ist. Es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen das Birken dieses ersten Präsidenten der deutschen Republil zu schildern. Im Namen seiner Parteifreunde von der Sozialdemofratischen Partei habe ich von ihm Abschied zu nehmen und ihm den legten Gruß zu entbieten. Er war ein Mann, der aus fleinen Verhältnissen tam und als einfacher Geselle von hier hinaus zog in die deutsche Welt. Aber schon hier befam er eine ft arte foziale Gesinnung mit, die ihm seine Laufbahn ermöglichte, ihn hineintrieb in die Arbeit, immer für andere. Es war fein Zufall, daß der Kurpfälzer sich unter den ganz anders gearteten Menschen der Hansastadt Bremen einen großen Einfluß errungen hatte, um zunächst als Arbeiter. sekretär Rat zu erteilen und Hilfe zu leisten. Der Mann, von diesem Billen und dieser Gesinnung wurde bald von der Sozialdemokratie an die Spitze gestellt und nach achtjähriger Tätigkeit in unserem Bor. ftand tam nur er als derjenige in Frage, der die Nachfolge: fchaft August Bebels übernehmen konnte. Aber bei all diesem Wirten vergaß Friedrich Ebert nie fein Volt. In den schwersten Tagen deutscher Geschichte hat er das Steuer ergriffen und wir erinnern uns noch sehr gut jener furchtbaren Tage der Kriegszeit, in denen des Kaisers legter Kanzler ihm die Führung der Geschicke des deutschen Volkes übertrug. Friedrich Ebert war sich damals bewußt, daß es sich wieder einmal um Sein oder Nichtsein des deutschen Boltes handelte. Doch nicht nur seinem Bolf war er der Führer, sondern auch der Dienst an der Menschheit war ihm heilig. Ueberall draußen im Ausland, wo sich die Stimme der Anerkennung regte, war Ebert geschätzt und geachtet. Er war für Europa, für die Welt ein Faktor der Befriedung, und welche Besorgnisse draußen vorhanden find, darüber, daß diefer Mann so früh geftorben ist, das haben wir in den letzten Tagen erfahren. Friedrich Ebert ging auf im Dienst der Arbeitertiaffe, für sein Bolt und die Menschheit. Wir von der Sozialdemokratie sind stolz darauf, daß er einer der Unseren war. Er war getragen bei allen feinen Handlungen von hohen sittlichen Idealen einer sozialistischen Weltanschauung. Wir haben ihn alle lieb gehabt. Die Alten aus der Heroenzeit der Sozialdemokratie, die mit Bermunderung fahen, wie er das Werf als erster Präsident fort. fekte. Wir Jungen sahen in ihm ftets einen braven Mitarbeiter für unsere Sache und die Jugend, deren erster Bräsident er lange Seit gewesen ist, fieht in ihm ihr Vorbild. Stationen, die der Zug, der die Leiche des Reichspräsidenten nach Heidelberg brachte, passierte, hatten die Behörden und das Reichs. banner Schwarz- Rot- Gold Aufstellung genommen, um dem großen Toten die letzte Ehre zu erweisen. In Darmstadt hielt der Sonderzug einige Minuten. Die Landesregierung, die Spigen der Behörden, die Polizei, das Reichsbanner Schwarz- Rot Gold und die Vertreter der Gewerkschaften waren auf dem Bahnsteig anwesend. Der Sohn des Reichspräsidenten richtete im Namen feiner Mutter an die Anwesenden herzliche Danfesworte. 3m Landestheater veranstaltete die Regierung gemeinsam mit der Stadtverwaltung Darmstadt am Donnerstag abend eine öffent. liche Trauerkundgebung. Eingeleitet wurde die Feier durch die Trauermufif aus der„ Eroica" von Beethoven. Reichsminister a. D. Dr. David zeichnete in seiner Gedächtnisrede ein Lebensbild des verstorbenen Reichspräsidenten und würdigte seine Berdienste un das deutsche Volf in gefahrvoller Zeit. Den Schluß der würdig verlaufenen Feier bildete die Trauermufit aus Coriolan". Berliner Trauerfeier und Schutzpolizei. Ein plumpes Ablenkungsmanöver der Deutschnationalen. Die Deutschnationalen wollen ihren Aerger über den großartigen Massenaufmarsch der Berliner Bevölkerung zu Ehren des ersten Bräsidenten der Deutschen Republit, Friedrich Ebert, Luft machen, indem sie die Unfälle in den Bordergrund schieben und zum Gegenstand eines parteipolitischen Manövers machen. Bir haben diesen kleinlichen Versuch, die Wirkung eines großen ErBir haben diesen kleinlichen Versuch, die Wirkung eines großen Ereigniffes abzufchwächen, bereits jeftgenagelt. Die von der deutsch nationalen Fraktion eingebrachte„ fleine" Anfrage an die Regierung, amingt uns, barauf zurüdzukommen. Abgesehen von den ungeheuerlichen lebertreibun. gen, die in der langatmigen Anfrage ihren Widerhall finden, sind barin schwere Angriffe auf die Berliner Schußpolizei und deren verantwortliche Beiter, den stellvertretenden Bolizeipräsidenten Frie. densburg und den Kommandeur der Schutzpolizei Kaupis, enthalten, die ebenso fachlich ungerechtfertigt, wie parteis politisch tendenzios find. Daß die plötzliche Abschnürung der wichtigsten Straßenfnotenpunkte im Herzen, Berlins erhebliche Berkehrsstörungen zur Folge haben würde, war vorauszusehen; ebenso daß die ungeheuren Menschenmassen auf einem relativ engen Raum zu Zwischenfällen und auch zu Unglücksfällen aller Art führen würde. Indes find die Zwischenfälle nicht übermäßig schlimm gewesen, desgleichen die Unglüdsfälle zum Glüd fast ausnahmslos glimpflich verlaufen. Der schlimmste war, wie es scheint, ein Oberfchenkelbruch! Die Rechtspresse weist nun grinsend darauf hin, daß mei( nach anderen Quellen fogar fünf) Frühgeburten vorgekommen find. Wer sich als hochschwangere Frau in das Gedränge begeben hat, hat unverantwortlich gegenüber sich selbst und dem Kinde gehandelt; daraus der Polizei Vorwürfe zu machen, daß einzelne Menschen fo unvernünftig sind, ist einfach grotest. Es muß vielmehr ausdrücklich festgestellt werden, daß die Ab sperrungen durchaus geschicht durchgeführt wurden. Bielleicht hätte man weniger streng fein fönnen, indem man z. B. gewiffe hätte dies nur eine verhältnismäßig geringe Entlastung bedeutet, dafür aber wären bort um so stärkere Polizeifetten benötigt worden, die zu bilden es wohl an Kräften fehlte. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftfcheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 Interregnum. Ein gefährliches Spiel der Rechtsparteien. Das Verfassungsleben in Deutschland besteht aus Krifen. Wir haben seit dem Mai vergangenen Jahres zwei Reichstagswahlen und eine preußische Landtagswahl hinter uns. Wir sind durch schwere Regierungskrisen im Reich und in Breußen hindurchgegangen. Im Reiche amtiert eine Regierung, die es nicht wagen fonnte, ein fleines und einfaches. Vertrauensvotum vom Reichstage zu verlangen. Die preuBische Regierungsfrise schleppt sich weiter, ohne daß ihr Ende noch abzusehen wäre. Diese Krisen fallen in die Zeiten wichtigfter politischer Entscheidungen. Diese Krisen waren gewollt. Sie entsprangen nicht nur dem Mangel an politischer Schulung und an politischem Bere antwortungsgefühl bei einem Teil des Bürgertums. Sie wurden bewußt herbeigeführt, um im Reich wie in Preußen Regierungen ans Ruder zu bringen, die die Wähler in ihrer Mehrheit nicht gewollt haben. Die Krisenmacherei ist zu einer politischen Waffe mer Rechtsparteien geworden. Die Regierungsfrise von Dauer soll eine psychologische Stimmung bei der Bevölkerung schaffen, in der selbst die schlechteste Regierung noch als beffer empfunden wird als das Interregnum, die regierungslose Zeit, in der das Parlament brach liegt und die Bureaukratie selbstherrlich das Land regiert. Nun haben wir das Interegnum der Präfidentschaft. Ein feltener Schicksalsschlag hat es herbeigeführt. Die Neuwahl des Präsidenten ist um Bochen früher notwendig geworden, als es nach dem normalen Ablauf der Präsidentschaft nötig gewesen wäre. Es wäre Pflicht einer wahrhaft republikanischen und verfassungstreuen Regierung, die Gefahren, die mit dem Interregnum der Präsidentschaft verknüpft find, nach Möglichkeit abzudämmen und die Lücken, die im Aufbau des verfaffungsmäßigen Regierungssystems entstanden sind, so wenig als möglich fühlbar zu machen. Es scheint, daß die Absichten der Reichsregierung nach einer einer anderen Richtung gehen. Die rechtsgerichteten Kreise im Reich, die in der Reichsregierung eine ausschlaggebende Stellung einnehmen, bemühen sich eine ähnliche Situation während der Präsidentenmahl zu schaffen, wie wir sie in den letzten Regierungsfrisen im Reich durchlebt haben, eine Ausschaltung der verfassungsmäßigen Fattoren der Gesetzgebung, eine Diktatur der Bureaukratie, die mit dem Wesen einer demokratisch- parlamentarischen Verfassung unvereinbar und politisch unerträglich ist. Reichskanzler Dr. Luther ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichspräsidenten provisorisch beauftragt. Bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten fönnen zehn Wochen vergehen. Zehn Wochen sind eine lange Frist. In diesen zehn Wochen werden wichtige, außenpolitische Entschei dungen fällig. Der Reichstag ist in diesen zehn Wochen das einzige perfassungsmäßige Gegengewicht gegenüber der Reichsregierung, nachdem der ordentliche Präsident dahingegangen ist und sein Stellvertreter der Chef einer Reichs regierung ist, deren Bestreben es unverkennbar ist, die Gelb ständigkeit der Bureaukratie gegenüber dem Parlament zu stärken. Die Reichsregierung hat gestern in der Sitzung des hervortreten läßt. Das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger verbreitet folgende Mitteilung aus der Sigung des Reichsrates: Er hat nie zum Licht gedrängt, aber er wurde auch nie vom Licht Stellen freigegeben hätte, wie den Pariser Play und die grünen Reichsrats eine Mitteilung gemacht, die diese Absicht geblendet. Die Flächen des aber, seine Freunde, tönnen heute schon im Bewußtsein eines gerechten Urteils der Zukunft ihm den Dant abstatten, daß er uns foviel in einem verhältnismäßig so furzen Leben gegeben hat. Wenn auch jetzt sein Leib zerfällt, sein Geist wird immer unter uns bleiben. Dafür danten wir dir, du treuer Freund und guter Kamerad." Nach den Reden folgte ein Lied, jenes Lied, das immer das letzte Tongeleit für die aus dem Bolt hervorgegangenen Führer ist:„ Ein Sohn des Boltes". Ungemein ergreifend klangen diese Worte. Sie waren der letzte Schlußstein dieses Lebens. Nach einem Gebet des Geistlichen wurde der Sarg in die mit Tannenspitzen geschmüdte Gruft hinuntergelaffen. Es senkten sich die unzähligen Fahnen des Reichsbanners und der Studenten. In diesem Augenblick durchbrach die Sonne die Wolfen und leuchtete verschönend über diesem schmerzlichen Tag. Die Töne des Liedes, das der Präsident dem schwarzrotgoldenen Deutschland wiedergegeben hat: Deutschland, Deutschland über alles" erflangen und die Feier war beendet. Reichstanzler Luther geleitete Frau Ebert zum Wagen. Jezt drängte das Bolt, dem die Tore geöffnet waren, an das Grab. Besonders zahlreich war die Teilnahme der Arbeiter und Angestellten aus dem benachbarten Mannheim. Trauertag in ganz Hessen. Letter Gruß der Regierung asi Kondukt. Darmstadt, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) Anlaßlich der Bei fegung des Reichspräsidenten hatte die Bandesregierung für Donners. tag einen Trauertag für ganz hessen angeordnet. Die öffentlichen Bureaus und Betriebe sowie die Schulen, in denen überall eine Trauerfeier stattfand, waren geschloffen. Auf allen heffischen Die Schutzpolizeibeamten haben eine ungeheuer schwere Aufgabe zu bewältigen gehabt, physisch und seelisch. Gerade in diesem Blatte, wo Revier- oder Straßenerzeffe einzelner Schupoleute bets nachdrückliche Zurüdweisung erfahren, muß betont werden, daß fich die Berliner Bolizei im großen und ganzen am Mittwoch geradezu mustergültig und bewundernswert verhalten hat, obwohl ihr teils aus Uebermut und Unvernunft, meistenteils aber durch den elementaren Drud der immer zahlreicher heranflutenden Maffen, das Leben sehr schwer gemacht worden ist. Wäre auch nur an einer einzigen Stelle ein regelrechter Durchbruch erfolgt, dann wäre daraus nicht nur der tollste Wirrwarr entstanden, sondern es hätten sich dann sogar die schlimmsten Unglüdsfälle ereignen müffen. Den Bolizeimannschaften und ihren Leitern gebührt daher nicht gehäffige Kritik, die natürlich sehr leicht ist, wenn man Einzelfälle von nervös gewordenen Beamten herausgreift, sondern Dank und ob für ihre Umsicht, ihren Taft und ihre Ausdauer. Vier Zeilen... Weftarp revanchiert sich. Donnerstagabendausgabe der Kreuz- Zeitung für die BeiSage und schreibe 4( bier) Zeilen Raum hat die fegung Eberts in Heidelberg übrig gehabt. nachdem sie der Trauerfeier in Berlin ganze 14 Zeilen geopfert hatte! Herr West arp, der Verlansleiter der Areuz- 8eitumg", bat alfo vier Zeilen für die Beiseßung Eberts bewilligt. Ungefähr fo biel wie der Geleitbrief, den er fich in den Novembertagen 1918 vom Voltsbeauftragten Ebert erbettelte, damit ihm auf seiner Fluchtreife nach Besprengen nichts passiere Wie in der Bollsigung des Reichsrats am Donnerstagabend mitgeteilt wurde, wird der Reichstag Ende nächster Woche ich vertagen, um erst nach der Wahl des neuen Reichspräsidenten wieder zusammenzutreten. Des megen fönnen weder der Etat für 1924 noch der Etat für 1925 bis zum 1. April verabschiedet werden. Es ist deswegen ein Notgefeß erforderlich, das vom Reichsrat bereits am Montag nächster Woche verabschiedet werden soll." Diese Mitteilung muß äußerst befremden. Die Entscheidung über eine Bertagung des Reichstages liegt beim Reichstag selbst. Eine Bertagung des Reichstages bis nach der Wahl des neuen Reichspräsidenten das heißt doch wohl bis nach dem 26. April bedeutet eine Ausschaltung jeder effektiven parlamentarischen Kontrolle durch zwei Monate. Es schwebt der Regierung also folgende Form der Regelung der Staatsleitung während des Präsidentschaftsinterregnums vor: Herr Dr. Luther, der Chef der Rechtsregierung, ist zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichspräsidenten vertretungsweise beauftragt. Die Plenarfizungen des Reichstages merden ausgesetzt. Ein Etatsnotumschränkte Herrschaft durch zwei Monate hindurch gefeß gibt der Regierung die rechtliche Grundlage für die umDiefe Mitteilung wird verbreitet, obwohl der Prästdent des Reichstages, Genosse Löbe, von Berlin abwesend ist. Der Aelteftenausschuß des Reichstages felbft hat sich mit der Frage der Bertagung des Reichstages noch nicht beschäftigt. Die Mitteilungen der Reichsregierung im Reichsrat, die von einer Bertagung des Reichstages um 2 Monate in der positiven Form spricht, ist Deshalb ein Eingriff in die Rechte des Reichstags. Sie er wedt nicht nur Befremben, sondern Mißtrauen. Selbst menn man in Rechnung setzt, daß während der Reichspräsidentenwahl eine ununterbrochene Tagung des Reichstages auf Schwierigkeiten stoßen wird, so kann und darf deshalb noch nicht von einer Bertagung des Reichstages um zwei Monate die Rede jein. Es ist sehr wohl möglich, daß der Reichstag felbft eine Bertagung auf kürzere Frist beschließt, oder daß er dem Bräsidenten des Reichstages die Ermächtigung erteilt, den Reichstag avich während des Wahlkampfes zusammenzus berufen. Dem Wesen der demokratisch- parlamentarischen Berfassung würde es entsprechen, wenn gerade während des Präsidentschaftsinterregnums der Reichstag zusam menbleibt. Dieser Versuch einer Beeinflussung der Entscheidung des Reichstags durch die Regierung im Reichsrat führt zu der Frage, ob nicht die Rechtsparteien mit dem Gedanten spielen, in diesen zwei Monaten das verantwortungslose politische Spiel zu betreiben, das sie während den Regierungsfrisen im Reich geführt haben. Herr Luther, der jetzt nicht nur Reichskanzler, sondern auch mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichspräsidenten vertretungsweise beauftragt ist, ftügt sich nicht auf ein Vertrauensvotum des Reichstages. Die felbstherrliche Regierung der Bureaukratie, deren Auswirkung wir in der Zeit der Regierungsbildung zur Genüge erfahren haben, berechtigt zu einem starten und gefunden Mißtrauen. Es genügt, an den Standal der Ruhr entschädigungen zu erinnern, um die Wirkung der Diktatur der Bureaukratie und ihrer Bedeutung für den Staat zu erkennen. Unter diesen Umständen erhebt sich wieder die Frage, ob von der Regierung nicht gefordert werden muß, daß sie dem Reichstage ein Nachdem schon Herr Breuß dargelegt hat, daß nach seiner Stellvertretungsgefeg vorlegt. Anficht nach der Verfassung ein Stellvertretungsgesetz not wendig wäre, erhebt gestern abend in der ,, Boffischen Zeitung" Herr Erkelenz dieselbe Forderung: " Die Parteien des Reichstags sollten sich also, wenn möglich einmütig, dazu entschließen, eine solche Stellver. tretung schleunigst durchzuführen, insbesondere die Regierung selber sollte teinen Tag zögern und sollte am Freitag oder Sonnabend diefer Woche noch dem Reichstag ein solches Gesetz vorlegen. In welcher Weise die Stellvertretung geregelt werden soll, laffen wir hier dahingestellt. Es kann für diesen einen Fall eine Persönlich feit als Stellvertreter gewählt werden, und man fann dann die weitere Dauerregelung einer späteren Zeit überlassen, in der man Diese Frage mit mehr Ruhe behandeln fann. Oder es fann der In haber eines bestimmten Amtes für jetzt oder für dauernd zum Stellvertreter vorgesehen werden. Borgeschlagen find der Reichs. gerichtspräsident und der Reichstagspräsident. Ober endlich: es fann vorgesehen werden, daß bei der demnächstigen Wahl des Reichspräsidenten ein Bizepräsident mitgewählt wird. Das find Fragen, über die man sich am Anfang der nächsten Woche interhalten fann. Die Hauptsache ist jetzt, das Stellver tretungsgefeg schleunigst vorzulegen." Diese Frage ist sehr ernst zu prüfen. Die Reichsregierung unter Luthers Führung will uns in ein Interregnum hineinSteuern, das in einem demokratisch- parlamentarischen Staate eine Ungeheuerlichkeit darstellt und politische Gefahren mit fich bringt. Ein folches Interregnum ift erträglich für ein Bolt, das noch in seiner großen Masse in den Traditionen des Dbrigteitsstaates befangen ist, nicht für ein Bolt, in deffen Mehrheit die Ideen der Demokratie lebendig find. Aber das Ziel der Rechtsregierung unter Luthers Führung ist es nicht, Ser Demokratie in Deutschland gerecht zu werden. Sie steht ihr Stel in einem bureaufratischen Obrigkeitsstaat, in dem die Bureaufrafie fich von der Kontrolle des Parlamentes unab hängig macht. In der Zeit des Bräsidentschaftsinterregnums ift es deshalb notwendig, daß der Reichstag Herrn Luther und feine Regierung nicht vergessen läßt, daß sie unter parla mentarischer Kontrolle stehen und vom Botum des Parla ments abhängig find. „ Ein Requiem tönt leis und matt". Konzertumschau von Surf Singer. # Die Preußenkrise. Severing nicht amtsmüde.- Ein Beamtenkabinett? Die Regierungsbildung in Preußen ist noch immer nicht geflärt. Ein Nachrichtenbureau weiß heute zu melden, daß Ministerpräsident Marg am Donnerstag nachmittag eine neue Besprechung mit den Deutschnationalen hatte, in der eine Kleine Koalition, bestehend aus Demokraten und Zentrum, von deutschnationaler Seite abgelehnt wurde. Von den Deutschnationalen wurde die Bildung eines überparteilichen Beamtentabinetts als der einzige Aus: weg bezeichnet, solange das Zentrum nicht bereit sei, ein parteimäßiges Kabinett aus den bürgerlichen Parteien zu bilden. Ministerpräsident Marg behielt sich angeblich vor, zu dieser Anregung noch Stellung zu nehmen. Die Rechtsparteien haben für dieses Beamtenkabinett" auch schon einen Kandidaten. Es wird nämlich der frühere Entwaffnungsfommiffar, Staatssekretär a. D. Peters, als Präsident für ein solches Kabinett genannt. Die Nachricht, daß Genosse Severing aus Gesundheitsgründen von seinem Amt entbunden zu sein wünscht, wird jetzt amtlich dementiert. Severings Gesundheitszustand ist, wie feinen Freunden längst bekannt, in der Tat nicht gut. Aber er ist doch augenblicklich nicht so, daß er auf jeden Fall aus dem Amte scheiden müßte und wollte. Wir freuen uns dieser Richtigstellung, denn fie gibt der Hoffnung Raum, daß diejenigen sich verrechnet haben, die schon freudestrahlend von der diplomatischen" Krankheit Severings schreiben und ihre Freude über den erwarteten Rücktritt in die knallige Ueber schrift" Severing erledigt!" entluden. Am Montag wird der Aeltestenausschuß des Landtags, Frage beraten, ob tatsächlich schon am Dienstag die Neuwahl nachdem die Fraktionen gesprochen, noch einmal über die des Ministerpräsidenten stattfinden foll Dabei wird von Herrn Marg und der Zentrumsfraktion sehr vieles abhängen, was nicht nur im Landtag entschieden wird. Schwarzweißblauroter Sammelkandidat? Die deutschnationale Reichstagsfraktion erörterte am Donnerstagabend in vertraulicher Sigung die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Wie gemeidet wird, wurde Mitteilung davon gemacht, daß zwischen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deut fchen Volkspartet, der Bayerischen Bolkspartei und der Wirtschaft. lichen Vereinigung und den in Frage kommenden Berbänden Fühlung genommen worden ist, zwed's Aufstellung eines gemein. samen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl. Die Besprechungen befinden sich erst im Anfangsstadium. Personen fragen sind noch nicht erörtert worden. Die Besprechungen werden in der nächsten Woche, wenn alle Führer der beteiligten Parteien in Berlin eingetroffen sind, fortgesetzt werden. Senatsumbildung in Hamburg. Koalition aus Sozialdemokraten, Demokraten und Volkspartei. und 3 Splitterparteiler gegenüberstehen. Aus der amtlichen Ber Lautbarung über den Verlauf der Berhandlungen ergibt sich, daß die Zahl der Regierungsmitglieder von 16 auf 15 herabgeseti merden wird. Als erste Voraussetzung der Koalitionsbildung galt die unbedingte Anerkennung des Staates durch die Volkspartei. Chamberlain begrüßt den deutschen Vorschlag Condon, 5. März.( WEB.) Außenminister Chamberlain erklärte im Unterhaus, er begrüße den neuen Schrift von seiten der deutschen Regierung, der große Möglichkeiten für den Frieden und die Sicherheit der Welt haben und der Ausgangspunkt für eine wirkliche Erholung in der europäischen Lage sein könne. Es fei zu früh, zu sagen, daß diese Vorschläge wirklich dazu führen würden oder nicht, aber es sei nicht zu früh, zu sagen, daß die brifififche Regierung ihnen die größte Bedeutung beimesse und beabsichtige, ihnen die ernftefte Erwägung zu geben, in der Hoffnung, daß in diesem freiwilligen Schritt der deutschen Regierung ein Weg gefunden werden wird, der von der unglücklichen Bergangenheit wegführt zu einer befferen und freundlicheren Zukunft. wenn dies vollbracht werden könne durch und mit Hilfe Englands und wenn diese Hilfe erforderlich fei, um es zustande zu bringen, so werde sowohl die Hilfe als auch der gute Wille Englands nicht fehlen. ( Beifall.) die Alliierten haben in der ganzen Welt Aufsehen erregt. Nur Die Nachrichten über ein deutsches Garantieangebot an feierlichkeiten für den Reichspräsidenten von diesem bedeutin Deutschland selbst wurde man leider durch die Trauersamen Borgang etwas abgelenkt. Indessen zeigt die ver legene Stellungnahme der Rechtspreise, daß Blätter protestieren schon jetzt gegen den Gedanken eines diefer vernünftige Schritt der Reichsregierung den Deutschnationalen im höchsten Gra de fatal ist. Einzelne Verzichts auf Elaß- Lothringen. Die offiziöse WTB.