Nr. 110. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando t Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich I.io Ml., wöchentlich 33 Pfg. frei w's Haus. Einzelne Nummer o Pfg. Sonntags-Nummer mit tllustr. SonnlagS- Beilag«„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 3,30® l. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland 3Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post-geitungS- Preisliste für 1333 unter Nr. 7133. IS. Jahrg. ZnsertionS-Sebühr beträgt für die tünfgefpaltene Petttzetle oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Inserate für die nächste Nuininer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abacgebc» werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Tonn- und Festtagen bis o Uhr Vormittags geöffnet. Lerufprechrr: Amt l, Ur. HOS. Telegramm-Adresse: „Koiialdrmokrat KcrlI»!' Verliner VolKsSlall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Deutö-Straßc 2. Sonntag, den 12. Mai 1895. Krp-dition: SW.19. Wenty-Straße S. Die Umsturz-Uorlage abgelehnt! Des Nmstnrzgrsrhrs driitcr Ilinsturi. Tritter und letzter. Tenn heute ist der Rumpf des Umsturzgesetzes nicdergckuiippelt und der Kadaver des Wechselbalgs verscharrt worden. Verscharrt— ein ehrliches Begräbniß war's nicht, aber ein verdientes. Schon gestern war bekannt geworden, daß die Regierung die Schlacht siir verloren gab und nach einem Mittel suchte, um, ohne formelle Zlirückziehnng der Vorlage, den park- mentarischen Spießruthenlaus abzukürzen. Wir lassen nun unseren, unniittclbar vor und in der entscheidenden Sitzung geschriebenen Artikel folgen: Berlin, den 11. Mai. Verlohnt eS sich denn überhaupt uoch der Mühe, vom Umsturz dieses Umstnrzgesetzcs zu schreiben? Kann denn da noch von einem Umsturz die Rede sein? Ter Giftpilz, der sich so frech blähte und nach kurzer Herrlichkeit in seinem Eiste verfault, verwest— stürzt er um? Wird er um- gestürzt? Rein, er sinkt in sich zusammen, und da wo er gestanden, ist schließlich nur ein Häufchen schmutzigen, stir kcnden Moders. Und so ist's mit diesem Giftpilz von Un sturzgcsetz. Er sinkt vor unseren Augen zusammen— es ist kein Umsturz, es bedarf keines Uurstürzeus— das Ding verfault und verwest und wird bald ein Häufchen schmutzigen, siiukcudii. Moders sein, über das der Wanderer fürsorglich gehobenen Fußes hiiuvegschreitet, um sich nicht zu beschmutzen. Aber die Thatsache muß doch festgestellt, muß doch ge- würdigt werden. Tieser Giftpilz vermaß sich, ein schirmendes Tach über die sogenannte bürgerliche Weltordnung zu breiten, ihr eine feste Stütze zu fern, die nioderne Säule des Herakles, aus der die ganze Kulturrvelt ruhen soll. Er ist ein Stück Geschichte. Tie„Stütze der Gesellschaft" ist eine Echandsäule, welche die kapitalistische Barbarei sich gesetzt hat. Wer die Geschichte des Nieder- und Unter- ganges unserer Bourgeoisie— lebe sie in einer Republik, wie in Amerika und Frankreich, oder in einer parlamen- tarischen Monarchie, wie in England, oder in einem konstitutionellen Polizei-, Militär- und Junkerstaat, wie in Teutschland— schreiben will, muß diese Schandsänle als Froutispice auf das Zitelblatt bringen, denn sie steht ohne gleichen da in Gegenwart und Vergangenheit, sie ist die höchste Blüthe der kapitalistischen Tekadeuz. Und staunend werden die Weltbürger der Zukunft das Denkmal niit seinen Juschrisleu betrachten und sich fragen, wie war das möglich? Wie konnte es in dem Land, das einen Lessing, einen Schiller, einen Goethe, einen Kanl, einen Fichte, einen Marx hervorgebracht hat, hundert und sechs Jahre nachdem in Frankreich die B-. stille gestürmt und die Menschenrechte verkündet worden, noch Iseuillekoir. INnchdrua oevOol«»)' Berliner Marztage. Eine geschichlliche Erzählung von wt i ch e l Deutsch. Mit dem ganzen Ingrimm der Begierde, die sich um ihre Hoffnungen betrogen sieht, blickte Plüddemann das junge Mädchen an. Eben wollte er den eifer- süchtigen Groll seines Herzens in einem lebhaften Schluß- wort zum Ausdruck bringen, als von der Treppe her sich kräftige Mäunerschritte vernehmen ließen. Herein trat hinter dem glücklich lächelnden Schnick eine hohe, stattliche Männergestalt im Reiscmautel. Mmeu im Zimmer blieb der Fremde stehen und blickte in freudiger Erwartung, ohne ein Wort zu sprechen, auf Lotte. „Herr Härtung! Mein lieber, guter Hans!" rief diese, indem sie mit offenen Armen dem Fremden an die Brust flog. „Meine Lotte!" sagte Hans Härtung innig. Und seine starken Arme umschlangen den schlanken Leib des Mädchens, während die bärtigen Lippen in einem langen Willkommens- kuß auf ihrem Munde ruhten. Gotthold Plüddemann stand abseits und betrachtete mit gemischten Gefühlen die jugendlich schöne Gruppe. Noch niemals im Leben war er sich so erbärmlich klein, so überflüssig vorgekommen. „Hier ist das Geld," sagte Schnick, die eingewechselten Münzen ans den Schneiderlisch zählend. Soll ich den Meister rufen?"' „Lassen Sie nur— ich werde morgen noch'mal vor- sprechen. Möchte heute weiter nicht stören." Leute geben, die ans so tiefem geistigen Niveau standen, daß sie mit einem solchen Giftpilz den Fortschritt der mensch- lichcn Entwickelnug aufzuhalten vermeinten? Und wie war es möglich, daß diese Leute eine Regierung, das heißt eine über das Durchschnittsuivcan der Bildung und In- tclligenz sich erhaben dünkende Gruppe von Menschen finden konnten, die, nach Art der kannibalischen Fctisch-Anbeter, an die Allheilkraft dieses Giftpilzes glaubten? Doch überlassen wir der Zukunft das Urtheil. Wir habe» es mit der Gegenwart zu thuu, und mit dem Giftpilz, dem zwar schon ein erkleckliches Stück abgefault ist, der aber doch noch auf seinem fauligen Stengel steht, wenn auch erbärmlich geknickt und in sich zusammengesunken. Fort mit dem Eifipilz! Bis jetzt ist ja alles recht gut gegangen. Wir sind wirklich am Anfang vom Ende. Mag Herr v. Köllcr noch so vergnügt lächeln und auf unparlamcutarische Bereicherung des parlamentarischen Sprachschatzes sinnen— Thalsachen sind halsstarrige Racker, die sich auch von dem größten Polizei-Komiker und— komischsten Polizeimiuistcr nicht ans der Welt schaffen lassen. Und die Thatsachcn verkünden das beispiellose Fiasko der Hohepriester und Anbeter des Gift- pilzes. Niederlage der Regierung— mehr als Niederlage: terfahrenheit, Auseinauderfahrcn, Auslösung, Anarchie, lamage. Jedes Mitglied der Regierung opcrirt auf eigene Faust, und jedes bcu üht sich nachKräste», den vcrpfuschteuBrei noch mehr zu verpfuschen, die Regierung vor dem Laude und der Welt noch mehr bloszustelleu. Ter Justizminister erlheilte die Palme der Tcbatte dem Redner der Sozialdemokratie. Wein unter den Mimsterri wir die Stechpalme der Un- pcschicklichkeit darreichen sollten— wir wissen es nicht. Ter Jnstizminister war des Polizeiministers Werth, und der Polizciminister des Justizministers. Nie ist es dagewesen, daß ein Negieruugsvertreter einen so schmählichen Bettel- gang machte, wie der Justizminister beim Zentrum, und dabei so taktlos den verletzt, dessen Beistand er anfleht. Und nie ist es dagewesen, daß ein Ncgierungsvertretcr die Volksvertretung seines Landes, von der er einen Dienst wünscht, gröblich beleidigt und vor den Kopf stößt, wie es der Polizciminister sich hat zu schulden kommen lassen. Zur Verlheidigung eines sogenannten Umsturzgesetzes von höchster Stelle Aenßerungen, die in ihrer Pointe den Umsturz der Verfassung bedeuten! Und dieser Polizeimiuistcr, dieser Justizminister sind sich des Ernstes der Lage offenbar ebenso wenig bewußt wie der Rolle, die sie selbst spielen. Und das nennt sich„Regierung". Der schwache Greis, der Reichskanzler heißt und, ein Bild der Verlegen- heit und Hilflosigkeit, der Debatte nicht fclgen kann, geschweige denn in' sie eingreifen, sie lenken— ist das die Sprach's und strich schweigend das hingezählte Geld ein, uni es in seiner Tasche verschwinde» zu lassen. Dann schlich er an de» beiden Liebende» vorüber und verschwand ohne Gruß hinter der Thür. Jetzt ging langsam die Kücheuthür auf, und nach einander erschienen zuerst Ferdinand, dann Dora und zuletzt Meister Mathias. Verwundert blickten sie den Fremden an— sie erkannten Hans Härtung, den Freund Wilhclnis, nicht sogleich wieder. Ter lange, faltige Rcisemantel, die dunkle Pelzmütze, der in französischer Manier zugestutzte Bart— das alles hatte sein Aenßeres gar sehr verändert. Er sah eher einem unternehmenden Wclteroberer als einem schlichten deutschen Buchdrucker ähnlich. „Aber das ist ja Herr Härtung!" rief endlich Dora, nachdem Lotte ihrem Verlobten den Mantel abgenommen hatte. „Na, wer denn sonst, Dorchen?" fragte Lotte, die vor Liebcsglück über das ganze Gesicht strahlte.„Hans Härtung ist's, Väiercheu, mein Bräutigam und-- Dein Sohn!" Sie führte den Geliebten au der Hand zn Meister Mathias, der von dem stillen Vcrlöbniß der beiden heut zum ersten Mal hörte. Er schob seine Brille zurecht, be- trachtete Hans einen Monient gleichsam prüfend, mit, einer Art komischen Erstaunens und sagte darauf, indem er Härtung gerührt umarmte: „Willkommen, mein Lieber— herzlich willkommen!" Ferdinand hatte sich wie absichtlich ein wenig abseits von den anderen gehalten. Jetzt trat er mit altkluger Miene vor Härtung hin und sagte in drolligem Tone: „Del wechselt ja hier sehr rasch mit die Schwicger- söhne... erst Plüddemann, und denn Härtung— wer soll sich da noch auskeuncu?" Alle lachten über die Bemerkung des jungen Burschen, Regierung des großen deutschen Reichs, dessen Preßorgane eine stolzere, eine prahlerischere Sprache führen, als die irgend eines anderen Reichs? Hier kann blos ein Gefühl erweckt werden: Mitleid. Und die—„Regierung", die diese beispiellose Rolle spielt, mit ihrer Umsturzvorlage eine so beispiellose Niederlage erlitten hat— legt sie die Zügel des Staates in andere geschicktere Hände? Räumt sie die Bühne, auf der sie so wenig Lorbeeren geerntet? Fällt ihr nicht ein. Ter Herr Roichskanzler schweigt, der Herr Polizeiminister lächelt vergnügt, und der Herr Jiistizminister beißt sich auf die Lippen— aber auf ihrem Platze bleiben sie alle— gerade wie der Giftpilz von Umsturzvorlage, in dessen faulende Masse der Reichs- tag nun doch noch fest hineingreifen muß— aus politischen Sanitätsrücksichten. Und wenn Herr v. Köller noch graziösere Schnippchen schlägt, und noch vergnügter lächelt, und noch lustiger trällert:„Ein Bnrsck wie ich, was macht sich der daraus?" so mindert das die Blamage nicht. Im Gegentheil, es vcr- rößcrt sie nur. Regieren ist kein Ulk und der deutsche ~eichstag keine Korpskneipe. Niederlage und Blamage der Regierung. Und „Schweincglück" der Sozialdemokratie, um Haußmann's drastischen Ausdruck uns zu eigen zu machen. Nun, wie das Unglück eine Eigenschaft ist, so ist es auch das Glück. Ja, das Glück ist eine sozialdemokratische Eigenschaft— die Verehrer des Goldenen Kalbes, des Heiligen Acht- Millimeters und des gesellschaftsretteuden Giftpilzes mögen sich auf den Kops stellen, ihnen„will nichts mehr gelingen", und uns gelingt alles, und zwar brauchen wir uns gar nicht anzustrengen, denn, wenn wir einmal schlafen, so kommen die Heinzelmännchen, die Herren von Köller und anderen gleich liebenswürdigen Gönner, und arbeiten für uns. Unter dem Sozialistengesetz wurde von uns Herr v. Puttkamer feierlich zum Ehrenmitglied der Partei er- uannt. Herr v. slöllcr hat die gleiche Ehre verdient — und mancher seiner Kollegen und Helfershelfer.-- Trotz stoischer Unempfindlichkeit gegen Blamage und Lächerlichkeit merkt man in der heutigen— wieder sehr stark besuchlen Sitzung auf den Rcgierungsbänken doch eine gewisse Nervosität, die durch die Rede, mit welcher der schwäbische Demokrat H a u ß m a n n den Militärparagraphen zerfetzt, sicherlich nicht vermindert wird. Haußmann beginnt mit Geißelung der unkonstitutionellcn Aenßerungen des Herrn v. Köllcr, und bewirkt dadurch, daß dieser Herr, „die Hände in den Hosen, ihm die Rückseite zudreht"— was eine Lieblingspose gewisser„vornehmer" Herren zu sein scheint. Ist das auch keine Antwort, so ist es doch eine vortreffliche Selbstkritik— schneidender und tödtlicher als die des demokratischen Redners, obgleich dieser juristisch wie der sich um jeden Preis als Witzbold aufzuspielen suchte. Nur Vater Maihias drohte mit dem Finger, während Härtung den blonden Krauskopf an sich zog und lächelnd fragte: „Plüddemann? Wer ist Plüddemann?" „Ja, denken Sie nur, Hans", rief Dora lebhaft,„um ein Haar wäre Ihnen Ihre Lotte untren geworden.' Wenn i ch nicht die Augen offen gehalten hätte..." „Unser Hanswirth hat um mich angehalten", fiel Lotte der losen Schwätzerin ins Wort. „Ter eben zur Thür hinausging?" „Derselbe." „So, so— dann war's ja höchste Zeit, daß ich hier nach dem Rechten sah," meinte Hans Härtung, seinen Arm um Lotte's Hüften legend. Voll zärtlicher Rührung betrachtete Vater Mathias das schöne Paar. „Daß unsere gute Mutter diesen Tag nicht erlebt hat!" sagte er mit einem schmerzlichen Blick nach dem Bildniß der Verstorbenen. „Und daß sie unsern Wilhelm gerade heute in die, Jacke stecken mußten!" versetzte Florian mit aufrichtigem Bedauern. Die schnierzliche Erinnerung vermochte die freudige Stimmung nicht zu zerstören, sie gab ihr nur eine ernste, höhere Weihe. Sechs glückliche Atenschen saßen in dem engen Raum des düstren Schueiderstübcheus traulich bei einander, während im Vorderhause zwei selbstsüchtige Herzen sich in brütendem Groll verzehrten. IV. „Nun, und Ihr fragt nicht'mal, wo ich denn so lange gesteckt habe?" fragte Hans Härtung, nachdem die freudige Unruhe, die durch seine Aukuuft in dcni kleinen Kreise her- vorgerufen worden war, sich ein wenig eingelegt hatte. politisch die Vorlage nach allen Richtungen hin vorziiglich kritisirte, und namentlich das Regicrungs-„?Raterial" zur Begründung der Vorlage in seiner ganzen Nichtigkeit an den Pranger stellte. Gehe dieser ungeheuerliche Maulkorb- Paragraph durch, schloß Haußmann, dann sei das alte Kasernen-Jdeal erfüllt, daß das Volk blas die drei Pflichten habe:„Soldat werden, Steuern zahlen und Maul halten". Der K r i e g s m i n i st e r suchte sein„Material" zu retten und erklärte die Phantasie, welche vor 50 Jahren das prächtige Gedicht vom Zeughaussturm geschaffen, sei „hirnverbrannt". Freiligrath„hirnverbrannt"— greller konnte der Herr Kriegsminisler nicht die Kluft beleuchten, die zwischen der Zivilisation und dem Militarismus gähnt. Bebel ergriff hierauf das Wort und ging mit solcher Schärfe und so wuchtigem Material gegen die windige Makulatur und Sophistik der Negierung vor, daß das ermüdete, der Entscheidung zudrängende Haus noch eine Stunde lang gefesselt ward. Mit welcher Leichtfertigkeit diese Makulatur zusammengerafft worden, wies er Punkt für Punkt nach, brandmarkte die geflissent- liche Verwechselung von Sozialisten und Anarchisten, legte die Arbeit der Spitzel bloß, zeigte, wie der in dem Kommissionsbericht als fürchterlicher Kasernen- Propagandist ausgeführte Palm ein vom Niederwald- Prozeß her sattsam bekannter Polizei-Spitzel ist. Die ganze Voraussetzung der Umsturzvorlage sei falsch,— die Sozial- dcmokratie habe nicht die Taktik der Putsche, die Putsche seien blas ein frommer Wunsch unserer Feinde. An Provoka- tionen habe es nicht gefehlt; die Ansicht, daß es daS beste sei, die Sozialdemokratie vor die Achtmillimeter zu locken, sei in weiten Kreisen verbreitet.— Als Bebel den Geist der Gewaltthätigkeit, der in nicht sozialistischen Kreisen herrscht, durch einige Zitate veranschaulichen wollte, unterbrach ihn der fortschrittliche Vizepräsident Schmidt, der gerade den Vorsitz hatte, und meinte, blas das in der Regierungs- vorläge erwähnte Material dürfe verlesen werden. All- gemeines Staunen ob dieser Freisinnigkeit des freisinnigen Vorsitzenden! Noch eine kurze Rede des Herrn Kriegsministers, der wieder mit der Feuerspritze arbeitet, jedoch ohne das Stückchen Papier, genannt Z 112, für die Sicherheit des armen Kriegs- Heers nicht garantiren kann; dann eine Rede des national- liberalen Osann, der— nationalliberal spricht; eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der Kommission, und nun kommt das Ende vom Ende. Die„Regierung" hat sich wohl oder übel überzeugt, daß die Unisturzvorlage nicht zu retten ist. Eine nach der andern verlassen die Ratten das Schiff. Indem der Kriegsniinister erklärt, die Kommissionssassung nicht annehmen zu können, hat er der Vorlage das Todesurtheil gesprochen, s lk2 wird genau in derselben Weise zu Fall kommen, wie gestern tz III. Wozu da den Todeskampf verlängern? Ist es nicht gescheidter, gleich ohne Debatte den ganzen Plunder über Bord zu werfen? Abstimmung über Z 112. Nicht namentlich. Das wäre zu viel Mühe und Ehre. Für die Konimissionsfassung ist blos das Zentrum, für die Regierungsfassung nur die konservative Partei. Ehe das Hurrah! der Linken noch verklungen, bean- kragte Richter, das debattclose Begräbniß auch der übrigen Paragraphen— und M a n t e u f f e l unterstützt den Antrag. Und nun, im Handumdrehen, stiegt ein Paragraph nach dem anderen auf den Dunghausen, bis von dem Giftpilz nichts mehr übrig ist. Die Umsturzvorlage i st umgestürzt. Eine dritte Lesung ist abgewendet. Ter Wechselbalg ist todt, und das deutsche Volk hat dafür zu sorgen, daß er nicht wieder auferstehe! Er saß auf einem der hölzernen Stühle, den ihm Tora durch ein daraufgelegtes Sophakissen— das Sopha selbst war im Jahre vorher den traurigen Gang zum Trödler gegangen— in einen Polstersitz umgewandelt hatte. Meister Mathias, der Geselle und Ferdinand saßen oder standen um ihn herum, während die beiden Mädchen, die in der Küche für den Ankömmling einen Imbiß bereiteten, durch die geöffnete Thür aufmerksam ans die Reden der Männer lauschten, damit nur ja lein Wort der Unterhaltung ihnen verloren ginge. „Wo Tu gewesen bist, ist mir jetzt gleich," sagte Lotte, glücklich lächelnd—„die Hauptsache ist, daß Du heute hier bist, bei uns, uicd recht, recht lange bei uns bleibst." „So— also es ist Dir gleich, wo ich war? Und wenn ich Dir nun sage, daß ich auf geradem Wege von Paris komme, daß ich für die Freiheit des Volkes auf den Barrikaden stand und mir die Kugeln nur so um die Ohren pfiffen?" „Was? Auf den Barrikaden?" tönte es wie aus einem Munde. Alle horchten auf und sahen in höchster Spannung auf den Erzähler. Vater Mathias hatte vor Schreck die Lippen geöffnet' und die Hand aus Ohr gelegt, um sich zu überzeugen, ob er nicht etwa falsch gehört halte. „Ja, meine Liehen, auf den Barrikaden", fuhr Härtung lächelnd fort, während er den Eindruck beobachtete, den seine Mittheilung auf die Zuhörer hervorbrachte.„Wir haben ihnen gründlich heimgeleuchtet, diesen Spitzbuben, und Schuften, die, mit ihrem Häuptling Louis Philipp an der Spitze, das arme Volk der Franzosen lange genug ans- gebeutet haben. „Und für diese... diese Franzosen haben Sie sich ge- schlagen?" fragte Vater Mathias in einem Tone, von dem es noch ungewiß war, ob er mehr Erstaunen oder Ent- rüstung ausdrücken sollte.„Für diese Kerle, die unsere Erbfeinde sind, die unser Vaterland dazumal wie die Wilden überfallen und mir bei Leipzig meine gesnnden Knochen kaput geschossen haben?" „Für diese Kerle?" versetzte Hans mit dem Aus- druck ruhiger Ueberlegenheit in den großen dunklen Augen. „Nein, Vater Wernicke, für diese Kerle gewiß nicht. Im Gegentheil: diese Kerle sind es, die wir in Paris zum Teufel gejagt haben. Ich habe mich geschlagen für die Sache des arbeiteilden Volkes, für die Interessen des ausgebeuteten, besitzlosen Proletariats, die überall dieselben sind, in Frankreich wie in Teutschland. Was haben diese Millionen Franzosen, die gleich uns das Joch der Enterbten tragen— was haben sie uns gethan, daß wir sie als Erbfeinde betrachten und Beglaubiate Abschrift. In der Ctrassache gegen den Redaklenr Hugo Pötzsch zu Berlin, geboren am 18. November 1863 zu Colditz in Sachsen, evangelisch, wegen Beleidigung durch die Presse, hat die siebente Strafkammer des königlichen Landgerichts 1 zu Berlin am LI. Dezember 1834 für Recht erkannt, der Angeklagte Pötzlch wird wegen Beleidigung durch die Presse zu einer Gefängniß- strafe von 4— vier— Monaten und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurtheilt. Gleichzeitig wird dem königlich preußischen Kriegsminister die Besugniß zugesprochen, die Ver- urtheilung des Angeklagten auf dessen Kosten innerhalb 4 Wochen nach Zustellung des rechlskrästigen Urtbeils durch Einrückung der Urtheilsformel in den„Vorwärts", Berliner Volksblatt, an hervorragender Stelle öffentlich bekannt zu machen. Ferner wird angeordnet, daß alle vorfindlichen Exemplare der Nr. 173 der periodischen Zeitschrift„Vorwärts", Berliner Volksblatt, sowie die zu ihrer Herstellnng bestimmten Platten und Formen, soweit sie den inkriminirten Artikel überschrieben„das Beschwerderecht der Soldaten" betreffen, unbrauchbar zu niachen. Für richtige Abschrift. Berlin, den 11. Mai 189S. Sekretär. PoUfiftfie XloltciTutit. Berlin, 11. Mai. Wie der KriegSniimster liest. Ter Herr Kriegs- minister behauptete heute im Laufe der Debatte über das Umsturzgesetz— oder„Militärgesetz", wie er es, seine Eedankeurichtung verratheud, nannte—, der„Vor- wärts" habe gedroht, ihn— den Herrn Kriegsminister— „wie einen tollen Hund niederzuschießen". Ter Herr Kriegs- minister hat in seiner Aufregung entweder sehr falsch ge- lesen, oder das Gelesene sehr falsch aufgefaßt. Tie Notiz des„Vorwärts", um welche es sich handelt, findet sich in der Nummer vom 14. Januar d. I.; sie bezieht sich auf die bekannte Szene, in welcher der Herr Kriegsminister den Abgeordneten yüt nicht mißznversteheuder Geberde„die Spitze seiner Stiefel" zeigt. Mit bezug auf diese, von dem damaligen Präsidenten von Levetzow leider nicht gerügte— panto- mimische Aeußerung heißt es in der bezüglichen Notiz des„Vorwärts".:. „Die Geschäftsordnungs- Kommisiion des Reichstages wird diese Angelegenheit energisch in die Hand nehmen müsse». Was soll werden, wen» Vertreter der Regierung sich im Reichstage derartiges erlauben können? Dann würden wir bald„hinter- wäldische" Sitten habe». Die beleidigten Abge- ordneten wären dazu gedrängt, sich ihr Recht s e l b st zu verschaffen, und den Beleidiger, falls er von seine» Waffen Gebrauch macht, zusammenzuschießen wie einen tollen Hund. Wäre das wünschenswerth? Also scharfe Disziplinargewalt gegenüber den»nparlamentarischen Sitten, die man, seit der Lnkanisirung Caprivi's, im deutscheu Reichstage einführen will!—" Und diese Verwahrung gegen, und Warnung vor„hinterwäldischen Sitten" soll eine Aufforderung oder Ä n r e i z u n g zu solchen sein? Dieselbe Logik, die dieses behauptet, findet sich auch in den„Motiven" zun» Militärparagraphen des nun glück- licherweise abgehalfterten Umsturzgesetzes. Da brauchen ivir nach dem Urheber dieser famosen„Begrüudling" nicht länger zu suchen.— Für Herrn von Köller'S Zitntenfchatz. Am Donnerstag sagte Herr von Köller: „Ein anderer Abgeordneter, Stadthage», hat— die Herren sehen daran, wie die„Vertreter der Liebe" in Volksversamm« lungen sprechen— mit bezug auf die fehlende Inschrift des Reichstages den Text vorgeschlagen: Hier zahlt man die höchsten Preise für Lumpen.(Rufe rechts: Pfui!) Hieran knüpft die„Berliner Zeitung" folgende Reminiscenz: Weder Herr von Köller noch die Pfuirnser scheinen sich zu erinnern, daß es bei der letzten Parade des Bundes der Land- wirthe im Feenpalnst war, wo ein Redner den sinnigen Vor- schlag machte, die Inschrift zu wählen: „Vor Taschendieben wird gewarnt!" Ueber die Wahl in Weimar-Apolda lagen gestern schon Depeschen vor, welche den Sieg unseres Kandidaten Baudert meldeten. Heute Vormittag bestätigte das Wolff'sche Tepeschenbureau die Siegesnachricht und die meisten Abendblätter meldeten die Wahl Baudert's. Am späten mit unserem Haß verfolgen? Nicht s i e haben die Kriege gemacht, sondern jene Ausbeuter, die ihnen im Nacken saßen und die Instinkte des Volkes irreleiteten, uni sie für ihre selbstischen Klassenzwecke, für ihre eigene Schmarotzer- existenz nutzbar zu machen." Bleisler Wernicke schüttelte mißbilligend den Kopf— in seinem alten, von abgestandenen Vorurtheilen erfüllten Schädel, war kein Raum"für die neuen Ideen, die Hans Härtung vortrug. „Geht mir weg mit Eurem ausländischen Wcisheits- kram," sagte er unwillig.„Das sind wieder'mal welsche- Nüsse, wie dazumal, unter Napoleon, da nahmen sie auch 's Maul voll mit lauter schönen Worten, und wie's drauf und dran kam, da haben sie hier schlimmer gehaust wie die Räuber." „DaS ist nii freilich nicht an dem, Meister, mit den welschen Nüssen," ließ Florian Schluck, der den Worten artung's mit Spannung gefolgt war, sich in seiner singenden prechweise vernehmen.„Wir haben auch Deutsche, Preußen sogar, die den Mächtigen dieser Welt die Wahrheit sagen und die Armen über die wirklichen Quellen ihres Elends belehren." „Meinst den verrückten Kerl, den Weitling?" ver- Vater Mathias.„Hätt' lieber beim Bügeleisen bleiben sollen, he, he, statt dumme Bücher zu schreiben. Ein Schneidergesell! Ter soll wissen, was sich schickt für die Menschen! Hast den Kindern schon genug die Köpfe ver- dreht mit den dummen Schnurren!" Florian Schnick lächelte stillvergnügt über die ärger- licheu Ausfälle des Alten, die er nicht zum ersten Male zu hören bekam. Er war nicht wenig stolz darauf, daß er mit Wilhelm Weitling zusammen bei Meister Kodes in Magdeburg in der Lehre gewesen ivar. Schon damals, als Knaben, hatten sie einen Frenndschaftsbnnd miteinander ge- schlössen, und als dann später Weitling seine„Garantien der Harmonie und Freiheit" veröffentlicht hatte und als Messias der Armen und Elenden aufgetreten war, da hatte es Florian nicht länger in Berlin gelitten. Er war hinübergemacht zu dem Freunde nach der Schweiz, um mit der ganzen Hingebung eines schwärmerischen Herzens sich Weitling anzuschließen. Doch, weiß der Kuckuck, wie's zuging: sie kamen nicht so recht an einander, der feurige Wilhelm flog dem armen Florian sozusagen über dem Kopse weg, und so kehrte der letztere bald wieder zum Meister Wernicke nach Berlin zurück, bei dem er seit seinem zwanzigsten Jahre als Geselle ge- arbeitet hatte. (Fortsetzung fo�gt.) Nachmittage meldete aber sowohl eine Depesche' Welsf's wie ein Privattelegramm den Sieg des Kandidaten des Bundes der Landwirihe mit geringer Majorität. Sämmtliche vor- liegende Depeschen weichen in den'Stimmenzahlen so sehr von einander ab, daß sie werthlos erscheinen, so daß ans die amtliche Feststellung des Wahlergebnisses gewartet werden muß. Ter große Stimmenzuwachs unserer Partei ist aber trotz deS Wahlsieges der Gegner von hoher politischer Bedeutung.-- Zur Nachwahl in Köln- Stadt liegt uns folgende interessante Privatdepesche vor: Die Polizei verhinderte die Abhaltung der für Sonntag ge- planten Wählerversammlung im Zirkus Renz. Durch dieses behördliche Eingreifen ist das Zentrum vor der Krilik seiner skandalösen Reaklionspolilik und seiner lügenhaften Wahlmanöver geschützt. Tie Kölner Polizei nahm wohl an, daß das Zentrum schon Regierungspartei geworden sei.— Tie Wahl in Lennep-Mettniantt, bei der nach un- erhörten Wahlpraktiken der Gegner unser Genosse den vereinigten bürgerlichen Parteien unterlag, wird von unserer Seite angefochten werden. Die„Elberfelder Freie Presse" schreibt dazu:„Das eingesandte Material, welches, soiveit es nicht offenkundig nachgewiesen, durch hinlängliche Zeugen- angaben dokumentirt ist, war so schwerwiegender Natur, daß wir an einem Erfolg des Protestes nicht zweifeln. Mag ein neuer Wahlkampf auch wieder neue Opfer an Geld und Einsetzen der geistigen Kraft fordern, wir sind überzeugt, daß die Genosseu allerwärts unser Vorgehen billigen, und jeder sich gelobt, das seiuige zu thun, daß dann der Sieg unser ist."— Im 14. württembergischeu Reichstags Wahlkreise geht die Wirthschastspartei bei dem Zentrum ans den Stinimeiibetlel. Der Vorstand der Wirthschastspartei richtete an den Reichslags- Abgeordneten Gröber die Anfrage, ob es das Z e n t r u in nicht für angezeigt erachte, statt den S o z i a l d e»i o k r a t e n die Entscheidung der Stichwahl zu gunsten des freihändlerischen Demokraten in die Hand zu geben, die geübte Wahlenthalinng aufzuheben und den Ausschlag durch die Wähler des Zentrums zu gunsten ihrer eigenen Sache zu geben. Gröber hat nun diese Beitelei dahin beantivortet, daß das Zentrum nach wie vor Stimmenthaltung proklamiren werde, und wird wohl das Mandat in die Hände der Volkspartei übergehen.— Noch ein erledigter NeichstngSsitz. NuS Metz wird der„Frankfurter Zeitung" das folgende berichtet: „Der Reichstagsabgeordilete für Metz, Dr. Haas, weilt gegenwärtig in Berlin, um bei der zweiten Lesung der Umsturzvorlage im Sinne des Zentrums seine Stimme ab- zugeben. Unmittelbar nach Schluß der Session wird er sein Mandat niederlegen und nach Frankreich verziehen." Dr. Haas, der als Elsässer kanoidirt hatte, wurde mit 9395 Stimmen gegen Liebknecht, der 3458 Stimmen erhielt, und gegen einen antisemitischen Kandidaten, auf den 3407 Stimmen entfielen, gewählt.— Tie Schraube ohne Ende. In Essen, bei Krupp, ist dieser Tage ein Schiffs-Panzer probirt worden, der von keinem vorhandenen Geschoß durchbohrt werden kann. Der Panzer ist nicht so schwer, wie der bisherige. Sehr schön. Aber wie lange wird es dauern, daß der neue Panzer in einer neuen Kanone seine Meisterin findet? Seit Ansang der 00cr Jahre, wo— im amerikanischen Krieg— die Säsiffspanzernng zuerst in Ausnahme kam, dauert ununterbrochen das„Duell zwischen Panzer und Kanone". Dutzende und dutzende Mal hatten wir den„undurchdring- lichen Panzer", und stets nach wenigen Monaten kam eine Kanone, die ihn durchschlug. Dieser Kampf kam niemals zu einem definitiven Resultat führen, denn die Technik und Mechanik haben unerschöpfliche Hilfsquellen und, so lange die Völker so verrückt sind, für derartige Zwecke die nöthigen Gelder zu geben, wird jedem Panzer bald eine stärkere Kanone, jeder Kanone bald ein stärkerer Panzer folgen. Und jeder stärkere Panzer und jede stärkere Kanone kostet Millionen. Wie lange werden die Völker so verrückt sein?— PernfSziihsnng vom 14. Juni. Der Justizminister hat durch eine allgemeine Lerjügnng vom 6. d. M. angeordnet, daß am 14. Juni d. I., dem Tage der Berufs- und Gewerbezählnng, Termine, die die Abwesenheit der zu ihnen geladenen Personen von ihrem Wohnorte in der für die Zählung maß- gebenden Nacht vom 13. ziiiiiDil4. Jnni nothwendig machen würden, nicht abgehalten werden. Auch sollen die Schwur- gerichtsperiode» so bestimmt, nöthigensalls verlegt werden, daß die Geschworenen nicht genölhigt sind, in der bezeichneten Nacht von ihrem Wohnort abwesend zu sein.