Abendausgabe Nr. 13942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 69 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 282-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Montag 23. März 1925 Berlag und Angetgenabteilung: Geschäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250? Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Krise im Jarresblock. Eine Erklärung der Deutschnationalen. Wie der Vorwärts" hatte sich auch die Bossische| eine Krise während der Präsidentenwahl zu vermeiden, sah sich 3eitung gestern mit den schweren Differenzen beschäftigt, die deutschnationale Fraktion zu einem Rüdzug genötigt, die innerhalb des Rechtsblocks ausgebrochen find. Nach ihrem der vom Lofal- Anzeiger" zu einer Flucht verwandelt wird. Bericht soll die von uns dem Sinn nach wiedergegebene Ent. Denn nach dem„ Lokal- Anzeiger" sind die Differenzen zwischen schließung der deutschnationalen Reichstagsfraktion folgenden der Regierung und den Deutschnationalen nur angeblich", Wortlaut haben: die Deutschnationalen sind also volltommen damit ein verstanden, daß Frankreich der Besitz von Elsaß Lothringen, Belgien der von Eupen- Malmedy garantiert wird, daß auf jede gewaltpolitische Lösung der Ostfragen verzichtet und über den Eintritt in den Bölkerbund verhandelt wird mit dem Ziel, ihn auch wirklich zu vollziehen. Auch die gewissen Bedenfen", non benen die offizielle Erklärung der Deutschnationalen mit vorsichtiger Ber hüllung noch spricht, verschwinden hier vollständig. Allbeherrschend ist die Angst, die Wähler fönnten merken, was sich Die Fraktion hegt schwerste Bedenten wegen der Boli. tit des Außenministers. Wenn diese Politik fortgeführt wird, behält sich die Fraktion vor, gegen Berträge zu stimmen, die im Ergebnis der jetzt geführten Verhandlungen abge schlossen werden könnten. Sie verlangt, daß die weiteren Berhandfungen unter unmittelbarer Leitung des Reichstanzlers und in ständigem Einvernehmen mit ihren Vertrauensmännern im Kabinett geführt werden. Zu dieser Darstellung erläßt nun die deutsch natio In der Boffischen Zeitung" vom Sonntag, den 22. März 1925, Nr. 138, findet sich unter der Ueberschrift:„ Die Deutschnatio nalen gegen Stresemann" die Mitteilung von einem Be schluß der deutschnationalen Reichstagsfraktion über Fragen der Außenpolitit, aus dem bestimmte Säße wiedergegeben werden, und von einem beabsichtigten Schreiben an den Herrn Reichskanzler und den Herrn Außenminister. Die Wiedergabe ist un richtig. Richtig ist folgendes: nale Reichstagsfrafti on folgende Erklärung: Verleumder in Verlegenheit. Der Barmat- Schwindel am Ende. Die Berhandlungen in dem Untersuchungsausschuß des Reichstags, der sich mit dem Fall Barmat beschäftigt, sowie auch die Erörterungen in dem Ausschuß des preußischen Landtags, der eigentlich die Hergabe von Krediten der Staatsbant untersuchen sollte, aber sich bisher mehr damit beschäftigt hat, ob Barmat von Sozialdemokraten in feinen geschäftlichen Unternehmungen unterstützt wurde, sind zu einem gewissen Abschluß gekommen und beide Ausschüsse haben ihre weiteren Beratungen bis Mitte April vertagi. Bei den Verhandlungen, die oftmals sehr in die Breite gingen, ist die eigentliche Grundlage des Beweis themas nicht flar hervorgetreten, weshalb es sich lohnen dürfte, im furzen Zusammenhange darzustellen, welche Borwürfe gegen die Partei und einzelne Personen in der Partei erhoben wurden und welches Ergebnis die Erörterungen in beiden Ausschüssen bisher zeitigte. hinter den Stuliffen des„ Reichsblods" abspielt und sie fönnten Behauptung beschäftigt, die dahin ging: Im Jahre 1919 fer auf Herrn Jarres dankend verzichten. Alldeutsche gegen Stresemann. Der Gesamtvorstand des Aldeutschen Verbandes trat am 21. und 22. März in Dresden zu feiner diesjährigen Tagung zusammen, in deren Verlauf Juftigrat Claß sich scharf gegen bae fogenannte Garantieangebot wandte und in diesem Zusammenhang schwere Angriffe gegen Reichsaußenminister Dr. Stresemann richtete. In einer Entschließung, die hierzu gefaßt wurde, trat der Gesamtvorstand in vollem Umfang der Erklärung bei, die die Haupt Leitung des deutschen Verbandes befanntlich fürzlich gegen den Garantiepaft erlaffen hat. Von den Vaterländischen Barteten wird darin erwartet, daß sie diese Politit Stresemanns ver. werfen, ihre Fortsetzung unmöglich machen und darüber hinaus die Erhebung der Anklage gegen den Reichsaußenminister vor dem verfassungsmäßigen Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich betreiben. Schwankende Rechtsfront. Auf Wunsch der deutschnationalen Reichstagsfraktion hat in den legten Tagen zwischen dem Herrn Außenminister und verschiedenen Bertretern der Frattion über die schwebenden außenpolitischen Fragen, insbesondere die Sicherheits- und bie Bölter. bundsfrage und über die von dem Herrn Außenminister auf diesem Gebiet für die Zukunft in Aussicht genommenen Maßnahmen eine nähere Aussprache stattgefunden. Im Anschluß an diese orientierende Aussprache hat dann die deutschnationale Frattion dieselben Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen. Das Ergebnis dieser Erörterungen war, daß beschlossen worden ist, in Form eines Schreibens anden Herrn Außenminister Die Deutschnationalen und die von ihnen getragenen auf den Berlauf der Unterredung noch einmal näher einzugehen und Kreise der Schwerindustrie und des Junkeriums find durch gewiffe Bedenten zum Ausdrud zu bringen. Der Artikel der hemmungslose Demagogie bis an die Tore der Macht gelangt. Bossischen Zeitung ist demgegenüber tendenziös entstellt. Ein Die Deutschnationalen haben sich- sehr im Gegensatz zu Mißtrauensvotum gegenüber dem Herrn Außenminister ist ihrem antidemokratischen Programm zu einer Mil von der deutschnationalen Fraftion nicht beschlossen und in ihrem lionenpartei entwickelt, in der alle möglichen Volks Schreiben an den Herrn Außenminister nicht enthalten. Den Vorstoß schichten und Strömungen zusammenfließen, alle möglichen der Bossischen Zeitung" betrachtet die deutschnationale Reichstags und unmöglichen Programme und Wünsche auf Erfraktion als einen plumpen und böswilligen Versuch, in die Regie füllung drängen. Große Massen ihrer Wähler haben sie da rungsgemeinschaft, der sich die Deutschnationalen loyal angeschlossen durch gewonnen, daß fie ihrer Agitation einen scheinbar haben, Mißtrauen und Unfrieden hineinzutragen. Die deutschnatio antitapitalischen Charakter gaben. Massen bes entnale Reichstagsfraktion legt gegen folche Machenschaften schärfste Bererbten mittelstandes, bankrotte Dffiziere, e ntwahrung ein. " Durch diese Erklärung erledigen fich auch alle zu dem gleichen Gegenstand im Borwärts" und anderen Blättern erschienenen ähnlichen Ausführungen. " Diese Erflärung der deutschnationalen Reichstagsfraktion ist mehr eine Bestätigung als eine Berichtigung. Es wird nicht beftritten, daß ein Beschluß vorliegt, der Bedenken gegen die Außenpolitik der Regierung zum Ausdruck bringt. Es mird auch nicht oder nicht flar beftritten, daß die in der Bossischen Zeitung" wörtlich zitierten Säge in dem Beschluß enthalten find. Man bestreitet nur, daß der Beschluß ein Mißtrauensvotum darstelle, da ja ein solches den fofortigen Sturz der Luther- Regierung zur Folge haben müßte. Und den möchte man natürlich, solange der Präsidentenwahlkampf dauert, gerne vermeiden. Ueber den Konflikt zwischen den Deutschynationalen und Luther in der Aufwertungsfrage, worüber mir gestern nähere Mitteilungen machen fonnten, schweigt sich die deutschnationale Erklärung vollständig aus. Nach dem Lotel- Anzeiger" follen am Sonnabend vom Reichstag aus an linksstehende Blätter anonyme 3u fchriften gerichtet worden sein, die von der Krife im Rechtsbin berichteten. Wenn der Lofol- Anzeiger" so gut unters richtet ist, fo wird er uns auch mitteilen fönnen, mer ber Urheber diefer anonymen Buschriften ist und melche Riele mit ihrer Absendung verfolgt werden. Ist die Vermutung des „ Botal- Anzeigers" richtig und stellt sich am Ende heraus, deß Leute aus dem Rechtslager mit anonymen Rufchriften en die Pintspreffe arbeiten, fo läßt das ja auf recht liebenswürdige Zustände auf der anderen Seite schließen. Für die Verbreitung der deutic nationalen Ertlärung murde geffern der Rundfunt in Anspruch genommen. Bir fchlichen daraus, deß der Reichsinnenminifter Schiele die richt hat, den Rundfunk nunmehr allen Barteien eich mäßig zur Verfügung zu stellen, denn die einseitige Bean spruchung dieses Apparats durch die Partei des Ministers wäre ein Mißbrauch ichlimmster Art! Ein aufgeregter Tag in der Reichskanzlei. Der Lotal Anzeiger" meldet: Am Sonntagnachmittag hat in der Reichstanzlei eine Besprechung ftattgefunden, an der der Reichskanzler, der Außen minister, der Chef der Reichstanzlei und mehrere deutsch nationale Abgeordnete teilgenommen haben. Das Ergebnis dieser Besprechung ist die vorliegende Ertlärung der Deutschnationalen Frattion, die über die angeblichen außenpolitischen Differenzpunkte Aufschluß gibt. Daraus ergibt sich, daß die Veröffentlichungen des„ Vorwärts" und der