�benöausgabe Nr. 1ZS* 42. Jahrgang Msgabe B Nr. 67 »<|t>asBebin«mte«t und«njtigntuttJh sind in ixt Mnrgennusgab« angegeben Hedattion: STD. 68. Cindenflcasia 3 Setafptedter: Vönhofi 292— 29S XaL'2I6cef(e:Sajial6cmelcai Sattln Devlinev Volksblatt ( 5 Pfennig) Freitag 20. März 1�26 Betla« und atigetgenobtcilutit» ©efdläftsjelt 9—5 Übt OccIagetiOonuätta.Setlag GmbH Sattln s JB. 86. Cm&enfftofee» gmafpttihet: vönhost 2506'2802 NO Zentralorgan der Sozi aldemokrati fd�en Partei Deutfcblands Nicht Ritter, sondern Strauchritter. Jarres und seine Knappen. Der Kandidat aller Reaktionäre. Oberbürgermeister Iarres. hat an seine Gefolgsmannen den Wunsch gerichtet, sie sollten den Wahlkampf„ritterlich" führen. Für diese belanglose Geste wurde er prompt als Mann von vornehmer Gesinnung in der dem Westarp-KAinger-Block dienstbaren Presse gefeiert. Der„ritterliche" Kampf, den Iarres wünscht, wird jetzt von seinen Knappen mit einem Ueberfall noch echter Strauchritter monier eröffnet. In zwei Blättern— der S t r e s e m a n n-„Z e i t" und dem Hugenberg- „L o k a l- Ä n z e i g e r"— werden heute„Enthüllungen" veröffentlicht, die nichts mehr oder weniger bezwecken, als die Sozialdemokratie und ihren Kandidaten Braun als Nutz- nießer der Ruhrentschädigung zu verleumden. Ritter Iarres wird an diesem Ueberfall seiner Knappen seine herzliche Freude haben. Wir wissen nicht, ob die Schurkerei auf dem Reichsblock-Bankett im„Kaiserhof" aus- geheckt ist, aber sie sieht ganz danach aus, als ob sie in vor- gerückter Stimmung erdacht wäre. Es wird behauptet, unferParteiblatt in Münster bätte sich, auf Veranlassung des Parteivorsitzenden Hermann Müller, rechtswidrig Unterstützung aus dem Ruhr- f o n d s verschafft, und da Otto Braun eingetragener Ge- schästsführer der G. m. b. H. ist. so... Das weiters sollen sich die Leser denken! Diese Behauptungen und halben Andeutungen sind der nichtsuutzigste Schwindel. Sie übertreffen sogar die Barmat-Hetze noch um vieles an innerer Unwahrhaftigkeit und stellen deshalb auch das politisch Unmöglichste dar, weil sie zur Abwehr herausfordern und Dinge wieder zur öffentlichen Erörterung stellen müssen, die den S t r e s e m a n n und Iarres höchst unliebsam sein müssen. Worum handelt es sich? Die Druckerei unseres Parteiblatts in Münster, das im Jahre 1919 gegründet war, wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1923 durch ein völkisches Dy- n a m'i t a t t e n t a t fast vollständig vernichtet. Die Maschinen und der Setzersaal wurden gänzlich zerstört. Da- durch wurde es unmöglich gemacht, daß der„Volkswillc" in seiner eigenen Druckerei hergestellt und auch die Köpfblätter Sur Hamm und Emden konnten nicht gedruckt werden. leber das faschistische Attentat herrschte damals einhellige Empörung., selbst in den Kreisen um Iarres. Der Oberpräsident von Westfalen. Gronowski. erschien persönlich am Tatorte und drückte dem Druckereileiter seine größte Empörung aus. Er sagte wörtlich: „Und diese Leute wollen Deulschland retten? Ich komm«, um meinen tiefsten Abscheu und Ekel über dieses geiueine Attentat aus- zudrücken. Im vorigen Jahr« würbe am Johannistag R a t h e n a u ermordet und heut« geschieht dieses fluchwürdige Verbvcchm. Ich erwort« von der Polizei, daß sie nichts unterläßt, um die Täter zu fassen." Geraume Zeit danach sind die Burschen auch wirklich gefaßt und zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden. Wie von vornherein vermutet wurde, gehörten sie zu jenen«vaterländischen Abwehrorganisationen", die im de- setzten Gebiete unter Duldung und heimlicher Unterstützung fewisser Regierungsstellen die Sabotage organi- i e r t e n und zu dem Zwecke mit Sprengmitteln reichlich ausgerüstet waren. Sind Herrn Iarres diese Zu- sammenhänge unbekannt? Wir hoffen, daß er, der in dem Münster benachbarten Gebiet damals zu Hause war, nicht durch gefällige Telegraphenagenturen auch diese Kenntnis ableugne» lassen wird. Gehörte doch zu jenen„Aktivisten" auch der M a x D r e y e r. dem Herr Iarres später auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin seine bekannte Leichenrede hielt.... Da das Attentat ganz augenscheinlich mit dem Ruhr- kämpf und den Abwehrorganisationen zusammen- hing, forderte die Partei mit Recht von der Regierung, die jene Abwehrorganisationen duldete und unterstützte, den Er- !atz des Schadens. Auf Beschluß des Reichs- k a b i n e t t s wurde auch dieser Ersatz zugestanden und der preußische Minister des Innern gebeten, durch die R e« gierungsorgane in Münster Ermittlungen über die Höhe des Schadens anstellen zu lassen. Der Regierungspräsident in Munster ließ durch einen Bausachver ständigen den Schaden an dem K e, b q u d a des„Polkswillen" und durch einen Druckerei- s a ch v e r st ä n d i g e n die Schäden an Maschinen und Setzerei aoschätzen. Die Sachverständigen kamen zu dem Resultat, daß am Gebäude ein Schaden in Höhe von 8467 Mark und an den Einrichtungen ein solcher für 171 821 Mark festzustellen sei. Die Bescheide des Regierungspräsidenten wurden pom prau, ßischen Innenministerium urschriftlich und llhü« eigeneStellungnahine an die Reichsregienlna weiter» gegeben. Die„Zeit" Streiemanns fügt den Mitteilungen dw über die Bemerkung an:„W s r d i e s e Summen errech- n e t hat. kann aus den Akten nicht festgestellt werden." Das ist die„ritterliche" Unterstellung, als ob das preußische Innenministerium willkürliche Zahlen angegeben hätte. Wenn die aus amtlichen Akten entnommenen Angaben der Iarres-Blätter sonst stimmen, dann ist die Behauptung, der Ursprung der Berechnungen sei nicht zu ermitteln, einfach« r- logen! Die auf Beschluß des Cuno-Kabinetts ge- währten Entschädigungen wurden in Papiermark vor- s ch u ß w« i s e ausgezahlt. Die gesamten Entschädigungs- betröge wurden nach der Stabilisierung der Mark in Goldmark umgerechnet und festgestellt, daß die nach den Gutachten amtlich herangezogener Sachverständiger um über 189 099 M. geschädigte Druckerei einen Ersatz nur in Höhe von 118 178 Goldmark bekommen hat. Sie hatte also noch 60 909 M. eigenen Schaden zu decken, der durch die von Iarres unter st ützten und gelobhudelten Dy- namitpatrioten' hervorgerufen wurde. Alle diese Dinge sind gar kein Geheimnis, und die Sozialdemokratie hat gar keine Ursache, sie zu verschweigen. Es ist eine unglaubliche Zumutung an die Sozialdemokratische Partei, daß sie den Schaden allein decken sollte, den faschistisches Sprenggesindel an ihren Unter- nehmungen hervorrief. Ernsthaft hat damals auch niemand versucht, die Schadenersatzpflicht des Reichs abzu st reiten, besonders nicht Herr Iarres und Herr Strefemann, die doch den Dingen im Ruhrgebiet nahestanden. Wenn die Strefemann- und Hugenberg-Pressch, die das ?90.ZUillioneN'Geschenk an die Ruhrindusirlellen für ganz gerechtfertigt hält, jetzt diese ganz klare und rechtlich einwandfreie Angelegenheit auf ihre„ritterliche" Art in den Wahlkampf zerrt, so geschieht das nur aus dem Grunde, weil sie aus den Akten festgestellt haben will, daß Otto Braun als Gesellschafter der Firma unseres münsterischen Parteiorgans gerichtlich eingetrogen ist. Auch die von kapi- talistischen Attiengeselischaften ausgehaltenen Organe der Volkspartei chznd der Deutfchnationalen wissen aber, daß die Tätigkeit als Firmenträger in sozialdemo- kratischen Blättern für die beteiligten Personen keinerlei wirtfchastli ch e V o rt e i l e oder Interessen einschließt. Aus� seiner Beteiligung an einem wirtschaftlichen Unternehmen der Partei hat Otto Braun so wenig per- iönlichc Borteile wie von seinen Gütern auf dem Monde. Das ist den Redakteuren der kapitalistischen Presse hinlänglich be- könnt. Wenn sie trotzdem das Gegenteil behaupten oder andeuten, so geschieht das wider besseres Wissen und nur zu dem Zwecke, Herrn Iarres zu zeigen, wie getreue Knappen sie ihrem„ritterlichen" Meister sind. Im übrigen wird hoffentlich die Iarres-Presse nicht wünschen, daß wir näher und eingehend über die D y n a m i t- g e s ch i ch t e n sprechen, die sich damals in und um Münster abspielten. Die„Enthüllungen" der Iarres-Presse können unsere Genossen nur anfeuern, nun erst recht mit dem letzten Aufgebot ihrer Kräfte zu werben und zu wirken für die Kandi- datur eines politisch und moralisch zu jeder Zeit bewährten Republikaners, nämlich für Otto Braun! Antwort, Herr Iarres! Eine offene Anfrage Breitscheids. Nürnberg. 29. März.(Eigener Drahtbericht.) In einer Riesen- Versammlung referierte Donnerstag abend Genosse Dr. Breit- scheid über das Thema:„Wer fall das deutsche Volk führen?" Das Referat des Genossen Breitscheid wurde zu einer scharfen Ab- rechnung mit dem Reichsblock. Unter anderem erklärte er, daß die' Ausführungen des Herrn Iarres in der Berliner Versammlung über die Preisgabe des Rhcinlandes ganz unrichtig feien. Wörtlich sagte Breitscheid:„Es tut mir leid, aber ich muß Herrn Dr. Iarres das Gedächtnis auffrischen. Oeffentlich frage ich deshalb Herrn Dr. Iarres, ob er nicht Ende 1S23 in einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses mir per- fänlich auf meinen Einwand geantwortet hat: was wollen Sie, wir müssen das besehte Gebiet vorüber- gehend freigeben, um es in zehn oder zwanzig üahren mit den Waffen in der Hand wiederzuholen." Diese alle erschreckende Aeuherung des Herrn Dr. I a r r« s kann mit allen Einzelheiten wörtlich belegt werden, wenn Dr. Iarres etwa jetzt auch noch von seinem Gedächtnis im Stiche gelassen werden sollte.— Di« 2000 Veisammlungstetlnehmer gelobten am Schlüsse, mit aller Kraft dafür einzutreten, daß der sozialdemokratische Kandidat, der wahr« Dolksmann Otto P r g � n gm?9. März glg Sieger aus der Wahlurne hervorgehe. ZkrmenSaüeruttg. Die Rgtlonal-sozlalistische Freiheitspartei hat ihre Firma ge- ändert. Ihre Rsichstagsfraktion nennt sich von heute an:„Deuts ch- Aölkisch« Vereinigung". Die Gräfe. Wulle und Reventloip sind also mit den Hitlerleuten endgültig auseinander. Die neue Firma ist zwar immer noch reichlich ruhmredig. Die olt« war ober denn doch zu verlogen: national, sozialistisch und Frei- heit— und das alles bei Gräfe? kein Wort von Luöenöorff! Seine« Name«, de« dürfen sie nicht nennen. * So vergeht der Ruhm der Welt! L u d e n d o r f f, der große General des Weltkrieges, vor dem die Generalstäbe der verbündeten Armeen zitterten, der den Gedanken wälzte, Wilhelm II. wegen Unfähigkeit abzusetzen, ist heute der Kon- kurrent des Herrn Oberbürgermeisters Iarres aus Duisburg im Wahlkampf. Kein aussichtsreicher Konkurrent, nur der Zähl- kandidat einer- kleinen, zusammenbrechenden, innerlich müden Gruppe von Desperados, der Sonderkandidat, dem die Masse der sogenannten nationalen Leute ob der Zersplitterungs- kandidatur zürnt. Aber diese Kandidatur Ludendorff beleuchtet die innere Situation der sogenannten nationalen Bewegung in Deutsch- land besser als es sonst irgendein politisches Ereignis ver- möchte. Die sogenannte nationale Rechte hat Herrn Iarres aus Verlegenheit aufgestellt. Durch die Kandidatur Ludendorfs wird sie in neue Berlegenheit gesetzt. Sie hat, nachdem Herr Iarres einmal auf den Schild gehoben war. begonnen, ihn als den nationalsten und deutschesten Mann in Deutsch- land hinzustellen. Der Kyffhäuserbund der Kriegervereiue erläßt eine Kundgebung für Iarres, unterzeichnet vom Ge- neralobersten v. H e e r i.n g e n. Da heißt es: „Der neue Reichsprässdent