Abendausgabe Nr. 137 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 68 5 Pfennig Sonnabend = Vorwärts= Beangsbedingungen und Anzeigenpreite find in der Morgenausgabe angegeben Redafflon: S. 68, Cindenftraße 3 Fernfprecher: Donhoff 292-298 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 21. März 1925 Berlag und Angeigenabteilung Gefäftszeit 9-5 Ubr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbs. Berlin S. 68, Serafprecher: Dönho Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Die Ruhrentschädigungen. Beginn der Arbeit des Untersuchungsausschusses. Die heutige Sigung des Untersuchungsausschusses für die Ruhrentschädigungen und Ruhrkredite diente in der Hauptsache der Fest stellung eines Arbeitsplanes. Zu der Sigung waren auch Bertreter des Reichsfinanzministeriums erschienen, da der Borfigente, Abg. Lindeiner- Wildau( Dnat.) einen Bericht des Ministe riums über die Entwicklung der Entschädigungsaftion für heute in Aussicht genommen hatte. Zunächst außerten sich die beiden Be richterstatter über ihre Vorschläge. Berichterstatter Dr. Perlifius ( Bentrum) schlug vor, zuerst die Entschädigungsaktion für die Micum aften zu behandeln und darüber den Vortrag eines Regierungsperireters entgegenzunehmen. Miberichterstatter Dr. Herh( Soz.) unterbre tete bem Ausschuß den Entwurf eines vorläufigen Arbeitsplans, der in Form von Richtlinien bie nächsten Aufgaben des Ausschuffes frizzierte. Der Entwurf teilt den Gegenstand der Untersuchung in drei Gruppen: 1. Die eigentlichen Zahlumoen während des Ruhrkampfes 1923. 2. Die Anrechnung und Zahlung der sogenannten Restforde rungen der Ruhrindustrie aus den Reparationsleistungen des Ruhrtampfes. eigentlichen Micumlieferungen. 3. Die Zahlungen und die Anrechnung der Beträge aus den Some't die Denkschrift der Regierung die erforderlichen Unterlagen nicht enthält, sollen sie dem Ausschuß vorgelegt werden, und zwar in folgenden Gruppen: 1. Die Aften der Reichsregierung über die eigentlichen Micumentschädigungen, so be Protokolle der Robinettssigungen und Ministerbesprechungen vom 20. Ottober, 31. Ottober und 1. November 1923, die Aften der Regierung über die Verhandlung mit den Industriellen über die Entstehung der Ansprüche, die ersten Auszahlungen und die coültigen Auszahlungen, weiter die Gutachten des Reichstommiffars für Kohlenlieferuna, des Rohlenfommiffars in Effen und des Reichskommissars für die Kohlenverteilung, die in der Denkschrift der Renierung erwähnten Berichte über die bedrohliche Bage egelner Unternehmungen und ganzer Industriezwene, bas von der Ruhrindustrie besorgte Gutachten zweier Juristen über die angeblichen Rechtsansprüche des Bergbaus, ein Verzeichnis der mit Entschädigungen bebach'en Femen und bie endgültige, Abrechnung der Finanzamter über die noch zu tilgenten Steuerbeträge. Beiter veríangt der Vorschlag des Abg. Her die Vorlegung von Material, und Löffler und der Geschäftsführer des Reichstohlenrats Bennhold zugezogen werden. Abg. Her erläuterte im einzelnen seine Borschläge und hob hervor, einen allgemeinen gültigen Arbeitsplan aufzustellen, sei unmöglich, man müsse aber einen Buntt angeben, von dem aus man die Untersuchung beginnen müsse. Das sei die Entschädigung für die Micumlieferungen. Der Vorfigende Abg. v. Cindeiner- Bildau regte an, zunächst die rechtlichen Grundlagen der Entschädigungsaktion zu behandeln, und hier der historischen Entmidlung zu folgen, wobei er die Entgegennahme eines Berichts der Regierungsvertreter empfahl. Gegen den Vorschlag, schon heute eine Darstellung der Regierung entgegenzunehmen, wandten fich die Abgg. Dr. Brettscheid( Soz.), Stöder( Komm.), Büll( Dem.) und Effer( 3.), wobei die lekteren vor allem die Ausdehnung der Untersuchung auf die Entschädigung des Mittelstandes verlangten. Cinbenffraße 3 2506-2502 Jarres, der Unmögliche. Gin Oberbürgermeister, aber kein Reichspräsident! Auch nach außen bedarf unser Boit, wie der ver. torbene Reichspräsident flar ertannte, zu seinem Wiederaufstieg des Friedens. Hätte er jenen unheilvollen Stimmungen nachgegeben, die nach dem Ruhrlampf deutsches Land in poreiliger Verzweiflung fon verloren gaben und von seiner späte ren zurüderoberung träumten, bann ginge jekt Deutschland tödlich verstümmelt einer dunklen 3utunft entgegen. Otto Braun. In jener ruhigen und fachlichen Form, die fein ganzes Auftreten auszeichnet, hat der sozialdemokratische Präsidentfchaftskandidat Genoffe Otto Braun, den Kernpunkt aufgezeigt, um den es sich in dem ganzen Streit um die BerJarres versuchen immer wieder, diesen Kernpunkt zu verschie ladungspolitik handelt. Die Anhänger des Herrn ben, indem sie die Dinge so darstellen, als ob man gegen ihren Ertorenen ehrenrührige Vorwürfe erheben wollte. Aber nicht um die persönliche Ehrenhaftigkeit des Herrn Jarres handelt es sich hier, sondern um seine Qualifikation als führenfolder Politiker. Und nur insofern spielt neuerdings auch die Ehrenfrage in diese Angelegenheit mit hinein, als Herr Jarres, bei einem ganz aussichtslosen Bersuch, feine Bergangenheit zu verleugnen, ertappt und durch zahlreiche dokumen tarische Beweise widerlegt wurde. Bon der Anhörung eines Berichts der Regierungsvertreter murde dann im Einvernehmen mit dem Borsigenden abgesehen. Die weitere Erörterung drehte sich um die Frage, ob zunächst bie rechtlichen oder die materiellen Fragen der Entschädi gungsaktion zum Gegenstand der Untersuchung gemacht werden sollen, und wobei man dabei auszugehen habe. Abg. Dr. Hertz( Soz.) betonte, baß die Rechtsfrage bei den Zahlungen während des Ruhrkampfes bisher von teiner Seite bestritten worden sei, also einer Nachprüfung zunächst nicht bedürfe, daß aber bei den Entschädigungen für die Micumlieferungen die Rechtsfrage, soweit sie das Budgetrecht betreffe, Gegenstand der Verhandlungen des Haushaltsausschusses sein sollte. Nach seiner Auffaffung fönne der Haushaltsausschuß die Indemnität gar nicht erteilen, bevor der Untersuchungsausschuß sein Urteil über die Recht. mäßigkeit der Aftion gesprochen habe. Die Regierung habe doch selbst bei den Berhandlungen im Plenum zu erkennen gegeben, daß fie die in der Denkschrift aufgestellte These nicht mehr aufrecht erhalte, wonach der§ 33 der Reichshaushaltsordnung ihr Borgehen juristisch gedeckt habe. Wenn man die Untersuchung des Ausschusses mit dem 11. Januar 1923 beginne, laufe man Gejaht, in diefem Jahre überhaupt nicht mehr fertig zu werden. Deshalb empfehle fich, nicht mit ben juristischen Fragen, sondern mit der Prüfung der materiellen Fragen, und zwar mit der von ihm vorgeschlagenen Un tersuchung der Micumentschädigungen zu beginnen, 21bg. Stöder( Komm.) beantragte, den Abfaz B des Vorschlags des Mitberichterstatters, der Feststeilungen über die in der Dent. empfiehlt, als offiziellen Arbeitsplan des Ausschusses zum Beschluß 8 erheben. Dagegen wurde eingewandt, daß damit die Aufgabe des Ausschulfes möglicherweise zu eng umgrenzt wurde. Ein Antrag Effer( 3tr.) will, daß un der nächsten Sigung des Ausschusses die von Dr. Herz verlangten Aften der Reichsregierung vorgelegi und ein erläuternder Bericht der Regierungsvertreter entgegengenommen werden solle. Später könne die Entscheidung darüber getroffen werden, ob zunächst die Rechtsfrage, dann die materielle Berechtigung der Entschädigungen und schließlich die Richtberücksichtigung bestimmter Bevölkerungsfreise bei den Entschädigungsfragen behandelt werden solle. bas in der Dentichrift nicht enthalten ist, so Anschrift der Regierung nicht erwähnten Angaben und Nachweisungen gaben über die Höhe und Bedingungen der vom Reiche während bes Ruhrkampfes an die Wirtschaft der befeßten Gebiete gezahlten Beträge, getrennt für die einzelnen Industriezweige, ebenso Angaben über Höhe und Bedingungen der von den verschiedenen Reichs stellen, der Reichsbanf ujm. gemährten Kredite mit Nachweis des Geldentwertungsverluftes, Angaben über das im Jahre 1923 von den industriellen Unternehmungen in Berfehr gebrachte Notgeld, über die Steuerleistungen der entschädigten Unternehmungen in den Jahren 1923 und 1924, Nachweis der von der Ruhrfohle-.- G. vor genommenen Unterverteilung der Entschädigungsbeträge, Angaben über die Zahlungsfähigkeit der großen entschädigten Unternehmun gen an Hand ihrer Goldbilanzen, Uebersicht über die in den einzelnen Monaten der Jahre 1923 und 1924 gezahlten Löhne, der Produktionskosten, des Leistungsgrades der Arbeiter, der Sohlenpreise und der Abfahverhältnisse und endlich Angabe der von der Repto zu den Micumlieferungen gutgeschriebenen Beträge. Der Vorschlag des Abg. Herz regte an, die Vernehmungen mit der Untersuchung der eigentlichen Micumentschädigungen zu beginnen und zwar in erster Linie mit den Entschädigungen für die Ruhr. tohle.