Abendausgabe Nr. 127+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 63 Bergsbedingungen und Anzeigenareife And in der Morgenausgabe angegeben Redallion: Sm. 68, Cindenstraße 3 Ferniprecher: Donhoff 292-298 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Montag 16. März 1925 Berlee und Angetgenabteilung: Gefchäftszett 3-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb. Berlin S. 68, Cindenficate a Ferniprecher: Doube 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Braun, nicht Jarres! Fort mit dem Block des Volksbetruges! Die Firma We starp Stresemann hat die Frage des Firmenschildes glänzend gelöst. Sie benutzt ein Schild mit auswechselbaren Buchstaben. Für die Leute des Herrn Stresemann heißt sie Reichsblod, für die des Herrn We starp Rechtsblod. Man braucht nur das i mit dem t zu vertauschen, dann können alle zufriedengestellt werden. Der Wahlaufruf der Deutschnationalen nimmt diese kleine Operation in aller Deffentlichkeit vor. Es heißt darin: der maßgeblichen mit schöpfer jener britten Steuernot verordnung, die diese Rentner und ehemals Reichen dem Hunger preisgab. Die Not der Vertriebenen. Ein neuer Ruhrsfandal. Bon Emil Fischer Nürnberg. Das unglaubliche Berhalten der Reichsregierung, die ohne Genehmigung des Reichstags den Ruhrindustriellen 700 millionen Goldmark als Liebesgabe schenkte, auf der anderen Seite aber den vertriebenen Deutschen Sie werden es sich überlegen, ob sie sich noch ein aus dem Ausland und den ehemaligen deutschen Gebieten mal von reaktionärer Demagogie einfangen lassen. Sie Bettelpfennige als Bollentschädigung für den ver werden es fich auch überlegen, ob sie noch den bürgerlorenen Hausrat und die vernichtete Existenz anbot, hat mit lichen Parteien Berirauen schenken tönnen, die die Recht in weiten Kreisen der Bevölkerung Entrüstung hervor. Auswertungspolitik der Reaktionäre geduldet haben. gerufen. Wohl versucht die Presse der Schwerindustrie mit Und wenn sie nur in ihrem Elend eine Spur von flarer der immer mehr zusammenbrechenden Barmat- Affäre von Erfenninis der politischen Lage erhielten, so werden sie nur dem Ruhrsfandal abzulenten, aber die Empörung noch der Partei zustimmen fönnen, die allein im Rahmen der Steuerzahler ist zu groß, um den Bertuschungsmanövern der wirtschaftlichen Möglichkeit und unter besonderer Berüd der Korruptionspresse Erfolg zu bringen. Für den, der etwas begriffsstugig ist, und dazu gehören fichtigung der sozialen Notlage des einzelnen Opfers der Inja die Lefer der Rechtspresse, schreibt Herr West arp oben- flation die gerechte Aufwertung verlangt. Das aber ja die Leser der Rechispresse, schreibt Herr West arp oben ist die Sozialdemokratie; und der Kandidat für die drein in der Kreuz- Zeitung": Reichspräsidentschaft heißt Otto Braun. Nunmehr ist Dr. Jarres der Kandidat des Reichsblods", ber gegenüber den Parteien der Weimarer Koalition zugleich der große Rechtsblod ist" ,, Unter einem Sosialbeniofraten oder einen von der Sozialdemokratie abhängigen Präsidenten wird die große nationale Rechte an der Regierung niemals ihrer Stärke und Bedeutung entsprechend beteiligt werden, wird des halb eine Gesundung unserer inneren Berhältnisse, eine feite und würdige Politik der Befreiung nach außen nicht zu erzielen fein." Der Reichsblod" heißt demnach von Rechts wegen Rechtsblod. Herr Jarres wird verpflichtet, den Deutschnationalen zu einer Regierung nach ihrem Wunsche zu verhelfen. Wie reimt sich das zusammen? Der Wahlaufruf der Deutschnationalen lebt Herrn Jarres: „ Dr. Jarres ist ein deutscher Mann, uneigennützig in Beruf und Leben, erfahren und fachkundig in den Geschäften des Staates, deutsch in treuem Festhalten am christlichen Glauben, im Wesen und Wir. fen getragen von sozialem Empfinden gegen jeden Bollagenoffen, deutsch vor allem auch im starten nationalen illen. alles einzufegen für des Vaterlandes Ehre und Freiheit. Herr I arres ist der Mann Stresemanns, der ihm zur Kondidatur verholfen hat. Wie reimt sich das Lob zu fommen mit den Angriffen, die er megen des Garantievorfd legs gegen Stresemann führt, und von denen wir an demselben Tage in der Deutschen Reitung" eine neue Probe lesen, en dem der Aufruf veröffentlicht wird? Mo fikt der Schwindel? In der Stellung der Rechtspreffe zur Sicherheitsfrage, oder im Wahlaufruf der Deutschnationalen? Der deutschnationale Betrug. Die Proteste der Papiermarkgläubiger. Zu Bergen häufen sich in unserer Redaktion die erbitterten Ragen der von den Deutschnationalen eingefangenen und verratenen Opfer der Inflation. Wie sich in deren Augen die Haltung der Reaktionäre zur Auswertung darstellt, mag einer der vielen Briefe unseren Lesern zeigen. Aus einer längeren Klageschrift entnehmen wir wörtlich die folgenden Ausführungen: Wir sind mit einer allgemeinen bescheidenen Zinszahlung zufrieden, da dann die Bapiere- in der Hoffnung auf spätere hohere Zinsen von der Börse ganz von selbst in die Höhe gefeht werden. Funk von der„ Berliner Börsenzeitung schreibt in seinen Artikeln, die jüngeren Arbeiter bekommen zu hohe Löhne und verpraffen das Geld in Lasterhöhlen. In den Raditanzlokalen sind feine Arbeiter, aber alle diese Leute zu finden, die Luther mit feiner 3. Eteuernot verordnung schützt, die feine Zinsen zu zahlen brauchen und auch das uns abgeschwindelte Kapital nicht zurückzahlen. Ich habe 1921 emer Firma 200 000 Mart als Betriebsfapital geliehen. Damals hatte die Firma 5 Arbeiter, heute 100. Ich bekam 16% Proz. Zinjen, machte 33 000 Mart im Jahr. Mein Verbrauch mit meiner Familie war 1921 23 000 Mart. Also fonnte ich noch 10 000 mart sparen. Herr Luther bestimmt nun, daß solche Schuldner überhaupt feine 3mfen zu zahlen brauchen. Von meinen 200 000 Mart, welche reine Goldmart für mich waren, soll ich nach Luthers Willen und seiner Umrechnung 600 mart wieder zurüdbekommen. fast mein ganzes, bei 16stündiger Arbeit von Kindheit an aufgespartes Vermögen, und nun foll ich auf meine alten Tage mit 600 Mart was anfangen. Im Januar 1924 ging ich zu obigem Schuldner und bat ihn um etwas 3insen; da fagten mir die Dienstmädchen, die Herrschaft sei in St. Morig. 3m April ging ich wieder hin. da waren die Herrschaften in Italien; und als ich im August Hunger mit meiner Familie hatte und wieder ging und Zinsen haben wollte, da waren die Lumpen in Norderney. Das sind die Leute, die die Last erstätten füllen, und nur weil fle infolge der dritten Steuernotverordnung feine 3injen zu zahlen brauchen und auch noch um das geliehene Kapital betrügen Fönnen. Als ich jetzt wieder da war, sagten mir die Herrschaften, wenn ich was haben will, soll ich zum Rechtsanwalt gehen. Dazu habe ich kein Geld." Es war Das ist eine der vielen Stimmen. Ein Mann, der um fein Bermögen vor zwei Jahren von jedem Proletarier be ne det worden wäre, ist durch die Inflation zum Bettler herabgefunken. Und es waren die Deutschnationalen, die diesen Und es waren die Deutschnationalen, die diesen Leuten goldene Berge versprachen und sie schmählich im Sticheließen, als es damit ernst wurde. Ihr Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten, Dr. Jarres, mar einer Jarres in Duisburg. Zum Rellamefeldzug des Rechtsblocks. Behntausend, für die der Wahlkampf zur Präsidentschaft nichts Jarres ist der Randidat des Besizes und der oberen anderes ist als der Kampf um die Sicherung der mit dem 9. Rovember verlorenen uneingeschränkten Rechte. Sie wollen herrschen und befehlen, und das soll ihnen Jarres als Reichspräsident ermöglichen. Hunderttausende von Mart- find bereits zur Propa Hellt. Ein besonderer Ausschuß vericilt die Gelder, und ganda für die Kandidatur Jarres zur Verfügung ge eine mit vielen Krüsten besetzte Presseabteilung versorgt die Schwarzweißrote Bresse mit Berleumdermaterial und Lobeshymnen auf Jarres. Er wird als der große mutige mann gepriesen, der während des Kapp Putsches als Duisburger Oberbürgermeister lieber feine Pflicht mit dem Tode bezahit hätte, cls daß er unter dem Drud der Roien Armee davongelaufen wäre. Wir bestreiten nicht, daß sich Herr Jarres damals im allgemeinen gut gehalten hat. Aber das war als Führer der Stadtverwaltung nicht mehr wie feine Pflicht. Bielleicht aber weist die Rechtspresse, menn sie schon dabei ist, den Lebenslauf ihres Kandidaten bis in alle Einzelheiten wiederzugeben auch einmal darauf hin, daß sich Herr Dr. Jarres während der letzten Tage des Kapp. Butsches unter den Schuß der belgischen Besayung nach Duisburg Ruhrort begeben hat. Er selbst wird das nicht bestreiten, und wir verübeln es ihm nicht. Aber wir erinnern an diese Dinge, weil die' chwarzweißrote Bresse ihn als den größten aller Helden hinzustellen versucht. Als Ebert, Scheidemann und Jinste 1918/19 modhenlang ihr Leben aufs Spiel feiten, nachdem die Hohenzollern schmählich ausgerissen waren, hat fein Rechtsblatt von dem großen Mut dieser Männer gesprochen. Ihnen wird vielmehr cgt die Quittung für ihre tapfere Haltung durch den Magdeburger Brozeß zuten. Aus Jarres aber macht man den Helden, weil er Prozeß zuten. Aus Jarres aber macht man den Helden, weil er eitweise tat, was seine Pflicht war! Nummer sieben- Ludendorff? Hitler gegen Jarrés. Die Deutschvolfischen in Norddeutschland lassen erklären, daß sie die Kandidatur Jarres unterstützen wollten. Sie vermeiden damit eine Zählung ihrer Anhänger, und sie handeln flug damit; denn jede Wahl, bei der sie selbständig auftreten, wird zeigen, daß fie in Wahrheit als Bartei selbst als fleine Partei nicht mehr da sind. Anders denkt Hitler in Bayern. Sein Organ, der