Nr.144 42. Jahrgang Ausgabe Nr. 73 Bezugspreis: öchentlich 70 fennig, monatlich 8, Reichsmart vocaus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Miemelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormäris mit der Sonntags Beilage Bolt und Reit mit„ Sied. Lung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Rouparcides Reflamezie seile 70 Pfennig. 4, Reichsmart. Ricine Luzeigen" has fettgebrudte Wort 20 Biennia ( auläffia amei fettgebruffte Borte), febes meitere Bort 10 Biennia. Stellangefuche bas erfte Bort 10 Bfennig, febes weitere Wort 5 Bfennig. Borte über 15 Bud ftaben zählen für zwei Borke. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Bfennig. Anzeigen für die nächste Sumuter milffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgefchäft, Berlin GB 68, Linden. Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet son 9 Uhr früh bis 5 Uhr nam. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 26. März 1925 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedfontn: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Massenkundgebung für Otto Braun. Die Sozialdemokratie Berlins im Sportpalast. Sechzehntausend Menschen faßt der Berliner Sportpalajt, zwanzigtausend mögen in ihm zusammengedrängt gewefen fein, als der Ordnerdienst den Saal megen 11eberfüllung schloß. Draußen standen noch Tausende und blidten in die Lodernden roten Flammen, die vor dem Tor von Reichsbanner. Leuten entzündet und bewacht wurden. Daß die große Sozialdemokratische Partei Berlins Zehn tausende durch ihren Ruf in Bewegung bringt und sammelt, ift für fie feine besonders erstaunliche Leistung. Dennoch wird fein Teilnehmer imstande gemesen sein, sich dem überwäl= tigenden Eindruck dieser Menschenmassen zu entziehen. Zwanzigtausend Menschen unter einem Dach. 3manzigtausend Menschen, die in Kirchenstille den Worten des Redners laufchen, bis bei einem zündenden und begeisterndem Bort donnern der Beifall an die Dede schlägt das gibt ein Gefühl von Selbstbewußtsein und macht! Diese Zwanzigtausend sind nur ein fleiner Bruchteil von Denen, die am Sonntag in Berlin für Otto Braun stimmen mer den. Aber sie sind der Bortrupp. Und eine Partei, die einen so ftorien, so disziplinierten, politischen Erörterungen mit so leidenschaftlicher Anteilnahme folgenden Bortrupp besigt, eine solche Partei hat ein Recht darauf, stolz zu sein! Kein Kommunist hat diese erhebende Kundgebung zu stören gewagt. Weitig ist von Kommunisten die Rede g mesen. Bozu auch? Mostau hat seine Weltrevolution" ab gefagt, der Traum ist zu Ende, pom Zweifel zur Berzweiflung ist mir noch ein Schrift. Aber wo der Kommunismus inner lid gebrochen niedersinft, b a steht die Sozialdemo trasie auf. Wo die Traumpolitik zu Ende ist. da fängt die Da sind mir Wirklichkeitspolitik der Arbeitermassen an. Sozialdemokraten es, die diesen Massen zurufen: ,, 2 rbeiten und nicht verzweifeln!" Auf den Massen im Sportpalast lag das Bewußtsein, daß es ein schwerer Kampf ist, in den wir hineingehen. Aber in ihnen lebte auch der Wille, sich zu schlagen und zu siegen. Die Lodernden Feuer vor dem Sportpalast sind erloschen. In den Herzen glüht das Feuer der Begeisterung weiter. Zwanzigtausend, die gestern die Worte unserer Redner hörten, merden sie heute weitertragen zu Hunderttausenden und aber Hunderttausenden. Es war ein großer Tag für die Sozialbemokratie Berlins. Der 29. März muß für sie ein noch größerer merden! Der Borsitzende der Berliner Parteiorganisation Künstler eröffnete die gestrige Bersammlung im Sportpalast, die eine Rundgebung für die Republik und für die besten Führer des Boltes sein soll: zu sagen, als daß er nur ein 3ählmann ist. Wir aber denten in biefer Stunde an den Mann, den ein: graujames Geichid uns zu diefer Stunde an den Mann, den ein: graujames Geschid uns zu früh entrissen hat, an Frig Ebert, und mir fönnen nicht anders jagen, daß der zweife Reichspräsident schon aus demselben Holze, geschnigt fein muß, aus dem Friz Ebert geschnitzt war. Deshalb wählen wir Otto Braun, und wir wählen ihn nicht nur wegen seines starten ziellaren prägten in 3ialen Charafters. Thin gegenüber steht der fo Willens, fondern auch megen seines außerordentlich ausge= prägten jozialen Charafters. Thin gegenüber steht der jo genannte„ Reichsblod", der ein merkwürdiges Sammellurium der Reaffionäre aller Schattierungen ist. Für uns gilt die Entscheidung nicht, hier Kopfarbeiter, hier Handarbeiter, sondern rechts oder lints. Besonders die Beamten merden es sich zu überlegen haben, ob fie in Jarres den Mann wählen wollen, der ihnen eine 54ffündige Arbeitszeit aufgehalit hat, oder Otto Braun, der unerschütterlich für den A cht stundentag steht. Die Invaliden. rentner merden fich der vielfachen Berfprechungen erinnern müssen, die man ihnen gerade aus den Parteien um Herrn Jarres gemacht hat und mit denen man sie immer zum Narren gehalten hat. Deutsche Künster und deutsdje Kulturträger werden auf der Hut sein müssen, daß sie, nicht, den Martschreiern und blöden Schwähern der Zeute um Jarres auf den Leim friechan. Es handelt sich jest nicht darum, allein den Präfidenten zu wählen, sondern mit dem Bräsidenten zu entscheiden, ob der soziale Inhalt der deut [ hen Republit gemahri ober abgebaut und das deutsche Bolt damit in Grund und Boben gewirtschaftet merden soll. Die Führung im alten Deutschen Reich mat nichts anderes als eine Militärtechnik. Im neuen Deutschen Reich müffen die Führer durch das Balf er zogen werden und aus dem Bolte herauswachsen. Sie müssen Fühlung mit dem Bolt behalten und eine innerliche Hoch achtung por allen schaffenden und arbeitenden Kräften in der Nation haben. Nur einen einzigen 2del hat die Republit zu verleihen, und das ist der innere Abel, den die Arbeit, gleich niel, ob die des Kopf oder Handarbeiters, nerleiht. In diesem Sinne fönnen wir nicht anders als uns für Otto Braun ent fcheiden.( Langanhaltender stürmischer Beifall.) Dittmann: Geben wir uns feiner Taufgung hin: Der neue Reichspräsident Jarres jo her Blaghalter für einen neuen Monarchen fein. Deshalb ist diefer Wahlkampf ein Rampf zwischen Monarchisten und Republikanern. Die Straut und Schlotiunter mollen die alien Beiten zurückrufen, in denen der Monarch eine Puppe in ihren Händen war und der auf ihren Befehl das Bolf als Canaille behandelte. Ben es nach der Wiederkehr solcher Zustände gelüftet, der mag Ludendorff oder. Jarres wählen, aber er beflage sich hinterher nicht, daß er vom Regen in die Traufe fommt. Monarchie und Monarchisten haben uns in den Weltkrieg hineingeführt, haben ihn verloren und das Bolf in der Stunde höchster Rot sich selbst überlassen. Der Sturz der deutschen Monarchie ist wohl das Cacherlichste und kläglichste, das sich jemals in der Weltgeschichte abgespielt hat( Bielfenige Zustimmung.) Aus den Trümmern des alten Deutschlands erhob sich Bor 77 Jahren fämpften die Berliner Arbeiter auf den Barris das neue Deutschland als Republif, faden für den großdeutschen Gedanken, für die Demound nur als Republit nermag fich Deutschland jezt und in Zukunft fratie und für Schwarz Rot Gold. Auch in dem heutigen überhaupt wieder Weltgeltung zu verfchaffen. Die Masse des Volkes Kampfe um das Amt des Reichspräsidenten sind die gleicher Ideale war in der Monarchie rechtlos, in der Republif aber soll und muß zu verteidigen, die feit 1918 ähnlich denen von 1848 geblieben find. alle Macht vom Bolle ausgehen. In der Monarchie war das Unsere heutige Rundgebung für die Republik mill sagen, daß wir Barlament eine Theaterdekoration, und der Monarch setzte die Rebereit sind, alle unsere Kräfte einzulegen, um die Gegner der Regierung nach seinem Belieben ein. In der Republif liegt die publit in den Staub zu zwingen.( Starfer Beifall.) Regierungsgewalt im Parlament, und der Reichstag bestimmt die Regierung. Wenn wir heute einen Reichstag haben, der nicht den Wünschen des weitaus größten Teils des Boltes entspricht, dann ist nicht die Republif, find nicht die Republikaner daran schuld, sondern das deutsche Volt selbst, das ihn gewählt hat.( Starfer Beifall.) Die Republik von heute ist zweifellos nicht das Endziel, wie wir Go zialdemokraten es uns vorstellen, aber mir müssen gerecht sein und anerkennen, daß gegenüber der Monarchie Aufhäuser: Das alte faiserliche Deutschland war ein großes Haus, zu dem mur ein fleiner Teil der Volksgenossen Zutritt hatte. Im alten Deutschland war die große Masse des schaffenden Volkes politisch mohnungslos, ohne Verfassungsrechte, und die großen Maijen der Arbeiter, Angestellten, Beamten und der freien Berufe waren dazu bestimmt, nicht in dem Hause selbst zu wohnen, sondern auf dem Hof. Als dann im Jahre 1918 das alte Gebäude zusammenbrach und Wilhelm II., Ludendorff und die anderen flüchteten, da waren es die politisch Obdachlosen von einst, die plöglich berufen wurden, den Schutt wegzuräumen und auf der alten Stätte ein neues Haus zu errichten, zwar feinen Palast, aber die Republit, die dem ganzen Wolfe Zutritt und Unterkunft zu gewähren hatte. Te höher die Mauern stiegen, desto cifriger famen die Flüchtlinge wieder aus den Schlupfwinkeln hervorgefrochen, und jetzt wollen sie das Haus beziehen, das sich das arbeitende Bolf aufgebaut hat. Sie wollen die äußeren Mauern, d. h. die Formen der Re publir stehen laffen, aber das Haus selbst wollen sie mit ihrem monarchisch- reaktionären Geift anfüllen. Ludendorff ist wieder, wie immer, zufällig dabei, aber auch Herr Jarres ist weiter nichts als ein Bollte man Bufallsangelegenheit ihm polizeiliches Führungsattest ausstellen, so müßte es lauten: Geiftig einfach tonftruiert, polizeilich Nachteiliges nichts über ihn bekannt, im übrigen fehlt ihm jede politische Note. Er ist der parteilosa Sammeltandidat für alle deutschen Spießbürger, und wenn wir ihn belommen, jo haben wir einen ausgezeichneten Botal- Anzeiger als Präsidenten.( Heiterkeit und türmischer Beifall) Bas ist man über Herrn Thälmannenberes eine die. Republik zweifellos ein Fortschritt ist, und wir werden sie verteidigen, wenn es notiut, mit unserem Blut.( Stürmischer Beifall) Wir, die wir die Monarchie, thr fnalliges Broßzentum und ihr flägliches Bersagen schaudernd miterlebt haben, wir machen ein neues monarchistisches Kasperletheater nicht mehr mit. Die Sozialdemokratie ist die beste Stüße für die deutsche Republif. Und wer deshalb am fommenden Sonntag bei der Wahl hefunden mill, daß er unseres Sinnes ist, daß er helfen will, die Republif zu schügen und zu stützen und sie im Innern wirt schaftlich, politisch und tulturell immer reicher, inmer freier auszubauen, der muß seine Stimme unserem Kandidaten Otto Braun geben.( Rauschender Beifall.) Stampfer Außen spricht über Reichspräsidentenwahl und politit. Diese Wahl ist eine Prüfung Fält Jarres durch, dann hat das Bolt fie bestanden. Wird Jarres gewählt, ist das Bolt durchgefallen. Herr Jarres ist der Kandidat derer, die von Außenpolitit nichts verstehen er neriteht auch nichts davon, clio ist er für sie der gegebene Mann.( Große Heiterkeit.) Er ist auch Monarchist. Ein Republikaner auf dem Thron ist ein Big, ein Monarchist als Präfident einer Republit ist auch ein Wig, ein fehr fledter Big, ber Deutschland in der Belt schmer saben würde. In Magdeburg verhandelt man noch immer über die Frage, ob Ebert Landesverrat begangen hat. Aber, menn Ebert den Lan desverratsparagraphen übertreten hat, dann fann mir der Landesverratsparagraph leidtun, und wenn ein Gericht so etwas feststellen will, dann fann mir das Gericht leidhur. ( Stürmische Zustimmung.) Eberts geschichtliche Größe wird dadurch nicht berührt. Die aber, die Ebert verleumden bis übers Grab hinaus, sind auch die Werber für Jarres, und wenn das deutsche Voit Ebert einen Jarres zum Nachfolger gäbe, würde die Welt über solchen inverstand und solche llndankbarkeit staunen. Herr Farres wollte im Herbst 1923 den Frieden von Bersailles fündigen auf die Gefahr hin, daß die Franzosen nicht nur Rhein und Rubr behielten, sondern noch weiter marschierten und zugleich polnische und tschechoslowakische Truppen deutschen Boden besezten. Fachher sollte die große„ nationale Befreiungstat" Commen wenn die Franzosen in Hannoner, die Tschechen in Dresden und die Polen. nielleicht in Berlin maren. Das sind doch Phantasien von Narren und Kindern, das ist doch Hafordeurpolitif wie im Weltfrieg.( Lebhafte Zustim mung.) Da jage ich: Wenn schon, denn schon; wenn ichon Jartes, dann schon Ludendorff! Aber wie follte die Welt die„ Nie mieder, Krieg Politit" her Regierung Shiele Stresemann für bare Münze nehmen, menn ein epanchepolititer gewählt wird? Wenu junge Menschen von einem tommenden Krieg träumen, dann wollen fie menigstens dabei die eigene Haut zu Marite tragent. Fünfzigjährige, wie Sarres, fönnen aber höchftens noch als Greise, erleben, wie die Jugend ihres Boites cuf den Schlachtfeldern verblutet. Rennen Sie das nationale Boli tit? Wer Bolt und Vaterland liebt, der muß auch den Frieden liehen, und alles tun, um ihn zu einem dauern den zu machen. Wir wollen ein neues Europa, in dem die Wölfer nebeneinander leben ohne den Gedanken, sich gegenseitig die Halfe abzuschneiden. Darum in den Kampf für Republif unb rieden. Für Demokratie und Sozialismus, vorwärts in deat Kampf für Otto Braun!( Stürmischer Beifall.) Adolf Hoffmann: Ein freier Geist lebt nur in einer Repubiit; die Vergangenheit hat es bemiesen. In der Republif ist die Bahn frei für den freien Geist. Diejenigen, die immer noch zweifelnd fragen: was ist denu erreicht? fagen wir, was haben wir denn vorgefunden? Bir mußten erst den Trümmerhausen forträumen, erst den Plas freimachen für die Entwicklung. Grinnern wir uns doch daran, welche Stämpfe die Sozialdemokratie noch vor wenigen Jahren durchgekämpft hat. Als seinerzeit die 3ivillifte für den preußischen König erhöht werden solite, wurde unser Pro test dagegen im Landtag als Hochperrat bezeichnet, weil wir verlangten, daß der erste Beamte des Staates durch das Volk ge wählt wird. Damals durfte der Name des Monarchen nicht einmal in der Debatte des Parlaments genannt werden. Jetzt allerdings machen die Konservativen von damals den Hochverral" mit. Nicht der Geist soll herrschen noch der Meinung dieser Leute, sondern der Kadavergehorjam. Das kann allerdings auch ohne Kopf getan werden bei Leuten, die im Herbst 1923 bei der Ruhrbefehung den Kopf verloren.( Heiterkeit:) Jetzt, wo das deutsche Boll das erstemal den Präsidenten wählt. darf nicht der Zufall der Geburt entscheiden, sondern ein freies Bolf soll in freier Wahl fein Oberhaupt wählen. Dozu gehört dann aber auch die Ver antwortung, die nur der freie Geist gibt. Die Leute, die früher in der Monarchie einen Monarchen duldeten, der am besten und treffendsten von seinen eigenen Beuten charakterisiert wurde, haben verschuldet, daß das Bolt politisch fleinmütig ist, ohne Erfenntnis. Der Rechtsblock will mit seinem Kandidaten Jarres da für sorgen, daß wieder die Jugend auf die Schlachtfelder geschickt wird, daß Krieg, Brand, Berelendung wiederkommt. herbeiführen helfen mill durch seine falsche Stimmabgabe, der beschwere fich nachher nicht über das fommende Ungemach. Night Monarchie und Kadavergehorsam wollen wir, sondern durch Kampf müssen wir das Fundament für die freie Republit schaffen, deren Ausban mir erstreben, mit allem, was uns Arbeitern eigen ist. Die rote Sturmflut muß am Sonntag alle Dämme der Reaktion hinwegspülen. Deshalb gilt der Ruf: Werft neue geistige Schüßengräben auf zum Kampf gegen Rechtsblock und Reaktion! Unser Kampfruf lautet: Für Braun, dem Kandi daten des arbeitenden Bolles.( Stürmischer Beifall.) Severing. Wer das Der Vorsitzende Gen. Künstler verlas mun folgende Auss führungen des preußischen Ministers des Innern Carl Sere ring, der durch Ertranfung seiner Stimmorgane om öffentlichon Sprechen leider verhindert war: Diese Kundgebung foll feine Schaustellung, fondern eine Art Wedruf sein. Ein Bedruf an die Berliner Arbeiter. fchaft, am nächsten Sonntag ihre Pflicht zu tun. Die Berliner Arbeiterschaft hat die Pflicht, sich auf ihre Tradition als Bor tämpferin der deutschen Arbeiterbewegung zu be finnen. Der nächste Sonntag bietet die Gelegenheit, den Beweis dafür zu erbringen, daß sich die Berliner Arbeiter dieser großen Berpflichtung mehr und mehr bewußt werden. Boltisch indifferente Kreise halten die Wahl des Reichspräsi denten für weniger michfig, als eine Wahl zum Reichstag: Berling Arbeiterschaft aber muß wissen und diese Erkenntnis auch durch eine riesenhafte Beteiligung an der Bahl zum Ausbend bringer baß die Persönlichkeit des Reichspräsidenten für die außenund innenpolitische Entwicklung Deutschlands wichtiger fein fann, als die durch die parteipolitische Zerrissenheit oftmals zur Ohnmacht verurteilte Boltsvertretung. Das haben die Gegner der Arbeiterflasie sehr gut gewußt, als sie das Wort: Fort mit Ebert!" zu ihrem Feldgefchrei Der letzten Jahre machten und ben Berleumdungsfeldzug gegen ihn eröffneten, der den aus dem Arbeiterstand hervorgegangenen aufrechten Republikaner zur Strecke bringen sollte. Die Bedeutung des Kampfes und sein Ziel müssen Art und Umfang der Anstrengungen bestimmen, die uns den Sieg erringen follen. " Wahlmüdigkeit" ist ein Wort, das sich im Sprachschah eines Republikaners nicht finden sollte. Mit der Ausrufung der Republit allein ist ihr Bestand nicht garantiert. Bei allen Gelegenheiten gilf es, ihr Fundament zu verbreitern und zu befestigen, und der nächste Sonntag bietet, dazu eine prächtige Gelegenheit. Als Nachfolger Eberts gehört eine willensstarte, unbeirrbare und zielflare Persönlichkeit auf den Präsidentenstuhl Otto Braun ist diese willensstarke, unbeirrbare Persön lichkeit, ist der zielflare Staatsmann, dessen erprobte Klugheit und fefter Wille ihn und das Bolt vor der Gefahr schühen, der Gefangene unsichtbarer und unverantwortlicher Ein. flüsterer zu werden. Otto Braun hat die Fähigkeiten, zusammenzuhalten, und den Mut, auch unpopulär zu fein, wenn die Interessen des Bolts ganzen harte Maßnahmen erforbern. Otto Braun ist ein ganzer Republikaner, dem man den Schuß der Republit ohne Sorge anvertrauen darf. 7 Die Pflicht der Sozialdemokraten Berlins ist also flar vor gezeichnet: Es gilt, die Gäumigen aufzurütteln und fie auf die hohe Bedeutung gerade dieser Abstimmung aufmerksam zu machen. Alle unsere Leidensgenossen müffen am nächsten Sonntag auch unsere Rampfgenoffen fein und sich mit uns zu der Losung einen: Mit Braun für Republik und Demokratie!( Stürmischer. anhaltender Beifall.) Als letzter Redner nahm sodann, mit stürmischem Beifall empfangen, das Wort Parteivorsitzender Otto Wels: Es war einmal ein mächtiger Kaiser, der schrieb in das Stamm. buch der Stadt München das stolze Wort:„ Des Königs Wille ist das höchste Geset". Und auf die Kanonen schrieb man ehemals:„ Das legte Mittel des Königs!" Es war einmal find jene stolzen Worte geblieben, als im November 1918 die Großen" Deutschlands erklärten, daß nur ohne König ein Ende des Krieges möglich sei? Sollte das nicht den Deutschnationalen von heute zu denten geben? Wo sind heute jene Offiziere, die da mals Abzeichen und Degen von sich warfen, aus Angst um ihr bißchen Leben, die fragten, ob ihnen die Republik auch das kostbare Leben garantieren fönne. Wo steckte der König, dessen Wille das oberste Gesez sein sollte. In Holland faß er, ließ Volf, Fa milie, selbst die Frau zurück und lockte vergebens feine Triarier, ihm zu folgen. Die deutsche Sozialdemokratie schuf den neuen Staat, hielt den Zusammenbruch auf leitete Politik und Bolt. Heute ist das oberste Gefeh des Volkes Wille; derfelbe Wille, der am Sonntag den neuen Präsidenten der Republit wählen soll. Groß war unser Ebert als Mensch und Bolitiker, doch seinen starken Körper schwächten Niedertracht und Berleum dung. Sezen wir sein Wert um die Bölferbefriedung fort, dieses Wert, das dem Willen der Sozialdemokratie entspricht. Heute sieht die Demofratie aller Länder nach Deutschland, ob ihre Erwartungen auch vom deutschen Bolt erfüllt werden; das ist die Bedeutung der Bräsidentenwahl über Deutschlands Grenzen hinaus. Bon. Herrn Jarres ist wenig bekannt. Nur soviel weiß man bestimmt, daß sich Herr Jarres als forscher Bonner Korpsftudent betätigt hat Das ist aber zum Glüid heute nicht mehr der Qualifitations: bemeis für alle Aemter. Die Politik der Rommunisten ist nicht anders als eine Bolifit der geistigen Minderheit I wärts gehe, so nehmen wir diesen Ausspruch auf: Borwärts, trot| Heute dagegen ist es ein wesentlicher Bestandteil der agrarpofitischen allem! Vorwärts mit Braun, für die Republit, für die Forderungen einsichtiger Fachwissenschaftler und Volkswirte. Demokratie!