MbenKausgabe Kr. 113 ♦ 42. Jahrgang Ausgabe B Kr. 56 fcltrgsStMnitnts«« nh SfnjtljeitmB« knd ta der Worz-n-ussad««nsrarde» »edattion: STD. 66. Ciadcnfttofl« i 5ecnfpt«d)ct: VSnhofs 282— 293 XaL'lUtefle: Sosialdemattal Scdtai r W'f» Devlinev Volksblstt 5 Pfennig) Sonnabenö 7. März 1925 Verla« und Aa«elgenabtetlaa«z Sekchäktszett 6— i Uk>» Verleger: vorwärls-verlag Gindy. Verl!» Sw. 66, Clndenflcaf]« 3 Zerasprecher: VSahoft 2606-250» Zentralorgan der Sozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands Die Reichsprasiüentenwahl. Allgemeine Ungewitzheit. Der Pariemusschuß und die Reichstagsfraktion der So- zialdemokratifchen Partei treten heute nachmittag um 2 Uhr zusammen. Sie werden sich mit der Frage beschäftigen, ob der Anregung, zum ersten Wahlgang einen gemeinsamen republikanischen Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager auf- zustellen, Folge gegeben, oder ob ein eigener sozialdemokra- lischer Kandidat aufgestellt werden soll. Danach wird noch heute abend der Parteivorstand zusammentreten, um seine Beschlüsse zu fassen. Die Äürgerblockparteien haben einen gemein- samen Ausschuß gebildet, der unter dem Borsitz des Präsi- denten des„Reichsbürgerrats", des königlich preußischen Mi- nisters des Innern v. L o e b e l l, tagt und in dem über die Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten verhandelt wird. Die„Zeit� meint, in den letzten Tagen hätten sich die Namen Braun. Marx und I a r r e s herauskristallisiert, danach wäre Herr Iarrcs der Kandidat des Bürgerblocks. Die„National- post" dagegen versicherte noch heute morgen, daß eine Ent- scheidung noch nicht gefallen sei. Außerdem weiß sie von B e r h a n d l u n g e n zwischen dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei zu berichten, in denen die Absicht verfolgt wird,„eine Drücke zwischen oem Zentrum und den Auffassungen der Rechten zu schlagen und das Zentrum zum Abgehen von der Kandidatur Mar� zu veran- lassen, die insbesondere in München als nicht möglich emp- funden wird". Zur Wahl werden umfassende organisatorische Borberei- tungen notwendig sein. Nach dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung gibt es keine amtlichen Stimmzettel. Die Par- teien müssen die Stimmzettel selber drucken lassen und dafür sorgen, daß überall der erforderliche Vorrat davon zur Ver- sügung steht. Es werden also in diesem Kamps an die per- sönstche Mitarbeit der Parteigenossen sehr hohe Ansorderun- gen gestellt werden müssen. Unentschieden ist auch die Frage des S t e l l v e r t r«- tungsgesetzes. Hier hängt die Entscheidung darüber, ob Herr Luther bis in den Mai hinein die Geschäfte des Reichs- Präsidenten führen soll oder nicht, vom Zentrum ab. Sic wird Hoffentlich so ausfallen, wie der Sinn der Verfassung es verlangt, das heißt dahin, daß ein besonderer Stellvertreter für notwendig erklärt wird, der dann sofort vom Reichstag zu wählen ist. Die präjiöentemvtchl und das Ausland. Dasel, 7. März.(Eigener Drahtbericht.) Da«»Baseler Nachrichten" schreiben zur Reichsprösidentenwahl:„Die Bemühungen der Rechten um eine unpolitische Persönlichkeit kennzeichnen das Bestreben, dos keinen Republikaner an der Spitze des Reiches will, aber auch keinen Präsidenten, für desien Tun die Rechtsparteien deutlich haftbar sind. Das Blatt bcschästigt sich dann mit der Wirkung der Wahl auf das Ausland und erklärt:»Wir begreifen, daß es für einen Patrioten peinlich ist, bei der Wahl des Statsoberhauptcs an den Eindruck im Ausland denken zu müssen. Aber es muß sein. Die Kölner Räumung s< frage und ander« Probleme werden nicht oder für Deutschland nicht befriedigend gelöst, solange man nicht weiß, ob die Reichs- Präsidentenwahl den Charakter einer reaktionären Demon- stration bekommt. Schon deshalb ist es wünschenswert, daß der erste Wahlgang die Entscheidung bringt." die„legitime* Wirtschaft. Tie Schwerindustrie will freie Bahu haben. Der Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie oerössenUictst folgende Resolution: „Die in der Deru..,.dung der öffentlichen Gelder bekannt gewordene« Mißgriffe sind dem Reichsverbande der Deutschen Industrie Vermllasiimg. für die Zukunft schärfste Kontroll« und genaueste Rechnungslegung über die Bcrwendung dcr i a st restlos aus der Wirtschaft stammenden über- schüsfizen G-:lder durch wirtschaftliche Sachverständig« zu verlangen. An sich muß in Zukunft die Entstehung von U« b e r- f ch ü s s« n über das unbedingt« Erfordernis hinaus durch rationelle Steuer- und Tarifpolitik unter allen Umständen ver- mieden werden. Fernerhin ist insbesondere auch die bisherige Bilanzpolitik und Finanzgebarung der im Besitz des Reiches und der Länder befind- lichen industriellen und kaufmännischen Betrieb« und ihr« Verforgung mi: öffentlichen Mitteln zum Gegenstand einer Untersuchung zu machen. Es müssen Garantien dafür gcschaffen werden, daß an sich lebensunfähige Gebilde dieser Arl nichi zum Schaden d-r Zlllgemein- hei» durch SfsenMche AUttel küustNch weiker am Leben erhalten werden. Z'ir Durchführung dieser Ausgaben müsscn bereits in einer unter Mitwirkung der Rcichsbank zu schaffenden Stelle selbst der di« küastg« Anlag« der öffentlichen Gelder obliegen wird, Kautelen da- für geschaffen werden, daß etwa verfügbore Mittel ohne unnötig« Perteuerung dcr legitimen Wirtschaft zugeführt werden." In dieser Resolution kommt d? r w a b r e Charakter des Rechtsblocks unverbüllt zum Ausdruck. Das Privat- kapital und di« Schwerindustri« will unter allen UmstSade» di« Lll«i»herrschafit Die Inflationsgewinnler wollen den mm ihnen enmjpriicrtcn Obligationshypotheken- und Anleihebesitzern ihre Schulden nicht zurückzahlen, sie wollen über die Gelder der Reichskasse allein verfügen(siehe Entschädigung an die Ruhrindustrie) und sie wollen keinerlei Konkurrenz öffentlicher Unter- nehmungen und Betriebe. Die Deutsche Volkspartei, die Partei der Unternehmelsyndizi und Agenten und mit ihr die Deutschnationale Volkspartei als politische Hapdlangerin des Reichslandbundes und der Schwerindustrie haben Order zu parieren, wenn ihre Geld- und Auftraggeber A n w e i s u n- gen geben. Die Schwierigkeiten, die im Weg stehen, wer- den durch eine Verleumdungskampagne gegen die Sozialdemokratie beseitigt. Der Kampf der Industriehäuptlinge gegen die öffentliche Wirtschaft komint auch in dem famosen Gesetz über die „gegenseitige Besteuerung des Reichs, der Länder und Ee- meindcn" zum Ausdruck, in dem auch die großen Werks» betriebe der Gemeinden zur Zahlung aller Steuern heran- geholt werden sollen. