Nr. 146+42. Jahrgang Ausgabe A nr. 74 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Caar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Reit" mit„ Gied Jung und Aleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" etfcheint mochentäglich ameimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: -Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille acile 70 Pfennig. Rellam cile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( auläffia amei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfennia. Stellengesuche das erfie Mart 10 Pfennig, icdes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für amei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer, müffen bis 41 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Sindenstraße 3. abgegeben werden. Geöffnet non 9 Uhr früh bis 5 Uhr namm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Tönhoff 2506-2507 Freitag, den 27. März 1925 Gewerkschaften gegen Jarres. Offener Brief an den Neichsblockkandidaten. Herr Oberbürgermeister! In der Rede, mit der Sie in Berlin den Wahlfeldzug eröffneten, haben Sie sich dafür eingesetzt, daß der Kampf um die Bahl des deutschen Reichspräsidenten ritterlich geführt werden müffe: ..Die persönliche Ehre der Mitbewerber in diesem Streit steht uns zu hoch, als daß wir uns erlauben dürften, sie in der Spekulation auf Wahlkampferfolge anzutaften." Ich nehme an, daß Ihre Zusicherung ernst gemeint war und die bindende Berpflichtung auch für Ihre Gefolgschaft in sich schloß, fich jeder lügenhaften Berdrehung der Tatsachen zu enthalten und nicht in verleumderischer Absicht die Deffentlichkeit über die haltung der entschiedenen Gegner Ihrer Wahlirrezuführen. Ich muß zu meinem Bedauern feststellen, daß Ihr Einfluß auf Ihre Anhänger offenbar nicht ausreicht, den Reichsblock auch nur vierzehn Tage lang zur Befolgung der von Ihnen aufgestellten Grundsäge ritterlicher Kampfesweise zu veranlassen. Die in dem Reichsblod zusammengefaßten Parteien haben vielmehr, im Bewußt sein, daß ihre eigenen Mitgliederzahlen anscheinend nicht ausreichen, Ihre Kandidatur aussichtsreich zu gestalten, zu der feigen Ausflucht gegriffen, ein Flugblatt zu veröffentlichen. aus dem hervorgehen soll, daß die in den freien Gewerkschaften zusammengeschlossenen Millionen für Sie als Nachfolger Friedrich Eberts eintreten. Weiter als durch solche niedrige Handlungsweise lann die Verlumpung politischer Moral nicht getrieben werden. Der Reichsblock hat, um seine Lüge glaubhaft zu machen, auf einen Brief zurückgegriffen, den die freien Gewerkschaften Duisburgs fommandierenden' General der Befagungstruppen richteten, un gegen Ihre rechtswidrige Ausweisung aus Duisburg zu gemeinsam mit anderen Organisationen am 30. Januar 1923 an den protestieren. Die freien Gewerkschaften rechnen es sich zur Ehre an, daß sie gegen jede Willkürmaßnahme der Besatzungsmächte Protest eingelegt haben... Dieser Brief galt aber nicht dem Politiker Jarres, sondern dem Vertreter der deutschen Verwaltung, der von den mider Recht und Vertrag eingedrungenen Gegnern seines Amtes entsetzt wurde. Warum Jarres? Weil er Platzhalter ist für Ludendorff! Reinhold Bulle verrät es im Deutschen Tageblatt" ( Nr. 72), warum die Völkisch- Beruneinigten für Jarres wirken: Nicht meil er ihnen genehm sei, sondern weil er Plazhalter für Ludendorff und dessen weitere Ziele sein soll. So schreibt Bulle: Weil wir den General Ludendorff nicht ausgeschaltet wiffen wollen für die Zukunft, deswegen lehnen wir es ab, mit seinem Namen Stimmungspolitif zu treiben und ihn Vorwürfen auszusetzen, die selbstverständlich nun mehr von anderer Seite in Hülle und Fülle erhoben werden. Wir unterstützen Jarres, weil wir die historische Entwidlung nicht unterbrechen wollen; ohne Jarres später tein Ludendorff. .... Wir stehen zu Ludendorff in unentwegter Treuc, er ist uns fein Firmenschild und fein Mittel zum parteipolitischen 3wed. Und diese Treue und die damit verbundene Hoffnung laffen wir nicht zuschanden werden. Darum wählen wir Dr. Jarres. Da steht es in großen und deutlichen Lettern gedruckt: Sarresist nur Plazhalter für Ludendorff, der Versackungspolitiker nur der Bormann des großen" Revanche friegshelden, der die Welt wieder an deutschem Wesen genesen lassen will.... Der unmögliche Jarres. Kann so und auch anders. Der deutschnationale„ Tag" stellte vor furzem feft: Sarres und Stresemann sind eins. Er benutzte diese Gegen 3hreaußenpolitifchen Ueberzeugungen, die erst in der lehten Phase des Ruhrkampfes fchärfer hervorgetreten find und die deutsche Außenpolitik auf die abfchüssige Bahn einer vorläufigen Preisgabe der belegten Gebiete drängen wollten, haben die freien Gewerkschaften ohne Schwanten in leidenschaftlichster Oppofition gestanden. Die Berfackung der Rheinlande und des Ruhrgebietes, für die Sie im Herbst 1923 eintraten, wurde von den Gewerkschaftsvertretern der besetzten Gebiete als eine völlig undiskutier bare Maßnahme betrachtet, die zum Zerfall des Reichs und zum Triumph der Politif Poincarés führen mußte. Es ist ein Bubenstück ohnegleichen, daß die Parteien des Reichs blocks die eindeutige Haltung der freien Gewerkschaften während des Ruhrkampfes und der Rheinlandkrije gegen die Politik, die mit Ihrem Namen verknüpft ist, in bewußter Absicht unterschlagen und den selbstverständlichen Protest gegen Ihre wie jede andere Ausweisung während des passiven Widerstandes zur Wahlmache aus. schlachten. Die Millionen Mitglieder der freien Gewert fchaften denken nicht daran, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, am 29. März ihre Stimme zu geben. bürgermeister, am 29. März ihre Stimme zu geben. Die Gewerkschaften würden es für ein Verhängnis ansehen, wenn als Nachfolger des Staatsmannes Friedrich Ebert an die Spitze des Deutschen Reiches ein Politiker träte, deffen außenpolitische Pläne zum Glück für die Einheit des Reiches dank dem entschloffenen Widerstand der republikanischen Parteien wie der Gewerkschaften nicht verwirklicht worden sind. Sie werden mit aller Entfichiedenheit ich für den Kandidaten ihres Ber trauens, Otto Braun, einsehen und den Reichsblod bekämpfen, von deffen verlogener Kampfesweise das Flugblatt beredtes Zeugnis ablegt. Berlin, den 27. März 1925. Mit vorzüglicher Hochachtung Leipart, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. In Berlin ift Herr Jarres mit Stresemann für den Sicherheitspalt, der sich beim Verlust Elsaß- Lothringens beruhigt, in Nürnberg ist er mit den Alldeutschen gegen Stresemann und den Sicherheitspakt. Kann so und auch anders. Jarres- Terror. Wie der Landbund für Jarres arbeitet. Die Agrarier möchten wie in den Zeiten vor dem Kriege die Landarbeiter terrorisieren, fie an der Ausübung des Wahlrechts verhindern oder sie geschlossen mit dem Jarres- Zettel zur Wahlurne führen wie es früher in Ostelbien üblich war. Im Organ des Landbundes für Teltow und Berlin findet sich folgende Anweisung an die Ortsgruppenvorstände des Landbundes: Sorgt dafür, daß die Linkswähler am Wahltag zu Hause bleiben." Dazu gesellt sich folgende Anweisung für die Landfrauen: „ Sorgt, daß eure Knechte und Mägde zur Wahlurne gehen! Scrgt aber auch, daß sie richtig wählen!" Diese Anweisung zum Jarres- Terror auf dem Lande zeigt die Hoffnungen der Landbündler, die sich zurücksehnen zu den kaiserlichen Zeiten, in denen der Landarbeiter der Hörige der Gutsherren mar, fie zeigt aber auch, wes Geistes Kind dieser I arres ist, für den die Agrarier mit solchen Mitteln arbeiten. Feſtſtellung in einer unwirichen Bolemik gegen den Allbeutschen Grubenunglück in Lothringen. Verband, um ihm zu sagen, daß Herr Jarres mit der Außenpolitik des Außenministers Stresemann- Sicherheitspaft, Böllerbund solidarisch fei. In Nürnberg stellten nationalistische Kreise Herrn Jarres eine Reihe von Fragen. Sie forderten, daß der neue Reichspräsident attiv politisch tätig" wäre. Darunter verstanden e, daß er in der Außenpolitik vor allem sich nicht mit dem Verlust Elsaß- Lothringens zufriedengibt und daß er sich in der inneren Politik für eine Rückführung der alten tonstitutionellen Staatsform" einsetzt und die Flaggenfrage nicht etwa im Sinne eines Kompromisses zwischen Schwarz- RotGeld und Schwarz- Weiß- Rot, was nach Ansicht der Herren nur den Hohn der Welt erneuern würde, sondern mit ent= schiedenem Bekenntnis zu Schwarz- Weiß Rot löst. Herr 3arres erflärte, daß er diese Forderungen Wortfür Wort unterschreiben könne. = Fünfzig Tote, viele Schwerverlette. Paris, 26. März.( WTB.) Ju einer Grube der Gemeinde Merlenbach bei Meh ist das Seil des Förderforbes heute nachmittag geriffen. 80 Bergleute sind dadurch eingefchloffen, jedoch hat bis jetzt nicht festgestellt werden können, wieviel Opfer das Unglück gefordert hat. Bis jetzt fonnten nur einige Verletzte ans Tageslicht gebracht werden. Die Direktion verweigert jede Auskunft. Nach den letzten Nachrichten von acht Uhr abends nimmt man an. daß die Zahl der Toten etwa fünfzig beträgt. Bis fechs Uhr abends waren dreißig Mann geborgen, darunter zwei Tote. Zwei weitere Bergleute starben fojort nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus, alle übrigen sind durchweg fehr schwer verlegt. In der Grube befinden sich noch fünfzigmann, die als verloren gelten. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Voftfcheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Sindenstraße 3 Der Aufwertungsbankrott. Der Zusammenbruch der Rechtsdemagogie. 3wei Tage vor der Präsidentenmahl hat die Reichsregierung es für notwendig gefunden, das frisch aufpolierte Bureaufraten herauszuholen. Die Papiermarkgl Geschenk der Aufwertung aus den Schubladen ihrer eifrigen biger und Sparer, die sich zur Stimmabgabe für die Deutschnationalen unter dem Eindruck pompöser Wahlverfprechungen entschlossen hatten, werden die versprochenen Raum ein paar kümmerliche Goldstäubchen bleiben für sie goldenen Berge allerdings mit der Lupe suchen müssen. Kriegs-, Inflations- und Ruhrkampfgewinner I a chen sich übrig. Die großen Konzernbesizer aber, die ins Fäust chen. Nicht einmal die Auswertung der Industrieobligationen hat man für notwendig befunden. Hätte doch sie die gewaltigen Gewinne der Sachwertbefizer aus der Zeit größter Not des Bolles etwas beloften fönnen. Die beiden Geseze, die jetzt vorliegen und die dem Reichsrat zugeleitet worden sind, beschränken sich auf die Neuregelung der Aufwertung von hypothefenforderun gen und von öffentlichen Anleihen. Um die festverzinslichen Reichs- und Staatsanleihen gleich Dorweg zu nehmen, so ist die bei ihnen vorgesehene Aufmertung ein echtes Geschenk des Mädchens aus der Fremde. Für jeden ist etwas da. Alle Anleihebesiger erhalten vom Reich die Versicherung, daß 100 M. Kriegsanleihe wie jede andere Anleihe 5 M. wert ist. Das ist eine große Sache. noch gestern sich weigerte, trok offenfundig richtiger BormelNur glaubt fie nicht einmal die Börse, die dungen auch nur 1 M. für 100 M. Kriegsanleihe zu zahlen. Und das ist kein Wunder. Denn 3infen gibt es für diese allgemein aufgewertete Anleihe nicht, ehe die Reparationen und das ist kein Wunder. Denn 3insen gibt es für diese Anleihetitel befigt, gibt diese zurück und erhält dafür in Höhe erledigt sind. Jeder deutsche Staatsbürger, der noch derartige von 5 Broz. des Nominalwertes ein anderes Papier, die Anleihe ablösungsschuld". Der glückliche Besitzer darf weder das Bapier fündigen, noch hat er einen Anspruch auf Zinsen. Das Papier ist somit als Tapete vorzüglich geeignet. Aber nicht genug damit: Die Rechtsregierung hat ein tiefempfindendes soziales Herz. Daher bevorzugt sie die alten Kriegsanleihebesiger, die ihre Marfanleihen vor dem 1. Juli 1920 erworben und sie inzwischen nicht veräußert haben. Ei nganzer Segen von schönen Dingen wird diesen Opfern der Inflation versprochen. Auf Antrag wird nämlich diesen Leuten eine Renfe von 5 Bro3. auf ihren Besiz gezahlt. Also wohlgemerkt: 5 roz. auf 5 Proz. des alten Wertes der Anleihen. Wer 10 000 m. Kriegsanleihe. hat, kann demnach, sofern er diese nicht verfauft hat, ganze 25 M. Jahresrente beziehen. Damit er aus Trauer über diese gigantische Aufwertung nicht sein Herz verliert, darf er mit der Anleiheablösungsschuld auch Lotterie spielen. Es werden nämlich neben der Tilgung, die zu 5 Proz. des Wertes erfolgt, auch noch besondere Prämienausiojungen veranstaltet, bei denen der glückliche Gewinner das Bierfache des ihm zustehenden Geldbetrages erhalten kann. Wer Glück also hat, der fann unter Umständen sogar 20 Proz feiner Aufwertungsschuld aus dem Glücksrad ziehen. Sparer, hätten freilich bei derartigen Geschenken die Art vorgezogen, mit der man die Industrie bedacht hat. Diese ,, arme" Industrie, die in der Inflation ihre steckt, als wäre es ein Zigarettenstumme!! Wer aber auch an Substanz vervielfacht hat und dann 715 Millionen einDem Glücksrad noch keine echte Freude hat, wer vor dem Kriege schon sich 30 000 m. beiseite gelegt hat, der kann sogar in den Besitz einer lebenslänglichen Jahresrente von fage und schreibe 600 M. im Höchftfalle gelangen. Wer weniger sparen fonnte, erhält entsprechend geringere Beträge; nach unten sind der Wohltätigkeit feine Schranken gesetzt. Die Diefes ganze Manöver konnte nur vollbracht werden von einer Regierung, der jedes Mitgefühl mit dem Elend der verarmten Sparer fremd, und die ihre Existenz zu einem guten Teil der Aufwertungspropaganda ihrer Auftraggeber verdankt. Dieselben Herren des Großfapitals in Industrie und Landwirtschaft, die bei den legten Reichstagswahlen nicht mit Geld gespart haben, um die Aufwertungsdemagogie der Rechtsparteien zu unterstüßen, fnöpfen jetzt die Taschen zu und verbieten es den ung üdseligen Männern, die jetzt in ihrem Namen die Regierung führen, die Steuerschraube jo anzuspannen, um durch eine ausreichende Belastung des Befizzes einen gerechten Ausgleich der Inflationsschäden auch nur ernsthaft zu versuchen. Es ist der unerhörteste politische Skandal, der je dagewesen ist. Er tommt gerade zurecht, um noch die Entscheidung breiter Wählermaffca in der Präsident schaftswahl zu beeinflussen. Es ist bezeichnend, daß die Regierung es nicht einmal für notwendig hält, für die Aufwertung eine neue Steuer aufzunehmen. Die Spaken pfeifen es von den Dächern, daß der Reichshaushalt den größten Teil seines Bedarjes aus einer gewaltigen steuerlichen Belastung Gefchloffene Vergleiche werden nicht berührt. taufgelbforderung nach allgemeinen Vorschriften, also auch Die Aufwertung der hypothefarisch gesicherten persönlichen Re st über den Normalsak hinaus, wird für alle nach dem 31. Dezember 1911( bisher 1918) begründeten Forderungen zugelassen. In dem Entwurf eines Gefeßes über die Ablösung öffentlicher Anleihen ist eine endgültige und einheitliche Regelung aller Marfanleihen des Reichs, der Länder und der Gemeinden vorgesehen. Die Martanleihen des Reiches, mit Ausnahme der Zwangsanleihe, follen in eine Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches umgetauscht werden. Das Umtauschverhältnis ist bei den Borkriegs- und Kriegsanleihen 5 Proz., bei der Sparprämienanleihe 2% Proj. des Jennbetrages. Die Anleiheablösungsschuld im allgemeinen ist bis zur Erledigung der Reparationsverpflichtungen unverzinslich und nicht tilgbar. der breiten Boltsmassen bestreitet. Die Regierung| ficheren Hypothten anzulegen, der fann sich weiter an der Inuar 1923 zur Hälfte der Aufmertungsbeträge vorgefehen. hat den Abbau der Besit steuern offen proflamiert. Goldmartbereicherung seines Schuldners erfreuen- ganz abganz abDie Verbrauchssteuern werden zum weitaus überwiegenden gesehen davon, daß er ohnehin dem Nennwert nach nur 25, Telle von den großen Schichten der Werftätigen in Stadt in Wirklichkeit aber fnapp 10 Proz. feines ausgeliehenen und Land, aber auch von jenen fleinen Rentnern getragen, Geldes zurüderhält. Derlei hübsche Einzelheiten ließen sich deret Aufwertung" und Anleiherente" in zahl noch vielfach ergänzen. Sie alle fönnen nur bestätigen, was losen Fällen nicht größer sein wird als der Betrag, der Gesamteindrud ohnehin ist: Die Aufwertung ist gar feine der auf sie allein als um fag steuer, 3011 oder sonstige Aufwertung der bestehenden Forderungen, sondern die 2 u fBerbrauchssteuer entfällt. Die Regierung dentt nicht rechterhaltung der Benachteiligung der daran, diese Steuern abzubauen. Biel größer ist ihre Sorge, Papiermartgläubiger und Sparer meit über das daß diejenigen, die der Aufwertung am allermeisten bedürfen, Maß dessen hinaus, das durch die wirtschaftliche Lage der fich diese, felber bezahlen. Gläubiger und die finanzielle Lage des Staates geboten ist. Die Regierung beabsichtigt, im ersten Jahr einen besonderen Fonds von 150 Millionen Mart abzuzmeigen, um die in den Händen der öffentlichen Kaffen und öffentlichen Versicherungen befindlichen Anleiheftücke zu tilgen. Schlaglichtartig beleuchtet das die Situation. Denn dieser Plan befagt nichts anderes, als daß die Regierung fest damit rechnet, die gemeinnüßigen Institute werden den Spazz in der Hand der Brämie und der Rente auf dem Dach vorziehen. Der Spaßz sind die besagten 5 Proz. Anleihetilgungswert. Für den laufenden Dienst der Verzinsung, Til gung, rämienauslofung und der sozialen Rente will die Reichstasse den riesigen Betrag von insge= famt 140 Millionen auswerfen, obwohl das Reich im letzten Ehrtsjahr einen Ueberschuß von mehr als andert halb Milliarden erzielt hat und, wie erwähnt, fein Bedürfnis zeigt, die ergiebigen Berbrauchssteuern abzubauen. 140 mil lionen, während die Inflationsgewinner der Ruhrindustrie ein Gefchent von 715 Millionen Mart erhielten! Die Zukunft muß zeigen, ob das Steuergeschent, das die großen Vermögen durch den Abbau der Befigsteuern erhalten, nicht viel größer ist als der Betrag, den man jezt jährlich für die Aufwertung der Inflationsopfer abzweigt. Auf ähnlicher Höhe bemegt sich die Leistung, die in dem Entwurf eines Gesetzes über die Aufwertung von Sypotheten und anderen privatrechtlichen Ansprüchen enthalten find. Zunächst bleibt einmal bis zum Jahre 1928 die fünfzehnprozentige Aufwertung beftehen. Die Zinszahlung feht allerdings etwas früher und mit größeren Beträgen ein. Sie beginnt am 1. Januar d. J. mit 2 Broz, steigt im April auf 5 Proz; vom 1. Januar 1926 an find 5 Proz. Zinsen auf die mit 15 Broz. aufgewerteten Hypotheken zu zahlen. Zu der fünfzehnprozentigen Aufwertung trift nun eine 3ufag aufwertung von zehn Prozent, die vom 1. Januar 1928 ab mit 5 Proz. zu verzinsen ist. War schon der bisherige Kapitalbetrag der Hypothefen aufwartung gering, da die fünfzehn Prozent frühestens am 1. Januar 1932 zurückgefordert werden dürfen, in der Zwischenzeit aber weit unter dem am Geldmartt üblichen Zinssa verzinst werden, so gilt das in noch viel höherem Maße für die zehnprozentige Busahaufwertung. Denn für sie beginnt die Zinszahlung erft 1928, zurückgefordert werden dürfen sie aber erst 1940. Wollte jemand einen derartigen Kapitalanspruch aus der Zusagauswertung heute verkaufen, so würde er sicherlich feine vier Prozent feiner Snpothefenschuld daraus erzielen! So sieht die Bujagaufwertung" aus! Nehmt alles nur in allem: Es wäre der größte Boltsbetrug, wollte man diese Aufwertung als die Erfüllung der von den Deutschnationalen gegebenen Versprechun gen ansehen. Die Vorlage ist Geist vom Geiste des Rechts blods, der jeht nach unumschränkter Herrschaft strebt und die Staatsgemalt schüßend vor den Geldbeutel der und die Staatsgemalt schüßend vor den Geldbeutel der Besitzenden stellen will. Die Aufwertungsvorlage ist die denkbefte Propaganda gegen die Präsidentschaftskandidatur des Rechtsblodkandidaten Jarres und ein neuer Beweis dafür, daß der erste Beamte des Reichs nur ein fozial empfindender Mann sein fann und darf. Für alle, die aus der Geschichte der letzten Monate gelernt haben, ist dieser Mann der Kandidat der Sozialdemokratie: Otto Braun Die Regierungsvorlagen. Amtliche Inhaltsangabe. Zum Zwed der endgültigen Lösung der Aufwertungsfrage hat die Reichsregierung den gefeßgebenden Körperschaften die Entwürfe eines Gefeßes über die Aufwertung von Hypotheken und anderen privatrechtlichen Ansprüchen( Aufwertungsgesez) und eines Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen zugeleitet. Der Entwurf des neuen Aufwertungsgesetzes bringt für hypothefen, Grundschulden und Reallasten sowie für hypothetarisch geficherte Forderungen eine Erhöhung des Aufwertungsfages von 15 auf 25 Pro3., menn die genannten Rechte zur Seit des Erwerbes innerhalb der ersten Hälfte des Wehrbeitrags. mertes bes belafteten Grundstudes lagen. Der Entwurf hält unter blehnung der Individualaufwertung an der schematischen Aufwertung nach festen Hundertfäßen des Goldmartbetrages des aufzuwertenden Rechts fest, wobei es bei der Abweichend von dieser allgemeinen Regelung werden Anleihe. altbefizer, d. h. Bersonen, die seit dem 1. Juli 1920 ihre Marfanleihen ununterbrochen befizen, bevorzugt behandelt. Für die Anleiheablösungsschuld, die sie für ihre alien Anleihen er halten, werden jährlich rund 140 Millionen Reichs= mar? verausgabt. Dieser Betrag entspricht schähungsweise 14 Prozent der Ablösungsschuld der Altbesitzer. Gr ist mehr als drei Viertel der Aufwendungen, die das Reich im Er Jahre 1914 für die Berzinsung seiner Anleihen zu machen hatte. 50 Millionen Reichsmart diefer Summe werden bei Zugrundelegung einer Sägung von 20 Milliarden Mart Altbefizanleihen dazu verwendet, die Anleiheablösungsschuld der Altbefizer mit 5 Prozent jährlich in Form einer selbständigen Rente zu verzinsen. 25 Millionen Reichsmart der Anleiheablösungsschuld der Altbesizer werden jährlich zum Nennbetrage getilgt. Weitere 25 Millionen werden für Prämien bis zum Vierfachen des Nennbetrages der ausgeloften Anleiheſtücke verwendet. Auf diese Weise erhält ein Teil der Altbesiger eine Aufwertung bis auf 25 Proz. ihrer alten Anleihen. Dies wird den Kurs der Wertpapiere der Altbesitzer günstig beeinflussen. Den Anleihealtbefizern werden die Mündel fowie die Stif tungen und Anstalten gleichgestellt, die zur mündelsicheren Anlage ihres Bermögens jagungsgemäß verpflichtet waren, auch wenn sie Anleihen nach dem 1. Juli 1920, aber vor dem 1. Juli 1923 erworben haben. Eine Unterbrechung der Auslofung soll nur für den Fall vorbehalten bleiben, daß die fünftige Finanzlage des Reiches es unbedingt erforderlich machen sollte. Neben dieser allgemeinen Prämienaustofung erhalten die Altbefizer von Kriegsanleihen im Falle ihrer Bedürftigkeit bis zu Prozent ihrer alten Marfanleihen; dies wird schäßungsweise 40 Mileinem höchft betrage eine jährliche Rente von zwei lionen RM. jährlich erfordern. Diese regelmäßigen Leistungen für die Anleiheablösungsschuld follen ergänzt werden durch künftige Einnahmen des Reiches aus den Dividenden der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Mit diefen Mitteln soll die Tilgung der Anleiheablösungsschuld der Altbefizer verstärft werden, ein Teil der Mittel foll für die Tilgung der Ablösungsschulb der Neubefizer Berwendung finden. Es ist gar nicht zu verkennen, daß diefer Gesezentwurf gegenüber der vollkommenen unzulänglichkeit der dritten Steuernotverordnung flaine Berbesserungen bringt. Diese Berbesserungen stehen aber in gar feinem Verhältnis zu den Möglichtelt der Herabsehung zugunsten des Schuldners Darüber hinaus soll noch ein einmaliger Betrag von etwa Bahlen, die im amtlichen Rommuniqué genannt werden; fie bleibt. Der Goldmartbetrag soll nicht melye über den Dollar be. 150 Millionen RM. für eine erstmalige größere Borzugsstehen auch in gar feinem Verhältnis zu der Steuertraft rechnet werden, sondern zur Berücksichtigung der inneren Kauf tilgung der Altbefizanleihen der Sparfaffen, der Träger der eines Balfes, das jährlich über 7 Milliarden allein an Reichstraft bet Mart nach einer aus Dollarinder und Großhandels- Sozialversicherung und der Bedürftigen mit einem Kriegs steuern aufbringt. inder ermittelten, für bestimmte Zettabschnitte festgesetzten Me Banleihealtbesig von weniger als 1000 Mt. zur Verfügung gestellt zahl Die neugewährte Zusagaufwertung von 10 Prog. soll an bereitester Stelle in der zweiten Hälfte des jegigen Grundstüds. tümergrundschuld im Grundbuch eingetragen werden. mertes hinter einer für rebitamede vorzubehaltenden Eigen Es würde zu weit führen, wollte man die vielen fleinen Härten im einzelnen aufzählen, die in den Gesetzentwürfen noch für Sparer und sonstige Papiermartgläubiger enthalten find. So hat sich z. B. herausgestellt, daß, die Anwendung des Dollarinder bei der Berechnung einer Schuld aus den Inflationsjahren der tatsächlichen Leistung des Gläubigers feine Rechnung trägt, weil die Kauffraft des Geldes im InIand viel größer war als im Ausland. So war Dezember 1920 die Mart schon auf 5,7 Bf. gesunken, während Hie im Inland damals noch rund das Doppelte davon mert war. Was tut nun das Reichskabinett? Es sucht denjenigen Inder, der für die Gläubiger der ameitschlechteste ist, nämlich eine Mischung von Dollar und Großhandlesinder, während der Lebenshaltungsindeg das Gegebene wäre. Wer also so dumm war, noch 1920 sein Vermögen in mündelDie sterbenden Boulevards". Bon Hanns Erich Kaminski( Baris.) Die Pariser Journalisten find seit einiger Zeit die glüdlichen Befizer eines traurigen Themas. Keine Zeitung und feine Zeit schrift, die nicht mindestens einen Leitartikel bringt, der sich wie eine Elegie in Prosa lieft. Biographien und Memoiren werden hervorgeholt, Anekdoten erzählt, Berse und Jahreszahlen zitiert. Selbstverständlich fehlen auch die alten Herren nicht, die in einem etwas umständlichen Stil von jener fernen Zeit erzählen, in der bekanntlich alles beffer war. Kurz, es entwidelt sich das ganze Gepränge, das der moderne Journalismus für berühmte Tote zur Ber fügung hat. In Wirklichkeit ist die Sache nicht ganz so schlimm. Es find nur ein paar Häufer, die geopfert werden, um einem Straßenburch bruch Play zu machen. Aber einmal find die 3eitungen, wie man weiß, immer auf der Suche nach intereffantem Stoff, und dann ist ein bißchen Melancholie und ein bißchen Lokalpatriotismus zwischen den ewigen Ministerreben und Prozeßberichten eine recht angenehme Abwechslung. Immerhin, etwas von diesem fettgebrudten Schmerz empfindet sicher jeder alte Pariser, und auch der Ausländer fann ihm das nachfühlen. Denn so ein altes Haus ist immer ein Stüd Befchichte, besonders menn es, wie diese Tobeskandidaten, auf den großen Boulevards liegt. Und diese liegen nun gar noch auf dem Boulevard des Italiens, dicht an der Oper. im Herzen von Paris. Da ist es leicht, Erinne. rungen wachzurufen. Denn die Generationen, die hier gewohnt haben, fonnten durch ihre Fenster ein paar entscheidende Atte ber Weltgeschichte ansehen, in den winfligen Passagen, die jetzt verschwinden, haben viele interessante Persönlichkeiten flaniert, an ben Tischen der ein bißchen umbequemen Cafés haben europäische Berühmtheiten geseifen, und in den fleinen Buchhandlungen haben ein paar geistige Revolutionen das Licht der Deffentlichkeit erblickt. Es find historische und literarische Häuser. An ihre Stelle werden nun wohl bald die amerikanischen Restaurants, die Bant- und Rinopaläste treten, die die alten Bariler mit Abscheu erfüllen.