- Erklä rung ist übrigens ein Beweis dafür, daß diese Verlegenheit innerhalb der Regierung selbst herrscht. An der Richtigkeit der bisherigen Mitteilungen über den Inhalt des deutschen Angebotes fann, trotz der Schweigsamkeit der Berliner Stellen, angesichts der übereinstimmenden Bestätigungen aus allen Ländern nicht gezweifelt werden. Umso beffer. Nur muß im Intereffe des Erfolges eines so bedeut samen und vernünftigen Schrittes die Stellungnahme der Regierungsparteien eine eindeutige fein. Da wir nicht annehmen können, daß die Herren Luther und Stresemann eine fo wichtige Initiative hinter dem Rücken ihrer Kollegen und der Fraktionsführer ihrer Koalition ergriffen haben, so ist es flar, daß nicht nur die Minister Schiele, Neuhaus und Schlieben diesen Schritt gebilligt, sondern auch, daß die Fraktionsführer der Deutschnationalen, die Hergt, Westarp, Tirpit und Laverrenz von dem beabsichtigten Berzicht auf Elsaß Lothringen gewußt haben. Dann ist es aber ganz unzulässig, daß die deutschnationale Regierungspresse gegen den Vorschlag der Regierung Stellung nimmt und damit Zweifel an seiner Aufrichtigkeit entstehen tößt. candid Hamburg, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) Die letzte Wahl Die schwarzweißrote Braunschweigische Regierung hat jest, zur Hamburger Bürgerschaft im Oktober 1924 ergab nicht mehr die nachdem die braunschweigischen Gemeindewahlen vorüber find, die bestehende große Mehrheit von Sozialdemokraten und Demofraten. von der fozialistischen Regierung bisher niedrig gehaltenen Mieten Enfolgedeffen wurde die Frage einer Senat sumbildung abut, bedeutend erhöht. Bom 1. März betragen die gesegli en wenn auch die Bestimmungen der Verfassung und die dauernde bieten 55 Bros. der Friedensmiete. Die Gewerbetreibenden mesenheit einer Anzahl fommunistischer Abgeordneter den Ford müffen ab 1. April 80 Broz. sablen, fo bas, fie einschließlich der bestand des alten Genats erlaubten. Die im Verlauf mehrerer 20 proz. Hauszinssteuer Friedensfäge für ihre Räume Wochen geführten vertraulichen Verhandlungen führten in diesen aufzuwenden haben. Die Erbitterung der Gewerbetreibenden ist Fagen zu dem Ergebnis, daß Sozialbemotraten, Demo. fehr groß. Da aber die schwarzweißrote Regierung im brauntraten und Deutsche Boltspartet schon in den aller. imeigischen Landtag auf die Stimme des einen Hausbejizer bertreters angewiefen ist, wenn sie nicht gestürzt werden soll, nächsten Tagen eine Roalition schließen werden, aus der ein neuso muß fie dessen Wünsche erfüllen. gewählter Senat hervorgehen soll Hinter der zu bildenden Koalition steht eine runde 3weibrittelmehrheit des Parlaments. Die drei Parteien verfügen insgesamt über 101 Stimmen( 53 Sozial demokraten, 23 Demokraten, 23 Boltsparteiler und 2 Zentrums männer), denen 28 Deutschnationale, 4 Bölfische, 24 Kommunisten hat diefer äußerliche und veräußerlichende Nachtlang eines Spazierganges wiese auf die Alpenfinfonie. Aber welch ein Abstand zwischen diesen beiden Musikern! Das Visionäre eines nächtlichen Erlebnisses, und sei es der Gang durch ein Dorf, ist nirgendwo an gedeutet. Festgehalten sind die Oberflächenempfindungen, wie das Horchen auf einen Tanz in der Schenke, den Choral aus einer Kirche, das Bochen eines Waldspechts. Auf diese Weise läßt sich eine sechs bändige Bartitur füllen, ohne daß eine andere Reaktion als die des Lächelns über so viel nuglose Arbeit einträte. Bigler- 3ierig. Auch sie tennt den Effekt und weiß ihn in Bon ganz anderem tompofitorischem Schwung ist Grete Bigler 3ieri. Auch sie tennt den Effeft und weiß ihn in Liedern bis zu den Straußfchen Steigerungen eines Reißers zu pointieren. Dies aber ist nicht das wesentliche einer gar nicht mehr fraulichen Kompofitionsbegabung. Eine Phantasie für Bioline und Klavier zeigt, daß in der jungen Frau Sehnsucht nach großen, er. hebenden, mystischen und dramatischen Empfindungen schlummert. noch hat sie nicht Beherrschung genug, um das wesentliche der Einfälle von Rebendingen fachlich zu trennen. Es wuchert viel Gleichgültiges in den Durchführungen. Konzentriert sie fich aber, so spricht ein überdurchschnittlicher Musitant, ein erlebnisvoller Mensch zu uns, ber gleichzeitig noch die Gabe einer sehr freien und zumeilen verwegen- neuen Technik zeigt. Fred Drissen und Hans Basser mann fegten sich mit der Komponistin im Bunde für ihr sehr beifällig aufgenommenes Wert ein. Der Ronzertbetrieb Berlins tötet die Phantafie. Die Gleich gültigkeit fo vieler Veranstaltungen in diesen Tagen zeigte so recht, wie wenig improvisatorischen Geist, wie wenig Stimmung für den Augenblid unsere Konzertierenden haben. Solcher Flachheit gegen ber ist es gewiß nur gerecht, wenn in den Tagen, da das Reich um feinen obersten Diener und Beamten trauert, auch die ernste Musi veranstaltung ausgeschaltet wird. Bei der Eigenschaft pathetischer und großer Mufit, die Herzen zu bewegen und auch einem Gefühl des Schmerzes vollendeten Ausdruck zu verleihen, wäre sie gerade jegt berufen, ihre Miffion würdig zu vertreten. Sie tut es nicht. Am erften Tage, da nach dem Tode des Reichspräsidenten Mufit wieder in festfälen erflingt, hätte bei jebem einzelnen der Auftakt der einer weihevollen Gedentviertelstunde in Zönen sein müssen. Es wäre nicht schwer gewesen, dies zu improvisieren. In jeder Art von Musik hätte man fich ein solch stilles Lied gewünscht. Aber außerhalb des Dorgelegten Betriebes gibt es anscheinend teine musitantischen Meifter, die am Augenblid das in ihm lagernbe latente Empfinden Der Maffe begreifen und zur Erfüllung bringen. Wie gut hätte Furimängler an die Spige feines sehr bunten Programms ein Orgelstid über einen ernſten Choral, etwa von Bach oder Reger, fehen fönnen. Wie leicht wäre es gewesen, mit den Philharmonifern den Trauermarsch aus der Götterdämmerung zu spielen! Nichts davon. Als laufe ein Tag wie der andere, als fei nichts von größter Bedeutung in der Welt geschehen, wechseln sich zu Beginn des 6. Philharmonischen Konzerts amet Solisten ab. Mir wollen das Gefühl nicht zum Maßstab der Kritit nehmen und deshalb frei bekennen, daß auch dieser Abend, absolut genommen, wenig Wünsche rein mufitalischer Art unerfüllt ließ. Bedenklich ist es aller dings, wenn man in diesen Konzerten prominentester Art anfängt, die Matadore des Tages dem Publitum als Lodspeise vorzulegen. Richard Tauber, der Mozartsche Arien auf dem Podium so ganz anders effektvoll zu atzentuieren meiß, wie im Theater, ist hier fehl am Plage. Henry Holft spielte das Biolinkonzert von Sibellus als ein gewiegter, technisch glänzend fundierter Geiger, mit Belebtheit und befeeltem Ton, doch ohne jo virtuos hinzureißen, wie es diefes brahmsisch infizierte Wert verlangt. Nach Sibelius und Meszart die I. Sinfonie von Mahler, glänzend und flangvoll von Furtwängler interpretiert. Es wird gut sein, allmählich von der Sitte, Solisten um jeden Preis für die Philharmonischen Konzerte zu engagieren, selbst gegen den Willen der Abonnentenschar, abzu. gehen und die Einheitlichkeit der Programme würde eine vollendetere fein. Cin Konzert von Julius Ropf, ber immer noch glaubt, fich durch den Generalmusifdirektortitel erhöhen zu müffen, zeigte ben Dirigenten in sehr guter Form Die Berliozsche Ouvertüre zum Römischen Carneval" dirigierte er auswendig und mit nachdrücklichen Schönheit oder Empfindungswärme getrübt. Erit die drei licher Heraushebung des rhythmischen Schwunges, der bei aller Staubpatina in diesem Werke ruht. Nicht sehr fritisch war die Wahl ber nächtlichen Banderung" von Kurt Stiebig. Dieses Stüd ift geeignet, die gesamte Programmufit zu Grabe zu läuten. Auch menn man es nicht wüßte, daß Stiebig bei Richard Strauß gelernt Bius Kalt bemies von neuem feine großen Qualitäten als Führer und Lehrer des Chorgefangs. Werte von Mendelssohn und Cornelius( neben Bach und Thief bewältigten seine Sänger und Sängerinnen( vom Bafilita- Chor St. Hedwig) durchaus würdig und unter Einsetzung schöner Ausdrucksnuancen. Gewisse Grellheiten der Soprane in hoher Lage dürften schnell ausrottbar fein, ebenso das Fladrige des folistischen Tenors. Der Cornelius- 3yklus Trauer und Troft" stand zufällig, aber einer Gesamtstimmung entsprechend, auf seinem Programm. Derfelbe Syfius auch bei Frieda Derfelbe Syflus auch bei Frieda Cornelius. 3weimal die gleichen Worte, die in Text und Mufit etwas von Treugedenten und wehmütigem Traum bannen. Wer Phantaste hatte und ein inneres Ohr für Stimmung, der hörte diese Worte den ganzen Abend:„ Ein Requiem tönt leis und matt." Die Sängerin Cornelius hat eine wundervoll flingende, dunkle, gesättigte Altstimme, die durch ihre Tönung an sich bereits feffelt. Faft zu Schade für das Podium, eine Erda. Auch durch die Verschleierung ihres Tones, der wohl auf Indisposition zurückzuführen war, ließ fich der Wert dieses Materials erkennen. Nur sollte sich die Sängerin schnell abgewöhnen, die Töne um eine Terz zu tief anzusetzen und dann heraufzuziehen. Für die Differenzierung innerhalb eines Liedes, wie ein Ton" von Cornelius, fehlt ihr die Geistigkeit. Dem Leipziger Gewandhaus.Qaurtett begegnete man hier wohl zum ersten Male. Jm Streichquartett Es- Dur von Reger erffang der erste Sag mit einer eraften Nüchternheit, die Böses er warten ließ. Hier wurde die Eraktheit durch feine Nuancen der tonlegten Säge, diefe aber auch alle, ließen erkennen, daß neben der Einheit in dieser Viertönigkeit auch ein einheitlicher Wille zum Ge stalten selbst spröder Musik waltete. Bestimmt durch die Sicherheit des Konzertmeisters soil gandt, deffen spiccato etwas Bolleres, meniger Spizes haben dürfte und den ehrwürdigen Meistercellisten | ber Generalsekretär des Bölferbundes, ist hier auf einer Reife nach Bölferbund und Reichsregierung. Sir Eric Drummond. ben östlichen Staaten eingetroffen und hatte mit dem Reichsaußenminister und dem Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, v. Schubert, längere Unterredungen. Julius Klengel durfte das Quartett des Beifalls eines ver. ständnisvoll aufmerkenden Bublifums froh werden. Der Pianist Alfred Schröder hat einst mehr versprochen, als er heute hält. Sein Spiel entbehrt der Größe und auch der persönlichen Stoffdurchdringung, ist aber in der Klarheit und Sauberfeit auch jetzt noch von Reiz und Wert. Mit der Sonate von Otto Befch fonnte er nur für sich, nicht für den bekannten Komponisten, Humperdind- Schüler und Kritiker Ruhm einlegen. Dieses Wert ist ein improvisatorisches Stück, das mit Kraft und Mark beginnt, dann aber in den Aeußerlichkeiten des Figurenwerts, das wenig sagt und viel spricht, untergeht. Das Thematische liegt in einfach absteigenden Bässen, während die Floskeln der rechten Hand einfallsarm bleiben. Auch der Schluß, der wenigstens wieder Beziehungen zum Anfangsthema aufweist, fann den Eindruck einer frei spielerischen Gewandtheit nicht wesentlich erhöhen. Das zweite Streichquartett von Richard Weg zeigt den Fünfzigjährigen als einen Musiker, der in der Kammermusit die Beherrschung der Form mit einer präzisen, dem schönen Klang und dem herben Ausdrud hingegebenen Sprache verbindet. Der Erfinder des Automobils. Am heutigen Tage jährt sich zum 25ften Male der Todestag von Gottlieb Daimler, dem Erfinder des Automobils. Daimler, der am 17. März 1834 zu Schorndorf in Württemberg geboren war, erhielt im Dezember 1883 das erste Patent auf einen für Fahrzeugbetrieb geeigneten schnell laufenden Explosionsmotor. 1884 und 1885 wurde dieser Motor versuchsweise in ein Fahrrad eingebaut und, nachdem dieser Versuch günstige Resultate ergeben hatte, auch in einen vierrädrigen Wagen montiert, der im November 1885 feine erste gelungene Probefahrt machte. Im Jahre 1890 fonnte Gottlieb Daimler zur Verwertung feiner Batente die noch heute zu den führenden Automobilwerfen zählende Daimler- Motoren- Gesellschaft gründen, deren Automobile cit dem Jahre 1900, dem Todesjahr Daimlers, unter dem Namen " Mercedes" Weltruf erlangt haben. Die Beilegung Eberfs. Die Feierlichkeiten anläßlich der Ueberführung der Reiche des Präsidenten Ebert in Berlin, fomie die Beifetzung in Heidel berg wurden für die Deuligwoche im Film festgebalten. wissenschaftliche Führungen im Alten Museum( Archaische Blastik) Museumsführungen. Sonntag, den 8. d. M., vorm. 10 Uhr, finden 15 Dr. Köfter- und im Kaiser- Friedrich Museum( Borderasien) Dr. Ebelolf ftatt. Bulaßtarten zu 50 Bf. find vor Beginn am Eingang ber genannten Mufeen in be chränkter Anzahl erhältlich. 3m Turmhaus- Wettbewerb für das Tempelhofer Feld hat das Preis. gericht, dem Städtebaudireitor Elfart, Ludwig Hoffmann, Baurat Bräuning u. a. angeborten, die Entscheidung gefällt, Drei gleiche erfte Preise erhalten die Architekten Prof. Paul Bonab in Stuttgart, Dito Rudolf Salvisberg in Berlin und Dr. Eduard Jobft Siedler in Berlin- Behlendorf. Das Turmhaus bietet u. a. den Bureauräumen der Flugzeuggesellschaft Unterkunft und erhält eine große Blattform, die eine weite Aussicht über den neuen Berliner Flughafen gewährt. Auftreten der Schlaftrantheit in Cifauen. Im Kreise Kowno find zwei Fälle von Schlafirantheit feltgestellt worden. Das Gesundheitsamt bat die Maßnahmen angeordnet, die zur Berhinderung der Krantheitsverbreitung notwendig find. Tollwut Abe In England. Das englische Gefundheitsamt hat die Aufhebung aller Cimichtungen zur Behandlung der Tollmut veranlaßt. Seit Dezember 1921 find Zollwutfälle bei Tieren in England und Wales nicht mehr vorgekommen. 2000 Tote im Jahr! bis? Genosse Osterroth über den Schutz der Bergarbeiter. " Im Landtag erfolgte gestern die Aussprache über das Grubenunglüd auf der Zeche Minister Stein" bei Dortmund, dem 136 Bergleute zum Opfer gefallen find. Als erster Redner ergriff Gen. Osterroth zur Begründung der zahlreichen sozialdemokratischen Anträge das Bort. Er führte aus: Als am 11. Februar der Blitz der Schlagwetter auf, mini. fter Stein" 136 Bergleute hinwegraffte, war einer der ersten, der mit einer Beileidskundgebung und mit einer namhaften HilfsSpende zur Hand war, der inzwischen verstorbene Reichsprasi. dent Ebert. Borgestern um 2 Uhr nachmittags sollte diese Tragödie der Arbeit an dieser Stelle verhandelt werden. In die Tragödie der Arbeit hat sich eine Tagödie des deutschen Reiches der deutschen Republit hineingeschoben, eine Tragödie, die wohl dem größten Teil der deutschen Staatsbürger nahe geht. Wir SozialDemofraten, insbesondere wir Bergbauvertreter aus meiner Frat. tion, würden es für illonal halten, wenn wir Friedrich Ebert, dem verstorbenen Reichspräsidenten, der uns Bergarbeitern befonders nahe stand, nicht den Zoll der Dankbarkeit von dieser Stelle aus nachsenden würden. Ein Glüdauf Friedrich Ebert zu feiner legten Fahrt! Er war immer unser Stolz und wird für alle Zeiten ein leuchtendes Beispiel für uns alle fein.( Bravo! bei den Soz.) Die Aufgabe des Landtags und der gefeßgebenden Rörperfchaften fann sich nicht damit erschöpfen, daß man Untersuchungen über die Schuld anstellt. Die Schuld ist meistenteils nicht aufzu flären. Diejenigen, die am meisten darüber aussagen könnten, find stumm geworden, und diesen Stummen sind wir es schuldig, daß wir endlich einmal daran gehen, wirklich das Menschen mög liche zu tun.( Sehr wahr! b. d. Soz.) 136 Lote! Ja, mein Gott, das menschliche Gewissen, das menschliche Gemüt bäumt sich nur auf, wenn die Zahl der Opfer, die Zahl der Toten in die Dußende oder die Hunderte geht. Aber, vergessen wir doch nicht, daß die Zahl unendlich groß ist, daß in einzelnen Jahren über 2000 Tole im deutschen Bergbau fallen!( hört, hört! b. d. Soz.) Man muß darauf hinweisen, daß in den 13 Jahren von 1910 bis zum Schluß 1923 sich im deutschen Bergbau 167 000 entfchädigungspflichtige Unfälle abgefpielt haben.( hört, hört! b. d. Soz.) Und die Zahl der nichtentschädigungspflichtigen? Wir wissen, es ist genau so wie bei der Diensttauglichkeitsuntersuchung im Kriege: zulegt waren fie alle tauglich. So geht es auch mit den Entschädigungspflichtigen Unfällen. Leider ist heute die Braris fo hart und rauh in der Abmessung dessen, was entschädigungs pflichtig ist, daß man ruhig fagen fann: wenn der Maßstab hinsicht lich der entschädigungspflichtigen Unfälle noch angewendet würde, der vor zwei Jahrzehnten angewendet wurde, dann würde die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle im deutschen Bergbau doppelt und mehr als doppelt so groß sein. -P 167 000 Unfälle in diefen 13 Jahren! 29 095 födliche Unfälle! ( Hört, hört! b. d. Soz.) Das find Opfer, wie sie auch das größte Einzelfchlachtfeld im Weltfriege nicht gefordert hat. Müssen wir uns nicht aufraffen und endlich danach frachten, nicht allein aus wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Gründen Menschenötofiomie zu treiben, sondern menschlich im höchsten Sinne zu sein? Und wir hier in diesem Hause haben sehr viel gut zu machen, in diesem Haufe, das Jahr aus Jahr ein ein Tempel des affes ist. In diesem Hause wollen wir einmal ganz Menschen sein, wollen mir uns einmal dessen entsinnen, was wir dem Bergmann als dem retager unferer Rultur in Wirklichkeit fchuldig find.( Sehr richtigt Soz.) Ghe ich mich aber zu der Ratastrophe auf Minister Ein im eingeinen mende, eine Erscheinung, die ich geradezu Furchterlich fand. In der Borkriegszeit, als 1907 auf der fistalischen Beche Reeden im Saarrevier, ich glaube, 153 Rameraden durch fchlagende Welter hinweggerafft murden, da war das ganze deutsche Bolt bestürzt. Milftonen gaben in größtem Ausmaße für die Opfer. 21s 1913 auf Rabbob" über 300 Bergleute den schlagenden Bettern zum Opfer fielen, hat die deutsche Presse sechs Wochen lang Tag für Tag die erschütterndsten Berichte gebracht. Da war bas menschliche Herz und das menschliche Gemüt noch offen, da war uns der Maffentod noch nicht zur Gewohnheit geworden.( Sehr richtig! b. b. Soz.) Da war die Welle und die Kluft des Haffes, die Boltsteil von Boltsteil reißt, noch nicht so groß. Glauben Sie, wir werden als deutsches Volf so weiter leben tönnen, nergiftet bis zum Haß, bis zum Haß aufs äußerste? Wenn die Menschlichkeit nicht fiegt über den Haß, dann wird die Sozialpolitik, der Bergmann in allererster Linie der Leidtragende sein.( Sehr richtig! b. d. Sez.) Ich war entfeßt: man hat von Barmat und Rufister in den ersten zwei Tagen nach dem Unfall in den Zügen, auf den Straßen usw. unendlich mehr gehört als von der Tragödie, von dem Opfertod der 136.( Sehr richtig! b. b. Soz.) Der schänd. lichste Sensationsfilm löst mehr Erregung und Nervenfibel aus bei großen Teilen des deutschen Boltes als der Opfertob von 136 Berg letben. " Zur Schuldfrage. Ich fürchte, wir werden über die Schulb nicht sehr viel erfahren. Die eigentliche und die legte Quelle der Schuld wird wahrscheinlich aftenmäßig nicht festgestellt werden. Aber ein Herr war sehr schnell mit feinem Urteil, das war der Borsigende des Aufsichtsrats der Gelsenkirchener Bergwertsaffiengesellschaft, Rechtsanwalt Dr. Salomonsohn, der in der Aufsichtsratsfihung davon gesprochen hat, daß eistens von der Knappschaftstaffe ausreichend für die Opfer gesorgt würde, und der über die Ursache der Schlagwettererplosion fagte, etroas Abschließendes fönne nicht gesagt werden, nur so viel stehe feft, daß alle überhaupt denkbaren Borsichtsmaßnahmen getroffen worden seien; das Unglück müsse deshalb auf ein reglements. widriges Berhalten der Belegschaft zurückgeführt werden.( hört, hört! b. b. Goz.) So etwas ist geradezu unerhört. Bir haben das bei vielen Ratastrophen gehört; aber von einem Borfizenden des Aufsichtsrats der betreffenden Gesellschaft haben wir das niemals gehört. Wer fann Schuld sein? Es war sehr merkwürdig, zwei Tage nach dem Schlagwetter wußte das Grubensicherheitsamt im Handelsministerium selbst noch nichts. Meine Herren vom Grubensicherheitsamt, so fann es auch nicht bleiben. Es ist das ganz unmöglich, daß ein ganzes Wolf 3 Wochen lang völlig im Dunkeln tappi Daß manches mangelhaft war auf Minifter Stein troß der persönlichen Tüchtigkeit des Herrn fessor Brandi und seiner Menschlichkeit, wird mir auch bestätigt von der Zeitschrift des Reichsverbandes für Berg bauangestellte das ist die Organisation der höheren Grubenbeamten, der Betriebsführer- da wird in einem Artikel zur Kata strophe von Minister Stein entschieden und ernst Stellung genommen dagegen, und es wird mitgeteilt, daß in diesen zwei Steiger revieren, die von der Katastrophe erfaßt wurden, von Juni 1924 bis Januar 1925 die Förderung gestiegen ist von 2898 auf 3858 Wagen. Also um 1000 Wagen, um 29 Proz ist die För derung aus den beiden Revieren in dem 3eitraum von 7 mo naten geftiegen.( hört, hört!) Daß eine entsprechende Beleg fchaftsvermehrung, eine Erschließung von Betriebspuntten statt gefunden hätte, fann man nicht behaupten, das wird auch in Birklichkeit nicht der Fall sein. Wie fann also eine so starke Steigerung der Förderung kommen? Das Organ der Betriebsführer stellt die Zweifelsfrage, ob hier nicht durch unzulässige Miffel, durch Gewinnfucht, durch Gedingereduzierungen, durch ausgeprägte Antreiberei diese Steigerung der Fördermenge erzielt worden ist.( Sehr wahr lints.) Wir müssen im Bergbau zu einer menschlichen Arbeitsweise fommen, unter der alle die guten bergpolizeilichen Bestimmungen auch restlos, 394 bis zum Tipfelchen auf dem i, ausgeführt werden können. In den Organ der Betriebsführer wird ganz mit recht auch gefagt: Diese Schlagwettererplosion hätte niemals diese Wirkung haben können, menn erstens fein explosibles Wettergemenge dagewesen wäre, und wenn zweitens ein Kohlenstaub in den Streden gelegen hätte. Ich darf darauf hinweisen, daß es im ganzen Ruhrrevier vielleicht teine schlagwetterfichere Zeche gibt als die Zeche Hibernia; gleichwohl haben wir auf Hibernia seit dem Jahre 1891 feine Schlagmetterexplosion mehr gehabt. Wenn also die bergpolizeilichen Bestimmungen eratt befolgt" werden, dann kann man auch der weitgehendsten Unfallgejahr vorbeugen. und das ist es, was wir wollen! Vorbeugen, das ist noch wichtiger als die Schulduntersuchung( sehr richtig! links), die auch nicht vernachläffigt werden darf. Und da dürfte der Mann, der mit dem Schießen umgeht, nicht am Gedinge beteiligt sein, fonft ist das eine Prämie auf Leichtsinn, und ich erwarte, daß das Grubensicherheitsnotwendig sein sollte, die bergpolizeilichen Bestimmun amt und das Handelsministerium nach dieser Richtung hin, wenn es bie Größe der Steigerrepiere. Da steht heute fest, daß gen auf das alleräußerste verschärft. Sehr wichtig ist zweifellos in den beiden Unglücksrevieren mindestens 151 Leute in der Mittags schicht waren. Die Nachtschicht ist aber doppelt so stark belegt. Wenn diese Explosion in der Frühschicht stattgefunden hätte, dann wären dern, daß ein Steigerrevier möglich ft flein fein muß. es statt 136 annähernd 300 Tote. Es ist deshalb zu forDann die Revierprämien! Wir haben bis Ende 1923 Wir haben bis Ende 1923 feine Revierprämien gehabt und es sind dabei gute Leistungen her. ausgefommen; jekt werden sie wieder eingeführt. Das darf nicht fein. Die Revierprämien sind die Ursache für viele Korruptions erscheinungen im Bergbau. Fort mit ihnen!. 