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Masse der Konsumenten wird eine ungeheure neue Steuerlast auferlegt, und dem P r! v a t k a p i t a l soll aus diese Weise der Zugriff zu diesen Betrieben ermöglicht werden. Die verlogene Gesellschaft, die in kommunistischer Aufmachung auf knallrotem Papier Flug- dlätter gegen die Sozialdemokratie in Millionen verbreiten läßt, well sie angeblich dem„internationalen jüdischen Ka- pital" die Herrschast verschaffe, will in Wirklichkeit nur selb st ungehindert das Heft in der Hand haben. Der Kampf, der zum Beispiel gegen die Deutschen Werke von der Schwerindustrie augenblicklich geführt wird, ist nur ein Teilausschnitt dieser Versuche, sich die r e st l o s e Alleinherrschaft zu sichern. Eine gekaufte, von der Schwerindustrie ausgehaliene Presse besorgt unter dem Deck- mantel der„Unpanoüichlcit" die Erledigung der Borgesechte. Skandalafsären, Enchüllungskampagnen, mit tiefer sittlicher Entrüstung vorgetragene Meldungen über Unregelmäßigkeiten usw., dienen alle nur dem einen Zweck, die Festung stürm- reif zu machen. Aus die Gedankenlosigkeit des Spieß» bürgertums wird dabei ebenso spekuliert wie auf die Zermürbung der Arbeiterfront durch die kommunistische Hetze. Die deutschnaiionale Propaganda in Arbeiterkreisen erfolgt ja überhaupt nur im kom- munistischen Gewände und mit kommunistischen Argumente»». Und doch werden die Herrrschaften sich täuschen. Das deutsche Volt ist nicht so dumm, daß es nicht durch diese Flut von Lügen hindurch erkennt, worum es cigcnilich geht. Die Hugenberg-Presse mag noch soviel Gift spritzen, sie wird nicht verhindern können, daß ihr wahrer Eha- r a k t c r erkannt wird und daß die Massen des Volkes sich doch wieder in einheitlicher Front gegen die Hyänen des Großkapitals sammeln. Sen Akiba hatte unrecht! Es ist nicht alles schon dagewesen. DaS.Berliner Tageblatt" berickuet, baß der deutschvatioriole Vizepräsident deS ReicbStogeS G rä f» Thüringen, der bekanntlich dem Antrittsbesuch deS RcichStagkprLsidiumS beim Reichspräsidenten Eberl Mitte Januar demonstrativ ferngeblieben war, sich darüber beschwert hat. daß man ihn nicht zu der Trauer- feier iür Ebert eingeladen bat. Im Rer»Stog g-ht ferner das Gerücht, daß ähnliche Be- schwerden von den Kronzeugen Gobert. Syrig, Isidor Kreil, sowie von Pfarrer Koch. M. d. L. und M. d. R.. ein» getroffen sind._ Glanzenüer Wahlsieg in Lettlanü. Verdoppelung der sozialdemokratischen Stimmen. Liga. 6. März.(Eigener vrohtbericht.j Die Gemeinde- wählen habe« der Soziakdcwokrolischeu Partei große Ersalge ge- bracht. Zu Riga erhielt unsere Partei 60 000 Stimme«, da» sind 34 vom yundert aller Ssimmeu und 37000 Stimmen mehr als bei der vorigen Wahl Mr besehen 30 Mandate, davon 12 neue. Die Ergebnisse t« der Provinz schließen sich denen in Riga würdig an. Staütratswahlen in Lonöon. Erfolge der Arbeiterpartei. London, 6. März.(MTB.) Di« um Mitternacht bekarmtge- gedenen Ergebnisse der gestrigen Stad�ratscvahl weisen für die Ar. beiterpartei einen Gewinn von 9 Sitzen und für die städtischen Reformisten ober Konservativen einen solchen von 1 Sitz aus. Letztere hatten bisher 60 Sitz«, die Arbeiterpartei 25, die Progreffistm 7 Sitz«. Die belgische Kammer ausgelöst. Neuwahlen am li. April. Prössel 7. Mörz.(TU.) Die bel-zische Kammer hielt x-stern nochmtltag Hpv letzt« T'tz"NZ ab. Das Parlament vstd heute durch köntzllches Dekret aufgeffift Di« Nemmchle» find für den 5 April aufgefchrichtt. Echo öes deutschen Angebots. Zwei Strömungen in Frankreich. Don einem Pariser Korrespondenten wird dem„Sozial- demokratischen Pressedienst" geschrieben: Die Sicherheitsfrage ist jetzt m den Vordergrund des all- lemeinen Interesses gerückt. In den politischen Kreisen aller ichtungen, in allen Blättern wird über das, was die Ocffent- lichkeit bisher von den deutsche»»Angeboten erfahren hat. diskutiert. An der Leidenschaftlichkeit, mit der diese Dis» kussion geführt wird, erkennt man am besten, wie sehr die mit der Sicherheit zusammenhängenden Fragen die Geister be- schäftigen. Je nach der allgemeinen politischen Auffassung der einen und.«»»deren ist auch die Stellungnahme gegenüber den von deutscher Seite gemachten Angeboten verschieden. Die Presse des Nationalen Blocks tobt gegen jede Sonderverständi- gung mit Deutschland— die Linkspresse stellt sich auf den Standpunkt, daß eine ernsthafte, vom Willen zur Verständigung beseelte Prüfung der Vorschläge erfolgen muß— die große Boulevardpresse schwankt. Die Hauptthesen, wie sie formuliert werden, lassen sich ungefähr folgendermaßen zusammenfassen:„Deutschland roill ui»s aufs Glatteis führen"— so erklärt man im Lager des Nationalen Blocks—„sucht zwischen Frankreich und den in Mitteleuropa gelegenen nach dem Krieg entstände- nen Staaten, wie Polen und der Tschechoslowakei, die Brand- fockel zu schleudern, indem es uns alles verspricht, was es in bezug auf die französische Ostgrcnze sorvicso nicht verweigern kann, um sich auf diese Weise Handlungsfreiheit vor allem Palen gegenüber zu erkaufen. Hat sich das jetzt von nationalistischen Elementen regierte Deutschland erst einmal dadurch die Mög- lichkeit geschaffen, seine Ostgrenzen auf Kosten Polens zu verändern, so wird auch die Reche an Frankreich kommen, denn auch die Leute, die gegenwärtig in Berlin an der Regierung sitzen, huldigen an sich der von ihnen oft und laut ausgc- fprochenen Theorie, daß geschriebene Verträge mchts Endgültiges seien. Deshalb haben alle sogenannten Sicherheit?- palte, die das gegenwärtige Deutschland unterzeichnen würde, nur die Irreführung, dw Verblendung Frankreichs zum Zweck. Das Kabinett Herriot, das schon in London Frankreichs einzige wirksame Waffe, die Ruhr, aus der Hand gab, würde«in noch schwereres Verbrechen an unserem Land begehen, wenn es sich dazu herbeiließe, den Sicherheitspakt unter den Alliier- ten zu.ersetzen durch einen Pakt, der Deutschlands Unterschrift trüge und der irgendeinen Tell der polnischen Grenze späterer deutscher Interpretationwillkür unterwürfe... Darauf erwidern führende Elemente der L i n k e n:„So einfach steht das Problem nicht. Jeden deutschen Vorsch'ag, weil er vielleicht nicht von vornherein in all seinen Teilen klar oder annehmbar erscheint, abzulehnen oder als Komödie, als Ver- such der Irreftihrung hinzustellen, ist der ungeheuren Wichtigkeit des Zieles nichtswürdig, um dessen Durch- führung es sich handelt: der Schaffung eines wirklicher» stabilen Friedens in Europa, der Ausschalünig jeder Kriegs- möglichkeft. Sich einfach auf den Standpunkt stellen, daß die Vorschläge der deutschen Regierung deshalb nicht ernst ge- nommen werden dürften, weil diese Regierung sich zuin Teil aus Elementen zusammensetzt, deren bisherige Haltung nicht die geringste Garantie für ihren ebrlichen Friedenswillen darstellt, wäre politisch unklug. Selbstverständlich würde einein Sicherheitspakt, der von einer