( Brausender Beifall.) Nach einem donnernden Hoch auf die Sozialdemokratie und ihren Kandidaten Otto Braun leerte sich unter Geund ihren Kandidaten Otto Braun leerte sich unter Gesängen der Massen langsam der ungeheure Saal. Kein Zwischenfall hatte die gewaltige Kundgebung gestört. ( Näheres siehe im lokalen Teil des Blattes.) Braun und die Siedlungspolitik. Seine Erfolge und seine Feinde. Der Kampf der Realtion gegen die Kandidatur des Gen. Otto Braun gilt nicht allein dem Sozialdemokraten Braun, er gilt vielmehr noch der Persönlichkeit, die es verstanden hat, inmitten größter Nöte des Staates den sozialen Gedanken in der Wirtsaftspolitit weitgehend zu fördern und in die Tat umzusehen. Besonders ist das der Fall auf dem Gebiet der Siedlungspolitif. Bereits am 23. Dezember 1918 erließ er eine Berordnung, die dem Staat oder den von ihm beauftragen Siedlungsgesellschaften ein Borkaufsrecht auf alle zum Verkauf gelangenden landwirtschaftlichen Besizungen mit Ausnahme der Kleinbetriebe einräumte, und zwar derart, daß zu hoch vereinbarte Kaufpreise auf ein angemessenes Maß herabgesetzt werden fonnten. Diese Berord nung wurde leider auf Beschluß der bürgerlichen Mehrheit der preuBischen Landesversammlung aufgehoben. In dem Entwurf des Preußischen Ausführungsgefeges zum Reichssiedlungsgesez vom 11. August 1919 hatte der Landwirtschaftsminister Otto Braun vorgesehen, daß die Landlieferungsverbände, das sind die vereinigten, zur Landabgabe verpflichteten Großgrundbesiger, durch die ein vom Landwirtschafts minister erlassenes Statut errichtet werden, und dieser auch den Bor stand und die Leitung bestimmen follte Dadurch wäre es ermöglicht worden, diese Verbände und somit die Landabgabe schneller in die Wege zu leiten, und auch ihre Leitung in weniger interessierte Hände zu legen. Die bürgerliche Mehrheit der Preußischen Landes versammlung setzte indes durch, daß den Landlieferungsverbänden volle Selbstperwaltung eingeräumt und ihnen die Errichtung und der Erlaß der Statuten sowie die Bestellung ihrer Leitung Interessenverbände geworden sind. überlassen wurde. Das hat dazu geführt, daß diese Berbände reine Das preußische Bodenverbefferungsgesetz vom 5. Mai 1920 hatte den Zweck, die Besizer von Moor- und Debland oder sonstigen zu meliorierenden Bodens zwangsweise auch gegen ihren Willen zu Genossenschaften zusammenzuschließen, die das Land enteignen und nach einheitlichem Blane fultivieren sollten. Auch die ser Entwurf des sozialdemokratischen Ministers zu diefem Gefeß wurde von der bürgerlichen Parlamentsmehrheit dahin ver fchlechtert, daß die Gründung der Genossenschaften erheblich erschwert und für die Enteignung an Stelle der Vorschriften des Ausführungsgefeges zum Reichsfiedlungsgesez, die eine schnellere und billigere Enteignung ermöglichte, die Vorschriften des alten Enteig nungsgesetzes vom 11. Juni 1874 mit ihrem schwerfälligen Berfahren vor den ordentlichen Gerichten, gefeht wurden. Das tatkräftige Vorgehen Otto Brauns, das sich auch in der Tätigkeit seines Nachfolgers im Preußischen Bandwirtschaftsministe rium, des Demokraten Wendorf, auswirtie, hat ihn in den Kreisen der minderbemittelten Bondbevölkerung große Sympathien, rin den Kreifen der Großagrarier felbft. perständlich die schärfte ein bfchafi eingetragen Busammen Samit den Landarbeitern ist es auch die große Masse der im Reidys bumb für Siedler und Bachtung organisierten Pächter, Siebler und Kleinbauern, die die lebhafteste Anerkennung seiner Arbeit zollen. au bezeichnen. So mie die Politit, so der Kandidat, Herr Thal mann für unseren Kandidaten Braun braucht feine Agitations rede gehalten werden. Seine Arbeit für Preußen, die eine Arbeit Bieles was Otto Braun für die Bandwirtschaft erstrebt hat, ist, für die Republik war, empfiehlt ihn genug. Wir haben die Auf mie schon oben dargelegt wurde, an dem Widerstand bürgerlicher gabe, ums Preußen wie das Reich zu erhalten; das werden wir mit der Energie tun, die unsere Gegner schon so oft Parteien gescheitert. Go wurde das Projekt Brauns, den Landgefpürt haben, wenn es not tat. Wenn unser Ebert noch am Anwirten den Stidstoff verbilligt zu liefern, um so die Pro fang dieses Jahres schreiben fonnte, daß wieder ein Jahr des buftion anzuregen und das Risiko der Stickstoffverwendung zu ver duktion anzuregen und das Rifito der Stidstoffverwendung zu verKampfes vorüber sei und daß es trotzdem und alledem. Dorringern, von den Großagrariern betämpft und zu Fall gebracht. Dirigenten und Pianisten. Konzertumschau von Kurt Singer. Das Bezirksamt Berlin- Mitte hatte durch seinen funt. verständigen Bürgermeister Schmidt zu einem besonderen Musik feftabend nach der Philharmonie geladen. Zum Besten der Ber. liner Künstlerhilfe musizierte das Philharmonische Orchester. Solche wohltätige Angelegenheit ist für Berlin noch keine Attrattion. Bird es der Lanz sein? Ueberjättigt vom ewig Gleichen des For und Shimmy lockt es den musikalischen Liebhaber zum Dreiviertel takt Der Abend steht also unter diesem Rhythmus unserer Bäter, der wahrscheinlich auch wieder der Tanzrhythmus unserer Kinder sein wird. Aber zwei Stunden lang nur Wiener Walzer ist's nicht zu viel und auch wieder zu gleichmäßig? Aber da steht ja Erich Kleiber, der Berliner Allgewaltige, der sich einmal von liebenswürdiger Seite zeigt. Zuerst schien es, als wolle er Tanz stizzen von Beethoven, die in schwacher Stunde aufs Papier gemorjen find, bedeutend machen, als wolle er den Schmiß in der Aufforderung zum Tang"( instrumentiert von Berlioz) um feinen Breis populärer flingen lassen. Mäßiges Tempo, fern von aller Virtuosität, sehr Nachdenkliches in den Mittelſtimmen, nichts Schla gerisches, nichts hinreißendes. Dafür werden Mozartsche Kostbar feiten an Biz und Grazie wirklich ebenso behutsam wie elegant hingelegt, gestreichelt, besonnt und beschattet. Und dann der Schönbrunner, und dann Strauß und Zugabe. Kleiber ist fein Strauß, fein Tanztönig, er ist ganz und gar von der Natur dazu ausersehen, feinen. Tanz zu dirigieren, und selbst getanzt hat er in seinem Leben gewiß nicht. Aber was Geist gegen Herz, Wille gegen Natur aus. richten kann, das geschieht von diesem seltsamsten und problematisch fen aller Dirigententöpfe hier angesichts des schwingenden, des gegen fein eigenes Lebenstempo schwingenden Dreivierteltatts, Er riß hin und wurde bejubelt. Ein Stück Bien, geistvoller als es ift, aber doch wienerisch gesungen, flang zu uns herüber. eine würdige und wertvolle Aufgabe zugewiesen, und das Orchester flingt in feiner zarten tonmalerischen Haltung gut. Jm Biolinkonzert dauert es ein wenig lange, bis Henrich zu fomponieren anfängt. Arbeit ist eher spürbar als Inspiration, schließlich aber nimmt doch die Solidität des Schreibens und die fluge Behandlung des Formalen für den Komponisten ein. Kein eigener Stil wohl, aber selbständige Durcharbeitung fremden Tönens und allerhand schmude harmonische Einfälle. Der Schlußfah, den Lätitia Henrich- Forster freudig beherzt und schwungvoll anpadte, ist ein temperamentvolles Galori ftüd, in rheinischem Brio geschrieben, das Andante hat eine wenig gewählte, doch gangbare Melodit, nur im Rezitativ und Allegro des ersten Sages ist zu viel Phrase und Redensart stehen geblieben. Henrich, der seinen Werken ein anfeuernder Interpret war, hat im Rheinland einen sehr guten Ruf. Bei uns wird er jedenfalls feinen fchlechten behalten. Der Pianist Hans Belt, den wir als großformatigen Spieler moderner Musik jüngst bewunderten, steht auch seinen Mann bei dem Vortrag romantischer Musit. Die Fuge opus 35 Nr. 1 von Mendelssohn beginnt er behutsam, duftig, um sie ganz elementar aufsteigen und eindringlich ausklingen zu lassen. Auch bei Beber fällt ein empfindsamer, fast weiblicher zug auf, der dem Gesamt rhythmus und inneren Erleben dieses männlichen Spielers eine besondere Kontrastfarbe verleiht. Ob 3rme Beißhaus aus Budapest ein bedeutender Bianist ist, kann nach dem vom„ Sturm" veranstalteten Abend nicht beurteilt werden. Man weiß ja bei modernen oder pseudomodernen Salonstüden von Szelényi und Rófa faum, ob die Töne richtig sind. Viel Persönliches flingt faum durch, höchstens ein slawischer Tanz mit nationaler Grundfarbe läßt einmal aufhorchen. Es schien aber, als hätte der junge Bianist tatsächlich innere Beziehungen zu dem Borgetragenen, und da er frei ist von virtuosen Spielereien, so machte er gute Figur und fand Beifall. Von Giefela Springer hörte ich die D- Dur- Sonate von Mozart fo delitat, duftig, so spielerisch gewandt und elegant, auch fingertechnisch so sicher und mit innerer Bewegung vorgetragen, daß Die Philharmonischen Konzerte unter Furtwängler be nur bedauert werden kann, diese Bianistin nicht öfter zu hören. Das enden ihre, beenden unsere Saison. 3weimal steht Beethoven, nur gleiche gilt von Frederic Lamond, deffen tonzentrierte unfinnBeethoven auf dem Programm. Wie Furtwängler das macht, istliche und plastische Darstellung der C- Moll- Sonate von Beethoven außerordentlich. Es hieße Geigen nach der Philharmonie tragen, opus 111 an die beften Interpretationen dieses mystischen Wertes mollte man es immer wieder unterstreichen. Dennoch: Von den denken läßt. Von den Sängern der Woche nenne ich mit allem Bhilharmonischen Konzerten soll gesprochen werden, wenn die Neunte Borbehalt Anna Dietrich Bosch Sie scheint mit ihren Sinfonie vertlungen ist. Es ist herrlich, dort zu lauschen, uns es Sangesstudium noch durchaus nicht fertig, tann gerade in den Retönnte doch anders sein gionen ihres Koloratursoprans, die sie pflegen möchte, noch durchaus nicht mit den Tönen spielen, versieht sich und verkennt sich selber also, menn sie zwei Byflen Richard Straußscher Lieder zum besten gibt, die gerade auf spielerische Leichtigkeit der Läufe eingestellt sind. Da aber die Stimme sympathisch ist, flein und wohlflingend, und da in der Art ihres Bortrages( lebhaft unterstügt von Raucheisen) ein menschliches Fühlen lebendig wird, so sei ihre Zukunft nach energischem Fortsegen ihrer Studien erwartungsvoll gegrüßt. Der Koblenzer Kapellmeister Hermann Henrich stellte sich als Komponist in Berlin nicht zum ersten Male por.. Bir. fennen aus seiner Feder eine Sinfonie, ein Klavierkonzert, ein Chorwerk. Diesmal mujizierte er uns mit dem Berliner Sinfonieorchester neben der. gefchickt gespielten Mozartschen C- Dur- Sinfonie( Jupiter) sein Riolinkonzert mit A- Dur und zwei Möride- Sonate für Bariton und Orchester vor. Henrich gehört zu den sympathischen Könnern, die ihr Handwerk durchaus verstehen, nie die Linie des gefällig Liebenswürdigen überschreiten, das Glatte dem Holprigen, das Gestrige in feiner Sicherheit dem Morgigen in seiner Unsicherheit vorziehen. Man ist bei ihm in guter musita ischer Gesellschaft, mag er auch, mie z. B. in den von Schen mit außerordentlichem Ausdrud gefungenen Liedern mehr unterhalten als tief schürfen. Der Singstimme ist = Wie man in Amerika Museen gründet. In Amerika wachsen die Museen wie Pilze aus der Erde, und immer größere Mengen von Kunstschäzen werden hier aus der alten Welt hingezogen. In dem Amerita gewidmeten Sonderheft der Zeitschrift Kunst und Künstler" fagt Geheimrat May J. Friedländer geradezu:„ Der Magnet des Diese Tatsache zeugt von dem wirtschaftspolitischen Weitblid Otto Brauns, der ihn gerade in dieser Zeit wirtschaftlicher Kämpfe zum Reichspräsidenten ganz besonders befähigt. Der Reichsblod mit feinen Ratastrophenpolitikern hat keinen, Mann, der darin ihm gleichtommt. Dadurch, daß er mit seinem wirtschaftspolitischen Weitblick eine tiefe soziale Gesinnung vereint, ist Otto Braun der berufene Kandidat der deutschen Arbeiterschaft Deutschnationale Hanswurstiaden. Der Bersadungspolitiker Jarres hat mit seiner Gegenoffensive fläglich Schiffbruch erlitten. Seinen Freunden vom Rechtsblod ist der Atem ausgeganger. Aufwertungs, Steuer und 30llfragen, Stresemanns Garantieangebot- das alles beschäftigt die Jarres- Blödier mehr wie die Präsidentenwahl. Man disputiert mit roten Röpfen, haut aufeinander ein und kommt zur teinem Resultat. Die Besizblocpresse gerät in tödliche Berlegenheit. Gegen Jarres, gegen das Rechtsblodtabinett läßt sich fachlich sehr viel Böses sagen. Ueber die republikanischen Kandi baten nur Gutes. Aber damit kann die Rechtspresse ihren Wahltampf nicht bestreiten. Deswegen greift sie immer wieder zum Mittel der Verleumdung und der Lüge, wenn sich auch die Haupt attraktionen als Nieten erwiesen haben. Besonders töricht stellt sich die Deutsche Tageszeitung" an. Sie bringt auf der ersten Seite folgenden schwarzumränderten Raften: Wen ein Däne wählen darf! Das in deutscher Sprache geschriebene Dänenblatt „ Der Schleswiger" empfiehlt den dänischgesinnten Schleswigern, im ersten Wahlgang entweder Dr. Marg ( 3tr.) oder Hellpach( Dem.) oder den Sozialdemò-fraten Braun zu wählen. Diese dret Kandidaten, schreibt das Dänenblatt, fönne ein dänischgesinnter Schleswiger mit gutem Gewissen wählen. Ein Deutscher wählt mit gutem Gewissen nur Jatres! Wir fönnen beim besten Willen nicht einsehen, daß es eine Echande für einen deutschen Staatsmann sein soll, wenn er das Vertrauen der Dänen in Deutschland genießt. Das beweist lediglich, daß er Gegenfäße, wo sie etwa in Erscheinung treten fönnten, zu überbrüden weiß, und daß er befähigt ist, auch in den schwierigen Fragen der Politit seinen Mann zu stehen. Das sind sehr seltene und sehr nüzliche Eigenschaften- Eigenschaften allerdings, die dem schwarzweißroten Versackungspolitiker Jarres fehlen. Wenn es im übrigen der Zweck der deutschnationalen Ber öffentlichung sein soll, Genossen Braun als einen Mann hinzu stellen, der die Interessen Deutschlands dem Dänentum gegenüber nicht gründlich gewahrt hat, so braucht nur daran erinnert zu merden, daß er vor zwei Jahren eine fräftige Attion gegen die in Schleswig überhandnehmende Propaganda dänischer Chauvinisten geführt hat, die einen vollen Erfolg aufzuweisen hatte. Daß die Dänen in Deutschland trotzdem für Otto Braun eintreten, spricht nicht gegen, sondern für Braun, und die deutschnationale Attrappe ist lediglich ein weiteres Dokument für die dummdreiste Verlogenheit der Schwarz- Weiß- Roten um Jarres. KPD.- deutsch national. Kommunisten treten zur Deutschnationalen Partei über. Leipzig, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) In Kamenz in Sachfen trat der fommunistische Stadtperordnete Engert aus der Kommunistischen Bartei aus, ohne jedoch jein Mandat niederzulegen. Selbstverständlich schloß er sich den Deutsch nationalen an, obwohl er fie bis zum legten Lage seines Uchere tritts entsprechend dem tommunistischen Schimpfleriton bekämpl hatte. Der Deutschnationale Arbeiterbund", dessen Größe darin besteht, daß hinter ihm feine Arbeiter stehen, belohnte ihn für seinen Gesinnungswechsel mit der Wahl zum zweiten Vorsitzenden. Es verlautet übrigens, daß dieser sogenannte Arbeiterbund mit dem Uebertritt des Stadtverordneten Engert glücklich die Mitgliederzahl Don 3 Personen erreicht hat! Goldes wirft auf den Kunstbesig der alten Belt. Zu erwarten steht, daß früher oder später der gesamte in Privathänden befindliche Be stand an Runstwerten nach der anderen Seiten ausgewandert sein wird." Die Gründung neuer Museen wird als eine Art Sport betrieben, und man macht es dort, wie Karl Georg Heise in einem anderen Auffaz des Heftes ausführt, gerade umgefehrt wie bei uns: Bunächst beauftragt man einen angesehenen Architekten, den Plan zu entwerfen nebenbei: bevor eine Sammlung, ja benor auch nur mehr Geld vorhanden wäre, als zur Besoldung des Entwurfs und einer Studienfahrt des Architekten nach Europa notwendig ist. Mit dem fertiggestellten Plan fängt man Geldgeber für den Bau, mit dem fertiggestellten Gebäude die Stifter für den Inhalt des reprä fentativen Schaßspeichers der Nation, und man hat die Erfahrung gemacht, daß sich auf diese Weise wirklich große Kunstsammlungen zusammenbringen lassen. Aber wie außerordentlich zweddienlich die Gebäude ausfallen, die für erft später nachwachsende Sammlungen errichtet werden, läßt sich unschwer ausmalen! Eine monumentale Eingangshalle, in der jedes Kunstwerk mittlerer Größe zum Nichts zusammenfinkt, die aber den Besucher blendet und in der die„ Bor teher" ihre Empfänge abhalten fönnen, ist unvermeidlich, und auch die Ausstellungsräume werden aus Angst vor den erwarteten großen" Objetten übertrieben hoch gebaut und sind von nüchternſter Gleichmäßigkeit. Unübertrefflich dagegen- oft in ergöglichem Mißpflegen die verhältnis zur Bedeutung der Sammlung selbst technischen Einrichtungen zu sein: Beleuchtung, Heizung, Bentilation, Regulierung des Feuchtigkeitsgrades der Luft, Anlage der Neben räume( Photographen- Atelier, Registraturen jeder Art, Magazine weiträumiger und praktischer als manches deutsche Provinzmuseum Frühſtücstotal für die Besucher, Arbeitszimmer für Spezials studien, Badezimmer für den Direktionsstab!) Nach dieser Richtung find die amerikanischen Museen vorbildlich. Mein Miljöh, ein Singspiel aus Berlin D. von Hans Brennert, Musik von Hans. Mah, das anläßlich des Hofballs bei Zille" die Uraufführung erlebte, wird Sonnabend und Sonntag im Großen Schauspiel haus im Rahmen der großen Schau wiederholt. " 3m Deutschen Theater ist die Uraufführung von Sternbeims Dscat Bilde" mit Rudolf Forster in der Titelrolle auf Dienstag angefest. Für die Rolle des jungen Lord Douglas ist Hanns Maria Böhmer vom Staatstheater in München verpflichtet. Jm Theater 1. d. Königgräßer Straße beginnt am Freitag, den 8. April, ein turzes Gastspiel des Wiener Deutschen Boltstheaters mit Wedekinds Franzista" und Jerome K. Jeromes Luftspiel Lady Fanny und die Dienstbotenfrage. Beide Stüde find von Karl Heinz Martin in Szene gesezt. . Eine Einführung in die deutsche Einheitsfurzschrift, heranstaltet bas Bentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin 23. 35, Botsdamer Straße 120, in den Osterferien( bom 14 bis 18. April) für auswärtige Teilnehmer. Rebrmittel fostenlos, feine Teilnehmer gebühr. Meldungen und und Anfragen beim Zentralinftitut, Schuß des geiftigen igeniums bei der Radioübertragung. Im Bildungs. ausschuß des Reichstages wurde ein Antrag Dr. Schreiber( Sir.) angenommen, der die Reichsregierung ersucht, bei der Verabschiedung des Reichstheater. geleges den Schuß des geistigen Eigentums der Bühnenichristeller und Bühnenlomponisten bei der Radioübertragung von Bühnenfiüden zu ge währleisten. Amund ens Nordpolflug. Amundsen wird, wie Renter aus Spitbergen meldet, jeinen Nordpolflug wahrscheinlich Anfang Mat antreten. Chamberlam und Stresemann. Tie Stimmung in London. Die vorgestrige Rede Chamberlains im Unterhaus ist ein Ereignis von allergrößter internationaler Bedeu« t u n g, dessen Rückwirkungen auch auf die d e u t s ch e Politik unausbleiblich sind. Weniger denn je kann Stresemann von dem.. vernünftigen Wege abgehen, den er durch das Angebot eines Sicherheitspaktes eingeschlagen hat. Der Reichskanzler und der Außenminister werden sich jetzt, und zwar u n v e r- züglich dafür entscheiden müssen, ob sie den Erfolg der ein- geleiteten diplomatischen Schritte durch deutschnational-all- deutsche Quertreibereien in vielleicht nicht wieder gutzumachen- der Weise zerstören lassen wollen, oder ob sie, gestützt auf die warme Aufnahme ihres Vorschlages, in England und in an- deren Ländern auf. diesem Wege konsequent fortfahren sollen. Die Quertreibereien des Alldeutschen Verbandes und des völkischen Flügels der Deutschnationalen werden zu einer Ge- fahr, wenn der Reichskanzler und der Reichsaußenminister nicht unzweideutig erkennen lassen, daß sie nicht gesonnen. sind, dem Drängen dieser Kreise und der Opposition in der deutschnationalen Rcichstagsfraktion nachzugeben. Es kann in diesen Fragen nicht Gcheimdiplomatie gegenüber dem eigenen Volte aus wahltaktifchcn Erwägungen getrieben werden, ohne die erfolgreich fortschreitenden Aktionen zu ge- führden. Je größer die Erfolgsaussichten für diese Aktionen werden, um so heftiger wird auch der Ansturm der extremen Rationalisten sich gestalten. Um so eindeutiger und klarer muß aber auch der außenpolitische Kurs der Regierung heraus- gearbeitet werden, die durch die Anwesenheit von vier deutsch- nationalen Ministern belastet ist, von denen nicht klar ist, ob ihre Zustimmung zu den außenpolitischen Aktionen von dem Willen der Mehrheit ihrer Fraktion getragen wird. Wie uns aus London gemeldet wird, sah man der Rede Chamberlains in allen politischen und diplomatischen Kreisen mit der größten Spannung entgegen. Man ist dort über die weitere Entwicklung der Dinge ausfallend opti- in i st i s ch, und hofft bis zur nächsten Völkerbundsverfamm- lung, also etwa bis zum September, einen Sicherheits- Pakt unter Dach und Fach zu haben unter gleichzeitiger Aufnähme Deutschlands in den Völkerbund. Vorerst würde noch die Räumung des Ruhrgebietes innerhalb der vereinbarten Termine sowie der Kölner Zone vollzogen sein. Die besondere Energie, mit der sich Chamberlain von der ersten Stunde an für das Eingehen auf das deutsche Angebot eingesetzt hat, ist allerdings, wie uns weiter aus. London be- richtet wird, insofern etwas überraschend gekommen, als sie dem Temperament des Außenministers widerspricht, und als er bis dahin, jedoch erfolglos, innerhalb des Kabinetts ledig- lich für das Zustandekommen eines einseitigen englisch- französisch-belgischen Defenflvabkommens«ingetreten war. Unser Londoner Gewährsmann fügt hinzu, daß diese freundliche Stellungnahme Chamberlains dem deutschen Vor- schlag gegenüber dadurch erleichtert und ermutigt wurde, daß f a st d i e g e s a m t e Presse sich mit besonderer Wärme iür eine ernste und vorurteilslose Prüfung der deutschen Vorschläge ausgesprochen Hot. Das gilt insbe- sondere für die wichtigsten konservativen Blätter, wie„Times", ..Daily Telegraph". Daily Expreß" und sogar bis zu einem gewissen Grads für die sonst antideutsche„Morningpost". Rur die..Daily Mall" setzt, wie immer ihren chetzfeldzug gegen Dj�chfanfr fort, aber ihre Verdächttgungen de? deutschen Ab- fichteir tragen allzu deutlich den Pariser Stempel, um auf ernste Kreise Eindruck zu machen. Allerdings müßte sich Deutschland davor in acht nehmen, den» in der Vergangenheit allzu häufig begangenen Fehler zu wiederholen, eine günstige Situalion durch Stellung b e s o n- derer Bedingungen zu verderben. Das gilt auch für die Einwände gegen den Artikel 16 des Völkerbundstatuts,' die London entweder nicht verstanden oder als ein Versuch gedeutet werden, dem Eintritt in den Völkerbund auszu- weichen.! Günstige Stimmung in Paris. �ans. 25. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Rede Chamberlains hat hier um so größeren Eindruck gemacht, als mau durch sie. zum erstenmal Genaueres über die Natur des deut- schen Garantieangebots erfahren hat. Dieses Angebot hat zwar seit Wochen den.Gegenstand der öfscnllichen Diskussion gebildet, da aber von keiner Seite authentische Mitteilungen darüber vorlagen und keine Stelle der böswilligen Entstellung der deutschen Absichten entgegen getreten ist, ist hier das Erstaunen über den wahren Charakter des deutschen Vorschlages groß. Sogar nationalistische Blätter erkennen heute an, daß die von Deutschland angebotene Garantie des Status quo mit dem darin enthaltenen Verzicht auf Clsaß-Loth ringen einen entscheidenden Fort- schritt auf dem Wege zum Frieden darstelle, von dessen Tragweite man sich bisher nicht den richtigen Begriff gemocht habe. So schreibt der„Intransigeant": Der deutsche Vorschlag sei im höchsten Grade interessant. Wenn die von Deutschland bekundete Absicht, sich mll den durch den Friedensvertrag geschaffenen Tatsachen abzufinden, ehr» lich und aufrichtig sei und die deutsche Regierung wirklich bereit sei, ein für allemal darauf zu verzichten, wegen der Wieder- eroberung Elsaß-Lathringens einen neuen Krieg anzufangen, so sei die Rückwirkung eines solchen Angebots auf die Konsolidierung des Friedens so ungeheuer, daß kein Politiker, der guten Willens sei. es ablehnen könne, den deutschen Vorschlag gewissenhaft zu prüsen und alle Chancen, die er biete, reiflich abzuwägen. Aehnlich urteilt die.Information": Nach allem, was durch die Rede Chamberlains am Dienstag bekannt geworden sei, könne kein« französische Regierung, der es wirklich um die Sicherheit Frankreichs und die Erhaltung des Friedens zu tun sei, sich den Verhandlungen länger entziehen, zu denen die Initiative von Berlin und London ausgegangen sei. Gewiß sei das Problem noch keines- «egs spruchreif. Botschafter F l e u r i a u. der am Mittwoch nach London zurückgekehrt sei, habe in Paris genauest« Instruktionen erhallen, um Chamberlain über die Auffassung der französischen Regierung zu unterrichten. Jedenfalls flehe anßer jedem Zweifel, daß ein sehr beträchtlicher Schritt auf dem Wege zur endgültigen Befriedung Europas getan sell. Der.Temps" sieht das wesentlichste in der Erklärung Chamber. lalns in der endgültigen Preisgabe des Genfer Protokolls und der definitiven Annahme der deutschen Vorschläge als Basis für die Verhandlungen zur Lösung des Sicherheitsproblems. Es habe keinen Zweck, sich irgendweichen Illusionen hinsichllich einer Wiederaus. nähme des Protokolls hinzugeben. Auf der anderen Seite habe Chamberlain klipp und klar erklärt, daß England unter kcinen.Um- ständen einen einseitig gegen Deutschland gerichteten Vertrag mit Frankreich und Belgien abzuschließen in der Lage sei. Gegen die deutschen Vorschläge erhebt das Blatt auch heute wieder die aus der nationalistischen Polemik der letzten Wochen bekannten Einwände, daß man in Frankreich nicht an die Ehrlichkeit und Loyalität des deutschen Angebots glauben könne, solange Deutschland die Garantie des territorioaen Sialvs qua. aus- schließlich aus den Westen beschränke. Klarer Kurs! Sind das„unverbindliche Borbesprechungen"? Die Rede Chamberlains zeigt nicht nur die deutsche Aktion in der Frage des Sicherheitspaktes im erfolgreichen Vorwärtsschreiten, sie zerreiht auch das Netz von Ableugnung und Unklarheit, das die deutschnationale Presse in den letzten Tagen aus wahltaktischen Erwägungen um