Abendausgabe Nr. 11942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 59 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlia Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoch 11. März 1925 Berlag und Angetgenabtetiune: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Friedrich Eberts letzte Feststellungen. Verlesung seiner nachgelassenen Niederschrift im Magdeburger Prozeß. F. Kl. Magdeburg, 11. März.( Eigener Drahtbericht.)| betone ich nochmals mit größter Bestimmtheit, daß ich nach meiner Friedrich Ebert, das Opfer nationalistischer Verleumdungs- ganzen persönlichen und politischen Einstellung während des ganzen fucht, ist tot. Aber trotzdem beherrschte er heute die Gerichts- rieges auf dem Boden der Lundesverteidigung gestanden und in verhandlung in Magdeburg. Der Vorsitzende verlas heute schließt ihren zweifel über mein Brhalten während des Januar. dejem Sinne gehandelt habe. Diese meine grundsätzliche Einstellung eine Reihe von Reden, die Ebert während des streites aus. Ich lege noch einen Zeitungsbericht über Krieges im Reichstag und anderweitig gehalten hat. eine Rede vor, die ich im Januar 1917 in Berlin im LehrerverSie lie erten eine Rette von Belegen dafür, daß Eberts Hal einshaus am Alexanderplatz gehalten habe. Ich habe damals über tung zur Landesverteidigung nie geschwankt hat. Dann aber die Einstellung der Sozialdemokratie zur Landesfam Ebertslegte 3eugen aussage. Er hat sie dem verteidigung gefagt: Cericht nicht mehr selbst vortragen tönnen, sondern sie schriftlich dittiert, in seinem Schreibtisch lagern lassen müssen, bis der Tod ihn hinwegraffte. Diese Aufzeichnungen wurden als solche durch Ministerialrat Doehle aus dem Bureau des Reichsprä denten vor dem Gericht aftenfundig gr macht. Sie sind eine ruhige und überlegene Abwehr der auf Grund tommunistischer und nationalisti scher Zeugenaussagen vor dem Schöffengericht konstruierten Linklage des Landesverrats. General Gröner, der frühere Chef des Kriegsamtes und fpätere Generalquariiermeister, legte wie im ersten Prozeß auch heute wieder Zeugnis ab für die Reinheit der Gesinnung und die Unbeirrbarkeit der Ueberzeugung Elerts in bezug auf die Landesverteidigung und Genosse David, einer der engsten Mitarbeiter Eberts während der ganzen Kriegszeit. schilderte in chronologischer Darstellung dem Gericht die Geschichte der Stellung der Sozialdemetratie zur Landesverteidigung. B. S. Magdeburg, den 11. März Zu Beginn des heutigen Berhandlungstages wurden noch ein zelne Reden des damaligen Reichstagsabgeordneten Ebert im Haupt auss huß und im Plenum des Reichstages verlesen. Diese Ber Telungen sind notwendig, da bekanntlich die Gesamteinstellung bes verstorbenen Reichspräsidenten gewürdigt werden soll. Dann begann die erste Beugenvernehmung. Zu heute sind die Minister a. D. Gröner und Dr. David sowie Ministerialrat Dr. Döhle und der Abgeordnete Furtenbacher geladen und zuerst wurde Dr. Döhle gehört. Vorf.: Am 14. Februar follte der Reichspräsident gerichtlich bernommen werden, doch mußte wegen seiner Ertrantung die Vernehmung verschoben werden. Zu dieser Bernehmung hat sich der Reichspräsident offenbar vorbereitet. Zenge: Das ist nicht ganz richtig, da der Reichspräsident nicht mit Rüdsicht auf die Krankheit, sondern auf die Bertagung des Brozeffs eine fpätere Vernehmung erbeten hatte. Die schwerste Arbeit im Reichspräsidentenbureau sei die der Beleidigungsflagen gewesen und ich fann erklären, daß der verstorbene Reichs. präsident sich nur mit den wichtigsten Fällen von Beleidigungen befaßt hat. Der Rothardt- Prozeß mar der 143. Beleidigungs. prozeß. Als das Urteil der ersten Instanz vorlag, war der Herr Reichspräsident außerordentlich empört, da vieles, feiner Ansicht nach. gan falich und einseitig dargestellt worden sei. Bier Punkte beschäftigten ihn besonders, erstens, daß der Reichspräsident durch seinen Eintritt in die Streifleitung der Wehrmacht einen Schaden zugefügt habe. Borf.:( unterbrechend): Herr Ministerialrat, ein Plädoyer über bas Urteil tann ich nicht zulaffen". Jeuge: Die Schlußfolgerung, daß der Herr Reichspräsident burch seinen Eintritt in die Streitleitung der Wehrmadyt einen Schaden zugefügt hat, wurde vom Herrn Reichspräsidenten stets als unlogisch bezeichnet und er war über die Schlußfolgerungen, die daraus gezogen waren, ganz besonders empöri. Der Herr Reichs präsident, der fast täglich beim Vortrag über den Magdeburger Prozeß sprach, erklärte wiederholt, es jei volltommen aus. gefchloffen, daß er bei der bekannten Zusammenkunft Eer Strettleitung in Treptow zugegen gewesen sei, in ber das Flugblatt beschlossen wurde, das zum Ausharren im Streit aufforderte. Der Herr Reichspräsident hat stets sehr logisch und tlar gedacht und mit eisernem Willen hielt er an seiner Erfenntnis fest. Deshalb ichien es ihm auch immer wieder unglaublich, taß er an jener Sigung teilgenommen, oder, daß er in Treptow die Arbeiter zum weiterstreifen aufgefordert haben follte. Noch am Tage vor seiner Operation hat er mir ausdrücklich erflärt, daß er niemals die Rüftungsarbeiter zum Ausharren im Streit aufgefordert habe. Der Zweck seiner Rede sei gerade gewesen, die Streifluft zu dämpfen und so die Beilegung des Streits vorzubereiten. Ich habe mir von den Aeußerungen des Herrn Reichspräsidenten ftets Notizen gemacht und habe dann später einen ersten Entwurf engefertigt, der mit dem Herrn Reichspräsidenten mit Randbemertungen versehen und der auch von den Vertretern des Herrn Reichspräsidenten, den Rechtsanwälten Wolfgang Heine und Dr. Landsberg durchgesehen wurde. Dieses Schriftstück wollte der Herr Reichspräsident nach seiner Aussage am 14. Februar dem Gericht überreichen." Borf.: Auf diese Weise ist wohl auch die erste Aussage des Herrn Herrn Reichspräsidenten zustande gekommen? Jeuge: Jawohl. Die Aussage Friedrich Eberts. Ministerialrat Dr. Döhle überreichte dann dem Gericht das Detument und der Borsigende verlas die schr ausführliche Darstel Lung des Reichspräsidenten die folgenden Wortlaut hat: Ich beziehe mich auf meine Aussagen in erster Instanz, und tente die Aufmertfamteit des Gerichts ferner auf meine und ber anderen Zeugenaussagen in dem Beleidigungsprozeß Gansfer Abschriften der letteren überreiche ich hiermit. Gegenüber den Musführungen des erffinflanzlichen Ustetis „ Wir Sozialdemokraten werden auch fünftig zu der Politik stehen, die wir in unserer Erklärung vom 4. August 1914 befundet haben. Wir stehen zur Verteidigung unseres Landes, bis die Sicherung desselben erreicht ist, und die Gegner zum Frieden bereit sind. Darin lassen wir uns nicht beirren, denn so furchtbar der Krieg ist, noch furchtbarer ist eine Niederlage." Was den Januarstreit 1918 anlangt, so erkläre ich noch mals, daß ich mit meinem ganzen Wollen gegen ihn war und mit feinen Ausbruch nicht das geringste zu tun hatte. Daß ich einzelne Forderungen der Streifenden für berechtigt hielt, beweist nicht, daß ich auch den Streif für fic billigte. Das Gegenteil war der Fail und folgt, wie ich nochmals wiederhole, aus der Tatsache, daß ich und folgt, wie ich nochmals wiederhole, aus der Tatsache, daß ich grundfählicher Gegner von Streits der Rüstungsindustrie im Kriege war. Berechtigte Forderungen der Arbeiter sollten auf dem Wege der Verhandlungen und des Schlichtungsverfah rens und, wenn nötig, durch Anrufung der zuständigen Regierungsstellen zweds Intervention verfolgt werden. Ich weise hierbei auf das Hilfsdienst geseg vom 5. Dezember 1916 hin, daß gerade für die Betriebe der Kriegsindustrie ein besonderes Schlichtungsverfahren eingeführt hat, das Störungen der Betriebe im Falle von Streitigkeiten über die Arbeitsbedingungen vorbeugen sollte. An dem Zustandekommen diefes Gejeges habe ich hervorragend mitgewirtt. Da der Streit ohne mein oder meiner Partei Butun ausge brochen war, widerstrebte mir zunächst jede Einmischung. Erst die dringlichen Vorstellungen von zahlreichen unserer Pariei mitglieder aus den verschiedensten Betrieben gegen Mittag stand eine ganze Bersammlung solcher Delegierter vor uns, deren Wort führer erklärten, die Leitung des Streifs dürfe gerade im Inter effe der Landesverteidigung nicht den radikalen Ele menten überlassen werten, brachten den Parteivorstand und mich zu der Erkenntnis, daß das Interesse der Landesper teidigung unseren Zutritt zum Streifausschuß zu dem Zwecke erforderte, den Streit möglichst schnell auf dem Verhandlungswege beizulegen, damit nicht eine Berbitterung in der Arbeiterschaft zurückbliebe, die über turz ober lang zu neuen gefährlicheren Ausbrüchen führte. Diese Auffaffung halte ich heute noch für richtig. Ich bin überzeugt, daß eine Beilegung des Streits, so wie wir sie damals anstrebten, in zwei oder drei Tagen möglich gewesen wäre, wenn die Regierung der Situation Verständnis entgegengebracht hätte. Wäre man am Dienstag unter Ausscheidung aller Formalitäten zu Berhandlungen gekommen und hätte die Reichsleitung ernst en gewiß am Donnnerstag aufgenommen worden. Da Willen zur Beruhigung der Arbeiter gezeigt, so wäre die Arbeit für spricht der Gang des Streits in anderen Städten. Nach meiner überall ist aber der Streit nach zwei oder drei Tagen Erinnerung ist damals in einer Anzahl von Städten gestreift worden, beendet gewesen. Meistens haben die Generalfommandos den Streifenden Gelegenheit zu Versammlungen und zur Aussprache ge geben. Vielfach haben die Behörden mit ihren Vertretern verhandelt. der Regierungspräsident und der Oberbürgermeister in die BerIn Köln gingen nach Verhandlungen mit den Arbeiterbelegierten fammlung der Streifenden und ergriffen dort das Wort. Auch in infolge der vermitelnden Haltung des Ministerpräsidenten Dandl, München tonnte