10 Ich darf daran erinnern: wie viele Arbeitgeber im Ruhrrevier, die sich in der Vortriegszeit viele Sün den aufgeladen haben, sind von denen, die sie heute wieder ver. folgen, unter die Fittiche genommen worden? Wie viele hätten böse geendet, wenn unsere Bergleute und Arbeiter nicht eine große Dosis Humanität im Herzen getragen hätten!( Sehr richtig! b. d. Goz.) Es gab teinen Rache att nach dem Zusammenbruch in den großen Industrierevieren, feinen Mord und Totschlag. Menschlich waren unsere Arbeiter. Das sollten die Arbeitgeber und ihre Organe heute nicht vergeffen. Täuschen Sie sich nicht: Sie steuern wieder einem Stüd Klaffenhaß zu, Sie treiben den Bergmann zu Explosionen. Wenn die Orgien des affes, die wir wochen- und monatelang hier und im Reichstage erlebt haben, Dauererscheinungen. werden sollen, dam vergeffen Sie doch nicht, wie wertvoll es für unser Staatswesen ist, daß Millionen und Abermillionen von Arbeitern das Staatsbewußtsein gefunden haben, daß sie heute nicht mehr wie in der Vorfriegszeit staatsverneinend und wirtschaftsverneinend Ihnen entgegenstehen. Das legt Ihnen die Pflicht auf, ein bißchen weitherziger zu fein, nicht so viel Scheuflappenpolitik zu machen, wie es in den deutschen Parlamenten heute geschieht. Andernfalls fteuern wir fraglos schlimmen Zeiten entgegen. Wichtig ist es, einen großen Fonds zu schaffen, aus dem auch die Opfer von Einzelünfällen, die zu Dußenden vorkommen, bedacht wer. den fönnen( sehr richtig! b. d. Soz.), wenn Menschen hochgradig erwerbsunfähig werden. Dann muß zur Unfallrente etwas hinzukommen. Der Gedanke, folche Sammlungen, die fort gesezt werden müßten, die aus Staats- und Reichsfonds ergänzt werden müßten, an die Knappschaftstaffe anzugliedern, die heute paritätisch verwaltet wird, scheint mir gang richtig zu fein. Bei folchem Anlah fieht man, daß die Unfallrente und die Knapp schaftspenfion nicht ausreichen. Ich habe es wirklich bedauert, daß der Aaltestenausschuß bei biefer wichtigen Angelegenheit die Rebnerzeit auf 10 Minuten an. gesetzt hat. So dürfen Sie Bergbautragödien fünftig nicht behan deln. Das macht sehr böses Blut. Wenn von unserem Leiden und Tod die Rede ist, fizen taum zwei Dugend Leute im Reichstag. Sehen Sie sich um in diesem Hause. Ist es da anders? Das muß anders werden. In einem Antrage haben wir nerlangt, daß die jetzt doch ganz gewiß überall restlos ausprobierten Gesteinsstaubsperren generell obligato. rich im ganzen deutschen Steinbergbau eingeführt werden. Das ist notwendig, denn sie haben sich gut bewährt. Bir haben dann verlangt, daß pflichtwidrige Uebers. tretungen unter[ ch were Strafe gestellt werden. Mir schwere scheint, daß die Strafbestimmungen in den Bergbaupolizeiverord. nungen lächerlich gering sind. Exemplarische Strafen müssen in den Bergbaupolizeiverordnungen vorhanden fein für alle Berfeh lungen und Unterlassungen auf dem Gebiete der Wetterführung, der Wetterkontrolle, der Lampenwirtschaft, des Sprengstoffwesens, der Berieselung. Da wird viel gesündigt. Und nun das Dritte: die Ausnahmebewilligungen. Es ist doch heute fo, daß in vielen Dingen der Bergrevierbeamte von Vorschriften der Bergbau. polizeiverordnungen Ausnahmen zulaffen kann. Das geht nach den entschieden zu weit. Der Bergrevierbeamte fann feine Erfahrungen Erfahrungen, die ich im bergtechnischen Ausschuß gemacht habe, dazu geben, aber die letzte Instanz dazu muß das Gruben sicherheitsamt sein, da es letzten Endes die Verantwortung hat. Wir fordern weiter, daß in jedem Gezähkaften eine oder zwei Gasmasken mit der ausreichenden Sauerstoffpatrone sind und dah in den Kommunikationswegen unter Tag an sicheren Stellen im Terbandstaften die notwendige Zahl von Gasmasten aufbewahrt wird, damit der Mann eine Stunde und zwei Stunden, bei den neueren Apparaten sogar drei Stunden aushalten lann, bis die Rettungsfolonne fich einen Weg zu ihm gebahnt hat. Ich schlage vor, daß die sämtlichen Anträge, die wir und die anderen Parteien gestellt haben und die man ja nicht in Bausch und Bogen annehmen tann, sofort dem Ausschuß für Handel und Gewerbe überwiesen werden, um sofort über sie zu beraten und müssen beschleunigt im Plenum des Hauses zur Berabschiedung femmen Sehr richtig! b. b. Soz.). Und dann ein anderer Punkt: Sehen unsere Bergbauordnungen Sie sich einmal on! Ja, der Bergmann fell sie fennen, jeder Beamte soll sie auch fennen. Wenn ich die Herren auf der Regierungsbant hüben und brüben fragen würde: Kennen Sie sie alle restlos? was würde man mir antworten? Herr Minister, fennen Sie sie? ( Sehr gut! b. d. Soz.) Ich habe jahrelang als Rechtsschutzbeamter mitgearbeitet und ich weiß: das ist ein Buch mit sieben Sie gein, und wenn man nicht Jurist ist, findet man sich nicht burch.( Lebhafte Zustimmung b. d. Goz.) Wir brauchen also für unsere Belegschaften einen Dolmetsch. Auch diese Frage haben mir schon vor Jahren im Grubensicherungsamt angeregt. brauchen Merfblätter, in denen in prägnanter, vielleicht illu ftrativer Weise das Wesentliche der Unfallverhütung, des Grubenficherheitsschußes, vor allen Dingen aber der Vorbeugung von Gefahren im Bergbau zusammengefaßt ist. Das muß dem Bergmann und dem heranwachsenden Bergmann ins Gehirn hineingehämmert werden, vielleicht schon in den bergmännischen Fortbil. dungsschulen. Wir terung der Bergarbeiter, und man hat geglaubt, daß diese Frage durch Schaffung der Betriebsräte überholt sei. Ich und meine Freunde sind dieser Ueberzeugung nicht Gewiß tönnen die Betriebsräte sehr viel tun, wenn man sie nur gewähren ließe, aber da hapert es sehr. Die Betriebsräte sind, was die Grubensicherheit anbetrifft, nicht das ausgewählte tenihenmaterial. dem vir Leben und Gesundheit der Bergleute anvertrauen msajten. Das Wahlrecht ist kurz und fängt an und für sich schon mit jungen Jahren an. Wenn man sich dann nach Jahr und Tag eingelebt hat und dann nicht entweder nach der Pfeife. Der Arbeitgeber oder nach der Pfeife eines Teiles der Belegschaft tanzt wird man abgefäbelt und ein anderer kommt. Deshalb nehmen wir unsere alte Forderung wieder auf und verlangen Grubenkontrolleure aus den Reihen der geschulten Hauer, und zwar der Leute, die eine zehnjährige Tätigkeit als Hauer hinter fich haben und sich nach allen Seiten Respekt verschaffen können. Diese Leute dürfen nicht Angestellte sein, und von dem Unternehmer bezahlt werden wie die bisherigen Betriebsräte oder die früheren Sicherheitsmänner. Uns schwebt vor, daß das Vorschlagsrecht den Bergarbeiterorganisationen eingeräumt wird, daß diese Umschau halten und daß dann die Bergbehörden die Ausgewähl ten auf ihre sachliche Fähigkeit prüfen. Dann wird der Betreffende als Grubenkontrolleur installiert, wird vom Staate bezahlt und der Staat zieht die Kosten beim Zechenbefizer ein. Dann ist der abhängig.( Sehr gut! links.) Mann der Belegschaft gegenüber und dem Arbeitgeber genüber unwir So Den Anträgen, die von anderen Parteien gestellt sind, stehen das ist selbstverständlich mit größtem Wohlwollen gegenüber. Wir haben, weil wir eine Reihe anderer Anträge gesehen haben, z. B. die Anträge der Bergarbeiterkollegen vom Zentrum, davon abgesehen, ähnliche Anträge zu stellen. Wir werden uns im Ausschuß darüber unterhalten, und wir werden voraussichtlich in all diesen Fragen herzlich wenig Meinungsverschiedenheiten haben. Go geht es uns auch mit einigen Anträgen, die die Kommunisten gestellt haben. Wir haben kein Vorurteil. Wir wollen im Interesse des Bergarbeiterschußes die Menschlichkeit, ja, die Liebe gegen den Haß siegen lassen und wollen dieses Mal endlich durchgreifen, um dem Bergbau die Gewißheit zu geben, daß, wenn auch nicht alle Maffenfatastrophen verhütet werden können, alles, was im Menschenbereiche liegt und was technisch möglich ist, auch wirklich geschieht. Der Bergmann und das ganze Geschlecht von Schatzgräbern wird Ihnen, wird dem Preußischen Landtag dankbar sein.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Auszug der Arbeiterpartei. Zwischenfall im Unterhaus. London, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Unterhaus ereignete fich heute ein Zwischenfall, der die gesamte Fraktion der Arbeiterpartei zum Auszug aus dem Parlament veranlaßte. Chamberlain hielt eine Rede über die Außenpolifit. Er sagte, daß die Regierung in der Behandlung außenpolitischer Fragen oft zu strengster Berfchwiegenheit verpflichtet sei. Darum sei volles Bertrauen des Landes notwendig. Als er die deutschen Vorschläge über die Sicherung des Friedens in allervertraulichster Form erhalten, habe er fofort gejagt, er tönne fie nicht zur Kenntnis nehmen, wenn er verpflichtet sei, darüber nicht mit den Alliierten zu sprechen. Hier unterbrach der radikale Arbeiterabg. Kirkwood den Redner mit einer Bemerkung über den Sin owjewbrief. Der Borsitzende verwarnte den Zwischenrufer. Als Kirkwood abermals eine Zwijchenbemerkung machte, forderte ihn der Borsigende auf, das Haus zu ver. laffen. Kirkwood blieb jedoch. Darauf wurde der Speater geholt und dieser fragte, ob jemand beantragen wolle, Kirkwood auszuschließen. Chamberlain stellte diesen Antrag. Als der Antrag angenommen war und der Speaker nunmehr Kirkwood zum Hinausgehen aufforderte, erhob sich Macdonald als erster und mit ihm verließ die gesamte Arbeiterfraktion geschloffen das Haus: In der englischen Parlamentsgeschichte ist ein Fall, wo ein Abgeordneter wegen zweimalige: furzer Unterbrechung gemaßregelt wurde, bisher nicht bekannt. Das Wahlrecht der Eupener. Brüffel, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) In der großen Rammerdebatte über die verfassungsrechtliche Ein- und Angliederung Eupen Malmedys betämpfte Genosse Bandervelde den Anschluß des Gebiets an den Wahlkreis Verviers. Die Bewohner des neuen belgischen Gebiets, die bereits der Militärpflicht genügen, müßten unbedingt einen eigenen Bertreter in die Rammer Der frühere fozialistische Minister Destrée vertrat bekommen. ebenfalls in leidenschaftlicher Rebe diese Forderung. Er habe den Eindrud, daß die Bevölkerung Eupens nur widerwillig belgisch sei und zu Deutschland zurück möchte. Wenn sie einen eigenen Vertreter in der Kammer hätte, würde die belgische Deffentlichkeit wenigftens über ihre Gesinnung Befcheid erhalten. Schließlich hat troß alledem die Kammer mit 91 gegen 5 Stimgenommen, nach welchem die Bezirke Eupen, Malmedy und St. men bei 48 Stimmenthaltungen den Regierungsantrag a nBith in das Arrondissement Verviers einverleibt werden. Letzte Nachrichten. Prostituiertenmord im Osten Berlins? Die Kriminalpolizei wurde gestern abend um 9 Uhr von den Be wohner des Hauses Lange Str. 20 alarmiert. Hier wohnt vorn vier Treppen zusammen mit anderen Mietern auf einem Korridor in einem einzelnen Bimmer die Prostituierte Elisabeth Alter. mann wurden ihre Nachbarn stußig, betraten das Zimmer und fonnten die Da diese sich im Laufe des Tages nicht gezeigt hatte, Altermann nicht entdecken. Sie benachrichtigten das 88. Polizeirevier. Beamte dieses Revieres nahmen eine eingehende Durch suchung vor und fanden die Altermann in ihrem Bett zugedeckt liegend. Sie war halb befleidet, die Hände waren auf der Brust gefreuzt und fie lag auf dem Bauch in einer großen Blutlache. Das Blut war ihr aus Mund und Nase geströmt, so daß das Beit vollständig mit Blut besudelt war. Ein von den Beamten hinzugezogener Arzt stellte Bürgemale am Halse feft. Darauf wurde die Mordtommission der Kriminalpolizei alarmiert. Kriminalfommissar Galzow und Dr. Berndorf mit ihren Beamten sowie Oberregierungsrat Hoppe und der stellvertretende Leiter Dr. Hagemann eilten an den Tatort, um näheres festzustellen. Allem Anschein nach handelt es sich um ein Verbrechen. Der Gerichtsarzt Prof. Dr. Strauch stellte an der Toten Würgemale und andere Berlegungen fest, so daß es sich wahrscheinlich um einen Lust mord handelt. Von der Kriminalpolizei ist auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung ausgesetzt worden. Gattenmordverfuch in Wilmersdorf. In der Holsteinischen Straße in Wilmersdorf versuchte Donnerstag um 26 Uhr nachmittags der 43 Jahre alte Tischler Michael Loofe feine um 6 Jahre ältere Ehefrau Marie mit Gas zu vergiften. Er öffnete die Bashähne und schloß sie in die Küche ein. Als die Frau um Hilfe rief, griff L. zum Beil und drohte sie zu erschlagen. Beim Eintreffen des alarmierten Ueberfallfommandos war der Täter bereits geflüchtet. Er fonnte jedoch in der Gasteiner Straße fest genommen und der KriminalDann wünschen wir auch einen entscheidenden Schritt in der Grubentontrolle. Wir fordern, da wir doch für unseren Nachwuchs sorgen müssen, einmal, daß die Grubeninspet tionsbezirfe wesentlich verkleinert und daß fünftig die Einfahrer aus den Reihen der vorgebildeten technischen Angestellten entnommen werden. Beamte haben wir ja fünftig nicht mehr. Wir verlangen weiter, daß diese Leute mindestens eine zehnjährige Bragis hinter sich haben. In der Vorkriegszeit war die Grubenkontrolle eine allgemeine For-| polizei übergeben werden. Der Konflikt bei der Reichsbahn. Unnachgiebigkeit der Verwaltung.- Ausdehnung der Streikbewegung. Unsere Mahnungen haben nichts gefruchtet. Die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft hat zunächst mehr als 14 Tage verstreichen lassen, ehe sie auf die Eingabe der Eisenbahnerorganisa tionen mit der Mitteilung zur Eröffnung der Verhandlungen ant. wortete. Erst zwei Tage vor Ablauf des gekündigten Tarifvertrages begannen die Verhandlungen, um jedoch fofort ergebnislos wieder abgebrochen zu werden. Die leitenden Köpfe in der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft, die heute zu den Reparationsgemin nfern gehören und fich zulagen bewilligen, die weit darüber hinausgehen, was die Reichsminister für Dienstaufwandsentschädigungen bekommen, er klärten sich außerstande, die Hungelöhne der Eisenbahner ausfömmlich aufzubessern. Bon einer Beseitigung der verlängerten Arbeitszeit wollten sie überhaupt nichts wissen. Gestern sind die Verhandlungen wieder aufgenommen worden, ohne ein greifbares Ergebnis zu zeitigen. In der Hauptfrage waren die Meinungsverschiedenheiten nicht zu überbrüden. Auf Antrag der Eisenbahnerorganisationen wurden daher die Verhandlungen vertagt, um der Hauptverwaltung und dem Berwaltungsrat Gelegenheit zu einer weiteren Stellungnahme zu geben. Die Verhandlungen sollen am Sonnabend vormittag 11 Uhr wieder aufgenommen werden. Db die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft noch recht zeitig einlenkt und ob es nicht am Sonnabend schon zu spät sein wird, erscheint uns gegenwärtig fehr zweifelhaft. Die Eisenbahner haben es an Geduld gewiß nicht fehlen lassen. Wenn sie aber heute schließlich fordern, daß sie wieder gleichberechtigt mit den Beamten, Angestellten und Arbeitern Deutschlands behandelt werden, so wird niemand sagen können, daß diese Forderung übertrieben ift So wenig man das Ruhrgebiet zur Reparationsproving machen durfte, ebenso wenig darf man von den deutschen Eisenbahnern verLangen, daß fie eine größere Reparationslast tragen sollen, als die übrigen Deutschen. verwaltung, gegenüber den Lohn-, Gehalts- und Arbeitszeitforderungen des gesamten Reichsbahnpersonals und der dadurch geschaffenen Lage Stellung zunehmen. Die Organisationsvertreter fönnen das Vorgehen der Reichsbahn- Hauptverwaltung nur noch als eine be. wußte Prooptation des Personals betrachten. Die Erregung in den Betrieben, insbesondere in den drei westlichen Bezirken, steigert sich berart, daß es nur durch das Eingreifen der Organisationsvertreter bisher gelungen ist, Arbeitsniederlegungen zu verhindern. Die Bertreter des Deutschen Eisenbahnerverbandes find sich darüber einig, daß trotzdem ausbrechende Bewegungen je de dentbare Unterstügung finden werden, da das Berhalten der Reichsbahn- Hauptverwaltung, nach Ansicht der Gewert. schaft, nicht mit richtigen wirtschaftlichen Motiven erflärt werden ann. Die drei Bezirle Röln, Elberfeld und Essen werden ge meinsam zusammenstehen und alle Maßnahmen treffen, die notwendig find, um einen von der Reichsbahn- Hauptverwaltung provozierten Kampf an der Spige des Personals aufzunehmen. Bereits am Donnerstag ist es in einer ganzen Anzahl von Eisenbahnbetrieben in Köln zu heftigen Auseinanderseßungen getommen. In dem großen Eisenbahnwert in Köln- Nippes ist die gebung zusammengetreten und hat gegen die Verschleppungstaktik Belegschaft während der Arbeitszeit zu einer mächtigen Rundder Berwaltung protestiert. Der Direktion wurde eine entsprechende Entschließung unterbreitet. Das Gleiche trifft für die Betriebs. werfstätten und die Betriebsbahnhöfe Köln- Eifeltor und Röln Ralf zu. Die BS.- Korrefpondenz meldet: Gewerkschaften noch auch die christlichen Berbände in die Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, daß außer den freien Bewegung der Eisenbahner in Sachsen hineingerissen worden sind. Bir wir von den christlichen Gewerkschaften in Berlin erfahren, ist man hier zu der Ansicht gelangt, daß ein 3urüddämmen der Bewegung nicht mehr möglich erscheint und daß man feine Versuche macht, die christlichen Eisenbahner von dem Streit zurüd zuhalten. Es wurde weiter erflärt, daß die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner am Freitag zusammentritt, um zu der Gesamtlage Stellung zu nehmen. Die Ansicht dieser Gewerkschaften geht dahin, daß seit dem 1. März bei der Reichsbahn ein tarifloser 3u. Das ist der Kernpunkt des Konflikts. Dieser Konflikt fann nur stand entstanden ist, weil troz der rechtzeitig erfolgten Kündigung gelöst werden, wenn man den durchaus berechtigten und bescheidenen der Lohnabkommen eine neue Vereinbarung nicht zustande gekommen Forderungen der Eisenbahner Rechnung trägt. Mit Redensarten, ist. Infolgedeffen müßten die Gewerkschaften sich freie hand daß man sich dem Drud eines Streifs nicht beugen fönne, Redens, vorbehalten und die Erfämpfung ihrer Lohnforderungen mit allen arten, die start an Herrn Wallraf erinnern, als er noch Staats- Mitteln erstreben, die gegenüber einem Privatunternehmer zu felräter von Wilhelms Gnaden war, tann die Sachlage nur verlässig find. Wieweit die Dinge gediehen sind, geht aus der Tatsache schlimmert werden. Schließlich find auch die Eisenbahner hervor, daß die Gewerkschaften am Donnerstag bereits von Berlin Menschen von Fleisch und Blut. aus versucht haben, die von der Reichsbahn eingesetzte Betriebs hilfe lahmzulegen. Sie haben nämlich den Bensionären und Wartegeldempfängern mitgeteilt, daß die Reichsbahn diese Beamten fategorie nicht zwingen fönne, Streifarbeiten zu leisten und daß aus einer Beigerung ihnen fein finanzieller Schaden erwachsen könne. Dresden, 5. März.( WTB.) Der Streit der Eisenbahnarbeiter im Reichsbahndirektionsbezirk Dresden hat bereits auf Chemniß und Riesa übergegriffen. Alle Güterbahnhöfe im Bezirk Dresden liegen till Dant der getroffenen Maßnahmen ist die Aufrechterhaltung des Verkehrs sichergestellt.(?!) Die Reichsbahndirettion Dresden bezeichnet in einem Aufruf an das Bersonal das Verhalten der Streifenden, die ohne vorherige An fündigung die Arbeit niedergelegt haben, als pflichtvergeffen, warnt davor, sich zu einem gleichen pflichtvergessenen Berhalten verleiten zu laffen, und fordert die Eisenbahner auf, alle Kräfte aufzubieten, daß der Betrieb in vollem Umfange aufrechterhalten bleibe. Den Streifenden wird eine Freift bis heute 2 Uhr zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit gestellt. Nichterscheinende gelten als * 4 Zu dem in Sachsen ausgebrochenen Streit in der Güterbeförde Organisationsleitung zu diesem Streit nicht aufgerufen habe, da die rung wird uns vom Hauptvorstand des DEB. erklärt, daß die Berhandlungen noch nicht endgültig abgebrochen sind. Die Ursachen des Streifs sind die äußerst mißlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, der schleppende Berhandlungsgang, sowie das mangelhafte Entgegenkommen der Hauptverwaltung. Die Berwaltungsstellen des DEB. haben die Führung des Streifs übernommen, um diesen in geordnete Bahnen zu leiten. Der Hauptvorstand des DEB. hat in Auch in Cottbus wurde heute früh der Girterzugben bie Gewahrung von Motstands unterstützungen Berudsichtigung der ungünstigen wirtschaftlichen Lage den Streifen verfehr stillgelegt. entlaffen. Köln, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) Bon gewerkschaftlicher Seite wird uns mitgeteilt: Am Donnerstag traten in Röln bie Be zirksvertreter des Deutschen Eisenbahnerverbandes aus den Direktionsbezirken Röln, Elberfeld und Effen zufammen, um zu der ablehnenden Haltung der Reichsbahn HauptDie Arbeitsruhe am Donnerstag. Die Barole ber Gewerkschaften, anläßlich der Beerdigung imjeres verstorbenen Führers Frig Ebert am Donnerstag von 11-11,15 Uhr zum Zeichen der Trauer die Arbeit ruhen zu laffen, ist, soweit uns Berichte vorliegen, von der organisierten Arbeiterschaft befolgt worden. Nur die Gelben und ein Teil der Kommunisten stellten sich abseits. Wir wollen jedoch ausbrücklich feststellen, daß bei weitem nicht alle Rommuni ften der schamlofen Heze ihrer Parteileitung gefolgt find. In vielen Betrieben haben sich die Arbeiter, die bisher den Parolen der KPD. gefolgt find, mit Etel von ihr abgewandt. So wird uns von Ludwig Löwe A.-G. berichtet, daß der Erfolg der Barole, während der letzten Betriebsversammlung feinen Nachruf für den verstorbenen Genossen Ebert zuzulaffen, die Wirkung gehabt hat, daß 80 Prozent der Belegschaft sich an der Arbeitsniederlegung anläßlich der Trauerfundgebung beteiligt haben. Dieses Verhalten ehrt die Arbeiterschaft. Wir fügen hinzu, daß wir etwas anderes auch gar nicht erwartet haben. Ueber die Arbeitsruhe am geftrigen Tage fönnen wir zu den bereits im gestrigen Abendblatt veröffentlichten Meldungen ergänzend noch hinzufügen, daß die Arbeitsruhe im Buch brud gewerbe eine vollständige war. nirgends ist die Parole der Rommunisten beachtet worden. Bei Bergmann, Seefstraße, haben fich 70 Prozent der Belegschaft, die 5000 Personen umfaßt, an der Arbeitsruhe beteiligt. Bei Bergmann, Rosenthal, haben F ugefagt An der Hauptverwaltung der Deutfchen Reichsbahn liegt es, ob das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den Streit und die zu erwartende Ausdehnung in nicht zu übersehender Weise er schüttert wird, oder ob es durch entsprechendes Entgegenkommen davor bemahrt bleibt. bie 3000 Berfonen fast refilos bie Gemertschaftsparole befolgt. In Der AEG. Transformatorenfabrit haben von 1500 Berfonen 90 Prozent die Gemertschaftsparole befolgt. Im Rabel. wert der AEG. Don 8000 Berfonen gleichfalls 90 Prozent. Bei Werner, Marienfelde, 80 Prozent von 2000 Personen. In den Siemensbetrieben haben faft 30 000 Personen von 11 bis 11,15 Uhr gefeiert. In der AE G., Brunnenstraße, haben von 8000 Personen nur etwa 100 Personen die KPD.