— Bcschrnnknng der Lehrfreiheit n»f Niiiverfitcitc». Konnten wir neulich zwei Stimmen ans dem westfälischen Paradies der Schlotbarone anführen, welche klar bewiesen, daß die Hetze gegen Genossen A r o n s viel weitergehende Ziele verfolgt, als die Entfernung dieses einzelnen Privat- dozcnten aus dem Lehrkörper der Berliner Universität, so stellen sich heute zwei Zeugen für dieselbe Wahrheil ans dem lieben Sachsen ein, der Hochburg deS reaktionären Philister- thums. Freilich sind die' Sachsen„helle" genug, z u n ä ch st nur gegen die Sozialdemokratie vorzugehen. So schreiben die„Leipziger Neuesten Nachrichteir": „Es mag zngegebeu werden, daß vielleicht nach de» be- stehenden Rechtsformeln ein Privatdozent allein durch das Eingreisen der Regierung seiner Stellung nicht enthoben werden kau»; dann beweist dies doch nichts anderes, als daß diese Formeln, die ans einer Zeit stammen, in der es keine Sozialdemokratie gab, veraltet und reparaturbedürftig sind. Nehmen wir doch einmal an, die Umsturzpartet sei sieg- reich geworden und richte sich nun»ach ihrem gusto ein? Ob wohl unter einem Unterrichtsminister Singer oder einem reetvr mngnificris Arons noch ein Treitichke oder ein Lamprechl Ge- schichte lehren und ein Lulhardt das Wort Volles verkündigen dürfte? Wir zweifeln recht stark daran, wünschen aber dem Staate, der noch heule siegreich ist, ei» wenig von jener Rücksichts- losigkert, die seine Gegner auszeichnet: wir wünsche» allerdings auch gleichzeitig, daß' diese Ri�cksichtslrsigkeit sich nicht, wie in der Umsturzvorloge, gegen die Freiheit des Geistes richtet, son- der» nur gegen die Freiheit des sozialdemokratischen Geiste s." Ueber die Ehancen des Herrn Trcitsckcke, Lamprecht und Lnthardt im„Znkunflsslaat" mag die Leipzigeriu beruhigt sein. Von Bedeutung für jeden, der es mit der Freiheit der Wissenschast ernst meint, sind die von uns gesperrt ge- druckten Zeiten. Die„Dresdener Nachrichten" müssen als Blatt der Hauptstadt die Leipzigerin natürlich noch über- trumpfen. Hier lesen wir: „Der Fall Arons steht beute' keinesfalls vereinzelt da: in romanischen und slavischen Ländern ist seit Jahren der sozial- demokratische oder anarchistische Professor und Dozent keine Seltenheit mehr und so mancher deutsche Universiiaisiehrer lieüe sich namhaft machen, der bewußt oder unbewußt unter dem Deckblatt der ,, freien Wissenschaft" den Tendenzen deZ Umstürze? Vorschub geleistet hat. Die Folgen davon sind sichtbar in der Thatsache. daß die Sozialdemokratie anch in studentischen Kreisen bereits einen festen Kern von agitatorisch thätigen Gesiniumgs- genossen anfzuwciscn hat..... Welche Entscheidung auch die philosophische Fakultät über die ihr vorgelegte Frage treffen mag. in jedem Falle, e v e» t n e l l d u r ch Abänderung der st a t u t a r i s ch e n Bestimmungen, muß dafür gesorgt werden, daß der staatlichen Slufsichtsbehörde das Recht zu- st e h t, in Zukunft gegen jede SU r t von Universitätsdozenten einzuschreiten, sobald dies im Interesse der staatlichen Autorität und Ordnung nothwendia er- scheint." Hier wird schon auf weitere Opfer des ministcriessen Vorgehens mit dem Finger gewiesen. Dafür, daß es de- sonders beschämend ist, wenn die Regierung des„Volkes der Denker" gegen Universitätslehrer einer bestimmten politischen Richtung vorgeht, während in romanischen und slavischen Ländern von einer Beschränkung derselben keine Rede ist, dürfen wir bei den„Dresdener Nachrichten" wohl kein Vcrständniß voraussehen.— Von einem gcmastrcgekten Geistlichen berichtet die Protestantenvereins- Korrespondenz, damit unsere oft aus- gesprochene Ansicht bestätigend, daß die Herren„Seelsorger" von den herrschenden Gesellschaftsklassen sehr geschätzt werden, solange sie die„Begehrlichkeit" k. des Volkes im Zaum halten und unzufriedene„Unterthancn" auf den Himmel verweisen,— daß die Herren Pastoren ihre geschützte Po- sition und ihre Pfründen aber sofort angefochten sehen, und cveut. verlieren, sobald sie anch einmal für's Volk ein- zutreten und ihre Büßpredigten einmal nach oben zu richten wagen. Ter unsere Auffassung bestätigende Bericht lautet: Auf einer Versammlung des Bundes der Lanbwirthe in einer pommerschen Kreisstadt kam u. a. die wirthschaflliche Lage der Sachsen ganger zur Sprache. Ein jüngerer Geistlicher, der weder der liberalen Richtung angehört noch den Beruf eines Agitators in sich spürt, hielt es für seine christliche Pflicht, gegenüber den absprechende» junkerlichen Reden ein gutes Wort für diese übel beleumdete Klaffe der Lohnarbeiter ein- zulegen. Einige Großgrundbesitzer hielten einen evangelischen Prediger nicht für kompetent, in solchen Fragen mitzusprechen. Die sittliche Qualität dieser Klasse von Menschen sei eher dazu angelhan, den Seelsorger zu veranlassen, sie zu strafen, als sie in Schutz zu nehmen. Besonders der„Landedelmann", der das Palronal über die Stelle des betreffenden Geistlichen in Besitz hat, verwies„seineu" Prediger nachdrücklich auf die schweren sittliche» Verstöße der eng bei einander hausenden Sachsengänger. Der Geistliche machte dem gegenüber gellend, daß jeder Stand an seinen Mängeln zu tragen habe, wie ja auch den ostelbischen Großgrundbesitzern zum Vorwurf gemacht werde, daß sie in der Auslegung des sechsten Gebotes kein sonderlich enges Geiviffen bekundeten. Diese Erörterung gab dem Patron Au- laß,„seinen" Prediger bei der vorgesetzten Behörde zu ver« klagen. Diese, die offenbar keine Schuld des Geistlichen darin finden konnte, daß er sich der bednuernswerthen Sachsengänger angenommen und mit der erforderlichen Ehrerbietung auch die Großgrundbesitzer an das christliche Ideal gemahnt hatte, zog die Angelegenheit in die Länge. Der Patron bestand aber aus der Maßregelung„seines" Predigers, und als die Provinzial- behörde seine Geduld zu lange auf die Probe stellte, wandle er sich kurzerhand an den Kaiser. Hier fand die Angelegenheit eine entgegenkommendere Benriheilung. Die betreffende Behörde wurde angewiesen, dem Geistlichen eine Rüge zu ertheilen. Die Behörde kam dieser Anweisung nach.— v. Manteuffel Vörsenspielcr— v. Mantenssel Börsen- beknmpfer. Anläßlich der Umsturzdebatie hat Herr v. Man- teuffel die Forderung erhoben, den Börsen-Grsetzentwurf vorzu- legen. Das nimmt die„Boss. Ztg." zum Anlaß, um aus de» kürzlich veröffentlichten Tageblättern Theodor v. Bernhardi's das folgende über den bekanntesten Politiker aus dem Hause Manteuffel, deu Ministerpräsidenten v. Manteuffel zu zitiren: Gegen ihn spricht seine Unpopularität. Und die hat ihre Gründe... Viele wissen, daß er selbst recht gut einsieht, wie seine Stellung längst vollkommen würdelos geworden ist, und sie verargen ihm deshalb doppelt, daß er sie nicht auf- giebt. Was ihm darin noch besonders in der öffentlichen Meinung und allgemeinen Achtung schadet, ist sein Spielen an der Börse. „Vossische Zeitung" und„Börsen-Courier" drohen bei diesem Anlaß mit Einhüllungen, die der Rechten unbequem wären. Was mögen die Briefsammlungen der großen Bankhäuser alles bergen, das in die Oesfenllichkeit gezogen den für Religion, Ordnung und Sitte kämpfenden Agrariern, diesen unentwegten Bekänipsern der Börse höchst unbequem fein könnte. So mancher von ihnen hat von de» süßen Früchten des Giftbaumes gekostet.— Bedingte Bernrtheiknng im Königreich Sachsen. Mit einer bedingten Verurlheilung, welche bekanntlich in Belgien Eingavg gisunden hat, versucht die sächsische Justizverwaltiing in der Forni Erfahrungen zu sammeln, daß sie die Slrasvollstreckungs- behörde» angewtesen hat, in allen Fällen, in denen jugendliche, d. h. solche Personen, die zur Zeit der That noch nicht das 13. Lebensjahr vollendet hatten, zu Freiheitsstrafen verurtheilt worden sind, zu prüfen und Entschließung zu fassen, ob wegen Erwirkung eines längeren Ausschubs der Slrasvollstrecknng zum Zwecke der Ermögllchniig einer Bewährung durch gute Führung Bericht aii das Jiislizniiiiisterium zu erstatte» sei. Stellt sich nach Ablauf der vom Justizniinister gewährten Frist heraus, daß der Venirtheilte wesentlich sich gebessert hat, so wird er dem König zur Begnadigung empfohlen. Ausnahmsweise sollen diese Be- stiininniigen auch gegenüber Erwachsenen Anwendung finden, und soscrn ganz besondere Umstände es angezeigt erscheinen lassen, daß schon die Erhebung der öffentlichen Klage ausgesetzt werde, so soll das Verfahren sinngemäße Anwe»d»iig flnden. Wir wolle» annehme», daß die letzte Bestimmuiig nicht für Duelle und andere Verbrechen der höbereii Klassen als Regel Aiiwendnlig siiide. Merkwürdig ist es jedenfalls, daß das König» reich Sachsen bei gemeinen Vcr>gehen humane glücksichten walten lassen will, während die politischen„Verbrecher" mit einem allzu scharfe» Schwerte verfolgt werden.— Tentsche Preßfreiheit in Elsaß- Lothringen. Dank der von Herrn v. Putlkamer so bochgepricsencn Preßsteiheit in den Reichslanden wurde am 6. d. M. der Rcdakienr des kalbolifche» „Mülhauscr Volksblatts", Herr H u g, zu 100 M. von der Eolmarer Slraskanimer verurtheilt, weil er in seinem Blatt berichtet hatte, daß eine Haussuchung über einen Zeitungs- artikel bei ihm stattgefunden hatte. Es anch»och in der Zeitung mitzutheilen, wen» inan mit einer Hanssiichiiiig beglückt worden ist, geht nämlich über die Befugnisse eineS Staats- bürgers in Elsaß-Lothringen.— Achtstinidkiitag in deu italienischen Nrsenaken. Der italienische Marineminister hat durch ein Dekret vom Februar verfügt, daß in allen seinem Ministerium unlerstellten Militär- Werkstätten der achtstündige Arbeitstag eingeführt werden soll. In den Werlstätten von Spezia und Reapel soll diese Verfügung schon versuchsweise zur Anwendung gekommen sei».— Moloch Militariömn««n Rumitule». De, rmnäniscbe Senat genehmigte den von der Kammer bewilligl«» Kredit von drei Millionen Franks für die Atllltnmq der FestungSiverk« und den GesetzentMlirf l-kitessttl» Si« Skga«ff>MSIs drZ große,, Gsneralstttb.?-— 3l«S Rnßkaud. Kein Tag vergeht ohne Nachrichten von brutalen Bergcwaltigungen im Interesse der„russischen Politik". Am Sonnabend ist das Gesetz promnlgirt worden, wonach die Erwerbung des Eigenthumsrechtes aus Immobilien außerhalb der Städte des Wolhymschen Gouvernements sowie des Besitz- und Genußrechtes über solche Immobilien, soweit dies aus Mieths- oder Pachtverträgen resultirt, den im russischen Unterthanen- verbände stehenden ausländischen Ansiedlern und Einwanderern aus den Weichselgouverncinents hinfort untersagt wird. Ans Warschau wird serner berichtet: Alle Lehrer und Lehrerinnen polnischer Nationalität, welche bisher an den privaten Knaben- und Töchterschulen Unterricht in Geschichte und Geo- graphie crtheilten, haben dieser Tage vom Kurator des War- schauer Lehrbezirks eine Mitthcilnng erhallen, wonach sie bis spätestens zum 1. Januar 1L9L ihre Stellungen niederlegen muffen. Tie Inhaber dieser Privalschulen dürfen vom Jahre 1896 ab nur noch Lehrer und Lehrerinnen russischer Natiöualität an ihren Anstalten beschästigen.— Ans Ostasie». Tie japanisch-chinesische Angelegenheit soll durchaus noch nicht vollständig geregelt sein, und es sollen allerlei neue Schwierigkeiten vorauszusehen sein. Japan scheint ans einer vorläufigen Okkupation von Port Arthur fest zu bestehen und weitere Zugeständnisse abzn- lehnen.— VKrlKMsnksverikhko. Abgeordnetenhaus. flö. Sitzung vom II. Mai 1395, 12 Uhr. Am Ministertisch: M i q n e l, v. H a m u, e r st e i n. In dritter Berathmig werden der Gesetzentwurf, betreffend die Fischerei der Ufereigenthümer i» den Privatflüssen der Rhein- Provinz, und der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Nussühningsgesetzes zur deutschen Zivilprozeßordnung vom 24. März 1879 und des Gesetzes vom 12. März 1369, betreffend die Ausstellung gerichtlicher Erlbescheiiiiguiigen, angin ommen. Es folgt die erste Berathung des Entwurfs eines Jagd- s ch e i>, g e s e tz e s. Abg. I,„walle(Z.) beantragt die Ueberweisung der Vorlage an die um 7 Mitglieter zu verstärkende Aararkommission. Tie Erhöhung der Jagdscheingebühr auf 20 M. ist gerechtfertigt, weck es sich hier um eine Lnxussteuer handelt und die Kreise nach der Aushebung der lex Huene»cue Stenerquellen erhalten müssen. Aber es fragt sich, ob eine gleiche Gebühr für die ganze Mon- archie richtig ist. Auch wegen einiger anderer zweifelhaster Fragen ist eine Kommissionsberathung»öthig. Landwirthschaftsministcr v. Hammerstei«: Die Borlage verdankt ihren Ursprung der Initiative des Hauses, welches bei der Berathung des Wildschadenlgesetzes verlangte, daß das Recht über die Erlheilung und Entziehung des Jagdscheines und die Höhe der Gebühr hierfür einheitlich für die ganze Monarchie geregelt werden müsse. Daß bei der Berschiedenartigkeit dieser Berbälticksse ein gleichmäßiges Recht dringend erwünscht und „othwendig ist, unterliegt keinen, Zweifel. Abg. Busch(1.): Die Erhöhung der Jagdicheingebühr wird auf dem Laude doch vielfach schmerzlich empsunde» werden, wenn man sie auch damit begründen kann, daß es sich um eine Luxus- steuer handelt. Wir werden in der Kommission beantragen, eine» Unterschied zwischen einem Jagdschein für die ganze Monarchie und einem lokal begrenzten Jagdschein zu inachen. Abg. Roclle(natl.) ist mit der einheitlichen Regelung der Jagdscheinsrage» für die ganze Monarchie einverstanden. Abg. v. Biilow- Wandsbek(fk.) schließt sich namens der Hälfte seiner Freunde dem Vorschlag an, einen billigeren n»d einen theueren Jagdschein zu bestimme», den erster«» für die, welche in ihrem eigenen kleinen Bezirk jagen wollen; der letztere kann nicht lheuer genug sei». Aus die Sonntagsjäger braucht man keine Rücksicht nehmen. Tie Vorlage wird einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die erste Berathung des von den Abgg. I ü r g e n s e n (natl) und Genossen beantragten Gesetzentwurss üoer die Auf- Hebung der Rückzahlungen der Gr und st euer- Entschädigungen. Danach sollen die Bestimmungen des Gesetzes wegen Aufhebung direkter Staatsstcnern vom 14. Juli 1893 über die Rückzahlung der Grundsteuer- Entschädig», igen ausgehoben und die bereits erfolgten Rückzahluiige,, aus der Staatskasse wieder zurückerstattet werden. Der Antrag wird nach längerer Diskussion einer Kommission von 14 Mitglievern überwiesen. Schluß 4'/4 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr. (Interpellation Ring wegen Einschleppung der Klauenseuche; Petitionen.) Unter dem Schutze der Zensur. Wieder einmal mußte man sich m Teutschland gegen Versuche vertheidigen, das Recht der freien Meinungsäußerung noch weiter zu verkümmern. Die Aera Köster bemüht sich, der Polizeizensur die Oberhand zu verschaffen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Keine Belbäiigung>„ Kunst. Wissenschaft und Literatur würde danach der Polizeizensur in irgend welcher Form sicher sein, wenn es»ach de», Wunsche des Herrn v. Köller und der Seinen ginge. Da kommt uns gerade zur gelegenen Zeit ein Dokument ans de», Jahre 1341 in die Hände, aus einer Zeit, in der das deutsche Bürgerth»», noch mehr Mark in den Knochen hatte, als heuizntage. Treffend wird darin das unheilvolle Wirken der Polizeizeiisur geschildert. Es sind keine Umstürzler, die es ver- faßt, nein, gute, sehr zahinngsfähige Bürger, die Spitzen des buchhändlerischc» Gciverbcs. Eine„Denkschrift über Zensur und Preß- freiheit in Dentschland" ist es, die gemäß de», Be- schlusse der Hauptversammlung des Bürsenvercins der dentschen Buchhändler vom 11. Mai 1841 von de», dazu erwähl!«,, außerordentlichen Ausschuß berathen und abgefaßt wurde. Die Denkschrist sollte die Regierungen zur Bewilligung der Preßfrciheil bewegen. Sie erinnert daran, daß die dculschc» Regierungen in der Zeit der Noih den Werth einer freien Presse für das Volks- wohl ausgezeichnet hätten kennen lernen können. Auf Seite 5 wird die Geschichte der Frage in neuerer und neuester Zeit mit solgendci, Worte» eingeleitet: „Als in den Jahren 1813/14 Deutschland zur Wieder- eroberung seiner verlorenen Selbständigkeit sich erhob, war, un- gcachlet der in den nicisten Staate» noch bestehende» Zensur- Vorschriften, die Presse lhatsächlich so gut als frei."---- „In jener Zeit war die Wichtigkeit der Presse für das Wohl, ja für die Rettung der Throne und Slaalci, zu be- summt durch die jüngsten Erfahrungen außer Zweifel gesetzt. als das die politische Anerkennung ihr hätte versagt werde» können. Die denlschei, Bnndesallen vom 8. Juni 1313 verhießen deshalb de» Völker» aller deutsche» Bundesstaate» Prcßsreiheit und setzten zugleich fest, daß�„die hohe Bnndesversamnckung bei ihrer ersten Znsammcnknnsr mit der Abfassung gleichförmiger Verfügungen über dieselbe sich beickäsligen werde?" Wie in diesen Worten, so zahm sie klingen, die wortbrüchige» Regierungen jener Zeit getroffen werbe», bte die erste Gelegen- heii benutzten, um die Presse zu knebell, anstatt sie völlig freizu- geben, so stoßen wir weiterhin auf Seite 17 deS Schriftstücks auf eine Kennzeichnung der durch die Zensur geschaffene» Preß- zustände, die sür den heutigen Tag geschrieben sein könnte. Damals wie heut« sioßci, w>r auf eine» rohen Mißbrauch des Worte gerade in denjenige» Preßerzeugnisien. die unier dem Schun« der henschmden Genau,» als deren Worisübrer auslrettn. Thums wu heule nurden die Gegner der Re« gierungen begeifert von Zeitungsschreibern, deren Reptilien- charalter dem Fürsten Bismarck de» Stoßseufzer erpreßte:„SU,,. ständige Leute schreiben nicht für mich." Damals hatte die Eeit- tassnng der sieben Göttinger Professoren, die den Verfassuugs- bruch des Königs Ernst August nicht gutheißen wollteii, die ossiziöse Preßmente auf die Beine gebracht. Hören wir einmal, wie über deren Gebahre» die Buchhändlerdenkschrift sich äußert: „Endlich dürfen wir noch die Bersasfiingswirren im Königreiche Hannover erwähnen. Auch bei deren Erörterung hat es nicht an Leideiischasllichkeit und Uebertreibung gefehlt, wenigstens nicht auf derjenige,, Seite, die die Zensur für sich hatte. Mit tiefem Unwillen müssen jeden rechtschaffenen Mann die Angriffe erfüllen, mit welchen die Anhänger des Staats» grunbgesetzes in Hannover in Zeitungsartikeln verfolgt, wie sie selbst mit unwürdigen Beleivignngen vor dem ganzen deutschen Publikum überhäuft worden stnd, ohne der nämlichen Mittel in gleicher Weise sich bedienen zu können, nock, zu wollen. Das war und ist in der That wirkliche Preßfrechheit, aber nicht eine solche, die in der reinen, gesunden Lust der wahrhaft freien Presse sich entwickeln und halten könnte, sondern eine solche, die nur unter dem Schutze einer die Feigheit und Charakterlosigkeit begiinstigendei, Zensur möglich ist. Schwerlich würden jene Lieferanten von Zeituiigsarlikelii so offen die weit- bekannte Wahrheit verhöhnt, so die Humanität verachtet, so allen Anstand. alles Schicklichkeitsgeckihl und alle Würde bei seile gelegt haben, wenn sie nicht im voraus gewiß gewesen wären, daß man es ihren Gegnern unmöglich machen und daß diese selbst es verschmähen würden. sich mit gleichen Waffen zu vertheidigen. Die Möglichkeit der Gefahr der Verleim, dung einzelner Individuen wird gewöhnlich als ei» Hnnptnachtheil der sreicn Presse angeführt; gerade jene Erscheinung aber„nd deren Erfolg beweisen anf der einen Seite, daß solche Verleumdung auch durch die Zensur keineswegs ausgeschlossen wird, vielmehr auch unter deren Herrschaft bei uns in hohem Grade stattfindet und in diesem Falle noch weit gehässiger und verletzender wird, weil die Zensur den, Anariffe größere Aorlheile als der Verkheidigung gestattet; sie beweisen anf ver andere» Seite, wie wenig ein nnbescholtener Mann von solchen Anfällen zu fürchten hat. Denn jene so höhnisch und bitter angegriffenen Männer sind trotzdem nach wie vor Gegenstand der Hochachtung aller Deutschen geblieben, ja sie sind i» der öffentlichen Meinung dadurch noch mehr ge- stiegen, daß sie diese Mißhandlungen ihres guten Namens gleich- müthig ertragen haben, ohne weder in der Verlheidiguiig ihres guten Rechtes zu ermatten, noch sich zur Leidenschasllichkeit gegen ihre Gegner hinreißen zu lassen." Klingt das nicht genau so, als ob jemand seiner Entrüstting Ausdruck verliehen hätte über das Treiben der ofsiziösen Preß- mente in der Arnim-Affäre oder in der Geffcken-Affäre oder, um in die neueste Zeit zu kommen, beim Fall Liebknecht und bei dem patriotischen Entrüstmigsrnminel nach dem Reichstagsvotmn gegen die Bismarckbeglückwnnschung? Den schlimmsten Miß» brauch mit dem gedruckten Wort haben von je die Leute ge- trieben, die sich die Gunst einer Geld und Aemter vertheilenden Regierung durch die Befehdung ihrer Gegner zu verdienen suchten. Das hat aber niemals die Regierungen abgehalten, über den Mißbrauch der Preßfreiheit durch die Oppositlou zu klagen, um die Nothwendigkeit von Zwangsmittel» zu beweisen. Wir brauchen auch kaum zu erwähnen, daß die Petition der Buchhändler ihren Zweck verfehlte. Erst das Jahr 1343 fegte die Zensur ans Teutschland hinweg. Unter anderen MaSken hat die Reaktion sie später wieder eingeschmuggelt. Und gegen den Zensorgeist, der in unserem Elaatswese» hernmrnmvrt. werden wir»och mauchen Strauß ausznsechten haben, bis er völlig gebannt ist. VorkeinorftviMten. Parteiliteratur. Aus den Reihen der Parteigenossen sind vielfache Wünsche ausgedrückt worden, anch die zweite Be» rathung der Umsturzvorlage in Broschürenform den weitesten Parteikreiscn zugänglich zu machen. Die Wichtigkeit der Materie und der bisherige Verlans der Debatte lassen diese Herausgabe angebracht erscheinen. Es wird deshalb Hest 3 der Nmstnrz» broschüre, das unter anderen die Reden von Auer und Bebel enthält, bereits am nächsten Donnerstag zum Preise von 10 Pf. zur Ausgabe gelange», dem in kürzester Frist Heft 4 als S ch l u ß h e f t folgt. Um die Auflage feststellen und damit rascheste Lieferung bewerkstelligen zu könne», bitten wir die Bestellnugen umgehend an die Buchhandliuig deS„Vorwärts", Beuthstr. 2, Berlin SW. gelange» zu lassen. Zur Handhabung des BcreiuSrechtS i» Meckleuvnrg. Die tonscrvative»„Mecklenb. Nachr." erliäreu in einer Polemik gegen de» freisinnigen Abgeordnete» Pachnicke, es gehöre eine erstaunliche Unverfrorenheit dazu, die„besonnene Handhabung" des mecklenburgischen Vereinsrechtes durch die großherzogliche Regierung nicht anerkennen zu wollen und stall dessen gar z» behaupte», die Handhabung des Vereinsrechtes sei mit verantwortlich zu machen sür das An- wachse» der Sozialdemokratie in Mecklenburg. Dagegen wendet sich nun unser mecklenburgisches Partei- Organ, die„Mecklen- burgische Volks-Zeitnng", mit folgenden Worten: So völlig nn- begründet ist jene Auffassung des Herrn Pachnicke denn doch nicht. Natürlich, ihre eigeniliche Ursache hat die»nachioolle Stell,,, ig der Sozialdemokratie in Mecklenburg genau so wie in andere» deutsche» Staate» i» den hiesigen wirtysebastlicken Zu- ständen. Aber das darf doch nicht verkannt werden, daß der Klassencharakter, ,vie er im öffentlichen Leben hier in Mecklen- bürg ganz„»verhüllt zu tage tritt, der sozialdemokratischen Agi- tation anßerordenilich fördernd gewesen ist. Wo es so mit Händen zu greifen ist wie hier in Mecklenburg, daß de» Besitzenden alle Vorrechte und alle Bortheile, dagegen den Besitzlose» lediglich das Recht des Mundhaltens und des stille» Duldens bcschieden ist, da gehört nicht allzuviel mehr dazu,»»> de» Unwillen gegen eiiieil solchen imgcrechtserttgiei, Zustaud�z» erwecke». Ter 7. Delegirtentag de? dänischen Landarbeiter- Verbandes, der letzthin in" R o s k i l d e abgehalten wurde und von 23 Verbänden durch 32 Delcgirte beschickt war, faßte in seiner Mehrheit zufolge einer Anregung deS Borstandes dieser Organisation folgenden Beschluß:„Inden, der Delegirtentag mit de», Vorstande erkennt, das, die ganze soziale Entwickelnng — darunter auch die wachsende Macht der Verbände der Unter- »ehmer— die Einheit der Arbeilerdewegnng»othwendig macht. die eine Hnnpibcdingnng sür ihre Stärke ist; daß es nur i» den Verbänden, deren Btiigtieder in größerem oder geringere», Grade von sozialistische» Idee» erfüllt sind, geglückt ist, eine wirklich lebens-; kräftig« Arbetterbewegling z» entfachen; daß die außerordentlichen Kräfte, die„othwendig sind, um den zahlreichen Landarbeiterstaiidzum Bewußlsein seiner SNenschenrechie zu erwecken und ihm die Be-; de, Illing des Znsanuncnscklnsscs zu lehren, nnr der Sozialdemo-� kratie innewohnen; daß die Sozialdemokratie i»ir insoweit, als sich ihr die Landbevölkerung anschließt, olle besondere» länd- ticken Interessen verstehen und in ansgcdehutcstem Maße wahr- nehmen lassen kann; daß die Landarbeiter nur durch inniges Zusammengehen mit den übrige» Arbeitern des Wahlkreises cS erreiche» können, eigene Vertreter in den Reichstag z» bringe»; in Erwägung alles dessen beschliebt der Telegirleittag, vom I. Jitt a» die fernere Herausgabe deS„ProgrammL" nnznftelU» und in Z»k»»st nur den(sozialdemokratischen)„Landarbeiter" zu empiehl»,,»nd für dessen allgemeine Verbreitung zu wirken. so>gik die kinzelueu Lokalverbände nnfznsoxhxrn, sich den sozial- vtnwna kochen Nr�eiterverewen in den einzelnen Agitation?- diftrikten anzuschließen." Ein kleiner Theil der Delegirten stimmte gegen die Aufforderung zum Anschluß an die Sozial- demokratie; dagegen wurde e i n st i m m i g angenommen, für die Verbreitung des„Landarbeiters" zu wirken. Aus Rück- ficht auf die Minorität, die sich bestimmt gegen den Anschluß an die Arbeiterpartei erklärte, wurde beschlossen, den Rahmen des Landarbeiter-Verbandes beizubehalle». Aber gleichzeitig beschränkte man das Geltungsgebiet dieses Rahmens auf lediglich sachliche Fragen. Der neugewählte Vorstand besteht aus fünf Sozialdemokraten. Im Grunde genommen, — schreibt unser Korrespondent— ist der Anschluß des Land- arbeiter-Verbandes an die Sozialdemokratie erfolgt; nur dem Einfluß einiger demselben angehörender linksliberaler Landtags- abgeordneter und eines Geistlichen ist es zuzuschreiben, daß eine formelle Trennung aufrecht erhalten wird. Die rmnüuische Sozialdemokratie hielt am 24. und 25. April ihren dritte»Parteitag ab. Er war von mehr als zwanzig Organisationen durch 84 Vertreter beschickt. Die gesaßten Beschlüsse betreffen die Wn'"aktik und die Taktik bei der Agitation; sie werden gewiß dazu beitragen, unsere gute Sache zu fördern. Als Muster gilt den Rumänen noch innner die Taktik der deutschen Sozialdemokratie. Versuche, die Be- wegung in utopistische Bahnen zu lenken, sind bisher stets gescheitert. Bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen soll eine rege Agitation entfaltet werden. Das allgemeine Wahlrecht — schreibt man uns— werden wir doch erkämpfen, den kon- servativen Liberalen und liberalen Konservativen zum Trotz. »* Dodtenliste der Partei.'In Dessau ist der Maurer Karl Woche einem langjährigen Leiden erlegen. Er war unter dem Ausnahmegesetz sehr für die Parleiinleressen thälig. I» Nürnberg hat ein treues Mitglied des Wahlvereins und des Metallarbeiter-Verbandes, der Schmied Nikolaus S ch o l t a n, die Angen für immer geschlossen. Er gehörte den genannten Organisationen seit deren Bestehen an. Einer der eifrigsten Förderer sozialistischer Ideen in Italien, der bekannte und geschätzte Schriftsteller Eduard Mattia, ist am 6. Mai iu Castellazo Bormida bei Alessandria gestorben. Als jltnger Mann gab er die geist- liche Laufbahn, die er anfangs eingeschlagen hatte, wieder auf und wurde Landwirth; zu gleicher Zeit widinete er sich dem Studium der sozialen Wissenschasien und der sozialistischen Pro- paganda. Die Halste seines bescheidenen Vermögens— 3000 Lire(2400 AI.)— hinterließ er seiner Mutter und die andere Hälfte der sozialistischen Partei; Testametttsvollsircclcr ist der Rechtsanwalt Turati. »* Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Die Zwickau er jueishaiiptniamischast wies die Be schwerde zurück, die der Parteigenosse R ohl ed er in Elnerberg gegen das Verbot der zum 24. Februar geplant gewesenen Ver sammlung eingelegt halte, wo Reichstags- Abgeordneter Frau Hofmann seinen Wählern Bericht über die Thärigkeit dcs Reichs lages erstalten wollte. Die Kreisbanplmannschast begründete ihre Zurückweisung etwa wie folgt: Es sei anzunehmen, daß Hosmani „auch" in der Elsterberger Versammlung die Gelegcuheit er greifen werde, zu„Gesetzesübertretungen geneigt zu machen" Dem Verbole könne nicht entgegengehalten werden, daß Hofman. lediglich seinen Verpflichtungen habe nachkommen wollen, seine Reichstagswählern Bericht über die Thäligkeit des Reichstages zi erstatten; denn ein derartiger, an sich wohlbei echligler Anspruch eines Reichstags-Abgeordneten könne nicht dazu führen, ihm auch hin sichtlich der Art seines Bortrages eine Auenahmestellung ein zuräumen und ihn nach dieser Richtung hin der Beobachtuuc gesetzlicher Vorschriften zu überheben, die alle» anderen gegen- über zur Anwendung gelangen.— Rohleder wird hiergegen weitere Beschwerde beim Ministerium des Innern führen. Be merkt sei hierbei, daß nach dem Erlöschen oes Sozialistengesetzes in keinem deutschen Staate mit Ausnahme Sachsens die Polizei den Reichstags-Abgeordneten je verwehrt hat, vor ihren Wähler Bericht abzulegen. Das Gegenthcil zu thnn und damit sici einen indirekten Ei ir griff in die Rechte des Reichstags zu erlauben, ist ausschließlich Gepflogenhen der sächsischen Polizei. — Der Redakteur der„Bergischen Arbeilerstinime" iu Solingen, Genosse Wilde, befindet sich nun schon seit sünszehn Monaten wegen verschiedener Preßsünden im„Schloß Bendahl" und noch kann er das Ende seiner„Strafe" nicht ab- sehen, da eine neue Anklage gegen ihn erhoben wurde. Tiesc gründet sich auf eine Notiz der„Bergischen Arbeilerstimine" über eine im Sommer 1893 in Erfurt vorgekommen, Soldatenmibhandlung, derelwegen der Unlerossizier Höge, zu acht Monaten Gefänguiß und zur Tegradation ver- urtheilt wurde. Ferner schwebt auch noch der bekannte Anchenei Cpiyelprozeß in der Nevisionsiustanz. Wilde entbehrt im Ge fängniß noch immer selbst der geringsten Vergünstigung, so das. selbst die wegen gemeiner Vergehen Bestraften sich unter Umständen besser stehen. Natürlich bekommt er auch keine Zeitung zu lesen. Jedenfalls ein werthvoller Beitrag zu dem Kapitel: Wie man uns behandelt. — Wegen Beleidigung des Brandenburger Magistrats wurde vom dortigen Landgericht der Redakteur der„Brauben- burger Zeitung", E. Simon, zu 150 M. Geld- oder 10 Tage Gefängnißstrafe und den üblichen Nebenstrasen verurtheilt. Te, Staatsanwalt hatte eine Zusatzstrafe von 4 Monaten zu de, bereits gegen Simon erkaunten 6 Monaten. unter Abrechnung von 1 Monat, beantragt, so baß Simon iiisgesammt 9 Monate zu verbüßen gehabt hätte. — In Kiel ist der Redakteur Brecour auf 14 Tage ins Gesängniß gegangen. — Wegen einer Rede in einer Versammlung in Sanders- leben ist gegen den Parlcigenoffe» Karl Schulze in Dessau ein Verfahren wegen angeblicher Majestätsbeleidigung anhängig. — Wegen Beleidigung des Abgeordneten Placke verurlheilte das Landgericht in Halberstadt den Parteigenossen G r e i n e r ans Aschersleben zu 50 M. Geldstrafe oder 5 Tagen Gesängniß. Di« Beleidigung war in einer Rede geschehen, die der genannte Parteigenosse in einer Prolestversamni u»g gegen die Tabak- steuer-Vorlage gehalten hatte, zu der der Abgeordnete Placke ein- geladen, aber nicht erschienen war, was Greiner als Feigheit be- zeichnete. Der Staatsanwalt hatte eine» Monat Gesängniß be- antrazt. — In H a n a u ist wegen des zuletzt verbreiteten Flugblatts gegen de» Parteigenossen Hoch als Verfasser und Verbreiter ein Strafverfahren eingeleitet wegen angeblicher Ausreizung ver- schiedener Bevölkerungsklnssen zu Gewaltthärigkeiten und wegen angeblicher wissentlicher Behauptung von erdichteten oder ent- stellten Thatsachen, um dadurch Staatseinrichtungen verächtlich zu machen. Suzialo ZUelievNclzk. AuS de» Arbeitsämter». Beim Arbeitsamt in Stutt- gart sind im April(dem ersten Monat seit dem Bestehen des Instituts) 1727 Gesuche um Arbeit eingelauien, wädreud nur 1372 Arbeiter gesucht wurden. 