Abendausgabe Nr. 11742. Jahrgang Ausgabe B Nr. 58 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Dienstag 10. März 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der demokratische Vorschlag. Kühle Aufnahme. in dem sogenannten Loebellschen Ausschuß der einigten Parteien von ihrer bisherigen Stellung nahme in der Personenfrage abgehen dürften. jedoch sind wir überzeugt, daß jede Mitarbeit und Mitwirkung weiterer bürgerlicher, staatsbejahender Kreise vom Ausschuß sehr begrüßt werden kann." Herr Jarres ist von der Deutschen Volkspartei nominiert aber der 20ebell Ausschuß ist noch nicht einig darüber, ob er auf den Schild erhoben wird oder ein anderer. Es ist wohl nicht zu erwarten, daß aus dem Konklave dieses Ausschusses ein anderer Name hervorgehen wird, aber das Zögern, das Hin und Her von Behauptungen und Dementis läßt vermuten, daß die nach außen zur Schau getragene Einigfeit einer wirtlichen inneren Einigkeit nicht entspricht. Die Bayerische Volkspartei nimmt sich viel Zeit, noch wartet man auf die Entscheidung des Zentrums. Vielleicht spielen noch andere Pläne und Absichten eine Rolle. Jedenfalls geht die Randidatur Jarres bisher unter der Firma: die versammlung gegen die Arbeiterschaft ist. Das ist hinderte Normierung. " Die Demokraten haben auf ihren Vorschlag, Herrn Dr. Simons als Sammelkandidaten aufzustellen, in der Presse der Rechten Antworten erhalten, die sie wohl nicht erwartet haben. Die Deutsche Zeitung" poltert grob los: „ Wäre der demokratische Ueberrumpelungsversuch nicht so lächer lich in seiner dreift en naivität, dann könnte man in ihm so etwa einen fleinen Staatsstreich sehen, wie ihn die Demofraten verstehen mögen; immer hübsch auf Hinterschlichen und mit Hilfe parlamentarischer Mittelchen, die ja nicht ganz einwandfrei zu fein brauchen." Nicht minder scharf ist die Nationalpost": " So ist aber die Kandidatur Simons nichts als Angst erzeug nis, nichts als der schleunige, wenig vorbedachte Versuch, in letzter Stunde aus einer heillos verfahrenen Lage mit Anstand herauszu tommen. Die Deutschnationalen haben nicht die geringste Veranlassung, der Linken die Kaftanien aus dem Feuer zu holen. Reichsgerichtspräsident Dr. Simons ist gewiß ein Mann von untadeliger Ehrenhaftigkeit und zweifelsfreier Baterlandsliebe. Doch er steht deutschnationalen Anschauungen und Zielen so fern, daß unsere Bartei ihn niemals auf den Schild erheben tönnte. Die Presse des Herr Hugenberg möchte die Demokraten schon im Loebell- Ausschuß begrüßen als Glied der bürgerlichen Klaffenfront gegen die Sozialdemokratie. Die Beit" aber lädt die Demokraten als Antwort auf ihren Borschlag höflich ein, für Jarres zu stimmen: " Benn die Deutschdemokratische Partei Bert barauf legt, eine Zusammenfaffung aller staatsbejahenden Kräfte herbeizuführen, so wird man ihr nur empfehlen tönnen, sich auch ihrerseits diesem Ausschuß anzuschließen und ihm ihre Anregungen zu unterbreiten. Der Ausschuß selbst hat bisher, was tein Geheimnis mehr ist, Herrn Dr. Jarres als geeig neten Kandidaten für die Reichspräsidentschaft ausersehen. Der Barteivorstand der D. Bp. hat ohne Debatte der Kandidatur des Herrn Jarres für den Fall seiner Aufstellung einmütig zugestimmt. Wir stimmen mit der Deutschdemokratischen Partei in der Würdigung für die Persönlichkeit des Herrn Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons überein. Bei einer Gegenüberstellung der beiden Bersönlichkeiten machen wir aber fein Hehl daraus, daß wir in der Persönlichkeit des Herrn Dr. Jarres die Vertretung des Reiches, soweit sie in den Händen des Reichspräsidenten liegt, außerordentlich gut gewahrt sehen würden. Wir glauben daher auch taum, daß die Auftakt in Magdeburg. Der Beleidigungsprozeß Ebert- Rothardt. Magdeburg, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Wieder einmal wird im Schwurgerichtssaal in Magdeburg die Weltgeschichte nachzuprüfen versucht. Die Berufungskammer hat den ganzen Kempler des Verfahrens noch einmal zu durchleuchten, das vor dem Bemersdorff- Schöffengericht im Dezember geführt wurde. Als Angetlagte erschien wieder der unverantwortliche Berantwortliche eines Staßfurter Hezblättchens, jetziger Prokurist" Rothardt. Er ist rem Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt morden, weil er dem Reichspräsidenten Ebert den Vorwurf des Landesver. rats gemacht hat. Das Schöffengericht hat diesen Borpurf als beleidigend angeschen, trozdem aber als seine Ansicht festgelegt: Ebert habe durch seine Beteiligung an der Leitung des Munitionsarbeiter freits in juristischem Sinne" tatsächlich Landesverrat verübt, menn cuch vom politischen und moralischen Standpunkt aus die Sache anders beurteilt werden fönne. Diese Zwiespältigkeit hat sowohl die Staatsanwaltschaft und ben beleidigten Reichspräsidenten wie den Angeklagten veranlaßt, Berufung einzulegen, um von einem anderen Gericht eine Beurteilung zu fordern. Ir der neuen Verhandlung fehlen die beiden Bertreter des Rebentlägers, die Rechtsanwälte Heine und Landsberg. Durch den allzu frühen Tod des von nationalen Sudelparteien beschimpf ten und niedergehegten Reichspräsidenten ist ihr Mandat hinfällig geworden. Die Klage wird nur noch von der Staatsanwalt. Ichaft vertreten. Dafür ist aber neu im Gerichtssaal erschienen der Rechtsanwalt 2utgebrune Göttingen. Dieser ist eine der juristischen Säulen der Deutschnationalen Partel und hat auch schon mehrfach Rechtsputschisten vor dem Staatsgerichts hof verteidigt. Augenscheinlich will die Deutschnationale Partei durch Hinzuziehung dieses ihres Prominenten befunden, daß sie den Brozek jezt auch offiziell zu ihrer Parteifache machen will, nachdem sie ihn bisher nur inoffiziell beeinflußt hat. Bei der ersten Berhandlung hatten die deutschnationalen Verteidiger entrüstet bestritten, daß hinter ihnen irgendeine Partei stände. Jezt ist Lütgebrune da, um feine unzulänglichen Kollegen aus Magdeburg Immerhin hat der Borschlag der Demofraten ein Gutes Immerhin hat der Vorschlag der Demokraten ein Gutes gehabt. Er hat dazu geführt, daß die Rechte zeigt, was fie will. Sie will einen Mann, der den Deutschnationalen mindestens nahefteht. Das ist Herr Jarres. Sie will eine Person, die eine Berkörperung der bürgerlichen Klassen Herr Jarres. Sie will einen Reichspräsidenten, der nicht Don republitanischer, sondern von reattionärer Gesinnung beseelt ist. Das ist Herr Jarres. Bei der Erörterung der ernsthaften Kandidaturen wird man von Herrn Thälmann von der Kommunistischen Partei nicht reden. Diese Kandidatur vollzieht sich außerhalb despolitischen Ernst es sowohl dem Gewicht seiner Partei als dem seiner Berson nach. Otto Braun ist der Kandidat der Sozialdemokratie, der Kandidat des arbeitenden Volkes aus allen Schichten. Er ist der republikanische Staatsmann, dessen Arbeit für die Republik ihm die Sympathie der Republikaner zuwendet. Das Reichsbanner und die Präsidentenwahl. Magdeburg, 10. März.( WTB.) Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold hat beschlossen, den Bundesvor fizenden Oberpräsident örsing nach Berlin zu entfenden, um dort mit den Vorständen des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten die Möglichkeit einer gemein famen republitanischen Kandidatur für die Reichs präsidentenwahl zu besprechen. Der Kampf der Eisenbahner. Di Hauptverwaltung der Reichsbahn hat am Montag die Berliner Preffe bitten lassen, doch um Himmels willen nicht zu viel über die Streitbewegung zu schreiben; denn das stärke Gleichzeitig bemüht sich die Reichsbahnleitung, der Deffentnur die Streifftimmung unter dem Eisenbahnpersonal. lichkeit einzureden, daß die Streitbewegung schon da und dort lichkeit einzureden, daß die Streitbewegung schon da und dort ab brödele, ja im großen und ganzen schon so gut wie still stehe. Die Reichsbahnleitung weiß nur zu gut, daß die Eisenbahner bei allem Unmut, bei aller Gereiztheit feine blinden Draufgänger sind. Die Eisenbahner be folgen genau die Weisungen ihrer Organisationen und diese werden ihre Entscheidung morgen treffen. Wie die ausfallen wird, darüber fann ein Zweifel nicht bestehen. fach nicht länger ertragen werden können. Durch den Erlaß Es herrschen in der Reichsbahn heute Zustände, die einder Dienstverordnung vom 21. Dezember 1923 erfolgte eine Aenderung der Dienstdauervorschriften für das Betriebs- und Berkehrspersonal in der Weise, daß die Arbeitszeit bis zu 10 Stunden im Tag oder 260 Stunden im monat und die Dienstschicht bis zu 16 Stunden pro Arbeitstag ausgedehnt wurde. Unter dem Druck der Gewerkschaften gab es dann im Juni vorigen Jahres einige fleine Milderungen. Es kam mit Rücksicht auf die damalige Notlage der Reichsbahn zu einer Sondervereinbarung, die selbstverständlich gekündigt werden mußte, sobald fich die Wirtschaftslage der Reichsbahn sichtlich gebeffert hatte. Diese Kündigung erfolgte Ende Januar, nachdem die Gratifitationen für die oberen Beamten und die Korruptionszulage gezeigt hatten, daß es der Reichsbahn nicht gerade schlecht geht. Was forderten die Eisenbahner? Festsetzung der Arbeitszeit in der Personalordnung und den Dienstdauervorschriften auf 8 Stunden pro Tag. Sofortige Durchführung des Achtstundentages in den Werkstätten und überall dort, wo intensive Arbeit verlangt oder das Personal unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit tätig ist; entsprechende Berkürzung der Arbeitszeit des übrigen Personals. Außertraftfegung der DDB. für das im Werkstättendienst und bei Die Bayerische Volkspartei hält sich den Rücken