Boffischen Zeitung" im Regierungslager gewirtt haben wie ein Steinwurf in einen Ameisenhaufen. Um täuschte Arbeiter sind von ihnen unterschiedslos in ihren Reihen gesammelt; es ist fymptomatisch, daß die Deutschnationalen im Lande Fugblätter verbreiten, die von Kommu nist en geschrieben sein fönnen. Jezt stehen die Rechtskreise an den Toren der Macht. Der Sieg bei der Reichspräsidentenwahl soll für die nächsten fieben Jahre eine entscheidende Wendung zugunsten der wirtschaftlich herrschenden Schichten bringen. Aber schon ehe es so weit ist, naht sich die rächende Nemesis. Benige Monate deutsch nationaler Regierungskunft genügten, um das Gebäude zu erschüttern, das auf Flugsand gebaut ist. Schon stößt der schwerindustrielle Tag" den Verzweiflungsruf aus: haltet Disziplin": Der Reichstagsausschuß hat sich sehr eingehend mit der sei ein größerer Auftrag an Barmat infolge einer Anordnung des Ministers Schmidt trotz des Widerstandes der Reichsstellen zur Ausführung gekommen, dieser Auftrag sei nachher entgegen dem Urteil der Reichsfleisch- und Reichsfettstelle aufgehoben worden, um Barmat vor einem Schaden zu be wahren, der durch das Fallen der Mart eingetreten wäre. Auch hier habe der Minister Schmidt die Anordnung ge troffen. Aus dem Geschäfte follte fernerhin der sozialdemo fratischen Parteifaffe ein erheblicher Betrag zugeflossen sein, und daher resultiere das lebhafte Interesse unseres Parteigenossen Schmidt an der hier gekennzeichneten Form der Erledigung des Vertrags. Die Bernehmung der Zeugen hat nun ergeben, daß diese Beugen auch nicht im entferntesten die Darstellung der Deutschnationalen stügen fonnten. Niemand von diefen Beugen hat behauptet, daß bei diesem besonderen Geschäft oder auch bei anderen ein Einfluß des damaligen Ministers geltend gemacht wurde, weder beim Abschluß des Geschäfts, noch bei der Aufhebung. Es ergab sich vielmehr, besonders aus den Aften, daß kein Anhalt dafür gegeben ist, daß dieses Geschäft auf irgendwelche direkte oder indirekte Einflußnahme durch den Genossen Schmidt zurückzuführen war. Aus den Aften war ersichtlich, daß entgegen der Behauptung des Wahrheit- Bruhn der Vertrag aufge löst wurde, weil er nicht für Herrn Barmat ungünstig lag, sondern für die Reichsstellen! Entgegen der veriogenen Darstellung wurde festgestellt, daß die Reichsstellen die Lösung des Bertrags gefordert hatten! Bewiesen ist weiter durch Zeugenaussagen, daß die Behauptung die Partei hätte aus folchen Geschäftsabschlüssen von Barmat 3uwendungen erhalten, vollständig erlogen ist. Der Wahrheit Bruhn, der als Richter amtiert, aber als Antläger auftritt, ist nach all diesen Feststellungen in die Enge getrieben worden und mußte im Laufe der Verhandlungen erflären, daß er gegen Schmidt eine solche Verdächtigung gar nicht erheben wollte. Diese Erklärung stand allerdings in sehr schroffem Gegensatz zu einem Antrag, den er dem Ausschuß unterbreitete, und zu den gleichen Beschuldigungen in der Deutschen Tageszeitung"! Damit ist das Lügengewebe, das um diesen Fall von deutschnationalen Berleumdern gesponnen wurde, zerrissen. Die Zeugenvernehmung hatte insofern ein eigenartiges Gepräge, als einige Herren, ehemalige Geschäftsführer der Reichsstellen, aus ihrer persönlichen Abneigung gegen die Anordnungen des Diktatorischen Aus fchuffes, der damals die Verfügung über die Lebensmittel einfuhr in der Hand hatte, nicht zurückhielten, und aus ihrer Abneigung gegen Barmat ein Hehl machten. „ Wir möchten, gerade vom Standpunkt der Sammlungspolitit, die wir im„ Tag" betreiben, heute, acht Tage vor der Wahl, mir aller Deutlichkeit zum Ausdrud bringen, das diese Disziplin am 29. März vollauf gewahrt werden muß. Wir appellieren an das beffere Jch jedes einzelnen Wählers unserer Gesamtrichtung, daß er alle Fragen der persönlichen Intereffen, ob wirtschaftlich oder politisch, zugunsten des einen Sicher ließ damals die Leitung der Reichsstellen viel zu namens in den Hintergrund stellt. Wirtschaftlich haben die Kreise der Aufwertungsanhän wünschen übrig. Vor allem trat unangenehm in die ErWirtschaftlich haben die Streise der Aufwertungsanhän scheinung, daß zu Leitern der geschäftlichen Abteilungen ger im legten Augenblick aus der Linie zu brechen gesucht. Politismänner berufen wurden, die felbft eigene große waren es die engsten Freunde des Generals Ludendorff, die handelsunternehmungen besaßen, oder, wie in Bersplitterung in die Geschlossenheit des Jarres- Blocks bringen. 3ft einigen anderen Fällen, kurz nach dem Austritt aus ihrer es vaterländisch und vollspolitisch gedacht, wennt, wie es geschah, ein Tätigkeit für die Reichsstellen in einer privaten Sparerbund die Parole der Wahlenthaltung für den 29. März Handelsgesellschaft als Teilhaber oder leitende ausgab?" Beamten Unterkunft fanden. Der Mahnung und den Bormürfen folgt ein Hinweis auf die Notwendigkeit militärischer Disziplin. Anders fönnen diese Spießbürger nicht denken. Sie vergessen nur, daß politische Brobleme nicht mit den Regeln des Rafernenhofbrills gemeistert werden können. Ge rade die Deutschnationalen haben durch ihren hemmungslosen Appell an wirtschaftliche Interessen und Augenblidsnöte am meisten dazu beigetragen, daß die Politisierung auch der Schichten begonnen hat, die früher niemals rolitisch denken lernten. Jekt gilt für diese Schichten das Wort Dr. Steinigers: „ Die Wähler haben nicht vergeffen, was die Deutschnationale Partei versprochen hat." Sie haben nicht vergessen und der reinfapitalistische Charakter der deutschnationalen Regierungspolitik muk daher wie Scheidemasser auf die Massen wirken, die mit Demagogie, mit Gefühlsargumenten, mit hemmungs'ofen Bersprechungen und mit bewußter Lüne im ein Banner geschart wurden, das ihren eigentlichen Wünschen nie entsprechen fann. 3u spät tommt der Appell an die Disziplin Die Deutschnationalen sterben an der Lüge, die sie groß gemacht hat. So war Herr Jfaat Mener in Hamburg Inhaber eines großen Getreideimportgeschäfts, zu gleicher Zeit geschäftlicher Leiter der Reichsgetreidestelle! Man wird es verstehen, wenn dieser Herr in der Zeugenans fage fich sehr abfällig über eine Konkurrenz ausspricht, während er wohl der Meinung mar, das Geschäft in den Reichsstellen sei nur für seine Leut. In der Reichsfleischstelle war als Geschäftsleiter feinerzeit Herr Rehbein, der Leiier der Allgemeinen Nahrungsmittelimport Gesellschaft Ham burg, und als er ausirat, folgte ihm Herr Schwoon, der fich nach seinem Austritt aus der Reichsfleischstelle mit Herrn Rehbein zusammenfand in der Leitung der Gesellschaft In ari"! Wir fonstatieren diese Tatsache, und wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir behaupten, daß eine ähnliche Berquidung von privatem Befchäft und Leitung einer Reichsstelle, wenn sie von einem Sozialdemokraten betrieben würde, der deutschnationalen Standalpresse Anlaß geben würde zu allen möglichen Berdächtigungen! Z-i der Erörterung der Angelegenheit m beiden Ausschüssen der Parlamente ist wiederholt die Behauptung auf» gestellt worden, daß Barmat ein gewisses Monopol in der Einführung von Lebensmitteln hatte. Daß diese Angabe un- richtig ist. erscheint auch jetzt schon nach den bisherigen Vor- nehmungcn einwandfrei dargetan. Es ist von dem Leiter des diktatorischen Ausschusses nachgewiesen, daß im Verhältnis zur Gesamteinfuhr derAnteilBarmatsnureinPro- z- n t betrug. Es gab nur e i n M o n o p o l. und zwar das unbestrittene Monopol der Firma Stinnes für die Einfuhr von englischer Kohle wäh» rend des Rnyrkampfes Es war die Firma Stinnes. die den damaligen gesamten Bedarf an englischer Kohle für die Eisenbahnverwaltung decken mtrßte. Es wäre sehr interessant. heute zu erfahren, w i e g r o ß diese Lieferung gewesen ist. und welchen finanziellen Nutzen st« für Stinnes erbrachte. Wenn die Presse der Deutschnatisnalen Anlaß hätte, solche Ver» guickung von Politik und Geschäft, wie sie un» bestreitbar hier vorlag, einem Sozialdemokraten an- zuhängen, wie hoch wären die Wogen ihrer„sittlichen Eni- rüffemg" dann geschlagen? Die Geschäftsführer der Reichsstellen mußten zugeben, daß sie ihre Bedenken gegen Barmat nie dem Mini- st er unterbreitet, und auch der von der Regierung im bahre 1920 berufenen Revisionskommission, in der auch Ver- treter des Parlaments saßen, nicht angegeben haben, daß Barmat nach ihrer Auffassung übarmäßg bevorzugt wurde. Es ist aus den sehr umfangreichen Protokollen der damaligen Revisionskommission festgestellt, daß, obwohl ZZ Zeitungsartikel den Anlaß boten, Untersuchungen über angebliche Verfehlungen der Reichsstellen vorzunehmen, niemand, auch nicht die Herren Schiele. Dietrich und Emminger— um nur diese drei zu nen- nen, die in der Kommission saßen— Anlaß nahmen» auf den Fall Barmat hinzuweisen und ein« Un tersuchung der Anwürfe in der Presse zu fordern! Die ganze Bannathetze schrumpft immer mehr zusammen zu einer der übelsten Erscheinungen, die die Zeitgeschichte kennt: nämlich zu dem gewissenlosen versuch, eine Millionenpartei und ihre Führerr persönlich durch ein Meer von Ber- leumdungen