der Streit in wenigen Tagen beigelegt werden, der übrigens, wie in meiner früheren Aussage unter Hinweis auf das amtliche Stenogramm erwähnt, den Sozialdemokraten in der Kammer gedankt hat, daß sie sich der Bewegung ange nommen haben. Wenn in Berlin der Streit nicht gleich ruhig verlief, so lag das an dem formalistischen Verhalten der Regierung und des Oberbefehlshabers in den Marken. Den Vorstand der SPD. und mich insbesondere trifft dafür teine Verantwortung. Wir haben alles getan, um die Verschärfung der Situation zu verhindern. Ich trat also auf Beschluß des Parteivorstandes der Streifleitung bei, in der einzigen und bestimmten Absicht, den Streit möglichst fchnell und so beizulegen, daß einem neuen Ausbruch vorgebeugt würde. Daß ich dabei diz Borstellung gehabt hätte, der Kriegsmacht des Deutschen Reichs Schaden zuzufügen, ist eine Unterstellung, die mit allen Tatsachen in Widerspruch steht; ich weise fie mit Entrüftung zurüd. Es ist mir unbegreiflich, wie das Schöffengericht zu dieser Annahme gelangen fonnte, insbesondere wie es fie aus der Tatsache glaubt folgern zu können, daß ich die Schädlich feit derartiger Streits einfah. Gerade diese Einsicht in Berbindung mit den Vorstellungen der Delegierten hat mich ja zu dem Entschluß gebracht, das in meinen Kräften Stehende zu tun, um durch [ chnelle Beilegung der Streits den Schaden abzuwenden. An diesem Entschluß habe ich auch tonsequent festgehalten und während Vereidigung Dr. Simons im Reichstag Krach im Loebell- Ausschuß. Der stellvertretende Reichspräsident Dr. Walfer Simons ist heute in Berlin eingetroffen. Seine Bereidigung findet morgen, Donnerstag, miffags 12 Uhr, in einer besonderen Sihung des Reichstages statt. Dr. Simons wird unmittelbar nach der Vereidigung sein Amt antreten. Rebellion im Loebell- Ausschuß. Herr Jarres ist also der protestierte Sammelfandidat der Rechten. Jarres noch nicht nominiert. Der unter Vorsiz des Herrn von Loebell gebildete Ausschuß der Deutschnationalen Boltspartei, der Deutschen Boltspartei, der Bayerischen Bolts, partei und der Wirtschaftlichen Bereinigung sowie Wie ihre Einigkeit aussieht. der in Betracht kommenden Organisationen hat heute mit Vertretern Heute vormittag ist der Loebell- Ausschuß zusammenges der 3entrumspartei und der Deutschen Demokrá treten, wie es heißt, um endgültig Herrn Jarres als Prätischen Partei über eine etwaige gemeinsame Kandidatur identschaftskandidaten zu nominieren. Die. Rechtspresse hat der im Ausschuß vertretenen Parteien und Organisationen sowie bisher sich bemüht, den Eindruck hervorzurufen, als habe die des Sentrums und der Demokraten beraten. poliste Einmütigkeit in diesem Ausschuß bestanden, und als habe man mit der offiziellen Nominierung von Jarres nur bis nach der letzten Entscheidung des Zentrums gewartet. Jegt stellt sich heraus, daß man in diesem Ausschuß alles andere, nur nicht, einig gewesen ist. Der Jung deutsche Orden, der in diesem Ausschuß verireten ist, rebelliert öffentlich gegen die kandidatur Jarres. Er stellt der Rechtspresse folgende Erklärung zu: Nachdem weite Kreise und große überparteiliche Organifafionen gegen eine Kandidatur des Dr. Jarres entschieden Stellung genommen haben, fann nicht mehr von ihm als Sammelfandidaten die Rede sein. In den großen überparteilichen vaterländischen Verbänden, die über viele Millionen Mitglieder verfügen, sieht man den für alle aufbauenden Boltsteile geeigneten Sammelkandidaten in General von Seedt. Gegenüber den bisher genannten parlamentarischen Parteitandidaturen bietet General Don Seedt jedem Deutschen, auch ausgesprochen republikanischen Kreisen, die Gewähr der Ueberparteillchkeit und des treuesten sachlichen Dienstes am deutschen Bolke. Die Einigkeit der im Loebell- Ausschuß vertretenen Berbände für Jarres sieht demnach so aus: es gibt drei Grade der Begeisterung für Jarres. Erster Grad: die Deutsche Boltspartei. Jarres ist ihr Mann, im Grunde ihr Partei fandidat. Ihr Wille für Jarres ist echt. 3 weiter Grad: die Deutschnationalen. Sie nehmen Jarres als Notbehelf mit einem lachenden und einem meinenden Auge hin. Begeisterung mäßig. Dritter Grab: Jungdeutscher Orden und was damit zusammenhängt Difener Brotest, Begeisterung negatin. Von den im Ausschuß vertretenen Parteien und Organisationen wurde den Bertretern des Zentrums und der Demofraten erklärt, daß der im Ausschuß vorbereitete Vorschlag einer Kandidatur Jarres aufrechterhalten werde. Sollte aber der Parteiausschuß des Zenhums, wie die Deutsche Demokratische Partei es bereits getan hat, fich für eine gemeinsame bürgerliche Kandidatur entschließen und auf eine eigene Kandidatur verzichten, so soll sofort in weitere Beratungen eingetreten werden. Die Entscheidung des Zentrums wird heute nachmittag dem Ausschuß, der dann zu weiteren Beratungen zusammentritt, mitgeteilt werden. Die Eisenbahner vor der Entscheidung. Der heute morgen um 10 Uhr zusammengetretene erweiterte Beirat des Deusfchen Eisenbahnerverbandes nahm zunächst ein Referat des Verbandsvorsitzenden Scheffel über die Verhandlungen mit der Reichsbahndireffion entgegen. Obwohl das negative Ergebnis der Verhandlungen den Teilnehmern der Konferenz bereits befannt war. und in den meisten Bezirken der anwesenden Bezirksleiter die Streitbewegung bereits im Gange ist, riefen die deta Ulierten Ausführungen Scheffels doch den großen Unwillen über das provokatorische Verhalten der Generaldirettion hervor. Die anfchließend gegebenen Berichte der Bezirksleiter zeigten im allgemeineu das gleiche Bild von der Bewegung, das wir unsern Cefern bereits in den täglichen Berichten des Vorwärts" geben fonnte Die Konferenz tagte bei Schluß der Redaktion weiter, ein Erg it nor heute Abend nicht zu ermarien. 9 der ganzen Streifdauer, ohne irgendwie in meiner Einstellung zu schwankert, stets aus dem Beweggrund, in der Absicht, in der Vorstellung und zu dem Zwecke gehandelt, den Streit in der bezeichneten Art beizulegen und den Schaden von der Landesver teidigung abzuwenden. Ich muß darauf hinweisen, daß für die gegenteiligen Feststellungen des Schöffengerichts, Ich hätte den Streif stützen und stärken wollen und insbesondere mit geholfen, das Flugblatt vom 30. Januar abzufassen, nicht der Schatten eines Bemeties erbracht ist. Auf das Flugblatt werde ich noch zu sprechen tommen. Ueber meine Einstellung beffand auch in der Streifleitung feinerlei Zweifel. Es hatte allerdings beinen Zwed, sie dort befonders zu betonen, denn die Mitglieder der Streifleitung gehörten überwiegend zu den Organisatoren des Streifs. Unser Bestreben ging beshalb dahin, unsere Auffassung und Absichten vor der Delegiertenversammlung der Streifenden zur Geltung zu bringen. Hierzu ist es wegen des Bersammlungsverbotes nicht gekommen. Im übrigen mußte ich zweds Beilegung des Streits vor allem amelerlei tun, Berbindungen mit der Regierung aufnehmen und die Streifenden nach Möglichkeit beruhigen. Von Dienstag, den 29. Januar, bis Sonnabend, den 2. Februar, wurde unausgesetzt mit Regierungsstellen, insbesondere mit Staatsfefretär Wallraf und der Reichskanzlei verhandelt, um eieren Weg zur Beilegung des Streits zu finden. Ich persönlich habe darüber eingehend mit dem Bizekanzler von Bayer gesprochen. Dabei habe ich feinen Zweifel darüber gelaffen, daß ich Gegner des Streits war und feine schnelle Beilegung auf dem Verhandlungswege anftrette, um nicht noch mehr bei den Arbeitern Verständnis und Willen zur Landesverteidigung vernichten zu laffen und der Agitation der radikalen Elemente die Wege zu ebnen. Auch mit Professor Alfred Weber, der damals im Reichsfchazamt unter dem Staatssekretär Graf Rödern arbeitete, hatte ich eine ähnliche Aussprache. Meine Rede im Treptower Park diente dem gleichen Bestreben. Das Obertommando in den Marten hatte jebe geordnete Bersammlungsmöglichkeit unterbunden. Der Vormaris" war verboten, das Ge wertschaftshaus geschlossen, selbst die darin befindlichen Gewerkschaftsbureaus mußten geräumt werden. Die Streifenden find geradezu auf die Straße gedrängt worden. Um fo mehr glaubte ich dem Berlangen, in Treptow zu sprechen, mich nicht entziehen zu sollen. " Ich habe mich in meiner Rede mit aller Bestimmtheit und Klarheit für die Landesverteidigung einge. sett und die Arbeiter auf ihre Pflicht hingewiesen, der Front Waffen zu liefern. Daß ich damit auf lebhaften Wider spruch stoßen würde, war mir von vornherein nicht zweifelhaft, denn ich war unterrichtet über die von radikaler Seite mit anonymen Flugblättern und anderen Mitteln unter den Arbeitern getriebene Agitation gegen die Stellung der Sezialdemokratie zur Landesverteidigung. Gleichwohl bin ich in der Versammlung entschieden für die Landesverteidigung eingetreten. Es ist nach meiner Erinnerung vollständig unmöglich, daß ich in meiner Rede zum Ausharren im Streit aufgefordert hätte. Eine folche Aufforderung lag gänzlich außerhalb meiner vorher ge tennzeichneten Absichten und meiner ganzen Einstellung. Ich hätte mich mit ihr nicht nur in Widerspruch gesetzt zu meiner so oft betonten Ueberzeugung, sondern auch zu der einmütigen Stellung nahme der Parteileitung und der Leitung der Gemerf. Ichaften, auf deren Vertrauen meine politische Stellung und Tätig. feit in der Hauptsache beruhten. Es wäre auch finnlos gewesen, die Frage der Fortseßung des Streits oder der Wiederaufnahme der Arbeit vor dieser Bersammlung aufzuwerfen, denn jeder Arbeiter mußte, daß zur Entscheidung für die Wiederaufnahme der Arbeit mur die eigens zu diesem 3med pon den Arbeitern der einzelnen Betriebe angefeßte Delegiertenverfammlung berufen und bepoll mächtigt mar. Aus demselben Grunde fonnte ich allerdings auch nicht gerade zur Wiederaufnahme der Arbeit