Bölkische Kurier", wendet sich mit großer Schärfe gegen 3 arres und befürwortet eine völfische Sonderfandi datur: batur: lind was das Betrüblichste ist: Selbst die Deutsch. nationale Partei verjagt in einem so tata strophalen Ausmaß, daß man verzweifeln könnte. Sie hält immer noch die lächerliche Fiffion einer nationalen Einhellstandidatur aufrecht und sieht dieses Ziel ausgerechnet in der Person des vom Reichsbürgerrat gemanagten Dr. Jarres verwirklicht. Wir haben schon gestern die Frage einer völkischen Sondertandidatur in die Debatte geworfen. Die Lage ist heute so, daß diese Sonderfandidatur geradezu gebieterische Notwendigkeit ist. Denn vergessen wir eines nicht: Auch ein Reichspräsident Jarras wird seine Aufgabe darin erblicken, den„ Kampf" um die Erhaltung der deutschen Nation mit der Niederknüppelung der deutschen Frei heitsbewegung zu beginnen. Die völkische Bewegung hat daher die geschichtliche Mission, das zu tun, wozu sich die nationalen Parteien als unfähig erwiesen haben. Sie hat die Miffion, einen Kandidaten heraus zu stellen, in dem sich der Freiheitswille der deutschen Nation verkörpert. Die Wahl der Persönlichkeit dürfte angesichts dieser Aufgabe gerade bei uns Böllischen auf teine Schwierigkeiten stoßen." Also Ludendorff- als Kandidat Nummer sieben! Er wird sich mit Herrn Thälmann um die Ehre der niedrigsten Stimmenzahl erbittert schlagen und sein strategisches Genie aufbieten, um eine neue Niederlage zu erkämpfen. Donnerstag nach betrieb im Reichswahlamt. Das Statistische Reichsamt, das jeht als Reichswahlamt funktioniert, macht am Donnerstag Nachtdienst, weil an diesem Tan um 12 Uh: Mitternacht die Anmeldefrit für die Reichspräsidentschaftstandidaten bis feht find es nur sechs abläuft. Wer Lust, Liebe und 20 000 Unters schriften hat, bem ist noch Gelegenheit gegeben, DO Mitten in die Versuche der Stresemann- Luther- Regierung, ihr Verhalten gegenüber den Schwerindustriellen zu rechtfertigen, tommt die Kunde von einem neuen Standal, ver nicht nur die Gemüter der Bertriebenen aufs höchste erregt. Bekanntlich mußten die deutschen Familien im Ausland ind in den ehemaligen deutschen Gebieten, die durch den Krieg verloren gingen, ihren Hausrat bei der Aus weifung zurüdlaffen oder zu einem Spottgeld den fremden Regierungen versteigert und der Erlös der deut verschleudern. Der zurückgelassene Hausrat wurde dann von fchen Regierung auf das Reparationskonto gutgeschrieben. Mit anderen Worten: Deutschland hat einen Teil feiner Kriegsschulden mit dem Eigentum der Vertriebenen bezahlt! Die Flüchtlinge jedoch befamen von der deutschen Regierung lediglich eine Abfindung schreibe 1250 bis 2000 Mart, ganz gleich, ob es sich um einen für verlorenes Mobiliar und verlorene Existenz von jage und tatsächlichen Schaden von 3000 bis 10000 Mart und darüber handelte. Gebiete des Ruhrreviers durch die Besagungstruppen Nun sind dieser Tage infolge der Räumung einzelner mehrere hundert Zimmereinrichtungen von Beamten der Besagungstruppen und der Regiebahnen frei geworden und dem Reichsvermögensamt zur Verfügung ges ftellt worden. freigewordenen Haushaltungen ihren är mst en Kindern, den Was tut die Reichsregierung? Anstatt die haben, zu billigem Geld zu uberlaffen, damit Hunderte von Bertriebenen, die fürs Baterland ihr Hab und Gut geopfert Flüchtlingsfamilien wieder Bett, Tisch und Stuhl bekommen, werden von den Beamten der Reichsregierung die freigemordenen Haushaltungen in Essen, Düsseldorf, Hagen usw. einfach an den Meistbietenden versteigert! Die Regierungsinstanzen, die mit dem Eigentum der Vertriebenen die Kriegsschulden bezahlen, bringen nech nicht einmal soviel Gerechtigkeitsgefühl auf, hier den unverschuldetin Not geratenen deutschen Flüchtlingsfamilien inter die Arme zu grei en. Bei den Ruhrmagnaten mar die Reichsregierung fehr schnell bei der Hand, helfend und linbernd" einzugreifen! Für die Aermiten der Armen, für die wirklichen Opfer des Krieges rührt sich fein Finger. Bon der Staatsanwaltschaft ,, von der Rechtspresse, non Regierungsvertretern wird in allen Taschen unbequemer Bolitiker herumgeschnüffelt, um etwa herauszufinden, was man dem Bolte als abschreckendes Beispiel der moralischen Minder merligkeit einzelner Politiker der Linksparteien oder diesen felbst vorführen möchte. Kein Tag vergeht, an dem nicht die demokratischer Führer auf Kosten des deutschen Volkes zu beRechtspresse von angeblichen Bereicherungen sozialdemokratischer Führer auf Kosten des deutschen Bolles zu berichten weiß kein Wort aber meldet dieselbe Bresse, daß Beamtenorganisationen, Kirchen, Klöster und reiche Möbelhändler mit den besten 3immer. einrichtungen und Möbelstücken, die jetzt im Ruhrgebiet freigeworden sind, gesegnet wurden, während die armen Flüchtlinge leer ausgehen, die die Sachen so nötig brauchen, um wieder ein geordnetes Familienleben aufzubauen. Nicht nur das, her Standal wird noch größer, wenn man erfährt, was Flüchtlinge über diese Vorgänge an ihre Organisationsleitung schreiben, um ihrer nur zu berechtigten Empörung Luft zu machen. In einem Schreiben aus Oberhausen im Rheinland heißt es unter anderem: Außerdem haben mir die Beobachtung machen müssen, daß beim Berlauf für die Flüchtlinge die Preise für die Möbellüde bedeutend höher angefeht waren als für andere Käufer. Beispielsweise war cin klavier für die Flüchtlinge mit 1600 Mart ausgerechnet, welches später an Privatleute für 1200 mart abgefeht wurde; cine gute elchene 3immer einrichtung war mit 200 Mart als vertauft bezeichnet, während am Teitaufetag von den Flüchtlingen für eine Zimmereinrichtung nicht in gleicher Qualität von letzteren 400 Mark gefordert wurden." Als Flüchtlinge in Hagen sich um Möbel bemühten hieß es, die Zimmereinrichtungen seien bereits meistbietend Dersteigert worden. In Dortmund waren 600 fom= plette Wohnungseinrichtungen freigeworden. Ein Teil davon wurde an die noch besetzten Besagungsämter abgegeben, der andere Teil versteigert die im Ruhrgebiet zahlreich zugezogenen, aus Elsaz- Lothringen ver triebenen Bergarbeiter gingen leer aus. J Wiesbaden stehen 400 Einrichtungen von abgebaute Regiebeamten. Diese Sachen sollen demnächst sogar im ganzen versteigert werden. So sorgt dieselbe Regierung, die ohne mit den Wimpern I zu zuden, über die Millionäre im Ruhrgebiet einen unerhörten Golbregen fließen ließ, für diejenigen, die nicht nur alles verloren haben, sondern mit deren früherem Eigentum die Annegionspolitit ber Schwerindustrie bezahlt werden muß. Würden Sozialdemokraten so handeln, die Deutschnationalen und ihre Hintermänner hätten nicht genug Worte, um solches Verhalten an den Flüchtlingen mit allen Mitteln des Schmierenpathos zu kennzeichnen. Wie die Vertriebenen, von denen Hundert tausende bei der letzten Wahl den Versprechungen der Rechtsparteien Glauben schenften, über den neuesten Ruhrsfandal benfen, das wird die Regierung des Ruhr blods, der sich Reichsblod" nennt, am 29. März mit aller Deutlichkeit er fahren. Stresemanns Partherpfeil. Frau von Oheimb gegen Stresemann. " Die Beit" polemisiert gegen das Berliner Tageblatt" wegen der Feststellung, daß der Partherpfeil des Herrn Stresemann die Kandidatur Geßler zum Erliegen gebracht habe. Gegen die weitaus schärferen Angriffe aus den Reihen des Jarres- Block's selbst gegen die Beit", vor allem der Deutschen Tageszeitung", riskiert das Organ des Herrn Stresemann fein einziges Wort. Die Leitung der Bolkspartei hat dafür eine öffentlihe Polemik mit Frau v. Dheimb angefangen, und diese Polemik bekommt Herrn Stresemann schlecht. Frau v. Dheimb setzt sich gegen die parteioffizielle Mitteilung der Boltspariei zur Mehr, daß sie mit ihrem Austritt nur dem Ausschluß zu vorgekommen sei, und, weist dokumentarisch nach, daß die parteis offizielle Pressemeldung darüber eine Unmahrheit verbreitet. Die Feststellungen von Frau v. Dheimb eritre ten sich weiter auf die Sigung des Reichsparteiausschusses zur Präs fidentenfrage. Hierzu schreibt fie: d Es fann aber auch sein, daß hier eine 3rreführung der Deffentlichkeit herbeigeführt werden sollte. Herr Strese. mann hat in seiner Rede vor dem Reichsausschuß in leiden. Ichaftlichster Weise gegen die bürgerliche Sammel. fandidatur gefämpft und dadurch die doch selbstverständlich weniger orientierten Wahlkreisvorsitzenden und Parteisekretäre zu einem Beschluß gebracht, der eigentlich der Mehrheit der Deutschen Tolkspartei widersprach. Der größere Teil ber Bertreter hatte sich für den Sammeltandidaten ber bürgerlichen Parteien ausgesprochen und sich damit dem Gedankengang der Reichstagsabgeordneten angeschlossen, weil dieser Sammelfandidat ja auch der seit 1% Jahren geführten politischen Linie entsprach, eine bürgerliche Mehrheit zu fchaffen." Die Tatsache, daß Stresemann die Kandidatur Geßler zu Fall gebracht hat, um Jarres durchzusetzen, ist nicht zu bestreiten. Herr Jarres ist also auf Grund einer Intrigue seines Freundes Stresemann Kandidar des Rechtsblods geworden. Diese Feststellung zeigt, was es mit den tollen Deflamationen des Rechtsblocks für Herrn Jarres auf sich hat. Die Stellung der Wirtschaftspartei. Bayerischer Bauern und Mittelstandsbund gegen Jarres Am Sonnabend tagte im Bayerischen Bandtag bie 2andes. Dorstandschaft des Bayerischen Bauern unb ittelstandbundes, um ben Bericht bes Minifters Fehr über bie Berhandlungen zur Reichspräsidentenwahl in Berlin ent gegenzunehmen. In ciner einstimmig gefaßten Entschließung wird bebauert, baß die Susammenfaffung aller bürgerlichen Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten nicht gelungen ist was Die Haltung des Bayerischen Bauern und Mittelstandbundes zu den bereits nominierten Randidaten anlangt. fo tommt eine Unter stützung des Kandidaten ber Linten nicht in Frage. Der Landesverband hat es aber auch abgelehnt, die Wahl der Kandidaten der Rechtsparteien feinen Mitgliedern und Anhängern zu empfehlen. Welchen Segel am Horizont." ( Boltsbühne.) En Blitz der Inspiration traf in die Phantasie Rudolf Leon. hards. Er neigt zu solchen Erleuchtungon, pflegt er doch gern aphoristische Weisheit, indem er durch einen tnappen Spruch Lebens furiofitäten erklärt. Der Gedankensplitter ist natürlich nur Ersatz für einen gegen Gedanken, und der fluge Mann, der solchen Ausbrud liebt, fann leicht in den Berdacht geraten, über die Moral und Seelenfunde wie ein Windhund wegzuspringen. Balzac las gern Beibungen, um absonderliche Schicksalsverwirrungen aufzufstöbern. Leonhard tat Gleiches wie Balzac und entdeckte die Nachricht, daß irgendwo ein Schiff Anker warf, auf dessen Kommandobrüde eine Randidaten die Parteileitung ihren Anhängern vorschlagen wirb,| hängt von der Entscheidung ab, welche die Frattion der Birischaft. lichen Bereinigung, die am fommenden Dienstag in Berlin zu sammentritt, treffen wird. Wahlsieg in Kiel. Dr. Heimerich zum Bürgermeister gewählt. Arbett vernichten zu laffen. Wie die Hattung ber beutfchen Sozial Demokraten im Ausland aufgefaßt wurde, geht ja am besten Daraus hervor, daß im Frühjahr 1919 auf dem ersten Sozialsten fongreß in Bern der Antrag gestellt wurde, Ebert und meil Scheidemann aus der Sozialdemokratie auszustoßen, sie mit der faiserlichen Regierung durch Did und Dünn gegangen jeten. Wir traten in die Streifleitung ein, deren wirtschaftliche Berechti gung wir auch nicht anerkennen fonnten, um die Leute wieder in die Betriebe zu bringen, stießen aber leider auf Borf.: Sie haben an feiner Sigung der Streifleitung teilgeJeuge: Ja, an zwei oder drei Sigungen. nommen? & iel, 16. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Kieler Bürger.| Berständnisiofigfeit bei der Regierung. schaft wählte den Genossen Heimerich- Nürnberg mit 29 384 Stimmen zum Bürgermeister. Auf den Gegenkandidaten, den volks. parteilichen Dr. Hansemann- Neuß, entfielen 20 736, auf den bisherigen Bürgermeister Dr. Gradenwih, der zur Demokratischen Partei zählt, 16 814 Stimmen. Diese Wahlen erfolgen in Schleswig- Holstein in direkter Wahl durch die Bürgerschaft. Rela. five Mehrheit entscheidet. Magdeburger Prozeß. Otto Wels als Zenge. Um 10 Uhr eröffnete Bandgerichtsdirektor Rudolf die Berhandlung und wandte sich an den Angeklagten: Welches Material stützen? haben Sie in erster Instanz angegeben, um Ihre Beweisführung zu in Schweigen und mit einem Blid nach seinem Verteidiger erDer Angeklagte Rothardt verharrt etwa 3 Minuten Märt er: Daran erinnere ich mich nicht mehr. Vors.: Bermutlich haben Sie bei Abfassung Ihres beleidigenden Artikels sich auf die Aussage Dr. Gansers in seinem eigenen Ber. fahren gestützt. Rothardt murmelt etwas Unverständliches und feht sich wieder. Das Gericht verlas darauf Teile aus der Schußschrift Dr. Ganßers. Dann erfolgte die Bernehmung des Borsigenden der SPD., des Reichstagsabgeordneten Offo Wels, der sich zunächst über die Machtverhältnisse in der SPD. während der sich zunächst über die Machtverhältnisse in der SPD. während des Krieges verbreitete, die sich am besten in der Tatsache doku mentierten, daß der Parteivorstand feine Möglichkeit hatte, auf den Borwärts", als er gegen den Parteivorstand schrieb, Einfluß zu nehmen. Deshalb gründete der Parteivorstand die adel", die der Zeuge redigierte. Wels war damals Beisiger im Sozialdemokra tischen Parteivorstand und Bezirkssekretär für die Provinz Branden burg. Auf Wunsch des Zeugen wurde zur Kennzeichnung der EinJahre 1917 2ufgepaßt!" perlefen, in der gegen die damals fchon stellung des Barteivorstandes ein Artikel der Fadel" aus dem drohenden Generalstreitbewegungen fehr fchart Front gemacht und der Generalstreit im Krieg als heller Wahn. finn" bezeichnet wurde. Die Massen der deutschen Arbeiter werden, So hieß es in dem Artikel, ihren Brüdern an der Front nicht in den Rüden fallen. Borjihender: Das war also bie Ansicht des parteivor. standes?" lichung an, um auf die Bevölkerung cirwirten zu tönnen. Die Zeuge: Jawohl, und Ebert befonders regte diefe Beröffent. Parteileitung hat durch den ganzen Krieg hindurch ihre Einstellung zur Landesverteidigung durchrehalten und gerade der verstorbene Reichspräsidnet hat ja deshalb den Kampf mit Hugo Haase durchgefochten, der mit der Spaltung der SPD. endete." Bo: s.: Aber die Parteil- itung ist später doch in die Streit. leitung eingetreten? Jeuge: Gewi und das ist kein Widerspruch zu der Gesamirin ftellung. Diefer Streit ist ja ganz im Geheimen hinter unferen Rüden in den Betrieben gemacht worden. Wir fahen im Parte vorstand in diefer Streifbewegung die größte Gefahr für Land und Bolt. Unsere Pflicht war es, unfere Leute nicht. mild herumlaufen zu laffen, fondern die Attion in Bahnen zu Tenten, in denen lie möglichst geringen Schaden anrichten tonnte. Unsere Einstellung zu Streits im Kriege mar traditionell 1907 tante in Stuth art ein fozialistischer Stongreb, auf dem die Frene des Generalftreits im Kriene behandelt murde. Es tam zu heftigsten Debatten zwischen Bebel und Jaurès. Wir vertraten die Meinung, daß ein 3 weifronten. frieg, der uns bevorstand, tie Niederlage ber Demokratie und den damals wie auch später in Kopenhagen wir deutschen Sozialdemo Sien des russischen 2bfolutismus bringen mußte. Deshalb vertraten fraten den Standpunkt, daß wir nie die Hand bieten würden, unser Eaterland überrennen zu laffen und die Frucht unserer 50jährigen der schon den Hafen sichtet, wieder auf die unendliche See. Die 58 Personen, die noch geblieben sind, wollen ihre Heilung von der Erbsündenkrankheit, die jeden Adam wahnsinnig macht vor jeder Eva, genießen und überprüfen. Der Dichter tröstet, daß die Prüfung durchaus zugunsten der Seelenabenteurer ausfallen wird. Der optimistische Dichter gestaltet vier Afte, von denen zwei nicht flott werden. Dann aber spannt sich die Dramatit, und die Inrische und gedankliche Ueberfracht des Anfangs wird vergeffen. Nachdem sich nur die Drehbühne gedreht hat, geraten auch die Schid Jale in richtige Brandung. Diese Drehbühne wird nun für die Aufführung herrlich auscenukt. Der imponierende Schiffsrumpf füllt die ganze Breite des Schauhaufes, und öffnet sich, technisch sehr geist reich von Traugott Müller und Hans Sachs vorbereitet, das Innere des Seglers, dann werden höchst imponierende Bilder Erwin Bisrator, der Gerba Müller einlud, die Kapitämin zu spielen. Es ist schade, daß die Boltsbühne es verfäumte, ihren Berfonalstand mit tüchtigen Frauen zu bereichern. Selbstverschulde daß der Wiederaufbau jekt balb vor sich geht. Bei den Männern ter Notftend brachte diesmal noch etwas Gutes. Aber es ist Zeit, muß mancher verschwinden, muß manch neuer Mann gewonnen werden. Mar Hochdorf. Borf.: Das Obertommando hatte diese Sigungen doch aber Derboten. Jeuge: Es foll vorkommen, daß Besprechungen troß eines Berbotes abgehalten werden, nicht bloß bei den Sozialdemokraten. Borf.: Am 30. Januar fand eine Sigung des ParteiDorstandes nachmittags ftatt. Ist es sicher, daß Herr Ebert an diefer Sigung teilgenommen hat? Jeuge: Nach meiner Erinnerung ganz sicher. Pariser Konferenz- polnische Proteste. Außenministern Englands, der Tschechoslowakei und Bolens Bon den heutigen Besprechungen Herriots mit den in Paris fündigen manche Depeschen die Entscheidung über die Räumung der Kölner Zone und über das deutsche Angebot eines Sicherheitspattes an, das ja in erster Linie gemacht worden ist, um die deutschen Rheinlande von aus ländischer Militärbesehung zu befreien. Man wird abzue warten haben, ob es wirklich zu einer Entscheidung fommt, Die aber natürlich noch von den Regierungen und vielleicht auch noch von den Außenausschüssen der Barlamente gebilligt merden müßte. Inzwischen macht man in Polen großen Lärm gegen die von Deutschland geforderte Möglichkeit, eine Revision der deutsch- polnischen Grenzen auf friedlichem Wege anzuftreben. Man tut so, als sei Westpolen wirklich schon in Gefahr, losgerissen zu werden, und gegen diesen Popanz hat sogar der Warschauer Magistrat von Amts wegen eine Demonstration veranstaltet; fie verlief ohne Zwischenfall; eine nebenbei beabsichtigte kleine Dvation für die britische Gefandtschaft wurde polizeilich verhindert. Auch in Kattowiz Menge in Wort und Bild gegen Deutschland genügend aus schimpfte fich eine sogar mit Sonderzügen herbeigeholte und ging dann auseinander. Auch hier gab es feinerlei Zwischenfälle oder Roheitsatte. Der linksstehende polnische Bizefanzler Thugutt ist zurückgetreten, weil man ihn gar nicht mitbestimmen laife. Die liberale Zeitung ,, Kurjer Boranny" befürchtet, die Demiffion Thugutts werde zur Folge haben, daß man von nun an in den Ostmarten( Ukraine) nicht eine Politik des Gesetzes, sondern eine solche der Polizei und der Faust machen werde. Herr v. Kries, der deutschnationale Bizepräsident des Breußischen Landtages, teilt uns in einer Berichtigung mit, daß er niemals irgendwelche Beziehungen zur Scharlach Bant t habe und daß unsere Angaben in dem Artikel ,, Deutschnationale Cefchäftesolitifer", fomeit sie sich auf thn tez ehen, unrichtig feien. Da die sozialdemokrati'de Frattion des Landtages einen later fuchungsausschuß beantragt hat, so wird sich Gelegenheit finden, die