frei felbständigen Güterböden beschäftigte Personal mit ent Die Rorrespondenz der Bayerischen Bolts. Sprechender Berbefferung der Dienstdauervorschriften. Regepartei ftellt fest, daß die Bartei bisher noch nach feinerung der Dienstbauer des Fährschiffspersonals nach den vorStehenden Grundsägen. Richtung Entschlüsse zur Reichspräsidentenmahl gefaßt habe. Ihre Entscheidung fönne erst am nächsten Sonnabend fallen, da an diesem Tage der Landesausschuß der Partei in München zusammentrete. Indiskretion oder Falschmeldung? Geftern wurde die Nachricht kategorisch dementiert, daß der Gestern wurde die Nachricht kategorisch dementiert, daß der Loebell- Ausschuß die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Rechtsparteien durch General von Seedt verordnen laffen wollte. Die Nachricht stammt aus dem Jungdeutschen", dem Gubener Organ des Jung deutschen Ordens, der im Loebell Ausschuß Siz und Stimme hat. Es tann sich also nicht um eine reine Sensationsmeldung oder um eine unbegründete Irreführung handeln. Die dementierte Meldung wird die Absichten gewiffer Kreise in dem Kontlave der Rechten widerspiegeln, das Dementi den mangelnden Willen Seedts, sich für diese Absichten gebrauchen zu lassen. zu kontrollieren und zu beeinflussen. Der Freiherr v. Forstner arbeitet hinter den Kulissen, Lütgebrune ist Atteur an der Rampe Die deutschnationale Mache wird immer flarer und turchsichtiger. Daran ändert auch nichts die heute vor Eintritt in die Berhandlung abgegebene larmoŋante Erklärung der Verteidigung, sie wolle nicht den Menschen Ebert treffen, sondern den politischen Führer der Sozialdemokratie und sie bedauere deshalb, daß der Tod des Reichspräsidenten es notwendig mache, den Prozeß auch ohne ihn weiterzuführen. Es gelte, die gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie aufzudecken, damit- Deutschland wieder ein Rechtsstaat werde! Das war eine weinerlich vorgetragene, im Ton der Entschul digung gehaltene Erflärung, die einen Augenblic lang die Ber. mutung auftommen ließ, als ob sich bei den Deutschnationalen das Bewiffen zu regen begänne, angesichts des linheils, das ihre Hege angerichtet hat. Aber nur einen Augenblid dann steht die Deutschnationale Partei wieder in unverhüllter Fraze da, be reit, auch noch das Andenken eines großen Toten durch die Goffe zu ziehen. Die heutige Vormittagssigung wurde fast ganz ausgefüllt mit der Berlesung des Urteils des Bewersdorff- Gerichts, eine überflüssige Formalität, denn das Urteil ist jedem. Brozeßbeteiligten schriftlich übergeben. Aber es muß nach der Strafproßeordnung stundenlang verlesen werden, bis endlich ein Aufatmen der Erleichte. rung durch den Saal geht. Die Nordschleswiger Gemeindewahlen ergaben in Tingleff 3 Dänen, 2 Sozialdemokraten und 4 Deutschbürgerliche; in Sonderburg 3 Dänen, 2 Gozialdemokraten und 4 Deutsch bürgerliche. Bei der Foffethingswahl waren in Tingleff 250 deutsche Stimmen abgegeben, bei der Gemeindewahl 306. In Sonder burg wurden 5 Deutschbürgerliche, 8 Dänen und 8 Sozial demokraten; in Lügum. Kloster 5 Dänen, 3 Deutschbürger. liche, 2 Dänen und 1 Sozialdemokrat gewählt. Die Deutsch fiche und 1 Sozialdemokrat; in Honer 8 Deutschbürger bürgerlichen haben fast überall Gewinne auf Kosten der bürgerlichen Dänen zu verzeichnen. Reichsbahn verewigt werden? Durch die sogenannte wiffenSollen die standalösen Arbeitszeitverhältnisse bei der schaftliche Betriebsführung und das Gedingeverfahren wird mit der Arbeitskraft ein unerträglicher Raubbau getrieben. Die Reichsbahn nimmt heute eine bis ins kleinste gehende scharfe Ermittlung der Arbeitszeit, der Arbeitsunterbrechungen usw. in jedem einzelnen Falle, manchmal sogar durch Stoppuhr vor. Die Folge des Raubbaues find steigende Krankheits- und Unfallsziffern. Sie sprechen eine eindringliche Sprache. So betrug z. B. der Krankenstand anfangs Januar im Bezirk Berlin 9 Proz. Die Betriebsunfälle haben, wie die Hauptverwaltung selbst zugibt, 1924 wesentlich zu= genommen. Nach einer Mitteilung der Hauptverwaltung wurden in den Monaten April bis November des letzten Jahres 626 Bedienstete gegen 513 Bedienstete im Vorjehr, also 113 Personen mehr, als verletzt gemeldet. Die Ermüdungsgrenze liegt weit unter der Schichtdauer, die den Eisenbahnern zugemutet wird, und daß die jetzt bestehende Arbeitszeitregelung zu einer Senkung der Gesamtleistung führen muß, liegt auf der Hand. Die amtlich festgestellte Steigerung der Betriebsunfälle zeigt der Deffentlichfeit ganz klar, daß durch die mit fargem Lohn verbundene lange Arbeitsfron des Personals die Betriebssicherheit, die Sicherheit der Fahrgäste gefährdet wird. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn behauptet fortgefeßt in ihren Rundgebungen an die Presse, daß der Lohn der Eisenbahner über den Lohn der Arbeiter der Privatindustrie liege. Nun beträgt in Berlin der Handwerkerlohn einschließlich der Ortszulage 70 Pf. die Stunde, wozu noch Sozialzulagen für Berheiratete fommen. Ein verheirateter gelernter Arbeiter mit 2 Kindern erhält demnach 79 Pf. die Stunde. Ungelernte Arbeiter haben einen Stundenlohn von 54 Pf. Die Behauptung der Reichsbahnverwaltung, die Löhne der Eisenbahner lägen über denen in der Privatindustrie, ist also falsch. Die Löhne in den Provinzorten liegen aber ganz erheblich unter denen, die in Berlin gezahlt werden. Der Durchschnittslohn der Eisenbahner in Ortsflaffe A beträgt für die Handwerker 58 Bf. die Stunde, für die ungelernten Arbeiter 45 Pf. Von diesen Löhnen sind jedoch noch 17 Proz. Soziallasten in Abzug zu bringen. Daß die Löhne gänzlich unzureichend sind, wird niemand ernsthaft bestreiten fönnen. Es liegt auf der Hand, wie es angesichts dieser Löhne und der Arbeitszeit, die nicht nur weit über das erträgliche Maß hinausgeht, sondern auch weit über der Arbeitszeit in der Privatindustrie liegt, wirken mußte, daß die Hauptverwaltung der Reichsbahn den leitenden Beamten und den Mitgliedern des Verwaltungsrats Zulagen bzm. Jahresgehälter bewilligte, die das Vielfache eines Jahreseinfommens eines Eisenbahners betragen, während man nachher fich außerstande erklärte, die Löhne der Eisenbahner um einige Pfennige aufzubessern. Die große Masse der Eisenbahner hat in bewundernswerter Disziplin gewartet, bis die immer wieder hinausgeschobenen Verhandlungen beendet find. Die Eisenbahner stehen auch heute noch Gewehr bei Fuß in der Er martung des Beschlusses, der morgen gefaßt wird. Die Reichsregierung hat foftbare Tage ungenügt verstreichen lassen. Der Reichstag hat sich gestern Montag mit den Forderungen der Eisenbahner beschäftigt, und im Berkehrsausschuß wird heute. darüber verhandelt. Das Reichsarbeitsministe rium, dessen Zuständigkeit selbst die Hauptverwaltung der Reichsbahn jezt anerkannt hat, ist immer noch in völliger Untätigkeit. Ist es ihm vielleicht von der Schwerindustrie verboten, einzugreifen, ehe es zu spät ist? Verhandlung im Reichstag. werde, in dem Sinne des allmählichen Abbaues des mieter, fchuzes, der Berteilung der Mittel auf die Gemeinden, die Wohnungsbedarf haben, und der Bekämpfung des Wohnungswuchers. Der Ausschuß beschloß, einen gemeinsam übereinstimmenden Beschluß im Haushaltausschuß wegen der Hauszinssteuer in Höhe von 20 D. H. herbeizuführen. Die„ Rote Fahne" freigegeben. Mit Rücksicht auf die Wahlbewegung. 9 Damit es an Humor nicht fehle, leitartikelt Ruth Fischer über den Bankrott der Sozialdemokratie. Das Thema ist ein bißchen abgeleiert, aber Glaube macht schließlich selig. Wohl dem, der blind glaubt, ohne zu sehen, wie die Reihen der KPD. sich ununterbrochen lichten. Umbildung des Hamburger Senats. Deutlichkeit zu erfennen gegeben, daß er an eine auf das deutsche Angebot gegründete Vereinbarung dente. Bas über seine Unterredung mit Herriot vom Sonnabend verlaute, mache flar, daß sie mehr Schwierigtetten aufgeworfen als beseitigt habe. - Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" erklärt die Nachricht, daß Chamberlain bereits in der einen oder anderen: Art einem Paft zugestimmt habe, für unbegründet. Bie verlaute, sei die belgische Haltung gegenüber den deutschen Vorschlägen vorsichtig, aber feineswegs. ablehnend. Belgien befinde fich nicht in derselben schwierigen Lage mie Frankreich wegen seiner oft lichen Alliierten, so daß das Hauptinteresse der Belgier in einer Garantie durch Großbritannien liege, sei es mit oder ohne gegenseitige Garantie Deutschlands, die, wie zugegeben werde, von moralischem Vorteil sein könnte. Der Genfer Berichterstatter des„ Daily Telegraph" erfährt, wenn Chamberlain feine Erklärung über das Genfer Protokoll abgebe, werde der Bölferbundsrat eine Note au Deutschland veröffentlichen, die fich auf den Vorschlag Deutschlands bezieht, fich Frankreich, Belgien, England und Italien in einem Garantiepakt anzuschließen. Im Bölkerbund sei man der Ansicht, es werde unmöglich fein, mit irgendeinem Paft vorwärts zu kommen, folange Deutschland außerhalb des Böfferbundes stehe. Die gesamte Arbeit des Völkerbundes für Schiedsgericht, Sicherheit und Abrüftung werde durch Fernbleiben Deutschlands vom Böllerbundsrat aufgehalten. Das werde zweifellos auch der wichtigſte Teil der Erklärungen Chamberlains sein, die für Donnerstag erwartet werden. Die„ Rote Fahne" teilt heute morgen mit, daß der. Minister des Innern Severing mit Rücksicht auf das nahe Bevorstehen Der Reichsarbeitsminister will eingreifen. des Wahltermins" das Verbot der Roten Fahne" abgekürzt habe. Der Verkehrsausschuß des Reichstages befaßte fich Die„ Rote Fahne" besitzt