muß daher ein Mann ahne p or- teipolitische Vergangenheit sein, auf dem Bopcn deutsch-christlicher Weltanschauung stehen, international-pass- sistischen Gedankengängen unzugänglich sein und unbeirrt uon Rück» sichten jeder Art nur nach dem besten eigenen Ermessen für Deutschlands Ehre, Ma cht und Ansehen eintreten" Das offizielle Organ der Deutschnationalen, die„Na- tionalpost", setzt hinzu:„Der einzige Kandidat, der diesen berechtigten Anforderung entspricht,- ist Dr. I a r r e s." Der einzige Kandidat! All dies gilt also nicht für Luden» d o r f f. Ludendorfs tritt also nicht nach bestem Ermessen für Deutschlands Ehre, Macht und Ansehen ein. Iarres ist national. Ist Ludendorff es nicht? Die nationalistische Bewegung in Deutschland fängt sich in, ihren eigenen Schlingen. Die Nationalisten in Deutschland haben Ludendorff zu einem großen Mann machen wollen. Sie haben ihn in Er- mangelung eines wirklich großen Mannes und Führers in den Hiinmel gehoben. Sein Ruhm als großer Feldherr klang aus der Presse der gesamten Rechten, von den schwerindu- striellen Zeitungen bis zu den stramm altkonservatioen und zu den extrem völkischen Organen. Die äußerlichen Ehren. die Ludendorsf erwiesen wurden, sollten ihn aus der Masse des Volkes herausheben. Wer denkt nicht an die Absurdität, daß ein Gericht, vor dem sich Ludendorff wegen Hochverrates zu verantworten hatte, sich zu seiner Ehrung von den Sitzen erhob. Und nun? Run ziehen die Rechtsparteien, und m't ihnen jene Organe, die sich bemühten, Herrn Ludendorsf als den großen Mann des deutschen Nationalismus erscheinen zu lassen, ihrem eigenen Heros Ludendorff Herrn Iarres vor. Denselben Herrn Iarres, den sie nur in der V-'r. legenheit der letzten Minute genommen haben, van dem sie selbst sagen, daß er kein Titan sei, daß er dem Maßstab der Größe, den sie von Rechts wegen ihrem Präsidentschafts- kandidaten anlegen wollten, nicht gewachsen sei. Und nicht nur das. Der Name Ludendorff wird heute von der gesamten Presse der Rechten, angefangen von den Organen des Herrn Hugenberg über„D e u t s che T a g e s- ze itun g" und„K r e u z-Z ei t u n g" bis zur„Deut- scheu Zeitung" und zum„Deutschen Tageblatt" der Wulle und Graefe nicht erwähnt. Kein Wort darüber, daß auch Herr Ludendorsf als Kandidat für die Reichs- Präsidentenwahl ausgestellt ist. Dieselben Zeitungen, die um ihn eine Rauchwolke des falschen Ruhmes verbreitet haben, nehmen heute seinen Nomen nicht in den Mund. Warum das? Ist es schimpflich, den Namen Ludendorsf zu nennen? Hegen sie Verachtung gegenüber der Sonderkandidatur des Zählkandidiaten? Wollen sie zum Ausdruck bringen, daß der Ruhm des großen Mannes nur Schall und Rauch war, ein künstlicher Nebel, verbreitet von der Rechtspresse, um das Volt zu betören? So vergeht der Ruhm der Welt. Selbst die Deutschvö'ki- schen in Norddeulschland, die Grosse und Mulle und Re- oentlom, wenden sich von Herrn Ludendorsf ob. Es zieht sie zu den wohlgefüllten Kgssen der Schwerindustrie. Ist das deutsche Treue? Wag ist das, wenn der andere des Dioskurenpaares des Weltkrieges, der Generalfeldmarschall v. H i n d e n d u r g, den Wahlaufruf zugunsten des Herrn Iarres unterzei6)net und damit auffordert, gegen Ludendorff zu stimmen? Ist das deutsche Treue, daß die nationalistische Bewegung in Deutschland setzt Herrn Luden- dorff beiseite wirkt, wie sie nicht einmal Herrn Iarres während der Sommelverhondlungön des Loebell-Ausschusses in die Ecke gestellt hat? Iarres und Ludendorsf: Der eine ist der Kandidat jener großen, sogenannten nationalen, in Wolnheit reaktiv- nüren Bewegung. Herr Iarres ist dielen Leuten ebenso M i t t« l z u m Z w e ck, wie die naticmallslsiche Phrase. Herr Luden dorff ist her Kandidat jener Kleinbürger, diq das Geschrei und die nationalistische Phrase des Rechtsblocke» für b a r e M ü n z e genommen haben. Iarxes oder Ludendorsf: Hinter dem einen stehen die großen Interessen des reaktionären Unternehmertums und der Groß- landwirtschaft. Hinter dem anderen nichts als die kindliche politische Naivität wildgewordener Spießbürger Die so- genannte nationale Rechte hat die Wahl zwischen dem Manne, den sie zum großen General gestempelt hat, und dem Herrn iia» einen dicken Strich durch die Rechiying mad�t Das nennt das Blatt eine offen« Brüskierung der Opposition und es schwört, map werde nunmehr einen rücksichtslosen Kampf führen, weitere Verhandlungen seien völlig ausgeschlossen. Rücksichtslosen� Kampf? Als ob es den Iarres-Blöcklern bisher an Rücksichtslosigkdit gefehlt hätte! Es fehlt ihnen nur das Talent und die Macht, sich durchgufetzcn. Weitere Ver- Handlungen ausgeschlossen? Das erinnert sehr an die Ge- schichte vom Fuchs, der die Trauben sauer fand, weil sie zu hoch hingen. Die deutschnationale Fraktion versuchte gestern nach einmal, das Zentrum«inzusangen. Das Zentrum Hot darauf zum tausendsten Male geantwortet, daß die Dumm- heit nicht auf seiner Seite zu finden ist. Danach sind westere Verhandlungen für die Deutschnationalen allerdings ausge- schloffen und die„German i a" schiebt etwaigen nochmaligen Annäherungsversuchen von vornherein einen Riegel vor, in- dem sie in offenbar parteiamtlichem Austrage schreibt: In einem Artikel der r e u z- Z e i tu n g". der unflätige Beschimpfungen gegen Marx enthält, wird gesagt, e» sei ausgeschlosien, dah die Deutschnationalen sich an einem Kabinett beteiligen würden, in dem neben Deutschnationalen auch sozialdemo- tratische Beainte sähen. Für das Z e n t r u nl wird jede Unter- stüszung einer Regierung ausgeschlossen sein, die einseitig aus Rechtslsuten zusammengesetzt ist. Der Kamps de» Zentrums in ptenhen hatte den Zweck, zu verhindern, daß Preußen wieder den liechtskreisen ausgeliefert werde. An diesem Ziele wird da» Zentrum unverrückbar festhalten. Es ist erklärlich, daß die frivole und verleumderische Sabotagetaktik endlich auch der Geduld des Zentrums ein Ende macht. Rechtsblock gegen üie Gehaltsempfänger. Tie Senkung der Lohnsteuer vorläufig vereitelt. t Da die Steucrvorlagen der Regierung immer noch den Reichs- rat beschäftigen, also noch nicht einmal an den Reichstag gelangt sind und ihre Aerabschiedung nicht vor dem Sommer, ihr Inkrast- treten nicht vor dem cherbst d. I. zu erwarten ist, hielt es die sozialdemokra tische Reichstagsfraktion. für geboten, die dringliche Frage der Senkung der Lohnsteuer vorweg zur Be- Handlung zu bringen. Sie beantragte in der gestrigen Sitzung in Verbindung mit dem Notetat eine Erhöhung des steuerfreien Betrags van 15 auf 24 M. wöchentlich, von 6» auf IlXZ W. monatlich und besondere Berücksichtigung der Lage der Erwerbs- losen, Kurzarbeiter usw. Don der Regierung wurde dem Antrag widersprochen mit der Begründung, daß die Lohnsteuerfrage nur im Rohmen de« ganzen Steuerprogramms behandelt werden könne. Die bürgerlichen Par- tcien dagegen verschanzen sich hinter den rein formalen Einwand. daß der Antrag mit dem Notetat nichts zu tun habe, vielmehr als selbständigen Antrag weiterzubehandeln und zu diesem Zweck dem Steueraus schuh zu überweisen sei. Zur Vermeidung der sachlichen Ablehnung ihres Antrags trug die sozialdemokratische Fraktion diesem formalen Bedenken Rech- nung und �erklärte sich mit der Verweisung des Antrags an den SteueroNsschuß einverstanden, Sie geht dabei von der Erwartung aus, daß der Antrag sofort in einer am Freitag stattfinden. den Sitzung des Steuerausschusses in Beratung genommen Werpe. denn sie könne sich, da ein denselben Zweck verfolgender Antrag schon seit Monaten vorliege auf eine weitere Verschleppung nicht einlassen. A>tges>chts.,der fortdauernden Steigerung der Lohnsteuer, last müsi« die Verwirklichung ihres Antrages am.l. April d. I. gefordert werden. Bei gutem Willen fei das auch leicht möglich. In der Inflationszeit hätten Acitderungen in der Lohnsteuer inner- halb viel kürzerer Frist durchgeführt werden müssen. Die Ueberweisung des Antrages an den Stcuerausschuß wurde dann beschlossen. Sofo,rt nach diesem Beschluß setzten jedoch die Sabotierungsbestrebungen der Regie- rung und. der Rechten ein. Das Finanzministerium erklärte dem Vorsitzenden des Steuerausschusses, daß es wegen der gleichzeitig stattfindenden Steueroerhandlung in, Reichsrat am Freitag an«wer Sißung des Stenmausschuffes nicht tekknehmes Linne. De« deutschnationale Vorsitzende des Steuerausfchusics ließ sich bereitwillig auf diese Erklärung ein und verzichtete aus d i e E i n.b e r u f u n g des Ausschusses. Die Folge ist, daß. der sozialdemokratisch« Antrag vor der Reichstagspause, die wegen der Präsidentenwahl«iiigelegl wird, nicht weiter beraten wird. Selbstverständlich wird die sozialdemokratische Fraktion sofort nach dem Wiederzusammen- tritt des. Reichstages die Erledigung ihres Antrages fordern. Fest steht aber das eine, daß die Regierung sich nicht verhindert gefühlt hätte, an der Ausschußberatung teilzunehmen, wenn es sich stall um eine Entlastung der Lohn- und Gehaltsempfänger um eine solche der Schwerindustrie oder des Großgrundbesitzes gehandelt hätte und daß auch der Vorsitzende des Steuerausschustes sich ulcht ohne mei- tere» aus die Verschleppung des Antrages eingelassen hätte. Der Jarres-Settel. Bielefeld. 19. Mär.;.(Eigener Drahtbericht.) Der Bielefelder ..Voltswacht� ist salzendes vertrauliche Schreiben auf den Redaktions- tisch geflattert: An die Firma... „In knapp 14 Tagen ist die Präsidentenwahl, für die, wie Ihnen bekannt ist, eine überparteiliche Kandidatur in der Person - des cherrn Oberbütgermeisters Dr. I a r r e s von einer Anzahl büugerlicher Parteien und nationaler und wirtschaftlicher Verbände aufgestellt ist. Bei einer vor einigen Tagen abgehaltenen Sitzung des Arbeüsausschnsies des„Reichsblockcs für den Wahl- treisverband Wcftfalen-Nord", dem als Vertreter der Deutschen Voltspartei anzugehören ich die Ehre habe, wurde festgestellt, daß die Süssen der in Betracht kommenden Parteien und Organisationen leer sind. Klar aber ist, daß ohne Geld dieser für den Ausstieg unseres Baterlandes so außerordentlich wichtig« Wahl- kamps nicht geführt werden kann. Vertrauend auf die Einsicht meiner Berufskollegen, auf die freundschaftlichen Beziehungen zu den führenden Firmen Nord- Westfalens und auf Ihre in naiionolen Fragen stets bewährte Freigebigkeil, habe ich persönlich die Gewähr übernommen, inner- halb einer Woche die für die erfte« Arbeiten dringend benötigten 50 000 M. zu schasien. Mit einem gleichen Briefe wende ich mich deshalb an die 50 bedeutendsten' Firmen des Stadt- und Landkreises Bielefeld und bitte sie freundlichst, mir möglichst rasch die nötigen Geldmittel für den umseitig auseinandergesetzten Zweck zur versügung zu stellen. Ich habe davon abgesehen, um einen bestimmten Betrog zu-bitten, da ich der Ueberzeugung bin, daß sich jeder noch seinen Kräften einschätzt. Es handelt sich augenblicklich nur um die Bereitstellung eines dringend nötigen und rasch aufzubringenden Grundstockes. Jeder Instanzenweg über die Organisationen der Partei würde *U lange dauern und die chöhe der Summen in Frage stellen. Ich bin überzeugt, Sie werden mich auch dieses Mal nicht im Stich lassen. Ich bitte Sie, den Betrag zu überweifen an die Deutsche Bank Bielefeld, Konto„Zherbert Delius". Für Ihre telephonischc Zusage, daß ich auf Sie zählen darf, - wäre ich Ihnen dankbar. Mit treudeutschem Gruß Ihr ergebener Herbert Delius.