- Parole befolgt. Allerdings waren es zum guten Teil Gelbe. In der AEG. Tur bine, wo 3000 Personen beschäftigt find, war die Arbeitsruhe allgemein. Die Reichsbahndirettion Berlin hat sich auf die Seite der Kommunist en gestellt und die besonders gegen. wärtig unglaubliche Taftlofigteit beseffen, eine Arbeitsruhe nicht zu gestatten. Trotzdem hat die Belegschaft mehrerer Wert ftätten gefeiert. Kommunistendämmerung. 10 Aus Mansfeld ichreibt man uns: Eisleben und das Mansfelder Land baben unter den tommunistischen Wundertätern genug gelitten. Bas Mar Hölz im großen tat, versuchten die fleineren Götter in das Gewerlichaftsleben zu übertragen. Die Folge war Das hat die Arbeiter wachgerüttelt und zur Vernunft gebracht. das Erstarten der gelben Bewegung in den Mansfelder Landen. Auch das Eislebener Gewerlichaftskartell, das unter ber frucht baren" Zätigleit der Nubelföldlinge lange au leiden hatte, ift für den freigewertschaftlichen Gedanken zurüdgewonnen. Bei der Neuwahl wurde der Kommunistensput aus dem Kartellvorstand hinausgefegt. Der Streit der Berliner Böttcher. Ueber den Stand des Kampfes teilt uns der Böttcherverband mit, daß noch einige Betriebe zum Streit mit herangezogen wurden. Auf der anderen Seite fonnte mit einer Reihe von Unternehmern eine Verständigung erzielt werden, fo u. a. mit einer bedeutenden Faßfabrik in der Usedomstraße. y Die Scharfmacher bilden nach wie vor die Faßfabrik Wördel: Spandau und die Vereinigten Faßfabriken, Antonftraße. Es ist nicht uninteressant, zu erfahren, daß der Hauptscharfmacher der Bewegung, der Syndifus Dr. Dingelden, auf Antrag der Berliner freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen dieser Tage durch den Oberpräsidenten von seinem Amt als Beifizer des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin ab berufen wurde. Dingel hat bekanntlich im Dezember v. 3. einen Arbeitnehmerbeisiger, der die Gefäße der Faßfabrik Bördel- Spandau in einer geheimen Rammerberatung fritisierte, bei Bördel- Spandau angejhwärzt, worauf die Batzenhofer Brauerei- Spandau, durch Bördel aufge fordert, den betreffenden Arbeitnehmer, her 10 Jahre im Betrieb und Betriebsratsvorsitzender war, entließ. Es ist zu erwarten, daß die Unternehmer im Böttchergewerbe, insbesondere die Berliner Dor einer erneuten SolidaritätsBöttcherinnung sich nunmehr erflärung mit ihrem Smndifus Dingelben lekteren genauer anfehen; es werden dann für die Zukunft sicherlich Kämpfe, wie der gegenwärtige, nicht erforderlich sein. Tarifwidrige aber rechtsgültige Vereinbarung. Die Devisenbeschaffungszentrale hatte mehreren Angestellten wegen Arbeitsmangel gefündigt Sie wurden aber infolge einer Bereinbarung zwischen ihnen, dem Betriebsrat und der Betriebsleitung, nach Ablauf der Kündigungsfrist, weiter beschäftigt, jedoch mit täglicher Kündigung. Nach sechs Wochen erfolgte dann die endgültige Entlassung. Wenn auch die einstweilige Weiterbeschäftigung ein Entgegenfommen zugunsten der Gefündigten darstellte, so ist doch das fündigungslose Arbeitsverhältnis mit dem Tarifvertrage night in Cintlang zu bringen. Deshalb flaote, um eine grundsähliche Entscheidung herbeizuführen, einer der Entlaffenen im Beistande eines Funktionärs des 3dA. bei der Rammer I des Raufmannsgerichts auf Einhaltung der fechswöchigen Ründigungsfrist. Bur Begründung der Mage wurde angeführt: das hier in Rede stehende Arbeitsverhältnis werde durch den Tarifvertrag für das Bankgewerbe und einen Haustarif der Beklagten geregelt. Der legtere ergänze den Banttarif ohne jedoch irgend eine seiner grundlegenden Bestimmungen aufzuheben, was auch gar nicht zuläffig sein würde. Hinsichtlich der Kündigung habe hier der Banktarif zu gelten, der nur Arbeitsverhältnisse mit sechswöchiger Kündigung, aber feine Aushilfsarbeiten ohne Kündigung fenne. Nach dem Haustarif der Beklagten seien zwar ergänzende im Banttarif nicht geregelte Punkte Vereinbarungen über ( Kündigungsfristen usw.) vorbehalten, jedoch entsprechend der bisher gültigen Regelung. Die bisher gültige Regelung sei aber die im Banktarif festgelegte, von der nicht abgewichen werden dürfe. Die Bereinbarung mit dem Kläger fei tarifwidrig und deshalb nicht rechtswirksam. Das Gericht tam zu einer entgegengesetzten Auffassung. Es wies die Klage ab mit der Begründung: Nach§ 69 des gesehenen Rundigungsfristen zuläffig, wenn es sich um Aushilfs. Handelsgesetzbuches feien fürzere als die in den§§ 66 und 67 vorarbeiten handele. Eine Aushilfsarbeit brauche nicht ausdrüdlich vereinbart werden. Es genüge, daß der objektive Tatbestand einer Aushilfe vorliege. Das fei hier der Fall. Das Arbeits. verhältnis des Klägers fei zu Ende gewefen, er fel auf folange noch Arbeit für ihn vorhanden gewesen sei. Die tariflichen Grund einer Vereinbarung ohne Kündigung weiterbeschäftigt worden, Bestimmungen ständen einem solchen Arbeitsverhältnis nicht ent zu verstehen, daß bei neuten tariflichen Abmachungen von der gegen. Der vom Kläger angezogene Borbehalt im Haustarif sei fo früheren Grundfäßen ausgegangen werden solle, aber nicht, daß dis Arbeitgeberseite fchon jetzt an diese gebunden fei. Nach allebem fei zwischen Arbeitgeber und besonderen Abmachungen Arbeitnehmer zunächst teine Grenzen gesezt Streit der Pariser Depeschenboten. Paris, 5. Mára.( Eigener Drahtbericht.) Tie Telegramm boten sämtlicher Bariser Bostämter find am Donnerétagmittag in einen Broteststreif eingetreten. Diese ausschließlich in jugendlichem Alter stehenden Angestellten haben die Arbeit niedergelegt, weil fie die jüngst von der Regierung zugebilligte Teuerungszulage in Höhe von 500 Fr. nicht erhalten haben. Die Streilleitung verfucht, auch die Depeschenboten in der Provinz zur Beteiligung ant Streit zu veranlassen. Achtung, Zimmerer! Begen Lobndifferenzen haben die gimmerer auf der Baustelle Neukölln, Ziegrastraße, bei der Firma Haus und Fabritbau die Arbeit eingestellt. Die Baustelle ist daher gesperrt. Zentralverband der Zimmerer. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiterverband. Sonntag varmittag 11 Uhr beginnt in der Urania, Taubenfe. 48-49, der Bortragsanflus von Herrn Oberingenieur Dr. W. Bichyrembel über Die Grundlagen der Starkstromted) nit" mit Berfuchen, Experimenten und Lichtbildern in 10 Borträgen. Teilnehmerfarten heute abend bis 7 Uhr im Jugendheim und Sonntag non 10 Uhr ab in der Urania. Achtung, Tapezierer! Seute nachmittag 5 Uhr Bersammlung im Gewerb fchaftshaus, Gaald. Es find wichtige Beschlüsse au faffen und ist eine voll zählige Beteiligung erforderlich. Ohne Legitimation fein 8utritt. Die Ber frauensleute werden erfucht, zum Besuch der Berfammlung allen Rollegen und Rolleginnen die Berbandsbücher auszuhändigen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Kenter; Wirtſchaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. 8. Döfcher; Lokales und Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Singer. Co.. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen unb Unterhaltung und Biken". FELKENDORFFLE CEELE KONFI LEV CTTIONSHAUS SILBERPFENNIG TEILZAHLUNG GE Das ist das Haus Damenwo Sie die neueste Herren Garderobe Kindervon der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung in Riesen- Auswahl finden. Einsegnungs- Anzüge und Kleider Alberpfennig Teilzahlung gestattet Müllerstr. 182-183 direkt am Weddingplats m Unigrdb. Reinickend. Str. An Beamte eventuell ohne Anzahlung! fr. 110+ 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Krankenhausdebatte im Rathaus. Die Erwerbslosigkeit der Angestellten. Der Streif bei Bolle. Die Berliner Bei Abstellung der schweren Uebelstände auf der Tuberkuloseflation im Krankenhause Friedrichshain Stadtverordnetenversammlung| lung gelangte zunächst die Anfrage der Demokraten vom mußte gestern einen großen Teil ihrer Sigung auf eine Kranken- 19. Februar, was der Magistrat zu tun gedente, um das Bezirks: haustetatte verwenden. Eine Anfrage der Demokratischen Fraktion amt Friedrichshain zur sofortigen Sprach von Mängeln der Tuberkulosestation des Krankenhauses Friedrichshain. Dem Arzt Dr. Mayer, dem Anführer dieser 2tade, traten Bürgermeister Scholz, Prof. Dr. Hoffmann zu veranlassen. Es wird dabei auf Zeitungsmeldungen Bezug geDom Hauptgesundheitsamt der Stadt und unsere Genossin Dr. nommen, wonach auf der Station schwere hygienische Miz Wygodzinski scharf entgegen. Er schien aber nicht zu begreift än de bestehen und 2 Aerzte und 8 Schwestern, von denen eine fen, daß er mit seinen Angriffen, die sein Agitations- und Rede- gestorben ist, an Tuberkulose erfrankt sind. Die Begründung der bedürfnis befriedigten, keine glückliche Rolle gespielt hatte. Anfrage gab Dr. Meyer( Dem.), der an den Prozeß des Dr. Arndt gegen der Beratung des aus dem Ausschuß kommenden kommunistischen tottranten Arzt mißbilligte, insbesondere tadelte, daß Dr. Arndt als die Stadt anknüpfte und ihre Stellungnahme gegen den armen Antrages auf Maßnahmen gegen die Erwerbslosigkeit der An- Patient Dom Krantenhause Friedrichshain au gestellten gab es einen Tribünenlärm, dem der Borsteherstellver- ridgewiesen fei, weil er feinen Vorschuß habe leisten treter Caspari durch übereilte Räumung der Tribüne ein Ende tönnen. Dann führte er aus, daß auf der Station menschenmachte. Die Sozialdemokratische Fraktion hatte sich im Ausschuß unwürdige Bustande geherrscht haben, daß sie schmurzig, überbelegt bemüht, durch Abänderungsanträge das Mögliche für die Angestell- gewefen fei, daß unglaublicher Wäschemangel bestanden habe, daß burch die schmutzige Wäsche die Staubinfettion gefördert werde, daß ten herauszuholen. Im Plenum, wo Genosse Flatau ihr Redner durch die schmuzige Wäsche die Staubinfektion gefördert werde, daß war, setzte sie gestern die Bemühungen fort. Zu einer Entscheidung feuche, ganz andere Mittel nötig seien, als die Stadt aufgewendet für die Bekämpfung der Tuberkulose, diefer fürchterlichsten Bolts fam es aber noch nicht, weil auf Antrag der Kommunisten die habe. Bürgermeister Dr. Scholz meinte, menn es schon tieftraurig habe. Bürgermeister Dr. Scholz meinte, menn es fchon tieftraurig Sigung abgebrochen wurde. Zu Beginn der Sigung wurde ein Zu Beginn der Sigung wurde ein fei, daß solche Dinge öffentlich erörtert werden müssen, so sei es noch Dringlichkeitsantrag der Sozialdemokratischen Fraktion verlesen, der trauriger, wenn das in lauter Superlativen geschehe. Es handle vom Magiftrat Schritte zur Beilegung des Streits bei Bolle forderte. sich um Bustände, die bis ins Jahr 1917 zurüdreichen, es feien zwei Den Plan, ohne Debatte sogleich darüber zu beschließen, verAerzte ertranft, von denen nur einer Ansprüche an die Stadt ereitelten die Kommunisten. Der Antrag wäre, da auch hoben habe; von den Schwestern seien aber nicht 8, sondern nur 3 ertranti, eine davon allerdings auch gestorben. bürgerliche Fraktionen für ihn stimmen wollten, fofort angenommen Der„ unerhörte Schmuh", die foloffale Ueberbelegung", feien werden, und man hätte danach ein schleuniges Eingreifen des MagiInflationserscheinungen gewefen. strats zugunsten der Ausgesperrten und der Streifenden erwarien tönnan. Weil aber die Kommunisten lieber Reden halten wollten, um durch Phrasen zu wirken", wurde der Berzicht auf die Debatte unmöglich. Auf bürgerlicher Seite. widersprach man nun der Dringlichkeit, und der Antrag fann daher erst in der nächsten Sigung beraten werden. Die Arbeiterschaft Bolles und die Milchkunden diefer Firma mögen fich bei den Kommunisten bedanken. Die geftrige, vom Vorsteher Genossen Haß um 5% Uhr er Sffnete Sigung der Berliner Stadtverordneten, hatte sich zunächst mit einer Dringlichkeitsvorlage des Magistrats zu befassen. Mit der Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über die Abhilfe der Rotstände in den Kreisen der abgebauten städtischen Beamten, Ungestellten und Arbeiter ist der Magistrat einverstanden; er schlägt nun por, fie aus 5 Magistratsmitgliedern und 17 Stadtberordneten zusammenzufezen. Die Versammlung stimmte zu; die 17 Mitglieder werden noch im Laufe der Sigung gemählt werden. Sodann lagen zahlreiche Dringlichkeitsantrage vor. Unsere Genossen beantragen, eine Verkehrsstraße in Groß- Berlin zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich- EbertStraße zu nennen Der von den Kommunisten erhobene Wider pruch fand nicht die Unterstützung durch 15 Mitglieder und war rmit hinfällig; der Antrag ging an den Ausschuß für die Umbenennung von Straßen und Pläzen Ein weiterer Dringlichkeitsantrag unserer Genossen lautete: Aussperrung und Streit bei der Firma C. Bolle A.-G. haben in weiben Kreisen der Bevölkerung Groß- Berlins megen der Gefährdung der Milchversorgung große Unruhe hercorgerufen. Wir beantragen, den Magistrat zu ersuchen, im Hinblick auf die schwere Gefahr Schritte zur Beendigung ber Streitigteiten zu unternehmen, um die Milchversorgung Groß- Berlins sicher zu stellen." v. Eynern( D. Bp.) wollte von einem Widerspruch gegen die Berhandlung dieses Gegenstandes nur dann absehen, wenn er thne Debatte erledigt würde. Venus( Komm.) erklärte, feine Fraktion fönne auf eine Besprechung der Verhältnisse, die zu dem Streit bei Bolle geführt haben, nicht verzichten. Genosse Reimann: Im Hinblid darauf, den Streit möglichst bald zu beenden und damit der Bevölkerung und den Streifenden zu dienen, find wir Sozialdemokraten bereit, heute auf eine Diskussion zu ver zichten. Der von rechts erhobene Widerspruch wurde ausreichend unterstützt; der Gegenstand verfiel damit der Ber tagung. Zur Geschäftsordung glaubte Venus feststellen zu müssen, daß an der Berhinderung der Aussprache nicht die Kommu nisten, sondern die Bürgerlichen die Schuld treffe. Zur Berhand Der Apfel der Elisabeth Hoff. Bon Wilhelm Hegeler. leistung eines Vorschusses sei nichts bekannt; die Behauptung Bon der Verweigerung der Aufnahme des Dr. Arndt wegen Nichtwerde nachgeprüft werden. Die Zahl der Todesopfer, die bis 1923 stetig gestiegen sei, habe 1924 abgenommen; die Zahl der Ertranfungen sei aber in weiterem Steigen begriffen. Die Stadt und die Gesundheitsdeputation sei mit aller Kraft bemüht, der Seuche zu steuern, in Buch wie in Charlottenburg feien Erweiterungen der vorhandenen Waldhaus usw. Anlagen in Aussicht genommen, wenn die Mittel dafür bewilligt würden. Der Magistratsfommissar für Gesundheitspflege Brof. Hoffmann ergänzte diese Angaben. Die angebliche Borschußforderung stellte er als eine Ungeheuerlich feit hin. Dr. Arndt sei während des Krieges mehrfach in Lungenheilstätten und start tuberkuloseverdächtig gewesen. Als Arzt im Friedrichshain- Krankenhause habe er mit einem Lungenschuß renommiert; jpäter habe er das abgestritten. Station noch heute skandalös beschaffen jei, sei eine Behauptung, Den Prozeß werde die Stadt wahrscheinlich gewinnen. Daß die von deren Halflosigkeit sich jedermann durch einen Besuch überzeugen tönne. In Zetten einer allgemeinen Grippeepidemie müßten eben auch die Aerzte mehr leisten als zu Zeiten, wo relativ Ruhe herrsche. An die Anfrage schloß sich eine ausgedehnte Be prechung, in der mit den Superlativen" des Dr. Meyer zum Teil recht unsanft unsanft verfahren murde. Die Genoffin Frau Dr. Wygodzinski fand es befremdlich, daß die Manier der Kommu nisten, Reden zum Fenster hinaus zu halten, jetzt auch auf die Demokraten übergriffe. Die gerügten Mißgriffe feien langft abgestellt. Eine Infektion an Tuberkulose sei für den Arzt eventuell nicht zu vermeiden, dem müsse sich der Arzt eben aussehen. Dr. Meyer habe eine Menge längst richtig gestellter unwahrheiten wiederholt und damit nur eine Unruhe in die Bevölkerung getragen. Es wäre sehr zu wünschen, wenn alle Tuberkulosestationen in folchem Zustande wären wie die im Friedrichshainkrankenhause. Brunow von der Wirtschaftspartei wünschte auch. die Stadt möchte den Prozeß gewinnen, meinte aber doch, daß die Stadt alle Ber anlaffung habe, die schlechten Zustände auf der Station zu beffern. Rintorf( Komm.) hielt eine nachhaltige Befferung der Verhältnisse nur für erreichbar, wenn sofort an den Ausbau des Gefundheitswesens gegangen werde. Dr. Meyer setzte sich schließlich gegen die Abfuhr, die er von rechts und links erfahren, mutig zur Wehr. Damit war diese Besprechung zum Schluß gelangt. Inzwischen hatte die Kommunistische Fraktion zum Streif in der Meierei Bolle eine umfangreiche Anfrage formuliert und eingereicht. Zu dieser Anfrage bemerkte im Laufe der Sigung Gen. Stadtrat Wußzky: Die Anfrage enthält die Behauptung, daß ich eine von den Streifenden der Meierei Bolle zu mir gesandte Kommission nicht empfangen hätte. Das ist nicht der Fall; bis zu dieser Stunde ist| Sie find ja als die beften Freunde geschieden, und von ihr weiß er nichts. Statt aller Antwort umschlingt sie ihn nur noch fester, als müſſe fie fein gefährdetes Leben bergen. Aber als sie dann den langen, dämmernden Gang des Gasthofs hinuntergehaftet sind und er seine Zimmertür öffnet, reißt sie sich los, flüchtet in ihr Zimmer, dreht den Schlüssel um, stößt den Riegel vor. Wenige Minuten später trat die Kellnerin zufällig aus der Wirtshaustür, ging auf Schmundt, der wieder auf seinem alten Platz faß, zu und sagte:„ Herrjeh, da sind Sie ja wieder. Ich dachte schon, Sie wären mir mit der Zeche durch gebrannt." Ich sorge schon, daß niemand mit der Zeche durchbrennt," erwiderte er mit schielendem Blick. ,, Noch ein Gläschen?" 38] ,, Gib mir deinen Mund! Laß mich deine Lippen fühlen, deine herrischen, trogigen, weichen, füßen Lippen!" Beim ersten heißen Ton seiner Stimme beginnt ihr Blut wieder zu sieden, wie dampfendes Wasser gleich wieder zu fochen beginnt, wenn man es von neuem aufs Feuer setzt. Noch sind ihre Lippen fest verschlossen. Noch spricht zu ihr die Vernunft, aber fern, außerhalb ihrer selbst. Dieser anderen Stimme ist fie verfallen, den flehenden, zärtlichen und wilden Worten. Er tniet vor ihr. Er hat ihre Hüften um fchlungen. Er wühlt sein Gesicht in ihren Schoß. Sein Hände fuchen ihr Fleisch. Was er spricht, flingt wie das Rauschen ihres eigenen Blutes, was er begehrt, sind ihre eigenen ungeftillten, heischenden, quälenden Wünsche. Sie muß lauschen und lauschen.. während zugleich ein bitteres, wehes Gefühl, Trauer um sich, Haß gegen sich, sie umschnürt. Aber der umbunkelte Blick wird grell geweckt, der nach innen gestrahlte jetzt Lichtſchein. An dem Fenster rechts war der Vorrichtete plötzlich nach außen geriffen. Das Gebüsch vor ihr, auf dem das Mondlicht blinkt, hat sich bewegt, aus dem zerteilten Blätterdickicht sieht, wie ein Tier aus seiner Höhle, ein unwahrscheinlich spikes, boshaftes Gesicht, sieht sie an und ist im Augenblid, wo sie es als das des Försters erfennt, von einem Gewehrlauf verdeckt. Sie will einen Schrei aus der Kehle stoßen und bringt nur ein Röcheln hervor. Sie springt auf, ergreift den Freund am Arm, will den Widerftrebenden fortziehen, weist auf das Gebüsch und flüstert: ,, Da steht! Da steht er!" Ohne daß sie ihn halten kann, hat Rysed den Revolver er griffen, ist den Abhang hinuntergestürzt. Sie hört das Anaden der Zweige, das Prasseln der Blätter, hört und fieht hinter der atemleeren Stille grell verworrene Vorgängefühlt dann, wie ein Arm ihrem zitternden Körper Halt gibt und wie feine Stimme sie beichwört, ihm zu sagen, wen sie gesehen habe. Sie zieht ihn wortlos mit sich. Sie eilen die Kastanienallee hinunter. Er hat erraten, men fie gesehen zu haben glaubt, ftellt ihr immer wieder die Unmöglichkeit vor. Wie sollte Schymundt auf den Gedanken gekommen sein, sie zu belauern? Er nickte. Aus drei Fenstern im ersten Stod des Gasthauses er• hang heruntergelassen und ließ nur ein schwachrotes gedämpftes Licht durch. Aus den beiden geöffneten Edfenstern daneben aber fiel ein üppig rotes, heißes Licht, das in den Lauernden immer neue Wutschauer goß. Da mußte es vor sich gehen... er glaubte Seufzer und Flüftern zu hören wenn er nur einmal die Schatten hätte sehen können und nebenan schliefen die ahnungslosen Kinder... oder war es vielleicht gerade da, in dem sicheren warmen Brutloch? Und das Ende war dann ein Bastard, ein unglückseliges Wurm, dem der viehische Betrug dieser Stunde das Blut vergiftet hatte und dem die lebenslängliche Schande das Selbstgefühlt zerfraß... das mußte dann die Beche bezahlen. Aber diesmal nicht! Diesmal fam's anders! Von Zeit zu Zeit brachte die Kellnerin ihm ein neues Glas Schnaps. Die Gäste verließen nach und nach das Haus. Die einen trollten sich still, andere räusperten sich geräuschvoll und fpudien gewaltig aus. Der letzt grölte in die Nacht hinein. Die Kellnerin gebot auch dem Gast vor der Tür Feierabend. Aber die Lichter im ersten Stod brannten noch immer. Wie wär's, wenn Sie mir eine ganze Flasche von dem 3eug verkauften. Ich habe noch Durft." " 7 Freitag, 6. März 1925 bei mir eine folche Kommission weder angemeldet worden, noch erschienen. Für weitere Notstandsarbeiten der Hochbauverwaltung wurden 782 000., für Um- und Neupflasterung von Straßen im Bezirk Reinickendorf 1295 000 m. bewilligt. Die Wirtschaftspartei hatte am 29. Januar beantragt, den Magistrat zu ersuchen, etwaige Prozesse wegen Nichtzahlung der Hodersteuer für die Zeit von 1 bis 5 Uhr morgens in der Silvesternacht niederzuschlagen, da der bezügliche Beschluß der Finanz- und Steuer. deputation eine rechtliche Unterlage für die Erhebung der Steuer nicht hat". Der Steuerausschuß hat die Ablehnung des Antrags empfohlen, die Wirtschaftspartei bringt ihn in folgender veränderter Fassung ein, Don denjenigen Steuerpflichtigen, die bisher nicht bezahlt haben, die Steuer so lange nicht einzuziehen, bis die Entschei dung über die Rechtslage im Verwaltungsstreitverfahren herbeigeführt ist". Von den Kommunisten wird beantragt, nur diejenigen Prozesse niederschlagen zu lassen, wo es sich um Lokale handelt, in denen die verteidigte der Hauptsteuerdirektor age sehr energisch das Recht werftätige Bevölkerung verfehrt.( Heiterkeit.) In der Aussprache des Magistrats zu dieser Steuerausschreibung. 