die Naivität, hinzuzufügen, daß diese Freiheute mit dem Eisenbahnerstreit. Die Erklärungen der Regierungs- gabe weniger auf die Wahlfreiheit als auf die Proteste der Be vertreter waren lediglich eine Bestätigung der von ihnen in der frie be" zurückzuführen sei. Bielleicht führt die Rote Fahne" Bresse gegebenen Auftlärungen. Demgegenüber stellte Genoffe mal den Betrieb in natura vor, in dem die Arbeiter in ihrer Bender die Ursachen fest, die zum Streit führten. Die Behauptung Mehrheit sich für dieses Schmugblatt engagieren! In der der Reichsbahnverwaltung, daß die Löhne der Eisenbahnarbeiter gleichen Nummer, in der mitgeteilt wird, daß Severing die„ Rote erheblich über den Löhnen der Induſtriearbeiter lägen. sei falsch. Fahne" freigegeben hat, steht eine schöne Zeichnung mit der UnterNur in den östlichen Bezirken Deutschlands sei das der Fall, inschrift:" Severing eröffnet den Wahlkampf". Zwei Mitteldeutschland und im Westen läge es aber umgekehrt. Drei Schupoleute fnebeln dabei die Rote Fahne"!! Pfennige Lohnerhöhung für die Stunde gefährde unsere Wirtschaft. nicht. Die Arbeiter feien aber auch empört darüber, daß die Regie rung zweierlei Lohn- und Gehalts politif betreibe. Die Regierung ist den Beamten in der Gehaltsfrage weiter entgegen gekommen als den Arbeiter in der. Lohnfrage. Die Bezüge der Beamten der Gruppe XIII haben seit dem 1. Dezember 1923 eine. Erhöhung ihrer Bezüge um 128 Proz., die der unteren Beamten um Polen und der Sicherheitspakt. 74 Proz. erfahren. Dagegen wurden die Bezüge der Arbeiter nur Erklärungen des Außenministers Skrzynski. um 60 Proz. erhöht. Die Zeuerung sei im letzten Jahre andauernd Hamburg, 10. März.( Eigener Drahtbericht). Der 5 amParis, 10. März.( TU.) Der polnische Außenminifter geftiegen. Die Reichsmart habe aber nur eine Kauftraft von 60 Proz3. burger Senat hat, in der Voraussetzung, daß das Protokoll der Friedensmark. Die Nominallöhne der Eisenbahnarbeiter lägen der Berhandlungen der neuen Roalition( Sozialdemokraten, Strzynski hat dem Genfer Havasvertreter erflärt, feine Bariser mur ein Geringes über den Friedenslöhnen, also tatsächlich weit Demokraten, Volkspartei) von den Vertretern der Fraktionen unter Unterredung mit Herriot, Briand und Paul Boncour darunter. Der Streit der Eisenbahner steht erst am Anzeichnet wird, in einer Sizuitg am Montag beschlossen, in seiner gebe ihm feinen Anlaß, an Frankreich zu zweifeln. Die franzōfang. Möge die Regierung dafür sorgen, daß durch die Bemilli- Gesamtheit zurüdzutreten und gleichzeitig einen Dringlich- fifche Regierung sei entschlossen, jeden Garantievertragsvorschlag nur im Rahmen des Versailler Bertrags zu prüfen. Frankreich gung der bescheidenen. Forderung der Eisenbahner das Feuer, das teitsantrag an die Bürgerschaft zu richten, das Senatsgesetz enterst im Glimmen ist, gelöscht wird, bevor es zur Flamme sprechend den Bereinbarungen zu ändern und den verfassungsmäßig werde, davon sei er hinlänglich überzeugt, von Bolen feinerlei vorgesehenen Ausschuß zur Vorbildung der Neuwahl des Senats Opfer verlangen, die dem Bersailler Bertrag Abbruch tun mür An der weiteren Aussprache beteiligten sich noch der Abg. Roe. einzusetzen. Es ist vorgesehen, daß der Wahlausschuß, der nur den Immerhin sei die Situation font recht beunruhigend. nen, der im wesentlichen die Ausführungen des Genoffen Bender formell die im Protokoll bereits festgestellten Namen zu beir find feine Bronofateure," ſagte der Miniſter, aber mir mer unterstrich. Der Abg. Schumann und Genoffen beantragten, stätigen hat, bereits am morgigen Mittwoch zusammentritt und den uns, auf die feierlich unterzeichneten Verträge geſtüßt, zur Wehr zu sezen wissen. Der Minister teilte seine. Absicht mit, Ende das Reichsarbeitsministerium zu ersuchen, in dem Lohnkonflikt zwis die Senatswahl am Mittmoch, den, 18. März, erfolgen soll. fchyen der Reichsbahn A.-G. und ihrer Arbeiter von seinem Rechte Bis zu diesem Zeitpunkt hat der bisherige Senat die Geschäfte der Woche nach Paris zurückzukehren, um mit Herriot erneut Besprechungen abzuhalten. und der Schlichtungsordnung Gebrauch zu machen. Dazu gab, ein weiterzuführen wie bisher. Wie wir hören, find die Vereinbarungen Bertreter des Arbeitsministers die Erklärung ab, daß der Minister der Koalitionsparteien in den gleichzeitig stattfindenden Fraktionsbereits zu Donnerstag Berhandlungen zwischen den Parteien an fizungen der drei Parteien bestätigt und die Unterzeichnung gesetzt habe.( ,, Schon" zu Donnerstag!) der Abmachungen beschlossen worden, womit die Beschlüsse des Eenats wirksam sind. wird. Roch Düsseldorf und Bruhn( Dnat.) bestritten das Recht des Ausschusses, in den Streik aktiv einzugreifen und perlangten angesichts der Erklärung des Arbeitsministers die Bertagung des Ausfchuffes. Ein auf politischen Bauernfang hinauslaufender Antrag der Kommunisten, von dem sie behaupteten, er vertrete die gewerkschaftlichen Forderungen, wird gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Es wurde beschoffen, das Ergebnis der stattfindenden Verhandlungen abzuwarten, das Vorgehen des Arbeitsministers zu billigen und die weitere Aussprache zu vertagen. 600 Bürgerblock Arbeit. Der Abbau des Mieterschuses, tas Der Wohnungsausschuß des Reichstages beschloß gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, die Reichs. regierung zu ersuchen, bis zum 30. April 1925 im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Reichsmietengefeges, des Mieterschuhgesezes und des Wohnungsmangel. gefeges nach den Richtlinien des Reichswirtschaftsrates und den im Reichstag und seinem Ausschuß gefällten Anträgen vorzunehmen. Ministerialdirektor Ritter erflärte, daß die Regierung mit den Länderregierungen in Kürze über die Wohnungsfrage beraten Der Hund und der Bettler. Bon Anna Rubner Schaah. Sommer. Schloß am See Fremdenpension. Große Table d'hôte elegante, elegante Leute und Leutchen, elegante, elegante Kellner. Man iẞt, man plaudert, man amüsiert sich. Auf der breiten, weißen Marmortreppe, die zum See führt. ficht mit einemmal ein zerlumpter alter Mann, neben ihm figt ein ftruppiger Hund; vielleicht schon eine ganze Weile, denn die Gruppe ist unbeweglich, wie zu einem Standbild erstarrt. Der deutsche Garantievorschlag. Man verlangt vorher Beitritt zum Bölkerbund. Paris, 10. März.( WTB.) Der belgische Außenminister Hyman's erflärte nach Beendigung der Unterredung mit Herriot einem Vertreter des„ Matin", man möge der Zusammenfunft übertriebene Bedeutung nicht beimessen. Hymans habe, so fährt Matin" fort, Herriot flar ausgesprochen, daß er die deutschen Sicherheitsvorschläge für inopportun halte. Deutschland möge erst in den Bölterbund eintreten, dann tönne man diskutieren. Das sei das einzige Mittel. den Bertrag zu retten. Da aber das Deutsche Reich erst im September anläßlich der Bollverfamm. lung des Böllerbundes aufgenommen werden tonne, habe man es nicht eifig. Was die Dftstaaten betreffe, so teile Hymans die Ansicht Herriots, Bolen habe allein über die Bolitit zu entscheiben, die es betreiben wolle. Frankreich und Belgien würden dann im Cinverständnis mit ihm handeln. Hymans und Herriot hätten fich dahin verständigt, über die Entwaffnung Deutschlands und die Räumung der Köiner Zone erst dann zu urteilen, wenn der neue Bericht des Marschalls Foch vorliege. London, 10. März.( WEB.) Der Sonderberichterstatter der Daily News" in Genf meldet, Chamberlain habe mit aller zur Mitwirkung heranzuziehen. Die banerische Regierung aber hat dieses standalöse Verfahren ruhig geschehen lassen, und so ist es gefommen, daß die sehr wichtige Veranstaltung in die Hände von tünstlerisch reaktionären Beuten gelegt worden ist, die zur heute lebendigen deutschen Kunst keinerlei Fühlung haben. Mit dieser Kunst aber, und nicht mit der von gestern und vorgestern, tönnten wir vor dem Ausland Ehre einlegen. Wenn die Mitteilungen der Telegraphen- Union der Wahrheit entsprechen, so ist mit Sicherheit auf eine fatastrophale internationale Blamage der deutschen Kunst in Rom zu rechnen. Verschleppte Chor- und Tanzgirls. Trog aller Anstrengungen, die darauf abzielen, der Kulturschande des internationalen Mädchenhandels ein Ende zu machen, ist es noch immer nicht gelungen, die lichtfcheuen Elemente, mattzusehen, die sich auf diesem verbrecherischen Gebiet betätigen. Neuerdings ist, beobachtet worden. daß überaus viele von ihnen in der Es flüstert um den Lisch herum, um die lange, lange Tafel. Ein elegantes elegantes junges Mädchen springt auf, nimmt ihren Teller, auf dem noch ein Stückchen Braten liegt, geht um die Tafel, umgefehrt, wie der Kellner: nimmt mit der Gabel, ganz einfach, von jedem Teller ein Stückchen Braten entzückend, diese Spontane Handlung! stellt don vollen Teller dem Hund hin. Ein paar andere junge elegante junge Mädchen machen es radh, ftellen die vollen Teller dem struppigen Hund hin. Die Lezte da legt sich auf den sportgebräunten Arm eine Gelbe, feuchte Hand:„ Net alles für'n Hund, auch was für mi!" Mädchen im Alter von 18 bis 20 Jahren, schenken den VersprechunEine drohende Blamage. In Rom soll die Dritte Internationale Runst austellung in der zweiten Hälfte des März eröffnet werden. Wie die Tll. aus Rom zu melden weiß, sind diesmal rechtzeitig Vorkehrungen getroffen worden, daß die deutsche Abteilung nicht, wie 1923, als Sonderausstellung der Herren Cassirer, Liebermann und Genossen gestaltet wird, die feinen Ueberblick über die deutsame und Genossen gestaltet wird, die keinen Ueberblick über die deutsche