� Herbert Delius ist der Sahn des Präsidenten der Bielefelder Handelskammer.' Er wird natürlich die 60 000 M. von den Firmen, die sich in der Inflationszeit völlig ausverkauft haben und arm nne die Kirchenmäuse geworden sind, glatt' erhalten. Die„nationale Freigebigkeit", aus die er sich beruft, hat immer zu.wünschen übrig gelassen- wenn das'Reich Steuern braucht«, oder wenn es galt, durch.'Leistungen die Befreiung der besetzten Gebiet« zn beschleunigen- Wenn es ober um Wohlgelder für die Reaktion geht, dann ist immer Geld- da. Es verzinst sich ja gut— siehe die Ruhrmillioncn! Gustav Habrmauu. gegenwärtig tschechischer Sozialminister. geht als Gesandter nach Wien. Er kehrt so in die Stadt zurück, in der er sich als junger Arbeiter vor 40 Jahren der rädikald sozialistischen Bewegung anschloß, wo er einst zu langjährigen: Kerker verurteilt worden ist nnd wo er die letzten Friedens- un- die Kriegsjahre als Abgeordneter verlebt hat. OöeiMrgermeister mm DuksImrA. ZHre Wahl ifi«ms den Herrn Oberbürgermeister von Duisburg gefallen. Das heißt, sie pfeift auf die nationalistische Phrase, wie sie auf ihre Wahlversprechungen in der Aufwertungsfrage pse'ft.-- wo war üer Dolchstoß l Ludendorff in bulgarischer Beleuchtung. In der Zeitung„Slobodna Retsch" vom 12. März ver- östentlicht der frühere bulgarische Kriegsmünster General N a i d e n o f f einen Aufsatz über den Zusammenbruch der bul- garischen Front im Herbst 1918, der bekanntlich den allge- meinen Znsammenbruch der Mittelmächte einleitete. Naiderwsf berichtet, daß er vor der Katastrophe ein dringendes Gesuch um Hilfe an die deutsche Heeresleitung gerichtet habe, da die bulgarischen Truppen vollkonnnxn erschöpft seien. Ludendorff antwortete. Hilfe sei nicht notwendig, er habe genaue Be- richte, daß die Alliierten keinen Angriff vor- bereiteten. Als Raidenoff auf die Ankunft einer frischen Ententearmee von ZOO 000 Mann in Saloniki aufmerksam n, achte, antwortete ihm Ludendorff zornig,«rhabebessere Informationen, die Miierten würden nicht angreifen. In diesem Sinne waren auch die deutschen Kommanden bei der bulgarischen Armee(Gruppe. Scholz der 11. Armee) instruiert worden. Darum betrachteten sie den gegen Dobra- pole vorbereiteten Angriff als eine Demonstration und unter- ließen Gegenmaßnahmen. Raidenoff schließt: ' Als später Generali Ludendorff die schrecklichen Folgen des Zu- sammenbrinhs der mazedonischen Front sah, schimpft« er er- hittert über die Bulgaren. Er hat dazu k« i n R« ch t gehabt: Wir Bulgaren haben die Ehre Bulgariens, zwei Drittel unserer Armee, die besten Divisionen, dem deutschen, van Ludendorff ernannten Oberkommando an- vertraut. Diese Kommonpen erfüllten ihr« Pflicht nicht, weil sie von ihrem Chef irregeführt waren, der überzeugt war: a) die Alliierten würden die mazedonisch« Front nicht angreifen, b) der Krieg würde an der Westfront entschieden werden.'• General Ludendorff ist der Haoptveranlwortliche für die mazedonische Katastrophe von 1918, die die Katastrophe auf den andere» Fronten noch sich zog. Am wenigsten wird dem deutschen Leser an dieser Dar- stellung die Tatsach« wundern, daß Ludendorff später auf die Bulgaren schimpfte. Denn die Kunst, die Erbitterung von dem wirtlich Schuldigen auf andere abzulenken, ist die einzig«. in d-er es Ludendorff zu echter Genialität gebracht hat. die falsche Rechnung. Tab Zentrum-und der Kampf um Preußen. Die deutschnationale Prefle tobt, weil es den Rechts- blöcklern in Preußen auch gestern nicht gelungen ist. die Festung sturmreif zu machen. Die„DAZ." droht sogar damit, die Deutschnationale Partei iperde den Siaatsgerichtshof „gegen das verfassungswidrige Regime der„amtierenden" Regierung anrufen". Verfassungswidriges Regime? Marx ist verfassungsmäßig zum Ministerpräsidenten gewählt wor- den. Er hat sein Kabinett auf verfassungsmäßigem Wege ernannt und hat mit dem Ministerium verfassungsmäßig die Mlzcht, auf seinem Posten auszuharren.. bis ein neuer Mi- nisterpräsident gewählt ist. Der Staatsgerichtshof hat mit der Angelegenheit also nichts zu tun und die Drohung der „DAZ/ zeigt eine ausfallende Unkenntnis der Verfassung. Aber sie ist bezeichnend für die Wut und die Verlogenheit der Rechtsblöckler, deren tieferen Grund die„Deutsche Tageszeitung" unvorsichtigerweise ausplaudert. Sie jammert darüber, daß die deutschnationale Fraktion mit einigen Zentrumsleuten, deren Namen höflich verschwiegen werden, bereits verabredet hatte, wie man dem Rechtsblock in den Sattel verhelfen könne, als die Z e n t r u m s f r o k- Der Lausbub. Hans-Bauer. Wir haben in /Deutschland, jene verpatzte, jene greifenhafie Grünschimbcl-Iugenb kennengelenck, die so nebenbei, noch schnell nach dem Tennisfptfl, Deutschland durch«inen Ministermord befreien wollte. Zumeist bestand die besondeve Tragik dieser Mord« in der lh,K.'heuerlichki?it des geistigen Abstandes vom Ermordeten zum Mörder, in der Absurdheit der Porftellung, daß die Kugel des dämm- sten Schuftes auch das feinste Gehirn ausblasen kann. In Oesterreich ist fetzt ein neuer Typ des jugendlichen Mörders aufgetaucht. Wieder natürlich gehört er der Partei des Mordes, den Hatenkreuzlern an,.ober er heck fein« Schüsse nicht als politischer, fondern als sittlicher Befreier abgefeuert, und fein Opfer ist nicht ein großer Staatsmann, sondern ein kleiner Journalist gewesen. Dem jungen Manne ist die galante Zeitschrift des Hugo Bettauer in die Finger gekonunen. Dies«.Zeitschrift ist schlecht, ist von jener geist- verlgsiinwn, erotischen Schleimigkeit, die in jede Tischkant« die Be- ziehmig zum Geschlechtsakt hineinzudeuten weih. Der junge Mann hätte sich ein bißchen ärgern und dann mit heiterer Gleichmütigkeit sagen können: das ist ein schöner Dreck, den lese ich nie wieder. Aber dazu hätte er ja ein ganzer sititicher Kerl sein müssen. So aber war er nur ein Unsittlichkeitsschnüfsler, und da haben ihm zwar nicht die Artikel Bettauers, aber es hat ihn: feine Wut über sie gefallen. Dos wäre indesten keine recht« Wut, die man mcht an jemanden: aus- luße. Der junge Mann sah das«in, griff zum Revolver, der zun: ständigen Gefäßtafcheninväntar eines ordnungsliebenden Haken- kreuzlers gehört, und schoß den Verderber seiner Geschlechtsgenossen über den Haufen. Wir kennen die Art des jungen Mannes. Solche Leute find nicht schlechr. Abcr sie sind etwas Schlimmeres, etwas Gefährlicheres: sie sind borniert. Man kann sie vielleicht sogar edel nenn«:. Sie glauben on Ideen. Aber sie haben den geistigen Horizont eines Rochtwpses. Manchmal sind-sie sogar belesen'und haben studiert. Ei« haben dann allerhand gelernt. Bloß- eines mcht: Denken. S>« getrauen sich an dos Leben ihrer Mitmenschen, aber nicht an die Sezierung der Be- griff« heran. Sie wissen nichts von der unendlichen Dielicilt der erotischen Probleine, von deren ökonomischer, von deren medizimscher Vedingihci:. Sie wissen nur vom Tonzstundenunterrich? her, was es dgmit auf sich hat, wj« si« sich seif der Lektüre des Dienstbuches für den.königlich preußischen Infanteristen über die Seele Deutschlands auskennen. Meistens toben solch« Leute sich verhättnismäßig harmlos aus. Sie denunzieren Rops, Groß, Ringelnotz. Der jung« Oester- reicher hat, wenn auch nicht durch die Wahl des Objektes zu seinem Anschlag, so doch durch dessen Art ein besondere« Unheil angerichtet. Immerbin dürfte er sich eher davon überzeugen lasten, daß die P-erfon seines Mordversuches, als daß dieser verfehlt war. denn das eben ist der Schwerpunkt bei«jnem jungen Hakenkreuzler. daß er wohl unter Umständen dos Wiste» um ein« Sache, niemals ober den Glauben an d«« Gewalt reordieri. Tokio— üos Giesendorf. Tokio, Japans Hauptstadt, die erst vor kurzem durch dos furcht- bare Erdbeben zerstör: wulde, ist jetzt schon wieder von einer neuen Katastrophe heimgesucht worden. Es ist diesmal eine der furchtbaren Feuersbrünste, wie sie im Orient nicht selten sind und besonders bäufig� in Japan vorkommen, wo man noch immer an den alten Holzhäusern festhält. Erst kürzlich wurden die großartigen Pläne bekannt, durch die der japanische Wiederaufbauminister die Hauvtsiad: zu einer modernen Großstadt umgestalten wollte. Der neue Rusen- brand wird die Notwendigkeit einer solchen feuersicheren Anlage noch eindringlicher vor Augen stellen, denn Tokio ist trotz seiner Millionen- bevölkerung bisher- das Riesendors geblieben, das es vor der Em- iührung der abendländischen Zivilisation in Japan war. Als 1854 der erste Amerikaner, Kommodore Perry, nach Japan kam, da staunte er darüber, in. Tokio ein ungeheures Dorf von meist em- stöckigen Halzhütten zu finden, das rings uin die Vurg des Schoguns und die Hoshaltungen der Lebnsfürsten herumlag. Diesen Charatter eine- Riesendoms,' das sich über ein ungeheures Terrain hin erstreckt, bat Tokio bis heute behalten. Trotz der elektrischen Bahnen, und Omnibusse, der Automobile und Equipagen, die aus den wenigen tneitajigelegten neuen Verkehrswegen sich tummeln, besteht der Hauptleil aus hölzernen Hütten, die mit dem Wachsen der Bevölkerung immer näher aneinandergerückt sind, und die Gärten, die ur- sprünglich in der Mitte der Stadt lagen, mehr und Mehr verdrängt haben. In manchen Stadtteilen sind die Gähchen so eng, daß kaum mehr ein Stückchen Himmelsblau in die Höfe und Gänge hineinblickt, und es ist ein Gewirr von Straßen, ein Gewunmel von Menschen, in dem sich der Fremde nicht zurückiindet. Die Gebäude im europäischen Backiteinstil, aus die die Japaner so stolz sind, haben nichts an dem Charakter der Stadt geändert. Wie in uralten Zecken schiebt man die Waren noch immer auf Handkarren, und die breiten Straßen, die angelegt wurden, wirken für den Verkehr nur hinderlich, da alles kreuz und quer'durcheinander fährt. In seiner male- rijchen Schönheit hat sich auch das Kaiserschloß bewahrt, ein einziger großer Garten, das hinter hohen Mauern versteckt liegt. Stiininungs- voll wirken die alten Kiesern, die von den Wällen aus den Gräben herniederschauei: und die Schlösser und Pavillons dem Auge ent- ziehen. Das ungeheure nüchterne Einerlei der Holzhvsten wird frei- lich durch manche Teile unterbrochen, die«inen großstädtischen Eha- rakter hoben, wie durch die Houptstraß«, die Ginze, mit ihren statt- lichen Banken und Geschäftshäusern, durch die Hochbahn und die modernen Bahnhöfe. Im allgemeinen aber hat der Japaner bisher ort seinen leichten, so raich Feuer fangenden Häuschen festgehalten, die aus Tokio trotz seiner 2 Millionen Einwohner das merkwürdige Riesendorf gemacht haben._ wenn' im Norden kein Winter ist.... Die Wetterverhältniste sind dies Jahr besonders in Nordeuropa sehr merkwürdig gewesen. und in Skandinavien und Finnland, wo man an Schnee und Frost vom Oktober bis zum April gewöhnt ist, war bis gegen Ende Februar ebenso wenig vom Winter zu spüren wie bei uns. Auf einem kleinen Gebiet in Norwegen ist zwar im Februar viel Schnee gefallen, aber sonst gab es in ganz Skandinavien und Finnland (einen Winter. Die schwedischen Wetterberichte stellen fest, daß der- artige Verhültnisse.in den letzten 150 Iahren nicht vorhanden waren, und die jinnischen Wetterbericht« ergeben dasselbe für- die Zetzten 100 Jahre. Der Hafen von Helsingfors war den ganzen Winlar nicht zugefroren, und die mächtigen schwedischen Eisbrecher-Darnpier lagen tatenlos. Dieses ungewöhnlich milde.Wetter hat im Norden ganz andere unangenehme Folgen gehabt als bei uns. Klagten bei uns hauptsächlich die Freunde öes Wintersports, so waren die nor- dischen Schneeschuhläuser noch viel trauriger, denn der Schneeschuh- spon ist für den Nordländer. das.größte Vergnügen des Jahres. Aber auch die Wirtschast litt. Wie bei uns war keine Nachfrage nach Pelzen und Winlersachen, und der Holzhandel, mit die wich- tigste Industrie in Skandinavien, stock:« völlig. Schnee ist nämlich illr den Holztaufmann im Norden unbedingt notwendig, da er zum Transport der Hölzer auf die Schlitten angewiesen ist. In den unwirtlichen Wäldern sind Wogen niit Rädern nicht benutzbar, und ohne Schnee kann man keine Schlitten verwenden. Während der letzten Woche des Februars setzte in Finnland starker Frost ei». und als dann noch drei Zoll Schnee fielen, änderte sich das Bild wie mit einem Zauberschlag. Die Droschken aus Rädern verschwanden. Die Schlitten eilten mit fröhlichem Geläute über das Land. Die Schneepslüge bahnten den Straßenbahnen den Weg, und ein ollgemeiner Winterjubel brach los. Aber die Freude dauerte nur wenige Tage, dann schmolz der Schnee, die Schlitten verschwanden, und es zeigte sich wieder das traurige Bild eines nordischen Win- ters, der kein Winter ist. wie viele Streichhölzer brauchen wir? Im Deutschen Reich werden durchschnittlich jährlich 105 Milliarden Zündhölzer verfertigt, 3 Milliarden ausgeführt und 10 Milliarden eingeillhtt, so daß man den jährlichen Verbrauch aus durchschnittlich 110 Milliarden schätzen darf. In den letzten zehn Iahren haben wir somit rund elf Billionen Streichhölzer verbraucht. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen sonach schägungsweise 2200 Stück pro Jahr. Das tzilt im Durch- schnitt. Ein guter Raucher kommt damit natürlich nicht aus. Nehmen wir an, daß dieser mit einer Schachtel Streichhölzer drei Tage auskommt und daß in einer Schacht«! 50 Hölzchen sind, ia macht dies in einem Jahr 120 S6>ichtelu, alio 6000 Zündhölzer. Wenn die Pfeife ober ichlecht zieht und oft angesteckt werden muh, , reichen auch diese 6000 Hölzchen nicht aus. Ein Volk, dos in den lehkeu Zügen liegt. Die Feuer lern der. die Ureinwohner der Feurrlandinseln, sind ein dem Tode geweihtes Volk. In den 8fter Iahren des vorigen Jahrhunderts wurden noch etwa 10 000 Angehörige dieses Volkes gezählt. Im Jahr« 1900 wor die Zahl bereits auf ein Drittel, etwa 3000 gesunken und neuerdings wird von Fischern berichtet, daß nur nock) einig-: Hundert Feuer- länder am Leben sind. Mcn: führt dies ungeheuer schnelle Volks- sterben einerseits auf Epidemien zurück, die dort in den letzten 40 Jahren mehrfach geherrscht haben, andererseits aber auch aus die durch Kultureinflüsie unv«rmitt>:lt geändert« Lebensweise der Feuer- länder die jenen Breiten anscheinend nicht angemessen ist. .Rvßlavddeutscher Abend'. DoS" Zentralkomitee der Deutiiben au« Rniiland veranstaltet am Zt. Mär, im Bürgers aal und der Brandcnbm qS- bdlle des Neuen Schäneberqer Rathause» einen aragen„RuhtanddeuOckeu Jlbend" zum Besten seiner tZatlcidenden. An dem Abend nefinien alle dem ZenlialfotuUec angeschlossenen Vereine der Russtanddeutchen teil. vi« Soelhr-SShu« hat Iwan Kalls neuestes Drama.Der Stall de» AngiaS- zur Uraufführung angenatn««». Magdeburger Prozeß. Gobert unter dem Schutz des Gerichts. Magdeburg, den 20. März 1925. Nach Grnffnur.g der heutigen Verhandlung stellte der Bor- sitzende, Landgerichtsdirekior Rudols. fest, daß die Ueberreichunq non Blumensträußen an den Angeklagten Rothardt am nari- gen Dienstag anläßlich seines Geburtstages nicht i m G e r i ch t s � i a a l erfolgt sei. In diesem Falle wäre das Gericht eingeschritten Dann wurde als erster Zeuge der G a st m i r t Ktesert aus Britz bei l-'berswa'de vernommen, der 1918 bei der Firma Goertz gear- beitet hat. Der Zeuge gibt über die Entwicklung des Streiks eine ungenaue, von den Darstellungen der anderen Zeugen stark abweichende Schilderung. Auch der Rede des verstorbenen Reichs- Präsidenten erinnere"er sich nur sehr schwach. Seine Aussagen klingen so ungenau, daß der Vorsitzende ihm die Frage vorlegt, ob der Zeuge sich selbst gemeldet habe. An Dittmanns Rede will der Zeuge sich überhaupt nicht mehr erinnnern können.— Vors.: Ist dem verstorbenen Reichspräsidenten Beifall gezollt worden?— Zeuge: Ja. indem sie ihn aus- geschimpft haben.(Lachen.)— Vors.: Ich oerbitte mir jede Kundgebung hier. Die Verteidigung verlangte daraus erneut die Ladung der Mit- glieder des Gerichts der ersten Instanz zu der Behauptung Ortzelv, daß Syrig ihn bei'der ersten Verhandlung am' Zeugcntisch ange- stoßen und ihn gebeten hätte, ihn doch nicht zu verraten. Nach An- sicht der Verteidigung habe Orgel hier einen Meineid geleistet. Der folgende Zeuge, Tischler 5rih Sinter. arbeitete 1918 zusammen mit dem Zeugen Syrig in den Ago- Werken in Johannisthal. Der Zeuge erklärt« im Gegensatz zu Ortzel, daß die gesamte Belegschaft in den Streik ge- treten sei.— Vors.: Wußten Sie, daß in Treptow Ansprachen ge- holten werden würden?— Zeuge: Wir hatten Kollegen bei, die da- Zeug. hatten,'ne Rede schwingen zu können. Da brauchte man lccne Kanonen dazu.— Vors.: Wissen Sic. was cherr Eberl damals gesprochen hat?— Zeuge: Er ging auf den Streik fast gar nicht ein, sondern hielt eine mehr allgemeine Rede. Er machte uns jedeusalls Vorwürfe wegen des Streits. Er meinte, daß einige unserer Programmpunkte ja gerecht seien, aber sie rechtfertigen den Streik nicht. Vors.: Hoben Sie geHort, daß Ebert aufforderte, im Streik auszu- halten?— Zeuge: Dos hat er nicht getan.— Vors.: Was sagte er non den Stellungsbefehlen?— Zeuge: Er sagte, daß die Partei nach Möglichkeit die Einziehungen rückgängig machen werde. Aber Stellungsbesehlen müßte Folge geleistet werden. Wir sollten uns nicht zu Unbesonnenheiten hinreißen lassen.— Ein veisiher: Wie wurde denn das aufgenommen?— Zeuge: Die Leute haben dabei Kroch gemacht. Der folgende Zeuge, Richard Eitner-Berllu. schilderte, daß er 1914 aus der Sozialdemokratischen Partei aus- getreten sei, weil er mit der Bewilligung der Kriegskredite nicht einverstanden gewesen sei. Sein Betrieb sei in de» Streik ein- getreten, um eine bessere Lebenshaltung zu erzwingen und einen Druck auf hie Regierung zum Slbschluß des Friedens auszuüben. Der Zeuge Hot auch an der Treptower Versammlung teilgenommen. Eberl habe daraus hingewiesen, daß die englischen und sronzö- tischen Munitionsarbeiter keine Arbeitsstunde verlören, wir sollten dasselbe. tun. 3ch habe Ebert darauf auch zugerufen .Verräter". Vors.:..Wisset» Sle genau) daß der Redner dann noch gesagt hat, sie sollt« es wie die englischen Muntionsorbeiter machen?" Zeuge: sowohl, ich stand ganz vorn, denn bei Versammlungen will ich � immer ganz genau hören, ob der Redner nach meiner lieber- zeugung spricht." vors:„Sie hoben das alles in der ersten In- stanz nicht gesagt."— Zeuge:„Ich habe mich erst später wieder er- innert."— Vors.:„Was hat denn Ebert noch gesagt?"— Zeuge: „Er sagte, daß unsere Forderungen gerecht seien, aber in dieser Situation seien sie nicht d u r ch f ü h r b a r. Da wurde ihm wieder zugerufen:„Streikabwürger."— Vors.:„Sagte er nicht, daß die Arbeitsbrüder in anderen«tädte» zu ihnen ständen?"— Zeuge: „Ach wo, da ist er wie die Katze um den heißen Brei herumgegangen, und wegen der Geftellungsbesehie sagte er, daß die Partei sie mildern werde.(Der Zeuge zieht eine Zeitung aus der Tasche.) was Gobert hier gesagt hat. ist eine Unwahrheit." Vors.: Diese Aussage gehört nicht hierher, stecken Sie bitte Ihre Zeitung fort." Zeuge(erregt): Der Gobert ist doch gerichtet. Vors.: Ich verbiete Ihnen, solche Aussagen hier zu machen, die nicht hierher gehören. Sie sollen nur Ihre Wahrnehmungen mitteilen.— Landgerichtsrat Winter: Hat die Sozialdemokratische Partei 19t7 vor dem sogeirannten Rüstungsstreik gewarnt?— General- staatsanwalt: Ich"weiß nicht, was diese Frage hier soll.— R.-A. Dr. Luetgebrune: Mir scheint die Frage sehr wichtig.— Zeuge: Die SPD. hat damals reaktionär dagegen gearbeitet. Der„Vorwärts" ist immer Arbeilerverräter gewesen. Der„Vorwärts" hat ja auch die Maifeiernden als„englische Agenteil" bezeichnet.— R.-A. Dr. warfin: Hat Herr Ebert auch angeregt, Ruhe und Ordnung zu wah- ren?"— Zeuge: Selbstverständlich, wer nicht ruhig war, wurde ja auch denunziert und verhastet.— R.-A. Dr. Martin: Sic sind vor- bestrost?— Zeuge: Das gehört nicht hierher. Es ist keine Kunst, einen Menschen bloßzustellen.— Vors.: Wozu die Frage?— R.-A. Dr. Martin: Die Aussage Gobert wird bezweifelt, da er wegen Be- trugs vorbestrost ist. Wir haben an ben Zeugen der Staatsanwalt- schaft dasselbe Interesse.— Gencralsiaalsanwall: Syrig und Gobert sielen aber auch aus dem Rahme» der übrigen Zeugen heraus.— Vors.: Das kann man ohne weiteres nicht sagen, Herr Generalstaats- anwalt. Herr Zeuge, haben Sic eine erhebliche Strafe erlitten?— Zeuge: Nein(sich verbessernd). Ich bin im Jahre 1898 unschuldig wegen Körperverletzung bestraft, worden.— R.-A. Dr. Marti o: Haben Sic seit der ersten Instanz»lit jemand über Ihre Aussage gesprochen?— Zeuge: Mit vielen Leuten.— R.-A. Dr. Martin: Hat jemand Ihr Gedächtnis ausgcsrijcht?— Zeuge: Nein. Dan folgte die Vernehmung des Verwaltungsamtsmanns Dill, Lorenz beim Magistrat von Berlin. Früher war der Zeuge bei Goerz de- schästigt, wo er mit dem Zeugen Fcchncr zusammen tätig war. Der Zeuge gehörte der SPD. an und bekundete, daß die Mehrheitisozia- listen damals im Streik einen schweren« t a n d hatten. Der Zeuge Hot an der Teptower Versammlung auch teilgenommen. Der verstorbene Reichspräsident habe infolge seiner nlaßvollen Sprech- weise st a r k« n W i d c r s p r u ch gesunden. Er halte es für aus- geschlossen, daß Ebert etwa ausgcsardert chabe, Gestcllungsbesehlen nicht Folge zu leisten. Er könne sich auch nicht entsinnen, daß dem Redner ein Zettel zugereicht worden sei oder daß der Redner über- Haupt das Wort„streik" gebraucht hätte. Vors.: War diese-Rede eine Aufsorderung, weiter fest zu bleiben, oder war sie mehr ein Bericht über dos, was geschehen? Zeuge: Die Rede war äu'cs, nur leine'Zluffordaning, beim Streik zusammenzuhalten. Der Zeuge bemerkte dann weiter, daß das Wart„Arbciterbrüder" in der Rede gefallen sei, weiß aber nicht mehr in welchem Zusammenhang. Schon nach den erste» beiden Sätze» des Redners habe die»»ruhe cm- gesetzt Am Schluß habe der Redner zur: Frage der GesiclluvP-- befehle gesagt/' daß sich die'.Fröktion mit ihnen beschäftigen«Me.. Auf Beiragen erklärte der Zeuge, daß es g o n z a u s g c j ch l o s i e n fvi, daß der Redner ausgefordert habe, Gestellungsbeschleu kerne Folge zu leisten. M-. Lorö Curzon gestorben. London. 20. März.