-, meil sie nach Höhe und Bedeutung an erster Stelle ftehen. Von hier aus folle sich die Untersuchung der Entschädigung der anderen Gruppen sowie den Zahlungen während des Ruhr tampfes und der Bergütung der sogenannten Reftforderungen zu menden. Um den Berhandlungen eine fachlich orientierende Basis zu geben, sollten die Direktoren des Reichsfohlenverbandes Stug Vertagte Lösung. Die Saboteure in Preußen beklagen fich. Der Landtag hat sich gestern auf den 31. März ver tegt. In der Zwischenzeit wird das Ministerium Marg die Geschäfte weiterführen, unterstützt und fontrolliert vom ständigen Ausschuß des Landtags, in dem 15 Mit glieder der Weimarer Koalition 14 Mitgliedern der Opposition um jeden Preis gegenüberstehen. Damit ist die Klärung der Ministerfrage in Breußen bis nach der Entscheidung der Reichspräsidentenmahl im ersten Wahlgang vertagt, die einzig mögliche Lösung und eine Lösung, die man im Intereffe des preußischen Landes mur begrüßen fann. Wenn die deutschnationale Bresse auf diese Reges hung mit Tobfuchtsanfällen reagiert, so ist das lediglich als ein Zeichen für den Grad der Berärgerung zu registrieren, ben der Jarres- Block über die eigenen Mizerfolge empfindet. Es ist sehr amüsant, wie heute dieselbe Presse über die Gewalttätigteit, Parlamentsputschtaftit und brutale Dbftruftion der Weimarer Koalitionsparteien wettert, die gestern noch grckmäulig den Rampf mit allen Mitteln" an fündigte. Die Beimarer Parteien haben den„ Rampf mit allen Mitteln" aufgenommen und die Jarres- Blöckler haben die verdienten Prügel bezogen. Sie mögen sich bei ihren eigenen Führern darüber beflagen. Im Zentrum haben die Außenseiter wieder zur Partei zurüdgefunden. Das tam schon dadurch zum Aus drud, daß die Zentrumsmitglieder, die in legter Beit ihre Stimmen gesondert abgegeben hatten, gestern mieder mit der Bartei stimmten. In her Germania" nou heute ner: Man tam darüber überein, daß die Aften der Regierung zunächst von den beiden Berichterstattern und dem Vorfizenden geprüft, und daß darüber in der nächsten Sigung ein Bericht erstattet werden soll. Der Antrag Effer wurde dann gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Rommunisten angenommen; der Wideripruch der Sozialdemokraten richtete fich lediglich gegen die Feltgung auf Entgegennahme eines Berichts der Regierung. Abg. Breitfcheid( Soz.) betonte. daß ob und wieweit die Regierung ver nommen werden solle, erst die Prüfung der Aften ergeben könne. Der Antrag Stöder wurde dann nach einem Borschlag des Bor. henden in der Form zum Beschluß erhoben, daß der Vorschlag des Abg. Dr. Herz dem Ausschuß als allgemeine Richtlinie dienen soll, ohne daß der Ausschuß damit die Grenzen des Untersuchungs gegenffandes beschränkt. Die nächste Sihung des Ausschusses findet am 2. April, vormittags 10 Uhr, ftatt. fichern munmehr die Abgg. v. Papen und 2oenart, ihr Verhalten habe sich weder gegen Marg noch die von ihm be folgte Politik gerichtet. In der Erklärung heißt es weiter: „ Die Abgeordneten von Papen und Loenars erfgnmen an, daß die Wirksamkeit der Zentrumsfraftion wesentlich bedingt wird durch die Geschlossenheit ihres Handelns. Sie erklären sich be. reit, bem Rechnung zu tragen, von der Ueberzeugung ausgehend, boß durch die gemeinsame, alle Streise der Partel gleichmäßig be. rücksichtigende Arbeit der Fraktion der gerechte Ausgleich zwischen allen Anschauungen innerhalb der Zentrums. partei gefunden werden wird." In der Frage der Kabinettsbildung gibt die„ Germania" eine Zuschrift aus parlamentarischem Kreise wieder, in der es heißt, das Zentrum habe nicht das Bedürfnis, das zu bildende Beamtenkabinett mit feinem Namen zu firmieren. Das sei eine Aufgabe für die Volkspartei, die als Trägerin des Gedankens des Beamtenkabinetts die Anwartschaft auf den In der Zuschrift heißt Ministerpräsidenten habe. es weiter: Aber der Augenblid der Revanche ist vielleicht nicht mehr fern; er ist vielleicht näher, als die Rechtsparteien es wünschen. Machen sie die Bildung eines Beamtenkabinetts unmöglich, fo wer den fie fich darüber klar sein, daß dann die Initiative an fie übergegangen ist. Und dann wird man sehen, was sie zu leisten imftande sind." Die Rufchrift nimmt davon Abstand, sich in diesem Augen blid ausführlicher zu der Frage zu äußern, da noch nicht alle Möglichkeiten ber Bildung eines Beamtenfabinetts erschöpft feiert. Ueber Die Rheinlandtrise des Herbstes 1923" und die Rolle, die Herr Jarres in ihr gespielt hat, unterrichtet in objektiver Form eine Schrift, die Herr Walter Ramper. Bertreter der Frankfurter Zeitung" in Köln, fürzlich im Ber lag der Frankfurter Sozietäts- Druckerei erscheinen ließ. Kamper schildert die verzweifelte Lage, in der fch Rhein und Ruhr und mit ihnen ganz Deutschland am Ausgang des Ruhrkampfes befanden. Er tritt nicht als gehäffiger Gegner auf, sondern er erkennt voll bie milbernden Umstände an, die den Anhängern der Berladungspolit", der Rata ftrophenpolitit zugute tommen. Nichtsdestoweniger ergibt sich aus seiner Darstellung flor, daß die Bolififer Deutschlands damals in zwei Lager zerfielen: in dem einen herrschte Ratlosigkeit und Berzweiflung, in dem anderen rubige Ueberlegung. Dieses andere, zu dem auch Herr Strefe mann gehörte, rettete das Reich. Auf der Gegenseite, im Lager der Katastrophenvolitit, er lidt man aber immer wieder als den Führer zum Abgrund den jezigen Reichspräsident schaftskandidaten des Rechtsb'ods, Herrn Jarres. Bon hier aus fällt auch ein Licht auf die Bolitik der großen Koalition, die zu treiben die Soria bemntro/ ie damals gezwungen war, um Ruhr und Rhein zu retten. In einer Darstellung der Verhältniffe in der Regierung der großen Koalition führt Kamper aus: Unter ihnen( den Ministern des Kabinetts) hat besonders der im Rheinland ansässige Minifier des Inneru Sollmana in jedem Stadium der Entwidlung den Gedanken der Betfadung, in welcher Form er auch auftreten modhte, entschleben befümpft. Bereits Anfang November führte indes die zweite Krise des Kabinetts Stresemann zum Rücktritt der sozialdemokratischen Minister; venige Tage später, am 11. November, trat Dr. Jarres als Minister des Innern in das Kabinett ein. Ein Tell der entschiedensten Gegner der Berjadungspolifif war damit aus der Reichsregierung ausgeschichen, einer Ihrer hauptfächlichsten Anhänger in sie aufgenommen worden. Dr. Jarres hat später öffentlich erklärt, es sei nach seiner Ernennung zum Minifter selbstverständlich für ihn gewesen, die von dem Reichstanzler Strefe mann festgelegte Politif loyal mitzumachen; er würde sonst nicht in das Kabinett hineingegangen sein. In Wirklichkeit mar aber ble Stresemanniche Politit gar nicht fo festgelegt, daß Herr Jarres nicht möglichkeit genug gefunden hätte, ohne Berlegung feiner Loyalitätspflicht auf seiner Grundauffassung zu beharren. Er wurde hierzu dadurch direkt aufgefordert, daß im Kabinett beide Auffassungen bereits vertreten waren. Als solche Anhänger der Versadungspolitik im Kabinett bezeichnet Ramper den Arbeitsminister Dr. Brauns und den Reichswehrminister Dr. Geßler. Wahrscheinlich sind die dröhnenden Anfündigungen der Rechtspreffe, sie würde. die ,, wahren Bersadungspolitiker" im Sentrum und bei den Demokraten enthüllen, auf diese Tatsache zurückzuführen. Richtig ist, daß die Scheidelinie der Auffoffungen dama's durch die verschiedensten Parteien hindurchging. Ebenso richtig ist aber auch, daß der eigentliche Bannerträger der Bersadungs< politit fein Sentrumsmann und fein Demofrat gewefen ist, sondern eben der Kandidat des Reichsblocks", Herr Jarres. In der Hauvisache waren es die Sozialdemo fraten und sonstige Politiker der Linken. die an dem Plan festhielten, auf dem Wege diplomatischer Berhandlungen die Lage der Bevölkerung der besetzten Gebiete wieder erträglicher au geftalten und auf diesem Weg die Räumung vorzubereiten. Das aber ist der Beg, den heute ganz Deutfchland zu gehen entschlossen ist. Die gegenwärtige deuifche Reichsregierung mit ihrem start deutschnationalen Einschlag denkt nicht im entferntesten daran, den Fran ofen die unbeschränkte Herrschaft im befehlen Gebiet zu überlassen. fie ist im Gegenteil dazu bereit, die Abrüstung in Deutschland zu vervollständigen, um die Bedingungen für die Räumung der Kölner Rone zu erfüllen; sie ist sorgsam auf die Ausführung des Dames Planes bedacht, um im Sommer dieses Jahres die Räumung bes Ruhrgebiets zu bewirten: fie ist bereit, Frankreich das GIsa 5. Belgien Eupen und Malmedn # für alle Zeit zu überlassen und auf jede gewaltpolitische Löfung auch der Ostfragen zu verzichten; fie erwägt ernstlich den Eintritt in den Bölkerbund, um in den gesicherten Besitz des Rheins zurückzukehren. Das ist ein Sieg der von der Sozialdemokratie eifrig geförderten, von Herrn Jarres aber feinerzeit fanatisch bekämpften Verständigungspolitik auf der ganzen Linie. Heute wird auch Herr Jarres innerlich zugeben: Bäre er im Herbst 1923 mit seinen Absichten durchgedrungen, bann ginge jezt Deutschland„ tödlich verstümmelt einer dunklen Zufunft entgegen". Herr Jarres mar bis zum Ausbruch des Ruhrtampfes einer der vielen deutschen Oberbürgermeister, die sich um Politik nicht sonderlich fümmern. Raum aber begann er sich um fie zu fümmern, so legte er sich sofort auf die falsche Seite. Es war seine erste, einzige Prüfung. Bei der fiel er durch. Seine Freunde rühmen sein deutsches Herz". Aber das ,, deutsche Herz" reicht leider nicht aus, um den politischen Berstand und Beitblid zu ersetzen, den ein Staats: oberhaupt nun einmal braucht und den Herr Jarres nicht besitzt. Als Reichspräsident ist Herr Jarres unmöglich. Das wird wir vertrauen darauf die große Mehrheit des deutschen Boltes erkennen und am 29. März flar zum Ausdrud bringen. Daß er als Reichspräsidentschafskandidat großer und einflußreicher Berbände möglich wurde, ist fennzeichnend für den unpolitischen Sinn des deut ichen Großbürgertums und für den tatastrophalen Mangel an Persönlichkeiten, der auf jener Seite herrscht. Diese Leute verstehen etwas von Geschäften, nichts