„ Die Boulevards merden immer mehr amerikanisiert," jammern diese Romantiker, und sie verachten bei nahe die netten fleinen Mädchen, die sich die Lichtreklamen ansehen, por den Radiolautsprechern stehen bleiben und in die Kinos gehen, von denen eins neulich zu Ehren eines Harald- Lloyd- Films alle feine Blaganweiserinnen mit schwarzen Herrenjacketts, flachen Strohhüten und riesigen Hornbrillen befleidet hatte. Man soll den alten Beuten, die sich nicht mehr mit den netten fleinen Mädchen amüsieren fönnen, ihre melancholischen Erinnerungen gönnen. Aber ich denke mir, daß ihre Großväter genau jo getlagt haben werden, als Haußmann, der große Architekt Napoleons Des Dritten, gange häujerironten niederris, um Blog für die breiten I Nach dem Entwurf wird der Aufwertungsbetrag vom 1. Januar 1925 ab mit 2 Broz, vom 1. April 1925 ab mit 4 Broz. und vom 1. Januar 1926 ab mit 5 Broz. verzinst. Die Verzinsung der ufahaufwertung soll am 1. Januar 1928 mit 5 Broz. beginnen. In feinem Falle follen aber höhere 3infen gezahlt werden als die vereinbarten. Die Bahlung des Aufwertungsbetrages foll, wie schon bisher, nicht vor dem 1. Januar 1932 verlangt werden fönnen; die Aufwertungsstelle tann aber Abschlagszahlungen bis lángstens 1985 gewähren. Die Zufagaufwertung zahlungen bis längstens 1935 gewähren. Die Zusatzaufwertung tann der Schuldner mit furzer Kündigungsfrist vorzeitig zahlen. von 10 Proz. foll bis 1940 gestundet werden. In allen Fällen Für Hypotheken und andere dinglichen Rechte sowie hypothetarisch gesicherte Forderungen ist eine Rüd wirtung bis zum 1. Ja. Straßen zu schaffen, die der Stolz von Paris find. Es find gerade, schöne Straßen mit eleganten Geschäften und bunten Schaufenstern, an denen die Einheimischen schnell und die Fremden langsam vor beigehen. Im großen ganzen sehen sie jedoch wie alle modernen Straßen in den Großstädten der ganzen Welt aus. „ Die sterbenden Boulevards" ach, lieber Leser, ich will dir ein Geheimnis verraten: Die Boulevards gibt es gar nicht und hat es wahrscheinlich auch nie gegeben. Die Boulevards, an die fich die alten Pariser zu erinnern glauben, und von denen die jungen Beute in Bufarest und Valparaiso träumen, sind die Erfindung von einem halben Dugend großer Schriftsteller. Die Bariser haben darum sehr unrecht, über ihren Tod oder ihre Amerikanisierung zu jammern. Denn diese Boulevards, auf denen Bater Goriot, Mimi Binson, der Graf von Monte Chrifto und die Rougon- Macquarts wandeln, find unsterblich. Ehrt eure deutschen Meister! gedruckt werden. Auch gekauft und gelesen werden hier mehr Bücher Deutschland ist noch immer das Land, in dem die meisten Bücher als irgendwo anders, obwohl es mit dem Kaufen etwas bedenklich fteht, da die Bibliotheken noch immer mit wenigen Eremplaren einen großen Leserkreis versorgen. Aber immerhin, Deutschland ist ein ausgesprochenes Bücherland. Nur fehlt leider eines, die Achtung vor der Form des Buches, vor feinem Aussehen, der Ausstattung usw. Diese Achtung ist auf den fleinen Kreis der Bücherliebhaber, die man mit der gelehrten Bezeichnung Bibliophile" nennt, beschränkt, und in meiten Kreisen hält man das schön ausgestattete Buch für einen Zugus, ben sich nur der Bohlhabende leiften fönne. Dit Unrecht, daß Schönheit„ Kaviar fürs Bolt" fei, daß diesem nur mit praktisch die ganze Anschauung ist nur eine Folgeerscheinung des Glaubens, brauchbaren Dingen gedient sei. Wir sind eben noch weit entfernt lichen Bedarfes auch schön sei, um ständig Schönheit ins Alltags. von der selbstverständlichen Forderung, daß ein Gegenstand des täg leben hineinzutragen. Und das fann ein Buch ebenso gut leisten wie irgendein anderer Gegenstand, ohne darum mehr zu foften. Wie leicht das möglich ist, wenn nur der gute Wille da ist, zeigt ein Bergleich zweier fürzlich erschienenen Gesamtausgaben, eines großen deutschen und eines großen franzöfifchen Novellendichters, nämlich vpn Berte Henses ist gedruckt auf einem troftlofen, dünnen holzhaltigen Paul Heyse und Guy de Maupassant. Die Ausgabe der Papier, mit schmalen Rändern; damit sich das Bapier nicht in seiner schrift, d. h. einer ganz gewöhnlichen Type, die der Drud jür alt ganzen troftlojen termlichkeit zeige, mit einer fogenannten Brot und jede Arbeit nimmt, wenn es ihm ganz gleichgültig ist, wie sie aussieht. Und diese so jämmerlich ausgestatteten Bände tosten 5 m. das Stück, sind also noch nicht einmal billig zu nennen. Wie anders chrt das französische Bolt seinen Dichter! Die Ausgabe der Werte von Maupassant, die der Berlag 2. Couard herausgebracht hat, erfreut das Auge des Lesers auf jeder Seite von neuem, reizt durch ihre Schönheit zu immer neuer Lektüre, bietet geistigen Genuß und Augenweide zugleich. Gedruckt auf herrlichem, gelbgetöntem van- Geldern- Bütten, mit einer schönen, großen und flaren Antiquafchrift, die an allen Seiten einen breiten Rand frei | merden. Die Martanleihen der Länder und Gemeinden werden gleichfalls im Verhältnis von 5 Pro3. in Ablösungsanleihen umgetauscht. Den Ländern und Gemeinden ist es überlaffen, ob auch sie eine Unterscheidung zwischen Alt- und Neubelikern vornehmen mindestens 5 Broz. und höchstens 10 Proz. zu verzinsen oder wollen. Die Anleihen der Länder und Gemeinden sind jährlich mit zu tilgen. Einnahmen der Länder und Gemeinden aus werbenden Betrieben sind zu einer Verstärkung des Anleihedienstes in gewiffem Umfange heranzuziehen. muß nach einer heftigen Erfrankung einige Zeit feinem Amte feine Reichsbahn- Generaldirektor Defer muß vertreten werden; er bleiben. Im Einverständnis mit Deser hat der Verwaltungerat den Staatssekretär a. D. Dr. Stieler zum Vertreter Defers bestellt. läßt, wie es sich bei solch edlem Papier geziemt, verrät sie einen beneibenswert hohen Grad tünstlerischer Kultur. Und jeder dieser prachtvollen Bände fostet mur 15 Fr. 3 M.!, meit weniger als die trostlosen Bände der deutschen Ausgabe. 3eigt nicht dieses Beispiel, daß man auch dem weniger Bemittelten ein wahrhaft schönes Buch bieten tann, wenn nur der Berleger will? Dr. H. Die gefährdete Flunder. Gelegentlich ber Hauptversammlung des Fischereiverbandes von Reu- Borpommern und Rügen, die in Stralsund stattfand, mußte auch über Schonmaßnahmen in der Ditsee zur Erhaltung des Blattfischbestandes verhandelt werden, da zu befürchten ist, daß bei der jeßigen Ausnuzung der Fischerei der gesamte Schollenbestand in 3 bis 4 Jahren weggefangen jein wird! Fischen, die unsymmetrische, plattgebrüdte Körper, verdrehte Köpfe Die Schollen oder Plattfische sind jene merkwürdige Sippe von und schiefe Mäuler haben und deren bekannteste Sorten die GoldLutte, die Flundern, die Aalbutte, die Steinbutte und die Heiloutle find. Ahlbeck ist z. B. durch seine Flundernfänge schon weltbekannt würde, wenn es in den pommerichen Bädern keine Flundern mehr gewesen, bevor es Seebad wurde. Man bedente, was es bedeuten Fischer find. Also ist es wirklich hohe Beit, daß der bisherige be gäbe! Bumal die Flundern doch der Hauptfang der pommerschen dentenlose Raubbau an den Schollenbeständen aufhört. Der Kuriosität halber möge hier noch die nicht allgemein befannie Tathinauffteigt, daß er schon bei Trier in der Mosel, bet Mainz im fache erwähnt sein, daß der Flunder in den großen Flüssen so weit Rhein, bei Klingenberg im Main und bei Meißen in der Elbe gefangen wurde, daß der Steinbutt bis zu 80 Kilogramm schwer und der Heilbutt bis zu 4 Meter lang wird. ganz der Verwertung der Strahlen für die Heilwissenschaft gewidmet Ein„ Strahlenhaus" in Bremen. Ein besonderes Haus, das ift, wurde als Teil der städtischen Krantenanstalten in Bremen vor auf dem Gelände der Krantenanstalten errichtet worden ist, soll. furzem eingeweiht. Dieser Neubau, der als selbständiges Institut wie in der Klinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, diagnostischen und therapeutischen Aufgaben dienen. und starten im Sturm, Botsdamer Str. 184a( 2tom 4442) Die Sturmballnachfeier findet am 28., 9 Uhr im 800 ftatt. Einladungen ftellungen mit ihrem Partner Bladimiroff im Theater im Admirals. palast geben. Tamara Karjavina wird am 1. und 2. April, 8 Uhr abends, zwei Bor. 2. April, 8 Uhr, im Blutbner- Saal ein Konzert, in dem außer Berken von Die Mirberfächliche Mufifvereinigung beranſtaltet am Donnerstag, Beethoven und Brahms Borpswebe". von Poul Scheinpflug, Dichtung von Franz Diederich, aus Anlaß des 60. Geburtstages des bor 4 Jahren verstorbenen Dichters zum Vortrag gelangen. Starten su 1 und 2 Mt. bei Horich, Engelufer 25. Der Streit um die Prominenten. Der Deutsche Bühnen- Berein und der Berband Berliner Bühnenleiter werden Sonnabend, yormittags 11 br, gu dium der Genossenschaft Deutscher Bühnen Angehörigen zusammentreten. erneuten Verhandlungen in Eachen der Gegentonvention mit den Präsi für nachmittags 5 Uhr des gleichen Tages ist zur Entgegennahme des Berichtes des Präsidiums eine Bollversammlung der beteiligten Berliner Bühnenmitglieder in die Genoffenschaft einberufen. Die Obstruktion in Preußen. Vergebliche Sabotage der Rechten. Der gestrige Auszug der vereinigten staatserhaltenden Opposition von Pieck bis Campe aus der Sitzung des Ständi- gen Ausschusses der Preußischen Landtags hat den Kampf um die Macht in Preußen erheblich verschärft. Die Ob- struktionsversuche der vereinigten Rechten beweisen deutlich. daß es den Reaktionären darauf ankommt, mit allen Mitteln der Erpressung das Staatsgefüge zu erschüttern, um aus die Weise doch noch zu ihrem Ziel zu kommen. Zu- nächst soll durch diesen Kampf die Stellung des Ministerpräsi- dentcn Marx ünWahlkampf um den Reichspräsidenten- Posten erschüttert werden. Deswegen vor kurzem die Ableh- nung einer Kandidatur Dr. Marx, solange er Wahlkandidat sei."Daß andere Ministerpräsidenten wie Held und Hellpach sich auch bewerben, stört die Rechtsparteien nicht. Aus dem- selben Grunde verlangten sie gestern seine Anwesenheit, damit ihre Angriffe gegen ihn eine bessere Begleitmusik zu ihrer etwas eingeschlafenen Wahlkampagne gäben. Alle diese Absichten sind an dem geschlossenen Widerstand der Koalitions- Parteien gescheitert, die eben doch der gefestigtere und aktions- fähigere Block im Landtag sind. Im übrigen wird der neue Kampf um Preußen i n» direkt durch die Reichspräsidentenwahl vorbereitet. Bereits das Wahlergebnis vom Sonntag wird den weiteren Ber- lauf der Dinge wesentlich beeinflussen, und wenn aus der Wahl ein republikanischer Kandidat als Sieger endgültig hervor- gehen wird, muß sich zeigen, ob die Rechte noch w e i t e r den Mut hat, ihre aussichtslose Obstruktion fortzusetzen. Fügt sie sich auch dann den wirküchen Mehrheitsverhältnissen nicht, dann bleibt nur die Auflösung, und diese Auflösung wird ein« gründliche Abrechnung mit den verbündeten Kom- inunisten und Deutschnationalen werden. Die Herrschaften scllen sich darüber nicht täuschen, daß diese Abrechnung ihnen teuer zu stehen kommt._ Das �nti-Strefemann-Oeü. Die„KreuzZ-eitung" umgeht das Schweigegebot. Di« dcutschnationale Presse hält im allgemeinen das Gebot streng ein. über den außenpolitischen Konflikt in Regierung und deutschnationaler Fraktion zu schweigen bis noch der Wahl. Die„Sreuz-Zeitung" umgeht das Schweigegebot nach ihrer Fasson, indem sie gegen— den„Vorwärts� polemisiert. Sie knüpft an unsere Feststellung an, daß ein Lehrer in der Berliner Umgegend Schulkindern eine nationa- listische Umdichtung des Straßburgliedes gelehrt habe. Sie gibt die Umdichtung wieder: .Verraten, erschlagen, viel Hunderttausend tatl Auf Strasburg welsche Fahnen verhöhnen deutsch« Rotl Laßt flattern, laßt rauschen, und schwand auch unser Glück, O Straßburg, o Straßburg, wir holen dich zurück. O Straßburg, o Straßburg, mir tut das Herz so weh, Wenn ich auf deinen Zinnen die Trikolore seh'. O Straßburg, o Straßburg, wir schwör'n dir's in den Tod. Bald weht auf deinen Zinnen die Flagge Schwarz. Weiß-Rot' Sie setzt hinzu:.Treffliche Verse! Jedem Deutschen aus der Seele gesprochen!" Die Polemik der„Kreuz-Zeitung" segelt unter falscher Adresse. Sie will sich nicht über uns entrüsten, sondern Herrn Stresemann ihre Antwort auf den Sicherheitspakt geben.— Hat sie sich aber auch vergewissert, daß Herr Schiele und sein« deutschnationalen Ministerkollegen zu den Schwüren des Anti-Stresemann-Liedes stehen? Hegen Luüenöorffs Konkurrenz. Generelles Verbot von Hitler-Versammluage«. München. 26. Mär,. lWTB.) Dem.Völlischen Beobachter' zufolge sollen die Kreisregierungen durch einen Erlaß des bayerischen JimenmmiNerS ersucht worden sein, keinesfalls Hitler- Beilammlungen zuzulassen. Verbote sollen mit der im Münchener Fall erfolgten Begründung gestützt werden. Hitlers Verhandlunge« mit Reventlow und Wulle. Eine Korrespondenz veröffentlicht das Protokoll über«ine am 13. März im Reichstagsgebäude in Berlin abgehaltene Be- f p r e ch u n g, die zwischen Hitler, Straffer, Dr. Frick und Feder einerseits und Graf Reventlow, Wulle, Stöhr und Fahrenhorst andererseits über die Frage der Reichs« Präsidentenwahl stattgefunden hat. Laut diesem Protokoll führte Hitler in dieser Besprechung sol- gcndes aus: .Ich komme lediglich, um«inen entscheidenden Punkt zu er» örtern. Es handelt sich um die bevorstehende Wahl des Reichs� Präsidenten Diese ist natürlich ebenso unwichtig wie alle Wahlen. die bisher stattgefunden haben. Es ist vollkommen gleichgültig, wer tandidiert. Don diesem Standpunkt aus gesehen, ist der s ch l e ch- ieste der Kandidaten gerade gut genug; denn auf diese Weise kann man dem Volke am deuilichsten zeigen, worauf es an- iommt, um dem Novemberregime ein Ende zu bereiten. Hingegen ist der Kampf gegen einen schcinnationalen Präsidenten viel schwieriger. Man kann der Meinung sein, daß das kleinere Uebel vorzuziehen ist. Das kann aber m. E. nur für die Stichwahl in Frage kommen. Im ersten Wahlgang darf keine Bewegung wie die meiniqe. die jung ist, und auswärt» strebt, daraus verzichten, ihre Aichänger fest in die Hand zu nehmen. Wahlcnthaltung gibt es selbstverständlich nicht. Das könnte ich meinen Anhängern heute nicht mehr zumuten. Wenn wir vielleicht zwei Millionen Stimmen aufbringen und so viel bekommen, wie nach den sorgfältigen Be- rechnunaen. die ich aufgestellt habe, dann können wir sie in der Stichwahl sehr gewichtig in die Wagschalo werfen. Ich bin also unter allen Umständen für einen eigenen Kandidaten. Es kommt darauf an, daß das ein Mann ist, der ganz allgemein als der aus» gesprochene Gegensatz zu der bisherigen Richtung in die Augen Mr. Das ist nach ineiiien Erwägungen nur Ludendorsf. Er braucht keine Erklärung abzugeben. Er braucht und darf keine Rede halten. Damit würde auch da» Verbrechen, diesen Mann i n d i e s e- Parlament gezerrt zu haben, wieder gutgemacht und er in der Rolle gezeigt werden, die er eigentlich zu spielen hätte. Ich bin ja nicht so naiv, anzunehmen, daß er diesmal gewählt werden könnte Die Kandidatur als solche ist vielmehr v o l l k o m- men aussichtslos. E» standest sich, wie gesagt, einzig und allein um die vrinzlpielle Bedeutung dieser Kandidatur. Aus diesem gemeinsamen Vorgehen könnte sich nach und nach wieder ein« fester« Form de« Zusammenarbeitens unserer beiden Richtungen, nicht in organisatorischer, wohl aber in ideeller Beziehung entwickele' Reventlow und seine Freunde zogen sich dann zu einer kurzen Beratung zurück, deren Ergebnis Reventlow folgendermaßen darlegte: ..Wir sind nicht in der Lage, auf den Vorschlag Hitlers ein» zugehen, erstens weil wir seine siolitischc Rechnung für unrichtig halten, zweitens mit Rücksicht aus General Ludendorsf. wir sind insbesondere auch nicht in der Lage anzuerkennen, daß es besser fei, wenn der schlechteste der Kandidaten gewähst würde. Das Amt des Reichspräsidenten ist doch so ungeheuer wichtig und seine Macht» befugnissc sind so groß, daß wir von vornherein dem national Zu- verlässigsten unter den Kandidaten den Vorzug geben müssen, da, wie Hitler selbst anerkennt, eine Kandidatur mit Ludendorsf keine Aussicht auf Erfolg bietet." Stöhr erklärte hierzu:.Das politische Ansehen Ludendorfss befindet sich infolge der infamen Wühlarbeit der Gegner und unserer unzulänglichen Abwchrmittel aus einem bedauerlichen Tiefstand. Trotzdem wollen wir Ludendorsf aus unserer politischen Kalkulation nicht ausschließen, im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß wir in wenigen Jahren vor einer rvollkommen veränderten Lage stehen werden, und dauu eine politische Macht geworden sind. Für diese unsere Stunde wollen wir den General zur Verfügung hallen. Des- halb würde ich mich dagegen leidenschaftlich auslehnen, daß der Rest seines politischen Ansehens in einem vollkommen aussichtslosen Kampf um den Präsidentenposten verwirtschaftet wird. Hitler bekundet einen starken Optimismus, wenn er sagt, daß wir zwei Millionen Stimmen aufbringen würden. Ich bin der Ansicht, daß wir ungefähr 10 proz.. aber kaum mehr als 500 006 Stimmen bekommen würden." wulle:„Auch ich möchte nachdrücklichst betonen, daß es mir nie in den Sinn gekommen ist, Ludendorsf zuzumuten, eine so unglückliche Rolle zu übernehmen, wie sie ihm von Hitler zugedacht ist. Es unterliegt auch für mich gar keinem Zweifel, daß wir über Jahr und Tag in unserer Existenz als polltische Bewegung vollkommen gesichert und achtunggebietend dastehen werden. Wir würden diese gesunde Entwicklung in verhängnisvoller Weise stören und unterbrechen, wenn wir trotz der geringsten Aussicht auf Erfolg das Odium auf uns laden wollten, an» der Nationalfront ausgebrochen zu sein und damit vielleicht den Sieg dieses Kandidaten verhindert zu haben." Hitler:..Ein Ausbrechen aus der Nationalfront kommt für mich und meine Bewegung nicht in Frage, da wir niemals in einer solchen Front gestanden haben." sZurus Fahrenhorsts:„wir auch nicht.") � Stöhr:„Es handelt sich. Herr Hitler, lediglich um einen einzigen besonderen Fall, nämlich um die bevorstehende Präsident wähl, bei der nur durch Geschlossenheit aller nationalen Kreil« der Sleg eines Marxisten oder eine» Ultra. montanen zu verhindern ist." Hiller:„Ich möchte kein Wort von dem zurücknehmen, was ich gesagt habe. Nachdem Sie aber einmütig und, wie ich glaube, endgültig Ihren ablehnenden Standpunkt zum Aus- druck gebracht haben, muß ich sehen, was weiter zu tun ist. Die Mission, die mich hierher geführt hat, dürfte beendet sein." Stöhr:„Ich glaube, daß wir fertig sind." Dieses Protokoll ist im unmittelbaren Anschluß an die Unter- redung angefertigt und dann von allen Teilnehmern unterzeichnet worden. Im Anschluß an die offiziellen Besprechungen ent- wickelte sich dann noch eine Unterhaltung inoffizieller Art, bei der Hitler auf die völkische Wahlniederlage vom 7. De- zember zu sprechen kam. Fahrenhorst erwiderte ihm, daß Hitler selbst an dieser Niederlage schuld sei, weil er seine Anhänger und die ganz« Oesfentlichkcit über seine Stellungnahme nicht im u»- klaren hätte lassen dürfen. Hitler behauptete demgegenüber, diese Klarheit hätte bestanden, denn er hätte dreimal öffentlich darauf hingewiesen, daß niemand sich auf ihn berufen dürfe. Im übrigen sollten die norddeutschen Herren froh sein, daß er nicht gesprochen hätte, er hätte sonst damals �f e h r viel Unliebsames für sie sagen müssen. Darauf entgegnete ihm Graf Reventlow:.C» ist sehr schade, Herr Hitler, daß Sie nicht gesprochen haben, denn dann hätten wir ja noch die von uns so heißgewünschte Klarheit rechtzeitig gehabt."— S t r a s s e r, der offensichtlich sehr erregt war, rief darauf noch zwischen Tür und Angel in heftigem Tone zur Gegenseite hinüber:„Sie haben den General Ludendorff getötet und seziert, und wollen sich nun die einzelnen Leichenteile für Ihre politischen Zweck« je nach Bedarf hervorholen." Damit war die Auseinandersetzung zwischen den norddeutschen und süddeutschen Völkischen beendet, und wenige Stunden später verließen Hitler und seine Freunde Berlin wiederum mittels dem. von einer Stuttgarter Firma für diesen Zweck eigens zur Verfügung gestellten Kraftwagen, da Hitler die Benutzung der Eisenbahn verweigert hatte. Hitler hat sich die Kandidatur Ludendorff für diesmal nicht abkaufen lassen. Anders machen's die Wulle und Reventlow. Sie lassen sich ihre„völkische Bewegung" er st mal ordentlich ausdem großenSSckelder Schwerindustrie finanzieren, halten Wohlreden für Iarres, um die eigene Niederlage zu oerdecken, und glauben innerhalb«ines Jahres auf diesem Wege ihre bonke« rotte Firma samt Ludendorff„aufgewertet" zu haben. Diese Aufwertung dürste aber um nichts höher werden. als die von der Luther-Schiele-Regierung für die betrogenen Sparer vorgesehene Kapstalsauswertung, nämlich— nichts! Jarres' ßreunüe. Gage mir, mit wem du umgehst. Auf der Stuttgarter Hauptversammlung des Alldeutschen Ver- bandes sprach dessen Vorsitzender, Justiz rat Claß, diese Wone: „Es ist ein Jammer, daß es Persönlichkelien vom Rang:«ine» Iarres noch in der international und parlamentarisch geleiteten Deutschen Volkspartei aushalten und ihr Ansehen zum Scdaden des Ganzm dem Treiben einer solchen Partei seihen." Herr Claß ist bekanntlich der fanatische Vorkämpfer der natio- nalistischen Phantasten gegen jede vernünftige Außenpolitk. Wenn ausgerechnet dieser Mann Iarres besonders empfiehlt, im Gegensatz zu anderen Männern der Volkspartei(siehe Strese» mann), dann'weiß man, was außenpolitisch von Iarres als Reichspräsidenten zu erwarten ist. Mackere verleumüer". Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Wie skrupellos eine gewisse Presse arbeitet, um den poli- tischen Gegner zu verdächtigen und herabzusetzen, zeigt in seltener Klarheit wieder einmal dos Verhalten des„Deutschen Tage- blatte«" in einer Etappe seines Verleumdungsfeldzuges gegen den Preußischen Minister des Innern, S e o e r i n g. Am 12. März dieses Jahres behauptete das„Deutsche Tageblatt" in einem länge- rcn Anstel, daß der Name des Preußischen Ministers des Inner», Severing, schon vor sechs Iahren in einem„besonders ullersreulichen Zusammenhang" mit der Verschiebung eines großen Postens Schuhe in» Ausland aufgetaucht sei. und zwar als Bevollmächtigter für Ein- und Ausfuhrbewilligung. Zum Beweise dafür zitierte das .Deutsche Tageblatt" scheinbar wörtlich eine Kleine Anfrage, die von einigen Zentrumsabgeardneten der Weimarer National- Versammlung im Dezember ISIS an die Reichsregierung gestellt war. In dem Abdruck des Wortlautes der Anfrage im„Deutschen Tageblatt" wird auch tatsächstch als der Relchsbevollmäch» r i g t e für Ein- tmd Ausfuhrbewilligung, der danach für die Aus- fuhr einer großen Menge Schuhe verantwortlich war, der Raine Severing genannt. Am 13. März 1925 ging dem„Deutschen Tageblatt" aus Grund des§ 11 des Preßgesetzes eine Berich- ttgung des Minister» Severing zu, die feststellt, daß die Angabe | dieses Artikels unwahr sei, daß der Minister Seve- ring mit dieser Angelegenheit nie das mindeste zu tun gehabt habe, daß in der vom„Deutschen Tageblatt" zum Beweis für ihre Behauptungen herangezogenen Kleinen Anfrage der Name Se- vering überhaupt nicht vorkomme., sondern der Name des damaligen Reichskommiffars Görrig. Dies« Berichtigung wurde dem„Deutschen Tageblatt" am 13. März 1925 gegen Empsangsbescheinigung zugestellt. Aber erst am 22. März glaubte das„Deutsche Tageblatt" sich verpfllchtet. diese Berichtigung zu bringen. Es läßt aber seine Behauptung nicht etwa fallen, sondern beruft sich auf einen Ausschnitt des „Schwäbischen Dolksboteii" vom 23. Dezember 1919, der der Nachdruck einer gleichlautenden Meldung des WTB. sei, in dem gleich- falls der Name Severing in dem oben genannten Zusammen- hang stände. Und diese Unterloge sei doch so ernsthaft— so meint das„Deutsche Tageblatt"—, daß durch die nach sechs Iahren er- folgte Berichtigung des Ministers Severing die Angelegenheit durchaus nicht geklärt erscheine. Zwar gnügt ein Nachblättern in den Drucksachen der Weimarer Nationalversammlung, um die völlige Haltlosigkeit der Verleumdung des„Deutschen Tageblattes" zu erweisen. Aber auf eine Klarstellung kommt es ja gerade dem„Deutschen Tageblatt" nicht an, sondern nur auf Verleumdung und Verdunkelung. Der Minister Severing hat wegen Verstoß«» gegen den§ 11 des Reichsgesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 Strafantrag gestellt. Darüber hinaus fei aber diese Art journalistisch-politischen Kampfes in aller Oeffent- lichkeit angeprangert. Genosse tzorn-Stettin gestorben. Im Aller von 59 Iahren ist in Stettin Genosse August Horn gestorben. Im Memelland geboren, erlernte er die Schuhmacherei und war von 1890 an selbständiger Meister. Schon 1889 unter dem Bismarckschen Schandgesetz trat er der Partei bei. 1899 bis 1905 war er Revisor im Stettiner Konsum- und Sparverein, seit 1905 Partei- sekretär für Pommern. Seit 1919 gehörte er der Stettiner Stadt- Verwaltung als Stadtverordneter, bald als Stadtrat an. 1920 wurde er als Kandidat der USP. in den Reichstag gewähst, dem er bis zum Mai 1924 und feit dem 7. Dezember 1924 wieder angehört hat. Genosse Horn gehörte zu den Allen, die ihre ganze Lebens- arbeit in den Dienst des Sozialismus gestellt hatten. Die Stettiner Genossen verlieren in ihm einen unermüdlichen Arbeiter, der in seinem Wirkungskreis unter schwierigen Derhältnsssen immer seinen Mann gestanden und zum Aufstieg der Partei beigetragen hat. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten. Der Kurs gegen üie Gemeinüen. Immer mehr zeigt sich, daß die finanz- und wirtschafts- politische Einstellung des Rechtsblocke unter dem Ein- fluß der Privatwirtschaft, namentlich der Bolkepartei und der Wirtschaftspartei, einen ausgesprochen gemeindeseind- lichen Kurs zur Folge hat. Schon bei der ersten Beratung des Finanzausgleichsgesetzes tm Steuerausschuß des Reichstags haben die Herren von der Industrie und Wirtschaft jn der unver- hülltesten Weise ihre Abneigung gegen die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden Ausdruck gegeben. Die Erledigung des Finanzaus» aleichs stellt sich vom Standpunkt dieser Kreise au» nicht nur als ein Problem der zweckmäßigen Verteilung von Steuern und Steucrerträgnijsen auf die verschiedenen Zweige der öffentlichen Ver. waltung dar, sondern man hosst bei dieser Gelegenheit auch, den Aktionsradus der Gemeinden nach Möglichkeit einengen zu können. Es herrscht eine ausgesprochen antikomm m st- nale Stimmung. Wie weit diese Feindschaft gegen die Ge- meinden geht, zeigt ein Beschluß des volkswirtschaftlichen Reichs- togsausschusses, der gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ge- faßt wurde. In ihm wird die Reichsregierung ersucht „1. in den Reichsverwaltungen die in das Gebiet des gewerb- lichen Mittelstandes fallenden Arbeiten und Lieferungen, soweit dieselben nicht in beschränktem Umfange, z. B zur Ausbildung der Angehsrigen der Reichswehr, nötig sind, grundsätzlich durch die fteien Berufe und weder direkt noch indirekt durch die Verwaltungen selbst ausführen oder unter- stützen zu lassen: 2. auf die Länderregierungen entsprechend Ziffer 1 einzu- wirken und sie zu ersuchen, auch im Bereiche der Gemeinden die Beseitigung unbegründeter Selbstversor- gungsbetriebe zu erstreben; 3. innerhalb von 6 Monaten dem Reichstag«ine Ueberfichr über die Beteiligung der Rcichsverwaltungen an gewerblichen Lieferunge» und Leistungen als Selb st Unternehmer vor- zulegen; 4. Regie» oder gemeinnützige Betriebe sind in der Steuer- gesetzgebung mit denselben Steuern und Abgaben zu be- lasten wie die Privatbetriebe." Diese letzte Forderung findet sich bekanntlich bereits in dem Gesetzentwurf der Reichsregierung über die„gegenseitige Besteue- rung des Reich», der Länder und Gemeinden" Hier wird die bis- her bestehende teilweise Steuerfreiheit kommunaler Betriebe grund- sätzlich aufgehoben. Mit einer nach außenhin plausibel klin- genden Begründung wird eine in vieleMillionen gehende Belastung de» Konsum-s eingeführt und— woraus es den Drahtziehern dieser Gesetzgebung viel mehr ankommt— der An- griff des Privattapitals gegen die Gemeinde- betriebe systematisch mit politischen Mitteln unterstützt. Krasser kann die Feindschaft des Rechtsblocks gegen die Arbeit der Gemein- den nicht zum Ausdruck kommen als in diesen Entschließungen, die zweifellos von der jetzigen Reichsregicrung gern durchgeführt werden. demotraten-Kunögebung. Massenbesuch im Sportpalast. Im Berliner Sportpalast, wo gestern die Sozioldemokra- tisch« Partei eine gewattige Kundgebung zur Reichspräsidentenwahl und für unseren Genossen Otto Braun veranstaltet hatte, fand gestern eine Kundgebung der Deutschen Demokratischen Partei statt. Auch hier war der Andrang außerordentlich stark, so daß noch Füllung des Saales die Eingänge geschlossen werden mußten und in dem Gartenraum vor dem Sportpalast eine zweite Ver- sammluug abgehallen wurde. Im Saal, auf dessen Podium die Reichsbannerleute mll schwarzrotgoldenen Fahnen standen, sprachen Abgeordneter Merten, Oberbürgermeister B ö ß und dann der badische Staatspräsident Hellpach. den die Deutsche Demokratische Partei als ihren Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat. Warnend wies«- daraus hin, daß die Herrschast, die bei einem Siege der Reaktion käme, schlimmer wäre als alles, was wir in den Zeiten der Monarchie erlebt haben. Nach ihm sprachen noch die Abgeord- neten Dr. Ellsab. L ü d e r s und Reichsminister a. D. Ko ch. Die Versammlung war ein entschiedenes Bekenntnis der llnkegsrichteten Kreise des Bürgertums zur Republik. Wer für Holen opliert hak. wird zufolge der deuiich-volniicken Konvention vom 30. August 1924 von der polnischen Regierung aufgefordert, Deutschland» Gebiet vor dem 1. August 1025 zu »erlasse» und«ach Pole» zu überfiedeln. Gewerkschaftsbewegung Der Reichstarif im Bankgewerbe. Provisorisch verlängert bis zum 20. April. Der vom Oberregierungsrat Ruttig in seiner Eigenschaft als Schlichter gemachte Vorschlag, den am 31. März ablaufenden Reichstarif unverändert und provisorisch bis zum 20. April weiter zuführen, ist von sämtlichen beteiligten Verbänden angenommen worden, die eigentlichen Schlichtungsverhandlungen werden nach der für den 3. April anberaumten weiteren Sigung des Untersuchungsschiedsgerichts stattfinden, während die von diesem beschlossenen Erhebungen über die Zugehörigkeit der Banfangestellten zu den verschiedenen Organisationen in den nächsten Tagen durchgeführt werden. Der Tapeziererftreik geht weiter. Im Streif der Tapezierer hat sich bisher noch nichts geändert. Von beiden Parteien wird der Kampf mit großer Hartnäckigkeit meitergeführt. Es sind noch nicht die geringsten Annäherungsversuche zu verzeichnen. Die Unternehmer sind zweifellos immer noch der Ansicht, den Tapezierern ihre Tarifper. schlechterungen aufzwingen zu können, während die Tapezierer fest zu ihrer Absicht stehen, durch den Streit sich einen annehmbaren Tarifvertrag zu erfämpfen. Im Laufe der Zeit stellt sich immer mehr heraus, daß die große Mehrheit der Berliner Tapezierermeister mit der Führung des Kampfes durch ihren famosen Obermeister Herrn Holzamer, M. d. R. bei der Wirtschaftspartie, absolut nicht einverstanden ift. Die Scharfmacherei wird von wenigen großen Unternehmern betrieben und die kleinen Meister haben den Schaden davon. Selbst die Forderung nach einer Versammlung ist den Meistern von ihrem Obermeister abgelehnt worden. Wie die Meister mit ihrer Führung fertig zu werden gedenken, ist ihre Sache. Die Streifenden haben jedenfalls zu ihrer Führung vollstes Vertrauen und werden auch meiter im Streit ausharren, bis die Unternehmer von ihren Forde rungen zurückgetreten sind. Der Streif geht bereits in die vierte Boche; mit bewundernswerter Energie halten die Tapezierer fest zufammen. so wie sie es bisher auch getan haben, wenn es galt, gerechte Forderungen zu erfämpfen. Eine gestern abgehaltene Bollversammlung der Streifenden ließ nach einem Situationsbericht, den Bevollmächtigter Müller gab, feinen Zweifel über die Entschlossenheit der Kämpfenden. Eisenbahner! Mittwoch, den 1. April 1925, von 10-12 Uhr und von 5 bis 7 Uhr findet die Restzahlung für den 30. und 31. März statt. Mit diesem Tage wird die Auszahlung der Streikunterstützung ab. Wirkung vom 1. April ab im Kernrevier der Durchschnitts Iden Hochofenarbeitern eingetreten, sondern auch in den Lohn der Gesamtbelegschaft je Schicht von 4,44 m. auf 4,65 M. Thomas Martin Walz- und Hammerwerfen. In erhöht wird. Die Lohnspanne zwischen gelernten und unge- den Hochofenarbeiter- Konferenzen bestand eine Einmütigkeit dar. lernten Arbeitern wurde im mäßigen Ausmaß erweitert, die bis über, daß gemäß der Verordnung ab 1. April 1925 die dreigeteilte herigen Lohnabstufungen zwischen Kernrevieren und Randrevieren Schicht eingeführt werden müsse. Gewerkschaftsfreunde! Bei der Wahl am Sonntag steht so Großes für uns auf dem Spiele, daß wir uns nicht auf den Gang zum Wahllokal und unsere Stimmabgabe für Otto Braun beschränken dürfen. Wir müssen vielmehr bis zur letzten Minute alles daransetzen, um die noch schwankenden Wähler im Kreise unserer Berufsfollegen und sonstigen Bekannten zu bewegen, unserer Parole zu folgen: Wählt nur Otto Braun! bleiben bestehen. Das Lohnabkommen fann erstmalig zum 30. Juni gefündigt werden. Die Erklärungsfrist über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs läuft bis zum 4. April. Um das Dreischichtensystem. Auslegung der Verordnung vom 20. Januar 1925. Effen, 26. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Metall. arbeiterverband teilt mit: Die drei tarifschließenden Metallarbeiterverbände haben infolge der außerordentlich gespannten Lage, die fich aus der Haltung der Arbeitgeber entwickelt hat, folgendes Schreiben an das Reichsarbeitsministerium in Berlin, die Regierung in Düsseldorf, die Regierung in Arnsberg, den Schlichter Mehlich in Dortmund und an den Arbeitgeber verband für die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie in Düsseldorf gerichtet: Der Konflikt in der Kasseler Metallindustrie. Kaffel, 26. März.( WTB.) Die im Regierungsgebäude unter dem Vorfiz eines Vertreters des Reichsarbeitsministeriums geführten Verhandlungen zur Beilegung des Konflitis in der Metallindustrie wurden nach 6% stündiger Dauer abgebrochen, da es unmöglich war, eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Ende des Münchener Branerstreifs. München, 26. März.( Eigener Drahtbericht.) Auf Grund der Verbindlich feitserflärung des Schiedsspruches haben die streifenden Brauereiarbeiter Münchens beschlossen, den genau drei Wochen dauernden Streit sofort abzubrechen. In den Kreifen der Arbeiterschaft hat es Erbitterung ausgelöst, daß der Sozialminister nicht auch den Punkt 5 des Schiedsspruchs für verbindlich erklärte, so daß also die Wiedereinstellung der Streifenden von dem Willen der Brauereibefizer abhängt. Sie haben allerdings in einer Erklärung zugesagt, die Wiedereinstellung loyal zu handhaben und dabei in erster Linie die älteren Arbeiter zu berücksichtigen. Diese sollen auch in ihren alten Rechten nicht verkürzt werden. Die vollständige Wiedereinstellung scheiterte an den Zu sagen, die die Brauereibefizer den Streifbrechern, die sich im Laufe der drei Wochen den Unternehmern leider in erheblicher Anzahl zur Berfügung stellten, gemacht haben. Es ist damit zu rechnen, daß zunächst etwa 300 bis 500 Arbeiter nicht wieder eingestellt werden, doch hofft man, daß die Brauereien im Laufe der Zeit wieder auf ihren alten Stamm zurückgreifen. Nach dem Schiedsspruch wird nunmehr, wie auch nach dem alten Tarif vertrag in den großstädtischen Brauereien Bayerns, 54 Stunden und in den Landbrauereien 57 Stunden gearbeitet.. Für die letzten drei Arbeitsstunden wird ein Zuschlag von 20 Broz. bezahlt. Gleichzeitig wird der Wochenlohn in den großen Stadtbrauereien von 39 auf 42 Mart erhöht. Die Prozente der Ueberstunden werden auf 25, für Nachtstunden und Sonntagsstunden auf 50 Proz. erhöht. Der Bau- und Holzarbeiterverband der Schweiz teilt mit, daß trotz aller Warnungen deutsche Holzarbeiter usw. nach der Schweiz fonumen. Die Konjunktur ist aber vielfach auch der Kälte megen äußerst schlecht, und in vielen Orten der Schweiz werden Arbeitsfonflikte ausgetragen, so daß die Schweizer Gewerkschaften gezwungen sind, jeden Neuling, der in diesen Orten zu arbeiten an fängt, als Sperrebrecher zu betrachten. Wenn Deutsche in der Schweiz Arbeit annehmen wollen, empfiehlt es sich, bei den Bau und Holzarbeiterverband der Schweiz, Bolfshaus Zürich, Erkundigungen einzuziehen. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Die Nr. 10 der Betriebszeitung Der Kämpfer" ist erschienen und sonehmen. Besonders die Bertreter der Mittel- und Aleinbetriebe werden er fort vom Betriebsfetectariat, Binhenfte. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang au fucht, das Material abzuholen. Parteiausweis mitbringen! " Bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Nordwest Morgen, Sonnabend, bormittags von 9-1 Uhr, ist Auszahlung lichen Gruppe über die Durchführung der Verordnung vom 20. Ja nuar 1925 find D ffere zen aufgetreten über die Arder Streilunterstützung in unserem Ortsbureau, Bethanienufer 10 I, für diejenigen Mitglieder, welche in der Zeit vom 23. bis 28. März beitszeit in den Hochöfenbetrieben und in den Kokenoch nicht eingestellt worden sind. Auch diejenigen Kollegen reien. Die Unternehmer sind der Ansicht, daß die Verordtommen in Frage, welche ichon im Laufe der Woche eining vom 20. Januar 1925 auch durchführbar sei, ohne die gestellt wurden. Am Montag, den 30. März, findet teine breigeteilte Schicht anwenden, zu müssen. Die unterzeich neten Bertreter der Arbeiterorganisationen sind der AnAuszahlung statt. sicht, daß die Verordnung vom 20. Januar 1925 nur die drei. geteilte Schicht für die obengenannte Arbeitergruppe porfieht. Unsere Bemühungen, der Verordnung vom 20. Januar gerecht zu werden, waren ergebnislos. Nach uns gewordenen Mitteilungen ron maßgebender Stelle des Reichsarbeitsministeriums ist auch dort die Ansicht vertreten, daß für die Durchführung der Verordnung nur die dreigeteilte Schicht in Frage kommen könne. Einzelne Werke des Industriegebietes haben sich zwar mit der, Einführung der dreigeteilten Schicht abgefunden, jedoch entspricht die beabsichtigte Eingruppierung nicht dem Sinne der Verordnung. Unseren Anträgen, die Eingruppierung der Arbeiter mit den Gewertschaften vorzunehmen, wurde bisher nicht entsprochen. Durch Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet die Haltung der Unternehmer sind nicht nur Unruhen unter geschlossen. Ohne Mitgliedsbuch und Streiffarte erfolgt keine Auszahlung. Deutscher Eisenbahnerverband, Drtsverwaltung Berlin. Schiedsspruch für den mitteldeutschen Bergbau. Berlin, 26. März.( WTB.) Die zur Schlichtung der Lohnfreitigkeiten im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau im Reichsarbeitsministerium zusammengetretene Schlichterfammer fällte am 26. März einen Schiedsspruch dahingehend, daß mit h Achtung, Buchbrucer!( Bezirk 4.) Die auf dem Boden der Richtung Amsterdam sichenden Kollegen treffen fich morgen, Sonnabend, abend 6 Uhr pünktlich im Lokal von Schonad, GSamariterſtraße, Ede Rigaer Straße, zu einer wichtigen Besprechung. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R.$. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenitrake 3. A.WERTHEIM Billige Labanbmittal Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust.... Pfund 60Pt. Kalbsnierenbraten..... Pfund 70Pt. Kalbskeule ganz und geteilt. Pfund 80Pt. Schweinebauch mit Bellage.. Pfund 80Pt. Schweinerücken und Blatt mit Blg.... Pfund 90Pt. Schweineschinken...... Pfund 95Pt. Kaẞler Rippspeer u. Kamm Pid. 110 Liesen Pfund 80P. Gehacktes Pfund 65Pt. Prima fett. Ochsenfleisch gefroren Rinderkamm und Brust Pfund 55Pt. Rinderherzen Fische Flundern rauhe, Pid. 12Pf. Schollen große, Pid. 18Pt. ohne Kopf g. Kabeljau Fische, Ptd. schwedische .Pfund 38Pf. Räucherwaren große Lachsheringe Stück 18PL. Bücklinge Sprotten Makrelen 16Pf. 22PL Plund Ptund 35Pt. Grüne Heringe 5pid.58Pt. Flundern große, Pfd. 48PL Zander.... Pfund 85Pt. Voll- Bücklinge 58PL Kieler Pid. Tafelmargarine Spezialmarke 34Pf. , Pfund- Paket Bratenschmalz...., Pfund- Paket 38 Pf. Pflaumenmus( Thüringer)... Pfund 38 PL. Speisetalg. 1 Pfund- Paket 65 Pt. Tafelbutter , Pfund- Paket 92 Pt. 105 Erdbeer- Konfitüre. 2 Pfund- Eimer 125 Aprikosen- Konfitüre 2 Pind- Eimer 115 Johannisbeeren- Gelee las 63 PL Dänische Vollmilch 7-8 Prozent Fett- 25 Pf. Ideal- Milch kleine Dos. 24 Pí. große Dose 48 Pt. Holstein. Rindfleisch ohne Knochen 85 PL 1 Pid. gehalt, gr. Dese 2 Pfund- Dose Florian- Speisen soweit Vorrat Geflügel, Wild Kolonialwaren Tauben.... Stück 95Pf. an Enten holländische, Pfd. 125 Brat- u. Suppenhühner Brat- u. Suppenhühner frisch geschlachtet, Pfund 148 Wildenten... Stück 240 Obst, Gemüse Blutapfelsinen Dubend 60PL. 75Pt. 90PL Feigen Feigen..... Pfund 20Pf. Eßäpfel... Pfund 20Pf. Eßäpfek. Reinetten Spitzleder, Pid. 25Pt. Zitronen. Dutzend 35Pt. Mandarinen. Pfund 40PL Rote Rüben.. Pfund 5PL Weißkohl holländ., Pfd. 6Pf. Möhren gewaschen, Pid. 7Pt. Rotkohl holländ., Pfund 15Pf. Malta- Kartoffeln Pid. 13Pt. Blumenkohl 20 PL 30Pf. Schwarzwurzeln Pt.22Pt. Wurstwaren Fleisch- Sülze Piund 52 PL Rot-, Zwiebelwurst 68Pt. Leberwurst Hausmach. 116 Fleischwurst Thüring. 116 Brühpolnische Plund 125 Jagdwurst... Pfund[ 30 Mag. Speck) deutsche, Fett. Speck) Plund Filetwurst... Piund 140 Mettwurst Braunschw. 155 Pfund Art, Pfd. Ware 135 Schinkenspeck in Sick. von ca. 1, Pfund, Pf. 160 Plockwurst westf., Pfd.[ 70 Nußschinken ca. 2 Pld. schwer..... Pfund 18c Kleine Erbsen Pfund 17Pt. Viktoriaerbsen Pfd. 20PL Gelbe Erbsen Respalt 20pt. Pfund poliert Gelbe Erbsen Plund 28PL Weiße Bohnen Pfund 24Pf. Linsen große Pfund 28P. Makkaroni Bruch Pfd. 38Pf. Schnittnudeln Pfund 28Pt. Eierschnittnud. Pid. 42PL Tafelreis unpol., Pid. 20 Pf. Pfund 24 Pt. poliert Valencia- Reis Pid. 28Pt. Valencia- Reis Pfd. 28Pt. Bosn. Pflaumen Pfd. 38PL Kalif. Pflaumen Pid.48Pf. ohne Stein... Pfund 95P. Kaliforn. Pfirsiche 52pt. Plund Backobst Kaliforn. Pid. 65P. Ringäpfel amerik. Pid 78PL Kalif. Aprikosen Pfd. 98Pt. Käse Senrerin Schacht. Fund 25Pt. Camembert Quadratkäse Pfund 32PL Harzerkäse Pfund 35 Pf. Goudakäse dän., Pfd. 65Pf. Stangenkäse Alger 68Pf. Tilsiter.... Pfund 80Pt. Steppenkäse Plund 88Pt. Edamer Pfund 90 Pt. u. 105 Münsterkäse Pfund 150 Emmenthaler Pfund 160 . Cumberland- Pudding Paket 15 Pf. Marosi- Pudding... Paket 15 PL Schokoladen- Pudding Pak. 17 PL Stjerna- Pudding Pak. 12 PL Vanille- Pudding... Paket 17 PL. Schokoladen- Pudding m. Mandeln u. Zucker, Paket 20 Pf. Gelee- Frucht- Puddingpak. 22 Pf. Makronen- Pudding Paket 25 PL Vanille- Saucen- Pudding 5Pt. Sultana- Pudding.. Paket 12 Pt. Rote Grütze- Pudding Paket 10 Pt. Krachmandel- PuddingPak. 15 Pr. Weizengrieß- Pudding Paket! 0 Pt. Eier- Pudding... Paket 15 PL. Konserven Dose 1/1 Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Kaffee, Kakao, Schokolade Kaffee Sorten, frisch 280 340 380 420 440 Kakao stark entölt, Marke„ Saturn". Pfund 85 P Blockschokolade Pid. 95 PL Pid. Sahne 95 Pf. Spinat.. Dose 20 Weißkohl 45 Rof-, Grün-, Wirsingkohl 50 Rosenkohl....... 110 Telt. Rübchen Pfefferlinge...... 115 junge, kleine 1/ 2D.60Pf. 110 Leipziger Allerlei..78 Schnittbohnengte 105 Prinzeßbohnen mittelf. ( Haricots verts)..... 110 : 60 Junge Erbsen.... 60 fein.... Dose 80 145, Kaiserschoten 120 225 Bruchspargel ohne Köpfe. 1/ 2Dos. 105 195 dünn.. Dos.[ 15 220 Stangenspargel stark..1/ 2 Dose 185 360 extra stark. D. 2 M 380 Apfelmus/ Dose 38Pf. 60 Preißelbeeren Preißelbeeren.... 115 Äpfel, Helvetia", geteilt| M „ Helvetia" Pflaumen ganze Frucht 95 Corned Beef 1 Pfd. engl. 63 Rotwurst.. 1 Pfd.- Dose 55 Delikateẞherings, ohne Gräten/ Dose M[ 85 Portugies. Oelsardinen Dose 50 Pf. 70 PL.| M 00 gebrannt, Pid. Prund Sahne Masd Borkenschokolade Sex 180 Sa 280 Pfeffernüsse Mecklenburger... Pfund 70 PL fein rot, Wein [ 20 Preise für Flasche einschließl. Steuer ohne Glas 1922 Grandes Côtes französischer Rotwein 1922 Dürkheimer Rotwein, lieblich- mild 150 1922 Ingelheimer rheinischer Rotwein..170 1921 Mettenheimer sülfiger IM Edel- Apfelwein mild 70 PL Johannisbeerwein 110 1922 Siefersheimer Martinsberg Rheinh. 1922 Wormeldinger Köpfchen Mosel.. 110 1923 Wöllstein. Baudenberg u. Neuweg lieblicher Rheinwein..120 1920 Niersteiner mild| 50 1922 Briedeler Herzch. Mosel, blumig- spritig 180 1920 Gimmeldinger Königsbacherwerg Wachst. Walger, blum.Pfalz, 2M 1921 Berncasteler gehaltvoller Mosel... 250 Wachstum Michelsberg Bürgermeist. Muth, rheinisch. Rotwein 225 fein entw. 1917 Fleury Burgunder 275 1921 Graves de Budos Propr. Dupart, süß240 licher weißer Bordeaux 1921 Haut Sauternes tein- süß 450 Tarragona rot, süß.. 160 ( Salvador Tarragona Cerverra, Valencia) feiner alter.". 180 golden od.dunkel 2M SUB Malagas Durch das dentfch- portugiesische Handelsabkommen billiger: rot, alt Douro- Portwein A. A. Calem a. Filho Guimaraens u. Medium tawny 380 Co., Oporto 275 Choice 480 old tawhy Insel- Madeira( Abudarham, Funchal) 310 Weinbrand- Verschnitt eine Qualität 275 Deutsch. Weinbrand.Klosterbrand- 380 Jamaica Rum- Verschnitt 40 Vol. 320 % Küchenwunder bratet, backt und siedet auf offener Gasflamme Extra- Preis Gr.1 850 Gr.Il 950 Hr. 146 ❖ 42. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Der amerikanische Arbeiter, der wirtschaftlich besser gestellt ist eis der deutsche Arbeiter, hat sich daran gewöhnt, den größten Teil seines Bedarfes auf Abzahlung zu kaufen. In Deutschland dagegen hat sich'das Kaufen„auf Abzahlung" noch nicht in so unrfassendem Maße eingebürgert. Die Tendenz, die darin liegt, ist nur gutzu- heißen, da das Kaufen auf Abzahhmg schon infolge des höheren Preises ökonomisch nicht unbedenklich ist und den Arbeiterhaushalt sehr stark belastet. Oer Kaufabschluß. shat jemand in einem Ab.zahlungsgeschäft einen Gegenstand er- standen, so wird an der Hand einer umfangreichen Kartothek, die über jeden Kunden des Abzahlungsgeschäftes genau Buch führt, fest- gestellt, ob der Kunde schon einmal in diesen, Abzahlungsgeschäft gekauft hat oder nicht. An der Hand der Bücher kann auch fest- gestellt werden, in welcher Weise er feinen Verpflichtungen nach- gekommen ist. Dieses zu wissen, ist natürlich sehr wesentlich für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Kunden. Jeder, der in einem Abzahlungsgeschäft kaufen will, muß sich legiiimieren. Man nimmt Au diesem Zwecke feinen Mietsvertrag mit, irgendeine Be- fcheinigung über die Stellung, die man inne hat. Milüärpaß oder ähnliche Dinge. Hat der Kunde i» dem Abzahlungsgeschäft noch nicht gekaust, so wird schon der Empfanqsherr festzustellen versuchen, cd der Käufer die A-dsicht und den Willen hat, seinen Verpslich- tungen nochzukommen oder nicht. Hat er die Empfindung, daß der Kunde nur darauf ausgeht, das Zlbzahlungsgcfchäst zu hintergehen,. so wird er seldstoerständlich den Gegenstand, den sich der Kauflustige ausgesucht hat, nicht ohne weiteres mitgeben, sondern wird Recherchen einziehen. Erst, wenn diese gut ausgefallen sind, wird der Kunde nach der geleisteten Anzahlung das Kaufobjekt erhalten. Die An- zohlung beträgt gewöhnlich ein Drittel des Kaufpreises. Es kommt natürlich vor, daß Kunden, die man für besonders kreditwürdig hält, wenn sie in augenblicklicher Geldverlegenheit sind, auch ohne An- zahtung ein Stück erhallen. Im großen und ganzen soll die Schuld in h- S Monaten getilgt werden, aber reelle Äbzahlungsgeschäste sind kulant genug, daß sie, wenn sie den guten Willen des Schuld- ners sehen, ohne ein Wort zu verlieren, die Abzahlung?srist auch, verlängern. Die preise. Und nun zu den Preisen: Die Abzahlungsgeschäfte kalkulieren mit einem Aufschlag von lvo Proz. zum Verkaufspreis. Wer also einen Gegenstand taufen will, den das Abzahlungsgeschäft mit SO M. eingekauft hat, muß dafür 100 M. bezahlen. Er hat darauf 30 M. Anzahlung zu leisten und kann die restlichen 70 Mark in Monats- raten von ungefähr 10 M. tilgen. In einem Geschäft, in dem er denselben Gegenstand gegen bar kauft, kauft er um 20 Pro,., bei vielen Gegenständen sogar bis zu 50 pro,, billiger. Diesen erhöhten Zuschlag aus den Eintaufsprei-» nehmen die Abzahlungsgeschäfte, un, den Ztnsverlust zu decken, um das Risiko für etwaige Ausfälle und den erhöhten Spesensah einzubringen. Dieser Spesensatz ist des- wegen größer als bei den normalen Einzelhandelsgeschäften, weil selbstverständlich infolg« der Mzahlungen eine sehr bedeutsame Arbeit „ Anthony Zohn. Roman von Jerome fi. Jerome. Einmal war ein Mädchen„ins Unglück'geraten" und ,atte ihre Stelle verloren. Da sie nicht wußte, wohin, kehrte ie heim, obgleich sie dessen gewiß war. daß ihrer ein grau- amec Willkomm harre, denn der Vater war ein harter, trenger Mann, stolz auf seinen ehrlichen Namen. Sie schleppte ich den langen Weg durchs Hügelland. Der kurze Wintertog ank in die Nacht hinüber, als sie den Bauernhof erreichte. Ihre Furcht bewahrheitete sich, der Vater schlug ihr die Tür vor dem Gesicht zu, sie schlich fort, legte sich im Wald nieder und oermeinte, sterben zu müssen. Der Vater hatte sie vom Fenster aus beobachtet. Die ganze Nacht rang er mit sich elbst. Gegen Morgen entzündete er eine Laterne und machte ich auf die Suche nach ihr. Sie aber war verschwunden. Als ie viele Wochen später, das Kind an der Brüst, wieder er- chien, wußte sie Seltsames zu berichten. Sie erzählte, Ehristus ei zu ihr gekommen. Er hatte goldblondes Haar und einen zoldblonden Bart, aber sie wußte, daß er Christus fei. weil eine Äugen so gütig waren. Er hatte sie in die Arme ge- nommen, als wäre sie ein Kind, sie durch die Nacht nach einem Ruheort zwischen den Felsen getragen. Hier legte er sie auf trockenes weiches Moos und hier wurde auch das Kind ge> boren: Christus hatte sie mit so zärllichen Händen gepflegt, daß sie keinen Schmerz verspürte. Sie wußte gar nicht, daß sie über einen Monat an jenem Ort verweilt hatte: die Zeit war ihr kurz erschienen. Sie konnte nur erzählen, sie hätte nichts entbehrt und wäre sehr glücklich gewesen, und daß er „schöne Dinge" gesagt habe. Eines Tages erklärte er, alles fei nun gut für sie und das Kind, ihr Vater sehne sich nach ihr. Und in dieser Nacht trug er sie und das Kind in seinen Armen fort. Am Morgen hatten sie den Waldsaum erreicht, von wo aus man den Bauernhof sehen konnte. Dort segnete Christus sie und das Kind und verließ sie. Der Vater aber kam über das Feld ihr entgegen. Die Leute erklärten dem Mädchen, nicht Christus habe sie gefunden, sondern der Wanderpeter. Aber sie wollte es nicht glauben. Viele Jahre nachher, als Anthony bereits ein Knabe war, traf er das Mädchen auf dem Moor. Ihr Sohn war ins Ausland ge- zogen und sie hatte lange nichts von ihm gehört. Doch wußte sie. daß es ihm gut gehe. Sie war«ine weißhaarige, gütig aussehende Frau geworden, nicht ganz bei Verstand, sagten in der Buchführung, im Einziehen der Teilzahlungsraten, in der Korrespondenz und in der Registvatur entstehen. Ob allerding« der Zuschlag zu den Preisen, der für einzelne Gegenstände bis zu 50 Proz. beträgt, in dieser Höhe berechtigt ist, das möchten wir bezweifeln. Wir nehmen an, daß ein Zuschlag von 20 Proz. im Durchschnitt vollkommen die erhöhten Unkosten und den Risikoausfall gegenüber den anderen Einzelhandclsgefchäftsn volltommen deckt. Di« Gegenstände, die in einen, Abzahlungsgeschäft gekauft werden, werden mit Ausnahme einer Kategorie von Waren gegen einfache Schuldanerkenntnis gekauft. Nur bei Möbeln wird ein kaufverlrag:nil Eigentumsvorbchalt abgeschlossen, d. h. wenn der Käufer seinen Ab- zahlungsoerpflichtungen nicht nachkommt, dann ist der Verkäufer be- rechthjt, die verkauften Möbel wieder abholen zu lassen, er muß allerdings das, was daraus gezahlt ist, noch Abzug eines Prozent- fahes für die Abnuhung, dem Säufer wieder zurückerstolten. Auswüchse. Reelle Abzahlungsgeschäfte sind für die große Masse der Ar- bellenden eine wenn auch unökonomische Rorwendigkeit. Zn warnen ist vor den unreellen Geschäften dieser Art. Es gibt Unternehmungen, die die billigste Ware kaufen und Preise nehmen, die weit höher sind als die, die der. Käufer in reellen Abzahlungsgeschäften zahlt. Es sind Fälle bekannt, in denen Kausleuie Herrenanzüge, die sie mit 20 TN. eingekauft haben, die also ziemlichen Schund darstellen, mit so TN. verkaufen, sie lassen sich dann 20 M. anzahlen, so daß sie also schon bei der Anzahlung nur das Risiko Hobe», daß ihnen etwa der Gewinn entgehen kann. Die ersten Raten vereinbaren sie möglichst hoch und wenn dann die nächsten Raten wirklich nicht gezahlt werden, dann hüten sie sich die Klage einzureichen. Sie wissen schon warum. Zu warnen ist auch vor dem Hausierhandel, der seine waren aus Abzahlung gibt. Von diesem Hausierhandel werden die Käufer ge- wöhnlich übers Ohr gehauen. Es grassiert dieser Hausierhandel be- sonders in Bildern. Schlechre Oeldrucke. die im Höchstfälle 5— 6 M. wert sind, werden mit 30 M. gegen ein« wöchentliche Abzahlung von 50 Pfennig vertaust. Der Laie, der von diesen Dingen kein Acr- stäudms hat, läßt sich gewöhnlich von den sehr redegewandlen Hau- siercrn beschwatzen. Er fagt sich, die 50 Pfennig in der Woche merke ich nicht und bezahlt dos Fünf- und Sechsfache des wirklichen Wertes. Es gibt natürlich auch reelle Hausierer, die auf Abzahlung verkaufen. Aber die sind mit der Laterne zu suchen. Die versanügeschäfie. Die Bersandgoschäfte schicken Reisende mit Warenmustern in Dörfer und kleine Städte und lassen dann an der Hand der Muster Bestellungen ausnehmen, die sie meist reell ausführen. Auch sie ge- statten vielfach die Wzahluitg. Sie können das um so leichter, als ihre Kunden in den kleinen Städten und Dörfern sitzen, wo einer den anderen kennt und man sich mit Leichtigkeit über die Kredit- Würdigkeit jedes einzelnen informieren kann. Ja es gibt viel« von ihnen, die, um ganz sicher zu gehen, sich frühere langjährig« Kunden als Reifende engagiert haben. Das Berjandgefchäft nach dem Muster Amerikas ist aber in Deutschland noch nicht in größerem Umfang« eingeführt. Dort erhält man von den größeren Bersandgeschäften Kataloge, bestellt an der Hand der Kataloge das, was man braucht die Leute, aber mit einem ausgesprochenen pädagogischen Talent. Sie wanderte von einer Hütte zur anderen, die Kinoer freuten sich über ihr Kommen, behaupteten, sie verstehe wundervolle Geschichten zu erzählen. Anthony meinte, dies müsse sie vom Wanderpeter gelernt haben. Er entsann sich, wie er kreuzbeinig auf dem Werkstattisch sitzend, dem alten Peter lauschte, der, wenn er weder hämmerte noch feilte, end- lose Geschichten von Vögeln und Tieren, von kleinen kriechen- den Geschöpfen und deren seltsamen Gewohnheiten erzählte, von dem Leben unter dem tiefen Wasser, von fernen Ländern und anderen Welten, von den tapferen und den traurigen Dingen, die sich vor Zeiten ereignet hatten. Von ihm hörte Anthony zum erstenmal die Geschichte des heiligen Aldys. Vor langen Zeiten gab es dort, wo heute Millsborough steht, Wälder und liebliche Weiden. Der sich schlängelnde Wyndbeck, der nun schwarz und träge, durch lange dunkle widerhallende Tunnels, an schmierigen Mauern und schmutzi- gen Dvcks vorüberfließt, war damals ein silberheller Strom, ver zwischen baumgekrönten Felsen und moosigen Flächen auf- gischtete. Wo heute die hohen Schlot« Rauch speien, Schlacke auf endlosen Strecken aufgestapelt liegt, weideten einst Schafe und Rinder, und kleine scheckige Schweinchen wühlten in der weichen duftenden Erde nach Trüffeln. Das Tal des Wynd- deck wäre ein herrlicher Wohnort gewesen, hätten hier nicht habgierige, böse Menschen gelebt, die das Volk bedrückten, Rinder und Ernte raubtqy, der Tränen und Bitten spotteten. Der grausamste aber von all diesen bösen Menschen war der gelbbärtige Äldys, den das Volk den roten Dachs nannte. Eines Tages kehrte der rote Dachs von einem Beutezug zurück. Vor ihm ritt auf einem alten mageren Ponny. dessen Zügel am Sattel des Mannes befestigt war, ein kleiner Knabe. Ein Landsknecht hatte den Knaben zwischen den verkohlten Ruinen gefunden, und der rote Dachs, entzückt von der Schönheit des Kleinen, hatte ihn zu seinem Pagen gemacht. Der rote Dachs ritt singend, zufrieden mit der Taaes- arbeit, dahin. Vom Meer her kam em weißer Nebel gekrochen. Eine Weile bemerkte der Mann gar nicht, daß er und der Knabe allein feien. Als er dessen gewahr wurde, hielt er an', blies sein Horn. Aber er erhielt keine Antwort. Der Knabe schaute ihn mit seltsamem Blick an. Von einer unerklärlichen Wut übermannt, riß der rote Aldys sein Schwert aus der Scheide und schlug mit aller Kraft auf den kleinen Knaben. Da brach ihm das Schwert in der Hand: die seltsamen sanften Ireitag, 27. März 1925 und 24 Stunden später hat man es in Händen. In Deutschland ist noch Ansicht der Inhalier von Abzahlungsgeschäften«in derartiges System vor allen Dingen deswegen nicht möglich, weil das per- lraueasoerhältnis zwischen Kunden und Berkäuser kein so großes ist wie in Amerika. Vor allem aber deshalb nicht, weil der deutsche Käufer die Ware, die er kaust, auch mit eigenen Lugen sehen will. Er kauft eben in den allerseftensten Fällen nach Katalog. » Wer es irgend möglich machen kann, kaufe natürlich gegen bar. Der Arbeiter Hot ja fein« Konsumgenossenschaft. Dort«r- hält er alles, was er braucht, zu den billigsten Preisen. Wenn man aber genötigt ist, aus Abzahlung zu kaufen, dann erkundige man sich ganz genau, wein man sein Vertrauen zuwcndet. Stapellauf an öer Wasserkante. Aus den Helgen der Bremer Bulkanwerft am User des sich breit und gemächlich durch eine grüne Niederung windenden Weser- ströme» liegt das Werk vieler Köpfe und Hände von Jahr und Tag. Dos mächtige Gebäude aus Eisen und Stahl, das sich Schiff nennt, liegt noch festgekettet und vertäut auf den mütterlichen Bat- ken, die seinen Kiel gebaren und jetzt von der riesigen Last des Mammutkindcs fast erdrückt scheinen. Die Werft hat Feiertag am Tage dieser Vollendung und haushoch erhebt sich über den Feiern- den, die es schufen, über den Köpfen der Festtäglichen, das Schiff. Bis zur halben Höht ist der untere Teil seines Leibes, auf dein sich die Wunder von Form und Linie am berückendsten ausprägen, in das leuchtende Rot der Wasserschutzfarbe gehüllt. Darüber, bis der Schiffskörper sich vollendet, steht ein stumpfes Schwarz, unter- brachen von den Augen der Luken und den großen Buchstaben des Wortes„B e r l i n". Die Docksaufbauten, an 30 Meter hoch über dem Kiel, sind erst halbfertig. Eisenspanten, halbe Planken und Gerüste sehen sich nach einer Bestimmung um. Die Flagge des Nord- deutschen Lloyd flattert als Wahrzeichen des Eigentümers über dem Kommandodeck. Dort, wo der Bug des Schisses in weicher Run- dung in den Kiel überleitet, vor den weißen Ziffern der Tiefgangs- stala ist eine Tribüne errichtet, die der Fahnen und Farben viele trägt: Das Schwarz-Weiß-Rot der Handelsflagge, die gewürfellc und gestreifte Flagge der freien See- und Handelsstadt Bremen, die Anker und Schlüssel des Lloyd, der Berliner Bär auf weißem, rotgerandetem Feld«: aber die Forben, die als Nationalsarben des Landes gelten, Schwarz-Rot-Gold, hat man vergessen. Man erwies ihnen nicht einmal die Reverenz eines bescheidenen Wimpels. Nur die Heckflagge, die auf dem Schiff nach der beim Stapellauf dem Wasser zugekehrten Seite wehte, zeigte die kleine schwarzrotgoldene Gösch. Der Vorschrift schien damit Genüge getan. Die Herzen liefe» leer aus. Wie die Rednertribüne sich belebt, Zylinderhüte beschwörende Feierlichkeit verbreiten, steht unten mit schwarzen Händen und starten Armen alle« bereit, um dem großen Gebäude den schwierigen Uebergang in sein Element zu erleichtern. Der Oberbürgermeister der Hauptstadt Berlin, die dem Schiff ihren guten Namen verleiht, spricht die guten Wort«, die man einem Täufling nach christlicher Sitte gemeinhin auf den Weg zu geben pflegt. Die Rede ist beendet, ein Fläschchen Champagner zerschellt am Bug und beperlt das Eisen. Unten melden Signalpfisse den vollzogenen Akt. Harre Schläge sausen aus die anndicken Taue, der hemmende Balten zersplittert und wird beiseite gerissen, irgendwie geht ein leises Aechzen durch das tragende Gebälk. Ein Augenblick erregtester Spannung rundum, die Feiernden unten halten den Atem an, bei den Festlichen auf der Tribüne erzittern die Zylinder.