(MTV.) Lord Eurzon ist S Uhr 35 morgens gestorben. Mit Lord George Nothaniel Curzon o f K e d le st o n rrerschwmdet von der politischen Weltbühne ein Staatsmann, der wie kaum ein anderer die Traditionen des britischen Imperialismus verkörperte. Bor ök�Iahren als Sohn eines nord-irischen Geistlichen geboren, begann er. noch Verhältnis- mäßig jung, seine politische Laufbahn als Prioatsekretär des konservativen Führers und langjährigen Premierministers Lord S a l i s b u ry. Mit 27 Iahren war er bereits konser- vativer Abgeordneter, mit 32 Iahren Unterstaatssetretär für Indien, mit 35 Iahren Unterstaatssekretär für auswärtige An- gelegenheiten, mit 40 Iahren sogar schon Vizekönig von Indien. War er bereits vordem einer der besten Kenner der Orientprobleme und besonders der für die britische Welt- Politik damals so überaus wichtigen persischen Frage, die er in verschiedenen Schriften eingehend behandelte, so wurde er durch die an Ort und Stelle gesammelten Erfahrungen zu einer Säule der englische Orientpolitik innerhalb der konser- valiven Partei. Allerdings blieb er als Konservativer in der Zeit vor dem.Kriege, als die Liberalen in England das Ruder führten, außerhalb der Regierung. Als jedoch im zweiten Kricgsjahr Lloyd George eine Koalitionsregierung beider Par- teien bildete, wurde Curzon wieder Mitglied des Kabinetts. Seine führende Rolle in der europäischen Politik setzte jedoch erst nach dem Kriege und sogar nach dem Persailler Vertrage ein, als B o l f o u r dos Außenministerium aus Ge- sundheitsgründen aufgab und Curzon fein Nachfolger wurde. Von diesem Augenblick an war er einer der wichtigsten europäi- schen Faktoren b'i der Regelung aller Probleme der Roch- kriegszeit. Er mp.rde bald einer der von den europäischen Kanzleien und be'onders von den am englischen Hofe akkredi- tierten ausländis.'hen Diplomaten am meisten gefürchteten eng- lischen Staatsm inner. Nicht nur wegen der Hartnäckig- i c i t. mit der er an dem einmal eingeschlagenen Standpunkt festhielt, sondern auch wegen der eiskalten Art, mit der er'die Vertreter fremder Mächte behandelte, wenn deren Ab- sichten seine eigenen durchkreuzten. Der starre Blick, die un- dnrchdrnigiichen. hochmütigen Züge, die er in solchen Fällen zur Scheu trug, waren im Londoner diplomatischen Korps und überhaupt in allen auswärtigen Aemtern Europas gerade- zu sprichwörtlich. Diese Charaktereigenschaften und dieses Auftreten müssen schon deshalb erwähnt werden, weil sie für die Entwicklung der politischen Ereignisse in den letzten Jahren von besonderer Be- deutung gewesen sind. Wenn die Spannung zwischen Frank- reich und England in den Iahren 1920 bis 1923 so unerträgliche Formen annahm, daß sie sich schließlich— auf Kosten Deutschlands— in der Ruhrbesetzung entlud, und wenn auch später die diplomatische Beendigung des Ruhrkanzpses . sich so endlos verzögerte, so lag dos nicht zuletzt an der Tatsache. daß glcichgeartetc, unnachgiebige Naturen— Po in- c a r 6 und E u r z o n— an der Spitze der auswärtigen Poli- tik Frankreichs und Englands standen. Vielleicht wäre die endgültige Lösung des Reparationskonfliktes heute noch nicht . erreicht, wenn nicht zum Glück zwei andere, ganz� verschieden . peranlagte MämMr, Hgrriot und Macdonalh, im vorigen Sommer das Heft in der'Haiid gehabt hätten:/ Es fehlte eben Lord Curzon die unentbehrliche Eigen- schaft des wirklichen Diplomaten, die Geschmeidigkeit. Außer- dem war er bis zuletzt recht einseitig eingestellt. Ihn inter- cssierten die O r i e ntprobleme letzten Endes mehr als die kontinentaleuropäischen. Poincare- verstand es sehr geschickt, diese Vorliebe des traditionell-konservativen Imperialisten fitr kleinasiatische Fragen auszunützen, indem er ihm auf der Lausanncr Konferenz schrittweise entgegenkam, dafür aber immer größere Bewegungsfreiheit am Rhein erlangte. Indessen erkannte das englische Volk gegen Ende 1923, daß die Curzonsche Außenpolitik sowohl an der Ruhr wie auch im Orient Schiffbruch erlitten hatte. Diese Erkenntnis trug wesentlich zu dem Stimmungsumschwung bei, der bei den damaligen Unterhauswählen in Erscheinung trat und Mac- dcnald ans Ruder brachte. Es hat einigermaßen überrascht, daß nach dem überwäl- tigenden Sieg der Konservativen bei den letzten Wahlen Ende Oktober 1924 Lord Curzon in der neuen Regierung Baldwin nicht aus seinen alten Posten zurückkehrte, sondern zum K o l o- n i a l m i n» st e r ernannt wurde, während Chamber- k a i n Außenminister wurde. Aber dos dürste wohl darauf zurückzuführen sein, daß Baldwin richtig erkannte, daß Cur- zons Ar� nicht geeignet mar, die noch immer schmierigen eng lisch-französischen Gegensätze in der Sichcrheits- und in der Räumungssrage zu überbrücken. Indesien war Curzon durch seine frühere Koloniallaufbahn für seinen neuen Posten durch- aus geschasfen. Uebrigens fiel ihm als Wortführer der Regierung im Oberhaus sowieso die Ausgabe zu. auch die auswär- tige Politik der Regierung vor den Lords zu vertreten. Das hatte er noch wenige Tage vor seiner tödlichen Erkrankung in einer Antwortrede aus eine Interpellation des neuen Lord A s q u i't h über die Militärkontrolle und die Räumung der Kölner Zone getan. Als ein Hüter der konservativen Traditionen der briti- scheu Weltpalitik in einem entscheidenden Stadium der euro- päischcn Geschichte wird Lord Cupzons Name zweifellos fortleben. Ob fein Wirken für die Völker Europas und für sein eigenes Volk sehr segensreich war, darf wohl bezweifelt werden- §lottenöebatte im Unterhaus. London. 20. März. lWTL.) Bridgeman sagte bei Einbringung der Flotten Voranschläge, aus den ersten Blick könne eine VermehrwdZ um 4 700 000 Pfund beunruhigend erscheinen, doch sei ein beträchilicher Teil hiervon auf Uebertroqungen van ande- reo Waffengattungen zurücktzustihren. Zurrt ersten Male erscheine ein Posten von 1 320 000 Pfimd für die Lüslflotte, der bisher auf Bewilligungen für di« Lufnch'ffahrt«visallen sei. Bridgeman be- faßte sich darauf l«it dem Beschluß, in dem Bau des Docks von S i n g a p o r e,.in dem die größten Schiff« ausgebessert werden könnt«», fortzufahren. Dos Schwimmdock, das hierzu verwandt roerve, und dessen Einrichtung«Kva drei Jahr« dauern werde, sei eins der ehemals deutschen Schimmdocks und befind« sich gegenwärtig in Portsmouth. Bv'dgemon erklärt« ferner, daß alle Berpflichtungm des Washington« rVcr trog«, durchgeführt s«i«n, und zwar vor dem festgesetzten Zeitpunkt. Es hätten keinerlei Ilottenrnonover größeren Umfange? ftatlgefurlden und würden nicht stattfinden, ob- gesehen von den üblichen Floitenübunqen. Auf«ine Frage bezüglich des Vorschlages des Präsidenten Eoolidge für ein« A b r ü st u n g s- donferenz antwortete Br'dgemon. wenn irgendeine Möglichkeit für das Zustandekommen einer Abrüstungskonferenz, an der England teilnehmen könnte, bestehe, so werde England nur froh set», wenn es möglich und mit der Sicherheit Englands verträglich wäre, olles zu vereinbaren, was die Rüftungskoften vermindern könnt«. Bridge- man wies den Gedanken zurück, als ob der Bau eines Flottenstütz- pun-ktes in Singapore eine Bedrohimg Japans darstelle. Nach Bridgeman ergrist Mocdonald da- Wort und wandt« sich nachdrücklich gegen den Bau eines Flottenstützpunktes in Srnga- pore. Er bezeichnete unter dem Beifall der Arbeiterpartei den Be- schluß der Regierung als sehr bedauerlich. Japan oder England könnten falsche Schritte tun, die scheinbar nichts bedeuteten, in Wirk- lichteit aber di« Auffassung«» beider Länder verändern würden. Im weiteren Verlauf der Debatte trat Zldmiral Sir H e n n i k e r Hughan(Kons.)'für die Ausstattung neuer Kreuzer mit acht- zölligen Geschützen ein. Er begrüßte die Fortführung des Singapare- Planes, in welchem er einen guten Schutz für die britischen Do- minions und die britische Handelsflotte erblickt. Australien sei ent- schlassen. weiß zu bleiben und die Einwanderung mts nördlich nvn ihm gelegenen Ländern abzuwehren. Es sei nicht ohne Schutz, wenn es die Hilfe der britischen Flotte erhalte, die aber nur möglich' sei, wenn der Flottenstügungspunkt in Singapore ausgebaut sei. C a m p b e l(Kons.) erklärte, alle wahren Freunde des Friedens und alle aufrichtigen Anhänger des Völkerbundes müßten für die Basis in Singapore stimmen, da ihre Errichtung das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens sei.(Achnlich argumentierten seinerzeit auch die Flottentreiber in Deutschland! D. Red.)— S n k l a t o a l.» (Komm.) sonderte sür die Matrosen der Kriegsmarine das Recht, Gewerkschaften zu bilden.— Kenworthy(Lid.) trat aus Sparsamkeitsgründen für den Bau ciives Schwimm- statt eines Trocken- docks in Singapare ein und betonte, daß ein Teil der Ausgabe» für die Flotte notwendig sei, weil Frankreich so viel« U-Boote baue.— B e l lä i r s-(Kons.) trat für völlige Abschaffung der U-Boote ein und bedauerte, daß die' Dornt nions nach dem Washiiwtoner Abkam- nie» keine Großkompfschisfe bauen dürfte».— Bridgeman, der im Namen der Regierung antwortete, sagte, es sei nicht richtig, daß er kein Freund der Abrüstung sei. Er sage lediglich, daß Groß- britannien das einzige Land fei. welches vollkommen von feiner Flottenftärte abhängig fei. Hierauf wurde der Marineetat in der Hauptsache angenommenn. Am Montag wird nochmals die Frage des Stützpunktes von Singapore erörtert werden. Sturm im Lanötag. Jarreststen und Kommunisten Hand in Hand. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags beschloh heute, dem Landraa die Vertagung bis zum 31. März zu empfehle». Zi» der' Frage, ob in der Zeit der Nichttagung der ständige Aus- schuß Notvero»d»»noe:i über wichtige Gegenstände erlassen dürfe, gab es eine aueführlichc Erörterung. Die Rechtsparteien sorderten, daß bei wichtigen Ss.ilcgei: dac Plenum des Londtägs einberufen werden inu"e. Zu Beginn der heutigen P l e n.a r s i tz u n g. die bis jetzt sehr st ü r m i s ch verlaufen ist, beantragten die Deutichnotionalen durch den Abg. v. d. Osten die Bebandlung ihres Antrages über die Abgrenzung der Befugnisse eines Geschöftsministeriums. Ab. Pieck (Komm.) begründet« einen kommunistischen Antrag auf Auflösung des Landtage. Für den Fall, daß der kommunistische Antrag nicht auf die Tagesordnung, gesetzt werd«, würden die Kommunisten sür die Beratung des deutschnationalen Antrags stimmen. Hieraus forderte der Führer der Deutschnationalen, Abg. Winkler, Ministerpräsident Dr. Marx müsie sofort erscheinen und erklären, wie er sich seine Geschäftsführung eigentlich denke. Staatssekretär Dr. Weißmann erklärt hierzu: Ministerpräsi- denl Dr. Marx wird sofort im Hause erscheinen. Danach versuchte der völkische Abgeordnete D a nick e gegen die Parteien der Mute loszuziehen. Seme Ausführungen gingen jedoch in Heiterteitsstünnen und Larmszencii unter. Genosse Grzesinski beantragt hierauf«schluß der G«< schäftsordnungsdebatt«. Die Abstimmung bleibt Zweifel- host, infolgcdesien geht die Aussprache zunächst noch weiter.?ll'g. 5-chlange-vchöNincicn von den Deutschnationalen füllt alsdann die Zeit bis znm Erscheinen von Dr. Marx mit einigen provokatorisch gehaltenen Sätzen aus.(5r erklärt, die Weimarer Koalition sei aus dem besten Wege, die Verfassung und de» Parlamentarismus zu zcr- stören. Ministerpräsident Dr. ZNarx nimmt hierauf das Wort. Er erklärt: Man hat mich gefragi, wie ich die Geschäfte für den Fall, daß sich der Landtag vertagt, weiter- zufuhren gedenke. Die Fortführung der lausenden Geschäfte er- folg' lediglich nach dem einen Gesichtspunkt, dos preußische Volk vor Schaden z» bewahren. Das ist meine Pflicht von Anfang an gewesen und so wird es auch jetzt bei der Weiter- führung der lauseillrn Geschüstc gehalten.