von Bolitit. Jetzt sind sie drauf und dran, durch die unmögliche Kan didatur des Herrn Jarres neues Unheil zu säen. Nur die Masse des arbeitenden Boltes fann Deutschland retten! Soll Deutschland nicht vor aller Welt blamiert dastehen und dem hoffnungslosesten Dilettantismus die Führung überlassen, dann fiegt am 29. März nicht Jarres, sondern Braun! „ Ein bezeichnender Zwischenfall." Am Schluffe eines schwungvollen Berichts des Lofal Anzeigers" über die gestrige Jarres- Versammlung in Breslau ,, Am Haupttor ereignete sich ein fleiner, aber bezeichnender lejen mir: fich Temps" wünscht Jarres! " Telegramm des Berliner Lokal- Anzeigers". Der Berliner Lokal- Anzeiger" läßt sich aus Paris telegraphieren: Nach Mitteilung des Böffischen Surters" ftehen folgende Drga. nisationen hinter der Kandidatur Ludendorff: Nationalsozialistische Arbeiterpartei, Frontbann, Frontfriegerbund, Deutschvolfischer Offiziersbund, Bund Oberland, Altreichsflagge und große Teile des Werwolf, Stahlhelm und Jungdo. „ Daß fich der„ Temps" mit dem Programm von Dr. Jarres natürlich nicht vollständig vorbehaltlos einverstanden erfläri, liegt auf der Hand. Trogdem ist das Blatt freimütig genug, um zu betonen, daß man zu Dr. Jarres wohl Bertrauen. haben fönnte im Hinblid auf die Durchführung seiner Ber föhnungspolitit." Also, um der Versöhnungspoliti! willen wählt Jarres! Der Pariser Temps" wünscht es! Jetzt fehlt nur noch ein Empfehlungsschreiben von Boincaré! Lernt vom Gegner! Bergeßt nicht die mündliche Werbearbeit. In der Presse des Hugenberg Konzerns mirb folgende Buschrift eines 3 arrefiften veröffentlicht: Wie wichtig bie mündliche Berbearbeit ist und wie wenig Bresse und Flugblätter allein genügen, zeigen folgende Fälle: Schreiber dieses ist in Berlin in ein anderes Stadtviertel gezogen und erkundigte sich in der Nachbarschaft nach der Stelle, wo die Wählerlisten ausliegen. Dabei hat er, nahezu unglaublich, folgendes festgestellt: Thüringer Justiz. Freispruch im Weimarer Meineidsprozeß. In den letzten Tagen murde vor dem Schwurgericht Wei mar ein Meineidsprozeß verhandelt, der sich um die Person des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert drehte. Es handelte sich darum, daß vier jeßt Angeflagte in einem früheren Prozeß wegen Beleidigung des Reichspräsidenten unter Eid befundet hatten, sie hätten als Mitglieder der früheren Weimarer Sicherheitsmehr während der Verhandlung ber Nationalversammlung den Reichspräsidenten und andere Politiker verschiedentlich antgetrunken gesehen. Der Hauptangeflagte, ein Agent Mar Botenhauer, heute Kommunist, will fogar gefehen haben, daß Ebert in angetuntenem Zustande einen Filzhut oerloren habe, den Botenhauer jegt dem Gericht überlieferte. Diese Geschichte mit dem verlorenen Filzhut hat schon seit langem den Gegenstand der Unterhaltung politischer Klatschbasen aller Richtungen gebildet. Es mußten wirklich vor Gericht in Weimar ernsthafte 3eugen auftreten, um darüber Rechenschaft abzulegen, daß sie Ebert nie. mals angetrunten gesehen haben. Ebert selbst hat noch In der Bäckerei wußte weber der Mann noch die Frau, furz vor seinem Tode zeugeneidlich versichert, daß er in Weimar daß überhaupt eine Wahl sei. Sie hätten feine 3cit, 3ei- niemals einen hut verloren habe. tungen zu lesen. Der Hauswart hatte wohl etwas von einer Wahtlicher vier Angeklagten, weil es der Meinung mar, baß die An Das Gericht tam aber trotzdem zur Freisprechung sämt gehört, wußte aber nicht, wann und weshalb, er glaubte, licher vier Angeklagten, weil es der Meinung war, daß die Anber Bandtag sei wieder aufgelöst. Der Gemüsehändler war mohl geflagten unter ihrem Eide nichts Ehrenrühriges für Ebert unterrichtet, fümmerte sich aber um den„ janze befundet hätten, und daß die Möglichkeit einer Ber wechslung von Personen vorliege. Deshalb fönne man nicht den Beweis für einen fahrlässigen Falscheid als erbracht ansehen. Botenhauer, der sich eingebildet habe, er habe den Hut Eberis ge funden, habe vermutlich den Reichspräsidenten mit einer anderen, ihm ähnlich jehenden Persönlichkeit verwechselt. Daß ber von ihm gesehene Mann nicht Ebert gewesen sei, hält das Gericht für er wiesen. Es sei nicht im geringsten bewiesen, daß der Reichspräsident tatsächlich betrunken oder auch nur an getrunten gewefen fet. Quatsch" nicht, usw. Nur diese drei Aeußerungen feien hier wiedergegeben, um darauf hinzuweisen, daß, wenn der Rechtsblod jeinen Kandidaten Dr. Jarres durchbringen will, es nicht genügt, mit Presse und Flugblättern zu arbeiten, sondern daß eine intenfive mündliche Propaganda getrieben werden muß, eine Tätigkeit, für die auch ganz beson ders unsere Frauen in Frage fommen, die bei ihren Einkäufen usw. die beste Gelegenheit dazu haben. Die mündliche Propaganda muß bann felbstverständlich nach Möglichkeit durch sofort zu überreichenbe Flugblätter unterstüßt werden." feiner Herzenseinfalt vom Rechts blod spricht statt vom Es ist zwar sehr unterhaltend, daß dieser Jarresist in Reichsblod", mie man offiziell und fälschlich die Bereinigung der Monarchisten ohne Ludendorff nennt. Aber darüber hinaus gift alles, was der Rechtsblöckler über die Notwendig feit Das Gericht verbindet also den Freispruch derjenigen, die Ebert verlästert haben, mit der Versicherung, daß der verstorbene Reichspräsident in Berson und Haltung untabelig sei! geschlossen. Sonst hätte es noch von dem Briefe des demo. Leider hat es seine Berhandlungen um einige Tage zu früh ahfratischen Reichstagsabgeordneten Herrmann- Reutingen Kenninis nehmen müssen, der nach Lektüre der Verhandlungs ihm gehöre, und daß er- Herrmann diesen Hut in Wei. Don Botenhauer gefundene und jetzt vor Gericht aufbewahrte Hut aus dem Saale strömenden Massen zunächst rissen. Blöglich wurde nossen! Auch sie dürfen sich nicht nur auf Bersammlungen berichte fich freiwillig beim Gericht meldete mit der Angabe, daß der festgestellt, daß es sich um Propagandablätter der 3entrumspartei mit dem beschwörenden Rufe: Wählt Marg!" han delte. Im felben Augenblic ftürzte sich die Menge auf den Mann, warf ihm die Zettel vor die Füße und verlangte feine Entfernung durch die Polizei. In einer Seitenstraße verschwand der Jüngling. Und noch einmal ertönte aus den Reihen der Begeisterten machtvoll das Deutschlandlied." Dieser Vorfall ist für die Geistesverfassung der Rillinger Jünglinge ebenso bezeichnend" mie seine mollüftige Schilderung im„ Lotal- Anzeiger". Bielleicht erleben mir es nach, bas Zettelverteiler unter ben machtnollen Klängen des Deutschlandliebes machtooll ner prügelt merben, meil fie am Ausgang von Jarres- Berfamm. lungen Bropaganda für 2 udendorff machen. Heil! Wie wir hören, planen die Schriftleiter derjenigen Blätter, bie für die Ranbibatur Jarres agitieren, einen Aufruf an das beutsche Bolf. Die Liste der Unterzeichner beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit: Siegfried Breslauer vom Berliner Lokal- Anzeiger" und endet mit Reinhold Bulle vom„ Deutschen Tageblatt". SP Aus dem Munde der Kinder. Bon Arturo Giovanniiti. Die Dame jaß im schimmernden, Saal am Tisch, beleuchtet von tofigen Wachsterzen. Ich blickte von der Straße hinein und wußte nicht, mas am meisten glänzte: die junge blaugefleidete Holdheit der Dame, der feusche Schimmer des Tischtuches oder das Gleißen des Lüfters, das Silber, das Gold, das Kristall oder vielleicht der strenge glänzende Schädel des feierlichen Kellners. Aber ich mußte, daß der Kellner um der Dame millen da mar und nicht dei Dame um des Kellners willen, wie manche vielleicht glauben. Die Dame aber war da um der zarten, frierenden kleinen Hündin millen, die sie im Arm hielt, und die fleine Hündin hatte die Bfötchen auf das schneeweiße Lifchtuch gelegt, während sie von der Dame gefüttert wurde, liebevoll und fürsorglich; ihre Nahrung war: Seele und Gehirn des Kellners, mit goldenem Löffel in filberner Schüssel Derrührt. Allein saß die Dame im schimmerden Saal, beleuchtet von Infigen Wachsberzen. Ich betrachtete sie durch das mit Eisblumen umspennene Fenster, und sie deuchte mich Hebe, die den letzten lebenden Gott mit Nektar[ abt. Draußen vor dem Alabastertor wartete der große schwarze Bagen, und neben mir stand ein kleiner Zeitungsjunge, mit den Augen die duftige Schönheit der Dame verschlingend oder vielmehr die föstliche Speise der zitternden Hündin. Ich schaute den Jungen an und blidte tief in seine gierigen Augen und fragte:„ Boran denfft du, fleiner Freund?" Er erwiderte: Ich habe in vier Stunden sechs Zeeitungen ver fauft, und nun find die anderen feucht und alt, denn Zeitungen altern rasch und sterben in wenigen Stunden." Und er sprach meiter: Meine Mutter ist tot, mein Vater im Zuchthairs, ich aber habe in vier Stumben nur sechs Zeitungen Derfauft. Und er fagte: 3ch wollte, ich wäre jener Hund." Wieder betrachtete ich ihn; feine Augen waren voller Tränen, die nur Frauen begreifen junge Trönen, über die Männer lächeln. Und ich erwiderte:„ Ja, mein Junge, wärst du jener Hund, du würdest heute beftimmt genährt und geliebfoft werden." Und wenn du auch deine Mutter nicht mehr zu füssen vermagst, fo dürftest du wenigstens die Hand deiner Herrin lecken, denn sie ist reizend und lieb, nicht wahr?" Er hob zu mir die Augen, die großen, blauen, tränenfeuchten Augen, fie blickten zornig, und durch zusammengebisfene Zähne antwortete der fleine Zeitungsjunge: .Nein, Gott verdamm