auffordern. Das letztere märe auch bei der unter den Arbeitern herrschenden Stimmung ausfichtstos gemefen. Ich bin überzeugt, daß das Gericht, wenn es sich in die damalige Lage und erregte Stimmung der Arbeiter hinein bentt, verstehen wird, daß eine solche Aufforderung zmedlos mar. Selbstverständlich fann ich mich heute nach fieben Jahren nicht mehr an alle Einzelheiten meiner impropisierten Rede erinnern. Es ist nach meiner Erinnerung ausgeschlossen, daß ich gefagt häfte, die Forderungen der Streifenden feien gerecht. Denn ich war mit meinen Parteifreunden tatsächlich Gegner mehrerer politischer Forderungen, die von der Delegiertenversammlung der Streifenden vor unserer Einwirkung aufgestellt waren.. " Afrika huldigt dem deutschen Kaiser." Bor einiger Zeit brachte eine befannte rechtsstehende Berliner Zeitung in ihrer Unterhaltungsbeilage eine fleine Geschichte, die sehr aufschlußreich ist für die Gedankenwelt unserer Monarchisten. „ Die Afrikaner auf dem Hofball. Eine Er. innerung aus Deutschlands erster Kolonialzeit Bon Oberstleutnant 3a chariä." So lautet der Titel der Geschichte. Der Verfasser schildert hier, wie sein junges Leutnants. herz bubberte, als er vom Hofmarschallamt auf Allerhöchsten Befehl Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten" zum Ball und Souper im Königlichen Schloffe eingeladen wurde. Wie dann hier .cin wahrhaft finnbetorendes glanzendes und schimmerndes Wogen und Treiben die weiten Festräume des alten Kaiserschlosses durch flutete". Mit etwas Neid beschreibt er das schimmernde Wieer von Brillanten und Ordenssternen und den Prunt erotischer Gala uniformen". Wie dann im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Festteilnehmer zwei Araber stehen, zwei Kerle im Bettlaken". Durch zwei Schläge fündigt sich der Hof an. Boran marschiert der Oberhofmarschall Graf Perponcher, dann kommt der alte Wil helm, ganz in roter Galquniform und mit Stahlhelm. Hinter ihm der Kronpring, der schönste Mann in Deutschland" usw. Da merden die beiden Araber durch ihren deutschen Führer zum Kaiser geführt. Der Führer bittet, Seiner Majestät dero neuesten Unterfanen vorstellen zu dürfen". Die Araber fallen dann in die Knie und schiagen dreimal ihre Stirnen auf die Diele usw. Der Verfasser nennt das ein Bild von wahrhaft weltumfassender Symbolif. Afrika huldigt dem deutschen Kaiser." Man muß es ihm lassen, der junge Leutnant hatte eine blühende Phantasie. Also meil zwei Araber zum deutschen Kaiser tommen und vor ihm hinfallen, huldigt Afrika dem deutschen Kaiser. Ob der Herr Zachariä schon davon gehört hat, daß viele Europäerinnen es sich zur Ehre anrechneten, wenn fie mit dem Sultan zusammen schlafen durften? Ob er dann auch gedacht hat: Europa als Beischläferin des Sultans? Weiß der Herr Zachariä nicht, daß es schon zu allen Zeiten und in allen Ländern Beute gegeben hat, die einem fremden Herr scher huldigten? Man stelle sich vor: Afrika huldigt dem deutschen Raiser. Europa ist eine Beischläferin des Sultans. Amerila fällt vor Japan in die Knie usw. Sicher werden in allen Ländern die Nationalisten so schreiben und denten, wie hier der ehemalige Leut rant es tat. Phantofle und Traum der Imperialiften und Belt ci aberer. Schade, daß wir keinen Kaiser mehr haben, nicht wahr, Herr Zachariä? W. D. Morih Mofglowsti lebt. Die in der gefamten Bresse verbreitete Rachricht bom Tobe bes Stomponisten Molalomati beruht auf eine Verwechslung. Ein anderer, in der Barijer Gesellschaft bekannter Mofalowali ift gestorben. Am Schluß meiner etwa 10 Minuten dauernden Rede habe| ich im Hinblick auf die Treibereien von radikaler Seite die Streifenden zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt, und zwar etwa mit den Worten: „ Berhaltet euch ruhig, bewahrt Besonnenheit, wie es die Arbeiter in anderen Städten getan haben, laßt euch nicht provozieren." Wenn der Zeuge Lehnhoff etwas anderes gehört haben will, so muß er sich irren. Nach seinen eigenen Angaben hat er etwa 30 Meter von mir gestanden. Erfahrungsgemäß ist es in Berfammlungen unter freiem Himmel faum möglich, auf solche Entfernung dem Wortlaut einer Rede genau zu folgen. Dies gilt für die erregte und unruhige Bersammlung in Treptow in er. höhtem Maße. Im übrigen darf man, wenn man meine Rede objektiv würdigen will, nicht einzelne Worte, an die ein Zeuge fich nach sieben Jahren entgegen den Aussagen anderer Beugen zu erinnern glaubt, aus dem Zusammenhange reißen und der Beurteilung zugrunde legen, sondern man muß die Rede im Busammenhang und als Ganzes werten. Das Ent. scheidende ist doch, daß ich damals verhindern mußte, daß die streifenden Arbeiter durch den Berlauf des Streifs in bewußtem Gegenfaz zur Landesverteidigung gebracht würden. Daß ich mit meiner Rede nur diesen Zwed verfolgt habe, fann aber nicht zweifelhaft fein. Die Rede ist auch von überwachenden Polizeiorganen offenbar nicht anders aufgefaßt worden, sonst wäre damals gegen mich eingeschritten worden. An Beifallskundgebungen kann ich mich nicht erinnern. Selbstverständlich waren in der Bersammlung auch viele sozialdemokratische Arbeiter, die meinen Ausführungen, namentlich, soweit sie die Landesverteidigung betrafen, zustimmten. Wenn Beifall gespendet wurde, so tam er also von dieser Seite wie andererseits der Wider spruch aus dem Munde der radikalen Arbeiter kam. Es ist ja durch aus nichts Ungewöhnliches, daß ein Redner in derselben Bersammlung Widerspruch und Beifall erhält. Auf eine Aenderung seiner Brund anfchauung fann daraus unmöglich geschlossen werden. Was das am Mittwoch, den 30. Januar 1918, befchloffene und herausgegebene Flugblalf anlangt, fo habe ich bereits in der ersten Inffanz ausgefagt, daß ich mich feiner nicht erinnere. Mach Aussage des Zeugen Richard Müller soll die Sitzung, in der es beschlossen wurde, am 30. Januar 1918 abends in einer Küche in Treptom abgehalten worden sein. Nach sorgfältiger Prüfung meines Gedächtnisses erkläre ich heute, daß ich überzeugt bin, an dieser Sigung überhaupt nicht teilgenommen zu haben. Am 30. Januar abends fand eine gemeinsame Konferenz des Vorstandes der Sozialdemokratischen Bartei mit dem Parteiausschuß statt. In der Regel ging diesen gemeinsamen Konferenzen eine besondere Sigung des Parteivor. ſtandes vorher, in der dessen Stellung zu den mit dem Partei ausschuß zu beratenden Angelegenheiten festgelegt wurde. So ist nach meiner Erinnerung auch am Nachmittag des 30. Januar verfahren worden. Diese Sigungen find stets von mir vor daß die gemeinsame Konferenz des Parteivorstandes mit dem bereitet und geleitet worden. Bestimmt erinnere ich mich, Parteiausschuß von mir geleitet wurde, und daß ich dort einen ausführlichen mündlichen Bericht über die politische Lage gegeben habe. Diese Sigung begann gegen 7 Uhr abends und endete gegen 11 Uhr. Ich habe bis zum Schluß an ihr teilgenommen, fann alfo unmöglich zur gleichen Zeit in jener Treptower Küche ge 1 wesen sein, in der das Flugblatt beschloffen wurde. Zu meiner Rede im Reichshaushaltsausschuß am 22. Januar betone ich, daß ich mich nicht, wie das Urteil annimmt, zu dem Wortlaut des Protokolls befannt habe. Ich habe im Gegen teil in meiner Bernehmung vom 24. November 1924 a usbrüd. ich gefagt, daß ich mich auf den Wortlauf in feiner Welse festlegen fann. Diese Protokolle sind, wie übrigens auch der Zeuge der mann befundet hat, nicht wörtlich mitftenographiert, sondern nur ungefähr finngemäße Aufzeichnungen der Reden, die auch nichy veröffentlicht werden. Es ist üblich, daß die Abgeordneten, falls fie diese Aufzeichnungen überhaupt durchfehen, fich auf ganz notmendige Korrekturen beschränken. Ich muß also die Verantwortung für den Wortlauf des Protokolls meiner Rede vom 22. Januar ablehnen. Es fann nicht als wirkliche Wiedergabe meiner Rede angefehen werden. In dieser habe ich mich sinngemäß bahin ausge sprochen, daß auch die deutsche Arbeiterschaft einen baldigen Frieden unter Berzicht von Annegionen wünschte und infofern dem Protest der österreichischen Arbeiter gegen die Annerionspolitik zustimme. Wenn ich mich, was möglich ist, scharf ausgedrückt habe, so ist dies zu erklären durch die schwere Sorge, die mich damals angesichts der verzweifelten Ernährungs lage und der annegionistischen Bestrebungen erfüllte. Da die Sigung Die Kameliendame". Olle Kamellen im Deutscher Theater. sich irreparabel in die" Rameliendame", ehemalige Näherin und Armand, ein junger Mann aus den besseren Kreisen, veriicbt crfolgreiche Rokotte. Sie liebt ihn auch, und zwar mit der wahren, aus der Seele quellenden Liebe. Ihren lobenswerten Beschluß. nunmehr ein anständiges Mädchen zu werden, durchkreuzt aber Armands Bater, indem er von ihr mit Rücksicht auf den bis dato langt. Sie bringt das Opfer, woraus sich wieder mal ergibt, daß unangetafteten Ruf seiner hochachtbaren Familie Entjagung ver eine Dirne über viel mehr Edelmut verfügt als die angesehenen Vertreter der erwähnten besseren Kreise. Das Schauspiel verblüfft also feineswegs durch Neuheit des Vorwurfs. Das ist auch nicht verwunderlich, da es der Verfasser Dumas vor vielen Jahrzehnten Das ist auch nicht geschrieben und dadurch eine stattliche Anzahl seiner Kollegen veranlaßt hat, denselben Stoff zu behandeln. Originell ist einzig und Epielplan zu setzen, ein Stüd, das man mit gutem Gewissen als allein der Einfall, in Berlin heute die„ Kameliendame" auf den rührfeligen Ritfch fennzeichnen darf. Herr Theodor Tagger hat sich sogar die Mühe gemacht, mit seiner Bearbeitung eine Ent: titschung des Schauspiels zu versuchen. Diese heroische Lat, die auf Kosten des einzigen Wertes des Dramas, der Spannung, geht, gelingt natürlich nicht. Kitsch bleibt Ritsch. Ein feltenes, gottbegnadetes