ausgesprochsiren Linksregierung angeboten würde, etn stärkeres moralisches Vertrauen ent- gegengebracht werden können und die öffentliche Meinung Frankreichs würde ihm leichter zugänglich sein. Aber die Ge- sioltung seiner Regierung ist eine innere Angelegenheit Deutschlands. So stark auch der W u n s ch der französischen Linksrepublikaner sein mag, um dcr Schaffung einer wirklichen Vertrauensatmosphäre willen in Berlin ebenfalls eine links- republikanische Regierung am Ruder zu sehen, so menig dürfe sich Frankreich dazu hinreißen lassen, von vornherein einen rein negativen Standpunkt einzunehmen, wenn ern'thaste Vorschläge gemacht würden, selbst rvenn sie von einer Regie- ning stammten, deren Zusainmensetzung an sich den Repu- blikancrn und Friedensfreunden keinVertrauen einflöße. Man geht nicht irre, wenn man annimmt, daß diese letztere Auffassung derjenigen des Minister- Präsidenten Herriot entspricht. Allerdings wird auch Herriot wohl aus nichts eingehen, was irgendwie einer Preisgabe der„polnischen Sicherheit" gleichkäine. Auch jene Elemente auf der Linken, die die gegenwärtige deutsch-polnische Grenzziehung ui»d vor allem das Bestehen des„Korridors" für nichts weniger als einen Idealzustand ansehen und die eine freundnachbarliche Verständigung zwischen Polen und Deutschland zur Ausschaltung gewisser Konfliktquellen für sehr notwendig halten, würden aus vielerlei innen- und außen- politischen Gründen gegenwärtig keinem Text zustimm*»», der sich als eine Bedrohung Polens deuten ließe. Da gerade zu diesem Punkt die Ai»dcutuiigen, welche die franzö- fische Presse bisher brachte, der öffentlichen Meinung nicht er- lauben, gai»z klar zu erkennen, uin was es sich handelt, fällt es der nationalistischen und einem Teil der Boulevardpresse vorläufig leicht, alle möglichen Zweifel und Ve'ürchtungen zu erw-cksn. Es ist sicher, daß man in den Linkskreifen und vor ollem in der sozialistischen Partei an Stelle von Son�erpakten lieber den Eintritt Deutschlands in den Völker- b u n d und die Lösung etwa vorhandener Konflikte im Geiste des Genfer Protokolls vom Sevtembcr 192! gesichert hätte. Aber man ist sich klar darüber, daß gewisse Faktoren sowolss der deutschen al» der internatioirolen Politik eine nur «tappenweise Erreichung dieses Zieles heute fast unver- mewlich erscheinen lassen. Don französischer sozialistischer Seite wird jedenfalls olles getan werden, um zu verhüten, daß irgendein Weg. der zum wirklichen Frieden, zur wirklichen deutsch-sranzö fischen Verständigung führt, nicht beschritten— irgendein Mittel, das den Völkern Europas das notwendige Gefühl nationaler Sicherheit geben kann, verworfen wird. An engherzigen Textinterpretationen darf keine ehrliche Bemühung zugunsten des Friedens scheitern-, das ist sicherlich auch die Meinung der Regierung Herriot und ihrer Mehrheit. Günstige Aufnahme See deutschen Angebots in HollanS Amsterdam, V März.(Eigener Drahtbericht.) Das deutsche Garantieangebat hat in den Niederlanden einen durchaus günstigen Eindruck gemacht. Die Blätter bezeichnen die deutschen Vorschläge als eine für Frankreich absolut vorbildliche Verhandlungsbasis. Kennzeichnend für die Haltung der niederländischen Presse sind die Ausfuhrungen des.Rotterdamschen Courant". daß selbst bei un- verändertem Mißtrauen gegen Deutschland Frankreich die jetzt vor» geschriebene Regelung aufnehmen müsse, denn Im Falle eines An- griffes durch Deutschland würden sich England und Belgien wiederum auf die Seite Frankreichs stellen. MacSonalü gegen einen sillianzvertrag. London. 7. März.(EP.) Macdonald veröffentlicht Im „Daily Herald" einen Artikel, in dem er dem Plan«ine» englisch» französischen Karanticoertrages bekämpft. Er erklärt, daß ein solcher Vertrag keinen Wen hätte und von der Arbeiterpartei sofort wieder rückgängig gemacht werden würde, wenn sie wieder zur Regierungs- macht gelangte. Ein Allianzvertrag könne nie eine andere Bedeu. Ving haben als die Vorbereitung zu einem neuen Kriege. Wenn dieser Weg beschritten werde, so werde man rasch wieder in die Fehler der Vorkriegszeit oerfallen. Nur«in allgemeiner Narantievertrag, wie ihn das Genfer Protokoll vorgesehen habe, könne eine Garantie für den Frieden darstellen. polnische Kdegsörohtingen. Warschau. 6. März.(Eigener Drahtbericht.) Di«„Gazetta Warzowska" nimmt in drohenden Worten zu dem von dex deutschen Regierung vorgeschlagenen Sicherheitspaki Stellung. Sie sagt: Die Verteidigung der französischen Grenz« liege an der Weichjelfront. Die Aushebung der territorialen Bestimmungen des Versailler Ver- träges fei der Ansang seiner völligen Vernichtung. England scheine nicht zu überlegen, daß«ine Verletzung des gegenwärtigen polnischen Gebiets zum Kriege führen müfle..Im Bewußtsein unserer Verantwortung als Organ einer Partei mit 10l> Abgeordneten und als einflußreichstes Organ des Landes stellen wir fest: Alle Nationen sollen wissen, daß jeder Angriff aus unser Gebiet für uns den K r i e g bedeutet."— Auch andere Blätter sagen, daß der von Deutschland vorgeschlagen« Friedenspakt den Krieg zwischen Polen und Deutsch- lond zur Folge haben muffe Noch immer... Kreditausschuh des Reichstages. Der Untersuchungsausschuß des Reichstages, der sich mst den Krediten der Po st und der anderen Reichsstellen befaßt, hiell heute«ine kurze Sitzung ab. Es sollen jetzt die Beziehungen der Reichsfett st elle zu Bormat behandelt werden. Der Vorsitzende teilt einen Schriftwechsel zwischen dam Reichswirts chastministerium und dem Preußischen Uniersuchungasusschuß mit. aus dem hervorgeht, daß wei» tere Reichsotten dem preußischen Landtag nicht zur Verfügung gestellt werden sollen. Das Ministerwm fei aber bereit, Auskünfte aus dem Akten an den Preußischen Untersuchungsausschuß zu erteilen. Der Lorsitzende. Genosse Sa eng er. bemerkt« hierzu, daß es dem Reichstagsausschuß leider nicht möglich fei, einen Druck auf den preußischen Ausschuh auszuüben, damit dort künstig Angelegenheiten des Reiches nicht behandelt werden. Weiter ist«in Schreiben aus Bielefeld«ingegangen, in dem behauptet wird, der volksparleillche Abgeordnet« vr. Hugo habe durch Larmal und Sulisker große Zuwendungen erhallen. die zur Unterstützung der Textilindustrie in der dortigen Gegend verwendet worden seien. Das Schreiben soll dem Abgeordneten Hugo zur Aeußerung übersandt werden. Der Vorsitzende erörtert dann die Frage der Behandlung der Fragen, die die Reichsietlstelle betreffen. Alle Akten seien nicht mehr vorhanden, aber es gebe darüber soviel Material, daß jetzt in die Verhandlung eingetreten werden könne. Es wird dann noch beschlosien, zunächst diejenigen Zeugen zu laden, die über Einzelheiten Auskunft geben können. Dann soll der frühere Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt ver- nommen werden. Auf Anregung des Berichterstatters Dr. P f l e< ger(Bayer. Lp.) wird dem Vorsitzenden die Vollmacht dazu ge- aeben, mit dem Rcichstagspräiidium wegen der Ueberlasfung eines sicheren Raumes zur Unterbringung des Akten- Materials zu verhanoeln. Es feien so viele Akten zu erwarten. daß deren Studium geraume Zeil in Anspruch nehmen würde.