diese Aktidnen zu ziehet sich bemühte.' Die Folge davon ist ein wut- und haßerfüllter Aufschrei des extrem-nationalistischen Flügels der Deutschnationalen. Die deutschnätionale j)ugenberg-Presse hat noch gestern morgen versucht, die Spitzen der Kundgebung des Alldeutschen Verbandes gegen den Reichsapßenminister Stresemann und den außenpolitischen Kurs der Reichsregierung abzubiegen. Sie wollte die Forderung:„Stresemann vor den S t a a t s g e r i ch t s h o f" als eine Redewendung in der jsitze des Gefechts abschwächen. Heute kann sie es nicht mehr. Denn gestern abend ist der alldeutsche Schrei gegen die Außenpolitik der Regierung von den völkisch-deutschnationalen Zeitungen in Berlin, von der„Deutschen Zeitung" und der„Berliner B ö r s e n- Z e i t u n g" aufgenommen worden als Antwort auf die Rede Chamberlains. Die „Deutsche Zeitung" schreibt: �offnungsselige Politiker der millleren Linie sind bisher noch vielfach der Meinung gewesen, Stresemann habe mit seinem Angebot eine augenblickliche Erleichterung insofern erreichen wollen, als für., den gänzlichen Verzicht auf ein« Revision des Versailler Schanddittates wenigstens die Räumung der Kölner Zone — die ihm ja schon längst- zugesagt war— und«ine Abkürzung der Besatzungsfristen eingehandelt werden sollte. Mir krassester Deutlichkeit enthüllt Chamberlains Rede, daß nicht einmal dieses Mindestmaß erreicht werden sollte. Sie drückt damit das Siegel unter das Urteil über Stresemann« außenpolitische Fähig. keiten. Leichtherziger hat wohl selten ein Staatsmann an oeranl- wörtlicher Stelle gehandelt. Die völligen Mißerfolge dieses Außenministers machen fein schleunige» Ausscheiden aus dem Amte erforderlich." Die„Berliner B ö r s e n- Z e i t u n g" schreibt in den fettesten Lettern:„Der Wahnsinn der Er- füllungspolitik auf de in Höhepunkt. Strese- m a nn will, das Versailler Diktat aner- kennen", und kommt zur Schlußsolgerung: »Die Leitung der Außenpolitik durch Strese- mann erscheint uns geradezu als ein furchtbares Verhäng» nis. Sie mag zu dem papiernen Erfolg irgendeines Der- träges führen, der vom Reichstage wieder unter dem Druck der durch innenpolitische Hetze aufgepeitschten Straße genehmigt wird. aber es wird ein Stück Papier bleiben— sicher auf der feindlichen Seite und letzten Endes— auch bei uns." Die schärfste Opposition eines Teiles der Deutschnatjonalen läßt sich nicht mehr totschweigen und hinwegleugnen. Um so' notwendiger ist, daß die d e u t s ch n a t i 0 n a l e n M i n i st e r ihre Stellung präzisieren. Rur Schiele hat die Aktionen des Außenministers gebilligt, wie versichert wird. Trotzdem hat das offizielle Organ der Deutschnationalen, die„Ratio- n a l p 0 st", um den, Grpll der Extremen, zu besänstiaen, noch m Montag. oon_„unverbindlichen Vorbesprechungen� gesprochen.'Dös«är Utt e h r l i ch f e it aus Verlegenheit und aus Mangel an Ver- an t w 0 r t u n g. Das deutsche Angebot, dessen In- halt und dessen Tragweite durch die Ausführungen Chamber- lains noch klarer geworden ist, ist nicht nur ein Sondierungs- versuch, hinter dem kein ernsthafter Wille steht! Die deutschnationale offizielle Presse hat den ernsten Charakter dieses ossiziellen deutschen Vorschlages vor ihren Lesern abgeleugnet auf die Gefahr hin, die Aktion der Regierung zu konterkarieren. Diese Taktik der U n e h r l i ch- k e i t und Feigheit läßt sich nach der Rede Chamber- lains nicht mehr aufrecherhalten. Jetzt müssen die deutsch- nationalen Zeitungen, die deutschnationalen Minister, die deutschnationale Reichstagsfraktion offen Farbe bekennen. Billigen sie den außenpolitischen Kurs der Regierung oder machen sie gemeiissome Sache mit den Alldeutschen, die Stresemann vor den Staatsgerichtshof fordern? Reichsreglerung unö Sicherheitspatt. TU. meldet'aus offenbar offiziöser Quelle:' Die Rede Chamberlains findet in Berliner politischen Kreisen größte Beachtung. An zuständiger Stelle weist man jedoch darauf hin. daß die bisher vorgelegten Berichte über die Rede noch sehr widerspruchsvoll sind, und daß zur offiziellen Stellungnahme erst der amtliche englische Bericht abgewartet werden muß. Schon jetzt aber läßt sich sagen, daß durch die Rede die Sicherheitsfroge einen erheblichen Schritt vorwärt» gekommen ist. Ein dolchftoß üer Volkspartei. Gegen die Jarres-Blockregiernng. Slullgark. 25. März.(Eigener Drahtbericht.) Einen Schlag für die Politik der Rechten in Deutschland bedeutet«in Referat, das Syndikus Keinath in einer Versammlung des WürUembcrgi- schen Großhandelsverbandes hielt und das die allgemeine Zustim- mung der Versammlung fand. Keinath wie» auf den unheil» volle» Einfluß der ausschließlich und dauernd von recht» inszenierten Regierungskrise auf die Wirtschaft hin, die das Ausland zur Zurückhaltung bei der Anknüpfung von Derbindungen veranlasse und die Regierungsstellen von der Erledigung der wirt- lchaftlichen Geschäfte abhalte. Besonders erschwerend wirk« die völlige Untätigkeit der Reichsregierung'in der Auf- mertungs-, Zoll- und Stcuerfrage. Der infolge einer völligen Energielosigkeit der Regierung bestehende Schwebezustand schaff« ein den Handel schwer beeinträchtigendes Moment der Unsicherheit. Besonders eindringlich wies Keinath aus die Gefahr einer allgemeincn Hochjchutzzollpolitit hin. well jeder zwar für die änderen den Freihandel, für sein eigenes Gebiet aber eine Zollerhöhung von 100 Proz. verlange. « Herr Keinath ist eine nicht ganz unbekannte Person- lichkeit. Er ist Reichstagsabgeordneter und gehört als solcher der D e u t s ch e n V 0 l k s p a r t e i an. Er ist aber zugleich auch Mo rstand'smitgliev des Zentralverbandes des deutschen Großhandels. Man kann sich vor- stellen, welche Erregung über die Regierung Luther-Schiele in den Kreisen des Großhandels herrscht, wenn sich der Volks- xartxiler Keinath genötigt sieht, in, dieser Weise gegen eine Regierung auszutreten, in der neben den Deusschnationalen seine eigenen Parteifreunde den Tön angeben. Nach der Revolte in der deutschnationalen Partei wird man nun auch iu der Volkspartei rebellisch, und das kurz vor. der Reichs- Präsidentenwahl! Man kann sich vorstellen, welche Formen die Kämpfe im Rechtsblock annehmen werden, wenn die Wahl vorüber ist.__ Lanütagsauflösung in(plüenbvrg. Berfafsungsbrnch der Regierung! Oldenburg, 25. März.(Eigener Drahtberlcht.)?m oldenburgischea Landtag wurde der Regierung am Mittwoch durch die Sozialdemokratie, da» Zentrum und die Demo- traten ein ver t r aucnsvotum verweigert. Mau wollte dadurch den Abgang der Regierung herbeiführen. Die Regte-' t u n g löste darauf widerrechtlich den Landtag auf und verließ mit den volkeparleilern und den Deulschnationalen den Saal. Die Liaksparieien werden deshalb eine Entscheidung durch den Staat»gerlcht»hof herbeiführen lassen. *. In Oldenburg regiert augenblicklich ein reaktionäres B e- a m t e n k a b i n e t t. Das Vertrauensvotum wurde mit 33 ge» gen 14 Stimmen abgelehnt, also einer erdrückenden Mehrheit. Wenn das Kabinett tratchem nicht zurücktritt, so ist das ein Beispiel dafür, was ntan in Rechtskreisen von einem überparteilichen Beamtenkabinett erwartet. Das sollte man in Preußen nicht vergessen. Das Verhalten des Oldenburger Veamtenkabinetts ist um so unerhörter, als nach Paragraph 40 der oldenburgischen Verfassung ein Mißtrauensvotum, das dem Ministerium die Ermächtigung zur Auflösung gäbe, aus der Mitte des Landtags von mindestens einem Drittel der Par- teien drei Tage vor der A bit i m m u n g auf die Tagesordnung des Landtags gesetzt sein muß. Das ist nicht geschehen. Das Verhalten des Kabinetts stellt, asso einen klaren Verfassungsbruch dar. �arres-visite bei yelö. Die Folge: glatte Absage an Jarres. München- 25. März.(Eca.) Ueber die Auesprache zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held und Dr., Jarres glaubt die„A u g s b u r g« r P 0 st z« i t u» g" berichten zu können. daß bei der gegenseitigen Aussprache auch die Rcichspräsidentenwahl erörtert worden ist. Die Meldung eines Münchener Blattes, daß der Zweck der Aussprache zwischen den beiden Präsidenlschafts- kandidaten die Herbeiführung einer Einigung für den zweiten Wahl- gang war, fei eine glatte Erfindung., Es fei Grund zur Annahm«. daß, der bayerische Ministerpräsident Dr. Jarres nicht im Zweifel gelassen habe, warum seine Kandidatur von der Bayerischen Bolkspartei und darüber hinaus von wetten Kreisen de» bayerischen Volkes abgelehnt werde-, auch sei zN vermuten, daß Dr. Held die Unterstützung der Kandidatur Jarres durch die Lettung des evangelischen Bundes, die mit einer unqualifizierbaren Hetze gegen den Papst und das katholische Volk verknüpft worden sei, gegenüber Dr. Iarre» auf das schärfste getadelt habe. Diese Hetze des evangelischen Bundes gegen die deutschen Katholiken schließe es vollkommen aus. daß Dr. Jarres etwa im zweiten wahlgang die llnkerstühung der Salho- llkeu finden könnte. Darüber durfte sich Dr. Jarres bereit» in Se- «lßheit definden. ,/, ä,.-. öilüungsreifen für Staatsanwälte? Habe« wir dazu Geld? Wir haben gestern morgen über die oeradezu ungeheuerliche Reijewut berichtet, mit der die Staatsanwolischaft. vor allem Herr Kuß-mann. die Untersuchung im Falle Barmat betrieben hat. Es ist unbestreitbar, das Ergebnis war negativ, aber der Herr Staatsanwall hat Europa im Auto von Nord und Süd. von Staatsanwalt hat Europa im Auto von Nord nach Süd. von Oft nach West kennengelernt, vom Schwarzen Meer bis zum Kanal. oon der Adria bis zur Nordsee. Es mag bildend für Staatsanwälte sein, auf Staatskosten iin Auto europäische Hauptstädte zu besuchen, und vielleicht befruchten solche Reisen auch die Phantasie unserer Filmautoren. Aber haben wir dazu Geld? Findet die Oberstaatsanwaltschaft nicht mit dem Justiz. Ministerium, daß dazu etwas zu erklären und zu veronlos- s e n wäre? Rathenau�Morö- üeutsche Wehr! Wie der„Vissischen Zeitung" mitgeteilt wird, ist an mehreren Berliner Schulen ein Kalender:.Tage deutscher Wehr" ver- kauft worden. Die durchaus militaristischen Zusammenstellungen und Sinnsprüche, zu denen auch Graf W e st a r p sein Scherslein bei- gesteuert hat, werden schwerlich dazu dienen, die Schüler„im Sinne der Bölkerversöhnung" zu orientieren. Das Merkwürdigst« aber ist, daß uuler den Tagen deutscher'wehr um 24. Juni die Ermordung Rathenaus ausgeführt ist. Offenbar gehört dieser Kalender zu den' „geistigen Rüstzeug" jener nationalistisch verbohrten Oberlehrer. denen jedes Mittel recht ist, um die Jugend zu verhetzen und zu ver- giften. Die Internationale üer Schwerinüustrie. Begleitmusik zur Jarres-Kandidatur. Während die deutsche Schwerindustrie mit gewaltigen Geld- mittel» die Prästdentschaststandidatur des„nationalen" Mannes Jarres unierstützt, hat sich eine Delegation der deutschen Schwerindustrie noch Paris begeben,, um die Kartell- Verhandlungen mit der französischen Eisenindustrie wieder aufzunehmen. Mit den Verhandlungen beaus- tragt sind Thyssen und ein Vertreter der Firma Krupp. Von dem Verlauf der Eisonoerhandlungen erwartet man«ine Entscheidung über das Schicksal des geplanten deutsch-französischen Handelsabkommens. Auch die belgische Regierung ist über die Absicht der Bildung eines deutsch-französischen Eisenkartells unterrichtet worden. Während so im Inland vpn den Kopitalmagnaten der Schwer- industrie die nationale Gesinnungstüchtigkeit proklamiert wird, ver» handeln die Auftraggeber der Rechtsparteien selbst mtt den Ver» tretern des Schwerkapital« jenseits' der Grenzen, um die Eisen» preise hochzutreiben und sich aüf- Kosten der breiten Der» brauchermassen einen möglichst hohen Profit sichern zu können. Eine prachtvolle Begleitmusik zur national! st i- schen Iarreo-Propaganda! Rarlmanoss, einer der vier Präsidenten des Exekutivkomitees der Sowjetunion, ist im Alter von 55 Jahren am Herzschlag gestorben. , Nariman off, vertrat die tronskauwstsch« Sowjetrepublik.. Wählt Otto Braun! Die männlichen und weiblichen Arbeiter und Angestellten, die unteren und mittleren Beamten bilden ihrer Zahl nach unbestritten die große Masse des Volkes, die Anspruch darauf hat, daß der Bosten des Reichspräsidenten aus ihren Reihen besetzt wird. Konnte man uns die Quantität nicht bestreiten, so verlegte man sich um so mehr darauf, die Qualität zu bestreiten. Es ist das historische Verbienst unseres verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, den für monarchistisches Gottesgnadentum oder doch für den starken Mann schwärmenden Gegnern, dieses Argument entfräftet zu haben. Unseren Anspruch auf die Wahl unseres Kandidaten zum Reichspräsidenten müssen wir um so nachdrücklicher verfechten, als mir in unserem Genossen Otto Braun einen Mann haben, der zum Nachfolger des Reichspräsidenten Ebert würdig und befähigt ist. Monarchistische Kandidaten, die nur vorläufig" den Eid auf die republikanische Beimarer Berfassung des Deutschen Reiches zu leisten gewillt sind, bleiben vorläufig am besten dort, wo sie sind, gleich dem Kandidaten der republikfeindlichen Weltrevolutionsapostel. Die Gewerkschaftspresse hat die Pflicht, auch in diesem Falle den Gewerkschaftsmitgliedern die ungemein große Bedeutung der Wahl am Sonntag vor Augen zu führen, woraus sich noch deutlicher als ohnedem ergibt, daß Otto Braun zu wählen ist. Den am Dienstagabend in Nr. 140 des Vorwärts" zitierten Stimmen der Gewerkschaftspresse für Otto Braun laffen wir hier noch einige folgen. Der Textil.Arbeiter", das Organ des Deutschen Textile arbeiterverbandes, schreibt in Nr. 13 u. a.: Die deutsche Arbeiterschaft und vor allem die Tegtil arbeiterschaft muß es sich zur Pflicht machen, gegenüber dem reaktionären Ansturm des Bürgertums, einen vertappten Monarchisten als Reichspräsidenten durchzudrücken, alle Stimmen auf Otto Braun zu vereinigen. Wir Teptilarbeiter haben die Pflicht, den lezten Kollegen und die letzte Kollegin an die Wahlurne zu bringen, damit sie am 29. März ihre Stimme für den sozial. bemokratischen Kandidaten abgeben. Sie dürfen niemals annehmen, daß doch eine Slichwahl notwendig wird, sondern sie haben die Bflicht, in der Hauptwahl dafür zu sorgen, daß der Sieg der So zialdemokratie zufällt. Nur wenn alle ihre Pflicht tun im Interesse ber Republit, wird es möglich sein, die Republit zu schützen, einer freiheitlichen Entwicklung die Wege zu ebnen und größeres Unheil Dom Bolte abzuwenden Der Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer" ruft in seinem Artifel in Nr. 24: Alle Mann an Bord! Insbesondere die deutschen Gewerkschaften als die berufensten fultur und wirtschaftspolitischen Träger, Schützer und Förderer der deutschen Arbeiterschaft und damit der übergroßen Mehrheit des deutschen Boltes und seines mahren Bolfsvermögens im ideellen mie materiellen Sinne haben bei diesem Ringen um einen neuen Steuermann des Deutschen Reiches alle Mann an Bord zu rufen, um zu verhindern, daß dem deutschen Volk ein Reichs präsident beschert wird, der in der republikanischen Reichsverfassung günftigenfalls nur ein notwendiges Uebel, aber nicht das Grund gefez eines aufwärtsstrebenden Kulturvolles erblickt oder erblicken barf Nur einem Manne, der von unten auf, mit Fleiß und gesundem Menschenverstand in ehrlichem Wirken für das deutsche Bolf schon bemiesen hat, daß er imftande ist, das immer noch sehr schwer lentbare Steuer ber deutschen Republit mit Kraft und unbestechlicher Treue zu führen, kann und darf dieses hohe Amt anvertraut werden. Die Notstandsaktion für die unteren Beamten. Wer fie zu Fall gebracht hat. In einem Rundschreiben, das der dem Deutschen Beamtenbund angeschlossene Berband Deutscher Post- und Telegraphenbeamten" die gehobenen mittleren Bostbeamten herausgegeben hat, heißt es mörtlich: Uns nahestehende Abgeordnete werden auf den Reichs finanzminister in der Richtung Einwirkung zu nehmen versuchen, daß eine Gehaltsneuregelung, auch in der Form einer bloßen Notstandsregelung, lediglich für die Gruppen I bis VI unBeamtenschaft des gehobenen mittleren Dienstes wäre." Die Zahl der Männer, die für eine so hohe und verantwortungsreiche staatspolitische Aufgale geeignet sind, Männer, die insbeson dere den persönlichen Mut und die Fähigkeiten befizen, sich stets bewußt zu bleiben, daß auch der Reichspräsident tein herrscher, sondern nur erster Diener des ganzen deutschen Volkes und nicht einzelner Sippen, Kasten oder Gesellschaftsfrise sein fann und muß, ist leider nicht allzu groß. Von den wenigen, die in diesen Tagen dem deutschen Volke zur Bahl vorgeschlagen werden, wissen wir, daß der ehemalige Buchdrucker und schon auf eine Die Munition gegen den Eisenbahnerftreil. In unserer Morgenausgabe Nr. 130 vom Mittwoch, den 18. März, teilten wir u. a. mit, daß es den Anschein habe, als wenn die Eisenbahner in Leipzig von der Eisenbahnverwaltung proDo= ziert werden follten. Wir machten darauf aufmerksam, daß in der Nacht vom 8. auf den 9. März aus der Reichswehrtajerne Leipzig- Mödern Revolver und Munition abge. holt worden sei. Die Reichsbahn- Hauptverwaltung übersandte uns eine Berichtigung. In derselben wird be= stritten, daß Munition abgeholt wurde, es habe sich vielmehr diensthilfe. um Deden und Säcke gehandelt für die Personal Diese Berichtigung der Reichsbahn- Hauptverwaltung entspricht nicht den Latsachen. Unsere zuerst gebrachte Notiz wird von uns vol! aufrecht erhalten. Wenn die mehr als dreißigjährige Mitgliedschaft in unserem Berbande Hauptverwaltung der Reichsbahn das nicht meiß, dann soll fie zurückblickende letzte preußische Ministerpräsident Otto Braun erstens feine Berichtigungen versenden und zweitens soll sie fic des besonderen Bertrauens würdig ist, das das deutsche arbeitende vorher erkundigen bei den Stellen, die sie ebensogut tennt wie mir. Woll berechtigt und verpflichtet, diesem Mann seine Wir wollen nochmals feststellen, daß in der Nacht von Stimme bei der Wahl eines würdigen Nachfolgers des verstorbenen 8. zum 9. März gegen 11 Uhr durch die Leipziger per Laffauto Reichspräsidenten zu geben. Nicht von irgendeinem parteipolitischen Transport- Berkehrsgesellschaft Standpunkt aus oder vielleicht gar nur deshalb, weil Otto Braun Matratzen, Strohsäde, Revolver und Munition aus der einer der unsrigen ist, fommen wir zu diesem Urteil, sondern meil Reichsmehrfaserne Leipzig- Mödern abgeholt worden ist. das ganze arbeitsreiche Leben und Wirken dieses Mannes von Die Autos sind nachts nach dem Direktionsgebäude ge Es seiner Jugend auf bis heute ein ununterbrochener Dienst zur Verfahren und dort wurden die Kisten abgeladen. befferung des Roses der deutschen Arbeiterschaft gemefen ist.... fann uns doch niemand meiß machen, daß in diesen Kisten Deden Selbstverständlich fordert auch Der Proletarier", Das. gewesen seien. In der Direktion war auch keine Personaldiensthilfe tätig und ist auch Bersonaldiensthelfern Organ des Verbandes der Fabritarbeiter Deutschlands kein Obdach gewährt worden. Wenn die Verwaltung wissen jeden Arbeiter und jede Arbeiterin auf, am 29. März unseren Kan will, wer die Revolver gepugt und eingefettet hat, didaten dann sind wir gern bereit, ihr den Stahy helmangehörigen zu be nennen. Es ist auch befremdend, daß die Betriebsdirektion Leipzig I der Leipziger Boltszeitung", in der die gleiche Notiz erschienen ist, feine Berichtigung gesandt hat, mohl aber Nachforschungen anftellt, mer der Hebeltäter gewesen sein könnte, der diese Dinge der Deffentlichkeit mitgeteilt hat. Wir müssen also unsere Angaben vom Mittwoch, den 18. März, voll aufrecht erhalten. woch, den 18. März, voll aufrecht erhalten. Otto Braun zu wählen. 46 Wer anders wählt oder sich der Stimme enthält, stärkt die Reaktion und schädigt dadurch sich und die gesamte Arbeiterschaft." Der Deutsche Maschinist und Heizer", das Organ des Zentralverbandes der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen, läßt seinen Artikel, worin insbesondere auf die Machtstellung der die Preise zu 85 Proz. in ihren Händen haben und die ihnen geKonzern- und Industrietapitäne hingewiesen wird, die heute auch nehme öffentliche Meinung" darin anrichten lassen, in folgende Schlußsäge ausklingen: Für die Gewerffchaftsbewegung, die sich auf eine freie Wirtfchaftsentfaltung stüßen muß, ist der Ausgang der Reichspräsidenten mahl von allergrößter Bedeutung. Der Kandidat der Sozial demokratischen Partei, Otto Braun, bietet alle Bor aussetzungen, die die Gewerkschaften an einen Randidaten stellen. Möge deshalb ein jeder, ungeachtet der sich über das Volk ergießenden Schlammflut von Schmutz und Berleumdung, für die Wahl dieses Arbeiterfandidaten eintreten. Durch Lauheit und Untätigkeit ist schon viel versäumt, nun muß es aber genug sein. Wählt den Arbeiterkandidaten Offo Braun. Die Buchbinder 3eitung", Organ des Berbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter, fommt zu dem gleichen Schluß. Einige Gewerkschaftsblätter begnügen sich mit der Parole" ge. schloffen gegen Jarres" zu stimmen, ohne unseren Kandidaten Otto Braun ausdrücklich zur Wahl zu empfehlen. Aus der Reihe der uns vorliegenden Gewerkschaftsblätter sei zum Schlusse noch die„ Deutsche Böttcher 3eitung" in Bremen erwähnt, die betont, daß es für jeden denfenden Arbeiter, jede Arbeiterin, jeden Republikaner am 29. März heißen muß: Keine Stimme für Dr. Jarres. Die Stimmen gehören nur Kandidaten, die auf dem Boden der Republit, der Berfassung stehen! Der Kandidat der organisierten Arbeiterschaft ist Otto Braun!" Tarifabschluß in der Goldleistenbranche. Zwischen der Bereinigung der Goldleisten und Rahmenfabri fanten und dem Deutschen Holzarbeiterverband wurde ein Lohnobtommen vereinbart, das für erwachsene männliche Facharbeiter einen Durchschnittslohn von 90 Pf. pro Stunde vorsicht. Die Unterzeichnung des Lohnabkommens erfolgt. Streik in der Frankfurter Lederindustrie. Frankfurt a. M., 25. März.( Mtb.) Die Arbeitnehmer in den Lederfabriken der Umgebung von Frankfurt a. M. haben, nach dem Verhandlungen über eine Lohnerhöhung zwischen den Drgani fationen und vor dem Schlichtungsausichuß ergebnislos verlaufen find, die Arbeit in einzelnen Betrieben aufgekündigt. Diefem Vorgehen haben sich auch die in den Lederfabriken beschäftigten Maschinisten und Heizer angeschlossen. Notstands. arbeiten zu berrichten hat die Arbeiterschaft abgelehnt. Der Tech nischen Nothilfe wurde die Genehmigung zum Einfeßen erteilt. Adjung, Graphisches Gewerbe! Freitag, ben 27. März, ab normittags in Graphischen Bereinshaus( Sennig, Megandrinenstr. 44), Ausgabe von Berbematerial. Bir bitten alle SPD.- Funktionäre bet Buchdruder, Steindruder, Buchbinder und graphischen Hilfsarbeiter, im Sinblick auf die Reichspräsidentenwahl dafür zu sorgen, daß für jeden Betrieb Abholung erfolgt. Werbeansschuß für das graphische Gewerbe. Atung, Buchdruder! Die diesmonatliche Fraktionsvorstandsfihung fowie die Fraktions- Bezirksversammlungen( auch die bereits feftgefekten) fallen aus Anlaß der Reichspräsidentenwahl aus. Der Fraktionsvorstand. Deutscher Solzarbeiterverband. Solzbildhauer in ben Bildhauereien! Bere fauumlung morgen, Freitag, 5 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1. Stellun nahme zum Verhandlungsergebnis mit den felbständigen Bild bauermeistern. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Detsperwaltung 27. März, abends 7 Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain, Die Sektion I bes Deutschen Berlehrsbundes veranstaltet am Freitag, den einen Seiteren Abend". Namhafte Bühnenkräfte versprechen einen genuk reichen Abend. Eintritt einschließlich Steuer und Tanz 50 Pf. Billetts find an der Raffe noch zu haben. 