Talent, die Elisabeth Berg ner, befomt die Rolle der Kameliendame aufgehalft. Ihre zer brechliche Stimme, die scheinbare Unwillkürlichkeit ihrer Gesten, all das, was sie am Kunsthimmel als neuen Stern glänzen ließ, ihre überraschende Impulsivität, ihre märchenhafte Hauchzartheitleiht sie diefer knalligen Rolle. Man hatte gehofft, diese Künstlerin stände abseits von der Manier der Effekthascherei. Hier ordnet fich alles ihrer Sucht unter, Wirkung um jeden Preis zu erzielen. Stellenweise war auch gestern der bezwingende Bann zu spüren, der von ihr ausgeht. Aber er reichte nicht aus, die Dede des Abends zu übertönen. Ernst Degner. Grabbes Napoleon oder die hundert Tage", das düstere Ge mälde jenes unglücklichen( Benies der Biedermeierzeit, das aus dem Erleben seiner Tage mit fühnem Pinsel des Korfen Schicksalswege und Untergang zeichnete, wird jetzt in der Neueinstudierung eßners, teilweise neubesept, im staatlichen Schiller Theater gespielt. Ton und Bild vereinigen sich hier zu einem menschen, der aus dem Feßen Curopa sein Kaiserreich gigantisch Eindruck von zwingender Gewalt. Das Bild des ryhelosen Gewalt zimmern wollte, hat, wie ihn Grabbe fieht, nichts Menschliches mehr. rollt sich ab( auch bildlich) auf dem Hintergrund von Sturm und Das Schicksal dieses Mannes und der Zeit, der er fein Siegel prägte. Blut, Kanonendonner und Schwerterblizen, Baufengedröhn und hoffnungslosem Sterben. Der neue Napoleon Friz Balks bildete als übermenschliches den Pol, von dem das Erschauern ausgeht. Die Hortense Margarethe Schöns ein zartes Aufleuchten aus einer freundlichen Welt. Der Ludwig XVIII. Albert Floraths, das ohnmächtige Verstehen und angstvolle Verkriechen vor einer übermächtigen Gewalt. Der Blücher Mar Bohls und der Wellington Albert Batrys, die fleineren Gegenspieler Bonapartes, die den Endsieg behalten, nicht weil sie stärker find, sondern weil der andere ffreng vertraulich war, fonnten ungünstige Folgen für die Deffentlichkeit nicht erwachsen. R.-A. Dr. Luetgebrune: Herr Ministerialrat Dr. Döhle, Sie sagten, daß der Entwurf der Aussage des Herrn Reichspräsidenten von den vier genannten Herren mitbearbeitet worden ist. Ist der Entwurf vom Reichspräsidenten unterschrieben? Dr. Döhle: Nein, unterschrieben ist er nicht. R.-A. Dr.Luetgebrune: Haben Sie den Entwurf fenntlich gemacht, als von Ihnen oder den Bertretern des Herrn Reichspräfidenten bearbeitet? früheren ebenso entstandenen Aussagen nicht geschehen. Dr. Döhle: Nein, das ist nicht geschehen. Das ist auch bei den Zeitungsartikel über die Rede Eberts auch zu verlesen, die Generalstaatsanwalt Storb bittet, den dem Entwurf beigefügten Ebert in der Borwärtsgesellschaft Lese" gehalten habe. Der Artikel wird daraufhin verlesen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Doßmann: Lag es in der Absicht des Herrn Reichspräsidenten, den Entwurf in der Fassung, die soeben verlesen wurde, dem Gericht einzureichen und die darin enthaltene Darstellung durch seinen Eit zu bekräftigen? Ein Verfahren gegen den„ Vorwärts". Die Veröffentlichung des Reichswehrgutachtens. Vor dem Amtsgericht Mitte hatten sich heute Mittag die verantwortlichen Redakteure Dr, Misch von der Bossischen Zeitung" und Reuter vom Vorwärts" wegen Bergehens gegen§ 17 des Breßgefeßes zu verantworten. weil sie ein amtliches Schriftstück eines Prozeßverfahrens veröffentlicht hatten, bevor es in öffentlicher Sigung bekanntgegeben, oder das Verfahren sein Ende gefunden hatte. Es handelte sich um das Gutachten, daß das Reichswehrministerium in dem Landesverratsverfahren gegen den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Zeigner er ftattet hatte, das zunächst von der„ Bossischen Zeitung" und dann vom Vorwärts" veröffentlicht worden ist. Redakteur Dr. Misch erflärte zur Sache, daß er mit der Veröffentlichung dieses Gutachtens nichts weiter getan habe, als ein Stück der Verhandlung eines deutschen Parlaments, nämlich der Sigung im fächsischen Landtag vom 22. mai vorigen Jahres, miedergegeben zu haben. Damals wurde von dem Führer der Minderheitssozialistent, r3t, eine Etatsrede gehalten. Beim Juftiz- Etat tam er auch auf den Beigner- Prozeß zu sprechen und das gegen diesen eingeleitete sogenannte Hochverratsverfahren. Hierbei verlas er auch einen Teil des Gutachtens, das in dieser Sache das Reichswehrminifterium erstattet hatte. Redakteur Reuter erklärte sich für berechtigt, den Artikel nach zu druden. Der Staatsanwalt war der Meinung, daß es sich um einen formalen Verstoß gegen§ 17 des Breß gefehes handele. Er fönne fich nur fragen, ob§ 12 des Preßgesetzes zugunsten der Angeklagten Platz greife. Dazu fänden die Vorschriften zu§ 17 teine Anwendung, wenn es sich um eine Bericht erstattung oder Mitteilung von Druckschriften handle, die von Artikels fei nicht zu entnehmen, daß es sich um einen Sizungseiner Landesvertretung gemacht worden sind. Aus der Art des bericht handle. Es sei weder das Barlament noch der Redner ge nannt. Da es sich um große Beitungen handle, die besonders auf die Einhaltung der Vorschriften bedacht sein müßten, beantrage er eine größere Geldstrafe, und zwar gegen Dr. Misch 200 M. und gegen Reuter 100 m. R... Dr. End vertrat die Ansicht, daß nicht§ 12 des Preßgefeßes, sondern§ 12 des Strafgefeßes Plah zu greifen habe, wonach der wahrheitsgetreue Bericht eines Parlamenis von jeder Berantwortung befreie. Aweifellos handle es fich um einen wahrheitsgetreuen Bericht. R.-A. Heine wandte sich gegen die Art, mie Landesperratsprozesse auf Grund Reuter sei ein derartiges Berfahren wegen einer Kritit illegaler Don Hinweisen auf illegale Organisationen eingeleitet werden. Gegen Bustände im Gange gewesen und er habe ich daher zur Abwehr ent fchlossen, den Artikel zu übernehmen. Die Kritif habe auch Erfolg gehabt, denn Reuter sei außer Berfolg gefegt worden. Das Gericht tam zu der Entscheidung, daß es sich um die Veröffent Berfahren handle, und daß weber§ 12 des Breßgefeßes noch lichung eines Zeiles eines Gutachtens aus einem schwebenden § 12 des Strafgefeßes in Frage tomme. Beide Angeklagten murden zu je 150 m. Geldstrafe verurteilt. * Amtlich wird gemeldet: Daily Mail" veröffentlicht ein Tele. gramm ihres Berliner Berichterstatters, wonach in Deutschland befürchte, daß sie auf militärische Borbereitungen, die 12000 operratsprozesse zurüdgestellt feien, weil men im Gange wären, Licht werfen könnten. Diese Tendenzmeldung der " Daily Mail" entbehrt jeglicher Grundlage. von den Fängen des Schicksals gelähmt wird. Das Ganze packend ohne und start, zieht in rascher Folge vorüber, benimmt den Atem an das Herz zu greifen. K. Bereinigten Staaten hat beschlossen, eine Kampagne im ganzen Ein Anti- Nilofinfeldzug. Die Anti- Zigarette League in den Bande zu veranstalten, um Amerika von„ Lady Nicotine zu befreien. Unter dem Borsitz des Misters J. H. Burnett wird in Washington eine große Konvention abgehalten werden, die den Be. ginn der Kampagne bedeuten soll. Wiewohl der Bund hauptsächlich Form des Rauchens bekämpft werden. Dr. Harvey Willen, ein be gegen das Zigarettenrauchen Stellung nimmt, wird auch jede andere fannter Chemifer, wird mit der Leitung des Antinikotinfeldzuges betraut werden. Als Kampffond ist ein Betrag von einer Million Rach der Konvention wird das Hauptquartier in Washington auf Dollar vorgesehen, der bereits fast in dieser Höhe gesammelt ist. geschlagen werden. An alle Senatoren und Mitglieder des erklären, welchen Standpunkt sie im Rauchproblem einnehmen. Die Repräsentantenhauses wird das Verlangen gestellt werden, zu werden den Auftrag erhalten, die Kongreßmitglieder ihres Distrikts Bertreter des Bundes in den verschiedenen Teilen des Landes aufzufordern, sich gegen die Wünsche der Tabafinteressenten zur Behr zu ſehen Man ist bereits eifrig dabei, Literatur bereit zu stellen, die über die ganze Union verstreut werden soll. Es ist auch ein Preis für ein Blafat ausgeschrieben worden, das die„ bösen Folgen des Genusses von Rauchgift" zeigen soll. Die Hihe des Wüstenfandes als Kraftstation. Prof. W. H. Zukunftsentwicklung des tropischen Afrika hin. Er erwähnte u. q. Barker wies in einer öffentlichen Vorlesung in London auf die daß das Problem der Verwendung der Wüstenhige für elektrische Kraft jezt der Lösung nahe sei, und daß in naher Zukunft in der Sahara die größte Kraftstation der Erde entstehen werde. Aus dem französischen Sudan werde ein zweites Argentinien sich ent wickeln, während England die Goldküfte zu dem größten fatao produzierenden Land mache. wie ursprünglich vorgesehen Madame Butterfly sondern Mona Lisa" Oper am Königsploh. Am 16. wird in der Oper am Königsplatz nicht gegeben. Lichtbildervorträge, die Bruno Taut auf Einladung der Volksbione E. B Die neue Wohnung als Schöpfung der Frau. Der erste der beiden über dieses Thema im Hörsaal des Kunstgewerbemuseums, Bring Albrecht Str. 7a, balt, findet am fommenden Sonnabend, abends 7%, Ubr. ftatt. Karten zum Preise von 60 Pfg. in beschränkter Zahl am Saaleingang. Karl Bröger und Bruno Schön'ant lesen im 5. Autorenabend der Rathauses. Einlaßkarten 0,50 ML. Boltsbühne E. V. am Montag, den 16., abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Der Berband Deutscher Erzähler veranstaltet am 15., abends, 71, Ubr, einen Dichterabend im Blenarsaal des Reichstages. Georg Engel liest aus bei Wertheim, Bote& Bock, Staufhaus des Westens, an der Abendkasse eigenen Werfen. Die einführenden Worte spricht Josef Buchhorn. Starten Portal V. Eine Potsdamer Celbgarde für Coolidge. Der Chef des militärischen nach dem Vorbild der Potsdamer Leibgarde Friedrich Bilbelms L in das Kommandos des Weißen Hauses, Major Oscar N. Sobert, hat beschlossen. Bolizeiforps des Weißen