— Die weiteren Verhandlungen sollen am Donnerstag der Woche be- Hinnen, vorausgesetzt, daß der Reichstag seinen Arbeitsplan nicht ändert. Mch in Preußen. Auch der Preußische Untersuchungsausschuß für die Bar» mat-Kutisker- Affäre trat heut« wieder zusammen. Der Vorsitzende Dr. Leidig gab zunächst einige Umbenennungen ver- schiedener Ausschußmitglieder bekannt. Es soll heute die Frage der Erteilung von Einfuhrbewilligungen für die Gebrüder Barmat zur Verhandlung gebracht werden. Dr. Leidig gibt dann ein Schreiben vom Reichzwirtschasts» Ministerium bekannt, das die Frage der zur Derfügungstellung des Attenmaterials nochmals geprüft habe und weiter auf dem Stand- punkt stehe, daß wegen rechtlicher Bedenken und mit Rücksicht dar- auf, daß dem Material dem Reichsuntersuchungsausschuß zur Verfügung stehen muh, dem Ersuchen des Landtags nicht statt« gegeben werden kann, aber bereit fei, etwaige Fragen auf Grund der Vorgänge schriftlich zu beantworten. Weiter wird in dem Schreiben mitgeteilt, daß in der Zeit von Februar bis Juli lSIll Ausfuhrbewlliigugen für Zeitnngsdruckpapler vom Reichswirlschafls- Ministerium weder erteilt noch veranlaßt worden sind. Mi Bezug auf die Einfuhrbewilligungen für Barmat und die Geschäft« der Reichsstellen mit ihm hört der Aus- jchuh Hievauf zunächst den kljährigen Zeugen Direktor Schwan, der seinerzeit Direktor der Rcichsfleischstell« war. Dieser Zeug« be» kündet: Di« Roichsfleischstelle hat auf Wunsch des Rcichswirtschafts- mmistcrs gegen ihren Willen, zweimal Geschäfte mit der Ameximo machen müssen. Eines dieser Geschäft« liegt im Juni 1919: es handelt»? sich da um 19 099 KistenamerikanischenSpecks vmd 5000 Kisten Schweineschultern. Dieses Geschäft wurde nicht von mir. sondern von meinen Kollegen Thoms und Harms ab- geschloffen. Ich weiß aber, daß Julius Barmat sehr energisch hei der Reichsflcischstelle auftrat, die das Geschäft nicht obschli«ß>n> wollte. Di« Reichsfleischstell« wandte sich an das Wirtschastsministerium und hörte von dort, daß das Geschäft mit Barmat abgcschlosscn werden müsse:«« handle sich dabei um politisch« Interessen und um solche der Kreditgewährung. Das Geschäft wurde also abge» schlössen. Barmat sieferte dann aber zunächst nicht. Erst auf Re- klamationen hin stellte«r«inen kleinen Post.n in Rotterdam zur Verfügung. Dabei stellte sich heraus, daß die auf dem Lieferschein erwähnte Rotterdamsche Firma gor keine Waren für Barmat hatte. Wir re» klamierten dann bei Barmat. Er gab uns einen anderen Lieser- schein, der auf eine ganz andere Firma lautete. Nach langer Zeit bekamen wir dann endlich ganze 899 Kisten von den vertragsmäßig zr> liefernden 15 000. Inzwischen hatten wir, kaufmännischen Gepflogenheiten folgend, aus Grund des Lieferscheins Akzepte bei der Commerzbant für Barmat deponiert, die aber zunächst gesperrt waren: Barmat bot dann nochmals 999 Kisten auf den Bertrag an. die aber nicht abgenommen werden konnten, weil die Ware total ver. dorben war. Wir wollten, da die Lieserungen anscheinend nicht herauszubekommen waren, den Vertrag annullieren, was uns auch schließlich gelang. Gegen Barmat mußten wir aber erst Arrest. drohung erlassen, um drc Akzepte für uns wieder frei zu bekommen. Auf ausdrücklichen Wunsch des Reichswirtschaftsministeriums mußte die Reichsfleischstelle nochmals im Jahre 1929 mtt Barmat ein Geschäft abschließen. Damals hatte die Reichsstell« selbst große Speckmengen in Holland liegen. E» kam aber der große Hasen- arbeiterstreik dazwischen, so daß wir unseren Speck zunächst nicht herausbekamen. Nach einiger Zeit erschien Direktor Potschom ,m Austrage des Wirtschaftsministers Robert Schmidt bei mir. Aus der Unterredung ergab sich meiner Ansicht nach, daß der Minister«inen Geschäftsabschluß mit Barmat wünschte. Wir wollten aber mit Barmat überhaupt nichts zu tun haben, weil wir wußten, daß Barmyts Amexkma in Holland boykottiert roch von der Börse bereits 1919 ausgeschlossen war. Nicolais Siegesberichte. Wie damals, so heute... Don dem Obersten Nicolai, der einst in Ludendorsfs Austrage die deutsche Volksstimmung zu frisieren hatte, erhalten wir jolgend- Zuschrift: „Nach Rückkehr von einer Reise erhalle ich Kenntnis davon, daß durch eine Anzahl Zeitungen, darunter auch die Ihrige, die Vermutung verbreitet worden ist, i ch stände einer Zentral stelle vor, von der olle Enthüll ungsaktionen ub�er den sogenannten Barmat-Skandol ausgingen. I>n besonderen wird gefragt, ob es wahr fei, daß ich mich an die Schwerindustrie gewandt habe mit dem Projekt eines Spionageoerfahrens großen Stiles zur Rom- promittierung unerwünschter neuer Mitglieder der � deutschen Industrie uno ob einige Firmen tatsächlich b« t r ä ch t l i ch c Gelder zur Verfügung gestellt hätten, um den ziemlich umfang- reichen und kostspieligen Apparat zu unterhallen. Ich erkläre, daß ich niemals von irgend wem zu vor- genannten Zweck auch nur einen Pfennig erbeten oder erhalten habe. Auf Grund des§ 11 des Pressegesetzes ersuche«ch um Abdruck dieser Erklärung. Nicolai, Oberst a. D." Das klingt fast ganz wie ein Siegesbericht von damals. Steh: nun Nicolai dem Spionagebureau vor oder nicht? Daß er Geld erbeten odcr erhalten habe,sbestrell«t er. Aber w-e ist das mit dem andern? Während des Krieges konnte Nicolai ja alles Unbequeme unterdrücken. Heute muß er offener sein.... Die preußische Krise. Am Dienstag Ministerpräsidentcnwahl. Der Preußische Landtag hat sich gestern auf D i e n s t a g vertagt und für diefen Tag die Wahl des preußischen Mi- ni st erpräsidenten angesetzt. Die Hoffnung der Rechts- S arteten, die Geschlossenheit der Weimarer Koalition bei dieser Zahl erschüttern zu können, wird sich n i ch t erfüllen, es wird auch diesmal wieder ein Ministerpräsident der Weimarer Koalition gewählt werden. Es ist der einmütige Wunsch de- interfraktionellen Ausschusies der bisherigen Regierungs- Parteien, daß Dr. Marx wiedergewählt wird. Die Wahr- fcheinlichkeit einer Kandidatur Marx für den Reichspräsidenten- posten ist kein Hindernis für seine Wiederwahl. Die Deutschnationalen zerbrechen sich inzwischen den Kopf darüber, wie sie in Preußen die Verhältnisse weiter er- schweren können. Sie haben einen Zlntrag eingebracht, der den Ministern, wenn sie nur die Geschäfte bis zur Neuwahl führen, die Vornahme selbständiger HanMungen untersagen soll. Materiell bedeutet dieser Antrag eine Verfassungs- a n d e r u n g. Die preußische Verfassung ist ausdrücklich so formuliert, daß ein Interregnum, wie es die Deutschnatio- ncrlen schaffen möchten, nicht möglich ist. Die Rechtsparteien brauchen nur am kommenden Dienstag durch Wahl eines Ministerpräsidenten aus ihren Reihen zu beweisen, daß sie die M e h r b e i t haben, und alle Schwierigkeiten sind behoben. Die größte Wut scheinen die Deutschnationalen über die Ernennung des Landrats Dr. Friedensburg zum stell- vertretenden Polizeipräsidenten in Berlin zu haben. Nach dem glänzenden Verlauf der Beisetzung des Reichspräsidenten ist diese Wut doppelt verständlich. Nützen wird den Deutsch- nationalen freilich ihre Demagogie gar nichts. Seuchen« GeheiMsustk?. Breslau. 