Nr.134 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 68 Bezugsvrets: öchentlich 70 Bfennig, monatlich 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. Jung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille. seile 70 Bfennig. Reklamezeile 4 Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 20 Bfennig ( zufäffia zwei fettgedruckte Borte), febes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 10 Bfennig, jebes weitere Mort 5 Bfennig. Borte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnentex Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nam. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redatiion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 20. März 1925 Sieben Kandidaten. Otto Braun an erster Stelle. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedklonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Abbruch des Eisenbahnerstreiks. Ein grundsählicher Erfolg der Eisenbahner. Der Kampf der Eisenbahner ist durch die Berbindlichkeits erklärung des Schiedsspruches vorläufig beendet auch im Hinblick auf die Folgen als am 8. No worden. Praftisch haben die Eisenbahner durch diesen Geffern nacht 12 Uhr ist der Termin abgelaufen, bis zu dem die Mut Nennung der Präsidentschaftskandidaten beim Reichswahlausschuß vember an der Feldherrnhalle in München. zu erfolgen hatte. Es sind sieben Kandidaten genannt worden, bei denen die Anforderungen des Wahlgefehes als erfüllt festgesteüt worden sind. An der Spitze steht der Kandidat der Sozialdemokratic, Difo Braun. Ihm gehören die Stimmen aller Republikaner, aller Deutschen, die für Recht und Freiheit, für Demokratie und soziale Gerechtigkeit, für die deutsche Einheitsrepublik eintreten. Das Zentrum präsentiert Dr. Marg, die Demokraten Dr. Hellpach Die Reaktion, Großunternehmer und Großagrarier, haben Dr. Jarres nach langem Schwanken zum Kandidaten ernannt. Er ist der Mann der politischen und fozialen Reaffion. Der Kandidat der nationalistischen Pulschisten ist Ludendorff, der von Hitler präsentiert worden ist. Die kommunistischen Zersplitterer der Arbeiterbewegung haben Herrn Thälmann aufgestellt. Otto Braun ist der Kandidat des Bolkes. Sein Tame fleht an der Spike des amtlichen Stimmzettels Parole für den 29. März heißt: Olio Braun. Kandidatur Ludendorff. Die Jarres und die Versackungspolitik. Mehr Deutlichkeit, Herr Jarres! Herr Jarres hat auf die Borwürfe, daß er am Ende des Ruhrkampfes eine Politik vertreten habe, die zur Katastrophe und zum zeitlichen Verlust des Ruhrgebietes führen mußte, mit allgemeinen Redensarten geantwortet. Er ver teidigt sich nach der Methode: ich bin unschuldig, aber ich weiß von anderen, daß sie nicht unschuldig sind. Das ist weder mannhaft, noch würdig, noch ehrlich. Werden Sie deutlich, Herr Jarres! Sagen Sie offen, was Sie damals wollten, und verdächtigen Sie andere nicht mit dunklen Andeutungen! na Die Methode von Jarres erregt das Bedenken seiner eigenen Freunde. Die Deutsche Zeitung" richtet folgenden Appell an ihn: allerdings die Forderung gerade feiner eigenen Daß Dr. Jarres nun deutlicher werden muß, dürfte Treunde sein. Hieb ist die beste, und hier sogar die einzige Parade. Und die Wahrheit zu offenbaren, ist in diesen Falle sogar staatsbürgerliche Pflicht. Gewiß wollen wir weiter anerfsanen, daß auch außenpolitische Bedenken, die wohl vo: gebracht werden, anerkennenswert sind, aber mir glauben, daß die rücksichtslose Aufbeckung von munmehr immerhin ja auch zurüd liegenden und endgültig gescheiterten Bestrebungen auch außen Füh- palitisch nicht mehr schädlich, sondern nur noch müglich sein fann, wenn Frankreich zugleich erfährt, daß jezt endlich die Beit in Deutschland gekommen ist, in der Landesverräter Landesverräter genannt werden. Dr. Jarres wird sich diesen Notwendigkeiten nicht länger verschließen können; fonft werden seine Freunde bald nicht mehr in der Lage sein, die von ihnen erwartete und tatsächlich auch wünschenswerte Disziplin und Einheitlichkeit des Kampfes zu wahren." Der große General der Niederlagen. Die nationalsozialistische Arbeiterpartei unter Hitlers rung hat den General Ludendorff zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Der Reichswahlleiter hat entschieden, bas froß der Spaltung der deutschvölkischen Bewegung die Borausfehungen des Wahlgefeßes für diese kandidatur erfüllt find. Der Name Ludendorffs erscheint demnach auf dem amflichen Stimmzetfel. Hitler wollte anders als Graefe, Reventlow und Bulle, er hat trotz des Protestes dieses Triumvirats und trog ihrer Erklärung für Jarres Herrn udendorff nominiert. Die Völkischen in Norddeutschland treten für Jarres ein, um ihre Schwäche zu verbergen. Sie wollen teilhaben an der reaktionären Sammlung, damit das erste tlingende Ergebnis der Sammlung, die Wahlgelder der Schwerindustrie, in ihre leeren Parteifaffen fließt. Sitler mill zählen, wie viele noch dem Namen Ludendorff folgen. Ludendorff läßt sie auszählen nimmermüde nach Niederlagen begierig. Herr Ludendorff mißt sich mit Herrn Jarres, von dem die deutschnationale Presse sagt, daß er kein Titan ist. Wir gestehen: Herr Ludendorff zeigt damit mehr Der Sprengblock in Preußen. Jarresisten und Kommunisten. Durch den Verzicht des früheren Reichskanzlers Marr, die Wahl zum preußischen Ministerpräsidenten anzunehmen, ist Die Regierungskrise in Breußen durchaus nicht einer Lösung die Regierungskrise in Preußen durchaus nicht einer Lösung näher gerückt. Die vereinigten Jarrefiften und Kommunist en tönnen zwar eine ordnungsmäßige Regie rungsbildung verhindern, sind aber immer noch nicht in der Lage, selbst und von sich aus eine Regierung zu bilden. Sie versteifen sich deshalb darauf, jede von einem Anhänger der republikanischen Parteien geführte Regierung niederzuftim republikanischen Parteien geführte Regierung niederzuftim: men. Das nennen sie dann mit Jarres„ Wiederaufbauarbeit" am ,, über alles" geliebten Vaterlande! Die Verhandlungen zwischen den preußischen Fraktionen nehmen deshalb gar kein Ende. Marr hatte sich zuletzt darauf beschränkt, ein Beamtenministerium vorzuschlagen, in dem auch sozialdemokratische Beamte als Verbindungsmänner sein sollten. Deutschnationale und Volksparteiler haben auch das zerschlagen, trotzdem sie anfänglich geneigt schienen, ein foldjes Kabinett arbeiten zu lassen. Jetzt haben die Jarresisten plötzlich Marr als Berhandlungsführer überhaupt abgelehnt und damit alle Borbereitun gen zur Schaffung einer Regierung wieder über den Haufen geworfen. Nach den bisherigen neuen Besprechungen steht die Sache folgendermaßen: Die Parteien der Weimarer Koalition for: dern von jeder Regierung, die mit ihrer Zustimmung zustande fommen soll, daß an der Spize ein überzeugter Republikaner stehe. Zentrum und Sozialdemokraten haben deshalb vor geschlagen, einen Demokraten mit der Kabinettsbildung zu betrauen. Wie üblich, haben die Jarresisten diese Möglich feit non pornherein abgelehnt! Die Volkspartei, der bei dem ganzen Handel schon nicht mehr ganz wohl ist, die aber mit Rücksicht auf die Wahlgelder Kampf zunächst nur eine allgemeine Lohnerhöhung von 3 Pf. die Stunde erreicht, die ihnen zuzubilligen die Hauptverwaltung der Reichsbahn sich hartnädig geweigert hat. Sie haben weiter erreicht, daß eine paritätische Kommission eingesetzt wird, die zu prüfen hat ,,, welche Aenderungen, d. h. welche allgemeinen Milde rungen oder Verkürzungen für gewisse Gruppen des Personals der Rentabilität der Reichsbahn. Schließlich haben sie durch= hinsichtlich der Dienstdauer möglich sind ohne Berringerung gefeßt, daß jämtliche Streifende wieder einge stellt werden. Zu diesem greifbaren Resultat muß jedoch hinzugefügt werden, daß die Eisenbahner einen unbestreitbaren großen moralischen Erfolg dapongetragen haben und die Reichsbahnverwaltung eine fch were moralische Nic berlage erlitten hat. Während des ganzen Kampfes hat fich nicht eine einzige Stimme in der Deffentlichkeit erhoben, die Haltung der Reichsbahnverwaltung zu verteidigen. Obpathie mit den Eisenbahnern gewesen. Es wäre zweifellos mohl der Teilstreit der Eisenbahner für das Publikum Unzutäglichkeiten nach sich gezogen hat, ist diesmal deffen Symanders. gekommen, wenn die Eisenbahner den kommu nistischen Ratgebern gefolgt wären und ohne meiteres einen Generalftreit erklärt hätten. nistischen Ratgebern werden wir uns noch des näheren be Generalstreit erklärt hätten. Mit diesen kommufaffen. Wir werden dabei insbesondere aufzeigen müffen, daß die großen Worte dieser angeblichen Revolutionäre durchaus nicht übereinstimmen mit ihren Laten. bei der gegenwärtig noch so großen Bersplitterung der EisenNiemand weiß besser als die Eisenbahner selbst, daß es bahner in verschiedenen Organisationen, die wiederum nur einen Teil der Eisenbahner umschließen, die Führung eines allgemeinen Streits mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft ist. Solange die Eisenbahner getrennt mar fchieren in Beamten- und Arbeiterorganisationen, folange Die Eisenbahner sich nicht ohne Unterschied ihrer sonstigen Hier ist eine offene Aufforderung von einer Seite, die fich politischen Anschauungen zusammenfinden in einer ein heit damais für die aktivistische, die Katastrophe in fich trafichen Gewerffchaftsorganisation, die enigende Taktik einfeßte, die Gegner der aktivistischen Tattit als schloffen den Kampf aufnimmt gegen das Kapital, jolange es Landesverräter zu verleumden. Herr Jarres wird den Eisenbahnern vor allem nicht gelungen sein wird, die nicht umhin tönnen, sich zu äußern. Gehörte er damals zu große Masse der bei der Reichsbahn Beschäftigten in einer diesen Kreisen, ja oder nein? Einheitsorganisation restlos zusammenzufaijen, werden alle ihre Kämpfe nur sein, was ihre Organisationen heute leider noch find: Stüdwerf. Sind feine nichtsfagenden, am Kern der Frage vorüber gehenden Dementis offen und aufrichtig, oder dienen sie nicht vielmehr dazu, einen Schleier der Untlarheit über die Stellung des Jarres von damals zu ziehen? Herr Jarres wird von seiner Presse als echter, ferniger deutscher Mann, als offen, ehrlich und ritterlich gepriesen. Das gilt es zu beweisen. Herr Jarres, werden Sie deutlich, reden Sie offen und ehrlich! der Schwerindustrie nicht mehr zurückkann, hat neuerdings den Landeshauptmann der Provinz Westfalen, Dickmann, als Ministerpräsidenten in Vorschlag gebracht, der angeblich dem 3entrum nahestehen soll. Ob diefer auch innerhalb der Zen: trumsfraktion des Landtags so gut wie unbekannte Beamte stand weiterer Verhandlungen. Die Jarresisten versuchen nun, für das politische Amt ernsthaft in Frage fommt, ist Gegen ein Abkommen über die Richtlinien möglich ist, unter denen die Neuwahl des Ministerpräsidenten zu überstürzen, ohne daß der neue Mann zu arbeiten hätte. Die Sozialdemokratie hält daran fest, daß nur ein Ministerium von ihr unterstützt werden kann, in dem sie durch Bertrauensleute vertreten ist und ihr als der stärksten der republikanischen Parteien das Innenministerium verbleibt. der Blenarsizung wieder zusammentreten, um über den TerDer Aeltestenausschuß des Landtags wird heute vor min der Neuwahl des Ministerpräsidenten sich zu verständigen. Borgeschlagen ist, diesen Termin auf den 31. März festzusetzen, um Zeit für die Arbeiten zur Reichspräsidentenwahl zu geminnen. Englischer Schritt in Berlin? Deutschland soll einen konkreten Sicherheitsvorschlag machen. Paris, 19. März.( Eigener Drahibericht.) In politischen Kreisen verlautet, daß die englische Regierung auf Grund der Juficherungen, die Herriot dem Außenminister Chamberlain gab, in Berlin einen Schritt unternehmen ließ, damit die deutsche Regierung ihrem Garantieangebol die Form eines tontreten und genauen Borschlages gibt. Der französische Ministerpräsident foll Chamberlain gegenüber erklärt haben, daß seine Regierung bereit ist, das deutsche Angebot ernsthaft zu prüfen, wenn es fich wirklich um einen Borschlag der deutschen Regierung und nicht um einen auf Condon zurüdgehenden Sondierungsversuch handle. Sobald es jedoch den Eisenbahnern gelungen sein wird, das durchzuführen, was ihre österreichischen Kollegen vermocht haben, werden ihre Verhandlungsvertreter gegenüber der Hauptverwaltlung der Reichsbahn ein ganz anderes Gewicht haben. Der Schiedsspruch gibt den Eisenbahnern gewissermaßen eine Frist, bis zum 1. Juli bzw. 1. November ihre Organisationen zu dem Ma chtinstrument zu gestalten, das ihnen den Achtstundentag und ausfömmliche Löhne sichern wird, wenn es sein muß durch Kampf. Aber nur wenn es sein muß. Wenn alle anderen Mittel er ichpft find. = Bezüglich der Arbeitszeit wird der Feldzug, den die Geeröffnen, in furzer Frist Gelegenheit geben, ihre Rewerkschaften jetzt für die Ratifizierung des Abtommens von Washington durch einen Volfsentscheid Bashington schreibt den Achtstundentag auch für alle Ber panche zu nehmen, Denn das Abkommen von fehrsunternehmungen vor. bahner, es ist für die gesamte organisierte Arbeiterschaft ein unerträglicher Zustand, daß heute in Deutschland, wo der Achtstundentag noch gefeßliche Kraft hat, in dem größten leitigt und eine Mindeſtarbeitszeit von 9 Stunden vorge öffentlichen Unternehmen der Acht stundentag befchrieben ist, die bis zu einer Dienstbauer von 16 Stunden ausgedehnt werden kann. Es ist nicht nur für die Eisenallein die Eisenbahner, sondern sämtliche Hand und KopfDiesen unerträglichen Zustand zu beseitigen, haben nicht arbeiter Deutschlands das lebhafteste Intereffe. Es ist unerträglich, daß in der Deutschen Republik, die geschaffen wurde und verteidigt wird von der Arbeiterschaft, in einem staatlichen Unternehmen der Achtstundentag feine Geltung haben soll. Ein derartiger Zustand wäre einfach undenkbar, wenn die Eisenbahner rechtzeitig in einer einheitlichen freigewerfschaftlichen Organisationen sich zusammengefunden hätten und wenn sie politisch nicht zum großen Teil jenen bürgerlichen Parteien nachgelaufen wären, die die Rhein- und Ruhrfämpfer, Derjacken" ließen und die den typischen Ver treter dieser arbeiterfeindlichen Politik jetzt auf den Schild gehoben haben. Das alles dürfen die Eisenbahner nicht vergeffen. Der Kampf hat aber noch einen grundsäglichen Erfolg für die Eisenbahner gehabt. Bisher spielten sich alle Verhand lungen ab zwischen den Vertretern der Reichsbahn auf der einen und den Bertretern der Eisenbahner auf der anderen Seite. Kam es zu feiner Einigung, weigerte sich die Reichsbahn, den Wünschen und Forderungen der Eisenbahner stattzugeben, dann blieb dieser nur der Kampf, der bei ihrem Organisationsverhältnis und bei der Lebenswichtigkeit der Eisenbahn immer einen zweifelhaften Ausgang haben mußte. Auch mit diesem Grundsatz des alleinigen Herrn- im- Hause hat der letzte Kampf der Eisenbahner Schluß gemacht. Auch die Reichsbahnverwaltung hat sich den allgemein geltenden Bestimmungen unterwerfen und vor der Schlichtungsinstanz des Reichsarbeitsministeriums erscheinen müssen. Dieser grundsätzliche Erfolg hat ihnen diesmal zwar nur die beScheidene, in jeder Beziehung unzulängliche Lohnerhöhung von 3 Bf. gebracht, er ist aber von desto größerer Bedeutung, wenn die Eisenbahner, wie wir bestimmt erwarten, jetzt die notwendigen Lehren aus diesem Kampfe ziehen. Verleumder und Ritterlichkeit. Ein neuer Schmutzfeldzug? Die Kreise, die Herrn Jarres auf den Schild gehoben haben, sind von vornherein auf einen schmutzigen Wahlfeldzug eingestellt. Sie haben die Barmat Rampagne inszeniert, weil sie den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert damit verunglimpfen wollten. Sie haben, gestützt auf übelbeleumdete Subjekte, den Vorwurf des Landesverrats gegen Friedrich Ebert erhoben und in einer verlogenen Kampagne breit gemacht. Sie haben einen großzügigen Berle umbungsfeldzug gegen republikanische Politifer und Beamte aus allen republikanischen Parteien eingeleitet. Sie griffen in den Schmutz der Gosse, um linksstehende Männer damit zu bewerfen. Herr Jarres duldet diese Methoden. Er läßt die Berleumber für sich werben. Es macht ihm nichts aus, aus dem Schmuß einer solchen Rampagne als Reichspräsident hervor. zutreten. Die Eisenbahner haben es mit einem außerordent lich mächtigen Arbeitgeber zu tun, dem sie nur imponieren werden, wenn sie ihm gleichfalls eine außer ordentliiche Macht entgegenfeßen fönnen. Die Eisenbahnerorganisationen haben ganz richtig das Ergebnis des Rampfes gekennzeichnet als einen materiellen Teilerfolg und als einen moralischen vollen Erfolg. Die gefchreibt dazu: famte Arbeiterschaft erwartet, daß die Eisenbahner diesen pollen moralischen Erfolg mit allen Kräften ausnuten. Troßdem nimmt er das Wort vom ritterlichen Rampf in den Mund. Die Presse des Berleumdungsfeld zugs nimmt es auf. Die Deutsche Tageszeitung" „ Die Kreise, die entschloffen sind, seine Kandidatur mit allen Kräften zu unterstüßen, würden seiner Aufforderung Kundgebung der Eisenbahnerorganisationen. ficherlich gerne Rechnung tragen. Aber sie müssen von Tag zu Tag mehr einsehen, daß eine der wesentlichsten Boraus. Kollegen! Die Entscheidung über den Ausgang des Rampfes fegungen dafür, nämlich das Anerkenntnis der Gegenseitig um höhere Löhne und fürzere Arbeitszeit ist gefallen. Der Schieds- eit durch seine Gegner fehlt. Ein Blick in irgendeine Nummer spruch wurde am 19. März 1925 rom Arbeitsministerium für verder sozialdemokratischen und demokratischen Presse genügt, um das bindlich erklärt. Die Organisationen bringen hiermit zum Aus zu erkennen. Und da erhebt sich denn doch die Frage, ob es taf= druck. daß sie sich in Beachtung der gesetzlichen Einrichtungen dieser tisch richtig ist und praktisch durchgeführt werden 3wangseinigung fügen. kann, diesen Leuten gegenüber mit dem sauberen Florett aufzukommen, wenn sie selber mit dem längeren Dreschflegel ar. beiten. Sie ziehen diesen Wahlkampf mit allen Mitteln der partei politischen Berhekung und der übelsten persönlichen Berua alimpfung auf, und da wird denn schließlich nichts anderes übrig bleiben, wenn man ihnen nicht einen billigen Borsprung gewähren mill, als nach der alten Regel auf einen Schelm anderthalbe zu feßen. Wenn der Vorwärts" sich angewöhnt, von dem Killin. ger- Jarres zu sprechen, so merden wir uns angewöhnen, von dem Barmat- Braun zu reden." Hiermit fordern die Organisationen die ftreifenden Eisenbahner auf, fich gefchloffen und in würdiger Form zum Dienstantritt zu melden. Nähere Anweisungen ertellen die zu ftändigen Bezirksleitungen und Ortsverwaltungen. Die Organisationen haben sich nach Kräften bemüht, durch Berhandlungen mit der Hauptverwaltung der Reichsbahn und vor dem Schlichter die erhobenen Forderungen zur vollen Durchführung zu bringen. Das scheiterte an der Hartnädigkeit und Unnachgibigkeit der Hauptverwaltung der Reichsbahn. Der Schiedsspruch bringt nur einen Tellerfolg auf materiellem Gebiet, aber einen vollen Erfolg in moralischer Hinsicht. Nicht geschlagen und entehrt nehmen die Kollegen die Arbeit wieder auf. Sie fönnen erhobenen hauptes in die Betriebe zurüdPehren, geleitet von der Sympathie aller rechtlich Denkenden. Soll das eine Entschuldigung sein für den Wahlfeldzug der Gemeinheit, ben die Deutschnationalen syftematisch vorbereitet haben? Wollen sich die Berleumder jetzt darauf herausreden, daß sie in der Abwehr verleumdet und beschimpft hätten? DON Die deutschnationale Barlet hat eine große, Gemeinheit, Lüge und persönlichen Befudelungen Strogende Flugblattpropaganda monatelang vorbereitet. Ihre hmuhigen Angriffe sind am Todestag Eberts verbreitet worden. Die ausgebrochenen Streifs sind damit beendet. Der Kampf für bie materielle und soziale Besserstellung der Arbeitnehmer tritt tunmehr in ein anderes Stadium. Die Organisationen werden nicht ruhen und raften, der ehrlichen Arbeit die geruf bührende Anerkennung zu erringen und zu sichern. Ihre Stär. tung ist dazu Boraussetzung. Deutscher Eisenbahnerverbuand. gez. Scheffel Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner. gez. Rimmele. Allgemeiner Eisenbahnerverband. gez. Staruppe. " Der Reichsblod Berlin" hat in seinem Bahlauf. ruj das Wort von den Barmat- Marristen geprägt. Die Rechtsblodpresse seßf den Wahlfeldzug der Gemeinheit täglich fort. Was soll also die Redensart, daß fie rst jetzt einen Kampf mit schmutzigen Mitteln beginnen wolle? Die Absicht ist, den Apparat der Lüge und Berleumdung noch flatter als bisher für Jarres in Bewegung zu sehen, und die Schuld Hierzu erlassen die Berliner Bezirksleitungen der brei Organi dann der Linkspresse zuzuschieben. fattonen folgenden Aufruf: Un die Berliner Eisenbahner! Das Reichsarbeitsministerium hat den Schiedsspruch für ver bindlich erklärt. Die Hauptvorstände der brei Tarifparteien fordern zur Arbeitsaufnahme auf. Dieser Auforderung schließen sich die unterzeichneten Begirtsleitungen der Eisenbahnerverbände an. Wir hoffen, daß der gemeinsam geführte Rampf in der Zukunft eine noch engere Verbindung mit sich bringt. Kollegen! Holt den legten Mann Der noch Unorganisierten herbei, schließt die Reihen, damit der unausbleibliche Stampf in der Zukunft mit einem volle Erfolge endet. Kapitalistische Kunstpolitik". ( Gloffen zur Bersteigerung bei P. Caffirer.) Auftionen von Kunstwerken find eine sehr zweischneidige Sache. Selten dienen sie der Kunst, faft niemals dem schaffenden Künstler. Gie find das mittel, mit dem der tapitalistische Kunsthandel den Martt reguliert und beherrscht; ihr Resultat( nicht selten durch Nachhilfe und Schiebung fünftlich verbessert) dient als Gradmesser der Rauftraft und als Abwehrmittel gegen unzufriedene Künstler auf der anderen Seite; je nachdem. Es ist dasselbe doppelte Spiel nie mit der Statistif, die auch, je nach dem Standpunkt, der ver. teidigt werden soll, nach oben oder unten wirten tann. Am schlimmsten ist die Wirkung, wenn das verfügbare Geld von Museen und Sammlern, statt für lebende Künstler zur Ausgabe zu gelangen, für alte bewährte" Kunft ausgegeben wird. Es gab im laufenden Winter Beispiele, wo durch die fünstlich erhizte Atmosphäre auf Auktionen, da einer den anderen aus Chrgeiz oder auch aus bloßem Zahlentaumel überbot, standalöse Preis steigerungen für mittelmäßige Sachen von toten Meistern entstanden, und lebenden Künstlern von Bedeutung diese Mittel entzogen murden. Herr Jarres hat das Wort„ Ritterlichte it" in ben Mund genommen. Will er sich von den schmuk gen Wellen der Berleumbung fragen lassen, so mag ez zusehen, daß er das wort und den Begriff nicht diskreditiert! Die Gesinnung des Herrn Jarres. Herr Jarres hat seine erste große Rede gehalten. Was an derfelben groß war, wollen wir dahingestellt sein laffen. Aber ein wichtiges befindet sich darin. Ein Saz, den man heraus schälen muß. Ein Mensch, der von seiner Arbeit lebt er fei Hand- oder| Geistesarbeiter oder auch Künstler-, fragt sich vergebens, warum für ein bemaltes Stüd Leinwand oder ein Fetzchen Papier mit ein paar Strichen soviel Geld hinausgetan werden darf, das den lebenden Künstlern, den Schaffenden der Gegenwart entzogen wird. Diese Leute, Privatsammler wie Museumsdirektoren des Staates und der Städte, gehen an der starken Stunft der Lebenden vorüber und zahlen unsinnige Preise, wenn der Meister 70 Jahre alt geund zahlen unsinnige Preise, wenn der Meister 70 Jahre alt ge worden oder, noch besser, gestorben ist. Das ist ein völlig finnwidriger Zustand. Der erste Schritt zu feiner Beferung wäre, die Kunstauttionen ganz abzuschaffen, fo. weit fie dem kapitalistischen Interesse dienen. Aber darauf dürfen wir wohl lange warten. Dr. P. F. Taylorismus. Bon Richard Woldt. Am 21. März find zehn Jahre seit dem Tode von Frederic Winslow Taylor vergangen. Die Lebensarbeit dieses Mannes war für die Entwicklung der industriellen Betriebsorganisation in Deutschland wichtig genug, um fich einmal mit der Frage ausein. anderzusetzen, welche Bedeutung der Taylorismus in Deutschland gewonnen hat. Heute herrscht auf diesem Gebiete Ruhe über den Gewäffern. Gewiß wird immer noch eine umfangreiche Taylor. aber Welt Und zwar in dem Teil, in dem Herr Jarres von der Flaggen streit spricht und-ach wie warm- die Liebe zu Schwarzweißrot verteidigt. " Da steht der Saß, der einzig wichtige, in der langen Rede: Wann von republikanischer Seite gesagt worden ist, das deutsche Bolt fei in feine Bergangenheit verliebt, fo erblice ich darin für uns feinen Vorwurf." Für uns was heißt das? Für uns- die nicht republitanische Seite, die Monarchisten, die Reaktionären, die in die deutsche Vergangenheit so verliebt sind. Das ist wunderbar unflug gesagt. Der Mann, der Präsident der deutschen Republik werden mill, spricht von einer republikanischen Seite. Diesen Gaz sollte man festnageln, den sollte man an jede Straßenede fleben, den sollte man im Wahlkampf nicht nur durch Radio immer wieder rufen, diesen Saz müßte man mit Bosaunen durch die ganze deutsche Republik schreien. Dieser Mann, der den Reichsfarben Schwarzrotgold nur die schuldige Achtung" entgegenbringen zu müssen glaubt, würde die Republit versaden, so sehr er sich in seiner Rede hiergegen verwahrt. " 1 Reichslandbund und kleine Zollvorlage. Sie machen die Regierung scharf. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat eine InterPellation eingebracht, um zu erfahren, ob die Reichsregierung im Intereffe der Großagrarier die fleine 3ollvorlage zum Nachteile der Handelsvertragsverhandlungen noch weiter zu ver schleppen gedenkt. Die Bertreter der Großagrarier haben daraufhin die Reichsregierung energisch an die Vertretung der agrarischen Interessen gemahnt. Am Donnerstag morgen fand eine Besprechung des Bräsidiums des Reichslandbundes in der Reichs. fanzlei in Gegenwart des Reichskanzlers, des Reichsernährungsminifters und des Reichswirtschaftsministers statt. Der Führer des Reichslandbundes trug der Regierung die Auffassung des Land bundes über die Gefahren der gegenwärtigen Lage und die zu er greifenden Maßnahmen vor. Die Regierung weiß nun, daß der Reichslandbund von ihr die Bertoppelung der fleinen Zollvorlage mit den Agrarzoll. plänen des Reichslandbundes fordert. Thüringer Justiz. Schwere Anschuldigung gegen einen Untersuchungsrichter. Weimar, 19. März.( Eigener Drahtbericht.) Bor dem Schwur meineidsprozeß, der auf den Aufenthalt des verstorbenen gericht des Landgerichts Weimar begann am Donnerstag ein Reichspräsidenten in Weimar zur Zeit der Nationalversammlung zurückgeht. Die vier Angeklagten hatten in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht in Sonneberg als Beugen ausgesagt, Retas präsident Ebert habe in Weimar in der Trunkenheit auf der Straße den Hut verloren. Als Zeugen wurden der frühere Minister Gustav Bauer, der frühere Oberpräsident Winnig und mehrere Angehörige der damaligen Wachtkompagnie Beimar vernommen. Biele Jeugen befunden, daß Ebert nicht angetrunken gewesen fet und es sich nicht erklärte vor ihrer Vernehmung, daß sie ihre vor dem Untersuchungsum seinen Hut gehandelt habe. Die Besitzerin des„ Fürstenfeller" richter gemachte Aussage widerrufen müsse, da sie diese nur unter cinem gewiffen Druck gemacht hätte. Der Untersuchungsrichter hätte ihr mit Berhaftung gedroht, wenn sie nicht ausfage, daß Ebert angeheitert gewefen fel de Die Berhandlung wird am Freitag fortgesetzt. timad Deutsche Berater beim Bölferbund. Der Direktor des Inter nationalen Arbeitsamts des Völkerbunds, Thomas, batte eine Anzahl international bekannter Autoritäten zu einer Konferenz eingeladen, die in dieser Woche in Genf tagt, um Leitfäge zur Behandlung wichtiger Probleme der Sozialversierung auszuarbeiten. Aus Deutschland sind geladen Geb. Regierungsrat Dr. Richard Freund und Prof. Dr. Alfred Manes, Berlin, Schußwälle durch organisatorische Selbsthilfe oder auch durch soziale Gefeßgebung vorhanden sind, das berühmte freie Spiel der Kräfte" aus. Deshalb ist, so sonderbar es auch flingt, das moderne Taylor. fyftem von der Entwicklung bereits überholt worden. Wir müssen zu der Synthese zwischen rationaler Arbeitswirtschaft und sozialer Menschenökonomie tommen Wohl muß unsere Arbeitswirtschaft durch Anwendung der besten Maschinen und Arbeitseinrichtungen rationell sein, aber die günstigste. Menschenökonomie im industriellen Leben muß auf anderen Wegen erreicht werden, als es Taylor und feine Schule in den letzten Jahrzehnten gepredigt haben. In diesem Zusammenhange tommt es also darauf an, das negative Resultat unserer Würdigung des Taylorismus zu sehen: über Taylor führt der Weg nicht zur Leistungssteigerung der Wirtschaft. Eine Anderfen- Ausstellung in Berlin. Seit dem Tode des Märchendichters H. C. Andersen werden im Spätsommer dieses Jahres fünfzig Jahre verflossen sein. Der Kreis in Kopenhagen, der dort vor kurzem die Goethe- Ausstellung veranstaltete, wird unter Führung von Prof. Karl Larsen ein umfangreiches Material über das Leben und die Werte des Lieblings unserer Kinderwelt für eine Ausstellung fammeln, die im Oktober in der Preußischen Staatsbibliothet stattfinden soll. Die Ausstellung wird von Vorträgen hiesiger und dänischer Gelehrter sowie Vorlesungen und Monats wurden bei Paul Cassirer Gemälde und Zeichnungen ist die Taylorbewegung abgestoppt worden, und man fieht heute schen Arbeitsausfchuß gehören an: Dr. Balter Georgi, Mintrials von deutschen aus der von denen manche( prominente) noch leben Und hier sollte ein besonderer Liebling des Kunsthandels gehoben und ein anderer, dem Handel sich weniger bequem erweisender, gedrückt werden. Es ging nicht um fünftlerische, sondern um taufmännische Werte. Der Favorit hieß Mar Liebermann, der Unbeliebte 2. Corinth. Die Kriegsmittel waren: viele mittelmäßige Sachen von Corinth zu bringen, um die Preise zu drücken; und wenige, wertvollere Sachen von Liebermann, um höhere Angebote zu erzielen. Der Effeft ift prompt und vollkommen eingetreten. Bon 25 Gemälden Corinths mußten elf zurückgezogen" werden, da teine entsprechenden Gebote darauf gemacht wurden; bie übrigen gingen für 1400 bis 8000 m. fort, was in der Sprache dés heutigen Kunstmarktes heißen will: die Preise für Corinth wurden um das Doppelte bis Mehrfache unter die bisherige Be wertung herabgedrückt. Für Liebermannsche Bilder wurden auf diefer Auktion, um das Beispiel zu vervollständigen, 4000 bis 8000 m. und zweirial je 16 000 m. gezahlt. Außerdem brachte eine Sammlung seiner Handzeichnungen( am zweiten Tag der Auktion) für meist eine und sfizzenhafte Blätter, deren ein so fleißiger Künstler ein Dugend an einem Tag zeichnet, und deren es sicher Zehntausende gibt, Preise, die fich meist zwischen 200 und 500 m. bewegten, aber auch bis zu 1800 und 2850 m. stiegen. Das höchste erreichte Gebot waren 35 000 m. für ein nicht großes Gemälde von Hans v. Marées, der einer der ve Scutendsten Künstler Deutschlands im 19. Jahrhundert war und lange tot ist, danach 21 000 m. für eine nicht sehr hervoragende Landschaft des franzöfifchen Impressionisten Monet, der auch gestorben ist. nicht mehr im Taylorismus das Heil für die Reorganisation der industriellen Betriebe. Diese rückläufige Bewegung ist aus zwei Gründen erfolgt: erstens ist die Anwendbarkeit der fogenannten wissenschaftlichen Betriebsführung" begrenzt, und zweitens haben sich die Arbeiter gegen eine Ueberspannung der rationellen Arbeits. organisation mit Erfolg zur Behr gesetzt. direktor Heilbron, Geheimrat Jessen, Intendant Jeßner, Generaldirettor Milfau, Paul v. Mendelssohn- Bartholdy sowie in Leipzig Geheimrat Volkmann und Dr. Löwis af Menar. Bühnenfünftler und Rundfunt. Das Frankfurter Bühnenschiedsgericht fällte eine wichtige Entscheidung in der Streitfrage, ob die Bühnenfünstler irgendwo verpflichtet sind, an Opernaufführungen mitzuwirken, die gleichfalls durch den Rundfunksender in Frankfurt übertragen werden. Der Schiedsspruch lautet:„ Die Kläger, Bühnenfünstler, sind nicht verpflichtet, ohne besondere Vereinbarung, an den an den Rundfunt angeschlossenen Opernaufführungen mitzuwirken." Taylor wollte eine Arbeitsanalyse bis in die letzten Feinheiten durchführen. Bei den Paradebeispielen wurde der Arbeitsvorgang in eine möglichst große Zahl von Einzelaften zerlegt. Jeder Einzel vorgang wurde mit der Stoppuhr gemessen. Der eigentlichen Arbeit gingen umfangreiche komplizierte und loftspielige Dispositionen voraus. Das Formularwesen und das leberwachungsinstem wurde so ausgedehnt, daß die eigentliche Ausführung der Arbeit oft eine Ueberorganisation der Berwaltung erhielt, bie wieder unrentabel ans matinee( Solo- und Gruppentänze) im Theater am Aurwurde. Nur für normale Massenfabrikation mit Typisierung und Auswechselbarkeit ließ sich das Taylorsystem in Reinkultur durchführen. Die Arbeiter haben die produktionsfördernden Momente, die Taylor im Auge hatte, sehr wohl anerkannt. Weder vor dem Striege noch gegenwärtig hat sich in der deutschen Gewerkschafts. bewegung die Anschauungsweise der Maschinenstürmer festlegen tönnen. Aber gegen die Ueberspannung zur Raubwirtschaft wurde Widerstand geleistet. Die Notwendigkeit der Gegenwehr ergab sich schon daraus, daß das Prinzip der Auslese, der Paradeleistungen walten soll. Das Benfumsystem als Lohnform bildet den Antrieb, und fein regulierender Faftor zur Normalleistung, zur Sicherung gegen Ueberschreitung der Ermüdungsgrenze ist gegeben. Keine Gewerkschaft hat hineinzureden, denn die Taylormänner find Feinde der Gewerkschaften; sie wollen und müssen mit dem einzelnen Ar beiter fertig werden. So wirkt sich dort, wo feine Schranken und Juffa Klamt gibt am Sonntag, den 22. März, mittags 1,12 Uhr eine fürstendam m. Elfe Caster- Schüler trägt noch einmal vor ihrer Abreise nach Balaitina am Sonntag, ben 22, abends 8 Ubr, im harmoniumfaal, Stegliter Straße 35, aus thren Dichtungen vor. Kaplan Fahfel( pricht über Blauben und Unglauben am 21., abends 8 Uhr, in der Hochschule für Musik Georg Brandes ift ertranft. An Stelle der geplanten zwei Vorträge am 25. und 31. März in der Philharmonie bezt im Blüthner- Saal wird nur der eine Vortrag über Das heutige Europa" und zwar am 31. März im Blüthner- Saal stattfinden. Die Schöneberger Bezirks funftbepulation veranstaltet im Schöneberger Rathause eine Ausstellung Die 2ithographie von Senefelder bis heute in unit und Gewerbe in der Zeit vom 14. bis 19. April Leiter der Ausstellung ist Hans Baluschet Der Junge Chor"( Mitgl d. DASB) fingt am 22. in ber Singalademie am Kastanienwäldchen. Zur Aufiührung fommen Chöre von Wagner, Bach, Bolts- und Kampflieder. Anfang nachm. 4 Uhr. Eintritt 1 M. Seht die Wählerlisten ein! Die Listen liegen nur bis Deutschnationale gegen Reichsregierung. fommen. Obstruktion gegen die Handelspolitik. Seit vielen Wochen verhandelt der Handelsvertragsausschuß des Reichstags über das deutsch- spanische Handelsab Die deutsche Industrie fordert fast übereinstimmend die Annahme, die für den Export nach Spanien von großer Be deutung ist. Die Winzervereine haben dagegen eine große Agita tion gegen den Bertrag organisiert, der für die Erleichterung des deutschen Exports dem spanischen Weinbau große Zugeständnisse gewährt. Diese Agitation hat starte Erfolge bei den bürgerlichen Barteien gehabt. Deren agrarische Flügel wollen den Bertrag ablehnen; die Deutsch nationalen scheinen sich sogar bereits auf die Ablehnung des Vertrags festgelegt zu haben, auf dessen Verabschiedung die Regierung Luther- Schiele den größten Wert legt. Unter diesen Umständen suchen die Regierungsparteien Zeit zu gewinnen. Bier Wochen hatte überhaupt teine Sigung stattgefunden. Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung des Ausschusses stand plöglich einer deutschnationalen Anregung zufolge an erster Etelle eine Besprechung des Standes der Handelsvertragsverhand. lungen; der spanische Handelsvertrag mar an zweite Stelle gerudi. Gegen diefen Obstruttionsverfuch erhoben die Genossen Hilferding und Hildenbrand Einspruch. Eine Besprechung der verschiedenen Verträge würde die Verhandlung des spanischen Abkommens auf unbestimmte Zeit vertagen. Da die Regierung im Auswärtigen Ausschuß bereits Auskunft gegeben hat, sei dies ja offenbar auch der Zweck der Uebung. Bei der Regierungs bildung sei erklärt worden, nur die Rechtsregierung sichere die Durchführung der Handelspoliti. Jest werde es tlar, daß die Regierung in diefer wichtigsten Frage unserer Bolkswirtschaft überhaupt über feine Mehrheti verfüge. Es fei klar, daß ohne Sozialdemokratie vernünftige Hardelspolitik überhaupt nicht gemacht werden fönne. Die Regierung lege auf die Verabschiedung der Vorlage den größten Wert. Die Fortdauer der wirtschaftlichen Unsicherheit sei unerträglich. Die sozialdemo fiatischen Bertreter beantragten deshalb, das spanische Abkommen fugli handelt. Dec Anlog wurde angenommen, da auch die Vertreter der Binger- Intereffen dafür stimmten. Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen und auch die Spezialdebatte zu Ende gejshri. Vor der Abstimmung fetten neue Obstruttionsrersuche Der Deutschnationalen ein. Zugleich wurde aber auch von mehreren Abgeordneten daran erinnert, daß die Regierung versprochen hätte, dem Ausschuß eine Vorlage zur Unter. stübung der Binger vorzulegen, durch die etroaige Schäden. des Handelsabkommens gemildert würden. Die Regierung hätte aber diefes Bersprechen nicht erfüllt. & Der Ernährungsminister Graf a nis mußte das zugeben, er flärte aber nun, daß die Regierung Sonnabend vormittag in der Lage sein werde, ihre Vorschläge zu machen. Darauf wurde Ber tagung des Ausschusses beantragt. In der darüber entstehenden Debatte griff Abg. Beder Seffen( D. Vp.) die Sozialdemokratie heftig an. Sie treibe Oppo ilion, obwohl sie doch eigentlich für den Abschluß der Handels berträge fet. Das gab Genossen Hilferbing Gelegenhett au einigen grundfäßlichen Ausführungen. Den Widerspruch 3sischen Bolitik und Sachlichkeit fann die Sozialdemokratie nun anerkennen, benn von der allgemeinen politischen Entscheidung härgen auch alle fachlichen Entscheidungen im einzelnen ab. Denn alle einzelnen Maßnahmen müßten sich ja in den Rahmen einer Gülgemeinen Bolitit einfügen. Die politische Entscheidung sei heute un: so wich. tiger, als sich ja die Berhältnisse gegenüber früher völlig verändert hätten. Früher stand dem Reichstag eine nom Parlamert unab hängige Regierung gegenüber, auf deren Entschlüsse und Zusammen jezung der Reichstag nur einen ganz beschränkten Einfluß hatte. Jezt bildeten die parlamentarischen Parteien die Regierung. Sie müßten deshalb auch die völlige Verantwortung für die Regierungspolitik übernehmen. Wenn im Obrigkeitsitcat bas Spiel mit mechselnden Majoritäten möglich gewesen sei, so sei das gegenwärtig ausgeschloffen. Die Opposition fei nicht dazu da, um diejenigen Dinge der Regierung zu apporteren, für die einzutreten den Regierungsparteien aus demagogilchen Rüdsichten nicht erwünscht fel. Sowohl Herr Luther wie cuch err Gtrejemann hätten ausdrücklich erilärt, daß die Rechtsregierung gebildet werden müsse, weil mit der Sozialdemokratie teine Handelspolitik zu machen sei. Jest müssen die Regierungs. parteier beweisen, daß sie dazu imftande sind. Konnten sie das nicht, so müßte eben die von ihnen gebildete Re gierung zurüdtreten und eine andere Regierung gebildet werden, die das wirtschaftlich und fachlich Notwendige auch politisch durchzuführen imftande sei. e kommenden Montag aus. wegen ihres niedrigen Charakters fogar von der deutschen Reichs. regierung die Subvention entzogen worden war. Nichtsdestotroh hatten die Hamburger Nachrichten", die genau wußten, daß sie im Trüben fischten, den Artikel abgedruckt, der der Bossischen Zei tung" allerschwerste Vorwürfe antideutschen Verhaltens daraus macht, daß fie nach moralisch nicht zu beanstandender journa. liftischer Gepflogenheit Nachrichten an den Telegraph", an dem selbst ein Mann wie Dr. Helfferich Mitarbeiter mar, lieferte. Durch die Art und Aufmachung des Artikels und meiteren Tert folte deutlich zu verstehen gegeben werden, daß die Gazette Boß", wie fie genannt wurde, bewußt deutschfeindliche Politit triebe, wenn nicht gar von ausländischen Kapitalsintereffen beeinflußt wäre und daß ihr das Geschäft über alles ginge. Der Angeklagte, veram wortlicher Redakteur Engelhardt, und fein Berteidiger hielten es nicht für notwendig, einen Wahrheitsbeweis anzutreten, sondern begnügten sich mit Ausflüchten. Die Verurteilung erfolgte auf Grund von§§ 185 und 186 des BGB. Mussolini regierungsunfähig. Zittoni wahrscheinlich Nachfolger. Rom, 19. März.( Eig. Drahtber.) Die Aerzte haben dem italienischen Ministerpräsidenten mussolini eindringlich geraten, schleunigft Rom zu verlassen und zur Wiederherstellung seiner Ge sundheit nach Sizilien zu reifen. Dort soll er sich von jeder Befchäftigung mit der Politik und mit den Staatsangelegenheiten fern halten. Mussolini weigert sich bisher noch, dem Rat seiner Aerzte zu folgen. In Regierungsfreifen wird schon ernsthaft über die Person eines Bizeministerpräsidenten diskutiert, der im Falle der Abreise Mussolinis die Regierungsgeschäfte führen soll man rechnet allge. mein damit, daß Littoni, ber Präsident des Senats, vom König mit der interimistischen Führung der Regierung betraut werden wird. In diesem Falle würden die Haupthindernisse für die Rüd fehr Italiens auf den Weg der Gefeßlichkeit wahrscheinlich bald überwunden sein. Zur Geschichte des Kriegsausbruchs wird ein fübslawisches Blaubuch über den österreichisch- ferbischen Konflift Beitragen, bas in den nächsten Tagen in Belgrad erscheint. Der Kampf gegen die Kurden. 100 000 Mann Truppen mobilisiert. Konftantinopel, 19. März.( Eigener Drahtbericht.) Die türfische Regierung hat zur Niederwerfung des turdischen Aufstandes rund 100 000 Mann anatolise Truppen mobili. siert. Davon sollen zunächst 75 000 ins Aufstandsgebiet gesdyidt werben. Die Truppen werden in verschiedenen Kolonnen gegen die ganze Breite der westlichen Front Kurdistans angesetzt. Die Kurden erschweren den Truppen den Kampf badurch, daß sie unter der grünen Fahne des Propheten fämpfen und in den vordersten Reihen den Roran zeigen. Dadurch werden die Truppen in schwere Ge miffenstonflitte gebracht. Der militärische Befehl verpflichtet sie zum Angriff, während sie das religiöse Gewissen vor einer Attade auf diese heiligen Embleme abhält. Der Ausschmüdungsausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Donnerstag mit einer schon früher behandelten Anregung, das An denten der im Weltfrieg e gefallenen Mitglieder und Beamten des Reichstages durch Errichtung einer Gedenktafel im Reichstagsgebäude zu ehren. Der Ausschuß ftimmte grundsätzlich der Anregung zu, jedoch sollen in einer späteren Sigung des Ausschusses zunächst die Vorschläge von Kunstfachverständigen über die Form und die Anbringung der Ehrentafel vorgelegt werden. Ferner lag eine Anregung vor, eine Büste oder ein Bildnis des ver. storbenen Reichspräsidenten Ebert für das Reichstags. gebäude zum ehrenden Angedenten anzutaufen. Der Ausschuß traf in dieser Angelegenheit noch feine endgültige Entscheidung, damiz zunächst in den Frattionen darüber Besprechungen abgehalten werden töneren. Am Sonnabend tritt der Ausschuß nochmals zusammen. Wechsel im Polizeipräsidium. Zum fommissarischen Leiter der Abteilung la des Berliner Bolizeipräsidiums ist der Oberregierungsrat Windisch vom Oberpräsidium in Magdeburg an regierungsrat indisch vom Oberpräsidium in Magdeburg an Stelle des nach Halle versetzten Regierungsdirektors Dr. Ogle Rüdtriff der finnischen Regierung. Die finnische Regierung ist zurückgetreten. Bermutlich wird Ministerpräsident Enfmann wieder mit der Regierungsbildung betraut werden. Man rechnet mit einer längeren parlamentarischen Krise. Hermann Müller zur Präsidentenwahl. Eine Rede in Potsdam. In Botsdam eröffnete gestern die Sozialdemokratie ben Wahlkampf um den Reichspräsidenten mit einer Rebe des Barteivorsitzenden Genossen Hermann Müller- ranten, der sich das Thema„ Demokratie oder Reaktion?" gewählt hatte, um in großen Zügen der Wählerschaft flar zu machen, was eine Berfennung des Kampfzieles und der Bedeutung der Stellung, um die der Kampf geht, mit sich brächte. leumdungstampagne gegen Ebert fich wohlgefällt. Gewiß ist Jarres ein anständiger Mensch, aber diese Boraussetzung genügt nicht für einen Reichspräsidenten. Jarres fehlt der politische Weitblid und das hat er mit seiner Berfadungstheorie bewiesen. Er mag die besten Absichten gehabt haben, aber was er erstrebte, ist auf die Formel zu bringen: Man foll Westdeutschland prelsgeben, um Rechtsdeutschland zu retten! Ohne die energische Haltung der Arbeiter und Beamtenvertreter im Westen wäre diese Theorie nicht zum Scheitern gebracht worden. Die Zeit hat es bewiesen, daß es auch ohne Breisgabe und ohne Ginstellung der Zahlungen für Rhein und Ruhr gegangen ist. Genosse Müller fnüpfte an eine Bemerkung des Grafen Bestarp an, den er als einen aus der Kaiserzeit stebengebliebenen Regenschirm bezeichnete. Westarp batie gefordert, daß tein Marrist die Nachfolge Eberts und ebensowenig ein Anhänger ber Weimarer Koalition diefes Amt befleiden dürfe. Damit ist ber Gegenfah aufgezeigt, um den es sich handelt. Es soll also nag feinem Willen eine Periode zum Abschluß tommmen, in her Repu blikaner und Demofraten an der Spige des Deutschen Reiches stehen. Jarres hat gestern geäußert, daß das deutsche Bolt zu wenig Berständnis für die Geschichte der Vergangenheit hätte. Er besteht, der die Konsolidierungsarbeit Eberts fortsetzt. Auch die trachte sich als Brüdenbauer zur Zeit des Kaiserreiches mit dem Hintergebanten, daß er als Bernunftrepublitaner die Brüde schlagen könne, auf der auch die Monarchisten hinein hangen wollen. So notwendig es ist, daß der Deutsche die Geschichte der Vergangenheit fennt, so notwendig ist es auch, daß er die Ge fchichte der letzten 10 Jahre richt vergißt. 