1250 Benfiten hätten bezahlt, nur 22 reklamiert. Genoffe Hermann Kunze trat dem unberechtigten Verlangen der Wirtschaftspartei entgegen und tadelte scharf die beabsichtigte Drückebergerei der Reklamanten; es handle ich alles in allem um ganze 11 000 m. Da die Wirtschaftspartei namentliche Abstimmung beantragt hatte, wurde diese auf die nächste Sigung verschoben. Hierauf berichtete Dr. Michaelis( Dem.) über die Ausschußverhandlungen des fommunistischen Antrages betr. Maßnahmen gegen die Erwerbslosigkeit der Angestellten. Der vom 26. Februar datierte Antrag verlangt die Erwirtung der Aufhebung der Personalabbauverordnung, die Einstellung jedes Abbaues innerhalb der Stadtgemeinde, die vorzugsweise Berücksichtigung von über 40 Jahre alten Angestellten bei der Unterbringung von Angestellten in städtischen Bureaus usw., die Unterbindung übermäßig starten Nachwuchses, die zwangsfreie Ueberleitung in andere Berufe und die Zusammenfassung der Arbeitsnachweise, endlich die Unterbindung des Inseratenunwesens in den Tageszeitungen. Die Sozialdemokraten haben im Ausschuß Abänderungsanträge eingebracht und sie im Plenum in folgender Form wiederholt: 1. Bei der Landes- und Reichsregierung auf die Aufhebung der PAV. hinzuwirken.- 2. Nachdem innerhalb der gesetzlichen Borschriften das Maß des Abbaues für die Angestellten erreicht, ja sogar überschritten ist, den Abbau von Angestellten einzustellen und Kündigungen nur bei Nachweis des Vorhandenseins eines wichtigen auf Berschulden des Angestellten beruhenden Grundes vorzunehmen. 3. Bei der Unterbringung von Angestellten in städtischen Bureaus und Betrieben, Arbeitsnachweisen und Fürforgestellen die wirtschaftliche Lage der Angestellten zu berüdsichtigen und Angestellte in vorgeschrittenem Lebensalt bei der Einstellung vorzugsweise zu behandeln. 4. Durch Einwirkung auf die zuständigen Stellen a) die gesamte Angestelltenvermittlung bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen, soweit es noch nicht ge schehen ist, zu zentralisieren und nach fachlichen Gesichtspunkten zu gliedern, b) die Mitwirkung der Berufsverbände sicherzustellen, c) die Selbstverwaltung auszubauen, d) den Anmelde- und Be nugungszwang einzuführen, e) durch Einwirtung auf oberbehörd liche Stellen zu erreichen: ein Berbot von Chiffre- Anzeigen und die Einführung des Sichtvermerfs bei Anwerbung von Arbeits. fräften durch Zeitungsinferate. 5. Uebermäßig starten Nach wuchs dadurch zu unterbinden, daß a) bei der Einstellung und Be schäftigung von Lehrlingen in städtischen Betrieben bzw. in folchen Betrieben, auf die die Körperschaften der Stadt oder ihre Organe Einfluß haben, ein bestimmtes Verhältnis zur Gesamtzahl der Be chäftigten innegehalten wird, b) regelmäßig von den dafür aus ständigen städtischen Stellen, insbesondere auch von den Berufsberatern des Landesberufsamts unter Schilderung der Zustände in den Angestelltenberufen den Ratsuchenden das Ergreifen von Berufen empfohlen wird, die größere Eriftenzficherheiten bieten als zurzeit die Angestelltenberufe." bekannt, der zum großen Teil, aber in wichtigen Bunkten nur mit Der Referent gab im einzelnen die Beschlüsse des Ausschusses 8 gegen 7 Stimmen, die Anträge unserer Genossen angenommen hat. Mangels eines authentischen Textes der Ausschußvorschläge ift endgültig gestaltet worden sind. In die Berichterstattung von Dr. die Berichterstattung außerstande, genau anzugeben, wie dieselben Michaelis hinein fiel ein auf der Zuhörertribüne entstandener Lärm, der den gerade amtierenden Borsteherstellvertreter Dr. Cafpari veranlaßte, die Räumung der Tribünen anzudrohen und dann anzuordnen. Die Sigung mußte eine Viertelstunde unterbrochen werden. Nachbem dann Dr. Michaelis sein Referat beendet hatte, erklärte ,, Herrjeh, was ist denn in Sie gefahren? Sie haben mohl das große Los gewonnen?" Nach einer Weile brachte sie ihm eine entforfte Literflasche, jezte sich an seine Seite und goß ein. ,, Nun laffen Sie mich mal die Blume trinken!" Sie lachte und fätschelte ihrem Nachbarn die Schulter. " Warum denn immer solo, Herr Schmundt? Wenn's Ihnen Spaß macht, fomme ich nachher ein bißchen' naus. Dann machen wir's uns mollig." Aber der Förster stieß die Aufdringliche grob zurüd. Allein gelassen, blieb er noch lange fißen und trant ein Glas nach dem anderen, bis endlich als letztes das dunkelrote Licht erlosch. Dann wollte er nach Hause, trug jedoch an feinem Haß so schwer, daß er meinte, im Walde einen Augenblick niedersizen zu müssen. Hier schlief er ein und fand erst lange nach Sonnenaufgang seine einsame Behausung. Nachdem er den wühlenden Schmerz mit einigen neuen Gläsernt Schnaps beschwichtigt hatte, legte er sich wieder schlafen. Als er sich dann erhoben hatte, fand er fein Mittagessen talt auf dem Küchentisch stehen. Die alte Frau war fortgegangen, draußen heulte der Hund. draußen heulte der Hund. Er machte ihn los und stellte ihm die Schüssel mit der unberührten Mahlzeit hin, war auch sonst von einer ungewohnten Zärtlichkeit gegen das Tier. Nach längerem Grübeln aber, ob er es nicht auf den Weg, den er gehen wollte, vorausschiden sollte, legte er es doch wieder an die Rette. Es trieb ihn in den Wald zurück. Bedürfnisse, die von feiner Seelenzerrüttung unabhängig waren, verlangten gu sehen, zu hören, zu riechen, was er gewohnt war. Aber als er in die Gegend fam, wo er geftern nachmittag gewesen war, gewahrte er, daß die Holzstapel, die dort n bestimmten Abständen gelegen hatten, verschwunden waren. Sämtlich waren sie verschwunden, die Stapel mit Scheitholz die mit Knüppeln und Stöcken, selbst das Stockholz- alles gestohlen. Er entdeckte frische Spuren von Handkarren, er fah noch tiefere Spuren, fand Abdrücke von Hufen. Mit Pferdegespannen waren die Halunten angefahren! Ein nie dagewesener Plünderungszug hatte stattgefunden. ( Fortsekung folgt.)] Sonntag früh 9 Uhr Allgemeine Flugblattverbreitung Gäbel( Komm.), daß die Erregung der arbeitslosen Angestellten, die sich auf der Tribüne befanden, nur zu begreiflich sei; der Zwischen ruf habe gar feinen Grund für das Borgehen Casparis abgegeben und dieser habe damit nur von neuem einen Beweis seiner völligen Unfähigkeit erbracht. Bon der äußersten Linfen fiel hier der Zuruf: Es war wieder einmal Caspari- Theater!"( Stadtverordneter Benus wird von Caspari zur Ordnung gerufen.( 3u der Debatte sprach Dr. Neumann( D. Bp.) fich zum Teil für die Auss Schuhvorschläge aus, beanstandete aber insbesondere die Fassung der felben hinsichtlich der Bevorzugung der älteren Angestellten. Genoffe Flatau trat in sehr eingehendem und ausführlichem Bortrage für unsere Anträge ein, die befonders für die llebergangszeit bis zur Aufhebung der PAB. den Abgebauten Hilfe bringen sollen. Genojie Stadtrat Brühl stellte fest, daß er für den Magistrat des Anstoßes nicht erft bedurft hat. Es sei getan worden was irgend in den Kräften des Magistrats stand. Auch mit den Arbeitgebern hätten schon Berhandlungen und Beratungen fioifgefunden, die der Abhilfe der Notlage der erwerbslosen Ange stellten bienen follen. Bei der lleberflutung des Arbeitsmarties mit Angeboten müsse aber in großzügiger Weife namentlich für die limfchulung gewirki werden. Auf Antrag der Kommunisten wurde unt 10 hr die Fortsetzung der Verhandlungen auf die nächste Sigung vertsgt. Ebert Gedächtnisfeier in Potsdam. Keine würdigere Ehrung fonnte das Reichsbanner dem heimge gangenen Staatsoberhaupt bereiten, als es gestern in Potsdam mit dem Fadelzug geschah, der gerade in Potsdam bewies, wie viele Tausend treu fich zur Republik bekennen. Der Beranstalter hatte alle Republikaner eingelaben und Tausende folgten dem Rufe. Bor dem Konzerthaufe in der Kaiser- Wilhelm- Straße janmmelten sich die Teile nehmer, die den breiten Straßenzug bis zum Nauener Tore aus füllten. Beim Entzünden der Fadeln war die ganze Straße ein Lichtmeer, und Tausende säumten den Weg des Zuges, der sich) unter den Klängen eines Trauermarsches in Bewegung fezte. Boran marschierte die Fahnentompagnie des Reichsbanners, hinterher die Kameradschaften aus Rowawes und Potsdam und eine zahlloje Menge treuer Republikaner. Die Gedächtnisrede hielt auf den Baffinplas unser Parteigenosse Studienbirektor Dr. Müller, der in tiefempfundenen, hinreißenden Worten ein Lebensbild des zu früh verschiedenen Bolts- und Staatsmannes zeichnete. Das Borbild Friedrich Eberts stellte er für ben fommenden Kampf um feine Nachfolge voran. Mit dem zünden den Appell für das deutsche Vaterland schloß er seine Ansprache. Die tufit splette eine Strophe des Deutschlandliedes und dann wurden unter den längen des Liebes Sch hatt' einen Kameraden" die verglimmenden Fadeln zusammengeworfen. Mit stolzer Befriedi gung darf man behaupten, daß diese Kundgebung für den ersten Reichspräsidenten ein Weckruf der Republit, inmitten des nicht gerade republiffreundlichen Potsdam, gewesen ist und als Herrschau ber Republikaner einen starken Eindrud hinterlassen hat. Es ging auch ohne Reichswehrfapelle, die der Adjutant bes 9. Reichswehrregiments dem Reichsbanner Derweigert hat, weil bei ihm eine Rundgebung für das Reichs oberhaupt als politische Rundgebung galt. Eine Eifersuchtstragödie. Weil er ohne jie nicht leben konnte. Treffpunkt in den Bezirkslokalen. Abteilungsmitgliederversammlungen: Webbing: Jugendheim Schönstedtstr. 1. Nardost I: Jugendheim Neue Königftr. 21. Brenzlauer Borstadt: Jugendheim Danziger Str. 23. Weißenfee: Jugendheim Charlottenburger, Ede Roeldeftraße. Südost ( Röpenider Biertel): Jugendheim Mariannenufer 1a. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35. Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße. Steglig II: Jugendheim Solfteinische Str. 3. Reukölln II: Jugendheim Nogatstr. 53. Adlers Hof: Jugendheim Bismardstr. 12. Röpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 15. * Orisausschuß für Jugendpflege Brenzlauer Berg: 1. Jugendpflegefehrgang heute, Freitag, den 6. März, abends 7 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62. Vortrag: Binchologie des Entwidlungsalters". Referent Herr Dr. med. Ernst Saafe. Eintrittskarten sum Breise von 20 Pf. find an der Abendtaffe ethältlich. beschäftigte, besteht in der Hauptsache aus sehr vielen fleinen, aus leichten Baustoffen gebauten Fabritations- und Lagerräumen, die von fünftlich aufgeworfenen hohen Erdhügeln, von Kriegsgefangenen hergestellt, umgeben sind. Diese Erdhügel follten die Wirkung von Explosionen auf die benachbarten Betriebsgebäude abschwächen. Nur die Hauptfabritationsgebäude mit ungeheuren Sudfesseln für Nitroglyzerin usw. sind aus Stein gebaut. Hier ist vermutlich auch das Unglück am vergangenen Mittwoch passiert. Kleinere Explosionen auf diesem Wert tommen fast regelmäßig vor. Hin und wieder werden die Arbeiterschaft und die umliegenden Dörfer durch schwerere Katastrophen an die ständige große Gefahr eines solchen Betriebes erneut érinnert. Die größte Rata. strophe auf diesem Werk ereignete fich am 9. Auguft 1915, wo ein Subteffel mit vielen taufend Litern gefährlichsten Spreng- E stoffes in die Luft flog, Hunderte von Menschenleben vernichtete oder schwer beschädigte und zahllose Gebäude dem Erdboden gleich machte. Selbst das 20 Minuten davon entfernt liegende große Reichsstidstoffwert Piesterik erlitt damals schweren Gebäudeschaden und zahllose Arbeiter auf dem Stickstoffwerk wurden durch den ungeheuren Luftdruck zu Baden geworfen. 3 met Stunden lang folgte Explosion auf Explosion, glühende zerschmolzene Eisenstücke flogen stundenweit und in der weiteren Umgebung blieb fein Haus von dem Luftdruck verschont. Im Jahre 1916 folgte dann wieder eine größere Explo fion mit nennenswerten Opfern an Gut und Blut. Die Aufsichtsbehörden sollten das letzte Unglüd zum Anlaß nehmen, auf diesem Wert wieder erneut nachzusehen, denn nicht nur die Belegschaft der Sprengstoffwerke, fondern auch die weitere Umgebung, darunter auch die Bevölkerung von Wittenberg, leben in fteter Angst vor neuen Katastrophen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, 2inbenftrage 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, an richten 2. Kreis Tiergarten. Seuft, Freitag, den 6. März, 8 Uhr, erweiterte Kreis. vorstandssigung bei Reiger, Buflikte. 10. 14. Kreis Reukölln. Sonnabend, den 7. März, 6 Uhr, Fraktionssihung im Rathaus Neukölln, Erweiterte Borstandsfihung erst nach dem Zahl. abend. Arbeits Kreisfuntiionärverfammlung Montag, den 9. März. gemeinschaft ber Kinderfreunde: Seute, Freitag, 7% Uhr, Selferſigung, Redarftr. 3. Heute, Freitag, den 6. März: 78. st. Schöneberg. 8 Uhr Funktionärsgung bei König, Feurig, Ede Bring Georg- Straße. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr bei Alabe. Sandjernstr. 60-61, Funktionärtonferenz. Wet. 1242 Mahlsdorf- Güb. 8 Uhr im Lobai Diez, Uhlandstraße, wichtige Ru fammenkunft fämtlicher Genossen zur Wahlarbeit in der Ronsum genoffenfchaft. 136. Abt. Reinickendorf- Dit unb 141. Abt. Rosenthal. Die Genoffen werden aufgefordert, die heute abend 8 Uhr in der Aula bes Realgymnasiums Berner Straße stattfindende Brotestversammlung aller Barteien und Ber Bände wegen der flandalösen Verkehrsverhältniffe unserer Orte zu be Jungiozialisten. Gruppe Schöneberg: 714 Uhr Feurigitt. 7, Arbeitsgemein fuchen. fchaftsabend. Gruppe Laufwig: Die heutige Mitgliederverfammlung fällt aus, dafür morgen, Sonnabend, pünktlich 8 Uhr, in der Sportede, Bortrag der Genoffin Maria Sodann über Das politische Leben der Jungfosialisten und feine Probleme". Morgen, Sonnabend, den 7. März: 5. Abt. The Ronferens der Barteifunktionäre und Betriebsvertrouensteute bei Sebler, Georgenbirdhfte. 36. 23. bt. 7 hr bei Gott, Antprodeftr. 6, Funktionärfihung. 30. 61. 6 2hr Flugblattausgabe bet mahntopf, Carmen Sniva- Str. 123. 86. Abt. Marienborf. 8 Unt Sigung bes engeren Borstandes mit den Bezirks führern im Bimmer 26. 91, Ast. Reutölin 7 Uhr Borstand sitzung bei bede, Razisgartenstr. 12. 102. Abt. Baumschulenweg. Ausgabe der Flugblätter zwifchen 5 und 6 Uhr hei Sak, Baumschulenstr. 72. Die Bezirksführer bringen ihre Selfer mit. 108. Abt. Rohannisthal. Treffpunkt aur Flugblattverbreitung 7 Uhr bei Gobin, Roonstr. 2. Oberstraße. 119. bt. 7% Uhr Funktionärfisung bei Mene, Rittergut, Ede Möllendorffstraße. Jugendveranstaltungen. In der Nacht zum Donnerstag hat sich in dem Hause Inster. burger Straße 16 ein Eifersudhtsdrama abgespielt. Hier wohnt die 41 Jahre alte Witwe Antonie Beer und bei ihr als Unter. mieter der 57 Jahre alte Arbeiter Josef Behmann. Beide lebten feit acht Jahren zusammen. In der letzten Zeit hatte sich das Berhältnis getrübt. Frau Beer hatte ihre Meigung einem jüngeren Lichtenberg. 115. bt. 7½ The Funktionärkung bei Lohann, June, Ede Wanne zugewandt und Lehmann war infolgebessen sehr eifersüchtig. 21m Mittwoch abend war das Baar noch bei einem Bekannten und biefem hatte Frau Brer heimlich mitgeteilt, daß sie sich vor der Eifersucht Lehmanns fürchte. Boller böser Ahnung war tiefer Befannte nun Mittwod) früh um 8 1hr noch der Wohnung bie Frau Beer gegangen. Auf sein Kingeln und Klopfen wurde ihm jedoch nicht geöffnet. Da ihm bei einem zweiten Bersuch um 1 Uhr nachmittags immer noch nicht geöffnet wurde, benachrichtigte er bas zuständige Revier. Nach der Snsterburger Straße entsandte Beantte öffneten die Tür ber Wohnung und fanden das Paar tot in den Betten liegen. Lehmann hatte Frau Beer einen Schuß in die redyte Kopffette gejagt imb sich dann selbst durch einen Schuß in die redte Schläfe getötet. In seiner Hand hielt er noch einen Trommelrevolver, in dem die vier nicht abgeschossenen Paironen noch stedten. Die beiden anderen hatte er verfeuert. Wltersbeint, Ditsausschah Prenzlauer Berg, Jugendpflegefehrgang. Danziger Str. 62, abends 7 Uhr. Wie in anderen Bezirten hat auch der Bezirk Brenzlauer Berg eine Vortragsfolge für die Jugendführer der dem Orisansisuk angeschloffenen Bereine vorgesehen, welche heute reitag, hen 6. ára, stattfindet. Pfychologie des Entwidhungsalters. Referent: Serr Dr. med. Enit Saaie. Freitag. ben 12. Mars: Jugendliche und Sugendgericht. Meferent: Herr Amtsgerichtsrat Berbert Frande, Ingende riter bein Jugendgericht Berlin- Mitte. Freitag, ben 20. Rärz: Die Striterien des guten und schlechten Buches. Referent: Herr Rektor Bini Gens. Borsigender des Rugendschriftenprüfungsausschusses Große Berlin. Greitag, den 27. Mara: Moderne Errungenschaften in Leibesübungen, Spiel and Sport. Referent: Herr Stabtirgt Dr. Mag Bodann. Der Untoftenbeitrag beträgt für alle Borträge 0,50.. für eine zelne Borträge 0.20 R. Starten sind im Sugendamt Prenzlauer Berg Danziger Straße 64, Bimmer 124, und an der Vibendkasse erhältlich. Achtung, Abteilungsleiter! Sämtliche Abteilungen milfen ezber material abholen und die Monatsprogramme fit: April fofort abliefern. Die Frühlingsfeierkarten find fofort abzuholen. Don 5-7 Uhr. holen fowie Jugend voran" und Arbeiter- Jugend" für März heute, Freitag, Achtung, Abteilungstaffierer! Marlenabrechnung, Beitragsmarter ab. Achtung, Mädchen! Die Mädchenkonferens findet erst am Freitag, den 20. Mara, fiatt. Alle Mädchen besuchen den Gesangsabend am Montag, den 9. März, 7 Uhr abends, im Jugendheim Lindenste. 3. Gesangsabend Montags 18 Uhr, Brobe für Jugendspiel Dienstags 148 Uhr in Jugendheim Lindenstt. 3. Heute, Freitag, den 6. März, abends 7% Uhr: Moabit 1: Schule Waldenjerftr. 21, Bortrag: Die internationale Arbeiter. bewegung". Moabit II: Gdjule am Stephansplag, Diskussion:„ RS. und GAZ." Rozbosten II: Jugendheim Danziger Str. 62( Baraden), Bortrag: Das Cozialistengefeh". Rosenthaler Borstadt: Landsgemeindehaus, Gophienftrage 21, Bortrag: Politische Lage". 2nifenfiabt: Schule Stallschreiber. fraße 10, Bortrag: Berufsfragen". Straße 54, Distuffion: Unser Wandern". Schöneberg II: Edhule FrankenDas Rundfunkprogramm. Freitag, den 6. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Technik: Kurt Bilau: Der Wind, das himmlische Kind". 7 Uhr 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). abends: Wege zum Wissen: Das elektrische Ange in der Kriminalität 7.30 Uhr abends: A. Jossen: Hühnerzucht". 8 Uhr Stadtverordneler Genojje Ernst Teichte, feiert heute, Freitag, 6. März bie 201ährige Bugehörigteit zur Gozialdemotrattabends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). NaturIden Bartel, und zwar auf den Tag genau, an dem er auch das 50. Lebensjahr vollendet. Genosse Teschte gehört dem 5. Kreis Friedrichshain an. Die Jange Genoffin aus der S23. Schöneberg, bie am Mittwoch antaglich ber Ueberfibrung der Reiche des verstorbenen Reichspräfibenten einer umbelamuten Genoffin ibre Geldbörse und ein Schlüffel bund übergab, fann beides bei der Genoffin Johanna Schulz, Berlin, Ramertiner Str. 11, in Empfang nehmen. Das große Explosionsunglück. Ein Appell an die Aufsichtsbehörden. Die Zahl der bei der Explosionstatastrophe bei Wiffenberg ums Leben Gefommenen steigt von Meldung zu Meldung. Es werden jegt bereits 12 Zofe gezählt. Wie der Sozialdemokratische Breffedienst aus Wittenberg foeben mitteilt, wurden bei der Explosion 6 Personen fofort getötet. 2 Perfonen werden vermißt. Mit ihrem Tode ist bestimmt zu rechnen. Sie dürffen vermutlich wolltemmen zerriffen worden sein. Weitere 4 Schwerverlegle find im Baul- Gerhardt- Stift in Wittenberg verschieden. Jnsgefamt find alio bisher 12 Tote zu beklagen. Außerdem wird mit bem Ableben einer schwerverletzten Arbeiterin gerechnet. Einige der am Leben gebliebenen Opfer sind schwer und etwa 20 bis 25 miffelfchwer and leicht verlegt worden. Die Ursache des Unglüds ift immer noch nicht aufgetlärt. Willenberg, 5. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Westfätifch- Anhaltischen Sprengstoffmerte, in benen fich, wie berichtet, das neue große Explosionsunglück zugeiragen hat, liegen 14 Stunden von der Lutherstadt Wittenberg entfernt, auf einer maldigen Anhöhe. Das Wert, das während des Krieges ungeheuer vergrößert wurde und zu jener Zeit 6000 bis 8000 Leute wissenschaft: Oberingenieur Gramatzki: Moderne Astronomie". 4. Vortrag. Die Planeten" II. Teil. 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Keine Stund' in der Nacht, G. Enders, b) Gestern hab' ich noch ein Schätzel g'habt. G. Enders, c) Rosarotes Mündchen, rosarote Schuh', G. Enders, d) Mein Mädel, mein Mädel vom Tenor). 2. a) I love, Fox trot, Harry Archer, b) Du Geheimnis Neckarstrand, G. Enders, Texte von Hans Felsing( Rudolf Zank, der Nacht, Boston, Viktor Herbert, c) Sonja, russische Ballade, Eugen Partes( Bud Gamble, die singende Säge; Eugen Feurer, Violine; Fritz Schulz, Klavier). 3. a) Wienerisch: Warum soll denn die Mizzerl nicht tanzen gehn( Beda) E. Schaale, b) Kölnisch: Dat alte Katerinche, Volkslied, c) Bayerisch: Neuli denk' i, Volkslied, d) Berlinisch: Mir ham se die Braut geklaut, W. Mendelssohn( Robert Koppel, Vortragskünstler). 4. a) Mädel. liebes, komm zum Stelidichein, G. Enders, b) Mädel, ich bin dir so gut, G. Enders, c) Ich hab' dich lieb, G. Enders, d) Grüß Felsing( Rudolf Zank). 5. a) Mein Liebling heißt Mädi, Foxtrot, dich Gott, mein rheinisches Kind, G. Enders. Text von Hans Vincent Rose, b) Dream Kiẞ, Boston, Alfred I. Rienze, c) Wenn mein Schatzi schlafen geht. Shimmylied, Kahn u. Lew Gold( Bud Gamble, Eugen Feurer, Fritz Schulz). 6. a) Deutsch- kroatisch: Generalmajor Johann Kiefer, Roda- Roda, b) Berlinisch: Das Examen. E. Graeser( Robert Koppel, Rezitation). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Theaterdienst. Tagesnachrichten, Zeitansage; Wetterdienst, Sportnachrichten, Rundfunk größ Im roten Programm 2lle Unterhaltungs Baftelteil Od jain Won Abonnements beftrilung durch jeden Briefträger Berbebezirk Oberfpree. Treffahrt am Sonntag, den 8. März. nach Ertner. Treff mittags awischen 12 bis 1 Uhr am Möllenfee auf dem Blag hinter der Spiegelquelle. Abends 6 Uhr Bunter Abend in der Gasanstalt Ertner. Arbeitersport. Dienstag, den 10. März, abends 8 Uhr, findet in der Sport- Klause, FriesenArbeiter Radfahrer- Bund Golibarität", Groß- Berlin. Enzern- Sport! Am ftraße 13( an der Bergmannstraße), eine Rufammentunft aller Bundesgenoffen, Funktionäre und Delegierten der Generalversammlung statt, die auf dem Boden der Luzerner Sportinternationale stehen. Niemand darf fehlen! Mitgliedsbuch legitimiert. Arbeiter- Turn- und Sportbund( Broving Brandenburg). Der Kreisrat stellt mit Bebauern feft, daß die Bertretung der Fußballer sur Sigung nicht erschienen ist. In dieser Weise ist ein gedeibliches Arbeiten im A.-L. u. Sp.- 8. und file den gesamten Arbeitersport nicht möglich. Der Areisvat erwartet von ben Fußballern, daß fie tros fawebender Streitfragen fich an der Arbeit be. teiligen, um nicht die unbedingt notwendige Zusammenarbeit aufs fchwerste au gefährden. Berliner Arbeiter- Schachklub. Die Abteilung Süden veranstaltet ant 8. März, nadmittags 3 Uhr, im Lobal von Otto Sadbarth, Mustauer Str. 10, Ede Eisenbahnstraße, einen Werbetag, verbunden mit Bortrag und Simul tanfpiel. Jiu- Jitsu- Kursus des Sportklubs„ Libertas 96". Der Rurfus beginnt nicht am Donnerstag, den 5. März, sondern am Donnerstag, den 12. Mära, in der Turnhalle Spreeftr. 