Stunft geben fann. Zum deutschen Komitee gehören Prof. v. Marr, für die Münchener Künstlergenossenschaft Prof. v. Habermann und Karl Hommel, für die Sezession der Oberkonservator Hans Stangel und Generaldirektor 3immermann und der in Rom ansässige bekannte Radierer Lipinsti. Zum ersten Male wird auch moderne Kirchenfunst durch eine Unterabteilung ver treten sein, die von der Gesellschaft für christliche Kunst zusammengestellt wird. Auf ausdrücklichen Wunsch der Ausftellungsleitung schließt sich der Ausstellung lebender deutscher Künstler eine retrospektive Abteilung an, in der besonders die Berte Franz v. Lenbachs vertreten sein werden, der in Italien dic größte Wertschägung genießt." Wir find feineswegs der Ansicht, daß Herr Caffirer der geeignete Bermittler zwischen der deutschen Kunst und dem internationalen Ausland ist, aber die Art, wie das Arrangement unserer Römischen Ausstellung zustande getommen ist, fordert zum schärfften Protest heraus. Wir erfahren darüber folgendes: Auf angeblichen Wunsch der italienischen Ausstellungsleitung sollte die deutsche Abteilung vor allem füddeutsche Kunst zeigen. Der in Rom anfäffige Radierer Lipinski ist daraufhin mit einigen römischen Künstlern nach München gereift und hat hier alle Vorbereitungen selbständig getroffen, ohne das deutsche Auswärtige Amt oder. was das richtigste gewesen wäre den deutschen Reichstunstwart auch nur maste von internationalen Varietéunternehmern mit eigenen Chor und Tanzgruppen auftreten. Ein Die Antwort des polnischen Ministerpräsidenten. Warschau, 10. März.( Sejm.- Eigener Drahtbericht.) Autf eine Interpellation, melche Schritte die Regierung gegen einen deutschen Angriff auf die polnische Grenze in Gemeinschaft mit den Alliierten zu unternehmen gedente, antwortete Ministerpräsident Grabski, daß auf Grund authentischer Nachrichten die französische Regierung die deutsche Anregung nur in vollem Einvernehmen mit den Verbündeten in Erwägung ziehen werde. solches Projekt wäre für Frankreich nur annehmbar, wenn es sich in den Rahmen des Bersailler Bertrags einfüge. Außerdem bilde das Genfer Protokoll das Fundament der französischen Politik für die Behandlung der Sicherheitsfrage. Die polnische Res gierung sei sich ihrer Verpflichtungen und ihrer Verantwortung vor dem Lande bewußt und rechne mit Sicherheit auf dessen Unter ftügung, Bolen wolle den Frieden, fordere aber die bedin sungsioje Durchführung bes Bersailler Bertrags. -Es handelt sich darum, das Deutschland fich das Recht und die Möglichkeit vorbehalten will, eine Aenderung seiner Ostgrenzen auf friedlichem Weg anzustreben, während Polen sich auch nur gegen jede Distusfion über seine Westgrenzen für immer gesichert sehen will. Englische Stimmen von Gewicht haben wiederholt die jetzige Regelung der deutschpolnischen Grenzen als eine Gefahr für den Dauerfrieden bezeichnet und Polen geraten, in eine Diskussion ein. zutieien. Es bestehen jedoch feine, Aussichten darauf, daß das geschieht. Der Mann mit den Todesstrahlen ist da. Man erinnert sich sicher noch des famosen englischen Ingenieurs Matthews, der vor einigen Monaten die ganze Welt verdreht machte mit der Behauptung, er habe die einzig richtigen Todesstrahlen erfunden. Mit diesen geheimnisvollen Strahlen sollte man von irgendeinem beliebigen Punkte aus durch einen bloßen Drud auf einen Knopf oder so ganze Munitionslager, fahrende Schiffe, Luftfreuzer und ähnliches in die Luft sprengen tönnen. Matthews mollte damals feine fürchterlichen Strahlen an England oder Frankreich verkaufen, aber beide lehnten schließlich ab, und gelehrte Herren, die die Sache untersuchten, erklärten den Erfinder für einen Schwindler. Das fränkte ihn so tief, daß er für längere Zeit von der Bildfläche verschwand. Jegt ist er plöglich in London wieder aufgetaucht, strahlend vor Blüd und mit Dollar proßend. Er behauptet, daß ihm die Amerikaner die Todesstrahlen abgetauft hätten, und daß er demnächst dem undantbaren englischen Baterlande den Rüden fehren und für immer zu den Yankees übersiedeln werde. Die Welt wird also wahrscheinlich von Amerita aus taputt geschossen merden. Dezentralisierung von Paris. Ein Gefeßentwurf, der Paris in fünf Einzelgemeinden zerlegen will, liegt gegenwärtig dem franzöſifchen Parlament vor. Es wird behauptet, daß die riefige Einheitsjede Regierung bilde. Bier Millionen Menschen, die kommunalpoligemeinde, die faft vier Millionen Einwohner zählt, eine Gefahr für tisch zueinander gehörten, fönnten von einer willensstarken Stadtverordnetenmehrheit zu schärfster Opposition gegen die staatlichen Gewalten fortgeriffen werden. Aus diesen und noch einigen andern GrünUmgebung umfaßt, in fünf Gemeinden teilen; die Namen würden den möchte man das jetzige Seine- Departement, das Baris und seine In jeden dieser fünf Stadtteile follen die angrenzenden Vororte eingelauten: Paris- Mitte, Paris- West, Paris- Nord, Paris- Ost, Paris- Süd. meindst werden, und jeder Teil foll seine befondere Berwaltung befommen. Dagegen sollen Polizei und Generalrat des Seine- Departements auch fürderhin Sache des Staates bleiben. Diese städtische Organiſation, die in andern französischen Großstädten, so in Lyon und Marseille, bereits durchgeführt ist, wäre ähnlich der von London und Brüssel. Die bedauernswerten Mitglieder dieser Truppen, meist junge gen der Schürfen nur allzu gern Glauben; denn diese verstehen es, den unerfahrenen Geschöpfen den scheinbar so mühelosen und fröhlichen Beruf eines Chor- und Tanzgirls in den lodendsten FarRosten einer oberflächlichen Ausbildung, die natürlich meit davon ben zu schildern. Schnell unterziehen sie sich, meist noch auf eigene die Ausreisedokumente besorgt, und sobald diese vorhanden sind, beentfernt ist, ernſteren Ansprüchen zu genügen. Inzwischen werden ginnt das Manöver. Es geht gewöhnlich in der Weise vor sich, daß zunächst tatsächlich einige Gastspiele abfolviert werden, um die Mädchen in Sicherheit zu wiegen. In der Regel sind es Bühnen legten Ranges in holländischen, französischen oder englischen Klein städten, an denen das„ Ensemble" anfängt. Nach einigen Wochen erfolgt dann die Ueberfahrt nach Rio de Janeiro oder Buenos Aires, und hier ist es, wo der Unternehmer fein wahres Geficht zeigt. Die Mädchen werden voneinander getrennt und einzeln oder höchmukte die für heute angesetzte Premiere Segel am Horizont" auf Bolfsbühne. Wegen. plötzlicher Erkrankung von Frau Gerda Müller ftens zu zweien in geeigneten Quartieren untergebracht, dann durch Sonnabend, ben- 14, verf oben werden. Die Starten vom 10. Hunger, Schläge und Rauschgifte, namentlich Rotain, erzogen", bis behalten Gültigkeit. der letzte Widerstand gebrochen ist und ihrer Ablieferung an die öffentlichen Häuser Südamerikas nichts mehr im Wege steht. Die Gewerkschaft der englischen Artisten hat es sich angelegen fein laffen, die Praktiken, um die es sich hier handelt, einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen, die geeignet sind, den ganzen Artistenstand in schwerster Weise zu kompromittieren. Das Material, das hierbei zutage gefördert wurde, bildet jetzt die Grundlage einer Aktion, die darauf abzielt, die Ausreisegenehmigung für junge Artiftinnen von einem Zeugnis der Berufsorganisationen über den Unternehmer, in dessen Diensten sie reifen wollen, abhängig zu machen. Es versteht sich von selbst, daß diese Maßnahme auf internationaler Grundlage durchgeführt werden müßte, um wirt sam zu sein; denn auch der Mädchenhandel ist international und tann daher nur von der Gesamtheit aller Kulturstaaten mit Ausficht auf Erfolg bekämpft werden. Generalmufitdirettor Erich Kleiber wird im XV. Konzert der, Boltsbühne, Sonntag, den 15., mittags 1,12 Uhr, im beater am Bülowplay, Franz Schuberts VIII. Eymphonie II- moll( unvollendet) und Brahms III. Symphonie F- dur zur Aufführung bringen. Georg Brandes, der befannte dänische Schriftsteller, wird am 25. März im großen Saal der. Philharmonie über Das heutige Europa" sprechen. Ueber. Det See als Lebenseinheit spricht Prof. Dr. Thienemann, Leiter ber Hydrobiologischen Anstalt der Stailer- Wilhelm- Gesellschaft, am 11., abends 8, Uhr, im Festsaal der Kaiser- Wilhelm- Geseuschaft im Schloß ( Eingang gegenüber ber Breiten Straße). Karten sind in beschränktem Umfange in der Geschäftsstelle der Staiser- Wilhelm- Gesellschaft im Schlosse erhältlich. Die St. Pauls- ka hedrale in London ist wegen Einsturzgefahr für die Deffentlichkeit geschlossen worden. Der Kampf um den Finanzausgleich. Protefte von allen Seiten. Man begreift, weswegen der Finanzminister von Schlieben den Reichstag so gern nach Hause schiden möchte Mit dem§ 48 ist das Regieren nicht so einfach, Ermächtigung geseze wird eine Regierung nicht bekommen, die sich als aui: gesprochene Kamp regierung gegen die Arbeiterschaft gebilt hat, die nach den Worten Hergts ein Etappe auf dem W zum deutschnationalen Ziel darstellen soll. Die Steuerplä dieser Regierung sind aber so ungeuerlich, daß fie an aller Ecken und Enden Angriffspunkte bieten. Der Zusammenpral der Meinungen um diese Geseze ist deshalb auch stärker als die Basis, auf der die Luther- Regierung aufgebaut ist. Daher die Sehnsucht nach Vertagung des Reichstages. Heute verhandelt der Reichsrat über den Finanzausgleich. Im Reichsrat wird v. Schlieben den schärfsten Angriffen ausgesetzt sein. Nicht nur Bayern, das föderalistischseparatistische Biele verfolgt, attafiert den Ausgleichsplan. Auch die Länder, denen bayerische Absichten nicht unterstellt werden