9 Wenn man näher zufieht, mer die uns nahestehenden Abgeordneten" find, so wird man entdecken, daß es diefelben Herren und Parteien find, die sowohl im Haushaltsausschuß des Reichstags als auch im Berwaltungsrat der deutschen Reichspost die Notstandsoftion zu Fall gebracht haben: es sind die Deutschnationalen Bruhn( der Reiniger Deutschlands!), Körner, Harmony( Post: Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner: Feuilleton: K. S. Difcher; Lofales und beamter); Deutsche Volkspartei: Morath( Boftbeamter) und Allefotte( Postbeamter). Wir für unseren Teil fönnen über diese Art, wie ein Verband der gehobenen mittleren Beamten den Bamten der unteren Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus: Sonstiges: Frig Karftäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderet und Berlagsanftalt Poul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biken. erträglich für die weiten wirtschaftlich bedrängten Kreiſe der Gruppen in den Rüden fällt, nur unser tiefftes Bebauern Sophien- Säle Sophienstraße 17-18 aussprechen. Ist dies die Solidarität ber Beamten? Norden 9296* Norden 12643 Säle frei! DONNERSTAG- FREITAG- SONNABEND RESTE ZU BESONDERS BILLIGEN PREISEN UND CHNITTE HERMANN TIETZ 75 Str. 14442. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Die Massen für Otto Braun! Der große Tag im Sportpalast, der 27. Januar mit der Demon- füllte sich im Nu. Höher und höher stieg die Menschenfiut an den ftration der Sozialdemokratischen Partei von gewaltigem Ausmaß, Tribünen empor. Um 7 Uhr, also eine Stunde vor Beginn, nurde durch die gestrige Kundgebung im Sportpalast noch über- waren bereits Parkett, Tribünen und der erste Kang überfüllt. Introffen. Früh schon waren gestern Mitglieder des Reichsbanners zwischen hatte das Reichsbanner seine Schuldigkeit getan, war Schwarz- Rot- Bold zur Stelle, postierten sich an den Eingängen zum in großen Scharen angerückt, machte die Eingänge frei und sorgte Borgarten des Sportpalastes und sorgten für Ordnung und glatte für Ordnung im Innern. Fahnen fehlten diesmal. Abwicklung des Verkehrs. Nach 7 Uhr abends setzte eine Massen- Den geduldig Harrenden wurde die Langeweile durch große wanderung nach dem Sportpalast ein. Wenn um 7 Uhr die Ge- Lichtbilder verkürzt, die Künstlerhand auf eine Leinewand schäfte schließen, die Angestellten nach Hause eilen, alle Verkehrs- zauberte. Humor und Wiz reichten dabei dem Zeichner die Hand. mittel überfüllt sind, ein chaotisches Durcheinander von Droschten So hieß es einmal: Was für ein Unterschied ist zwischen und Autos, deren Hupen heulen, auf den Straßen ist, ist auch die Ludendorff und Held? Antwort: Held ist tein Ludendorff Potsdamer Straße in ihrem unteren Teil belebt, wie sonst zu feiner und Ludendorff ist kein Held! Eine brausende Lachsalve quittierte anderen Tagesstunde. Gestern abend aber mischte sich in dieses dafür. Dann erscheint Ludendorff höchstselbst auf der Leinwand mit quirlende Leben und schier sinnverwirrende Berfehrstreiben ais be folgender Inschrift: Solange Ludendorff kandidiert, ist uns um fondere markante Note der Zuftrom zu unserer Versammlung im Bigstoff nicht bange! Wieder Lachen, Jubeln und Händellatschen. Eportpalast. Aus übervollen Automobilomnibussen und Straßen- Die Zeichner und Humoristen vom Lachen lints" find treffsichere bahnen strömen die Menschen in den Sportpalast. In Scharen schiebt Spötter. Um% 48 Uhr wird endlich der zweite Rang geöffnet, der im Ru man sich über den Vorgarten zu den Eingangspforten und hinein in von den ungeduldig Harrenden gestürmt wird. Nun ist der Saal den großen Saal. Abteilungen des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf dem Podium hat der Arbeiter züden an, formieren sich im Vorgarten und ziehen in den Berfamm- fängerbung, eine große Schar geschulter Sänger, Klaz genommen. hungsraum. Dazwischen fommen Abteilungen unserer Barter mit Punkt 8 Uhr verkünden Riesenbuchstaben auf der Leinwand den Banner und Fahnen, und es fommen Jugendliche, die junge Garde Beginn der gewaltigen Bersammlung, des Proletariats, mit ihren Fahnen und Wimpeln. Auf zwei großen Lastautomobilen, die im Vorgarten rechts und links von den Ein gängen zum Saal stehen, flammen Leuchtfeuer auf. Auf den Wagen ftchen Mitglieder des Reichsbanners und speisen die Bechpfannen mit neuer Nahrung. Hochauf lodern die hellen und greülen Flammen, umfassen die ganze Breite des Sportpalastes. Um 48 fann niemand mehr durch die Haupteingänge hineingelaffen werden. Abtei Lungen des Reichsbanners stehen hier und machen das Publikum, das in ununterbrochener Folge herbeiströmt, darauf aufmerffam, daß jetzt der Eingang nur noch von der Seite ist. Die Menge eilt, um einen Platz zu finden, aber alles geht glatt und ohne Storung, niemand hält sich unnüßerweise im Vorgarten auf, und man spürt, daß hier die Disziplin maltet, die Disziplin in Menschen, die lange Sahre Mitglieder der Sozialdemokratischen Bartei find. Und dann steht der Zeiger der Uhr kurz vor 8, und immer noch flutet es herein. In der Alvenslebenstraße hat die Schupo so etwas wie eine fiegende Bache errichtet. Hier stehen die vier großen Automobile, init denen die Beamten nach der Potsdamer Straße gebracht worden sind. Daneben sieht man berittene Schuppleute; sie sind abgestiegen, halten neben ihren Pferden und warten. Andere berittene Schupoleute unfreisen in Patrouillen den Sportpalast und sorgen dafür, daß sich in den etwas finsteren Straßen nicht Gefindeí sammelt, um später, wie damals am 27. Januar, hervorzubrechen und unsere Genossen, die aus der Versammlung kommen, zu überfallen. Die Häufer auf der gegenüberliegenden Seite in der Potsdamer Straße find Fenster für Fenster beleuchtet und mit Schauluftigen besetzt. Auch auf der Straße und auf der gegenüberliegenden Seite vom Sportpalast stehen gleichfalls Menschen, und die Reihen werden immer länger und immer bretter. Man steht und staunt über ben Massenandrang, und man fann erkennen, daß sich bei vielen derer, die gestern noch abseits standen, die Ueberzeugung Bahn zu brechen Beginn, daß dort drüben im Sportpalast für unseren Kandidaten Dtto Braun nicht nur durch die Wucht der gewaltigen Masse, sonbern auch mit der Wuchi der Wahrheit demonstriert wird, die weder Jarres noch seine Anhänger ins Gegenteil verfehren fönnen. Im Sportpalast. Um 8 Uhr follte die große Demonstration im Sport palast für den Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei Otto Braun beginnen. Aber die ersten Teilnehmer rüdten bereits um 5 Uhr an, und nicht etwa einzeln, sondern in Trupps. So wie sie aus den Arbeitsstätten tamen, zogen sie, ohne erst nach Hause zu gehen, zu der Stätte der großen politischen Demonstration. Sie hatten es gut, denn sie fonnten sogleich die ersten Reihen dieses gemaltigen Parketts einnehmen. Dann setzte der Zustrom ein und hielt ununterbrochen an. Der Innenraum der gewaltigen Halle 6] Anthony John. Roman von Jerome K. Jerome. Das Kind lief ihm entgegen. Gott, wie er tanzte! Die fleinen frummen Beine bewegten sich flink wie der Blizz, die Arme waren so ftart, daß er den fleinen Anthony mit der einen Hand in die Luft werfen und mit der anderen wieder fangen fonnte. Die hellen Herdflämmchen reckten sich höher und höher, als wollten sie den Anblid besser genießen fönnen. Die fröhliche alte Here lachte lauter. Und die Schatten an der Wand waren dermaßen aufgeregt, daß fie flach auf die Decke fielen. Die Mutter rief aus dem Stockwert, ob das Wasser fiede; die kleine Flamme verblaßte und verschwand. Die fröhliche alte Here wurde stumm wie eine Maus. Die Schatten liefen in das Ofenrohr und durch die Tür fam Licht. Anthony gab der Mutter feine Antwort. Er rieb sich die Augen, glaubte, er müsse noch im Bett liegen. Der König der Gnomen rief ins Stockwerf hinauf, das Wasser werde in fünf Minuten sieden. Frau Strong'nth'arm, eine fremde Simme vernehmend, tam gelaufen. Sie fand ihren Sohn völlig verwirrt, sich noch immer die Augen reibend. Der König der Gnomen schob sorgsam ausgewählte Holzflöße in den Herd und blies hinein. Mit der einen riesigen Hand bedeckte er den goldblonden Bart, damit dieser nicht anbrenne. Er tannte Frau Strong'nth'arm, und schüttelte ihr die Hand. Sie betrachtete ihn, als hätte sie ihn bereits einmal gesehen, oder als wäre er ihr beschrieben worden; sie mußte es nicht recht. Doch erweckte es den Eindrud, als wäre fie, ohne zu wissen weshalb, froh, ihn zu sehen. Zuerst schien sie ihn zu fürchten; aber dieses Gefühl verging, noch ehe der Tee fertig war. Anthony betrachtete staunend die Mutter. Sie war eine jener geschäftigen, ruhelosen Frauen, die nicht eine Minute lang still fein tönnen. Nun aber schien etwas sie verzaubert zu haben Sie stand mit gefalteten Händen da, sprach nicht einmal; hätte ein Besuch sein können. Der König der Gnomen bereitete den Tee, schnitt Brot, bestrich es mit Butter. Es war, als wisse er genau, wo sich alles befinde. Das Feuer Inisterte munter; meist, wollte es überhaupt nicht brennen. Heute früh jedoch hatte es feinen Meister gefunden. Der König der Gno men begab sich, das Servierbrett in der Hand, ins Stocwert; Frau Strong'nth'arm folgte ihm wie im Traum Anthony fchlich zur Treppe und lauschte. Der König der Gnomen sprach Donnerstag, 26. März 1925 eignisse aus dem Leben Otto Brauns. Die flimmernde Leinwand, die gestern abend auf den Dächern an den verschiedensten Stellen in Berlin gezeigt wurde, und die nach etwa zwanzig Minuten er lofch, um nach einer Pause wieder aufzuflammen, werden auf teinen, der diese eigenartigen Darbietungen gesehen, ihren Eindrud verfehlt haben. Besser, bildhafter und einprägsamer, als es gestern durch den Film geschah, fann nicht gesagt werden: Wählt am 29. März Otto Braun. Schwarzweißrote Hoffnungen. Was in Schulen der deutschen Republik möglich ist! Als das Deutsche Reich noch seine zwei Dutzend„ Landesväter" hatte, zählte man es zu den selbstverständlichen Aufgaben der deutschen Schule, in den Kindern die Achtung vor der monarchischen Berfassung und die Liebe zu den angestammten Herrscherhäusern" zu pflegen. Heute, wo wir seit sieben Jahren die Republik haben, darf wohl erwartet werden, daß die Schule sich bemüht, die Kinder zur Achtung vor der republikani schen Verfassung zu erziehen. Man prüfe, wie mit dieser Aufgabe das folgende Borkominis, das uns aus Elternkreisen mitgeteilt wird, in Einklang zu bringen ist. M Ein in Borsigwalde an der Mädchen Mittelschule angestellter Lehrer schiersch, der Geschichts- und Gesangunterricht erteilt, gab dem aus Schülerinnen der Klassen 3, 2 und 1 311fammengesetzten Chor eine Umdichtung des Liedes D Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt" zu lernen. Auf die erste Strophe, die er in der bekannten Fassung unverändert beibehielt, ließ er, wie der Vater eines Mädchens uns meldet, vier die von dem Sängerpodium aus einen überwältigenden Eindruck Strophen in folgender Fassung folgen: macht. Die Sänger erheben sich, der Dirigent gibt das Zeichen und das erste Lied:" Frühlingsstürme" füllt mit seinen machtvollen Klängen das Haus. Bis weit in die letzten Reihen, bis hinauf auf die höchsten Plätze hört man die Worte des Gesanges: Brause, Wind, bis die Mauer fällt, die die Herzen gefangen hält! So rauscht es über die Menge hinweg. Ein zweites Lied ertönt. Rauschender Beifall lohnt die Sänger. Berraten, erschlagen, viel Hunderttausend tot! Auf Straßburg melsche Fahnen verhöhnen deutsche Not! Laßt flattern, laßt rauschen und schwand auch unser Glück, O Straßburg, o Straßburg, wir holen dich zurück. Dann iritt Genosse Franz Künstler an das Rednerpult, um das Wort zu einer furzen Begrüßung und Einleitungsrede zu nehmen. Aufmerksam lauschen die Massen den Rednern, die überzeugend für Otto Braun zu werben wissen. Machtvoll erfiang das„ Empor zum Licht" der Arbeiterfänger durch den Riesenraum. Der Leiter der Versammlung, Genoise St ünstler, brachte dann zum Schluß ein hoch auf die Republiť, auf die deutsche Sozialdemokratie und auf Otto Braun aus, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Schon einmal erbrausten die Hochrufe, als die Genossen Ludwig und Liedtke im Borgarten des Sportpalastes zu den vielen Tausenden gesprochen hatten, die bereits um 8 Uhr feinen Einlaß mehr hatten finden können. Nur langjam leerten sich dann Saal und Garten; schrittweise schob sich die Menge vorwärts und ergoß sich in endlosen Strömen in die Straßen. Die gewaltigste Kundgebung für Sozialdemokratie und für Otto Braun war beendet. Film auf den Dächern. Gestern abend wurde zum ersten Male der Propagandafilm gezeigt, den unsere Groß- Berliner Parteiorganisa ion für die Reichs präsidentenwahl in geschichtefter Weise zusammengestellt hat. Lange schon fennt man in Ferlin jene wirtungsvollen Lichtref'amen an den Fronten und Giebeln der Häuser. Hier schreibt es mit unsicht borer Hand, die Schrift verlischt und von neuem ersteht geheimnis: nolle Schrift an der Wand. Aber Fi.mvorstellungen auf den Dächern, das jah Berlin gestern zum erstenma. Kein Wunder, daß sich vor diesen„ Kinovorstellungen" die Men'chen in Scharen drängten und unverwandt hinaufichauten auf die Dächer. Was man gestern in diefer Borstellung jah. war aber außerdem von großem Reiz und mußte tiefsten Eindruck machen auf alle Zuschauer. Man erblickte Abschnitte und besonders bemerkenswerte Szenen aus dem Leben unseres unvergeßlichen Friz Ebert, man fab Heidelberg und den Friedhof, auf dem er den leg'en Schlaf schäft, man sah Szenen aus dem gewaltigen Trauerzug in Berlin, mon bekam das Bild unferes Präsident chaftskandidaten, Otto Braun, ant Rednerpult zu sehen, ein Bid. dos lebhaft und höchst eindringlich war. Daneben gab es statistisches Material über das gewaltige Anwachsen der Sozialdemokratischen Partei, gab es Erlebnisse und Ermit dem Vater. Er hatte eine äußerst tiefe Stimme; so wie man sie von einem Herrn erwartet, der unter der Erde lebt. Anthony vermeinte die Vibration der Stimme zu fühlen. Mit ihr verglichen erschienen die Stimmen der Eltern wie der Chor der fleinen Terriers, wenn der alte Simon anschlug. Blöglich ereignete sich ein Wunder: die Mutter fachte! Anthony konnte sich nicht erinnern, die Mutter jemals lachen gehört zu haben. Ihn deuchte, es lägen seltsame Dinge in der Luft; er eilte in den Hof und wusch sich am Ziehbrunnen. Der König der Gnomen lebte drei Wochen lang bei ihnen. Allmorgendlich begab er sich mit Anthony in die Werkstatt. Auf dem Herd glühten noch die Kohlen vom vorhergegangenen Abend. Selbstverständlich versteht sich ein König der Gnomen auf das Handhaben von Hammer und Feuer. Dennoch fiel Anthony jeine Kraft und Geschicklichkeit auf. Die großen sehnigen Hände, die häufig, um Zeit zu gewinnen, das Metall ohne Werkzeug formten, vermochten die winzigste Schraube an ihre Stelle zu sehen, die feinsten Kombinationen auszu führen. Selbstverständ ich verriet er nie, daß er der König der Enomen sei. Aber das Find wußte es; ein warnender behaarter Finger, ein lachendes 3winkern der blauen Augen warnten den Knaben, das Geheimnis nicht zu verraten Der König der Gnomen verließ niemals das Haus. Arbeitete er nicht in der Werkstatt, so machte er sich im Hause nüglich. Be dachte man, daß es feine weiblichen Gnomen gibt, so begriff man auch, weshalb er sich so gut auf Frauenarbeit verstand. Frau Strong'nth'arm brauchte nichts weiter zu tun, als den Gatten zu pflegen, und selbst diese Arbeit wurde ihr abgenommen, menn fie auf den Markt ging. Abends, während der König der Enomen plauderte, half er beim Stopfen. Niemand wußte um sein Kommen. Am ersten Morgen hatte die Mutter Anthony eingeschärft, er dürfe darüber kein Wort sagen. Doch war dies gar nicht nötig gewesen, das Kind wußte sehr wohl, daß der König der Gnomen beim ersten Wort unter der Erde zu verschwinden pflegt. Erst später, da er bereits wieder fort gegangen war, berichtete die Mutter von seinem Besuch und dann nur Frau Plumberry, nachdem diese ein Gelübde des Schweigens abgelegt hatte. Frau Plumberry, die häufig mit Kummer und Sorge zusammenfam, war selbst einmal dem König der Gnomen begegnet. Die Leute nannten ihn den Wanderneter. Frau Plumberry staunte über seinen Besuch bei den Strong'nth'arms, denn er ließ sich selten in der Stadt bliden. Er mußte von ihrem Unglück gehört haben. Er erfuhr stets auf seltsame Art, wenn man seiner bedurfte. 3u | O Straßburg, o Straßburg, mir tut das Herz so weh, Wenn ich auf deinen Zinnen die Trokolore seh'. O Straßburg, o Straßburg, wir schwör'n dir's in den Tod, Bald weht auf deinen Zinnen die Flagge schwarzweißrot. Schwarzweißrot war, wie auch Herrn Tschiersch noch in Erinnerung sein dürfte, die Fahne des deutschen Kaiserreiches. Die Fahne der deutschen Republik ist, wie jeder weiß, schwarzrotgold. Benn Herr Tschiersch auf dem zurückgeholten Straßburg nicht die schwarzrotgoldene, sondern die schwarzweißrote Flagge wehen läßt, so muß das den Schülerinnen die Frage aufdrängen, was er damit sagen will. Da sie in den obersten Klassen einer Mittelschule fizen, also nicht mehr Kinder in den ersten Schuljahren find, so werden sie sich wahrscheinlich ihren eigenen Vers dazı: machen. Herr Tschiersch soll den Schülerinnen, die etwa die Umdichtung nicht lernen würden auch angefündigt haben, daß er ihnen dann eine schlechte Zenjur geben müßte. Die Schulaufsichtsbe hörde wird hoffentlich den Lehrer schleunigst darüber belehren, daß er das Bergnügen, diese Umdichtung von den Schülerinnen fingen zu lassen, sich zu versagen hat. Auch das wird die Schui aufsichtsbehörde erwägen müssen, ob ein Lehrer, der solche Scherze für zulässig hält, at der richtigen Stelle steht. Helden." Wie man uns mitteilt, werden die Frauen der Parteigenonen. die im Südosten wohnen und geflaggt haben, bedroht. Sommunistische oder böllische Helden" fuchen die in Frace femmenden wohnungen auf und verfuchen die Bewohner, vor allem die Frauen einzuschüchtern. Sie fönnten bei folchem Vorgeben auch einmal an die faliche Adresse kommen. Hoffentlich veranlaßt fie denn der Denkzettel, den man ihnen mit auf den Weg gegeben hat, über Ursache und Wirkung etwas nachzudenken. Bou Erdmaffen verschüttet. Auf dem Neubau der Städtischen Elektrizitätswerte am Spreebord in Charlottenburg waren mehrere Arbeiter mit dem Ausschachten des Baugrundes beschäftigt. Plötzlich gaben die Erdmassen nach und zwei der Arbeiter wurden ver chüttet. Zum Glück gelang es, die beiden Verunglückten sofort wieder ans Tageslicht zu bringen, so daß der eine völlig unversehrt geblieben ist. Der andere, der 24 Jahre alte Arbeiter Mar Dropnid aus Neukölln, Rolegacrstraße 41, hat Quetschungen erlitten und mußte nach dem Krankenhause Westend gebracht werden. Zeiten, da der Schnee hoch auf den Hügeln lag und die jungen Lämmer geboren wurden, lauschten die Hirten auf sein fröh liches, durch die Nacht näher kommendes Pfeifen. Er hätte fein Leben lang ein Hirte fein fönnen. Mit den beiden großen Händen hielt er die fich windenden Mutterschafe feſt: bei seiner Berührung verstummte ihr Stöhnen. Und lag in irgendeiner einsamen Hütte ein Mann oder ein Kind frank danieder und die Frau wußte fich nicht zu helfen, so erinnerte fie fich an die Erzählungen, die sie gehört, eilte vor die Hecke und starrte mit schmerzenden Augen in das nächtliche Dunkel. Und, so wollte es die Legende, nach einer Weile vernahmen ihre lauschenden Ohren Schritte: Wanderpeter trat aus dem Schatten auf sie zu und begrüßte sie. Er verblieb in der Hütte, bis man seiner nicht mehr bedurfte, pflegte den Kranken, nahm seine Stelle vor dem Pflug ein. Als Lohn begnügte er sich mit Nahrung und Wohnung. Beim Abschied bat er um eine Tagesration, und bei jenen, die es entbehren konnien, um einen alten Rock, oder ein Paar Stiefel, das sich noch ausbessern ließ. Niemand wußte, wo er wohne. Menschen, die sich auf dem Moor verirrt hatten, riefen nach ihm, wenn sie von der Dunkelheit überrascht wurden; dann pflegte er urplößlich zu erscheinen und ihnen den rechten Weg zu weifen. Eine Erzählung berichtete von einem alten bösartigen Mann, der zusammen mit seinem ebenso boshaften Hund in einer Hütte zwischen den Felsen lebte. Ein hartherziger, Gott lästernder alter Schurke. Die Bauern fürchteten und haßten ihn, behaupteten, er habe den bösen Blick; starb eine Kuh mährend des Kalbens, fraß eine Sau ihre Jungen, so wurden gegen den alten Michael, den alten Satan, wie sie ihn nannten, bittere Flüche ausgestoßen. Eines nachts stürzte der alte Michael beim Wildern in einen Felsenspalt. Mit gebrochenem Fuß, aus einer Kopfwunde blutend, blieb er dort liegen. Die Felsen warfen seine Hilferufe zurück; seine einzige Hoffnung war der Hund. Dieser ist sicherlich um Hilfe gelaufen, denn bie beiden liebten einander in ihrer fnurrigen, boshaften Art. Aber was fonnte das Tier tun? Es war ebenso bekannt und gehaßt wie der alte Michael selbst, würde vor jeder Tür mit Steinwürfen fortgejagt werden. Niemand dächte daran, ihm au folgen, Hilfe zu bringen. Der alte Michael verfluchte den Hund und schloß die Augen. Als er sie wieder öffnete, hielt ihn der Wanderpeter in seinen starten Armen. Der Hund hatte nicht an die Nachbarn seine Stimme verschwendet, hatte weder Hütte noch Bauerndorf durch sein Gebell aufgewedt, sondern den Wanderpeter gesucht.