29. Zweitägiges Schwimmfest des SB. Borwärts- Berlin 97", e. B., in ber Schillingsbrücke. Am Sonnabend, den 7., und Sonntag, den 8. März, veranstaltet der Arbeiter- Schwimmverein Borwärts- Berlin 97", e. V., im Stadt bab Friedrichshain fein großes diesjähriges Winterschwimmfeft, zu dem die Meldungen wie immer recht zahlreich eingelaufen find. Unter den Bruder pereinen aus dem Reiche ragen besonders Hannover und Breslau hervor. Außerdem haben Berlins beste Vertreter gemeldet. Besonderes Interesse dürfte auch das zufammentreffen non Borwärts und Neukölln in den großen Stafetten fowie das Springen der A- Klasse und die Wafferballspiele beanSpruchen. Das Schwimmfest beginnt am Sonnabend um 8 Uhr abends und am Sonntag nachmittags 3 Uhr. Turn- und Sportverein Fichte. Freitag, den 6. März, 5 Uhr, Mitteilungs blätter von der Geschäftsstelle abholen. G.- A.- Sigung fällt am Montag, ben 9. März, aus. Freier Seglerverband. Um allen Jrrtümern vorzubeugen, fei nochmals barauf hingewiesen, daß die Tagung des FGB am Sonntag, den 8. März, Dormittags 11 Uhr, in den Wufiter festfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31, ftatt findet und öffentlich für alle dem FGB. angefchloffenen Genoffen ist, body haben nur beglaubigte Delegierte Sig und Stimme. Jahres- oder Mitglieds farte legitimiert. Sport. 14. Berliner Sechstagerennen. Gestern abend pünktlich 10 Uhr gab der deutsche Championjodei Otto Schmidt im Berliner Sportpalast den Startschuß zum Be ginn des 14. Sechstagerennens ab. Nicht weniger als 15 Baare traten die lange Reise an. Ihre Namen sind: Persyn- Berschelben ( Belgien), C. Debaets- Thollembeek( Belgien), Lonani- Oliveri ( Italien), Coburn- Madden( Amerika), Lang- Weber( Amerika), van Kempen Bauer( Holland- Deutschland), van Net- Saldom( Holland Deutschland), Rütt- Krupkat( Deutschland), Hahn- Tiez( Deutschland), Lorenz- Golle( Deutschland), Stellbrint- Techmer( Deutschland), Münz ner- Gottfried( Deutschland), Schrefeld- Häusler Schrage- Kuschtow( Deutschland), Stolz- Behrendt Einige Fliegerrennen leiteten den Abend ein. HENKEL'S SCHEUERPULVER Ata Ata s ( Deutschland), ( Deutschland). HOH Mit Ata putzt es sich famos: גוני. Der Afa Engel- seht doch bloß! Will es sogar dazu benutzen Dem Mond die Nafe blank zu putzen! Ata puklu- reinigt großartig! Das Krankenhaus am Friedrichshair. = Für jede Abteilung der Unterrichtssammlung wird, soweit vorhanden, eine Uebersicht über die gesetzlichen Grundlagen des Für forgezweiges, über den Umfang der behördlichen und charitativen Organisationen und besonders über die im Bezirk Kreuzberg vor handenen Fürsorgeeinrichtungen und ihre Tätigkeit gegeben. Im Bortragssaal des Gesundheitshauses stehen den Besuchern Zeitschriften und Bücher zur Verfügung. Säuglings und Kindersterblichkeit, Tuberkulose, Geschlechtstrant| Stein und des aus seiner Neuköllner Stadtratstätigkeit sattsam beheiten, Alkoholismus und sonstige soziale und gesundheitliche Schäden kannten Herrn Mier befinden und zum anderen, weil sie den in Vom Betriebsrat des städtischen Kranten sollen hier zujammengefaßt werden. Besonders soll aber auch die Deputationen und Kommissionen zugestimmten Vorlagen im Plenum hauses am Friedrichshain erhalten wir folgende Zuſchrift: hygienische Boltsauftlärung hier in großem Umfange in der Regel die Genehmigung verjagen. Die letzte Sigung der Nach einem Bericht des Berliner Tageblatts" Nr. 93, Ab end- eine Lehr- und Lernstätte erhalten. Der große Kapellensaal dieses Bezirksversammlung brachte den Beweis für ihre Einstellung: Ein ausgabe vom 24. Februar 1925, hat der frühere Verwaltungsdire ftor Gebäudes nebst zwei anstoßenden fleineren Sälen mit insgesamt von ihnen eingereichter Antrag auf Vorlegung einer Liste der abgedes Krankenhauses am Friedrichshain Milewski u. a. geäußert, 450 Quadratmeter wird in Kürze eine große Unterrichtssammlung bauten Beamten und deren Bezüge ließ sie stundenlang den ,, mit den Geldern, die von der Stadt zur Beschaffung on aus allen Zweigen der sozialen Hygiene aufnehmen. Diese Dauer größten Unsinn reden und mit Berdächtigung operieren, so daß Wäsche bewilligt worden seien, habe man überflüffige Angestellte es ausstellung wird vormittags den Schulen, nachmittags und abends unfere Genoffen Reuter und Galle in schärfster Weise deren foldet, um es mit dem tommunistischen Betriebsrat nicht zu verder Deffentlichkeit zugängiidh fein. Spezialausstellungen werden in der Deffentlichkeit zugänglich sein. Spezialausstellungen werden in Demagogie brandmarkten. Von dem Bürgermeister Genossen Kohl derben". Dazu haben wir folgendes zu sagen: Herr Milewski, der wechselnder Folge die einzelnen Gebiete des Gesundheitswesens be- mußte fich Herr Stein zum wievielten Male? unqualifiziertes hier als Verwaltungsdirektor eine Gastrolle von 10 Monaten gegeben fonders behandeln. Führungen unter ärztlicher Leitung werden Verhalten dem Bezirksamt gegenüber ins Album schreiben lassen. hat, hat mit dieser Aeußerung bewußt die unwahrheit ge- regelmäßig veranstaltet, und in einem kleinen Vortragssaal werden Eine fast ebenso lange Debatte inszenierten diese bürgerlichen fagt. Warum gebraucht Herr M. denn den Ausdrud fommunistischer belehrende Vorträge und Bildungskurse über alle Fragen des Gesund- Helden durch einen Antrag betreffend Straßenreinigung. In ihrer Betriebsrat?! Er weiß doch genau, daß zu seiner Zeit fein KPD. heitswesens gehalten werden. staunenswerten Logik und Kenntnis der Verwaltungstechnik wollten Betriebsrat vorhanden war und auch vor ihm und nach ihm fie eine die Straßenreinigung regelnde Polizeiverordnung durch das war dies niemals der Fall! Er wollte wohl damit besondere Wirkung Bezirksamt aufgehoben wissen. Den Haupttrumpf glaubten sie auserzielen! Lächerlich ist es, zu sagen: weil zuviel Berfonal vor zuspielen durch Ablehnung der für die Bedarfsnachweisung des Behanden war, seien die hygienischen Zustände schlecht gewesen und daß zitsamts geforderten Mittel für den Bau einer Schwimmhalle mil deshalb die nötige Wäsche nicht beschafft werden fonnte". Gerade Warmwasserbadeanstalt in Köpenid, einer Badeanstalt in Friedrichsdas Gegenteil ist richtig. Weil zu wenig Personal vor. hagen und Grünau und einer Abortanlage vor dem Bahnhof Grünau, Wer die Verkehrsverhältnisse und Zustände vor dem handen war, speziell auf der Tuberkulosestation, litt die Sauberteit und die Renovierungen auf den Stationen fonnten nicht vorge Wenngleich die notwendigsten Mittel von den Bezirkskörper- Bahnhof Grünau fennt, wird diesen Schildbürgerstreich gebührend nommen werden. Bezüglich der Wäsche hat sich gerade damals der fchaften bewilligt find, so wird doch der Gesamtausbau einer solchen einschäzen. Ein bürgerlicher Bertreter äußerte nach der Sigung Betriebsrat gegen den Willen des damaligen Berfozialhygienischen Einrichtung die freiwillige Mitarbeit aller Bevölte felbft, daß es ein Standal ist, daß man unter Fraktionszwang waltungsdirektors an den Stadtverordnetenborsteher rungsfreise nicht entbehren fönnen. Anschauungs- und Lehrmaterial dieses Affentheater mitmachen müsse. Daß die bürgerliche fomie statistische Uebersichten werden von behördlichen Stellen und rattion im trauten Berein mit ihren" KommuHerrn Dr. Went gewandt, mit dem Erfolg, daß sofort drei Automobile voll Wäsche vom Anschaffungsamt nach der Anstalt geschickt Fürsorgeverbänden zur Vervollständigung der Unterrichtssammlung ni ften gegen den Etat stimmte, versteht sich von selbst. Den schönsten Sportplay des Ostens besitzt Köpenic wurden und so die dringendste Not etwas beseitigt wurde. Daß Herr gern entgegengenommen. Wer sonst fördernd die Aufgabe und M. fich anmaßt, über die Heizungsanlagen ein fachmännisches Urteil damit allgemein das Kulturwert der fozialen Hygiene unterſtüßen nach der demnächst zu erwartenden Eröffnung. Eine Borbesichti gung der städtischen Körperschaften und der Deputation für Sportabgeben zu fönnen, glaubt er doch wohl selbst nicht. Die Mißstände, will, möge durch Hergabe von Mitteln die weitere Beschaffung von für die niemand persönlich etwas fann, rühren überhaupt nicht von Lehrmaterial ermöglichen. und Jugendpflege sowie der Schulverwaltung zeigten den Teilnehmern die praktische Anlage des ganzen Plages. An der Mariender Nachkriegszeif her, sondern sind eine Folge des langen und ver lorenen Krieges. Vor dem Kriege wurden die Stationen in Straße in Köpenick gelegen, durch die elektrische Straßenbahn von allen Seiten bequem erreichbar, weist das dazu verwendete städtische fürzeren Zeiten abgewaschen und wenn erforderlich, renoviert. Das Gelände eine Größe von 42 000 Quadratmeter auf. Auf die Sportwurde nachdem nicht mehr durchgeführt und gerade Herr Direktor fläche entfallen allein 38 000 Quadratmeter, während die an der M. ist von dem Vorsitzenden des Betriebsratschriftlich auf diesen Spree liegenden ca. 4000 Quadratmeter Uferfläche zur Zeit an den Mißstand mit dem Hinweis auf den schließlichen Berfall der Anstalt Arbeiter Kanuklub" und die Ruderabteilung des Turnvereins aufmerksam gemacht worden, wozu Beweise vorliegen. Wenn es nach dem Willen des Betriebsrats gegangen wäre, hätte Herr Dr. Der größte Teil des Blazes ist nach den Erfahrungen sportlicher Fichte" für Bootsunterkunfts- und sonstige Räume verpachtet sind. Arndt betreffs Sauberkeit usw. öcherlich feinen Grund zur Klage gehabt und Herr Direktor M. hätte seine diesbezügliche Angabe besser Fachleute zu einer Laufbahn von 400 und 100 meter mit vorzüglich Was auf der Station für tuberkulose Innenfläche der Laufbahn ist für sportliche Spielveranstaltungen und angeordneten Tribünen für 10-12 000 Personen ausgebaut. Männer in Zukunft geändert und verbeffert werden soll, wird sich Wettkämpfe vorgesehen. Der vordere ca. 15 000 Quadratmeter natürlich auch auf die Frauenst at io n erstrecken müssen. Damit große planierte und befestigte Spielplay foll in erster Linie dem nicht nur den Klagenden", sondern auch den Stilleidenden geholfen Spiel, Sport- und Turnunterricht der Schulen zur Verfügung wird. Die Beschaffung von Arbeitskleidung für das Personal wird durch diese Aufrollung hoffentlich auch wieder Gestalt annehmen stehen, darüber hinaus aber den Sport- und Turnvereinen für ihre sportliche Betätigung. Die Bauverwaltung des Bezirks, die unter müssen, damit nicht die Familien der Beschäftigten sowie die Be völkerung den Gefahren möglicher Bazillenträger ausgesezt sind! Leitung unseres Genoffen Stadtrat Herbst steht, hat hier unter Als Betriebsrat wollen wir hoffen, daß, wenn in Zukunft Aufwendung nur geringer Mittel wieder etwas Gutes geschaffen. Arbeiter gegen ihre Arbeitgeber in derselben Angelegenheit flagbar Bezirk Spandau. werden, daß fie ebenfolche Richter finden werden, wie Herr Dr. Arndt fie, unseres Erachtens mit Recht, gefunden hat." geborene Kinder zu verzeichnen. Lotgeboren wurden im Jahre 1924: 1684. Die Zahl der Sterbefälle ist nicht unwesentlich zurückgegangen. Betrug die Zahl der Sterbefälle für 1922 noch 52 984, für 1923: 49 832, fo fann das Jahr 1924 mit 46874 Fällen als recht befriedigend bezeichnet werden, denn es blieb damit noch um 3056 hinter 1913 zurüd. Dagegen ist, sicher in sehr weitgehendem Maße durch wirtschaftliche Erwägungen hervorgerufen, die Zahl der Eheschließungen start zurüdgegangen. Im Jahre 1920 murden noch 52 833, in den beiden Inflationsjahren 1922 und 1923 47 685 bzw. 41 519 Eheschließungen gezählt, im Jahre 1924 fanten fie auf 36 341 herab. Der Wohnungsmangel, die niedrigen Löhne, Arbeitslosigkeit sind die Ursachen dieser Erscheinung. Wohnungsaufsicht und-pflege. Aus den Bezirken. 3. Kreis- Wedding. In der gut besuchten Mitgliederversammlung am 2. März gedachte Genose Frant der entschlafenen Arbeiterführer, Des schwedischen Genossen Hjalmar Branting und des Reichs. präsidenten Frik Ebert. Der Tod beider Männer sei ein schwerer Berlust für die internationale Arbeiterbewegung. Die Benoffen Reuter und Leid sprachen dann über„ Kommunale Fragen". Genoffe Reuter zeigte, wie gerade in den großen Industrieſtädten trotz des kapitalistischen Systems die Anfäße einer Gemeinwirtschaft möglich seien. Die städtischen Großbetriebe Berlins seien ein Machtfaktor im Wirtschaftsleben der Hauptstadt. Der Sozialdemokratie gebühre das Verdienst, diese Betriebe der Stadt erhalten und die Pläne der Bürgerlichen während der Inflation zunichte gemacht zu haben. Denn für die Sozialdemo fraten sei die Stadt eine soziale Gemeinschaft und ein Stüd sozialer Wirtschaft. Diese Erkenntnis müsse Allgemeingut der Wählerschaft werden. Genosse Leid legte dar, daß bei den politischen Wahlen die Gesetzgebung im Mittelpunkt stehe, bei den fommunalen Wahlen aber die Berwaltung. In Berlin müffe die Zentralverwaltung durch eine gute Lotalverwaltung gestützt werden. Die zentralistischen Tendenzen dürften nicht zu start werden. Ein Gegengewicht der Bezirksverwaltung jei vonnöten und eine Partei, die das Prinzip der Selbstverwaltung, nicht aufgebe. 17. Bezirt, Lichtenberg. Die beratungen. Objekt der Auseinandersegungen zwischen SPD. und In der letzten Bezirksversammlung begannen die Etatsbürgerlichen Vertretern war der 1919 nach Neuköllner Muster geschaffene Bauhof, ein gemeinnüßiges Unternehmen, geeignet, auf dem Baumarkt preisreduzierend zu wirken. Trogdem der Ban hof bisher Ueberschüsse brachte und gegenüber Preisabfünften von Unternehmergruppen vorbeugend gewirft hat, brachten es sämtliche Etattitel abzulehnen. Bertreter der bürgerlichen Parteien fertig, als Mehrheit diesen bürgerlicher Bezirksverordneter, ein Fattor aus dem Bauleben Damit scheidet, dank der Kurzlichtigten Vorteil tommunaler Bautätigkeit gemirtt hätte. Entlaffung der Kinder aus der Schule und die Berufswahl benor. Die Deputation für Berufs- und Fachschulwesen teilt mit: Da die stehen, wird darauf hingewiesen, daß die städtische Verwaltung eine Anzahl Handels- und höhere Handelsschulen für weibliche Personen unterhält. Mehrere dieser Schulen nehmen auch männliche Personen auf. Aufnahmebedingung für die Handelsschule ist abge schlossene Bolksschulbildung. Ausbildung eineinhalb Jahr. Das Ab: für die höhere Handelsschule ist das Reifezeugnis eines gangszeugnis befreit vom Besuch der kaufmännischen Pflichtschule Die Berliner Bevölkerungsvorgänge im Jahre 1924 weisen zwei beachtenswerte Merkmale auf: den Rüd gang ber Sterbefälle und eine 3unahme der Geburten. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug nach den vorläufigen Meldungen In Lichtenberg in einer Mitgliederversammlung behandelte der Standesämter 408 30 gegenüber 38 924 im Jahre 1923; hier. Genosse Bissell das aktuelle Thema: Schutzoll, Freihandel, Don waren 34 581 ehelich, 6252 unehelich. Das legte Jahr vor dem Ariege, 1913, hatte freilich erheblich mehr, nämlich 76665 lebend. handelsverträge und führte dazu etwa folgendes aus: Der Spandaus aus, der zweifellos auch in der tommenden Zeit zum Anteil des deutschen Handels am Welthandel ist infolge der Ausnahmestellung, die Deutschland durch den Verjailler Friedensvertrag erlitt, durch die handelspolitischen und zollrechtlichen Bindungen zu gunsten der alliierten und auch neutralen Länder gewaltig zurüd. gegangen. Mit dem 10. Januar aber ist das System der gegenseitigen Abschließungen zu Ende und Deutschland wieder in die Lage versetzt, vernünftige Handelspolitik zu betreiben. Aber auch im Auslande machen sich, Bestrebungen geltend, mit Deutschland wieder Handel zu tretben., und das System der internationalen Arbeitsteilung lebt wieder auf. Die Frage, ob Deutschland einen Schutzzoll braucht, ist Deckung des Bedarfs im eigenen Lande der deutschen Wirtschaft ganz entschieden zu verneinen. Es ist nicht wahr, daß die zugute fommt. Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ist sehr gut; aber nur Amerita fann sie sich vielleicht Leiften. Deutschland muß darauf zeums, einer Realschule bzw. die Reife für Oberjekunda einer Bollbedacht sein, seine Arbeitskraft und Tüchtigkeit verwerten zu fönnen. Wenn wir den internationalen Wettbewerb nicht aushalten können, dann ist es besser, die benötigten Waren vom Ausland zu beziehen. Der Schutzoll und eine schußzollgestärkte Industrie kann gewiß für einen Bestandteil des Voltes Vorteile bringen; der innere Marti wird aber nicht gestärkt, sondern geschwächt. Was uns nottut, ist: frische Luft, und deshalb sind künstliche Absperrungen gefährlich Die Deutschen Werte haben zum Beispiel nach tagelangen Ber. handlungen der privaten Automobilindustrie den Beweis erbracht, daß ihre Preise um 40 Proz. zu hoch sind. Eingehendes Studium und fortgesezte Betriebsverbesserungen haben die Deutschen Werke zum Beispiel in den Stand gesetzt, die Production von Motorradrahmen pro Mann und Tag von 15 auf 63 Stück zu steigern. Bewunderungswürdig sind auf landwirtschaftlichem Gebiet z. B. die Erliche Anbauflächen. In Alt- Berlin werden seit dem Jahre 1918 gebnisse der Versuche mit der Einkornsämaschine. gebnisse der Bersuche mit der Einkornfämaschine. Die Deutschen Werte fönnen und wollen natürlich nicht warten, bis die träge Privatindustrie auf gleicher Höhe der Produktion steht, selbst wenn rüd ständige Betriebe zu Berjonalentlassungen übergehen müffen. Zum finanziellen Staatsintereffe am Schußzoll ist zu sagen, daß das Reich an industriellen Zöllen gänzlich unintereffiert ist. Amerika tommt vielleicht dem Ideal der Selbstgenügsamkeit am nächsten; Deutschland ist aber unter allen Umständen auf Ausfuhr angewiesen, auch wenn schließlich der Auslandsschutzzoll getragen werden muß. Kürzlich hielt Oberregierungsrat Graefchel vom Ministe rium für Bolkswohlfahrt einen Vortrag über Zwed, Ziele und Mög. lichkeiten der Wohnungspflege in einer Versammlung, die von der Arbeitsgemeinschaft der technischen Wohnungsbeamten Berlin" ein. berufen war. Er legte in feinen Ausführungen dar, daß entgegen der Ansicht weiter Kreise die fyftematische Durchführung der Woh nungsaufsicht und pflege zur Erhaltung des alten Wohnraums unbe dingt notwendig sei und daß dieser Teil der Wohnungswirtschaft nicht mit der Zwangswirtschaft zu verwechseln sei. Wenn auch die Ueber. füllung der Wohnungen zurzeit nicht beseitigt werden könne, jo sei gerade mit Rücksicht auf die vielen Leerſtellungen von unbewohnbar gewordenen Altwohnungen die systematische Durchführung der Bohnungsaufsicht zu fordern. Um aber den vorhandenen alten Wohnraum erhalten zu können, sei die Bereitstellung öffent licher Mittel erforderlich. Von den anwesenden Woh nungsamtdezernenten wurde die Bereitstellung von städtischen Mitteln ebenfalls für notwendig erachtet. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, daß für die Forderung der Wohnungswirtschaft nicht nur ein Teil, sondern die gesamte Hauszinssteuer zur Verfügung gestellt und ein Teil der dadurch einkommenden Mittel zur Erhaltung des vorhandenen Wohnraumes Verwendung finden müsse. Der bisher ablehnende Standpunkt, für die Erhaltung des alten Wohnraumes Mittel aus der Hauszinssteuer zur Verfügung zu stellen, dürfte nicht aufrechterhalten werden. Auch die Stadtgemeinde muß coil. unter Begrenzung der Mittel für sonstige Fürsorgezwecke, Mittel für die Erhaltung des alten Wohnraumes und Schaffung von neuem Wohnraum in höherem Maße bereitstellen, da alle Ausgaben für Lungen- und Säuglingsfürsorge wertlos feien, wenn die Behandelten wieder in ihre ungesunde Wohnung zurückkehren müssen. Ein städtisches Gesundheitshaus. anſtalt. Dauer der Ausbildung ein Jahr. Schulgeld vierteljährlich 30 M. Neben dem Unterricht in allen faufmännischen Fächern. Kurzschrift, Maschineschreiben und Englisch oder Französisch oder Spanisch, genießen die Schülerinnen eine praktische Ausbildung im Wäscheanfertigen, Schneidern und Kochen und nehmen außerdem am Unterricht in Turnen und Gesundheitslehre teil. Anmeldunaen für das neue Sommerhalbjahr schon jetzt in fämtlichen Schulen. Im Interesse der Schülerinnen liegt eine möglichst frühzeitige Anmeldung. Bo und wann diese erfolgen kann, ist auch aus den erfcheinenden Säulenanschlägen zu ersehen. Landwirtschaftliche Anbauflächen der Stadt Berlin. Die Stadtgemeinde Berlin erstreckt sich auf eine Gesamtfläche von 87 810 Settar. Davon sind nicht weniger denn 18 487 Heftar landwirtschaftfeine Flächen mehr landwirtschaftlich benutzt. Ben den Bezirfen Neu- Berlins steht Pankow an erster Stelle mit 18,2 v. H. der Gesamtanbaufläche. Hier in diesem Bezirk liegt das städtische Rieselgut Blankenfelde mit seinen Nebengütern mit 3358 Heftar. Es folgt an zweiter Stelle Weißenfee, sodann Spandau, Lich tenberg und Neukölln. In den übrigen Bezirken beträgt die landwirtschaftliche Anbaufläche weniger als 10 v. 5. der Gesamtanbau fläche. Dazu kommen aber noch die großen Forstgelände, die allein en städtischen Forsten über 12000 Hektar ausmachen. Die Groß stadt ist also eingebettet von einem ganz gewaltigen Gürtel von unbebautem Grund und Boden, der im Intereffe der Bevölkerung turgürtel", der um Berlin herumgezogen werden sollte stehend aus Obst- und Gemüseanlagen ist es ganz still geworden. beJubiläen: Der Inhaber der Kunstanstatt Boremberg, Lindenstraße 2, 3. Boremberg und feine Ehegattin, fonnten fihalich das Freft der filbernen Sochzeit begehen. Die golbene Sochzeit feierten por einigen Tagen die Cheleute Karl Beyer, Schöneberg, Rosenheimer Straße 3. Im weiteren Berlauf seiner Ausführungen behandelte der Redner eingehend die Frage der Agrarzölle und fam dann auf Rußland zu sprechen. In ein Handelsvertragsverhältnis mit Rußlandweit besser ausgenügt werden könnte. Bon dem berühmten„ kulzu kommen stößt, wie das italienische und englische Beispiel beweist, auf besondere Schwierigkeiten, weil es sich hier nicht um einen Bertragsabschluß der üblichen Art handelt. Rußland gewährt Soll freiheit, hat aber gleichzeitig Handelsmonopol, das wieder einen individuellen Berkehr ausschließt. Es gilt hier Brücken rechtsverbindlicher Art zu schlagen. Genosse Wissell schloß: Theorie und Praxis ist eben zweierlei. Durch den Krieg wurde die nationale Industrie des Auslandes unglaublich gefördert. Selbst England vermag nicht mehr in Textilien in feinem Koloniallande Indien zu konturrieren. Jedes Land fucht natürlich die eigene Industrie zu schützen, und ist deshalb der Freihandel so mucht zu erreichen. Diese trockenen Probleme zu behandeln, ist immerhin wichtig, weil es sich hier um eine Lebensfrage des gesamten deutschen Volkes handelt. Bezirk Köpenid. Der Berwaltungsbezirt Kreuzberg mit fast 400 000 Einwohnern befigt in zentraler Lage in nächster Nähe des UrbanKrankenhauses ein Gebäude, das sich mehr und mehr zu einem Gefundheitshaus, zu einer 3entrale für soziale Hygiene entwickelt. In diesem, am Urbanplatz gelegenen großen Gebäude find schon jetzt eine Reihe wichtigster Fürsorgestellen untergebracht. In der Erkenntnis, daß Krankheitsverhütung wertvoller und wirtfchaftlicher ist als Krankheitsheilung, wollen die Bezirkskörperschaften, Die Vertreter der bürgerlichen Fraktion im Bezirksparlament daß dieses Haus ganz in den Dienst gefundheitlicher, prophylattischer find im Berliner Berwaltungswesen eine Nummer für sich. Ein. Arbeit gestellt wird. Alle Fürsorgeeinrichtungen im Rampf gegen mal, weil sie sich unter urteilsloser Führung des Erzdemagogen Nicht Juno, die hehre Göttin, wir meinen, Sondern nur Juno" die Cigaretten, die feinen Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Sinterbliche. nen, Abteilung Areuzberg, rust zum Freitag, den 6. Mära, abends 8 Uhr, su einer Rundgebung im Großen Goal bes Gewerkschaftshauses auf, in der der Bundesvorsitzende Pfendner über den Stand der heutigen Versorgung und Fürsorge und über die Forderungen des Reichsbundes, die dem Reichstag unterbreitet sind, referieren wird. Sumboldt- Hochschule. Ueber Selbstmord im Spiegel der Dichtung" fpricht Dr. Olga Stiglik am Sonnabend 8 Uhr in der Georgenfte. 