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Strafkammer Beuchen oerurteilte nach einem langen, unter Ausschluß der O e s s« n t l i ch I e i t geführten Prozeß eine Anzahl von Arbeitern, von denen nur einige Kommunisten sind, die anderen aber frei- gewerkschaftlich und sogar christlich-national organisiert waren, zu Gcfcmznisstrasen von zwei bis neun Monaten wegen verbotenen Waffenbesitz und Vergehen gegen da« Republikschutzgesetz. Irgend- welch« Einzecheiten über den Prozeß waren wegen des völligen Ausschlusses der Oeffentlichkell nicht mit Sicherhell zu erfahren. ölick ins Jenseits. Von der.Tribüne" aus. Die drei Akte des Schauspiels„Ueberfahrt" von Sutton Laue spielen im Rauchsalon eines Ueberseedampfers. Die Reis« ist aber keine alltägliche, sondern im Gegenteil«ine durchaus ungewöhnliche. Es ist sogar, wie die Passagiere plötzlich merken, eine böchst unheimliche Reis«. Zunächst herrscht auf dem Dampfer somoie Stimmung: man trinkt Whisky, raucht Zigarellen. man sagt sich gegenseitig unangenehme Wahrheiten und was man so tut, um es sich so gemütlich wie möglich zu machen. Ausfallend ist nur. daß die Posiagiere einen zerfahrenen Eindruck machen. Keiner weih, wohin er eigentlich reisen will. Einer von ihnen schließt aus diesen ionderbaren Anzeichen, daß sie all« miteinander tot sind, eine Ver- tnutung, deren Nichtigkeit der Steward vollauf bestätigt. Als es zur Gewißheit wird, daß die Fahrt zum Himmel oder zur Holle geht, bemächtigt sich der Passagiere eine Panik, zumal, wie ihnen glaub- host oersichert wird, eine hochnotpeinliche Prüfung bevorsteht. Der Großkauftnann und Abgeordnete Lingley beruft einen Reisendenrat ein, der in bewegter Sitzung beschließt, daß sie nicht tot sind. Wie nicht anders zu erwarten ist, nützt ihnen dieser Beschluß nichts: keiner entgeht der Prüfung, die übrigens gar nicht so schlimm ab- läuft und beweist, daß man auch in der Hölle über jeden modernen .4'omsort verfügt. Das Schauspiel des Engländers Sutton Van« ist zweifellos interessant, wenngleich nicht so originell, wie die Theaterleitung an- zunehmen scheint. Rudolf Lothar hat einen Einakter„Abenteuer nach dem Tode" geschrieben, in dem es ähnlich zugeht. Der Dialog des englischen Schauspiels ist witzig, die Charakterisierung der ein- zelnen Menschentypen schlagkräftig und amüsant, die Handlung packend und zuweilen angenehm gruselig. Was den Blick hinter die Kulissen des Jenseits anbetrifft, so ist es unwahrscheinlich, daß Sutton Vane mehr weiß als wir andern. Er soll sich auch nicht etwa einbilden, er hätte eine besonders tiefgründige Vorstellung von dem, was nach dem Tode kommt. Das Lebensrätsel hat er nicht lelöst. Denn die Toten rackern sich weiter ab, bloß nicht auf der d.rde, sondern im Jenseits. Was für ein Sinn dahintersteckt, wissen wir immer noch nicht. Und zu den Prinzipien bei der Aburteilung bat er sich die Moralgesetze der Jugendschriftsteller zu Hilfe geholt, .aas natürlich ein bißchen kitschig wirkt. Warum übrigens all« figuren über die Tatsache de» Gestorbenseins entsetzt sind, ist nicht ccht erfindlich. Eine Aenderung ihrer bisherigen Lebenslage ist Im voßen und ganzen nicht eingetreten. Die Darstellung, die unter der Regie des Direktor« Eugen c o b e r t stand, ist ein Genuß. L u c i e H ö s l i ch spielt ein altes Mütterchen mll einer Wärme des Gefühls und einer Natürlichkeit des Airsdrucks, daß manchem Theaterbesucher die Tränen entlockt werden. Konrud Veidt gab«inen zynischen Lebemann. Di« schlot- ternde Angst, die sich aus seinen Mienen und aus seiner Stimme ergab, ist ein packendes Erlebnis. Der Schluß des Schauspiels zieht sich so in die Länge, daß man schließlich zur Vermutung gedrängt wird, daß auch der Bediener des Vorhangs inzwischen verstorben ist. Dennoch war der Beifall bei der Premiere stark. Ernst Degner. „sioshiwara" im Trionon Theoter. Poshiwara ist die Stadt der Liebe bei- Yokohama. Doshiwara, die Lrebesstadt, haben viele europäische Schriftsteller sich zum Vorwurf genommen. Siehe Suder- manns„Blumenboot". HansBachwitz, dessen Stück„jsioshiwara" gestern zum erstenmal im Trianon-Theoter aufgeführt würde, macht aus Poshiwara eine sentimentale Geschichte. Der erste Akt ist lang- weilig und leer. Ein englischer Ofsizier kommt zu Sichi, der schön- sten Dirne Asiens, die in einem Hause von Poshiwara durch«tnen Chinesen feilgeboten wird. Die beiden reden lange Feuilletons über Liebe und Weiber, und Sichi predigt, daß es höcksst schädlich sei, wenn die Frau eine Seele Hobe. Hans Lachwitz will uns glauben machen, daß er geistreich sei i la Oskar Wilde. Der zweite Akt läßt Hoffnungen zaghaft aufkeimen. Der englische Offi- zier wird von dem Chinesen durch Opium betäubt und träumt von seiner Frau in England, die seinerzeit, keusch und rein in der Hcchzeitsnacht, aus Angst und Ekel vor der Gier des Mannes da- vongelousen ist. Aber im dritten Akt kippt alles ins Kitschige»m. Die schöne Sicht, die angeblich keine Seele hat, verliebt sich in den englischen Offizier, und der Chinese, der bemerkt, daß zwischen Sichi und dem Offizier ein Techtelmechtel im Gange ist, erschießt den weißen Mann. Er stirbt hochdramatisch mit dem wehen Klage- laut auf den Lippen:„Sichi". Im Trianon-Theoter hat immer die Parole gelautet: Es lebe die Pikanterie! Da man anscheinend in Europa nichts Passendes in diesem Genre auf Lager hatte, holte man sich die„Poshiwara" und wollte die Illusion erwecken, daß dieses Stück etwas ganz be- jonderes sei: Paprika aus Asien. Um die Illusion noch zu erhöhen, haben die Herren Rotter das Stück mit dem knalligen Untertitel ..Dos Haus der Laster" versehen. Aber ach. in dem ganzen Stück kommt nicht eine einzige Eindeutigkeit vor, alles ist von sittenstren- ger Sentimentalität, und das Stammpublikum des Trianon-Thea- ters war enttäuscht. Dielleicht wäre der Eindruck des Stückes, das an verschiedenen Stellen immerhin erkennen läßt, daß ein Schaffender sich ringend bemüht, nicht so matt gewesen, wenn die Darstellung nicht versagt hätte. Erich Kaijer-Tietz war steif und Blanche Der- gan(die Gläßncr wurde sehr vermißt) hatte Stockschnupfen. Nur Arnold K o r f s zog sich mit viel Anstand aus der Affäre. Mar- tin G. Sarneck hatte für eine sauber« Regie gesorgt. K. F. wie Oskar Lenz seine erste Forschungsreise anlral. Oskar Lenz, der berühmte Forschungsreisende, dessen Tod gemeldet wurde, war nebe» Georg Schweiujurch der legte aus jener großen Zeit der Erkundung des schwarzen Erdteils in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Set»e berühmte Marokko-Erpediticn, die er von 1879 bis 1881 durchik?