Haufes nur Jungens" aufzunehmen, die wenigstens ihre 6 Fuß hoch find. Die notleidende Schwerindustrie. Für wen das Bolt arbeitet und Steuern zahlt. Die Schwerindustrie des Ruhrgebietes finanziert die poli tische Reaktion in Deutschland. Sie hat Geld genug dazu. Auf Kosten des Reichs hat sie in der Inflationszeit ihren Reichtum gewaltig vermehrt. Die Mittel dazu erhielt sie durch Bapierkredite, durch die sogenannten Lohnsicherungen und Erfag für un produttiven Materialaufwand. Der unproduttive Materialaufwand, für den sie viele Millionen erhalten hat, bestand im Ausbau ihrer Be triebe. Das„ Berliner Tageblatt" veröffentlicht eine kurze Busammenstellung über die Bermehrung des Reichtums der Schwerindustrie. Sie lautet: „ Der Thyssen- Konzern baute verschiedene Walzenstraßen, eine Berzintanstalt, eine Glasschweißerei, eine Gaszufuhrleitung in einer Länge von über dreißig Kilometern und nahm eine Ermeiterung der Gasanlage und den Neubau von zmei Direttorenvillen vor. Obendrein wurden noch mehrere Häuser angetauft. Die Firma Krupp riß in Annen die alte Stahlformerei ab und ersetzte sie durch eine zeitgemäßere. Defen und Kamine, die dem Eiweiterungsbau im Wege standen, wurden entfernt. Plätze wurden planiert. Bahnanlagen wurden umgelegt und neue Rampen gebaut, ganz abgesehen von umfangreichen Reparaturen in den Schlossereien und Bearbeitungswerkstätten. Die Vereinigten Preß- und Hammerwerke Dahlhausen bauten ihren daniederliegenden Betrieb im Hammerwert vollständig auf, reparierten die Hämmer, legten Fußböden, erhöhten die Dächer, bauten sie aus, stellten die Defen um und schufen unter anderem einen modernen Maschinenraum, in den Motoren gesezt wurden, die vorher im offenen Betrieb standen und der ständigen VerSchmugung ausgesetzt waren. Das Gußftahlwert Witten nahm grundlegende Reparaturen in jeinem Walzwerf vor, verlängerie die Walzenftreden, entfernte die Wärmeöfen, die ihnen etwa im Wege standen oder veraltet waren, placierte sie anders, ersetzte sie durch neue, moderne, schuf Kran und Kanalisierungsanlagen und nahm erhebliche Erweiterungs. Die Mannesmann- Röhrenwerke, die übrigens mit der Mannesmann- Industrie und Handelsgesellschaft in feinem Busammenhang stehen, verlängerten ebenfalls die Walzenstreden und nahmen größere Umbauten der Wärmeöfen vor. bauten vor. Henschel u. Sohn bauten große Bahnanlagen, gestalteten die Martin und Stahlgußformerei um und modernisierten die Hoch ofenanlagen. Die Rombacher Hütte verlegte sich, neben einem Kanalisationsanlagenanbau, auf den Bau von Martinöfen und Krananlagen. Die Zeche Zollern 1, die zur Gelsenkirchener. Bergwerks- Aftien gefellschaft gehört, baute fast ble ganze Schachtanlage auf: Hänge Lahn nebst modernem Zubehör, Baschlaue, Magazin und eine große Umfaffungsmauer um den ganzen Betrieh," Es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn angesichts dieser Art von unproduttivem Materialaufwand der Gold wert der für diesen 3wed gegebenen Gelder, berechnet auf den Tag der Auszahlung, als Forderung des Reichs an die Schwerindustrie verrechnet würde. Statt dessen hat die Schwerindustrie 700 millionen Mart Entidadigungsgelder noch obendrein erhal ten. Das deutsche Bolt arbeitet eben nur für die Schwer industrie. Die Untersuchung des Ruhestandals im Reichstag. Der Untersuchungsansschuß bes Reichstages für Prüfung der Ruhrentschädigungen beschäftigte fich am Mittmodh mit dem Arbeitsplan Sum Berichterstatter murbe bestimmt Dr. Berlitius( 3tr.)). zum Mitberichterstatter nach längerer Debatte Dr. Her( So.) Als Ausgangspunkt der Untersuchung foll die Deutschrift der Reichsregierung dienen. Die beiden Bericht erstatter murben beauftragt, mit möglichster Beschleunigung einen positiven Vorschlag für die Arbeitsmeise des Aus fchuffes vorzulegen, deffen Erweiterung je nach dem Berlauf der Untersuchung ausdrücklich vorbehalten wurde. Die Versorgung der Kriegsopfer. Eine Novelle zum Reichsversorgungsgesetz angekündigt. Die Regierung hatte dem Reichstagsausschuß für Kriegsopferfragen schon vor einigen Wochen einen lleber blid über den derzeitigen Stand der Rentenversorgung gegeben. Dabei hatte sie sich bemüht, die Versorgung der Kriegsopfer mög lichst glanzpoll erscheinen zu lassen. Als besondere Errungenschaft rühmte fie die Einfügung der Bezüge der Kriegsopfer in die Beamtenbesoldung und die Einführung des Bedürfnisprinzips bei der Bemessung der Renten. Sie hob ferner rühmend hervor, daß die Renten seit der Einführung der Goldrenten im Dezember 1923 um 72,5 Broz. gesteigert worden seien. Bei der allgemeinen Aussprache über diese Darstellung und die dem Ausschuß überwiesenen An träge, die am Dienstag stattfand, unterzog der Abg. Roßmann ( Soz.) die Rentenpolitit, die die Regierung während der letzten Jahre getrieben hat, einer eingehenden Kritif. Es komme nicht darcuf an, in welchem Berhältnis die Bollrente der Beschädigten zu dieser oder jener Besoldungsgruppe der Beamten stehe, sondern welche Bezüge die Kriegsopfer im Vergleich zu den Friedensbezügen heute erhalten. Der fozial demokratische Redner stellte fest, daß die Regierung 1920 abgefunden habe 260 000 Kriegsbeschädigte mit einer Erwerbsbeschränkung um 10 Proz. Damit habe sie eine Dauerentlastung des Haushalts um 61 Millionen Mark jährlich erreicht. Im Jahre 1923 habe die Regierung 553 400 Kriegsbeschädigte mit einer Erwerbsbeschränkung von 20 Proz. abgefunden und damit eine weitere Entlastung des Haushalts um 160 Millionen Mart erzielt. Die Kriegsbeschädigten mit einer Erwerbsbeschränkung von 30 und 40 Broz. bezögen heute nur noch etwa 25 Broz. ihrer früheren Bezüge. An ihnen handelt sich um 409 180 Beschädigte von insgesamt noch 721 660 Rentenberechtigten habe die Regierung weitere 80 millionen Matt gefpart. 200 000 Witwen feien im Laufe der Jahre infolge Wieder verheiratung eus der Versorgung ausgeschieden. Ersparnis: 100 Millionen Mark pro Jahr. Um rund 400 Millionen Mart habe fomit die Reichsregierung die Reichskaffe durch ihre Rentenpoliti zum Nachteil der Kriegsopfer entlastet. Wirkliche Mehrleistungen in Gestolt von Zufahrenten, die in Anwendung des Bedürfnisprinzips gewährt wurden, ständen bestenfalls in Höhe von 200 Millionen Matk gegenüber. Angesichts solcher Feststellungen beharre die Sozialdemokratie unter allen Umständen auf einer weitgehenden allgemeinen Erhöhung der Renten, einer befriedigenden Lösung der Aufwertungsfrage für die während der Inflationszeit ausgezahlten Abfindungen, auf einer grundsäßlichen Alenderung der Elternrente, der Beseitigung aller Berschlechte rungen des Bersorgungsrechts während der Ermächtigungsgefel gebung, weitestgehender Erfüllung der Wünsche der Blinden und der Schwerbeschäbigten. Die sozialdemokratische Redner es forderte zum Schluß die alsbaldige Vorlage einer Novelle zum Reichsversorgungsgejet. Deutschnationaler Agitationsbetrug. Gang durch die Natur. wwwww Wenn auch Matthias, 24. Februar in Süddeutschland heißt's: Matteis brichts Eis hat er teins, macht er eins" maßen feinen alten Ruf bestätigt hat, so ist die seitdem eingetretene einiger Stälteperiode" doch nicht sehr arg. Die falten Winde sind das eigentlich Unangenehme und an windgeschützten Fleckchen war die Luft schon ganz angenehm. Jedenfalls fann man das von geringen Schneefällen begleitete gegenwärtige Better als ideal für Wanderer bezeichnen. Dabei wird man die sonderbare Beobachtung machen, daß der so wenig talte Winter auf die Entwicklung der Natur recht geringen sichtbaren Einfluß gehabt hat. Gemiß; Sträucher, wie Flieder, Magnolien, Spirären u. a., die sich zumeist als geeignet für gärtnerisches Treiben erweisen, sind ziemlich weit vorgeschritten; auch die Stachelbeersträucher haben schon einen vollen Behang Aber die großen Allee- und Waldbäume, die Obstbäume zeigen nur wenig mehr Leben als in früheren Wintern, die ja auch nicht aber das Aussehen der Saat. Bei der jetzt üblichen frühen Herbstausfaat entwidelt sich schon im Oftober- November die grüne Flur und man sollte meinen, daß sie jetzt ein besonders augenfälliges Wachstum darbieten müßte. Aber davon ist nicht die Rede; sie sieht wie üblich aus. Hoffentlich gibt es feinen starten Rückschlag mehr. Abg. Budjuhn( Dnat.) befand sich in einer fichtlichen Berlegenheit. Seine Partei hatte in der Antragstellung allen anderen Parteien, sogar den Kommunisten, den Rang abge laufen. Jetzt erklärte Herr Budjuhn, man müsse sich nach der Dede streden, die Anträge seiner Partei feien zu einer Zeit gestellt worden, als von einer Beteiligung der Deutschnationalen an einer Regierungstoalition noch keine Rede gewesen sei! Es ſet doch das Wesen des Parlamentarismus(!!), daß man in der Opposition felche Anträge ftelle! Trogdem halte er an den Grundzügen der deutschnationalen Anträge feft. Dagegen seien ihm Bedenten ge fommen, jetzt schon eine Vorlage zu fordern. Die für die Offiziere eingefügten Verschlechterungen müßten in erster Linie wieder gur Abg Thiel( D. Bp.) trat namentlich für das Recht auf Heilständig in Eis und Schnee starrten. Vor allem charakteristisch ist behandlung der Hinterbliebenen ein und bat, den Gedanken einer Befferstellung der älteren Kriegsbeschädigten zu erwägen. Abg. 3iegler( Dem.) riet, sich auf eine baldige Durchführung der geldlichen Verbesserungen zu fonzentrieren. gemacht werden. Abg. Gerig( 3.) legte Nachdrud auf Verabschiedung einer Movelle noch in diesem Jahre, weil das Londoner Abkommen eine spätere Berabschiedung erschmere. Abg. Weber( Komm.) stimmte den Ausführungen des sozial demokratischen Vertreters zu. Der Regierungsvertreter erkannte die Berechnun gen des sozialdemokratischen Vertreters als im allgemeinen zutreffend an. Die Angriffe auf die Rentenpoliti! der Regierung