1918, als der lezte faiserliche Kanzler das Ende kommen fab, übergab er dem ehe maligen Sattlergesellen die Geschäfte des Reiches, um zu retten, was zu retten war. Damals war ein Westarp nicht zu sehen. Das ist ein Staatsmann, der mit einer foldhen Theorie das Land zu retten glaubt Gegen folche Möglichteiten tann das Reidh mur gefeit fein, wenn ein entschiedener Republitaner an seiner Spize Deutschnationalen fehen heute ein, daß sie mit der Rechtsregierung Erfüllungspolifit freiben müffen, und Strejemann ist es, der Cunofche Politif fortfeht und Frankreich einen Patt anbietet, in dem die derzeitigen Weltgrenzen garantiert werden. Welch Spet. tafel wäre entstanden, wenn ein fozialdemokratiser Minister mit einem solchen Batt gefommen wäre. Jetzt erzieht man die Deutschnationalen auf dem Wege der Erfüllungspoliti? für den Staat. Und sie sehen ein, daß fie fich fügen müssen, wenn sie die alten Zeiten innerpolitischer Macht wieder erlangen wollen. Das Brit wird aber begreifen, daß es mit den Wahlversprechungen der Deutschnationalen nur ellel, Cug und Trug ist. Die Kreise der Kleinrentner, Sparer und Auslandsdeutschen werden am ehesten zur Befimung tommen. Das nächste Problem für die Rechtsregierung ist die Frage der Räumung Kölns. Auch da wird man zusehen müssen, durch Berhandlungen das Ziel zu erreichen. Was würde entstehen, wenn ein zu Cxperi. menten in der Außenpolitit neigender Reichspräfi. ben: fein Amt zu solchen Experimenten mißbrauchen würde? Deutschland wird von der Regierung Luther- Stresemann in den ölferbund hineingeführt werden müssen, wenn sie die Wirtschaft fonfolidieren will. Diejenigen, die ihr Verlangen nach der„ Reini gung des öffentlichen Lebens" so übermäßig betonen, sollen nicht zu und sich der HohenEr verschwand in der bunkelsten Ede wie alle die, die sich nicht hervorgewagt haben. Keiner war da, der seinen Kaiser verteidigen wollte und der Kaiser war auf und bavongegangen und mit ihm Deutschen Reiche wieder für Ordnung gesorgt und den Staats. gebanken hochgehalten. Darum ist es auch unfagbar fläglich, daß heute vor einem Schöffengericht oder jeht vor der Straffammer die Röpfe darüber zerbrochen werden, ob die Sozialdemokratie jemals Landesverrat begangen habe. Es tönnte auch einmal bei der Umfehrung eines derartigen Prozesses dazu dommen, daß Die Haltung der Opposition diene zugleich einer außerordent die Frage aufgerollt wird in einem Hohenzollern- Prozeß, wie fich lich wichtigen politischen Erziehungsaufgabe. Wenn diese Familie in der fritischen Zeit gegenüber dem deutschen Bolte der Abgeordnete Beder, der Bundesgenosse der Deutschnationalen, verhalten hat. Hätte nur Wilhelm II. es so verstanden wie Ebert, jollernamen erinnern, die bei einer Schieberbant ihre Konfen an ciner anderen Partet Demagogie vorzuwerfen wage, so sei dies lächerlich. In der auswärtigen Politik wie in der Aufwerfungsfrage haben die Deutschnationalen gewiffenlos Demagogie getrieben. Sept soll dasselbe Spiel bei den Handelsverträgen wiederholt werden. Die Regierung bestehe auf Ratifizierung des Bertrags. Sie sei sachlich im Recht. Aber die Opposition habe feinen Grund, regierungsfreundlicher zu fein als die Regierungsparteien. Bei der Berabschiedung des Vertrags mit Siam hätten wir schon einen ersten Erziehungs. erfolg gehabt. Die Herren tönnten auf eine Wiederholung der Let tion gefaßt fein. Diese Ausführungen erregten wie man sich denken fann den heftigen Unmut der Boltspartei und namentlich der Deutsch nationalen, die aber mit ihren Erwiderungen wenig Glüd hatten. zur richtigen Zeit den Mund zu halten, würden zwei Millionen Deutsche mehr leben. Ebert, um deffen Nachfolge jept der Kampf entbrannt ist, hat ein Beispiel gegeben, leitet werden müssen, und darum muß auch sein Nachfolger die wie mit Ruhe, Tatt und Sachlichkeit die Geschicke des Boltes gefelben Voraussetzungen erfüllen. Ein Monarchist oder ein ver. fappter Feind der Republit würde niemals an diesem Blaz das erfüllen, was das Amt von ihm verlangt. Bir Sozialdemokraten haben die Auffassung, daß nach der Art, wie Ebert fein Amt verwaltet hat, nur ein Mann an seine Stelle treten darf, der die Beweise geliefert hat, daß er in schwerster Sett feinen Posten zu versehen vermag, und das hat unser Reichs. präsidentenkandidat Otto Braun als preußischer Ministerpräsident gezeigt, während im Westen der Separatismus sein Haupt erhob und Putschiffen bei küftrin und anderwärts den Frieden in Preußen gelegt hatten. Besonders in der Potsdamer Atmosphäre wird man auf Eitel Friedrich verweisen müssen, der sicher nicht durch die Republif verdorben worden ist. Und die Geschäfte, die nach 1871 mit Korruptionserfcheinungen bezeichnen, der Hochadel gemacht hat, sind nichts anderes, als was wir heute Gegenwart ist ein Pappenstiel gegen diese Beit und Die Auf einen 3 wisenruf über die Haltung der Sozial, bemokratie im zweiten Wahlgange erwiderte Hermann Müller: Wir werden wissen, was wir im Interesse der Republit zu tun haben, und nehmen daher im voraus feine Belehrung entgegen." Diese Bemerkung löfte starten Beifall aus. Zum Schluß rechnete Hermann Müller mit den Kommu nist en ab, die mit ihrer Zähltandidatur nur der Reaktion Borschub leisten nd den Arbeiterinteressen höchstens Schaden verursachen. Die Massen werden aber wissen, worum es fich handelt. Nicht um die Restauration der Monarchie wird es gehen, aber eine Etappe schlossen. Man fann neugierig sein, welche neuen Obstruktions Da hat er die ma che für Deutschland gehalten und Breußen Auf dem Wege zu ihr will man gewinnen. manöver dann versucht werden. Mildes Urteil für Verleumder. Georg Bernhard gegen Hamburger Nachrichten". Bon dem Amtsgericht Berlin- Mitte unter Borsiz des Amts. gerichtsrats Dr. Lorking wurden die hamburger Nach richten" zu der äußerst milden Strafe non 300 m. und zur einmaligen Publikation des Urteils in den Hamburger Nachrichten und der Bossischen Zeitung" verurteilt. Der Berlag Ullstein und mit ihm Georg Bernhard, der Chefredakteur der „ Boffischen Zeitung", hatten bie Hamburger Nachrichten auf Grund eines Artikels Geschäft ist alles" verklagt. Dieser Artikel bestand im wesentlichen aus einem Zitat der berüchtigten Deut. schen Wochenzeitung für die Niederlande", der wurde der Ruhepuntt, ohne den das Reich in chaotischen Zustand geraten wäre. Allerdings geriet er dabei auch in eines zuverlässigen Republifaners. Wir haben nicht solche Bersekungserscheinungen feftgestellt wie im Loebell- Blod, der feinen Kandidaten mit recht gemischten Gefühlen in seiner Bresse begrüßt. Wir erwarten von der Jugend, daß fie uns die Relruten ftelle für den Sieg der republikanischen Jdee. Wir sind überzeugt, daß mir uns in der europäischen Völterfamilie nur als Republik durch feten tönnen! Wir müssen das Lehte daran sezen, daß feine Wahlmüdigkeit eintritt! Um das Wohl und Wehe des deutschen Boltes handelt es sich. Otto Braun bürgt uns dafür, daß er als Nachfolger Eberts würdig und erfolgreich das Amt vertritt.( Stürmischer Beifall.) Konflikte mit Jarres als Reichsiunenminister. Jarres hat den grabbus Neunffundentag für die Beamten einführen wollen und dabei Braun in der Abwehr getroffen. Braun hat bewiesen, daß bei ihm die Borauslegungen zur Erfüllung der Pflichten dieses hohen Amtes vorhanden sind. Er trat für die fleinen Leute ein, er fämpfte um das Recht der andarbeiter und von einem solchen Mann will natürlich der Ausschuß für die Sammelkandidatur des Reichsblockes nichts wiffen. geführt werden müsse. Da wird er wohl bald an seine Freunde eine Herr Jarres ist der Auffassung, daß der Wahitampf ritterlich" Anstandsmahnung ergehen lassen und gegen die deutschnationale Presse einen Bannfluch schreiben müssen, die in der wüftesten Ber.' Besuch aufzuweisen. In der Diskussion mußte Müller sich mit einem Kommunisten auseinandersetzen, wobei er ihn fnapp und treffend abfertigte. Bon allen bisherigen Bersammlungen in Potsdam hatte die sozialdemokratische Wählerversammlung den stärksten Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaften und Arbeitslosenversicherung. Die Entschießung zur Arbeitslosenversicherung, die in der Kundgebung der Bundesausschüsse der freien Gewerkschaften angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: " Wirtschaftspolitische wie fozialpolitische Erwägungen verlangen bringend, daß Deutschland schnellstens durch eine Arbeitslosenver ficherung die Borausfegungen für einen genügenden Arbeitslofenschutz schafft. Die auf Jahre hinaus unvermeidbar starten Schwankungen des deutschen Arbeitsmarties, machen feine fyfte Schwankungen des deutschen Arbeitsmarties, machen feine fylte matische Beeinflussung durch zwed mäßig organijierte Arbeitsvermittlung und durch planmäßige Forde rung von Arbeitsgelegenheit nötig. Den erwerbslojen Arbeitnehmern muß eine ausreichende Fürsorge zuteil werden, daß fie und ihre hilfsbedürftigen Angehörigen wirklich vor not und Elend geschützt sind. Das Fehlen eines durchgreifenden Schußes würde bedeuten, daß das tostbarste Gut der deutschen Wirtschaft, die Arbeitsfraft, verwüstet würde. Kern der notwendigen vorbeugenden und fürsorgerischen Maß nahmen muß die Arbeitslosenversicherung sein, die alle Aufgaben organisatorisch zusammenfaßt. Die jetzige Ermerbslosenfürsorge kann diese Aufgaben nicht erfüllen. Trok Beitragsleistung ift fie an das Prnizip der Armenpflege gebunden, da nur der „ bedürftige" Erwerbslose unterſtützt werden soll. Dieses Prinzip führt unvermeidbar zu Ungerechtigkeiten und ist mit der Bei fragspflicht unvereinbar. Die Arbeitslosenversicherung muß einen Rechtsanspruch auf eine Unterstützung fichern, die die notwendige Lebenshaltung der Erwerbslosen bedt. Um die arbeitsmarktpolitischen Aufgaben erfüllen zu können, muß bie Arbeitslosenversicherung organisatorisch einheitlich und in enger Berbindung mit den öffentlichen Arbeits nach weisen durchgeführt werden. Berwaltung und Geschäftsführung müssen Aufgabe der wirtschaftlichen Selbstverwaltung fein. Reichs, Länder und Kommunalbehörden sind auf entsprechendes Aufsichtsrecht zu beschränken. Die durch die derzeitige Regelung der Erwerbslofenfürsorge ge fchaffenen Verhältnisse sind unerträglich, fie verlangen die schnelle Schaffung eines Versicherungsgesetzes. Gegenüber der irreführenden Behauptung, daß eine Bersicherung höhere Kosten verursachen und die Soziallaft der deutschen Birt fchaft unerträglich steigern merde, muß darauf verwiesen werden, daß nach den bisherigen Erfahrungen bei einheitlicher Berteilung der Kosten auf die Gesamtwirtschaft ohne Bevor zugung einzeltrer Gebiete und Berufe, die Versicherungsbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wesentlich geringer fein merden als sie früher veranschlagt und bis Ende 1924 von der Wirtfchaft bereits getragen wurden." Das Schiedsgericht im Bankgewerbe. Berlin, 19. März.( BTB.) Jm Banfgewerbe follte die rage der 8ulassung der bisher außenstehenden Angeftentenverbände zum Reidstarifvertrag einem Schiedss gericht zur endgültigen Entscheidung unterbreitet werden. Diefer vom Schlichter gemachte Vorschlag ist nunmehr bon allen Berbänden angenommen worden. Der Reichs arbeitsminister hat daher das Schiedsgericht auf morgen, Freitag, eingeladen. Wortbrüchige Unternehmer. Die Dfensezer, die im Deutschen Baugemertsbund organisiert ind, hatten im Dezember vor dem Schlichter Groß- Berlins eine Lohnvereinbarung abgeschlossen auf der Grundlage von 1,15 Mr. pro Stunde bzw. bei Attordarbeiten 5 Broz. über dem am 1. September 1924 abgeschlossenen Attordtarifvertrag. Während dieser Berhandlungen, die in einer tariflosen Zeit stattfanden, wurden in Berlin Stundenlöhne bis zu 2 Mt. gezahlt. Bei den Berhandlungen versuchten die Unternehmer, die Arbeitnehmer dazu zu veranlaffen, daß ein fefter Stundenlohn von 1,15 M. festgelegt werden sollte, während in früheren Zeiten der vereinbarte Stundenlohn stets als Mindestlohn galt. Die Unterhändler des Baugewerksbundes wollten darauf eingehen, wenn die Arbeitgeber bei Affordarbeiten die Stundenlöhne der Woche garantieren würden. Dies wurde Mindest stundenlohn. Don den Arbeitgebern abgelehnt. Es blieb also bei 1,15 M. fahluß dieser Bereinbarung eine Notiz, in der die Arbeitgeber ver In der Neuen Deutschen Töpfer- Zeitung erschien nach Aböffentlichten, daß für Berlin der Höchst stundenlohn 1,15 m. zahlen würden, auf Grund der Statuten der Innung und des betrage und daß diejenigen Arbeitgeber, die darüber hinaus beArbeitgeberverbandes zu einer Konventionalstrafe heranfommissionssizung mußten die Arbeitgeber zugeben, daß die Vergezogen merden würden! In einer erneuten Schlichtungsöffentlichung in der Neuen Deutschen Töpfer- Zeitung" nicht den Tatsachen entspricht. Sie wollten dafür Sorge tragen, daß eine Be richtigung erfolgt. Dies ist bis heute nicht geschehen. Die Unternehmer sind also hier wortbrüchig geworden. 3 Aber auch in anderer Beziehung werden die Beschlüsse der Schlichtungskommission nicht gehalten. Bei einer Differenz bei den Firmen Ofenbau- Industrie A. G. und Bruds wurden die sogenannten Groß- Runden Eden( ungefähr 3 Zoll Rundung) Ofenbau- Industrie A.-G. zahlten nach dem Beschluß der Schlichtungspro Ede mit 25 Bfg. ertra bewertet. Die Firma Brucks und die fommission die Reſtlöhne aus. Der Obmann der Lohnkommission von den Arbeitgebern, Herr Töpfermeister Jung, hat nun bei einer erneuten Differenz dem betreffenden Arbeitgeber den Rat gegeben, trop Beschluß der Schlichtungskommission diese Mehrbezahlung der den jezigen Lohnverhandlungen preffen zu können. Die Ofensezer Eden zu verweigern. Man glaubt damit, die Gesellenfommission bei mart fein höchst, sondern Mindestlohn ist, und daß werden darauf aufmertjam gemacht, daß der Stundenlohn von 1,15 der Schlichtungskommission weiter mit 25 Bfg. ertra zu die Bezahlung der Groß- Rund- Eden auf Grund der Entscheidung erfolgen hat, bis eine neue Verständigung mit den Arbeit gebern herbeigeführt ist. Die Haus und Wachangestellten. Die legte Mitgliederversammlung der Gettion 7 des Deutschen Berkehrsbundes im großen Saale des Gewerkschaftsh uses wurde mit einem herzlichen Nachruf für den Reichspräsidenten Genossen Ebert eröffnet. Geftionsleiter Leu be berichtete über die Tätig. feit der Sektionsleitung und die vorjährigen Tarifabschlüsse. Es waren 2065 Bersammlungen und Berhandlungen notwendig, um allen Anforderungen gewerkschaftlicher Arbeit gere.ht cu werden. Die intensive und aufopferungsvolle Tätigkeit war nicht vergeblich. 2162 Berufskollegen und Kolleginnen konnten der Organifation neu zugeführt werden. Bon den neuen Mitgliedern find 249 Hausangestellte in Privathaushaltungen, 278 Reinemachefrauen, 437 Hausreinigerinnen, 952 Wohnhausportiers, 103 Ge fchäfts- und Industriehausportiers, 28 Privatwächter und 115 Bach40 Fällen mit 21 884 Berufsangehörigen beteiligt. Durchschnittlich und Schließangestellte. An Lohnbewegungen war die Seftion in wurde ein Mehrwochenlohn von 8,05 m. pro Mitglied erreicht. Stellungfuchende waren auf den Facharbeitsnachweisen 4309 gemeldet, offene Stellen 4183, wovon 3847 besezt werden fonnten. Die Vermittlung für Hausreinigerinnen ist ab 1. Januar wieder unserem Facharbeitsnachweis übertragen. Der Sektionsleiter Karl Leube wurde wiedergewählt. Streit in der Seifenindustrie. gezeigt bätter. Bor Zuzug wird gewarnt. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdrud gebeten. Verband der Fabritarbeiter. Berwaltungsstelle Groß- Berlin. Achtung, Eisenbahner! Die Auszahlung der Streitunterstügung findet nach folgender Regelung im Drtsbureau des DEB. statt: Heute, Freitag, von 1 bis 4 Uhr für die Unorgani sierten aller Dienstzweige, soweit diese auf den DEV.- Listen geführt sind, und zwar die Güterbodenarbeiter von 1 bis 22 Uhr, fierten Güterbodenarbeiter von 4 bis 6 Uhr, die im die übrigen Betriebe von 21 bis 4 Uhr. Die im TEV. organi DEB. Organisierten im Betrieb Beschäftigten von Richterfelde bon 6 bis 7 Uhr. Sonnabend von 8 bis 10 Uhr( Leb.), von 10 bis 11 Uhr ( Rga.), von 11 bis 12 Uhr( Charlotteuburg und Ahb.), von 12 bis 1 Uhr( Pog und Gzb). Streifliften eingelaufen sind. Die Streiftarten müssen bis zum Die übrige Bekanntgabe fann nur dann erfolgen, wenn die Schluß gestempelt und die Mitgliedsbücher auf dem Laufenden sein. Beides ist mitzubringen, da sonst Auszahlung nicht erfolgt. Die Ortsverwaltung des DEV.: Beilschmidt. Achtung, Zimmerer! Bei der A.-G. für Haus- und Fabrikbau, Berlin, Dessauer Str. 38, wird in Neukölln auf der Baustelle Ziegrastr. Kaiser- Friedrich- Straße 99/100, hat die Arbeiten übernommen und wegen Lohndifferenzen gestreift. Der Josef Kolodziej, Neukölln, sucht im„ Neuköllner Tageblatt“ und„ Berliner Morgenpoſt" Streifbrecher. Kameraden! Die Baustelle ist nach wie vor gesperrt! Uebt Solidarität mit den Streifenden. Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin und Umgegend. * Dazu schickt uns Herr Josef Kolodziej einen Brief, in dem er fich ihn als Gemüse händler bezeichnet habe. Er jei gelernter darüber entrüstet, daß die Zahlstelle Berlin des Zimmererverbandes gemacht habe. Wozu wir bemerken, daß man ein verständiger GeZimmerer und Zimmerpolier gewesen, bevor er fidh 1909 selbständig müsehändler sein kann, aber nach landläufigen Begriffen ein unanständiger Lohnbrüder ist, wenn man streifenden Arbeitern in den Rüden fällt. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Die Nr. 9 ber Betriebszeitung Der Rämpfer" ist erschienen und safort som Betriebsfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2., in Empfang zu nehmen. Besonders die Bertreter der Mittel- und Kleinbetriebe werben erfucht, das Material abzuholen. Barteiausweis mitbringen! AfA- Funktionäre der Metallindustrie. Sente, Donnerstag, abend 7 Uhr wichtige Af- Funktionärversammlung ber Betriebsräte. Referent Rollege Aufhäuse z. 2. Aufstellung unserer Gehalts Metallindustrie in ben Sophien- Sälen, Sophienstr. 17/18. 1. Neuwahlen ber forderungen. Bei der Bichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir, bak alle -Funktionäre be stimmt erscheinen! Af Metallfartell: Günther, Lange, Rothe. Achtung, SPD.- Hochbahner! Gonntag vormittag 9% Uhr Bersamm Tung aller SBD.- Hochbahner am Gleisdreied. Erscheinen aller ist not wendig. Der Fraktionsvorstand. Reatralverband der Maschiniften und Seizer. In einer am geftrigen Tage stattgefundenen Lohnverhandlung mit der Direktion der Berliner Städtischen Clettizitätsmerte A.-G. wurde ein Ergebnis erzielt, das in einer baran an fchließenden Funktionärtonferens angenommen wurde. Lohntarife find im Bureau des Rentralverbandes der Maschinisten und Seizer, Engelufer 24-25, erhältlich. Wetter für Berlin und Umgegend. Bolliges, dunftiges, zeitweise etwas aufbeiterndes, noch mildes Better. Norddeutschland vorwiegend be zunehmende Bewolkung. Zur Lohnbewegung in der Seifenindustrie ist zu bemerken, daß dedi, Neigung zu Niederschlägen. Süddeutschland etwas milder, späterhin im Haupttarifamt ein Spruch wegen Stimmengleichheit nicht zustande tam. Nachdem neue Verhandlungen ebenfalls zu feinem Resultat geführt haben, sind die Seifenarbeiter Berlins in den Streit getreten. Die Söhne der Seifenarbeiter gehören mit zu den niedrigsten der ungelernten Arbeiter. Der Streit hätte bermieben werden. fönnen, wenn die Seifenfabrikanten genügendes Entgegenkommen Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döscher; Lofales und Conftiges: Friz Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Boul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake& Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust.... Pfund 60P. Kalbsnierenbraten..... Pfund 70Pt. Kalbskeule ganz und gefellt.... Pfund 80P. Hammelvorderfleisch .. Pfund 70P. Hammelrücken Pland 75Pf. Hammelkeule ganz und gefellt. Pfund 85Pt. Schweinebauch mit Beilage.. Pfund 80Pt. Schweinerücken und Blatt... Pfend 90Pf. Schweineschinken... ..... Pfund 95Pt. Liesen Pland 80P. Gehacktes Pfund 70Pf. Prima fett. Ochsenfleisch gefroren Rinderkamm und Brust Pfund 55Pf. Rinderherzen Pfund 38Pt. Schweinenieren Pfund 65P Grüne Heringe grobe.. 5 Plund 45 Pf. Bücklinge robe........ Pfund 22 Pf. Stück 105 Tauben. Tafelbutter .1/, Pfund- Paket 110 gehalt, gr. Dose Dänische Vollmilch 7-8Frozent Fett. 25 Pf. Apfelmus 1 Pid.- Dose 38 Pt. 2 Pid.- Dose 60 PL. Corned Beef 1 englisches Pfund 63rf. 2 Piund- Dose Stachelbeeren, Heidelbeeren Holstein.Rindfleisch pase 85 Pf. Konfitüren in 2 Piund- Elmer 80Pt. 88Pt Orangen, Pilaumen. Moritzplatz Geflügel, Wild an Enten holländische, Pfd. 125 Enten holländische, Pfd. 125 Brat- u. Suppenhühner frisch geschlachtet, Pfund| 65 Fasanenhähne Stück 550 Fische ohne Kopf . Fische, Pld Kabeljau 25P. DorscheColberg., Pid. 25 PL Schellfische ohne Kopt.. Pfund 28 PT. Zander.... Prand 85 Pt. Räucherwaren Voll- Bücklinge Ptd. 40PL Flundern... Pfand 45 PL Fleckheringe Plund 48 Pt. Sprotten Ostsee, Ptd. 50 PL Stück Sennerin Schacht. Käse Romatour to stan24P1, Camembert 25Pf. Kuhkäse große, Stück 25PL. Quadratkäse Pfund 32Pf. Sekt- Camembert voll: ett. Schachtel 38PI. Kümmelkäse shies 45P. Limburger. Plund 55Pi. Goudakäse dan., Pfd. 75P!. Plund Holländer... Pfund 85Pf. Edamer Pfund 85 Pt. u. 105 Schweizerkäse dan., Pt4.[ 10 Erdbeer- Konfitüre..2 Pfund- Elmer 125 Emmenthaler Pfund 165 A. J. Polak Spelsenfabrikate soweit Vorrat Südfrüchte Blutapfelsinen Dubend 60Pf. 75Pt. 90PL. Zitronen Dutzend.. 35 Pf. Feigen..... Pfund 20Pf. Ananas..... Plund 130 Obst, Gemüse Kochäpfel Pfund 12 Pt. Eẞäpfel... Pfund 20 Pf. Reinetten Spitzieder, Ptd. 25 Pf. Rote Rüben Pfund 5Pf. Weißkohl holland., Pfd. 6 Pf. Möhren gewaschen, Pid. 7 Pf. Plund Pfund an Rotkohl holländ., Pfand 12PT. Malta- Kartoffeln P. 12 Pt. Blumenkohl Kopf v. 20 Schwarzwurzeln 22 Pf. Tomaten Kanarische 50Pf. Wurstwaren Hausmach Sülzepid. 58Pt. Rot-, Zwiebelwurst 68Pr. Leberwurst Hausmach: 116 Fleischwurst Thuring.[ 16 Art, Pfd. Bockwurst... Pfund 125 Mettwurst gekocht, Pfd.[ 35 Mag. Speck) deutsche Fett Speck Pfund Jagdwurst... Pland[ 30 Schinkenspeck in Stck. von ca. 1%, Pfund, Pf. 165 Zerveiat- und Salami, Holsteiner... Plund 170 Nußschinken ca. 2 Pfd. schwer..... Pfund 180 Pomm. Teewurst Pid 180 Ware 135 Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Kaffee, Kakao, Schokolade Konserven Dose 1/1 Brech- u. Schnittbohnen lunge...... Dose 85 Prinzeßbohnen mittelf.[ 10 Rot, Grün-, Wirsingkohl 50 Leipziger Allerlei..78 Erbsen mit Karotten..60 Erbsen mittelfein... 92 Junge Erbsen.... 60 fein...., Dose 80 145 Kaiserschoten 120 225 Bruchspargel ohne Köpfe. Dos. 105 195 dünn. Dos. 115 220 Stangenspargel stark..1/ 2 Dose 185 360 extra stark. D. 2M 380 Birnen halbe Frucht 85 Helvetia Pflaumen 95 ganze Frucht Pflaumen süß- sauer M Äpfel.Helvetia", getellt| M Pfirsiche halbe Frucht 175 kalifornische... 2M Preißelbeeren 4 Pf- D. 230 Ananas Hawai, I. Schelb. 250 Delikateßheringe deutsche ohne Gräfen/ Dose IM 185 Rollheringet.Remoulade| 50 Portugies. Oelsardinen Dose 50 70 90 Pf. 110 Kronenhummern D 380 Kolonialwaren Tafelreis unpol., Pid. 20 Pt. poliert.... Pfand 24 Pf. Haferflocken Pfund 24 PL Plockwurst westf., Pid. 180 Weizengrieẞ Pfund 26 Pf. Makronen- Pudding Paket 30 Pf. Kerst- Pudding. Paket 25 Pf. Diplomat- Pudding. Paket 25 Pf. Mändelchen- Pudding Pak. 25 Pf. Cumberland- Pudding Pak. 25 Pf. 5 gebrannt, Pid. Kaffee Sorten, frisch 280 340 380 420 440 Spezial- Mischung Bohnenkattee, Pfd. mit 20 Prozent mit 40 Prozent Bohnenkaffee.. Kakao starkentolt„ Bensdorp 76PL . Pfund 140 Marke 70Pt. Marke- 85 PL. Saturn- 85 Blockschokolade Ped. 95 PL. Sahne 95 PL. Pfeffernüsse Mecklenburger... Pfund 70Pf. Wein rot. Pfd. Rotwein 150 225 Novéant tranzösischer Villanyer Burgunder feurig. ungarisch Burg. Ruster- Gold sußer Stärkungswein ,, Liter lasch. 160 Tarragona rot, su.. 160 Tarragona Preise für Flasche einschließl. Steuer ohne Glas Edel- Apfelwein 70 Pt. 1922 Kirchheimer fein Rot lieblicher Rotwein[ 10 Johannisbeerwein 10 1922 Domaine de 1922 Nitteler Gipfel rassiger Naturmosel 90 Pt. 1922 Oppenheimer 120 1920 Niersteiner mild 150 1922 Clüsserather Königsberg Mosel, 180 1920 Deidesheimer blumig, 2 M Gutenberg tein 1921 Jugenheimer GoldWachst.Süßenberg 250 berg Rheinwein, mild 1921 Berncasteler gehaltvoller Mosel... 250 pikant rot, sun teiner alter Muskat Griechisch., goldgelb, sehr sUB 180 2M Malaga golden od.dunkel, 2 M Süß Sherry light golden. 275 Durch das deutsch- portugiesische Handelsabkommen billiger: Taway rot, alt Douro- Portwein( A. A. Calem u. Filho) 275 Superior( Guimaraens u. Co., Oporto), Medium 380 Insel- Madeira( Abadarham, Funchal) 310 40Vol. 320 Jamaica Rum- Verschnitt* 010 von Charente- Destillat hergestellt. wendung 275 Weinbrand- Verschnitt unter VerDeutsch. Weinbrand*** Mazagoid 320 Dreimühlen- Pudding Paket 20 Pf. Frucht- Gelee Vanille- Creme • Paket 20 Pf. Paket 15 Pf. 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Er wurde dem ständigen Ausschuß über- tätigkeit leisten sich gewisse Banken. Die Hauszinssteuer kommt wiesen. der schon heute zusammentreten wird. Ausschußberatung zu den Baukosten leisten können. Daher die unerhörte Höhe der im Durchschnitt nur solchen zugute, die einen erheblichen Zuschuß beschloß die Bersammlung auch zu dem Antrag der sozial Mieten in den Neubauten. Für die Minderbemittelten bleibt nichts demokratischen Fraktion, der die Hergabe von fünf brig. Mehr als bisher muk die Wohnungsneubautätigkeit auch Millionen Mart zu hypotheten für Kleinwohnungen Säufer herstellen, für die der Minderbemittelte die Wohnungsmiete ferdert. Genoffe Gutschmidt begründete ihn und zugleich eine erschwingen kann. Diesem Ziele dient unser Antrag. Nur wenn von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte Anfrage wegen der der Magistrat mit aller Energie durchgreift, wird dieses Ziel zu von Unternehmerorganisationen betriebenen Preistreiberei erreichen fein. S'adtret Bukky: Der Maristrat bat ernstlich auf dem Baustoffmarkt, die den Kleinwohnungsbau jo Echritte eingeleitet, um auf diesem Gebiete vorwärts zu kommen. schr erschwert. Den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der funden. Auch wird geprüft werden, wie weit die Stadt zu dem ers Eine Besprechung im Wohlfahrtsministerium bat bereits stattge. den Mißbrauch des Personalabbaues zur Beseitigung un. wähnten 3wed Bufakhypotheken gemähren fann. Alles Nähere bequem gewordener Arbeitnehmer bekämpft und auf wird in der Ausschußberatung zu erörtern sein. Die Anfrage ben Kündigungsschuß des Betriebsräte gefeges gcht an den Haushaltsausschuß.- Die Borlage betr. die Wieder hinweist, hat der Ausschuß verworfen. Einen teilweise abgeänderten befezung der Stelle des Stadtschultats wurde an den Ausschuß zu rom Genossen Fatau begründeten Antrag der sozialdemokra- rüfverwiesen. Ein Antrag unserer Genoffen vom 11. Dezember tischen Fraktion, der die Notwendigkeit dieses Schutzes betont, 1924 ging dahin, zu befchließen, daß die§§ 84, Abf. 4 und 96 des tennte eine aus Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen. Betriebsrätegefeßes auf Grund tariflicher Bestimmungen für die gesetzte Mehrheit gegen die nicht vollzählig anwesenden Bürger Berlin eingeführt werden. Der Ausschuß für Angelegenheiten der unter das Betriebsrätegefek fallenden Arbeitnehmer der Stadt lichen durchsetzen. Beschlossen wurde gestern auch über die in der Hilfskräfte und Arbeiter hat am 16. Februar d. J. mit 9 genen vorigen Sitzung erörterten Anträge zur Aufmertung von 8 Stimmen den Antrag abgelehnt, da nach Angabe der Ma Sparguthaben. Den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion istratsvertreter bezügliche Anweisungen schon früher ergangen find. wollten die Deutsch nationalen abschwächen, weil er ihnen Gen. Flatau lente feinen Ausführungen einen teilweise abgeänderten zu weit ging, aber ihr Versuch mißlang. Schließlich wurden Antrag zugrunde, nach dem der Magistrat ersucht werden soll, mit nach dem Vorschlag des Ausschusses beide Anträge, der sozialdemo. allen Mitteln dahin zu mirken, daß bei Entlaffungen auf Grund der BAV. die vom Magistrat bisher auf Grund des§ 84. 