�«.«cuifte ihn mit einem Schlage zum be- rühmtet! Mann«. Dann hat der m scheiden« Gefehlt« ein langes Leben in stiller Forschung verbracht, und auch nachdem er sich wegen Kränklichkeit in den Ruhestand zurückgezogen halle, war«r nur schwer zum Erzählen von seinen vieljährigen Reisen in Afrika zu briitgen. Wenn man von ihm Abenteuer hören wollte, so führte er als fein merkwürdigstes Erlebnis die Geschickste seiner ersten Ausreise im Jahre 1874 cm. Er war damals von der eben gegründeten Deutschen Afrikanischen Gesellschaft dazu auserwählt worden, eine wissenschaftliche Mission ins tropisch« Asrika zu führen und besonders das Ogowe-Stromjystem und die französische Kolonie Gabun zu erforschen.„Ich war damals," erzählt er selbst,„in Hamburg und wollte von dort nach Liverpool sahren. um den Dampier„Liberia" nach Westasrika zu benutzen. Do ich jedoch mit meiner Ausrüstung nicht fertig wurde, so verpaßte ich die Abfahrt des Dampfers und nahm daher donkbar das Anerbieten des alten Herrn Wormann. des Gründers des großen Homburger Kaufhauses, an, auf der kleinen Segelbarke„Karl" die Fahrt zu machen. Es war ein Segeljchiss von etwa 500 Tonnen mit nur einem Dutzend Menschen an Bord. Noch einer 59tägigen Fahrt erreichte ich, ohne cm Land gegangen zu sein, mein Ziel, und die erst« Nachricht, die ich von den Wörmannschen Agenten in Gabun erhielt, war die, daß die„Liberia" mit Mann und Maus untergegangen sei. Der Dampfer hatte seine erste Station, die Insel Madeira, nicht erreicht, so daß das Unglück wahrscheinlich in der Bay von Biscaya geschehen ist. Genaueres über die Katastrophe hat man bis auf den heutigen Tag nicht erfahren...." Skrasankrag gegen die Gebr. Kokker. Deim Landgericht Iii in Berlin wurde geaen die Generaldirektion der Gebr. Rotter Strafanzeige wegen Wucher erhoben. Die Verhandlung wird in der nächsten Zeit stattfinden. Dazu erfährt eine Theaterkorrespondenz, daß es sich um das .Theater des Westens" in Charlottenburg handelt, dos von den Gebr. Rotter als Untervächter zu einer hohen Summe weiter- verpochtet wurde. Die Forderung soll in keinem Verhältnis zu den Leistungen stehen, so daß van der Staatsanwaltschaft Straf- antrag gestellt wurde. Bekanntlich ist erst vor nicht langer Zeit die„Große Volks- oper" in diesem Theater in Konkurs gegangen. Auch die Operefte „Der Graf von Cozliostro" welche unter Direktor Steinert spielte, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Gegenwärtig verhandeln die Brüder Rotter wegen Weiterverpachtung des„Theaters de? Westens"._ Erfiovfföbrunc!«» der Woche. Mrm!: Leifinq-Tb.:.Das Märchen/- — Dienst.! DeullchcS-Th.:.Die K a m e l i e n d a m e.-— Volkskiübne: „Segel am Horizont.-— INttlw.: Staats oper: ,A i l> a'— Thco!e> in derKommandantenstr.:.U s ch i'.— Frei:.: Komödie:.Der KrampuS' Aranio-vorlräg«. Sonul. b u. 7:.tt o In m 6 tt s» F i Int". ISgNch: ,M e x i t c>- Z i I m". vomtersl.:.Die Entwicklung des B a d e- weieni". 3m Devstchrti vpernbaus wi-d Sonntag zu ermäßigten Preisev »Die gledermauZ" gegeben. Aür den»vall der Sühnenzenostevschasi», der nunmehr am Mittwock itattflnvet, ist der Dorverlaut wieder täglich von 10 bis 2 Ilbr im Zoo. Eingang Adlerporta! und im GenossemchaitSgebäude. Aeithftr. U eröffnet. Die FeitvorslclUuig von.2«»betet" in der Komödie ist ant den 32. SKatj verfchoben, der Tsthekist als Spitzel. Die Rolle des Angeklagten Diener. Es wurde heule in dem Verhör des Angeklagten Diener fori. gefahren. Vors.: Angeklagter Diener, wann haben Sie Telephon in �jbre Wohnung legen lassen und wie kamen Sie dazu? Angekl. Diener: Weil ich das Telephon für mein eigenes S e s ch d f t brauchte. R.-A. Dr. wols: Ist es richtig, daß dem Angeklagten die Gebühren für die Anlage von der Polizei bezahlt worden sind? Diener: Rein, das ist nicht richtig. Dr. lDols: Seine eigene Frau hat erzählt, die Telephonanlage rvrre von der Polizei gelegt worden. Diener: Das hat meine Frau nicht gesagt. Dr. wols: Ist es richtig, dah der Angeklagte nach seiner Hast. mtlassung einen Betrag von 10 000 Mark bekommen hat? Diener: Das ist nicht richtig. Meine Frau wurde telephenisch oon einem Herrn angerufen, der ihr erzählte, ich hätte von der Polizei 20 000 Mark bekommen, die ich in schlechter Gesellschaft in iabelhakt kurzer Zeit durchgebracht hätte. Darauf anwortete ineine Frau, davon hätte sie doch auch etwas spüren müssen, und wenn der Herr so etwas behauptete, dann solle er ihr das persönlich sagen und nicht am Telephon. Dr. wols: Wovon hat Diener denn dos ganz« Jahr 1923 über die Telephongebühren bezahlt? Diener: Ich hatte das Geld oon einer Bekannten, die von einem Bruder aus Amerika Dollars erhielt,' bekommen. Vors.: Das ist doch eine komische Sachet Wie lange hat denn die Frau das Telephongeld für sie bezahlt? Diener: Ich glaube, zweimal. Dann kam ich wKder in bessere Verhältnisse und konnte es allein bezahlen. Dr. Wolf beantragt« dl« Ladung der Zeugin, die dem Lnoe- klagten das T«l«phongcld bezahlt haben soll. Wir werden den Be- mei? erbringen, dah diese vekannie nur die Mittelsperson zwischen dem Angeklagten Diener und der Polizei gewesen ist. Wir werden auch Zeugen dafür bringen, daß die eigene Frau Dieners im Haus« erzählt hat, daß das Telephon von der Polizei gelegt n-ordm sei Das kann auch der Angeklagt« Lesniss« bezeugen. Lesnisfe: Jawohl, wir wohnen in der Nähe und in der ganzen Vachbarschaft wurde das erzählt. Reichsanwatt vcumana bat dagegen, diesen Beweisantrag als völlig unerheblich abzulehnen. R.-A. Mols: Di« Frag« ist oon größter juristischer De- d e u t u n g. denn ist Diener beroits im Jahre 1923 ein von der Polizei bezahlter Spitzel gewesen, so dürste natürlich seine Glaub- n'ürsigleit erschütlert sein. Ist der Angeklagt« Lockspitzel gewesen. so sind alle Mordverabredungen in Stuttgart nicht strafbar, weil sie nicht ernsthast gemeint waren. Ich beruf« mich dabei aus d.