Richtigkeit dieser Angaben nachzunrüfen. Die Ariegsproffe gegen Abwefente. Das Striegsgeridy in geblich in Moebele 1916 begangener Ausschreitungen und den EisenGent vertheilte den Feutschen Feldmebel Joannes wegen at bahner Tonbad meten verschiedener unter Drolymg mit tem Tobe begangener Diebstahle in contumaciam zu je 15 Jahren Swangsarbeit Der deutsche Gendarm Franz Stoffel murde in contumaciam zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Er foll einen Einwohner von Sinan erschossen haben. Zum Hafenkommiffar für Danzia ernannt hat der Völkerbundsrat den Schweizer, Milizoberst de Loes, früher Spinnereibefizer in Mülhausen i. E. | nicht anerkannten. Bon großer praktischer Bedeutung mar Wassermanns Entdeckung, daß die Eimeißarten der Menschen und Tiere verschiedene Reaktionen zeigen. Diese Entdeckung ist für die forensische Medizin bedeutungsvoll geworden, da auf ihr die Baffermann- Uhlenhutsche biologische Blutprobe beruht. Bon seinen wissenschaftlichen Arbeiten ist noch ferner bemerkens mert die im Jahre 1895 gemeinschaftlich mit R. Pfeifer in Königs berg ausgeführte über den Unterschied der torischen und bakteriellen Immunität. Auch gelang es ihm festzustellen, in welchen Organen die spezifischen Schußstoffe des Serums entstehen. Erwähnenswert find feine Arbeiten über den Wundstarrtrampf, indem er im Ge hirn Substanzen fand, die sich mit dem Tetanusgift chemisch ver Linden. Kapitän in stand. Nach dem Berschwinden des Kapitäns hatte die fichbar. Mt den Technifern zusammen arbeitete der Regiffeur chesterkonzert, das Brahms F- Dur- Sinfonie auf Schuberts ganze Mannschaft die Frau auf diesen Bosten gewählt. Die Notiz ließ den Dichter nicht mehr los und er fabulierbe. Er fabulierte um einen Stoff, der von außen zu ihm gefommen war. Das lann nicht Ichabon, wenn der Träumer in fich genügend Stoff hat, um das ihn Don außen Streifende Begebnis innerlich durchzuglühen. Dann kann die innere Echmiede cngeheizt fein durch Gehirn oder Gefühl. Bielleicht flammt das Gehirn am hellsten, wenn Gefühl die Grundmaterie ist. Bei Leonhard ist Grundmaterie die Kraft des Spekulierens. August von Waffermann. Der berühmte Forscher auf dem Gebiete der Immunitätslehre und weltbekannte Schöpfer der nach ihm benannten Raftion zur Erkennung der Syphilis und der Tuberkulose, Professor August v. Wassermann, ist heute gestorben. August ven Waffermann wurde am 21. Februar 1866 in Bamberg als Sohn eines Banfiers geboren und studierte nach seiner Gymnasialzeit in München, Straßburg, Wien und Berlin Medizin. Er promovierte 1889 in Berlin und erlangte 1890 die ärztliche Approbation. Im nächsten Jahre wurde er Affiftent am Kochschen Inftitut für Infektionsfrankheiten, das mit der Charité verbunden war und an dem er ständig tätig geblieben ist, zuletzt als Abteilungsvorsteher. Im Jahre 1898 zum Titularprofeffor ernannt, begann Wassermann 1901 feine akademische Lehrtätigkeit als Privatdozent Waffermann 1901 feine akademische Lehrtätigkeit als Privatdozent in Berlin, wurde 1902 außerordentlicher und bald darauf ordent in Berlin, wurde 1902 außerordentlicher und bald barauf orbent licher Brofessor. 1906 wurde ihm die Leitung der Abteilung für licher Profeffor. 1906 wurde ihm die Beitung der Abteilung für experimentelle Therapie und Serumforschung am Institut für Infektionstrantheiten in Berlin übertragen. Im Juli 1913 wurde er zum Direktor des Kaifer- Wilhelm- Instituts für experimentelle Therapie zu Dahlem ernannt. Die Bolfsbühne feiert den Sonntagmorgen mit einem Or Unvollendete, Unsterbliche folgen läßt. Ein Brogramm, das schmut los in feiner höchsten Kunst- und Stilreinheit die Massen doch nicht allzu sehr zu locken scheint: das Haus ist trop der Staats tapelle und trog Erich Kleiber nur zum Teil gefüllt. Der gestaltet beide Werte mit der Kraft eines überlegenen Verstandes, der mit Lempo und Agogit insbesondere oft start subjektiv schaltet, und der in der besinnlichen Konsequenz eines nicht immer aller Eigenwilligkeit baren Aufbaues mehr feffelt als wärmt. Schu berts H.Moll- Sinfonie erflingt außerordentlich plastisch aufgebaut, bas Seitenthema endlich einmal nicht im breiten, aufdringlichen Ton, sondern noch innen gewandt, ganz in fich hineingesungen. Schlußgruppe und Durchführung beginnen in weiser Zügelung. Das Moderato des Ganzen ist stärker betont als das Allegro. Eine überschauende, weise Kühle durchweht den Saz. Im Adagio fürchtet Kleiber teine göttliche Länge, er spinnt das Melos breit aus. Bei Brahms wirtt feine mäßigende Ruhe am meisten. Intensive Kraft des Disponierens, Ausarbeitung des Details, eine außerordentliche Zurüdhaltung des Beitmaßes in langen Teilen des Schlußsazzes fennzeichnen diese Brahms- Interpretation. Das wohl zum größten Teil aus Nichttennern zusammengesetzte Bublikum nimmt den Schluß der Sinfonie mit langem Schweigen, ehe es in Beifallsfundgebungen ausbricht. Die ganz nach innen laufende Richtung biefer Spannungslösung hat Kleiber aufs Plastischste heraus gemeißelt. Eine Stunde reinsten fünstlerischen Schauens! G. G. Diese Rapitanin ift Frau und Schiffsführerin, weibliches Herz und befehlender Herr zugleich. Ein Herr, den sich die Gleichberech tigten auf dem Segelschiff wählten. Denn es handelt sich um louter Menschen von heut, vom legten 1925, die unter dem fozialistischen Gemeinschaftsideal stehen und mit den Somjetmanieren man vu lieren. Also heißt ber Segler Bowarischtsch", zu Deutsch ,, Genosse". Matrosenrat, Abstimmung mit Reden, Tagesordnung, Seemannsvolksverfammlung an Bord. Angela Alexandrowna foll abgelegt werden, weil niemand von den 60 Männern sie in der Schiffsfammer allein schlafen laffen will. Entweder runter vom Rapitänsded oder einen von der Besakung wählen, damit Angela, eben noch Oberhaupt, aber fechzinfach geil rmschnauftes Oberhaupt mit weißer Haut und runden Hüften, wieder Privatgut wird. Denn werden 59 Ruhe geben oder sich gegenseitig auffreffen. Werden fie Rube geben? Als bie zur erlösenden Männerwahl gezwungene Rapitänin den Feinsten, den Kompliziertesten, erwählt, versagt sich der Beglückte. Als sie Als fie nach dieser Enttäuschung den Niedrigsten und Tierschsten, den Tar taren Rcfeb, erwählt, werfen hie brennend Eifersüchtigen ben armen Hund über Bord. Die erste Wahl war Aufrichtigkeit, die zweite mar Notwehr. Nichts ist gelöst. Alles verwirrt sich noch schwerer. Und die Erlösung fommt erst, nachdem alle Mann an Bord flar in das Waffermanns Name ist dadurch in der ganzen Welt bekannt Frauenherz hineingeblidt haben. Sie ist das unschuldine Frauen geworden, daß nach ihm die Reaktion benannt worden ist, durch die herz, das ewig unschuldige Frauenherz. das doch jebe Getunde in die Diagnose und Behandlung der Syphilis in ungeahnter Weise Berstridung gerät, weil der begehrende Mann und d'e nicht minder gefördert worden ist. Durch sie ist es möglich geworden, mit großer begehrende Frau von der Urnatur zur Erbfeindschaft, zur unaus Sicherheit festzustellen, mann die Syphilis geheilt ist. Durch die löschlichen Atom- und Erafeindschaft verurteilt sind. Siehe den Entdeckung des Salvarfans durch Ehrlich ist die Waffermannsche cinftigen Gatten der Rapitanin, der burch Eifersucht un'erging! Reaktion, die er gemeinschaftlich mit seinen früheren Aſſiſtenten lichte engliche Statiitif berechnet den gesamten Weltbedarf an Leuchtgas Sehe den Sternermann, den die Verzweiflung über seine Sinnen- Bruck und August Neißer in Breslau ausgearbeitet hat, von noch falucht über Bord schwemmte! Trotzdem will der gütige Dichter größerer Bedeutung geworden. Durch fie fonnte zuerst auch einricht des Chaos predinen. Es soll bewiesen werden, daß die reine wandfrei festgestellt werden. daß die Gehirnerweichung und Geschwisterinniofeit zwischen Mann und Frau möglich sei, die lautere die Rüdenmarkichwindfucht mit der Syphilis im Zusam Moralgenossenschaft. Deswegen fährt der Segler Bowarischtsch", I menhang stehen. was bedeutende Klinifer wie von Leyden Gründung einer Berwaltungsafademle in Ceipzig. Unter der Sezeichnung: Berwaltungsalademie Leipzig, ift die frühere Beamtenatademie neu gegründet worden. Die Leitung hat der Professor an der sächsischen Landesuniversität Geh. Rat Dr. Apelt übernommen. Die Verwaltungs akademie, die sich die wissenschaftliche Fortbildung der Beamten zum Ziel gelebt bat, unde u. a. bon der Deutschen Reichsbahngesellichaft gefordert. Feilegung eines nillela ferlichen Toten'anzeildes. Bei Instandlegungsarbeiten im alten Kreuzaange der Wengentiiche zu Ulm wurde in einem Traft ein Freslo- Gemälde freigelegt, das einen Totentarz darstellt, der auf Veranlaffung des Propstes Ulrich Strobel im Rabre 1440 gemalt moiden iit. Wieviel Gas wird auf der Welt verbraucht? Eine focben veröffent auj 22 Milliarden Kubilmeter im Jabre. Die Erzeugung dieser gewaltigen ( asmengen eordert den Verbrauch von über 20 Millionen Tonnen Noble. Unter den Beltstädten hält London ben Reford des Meistbet brauchs mit 231 Kubikmetern auf den Einwohner. Das ist nicht einmal sehr viel, wenn man hört, daß es in London nicht weniger als 1600 000 Bastogher gibt. Blutiger Zusammenstoß in Neukölln. Wieder ein Todesopfer der Polizeiwaffe. Bon der Preffeftelle des Polizeipräsidiums wird mitgeteilt: Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr passierte ein Zug von etwa 450 fommunistischen Demonstranten den Hermannplay in Neukölln. Sie brachten einen Straßenbahnwagen, der den Zug durchfahren wollte, gewaltsam zum halten, und ein Demonstrant schlug mit der Weichenstellstange auf den Führer ein. Die an der Nordseite des Hermannplages aufgestell ten Verkehrposten der Schußpolizei versuchten den Täter festzuneh men und zur Wache zu bringen, wurde aber von den Demonstranten hieran gewaltsam gehindert und der Festgenommene ihnen wieder entrissen. Ein von der Südseite her zu Hilfe eilen der Schußpolizeibeamter wurde ebenfalls von der Menge ange griffen und zu Boden geworfen. In höchster Bedrängnis gab nun meht ein Schuhpolizeibeamter, der zufällig in Zivil des Weges gekommen und feinen gefährdeten Kameraden beigefprungen war, Schredschüsse ab. Außerdem sind auch Schüsse von unbefann ter Seite innerhalb der Menge gefallen.