4 des Eratische und der deutschnationale, angenommen. ERG. ergangenen Anweisungen an die Bezirksämter volle Beachtung finden; das gleiche wird hinsichtlich des§ 96 aefordert. cusgegebenen und später ergänzten und erläuterten Richtlinien. Freitag, 20. März 1925 pernehmen, daß die fachlichen und persönlichen Vorwürfe Flataus gegen das Bezirksamt Tiergarten zu Unrecht erhoben schienen und bat ausdrücklich um Zurückverweisung in den Ausschuß, um dort alle diese Klagen und Anflagen gründlich zu untersuchen. Genosse Flatau widersprach dem Antrag auf Zurückverweisung. Er verblieb bei seinen vorherigen Darlegungen und rekapitulierte nochmals alle Schritte, die getan worden seien, um den Magistrat zu den verlangten etwas geschehen sei. Daß zurzeit im Bezirk Ziergarten alles in Ord Rachprüfungen zu veranlassen, ohne daß bis zur jezigen Verhandlung nung fei, fei nicht ausschlaggebend. Ein Antrag auf Zurückverweisung wurde mit 79 gegen 78 Stim men abgelehnt, der Antrag Heimann, für den auch das Zentrum stimmte, mit Mehrheit angenommen. Die Abstimmung über die zur Aufwertung von Sparkassenguthaben gestellten Anträge der Deutschnationalen und unserer Genossen ergab die von den Deutschnationalen beantragte Abschwächung, nämlich die unveränderte Annahme beider Anträge, nachdem die Beseitigung der Herabjegung der Altresgrenze auf 60 Jahre und die Streichung des Wegfalls des Bedürftigkeitsnachweises, mit 103 gegen 89 Stimmen verworfen worden war. Ein Antrag der Wirtschaftspartei vom 27. November 1924 tonstatiert, daß der Magistrat durch Errichtung von Bertaufsstellen aller Art der Berliner Geschäftswelt unzulässige Konkurrenz" -machte und spricht die Erwartung aus, daß umgehend dieser Berkauf eingestellt wird. Dieselbe Beschwerde erhebt eine Anfrage der Deutschnationalen vom 18. Dezember, die darauf hinweist, daß in den Räumen des Marstalls und des Rathauses eine jogenannte Gemeinnüßige". m. b. 5., Eintaufstommiffion für Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadt Berlin, ständige Berkaufsstellen für Lebensmittel, Konfitüren, Weine, Tertil- und Modewaren unterhält und Waren auch an jedermann abgibt. Der betr. Sonderausschuß hat am 12. Februar den Antrag abgelehnt. Nach längerer Ausfprache, in welcher von den Freunden des Antrages besonders gerügt wird, baß diese von Beamten für Beamte usw. geschaffenen Organi fationen feine Gewerbesteuer bezahlen, wurde mit Rücksicht auf die Berhinderung des zuständigen Magistratsvertreters die weitere Be ratung zurüdgestellt und nachher in Anbetracht des limftandes, daß fich die Reihen der Versammlung schon bedenklich gefichtet hatten, vertagt. Borher aber waren noch zwei Dringlichkeitsanträge eingelaufen, die die schleunige Erhöhung der Gehälter für die beiden Bürgermeister und den Kämmerer fordern. Der eine war von Demokraten, Deutsche Volkspartei. Deutschnationalen und Der gestrigen Sitzung der Berliner Si: Diverordneten lag der Unser Redner gab eine Inhaltsübersicht der vom Magiftrat herfalgende Dringlichkeitsantrag der SPD. ror:„ Der ständige Ausschuß der Stadtverordneten- Bersammlung für die Angelegenheiten der Hilfskräfte und Arbeiter beim Magistrat Der Stadt Berlin hat am 10. März zu der Lohnforderung der städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen, eingereicht durch den Ber: läffigt habe, sodok dem Personeldezernenten die Anweisung ent. Anträge an den Hausbaltsansschuß. Die Vorlage megen vorläuband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiaie Groß- Berlin, am 13. Februar 1923, Stellung genommen. Der ständige Ausschuß war einmütig der Auffassung, daß eine Lohnerhöhung eintreten follte. Mit Stimmenmehrheit ist beschlossen worden, den Arbeitern die geforderte Lohnerhöhung von 10 Bf. die Stunde zu bewilligen. Dem Bernehmen nach ist bis heute nach dieser Richtung hin Entgegenfommen nicht gezeigt worden. Der städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen hat sich infolgedessen eine tiefgehende Erregung be mächtigt. Bir beantragen daher zu beschließen:„ Die Versammlung ersucht den Magistrat, dem Antrage der städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen stattzugeben und die Löhne der Bollarbeiter um 10 Bi. pro Stunde zu erhöhen" Ohne Widerspruch wurde der Untrag dem ständigen Ausschuß überwiesen, der sich schon Freitag damit befassen wird. Am 19. Februar haben unsere Genossen eine Anfrage gerichtet, die die Aufmerksamkeit des Magistrats auf die Eine Reihe von Bezirksämtern hätten indessen diese Anweisungen nicht beachtet und sich zu Unrecht auf eine Reichsgerichtsentscheidung für ihre abweichenden Abbauentscheidungen berufen. Der auf fälligste Fall derart sei im Bezirksamt Tiergarten passiert, wo Bürgermeister Doflein die Oberaufsicht vernach gina und er unter Berufung auf die Leipziger Entscheidung unge. rechtfertigte Entlassungen verfügte. Die Gewerkschaften hätten des halb mit dem Bezirksamt Tieroorten verhandeln wollen, aber der verordneten darüber zu unterholten, erwies fich auch als völlig unBezirksamtsvertreter Stadtrat mener lehnte ab, sich mit Stadt, orientiert, da die Angestellten- Angelegenheiten dort vom Bureau direktor erledigt werden. Wenn„ Unfähigkeit" Boraussetzung zum Abbau fei, so bitte er für das Bezirksamt Tiergarten die Konsequen zen zu ziehen. An die Seite dieses trasfesten Falles treten solche in Neukölln, Reinickendorf, Pankow u. a. Der modifizierte Antrag fei daher vollkommen berechtigt; Redner bittet um seine Annahme. Februar peraniolicin Oberrevision in Tieroorten jekt alles in Ben. Stadtrat Brühl teilt mit, daß nach dem Ergebnis einer im Ordnung sei. Reinickendorf, das sich auf die Reichsgerichtsentshetbung berufen habe, sei reffifiziert worden. Im allgemeinen sei in den 20 Bezirken die Durchführung der Anweisungen ordnungsmäßig erfolet. Mißstände im Bereich der Wohnungsneubautätigkeit richtet und ihn um Auskunft ersucht, ob er gewillt ist, dahin zu Dr. Caspari( DBp.) beantragte Zurüdverweisung an den Ausmirfen, daß auch für den Kleinwohnungsbau Vorausschuß, um der Fülle von Einzelheiten, die Flaiau vorgebracht, wie fchungen geschaffen werden, die eine auch für die Minderbemittel auch seinen persönlichen Angriffen gegen Bezirksamtsmitglieder auf ten erträgliche Miethöhe ermöglichen. Gen. Gutschmidt: Der den Grund zu gehen. Leider habe der Magistratsvertreter unter Schußverein der Bauinteressenten verlangt die Aufhebung der Mies laffen, diese Anariffe zurückzuweisen. Genosse Stadtrat Brühl terschutzgesetze und die Anpassung der Mieten an die heutigen hielt das nicht für die Aufgabe des Magistrats. Er betonte noch Neubautosten. Die Boden- und Bauspekulanten, sowie die Haus mals, daß das bezüglich des Amtes Tiergarten Behauptete für jetzt befizer stehen hinter dieser Forderung, deren Erfüllung die Mieten nicht zutrifft. Auch v. Eynern( DVp.) empfand es sehr schmerzlich, auf das Mehrfache der Friedensmiete hinauftreiben würde. Daß daß der Magistrat nicht für die ihm unterstellten Beamten eingetreten die Baustoffpreise wucherisch hochstehen, ist bekannt. fei. Nachdem Gehimann( Komm.) die ganze Abbaupragis in Im Sommer 1924 fonnte man in Berlin Rathenower Ziegel für Grund und Boden geredet hat, ließ sich Bürgermeister Scholh dahin 1[ Anthony John. Roman von Jerome K. Jerome. 1. Anthony John Strong'nth'arm so genannt zum Unterschied von dem Vater, der John Anthony hieß- wurde fünfundvierzig Jahre vor dem tatsächlichen Beginn dieser Geschichte in einer armseligen Straße geboren. Die erste halbe Minute seines Lebens verbrachte er auf Frau Plum berrys ausgestreckten Hand, lag regungslos da, atmete nicht einmal. Der junge Arzt, der zum erstenmal einer Geburt beiwohnte und daher äußerst nervös war, nicht wissend, ob er gegen die Mutter oder das Kind die größere Berpflichtung habe, neigte instinktiv der ersteren Annahme zu. Wußte er doch, daß es im Armenviertel von Millsborough zahllose Kinder gab, die meist nicht besonders erwünscht waren. Die Mutter, eine schmallippige Frau mit hohen Backenknochen, lag mit geschlossenen Augen da, ihre langen Finger zupften an der Bettdecke. Der Arzt beugte sich über fie, eine Sprize in der Hand. Blöglich vernahm er hinter sich zwei feste Schläge, dem zweiten folgte ein Aufheulen, das troß feiner Schwäche eine Note der Empörung enthielt. Der Arzt wandte den Kopf. Das Kind strampelte heftig. " Tun Sie das immer?" erkundigte sich der junge Arzt. Er war froh, daß ihm als Hebamme Frau Plumberry beistand; sie hatte als erfahrene Frau einen guten Ruf. „ Es belebt die Kinder," erklärte Frau Blumberry Wahr scheinlich ist es ihnen unangenehm und sie wollen uns dies mitteilen. Und ehe sie zu schreien vermögen, müssen sie in Die Lungen Luft einziehen." " Sie war ein dides, mütterliches Weib, die Frau eines Kleinbauern, die nur im Winter den Hebammenberuf ausübte. Während der anderen Jahreszeiten, so erklärte fie, war fie mit Schweinen und Geflügel vollauf beschäftigt. Sie liebte alle Tiere. " Der Kampfinstinkt," meinte der junge Arzt. Mert mürdig, mie rasch er sich bemerkbar macht. Wenn er da ist," kommentierte Frau Plumberry, in ihrer Arbeit fortfahrend. " 1 Ist er denn nicht immer?" fragte der junge Arzt. ,, Nein, nicht immer. Einige legen sich hin, lassen sich Don den anderen todtreten. Im vorigen März verlor ich auf diese Art vier aus einem Wurf von elf. Als ich am Morgen fam, lagen fie tot. Anscheinend hatten sie für sich selbst fein Interesse, ließen sich von den anderen beiseite schieben." Das Kind lag nun bequem auf Frau Plumberrys rundem Arm, aimete still, hielt die Händchen zur Faust geballt. Der Arzt betrachtete es voller Erleichterung. Er scheint einen ganz guten Anfang zu machen," fagte er. Frau Plumberry hob mit Daumen und Zeigefinger ein Lid des Kindes hoch, ließ es dann wieder sinken. Das Baby antwortete darauf mit einem zornigen Fußtritt. ,, Der bleibt auf unserer Erde," prophezeite Frau Blum berry. Hoffentlich wird es ihm hier gefallen. Kann ich ihn in einer halben Stunde zur Mutter legen?" Die Frau mit den geschlossenen Augen schien die Worte gehört zu haben, denn sie versuchte, die Arme auszuftreden. Der Arzt beugte sich abermals über sie. Beurteilung. Berde in einer Stunde wiederkommen. ,, Ich glaube ja," erwiderte er. Ich überlasse es Ihrer " Der Arzt schlüpfte in seinen Ueberrod. Er warf von der abgezehrten Gestalt auf dem Bett einen Blick nach dem armfeligen Zimmer, dann schaute er durchs Fenster auf die enge schmutzige Caffe. Bisweilen frage ich mich," brummte er, weshalb die Frauen nicht streifen? Das Ganze aufgeben. Was für einen Sinn hat es für fie?" Was für einen Sinn hat es für fie?" Dieser Gedanke war auch Frau Plumberry mehr als einmal gekommen, deshalb empfand sie feineswegs die sittliche Empörung, die sie vielleicht hätte fühlen sollen. Einige tommen ja weiter," entgegnete fie philosophisch. Und jede Frau glaubt, ihr Fraz werde auf dem Rücken der anderen emporfiimmen, dafür feien die anderen da." ,, Mag sein," sprach der junge Arzt und schloß leise die Tür hinter sich. Frau Blumberry wartete, bis die Frau cuf dem Bett die großen Augen öffnete, dann legte sie ihr das Kind in die Arme. Trint, soviel du fannst, für den Fall, daß es nicht lange anhält," riet sie dem Baby, es in die Dede hüllend. Dieses grunzte seine Zustimmung und machte sich an die Arbeit. Ich betete, daß es ein Junge sein möge," flüsterte die Frau. Er wird in der Werkstatt helfen können. ,, Beten schadet nichts," meinte Frau Plumberry.„ Bisweisen werden wir auch erhört, und man hat immerhin das Gefühl, fein möglichstes getan zu haben. Lassen Sie sich nicht ganz aussaugen, das darf man nicht dem Gewissen der Kinder über'affen." Die Frau zog das Kind fefter an die blaffe Brust. Er Wirtschaftspartei, der andere vor unseren Genossen gestellt. Widerspruch erhoh nur& ange( 3.). der die Erhöhung der Bezüge der führenden Beamten der Stadt für ungerechtfertiat erklärte, folange noch die PAV. bestehe, und Gabel Romm.). Dann gingen beide figer Regelung der Haushaltwirtschaft für 1925 fand ohne Aussprache die Zustimmung der Berfammlung. Schurk ½9 Uhr. Die Stadtbeilage muzzle heute aus technischen Gründen wegfallen. Auch ein Jubiläum. Ein ebensowenig freudiges als ehrenhaftes Jubiläum fannte gestern in Moobit der Schlosser Georg Bec feiern. Obwohl er erst 27 Jahre alt ist, war er bereits 24 mel vorbestraft, und wurde gestern vom Schöffengericht Mitte zum 25. Male verurteilt. Mehr und Buchthaus zugebracht. Gegenwärtig verbüßt er im Zuch.haus als ein halbes Leben hat der Angeklagte demnach im Gefängnis in Halle eine Strafe von 3% Jahren und wurde von dort dem Ber liner Strafrichter vorgeführt, um sich wegen eines neuen Einbruchdiebstahls zu verantworten. Eine furze Freiheitsperiode hatte er in Berlin verlebt. Hier lernte er am Grünen Weg in einem Hacepeter- Lofal ein Mädchen kennen, das dort am Büfett angestellt war. Bald darauf benutzte er, nachdem er sich auf Grund einer Einladung genau über die Dertlichkeiten der Wohnung unterrichtet hatte, die Gelegenheit, einzubrechen und alles, was er einpaden fonnte, mite zunehmen. Es wurden der jungen Dame ihre gesamten Wäsche und Kleidungsstüde gestohlen. Der Angeklagte war geständig und entschuldigte sich nur damit, daß er nicht ganz richtig im Stopfe fei. Er fei auch schon mehrfach in den Buchthäusern auf feinen Geist- szustand untersucht worden. Das Schöffengericht gab ihm noch eine weitere Zusatzstrafe von einem Jahre Zuchthaus. soll start werden," flüsterte sie.„ Es ist eine böse Welt für die Schwachen." In ihrer ganzen langjährigen Erfahrung hatte Frau Plumberry nie ein Kind gesehen, das so schwer zu entwöhran gewesen wäre. Hätte das Kind nur mit seiner Mutter zu tun gehabt, Gott weiß, wie die Sache ausgegangen wäre. Aber Frau Plumberry empfand für ihre Fälle" ein Interesse, das nicht nur finanziell war, und sie behielt sie im Auge, bis man ihrer Hilfe nicht mehr bedurfte. Sie mußte zugeben, daß Anthony John ein guter Kämpfer sei. Als er dann schließlich enideckte, daß er einen übermächtigen Gegner vor sich habe, war es für ihn charakteristisch- dies follte die Zukunft be weisen wie plöglich er nachgab und ohne weiteren Lärm seine ganze Energie der Flasche zuwandte. Auch war es charakteristisch, daß er, sobald er seine Niederlage erkannte, dem Sieger nichts nachirug. ,, Du bist ein guter Berlierer," sprach Frau Plumberry, als das Kind, ohne weiteren Protest den Gummilutscher annehmend, zu ihr auflächelte. Vielleicht wirst du auch ein guter Gewinner werden. Das geht meistens zusammen." Sie beugte sich nieder und gab ihm einen Ruß, was bei Frau Blumberry ein Zeichen außergewöhnlicher Rührung war. Anthony John besaß das Talent, sich bei Menschen beliebt zu machen, besonders bei Leuten, die ihm nüßlich sein konnten. Es deuchte ein seltsames Spiel der Natur, daß er, das Kind eines schmalbrüftigen Baters und einer flachbusigen Mutter, so start und so gesund war. Er wimmerle nicht, wenn man ihm nicht den Willen tat und er wollte stets den eigenen Willen durchsetzen, und zwar rasch, sondern brüllte aus Leibeskräften. Bei Tag gelang es, ihn schnell zu beruhigen; er lachte und trähte, streckte das Händchen aus, um die Wange zu streicheln, die ihm am nächsten war. Bei Nacht jedoch konnte man nicht so leicht mit ihm fertig werden. Der Bater fluchte verschlafen: wie fann er tagsüber seine Arbeit tun, wenn er Nacht um Nacht aufgemedt wird? Die anderen Kinder weinten ganz leise, dabei fonnte ein Mensch schlafen. ,, Die anderen Kinder" waren zwei Mädchen gemesen, von denen das eine mit drei Jahren, das andere im Alter von einigen Monaten gestorben war. ,, Das kommt daher, weil er start ist," erklärte die Mutter. Es tut seinen Lungen gut." ,, Und meinem schwachen Herzen?" murrte der Mann. An mich denkst du nicht. Jetzt würde auch die Zukunft nichts weiter sein, als der Gedanke an die Not. Es dreht sich alles nur um ihn." ( Fortjeßung folgt.) Für Otto Braun. Friedrichshagen. Deffent. Wähler- Bersammlungen parteinachrichten Cinfendungen für diese Nabrit find Im Geſellſchaftshaus in Friedrichshagen sprach Genoffe heute, Freitag, den 20. März 1925, abends 7 Uhr: Berlin 6. 68, Sindenſtraße 3, Künstler. Er führte unter anderem aus: Den Volksgenossen ist am 29. Mära Gelegenheit gegeben, den Beweis der politischen Reife, der politischen Wirklichkeit zu bringen und das Bolt foll bestimmen, mer in den nächsten sieben Jahren die Geschide des Reiches feiten joll. Der Michel ber Bergangenheit muß verschwinden. Der 29, ist die Entscheidungsschlacht zwischen Monarchie und Republit, der man jegt den Zobesstoß zu verlegen sucht. Acht Tage lang, Tag und Macht, hat die Reaktion gefchachert, den großen Mann" mit der Laterne zu suchen, und dieser große Mann ist nun Jarres. Er joll den Weg ebnen für den tünftigen Monarchen. Was haben die Kopf und Handarbeiter von Jarres zr erwarten? Kne. belung und Unterdrüdung, Berminderung des Lohnes und herauffegung der Arbeitszeit. 700 Millionen für die Kapitalisten, aber nichts für die Sparer und die Betrogenen. Die Republit zu verteidigen, ist nicht nur unsere Ehren. pflicht, sondern allein der Selbsterhaltungstrieb ge= bietet es. Arbeiter, Angestellte, Beamte der Stadt und des Bantes, bildet eine geschlossene Front und gebt dem Kandidaten eure Stimme, dem Manne, der gleich Ebert burch Geist und Fleiß aus fleinsten Anfängen es soweit gebracht hat, gebt fie allein Otto Braun Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Bersammlung. Mariendorf. In der Schulaula in der Kurfürstenstraße sprach vor einer gut befuchten Berfammlung Genosse Robert Breuer. Der Rebner führte etwa folgendes aus: Schon die Tatsache, daß das deutsche Bolt zur Wahl eines Reichspräsidenten aufgerufen wird, zeigt mit aller Deutlichkeit, daß sich die Dinge in Deutschland seit 1918 mefentlich geändert haben. Es ist jedoch heute die Frage aufzuwerfen, ob die Rechtsparteien nicht schon bei dieser Wahl danach ftreben, daß es die legte Bräsidentenwahl ist. inter der Kandidatur Jarres verbirgt sich der Bebante der Wiedereinführung ber Monarchie. Der fommende Reichspräsident muß aber ein zuverlässiger Republikaner sein, dem es darauf ankommt, die deutsche Republit mit feinem ganzen Herzen auch nach außen hin zu vertreten. Große Machtbefugnisje find dem Staatsoberhaupt durch die Reichs verfaffung in die Hand gegeben. Dies gilt besonders für den Artikel 48 der Berfassung, der von entscheidender Bedeutung auch für die arbeitenden Klassen ist. Der Präsidentschaftstandidat des foge nannten Reichsblods", Herr Jarres, handelt unehrlich, wenn er fich als der Vertreter der staatserhaltenden Barteien bezeichnet. Herr Jarres ist der ausgesprochene Bertreter des Besizes, der fich das Mäntelchen der Republit nur umhängt, um erst einmal auf den höchften Blatz des Staates gesetzt zu werden und dann die arbeiten ben Schichten des deutschen Boltes wieder völlig auszuschalten. Bil. helm II. war durch seine Ungeschicklichkeit für Deutschland ein Berhängnis. Dagegen tamen aus der ganzen Welt die höchsten Anerfenmungen über das taftvolle Wirken unseres verschiedenen Genoffen Friebrich Ebert als Repräsentant der deutschen Repu blit. Wie Wilhelm II. darf der neue Reichspräsident nicht ausfehen, aber so wie Friedrich Ebert muß er geartet lein Es muß ein Mann sein, durchglüht von sozialer Gerechtigkeit und mit Berständnis für die not der breiten Schichten des deutschen Boltes. Ein folger Mann ist Otto Braun. Die Ausführungen fanden debattelos die einmütige Zustimmung aller Anwesenden. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie und die deutsche Republit fand die Bersammlung ihren Abschluß. Lichtenrade. halos # In Lichtenrade sprach Genosse Dr. Freund. Er führte aus, daß es bei dieser Wahl vor allem um den Inhalt der zu fünftigen Bolitit ginge. Es hätte in Deutschland nach dem Kriege injofern eine Umschichtung der Bevölkerung stattgefunden, als die Großlubustrie die Hauptmacht in die Hände bekommen hätte. Ihre Interessen gingen dahin, vor allem die fozialen Errungenfchaften zu befeltigen. Damit aber eine sozial geredte Bolitit getrieben werden fönnte, ist es notwendig, daß ein Mann an die Spige des Staates gestellt wird, der für die Regierung die entsprechenden Richtlinien gibt. Dieser Kandidat aber ist der Randidat der Sozialdemokratie Otto Braun. In ber Distuifion versuchte ein Kommunist noch einmal das Märchen aufzutifchen, daß für den Ruhrstandal ja auch die sozialdemokratischen Rinifter verantwortlich wären. Birksam führte der Referent den fommunistischen Redner ab. Mit einem Hoch auf die Sozialdemotratie schloß die glänzend verlaufene Bersammlung. 9 Die Frauen zur Wahl. In einer jehr gut besuchten öffentlichen Verfamnifung in Zehlendorf sprach die Reichstagsabgeordnete Gen. Clara Bohm Schuch. Vor dem Krieg, so begann fie, fonnte fich das deutsche Bolt wenig um sere Geschicke fümmern, so daß Tirpis fagen fonnte, das deutsche Volt ist in den Krieg hineingeschliddert. Hätte es bas nur entfernt geahnt, so hätte es sich wahrscheinlich um fein Schidjal meit mehr selbst bemüht. So aber war der Herrscher mitt allen Bollmachten und Allmachten ausgestattet, die man sich mur benten formte. Und dieses große 60- Millionen- Bolt hatte fo gut wie nichts zu sagen. Besonders brückend war damals auch die Regtlafigteit der Frauen und wenn die Frauen heute zwischen Republit und Monarchie zu wählen haben, so tann ihnen bie Wahl unmöglich schwer fallen, wenn sie daran benfen, daß der Rechtskandidat Jarres der Blazhalter der Monarchie ist, die dem Wolte sofort die erworbenen Rechte wieder nehmen würde. In der Monarchie kann die Staatsgewalt niemals im Einverständnis mit dem Bolt gehandhabt werden. Auch vor dem Kriege ging das Regierungsinitem nicht aus dem Reichstag hervor und der Monarch war nicht dem Reichstag und damit dein Bolt Berantwortung schuldig. Heute sind die Verhältnisje mefentlich anders. Betrachtet man die Leistungen der neuen Republit unb ihres ersten Reichspräsidenten tritijch, jo muß man ohne weiteres lagen, daß es dem Reichsprräfidenten Ebert gelungen ist, dem deutIchen Bolte wieder zur Weltgeltung zu verhelfen. Und wenn Ebert in jeinem ganzen Birten immer das Bolt und das Baterland über die Bartel gestellt hat, so tonnte er das mur, weil er als Gogia. lift immer ben Blid auf das Ganze gerichtet hielt. Rachdem nun der Mann, dem man so oft den Tod gewünscht hat. mit infolge der unausgesezten gemeinen Hege mirtlich gestorben moar, hätte man erwarten dürfen, daß die Parteien, die ihn bekämpft hatten, nun mit der gerühmten genialen Persönlichkeit als Kandidaten hervorgekommen wären. Da sie aber feinen hatten, so einigten fie fich auf die Verlegenheitskandidatur Jarres, den Mann der Reaktion und den Statthalter der Monarchie. Die flare Erfenntnis der Dinge, den großen staatsmännischen Weitblick und die unbeugjame Kraft des Entschlusses befizt er nicht. Deshalb muß unser Mann Otto Braun sein, der Mann, der u. a. auch das große Siedlungswert in Gang gebracht hat. Zum Schluß wieberlegte die Rebnerin noch in eindrucksvoller Weise den fächerlichen Klatsch, der sich mit der Bension der Frau Ebert beschäftigte, und stellte fest, daß sie monatlich nicht mehr als 592 m. beziehe. ( Zwischenruf: Kriegsvertterer Ludendorff 24 000 m. im Jahr.) mit einem wamen Appell an die Frauen, fich durch nichts beirren zu laffen, und einzig und allein für Otto Braun zu stimmen, schloß die Rebnerin ihren mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag. Ein Bertreter der Rechtsparteien hob ein gelächterermedendes Magelieb darüber an, daß sie, die Leute der Rechten, feinen Mann fänden. In der Aussprache wandten sich die Genofsinnen Sobotta und Drescher mit packenden und zu Herzen gehenden Borten an bie republikanischen Frauen und mit unbarmherzia scharfer Artif unter dem Beifall der Anwesenden gegen die Rechte. Genoffin Bohm Schuch fonnte in einem vom Beifall unterbrochenen Echlußwort noch einmal den Rechtsfandidaten Jarres trefflich tennzeichnen. Die Bersammlung war ein großer Erfolg für ben 10. Dezirt, Tiergarten( 8. Abt.): Gründer, Schwerinstr. 