--- dann merkt man, daß Be- wegung in den Koloß gerät— er gleitet auf seinem Schlitten, in seiner ganzen Länge, nicht mehr gehemmt, nicht mehr gehalten, dem Wasser zu, das ihn schäumend empfängt, wogend einschließt, leicht hebt— und trägt. Hinter dem Bug. der zuletzt eintauchte, schließt es sich sacht und die Kraft de« Ablaufes führte de» Koloß rasch in die Mitte de« mächtigen Strome», bis die Riesenketten, mit denen er am Land befestigt ist, anziehen und seinen Bug für einen Augen- blick tiefer in das Wasser drücken: der Anker fällt, der der erste» kurzen Fahrt EinHall gebietet. Dann liegt er da, inmitten des Stromes, hochstrebend und mächtig, von Hunderten von Booten und Schleppern umgeben, die es als ein Teil, ein Stück des wieder zur Meeresgeltung drängenden Landes, bewundernd umkreisen. Mehrere Kinderaugen blickten noch immer auf ihn, und rings um den kleinen Knaben schimmerte eine große Helle. Angst und Furcht befielen den gelbbärtigen Aldys. Er warf sich zur Erde und rief mit lauter Stimme:„Christus, erbarme dich meiner, des Sünders!" Und das Jesuskind legte die Händchen auf den roten Aldys, sprach zu ihm tröstliche Worte und befahl, er solle ihm folgen und dienen. An der Stelle, wo Christi Hände ihn berührt hatten, er- baute sich Aldys neben dem Wyndbeck, zwischen den Felsen eine Wohnstätte. Viele Jahre lang arbeitete er daran, dem armen Volk im Tal Friede und Rettung zu bringen, lernte das Leben der Armen kennen, auf daß er ihnen zu helfen ver- möge. Und sein Ruhm verbreitete sich nah und fern, und viele suchten ihn auf, bereuten ihr schlechtes Leben und-erbaten seinen Segen. Cr aber wanderte unter den Menschen umher und lehrte sie die Liebe des Herrn Jeiu. Der kleine Anthony war häufig an der großen Kirche des heiligen Aldys hinter dem Marktplatz vorbeigekommen. einem mächtigen grauen Stsinbau, dessen Turm hundert- achtzig Fuß hoch war. Es heißt, die Grundsteine seien jene Felsen, zwischen denen Aldys gelebt hatte, und wo Christus ihm erschienen war und ihm seine Sünden vergeben hatte. Als Anthony die Geschichte vernahm, verlangte es ihn, das Innere der Kirche zu sehen. Eines Nachmittags begab er sich nicht zum OnkA, sondern dorthin. Die Kirche war von einem Eisenaitter umgeben, und die beiden Eisentore waren verriegelt. In einer Ecke jedoch entdeckte Anthony eine kleine Tür. Sie führte in einen Steingang, und etiiche Treppen hinab in ein Gewölbe, wo der Knabe über einen Stuhl stolperte. Eine Fledermaus flog hoch, flatterte leise fort, ver- schwand in den Schatten. Endlich fand Anthony die Kirche. Sie war groß, hoch und sehr, sehr kalt: durch die verhängten Fenster strömte blasses Licht. Die Stille erschreckte ihn. Er hatte nicht auf den Weg geachtet, den er gekommen war: alle Türen, an denen er rüttelte, waren verschlossen Voll Todesangst dachte er, er werde niemals einen Ausweg finden. Ihm schien, er sei in ein Grab eingeschlossen. Zum Glück gelangte er zufällig abermals in das kleine Gewölbe, und von dort ins Freie. Er schlug hinter sich, die Tür zu. Ihm war zumute, als folgte ihm jemand, könnte ihn zurück» zerren. Er legte laufend den ganzen Heimweg zurück. (Fortsetzung folgt.) antreten. Monale noch wird es dauern, bis die ganze Zaft der Maschinen und Inneneinrichtungen seinen Körper auf den seefähigen Tiefgang gedrückt, mit 15 000 Tonnen dem Basser inniger vermählt haben merden. Im September wird es seine erste Ausreise nach Amerita Berlin hat durch seinen Oberbürgermeister bei diesem Schiff Bate gestanden, ihm seinen Namen gegeben. Herr Böß hielt bei dem Bankett, das dem Taufaft folgte, angeregt durch die zahlreichen Bertreter des Bremer Senats und der Bürgerschaft, eine meitere Rede, in der er in Verbindung mit dem Wiedererwachen des Bremer Hafens sehr verständige Bergleiche mit dem Hafen Berlin zog, der danach strebte, der größte Binnenhafen des Reiches zu werden. Ein wenig feltsam und unbegründet flang dann aller. dings ein Abschnitt dieser Rede, in der Herr Böß zunächst betonte, daß er zwar ein guter Republikaner sei, es aber doch für seine Bflicht halte, des früheren deutschen Kaisers zu gedenken, der der Stadt Bremen und dem Norddeutschen Lloyd ein vorbildliches Interesse gewidmet habe. Die fühle Aufnahme der in diesem Kreise jehr merkwürdig plazierten Erinnerung mag den Berliner Oberbürgermeister darüber belehrt haben, daß viele nicht der Meinung waren, es sei Pflicht gewesen, diefes Mannes zu gebenken, den auch die Bremer Seeschiffahrtstreise nicht gerade in bester Erinnerung haben. Aber vielleicht wurde Herr Böß mur durch das Fehlen von Schwarz- Rot- Gold zu diesem zarten Vergangenheitslob angeregt. Oder gelüftet es ihn, gleich einem seiner Borgänger, empfangen derweise am Brandenburger Tor mit dem Hute in der Hand Auf stellung zu nehmen? Der Kaffenraub im Bahnhof Zoo. Zwei Jahre Zuchthaus. Trotz ernstlicher Borhaltungen des Borsitzenden, Landgerichtsdirektors Schneider, blieb der Angeflagte, Eisenbahninspektor Boto Muench, bei seiner. Darstellung, obwohl, wie der Borsigende ihm vorhielt, das Ergebnis der Beweisaufnahme gegen ihn geradezu erdrückend ausgefallen sei. Das Schöffengericht Schöne berg tam schließlich nach der Beratung zu der le berzeugung der vollen Schuld des Angeklagten. Er hat anscheinend mit Komplizen im Einverständnis gehandelt und den Blan von langer Hand vorbereitet. Um die Spuren einer Unterschlagung zu ver schleiern, hat er die Kassenbücher verbrannt, da er sonst eine EntGedung befürchten mußte. Er hat auch entweder selbst oder durch feine Komplicen eine Verfügung der Eisenbahndirektion gefälscht. Der Angeflagte hat sich damit eines schweren Amtsver brechens schuldig gemacht, was besonders schwer ins Gewicht fällt, als er in gehobener Beamtenstellung ein besonderes Vertrauen genoß. Das Gericht hatte auch zu prüfen, ob der Angeklagte noch als Reichsbeamter nach Eintritt des Reichsbahngesetzes zu betrachten sei. Das Gericht ist aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Beamten der Reichsbahngesellschaft auch weiterhin im Interesse des Reichs tätig sind. Milderungsgründe hat das Gericht in feiner Beise gefunden. Derartige fchwere Bergehen von höheren Beomten müssen auf das schwerste geahndet werden. Deshalb hat das Gericht den Angeklagten zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehre verluft verurteilt. Zwei deutsche Humoristen. Der Präsidentschaftswahlkampf hat auch seine heiteren Seiten. Wir müßten ja in Melancholie verfinten, wenn nicht überall an der Beripherie des politischen Lebens seltsame Clowns auftauchten, die mit ihren zwar unfreiwilligen, aber deswegen nicht weniger munteren Scherzen immer wieder zur Aufheiterung ihrer vielgeplagten Bolksgenoffen ehrlich und unverdroffen beitragen. Wer Tent Herrn äußer nicht, den unentwegten Bortämpfer des imbefchuhten und unbestrumpften Gebeins, der sich selbst für einen Reffias von übermejfianischem Format hält. An den Litfaßsäulen hat der große Häuser sein Konterfei mit wallendem Chriftusbart antlatschen lassen, mit einer Inschrift, die zu föstlich ist, als daß wir es übers Herz bringen könnten, fie unseren Lesern vorzuenthalten: Wählt Häußer zum Präsidenten, Ohne ihn fönnt Ihr nichts tun! löfe Theater wird jekt mieder gefpielt, und merfwürdigerweise unter den Augen der Polizei, deren Wache fich fünfzig Schritt entfernt im Hauptgebäude des Potsdamer Bahnhofs befindet. Die unausgefegten legeleien und Rüpeleien der Blechhelmjünglinge, die man auch einmal getrost auf das Mitführen von verbotenen Waffen untersuchen follte, verfolgen nur den Zweck, den dort mit„ Reichsbanner"- und anderen republitanischen Zeitschriften stehenden Zeitungsmann zu verdrängen. Die Polizeiwache im Potsdamer Bahnhof fäte gut, dafür zu sorgen, das der Reichsbanner- Zeitungsmann und die Reichs= bannerleute, die fich dort aufhalten, in jeder erdenklichen Weise vor Belästigungen und Beschimpfungen geschützt werden." Bir halten es für selbstverständlich, daß der Leiter der Polizeimache im Potsdamer Bahnhof das nötige veranlassen wird. Da in den legten drei Tagen verschiedene Beschwerden bei uns über die völki schen Rüpeleien vor dem Potsdamer Bahnhof eingegangen find, so ist ein fofortiges. Eingreifen notwendig. Schweres Straßenbahnunglück. Ein Anhänger auf den Triebwagen geschoben. Ein schwerer Straßenbahnzusammenstoß ereignete sich am Donnerstag abend gegen 6½ Uhr an der Haltestelle Kaiserin Augusta Allee, Ede Semmeringstraße. Auf den dort haltenden Straßenbahnzug der Linie 3 fuhr ein Zug der Linie 55, bestehend aus einem Triebwagen und zwei Anhängern, fagt haben sollte. Durch den Anproll wurde der Anhänger in voller Geschwindigkeit auf, da die elektrische Bremse ver der Linie 3 auf seinen Triebwagen geschoben und dabei der auf dem Hinterperron dieses Wagens stehende Arbeiter Gustav Obst, Badstr. 55, innerlich schwer verlegt, so daß er ins Krankenhaus Westend gebracht werden mußte. Weiterhin wurden leicht verlegt Fräulein Frieda Redlich, Emdener Str. 49, fie trug Quetschungen am Kopf und am Fuß davon, Karl Werner, Schöneberg, Neue Chriftstr. 7, Rüdenquetschungen, Stephan Schong, Poftstr. 3, Hautabschürfungen im Gesicht, Stephan Heidinti, Charlottenburg, Ufnauftr. 8, Quetschungen der Hüften, und eine bisher unbekannt gebliebene Person. Die Leichtverletzten begaben sich zu einem in der Nähe wohnenden Arzt in Behandlung und suchten dann ihre Wohnungen auf. Glücklicherweise war der Straßenbahnzug der Linie 55 unbesetzt, da sonst das Unglüd leicht hätte unabsehbare Folgen zeitigen fönnen. Fast in allen Wagen gingen die Fensterscheiben in Trümmer, so daß der Zug der Linie 3 aus dem Verkehr gezogen werden mußte. Der Verkehr stockte durch diesen Unfall 1½ Stunde. Unser Wahlfilm. Wie es für unsere Partei noch keine Schwierigkeiten gegeben hat, die sie nicht übermunden hat, so sind auch von unserer Wahl propaganda alle Hindernisse aus den Weg geräumt worden, die hier und da auftauchten. Wie wir schon mitteilten, sollte der Reichspräsidentenfilm u. a. auch auf dem Wittenbergplay laufen. Es gelang jedoch nicht, eine geeignete Hausfront für die Befestigung der Vorführungsleinemand frei zu bekommen. Aber Not macht erfinderisch. So wurde denn unter Leitung des Filmregisseurs Löwenbein, der auch den Film zusammengestellt hat( im Auftrage des Bezirksbildungsausschusses), ein großer ge schlossener Möbelwagen mit einem Vorführungsapparat und einer Lichtmaschine ausgestattet. Die Türöffnung überspannte die Leinwand und so fonnte der moderne Thepsistarren feine Propagandafahrt antreten. Schon auf dem Wege zum Bitten bergplaz erregte der große, bunt mit Plakaten beflebte Wagen Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 27. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Edelsteine und Erze. 7.30 Uhr abends: Forschungsreisender Dr. 7 Uhr abends: Wege zum Wissen:" Aus der Geschichte der Artur Berger: Koloniale Haustiere der Zukunft". 8 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Gartenbau. Reg.Rat Dr. Zacher( Biologische Reichsanstalt, Berlin- Dahlem): „ Schädlinge im Obstgarten". 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. Spanische Suite: a) Sevilla( Sevillanas) Albeniz, b) Cadiz( Saeta) Albeniz, c) Castilla( Seguidillas) Albeniz, d) Cuba( Notturno) Albeniz( Dr. Richard H. Stein, Klavier). 2. a) Preghiera, Durante b) Sebben crudel, Caldara, c) Selve amiche, Caldara, d) Nel cor piu non mi sento, Paisiello( Fritz Hasselwander, Bariton). Kraus, 1. Cello: Ernst Silberstein, 2. Cello; Bruno Friemel. 3. Cello: Otto Urack, Klavier). 4. a) Ave Maria, Paolo Tosti, b) Donna vorrei morir, Paolo Tosti, c) Vuol Piovore, Paolo Tosti ( Fritz Hasselwander. Bariton). 5. Konzertwalzer für vier Celli, Fitzenhagen( Hans Kraus, Ernst Silberstein, Bruno Friemel, Fritz Kiefer). 6. a) Andalusien, Larregla, b) Das Maurische Schloß, Chavarri c) Spanischer Tanz. Granados, d) Sardana( Katalanischer Tanz) Morena( Dr. Richard H. Stein). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, TheaterDas ist flar und eindeutig. Selbst Erich Ludendorff sieht [ einen Ruhm ernstlich gefährdet. Ein jehr achtbarer Konturrent ist ihm erstanden. Wer Herrn Ludendorff genauer tennt, weiß, was das zu bedeuten hat. Wie wär's, wenn beim zweiten Wahlgang. Requiem für drei Celli mit Klavierbegleitung, Popper( Hans Die behakenkreuzten Hitler- Knaben und die Nacktsohligen der Häußer Fraktion einen Sammelfandidaten aufstellten? Nur würde die Entscheidung über die größere Würdigkeit der zur Wahl stehenden beiden Kandidaten schwer fallen. Das Los müßte entscheiden. Denn im Ernst: es ist eine schwierige Preisfrage: Häußer oder Ludendorff? Stahlhelmrüpel vor dem Potsdamer Bahuhof. In der gestrigen Abendnummer teilten wir mit, daß die Schußpolizei angewiesen worden ist, gegen Auswüchse im Wahl. tampf, besonders aber gegen Belästigung von Straßenpassanten, einzuschreiten. Dazu schreibt man uns:„ Unserer Bolizei tann sofort Gelegenheit gegeben werden, sich im Sinne der amtlichen Berordnung zu betätigen, und zwar auf dem Plaz vor dem Potsdamer Bahnhof. Wie erinnerlich, war es dort in den Trauertagen nach Eberts Tod zu erregten Szenen gekommen, die lediglich durch Hafentreugler und Stahlhelmleute provoziert worden waren, die sich um die dort stehenden völkischen Zeitungshändler gruppiert hatten. Dasselbe standa dienst. cutfche Rundfunk Im rotan Umschlag Unterhaltung Bastelteil Größte ichste Funkzeitschrift Abonnementsbeftellung durch jeden Briefträger die Aufmertfamteit der Paffanten; von der Boisdamer Straße ab begannen Lichtbilder, die über sozialdemokratische Kultureinrich tungen aufklärten. Auf dem Platz fand sich im Umsehen eine tausendföpfige Menge ein, die mit gespannter Aufmerksamkeit die Episoden aus Eberts Leben und Präsidentschaft verfolgte. Das Bublikum nahm die Filmpropaganda sehr beifällig auf und die Hauptfache war die Absicht, gerade auf dem Wittenbergplay für Otto Braun zu werben, ist voll erreicht worden. was Unfer Wahlpropagandafilm wird jeden Abend im AftoriaLichtspielhaus, Botsdamer Straße( vis- a- vis Sportpalaff), gespielt. Unsere Wahlversammlungen. In der Versammlung in den Arminiushallen in Moabit, die ausgezeichneten Besuch aufwies, sprach Genosse Alexander Stein. Wenn man ein Symbol für die Kandidatur Jarres haben wolle, dann brauche man nur das von schwarzweißroten Farben umrahmte Bild des Herrn Jarres an den Litfaßsäulen zu betrachten. Das ist ein Faustschlag in das Gesicht der Republit. Es geht bei dieser Wahl um die Frage: Republik oder Monarchie? Die Rechtsparteien erstreben die Wiedereinführung der Monarchie. Dafür foll Jarres der Platzhalter sein. Dem Kandidaten der vereinigten Rechtsparteien steht als würdiger Nachfolger Fr.Eberts unser Genosse Dito Braun gegenüber. Er hat durch die Tat bewiesen, daß er die Republik zu verteidigen entschlossen ist. Um die Attacke der Reaktion auf die Republit abzuwehren, muß unser Kandidat Otto Braun als Sieger aus der Wahl hervorgehen.( Lebhafter Beifall.) Von einem tommunistischen Redner wurde in der Debatte zugestanden, daß man nicht die Wahl von Thälmann erwarte. Schallende Heiterfeit rief ein deutschnationaler Paradearbeiter hervor, der sich zur Volksgemeinschaft und unter gewissen Bedingungen fogar zum Achtstundentag bekannte. Besonders Genoffe Stein rechnete in seinem Schlußmort mit diesen Gegnern gründlich ab.. In der sehr gut besuchten Wählerversammlung der 35: Ab teilung Friedrichshain führte Genoffe Stadtrat Schnei der folgendes aus: In feiner 1000 jährigen Geschichte tritt das deutische Bolt zum ersten Male an die Wahlurne, um fich fein Staatsoberhaupt selbst zu wählen. Jede Partei erhebt nun den Anspruch darauf, den Kandidaten zu stellen. Der Kampf um den Präsidentenposten ist nicht ein Kampf um Jarres oder Ludendorff, sondern um Republik oder Monarchie. Daß das alte Systent in Deutschland teinen Boden mehr hat, bewies der gewaltige Trauerzug Eberts. Die Wahl am Sonntag joll uns weiter vorwärts bringen. Die deutschen Frauen haben die Jahre 1914-1918 leider schon vergessen. Ihnen besonders, muß unsere Aufklärungsarbeit gewidmet fein. Wer für die Freiheit seiner Klasse, für die Freiheit des deutschen Volkes überhaupt stimmen will, der soll am Sonntag seine Stimme für Otto Braun abgeben." Die Ausführungen des Redners fanden lauten Beifall. In der Aussprache richtete ein Genoffe an die Beamten die dringende Forderung, im eigensten Interesse Otto Braun zu wählen. Vor überfüllter Bersammlung sprach in der Schulaula in der Pasteurstraße Genoffe Ministerpräsident a. D. Paul Hirsch. Er führte aus, daß es bedauerlich sei, daß die Kommunisten durch die Aufstellung eines eigenen Kandidaten Spaltung in die Reihen der Arbeiterschaft auch bei diefer Präsidentenwahl hineingetragen ben. Der einzige ernsthafte Gegenfandidat gegen den sozialdes mokratischen sei Jarres. Seine Aufstellung allein schon zeige die politische Rückständigkeit des größten Teils des deutschen Bolkes. In einem anderen Lande wäre es unmöglich gewesen, daß ein Gegner der republikanischen Staatsform und als solcher hat sich Herr Jarres bekannt als Kandidat für das höchste Amt, das die Republik zu vergeben hätte, aufgestellt werden könne. Wenn man das Amt im Sinne Eberts, im Interesse des Boltsganzen zu wir fen, auffaffe, fo gebe es nur eine Möglichkeit, einen würdigen Nachfolger für Ebert zu finden, nämlich die Wahl des Sozialdemo fraten, des Genossen Otto Braun. In einer gut besuchten Versammlung in Rosenthal sprach Genoffe Ruben. Die Versammlung begann mit einer Gedenkrede des Referenten auf den verstorbenen Reichspräsidenten. Bei der Wahl, so führte der Redner aus, handelt es sich im mefentlichen um die großen politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen, nicht nur um Republif und Monarchie, sondern auch um die Frage der Lastenverteilung, der Steuern, Zölle, Wohnungs- und Aufwertungsfragen. Jarres ist nicht überparteilich, er ist lediglich der Vertreter des Großkapitals. In diesem Kampfe muß das Proletariat einig sein. Es muß aufhören, daß in Arbeiter. Dersammlungen Arbeiter gegen Arbeiter stehen. Der Kampf gilt dem Kapitalismus und seinem Vertreter Jarres. An die Spizze der Republit gehört kein Mann, der auf der einen Seite den, Eid auf die Verfassung leisten will, auf der anderen sie bekämpft. Wir brauchen an Eberts Stelle einen aufrechten Republikaner, einen Vertreter der Arbeiterklasse. Und dies ift Otto Braun. Die Versammlung schloß mit einem begeisternden Hoch auf die Republik und die Sozialdemokratie. 14. Kreis, Neukölln. Jugendweihe am Sonntag, den 29. März, im großen Saal der neuen Welt". Mitwirkende: Herr Kammerlänger Baldemar ente, Mitglied der Staatsoper, Frau Anna opi Geibel, Sarje, Fri. Elfriede opf, Harmonium, Herr Hermannopf, Cello. Der Berliner Bolfschor, unter Leitung seines Dirigenten. Hrn. Dr. Zander. Weiherebe Stadtrat Schneider. Eintritt 75 Pf. Einlag 9, Uhr vorm Anfang 10%, Uhr. Wetter für Berlin und Umgegend. Anfangs noch größtenteils bewölk ohne eigentliche Niederschläge. Später zeitweise aufllarend. Am Tage febr mild Für Deutschland. Am äußersten Süden und Nordosten noch einzelne leichte Niederschläge. Ueberall mild. Reklame- Woche für Reichelt's Beutel- Mehl Preis: 5 Pfd. Beutel Mk. 1.55 Es gibt kein besseres Mehl! Wir verabfolgen von heute bis Donnerstag, den 2. April auf jeden 5 Pfd. Beutel 1/2 Pfd. feinste Raffinade Reicell 147 Geschäfte in Die Firma der guten Qualitäten Groß- Berlin 99 Aus den Bezirken. 2. Bezirk Tiergarten. = T Das Bezirksamt Tiergarten treibt sein reaktionäres Gebaren immer ungenierter. Die SPD.- Fraktion nahm daher in der Bezirksrerordnetenfizung vom 18. März wieder Gelegenheit, nachdrücklich euf die Forderungen hinzuweisen, die sie an Beamte der Republik stellt. Es handelt sich zunächst um einen Antrag des Reichs banners Schwarz- Rot- Gold, ihm den Sportplatz Tiergarten zu einer Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Der Antrag war abgelehnt worden, da der Sportplatz für den Tag schon vergeben sei, außerdem für politische 3 wede" nicht zur Verfügung gestellt werde". Es wurde festgestellt, daß der Sport play an dem fraglichen Tag vom Bismardbund(!) belegt war, der nach Ansicht des Bezirksamts ganz unpolitisch ist. Das ablehnende Schreiben, das unterzeichnet war von Stadtrat Freiherrn von Dalwig, war mit Maschine geschrieben und adressiert andas Reichsbanner Schwarz- Rot- Gelb. Handschriftlich war dann das e in o und das b in d verwandelt, aber in der Art, daß noch das Gelb ganz deutlich zu lesen war. In der vorher gehenden Bezirksamtssigung, in der Genosse Stadtrat Schuldt bas Bortommnis zur Sprache blachte, übernahm Herr v. Dallwig die Berteidigung des gegenzeichnenden Beamten und erklärte, da dieser den Schreibfehler"(!) berichtigt habe, habe er seine Pflicht getan. Er, Herr v. D., bleibe bei dieser Meinung, auch wenn Barmat selbst fäme". Genosse Schröder rügte die grobe Ungehörigkeit, die darin liegt, ein derartiges amtliches Schriftstück herausgehen zu laffen. Herr v. D. bewies in der Bezirksamtssigung nochmals, daß ihm jedes Verständnis für Anstand und Takt ab geht, da er wieder erklärte, daß nach seiner Auffassung der Beamte forrett gehandelt habe. Bürgermeister Doflein erklärte dagegen, daß er den schuldigen Beamten streng zur Rechenschaft gezogen habe. Die Demokraten schlossen sich unseren Beanstandungen an, während die Bolkspartei es vorzog, mutig den Kampfplatz zu verlassen und den Saal räumte. Auf der gleichen Höhe stand das Verhalten des Bezirksamts beim Tode des Reichspräsidenten. Bei diesem Anlaß hatte das Bezirksamt Tiergarten es unterlassen, die Trauer: fahne zu hiffen. Gibt es hierfür eine Entschuldigung? Beim Bezirksamt Tiergarten gewiß. Man höre und staune. Bürgermeister Doflein hätte ja gern geflaggt, er hatte aber feine Gelegenheit, schwarzrotgoldenes Tuch zu laufen", hatte auch keine Stange, es zu befestigen. Jede böse Absicht lag ihm natürlich fern. Dies Rind, tein Engel ist so rein! Diese windschiefen Ausflüchte stellte Genosse Umlauf in das rechte Licht. Auch die Demokraten gaben ihrer Empörung über das Treiben des Bezirksamts Ausdrud. Die Deutschnationalen sorgten dafür, daß auch diesmal in dieser unerquidlichen Angelegenheit der Humor nicht fehlte. Dr. Jante( Dnat.) bat für eine Flaggenvorrichtung zu sorgen, denn er sei in der guten Hoffnung, daß am 29. März für die Wahl von Jarres geflaggt werden fönne. Es tam ferner nochmals der Etat zur Ausiprache, Der Kämmerer hat hier unerträgliche Abstriche gemacht, besonders für die Gebiete: Jugend- und Erholungs fürsorge, Krantenwesen, Erhaltung von Wohnungen. Genosse Bethge bat, den 60 000 m. betragenden Ueberschuß aus dem Jahre 1924 voll zum Ausgleich dieser Abstriche zu verwenden. Trotz etatstechnischer Bedenken des Bürgermeisters wurde dieser Antrag angenommen. Mit stillem Lächeln fonnten unsere Genossen in die nochmalige Erörterung über den Fall des Stabats Ferber cintreten. Stadtrat Ferber war bereits durch Beschluß der Bezirksverfammlung abgebaut worden, war aber durch das Bezirksamt und die bürgerlichen Parteien wieder ins Amt zurückgerufen worden. Nicht umsonst fizen im Bezirksamt und in den bürgerlichen Parteien so zahlreiche Juristen. Durch geschickte Auslegungen wußten sie das Recht so zu biegen, daß sie wenigstens vor sich selbst eine Begründung nung, daß es sich hier um einen groben Rechtsbruch handele. Wir hatten auch unseren Protest gegen das Vorgehen zu Protokoll gegeben und unsere Ablehnung des Etats damit begründet, daß miderrechtlich das Gehalt für den abgebauten Stadtrat Ferber eingefeßt war. Nunmehr teilte auch der Magistrat Berlin mit, daß die Wiedereinsetzung des Stadtrats Ferber beanstandet werde, wenn die Bezirksversammlung sie nicht selbst rückgängig mache. Genosse Weiner mies darauf hin, daß wir diesen Standpunkt des Magistrats von vornherein eingenommen hätten und daß der Bezirk sich Die Blamage hätte sparen können, wenn er unsere Proteste beachtet hätte. Auch in einer schriftlichen Erklärung erläuterten wir noch einmal unseren Standpunkt. Gegen unsere Stimmen wurde die Sache einem Ausschuß überwiesen, nommen. 