(Bravo! bei der Milte.) Abg. Winkler(Dnat.) beantragt hieraus Besprechung der Erklärung des Ministerpräsidenten. Genosse Grzesinski hält den Rechts- Parteien vor, daß sie es doch gewesen sind, die in den letzten Wochen die A r b e i t des Parlaments sabotiert hätte» und daß sie in keiner Weise imstande gewesen sind, selbst ein Ministerium aus die Beine'zu stellen. Genosse Grzesinski beantragt die Bor- tagung der Besprc ch'u n g der Erklärung des Minister- Präsidenten. Gegen die Vertagung wendet sich in heftigen Ausdrücken der Volksparteiler Zlbg. v. Campe. Pieck sekundiert wie gewöhnlich den Rechtsparteien und er- klärt: Wir lind für die Besprechung der nichtssagenden Erklärung des Vizeprösidente», anstelle der Aussprache über die blutigen Vor- kammnisse in Halle. Bei der Abstiminiing über die Frage der Vertagung der Be- sprechung stellt sich die B e s ch l u ß u n s a h i g k c> t des Hauses heraus. Der Tsiheka-Prozeß. Wer ist Tkoblcwski? IZ5. Leipzig, den 20. März 1925.» Zu Beginn des heutigen 27. Verhandlungstages teilte der Aar. sitzende einen Gerichtsbeschluß mit, nach dem drei ibcitere Zeugen, die die I d e n t> t ä t.H e l l m u t h s mit S k o b l e w s k i be- stätigen sollen, geladen werden sollen. Nach dem Zeugenaufruf wurde dann Frau Marie Brechemacher(Stuttgart), die zwar noch in Scheidung lebt, sich aber nach ihren eigenen Bckun- düngen mit König versprochen hat, vernommen. Bors.: Sic sollen wiederholt dem König Geld und Lebensmittel ins Ge- sängnis geschickt oder gebracht haben?— Zeugin: Ja.— Vors.: Bon der Verteidigung ist behauptet worden, daß Sic das Geld dazu aus polizeilichen Mitteln erhalten haben. Ist das richtig? — Zeugin» Nein.— vors: Kannen Sic das beschworen?— Zeugin: Jawohl.— R.-A. Dr. Wals: Hat Ihnen König einmal im Gefängnis«inen Zettel übergeben, den Sie dann der Polizei- be Hörde überbrocht haben?— Zeugin: Nein.— R.-A. Dr. Wolf: Hat er Ihnen niemals Zettel gegeben?— Zeunin: Rein. Hieraus wurde der Kaufmann Zaucher aus Heidelberg, zu besten Erledigung seitens der Neumann-Gruppe Margies und Poege eingesetzt worden waren, als Zeuge vernominen. Er bekundete, im Februar 1924 sei Poege, angeblich im Auttrag der Roten Hilfe, bei ihm erschienen, doch habe er ihn mit dem Bemerken abgewiesen. daß er mit der ganzen Angelegenkeit nichts mehr zu tun haben wolle. Der nächste Zeug«, der frühere Leiter einer kommunistischen Ortsgruppe in Baden. Vollweiler, wurde aus der Haft vorgeführt, da gegen ihn ein Hochvcrratsoerfahren schwebt. Er bekundet, tzaß eines Tages ein Schreiben der KPD.-Zentrale an die Ortsgruppe gelangt sei. in dem ausscheidenden Mitgliedern sür den Fall, daß sie durch etwaige Aussagen andere Kommunisten belasteten. Gefahr für »hr Leben angedroht worden sei. Ebenso sei darin die Gründung einer Seheimorganiiation.Tscheka" angekündigt morden. Selil die Wählerlisten ein! Die Listen liefen nur bis kommenden Montag aus. GeVerMostsbewegung Lohnbewegung üer öerliner Gemeinüearbeiter. Am 13. Februar 1925 kündigte der Verband der Gemeinde- und «taatsarbeiter das bestehende Lohnabkommen für die städtischen Kämmerei- und Regiearbeiter zum 16. Februar 1925 und beantragte: 1. Das Alter des Vollarbeiters auf 21 Jahre, bisher 24 Jahre, festzusetzen. 2. Die Löhne der männlichen Vollarbeiter um 19 Pf. für die Stunde, der Arbeiterinnen und Jugendlichen im prozentualen Verhältnis zu erhöhen. Die bisherigen Löhne betragen an der Spitze für Ungelernte 58 Pf., für Gelernte 76 Pf. die Stunde. Nach Verhandlungen im Kreise der Vertragsparteien waren die Anträge Gegenstand der Be- ratungen in einem Magistrats- und Stadtverordnetenausfchuh. Der Magistratsausschuh beschloß, eine Erhöhung um 5 Pf.. der S t a d t v e r o r d n e t e n a u s s ch u h um 19 Pf., dem Magistrat in Vorschlag zu bringen. Der Magistrat beschäftigte sich in der Sitzung am 18. März mit den Antrügen und Vorschlägen. Eni» gegen den Vorschlägen hat der Magistrat jede Lohn. zulage abgelehnt. Der Tarifkommission der Gemeinde- arbeiter wurde das Ergebnis am 19 März in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Tarisoertragsamt bekanntgegeben. Der Beschluß des Magistrats muß geradezu als eine Provokation der 16 909 Kämmereiarbeiter bezeichnet werden. In eingehender Weise war bei den Derhandlun- gen daraus hingewiesen worden, daß, trotzdem der Berliner amtliche Lebenshaltungsindex sich gegen dos Jahr 1914 auf 143 stellt, der Bruttolohn der städtischen Arbeiter, besonders der ungelernten Gruppen, etwa 3M pro Woche unter dem Wocheneinkommen des Jahres 1914 steht. Das Netto- einkommen ist 5 bis 6 M. ni e d r i g e r. Besonders kraß treten die niedrigen Löhne in die Erscheinung bei einem Vergleich der mit ihn:n gleichzuwertenden Angestellten- und Beamtengruppen. Trotzdem die Gehälter der Gruppe II bis V allgemein als unzulänglich bezeichnet werden, stehen sie doch im An- sangslohn mit etwa 15 bis 25 Proz., im Endlohn bis zu 54 Proz. über den Löhnen der Arbeiter. Die Schorfmacherallüren der Reichsbahndirektion scheinen im B-�liner Magistrat Anklang gesunden zu haben. Dennoch möchten wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß die städtischen Kör- perschasten im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit sich er- n« u t, und zwar schnellstens, denn Eile tut not, mit der For- derungen der städtischen Arbeiter befassen. Die Organisation, der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, wird jedenfalls alle geeigneten Schritte unternehmen, die /lolwendig sind, um in möglichst kürzester Frist die Lohnjrage zur Entscheidung zu bringen. Bereits morgen Sonnabend wird die B e zi r t s s ch i e d s st e l l e in den Streit- fachen entscheiden. Lohnbewegunfl der Berliner Bäcker. In einer überfüllten öffentlichen Bäckerversammlung referierte am Donnerstag abend H e tz s ch o l d vom Deutschen Nah- rungs- und Genußmittelarbeiterverband über die Tarifstreitigkeiten mit den B ä ck e r i n n u n g e n. Die Meister hatten den Mantcltaris zum 39. November 1924 gekündigt. Sie ver- langten eine Verlängerung der Arbeitszeit, eine für die Gesellen ungünstige Verschiebung der Arbeitszeit an den einzelnen Wochentagen, eine Verschlechterung der Ferienbestimmungen und, um das Bündel ihrer Nerschlechterungsabsichten voll zu machen, eine Herausnahme des 8 616 BGB aus dein Manteltarif, der von einer Bezahlung der Krantheitstage unter gewissen Bedingungen spricht. Bei der Verschiebung der Arbeitszeit stützten sich die Bäcker- meister hauptsächlich aus ihre Eingaben an die Behörden, in denen sie einen früheren Arbeitsbeginn verlangten. Die Auf- sichtsbehörden haben das Verlangen der Meister bisher noch immer abgelehnt, und so versuchen sie es jetzt auf dem Wege der Tarifverhandlungen. Die Tarifverhandlungen sind seit dem Kündigungstermin ergebnislos oerlausen. Inzwischen haben die Jnnungsmeister auch die sehr bescheidenen Lohnforde- rungen der Gesellen abgelehnt. Die Spruchkammer des Schlichtungsausschusses hatte zwar eine Lohnerhöhung von 3 bis 19 Proz. auegesprochen, die Innungen lehnten dies jedoch ab, obowhl der Obermeister der Bäckerinnung und der Vorsitzende der Lohnkommission der Konditoreibcsitzer als Arbeitgeberbeisitzer in der Kammer amtierten und der Spruch mitihrenStimmen gefällt worden war. Das scharfmacherische Vorgehen der Jnnungsmeister gibt dem Verband die Gewißheit, daß es ihnen unter allen Umständen darauf ankommt, ihren Willen durch. zusetzen. Für den Verband ist selbstverständlich der Streik nicht Selbstzweck. Infolgedessen wird auch oersucht werden, noch in letzter Stunde zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Dos hindert aber die Bäckergesellen nicht, alle Vorbereitun- gen zu einem Kampf zu treffen. Daß dieser Kanipf mit der nötigen Energie durchgeführt wird, werden auch die Jnnungsscharsmacher wissen. Eine Resolution in diesem Sinne wurde angenommen. In der Diskussion sprachen zwei Vertreter der kommu- nistischen Fraktion durchaus im Sinns des Referenten. Einem KAPD.-Mann, von dem nicht einmal festzustellen war, ob er nicht etwa einer der im Saale anwesenden gelben Günstlinge der Innun- gen war, blieb es vorbehalten, dummes, zusammenhangloses Zeug zu reden, das mit dem Thema in keinerlei Verbindung stand. Als die Versammlungsmehrheit dagegen protestierte, war es interessant, festzustellen, wie einige Bäckermeister versuchten, die Gelben gegen die Versammlungsleitung aufzuputschen. Genosse Hetz- s ch o l d fertigte diese Leutchen in seinem Schlußwort unter dem Bei- fall der übergroßen Mehrheit der Anwesenden treffend ab. �ltis ütt» ruPschen Gewerkschaften. Veruntreuungen und Unterschlagungen. sRSD.) Die sowjetrusiischen Gewerkschaften haben«ine Reihe von Iahren Me Mitgliedsbeiträg« durch die Organe der Be- triebsverwaltung. auf dem Wege des Lohnabzugs, ein- gezogen. Seit 1922 fingen sie an, die Beiträge durch die Be- t r i e b s r ä t e und durch besondere Bevollmächtigte der Gewerkschaften zu erheben. Diese sogenannte„indroiduelic B e i t r a g s e r h e b u n g" hat sich allmählich immer mehr ver- breitet und ist jetzt fast überall zur Regel geworden. Es hat sich indes sehr bald gezeigt, daß die Beitragserhebung durch die Bs- oollmächtiaten der Gewerkschaften bei den in Rußland herrschenden Verhältnissen, die jede öffentliche Kontrolle unmöglich machen, in zahlreichen Fällen zur Veruntreuung der Verbandsgelder durch die kommunistischen oder die von den Kommunisten aufge- stellten„parteilosen" Funktionäre geführt hat. Es hat sich au- scheinend eine förmliche Unterschlagungsseuche entwickelt, die einen solchen Umfang angenommen hat, daß der Führer der ruisischen Gewerkschaften, T o m s k i. aus dem M'tte Februar ob- gehaltenen Allrussischen Kongreß des Schneider- Verbandes sich genötigt sah. den Schuldigen mit der Einführung der Todesstrafe für Veruntreuungen zu drohen. „In letzter Zeit— erklärte Tomski— sind bei uns Derun- treuuugen der Verbandsgelder durch Vertrauensleute zu verzeichnen. Ich betrachte es als notwendig, diele wunde Frage anzuschneiden Mir fällt dies im Augenblick um so leichter, als die Veruntreuungen in eurem Verbände weniger verbreitet sind als in den anderen. Dieser abscheulichen Erscheinung muß e i n Ende gesetzt werden. Dazu genügen aber Repressalien nicht. Wir werden es durchsetzen, daß unsere gesetzgebenden Instanzen das Strafmaß für derartige Verbrechen bis auf die höchste Stufe(d. h. bis aus Tod durch Erschießen. D Red.) erhöhen. Die Gewerkschafts- funktionäre müssen indes die Frage zu klären suchen, welche Ur- fachen dieser Erscheinung zugrunde liegen. Di« Krankheit ist nicht nur deshalb gefährlich, well sie«inen Massencharakter annimmt, sondern auch deshalb, well die gemütlich-gleichg ültigen Führer der Gewerkschaften ihr keine Bedeutung bei- incisen, sie verbergen und immer mehr um sich greifen lassen. Unsere Pflicht ist es, die Gefahr aufzudecken und die Aufmerksamkeit der Arbeiterklasse auf sie zu lenken. Die Ursache der Veruntreuung ist sehr häusig Schlamperei, ungenügende Beachtung der finanziellen Fragen. Dank der Nach- läsjigkeit und Schlamperei der einen und dem niedrigen kul- turellen Stand der anderen ist die gesamte gewerkschaftliche Bewegung einer tödlichen Gefahr ausgesetzt. Tausende von Rubeln sind von Mitgliedern der Betrieb»- ausschüsse versosfen worden. und niemand hat diesen Vorgängen Beachtung geschenkt.(!) Bücher sind nicht geführt worden, die Reoisionskomnussionen haben nicht gearbeitet..."