können, machen mit Recht schwere Bedenken gegen den neuen Gesezentwurf, geltend. Die ganze Berlegenheit der deutschnationalen Regierung fommt darin zum Aus druck, daß sie deshalb im Wege des Notverfahrens eine Verlängerung des jezigen Finanzausgleichs provisorisch für zwei Monate beschließen lassen will, um Zeit für die endgültige Regelung zu gewinnen. Dadurch würden natürlich Länder und Gemeinden in die Unmöglichkeit versezt, ihre Etats rechts zeitig abzuschließen. Wichtiger noch sind die materiellen Bedenten, die z. B. von Preußen gegen die neue Steuerver teilung vorgebracht werden. In einem offiziösen Artikel des preußischen Finanzministeriums heißt es: Schwarze Tage. Für deutschnationale Wähler. Seitdem die Deutschnationalen an der Regierung sind, ge schehen Zeichen und Bunder. Nicht ein einziger Bunft in pon ihres so schön flingenden Programms wird ihnen in die Tat mgefeßt. Nicht mit Unrecht en fest fich Re nholo ule über ie Entwicklung zu nationaler Würdelosigkeit", die er ei den Deutschnationalen, seinen Freunden zur Linken, beobachten muß. Sie haben nicht nur dem Landesverräter" Ebert le Ehren erwiesen, fie sind auch bereit, Deutschlands 3utunft u gerkaufen, nur um an der Macht zu bleiben. So unverständlich das Verhalten der deutschnationalen Minister und Führer, die an diesen Feierlichkeiten für Ebert teil genommen haben, erscheint, ebenso unverständlich ist ihr Berhalten in der Frage der großen Politik. Die Presse hat mitgeteilt, daß Deutschland der Entente einen Sicherungsvorschlag gemadji habe, dessen lehte Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Dieser Sicherungsvorschlag ist bereits Anfang Januar der englischen Regierung unterbreitet worden, die französische Breffe berichtete dar über, die deutsche Bresse erfuhr nichts. Der Hauptinhalt läßt sich folgendermaßen wiedergeben: Deutschland garantiert Frankreich und Belgien, wie es heißt, für 99 Jahre, den Bestand der west grenze, die alliierien Mächte tun Deutschland gegenüber das gleiche. Deutschland sagt fich einem internationalen Schiedsgericht zu unterwerfen, selbstver. in der Frage der Ost grenze nichts zu unternehmen, sondern ständlich also dem Böllerbund. Wenn die Regierung Wirth oder marg das unternommen hätte, so hätten wir das verstanden, von einem Kabinett mit deutsch nationalem Ein. flag aber ist dieser Schritt einfach unbegreiflich. Der Sicherungsvorschlag bedeutet nichts anderes als die Breisgabe von Eupen und Malmedy, sowie Elsaß Lothrin gens, er bedeutet in der Braris auch die Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandes im Osten, denn das Schiedsgericht des Bölterbundes, das sich ja bereits so herrlich in der Frage Oberschlesiens, des Memellandes und der Weichseldörfer bewährt hat, wird selbstverständlich im Sinne Polens und der Tschechobehaupten, daß er Politiker sei. Das alles ist die Politik einer dem Lob gefunden hat, das ihr deswegen der„ Borwärts" fo reich sogenannten Rechtsregierung, die die beste Kritik t lich spendet." = Herr Wulle wird noch häufiger an seinen deutschnationalen Freunden Schmerzen erleben. Nur der gänzlichen. Bedeutungslosig feit der völkischen Gruppe ist es wohl zuzuschreiben, wenn die nationale Bürbelofigfeit" der Rechtsregierung die Hilfstruppe dieser Erfüllungsregierung zu etablieren. Für die Bölkischen in keiner Weise hindert, fich als zuverlässigste Herren Reichstagsabgeordneten ist es eben sehr wichtig, fich die Plätze warm zu halten. Anders dürfte es um die Wähler bestellt sein. Die werden bald genug merken, daß nicht nur die „ nationalen Belange", von den Deutschnationalen meistbietend an die Entente verkauft werden, als ob fie in einer Erfüllungsregierung fäßen, sondern daß auch andere Belange, deren Wahrung mg im Wahlkampf so eifrig versprochen hat, jetzt glatt preisgegeben werden. Wie steht es z. B. mit der Aufwertung, Herr Wulle? Wie gefallen Ihnen da Ihre Freunde? Oder wie gefällt Ihnen das deutschnationale Steuerprogramm? Herr Hergt hat schon Recht, wenn er feinen Freunden gesteht, daß noch manche Enttäuschung die Folge der nationalen Regierungsbeteiligung fein wird. Endileges aut „ Die Länder sind aber der Ansicht, daß sie und ihre Gemeinden mit den bisherigen Beteiligungen nicht aus tommen fönnen, daß ihr Bedarf von der Reichsregierung über schätzt und die Einnahmemöglichkeiten, insbesondere aus der Geslowakei entscheiden. Wer etwas anderes glaubt, soll nicht von sich werbesteuer und der Hauszinssteuer, immer noch fiart überschäßt sind. Sie halten auch die weit verbreitete Anschauung. daß die Gemeinden im Ueberfluß lebten, zum mindesten in dieser Allgemeinheit für unrichtig. Der günstigen Lage ein: zefner, namentlich großer Städte, steht die große Zahl von namentlich start industriellen Gemeinden und von Gemeinden und von Rentnerstädten gegenüber, die mit den allergrößten finan ziellen Schwierigkeiten zu tämpfen haben. Für Preußen liegt der Grund für diese starken Unterschiede in den bisherigen unzu länglichen Berteilungsschlüsseln. Wenn diese Ver teilungsschlüssel auf eine beffere und gerechtere Grundlage gestellt werden, so wird der Aktivsaldo in einer sehr großen Anzahl notleidender Gemeinden mehr wie aufgehoben werden. Das Reich ist aber, wenigstens für das Jahr 1925, durchaus in der Lage, den Ländern mehr entgegenzukommen. Die hohen Steuereingange des Jahres 1924 eine Folge starter Steuerüberspannung sind gewiß zum Teil den Ländern zugute gefommen und haben es den Ländern überhaupt erst möglich gemacht, durchzukommen. Aber auch die dem Reich allein verbleibenden Steuern haben die Boranschläge überstiegen und dadurch dem Reiche die Mittel zu gewiß notwendigen außerplanmäßigen Ausgaben( siehe Ruhrmillionen) gegeben. Es ist nun zu beachten, daß durch die Steuerpläne des Reiches die Steuern, an denen die Länder und Gemeinden teilnehmen, mit Rüdficht auf die Steueranspannung herabgelegt, die Steuern, die dem Reiche perbleiben- vor allem bie indiretten Steuern er höht werden sollen. Bei folcher Regelung ist es für die Länder und Gemeinden unerträglich, menn außerdem noch ihre Anteile an den Ueberweisungssteuern herabgefeßt werden sollen. Dies würde eine für die Wirtschaft gefährliche Ueberspannung Der Realsteuern in Ländern und Gemeinden zur Folge haben." In diesen Einwendungen des preußischen Finanzministe riums ist der un soziale Charakter der Schliebenschen Steuerentwürfe genügend gekennzeichnet. Abbau der Be fizsteuern, Aufbau der Konsum steuern und Einschränkung der Lebensmöglichkeiten für die Gemeinden, diese unangenehmen Bellen des gemeinwirtschaftlichen Gedan kens, das ist das A und O der deutschnationalen Steuerpolitit. Es wird sich bald zeigen, ob die parlamentarische Basis der Luther- Regierung start genug ist, auch die Belastung auszu halten, die aus diesem Steuerprogramm sich für sie ergeben muß. Adenauer gegen den Finanzausgleich. Köln, 10. März( Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Stadtver ordnetenversammlung trat am Montag in die Etatberatung für 1925/26 ein. Die erste Lesung des Haushaltsplanes murde mit einer bemerkensmerten Rede des Kölner Oberbürgermeisters Dr. Ade= nauer, der bekanntlich auch Borsitzender des preußischen Staatsrates tft, eingeleitet. Mit großer Schärfe wandte sich Adenauer gegen die Finanzpolitif der Länder und des Reiches, die den Protest der Kommunen geradezu herausfordert. So sollen bis jegt von der Reichsregierung zur Frage des Finanzausgleichs zwischen Reich, Länder und Gemeinden und zur Frage der Ausgestaltung der Reichssteuer Gejeze vorgelegt worden sein, die die schärfste Kritit der Gemeinden herausfordern, weil diese Gesetzentwürfe den Geist der Städte feindlichte it atmeten und eine vollkommene Bertennung der Aufgaben der Gemeinden erkennen ließen. Als Charakteristikum für die Einstellung des Reiches gegenüber den Gemeinden mies Oberbürgermeister Adenauer darauf hin, daß die Reichsbetriebe, die früher den Kommunen erhebliche Steuereinnahmen brachten, der Besteuerung durch die Gemeinden entzogen wer den, während umgefehrt die Gemeinden zukünftig Körperschafts, Vermögens- und Umsatzsteuern zahlen müssen. Das Reich verlangt für seine Brannt meine Steuerfreiheit, will aber das Trint. wasser der Gemeinden besteuern. Würden die vorliegenden Gefeßentwürfe Annahme finden, dann werde sich wiederholen, was sich schon einmal gezeigt habe, die Gemeinden würden finanziell zujammenbrechen. Ebert- Ehrung. Verewigung des Beamtenabbaus. Kleinstadt in Berlin. Man findet Kleinstadt in Berlin, wenn man die Straßen emlang geht ohne Ziel, nichts denkt, nichts will. Eingebettet in das disharmonische Hupen der Autos, das grelle Läuten der Straßen bahn, den Lärm der Straße, liegt ein Stück davon, anheimelnd und doch zugleich traurig. Irgendein Schaufenster, das in fitschigen Plataten mit unbeholfener Schrift in unsere laute Zeit hineinrufen will und es doch nicht fann. Wie ein Schrei nach Rettung sind diese Schilder, der Ruf mit schon gebrochener Stimme. Und die Menschen, die vorüberhaften, sehen darauf, mit Bliden, als streiften fie die Raritäten vergangener Zeiten. Ueberall trifft man diese Läden, in allen Teilen der Großstadt. Ich stand wieder vor einem solchen Laden, in einer Straße, in der das Leben schneller als sonst jagte. Es war ein armes Schaufenster, arm, weil es so vielseitig war. Photographien, Wäsche, daneben hauswirtschaftliche Geräte, ein Schild mit zitternden Buchstaben, die mehr sagten als sie schrieben. Die Glocke flang blechern, als ich öffnete. Eine alte Frau- fragt nach meinen Wünschen. Wünsche ich etmas? Soll ich sagen, daß ich die vergangene Zeit bei ihr suche? Eine Nadel, mit bunten Steinen, wie man sie früher trug. Sie wickelt sie umständlich ein. Wenn Sie einmal Wäsche auszu beffern haben, ich mache es billig, auch Handarbeiten," sie holt ein Kissen, an dem sie arbeitet. Und wenn Sie fleine Reparaturen haben, mein Mann ist alt, er tann nicht mehr viel arbeiten, aber er bastelt gern." " " " Dann holt sie ein Album mit schlechten Photographien. Sie blättert mit zitternden Händen. Ich habe es erst noch spät gelernt. Manchmal tommt auch ein Auftrag ein." Und das Geschäft fonft?" Sie sah mich ergeben an. Es geht schlecht- aber man kann ja nie wissen. Vielleicht kommt es auch noch besser." Barum gab ich ihr die Hand, als ich ging? " Schon wieder ein Firmenzusammenbruch. Schiebunggen mit gegenseitigen Referenzen. Der fächsische Kommerzienrat Hans Guttowski, ein Junggefelle, der am Hohenzollerndamm 193/194 wohnt und Hauptinhaber von fünf Berliner Firmen ist, ist seit Dienstag voriger Woche unauffindbar. Er soll angeblich eine Schuldenlaft von 800 000 m. hinterlassen haben. Zugleich ist auch der Ingenieur Jurschewiz verschwunden. Gutkomsti, der seit 1919 Kommerzienrat mar. war Haupt alle drei Geschäftsräume Unter den Linden 50/51 haben, ferner inhaber der Gustav Rohleder u. Co. A.