( Fortsetzung folgt.) Der Raub auf der Stationskaffe am Zoo. Echt oder fingiert? Unter der Anflage der Unterschlagung und der Urtundenfälschung im Amte wurde der Eisenbahninspektor Botho Muench dem erweiterten Schöffengericht zu einer mehr. tägigen Verhandlung vorgeführt. Die Anklage gegen Muench betrifft die Vorgänge am Neujahrstage 1925 in der Stationstaffe des Bahnhofs Zoo. Nach den Angaben Muenchs soll er von zwei Männern über fallen, gefesselt und gefnebelt worden und erst erwacht sein, als der Kaffenraum nebenan sich in Brand befand. Jedenfalls wurde Muench auf sein Klopfen und seine Hilferufe um 3 Uhr nachmittags gefesselt auf den Boden liegend von Eisenbahnbeamten und von diesen benachrichtigten Polizeibeamten vorgefunden. Der Kaffenfchrant war in Brand geseht und die Kassenbücher und sämtliche Belege waren teils im eisernen Ofen vernichtet. Die Darstellung Muenchs, daß er das Opfer eines Raubüberfalls geworden sei, wurde ihm nicht geglaubt, vielmehr geht die Anklage dahin, daß Muench infolge weit zurückreichender Unterschlagungen von Amts. geldern durch den fingierten Raubüberfall und die Bernichtung der Belege diese Tat verschleiern wollte. Der Angeklagte hat burdy Rechtsanwalt Bahn einen umfangreichen Gegenbeweis angetreten und bestreitet seine Schuld. Er behauptet in seiner Bernehmung, daß er selbst Vermögen beseffen habe. Am Neujahrstage habe eine Firma Höne angerufen, ob sie 30 000 m. ausgezahlt bekommen fönne. Er habe erwidert, daß er das zwar fönne, daß aber noch feine Rechnung von der Behörde eingegangen sei. Darauf sei ihm geantwortet worden, die Rechnung werde der Bertreter mitbringen. Bald darauf feien zwei Herren erschienen. Er habe nun aber erst durch das Telephon bei der Dienststelle eine Rückfrage vornehmen wollen, ob die Rechnung auch richtig sei. Kaum habe er den Hörer an dos Dhr gelent, a's ihm der eine der Herren, ein gewiffer Rop: Io wit, einen Schlag in die Herzgrube versetzt habe. Danach sei er ohnmächtig umgefallen. Erst nach zwei Stunden sei er aufgewacht und habe sich mit einem Handtuch im Munde und an Händen und Füßen gefesselt am Boden liegend gefunden. Das Gericht bes chloß, in der Stationstaffe am 300 den Lofaltermin abzuhalten. Der Angeklagte wird dazu hingeführt und soll an Ort und Stelle so gefesselt werden, wie er vorgefunden wurde. Er soll dann genau zeigen, wie fich die Ereignisse abgespielt haben. Nach dem Lokaltermin wird die Verhandlung in Moabit fortgesetzt werden. Die Bekämpfung des Wuchers. Die Abteilung W des Polizeipräsidiums, die unter der Leitung des Regierungsrats Dr. Hinfel stand und die während des Krieges und später in den Mirren der Inflationszeit zusammen mit dem vor Jahresfrist bereits aufgelösten Landespolizeiamt den Bucher auf allen Gebieten betämpfte, ist mun eben falls aufgehoben worden, da stabilere Berhältnisse eingelegt haben und, namentlich auf dem Lebensmittelmarkt die Breise durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage geregelt werden. Regies rungsrat Dr. Hintel ist an die Regierung in Frankfurt a. d. D. verfegt worden. Um aber das Publikum vor Bewucherung zu bewahren und aus der Erfahrung heraus, daß es immer dunkle Ele. mente gibt, die darauf ausgehen, die Mitmenschen durch Wuchergeschäfte zu schädigen, sind im Polizeipräsidium unter Zeifung von Kriminalfommiffaren und Oberinspektoren mehrer Ab. tellungen eingerichtet worden, bie ben Bucher mit Lebensmitteln, mit Gegenständen des täglichen Bedarfs und beim Handel mit Baluten und Edelmetallen zu bekämpfen haben. Eine andere Abteilung hat speziell die Aufsicht über die Pfandleiher und namentlich die wilden Pfandleiher, sowie über das Ausspielen auf Rummelpläßen und das Spielerunwesen überhaupt. Neuregelung der Vergnügungssteuer. Der Magistrat hat jetzt die Novelle zur Bergnügungssteuer ordnung verabschiedet. Bekanntlich waren im Laufe des letzten Jahres wiederholt durch provisorische, zeitlich beschränkte Beschlüsse Ermäßigungen der Vergnügungssteuer vorgenommen worden. Die endgültige Regelung durch Nachprüfung und Aenderung der Steuer ordnung war jedoch erst zum Ende des Rechnungsjahres in Aussicht genommen. Diese Neuregelung durch die Novelle behält die ermäßigten Säße, die in den Wintermonaten zur Anwendung gefommen find, bei. Neu ist eine gewisse Einschränkung der Nachtsteuer und andererseits eine Berschärfung bei der Tombolasteuer, die bisher für die ganze Tombola bei Vereinsperanstaltungen nur das Zehnfache des einfachen Lospreises betrug, fünftig nun in Höhe von zehn Prozent der verkauften Lose gezahlt werden soll. Die Finanz- und Steuerbeputation hatte der Stoveile in ihrer letzten Sigung zugestimmt, jedoch zwei Aenderungen vor genommen: Sie fehte nämlich die Steuer für Pferderennen von 20 auf 15 Prog. und für Lichtbildtheater mit sogenanntem gemischten Programm"( mit volksbildendem Beiprogramm) von 14 auf 12 Bro3. herab. Diefen Abänderungen ist der Magiftrat nicht beige treten, so daß es bei den 20 bezm. 14 Broz. für die genannten Beranstaltungen verbleibt, Die Novelle wird demnächst die Stadtver ordnetenversammlung beschäftigen. Bis zu ihrer endgültigen Berabschiedung bleibt die jetzt geltende vorläufige Regelung in Kraft. Die bürgerlichen Bolschewiften. Unsere Wählerversammlungen. In der Wählerversammlung, die von der 31. Abteilung am Dienstag nach der Schulaula in der Schönfließer Straße ein berufen war, wies Kurt Heinig auf die große Bedeutung dieser Wahl hin, als Errungenschaft, die es zu sichern gilt wie als Auswahl der Persönlichkeit. Im Rahmen seiner Betrachtungen gab der Referent einen lehrreichen Ueberblick über die Steuerpläne des Rechtsblocks. Die Zeit bis zum Sonntag müffe eifrig genügt werden, die Schwankenden, Gleichgültigen und Berärgerten für die Wahl unseres Kandidaten zu gewinnen. Gegner meldeten sich nicht. Gen. Eforn verwies auf das Recht und die Pflicht der Arbeit Oeffentliche Kundgebungen sich vielmehr in einem Schreiben damit, er habe Herenschuß. Das Gericht vertagte, erließ jedoch Haftbefehl, da ein ausreichender Grund des Fernb.eibens nicht vorlag, zumal das unfreiwillige falte Bad bereits über 1 Jahr zurückliegt. Einbrechertricks. Der„ ausgesperrte" Mieter. Zerbrochene Fensterscheiben. Einen ungewöhnlichen Weg schlugen zwei Einbrecher ein, die gestern nachmittag am hellen Tage eine Wohnung in der Wörther Straße heimsuchten. Sie hatten auch Glück mit ihrer Dreistigkeit. heute, Donnerstag, den 26. März, abends 7/2 Uhr: Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 73. Prenzlauer Berg, 24. und 25. Abteilung: Aula Oberrealschule Pasteurstraße 45. Friedrichshain, 35. Abteilung: Schulaula Rigaer Straße 82. Charlottenburg: Spandauer Bod. Schöneberg- Friedenau: Helmholz- Gymnasium, Rubensstraße. der Choriner Straße warfen in der Nacht zum Dienstag EinSteglih: Gymnasium Heesestraße. Lichtenrade: Stiehler, am Dorfteich. Neukölln: Schultheiß, Hafenheide 22. Treptow: Nitschke, Am Treptower Part 26. Oberschöneweide: Mörners Blumengarten, Ostendstraße. Friedrichshagen: Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 136. Buch: Göpfert, am Bahnhof. Buchholz: Rossack, Hauptstraße 71. Rosenthal: Schneider, Hauptstraße 3. Redner: Aufhäuser, Dressel, Dr. Freund, Ad. Hoffmann, Hirsch, Haß, Marie Juchacz, Dr. Löwenstein, Lempert, Leid, Litte, Ruben, Stein, Karl Schneider. Tagesordnung in allen Versammlungen: Um 5 Uhr nachmittags erschien auf dem Hausflur ein Mann in einem eleganten Straßenanzug mit einer braunen Aftentasche unter dem Arme und gab seinem Begleiter, der wie ein Schloffer gekleidet war, die Weisung, eine im Erdgeschoß gelegene Wohnung aufzuschließen. Der Schlosser machte sich auch gleich an die Arbeit. Eine Frau, die vorüberging, glaubte, daß der Wohnungsinhaber seinen Schlüffel vergessen habe. Sie hörte noch, wie der elegante Dann den Schlosser mit den Worten: Machen Sie man ein bißchen figer" aufmunterte und ging dann ahnungslos weiter. Erst als der Wohnungsinhaber später heimkehrte, fand er, daß die beiden, die die Doppeltür aufgeschlossen hatten, Einbrecher gewesen waren. Sie hatten in der Wohnung alles durchwühlt und für 8000 Mart Wert und Schmucksachen erbeutet. An einem Hause in brecher mit Steinen Scheiben zweier nebeneinander liegender Fenster im 1. Stod ein. Weil sich daraufhin in der Wohnung nichts rührte, so schloffen fie richtig, daß sich in den Borderräumen niemand aufhielt. Sie stiegen aber diese Nacht noch nicht ein. Erst in der nächsten Nacht tamen sie wieder. Sie fanden auch jetzt keine Jaloufic heruntergelassen und wiederholten ihren Kundschaftstrid. Als wieder alles ruhig blieb, legten sie, wie Spuren an der Wand zeigen, eine Leiter an und holten für 4000 mart Herrenund Damenstoffe unbemerkt aus den Borderzimmern heraus, während die Wohnungsinhaber hinten schliefen. Fasein an der Mauer lassen erkennen, daß sie die Beute mit einem Strid hinunterließen. Wahrscheinlich haben sie die Stoffe mit einem Handwagen weggeschafft, auf dem sie wohl auch die Steckleiter mitbrachten und wieder mitnahmen. Auf die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes ist in beiden Fällen eine Belohnung von 10 Broz. des Wertes ausgesetzt. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalkommiffar Wer foll des Reiches Führer sein? Otto Braun oder Jarres? Dr. Anusch at im Zimmer 53 des Polizeipräsidium: * Freitag, den 27. März, abends 7½ Uhr: Mitte: Sophienfäle, Sophienstr. 17/18. Tiergarten: Nationalhof, Bülomstraße 37. Wedding: Pazenhofer Ausschant, Chausseestraße 64. Schiller- Lyzeum, Pants, Ede Böttcherstraße. Prenzlauer Berg: Ledigenheim, Pappelallee 15. Friedrichshain: Andreas- Festfäle, Andreasstr. 21. Kreuzberg, 40. u. 41. Abt.: Brauerei, Fidicinftr. 2/3. 44. u. 45. Abt.: Schulaula, Forster, Ede Reichen berger Straße. " " Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß- Berlins am Sonntag, den 29. März, vormittags 11 Uhr, im Großen Schatt spielhaus, Karlstraße. Mitwirkende an der Weihe find: Reformierte Gesangsgemeinschaft Roseberry d'Argulo. An der Orgel: Willi Jaeger; Cello: Rarl Dechert; Weiherede: Joh. Heß. Ferner der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde; Leitung: Herr Albert Florath, und Einzelsprecher: Herr Heinrich Witte. Gasttarten für Erwachsene zum Preise von 1 M. und für Kinder zum Preise von 50 Bf. find noch im Jugendfekretariat Lindenstr. 3 erhältlich. Die Borbesprechung für die Jugendweihe am 29. März im Großen Schauspielhaus findet heute, Donnerstag, nachm.% 4 Uhr, im Großen Saal her Sophiensäle, Sophienstr. 17/18, statt. Auf diefer Borbesprechung werden die Elternfarten zum Preise von 50 Pf. pro Stüd, sowie noch Gastkarten zum Preise von 1 M. für Erwachsene und 50 Pf. für Kinder vertauft. Den Kindern ist die entsprechende Geldsumme mitzugeben. Einladungs- und Gratus lationstarten sowie eingerahmte Sprüche als Geschentgabe find ebenfalls im Jugendsekretariat Lindenstr. 3 erhältlich. Freitag von Die Droner der Profetarischen Feierstmde treffen sich am Sonntag, den 29. März, zum Ordnerdienst um 9 Uhr im Großen Schauspielhaus. Charlottenburg: Hohenzollern- Festfäle, Berliner Str. 105. Spandau: Jubiläums- Turnhalle, Astanierring. Cladow: Gasthof Bäumann. Staafen: Gasthof Albert Wolf. Siemensstadt: Marsand, Nonnendammallee. Wilmersdorf: Aula Hindenburgschule, am Seepart( Frauen- 9 bis 6 Uhr geöffnet. fundgebung). Wannsee: Reichsadler, Königstr. 26. Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Straße 8. Schöneberg: Uhlandschule, Kolonnenstraße 22. Canfwvih: Lehmanns Festfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 29. Lichterfelde: Oberrealschule, Ringstr.( Ede Hindenburgdamm). Mariendorf: Aula Oberrealschule, Kaiserstraße. Neukölln: Aula Oberrealschule, Emser Straße 134. Budow: Turnhalle. Brih: Beckers Festfäle, Chauffeestraße 98. Der Tod auf den Schienen. Auf den Gleifen des Anhalter Bahnhofs fand man eine rechte Männerhand Die Kriminalpolizel, die sofort benachrichtigt wurde, fuchte den Bahnhof ab, fand aber auf ihm und in der Umgebung nichts weiter. Sie schaffte alsbald Aufklärung. Bei Grüna, einer Station hinter Boffen, hatte man die bis zur Unkenntlichkeit zerNiederschönweide: Aula der Mädchenschule, Berliner Str. 31. ftüdelte Leiche eines Mannes aufgefunden, der in der Nacht von dem Alt- Glienice: Bohne, Grünauer Straße. Copenid: Aula Körnerschule, Lindenstraße. Grünau: Jägerheim, Bahnhofstraße 1. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Karlshorst: Fürstenhaus, Trestowallee. Friedrichsfelde: Tempel, Prinzenallee. mahlsdorf: Anders, Bahnhofstraße. Biesdorf: Schillerfäle, Königstraße 120. Raulsdorf: Turnhalle. Adolfstraße. Baulsdorf- Süd: Im Jägerheim. Weißenfee: Aula Realgymnasium, Woeldpromenade. Vankow: Linder, Breitestraße 34. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Rein dendorf- Oft: Schüßenhaus, Residenzstraße 1/2. Borfigwalde: Borsigwalder Festfäle, Conradstraße( Ede Spandauer Straße). Redner: Aufhäuser, Crispien, Faltenberg, Dr. Freund, Felgentreu, France, Göring, Harnisch, Hirsch. Haß, Hirsch berg, Adolf Hoffmann, Heßschold, Joachim, Künstler, Marie Kunert, Dr. Kawerau, Erna Kresse, Leid, Dr. Löwenstein, Landa, Litte, Lempert, Dr. Lohmann, Otto Meier, Hermann Müller, Reimann, Reuter, Ruben, Heinrich Schulz, Schneider, Minna Todenhagen, Dr. Tichauer, Dr. Weyl, Dr. Witte, Dr. Weinberg, Zachert, Zubeil. Die boljchemistischen Soldschreiber, die die kommunistische Welt am Abend" im bürgerlichen Gewande redigieren, haben es für nötig gehalten, in einem groß aufgemachten Artikel sich mit unserem Auffah, der von dem Wohnungselend der Tschechoslowakei handelte, auf ihre Art zu befaffen. Sie unterstellen darin der SPD. in lügenhafter Weise, daß sie absichtlich das Wohnungselend in Berlin nicht sehen wolle und sich unterstehe, die Proletarier zu düpieren, indem fie gegen das Wohnungselend in der Tschechoslowakei vom Leder ziehe. Sollten die sauberen Herren der Welt am Abend" vielleicht fürchten, daß wir uns des Näheren mit den mehr als ffandalösen Wohnungsverhältnissen in Sowjetrußland befassen werden? Auch dazu wären wir berechtigt, nachdem wir in zahlreichen Artikeln nicht nur das Wohnungselend Für den Präsidentschaftskandidaten Otto Braun! Berlins, fondern auch andere soziale Mißstände gegeißelt haben. Der Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten haben sich bekanntlich bisher die Deutschnationalen in jeder Weise entgegengestellt und die Kommunisten waren bei dem Abbau sozialer Maßnahmen stets die getreuen Helfersheffer, oder, wie sie sich selber genannt haben, die Steigbügelhalter der Reattion. Und ausgerechnet diese Gesellschaft wagt es, die SPD. zu fritisieren. Gegen die gewerbsmäßigen Bettler. Zur Bekämpfung des Bettelunwesens hat der Polizeipräsident eine neue Verfügung an die nachgeordneten Dienststellen erlaffen. Die Berordnung richtet sich vorwiegend gegen solche bettelnden Personen, die Leiden vortäuschen, sich als Bäter oder Mütter einer föpfereichen Familie ausgeben. Werden Kinder unter 14 Jahren beim Betteln betroffen, so werden sie falls ihre Abholung durch ihre Eltern oder sonstige Angehörige nicht ratfam er. fcheinen läßt Waisenhäusern aber bem betreffenden Wohlfahrtsamt zugeführt. Gegen Eltern oder sonstige Personen, die Rinder aum Betteln ausschicken, wird Strafanzeige erstattet. Im Interesse. der Bekämpfung des Bettelunwesens werden in Wohnung gemeldete Bettler nach ihrer Feststellung bzw. Entlassung an das zuständige Bezirkswohlfahrtsamt verwiesen. Wohnungslose Bettler werben, wenn eine Strafverfolgung nicht eingeleitet wird, im Bereich der Polizeiamter 1-6 um Erlangung von Unterſtügun gen an das städtische Obdach, Fröbelstr. 15, im Bereich der Poli zeiämter 7-20 an die zuständigen Bezirkswohlfahrtsämter verniesen. Bei jugendlichen und in geeigneten Fällen auch bei erwachsenen Bettlern wird jedesmal die Wohlfahrtsstelle im Polizeipräsidium oder die der Polizeiämter, soweit selche vorhanden sind, telephonisch verständigt, die dann ratfam erscheinende Maßnahmen treffen werden. Tagesordnung in allen Kundgebungen: nehmerschaft, den Bräsidenten des Reiches aus ihren Reihen zu stellen. Ein Hoch auf die Sozialdemokratie beschloß die Rundgebung. Die 23. Abteilung hatte am 24. März zu einer öffentlichen Wahlverfammlung im Hagenbeck" zur Reichspräsidentenwahl eingeladen, welche sehr gut besucht war. Gen. Nitisch entwickelte in flarer Weise, weshalb wir als stärkste Partet Deutschlands auf der Aufstellung eines eigenen Kandidaten bestehen mußten. Nachdem er die einzelnen Kandidaten der verschiedenen Parteien, besonders Jarres und Ludendorff treffend kritisiert hatte, führte er besonders den anwesenden Kommunisten den großen Schaden einer Sonderfandidatur des Abg. Thälmann vor Augen. Nach der Aussprache, in der auch Kommunisten sprachen, hielt Gen. Nifisch das Schlußwort. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und auf unseren Kandidaten Otto Braun wurde die Bersammlung geschlossen. Das Auto in der Havel. Im vergangenen falten Winter fonnte man bekanntlich mit Fahrzeugen über das Eis der Havel fahren. In der Nähe des Monumentés von Schildhorn brach im Januar v. 3. ein Kraftwagen des Ingenieurs Paul Baehr ein. Er fuhr über eine Stelle, an der lange Zeit ein Kahn gelegen hatte, der jedoch in den ersten Frost tagen fortgezogen war. In dem Unglückswagen befand sich noch ein Monteur Duda, der bei dem Unfall an Herzschlag verstarb. Baehr wurde durch einen unbekannt gebliebenen Schlitischuhläufer gerettet, der ohne Wissen der Insassen sich während der Fahrt an dem Kraftwagen festgehalten hatte und rechtzeitig Hilfe herbeiholen fonnte. Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung, erschien Baehr gestern vor dem Amtsgericht Charlottenburg nicht, er entschuldigte Dresdner Zuge überfahren worden war. Wahrscheinlich hatte sich der Mann in selbst mörderischer Absicht vor den Zug geworfen. Der Leiche fehlte bie rechte Hand. Der Zug muß fie im Getriebe mitgenommen haben. Die Beamten untersuchten daraufhin den Zug, der gestern abend um 10% Uhr auf dem Anhalter Bahnhof eingetroffen war und fanden an dem Postwagen noch Blut und Fleischstückchen. Die Person des Toten ist noch nicht festgestellt. Bom Spiel in den Tod. Ein eff- bis zwölfjähriger Knabe geriet unter einen Wagen der Linie 55. Beugen befundeten, daß der Knabe längere Zeit neben dem Straßenbahnwagen herlief, stolperte und jo unter die Räder gekommen ist. Die Feuerwehr fonnte ihn nur als Toten von der Stelle tragen. Der Arbeiter- Radioklub veranstaltet am 28/29. Mära in den Sophienfälen den Begrüßungsabend aur ersten Reichsfonferenz der Organisation. Zu diefem haben sämtliche Radiofreunde und Interessenten freien Zutritt. Aus Anlaß diefer Reiche fonferenz findet am 28. bis 30. d. Mis. in den Eopbienfälen ( Turnerfaal) eine Ausstellung statt, die am 28. und 30, März von 7-10 1hr und am 29. Mära von 10-7 lbr geöffnet ist. Es werden Funkgeräte aller Art, u. a. auch Apparate in Betrieb borgeführt. Der Beiuch ist fostenlos. Wichtig für Gasabnehmer. Die Berliner Städtische Gaswerfe .. weisen darauf hin, daß ihre Einfassierer und Installations. arbeiter( Gasmesserauffüller, Revidierer. Robrleger usw.), die Are beiten an den Gaseinrichtungen zu erledigen haben, Ausweise auf grauem Karton mit abgestempeltem vidtbild und der Unterschrift:„ Berliner Städtische Gaswerfe Att. Gei. bei fich führen und angewiesen find, ihre Ausweife unaufgefordert vor dem Betreten der Wohnung vorzuzeigen. Es liegt alio im Jntereffe der Gasabnehmer, nur den mit obigem Ausweis berfebenen Berfonen Zutritt zu den in ihren Wohnungen befindlichen Gasmessein zu gewähren. Bezirksbildungsausichuh. Etaatliches Schiller Theater, Charlottenburg: am Countaa, ben 19. April, nadm. 2, 11hr, Ron morgene bis mitternachts", von Kaiser. Preis der Karte einschließlich Gebühr für Kleider ab age puniflich und Theaterzettel 1 02. Am 10. April( Starfreitag), bormittags wiederkehr des Geburtstages von Ferdinand Laffalle. 11 Ubr, im Großen Schausp elhaus, Starlitraje: Reier der 100jährigen Duvertüre gu Egmort", von Beethoven. Aus den Beiten Ferdinand Lajjalles, ge fbrochen von C. Ebert( Mit lied des Stantstheaters). Ansprache: Heinrich Stöbel, Md.) Der Sprefer für Proletar. Reierstunden( Leiter: Albert Es- dur( Eroica) op. 55, von Beethoven.( Musikalische Leitung: De Heinz Florats, Einzelfprecher: H. Witte, Mitgl. b. Staatstheaters). Sipfonie Nr. 3 Unger.) Das Berliner Sinfonie Dichefter. Eintritt 1 m. Starten für tämtliche Veranstaltungen sind zu haben im Pureau des Bildungsauss Schusses, Berlin E., Un enftr. 3, Bimmer 8. Buchhandlurg Borwärts", Bigarrengeschäft von Soisch, im Gewerkschaftsbans, Engelufer 24 25, in allen Vorta 18" Speditionen, bei den Abteilungsführern und den Obleuten ber Bildungsausschüsse. Enteleifung des Schnellzuges Bordeaug- Paris. Gestern nacht entgleift. Mehtere Wagen riffen sich tos und stürzten in einen Abum zwei Uhr ist der. Schnellzug Bordeaux- Paris unweit Poitiers entgleift.chiere gestellt worden. Unter den Toten befindet sich der Radikale Senator grund. Bis jetzt sind fünf Tote und 40 Berwundete festPedebidou, Weller für Berlin und Umgegend. Runehmend bewölkt, Temperatur wenig not woltig bis beiter, vereinzelt furge Reacnichaner, in Süddeutschland verändert, späterhin Regenfälle. Für Dulfch and: Rn Norddeutschland zunehmend bewölkt, späterhin Regenjälle. Im ganzen etwas milder. Theater Lichtfpiele nfw. Staats- Theater Opernhaus 8 U.: La Traviata Opernhaus am Königsplatz 72: Cavalier. rusticana Bajazzo Schauspielhaus 72 U.: Peer Gynt Schiller Theater 7 U.: Fuhrmann Henschel Volksbühne 7 Uhr Segel am Horizont Deutsch. Theater 71 Uhr: Die heilige Johanna Kammerspiele 712 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 8 Unr: Der Diener zweler Heirea Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr. Heimliche Brautfahrt Komödienhaus 7 Uhr: Premiere HAREM Berliner Theater 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau Residenz- Th. Tägl. 8 Uhr: Der Störenfried Lustsp. v. R.Benedix Adele Sandrock Mertina Kestner Max Zilger Haller- Revue 1925 Th.i.Admiralspalast Abschiedswoche! Al abendl. 81/ U.: Die größte Revue d. Welt: Noch and Noch" Sonntag nachm. 33% Uhr: Die ganze Vorstellung zu kleinen Preisen Nur 2 mal 1 und 2 April Karsavina tanzt Central Theater 7% Uhr: Die versunk. Glocke Deuts Opernhaus 7- EugenOnegin Metropol- Theater Heute geschlossen. Sbd 7 U. Premiere 1000 süße Beinchen Neues Theat. amZoo Tägl. 8 Uhr. Die weiße Weste Th. i. Kommand Str. Täglich 8 Uhr: USCHI von Jean Gilbert mit Uschi Elliot, Fritz Schulz, Kommt Alle zu uns! Ergötzt Euch an den 18 absolut fehlerlosen, bildschönen, gertenschlanken Gertrude- Hoffmann- Girls; bewundert die unerhörten Leistungen von Brekers Wunderbären, haltet den Atem an beim japanischen Soga- Trio! DIE SCALA VARIETE BÜHNE Die Phoebus- Film A.G. bringt den großen Metro- Goldwyn- Film Die weifie Schwelter MIT LILLIAN GISH MARMORHAUS Gertrude Berliner Lessing- Theater Sonatag 32 Uhr: Tägi. 8 Uhr Mein Leopold Das Märchen Deutsch. Künstlertbeat. v Arth. Schnitzler Spira, v. Moellendorf 8 Uhr: ,, Riquette" Operette von Oscar Straus Lustspielhaus 8 Uhr. Guido Thielscher D. wahre Jakob Kleines Th. Tägl. 8 Uhr: Die Großfürstin Operettenhaus und der Zimmerkellner Leopold. Konstantin am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der blonde Traum Wallner- Theat. 1/28 Uhr Georg Alexander Sonnt nachm. 4 U Hänsel u. Gretel Romeo u. Julia Trianon- Th. Theater d. Westens Tägich 8 Uhr: Tägl. 734 Uhr Berlins gr. Operett.- Erfolg Yoshiwara Arnold Korff Der Graf Erich Kaiser- Titz V. Cagliostro Blanche Dergan Rose- Theater Herrnfeld7 Uhr 8 Im Graupenmüller U. Theater 8 U. Circus Intimen Theater BUSCH Lachstürme! Tagl.7, Stgs. a. 30. Wer ist Neu! Gastsp. des Bülowstraße 6 der Vater? schwedischen Herrnf. Idiade i.3 A. Circusdirektors W. Adelson nruen Tha ia- Th. 8 Uhr: Freiheitsdress. Das Dreimaderlhaus Uraufführung heute Komische Oper 8 U. Dir: James Klein 8 U. Unsere Revue Das hat die Welt noch nicht gesehn! mit über 250 Mitwirkenden Die Sensation des Berliner Theaterlebens Sonntag 3%, Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs. 1 Kind frei zu halben Preisen ( 50 Pf. bis 6 Mk.) Vorverkauf ununterbrochen! Theater am Kottbusser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sänger. Fabelhaftes März Programm! Humor über Humor Volkstümliche Preise. WALHALLA a. Rosental. Tor Internationale Nur noch kurze Zeit Casino- Theater VARIETE Lustige ein neuer Schlager Hagenbecks Lothringer Str. 37 78gi. 8 Uhr Ceylon- Elefanten Neu Wieder Neu 18 Eisbären 18 Der Oberschieber Lady Hamilton Warhola Martin Loewe Zum Schluß: Dazu das beste Programm! Volkstüml. Preise! Was ist REVUE ETROPO M ETROPOL 8 Uhr Gastspiel Frida Weber- Flessburg und Kammersänger? sowie 9 weitere internation. Affra'f'onen Seiterwagen Verschied.Kunstkräfte alle ander. Trans neu für Berlin! An ang 8 Uhr Platzpr.v.40 Plan R& port- eräte liefert billiest. Großer Vorrat Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Kein Ladengeschäft. efonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in Bekanntmachung sia über den Aufruf und die Einziehung der Rentenbankscheine zu 50Rentenmarkmit dem Ausfertigungsdatum 1. November 1923 Mit Genehmigung der Reichsregierung rufen wir hierdurch gemäß§ 21 der Durchführungsbestimmungen vom 31. Januar 1925 zum Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen( R. G. Bl. II S. 29) die Rentenbankscheine zu 50 Rentenmark mit dem Ausfertigungsdatum 1. November 1923 zur Einziehung auf. Die aufgerufenen Scheine können bei den öffentlichen Kassen noch bis 31. Mai 1925 in Zahlung gegeben, bei den Kassen der Reichsbank aber bis 30. September 1925 gegen andere Rentenbankscheine oder gegen gesetzliche Zahlungsmittel umgetauscht werden. Mit Ablauf des 30. September 1925 werden die aufgerufenen Rentenbankscheine kraftlos und es erlischt damit auch die Umtausch- und Einlösungspflicht der Deutschen Rentenbank. Berlin, 20. März 1925. Deutsche Rentenbank Kißler Lipp Allgemeine Ortstranfenfasse Berlin- Wilmersdorf. Bekanntmachung. Nachbem bas Oberversicherungsamt Berlin zu dem Beschluß des Borstenbes Dom 28. Februar 1925 feine 8uftimmung erteilt hat, gelten vom 1. April 1925 ab folgende Grundlohnstufen: Stufe Tagesentgelt GrundBeitrag lohn bis einschl. m. 1,50 pro Tag M.1.20 11. uber . 