547 Gesuche von Arbeitern wurden erledigt, die übrigen 1180 Arbeiter erhielten keine Stelle.— Beim Arbeilsamt Ravensburg wurden, ebenfalls im ersten Monat, 232 Gesuche um Arbeit angebracht und 2ll Arbeiter gesucht; aber nur 65 Arbeiter waren so glücklich, Arbeit zu erhallen. Ans Osnabrück wird gemeldet: In der Prenzler'schen Schuhfabrik sind kürzlich Differenzen vorgekommen, die auch in Versammlungen besprochen wurden. Wie die Sache weiter ver- laufen, deutet folgender Entlassungsschein an. den die genannt« Firma ausstellte:' „Wir bescheinigen dem Zwicker P. P., daß dieser seit dem 27. April 1394 bis dato bei uns in Arbeit gestanden hat, dann aber von uns wegen grober Beleidigung, die er in öffentlicher sozial- demokratischer Versammlung über seinen Arbeitgeber ausgesprochen hat, sofo-'t ohne Kündigung auf polizeiliches Anrathen entlassen ist. Osnabrück, den 22./4. 95." Natürlich ist dieser Entlassungsschein ebenso ungesetzlich, wie die Handlungsweise der Polizei unter heutigen Verhältnissen nicht wunderbar ist. Goivevltsick, asNtdi es. Die Möbelpolircr Berlins werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Zuzug nach der Fabrik des Herrn Pr ä ch tel, Krausenstr. 31-32, fern zu halten ist. Die Kollegen sind wegen der Maifeier in genannter Fabrik gemaßregelt. Die Fach- kommission. Tie Barbiere und Friseure BraunschweigS befinden sich seit 7 Wochen im Kampfe mit de» Uniernebmern, um einen wöchentlichen Loh» von 6 M.(bei freier Station) und die Anerkennung des Gehilfen-Arbeitsnachweises zu erreichen. Die Unternehmer, speziell die Innung, wollen die Forderungen nicht bewilligen und es ist wahrscheinlich, daß nachdem, einem Beschluß der Innung gemäß, bereits der größte Theil der organisirten Ge- Hilfen gekündigt worden ist, weil deren Verein die oben erwähnten Forderungen vertritt, nun auch die übrigen entlassen werden sollen. Die Gehilfen wollen dem durch eine allgemeine Arbeits- niederlegung zuvorkommen, da auch die sogenannten Jnnungs- gehilfen sich ihnen angeschlossen habe». Sie richten nun an die Kaineraden in ganz Deutschland die dringende Aufforderung, bis auf weiteres kein Engagement in Braunschweig anzunehmen, und die Parteigenossen überall werde» ersucht, mir daiür zu sorgen, daß kein Barbier und Friseur in Brannschweig Arbeit nimmt. Bemerkt sei noch, daß die Lohnkommissio» Barbierstuben errichtet hat. wo die bereits Ausgesperrten beschäftigt werden. Obgleich in zwei Volke Versammlungen der Kampf der Gehilfen von der Allgemeinheil der Arbeiter sanklionirt worden ist, werden die Ansgefperrlen leiter noch zu wenig durch die Kundschaft der Arbeiter unterstützt. Es ist daher sehr zu wünsche», daß den ausgesperrten Braunschweiger Barbieren und Friseuren aus dem übrigen Deutschländ auch f i n a n z i e l l e Nuterstützung zugeht. Alle Sendungen sind zu richten an Albert Meyer, Höhe 14 in Brannschweig. Die deutschen Maurer werden dringend ersucht, nach Bergen(Norwegen) keine Arbeit auf Verschreibung an- zunehmen, da dort die Arbeit höchstens vier Sommermonate dauert und außerden» Arbeitslräsie genügend vorhanden sind. Im Gewerkschaftskartell in Halle theilte der Vertreter er AI ü l l e r g e s e l l e n am 3. Mai mit, daß sie bis dahin von der Sonntagsruhe noch nichts gespürt hätten. Das Kartell beauftragte seinen Vorsitzenden, die Sache dem Gewerbe-Jnspeklor mitzutheile». Ter Knopfarbeiter> Streik in Schmölln ist, wie im llltenburger„Wähler" mitgeiheilt wird, beendet. Die Arl eiler bähen vor allem erreicht, daß der sogenannte Einheitstarif nicht rls Maximaltarif, wie die Fabrikanten wollten, sondern als Miuimallaris gilt. Ter„Wähler" richtet nun an die siegreiche» Ar beiter die Mahnnng: Nehmt das Solid.'» ilätsgesühl, das Euch während des Kampfes beseelte, mit hinein in die F-brik; seid einig, einig, einig! Haltet feil an Eurer Organisation, eingedenk der Worte: Verei- zelt sind wir nichts, vereinigt alles! In einigeu Glaoee- Gerbereien Osterwiocks ist der Pochenlohn um 1.50 M. erhöht worden, ohne daß die Arbeiter .eu.öthigt worden wären, die Arbeil einzustellen. Zn giiustr» der Gehilfen beendet ist der Streik der Weiß gerb er der Röckel'schen Handschuhsabrik i» ?! ü»che n. Siebe» Dabakarbeiter der H e in si n s'schen Fabrik in Frankfurt a. O. wurd n plötzlich gekündigt, weil sie sich weigerten, außer den sebon von ihnen gefertigten Ueber-Zigarren (pro Tausend 40 Stück) solche, die beim Pressen u. s. iv. schad- hast geworden»varen, von neuem und zwar unentgeltlich zn überrollen. Tie Arbeiter wiesen das Begehren ab, weil sie bei den Löhnen, die der Fabrikant zahlt, so schon wenig genug ver- dienten. Die Textilarbeiter Fürths worn-rn vor Zuzug von B a» d w i r k e r». da eine Lvhaherabsetzung angekündigt und ein Kollege gemaßregelt worden ist. Die Banhandwerker Nürnbergs st-hen mit ihren Forderungen vor der Entscheidung und ersuchen deshalb um strenge Vermeidung des Zuzugs. Die Steiuarbeiter iverden ersucht, bis ans weiteres in Itavlhagen und Münchehagen, iowie in der Herren- leithe bei Pirna i. S. nnd bei dem Steinmetzmeister Gruber in Kassel nicht in Arbeil zu treten. Die organisirten Schmiede Deutschlands halten zu Pfingsten in Hamburg ihre fünfte ordentliche General- Versammlung ab. Eine GenossenschaftS-Bnchbinderei hat in Wien eine größere Zahl Buchbinder zu errichren beschloffen. Es handelt sich dabei um einen fabrikmäßigen Betrieb, ohne den es den Arbeitern natürlich noch schwerer als sonst fallen»oürde, mit den kapitalkräftigen Bürgerlichen zu konkurriren. Maßgebend iür den Plan ist das Bestreben, an einen, Institute, das von Arbeiler» gegründet und geleilet wird, zu beweise», daß die elenden und erbärmlichen Verhältnisse, wie sie heute zum größten Theile in de» Wiener Buchbindereien herrschen, nichts iveiter Is ei» Ausfluß der Profirgier und der Ansbeutiingssiicht der Unternehmer sind und am allerwenigsten in einem fabrikmäßigen Betriebe zu bestehen brauchen. Ob die Genossenschafis-Buch- bindere» den erhofften Ersolg haben wird, bleibt abz»lwarle». de»» ausschlaggebend ist bei solchen Dingen nicht nur der gute Wille, ti chliges zu leisten, sondern es gebört auch genügend Betriebskapital dazu, ferner dauernd einträchtiges und geschästs- kluges Wirken aller Betheiligten und endlich die Sicherung eines großen Kundenkreises- Ansstand der Uhrenarbeiter in der Schweiz. Die»n- ermüdliede solothurnische Regierung machr ungeachtet der mehr- fachen, refultatlos verlaufenen Konserenzen einen weiteren Versuch zur Beilegung des Konflikles. Beiden Parieie» wurde bereits ein neuer'Vergleichsentwurf zugestellt. Die schweizerische Arbeilerschakt hat bi-her gegen 4000 Franks für die ans- gesperrte» Uhrcnarbeiier gesammelr; die Buchdrucker-Gewerk- schaft„Typographia" i» Bern bewilligte allein aus ihrer Kasse 2000 Franks. Auf die leüten Erklärungen der Generalkommissio» gegen den Vorstand des U n t e r st ü tz u n g e v e r e i n s deutscher Tabakarbeiter erhalten»vir folgende Zu- schrille« mit der Bitte um Abdruck: I.„Wir erklären, daß der Vertreter der Generolkommission in der Thal sich»vörllich so ausgelassen bar,� wie wir geschrieben habe». Hierauf»nierpellirt, meinte er: Es ist doch natürlich, daß es so ist. denn die unsere Verlreler in, Reichslage sein sollen, sind entweder von Haus aus keine Arbeiler, oder haben aufgehört Arbeiler zu sein und können deshalb über Arbeilerverhällnisse sich kein richtiges Urtbeil bilben- Bei dem Berlreier der Generalkommissio»» scheint das Er- innernngsvermögen etwas schwacr ausgebildet zu sein, sonst müßte er wissen, daß obiges aus Wahrheit berubi und ferner es ihn» auch erinnerlich sein, was er als Antwort erhalten hat. ES ist ihm gesagt worden:„Sobald ein Arbeiter im Border- grund der Bewegung steht, ein Reichstagsmandat erhält, oder sonst hervorragend thätig ist,»vird er bald gezwungen sein, seine Stellung als Arbeiter aufzugeben. Uebrigens können die Bor- stände des Vereins der Böttcher und der auf Holzplätzen be- schäfligten Arbeiler die Wahrheit unserer Angaben vollinhalllich bestätigen. Wenn die Generalkommission den Satz„die englische Gewerkschaftsbewegung hat einen größeren Einfluß ans die dortige Arbeilerschutz« Gesetzgebung gehabt als die politische Arbeiter- beivegung Deutschlands aus die deutsche Arbeiterschutz- Gesetz- gebung" für richtig hält, so ist bis zur Berkennung der politischen Beivegung kein weiter Weg mehr. Wenn die englischen Arbeiter neben ihrer gewerkschaftlichen Beivegung eine selbständige politische Partei gegründet und er- hallen hätten, so wären sie schon längst bei der hochgradigen Entivickelung der wirlhschaftlichen Verhältnisse in England, mit der Arbeiterschntz-Gesetzgebung weiter, wenn nicht gar Herren der Situation gewesen. Der letzte Satz der Generalkommisflons- Erklärung,„Wir müssen diesen von dem Vorstand des Unterstütznngsvereins deutscher Tabakarbeiter unserem Vertreter gemachten Vorwurf mit aller Entscl iedenbeit zurücklveisen", enchält eine Anmaßung und seht zu gleicher Zeit ein unbegreifliches blindes Vertrauen in den von lem Vertreter der Generalkommission gegebenen Bericht, wie es wohl selten vorkoinmt. Wir sind mit drei Zentralvorstä�den zusammengewesen, als, wie milgetheilt, der Vertreter der Generalkommission seine Ansichten über die Arbeiterbewegung zum besten gab. Alle Vor- stände haben genau dasselbe gehört und da ist ein Jrrthum ans- geschlossen. Es ist ja auch garnicht mnrahrscheinlich, daß Anschnnn-gen, »vie sie hier gcänseit inerten, abgesehen von Angriffe» persön- liehe»' Natur, im Schooße der Gei.eralkommission vorhanden sind. Man brai cht nur die Autwolten der letzleren zu lesen, um zu diesem Schluß gelangen zu können. Mas Wunder, wenn ca der Verlreler her Geinrallvlnmvstou in logischer Konsequenz vor» handener Meinungen einen Schritt weilerging. Der Vorstand des Unierstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter. Wir»raren zugegen als die Verhandlung mit dem Vertreter der Generalto» miision stallsand nnd erklären, daß die Angaben des Vorstandes des Unierstützungsvereins denischer Tabakarbciter durchaus der Wahrheit enlsprechen. Der V o r st a n d des Zentralvereins deutscher Böttcher. I. A.: F. Sander. Der Vorstand des Vereins der auf Holzplätzen beschäsliglen Arbeiter. I. A.: Wilh. Wies e." H. Tie Generalkommission versucht in Nr. 105 deS„Vor- wärts" den Nachweis zu führen, daß a»lf der Halberstädler Gcneralversammlvng des Tabaknrbeitcr-Bereins der Beschluß ge- faßt worden sei, Beiträge an die Generalkommission abzuführen. In bezug ans die Beschlüsse der Generalversammlung in Nord- Hansen giebt sie zu, eiiieii Jrrthum begangen zu haben. Sie enlschuldigl denselben mit idrer Jugend, Aber auch in Halber- stadl ist ein derartiger Beschluß nichl gefaßt worden. Wenn die Generalkommission das Halberstädler Protokoll ausinerksam durch- liest, wird sie ihren Jrrihnm auch hier einsehen. Unsere Bebanplung, daß sich vier Fünftel aller Gewerk« schaflcn bei einer von der Geiieralkomwission veranstalteten Um- frage für Stattfinden elnes Gewerkschaslskongreffes erklärt hätten, ist ricltig. Hie, d s uns von der Generalkommission mittels Hektogramm zugislellte Resultat der Abstimmung: 12 Ocganisalione» mit 22 069 Mitgliedern stimmten für die Eriveiterung der Berathungsgegenstände auf dem von der General- koniniission einzuberufenden Kongreß; 22 Organisalionen mit 88 49l Milglieder» stimmten für Berathung dieser Gegenstände aus einei» Nebei kongreß; 6 Organisationen mit 72 190 Mitgliedern waren für Abhaltung eines Kongresses, jedoch gegen die Erwei'ernng der Berathnngegegennände, gleichviel ob letztere einem Nebeukongreß oder dem eigentlichen Kongreß unterbreitet iverden solle». Gegen das Stattfinden eines Kongresses, gleickiviel mit welcher Tag so»d»nng, stimmten die Vorstände von 9 Organisationen ilnl 37 704 Milgliedcri». Mithin waren für Abhaltung eines Kongresses 40 Organi- sotione» mit 182 730 Milgliedern, dagegen 9 Organisationen mit 37 704 Milglieder». Ter Kongreß mußte nunmebr fiallsinden, da nach den Be- schlüssen des H>4be»stäi ter Geiverkschaftskongrcffes(siehe Protokoll Seite 59) die Einberusung eines Kongresses stallfinden muß, wenn 8/3 der Gciverlschaslen es beaulragen. Dieses war geschehen, gleichviel ob die Generalkommission oder die Geiverkschasten dazu die Veranlassung gaben. Tie Generalkommission mußte selbst zugeben, daß eine Mehr- heit für Abbaliung eines Kongresses vorhanden»var; sie berief denselben nicht, weit das ResuUat der Abstimmung,»vie sie sich ausdrückte, ihre» An siebten nicht einsprach. Ihr Plan, Gegenstände zur Berntbui g z» bringen, deren Erörterung Sache der politischen Partei ist und bleiben ninß, gh'g nicht in Erfüllung. Deshalb »nlerblieb die Einberufung des Kongresses. Nunmehr stellte die Gcneralkou»üssio» folgende Fragen an die Vereiusvorstände: 1. Soll die Generalkommission am Schluß dieses Jahres einen eingehenden Bericht über ihre Thäligkeit geben? 2. Soll dieser Bericht in so viel Exemplaren hergestellt werden, daß jedes Mitglied der Gewerkschaften ein Exeinplar erhält? 3. Wird mit dieser Berichterstattung ein Gewerkschaftskongreß entbehrlich? Tie Fragestellung war an und für sich übeiflüssig, da die erste Abstimmung den Kongreß verlangle. Tie Arl der zweiten Fiagestelluug mußte, wenn man sie mit der ersten Umfrage ver- glich, nalurgeinäß, da es sich ja augenscheinlich nur um eine Bcrichlerstallung handelt, ein anderes Resultat zur Folge haben. Die erste Frage»vurde daher bejaht und die übrige» wurden verneint. So der Hergang der Suche. In» übrigen verweisen wir auf die nächste Nummer des„Gewerkschafters". Der Vorstand des U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n s deutscher Tabakarbeile r. (Tepescheii-Nureau Herold.) Frankfurt m i s s i o n schlüssig zu machen.(Beifall rechts.) Abg. Bebel: Wenn der Kliegsminister uns nicht provozirt hätte dadurch, daß er erklärte, ß 112 sei in erster Linie auf uns gemünzt, so hätte ich bei dem voraussichtlichen Schicksal der Vor läge auf das Wort verzichteu können. Ich muß das auch um so mehr, als in den Kouimissiousberlchlen zwar die Angriffe auf ni-i"e Person uild Partei verzeichnet sind, aber nicht unsere Widerlegm-gen, die in extenso wiedergegeben sind. Wir haben allerdings in der Kommission nicht darauf bestanden, daß unsere Ausführungen ausführlicher in den Bericht hinein- kommen. Was der Kriegsminister mir beute sagte, klang ganz anders als da?, was er meinem Parteigenossen Auer gegenüber vor ein paar Tagen geaaiworlet hat. Nach seinem ersten Worte konnte»na» sagen: Wozu der Lärm über diese Vorlage. Es war ihm nur darum zu lhuu, einen Witz zu mache», der die Lacher auf seine Seile brachte. Nach seine» Erklärungen in der Kommission und heule soll aber die sozialdemokratische Partei darauf ausgehen, in der Armee mehr und mehr Boden zu ge- winne», sie von innen heraus zu zerstören, damit, wenn einmal die Sozialdemokratie oder in einem bestimmten Momente ihr Programm verwirklicht, die Armee als der beste Schutz (er Staatsgewalt ihre Wirksamkeil versagen möchte. Die V-rlreler der Regierung haben eine ganz falsche Auffassung von der Stellung der Sozialdemokratie. In keiner Zeit, so laiige eine Sozialdemokratie in Deiitschland besteht, waren ihre Bestrebiingen>i»d ihr Programm wesentlich anders als heule. Die Sazialdeivokratie hat stets eine Uiugestallulig der Staals- und Gesellschaflsverhältnisse angestrebt und die heutige bürgerliche Gesellschaft mit allen ihr zu Gebote stehende» Mitteln bekämpft, weil diese in ihrer Entivicklung zur schwersten Schädigung und Unterdrückung der großen Masse der Bevölkerung hinausläuft. Insbesondere haben wir niemals Hehl daraus gemacht, daß wir die allgemeine Verbrüderung aller' Völker aus dem Wege der Jnternationalilät anstreben. Die Motive zu dem Sozialistengesetz von 1878 sind genau dieselben, wie die zum jetzige»§ 112. Es ist aber damals nicht dieselbe Forderuiig gestellt worden wie heute. Man sieht in dem Wachsthum der Sozialdemokratie eine ganz besondere Gefahr für den Zustand der Armee als Werkzeug der heutigen Staatsgewalt. Ich will nicht bestreiten, daß in demselben Maße selbstverständlich auch sozialistisch gesinnte Rekruten, Reserve-, Landwehr- und Landsturmmänner in die Armee hineinkommen und die Gefahr wohl besteht, genau so wie vor 180<) Jahren in Rom die Christen in der römischen A r m e e immer mehr die Oberhand gewannen, in Deutschland Männer mit sozialistischer Gesinnung bis zu einem erheblichen Bruchtheil die Armee ausmachen. Wollen Sie dies verhindern, so müssen Sie Wege betreten, durch welche die Forteutwickelung der Sozialdemokratie unmöglich gemacht wird. Wollen Sie dies und können Sie es nicht, so müssen Sie die Dinge gehen lassen, wie sie gehen und nur da einschreiten, wo über den Rahmen der gesetzlichen Einschränkung hinaus gegen das Gesetz gehandelt wird, wo die Armee zum Gegenstand von politischen Agitationen gemacht wird, die Sie als staatsaefährlich betrachten. Zum Beweise dafür, daß die Sozialdemokratie syfle.natisch daraufhin- arbeite, die Armee zu zerstöre», wird eine längere Stelle aus meiner Rede in Wien zilirt. Ich habe mich in dieser Rede an die dort unserer Partei in den Weg tretcndeu Anarchisten ge- wendet und ausgeführt, es sei überhaupt ein Unding zu glauben, daß aus dem Wege der Gewalt die Ziele der Sozialdemokratie bezw. desAnarchismus verwirklicht werden könnten. Es sei dies unmöglich, denn die Sozialdemokraten, geschweige die Anarchisten würden nie zu der materiellen Macht im Staate gelangen, um ein solches Ziel zu verwirklichen; man müsse viel- mehr unsere Ideen dadurch propagiren, daß man politische Auf- klärung in die Massen verbreitet, wozu die bürgerliche Gesell- schasl die Vorarbeiten leiste. Also genau d a s G e g e n t h e i l habe ich in Wien und wiederholt gesagt. Es ist aus meiner Wiener Rede, wie das so oft geschieht, ein kleiner Theil angeführt und jener Theil weggelassen, der das genaue Gegentheil von dem sagt, was man beweisen wollte. Ich lege Gewicht darauf, zu erklären, daß das. was ich jetzt sage, nicht etwa das Produkt einer gewissen Verlegenheit ist, daß ich hier etwas sage, was meiner Ueberzeugung nicht entspricht. Ich habe bereits 1330 aus ähnliche Anklagen im Reichstage dasselbe gesagt. Bei einer anderen Gelegenheit habe ich gesagt, die Zeiten wären vorüber, in denen man glaubte, mit den alten Gewaltmitteln die alte Staats- und Gesellschaftsordnung zu stürzen mit B a r r i k a d e n b a u e n und dergleichen. Der Zufall will, daß gerade um diese Zeit mein Freund und Parteigenosse Friedrich Engels in London, der wissenschaftliche Interpret der Sozialdemokratie, im Verlage des„Vorwärts" eine Schrift hat erscheinen lassen: Die Klassen» kämpfe in Frankreich von 1843— S0 von Karl Marx, Abdruck aus der„Neuen rheinischen Zeitung", mit einer Einleitung von Friedrich Engels. In dieser Einleitung beschäftigt sich Engels auch mit der Frage, wie es gekommen sei, daß damals die Revolution durch die Barrikadenkämpfe zu gunsten des Volkes ent- schieden und geivonnen werden konnte. Engels führt aus, daß in der klasstschenZeit der Straßenkämpfe die Barrikadenkämpfe mehr mora» lisch als materiell gewirkt haben. Um so weniger sei bei der kolossalen Entivickelung unseres Militär- und Waffenivesens, des ganzen Zustandes in unserer Staats- und Gesellschastsorganisatton daran zu denken, mit gewaltsamen Revolutionen gegen die Armee irgend welche Eroberungen machen zu können. Engels ist viel- mehr der Meinung, daß ganz auf der Gegenseite, bei den Vertretern der he utige,l Staats- und Gesell- schaslsordnung, bei vielen wenigstens, die Absicht bestehe, die Sozialdentvkratie um jeden Preis vor die gezogenen Kanonen und Repetirge wehre zu bringen. Es sind wohl vorzugsiveise die Worte des Kriegsmiuisters ge- wesen,>vo er höhnte, daß wir ja viel zu feige seien— dies lag in seinen Worten— uns vor die Mündung der Gewehre zu stellen, und daß eiumal der Tag kommen würde, wo wir ge» zwungen sein würden: los officiers en avant— vor die Front uns zu begeben— hat wohl vorzugsweise Engels veranlaßt zu sagen, man hätte gewünscht, die Sozialdemokraten sollten sich hinreißen lassen, diesen Weg zu betreten, damit man im stände sei. sie im Blute zu ersticke». Diese Besorgniß ist nicht unbegründet. Ich erinnere an die Schrift des Herrn v. Boguslawsky, an die Herren Rößler und v. Maffow, gegen die Sozialdemokratie müsse die Flinte knallen und der Säbel hauen. Es ist mir in den letzten Tagen von maßgebenden Personen in Privatäußerungen gesagt worden, wenn diese Vorlage nicht zu stände kommt, dann müsse alles alls geboten>v erden, um die Sozial- demokratie zu provoziren.(Heiterkeit links.) Es sei nölhig, daß endlich diesem Zustande, der aus die Dauer unerträglich sei, ein Ende gemacht werde. Wer von Ihnen will bestreite», daß schon seil Jahr und Tag in der OffizierSwelt es gang und gäbcr Gegenstand der Unterhaltung ist, was werden solle und müsse, wenn man eines Tages vor die Sozial- demokratie gestellt sei, um sie zu unterdrücken. Nun ist vor wenige» Tagen von einer sehr vornehmen Dame gesagt worden, daß ein Hauptmann der Garde in ihrer Gegenwart in einer Gesellschaft gesagt habe: wenn wir die Kerle nur endlich eiumal zum Losschlagen brächten, wir würden mit Freude» bis an die Knie in Blut waten. Die Herren von der Rechten schütleln ab- wehrend. Das ist alles Flunkerei. Wir wissen aber, was wir wissen. Das genügt uns, um zu ivissen, was Ihre Absicht ist. Und wenn wir dies ivissen, dann wäre es mehr als Wahnsinn, wenn wir nicht alles aufböten, um die Tollköpfe zurückzuhalten von denen, die das herbeisühren, was man so vielfach wünscht. Ein Regicrungöverlreter in der Kommission hat sich darüber ent- rüstet, daß ich es nicht mit sittlicher Entrüstung abgelehnt hätte, daß wir den Wcg der Gewalt eventuell betrete» könnten und wollten. Ja, was habe ich denn für eine» Grund, derartiges abzuwehren? Schließlich werden wir nicht allein angeklagt deswegen, was wir sagen, sondern deswegen, was wir nicht sagen. Was sollen wir denn erklären, in einer Zeit, wo von allen Dächern die Spatzen herunterpfeifen, daß der Staatsstreich uoth wendig sei, der Bruch des Gesetzes, die Anwendung der Gemalt— von oben! Wenn so der Vertrag zwischen Regierung und Volk in dieser brutalen Weise gebrochen wird, dann ist auch die andere Seite ihrer Rechten und Pflichten vollständig frei, sie kann handeln wie sie mag. Tan» trifft aber die V e r a n t- wortun g jene, die solche Zustände mit Absicht heraufbeschwören. Ich wende mich nunmehr zu dem angeblichen Beweis- Material. Im Konnnissionsbericht heißt es:„In einer 1893 abgehaltenen Volksversammlung in Slendal Halle der L iter der dortigen Sozialdemokratie, Görges, mitgetheilt, daß e. d.e Bro- schüre,„D welche Lust, Soldat zu sei»!" bestellen und vertheilen werde. Sie sei besonders geeignet, den Rekruten in die Hand ge- drückt zu werden." Görges hat dies im„Vorwärts" als un- wahr zurückgewiesen. Die beiden Polizeibeamte», Wachtmeister Hänsch und Polizeisergeant Wrede blieben aber bei ihrer Behauptung, Hänsch nahm sie auf seinen Diensteid. Wir haben nun Görges. nachdem diese Erklärung der 5iommission vorlag noch einmal gefragt, ob er vielleicht eine ähnliche Aenherung gemacht habe; er könne sich doch auch geirrt haben. Darauf erklärt Görges:„Nein, ich habe sie nicht gemacht, aber wahr ist, daß eine ähnliche Reußernng von einem andern, und zwar dem und dem, gemacht worden ist." Gleichwohl ist man bereit, es auf seine» Eid zu nehmen, daß der Görges diese Aeußerung gemacht habe.(Bewegung.) Der weitaus größte Theil der vorliegenden Aktenstücke ist im Aus lande erschienen und in Deutschland mit Aus- fchluß der Oeffentlichkeit verbreitet und eigentlich nur der Polizei bekannt. Ich nehme gar keinen Anstand, zu erklären, daß die Polizei in Berlin und anderwärts weit mehr Exemplare der Blätter zu ihrer eigenen Information bezieht, als die sozialdemokratische und anarchistische Partei in Deutschland zusammen.(Sehr gut! links.) An diesem Material ist überhaupt nur das Soziali st engesetz schuld. Ohne dasselbe wäre die vielberufene„Freiheit" nie ins Leben gerufen, Most hätte nie im Auslände seinem excentrischen Wesen so die Zügel schießen lassen können, wie er es ohne jede Slutorität und ilontrolle gethan hat. Dazu kommt, daß eine größere Zahl der Nummern der„Freiheit" aus dem Jahr 1878 dalirt. Andere Blätter sind nur in ein oder zwei Exemplaren erschienen, dann nicht mehr. Herr v. Köller hat gestern eine Nummer der „Rache" vorgezeigt, was das für ein gefährliches Blatt sei. Ich habe das Blatt auch in die Hand genommen; es ist in London von dem Klub„Autonomie" herausgegeben worden. Das verräth sich für jeden Sachkenner deutlich dadurch, daß auf der Rückseite der Blätter, auf denen die„Autonomie" gedruckt ist, ganz ruhig steht: K. K. Hofbuchdruckerei in Wien.(Große Heiterkeit.) Aus einer anderen Nummer der„Rache" ist ganz gemüthlich als Drucker angegeben: Druckerei der„National- Zeitung" in Berlin.(Große Heilerkeit.) Jeder weiß, daß das Fopperei und Hänselei ist, uns aber, dem Reichstag, werden solche Dinge tmt dem größten Ernst von der Welt als Beweisstücke angeboten. Das, was in diesen Blättern böses enthalten ist, kann auch ohne die Vorlage verfolgt werden, wenn die Verbreiter ertappt werden, denn das ist die Haupt- fache: auch in Berlin hängt man genau so wie in Nürnberg, keinen, man habe ihn denn zuvor. Da wird uns eine Stelle eines Flugblattes aus dem Jahre 1389 vorgeführt, welche in einem Hochverrathshrozeß vor dem Reichsgericht eine Rolle gespielt hat, verschwiegen wird uns aber, daß die betreffenden Verbreiter zu schwere» Zuchthaus- strafen vcrurthcilt worden sind; nicht blos auf grund des§ 112 u. f. w. sondern auch wegen Hochverraths. Aus diese Weise qualifizirt sich eine ganze Reihe von Nummern der verschiedensten Art. Das zweite Aktenstück„An die Ar- beiter im Soldatenrock" hat ebenfalls in dem Reichs- gerichtsprozeß von 1892 zur Verurtheilung der Angeklagten z u mehrjährigen Zuchthaus st rasen geführt. Auch das wird Ihnen nicht gesagt; abermals soll vielmehr das Aktenstück dazu dienen, auch die jetzige Regierungsvorlage zu rechtfertigen. Mehr als das! Es wird sogar erwähnt, daß die Verbreiter des Flugblattes dadurch zur Verantwortung gezogen sind, daß sie ein Exemplar desselben an Palm gegeben hatten. Wer ist Palm? Palm ist ein Polizeispitzel seit 19 Jahren.(Sehr richtig! und Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Palm war schon in das Niederwalddenkmal-Attentat verwickelt, er war von allen damals geplanten Schritten unter- richtet, hat mit Reinsdorff und Genossen unter einer Decke gesteckt. Gerade dadurch, daß der Kerl sich fortgesetzt unter den tieuten bewegt, den Anstoß giebt, daß sie sich derartige Druckschriften kommen lassen, und sie dann heimlich in seiner Eigenschaft als Lockspitzel denunzirt, ist es möglich gewesen, die betreffenden zu belangen. Nun das Gedicht„Wie man's macht" von Fretligrath. Der Kriegsminister ist ja mit seinem Urtheil schnell fertig gewesen: Das Gedicht müsse ohne Rücksicht auf die Person des Verfassers wegen seines strafbaren Inhalts ver- folgt werden. Ich stehe hier ganz und gar auf dem Boden des Kriegsministers. Wird dieses schöne Gedicht auf einem Flugblatt verbreitet, dann ist der Verbreiter strafbar, aber in der Cotta'schen Volksausgabe kann es ganz ruhig in taufenden von Exemplaren verbreitet werden, ohne daß ein Staatsanwalt die Anklage erhebt. Wozu brauchen Sie da den Z 112 der Vorlage?(Redner zitirt den Schluß des Gedichts.) Das ist 1645 geleistet worden. Wird es heute auf einem Blatt Papier gedruckt und verbreitet so verfällt der Verbreiter unweigerlich dem Hochverrathsparagraphen, genau so wie das Gedicht aus einer Anthologie des„Vorwärts", in der viele hunderte Gedichte enthalten waren, von der Polizei konfiszirt und herausgeschnitten wurde, weil man dasselbe als Hochverrath qualisizirte. Das hat die Polizei gethan, und wenn es nun gar wie hier als Flugblatt gedruckt in Kasernenhöfen verbreitet und dem Militär in die Hand gegeben wird, dann doch erst recht.