mich, ich würde ihr die Nase abbeißen!" Und schon lief er fort, hinein in den tobenden Schneesturm. Bor ihm aber schaute ich die Somme, die große, die marme, bee frahlende Sonne und Flugblätter verlassen, sondern müssen in dauernder münd licher Werbearbeit wirfen für einen großen Erfolg unseres Kandidaten Otto Braun! Aufruf für Ludendorff. ,, Der Kandidat der nationalen Oppofition." Zugunsten der Präsidentschaftskandidatur Ludendorff wird jest von den Nationalsozialisten ein Aufruf erlassen, der von Adolf Hitler, den völkischen Barlamentariern Baŋerns und einer Reihe nationalfozialistischer Bersönlichtelten aus Thüringen, Sachsen, Schlesien fomie von Dr. Schlange Berlin unterzeichnet ist Es mird barin zunächst vor dem Erfüllungspolitiker Jarres gewarnt und banu u. a. ertlärt: In diesen Stunden vermögen wir uns aber nicht mit einem bloßen Brotest abzufinden, fondern fühlen es als unsere licht, her Randidatur antinationaler Boltsfeinbe ober nationaler mittelmäßigteit eine Stanbibatur ber nationalen Energie ent gegenzufezen. Bir Männer der nationalen Oppofition schlagen beshalb alien jenen deutschen Männern und Frauen ohne Unter schiad ihrer Parteizugehörigteit, die in der fortsegung der No. Demberpolitit nach innen und außen Deutschlands Untergang fehen, den Generalquartiermeister bes Weltkriegs, General uden dorff, ais Kandidaten für die Präsidentschaftswahl vor." Theater am Surfürstendamm: Phi- Phi". Benn dieses Stüd mirklich in Baris und in Wien Erfolg gehabt hat, so muß es anders ausgesehen haben als in Berlin, muß anderen Tert, andere Musif, andere Frauen und andere Régiereize besessen haben. Der Theater zettel mit den Namen Phidias und Berifles läßt an eine Parodie auf griechische Geschichte denken; und ein von Räthe Saad ted ge sprochener Brolog läßt Thorheit in anmutiger Farm, Wiz im Un finn erwarten. Statt dessen: Der ehrwürdige Meister Phidias findet ein Modell für die Tugend- Statue; da sie aber nadt vor ihm stehen soll, mischt sich Frau Phidias in den Handel und läßt ihrerseits die Hüllen fallen, nicht ohne einen fyrischen Prinzen auf ihre Schönheit aufmerksam zu machen. Aus diesem Auszugstück wird fein Bug ftüd; denn es paffiert mirtlich außer diefer leberquerliebelei ganz und gar nichts. Drei Atte lang foll man an diesem schönen Frauen aft zehren; zu menig für das Geld der reichsten Bürger, die sich so etwas auch außerhalb der Bühne ansehen fönnen. Mühselig füllen Morgan und Adalbert die Zeit mit Kalauern und getanzten Schnobdrigkeiten. Als Berifles auftritt, trägt er einen Feldherrn stab, der oben das Hakenkreuz, unten den Stern Davids aufweist. selber, das richte sich wohl nach der Jarres- Zeit". Bester Witz des Frage des erstaunten Morgan, mas nun richtig sei. Er antwortet Abends. Eine Komödie ist das nicht, zum Schwant fehlt der Inhalt, zur Parodie der Geist, zum Kaverick das Tempo, zur Difen bachiabe der Komponist. Was Henri Christine an Mufit bei steuert( ficher 15 Nummern), ist states, belanglcies, übliches Zeus, ohne Pointen, nach unfeliger Café- Jazz- Beisheit. Auch die schönsten Körper einer Hella Kräty und Trude Reiter fonnten über die Körperlosigkeit der Sing- Komödie nicht hinwegtäuschen. Das kleine Ballett im zweiten Att( einstudiert von Jutta Klamt) hatte Schwung. Der Beifall galt den Spielern, nicht dem Wert. K. S. Was Bellamy nicht vorausfah. Der Verfasser des gelesensten Zukunftsromans, der Amerikaner Eduard Bellamy, würde am 26. März feinen 75. Geburtstag feiern, menet er nicht bereits im Jahre 1898 gestorben wäre. Sein Buch aber, der Rüblid aus dem Jahre 2000 auf 1887", ber 1888 erschien, wird noch immer viel gelesen, und es ist intereffant, einmal festzustellen, wieviel von seinen Boraussagungen sich bereits jet bewahrheitet hat. In Reclams Universum" betrachtet Wolf Marwein Bellamys Zukunftstraum unter diesem Gesichtspunkt, und er findet so manches heut erreicht, was der Amerikaner für das Jahr 2000 vorausfab. Die Hausarbeit lastet, besonders in Amerika, das Frauenstimmrecht ist vielfach geist durch mechanische Hilfswerkzeuge bereits in großem Maße entwonnen, auch die Gleichberechtigung der Frau und der Berufswahl ist grundfäßlich anerkannt. Die damals als besonders fühn empfundene Idee, Borträge und musikalische Darbietungen durch Ferns übertragung in jedes Haus zu bringen, ist durch den Rundfunk ver wirflicht, und auch die Aussicht auf eine schornsteinlose Großstadt wird durch Benutzung der Elettrizität als Bärmequelle in den Be reich der Möglichkeit gerückt. Sogar der Bölkerbund ist vorhanden, wenn er auch freilich noch nicht das Reich des Friedens becaufgeführt hat. Gar manches aber besigen mir heute, von dem sich der Prophet 1887 nichts träumen ließ. Das fenfbare Luftschiff und Flugzeug die Stickstoffgewinnung aus der Luft, das Festhalten der mensch lichen Stimme auf der Grammophonplatte, Fernphotographie und Telegraphie sme Draht bas find alles Dinge, die feinen Zu | mar verloren hatte. Diefe Feststellung hätte vielleicht auch nichts an der Freisprechung der leichtfertigen Angeklagten geändert, aber es wäre doch wenigftens baburch der letzte Schein der Berechtigung für jene niederträchtigen Klatschereien über Ebert beseitigt worden. Reichspräsident Ebert ist durch die vielfachen Berdächtigungen umb Beschimpfungen, gegen die er nur in den allergröbften Fällen die Hilfe der Gerichte in Anspruch nahm, norzeitig in der Gesundheit zermürbt und dadurch einem frühen Tode überliefert worden. Rach feinem hinscheiben tann ihm die Feststellung des Weimarer Schmurgerichts, baß er sich untadelig be nommen habe, persönlich feine Genugtunung mehr bringen. Aber ba Gbert tot ift, tann fich die Berleumdung jeg ja anderen sozialdemokratischen Objekten zuwenden.. Des chilenischen Präsidenten Wiederfehr. Habas melbet aus Santiago de Chile, daß der nor menigen Monaten durch einen Militärputsch vertriebene Präsident 21 effanbri bort angefommen ist. Er murde vom Bürgermeister, bem Ministerpräsidenten, den Mitgliedern der Junta, dem diplomatischen Rorps unb einer großen Anzahl von politischen Persönlichkeiten empfangen. Die Benölferung hat ihn begeistert begrüßt. Präsident Alessandri hat seint Amt mieder übernommen. tunftsmenschen unbekannt moren. Freilich hat ims der Krieg auch manche der Bernichtung dienende Erfindung gebracht, wie die Giftgafe, von denen er nichts ahnte. Und so ist die Artlichkeit doch noch erfindungsreicher und phantastischer gemefen, als die fühnste Ein bildungskraft des Utopiſten. Ein Stromerzeuger von 600 000 Bolt. Um die von Miethe entbedte Umwandlung des Quecksilbers in Gold in großem Maß fiabe auszuführen, mird jetzt für die Laboratorien ber Universität Paris ein Generator gebaut, der einen direkten Strom von 600 000 Bolt erzeugt und damit die höchste Spannung hervorbringt, die jemals durch direkte Ströme hervorgerufen worden ist. 3war ist eine Spannung von 2 Millionen Bolt durch Wechselströme erreicht worden, aber diese Form der elektrischen Kraft ist für die Zer. trümmerung der Atome durch Bombardement nicht verwendbar. Der neue Riesengenerator foll aber hauptsächlich zur Atomzertrüm merung verwendet werden. Sodann will man ihn auch zur Er zeugung von turzwelligen Radioftrahlen für die Behandlung des Strebjes verwerten. deutung, die die Industrie der Kraftfahrzeuge in den Bereinigten Die amerikanische Autoindustrie in Zahlen. Die gewaltige BeStaaten gewonnen hat, geht aus den Zahlen hervor, die in der limschau" veröffentlicht merben. Danach find gegenwärtig bei der Herstellung von Straftwagen 3 105 350 Arbeiter tätig; bazu tommen dann noch diejenigen, die mittelbar von der Autoindustrie leben. Dazu gehören 1 220 000 Berufschauffeure, 260 000 Agenten usw., 60 000 Arbeiter, die mit der Herstellung des Betriebsstoffes be schäftigt sind. Die Zahl der Leute, die im Straßenbau, mit der Fabrikation von Werkzeugmaschinen, mit der Herstellung von Automobilfabriken usw. beschäftigt find, läßt sich nicht annähernd schäzen. Erftaufführungen der Woche. Mittw. Refidength.: Bunbury. Doan. Komödienhaus: atem". Sonnab. Metropolih.:„ Tausend fabe Beinen". Urania- Borträge. Täglich: Megifon Jnbienfilm. Mittwo. 7: Der Berbegang einer Tageszeitung. Wittm. 5. Sannab: Unter dem Schatten des Nordpols. Sonnab. 