13. Wedding: Pazenhofer- Ausschank, Chausseestr. 64. Britz: Beckers Festsäle, Chausseestr. 98. Baumschulenweg: Aula Lyzeum, Baumschulenstraße. Pankow: Linder, Breite Straße 34. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Redner: Crispien, Erna Kresse, Kuttner, Ad. Hoffmann, Litke, Lempert, Heinrich Schulz. Sonnabend, den 21. März, abends 7½ Uhr: Biesdorf: Bartsch, Dorfstraße, Ede Bahnhofstraße. Redner: Adolf Hoffmann. Tagesordnung in allen Versammlungen: Sozialdemokratie u. Reichspräsidentenwahl Lichtenberg. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 3. Kreis Wilmersdorf. Die Sandsettel und Plakate für die WählerverfomntTung am 25. März find bei Rrois abzuholen. Heute, Freitag, den 20. März: 8. Abt. Die Bezirksführer müffen bis zum 23, b. M. bei ben Unterfaffierern abgerechnet haben. Da bis zum 30. b. M. mit dem Hauptbaffierer abgee rechnet werden muß und die Jahresabrechnung stattfindet. 33. Abt. 7% Uhr wichtige Funktionärsthung bei Lojad, Beymestr. 8. Sonntag vormittag 9 Uhr Flugblattverbreitung. Bezirk Kiefer: Lojad, Benmeftr. 8; Bezirke Boblik, Engelbrecher und Schulle: Begner, Stra Tauer Allee 81; Besicle Roch, Benfe, Jehner, Kalmuß und Stralau: Soffmann, Stralauer Allee 17; jenseits der Bahn: Rienis, Simon- Dach- Str. 24. Frauenveranstaltungen am Freitag, den 20. März: 51. bis 58. Abt. Charlottenburg. Beteiligung am Kreisfrauenabend 7% Uhr im Bürzburger Sof, Spreeftr. 8. Ref. Genoffin Gertrud Sanna, M. d. Morgen, Sonnabend, den 21. März: 13. bl. 8 Uhr in der Borwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 48, Leftund Distuffionsahend unter der Leitung des Genossen Dr. Baez. 24. Abt. 7 Uhr außerordentliche Rahlabenbe: Gruppe 1 bei Rösner, Immanuelfirchftr. 25; Gruppe la bei Schmidt; Gruppe 3 bei Winger; Gruppe 3 bei Schülg, Refter Str. 2. 25. Abt. 6 Uhr bei Gott, Aniprodeftraße, und Cramer, Cotheniusste. 3, Treff punkt der Genoffen zur Flugblattverbreitung: 27. Abt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Sofalen aus. 31. 6. 7 Uhr bei Goldschmidt, Stolpifche Str, 36, Funktionärkigung mit ben Betriebsvertrauensleuten. 36. Abt. Die Bestrfs- und Gruppenführer werben erfucht, die Flugblätter ant Sonnabend von 4 Uhr ab bei Busch, Tilfiter Str. 27, abzuholen. $ 9. Abt. 7 Uhr Funktionärsgung in der Juristischen Sprechstunde. blätter beim Genossen Lucht, Lindenstr. 2, in Empfang nehmen. abrechnung. FlugMarkene 41. st. Nachmittags ab 5 Uhr empfangen die Gruppenleiter die Flug blätter bei Schult. 44. Abt. Bezirksführer: Abholung der Flugblätter ab nachmittags 4 Uhr von bekannter Stelle. 87. Stadtbes.: Flugblattverbreitung Sonntag vormittag 9 Uhr von Sieboldt, Admiralfir. 5, aus. 91. Stadibez.: Sonntag vor mittag 9 Uhr bei Nagel, Manteuffelstr. 47. 55. Abt. Charlottenburg. Ab abends 6 Uhr Flugblattverbreitung: 8. Gruppe von Eggert, Wallstr. 90; 8. Gruppe von Reimer, Bilmersdorfer Str. 21; 10. Gruppe von Bohne, Schloßftt. 45, aus. 73. Abt. Emergendorf. 8 Uhr bei Bahr, Breite Str. 25, Sigung fämtlicher Funktionäre, Borstandsmitglieder und Straßenführer. 80. Abt. Schöneberg. Am Sonnabend treffen fich die Frauen zum Flugblattfalaen ab nachmittags 3 Uhr bei Gürlich. Anschließend daran um 7 Uhr Funktionärsihung eller Abteilungsfunktionäre. Besprechung wichtiger Wahlarbeiten. 82, Abt. Steglis. Bezirksführer holer Sonnabend 7 Uhr ble Flugblätter van Samburg ab. Sonntag vormittag 9 Uhr Flugblattverbreitung von ben bekannten Lokalen aus. In der Aula der Knabenmittelschule zu Lichtenberg sprach vor pollem Saal Genossin Mathilde Wurm. Sie führte aus: Das Wahrecht ist eine Waffe für die Frauen, wie sie schneidender nicht erjannen werden kann, aber alle Demokratie bleibt leere Form, menn fie fich lediglich im Mahlzettel manifestiert. Heute ist die Republit noch genau jo Klassenstaat, wie es die Monarchie gewesen ist, und deshalb müssen wir in dieser falschen Republik die rich tige Republit ertämpfen. Das alte Wort, daß die Be freiung der Arbeiterklasse nur das Werf der Arbeiterklasse selbst fein fann, gilt noch heute. Schon der 29. März, der erste Wahlgang, tann eine Entscheidung bringen. wenn alle die Arbeiter, die am 7. Dezember für die Splitterparteien gestimmt haben, ihre Stimme abgeben für unseren Kandidaten Otto Braun. Der Reichsblockmann Jarres märe die größte Gefahr für die Republit, gibt ihm doch schon der Artikel 48 der Reichsverfassung gegebenenfalls volle Macht, die Republif mit einem Federstrich zu beseitigen. Leider haben wir ja auch zu befürchten, daß ihm die Kommunisten durch irgendeinen tollen Streich den Vorwand dazu liefern. Die Mithilfe der Frauen zur Erhaltung der Republit ist von großer Bedeutung. Das Wort des Reichsjustizministers in der gestrigen Reichstagssigung solange ich an dieser Stelle stehe, gibt es teine Chefcheidungsreform und feine Aenderung der Abtreibungspara graphen", dieses brutale Bort beweist ja, was auf dem Spiele steht. 103. Abt, Oberschöneweibe. 7 Uhr Flugblattausgabe und Funktionärsizung bei Cin weiteres: Als die Zollvorlage von den Rechtsparteien im Reichstage eingebracht werden follte, starb der Reichspräsident ba warteten die Junter und Schlotbarone und hielten die Zollvor lage zurüd, weil sie wissen, daß es teine gute Propaganda im Wahlkampf wäre, wenn sie sie jetzt einbrächten. Es genügt, wenn alle die Frauen, die am Tage der Beisezung des Reichspräsidenten in den Straßen Berlins ihre Teilnahme befundeten, nun auch Eberts mürdigen Nachfolger, Otto Braun, wählen. Laut und öffentlich sich zum Sozialismus bekennen, jei die Agitation der Frauen. Die Revolution hat die Frau politisch befreit, die Frau befreie mit das Proletariat.( Starter Beifall.) Todesffurz aus dem Fenster. Beim Fensterreinigen ftürate bie im Sause Baulstraße 36 in Moabit wohnende Frau Klara bor aus der Höhe bes 4. Stodwerts auf den Bürgersteig hinab und war fofort tot. Der Autobus im Schnellzug. Böhmiffch- Leipa, 19. März. Ein schweres Unglüd ereignete fich vorgestern auf der Bahnstrede Steinschönau Böhmisch Leipa. An der Straßenübersehung nächst des Gasthauses neue Belt" zwischen Steinschönau und Kamnik fuhr das staatliche Bersonenautomobil der Linie Böhmisch- Kannig- Stein fchönau- haida in einen 3ug hinein, Da an diefer Stelle eine Granten find, wollte der Führer des Omnibus die Sch men noch übersehen, die Zeit war aber zu furz und der Zug erfaßte den Ommibus in der hinteren Häffte. Fünf Personen wurden Ich mer unb sechs leicht verletzt. Eine Frau lag unter dem start zertrümmerten Auto und fonnte erst nach 20 Minuten befreit werden. Zwei Bahnärzte leifteten erste Hilfe, worauf die Schwerverletzten ins Haibaer Spital übergeführt wurden. Eine der Schwerverletzten, beren Identität noch nicht festgestellt werden konnte, da sie nicht mehr aus ber Ohnmacht erwachte, ist im Steinschönauer Bezirkskrantenhause bereits gestorben. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 20. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe: Berlin von Anno dazumal". 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 4. Vortrug. Schriftsteller Georg Bamberger: Sonderlinge aus dem alten Berlin". 1. Teil. 7 Uhr abends: Woge zum Wissen: Aus fernen Welten 7.30 Uhr abends: Dr. Boywidt: Seuchenbekämpfung und Wirtschaftsleben. 8 Uhr abends: Hans- BredowSchule.( Abteilung Bildungskurse). Naturwissenschaft: OberPlaneten". III. Teil 8.30 Uhr abends: Zur Unterhaltung. 1. Zwieingenieur Gramatzki: Moderne Astronomie". 5. Vortrag. Die lied, gesetzt von Robert Kothe, b)-Gehet leise, Nachtmusik, Rob. gesänge mit zwei Lauten: a) Guten Abend, jütländisches TanzKothe, e) Jedes Bäumle hat a Läuble, Scherzlied. Robert Kothe ( Robert Kothe und Lies Engelhardt). 2. a) Konzertetüde, Arensky, b) Die Spieluhr( Valse badinage: Die musikalische Schnupftabak dose) Liadow, c) Valse caprice, Rubinstein( Charlotte Kalinke, Klavier). 3. Sololieder zur Laute: a) Rottrant, wie Rosen lieblich, Liebeslied, Robert Kothe, b) Nun wollen wir singen ein Liedlein, ein feines, Streitlied zwischen Knaben und Mädchen. Robert Kothe, c) Die Vogelkantate, Robert Kothe( Robert Kothe). 4. Concertino für Klarinette. O. M. v. Weber( Karl Eßberger, von der Berliner Staatsoper. Klarinette). 5. a) Soirées de Vienne, Schubert- Liszt, b) Liebestraum, F. Liszt, c) Ungarische Rhapsodie Nr. 11, Fr. Liszt( Charlotte Kalinke). 6. Zwiegesänge mit zwei Lauten: a) Susani, altes Weihnachtslied aus Seraphisch Lustgart 1635, gesetzt von Robert Kothe, b) Scheidet die Sonne, Schifferlied, für zwei Stimmen, und zwei Lauten gesetzt von Lili Kothe, e) Widele. wedele, altes Volkslied, gesetzt von Robert Kothe( Robert Kothe und Lies Engelhardt). 7. Charakterstücke für Klarinette, Th. H. H. Verhey( Karl Eßberger). 8. Sololieder zur Laute: a) Rundinella, Tanzlied, Worte von Robert Kothe, Heinrich Scherrer, b) Es schienen so golden die Sterne, Worte von Eichendorff, Sing weise von Justus Lyra, gesetzt von Robert gesetzt von Robert Kothe( Robert Kothe). Am Flügel: Dr R. E. Kothe, c) Jetzt kommt die Zeit, altes Wanderlied aus Westfalen, Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterdienst, 10.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule,( Abteilung Bildungskurse). Literatur und Kunst. Mr. Hamilton: Englische Literaturgeschichte( in englischer Sprache). Im rotun Rundfunk Ohr schaltreichste Funkzeitschrift 21/ Programm Unterhaltungs Baftelteil Od join Wohn. bennemente bestellung durch jeden Briefträges 88. Abt. Marienbart. 8 Uhr allgemeine Funktionärversammlung, bei Nienborf, Chauffeeftr. 19. Es nehmen hieran alle Genoffen teil, die eine Funktion in der Partei ausüben. Die Wahl- und Agitationstommiffion Reutöln. 95. Abt. Nachmittags von 5 bis 7 Uhr holen die Bezirksführer ift befonders eingeladen, oder deren Stellvertreter das Material pon Sürtler, Brinz- HandjernStraße 34, ab. 97. t. 7 Uhr Funktionärfisung bei Rohr, Siegfried. ftpaße 28-29. Imberg, 104. Abt, Rieberfdönemetbe, 7 Uhr vom Zalal Thiele, Berliner Str. 88, aus Flugblattverbreitung.-Um 8 Uhr Befprechung aller Funktionäre und bie an der Wahlarbeit teilnehmenden Genoffen. 108. abt. Johannisthal 7 2hr Treffpunkt zur Flugblattverbreitung und pic tiger Wahlarbeiten bei Gobin, Roonftr. 2 2ichtenberg. 117. 2bt. Uhr Flugblattausgabe bei Reiger, Terfenibi ftraße 33, und Alofe, Rupprecht, Ede Eitelstraße. 119. bt. 8 Uhr bei Mene, Rittergut, Ede Möllendorffftraße, Sigung eller funktionäre fowic fämtlicher Gcnoffen, die fich an der Wahlarbeit beteiligen, 131. bt. Richerschönhausen, 7% Uhr im Lotal Rubasch Funktionärsgung. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr bet Anders Flugblätter abholen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Neukölln. Am 12. Märs verstarb Genoffe önberger, safenheide 75, Arbeitersport. Nord- Ost- Kampfabend. Su einem Stampfabend im Jiu- Jitlu, Bogen und Ringen, ladet bie Sportl. gg. Nord- Ost" ibre Anhänger zum Sonntag. ben 22. Mära, 7 Ubr, nach dem Kampf ring der Sporthalle Christburger Str. 7 ein. Sowohl im Jiu- Jitfu und Ringen, als auch im Boren, sind je vier nur wirklich gute, ausgeglichene Paarungen vorgesehen. Im Bogen flettern von ber Sport. Bgg. NO. vom Bantam bis mittelgewicht weiß, Helm, Grunwald und Felchow durch die Seile. Die Gegner werden von der Bogabteilung 2urich gestellt, die, wie bekannt, über gutes Kampfmaterial verfügt. . findet auf dem Fichte- Turnplas Marienborf pie nächste Kartellvertreterigung 13. Rartellbezirk( Tempelhof). Am Sonnabend, den 21. März, 148 Uhr, des 13. Bezirksfartells flatt. Da äußerst wichtige Tagesordnung, hat jeben Bertreter unbedingt zu erscheinen und bie Rartellbeiträge mitzubringen. 1. Areis, 1. Bezirk. Am Sonntag, den 22. März, veranstaltet der 1. Turne fpielbezirt auf dem Fichte- Sportplan in Treptow, Köpenider Landstraße, Ede Eichbuschallee die Entscheidungsspiele um die Sandball- Bezirksmeisterschaft. Es beteiligen fich baran 9 Männer, 5 Frauen- und 5 Jugendmannschaften, bie in insgesamt 15 Spielen um den Sieg ringen. Beginn der Vorrundenspiele Dormittags 9 Uhr; nachmittags ab 3 Uhr Entscheidungsspiele. Eintrittspreis: Erwachsene 30 Pf., Jugend 10 Bf. Anschließend Beisammensein, verbunden mit Aufführungen. Die Freien Schwimmer Mentälln" veranstalten am Sonntag, den 22. März, nachmittags 5 Uhr, the Internes Winter- Schwimmfest in der Städtischen Babe anstalt Reukölln, Ganghoferstr. 3-5. Cs foll hierbei gezeigt werden, was file ersprießliche Arbeit der Verein in den Wintermonaten für den Arbeiter Schwimmsport geleistet hat. Bei diefer Gelegenheit werden auch einige lokale abgegeben haben. Guter Sport ist also gewährleistet. Gdymimmer, Charlottenburg und bie Berliner Schwimm- Union 1913 Meldungen Wettkämpfe ausgetragen, zu denen die Freien Schwimmer Norden, Freien Schach. Am Sonntag, den 22. März, veranstalten die Abteilungen Nord me ft und eithafen bes Berliner Arbeiter- Schachtlubs in den Arminius ballen, B., Bremer Str. 72-13, einen großen Berbetag. Es werden SchülerMannschafts- und Simultan- Schachwettkämpfe, ausgetragen. Bereinswettkampf Nordwest Charlottenburg. Beginn der Turniere nachmittags 3 Uhr. Borher, cb 2 Uhr, Schülerwetttämpfe und Anfang des Gäfteturniero, Nachmittags 5 Uhr zwei Borträge: a) Die Schachpartie"; b) Das Schachproblem". Freunde bes Schachspiels auch Anfänger find als Gäste herzlich eingelaben. Cintritt frei. Nach den Betttämpfen gefelliges Beifammensein. Athletik- Sport- Club, e. B. Leichtathletit, Soden, Rudern. Geschäftsstelle: Stret Liebruds, Berlin D. 34, Tilfiter Str. 46. Sonntag, ben 22. März, Balblauf. Ablauf 111 Uhr Fichteplak Baumschulenweg. Schriftführer der Sodenabteilung: Milli Mielte, Berlin D. 34, Welbenweg 27. Touristenverein Die Naturfreunde", Rentrale Bien, Bezirk Charlottenburg. Freitag, den 20. März, abends 8 Uhr, Experimentierabend im Jugendheim Saefelerstr. 16b. Am Sonns Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Beatr? Rorben II. Freitag, den 20. März, tag, den 22. März, gemeinsamer Spaziergang mit familien nach Niederschöne nach dem Turnen, erweiterte Vorstandsßigung im Bezirkslobal. baufen zum Spielplak. Treffpunkt 3½ Uhr nachmittags am Arnimplag. Sonntag, den 22. März. 1." Abt.: Anfahrt nach Rehlendorf, Gerede, KarlArbeiter Rabfahrer- Bund, Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Touren für ftraße 12. Start 1 Uhr Bülowffr. 56. 2. st.; 8 hr Alauer Berge, 1 ifhr Teltow, Weißer Sawan, Starts Dieffenbachfte. 36. 3. bt.: Groß- Riethen, Ludwigsluft. Start 1½ Uhr Laufiger Blag. 5. Abt.: Rabebrild. Start 12 Uhe Straße 28. Landsberger Blah. 6. Abt.: Schönmalbe, Klöpfer. Start 1 Uhr Kopenhagener 7. bt.: 21. März: 7., 9. unb 11. t. in den Pharus- Sälen, 2 Treppen; 22. März: Glientde a. b. N., Langfamfahren. Start Rolonie ftraße 148. 8. Abt.: Groß- Schönebec, Start 8 Uhr Arminiusplay. 1 Uhe Schönwalbe, Start Belbftr. 8. 9. abt. Raterbummel Tegelort. Start 1 Uhr Schulitr. 114. 10. Abt.: Rehlendorf, Gerede Chart 1 hr Commeniusplag. 11. Abt.: Sandhaufen. Start 1 Uhr Hochstr. 13. Ortsgruppe Reutölin: Streifallae durch den Grunewald. Endziel Gerede, Behlendorf. Start flir belbe Abteilungen 1 Uhe Serzbergplas. Ortsgruppe Brik: Sabowa, Fauftballspiel, Start 1 Uhr Chauffeefte. 66, Ortsgruppe Schönhausen: Onkel Toms sütte. Start 9 Uhr Friedensplak, Ede Bismarditraße. Ortsgruppe Baumschulenweg: berg: 12 Uhr am Start Traveplak. Ortsgruppe Charlottenburg: Streifzüge Streifzüge durch ben Grunewald. Start 9 Uhr Bahnhof. Ortsgruppe gichten. Segel, Sennigsdorf, Spandau, Start 12 Uhr Galvaniftr. 13, Achtung, Fahr warte! Donnerstag, den 26., abenda 7 Uhr, Rungestr. 17. Fichte, 13. Männerabteilung. Freitag, den 20. März, 8-10 Uhr, Werbeabend in der Turnhalle Görliker Ufer 2. Jugendausing: Freitag, den 20. März, 7 Uhr, bei Ottmann Dresdener Str. 105. Bergnügungskomitee: Dienstag, den 24. März, 7 Uhr bei Burkhardt, Görliger Str. 52. Beai- ts. tagsdelegierte müssen am Sonntag, ben 22. Meg, vormittags um 49 Uhr, Im Lotal Linthe, Groß- Lichterfelde- Weft, Ringftr. 8b( ur Gerichtslaube), anwesend fein. Turnfpieler: Melbeschluß für die Tueniviele Raffball, Foufte ball, Trommelball bis aum 27. Mära verlängert, A. Briefert, Ropernitus ftraße 18. Musterricgenturnen: Melbeschluß am 23. Mära. Für jebe Riege ift ein Rampfrichter mitzumelden. Diese haben ihre erste Rufammenkunft am Freitag, den 27. März, um 8 Uhr in der Turnhalle Reidenberger Str. 131 ( 7. Abt.). 13. Gruppe: Sonnabend, ben 21. März, 20. Stiftungsfeit im Spree. garten, Traptom. 5. Männerabteilung: Sonning, ben 22. Märg, 30. Stiftungs feft in den Sophien- Sälen, 2 Uhr. Nachmittags 2-5 Uhr Ecouturnen, Gop mannite.& www Jugendveranstaltungen. Achtung, Kassierer! Seute van 5-7 Uhr brechnung der Beitragsmarken, Empfangnahme bes Jugend voran und der Arbeiter- Jugend". Achtung, Mädchen! Seute, Freitag, abends 7 Uhr, im Jugend Heim Lindenftr. 8, Mädchenkonferenz. Bortreg: Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Referentin Sandtagsabgeordnete Genoffin Jensen. Heute, Freitag, den 20. März, abends 7½ Uhr: Moabit: Schule Walbenferftr. 21, Vortrag: Allgemeine Körperflege. Moabit: Schule am Stephansplag, Vortrag: Revolution von 1848". Webbing und Webbing- Norb: Jugendheim Schönstedtstr. 1, Bortrag: Aus ben Tagen von 1848",- Norbot I: Jugenheim Neue Königstr. 21, Borttag: Dichter der Märarevolution 1848". Rosenthalez Borstadt: Landsgemeindehaus, Sophienste. 21, Bortrag: Jbealismus und Materialismus“. Beißensee: Jugendheim Charlottenburger, Ede Roeldeftraße, Vortrag: Warum lehnen mir die Lehre ber Rirche ab?" Suifenstadt: Schule Stallschreiberstr. 54, Bor trag: Das Bollslied". Sühoft( Köpenider Biertel): Jugendheim Mariannen. ufer la, Vortrag: Seruaffrantheilen". Charlottenburg: Jugendheim Nofinen ftraße 4, Bortrag: SAJ. und feruelle Frage". Falkenberg- Alt- Glienice: Am Faltenberg 17, Borirag: Arbeiter- Dichtungen". Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 15, Bortrag: Boltslied und-tana". 7777 Achtung, Mitglieber! Es Tönnen nur noch diejenigen Mitglieber( Burschen und Mäbel) bei unserer Frühlingsfeier mitwirken, die vom nächsten Montag ab regelmäßig bie Broben befuchen. Wir fönnen aber noch Geigen-, Gitarren, UPREX Das einzige Ungeziefermittel, das ichnell u.ficher bei Menfch u. Tier Ungeziefer aller Art samt der Brut( Miffe, Eler) mit einen Schlage sätet. Zu haben in Apotheken u Drogerien Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Theater d. Westens Opernhaus Tägi. 8 Uhr Tägl. 7% Uhr 6: Tristan u. Isolde Das Märchen Berlins gr. Operett.- Erfolg Opernhaus am Königsplatz v Arth. Scnitzler Bauten und Flötenspieler gebrauchen. Ate diefe findet eine Cattailung Kleines Th. Lommenden Sonnabend pon 6-7 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3 statt. Denn üben beibe Gruppen( Mufilchor und Gefangdor) gemeinfam am tommentden Montag. Geschäftliche Mitteilungen. Tägl. 8 Uhr: Die Großfürstin u. der Zimmerkellner Leopold. Konstantin Georg Alexander Trianon- Th. Ein Siegesang durch Deutschland ist nicht nur durch Anpzelfungen zu er reichen. Den Jofetti- fabrikaten" Juno"," Bera", Cljan" geht allgemein her Ruf einer Qualitätsleistung voraus, und hierin liegt das Geheimnis des Erfolges. Der überragende Sieger in der Deutschlandfahrt, der schwersten Kraficab prüfung des Rontinents, ist der Continental Reifen". Die 3000 Rilometer Täglich& Uhr: lange Strede, ausgefahren unter unfäglichen Schwierigkeiten: fchlechte Straßen, Regen, Eis und Schnee, stellte an Reifen, Maschine und Fahrer allerhöchste Anforderungen, benen der Continental Reifen" bant feiner unübertroffenen Qualität in jeder Weise gewachsen war. Er stellte nicht weniger als 3 Sieger im Gefamillaffement, außerdem errang er 8 erfte, 5 ameife und 6 dritte Riaffenpreife, Cine einzig doftehende Seiftung des weltberühmten" Continental. Erich Kaiser- Titz Reifens". Briefkasten der Redaktion. 6. S. 3584,§ 78 b. 2 8BO. bezieht sich nur auf das Berfahren vor einem beauftragten oder ersuchten Richter. Auf das Berfahren vor dem Yoshiwara Arnold Korff Blanche Dergan Tha ia- Th. 8 Uhr: Das Dreimäderlhaus Einzelrichter findet die Borfdrift feine Anwendung. 8. M. Machen Sie Casino- Theater zunächst die Polizei auf den Ruftand aufmerksam und erfuchen Sie um Ab hilfe. Enllte bie Bolizei fich nicht für zuständig halten, fo muß Alage auf Lothringer Str. 37 Tagl. 8 Uhr Unterlassen erhoben werden. Nr. 7. Außer der Schadenserfagttage tönnen Neu! Wieder Neu! Sie gegen den Mieter Rlage auf Unterlaffung anstrengen. Gegen ben Haus ein neuer Schlager! witt tönnen Sie nichts unternehmen. TW 3. R. Dirette Friedensangebote sind von keiner Seite gemacht worden: Der Oberschieber aber auf indirettem Wege wäre wohl eine Berständigung zu erreichen gewefen. Dazu das bunte Programm! 3 Tropfen Kaol Metall- Oel- Politur besser als Putzwasser Haller- Revue 1925 Tb.i.Admiralspalast Letzter Monat! 31. 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Nachfolgende Sagungsänderung if am Zu Miete Ansbacher Str. 1, Fake Kurfürststraßens Montag, ben 16. mars 1985, in San Trauerfpenden getreten. § 39 wird wie folgt geänbert: jeder Art lietert preisweri Die Kaffenbeiträge werden auf fünf Paul Golletz. Sundertitel des im§ 10 jeftgefesten Grund vormals Robert Meyer. fons festgelegt Mariannenstr. 3. origpl. 10308 § 24, bj, 2, erhält folgenden Wortlautamt Neu! Sport- Müller Nen! Als Familienangehörige gelten ver Hachm. halbe Preise, volles Proficherungsfreie und nicht verficherte Chee gatten, Eltern, Geschwister, Großeltern und miegereltern der Versicherten, ferner Kinder und Stieftinder der Berficherten Ant. 7 U. Sonnt 5½ Uweit dieselben mit dem Familienoberhaupt ouinungs bis zum poffendeten 16 Lebensjahre, fo Dänhoff- Brett'!: Das Lenz- Programm! WINDO CORTEN Novitäten Spielplan. Sonnt. 3 halbe Prelse. Rauchen gestattet Tafelwag- Gewichte Bandwurm verloren Billigste Preise. 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Tento Die jährliche Produktionsfähigteit von über Dier Millionen hettoliter Bier und das Spritfontingent von über einer Viertel Million Hettoliter reinen Alkohols fennzeichnen die Größe und beherrschende Stellung dieses Großkonzerns der deutschen Bier und Spritindustrie. Ein Bild über die innere Struttur und tatsächliche Ausdehnung des Ronzerns geben aber erst die Geschäftsberichte der drei großen Kerngesellschaften des Konzerns, die jeßt mit den Reichsmarkeröff nungsbilanzen zum 1. September 1924 veröffentlicht worden find. Nach diesen Berichten beträgt das heutige Goldfapital ein schließlich der offenen Reserven bei den Ost werten 29,15 Millionen gegenüber Kapital und Reserven 1914 mit 9,95 Millionen, bei den Schultheiß- Bazenhofer Brauereien 28,5 Millionen gegenüber 31,2 millionen Kapital und Reserven 1914 und bei Der Rahlbaum A.-G. hente gegenüber 23,1 Millionen 8,7 Millionen 1914. Bei dem Gesamtkonzern also Die drei 80,85 millionen gegenüber 49,4 Millionen 1914. Gesellschaften haben also während des leider auch mit Alkohol ge= führten Krieges und während der nicht ohne Alkohol überwundenen Inflation ihr Kapital im Gegensatz zu vielen anderen Industriegesellschaften nicht nur erhalten, sondern noch um 60 Prozent Dermehrt. Das war allerdings nicht ohne schwere Blutabzapfung bei den ohnehin durch das Sprit- und Bierfapital gefchröpften Ronsu. mentenmaisen möglich. Während nämlich die Ostwerte 1922 noch 150( allerdings Papiermillionen) Obligationen, Schultheiß- Bazenhofer 152 und die Kahlbaum A.-G. über 100 Millionen Obligationen auswiesen, find 1924 insgesamt noch nicht 2 Millionen Goldmarkobligationen daraus geworden, und während 1914 für die Oftwerke( 0,5) und für Schultheiß- Bazenhofer( 8,4) allein fast 9 Millionen Goldmarth ypothefen zu verzinsen und zu tilgen maren, erscheinen in den Eröffnungsbilanzen des Konzerns heute insgesamt nur noch 1,14 Millionen Hypothetenschulden. Die Konsumentenmassen, die ja auch zugleich die Obligationen- und Hypothekengläubiger sind, haben also nicht nur das Bier und Sprittapital des Konzerns mit den nötigen Dividenden ausgestattet, sondern auch mit mehrfachen 10 Millionen das Kapital des Konzerns vergrößert. Daß es sich tatsächlich um Kapitalgewinne aus der Inflationswirtschaft handelt, durch welche die riesige Aus behnung des Konzerns erst ermöglicht wurde, beweist die Tatsache, daß die Reife der drei Gesellschaften zum fonzernmäßigen 3usammenschluß erst 1921 eintrat und daß die hauptfachlichen Ermeiterungen der drei Gesellschaften erft furz vor oder furz nach dem fonzernmäßigen Zusammenschluß 1921 erfolgt find. Was die Konzerngesellschaften mit den ihnen von den Inflations. perantwortlichen geschenkten mehrfachen zehn Millionen angefangen hoben, weisen die Beteiligungs- und Wertpapierposten in den Eröffnungsbilanzen aus. Die Beteiligungen und eigenen Effetten, die fast ausschließlich Attienpalete an vom Konzern beherrschten Unternehmungen darstellen, sind bei den Ostmerken mit 26,6, bei Schultheiß- Bazenhofer, die reine Produktionsgesellschaft geblieben find, mit 0,03 und bei der Kahlbaum A.