(?) Hierbei wurde einer der an dem Angriff auf die Beamten hauptsächlich beteiligten Demonstranten, dessen Name noch nicht festgestellt ist, durch einen Oberschenkelschuß getroffen. Er ist infolge Berblutung furz darauf noch vor der Einlieferung in das Urbanfrankenhaus gestorben. Den noch weiterhin an Leib und Leben bedrohten Beamten gelang es nur durch Borhalten der Echußwaffe und hin weis auf die Folgen, die Menge folange von sich fernzuhalten, bis das inzwischen alarmierte Ueberfall kommando eintraf und die Menge durch gütliches 3ureben zum Auseinandergehen veranlaßte. Die schwere Bedrängnis der beteiligten Beamten und die Gewalttätigkeit der Menge gegen sie ist auch durch unbeteiligte Zivilpersonen bestätigt worden. Der erschossene Mann ist noch nicht bekannt. Er hat einen Schuß in den Oberschenkel erhalten. Die Kugel durchschlug einige 3entimeter unterhalb der Leistengegend die große Schlagader. Der Erschossene ist etwa 43-48 Jahre alt und 1,64 Meter groß, hat blondes, graugemischtes Haar und einen blonden gestutzten Schnurrbart und trug einen hellgrauen Schlapphut, einen gelbbraunen lifter, eine blauen Jadettanzug, graue Strümpfe und schwarze Schuhe. In der Weste befindet sich der Name Baltrusch. An der rechten Hand haben der fieine und der Ringfinger innen ein lleberbein. Der Nagel des Mittelfingers ist start vertrüppelt. In einem Prozeß des sehr zweifelhaften ehemaligen Bolizeimajors Gärtner gegen die Bolksblatt"-Redaktion hat Biezfer ein geradezu zelotisches Betragen an den Tag gelegt. Er hat anläßlich der Feststellungen einiger republif. feindlicher Aeußerungen mit Behagen gegrinst und schließ lich den Beschimpfer der Republit, den penfionierten Major Gärt ner, zu einem Glase Bier eingeladen, bei dem die merkwürdigsten Aeußerungen über Farben. Verfassung der Republik, sowie über ihre Verteidigung gefallen sein sollen." Darüber hinaus, erklärt unser Hallesches Parteiblatt, muß aber festgestellt werden, daß der schießrütige Polizeioberleutnant lediglich das Organ einer Polizeileitung gewesen ist, die auch in diesem Falle bewiesen hat, daß ihr nahezu jedes Augenmaß für die Abschäzung der Dinge fehlt. Wir stellen zunächst fest, daß die Po lizei gar nicht befugt mai, das Reben der beiden ausländischen Kommunisten bam. bie Ueber fegung der ausländischen Reden zu verbieten. Nach Lage der Dinge hätten vorbeugende Maßnahmen der Bolizeileitung nur dann stattfinden tönnen und stattfinden dürfen, Deffentl. Wähler- Bersammlungen # Weißer Frühlings- Sonntag. Das war ein Wandern gestern durch die Wälder in der Umgebun Berlins über schneebedeckte Felder, über Wege mit Schneewällen und Schneebergen. Der Herr des Tages am gestrigen weißen Sonntag war der Schlitten. Als gegen Mittag das Schneetreiben aujhörte und die Sonnz warm und wohltuend auf die weißen Schneeflächen schien, erlebte man ein Treiben im Grunewald wie an den schönsten und sonnenfeligsten Sommertagen. Straßenbahn und Stadtbahn waren überfüllt, und die es sich leisten konnten, gondellen in Autos mit ihren Schneeschuhen und Stiern in den Wald. Seit weise stand man einer unendlich langen Reihe von Autos gegenüber, so daß es unmöglich war, den Damm zu überqueren. Der Prophet im Berliner Wetterbureau hatte am Sonnabend noch gemeint, es werde sehr bald, vielleicht schon am Sonntag, Regen einsetzen und die Schneeherrlichkeit fortschwemmen. Zum Glück für alle Naturfreunde und Sportliebhaber war es ein falscher Prophet gewesen. Dem Wetterdienst fann man daraus gewiß feinen Borwurf machen. Wahrscheinlich war durch eine plößliche Veränderung und Verlagerung der Luftschichten das Wetter stabil geblieben. Neben Schneemännerbauen spielte gestern aber auch der Sport eine große Rolle. Man sah da Anfänger in ungeschichtester Weise mit dem Rodelschliften hantieren, und Sti, läuferinnen", die immer wieder, fo frampshaft auch ihre Anftrengungen waren, sich auf den langen Hölzern aufrechtzuerhalten, in den Ednee fielen. Man konnte gerade gestern die alte Wahrheit bestätigt finden, daß Erholung in flarer heiterer Winterluft, auch wenn sie nur von furzer Dauer ist, nachhaltiger und wirkungsvoller bleibt als ein Aufatmen im sommerlich heißen Bald. Heute Montag, den 16. März 1925, abends 7% Uhr: bes geftrigen Sonntags infolge des außerordentlig tarten Köpenid: Aula Körner- Schule, Lindenstraße. Rodelunfälle in den Müggelbergen. Auf den vom Magistrat ein gerichteten Rodelbahnen in den Müggelbergen haben sich im Laufe Verkehrs insgesamt vierzehn Unfälle ereignet, von denen drei besonders schwerer Natur find. Sämtliche Berlegte erhielten die erste Hilfe auf der dort vorhandenen Unfallstation. Die drei ( Rippenbruch), eine Frau Johanna Droje aus der Lohmühlenftraße 5( Ober- und Unterschenkelbruch) und ein Hans Brueger cus der Ratiborstr. 11( Gehirnerschütterung), mußten nach dem Kreiskrankenhause in Röpenid transportiert werden. Dienstag, den 17. März 1925, abends 7/2 Uhr: Echwerverlegten, Charlotte Hann aus der Andreasstr. 20 Kreuzberg: Blücherfäle, Blücherstr. 61. Spandau: Bismardsäle, Feldstr. 52. Schöneberg: Schloßbrauerei, Hauptstr. 122. Neutölln: Schultheiß( Wintergarten), Hasenheide 22. Wannsee: Reichsadler, Königstr. 26. Lichtenberg: Aula Partaue( a. d. Möllendorffstraße). Reinidendorf- Ost: Kastanienwäldchen, Schönholz 14. Tagesordnung in allen Versammlungen; Sozialdemokratie u. Reichspräsidentenwahl Das ist der Polizeibericht über einen der blutigen Redner: Bartels, Crispien, Dr. Freund, Künstler, Vorgänge, die sich leider in neuester Beit in unerträglicher Weise wiederholen. Der Bericht spricht wieder von den Schüssen aus der Menge und läßt es offen, ob der Getötete von der Kugel des„ Schußpolizisten in Zivil" oder von einer anderen getroffen worden ist. Dr. Löwenstein, Reuter, Stampfer, Stelling. wenn von irgendeiner Geite Drohungen ausgestoßen worden wären, die auf eine Störung der Sicherheit hätten Eelbst wenn man zugibt, daß die fommunistischen Demon schließen laffen Bon alledem lag nichts vor. Nicht stranten durch Anhalten des Straßenbahnwagens groben Un- einmal auf Grund des Bereinsgefeges von 1913, fug verübten und Gewalttätigkeiten begingen, und daß dadurch das ja durch die Reichsverfassung erledigt ist, mar die Schußpolizisten sich in Notwehr gedrängt glaublen, jo ift Bolizei befugt, technische Vorbereitungen, wie wir sie erlebt haben, bie Die Tatsache, daß der Beamte in 3ivil barauf losschoß, zu treffen Die Bolizeileitung hat also aus untenntnis und aus einfach nicht zu begreifen. Die Demonstranten fonnten einem Diensteifer heraus, ben mir gegenüber den rechtsrabi. body diesem Manne nicht ansehen, daß er ein Beamter fei, und falen Ausschreitungen vermissen, die ursprüngliche Schulb men wird, menn Zivilisten aus der Menge und in die Menge an einem Blutbad auf sich geladen, beffen Folgen heute noch nicht fchießen, in Bufunft noch mehr der Borstellung Glauben fchen abzusehen find. Darüber hinaus muß gefagt merben, baß die Romfen, daß diefe Edüffe aus der Meng:" ebenfalls von Polizei- muni len, nach ihrem Berhalten am Sonntag zu urteilen, das Blul bormten in Ripil abgegeben wurden. Was es bedeutet, menn bab nicht ungern gesehen haben und gemillt find, aus diesem Blut folche Borstellungen erst feste Wurzeln gefaßt haben, das sollte bab Rapital für die Reichspräsidentenmahl zu doch jedem bekannt sein, der die Boltspsyche auch nur einiger schlagen." Unser Parteiorgan schließt:„ Der Halleschen Polizei maßen fennt. Wir erwarten daher, daß die Untersuchung über leitung blieb es vorbehalten, der SPD. die Wahlparole zum 29. März den blutigen Zusammenstoß mit seinen traurigen Folgen mit zu liefern. Die KPD. hat die ihr von der Polizei gebotene Gelegen. aller Schärfe vorgenommen und daß nichts zu vertuschen ge- heit begierig aufgegriffen. KPD. und Polizeileitung haben Jucht wird. Nur durch rücksichtslose Offenheit kann das Miglänzend Hand in Hand gearbeitet, zum Schaden der Repu. trauen gebannt werden, das die Schüffe aus der Menge" blit, zum Schaden des deutschen Boltes und zum Schaden der in Halle wie in Neukölln hervorrufen müssen. Zukunft des deutschen Bolles." Die Untersuchung in Halle. Die Schuld der Polizeileitung. Halle, 16. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Untersuchung über die Bollsparl- Katastrophe ist in vollem Gange. Im Laufe des Sonnabend und Sonntag find sämtliche beteiligten Beam. ten, die meisten der in den Krankenhäusern liegenden Verwun deten und einige Bersammlungsteilnehmer bereits vernommen wor= den. Die Leitung der Untersuchung liegt auf ministerielle Anord nung in den Händen des Merseburger Regierungs, präsidenten. Im allgemeinen fann gejagt werden, daß, soweit die Katastrophe selbst in Frage kommt, die klärung nach jeder Richfung hin eine unvollkommene ist. Sämtliche aussagenden Zeugen stehen ganz augenscheinlich noch so start unter der Fülle der verwirrenden Eindrüde, daß von einer objettiven Darstellung gar keine Rede sein tann. Festgestellt ist, daß tein Beamter Schußverlegungen er halten hat, sämtliche den Beamten zugefügten Berlegungen sind Wurfpeilegungen, namentlich hervorgerufen durch das Bier. jeidelbombardement. Ebenfalls find Geschoßeinschläge an der Hinterwand des großen Boltspartsaales, wo das Schupo. tommando stand, nicht beobachtet worden. Die zurzeit größte Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, daß die Polizei durch das ieBrseidel- und Stuhlbombardement, aus dem Saal und von den Galerien veranlaßt, berechtigt zu sein glaubte, die Abwehr eines rechtswidrigen Angriffes auf die Staatsgewalt vornehmen zu dürfen. Nach den zurzeit vorliegenden Beobachtun gen sind wir nicht davon überzeugt, daß die Polizei zur Abwehr von der Schußwaffe hätte Gebrauch machen müssen. Der Oberleutnant Bieter hat, wie festgestellt wurde, nachdem er einen Bierseidelwurf gegen den Hals erhalten hatte, fünf Schuß aus seinem Revolver in die Versammlung abgegeben. Diese Revolverschüsse des führenden Offiziers waren das Signal für die Beamten, ebenfalls zu schießen. Nach dem Stande der bisherigen Untersuchung dürften insgesamt etwa 40 bis 50 Schüffe seitens der Polizei im Saal abgegeben worden sein. Nicht verschwiegen werden darf, daß eine Reihe von Beamten, aus dem rich figen Gefühl der Sinnlosigkeit diefer Schießerei heraus, nicht in das fliehende Publikum, sondern in die Decke hineingeschoffen hat. Zahl reiche Geschoßeinschläge über dem Büffett, unmittelbar unter der Dede, legen ein beredtes Beugnis dafür ab, daß in einem Teil der Beamten, im Gegensatz zu dem topflofen Oberleutnant, das Ber antwortlichteitsgefühl für die schweren Folgen einer folchen Schießerei im geschlossenen Raume lebendig gewesen ist. Ganz unbegreiflich bleibt, daß sämtliche Schüsse auf eine fliehende Menge abgegeben worden sind, und daß der Befehl Salt" erst zu einer Zeit erfolgte, wo auch ohne Haltbefehl taum noch eine Vergrößerung des Unglüds möglich war. Ueber den befehlenden Offizier schreibt unser Hallesches Organ, das Boltsblatt: Die Zahl der Toten hat sich inzwischen auf 9 vermehrt Mit dem Ableben weiterer Schwerverletter tann gerechnet werden. Enthüllung des Jaurès- Denkmals. Reden Herriots und anderer Führer der Linken. angefündigt, ein Denkmal für Jean Jaurès enthüllt. Der Feier Paris, 16. März.( WTB.) In Castres murde gestern, wie wohnten außer Herriot führende Politifer der radikalen und der sozialistischen Partei bei, u. a. die Abgg. Cazals, Henri Simon, Baul Boncour, Renaudel und der Bruder von Jean Jaurès, Admiral Jaurès. Vor dem Denkmal sprachen außer dem Abg. Cazals für die radikale Partei, Admiral Jaurès im Namen der Familie, sowie haur, der den Dank der arbeitenden Bevölkerung zum Ausdruck der Generalsekretär des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes Jou brachte und sich alsdann über die Sicherheitsfrage aussprach: Wenn die Hoffnung der Welt auf einen Ausgleich triumphieren solle, dann fönne es nur geschehen durch die Formel, durch die Jaurès das neue Recht in die Worte zusammenfaßte:„ Der Angreifer, der Feind der Zivilisation, der Feind des Proletariats, wird die Regierung sein, die den Schiedsspruch ablehnt und die burch diese Beigerung die Menschen zu blutigen Konflikten zwingt." Abg. Paul Boncour sagte, die wahre Rettung der Böller lei in dem Allianzpakt zu suchen, den Frankreich unterzeichnet habe, indem es sich von dem Werke Jaurès habe inspirieren lassen. Ministerpräsident Herriot Teilergebnis der Konsumwahlen. Bis Redaktionsschluß lagen Ergebnisse aus 53 von 176 Ber teufsstellen vor. Ju diefen hat die Liste Genossenschaftsaufbau 136 Mandate, die PD. 24 Mandate erhalten. Die Reichsgastwirtsmesse. Eine Rede des neuen Polizeivizepräsidenten. Die große Auto ha lle am Raiserdamm ist jetzt mit all... angenehmen Dingen gefüllt, die zum Metier des Gastwirtes ge= hören. Das ist nun jo ziemlich alles, was es auf der Welt gibt, weil jede Industrie schließlich etwas zu liefern hat, was der Gaft. und Stuhl bis zum Prager Schinken und der Leberwurft alles zu wirt oder der Hotelier in seinem Betriebe braucht. Da vom Teppich haben ist, so bietet diese Messe ein sehr buntes, etwas jahrmarkt artiges Bild. Die Eröffnung der Messe, die vom Deutschen Gastwirteperband gemeinsam mit dem Berliner Meßa mi veranstaltet ist, fand gestern mittag vor einem wohl ein wenig zu meit gezogenen Kreis von Geladenen statt. In Abwesenheit des verhinderten Oberbürgermeisters Böß begrüßte Stadtrat Brühr als Magistratsdezernent für das Massemesen die Erschienenen. Im nizepräsident, Dr. Friedensburg, ber jih, vielbemerkt, gegen weiteren Berlauf der Eröffnungsfeier sprach auch der neue Bolizele ber begonnenen Rampagne gegen die Spielflubs meitere bas llnmesen der wilden Gaftereien aussprach und im Berfolg Leben von Elementen zu befreien, die nicht qualifiziert seien, ihin energische Maßnahmen anfündigte, um das öffentliche zu dienen. Dr. Friedensburg behandelte bann die Stellung der Bolizei gegenüber den Gastwirten und betonte, daß man aus dem fchäftliche Regung erstice. Die Bolizei lei Diener des Must der Berordnungen herausfommen müsse, die jede freiere ge Selbstzwed betrachten. Publikums, des Boltsganzen und dürfe sich nicht als fanden starken Beifall und erregten Aufmerksamkeit. Die Ausführungen Dr. Friedensburgs Kolonne Polizei." 24 Einbrecher und Hehler verhaftet. Eine Geldschrank und Juweleneinbrecherbande wurde mit ihren Helfershelfern von der Berliner Kriminalpolizei perhaftet, An ihrer Spige ftand ein 37 Jahre alter gewerbsmäßiger Berbrecher Mar geschäften vorläufig ein sicheres Bersted zu haben, hatte sich Bolzin Polzin. Um für seine Beute aus Geldschränten und Juwelen garten getauft. Hier hatte er unter dem Küchentisch eine in Reinickendorf eine leine Billa mit einem Bor. Fallgrube eingerichtet, in die er bei einem überraschenden Besuch der Kriminalpolizei, die immer ein Augenmert auf ihn hatte, verschwin den konnte. Einmal faß er auch 13 Stunden lang darin, währenb die Beamten feine Räume durchsuchten. Wie er später angab, wäre er beinahe erstickt. Außerdem aber hatte der Berbrecher von einem durch den er entschlüpfen fonnte, wenn die Beamten drinnen mit Reller aus einen unterirdischen Gang in den Garten hineingebaut, Durchsuchungen zu tun hatten. In der Inflationszeit aber verlor er dieses Grundstüd. Als er nun im Auguft v. J. aus Leipzig, mo er festgenommen worden war, entlassen wurde und nach Berlin zurüdtehrte, juchte und fand er einen Unterschlupf bei feinem Fraund Mar Waldhubel, in dessen Wohnung in der Chriftstrake. Mit ihm und anderen Helfershelfern legte er fich wieder auf den Eine bruch. Durch ein Schreiben erhielt die Kriminalpolizei Mitteilung, daß die Bande auch in Stettin Einbrüche verübte. Sie ermittelte, baß die Berliner Bande mit ihren Stettiner Komplizen durch einen Doppeleinbruch bei dem Justizrat Radelmann und der Berliner Transportgesellschaft an der Mönchbrüde 4 im ganzen 4000 Mart eiligst mit einem Auto nach Berlin gefahren, weil sie sich in Stettin erbeutet hatte. Mit dieser Beute waren Polzin und Waldhubel nicht länger aufhalten wollten und die Eisenbahnfahrt für sie zu ge fährlich hielten. Den Wink zu diesen Einbrüchen hatte ein Trans portarbeiter Emil Baht aus Stettin gegeben, der zu einer Bande Sturzbach und Genoffen gehörte und wegen Einbruches fchen längere Zeit in Naugard im Buchthause fist. Für die 4000 Mart aus Stettin wollten sie sich daher ein gutes Sauerstoffgeb: äse anBerbindung gefeßt, als die Kriminalpolizei fie felinahm und alle ihre Zukunftspläne zunichte machte. Die Berbrecher leugneten lange hart nädig. Erst als die Kriminalpolizei sie an der Hand von gestohlenem Gut, das in der Wohnung in der Christstraße fehlte und bei verfchiedenen Abnehmern wiedergefunden wurde, vollständig überführte, legten fie schließlich ein Geständnis ab. Jegt gelang es auch ihre fonen. Ein erheblicher Teil der Juwelenbeute der Kolonne murde Hehler zu ermitteln und festzunehmen, im ganzen noch 21 Ber stücken aber find die Brillanten herausgebrochen. Wäre es nicht gevon der Kriminalpolizei wieber herbeigeschafft. Aus vielen Schmudlungen, die Kolonne unschädlich zu machen, bevor sie noch das ers sehnteSauerstoffgebläse besaß, so hätte sie sicher noch manches orohe Ding abgestoßen". feierte Jaurès als Lehrer, Erzieher und Führer des Boltes. Er lieben, ist nicht das Land der Privilegien, sondern die heroische fagte: Das Frankreich, das Jaurès liebte, das Frankreich, das wir Nation, die in allen Zeiten gelitten hat, nicht nur um ihre eigenen Rinder, sondern auch um die Kinder der anderen Völker zu befreien. Dieses Frankreich, das Jaurès geliebt hat, wollen wir wieder her stellen. Dieses Frankreich, führte Herriot aus, vertrete zwei große Gedanken, die auch Jaurès geliebt habe: nach außen der Frieden unter den Menschen, im Innern die Freiheit moderner Nationen. So sehe man von Jahr zu Jahr immer mehr im Leben des franzöfchaffen. Sie hatten fich auch bereits mit mehreren Firmen in sischen Bolles, im Leben der Völker jene Gedanken sich durchsetzen, in denen Jaurès den Schlüssel der höchsten Tugend gesehen habe. Nach dieser Feier fand zu Ehren des Ministerpräsidenten ein Bankett statt, in dessen Verlauf Abg. Simon die Politik des Kar. tells der Linken als die Politit der reinen Demokratie feierte Herriot ging in feiner Bankettrede auf die innerpolitischen Fragen seinem Programm treu bleibe, als beglüd wünscht zu werden, ein. Er erklärte, er ziehe es vor, beleidigt zu werden, weil er weil er es perrate. Er mundere sich, daß man( der Klerifalis mus) seiner Regierung den Vorwurf mache, ste betreibe eine Politit der Verfolgung, er habe niemals weder die Gedankenfreiheit, noch die Gewissensfreiheit bedroht. Wir sind Anhänger der Laien politit, sagte er, und deshalb proklamieren wir das Recht der Gewissensfreiheit. Aber wir protestieren dagegen, wenn man uns erklärte weiter, daß die Regierung eine wohlwollende Zuneigung fapt, daß Wissenschaft und Freiheit Gößenbilder seien. Herriot für Elsaß und Lothringen habe, und schloß: Das Programm des Rabinetts fönne man in die Formel zusammenfassen: Frieben im Innern und Frieden in der Welt" 。 