7:, Die Deutsche Kleinstabi In dem Wagner- bend des Berl. Sinf Driters am Sonntag 8 Uhr im Blüthner- Saal wirft Wilhelm Guttmann( Bariton) als Solift mit. Bruno Walter, der gegenwärtig in Report Yonzertiert, ist auch in diesem Jahre zum ersten Retter der Londoner deutschen Obern- Sealon, be rufen worben. Auch die Zeitung der Salzburger Festspiele ist ihm übertragen. Anna Bawlowa wird im September eine Anzahl Choreographischer Abenbe in Deutschland mit ihrem Partner Noviloff sowie fünf ihrer hellen Solotangpaare absolvieren. Schwimmende Sanatorien auf der Wolga. Stei große Bolgabampler werden auf Stoften der Moskauer Sanatorien Bereinigung umgebaut und als Erholungsheime für Retonvalefsenten eingerichtet. Auf jebem ber beiben Diele Schiffe werden dann je zwei wöchentliche Fahrten auf der Bolga ham. Schiffe foüen 400 Plähe für erholungsbedürftige Arante eingestellt werden. auf ihren grögeren Nebenflüffen unternehmen Nach Beendigung einer felchen Fabrt toerben die Bläge einer nenen Bartie von Batienten ein geräumt. Die Blake auf den Schiffen find anschlieglich für Mitglieber ber Gewerthaften bestimmt. Die erften Fahrten begimen am 15. bai Republikanischer Kandidat ist Otto Braun! Wedding. Im Schultheiß, Chausseestraße, ergriff gestern abend vor über. füllter Bersammlung Genosse Lipinski das Wort 31 einer eingehenden Abrechnung mit den Kandidaten der Rechten, die jämtlich Helfershelfer bei ber bereinführung der Monarchie reären. Diese Leute feien um so eher abzulehnen, als es sich bei Der Arbeiterklasse nicht nur um einen Stampf um die Staatsform, sondern um die Erlangung eines menschenwürdigen Daseins über haupt handele. Der ganze Wahlkampf der Rechten ist ein einziges großes politisches Geschäft. Wir haben als Barbet des arbeitenden Boltes. das die deutsche Republit überhaupt erst geschaffen hat, vol. ten anspruch barauf, abermals ben Reichspräsidenten zu stellen, zu mal der vorhergehende fein Amt in der vorbildlichsten Weise ver. maltet hat. Leider haben die Arbeiter ihre politische Macht noch nicht erfannt, denn sonst wäre es nicht möglich, daß die Arbeiter preffe im Vergleich au ber bürgerlichen in einer fehr geringen Auflage erscheinen muß. Hier, aber auch im Bergnügene, Sport, Spiel u. a. unterſtühen Arbeiter den gemeinsamen Gegner. Dabei hören diese Beute nicht auf. uns mit den gemeinsten Waffen zu helämpfen. Der neueste Schlager ist die Sensationsmeldung, daß der Genosse Dito Braun Ruhrgelder empfangen hätte. Man muß sich fragen, woher diefe Leute noch den Mut zu solchen Dreiftigteiten nehmen. Es hat sich gezeigt, daß sie weber in der Aufwertungsfrage noch sonst irgendwo auch nur den Bersuch gemacht haben, bas zu halten, was sie vor dem 7. Dezember versprochen hatten. Besonders in der Frage des Wohnungsbaues hätte auf Grund der Einnahmen aus der Mietzinssteuer unendlich viel zur Milderung der Not geschehen fönnen. Wir wiffen, daß die Republit umferem Ideal, dennoch ist sie rein formell so, daß wir sie in Rich. auf dem Spiele steht. Eo wie sie ist, ist sie gemiß noch nicht nach tung unseres Ideals ausbauen fönnen. Segt alle Kraft ein für Otto Braun, dann ist der Sieg unfer.( Sürmischer Beifall.) Die Diskussion unterstrich noch die Ausführungen des Referenten. Die Bersammlung fand mit einem Schlußwort des Genoffen Lipinski und einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratische Partei ihr Ende. Baumschulenweg. Die geftrige Wählerversammlung in Baumschulenweg war sehr gut besucht. Gen. Kuttner schilderte die geschichtliche Ent midlung, die von der Monarchie zur Republik. Der Redner be schäftigte fich damm mit der gerechten sozialen Politit Friedrich Eberts, der ehrenvoll auf dem Bosten gestorben fei, auf ben ihn die deutsche Arbeiterschaft gefekt hatte. In feinem anderen Bande ber Welt jei eine solche Hege gegen den Präsidenten möglich gewesen; in Amerifa z. B. empfehlen sich die Kandidaten vor der Wahl burch den Nachweis irgendwelcher prattischer Arbeitsleistungen. Der Ent widlungsgang Eberts hat Berounderung erregt, während unsere ehemaligen Diplomaten in der ganzen Welt als nicht sehr befähigt verschyrien waren. Die Reaktionäre wollen sich heute in das gemachte Bett legen, um dann zu behaupten, daß sie das Regieren beffer verständen. Das Bolt hat die sechs Jahre ber Erschütterungen vergeffen; damit rechnen jene. Jarres ist zur Randidatur gelangt, ,, weil man ihm nichts nachsagen könne". Die Deutsche Tageszei tung" nennt ihn feinen Titan; er sei ohne Format. Bir fennen seine absolute Farblosigkeit, wissen, daß er nur ein Ber legenheitsprodukt ist. Ebenso unmöglich sind die Standibaten held und Ludendorff. Der Referent nahm dann Bezug auf die sensationellen Standele, denen er die Affären früherer Zeiten gegenüberstellte. Eingehend schilderte er die Iügnerische Bo Titit ber Bürgerligen. Die die Geldströme in die Tasche ber Bestzenden leiten wollen. Wenn in der Republit fapitalistische Bolitit getrieben wird, dann find die Wähler allein daran fchuld. Schon ber erste Wahlgang muk gum ftarten moralischen Erfoln der Republifoner führen. Genoffe Dito Braun, sagte der Red mer weiter. hat bas Format, eine leitende Stelle zu befleiben. Seine bisherige Tätigteit gebe den Beweis dafür. Nicht aus Meinlichen Grünben foll mieder ein Sohn des Boltes, ein Republikaner, ein Sozialist den Bosten befleiden, sondern um unserer Staatsform den wahren Inhalt zu geben. Die Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Pankom. In Lindners Festsälen in Pantom sprach gestern vor über voller Versammlung Genoffe Staatssekretär Heinrich Schulz und Genoffe Bied tte. Genoise Schulz gedachte des heimgegangenen Reichspräsidenten. Er mies auf den zweiten Magdeburger Brozeß hin und daß hier Eberts Person immer reiner in den Bordergrund frete. Ebert ist tot, boch fein Geist lebt. Deutschland ist Republik und wird es bleiben, wenn das Bolt auf dem Boften ist. Eberts großes Berdienst ist die Erhaltung der Republit. Seit Monaten mühlen und heizen die Rechtsparteien gegen fie und heben cinen Mann auf ihren Schild, der da gesagt hat, daß das Rhet n Zeugenaufmarsch in Magdeburg. Immer noch um Eberts Treptower Nede. B. S. Magdeburg, 21. März 1925. Bei Eröffnung der heutigen Sigung durch Landgerichtsdirektor Rudolf wurde als erste Zeugin Frau Elisabeth Jenisch aus Röpenid vernommen, die die Treptower Bersammlung mitges macht hat. Die Zeugin schildert dann in der üblichen Weise den Berlauf der Treptower Versammlung. Bezüglich der Rebe des per storbenen Reichspräsidenten erinnert sich die Zeugin der Worte: Die Arbeit wird wieder aufgenommen. Ihr befommt nähere Nachrichten durch die Vertrauensleute." Dieser Sak Eberts sei die Antwort auf Burufe gemeien, die von der Zeugin und beren Arbeitskolleginnen gekommen feien. lanb seriaden müjje, um es später mit Waffengewalt wieder zurückzugewinnen Bezeichnender kann dieser Mann seine Ziele nicht unterstreichen. Und darum gilt es einen Kampf bis zum äußersten. Redete nicht Jarres auch in der Philharmonie von Reform der Verfassung"? Bolfsgenoffen, jeid auf eurer ut vor diesem Rechtsfandidaten, dem Freund Killingers, Schulz und Zillessen, ber Graberger- Mörder. Jarres ist und bleibt der Stantibai der Ausbeuter und Schwerinbu ftrie unter allgemeiner Heiterfeit wies der Rebner auf die Ran didatur Ludendorffs hin. Warum haben die Kommunisten, die Steigbügelhalter der Deutschnationalen, nicht statt Thälmann Scholem oder Ruth Fischer nominiert? Beil sich die Kommunistische Bartei durch die Lehtgenannten felbft gerichtet hätte. lind nur darum wurde der Hamburger Transportarbeiter Thälmann auf. gestellt. Wir müssen den Gedanken der neuen Zeit vertreten, für berechtigung gegen jebe Ausbeutung der Arbeitertiaffe. Diese Ge politische Freiheit, für Frieden und menschliche Eristenzwähr bietet uns allein unser Kandidat Otto Braun, ber bie Bolksgenoffen gebührend vertreten wird. Genoffe Liedtke sprach im gleichen Sinne. Ein donnerndes Hoch auf die SPD. beendete die Kundgebung. Brig. Alles um einen Hafenbraten. Aus Angst vor Strafe meineidig geworden. Um der geringen Bestrafung wegen eines Jagdvergehens zu der Arbeiter Adolf M. aus Eggersborf bei landsberg eines entgehen, hatten sich der Bäckermeister Mag M. und dessen Bruder, falschen Beugen bedient. Aus diesem tleinen Anlaß wurde für fre imb den falschen Beugen, dem Zimmermann Wilhelm F., ein schwerwiegendes Meineidsverfahren, das sie auch ins Zuchthaus gebracht hat. Die beiten Brüber M. waren Leidenschaftliche Jager und hatten sich in der Nacht zum 28. Oftober 1908 auf die Hafenjagd begeben. Bon einer Patrouille wurden sie in der Feldmarrt, als fie auf Anstand lagen, abgefaßt, gaben das Bildern auch zu, indem sie lachend erklärten, sie wollten auch einmal einen Hasenbraten effen. Nachdem bas Grafverfahren eingeleitet worten war, änderten sie ihre ursprüngliche Angabe und behaupteten, nicht gewildert zu haben. Vielmehr wollten sie auf der Jagd nach Einbrechern gewesen sein, die in der Nacht versucht hatten, einen Angaben wurden burch den Zimmermann 5. bestätigt. Den An Einbruch auf dem Grundstück des Bädermeisters zu verüben. Diese getlagten nugte bas nichts, denn das Gericht erkannte, daß es sich um eine fcule Ausrede handelte und verurteilte beide Brüder sowohl in der ersten als auch in der zweiten Srftanz, obwohl auch da noch F. bei seinen Angaben blieb, baß er gefehen habe, daß die beiden M. Einbrecher verfolgt hätten.. blieb auch als Ungeflagier Dor In einer fehr gut besuchten Bersammlung in Briz sprach Ge- Gericht bei seiner Angabe. Es wurde jedoch erwiesen, daß er sich noffe Abolf Hoffmann. Er würzte feine Rebe in feiner be. zuerst gefträubt hatte, falsches Zeugnis abzulegen und erst durch Max fannten volkstümlichen Art mit zahlreichen Episoden aus ber Ber hatten ihn vor der Gerichtsverhandlung von Haufe abgeholt und sich . auf vieles Zureden dazu veranlaßt worden war. Die Brüder gangenheit. Er war von dem Landtagspräsidenten v. Krücher unterwegs vergewissert, daß er auch richtig" aussage. Das Schwurfeiner Zeit zur Ordnung gerufen worden, weil er die Wahl des preußischen Königs durch das Bolt verlangt hatre. Diefes Bergericht des Landgerichts III hielt die Schulb der brei Angeflogien rat, fuhr Hoffmann fort, ist heute Wirkiihkeit geworden. Tir aber Mar M. zu 1 Jahr 6 Monaten, Adolf M. zu 1 Jahr Zuchthaus verlangen betrachtete der Präsident als Hochverrat. Dieser Hoder für erwiesen. F. wurde wegen Meineibes in zwei Fällen zu 1 Sahr 6 Monaten Zuchthaus, und wegen Anftiftung