-G. mit 7,8, zu fammen 34,4 Millionen ausgewiesen. Dabei sind diese Beteiligungen und Effekten, wie die Goldumstellungsberichte einheitlich hervor. heben, meit unter dem mirtlichen Werte angelegt; mie zum Beispiel der Umstellungsbericht der Schultheiß- Bazenhofer. Gesellschaft ausführt, nach Dorfichtiger Schäzung zu barunter liegenden Beträgen, auf die bann noch eine weitere Abschreibung erfolgt ist. In den Beteiligungen imd Effetten fteden also sehr beträchtliche stille Reserven, hie den Wert des ausgewiesenen neuen Goldkapitals des Konzerns bedeutend erhöhen. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn der Bier- und Sprit Ponzern trotz aller Klagen über zu hohe Steuerbelastung und über ben schlechten Geschäftsgang während der Inflationszeit nicht nur überhaupt, sondern auch eine höhere Dividende ausschüttet, als fie bisher von ähnlichen Industrieunternehmungen verteilt worden ist. Sie beträgt auf das neue Goldtapital 10 Broz. Allerbings scheint der Reingewinn beträchtlich höher zu sein, wenn rielleicht auch die bombige Friedensdividende von 20-25 Broz. des Bier und Spritfapitals noch nicht erreicht worden ist; aber aus Gründen vorsichtiger Gewinn und Bilanzierungspolitif" wurde von der Berteilung des Mehrgewinns Abstand genommen unter dem Versprechen an die Aktionäre, daß der Mehrgeminn ihnen für die Zukunft reserviert bleibe. Intereffanter noch als diese äußeren Bilanzdaten sind die inneren Wandlungen, die die Konzerngesellschaften seit 1914 erfahren haben und der innere Aufbau des Gesamtkonzerns. Am einfachsten Iltegen die Verhältnisse bei der Schultheiß Bazenhofer- Brauerei Gesellschaft. Schultheiß und Bazenhofer waren schon 1914 große Brauereien mit startem eigenen Ausschantnej in Groß- Berlin, eigenen Mälzereien und zahlreichen Niederlassungen in der Provinz. Sie haben sich zunächst jede für sich betrachtlich erweitert und schließlich 1921 unter Ausfchluß der Liquidation für Bazenhofer die Fusion vollzogen. Schultheiß- Bazenhofer hat heute mehr als ein Dutzend eigene Morfium Schloß Rheinblick, Godesberg/ Rhein. Dr.Mueller- Roland, selt 1899. Eukqdar, Pantoponusw. KokainEntwöhnung Prospekt frel Alcohol Brobuftionsabteilungen mit über 5000 Arbeitern, ein halbes Dutzend eigene Mälzereien, ein gewaltiges Ausschantnetz in Brandenburg und über 100 Niederlaffungen in der Proving. Außerdem ist sie feit dem 14. November 1922 durch einen Inter effengemeinschaftsvertrag auf der Grundlage gemein. famer Gewinnverteilung mit der Pschorrbrau A.-G. München verbunden, mit der sie ihren Gewinnanteil am Bier und Spritkonzern im Verhältnis 100: 12 teilt. Eine Abänderung des Interessengemeinschaftsvertrages ist beabsichtigt. Ihren Flaschen. und Fässerbedarf tann sie in vom Konzern( Ostwerke) beherrschten Glashütten und Faßfabriken vorteilhafter als ihre Konkurrenz Anders bei der Ostwerte und Rahlbaum A.-G. Die Schaffung des Reichsbranntweinmonopols hat diese beiden Gesell. fchaften auf vollständig neue Grundlagen gestellt. Ursprünglich auf Spritraffinerie, Hefefabrikation und Produktenhandel eingerichtet decken. ே Postabonnenten " Damit die regelmäßige Zustellung des Vorwärts" im nächsten Monat teine unliebſame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts Berlag G. m.b.5. ( letztere besonders bei den Ostwerfen), verfauften fie ihre Sprit: raffinerien an die Reichsmonopolverwaltung und warfen sich auf neue Produktionszweige. Die Ostwerte hauptsächlich auf den Ausbau des landwirtschaftlichen Produktenhandels, die Ver forgung der Landwirtschaft mit Futtermitteln, Dünger, Sämereien und landwirtschaftlichen Maschinen, auf die Bier- und besonders Hefeerzeugung, in der die Ostwerke A.-G. sich heute nach dem Auffliegen des Hefefyndifats start genug glaubt, die Konkurrenz der übrigen Hefeproduzenten niederfämpfen zu fönnen. Die Kahl. baum A.-G. wendete sich der intensiven Spritverarbeitung in hochwertigen Likörprodukten zu, verkaufte ihre chemischen Fabriken( Adlershof) und ihre Beteiligungen an solchen, die nur zur Weiterverarbeitung der Nebenprodukte aus der Spritraffinerie für fie Sinn hatten, an die Oberschlesischen Kotswerte und chemische Fabriken gegen ein Aftienpaket derfelben und gliederte sich einen ausgedehnten Weinhandel an, der sich auf der Abjakgrundlage der Kahlbaum- Liföre schnell über ganz Deutschland ausbreiten fonnte. Außer ihren eigenen Betrieben verfügt die Ostwerte A.-G. beute durch Boll, Majoritäts- oder erheblichen Teilbefiz über sechs Brauereien( jämtlic) 1919 Bis 1921 erworben) menigstens vier Hefefabriken, ein halbes Duizend Großgetreide und Delmühlen, mehrere Produktionshandelsunternehmungen mit Import und Transitniederlassungen in Hamburg und Rotterdam, Mannheim und München, sowie einer Handelszentrale( Kaz u. Raumann 2.-G. in Görlig), über die Produktion zweier Glashütien und einer Faßfabrit und zwei Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen. Sie ist die ausgesprochene holding und Finanzgesell. haft des Gefamitonzerns, und wie von ihr 1920/21 die Initiative zur Bildung des Bier- Spritfonzerns ausgegangen it, so ist sie auch das organisatorische Zentrum des Ge famtkonzerns. In ihren Beteiligungen steden auch jene Aftien der schlesischen Portlandzementindustrie, deren fünf große Berte sie zu 90 Proz. beherrscht, um, wie sie mit Stolz hervorhebt, das Risiko des Bier- und Spritkonzerns durch Veranterung in gänzlich fonzernfremden Industrien besser zu verteilen. Die C. A. F. Kahlbaum A.-G. befigt 2 Liför- und Effigfabriken ganz, verfügt über drei weitere durch namhafte Beteiligungen, hat in Speyer die Brauereigesellschaft 3ur Sonne" angetauft und die Wein- und Fruchtbaubafis des Rheinlands zur Litörfabrikation ausgenugt; sie beherrscht zwei Weingroßhandelsfirmen in Hattenheim a. Rhein und München ganz, mehrere andere zum Teil und hat namhafte Beteiligungen an Seftfellerei, Hotel, Südweinimport- und Brauereigesellschaften. Seit März/ April 1921 nun sind die drei Gesellschaften durá einen Interessengemeinschaftsvertrag zunächst auf 60 Jahre auf der Grundlage gemeinsamer Gewinnverteilung zusammengeschlossen. wenn der Vertrag nicht gefündigt wird, läuft er automatisch jeweils auf 10 Jahre weiter. Was die Ausbeutung des Massenfonsums an Bier, Lifören und Nahrungsmitteln durch den Gesamtkonzern erbringt, wird mit 70 Broz. an die Aktionäre der Ostwerke und der Kahlbaumgesellschaft, zu 30 Proz. an die Schultheiß- Bazen hofer Aftionäre verteilt. Diese Gewinnausbeute wird auch bald wieder die Friedenshöhe von 20-25 Broz. Dividende er. reichen, wie die Aufsichtsräte zuversichtlich ihren Atiionären versprechen konnten. Damn wird die deutsche Deffentlichkeit die beschämende Tatsache erleben, daß ein einziger Konzern sicherlich ein Biertel bis ein Drittel seines 80- Millionenkapitals seinen Attionären als Dividende ausschütten wird; eine Tatsache, die auch die deutsche Arbeiterschaft mehr als bisher wachrütteln follte. R ― r. Mechanisierung der Bergarbeit in Amerika. Die fürzlich von dem geologischen Institut der Bereinigten Anwendung von Staaten veröffentlichten Ziffern über die Maschinenfräften in Bergbaubetrieben zeigen einen bemerkenswerten Aufstieg der maschinellen Kohlengewinnungs technit. Es wurden gewonnen: 1921 18,8 1922 1923 18,3 17,6 13,0 65,6 14,2 12.5 63,2 66 9 in Prozenten der Gesamtförderung Durch Handarbeit. Durch Schießen aus dem Ganzen Durch Maschinenbenugung. Insbesondere find es die großen Konzerne, die wegen ihrer gefteigerten Stapitalfraft mehr und mehr zum Maschinen betriebe übergehen. Das Leistungsergebnis pro Mann und Schicht wird durch die vermehrte Anwendung von Maschinen natur gemäß beträchlich gesteigert. Es beträgt nach den Ziffern des genannten Instituts in den Werken mit vorwiegender Handarbeit 3,6 Tonnen, dort, wo vorwiegend aus dem Ganzen geschossen wird, 3,7 Tonnen und bei überwiegender Maschinenarbeit 4,4 Tonnen, die Tonne zu 907,2 Kilogramm. • Kommt System in die Ameritatredite? In der letzten Zeit ist ganz deutlich eine Stodung in die Beschaffung amerikanischer Kredite für Deutschland gekommen. Langfristige Staats- und Kommunalfredite zur Ausdehnung der öffentlich wirtschaftlichen Betätigung, Hypothekenkredite zur Intensivierung der Landwirtschaft und zur Förderung des Wohnungsbaus, auch Auslandskredite für die Privatwirtschaft, die eine absolute Notwendigkeit für die deutsche Volkswirtschaft sind, sind so gut wie gar nicht mehr erreichbar ges wefen. Dagegen ist die deutsche Privatwirtschaft in so gefahr. licher Weise mit turzfristigen Auslandskrediten an gefüllt, daß die deutsche Bank und Kreditorganisation auf das äußerste gefährdet werden würde, wenn ein größeres Fallissement in Deutschland plötzlich zur Abrufung aller furzfristigen Gelder des Auslands führen würde. Nun verlautet aus New York, daß der amerikanische Vertreter Direttorium der Reichsbant, McGarra, mit Informationen nach Deutschland reise, die wesentlich zur Lösung der finanziellen Probleme in Deutschland beitragen sollen. Direktoren der Deutschen und der Dresdner Bant sollen in New York auf die Gefahren der kurzfristigen Kredite hingewiesen haben. Es wäre zu begrüßen, wenn die Beschaffung großer langfristiger Kredite besonders für die öffentlichen Körper auf diesem Wege bald möglichst instematisiert und gesichert würde. im Die schwerste Kraftradprüfung des Kontinents, die Deutschlandfahrt, endete am 12.3. in Köln. 3000 km betrug die zurückgelegte Strecke, die unter unsäglichen Schwierigkeiten: schlechte Straßen, Regen, Eis und Schnee in 12 Tagen ausgefahren wurde. Einen großen Anteil am guten Gelingen der Veranstaltung hatte der ,, Continental- Reifen", der ganz hervorragend abschnitt. im Gesamtklassement Sieger mit Strafpunkten: Geiss auf D. K. W. mit Continental Kolmsperger auf Zündapp mit Continental Brudes auf Viktoria mit Continental Außerdem errangen die auf Continental" gestarteten Fahrer dank der außerordentlichen Zuverlässigkeit des Reifens 8 erste 5 zweite 6 dritte Klassenpreise Ein Fabrikat, das solche harten Prüfungen so glǎnzend besteht, darf auch für Sie nur in Frage kommen. Fahren Sie Oontinental Unbeständiges Weller Kraftradreifen a1. Gleichbleibende Qualitäten Damen- Lackeinspangenschuh Herren- Besatzstiefel prima schwarz moderne Form, halbhoher Absatz, und Damen echt Chevreau- Schub mit durchbrochener Spange, ha brande, moderne Form, echt Louis XV.- Absatz... Leiser Rindbox, Ori ginal- Goodyear- Welt, moderne elegante Form, und Herren- Halbbraun Rindschuh box, OriginalGoodyear Welt, neue spitzrunde Form... 13. Leiden Sie an den Füssen? Dann lassen Sie sich durch unsere Aerzte kostenlos untersuchen. 990 Str. 134 42. Jahrgang Stenerdebatte im Reichstag. 2. Beilage des Vorwärts Gegen das Steuerunrecht. Die Sozialdemokratie für gerechte Verteilung. Der Reichstag versagte gestern die Genehmigung zur Berneh. mung des Abg. Scheidemann( S03.) als Zeugen vor dem Schwurgericht in Weimar. Dagegen wurde die Genehmigung zur Bernehmung der Abgg. Stampfer und Braun( S03.) im Rothardt Prozeß in Magdeburg erteilt. Abg. Bell( 3.) ftellte als Berichterstatter fest, daß im Rothardt Prozeß das öffentliche Interesse an der Klarstellung der Borgänge so groß sei, daß auch die Reichstagsabgeordneten während der Parlamentszeit als Zeugen vernommen werden müßten. Der Notetat. Auf der Tagesordnung steht dann die zweite Lesung des Notetats für 1925. Der Ausschuß hat der Vorlage zugestimmt. Abg. Stücklen( Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlungen. Der Ausschuß empfiehlt die Annahme einer Entschließung, die die Reichsreglerung ersucht, bei der Umstellung der Deutschen Werte alle Maßnahmen zu ergreifen, die bei möglichster Erhaltung der Arbeitsgelegenheit geeignet sind, die Reichsinteressen in vollem Um fange zu wahren. Die für diese Umstellung unerläßlichen Mittel felfen von der Reichsregierung mit Genehmigung des Haushaltausfchusses des Reichstage zur Verfügung gestellt werden. Eingegangen ist ein fazialdemokratischer Antrag, in der Steuernotverordnung den steuerfreien Cohn- und Gehaltsbetrag von 60 auf 100 m. zu erhöhen. Abg. Stöcker( Komm.) beantragi ein Mißtrauensvotum gegen die Reichsregierung. Präsident Löbe stellt fest, daß über den kommunistischen Mißtrauensantrag erst am Freitag entschieden werden kann. Der Notetat wird darauf mit feinen wesentlichen Bestim mungen in zweiter Lesung angenommen. Abg. Meier- Baden( Soz.): Beranlagungspflichtigen ist ohne weiteres die Möglichkeit gegeben, die durch Vorauszahlungen zuviel erhobenen Beträge bei der endgültigen Berrechnung anzurechnen. Bei der Lohnsteuer ist das nicht der Fall Wir haben technisch teine Möglichkeiten, rüdwirfend eine Senfung der Lohnsteuer in Kraft zu feßen. Der Einwand, daß die Cänder und Gemeinden durch die Senkung der Lohnsteuer in Schwierigkeiten fommen, ist nicht sichhaltig. Die Lohnsteuer bringt über Erwarten hohe Erträge, mit denen auch die Länder nicht rechnen konnten und auf die sie keinen Anspruch haben. Ihnen folche Ertrage auf ewig garantieren zu wollen, das heißt doch, daß die Lohnsteuer überhaupt nicht ermäßigt wird, weil die Länder und liegt dem Reichstag bereits seit fast brei Monaten vor. Die Gemeinden auf diese Erträge angewiefen sind. Unser Antrag Regelung dieser Frage durchzusetzen, sie hat dabet teine Unterfozialdemokratische Fraktion hat mehrfach den Berfuch gemacht, die stützung gefunden. Auch das Relchsfinanzministerium hat in feinen Cohnsteuer gemacht. Es fommt jetzt nicht darauf an, mer zuerst auf Steuerplänen nicht einen einzigen Borschlag über die Senkung der die unsozialen Wirkungen der Lohnsteuer aufmerksam gemacht hat, steuer und damit die scharfe Erbitterung beseitigen hilft.( Beifall sondern darauf, mer jegt das ungeheure soziale Unrecht der Lohn bei den Soz.) Abg. Dr. Scholz( DBp.): Wir sind damit einverstanden, daß der Antrag ganz selbständig neben das Gesetz gestellt und dann dem Steuerausschuß überwiesen wirb. Abg. Dr. Fischer- Köln( Dem.) stimmt grundfäßlich dem fozial demokratischen Antrage zu. Der Steuerausschuß jolle sich noch damit beschäftigen. Abg. Keil( Soz.): Der Abg. Dr. Fischer- Köln hat vorhin mit Recht betont, daß vorwiegend formale Einwände gegen den Antrag erhoben werden. Wir wollen diesen formalen Einwänden Rechnung tragen und uns Wir müssen zunächst feststellen, daß 11 Monate des Etatsjahres 1,5 milliarden mehr an Steuern erbracht haben, als damit ein verst a nò en erklären, daß der Antrag getrennt von dem im Gesamtetat für 12 Monate vorgesehen war. Notetat welter behandelt und erledigt wird. Wir gehen aber davon aus, daß diefer Antrag als felbftändiger Anfrag schon jetzt an den ( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie war das möglich und Steuerausschuß verwiesen and dort vielleicht fchon morgen voraus welchen Steuerquellen find diese 1,5 Milliarden Ueberschuß ge- mittag beraten wird. Es handelt sich um folgendes: Ueber die flossen? Bei Prüfungen des Etats ergibt sich, daß Cohn- und Umfah Dringlichkeit und fachliche Notwendigkeit der erstrebten Erfieuer, Zölle und Verbrauchssteuern nahezu restlos den Ueberschuß mäßigung der Lohnsteuer ist wohl nichts weiter zu sagen. Wir sind liefern. Wenn wir den Monat März noch hinzunehmen, so werden der Meinung, daß die Ermäßigung, über die im Reichstag eine wir feststellen können, daß allein die Lohnsteuern den lebereinstimmung zu erzielen ist, mit dem 1. April in Kraft treten Gtat der Einkommensteuer deden dürsten und daß das muß. Das kann ohne große technische Schwierigkeiten ermöglicht Aufkommen der nicht Lohn- und Gehaltsempfänger gar nicht mehr werden. Erinnern wir uns doch, baß in der Zeit der Infla dazu notwendig ist. Von Monat zu Monat mit einer einzigen, Austion von Woche zu Woche immer in einer Frist von einigen Tagen nahme ist fortgeset eine gesteigerte Einnahme aus der Lohnsteuer Aenderungen in der Höhe dieser abzugsfähigen Lohnteile vorge. erzielt worden. Im April 1924 erbrachte sie 79,5 Millionen, im nommen worden sind. Wenn das damals in so furzen Fristen mög Januar 1925 126 Millionen.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) lich war, dann wird es auch jetzt in einer Frift pon 10 bis 12 Tagen Der Steuerfistus hat also ohne Rücksicht auf die Gestaltung der möglich sein, die Borbereitungen zu einer veränderten Berechnung Lebenshaltung den Lohn- und Gehaltsemfängern das bißchen, der Lohnsteuer zu treffen. Wollert wir dieses Ziel aber erreichen, was sie sich an Löhnen im Laufe des Jahres erkämpft hatten, wegdann muß die sofortige Berweisung des Antrags an den Ausschuß gesteuert. Das ist sozial und Steuerrechtlich ein unerträglicher erfolgen. 3ustand.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Unser Antrag hat den Zwed, diesen Zustand zu befettigen. Auch das Organ Stegermalds, Der Deutsch e", hat u. a. geschrieben, daß ein Etat der zu 45 Broz. aus Verbrauchs- und Lohnsteuern gedeckt werde, auf die Dauer eine Unmöglichkeit sei. Wir hoffen, daß das Zentrum daraus die Konsequenzen bei der Abstimmung ziehen wird. Im Ausschuß bat der Staatssekretär Dr. Bopit dargelegt, wie fich die zukünftige Finanzgestaltung des Reiches in der Steuergesetz gebung aufbauten foll. Das Finanzministerium will famtliche Raptialsteuern abbauen, es denkt dagegen nicht daran, die Freigrenze ber Klassen der Lohn- und Gehaltsempfänger heraufzusehen.( hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär erflärte damals, daß der sozialdemokratische Antrag, die Freigrenze von 60 auf 100. festzulegen, einen Steuerausfall von 600 Millionen bedeuten würde, den das Reich jetzt nicht tragen fönne. Was hätte das Finanzministerium gemacht, wenn night die 1,3 Milliarden aufgefommen wären? Bei der Einfommensteuer haben wir es mit einer Ueberspannung der Steuer fraft unseres Boltes zu tun. Ohne Rücksicht auf die Lebensbebin gungen wird von dem, was einer mehr als 60 m. verdient, Eintommensteuer erhoben. Die 600 Millionen, die Herr Popih als Ausfall errechnet hat, werden der kauffraft der breiten Schichten unseres Boltes entzogen. Das geradezu grausame Unrecht der jetzigen Lohnsteuer besteht darin, daß man ohne Rücksicht darauf, ob der Lohn und Gehaltsempfanger das ganze Jahr in Arbeit steht und ein bestimmtes Einkommen hat, ihn in dem Augenbud zur Einkommensteuer heranzicht, wo er über die Freigrenze hinaus verdient hat. Bir wollen mit unserem Antrag dieses Unrecht beseitigen, und wenn Sie Berständnis für das fojiale und steuerliche Unrecht haben, das im gegenwärtigen Einfommensteuersystem vorhanden ist, werden Sie unserem Antrag zustimmen.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsfinanzminister v. Schlieben: Der Antrag will eine Frage regeln, die ein Sternstück des großen Steuerprogram ms der Regierung ist, das in nächster Zeit erledigt werden soll. Es scheint mir nicht angängig, eine allerdings sehr wichtige Frage aus diesem Steuerprogramm corweg zu nehmen, und in ein Geset hineinzubringen, das nur auf drei Monate beschränkt ist. Dazu tommt, daß die Einkommensteuer zu 90 Proz. den Ländern gue fließt. Wird der Antrag angenommen, so werben die Einnahmen der Länder und Gemeinden so beschränkt, daß fie ihre öffentlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen tönnen. Die Candesregierungen würden daher genöfigt feln, im Reichs rat den Beschluß zu fallen, daß gegen diejen Notefat Einspruch erhoben wird. Bei der Geschäftslage des Hauses glaube ich annehmen zu sollen, daß dann die Verabschiedung des Notetats nicht mehr vor dem 1. April möglich sein wird. Abg. Dr. Brüning( 3.): Durch neue Ausgaben und die geplante Herabjegung der Befitsteuern ist die Gefahr einer größeren Be faftung der breiten mailen gegeben. Diese Frage, insonderheit die der Lohnsteuer muß erft befriedigend geflärt werden, che mir uns mit diesen Steuerplänen der Reichsregierung befallen tönnen. Abg. Dr. Herh( Soz.): Der Anfrag Müller- Franken( S03.) wird dem Steuerausschuh überwiesen. Bei der nun folgenden dritten Beratung des Notetats stimmt Abg. Dißmann( Soz) der Bereitstellung von Mitteln für die Deutschen Werke zu. Die Entschließung jagt aber nicht, wie die Umstellung der Deutschen Berte geplant ist. Wir stellen die möglichste Erhaltung ber Arbeitsgelegenheit und die volle Wahrung der Reichsinteressen in den Bordergrund. Die Arbeitslosigkeit hat beider heute noch einen so großen Umfang, daß wir jede Arbeitsgelegenheit aufrecht erhalten müssen. Gegenüber einer zum Teil übelwollenden Kritik der bürgerlichen Breffe muß hier folgendes in ben Bordergrund gestellt werden. Beim Kriegsabbruch mußten die Reichswerte, angefangen von der Reichswerft in Kiel bis zu den Munitionsfabriken im Lande auf die Friedensproduktion umgestellt werden. Wir haben das durchaus begrüßt und wem darum zu tun ist, daß die Arbeit wirkliche Werte schafft, mußte die Umstellung zur Friedensproduktion afzeptieren.( Sehr wahr bei ben Soz.) Aber man darf bei den Deutschen Werfen nicht vergeffen, unter welch erschwerden Umständen sich die Umstellung vollziehen mußte. Es fam in erster Linie darauf an, zu vermeiden, daß die 50 000 Arbeiter und Angestellten auf das Straßenpflaster flogen. Man muß zugeben, daß die Umstellung im großen und ganzen gelungen ist. Nicht weniger als 25 000 Maschinen mußten auf Anordnung der interalliierten Kommiffion vernichtet Auf Grund der gleichen Anordnung wurden in Erfurt 4000, im Werk Haselhorft 2000 Arbeiter und Angestellten entlaffen. Weiter ist zu beachten, daß die Umstellung sich in den schwersten Krisen- und Inflationsjahren vollzogen. Die Arbeiter und Angeftelten, für die wir einzutreten als unbedingte Pflicht empfinden, haben im Laufe dieser Jahre außerordentlich leiden müssen. Ein Teil der Werte mußte vollständig stillgelegt werden. Wir sind ver: pflichtet für die Arbeiter und Angestellten, bie zu der Umstellung bei getragen und in den schweren Jahren so gelitten haben, doppelt einzutreten. werden. Der nicht stillgelegie Teil der Betriebe der Dealschen Wecke steht durchans musterhaft da. Freitag, 20. März 1925 Die Reichsregierung wehrt sich. ob die Bersuche, bei den Deutschen Werken eine Friedensproduktion fehlgeschlagen seien. Bei der Annahme des Antrages des Ausschusses in gemeinwirtschaftlichem Sinne auf eine bestimmte Höhe zu bringen, ftellen wir noch folgendes in den Borbergrund. Es wäre der größte Fehler, das heute zusammengefaßte Gebilde in einzelne Teile zu zerlegen. Der Vorteil der Prodution liegt in erster Linie in ihrer Konzentration unter einer Leitung. ( Sehr wahr! bet ben Goz.) Es farm auch keine Rede banon fein, daß sich etwa das Privatfapital auf Hinterwegen Eingang verschafft, um zur Mehrheit der Aktien zu gelangen und dann die ungeheuren Werte, die in den Deutschen Werfen ruhen, für sich zu beanspruchen. Die Deulichen Werte müssen in Reichsbesit bleiben, fie dürfen nicht in die glerig ausgeftredten Hände des Privalkapitals Es muß ferner an die einzelnen Ressorts der Regierung die Mahnung gelangen.