zu ersticken und dadurch die W a h l e i n e s reaktionären Kandidaten zum Reichspräfi- d e n t e n zu erinöfllichav Die Piraten der öffentlichen Mei- nung haben nur zu früh losgeschlagen. So ist es bisher schon gelungen, den größten Teil der Verleumdungen in ihrer Niedertracht zu kennzeichnen. Was noch übrig blieb, wird demnächst vor Gericht zerrissen werden. Aber was tut der Staatsanwalt? Seit drei Monaten sitzen Barmat und sein« Leute in Haft. Der größere Teil von ihnen hat inzwischen schon entlassen werden müssen. Nur drei sind noch festgehalten. Wann endlich erfolgt die Ä n k l a g e gegen sie, oder ihre Frei- lassung? Schon bat der Untersuchungsrichter erklärt, daß ein Verdacht des Kreditbetn-gs oder der Bestechung der preußischen Staatsbank, wie er ursprünglich angenommen wurde, nicht mehr besteh«. Also welcher Verdacht besteht noch? Wann wird endlich reiner Tisch gemacht? Soll die Anklage wirklich verschleppt werden, bis die Präsidentenwahl vorüber ist und soll bis dahin die Derkumdung unter Berufung auf die staatsanwaltlich« Aktion ungestört weiter wirken dürfen? Wir fordern endlich klaren Bescheid! Runö um Luüenüorjf. st&icht Zahltandidat, sondern Kuhhandel- Kandidat. Der„B ö l t i f ch- K u r i e r", das Organ Hitlers. stellt Betrachtungen an über das Wesen der Kandidatur Luden- dorff. Der Zweck sei. zu oerhindern, daß der bürgerliche Kom- xrvmißkandidat de, zweit«, Wahlganges wieder ein I a r r« s werde: „Anders«der ist es,««n, das Gewicht der tm ersten Wohl- gang auf Ludendorff gefallenen Stimmen den Ausschlag zu geben vermag. Wenn wir dieses Ziel im Auge behalten, dann handelt es sich— ganz abgesehen von allem anderen---bei Luden» dorff nicht mehr um«ine rein« Zählkandidatur, sondern heute schon darum, der nationalen Opposition einen entscheidenden Einfluß auf den endgültigen Ausgang dieser Reichspräsidentenwahl zu sicheru/ Ludendorff ist also avanciert. Er ist vom Zählkandi- daten zum Kuhhandeltandidaten aufgerückt. AlS Politiker erledigt. Dir haben Herrn Ludendorff als Politiker immer bekämpft. Wir haben feine unheilvolle politische Rolle im Kriege und nach dem Kriege angegriffen. Wir haben die Gefahr gezeigt, die seine Sucht, politisch zu wirken, für das Reich bedeutet. Man hat uns deshalb des Landesverrats de» schuldigt und als antinational beschimpft. Die reaktionäre Presse hat nach dem Kriege Ludendorff— als militärischen und politischen Heros gepriesen, sie hat ihn als den poli- tischen Erneuerer Deutschlands gefeiert. Wir haben demgegen- über auf die politische Naivität von Ludendorff hingewiesen und sind damals beschimpft worden. Sffnll.«W-Mmlim Montag, üen 23. März, abenös 7'/z tlhr: Bertin-Mitke: Frauenversammlung Reichskasino. Reu« König- straße 26. Sreuzberg: ZS. u. 4«. Abt. Alexandriner, Alexandrinenstr. 37a. 42. u. 43. Abk. Rabes Festfäle, Fichtestr. 29 4«. Abt. Schulaula Görlitzer Ufer 2. 47. Abt. Behrendt, Manteuffelstr. 96. Spandau: Markthalle. Pichelsdorfer Straß«. Tempclhof: Lyzeum. Germaniastraß«. Johannisthal: Bürgergarten, Ecke Parkstraße. Wittenau: Schulz, Oranienburger Str. 88. Redner: Robert Breuer, Dr Breitscheld, Gertrud Hanna, Kuttner, Lempert. Landa. Dr. Lohmann, Litte, Heinrich Schulz. Run aber schreibt Herr Hussong im„Lokal-An- z e i g e r", der an der Schimpfkampagne gegen uns von 1918 bis 1925 hervorragend beteiligt war: „Leider nicht zum ersten Male seit damals ist es, daß General Ludendorff sein politischeskonto auf unerträg- liche Weise belastet: nicht zum ersten Male, daß man sich gegen den Politiker Ludendorff auss unzweideu- tig st«wendenmuß, so peinlich es ist, daß damit auch der Name und das Ansehen des Generals getroffen wird. Aber die Annahm« dieser Kandidatur beweist eine U n e m p f i n d l i ch k e i t gegen die Imponderabilien der Politik, die nur immer drin» gender wünschen läßt, dem Manne Ludendorfs nicht mehr aus einem. seinem Wesen, seiner Bedeutung und seinem Beruf so fremden Feld so fataler weise zu begegnen... Das heißt sehr spät zur Vernunft gekommen. Wozu der Lärm durch sechs Jahre hindurch, wenn wir nur das a l l g e» mein« Urteil über den Politiker Ludendorff zur Grundlag« unserer Stellungahm« machten? Ein gutes Vorzeichen. Gemeindewahl in Zeich. Zeih, 23. März.(Eigener Drahtbericht.) Di« gestrigen Stadt- vcrordnetenwahlen in Zeitz waren für die Sozialdemokratie ein guter Auftakt für die Präsident emoahl. Von 22 353 Wahlberechtigten übten 13 175 ihr Wahlrecht aus. also 85 Proz., 13 Proz. weniger als bei den Stadtverordneienwahlen am 4. Mai 1324. Di« Sozial- demokrati« erhielt 7733 Stimmen gegen 3746 Stimmen im Mai. also trotz schwächerer Beteiligung 1333 Stimmen mehr, die KPD. ging von 2534 Stimmen im Mai auf 2277 zurück, die Bürger- Austausch geistiger Güter. Am Mittwoch, den 4. März, fand im„Vorwärts�-Gebände (Zinnner bei juristischen Sprechstunde) eine Zusammenkunft derjeni» gen Parteigenosse» und Freund« statt, die«in Jnteresse haben jür den Austausch von Zeitschriften, Zeitungen und besonders Korrespondenzen mit dem Ausland. Genosse Dr. Adolf P a e tz, der die Versammlung einberufen hatte und leitet«, gab zunächst in einem kurzen Referat einen historischen Ueberblick über die An- bahnungen, die er mit dem Ausland, speziell mit England, mit einigem Erfolg versucht hatte. Er führte unter anderem aus, daß im Sommer 1323 von der Redaktion des„Vorwärts'«in Aufruf ausgegangen fei, daß deutsch« Genossen sich bereit erklären möchten, ihre Adressen aufzugeben, um von englischen Parteigenossen wöchent- lich den„New Leader* zu empfangen. Ende des Jahre» 1323 wurde wiederum� ein Aufruf erlassen, der diesmal insofern erweitert wurde. «ls jetzt die deutschen Parteigenossen al» Gegenwert den.Vorwärts' crach England senden sollten. Damit war zum erstenmal der Aus- tausch von sozialistischen Zeitschriften zwischen den Angehörigen von zwei Nationen möglich geworden. Zu beiden Aufrufen hatte sich dsr Referent zur Verfugung gestellt. Runmehr wurde im Februar 1924 vom Referenten»ersucht, diese Austauschmöglichkeit auf andere Länder auszudehnen. Zu diesem Zweck setzte er sich mit der Re- daltion de».Povulairt' resp. mit dem sranzösischen Parteigenossen Paul Faure-Paris in Verbindung. Leider verlies dies« Aktion trotz Aufrufe im„vorwärts' und im„Populaire' im Sande, da der ..Popularre' bereits am 3. Juni 1324 sein Erscheinen einstellen mußte. Infolge der«nr«gend»n Korrespondenz mit den engllschen Parteigenossen und infolge eines Aussatzes des Referenten über „Internationale Kleinarbeit, die Anfang Januar dieses Jahre» im.vorwärts' erschienen war, stellte sich aber die Not- wendigkcit heraus, diesen Auetauich von Zeitungen, Zeitschriften, Korrespondenzen auf dl« breiteste Basis zu stellen, d. h. den Aus- tausch auf«II« Länder und auf alle Interessen de» geistigen Leben« auszudehnen. Ferner sst es notwendig, daß ein« international« Organisation zur Lösung dieser Aufgaben geschaffen wird, die vielleicht der.Sozialistischen Ar- beiterinternationale'»der dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossen werden muß. Zum Schluß des Referots wurde«in Entwurf vvrgelegt und rsrgelescn, der Sie praktische Ausführung dieses Problems näher beleuchtete. Dabei wurde auch der Schwierigkeit der fremden Sprachen gedacht, well die geplante Organisation vor ollen Dingen da« Augenmerk darauf zu richten hat. daß der internationale Aus- tausch nicht nur«ine Angelegenheit der Sprachkundigen ist, sondern m sollen sich die Proletarier aller Länder ohne Rücklicht auf ihre Sprachkenntniss« daran beteiligen können. Zu diesem Zweck sind in den einzelnen Ländern llebersctzungsbureaus notwendig, die dem nichtsprochkundigen Arbeiter die Schwie- rigkeiten de» llebertrogens abnehmen sollen. In der darauf- folgenden Diskussion wurde auch das Problem der Weltsprache, des Esperanto, berührt: und von einem Diskusstoneredner wurde betont, daß Espsrcmto du gegebene Sprach« wäre, um alle sprachlichen Dif- ferenzen beim internationalen Austausch der geistigen Güter aus der Welt zu schassen. Dagegen wurde der berechtigt« Einwand er- hoben, daß der alleinige Gebrauch des Esperanto für den gegen- seitigen Korrespondenzaustausch nicht angängig sei, weil wir«in« sofort praktisch unmittelbar vorwärtssührende Organisation brauchen. Zum Schluß wurde der Dorschlag gemacht, die Anwesenden zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen, die etwa nach 14 Tagen bi» drei Wochen zu einer zweiten Sitzung zusammen» treten soll, um das angeschnittene Problem des.Jniernationalen Aastauschs geistiger Güter' weiter auszubauen. Der Vorschlag wurde angenommen. Da» Aasland zum Tode Wassermanns. Anläßlich des Ablebens von Prof. v. Wassermann sind im Kaifer-WUHelm-Jnstitut in Dahlem zahlreiche Leileidskundgcbungen eingegangen, so in de» sonders warnten Worten vom Institut Pasteur in Pari«, vom Seruminstitut in Warschau, vom Bakteriologischen Institut in Lissabon und dem Kaiserlichen Institut für Infektionskrankheiten in Tokio. Alle diese gelehrten Anstalten bringen zum Ausdruck. welche» unersetzlichen Verlust die Wissenschaft durch den frühen Heimgang Wassermanns erlitten hat. witziges und Spritziges bei Ikesson. Das Relsou-Theater, di« mit spielerischem Rokokoputz ausgeschmückt« Vergnügungsstätte am Kurfürstendamm mit dem zierlichen Bühnchen für pnckelnde Sachen und für«in nach d«m neuest«» Schnitt g«kl«i!