zum Meineide murde fehnen uns nach den Zeiten, die vor dem Strieg gewesen find, nicht urteilt. Außerdem wurde bei sämtlichen Angeklagten auf 3 Jahre zurüd. Bir hatten nach dem Urtell felbft der Monarchifter ein en Cheverluft erkannt. unfähigen Monarchen, der nicht einmal in der Lage war, Die Untersuchungshaft wurde in Höhe von 7 Monaten angerechnet, jedoch wurde die Haftentlassung abgelehnt. eine Ratgeber zu wäh.cn unb fich feine Ratgeber zu ha.ten. Als der Zusammenbruch fam, hat sich der Monarch, um es volkstümlich aus. - Die Justizreformer beschäftigt schon lange die Tatsache der überzudrücken, geholländert. Wenn wir die Republik mit fozia ftenz rüdfichtslos vernichtenden Zuchthausurteilen. Der vorliegende hand nehmenden Meineidprozesse mit ihren die Eri lem Inhalt erfüllen wollen, dann dürfen wir auch nicht vergessen, Fall ist typisch dafür, wie durchaus ehrenhafte Leute sich burch bie Frauen zu uns hinüberzuziehen. Wir haben jahrzehnte Angst und Unbesonnenheit zit Schritten perleiten laffen, in die lang für das Wahlrecht der Frauen gestritten, obwohl wir wußten, Justizmaschinerie geraten, und nun durch den Meineidsparagraphen daß die Frau in der ersten Beit ihrer politischen Betätigung real für ihr weiteres Leben vernichtet werden. tionär wählen würde. Wir müssen aber die Frauen aufklären, baß fie richtig wählen. Jarres fann es nicht bestreiten, daß er trosbem er Don den Bartelen, die sich das Nationalgefühl haben patentieren lassen, aufgestellt hat, bas Rheinland hat preisgehen wollen, um es in einem neuen Krieg zurückzuholen. Wir aber wollen einen neuen Krieg. Wir wollen die soziale Republik und barum freten wir für unseren Kandidaten, Genoffen Otto Braun, ein. In Auseinandersehungen mit den Kommunisten fertigte Genoffe Hoffmann auch diese fehr wirffam ab. Mit einem Hoch auf Die Sozialdemokratie und Republit schloß der Leiter die ausgezeich net verlaufene Berfommlung. Eine Reichsbannerkundgebung. Die Ortsgruppe Beißenfee des Reichsbanners Schwarz Rot Gold veranstaltete am Freitag abend in den Boruffia- Sälen eine republikanische Rundgebung, in der an Stelle des Derhinderten Reichstagsabgeordneten Genoffen Künstler der Göttinger Reichstagsabgeordnete Redakteur Genolje Schiller über die Bebeutung der bevorstehenden Präsidentenmahl für die deuliche Republit referierte. Die deutschen Republikaner müßter gefdloffen stehen, um den monarchistischen Intriganten, dien unter dem Ded mantel ber Ueberparteilichkeit den Monarchisten Jarres auf den Schub erhobent hatten, eine geschlossene Bront der entschiedenen Republikaner entgegenstellen. Es gilt, einen Bürdigen mit dem großen Groe Frig Eberts zu betrauen. An der Spige der deutschen Republit muß ein Mann stehen, der bereit ist, mit dem Ginjah feiner ganzen Bersönlichfeit die heilige dee des republitanischen Staates gegen alle iberlacher zu verteidigen. Es muß ein Mann aus bei Tiefen des Bottes fem, die nöte der Boltsfecle fennt und in lebendiger Berbindung mit den breiten Daten steht. Nach Schluß ber Sundgebung formierte fich ein Sug von etwa 600 Reichstanner. Icuten, der geschlossen in die innere Stadt marschierte. Da man mit Störungsverfuchen der Kommunisten gerechnet hatte, waren aus den einzelnen Distritten Schußabieilungen des Reichsbanners ge stellt worden. Während die Kundgebung felbft ohne Zwischenfall verlief, fam es beim Abzug der Reichsbannerlaute zu Störungsversuchen der kommunisten, die vielleicht verhängnisvolle Folgen hätten zeitigen tönnen. Aus den Seitenstraßen brachen einzelne Irupps des Roten Jungsturms, die den Zug der Reichsbannerleute eine Strede des Weges begleiteten und mit Schmährufen überschütteten. Troßdem die Situation teilweise recht fritisch mar, tem es dant der Disziplin des Reichsbanners zu feinem tätliggen 3ufammenstoß. Auf Befragen des Borsigenden gibt der Zeuge an, daß er den christlichen Gemertfchaften angehöre. Der Dreher Frih Siemann aus Braunschweig hat den Januar streit in Berlin mitgemacht, und wurde dann, nach seinen Angaben, bis Kriegsende fahnenflugtig. Der Beuge war feinerzeit in der Spandauer Artilleriemerfffatt tätig. In der Treptower Verder Spandauer Artilleriemertffatt tätig. In der Treptower Ver sammlung habe er Eberts Rede gehört, der feine Ausführungen mit der Mitteilung begonnen habe, daß die SD. in die Streifleitung eingetreten fei. In der Bersammlung murde aur Fahnenflucht aufgefordert Das war es, was ich braudyte, denn ich trug mich mit dem Gedanken schon. Wollten Sie viel Borf.: Das haben Sie wirklich gehört? leicht das blok hören? Jenge: Nein. Ich wunderte mich darüber, benn ich hatte etwas von Ebert nicht erwartet. Siemann: Der USD. Borf.: Belcher Bartet gehörten Sie damals an? fo Zeuge Der folgende Zeuge war der Geschäftsführer der Deutschnationaten Boltspartel auf Rügen, Marohn. Der Zeuge arbeitete 1918 bei den Bergmann- Werfen in Berler. Bon Unabhängigen fet schon lange vorher von dem fommenden Streit gesprochen worden, feffors Weber aus Heidelberg, der eingehend den Berlauf des Streits Der Borsigende verlas hierauf die Aussage des ertranfien Bro. wobei man unterſtügung und Hilfe ber mehrheitsfozialistischilderte. Er habe versucht, durch Bermittlung den Streif fchen Führer ablehnte, weil diefe zu feige feien. Borf.: Sie sollen Nachrichten an einen Marien oder Wahl in Bremen gegeben haben, der dem Freien Ausschuß zur Er langung eines Arbeiterfricdens" angehörte. Wenigstens behauptet das Herr Wahl. Vorf.: Jeuge: Die Organisation fannte ich überhaupt nicht. hat sich der Eintritt der SPD. in die Streitleitung in Ihrem Betriebe bemerkbar gemacht? Zeuge: Jawohl, denn danach lief alles aus den Betrieben heraus. Am Tage der Treptower Versammlung erzählten mit Kol Legen am Alexanderplaß, daß Ebert und Dittmann gefagt hätten, wir brauchten den Stellungsbefehlen nicht mehr gehorchen. Manche Rollegen behaupteten, daß Ebert bas gefagt habe, an bere mollten es von Dittmann gehört haben. R.-A. Dr. Luetgebrune: Bor unter Ihren Stoffegen nach der Treptower Berfammlung die Auffassung vorhanden, daß man nun die Stellungsbefehle nicht mehr zu fürchten braucht? 3euge: Gewiß. Es wurde auch ganz offen im Betriebe daman gesprochen. Ruthann R. Stefte aus Adlershof war während des Streifs vei der Firma Lorenz tätig. Er bekundete, daß die mehrheitsfozialistischen Funttionäre ihnen nach der Treptower Bersammlung gefagt hätten, daß sie sich nach den Ausführungen der Redner an bic Partei menden sollten, falls fie eingezogen würden. Die Leute feien hoffnungsfreudig gewesen und hätten erzählt: Tun wird der Krieg bald zu Ende sein. Die Arbeiter in anderen Städten stehen zu uns, so schnell als möglich zu beenden, nachdem Stantaferretär Ba1!, raf die Woordnungen der Arbeiter unter Führung Scheidemanns abgewiesen hatte. Bei seiner Unterredung mit Ebert und Scheide mann fei der letztere fehr aufgeregt, Gbert aber sehr ruhig gewesen. Eberts Berhalten sei das Gegenteil von dem eines Mannes gemesen, der den Streit fördern wollte. Auch heute noch ist es meine Ansicht, daß Wallrafs Berhalten unzwed mäßig mar, daß man in München ben Sonflift viel geschickter gelöst hat. Wenn Eberts Rede im Hauptausschuß am 23. Januar 1918 eine Streitbrohung gewesen wäre, hätte ich meine Beziehungen zu ihm abgebrochen und seine gesellschaftliche Stellung wäre auch sonst er. Schüttert worden, feine Beziehungen zu den Behörden erledigt ge wiesen. Eine Liebestragödie. Dort wohnt in her Bollanfstr. 16 die 45jährige Frau mach now. Einen blutigen Abschluß fand ein Liebesverhältnis in Bankom. hie von ihrem Chemann getrennt lebt. Bei ihr wohnte der 36jährige Arbeiter alter Böhme. Die Zuneigung, die die beiden zufammengeführt hatte, hatte sich in der letzten Zeit in Abneigung verwandelt. Frau Machnow versuchte jetzt, Böhme zu veranlassen, sondern äußerte, wenn von einem Auszug die Rede set, so würden aus der Wohnung auszuziehen. Dieser dachte aber nicht daran, jie beibe ausziehen. Frau Machnow hatte die Räumungsflage gegen ihn angestrengt und der Untermieter war verurteilt worden, auszuziehen. Da er sich aber immer noch weigerte, sollte in den nächsten Tagen ein Gerichtsvollzieher fommen. und ihn zwangsweise entfernen. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr fam es zwischen Frau Machnow und Böhme wieder zu Streitigkeiten, die diesmal damit endeten, daß Böhme einen Revolver zog und auf Frau Machnow einen Schuß abgab, der diese schwer am Kopfe verlegte. Dann tötete er sich felbft durch einen Schuß in das rechte Ohr. Die schmerverlegte Frau wurde non herbeieilenden Nachbarn und Beamten der Schugpolizei in bedenklichem Zustande in das Krankenhaus Bartow gebracht. ... Sie wollen nur Kanonenfutter". eitter Rotig mit dieser Ueberschrift die Mitteilung. daß im Landes. In Kr. 121 vom 12. März( Abend ausgabe) malen wir in berband der inberreiden ein Generalmajor a. D. Dig tätig ist, und wir bemerkten nebenbei, bak er ein Monatsgekal: bon 600 m. beziehe. Generalmajor a. D. Tir legt Wert auf die gefstellung, bas zwar feine Borgänger 600 m. Monatsgebalt he 3ogen baben, daß aber jest jein Gehalt 263 9. für den Monot beträgt. Bund religio er Sozialisten, eufour. Montag, den 23, abends 7%, 116r. findet im Gemeindeinal bertoitr. 