6. Bezirk Kreuzberg. Die letzte Sigung der Bezirksversammlung Kreuzberg widelte fich mit einer für diesen Bezirk seltenen Ruhe und Sachlichfeit ab. Mag das daran gelegen haben, daß die rührigsten Afteure fommunistischen Krachs fehlten oder auf seiten der Deutschnationalen die wedlosigkeit einer Obstruktion gegenüber einer arbeitsfähigen Mehrheit aus Sozialdemokraten, Demokraten und Sentrum eingesehen wurde, furzum, es wurde gearbeitet. Die Borlagen zur befferen Ausgestaltung der beiden Rentnerheime Luisenufer und Kleine Barkstraße, zur Errichtung eines neuen Jugendheims in der Gemeindeschule Waldemarstraße 77, zur Ausgestaltung des oberen Spielplages im Bittoriapart als Kleinkinderspielplatz und Schaffung von Sizgelegenheit auf demselben wurden ohne Debatte angeEs wurde ferner beschlossen, die nach dem Planufer zu liegende Front des Urbanspielplages mit Sträuchern und Anpflanzungen zu versehen, um den Straßenstaub fernzuhalten. Für die vom Bezirksamt in den Räumen des alten Urbanfrankenhauses geplante Ausstellung für Sozialhygiene und Gesundheitswesen, die am 1. April eröffnet werden soll, wurden gleichfalls die angeforderten Mittel bewilligt. Die Bezirksversamm lung beschloß ferner auf Antrag der Deputation für Kunst und Bildung, die Mittel für den Wiederaufbau von zwei im Prinz Anhaltstraße) befindlichen Schinkel Bauten bei den städtischen Körperschaften zu beantragen. Die beiden Bauten von hohem künstlerischen Wert werden der Stadt von einer Privatgesellschaft kostenlos überlassen und sollen im Bittoriapart in der Nähe des Sportplates an der Kazbachstraße aufgestellt werden, womit dem Bezirk schöne Kunstdenkmäler ethalten bleiben. 12. Bezirk Steglitz. Die Tagesordnung der Bezirksverordnetenversammlung vom 18. März spiegelte so recht das Agitationsbedürfnis der Deutsch nationalen Partei für den Wahlkampf wider. Enthielt sie doch nicht meniger als 6 Initiativanträge dieser Partei, die sich zum größten Teil entweder mit belanglosen oder mit bereits überholten Dingen befaßten. So wurden z. B. Verkehrsverbesserungen verlangt, über Die das Bezirksamt bereits seit Monaten mit den zuständigen Stellen in Berlin verhandelt. Eine Straßenbahnwartehallel STADTVORWARTS blieben. BEILAGE Ist das noch Wohnungsfürsorge? Die Sonne beglüdt uns inzwischen seit einer Reihe von Wochen mit dem herrlichsten Bauwetter, während eine beachtenswerte Anzahl von Geheim und sonstigen Räten die Bestimmungs- und Bedingungseier für Die Hauszinssteuern werden von der breiten Masse erhoben, vergangenen Jahre die Wohnungsfürsorge- Gesellschaften in der um teilweise zur Förderung des Wohnungsbaues für die minder- Lage, waren, mit den Hauszinssteuermitteln eine bemittelte Bevölkerungsschicht zu dienen. Die für Hauszinssteuerüppige Zinswirtschaft hypothefen bereitgestellten Mittel werden den WohnungsfürsorgeGeſellſchaften zur Vergabe überwiesen. Es soll hier nicht über die verteuern? Die Leiter der Berliner Wohnungsfürsorge, die zweifelau treiben und damit das Bauen um bestimmt zehn Prozent zu mannigfachen Anstände gesprochen werden, die vor furzem Gegen- les ein gutes Maß Verständnis für die Erfordernisse der Zeit aufstand einer zahlreich besuchten Bersammlung von Vorstandsmitgebracht haben, machen sich verdächtig, mit diesem merkwürdigen gliedern gemeinnüßiger Genossenschaften im Wohlfahrtsministerium Bedingungs- und Bestimmungswesen sich zu identifizieren, wenn waren. Wie immer, so ist auch hier das Ergebnis dieser, von fast sie es sich weiterhin gefallen lassen, daß ihnen erst immer in der feinem berufenen Vertreter der für die Wohnungsfürsorge in Frage Hochsaison diejenigen Berhaltungsmaßregeln zugetragen werden, die temmenden Behörden besuchten Tagung bisher gleich Null ge so zu einer maßlosen Berzögerung der Wohnungs. bautätigkeit führen, und die sie auf den Posten ehrsamer Handlungsgehilfen zwingen, die ohne die Genehmigung ihrer hohen Chefs keinen Wechsel unterschreiben dürfen. Man ist segar so weit gegangen, der Wohnungsfürsorge die Hergabe von Zwischenkredi ten auf anderweitig zugesagte, erststellige hypothefen zu verbieten und ihr zu untersagen, daß sie den notleidenden Genossenschaften mit den in reichlicher Menge ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen erstklassige Sicherheiten aus der Klemme hilft. Ist das noch eine Wohnungsfürsorge? Zunächst rückt und rührt sich keine Hand, um dieser aufreizenden Wirtschaft abzuhelfen. Daß dies bei einer Zahl von über hunderttausend Wohnungsbedürf tigen in Berlin möglich ist, ist ein ganz besonderes Zeichen für die Gutmütigkeit des deutschen Michels. Ihm wird auf der einen Seite der letzte Heller aus der Tasche gezogen, während andererseits Millionen aus dem Geldmarkt genommen werden, um in fangfristigen Grundstücksgeschäften und anderen gewinnbringenden Anlagen festgelegt zu werden, anstatt sie in der schnellsten Weise wieder in die Kanäle zu leiten, die zu einer Belebung unserer nofleidenden Wirtschaft dienen tönnen. Man schreie es doch in alle Welt hinaus, daß hier schleunigst Hilfe und Bandlung nottut; Fachleute, underbrauchte, mit der Materie vertraute Kräfte heran. damit ein frischer Zug in die unheimlich stidige Paragraphen- Atmosphäre hinein. die Hergabe der Hauszinssteuerhypotheken bis zu den großen Ferien bebrütet. Was dann herauskommt, erweist sich schon bei der Geburt als faul, weil es durch die behördlich meist nicht bekannten Ereignisse des öffentlichen Lebens über holt ist. Es ist beispielsweise bisher noch nicht ermöglicht, die infolge verspäteter Maßnahmen erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in Angriff genommenen, mit unzulänglichen Hauszinssteuerhypotheken bedachten Rohbauten und bereits weiter vorgeschrittene Bauten fertigzustellen und ihrer Bestimmung zuzu führen. Die Bautosten sind in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres so wesentlich gestiegen, daß die gewähr ten Hauszinssteuerhypothefen bei weitem nicht ausreichen, um selbst bei guten, erfistelligen Hypotheken die Baukosten so abzudecken, daß der verbleibende Rest für die Erwerber erträglich ist. Hinzu fommt aber noch die jede Finanzierung überaus erschwerende und 3wed und Ziel vereitelnde Darlehnsbeftimmung des Minifteriums, daß die Hauszinssteuerhypotheken innerhalb 90 Broz. der reinen Baukosten gesichert sein müssen! Die mit Mühe und Not erlangte erststellige Hypothet irgendeiner Pfandbriefbant, deren Auszah lungswert weit hinter ihrem Nennwert zurückbleibt, wird hierbei von der Wohnungsfürsorge nicht etwa mit dem, vom Siedler erzielten Barwerte, sondern mit ihrem nominellen Werte in die Berechnung gezogen. Das wahrhaft betrübende Bild einer solchen Finanzierung" stellt sich beispielsweise bei einem Anwesen, dessen Grund und Boden etwa 3000 m., und dessen Bauausführung etwa 15 000 m. betragen foll, folgendermaßen: 1. Bert des fertigen Anwesens Grundstüd Bautosten 2. Hauszinssteuerhypothet 1. Hypothet nominell 15 000 m. ( 10 Proz.+7.000 M.)= 6.500 m. Hierauf bei 8proz. Pfandbriefen Auszahlung 3. 3. 77 Broz. effett. erlangter Betrag rund 3 000 m. 15 000 7.000 m. 5.000. 18 000. 12.000 3. Bom Bauherrn aufzubringen rund 6000 M. die in der Lage sind, einen eigenen Betrag von 6000 M. und mehr Es ist hinreichend bekannt, daß diejenigen wohlhabenden Leute, für die Schaffung einer Wohnung aufzubringen, im vergangenen Jahre von findigen Bauunternehmern restlos ausgefiebt wurden. die die Hauszinssteuer in der Hauptsache geschaffen ist, fommt Die sogenannte„ minderbemittelte Bevölkerung", für für die Wohnungsfürsorge nicht in Betracht, da diese Klaffe gar nicht in der Lage ist, auch nur einen Teil der fehlenden Mittel beizusteuern. Wer verfügt heute noch über 6000 m.? Die Wohnungsfürsorge arbeitet daher mit ihrem Geschäftsgebaren der wohlhabenden daher weniger bedürftigen schicht in die Hände und geht damit völlig abseits von ihrer eigent Bevölkerungs lichen Aufgabe; sie ist heute nichts mehr, als ein Institut für die Hergabe fast mündelsicherer Hypothefen. Es besteht kein Zweifel, daß für diese Zustände und weiterhin für die Tatsache, daß es wegen der bereits wieder hinreichend vorgerückten Saison auch dieses Jahr zu keiner ersprießlichen Bauwirtschaft kommen wird, die, die Bestimmungen redigierenden Stellen hauptsächlich mitverantwortlich zu machen sind. Warum fönnen in den langen Wintermonaten, die jeder Bauperiode vorangehen, nicht die paar Paragraphen ausgebrütet werden, die doch wahrhaftig feinen übermäßigen Aufwand an Gehirnschmalz erfordern. Wer trägt ferner die Verantwortung für die unglaubliche Tatsache, daß im wurde gefordert an einer Stelle, wo breits eine steht. Dabei berücksichtigten die weitausschauenden Kommunalpolitiker der Rechten nicht einmal, daß für eine Vergrößerung der Halle, auf die sie den Antrag nachträglich hinausspielten, nur die Straßenbahn, nicht aber die Stadt zuständig ist. Ein Antrag auf Berbesserung der Straßen beleuchtung war genau so überflüffig, da es jedem nur einigermaßen Unterrichteten bekannt war, daß nicht der Bezirt, sondern nur der Magistrat Berlin für diese zentral behandelte Sache zuständig und verantwortlich ist. Auch war bekannt, daß an der bereits gewährten Berstärkung der Beleuchtung noch gearbeitet wird. Hier hatten nun allerdings unsere Genossen Gelegenheit, den Antragstellern zu sagen, daß diese in den früheren Gemeindevertretungen von Lichterfelde und Lantwitz aus Furcht, den Besitz zu befasten, sich allzu kleinlich in bezug auf die Bewilligungen für die Straßenbeleuchtung benommen haben. Und daß sie jetzt, nachdem sie zu Groß- Berlin gehören, mit einemmal somohl beffere Beleuchtung als auch besseres Pflaster verlangen und sich die Vorteile, die Groß Berlin bietet, nicht entgehen lassen wollen, während sie sonst bei jeder Gelegenheit laut genug ihr Los von Berlin" geschrien haben. Die Sünden der Väter rächen sich eben jezt an uns, da den Bezirken nur etwa 75 Broz. ihrer Friedensausgaben für die Beleuchtung zu gestanden werden konnten. Diese Erinnerung erweďte offenbar in den Reihen der Deutschnationalen lebhaftes Mißbehagen, wenn sie auch zugaben, daß man diesmal leider teinen Sozialdemokraten dafür verantwortlich machen fonnte, weil wir damals in hoffnungsloser Minderheit waren. Geradezu lächerlich war aber ein Antrag der Rechten, der sich mit den Straßenbänken in Lankwitz befaßte. Diese sollten wieder aufgestellt werden. Natürlich befanden sie sich in Reparatur oder die betreffenden Stellen wurden gerade durch Kanalisation umgebaut oder es waren auch früher keine da. Und schließlich stellte es sich auf Erklärung des Stadtbaurats heraus, daß auch hier der Antrag von den Tatsachen überholt war. Solche und fommt. An Gründen für die fich alljährlich wiederholenden, betlagens. perten Verzögerungen in dem Erlaß der Ausführungs- und sonstigen Bestimmungen der maßgebenden Behörden hat es in feinem Jahre gefehlt. Augenblicklich gilt der Spruch:" Wir haben kein Präsidium. Der Staat alles gewollt, als wir die Hauszinssteuer schufen? das sind wir! Haben wir das Fr. Klein, Borstand einer gemeinnützigen Baugenossenschaft. -w Die Neubautätigkeit in Berlin. Aus Mitteln der Hauszinssteuer sind, wie das Städtebauamt der Stadt Berlin mitteilt, in Berlin bisher etwa zwei und füunfzig Millionen Mark für die Zwecke der Förderung des Neubaues aufgekommen. Diese Mittel werden entsprechend den Richtlinien des Ministeriums so schnell als möglich der Neubautätig feit zugeführt. Das beweist am besten der Umstand, daß in Berlin im vergangenen Jahre die Wohnungsbautätigkeit in einer Weise auflebte, wie sie vor einem Jahre noch nicht für möglich gehalten wurde. Dabei sind so ziemlich sämtliche Wohnungsbauten, die zurzeit im Gange find, nur mit Hilfe dieser Hypotheken aus der Hauszinssteuer entstanden. Es sind zurzeit im Bau rund 9056 Wohnungen. Da mit einer Durchschnittsbeleihung von 6000 m. pro Wohnung gerechnet werden muß, so ergibt sich hieraus, daß die zur Verfügung stehende Summe bereits überschrit leihungen werden bereits schon während des Bauens in Form von ten ist. Einige weitere eintausend Anträge liegen vor. Die BeBaugeld gegeben, und zwar in einem Maße, daß fortschreitend mit dem Wachsen des Baues die Gelder zur Auszahlung gelangen, so bereits zur Auszahlung gelangt ist. Die Verteilung der Bauvordaß der größte Teil der Hypothek mit Fertigstellung des Rohbaues haben erstreckt sich über ganz Berlin. Im Westen und Süden wird verhältnismäßig mehr gebaut als in anderen Stadtteilen, aber auch im Norden und Often find zahlreiche Bauvorhaben im Gange. Mit Rücksicht auf die erhöhten Baukosten ist die Bebeim Beginn des Baujahres. Die Wohnungsfürsorgegesellschaft ist Leihung im Verhältnis zu den Gesamtkosten wesentlich geringer als daher schon im Sommer vergangenen Jahres bei dem Ministerium vorstellig geworden, andere Beleihungssätze zuzubilligen. Dem- ist aber bisher nicht entsprochen worden. Sollen aber kleine Wohnun gen mit erträglichen Mieten entstehen, so ist eine Erhöhung dieser Hypotheten unerläßlich. Es wird auch nötig sein, daß, solange der private Kapitalmarkt die hohen Zinsfäße verlangt, noch eine gewisse Zusahhypothek für die kleinen Wohnungen, für die von den Bewerbern feine Mittel aufgebracht werden können, zur Verfügung gestellt wird. Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß die Zahl der erstellten Wohnungen noch sehr weit hinter der Zahl der benötigten zurückbleibt. ähnlich geistreiche Dinge wurden der Bezirksversammlung von der Rechten zugemutet. Mit solchen Lappalien müffen sich ernſte Männer die Zeit stehlen lassen, nur damit die Deutschnationalen so tun können, als ob sie allein für das Wohl des Bezirks besorgt find. Wichtiger war ein Antrag bezüglich des Mülla bladeplates in der Wismarer Straße in Lichterfelde. Hier wurden die Herren von der Rechten von unseren Genossen darauf hingewiesen, daß sie all den Schaden und all den Staub usm. hätten vermeiden fönnen, wenn sie die Müllabfuhr, wie andere Bezirke, der städti chen Müllabfuhrgesellschaft übertragen hätten. dessen verlangten sie für die Hausbesitzer eine Ertramurst. Wie sie auch diesmal wieder unseren Antrag zum Etat, betreffend den Neubau eines Bezirksarmenhauses, niedergestimmt und zur weiteren Berzögerung erst eine nochmalige ins einzelne gehende Borlage vom Bezirksamt verlangt hätten, während sie bei anderen Vorlagen und Anträgen ihrer eigenen Partei lange nicht so ängstlich seien. Auch gegen die Veräußerung der Arbeitersiedlung in Lantwit an die Arbeiter, die sich die Häuschen selbst gebaut haben, zu einem bescheidenen, aber angemessenen Preise, liefen die Deutschnationalen Sturm, die für Arbeiterinteressen im Bezirk niemals etwas übrig hatten. Sie gönnten den Leuten den billigen Preis nicht, fie befürchteten, daß die Arbeiter später große Konjunkturprofite aus einem etwaigen Berkauf ziehen würden. Sie wollten den Abschluß des Vertrages, den das Bezirksamt mit vieler Mühe zustande gebracht hatte, mit aller Gewalt verhindern. Dies ist ihnen nicht gelungen, aber die Steglitzer Arbeiterschaft hat wieder einmal das wahre Gesicht der Rechten gesehen, und das ist entschieden ein Vorteil. Das Märkische Museum bleibt am tommenden Sonntag, den 29. März 1925. wegen der Wahl des Reichspräsidenten geschloffen.com Ein Schildbürgerstückchen des Magistrats. Aus Beamtenfreijen wird uns geschrieben: „ Einen richtigen Schildbürgerstreich hat sich der Magiftrat vor einigen Tagen geleistet. Bisher war es beim Magistrat üblich, den Beamten und Angestellten, die sich an der Auslegung der Wählerlisten beteiligten, die Hälfte dieser Zeit zu vergüten und die restlichen Stunden durch Urlaub abzugelten. Anders bei der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl. In einer Verfügung, die der Magistrat par einigen Tagen herausgab, hieß es, daß sich an der Auslegung der Wählerlisten nur die Beamten der Gruppen 1 bis 6 beteiligen dürfen in der richtigen Boraussicht, nur den wirklich be= bürftigen Beamten und Angestellten die Entschädigung für die Ueberstunden zukommen zu lassen. Sehr schön vom Magistrat. Benn nun der Magistrat jest, nachdem die Auslegungszeit vorüber ist, mit einer weiteren Verfügung heraustommt und bestimmt, daß nur die Zeit, und zwar auch nur zur Hälfte bezahlt wird, die über 20 Stunden geleistet worden ist, und die lleberstunden durch Urlaub abgegolten werden sollen, so wird das als eine glatte Berhöhnung der beteiligten Beamten und Angestellten betrachtet. Hinzu kommt noch, daß bei einem regulären Berlouf der Auslegung überhaupt nur 18 Stunden herauskommen fönnen. Anderer seits hat der Magistrat dadurch, daß er nur den Beamten die Auslegung gestattete, die den Gruppen unter 6 angehören, dokumentiert, daß eine Bezahlung in Aussicht genommen war. Den beteiligten Beamten und Angestellten ist jedenfalls dadurch eine nachhaltige Lektion erteilt worden, die sie bei dem in Aussicht stehenden zweiten Wahlgang sehr beherzigen werden. Die Angelegenheit wird natür lich die in Frage kommenden gewerkschaftlichen Organisationen noch beschäftigen. Hausbesizer- Genossen. In dem„ Sozialistischen Unternehmer", dem Organ des Einheitsverbandes sozialistischer Unternehmer, findet sich unter der obigen Ueberschrift ein Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: In Deutschland bestehen seit geraumer Beit Hausbesitzervereine, die die wirtschaftlichen Interessen der Hausbefizer zu vertreten vor= geben. In Wirklichkeit ben fich diese Haus and Grundbefizer. vereine mehr und mehr zu Anhängseln aller reaktionären Barteien entwickelt und find ihre stärksten Stüken. Bei jeder Wahl fordern die Hausbesikervereine auf, gegen die Arbeiterschaft und für die Bölkischen, die Deutschnationalen und die Deutsche Bollspartei zu stimmen Bei jeder Wahl reißen sie die Arbeiterpartei mit den Schofelsten Mitteln herunter. Nun wissen wir aber, daß diesen Hausbefizervereinen Tausende, ja jogar 3ehntausende flei: ner Hausbesizer angehören, die ihrer wirtschaftlichen Lage nach der Arbeiterschaft zuzu zählen sind oder die gar der Sozialdemokratischen Partei angehören. Arbeiter- Hausbefizer! Könnt ihr es mit eurem Gewissen verenbaren, daß ihr solchen Bereinen angehört, daß ihr eure Beiträge hinwerft, die dann dazu dienen, euch selbst zu befämpfen? Wir glauben, es ist nur mangelnde Entschlußkraft, wenn ihr bisher diesen Hausbefizervereinen den Rücken nicht gekehrt habt. Rafft euch endlich dazu auf. In Altenburg ist ein Freier Hausbefizer verband gegründet worden, der schon starfe Ansätze zu feinem Aufstiege zeigt. Rafft euch auf und werdet Mitglieder. Auskunft erteilt Mar Breißler, Altenburg i Thür., Kesselgaffe 14. Eine Gefahr für die Gesundheit der Berliner Bevölkerung bildet, wie das Wasserbauamt mitteilt, die in der Nachkriegszeit festgestellte Zunahme der Verschmutzung der Berliner Gewässer durdy Unrat mancherlei Art. Die Gefahr würde um so ernster sein, wenn in einem heißen Sommer nur wenig Frischwasser aus den oberen Gebieten der Spree zu uns gelangen tönnte. Die Polizeibeamten find deshalb angewiesen, jeder Berschmuzung der Spree mit allem Nachdruck entgegenzutreten. Gleich zeitig wird aber auch an die Fabriken und an die Anwohner der. Gewässer die dringende Mahnung gerichtet: Werft den Un= rat in den Müllt aften und leitet die schmutzigen Abwäffer in die Abflußfanäle!" Die Spartaffe der Stadt Berlin hat am 15. d. M. in den Rathäusern Rifolassee und Wannsee sowie in dem. Guts hause Dahlem amtliche Nebenstellen ihrer Staffe eröffnet. Die Nebenstellen dürfen an einem Tage auf ein Sparbuch der Berliner Spartasse bis zu eintausend Mark entgegen nehmen und bis zu eintausend Mart auf ein Sparbuch der Bezirks Spartasse Zehlendorf zurückzahlen. Die Nebenstellen sind auch be rechtigt, bis zu dem genannten Batrage sogenanntes festes Geld" anzunehmen, ebenso dürfen sie Sparbücher anderer Kaffen zum Smede der Ueberweisung des Sparguthabens auf ein Sparbuch der Bezirkssparkasse Zehlendorf entgegennehmen. Die Berliner Sparkasse perzinst 3. 3t. die Spareinlagen mit 5 Prozent, die auf Bett oder gegen Kündigung eingezahlten Einlagen von dreihundert Mart an( festes Geld) mit 8 Prozent. Magiftratsschulratsstelle für Steglik. Durch Beschluß der Städtischen Körperschaften ist für den Verwaltungsbezirt Steglitz eine Magistratsschulratsstelle errichtet worden. Am 1. April d. 3. trift der derzeitige Inhaber der staatlichen Schulaufficht, Schulrat otop. nach Erreichung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand. Die staatlichen Aufsichtsbehörden haben sich bereit erflärt, die nunmehr erledigte Schulaufsicht im Nebenamt auf einen vom Bezirksamt Steglig zu mählenden Stadtschulinspektor( Magiftratsschulrat) zu übertragen. Das Bezirksamt wird sich in Das Bezirksamt wird sich in nächster Zeit auf Grund der schon vorliegenden und der etwa noch eingehenden Bewerbungen mit der Besegung der Stelle beschäf tigen. Unser Oeffentliche Kundgebungen parteinachrichten heute, Freitag, den 27. März, abends 7 Uhr: Mitte: Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. Tiergarten: Nationalhof, Bülomstraße 37. Wedding: Bazenhofer Ausschant, Chausseestraße 64. Schiller- Lyzeum, Bank, Ede Böttcherstraße. Prenzlauer Berg: Ledigenheim, Pappelallee 15. Friedrichshain: Andreas- Festsäle, Andreasstr. 21. Kreuzberg, 40. u. 41. Abt.; Brauerei, Fidicinstr. 2/3. 44. u. 45. Abt.: Schulaula, Forster-, Ede Reichenberger Straße. " Charlottenburg: Hohenzollern- Festfäle, Berliner Str. 105. Spandau: Jubiläums- Turnhalle, Askanierring. Cladow: Gasthof Bäumann. Staaten: Gasthof Albert Wolf. Siemensstadt: Marsand, Nonnendammallee. Wilmersdorf: Aula Hindenburgschule, am Seepark( Frauenfundgebung). Wannfee: Reichsadler, Königstr. 26. Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Straße 8. Schöneberg: Uhlandschule, Kolonnenstraße 22. Cantwig: Lehmanns Festfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 29. Lichterfelde: Oberrealschule, Ringstr.( Ede Hindenburgdamm). Mariendorf: Aula Oberrealschule, Kaiserstraße. Neukölln: Aula Oberrealschule, Emser Straße 134. Budow: Turnhalle. Brih: Beckers Festsäle, Chausseestraße 98. Niederschönweide: Aula der Mädchenschule, Berliner Str. 31. Alt- Glienice: Bohne, Grünauer Straße. Copenid: Aula Körnerschule, Lindenstraße. Grünau: Jägerheim, Bahnhofstraße 1. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Karishorst: Fürstenhaus, Treskowallee. Friedrichsfelde: Tempel, Prinzenallee. Mahlsdorf: Anders, Bahnhofstraße. Biesdorf: Schillerfäle, Königstraße 120. Kaulsdorf: Turnhalle, Adolfstraße. Kaulsdorf- Süd: Im Jägerheim. Weißenfee: Aula Realgymnasium, Woeldpromenade. Banfor: Linder, Breitestraße 34. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Reinidendorf- Oft: Schüßenhaus, Residenzstraße 1/2. Borsigwalde: Borsigwalder Festfäle, Conradstraße( Ede Spandauer Straße). Redner: Aufhäuser, Crispien, Faltenberg, Dr. Freund, Felgentreu, Frande, Göring, Harnisch, Hirsch. Haß, Hirsch berg, Adolf Hoffmann, Heßschold, Joachim, Künstler, Marie Runert, Dr. Ramerau, Erna Kresse, Leid, Dr. Löwenstein, Landa, Litke, Lempert, Dr. Lohmann, Otto Meier, Hermann Müller, Reimann, Reuter, Ruben, Heinrich Schulz, Schneider, Minna Todenhagen, Dr. Tichauer, Dr. Beyl, Dr. Witte, Dr. Weinberg, Zachert, Zubeil. Bernau: Restaurant Bellevue, abends 7% Uhr: Die Reichs= präsidentenwahl". Referent: Genosse Schlimme, Borstand des ADGB., Berlin. Sonnabend, den 28. März, abends 71/2 Uhr: Schöneberg: Siedlung Lindenhof, Ledigenheim. Tempelhof: Realgymnasium, Kaiserin- Augusta- Straße. Tegel: Schollenkrug, Freie. Scholle. Biesdorf- Süd: Dieß, Köpenicker Straße. Karow: Peters( vorm. Sucow), Dorfstraße. Gatow: Zur Linde. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, zu richten. Urbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen, Bezirksgruppe Berlin. Generalversammlung Sonnabend, ben 28. März, 8 Uhr, Gigungsfaal, Dord ftraße 11. 1. Geschäftsbericht tes Borsigenden Genossen Dr. Witte. 2. Neuwahl des Vorstandes. 4. Areis Prenzlauer Berg. Die Abteilungstaffierer rechnen fofort alle Reste beim Areistassierer ab. 5. Kreis Friedrichshain. GAZ.- Werbebezirk Often. Sonnabend, 7 2hr, Russischer Abend" unter Mitwirkung russischer Künstler. Jugendchar, Mandolinenorchester, Ansprache des Genoffen Alegander Stein. Unfoſtenbeitrag 30 Pf. Die Jugendgenossen bitten um Beteiligung der Parteigenoffen. 6. Kreis Kreuzberg. Die Mitglieder des Bücherkreises geben ihre Mitgliedsfarten bei den Bildungsobleuten der Abteilungen ab. Entgegennahme der Bücher in der am Montag, den 30. März, bei Reim, stattfindenden Bildungsausschussikung. 7. Kreis Charlottenburg. Zur Rundgebung heute in den Hohenzollernfestfälen( Referent: Gen. Crisplen) find Fahnen und Banner mitzubringen. Aufstellung auf der Bühne. Sonnabend, 7 Uhr, erweiterte Vorstands figung im Rimmer 1 des Rathauses. 11. Kreis Schöneberg- Friebenau. Heute treffen sich der engere Kreisvorstand und die Abteilungsleiter nach Schluß der Bersammlung in der UhlandSchule. 17. Kreis Sichtenberg. Die Abteilungen 114-120 werden ersucht, die ,, Wählerin" von der Spedition Borhagener Straße 62 heute oder Sonnabend zwischen 23 und 7 Uhr abzuholen. Heute, Freitag, den 27. März: 10. Abt. 8 Uhr bei Trümper, Flensburger Str. 3. Treffpunkt der Genoffen. Besonders die Funktionäre müssen erscheinen. Einteilung der Wahlarbeit. 27. Abt. 7% Uhr beteiligen sich die Genossen und Genoffinnen an der öffent lichen Versammlung im gedigenheim Pappelallee. 38. Abt. Bildungskommission! 6½ Uhr Türkontrolle in den Andreas. Feftfälen. 42. Abt. Funktionäre und Selfer treffen sich heute 12 Uhr im Verkehrstotal. 47. Abt. Bezirksführer! Lester Termin zum Abrechnen am Sonntag, den 29. Mära. 74. bt. Rehlendorf. 8 Uhr im Lindenpark: Bortrag des Genoffen Baul Sirich, Staatsminister a. D., über: Die Reid spräsidentenwahl." Bünftliches Erscheinen aller Mitglieder einschließlich Frauen ist diesmal besonders notwendia. Gesinnungsfreunde willkommen. 99. Abt. Brik. Treffpunkt der Funktionäre Bei Becker, Chauffeeftr. 96. 101. Abi. Treptow. 17 Uhr müffen die Liftenführer in der Spedition erfcheinen. Sämtliche Genoffen um 7 Uhr. Jungiasialisten, Gruppe Echöneberg. Der Gruppenabend in der Feurigstraße fällt aus. Beteiligung an der Wählerversammlung um 7 Uhr in der Uhland- Schule, Rolonnenstraße. Morgen, Sonnabend, den 28. März: 8. Abt. Die Parteigenoffen fomie Sympathifierende treffen sich zum Demonstrationszug mit Mufit um 5% Uhr am Dennewigplak. 16. Abt. 16 Uhr Ausgabe des letzten Wahlmaterials bei Döhling, Brunnen Straße 79. 21., 22. und 23. Abt. Sämtliche Genossen und Genoffinnen treffen sich 4½ Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21, zum Propagandaumzug zur Reichspräsidentenwahl. 25. Abt. Die Genossen treffen sich pünktlich 26 Uhr zum Umzug an der vom Areis bekannt gegebenen Stelle. Nach dem Umzug bei Gott zur Wahlarbeit eintragen laffen. 27. Abt. Alle Mitglieder treffen sich 5% Uhr Bornholmer Straße, Ede Schönhauser Allee. 31. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fidh an dem Spaziergang bes Rreises abends 5% Uhr. Treffpunkt Bornholmer Straße, Ede Schönhaufer Allee. 47. Abt. Gonnnabend, den 28. März, Busammenkunft aller Wahlhelfer und -helferinnen um 7% Uhr bei Giedentopf, Muskauer Str. 35. Materialausgabe. 82. Abt. Steglik. 6% Uhr Treffpunkt Markt, Düppelstraße. 85. Abt. Tempelhof. Die Genoffen treffen sich um 26 Uhr in der Qinbe" zum legten Wahlumzug. Anschließend öffentliche Versammlung im Realgymnasium. 98. Abt. Neukölln. Sämtliches Material für den Wahltag ist am Sonnabend beim Genoffen Jeregly abzuholen. 117. Abt. Sichtenberg. 7 Uhr bei Gundlach, Rantstr. 11, und Klohs, Rupp recht, Ede Eitelstraße. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Be29. Abt. Genossin Genti di verfchied infolge einer Operation. erdigung Sonnabend nachmittag 3½ Uhr auf dem Friedhof der Emmaus- Ge meinde, Neukölln, Hermannstraße. 56. Abt. Charlottenburg. Am 25. Mara verstarb Genoffe Wilhelm BiI0. Beerdigung Sonnabend nachmittag 3% Uhr in Stahnsdorf. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Redner: Göring, Ad. Hoffmann, Dr. Freund, Lempert, Zeuthen. Der Turn- und Sportabend fällt an diefem Sage aus. Litte, Ruben. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstefie: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tr. Kamerabschaft Eichwalbe. Sonnabend, den 28. März, abends 6% Uhr, tritt die Rameradschaft bei Lindner an. Saalschuß in Kamereb schaft Friedrichshain. Sonnabend, den 28. März, abends 7 Uhr, BersammKameradschaft lung der Jugendgruppe im Jugendheim Tilfiter Str. 4/5. Tiergarten. Gonnabend, ben 28. März, Uebungsstunde in der Turnhalle Alt6% Tagesordnung in allen Rundgebungen: Für den Präsidentschaftskandidaten Otto Braun! Prenzlauer Berg: Morgen, Sonnabend, abends 6% Uhr: Treffpunkt zur öffentlichen Kundgebung Ecke Schönhauser Allee und Bornholmer Straße. Gustav Breben, unser alter treuer Genoffe th der 81. Abteilung, Gotland ftraße 7, ist am 26. März 75 Jahre alt geworden. Wreden, der vor einigen Monaten feine goldene Sochzeit feiern fonnte, ift auch einer der ältesten Vorwärtsleser. Wir wünschen, daß ihm noch eine Reihe von Lebensjahren in voller Gefundheit beschieden sein mögen. Ihren 75. Geburtstag begeht am Gonnabend, den 28. März, die Witme Abelheid Banity. Reinidendorf- Oft, Residenzftr. 118 III, bei Gottfchalt. Die Greifin lebt zusammen mit ihrem ftellungslosen Sohn in den dürftigsten Berhältnissen. Genoffe Richard Knopf, Markusftr. 31, feierte am 22. März feinen 60. Ge. der 32. Abteilung an. In vorbildlicher Weise hat er während dieser Zeit für die Partei gearbeitet. burtstag, Genoffe Knopf ist feit 35 Jahren Barteimitglied und gehört heute Ostergruß Herren Schnürschuhe braun Rindbox, elegante moderne Form, Goodyear Welt.... 13.90 Kinder- Schnürschuhe Ia braun 590 Boxcalf, Rand weiss gedoppel, moderne Verarbeitung......... 31/35 7.90, 27/30 Kinder- Schnürstiefel echt braun boxcalf, fussgerechte Form. vorzügliche Qualität, 27,28 5,90, 25,26 5,50, 23/24 90 Doabit. Abends 6½ Uhr Jugendliche, 8 Uhr Erwachſene. Bereinigung der Freunde von Religion und Bälterfrieden. Genoffe Sanitätsrat Dr. Juliusburger spricht am Freitag, den 27. März, 18 Uhr, in der ligion und Monismus". Pfarrer Bleier wird in der Diskussion das Wort Arbeiter- Rablo- Klub, Bezirk Lichtenberg( früher Often). Bastelabend am Freitag in der Oberstr. 8 fällt ass. Treffpunkt aller Mitglieder am Freitag in den Sophien- Sälen, 28 Uhr, mit Apparaten für die Ausstellung. Arbeiter Radio- Klub, Bezirk Neutönn, Rütlischule. Heute teine Tagung. Nächster Vortrag am Freitag, den 3. April. 18. Gemeindeschule, Charlottenburg Bestalozziftr. 40, über das Thema: Renehmen. Berlin, wie es war und wurde schildert Dr. Franz Lederer in einent Lichtbildervortrag am Sonnabend, den 28. Mära, 8 Uhr, im Bürgerfaal des Berliner Rathauses. ant Berein Sozialistischer Aerzte. Deffentliche Mitgliederversammlung Montag, den 30. Märs, 7% Uhr, im Hauptgefundheitsamt der Stadt Berlin, Fischerftr. 39/42( Untergrundbahn Spittelmarkt). Gäste willkommen! Der Desterreichisch- Deutsche Boltsbund, Ortsgruppe Berlin, hält am Sonnabend, den 28. März, abends 8 Uhr, im Reichstagsgebäude, Portal V, feine diesjährige Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht ein Bericht über die Entwicklung der Anschlußfrage im legten Jahr und ihr derzeitiger Stand. Fortschrittliche Berkehrstechnik e. B. Vortragsabend über ,, Die Voraus fage und Beeinflussung des Reisewetters" am Donnerstag, 2. April, 82 Uhr, Nollendorf- Rafino, Kleiststr. 41. Eintritt füle jedermann frei. ein Angebot von besonderer Güte und Preiswürdigkeit, angepasst den Erfordernissen der Zeit und Mode Einspangenschuhe Lack- Einspangenla braun Boxcalf, moderne Form, mit echtem Louis XV.Absatz... mod. halbspitze Form, schuhe echt Louis XV. Absatz Einspangenschuhe Herren- Schnürgrau Nubuk, apart mit gleich/ arbigem Chevreau gepaspelt, echt Louis XV.Absatz, eleganter Frühjahrsschuh.... Pumps la braun Boxcalf, mit durchbrochenem Blatt, sehr tesches Modell, mit echtem Louis XV.- Absatz braun Rindbox, RingsNaht, stiefel besatz ohne Goodyear-Welt, neue halbspitze Form Herren- Schnürstiefel queme Form. echte brann Rindbox, beZwischensohlen, Goodyear- Welt....... Leiser 50 16 a Auch in Strümpfen bringen wir eine grosse Auswahl neuzeitlicher Farben Nr. 14642. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die Vorgänge der Streiktage. Endlose Vernehmungen. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, den Kasseler Kreiscrzt Dr. Wagner zur Erläuterung seines Gutachtens zu laden. Ueber Lie Frage, ob das Gericht sich eventuell zu einer Bernehmung des Oberbürgermeisters Scheidemann nach Kaffel begeben wird, ist noch fein Beschluß gefaßt. Hierauf wurde in die Zeugenvernehmung eingetreten. Als erster Zeuge wurde Richard Müller cernommen. Er äußerte sich zunächst über den Verlauf der Dele. giertenversammlung im Gewerkschaftshaus, die unmittelbar nach Ausbruch des Streifs stattfand. Nachdem dort die Delegierten für die Streitleitung gewählt waren, wurden die bekannten fieben Forderungen formuliert und einstimmig angenommen. Dann wurde auf Antrag aus der Versammlung beschlossen, drei Mitglieder des Unabhängigen Parteivorstandes in die Streitleitung zu nehmen. Das hatte zur Folge, daß uschick das gleiche Recht für den Vorstand seiner Partei, der Mehrheitssozialdemokraten, for berte. Obwohl Ledebour gegen die Forderung scharf Stellung nahm, wurde der Antrag Wuschicks schließlich mit Mehrheit angenommen. Sonst ist in dieser Versammlung nichts weiter ercriert worden. Bors: Am Abend fand dann eine Sitzung der Streifleitung statt. Was wurde dort beschlossen? Zeuge: Wir waren im ganzen 17 Personeen, 11 Arbeiter telegierte und die sechs Abgeordneten. Als erster nahm Ebert das Wort. Er wünschte nochmals eine Diskussion über die Fordeungen, da er nicht in allen Buntten mit ihnen einverstanden war. Das wurde von uns jedoch abgelehnt. Dann versuchten wir. die Zahl der Streifenden festzustellen Wir haben dazu Meldungen aus den einzelnen Betrieben eingefordert. Unsere Arbeit wurde jedoch durch das Erscheinen der Polizei unterbrochen. Am nächsten Morgen, also am 29. Januar, famen wir abermals zu fammen. Wir beschrachen bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit, mit der Regierung in Berhandlungen einzutreten. Es wurde be. schlossen, daß die Abgeordneten nicht ohne Anwesenheit einiger Arbeitervertreter mit der Regierung zu verhandeln hätten. Als allraf einen Empfang unserer Delegierten ablehnte, fand am Abend in der Urbanstraße eine neue Sitzung der Streifleitung start. Borf.: Was wurde da beschlossen? Zeuge: Die Sigung ging bald wieder auseinander, ohne daß wir besondere Beschlüsse gefaßt hatten. Am nächsten Morgen trafen wir uns im Wartesaal des Bahnhofs Friedrichstraße. Dort nurde vereinbart, am Nachmittag desselben Tages in einer Küche in Treptow zusammen zu fommen. Borf.: Wer war denn auf dem Bahnhof? Jeuge: Scheidemann und Ledebour bestimmt, ob auch Ebert dort war, weiß ich nicht mehr. Borf.: Wer fam von den Abgeordneten zu der Sigung in der Treptower Küche? Jeuge: Sämtliche sechs Abgeordnete, also Scheidemann, Ebert, Braun, Dittmann, Haase und Ledebour. Im Laufe der weiteren Verhandlung führte der Zeuge Müller weiter aus: Es wurde in der Besprechung in der Treptower Küdje Me Streiflage besprochen, der Druck des bekannten Flugblattes Leschlossen und die Rednerliste für die Versammlungen des folgenden Zages aufgestellt. Borf.: Wissen Sie bestimmt, daß der Druck des Flugblattes erst in dieser Gizung und nicht einige Tage vorher in der Urbanstraße beschlossen wurde? Jeuge: Jawohl, auch der Inhalt des Flugblattes spricht dafür, daß es erst in der Treptower Küche beraten wurde. Borf: Wurde dort auch festgesetzt, was die Redner am folgen den Tage den Arbeitern in den Versammlungen zu sagen hätten? Zeuge: Nein, denn es war selbstverständlich, daß jeder der Redner im Sinne der Streifleitung sprechen würde. Der Zeuge Müller schilderte dann weiter die Bemühungen der Abgeordneten, eine vermittelnde Rolle zu spielen. Besonders in der Cigung der Streifleitung am Neuen Tor bemühten sich die Herren ron der Sozialdemokratie, uns neuen Verhandlungen geneigt zu machen. Eine längere Debatte gab es dann über die Frage, ob die Streifleitung am 29. oder am 30. Januar in dem Lokal am Neuen Tor zusammengetreten sei. Müller erklärte, daß es am 30. Ja nuar gewesen sei, während Dittmann bei seiner Behauptung bleibt, daß es sich dabei um den 29. Januar handele. am Im Gegensatz zur Aussage Müllers erklärte Dittmann, daß er 30. Januar nachmittags von dem Abgeordneten Hugo Haafe aufgesucht worden sei, der ihm mitteilte, daß er am 21. Januar in Treptom sprechen sollte. Ledebour habe ihm jeit mitgeteilt, daß er sich auch nicht mehr erinnern könne, daß in der Treptower Küche der Entwurf eines Flugblattes durchgesprochen sei. Er habe auch Dittmann dort nicht gesehen. Richard Müller: Ich habe alle diese Dinge in meinem Buche ror drei Jahren festgelegt. Hätte ich gewußt, daß wir beide einmal Scheidemanns Erkrankung. vor Gericht stehen werden, hätte ich noch ganz andere Dinge geschrieben. Ihre Aussage, Herr Dittmann, daß Sie das bekannte Flugblatt am 29. geschrieben haben wollen, ist unrichtig. Sie mögen ein anderes geschrieben haben, aber dieses, das dic Unterschrift des Attionsausschusses trägt, ganz sicherlich nicht. Dittmann: Mein Flugblatt hier iist and say und nicht Rotationsdrud. Das spricht für meine Darstellung. Die Berliner Abendzeitungen brachten ja auch schon am Abend des 30. den Inhalt des Flugblattes, also tann es doch nicht erst am 30. gedruckt worden sein. Müller: Das stimmt nicht, aus den meisten Berliner Zeitungen ift gar nichts zu ersehen. Die Berliner Zeitungen haben sich wohl mit den Spartakus- Flugblättern, nicht aber mit den anderen beschäftigt. R.-A. Dr. Bindewald: Das in Rede stehende Flugblatt, Herr Müller, ist also 3hr Produkt? Müller: Ja. R.-A. Dr. Luetgebrune: Wie erklären Sie sich denn, daß auf diesem Flugblatt, das bereits am 30. bei Dittmann beschlagnahmt wurde, fich Notizen von Herrn Haase befanden? Müller: Vielleicht ist das Flugblatt uns schon am Abend des 29. zugestellt worden Das Flugblatt tonnte von einigen Setzern in einer Stunde abgesetzt und gedruckt werden. Der Spartakus Wir bund hatte sehr leistungsfähige Drudereien. revolutionären Obleute hatten ein Netz über ganz Berlin. In ein paar Stunden war eine Parole oder ein Flugblatt an die Betriebe verbreitet. Diffmann: Jch bleibe dabei, daß schon um 5 Uhr nachmittags Haase mir das Flugblatt übergeben hat. Zeuge Malhahn: Das ist ganz ausgeschlossen, denn um diese Zeit war Haase noch bei uns in Treptow. Borf.: Ist es möglich, daß in Treptow die Herren von der SPD. die Diskussion über das Flugblatt überhört haben? Müller: Ach nein, die Herren haben immer sehr aufmert fam zugehört. Dr. Martin: Weshalb haben Sie den Eintritt der Sozialdemo: fiatie in die Streifleitung begünstigt? Müller: Der Eintritt der SPD machte auf die Arbeiterschaft feinen großen Eindruck, aber die SPD war politisch doch ein Ma chtfaktor und gesellschaftlich sehr einflußreich. Ihr Eintritt gab unserer Bewegung nach außen hin einen starten politischen und moralischen Eindruck. Außerdem hatte die SPD. uns bei der Bewegung 1917 als Landesverräter bezeichnet. Deshalb war es uns natürlich 1918 sehr erwünscht, daß die SPD. nunmehr selbst unseren Spuren folgte. Dr. Martin: War Herr Scheidemann, als Sie zu Staatssekretär Wallraf gingen, willens, über alle fieben Forderungen, also auch die politischen, zu verhandeln? Müller: Selbstverständlich. Erst im Hin und Her der Verhandlungen einigte man sich später auf eine Berhandlung über nur wirtschaftliche Forderungen. Dr. Martin: Hatte der Vorstand der USPD. vor dem Strei? Renntnis, daß der Ausstand drohte? Jeuge: Jawohl, ich habe selbst die Abgeordneten darüber in formiert und sie gebeten, mit ihren Namen einen entsprechenden Aufruf zu decken. Die Meinung in der USPD.- Fraffion war jedoch geteilt, nur die Ledebour- Gruppe wollte mit ihrem Namen eintreten. In dem offenen Eintritt für den Streit erblickte man eine Gefahr für die Partei Dr. Cuelgebrune: Hat Herr Ebert gleich am ersten Tage des Eintritts in die Streifleitung sein Verbleiben dort von der Bedingung abhängig gemacht, daß die sieben Forderungen abgelehnt werden würden? Zeuge: Nein, er begnügte sich mit der Erklärung, daß darüber die Vollversammlung noch einmal einberufen werden sollte. Staatsanwalt Doßmann: Wir geht eben eine Nummer der ..Kaffeler Bolfsstimme" zu, in der mitgeteilt wird, daß Scheidemann erkrankt sei und daß Herr Kuffner an seiner Stelle sprechen werde. Es heißt weiter, daß Herr Scheidemann, der schon seit langer Zeit erkrankt ist, noch im letzten Augenblick gehofft hatte, sprechen zu können, daß aber eine Verschlimmerung seines Zustandes das nicht mehr gestattet. Dr. Luetgebrune: Und mir geht soeben ein Telegramm zu, daß Herr Scheidemann nicht nur am 21. März im Reichstag gewesen, sondern daß er am 22. März in Bad Homburg und Umgegend mehrere Wahlversammlungen abgehalten hat, also wird er wohl auch wo anders reden können, als in Homburg. Kassel und Berlin. Dann wurde noch der Zeuge Caufant vernommen, der der USPD. angehörte und nach Dittmanns Verhaftung sein Nachfolger in der Streifleitung wurde. Der 3euge erklärt, daß nach seiner Erinnerung a m zweiten Tage des Streits ein Flugblatt mit der Aufschrift Mitteilungen" gedruckt worden und von ihm und seinen " Freitag, 27. März 1925 Leuten verteilt worden sei. Der Drud sei im Auftrag der Streif leitung erfolgt. Er, der Zeuge, habe drei-, viermal den Drud eines solchen Flugblattes veranlaßt. Auf die Frage des Vorsigenden, ob das Datum des Druckes der Flugblätter noch angegeben werden könne, erklärt der Zeuge, er fönne sich nur besinnen, daß das erste Flugblatt am Tage des Vorwärts"-Berbotes gedruckt worden sei. Hierauf wurde die Sigung auf Freitag früh vertagt. Uferlose Beweisanträge. Ununterbrochene Konflikte zwischen Verteidigung und Gericht in Leipzig. BS. Ceipzig, 26. März. Zu Beginn der Donnerstag- Sigung stellte Dr. Wolf den An trag, neues Aftenmaterial als Beweismittel herbeizuschaffen. Unter anderem wird gefordert die Verlesung der Protokolle des Unter fuchungsausschusses des preußischen Landtages über sämtliche politische Morde, die Herbeiziehung der Aften zum Falle er mann, aus denen hervorgehe, daß Angehörige der Organisation Roßbach eines ihrer Mitglieder in viehischer Weise ermordet habe, sodann die Verlesung der Rede Dr. 3eigners im fächsischen Landtag vom 18. Oftober 1923, worauf sich die Existenz einer Schwarzen Reichswehr", die zum Bürgerkrieg vorbereitete, ergäbe, dann die Ladung des Kaufmanns Seldte aus Magdeburg, der als 1. Vorsitzender des„ Stahlhelmi" befunden soll, daß der„ Stahlhelm" in Verbindung mit der Reichswehr steht, dann Verlesung mehrerer Zeitungsartikel, die im einzelnen nicht angegeben werden brauchen, sowie die Werlesung einer Rede Seve rings im preußischen Landtag, aus der die Existenz einer Feme bei der Organisation Roßbach hervorgehe. Darauf wurde die Liste. von 18 Jeugen, die zum heutigen Donnerstag geladen worden waren, sowie weiterer 6 Zeugen, die noch nachträglich von der Verteidigung. hinzugezogen worden sind, verlesen. Von den bereits angekündigten Zeugen sind die sächsischen Abgeordneten Böttcher, Lietmann und Sievert nicht erschienen, dagegen waren anwesend: Elrodt und Lieberajch, ferner der Heidelberger Privatdozent Dr. Gumbel. Reichsanwalt Neumann teilte mit, daß sämtliche Beweisanträge für unerheblich gehalten werden und daher abgelehnt werden müßten. Bezüglich der 3eugenladung erklärte der Reichsanwalt in längeren Ausführungen, daß ein Recht zu unmittelbarer Ladung von Zeugen nur zu Beginn der Hauptverhandlung bestehe, und nur bei einer berechtigten Ladung set das Gericht verpflichtet, den Beugen anzuhören, ohne daß es befugt sei, vorher die Erheblichkeit der Beweisanträge zu untersuchen. Rechtsanwalt Rosenfeld erklärte, er sei nicht an der Ladung der Beugen beteiligt, und er teile auch nicht die politische Gesinnung feines Kollegen Dr. Wolf. Dessenungeachtet halte er sich für verpflichtet, vor dem Beschreiten des Weges zu warnen, den die Ab lehnungsforderungen des Reichsanwalts dem Gerichtshof weise. 4 versteckten Vorwurf, daß die Verteidigung die Absicht habe, den Der Berteidiger Dr. Wolf verwahrte sich entschieden gegen den Prozeß zu verschleppen. Nichts läge ihr ferner, aber man müsse doch bedenken, daß es sich um einen Parteiprozeß handelt, der das Vorspiel zum Prozeß gegen die kommunistische Zentrale fet, Nach einer Bause erklärte Dr. Herzfeld: Wenn der Staats gerichtshof bei seiner bisherigen Pragis bleibt, dann werden sich das nächſtemal im Reichstag, wenn es sich um die Bewilligung der Mittel für den Staatsgerichtshof handelt, nicht wenige, sondern viele Gegner finden, die für die Abschaffung dieses Forums eintreten merden. Diese Auslaffung gab zu einer scharfen Ausein anderfegung zwischen dem Verteidiger und dem Vorsitzenden Anlaß, woran sich wiederum immer denselben Punkt behandelnde Darlegungen der Verteidigung und der Reichsanwaltschaft schlossen. Der Borsigende erklärte schließlich, daß sich das Gericht in der zum Zwede einer eingehenden Beratung verlängerten Mittagspause über das Verlangen der Verteidigung schlüssig werden würde. Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung wurde zunächst der Gerichtsbeschluß über den Antrag der Verteidiger verkündet. Sentatspräsident Dr. Niedner führte qus, daß das Gericht sich bewußt gewesen sei, daß die Entscheidung hierüber nicht von reinforma 1istischen Gesichtspunkten aus getroffen werden dürfe. Das Ge richt ist nach sorgfältiger Prüfung aller in Frage kommenden Ilmstände zu der Ueberzeugung gelangt, daß die von der Verteidigung vorgeladenen Zeugen nicht zu vernehmen sind. Nunmehr brachte Dr. Wolf einen neuen Antrag ein, in dem unter Beweis gestellt wird, erstens, daß die rechtsgerichteten Organisationen 1923 von allen Seiten auf Berlin losgezogen sind oder dies beabsichtigten, daß in Bayern 1923 die Verfassung aufgehoben worden sei, drittens, daß seit 1923 bis heute in allen Teilen Deutschlands.eine Schwarze Reichswehr" bestehe, viertens, daß in allen Teilen Deutschlands bis heute in allen rechtsgerichteten Organifationen Ticheta- Feme- Organisationen bestanden haben, fünftens, daß die illegalen Organisationen über Waffenlager verfügen, zu denen ihnen die Mittel teils von der Großindustrie, teils vom„ Erbfeind" zugefloffen sind, worüder Dr. Gumbel zu vernehmen ist. Der Verteidiger vertrat sodann in mehr als einstündiger Rede die Auffassung, daß im Herbst 1923 die Verfassung nicht mehr bestanden habe, weil sie von amtlichen Stellen verletzt worden sei. Man kann feinen Hochverrat begehen gegen eine FÜR DAS OSTERFEST MARKE Salamander Schuhe sind der Wunsch eines jeden, weil sie sich bei eleganter Ausführung und guter Passform durch Dreiswürdigkeit auszeichnen. SALAMANDER 韋 NEU!! SALAMANDER FUSSARZT FUR EMPFINDLICHE, FÜSSE. MANDE SALAME AP- B. SALAMANDER DAS MEISTERSTUCK DER SCHUHFABRIKATION Berfassung, die nicht mehr besteht. Alle die angeführten Umstände feien wichtig für die staatliche Notwehrfrage des deutschen Bürgers. Weiterhin fizzierte der Verteidiger zwei meitere Beweisanträge, bie er noch einzubringen gedenkt. Durch eine Reihe von Dokumenten will er unter Beweis stellen, daß die militärischen Orga nisationen der APD. nur Abwehrorganisationen waren und meiter hin, daß die KPD. teine Tschefa" gehabt hat, wozu noch eingehende Beugenvernehmungen geplant sind. Hierauf wurde die Verhandlung auf Freitag pormittag 9 1hr vertagt. Die Schweidnitzer Stahlhelm- Blamage. Die Beweisaufnahme geschloffen Stahlhelmlente. Roheitsakte der Breslau, 26. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Schmeidniger Prozeß gegen die Mitglieder des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold brachte bie Beweisnaufnahme am heutigen legten Tage eine Fülle von Material über Roheitsatte, die aber nicht den Angeflag ten, sondern vielmehr den eigentlichen Antlägern zur aft fallen. Gerade in diesen Tagen, in denen Herr Jarres in feinen Präsidentschaftsreden den nationalen Idealismus" der Stahlhelm- Jugend, die ja zu seinen Wählern gehört, auf das höchste preift. muß die eibliche Bestätigung einer Reihe von scheußlichen, feigen Roheitsaften erschredend wirken, die einer ganzen Reihe von Stahlhelmleuten einwandfrei durch unparteiische Zeugen. aussagen nachgewiesen worden sind. Der behandelnde Arzt, der die bei dem Zusammenstoß verwundeten Republikaner verband, beſtätigte, daß die meisten Angriffe von hinten erfolgt sein müssen. Faft alle Reichsbannermitglieder waren mehrmals vermundet, woraus hervorgeht, daß auch auf die blutenden und ohnmäch. tigen Berlegten noch weiter von den Stahlhelmleuten eingehauen und zum Teil sogar geschossen wurde. Auch mehrere der Verwunbeten selbst treten auf und meisen nach, daß sie von hinten überfallen und durch Schüsse und Siebe ihmer verlegt worden find. Die ganze Ritterlichte it" der Stahlhelmleute ermeist sich auch aus dem Fall der beiden mitangeflagten Arbeitermädchen, die angeblich auch den Ueberfall mit ausgeführt und dadurch Landfriedensbruch begangen haben sollen. Für beide bestätigt eine Reihe von Zeugenaussagen, daß die Stahlhelmleute sie zuerst überfallen und mißhandelt haben. Ritterlichkeit" der Jarres- Jugend gegenüber dem weiblichen Geschlecht! Trotz dieser für das Reichsbanner überaus günstigen und für die Stahlhelmleute schwerbelastenden Zeugenaussagen wird man dem Ausgang des Prozesses nicht ohne Beunruhigung entgegensehen müssen, wenn man das Berhalten des von Amts wegen eigentlich zur Unparteilichkeit angewiesenen Staatsanwalts mit erleben muß. Dieser juchte am heutigen Berhandlungstage einen der Hauptbelastungszeugen gegen die Stahlhelmleute, der das Reichsbanner meitestgehend entlastet hat, dadurch einzuschüchtern, daß er verfün bete, er habe megen diefer Zeugenaussage bereits ein meineidsnerfahren gegen diesen eingeleitet. Genosse Landsberg mußte erst feststellen, daß die von diesem befundeten Tatsachen auch von anderer Seite bestätigt wurden, und daß der Staatsanwalt durchaus nicht das Recht besize, diese Aussagen als unrichtig hinzustellen, und Rechtsanwalt Bandmann mußte Berwahrung dagegen einlegen, daß der Staatsanwalt sich durch dieses Borgehen in Widerspruch mit der Strafprozeßordnung begebe. Der Staatsanwalt erfitt übrigens nad diesem Vorstoß eine schmere Blamage, da bereits der nächste uge einige von ihm beanstandeten Aussagen als einwandfrei feftftellte. Es handelt sich vor allem um die Frage, ob die Stahlhelm. leute Handgranaten bei dem Zusammenstoß bet fich hatten. Die Bemeisaufnahme ist jetzt abgeschlossen und nach einigen Tagen Berhandlungspause werden am Montag die Plädoyers des Staatsanwalts und der Berteidiger Bandsberg, Bandmann, Bärensprung und Prof. Radbruch beginnen. Aus der Partei. Sozialistisches Minimalprogramm in Argentinien. Die argentinische fozialistische Partei hat sich auf ihrem jüngst abgehaltenen außerordentlichen Parteitag ein neues ,, Minimal programm" gegeben. Dieses umfaßt u. a. folgende Forderungen: Sozialisierung der Bergmerte und Petroleum. quellen, Gefeße, die die Enteignung von Grundbesit durch den Staat, die Provinzen oder Gemeinden ermöglichen, Maß nahmen zur Einschränkung und allmählichen Abschaffung des Alkoholfonfums, Achtstundentag, Abschaffung des Senats, dirette Wahl bes Bräsidenten und 2bfchaffung feines Betorechts, Wahl der obersten Richter durch das Bolt, Abschaffung des Rechts des obersten Gerichts, Höhere Arbeitsleistung im Achtstundentag. Verschlechterung des Reallohnes um die Hälfte. In der Borsig- 3eitung"( r. 3/4) brachte der Kolonnen. führer Karl Bahle eine außerordentlich beachtenswerte Gegenüberstellung zwischen Arbeitsleistung und ArbeitsLohn", zu der ihm die steigende Teuerung und die dadurch immer größer werdenden Sorgen, mit dem Arbeitseinkommen die notwendigen Lebensbedürfnisse zu bestreiten", veranlaßt haben. Bahle hat als Schlosser in der Vorfriegszeit die gleiche Arbeit selbst aus. geführt und sie als Kolonnenführer verantwortlich übernommen, die er jetzt noch leistet. Seit dem Jahre 1901 befigt er Aufzeichnungen über die gezahlten Attorbpreise, wie auch solche über die Ausgaben in seinem Haushalt. Er verfennt nicht die organisatorischen und technischen Berbesserungen, die im legten Bierteljahrhundert auch im Borsig- Wert vor sich gegangen find und eine intensivere Arbeitsleistung ermöglichten. Dennoch tann er den Nachweis führen, ,, daß die verkürzte Arbeitszeit von 8 Stunden bei den in Afford arbeitenden a charbeitern teine Leistungs. minderung zur Folge hat, sondern durch sehr viel in. tensivere Arbeit der Arbeiter nicht nur das herausholen muß, was die Ueberzeit ihm an Lohn früher brachte, sondern daß mehr geleistet wird als je zuvor!" Zum Beweise für seine Behauptung gibt Bahle folgende Darftellung: Im Jahre 1901 wurden im Borsig- Wert 58% Stunden in der Woche gearbeitet und alle zwei Wochen Lohn gezahlt. In einer Schlosserkolonne verdiente er in der Lohnperiode vom 25.8. bis 7. 9. der Kolonnenführer in 112 Stunden 75,22 m., d. h. in einer Stunde 67,78 Pf., die helfer 72,28 bis 53,43 M., b. h. in einer Stunde 64,54 bis 50,53 Pf. Gezahlt wurden für das Fertig machen eines Teils 7 M., so daß bei einem Kolonnendurchschnittsverdienst von 49 Pf. pro Arbeitsstunde an diesem Teil von 7 m. Affordpreis 14 Stunden ge arbeitet wurde. Seit 1905 werden einzelne Teile, die der Berechnung zugrunde gelegt sind, nach den sogenannten Normalblättern hergestellt, an denen technisch bisher nichts geändert worden ist. Die Preise wurden 1905 festgesezt und sind bis zur Inflation unverändert geblieben. Bei diesen Preisen ist 1906 in der Lohnperiode vom 8. 1. bis 21. 1. ein kolonnendurchschnittsverdienst von 63,6 Pf. erzielt worden, und der Kolonnenführer verdiente 82 Pf. Nach dem im August 1906 die 53- Stunden- Woche ein geführt war, wurden bei denselben Arbeiten mit denselben Atfordpreisen in 106 Stunden vom Kolonnenführer 90 Bf. pro Stunde verdient, 7 Helfer erhielten 75 Pf. und zwei Lehrlinge erhielten 15 bzw. 9 f. pro Stunde. Dies gab einen Durchschnitt von 63,9 Pf. pro Stunde. Ein Teil, welches mit 7 m. bezahlt wurde, muß iezt schon in 11 Stunden fertiggestellt werden. Dabei ist die Arbeit der Lehrlinge voll bewertet. == 39 1914 wurden bei gleicher Arbeitszeit vom Kolonnenführer im Durchschnitt pro Stunde 1 M. und von den Helfern 85 Pf. pro Stunde verdient. Diefelbe Kolonne hat in der Lohnperiode bom 19. 6. bis 2. 7. 1914 folgende Lohnfummen verdient:" Der Kolonnenführer in 106 Stb. 106,80 m. in 1 Std. 1,007 2. Die Helfer 101 w 92,04 . 1 96,973f. die Verfassungsmäßigteit von Gefeßen zu prüfen, Herableßung der Militärdienstzeit und Verbot der Verwendung von Militär bei Streits. Bon besonderer Bedeutung ist die gleichfalls in dem Programm aufgestellte Forderung nach vollständiger Trennung von Kirche und Staat. Diese Frage ift gegenwärtig in Argentinien im Bordergrund des politischen Interesses. Zwischen der argentinischen Regierung und dem Vatikan ist nämlich ein Streit über das Recht zur Ernennung des Bischofs von Buenos Aires ausgebrochen, der dazu geführt hat, daß die diplomatischen Beziehungen prattisch abgebrochen murden. Dadurch ist die Frage atut geworden, das Konkordat zu fündigen, das noch aus den Zeiten der spanischen Herrschaft zwischen Argentinien und dem päpstlichen Stuhl besteht. Jugendveranstaltungen. e Sänger und Mufiler beteiligen fich regelmäßig an ben Broben zur Frühlingsfeier jeben Montag im Jugendheim Lindenstraße. Die Mufiler erscheinen außerdem morgen, Sonnabend, um 6 Uhr, zu einer Borprobe. nahme des April- Jugend voran und der April ,, Arbeiter- Jugend" nam Achtung, Abteilungstaffierer! Abrechnung der Beitragsmarten, Empfang mittags von 5-7 b. f. Der Durchschnittsverbienst betrug 88.4 Die Lehrlinge werden in der Arbeitsleistung im Borfig- Wert gleich ½ Gesellen gerechnet. Ein Affordpreis von 7 M.: 88,4 Pf. Durchschnittsverdienst gibt rund 8 Stunden Arbeitszeit. Für die Schlossertolonne betrug der Umrechnungsfaktor von Zeit in Geld 46,48 Proz. Während der Inflation sind ja einige Preise um etwas erhöht worden. Biele Preise sind ohne jede Erhöhung mit dem Umrechnungsfattor umgewandelt worden. Ein Teil wurde 1914 mit 24 m. bezahlt, 1924 mit 1182 min., um gerechnet. In Geld ergibt dies einen Atfordpreis von 10,05 m. Bis Mitte dieses Jahres sind tatsächlich, um bei den Beispielen zu bleiben, für eine Affordarbeit, die 1914 mit 7 m. bezahlt wurde, im Juni mit 3,25 m.