-G., der Gustav Rchleder u. Co offene Handelsgesellschaft und der Firma Wendt u. Co., die zweier Tochtergesellschaften, der Walco G. m. b. H. und der Wallowyer, die früher in der Wilhelmstraße ihren Siz hatten und tann ebenfalls nach den Linden verlegt wurden. Diese Firmen handelten mit Waren aller Art, Trifotagen und Wellwaren, Emaille und Aluminiumsachen usw., fauften fo erworbenen Waren veräußerten sie zum größten Teil nach Engmeistens gegen Schecs ein und erhielten auch größere Kredite. Die land weiter. Die Firmen gaben sich gegenseitig gute ReSchließlich blieb nur noch„ Wendt u. Co." übrig, und dieses Geferenzen, brachen aber eine nach der anderen zusammen. schäft wollte der Kommerzienrat an einen Ingenieur Jurschemiz aus der Nachodstraße 19 verkaufen. Die vielen Gläubiger, die Gutfowsti nicht befriedigen fonnte, vertröstete er zuletzt mit der Ausficht auf ein großes Geschäft in Ronftantinopel. Er fagte ihnen, baß er dorthin eine Sendung von Funtapparaten im Werte vont 24 000 engl. fund unterwegs habe. Natürlich wurde cus dieser Sache auch nichts. Nachdem so auch die legte Aussicht geschwunden mar, drängten die Gläubiger, vou denen einer allein 95000 Mart zu fordern hat, noch mehr und einige wandten sich auch an die Staatsanwaltschaft, weil sie fich für betrogen halten. Nun beschäftigt sich die Kriminalpolizet mit der Aufflärung der Angelegenheit. Die deutschnationalen Regierungsberatungen. Bie die Bo 3ig. mitteilt, hat der Reichsfinanzminister dem Reichstag den Gejezentmurf über Menderung der Berjonalabbauverordnung zukommen laffen. Der Plan der Regierung bedeutet eme schwere Enttäuschung aller an ihn gefnüpften Hoff. nungen. Er sieht nichts Geringeres vor als eine Berewigung des Beamtenabbaues zunächst bis zum 31. März 1926, aber mit der Maßgabe, daß der Zeitpunkt durch Gefeß hinausgefoften fönnen. Aber dann fam noch einmal Rälte, und jetzt ist erneut schoben werden kann. Die Milderungen find geringfügiger Natur; reichlich Schnee gefallen. Schadet nichts! Die allgewaltige Herrscherin Borfrühlingstage haben wir in diesem Jahre sehr frühzeitig wesentlich ist, daß die Abbauverwaltungen im einzelnen gesetz Mode befretiert heute bereits, was im Sommer getragen werden soll. lich bestimmt werden müssen. Der rigorose Gesetzentwurf ist bereits im Reichsrat und im Haushaltausschuß des Reichstages auf heftige Opposition gestoßen. Vor allem haben sich die Vertreter der Demotraten und der Sozialdemokraten aufs entschiedenste dagegen gewandt. Anders die Regierungsparteien, die sich unter Anerkennung der Fortdauer des Abbaues auf folgendes Kompromiß mit der Regierung geeinigt haben: 1. Der cllgemeine Personalabbau wird in sämtlichen Reichsverwaltungen eingestellt. Die Art. 3, 4 und 15§ 1 der PersonalAbbau- Berordnung dürfen, unbeschadet der Vorschrift des Abs. 3 und 4, nicht mehr angewendet werden.( Siehe aber die Bestimmungen zu 2 und 3.) 2. Soweit in einzelnen Verwaltungen oder Verwaltungszweigen, in denen der allgemeine Personalabbau wegen der zu bewältigenden laufenden Aufgaben noch nicht abgeschloffen werden fonnte, wegen der in absehbarer Zeit eintretenden erheblichen Verminderung der Aufgaben eine weitere Berringerung des Personalstandes erforderlich wird, ist diese in erster Reihe durch Nichtbesehung freiwerdender Planstellen zu bewirken. " 3. Läßt fich die im Rahmen des sachlichen Bedürfnisses liegende Personalverminderung auf Grund der Vorschrift des Abs. 2 und durch Ueberführung von Beamten in andere Reichsbehörden nicht erreichen, so tann ein weiterer Personalabbau in denjenigen Berwaltungen oder Berwaltungszweigen eintreten, deren Aufgaken von vornherein fünftig megfallend waren oder bei denen infolge organisatorischer Neuerungen eine größere Anzahl beamteter Kräfte entbehrlich wird; zur Durch führung dieses weiteren Personalabbaues bleibt auch für die Zeit nach dem Infrafttreten dieses Gesetzes die Anwendung der Art. 3, 4 und 15§ 1 der Personalabbauverordnung nur zulässig, soweit diese Berwaltungen oder Verwaltungszweige durch ein besonderes, bis zum 31. März 1926 zu erfassendes Gesetz zu Abbauverwaltungen erklärt werden. 4. Abs. 1 bis 3 gelten auch für die Reichsbank mit der Maßgabe, daß bei dieser an die Stelle des im Abs. 3 vorgesehenen besonderen Gesetzes ein Beschluß des Reichsbankdirektoriums tritt." Diese Leistung" der deutschnationalen Regierung fügt sich würdig in die Reihe ihrer bisherigen Maßnahmen ein. Bereits hat der Abbau- Schlieben eine Verlängerung der Bc= Köln, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Rölner Stadtver förderungssperre bis zum 31. März 1926 angekündigt. ordnetenversammlung stimmte am Montag abend gegen die Rommunisten einem sozialdemokratischen Antrag zu, der fordert, des Besoldungssperrgefeges energisch sträubt. Die AufWeiter weiß man, daß Herr v. Schlieben sich gegen die Aufhebung daß eine Straße oder ein Plaz nach dem verstorbenen Reichswertung bezeichnet er als ein politisches Berhängnis" Die Auf präsidenten benannt werde. und die Deutschnationalen, die in der Wahlbewegung das Blaue vom Himmel heruntergelogen und versprochen haben, sehen selbstver ständlich in diesem Berhalten die Erfüllung aller ihrer wahren Träume. Nue wird diese Erfüllung ihnen noch einmal sehr teuer zu stehen kommen. Deutschlands neuer Boffchafter in Nordamerika, Frhr. von Malgan, erklärte bei seiner Ankunft in New York, es sei seine vornehmste Pflicht dazu beizutragen, die reibungslose Ausführung des Dames Planes zu sichern. Die Ankunft gab Anlaß zu einer großen deutsch- amerikanischen Rundgebung. Fürst Lwoff gestorben. In Paris ist Fürft Georg Swoff. In Paris ist Fürft Georg woff, ber erste Ministerpräsident der ruffischen demokratischen Republil bom März 1917, am Herzschlag gestorben. Saarländische Sozialdemokraten beim Völkerbund. Außer Rommerzienrat Röchling und Rechtsanwalt Levacher find als Vertreter des Saargebiets in Genf diesmal auch zwei soziale demo fratische Vertreter angekommen. Modeschmerzen. Gestern saß in der ersten Etage bei S. Adam, Friedrich- Ecke Leipziger Straße, eine große Anzahl sehr elegant gefleideter Frauen. Sie ließen sich von Mannequins, die zierlich über die kostbaren Teppiche trippelten, die neuesten Schöpfungen der Mode vorführen: Kleider, Kostüme, Mäntel, Hüte und Schirme. Man erblickte Kostüme mit eigenartig eingedruckten oder wohl auch aufgefärbten Bildern und Bilderchen, man sah Kleider und Kostüme aus allen, vornehmlich aber aus helleuchtenden Stoffen mit auffallendem Futter. Sehr häufig fehrte bei diesen Kostümen ein sehr breites seidenes Tuch wieder, das um den Hals aeschlungen und elegant vertnotet wird. Es ist so etwas wie eine Wiederkehr der 2 paentücher, nur daß sie heute in den Farben noch bunter und greller find. Sehr eigenartig waren eine Anzahl der vorgeführten Mäntel. Auf den ersten Blick schaute es so aus, als ob diese merkwürdigen Dinger das übrigens fast immer helleuchtende Futter nicht hinten im Rücken und an den Seiten hätten, sondern vorn herunter. Aber das war eine Täuschung. Was man als Ungeübter und nicht Sachverständiger für Futter hielt, bedeutete das Kleid. Diese Mäntel sind nämlich Mantel und Kleid in eins gearbeitet. Die Hüte sind meist flein und aus buntem geflochtenen Stroh. Sie werden nach wie vor tief in das Geficht gezogen, so daß von Stirn und Augen faum etwas zu sehen ist. Ein Kapite! für sich bildeten die Abendmäntel, die vorgeführt wurden. Man muß wohl annehmen, daß der diesjährige Sommer sehr fühl sein wird, denn es wurden sehr viele Pelze aus Nerz, Breitschwanz und Hermelin gezeigt. Und die Preise? Mein Gott, was fümmert das die Mode und die elegante Dame! Man tann schon für 300 Mart ein Kostüm erstehen; es gibt natürlich auch bessere" und teuere für 400, 600 und 800 Marf. Und was die Pelze foften? Darüber wollen wir an dieser Stelle lieber schweigen. Die höhere Waldschule der Stadt Charlottenburg, im Grune wald an der Heerstraße gelegen, nimmt zu Ostern noch Knaben und Mädchen für die Klassen Serta bis Untertertia auf. Die Kinder bleiben( außer Sonnabends) bis 17 Uhr abends im Walde und erhalten die Mahlzeiten Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an Studienrat Krause, Höhere Waldschuie Charlottenburg. Post Grunewald, Telephon Wilhelm 9455, später Westend 3455. ünstler Marionetten- Theater bat jest fein Domizil im Lebende Puppen" im Osten Berlins. Das allgemein beliebte Dresdner Berliner Dften aufgeschlagen. Alltäglich finden in der Schulaula ange Straße 31, nachm. 