(Auch die angeführte Anarchistenbibliothek kann auf grund des heute geltenden 8 112 gefaßt werden. Das Material bezieht sich auch auf Aeußerungen des Redakteurs Hoch in Frankfurt, unseres Parteigenossen. Es wird gesagt, seine Aeußerungen hätten nicht verfolgt werden können. Aus den Akten, die wir uns haben kommen lassen, geht im Gegentheil hervor, daß die Staatsanwalt- schaft und die Anklagekammer des Landgerichts und Oberlandes- gerichts den Hoch außer Verfolgung gesetzt haben, weil dieAussprüche allerdings als strafbar hätte angesehen werden können, aber gewisse Nebenumstände dazu führen mußten, die Straffälligkeit zu ver- neinen. Die Aufforderung, man solle den Vorgesetzten einen Stall- eimer an den Kopf werfen, ist ja die Aufforderung zur Körper- Verletzung, also zu einem Verbrechen, daß schon anderweitig getroffen wird. Dazu brauchen wir keinen neuen Z 112. Dasselbe trifft auch auf die Auszüge an? der„Freiheit" von Johannes Most zu. Was die Vorlage ans„Urwühlers Haus- und R e i s e p s a l t e r" zur Begründung des§ 112 ins Feld führt, muß doch jedenfalls als eine Travestie auf die Sozial- demokratie und nicht als eine Aufreizung des Militärs erscheinen. Das hätte auch der Beamte, der das Material zusammengestellt hat, aus dem sonstigen Inhalt des Gedichts„Der Znkunstsstaat" ersehen müssen. Daraus ergiebt sich, daß es sich darum handelt die Sozialdemokraiie zu verhöhnen. desgleichen aus dem Gedicht, in dem die Reichstagsauflösung verlangt wird. In dieser Materialzusammenslellung zeigt sich ein solches Maß von Leichtfertigkeit, oder gar von Gewissenlosigkeit, daß der betreffende Beamte, der damit gewissermaßen den Reichstag hintergehen will, wegen Unbrauchbarkeit oder Un Würdigkeit so rasch als möglich aus seiner Stelle verjagt werden müßte. Es ist charakteristisch, daß nian von einer Reihe von Flug- blättern, die in einer großen Zahl von Kasernen vertheilt worden sind, leine Ahnung halte, wer sie verbreitet hat. Können Sie den Verbreiter nicht erwischen, so nützt auch der neue ß 112 nicht. Es sind das alles Flug- blätter, die im Auslände erschienen sind, für die kein Mensch in Deutschland verantwortlich gemacht werden kann, mit denen niemand von uns auch nur das geringste zu thun gehabt hat. Sie können nach Deutschland hereinfliegen, wofür ja die willigen Boten des Herrn v. Stephan sorgen. Wer hinter allen diesen Dingen im hohen Grade steckt, weiß man ja längst. Der Klub Autonomie in London, der das Blatt Autonomie heransgiebt, schickt seine Preßerzeugnisse an die ihnen bekannten Adressen. Es kommt gar nicht darauf an, daß da?, was sie wegschicken, an die richtige Adresse kommt, sondern nur darauf, daß es überhaupt an eine Adresse kommt, daß sie die Leute ärgern, daß sie etwas thun, was ihnen Spaß macht. Diese Art Leute senden jene Produkte, die sie eut- weder selbst fabriziren oder fabriziren lassen durch andere, an solche, die dafür sorgen, daß sie in gnvisse Hände fallen, n n d daß die Regierung den Fall entsprechend frnkti- f i z i r e n kann. So ist im Jahre 1379 von London aus dem Feldwebel Sperling von der S. Kompagnie des 04. Regiments in Weimar unter Kreuzband ein Exemplar der„Freiheit" zugeschickt worden, und nun thut man wunder wie gefährlich diese Sache sei. Ich glaube, innerlich lachen die Herren doch über diese Art der Militär- agitation. In einem anderen Falle wird ein Exemplar der Zeitung„Der Hunger" ebenfalls unter Kreuzband in ein paar Blätter der„Times" gewickelt, einem Feldwebel zugesandt. Daß der Feldwebel die„Times" nicht lesen kann, ist selbst- verständlich. Daß etwas anderes dahintersteckt, weiß auch jeder. Daß solche Art von Agitation gar keinen Sinn und Verstand und auch keine Wirkung hat, muß doch jedem klar sein. Kommen die Blätter als Kreuzbände an, so gelangen sie ja überhaupt nicht in die Hände der Soldaten, und läßt der Hauptmann die Blätter in ihre Hände gelangen, dann weiß der Soldat genau, daß das geschieht, um ihn auf die Probe zu stellen, und sobald er sieht, was er für ein gefährliches Blatt in Händen hat, eilt er zum Hauptmann und sagt: Herr Hauptmann, ich weiß nicht, wie ich zu diesem Blatte gekommen bin. Nichts ist doch leichter, als vom Auslände her sich verbotene Blätter in Briesform schicken zu lassen. So gut wie die Post oder Polizei sühlt, daß eine Zeitung im Brief ist, so gut fühlt es auch der Hauptmann. Von dieser Agitation bleibt als Wirkung nichts übrig als die leere Renom- wage. Mit alledem sage ich der Regierung, namentlich der Militärverwaltung, nichts Neues. Die Herren wissen es so gut wie wir, daß hier nur äußerer Schein vorliegt. Wenn Flugblätter auf dem Kaserneuhofe verlheilt werde», so be- kommt der Soldat den Inhalt nicht einmal zu sehen, geschweige zu lesen. Was wird nicht alles als Agitation in der Kaserne angeschen? Bei einem Reservisten wurde eine Nummer des„Vorwärts" in der Kaserne gefunden. Der Haupt- mann hat deswegen vor versammelter Kompagnie' eine Rede gehalten, worin er die Mannschaften nachdrück- lich vor der flaatsgefährlichen Agitation der Sozial- demokraten mahnte und diese verruchte Partei heftig anklagte. Der Mann, der offenbar Sozialdemokrat ist, hat sich darüber geärgert und schreiht, nachdem er wieder entlassen war, an den Hauptmann in ganz ruhigem Tone, er hätte sich die Rede er- sparen können, denn zwei Drittel seiner ikompagnie seien Sozial- demokraten und im Bataillon wäre wohl dasselbe Berhältniß vorhanden. Außerdem legt er gegen die Bezeichnung der Sozial- demokraten als KönigSmörder Verwahrung ein. Und das wird auch als Material für den§ 112 der Vorlage verwerthetl In den Akten befindet sich auch eine jener Blüthen, ein Schein— Hundertmarkschein— wie sie bei den letzten Wahlen tausend- fach verbreitet wurden, die auf der einen Seile die Aufschrift:„Hundert Mark Reichswährung", auf der anderen Seile' irgend eine Reklame oder wie bei den Wahlen das Programm irgend einer Partei enthalten. Diese Blättchen sind ganz ruhig massenhaft vertheilt worden und können also auch sehr wohl in der Nähe einer Kaserne gefunden worden sein. Auf einem solchen war Balthasar Krämer, Re- staurateur in Damstadt, als sozialdemokratischer Kandidat au- gegeben. Das hat ein Soldat gefunden und in die Kaserne mit- genommen. Und auch dieser Vorgang soll für den Z 112 ver- werthet werden. Schon auf Grund des geltenden Z 112 ist von einem Gericht in Gotha ein Man» zu einem Monat Gefängniß ver- urtheilt worden, weil er einem Verwandten, der als Soldat krank im Lazareth lag, zur Unterhaltung ein Blatt mitgebracht hatte, in welchem ein Artikel über die bekannten vorjährigen Todesmärsche der Truppen enthalten war. Würde der neue Paragraph Gesetz, so würden derartige Verurtheilungen so massenhaft werden, daß eine Kritik der Armee unmöglich würde. Die Armee aber ist eine der wichtigsten Institutionen, sie geht unser ganzes Staats- und Gesellschastsleben so nahe an, Jahr für Jahr stehen über eine halbe Million Männer beim Militär und diese sind durch tausende von Beziehungen mit der Be- völkerung auss engste verknüpft. Das Heer muß kritisirt werde» können. Die Kritik ist nothwendig, wie sollte denn sonst auf die Abstellung von Mängeln darin eingewirkt werden können? Daß solche vorhanden sind, bestreitet doch selbst der Kriegs- minister nicht. Man hat uns heute wieder die Armee als ein großes sittliches Institut hingestellt, und wenn man noch so viel Beweise des Gegentheils brächte, man muß verwarnt werden, weil man wagt, an dieses noU me tangere zu rühren. Ich empfehle dem Herrn Kriegs- minister eine Aeußerung des bekannte» Garnisoupredigers Frommel, die in einem Vortrag„Die Sittlichkeil auf dem Lande", gehalten in Kolmar am 23. Seplember 1892, citirt worden ist: „Unser Heer, eine Schule der Zucht, wird leicht zu einer Schule der Unzucht", Hecht es da ungefähr. Wenn das ein Sozialdemokrat ausgesprochen hätte! Des weiteren werden so unverhüllte Erläuterungen hinzugefügt, daß ich sie mit Rücksicht auf gewisse Anwesende im Saale nicht zuZwiederholen wage. In Koblenz soll am Sedantage ein Haupt- man» seiner Kompagnie gesagt haben: amüsirl Euch heute Abend, und machte nunmehr Ausführungen, die ich ebenfalls nicht wieder- geben kann, welche in der schamlosesten Weise die Leute zur Unstttlichkeit aufeuerten. Angesichts solcher Thatsachen sollte man sich hüten einer Vorlage wie dieser zuzustimmen. Rudolf v. G o t t s ch a ll ist heute eine Staalssäule, und was hat er seinerzeit geschrieben?: Du sollst der Werber Ruf nicht hören, Die unsres Volkes schlichten Sinn bethören. Wirf ihnen den schnöden Sold ins Gesicht; Zum Brudermörder verding Dich nicht! Die Sklavenjacke zieh' nimmer a», Bleib' ein Mann des Volkes, ein freier Mann! Des Königs Befehl, sein blulges Gebot Veracht es im Leben und im Tod! Sie alle, das ganze Bürgerthum, welches heute so staatsfreudig ist, so ruhig, so anständig, höslich sich benimmt, und nur Hohn und Spott für die Arbeiterklasse hat, die revolutionär ist und sich empört, haben einstmals von den rothesten, blutgetränktesten Phrasen getrieft. Run lesen Sie einmal die drei schönen neuen rothen Lieder, gemacht in diesem Jahr von August Braß, wovon das dritte betitelt ist:„Die drei Jäger aus Böhmerland", die Robert Blum auf der Brigittenau erschossen haben und denen das Gewissen schlägt, die das Gebot verfluchen das der Kaiser gegebe», und von denen der letzte das Gewehr mit zwei Kugeln ladet, um einen Kaiserschuß damit zu begehen u. s. w. u. s. w. Nun ist ja vorläufig nach den Erklärungen des Kriegsministers keine Gesahr vorhanden, daß die Kommissions- oder Regierungsvorlage Annahme findet. Aber da das, was zu dieser Vorlage geführt hat, in den Dingen, die»och kommen werden, jedenfalls wieder eine sehr große Rolle spielen wird, so habe ich mich genölhigt gesehe», das zu Ihnen zu sprechen, was ich gesprochen habe.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister Bronsart v. Schellcudorff: Nach den Ver- heißuugen des Herrn Bebel von vorgestern hatte ich mir von seiner heutigen Rede mehr versprochen. Das meiste wird er wohl noch für später in Reserve habe». Charakteristisch war, daß durch seine Bemerkungen sich die graziösesten Bemerkungen über meine Person wie ein rother Faden hindurchzogen. Der Abg. Bebel sprach mir taktische Begabung ab, aber alerchzeitig machte er mir das Kompliment, ich wäre immer zur Offensive geneigt. Das. ist ein kleiner Widerspruch. Weiler sagte er, meine ganzen Aus» sührungen beständen in Provokationen. Ich' hätte den Abg. Auer provozirt, anch andere, indem ich bei der ersten Lesung schon gesprochen hätte von heiteren Bildern und dergl. Er sagte dann: Wenn es wirklich zum Blut kommt, werden die- jenigen die Verantwortung kragen, die provozirt haben. Diesen Gedanken habe ich noch schöner ausgedrückt gefunden im „Vorwärts", und ich kann dem Abg. Bebel den Schmerz nicht ersparen, ihm zu erklären, daß der Verfasser des Artikels, der die Bedingungen angiebt, unter denen er den Kriegsminister wie einen tollen Hund todlschießen will, ihm bedeutend über ist. Ich nehme einen solchen Gentleman auch nicht ernst, wer dies schreibt und drucken läßt, der thut es nicht.(Abg. Bebel: Sehr gut! Ausgezeichnet! Große Heilerkeit.) Ich habe sehr ernste Zweifel, ob der Herr überhaupt schon eine Schußwaffe abgedrückt hat, und wenn er es versucht, passirt ihm ein Malheur: er trifft mich nicht.(Heiterkeit.) Aber es ist dem Setzer ein ganz kleines Versehen nnc untergelaufen, eine Randbemerkung, welche zu dem Artikel gehörte, lanlete: Fürchten Sie sich nicht, Herr Kriegsminisler, wir sind blos einfache Ge- schäilsleute! Sie werden mir aber zugeben, daß derjenige fanatische Bursche, der solches Zeug liest, wirklich bewogen und aufgestachelt werde» könnte, mit mir Schießübungen vorzunehmen. (Große Heiterkeit.) Eine jede Kugel lriffr ja nicht, aber selbst wenn sie mich träfe, nähme ich es auch nicht zu tragisch: Mann über Bord! Es träte vielleicht ein anderer an die Spitze, der Ihnen sagen würde, der Attentäter wäre ver- rückt.... Na. ich will das nicht vollenden, um meinem Nachfolger nicht vorzugreifen.(Heilerkeit.) Nun ist gesagt worden, es wäre provozirend von mir gewesen, von dem heiteren Bilde eines Bürgerkrieges zu sprechen,' da von sozialdemokratischer oder anarchistischer Seile gar nichts Ernst- hnfles zu erwarten wäre. Zunächst verwahre ich mich dagegen, als hätte ich einen Bürgerkrieg für ein heiteres Bild gehalten; ich deutete nur an, daß die großen Massen, denen Sie schon so viel versprochen haben, die aber nichts erhalten, eines Tages un- geduldig werden werden und versuchen könnten, praktische Politik ans der Straße zu treiben, und daß diese Massen in Verlegen- heit nach Führern rufen könnten: Die Herren Sozial- demokraten, die Herren Reichstags-Abgeordneten vor die Front. Nun, Sie behaupten ja immer, daß Sie gar nicht die Absicht haben, sich an dergleichen Sachen zu betheiligen, und Sie können es mir nicht verdenken, daß ich es ein etwas heiteres Bild finde, wenn Sie nun widec Willen zur heroischen That aufgefordert werden.(Große Heiter- keit.) Und wenn ich dann weiter hinzufüge, daß Sie dann nicht vor dem Achtmillimetergewehr stehen, sondern vor der wohl- geordneten Batterie von Berliner Feuerspritzen, dann ist dies ein heiteres Bild. Und wenn der Abg. Bebel neulich von Be- merkungen sprach, die man sich abschülteln wird, wie der Pudel, der aus dem Wasser kommt, dann ist es auch eine heilere Vor- stelliing, daß Sie sich lange schütteln müssen, bis Sie trocken werden. Auf die übrigen AnsfÜhrunge», die zum tdetl Wieder- holungen der Rede des Abg. Haußmann waren, gehe ich nicht ein; das Haus wird dankbar sein, wenn ich verzichte, daraus zu antworten. Abg. Osann(natl.) wendet sich gegen Haußmann und tadelt es, daß derselbe Sllddeutschland gegen Norddeutschland aus- spielen wolle; mau müsse eher einen Ausgleich zivischen Nord und Süd herbeizuiühren suche». Redner wendet sich serner da- gegen, daß die Nationalliberaleu die Umsturzvorlage herauf» beschworen hätten, aber jetzt die Zustimmung versagten. D i e Nationalliberaleu seien bereit gewesen, gegen die nmstürzlerischen Bestrebungen, die aus der Sozialdemokratie herausgewachsen sind und noch mehr Heranswachsen werden, vorzugehen. Aber nachdem der Ausschuß die Vorlage verschlechtert hat durch Beschlüsse, mit denen die Nationalliberaleu sich theilweise einver- standen erklärt hätten, könnten seine Freunde sich nicht mehr für die Vorlage begeistern. Die Mehrheil des Volkes sei nicht mehr der Ansicht der Mehrheit des Reichstages(Widerspruch links.) Die Huldiguugsfahrten nach Friedrichsruh beweisen das Gegen« theil.(Heiterkeit links.) Der Reichstag genießt nicht mehr das Ansehen, welches er früher in weiten Kreisen genossen hatte. Wir sind mit§112 der Vorlage einverstanden, weil er das Heer bewahren will vor den Bestrebungen, welche auf den Umsturz der Staatsordnung gerichtet sind. Die Kommission hat diese Hauptbestimmungen herausgestrichen, ein Zeichen, daß es der gentrumspartei nicht völlig ernst ist mit der Bekämpfung des Umsturzes. Wir haben in der Kommission für die Regierungsvorlage gestimmt. Als der Antrag des Zentrums angenommen war, haben wir schließlich mit dafür gestimmt, weil er etwas mehr bietet, als der jetzige Z 112 des Strafgesetzbuches. Wir haben heule aus dem Munde des Kriegsministers gehört, daß er mit tz 112 der Kom- missionsbeschlüsse nichts anfangen könne. Das ist doch wohl nicht seine persönliche Meinung allein; er wird doch wohl eine ge- wisse Rücksprache genommen haben mit dem preußischen Ministeium und mit dem Reichskanzler. Es wäre wünscheuswerlh, wen» der Kriegsminister sich etwas bestimmter aussprechen könnie.(Zuruf im Zentrum: Bestellte Arbeit!) Sie können doch garnichts davon wissen, ob das bestellte Arbeit ist.(Heiterkeit im Zentrum.) Der Kriegsminister sollte sich daher bestimmter ausdrücken. Denn wir sind nicht dazu da, fruchtlose Beschlüsse zu fassen. Wir sind jetzt un- gebundener als früher, wo wir glaubten, daß durch unsere Zu- stimmung die Mehrheit zu erreichen wäre. Jetzt können ivir nach dem besten streben und das ist für uns die Regierung.'» vorläge.(Heiterkeit.) Was Herr Bebel gegen das Material vorgebracht hat, hat keine Beweiskraft. Die vorgebrachten Zitate waren für die Vorlage nicht nothwendig; denn durch Schrifien und Ge- dichte braucht man nicht belehrt zu werden über das, was aus der Sozialdemokratie herauswachse» kann! Den» nicht gegen die Sozialdemokraten als solche richtet sich das Gesetz; aber die Sozialdemokraten werde» selbst nicht glauben, daß sie die Geister so an der Hand haben, daß die jungen Leute so gereifte Männer sind, daß sie immer die Klugheit und Be- sonnenheit bewahren, daß nicht doch einmal die Leidenschasl über- wiegt? Beispiele dafür sind doch vorhanden. Haben wir denn nicht in Berlin schon manches erlebt?(Zuruf vei den Sozial- demokraten: Was denn?) Sind nicht Leute bestraft worden, weil sie auf Schutzleute geschossen haben?(Zuruf: die sind ja bestraft!) Aus der anarchistischen Beiveguug kommt die Gefabr. Die Anarchisten, die Sie sich immer von den Rock- schößen abschütteln, lassen sich von Ihnen(Sozial- demokraten) nicht beeinflussen. Für die Zukunft macht man doch Gesetze und nicht für die Vergangenheit. Soiveit die sozialistische Bewegung im Geisteskampf sich bewegt, müssen Staat und Ge- meinde und der einzelne die Hand dazu bieten, um eine Aus- söhnung herbeizuführen. Aber die Thorhdt sollen Sie doch nicht uns zumnthen, daß wir alles ruhig über uns ergehen lassen. Werden wir im Zukunftsstaat mit Glacehnitdschuhen behandelt werden? Wie die Gelehrtenkreise sich gegen die Vorlage wenden können, das weiß ich nicht.§ 112 trifft die Gelehrten nicht. Es giebt eben sehr viele Kreise, die von der Umsturzvorlage garnichts verstehen.(Sehr richtig! rechts.) Z III war uns in keiner Schatlirung annehmbar. Deshalb haben wir gegen denselben gestimmt, obwohl wir lebhaften An- griffen deswegen ausgesetzt sei» werden. Wir werden jetzt für § 112 der Regierungsvorlage stimmen, da der Kriegsminister sich gegen den Kommissioilsbeschluß erklärt bat. Kriegsminister Pronsart v. Schelleudorff: Der Vorredner wünscht meine Stellung zu§ 112 etwas deutlicher von mir zum Ausdruck gebracht zu sehen. Ich halte geglaubt, daß ich mich schon vorher ganz präzise geäußert habe.(Sehr richtig! links.) Ich bin aber gern bereit, noch einmal zu erklären, daß ich von meinem Standpunkt aus den§ 112 der Vorlage entschieden de in§ 112 der Kommission«!» b e s ch l ü s s e vorziehe und daß ich diesen Stu..dp«"rt Huch nach allen Seiten hin zu vertreten beabsichuge,' I m Namen der verbündeten Regierungen kann ich eine Erklärung nicht abgeben; aber im Namen des preußischen K r i e g s m i n i st e r i u m s kann ich das erklären. Abg. Spahn(Z.): In der Kommission ist der§ 112 zu stände gekommen unter Zustimmung des Staatssekretärs Nieder- ding und des Generalanditeurs Ittenbach, die gegen den Beschluß nicht Widerspruch erhoben haben. Hätte der Kriegsininister Widerspruch zu erheben gehabt, so� hätte er daS in der zweiten Lesung der Kommission thun können. Es ist garnicht abzusehen, welches Interesse der Kriegsminister hat, gegen den Beschluß der Kommission Widerspruch zu erheben. Es kommt doch nur darauf an, daß die dauernde» Einrichtungen der Armee und der Marine geschützt werden. Wir schlitzen in anderen Bestimmungen die staatlichen und kirchlichen Einrich- lungen; da sagten wir uns, wir müssen, da Gefahr vorhanden ist, auch die Einrichtungen des Heeres und der Marine schlitzen. Wir sind der Regierung weit genug entgegenzekoiinnen und haben keine Veranlassung, über die Beschlüsse der Kommission hinaus- zugehen. Wenn die Nationalliberalen ihre Abstimmung von der Erklärung des Ministers abhängig machen, dann will ich die Zeit des Hauses nicht weiter in Anspruch nehmen. Mit 18 Stimmen ist§ 112 in der Koinmission angenommen worden. Wir stimmen gegen de» Antrag Haußmann und für die Kommissionsbeschlüsse. Unsere Partei hat für Heer und Marine ihre Schuldigkeit gethan; wir können mit gutcin Gewissen der Entschndlliig eutgegenseheii. Staatssekretär Nicbcrding: Ans den Ausführungen des Vorredners geht hervor, daß die Vertreter der verbündeten Re- gierungen die Aenderungen angeregt haben(Widerspruch im Zentrum), oder daß sie ihnen zugestimmt haben, oder die Zu- slimmung der verbündeten Regiernugen herbeizuführen in Ailssicht gestellt haben.(Widerspruch in» Zentrum.) In der Kommission wurde eine Verständigung ans einer mittleren Linie augeregt; die Vertreter der verbündeten Regierungen haben nicht einen Ziveifel darüber gelassen, daß sie nit der Kommissionsfassung nicht einverstanden sind. Sic haben ferner keinen Zweifel darüber gelassen, daß alle ihre Erklärungen über die eventuelle Fassung nach den Wünschen des Zentrums nur die Bedeutung haben könnten, daß sie diskutirbar seien, wenn die verbündeten Regierungen auf die Vorlage selbst verzichten. Als diese Verhandlungen stattfanden, standen wir am Anfang der Berathungen und hofften, daß es gelingen werde, zu einer Formulirung der ganzen Vorlage zu gelangen, welche für die verbündeten Regierungen annehmbar wäre. Wenn die Vorlage sonst den Wünschen der Regierungen entsprach, nament- lich in§ III, so wäre im Nahmen derselbe» der geänderte § 112 vielleicht annehmbar gewesen, deshalb haben wir an der juristisch technischen Arbeit bei der Fassuilg derselben mitgewirkt. Da der Kriegsminister an der Fassnug des§112 festhält, so fehlt für die Erklärung der Vertreter der verbündeten Re- gieruugen die Grundlage, namentlich da alle weiteren Hoffnungen, die wir an die Verhandlungen glaubten knüpfe» zu können, eitel gewesen sind. Generalauditeur Ittenbach erklärt ebenfalls, daß er dem Z 112 der Kommissionsbeschlüsse nicht unbedingt zugestimmt habe; er beruft sich dafür auf das betreffende Protokoll der Kommission. � Abg. Spahn(Z.) verweist darauf, daß nach denr Kom- nnssionsberichl Z 112 in der zweiten Lesung ohne Debatte, also auch ohne Widerspruch der Regicrungsvertreter, angenommen ist. Staatssekretär Nieberding: Da wir in der ersten Lesung Widerspruch erhoben hatten, so bleibt der Widerspruch bestehen; man kann von den Vertretern der Regierungen nicht verlangen, daß sie den Widerspruch immerfort wiederholen sollen. Abg. Spahn meint, daß es doch Zeit gewesen wäre, daß der Kriegsminister Widerspruch erhoben hätte. Kriegsininister Bronsart v. Schellendorff verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er der Kommissionsberathung fern ge- bliebe» sei; er könne nicht allen Sitzungen beiwohne», könne auch nur in seinem eigenen Namen Erklärungen abgeben, nicht im Namen der verbündeten Regierungen. Abg. v. Kardorff(Np) erklärt, daß seine Freunde nach, der Erklärung des Kriegsministers gegen§ 112 der Konnnissions- beschlüsse stimmen würden. Abg. Graf Roo»(f.) findet einen Widerspruch darin, daß Bebel die Revolution von 1848 glorisizirt und trotzdem sich gegen revolutionäre Bestrebungen erklärt habe. Das Jahr 1843 sei ein Jahr der Schande für die deutsche Enl- Wickelung und hätte im Reichstag« nicht erwähnt werden sollen.(Lebhafter Widerspruch links.) Wenn die sozialdemo- kratischen Führer auch keine Revolution wollen, wer steht dafür, daß ihre Hintermänner dieselben Gedanken hegen? 1848 haben die demokratischen Führer ebenso feierlich in der Nationalversammlung versichert, daß die Revolution nicht auf die Straße übergeben würde, und sie ist doch auf die Straße ge- gangen. Tie Bürgerwehr war der Aufgabe nicht gewachsen, das Haus zu schützen; sie verbrüderte sich mit den anstürmenden Volksmassen, angeblich um es nicht zu einem Blntbade kommen zu lassen. Diese Beispiele lassen sich vermehre»; sie beiveisen, daß die Hoffnungen der demokratischen Führer immer wieder getäuscht werden; sie können die Leidenschaften nicht eindämmen; die Wogen gehen über sie hinweg und sie werden die ersten Opfer der radikalen Bewegung. Abg. v. Levehow(f.):§ 112 der Kommissionsbeschlüsse gefällt meinen Freunden sehr wenig, tz 112 der Regierungevorlage dagegen besser. Allenfalls hätten meine Freunde für den Kommissionsvorschlag stimmen können, wenn Ausficht vorhanden gewesen wäre, daß der Z 112 Theil eines den Zwecken ent- sprechenden Gesetzes werden würde, und wenn§112 von der Regierrnig akzeptirt werden würde. Wir glauben aber nicht, daß ein genügendes Gesetz zu stände koninien wird, und wir glauben nicht, daß§ 112 nach dem Kommifsionsantrag die Zustimmung des Bundesraths findet. Deswegen werden wir gegen§ 112 der Kommissionsbeschlüsse und für die Re- g i e r u n g s v o r l a g e stimmen. Darauf wird§ 112 der Kommissionsbeschlüsse gegen die Stimmen des Zentrums und der Polen, und§ 112 der Re- gieruugsvorlage gegen die Stimmen der Teutschkonservativen, der Reichspartei und der Nationalliberalen abgelehnt. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. Richter: Machen wir «S nunmehr kurz. Nach dem Stande der Verhandlung scheint mir auf keiner Seite des Hauses ein praktisches Bedürfniß vorzuliegen, über die nachfolgenden Paragraphen zu dis- kuiiren. Wir sind bereit aus diese Diskussion zu ver- zichtcn, und wenn die anderen Parteien unseren» Beispiele folgen, dann könnten in w e n i g e n M i n n t e n die ganze Vorlage und die aufeinanderfolgenden Ab- st i m m u n g e n aus der Welt geschafft werden. (Allseilige Heiterkeit.) Abg. v. Maiitcnffcl: Ich bin diesmal in der an- genehmen Lage, niit dem Vorredner übereinzustimmen.(Große Heiterkeit.) Darauf wird der Rest der Vorlage in allen seinen einzelnen Theilcn, nachdem der Antrag v. Levehow und die sonstigen An- träge zurückgezogen sind, ohne Debatte in kurz aufeinanderfolgendeii Abstimmungen abgelehnt. Der Abg. Lenzmann berichtet darauf über die eingegangenen Petitionen, und erklärt, daß, nachdem der Reichstag den Wünschen der 22 000 Petitionen, welche die Ablehnung verlangten, ent- sprachen hat, und da nur wenige Petitionen sich für die Annahme erklärt haben, er anf jedes weitere Wort verzichte und bittet, die Petitionen für erledigt zu erklären. Das Haus beschließt demgemäß. Präsident v. Buvl erklärt, daß, da die Vorlage in allen ihren Theilen abgelehnt sei, eine weitere Berathnng nicht stattfinden werde.(Lebhafter Beifall.) Schluß nach 6 Uhr. Näässte Sitzung Montag 1 Uhr. (Kleinere Vorlagen und zweite Lesung des Tabaksteuer- Gesetzes.) DnrlcmmrkcrinMlci». Gewerbe- Ordnnngs- Kommission. In der Kommission zur Berathnng der Gewe'rbe-Ordnungs-Novelle wird nachträglich noch der Versuch gemacht, die Berathung zum Abschluß zu bringen. Fraglich erscheint es allerdings, ob trotzdem die Vor- läge noch im Plenum zur Verhandlung kommt. Die Berathung wurde in der letzten Sitzung abgebrochen mit der Erklärung des Vorsitzenden, daß wohl eine weitere Berathung zwecklos sei, wenn nicht andererseits der Reichstag vertagt wird. Auf Drängen verschiedener Mitglieder der Kommission wurde aber die Verhandlung aufs neue ausgenommen, und stand in der Sitzung am Freitag Abend zunächst die Beschlußfassung über�die Anträge der Abgeordneten Schmidt und Reiß ha us(e>oz.) zur Verhandlung. Die Anträge wollen das Engagenientsverhältniß zwischen den Bübnenangestellten und den Theaterdirektoren regeln. Nach einer längeren eingehenden Begründung seitens des Antragstellers Schmi dt- Berlin wird von verschiedenen Seiten die Meinung vertreten, diese Materie müsse zivilrechllich zum Abschluß gebracht weiden; im übrigen entferne sich der hier zur Behandlung koiniiiende Gegenstand sehr weit von der in dem Entwurf der Regierung enthaltenen Materie. Dem widersprechen die Antragsteller sehr entschieden, da es sich in den An- trägen um nichts weiier handelt, als um die Festsetzung einer gesetzlichen Regelung eines Arbeitsverhältnisses, somit diese An- yelcgenheit in die Gewerbeordnung gehöre. Schließlich stimmt die Kommission einem Antrag Gröber zu, der Negiermig die Anträge als Material zu überweisen. Nach einigen unbedeuteiideii Anträgen, die zum theil abgelehnt wurden, wird in die zweite Berathnng eingetreten, und nach Nuuahnie des§ 32 die Sitzung vertagt. Tolmles: Zur Lokalliste. Tie nachstehend verzeichneten Wirthe haben ihre Lokalitäten der Arbeiterschaft unter den bekannten Be- dingiingeii zur Verfügiiiig gestellt: Berlin. 2. Wahlkreis: Viktoria- Brauerei, Lützoivstr. 112-113; Neuer Sprcewakd, Hasenhaide 12; 5. Wahlkieis: Bötzow's Brauerei am Prenzlauer Thor. W e i ß e n s e e: Schloß Weißensee(Inhaber Barth). Steglitz: Thiccke, Albrechlstr. 125; Borsdorf, Schloßstr. KS. In S ch ö n e b e r g find folgende Lokale zu meiden: Linden- park(Jnh. Weidt), Hanptstr. 16; Schwarzer Adler, Hauptstraße 184; Ramni'S Saal und Garten, Hanptstr. 12g; Schloß- brauerei. In T e in p e l h o f steht den Arbeitern kein Lokal zur Verfügung. In Zeesen bei Köttigs-Wnsterhausei» steht das Lokal von Schiiiiiaiin den Parteigenessen jederzeit offen.— Die nächste Lokalliste sür Berlin und Umgegend erscheint am l. Inn i. Nachträge müssen bis spätestens am 23. Mai bei dem Unterzeichnet, n eingereicht sein. Im Austrage der Lvkalkouimission: Karl Scholz, Wrangelstr. 82, pari. Die tiefgehende Vewegimg gegen die ltnistiirzvorlage wurde am gestrigen Sonnabend Abend von der Spelulation nach Kräften ausgenutzt. Am Freitag Abend waren bereits die Parlamentsberichte mit dem Rufe anSgeboten:„Die Umsturzvorlage ist mit dem§ III gefallen". Gestern Mittag erschien dann ein neneS Extrablatt auf dem Plan, in dem„die Rede» der letzten Tage" zusammengestellt waren. Am Abend haben die Extrablattverkänfer ein Geschäft wie selten zuvor gemacht; alles unter dem Zeichen deS„Umsturzes"! Recht traurig sind die Lohn- und ArbeitsverhSllniffe in der königlichen Münze zu Berlin. Bei einer SVistiiu- digen Arbeitszeit wird ein Ansangslohn von S M. für den Tag gezahlt; der Lohn steigt mit den Jahren bis zur grandiosen Maximalhöhe von 3 Mark und SV Pfennigen! Die Arbeitszeit beginnt punlt 7 Uhr morgens und dauert unter Abrechnung einer Mittagspause von 5/4 Stunden nominell bis 6 Uhr abends. Gewöhntich wird jedoch bis 8 Uhr gearbeitet; sür die beiden Ueberstunde» erhält der Arbeuer je 321/2 bis 85 Pf. Der Lohn hierfür wird niithin nicht höher berechnet, als für eine reguläre Arbeitszeit. Sowie einmal keine Arbeitsgelegenheit für Ueberstunden vorhanden ist, schwebt über den Arbeitern das Gespenst der Ciitlassuiig; so wurden am gestrigen Sonnabend, trotzdem in einer Werkstntie der Münze noch bis acht Uhr abends gearbeitet wird, neun Mann unter der Begründung, daß keine Arbeitsgelegenheit vorhanden sei, ans die Straße geworfen. Un- verständlich bleibt, warum die königlich preußische Sozialreform, die ja wohl auch in der königlichen Münze ihr volksversöhnendes Wesen treiben soll, am Sonnabend Arbeiter mit plötzlicher Ent- lassung überrascht hat, die zum theil bereits längere Zeit dort beschäftigt waren. Es erhielt ein verhciratheter Arbeiter an diesem Tage Feierabend, der bereits sieben Jahre in der Münze ihätig gewesen, ohne daß ihm je etwas Tadelnswerlhcs nachgesagt worden wäre. Jüngere, z«m theil lcdige Arbeiter, die erst kurze teil in dem könialichkii Institut beschäftigt waren, konnten in ibeit bleiben. Tie Aniuiosilät der Verwalliing gegen ältere Arbeiter geht, wie»ins mitgetheilt ivird, soweit, daß die Direktion Leute, die über dreißig Jahre unter ihr bc- schäsligt sind, mit der Maßregel der Entlassung bedroht, wenn diese älteren Leute bei besonders forcirter Arbeit nicht mehr so schnell sckmsten können, wie eS ihnen in früheren Jahren möglich war. Besonders schlimm wird von den ver- ständige» Arbeitern die Nachtarbeit empfunden, die ohne Noth zuweilen bis drei Uhr morgens dauert. Tie Arbeiter miihten überdies!, wenn sie zu dieser Stunde Feierabend hatten, bis 7 Uhr in der Münze bleiben, und dann ging die Arbeil wieder bis zum nächsten Mittag ein Uhr los. Die vier übrig bleibenden Nacht- stunden kampirlcn die übermüdeten Leute auf den Steinen oder auf der Diele. Des ferneren klagen die Arbeiter, die das lange Tagewerk hindurch in dem Kupferstaub beschäftigt sind, über die ungenügende Ventilation, der sie zum sehr großen Theil die unter ihnen grassirenden- Hals und Augenleiden verdanken. Wenn der Gewerbe-Jnspektor sich einmal die Mühe machen wollte. mit den Arbeitern der königlichen Münze unter vier Augen zu reden, so würde er wanchen sanitären Mißstand, der mit einigen» guten Willen leicht be- seitigt werden könnte, kennen lernen. Bezeichnend ist und bleibt, daß der Staat der Sozialresorm ziemlich in jedem seiner Betriebszweige, die wir bisher kennen lernten, an unpassender Behandlung und iingenügeiider Entlohnung der Arbeiter so leicht den geschäfls- kundigen Kühneniännern nichts nacbgiebt. Dafür ist es auch der Staat der Sozialreform und dafür gedeiht in ihm auch die volksbefreiende Sozialdemokratie so vortrefflich, daß die Angst vor ihr sich nachgerade bis zur„staatserhaltenden" Umsturzschande verstiegen hat. Das moderne Sklavcnthnm in«nsern Tingeltangeln wird recht drastisch durch einen Kontrakt veranschaulicht, der»ins dieser Tage überwiesen worden ist. Das Schriftstück ist ausgestellt von den» Direktor des Chnntant- Theaters Malepartus, Alexandrinenstr. 