« Entscheidung des«cichsgerich!» in der Revision des Thormann- Grandel-Prozesses wie aus das Urteil In diesem Prozeß selbst. Hierauf wurde der Angeklagte Szon nochmals vernommen, der bei seiner ersten Vernehmung zum Teil die Abgaoe von ttrliärangen w.gen Abwesenheit seines Wahlverteidigers verweigert hatte. Neue Momente ergeben sich bei seiner Vernehmung nicht mehr. Szon behauptet u. a., daß er N e u ni a n n in Begleitung des angeblichen „H e l m u t h* nur ganz flüchtig auf dem Untergrundbahnhos Fehr- �elliner Platz gesehen habe und nicht wisse, ob dieser„Helmuih" mit dem Angeklagten S k o b l« w s k i identisch sei. Neumann erklärt dagegen jedoch, daß er Szon dem Skoblewski ausdrücklich als Mitglied jeiner Gruppe bezeichnet habe, daß Skoblewski aber abgewinkt uöt«. er wolle die Gruppenmilqlieder gar nicht kennen lernen. Szon müsse den Skoblewski uÄedingt gekonnt haben. Der dam, nochmals veriwimnene Angeklagte Mörsuer. der Ehwtsseur des Neumannschen Kraftwagens, bleibt bei seinen Aus- sagen in der Aorurttersuchung, daß er in die Einzelheiten der verschiedenen Pläne nie eingeweiht gewesen sei. Im übrigen sei er seit 1S21 nicht mehr Mitglied der Kommunistischen Parter. Er habe erst später erfahren, baß seine Auftraggeber Kommunisten seien, ettie Bemerkung, die der Borsitzend« al« wenig glaubhaft brzci lznet. Auch der Angeklagt« Lesnisi« bleibt bei feinen Angaben und Mchwert sich, daß er überhaupt in diesen Prozeß hine'nae�oa«, worden sei. weil er damit materiell schwer geschädigt rr merkung ab, daß er in seiner M i l i t ä r z e i t tatsächlich einige Anfälle gehabt habe, daß er aber den Anwälten über seine Familien- Verhältnisse keine Aussage mache. Zu einem charakteristischen Inten uiezzo kam es dann, als der Angeklagte Neumann mit«ine Fruoe des Rechtsanwotts Dr. Wals, ob er denn die bei Wetzet und S ch l o t t e r beabsichtigte Totti„g»weise mit Totschläger und Roliermess-r billige, daraus hinwies, daß dieser Vorschlag ja von Margies aus gegangen sei.— Morgies schnellte darauf von seinem Sitz empor i nd erklärte sehr entrüstet:»Weshalb hat mich denn dann Neu- mann stets ins Hintertreffen geschickt. Im Falle S c e ck t hat er mich ganz weggeschickt, im Falle Rausch hat er mir eine Rolle zugewiesen, daß ich mich schämen mußte, wenn es sich wirklich um ei>i« Tscheka-Eruppe handelte. Ich soll zu brutal sein, wenn man schon einmal tötet, töler al» tot kann man einen Menschen nicht machen.(Bewegung.) Reumann: Ich konnte die brutale Form der Durchführung unserer Ausgabe, die bei Margies zu erwarten war. nicht gut- heißen. Zum Schluß stellte dann noch R.-A. Dr. Rojenfeld durch Be- fragen Königs fest, daß der Stuttgarter»Helmut h" alias Kodowecki Funkeroffizier gewesen sei.— Damit war die Ber- nehmung der Angeklagten beendet und aus Wunsch des Vorsitzenden äußerten sich die beiden medizinischen Sachverständi- g e n Dr. Thiele und Dr. Schütze zu der Forderung der Vcrtcidi- guiig, noch wettere Sachverständige zur Begutachtung des Neu- m a n n heranzuziehen. Beide äußerten, daß' nach ihrer Anisassung diese Notwendigkeit nicht gegeben sei. Hieraus trat eine kurze Pause ein. Im Reich vazMes. Wie die Blätter melden, hat der Unter- suchungsrichter beim Slmtsgericht Stuttgart-Cannstadt die Hast- bcschwerde der beiden kommunistischen bayerischen Land- tagsabgcordneten Schlosser und Goetz sowie eines weiteren bayerischen Kommunisten neuriens Thunig abgelehnt. Der kommunistische Abgeordnete HaralambI Stoyanoss wurde in Sofia ermordet. Der Mörder, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist, wurde verhastet. die ha�-bpftlnötafthe. Bei einem Konzertbesuch in der Philharmonie ist eine Frau um ihr Handtäschchen gekommen. Es enthielt nur Kleinigkeiten und ein paar Mark Geld— nichts Besonderes also, aber doch um«in paar Mark mehr als viel« Handtaschen musikinteressierter Domen ent- halten dürsten, die zwar ein« Handtasche besitzen, aber sich den Konzerlbesuch vielleicht nur noch leisten können, wenn sie die Kart« nichts kostet, wobei Fahrgeld, Garderobe- und Programmkosten noch oft genug den Gebrauch der Freikarte hindern; denn sehr viel« haben heut« weniger Geld für nicht unbedingt Notwendiges übrig als vor dem Krieg. Die obenerwähnte verlorene, vielleicht auch gestohlene Handtasche wiegt 280 Gramm, über ein Viertel Kilo. Sie ist nicht aus ledernachahmender Wachsleinwand, nicht ans Kunstleder, nicht aus Assenhaut oder Seehund, auch nicht aus Saffian-, Juchten- oder Autolackleder, nicht aus Mefsingringen, Zllumimum oder Silber- filigran— nein, sie ist aus Gold, aus feinem Goldgewebe mit einem hellblauen Email, und dieses Goldtäschchen wiegt 280 Gramm. Im Rundfunk hörte ich das, als ich gerade darüber nachdacht«, welch« Anschaffung für mein Haus die dringendste, unaufschiebbarst« sei und Sonntag, den S. März, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß-Serlins. Mitwirkende an der Weihe sind: Reforwlerle Gesimg»ge- meinschaff Roseberry dNlrquko. An der Orgel: Herr Willi Zoeger; Cello: Herr Armin Liebrrmanv; Weiherede: Herr Arkur Erisplen, M. d. R. Ferner der Sprechchor der prole- iarischen Feierstunde: Leilung: Herr Albert Floraih und Einzcliprecher: Herr Heinrich Witte. Goslkartea sllr Er- wachsen« zum Preise von 1 M. und für Kinder zum Preise von 50 Pf. find noch an der Kasie erhältlich. ob sie nicht über den im Höchstfall verfügbaren Bettag von 50 M. hinausgehen werde, den ich allerdings auch für mein« Gesundheit oder für den Geburtstag meiner Frau nötig braucht«. Man oer- steht, welch tiefes Mirgefühl oon meiner Seele Besitz ergriff, als ich von diesem Halbpsundgoldtaschenverlust erfuhr. Schwarzbrenner im pferöestall. Wieder eine Geheimbreunerei ausgehoben. Beamte der Fahndungsstelle des Landessinanzamts Groß-Berlin hatten festgestellt, dah oon R e i n i ck e n d or f- O st aus Sendungen an«ine Reihe oon Likörfabrilanten gingen, die zweifellos aus einer Geheimbrennerei kamen. Durch längere Beobachtungen stellten sie fest, daß Sprit in den Räumen einer Pferd«Handlung hergestellt wurde. Sie verfolgten die Sendungen und ermittelten so auch die Abnehmer, die den Sprit welter oerarbeiteten. Daraus nahmen gestern abend unter Leilung eines Kommissars vom Zollgrenzkommissariat mehrere Beamte überraschend eine Durchsuchung vor und entdeckten jetzt in den Räumen des Pferdehändlers eine große modern ein- gerichtete Geheimbrennerei und verschiedene Vorräte. Der Pferdehändler, der zur Rede gestellt wurde, legte einen Bertrag vor, nach dem er die Räum«, die er für seinen Handel nicht mehr brauchte, einem Manne vermietet hatte. Don der Geheimbrermerei und ihrem Betriebe will er nichts wissen. Das ist aber sehr un- wahrscheinlich. Die ganze Einrichtung sowie 12 Fässer Sprit zu se JOO Liter und 8 Doppelzentner Zucker wurden beschlagnahmt, ebenso Pferd und Wagen, die zur Beförderung des Sprits gedient haben. Nach dem Mieter der Räume wird noch gefahndet. Ob er seinen