5 Uhr, Märchenvorführungen für die Kinder des Bezirks flatt. Der Eintritt beträgt nur 25 Pf. Für heute, Dienstag, abends 1,8 Uhr, ist für Jugendliche und Erwachsene eine Aufführung des ur Fauft festgelegt, deren Besuch außerordentlich empfehlenswert sein dürfte. Der Preis für Erwachsene beträg 50 Pf., für Kinder 30 Pf. Dreizehn Tote beim Reinsdorfer Unglüd. Nach amtlicher Festftellung find bei dem Explosionsunglüd in Reinsdorf dreizehn Personen umgekommen. Von einem Vermißten wird als zweifellos angenommen, daß er ebenfalls den Tod dabei gefunden hat. Am Sonntag nachmittag werden die aus der näheren Umgebung Stammenden in ihren Heimatorten beerdigt. Am Montag nachmittag fand die Bestattung der in der weiteren Umgebung Wohnhaften statt. Die gesamte Arbeiterschaft der Reins dorfer Sprengstoffwerte ließ am Montag die Arbeit ruhen. Deutschlands erstes Großverkehrsflugzeug freigegeben. Der neue Großtyp des Junters- Ganz- Metall- Berkehrsflugzeugs zur Beförde rung von 10 Passagieren ist von der Garantiefommission der Entente freigegeben worden. Es wird nach der Erledigung der innerdeutfchen Formalitäten den Dienst auf den deutschen Luftlinien aufnehmen. Cuftverbindung Dresden- Oslo. Die Sächsische LuftverkehrsA. G. teilt durch die Telegraphen- Union mit, daß der flugplan mäßige Berlebt auch auf der Etrede Dresden- Berlin stattfindet und zwar im Zusammenhang mit der Strede Berlin- Chriftiania, fodaß eine dirette Verbindung Dresden- Christiania geichaffen wird. Man scheint weder in der Sächsischen Luftverkehrs- A.- G. noch in der 1. zu wissen, daß es ein Christiania night mebr gibt, sondern nur noch ein Oslo. Ein phantafisches Menichenichicfal. Nils Fischer, der Sohn eines reichen schwedtichen Großlaufmanns, der seit drei Monaten bermißt wird, wurde in einem billigen Logierhause in der Bowery in New York in geistesgestörtem Zustande aufgefunden. Todesurteil gegen einen Eisenbahnattentäter. Das Schwur gericht in Schneidemühl beschäftigte sich mit dem furchtbaren Gifenbabnunglüd vom 20. Januar 1920 zwischen Stoewen und Kieferngrund der Strede Berlin- Soneidemühl, dem damale 18 Menichenleben und zwei Verletzte zum Opfer fielen. Der Hauptschuldige an dem Eisenbahnanschlag. Berleberg, war zum Lode verurteilt und im August 1920 bingerichtet worden. Zwei feiner Stomplicen waren entfloben. Einer davon, ein 31jähriger polnischer Arbeiter namens Jasielti, fonnte nachher ers mittelt und festgenommen werden. Der Genannte wurde jetzt zum Tode verurteilt. Obdach'ole Polen in Straßburg. Wie dem Parifer Journal" aus Straßburg berichtet wird, bat die dortice Polizei Streifen unternommen, um obdachlose Fremde festzustellen. Es feien 200 Perionen inner balb bier Tagen festgenommen worden, von denen die meisten Polen find. Sämtliche obdachlose Ausländer sind ausgewiefen worden. Sport. 14. Berliner Sechstagerennen. Debaets- Thollembeek rüden in die Spihengruppe auf. Madden, der mie bereits mitgeteilt, jetzt mit Saldom fährt, unternimmt um 11 Uhr einen Borstoß, der aber feinen Erfolg bringt! Perinn und Lorenz fagen hinterher. Der Partner Lorenz Galle trampelt tüchtig weiter. Abermals naht Lorenz, der wie bei der gestrizen 10- Uhr- Abendwertung geradezu fabelhaft fährt. Eine Runde wird dadurch gewramen, de leider wieder bei einem Borstoß der Mannschaft van Kempen- Bauer und Bersyn Berschelden flöten geht. Auch die gute Mannschaft Hahn- Tieh hat zu fämpfen, um beim Felde zu bleiben. Nach der Jagd werden die Namen der Opfer befannt: Münzner- Gottfried haben eine und Stellbrin- Techmer zwei weitere Runden verloren. In der Bet von 12 bis 2 Uhr versucht Madden zweimal auszureißen. Der Erfolg gleichnull! Als die 2- Uhr- Nachtwertung naht, find 2681,960 Kilometer abgedeckt. Die Spurts bringen folgendes Ergebnis: 1. Spurt: 1. Stellbring. 2. Persyn, 3. Oliveri, 4. Gottfried. 2. Spurt: 1. van Kempen, 2. Verschelden, 3. Tieß, 4. Zonani. 3. Spurt: 1. Hahn, 2. Galbow, 3. Persyn, 4. Baucr. 4. Spurt: 1. van Kempen, 2. Verschelden, 3. Tie, 4. Lonani. 5. Spurt: 1. Hahn, 2. Gottfried, 3. Persyn, 4. Bauer. 6. Spurt: 1. van Kempen, 2. Tieß, 3. Bershelden, 4. Lonani. Die dritte Morgenstunde bringt einen Borstoß Maddens. Lorenz Bolle, Weber- Aruptat und Debaets- Thollembeef paffen gut auf. Die Belgier rüden immer mehr auf und gewinnen zusehends an Bod. Einige Fahrer versuchen die Ausreißer einzuholen haben aber Benig Glud. Endlich gelingt es van Rempen- Bauer, das Feld wie. der zusammenzuschließen. Der Rennausschuß g'bt einen gerecht fertigten Beschluß bekannt: Die Mannschaft Debaets- Thollembeef tückt infolge der schlechten Ablösung aller übrigen Paare in die Spigengruppe auf! Münzner- Gottfried haben weitere drei und Stellbrint- Techmer weitere zwei Runden verloren! Der Stand des Rennens ist nun folgender: 1. Berinn.Ber. felden 126 Punkte, 2. Hahn- Tieg 113 Buntte, 3 Debaets, Thollem beet 47 Buntte. Eine Runde zurüd: 4. van Kempen Bauer 151 Buntte. 5. Oliveri- Tenani 100 Buntte. 3 wei Run den zurüd: 6. Lorenz- Golle 59 Punkte, 7. Madden- Saldom 53 Bunke, 8. Weber- Kruptat 30 Buntte. Sieben Runden zurüd: 9. Münzner- Gottfried 48 Punkte, 10. Stellbrint- Lechmer 35 Punkte. Groß- Berliner Parteinachrichten. 74. Abt. Ze lendorf. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, bei midten Mitgliederverfammlung. Wegen außerordentlich wichtiner Besprechung Anwesenheit aller Funttionäre und Mitglieder unbedingt notwendig. Die Eisenbahner vor der Entscheidung. Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 9. März.( Eigener Drahtbericht.) Eine Kon. ferenz, die von 36 Ortsgruppenvertretern des DEB. und der RG. gemeinschaftlich am 8. März in Frankfurt a. M. besucht war, nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Den Berhandlungsleitern der Organisation spricht die Konfe. Sie haben in lebereinstimmung renz das vollste Bertrauen aus. der Massen im Lande seit dem 13. Januar mit äußerster An= strengung und Entgegenfommen versucht, die Reichsbahnverwaltung zu bewegen, wenigstens die Einkommen der unteren und mittleren Gehalts und Lohnempfänger zu erhöhen. Eine Verwaltung, die bei jeber Gehalts- und Lohnbewegung erflärt, teine Mittel zu haben, aber trojdem in der Lage ist, 70 Millionen für besonders Tüchtige" als Rorruptionszulage auszugeben, darf sich nicht wundern, wenn die Maffe zu diesen Ausführungen fein Bertrauen bat. Einer solchen Verwaltung sagen die Konferenzpertreter im Auftrage der von ihnen vertretenen Mitglieder den fcharfften& ampf an. Die Eisenbahner der Reichsbahndirektion Stettin. fonferenz des DEB. der Reichsbahndirektion Stettin wurde vorgestern Steffin, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) In der Vertreter. einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt: ,, st die Verwaltung nicht bereit, freiwillig zu geben, was wir zum Leben gebrauchen, so muß es im Wege des Kampfes mu allen gewerkschaftlichen Mitteln erzwungen werden. Die Eisen bahner stehen fest hinter den Führern ihrer Organisationen, sie sind fich der Schwere des Rampfes bewußt und dennoch zum Kampfe bereit und entschlossen. Bon unseren Beamtenkollegen erwarten wir, ungeachtet ihrer verschiedenen Organisationszugehörig feit, daß sie den fämpferpen Kollegen weitgehendste mora lische und praktische Unterstüßung gewähren. gleichen Appell zur weitgehendsten moralischen und materiellen Solibarität richten wir an die Arbeitnehmerschaft der gesamten Privatbetriebe. llafer Kompf ist auch euer Kampf!" Im Westen. Elberfeld, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Die tariffchließen. den Eisenbahnerverbände veröffentlichen folgenden gemeinsamen Aufruf: De Bezirksleitungen der vertragsschließenden Organisationen des Eisenbahnperfonais im Reichsbahnbirektionsbeziri Elberfeld nahmen in einer gemeinsamen Sigung Stellung zu der durch Ablehnung ihrer Forderungen gefchaffenen Loge. Sie haben alle Borbereitungen getroffen und warten die Beschlüsse der bevorstehenden Beratungen der Zentralleitungen der unterzeichneten Organisationen ab. Diese Beschlüsse werden ohne weiteres durchge führt werden. Die bevorstehenden Beschlüsse werden auf das Wirtschaftsleben nicht ohne schwere Folgen sein. Die Berantwortung hierfür trägt de Reichsbahn- hauptverwaltung, weiche durch ihr Borgehen bei den Berhandlungen die Lage unnötig verschärft hat. Damit ist die Einheitsfront in dem Direktionsbezirk Elberfeld hergestellt. Die Haltung der Besatzungsbehörden. die Arbeitseinstellung auch der Reichsbahnbeamten zum Erliegen tommt. Die Deffentlichkeit wird sehr bald in der Lage sein, fest zustellen, daß die Pressestelle der Reichsbahndirektion Dresden aus bestimmten Gründen über die allgemeine Streitlage bewußt die Inmahrheit Derbreitet, denn es wird nach den bisherigen Erfahrungen faum damit zu rechnen sein, daß die Reichsbahnhaupt verwaltung noch einlenkt und die deutsche Wirtschaft vor einem unermeßlichen Schaden bewahrt bleibt. Im gesamten Bezirk Sachsen ist die Zahl der Streifenden bereits auf über 11 000 gestiegen und die Dresdener Einwohner tonnten sich heute dapon überzeugen, daß gut 2500 Streifende allein in Dresden gezählt werden. Diefe haben heute vormittag in mustergültiger Ordnung vor dem Gebäude der Reichsbahndirektion Dresden für die Aufbesserung ihrer Hungerlöhne demonstriert. Die Landeszentralstreifleitung würde es ernstlich im Interesse der gesamten sächsischen Wirtschaft begrüßen, wenn die verantwortlichen Berliner Stellen noch recht3eitig genug zur Einsicht gelangen würden, denn wir werden andererseits den streng gemerfschaftlich geführten Kampf der sächsischen Eisenbahner auch mit aller Schärfe führen und dabei auch keinesfalls über die allbefannten Spigfindigkeiten gemisfer Juristen des Beamtenrechts stolpern Aus Württemberg. Stuttgart, 9. März.