( 7x46,48) gezahlt worden. Durch intensipere Arbeit wurden pro Stunde 75 Pf. im Durchschnitt verdient, so daß diese Arbeit in 4,338 Stunden her. gestellt wurde; aneinandergereiht ergibt sich folgendes Bild für die gleiche Arbeit: Jahr Affordpreis Stundenverdienst Arbeitszeit 1901. 7,- M. 49,0 fg. 14 Stunden 1904. 7, 63,9 11 1914.. 8 • 7, 88,4 1924). 7,-= 3,25 M. 75,0 4338 *) 7 M. in Beitminuten umgerechnet und diese wieder in Geld. Aus dieser Aufstellung geht die Arbeitssteigerung, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit erfolgt ist, recht augenscheinlich hervor. Die Arbeitsbewertung in Geld ist von Jahr zu Jahr gemindert und die Leistung er= höht worden. Bei der ganzen Zusammenstellung habe ich nur Arbeiten angeführt, die technisch und mechanisch teine Aenderungen erfahren haben. Bei den letzten Berhandlun gen vom 5. Oktober sind 5 Pf. zugelegt worden, so daß jetzt der Umrechnungsfaftor 48,67 Pro3. beträgt. Das Ergebnis dieser Lohnerhöhung war wiederum eine Arbeitsleistungssteigerung, indem der Durchschnittsstundenverdienst bis auf 86 Bf. gestiegen ist." Bahle gibt dann zum Vergleich zwischen dem Reallohn im Jahre 1914 und dem im Jahre 1924 eine Aufstellung über eine Reihe von Lebensmittelpreisen, die im Jahre 1914 um 5,92 M. zu haben waren, im Jahre 1924 aber 11,32 m. fosteten. 100 Prestohlen wurden damals für 85 Pf. in die Wohnung gebracht, 1924 tofteten fie ab Play 1,35 m. Ein Maßanzug, der vor dem Kriege um 65 M. zu beschaffen war, foftete 1924 120 m. Der Summe nach ist das Lohneintommen im Jahre 1924 genau jo hoch als 1914, nämlich 40,80 m. in 48 Stunden. Da früher 53 Stunden gearbeitet wurde, betrug der Lohn 45,05 m. Die Lohnabzüge betrugen 1914 nicht ganz 8 Proz., heute betragen sie über 11 Proz. Die Kauftraft bes ohneinkommens ist jedoch im Verhältnis der Lebensmittelteuerung von 5,92 auf 11,32 gefunden. Troh der Berkürzung der Arbeitszeit ist eine wesentliche Steigerung der Arbeitsleiffung erfolgt, die jedoch nicht verhindern fonnte, daß der Lohn vom Johre 1914 heute um fast die Hälfte zurüdgegangen ist. Alle Jugendgenofen flellen fich aur Bohlarbeit ben zuständigen Bartei abteilungen zur Verfügung. Montag, den 30. März, abends 7 Uhr, in der Aula des FriedrichBilhelm- Gymnasiums, Rochstr. 13, allgemeine Funktionärkonferens. Heute, Freitag, den 27. März, abends 7% Uhr: Moabit II: Schule am Stephansplak, Aussprache: National Inter Norboft I: Jugendheim Neue Rönigstr. 21, Vortrag: 8med und Riele der Gewerkschaftsbewegung. Norboft II: Jugendheim Danziger Str. 62, Danalger Str. 28, Bortrag: Die Frau in der modernen Arbeiter. Vortrag: Individualismus und Gemeinschaft. Prenzlauer Borstedt: bewegung. Rosenthaler Borstadt: Landgemeindehaus, Sophienste. 21, Bor. trag: Unfere Arbeitsverhältnisse." Often, Stralauer Biertel: Jugendheim Naglerftr. 3, Aussprache: Wir und die bilogerliche Jugendbewegung." Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Straße, Bortrag: Das Sozialistengefeh." Schöneberg II: Schule Comeniusstr. 10, Borttag: Schönheiten der Mark Brandenbung. Rentolin II: Jugendheim Rogatite. 58: Löns- Abend." Nieberschöneweibe: Der öffentliche Vortrag fällt aus. Webbing unb Webbing- Norb: Der Bunte Abend fällt aus. Dafür Probe zur Frühlingsfeier. * Werbebegir! Often. Morgen, Sonnabenb, den 28. Märs, abends 7 Uhr, Schulaula Sfflandstraße, Ruffischer Abend unter Mitwirkung ruffischer Rünstler. Jugendchor. Mandolinenorchester. Ansprache. Unkostenbeitrag 30 Bf. Be teiligung aus anderen Gruppen erwünscht. Billige Lebensmittel Tiefz Mengenabgabe vorbehalten FLEISCH Kaloskamm Pfand 60PL.- Rücken Pfund 66Pt. Ka bskeulen Rückenfett.. Schweinebauch ohne Beilage. ........ Pfund 80Pt. Pfund 70 PL. Pfund 80Pt. Schulterblatt ohne Bellage........... Pfund 82Pf. Hammelvorderfielsch... ....... Pfund 70Pf. Kassler... ....... Piund 1,06 Pökeldickbeln mit Spitzbein.. Pfund 60Pf. Schwelneköpfe gepökelt.......... Pland 32Pt. Pökelrinderzungen o. Bchlund, ca. 2 Pfund 1,30 Rinderbackenfleisch o. Kn., gefroren, Pid. 32P. Rinderherzen gefroren .... Pfund 34P. Schweinenleren gefroren, wie frisch, Plund 60P!. Pa.Ochsen- Suppenfielsch gefr., Pfund 50Pf. Pa.Ochsen- Schmorfleisch gefr., o.K.Pid. 74PL 1 Dose 58Pf. Dose Obst- und Gemüsekonserven Spinat Pflaumen ganze Frucht 40P. Kohlrabi in Scheiben 48Pr. Pflaumen halbe Frucht 53P Pfefferlinge........ 98P Pflaumen Zuck. 48PL Karotten e chnitten 40PL Kirschensuss.mitstein 48Pt. Junge Erbsen mittel 80Pt. Stangenspargel dann 225 Gemischt, Gemüse 80Pt. Brechspargel c. x. 180 Frucht 86940 Wurstwaren Delik.- Sülze.. Pfund 45P Landleberw. Pand 65P. Hausm.- Leberw. P. 95P Jagdwurst..... Prand 100 Bauernmettw, Pfund95er. Teewurst Pfund 150 Salam..... Pfand 145 Knoblauchw. Pfand 105 Obstund Gemüse Zitronen..... Dutzend 35Pf. Apfelsinen..Dutzend 45Pt Blutorangen.. Dtzd. 60P. Smyrna- Feigen Prd. 30Pt. Kokosnüsse..Stück 28PL Prund Käse Camembert... Schachtel 22PL. Romatour........ Stack 25P. Kümmelkäse elesischer 35P Edamer............ Ptand 90P. Dän. Gouda....... Prand 68Pt. Allg.Stangenkäse Pa. 65P. Vollf. Briekäse..Prand 90P. Vollf. Tilsiter..... Pfand 135 Fetter Speck 115 deutscher....... Ptund Molk.- Butter 105 -Pfund- Paket Weisskohl..... Pfand 6p. Naturbutter90PL Rotkohl....... Pfund 13pf. Maltakartoffeln Pid 13PL Apfel- Gelee Eimer 95Pt. 2- Ptd.Apfelmus tatelfertig 40Pt. Stachelb. Kont. 85. Eimer Apfelmus extra...... 48PL Gemischte Früchte 8P Kokosicil Pd- Tafel 70p. Birnen Fr 58PF50P. Rinderlett-Ptd.- Pak. 70Pf. Margarine vorzügl. z. Backen, Pfd. 58PL Vollmilch 90 Kaffee Pf. 240 trisch ge brannter, Pfd.von an 76 Räucherwar. u. Fische Grüne Heringe 5 Pia. 40P Schollen grosse.. Ptd. 45PL Seelachs KL.G.P. 14P Kabliau o.K.. 1.G., Ptd. 15P Makrelbücklinger 20pt. Sprotten..... Pfand 35P. Flundern Pland 45Pt. Schleibücklingepra.40Pr Besonders Backartikel Weizenmehl 70% Pid 21Pt Weizenmehl Pra. 23Pt. %% Kartoffelmehl Prana 25P Maispuder.... Ptand 25P. Weizenpuder Pfund 48P. Zitronat....... Pfand 300 Pfund Rosinen...... Pfand 45Pt. Sultaninen... Piund 65Pt. Korinthen..... Pfand€ 8PL Kokosnuss geraspel 60 PL Mandelio sss.. Pfund 250 Mandeln bitter..Pfund 250 Mandeln suss... Pfund 250 Auszugsmehl...... Pfand 25, 27, 30PT. empfehlenswerte Bowlen- u. Tischweine Preise ohne Stener Mosel- und Rheinweine 1923er Edenkobener.......... F1.70Pt. 10F1.6,80 1922er St. Martiner... FL.80P. 10F1.7,50 FI.1,00 10F1.9.50 1922 er Mesenicher. 1921er Edenkobener 1922er Bockenheimer Riesl. 1922er Gundersheimer.... 1251200 Zur Bowle! und Rot- und Dessertweine 1922 er Dürkh.Rotw.voll a kräftig 1, FL.1,00 10F1.9,50 1922er Pomerol, Bordeaux..... FL.1.60 10F1.15.00 1922er Dürkheimer Feuerberg..FL.1,25 10F1.12,00 1922 GradeMazeroll.CarsBlaye F1.2,00 10F1.18,50 Vorzügl. alter Sherry......... 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Dagegen wird unsere Landwirtschaft kaum in der Lage sein, ohne wirksame Unterstützung sich so zu entfalten, daß die Einfuhr von Getreide, zum Teil auch von Futtermitteln, allmählich unnötig wird. Die technische Möglichkeit einer solchen Ertragssteigerung besteht durchaus. Die Verwirklichung ist lediglich ein finanzielles Problem, die Bereitstellung der dafür erforderlichen Mittel ein volkswirtschaftliche Interesse von größter Wichtigkeit. Die beabsichtigte Ueberleitung der Rentenbank in eine Kreditanstalt für die Landwirtschaft wäre ein erster bedeutungsvoller Schritt, durch den aber nur ein Teil der Gelderfordernisse gedeckt werden kann. Den berufenen Organisationen, Landschaften, Genossenschaften und Hypothekenbanken, bleibt daneben noch ein weites Arbeitsfeld für die Entwicklung des landwirtschaftlichen Kredits. ist für die Beurteilung der Kreditfähigkeit daher wichtig, für die Landwirtschaft übrigens nicht mehr als auch für die anderen Erwerbstände, daß das Problem der Aufwertung so rasch wie möglich durch ein sorgsam ausgearbeitetes, klares und endgültiges Recht schaffendes Gesetz gelöst wird, ohne daß dadurch für unsere kaum im Beginn der Erholung stehende Wirtschaft untragbare, den Kredit schädigende Lasten entstehen. Es Wir legen den Bericht über das fünfundfünfzigste Geschäfts-| nicht zu überschätzen brauchen, aber da die im Dawes- Plan vorgesehenen fahr unserer Bank vor. Für unsere Wirtschaft bedeutet das Jahr 1924, mag die Gesamtlage an seinem Ausgang auch noch viel zu wünschen übrig lassen, den Beginn einer neuen Epoche. Deutschland fing an; sich aus der materiellen und psychischen Erschöpfung der Kriegs- und Nachkriegsjahre zu erholen. Nachdem durch die Einführung der Rentenmark gegen Ende 1923 und im Zusammenhang damit durch die Loslösung der Staatsfinanzen von Notenpresse der entscheidende Schritt getan war, ließ sich das ganze Ausmaß der Zerstörung, die in unserer Wirtschaft angerichtet war, erst volf übersehen und ebenso das ungeheure Maß an Aufräumungsarbeit, die geleistet werden mußte, um zu normalen Verhältnissen zurückzugelangen. Es war die wichtige Lehre der Vergangenheit, daß diese Arbeit nur auf der Grundlage einer gefestigten Währung in Angriff, genommen und durchgeführt werden konnte. Alle Anstrengungen mußten daher darauf gerichtet sein, die Rentenmark trotz all ihrer Unvollkommenheiten als unveränderlichen Wertmesser zu halten und zwischen ihr und dem zwar nicht mehr durch Staatsbedürfnisse, aber durch die Erfordernisse der Wirtschaft in der Menge veränderlichen Reichsbankgeld( Papiermark) keine weitere Wertverschiebung eintreten zu lassen. Der Staat, der für seine Finanzgebarung nur noch auf Steuern und Zollennahmen angewiesen war, mußte mit größter Beschleunigung für den regelmäßigen Eingang dieser Einnahmen sorgen, während die Privatwirtschaft vor der Aufgabe stand, durch Umstellung ihrer Aktiva und Passiva und ihrer Einnahme- und Ausgaberechnungen auf die stabile Währung den richtigen Ueberblick über ihr Vermögen, ihre Hilfsquellen und ihre Leistungsmöglichkeiten zu gewinnen. Den Zwecken des Staates diente die zweite Steuernotverordnung mit ihrer Bestimmung über die Vorausbezahlung Steuern in kurzen Zwischenräumen, den Zwecken der Privatwirtschaft die Goldbilanzverordnung und die dritte Steuernotverordnung. Steuern und ZöHe hatten im Herbst des Jahres 1923 noch nicht 1 Prozent der Ausgaben gedeckt; nun sollten sie den ganzen Reichsbedarf aufbringen. Es ist nicht zu verwundern, daß sich die Reichsfinanzverwaltung nach den Grundlagen aus der Infiationszeit kein einigermaßen zutreffendes Bild über die Höhe der Eingänge machen konnte. Tatsächlich gingen die Einnahmen über den Voranschlag weit hinaus, nämlich um rund 1360 Millionen Mark in den ersten drei Quartalen des Budgetjahres( 1. April bis 31. Dezember). Während so das Reich, die Länder und Gemeinden in die Lage kamen, das in der Inflationszeit ausgegebene Notgeld aus laufenden Einnahmen einzulösen und darüber hinaus erhebliche Geldbestände anzusammeln, die nicht immer zweckmäßige Verwendung fanden, wirkte sich die Ueberbestenerung in der Privatwirtschaft als Produktionsverteuerung und Warenpreissteigerung vielfach in einem Maße aus, das uns dem Auslande gegenüber wettbewerbsunfähig machte und unseren Export empfindlich drosselte. der Es Die wiederholte Ermäßigung der Umsatzsteuer hat nur unzulänglich gewirkt, so daß es unabweisbare Notwendigkeit bleibt, die Wirtschaft durch Verminderung und zweckmäßige Verteilung der Steuerlasten sowie durch Vereinfachung der Stenervorschriften von untragbaren Fesseln zu befreien. ist dies um so notwendiger, als andere dauernde oder zeitweilige Einwirkungen, welche die Leistungsfähigkeit unserer Produktion hemmen, so rasch nicht zu beseitigen sind. Solange in einer weniger produzierenden Wirtschaft und einem weniger. omsetzenden Handel die gleiche, ja höhere Anzahl von Beamten und Arbeitern als früher beschäftigt werden muß, bleiben die Herstellungskosten ungebührlich hoch. Der Gestehungspreis der Waren wird ferner ungünstig beeinflußt durch den hohen Kapitalzins, der sich aus dem Mißverhältnis der Kreditrachfrage zur Verarmung des Landes ergibt und darch willkürliche Eingriffe kaum nachhaltig beeinflußt werden kann. Endlich muß die Wirtschaft alle Maßnahmen über sich ergehen lassen, die sich zum Schutze der Währungsstabilität als notwendig erweisen. Sehr einschneidend in dieser Hinsicht war die Kreditkontingentierung. die die Reichsbank am Schluß der ersten Aprilwoche 1924 verhängen mußte, als ein starkes Ansteigen der Beanspruchung von Zahlungsmitteln und im Zusammenhang damit eine jähe Kreditnachfrage der Währung gefährlich zu werden drohte. Die Reichsbank opferte damit dem höheren Zwecke die Möglichkeit, durch die Bemessung ihrer Diskontrate die Zinssätze des Marktes zu beeinflussen. Die Maßnahme veranlaßte eine wirtschaftliche Reinigungskrise. Während die Zahl der Konkurse im ersten Vierteljahr 1924 sich auf 123 belief, stieg sie im zweiten auf 1051, im dritten sogar auf 2870, davon im Juli allein 1125, und erst das letzte Vierteljahr brachte den Rückgang auf 1989. Daneben lief eine sehr große Zahl sogenannter Geschäftsaufsichten, die als Ueberbleibsel der Kriegsgesetzgebung den Schuldner mehr schützen als seinen Gläubiger und daher als vertrauenstörend baldigst abgeschafft werden sollten. Wenn die Krise nach wenigen Monaten den Tiefpunkt erreicht und überschritten hat, so war das zum Teit der Golddiskontbank zu danken, die von der Reichsbank im April mit Unterstützung ausländischer Notenbanken und der deutschen Bankwelt Krediterweiterung für die Exportindustrie ins Leben gerufen wurde. In der Hauptsache aber halfen die Handelskredite, welche das Ausland, namentlich England und Amerika, unserer Wirtschaft gewährten, seitdem das Dawes- Gutachten und das auf seiner Grundlage geschlossene Londoner Abkommen eine allgemeine politische Entspannung herbeiführten und dadurch der deutschen Wirtschaft bessere, Zukunftsaussichten eröffneten. Diese Kredite in Verbindung mit der Abstoßung von Devisen, in die sich das Publikum vor der Geldentwertung geflüchtet hatte, ermöglichten nicht nur die Bezahlung des Einfuhrüberschusses, sondern gestatteten der Reichsbank über die Valutaeingänge aus der Dawes- Anleihe hinaus die Ansammlung einer durch die unmittelbare Notendeckung nicht erforderten Devisenreserve, die der neuen Reichsmarkwährung ein Vertrauen erworben hat, wie es sonst nach den Jahren der Inflation in so kurzer Zeit nicht erreichbar gewesen wäre. Die neue Währung, einer der wichtigsten Punkte des Londoner Abkommens, wurde durch das Inkrafttreten des Bankgesetzes am 11. Oktober eingeführt. Sie bildet den organischen Abschluß der mit der Rentenmark künstlich eingeleiteten und durch die Energie der Reichsbank so erfolgreich durchgeführten Heilung unseres Geldwesens. Nicht so sichtbar wie auf dem Währungsgebiete ist der Erfolg unserer Gesamtwirtschaft im Uebergang zu normalen Verhältnissen. Die Gütererzeugung ist immerhin erheblich gestiegen, der Inlandshandel ist gewachsen, und in unserer Ausfuhr von 6566 Millionen Mark zeigte erfreulicherweise der Januar mit 431 Millionen die niedrigste, der Dezember mit 739 Millionen die höchste Ziffer. In der so dringenden Modernisierung der Fabrikeinrichtungen und der Rationalisierung der Betriebe sind Fortschritte gemacht worden, denen aber Geldmangel und soziale Rücksichten verhältnismäßig enge Grenzen Große und wichtige Erwerbszweige arbeiten noch immer ohne Gesetzen. winn, aft mit Verlust, weil die Gestehungskosten zu hoch sind oder der Absatz zu gering ist. Trennen uns bei der Ausfuhr noch mehr als 3 Milliarden Mark vom Friedensstande, so hat sich ihm die Einfuhr mit 9316 MilHonen bedenklich genähert. Die ungünstigen Ernten der beiden letzten Jahre haben zu dieser unerfreulichen Entwicklung zweifellos viel beigetragen, aber auch der Umstand, daß unsere Warenpreise vielfach über dem Weltmarktstande sich bewegen, hat die Einfuhr auch von Fertigfabrikaten gefördert, Man wird in einem wirtdie im Lande hätten hergestellt werden können. schaftlichen Uebergangsjahr, wie es das verflossene war. diesen Umstand Den Banken war durch den Umstand, daß sie durch die Inflation den größten Teil ihrer Substanz verloren hatten, die Erfüllung ihrer Aufgaben während des Uebergangsjahres 1924 sehr erschwert. Sie sollten zur Befriedigung des unersättlichen Kreditbedarfs Gelder aus dem In- und Ausland herbeischaffen, und sie sollten zugleich die Betriebskosten so ermäßigen, daß der Kundschaft für Kredite und Umsätze billige Bedingungen gestellt werden konnten. Es war unmöglich, diesen Forderungen restlos zu genügen. Immerhin gelang es, die inländischen Einlagen stark zu steigern und so der Kundschaft in ansehnlichen Umfange Kredit zu gewähren. Die Debitoren der 7 Berliner Großbanken betragen aber doch nur 1870 Millionen Reichsmark gegen 5016 Millionen Mark Ende 1913( unter Berücksichtigung der seitherigen Fusionen); auch mit Einrechnung der im Jahre 1924 vermittelten Auslandsgelder reichen die zur Verfügung gestellten Kredite bei weitem nicht an die Friedensziffer heran. In der Verbilligung des Kredits waren den Banken durch die Höhe ihrer Betriebskosten bestimmte Grenzen gesteckt; die Kreditbedingungen( Zins und Provision zusammen), die anfangs 1924 etwa 20 Prozent betrugen und während der Krisenmonate bis auf das Doppelte und darüber gestiegen waren, konnten im zweiten Halbjahre auf 16% Prozent ermäßigt werden. Sie sind seither auf 14 Prozent gesunken. Möglichkeit und Ausmaß weiterer Verbilligung hängt von Ersparnis an Spesen, Steigerung des Umsatzes and Wiedererschließung der früheren Gewinnquellen ab. Das Emissionsgeschäft, das früher den Banken gute Erträge gebracht hat, konnte sich im abgelaufenen Jahre nur wenig entwickeln, da die Sparkraft noch zu gering ist, um belangreiche Beträge neuer festverzinslicher Werte oder Aktien aufzunehmen. Auch das Börsen- Kommissionsgeschäft warf keinen ins Gewicht fallenden Ertrag ab. Die übertriebenen Gebühren und Stempel sowie die Teuerung des Leihgeldes schränkten den Umsatz sehr ein. Wichtige politische Vorgänge oder Ueberraschungen durch manche Goldmarkbilanzen hatten nur gelegentliches Aufflackern zur Folge. Die außerordentliche Generalversammlung vom 24. November 1924 hat die Umstellung unseres Aktienkapitals auf 150 Millionen Reichsmark und die Ausstattung der Reserve mit 50 Millionen Reichsmark beschlossen. Hiervon haben wir Aktien im Nennbetrag von 40 Millionen Reichsmark, die uns aus der letzten Kapitalerhöhung noch zur Verfügung standen, an ein ausländisches Konsortium verkauft, das die Marktschaffung im Auslande zu gelegener Zeit beabsichtigt. Noch vor Abschluß des Geschäftsjahres haben wir die Fusion mit der Württembergischen Vereinsbank in Stuttgart durchgeführt, deren Aktien sich zum größten Teil als dauernde Beteiligung bereits in unserem Besitz befanden. Die Württembergische Vereinsbank besaß ein Kapital von Pap.-M. 200 000 000: für Pap.-M. 12 000 ihrer Aktien haben wir RM 300 Aktien der Deutschen Bank gewährt. Wir benötigten zu diesem Umtausche rand RM 1862 000 unserer Aktien, die zu unserer Verfügung standen. Im neuen Geschäftsjahre haben wir mit der Essener Credit- Anstalt sowie mit der Siegener Bank Fusionsverträge abgeschlossen. Die Essener CreditAnstalt hatte ihr Kapital auf 14 Millionen Reichsmark umgestellt und eine Erhöhung auf 21 Millionen Reichsmark durch Ausgabe neuer Aktien durchgeführt. Die Siegener Bank hatte ihr Kapital auf RM 800 000 umgestellt und dann um weitere RM 800 000( mit 50 Prozent Einzahlung) erhöht. Für je RM 500 Deutsche Bank Aktien tauschen wir RM 600 Essener Credit- Anstalt oder Siegener Bank Aktien ein. Die Genehmigung der Fusion durch die Generalversammlung der Essener Credit- Anstalt ist erfolgt, die Siegener Bank wird den Fusionsvertrag ihrer auf den 28. April d. J. einberufenen Generalversammlung zur Genehmigung vorlegen. Da vom Kapital der Essener CreditAnstalt der größte Teil, von demjenigen der Siegener Bank ein kleinerer Betrag sich bereits unter unseren dauernden Beteiligungen befindet, benötigen wir für diese Fusionen nur rund RM 7500 000 unserer Aktien, die uns von Freunden zu beschaffen möglich ist, so daß wir von einer Kapitalerhöhung absehen können. Die Essener Credit- Anstalt bringt uns neue Niederlassungen an 25 Plätzen des industriereichsten Gebietes Deutschlands, an denen wir bisher nicht vertreten waren. Die Deutsche Bank hatte nach der Fusion mit der Württembergischen Vereinsbank am 31. Dezember 1924 Niederlassungen an 168 Plätzen. Daneben wurden 103 Stadt- Depositenkassen, davon 39 in Berlin, unterhalten. Die Aufnahme der Essener Credit- Anstalt bringt die Zahl der Niederlassungen anf 193. Im Laufe des Berichtsjahres haben wir einige kleine Zweigstellen und Depositenkassen geschlossen, weil Ertrag und Umsatz zeigten, daß ein wirtschaftliches Bedürfnis für die Aufrechterhaltung der Stellen nicht vorlag. Unsere Filialen haben befriedigend gearbeitet. Unsere Filiale Amsterdam ist uns bei den noch ungeklärten Kreditverhältnissen des Berichtsjahres durch ihr Wirken im Auslandsgeschäft besonders wertvoll gewesen und hat sich unseren Erwartungen entsprechend weiterentwickelt. Die Filiale Konstantinopel hat neben der weiteren Abwicklung ven schwebenden Geschäften ihre Dienste Industrie und Handel für die Anbahnung und Durchführung neuer Geschäfte in der Türkei zur Verfügung stellen können. Unsere Filiale in Sofia hat sich im vergangenen Jahr mit Erfolg ihrer Aufgabe zu widmen vermocht und hat insbesondere in der Finanzierung des deutschen Außenhandels mit Bulgarien Nützliches geleistet. Die Liquidation unserer Londoner Filiale steht, insoweit wir uns an derselben beteiligen konnten, nunmehr vor ihrem Abschluß, während sich die Abwicklung unserer Brüsseler Filiale bedauerlicherweise noch immer hinzieht. Die Deutsche Uerseeische Bank war in der Lage, ihr Kapital unvermindert in Gold zu erhalten, und hat im Berichtsjahre befriedigend gearbeitet. Während unser Gesamtumsatz mit 88,36 Milliarden Reichsmark unter Berücksichtigung der Fusionen 54 Prozent des Umsatzes im Jahre 1913 betrug, ist der Wertpapierumsatz nur mit ungefähr 15 Prozent der Vergleichsziffer zu veranschlagen. Die Zahl der Einzelposten, aus denen er sich zusammensetzt, übersteigt aber diejenige des Jahres 1913. Mit 280 788 am Jahresschluß in ihren Büchern geführten Konten knüpft die Deutsche Bank an den Kontenbestand an, der im Jahre 1913 vor Aufnahme der Bergisch- Märkischen Bank zu verzeichnen war( 289 709). Die Zahl der Angestellten der Bank einschließlich der inzwischen von uns aufgenommenen Institute stellte sich am 31. Dezember 1913 auf 9587, hat ihre Höchstzahl im Jahre 1923 mit 37 000 Angestellten erreicht und ist von da ab bis Ende 1923 auf 35 868 und bis Ende 1924 auf 18 699 abgebaut worden. Sie betrug also am Ende des Geschäftsjahres noch fast das Die drückende Last der Dopelte des Personalbestandes vor dem Kriege. Handlungs- Unkosten. unter der die Personal- Unkosten annähernd 80 Prozent Leider verausmachen, macht es uns zur Pflicht, den Abbau fortzusetzen. mindern sich keineswegs dem Abbau entsprechend die persönlichen Unkosten. Denn trotz der Verminderung des Personalbestandes um mehr als 48 Prozentim Geschäftsjahr haben sich die Personal- Unkosten nur um wenig mehr als 17 Prozent gesenkt. Sie betragen noch heute mehr als das Doppelte des Friedens. Die Bezüge der Tarifangestellten wurden im Laufe des Berichtsjahres viermal heraufgesetzt. Das Gesamtausmaß dieser Erhöhungen schwankte in den verschiedenen Gruppen und Dienstjahren zwischen 26 und 41 Prozent und stellte sich im Durchschnitt auf etwa 31 Prozent. Mit dem Abbau muß gleichzeitig auch die Verbilligung des Betriebes durch Einführung von Maschinen weiter durchgeführt werden. Die im vergangenen Jahr begonnene Versetzung älterer Beamten in den Ruhestand wurde im Geschäftsjahr fortgesetzt. Dae bewilligten Pensionen stellten sich am Schluß des Geschäftsjahres auf zirka das Achtfache im Frieden und betragen jetzt das Zehnfache davon. Unsere Wohlfahrtseinrichtungen haben wir im Geschäftsjahr weiter ausgebaut. Das ,, Arthur von Gwinner Erholungsheim" in Caputh ist In den Erholungsvon den Beamten stark in Anspruch genommen worden. heimen ,, Johannaberg" und ,, Sellin" sind 687 Beamte an 13 144 Verpflegungstagen kostenlos untergebracht worden. Außerdem haben in den Wintermonaten in..Johannaberg" etwa 250 Kinder unserer Beamten Aufnahme gefunden. Die Erben unseres Herrn Mankiewitz haben uns ein als Sportplatz hergerichtetes Gelände in Mariendorf als ,, Paul- Mankiewitz- Stiftung" zur Verfügung gestellt. Herr Heinemann läßt als ,, Heinemann- Stiftung" ein Ufergrundstück ia Rahnsdorf für den Wassersport der Beamten ausbauen. Den Spendern sprechen wir auch an dieser Stelle unseren tiefempfundenen Dank aus. Zu den einzelnen Positionen unserer Bilanz und der Gewinn- und Verlust- Rechnung bemerken wir: Die Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen amfassen nur Rembourskredite für die Wareneiniuhr. Unter Reports und Lombard- Vorschüsse sind lediglich die börsenmäßig gegen Wertpapiere gegebenen Darlehen verbucht. Die Veränderung in der Summe der Dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Bank firmen gegenüber der Goldmarkeröffnungsbilanz ist einerseits durch die Fusion mit der Württembergisches Vereinsbank, andererseits durch Uebernahme junger Aktien der Rheinischen Creditbank, von Aktien der Golddiskontbank und anderer Banken verursacht. Von unseren Bürgschaften sind RM 34 961 466 in deutscher Währung und RM 26 284 169 in fremder Währung geleistet. Die Konten Bankgebäude und Sonstiger Grundbesitz haben durch die Uebernahme der Württembergischen Vereinsbank eine Erhöhung erfahren. Wir besaßen am Jahresschluß 148 Bankgebäude an 123 Plätzen. Der Jahresertrag aus dem Vermögen des Dr. Georg von Siemens Wohlfahrtsfonds wurde bestimmungsgemäß zu Unterstützungen und Beihilfen verwandt. Wir beantragen, diesem Fonds aus unserem Gewinn 1½ Millionen Reichsmark zur Verstärkung zuzuweisen. In der Gewinn- und Verlust- Rechnung haben wir die Einnahmen aus Zinsen und Gebühren in einer Summe ausgewiesen, weil nur der kleinere Teil der Gebühren aus Umsatz-, Vermittlungs- oder Akzept- Provisionen besteht, der weitaus überwiegende Betrag dagegen Zinszuschläge, die in Provisionsform berechnet wurden, darstellt. Nach Vornahme der Abschreibungen auf Einrichtung. Bankgebäude und Sonstiger Grundbesitz von insgesamt RM 4 436 852.07 beläuft sich das Erträgnis des Jahres 1924 auf RM 18 758 995.69 Hiervon erhalten zunächst die Aktionäre 4% Dividende auf RM 110 000 000.-( nach§ 33b der Satzungen) Von den verbleibenden beantragen wir, . 4 400 000.RM 14 358 995.69 der Reserve 9 0 RM 5.000 000.dem Dr. Georg von Siemens- Wohlfahrtsfonds 1 500 000.6 500 000. 3. 59 zu überweisen. Von dem übrig bleibenden Betrage von abzüglich RM 762 221.49 Vortrag auf neue Rechnung erhält( nach§ 33d der Satzungen) der Aufsichtsrat Wir schlagen vor, von den restlichen 8 3389 6% Superdividende auf RM 110 000 000.- mit zu verteilen und den Ueberschuß von auf neue Rechnung vorzutragen. . e RM 7 858 995.69 496 774.20 " RM 7 362 221.49 6 600 000. 