erklärte er trotzdem für unberechtigt. Die Regierung habe sich von Anfang an in der Richtung bewegt, den Schwer beschädigten und den Hinterbliebenen zu helfen, die leichteren Fälle aber der Selbsthilfe zu überlaffen. Diefes Prinzip habe die Bil. ligung des Reichstages gefunden. Die Regierung fagte ein gewiffes Entgegenkommen zu in der Frage der Erhöhung der Grund endgültige Verhältnisse endlich einmal auf diesem Gebiete zu schaffen, rente, Berbesserung der Elternrente und Rapitalabfindung. Um fel die Regierung bereit, dem Reichstag bald eine Novelle vorzulegen. Es wurde beschlossen, einen Unterausschuß zu beauftragen, die Wünsche für diese Novelle zusammenzustellen. Volkszählung im Juni. Feststellung der Vermögensverschiebungen und Betriebsänderungen. Jm Boltswirtschaftlichen Ausschuß des Reichs tags wurde die Regierungsvorlage über einen Gesezentwurf, der eine allgemeine Bolts, Berufs- und Betriebsählung für das Jahr 1925 vorsieht, verabschiebet. Die Bor lage der Regierung wurde ohne wesentliche Aenderungen an geteilt, daß feit dem 1. Dezember 1910 feine allgemeine Boltsgenommen. In der Begründung des Gesezentwurfes wird mit geteilt, daß seit dem 1. Dezember 1910 feine allgemeine Boltszählung in Deutichland mehr stattgefunden hätte. Nach dem Voriclage der Regierung würben insbesondere die Vermögens zählung in Deutichland mehr stattgefunden hätte. Nach dem Vorverschiebungen und Betriebsänderungen statistisch erfaßt werden. Angenommen wurde ein Antrag, die Zählung am 16. Juni vorzunehmen und die Kosten ben Ländern aufzuerlegen. Houghton gegen Walch. Deutschland ist wirklich entwaffnet." New Yort, 11. März( Funtspruch WTB.) Wie bie Blätter melden, hai ber bisherige amerikanische Botschafter in Berlin Houghton es nachbrüdlich für falich erflärt, baß in Deutschland große Borräte an Baffen vorhanden seien, wie die Kontrollfommis fton behaupte Houghton sagte: Wir erhalten jeden Morgen Mel bungen der Art, daß hier oder da einige Wahnsinnige oder ein paar Radikale hundert oder mehr Geschüße versteckt hielten, aber ich fann erklären, daß Deutschland mittlich entmaffnet ift. Houghton erflärte weiter, der verstorbene Reichspräsident Ebert jei einer der größten Deutschen seit Bismard gewesen, aber er fei überzeugt, daß Deutschland Eberts Richtlinien zu seinem Heile meiter verfolgen werde. Der Dames Blan wirfe unendlich besser, als es die größten Sanguiniter gehofft hätten. In dem neuen Botschafter Freiherrn von Malhan habe das Deutsche Reich Amerika einen seiner besten Männer gegeben. Kontrollbesuch beim Altwarenhändler. München, 11. März.( TUL) Gestern fam eine Kontrollfommis fion, bestehend aus einem italienischen Major und einem französischen Hauptmann, in die Altpapier und Alteifenhandlung Joseph Duschl in München, wo gefährliche Gegenstände lagern sollten. Es handelte sich um eine blecherne Marmeladenbüchse, die acht fleine Spiralfedern, vier weitere fleine Federn und einige andere überzählige Ersatzteile eines Geschüßabzugs im Gesamtgewicht von etwa 6 Bund enthielt. Ein Arbeiter erhielt den Auftrag, die Stücke mit dem Beil zu zerschlagen und die zer schlagenen Gegenstände ins Bureau der Ententekommission zu brin gen. Die Ersatzteile stammten von einem Artillerieregiment, das fie an die zuständige Stelle abgeliefert hatte. Bon hier wurden fie für menige Pfennige an die Alteisenhandlung verkauft. Amerikaner studieren Europas Rüstungen. New York, 11. März.( EP.) Die Abgeordneten Wiston und Oberst Johnson haben sich nach Europa eingeschifft, mo fie eine Interfuchung der Waffen und Munitionsfabritation durchführen werden. Nach ihrer Rückkehr werden sie dem Präfidenten Coolidge Bericht erstatten. Der deutsch rumänische Konflikt. Ein unverbindliches Schiedsgericht. Bufarest, 11. März.( WTB.) Die rumänische Regierung hat ihren Gesandten in London, Titulescu, und den Bufarester Rechtsanwalt Rosenthal zu Delegierten für das Schiedsgericht ernannt, das sich mit dem deutsch rumänischen Streitfall befassen foll. Die Delegierten haben jedoch die Anweisung, an den Schiedsgerichtsverhandlungen nur als Beobachter teilzunehmen, da die rumänische Regierung nicht den Anschein ermeden will, als ver. pflichte sie sich, den Schiedsspruch bedingungslos anzunehmen. Ein Erfolg der Arbeiterpartei. Die Ausweifung Kirkwoods zurückgenommen. Condon, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Ausfchließung des radikalen Arbeiterabgeordneten kirk wood aus dem Parlament ist am Dienstag durch einen ein mütigen Beschluß des Unterhauses auf einen Antrag des Premierministers Baldwin hin wieder aufgehoben worden. Die deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen werden am 16. März in Paris wieder aufgenommen. Ein Teil der deutschen Delegation ist bereits dorthin abgereift. Ministerialdirektor Boffe wird zunächst Staatssekretär Trendelenburg vertreten, der sich auf Empfehlung des Argies in eine Kur begeben muß. Auch die Gartenstauden zeigen fein intensives Wachstum; Die ernten sind wir genau so weit entfernt wie in tältern Jahren. Daß roten Spißen der Bäonien steden noch im Boden. Und den Spargel von der Sonne gut beschienen werden, ist begreiflich, aber die meit es natürlich Ausnahmen gibt, Stellen, die sehr geschüßt liegen und verbreitete Anschauung, daß die Natur um so und so viele Monate „ coraus fein müsse", ist nicht richtig. Wenn man trotzdem durch das mildere Better sich besonders freudig gestimmt zeigt, so trägt dazu die Tatsache bei, daß der Kohlenverbrauch ein wesentlich gerin gerer gemefen ist. Die Kohlenhändler jammern und die am ben Flußläufen und Seen wohnenden Biermirte tun das gleiche: fie, die fonft in der stillen Zeit ihr Eis ziemlich fostenlos hereinholten, müssen diesmal in den Beutel greifen, um norwegisches Eis oder in der Natur Wunder wirken, aber bis er sich einstellt, ist es body Stunfteis anzuschaffen. Der erste warme Regen wird sicherlich noch verfrüht, vom Frühling zu sprechen. Eine Ehetragödie in Rahnsdorf. Mord und Selbstmord. In dem östlich von Friedrichshagen gelegenen Rahnsdorf hat sich in dem Hause Mühlenweg 5 soeben eine Ehetragödie zuge tragen. Ein Ehemann namens Karl Mattig hat erst seine Frau er mürgt und dann sich selber erhängt. Ueber den Borfall wird folgendes mitgeteilt: Der 67 Jahre alte Arbeiter Karl Mattig bewohnte mit seiner 26 Jahre jüngeren Ehefrau im Hause Mühlenweg 5 in Rahnsoorf eine Notwohnung aus Stube und Küche. Das Paar lebte fchon länger in Unfrieden, weil die Frau in dem Rufe stand, etwas leicht daß man oft nicht günstig über fie sprach. Als das Paar am Diens lebig zu sein. Dem viel älteren Ehemanne blieb nicht verborgen, heftigen Streit. Dann blieb es still. Mattig verließ zeitig das tag um 5 Uhr früh aufstand, hörte man im Hause wieder einen Haus, ging aber nicht zur Arbelt. Einem Mitbewohner gegenüber, trok der frühen Morgenstunde schon reichlich Altohol genoffen hatte den er traf, äußerte er Selbstmordgedanken, ebenso zu einem Freunde, der er hiernach aufsuchte. Beiden fiel auf, daß er und imperständliche Reden führte. Nachdem er den Freund ver laffen hatte, um mieber nach Hause zu gehen, hörte und fah man den ganzen Tag über non ihm und feiner Frau nichts mehr. bends fiel bas endlich auf. Der Mitbewohner und ein anderer Haus richtigten die Polizei, und diefe, fand nun beide Eheleute tot auf. genoffe topften jest an, erhielten aber feinen Einlaß. Sie benach Frau Mattig lag in ber Riche auf dem Fußboden, er selbst hing in einer Bodenkammer in einer Schlinge an einer Beiter. Friedensburg wird Vize- Polizeipräfident. Halbamtlich wird gemeldet: Bie wir vernehmen, steht die endgültige Uebertragung der Stelle des Polizei. Bizepräsi denten ron Berlin an den Bandra Dr. Friebensburg. der bisher die fommissarische Beitung des Polizeipräfidiums inne hatte unmittelbar benn V Die gärtnerischen Anlagen in Stenton. Die Anlagen auf der Mittelpromenade der Kaiser Fried. rich Straße befinden sich seit etwa fünf Jahren infolge der Nachwirtungen der Inflationszeit, Mangel an Mitteln für Arbeitslöhnes und zur Beschaffung von Sträuchern usw. in einem sehr per nachläffigten Zustande. Nachdem durch, die Verständnislosig teit und Rücksichtslosigkeit des Publikums leider ohne Erfolg wiederholt versucht morden ist, die Rasenanlagen zu er neuern, werden zurzeit auf Wunsch aller Fraktionen und auf Grund der zahlreichen Wünsche aus der Bevölkerung, die Anlagen noch einmal durch das Gartenamt instandgefeßt, mobel auch eine größere Anzahl Bänke neu aufgestellt werden soll. Anstelle des Rasens erhalten die seitlichen Anlagenstreifen eine Bepflanzung mit einer Rosenhede auf den Außenseiten und davor nach der Promenade zwei Reihen eines sehr schönen, dornigen Bierstrauches. Diese Bepflanzung ist gleichzeitig der letzte Bersuch. Ob sich die An lage in der heutigen Gestalt überhaupt halten läßt, hängt in erster Linie von der Einsicht der Bevölkerung ab. Diese muzz felbst darauf achten, daß die neugeschaffenen Anpflanzungen nicht wieder durch zerstörungsluftige Kinder und durch Hunde unter den Augen der Bassanten beschädigt werden, ohne daß jemand den Mut findet, einzugreifen. Insbesondere mögen die Hundebefizer be benten, daß die Anlage nicht geschaffen wird, damit die Hunde dort ihre Bedürfnisse verrichten. Das Bezirksamt teilt mit, daß es seine besondere Aufmerksamkeit auf die Anlage richten und mit voller Schärfe gegen Personen einschreiten wird, die ihren Bandalismus an den Grünflächen auslassen. Dabei darf die Erwartung ausgesprochen werden, daß die Bevölkerung das Bezirksamt bei seinen Bemühun gen in jeder Weise unterstützt, und nicht etwa zugunsten des fest zustellenden Missetäters gegen die Aufseher Stellung nimmt, mie dies in lezter Zeit vielfach vorgekommen ist. " Einen Spielnachmittag für Kinder veranstaltet die gemein nügige Gesellschaft Berifreude" am Freitag, den 18. Mära, nachmittags 4 Uhr, in ihren Räumen in der Kurfürstenstraße. Ede Potsdamer Str. 104. 