>«te» Pul'li- kum. st«llte am Sonnabend„M a d a m« R« v u«' in» Licht der Oeff«ntiichk«it mit durchschlagendem Erfolg. Sie entzückt« die amü- sier» freudig« Zuschoiierschoft ebenso wie den berussernsten Kritiker. .LRadame Revue' sst«ine im Filmtempo vorüberrollende Folge schauprächtiger Bilder, bei denen die sortlausend« Handlung nur Nebensache ist, prunkhafte Ausstattung und schön« Frauen die Haupt- rolle spielen. Sie sst ein flimmernder Spiegel unserer beweglichen Zeit, wie sie«m übermütig tändelnder Beobachter steht. In den 14 Bildern von Hans H. Zerlett, in den Kuplets von Schanzer. Zerlett und B« n a tz t y steckt Geist, Witz und sprühend« Laune. Rndolf Nelson krönt das Ganz« mit feiner liebens- würdigen, schwingenden und singenden Musik. Nelson sucht nicht Ehrgeize,«rnstv, opernhafte Anklänge, er hält sich mtt leinen leich- ten anmutigen Wessen aus der hier einzig richtigen Linie. Der Rhythmus und Schwung ferner Kompost ion reißen mit. Stellt man die Bilder so um. daß die«irksamstm und witzigsten an den Schluß kommen, was bei der Art der Revue durchaus möglich ist, und verzichtet man auf politisch« Belehrung von der Bühne au». so Ist ub«„Madame Revue nur Lobendes zu sagen. Will! Schöffe r». Kurt Gerron, Hugo Fischer-Koppe und Nina Payne,«in« abenteuerlich gelenkige GrotesttSnzerin voller Charmez konnten sich für den überreich gespendeten Bestall bedanken. Dgr. „Der junge Chor.' Unter diesem Rainen wurde vor% Jahren ein gemischter Arbeiterchor gegründet, der Sonntag in der Sing- atademie das erste Konzert gab. Zu früh, um absolut nach Richtung der künstlerischen Möglichketten gemertet zu werden, doch sehr ein- sichtig die Linie des Dolkskiedes und das von Kontrapunktik und Satzschwierigkeiten freien s-cspello-Besangs innehaltend. Es ist schon allerhand, daß die Roten sitze» und die Pausen und die Texte Lchen auf 9168 Stimmen von 9384 Stimmen im Mai. n 7. Dezember hatten die Bürgerlichen sogar 13 237 Stimmen be> kommen. Es erhallen Mandate: Sozialdemokraten 14, Kommunisten 4. bürgelliche Einheitsfront von den Demokraten bis zu den völkischen 17. KPD. und Bürgerliche verlieren je«ins. Die bürgerliche .Mehrheit', die cn der ausschlaggebenden Stimme des Stadtver- cndnetenvorstehers bestand, sst damit gebrochen. Der Erfolg llt um so höher zu schätzen, als der Wahlkampf von unseren Gegnern so gehässig geführt worden ist. wie sellen in Deutschland. Mjlka und die Landesmutter. Ein Produkt geistiger Verzückung. Die Parole„Stimmung und Gemüt', d!« von den Deussch- nationalen für den Wahlkampf ausgegeben ist, zeitigt schon ihre Früchte.,„ In Königsberg fand eins der Iorrcs-Kundgebungen statt Wie vorgeschrieben, mit Musik und Schwarz-Weiß-Rot�und Gesang. Noch dem ostpreußischen Junker von Gay! sprach auch Frau M i l k a F r i t s ch, früher Stresemännische Reichslagsabgeordnete. Rührend. was diese deutsche Frau von Iarres und seiner Frau zu er- zählen wußte. Daß Iarres„ein Mann, der die Röte de» Arbeiter» kennt', ist zwar gewagt auszusprechen, nachdem gerade Iarres ver- onttoorlkich für die Berlängerung der Arbeitszeit der Reichsbeamten ist. und besonders gewagt in Königsberg und Ostpreußen, wo Otto Braun seit Menschengedenken als Anwalt der Arbeiterklasse bekannt sst. Aber viel schöner sst noch, was Milka von Frau Iarres 3« sagen weiß: �Jtan Zarre» wird eine wahre Laadesmulker Deutschlao�? feln, wie nun jetzt einmal die Dinge bei uns in Deutschland liegen. Die ganze Personlichkeil und ihr Edelmut gibt uns Burg- schaft dafür, daß diese echte deutsche Frau dle Ehre und deutsch« Sillllchkeit hochhalken wird in innerer wie in äußerer Beziehung. selbst bis auf die Kleidung des weiblichen Geichlechts. daß sie alles fernhalten wird, was die Ehre der deutschen Frau beein- trächtigen kann.' Man würde es nicht glauben, daß solcher Schnms geredet wird. wenn man's nicht schwarz auf weiß in der„fiönigsberger Allgemeinen Zeitung', dem volkspartellichen Organ, gedruckt fände! Bis heute hat außer Frau Milka noch niemand daran gedacht, daß auch eine„Londesmutter' gewähll wird, und daß diese Landesmutter auch über die Kleidung des weib- lichen Geschlecht» zu wachen Hab«. Aber da Frau Milka da»«rzähtt. muß«» ja wohl stimmen. Uebrigens: Haben nicht die Preßtrabanten des Iarres-Blocks jahrelang Frau Ebert als„Londesmutter' verhöhnt und ihr allen nur erdenklichen Klatsch angehängt? Haben sie dieses würde- lose Treiben nicht fortgesetzt, b>» auch dem blödesten Auge klar u-urd«. daß all das Geschwafel vor der schlichten Würde der Frau dcs ersten Reichspräsidenten versank? Will man jetzt die Frau des unmöglichen Herrn Iarres auch in den Strudel des Wahlkampfes ziehen und sie der öffentlichen Kritik aussetzen? was sie erwarte«. Ein anderer Redner in der Königsberger Versammlung, der die„nationale Bewegung' vertrat, verriet, was die Nationallsten gerade von Iarres erwarten: „Aus ihrer geschichtlichen Entwicklung heraus fetzt sich die national« Bewegung mit ihrem ganzen Einfluß für die Kaudi- daütr von Dr. Iarres ein, well er«ine Persönlichkeit sst, zu der mau al» de« Oberbefehlshaber des deutsche» Heeres ehr- iurchtsvoll aussehen kann. Bor allem fein« rheinischen B r ü d»r im' Westen wird Iarres nicht im Stich lassen und nicht zuletzt die Säuberung des deutschen vodeus von alleu uoer- wünschten Ausländern vornehmen. Deutschland den Deusschen!' Oberbefehlshaber? Ehrfurcht? Säuberung des deutschen Bodens? Ja. sst das nicht alles Aufgabe und Anwartschast des großen Ge- nerals Ludendorff? Das soll alles der klein« Oberbürger- messt«? Iarres aus Duisburg fchaffen? Es ist fast als ob man dem Kandidaten Gottähnlichkeit andichten möchte. Und vergißt dabei di« Enttäuschung, die eben erst Millionen deutscher Sparer durch den deutschnollonalen Auf« wertungsbetrug erlebt haben! und daß die Einsätze richtig kommen. Bei der Jugendlichkeit der Singenden ist der Eindruck sehr günstig, besonder» unter der quali- fizierten und belebenden Führung von Heinz T i e s s e n. Er wird felber wissen, daß in einem knappen Jahr keine Konzertreife zu er- zielen ist, daß die Sopran« noch detonieren und daß die Gleich. förmigkett der Dynamik noch überwunden werden muß. In einem (von Scherchen primitiv gesetzten) ukrainischen und einem russischen Bolksgesang sielen kräfttg-gut« Männerstimmen auf. Publikum und Sange sschar begeisterten sich am stärksten am..Weckruf', gedichtet zur Melodie der Marseillaise, im Satz freier a«formt von Tiesien. Quartcttsätze von Beethoven und Schubert ergangen das auf Eingängigkeit gestellte Programm. Für müde Nachmittagsstunden hatte die Bereinigung der vier Damen mit den vielen Doppelnamen(ge- führt und genannt nach der Primgeigerin Schubert) einen doppell wohltuenden Schwung. Die Singakademie war voll besetzt. K. S. Der Akeinekesch« Männerchor(Musikdirektor p. A. üoseph) be- jjing sein 25jährlges Bestehen mtt einem Festkonzert im Saalbau Fricdrich-Hain. Der Gauleiter Schneider widmete dem Chor Iubilöumsworte, die sich nicht in den übliche« Phrasen und nichts- jagenden Beglückwünschungen gefielen, sondern auf den Kern des vereinlichen Lebens gingen, hervorhoben, wie nur Gemeinschaftsgeist, der Gedanke: Wirkende an einer gemeinsamen Sache zu sein. «ine Körperschaft durch Klippen und Gefahren führt. Die 25 soll dem Ehor«in Borwärts. nicht aber im gleichen Maße«in Zurück- blicken gebieten. Nachdem der fefwebende verein in wahrer Iubi- läumsstimmung. die begeistertes Gelingen dann schon immer ver- bürgt. Hegars„Burdeslled' und«inen Dahlspruch in der Ber- tonung seines Dirigenten gesungen, setzt« der Aufmarsch der Ber- eine ein. E» sangen Männerchor Harmonie-Charlot- tenburg, Männerchor lzeidenröslein-Siemens- stodt, Männerchor Moabit, Mä nnergefangverein Berliner Liederfreund«, Berliner Schubertchor und zum Schlüsse abermals der Festverem. Es war ein lebhaftes und angeregtes Musizieren, das von dem Können, dem Material der Ehör« und den Fähigketten der Dirigenten und ihrer Grund- einstellung ein beredtes Zeugnis ablegte. Es wäre schade,«ine solch« Stunde angeregten friedllchen Mtteinandersingen» und Musizierens kritisch zerpflücken zu wollen. Um eines fei nur gebeten: das gegen- seifige Sich-Beklatschen nicht nur nach, sondern sogar vor der Lei- stung sst eine Unsitte, die man nicht übernehmen sollte. Unsere Zeit. die einen schlichten und dabei lapidaren Lebensstil prägt, verträgt eine solche theatralische Beweihräucherung nicht Die Dirigenten sollten dazu nicht herausfordern, indem sie dem Publikum am An- fang allzusehr ihre Devotion bezeigen.