150 0,06 m. " 250 2, III. IV. 2,50 0,12 " 3,50 " 3, 0,18 3,50 4,50 " 4.50 " W " 5,50 0,24" 5, 0,30 5,50 " " " 6,50 VII. 6,50 # " VIII. 7,50 - 7.50 " 0,36 " 0,42 " " 8,50 " IX. 19 8,50 " 8, 0.48 " 0,54 " File Lehrlinge ohne Entgelt betragen die Beiträge/ bes für Stufe I feft gefegten Beitrages. Die Beiträge werden von diesem Tage ab von auf 6 Bros. ermäßigt und werben den Arbeitgebern die Rechnungen regelmäßig wieder zugeftelt Alle Beiträge bis einfchl. 31. März 1925 müffen mit 7 Broz. vom Arbeitslohn errechnet und ohne Aufforderung bis spätestens 6. April 1925 eingesandt werden. Der 22. Nachtrag zur Kaffenfagung ist unter dem 13. März 1925 vom Oberversicherungsamt Berlin genehmigt und tritt am 1. April 1925 in Kraft. Drudegemplare des Nachtrages sowie der neuen Grundlohnstufen sind im Raffen lotal, Schalter 8, erhältlich. B Berlin Wilmersdorf, ben 18. März 1925 R. Engelhardt, Borsigender. Deutscher Metallarbeiter- Verband Fr. Wiemann, Schriftführer. Danksagung. 110/6 Für die überaus zahlreiche Beteili Achtung! Berwaltungsmitglieder! ung ber Barteigenoffen und feiner Am Freitag, ben 27. März, findet teine Sigung der mittleren Ortsverwaltung ſtatt Die Liquidationen werd n am Freitag in ber 8eit von 5 bis 7 Uhr abends an der Hauptkaffe ausgezahlt Achtung! Bezittstalirer Achtung! Die neuen Beitragsmarten tönnen von heute, Donnerstag, ab in Empfang ge nommen werden. Die Ortsverwaltung. Allgemeine Ortsfrankenkaffe für Berlin- Lichterfelde Donnerstag, den 2. April 1925, abbs. 71 Uhr, findet im Kaffenlofal BerlinLichterfelde, Roonfte. 13, 1 Te., eine ordentliche Ausschußfißung mit folgender Tagesordnung ftatt: Freunde sowie feiner Berufsgenossen, Die an der Bestattung meines lieben Gatten teilgenommen haben, fage ich hiermit meinen besten Dant. Insbe fonbere bante ich bem Herrn Bürger meister Berndt, den Bertretern Der Partei und der BezirksverordnetenFrattion, ben Bertretern des Zentralverbandes der Fleischer, des Sentral verbandes der Staats- und Gemeindearbeiter und den Vertretern bes Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes für ihre trostreichen und an ertennenben Worte. Witwe Mohs nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise inniger Teilnahme bei der Einäscherung meiner lieben Frau 1. Berleien des legten Profofolls. 2. Be Martha Walter richt des Borstandes über das Geschäfts- sagen wir allen Verwandten, Freunden jahr 1924 3. Bericht des Brilfungsaus- und Bekannten unseren tiefgefühlten Dant. chuffes. 4. Abnahme der Jahresrechnung 5. Nachtragsetat 6. Berschiedenes. Berlin- Lichterfelbe, den 24 März 1925. Der Vorstand. Friz Haneberg, Borsigender. Offene Füfse 110.5 KrampfaderAdolf Walter nebst Sohn Grünthaler Straße 8. Engros- Firma geschwüre perfauft Woll-, Sommer- und Seidenschmerzha te ftoffe, fowle fertige Kleider weit unter der Gesamt. Wunden, Entzündungen etc., unerträg- Roften und Herstellungspreis. auflage des liches Jucken heilt It. tausend Danksag Außerordentlich Vorwärts" die milde u. wohltuende Orlinda- Salbe und trotzdem Dose M. 175 u. 3- In Drog. u. Apoth. billiger Gelegenheitskauf! sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, Binbenstr. 68, Ede Jerusalemer Kirche 1, !! billig!! SO. Eisenbahn traße 4 parterre. Geöffnet von 10 bis 5 br. Reichshalien- Theater Allabendi 8 U. u. Sonntags nachm.3 Uhr Stettiner Sänger Neu! Sport- Müller Neu! Nachm. halbe Preise, volles Pro r Dönhoff- Brett'l: Das Lenz- Programm! Ant. 7% U. Sonnt 5%, U. Apollo- Theater 8U Dir: James Klein 8U Die Nächte V. Paris Gr. 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Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlis 68. 68, 2inbenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Tren. rechts, an richten. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt! Berenlotterie. Lose in Rommission nur für Rreisleiterinnen find gegen Ausweis( Mitgliebsbud und Funktionärtarte) zu haben im Sekretariat ab Freiten, ben 27. Märs, täglich zwischen 4-7 Uhr nachmittags, auger Donners. tags, Bimmer 13. Einzelverfauf findet im Sekretariat nicht statt. 4. Arels Brenzlauer Berg und 5. Areis Friedrichshain. Seute. Donners tag, 8 Uhr, hei Gott, Aniprode, Ede Bardelebenstraße, Sigung beidez Bildungsausschiffe. Tagesordnung: Maifeier. 14. Rzeis Meulöin. Material abholen im Parteibureau Redarstraße. 20. Kreis Reinidendorf- Dft, Rofenthal, Bittenau, Waidmannslust, Sermsdorf. Freitag 7% Uhr im Lokal Schüßenhaus", Reinidendorf- Oft, Residenz fraße 1/2, öffentliche Wählerversammlung. Referent: Gen. Dr. Benl. Borfigwalbe, Tegel, Reinidendorf- West. Freitag, 7% Uhr, in den Borfig malber Feftfälen, Borsigwalde, Spandauer Straße, öffentliche Wahlverfammlung. Referent: Gen. Göring. Heute, Donnerstag, den 26. März: 4. 6. 7 hr außerordentliche Mitgliederversammlung in der 5. Oberrealfchule, Rleine Frankfurter Straße. 8. Abt. Treffpunkt der Genoffen heute abend 6 Uhr bei Ridert, Steinmet Straße 36s, aur Handzettelverbreitung für die öffentliche Bersammlung am Freitag im Nationalbot", Bülowftr. 37. 14. b. 8 Uhr Extrazahlabend in folgenden Lokalen: Gillwald, Buttbujer Str. 24, Start, Buttbufer Str. 14. Der Bezirk Bogen tagt ebenfalls bei Gillmald. 21. 6. 7% Uhr Extrazahlabenb in den bekannten Lokalen. 24./25. Abt. 7 Uhr Schulaula Oberrealschule Basteurftr. 45/46, Bifentliche Berfammlung. Referent: Gen. Paul Sirich. Wählerin" von Gold. 31. Abt. Genoffinnen! Seute 5 Uhr Berteilung der bach, Stolpiide Str. 36, aus. 32. Abt. Um 716 Uhr erscheinen die Gruppenleiter, Bezirksführer fowie Stellvertreter zur Entgegennehme weiteren Wahlmaterials hei romphard, Grüner Weg 49. Die Bezirksführer müffen, de Jahresschluß. bestimmt abrechnen. Die Genoffen erscheinen aur Wählerversammlung in ben Andreasfeftfälen un 6 Uhr. 87. Abt. 7 Uhr Extrazahlabende in folgenden Lokalen: 1 Bezirk bei Zeife, Ebezinfit. 7, 2./3. Bezirk bei Jezafa. Ebertnstr. 10, 5./6. Bezirk ebi Köhler, Me: ternftr. 14. Tagesordnung: Einteilung der Bahlarbeit. 86. Wht. Mariendorf. Um 8 Uhr holen die Bezirksführer das Material führ Am Sonnebend, 8 Uhr, die Flugblattverbreitung von Niendorf ab. Mitgliederversammlung bei Niendorf, Chauffecftr. 19. Zusammenstellung der in den einzelnen Bahlbezirfen tätigen Selfer und Straßenaufsichten. 37. ht. Reutöln. Rur Empfangnahme von Wahlmaterial treffen fich dic Funktionäre 6 Uhr bei Roht, Siegfriedstr. 28/29. 118. Wht. Sichtenberg. Alle Genossinnen beteiligen sich! 84. Abt. Santwik. Deffentliche Rundgebung bei Lehmann, Raiser- WilhelmStraße. Gäfte und Bekannte find mitzubringen. Am Sonnabend, den 28. März, treffen sich die Genoffen um 5 bei Lehmann, Raifer- WilhelmStraße, zum Umzug durch den Ort. 13. Abt. Rentöln. 7 Uhr bei Förster, Sergbergstr. 12, holen die Bezirks führer das legte Bahlmaterial ab. 113. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr bei Meie, Rittergut, Ede Möllendorfstraße, Abteilungsverfammlung. Einteilung der Wahlarbeit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 78. Abt. Schöneberg. Genoffe Ringe. Feuriaftr. 4, ift verstorben. Ein afcherung Freitag mittaas 12 Uhr im Krematorium Wilmersdorf. 97. Abt. Mentolln. Am 23. d. M. perstarb Genoffe Baul Saberman, Bartheftr. 54. Beerdigung Freitag nachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Salobifirchhof, Neukölln, Hermannstr. 99. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Neukölln- Brik, II. M.- 6. Mit Rücksicht auf unser Schauturnen am 5. April ift es Bflicht jedes Turngenoffen, einfchließlich der Jugendlichen, an den legten Turnabenden pünktlich zu erscheinen. Turnhalle Serkbergplas, von 8-10 Uhr( ehemals IV. Abt.). Sport. Haymann- Jad Stanley im Spottralat. Durch den Erfolg des letzten Borlampftages ermutigt, bringt der Sportpalast am Freitag, den 3. Abril, toleber ein Brogramm im gleichen Rahmen zu mäkigen Preisen. Den Hauptfambitag bestreitet diesmal ber Münchener Student Ludwig Hay. mann gegen den Engländer Zad Stanlen, der drüben zur erften Garnitur gehört und u. a. mit dem Australier Cool unentschieden tämpfte. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 26. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Die bestellten Fahnen müssen sofort beim Geffen schichte( in englischer Sprache). 8 Uhr abends: VortragsGronefeld, Schottstr. 1, obgeholt werden. Janplozialisten, Gruppe Friedric shain. 7 Uhr im Jugendheim Tilsiter GeStraße 4, Vortrag: Goziologie ber Barteien." Gruppe Neukölln. meinfame Beteiligung an der Böhlerlundgebung in Schultheis, Sasenheibe 22 Grappe Breaslauer Berg, In den Baraden, Danziger Str., Diskussionsabend. Morgen, Freitag, den 27. März: 25. 7 Uhr het Gott, Aniprodeftr. 6, Eintragung der Genossen aur Bahlarbeit. Chende um 7 Uhr Treffpunkt fämtlicher Funktionäre au iner furzen Besprechung. 28. t. 7 Uhr Extrazahlabend der Besizfe in den bekannten Lokalen zur Einteilung der Wahlarbeiten. 41. Wbt. 6 Uhr Treffpunkt der Genoffen aller Gruppen bei Schuster, Chamissoplas 4. Ede Bidibald- Meris- Straße. 43. ht. Ertrazahlabend in ben bekannten Zotalen. Die Bezirksführer 51. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Gruppenzahlabend in den bekannten 20Falen. Einteilung der Bahiarbeiten. treffen fich im 6 Uhr bet Bolf, Gräfeftraße. 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 6.40 Uhr abends: Technik. Dr. Ing. Georg Sinner: .Elektrisierung der Eisenbahn? 7 Uhr abends: Handel. Geh. u. Oberregierungsrat Nedberg, Mitglied des Reichspatentamts: Gewerblicher Rechtsschutz und Verwertung gewerblicher Schutzrechte". 8. Vortrag., Das Patentrecht der Angestellten". 7.30 Uhr abonds: Literatur und Kunst. Mr. Hamilton: Englische Literaturreihe: Berlin von Anno dazumal". 5. Vortrag. Schriftsteller Georg Bamberger; Sonderlinge aus dem alten Berlin, II. Teil". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Keine Stand' in der Nacht. G. Enders, b) Gestern hab' ich noch ein Schätzel g'habt, G. Enders, c) Rosarotes Mündchen, rosarote Schuh', G. Enders, d) Mein Mädel, mein Mädel vom Neckarstrand, G. Enders( Texte von Hans Felsing)( Rudolf Zank, Tenor). 2. a) Sahara, Foxtrott. Horatio Nichollo, b). Maytime, Foxtrott, Vincent Rose, c) California, Onestep. M. Jolson- Bud de Sylva und Meyer( Kapelle' Gaden). 3. a) Wienerisch: Warum soll denn die Mizzerl nicht tanzen gehn( Beda) E. Schaale. b) Kölnisch: Dat alte Katerinche. Volkslied, e) Bayerisch: Neuli denk i, Volkslied, d) Berlinisch: Mir ham se die Braut jeklaut, W. Mendelssohn( Robert Koppel, Vortragskünstler). 4. a) Mädel, liebes, komm zum Stelldichein, G. Enders, b) Mädel, ich bin dir so gut, G. Enders, c) Ich hab' dich lieb, G. Enders, d) Grüß dich Gott. mein rheinisches Kind, G. Enders ( Texte von Hans Felsing)( Rudolf Zank). 5. a) Please. Foxtrott, Joe Cooper, b) Jubilee. Blues, Maurice Abrahams, c) Dancing into Dreamland, Foxtrott, H. M. Tement( Kapelle Gaden). Trotz unserer Armut ist Deutschland reich 6a) Deutsch- kroatisch: Generalmajor Johann Kiefer, Roda Roda, du fochfalghaltigen Quellen, befonders im Taunus. Aus zwei dez besten werden hurch Abbampfung die berühmten Fans echten Godener Minera Bastillen herge stellt, die als Sausmittel bet Suften, Seiferkeit ufw Beltruf genießen, Trintfur mit Gotener Baffer ebenfalls sehr wirksam. p YTA YTASSA C& A b) Berlinisch: Das Examen, E. Graeser( Rob. Koppel, Rezitation). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Jugendveranstaltungen. Sente, Donnerstag, pünktlich 8 Uhr, Bezirksvorstandsfigung im Jugend fekretariat. Heute, Donnerstag, den 26. März, abends 7% Uhr: Senefelber- Biertel. Badeanstalt Oberberger Str. 57, Vortrag: Jugend und Lebensreform." Schönhauser Borstabt. Schule Jbsenstr. 17, Bortrag: ,, Das Bolkslied." Südwesten. Jugendheim Lindenstr. 3, Borttag: ,, Die ez wachende Natur." Friedenau. Sugendheim Offenbacher Str. 5a, Schulentlaffenen- Feier. Zehlendorf. Südschule, Wilhelmstraße, Bortrag: ,, Das Bandern." Vorträge, Vereine und Versammlungen. Berein der Freibenker für Feuerbestattung E. B., Gau Groß- Berlin und Bororte. Die Mitglieder des Bereins werden ersucht, zur Ausstellung von neuen Mitgliedsbüchern ihre alten Rarien versehen mit Straße und Saus nummer unversliglich in den Zahlstellen gegen Quittung abzugeben. Desgleichen werden die Mitglieder, die ihre Rarten bis 8. März abgegeben haben, ersucht, fofort ihre neuen Bücher gegen Quittung in den Zahlstellen abzuholen. Geschäftliche Mitteilungen. Sinen Sonderverkauf großzügigfter Art veranstaltet die Boer Sohn Attien gesellschaft in der alleinigen Berlaufsftelle Chauffeestraße 29/30. Es gelangen Serrenanzüge in moderniter Berarbeitung und in hervorragender Beschaffenheit der Oberstoffe und Zutaten zum Verkauf. Die Anzüge find in modernstent Schnitt, der Taillenschluß ist lofe gehalten, die Muster verbanken ben neuesten Schöpfungen technischer Webekunst ihre Herstellung. Wegen der Breisbemeffung mird auf das Inferat verwiesen. Ein Kuchen nach Dr. Oetker's Rezepten gebacken, wird Sie in jeder Hinsicht zufriedenstellen. Bitte versuchen Sie: Schokoladenfuchen Wie billig sich der Kuchen stellt, kann jede Hausfrau selbst sehr leicht berechnen. 1/ Pfd. Butter 350 g Zucker 4 Eier Zutaten: 1 Pfd. Weizenmehl 1 Päckchen Dr. Oetker's Vanillin- Zucker 1 Päckchen Dr. Oetker's ,, Backin" 3 EBlöffel voll Kakao 1 kleine Tasse Milch oder Rahm Zubereitung: Die Hutter rühre zu Sahne, gib 250 g Zucker, Eigelb, Vanillin- Zucker, Mehl, dieses mit dem Backin gemischt. Milch daran und zuletzt den Schnee der 4 Eiweiß- Teile die Masse, menge unter die eine Häl.te den Kakao und den Rest des Zuckers, fülle den Teig abwechselnd in die gefettete Form und backe den Kuchen 1 bis 1 Stu den In den Berliner Hausfrauen- Vereinen kommt nur Dr. Oetker's Backpulver„ Backin zur Verwendung. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften, wenn vergriffen umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld. 2err- Lich! zu erscheinen, ist von jeher der Wunsch der Damenwelt gewesen. Die neueste Mode kommt diesem Verlangen weitestgehend entgegen. Vollkommen herrenmäßig ist Schnitt und Ausstattung der neuen Kleidung, herrenmäßig das Revers, herrenmäßig die Taschen, herrenmäßig der Schlitz im Rücken von Jackett und Mantel. Herrenmäßig sind auch die Stoffe im Fabrikat sowohl wie im Muster, Zwei typische Vorbilder der neuen Herrenmode zeigen wir Ihnen hier: * Vorteilhaft Jugendlich In der Figur zu sein- das Merkmal jeder eleganten Frau erreichen Sie mit diesem schlankmachenden, herrenmäßigen praktischen Kostüm. Gabardine m. Nadelstreifen, Jacke ganz auf Seide. 00 39° flott, dabei herrenmäßig verarbeitet mit tiefem Revers. Nur so dürfen Sie Ihren neuen Mantel tragen, wenn Sie Wert legen auf fesches Aussehen Guter Donegal nur 12 50 Königstr. 33 Chaussees'r. 11s Am Bahnhof Alexanderpl. Beim Stettiner Bahnhof nur. Schriftliche Be liche Bestellungen lungen können nicht berücksichtigt werden! llr.144�42.7ahesaag 2. Seslage öes Vorwärts Donnerstag, 26. März 1425 Der Magdeburger Prozeß. Genosse Stampfer über die Haltung des„Vorwärts". 5m Serlauf der Aussage des deutschnationalen Pfarrers Koch f.nd die Zeugen S y r i g und O r tz e l wieder erschienen und außer. dem zwei Zeugen, die seinerzeit mit ihnen zusammen in den Flugzeugwerken in Johannisthal gearbeitet hoben. Unter dem Tischlermeister Brückner haben Syrig und Ortzel zur Zeit des Streiks gearbeitet. Von den SO bis 60 Mann seiner Abteilung ist der größte Teil bei Streikbeginu aus dem Beiriebe gegangen. Nur drei bis vier Mann sind drin geblieben. Der Zeuge kann jedoch nicht mehr behaupten, ob Ortzel darunter war. Ortzel nennt dar- auf dem Meister Brückner die Arbeiter, die nicht gestreikt haben, darunter ein Lorarbeiter Klcinert. Brückner bestätigt diese Angaben. Außerdem stellt erOrtzel ein gutes Zeugnis aus, wahrend er. nach Syrig besragt. damn zögert. Der Tischler Neske aus Verlin-Grünau war ebenfalls Vorarbeiter in demselben Betrieb. Auch er hat nicht gestreikt. Auf die bestimmte Frage des Vorsitzen- den erklärt dieser Zeuge klar:.Or tz e l hat sich nicht an dem Streit beteiligt. Das weiß ich genau aus folgender Episode: Als er die Werkstatt ausfegte, sagte Herr Brückner: Ortzel ist der Schlaueste, der bleibt wenigsten» hier. Das hörte Ortzel, und«r jagte zu uns: Ich werde doch nicht so dumm sein und mich ein- ziehen lasten.'— Aus Vorhalt des Vorsitzenden weiß Zeuge aller- dings nicht, ob das am ersten Streiktage oder tnn Tag der Treptower Versammlung war. Schließlich erklärt der Zeug«, daß Syrig damals ziemlich radikal war. Darauf wendet sich der Dorsttzende an Syrig, der noch immer nicht vereidigt ist: Wollen Sie dabei bleiben, daß Ortzel mit auf die Spielwiese in Treptow gegangen ist?— Syrig: Jawohl.— Vors.: Sie haben bei Psarrer Koch erklärt, daß Ebert mehrfach zum Streik aufgefordert habe.— Syrig: Jawohl, er hat vom Streik gesprochen, und daß die anderen Städte hinter uns ständen. Das ist mir jetzt ins(Zedächt- r.is gekommen.— Bots„- Es ist eigenartig in Ihrer Erklärung, daß D i t t m a n n nicht aufgefordert hat. den Gestellungsbefehlen nichr Folge zu leisten, aber Herr Ebert.— Syrig: Vittmann hat, ehe er Schluß macht«, mit dem Ruf: Hoch lebe der demokratisch« Friede! 5)och lebe die Sozialdemokratie! kurz von den Gestellungsbefehlen gesprochen, und da habe ich es so verstanden, daß ihnen trolge ge» leistet werden soll.— Der Generalftaatsanwolt hält Syrig vor, daß er die Ebert in den Mund gelegte Aeußerung:.Aus- halten! Streik, Streik, Streik! Nur so kann der Krieg beendet werden!' bei seiner Aussaae vor Gericht nicht erwähnt hat. An- dererseits bestätigt Pfarrer Koch, er habe Syrig so verstanden, daß Ebert dreimal hintereinander das Wort.Streik' ausgerufen habe. Syrig habe ihm das auf Vorhast versichert. Auf einen welkeren Vorhakt behanptek Syrig. daß die Versammlung in Treptow gesprengt worden sei und Schüsse gefallen seien. Der Vorsitzende stellt iest. daß davon bisher nirgends die Rede war. Es kommt dann noch einmal die Art zur Sprache, wie Syrig seinen einstigen Kollegen Ortzel als Zeugen zu gewinnen suchie. Syrig erklärt, daß Ortzel all« seine Fragen mit Ja beantwortet Hobe. Er Hobe zum Schluß erklärt: Jawohl, das taim ich beeiden! und habe dabei die Hand hoch gehoben. Der Zeuge Hase bc- stätigt. daß sich die Szene so abgespielt habe. Ortzel bestreitet diese Darstellung. Er habe jedesmal Ja gesagt, ober erklärt, nach sechs Jahren könne er nichts mehr sagen, als ihm Syrig mitteilt«. das müste er vor Gericht beschwören. Nach einigem Bedenken darüber, daß der Zeuae Güterbodenvorsteher Hose sein Borgesetzter ist, teill Ortzel schließlich noch mst, daß Hose i h m damals ge- sagt habe: Ortzel, wenn Sie etwa» gegen Ebert wlsten. sagen Sie ans! Eine ebenfalls interessante Bemerkung entschlüpft nock> dem Zeugen Syrig. Ortzel, so behauptet er, habe ihm damals er- tlärt, daß erst Ebert gesprochen habe und dann vittmann. Auch habe Ortzel zugegeben, daß Ebert in Treptow dazu auf. gefordert habe. G e st e l l u n o s b e fe h l e n nicht Folge zu leisten. Was Ortzel über Dittmonn gesagt� habe, Hab« ihn nicht interessiert, nur Ebert habe ihn, Syrig, interessiert. Schließlich schil- den Ortzel noch einmal die Szene am Zeugcntisch. wo Syrig ihm auf den Fuß getreten haben soll, nachdem er ihm im Kor- ridor erzählt hatte, Röthardt Hobe ihm gesagt, er soll« sein« Aus- sage aufrecht erhalten. Der Angeklagte, der sich nach Tagen auch wieder einmal zum WoN meldet, bestreitet dies« Behauptung. Daraus wird die Vernehmung Syrigs und Ortzels obgeschlosten und Syrig nachträglich vereidigt. Am Schluß d-r Vonnittagsfitzung stellt die Pertridigunq neue Beweisanträge. Sie benennt zwei Berliner Krimi- nalassistenten als Zeugen dafür, daß Ebert am Tage vor der Treptower Versammlung da» Redeverbot in der Redaktion des .Vorwärts' ausgehändigt wurde. Weiter sollen sie bezeugen, daß Ebert in Treptow gesagt habe. Gestellungsbefehle kämen nicht in Betracht, und schließlich sollen sie auch Auskunft darüber geben, daß in jenen Tagen in einer Sitzung der unabhängigen Reichstags- fraktion bereits die höchsten Staalsämter verteilt worden waren für den Fall, daß der Streik zur Staatsumwälzung führe. Als Kriegsminister sei Hauptmann von Beerfelde in Aussicht genommen gewesen. Um 1 Uhr nachmittags wird die Verhandlung auf 3 Uhr vertagt. Die Rachmittagssitzung brachte die Vernehmung des Ehefredakteurs des„JJoroätfe", Stampfer. Der Zeuge wurde km Oktober 1916 von dem damaligen Partei» Vorsitzenden Ebert in die Leitung der Redaktion berufen. Der Zweck der Berufung war. so bekundet er, ein Einvernehmen herzustellen zwischen Redaktion und Patteioorstand, das bis dahin nicht bestand. In legier Zeit war Hermann Müller eingesetzt, um zwischen der Redaktion und den militärischen Zensurbehörden zu vermitteln. Er schied nach dem Redaktionswechsel bald wieder aus. Di« Redaktion stand dann auf dem gleichen grundsätzlichen Boden wie die Leitung der Partei: sie vertrat also im Sinne der Partei- lcitung die Sache der Landesverteidigung. Abgesehen davon war die Redaktion in ihren Aeußerungen vollkommen frei und keiner Zensur unterwarfen. Technisch ist es ganz unmöglich. daß eine Korporation von 16 bis 20 Herren in Angelegenheiten einer Redaktion hineinredet; das würde sich keine Redaktion der West gefallen lasten. Eine Redaktion muß im letzten Augenblick ihre Beschlüsse fassen. Die Redaktion war vomParteivor stand unabhängig, aber die neu« Redoktton stand grundsätzlich aus demselben Boden wie der Parteivorstand. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob er unterrichtet war vom Parteivorstand über die Stellungnahme zum Streik, erklärt der Zeuge: Ich kann nur unter Eid bekunden, daß kein« förmliche Besprechung zwischen mir und dem Parteivorstand stattgefunden hat. Wir alle standen diesem'Streit ablehnend gegen- über, wir hielten ihn für eine Torheit und für ein Unglück. Den Artikel in der„F a ck e l", der sich vorher gegen den Streik wandt«, hatte ich geschrieben. Dann stellte sich heraus, daß unser« Macht nicht so stark war, daß wir den nötigen Einfluß bei der Berliner Arbeiterschaft ausüben konnten. Ich wußte, daß der Parteivorstand zu den Beratungen über den Streik zugezogen war und konnte nur annehmen, daß er das in der Absicht tat. den Streik zu ver- hindern, wenn dies aber nicht ging, den Streik so rasch wie möglich zu einem guten Ende zu führen. Sehr spät abends erhielt ich die Nachricht, daß die Parteileitung in die Streikleitung eingetreten sei. Ich hatte keine nähere Verbindung und kein« Mögstchkeit der Aussprache mit Mitgliedern des Parteivorstandes. Ich wußte auch nicht, daß unsere Parteivertreter erklärt hatten bei den Verhandlungen, daß sie nicht alle Forderungen biLigen und vertreten. Sonst wäre meine Lage bei der Absastung des Artikels bedeutend erleichtert gewesen. Dieser Artikel ist von mir allein und aus eigen» verankworkuag ohne Mitralen eines anderen oersaht worden aus die Nachricht hin. daß die parteileilung in die Slrcik- leilung eingetreten war. Aus Vorhall des Vorsitzenden erklärt der Zeuge: Nachdem ich aehört hatte, daß die Parteileitung in die Streikleitung eingetreten fei, war das Zentralorgan verpflichtet, zu dieser Totsache Stellung zu nehmen. Es handelte sich darum, die Absicht derPar- teileitung zu unterstützen, die keinen anderen Zweck haben konnte, als den Streik möglichst rasch zum Abschluß zu bringen, aber so, daß er auch bei den Arbeitern keine Stachel und keine Erbitterung zurückließ. Aus«ine wettere Frage läßt sich der Zeuge über die Stellung zur Landesverteidigung wie folgt aus: Wir Bertreter der Mehrheitsfozialvemokratijchen Partei hatten von Anfang des Krieges an unsere Stellung für die Landesverteidigung eingenommen. Unsere Ausfastung der Landes- rerteidigung war iedoch eine andere ms die mancher maßgebenden Stellen. Mir waren für die demokrakliche Landesverteidigung, die anderen für die autoritäre. Unser Ziel war. die Massen mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß es für Deutschland um alles ging. daß es Deutschland zu retten galt. Wir wollren ihnen dos Ver- ständnis erleichtern, mdem wir ihnen politische Rechte gaben und die Ernährung sicherten. Dabei stießen wir auf ungeheuer harte Widerstände, auf Schwierigketien der Bolkoernährung und auf die Weigerung, politische Rechtsgleichheit herzustellen, bei den militärischen Stellen auf die Auffassung, daß der Krieg nicht als bloßer Verteidigungskrieg geführt werde, nicht als Krieg der Selbsteryastung und für einen Scheidemann-Frieden, son- dern als Eroberungskrieg. Nach n, einer persönlichen Auf- sastung war für die Sache der Landesverteidigung, für die ich aus eigenem Willen als Soldat eingestanden bin, öle politische hallung de» Generals Ludendorfs die allergrößte Gefahr. Darüber Ist zwischen mir und meinen politischen Freunden und den Herren der anderen Seite ein sehr scharfer Kamps entstanden. Wir hielten manches für die Landesverteidigung für höchst verderblich, was die anderen unbedingt durchsetzen wollten. Es war die Zeit der Ernährungsschwiertakeiten. Die preußische Wahlrechtsreform stockte. In Drest-Litowsk sollte um einen Frieden vcrhondell werden. Unser Ziel war, dort«inen Verzicht- frieden zu erhallen, damit der Osten evakuiert werden konnte, um auch im Westen einen Erhaltungssrieden herbeizuführen. Damals kam es in Dien zu einem Massenstreik, der rasch beigelegt wurde, weil dl» Regierung erklärte, daß sie einverstanden jcl mit den Friedenssarderungen der Arbeiterschasl. Darüber durste I« deutschen Zeitungen nichts geschrieben werden. Vir konnten also tu der Presse auch nicht gegen«inen Streik wirken. Aus«inen weiteren Hinweis des Borsitzenden erklärt der Zeug«, daß alles darauf ankam, daß die Regierung eine Erklärung abgab, wodurch es möglich wurde, der Arbeiterschaft die Rückkehr zur Arbeit zu erleichtern. Der Zeuge teilt dann mit. daß der„B o r w ä r t s' am 29. Januar wegen des Etreikartikels beschlagnahmt und ein Landesverrotsverfahren gegen K u t t n« r eingeleitet wurde. Ich war so empört darüber, daß ich mich sofort an das Kriegsgericht wandte mit der Mitteilung, daß ich den Arttkel ge- schrieben hätte, und daß ich mich rechtfertigen wollte, ob ich ein Landesverräter bin. Das Verfahren wurde jedoch nieder- geschlagen. Ein Herr der Obersten heeresteiwnq teilte mir mst, daß diese dem verfahren gänzlich fernstünde. Aus eine Frage des Staatsanwalts führte der Zeug« Stampfer weiter aus:„Als dieser Prozeß angestrengt war, habe ich oft mit Ebert über dies« Dinge gesprochen, zuletzt kurz vor seiner töd- lichen Ertrankung. Damals erzählte mir der Reichspräsident, daß die Aerzte sehr besorgt seien um sein Leben, und daß er in ein Sanol ort« m solle. Ich redete ihm eindringlich zu, das zu tun; er aber sagte, er müste warten, bis der Magdeburger Prozeß vorbei fei. Ich versuchte ihm das auszureden und sagte ihm, daß seine historische Stellung und seine Stellung als Staatsmann dadurch wenig berührt werde. Er aber sagte: Sie unterschätzen das. Ich kann nicht in ein Sanatorium mhen, solange der Prozeß nichl er- ledigt Ist. In einer früheren Unterredung jagte mir der Reichspräst- dent. daß er meinen Artikel im„Vorwärts' über den Streik nicht ganz billigen könne, er fei zo weit gegangen. Ich antwortete ihm: Wenn ich gewußt hätte, daß Sie einen Teil der Streikforderun- gen abgelehnt hatten, wäre auch meine Situation leichter gewesen.' Scbriftsteller Dav'.dsohn erklärte als Zeuge, daß er als Mitglied der SPD.-Fraktion aus dem oppositionellen Flügel stand und per- sönlich froh gewesen wäre, wenn der Januarstreik schon das Kriegsende herbeigeführt hätte. Leute, die in der Fraktion so dachten wie er, seien allerdings in verschwindender Minderheit gewesen. Er habe vielfach anders gedacht als das Gros der Fraktton. Auf eine Frage gibt dieser Zeug« zu. daß die Behörden damals darauf be- standen haben, daß. wenn der..vorwärts' weiter arbeiten wolle, er sich ein« Vorzensur gefallen lasten müsse, da die Redoktton unter Däumig sehr ungeschickt arbeitete. Diese Zensur habe jedoch unge- fähr ein Dierteljahr gedauert. Er gibt zu, daß Ebert sicher keine Sympathie für de» Streik hatte. Auf eine Frage der Verteidigung sagt der Zeuge, man nmHe allerdings annehmen, daß. wenn der Streik Erfolg gehabt hätte. sich Ebert und Scheidemann auch an die Spitze gestellt hätten wie später im Jahre 1918. St« hätten dann im Austrage der Partei so gebandelt oder so handeln müssen. Etwas Bestimmtes kann der Zeuge allerdings nicht angeben für diese seine persönliche Meinung.— R.-Ä. Martin: Ist nicht zum Ausdruck gekommen, daß trotz der Kreditbewilligung die Ziele der Partei weiter verfolgt wurden?— Mit Recht erklärt Vavidfoha: Das versteht sich von selbst.— Aus eine Frag« des Vorsitzenden erklärt der Zeug«, daß >- zur Unabhängigen Partei gehör«. Dos oeranlaßt den Vorsitzenden zu der Frage: Gibt es die denn überhaupt noch? Am Schluß der Sitzung wird noch einmal der Zeuge Gobrri aus der Haft vorgeführt und befragt, ob er feiner Aussage noch etwas hinzuzufügen habe.— Goberl: Ich habe noch sehr viel zu sagen. Ich habe im Januar 1918 noch zwei weitere Stteikversamm- lungen besucht. In der einen Bersammlung hatte Ledebour ge- sprachen. Schon damals habe ich über dies« Bersammlung sowie über die Versammlung in Treptow wichtige» Material enge- Lertigt, das ich an zwei Stellen, die ich nur nenne, wenv ie Oefsentlichkeit ausgeschlossen wird, niedergelegt habe.— Vors.: Di« Oessenttichkeit kann nur ausgeschlossen werden, wenn die Sitt- lichkeit oder die Staatssicherheit gefährdet ist.— Goberl: Ich fürchte um mein Leben und möchte auch nicht, daß man mir in den Zei- tungen nachsagt, ich sei damals Spitzel gewesen.— Der Zeuge übergibt daraufhin dem Borsttzenden schriftlich �die beiden Namen, für die er im Januar 1918 Berich«: von den Streikversammlungen oe. liefert hat und bemerkt dabei, daß der eine zu jener Zeit Stadt- kommandant gewesen sei. Danach versucht der Zeug« dem Gericht einen Vortrag über die„heuchlerische Vaterlandsliebe der Sozialdemokratie' zu halten, dabei seinen„persönlichen Schneid", den er in jenen krittschen Togen des öftern bewiesen haben will, besonders hervorhebend, wird aber von dem Vorsitzenden unterbrochen und darauf hingewiesen, daß der Gerichtssaat nickst dazu da sei,„seine persönlichen Verdienste zu feiern.'— Nach der nachträglichen Ber- eidigung des Zeugen Gobert wird die Sitzung gegen 6 Uhr abends auf Donnerstagmvrgen vertagt. » Genosse Gustav Schorfs, Angestellter de« Zentraiverbande» der Maschinisten und Heizer, bittet uns mitzuteilen, daß er mtt dem im Magdeburger Prozeß aufgetretenen Zeugen, Dreher Gustav Scharf, jetzt Angestellter einer Genossenschaft, nicht identisch lst. Vogts Aussagen in Leipzig. Skoblewski— General Gorew? B. S. Leipzig, 25. März. Zu Beginn der heuttgen Berhandluna erklärte Zeuge Vogt, an der Identität des Skoblewsti mit„Hellmuth" könne nach einem bereits In der Verhandlung erwähnten Schriststuck nicht der geringste Zweifel bestehen. Das ginge auch aus späteren Ermiitlungen hervor. Er habe die Ueberzeugung, daß S z o n den Skoblewsti genau gekannt habe. P o e g e hat dem UntersuchimgS' nchter ausgesagt, daß die Terrorgruppe Im Auftrage der R e i ch s z e n t r a l e der KPD. gegründet worden sei. Gerade dieser Angeklagte hat daraus hingewiesen, daß die„T.-Gruppe" für da» ganze Reick, zuständig gewesen sei. Er wußte aber nicht, von wem, denn dafür sei �Hellmuth' zuständig gewesen. In de« verschiedenen Teilen Deutschlands waren Revolution»- k o m i t« e s gebildet, von denen Neumann gesprochen hat. Sowohl von Neumann, Poege, Mens und Szon ist darauf hingewiesen war- den, daß sie in der gleichen Welse wie Parteifunktionär« Gehälter bezogen haben. Das Geld soll von dem Kassierer Charpentler gegeben worden sein. Daß dieser Mann Kassierer war, geht aus einem Im Reichstag gefundenen Schreiben hervor, i» dem er als Kassierer der M.-Abteilung bezeichnet wird. Aus dem Bericht, der im Reichstag gefunden wurde, geht weiter hervor, daß diese Kasse einmal von drei Abgeordneten der KPD revidiert worden Ist. Der Kassierer für Brandenburg, Herr Golk«(der Mann der Ruth Fischer) ist In einem ander» Schreiben als Mitglied der Abteilung 12 ausgeführt, die früher nach der Meinung der Zeugen die M.-Abteilung war. Darin ist hervorgehoben worden, daß die Mitglieder der T.-Gruppe Waffen besaßen und ausgerüstet wurden von dem Wasfenauskäufer der Partei. Die Verteidigung beanstandet dl« Art der Aussagen Bogt», die einem Gutachten gleich kämen. Die Beanstandungen wer- den zurückgewiesen. Landgerichtsdirektor Vogt fuhr nun fort, die Frage des Vor- sitzenden, welche Anhaltsgründe er dafür habe, daß die T s ch e k« mit der KPD. in Verbindung gestanden habe, zu beaut- Worten. Daraus stellten Reichsanwalt Neumann und die Verteidiger eine ganze Reihe von Fragen an den Zeugen, die nichts Wejentliches ergaben.., R.-A. Dr. Samter stellt schließlich den Bewewantrag. daß Neumann In der Zeit vor seiner Verhaftung als schwerer Alkoholiker in seinem ganzen Bezirk bekannt war und»um Zeugen Pohl gesagt hat:„Ich werde die Partei ver- Nichten." Zu diesem Antrag werden noch mehrere Zeugen be- nannt. Als Begründung wurde u. a. ausgeführt, daß Neumann kurzvordemDerbotausderParteiousgeschlossen sei. Die Zustellung dieses Ausschlusses sei aber nicht erfolgt, da in- zwischen das Verbot der KPD. erfolgt war. Neumann hätte aber davon gewußt. Er sei gerade wegen seiner Gewalttätigkeiten aus der Pariei ausgeschlossen worden. Erst nach Aushebrnia des Ver botes der KPD. sei Neumann der Ausschließungsbeschlug zugestelll worden. Der Angeklagte N e u m a n n bot darum, festzustellen. Saß er bi» zu seinem offiziellen A u o s ch l u ß aus der Partei im Mai 1924 der KPD. angehört habe, daß er noch im Januar gezeigt habe. Der R e i ch s a n w a l t bat um schriftliche Einreichung des An träges Dr. Samters, betonte aber schon jetzt, daß es für die Tendenz des Beweisantrages charakteristisch sei, daß die Behauptung, Neu- mann sei ün Oktober aus der Partei ausgeschlossen worden, erst setzt nach so st siebenwöchiger Aerhondlungs» dauer unter Beweis gesteltt werde. Es wäre ihm deshalb eine Erklärung der Verteidigung erwünscht, warum der Antrag erst jetzt gestellt werde. R.-A. Dr. Sam fer erflärte, daß er die Gründe dafür nicht anzugeben brauche, worauf der Vorsitzende lafonisch bemerkte, daß das jedenfalls zweckmäßiger gewesen wäre. Im weiteren Berlauf der Sitzung, die zum großen Teil ohne öffentliches Interesse war, brachte der Angeklagte all upp eine Beschwerde darüber vor, daß der Zeuge Bogt thm das Wort im Munde herumgedreht" habe, weshalb er alle seine Aussagen schrift: lich genau firiert habe. R.-A. p. Bagnato wollte wissen, ob es wahr sei, daß Bogt geäußert habe, daß der Angeklagte Stoblewski mit dem russischen General Gorew identisch sei. Zeuge Bogt: Das ist richtig. Nach einigen bedeutungslosen Zwischenfällen gelangte ein Telegramm zum Vortrag, welches vom Grenzkommissar von Oberschlesien abgesandt worden ist und das bescheinigt, daß die Schipowa am 15. April die Grenze passiert habe. Nächster Verhandlungstag: Donnerstag vormittag 9 Uhr. Wirtschaft Deutsche Bank. Der Jahresabschluß der Deutschen Bank, der soeben vorgelegt wird, schließt die Reihe der Großbanfbilanzen ab. Die Bant hat im Jahre 1924 einen Umsatz von 88,36 milli= arden Mart erzielt. 1913, als dem Institut eine Reihe von inzwischen aufgenommenen Banten noch nicht angehörten, bezifferte sich der Umsatz für das Stammhaus allein auf 129 Milliarden. Vergleicht man den heutigen Umsatz mit dem aller Banten, die bis jetzt zur Deutschen Bant gehören, 1913 aber noch selbständig waren, so ergibt sich, daß heute 54 Proz. der Borkriegsumfäße erreicht sind. Das ist ein hoher Sah, zumal wenn man berücksichtigt, daß das Effettengeschäft noch sehr gering ist. Im vorigen Jahre find nur 15 Proz. der Effektenumfäße der Vorfriegszeit zustandegekommen das ist ein Beweis für die geringe Aufnahmefähigkeit des Marktes und das Nachlassen der Spekulation. Die Zahl der einzelnen Effettengeschäfte freilich war größer als 1913. Die niedrigen Aktienmerte ergeben trotzdem weitaus geringere Summen für die tatsächlichen Effektenumfäße. Das Anwachsen des Geschäftes bei der Deutschen Bant im letzten Jahre wird aus folgenden Zahlen erkennbar: Die Ge= samt addition der Bilanz schließt mit 1091 Millionen Mark ab gogen 552 Millionen Gesamtaddition der Goldmarkeröffnungsbilanz. Sämtliche Anlagefonten, soweit sie kurzfristiger Natur sind, weisen starte Steigerungen auf. Kassenbestand und Guthaben bei Banken z. B. sind von 36,3 auf 67,5 millionen Mart, Noftro- Guthaben von 157,3 auf 226,5 Mitionen Mart, Wechsel von 11,5 auf 229,3 millionen Mark, Borschüsse auf Waren non 23,3 auf 72,1 Millionen Mart gestiegen. Schuldner in laufender Rechnung waren nach der Goldmarkeröffnungs bilanz der Bank mit insgesamt 183,2 Millionen Mart pflichtet, in der Abschlußbilanz für 1924 dagegen bereits mit 389,2 Millionen Mart. versei, fo werden sie auch anerkennen müssen, daß die Sparfraft! der arbeitnehmenden Bevölkerungstreise gestärkt werden muß. Gibt man das aber zu, so darf man nicht warten, bis die anderen mit der Durchsetzung dieser Forderung anfangen, sondern man muß bestrebt sein, den eigenen Angestellten zuzuwenden, was ihnen gemäß ihrer Leistung gebührt. Eine solche vernünftige Soziallohnpolitik ist die wichtigste Borbedingung für die Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Jarres' Freunde und die Kohlenkrise. Bon unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Im Rahmen der Verhandlungen um die Neubildung des Ruhrkohlensyndikats spielen sich Kämpfe ab, hinter denen jene Kreise stehen, die Herrn I arres mit der Reichspräsidentschaftskandidatur beauftragt haben und deren Ziele eine schwere Gefahr, besonders für die rheinisch- westfälische Arbeiter schaft darstellen. Es ist nötig, das zu erkennen, um den fommenden Sonntag auch zu einer siegreichen Abwehrschlacht gegen die arbeiterfeindlichen Pläne der Schwerindustrie zu benuzen. Bekanntlich sind die Gegensätze heute im rheinischen Ruhrfohlenbergbau größer als je. Dieser Zusammenprall wurde von Kennern der Wirtschaftslage vor mehreren Jahren vorausgejagt. Heute Donnerstag abend und folgende Tage Wahl- Propagandafilm der Berliner Sozialdemokratie auf den Plätzen Norden: Weddingpla Often: Andreasplat Süden: Belle- Alliance- Plak Westen: Wittenbergplat Neukölln: Richardplat Für diese Filmvorführungen muß in allen Kreisen der werftätigen Bevölkerung starte Propaganda entfaltet werden. Beginn: Bei Eintritt der Dunkelheit. Nun hat die Absatzkrise die Voraussetzungen für die Austragung der bisher latenten Gegensätze gegeben. Bildlich gesprochen, ist der 2bjagmarkt ein Knochen, um den sich die Hunde reißen. Jeder bemüht sich, den größten Knochen zu erhalten, und die Dinge haben fich so entwickelt, daß schr wenig Knochen vorhanden sind. Das ist der Kampf um den Absatz. Die Gruben mit großem Selbstverbrauch in den ihnen angeschlossenen Kofereien und Hütten, mit eigenen Kohlen- und Handelsgesellschaften, mil freiem Absatz nach dein Auslande usw., stehen sich verhältnismäßig Die Kölner Meffe. Köln, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Das Geschäft auf der Kölner Messe war durchaus uneinheitlich und unterlag an den verschiedenen Tagen erheblichen Schwankungen. Der Sonntag ließ sich im allgemeinen gut an. Dagegen flauten die Aufträge schon am Montag ab, besonders in der Textilmeffe, während sich der Eingang bei der Schuh- und Ledermesse reger gestaltete, als am ersten Lage. Gesucht waren auch Artifel der feramischen und chemischen Industrie; hauptsächlich waren bessere Scifen gefragt. Auch in der Genußmittelindufirie fam es zu Umfäßen, die sich aber, wie allgemein, in engen Schranken hielten. Vernachfäffigt waren besonders. Luruswaren, während sich für billigere Gebrauchsgegenstände, vor allem für den Hausbedarf, hauptsächlich am Dienstag lebhafte Nachfrage entwidelte. Das beste Geschäft, vornehmlich am Sonntog, hatte der Büchermarkt. Auf der Technischen Messe soll es zu bedeutenden Abschlüssen gekommen sein, in der Hauptsache in Spezialmaschinen. Der Export liegt im allgemeinen, gerade mie in Leipzig, still. Auch die ausländischen Aussteller sind von der allgemeinen Welle der Kaufunfähigkeit und Kaufumluft betroffen worden. Biel besucht wurde die bekannte sowjetrussische Kollektion. Sie blieb aber auch in Köln, wie allerwärts, mehr Schau- und Lehrobjekt. Vollfusion im Anilinkonzern. Der Anilinkonzern steht vor dem letzten Schritt der völligen Verschmelzung seiner fieben, äußerlich noch selbständigen Riesenunternehmungen. An die Stelle des 100jährigen Interessengemeinschaftsvertrages von 1906 soll die völlige Verschmelzung der Konzernwerfe zu einem einzigen Unternehmen treten. Man martet nur noch ab, in welcher Form und mit welchen Sägen die Rapitalverkehrssteuervorlage angenommen wird, die eine Ermäßi gung des Fusionsstempels bringen soll. Da es sich bei der Fusion um riesige Beträge handelt, versucht der Konzern, mit den Steuerbehörden ein Sonderabfommen über die Steuerfrage zu erreichen. Die Badische Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen foll wegen der Größe ihrer Anlagen zum Kernwert der Unternehmungsvereinigung werden. Welche Mammutunternehmung hier entsteht, machen folgende Zahlen aus den Reichsmarferöffnungsbilanzen von 1924 deutlich( ohne 2. Casella G. m. b. 5.): Badische Anilin Höchster Farbwerfe. Anilin Berlin. Griesheim Elektron Kapital Reserven Beteiligungen 177,2 Mill. 67,5 Mill. 48,5 Mill. 177,2 Elberfelder Farbenfabr. 177,2 Weiler ter Meer. 27,7 74,1 28.1 64,6 " 57,7 11,6 8,0 • • 44,3 8,4 4,0 12,4 1,8 0,7 " 645,7 Mil. 145,1 Will. 199,9 W. Die neue Einheitsunternehmung wird also( mit der 2. Casella G. m. b. 5.) über Kapital und Reserven von mehr als 800 Millionen Mart verfügen und damit die größte private apitalgesellschaft des europäischen Kontinents Der Bestand an Einlagen vermehrte sich von 349,3 auf 864,3 Millionen Mark. Von diesen letzteren sind nicht weniger als 436,8 Millionen Mark Einlagen auf Depositen, Scheck- und Giro fenten. Die Liquidität der Deutschen Bank berechnet sich mit 70,18 Proz. günstiger als vor dem Kriege. Heute ist der Einlagen günstig. Dagegen hat sich die Marktlage für die sogenannten werden. Damit fommt eine Entwicklung auch äußerlich zum Abbestand von einer Milliarde bereits überschritten. Mußerordentlich eindringlich zeigt sich die Zunahme des Wechselverkehrs auf dem Atzeptkonto. In der Goldmarkeröffnungsbilanz wies die Deutsche Bank für 550 007 M. Afzepte aus; in der Abfchlußbilanz für 1924 bereits 5,8 Millionen Mart. Wie wir weiter hören, ist dieses Konto bis Ende Februar schon auf 16 Millionen Mart angewachsen und es wird Ende März fogar auf 25 millionen Mart geschätzt. In all diesen Zahlen zeigt sich die starte Ausdehnung des Geld und Kreditverkehrs feit der Stabilisie: rung. Nachdem der Abschluß der Deutschen Bant vorliegt, fann man bereits ein ziemlich flares Bild über den Geschäftsumfang der Großbanten heute gegenüber der Vorfriegszeit gewinnen. Die Debetfonten sämtlicher Berliner Großbanken einschließlich aller seit Kriegsbeginn angegliederten Unternehmungen betrugen vor dem Kriege 5016 Millionen Goldmart. Sie waren am Ende der Inflation auf ein Mindestmaß zusammengeschrumpft. Heute betragen sie schon wieder 1870 millionen Marf, also weit mehr als ein Drittel. In diesen Beträgen sind aber die gewaltigen Summen nicht enthalten, die durch Bermittlung deutscher Großbanken der Industrie aus Auslandskrediten zugeflossen sind. Bürde man diese Geldbeträge, die früher oder später doch infolge der Zirkulation des Geldes und des Kredites auch durch die Banken fließen, hinzurechnen, so fäme man zu dem Ergebnis, das auch aus dem Jahresbericht der Reichsbant hervorgeht, nämlich, daß das deutsche Kreditwesen troß der zeitweilig notwendigen scharfen Retriftionen und der noch jetzt bestehenden Kontingentierung der Kredite sich außerordentlich schnell entwidelt hat. Die Jahreseinnahme der Deutschen Bant ist größer als ihr Atttenfapital, das 110 Millionen Mart beträgt. Sie beläuft sich auf 126,6 Millionen Mart. 81 Proz. davon, nämlich 87,6 Millionen Mark, werden davon durch Handlungsunkosten abforbiert, weitere 9,2 Millionen durch Steuern, 6,6 Millionen bleiben für Wohlfahrtseinrichtungen und Pensionen vorbehalten. Von dem Grundbesig, der durch die Fusion mit der Württembergischen Vereinsbant sich um 3 auf 43 Millionen Mart vermehrt hat, werden unter Inanspruchnahme des Gewinnes 2,7 millionen abgeschrieben. Weitere Abschreibungen erfolgen auf das Konto Einrichtung und sonstiger Grundbefiz. Dann verbleibt ein Reingewin von 18,7 millionen. Daraus werden 10 Proz. Dividende verteilt, 5 Millionen werden der Reserve überwiesen, ein Betrag von 1,5 Millionen wird dem Siemens- Wohlfahrtsfonds überwiesen. Der Aufsichtsrat erhält fast eine halbe Million Mark. Nach Abzug aller dieser Beträge bleibt eine Vortrag von 762 222 M. Das eigene Vermögen der Bank wird durch die Verstärkung der Reserve auf 205 Millionen Mark erhöht. Unter den Einlagen der Bank befinden sich etwa 25 Proz. a us= Tändische Gelder. Auch sonst ist, wie die Verwaltung hervorhebt, innerhalb der deutschen Wirtschaft und bei den Syndikaten die Unfitte noch stark verbreitet, in ausländischer Währung abzuschließen und zu bezahlen. Der Banfleitung ist darin zuzustimmen, wenn sie in der Beseitigung dieses ungesunden Zustandes eine wesentliche Aufgabe des deutschen Banfgewerbes erblickt. Die Erhaltung der deutschen Währung erfordert, daß sich die Mark im Inland als Wertmesser und Zahlungsmittel allgemein wieder durchsetzt. Die Banten selbst leiden darunter, daß die Abrechnung in verschiedenen Währungen einen erheblichen Aufwand an Rosten und Personal beansprucht. Es wäre von großer Wichtigkeit, wenn sich das Wirtschaftsministerium