(„Trud" vom 17. Februar 1925.) Man kann mit Bestimmtheit behaupten, daß in keinem Lande der Welt die Veruntreuungen in den Verbänden einen solchen Um- fang angenommen haben wie in dem Heimatlande der roten Ge- merkschaftsinternationale. dem von kommunistischen Selbstherrschern regierten Rußland. Zweiter AfA-Gewerkschaftskougreft. Der Allgemeine Freie�Angestelltenbund(AfA-Bund), die Frei- gewerkschaftliche Spitzenorganisalion der Angestelltenverbände hält seinen zweiten Gewerkschaftskongreß am 15., 16. und 17. Juni dieses Jahres in München ab. Auf der Tagesordnung steht u. o, ein Vortrag des früheren Finonzministers Dr. Hilferding über Handelspolitik und Angestellte. Ueber die Fortsühruna der Rätegesetzgebung wird Ingenieur Schweitzer vom Bund der technischen Ängestellien berichten, über den Kampf um den Acht- stundentag Fritz Schroeder vom Beirat der Reichsarbeits- Verwaltung. Das Thema„Gewerkschaften und Steuerpolitik" be- handelt Kurt H e i n i g vom Deutschen Werkmeisterverband. Der Geschäftsbericht wird von den. Vorsitzenden Abg. A u s h ä u f e r und W. Stähr erstattet. Ein republikanischer Politiker wird über „Republik und Arbeit" sprechen. Zum Brauerstreik in München. München, 29. März.(WTB.) Der Verband der Lebens- mittel- und Getränk eärbeiter Deutschlands, Gruppe München, teilt nür Bem. Landesschlichter für Bazern waren beide Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, am Donner.'tag. den 19. März, zu einer Besprechung zusammengekommen. Die Unternehmer ließen durch den Präsidenten des bayerischen Brauer- l undes erklären, daß erstens eine W i e d e r e i n st e l l u n g der Brauereiorbeiter im freien Ermessen der Betriebe liege; zweitens der bayerische Brauerbund bereit sei, den bis» herigen Vertrag in seinen Einzelheiten weiter anzuerkennen und drittens eine Lohnerhöhung in angemesjenem Betrage zu bezahlen. Die Arbeitnchmernertreter, die diese Bedingungen als eine Unterwerfung betrachteten, beschränk- ten sich auf die Erklärung, daß die Arbeiterkommission die Erklärung des bayerischen Brauerbundes zur Kenntnis nehme. Ter italienische Metallarbeiterstreik beendet. Mailand, 29. März.(EP.) Der Metallarbeitevoerband hat die Wiederaufnahme der Arbeit in Turin für heute besohlen. Er erklärte, mit dem dreitägigen Streik habe er den Industriellen unzweideutig bewiesen, daß fast die gesamte Arbeiterschaft ihm Folge leiste, sodaß die Industriellen sich mit ihm verständigen müß- tcn. Wenn auch der Streik aufhöre, dauere die Lohnbewegung. doch fort. Deutsche �itchdampfer in England bestreikt. London, 29. März.(WTB.) Die Maschini st en und Heizer der Fischdanipscr von F l e e t w o o d haben ihre Drohung. die Arbeit einzustellen, wenn die Löschung der Ladungen deutscher Fischdampser nicht gushöre, zur Durchführung gebracht. 17 Fischdampfer, die vom Fang eintrafen, sind außer Dienst gestellt. Wenn keine Regelung erfolgt, wird der gesamte Fischerhafen still liegen. Preß Association zufolge sind die F i s ch k ä u f e r durchaus für die Zulassung deutscher und anderer ausländischer Fischdampfer. Frankfurter hos. Inhaber B r a ch m a n n, Frankfurter Allee 313. Die Sperre ist mit dem heutigen Tage ausgehoben. Die Differenzen sind geregelt. Zentralverband der Hotel-, Restaurant und Eafe-Angestellten, �\ Zweigverein Groß-Berlin. Vortroge, vereine unö versammlunoen. Arbeitsgcmciulchaft der sreleeiftigen Derbänd« der deutschen SIcpufilif, r>rt,. Bturpt Berlin. Dienztag, den:M. Milrz, abends 7 Uh:, findet In Niedcr- schöneweid«, Hasselwerder strafe sischulaula!, eine von der Ardeitssamemftdart freioclstiser Verbünde einbcrnfenc öffentliche' Versammlung mit dem Thema „Religion und Sozialismus" statt. Reichsbund iiidifcher Frontsoldaten, e.«. Sonnabend, den 38. März, im Rhcingold, Velleouestr. 10—20, Wohltötiglcitsball. Nachtladarett der Prominenten. Sorten!m Vorverkauf find zu Kadenf Kaufhaus des Westens, Theaterkassen Tie». Bureau Vurgslr. 2t>, Zimmer 9. «olksreisebund.«. Wilhelmstr. 41, und Deutsche«ollserbolungshei« ®. m. b. ö. Sonnabend, den 21. März, abends 8 Uhr, im Bürperfaal des Berliner Rathauses. Könsgstraste, l. Lichtbildcrvortraq:„Deutschästerreichs Alpenparadies": 2. Bill ig« Erhoinnasstätten durch den Volksreisebund, Tirol, Schweiz usw. Eintritt 60 Vf. Einlost 71a Uhr._ -—— i Verantwortlich für Volitii: Ernst Reuter: Dirtschaftt Arthur Toter»»,: Sewcrtsä>af!sbewegungt 3. Steiner: sieuilleton: R. K. Säfchct; Lokales und Sonstiges: tzrist ftarftädt; Zlnz-men: Ist.©loch«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlag G. m d. H, Berlin. Druck: Borwäris-Dnchdruckeret und Verlansansialt Paul Singer u Es. Berlin SW 68, Lindennraste 8, Hierzu l Beilage und„Frauenstimme'. in. eigenen. aus quien iSto�en. tf? von, voi�urjCiefaec Sajs�Jim und äxißjezft pzeiSw&vCl ........................................................................................................................................................................................................................................................... OenmWfterT&SZ 4*00 Cheviot........«•.//. jTvJ Oerren-MfttrztfSZr*äoo Cheviot, nvtireihlg, modern, M.&U 6erren-WftermmTi �00 MweirSihig, mit Rückenguri n. 6errenMfterj?%z �00 Card m. dezent. Ueber kero H. Öerren-W/fer'IMS, mii engewebier Abseite aporte JSOO Modcncuhcii........ ft V& 00 aas Ottr.-faleiois IZZZI � mittel- u. danke Igr au M. SSß 06 gabaröine-mäntel piegniecien Stoffen in verschiede- 2 /tlPO nen Farben und Pointen von H. v# C7 an tigkeit zu unterstützen. Em Ma-m müsse an die höchst« Spitze des Staates gestellt werden, der dafür bürge, der Republik Schutz- und Schirmherr zu sein. Die Sozialdemokratie ist davon überzeugt, in Otto Braun diesen Mann g« f und e n zu haben,«inen würdigen Nachfolger Friedrich Ebert's, dessen Verdienste die Geschichte anerkennen wird. Die Versammlung schloß mit einem be- geisterten Hoch auf die Sozialdemokratie. Hroßfeuer in Tempelhof. Eine Häckselschneiderei in Flammen. Großfeuer, das zweifellos auf vorsätzliche Brand- stiftung zurückzuführen ist, kam in der vergangenen Nacht in Tempelhof, Germaniastr. 144, zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr bis Freilag mittag intensiv. Wir erhallen darüber sol- genden Bericht: Das sehr gefährliche Feuer wurde erst gegen 2 Uhr von Straßen- pasianten bemerkt, als die Flammen, mll dickem Qualm vermischt, hell und mächtig emporloderten. Es brannten u. a. die Häcksel- schneiderei der Ein- und V e r k a u f s g e n o s s e n s ch a s t G. m. b. H. derMolkereienGroß-Berlinsin ganzer Aus- dehnung und angrenzende Gebäudeteile, Räume zum Nähen von Säcken, Lagerräume für Getreide usw., Futtermittel. Das zweistockige Gebäude mit Maschinen und Häckselvorräten bildete ein Flammen- � in«er. Die Tcmvclhofer Feuerwache meldete„Großseuer" an alle' Wachen, woraus sofort Branddirektor Podcziech mit zwei Zügen der Neuköllner Wehr sowie der Britzer und Buckower Wache und den Löschzügen 8 und 11 ausrückte und die Leitung übernahm. Später trafen noch der Oberbranddirektor Gempp und Baurat Lange mit anderen Bouräten und Ingenieuren ein. Weil die anliegenden Gc- bände der Hüttenwerke A. Meyer, einer chemischen Fabrik, und der Filmkopieranstalt von Heinz Lippniann sehr gefährdet waren, wurde ein umfassender Angriff mit 4 st- und 3 L-Rohrcn von Westen und Norden angeordnet, weil die östliche Seit durch die Kleinbahn Berlin-Mittenwalde gedeckt war. Dadurch gelang es bald, das entfesselte Element in die Gewalt zu bekommen. Es glückte auch, wertvolle Maschinen, und besonders Nähmaschinen zum Nähen von Säcken, in Sicherheit zu bringen. Personen sind nicht verletzt worden. Verbrannt sind große Heu- und Strohoorrare. Weiter wird uns mitgeteilt, daß die Arbeiter am Donnerstag nachmittag um ö Uhr den umfangreichen Betrieb größtenteils verlassen haben und daß abends um 8 Uhr noch eine Lore mit Stroh eingetroffen ist. Als die Feuerwehr an der Brand- stelle gegen 2 Uhr morgens eintraf, brannten bereits mehrere Gc- bäudeteile in einer Ausdehnung von 400 Quadratmeter Fläche voll- ständig, so daß der Himmel weithin aerötet war und die Brandstelle cinen schaurigen Anblick gewährte. Der Schaden ist natürlich erheb- sich, denn es sollen allein an Vorräten bedeutende Mengen im Werte von Sv 000 Marx vernichret sein. Morgens um 8 Uhr wrirdcn die Züge 5 und 9 zur Ablösung entsandt, die mittags abgelöst wurden. Für die Annahnie der vorsätzlichen Brandstiftung sprechen besondere Umstände. U. a. ist das Feuer an mehreren Stellen ausgekommen und zu einer Zeit, wo niemand im Betrieb war, sowie an Stellen, die Selbstentzündung und Kurzschluß kaum möglich erscheinen lassen. Die Polizei hat deshalb schon Ermittlungen eingeleitet und Personen vl-rnommen.— Gleichzeitig hatte der 19. Zug einen größeren Brand in der Kanzowstr. 23 im Norden von Berlin zu löschen, wo um Mitternacht eine Tischlerei in Flammen stand, die an Lacken und Hölzern reiche Nahrung gefunden hatten, so daß auch hier mit mehreren Schlauchleitungen längere Zeit gelöscht werden mußte._ Tie Mahlsdorfer TotschlngSassäre. - Vor dem Schwurgericht des Landgerichts III begann heute früh unter Vorsitz von LandgerichtsdOrektor Dransfeld gegen den Kaufmann Hans Liobeck die Vevhgndlung wegen derErfchießungdesoier- zehnjährigen Schülers Günther Beyer, die seinerzeit unter der Spitzmarke„der Mahlsdorfer Schülermord" wegen der poli- tischen Begleitumstände de Oeffentlichkeit viel beschäftigte. Am 26. Ma! o. I. wurde in der Fichtenschonung zwifchen Mahlsdorf und Dahlwitz oi" Leiche des Schülers oiifqefunden. Günther Beyer lag auf dem Rücken, eins Kugel war ihm unter den Augen durch den Kopf ge< drangen, die Ai'gen waren mit einem Tuche verbunden und auf der B'ust wa»->in Zettel angehestet, auf dem stand:„Tod den Fa- s ck> i st- n KPD." In der Ecke stand„erledigt am LS. Mai 1924," und aus der Rückseite war oeschrieben„fchwarze Liste"(Mahls darf KPD. Trekutin). Darunter standen zwöl? Namen, unter denen der von Günther Beyer, welcher mit einem Kreuz vermerkt war. Nach eü.iger Zeit wurde als der Täter der nicht den kommunistischen, sondern den völkischen Kreis cn angehörende Ange- stellte Hans Liebeck aus Kaulsdorf ermittelt. Auch Günther Beyer hatte in den völkischen Iugendkreisen Verkehr. Di« Anklag« war von der Staatsanwaltschaft zunächst wegen fahrläsisger Tötung erhoben worden. Die Strafkammer hat aber die Handlung als Tot- schlag aufgefaßt und Liebeck hat sich demgemäß heute vor dem Schwurgericht zu oerantworten. Die Vernichtung der Straßenhänüler. Eine halbe Million soll arbeitslos gemacht werden. Der Reichsoerband ambulanter Gewerbetrei- b e n d o r hatte eine große öffentliche Protestvolksversamm- lung in das Lehrervereinshaus einberufen.„Die Erdrosselung und Lahmlegung des gesainten ambulanten Gewerbes und die Wirtschaft- liche Bedeutung desselben" lautete die Tagesordnung. H o u g h t o n (Hannover) sprach über die Bedeutung des Handels und schilderte daneben mit leidenschafllichen Worten die mißliche soziale Lage der Gewerbetreibenden, ihre Rechtlosig- k e i t und wies den ihnen gemachten Borwurf der Unzuverlassigkeit entschieden zurück. Hygienische Einwände lehnte er ebenfalls od, da sie auch für den ansässigen Handel in Frage kämen. Die Deutscye Bolkspartei wolle„die Auswüchse" bekämpfen, die Deutschnationalen den Strahenhandel überhaupt. Ei n e halbe Million a m b u- lanter Gewerbetreibender solle brotlos gemacht werden. Aus verkehrstechnischen Gründen oerbiete man in Berlin den Straßenhandel, den andere Weltstädte niemals unterbunden hätten, obwohl der Automobiloerkehr dort ein bedeutend größerer sei. Soziale Gesichtspunkte ließe man völlig außer acht; der Straßenhandel sei aber notwendig, weil er die Waren billiger absetze als der ansässige Handel. Das ihm gleichfalls zum Vorwurf gemachte Anbieten von Schund könne man mit noch größerem Recht den ansässigen Warenhäusern machen. Aufgabe der Handels- und Handwerkskammern müßte es logischerweise sein, ihren Mitgliedern die Herstellung dieses Schundes zu verbieten.