87, und betrifft das Engagement einer Dame als„Elevin für Gesang und Ensemble." Sie erhält baarc dreißig Mark Gage monatlich und muß sich dafür verpflichten, wann, wo und wie oft die Direktion es bestimmt, auf- zntmcn und die nötbigen jkoftüme, Musikalien und Requifllen selbst zu stellen. Selbstverständlich sind ihr die 36 SN. auch ohne ihr Verschulden keineswegs sicher. Die Gage sällt fort für diejenigen Tage, an welchen die Vorstellung unterbleibt oder das Mitglied nicht nnftrilt, auch kann der Direktor das Engagement sofort auflösen, wenn Krieg, Brand des Lokals, Landestrauer, polizeiliches Verbot oder„sonstige Kala- mität" eintritt. Aber der Direktor geht noch sicherer. Ihm steht außerdem noch das Recht zu. den Kontrakt sofort auizu- heben. wenn das Mitglied sich für etwaS har engngiren lassen, was es nach seinem, des Direktors Nrtbeil, nicht zu leisten ver- mag, oder wenn es durch Vortrag, Produktionen und sonstigeS'Verhalten(?) ans oder außerhalb der Bühu? das Mißfallen des Direktors erregt. Das heißt mit anderen Worten, daß der Direktor das Mitglied seiner Bühne vollständig in der Hand hat und es ohne jegliche Widerrede zu jeder be- licbigen Zeit auf die Straße setzen kann, wenn ihm z. B. seine Nase nicht gefällt. Und die Rechte der E n g a g i r t e n? Ja, die giebt es überhaupt nicht, wenigstens ist im Kontrakt von ihnen mit keinem Wort die Rede. Einzig das Recht des Kontraktbruches steht dem Künstler oder der Künstlerin sür den Fall zu, daß es im stände ist, eine Strafe in Höhe der ganzen Monatsgage dem Direktor baar auf den Tisch zit legen. Man versteht, daß ein solches Dasein ein Mädchen mit Gewalt der P r o st i t u t i o n zuführen muß. Tie mit der Tiirchfnhinng einer einheitliche» Organisation der stauch reiön Müllabfuhr von dem Bunde der Berliner Grnndbesitzervertine betraute Wirthschafts- genossenschast Berliner Grundbesitzer wird die Abfuhr vom 1. Juni ab ausschließlich nach dem Wcchselkastcniysteme bewirken. Bio heute haben bereits mehr als 10 066 Häuser der Wirthschafts- geuossenschaft die Abfuhr überiragen. Wegen der Aegirkirche sind Herr v. Mirbach und seine Mitfrommen in schweren Nöthen. Der abenteuerliche Zwiebel- köpf sitzt glücklich oben fest, aber die 300 000 M. für die Stand- bilder der Hohenzollern-Hciligett fehlen liniiier noch, und wie die Sachen jetzt stehen, können auf lange Zeit hinaus nicht die ihnen in dem gottgesästigen Hause gebührende Stätte finden. Als einziger Trost' in diese» schweren Zeiten wird es noch empfiinden, daß das Geld für die Fenster gesichert ist, nnd zwar ist dies ge- schehen lheils durch die Stiftungen der königlichen Prinzen und Prinzessinnen und thcils durch die der— Freimaiirerlogcn. Welch ein Schmunzeln mag die Gesichter der Staalsstützen um Gröbcr-Luber herum breit verzerren, wenn sie vernehmen, wie und wodurch in den Umsturznöthen die königlich preußische Kircheiisrömmigkeit zu ihrem Siecht kommt! Die staatScrhaltende Presse in Nöthen. I» den hiesigen „Nenesten Nachrichten" finden wir folgenbeu Stoßseufzer: Bekanntlich hat sich am 24. April ans Einladung der Herren Minister v. Köster und v. Marschall ein Preßkomitee konstilnirt, welches in Gemeinschaft mit Vertretern der beiden Ressorts die Vertretung der Presse bei der Kieler Feier regeln soll. Bis heute— 10. Mai— ist aber der Presse noch nicht ein einziges Lebenszeichen zugegangen, so daß man nicht weiß, ob, wann und wohin etwaige Anmeldungen zu adressiren sind. Demgegenüber muß es auffallen, daß verschiedene Reporter behaupten, angeblich schon im Besitz von Theilnehmerkarten zu sein. Es wäre er- wünscht, zu erfahren, ob das Komitee noch besteht und wie es die Betheiligniig der deutschen Presse zu regeln gedenkt. Herr v. Koller hat bekanntlich in den gegenwärtigen Umsturz- Nöthen anderes zu thnn, als an die vor x-Woche» den gut- gesinnte» Reportern zugesagte Vergnügungsfahrt zu denken. Von dem VureankvatlSninö in der Charit«« haben wir schon des öfter»» schlagende Beispiele der Oeffentlichkeit unter- breiten müssen. Namentlich die liiigenügeiid»notivirte Be- schräiikung der Besuchszeit hat unter den Angehörigen der Kranken schon oft böses Blut erregt. Dieser Tage erhielten wir von einem Fall Mittheilnng, wo die Frau eines Arbeiters schwerkrank der Charite zugeführt wurde. Es ging mit ihr zu Ende, n»d sie verlangte ihren Mann zum letzten Male z» sehen. Dieser erhielt auch Nachricht, doch als er der Kranken zugeführt werden wollte, ivnrde ihm vom Assistenten die Antwort zu theil, daß er an» Tage vorher(es war ein Donnerstag) hätte kommen sollen. Alles Bitten half nichts; mit den Worten, die Chnritee sei kein Visiten- Hans, sondern ein Krankenhaus, wurde der Arbeiter abgewiesen. Auch ein zweiter, noch dringenderer Versuch war ohne Erfolg. Am nächsten Tage erhielt der Arbeiter Botschaft über die Kranke, sie war gestorben. Der Foriiialismns hatte in diesem, wie in manchen ähnlichen Fällen, über die Menschlichkeit gesiegt. Gewiß ist zu bcgreisen, wenn in einciii großen Institut, wie die Chnritee auch in der Besuchszeil eine Ordmnig walten muß, aber man sollte doch dcnkeu, daß der Tod selbst hier im stände sei, den krassen Formalismus zu brechen. Die Zisfaire Höppner hat ihren Abschluß erreicht. Wenigstens soweit die Person des schlagsertigen Gendarmen selber in betracht kommt. Daß die Angelegenheit seines„Be- leidigers", des Amtsrichters Dr. Schlöjsingk immer noch zu sühnen gesucht- wird, kouiiten wir gestern bekanntlich berichten. Gegen Höppner also ist weder bis jetzt ein Versahren wegen Meineides oder Falscheides eingeleitet, noch ist aiich sür die Zukunft irgend ein Vorgehen der Anklage- behörde gegen ihn»regen seines in Sachen Noak von Gcrichtsstätle ans für falsch erkannten Schwnrs zu erwarten. Die ganze Unannehmlichkeit, die dem Höppner ans seinen Rixdorfer Brutalitäten widersahren, besteht in einer sechswöchent- lichen Arreststrafe, die er wegen einer amtsmißbräuchlichen Prügelei zu erdulden hatte. Nachdem der Sicherheitsbeamte diese abgesessen, ist er nach den» Torfe Clausdors bei Potsdam versetzt worden. Dort soll er, soweit die»ins bis jetzt zugegangenen Siachrichteii reichen, mit der Bevölkerung in Frieden leben. EtwaS von der Findigkeit«ud verantwortungslofig- keit derer unter Köllcr. Der Klempner W. erhielt im März d. I. einen polizeilichen Slrafbefehl in Höhe von 3 M., weil er ruhestörenden Lärm verübt haben sollte. W. hatte solch erhebliches Zutrauen zu unseren Behörden, daß er ohne langes Bedenken die wegen seiner vermeintlichen Frevelthat ihn! auferlegte Summe der Polizei durch die Post an» 1. April übersendete. Trotzdem wurde W. Plötz- lich am 13. April duich die Polizei verhaftet, weil er angeblich die ihm zndiktirte Strafe noch nicht bezahlt habe. Nach etwa dreistündiger Haft wurde er in Be- gleilung eines Schutzmanns eiitlassen und sendete in desie» Beisein abermals 8 Mark 20 Pf. an die Polizcihaiiptkasse. Dann wurde er in Freiheit belasse». Seine der Polizei über- mittelte Beschwerde wegen dieser zweifellos durch das Gesetz nicht gewollten Verhaftung und sein Antrag, ihm die zuviel gezahlten drei Mark zurückzuzahlen, ist bislang von der Polizei- behörde noch nicht beantwortet. Wir haben vor nicht allzu langer Zeit einen ähnlichen Fall der Oeffent- lichkeit übermittelt. Wie ist es möglich, daß derartige unberechtigte Verhaftungen sich er eignen? Wer entschädigt den unberechtigt Verhasleten? Weshalb endlich dauert die behördliche Antwort in solchen Sachen so lange?— N. A. iv. g. Zum Widerstände gegen de» Umsturz— der MicthS- preise in Berlin fordert in»„Grundeigenthi»»" ein offenbar bei der Sache interessirter Anonymus auf. Die frisch- srei- frohe Offenherzigkeit der Anslaffungen»virkt herzerquickend im Gegensatz zu der Heuchelei,»velche die Hausbesitzer gemeinhin zur Schau tragen, indein sie sich als die größlen Menschenfreunde ans- zuspielen suchen,»vahrend sie doch thalsächlich die größten Egoisten sind. Der Artikelschreiber kennt seine Pappenheimer, denn er saßt sie bei ihrer stärksten Seite, indem er ihnen rücksichtslose Ausbeulung der Zwangslage ihrer Milmenschen an- empfiehlt in der sicheren Boranssetzung, daß er hiermit vollen» Verständnisse seiner„Berusslollcgen" begegnet. Der Grundgedanke der Auslässungen des banSbesitzerlichen Menschen- srenndcs ist, daß, wenn auch die»vilde Bauspekulatio» in den Außenbezirken von Berlin ein erhebliches Sinken der Mieths- preise für Wobnunge» veranlaßt habe, die Hausbesitzer Berlins dennoch gar keinen Grund haben, den» Drängen der Mielher, die Ebbe der Miethspreise von den Außenbezirken bis in das Innere der Slndt ansziidehiien, irgcndivie nachzugeben. Es»väre nicht begreiflich, wenn sich die Hansbesitzer bezüglich der Miethspreise ein- schüchtern ließen. Sie bätten»virklich nicht nölhig, umzufallen. Sie sollten lieber eine Wohnung leer stehen lassen, als die Miethspreise berabschen. Man sieht, der Mann versteht sein.Geschäft. Und dah die Hausbesitzer bereits nach diesem Rezepte„arbeiten", un- bekümmert um die Konkurrenz der Außenbezirke, diese Erfahrung kann man täglich machen. Sie meinen eben, die Miether müssen ihnen kommen. Möglicherweise können sie sich aber doch ver- rechnen, denn die Zahl derer, die es vorziehen, angenehm in den Außenbezirken zu wohnen und lieber das Fahrgeld nicht scheuen. als es den Hansivirthen für die hochgeschraubten Wohnungs- miethenZin den Hals zu werfen, vergrößert sich zusehends. Die Spekulation auf die Zwangslage der Miether bringt die Herren Hausbesitzer vielleicht selber in die Zwangslage, den Umsturz der Miethspreise zu vollziehe». Zu dem Streit des Herr» Professors Kohlrnusch mit den Befürwortern des Projekts der elektrischen Bahn Berlin- Cbarlottenburg schreibt uns ein Fachmann: So leid es mir thut, Professor Kohlransch hat thatsächlich recht. Professor O. E. Meyer hat im Breslauer physikalischen Institute, an dem die elektrische Bahn nahe vorbeifährt, nachgewiesen, daß zur Zeit des Bahnbetriebes erdmagnetische Messungen überhaupt nicht. elektrische Messungen aber in nur sehr unvollkommener Weise ausgeführt werden können. Da die phys.-techn. Reichsanstalt aber gerade dazu da ist, derartige Messungen aus- zuführen, kann man es dem Direktor derselben nicht verargen, wenn er gegen die elektrische Eisenbahn Einspruch er- hebt. Der schädliche Einfluß der elektrischen Eisenbahn ließe sich übrigens vollständig eliminiren, wenn die Stromrückleitung nicht durch die Schienen, fondern durch eine zweite Luftleitung ge- schehen würde— die Störungen rühren nämlich von Erdströmen her, die zwischen den Schienen und der elektrischen Zentrale ver- laufen. Nicht Professor Kohlrausch, sondern die Profilwuth der Aktionäre, die eine besondere Stromrückleitung erspare» wolle», ist verantwortlich zu machen. In der Urania findet heute, morgen, Donnerstag und Sonnabend die Vorführung des dekorativen Ausstattungsvortrages „Durch alle Welten" statt. Am Dienstag wird Herr R. Tabbert seinen Vortrag über„Die Goldfelder Transvaals" noch einmal halten, am Mittwoch wiederholt Herr P. Spies„Tesla's Licht der Zukunft", und am Freitag spricht Herr Dr. P. Schwahn über „Das Laibacher Erdbeben". Theaterchronik. Spielplan im Opern Hause. Sonntag, Häusel und Gretel. Die Puppenfee. Montag, Lohengrin.(An- fang 1 Uhr.) Dienstag: Der Evangelimann. Mittwoch: Ter Barbier von Sevilla.(Rosine: Fr. Marcella Sembrich als Gast.) Slavische Brautwerbung. Donnerstag: Der Evangelimann. Freitag: Hänsel und Gretel. Karneval. Sonnabend: Zum ersten Mal: Frauenlob.(Frauenlob: Herr Kraus, vom Hof- und National-Theater in Mannheim, als Gast.) Sonntag: Der Freischütz.— Im S ch a n s p i e l h a» s e. Sonntag: Der Re- visor. Montag: Wie die Alten sungen. Dienstag: Torquato Tasso. Mittwoch: Der Revisor. Donnerstag: Die Welt in der man sich langweilt. Freitag: Torquato Tasso. Sonnabend: Der Revisor. Sonntag: Zum ersten Mal: Alt-Berlin.— Im Deutschen Theater werden Donnerstag und nächsten Sonntag Nachmittng:„Die Weber", und nächsten Sonntag SIbend neu einstudirt„Die bezähmte Widerspenstige" mit Agnes Gorma in der Titelrolle ausgeführt. W' Der ZirkuS Schumann wird mit sniumtlichem Inventar Und Zubehör zum Verkauf ausgeboten. Den Nothstandslengnern ins Album. Bewußtlos wurde am Freitag Nachmittag an der Sandkrug-Brücke bei der Hain- burger Bahn der 23jährige Buchhandlungsgehilfe Karl Schröder aus Kleinen in Mecklenburg aufgefunden, der sich ivohnungslos in Berlin aufhielt. Ein Schutzmann des 5. Reviers ließ ihn in «in Krankenhaus bringen. Schröder hatte sich, wie er angiebt, unter die Menge gemischt, die einem Leichenbegängniß zuschaute. Dabei war er aus Schwäche umgesalten und liegen geblieben, weil er schon seit mehreren Tagen nichts mehr zu essen gehabt hatte. Aus Verzweiflung hat der KOjährige Geschäftsbote Wilhelm Braun zum Strick gegriffen, der vcrheiralhet war und Alt-Moabit Nr. 16 wohnte. Braun war schon längere Zeit arbeitslos und es wollte ihm gar nicht gelingen, wieder Beschäftigung zu be- kommen. Nahrungssorgen trieben ihn in den Tod. Sein Sohn, der am Freitag Abend zufällig in seine Wohnung kam, fand de» Vater an der Wand hängend vor. Die herbeigerufene Polizei nahm den Erhängten ab. Er war bereits eine Leiche; alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Ein Berliner Liebespaar scheint in den Leichen von zwei jungen Leuten von etwa 25 Jahren gefunden zu sein, die bei Einbruch der Nacht am 7. d. M. bei Trebatsch aus der Spree gelandet wurden. Die beiden waren mit einer Schnur zu- sammengebunden und haben zweifellos den Tod im Wasser ge- sucht. Zur Feststellung der Persönlichkeiten fehlt es an bestimmten Anhaltspunkten, auch ein Brief, der bei dem Paare gefunden wurde, giebt keinen Aufschluß. Wegen Untreue ist der bei dem Weißwaarenhändker Cohn in Weißensee beschäftigt gewesene Handlungsgehilse Max H. ver- haftet worden. Er hatte zum Nachtheil seines Prinzipals Waaren zu Schleuderpreisen verkauft. Eine Entschlossenheit, die im gewöhnlichen Leben selten zu beobachten ist, legte am Freitag Nachmittng ein junger Arbeiter an den Tag. Vor dem Stettiner Bahnhof fuhr ein Wagen mit Mauersteinen beladen vorüber. Der Kutscher mochte wohl geschlafen haben, denn plötzlich fiel er vom Wagen herab und zwar so, daß die Unterschenkel unmittelbar vor dem linken Vorderrad lagen. Sie hätten zermalmt werden müssen, wenn der Wagen mit seiner mindestens 106 Zentner schweren Ladung über die Beine hinweggegangen wäre. Während den zahlreichen Passanten des stark belebten Platzes momentan das Blut in den Adern erstarrte, warf ein junger Mann, der eben mit einem Packet aus dem Arme vorüber ging, das Packet fort und riß mit einer Kraft, die niemand dem schwächlichen Körper zugetraut hätte, den Kutscher so blitzschnell unter dem Rade des Wagens hervor, daß das Rad nur die Sohlen der Stiefel streifte und der Kutscher unverletzt wieder ausstehen konnte. Ein Schutzmann brachte den Kutscher wie de» muthigen Retter zur Wache, um die Name» beider sestzustellen. Vermißt wird seit dem S. d. M. au der 25jnhrige geistes- gestörte Handlungsgehilfe Ernst Gäcke, der in der Lothringer- ftraße 9 bei Beyer wohnte. Gäcke ist am Tonnerstag. morgens gegen 8 Uhr, von Hause weggcgaugeu und seitdem nicht mehr gesehen worden. Der Fabrikarbeiter W., in der Sck önerlinderstrabe in Köpenick wohnhaft, wurde am Freitag in der Köllnischen Haide unweit Niederschöniveide von drei Strolchen angefallen und in bestialischer Weise mißhandelt. Die Thäler sind leider entkommen. Neberfahren und am Kopfe schwer verletzt wurde am Freitag Abend gegen 7�/2 Uhr ein etwa 7 Jahre alter Knabe in der Oranienstraße zwischen dem Moritz- und dem Oranienplatze. Der Verletzte wurde von seiner Mutter zu einem Heilgehilfen in der Luckauerstraße gebracht und erhielt hier einen Noibverband. Der Vorfall verursachte in der sehr belebten Straße einen Menschenauflauf. Unbekannt gestorben ist im städtischen Krankenbause Am Urban ein Mann, der am 5. d. M. aus dem Wagenplatze des Fnhrherr» Lehmann in der Bärwaldstraße bewußtlos aufgewunden worden war. Ein Schutzmann hatte den Kranken in die ge- nannte Anstalt bringen lassen, wo er die sorgfältigste Behandlung erhielt. Trotz der ärztlichen Bemühungen aber starb er scbon bald nach der Einlieferung, ohne Anskunsl über seine Persönlich- keit gegeben zu haben. Bis jetzt haben auch noch keine Nach- fragen von Angehörigen nach dem Verstorbenen staltgesunden. Der Mann ist etwa 40 Jahre alt. PoNzeiberkcht. Am 10. d. M. nachmittags wurde ein Mädchen vor dem Hause Breitestr. 31 durch herabfallenden Stuck innerlich schwer verletzt.— Abends wurde ein Arbeiter in seiner Wohnung, in der Straße Alt-Moabit, erhängt vorgesnnden.— Im Laufe des Tages fanden vier kleine Brände statt. WitternngSiibersicht vom 11. Mai 1895. Wetter-Prognose für Sonntag, IS. Mai>895. Warmes, vielfach heiteres, zeitweise wolkiges Weller mit schwachen südlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner W e t t e r b u r e a u. Gerirktks-IZeikung. Nach einem kürzlich gefällten Urtheil des Kammer- gerichls haben die T a x a m e t e r k u t s ch e r gleich den anderen Droschkenführern das Recht, für die Mitbefördernng eines Hundes eine Abgabe von 25 Pf. zu fordern. Dürfe» Sozialdemokraten Kebnrtstagsfeste feiern und das vo» ihnen getrunkene Bier bezahlen? Der Arbeiter Ebel feierte in seiner Behausung zu Zossen iin Januar d. I. seinen Geburtstag im Kreise mehrerer Bekannten. Bei dieser Gelegenhett empfahl sein Gast B ä h n i s ch das„Volksblatt für Teltow- Beeskow" zur Lektüre. Vor dem Auseinandergehen veranstalteten die Geburtstagsgäste eine Tellersanunlung zurrheil- weisen Schadloshaltung des Gel urtstagskindes für das von diesem gespendete Bier. In diesem Vorgehen erblickte das Schöffen- gericht zu Zossen unter Vorfitz des Amtsrichters Semniler und unter Beisitz zweier Unternehmer: die Veranstaltung einer Ver- sammlung zur Berathung und Erörterung öffentlicher Angelegen- heilen und das Veranstalten einer öffentlichen Kollekle. Da diese„Versammlung" nicht polizeilich augemeldet war, erblickte das Gericht ferner in der Abhaltung' der Geburtstagsfeier einen Verstoß gegen das preußische Vereinsgesetz. Deshalb wurde das Geburtstagskind und sein Gast Bähnisch niit je 50 Mark Geldstrafe belegt. Zur Begründung findet sich folgender Passus im Uriheil:„es kann keinem Bedenken unter- liegen, daß die vo» Ebel veranstaltete Versammlung nicht lediglich den Ziveck einer einfachen Geburtstagsfeier hatte, und zwar schon aus d e nr Grunde,>v e i l Leute vonr Stande des i!lu geklagten nicht eine so große Zahl ihnen ferner stehender Leute, denen sie lediglich Zeitungen zutragen, einzuladen pflegen." Die beiden verurtheilten Missethäter haben trotzdem erhebliche Be- denke», daß Arbeitern nicht erlaubt sei, Gebartstagsfeste zu feiern wie sie wollen. Sie haben deshalb die Entscheidung darüber, ob die Feststellung des Vorderrichlers mit dem Vereinsgesetz und mit der preußischen Verfassung vereinbar sei, durch Einlegnng der Berufung dem Landgericht II unterbreitet. In der Versaffuna steht, daß alle Preußen vor dem Gesetz gleich seien und daß Standesvorrechte nicht stattfinden. Der Arbeiter Bähnisch ist durch das Gericht überdies mit noch 10 M. Strafe belegt, weil er durch den Versuch der Bezahlung des vo» ihm getrunkenen Bieres die Polizeiverordnnng vom 7. Januar 1891 verletzt habe, „deren Gilligkert Bedenken" nach Ansicht des Schöffengerichts „nicht unterliegt". Diese Verordnung ist etwa 50 Mal seitens des Landgerichts II und seitens des K a in m e r g e r i ch t s f ii r r e ch t S u n g i l t i g erklärt. Und dennoch bestehen Bedenken gegen deren Giltigkeit nicht? Allerdings der Strafsenat des Kammergerichts zählte damals noch nicht drei Herreu zu seineu Mitgliedern, die vor ihrer Be- rusung an das Kammergericht nur Staatsanwälte waren. Der Schriftsteller Dr. Pauizza, welcher kürzlich wegen Gotteslästerung und Beschimpsung kircklicher Einrichtungen in seinem Drama„Das Liebeskonzil" zu einem Jahr Gefängniß vernrtheilt und wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet wurde, ist, der„Allgemeinen Zeitung" zufolge auf Anordnung des Staatsanivalts bis zur Erledigung der vo» Panizza gegen das Strafmaß eingelegten Revision ans der Halt entlassen worden gegen Hinterlegung einer Bürgschaft von 80 000 M. Eine seltene Freisprechung. In Müblhausen i. Thür. sprach die Slraskninmer den Arbeiter Georg Fischer, welcher bei einem Kaiserhoch sitzen geblube» war, von dcr Anklage der Majestätsbeleidignng frei. Ter Vorsitzende führte in der Be- grüudung aus, daß zwar eine„Chrsurchlsvcrletzung". nicht aber eine„Beleidigung" vorliege. Tie Frage des Vorsitzeiden:„Was haben Sie sich dab-r gedacht?" beanlirortete der Angeschutbigte nicht. Verlsunttlungen. VcrbaudStag deutscher Brauer.(Schluß.) Am Vormittage des II. Mai wurde die Slatnienberathung forlgesetzt. Von Regensburg gelangt ein Schreiben an den VerbandStag, daß die dortige lolale Organisation beschlossen bat. in eorporo in den Verband einzutreten. Tie Anträge aus H>rabsetzu»g der Diäten werden abgelebnt; der bisherige Satz<10 M. pro Tag) bleibt b-suhcn. Tie Vorstandsämter waren bis- lang auf die einzelnen Zmeigvereine Hannover, Berlin und Nürnberg verlheilt. Auf Antrag Hannover wurde das dahin abgeändert, daß ier gesammie Vorstand in einem Orte domizilirt sein muß. Als neue Institution wurde ein A u S- s ch u ß gebildet, der Beschir erden gegen den Vorstand und das Faci'blalt eiitgegenzunchnien hat. Alljährlich soll wie bisher ein Verbandstag abgehalten werden. Von riichrertn Orten war in Anregung gebrackck, die internationale» Beziebunge» mehr auszntehnen In der Debatte wurde koilsb tirt, daß in der Schweiz die Bewegung unter den Branereiarbeiteru gute Fortschritte macht; auch in Oesterreich erhofft man Erfolg für die Bewegung, die dort noch etwas tzegeir über den Nachbarräudelir zurückgebliebe» ist. Bei Gelegenheit des internationale» Kongresses im Jahre 1896 soll eine Kvufereiiz der Brauereiarbeiier aller Länder in London abgehalten n erden. Der Vorstand erhielt de» illusirag, mit ausländischen Organisationen Kartellverhälinisse einzugehen in bezog auf Reisennterstützung zc.— wie sie schon mit der amerikanischen Union besteven. Ten Bericht der R e ch t s s ch u tz k o m m i s s i o n erstaltete Hilpert; das Reglemeut der genani.ten Kommission wurde in verschiedenen Puiikleu abgeändert. Die Frage betr. die Zahlung der Beiträg ean die Generalkom Mission ivurde in ein- gehender Weise erörtert. Es wurde allgemein anerkannt, daß man der Kommission gegenüber zur Nachzahlung der rückständigen Beiträge in anbeirachl der Hilsc, welche nian durch sie erhalten. verpflichtet sei; nur über das Wie der Zahlung gingeu die An- sichten weil auseinander. Durch Exlrasteuer den Betrag zudecken. lehnte man ab. Vom 2 Ltuartal 1895 ab soll der Beitrag regelmäßig geleistet und die restirende Summe(zirka 1600 M.) soll nach und nach getilgt werden. Ans die Mitlbeilung des Reichstags-Abgeordneten v. Elm hin, daß im nächsten Jahre ein allgemeiner Gewerkschaftskongreß stattfindet, be- schloß der Verbandstag denselben durch drei Dclegirte zu beschicken, die mittels Urabstimmung gewählt werden sollen. Die Anträge, welche die Durchführung eines einheitlichen Lohntarifs und die Errichtung eines Zentral- Auskunftsbureaus, das vornehmlich den Arbeitsmarkt reguliren soll, bezwecken, wurden abgelehnt resp. zurückgezogen. Die Delegirlen erkannten an, daß die Forderungen an das Unternehmerthum den jeweiligen örtlichen Verhältnissen an- gepaßt sein müssen und für die Regelung der Arbeitsvermiltelung im Sinne der Arbeiter das Haupterforderniß eine st a r k e, ge- schulte Organisation der letzteren ist und bleiben wird.— Die Verbandsleitung wurde in Hannover belassen. Zur Ent- lastting des Vorsitzenden, der gleichzeitig die Kassirergeschäfte mit verwaltet, soll eine Hilfskraft angestellt werden; als Vorsitzender ist Wiehls wiedergewählt. Der Sitz des Ausschusses ist Berlin; wo auch die Rechtsschutzkommission gebildet wird. Der nächste Verbandstag wird in M ü n ch e n stattfinden. Für die Berliner gab Steiner und für die Brannschweiger Kollegen Müller den Gefühlen des Dankes Ausdruck für die reichlichen Unterstützungen, die den beiden Städten während der vorjährigen Kämpfe dargebracht wurden. Einstimmig genehmigte der Ver- bandslag eine Resolution Wagemann-Mannheim, in welcher der gesaminten Arbeiterschaft Deutschlands gedankt ivird für die allseitigen Beweise der Sympalhie und für die materiellen Zuwendungen, die den Arbeitern im Braugeiverbe im Jahre 1894 zugeflossen sind. Mit dem Hoch auf die inter- nationale Arbeiterbewegung gingen die Theilnehmer des neunten Verbandstages auseinander. Fricdrichsberg. Im Arbeiterinnen- Vildungsverein hielt am 7. Mai Genosse Jahn einen recht interessanten Vortrag. Hierauf nahm die Versammlung den Kassenbericht entgegen, der eine» Bestand von 66,30 M. aufweist. Zum Schluß wurde der Wunsch ausgesprochen, gegen die Verfügung der hiesigen Polizei- behörde, ivelche die Versammlungen nach Eintritt der Polizei- stunde schließt, beim Landrathsamt Beschwerde zu erheben. St-rl-etiass« von Arbritrrn d-r K-elin-r W»rchin«ii da» Aktien. «eselttchaft. Heule, Sonnlag: Zahllag Aclerstraße 123 bei Martens, rühsr Slüints. Eiligekaitfene Truckschriften. Von der..Nene» Z-It" panelta's Philosophie. 3. Sampanella'S Politik.«. Der Sonnenstaat. Vo» P. Lafaraue.— Fünfler Abschnitt: Kommunistische und demo- Iralisch-sozialisttscheStrömungen wahrend der englischen Revo- lution d. Oekonomiiche und soziale Eniwicllnng. i. Politische und reltatös« Verhältnisse. Der Ket'sche Ausstand. 3. Tie Utopia de« Siaaiztanzler« Bacon. Kapitel III. Die ersten Regterunesiahre Karl'« I. John Lrldurne's Jugend und erst« Vcifclgurgcn. KapNel IV. Parlament und Königthum. Presbytertaner und Ii depenbenten. Die siaatSaesährlichen Seiten. Volk und Parlament. KapNel V. Tie Epalrung der Jndepend.nien in Leveller und„«entlemen". Z.iiweiltge Uebe.brülkung des Segensaees. Viitorro vliviori, Assionri« Lroblomi Loci«Ii. Veraas, G Zannoni. Liirsteniruospruchr. Verlag von R. Lutz, Stuttgart. 80 Seiten. 80 Pf. Asthma ist heilbar. Von K. F. Wagner. Verlag von A. Strauch-Leivzig. „Li Jeunesse Socialisre", revue rnensuelle de socialisme scientiflque, publiee par le gruarc des etudiants socialistes. Prix du numero:«0 Cts. Toulouse, Place du Capitole 31. En vente a Paris ctiez les principaux libraires._______ Vviefkalten drv DedttkNon. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erihellt werden soll. Montag, Dienstag, Donner st ag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Ausklinst und Rath in Rechtsange lege»heiten ertheilt. AiiSläuder. Sie sehen, ich hatte recht— wäre der Herr nicht zur Vernunft gekommen, so hätte man ihn zur Vernunft gebracht. Ich bin Sonntag Vormittag in meiner Wohnung. Kanistr. 160, Charlollenburg, Station Zoologischer Garten, bis 1 Uhr zu sprechen. Gruß. Teil. Ihr Gegner hat recht. Tell ist keine Person der Ge- schichte, sondern der Sage. I. E 41. Veranlassen Sie den Herrn zu einem kurzen Besuch ans der Redaktion. A. K. 191. Vielleicht giebt Ihnen Prof. Dr. Bellermann, Klosterstr. 74, Auskunft. Biel vci lag. Berichten Sie de» Fall in Ihrer Organisation. — H. K. 12. Ist fester Wochenlohn vereinbart, so wird dieser dadurch nicht vermindert, daß in die Woche Feiertage fallen, diese Feiertage sind also mitzuzahle».— A. B. in Finsterwalde. Eine Versammlung während des Gottesdienstes zu eröffnen, ist zwar gesetzlich zulässig, meist jedoch unpraktisch. — NeumailN. Leider ist der Küster im Recht.— A. L. 15. Sprechen Sie in der Sprechsiniide gelegentlich vor.— W. B. 1. 1. Sie können sich an das Gericht wende». 2. Ja.— A. 2,75. Die Zahlung des Loosgewinnes erfolgt nur gegen Rückgabe des Scheins. — Maurer. Wir haben Ihnen schon einmal die Erklärung gegeben, daß wir derartige Aufrufe, die sich an ihre Berufs- kollegen i» beslimlnten Bezirken in Berlin wenden, ablehnen. — I. S. Tie Kündigung ist nach dem Vertrag unberechtigt, Erklären Sie ausdrücklich, daß Sie mit der Kündigung nicht ein- verstanden sind, und klagen Sie sodann event. gegen den Thealer- Unternehmer auf Zahlung des Gedalts beim Geiverbegericht.— — Vergo. Allerdings ist der Schein, durch den Sie sich zur Abnahme des Brockhaus'fchen Konpersatioilslexikons ani Zureden verpflichtete», leider gütig, wiewohl der zu zahlende Preis ein enorm hoher ist und in keinem Verhällniß zu dem steht, was das dickleibige, aber sehr mangelhafte, für einen Arbeiter beinahe nutzlose Werk Ihnen bietet. Ter Einwand, daß es wuchcrmäßig ist, die Uneriahreuhcil eines Arbeiters dazu, so wie von solchen Abonnentensammlern zu gesck ehen pflegt, zu mißbrauche», würde vor einem gelehrten Gericht leider schwerlich Beachtung finden. Jede Parteibuckibandlung hätte Jdnen ein Lexika(wie Liebknecht'» Fremdwörterbuch und Wurm's Volkslexikon) für etwa den achten Theit des Preises geliefert, zu' dessen Zahlung Sie sich jetzt verpflichler haben. Sollten Sie verklagt werden. so prechen Sie in der Sprechstunde vor.