einmal die Syndikate, die jetzt noch ohne Not die Rechnungslegung in Mart ablehnen, einmal näher ansieht und feststellt, melche Kreise fich mit der Tatsache noch nicht abfinden wollen, daß Deutschland wieder eine feste Bährung hat. Im Geschäftsbericht betont die Deutsche Bank sehr nachdrücklich bie Notwendigkeit, die deutschen Kreditinstitute durch eine aus reichende Rentabilität zur Aufnahme von Auslandskrediten zu befähigen. Nun erkennt die Bant selbst an, daß die Gehälter Der Beamten zu niedrig sind. Sie bestreitet aber, daß es möglich ist, diese zu erhöhen, ohne auf der anderen Seite eine weitere Einschränkung des Beamtenpersonals norzunehmen. Dieser Standpunkt muß zurückgewiesen werden. Ebenso mie alle anderen Gewerbezweige muß auch das Bankgewerbe versuchen, durch erhöhte Umsätze die Leistungsfähigkeit der mirtschaftlich starken Institute zu steigern. Wenn die Bankleitungen immer wieder erklären, daß für das Gedeihen der deutschen Wirt schaft die Bildung neuen Kapitals von größter Wichtigkeit reinen Zechen erheblich verschlechtert, so daß die Gefahr der Stillegung immer näher rückt. Schon heute tann man im Rheinland und in Westfalen beobachten, daß einzelne Zechen( ge= mischte Werfe) voll arbeiten und sogar leberschichten verfahren, während andere Zechen zahlreiche Feierschichten einlegen müssen. Die Lösung des ganzen Problems wird augenblicklich nach zwei Richtungen angestrebt. Ein Teil der Unternehmerpresse, der den Gesellschaften mit gutem Absatz nahesteht, verlangt die Wiederher stellung des freien Spiels der Kräfte". Die Folge dürfte fein und das wird auch offen ausgesprochen- daß man 150000 Bergarbeiter auf die Straße segt. Ein unbeschreibliches Elend und Unglüd muß so über die Ruhrbevölkerung hereinbrechen. Das wird aber die von den großen Gesellschaften gewünschte Katastrophe sein, um die kleinen und reinen Bechen zu schlucken und den eigenen Besitz abzurunden". Die Die reinen Zechen und die Arbeitnehmer dagegen fordern das Eingreifen des Reichswirtschaftsministers. Wünsche gehen dahin, durch das Wirtschaftsministerium das Syn dikat zu zwingen, einen Teil des Absages der gemischten Berfe auf die reinen Zechen zu übertragen. Damit wäre eine tontinuierliche Arbeit auf allen Zechen gewährleistet und der Anarchie im Kohlenbergbau ein Ende gemacht. Soweit mir erfahren, verhält sich der Reichswirtschaftsminister diesem Gedanken gegenüber ablehnend. Das fann nicht wunder nehmen, da der Reichswirtschaftsminister auch ein Mann des JarresBlocks ist, den die an einer Ruhrfatastrophe interessierte Schwerindustrie dirigiert. REEMTSM MA CIGARETTEN schluß, die im Anilinkonzern schon seit dem Abschluß der Interessengemeinschaft von 1906 vorgezeichnet war. Wären die Fusionskosten niedriger und die Lage übersichtlicher gewesen, so wäre der Anilinfonzern sicher schon 1920, als er den Interessengemeinschaftsvertrag von 1906 erneuerte und erweiterte, zur Vollfusion geschritten. Der Anilinkonzern hat mit dieser Verschmelzung nur die Konsequen en seines bisherigen Aufbaues und der in den letzten Jahren er folgten Konsolidierung der innen und außenpolitischen Verhältnisse Deutschlands gezogen. In der Geschichte der Konzentra tionsbewegung wird das Datum dieser Verschmelzung als ein Martstein verzeichnet werden. Die amerikanische Baumwollernte übertrifft alle Schätzungen. Der abschließende amerikanische Entförmungsbericht für die Ernte des Vorjahres gibt, wie„ Die Textil- Woche" meldet, die Zahl der bisher entförnten Ballen auf 13 631 000 an, wozu noch 19 000 Ballen hinzukommen merden, so daß die Gesamternte fich auf 13 650 000 3 all en stellen wird. Hierzu treten noch 800 000 Ballen Linter. Die letzte offizielle Schäzung vom Dezember war nur auf 13 153 000 Ballen ausschließlich Linter gekommen und man hatte sich deshalb allgemein auf eine Gesamternte einschließlich Linter Don etwa 14 Millionen Ballen eingestellt. Statt dessen wird der tatsächliche Ernteertrag einschließlich Linter sich auf 14 450 000 23 a 1len stellen, verglichen mit etma 10,5 millionen Ballen im Vorjahr. Daß trop dieser über alle Erwartungen großen Erntemenge der Preis für Baumwolle in Bremen von 25% cts. p. lb. in der zweiten Januarhälfte auf über 28 cts. gestiegen ist und fest bleibt, läßt sich allenfalls aus der Furcht vor einem erheblichen Ernterückgang in diesem Jahre, sowie aus dem dauernd starken Baumwollverbraud) der Welt erflären. Es gibt viele Freunde unserer Fabrikate, die seit vielen Jahren ununterbrochen und ausschließlich unsere Gelbe Sorte rauchen. Sie sollten ab und zu mit einer Ova wechseln, damit sie nicht allmählich unempfindlich für das Aroma ihrer Lieblingssorte werden und sich dadurch Genuß und Kritikfähigkeit verringern. nixit Donnerstag 26. März 1925 Unterhaltung und Wissen Vom Flugblatt zur Zeitung. Von den ersten losen Blättern, die die Handpreffe Gutenbergs und seiner Mitarbeiter verließen, bis zu den Massenauflagen moder ner Zeitungsfabrikation ist ein langer, langer Weg. Freilich liegen mehrere Jahrhunderte zwischen der Erfindung der Buchdruderkunst und der Jchtzeit, aber die Entwicklung der mehr oder minder regelmäßig gedruckten lofen Flugblätter zur Zeitung" im heutigen Sinne fällt doch wenigstens für Deutschland fast ganz in das Jahrhundert der Maschine und des Kapitalismus. -Nachrichtenblätter wurden zwar schon früher herausgegeben. Unter behördlicher Konzession und mit Privilegien( Borrechten) aus. gestattet, bildeten die Intelligenzblätter" einen trübfeligen Anfang des deutschen Zeitungswesens. Sie hatten das Vorrecht, amtliche und private Anzeigen zu veröffentlichen, während es anderen Druderzeugnissen versagt blieb. Der tertliche Inhalt der Intelligenzblätter" entsprach ganz dem geifttötenden Wesen der Zensur, die auf allen Regungen der schwarzen Kunst" lastete. Von politischen Dingen war fast nirgends die Rede, es sei denn in Form behördlich abgestempelter Nachrichten, die einen bestimmten Zwed ver= folgten. Auch in bezug auf örtliche Angelegenheiten bewegte sich die Intelligenz" dieser Blätter zumeist in belanglosen Vereins- und Klatscheschichten. Sier und da widmeten die Blätter allerdings mehr die freien als die privilegierin der Literatur und Kunst eine um so größere Liebe, als sie diese nicht auf politische und kommunale Angelegenheiten werfen durften. -77 Der Umwandlungsprozeß. den das Zeitungswesen im Laufe des vorigen Jahrhunderts durchmachte, hängt eng zusammen mit der ganzen gesellschaftlichen Umgestaltung, die seit den napoleonischen Ariegen im alten Europa vor sich ging und trotz der heftigsten Begenwehr verzopster Bureaufraten auch Deutschland nicht ver schonte. Eine lebendige, in ihrer knappen Linienführung um so anschaulicher wirkende Geschichte des Zeitungswesens in Deutschland bietet eine vor furzem im Fiamberg- Berlag( Gotha) unter dem anspruchslofen Titel„ Die Zeitungen" erschienene Schrift von Emil Dovifat. In einem Bande vereinigt mit ciner Abhandlung Wilhelm Schwedlers über„ Das Nach richtenwesen", bildet die Schrift den dritten Teil einer von Kurt Wiedenfeld veranstalteten Sammlung„ Die deutsche Wirtschaft und ihre Führer". = Das Führerproblem ist deshalb auch in der Zeitungsgeschichte in den Bordergrund gerüdt, menn schon es bei der Eigencrt der Zeitungen sofort in zmei Richtungen sich gabelt: nach der verlegerischen und nach der journalistischen Seite. Bei den modernen Großbetrieben ist es selbstverständlich, daß der Herausgeber einer Zeitung( Berleger) nicht auch gleichzeitig der Redakteur fcin fann, oder mie man diesen Beruf im Neudeutsch nennt: Schriftleiter! Die Zwiespältigkeit des Zeitungsunternehmens als eines geschäftlichen Unternehmens, das gleichzeitig öffentliche Interessen wahrnehmen foll, tommt gerade in unserer Zeit mit ihrer Stonzernbildung und der Einflußnahme schwerindustrieller Gesellfchaften auf ganze Gruppen von Zeitungen mit erschredender Deutlichkeit zutage. Aber wie im sonstigen Wirtschaftsleben die Aktiengesellschaften, Trusts und Konzernbildungen erst möglich wurden, nachdem die Betriebe einzelner Unternehmer eine gewisse Höhe erreicht hatten, fo ist auch im Zeitungsmeßen der Entwicklungsgang fast der gleiche, Hatten die Industriellen in ihren Anfängen mit dem Neß von Innungsrechten und Gewerbevorschriften zu kämpfen, so die 3ri tungsunternehmer mit Zensur, Bolizei und Privilegienwirtschaft. Wozu noch bis in das letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts die beengenden Fesseln deutscher Kleinstooterei famen. zu Auch die Zeitung bedurfte der Bioniere, um sich in diesem Wust hindernder Fallstricke und Drahtverhaue eine Bahn zu brechen. Es hat an ihnen nicht gefehlt. Zu ihnen gehört in erster Linie Josef Goerres, der 1814 bis 1816 den Rheinischen Merfur" herausgab und als einer der ersten das Nacheldtenblat mit Leitartikel verfah, in dem er den Sinn für De utfchium- nicht nur gegen Frank reich, sondern vor allem gegen die deutsche Kleinstaaterei weden suchte. Ein löblicher Versuch, der ihm aber aufs überste celohnt wurde. Wegen liberaler" Gesinnung von den preußischen Behörden drangfaliert und verfolgt, mußte er in die Schweiz flüchten und feinen Merkur" infolge Verbots eingehen lassen. Er erlebte dasselbe Schidfal, wie so mander andere Deutsche, der von den Duodezsürsten als Demagoge" verfolgt und geheizt wurde, weil er deutsch und nicht nur preußisch, turhessisch oder reuß- lobensteinisch tachte und handelte. " Der Weg vom Nachrichtenblatt zur Gesinnungszeitung geht über mancherlei Stufen. Aber auch das Nachrichtenblatt felbst ist dem Bechfel in seiner Gestaltung unterworfen. Heute, da jeder ZeitungsIfer an eine Fülle von„ Drahtberichten" gewöhnt ist, da nicht nur Die Hölle. Bon Otto Bärmann. Trappen, murmelnde Stimmen, hie und da klappern von Blech geschirr im Halbbunkel. In hohen Mauern blinken Reihen von Dunklen Fenstern im Lichte der Laternen. Ueber breitoeichwungenem Torbogen blendet das Punktlicht einer hochferzigen Glühlampe. Der Bogen verschluckt die vorgebeugten arauen Gestalten. Die Nachtschicht der Kapos- Werte rüdt zum Dienst an. Bind pfeift durch bie halboffene Halle. An weißer Band reihen sich viele kleine Fächer mit Nummern, rechts und links von einem kleinen Gnom, der aus cer and gloßt, ein Ziffernblatt an der Stirn. | Schlangenbändiger Jarres. ..... Beilage des Vorwärts Durch die Erfolge des gegenwärtig in Berlin auftretenden berühmten Tierhypnotiseurs The Rama angefeuert, versucht Jarres, die Schlange der Demokratie durch die Macht seines Blickes zu lähmen. Ob es ihm gelingen wird? der Telegraph, sondern in weit höherem Maße der Fern sprecher und neuerdings der Funkdienst ihn mit schleunigsten Meldungen versorgt, flingt es fast mittelalterlich, wenn wir lesen, daß der Verleger der„ Kölnischen Zeitung" eine für den Nachrichtendienst geradezu revolutionäre Handlung beging, als er in den vierziger Jahren einen Eilstaffettendienst einrichtete, der ihm von Minden in Westfalen nur bis dahin ging damals die Berliner Bahn nach dem Westen die Berichte des Bereinigten Landtags zwei Tage vor den übrigen rheinischen Blättern zu bringen. Oder wenn er die Taubenpoft benutte, um die Kurse der Pariser Börse in 16 statt fcnft 48 Stunden nach Köln zu bringen! Erst im Jahre 1849 wurde der elektrische Telegraph zur öffent lichen Benutzung und damit auch für Zeitungen freigegeben. Daß feine Anwendung den Zeitungen neue Impulse gab, leuchtet ohne weiteres cin. Aber der eigentliche Aufschwung der Bresse zu ihrer heutigen Bedeutung mar doch nur möglich durch die Presse. freiheit, die Beseitigung der Zensurfesseln durch die Nevolution Den 1848. Aus dieser Revolutionsperiode ragt unter vielen anderen ols einer der größten Journalisten aller Zeiten Karl Marg her. vor, dessen besonderer Begabung und undergänglicher Leistung an der Rheinischen Zeitung" Dovifat ein besonderes ehrendes Kapitel widmet. Die Geschichte der Beitungen ist ein Stück Kulturgeschichte und nicht das übelste. Denn wenn auch die Geschäfts- und Intereſſentenpresse heute einen oft unheilbaren Einfluß ausübt, so wird dieser doch zum wesentlichen weitgemacht durch die Wirksamkeit der Gesinnungs preffe, wie Dovifat fie nennt, derjenigen Zeitungen, die die bestimmte Weltanschauung kultureller oder politischer Gruppen vertreten. Daß zu den letzteren in erster Linie die sozialdemokratische Presse gehört, die nicht im Privateigentum einzelner Personen oder Gesellschafter ist, sondern der Partei gehört und deren Redakteure gleichzeitig Vertrauenspersonen der Partei sind, das braucht hier nicht besonders belont zu werden. Franz Klühs. Mittelalter auf der Eisenbahn. Die durchschnittliche Geschwindig. feit der Züge auf den deutschen Bahnen( übrigens auch im Ausland) beträgt nicht mehr als etwa 30 Kilometerstunden. Das war aber schon seit Einführung der Eisenbahnen die mittlere Fahrgeschwindig teit. Für die große Mehrzahl der Reisenden hat also die Beförde rungsgeschwindigkeit auf der Eisenbahn in den vergangenen Jahrzehnten kaum zugenommen. Wenn der schnellste Zug in Deutsch land, der um 12,10 Uhr von Berlin abgehende holländische D- Jug, auf deutschem Boden eine mittlere Geschwindigkeit von etma 70 Kilometerstunden aufweist( zwischen Berlin und Hannover), so muß man zum Verständnis dieser Zahl wissen, daß schon um 1830 darüber drehende Räder. An freiem Plaz steht auf hohen Stelzen ein dunkler Ball; sieht aus wie ein Riefenfinderspielzeug, ein dider Hampelmann. Die Türe des Maschinenhauses steht offen. Bläuliches Licht spiegelt an Kachelwänden, mit hellem Summen drehen fich große Räder, an budligen, schwarzen Zwergen spielen Funken; grüne rote Lichter im Hintergrunde. Hacer biegt in eine schmale Gasse ein, öffnet Türen, tritt in einen Raum ein, wo lanae Reihen halbnadter Koloß pruftet in schwarzes Waschwasser. von Schränken stehen. Ein Mann fizt im Hemo auf einer Bant, ein Minuten poltert Hader auf schweren Holzschuhen in blauem Kittel hinaus. Zwei tnisternde Briefe schiebt er in die Tasche; fchlorft die lange Reffelbatterie entlang, die ein zorniges Summen hören läßt ja, ja, Hrchdruck; zwanzig Atmosphären! Wenn die fich mal Blaz schafen: die Heizer, fönnen sich vielleicht noch retten, aber von unten kommt niemand mehr herauf. Das Eisen der engen Treppe Nach wenigen ingt unter den harten Schuhen, die Luft wird schlechter: bitter fchwerlicher Dunst. Hacker hustet. Hustet noch, als er schon unten, fief unten ist. Von oben her tönt furz das Brummen der Dampffirene: Ablösung. Mar Hacer nimmt ein Kärtdren links von der Wand, stedt es dem Gnom ins Maul, drückt einen Hebel herunter. Der Kontrollroparat beißt auf die Karte. Hacker zielyt sie heraus, fieft: 10 Uhr 51, stedt fie rechts in ein anderes, noch leeres Fach mit Nummer 397. Durch ein Fenster blickt er in eine erleuchtete Stube, wo ein Mann rm Bult steht. Innen find quer über das Fester drei Latten be Auf Hacker tritt ein baumlanger Mensch zu: ,, Seut verfeuern festigt. Auf diesen steken Briefe und Karten. Die Bost für die sie wieder ein Dredzeug oben, stinkt wie Teufelsmift. Lauter rbeiter. Er entziffert Adressen: Hans Müller. Franz Haubner Schlamm, ha, ha, is billiger. Dividende, verstehste? Hab' heute Ferrn Oberheizer Blen." felber immer husten müssen. Oberheizer Blen", lieft er nochmals. Für dich, Hacker, glaub' ich, is Zeit, , Kerl! Ah: Herrn May Hader, Kapos- Werte." Schrift? daß du da raus kommst. Wie kann auch einer mit so' ner Lunge Sicher von ihr. Seine Augen wandern wieder zurüd: Oberheizer hier bleiben." Bien. Kein Zweifel, die gleiche Schrift! Mar Hader würgt ,, Rann nich fort." es in der Kehle. fragt, stidender Susten durchschüttelt ihn. Er tritt mieder an die Band, an der sich die Karten reihen. " -む Mr. 392 len stedt schon rechts. Er ist schon drinnen, hat den Brief überfeben." Hader breht sich um, steht und alokt ins Leere. Die Rähne beißen auf die Lippe. Er tritt beim Bförtner ein. Buten Abend, für Hader, meinen Brief bitte." Der Monn geht ans Fenster, dreht has Lottengestell zurüd, reicht ihm den Brief. Für den Oberheizer Blen ist auch einer da, hat ihn wohl übersehen; fann ihn gleich mit nehmen." Der Pförimer sieht ihm erstount an. Ja, eigentlich ma, meinetwegen, Sie sind ja auch vom Kesselhaus." Holt den zweiten Brief heraus, reicht ihn hin. Dante." Hader geht bei niedrigen Gebäuden vorbei, hört Saufen, Blät-| fayern. irgendwo strömt Dampf aus. Sier riecht es scharf und sauer, mie heringslauge; weiter vorn zieht ein widerlich- füker Schmaben norbei. Ein Turm ragt, bid verpadte Dampfrohre schlingen sich an Mauern entlang, gehen hoch über den Weg, hinten schwarze Reffel, 43 ,, Na, warum nich? Geh doch mal zur Wohlfahrtsabteilung, wird sich was anderes für dich finden, im Hof, im Magazin, oder fonstwo. Braucht dich ja bloß anzusehen, blaß wie der Tod. Willfte ' 2" nich morgen früh. Laß out sein. Paul, es geht eben nicht. Brauch die Rulage. macht ein Drittel vom Lohn aus. Muß doch die Mutter ernähren." ,, Nun mach teine Faren! Zuerst die Gesundheit. Andere oben haben vier Kinder und kommen durch, was man so durchkommen nennt, aber fie leben.". Den Hader bog der Husten zusammen. Der andere flopft ihm auf die Schulter: Laß die Weibergeschichten gehen, Mar; dann fommite durch." immer' Dich nicht um anderer Leute Eachen!" Mein's gut. Gut Nacht." Aus zehre Höhlen glimmt matte Glut. Dünne Feuerstriche fligen von oben herab: Die Asche. Sie fällt auf Kippwagen. Alle zehn | Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Kilometerstunden gelegentlich erreicht wurden. Man muß freilich die momentane" Geschwindigkeit. eines Suges von seiner durchschnittlichen unterscheiden. Gelegentliche Momentangeschwindigkeiten von 90 und mehr Kilometerstunden werden heute schon häufig erreicht. Aber nur ein sehr geringer Teil der gesamten täglichen Personenbeförderung erfolgt mit solchen Geschwindigkeiten, die durchschnittlich 60 und gelegentlich bis 90 Kilometerstunden betragen. Vielmehr werden 90 Broz. der Reisenden mit sehr viel Kleineren mittleren Geschwindigkeiten befördert, deren Betrag bis zu 11% Kilometersturden herabgehen kann. Dies( vermutlich das deutsche Minimum) wird auf der Strecke Rodenkirchen ( D.)- Bare erreicht. Der Zug braucht dort für die 23 Kilometer lange Strecke genau 2 Stunden. Nicht viel besser ist die Berbindung von Kamburg( Saale) mit Beiz: 14 Kilometerstunden gilt dort als zeitgemäß! Ein 3weispänner fährt schneller. Die beiden benachbarten Städte Sena und Zeiz, in einer Luftlinienentfernung von 40 Kilometer( Eisenbahnlänge 54 Kilometer), haben eine„ Berbindung", die 2. Stunden dauert! Die technischen Mittel, über diese Zustände hinauszufommen, sind heute schon vorhanden. Es wird aber noch lange dauern, bis der Druck der wirtschaftlich interessierten Kreise auf die Bahnvermaltungen groß und start genug wird, daß die Bahnen zur Einführung von durchgreifenden Verkehrsreformen schreiten. Diese Mittel sind: Trennung des Bersonenverkehrs vom Güterverkehr auch auf Nebenbahnen Einführung leichter Triebwagen und Triebzüge statt schwerer Dampfzüge, Erhöhung der Geschwindigkeit bis zur wirt. schaftlich zulässigen Grenze. Vermehrung der Zugszahl. Verminde rung der Wagenzahl und des Zugsgewichtes. Erst wenn diese Reformen eingeführt sein werden, kann man jagen, daß die Eisenbahn für die Bevölkerung ein„ modernes Berkehrsmittel" ift. Europas Dattelparadies. Fast allgemein glaubt man, daß die Datteln aus überfeeischen Ländern, so hauptsächlich aus Afrika, zu ums fommen. Nach einem fachmännischen Bericht ist das jedoch nicht der Fall; denn die meisten Dotteln, die aegenmärtiq im Handel lind, stammen aus der in der spanischen Provinz Alicante liegenden Stadt Elche, bei der sich ein Palmenwald befindet, der nicht weniger als 120 000 Paimenbäume enthält. Da die Palmen bis zu hundert Jahre alt werden und jeder Baum vom 20. bis zum 80. Lebensjahr einen jährlichen Ertrag von ungefähr 50 Kilogramm Datteln liefert, fann man sich die ungeheure Menge der alljährlich in Elche geernteten Datteln vorstellen. Diese riesigen Fruchtmassen erklären es auch, daß vermutlich der gefomte Dattelverbrauch Europas allein mur von Elche aus gedeckt werden kann. Zu den Merkmündigteiten der Stadt Elche gehört übrigens auch eine Promenade, die mit Ulmen und Eichen bepflanzt ist. Diese Bäume find in Spanien fremd und können nur unter sorgfältiger Pflege gezüchtet werden. Minuten ist einer voll. Dann herausgezogen mit einer langen Eisenstange. Einer der beiden Leute nimmt einen Schlauch. Ziichend und prasselnd streicht der Wasserstrahl über die schlackige Asche; efliger, beißender, grünlich- weißer Dampf steigt hoch, verfinstert das Licht an der Decke, umnebelt die beiden Gestalten, doch fühlt er die Schlacken und macht sie staubfrei für die Schipper, die sie morgen von dem großen Haufen in den Trichter des Nebewerkes schütten, das sie emporträgt und in den Waggon rieseln läht. Hacer meint, es müsse ihn zersprengen vor schüttelndem Husten, wenn immer bei ihm oder beim Nachbarwagen gelöscht wird. Aber, et tämpft ihn nieder. Kräftig lehnt er sich an den Waren, drückt ihn die Gleise entlang, tippt, fährt ihn leer zurück, während der andere schon den auf dem Zweiggleise bereitstehenden Wagen eingeschoben hat. Schon sind die noch vor kurzem reinen Gesichter geschwärzt, der feine Staub legt sich an die Augenlieder, es just unter dem Haar die Haut, fauer schmeckt der Speichel. Heiß schlägt es aus der Asche, falt vom Wasser her, klebrig feucht die Luft: Hölle. • • . " Mutter " Ein paar Minuten Zeit. Hader zieht die Briefe heraus. Zuerst morgen feine den an seine Adresse. Er lieft:„ Süßer Schazz. haft ja dann auch den Lohn Zeit... aber Sonnabend Abend so lieb, Luderchen Dr... aber schon wieder abgebrannt, alles. 65 Morf. Stiefel neuer Hut so teuer dafür bat Dich so lieb. Berta." Na, schön! Hacker franf. durchriefelt die Leidenschaft. Wenn dieses Mädchen...! Bjui, aufpassen, ihr sprigt mich an. Nun der zweite Brief. Doch schon zu spät. Hader, der Wagen is voll." Er schiebt schneller. wenn er auch schon wieder husten muß, mocht nichts, hat dann mehr Schwarze Abdrücke der Finger erscheinen auf dem anderen Reit. Donners: Brief. Die Finger zittern. Hacer lieft:„ Süßer Schah tag und Freitag für Dich frei... gewöhnlicher Plaz und Zeit. Sonnabend wieder Dienst beim Dredfint... haben dann aber die 2000 Mart voll. Der Dummfopf merkt es ja nicht. Wird schwer nächstens bereden Ausstattung... reicht sein, loskommen, jekt aus... Sut nicht 65 Mart... Blok 16 glaubt alles Aber wie Instommen? auf ewig Deine Berta." Der Mann mantt nach vorne, greift in olühende Asche vom Wagen nebenan, der gerede vorgezogen wird. Kann sich aufrichten. Der Schmerz ist entfehlich. ,, Du mußt nach Hause, Hacker." fagt der Sanitäter, der ihm die Wunden verbindet. ,, Nein, nein, ist ja nur, die linte Hand." Blöd( Schluß folgt.) sinn, der andere. Großer Sonderverkauf modernster Jackett- Anzüge mit prima Zutaten in vorx. Verarbeitung. Neuester Sofanitt. Jackett mit losem Faillenschluß SERIE I Frühjahrsmäntel für Herren in Raglanform von Jackett- Anzug Mk. 33.Hervorragende Qualität, teils in Cheviot- Charakter, mit rötlichen und bläulichen Nadelstreifen auf braunem Untergrunde, teils mit g'eichen Streifen auf blauem Untergrunde. Jackett- Anzug Mk. 33.Hellgraue Farbe in ganz kleinen Karos mit rötlichen und blauen Nadelstreifen. 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