( Sehr wahr! bei den Soz.) gerichtet werden, die Deutschen Werke auch mit Aufträgen ber verwaltung, die Poftoerwaltung und viele einzelne Zweige der einzeinen Reichsbetriebe zu bedenken. Die ReichseisenbahnEinzelstaaten oder auch des Reichs dürfen die Deutschen Werke bei ihren Aufträgen nicht ignorieren. Bir haben leider in den legten Jahren die Erfahrung machen müssen, daß das geschehen ist. Als nach dem Striege die deutsche Handelsflotte wieder aufgebaut werden sollte, find die Werften in Riel und Rüstringen völlig ignoriert worden, obgleich das Reich die Mittel für den Wiederaufbau der Handelsflotte gegen hat. Wir stimmen also der Entschließung zu, jeben aber in ihr eine bestimmte Gefahr im Hintergrunde lauern. Wir wünschen, daß das Reich die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt und dabei mithilft, aus den Deutschen Werken Betriebe zu machen, die in der Produktion wirtschaftlich notwendiger Güter mif an porderster Stelle stehen. Wenn gewaltige Summen des Reichs an andere Stellen gefloffen find, wenn es sich um die 700 millionen Mart für die Ruhrindustriellen handelte oder um die 50 Millionen für die deaffchen Reeder, jo haben wir alle Ursache zu sagen, daß das Reich hier in erster Linie die Pflicht hat, Mittel zur Verfügung zu stellen. Das ist auch eine soziale Pflicht gegenüber den Arbeitern und Angestellten, die vor dem Striege in deutschen Reichsbetrieben zum dem Deuthen Reiche die Berte zu erhalten, die in ben Deutschen Teile jahrzehntelang beschäftigt waren, es ist gleichzeitig eine Pflicht, Werfen gegeben sind. Nicht Berschleuderung des Reichsguts, sondern Erhaltung, nicht Entlassung der Arbeitnehmer, sondern Erhaltung der Arbeitskraft und Weiterbeschäftigung. Das sind die Gefichtspunkte, die uns leiten, dem Antrage zuzustimmen.( Bebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Hoch( Soz.) weist die Borwürfe des Borrebners wegen des Berhaltens der Sozialdemokratie im Haushaltsausschuß zurück. Abg. Brüninghaus( DVp.): Wir werden den Fall der Deutfchen Berke in aller Ruhe und Gewissenhaftigkeit prüfen, uns aber nicht dazu bergeben, für diefes von Anfang an totgeborene Kind immer in ein Faß ohne Boden zu schöpfen. Abg. Dißmanu( Soz.) bestreitet, mit feinen Ausführungen den Deutschen Werten geschabet au haben.( Abg. Brüninghaus ( DBp.): Die Bilanzen.) Ich habe von der Bilanz tein Bort ge fprochen.( Abg. Brüninghaus: Das war auch sehr gut!) Damit ist die zweite Lesung des Notetats erledigt. Die dritte Beratung, bei der auch über das fomiranistische Mißtrauensvotum abgestimmt wird, findet morgen statt. Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Finanzausgleichgefeh monach die Geltungsbauer dieses Gesetzes sowie die Beteiligung der Bänder an der Umsatzsteuer um ein halbes Jahr bis zum 30. September 1925 verlängert wird. Berichterstatter Abg. Dr. Gerefe( dnatt.) empfiehlt namens des Ausschusses für Steuerfragen die Annahme der Vorlage. Abg. Junte( Soz.): Wir können uns in teiner Weise für das zukünftige Finanzausgleichsgesetz binden. Borher muß die Aufwertungsfrage gelöst werden, und wir müssen uns ferner vorbehalten, daß die Umfasstener abgebaut werden kann. Es geht mit der jebigen Steuerbelastung nicht welter. Die Vorlage wird in zweiter und sofort in dritter Beratung angenommen. Wohnungsfrage und Mieterschuh. Darauf seht das Haus die am Mittwoch abgebrochene Beratung der Anträge zur Wohnungsfrage und zu dem Mieterschutzgefeß fort. Zu diesem Gegenstand find inzwischen noch Anträge der Sozialdemokraten und Deutschnationalen eingegangen; die ersteren haben ein Wohnungsprogramm aufgestellt, die letzteren schlagen Aenderungen der Hauszinssteuer vor. Abg. Erfing( 3.) bedauert die Rebe des Borrebners. Das Reich hat im vorigen Jahre 18 Millionen Goldmark in die Deutschen Werke hineingepulvert, legt werden wieder 30 bis 40 Millionen gefordert. Das ruhig mit anzusehen, fann man der Privatindustrie nicht zuthuten. Abg. Lipinski( Soz.): Bon teiner Seite tönnen ihre technischen Leistungen angezweifelt werden. Ich weise besonders auf das Werf in Spanbau him, ob es sich nun um Autobau oder um Halbzeugfabrifate oder um ver feinerte Waren handelt, oder auf das Wert 5) a felhorst mit seinen erstklassigen Motorrädern oder auf Kiel, wo der Bau von Diefel motoren als namhaft anerkannt ist Ferner das Werk Ingol stadt mit feinen Spinnmaschinen, Amberg mit dem Bau von Werkzeugen, Siegburg mit feiner Halbzeugfabrikation. Wenn mir zugerufen wird: Mit Zuschüffen, fo frage ich, ob jemals ein Beispiel dafür da ist, daß etwas aus dem Boden geftampft werden fonnte. Die Objektivität verlangt, festzuhalten, daß die Deutschen Werke eine vollständige Umstellung vornehmen mußten.( Sehr wahr! bei den Soz.) Sie hatten wohl Werkzeuge und Betriebs anlagen, aber ihnen fehlte nicht nur das Betriebskapital, fie ftanden, wirtschaftliche betrachtet, vor einem Nichts. Ihnen fehlte jede Gerung auf Wiederherstellung der Friedensmiete überhaupt durchführ fchäftsbeziehung, alle Produktionszmeige mußten neu aufgebaut werden. Das ist doch ein wesentlicher Unterschied gegenüber anderen Betrieben, die vor dem Kriege jahr zehntelang produzierten und ihre Beziehungen hatten. Sie fonnten nach dem Kriege daran anfnüpfen, während bei den Deutschen Werfer sich ein vollständiger Neuaufbau vollziehen mußte. Außerdem mußten doch 25 000 wertvolle Werkzeugmaschinen zerstört und zerstreut werden. Wir bedauern die Erklärung der Reichsregierung. Sie zeigt flar, daß sie sich nicht mehr an die Versprechungen ge. bunden erachtet, die in der offiziellen Ertlärung der Reichsregierung abgegeben worden sind. Das Reichsfinanzmint erlum fieht der ständig steigenden Belastung der Lohn- und Ist es ein Berwurf, wenn jetzt die Deutschen Werte Betriebs Gehaltsempfänger ruhig zu. Das Entscheidende ift, daß die Lohn tonttal notwend's heben? Auch die GG, die Siemens steuer nicht nur größere Erträge bringt, weil die Zahl der Erwerbs: Werte, der Hantel Konzern, alfo die finanziell am besten losen oder der Kurzarbeiter zurückgeht oder weil etwa die Löhne ge. fumbierten Werte mußten nach Abschluß der Inflationsperiode fich stiegen sind, sondern vor allem deshalb, weil der Prozentfat, der auf Kredite für Betriebskapital zu verschaffen fuchen. Da die Deutschen dem Lohn als Steuer ruht, außerordentlich start angewachsen ist. Berte mit dem Reich in Verbindung stehen, so ist doch nichts selbstWenn unser Antrag erst dem Steuerausschuß überwiesen wird, so verständlicher, als daß auch das Reich zur Fortsetzung seiner eige bedeutet das, daß die Lohnsteuer in einer zu Unrecht herausgeschraub nen Betriebe das bazu notwendige Betriebskapital ten Höhe noch auf viele Monate hinaus erhoben wird, Bei den I stellen mus. Es ist deshalb durchaus falsch, zu behaupten, als Dem zweiten Teil des Antrages des Ausschusses fönnen wir nicht zustimmen, weil darin der Versuch gemacht wird, die Fragen, auf die es hier antommt, zu verschieben. Aus unserer Ablehnung darf aber nicht die Schlußfolgerung gezogen werden, daß wir überhaupt gegen jebe Neuregelung des Mietrechts find, es tommt nur darauf an, welcher Art diefe sein soll. Eine Reihe von Anträgen, die hier vorliegen, zeigen das Bestreben, den bisherigen Mieterschutz zu be feitigen und die Wohnungswirtschaft wieber privatwirtschaftlich zu organisieren. Wir find aber gegen diese Bestrebungen. Wir müssen endlich zu einer Wohnungswirtschaft kommen, die uns heraushebt aus dem Wohnungselend, die insbesondere dem Arbeiter ein ge ordnetes Familienleben ermöglicht. Wir haben heute zahllose Fälle, in denen mangels an Wohnräumen ein Familienleben überhaupt nicht mehr möglich ist. Es fragt sich. ob die Fordebar ist. Durch den Banterott Deutschlands ist eine Abwertung erfolgt, die sich namentlich im Bohnungswesen auswirkt. Durch die Dritte Steuernotverordnung sind die Sypothefen auf 15 Broz. aufgewertet worden, 85 Broz. find noch abgewertet. Auf der einen Seite verlangt man also die Herstellung der Friedensmiete, auf der anderen Seite gefteht man den Hausbesikern den Vorteil der abgemerteten Hypotheken zu Wenn man diese Forderung erfüllt, so würde dies zu einem ungeheuren Bucher auf dem Wohnungsmartte führen. Dem tönnen wir unsere Buftimmung nicht geben. Im übrigen räumt die Erklärung der Regierung, daß sie bei der Aufwertung nicht über 20 Broz. gehen könne, mit den schwindelhaften Versprechungen in der Aufwertungsfrage auf.( Schr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist außerordentlich rücksichtslos, daß die Hauseigentümer, die die Hypotheken abstoßen konnten, trazdem die Forderung nach Friedensmieten stellen. Das würde bedeuten, fie auf Kosten der Mieter in einem Maße zu bereichern, wie es sonst bei feinem Rechtsverhältnis oder Gefbgeschäft möglich wäre. Nach der Dentschrift der Regierung gab es 5 Milliarden Hypotheken. Davon find 750 Millionen aufgewertet worden. Es bleiben 4 Millio= nen hypothefen. Die Hauseigentümer haben auf die 750 Millionen aufgewertete Hypothefen nur 15 Millionen Zinsen zu zahlen. Welchen Nuzen würden sie nun bei den Friedensmieten erzielen. Ein Haus mit einem Friedenswert von 100 000 m., das einen Ertrag von 6000 m. brachte, wäre nur mit 1300 m. für Zinsen und Reparaturen belastet, während auf der anderen Seite nur 15 000 aufgemertetes oder eigenes Kapital darin steckt. Die Hauseigentümer würden also eine mehr als 1000prozentige Berzinsung ihres Kapitals erhalten. Die Friedensmieten herbeizuführen, würde nichts anderes bedeuten, als den Wohnungs much er in einem Ausmaße zu unterſtügen, wie er ungeheuerlicher nicht gedacht werden kann.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Freigabe der Miete würde weder eine erträgliche Preisbildung noch eine Steigerung des Wohnungsbaues herbeiführen. Nach einer Feststellung in Sachs en beträgt der Wohnungsbedarf im Durchschnitt auf 1000 Einwohner 17 Wohnungen. Auf das Reich übertragen würde sich ein Mangel von einer Million bis 1 200 000 Wohnungen ergeben, unter dem besonders die Minderbemittelten und Kinderreichen leiden. des Haushalts des Reiches, der Länder und Gemeinden geworden. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unser Antrag perlangt, daß die Mietsteuer von 20 Broz. ausschließlich zum Wohnungsbau und zur Erhaltung der alten Wohnungen benugt wird. Wenn die Arbeiter, die eine Wohnung haben, diese Abgabe entrichten, dann tun sie das aus Solidarität für diejenigen, die keine Wohnung haben. Wir verlangen weiter, daß die Wohnungen nicht in beliebigen Größen gebaut werden, sondern hauptsächlich für Minderbemittelte und Kinderreiche. Es kommt daher darauf an, wer die Wohnungen baut. Sachsen verteilt die Woh nungsabgabe zentral, weil nur dadurch die Möglichkeit gegeben ist, auch folche Gemeinden zu berücksichtigen, die feine eigenen Mittel zum Wohnungsbau haben. Es muß weiter eine Grund- und Bodenpolitik getrieben werden, die eine Berteuerung des Wohnungsbaues durch die Spekulation verhindert. Alle Parteien dieses Hauses haben, wenn sie über den entsprechenden Tatbestand verfügen, das Recht, der Polizei Vorwürfe zu machen-nur die Kommunisten nicht.( Lärm bei den Komm.) Der Minister zeigt ein Buch mit rotem Einband und fragt die Kommunisten: Kennen Sie das? Es handelt sich um ein„ Reglement zum Bürgerkrieg". des vorliegenden Gegenstandes. Abg. Dr. Maretzky( Dnat.): Die Deutschnationale Volkspartei spricht ihr schmerzliches Bedauern über die traurigen Borgänge m Halle aus( Rufe bei den Komm.:„ Heuchler!") vom allgemein menschlichen und auch vom nationalen Standpunkt aus, weil es das traurigste ist, wenn Deutsche von Deutschen getötet werden. Abg. Drescher( Soz.): Wenn die Polizeibeamten, fährt der Minister fort, solche Dinge zur systematischen Zersetzung der Polizei zu Gesicht bekommen, dann müssen die Beamten nervös werden. Mit dieser systematischen Propaganda des Bürgerkrieges laden die Kommunisten eine schwere Bluffchuld auf sich. Ich habe in der Bekämpfung der BürgerfriegsDie Kommunisten sollten propaganda meine Schuldigkeit getan. endlich auch einmal an ihre Berartwortung denken.( Beifall.) Beim Schluß der Rede des Ministers sezen die Kommunisten, Besonderer Wucher wird mit den Baustoffen getrieben. Gegenüber die den Minister während seiner Ausführungen unaufhörlich mit einem Friedenspreis von 14 m. für 1000 Ziegel, beträgt der Preisfrecher Stirn" usw. begeifert haben, mit ohrenbetäubenden, stürmischen allen möglichen Schimpfmorten, wie„ Renegat"," Lump"," Kerl mit Leipzig dagegen 80 M. Wenn wir den Gemeinden nicht die Mög- Tumult und es folgt auf Antrag der Kommunisten die Besprechung heute in der Umgegend von Berlin 55 m., in der Umgegend von Larmfundgebungen ein. Nach einigen Ordnungsrufen legt sich der lichkeit geben, neue Wohnungen zu bauen, so entziehen wir ihnen dadurch auch die Mittel, die alten Wohnungen zu erhotten. Wir verlangen auch, daß die gemeinnügigen Baubetriebe Das Privatkapital baut teine Wohnungen. 3u unterstützt werden. In unserem Antrag ist festgelegt, daß nur dem Wohnungsmangel fommt noch der alljährliche Wohnungsbedarf, eine solche Miete gerechtfertigt ist, die die Betriebskosten des Hauses der auf. 140 000 pro Jahr zu berechnen ist. Der Zuwachs an Woh- tect, Reparationen ermöglicht, die Verzinsung der Hypotheken und nungsbedarf beträgt also in 10 Jahren 2 400 000. Glaubt man durch des eigenen Kapitals sicherstellt. Jede darüber hinausgehende Stei: den Abbau der Wohnungswirtschaft und durch die Freigabe der Miet- gerung der Miete lehnen wir ab. Wenn demgegenüber gesagt wird, bildung diese Wohnungen bauen zu können? Wir müssen dabei noch daß die Herstellung der Friedensmiete eine Steigerung der Löhne berücksichtigen, daß schon vor dem Kriege immer mehr die zur Folge haben werde, so verweise ich auf den Widerstand, den Tendenz bestand, größe luxuriös eingerichtete Wohnungen zu erdie Reichseisenbahnverwaltung gegenüber der Erhöhung richten, den Bau von Kleinwohnungen dagegen zu vernachlässigen. die Leitung des größten Reichsbetriebes so einer Steigerung des des Lohnes um nur 3 Pfennige die Stunde geleistet hat. Wenn In welchem Zeitpunkt wir den Wohnungsbedarf decken können, das hängt davon ab, welche Mittel wir dazu zur Verfügung stellen. Lohnes entgegenarbeitet, so fann man sich vorstellen, zu welchen Solange aber der Wohnungsbedarf nicht gededt ist, kann keine Rede frzialen Kämpfen es führen muß, um nur einen Ausgleich für die davon sein, den Mieterschutz aufzuheben und die Mietbildung privatErhöhung der Mieten zu schaffen. Der Redner zeigt an einem tapitalistischen Intereffen zu überlassen. Wenn die Mehrheit des Beispiel, das die Stadt Leipzig gegeben hat, wie es möglich Reichstages den Anträgen auf Beseitigung des Mieterschutzes zu= ist, durch den Bau von Gemeindewohnungen die Mieten nicht höher stimmt, dan macht sie sich mitschuldig an der Veremigung des Wohzu bemessen, als in den alten Wohnungen. Wir sind also gegen nungselends, an der Versackung im Wohnungsbau, an dem Verfall jeden Versuch, den heutigen Mieterschutz aufzuheben, die Friedensder alten Wohnungen. mieten herbeizuführen, die private Wohnungswirtschaft wieder her zustellen. Der Wohnungsbau darf nicht dem Privatfapital zur Spekulation freigegeben werden, sondern wir müssen die gemein wirtschaftliche Wohnungswirtschaft fördern und so steigern, daß in abschbarer Zeit auch Deutschland in der Lage ist, den Arbeitern ein Familienleben zu ermöglichen, fie teilnehmen zu lassen an allen fulturellen Bestrebungen.( Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag nachmittag 2 lhr. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Beratung der Anträge über die Sicherung der Wahlfreiheit. Schluß gegen 4 Uhr. Wir haben bereits festgestellt, daß der Anteil des Aufkommens an Cohnsteuern 71 Proz. des Gesamtaufkommens an Einkommenfieuern ausmacht. An Mietsteuern hat das arbeitende Bolf nahezu eine Milliarde aufgebracht. Das bedeutet, daß neben der Lohnsteuer die Arbeiter, Angestellten und Beamten auch noch durch die Mietsteuer den größten Teil des Fraushalts der Länder und der Gemeinden aufbringen müssen. Die nichtbesitzenden Teile des Volkes sind damit zu Trägern der Erhaltung Landtagsaussprache über Halle. Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation. Im Landtag ergab gestern die Abstimmung über Berlängerung der Wahlzeit für die Provinziallandtoge und Kreistage wie bei der legten Beratung Beschlußunfähigkeit. Damit ist die Sigung boendet. Der Präsident setzt auf fofort eine neue Sigung an, in der die Vorlage über die Hinausschiebung der Wahlen nun nicht mehr zur Beratung steht. In zweiter Beratung wird die Novelle zu dem Gesetz über die Erhebung einer vorläufigen Steuer vom Grundvermögen noch dem Antrag des Ausschusses bis zum 30. Juni 1925 perlängert. Es folgt die gemeinsame Beratung der Großen Anfrage der Sozialdemokraten und des Antrags der Kommunisten über die Zusammenstöße in Halle und in BerlinNeukölln in einer kommunistischen Versammlung am 13. und am 25. März 1925. Abg. Dr. Waentig( Soz.): Noch fennen wir nicht alle Einzelheiten des schrecklichen Vorgangs in Halle. In der Versammlung sollten auch zwei Ausländer sprechen, Das hatte die Hallenser Polizei verboten und eventuell mit Auflösung der Versammlung gedroht( stürmische Rufe b. d. Kommunisten: Severing ist der Schuldige!) Im unteren Saal des Bolksparts ging alles ruhig zu, im oberen Saale aber fam es zu furchtbaren Szenen, als man daran ging, die trop des Berbots gehaltenen Reden der beiden Ausländer für die Zuhörer zu übersetzen. Nach dem Bericht eines bürgerlichen Blattes sprang ein Polizeioffizier auf einen Stuhl, befahl die Auflösung; es fielen Schüsse und ein unbeschreibliches Angstgeschrei brach aus. Alles versuchte zu flüchten. Das Ergebnis war: Neun Tote, darunter zwei Frauen. Das Berbot mar ungefeßlich wie heute feststeht; aber wäre es auch gesetz: lich gewesen, es war eine Dummheit. Die in dieser Zeit doppelt gebotene Borsicht ist nicht geübt worden. Der zur Ueberwachung tommandierte Polizeioffizier genießt in der Bevölkerung von Halle einen sehr schlechten Ruf. Der Polizeipräsident Runge ( Zuruf b. d. Kommunisten: Ihr Parteigenoffe!) mar an diesem Tage überhaupt nicht in Halle. Die Regierung hat ja durch seine Abberufung die Konfequenz gezegen. Vor einem Jahre haben sich bei einer ähnlichen Sache die Erekutivorgane der Polizei ganz anders verhalten, da sind sie nicht energisch eingeschritten, geschweige daß sie von der Waffe Gebrauch gemacht hätten. Ein ungeheures Maß von Herzenshärte gehört dazu, in eine dichtgedrängte unbewaffnete Menge zu schießen; hier liegt ein gerüffeltes Maß von Schuld Dor. Die Veranstalter und der Leiter der Versammlung mußten aber doch von dem Verbot unterrichtet sein und da gehört ein erstaunliches Maß von Berantwortungslosigkeit dazu, so zu handeln, wie sie gehandelt haben.( Wüftes Entrüstungsgefchrei der Kommunisten; Bizepräsident Garnich bemüht sich, dem Redner meiter Gehör zu verschaffen.) Wenn es wahr ist, daß auch noch ein Teil der Rofen Frontkämpfer die abströmende Menge verhindert hat.( Neuer Entrüstungssturm bei den Kommunisten, der Schluß des Sages geht verloren.) Die Versammlungsteilnehmer haben ihrerseits Stühle, Bierseidel u. dgl. geworfen, wodurch mehrere Bolizeibeamte verlegt wurden, auch soll aus der Mitte der Verfammlung geschossen worden sein( andauernder Tumult bei den Rommunisten.). Der Minister muß genaue Auskunft über die Borgänge und darüber geben, was das Staatsministerium tun will, um deren Wiederkehr zu verhindern.( Bon den Kommunisten wird Lügenprofeffor!" gerufen; Abg. Müller- Frankfurt( Komm.) erhält einen Ordnungsruf.) Den Urantrag der Kommunisten begründet Abg. Frau KrügerHalle( Komm.) unter tumultuösen Zwischenrufen der Kommunisten. Kein Irrtum Vertreter des Staatsministeriums • Minister Severing: Eine genaue Mitteilung fann ich auf Grund der bisherigen Ermittlungen noch nicht machen; trotzdem ist die parlamentarische Verhandlung von Nußen, um nach Möglichkeit eine partei politische Ausschlachtung zu unterbinden.( Lärm bei den Komm.) Es haben sich schon bei einer oberflächlichen Betrachtung der Dinge Widersprüche herausgestellt, daß ein erschöpfendes Bild nicht gegeben werden fann; ich muß mir vorbehalten, weitere Aufklärung durch eine von mir entfendete Ministerialkommission zu veranlassen. Ich habe am Sonntag morgen dem fummunistischen Ersuchen um eine Untersuchung stattgegeben und erklärt, daß ich zwar noch nicht in der Lage bin, mir bereits ein abschließendes Urieil zu erlauben; ich würde aber nicht nur die Polizeibeamten, sondern auch die Versammlungsteilnehmer über die Vorkommnisse befragen lassen, und ich habe allerdings hinzugefügt, daß meiner Ansicht nach den ausführenden Organen feine Schuld betzumessen ist. Ihr Genosse( zu den Komm.) Menzel bemerkte zu mir am Schlusse der Unterredung:„ Ich sehe ein, daß Sie als Minister nicht anders handeln fönnen".( Lebh. Hört, hört! bei der Mehrheit, Lärm und Widerspruch bei den Komm.) Ich wäre neugierig, von Ihnen( zu den Komm.) zu erfahren, ob Sie das rednerische Auftreten von deutschen Sozialdemokraten in Ruß land ohne weiteres gestatten würden.( Erneuter Lärm und Widerspruch bei den Komm.) Das Recht der freien Meinung gilt in Deutschland für die Deutschen, nicht aber ohne meiteres auch für Ausländer. daß die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden könnte.( Zuruf Das Berbot war an sich nicht ungefeßlich, meil die Gefahr bestand, bei den Komm.: Weil das Verbot sich gegen Arbeiter richtete!) Das feste Gefüge Preußens und des Reiches muß erhalten werden. Bon den Persönlichkeiten der Ausländer mußte ich nach der Auskunft, die ich über sie erhielt, annehmen, daß sie die Deffentlichkeit aufreizen würden. örterung stehen, sind lediglich solche polizeilicher Zweckmäßigkeit. Die Fragen, die hier zur ErDie Haltung des Polizeipräsidenten habe ich nicht verstanden. Man braucht die gewöhnlich sehr blutrünstig klingenden Ankündigungen der Kommunisten nicht immer allzu tragisch zu nehmen. Auch war in der Ankündigung nur von ausländischen Genossen" die Rede. Wie dem nun aber auch sein mag: wer ein solches Berbot, zumal in einer etwas tritischen Zeit, wo z. B. ein Eisenbahnerstreif da ist, erläßt, der muß auch zur Stelle sein. Der Polizeipräsident, der auf einer Dienstreise sich in Berlin befand, hat aber die Durchführung Organen überlassen, die die Ausrirfung des Verbotes nicht übersehen haben. Man hätte sich von den Kommunisten entweder Sicherheiten geben lassen, oder aber von vornherein die Versammlung verbieten müssen. Es galt, auf jeden Fall Blutvergießen zu verhüten.( Andauernde Zurufe der Kommunisten.) Auf der anderen Seite ist das Berhalten der kommunistischen Berjammlungsveranstalter in feiner Weise einwandfrei. Der Versammlung ist von dem Verbot keine Mitteilung gemacht worden. Wenn den Kommunisten die vom Polizeipräsidenten veranlaßte Maßnahme nicht zusagte, so stand die Beschwerde offen.( 3urufe der Komm.: Natürlich!) Ich gebe es auf, mich mit Ihnen( zu den Komm.) auseinanderzusetzen. Die Schußverlegungen fönnen nicht nur von Geschossen der Schuhpolizei herrühren. ( 3uruf der Komm.: Es ist unerhört!) Dos zeigt das Gutachten eines Sachverständigen.( Der Minister verliest das Gutachten.) Die angekündigte Untersuchung muß mit größter Objektivität geführt werden. Die Kommunist en treten hier in durchaus einseitiger Weise als Anfläger auf. Das Verbot der Reden der Ausländer trieb natürlich Wasser auf die kommunistischen Mühlen; aber es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen Ausländer und„ Ausländer", zwischen Professor Basch und den Russen, die nicht einmal Ausländer sind und ungestört in Deutschland herumreisen, um es durch ihre Heze taput zu machen. Die Kommunisten stellen sich hier als ganz unschuldig hin, aber mir, die wir in Halle leben, wissen es besser. Die Kommunisten reden hier im Barlament von Lump, Schuft, Lügner, womit sie den Polizeipräsidenten Runge meinen; erst neuerdings haben sie ihre ent sprechenden Angriffe gegen den Regierungspräsidenten GrünerMerseburg vor Gericht mit der Verurteilung durch den Strafrichter schwer büßen müssen. Die Kommunisten haben die Arbeiter vor die Kugeln der Polizeimannschaften getrieben. ( Betäubender Lärm bei den Komm., Zurufe, auf die wiederholten Ordnungsrufe des Präsidenten, u. a. gegen die Abg. Frau Krüger, erfolgen.) Minister Severing hat das Verbot in Halle nicht gebilligt. Gewiß haben einige Bolizisten nicht ruhig, sondern aufgeregt sich benommen; aber auch diese haben erst in die Luft geschoffen und überhaupt erst geschossen, nachdem mit Bierseideln ge= worfen worden war. Der Saal des Volksparts faßt nicht 7800, sondern nur 1500 Personen. Eine Partei, die den Staat vernichten will, hat das Recht verwirkt, hier in Entrüstung zu machen. Die Ruhe, Besonnenheit und Disziplin der Sozialdemokratie mird auch diese Gefahr für Deutschland überwinden. Die Kommunisten find schuldig, daß heute in Deutschland und Preußen die Reaktion Oberwasser hat.( Der Rest der Rede geht in dem wüsten Geschrei der Kommunisten verloren.) Abg. Meginger( 3.) spricht das Bedauern seiner Freunde aus über die Todesopfer, die leider der Zusammenstoß in Halle gefordert hat. Unter den Opfern von Halle iit fein einziger fommunistischer Führer.