— W. Z. V. Die kleinste Kupfermünze in Oesterreich ist ein halber Kreuzer.— F. F. 91. 1. Wegen Gerichts- oder Anwalts- kosten ist Lohnte chiagnahme nicht zulässig. 2. Die Nicht- stempelung eines steinpelpflichtigen Vertrages macht den Vertrag nicht nngiliig, sondern macht nur die Vertragschließenden straibar. — H.«ch. 19. Ein Leseklub, der sich mit Reichstags- Verbandlungcn u. s. w. beschäftigt, würde als politischer Verein im Sinne des preußischen Vereinsgesetzes angesehen werden. — H. P. Ein Recbt ans Natliralisiriing in Teutschland hat kein AtiSläiidcr. Die Naiuralisirimg bängt im wefent- lichen vom Belieben der Verwaltuiigsbehörde ab. Von russischen Arbeitern gestellte Nalnralisationsgesnche pflegen in Preußen oussichlslos zu sein. Wollen Sie dennoch den Veriuch machen, so geben Sie Ihren Antrag auf N lurnlisirurg zu potizeilicvem Protokoll. Veraniworrlicher Retatleur: I. Tierl(Emil Roland) m Berlin. 2-ruci und Vertag von Max Bading in Benin. SVV, Beuiostraße 2, 2. Beilage zum„Vomarts" Berliner Ur. 110. Sonntag, den 12. Mai 1895. II. Jahrg. Nachtragliches nber die Maifeier. JilU eck er münde ist die Maifeier am S.Mai durch eine Vc>!k-versam»ilung. mo Gründe! ans Berlin sprach, und eine Abendfestlichkcit begangen morden. Zllles verlief gut.— Die Machfeier, die am letzien Sonntag in Gera abgehalten wurde. mar von 10—11 OVO Personen besucht. Reichstags-Abgeordncler W u r m hielt den Vortrag.— In Breslau bot der Ausflug am gleichen Tage das Bild einer wahren Völkerwanderung. Wie grop die Betheiligung der Arbeiterschaft war, ergiebt sich schon daraus, daß nicht weniger als S0 Schutzleute aufgeboten waren, um aus der Landstraße, wo der Zug sich bewegte, ihren Dienst zu versehen.— Nicht weniger eindrucksvoll war die Mai feier in Vre m e n und Umgegend.— Auch in Lemgo(Lippe� Detmold) ist die Maifeier gut verlaufen. Ueber 2000 Personen hatten sich zu der Versammlung eingesunden, wo 5t l i» g e n- Hagen aus Herford referirte. Die Berliner Resolution wurde einstimmig angenommen. In Holland fanden noch verschiedene Maikundgebungen am 5. Mai statt. Man richtet sich also auch dort nach den örtlichen Verhältnissz». A»S Numänicn. Wie seinerzeit im„Vorwärts" gemeldet worden, hatte die Regierung den zum 1. Mai geplanten Umzug verboten. Obwohl das im Widerspruch mit den Grundgesetzen des Landes steht, fügten sich die Parteigenossen doch dem Verbote und versammelten sich, ohne Umzug, in einem Garten der Um gegeud von Bukarest. Als Prolest gegen die Maßnahmen der Regierung aber hat die Parteileitung am 6. Mai eine Prolest- Versammlung abgehalten, die gut besucht war. Sie wurde von der Genossin Sophia Nadejde geleitet. Das Wort ergriffen die Genossen Nadejde, Äthan asiu, George Dia- mandi, Const. Bakalbascha. Eine Protestresolution wurde unter lautem Beifall einstimmig angenommen. Schweden. In Eskildstuna, einem Städtchen von etwa 10 000 Einwohnern nahmen 800 Personen mit K Fahnen an dem Temonstralionszug thcil; auf dem Festplatz waren über 2000 Personen versammelt.— In Malmö versammelten sich die Demonstranten aus deni großen Markte, von wo sie in Starke von 29 Vereinen mit 0 Musikchören zum Rörsjm platze marschirte», wo etwa 8000 Personen versammelt waren Redakteur Axel Danielson hielt die Rede, woraus der Abend in dem schönen„Volksgarten" zugebracht wurde.— I» Helsingsborg nahmen 22 Vereine mit 3 Musikchören an dem Demoiistralionszug theil. Tie Festrede wurde vom Schuhe wacher A. E. L i n d b l a d auf dem Südmarkte gehalten. Be endet wurde das Fest in dem neuen„Volksgnrten".— I» U st a d nahmen an dem Dcmonstrationszuge 14 Vereine mit Fahnen theil; die Reden hielten Tabakarbeiler Jönsson, Journalist Aug. Nilffon und Typograph Tyring.— In Lund bctheiligten sich 4000 Personen an dem Demonstralionszuge. Die Rede wurde vom Zigarrenarbeiter Andreen geHallen. Späterhin wurde der neue„Volksgarten" der Arbeiterpartei eingeweiht. Dänemark. Bei den Festen am 5. Mai wurde in den Ver- sommlungen in Kopenhagen folgende Resolution an- genommen.„In Uebercinstimmung mit dem Programin der Sozialdcmokraiie und den Beschlüssen auf den internationalen Kongresse» in Paris 1889, Brüssel 1891 und Zürich 1893 ver- langt die Versammlung, daß die erhöhte Produktivität, welche die menschliche Arbeit jetzt im Verhältnisse zu früher besitzt, den Arbeitern zugute kommen soll durch den gesetzlich zu bestimmenden Maximalarbeitstag, der in den ökonomisch vorgeschrittenen Ländern auf 8 Stunden sestgesetzl ist: Die jetzige längere Arbeitszeit be- wirkt in einer ganzen Reihe von Gewerben, daß die Arbeiter überanstrengt werden, ihre Gesundheit zerstört und ihre Lebensdauer verkürzt wird. Sie erhöht die Zahl der Arbeitslosen und bewirkt, daß der Arbeitslohn sinkt als Folge des erhöhten Angebotes freier Arbeits- SomtfogspliUtderci. War das eine Woche! War das eine Woche! Die Spötter durften im Uebcrmaß schwelgen. Als ob man irgend einem„satirischen Schuft", um mit Hamlet zu reden, ganz besondere Feiertage bereiten wollte, so ging es von Komödie zu Komödie. Mit der Entrüstung geivichtigster Stadtväter, deren Empörung sich„in Schönheit", in ivohl- gesetzten, fein ausstudirten Phrasen entlud, fing es an; mit dem Begräbniß des§ III unter dem Beistand leidtragender Minister, bei deren Trauer doch niemand ernst zu bleiben wußte, hörte es auf. Sich mit Maß empören, sich derart zu entrüsten, daß man der angeborenen Patrizierwürdc nichts vergicbt, das ist eine schiverere Kunst, als irgend ein verärgerter, würdeloser Mensch sich träumen läßt. Der schilt eben darauf los, wie ihn die Leidenschaft bewegt. Etwas anderes ist es, wenn man seines Werths sich bewußt ist, wenn man erkennt, welch feierlich-repräsentative Rolle man vor der Welt zu spielen berufen ist und wenn man die Ehre gebührend zu schätzen weiß, daß ein leibhaftiger Prinz sich an die Spitze der Vorkämpfer um bürgerliche Freiheil gestellt hat. Das merkte man den Herren an, die im Festsaal des Kaiserhofes die Groß- gemeinden Deutschlands zu vertreten hatten. Es war eine höchst respektable Empörung, so zu sagen, die sie in Szene gesetzt hatten, ohne kaustischen Witz, ohne brennendes Pathos. Wer zu solcher Feierlichkeit noch zu lächeln vermag, dem gegenüber läßt sich nur so verhandeln, wie der Kriegsministcr im Hochgefühl seiner militärischen Ehrbegriffe mit dem bedauernswcrthen August Bebel ver- handelt. Wozu erst viel Worte verlieren? Kann solcher Alaun die Sprache der gemessenen Würde verstehen? Wie bitter krampfte sich die Seele des Herrn Kriegs- Ministers zusammen, als er dem störrischen Bebel die Vor- lesung über die Gefühle der Ritterlichkeit, über das gcr- manische Waffenspicl und ähnliches niehr halten wollte und als er sich besann: Hier ist edler Eifer umsonst ver- than. Wenn nian mit heißem Bemühen belehren möchte, wenn man die Leute ans den Niederungen, wie die um Bebel, gerne in seine eigene höhere Sphäre emporzöge; wenn man dies mit warmblütig- gallischem Temperament thut, wie unser Herr v. Brousart lind man stößt aus wider- borstig kaltes Wesen,— das thut dann freilich weh. Dann läßt sich der Wechsel in den gereizten Stimmungen wohl begreifen. Bald lodert es ingrimmig auf in den Sinnen des Kriegsministers und seine Phantasie sieht gewaltige revolutionäre Gefahren und es gährt in ihr, wie in der Einbildungskraft eines Südsranzoseu. Bald aber zerrinnen die phantastischen Träume; und der Herr Kriegsminister bindet mit den Umstürzlern überlegen lächelnd an, in märkisch-junkerlicher Schucidigkeit, die jede Gefahr mit Ironie abthut. Und wie es schon die homerischen Helden thaten kraft. Dagegen bringt der Achtstunden- Arbeitstag folgende Vortheile: 1. Er vermindert die Arbeits losigkeit und schafft durch die Erhöhung der Nachfrage nach Arbeitskräften die Bedingungen für eine Erhöhung des Arbeits lohnes. 3. Er erhöht die Kaufkraft der Arbeite und ruft dadurch eine erhöhteProduktion und vermehrten Umsatz hervor. 3. Er verschafft den Ar beiler» die nolhwendige Zeit zur Ruhe und Erholung, sowie zur Entwickeluug ihres Familienlebens. Tic Versammlung betrachtet den Achtstunden- Arbeitstag aus folgenden Gründen für durch sührbar: a) In mehreren Staaten und Gemeinden ist er bereits eingeführt, theils für die Staats-, theils für die Geiuemdr Arbeiter, theils auch als allgemein üblich für die betreffenden Bezirke; b) er ist ferner in vielen Gewerken des Auslandes durch private Initiative eingeführt; c) das Prinzip einer Begrenzung der Arbeitszeit auf eine gewisse tägliche Stundenzahl ist in fast alle» Ländern und in den meisten Gewerken durch- geführt und die Erfahrung hat bewiesen, daß die Gewerke, die mit der kürzesten Arbeitszeit arbeiten, in der Regel den Arbeitern die günstigsten ökonomischen Bedingungen bieten, d) Endlich ist die Forderung nach dem Achlstuuden-Arbeitstag international. Sie wird von den Arbeitern in allen ökonomisch vorgeschrittenen Ländern gestellt und wird daher der 51onkurrenztüchtigkeit des einzelnen Landes nicht hinderlich in den Weg treten. Infolge der hier aufgeführten Gründe fordert die Versammlung die Re- gierung und den Reichstag auf, schleunigst den gesetzlich bestimmten Achtstunden- M a x i m a l- A r b e i t s t n g einzuführen." Ueber die Maifeier in Spanien wird uns geschrieben: Ucberall, wo Versammlungen abgehalten wurden, herrschte die größte Ordnung, was von der gesammten Presse aus das rühm- lichste hervorgehoben und anderen Parteien als Muster und Bei spiel empfohlen wird. Besonders„EI Liberal" und„El Jmparcial", die angesehensten Blätter, sprechen von der großen Besonnenheit und Klugheit, womit die Versammlungen überall geleitet wurden; sie loben auch vielfach den Inhalt der Reden unserer Genossen, deren maßvolles Wesen und rednerisches Geschick dabei rühmend erwähnt werden. Besonders in den Industriezentren, wie Barcelona, Bilbao, Ferrol, Linares u. s. w. war die Feier großartig und erhebend; und es' scheint, daß die Arbeitsruhe in diesem Jahre größer war, als in früheren Jahren. In einzelnen Städten Kataloniens war die Arbeits- ruhe vollständig und zwar eine mit den Fabrikanten vereinbarte. — In Madrid wurde im Iroulon de San Francisco eine große Volksversammlung abgehalten, die von mehr als 3000 Per sonen, darunter viele Frauen, besucht war. Unter den dort gc haltenen Reden war besonders diejenige unseres Genossen I g l e s i a s von Hervorrageuder Bedeutung.— JnB a r c e l o n a fanden mehrere sehr gut besuchte Volksversammlungen statt. Viele Gewerkschaften, unter ihnen die Steinhauer, Barbiere. Maurer, Banhandwerker u. a. hatten vollständige Arbeitsruhe durch- geführt. Unentgeltlich wurden zahlreiche Festuummern der Zeitungen: Tie soziale Zukunft" und„Ter Achtstundentag" verbreitet. Auch die anarchistischen Freidenker, die bisher sehr bedrängt wurden, konnten ihre Maifeier abhalten. Gegen Abend wurde eine sozialistische Theatervorstellung im Theater„Calvo-Vico" gegeben(„El Pan del Pobre"—„Das Brot des Armen"). Das Theater war voll besetzt und das Stück wurde mit dem größten Beifall ausgenommen. In erhebender Weise verlief auch in den kleineren Städten Kataloniens die Maifeier, besonders in San Andres de P a l o m a r. San Martin, M a t a r o, S a b a d e l l, V i l l a n u o v a y G e l t r n u. f. w. In den drei letzt genannten Orten war die Arbcitsruhe vollständig; man feierte den Maitag durch Versammlungen, Theatervorstellungen, Spaziergänge und Bälle. In Mataro nahmen auch die Frauen sehr lebhaften Antheil au den Manifestationen. Auch in Tarragoua ruhte die Arbeit fast vollständig. In Valencia fand eine von mehr als 2000 Personen besuchte Vollsversamm und wie es heute noch die kampffreudige Jugend thut, wenn sie ihre Furchtlosigkeit trotzig rühmt und den Gegner spöttisch verkleinert, so macht es der Kriegsministcr eben- alls. Er stützt sich in heroischer Pose auf sein Schwert und spricht von Pöbelhaufen, denen man im Nothfnll mit dem Gummischlauch und dem abkühlenden Wasserstrahl aus der Feuerspritze beikommcn kann. Das Weh des Unverstandenen blieb Bronsart's Ministerkollcgen, Herrn Schönstedt ebenfalls nicht erfpart. Auch auf dem Grunde seiner Seele lebt Sentimentalität. Wie kam er mit zärtlichen Worten dem Zentrum entgegen, wie feurig war sein Liebeswerbcn, wie warm und lehrhast klang sein Wort! und trotzdem blieb ihm das Leid nicht erspart, von Herrn Gröber in einem Ton abgewiesen zu werden, wie ihn schnippischer nicht Jungfer Gretchen 'and, als sie den stolzen Dr. Faust nach seiner ersten Ansprache keck abfallen ließ. Faust, in dessen Adern freilich ein Hexenbrän tobte, ließ sich Gretchens Schroffheit nicht verdrießen und er unterstützte sein Licbeswerben nach- drücklich mit prächtigen Geschenken und kostbarem Ge- 'chmeide. Mir fällt es nun gewiß nicht ein, behaupten zu wollen, Herr Gröber und die Seinen wären solchen Fausti- scheu Versuchungen zugänglich. Wo in aller Welt wäre, seit das Zentrum besteht, ihm ähnliches nachgewiesen worden? Allein empfindsame Naturen, wie die des Herrn Schönstedt, sind leicht umgestimmt. Ihr Wohlwollen, wenn es undankbar zurückgewiesen wird, verwandelt ich rasch in Bitterkeit und Groll; und wie Brousart v. Schellendorf, der Kriegsminister, so wurde auch der Justiz- minister von der schmerzlichen Resignation übermannt, ein Prediger in der Wüste zu sein. So aber ist die Menge: Statt Mitleid mit den Refignirtcn zu haben, trumpft sie noch auf, als wäre sie beleidigt. Und es ist ein Glück, daß ein Rcichstagspräsidcnt noch seines Amtes waltet, der aufs I-Tüpfelchen genau abzuwägen und zu empfinden weiß, wann ein Volksvertreter sich beleidigt zu fühlen hat, wann nicht. Zu den seutimentalischen'Exzellcnzen wird kaum jemand den Herrn v. Köllcr zählen wollen. Das weiß der Himmel. Eine ganz andere Welt von Vorstellungen taucht aus, wenn Herrn v. Köllcr's Name genannt wird. Wenn das Vorspiel, das in dieser Woche begann, zum Lächeln reizen konnte; wenn zum Schluß, als der traurigen Vorlage erster Theil begraben ward, statt des Traner- Marsches die Akkorde brausenden Gelächters erklangen, der philosophische Gleichmuth des Herrn v. Köller wurde da- durch nicht erschüttert. Er zerdrückt darum ans Empfindsam- keit keine einzige Thräne. Von lehrhaften Schrullen hält Herr v. Köllcr nicht viel; auch von dem Bestreben nicht, die Leute zur Höhe der Erkenntniß einer Exzellenz empor- zuziehen. Ihn kränkt kein Undank, da er keinen Tank erwartet hat. Im Gefühl seiner gleichmüthigen Zufrieden- heit ist er gewappnet gegen alle lästigen Fragen, die das lung statt, die eine Kommission an den dortigen Bürger- meifter schickte, um für die städtischen Arbeiter den Achtstundentag zu fordern. Der Bürgermeister empfing die Abordnung auf das beste und versprach, de» Antrag in einer der nächsten Stadtraths- Sitzungen zur Berathnng zu stellen. In G r a n a d a ruhte nur die starke Organisation der Hntmacher vollständig von der Arbeit und veranstaltete eine Manifestation in den Straßen der Stadt. Am Nachmittag fand eine in bester Ordnung verlaufene Versammlung statt. In Malaga ruhten die Eisenbahn- arbeiter, die Hafenarbeiter und andere kleinere Gewerkschaften. Von Cadiz läßt sich ähnliches sagen. In der Bergwerksstadt Linares fanden zwei Volksversammlungen statt, zu deren Veranstaltung die Stadlkasse Gelder beivilligt und auch die städtische Musikkapelle zur Verfügung gestellt hatte. Hier war die Feier besonders erhebend, was sich schon ans dem Umstände erklärt, daß der 1. Mai von der Stadt- Vertretung zum offiziellen Feiertag erklärt wurde. Weitere Maifeiern von Bedeutung fanden statt inCordoba, Toledo. La C o r u n a, Ferrol(hier ruhten alle Arbeiter der Staats- Werkstätten, Werften u. f. w.) Oviedo, Zaragoza, A l i k a n t c, A l m e r i a u. f. w. Ucberall waren die Ver- fammlungen auf das beste besucht und überall herrschte die größte Begeisterung. I» B i l b a o soll es leider, nachdem zwei Ver- sammlungen in I e st a o und G a l l a r t a(von mehr als 3000 Personen besucht) und das Volksfest in den Gärten des Olymps auf das beste verlaufen waren, zu einem Zusammenstoß zwiscl e» den Feiernden und den Arbeitenden gekommen fein. Abgesehen von diesem Zwischenfall ist in ganz Spanien die Mai- seier vortrefflich verlaufen. vert'attitttlnttgen. In der Vereinöversammlung sder Freien Ver« einigung der Getreideträger und Speicher- arbeiter hielt am Sonntag, den ö. Mai, der Genosse S a u e r einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Organisations- bestrebnngcn. An der Diskussion betheiligten sich die Mitglieder Münch, Petz, Auge und Plötz im Sinne des Referenten, Haupt- sächlich betonend, daß sich die Berufskollegen mehr der Organi- fation anschließen möchten, damit wir mit vereinten Kräften dem Uuternehmerthum entgegentreten können. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Errichtung eines Arbeitsnachweises und belbeiligten sich an derselben die Mitglieder Thieme, Sauer und Münch, worauf der Beschluß gefaßt wurde, die Angelegenheit bis zur nächsten Vorsammlung zu vertagen. Ei» antiscmitischcr Protest gegen den Petroleumwucher kam— etwas spät— zum Ausdruck in einer Volksversammlung am Freitag Abend. Als besonderes Lockmittel hatte man diesmal den sattsam bekannten Pastor Jskraut herangezogen. Einer Anrede hat Herr Jskraut das neugierige Volk nicht gewürdigt, er hielt sich vielmehr im Hintergrunde und überließ es den Zimmermann Bindewald, Bachler und Förster ic., die Juden- und die Petrolcumfrage zusammen zu koppeln. Der letztere Redner legte der Versammlung dann eine Resolution vor, die die Regierung auffordert,„die Entartung des Genossenschaftsgedankens", die Ringbildung, zu bekämpfen und verlangt, daß der Petroleumhandel verstaatlicht wird. Bemerkenswerth ist, daß diese Resolution mit eisigem Schweigen aufgenommen wurde. Das Bureau der Ver- sammlung steckte sofort die Köpfe zusammen und nach einer kleinen Weile nahm der Herr Förster zu einer„Richtigstellung" das Wort, in der er betonte, daß, um Mißverständnissen zu begegnen, er die Verstaatlichung nur auf den Einfuhrhandel beziehen wollte. Ten Herren schien wohl die Theorie des Herrn Pro- sessors etwas bedenklich. daher die nähere Umschreibung. Die Versammlung stimmte fchließlich der Resolution zu. Daß die Referenten selber nicht glauben. daß die Regierung in irgend einer Art ihren Wünschen gerecht werden wird, konnte man deutlich aus ihren Reden heraushören. Leben an uns stellt, gegen alle Anklagen nnd Stürme und Vorwürfe, die die Brust eines minder Gepanzerten manchmal erschüttern; nnd wenn ihm irgendivo einmal Nu- zufriedenheit begegnet, so kann er das aus seiner robusten Gesundheit heraus kaum begreifen. Er schüttelt verwundert mit dem Kopse nnd summt etwa den Kehrreim eines Kouplets vor sich hin, der da lautet:„Hans, Hans, wie kannst du nur, kannst du nur so blöde sein!" Nur eines betreibt Herr von Köller mit Passion: Den Philister verärgert er gerne. Man möchte Herrn v. Köllcr vielleicht kränken, wenn man ihm znmuthen wollte, die neuere 'ranzösische Literatur verfolgt zu haben. Uebcrdies nimmt ihm die sorgliche Lektüre so vieler staatsgefährlicher Zeit- schriftcn und Werke, wie zum Beispiel„die Rache", der„Kleine Katechismus blutrünstiger Zerstörer", die „Revolution in der Westentasche", das„rothc Hallclujah" vollauf in Anspruch. In dieser Literatur Jung-Frankrcichs also war es eine zeitlang Brauch, den Philister„an caimills" zu behandeln, ihn in seinen konventionellen Begriffen von Anstand, Solidität, Ehe, Frauenthnm zn hänseln, zu ärgern, zu verletzen. Auch in Deutschland fand dies Bestreben Nachfolge. Es wurde manchmal ties satirisch, öfter allerdings hemdsärmelig nnd burschikos gefaßt; nnd manch einer von den Literaten kam sich wie ein Uebermensch in Nietzsche'» Sinne vor, er meinte, thnrmhoch erhaben über der Kanaille zn sein, weil er den„Mnth" besaß, seine Helden in wilder Ehe mit einer Kellnerin oder einer Probirmamscll leben und so der Vorurtheile ihrer beschränkten Verwandten spotten zu lasscn. Für eine Weile und im Kreise der Klique konnte manch einer ans diese Weise zum Rns eines „kühnen Dichters" kommen. Ans diese Sorte von Literaten- thum paßte nnd paßt heute noch die Frage der Renommir- 'tndenten, die gleichfalls das Philisterthum tief zu kränken wähnen, wenn sie des Sonntags vor die Thore gehen nnd einen Tanz in„gemischter Gesellschaft" wagen. Sie singen dann:„Ein Bursch, wie ich, was macht sich der daraus? Die Philister haben nichts danach zn fragen, schöne Mädchen führen wir zum Tanz." Ans ähnlich burschikosem Antrieb, nicht etwa aus dem hellen Zorn eines Satirikers, entstehen die Philippiken des Polizeiministcrs; nnd darum hat Dr. Sigl's Einsall, das Bnrschenlied zu zitiren, so zündend e ingeschlagen, nnd darum hat der Donner einer Köller'schen P hilippika so gar nichts vom Schreckniß an sich. Wenn eine Reaktion von Männern mit überlegenem, mächtigem Willen eingeleitet wird, so hat 'ie immer etwas Schweres, Finsteres an sich; nnd den Zug der Größe in ihr wird selbst der leidenschaftliche Gegner nicht verkennen. Tie jüngste Einleitung zur Reaktion aber nahm sich ans, wie eine groteske Operettenkarrikatnr mit Eisenfressern, die jetzt düstere Grimassen schneiden nnd im nächsten Augenblick zu Walzer- nnd Polkataktcn tänzeln. Wem gebührt zuvörderst der Tank hierfür? Grche MeriniVglW mm VerlegUg m GesftM«ch eigemll Hause! WrikM sßr Cigarm, Fabrikaut siir Cchnhyllaren, Fabriklint siir Herreu- Carderobe, Fabrikant sm Liköre. IseauWRsxMi, Berlin, Hauptgeschäft: Neue Promeuade 8, gegeuüber Stadtbahuhof„Börse"— Zweiggeschäft: Spaudauer Brücke Nr. 2, Herren- nnd Knaven-Garderode für die Sommer-Saison. weise k»lf mein großes Lazer in und ausländischer, .. Znr WN�oestrUttNKrN feinster reimvolleiier Stoffe in allen begehrten kafr." 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Sämmtliche Abtheilungen meines Etablissements sind Sonn- und Feiertags während der polizeilicherseitS erlaubten Stunden geöffnet. 3. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Bolksblatt. Ztr. 110. Sonntag» den 12. Mai 1893. 12. Jahrg. Die freie Arztmahl. Vhiter den Mitgliedern der Orts-Krankenkassen tobt in den setzten Jahre» ein sortwäbreuder Kampf um die Einführung der freien Arztivahh Es dürste deshalb eine kurze sachgemäße Tarstellnng der Vortheile und Mängel dieser Einrichtung ivohl am Platz sein. Die Bewegung für dieses System datirt aus dem Jahre 1891 und führte im Mai desselben Jahres zur Gründung des„Vereins zur Einführung freier Arztwahl bei den Krankenkassen Berlins und der Vororte." In Arbeiterkrcisen hatte dieses Projekt sofort eine sehr günstige Aufnahme gefunden; galt es doch, sich frei zu machen von dem bisherigen Gewerks-Krankenvcrcin, dessen Wirksamkeit allgemein als keine segensreiche angesehen wurde. Die Aerzte, die diese Agitation unterstützten, hallen ein zweifaches Interesse. Einmal wollten sie sich von der Bevormundung der Kassen« vorstände befreien, sodann aber eine angemessenere Be- Zahlung ihrer Leistungen erringen. Durch die Krankenkassen- Gesetzgebung ist ja die Stellung der Aerzte eine äußerst prekäre geworden, weshalb man es wohl verstehen kann, wenn gerade von jener Seite diese Bewegung lebhaft unterstützt wurde uud die Aerzte in erster Linie die Führung im Kampfe um die freie Arztwahl übernahmen. Die Wünsche der Kasscnmitglieder be- gegiicten sich insosern mit den Absichten der Aerzte, als fernerhin, bei der Berechnung jeder Konsultation für den Kranken, eine gewissenhaftere und rücksick)Isvollere Behandlung zu erwarten war. Diese beiden Eigenschasten wurden nicht selten bei de» Aerzten des Gewcrkschasts-Krankenvereins vermißt, ein Umstand, der nur zu leicht erklärlich wird, wenn man berücksichtigt, daß diese Vereinigung ihren Aerzten eine Pauschalsumme als Ent- schädigung bot, die zwischen 1100 bis 2700 Mark pro Jahr schwankte. Ein Arzt, der nicht gerade von großem Pflichtbewußt- sein erfüllt war, suchte sich bei diesem Honorar seine Aufgabe möglichst zu erleichtern. So kam es nicht selten vor, daß er bei einem Hauskranken den Zustand des Patienten sich von der Ehe- frau oder einem Mitglied der Familie in der Sprech« stunde beschreiben ließ, und frisch darauf los verordnete; nur schwer ließ er sich bewegen, dem Patienten überhaupt einen Besuch abzustatten. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch hier rühmliche Ausnahmen vorkamen, und besonders die Vorstände der Kranken- lassen, soweit sie mit dein bnreaukratischen System Kehraus machten, bessernd eingewirkt haben. Die Einführung der freien Arztwahl ist dabei auch nicht ohne Einfluß geblieben. Immerhin ver- sprachen sich die Mitglieder von der sreien Arztwahl eine dauernde Besserung ans diesem Gebiet. Am 1. Januar 1894 hatten deshalb, nachdem im Jahre 1891 die Orts-Krankenkasse der Maschinenbaner den Ansang gemacht hatte, 13 Orls-Kraukenkassen und 1 Betriebs- Krankenkasse mit einer Mitgliederzahl von insgesammt 1K9 6öS Verträge mit dem„Verein frei gewählter Kassenärzte" ab- geschlossen. Diesem Verein gehören gegenwärtig ungefähr 900 Mitglieder an und steht es jedein Mitglied der Krankenkasse frei, sich von einem dieser Aerzte behandeln zu lassen. Die Krankenkassen zahlen an den Verein jährlich pro Mitglied 3 M., welche Summe je nach der Zahl und dem Werth der einzelnen Leistungen(Pointsystem) an die Aerzte verlheilt wird. Wir wollen nun die finanziellem Wirkungen des Systems der freien Arztwahl prüfen, und vor allem aus Schäden zu sprechen kommen, die dringend eine Abhilfe herausfordern. Ter Verfasser dieses Artikels steht als Interessent der Frage äußerst fern und glaubt umso eher ein unbesangencs Urtheil fällen zu können. Unsere Krankenkassen zeigen in den letzten Jahren fort- dauernd einen Zustand finanzieller Kalamität. Tie freien Hilss- lassen haben nach der letzten Novelle zum Krankenversicherungs- Gesetz vielfach den an sie gestellten Anforderungen nicht genügen können, damit ihre Existenz eingebüßt, oder sind in Znschußkassrn umgewandelt worden. Für die Orts-Krankenkassen zeigt der viel besprocheneBericht derGewerbedeputationvom Jahre 1893/94 gleich- falls ein sehr unerfreuliches Ergebniß. Nur 23 Kassen hatten den gesetzmäßig nothwendigen Fonds zurückgelegt, während 27 Orts-, 10 Betriebs- und 3 Jnuungskassen den Reservefonds zur Deckung der Mehransgaben verivenden mußten. Von 49 Orts-, 13 Be- triebs- und 7 Jnnungs-Krankenkassen war die Zurücklegung eines Reservefonds von 884 605,25 M. erforderlich. Im ganzen sind aber nur 182 000 M. abgeführt. Es blieb mithin ein Fehlbetrag von 502 000 M. Einige dieser Kassen gewähren nur 13 Wochen Unterstützung und erheben den höchst zulässigen Beitrag von 66 und 75 Ps. pro Woche. Es ist fraglich, ob sich in diesem Jahre das finanzielle Ergebniß besser ge- stalten wird; die Influenza läßt noch schlimmeres befürchten. Der Bericht beschäftigt sich nun mit den Ursachen dieser Er- scheinung und sucht diese in den wirthschaftlichen Verhältnissen, in dem Verwaltungssystcm und in der sreien Arztwahl zu finden. Der Einfluß der wirthschaftlichen Verhältnisse wird in dem Bericht viel zu gering veranschlagt. Er ist mit eine der Haupt- Ursachen der finanziell so ungünstigen Lage der Krankenkasse». Er- fahrungsgemäß steigt bei Arbeitslosigkeit die Zahl der Kranken. Dabei ist-es ganz irrig, diese Erscheinung auf Simn» lation zurückzuführen. Die Aerzte haben genügende Erfahrung, um zu wissen, wie ungern sich der in Arbeit stehende Kranke bauskrank schreiben läßt. Oft bedarf es eines sehr energischen Auftretens des Arztes, um dies Verlangen durchzusetzen. Ter Kranke schleppt sich hin so lange es nur geht, weil er befürchten muß, bei einer Krankmeldung nicht nur seinen Verdienst, sondern auch seine Arbeitstätte zu verliere». Diese Rücksicht fällt natürlich in Zeiten der Arbeitslosigkeit fort und macbt dann der Kranke von seinem Recht Gebrauch. Bei großer Roth wird sehr ost, das kann nicht bestritten werden, eine starke Anregung zur Simulation gegeben. lieber die Höhe der Verwaltungskosten läßt sich aus dem Bericht kein umiasjendes Urlheil bilden, weil jede vergleichende statistische Tabelle fehlt, und auf den Vorwurf politischer Tendenz und Unfähigkeit, der sich in der Verwaltung breit macht, wolle» wir nicht eingehen; wir haben seinerzeit diesen Vorwurf eingehend widerlegt. Für die Prüfung des finanziellen Einflusses der freien Arzt- wähl fehlt gleichssalls ein vergleichendes Zahlenmaterial und muß man zu diesem Behufe andere Quellen zu Hilfe nehmen. Die Orts-Krankenkassen der Maurer, der Maschinenbauer und der gewerblichen Hilfsarbeiter zeigen nach ihrer Abrechnung eine bedeutende finanzielle Belastung seit Einsührung der freien Arztwahl. Eine Erscheinung, die nicht geleugnet werden kann, wenn auch noch so geschickte Zahlenzusammenstellungen versucht werden. Im Jahre 1394 hatte die„Allgemeine Orts- Kranken- lasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen" die freie Arztwahl eingeführt. Das finanzielle Ergebniß dieser Maßnahmen zeigt die solgende Tabelle: BergkeichStabelle der JahreSanSgaben pro gegen die Vorjahre. Tie Gesamintansgaben sind pro Mitglied von 23,92 M. auf 26,46 M. im Jahre 1894 gestiegen. Die Mehrausgabe» für Heil- miuel betrugen 45 858 M. Dagegen sind die Verpflegungskoste» für Heilanstalten um 82 992 M. geringer geworden; also im ganzen ist eine Ersparniß vo» 37 134 M. eingetreten. Bringt man hier noch die erhöhten Kosten für ärztliche Behandlung, in Summa 39 135 M., in Anschlag. so erhält man nur die geringe Mehr- ausgäbe von 2001 M. für ärztliche Behandlung. Das verhält- nißmäßig günstige Ergebniß gestaltet sich aber sofort anders, wenn man bedenkt, daß die Kasse im Jahre 1894 ihre Leistung von 52 Wochen auf 13 Wochen beschränkte und die Mitgliederzahl um 6393 zurückgegangen ist. Das Ergebniß muß danach als ein sehr ungünstiges dezeichnet werden. Ein ähnliches Verhältniß zeigen die beiden anderen schon genannten Kassen. Die Gesamintansgaben bei� der Maurerknsse beliefe» sich pro Mitglied im Jahre 1891 auf 23,82 M., 1892 aus 23.30 M.. 1893 auf 26.96 M. und 1894 auf 25,33 M. Im Jahre 1893 ist die freie Arztwahl eingeführt und im Jahre 1894 die Krankenunterfiützung von 52 Wochen ans 13 Wochen herabgesetzt worden. Ferner ist das Krankengeld pro Woche von 12 M. auf 9 M. erniedrigt und das Sterbegeld wurde gleich- falls rednzirt. Damit verliert das Zurückgehen der Ausgaben a» Bedeutung, und kann man nur eine verhältnißmäßigc Stei- gcrnng der Ausgaben annehnien. Noch schlechter gestalte» sich die Dinge bei der Maschinenbaner- Kasse. Die Ausgabe» pro Mitglied betrugen