richttgen Namen angegeben hat, steht nach dahin. Wie festgestellt ist. wurde die Geheimbrennerei schon seit Monaten betrieben. Gestern wurde sie geschlosien. Bei mehrern Likör- fabrikanten, die von ihr bezogen haben, wurden auch noch Sprit- verräte. die aus der Gehennbrennerei stammen, beschlagnahmt. Völkische Terrordrohmrg 7 Folgenden unerhörten Vorfall schildert uns ein Leser: »Selbstverständlich Halle ich zur Zett der Landestrauer aus dem Balkon meiner Wohnung die schwarzrotgolden« Fahne gehißt. In meiner Abwesenheit erschien ein Herr wtt rotem Spitzbart, klopfte wie«in Verrückter an meine Flurtür. Mein« Frau öffnete, fragte, was er wünsch«. Er schaute sie wie ein Wahnsinniger von oben bis unten an. zückte Bleistift und Notiz- buch und notierte meinen Name» vom Türschild. Aus der Treppe wandt« er sich nochmals um. und von der Straße her drohte er mit der Faust zur schwarzrotgoldenen Flagge empor. Es tut mir sehr leid, daß ich nicht daheim war. Dieser Kerl von Nationalsosialist hätte einen zweiten Proger Fenstersturz oder zu- mindesten Treppensturz erleben können, denn erstens bin ich kräftiger als ich aussehe, und zweitens hätte ich. durch eine solche Mnsinahme wahrscheinlich eine ganze Reihe anderer Genossinnen, deren Männer doch entweder auf der Arbeitsstätte oder bei den Trauerfeierlichkeiten weilten, vor diesem Lümmel bewahrt.� (Gefährlicher Brand in einer Nenköllner Tischlerei. In der letzten Nacht kam in der Thomasslroße 15 in Neukölln ein großer Brand aus. Bemerkt wurde die Gefahr erst am Sonn- abend früh, als eine Tischlerei dort vollständig in Flammen stand Die Flammen hatten an der Einrichtung und Vorräten an Holz, Poltturen usw. so reiche Nahrung gesunden, daß au Immobilien ergrifesn wurden und die Feuerwehr unter Leitung des Branddirektors Podczicck mit mehreren Schlauchlettungen längere Zett kräftig löschen mußte, um eine wettere Ausdehnung zu verhindern._ Leber»Dl« neue Erziehunasbewegnng und llnser vrograniin" iprlchi «m Sonnabend, den 7. März, 7'/, Ubr Obcrstadtschulrat P a u l I e n in der Aula de» lfriediich-WUHelms-GvinnanumS. Kochftr. 13, auf Einlabunq der Berliner BczirtSgruppe der ArbettSgemeinschast sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Dculichland». Ordner der prolelorischen(feierli tmden t Treffpunkt zur Jugendweihe ani Sonntag, den 8. März, im Großen ZchanIvielhanS. morgens 8 Uhr, au der bckannlen Stelle. va» historisch öt momtsche Seminar des Genoffen r u n w a I d muh beute Äbend wegen Erlranlung des Gen. Grmiwald ausfallen. Genosse veer Lhot, der aus vielen. bctonderS Frauen-Beranstaliungen, bekannte Schaulplcler-Rczitator, veranilältet heute(Tonnabend) abdS. 8 Uhr im Grotian-Tteinweg-Saal, Bcllevueltt. 6a. einen Voitragsabend unter Mttwir- kung der bekannten Pianistin Kläre Kähnletn. Kesselcxplosion in einer deutschen Fabrik in Spanien. Nach einer Haoasmeldung aus Madrid stürmt« infolge einer Krsselexplosion in einer deutschen Parsümeriefabrck ein im Ba» besindlicher Schuppen ein. Eine Reihe Arbeiter wurde oerschüttet. Bisher sind 7 T o t e und 20 Verletzte geborgen. Ein Sittlichkeitsverbrecher zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Mainz oerurteilte den 35 jährigen Landwirt P i e r o t h aus Gcnsinaen zum Tode. Picroth hatte ein 8 jähriges Mädchen vergewattigt, so daß es später starb, und ein 10 jahriges Mädchen, an dem er unsittliche Handlungen vor- genommen hatte, ertränkt, um sich vor Anzeige zu schützen. Außer- dem wurde noch aus 14 Jahr« Zuchthaus erkannt. Sport. 14. Seeltner Sechstagereunea. Rütt nvö Laug geben auf! Die Abendstunden gehen eintönig vorüber. Erst gege 11 Uhr stößt Debaets vor— ohne Erfolg. Gegen 2 Uhr gell Tonani scharf los. Gottfried hiitterher. Bald sind die»Mutigen' von Madden und Debaets eingeholt. Doch die Jagd geht wette» Peisyn sängt an zu.wühlen". Und die Opfer, die nicht mehr mit tonnten? Diesmal muß die Mannschaft Häusler-Schrefcld«ine Runde als Bcrwst buchen. Stolz-Bchrendt verlieren ebenfalls«ine Runde und liegen nun zwei Runden zurück. Der Gong ertönt, fccist 2 Uhr. Die Wertung beginnt. Im ersten Spurt siegt Göll« vv> Schrcseld, Münzner und Tonani. Gottsried hott sich den z wetten Spurt überlegen gegen Debaets. van Kempen und Olioeri. Beim dittten Spurt gibt es einen Massensturz. Münzner. anscheinend durch Reifenschaden, kommt zu Fall. Ueber ihn stürzen Derschelden, Kuschkow, Lang, Stellbrink, Rütt. Saldow. Co. burn und Krupkat. Großer Tumutt im ganzen Haus. Tonani. Hahn, Bauer und Gollc gehen in dieser Reihenfolge durch» Ziel. Das Rennen wird nachdem neutralisiert. Die Rennleitting gibt später bekannt, daß Rütt das Schlüsselbein gebrochen hat Auch schwere Hautwunden werden festgestellt. Die anderen Fahrer — außer Lang, der noch nicht zu sehen ist— nebmen da» Rennen wieder auf. Nach der Neutralisation werden Sie anderen drei Spurts beendet. Dan Kempen holt sich den vierten Spurt vor Tonani, Coburn und Tietz, während im fünften Persyn der erste am Ziel ist. Münzner. Bauer und Techmcr folgen. Der letzt« Spurt ist«ine Angelegenheit Tonani. Dieser Fahrer, der von Tag zu Tag besser wird, dürfte hier noch viel mitreden. Van Kempen muß sich mtt einem zweiten Platz begnügen. Stell- brink und Coburn sind die nächsten. Dann wird bekannt, daß Lang wegen schwerer Schulterprellung dos Rennen aufgeben muß. Weber, der Partner Längs, und Krupkat, der Partner Rütt», bilde» zusammen mtt einer Verlustrunde eine neue Mannschaft. Der Stand des Rennens nach der 2-Uhr.Nachtwertunq ist nun folgender: 1. van Kcmpen-Bauer 45 Punkte, 2. Olioeri- Tonani 43 Punkte. 3. Lorenz-Golle 32 Punkte, 4. Hahn-Tietz 23 Punkte, 5. Coburn-Madden 21 Punkte, 6. Debaets-Thollembeck 19 Punkte, 7. Persyn-Verschelden 17 Punkte, 8, Münzner-Gott- fiied 16 Punkte, 9. van Neck-Saldow 15 Punkt«. Ein« Rund« zurück: 10. Häusler-Schreseld 9 Punkte, 11. Weber-Krupkat 8 Punkte, 12. Stellbrink-Techmer 4 Punkte. Zwei Runden zurück: 13. Stolz-Behrendt 5 Punkte. 14. Schragc-Kuschko« 0 Punkte. parteinachrichten fluFk für Hroß-Scrttl» eint« nDnnnra für diese Rubrii sind rttj' Iii stet» an da» 9cgltt»(ctrSi!,.LerIg« S. m d. H.. Berlin. Druck: Borwärt«. Buchdruckeret und Berlaosan stslt Paul Singer u So. Berlin SD W LindenftraKe 3. B erliner Elektriker- Genossenschaft mgesdlL dem Verb. soziaUr Baabetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 — Femror edier: Norden 1199—— Filiale Westen, Wilmersdorf Laodbausstr. 4— leL Pialxburg 9831 Herstellung elektr. 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März, abends 71 a Uhr, veranstalten wir hier im Stadt» Caf6 eine grofe Modenschau! Vortührung durch Mannequins. * j ßerllBerSfr. 51-55 a Bondqornitar fieg ÄTo/oc/a� Crcpr Marocain. mit moderner. Blumen»a J$on