( Lebh. Hört, hört! bei der Mehrheit.) Abg. Heidenreich( DVp.): Frau Krüger, die hier so große Worte fand, foll aus der Versammlung sehr schnell verschwunden sein, als der Klamaut losging( Widerspruch und Lärm bei den Komm.) Abg. Dahlmann( Komm.): Dieser Auftakt zur Präfisto peitschen zum Vernichtungskampf gegen die kapitalistische Gesellschaft. dentenwahl wird die revolutionäre Energie der Arbeiter aufAbg. Stendel( DBp.) beantragt, auf die morgige Tagesordnung als ersten Bunft die Wahl des Ministerpräsidenten zu fetzen. Für den Antrag stimmen die Parteien der Rechten und die kommunisten. Das Ergebnis bleibt zunächst zweifelhaft und die Abstimmung wird im Hammeliprung wiederholt. Die Parteien der Weimarer. Koalition bleiben dieser Abstimmung fern, damit die Beschlußunfähigkeit feststellen muß. Der Antrag so daß Präsident Bartels die Abgabe von nur 180 Stimmen und Etendel ist damit gefallen. Die Feststellung des Präsidenten wird von der Rechten mit tofendem Lärm und Rufe 2 usiofen!" beantwortet. Als der Präsident schon seinen Blak verlassen hat, sichen die Abgeordneten noch lange in errester Privatdisfuffion zusammen. Bnter lebhaften Ausrufen des mißfallens weisen die 2lbgeordneten der Rechten immer erneut auf den Teil des Zentrums hin, der sich an der Abstimmung nicht beteiligte. Erst langsam geht das Haus unter großer Unruhe auseinander. in Halle. Schulreform. Personalabbau. Kleine Vorlagen. Freitag 12 Uhr: Fortsetzung der Aussprache über die Borgänge Schluß 6 1hr 5 Min. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstefie: Berlin G 14. Gebaftianftr. 37/38 Sof 2 z. Rameradschaft Friedrichshain trifft sich Freitag abend 7 Uhr int Vereinslokal. Bannerkleidung. Reine Fahnen mitbringen. abends 8 Uhr, Bersammlung und wichtige Besprechung im Lokal„ Zur Renn. Kameradschaft Lichtenberg, Untergruppe Karlshorst: Sonnabend, den 21. März, bahn". Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder, auch der nicht aktiven, fit unbeVorstandssigung mit den Gruppenführern bei Grund, Königstraße. dingt und dringend nötig. Kamerabschaft Ertner: Freitag, den 20. März, Sonn abend, den 21. März, 64 Uhr, Antreten am Bahnhof zum Saalfchuh nach Fichtenau. Kamerabschaft Tempelhof: Sonnabend, den 21. März, abends hof, Manteuffelstraße. 7% Uhr, geselliger Abend mit Damen im Restaurant Birkenwäldchen, TempelRepublikaner als Gäste willkommen. Ramerabschaft Eichwalde: Sonnabend, den 21. März, nachmittags 3½ Uhr, treffen sich alle attiven Kameraden in Reichsbannerkleidung zur Teilnahme an der Beerdigung unseres Kameraden Bruschke bei Lindner. Trauerfeier um 5 Uhr im Krematorium Baumschulenweg. Der Turn- und Sportabend fällt an diesem Tage aus. 20. Kameradschaft( Reinidendorf): Sonnabend, den 21. März, abends 7.20 Uhr, Treffen aller Remeraden am Bahnhof Hermsdorf, Ausgang Nord. Gemeinsamer Marsch zum Restaurant Barth, Glienicke bei Hermsdorf, Wilhelmfiraße 5-7. Arbeiter- Radio- Alub, Bezirk Bichtenberg( früher Often). Jeden Freitag 168 Uhr bei Vorbau, Oderstr. 8, am Traveplak, Bastelabend. Bezirk Neu töln: Heute 8 Uhr in der Rütlischule Vortrag über„ Röhrenverstärker". Gäste miltommen. Sozialwissenschaftliche Bereinigung. Sonnabend, den 21. März, abends 7½ Uhr, im Graphischen Vereinshaus, Alegandrinenstr. 44, Bortrag des Genossen Dr. E. Gumbel Seidelberg über„ Die politischen Morde in Deutschland". Arbeiter Samariter- Rolonne Berlin, c. B. Am Sonntag, den 22. März, findet im Großen Sörfoal bes Bathologischen Instituts der Bortrag des Geheimrats Brof. Dr. Lubarsch statt. Treffpunkt 94 Uhr vormittags Eingang Aleranderufer. Die Abteilungsleiter müssen so schnell es möglich die SchleppLotale für den Wahltag zur Bräsidentenmahl dem Kolonnenführer nebst ber richtigen Telephonnimmer mitteilen, da sonst eine rechtzeitige Bekanntmachung in der Presse unmöglich ift. Der nächste Rolonnenvortrag ift i ich tam 25. März. Genosse Dr. Regel spricht am Donnerstag, den 2. April, 7% abends, im Raiserin- Friedrich- Haus zu einer Lichtbildvorführung. ist so gross wie der, dass Sie mit Mondamin- Backpulver nur Kuchen aus Mondamin backen können. Jede Art von Kuchen, jede Sorte von Gebäck gerät mit Mondamin- Backpulver, denn es ist ein Universal- Backmittel wie jedes andere Backpulver, Nurehat es den grossen Vorzug, dass es dem Kuchen keinen Beigeschmack gibt. Also nehmen Sie stets MONDAMIN- BACKPULVER ohne Pulvergeschmack Freitag 20. März 1925 Unterhaltung und Wissen Wissen Di Der Bauer im Frühmittelalter. Bon Franz Lauffötter. Allgemein gilt der Bauer als schwerfälliger, konservativer Mensch, der nur selten und mit Mühe aus seiner Ruhe zu bringen ist, und der Bauernstand wird in politischen, rechtlichen und kulturellen Dingen als fonservatives Element in Rechnung gestellt. Tatsächlich lehrt uns die Geschichte, daß die ländliche Bevölfe= rung ihrem inneren Wesen nach sehr am alten flebt, mozu auch die von der Natur abhängige Beschäftigung wesentlich beiträgt, weshalb sie neuen Gedanken und neuen Strömungen nur sehr schmer zugänglich ist. Demgegenüber hat sich die städtische Bevölke rung infolge ihrer stärkeren fulturellen Betätigungsmöglichkeit und der Art der Arbeit zu allen Zeiten als ein unruhiges. Neuerungen zugängliches Element bewiesen. Die zahllosen Revolten und Revolutionen, von denen uns die Sozialgeschichte erzählt, haben sich fast ohne Ausnahme in den Städten oder Industriegebieten abgespielt, das Landvolk hat meistens alle Unbilden, allen Druck, mil innerem Groll, aber mit einer unglaublichen Geduld, hingenommen und ertragen. Dennoch haben wir auch einige wenige Beispiele von repolutionären Bewegungen des Landvolkes, die gerade ihrer Seltenheit wegen doppeltes Interesse verdienen. Eins dieser Beispiele ist jene weitausgedehnte und tiefgreifende gewaltsame Aktion der deutschen Bauern Süd- und Westdeutschlands um die Bende des 16. Jahrhunderts. Der deutsche Bauernfrieg ron 1525 hat den Bauernstand in seinen tiefsten Tiefen aufgewühlt, er hat einen bislang ungefannten Grad von Haß, Empörung und But gezeitigt, er hat eine Fülle von Gewalttätigkeiten, Granjamkeiten und 3ornausbrüchen mit sich gebracht, so daß es die erfte Aufgabe einer Geschichtsschreibung ist, den Ursachen nachzuspüren, die den geduldigen, durchaus fonservativ eingestellten Bauern in einen blutdürftigen, rücksichtslosen Revolutionär und Terroristen rerwandelt haben. Diese Ursachen sind verschiedener Art, wie dies bei allen sozialen Erscheinungen der Fall ist, sie liegen auf mirtschaftlichem, rechtlichem und geistigem Gebiete. Beilage des Vorwärts siedelten die slawischen Gebiete bis tief nach Rußßland hinein, fie| Neid auf die Bauern und ihren Wohlstand blickten, als das Raubdrangen an der Ostsee entlang nach Litauen, Estland, Livland, Finnland, Ingermanenland, sie wanderten nach Südosten an der Donau hinab nach Siebenbürgen bis zum Baltan. Ueberall entstonden volfreiche, blühende deutsche Siedlungen. Die Folge dieser Kolonisierung der Grenzgebiete war, daß in der Heimat fein Ueberangebot unbeschäftigter Menschen vorhanden war, jo daß ein Ausgleich bestand zwischen Erzeugern und Verbrauchern, was natürlich unter der Naturalwirtschaft corteilhaft wirken mußte. Der steigende Wohlstand der deutschen Bauern gewährte ihnen die Möglichkeit eines üppigen Lebens und erzeugte gleichzeitig ein gesteigertes bäuerliches Selbstbe gleichzeitig ein gesteigertes bäuerliches Selbst be Der Arm der Gerechtigkeit. 000,000 Paulshumpolet 325.. Bis da hinauf langt er nicht! Am Ausgange des Altertumis, als Deutschland aus dem Chaos der Völkerwanderung wieder in geordnete Verhältnisse fam, saß der deutsche Bauer als freier Mann auf seinem Grund und Boden. Infolge der ununterbrochenen Kriege, die Jahrzehnte lang dauerten. während die früheren Stammesfehden nur ein paar Tage währten, hielten es zahlreiche Bauern aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit für geboten, ihr Land den Rittern und den Großen des Landes zum Eigentum zu übertragen und sich mit der Familie in den Schutz eines Herrn zu begeben. Die Herren, die seitdem den Namen ..Grundherren" führten, fonnten und wollten den Grund und Boden jener Bauern nicht selbst bewirtschaften, weshalb sie ihn den früheren Eigentümern als Lehen" wieder übergaben und sich mit einer unbedeutenden Abgabe begnügten. Diese Abgaben, die die sogenannten „ Grundholden" zu leisten hatten, waren ursprünglich sehr gering, fie hatten eigentlich nur symbolische Bedeutung, sie waren ge missermaßen nur der Ausdruck der Ergebenheit gegenüber den Herren. Es ließen sich Hunderte von Ab. gaben anführen, die uns heutzutage geradezu fomisch anmuten. Die mittelalterlichen Menschen hatten in diesen Dingen noch Humor wußtsein, das vielfach in ein widerliches Prozentum ausartete. und faßten sie von der humoristischen Seite auf, weil sie sie nicht Der Bauer jener Zeit fühlte sich als Mensch und Bauer, er hatte als Drud und Laſt empfanden, für uns Gegenwartsmenschen hört eine hohe Vorstellung von seiner Bedeutung und Würde, er war in Geld und Steuersachen nach einem Worte des Kommerzten auch bestrebt, seine Wohlhabenheit, in progenhafter Weise nach rates Hansemann nicht nur der Humor, sondern auch die Gecußen hin zum Ausdruck zu bringen. Die Chronikenschreiber jener mütlichkeit auf. Tage es jei nur der Mönch Cäsarius aus dem Kloster Seisterbach im Siebengebirge erwähnt, der den Weltspiegel" schrieb erzähien Bunderdinge von dem Wohlleben der damaligen Bauern: Kostbare Kleider und wertvolle Schmuckjachen, rauschende Festlichkeiten, bei denen es hoch berging, üppige Schnau fereien, bei denen die Tische unter der Last der Speisen und Getränke fast zusammenbrachen, Hochzeiten, die wochenlang dauerten, an denen Hunderte von Bersonen teilnahmen, Tänze und Turnier spiele, alle diese äußeren Erscheinungen, die aus einem über Nacht entstandenen Wohlstand entspringen, drückten dem damaligen Bauernleben den Stempel auf. Dagegen stach die Lebensmöglich feit und die Lebenshaltung der Grundherren und Ritter schroff ab. Bei den geringen Abgaben waren diese Leute verarmt und litten Luchstäblich Not, weshalb sie sich auf das„ adlige Handwerk" des Raubrittertums verlegten, indem sie die Bauern brandschaßten und die reisenden Bürger überfielen und plünderten. Das mar die Zeit, als die deutschen Fürsten wirtschaftlich ohnmächtig waren und mit Diese geringe Belastung der deutschen Landwirtschaft in Ver bindung mit der besseren Bewirtschaftung des Grund und Bodens, wodurch die landwirtschaftlichen Erträge wesentlich stiegen, hob die wirtschaftliche Lage des deutschen Bauernstandes von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Hinzu kam noch die bedeutungsvolle Tatsache, daß das platte Land durch günstige Umstände gegen eine Uebervölkerung geschützt war. Der deutsche Bauer schob die überschüssige Bevölkerung, seinen Nachwuchs, vom Lande ab. Entweder wanderten die nachgeborenen Söhne und Töchter in die damals aufstrebenden Städte, die den Zuwachs von tüchtigen Arbeitskräften freudig begrüßten, oder sie zogen über die Grenzen des damaligen Deutsch lands hinaus und besiedelten unbebautes Land. Schon in der Zeit der Karolinger beobachten mir starke Kolonisationsbestrebungen, die Hohenstaufenzeit brachte den Höhepunkt deutscher Kolonisation. Deutsche Bauern wanderten scharenweise nach Osten über die Elbe und Oder hinaus und ve„ Ich bin ein echter Kommunard. 2] Bon Ilja Ehrenburg. ( Aus dem Russischen überfegt von Hersko.) Bis zu seinem 25. Jahre sah Louis keine Frau an. Als er cines Tages, nach seinem 25. Jahre, in eine andere Mansarde in der Straße der schwarzen Witwe umzog, trat ein, was früher oder später mit allen jungen Männern geschieht. In der benachbarten Mansarde wohnte eine junge Taglöhnerin, Juliette. Eines Abends traf Louis sie auf der engen Wendeltreppe, ging dann zu thr hinein, um sich Zündhölzer geben zu lassen, weil sein Feuerstein cbgenutzt war und kein Feuer gab am Morgen fam er wieder heraus. Am nächsten Tag brachte Juliette ihre zwei Hemden, ihre Waschschüssel und Haarbürste in Louis' Mansarde und wurde seine Frau. Ein Jahr später erschien in der engen Mansarde ein neuer Gast, der auf dem Standesamt als" Paul Maria Rour" em= getragen murde. So lernte Louis die Frau kennen. Doch anders als so viele andere Frauen, auf die Paris mit Recht stolz sein kann, fonnte Juliette niemals sorglos lachen, obwohl Luis Rour fie so liebte, mie ein Maurer, der schmere Steine schleppt und schöne Häuser baut, mur lieben fann. Vielleicht hat sie darum nie gelacht, weil sie in der Straße der schwarzen Bitme wohnte, wo nur einmal die alte Baschfrau Marie forglos gelacht hatte, als man fie ins Irrenhaus brachte; vielleicht hat sie auch darum nie gelacht, weil sie nur zwet Hemden besaß, und Louis, der oft teine weißen und schwarzen Münzen hatte, und mürrisch in den Straßen der Barstadt St. Antoine umherstreifte, ihr feine einzige gelbe Münze zu einem neuen Kleid geben konnte. Im Jahre 1869, als Louis Rour 28 und fein Sohn Paul zwei Jahre alt mar, nahm Juliette ihre zwei Hemden, Schüssel und Bürste und zog zu dem Mezger, der in der Straße der schwarzen sitwe Pferdefleisch verkaufte. Sie ließ Louis den kleinen Paul, denn der Metzger mar ein nervöser Mann, der wohl junge Frauen aber keine Kinder leiden konnte. Louis nahm seinen Sohn, miegte ihn, damit er nicht meinen sollte, miegte ihn täppisch wie ein Bär. weil er mohl Steine tragen aber feine Kinder wiegen fonnte, und ging mit der Pfeife zwischen den Zähnen in der Vorstadt St. Antoine umher. Er hatte Juliette sehr geliebt, doch verstand er, daß sie nicht anders handeln fonnte der Fleischer hat viele gelbe Münzen, er tann mit Juliette in eine andere Straße ziehen, bei ihm wird Juliette sogar sorglos lachen können. Louis erinnerte fich, daß sein Vater Jean, ehe er mit der gereinigten Flinte fortging, zu seiner weinenden Frau, Louis' Mutter, gesagt hatte: Mich drängt es zu gehen, dich, mich zurückzuhalten. Der Hahn sucht eine höhere Stange, das Schiff das weite Meer und die Frau das ruhige Leben." An diese Worte dachte Louis und überlegte nochmals, daß er recht hatte, als er Juliette zurückhalten wollte und sie recht, als sie von ihm zu dem reichen Metzger zog. Dann baute Lovis wieder Häuser und bemutterte seinen Sohn. Doch bald kam der Krieg und tie bösen Preußen belagerten Paris. Niemand wollie mehr Häuser bauen und die Gerüste der noch nicht fertigen Gebäude standen leer. Die Kugeln der preußischen Kanonen zerstörten viele Bauten des schönen Paris. Louis hatte keine Arbeit und kein Brot, und der dreijährige Paul verstand schon schweigend wie ein junger Rabe seinen Mund aufzusperren. Da gab man Louis ein Gewehr in die Hand. Aber er sang nich mie sein Vater und schrie auch nicht„ Brot", sondern mit tausend anderen Maurern, Zimmerleuten und Schmieden zog er aus, um Paris, die schönste der Städte, gegen die bösen Preußen zu ver teidigen. Eine brave Frau, Frau Monaur, die Besizerin eines Gemüseladens, nahm den kleinen Paul in Pflege. Barfuß in der Winterfälte schleppte Louis Roug mit anderen Blusenmännern auf dem Fort St. Vincennes die Kugeln zu den Kanonen, aus denen die bösen Preußen beschossen wurden. Biele Tage hatte er nichts gegessen, denn in Paris mar Hungersnot. Seine Füße erfroren ihm, denn in jenem Winter der Belagerung herrschte eine nie gewesene Kälte. Dic preußischen Kugeln fielen auf das Fort St. Vincennes nieder, die Blusenmänner wurden immer weniger, doch Louis Rour blieb auf seinem Bosten bei der fleinen Kanone, weil er Baris verteidigen wollte. Und die schönste aller Städte verdiente eine solche Verteidigung. Trotz der Hungersnot und der Stälte schwirrten die Lichter auf den Boulevards des Italiens und des Capucins, es gab genug rubinrote Liföre für die Stuger und das forglose Lächeln verschwand nicht von den Lippen der schönen Frauen. Louis Roug wußte, daß es tein Kaiserreich mehr qah, daß man in Paris die Republik ausgerufen hatte. Als er die Kugeln zu den Kanonen schleppte, hatte er feine Zeit, darüber nachzudenken, mas Republik" sei, doch die Blusenmänner, die aus Paris fament, erzählten ihm, daß sich in den Kaffeehäusern noch immer die jungen Stuger und sorglosen Frauen drängten. Louis hörte das böse Gerede und verstand, daß sich in Paris nichts geändert hatte. Die Repu " ritterwesen in Blüte stand und die Ritterburgen zu Raubneſtern und zu Schlupfwinkeln der Stegreifritter und Hedenreiter geworden muren. Allmählich vollzog sich ein Umschwung zuungunsten der Bauern, die glücklichen Zeiten der deutschen Landbevölkerung woren vorüber, und an die Stelle des Wohlstandes trat die bittere Gorge ums Dasein. Hier wirften verschiedene Ursachen mit. Zunächst traten durch die Entdeckung Amerifas und des Seeweges nach Dit indien weltwirtschaftliche Veränderungen ein, die dem Bauernstand die Konkurrenz beim Absatz ihrer Erzeugnisse erschwerten. Die langsam einsehende Umwandlung der Naturalmirt= schaft in die Geldwirtschaft, wozu die Einfuhr von Gold cus den neuentdeckten, überseeischen Ländern wesentlich beitrug, bereitete der Inlandswirtschaft und besonders der bäuerlichen Biltschaft große Schwierigkeiten. Die Absatzmöglichkeit für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse murde immer geringer. Der Bauernstand konnte sich infolge seiner konservativen Einstellung den veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse nur schwer anpassen, weshalb er in feinen Existenzbedingungen zurückging. Hinzu kam, daß der 2bfluß der überschüssigen Landbevölkerung nach den Städten ins Stoden geriet, weil die übervölferten Städte den Zustrom sperrten, und daß auch die Kolonisationen aufhörten, weil fein Land mehr frei war. Die Folge davon war, daß eine bäuerliche Hebervölkerung entstand. Um dem abzuhelfen, wurde beim Tode eines Bauern sein Grund und Boden aufgeteilt, so daß seine Söhne und Töchter ihr Erbfeil bekamen, wodurch deren wirtschaftliche Eristenz sehr erschwert wurde, meil die fleinbäuerlichen Betriebe nicht so rentabel arbeiteten. Schon bald erhoben die Grund herren gegen diese Zersplitterung Einspruch, und so sammelte sich ouf dem platten Lande über Nacht eine Schar landloser Grundholden, ein bäuerliches Proletariat, das immer mehr anschwoll. Da= mals drang das römische Recht nach Deutschland ein und verdrängte das altgermanische Recht. Die Juristen stellten den Grundsag auf, daß die Abgaben der Bauern nicht an dem Grund und Boden hafteten, sondern an der Person, die Grundherren griffen begierig diesen Standpunkt auf und forderten auch von den landlosen Grundholden Abgaben und Frondienste. Die längst ver= schwundene Leibeigenschaft fam wieder auf und trug erklärlicherweise eine steigende Erbitterung ins Landvolf. Zugleich fingen die Grundherren an, die Abgaben und Frondienste zu steigern. Es gelang ihnen, den Widerstand der Bauern zu brechen, meil sich die Herren zu Bünden zusammenschlossen. Die Erfindung der Feuerwaffen und die Errichtung stehender Heere verliehen ihnen die llebermacht über die schlecht bewaffneten, im Kriegsdienst unerfahrenen Bauern. So murde denn die mittelalterliche Gemeinfreiheit vernichtet auf dem platten Lande wie in den Städten Bürger und Bauern wurden entrechtet und bedrückt durch die Ritter und Fürsten. Die geistlichen und weltlichen Machthaber metteiferten in der Kunst, die Landbevölkerung planmäßig und rücksichtslos auszujaugen. Um das Jahr 1500 war es mit der bäuerlichen Herrlichkeit, porbei, aber die Macht der Grundherren wuchs. Während einst= mals der Bauer den Herrn spielte, berarmte er nunmehr und wurde zu einem Sklaven. Die Kunst jener Tage spiegelte die Umwandlung deutlich wider. Bor dem Jahre 1525 stellen die Künstler den Bauern als tölpelhaften Prog dar nach dem Jahre 1525 schilderte sie den Bauer als einen durch Mühen und Sorgen zermürbten Sklaven, der den Kopf hängen läßt und seinen Schweiß nergießt im Dienste seiner Unterbrüder. Wie die Apselfine nach Europa fam. Die Urheimat der Apfelsine, die jetzt, zu Ende des Winters, mieder, wie alljährlich, als beliebteste Frucht in Massen die Märfte beherrscht, ist Hindostan. Sie war indeffen schon den Alten bekannt; denn die berühmten Aepfel der Hesperiden, die nach der griechischen Sage von unsterblichen Jungfrauen behütet wurden, und die Hera bei ihrer Verheiratung mit Zeus von der Gaia als Geschenk erhalten hatte, waren aller Wahrscheinlichkeit nach nichts anderes als Apfelsinen. Zwischen dem achten und neunten Jahrhundert wurde die Apfelsine gleichzeitig in Perfien und in Arabien eingeführt, aber es dauerte Sahrhunderte, bis Araber und Berser sich entschlessen, die Frucht anzubauen, da sie glaubten, daß sie verflucht fei. Erst im 11. Jahrhundert unternahmen es syrische Gärtner, Apfeljinenbäume zu pflanzen, mit dem Erfolg, daß am Ende des zwölften Jahrhunderts in der Levante und insbesondere in Jerusalem Apfelfinenbäume im lleberfluß vorhanden maren. Bon hier aus brachten dann die Kreuzfahrer die bis dahin unbekannte Frucht nach Europa. blif mar nicht in der Straße der schwarzen Witme, sondern in den breiten Alleen des siebenstrahligen Sternes. Auch wenn er die Preußen vor den Mauern der Stadt Paris verjagte, würde der kleine Paul doch immer seinen Mund aufsperren müssen. Louis Roug wußte das, dennoch wollte er seinen Platz an der Kanone nicht verlassen, die Preußen sollten nicht nach Paris kommen. Eines Morgens bekam er den Befehl, die Kanone zu verlassen und in die Straße der schwarzen Witme zurückzukehren. Die Leule, die man Republik" nannte und die gewiß jene Stuger und sorglosen Frauen waren, ließen die bösen Preußen in das schöne Paris. Mit der Pfeife zwischen den Zähnen ging der mürrische Louis Roug in den Straßen der Vorstadt St. Antoine umher. Die Breußen tamen und zogen wieder ab, doch niemand wollte mehr schöne Häuser bauen. Paul sperrte mie ein junger Rabe seinen Mund auf und Louis begann seine Flinte zu reinigen. An den Mauern war ein grausamer Befehl angeschlagen, daß die Blusenmänner ihre Flinten abliefern sollten. Die Stuzer und die sorglosen Frauen, die man" Republif" nannte, hatten noch die Junitage des Jahres 48 im Gedächtnis. Louis Roux und viele andere Blusenmänner aus der Vorstadt St. Antoine und anderen Borstädten wollten ihre Gewehre nicht abgeben. Sie gingen auf die Straße und feuerten. Es mar an einem warmen Abend des Frühlingsmonats März. Am anderen Tage sah Louis Rour in den Straßen schöne Ka lefchen, Equipogen, Kutschen, Leitermagen vorbeiziehen. In den Wagen war Gepäd aufgestapelt, in den Kalefchen saßen die Leute, die Paul Rour in den Cafés der großen Boulevards oder im Boulogner Wald zu sehen gewohnt war, teine Generäle mit himbeerfarbenen Käppis und mit steifen Schnurrbärten, junge Frauen in weiten Spizenkleidern, aufgedunsene Priester in veilchenblauen Soutanen, alte Stuber mit rabenschmarzen, sandgelben und fuchsinten Zylinderhüten, junge Offiziere, die nie auf dem Fort St. Vincennes oder auf anderen Forts gefämpft hatten, aufgeblasene fahlköpfige Lakaien, Hündchen mit Schleifen auf dem gutgekämmten seidigen Fell und sogar schnatternde Papageien. Ale eilten zum Bersailler Tor. Als Louis Rour abends auf dem Opernplatz stand, jah er leere Cafés, mo teine Stuger jetzt rubinrote Liföre tranfen, joh perrammelte Läden, daneben teine sorglojen Frauen sorgios lachten. Die Leute aus den Bierteln der Elysäischen Felder, Auteuil und St. Germain, erbost über die Blusenmänner, die ihre Gewehre nicht abliefern wollten ,, hatten Paris verlassen, jogar die Asphaltspiegel der Boulevards sahen keine Lichter und lagen dunkel da. ( Fortsetzung folgt.)! Hermann Billige Lebensmittel Tietz Rückenfett.. Schweineschinken. Schuiterblatt ohne Beilage. Hammelvorder fleisch. Hammelrücken.. Kaibskeulen Kalbskamm. Kassler. ...... Pfund 76 Pf. Pfund 95 Pf. ******* ..... Pfund 82 Pf. Pfund 68 Pf. Pfand 74Pf. Pfand 80 Pr. Pfand 60Pt. Ptund 1,06 Schweineköpfe gepökelt.......... Ptand 341. Schweinenleren gefroren, wie frisch, Piund 60Pf. Pfund 36Pf. Rinderherzen gefroren Pa.Ochsen- Suppenfleisch gefr., Pfund 50PL Pa.Ochsen- Schmorfleisch gefro.K., Ptd. 80PL Obst- und Gemüsekonserven stark Dose bohnen Dose 98e. 110 Jg.Kohlrabi 1.Scheib. 48p. Pfefferlinge stark Stg.- Wachsbohnen 110 Stg.- Brech- and SchnittJg. Brech- und Schnitt- 98P1. Apfelmus tafelfertig 70Pt. Pflaumen.. 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