hier 1891 19.22 M.. 1892 32.47 M., 1893 36.20 M. und 1894 32,13 M. Tie Freie Arztwahl fand hier im Jahre 1392 Eingang und gewährt die Kasse in diesem Jahre nur noch 26 Wochen Unterstützung, gegen 52 Wochen in den voraufgegangenen Jahren. Sehen wir bei der Kritik einmal ab von der Erhöhung des Arzthonorars, die an und für sich eintreten muß, so sind es vor allem die erhöhten Kosten für Arzneimittel, die uns sogleich aus- fallen. Daß hier wirklich bei der freie» Arztwahl eine üble Wirthschaft eingetreten ist. beweisen die Angaben über die Rezept- revisio», die von der„Medizinischen Reform" in der Nummer vom 5. Januar 1895 veröffentlicht sind. Es heißt da: «Es ist den Herren Kollegen bekannt, daß einzelne, nament- lich die großen Kasse», entweder selbst ein Lager von Wein und Spirituosen besitzen, oder mit gut renommirten Weinbändlern Abkommen getroffen haben, von denen sie bei gleicher Güte um einen viel ivohlseileren Preis den Wein beziehen können, als ans den Apotheken. Die Schädigung der Kaffen beträgt also ganz offenbar bei der Verordnung von Wein ans unvorschriftsmäßigcin Blanquel pro Flasche im Durchschnitt I M.; bei der ganz un- verhältnißinäßig großen Weinordinalion einzelner Herren Kollegen, deren einer sich auf 106 M. für einen Patienten in einem Monat verstiegen hat, ganz gewiß in's Geivicht fallend. Seltener sind derartige Versehen bei Mineralwässern ge- schehen; doch entsinnen ivir uns allerdings eines Falles, in welchem 113 Flaschen Selterwasser in 78 Tagen aus der Apotheke ver- schrieben, der Kasse einen direkten Schaden von 5,65 M. ver- »rsachten. Im allgemeinen sind zwar nicht ost theuere natürliche Mineralwasser verschrieben, sondern die Sandow'schen Salze. Die Kassen sind aber auch in der That finanziell wirklich nicht in der Lage, die sehr erheblichen größeren Kosten für die natürlichen Mineralwässer für ihre Mitglieder zahlen zu können. Mit den Malzextrakten ist, in erster Zeit namentlich, recht wenig haushälterisch geschaltet worden; es ist dies bei dem immerhin zweifelhaften(medikamentösen) Stutzen der Präparate zu beklagen, da dieselben auch hoch im Preise, mehr wohl die Rolle eines gut schmeckenden Genußmiltcls spielen. für welches die in pekuniären Nöthen schivebenden Kassen nur ungern Zah- lung leisten. Aehnliches läßt sich von den Cacao- und Leguminosen- Präparaten sagen, welche mehr die Eigenschaft von Nahrungs- Mitteln, als von Medikamenten haben, zu deren Lieferung die Kassen gesetzlich nicht verpflichtet sind, ebensowenig wie zu der- jenigen der Milch.... Hinsichtlich der Quantität der zu verordnenden Mittel(Nr. 6 der Allg. Best.) sind im verflossenen Jahre häufige Extravaganzen zu verzeichne». Um nur einige hervorzuheben, ivnrden unter anderen verordnet: 2000 Gramm Salbe in verhältnißinäßig kurzer Zeit, 2500 Gramm linirnentmn volat, 1700 Ereosot, 4 Kilogramm Watte auf einmal, 250 Perubnlsam auf einmal, 20 Pfund Kreuznacher Muttersalz, Qnecksilberpflaster für 6 M., 1 Zentner Badesalz, 200 Gramm uvKvent. cinereum. Pipernzin für 13,85 M., Alumnol für 5 M., Creosolcarbonat für 12 M., Ergotin für 16,22 M., Bleipflaster für 9,16 M., Piperazinwasser für 17.20 M., 113 Flaschen Selterwasser, Wein für 103 M., 5 Pfund Sensmchl, 10 Pfund Kamillenlhee zum Bade-c. rc. Häufig sind für chronische Fälle die sehr theuere Pulverform bevorzugt worden, die entweder durch die viel billigeren Pillen resp. auch durch Doppelpulver verbilligt werden konnten. Es sind Fälle vorgekommen, daß mehr als 180 Pulver ein und desselben Medikamentes verschrieben wurden. Die Herren Kollegen haben dabei gewiß nicht bedacht, daß allein die Dispensation eines Pulvers 5 Pfennige beträgt und daß in den meisten Fällen bei dieser Art der Verordnungen der Preis der Form zehnmal böber stand, ivie der Inhalt selbst. Ost auch wurde bei iudiffcreuten Mitteln die Form abgetheilter Pulver gewählt, wo dieselben ganz gut messerspitzenweise ordinirt werden konnten; in einem Falle wurde sogar ein recht harmloser Thee in 20 abgelheilten Päckchen verschrieben. Der Thee kostet 45 Pf., die Abtheilung in Päckchen IM..,. Es ist uns häufig unerfindlich geblieben, weshalb ein ein- faches Abführsalz, dessen Werth die Kalkulatur mit 10 Pf. an- giebt, in Form einer Althaea-Maceralion zirka zehnmal ver- ordnet wurde, welche jedesmal eine Mehrausgabe von 64 Pf. veranlaßte." Eine Reihe ähnlicher Angaben übergehen wir, sie würden uns zu weit führen, daß solche Ordinationen möglich sind, wird erklärlich bei der großen Zahl der Aerzte. die einen engen Zusammenhang mit den Interessen der Kasse erschwert. Einigen Aerzten wird es darauf ankommen, sich die Gunst des Patienten zu erhalten, ihin alle Wünsche zu gewähren, ohne besonders zu berücksichtige», ob seine Ansprüche berechtigt sind; damit findet die hohe Ausgabe für Arzneimittel ihre Er- klärung. Fraglich erscheint es auch, ob es wünschenswerth ist, daß die Behandlung in den Krankenhäusern zurückgeht. Bei den Wohnungsverhältniffen der Berliner Arbeiterbevölkerung ist ent- schieden die Krankenhausbehandlung bei schweren Erkrankungen im Interesse des Patienten vorzuziehen. Die Schäden, die wir hier rückhaltlos besprochen haben, führen uns nun keineswegs zu der Enipsehlurg des alten Systems, wohl aber veranlassen sie uns zu der sehr ernsten Mahnung, die nachtheiligen Einflüsse oer freien Arztwahl so schnell wie möglich zu beseitigen und zwar zum Vortheil aller Interessenten. Man wird die Zahl der Aerzte. die mit den Kassen kontrahiren, herabsetzen müssen, einem Beispiel, dem bereits die Orts- Zirankenkasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen gefolgt ist, wobei sie im ersten Quartal einen finanziellen Vortheil von 50 000 M. zu verzeichne» hatte. Ferner müssen die Kassenvorstände die Machtmittel haben, sich gegen Uebervortheiluug der Aerzte besser zu sichern als gegenwärtig. Es wäre deshalb nur zu wünschen. wenn der Verein freigewähller Kassenärzte mit den Vorständen der Kassen sich ernstlich an die Arbeit machte, um zu prüfen, wie die nachtheiligen Wirkungen beseitigt werden können. Tie Mitglieder der Kassen werden für die Dauer keine Neigung ver- spüren, ohne Zwang den Apothekern so bedeutende Summen in denSchooß zu werfen. So wiebisher geht dieSache nicht weiter. Die Lasten für Beiträge sind bis aufs äußerste gestiegen und für die Mit- glieder fast unerschwinglich, während die Leistungen auf das jannner- volle Minimum von 13 Wochen herabgesunken sind. Wollen die Krankenkassen nicht eine sehr ernste Gefahr herauf beschwören, so müssen sie zu einer durchgreifenden Reform ihre Zuflucht nehmen. Bedenklich aber ist der Standpunkt eines Vertreters der freien Arztwahl, der vor kurzem erklärte: Können die Krankenkasse» die Kosten nicht tragen, so mögen sie zu gründe gehen. Wird dieser Standpunkt allgemein vertreten von den Anhängern, so wäre das Schicksal der freien Arztwahl besiegelt. VzvTamnxXmx&tn; Ter deutsche Metallarbeiter- Verband(Filiale Nord) hielt am 29. April er. eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Abrechnung vom Güstrower Streik. Die Einnahme auf Listen betrug 639,20 M.; davon sind an die Hauptkasse nach Stuttgart 634,20 M. abgeliefert und 5 M. für Drucksachen verausgabt. Die Abrechnung vom ersten Quartal 1395 weist an Einnahmen 1093,41 M. und s an Aus- gaben 807,35 M. auf; mithin ist ein Kassenbestand von 286,06 M. vorhanden. Die Mitgliederzahl der Filiale ist aus 893 gestiegen. Hierauf giebt der Vertreter aus der General- Versammlung in Magdeburg Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse auf derselben. Eine Diskussion knüpft sich an den Bericht nicht, und macht der Vorsitzende sodann ans das gesellige Beisammensein aufmerksam, das am 12. Mai im Lokal Kolberger- straße 23 stattfindet. Samaritrr-Kuvsiio für Arbeiter»»d Arbeiterinnen. Montag, den IZ. Mai, abends Uhr, im oberen Saale der Armtnhallen, Komplan- danlenstraße 20. Vortrag und UebungSstunde unter Leitung des praktischen Arztes Herrn Dr. Chrifleller. Arbeiter- Kildn»oo,ch»I». Sonnlag, 10— 12 llljr: Nord-Schule, Müllerstr. l79o: Lellure(unentgelllich). Südost-Schule, Waldemarslr. 14: Letinre tunentgelllichl- Montag, abends?!(— sis Uhr: Lellüre. 8!(— 10� Uhr: Nord- Schule, Müllerstrabe 179 a: Rationalökonomte. Südo st- S ch ule, Waldemarstr. 14: Vollslhümliche Medizin. lBau und Lebenscrschetnungen des gesunden und traute» Menschen.)— Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jederzeit aufgenommen. itf- und Diokutirlilnd„Cart Mar»". Montag, abends 9 Uhr, bei Bruve, Mariendorferstr. 5. Arbeiter-Sliiigerbuiid Kerlina und zlingegend. I. Borsthender: Ad. Neumann, Pasewalterstr. S. Alle Aendcrungen im VereinSkalender N»d zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelstraßs 49, v. 2 Dr. Montag, Abends 9— n, Ncbungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenstraße 6, bei Ehrenberg.— Wied erhall. Köpcnllterstr' I9l bei Foge.— Zutun st I, Steglitz, Ahorn strabc 15«, Cchelhosc's Eambrinus.— Bruderherz, Krautstr.«, bei Rudolf.— Arbeiter-Gesangvernu Vorwärts Iii, Lichtenbcrg-FriedriSiSfelde, Prinzen- Allee 6 bei Karl Schulz.— Lieder zweig, Wuidmannslust Berlinerstratze bei Zerbe.— Liedesf reiheil II, Strausberg, Wrietzenerftratzs bei Loot, Bürgergarien.— Glockenrein fgeinikchler Chor) Schönhauser Allee 46 bei Höhne.— Rosalia, Lebuserstratze 6, bei 31. Nemitz. — S y r e» e, Scbönbauser Allee cs bei 5delle.— Zp.beiter- Gelang- verein Wacht aus II, Erkner, Restaurant„Seebad" am Dämmerttz-Sce, „Wilhelnishöhe".— Arbciler.Gesangvereln der Enterbten, Swinemünder »ratze 49.— Hoffnung II, Deuisch.WilmerSdorf, Günzelstr. lls.— T o n- d l ü l h e, Zeughofstr. s, Restaur. Behlendorf.— Gesangverein Ltberte: Wiangelstr. 94 bei Rcdanz.— Männerchor S a n g e s l u st II, Pasewalkerstr. s bei 3ld. Rrnmann.— Gesangverein Freiheit S, gemischter Chor, Bernau Husstlenstratze„Cltzslum".—„Harmonie 2", Wetnstr. Ii. Restaurant Eeindc.—„Einigkeit 3", Wrotz-Lichierfcldc, Anialienstr. bei E. Senger.— i l a r t a, Blumenstr. 46 bei Tomatschcck.— K l i» grnü l l e r'sche» D o p p e I q u a r t e t t, Ncil-Mettzenfec, LanghanSstratze bei Ww. Busch.— Süd-Ost II, gallcilsteinstr. 7 bei Trillelwiy.— 3l l p s n v e i l ch e n, ge- mischler Chor, Liudowerstr. 26 bei Sachse.— Solidarität, Oranlen- stratze wv bei Greiser.—„F reya 2"(gem. Chor), Ripdorf, Hermannstr. 43 „Biktoria-Sälc". ßoiiald-uiobratisch- gtfi-»»d Niobutl» Klub«. Max Kayser, jede» Sonntag BoiintttagS 10Z( Ubr im Restaur. Schöman», Heimstr. l«.— „Karl Marx", 9 Uhr, bei Grube, Marlendorferstr. s. Knud der oesilligru Arbeiterorreinr Hrrlius und Dlingegeud. (Alle ZufÄrlslcn, de» Bund der gesellige» Arbeilcrvereine betreffend, find zu richte» an P. Gent. SIdalberlstratzc SS.)— S-untag: BergnügungSverc.n „H e I g o la n d II", Rüdersdorfcrür. 45,„Geselllchasishaus Ostend", nachm. von 4—0 Uhr.— Montag: Pfcifenkub Felsen fest, SlndreaSslratze 2« bei Wille.— Bergnügungsvere!» Felsenfest, Ripdorf, Hcrniannstratze 21 bei Hornburg.— Karlcnllub Luftige Brüder, Krautsiratze 43 bei Ratike.— Geselliger Verein Fridolin. Brunnenstr. 35 bei Wolf.— Arbeiter- Zilher- verein Etnigkeil, abends(9 Uhr. Nebung bei Rowack, Mantcuffclstr. S. Thcalervcrein L i e b e sg l ü cl', Große Franlfurlerstratze 74 bei Breuer, an jedem l. und 3. Sonntag im Monat. Krfang-, T»r»- und gesellige Ziereine. Montag: Privat-Theater- gesellschafl„S a I n r" abends 3/jC Uhr, bei Specht, Markgrasenstr. 33.— Privat- Thealergefellschaft Immer Lustig jeden Sonnlag tzibends 3 Uhr, bei Rubi Andrce. Cborine'.str. 53: Sitzung mit Damen.— Privat-Thealergelellschast Minerva. 3llle Montag Zusammenkunft Maibach-Ufer 3 bei Schmoct.— Privai-Dhcatcr- und Bergnugungsveretn M o r g c n st e r». Sitzung jeden Sonnlag 5 Uhr: alle vicrzchn Tage Fid elitas im Marlihallen-Resiauranl, Wöriherstratze 45, bn F Taren.— Rauchtlub Brüderlichkeit jcdcii Montag o—n Uhr bei Pauls, Schiesischestratze SS.— Rauchlluv Eldorado alle Montage, abends Sj; Uhr, bei Geier, Pallifadsn- stratze 00.— Thealer- und BergnügnngSvcrein Waldemar. Jeden Sonntag Stalitzcrstr. 54 bei Heute. 3l»tai!g 6% Ubr.— Arbeiler-Slenograpdie Werrein„E i n l r a ch l", Unterricht und UcbungSnunde Montag abends sj; Ubr bei Rothes, Butimamrstratze 17.— Privat- Thealerveretn FreiheilS- bo ffnung. Sitzung mit Damen jeden Sonntag um 5 Uhr uachuiiUagS bei Baumann, Lpchneistr. 2—3(Straße XV). Nach der Sitzung FidelilaS.— Prival-Tbealergcscllschafl Minerva. Alle Momag Zusammeutuust Maibacb- Ufer 3 bei Scbmocl.— Klub Freya. Jeden Souittag von 5 Uhr nach- iniltagS an Sitzung>uil Fideiilas im Saale des Neuanravts Kiclclbahn, Dresdenerftr.«s.— BergnügungSverein Flora. Jede» Sonntag r- Uhr Sitzung, ncchdcni Fidel. las im Restaurant M eitze, Mendctssohi sie. u.— Geielliger Verein Frohsinn. Sonntag. nachniillagS 6 Uhr, bei ß. Hützig, Falctenstewstr. 4t, Sitzung, nachdem Fidelitas. Für denJiihalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Vernntwortniisi Theater. Sonntag, den 12. Mar Freie UolKvbnhne. Lessing- Theater: S. Abth. Nachmittags 2>/2 Uhr: Der Pfarrer von Kirch- feld. Opernhans. Hansel und Gretel. Die Puppenfee. Montag: Lohengrin. Kchanspielhans. Der Revisor. Montag: Wie die Alten sungen. Deutsches Theater. Das Lumpen- gesindel. Montag: Prinz Friedrich von Hont- bürg. Krrliner Theater. Die Ehre. Montag: Der Lebemann. Fesstnv-Thratrr. Madame Bonivard. Montag: Der Hypochonder. Urne« Theater. Husarenstreich. Die zweite Frau. Montag: Die Wildente. Schiller- Theater. Der Veilchen- fresser. Montag: Der zündende Funke. Der Hexenkessel. Adolph Ernst-Theater. Madame Suzetle. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central-Theatrr. Figaro bei Hof. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- MUHelm städt. Theater. Der Obersteiger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ziestdenz-Thrater. Fernand's Ehe- kontrakt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alerander- Plah- Ttieat--. Fernand's Ehekontrakt. Alle 5 Barrison. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dationnl- Theater. Die lebende Brücke. Im Garten Gr. Koilzert und Spezialitäten-Vorstellung. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Unter den Linden. Pariser Lebe». Rund um Wien. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dentsche» Vollisthrater. Familie Schnabel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo- Theater.'La, Puce(Der Floh). Montag: Dieselbe Vorstellung. Ueich-Hallen- Theater. Epeziali- täten-Vorstellung. Amorlra»- Theater. Spezialitäten- Vorüellnuy._ Schiller-Theater. (Wallner> Theater.) Konntag, den 12. Mai zur Feier des 70. Geburtstags Gustav von Moser's: nachmittags 3 Uhr: Ultimo. Abends 8 Uhr: Der Neilchenfrelker. Montag. 13. Mai. abends 8 Uhr: Der zündende Fnnke und Der Herenkestet. Dienstag« 14. Mai. abends 6 Uhr: Der zündende Fnnlre und Der Herenkessel. Mittwoch, 15. Mai, abends 3 Uhr: Don Carlos Lentral-I'keater Alte Ja hobst raste Ur. 30. Kovltätl Zum 8. Male: Novität! Unter artistischer Leitung des Herrn Ado!! Bralxl vom königl. Gärtnerplatz- Theater in München: k'iigÄlil'o Kei Hof. (Uoeroro.) Operette in 3 Akten(nach Beaumarchais' Memoiren) von Lodrmenn-IUegSll. Musik von Alkroä Hullsr Norden. Morgen: Dieselbe Vorstellung. National-Theater. Große Frankfnrterstraße 132. Direktion: Max S anist. U n w i d e r r n f l i ch l'e tz t e W o ch e: Gastspiel der ainerikanischen Gesellschaft William Calder. Unwiderruflich letzter Sonntag: Die ledentle Lrüelce. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(11 Bildern), nach dem Eng» lischen von Entton Vane, übersetzt von H. Schwab. Dirigent: Adolph Viedoohs. Elektr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Regie: Max Sanist. Kassenöffnung 5 Uhr.- Ans. 7'/- Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. NiitiliNl-Theliter-Garteil: vrosses Oonvsi'i nn«1 Lpe�ialitäteu-VorsieUllllg. Tie Theaterbesucher haben freie» Zu- tritt zum Sommergarten._ Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Arn Landes Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Adolph Ernst-Theater Letzte Sonntags-Auiföhrung! Nachmittags 3 Uhr. Bei halb. Preis en: Chariey's Tante. Abends 7-/2 Uhr: V Madame Snzette. audeville-Posse in 3Alten von Ordonneau. Musik von Edmond Audran. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Montag, zum drittletzten Male: Nladame Suzette. Fassage- PanoptiGum. Neu! Eilik fnlirt auf dem Golf Reichshallen Täglich: HllmriWe Soiree tfAMfldeutscheli Qaartett- RUi U u. Couplet-Sänger Hoffmann, Wolfs, Führmann, Walde. Horst. Betz u. Frische. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Play 50 Ps. Sonntags: Ansang 7 Uhr. Entrce 50 Ps.. ab 9 Uhr 30 Ps. Garten oder Saal. Kaufmann s Variete. Köuigstrasse, Kolonnaden. Täglich: Heumann- Bliemchen's Leipziger Vaudeoille- AsellsAst: Nenmann, Wilh. Wolff, Horväth, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermann. Novität I Novität 1 Zur llnijhirprlagc. Zeitgemäße Posse v. W. W o l s s. In der Pussta! Die Vaohtparade! Theater- Ulagnenr! Blieinchenin Berlin. Sßf Bomben-Erfolg?"DAS Anfang Wochen!. 8 Uhr, Eintritt 30 Pf., Sonntags Vs3 Uhr. Castan's Panoptikum. Ein Flug durch die Luft! Chamly's mysteriöse K af akombe. Reiehskanzler Fürst Hohenlohe. Aktiell-Brallcrei Friedrichshaiu (Königsthor). Heute Sonntag krasses MiMai'-ISoiMert. Eintritt 10 P f. Kinder frei. Progr. grat. Schmöckwitz. Gasthaus zur Palme. Empfehle meine Säle zu Versamm> langen Fabriken und Vereinen. I07lb Carl 5l»rras. Oeifs Gartenrestaurant, Charlottenhurg, Schlossstr. 15, allen Freunden und Bekannten bestens empfohlen. 2428C Es können Familien Kaffee kochen. Mi. Noack's Sommer-Theater, Krunnrnstr. 16. Jeden Konntag und Donnerstag im schönen grossen Garten: Goucert, Theater- u. 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Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhause Friedrichshain aus statt. Um rege Betheiligung bittet Der Dorstttuh. Kranken- und Sterbe- Unter- stiitznngskasse der Berliner Hausdiener. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege 1061b iFerdinandSchlömpj verstorben ist. Beerdigung Sonn- tag, den 12. Mai, nachm. pünktlich 4 Uhr, von der Leichenhalle Groß- Lichterfelde. Unseren Bekannten die traurige Nachricht, daß am Donnerstag, den 9. Mai 1895, unser Bruder, I der siud. jur. Herrn. Simmel, seinen Leiden erlegen ist. Berlin. Brüder Simmek. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Ver- wandten, sowie dem Gesangverein sage ich für die rege Theilnahme und Vlumenspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herz- licheu Dank. 1065b Ww. Calläwe nebst Kinder». Lrts-Kriiilkeiikllsse dtt KörMlichtt. Ansierord. General-Versammlung am Sonntag, den 19. Mai, vormittags 10 Uhr, in den Orauienhallen, Orauienstr. 51. Tages-Ordnung: 1. Erhöhung der Beiträge. 2. An- träge zum Slatulen-Nachtrag. 3. Ver- schiedenes. Ter Vorstand. 153/17 P. Keller, Vorsitzender. Zörschm! Montag, den 13. d. M., abends 9 Uhr: Ordentl. Mitglieder-Versammlnng im Restaurant Feindt, Weinstr. 11. T a g e S- O r d n u n g: Vortrag des Genossen T i in m: „Robert Owen'k Leben und Wirken". Gäste willkommen. 163,6 Tie Ortsvertvaltung. (ehemals Weimaiins- Volksgarteu.) Gesundbrunnen, Badstr. 56. Direktion: Max Snmst. Xonzert- und Spezialitäten- Vorstellmig. Der Trompeter von Säkkingen und Lehmann ans der Weltauöstellnng in Chicago. Kassenöffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Enlree 25 Pf., reservirter Platz 50 Pf. Freunden und Kollegen zur Nach- richt, daß ich das Weist- u. Bairisch- bier-Lokal von B a u m a n n, Oder- bergerstraße 23, in Vertretung über- nomnicn habe. 1036b Albert Fiedler, Maurer. Tnohstoit-Reste zu Kuabenanzügen, Gelegenheitskauf, spottbillig. Herrenhosen-Reste Stück 5 M. äjST" Feinste Qualitäten. 36/13 Miinzstr. 4, Engel. Uohtabak. Giösste Auswahl! 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Am D i c n ft a g, den 14. Mai abcttds Uhr, in Schmiedel's Festsäle», Alte Jakobftr. 33: Kmbinikte 1 itstlicUfnicrfiiniiidiiiio saimtl. glliölcn Berlins. Tages-Ordnuiig: Bericht vom Proviuzialtag in Guben.— Wahl des Obmanns zum Agitationskomitee der Provinz Brandenburg.— Neuwahl der Revisoren zum Hanptvorstand.— Unsere Streikmarken und wie regeln wir den Vertrieb der- selben?— Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung bitten um recht zahl- reiches Erscheinen 131/12 Die Filialuorstündr. I. A.: M. Büschel d. Achtung! Zimmerer! Achtung! Mittwoch, d-u IZ. Mai. abruds 8'/e Uhr, im Fokale dcs Herr« Baske(früher Seifeld). G rnadirrstr. 33: Uersamminng der Piatz-Depntirten. Kameraden, sorgt dafür, daß in dieser Versammlung von jeder Arbeitsstelle ein Vertreter anwesend ist. Der Uertraurusmanu drr Zinimrrcr 292/10 Krrlins und Zlutgegrud. Genostenschafts-Käckerei»vorwärts". Eingetr. Genossensch, mit beschr. Haftpflicht. Berlin 0., Am Ostbahnhof 3. Bilanz- Conto. Activa 31. Oejeember 1834._ Passiva Au Eaffa-Conio..... 405,12 „ Uteiistlien-Conto... 337,53 „ Eespann-Coiito.... 1 575,68 „ Waaren-Conto.... 1 765,55 „ Conto Corrent-Conto.. 779,10 Per Darlehns-Conto... „ Conto-Corrent-Conto. „ Genossenschafts- Capital-Conto 136,13 „ Reingewinn. 1 960,— 2 668,07 Debet Sa. 4 862,08 Gewinn- und Verlnst-Conto. 98,73 234,91 Sa. 4 862,98 Credit Per Waaren-Conto 13 273,85 An Utensilien-Conto, 15 pCt. Abschreibung.... 75,02 „ Gespann-Conto, 15 pCt. Abschreibung.... 1091,73 „ Handiungs-Unkostenconto 11 912,37 „ Zinsen-Couto.... 96,— „ Genosscnschafts-Capital- Conto: Reingeivinn...._._ 98,73 Sa. 13 273,85 Sa. 13 273,85 Im Geschäftsjahre 1. Januar 1894—31. Dezember 1894 sind 2 Genossen mit 2 Antheilen eingetreten, ausgeschieden freiwillig 2 Genossen mit 2 An- theilen. Am 31. Dezember 1894 gehörten der Genossenschaft 9 Genossen mit 9 Antheilen an. l084b Gcschäftsguthaben der Genossenschaster am 31. Dezember 1894 130 M. „„„ am 31. Dezember 1893 180„ Haftsumme der Genossen. am 31. Dezember 1894 180 ,. „„„ am 31. Dezember 1893 180„ Genehmigt"durch"die Generalversammlung am 31. März 1895. Ter GeschäflSsiihrer Der Kassirer Für den Aufsichtsrath Uernianu Teupel. Friedrich Junker. Theodor Dochow. chmeizer Garten Am KönigSthor— Zlm Friedrichöhain. LV Jede» Sonntag kr. Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Velksbelustignugen> Im neuen Saale aller Art.[ BALL. Anfang 4 Uhr.-*3 Ciitrrc 30 Pfennig. An den Wochentagen ist das Etablissement an Vereine, Gesell- schaften zur Abhaltung von Sommerfesten zu vergeben. Feinster Tilstter fiäfe ä Pfd. 40 Pf., feinste Tifchlnitter ä Pfd. 100: frische(Lssbutter ä Pfd. 00; Landbutter a Pfd. 00, 50 und Die grökt« putterhandlnng prrlins?IöWka, Kutte»' tii55te!Iul!g Itslieil in Berlin. Täglich: M?" Wlaestro Gialdini"MB mit seinem weftberahmten Symphonie-Orchester aus Mailand. 12 itallon. Sänger- n. Mnsikchöre. Das American Theater mit Bondfx. 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Tie Versammlungen werden pünktlich eröffnet und ersuchen wir die Kollegen recht zahlreich zu erscheinen. Die Urrk�auensmäiiner der Maurer Krrli«« und Umgegend. I A.: L. Sellnl�, Swinemünderstr. 33. IMvr>ivinaI» Venvin füg» Berlin und Umgegend. Montag, 20. Mai, in Noack's Festsälen, Brnnncustr. 10: Abend-Uuterhaltunß. Vortrag des Magnetiscnrs Herrn kerlwg über: Hypnoiismus(mit Experimenten). Dolial Konzert des Gesang Vereins„Kothe Zlrlke"(M.d. Arb.-Säugerb) unter Leitung seines Dirigenten Herr» D e l l e r. W&f Anfang 8 Uhr. Billets ä 23 Fi."�SQ Die Killet» werden bei naÄ, stehenden Personen ausgegeben: L. Sander, Granseerstr. 2; P. Hundt, Lothringerstr.<13; P. Arend, Pankstr. 12; I. O st e r, Panlstr. 2l(Moabit); F. Lutz, Puttkauierstr. 7; E. Warneke, tSisenbahnstrabe 13; P. W e l z e l, Gr. Frankiurterslraße 121; E Karge, Anne! str. 21; A. Karge, Iteichenbergerslr. 159; G. Heiueke, Charlotten- bürg, Wilmersdorferstr. 42; Ed. Peter, Magdeburgerstr. 22.. Bei genannten Herren werden auch neue Ausnahmen vollzogen. Die Aufnahme geschieht ohne ärztliche Untersuchung und beträgt k Person 50 Pf., für Kinder ivird kein Eintrittsgeld gezahlt. Der Beitrag kostet monatlich 60, für Kinder 40 Pr, wofür eine Baarunterstützung cvent. Arzt und Medizin geivährl wird. Das Komitee. Achtung I Dl- Kommeransgabe« Arbeiter- Verkehrs-Almanach für Berlin nnd Umgebung wird erst am Montag, den 13. Mai, abends ß Ur ausgegeben, um die erst gestern sestgestcllten Dampfer-Fahrpläne, sowie eine Reihe»och eingelaujener Ädressenansgaben der Organisanoneu berücksichtigen "X». Hans Baake. onfectionshans „Solidarität" zwisch. Oranienplatz u. Adalbertstraße. 178 vrosses Uager ierüger zwisch. Oranienplatz it. Adalbertstraße. Herren-«. Knaben-Garderoben aller Art und in allen Preislagen. in klirztster Zeit. Ansertignng nald Mlllisj Beivkkaltigste Ausmakl in-, u. ausländisvtier Stoffe. 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Die drei Röselein, ar- raugirt van.. 3. Liobin Sldair, arran- pirt von..... Zander. 4. Untreue..... Glück. 5. a) Lied der Mignou. Thomas. b) Dem Herzallerliebsten Taubcrt. Ges. v. Frl. Bclcltc Eerteaworflor. 6. Völkerfrühtingslied. Tbieme. 7. Santa Lucia... Schwarzlose. 3. A Busserl..... Koichat. 0, Met Freud.... Koschat. II. Theili 10. Abendchor.... Kreutzer. 11. Am Ort, wo meine Wiege stand.... Handwerg 12. Der Schweizer... Silcher. 13. Der Soldat.... Silcher. 14. a) Still>vie die Nacht Böhm. b) Der Schwur.. Votim. Ges.v. Frl. llclsue Barlonwarlf 15. Ein Sohn des Volles P.eil. 16. Haideröslein, arran- girt von..... Zander. 17. Spinn, spinn... Jüngst. 18. Arb.-Vatcrlandslied. Snchsdorf. r. Nach dem Konzerk: 7 � kR 2. Anfang prönso 7 Uhr.— Entrro 50 pf. inkl. Ta«f. eröffne ich öpptilAaßt 8 Filiale. LMiI LerLtorff. ?i!ktoriA-8sIe, Rixdorf,, Oekonomie: E�Baass. Eermannstr. 44—46, vis-ä-vis dev Vercinsbrauerei. Größter u elegaulester Saal Rixdorss mit großem Garten, 5000 Pers, fassend. 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Man» teuffclstr. 90. 1082b Damenkleider 7—9 M., Hauskleider 3 5 M., Kinderkleider 1,50—4,00 M. fertigt gutsitzend 1074b Frau Schnrig, Oranienstr. 5. Plätterin für alte Wäsche Oberh. 1,20, Kragen 30 Ps.. Manschette» 40 Pf. verlaugt Echmaland, Markgrafen- straße 70. Plältanstalt- 107öb Kozinwemokratischer Wahlverem füv den 3. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. General-Uersammlnng am Dienstag, 14. d. M., abends 8'/, Uhr, bei Zubeil, Lindcnstr. 100. Tages'Ordnling: 1. Bericht des Vorstandes über seine Thätigkeit. 2. Abrechnung vom legten Vierteljahr. 3. Vortrag des Neichstags-Abgeordneten Förster. 4. Diskussion. 5. Vereinsangelegenheiten. 40/10 iWF" Für Monat Mai gelangt„Das Recht auf Faulheit" von Paul Lafargue zur Gratisvertheilung an alle Mitglieder,»velche sür den Monat Mai bezahlen. Die Zahlstelle» des Vereins befinden sich bei: Schmidt, Restaurant, Dieffenbachstr. 34; L i n d e m a n n. Restaurant, Moritzstr. 9; W i n d t h o r st. Zigarrengeschaft, Junkerstraße 1; Müller, Restaurant, Gräfestraße 31; Schröder, Zigarrengeschäst, Kreuzbergstraße IS; Grube, Restaurant, Mariendorferstr. 5; L ü d t k e, Restaurant, Zossenerstr. 10; S a ch s. Restaurant, Markgrafenstraße 102; Werner, Restaurant, Büloivstraße S9; Faller. Restaurant, Pallasstr. 16; K i tz i n g. Restaurant. Bellealliancestr. 7t. He»- Vonsland. Sozialdemokratischer Wahwerem für den 3. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. ki'ossS am Mittwoch, den 13. Mai 1893, abends 8 Uhr, in den „Oranienhallen", Oranienstrafte Nr. 31. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen vr.?»nl Lerustsiu über:„Geisteskrankheiten". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes, 302/10 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Den Vorstand. NM iitt gestlligtn Arlieitervtreine BeM u. llmgegend. iffepsammlung Sonntag, dr» 19. Mai, vormittags 10 Uhr, Annenstr. 16. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Ausnahme neuer Vereine. 3. Wahl eines 1. Kassirers. 4. Bundesangelegenheiten und Fragekasten. Die Vereine werden ersucht, vom Stiftungsfest abzurechnen. 93/14 /taKUmg! 6. ahlkreis Achtung! Montag, den 13. Mai, abends 8vs Uhr, in der Leonen- Leaneeei, Alt-Moabit 47—49: T ages-Ordnung: 1. Vortrag des Neichstags-Abgeordneten Blos über: Die Umsturz- Uorlage. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um rege Betheiliguug bittet 297/20 Die Vertranrusperson. ! Söttcher. Achtllilg! �usserorSeiiMeke Versammwiig des Deutrat-Uereius deutscher Köttcher am Sonntag, den 12. Mai, nachmittags 1 Uhr, bei VlUro, Andreasstr. 26. Tages-Ordnung: 1. Arbeitsnachweis und interne Fachangelegenheiten.' 2. Die Lage unserer ausgesperrten Kollegen. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht aller Kollegen, zahl- reich und püisttlich zu erscheinen. 97/16 Verband der Höbelpolirer. HÜgT yersammlung"HW morgen, Montag, abends 8 Uhr, Badstraße Nr. 12. Tagesordnung wird daselbst bekannt gemacht. F'HvlIHchshei'g, Friedrich-Karlstr. 34. Tagesordnung: Kamnilinisnlus und die ökonomische Entwicklung. Referent Genosse!.eo LodwiSt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. WM" a n n u n g!"WZ Die Möbelpolirer A. Fistel und J. Kratsch, beide aus Berlin, sind»nter mehrfachen Veruntrennuge» gegen Genossen und Wittwen in Altona, wohin sie vom Verband unter Kredilirung des llieisegeldes geschickt wurden, von dort heimlich verschwunden. 208/14 Der Dorstond. Zimmerer! Mittwoch, 13. Mai, abends 9 Uhr, Zlnneustr. 1«: .Ä.ussem'denflidie Verbandsversammluiig bßy Derb nu des deutscher Zimmerlente Tages-Ordnung: Wie stellen sich die Mitglieder des Verbandes zu der in der am 28. April im Feen-Palast tagenden öffentlichen Zimmerversammlung angenommenen Resolution inkl. der Platzdeputirten. 290�19 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet und ist es Pflicht eines jede» Mitgliedes zu erscheinen. Der Vorstand. Achtungl Umm m Rkgkilillg der swerMkilver- hillAisse der Töpftr mid Amssgeilvljefl Berliiis und Umgegend. am Mittwoch, de» 13. Mai 1893, abends« Uhr, im Lokale des Herrn B n s s e, Gr. Frankfnrtcrftr. 83. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen M. Holfmann über: Die Kildnngsstätte» de« DoOre«. Diskussion. 2. Kassenberichr. Kollege»! Wir ersuchen Euch, des hochinteressanten Vortrages wegen, recht zahlreich und pünktlich zn erscheinen. 242/20 Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Achilillß, GelttrksAstell! Große Räume stehen den geehrten Gewerkschaften(passend zur Zentral- Herberge) zur Verfügung. L. Siegemund, Berlin, C. Alexanderstr. 11. Auch werden Zahlstellen gerne angenommen. 2341L' Neu! Neu! Cösliner Hof � Wedding MlUrstr. 