— Für die Belustigungsbranche(Rumnwlplätze) sprach dann O e h s e r (Herford), der zunächst einen Ueberblick über die Entwicklung dieses Berufszweiges gab, dessen Ursprung in Indien und Ehitza zu finden sei. Heute wolle man den ambulanten Schausteller ausrotten, wäh- rend die großen Betriebe Unterstützung durch den Staat finden würden. Der Rummelplatz sei aber die Vergnügungsstätte des kleinen Mannes, die man während des Krieges freilich„zur Beruht- gung de» Volkes" konzessioniert hätte.— Die zwar langen, aber sehr interessanten Ausfuhrungen beider Referenten fanden größten Lei- fall; die angeregte Diskussion ergab die Tatsache, daß die Wirtschafts- frage eine politische sei. Einstimmig wurde beschlossen, sofort ent- schlosiene Abwehr zu zeigen._ Eine neue Spritaffäre. Iwes Drogisten und sechs Zollbeamte verhaftet. Neue Spritfchie-bungen sind durch die Fahndungsstelle des Grenz- zollkommisiariats aufgedeckt worden. Ein Drogist Henry Ziffer hatte unter Herschede nen Namen drei Betriebe, in denen er Kos- menka herstellte. Aus jeden Namen und für jeden Betrieb erhielt er von der Reichsmonapolverwaltung die Genehmigung, von den drei Zollämtern, in denen di« Betriebe lagen, vergällten Sprit zu be- ziehcn. Di« Zollämter lieferten scheinbar di« vom Monopolamt für jeden Betrieb bewilligte vergällte Meng«. In Wirklichkeit aber ver- standen es Ziffer und sein Sozius, zum weiiaus größten Teil un- vergällten Sprit zu bekommen, den sie an Likörfabrikanten zur weiteren Derarbeitimg verkauften. Di« Preisdifferenz zwischen reinem und vergälltem Sprit betrug 3— 4 M. pro Liter und sie mach- ten so ein glänzendes Geschäft, bis die Fahndungsstelle jetzt di« Schiebungen aufdeckte. Ziffer und Ialowski wurden verhaftet und sind geständig. Sie behaupten, daß zwei Zollbeamte von jedem der drei Zollämter ihnen gegen Entgelt behilflich ge- wesen seien. Der Trick war der, daß in den Sprit, der vergällt werden sollte, nicht das hierzu zu verwendende Pyvdin, sondern di« gleiche Menge Wasser hineingegossen wurde. Die 6 Zollbeamten sollen das gegen Entgelt gewußt und geduldet haben. Sie bestreiten es, wurden aber wegen Bestechuna ebenfalls verhaftet und mit Ziffer und Ialowski dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Neuer Abbau des Stadtrats Genossen Dr. Herz-Spandau In der Bezirtsversammlung Spandau läßt die Kumpanei der Bürgerlichen nicht locker m ihren Be- mühungen, das Bezirksamt Spandau von Sozial- demokraten zu„säubern". Man erinnert sich, aus welchen Gründen dort die bürgerliche Mehrheit den skandalösen Beschluß faßte, unseren Genossen Stadtrat Dr. Herz abzubauen. Der Kammergerichtsausschuß, dessen Entscheidung Genosse Dr. Herz an- rief, machte den abbaucifrigen Sozialistenfeinden einen Strich durch die Rechnung und hob den Abbaubeschluß auf. Aber noch in derselben Sitzung der Bezirksoersammlung, in der diese Entschei- dung des Kammergerichts zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde, leiteten die Bürgerlichen sofort ein. neues Abbauverfahren gegendenverhaßtenSozialdemokraten ein. Sie be- trieben es mit größter Eile und warteten nicht einmal den Bescheio des Oberpräsidenten in Sachen der Wiederbesetzung der Stelle ab. um den der Ausschuß der Bezipksversammlung selbst gebeten hatte. Mit größter Beschleunigung wurde der Abbau des Stadt- rats Dr. Herz auf die Tagesordnung gesetzt, noch ehe vom Genossen Dr. Herz die nach der Personalabbauverordnung erforderliche Er- kläning hierzu vorlag. Die Bürgerlichen der Bezirtsversammlung haben jetzt, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, den Beschluß gefaßt, unseren Genossen Dr. Herz zum zweiten Male und endgültig abzubauen. Es versteht sich von selber, daß unser Genosse gegen den Skandal dieses neuen Abbaubeschlusses aufs neue den Ausschuß des Kammergerichts an- rufen wird. Tie Kranzschleife. Der„Fricdensbund ver Kriegsteilnehmer" hatte die Nieder- lequng eines Kranzes, zum Gedächtnis der Märzgefallenen am 18. März auf dem Friedhof am Friedrichshain beschlossen. Die Schleif« trug die„aufreizende" Inschrift:„In Eurem Geist« rostlos weiterzukämpfen für Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit ge- loben wir! Frieden: bund der Kriegsteilnehmer." Um den am 17. März gelieferten Kranz frisch zu erhalten, hing ihn der Bundes- leiter M. vor das Fenster seiner Wohnung im Bauverein Hussiten- straße 4/S. Dieser Kranz erregte großes Aergernis bei dem Bureau- angestellten Hardtk«(sprich rechte Hand Mumm), der dem Haus- wirt O.>en Auftrag gab, dafür Sorge zu tragen, daß der Kranz vor dem Fenster verschwinde, ,Lerr Hardtke hätte das angeordnet". Herr Hauswirt O. bekam den Bescheid, dem Angestellten H. zu berichten. falls er Lust empfände, den Kranz zu entfernen, solle er ee nur selber tun...1 Man ließ den Kranz dann unbehelligt. Herr H. ließ sich natürlich nicht blicken. Und er hat sicherlich gut daran getan. Zur A-ahuenwoche! AuS Anlaß der Präsidentenwahl veranstaltet die Groß-Berliner Parteiorganisation von Montag, den 23. bis Sonntag, den 29. März, eine Fahnenwoche. Jeder Parteigenosse, jeder Republikaner hat die Pflicht, an dieien Tagen die Farben der Republik zu zeigen. Schwarzrotgoldene Fahnen sind preiswert beim Warenvertrieb des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Sebastian« straße 37/38, und in der Vertriebs stelle der Partei, Lindensir. 3(Jugendsekret�riat), zu haben Außerdem macht die Bertriebsstelle der Partei darauf aufmerksam, daß bei ihr auch rote Parteifahnen erhältlich sind. Beide Verkaiiisstellen sind geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag von 9 bis 5 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 9 bis 7 Uhr. am Sonnabend von 9 bis 4 Uhr. Die heutigen Vorträge der Gesundheitswoche. Ueber das Thema„Die Tuberkulose und ihre Be. kämpfung" spricht heut« in der Berufsschule, Grünthaler Str. 6— 9 Dr. D u n ck e r, in der Gemeindeschul« Manteuffelstr. 7 Dr. Freund, tzn Lyzeum, Spandau. Askanierrinq 173— 174 Dr. Ballin, in der Körnerschul« in Küpenick Dr. Meyer. Ueber das Thema„Was will die Gesundheitswoche?" spricht in der Gemeindeschule Petersburger Str. 4 Dr. Meißner, in der Ober- realschule, Marierdorf, Kaiserstr. 17—20 Dr. K o l l w i& in der Gemeinde schule, Friedrichsfelde, Wilhelmstraße, Dr. Mos dach er, im Humboldt-Gymnasium. Teael, Graf-Rödcrn-Korfo, Dr. Rothe. Ueber das Thema„Die Geschlechtskrankheiten und ihr« Bekämpfung" spricht in Wilmersdorf in der Oberreal- schule Hindenburgstr. 36 Dr. Pannwitz, in Steglitz im Realzym- nasium Paulsenstraße Dr. R o c s ch m a n n, in Niederschöneweid« in der Gemeindeschul« Berliner Str. 31 Dr. K r e u z. Sämtliche Vorträge finden um 7 Uhr statt.__ .Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und »Der Sinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Zogen k>pslegeledrga-'g de» Orlsaus'chusse» kür Ceibeififrungen«od Zogendpflege im Bezirk prerzwvec Berg. Heute abend 8 Uhr in den Baracken, Danztger Str. 62. Vortrag:„Die Kriterien des guten und lchlechten Buche»". N e s e r e n t: Rektor Willi G e n s ch, Vorsitzender des Jugendschrisien-PrüfungsauSschusses Groß-Bulin. Zogcodweibe In Ivechensee. 95 Kinder erhalten am Sonntag, den 23. Mär,, vormittags 10 Uhr. in der festlich gelchmückten Gemelndesestballe, Pistoriusstr. S8, die Fugendwelbe. Mitwirkende sind: Genossin Maria Arische, Weihercde: Gen. Traute N e u m a n n. Var'vruch; daS gesamte CoUe- gium jnusioum, Tir. Musikdirektor RohrSdorls; und der Mozart. Fugendchor, Chorleiter Lebrer S t e fs e n. Die Kinder erhalten cin vom Allgemeinen Arbeiter-BildungSinstitut Lewzig heranSnegebencS Kedcntbuch des Arbeiter- Elternbunde» und der Arbeitsgemeinlchast der ireigeistigen Verbände. Gastkarten a SO Ps. sind beim Genossen H e i n l, Gäblerslr. 7, erhältlich....,v. Konzert der venkschen TlalhUje. Heute, Freitag, 8 Uhr. findet'sin Deetboven-Saal das fünfte Konzert der Deutschen Nothilfe statt. Kammersänger Paul Bender«München) singt tcieder von Schubert,, d«r. LiederzykluS„Dichlertiebe" von Schumann und Balladen von Ltewe" darunter.Prinz Eugen". Michael R a u ch e i s e n begleitet. Die Sturmkatastrophe in Nordamerika. 26 S table in fünf Minuten zerstört. Der Präsident der Vereininten Staaten Coolidge hat die Hilfeleistung für die heimgesuchten Gebiete persönlich in die Hand genommen und dem amerikansichen Roten Kreuz den Befehl gegeben, sein« gesamten Hilfsquellen für hie Hilfeleistung aufzubieten. I m Sturmgeb ietstindalleSpitalerüberfüllt. In vielen Fällen warm die Aerzt« gezwungen, die Operationen ohne Chloro- form vorzunehmen, da der Verrat an diesem Medibament erschöpft war. Ueber den Sturm selbst werden jetzt näher» Einzelheiten be- kannt. Das ganz« Zerstörungswerk war in fünf Mi- nuten vollendet. Kurz vor Ausbruch des Sturwes war das Wetter sehr schwül, der Himmel hatte«ine aschgrau« Farbe, plötzlich trat im Westen eine schwere Wolke aus, di« sich rasch vergrößert«, worauf der Sturm losbrach. Von allen Seiten wurden nach der Katastrophe Extrazüge und Tausende von Automobilen mit Hilfsmaterial abgesandt. Der Trans-Conlinmtale Zug von San Franzisco nach Rom Bork ist in der Nähe von Annapolis aus den Schienen geworfen worden. Die Wagen wurden w!« Kartenhäuser zusammengedrückt. D»« meisten Insassen wurden ge- tötet. In den Städten wurden die Straßenbahnwagen umze- worfen und die Insassen zu Tode gedrückt. Der Viehbestand ist in den betroffenen Gebieten vollständig vernichtet, Zabllosm Straßen- Passanten wurden die Kleider vom Leibe gerissen. Leichen wurden vom Sturm« Vlometerweit fortgeführt. Zahlreiche der Ueberlebenden sind irrsinnig geworden und irren auf freiem Felde umher. Es steht fest, daß 26 Städte in fünf Staaten fast vollkommen zer- st ö r t sind._. ?ugenüveransta1tunsen. Achtung, Mitglieder! Es tönnm nur noch dielenigen MitgNeder(Burschen und Mädel bei unserer Früh iingefeier mitwirten, die vom nächsten Montag ab regclmähig die Proben besuchen. Wir könne» aber noch cLeigkn-, Ellarren-, Lauten- und Flötenspieler gebrauchen Für diese findet«ine Ertraiibung am kommenden Sonnobend von S-7>t2 Uhr im Jugendheim, Lindensir. 3,(mit. Dann üben beide Gruppen(Mustkchor und Geiangchor) gemeinsam am kommenden Montag, ekarlottenburx Wilmersdorter Straße 12 empfiehlt sein reichhaltiges Lager. an sellistfabrizierter »kW- u, KnaMielilig n:a eefemel NcmKOKh Niemetzstraße 9(Nahe Richaroplatz) Neuheilen in Kleldersloffenl -------- Krcpp-MaroKaln jvUr 4 5•, 3.20. 2.00 Foolardine � vur 3 60. 3.00 Woumonsseiine Mt. 4.5 4 CO. 3.00 Baamw.'Honsseline 1 lü, 95, 83 PI iiarierie Kielderst. " r«-ft». 40 f QQ Seslreiile ifleiderst. T. 4.00, 3.00. 1.80 Popeline 105 cm nr Kir. 5.20. 3.08 eaPardine 150 cm br Mtr 8 00, 6.00 Mtr SOO, 6J>0 Mir> 10 �oltoehlung ge»tsNSkk ■Gelegenheit" Reste UiDtennäntel d. Mine: SealpiOsdi, Samt, tiriiuicsr. Fütterseiden u. BalbseiileG bedeutend unter Preis. 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