— Dem Meinekeschen Männerchor aber ein Hell aus den ferneren Weg! S. G. Eine Vorlesung vo« Fnmz Kerrl«luzte, veranstaltete der Oesterreichisch-deutsche Bolksbund im Künstlerhaus. Der Dichter be- gann mtt der„Reise nach Komakutu'. einer Kindhettserinnerung von infimem Reiz. Sein„Gespräch mtt dem lieben Pott' aus der epischen Dichtung„Erschaffung der Eva' hat auch eine soziale Rote. Am meisten Beifall fanden di« Dolladen aus dem alten Wien. Walter von Alolo lieft am 26., abends 8 Uhr, im Rahmen der Lutorev» abende I M. Spaetb» im Bürgersaal d«t Berliner ZliathaaseS ch e Nngrisfe. Glauben Sie mir.«« widerstrebt mir und ist mir widerwärtig, die Meinungsverschiedenheiten, die erledigt sein sollten, wieder hervorzuholen. Der Ruhrtampf ging äußerlich verloren. innerlich oder brachte er uns reichen Gewinn, denn er war der Ausgangspunkt der langsamen Gesundung unseres Vaterlandes. Als der passiv« Widerstand aufgegeben werden mußte, haben die ver- antwortlichen Männer sich zusammengesetzt, um diejenige Lösung zu finden, die für das Vaterland die best« sei. und haben damals mit Rachdruck den Gedanken in den Vordergrund geschoben, daß jeder die ihm richtig erscheinende Lösung aussprechen und vertreten soll. Aber der dann gefundene Weg miisi« g« m e i n s a in betreten werden Beim Suchen dieses Weges sind Gradunterschied« zu�ss� g«- treten. Die linksstehenden Kreise meinten, man solle dem Verlangen Poincarts auf Einstellung des passiven Widerstandes entsprechen und dann versuchen. «ms dem Wege der Verständigung eine Lösung zu stoben. Ich habe dies« Erwartung als Utopie angesehen. Für mich und meine Freund« war klar, daß Nachgiebigkeit nicht zum Ziel« führt. sondern neue und unendliche Qualen sür die Bevölkerung bringen würde. Das Ziel der französischen Politik ging offenbar dalsin, die Bevölkerung des besetzten Gebietes auf dem Wege der Freiwilligkeit zu der Staatsumiormung der Rheinlande zu bringen, die Frankreich auf dem Weg« der Gewalt zu erzwingen sich nicht getraut«. So bestand die Gefahr, daß aus der einen Seite das Reich nicht mehr die notwendigen Geldmittel berell stellen tonnte, auf der anderen Seite aber die Verzweiflung in den Rheinlanden die Be- völkeruitg dahin treib«, sich mit einer staatsrechtlichen Aenderung abzuiinden. Diese tonnte nur durch«ine starke polUisch« Tat ver- hindert werden. Aus innerer nationaler Kraft versuchten wir uns der Gefahr nicht zu erwehren, deshalb mußten wir es versuchen, aus internationalem Weg« zu erreichen. Ein« Grundlage dafür bot die Note Lord Curzons. in der die Ruhrbesetzung als unrechtmäßig bezeichnet worden war. Vater Verufuaa hieraus hattet wir den Des atz ung»macht en bekanntgegeben. daß«>r uns diesen Mächten gegenüber vom Zriedeosvertrog so lange al» entbunden erklären, als nicht«er- tragsmäßige und vöikecrcchllicha Zustände hergestellt werden. Tch war mir vollkommen klar, daß dieser Schrill unter Um- stände» schwere Opfer und weitere große Rot bringe» müßte. aber da», wo» getan worden wäre, wäre nicht schlimmer gewesen als da«, was durch Verhandlungen gekommen wäre. Dies« mein« Haltung hatte mit Preisgabe des Rheinland«» nichts zu tun. sondern zum Ziel, die Bestrebung schwach gewordener Kreise im Rheinland auf Aenderung in staatsrechtlicher Bcziedvng zu hemmen. Wie ist «s dem, gekommen? Im H erbst tSZZ sahen die verständignaaspoll- tiker(Stresemann) keinen Weg mehr, das Rheinland bei Deutschland und Preußen zu hallen, lßachdem man gegen mich die schwersten Vorwürfe erhoben hat, darf ich nicht weiter verschweigen, daß maß- gebende Führer des rheinischen Zentrums und der Demo- trätest in der kritischen Zeit sich nicht gescheut hoben, eil« einzige» Weg Verhandlungen mit dem Feind zu bezeichnen, bei denen die Zugehörigkeit zum Reich und den Ländern preisgegeben und«in selbständiger Staat zugestanden werden sollt«. Angesichts dieser Sachlage frage ich: Wer hat Versackungspolitik getrieben? Diejenigen, die nur am Ende die Möglichkeit eines autonomen Staates sahen und damit die nationale Zukunft des Rheinlandes preisgaben oder diejenigen, die wie ich mit starker politischer Tat. wenn auch mll vorübergehenden schweren Opfern das Rheinland dem Reiche sichern wollte»? Di« Nervenkrisis jener Zeit ist jetzt glücklich überwunden, aber das ist nicht das Verdienst jener Parteien, sondern das der R« i ch s- regierung. Widerwärtig ist es, daß jetzt aus wahldemogogischen Gründen eine ehrlich gemeinte und nationale Politik verdächtigt wird. Ich Hab« mich ungern an dieser Diskussion de- tsiligt, aber die politische Ehre verbietet uns, weiter zu schweigen. Jetzt können wir sagen, der Kampf um das Rheinland ist zugunsten Deutschlands entschieden. Aber wir werden auch in der Zukunft ge» zwungen sein, das Rheinland zu behüten. Die Gefahren der Zukunft werden wir aber überstehen, wraa das deutsche Volk vertrauen zu seiner Führung hat. Zum Schluß erklärte Iarres, es fei die vor- nehmst« Pflicht des Staates, durch gerechte Entscheidungen die A u s- londsdeutfchenindie Lage zu versetzen, ihre verlorenen Posten wieder aufzunehmen. Im deutschen Volk herrsche auck der Wille und das Verlangen, in kolonisatorischer Tätigkeit seinen Willen und sein« Fähigkeiten zu bezeugen. Iarres wies auf den Geist des alten Honfeatentums in der Hoffnung hin, daß dos deutsche Volk immer von einem unabweisbaren Störiebeckerglauben erfüllt sein müsse. Sowsetarbeit für Iarres. „Note Aroutkämpfer" mit Knüppel» und Messer» gegen die Repoblit. Duisburg. 23. März.(Eigener vrahkberichl.) Die sozial- demokratische parte hakte gestern. Sonntag, nach Walsum bei Hamborn eine Wahlversammlung einberufen, in der Land lag»- abgeordneter Gen. Schluchimaan sprechen sollte. Als der Redner beginne» wollte, rief einer der anwesenden Kommunisten:»Zetzk«st es 5 Minuten vor 12". Dieser Zuruf war für die übrigen kommn- nisten da, Signal zur Sprengung der Versammlung. Von außen drängle ein Trupp»Roter Frontkämpfer" unter Führung des als Versammlungssprenger bekannten Hamborner Stadlverordneten Sründel in den Saal ein. Al» die am Saatengang flehenden Genosse» sich wehrten, gingen die Kommunisten mit brutaler Gewalt vor und bombardierten die Versammlungsteilnehmer mit Stühlen, viergläsern. Stöcken and anderen geistigen.Argumenten". Es cnt- stand eine ungeheure Panik, so daß viele persoaeu schwer v e r l e tz k wurden. Genosse Schluchtmana erhielt einen M e s s e r st i ch in die linke Hand. Aeußerst zahlreich find in-besoa- den die Kopf verletzuugeu. Ein Krüppel, der an zwei Krücken ging, amrde zu voden geschlagen. Die Krücken hat da» Gesindel zerbrochen. Al» die Kommunisten ihr Werk vollbrachk hatten, gaben sie auch die Erklärung für ihre Schandtat mll deu Worten: So. seht habt ihr wenigstens auch einmal den»Roten Front- kämpferbnad" gespürt. Der Versammlungssaal bildet ein Trümmerfeld, in dem nicht An Tisch oder Stuhl ganz ge- blieben ist. Damit ist auch außerparlamentarisch die Einheitsfront der Kemmunisten mit den Volkischen geschlossen. Wie sollte es die Messerhelden links nicht zu den Pistolenwikingern rechts ziehen? fllie Lügen. Braun und die VcrsackuugSpolitik. Die Brüder von rechts wissen scheinbar nicht mehr ein noch cu. Da Herr Iarres feine Kopflosigkeit im Herbst 1923 nicht be streüe» kann, so versucht die ihm nahestehende Presse jetzt gegee andere Politiker ähnliche Angriffe zu verbreiten. Natürlich wäu damit noch nicht das geringste für Iarres gesagt. Aber man Hof'' auf die Weife ablenken zu können. Di«»Deutsch« Tageszeitungzitiert eine Rede von Iarres vom Dezember 1924. in der er b? Haupte: »Herr Hilferding(Soz.) und der sozialdemokratische Ministerpräsident Braun waren es, die für sofortige Ein. stellung der Zahlunae» für das besetzte Ruhr- und Rheingebiet eintraten. Wer heut« noch behauptet, »ich wollte das Rheinland verraten", den bezeichne ich vor aller Oeffentlichkeit für«inen politischen Heuchler und Lügner." Natürlich fft das«in unerhörter Sd) windel. Bereit» am 22. November 1924 hat der amtlich«»Preußische Presse- dienst" gegen die.Zeit", als sie dieselbe Behauptung aufftellte «ine Erklärung veröffentlicht, die diese Lüge gebührend brandmarkt. In der Erklärung heißt es: »Ministerpräsident Braun ist während der ganzen Zeit, kn der sich die Dinge im Rheinland kritisch zu entwickeln drohten, ununterbrochen und mit aller Energie für die berechtigten rheinischen Interessen eingetreten. Er hol sich gegen die sogenannte versackuagspolilik. dt« 77 al« ncihänznisnalle kolasirapheupoliiik eiuschähle, intierhr.» der Regierung und vor der Oeffenllichtet des Landtages«L der denkbar größten Schärfe gewandt. Er hat sich daher auch niemals— und darum handelte es sich in den kritischsten Tagen ja ganz besonders— für die Einstellung deran dieErwerbslofen in den besetzten Gebieten gezahlten Unterstützungen gewandt. sondern fft in den enffcheidenden Besprechimgen mit dem Reichs- kabinett lediglich dafür«ingetreten, daß diese Erwerbslosenunter. stützungen von chrer exceptionellen Hohe aus das im ganzen Reiche zur Anwendung kommende Maß mit Rücksicht auf Re Finanzlage des Reiches zurückgeführt würden, und daß vor allem nur die wirklich objektiv Berechtigten diese Unter- stützung erhielten. Und das erst, nachdem sich 1. herausgestellt hatte, daß sehr