8 Weddino� Jeden Sonntag: vrossor vrösster null sobönsier Saal ävs HorSsns(1000—1500 Personen) mit sehr gr. Orchester. Änt. 4 Mir. Ende I Uhr. Für Vereine stehen noch einige Sonnabende zur Verfügung.« vis viröktiou. KesellLelisttLdAUZ 35.Swinemiinderstr.3S, empfiehlt Säle zu Versammlungen, Fest- lichkeiten bei 2S0 Personen mit Musik in Wochentagen außer Sonnabend gratis. 2265a»(j> ßolzmann's Gesellschafts- Säle, Lichtenlierger str. 16. 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Interne Bundes-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. 66/6 Um pünkiliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Ethische Oesellschaft. Tonntag, den 12. Mai, abends TVa Uhr, in Biichler's Festsäle», Rosenthalcrstr. 38: Versammlung. Vortrag des Genossen Fritz Hansen über:„Katholizismus und Sozialismus."— Nachdem: Gcmüthiiches Beisammensein und Tanz."WG Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. sllS/14 Nach dem Vortrage haben Gäste keinen Zutritt. ver Vorstana. Wllng! It a x il o r t. Wuilg! Dirnstag, dr» 14. Mai. abends 8'/2 Uhr, in den Niktsria-Sälrn, Hrrmannstr. 45 tgroffrr Saal). Kresse Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Vorwärts. Tages-Ordnung: 272/14 1. Vortrag des Genossen Adoit Hofmann über: 1. Individuelle Freiheit oder Kadavergehorsam? 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes._ Gäste haben Zutritt."WS Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Uorstand. Schlaff Wviffensee. Vormals„Zum Sternecker". KellteTmtilg Gv. Monstre Vonzevk vor 8ell� er8t6 Wivi\\ Berlins,'©Si". Herr Carl Klugnrann, Neue Friedrichstraße, fährt als Passagier mit dem Riescnballon„Uranus"._ M boxelide fiaitpnil aus Ücm Thumseil."'WZ B�ncS'S'Sk lollkühne Trapez- EROSsa tL;äa»1a'S"uSBBj künstlerin am Lustballon. Hamilton-Theater. Bai champStre. Gondel-Corso. Cntrre 30 Uf.-WffZ SV" Anfang 4 Uhr. NV Den verehrlichen Vereinen halle ich mein herrliches Lokal zur Abhallung vou Vergnügtlitgen unter den coulantesten Bedingungen zur Verfügung. s39/8j lg. Bartk, Braumeister. „Märkischer Hof", Admiralstr. 18°. Jedr» Sonntag im prachtvollen Spiegel-Saal: Grosser Festkall bei groffer Kallmustü. Anfang 4 Uhr.— Ende 2 Uhr.— Die beiden Spiegelsäle sind zu allen Festlichkeiten und Versammlungen hiermit bestens empfohlen, mehrere Vereinszimmer sind ebenfalls noch frei. Die RestaurationS- Räume stehen Sonntags den geehrten Familien zur Verfügung. Die beiden Säle sind am 1. pfingftfciertag, desgl. auch noch an einigen Sonnabenden an Vereine zu Sommernachts-Büllen zu vergeben._ 22718" Mfinm f' Uereinshans, Wshauser Allee Ü8. 4 11 11 � 4 ch Lestsaal, Gr. schattiger Garten, Kegelbahn, Kaffeeküche. Auch Sonntags an Vereine zu veraeben. MaxlHörschol. Fortuna-Säle, Straußbergerstr. 3. Inhaber: H. Birk. 223 IL" Sonntags:kr088er Lall. Donnerstags: Vamen-Ifranactien. Außerdem empfehle tttcitte Säle zu Urrfammlungen und Uergnügungen. Klrincr Saal(40—70 Personen) noch einige Tage an Vereine zu vergeben Schönhauser Allee 103. Neu renov. schattiger Kartell(6000 Pers. fass.), gr. Tanrsaal, 4 Kegelb., Kaffeek., v. 2 Uhr ab. Gröffte Uolksbelnstigungr» in ganz Serlinl dkgerdans. Schöllhiluser Aolktzurten. Zeilen Ssulllag:?rei-Bvveert. Schönhauser» Allee 191IS. Alle Freunde it. Genossen lade ergebenst«in. .Julius Mierke. Wilh. Broth's Banziger Volksgarten Danzigerstr. 50/51, Haltestelle der Pferdebahn Molkenmarkt-Weißensee Hellte Sllllntllg: Frei-Konzert und sreier Tauz. Volksdelustigungon jeder Art,— 3 neue überdeckte Kegelbahnen. Weiss- nnd Bairisch Bier. Gute Speisen. Kaffeeküche. W. Groth, Gastwirth der Ueufteländer Ackerpächter. schattigem Vor- und Hintergarten. Gr. ranssaal. Kaffeeküche. Kegeloaht.eu Treptow 0ro88e k:Me-8peeiaIitätkii-V0r8teIwllg einer brliebtru Uariets-tOefellfchaft. Anfang 4 Uhr. TMZ Lniree frei. Im Saale: Grosser Ball. Die Kaffeekücde ist geöffnet."HKM Ljermaii»<0tto. Vrontnvr ünsnelisnii l!er Sncil-Irunrei. a" Köpenicher Landstraffe. Park-Ksslaurant. Drittes Lokal hinter der Verbindungsbahn. prachtvoller, fchattiger Garte». Cirra 5000 PI äste. ss. Lsscrbier � Pf'. Ill elegullte Kegelbullnen, Kusseekiilhe. Entpiehle meinen neu erbauten gr. Goncrrt-Saal, mit Bühne, sowie 2 kleinere Säle zur Abhaltung von Sommerfellen. Kochzetten k. tc. _ Wilh. Jacob, Gastwirth. Stralau. Zichmut F. Str9|i«ti|H, Empfiehlt den verebrl. Vereinen und Parteigenossen seinen Saal ttttd großen Garten, Kegelbahn, Kaffeeküche. Hochachtnngsooll l�rana Strohmev«r. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Boving in Berlin, SW., Beuthstraße 2. 4. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 110. Sonntag» den 12. Mai 1893. 12. Jahrg. Der sechste internationale Sergardeiter-Kongrest Wut) vom 3. Juni bis zum 7. Juni d. I. in Paris siatifinden� Zur Vorbereitung der Tagesordnung und Gcschästsordnung hat am 15. April in Brüssel eine Ausschußsitzung stallgefunden, an der je 2—3 Vertreter der belheiligten Nalionen, England, Belgien und TkUlschland(gleichzeitigfürOesterreich)lheilnalimen.Diefranzösisckjen Bergleute»varen nickt vertreten, da eine gegen ihre Telegirten Lamendin und Basly verhängte Ausiveisungsordre noch in kraft mar. lieber die Beschlüsse dieser Ansschußsitzung ist uns jetzt ein Bericht des Generalsekretärs Pickard zugegangen, der wichtig und interessant genug ist zu einer eingehenden Besprechung. Zunächst weist die für den Kongreß beschlossene Geschäfts� vrdnung einige wichtige Neuerungen auf, die auf die Eli fahrungen während des vorjährigen inteniationalen Bergarbeiter� Kongresses in Berlin zurückzusühren sind. Co sagt der§ 5; „Taß bei Feststellung der Abstimmung über die Kongreß� resolutionen»ur die Zahlen für und wider aufgeführt und in keinem Falle die Worte„angenommen" oder„abgelehnt" in bezug darauf erwähnt werden." Dieser Beschluß ist der Initiative der deutschen Telegirten zu danken. Auf dem Berliner Kongreß hatte sich ergeben, daß der bisher giltige A b st i in m u u g s'm o d u s die Entscheidung vollständig in die Hände der Engländer, eigentlich sogar in die der größten englischen Bereinigung, der„üeäeration of British rniners" legte. Es war nämlich für Airnahme oder AbleHiiung eines Beschlusses nicht die Stimmen- zahl der für oder wider stimmenden Telegirten, sondern die Zahl der von ihnen vertretene» Bergleute maßgebend. Da nun die englischen Bergleute insgesammt an Zahl die Berg- lente aller übrigen Nationen übertreffen, hallen sie an sich stets die Mehrheit, sobald sie geschlossen stiiuin.en aber es genügte schon, auch den 450 000 Berglenten der Federation allem die Mehrheit zu geben, sobald nur die aide«» Engländer sich der Abstimmung enthielte», wie das thalsächlich einmal bei einer Resolution geschah. Ein solcher Zustand war unhaltbar. In einer sofort nach Schluß des Kongresses zusammengetretenen Konserenz der deutschen Delr Birten wurde deshalb beschlossen, auf eine Aenderung des Ab- stimmungsversahrens zu dringen. Man kam zu deni Ergebniß, daß es geralhen sein würde, jedwede Möglichkeit einer Majorisirung völlig auszuschließen. In dem erwähnten Beschluß der Präliminarkonserenz hat diese Ansicht Ausdruck gefunden. Ter Veschluß wird ergänzt durch eine» den» Kongreß serner durch die deutschen Telegirten zu unterbreitenden Antrag(Z 11 der Tagesordnung): „Daß alle einstimmig angenommenen Resolutionen durch die Sekretäre einer jeden Nationalität ihren einheimischen Regierungen zur Nachachtnng übersandt werden." Dieser Bestimmung liegt der richtige Gedanke zu gründe, daß seinen einmüthigen Beschlüssen der Kongreß ein moralisches Geivicht verleiht, das ihnen eher Berücksichtigung erzwingen kann, als wenn unter den Bergleuten über irgend eine wichtige Frage die Meinungen noch geiheilt sind. Weniger glücklich ist die Vorkonferenz bei der Losung einer andere» Schwierigkeit gewesen. Die mündliche Berichterstattung hatte sich als ein schwerer Nachtheil herausgestellt, da durch die erforderliche mündliche Ueberlragung jedes Berichts in zwei andere Sprachen die Verhandlungen einen viel zu großen Zeitraum in Anspruch nahmen, der für wichtigere Dinge besser hätte verwandt werden können. Tie Vorkonferenz hat nun, um diesen Uebelstand abzustellen, beschlossen, den Vcr- Handlungen nur schriftliche Berichte aus den einzelnen Ländern zu gründe zu legen. Leider ist aber die schristliche Berichterstattung an eine Vorbedingung geknüpft, deren Er füllung diesmal wenigstens, mit Ausnahme der Engländer, den übrigen Bergleuten die Berichterstattung unmöglich macht. Wenigstens 6 Wochen vor Beginn des Kongresses muß nämlich ein jeder Bericht in englischer Sprache deni Generalsekretär zur Billigung vorgelegt werde». Da der Kongreß am 3. Juni in Paris zusammentrete» soll, wäre der letzte Termin zur Ein- lieferung eines Berichts in englischem Original oder in englischer Uebersetzuug an die Adresse des Herrn Pickard in Barnsley der 22. April dieses Jahres gewesen. Die Gin bintiger Umsturz von oben. Eine geschichlliwe Skizze von M. W. (Schluß.) Der Kandidat der Theologie Fr. Ulrich machte davon am 2. Juli 1749 dem Ralhsherrn Anton Tillier Anzeige, der wieder dem geheimen Lialh Miliheiluug machte. Schlotternde Slngst ergriff die Herren von Bern, die offenbar die Verschwörung für viel verzweigter hielten, als sie war. Man traute der Bürgerschast und Bürgermiliz nicht. Die Herren Patrizier, halbe Kinder und hochbetagte Greise, thaten selbst Sicherheils- dienst, die Herren hoben höchsleigcnhändig die„lliädelssührer" der Verschwörung auf. Ter Prozeß wurde merkwürdig geheim geführt, die Folter wurde gegen die Häupter zwar angeblick nickt angeivendet, aber die„Terrilion", das Wippen ohne Gewichte, und die Aufspannung auf die Folterbank. Einer der Hauptschuldigen, der offenbar„gute Verbindungen" hatte, der Fabrikant Küpser, kam trotz mindestens gleicher Schuld vom Todesurtheil frei, das schon fertig zur Reinschrift bei einem jungen Theologen lag. Bei diesem trat ein Vermummter ei» mit den Worten:„Es liegt daran, daß Eure Arbeit nicht fertig werde ans morgen. Hier ist ei» Beutel Gold. Das Tintenfaß über die Schrift gegossen statt des Sandes lind ein unüberwind- licher Schlaf werden Euch entschuldigen."— In einer folgenden Sitzung der ruhiger gewordenen Blut- lichter ward Küpser, in dessen Fabrik Sitzungen der Verschwörer slaltgesunden balten,»ur zur Verbannung verurtheilt. Einen anderen jungen Blenschen, den Sohn eines Landvogts, ließ man entschlüpfen. Eine bei dem englischen Gesandten an- gebrachte Bitte, etliche der Verschwörer mit englischen Verbrecher» nach Zieuscholtland zu schaffen, wurde englischerseils abgeschlagen, weil das zu kostspielig und die Zahl der zn deporlirenden Eng- tänder schon voll sei. Henzi, Fneter und Weruier wurden enthauptet, dein Fuetcr vorher die rechte Hand abgehauen. Wernier benahm sich feig, Fneter schrie nur, weil er zuerst vom Henker in den Arm ge- hauen wurde, beim Abhauen der Hand zuckte er nickt. Henzi sagte dazu:„(Zueile bou< herie!"(Was für eine Metzgerei!) Als man ihn auch erst fehl hieb, so daß der Kopf Hernack mit einem Messer erst vollends abgeschnitten werde» mußte, sagte er zum- Henker:„Du exeeutes, cowwe res niaitres jngent." (Dn richtest hin, wie Deine Herren richten);»ach anderer Leeart habe er gesagt: Dout est äovo eorromxu, cians cette i-epublique. inerne l'executeur.(Alles ist in dieser Republik elend, selbst der Nachrichter.) Ter Mann des Gesetzes wurde auch zur Rechenschaft ge- zogen, aber entschuldigt, da er vorher schon Unsicherheit seinerL Vorkonferenz in Brüssel fand am 15. April statt. Es liegt auf der Hand, daß selbst, wenn die Berichte der deutschen, fran- zösischen und belgischen Telegirten fix und fertig waren, es doch kaum möglich war, die geforderte englische Uebersetznng inner- halb der kurzen Frist anfertigen und dem Sekretär zu stellen zu lassen. Das können sich die Mitglieder der Konferenz nicht richtig überlegt haben, sonst hätten sie der Be- stimmnng wohl eine andere Fassung gegeben. Es wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als diesmal noch von ihr abzu� weichen. lieber die Gegenstände, die dem Kongreß zur Erwägung unterbreitet werden, steht wieder die Frage des A ch t st u n d en t a g e s oben an. Bekanntlich sträubt sich dagegen nur noch eine Minderheit der Engländer in Northumberland und Dnrham aus dem nacktesten Eigcninteresse. Während sie selbst nämlich ihre Arbeitszeit auf 7 Stunden heruntergeschraubt haben, lassen sie ihre jugendlichen Hilfsarbeiter»och 10 Stunden sür sich arbeiten und diese Ausbeutung würde ihnen unmöglich gemacht werden, wenn die achtstündige Maximal Arbeitszeit gesetzlich eingeführt würde. Man darf gespannt darauf sein, ob ihr Colidnrilätsgesühl bereits genügend erstarkt ist, um sie in Paris auf die Seite aller übrigen Bergleute zu bringen. Der Ueber Produktion wollen sowohl die Franzose» wie die Engländer entgegentreten. Doch komme» die Angaben in der Tagesordnung nicht über die allgemeinen Andeutungen hinaus, daß nach dem Bedarf die Förderung der Kohlen geregelt werden soll, um„Preise und Löhne zu reguliren". Es ist das eine sehr heikle Geschichte, bei dem die Arbeiter, wenn sie nicht sehr vorsichtig sind, leicht den Unlernchmerkartellen in die Hände arbeiten können, ohne daß sür sie selbst etwas dabei heransspringt. So verhielt es sich mit dem von deni belgischen Grubenbesitzer Lcvi entworfenen Produktionssystem, das auf dem Berliner Kongreß von den Belgiern befürwortet wurde, während sie jetzt ersrenlichcnveise davon zurückgekomnien zn sein scheinen. Ein Antrag von ihrer Seite liegt wenigstens nicht vor, trotzdem Callewaert, der das System Levi in Berlin verlrat, an der Vorkonferenz in Brüssel persönlich theilgenonunen hat. Ein bcachlenswerther Fortschritt tritt ferner in denjenigen Vorschlägen zu tage, die sich auf die Entschädigung für Unfälle beziehen. Während nämlich in Berlin die englische» Vertreter sich noch ablehnend gegen die Forderung einer Ent- schädigung alle Unfälle verhielten und die Redewendung eines belgischen ü zirten, daß nur nachgewiesener Selbstmord eines Verunglückten dn, Unternehmer derEntschädigungspflichl enthebcndürfe, geradezu belachte», liegt jetzt von dem großen englischen Berg arbeiterbnud selbst der Antrag vor: „Daß die Unternehmer verpflichtet sein sollen zur E»t- schädigung an alle Personen, denen ein Unglücksfall zustößt, während sie ihrer Arbeit innerhalb der Gruben oder bei deren Außenwcrke» nachgehen." Auch diese Fassung schließt vollständig die Ausrede der Unternehmer aus, daß eigene Verschuldung der Arbeiter bei Unglücksfällen eine Entschädigung nicht rechtfertige. Nachlässig- keilen irgend welcher Art sind eine unvermeidliche Vegleit- erscheinnug jedweder Thätigkeit. Die persönliche» Nachlheile au seiner Gesundheit hat der Arbeiter, der sich eine Nnchlassigkeil zu schitlden kommen läßt, so wie so zu tragen. Daß er noch außerdem besondere finanzielle � Schädigunge»(dauernde oder vorübergehende Einkvinmensverriugerung) auf sich nehineu soll, während der Uiilernehmer ans dem Gesamnilbelrieb, in dem solche aus der menschlichen Natur hervorgehende» Nachlässigkeilen einen integrirenden Bestandlheil bilden, den Vortheil zieht, ist ebenso widersinnig wie die Nichtenlschädigung der übrige» Unglücks- fälle. Das Gefahren- Risiko und zwar das ganze, muß der Unternehmer laufen, der den Mchrwcrth einheimst. Daß die Engländer zum größere» Theil sich jetzt zn dieser Erkenntniß durchgerungen haben, läßt hoffen, daß es bald gelingen wird, alle Bergarbeiter zu der Forderung der Bollentschädi- gung für alle Unfälle zu vereinen. Und wird nur das erreicht auf dem diesjährigen internationale» Bergarbeiler-Kongreß in Paris, so ist damit wieder ein mächtiger Schritt vvrivürts gelhan auf der Bahn, die Vereinigung des Proletariats führt. So schließen wir uns denn dem Wunsche der Vorkonferenz an, daß i» Paris die internationale Gewerkwerkschastsbeivegilng einen neue» kräftigen Impuls empfangen möge. and gesürchlet und dies ausgesprochen halte, da er kurz zuvor einen chlagaufall gehabt. Der Blutlag war der 16. Juli 1749. Eine Meldung der„Vossischcn Zig." von einem ihrer schiveizer Korrespondenten besagt: „Die Standhasligkeit, mit irelcher die drei, die hingerichtet worden, den Tod und die Tortur erlitten, ohne sich und anderen etwas zur Last zn legen, die Gelassenheit, mit welcher sie ein Blutgericht über sich ergehen lassen, welches sie nicht ver- dient zu habe» geglaubt, die Vorsichtigkeit des Raths, mit welcher er ihre Hinrichtung bedecket und die Uni thätigkeit, in welcher er seit demselben Tage in ZIn sehuug der Zusanimenverschivorenen zu sein scheint, sind ebenso viele»eiie Mittel, welche die Apologislen(Vertheidiger) der Zusainmenverschworenen anwenden, die Herren i)eiizi Wernier und Fneter als Märtyrer der öffentlichen Freiheit und gemeinen Sache zu betrachten. Mau hat unter den Papieren des Herr» Henzi die Rede gefunden, die er an dem Tage der große» Unternehmung an das Volk hat halten wollen. Selbige kann, wie man sagt, mit den schönsten Philippischen Reden des Teinosthencs und Cicero in einem Paare gehen. Herr Henzi hat diese beide große Männer, deren Sprache er so gut wie seine Mutlcrspvachc verstund, besonders durchstudirt. Die griechische und römiscke Historie waren ibni so bekannt, als die Historie seines Vaterlantes, und er redete und schrieb mit derzenigen natürlichen Fertigkeit, welche bei den Gelegenheiten, wo es mit einer Sache zum Abdruck kommt, die Nichtigkeit der Verbesserung, die Schönheit der Ausarbeitung und die Zierlichkeit des Aus- drucks darbietet." Von der achtungenveckende» wissenschaftlichen Bildung Henzi's legt auch Zeuguiß ab eine Ode, die S. G. Lange, der von Lessing bekämpfte Horazübersetzer und-Nachahmer an den „Verschwörer" gerichtet dat. in der Lange seine eigene Poesie die „schwächere Leyer, nur das Ecko Henzi'scher Töne" nennt. Benierkenswerlher ist für uns der Umstand, daß Henzi auch einen„Tell" in französischer Sprache geschrieben hat. Am 13. August ging die Karawane der Verbannten ins Elend, von ihren Angehörigen und den sür nölhig befundenen Soldaten eskortirt. Ten Abziehenden erließen die Gläubiger hre Scknldcn»nd Sammlungeir wurden sür sie veranstaltet. Henzi's Wittwe, eine geborene Italienerin Malacrida. rief, als >na» am Rhein ankam:„So lheuer mir diese Kinder sind, tvürde ick sie doch lieber in deni Strom versinken sehen, wenn ich denke» 'ollle, daß sie nicht das Blut ihres Vaters rächen würden." Flugblätter, von flüchtig Gegangene» ausgehend, drohte», daß bei kommender Gelegenheit den Patriziern ihr verdienter ch» nicht ausbleiben werde. VerlÄurtttluttgei»; Eine stark besuchte öffentliche Versammliiiig der Bäcker und Bäckereiarbeiter tagte am Dienstag i» Niest'S Salon, Weberstr. 17. Abg. Mol kenbuh r wollte über die Forderung des Maximal-Arbeitstages referiren, war aber durch die im Reichstage augenblicklich zur Verhandlung stehende Umsturzvorlage ain Erscheinen verhindert; an seiner Stelle behandelte Bäcker Scholz dieses Thema. Er rief der Versammlung ins Gedächtniß, daß es Genosse Bebel war, der im Jahre 1890 durch seine Broschüre die skandalösen Zustände im Bäckergewerbe aufdeckte und dadurch auch die im Reichstage gebildete Kommission sür Arbeilerstatistik veranlaßle, auch ihrer- seits eine Enquete zu veranstalten. Wen» auch durch diese Enquete das von Bebel in seiner Broschüre gesagte voll- inhaltlich bestätigt worden sei, von einem durchgreifenden Schutz der in Bäckereien beschäftigten Arbeiter wäre trotzdem nichts verlautbar geworden. Im Gegentheil. die Meister- bezw. Junnngs-Organe verhöhnen die Arbeiter ob ihrer Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit und schreiben: an ein Jnkraft- trete» des zwölfstüudigen Normalarbeitstages in diesem Jahr- hundert sei gar nicht zu denken, in der Regierung soll nur der linterstaalssekretär v. R o t t e n b u r g sich dafür erklärt haben. Allerdings— setzte Redner Hinz»— habe sich dieser Herr auch mehr wie alle übrigen Negierungsbeamten mit derartigen Fragen und dem durch die Enqueten aufgedeckten Elend der Slrbeiter beschäftigt. Der Vortragende unter�'chte des weiteren, welches Entgegenkommen seitens der Arbeitgeber in dieser Frage zu erwarten sei, wobei er ans die Ausführungen der Jnnungsvertreter in der großen gemeinfameu Versamm- liing in den Germaniasälen zu sprechen kam und durch seine sarkastischen Bemerkungen hierzu wahre Beifalls- stürme hervorrief. Die jahrelangen Erfahrungen hätten gezeigt, daß die Innung weder den Willen noch die Fähigkeit besitze, für ihre Arbeiter etwas Ersprießliches zu leisten; nicht einmal zn der Abschaffung der Germania-Kontrollbücher, richtiger Knechts« bücher, ließe sie sich herbei und auch der Ausbeutung durch das Kommissionär- Unwesen stehe sie mit verschränkten Armen gegenüber. Sei also weder von seilen der Regierung noch der Arbeitgeber eine Erleichterung des erbärm- lichen Lomes zu erwarte», so dränge sich die Frage auf: ivelche Mittel seien in Anwendung zu bringe», uiu eine Ber« kürzung der Arbeitszeit, bessere» Loh» und menschliche Behandlung aus eigener Kraft zu erringen? Alle anderen Kultur- staalen seien in der Frage des Arbeiterschi'hes Deutschland weit voraus, die Regierung und die herrschenden Klassen unseres Vaterlaiides hingegen beantworteten alle freiheitlichen Forderungen auf Verbesserung der wirthschaftlichen Lage des Zlrbeiter mit einer Umsturzvorlage oder, wenn das nichts helfe, mit der Beseitigung der Koalitionsfreiheit durch ein nach rückwärts revidirtes Vereinsgesetz. Trotz aller Bedrückungen blieben: Aufklärn"g in den Reihen der noch Indifferenten schassen und Organisation die einzigen wirksamsten Waffen der ZIrbeiter und auch die Väckerciarbeiter würden noch erkennen lernen, was sie durch eine starke, gutgeleitete Organi- salion erreiche» können.(Lel>ha,ier Beifall.) In der Diskussion, an der sich S a u d o r, Z a l e w s k y, Milde, Junker, Frau Gubela und Schlüter betheiligten, wurde von alten Rednern die tieflraurige Lage der Bäckereiarbeiter beleuchtet und ebenfalls zur Organisativii ermahnt. Die Versammlung beschloß einstimmig die Absendung einer Resoliitio» an Reichskanzler, Äundesrath und Reichstag, worin sie die gesetzliche Einführung eineS Maximal-Arbeitstages von 12 Stunden an Wochentagen und 8 Stunden an Sonn- und Feiertage» fordert. In den„Gründen" soll besonders darauf hingewiesen werden, daß bei der jetzigen„Sonntagsruhe" die Väckerei-Arbeiter sich schlechter stehen, als vor Inkrafttreten der- selben. Die polizeiliche Kontrolle sei nicht streng genug und hänsig wußten ihr die Herren Jnnuugsmeister ein Schnippchen zu schlagen. In vielen Bäckereien würde von Freitag Abend bis So nn lag früh durchgearbeitet, in andere» wieder würde die sonntägliche Arbeitszeit derartig„getheill", daß von einer eigentlichen Sonntags ruhe nicht mehr die Rede sein könne.— Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf Berichterstattung. Abrechnung und Neuwahl der Agitationskoinmission. Scholz berichtete, daß sich die Kommission seit ihrem Bestehen(I. Juli vorigen Jahres) ausschließlich mit der Frage der Sonntagsruhe und des Maximal-Arbeitstages beschäftigt habe und forderte alle Bäckerei-Arbeiter auf, U ni g e h u n g e n der Sonntags- Gründliche Reformen blieben aus; der Angeber Ulrich lehnte ab, in den groben Rath einzutreten und begnügte sich mit der weniger ausfälligen Belohnung von 50 000 Beener Pfund baaren Geldes. Die flüchtig Gegangenen wurden in Holz- bildern geviertheilt, und die Köpfe der Puppen auf Pfähle» auf« gesteckt zum warnenden Excmpel. Aber schon am Sonntag, der auf die Hiurichtnngen folgte, verschworen sich 28 junge Bürger bei einem Ball zn Reichenbach. sich nicht zu verheirathen,„um keine Sklaven auf die Welt zu setzen", und sie haben ihren Eid gehalten. Fortwährend zitterten die Patrizier vor Angst vor einer möglichen Vergeltung.--- Lessiug's prachtvolles Drainenbruchstück mag der Leser in Lessing's Werken selbst einsehen und die Ausführungen des 22. Literaturbriefes dazu lesen. Am 23. März 1745 rügten die „Göttinger gelehrte Anzeigen"(nach einem warmen Lob de» Lessiug'schen Fragmentes des Henzi-Dramas vom 31. Dezember 1753), die Charaktere entsprächen nicht der historischen Wahrheit und seien zu Ungunsten„einer beträchtlichen Republik verstellt". Man vermulhet, daß hinter dieser Mohrenwäsche Albrecht Haller gesteckt habe, der seit 1745 Mitglied des großen Ruthes in Bern war. Im Hambnrgischen„Magazin"(Band 14) erklärte ein Füeßli, Henzi sei nicht ein Patriot, sonder» ein Rebell gewesen. Als nach Bern das Gerücht drang, es werde ei» Trauerspiel über die Verschwörung Henzi's erscheinen, beschlossen die Herren von Bern schon präunmerando unterm 8. Januar 1751, dasselbe zn unterdrücken, noch ehe sie wußten, ob es für Henzi sprechen würde. Das läßt tief blicken! Wie sehr die Besitzgeivaltigen der schiveizer Republiken für ihr politisches Ansehen ängstlich und eifrig besorgt waren, zeigen ja die höchst possirlichen Alten, welche aus Anlaß der berühmten Stelle in Schiller's Räubern, wo Spiegelberg von dem„Gauner- Athen" Graubündten redet, gewechselt wurden. Die„Vossische Zeitung" berichtete unterm 10. August auch von Genf, die Regierung habe Buchdruckern und Buchhändlern Herstellung und Verkauf von Büchern verboten, welche die„be- sonderen" Angelegenheiteu des Kantous Ber» beträfe»! All das spricht nicht sehr sür ein gutes Gewisse» der blutigen Unterdrücker eines nur zu gerechtfertigten Aufstandes, der schlecht vorbereitet war nud leider des Merkmales, welches Joh. v. Müller für eine löbliche Revolution forderte, daß sie im Interesse der Gesainmtheit stattfinde, entbehrte. Aber die Geschichte lehrt, daß auch Henkerbeil und andere Gewalt nicht belfe», dem Unrecht ewige Taiier zu verleihen. Diese geschichtliche Erfahrung verdient auch beute wieder von neuem mit allem Na chdruck verkündigt zu werde». ruhe bei den Vertrauensmännern oder der Kommission zur meileren Verfolgung der Angelegenheit anzuzeigen. tzöppner verlas namens der Prüfungskommission den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen mit dem Bestand 231.63 M.. die Ausgaben 189.35 M.; der Rest von 31.73 M. konnte vom Kassirer Dietrich den Revisoren nicht ausgehändigt werden, er halte das Geld während seiner Arbeitslosigkeit in feinem Nutzen verwendet. Den Druaereibesttzern Janiszewsky u. Quitt schulden die Bäckerei-Arbeiter aus Druckanslrägen für ihre öffentliche Agitation und für Knntrollinarken 509 M. Scholz wurde beauftragt, außenstehende Gelder sür Kontrollmarken sofort einzuziehen und 30 M. den Druckern als Abschlagsfumme zu zahlen. Die Ab« nähme des Kassenberichts wurde auf Antrag S ch l ü t e r' s bis zur nächste» Versammlung zurückgestellt; inzwischen soll eine nochmalige Revision der Bücher stattfinden. Berliner Arbeitervertrcter>Verei». In der Sitzung vom 7. d. M. machte der Vorsitzende Symmano wski Mittheilung über die Ergebnisse einer unvermutheten Revision der Anstalt Gütergotz, die von einer von dem Ausschuß der Alters- und Jnvalidilätsanstalt Berlin eingesetzten Kommission vor kurzem ausgeführt ist. Die Ergebnisse der Besichtigung sind sür die Kommission zufriedenstellende gewesen; die Vornahme dieser Handlung jedoch bildet die Grundlage für einen Konflikt seitens der beiden leitende» Organe. Der Vorstand bestreitet dein Ausschuß das Recht, selbst oder durch eine ans seiner Mitte zu bildende Kommission die Besichtigung oder Revision— wenn dieselbe ohne seine Genehmigung erfolge— vorzunehmen. Die Geschäftsordnung des Ausschusses, die bestimmt, daß„zur Ueberwachimg der Geschäftssührung der Vorstände" und der sanitären Einrichtungen der Anstalt einer Kommission die Pflicht obliegt, Revisionen vorzunehmen, sei für ihn. da sie ohne seine Mitwirkung gefaßt sei, nicht bindend. Interessant ist es. daß der Vorstand diesen Paragraph, der schon seit Dezember v. I. in kraft getreten ist, unbehindert dem Statut einverleibt hat. Die Redner in dieser Debatte wiesen aus die große prin- zipielle Wichtigkeit dieses angefochtenen Beschlnffes hin und be- schästigten sich mit der Frage, ob und inwieweit die Errichtung des Sanatoriums selbst sür die versicherten Abeiter von Vortheil sei. Der Ausschuß wird, wie bekannt gegeben wurde, nichts ver» säumen, um seinen Beschlüssen gegenüber dem Vorstande Geltung zu verschaffen. Eine längere Diskussion, an der Dähne, G u t h e i t, A ß m a n n, Schallhoff, Stuhl« mann und P l a d e ck theilnahmen, wurde durch das Rund- schreiben des Reichs- Versicherungsamtes angeregt, in dem den Berussgenossenschasten die„vortrefflichen Erfolge" vorgesührl werden, die angeblich erwachsen, wenn die letzteren die Behandlung der Erkrankten laut ß 76o des Krankenversicherungs- Gesetzes von vorneherein übernehmen. Alle Redner stimmten darin überein, daß von größeren Erfolgen durch die Behandlung der Berussgenossenschasten durchaus nicht gesprochen werden könne; ein Schaden sür die Verletzten entstehe aber da- durch, daß ihnen bei späterer Geltendmachung ihrer An« spräche das Zeugniß des einwandssreien Arztes verloren gehe, auf das sie sich stützen können, wenn sie zu Ansang in einem Krankenhause oder von einer Kasse verpflegt sind. Das Verfahren der Vertrauensärzte der Berussgenoffenschaften wurde an der Hand diverser Gutachten einer vernichtenden Krtttk unter- zogen; auch die Methode deS Dr. Müller(Friedrickstraße), der dem„Vorwärts" erst kürzlich wieder Anlaß zur Aufdeeknng ver« schiedener Mißstände gegeben hat. wurde entsprechend beleuchtet. Dähne berichtete, daß bei einer Verhandlung vor dem Reichs-Ber- sicherungsamt in jüngster Zeit festaestellt wurde, daß ein Konsortium von drei Aerzten in Breslau sich gegenüber den Berussgenossen- schasten schriftlich verpflichtet halte, die Behandlung voll- kommen unentgeltlich zu leisten, wenn es ihrer Kunst nicht gelänge, jeden Verletzten binnen kurzer Zeit wesentlich zu bessern. Bei solchen„Kuren" konimt es dann sehr oft vor, daß Personen als erwerbsfähig attestirt werden, denen sogar der Gebrauch wichtiger Organe mangelt. Die Debatte über die Rekurs« und Revisionsenlschetdungen wurde bi» zur nächsten Versammlung vertagt. DviekKakfcn dev Dedaktion. In Rechtsangelegenheiten wird ausschließ- lich am Montag, Dien st ag, Donnerstag und Freitag von 7 bis S Uhr abends Auskunft er« t h e i l t. B. B. Fragen Sie beim Hamburger„Echo" an. M. Die Zahlstelle befindet sich bei Trittelwitz, Falkenstein- straße 7, Restauration. Pcrlcbcry jnur M Ohausseestr. 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Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. LtV., Beuthstraße 2.