30-31. 3m Berföhnungsbund Berlin- Oft fpricht am Freitag, den 6. März, 8 Uhr. in der Lefehalle Fruchtstr. 62, part., Bic. Lann über das Thema: Wie ftelt fich in England die Rische zum Strieg?" JOSETTI JUNO 33 KON LINON BILLIGE LEBENSMITTEL Terkaut soweit Verrat Kolonialwaren Mengenabrabe Pfd vorbehalte Kalifonts: he, Wurstwaren Galer Erbsen halbe, pol., Prd 24Pt. Pfirsiche Kalt, Ptd. 70Pt. Delik.- Sülze.. Pfund 45Pt. Erbsen ganze pol., Ptd. 28Pt. Pflaumen 45,50,60P. Schweinskopf 65P Erbsen grüne.... Pid. 25Pt. Pflaumen Kent, 85p. Rotwurst...... Ptand 70PL Java- Reis...... Pid. 38Pt. Ringäpfel Kalt, Pid. 80Pt. Leberwurst.. Piund 70PL Eierriebele.... Ptd. 55 Pt. Aprikosen Kalif., Pfd. 105 Mettwurst grobe, Pid. 90Pf. Eierbandnudeln Pid.40Pt. Crin.Tee Ffund von 350 an Jagdwurst.... Prand 98Pr Eierfadennudelnet.45p. Kakao Fabrik Bensdorp COPt. Knoblauchwurst Pid. 100 Zapfenbirnen.. Ptd. 18p. Kafiee tr.gebr., Pid.v. 250 an Mettwurst". Braunschw. 120 Kafieer.gebr., Kirschen aer, 50Pt. Kaffee- Ers. Misch 200 70Pt. Salami.... Pland 140 Backobst....... Pd. 58Pt. Gersteu.Rogg. 23 Dtsch. Speck 130 Fische Räucherwaren im dörrt, Fid Prund Bohn. Pid. Pid Möhren Art.. Pfand fett u ma ......... Pfand 5Pt. 2 Grüne Heringe Pfund 16PL. Makrelbückl. Prand 20Pf. Seelachs Pid. 17 Pt. Sprotten...... Ptand 35Pt. Weisskohl holl, Prd. 5Pt. ohne im ganzen Kabliau ohne Kopt Pid. 24P. Schellfische.. Pfund 40Pt. Rotkohl holl.... Pfand 8Pt. Neue Kartoffel 25Pt. Rotbars...... Pfund 30et. Sprottbückl.se 90P. Zitronen Datad. 30, 40PL Ganse gefroren, Pid. 75 Suppenhühner P. 155 Blutorangen Datzend 48PL Besonders blilig! Stener Weine vom Fass Mitte v. Rheinpfälzer Weisswein Ltr. 90Pt. Step Voller Natur- Rotwein ...... Ltr. 100 Stener Origina'- Insel- Samos hervorragende, 6800 28 P1. 52 Pr. tettsüsse Qual. Ltr. 200 Stener Ltr. 250 Steuer 1921 er Haut Sauternes siisser weiss. Bordeaux Kakao 58PL garantiert rein, Pfund Pid. Pland Ptand Pfd. Schweineschinken Prand 90Pt. Schulterblatt ohne Bellage 82Pt. Schweinebauch a. Beilage, 80Pt. Hammelvorderfleisch Ped 12PL Kalbskamm Pfand 65P. Kalbskeulen. 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Kaiserkirschen o.Stein 125 Holländervolt 400Pra.120 Gemüseerbsen 45PL Sauerkirschen 100 Jg.Kohlrabi i.Scheib. 48P Aprikosen Fracht.. 130 2 Einer **** mit Stein ***** 60 135 Pflaumenmus 3 Pid P 65P. Karotten geschnitten 40P Pfirsiche Fracht.. Pflaum.- Konf.85P. Pfefferlinge...... 98. Reineclauden 115 Johann.- Konf.85Pt. Stg-Brech- 110 Kalif. Aprikosen... 150 230 Aprik.- Konf.merc.95Pt. Jg. Brech- 98Pt. Erdbeeren............ Apfel- Geleemer ca 954. 1055 Johann,-Gelleeimer Naturbutter 90 Molkereibutter1° Roter Johannisbeerwein| Sehr preiswerte Tischweine Stener and Flasche voll und suss, Liter 90 PL Steuer 24 Pl. Zur Bowle! 10F. Bayerfelder Schlossberg 2FI Fruchischaumwein. 65 Pf bei 10 Pfd. Milchschokolade Marke Netzelli Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus 7 Unr: Madame Butterfly Opernhaus am Königsplatz 7 Unr Die verkaufte Braut Schauspielbaus Tägi. 8 Uhr Gastspiel der Reinhardt- Bühnen Coriolan von Shakespeare Regie: Erich Engel 74 Pr. v. Homburg Kleines Th. Schiller Theater The Uhr: Napoleon Volksbühne Heute 8 Uhr: Letzte Vorstellung ThUhr: Wer weint Frau Lohengrin um Juckenack? Deutsch. Theater Gisela Werbezirk 7 Uhr Die heilige Johanna Olga Limbury, Schrekar Strehlen, Nafkin Kammerspiele Trianon- Th. 8 Uhr Der Herr seines Herzens Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 7 Uhr 2 Sechs Personen suchen einen Autor Theater 1. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Wir lassen ans scheiden Komödienhaus 8 Uhr Heimliche Brauifahrt Berliner Theater 7.30 Uhr. Anneliese v. Dessau Heute 8 Uhr: zum ersten Male, Yoshiwara Arnold Korff Erich Kaiser- Tietz Blanche Dergan Deatsch. Künstlertheat. 8 Uhr: Riquette" Operette von Oscar Streas Lustspielhaus 8 Uhr Guide Thielscher D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: SCALA Der blonde Traum 8 Uhr: VARIETE. 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Freitag, 6. März 1923 bestimmungen noch angemessen find. Die Straffage werben wohl wejentlich heraufgesett merben müssen. Jeder Raubbau set verwerflich. Darum dürfe auch an der Arbeitskraft nicht Raubbau getrieben werden, die das wertooliste Gut des deuts fchen Boltes fel. Regierung und Parteien follten zufammenarbeiten, um die Bergarbeiter gegen die fie umlauernden Gefahren zu schüßert. ( Lebhafter Beifall) Ich habe das Oberbergamt angewiesen festzustellen, in welchen Bechenteilen angesichts der besonderen Gasgefahren das Schießver fahren sofort verboten werden muß. Wir werden prüfen, ob in den gefährlicheren Betrieben das Schießverfahren in Zukunft nicht fiber haupt verboten werden muß.( Beifall.) Es hat fich ferner erwiesen, daß als sicherstes Mittel zur Bekämpfung der Kohlenstauberplosionen das Gefteinstaubverfahren anzusehen ist, mit dem wir in Deutschland leider bisher etwas im Rüdstand geblieben find. In einem Erlaß habe ich das Oberbergamt Dortmund angewiesen, sofort eine Verordnung auszuarbeiten, durch die dieses Verfahren obli. gatorisch in den gefährlichen Bezirken eingeführt werden muß. Bis zum 1. Mai b. 3. muß es überall eingeführt sein. Weiter wird erwogen, die Zahl der Sicherheitsbeamten in den gevorzunehmen, daß sie auch das Vertrauen der Belegschaften haben. Es wird erwogen, die Ausbildung der Schießmeister zu verbes bessern. Die Belegschaft soll auch über die ihr drohenden Gefahren besser unterichtet werden. Es wird auch zu prüfen fein, ob die Straf Aussprache im Landtag Regierungserklärung. Im wetteren Verlauf der geftrigen Landtagsfizung wurden die Gefeßentwürfe betr. Gehaltsaufbefferung für evangelische und tatholische Pfarrer dem Ausschuß für Beamtenfragen überwiesen, nachdem der Entwurf von sosialdemofratischer Seite abgelehnt worden war, weil er über die Bugefiändniffe der Reichsverfaffung hinausgeht. Darauf hat der Landtag den fozialdemokratischen Antrag betr. Einfegung eines ständigen Aus: fchuffes für Wohnungs- und Heimstättenwesen unter der Bezeichnung Ausschuß für landwirtschaftliches Gieblungsfährdeten Betrieben zu erhöhen und ihre Auswahl in der Weise wesen" angenommen. Die Genehmigung der Strafverfolgung des Abg. Brandenburg( Soz.) wegen Beleidigung wird versagt, die Genehmigung zur Vernehmung des Abg. Richter Lichtenberg ( S03.) als Zeugen in einer Straffache wegen Beleidigung des Reichs: präsidenten wird erteilt. Darauf folgt die Aussprache über das Dortmunder Grubenunglüc. Nach Ausführungen der ( Soz.)[ vgl. ( Box) feat. Hauptblatt), Eifert( 3.), Sobitta( Komm.), Hein( Onat) Munition für den Wahlfonds! und Riedel( Dem.) führte Handelsminister Dr. Schreiber aus: Zur Behebung der ersten Not hatte die Regierung sofort 100000 Mart ausgefezt und dann find aus privater und öffent ficher Hand reiche Spenden geflossen. Zur Berteifung der Spenden ist ein Ausfuß eingesetzt worden, in dem auch ein Vertreter der Zechenverwaltung und zwei Bertreter des Betriebsrates figen. Es find etwa 670 000 m. zu verteilen. 20 000 2. find fofort abgezweigt worden, um die allerdringendste Not zu findern. Ein besonderer Beirat ist dem Ausschuß angegliedert worden, der die Frage prüft, wie weit es notwendig ist, den Hinterbliebenen neben der knappschaftsversorgung dauernd eine Hilfeleistung zu gewähren. Die Knappfchaftsrenten sind verschieden, je nach dem Familienstand und nach der Beschäftigungsdauer der Opfer. Dle Renten schwanken zwifchen 25 und 200 M. monatlich. Nach der Novelle zur Reichs. perficherungsordnung, die jezt im Reichstag beraten wird, follen ote Monatsrenten zwischen 56 und 250 m liegen. Nach einem Beschluß des Verteilungsausschusses foll die Hilfe über den Kreis der Beteiligten an der letzten Katastrophe hinausgehen. Es foll ein Fonds abgezweigt werden zur Linderung fünftiger Kofftände der Bergarbeiterfamilien aus Anlaß von Unfällen, wie fie in der Tagesarbeit im Bergbau vorkommen. 30000 M. find ferner abgezweigt worden für diejenigen, die am Rettungsmert beteiligt gewesen find.( Beifall.) Unsere Hauptforge aber muß es fein, neben der Fürsorge für die Hinterbliebenen, daß die Lebenden im Bergbau vor fünftigen Ge fahren bewahrt werden. Ich glaube versichern zu können, daß die Staatliche Bergverwaltung überall dort, wo ein schuldhafter Berstoß gegen die Sicherheitsvorkehrungen festgestellt werden fann, mit aller Schärfe durchgreifen und die Schuldigen zur Verantwortung ziehen wird.( Beifall.) Nach den bisherigen Feststellungen ist damit zu rechnen, daß der Ausgangspuntt bes Unglücs eine Schlagwettererplosion auf 103 Otto gewesen ift, die fich nachher in einer Rohlen ftauberplosion fortgesetzt hat. Nach den Erfahrungen, die wir auch bei diesem Unglück wieder gemacht haben, wird die Schleßarbeit wenigstens in den gefährlichen Zechen nicht in dem bisherigen Umfange weiter geduldet werden können. Der Repräsentant der deutschen Republik ist uns verloren gegangen. Es gilt, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die übergewaltige Masse des deutschen Boltes wünscht ein neues cerfaffungsmäßiges Oberhaupt der deutschen Republif, das mit dem Geifte und dem Willen, mit dem Berantwortlichkeitsgefühl eines Fritz Ebert ein getreuer Edehard der deutschen Republik sein soll. deutsche Bolt, Männer und Frauen, Republikaner und Monarchisten Nur wenige Wochen scheiden uns von dem Tage, an dem das zur Ürne fchreiten werden, um für sieben Jahre den Mann zu wählen, der Deutschland der Welt gegenüber verfinnbildlicht. Es wird ein Streben fein um die Zukunft Deutschlands, um wird ein Streben fein um die 3ufunft Deutschlands, um die Geftaltung der deutschen Reichsverfassung. Es kann der Entscheidungskampf werden zwischen der Monarchie, die dauernd der Vergangenheit angehören und der Republit, die die Hoffnungen des freiheitliebenden deutschen Bolkes erfüllen soll. Alle, die im Intereffe der Reaktion, der Bevor rechtung der früher herrschenden Schichten wirken, werden unterstützt durch die ungeheuren Geldmittel, die die Schwerindustrie und das Großagrariertum für den Kampf um den Präsidenten zur Verfügung stellt. Eine außerordentlich verbreitete, vor feiner sich in Berleumdungen übertreffen bis zu dem Tage der Wahl. Niederfracht zurüdichredende monarchistische Presse wird Alle geistigen Kräfte in der Republit und vor allem in der Sozialdemokratischen Partei, der festesten Stütze der Republik, müffen angespannt werden, um aus dem fáhweren Kampf fiegreich hervorzugehen. Dazu ift nicht nur Arbeit und Mühe notwendig, die Opferfrendigkeit muß sich auch erftreden auf die Sammlung eines Stampffonds, der einigermaßen auch den ungeheuren Mitteln der Schwerindustrie und des Großagrariertums gegenüber in die Wagfchale fällt. Noch in diefem Monat foll die Entscheidung fallen. Deswegen gebt alle, raidh und reichlich für den Wahlfonds der Sozialdemokratischen Partei. Spenden werden erbeten an das Postichedkonto: Fr. Bartels, D. Wels,&. Cudwig, Berlin, Lindenstr. 3, Berlin 7918( Präsidentenwahn. Frühlingsahnen Darauf werden die Beratungen abgebrochen. Freitag 11 Uhr: Weiterberatung. Schluß 8% hr. Aus der Partei. Ein faarländischer Ergenoffe. Saarbrüden, B. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand Barteiausfchuffes, bie Landesratsfraktion und bie Brez fommission veröffentlichen folgenden Beschluß: Die gemeinsame Sigung der maßgebenden Parteiinstanzen der Sozialdemokratischen Partei des Saargebiets nimmt Kenntnis von ber in der rechts: bürgerlichen Preise veröffentlichten Erklärung bes ehemaligen Barteigenoffen und Geschäftsführers der Bolksstimme", erb. Dem in diefer Rundgebung gegen den Genossen Rebatteur Braun erhobenen unqualifizierbaren Vorwurf, daß feine Tätigkeit a unserem Parteiorgan als eine landesverrätertfche emp funden worden sei, stellen die Bersammelten unter Betonung three pollen, uneingeschränften Vertrauens gegenüber dem Genossen Braun die durch zahlreiche Tatsachen fast zur Gewißheit gewordene Borwurf mur deshalb erhoben und lanciert hat, am fein feit Bermutung gegenüber, daß der ehemalige Genoffe elb biefen langer Zeit an den Tag gelegtes Berhalten zu be mantein. We ausgetreten, und zwar als er glaubte, daß mit diefem s reits einmal ist Herr Feld aus der Sozialdemokratischen Bartei tritt ein geschäftlicher Berteil für ihn verbunden fel. Sein fehiger Austritt bedeutet ein 3uportommen gegenüber den Ausschluß aus der Partei. Es hat sich in den letzten Monaten mit zunehmender Deutlichkeit erwiefen, daß der ehemalige Genoffe Feld feine Partetzugehörigkeit dazu benutzte, um partei. längst nicht mehr bas Bertrauen ber großen Mehrheit ber Bartelhäbigende Beziehungen anzufnüpfen. Felb genos fon genossen. Nachdem in ber am 27. februar abgehaltenen Gigung der Breßkommiffion das System Felds aufgedekt worden war, öffeb ung und durch Austritt aus der Partei die ihm drohenbe Feld keine andere Rettung mehr, als durch infame Beriem. Siatastrophe abzuwenden. Wir überiaffen den Herrn Geld der ge bührenden Beurteilung der Parteigenoffen und auch derjenigen Bürgerlichen, die ein Gefühl für Anstand und Sauberfeit im politischen Leben haben." Minifferwechsel in Auftratien. Bundesstaates, besteht seit mehreren Jahren eine Regierung ber Arbeiterpartei. Ministerpräsident war feit 1919 Genoffe E. G. Thes dore. Er ist nunmehr von seinem Posten zurüidgetreten und die Arbeiterpartei hat zu feinem Nachfolger den Genoffen B. R. GilTies gewählt. In Queensland, einem der Gliedstaaten des auftralischen Der Rüdiritt Theodores hängt mit der Reise zusammen, Bie er im Vorjahre nach London unternahm, um mit ben englischen Banken über eine Anleihe zu verhandeln. Die Bedingungen, bie er dabei zugestehen mußte, murden von seiner Partei nicht ge denwoche in den Staatsbetrieben, die von Theodore abgelehnt billigt. Eine andere Streitfrage war die Einführung ber 44- Stun wurde. Er hat deshalb schon im vorigen Herbst seine Demiffion angeboten. Sonnenschein Leiser eiser Läden laden ein Sie laden ein sur Besichtigang unserer neu einge troffenen, entzückenden Frühjahrs- Neuheiten. Nachstehend nur einige Beispiele ganz besonderer Leistungsfähigkeit: Einspangenschuhe braun, la Chromleder, mod. halbrunde Form, echt Louis XV.- Absatz 1490 Einspangenschuhe 2 Knöpfe, braun, echt Boxcalf, neueste Form 90 12ºº Einspangenschuhe durchbroch., braun Boxcalfecht LouisXV.. Absatz, sehr beliebte Form 50 185 Einspangenschuhe braun, echi Chevreau, mit aparier Zierslepperei, moderne Form, halbhoher Absatz 990 Herren- Schnürschuhe aus feinem mode Nubuck mit braunen Boxcalf- Aufschlägen, sehr moderne Form 1950 T: Wirtschaft Sind die Deutschen Werke zu retten? Der Aufsehen erregende Beschluß des Aufsichtsrats der Deutschen Werke, diesen großen Konzern zur Beschaffung der notwendigen Krebite in feine einzelnen Bestandteile zu zerlegen und die Einzelbetriebe ganz oder teilweise der Privatindustrie auszuliefern, wurde von einem Teil der bürgerlichen Presse als ein Fiasto hingestellt. Diese Kritiker hätten recht, wenn es ein Fiasko ist, daß ein Werk zugrunde geht, dem man in der Zeit größter Kreditfnappheit und stärksten Kapitalbedarfs die notwendigen Mitte! vorenthält, um eine Neuorganisation erfolgreich zu gestalten. Berücksichtigt man, daß die Ruhrindustrie während der ganzen Inflation ungeheure Entwertungsgewinne aus ihren Reichshankkrediten zu ziehen vermochte, dann aber nach Abbruch des Ruhrkampfes noch 700 Millionen erhielt, denkt man ferner daran, daß in der Industrie und Landwirtschaft fich ein immerhin beträchlicher Kreditsegen bei der Einführung der Rentenmart ergossen hat, so wird man es verstehen, wenn andere Werke in Schmierigkeiten geraten müssen, denen eine gleiche Behandlung wie die ter Privatindustrie versagt wird. Das ist bei den Deutschen Werfen, wenn man sie im ganzen betrachtet, sicherlich der Fall. Ganz besonders trifft es aber zu auf die Kieler Werkstätten, die aus der ehemaligen Reichsmarinemerft hervorgegangen sind und die seit einiger Zeit das Schmerzenskind des Konzerns darstellen. Die Kieler Werft war wie alle die Werkstätten, die heute unter dem Namen Deutsche Werke zusammengefaßt sind, ehemals ein reiner Rüstungsbetrieb. Gie befaße sich ausschließlich mit dem Bau von Kriegsschiffen, beschäftigte damit vor dem Kriege 8000, im Jahre 1918 sogar 23 000 Arbeiter und ist später bis auf 6000 Arbeiter zusammengeschrumpft. Ben diesen 6000 Menschen arbeiten jedoch nur 60 Prozent, also 3600 für Schiffsbau und Schiffemaschinen. Die übrigen 2400 erhalten ihre Beschäftigung durch den Bau von Motoren, Triebwagen, Bootsbau und der= gleichen. Es hot selbstverständlich große Mittel erfordert, um die Umstellung allein von dem Kriegs- auf den Handelsschiffsbau vorzunehmen. Millionen wurden dazu verbraucht, zum Teil aus den Erlöfen, die man beim Verkauf von Material und Maschinen erzielt hat. Eine ffandallüsterne, im Dienste der Privatindustrie stehende Brasse hat daraus neuerdings mieder einen der jetzt modern gemordenen Korruptionsstandale herleiten zu müssen geglaubt. Wie mir von zuverlässiger Seite erfahren, sind die dahin gehenden Vorwürfe vollkommen unbegründet. 21s nach Unterzeichnung des Friedensdiftats die privaten Schiffsre dereien große Entschädigungssummen erhielten, mar das für die Werftindustrie ein einziger riesiger Auftrag. Die Werft der Deutschen Werke hatte davon nichts erhalten. Später gelag es durch private Bemühungen, eine Reihe von Aufträgen an die Werft zu bringen, die man in freier Konfurrenz erreicht hatte. Dadurch hatte die Werft eine recht stattliche Beschäftigung. Wenn aber die nech laufenden Aufträge erledigt sind Eas ist in der Zeit von Mitie März bis Anfang August der Fall dann müßte alles bisher im Schiffsbau beschäftigte Personal abgebaut werden. Zur Hereinbringung neuer Aufträge bedarf es erheblicher Kredite. Der Geldgeber, das Reich, vermei gert fie. Deburch setzt sie aber die Deutschen Werke in Nachteil gegenüber der privaten Werftindustrie. Diese lettere erhält nämlich aus Mitteln der produttiven Fürsorge Darlehen in der Gesamthöhe von 50 Millionen Mark zur Aufrechterhaltung des Schiffbaues. Sie erhält den Betrag. sbwohl an sie nicht die Forderung gestellt worden ist, die die Deutschen Werfe bereits erfüllt haben, nämlich einen großen Teil des Betriebes auf Produktionsgebiete außerhalb des jegt übersättigten Schiffsbaues umzustellen. Die dem Reiche gehörige Werft wird jo jeder Konkurrenzfähigkeit und selbst der Möglichkeit, Aufträge heranzuholen, beraubt. Man muß sich dabei vor Augen halten, mit welchen Schmie= rig feiten die Deutschen Werke in Kiel ihren Betrieb überhaupt aufnehmen konnten. In den Zeiten des Materialmangels wurden sie von den privaten Konzernen, die zunächst an ihre eigenen Verarbeitungsmerte lieferien, natürlich nicht mit übermäßiger Freundlichkeit behandelt. Klagen über unregelmäßige Lieferungen waren nicht selten. Obendrein brachte die Art der Betriebsorga= nisation für die Beschäftigung des Werfes Echwierigkeiten mannigfacher Art. Der Hanbeisschiffbau ist erft jungen Datums und mußte fich gegen eine heftige Ronfurrenz mit großen Anstrengungen durchfegen. Hinzu tam noch, daß die Verhandlungen über Aufträge im Schiffbau durch den bureaukratischen Inst a n3 en meg oft zum Scheitern famen, weil die Zentrale fich den Erfordernissen des Betriebes nicht immer anpassen fonnte. Erinnert sei hier an die viel vollkommenere Organisation und die größere Selbständigkeit, mit der die privaten Werften arbeiten. So find z. B. in der Deutschen Werft A.-G. die Konzerne Haniel, Hapag und AEG. vertreten; sie sind die Träger des Internehmens; die Werft aber ist selbständig. Im Gegensatz dazu mußte die Kieler Werft der Deutschen Werke sich oft über den Mangel an Selbständigkeit beklagen, der es in manchen Fällen perhinderte, daß die Aufträge hereintamen. Dabei ist der Werftbetrieb in Kiel nach seinen Selbstkosten trog der schwierigen Lage des Schiffsbaugewerbes durchaus konkur renzfähig. Wir haben niemals verkannt, daß von der Leitung der Deutschen Werke viel zum Ausbau der Unternehmungen getan worden ist. Auch die Organisationsfehler, die bei der Behandlung der Kieler Werft sich zeigen, fönnen dieses Urteil im ganzen nicht abschwächen. Sie beweisen muur, daß eben noch manches weitere zur Berbesserung getan werden kann. Und man würde ein derartiges Reformprogramm von vornherein zur Aussichts. Infigkeit verurteilen, wenn jetzt im entscheidenden Augenblick die notwendigen Mittel dem Kieler Betrieb verweigert werden, wenn so die 6000 Arbeiter früher oder später zur Beschäftigungslosigkeit verurteilt werden und das bis jetzt zur Neuorganisation der Rieler Betriebe aufgewandte Kapital einfach verpulvert ist. Die Privatindustrie freilich, die bei dem Kabinett Luther ein williges Ohr findet, sieht in diesem Unternehmen ebenso wie in der Automobilfabrikation der Deutschen Werte nichts als eine läftige Ronkurrenz. Demgegenüber muß das Reich auf dem Standpuntt sbehen, daß es feinen Besitz an Produktionsmitteln au mahren und zu fördern hat, nicht aber ihn durch eine finan ziell unbegründete Kredit- und Rapitalsperre derart unter Drud| fetzen darf, daß mertvolle Produktionsmittel verkauft oder sogar verschleudert werden müssen. Treten dazu die notwendigen betriebsorganisatorischen Maßnahmen, so fann eine ausreichende Gewährung von Betriebskapital dazu beitragen, den wichtigsten Bestand der ehemaligen Heeresbetriebe beim Reiche zu erhalten, anstatt sie der Privatindustrie preiszugeben. des bringen, und zwar gleichmäßig bei allen drei Gesellschaften. Des weiteren wurde in Aussicht genommen, im Einverständnis mit der Pschorrbräu A.