8wed dieser Veranstaltungen ist die Wahl des Spielzeugs durch die Kinder, auf daß Eltern, Großeltern, Onfel, Zanten, Paten. Geschwister und andere Epielzeug Echenfende lernen, was sie als Vormünter der Kinder wählen dürfen. Sie alle sind eingeladen und mögen Kinder mitbringen; au Hause lassen müssen sie alle Ge- und Verbote weil an diesem Nachmittag alles berührt, gebraucht und sogar heruntergeworfen werden darf. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Kreis Charlottenburg. Sonnabend, den 14. März, 7 Uhr. Aula der Königin Elisabethschule. Danielmannstr. 26/28, Kunstabend Karten dazu sind noch beim Obmann des Bildungsausschusses in jeder Abteilung zu haben 33. Abt. Tempelhof. Die Funktionärfonferenz findet erft Donnerstag statt. 25. Abt. Weißenfee. Donnerstag, den 12 März, 7 Uhr, in folgenden Lokalen Bezirksversammlungen: 1. Bezirt bei Minge, Lothringenitr. 3. 3. Bezirk bet Pohlmann, Langhansstr. 4. Bezirk bet Jaedel, Berliner lee. 5, Bezirk t Grünen Baum Der Gemischte Chor der Schußpolizel seranftaltet bas für ben 8. März geplante und infolge des ab ebens tes Reichspräfidenten verlegte Stonzert nunmehr endgültig am Freitag, 13. März, abends 8 Uhr, im D.pheum, Hafenheide. Er bietet einen Opernabend mit Arien, Duetten, Zerzetten, Quintetten, Eertetten, Frauen, Mäuner und gemischten Chören aus Bauberflöte"," Cosi fan tutte", Fretichüß und Meistersinger" Als Soltiten witfen u. a. mit: Opernsängerin Eisbeth Stoll( Sopian), Stonzertfängerin Margarete Clemenz( Mezzosopran), Konzertfängerin Quise Mer mann( lt), Stonzernänger Dr. Jungmann( Bariton), Opernfänger Erich Ruth( Bag). Karten von 1-3 M. und Schülertarten zu 50 Pf. bet Bert heim, Bote u Bod und an der Abendkasse Das Lofsbildungsamt Weißenfee veranstaltet am Mittwoch, den 11. März, in der Gemeinde- Turn- und Festhalle in Weißenfee, Biftorius ftraße 23. ein Sinfoniekonzert der Akademischen Orchester- Bereinigung in Berlin( mufitalische Leitung: Professor Hagel). Das Orchester setzt sich aus 80 Mitwirkenden zusammen. Solist: Horst Gebhardi. Zum Bortrag fommen: Ouverture zu Egmont von Beethoven; Unvollendete Sinfonie von Schubert; Erste Rhapsodie oon Liszt und Klavier- Konzert D- Dur von Mozart. Eintrittspreis 50 f. Pflege underndt er ng des Säuglings Am Donnerstag, den 12. März, beginnt im Raierin- Auguste- Bittoria Haus, Charlottenburg, antitrake 3 ( rakenbahnboi Bestend), ein Kursus für Mütter und Mädchen, in dem al.es das theoretisch und praitisch gelebit wib, was eine Frau von der Bflege und Ernährung des Eäuglings wiffen muß. Der Kurius umfaßt 4 Coppelstunder, jeweils Tonnerstags von 3-5 Uhr. Die Einschreibegebühr von 5 M. ist im Aufnahmebineau der Anstalt zu entrichten. Ge of: Pfarrer Bleler hält am fommenden Mittwoch, den 11. März, abends 7 1hr, in ber 32. Gemeindeschule feinen zweiten Vortrag über Das religiöse Leben in Amerita". Am Donnersta ben 19. März, vor mittags 10 Uhr. findet die Kugend weibe in ver Trinitatis. tie, Charlottenburg, Karl- August- Plaz, ftatt. Die feier ist öffentlich. Muzte die Reich präsident Friedrich Ebert schon Berben? Ueber diefes Thema spricht der Boyfiologe iedrich Robert heute( Mittwoch) abends 8 br. im iuftrage des Biochemischen Bereins von Groß- Berlin, in den Sopbienfalen, Sophienstraße 17/18.. Zum Mordanschlag auf den Redakteur Bettaner. Am Dienstag nachmittag ist, wie wir in der Morgenausgabe bereits mitteilten, der Herausgeber einer Wiener erotischen Wochen. fchrift namens Bettauer, der gleichzeitig Redakteur am Biener Tag ist, auf der Redaktion durch mehrere Schüsse schwer verletzt worden. Die Schüsse wurden von einem jungen Mann abgegeben, der am Dienstag wiederholt versucht hat, Bettauer zu fprechen und ihn vor dem Hause erwartete, als er ihn wiederholt nicht antraf Bettauer nahm ihn bel feiner Ankunft mit auf die Redaktion. Der Läter sperrte die Tür sofort zu und gab einige Schüffe auf Bettauer ab. Diefem gelang es trotzdem, die im Hause anwesenden Personen durch Hilfeschreie auf den Täter aufmerksam zu machen, der dann ouch sofort nach seiner Tai festgenommen werden fonnte. Der Täter ist ein junger Zahntechnifer, der aber alle Angaben über die Motive zur Tat bisher verweigert hat. Man spricht u. a. von einem Komplott gewiffer atentreuzler, das diefer Bohntechniker ausführen mußte. Andererseits wurden auf dem Schreibtisch Bettauers die Photographie einer jungen Frau und verschiedene Briefe zerrissen aufgefunden. Es ist also auch möglich, daß es sich um eine Liebesaffäre handelt. Der Sohn Bettauers hat sich sofort in der Klinik die Abern öfnnen lassen, da die Aerzte eine Blutübertragung für erforderlich. hielten. Bettauer ist lebensgefährlich verwundet. Sport. 14. Berliner Sechstagerennen. Der letzte Tag. Kurz vor Mitternacht legte Tonani eine Jagd ein. Es gelang ihm, sicher vom Feld fortzukommen. Das übrige Feld schloß jedoch auf Rundenverlust hatten zu verzeichnen die Paare Lorenz- Golle and Stellbrink- Techmer. Berschelden murde wegen Behinderung nan Kempens mit 150 m. bestraft. Die 2 Uhr- Nachtwertung bringt folgendes Ergebnis: 1. Spurt: Zonani, Gottfried, Berschelden Hahn 2 Spurt: Minzner Stellbrint, Golle, Madden. 3 Spurt ruptat, lep, Golle, Oliveri. 4 Spurt: Thollembeet, Bauer, Persyn, Saldom. 5. Spurt: Sal. dom, Verschelden, Hahn, Bauer. 6. Spurt: Golle, Ties, Oliveri, Madden Nachdem Bauer van Kempen nach der Wertung einige Male erfolgloje Borstöße unternommen hatten, geht van Kempen in der dritten Morgenstunde abermals los. Unter Bührung Hahns findet sich jedoch das Feld wieder zusammen. Lorenz Golfe haben eine weitere Runde verloren. tez ist der Mann einer neuen Jagd, der von Hahn gut unter ftügt wird. Doch Persyn ist scharf hinterher Debaeis hat das Glud, die Führenden zu erreichen. In rasender Fahrt geht es weiter. van Kempen scheint schlapp zu sein. Obendrein wird sein Bartner Bauer mit einem Defett gefegnet. Und so geht eine Runde verloren! Die Jagd ist beendet. Die Spizenpaare haben fämtliche Fahrer überrundet. Der Rennausschuß fit. I Gewerkschaftsbewegung Ein Urteil über die Reichsbahnverwaltung. Obwohl man vom Preffeamt der Reichebahn mit Hochdruck die Presse bearbeitet, findet sich selbst in der bürgerlichen Presse tein Berteidiger der Verhandlungs- und Entlohnungsmethoden der Reichsbahn. Die falschen Situationsberichte über die Streiflage tönnen nur böses Blut erzeugen. Benn Nachrichten in die Presse lanziert werden, daß sich der Güterverkehr ohne Störung abwickelt, während man gleichzeitig die Güterannahme verweigert, so wirken solche Notlügen ganz anders als die Reichsbahn wohl annimmt. In der heutigen Morgenausgabe der schwerindustriellen DA3" werden die Behauptungen der Hauptverwaltung der Reichsbahn unter die kritische Lupe genommen. Auf Grund der Lohnstatistik des Statistischen Reichsamts für den Monat Januar muß selbst das Stinnes- Organ feststellen, daß tatsächlich die Stundenlöhne der Eisenbahnarbeiter im großen Durchschnitt noch unter den ver gleichbaren Sägen anderer wichtiger Arbeiter. fategorien bleiben. Zu den Lohnforderungen der Eisenbahner bemerkt die„ DA3.: In der Tat ist die Belastung, die nach Erfüllung der Arbeiterwünsche etwa drei Millionen Mart im Monat betragen würde, nicht gering, wenn wir auch start bezweifeln, daß als ihre Folge eine Herauffezung der Tarife in dem von der Berwaltung angefündigten Ausmaße gerechtfertigt sein würde Bezüglich der Arbeitszeit hat das Stinnes- Organ zwar größere Bedenken, immerhin schreibt es jedoch u. a.„ Ohne Zweifel hat die Berechnung der Arbeitsbereitschaften und die bis ins einzelne vorgenommene Trennung der Arbeitsbereitschaft von der tatsächlichen Arbeit zu manchen Härten geführt, deren Fortdauer auch nicht im Interesse des Betriebes und der Arbeitsfreudigkeit der Belegschaft liegt" Schließlich kommt das Blatt zu einem geradezu vernichtenden Urteil der Methoden der Reichsbahnverwaltung: Die Reichsbahnverwaltung, deren taftisches Borgehen bisher feineswegs sehr geschict war und zur Berschärfung der Situation viel beigetragen hat, muß jezt unter allen Umständen versuchen, durch die Erfüllung mancher be rechtigter Arbeiterwünsche, auch wenn diese zunächst eine gewisse Belastung bedeufen, die Bewegung zum Stillstand zu bringen. Durch ein gutgemeintes Bertrösten der Gewerkschaften auf eine spätere Zeit und durch Verhandlungsmethoden, wie fie bisweilen leider angewandt wurden, ist dieses 3iel nicht zu erreichen." Diesem Urteil des schwerindustriellen Organs etwas hinzufügen, hieße es abschwächen. Knickri keit und Verschwendung der Reichsbahn. Aus Eisenbahnerfreisen wird uns geschrieben: Die Hauptverwaltung der Reichsbahn bemüht sich, den Spießern flarzumachen, daß bei Bewilligung einer Stundenlohnerhöhung von 3. Pfennigen das gesamte Wirtschaftsleben fo erschüttert wird, daß mit dessen Zusammenbruch zu rechnen ist. Dieser Gedankengang zieht sich wie ein roter Faden durch die Auskünfte, die Staatssetre fär Vogt, der. Vertreter des Generaldirektors Defer, einem Mit arbeiter des Berliner Tageblatts" gegeben hat. Die Reichsbahn kann aber auch sehr großzügig sein. Der Reichsverkehrsminister Krohne hat in öffentlicher Reichstagsfizung behauptet, daß Generaldirektor Deser ein Gehalt habe, daß 100.000 Mark jährlich nicht erreicht. Tatsächlich bezieht Herr Defer ein Jahreseinkommen von zirka 240 000 m.. das sich zusammensetzt aus Gehalt, Wohnungsgeld, Reisetoftenentschädi gung usw. Lediglich für den Entwurf seiner Wohnungsein richtung hat die