einer Meldung ous Kreuznach murben in der Grube Klarahall Zwei Arbeiter von einer stürzenden Falsdece getötet. Nach bei Baumholder( Birkenfeld) durch eine einstürzende Felsdede vier Bergarbeiter verschüttet; 8 mei wurden ge tötet, die beiden anderen schmer verlegt. Affienfälschungen in Wien. Bei den Wiener Banten find mm. fangreiche Fälschungen von Aftien ber Oberöster reichischen Wassertraft und Elektrizitäts..G. aufgedeckt worden. Soweit bisher festgestellt wurde, dürften von etwa 500 Stüd Rumulativaftien gefälschte Duplikate zum Kurswert non 50 000 Schilling in den Verkehr gelangt sein. Als Täter fommen ein früherer Bankbeamter, somie zwei Kaufleute in Betracht, bie jedoch schon seit Anfang dieses Jahres geflüchtet sind. Jahre sind sechs Torpedo bootszerstörer bei Scapa Flow Die Hebung der Flotte von Scapa Flow. Im vergangenen gehoben worden. 19 weitere Torpedobootszerstörer und zwei große Schlachtfchiffe follen in diesem Jahr gehoben werden. Flugzeuglatastrophe in der Wüfte. Ein italienisches Militär flugzeug ist von Tripolis her über die ägyptische Grenze geflogen und in der Wüste niedergegangen. Die beschädigte Maschine ist gefunden worden. Von den vier Infassen fehlt jede Spur. Polfreimarlen als Hilfe für Amundsen. Die norwegische Re gierung hat als eine Art Hilfe für Amundsen 244 Millionen Bol. freimarten bruden laffen. Die Freimarten zeigen einen Eisbären. ter in die Luft hinaufschaut nach einer Flugmaschine. Auf diese Weise gedentt nian dem Bolflug mit 180 000 kronen zu helfen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 1. Rreis mitte. Die Sikung ber Obleute ber fommunalen Rommiffion findet heute abend nicht bet Dobrohlam, fonbern bei Bötfchert, Neue Friedrichftr. 108 ftatt. Heute, Montag, den 16. März: 108 Abt. Rörenid. Der Frauenabend findet heute nicht statt Die Genoffinnen 116. Abt. Lichtentera. Abbs. 10 Uhr turze wichtige Konferenz der Funktionäre beteiligen fidh an der Effentl. Berfammlung in der Rörnerschule und freiwilligen Helfer. Morgen, Dienstag, den 17. März: 33. Abt Die für Dienstag angefeste Funktionärtonferenz finbet Umständehalber erit Freitag. ben 20,7%, Uhr bei Lojad. Benmestr 8, statt Bezirksführer laben ein 101. Ast Treptam. Die Etsuna bes Bildungsausschußes findet Umständehalber erit Dienstag 7, Uhr bei Sofemann, Herfomer Str. 3 statt. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 36. Abt. Genoffe August Petershed, Straßmannfte. 41,( Behrer an der Tischlerfachidule) ift geftorben. Einäfcherung: Dienstag, nachm. 5 Uhr, Arematorium Baumschulenweg. Gewerkschaftsbewegung Zum Eisenbahner- Schiedsspruch. Die Erklärungsfrist läuft morgen ab. Für die Eisenbahner hätte es feiner längeren Frist bedurft, um zu werden fich über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches schlüssig Denn sobald der Schiedsspruch bekannt war, stand deffen Ablehnung von vornherein feft. Die Eisenbahnervorstände sind am Sonnabend zur Besprechung der gegenwärtigen Lage zu fammengetreten. Sie waren sich darin einig, den Schiedsspruch ihren Vorständen, die heute zusammentreten, zur weiteren Begutachtung und Beschlußfaffung zu unterbreiten. Sie haben ihren Funktionären die vorläufige Anweisung erteilt, eine Verbreiterung bes Kampfes unter allen Umständen zu vermeiden und die Ausftändigen anzuweisen, mit Gewehr bei Fuß die endgültigen Be schlüsse der Vorstände abzuwarten. Die Berliner Eisenbahner nahmen am Sonntag in einer überfüllten Versammlung der Streis fenden im Direktionsbezirk Berlin Stellung zu dem Schiedsspruch. Bezirksleiter Dressel vom DEB. berichtete über die Verhandlun gen des Schiedsgerichtes und erläuterte den Spruch. Die Bedin. gungen, unter denen die Bewegung der Eisenbahner beendet werden soll, lösten in der Bersammlung Empórung und Entrüftung aus. Es wäre zu wünschen gewesen, daß die Herren von der Hauptverwaltung der Reichsbahn und vom Verwaltungsrat die Stimmung der Arbeiterschaft an Ort und Stelle beobachtet hätten; vielleicht wäre den Herrschaften doch die Luft zu weiteren mathematischen Uebungen bei der Feststellung des Streitumfanges vergangen. Dressel teilte mit, daß am heutigen Montag die Hauptvorstände zusammen treten, um über die Annahme oder die Ablehnung des Schiedsspruches zu entfcheiden. Nach dem Stimmen verhältnis, mit dem der Spruch gefällt wurde, und nach der bisherigen Haltung der Organisationen wird die Ablehnung er, folgen müffen. Ueber die dann zu ergreifenden Maßnahmen wer ben die Borstände gemeinsam Beschlüsse faffen, von allen Eisenbahnern befolgt werden müssen. Die Versammlung nahm eine Resolution der Stretfleitung einstimmig an, in der es heißt: Die am 14. März tagende Streilleitung begrüßt den ablehnenden Standpunkt der Ges mertschaften gegen den gefällten Schiedsspruch. Sie verlangt, daß die Borstände nach einer etwaigen Verbindlichkeitserklärung und nach Lage der bezirflichen Verhältnisse fein Mittel unversucht laffen, um die von den Gewerkschaften gestellten Forderungen durchzusehen. die dann Demonstration der Streifenden. Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Sefd& ftsfefie: Bezlin G 14. Sebaftianfte. 37/88. Sot 2 Kr. Ramerabschaft Friedrichshain. Montag, 16. hara, abends 7, Uhr, Mital ederversammlung Fruchtstraße 86a. Ramerabschait Ropenid und Untergruppen. Montaa. 16. März, abends 7 Uhr, Gaa ichuk in der Rörner Schule Ramerabfchaft Rreuzbern. Montag. 6. März, abends 8 Uhr, Jungmannschaft eriammlung Butcherfäle, Blücherfit 61; Sunamannschaft Il Ber famm ung bei Biehler, Dieffenbachstr. 76 Rameradschaft Neukölln- Bris. Montag. Die streifenden Eisenbahnarbeiter versammelten sich gegen 16 März, abends 8 Uhr, Sugverjamm ungen. 1. 8ug bei Bähle, Wildenbruch Ede 411 hr vor dem Gewerkschaftshaus am Engel- Ufer, um einen Belerftr., 2. Sug bei Mosler Stacht., Beichie'fte. 8. 3 8ug bei Rugti. Leine Ede Demonstrationszug vor das Gebäude der Reisbahn Sermannite.. 4. Rug bei Schünemann. Brig. Franz- Rörner- Str. 18 Kamerabschaft Dber- Schönemeibe, Rieber- Schöneweide und Johannisthal. Das Tambourtorps direktion zu unternehmen. Ein Zug von mehr als 2000 Ber tibt jeden Montag und Donnerstag von 7, bis 10 Uhr abends bei Räthel, Briden fonen mit mcht ren Fahnen und Schildern, begub fich doi hin. fraße 15 Bünftliches Eriche nen ist Bflicht. Kamerabschaft Bedding. Montag. Ain Direktionsgebäude wurde eine furze Ansprache gehalten, 16. Mära, abends 7 Uhr Turnabend Gothenburger Str. 2. in der ein Redner gegen den Schiedsspruch ,, gegen die Streifbrecher und gegen das provokatorische Vorgehen der Reichs bahnverwaltung sprach. Aus den Reihen der Demonstranten er tönten stürmische Pfutrufe auf die Reichsbahnverwaltung und auf den Schiedsspruch. Dann erfolgten Hochrufe auf die Einheitsfront der fämpfenden Eisenbahnarbeiter. Die Rundgebung der lief in völliger Ruhe und dürfte nicht ohne Wirkung auf die Stellen geblieben sein, an denen man von streifenden Eisenbahnern nichts weiß. Unter Gesang marschierten die Eisenbahnarbeiter wieder nach dem Gewerkschaftshause am Engel- Ufer zurüd. Sport. Eröffnung der Rennfahrerschule. Draußen in Ireptom fand gestern im schönsten Schnee auf der Chauffee am Planter wald die Aufnahmeprüfung für die Rennfahrerschule, die Direktor Baul Schwarz und Weltmeister Walter Rütt gemeinsam ins Leben gerufen haben, ftatt. 332 hatten ihre Meldung abgegeben und 182 fanden fich zur Prüfungsfahrt ein. Ja, wenn der Schnee nicht gewesen wäre Aber die zukünftigen Kanonen" des Zements und vielleicht auch der Straße ließen sich nicht abhalten. Zuerft wurden die Wulster losgelaffen Dann folgten Drahtreifen und später die Schlauchreifen. Jede Fahrgruppe hatte eine durchschmitliche Stärke von 6 Mann. Und num gings über Schnee und Es. Nach und nach glättete" fich der Boden und das Rennen" widelte sich besser ab. Die Prüfungsstrede ging über 500 Meter. Ziel war das Eierhäuschen". Die ausgefahrenen 43 2äufe zeigten oft gute Leistungen, zumal ja der Schnee die Fahrer, von denen 166 durchs Ziel tamen, sehr start behinderte. Weitere Prüfungen werden folgen. " Das Hallensportfest des B. d. R. im Sportpalaft, das am Sonn abend vor fich ging, wies einen nur mäßigen Besuch auf. Der Länderkampf Deutschland- Italien brachte nicht viel lleberraschungen. Der deutsche Amateurmeister Dsa mella fierte im Gesamtflaffe ment mit 10 Punkten vor Boiocchi, der 8 Punkte auf sich vereinigte. Driner wurde Bocchia vor Longardt. Die anderen Rennen brachten folgende Ergebnisse: Borgobe abren: 1. Gerl. B. Sport 1888) 60 Meter Borgabe. 2. Carten- föln, O Meter Borgabe. 8. Schen!( Sb- C Tempo 1908) 10 Meter Borgabe. 4. Schuffenbauer( B.R.C. Concordia 1897) 20 Meter Borgabe. Std.- Prämien Jahren: 1. Sursmeier München, 2. Biebermann ( Zembo 1908), 3. Wolff( Bfeil- Charlottenburg). 4. Balfe( B... 1889). Dieler- Radballip'el: Club Lichterfelder Herrenfahrer gegen B.R.E. Concordia 1897 1: 1. 