viel« Erwerbslosenunterstützungsempfänger in den besetzten Gebieten diese Zuwendungen zu Unrecht erhielten, und daß so sehr erhebliche Summen vom Reiche aus diese Weise unnütz verausgabt wurden, und 2. nachdem die beiden aufein- anderfolgenden Reichsfinonzminifter übereinstimmend erklärt hatten, daß sie überhaupt die Mittel zur Weiterzahlung auch der eingeschränkten Erwerbslosenunterstützung nicht mehr besäßen! Im übrigen täte die»Zeit' sehr gut daran, che sie Minister- Präsident Braun der Versackungspolitik beschuldigt, einmal da» Protokoll der Landtaqeflhnng vom 5. Dezember 1923 nachzulesen, in der Ministerpräsident Braun im Rahmen eines starken Treu- bekenntnlsses zu den Rheinlanden für die gleichmäßige■Behandlung der Bevölkerung Im besetzten und unbejehten Gebiet in finanzieller und wirtjchaflNcher Beziehung eintrat und vor allem erklärt«, daß die Preußffche Etaatsrogierung jede staalsrechl- liche Aenderung in bezug aus die Rheinlaude. jede territoriale Aenderung preußischen Gebietes und jede Beeinträchtigung preußischer Hoheilsrechte mit allem Rachdruck ablehne und mii allen ihr zu Gebote stehenden Mitten bekämpfen werde." Otto Braun hat also al» preußischer Ministorpräsident in jeder Weise gegen die Kopflosigkeit des Herrn Iarres angekämpft und ihm. wie der Haltung der Sozialdemokratie ist es mii in erster Linie zu verdanken, daß die Reichsregierung in ihrer Mehrheit damals die Nerven nicht verlor, sondern den einzig mög. lichen Weg der Verhandlungen ging, der über London zu einer langsamen Gesundung unserer Verhältnisse führt«. Iarres täte gut. wenn er feine Rechtsblockpresse anwiese, nicht allzu faustdick zu lügen. Do« ist doch unzweckmäßig. Heerschau der Reaktion. Mit Handzetteln und schwarzweißrvten Plakaten, mit Presseaufrufen und mit Jarres-Posttarten hatte der Rcaktionsblock L«stern sein« Mannen in den Sportpalast zur»großen vater- ländischen Kundgebung" für Versackungs-Iarres. den»kerndeutschen Mann", dirigiert. Und was kam, füllt« den Sportpalast zu 73 Proz. Die Zugkraft der deutschnationalen Demagogie fft eben im Schwinden begriffen, auch die Minderbegabten beginnen einzusehen. daß nationali st ischePolitikVerhetzung, Schwindel und Bluff ist. und daß die Aktivität unserer Monarchisten einzig und ollein darin besteht, skrupellos zu verleumden und gewissenlos das niederzureißen, was ander« in mühevoller Arbeit, m hartem Dienst am Volk aufgerichtet haben. Auch gestern fehlt« jene rührselige Kitschdetorotion nicht, mit der die.Schwarzweißroten die Tränendrüsen des Spießers zu kitzeln ver- stehen. Siegerkranztapellen in Uniform, schwarzweißrot« und Haken- treuzfahnen. Hftler-Babies mit Iarreslchen Armbandstreifen(was tut man nicht alles für das Geld der Schwerindustrie!). Heil- und Hurraruf« und jene für den anderen unerträgllche Atmojphär« völliger Gefftesöd«, in der die mit Gift gepaarte Idiotie der monar» ck-islischen Propaganda allein gedeiht. Diese Versammlung de» an- gkblich»üderparleilichcn".Reichs"(Recht«)bloSs hatte«inen so aus- gesprochenen nationolrevolutionören. einen so ausgefprocheaeu rechtsradikalen Charakter. offentert« alles in ollem«inen solch unerhörten Grad skruve!- losester Gehässigkeit, daß man sich fragen muß, ob Iarres den Mut findet, sich mu solchen politischen Gassenmanieren zu idennfizieren. Wie verrohend die sinnlose Verhetzung auf die verblendeten Partei- ganger der Rechten wirkt, bewiesen drastisch und zur Genüge jene Zwischenruf« aus der Mitte der Versammlung, die die Aufpettschungs- bomnots der Parteiredner harmonisch illustrierten. Jedenfalls muß gesagt werden, daß von einer Ueberparteilichkeit im Rahmen dieser wüsten Hetzversammlung bei Leibe nichts zu finden war. und es tst typisch für die Gefftesverfassung des deuffchnationol-volksparteilich- völkischen Publikums, daß Reinhold Wulles Hetztiraden den weitaus stärksten Anklang fanden. Originell war. wie sich Wull« unter dem Beifall auch der anwesenden Volksparteiler gegen die Kläglichkeit der deutschen Außenpolitik seines valksparteilichen Kampfgenossen Stresemann wandte. Ein etwas besser sunkttomercn- des Gehirn, als es das monarchistischer Bersammlungsbejucher im allgemeinen fft. hätte doch für die bodenlose Inkonsequenz, die Unmoral dieser Dilettantenpolitik derer um Iarres und Wull« erkennen müssen. Der schneidige Major v. Secklin. der Au«. schreier der deutschen Rationalunkenpartei, erklärte sogleich mii anerkennenswerter Offenheit, daß der Kampf unter den schwarz» weißroten Fahnen ausgefochten werde. ChrisUIch, deutsch, national,«ingedenk schwerindustrieller Belange, kurzum, ein ganzer schwarzweißrot«? Mann sei Karl Iarres. Dann offerierte der Monarchist das altbekannt« Dolchstößchen, was das sympathische Publikum mit ohrenbetäubendem Zustimmungsgebrüll qutttiert«. (Kufe: Rote Verräter, an den Galgen usw.) Hemmung?- loser Erfüllungswahn sei rnffer Unglück gewesen. Nach unflätigen Beschimpfungen der Sozialdemokratie sprach der Hetzredner von Barmot- und Kutisker-Parteien. das tollst« aber war, als sich der armselig« Mampeadvokat erdreistete. _ den toten»eichspräfldeukea zu schmähen. An der Spitze des Reiches hat ein Mann gestanden, der Parteimann war. solange er lebte.(Rufe: Ein Landesverräter.) Rie wieder einen Sozialdemokrale».(Beisallsgebrüll.) Nie wieder einen Marxisten.(Rufe: Die Juden, die Juden!)»Nieder mit der Partei der verdorrten.Schwurhände"."(Geheul.) I a r r es fft ein mutiger Mann, ein ganzer Mann, ein großer Mann.(Vraoo! Bravo!)»Aufs infamste wird er von der Linken verleumdet." So «izählt man in Hamburg ungloubllchsrweise. daß Frau Iarres ein abschreckendes jüdisches Aeußere habe.(Stürmische Pfuirufe, einer schreit: Ist das wahr?) Das soll wahr sein'' Frau Iarres, diese hochgewachsene, blonde, echtdeutsche Frau...(Bravo! Bravo! Heil- ruf« und Zustimmungsirompeln) ist kerndeutsch bis auf d i e Knochen.(Heil!)(l!) Natürlich ist nach dem d-inschnationalen Humoristen der Vorwurf der Versackungspolitik Schwindel. Nach dieser humorvollen Kanone kam ein nicht minder witziger Bursche, der Amtsrat Lossow, seine» Zeichens Borsitzender der„Vereini- gung vaterländisch« gesinnter Katholiken", zu Wort. Einige besonders gelungenen Scherze: Das Zentrum hat fortwährend die nationalen und vaterländischen Belang« verraten.(Bravorufe.) Di« londesverräterische Gesinnung der Sozialdemo kratte ist ganz offenbar.(Wüstes Zifftimmungsgebrüll.) Braun war am Rüstungsarbeiter streik beteiligt(!!). (Rufe: Nieder mtt dem Verräter!) Die Sozialdemokratie ist vom Teufel, aber auch das Zentrum Ist eine Angelegenheit des Satans. (Beifall. Rufe: In die Hölle mit ihnen!) Rieder mit dein Königreich Barmat!(Lärmende Zustimmung, Bcifallstrampeln.) Der Pfarrer Dr. Luther, ein würdiger Vertreter der Chamäleons Deutsch« Volkspanei, zeigte, daß er«benlo routiniert hetzen und verleumden kann wie die wilderen Vrüdcr. Er hatte sür sein markiges Getöse den alten Bismarck reklamiert, sprach etwas dunkel vom Bismarck g e i st. mit dem der gute Bürger 011 die Wahlurne schreiten müsse, und betont«, daß der Rechtsblock einen kerndeutschen Mann wahrhaften Sinnes von der Schwerindustrie eingehandelt habe. Nach einer schmutzigen Be- s ch i m p s u n g des von der Reaktion ermordeten Erz» b e r g e r s kam der famose Diener Gottes zu einem dreifachen ,5 0 1 res-Heil". Erleichtert ließ man den streitboren Sohn der Kirch« Ziehen, um dem Hauptclou(oder E l 0 w n) des notio. nalistffchen Varietös in die Hände zu fallen: dem blondgeschettelten Reinhold Wulle. Tobendes Heilsgeschrei seiner Wotanjünger um- brauste ihn, st« trampelten, daß es«in« Lust war. Schauerlich schimpft« Rein hold über den Bormat-Staat und d!« verfluchten Juden, begeffert« Eberl, gab feinem Bettgenvssen Stresemann«in paar intensiv« Maulschellen und betont«, daß Iarres »schwarzweißrot bis auf die Knoche» fei". Ohne de» Nomen zu nennen, attackiert« er den verlaufenen Bürgerbräustrategen. d«i Hitler- Papa Ludendorff. Wer den »nationalen Block" sprenge, wäre ein Verräter. Dann sang man die»Wacht am Rhein", schlug sich siegreich auf die Potsdamer Straß«, trotz Schlochtgebraus und Hippsturra, und während die wandelnd« Arterienverkallung unter»Heil"- und .Pfui"-Ruf«n ihr« schwarzweißroten Fahnen in die Räucherkammer truzp verlor sich der nationalistische Spuk. Für Oberschlesien. Zur Erinnerung an den Kampf um Oberschlesien, der vor vier Jahren in der am 20. März 1921 vollzogenen Bolts. abstimmung über Oberschlesiens Schicksal einen Höhepunkt er. reichte, veranstalteten die Bereinigten Verbände heimattreuer Oberschlejier in Berlin am Sonntag eine Gedenkfeier. In der Liebe zur Heimat können alle Volksgenossen ohne Unterschied der Parteien fich zusammenfinden, doch eben deshalb sollte man bei solchen Ver anstaltungen jede militaristisch- chauvinistische Färbung zu vermeiden sich bemühen. Bei der Feier wirkten mit der Erdiche Männergesang verein, das Musikkorps der Kommandantur Berlin und als Ehrengeleit der Fahnendeputation heimattreuer Verbände eine Schar von Mädchen, die in ihren weißen Kleidern mit gelbem