-G. München, die mit ihr im Jahre 1922 einge. gangene Interessengemeinschaft mit Gewinnausgleich in Rücksicht auf die inzwischen eingetretenen wesentlichen Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, in der Form einer ge genseitigen Aktienbeteiligung unter Beibehaltung der beiderseitigen Vertretung im Aufsichtsrat umzuändern. Die Ge sellschaften glauben, durch diese losere Form der Verbindung ihre Eigenart und ihre Interessen besser wahren zu können. Brau- und Spritdividenden. Unter den Gewerbezweigen, die schon jetzt mit erheblichen Dividenden herauskommen, hat die Brauund Spritindustrie besonders günstig abgeschnitten. Die Aufsichtsräte Konzerns Ostwerte Schultheiß- PazenhoferKahlbaum beschlossen, den Generalversammlungen vorzuschlagen, die Papiermart- Kapitalien der drei Gesellschaften im Verhäinis von 4: 1 um 3 u stellen. Das Stammaktienkapital der Oftwerke A.-G. und der Schultheiß- Bazenhofer Brauerei- Attiengesellschaft würde sich somit nach erfolgter Umstellung auf je 25 Millionen Reichsmart belaufen, während das Stammaktienkapital der C. A. F. Kahlbaum A.-G. 20 Millionen Reichsmart betragen würde. Den General verfammlungen foll ferner vorgeschlagen werden, für das abgelaufene Geschäftsjahr auf die zufammengelegten Kapitalien eine Dividende von 10 Pro3, d. h. von 2.50 Reichsmart auf 100 Papiermark des bisherigen Papiermark- Attientapitals zur Ausschüttung zu weiter verarbeitet wird. Fords Pläne in der Tegfilindustrie. Die bekannte amerikanische Automobilfirma Henry Ford dehnt laut, Konfektionär" ihre textilindustriellen Interessen in den Vereinigten Staaten immer weiter aus. Auf eine ganze Reihe von Betrieben hat das Haus Ford durch einen Riesenauftrag auf 5 Millionen Yard Webs stoffe per Lieferung März- Juni maßgeblichen Einfluß gewonnen. Man will sich aber von dem Warenbezug aus fremden Fabrifen unabhängig machen und beginnt bereits in den Fabriken zu Detroit Textilmaschinen zur eigenen Herstellung der für die Autos mobilfabrikation benötigten Gewebe aufzustellen. In einer Reihe von Muiterfarmen betreibt der Ford- Konzern seit einiger Zeit erfolge reiche Flachsfulturen, deren Ertrag in den eigenen Fabriken 3 Tropfen Kaol Besonders angenehmer FrühjahrsAufenthalt 425 m ü. M. Metall- Oel- Politur besser als Putzwasser BADENWEILER Am 4. März verstarb nach längerer Krankheit der frühere Vorsitzende des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe Otto Sillier im Alter von 67 Jahren. Der Krieg mit seiner allgemeinen Not machte unseren Kollegen Sillier bereits. arbeitsunfähig. Deshalb beschloß der Verbandstag 1919 in Magdeburg, ihm die wohlverdiente Ruhe durch seine Pensionierung zu sichern. Otto Sillier war der Begründer des Verbandes und 28 Jahre Verbandsvorsitzender. Unter den schwierigsten Verhältnissen hat er in zäher, ausdauernder Arbeit den Verband zur Höhe emporgeführt. Als glänzender Agitator festigte er die Solidarität der Kollegen so stark, daß selbst zwei große Aussperrungen das feste Gefüge des Verbandes nicht erschüttern konnten. Otto Sillier hat zu jeder Zeit den ganzen Menschen dem Verbande und seiner Entwicklung zur Verfügung gestellt. Er war ein aufrichtiger und tapferer Streiter für die Rechte seiner Klasseng enossen. Auch als internationaler Berufssekretär hat er sich große Verdienste erworben. Sein Name wird in der Geschichte der Arbeiterschaft verzeichnet stehen. Die Mitglieder des Verbandes werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Berlin N 24, den 5. März 1925. Elsasser Str. 86/88 Der Verbandsvorstand der Lithographen, Steindrucker und verw. Berufe Die Beerdigung findet am Montag, 9. März, auf dem Friedhofe der freireligiösen Gemeinde, Pappelallee 16/17, nachmittags 3 Uhr, statt. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb am 4. März an Gehirnschlag meine treue Lebensgefährtin, unsere liebe, gute Mutter Marie Appelbaum 643b im Alter von 51 Jahren. Namens d. trauernd. Hinterbliebenen Reinhold Appelbaum u. Söhne. Schöneberg, Guzkowstr. 2. Die Einäfcherung findet am Sonn abend, den 7. März, nachm 5 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt Allen Freunden und Bekannten danken äscherung meines lieben Mannes und guten Vaters 187/20 Clara Horenburg und Sohn. wir herzlich für Teilnahme bei der EinBerlin, den 5. III. 1925 ( SÜDL. BAD. SCHWARZWALD) Thermalbad u.klim.Kurort Schnellzugsstation- Müllheim Strecke Frankfurt- Basel Ab Anfang April Kurkonzerte Theater Markgrafenbad offen ab 2. März Ausk. u. Drucks. durch die Kurverw. e Gen m. b. H. Abt 4 Bes.: Gebr. Joner Hotel Römerbad Das ganze Jahr offen Park- Hotel( vorm.Hotel Sommer) Bes.E.Gloeser Dir. E. Borges Altbek Fam.- Hotel, nächst Schwarzwald- Hotel 75 B: neb.kurhaus Kur- Hotel Saupe Kurpark. Bes. A. Saupe Hotel- Pension Engler Hotel Waldhaus ( Eröffnung 1 April) Heinke- Deininger, Eckerlin ( often) Für die bewiesene Teilnahme bei der Pensionen: Ehrhardt, Laengin, Roseneck lieben Mannes, Einäscherung meines unseres guten Baters und Schwiegerpaters, fagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten herzlichsten Dank! Helene Wangrin und Kinder. Abreißkalender 1925 Der in Tiefdrud hergestellte Kalender sollte in feiner Familie und in feinem Büro fehlen! Preis 2 Mart Su haben in der Buchhandlung J. W. Dies und in der Borwartsbuchdruckerei, Linden traße 3, ferner in allen Parteispeditionen.Bezirks ührer und Rasierer nehmen ebenfalls Bestellungen gern entgegen Berliner Tik- Trio Neukölln. 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Man war dümmer, unwissender- aber man war sicherlich nicht unglüfiicheri Ganz obenan unter den Geheimnissen rangierte ein Ding, fo unfaßbar den Gehirnen der großen Menge, daß es rund um das Ganderbare noch ehrfürchtiger zuging, als es vielleicht nötig gewesen märe: Die Börse! Man wußte nicht viel, fast nichts von ihr. Ja, man wußte, daß es in jeder Hauptstadt ein mächtiges Gebäude gebe, die Börse ge= heißen man wußte, daß eine gewisse Sorte von Menschen einen Beruf hatten- Börsianer waren Und das war eigentlich schon alles. Vielleicht war ich ein besonders einfältiger Mensch aber, bei Gott, ich wußte nicht mehr! Und es genügte mir. Niemals hatte ich unter dem Mangel an Wissen um die Börse zu ieiden. So geheimnisvoll wie die Börse selbst, stand es im Boltsbewußtsein um die Kenntnis des Börsianerberufes. Man machte sich so allerhand unklare Vorstellungen davon, was ein Börsianer eigentlich in seinem Beruf zu tun hätte. Was darüber durchfickerte, war fpärlich genug: Der Börsianer sigt in einem mit schwellenden Sofas ausgestatteten Brunfzimmer, vor einem riesigen Schreibtisch, eine Henry Clan- Zigarre im Mund, und schneide: Coupons" ·• Ich mußte naturlich auch nicht, was Coupons sind und warum man die zu schneiden habe! Es war nicht leicht, einzusehen, wie man von dieser, an sich unproduktiven Arbeit leben fönne und warum just Couponschneiden einträglicher sein solle, als meinetwegen Getreideschneiden. Aber so war es einmal, punktum, und was man nicht weiß, macht nicht heiß. Ich kann mir llebergänge ersparen und geradewegs dahin tommen, wohin ich eigentlich gelangen möchte! Die Borse ist heute fein so ängstlich gehütetes Geheimnis mehr, und es wird wenige unter uns geben, die nicht wenigstens für Perioden Börfianer gewesen sind. Freilich bis zum Couponschneiden ist keiner von uns gekommen. Der Börsianer von ehemals hatte neben vielen anderen Heimlichkeiten auch eine geheimnisvolle Sprache, die ihn davor schützte, allzu vielen Leuten Einblick in seine Welt zu gewähren. Es gab icherlich mehr Menschen, welche die Sprache der Estimos beherrschien, als solche, die sich im Börsenwelsch zurechtfanden. Seither hat sich das Verhältnis in das Gegenteil verwandelt die Sprache der Eskimos muß entschieden den Kürzeren ziehen! Es gab eine Beit, da wußten die offiziellen Bulletins von der Börse zu berichten, daß die Tendenz freundlich", oder die Grundstimmung heiter" sei. Langsam habe ich Sinn und Auswirkung dieses sonderbaren Barometers erfaßt. Wenn also unser Geld mieder um so und so viel weniger wert mar, die Kaufleute sich gezwungen fahen, ihre Waren hinaufzunumerieren, dann war für bie Börse eine freundliche Tendenz oder eine heitere Grundstimmung gegeben. Nicht sehr einleuchtend, aber man mußte sich abfinden! Man erzitterte als Kundiger schon, wenn sich die Börse nur gnt behauptet hatte was uns anderen nicht immer ganz leicht fiel. Diese Terminologie fonnte fich aber auch bis zum pathetischen Aus Luf fteigern wenn der Bericht zu melden mußte, daß die Börse eine feste Haltung aufweise. Es ging mit der Börse eben immer anders, als es uns erging. So freundlich, so heiter, so behauptet, so fester Haltung wie fie, find wir nun schon seit zehn Jahren nicht mehr gewesen. Im Gegenteil. Und dann gibt es auf der Börse einen Schranken", eine Ruliffe", einen Clearing", einen„ Berkehr". Alle Substantiva lingen uns bekannt um die Ohren aber das gerade ist das Einlullende dieser Terminus, daß wir uns weiß Gott was denken und nachher ist es etwas ganz, ganz anderes... Trotzdem fann ich mir schon so viel konstruieren, daß hier bestimmt nicht jene Echranken gemeint find, in die Carlos, Arm in Arm mit seinem Boja, die Menschheit fordern will, jene Kuliffe, an welcher Schieber um Tariflohn am Werke find, jener Verkehr, dem die Straße im hellen Sommerlichte zu dienen hat. Nur von Clearing weiß ich, daß es der ist, welcher sich jederzeit glatt abwickelt. 4] Im Kosakendorf. Von Marim Gorki. III. Auf dem Hofe des Militärhauses nahm man uns die Pässe ab. Zwei von der Gesellschaft erwiesen sich als paßlos, fie wurden in cine Ecke des Hofes geführt und dort in einen dunklen kleinen Stall gesperrt. Alles geschah leise und in aller Ruhe, als sei es etwas Gewohntes, Alltägliches. Die Frauen begaben sich nach dem dunkelsten Winkel der Hütte, wo sie, wie es schien, sogleich einschliefen. Der Pensaer tastete schnau bend die Wände und den Fußboden ab, verschwand dann und kehrte mit einem Arm voll Stroh zurück. Er machte sich auf dem festgestampften Lehm des Fußbodens ein Lager zurecht und legte sich, die Hände unter den zerschlagenen Kopf schiebend, wortlos nieder. " Seht doch, was für ein pfiffiger Kerl dieser Pensaer ist!" rief Konem neidisch. Heda, ihr Weibsbilder es gibt hier Stroh im Hofe... So hol' doch welches!" tönte es ärgerlich aus dem Winkel. Für euch?" „ Ja." ,, But, ich will mal zusehen." Er saß noch ein Weilchen auf dem Fensterbrett und redete etwas von armen Leuten, die in die Kirche gehen und zu ihrem Gott beten wollten, und die man statt dessen in einen Stall gesperrt habe. Ja! Und du sagst immer, die Menschen seien seelensgut! Nein, lieber Bruder, bei uns in Rußland wird's den Menschen sehr schwer gemacht, fromm und gut zu sein..." Und plößlich schwang er seine Beine nach der Straße hinüber, jprang ab und verschwand geräuschlos. Der Bursche aus Pensa war in einen unruhigen Schlaf verfallen, er marf sich auf seinem Lager hin und her, streckte die ungeschlachten Arme und Beine auf dem fnisternden Stroh weit von sich und stöhnte und schnarchte abwechselnd. Aus dem Dunkel tönte das Gefiüfter der Frauen, das trockene Schilf raschelte auf dem Dache, ab und zu erfolgte draußen ein Windstoß, und ein Baumzweig schlug gegen die Wand der Hütte. Wie leises Klagen und Trauern ging es durch die tiefschwarze, sternlose Nacht, deren Laute mehr und mehr verstummten. Dann schlug es zehn. Mitten aus dem Dunkel, aus jener Ecke, in die sich die beiden Frauen zurückgezogen haben, tönt wie ein ununterbrochenes riesendes Bächlein leises Geflüster an mein Ohr. Ich horche gespannt und suchte die Worte zu verstehen und die Stimmen zu unterscheiden. Auch eine„ Coniremine" gibt es. Die hängt mit Hausse und Baisse zusammen. Wenn der Börsianer an der Hausse zu viel verdient hat, dann geht er nicht etwa an die Riviera, sondern in die Contremine, um dort noch mehr zu verdienen. Das heißt, daß er einmal Bertrauen und das andere Mal keines hat, und daß er des halb kein Vertrauen hat, weil es schon zu viele haben. Kurz, es find verworrene Dinge, worin sich unsereiner nicht zurechtfindet, weshalb man es lieber sein läßt und sich nur insofern am Börsenspiel Der gemeinsame Kandidat der Rechtsparteien für die Reichspräsidentenwahl Sale Sand OTTENS. in kompletter Wechselkleidung je nach Bedarf. beteiligt, als man zu spät ein- und zu spät aussteigt. Nachher weiß man wenigstens, daß das Spiel an der Börse nichts für unsereinen ist, eine Erkenntnis, die allerdings gut bezahlt, aber nicht beherzigt werden muß. Manchmal kann allerdings auf dem Markt auch ein Tendenz umschwung eintreten. Dann ist Geld für gute Hände flüssig" und reichlich angeboten". Manchmal begnügt man sich in schöner Bescheidenheit mit Arbitragewerten" dann hellt sich das Börsenwetter auf, die zuversichtlichere Beurteilung tommt den„ Kulissen merten" zugute ,, Auslandskapital," Inlandsinvestitionen," | Beilage des Vorwärts Aktivität," Stüßung,"" Erholung,"" Transaktion," Mangel an Material,"" Deckungsfäufe,"" Meinungskäufe," lokale Käufe" vielleicht habe ich alles durcheinandergebracht aber ich sag's, wie ich's verstehe, und, bei Gott, ich verstehe nichts davon. Auch heute noch nichts von dem greulichen Börsenwelsch! Man kann mich in die Schranken weisen, Kulissengeheimnisse vor mir breit treten Tendenz bleibt stets unfreundlich. Bei mir hat sich nichts befestigt, tch tenne mich im Verkehr nicht aus. Meme als die Meinung, daß sich die Börse nicht gut behauptet hat. Der Ursprung der Daktyloskopie. Mit Unrecht gilt der Franzose Bertillon, der zuerst systematisch die vergleichsweise Messung von Fingerabdrücken, die sog. Daktyloskopie, im Erkennungsdienst der Kriminalpolizei verwendet hat, als Vater dieser heute allgemein und mit größtem Erfolg im Kampf gegen das internationale Verbrechertum angewandten Kunst. Neue Forschungen haben nämlich ergeben, daß Bertillon einen Vorgänger gehabt hat, der in der Person vpn Sir William Herschel, einem Nachkommen des berühmten Astronomien gleichen Namens zu erblicken ist. Herschel hatte als Beamter der anglo- indischen Kolonialverwaltung wiederholt Protokolle mit Eingeborenen aufzunehmen, die des Schreibens nicht tundig waren. Da er auf andere Weise keine Unterschrift von ihnen erhalten konnte, Deranlaßte er sie, unter die betreffenden Schriftstücke einen Abdruck ihrer vorher zu diesem Zweck mit Ruß geschwärzten Daumen zu fezen. Hierbei beobachtete er, daß jeder Abdruck bestimmte charatteriftische Einzelheiten aufmies, die ihn von jedem anderen in einer mit freiem Auge zwar taum vernehmbaren, aber gleichwohl scharf ausgeprägten Beise unterschieden. Freunden gegenüber rühmte sich Sir William Herschel oft dieser Zufallsentdeckung, auf die er mit Recht stolz war, wenn auch bei weitem nicht so sehr, wie es in Anbetracht der späteren Entwicklung gerechtfertigt gewesen wäre. Europäische Profitgier als Förderer der Opiumfeuche. Durch die Zeitungen geht die Nachricht, daß die sogenannte Opiumfonferenz in Genf zu scheitern drohe; verschiedene Staaten hätten bereits ihre Bertreter abberufen. Das europäische Publikum erfährt nur wenig von dem, was in dieser Konferenz hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Um so mehr ist es geboten, die Deffentlichkeit über die unhaltbaren Zustände im fernen Osten, die zur Einberufung einer Konferenz führten, aufzuklären. Seit Jahrzehnten wird ein stiller, aber zäher Kampf zwischen der chinesischen Regierung und den europäisch- amerikanischen Kapitalisten wegen der Einfuhrerlaubnis für Opium geführt. In China hat man erkannt, daß der Genuß des Opiums, das von den Europäern aufgedrängt und eingeführt wurde, zu einer Gefahr für die Bolksgesundheit würde. Versuche, die Opiumeinfuhr ganz zu unterdrücken, mißlangen. Die englischen Kapitalisten wollen das in Indien erzeugte Opium an die Chinesen ver taufen und die englische Regierung unterstüßt ihre Bestrebungen. Nun ist neuerdings ein Vertrag zwischen China und England geschlossen worden. Dieser sogenannte Opiumvertrag bestimmt: Das Gift dürfte eingeführt werden, sobald die englische Regierung nachweise, daß in China selbst Opium gebaut werde. Mit ungewohnter Tatkraft hat nun die chinesische Regierung jeden Opiumanbau bei Todesstrafe verboten. Nur die Bergvölker an den Grenzen von China und Tibet wagen noch dieses in Ostasien leider so geschätzte Gift zu erzeugen. Es wird ja hoch genug von seinen Liebhabern bezahlt. Aber auch sie müssen sehr vorsichtig beim Verkauf und bei der Einfuhr sein. Die Engländer senden gut bezahlte Spione ins Land, um die geheimen Mohnfelder ausfindig zu machen. Aber fie find so versteckt angelegt, daß sie selbst den findigen Augen dieser Späher entgehen. Unterdessen warten in Alt- England Opiumschiffe auf den Tag, da China wieder mit den Segnungen der europäischen Zivilisation beglückt werden kann. Australien in der Welt voran! Während man im bildungsstolzen Europa allenthalben bemüht ist, die Ausgaben für Bildung und Erziehung zu verringern, haben die Staaten des jüngsten Erdteils gerade in der Zeit nach dem Kriege der Pflege der geistigen Güter erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Die Ausgaben des australischen Staatenbundes für Erziehung, Wissenschaft und Kunst stiegen Don 1917/18 bis 1921/22 von 99,3 millionen auf 171 Millionen Gold mart. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, betrugen sie 1918 noch 391 m., 1922 schon 622 m. Im Jahre 1921 hatten die australi schen Staaten 9445 staatliche Volksschulen mit 26 120 Lehrkräften und 819 042 Schülern; mit anderen Worten: an einer australischen Schule haben im Durchschnitt schon 31 Schüler einen Lehrer, in Deutschland wird die Normalzahl einer Klasse wohl selten unter 40 betragen. So zeig's doch nicht, daß es dir wehtut!... sagte fest und| rebellisch gemacht und beinahe Brügel gefriegt... Da, halt mal!" bestimmt die Frau aus Rjäsan. Er reichte mir eine große Wassermelone und wälzte sich dann " Ja- a, wenn ich's nur ertragen könnte!." antwortet, sich selbst schwerfällig durchs Fenster. schneuzend, mit näselnder Stimme ihre Freundin. ,, Du mußt dich eben verstellen. Laß ihn ruhig schlagen und tu, als ob du gar nichts fühltest, als ob's dir sogar Spaß machte..." " Dann schlägt er mich tot " Lachen mußt du dazu, recht freundlich mußt du ihn anlächeln..." ,, Auch Brot hab' ich mitgebracht, einen ganzen großen Ranft. Meinst vielleicht, ich hab's gestohlen? Gott bewahre! Warum soll ich stehlen, wenn ich's erbetteln fann? Ich versteh' mich darauf, weiß an die Leute heranzukommen! Ich geh' und sehe: in einem Hause ist Licht, und die Leute sizen beim Abendbrot. Wo viele Leute sind, ist immer einer darunter, der ein gutes Herz hat... Na, und da mitgebracht. Heda, ihr Weibchen!" ,, Man sieht, daß du keine Schläge bekommen haft... Du weißt hab' ich denn tüchtig gegessen und getrunken und euch noch etwas nicht, wie das tut..." Ich weiß es schon, meine Liebe! Auch ich habe Schläge betommen, und nicht wenig. Hab' keine Angst, er wird dich nicht totschlagen..." Irgendwo in der Ferne schlug dumpf ein Hund an, schien einen Augenblick zu lauschen und brach dann in ein wütendes Bellen aus, auf das sogleich mehrere Hunde Antwort gaben. Wohl zwei Minuten lang hörte ich nichts von der Unterhaltung der Frauen, dann verstummten die Hunde, und das Geflüster der beiden rieselte weiter. ,, Bergiß nicht, meine Liebe, daß die Männer es auch nicht leicht haben. Wir armien Leute haben es alle schwer im Leben, man muß aber so tun, als ob's einem leicht fiele. „ Ach, du barmherzige Muttergottes! ,, Es macht sehr viel aus, daß die Frau immer ein freundliches Gesicht zeigt. Die Frau soll dem Manne, wie auch dem Liebhaber, die Mutter ersetzen. Versuch's nur mal; wirst sehen, daß er es seh: bald merkt! Und dann wird er vor den andern Männern prahlen: Ich hab'' ne Frau," wird er sagen, die ist immer so mild und freundlich, wie der Monat Mai was ich auch mit ihr anstelle! Nichts bringt sie aus der Ruhe, wenn ich ihr selbst den Kopf abschlage... „ Nein wirklich?" „ Ja, was denn sonst? So ist nun mal das Leben, mein Töchterchen..." Bon der Straße her lassen sich unsichere Schritte vernehmen, deren Geräusch mich am Hören behindern. Kennst du den„ Traum der Muttergottes"?" tönt es dann wieder leise. „ Nein Sie antworteten nicht. " " Schlafen wohl schon, die Hurentöchter? He, ihr da!" Was willst du?" fragte die Frau aus Rjäsan trocken. Wollt ihr ein Stück Wassermelone?" ,, Nein, wir danken." Konew schritt behutsam in der Richtung, aus der die Stimme fam, vorwärts. so ,, Oder ein Stück Brot?" fragte er.„ Weizenbrot, so weich und süß... wie du..." Die andere bat im Tone einer Bettlerin: Gib mir Brot.. 44 ,, Na also! Wo steckt ihr denn?" " ,, Auch ein Stück Melone möcht' ich haben... ,, Wo bist du eigentlich? Ich seh' dich nicht „ Oh!" schrie die Frau aus Rjäsan schmerzlich auf.„ Wohin reitet dich denn der Teufel, du Galgenstrick?" Schrei doch nicht. Es ist so dunkel hier..." " So zünd' ein Streichholz an, du Teufel!" Ich hab' feine Streich, hölzer, du Teufelin. Was ist schon groß dabei, wenn ich dich mal kneife? Dein Mann ist ganz anders mit bir umgesprungen! Hat dich wohl gehörig verdroschen, wie?" Was geh's dich an?" ,, Na, ich möcht's eben wissen. Ein Frauchen wie du..." „ Hör' mal... faß mich nicht an, sonst..." „ Was sonst?" Sie keiften und stritten sich lange, immer böser flangen die fue zen, spizen Redensaretn, mit denen fie sich bewarfen. Endlich rief ,, Den mußt du dir mal erzählen lassen, die alten Weiber wissen die Frau mit halb erstickender Stimme: ihn. Du fannst wohl nicht lesen?" ,, Nein. Wie ist denn dieser Traum?" „ Hör' zu " Draußen vor dem Fenster läßt sich Konews Stimme vernehmen: Seid ihr's, meine Lieben?" fragt er vorsichtig. Nun, Gott sei Dant! Ich hab' mich nämlich verirrt, Bruder, hab' die Hunde Ach, du räudiger Hund... was fällt dir ein?..." Ein Ringen im Dunkeln begann, und ein Klatschen, wie von Schlägen, die auf etwas Weiches trafen, ließ sich vernehmen. Konew ficherte lüstern, und die Frau aus Pensa sagte stanimelnd: „ Laßt doch den Unsinn, schämt euch was!..." ( Fortsetzung folgt.) A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust.... Pfund 65PL Kalbsnierenbraten.... Pfund 75P1. 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März. vorm. 10 Uhr, im Lofal von Schneider, Tilfiter Str. 22: Versammlung Ohne Mitgliebsbnch) tein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Achtung! Metallfartell Achtung! An alle organisierten Transportarbeiter der Berliner Metallbetriebe( BBM3.). Werte Koleginnen und Kollegen! Sonntag, den 8. März, vormittags 9% Uhr, in den„ Sophienfalen", Sophienste. 17/18: Transportarbeiter- Versammlung. Tagesordnung: 1. 3ft das fegt geltende Lohnablommen am 15. März An timbigen? 2. Aussprache und Besching faffung. 8useitt zu diefer Berfammlung Dat, wer in ben Metallbetrieben als Bader, Bager, Silfs- und Transportarbelter, Gaalbienec. Stran- und Fabritubl führer uit. ätig ist und sich als Mitglied einer Rariellorgan fation ausweisen tant Ohne Auswets tetn Etnlaß. Ce tirb ermastet, baß alle es als ihre Dornebunke Biht betrachten, beftimme und plintaich zu erscheinen. Das Metallfartell. 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