Reichsbahndirektion Berlin 5000 M. vorschußweise gezahlt. Welche Summe mag nun erst die Wohnungseinrichtung selbst toften? Die Mitglieder des Verwaltungsrats, wie der arme Herr n. Siemens, erhalten für ihre alle 14 Tage stattfindenden Sizungen eine Jahrespauschale von 24 000 m. nebst entfprechend hohen Sigungsgeldern. Den Präsiden ten und höheren Beamten, die Inhaber von Dienstwoh mingen sind, hat man bisher bestimmungsgemäß das Wohnungsgeld abgezogen. Laut besonderer Verfügung wurde dieser Abzug ab 1. Januar d. 3. kürzlich ausgezahlt. inbem fie entgegen der Parole ber D. Neuaufnahmen in thret Sonderorganisation vollzogen. Der Mitgliederschwund, der geringe Raffenbestand von dem die sogenannte Opposition in ihrer Jahres generalversammlung berichten fonnte, bringt die bezahlten Posten der Czerny und Lüdicke ins Wackeln. Aljo versucht man durch Neu aufnahmen Unorganisierter ihrem lebensunfähigen Organisationcha wieder einige Beiträge und Mitglieder zuzuführen und durch In izenierung von wilden Werkstubenstreits diese neu gewonnenen Mitglieder an ihr Grüppchen zu fesseln. Es handelt fich jedoch um ein Bleitemanöver, das den Zusammenbruch der Sonberorganisation nicht hindern kann. Noch mehr folcher Streiche und wir werden bald von der Sonderorganisation sagen können: Friede ihrer Asche! Der moralische Kazenjammer und der materielie Nach teil bleibt den betörten Anhängern der Sonderbündler als Hinter lassenschaft der glorreichen Führung von Gaebel, Czerny und Lüdicke. Selten ist die Mache der Schieber im Hintergrunde. so offen zutage getreten wie bei den paar Wertstubenstreits der Briefumschlagbranche. In der zweiten Hälfte des Februar berief Lüdicke eine Bersammlung aller in der Branche Beschäftigten ein. Es sind über 800 Personen in der Branche tätig. Von diesen mehr als 800 waren 70 Personen anwesend. Einen Streitbeschluß wollte man nicht fassen, aber man wählte dort eine Streifleitung von 18 Personen. Darauf versuchten die prinzipiellen Tarifgegner in einzelnen Wert. stuben- und Funktionärversammlungen nachzuhelfen. Zum 3. März wurde dann wiederum eine allgemeine Branchenversammlung eins berufen, die diesmal von 110 Personen besucht war. Auch in dieser Versammlung erflärte der auf dem legten Loche pfeifende Theaterheld Lüdicke Ein Streitbeschluß sei bei diesem schwachen Versamm lungsbefuch nicht möglich. Gemacht werden sollte eine impulsive" wilde Bewegung. Also bearbeitete man einige Werkstuben und brachte die Maschinenarbeiterinnen in den Streif. Unsere Mitglieder haben sich von diefen Drahtziehern nicht einfangen lassen, erkennen den von der Organisation abgeschlossenen Tarifvertrag an und arbeiten in den Betrieben weiter. Wir mahnen alle in der Briefumschlagindustrie beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter, wachjamen Auges zu erkennen, meldjen Machern und Schiebern fie ins Barn laufen sollen Von über 800 in der Brief umschlagindustrie beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeitern stehen 90 Personen im Streit. Diese wenigen folgen den Unfen rufen der Sonderbündler. Lohn- und Arbeitsbedingungen bessert man nicht, wenn man politischen Phraseuren und Sonderbündlern nachläuft; sondern Stärkung der gewerkschaftlichen Organisation ist nötig, welche befähigt und berechtigt ist, Tarifabschlüsse zu tätigen und wenn es durch den Widerstand der Unternehmer gegenüber berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer nicht zu Tarifabschlüssen fommt auch geschlossene und erfolgreiche Rämpfe führen können. Anmerkung der Redaktion: Im Berliner Bolschemistenblatt wird behauptet, der„ Borwärts" und der Verband der Buchbinder fordern zum Streitbruch auf. Daß rechtsgültig abgeschloffene Tarif verträge von beiden Parteien gehalten werden müssen. fümmert das Blatt nicht, das besser täte, die Streifbrecher in den eigenen Reihen zur Ordnung zu rufen. Bezüglich der Inserate der Arbeitgeber ist es Tradition im Vorwärts", daß deren Aufnahme verweigert wird, wenn in dem betreffenden Betrieb Differenzen bestchen. Das ist selbstverständlich auch im Falle Jandorf geschehen, nachdem Mitteilung von Differenzen eingegangen war. Wiederaufnahme der Arbeit bei Maffei und Schwarzkopff Eine Betriebsversammlung der Streifenden und Ausgesperrten von Maffet und Schwarzkopff in Wildan beschloß gestern einstimmig die Wiederaufnahme der Arbeit Bei den Verhand lungen, die vom Deutschen Metallarbeiter- Verband geführt wurden, gab die Firma die Zusicherung ab, daß über die Lohndifferenzen nach Wiederaufnahme der Arbeit Verhandlungen stattfinden sollen. Maßregelungen finden keine statt. Die„ Rote Fahne" tnüpft an die Wiederaufnahme der Arbeit einen Rommentar, der nur beweist, daß das Bolschewiſtenblatt teine Ahnung pon den Dingen hat, über die es schreibt. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß es fich bei dem Streit der Heizer und Maschinisten von Maffei und Schwarzkopff nicht um eine Be wegung der Organisation handelt, sondern um einen wilden Streit. Am 26. Februar stellten die Maschinisten und Heizer eine ultimative Lohnforderung, ohne die Organisation vorher ver ständigt zu haben. Die Frist von 24 Stunden, um die die Betriebsleitung ersuchte, weil sie sich mit der Direktion in Ber bindung sehen wollte, wurde abgelehnt und die Arbeit sofort nieder gelegt. Nachträglich wurde erst die Organisation ersucht, mit dem BMI. Verhandlungen zu pflegen. Diese Verhandlungen ergabenr das oben erwähnte Resultat, mit dem sich die Belegschaft einmütig emverstanden erflärte. Lohutarif für die Berliner Landschaftsgärtnerei. Die Stundenlöhne betragen( in Reichsmart): nicht wegen einer Lohnzulage von 3 Bfennigen stündlich, sondern Benn also tatsächlich die Tarife erhöht werden müßten, dann meil in den leitenden Kreisen der Reichsbahn eine Finanzwirtschaft herrscht, die es ermöglicht, daß man sich gegenseitig unglaubliche Für Gärtner unter 20 Jhr. im 1. Jahre d. Branchentätigt. 0.72 Summen zuschiebt. Das ganze nennt man dann faufmännische Betriebsführung", während in Wirklichkeit lediglich übelfte Scharf. machertendenzen à la Kirdorff unumschränkt herrschen. Ein Pleitemanöver. Bom Berband der Buchbinder und Papierarbeiter wird uns mitgeteilt: Der Api- Lohnvertrag, dem die Betriebe der Briefumschlagfabri tation unterstehen, hat gemäß Schiedsspruch vom 3. Februar 1925 Gültigkeit vom 5. Februar ab bis 1. Juli 1925. Das Api- Abkommen ist ein Reichstarifvertrag. Bei den letzten Verhandlungen wurde unter Ausnüßung aller gegebenen Situationen um den leß ten Pfennig Lohnerhöhung geftritten und schließlich von beiden Tariffontrahenten dem im Arbeitsministerium gefällten Schiedsspruch die Zustimmung gegeben. Ergebnis: Weber Krupfat haben eine Runde ver. foren und erhalten außerdem eine Strafrunde. Ban Kempen Bauer haben eine, Münzner Gottfried, Madden Saldom, Sellbrint Techmer und LorenzGalle zwei weitere Runden verloren! Oliveri Zonani erhalten eine Strafrunde! Bauer fann seinen Defett nachweisen und erhält so eine verlorene Runde zu rüdvergütet. Dann wird es ruhiger im großen Haus. Um 6 Uhr früh veranstaltet Bauer eine ftürmische Jagd. Die drei Spißenpaare forgen aber dafür, daß sich das Feld wieder zusammenfließt. Lorenz Golle müssen abermals einen Runden Derlust buchen. Dann versucht Verschelden auszureißen. Doch Liek weiß die Pedale in fabelhafter Weise zu bearbeiten. Blög. lich ein Sturz Ties ist das Opfer. Nach kurzer Neutralisation eriche nt dieser portreffliche Fahrer wieber. Der Rennausschuß tetit mit, daß Stellbrint Techmer, bie weitere Runden verloren batten, aus dem Rennen genommen werden. Ban Kempen Bauer erhalten wegen schlechter Ablösung eine Die kommunistische Sonderorganisation versucht nun wieder im Gtrafrunde! trüben zu fifchen. Da fie zu Tarifabschlüssen und Berhandlun Der Stand des Rennens ist nun folgenber: 1. Berign Bergen nicht zugelassen werden, erflären sie, aus Prinzip und fchelden 173 Punkte, 2. Hahn- Tiez 137 Buntie, 3. Debaets- aus Neigung von uns abgeschlossene Tarife durchbrechen zu Thollembeet 56 Punkte. 2 Runden zurüd: 4. Dan Kempen wollen. Die Organisationsmüdigkeit in einigen Betrieben dieser Bauer 176 Buntie, 5. Oliveri- Ionani 129 Bumfie. 4 Runden Branche tam den„ Tarifbrechern aus Prinzip zustatten. Sie het zurüd: Madden- Saldom 65 Punkte, Weber- Kruptat 37 Buntte. ten und wühlten gegen unsere Organisation als vertragschließende Runden zurück: Lorenz- Golle 77 Punkte. 9 Runden zu Bartei und erzielten einige Neuaufnahmen. Damit zeigten diese rüd: Münzer Gottfried 69 Punkte. Leutchen ihr zweites Doppelgesicht und jetzt ihrer Bartel gegenüber, Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. 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Morgen, Donnerstag, 5 Uhr, bet Neumann. Samariterſte 12, Bezirksversammlung. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saterans Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: K. S. Döfcher; Lotales und Sonstiges: Fris Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Beriaasanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GB. 68, Lindenstrake& Fritz Rauner Neukölln, Reuterstraße 53 die billige Lezugsquelle für LeibHub: Wäsche Wäschestoffe jeder Art. 2. Geschäft: Anzengruber- Straße 27 Bären- Stiefel unverwüstliche wasserdichte Strapazier- Stiefel für Straße u. Sport Hans Bähr, Spittelmarkt 7 order Brücke) ALLES REINIGT BESSER ALS JEDE SEIFE KOKONA REINIGER HELENENWERK G.m.b. H. Berlin W.35, Magdeburger Straße 6 Fernsprecher Kurfürst 6366 paziar ehrad lur fir Ischias an51, cesa and Bein, wens arzfl. festgestellt to 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt werden. Onantastbare Beiterfolge. 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