Schärpen chmud die Farben Schlefiens zeigten. Der Festredner, Geheimer Oberregierungsrat Prof. Kühnemann- Breslau, ließ in die berechtigte Trauer um den Verlust wertvoller Teile des Deutschen Reiches ein unberechtigtes Loblieb auf den deutschen Militarismus hineinflingen und rief aus:„ Der deutsche Militarismus war der Friede, der französische Militarismus ist der Krieg!" So richtig der zweite Teil dieses Ausspruches ist, so falsch ist sein eifter. Ber das nicht schon gemußt hatte, den tönnte und müßte der hinter uns liegende Krieg endlich darüber belehrt haben. Gerade in den Dom Deutschen Reich losgerissenen Gebieten weiß man aus bitterster Erfahrung, mohin der deutsche Militarismus uns geführt hat. Ueberfall auf eine Frau im Vorortzug. Am vergangenen Sonnabendabend um 49 Uhr wurde eine Frau im Abteil 3. Klasse des Vorortzugs 959 auf der Fahrt Don Rangsdorf nach Dahlwig von einem Reifenden überfallen, ihrer Handtasche mit Inhalt beraubt und am Halse gewürgt. Auf ihre Hilferufe sind aus dem Nachbarabteil ein Herr und eine Dame zu Hilfe gelommen. sprang der Täter aus dem fahrenden Zuge. Es ist anzunehmen, Beim Erscheinen derselben baß der Täter sich hierbei verletzt hat. Er wird wie folgt beschrie. ben: Größe etma 1,60 Meter, Bekleidung graugrüner Militärmantel und grüner Hut. Für die Ergreifung des Täters und für fachdienliche Angaben, die eine ftrafrechtlicher Berfolgung ermög lichen, ist von der Reichsbahndirektion Berlin eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt worden. Oberbürgermeister a. D. Wermuth vollendet heute fein fieb. gigites Lebensjahr. Wermuth, der frühere Staatssekretär des Reichsschazamtes, wurde 1912 zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt. In den Ruhestand trat er 1920. Neber Gesundheitspflege des Kindes in Schule und Haus spricht Ben Dr. 2oewenstein am Dienstag, 24. März, abends 18 Uhr, in der Schulaula der 213. Gemeindeschule, Christburgerstr. 14/15, in einer gemein famen Elternbersammlung der 204. und 213. Gemeindeschule. Urbellsgemeinschaft der Kinderfreunde. Die Gruppen werden gebeten, die neuerschienene Kinderzeitung Kinderfreund" in unserem Büro, Lindenstraße 3, 2. of I., II Tr.( bet Genoffin Todenhagen) abzuholen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Rreis Reufölla. Abteilungsleiter! Heute( Montag) abend: Material abholen im Parteibureau. 15. Kreis. Abteilungen 103-104. Die Genossen müssen sich heute abend an der öffentlichen Versammlung in Johannisthal, Bürgerpart, beteiligen. 17. Abt. Seute 72 Uhr: Funktionärkonferenz bei Dofe, Norbhafen 6. e Bezirks ührer müssen erscheinen. 53. Abt. Charlottenburg Dienstag, abenbs bon 7-10 Uhr Funktionärtonferenz bei Lur. Um 10 Uhr alle Genossen bei Schweikert, Erasmusftr. 2 bzw. bei Bug. Suttenstr. 26. 81. Abt. Friedenan. Die Mitgliederversammlung am 25. März fält aus. Beteiligung aller Genoffen an der Rundgebung im Sportpalast. 91. Abt. Neukölln. Seute abend 7%, Uhr: Seiterer Abenb fie bie grauen bei Bildide, Karlsgarten- Ede Fontaneftr. Gäfte herzlich willkommen. 162. Abt. Baumschulenweg. Der Frauenabend findet erst am Montag, 30. März, ftatt, nicht heute obend Schöneberg Friedenau. Die Arbeitsausschussigung des Rulturfartells muß um einige Tage verschoben werden. Näheres wird durch Einladung mitgeteilt. Derträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 37/38, Sof 2 It. Rameradschaft Mitte. Die Kamerabschaft trifft sich am Dienstag vormittag bei der Beerdigung des Stameraden Biermann, am Eingang des Friedhofes in Weißensee, Lothringer Str. nicht um 10% Uhr, fondern um 11% Uhr. Sport. Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 22. März. 1. Rennen. 1. Noordwyk( N. Hartfeil), 2. Dompfaff I( 2. Beiß), 3. Blaumeise( G. Lautenberg). Toto: 1410. Plaz: 14, 16, 15: 10. Ferner liefen: Torrero, Baron Tregantle, Gladiator I, Baula Bingen, Coriolanus, Dcean Girl, Barillia D., Geisha, Inventur, Manila I, Dolina. 2. Rennen. 1. Broschüre( J. Mills), 2. Starbella( Ch. mins), 3. Kurgast( m. Schleusener). Zoto: 37: 10. Blaz: 13, 12, 15: 10. Ferner liefen: Dichtung, Morgentan, Dolerit, Dunajec, Haraldus B., Mantua, Draga Watts, Linscott jr., Rinofönigin. 3. Rennen. 1. Edinhard( W. Rösler), 2. Fiscus( M. Barbain), 3. Jeffries jr.( G. Perf). Toto: 52: 10. Blat: 13, 76, 36: 10. Ferner liefen: Mabel, Stapellauf, Hadamar, Barometer, Fürst, Odessa, Zeitgeist. 4. Rennen. 1. Lucullus( Ch. Mills), 2. Prinz Magowan( Ed. Mills), 3. Baron Agworthy( J. Mills). Toto: 34: 10. Plaz: 16, 43, 18: 10. Ferner liefen: Handfeft, Ballonkönigin, Francisco, Precious Batts, Bebra, Gamein. 5. Rennen. 1. Allene( Jauß jr.), 2. Federnelle( Snöpnabel jr.), 3. Klärchen M. Toto: 35:10. Blaz: 15, 16, 22: 10. Ferner liefen: Martha III, Dollyfa, Baron Batts Manzanares, Minz, Alud. 6. Rennen. 1. Alice Root( Ch. Mills), 2. Marcel( S. Mills), 3. Lord Ellerslie( Großmann). Toto: 14: 10. Play: 14, 24: 10. Ferner liefen: Verdun, Dui vive. 7. Rennen. 1. Sudan( Ch. Mills), 2. Rönigsabler( G. Lautenberg), 3. Buchdruder( Großmann). Toto: 30: 10. Blag: 14, 16, 14: 10. Ferner liefen: Damson Watts, Sapitain Halle, Kazbach, Binnie, Wafferlauf. 8. Rennen. 1. Interpellant( Ch. Mills), 2. Fafner J.( H. Schleu fener), 3. Sybill( F. Schulz). Soto: 25: 10. Plat: 18, 30, 28: 10. Ferner liefen: Prinzeß Bertha, Tafna, Ludmill I, Gabiac Arworthy, Dthello IV, Billy I, Falter, Ebonit. Reichshallen Theater Allabend! 8 U. u. Sonntags nachm.3 Uhr Steffiner Sänger Neu! Neu! Sport- Müller Nachm. halbe Preise, volles Progr Dönhoff- Brett'i: Das Lenz- Programm! Anf. 7, U. Sonnt. 5%, U. WINT BRTEN 7 6 Novitäten Spielplan. Sonnt. 31 halbe Prelse. Rauchen gestattet Theater am Kotibusser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. Ubr Elite- Sänger. Fabelhaftes März- Programm! 4 39 Mark echt Eiche Gewerkschaftsbewegung Von den rumänischen Gewerkschaften. Aus Butareft wird uns geschrieben: Großrumänien in seiner neuen Gestalt ist das europäische Land, das am unmittelbarsten den llebergang vom Otzident zum Orient darstellt. Und die Arbeiterbewegung sieht man hier durchaus als eine Je weiter wir also nach Westen vor westeuropäische Sadje an. bringen, um so deutlicher erkennen wir ihre Spuren. In einem Hinterhause, armselig und zerfallen, nach europäischen Begriffen längst abbruchreif, über morsche Stiegen flettert man in eine geräumige Dachfammer. Darin zwei Tische und eine Bant. Das ist die Zentrale der rumänischen Gewerkschaften in Cluj( Klausenburg). Es ist auch Parteizentrale für Siebenbürgen und Redaktion zweier Wochenblätter. Ein Sefretär, zwei Mitarbeiter und drei Genoffinnen, die gelegentlich helfen das ist der ganze Verwaltungsapparat. Das ist eine Märtyrerarbeit hier," sagen die Genossen, aber mir stehen nicht auf verlorenem Posten. Uns gehört die Zukunft." wir stehen nicht auf verlorenem Bosten. Uns gehört die Zukunft." Arbeiter, Republikaner Berlins! Morgen und folgende Tage müssen alle Freunde und Anhänger der Republik die schwarz- rot- goldene Flagge zeigen. Heraus mit den Fahnen der Republik! Heraus mit dem roten Freiheitsbanner! Seit einem Jahre sind die rumänischen Gewerkschaften der Amfter damer Internationale angeschlossen. Zuvor hatte eine Spaltung stattgefunden. Die Kommunisten traten aus und bildeten eine eigene Gewerkschaft, die„ Einheitlichen". Jetzt zählen sie 8000 Mitglieder. Es gibt auch noch gelbe Gewerkschaften mit start faschistisch- nationa liftischem Einschlag. Sie sind gerade in Auflösung und hatten es nur auf 7000 Mitglieder gebracht. Dagegen haben die Amsterdamer doch mit 40000 Mitgliebern entschieden die Führung. Allerdings, wie gering ist diese Zahl gegenüber der Tatsache, daß es noch etiva 700 000 unorganisierte Arbeiter gibt. Eine eigentliche Arbeiterbewegung gibt es nur in den Bro. vinzen, die, einst zu Ungarn gehörig, fich noch die Tradition der alten zentralisierten österreichischen Bewegung bemahrten. In Altrumänien gab es viele hoffnungsvolle Anfäße, aber auch ebenso viele niederschmetternde Zerstörungen. Im rumänischen Im rumänischen Arbeiter stedt noch unmittelbar der Landproletarier, den es eben erst zur Stadt trieb. Er hat nie lesen und schreiben gelernt Seine Bedürfnisse gingen nie über den landesüblichen Balutis hinaus. Die orthodore Priesterschaft und der Bojare als Grundherr züchteten in ihm nechtgeist und Berdum mung. Er ist zumeist zur Farbrifarbeit untauglich, da er unfähig ist, Maschinen zu folgen. Langsam fügt er sich erst ein. Dann kommt er fich reich vor bei seinem allerfärglichsten Lohn, nur weil er Bargeld hat, was ihm ein gewaltiger Fortschritt dünft gegenüber der Naturalwirtschaft auf dem Lande. Geld ist aber seiner Meinung nach mir zum Trinken da. So verfommt er in Alfohol, Syphilis und Analphabetentum. berEinige raffen sich auf und werden revolutionär. Aber ungeschult, fügen fie fich in feine Organisation ein. Sie laufen irgendeinem Führer" nach, der sie dann verrät, wenn er es zum Abgeordneten mandat brachte, oder sonst landesüblich durch Batschisch gewonnen murde. So merden fie revolutionäre