9 ein Aussprache- bend mit Gegnern unferer Beweguna statt. Genosse Grich Boeppel spricht einleitend über Setischaft und Bruberschaft, Staat und Gemeinſchaft. Sport. Diener schlägt Röjemann nach Punkten. Die große Berliner Borgemeinde hatte fich gestern abend wieder fehr zahlreich um den Ring im Sportpalast gefchart. Ernst Rosemann und Franz Diener in den Ring. Das Zur Ausscheidung für bie deutsche Schwergewichtsmeisterschaft tiegen. Treffen der Schmergewichtler fand mie gewöhnlich das Interciſe des Abends. Diener stets vorsichtig und mit guter Beinarbeit im Kampf, fenb, ber aber nicht fam. Dom bedeutend verbesserten Diener ge Rösemann meist ohne Deckung und stets auf seinen Moment" warlang es, Röjemann fo fiart anzuschlagen, daß diefer sich in den fol genden Runden nicht mehr zurüdjand. In der ersten Runde sogar für einige Zeit in die Sinie geschickt, mußte er nach acht unben Diener den Bunftfieg überlassen. Sid Page England mußte in den ersten Runden ben dem jungen, harten Dietmann piel einsteden. Langjam fonnte der Engländer im Rahtampi feinen Bunit perluft aufholen. Nach guten ocht Runden Kompt enbete has offen mit Unentschieben. Zur Ausscheidung für die deutsche Mittelgewichtsmeisterschaft lettertan Domgörgen, und Antono= mitsch durch die Seile. Schon in der zweiten Runde übernahm Domgörgen die Führung und nühte fie gut aus. Trok ber gulen, ähen Berteidigung Antonowitschs mußte er den Buntifieg, nadh 10 Runden, Domg3rgen fiberlaffen. Besonders hatt mitsenommen wurde er in ber legten Stunbe. unte und Seefer II- Koburg freuzten als alte Gegner die Handschuhe. Nach flotten zehn Runben Rampf ging Funte als Bunftsieger hervor. Das Schmerzens zweiten Runde zweimal bis neun zu Boden geschickt, gab dann den find Erich Mielenz murbe non bem fungen BrandI in der Rampf wegen noch nicht völlig wiederhergestellter Gefundheit auf. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Rreis Charlottenburg. Pas Bahtmaterial ift von den Abteilungen ab 7 1hr im Jaenbheim, Stolinenftr. 4. 66,18olen. 45. Abt., Gruppe Stephan. Seute abend 6 Uhr bei Sebestreit, Reichenberger Straße 124, wichtige Sufammen unft und Flugblattverbreitung. Sonntag füh 9 Uhr in den Botolen Minster, Drems und Minnig geblattverbreitung. 83. Abt. Tempelbel. Gonniaa, nadim. 2 Uhr, treffex ile bie Gentoffen und Genoffinnen am erfen Babittenzug int bez Sinde" Friedrich Ratl Cde Berber Sir. Arbelterjugend und Jungfestaliffen müffen erfcheinen. Mach Berlesung weiterer schon aus der ersten Berhandlung befannter Schriftstücke wurde die Berhandlung bann auf Montag Jurgiozialister, Gruppe Tempelhof Mariendorf. Die für Sonntas. den 22. Mär früh 9% 1hr Dertagt. Sozialistischer Gejmpräsident in Lettland. Riga, 21. März.( WTB.) Av Stelle des zur Gesandten in London ernannten Abgeordneten Wesmanis wurde der sozialdemo fratische Abgeordnete Dr. Paul Rainin mit 56 gegen 29 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen zum Gejmpräsidenten gewählt. geplante Fahrt fällt aus. Darie Bete fianng en ber Flueblattverbreitung und mittags 2 Uhr am Propaganbajug. Treffpunkt in der Linde", Friedrich Kart Ede Werder Straße. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rof- Gold". Oefd8ftstelle: Berlin G. 14. Cebaftianfte. 37/38. Sof 2 St. Ramerabichaft Friedrichshain. Conntag, bex 22. 01ära, mittags 12h, Treffen der gefamien Kamerabschaft mit Fahnen ant Bahnho Arbeiterebiinertenbunb, Drisgruppe Berlin. Sonntag. 22. März: Fehrt Genosse Rainin ist einer der ältesten Führer der lettifchen Sozialdemokratie, der auch in deutschen Parteitreisen gut Brankfurter Allee. bekannt ist und in früheren Jahren viel in der deutschen Barteibekannt ist und in früheren Jahren viel in der deutschen Parteiegel- Seiligenfee refratt 9 The Bahnhof Teget. Freunde unfeser Gache find preffe mitgearbeitet hat. I eingelaben. Gewerkschaftsbewegung Für jugendliche Hausangestellte. Für die Eltern der schulentlassenen Knaben und Mädchen spielt nicht nur die Berufswahl an sich eine Rolle, sondern auch die fich daraus ergebenden Gorgen in petuniärer Beziehung, welche Mittel mährend der Lehrzeit erforderlich, h. h. aufzubringen find. Darauf allein ist es zurüdzuführen, wenn die Eltern zunächst daran derfen, ihre Kinder so unterzubringen, daß sich dieselben ihr Brot felbft oder wenigstens etwas zum Lebensunterhalt mitverdienen. Soweit nun Mädchen in Froge fommen, vertreten die Mütter vielfach die Anficht, daß ihre Töchter, bevor diefe einen anderen Beruf ergreifen, sich erst in der Hauswirtschaft etwas pervollkommnen müssen, um später einmal tüchtige Haus frauen zu werden. ir) H. Daß biefer Crport aber nur mögtid fel, men ble fchaft an dem blag auf dem Inlandmartt einen ftorfen Ruchalt habe. Dieser Abjag sei aber nur dann gewährleistet, menu eine entsprechende Rauffraft ber großen Majien ge geben ist. Für diese Kauftraft fei jedoch eine vernünftige Sohn. politik notwendige Borauslegung. Das Niedrighalten der Löhne sei vollkommen unwirtschaftlich. Die Arbeitgeber würden sich daran ge wöhnen müffen, in Zukunft eine Umstellung in ihrer 2ohnpolitit vorzunehmen. Denn das Lohnproblem ist fein fozial. politisches, sondern ein wirtschaftliges Problem Diese Ausführungen find eine Bestätigung deffen, was im Borwärts immer wieder vertreten wurde. In vernünftigen Birt fchaftstreifen muß man wohl oder übel zu der Einsicht tommen, den Arbeitern Löhne zu gemähren, die es ihnen ermöglichen, sich all das zu beschaffen. was ein Kulturmensch für seine Lebenshaltung notwendigerweise braucht, damit in der Wirtschaft die Umfäße er. zielt werden fönnten, die für ihr Gedeihen notwendig find. Da an Stelle der im Jahre 1918 außer Kraft gefeßten Gefinde Durchführung des Reichsbahn Schiedsspruches. ordnungen ein neues Recht für den Hausangeftellbenberuf noch nicht besteht und der Entwurf eines Hausgehilfengefeges vom Die Bezirksleitungen des Deutschen Eisenbahnerverbandes und Reichstag noch nicht beraten und verabschiedet worden ist, bestehen der Reichsgewertschaft deutscher Eisenbahnbeamten und-anmärter auch teine gese glichen Schuhvorschriften für teilen mit: In einer Verhandlung mit der Reichsbahndirektion Jugendliche in diesem Berufe. Bei der Annahme einer Stellung Dresden am Freitag nachmittag murde die Wiederaufnahme in privaten Haushalten haben die Eltern resp. gefehlichen Bertreter der Arbeit im Bezirt Sachfen für den 21. März schriftlich der betreffenden Jugendlichen mit den Hausfrauen refp. Arbeit. vereinbart. Aus den Erklärungen des Vizepräsidenten Kluge war gebern Vereinbarungen zu treffen, in denen für ben Schuß zu entnehmen, daß die Reichsbahnverwaltung bereit ist, gegen förperliche Ueberanstrengung und Regelung einer angemessenen ben Schiedsspruch in allen Zeilen, insbesondere auch be Arbeitszeit sowie ausfömmlicher Koft und gutem Logis refp. Ent- züglich bes Berbots von Maßregelungen, durchzuführen. lohnung Bestimmungen getroffen werden, die vom Arbeitgeber durch. Da durch die Arbeitsaufnahme die für die außerfächsischen Bezirte zuführen sind. verfügte Güterannahmefperre für Sachfen nunmehr aufgehoben wird, ist mit einem besonders starten Güterverkehr zu rechnen, so daß die Streißenden sofort benötigt werden. Es fei besonders darauf hingewiesen, daß in bezug auf das Behrlingsmejen im Hausangestelltenberuf im Dezember 1924 zwischen Bertretern der Organisationen der Hausfrauen und Haus angestellten Richtlinien aufgestellt worden sind, die bei der Aus wahl von Lehrstellen durch die Vertrauensfrauen zu beachten sind. Desgleichen wurden Grundfäße vereinbart, die von denjenigen Haus frauen erfüllt werden müssen, denen als Lehrfrau( Mesterin) Lehr fine zur formgerechten Ausbildung überwiesen werden. Daraus geht hervor, daß nicht jedem Haushalt resp. jeder Hausfrau bas Recht zur Annahme und Ausbildung eines Lehrlings zugesprochen ift. Darauf ist besonders zu achten. Im übrigen ist zur Bedingung gemacht, daß Lehrstellen nur durch das Berufsamt vermittelt merben. Ganz besonders ist zu empfehlen, daß Eltern und Familienange hörige diese jungen Mädchen und auch die älteren im Hausange ftelltenberuf Lätigen auf ihre Berufsorganisation hinweisen und sie ihr zuführen. Die Berufsorganisation ist die einzige Stelle, von der aus die Interessen der Hausangestellten vertreten werden und die ihnen mit Rat und Hilfe in Rechts- und Berufsfragen zur Seite steht. Diese Organisation ist der Zentralverband der Sausangestellten Deutschlands, Gruppe bes Deut. fchen Berkehrsbundes, Bureau ber Ortsgruppe Berlin B., Bayreuther Str. 31. Der neue Lohntarif bei der Reichspoft. Berlin, 21. März.( Tul.) Die Verhandlungen über ben Ab. schluß eines neuen Lohntarifes für die Arbeiter der deutschen Reichs poft haben gestern abend zu einer Bereinbarung mit den vertragschließenden Organisationen geführt. Die Löhne werden danach für alle über 24 Jahre alten männlichen Arbeiter in allen Ortsflaffen, gruppen und gebieten um je bret fen nige pro Stunde erhöht werden. Das Lohnabkommen gilt bis einschließlich 30. Juni 1925, wonach eine monatliche Kündi gungsfrist eintritt. Die Forderung der Arbeitnehmer auf Wie. bereinführung der achistündigen Arbeitszeit wurde abgelehnt. Albin Mohs Ronflikt in ber belgischen Metallindustrie. Brüffel, 20. März.( EB.) Die Berhandlungen zwischen ben Arbeitgebern und ben Arbeitnehmern in der belgischen Metall industrie haben sich zerichlagen. Die Arbeitgeber wollen eine 2ohnrebuftion bon 10 Broz. durchführen, was aber von ben Arbeitern abgelehnt wurde, so daß die Arbeitgeber beichlofien haben, am 1. April die Reduktion von 10 Proz. durchzuführen. Die Arbeiter haben zu diesem unwiderruflichen Beschluß noch nicht Stellung ergriffen. Theater der Woche. Bom 22. bis 80. Mars 1925. Bolfsbühne: 22, 25. bis 27. Gegel am Horizont. 