300- hunden- Bunfte fahren: 1. artgen Köln 1 Stunde, 13 Min., 9 Gel., 19 B.; 2. Boiocchi Italien 16; 3. Sehne( Concordia 97) 5; 4. Günther( Bugbogel) 3 R • Borbereitungen der Radrennbahn Treptow für die Sommer aljon. Die Treptower Bahn trifft in diesem Sabre besonders große Borbereitungen. Die Absicht der Direktion geht dahin, nicht nur erfttlaffige inter nationale Dauerrennen, sondern auch ebensolche Flieger. rennen zu veranstalten. Bor allem wird sie ihr Augenmert auf eine Iräftige Förderung und Entwidlung bes' Nachwuchses legen. Die Fabrfläche wird zurzeit einer grünblid en Reparatur unterzogen. Wie immer, so baben auch in diesem Jahre bie prominenten Größen des Radiports thr Trainings quartier auf der beliebten fleinen Berliner Bahn aufgeschlagen. Neben unseren altbefannten Stebernewanow, ruptat, Weiß usw. werden ber Amerikaner Keenan binter Nachtmann und der jegt zu den Berufs. fahrern übergetretene deutsche Amateurmeister Möller hinter Strüger bas Training aufnehmen. Reich shalien- Theater Allabendi 8 U. u. Sonntags nachm.3 Uhr Stettiner Sänger Neu! Sport- Müller Hachm. halbe Preise, volles Prer Dönhoff- Brett't: Anna Müller- Lincke Ant. 7%, U. Sonnt 81% U. 1077 12 Die Erregung im Rheinland. öln, 16. März.( Eigener Drahtbericht) Der Schiedsspruch für die Eisenbahnarbeiter hat im Rheinland allgemein große Erregung hervorgerufen. Besonders unheilvoll mirtt der Spruch über die Arbeitszeitfrage, die eine Neuregelung nicht erfahren hat. Auch von hier aus wird deshalb der Schiedspruch abgelehnt. Aus Elberfeld. Elberfeld, 16. März.( WTB.) Zum Schiedsspruch im Eisenbahnerstreit teilt der Deutsche Eisenbahnerverband mit: Die am Sonntag, den 15. März, versammelten Funktionäre des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Bezirk Elberfeld, lehnten einstimmig den Schiedsspruch ab. Die Bezirksleitung wurde beauftragt, den Einheitsverband in Berlin auf die Erregung im Bezirk Elberfeld auf merksam zu machen und die Ablehnung des Gedsspruches zu empfehlen. Auch in Effen haben die vertragschließenden Eisenbahnerorganisationen den Schiedsspruch abgelehnt Jm Bezirk Sachsen Die Begirisleitung Gadfert bes DOD. wirb, nachdem ber Bes ftand des DEV. zu dem Beschlusse der Dresdener Konferenz am heutigen Montag Stellung genommen hat, fofort alle streitenden Ortsgruppen entsprechend verständigen. Aus diesen Berichten geht die erfreuliche Tatsache her vor, daß trog der schweren Enttäuschung, die der Schiedsspruch den Eisenbahnarbeitern bereitet und damit ihren Unmut aufs äußerste erregt hat, die Eisenbahner be fonnen genug sind, die Entscheidung der Borstände abzuwarten und sich dieser Entscheidung, wie sie auch ausfallen möge, unterzuordnen. Wäre lediglich die Stimmung ausschlaggebend, würde sie nicht gezügelt durch die gemertschaftliche Schulung und Disziplinierung der Eisenbahner, dann hätte heute schon der Prozentberechner der Reichsbahnverwaltung einen großen Sprung machen müssen. Allein die Eisen bahner lassen sich weder durch das scharfmacherische Verhalten der Berwaltung noch durch fommunistische Gewerkschafts" propaganda zu unüberlegten Beschlüssen provozieren. Sie werden die Tattit ihres weiteren Kampfes selber bestimmen. Was die Landwirtschaftskammern find. Bom Berbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: Die Bollversammlung der oftpreußischen Landwirtschaftstammer hielt es für ratsam, fich fürzlich mit dem Schlichtungswesen zu beschäftigen und eine Entschließung anzunehmen, in der unter anderem gesagt wird, daß Schlichter und Reichsarbeitsverwaltung es nicht verstanden hätten, den wirtschaftlichen Vere hältnissen Rechnung zu tragen. Der Schluß der Entschließung lautete dann: Die Bollversammlung der Bardwirtschaftskammer richtet an die Reichsregierung die Forderung, im Interesse der Gesundung unferer Wirtschaft die Freiheit und Selbstverwa tung derselben in allen Tariffragen wieder herzustellen und jeden Zwang durch verbindliche Schiedssprüche bei Gesamtstreitigkeiten auszuschalten." Es wäre lohnend, zunächst zu untersuchen, ob es sich mit dem Aufgabengebiet einer Landwirtschaftskammer überhaupt verein baren läßt, daß diese derartige Entschließungen verabschiedet. Wir wollen einmal annehmen, es läge für die Landwirtschaftsfammer eine Berechtigung dazu vor. Gewinnt dadurch die Entschließung an Ans fehen? Die Entschließung verrät nicht nur die traffeste Parteinahme zugunsten der landwirtschaftlichen Unternehmer, fon dern fie verneint auch in der deutlichsten Weise jede Einmischung des Staates in wirtschaftliche Angelegenheiten. Sie würdigt den Staat zu einer Nachtwächterrolle herab. Wie liegen denn die Dinge? Es ist wahr, die Schlichtungsaus Arbeiterschaft, in erster Linie die Landarbeiterschaft, ist durch manche schüsse haben sich nicht viele Freunde erwerben fönnen. Gerade Sie Entscheidung der Schlichtungsausschüsse bitter enttäuscht worden. Diese Erwägungen verblassen aber hinter der Tatsache, daß nun einmal die staatlichen Schlichtungsausschüsse angesichts der Weigerung gerade der landwirtschaftlichen Arbeitgeber, sich mit den Arbeitnehmervertretern in fachlicher Beratung zusammenzufinden, die Einrichtungen find, die berufen erscheinen, eine allzu große Schädigung der Allgemeinheit verhindern zu helfen. Gerade die Herren Landwirte, die doch bei jeder Gelegenheit davon reden, daß der Staat über ein gewisses Maß von Autorität verfügen müsse und nicht genug fordern fönnen, daß er sich der Verhältnisse in der Lande wirtschaft annehme, müßten doch ein großes Interesse daran haben, dem Staat die Möglichkeit zu verfchaffen, sich auch in wirtschaftlide Dinge einmischen zu fönnen. Tun fie es nicht, und das ist in Ostpreußen der Fall, bestätigen sie erneut, daß ihr ganzen Gebaren eine große Unehrlichkeit darstellt. Die Haltung der oft. preußischen Landwirtschaftskammer beweist, daß diese nichts anderes als eine ausgesprochene Vertretung von Arbeit. geberintereffen darstellt. Die Forderung nach zeitgemäßer Reformierung der Landwirtschafts. tammer, nach Umgestaltung zu Körperschaften, in denen sich die landwirtschaftlichen Arbeitgeber die Macht mit den landwirtschaftlichen Arbeitnehmern und deren Vertretern erhoben werden. Arbeitnehmern tei'en, muß angesichts falder Feststellungen von allen Metallarbeiteraussperrung in Raffel. Staffel, 16. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Raffeler Metall. Industrieverband hat am vergangenen Sonnabend rund 5000 Are beiter ausgesperrt. Weitere 1500 Arbeiter werden mit Abe lauf dieser Woche folgen, so daß dann 6500 Arbeiter auf der Straße liegen. Die Aus perrung erfolgte, weil die Arbeiter bei einer mittleren Firma wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten waren. Durch diesen Wirtschaftskampf wird das Wirtschaftsleben der Stadt Raffel aufs schärffte erschüttert. nicht ganz unschuldig an dem Ausbruch des Kampfes ist auch der staatliche Schlichter. Einen auf eigentümliche Weise zustande ge tommenen Schiedsspruch, auf deffen schnellste Durchführung die Metallindustrie drängte, hat der Schlichter für verbindlich erflärt, ohne vorher auch nur den geringsten Versuch einer Eini gung zu machen. Auch die beabsichtigte Aussperrung war tem Schlichter bekannt. Er hat aber nicht das geringfte unter leiten. tagte am Sonntag in Dresden eine Konferenz des Bezirksvornommen, um eine Berständigung in die Wege zu standes und der Bertreter aller streifenden Ortsgruppen des Deuts fchen Eisenbehnerverbandes. Der Bezirksleiter Birth erstattete einen ausführlichen Bericht über die Berliner Berhandlungen. Nach eingehender Aussprache wurde von der Konferenz ein mütig beschloffen: 1. Die Konferenz der Bertreter der streifenden Ortsgruppen des DEV. im Bezirk Sachsen lehnt den Schiedsspruch des Schlichters rundweg ab. 2. Der Hauptvorstand des DEB. wird beauftragt, fofort ben Kampf zu verbreitern. Ferner wurde einmütig von der Konferenz beschloffen, daß kein Streifender im Bezirk die Arbeit aufzunehinen hat, wenn die Reichsbahnhauptverwaltung unter Mitteilung des Schiedsspruchs hierzu auffordern sollte, sondern eine Arbeitsaufnahme tomme überhaupt nur dann in Frage, wenn eine beson bere Aufforderung der Bezirtsleitung Sachfen des Deutschen Eisenbahnerverbandes vorliegt. Sprechmaschinen Gelegenheitskauf! Riesenposten! Konzertapparate, trichter.os: Neu' Nr. M. 9,0 Nr. 11 M. 26, 11,- 15, Haubenapparate, echt Elche. 9 18, 12 35, 16 58, 215 160, WINT BARTEN R Novitäten Spielplan. Sonnt. 31/ halbe Prelse. Rauchen gestattet Theater am Kottbusser Tor. Tägl 8 Uhr und Sonntag Bachm. Uhi Elife- Sänger. Fahribnites März Programm! 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Steiner: Feuilleton: K. S. Dolder; Lotales und Gonftiges: Fri Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB 68. Lindenstrake 3. Verkäufe Möbel- Safemann, Neue Schönhauser Straße 1. Auswahl in Dier Etagen. Sonderangebot in Speife. Raumann- Nähmaschinen für Sausge. Aimmer, fomplett. 350, 480, 650, 720. brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re- 950 bis 1200. Herrenzimmer, fomplett, für alle Snfteme 1360. 440, 520, 680, 1400 bis 2100. Schlaf. paratur- Wertitatt Emil Halbarth G. m. b. S.. Friedrich- immer, fomplett. 410, 520, 650, 750, 950 bis 3200. Rüchen. Tomplett: 63. ftraße 55a. Derfur 6268. 85, 146; 210 bis 350. Golange der Bot. Linoleum, Linoleumläufer, 90 8enti rat reicht: Büfette, Schränke, Aussich meter, 3.50, Linoleumteppiche. Linoleum fifche. Schreibtische. Lederfühle, Klube Iegerei, Brinzenstraße 101. 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