Raufbolde, Syndikalisten, Anarchisten. Sie brennen leicht auf in Begeisterung wie ein Stroh feuer, aber der alte zähe Troß, der unermüdliche Glaube, vererbt burch Generationen, fehlt ihnen. So ist es noch nie gelungen, im Betroleumgebiet auch nur länger als ein Bierteljahr eine Organifation zu halten. Die besten Kräfte wurden dort eingesetzt gebens! Der einzige fefte Stamm find jegt 7000 organisierte Dodarbeiterin Constanza am Schwarzen Meer. In Bufareft erscheint für die vereinzelten Splitter in Altrumänien eine Wochenschrift als Partei und Gewerkschaftsblatt Lumea Nona". In der Dobrudscha und Bessarabien ist überhaupt an Organisation nicht zu denken. Dieses armselige Landproletariat Europas liegt berart barnieber, daß es einzig in Räuberdasein und Banditenüberfällen halbboljchemistischer Natur seinen revolutionären im Banat um einen deutschen, in Siebenbürgen um einen Drang auslebt. Dagegen fonzentriert sich in der Butowina und ungarischen Kern von Genossen allmählich ein fampfesfreudiges Proletariat, das vor allem über eine gute Organisation ver fügt. Dieses nationale Mischgebiet mit seiner alten historischen Bedeutung hat auf die einheimischen Rumänen entschieden eine fördernde Wirkung ausgeübt, so daß sie jetzt ihren Landsleuten im Altreich weit voraus sind. In den Arbeiterorganisationen entstehen trog aller nationalen Verschiedenheit keinerlei Reibereien. In der Bukowina und dem Banat erscheinen zwei deutsche Tages= zeitungen, die Arbeiterzeitung" in Temesvar und der Borwärts in Czerno mig. Bei der engen Verbindung Don Partei und Gewerkschaft sind sie auch für diese von großer Bedeutung. In Cluj erscheinen zwei Wochenzeitschriften, die Nepa 8ava für die ungarischen und die Tribuna Sozia lift a für die rumänischen Genoffen Siebenbürgens. Die Gewerkschaften Rumäniens stehen in schwerem Kampf gegen die nationalistischen Monopolgefeße der Regierung. Diese ordnen oronen an, baß in allen Industrieunternehmungen mindestens 60 Proz. des Kapitals in rumänischen Händen sein muß. Dadurch ist eine Industriekrise fondergleichen entstanden. Die Teuerung infolge mizernte und torrupter Handelspolitik nimmt unaufhörlich zu. Die Arbeitslosigteit Sprechmaschinen] Gelegenheitskauf! Riesenposten! Konzertapparate, trichterios: Nr. 4 M. 9,50 Nr. 11 M. 26, Nr. 19 M. 89, 9 18, 16 58, 26 166, 7 11, 15, Haubenapparate, echt Eiche 12 14 35,- 45, Schrankapparate, echt Eiche: 20 24 110,- 125, Vollkommenste Wiedergabe Platten wieder billig! 30 cm 1,90 M. 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Wie gut wäre es aber, wenn es all das halten würde, was es jo leicht verspricht!" Der Achtstundentag ist troß geseglicher Anordnung nur in den größeren Betrieben durchgeführt. Dort ist es zumeist Wie enorm aber die auch zu Tarifvertragsabschlüssen gekommen. Ausbeutung ist, dafür das Beispiel, daß in den siebenbürgiichen Kohlen- und Erzbergwerfen heute der gelernte Arbeiter 25 bis 30 Lei täglich bei achtstündiger Arbeitszeit verdient.( 1 M. zirfa 50 Lei.) In den Karpathenländern breitet sich auf einer reichhaltigen Rohstoffbafis eine blühende Industrie aus, die, wenn erst ausländisches Kapital ins Land strömen wird, zweifellos einen unges heuren Aufschwung erleben wird. Es ist hier für die europä ische Arbeiterschaft von entscheidender Bedeu tung, daß die billigen Arbeitskräfte dieses Landes nicht in Kon turrenz zu den mesteuropäischen Arbeitermassen gestellt werden. Das vereinigte mefteuropäische Rapital wird sich bald auf diese Länder Südosteuropas stürzen, die es sich mit allen Mitteln tolonifieren wird. Hier gilt es für eine wahrhaft internationale Gewerkschaftspolitik auf der Hut zu sein und die Genossen Rumäniens auf ihren einsamen Boften mit moralischer und organisatorischer Kraft zu unterstüßen in den schmeren bevorstehenden Rämpfen. Holzpantinenverbot. Holzpantinen find für manche Arbeiter die zmedmäßigste und vor allem billigste Fußbekleidung. Deshalb trugen auch die ausmädchen im Weinhaus Rheingold beim Scheuein und Reinemachen Holzpantinen. Manchmal mußten die mädchen burch Räume, gehen, deren Fußböden mit wertoolen Seppichen belegt find, für die es gewiß nicht zuträglich ist, wenn in Holzpantinen stedende Füße über sie hinschreiten. Die Diref= tion verbot den Mädchen, Holzpantinen zu tragen. Nicht nur mit Rüdficht auf die Schonung der Teppiche, sondern auch werden, wenn es der Zufall fügen sollte, daß Gäste einem Mädchen aus Besorgnis, das Renommee des Hauses tonne geschädigt in Holzpantinen begegnen. Nun ist ja ein Berbot dieser Art leichter auszusprechen wie auszuführen. Für die Mädchen, die neben freier Station einen Bohenlohn von 8 m. beziehen, ist die Frage der Fußbekleidung eine schwerwiegende kosten: frage. Ein Baar Holzpantinen für 2 m. halten einige Monate, während ein Baar Lederschuhe für 10 bis 12 m. bei den Arbeiten, um die es sich hier handelt, in zwei Wochen schon reparaturbedürftig cder gar unbrauchbar werden. Trogdem fügten sich die Mädchen, um ihre Stellung nicht zu verlieren, dem Pantinenverbot und Nur eine von ihnen, die nur arbeiteten in Lederschuhen. ein Paar Schuhe befaß und nicht Luft hatte, diese in Dienst der Firma Aschinger zu ruinieren, erschien auch nach dem Verbot in Holzpantinen. Das erregte den Generaldirektor ohnert derart, daß er das Mädchen mit gemeinen Schimpfworten traftierte und ihre Entlassung berDie Entlassene strengte eine Beleidigungsflage fügte. gegen den Generaldirektor an und, nachdem sich der Betriebsrat ohne Erfolg um ihre Wiedereinstellung bemüht hatte, forderte sie diese durch Klage beim Gewerbegericht. Durchaus zutreffend jagte die Klägerin, wenn die Firma Aschinger 3 ehntausende von Mart für Anschaffung neuer Teppiche ausgeben fonnte, und wenn es ihr um die Schonung derselben zu tun ist, dann fann sie auch das läge ja in den 12 Hausmädchen Arbeitsihrem eigenen Interesse schuhe liefern und so die Pantinen beseitigen. Darauf er widerte der Bertreter der Firma: Die Mädchen gehen ja außerhalb des Hauses in Ladschuhen und feidenen Strümpfen, also erlauben es ihnen ihre Mittel auch, bei der Arbeit Lederschuhe oder Sandalen zu tragen. So wenig wir unseren Röchen gestatten würden, in Ünterjaden zu arbeiten, so wenig fönnen wir es dulden, daß die Mädchen im Hause in Holzpantinen herumlaufen.„ Wer sich unseren Anordnungen nicht fügt, der wird ent laffen." Das Gericht riet dem Vertreter der Firma dringend, sich mit der Klägerin dahin zu einigen, daß fie, vielleicht in einer anderen Abteilung des Betriebes, wieder eingestellt werde. Einige Tage nach dem Termin ist denn auch eine Berein. barung zwischen den Parteien zustande gekommen. Die Klägerin nimmt die Beleidigungsflage gegen den Generaldirektor zurüd und mird in der Küche weiter beschäftigt, wo sie Solzpaniinen tragen darf, denn dorthin bringt nicht das Auge von Gästen, die an dieser Fußbekleidung Anstoß nehmen tönnten. Aufhebung polnischer Gewerkschaften. Warschau, 23. März.( Eigener Drahtbericht.) Auf Anordnung Solz- und Naphtaindustriearbeiter aufgelöst worden. der Behörden find in Czenstochou die Gewerkschaften der Leder Einigung in Norwegen. Oslo, 23. März.( Tul.) Der norwegische Konflitt ist jetzt beigelegt. Die neuen Uebereinkommen beruhen in der Hauptsache auf einer Erhöhung der Löhne von neun Prozent, die ungefähr der Preissteigerung entspricht. G. Achlang, Zimmerer! Bei der A... für Haus- und Fabritbau, Berlin, Dessauer Straße 38, wird in Neukölln auf der Baustelle Ziegrastraße wegen Lohndifferenzen gestreift. Josef Kolodziej, Neukölln, Kaiser- Friedrich- Straße 99/100, sucht für die Baustelle Streitbrecher. Kolotziej will Zimmermann sein und noch mehr Arbeitsstellen haben. Kameraden, die Baustelle Biegrastraße sowie alle Arbeitsstellen, die Kolodziej hat, sind gesperrt. lebt Solidarität mit den Streifenden. Zentralverband der Rimmerer. Behitelle Berlin u. Umg. Berantwortlich für Bolitik: Eraft Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Dölder; 2otales und Sonstiges: Fris Rarstäbt; Anzeiger: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co. Berlin GB 68. Lindenitrake 3. LJUERGENS Möbel ALEXANDER PLATZ Doppelbetten 34.-, Rinderbetten 18, Metallbetten Mart 15.-, 17., 20.-, Auflagen 6.- 10.- 18.-, Challe Tongues 12., 18., 22. Teilzahlung. das Haus der Brinkpapinan gutan y Verkäufe Naumann- Nähmaschinen für Sausge brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re. paratur- Werkstatt fülr alle Syſteme Emil Salbarth G. m. b. S. Friedrich ftraße 55a. Merkur 6268. Linoleum, Linoleumläufer, 90 8enti meter, 3.50, Linoleumteppiche. Linoleumlegerei, Brinzenstraße 101 Moritplat 168 88. Frettchen Deditation. Sermannstraße 176. am Tin Gipsftraße 7. Ankleibeschränke 110.-, englische BettRahlungs ftellen 45.-, Einzelmöbel. erleichterung. Stein, Anklamerstraße 20. Musikinstrumente Bianes preismert. Klaviermacher Lint Brunnenftrake 85. Fahrräder Fahrräder, fabrifneu, 50.-, Quali tätsräder, Innenlötung. Freilaufnabe, einjährige Garantie, 78.-, Damenräder, Lurusräder, Rennmaschinen. 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