( Eigener Drahtbericht.) In Württemberg ist es trotz aller Erregung unter den Eisenbahnern bisher noch nicht zu Arbeitsniederlegungen gekommen. Dagegen fehlt es nicht an Provokationen durch die leitenden Stellen der Eisenbahnverwaltung. Am Tage der Beisegung Eberts verhinderte der Werkstättenvorstand in Cannstatt einen Anschlag der SPD. Arbeiter, der zur Arbeitsruhe während der Beisetzung des Reichspräsidenten aufforderte. Er lehnte den Anschlag mit der Drohung ab, daß die Urheber entlassen würden. Es ist bezeichnend, daß er dabei die Unterstützung des tommunistischen Betriebsratsvorsitzenden fand. In dem der Reichsbahn gehörigen Schotterwerf Erdmannshausen ist die ganze Belegschaft von 65 Mann entlassen worden, weil sie sich einmütig weigerten, neun Stunden zu arbeiten. Die Tariffämpfe in der Metallindustrie. Eine Berfammlung der organisierten Transportarbeiter aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller nahm Sonntags Stellung zum bevorstehenden Ablauf des Lohnabkommens Nach einem einleitenden Referat von From fe und noch eingehender Aussprache beschloß die Versammlung einstimmig, das Lohnabtommen zum 31. März zu fündigen. Die Versammlung hat damit den Beschluß der Funktionärfonferenz vom Donnerstag sanktioniert. Bom Münchener Brauerstreik. München, 9. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Münchener Braueretarbeiter haben nunmehr gegen eine starke Minderheit dem Schiedsspruch des Landesichlichtere zugestimmt. Der Schiedsipruch Effen, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Entgegen den alar gilt für ganz Bayern. Der Kampf im Münchener Brauereigewerbe merenden Meldungen über die Haltung der Besatzungsbehörden bei gest solange weiter, bis die Brauereien ihre Ausiperrungsanordnung einem eventi. Eisenbahnerstreit wird von gewerkschaftlicher Se te feft- zurückgenommen haben. In den Brauereien außerhalb Münchens gestellt, daß die Besaßung alle Vorbereitung getroffen hat, um für batter fich die Unternehmer rechtzeitig zu einer provisorischen den Fall eines allgemeinen Streits von sich aus einen Not Regelung bereit gefunden. betrieb mit gut bezahltem Berjonal au organisieren. Offizielle Berhandlungen zwischen Eisenbahnervertretern und Beauftragten der Befagungsbehörden über ein event Schlichtungsangebot ber Befagung haben bisher nicht stattgefunden. Reichsbahndirektion Dresden. Dresden, 9. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Bezirksleitung des DEB. teilt mit: Aus den fortwährend bei uns einlaufenden telephonischen Mitteilungen der örtlichen Streifleitungen geht her. Dor, daß der Ausstand der Arbeiter und Hilfsbeamten im gesamten Reichsbahndirektionsbezirk Dresden nunmehr inzwischen fest organisiert worden und die Stimmung der Streifenden sehr gui ift. In 3 widau, der einzigen größeren Station im Bezirt, we bisher noch nicht gestreift wurde, haben heute vormittag die Arbeit niebergelegt. Ein bestimmter Teil der Breffe betont Arbeiter und Hilfsbeamten ebenfalls geschlossen die in den Streifberichten fortgefeßt, daß die Eisenbahnbeamten nicht mit ihren streitenden Kollegen im Arbeiterverhältnis sympathisieren. Derartige Falschmeldungen werden von der Reichsbahn hauptverwaltung aus leicht begreiflichen Gründen in der Tagespresse verbreitet. Bon der Pressestelle der Reichsbahndirektion Dresden wird mit großer Entschiedenheit betont, daß bisher nicht ein einziger Beamter im Bezirk Sachsen am Streit beteiligt sei, obwohl der Reichsbahndirellion Dresden bekannt ist, daß die Landeszentral streifleitung für Sachsen bisher nur die ohnempfänger zum Streif aufgerufen hdt. Man will also der Deffentlichkeit durch folche irreführende meldungen sagen, daß die Beamten nicht mit den Streifenden sympathisieren. Im Reichsbahndirektionsbezirk Dresden liegen aber die Organisationsverhältnisse der Reichsbahnbeamten so, daß rund 12 000 davon allein im Deutschen Eisen 111. Abt. Bohnsdorf. 8 Uhr, bei Heimann, Woltersdorfer Str., Bahlabend. bahner- Berband organisiert sind und im übrigen die Landesstelle 140. Abt. Borsigwalde. Der Bahlabend findet nicht bei Sender, fonbern bei Sachsen der Reichsgewertschaft Deutscher Eisenbahnbeamten und Bottichach, Ernftftr. 1, statt. Anwärter mit dem Deutschen Eisenbahner- Berband in jeder Beziehung einheitlich vorgeht. Auch die Gauleitung Sachsen der chriftlich nationalen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner hat bereits in einer Pressemeldung zum Ausdruck gebracht, daß die Reichsbahnhauptverwaltung die Berantwortung dafür zu tragen hat, wenn der gesamte Eisenbahnverkehr im Bezirk Sachsen durch Mornen Mittwoch, den 11. März: 12. Abt. 7, Uhr Abteilungsversammlung bei Schmidt. Wicleffite. 17 56. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr Rahlabende: 1. Gruppe bei Biersch. Rantfr 62. Die Bezirksführer laden ein Bericht von der Borständefon'eren. Die Funttionäre haben einzulaben. 2. Gruppe het Jatoniat. Holzendorffitr. 20. Bericht von der Vorständekonferenz. 97. Abt. Reukölln. 7 Uhr Rahlabende: 79.. 89. und 92 Bezirk bei Rukti, Leine ſtraße 1. 90 und 91 Berirt bei Fischer, Wartheftr 67. 104-106. Bezirt bei Krüger, Emfer. Ede Neißeltr Tagesordnung Die politische Sage und die Reichspräsidentenwahl Referenten Regge und Gerstenberger. Jugendveranstaltungen. Jungfozialisten. Gruppe Süben. Beute Dienstag 8 Uhr Gruppenabend. Dis. fuffion über das Görliger Programm" Jungfozialisten und Bübungsausschus lichtenberg. Heute abend 7 Uhr in der Bibliothet. Weichselstr. 28, 6 Rurfusabend Moderne Probleme des Cozialismus" A. Beheim- Schwarzbachs Derliner ElektrikerKaufmännische Privatzirkel Bergenossenschaft ( Inh. F. Eggert) Neukölln. Anmeldung. Ganghoferstr. 1 ingeschi, dem Verb. sozialer Baubetriebe und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Beginn neuer Jahres- und Jahres lehrgän e Fernspr.: Neukö.In 1063 1000 Strickwesten Sport acken etc al er Art.. Bleyle's Kinder- Kleidung zu Originalpreisen. 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Der Scieds. spruch des Landesschlichters im bayerischen Braugewerbe wurde vom Brauerbund, alio den Unternehmern, abgelehnt. Daraufhin bat die Organisation der Brauereiarbeiter bei dem Sozialministerium die Verbindlichteitserllärung des Schiedsspruces beantragt. Die Verhandlungen darüber finden Dienstag nachmittag statt. " Ausdehnung des Tepefchenbotenstreits in Frankreich. Paris, 9. März.( WTB.) Der Streif der Telegraphisten hat fich, wie Paris- Soir" mitteilt, sogar auf einige Provinzstädte pie Lyon, Valenciennes, Dran und Algier ausgedehnt. Die Telegraphisten nicht eher aufnehmen werden, bis sie die Teuerungszulage von bestehen auf ihren Forderungen und erklären, daß sie die Arbeit 250 Frank erhalten haben. der Buchbinder und Papierverarbeiter wird uns mitgeteilt, daß es Kein Streit der Berliner Briefumschlagbranche. Bom Berband sich bei der in unserem heutigen Morgenblatt erwähnten Bewegung geführte Bewegung handelt. Für die fre gewerkschaftlich organifier. um eine wilde, von der kommunistischen Sonderorganisation ten Arbeiter und Arbeiterinnen der Briefumschlagbranche besteht ein rechtsgültiger Tarifvertrag. Große öffentliche Protesttundgebung der Beamten gegen bie Berschleppung ber ihnen wirderholt zunefagten Gehaltsaufbefferung für die unteren und mittleren Befoldungsgruppen. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund, Ortsausschus Berlin, ruft die Beamten der unteren und mittleren Besoldungsgruppen zu einer großen öffentlichen Beamtenprotesttundgebung am Donnerstag, abends 8 Uhr, in den Broteftfundgebung fernbleibt. Reichstag uub Reich regierung haben wiederholt Sophiensälen, Gophienstraße, auf. Er erwartet, daß fein bienftfreier Beamter ber den Beamten für die nächste Zeit eine Gehaltsaufbeiferung versprochen. Die Berhandlungen baruber wurden dauernd verschleppt. Es fit deshalb begreiflich, wenn fich insbefondere angesichts des Eisenbahnerstreits der Beamtenschaft eine große Unruhe bemächtigt Berantwortlich für Politik: Craft Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstabt; Anzeigen: Th. Glode; familia in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet und Berlaasan italt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstraße 3. Wer Möbel kaufen will, muß unser neues Zahlungs- System kennen! Fragen Sie uns und wir sagen Ihnen den Weg, der für Ihren Fall und Ihre Verhältnisse der beste ist. Kommen Sie mit Vertrauen zu uns, denn wir wissen, daß wir Sie gut beraten und noch besser bedienen müssen, damit Sie uns bei Ihren Freunden empfehlen. Was uns betrifft I wir haben auch Vertrauen zu Ihnen, denn wir liefern Ihnen unsere Möbel auf Wunsch sofort und geben Ihnen Zeit zum Bezahlen. Willstädt& Co. am WannseeBahnhof Berlinicke-, Edie Albrechtstraße Steglitz H. BALUSCHEK Großstadtgeschichten Soeben erschienen. Mit Bildern von ihm selbst. In Ganzleinen gebunden 1,60 Mark. Zu haben: Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2