25., 24. un 28. Glud und Jau 29. Gakuntala. 30. Schneider Wibbel. Opernhaus: 22. iba. 23. Moma Lifa. 24. Barbier non Bagdad. 25. Genova. 26. Sa Traniata. 27. Sinfoniekonzert. 28. Boheme. 29.( außer Abonnement) zum ersten Male: Intermesso. 80. Die Entführung aus dem Gerail. Kroll- Opez: 22. Siefland, 23. Tosca. 24. Bajassi, Jofephslegende. 25. Mastenball. 26. Cavalleria, Bajoasi 27. Barbier von Genilla. 28. Die verlaufte Braut. 29. Der fliegende Solländer. 30. Troubadour. Schauspielhaus: 22., 28. und 29, Brinz von Somburg. 23. Candida. 24. Das Rongert. 25. Wallensteins Tob. Schiller- Theater: 26. Beer Gynt. 27. Charlens Tante. 30. Fauft, 1. Teil. 22, 24, 28. und 29. Napoleon: 23. und 25. Bon Morgens bis Mitternacht. 26 und 30. Fuhrmann Senschel. 27. Der Widerspenstigen Rähmung. Rommerspiele: 23., 25., 27., 29. Deutsches Theater: Die heilige Johanna. Sechs Verfonen suchen einen Autor. 24., 26., 28., 30a Die Stüßen der Gesellfchaft. Die Ramabie: 28., 25., 27., 29. Der Krampus. 24., 26., 28., 30. Der Diener zweier Serren. Leffing- Theater: Das Märchen. Theater in ber integrager Straße: 22. bis 25. 2ft laffen uns scheiben. Ab 26. Seimliche Brautfahrt. Deutsches Opernhaus: 22. Die Fledermaus. 25. Der Fliegende Solländer. 24. Boheme. 25. Aida. 26. Eugen Onegin. 27. Tannhäuser. 28. Orpheus in der Unterwelt. 29. Carmen. 30. Entführung aus dem Serail. Großes Echauspielhaus: Mein Miljöh! Theater bes Bestens: Der Graf Don Cagliostro. Renaissance- Theater: Der Rinderlarneval. Die Tribune: Ueberfahrt. Deutsches Künstlertheater: Riquette. Romöbienhaus: 22. bis 25. Seimliche Brautfahrt. Ab 26. Sarem. Berliner Theater: Anneliese von Deffau. Reues Theater am Roo: Die weiße Befte. Trianon Theaters Doshimara. Residenz Theater: 23. und 24. Der Störenfried. Ab 25. Bunburn. Beutral- Theater: Die verfundene Glode. Theater in her Rome manbantenstraße: Ufchi. Komische Oper: Das hat die Welt noch nicht geLuftfpielhaus: Der wahre Jakob. Metropol- Theater: Gräfin Mariza. Dverettenhaus: Der Blonde Traum. Thalia- Theater: Das Dreimäderl haus. Theater am Stolienberfplay: Ein Sommernachtstraum. Theater Rimmerfellner. on Rurfürstendamm: Phi- Phi Aleines Theater: Die Großfürstin und der Wallner- Theater: Romeo und Julia. Goethe- Bühne: Balhalla Theater: Barieté- Borstellung. Rafe- Theater: GraupenMufit. miller. Rafinn- Theater: Der Oberschieber. Jatimes Theater: Gastspiel bes, Berrnfeld- Theater: Wer ist ber Bater? Schloßpark Theater Steglig: Theater im Abmiralspalaft: Roch und Roch! Apollo Drei alte Schachteln. Theater: Die Rächte von Baris. Rachmittagsvorstellungen. Balfsbühne: 22. und 29. Wer Schiller- Theater: 22. Fauft, 1. Teil. 29. Das Konzert. Rammerspiele: 29. Der Raub der Gabinerinnen. Die Komödie: 28. Die Büchse der Bandora. Leffing- Theater: 28. Rinna von Barnhelm. 29. Hase manns Töchter. Deutsches Opernhaus: 22., 29. und 30. Borstellung für die höheren Schulen: Figaros Hochzeit. Rentral- Theater: 22. und 29. Moral. Theater in ber Romandantenstraße: 29. Mein Leopold. Kleines Theater: 29. Sänfel und Gretel. Rose- Theater: 22. und 29. Berlin, wie es meint unb lacht. 28. 1001 Nacht. Schloßpark- Theater Steglik: 22. Schneeweißen velaft: 22. und 29. Noch und Roc! und Rofentot. 29. Tanagaftspiel Dorothea Rnospe. Theater im Admirals. feh'n! 1 meint um Judenad Leben ist unser Genosse Albin Mohs seinem alten Herzleiben erlegen. Nach einem an Arbeit im Dienste der Arbeiterbewegung reichen Er wurde 1867 in Leipzig geboren und erlernte das Drechslerhand werk. Als dessen Blütezeit vorüber, mußte fo mancher Drechsler geselle umfatteln. Mohs versuchte sich zunächst als Berichterstatter bei der Leipziger Boltszeitung. In den Jahren 1889 bis 1893 mar er Borfizender des Dresslerfach vereins in Leipzig, in den Jahren 1896 bis 1897 Borfizender des Leipziger Ges wertschaftsfartells. Er tam dann nach Berlin, wurde in den Bauvorstand des Holzarbeiterverbandes gewählt und war in den Jahren 1900 bis 1902 als Getretär und Rebatteur des neugegründeten Fleischerverbandes tätig. Im Oktober 1904 murde Mohs als Verbandsvorsigender des Gemeinde und Staatsarbeiterverbandes bestellt und in dieser Eigenschaft später auch als internationaler Sefretär ber Gemeinde und Staatsarbeiter gewählt. Während der Kriegszeit war Mohs Expedient des Correspondenzblattes der Generalfommiffion Gemertfchaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: 8. Töffer; Lotales und der Gewerkschaften Deutschlands und der Gewerkschaftlichen Frauenzeitung. Aber auch in der Bartet hat sich Mohs eifrig betätigt, so daß er in Schöneberg als Stadtverordneter gemählt und nach der Revolution als Stadtrat angestellt wurde, wo er fich insbesondere auf dem Gebiete des Arbeitsnachweiswesens hervorgetan hat. Sein Abbqu als Stadtrat verschaffte ihm eine Ruhepause in seinem Birten, der er sich jedoch nicht lange erfreuen sollte. Albin Mohs wird allen die ihm näherstanden, in gutem Andenten bleiben. Neue Löhne in der Maßschneiderei. Die zentralen Lohnverhandlungen für die Maß Schneiderei haben zur Annahme eines Schiedspruches geführt, welcher am 8. März in Erfurt gefällt morden ist. Dieser Schieds Spruch die fieben Städtegruppen eine ohnerhöhung pon 12% to 3. vor. Bam 12. Aprü mird der Sohn in den erſten drei Städtegruppen um 5 und in den folgenden um 4 bzw. 3 Pf. erhöht. Die erste Städtegruppe, zu der auch Berlin gehört, hat einen Spizentohn von 90 63 m. 95 f. Der Lohn für die Damenschneider ift 10 Broz. höher. Die Arbeitgeber der Berliner Damenmaßbranche, welche nur örtlich organisiert sind, haben sich dieser Regelung ange loffen. Damit ist für die Maßschneiberei Deutchlands( über 50 000 Beschäftigte) und in Berlin auch für die Kon Die neuen Löhne gelten ab 15. März. fettionsänderinnen das Lohnverhältnis geregelt worden. Originelle Urabstimmung im Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, findet im Laufe der nächsten Woche in sämtlichen dem Reichsverbande der Bankleitungen angeschloffenen Betrieben euf Beschluß des Schiedsrichterfollegiums im Reichs. arbeitsministerium. im ganzen Deutschen Reiche eine geheime Urabstimmung über die Organisationszugehörigkeit der Bankangestellten statt. Diese Abstimmung ist dadurch erforderlich geworden, daß der Deutfcnationale Hand lungsgehilfenverband und der Gewerkschaftsbund der Angestellten behaupten, in den Bankbetrieben zahlreich pertreten zu sein, während die Bantleitungen übereinstim mend mit den bisherigen Trägern des Tarifvertra ges auf Arbeitnehmerjeite auf dem Standpunkte stehen, daß dies nicht der Fall ist Die Abstimmung soll in der Weise vor sich gehen, daß jedem Angestellten ein Kuvert und eine vorgedruckte Gr. flärung überreicht wird, worin er sich ohne Namensnennung lediglich durch Ankreuzen wie bei der Reichstagswahl für eine der Organi fationen ausspricht oder fich als unorganisiert bezeichnet. Die Stuverts find wie bei einer Wahl verschlossen der Betriebsvertretung zu übergeben, die fie als Sammelsendung dem Reichsarbeits. ministerium übermittelt. Das Reichsarbeitsministerium überfung scheint diesem Herrn unbekannt zu sein. Seine Leute" brauchen nimmt die Deffnung, Auszählung und Zusammenstellung. Das Schiedsrichterfollegium tritt erneut am 3. April zusammen, um alsdann auf Grund dieser Abstimmung sein Urteil fällen. Die wirtschaftliche Seite der Lohnfrage. Nicht nur von Partei und Gewerkschaften, sondern auch von Interessenten, die auf dem Boden der tapitalistischen Birt, Ichaft stehen, wird darauf hingewiesen, daß die Lohnbrüderei nur dazu dient, die Entwicklung unserer Wirtschaft au hemmen. In einem Vortrag, den Georg Bernhard über oftuelle Wirtschaftsfragen im Berband Deutscher Bekleidungsindustrie hielt, legte er dar, daß Erport selbstverständlich für das Gedeihen unserer Wirtschaft die unausbleibliche Boraussetzung Die neuen Lohnabbrude fimb im Bureau des Deutschen Beklei bungsarbeiterverbandes, Sebastianstraße 37/38, Hof 3 Tr. für die Mitglieder erhältlich. Ein reaktionärer Arbeitgeber. Man schreibt uns: Der Inhaber ber Saitlingsfortier. anstalt C. Roeder, Weißenfee, Gustav Adolfftr. 142, mag gemertschaftlich organisierte Arbeiter nicht leiden. Organisierte werden von ihm sofort entlaffen. Der Artifel 159 der Reichsverfaffeinen Berband. Ihre wirtschaftlichen Intereffen nimmt der Herr schon wahr. Wie das geschieht, tommt bei der einseitigen Festlegung der Löhne zum Ausbrud. Sprechen bei der Arbeit ist ftreng ver boten, dafür sorgt der neue Hamburger Meister Herr Martín. Die freigemertschaftlichen Arbeitnehmer der Wurstfabriken werden sich noch mit der Angelegenheit beschäftigen. Es fann ihnen nicht augemutet werden, Därme aus diesem Musterbetrieb zu verarbeiten. Streit der deutschen Diamantschleifer. Hanau, 20. März.( Mtb.) Gleichzeitig mit dem am Montag ausgebrochenen Streit der Hanauer Diamantfchleifer find auch die Diamanticbleifer in& rbach im Odenwald in den Bugftand getreten. Es ftreiten rund 800 Diamantfoleifer. Berantwortlich für Belitit: Ernst Renter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gonftiges: Frig Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlia G. m b. S.. Berlin. 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