99 RM 762 221.49 Es würde demnach erhalten: jede Aktie von nom. RM. 60.RM 6.99 9 " 100.-: 9 8 9 D 120.-: 10. 12. -10% Dividende. 99 5-0 09 9 99 .. 500.-: 99 50.-> Berlin, im März 1925. Der Vorstand der Deutschen Bank A. Blinzig S. Fehr C. Michalowsky O. Schlitter G. Schröter E. G. von Stauß P. Millington- Herrmann O. Wassermann Weineu.Spirituosen Ausnahmeangebot! Solange Vorrat reicht, daher Angebot vollständig freibleibend! Lieferung in Groß- Berlin frei Haus! pro Flasche Mark 1. Mosel-, Rhein- und Pfalzweine 1921er Jahrgang laut Preisliste 3.10-4.50 2. Mosel- u. Rheinweine, 1922er.. 1.35-1.95 Es handelt sich um besonders edle Weine, und zwar Wachsiümer Original- Kelter- Abfüllungen! 3. Piesporter Goldtröpfchen 1922er. Jedes Quantum wird abgegeben! E E. Niebuhr Wein- und Spirituosen- Großhandlung 1.45 Berlin 0.34, Frankfurter Allee 331 1.45 • Abgabe nur in geschlossenen Kisten à 50 Flaschen 4. Malaga, feiner alter 5. Malaga, golden, 4jährig 2,30 6. Portwein, extra feiner alter 2.45 ( Original- Abfüllung) Sämtliche Preise verstehen sich exklusive Glas u Steuer. Eei Abnahme großer Quantitäten Sonder- Vergünstigungen! 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Erhebungen über den Warenhunger der Arbeiterhaushaltungen. Gäbe es einen wirtschaftlichen Staatsgerichtshof, vor tem die deutschen Unternehmer Rechenschaft geben müßten über die Politik in der Inflationszeit, das Urteil dieses Staatsgerichtshof müßte vernichtend sein. Aber ist es anders geworden mit der Wirtschaftspolitik der Unternehmer feit dem Katastrophenherbst 1923, feit die Inflationswirtschaft beseitigt, die Reparationsfragen in ein System gebracht und die voitswirtschaft liche Handlungsfreiheit Deutschlands wiederhergestellt sind? Lassen wir die Tatsachen sprechen, wie sie heute liegen. Das Ausland wie das Inland hat die Antwort gegeben, die auf die 3oll, Steuer- und Sozialpolitik der deutschen Unternehmer fommen mußte. Das Ausland, selbst mit Produktions- und Verkehrsanlagen mächtig überfest und seinerseits auf Ausfuhr angewiesen, sieht die Unfähigkeit und den schlechten Willen der deutschen Unternehmer, den deutschen Inlandsmarii wiederaufzubauen, und schließt, bedroht auf seinen eigenen Märkten, seine Grenzen zu. Die ausländische Spekulation der Metall- und Wollmärkte, die das Wiederaufblühen Deutschlands und Mitteleuropas erwartet und riesige Vorfäufe durchgeführt hat, sieht ihre Erwartungen betro gen und läkt unter schweren Berlusten die Märkte zusammen brechen. Den amerikanischen Kreditgebern der deutschen Wirt fchaft haben die Schußzollabsichten der deutschen Unternehmer und die überlange Zielgewährung der deutschen Exporteure den Gedanken nahegelegt, daß die Kredite an die deutsche Wirtschaft doch ein schlechtes Geschäft zu sein scheinen und daß man die Kredite ft opp en müise. Im Inland ist die deutschen Kohlenindustrie heute in Angst darum, daß die Alliierten ihr eines Tages die Reparations fohlen nicht mehr abnehmen und ihr nicht niedrigere Inlandspreise diftieren könnten. Die deutsche Montan- und Stahl industrie ist glücklich, daß sie aus den durch den Friedensvertrag verlorenen oder vorläufig abgetrennten Gebieten nichts hereinzunehmen, braucht. Die deutsche Textilindustrie hat ihre goldenen Beiren längst hinter sich und steht vor einer schweren Krisis, Der deutsche Baumarkt fann und fann nicht in Bewegung fommen. Die deutsche Landwirtschaft endlich verharri, wenn die amtliche Statistik glaubwürdig ist, in der Stagnation ertensiver schaft. Dabei schreit in Deutschland ein ungeheurer Bedarf irt = | das Problem des Wiederaufbaues der deutschen Wirtschaft? Da stehen die deutschen Unternehmungen, eingerichtet auf eine Probuftion, die um 30, 40 Pro3 höher ist als die Borkriegsproduktion. Auf der anderen Seite steht der tatsächliche Massenver brauch, der um 20, 30 Broz. niedriger ist als in der Berfriegszeit. Die Goldbilanzen haben den Wert der Unternehmungen herabgefeßt auf dasjenige Geldkapital, das aus der heute noch vorhandenen Kaufkraft des Konjums verzinst werden fann. Das Ausland gibt die Kredite, damit der deutsche Inlandsmarkt wieder aufgebaut und fruchtbar gemacht werden kann auch für den Güteraustausch mit dem Ausland. Die deutschen Unternehmer hätten die Auslandskredite zu nehmen, mit aller Sorgfalt zwar, aber soviel als möglich, ihre Betriebe zu rationalisieren, damit die Selbsttoften finten, die Löhne und Gehälter zu erhöhen, damit mehr verbraucht werden kann, den Massenverbrauch von Steuern und Böllen möglichst zu entlasten, damit die Kauftraf der Löhne und Gehälter möglichst hoch, in den Staatsausgaben teine toten Kosten sind und vor allem feine Schutzzollpolitik zu treiben, damit die Inlandskauffraft voll der Inlandsproduktion zugute tommt und der Austausch zwischen den Böltern möglichst intensiv und wirtschaftlich ist. Dann tönnte im 3nland ge spart werden. Die Kapitalbildung fäme, weil die arbeitenden Waffen sparen können, durch den massenhaft gesteigerten Umsatz auch bei den Unternehmungen in Fluß. Das Sanie rungsproblem der deutschen Wirtschaft wäre gelöst, und der vollständige Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nur mehr eine Frage der Zeit. Das alles ist längst Gemeingut aller Einsichtigen in Deutschland, längst Gegenstand der Forderungen der Arbei terschaft, der Sozialdemokratie und der Gewerf. schaften. Wie aber handeln die Unternehmer? Was im Arbeiterhaushalt fehlt. als ob sie in der Hauswirtschaft des frühen Mittelalters ständen, in der jeder für sich zu sorgen hat, und nicht in der fortgeschrittenen tapitalistischen Volkswirtschaft, wo das Auskommen aller allein das Auskommen der privattapitalistischen Unternehmun gen gewährleisten kann. Als ob sie in der antifen Sklavenwirtschaft ständen, wo der arbeitende Sklave eine Last war, die man im Ausmaß ihres Nußens am Leben erhielt oder zugrundegehen ließ, nicht aber im Jahrhundert des och tapitalismus. mo der förper: nach Befriedigung und wartet auf die Politit, die ihn zur Nachliche und geistige och stand der arbeitenden Massen über die frage macht. Ronkurrenz und Leistungsfähigkeit der nationalen Bolkswirtschaften und damit der Privatunternehmer der einzelnen Reich, Staaten und Gemeinden haben den Borkriegsstand der Völker entscheidet. Während Professor Aereboe und Professor Etaats- und Gemeindeleistungen auf allen Gebieten ihrer sozialen, Sering, früher die Herren der Agrariertagungen und Vertündiner Dorbeugenden, bildenden, vermittelnden und wirtschaftlichen Talig der landwirtschaftlichen Schußßölle, heute ein über das andere Mal feit für die Gesamtheit noch lange nicht erreicht. Trügerische Milliarder eine aus betriebs, der andere aus polkswirtschaftlichen Gründen, denüberschüsse, hervorgerufen aus der gewaltsamen Tiefhaltung fich gegen den Agrarichuy 3011 erflären, während in der der öffentlichen Ausgaben und erpreßt aus unsinniger Industrie, in den Banten, im Inlands und Auslandshanbei die Belastung des Arbeitseinfommens und des Massenver Stimmen gegen die Eiseng ölle fich häufen, besiegeln die Montan brauchs, werden nicht produttiven öffentlichen industrie und die Landbundorganisationen ihr gegenseitiges Bündnis 3weden zugeführt oder für die Reparationslaftentilgung refer zur Berteuerung des nadten Lebens im Inland und zur viert, sondern fließen als Ruhrkriegs, entschädigung" oder Subventio land. Die Kauftraft des Inlands, die für den deutschen ProduktionsSchaffung einer deutschen Dumpingtonfurrenz im Aus nien in die Industrie, wo sie den Umfaghunger vermehren apparat ohnehin zu gering ist, wird noch weiter verringert, in der müssen, statt ihn zu befriedigen. Währenddem warten hundert illufionären Hoffnung auf mehr gewinne aus dem Inland bei taufende öffentlicher Beamten und Arbeiter, eingeschüchtert durch den Agrariern, aus dem Ausland bei der Montanindustrie. Die eine Abbauwut, die Raubbau am Gebäude des Staates und der deutsche Arbeiterschaft kann nicht hoffen, daß der alles gesellschaftlichen öffentlichen Unternehmungen ist, und mürbe gemacht durch eine Dentens bare Unternehmerverstand vernünftigen Gründen zugängSparpolitit, die Kräfte zerstört und Güter verschwendet, wo sie zu lich ist. fparen meint, warten Millionen proletarischer Rentner darauf, neben der Frutung ihrer nackten Eristenz die weiten Lücken in ihrem Wir wollen einmal den ungeheuren Bedarf zahlenmäßig Haushalt wieder zu schließen, die Krieg und Inflation gerissen haben. nachweisen, der in den vielen Millionen deutscher Arbeiterhaushalte vorliegt und der nur mobilisiert zu werden braucht, um In den zehn Millionen Arbeiter- und Angestelltenhaushalten der die deutsche Bolkswirtschaft in verhältnismäßig furzer Zeit gesund industriellen Arbeitnehmer herrscht bitterste Not. So bittere und mit Händen greifbare Nut, daß von ihr zu sprechen schon zu einer zu machen. Die Zahlen entstammen einer größeren Umfrage vom Februar 1925 im Freistaat effen. Die zehn Arbeiter billigen Phrase zu werden droht. Das Schmieröl, das eine Maschine braucht, damit sich die Lager nicht warm laufen, wird vom linter haushalte, bie wir zugrunde legen, betreffen die ersten zehn nehmer n'it größter Sorgfalt ersetzt, wenn es aufgebraucht ist. Fragebogen der Umfrage. Sie find in einer Arbeiterstadt des In Seinen Arbeitern und Angestellten garantiert er nicht den Lohn, buſtriegebietsstreifens zwischen Mainz und Frankfurt aufgenommen. Seinen Arbeitern und Angestellten garantiert er nicht den Lohn, Die Wohnungsverhältnisse bei den zehn Arbeiterfamilien find be der zur Erhaltung ber Arbeitstraft notwendig ist. Die Anzahl von Touren, die eine Maschine laufen darf, damit sie sich sonders günstig, weil 6 von den 10 Familien im eigenen nicht vorzeitig abnukt, wird genauestens falfuliert. Aus feinen Häuschen wohnen. Es handelt sich um Haushaltungen, die Arbeiter und Angestellten aber kann der Unternehmer nicht ge schon 1914 bestanden und deshalb einen Bergleich mit ber Borfriegs nügend Arbeitszeit herauspressen. Sein Werterhaltungszeit zuließen. Auch handelt es sich um besonders forgfältig fonto, fein Abschreibungsfonto stattet der Unternehmer jährlich mit geführte Haushaltungen. Die Zahlen find also günstiger, reichlichen Reserven aus, damit der Erfaß für den erfolgten Ver. als sie für den Durchschnitt der Arbeiterhaushaltungen angenommen fchleiß zeitig zur Hand ist. Seinen Angestellten und Arbeitern ver. weigert er die Möglichkeit zu Ersparnissen, um die notdürftigsten Anschaffungen zum Ersatz der verschlissenen und verbrauchten Möbel, Kleider, Wäsche und Schuhe machen zu tönnen. Die Arbeiter und Angestellten, ihre Frauen und Kinder müssen sich mit der notdürftigsten Hülle begnügen. Der Unternehmer hat seine Fabritgebäude renoviert oder neu gebaut, mit dem Gelde der zerstörten Hypotheken und Obligationen. Heute fehlt für reich- mark, im Durchschnitt 31,25 Mark. Ersparnisse hatten sie lich eine Million arbeitender Menschen dieses und das bei normaler Wirtschaft weiterhin ersparte Geld zum Wohnungsbau, und diese Million tamplert in Baraden, Kellern und Mansarden, in verfallenden Häusern und Wohnungen, die überfüllt und gesundheitsgefähr lich sind. Die Inflationszeit war für den Unternehmer die Zeit großartiger Betriebserweiterungen und Betriebsverbefferungen, für die Millionen Angestellte und Arbeiter die Zeit der 3erstörung ihres Hausrats und ihrer Not pfennige. Seute, wo die Währung stabil ist und zur Ausfüllung der Lücken im Hausrat und auf der hohen Kante für Rot und Krankheitszeiten gespart werden müßte, gewährt die Lohn. politit der Unternehmer faum das Leben von einem Tag zum anderen; ihre Steuer, Boll- und Kartellpolitik türzt die Rauftraft des Wenigen nochmals um die Berteuerung aller Breise. Ein gar nicht abzusehender Bedarf wartet in diesen 10, 12, 15 Millionen Arbeiter, Angestellten- und Beamtenhaushalten auf feine Befriedigung. Das sind die Tatsachen! Was ist denn werden können. Die zehn Ehemänner und Bäter sind 2 Edhreiner, 2 Eisenbahnarbeiter und je ein Bildhauer, Schmied, Metallschleifer, Silfs, Fabrik- und Lagerarbeiter. Unter Abzug der Lohnsteuer, der Gozial. persicherungs- und Organisationsbeiträge hatten sie 1914 insgefamt einen Wochenverdienst von 379,80 mart, im Durchschnitt 37,98 Mart. Sie verdienen heute insgesamt 312,50 1914 insgesamt 6900 Mart, im Durchschnitt 690 Mart. Heute betragen die Ersparnisse bei allen zehn O'mart. 1914 mußte von den 10 Ehefrauen und Müttern feine mitperdienen, heute müssen es vier, zwei als Büglerinnen, eine als Provisionsreifende, eine als Fabrikarbeiterin. Die zehn Ehepaare hatten 1914 33 Kinder, 28 unter 12 und 5 über 12 Jahre. Sie haben heute 36, 13 unter 12 und 23 über 12 Jahre. Die zehn Ehepaare( außerdem ein Schwiegerelternpaar) und die 33 Kinder, zusammen 55 Personen, wohnten 1914 in 26 3immern und 3 Kammern. Heute wohnen 58 Personen, obwohl die Mehrzahl der Rinder jegt im Bubertätsund mannbaren Alter steht, in den gleichen Räumen. Absolut notwendig wären heute gegenüber 1914 6 3immer und zwei ganz neue Wohnungen. Im Vergleich mit 1914, damit wieder von einem einigermaßen erträglichen Bustand der Haushaltungen gesprochen werden fann, fehlen heute in den zehn Haushalten und sind als notwendigster Bedarf angegeben: Das bewährte Treibmittel Freitag, 27. März 1925 Zum Schlafen: 12 Bettgestelle und Matraßen, 34 Leintücher, 54 Bettbezüge, 68 Kopftissenbezüge, 39 Bettdecken, 28 Kopffissen, 16 Federbetten. Die Zahlen zweier Haushaltungen fehlen, weil der Bedarf nur in Prozenten des gegenwärtigen Wäschestandes angegeben tourde. In der Küche: 33 Töpfe, 59 Teller, 60 Tassen, 44 Paar Bestecke( hier haben vier Haushaltungen Brozentzahlen angegeben). Außerdem Wannen, Spülschüsseln, Eimer und Küchenmaschinen. 3um Wohnen: 9 Schränte, 4 Nachttische, 14 Stühle, 2 Sofas, 31 Paar Vorhänge, 7 Bettvorlagen, 2 Laufer, je 1 Tisch, Kommode, Waschtisch. An Männerfleibung: 8 Mäntel, 13 Anzüge, 28 Hent den, 30 Unterhosen, 25 Paar Socken, 4 Unterjacken, 15 Baar Stiefel, 14 Werkstattanzüge. An Frauenfleibung: 5 Mäntel, 9 Straßentleider, 4 Hauskleider, 22 Semben, 16 Unterhofen, 15 Baar Strümpfe, 2 Unterjacken, 16 Paar Schuhe. An Kinderkleidung: 24 Knabenanzüge und Kleider, 3 Mäntel, 53 Hemden, 50 Unterhosen, 46 Baar Strümpfe, 34 Baar Schuhe( in 2 Haushalten nur Prozentzahlen). Das ist der notwendigste Bedarf in zehn Arbeiterhaushaltun gen, für den jede Beschaffungsmöglichfeit heute million und frage fich, was die Befriedigung eines solchen Bedarfs fehlt. Man multipliziere diefen notwendigsten Bedarf mit einer für die deutsche Industrie bedeuten würde. Und zwar für die ganze deutsche Industrie und selbstverständlich auch für die deutsche Landmirtschaft. Hier liegt die motorische Kraft für den Wiederauſbau der deutschen Wirtschaft, für die Bildung von Neufapital in ber deutichen Wirtschaft. Und die angegebenen Zahlen halten Stand. Wie für die zehn Arbeiterhaushalte aus einer Stadt, stehen die Zahlen aus zahlreichen anderen Arbeiterhaushalten von sieben anderen Städten Hessens zur Verfügung. Sie ergeben alle das gleiche Bild, das Bild von der Not der arbeitenden Massen Deutjalands, das Bild, das die Politik der deutschen Arbeiterschaft, der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften schon immer deutlich por Augen gehabt hat. Nicht aber die Politik der deut schen Internehmer. Dasselbe Bild, das auch Friz Ebert por Augen gehabt hat, wenn er dem sozialen Gedanken der demokratischen Republik sein Leben widmete. Das Bild, das Otto Braun als preußischer Ministerpräsident Jahre hindurch erfüllte und das er heute nur um so stärker in fich trägt. Ein Bild, das tein Unternehmer und auch fein Reichspräsident der Unternehmer in sich tragen fann. Dieses Bild aber, trägt man es in sich, erzwingt ver= nünftige Wirtschaftspolitit. Wer es nicht in sich trägt, dessen Politik wird notwendig falsch. So ist auch der Wahlfampf um den neuen Reichspräsidenten viel mehr, als er scheint. Er ist nicht der Kampf zweier an sich vernünftiger, nur durch die Interessentage verschieden gefärbter Regierungsprinzipien, sondern der Kampf darum, ob greifbare Torheit und Katastrophenpolitik oder Bernunft und rationeller Aufbauwille in Deutschland herrschen soll. Letzterer aber liegt nicht bei den deutschen Unternehmern, er liegt bei den deutschen Arbeitern, Angestellien und Beamten. Darum, und nur darum, liegt er nicht bei Jarres, fondern bei Otto Braun. marf Der deutsche Außenhandel im Februar. Der erschreckend hohe Einfuhrüberschuß im Monat er betrug für diesen Monat rund 675 Millionen Gold hat sich im Februar beträchtlich perringert. Es wurden insgesamt für 631,4 millionen Mark Waren ausgeführt und file 1124,7 Millionen Mark Ware aus dem Ausland importiert. Der Einfuhrüberschuß beträgt demnach im Februar 493,3 Millionen Mart. Rechnet man von diesen Zahlen die Einund Ausfuhr an Gold und Silber ab, so ergibt sich ein Warenexport im Werte von 629,8 millionen, eine Wareneinfuhr von 1071,1 millionen Mart. Im reinen Warenverkehr ist temnach ein Einfuhrüberschuß von 242,3 millionen Mart zu ver groß wie im Januar, fie beträgt jedoch noch immer rund 40 Broz. zeichnen. Die Passivität der Handelsbilanz ist also nicht mehr so tes gesamten Einfuhrwertes. Es ist daher notwendig, die deutsche Warenausfuhr ganz beträchtlich zu steigern. Bisher schelterte das hauptsächlich an der Preisstellung. Würden jeßt nach den Abfichten des Rechtsblocks hohe Schuß 3 ölle eingeführt, die die Rohstoffe und Halbfabrikate start verteuern, so ist die notwendige Steigerung des Erports nicht zu erreichen. Die hohen Preise der Industrie sind aber zu einem erheblichen Teil eine zwangsläufige Folge davon, daß die industriellen Werte nur unzureichend beschäftigt sind, weil die Kauffraft der breiten Maffen nicht ausreicht, um einen großen Warenabsatz zu ermöglichen. Die Stärkung der Konsumftraft der breiten Massen ist also eine 2 pr. bedingung der Leistungs- und damit der Exportfähigkeit der Industrie. Lebende Tiere. Auf die einzelnen Warengruppen verteilt sich die Einfuhr von Waren nach und der Export aus Deutschland dem Werte nach folgendermaßen: Einfuhr As fubr Jan. 1925 Febr. 1925 Jan. 1925 Febr.1925 in Millionen R.-M. 7,0 6.1 2,4 1.7 348,4 317,0 477 47,8 676,2 584,1 129,7 99,5 255,9 168.9 515.9 480.8 1282,5 1071,2 695.6 629,8 89,6 58.5 1,8 1.6 681,4 Lebensmittel und Getränke Robstoffe u. halbfert. Waren Fertige Waren. Reiner Warenverkehr. Gold und Silber¹) • Busammen 1872,1 1 124,7 697,4 1) Nicht bearbeitet, Gold- und Silbermünzen. Der Rückgang der Ein- und Ausfuhr erstreckt sich auf fait Beachtlich ist jedoch dabei, daß die alle Warengruppen. Einfuhr von Fertigwaren besonders start, nämlich um 92 Mi lionen Mark zurückgegangen ist. Das liegt daran, daß die zollfreie Einfuhr von Waren aus Elsaß- Lothringen aufgehört hat. Wesent lich weniger als der Import ist der Er port von Fertigwaren zurückgegangen. Dieser verminderte sich lediglich um 35 Millionen Mart. für jeden Kuchen, wenn er vortrefflich sein soll, ist und bleibt Mondamin- Backpulver. Ein feuchtes Backpulver wird immer versagen. Aber wenn Sie Mondamin- Backpulver trocken aufbewahren, so geben Ihnen auch lange liegende Pulver die Garantie des Gelingens. Der Kuchen wird locker und bekömmlich und kein Mensch ahnt, dass es ein Pulverkuchen ist. Darin liegt der Wert des 3 Tropfen Kaol MONDAMIN- BACKPULVER ohne Pulvergeschmack Metall- Oel- Jolitur besser als Putzwasser und was fein Berstand der Berständigen fiebt, das übet in Einfalt efni tindlich Gemüt.... Tel- Gotolade" ift der ausgesprochene Liebling der Kinder! Juftinitmäßig fühlen fie ben reichen Nährwert, den lederen Gefomad, die vorzügliche Betömmlichtelt.... Diefem Juftinkt hat die Biffenfchaft recht gegeben, denn sie hat einwandfrei festgestellt, das Zeu Shotolabe viel nahrhafter wie Fleisch it. Man achte aber auf die Marte Zell- Schotolabe be Gartwig& Bogel A.-G., Dresden Generalvertretung u. Fabritlager: Besser& Müller, Berlin S. 61, Bärwaldstr. 69. Fernruf: Amt Moritzplatz 9651. Rose- Theater Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Tägi. 8 Uhr 12 Uhr: Sinfonie: Das Märchen Mittagskonzert 7: 9.Sint- Konz. v Arth. Schnitzler Spira, v. Moellendorf Opernhaus am Königsplatz 72U.: Der Barbier von Sevilla Schauspielhaus 7: Charleys Tante Schiller Theater 7 Uhr: Graupenmüller Thalia- Th. 8 Uhr: Das Dreimäderlhaus Circus Busch Sonnabend, 28. März, 72 Uhr: Jubel- 75.Aufführang Herrnfeld Lady Hamilton Kleines Th. 8 U. Theater 8U. Lord Nelsons letzte Liebe! Tägl. 8 Uhr: Die Großfürstin 1: Der Widerspen- und der Zimmerkellner stigen Zähmung Leopold. Konstantin Volksbühne Georg Alexander Sonnt. nachm. 4 U.: im Intimen Theater Bülowstraße 6 Lachstürme! Wer ist der Vater? 7 Uhr: Segel am Hänsel u. Gretel Herrnfeldiade i.3 A. Horizont Deutsch. Theater Trianon- Th. Pie heilige Johanna Kammerspiele 71 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 8 Uhr: Der Krampus Taeater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Heimliche Brautfahrt Komödienhaus 8 Uhr: HAREM Berliner Theater 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA 8 Uhr: VARIETE REVUE Sonntags 330 U. ermäß. Preise! Das volle Programm Täglich 8 Uhr: Yoshiwara Arnold Korff Casino- Theater Lothringer Str. 37 Tägl. 8 Uhr Neu! Wieder Neu! ein neuer Schlager! Der Oberschieber Dazu das bunte Programm! Volkstüml. Preise! Erich Kaiser- Titz Marga Scholz Martin Loewe Blanche Dergan Haller- Revue 1925 Tb.i.Admiralspalast Allabendl. 81 U.: Abschiedswoche! Die größte Revue d. Welt: Noch and Noch" Sonntag nachm, 31% Uhr: Die ganze Vorstellung zu kleinen Preisen Nur 2 mal 1 und 2 April Karsavina tanzt Central Theater 72 Uhr: Die Dezimalwagen Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Keine SchaufensterReklame, dafür wesentl.billigerePreise Putz-, Polierlappen Putzwolle Schleifertuche versunk. Glocke haben in jeder Menge Deuts Opernhaus 7 abzugeben Uhr Tannhäuser Gebr. Holzinger Neukölln Metropol- Theater Tel.: Neukölln 4545-4547 Residenz- Th. Heute geschlossen. Tägl. 8 Uhr: Einmal ist Morg. 7 U. Premiere 1000 süße Beinchen Neues Theat. amZoo Tägl. 8 Uhr SCHUTZ MARKE keinmal Die weiße Weste utangs Raball Falkenstein Th. i. Kommand. Str. Täglich 8 Uhr: Deutsch. Künstlertheat.USCHI 8 Uhr: ,, Riquette" Operette von Oscar Straus Lustspielhaus 8 Uhr. Guide Thielscher D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbanerdamm von Jean Gilbert mit Uschi Elliot, Fritz Schulz, Gertrude Berliner Sonntag 32 Uhr: Mein Leopold halbe Kassenpreise Sonntag 29 März Theater d. Westens Zum 25. Male: & Uhr: Der blonde Traum Wallner Theat. 18 Uhr: Tägl. 8 Uhr Berlins gr. Operett.- Erfolg Der Graf Romeo. Julla V. Cagliostro Apollo- Theater 8 U Dir: James Klein 8 U. Die Nächte v. Paris Gr. Ausstattungsoperette Ueber 100 Mitwirkende Preise 2 bis 10 Mk. Vorverk. ununterbr. geöffnet Trabrennen Mariendorf Freitag, den 27. März nachmittags 2 Uhr 12 u Reklamemarken ertion sell 45 Jahren as Spezialitat Conrad Müller Schkeuditz Lexpzig Ehren- Abend für Paula Busch Persönliches Auftreten in der Hauptrolle Sonntag, 29. März, 8 u. 7%, Uhr: 2x zum letzten Male auch nachmittags ungekürzt: Lady Hamilton In beiden Vorstellungen vorher: Das gr. März- Circus- Programm Nachm. halbe Preise! Romische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Ueber 200 mal Der Sensationserfolg d. 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Washington, San Remo, die merikanische Rebellion, Sachalin, und neuerdings erst wieder der ganz unmotivierte und dem Uneingemeihten abenteuerlich anmutende Aufstand der wilden Kurdenstämme: das Petroleum steckt dahinter! ,, Cherchez le pétrole!" Unter den Flügeln, die in unseren Tagen diesem Worte flugs gewachsen sind, hält es eine ebenso allgemeine Erklärung für die Konflikte zwischen den modernen imperialistischen, Staaten verborgen, wie das schon von dem römischen Dichter Juvenal beschwingte und seit den Tagen des Rokoko in der französischen Fassung weitergegebene Schwestermort„ Cherchez la femme"( Suchet die Frau) für diejenigen zwischen Individuen von Uranbeginn jeder bestehenden Gesellschaft. Nur ist da ein Unterschied. Während es nämlich von Frauen überall da auf dem Erdenrunde, wo menschliche Zusammenrottungen entstehen, im Regelfalle wimmelt und man nieistens nach der Urheberin der Verwicklungen im einzelnen Falle nicht lange zu muten braucht, ist es um das Petroleum wesentlich knapper bestellt: Von den sämtlichen Energievorräten der Erdkruste an werdender und vollendeter Kohle, an Wasserkräften und Erdölvorkommen, die man beiläufig auf insgesamt 10 Billionen Tonnen Steinkohlenwert schäßt, trägt das Petroleum nur 10 Milliarden bei; das Erdöl ist also der Benjamin unter den Energieriesen, die unsere Zivilisation in jagender Bewegung halten, es bringt nur lumpige 0,1 Prozent des den heutigen Energieverwandlungsmethoden überhaupt zugän gigen Vorkommens an schlummernden Energien auf. Aber die großen Bölker, die sich bis heute nicht anders betragen wie große Kinder ( nur daß sie aus ihrem Eigenwillen ein System gemacht haben, das sie mit dem hochtönenden Namen Politik belegen) alle wollen fich ausgerechnet von diesem Benjamin vorzugsweise bedienen lassen. Gerade feine Seltenheit, die mit einer schillernden Bielseitigkeit der Berwendung gepaart ist, verleiht dem ekelhaften Fäulnisprodukt irgendwelcher vorzeitlicher Organismen die relative Kostbarkeit. Die Menschen stellen ihren technischen Produktionsapparat darauf um, um es zugleich zu erobern, zu verbrauchen und argwöhnisch zu hüten. Während also die Geschlechterproportion nur in den Regionen härtesten Daseinskampfes eine Frau mit mehreren männlichen Anwärtern umgibt so ber den Eskimos und bei einigen mongolischen Gebirgsvölkern- findet jedes Erdölvorkommen seit den leßten zwanzig Jahren mehrere eifersüchtige Bewerbergruppen, die auf der höchsten Stufe wirtschaftlicher Machtzusammenfassung zumeist eine eigenartige, aber für die Struktur anderer Wirtschaften typische Kombination zwischen privatwirtschaftlichen und staatlichen Interessen verförpern. Gesellschaftliche Organisationen unterliegen denselben Gesetzen bes Dajeinskampfes ,, wie physische Organismen, und da sie zudem lockerer, beweglicher, verschmelzbarer sind, da Vereinigung unter ihnen alles, Jolierung aber den Tod bedeutet, haben diese Geseze zudem die Tendenz zu einem beschleunigten Ablauf, der im Bergleich mit den Zeiträumen der Darwinschen natürlichen Artenauslese ein geradezu wahnsinniges Tempo aufweist. Diese Auslese der Stärferen hat auf dem Delmarkte die winzige Spanne von 25 Jahren erfüllt und nur zwei große Partner und zwei kleine, annähernde Selbstversorger, übrig gelassen. Die letzte Hoffnnng. VersackungsPolitik OROESTER. Wenn der nicht zieht was zieht dann?! tuierung der Kräfteverteilung, wie sie nun einmal war. Man konnte annäherungsweise von einem angelsächsischen Weltimonopol reden, Denn seither fontrollieren die Engländer praktisch die Hälfte, die Amerikaner ein weiteres Drittel der Weltproduktion. für die blutwichtige Rolle, die es innerhalb der imperialistischen Auch die Bewirtschaftungsform des Erdöls ist ein Symbol Machtorganisationen einnimmt: Seine Vertruſtung ist eine universale. Die Trustgiganten beherrschen nicht nur die gesamte Erzeugung, sondern sie erledigen auch selbst den Transport mit eigenen Lanfflotten und den Absatz mi teinem über Kontinente ausgespannten Netz von Vertriebsgesellschaften. Die Welt ist weggegeben" was das Machtzauber bergende Del, seine Felder und seine Märkte anbelangt. Nur zwei Militärmächte haben es verstanden, wenigstens einen Teil ihres Bedarfs sicherzustellen absieht, das etwas abseits von dem allgemeinen Rüstungswahnsinn wenn man dabei von Rußland steht. Da ist einmal Frankreich mit dem elsässischen Borkommen bei Pechelbrunn, das es auf den überwiegenden Anteil an seinem Eigenbedarfe zu steigern hofft, und mit Interessen in Polen, der Tschechoslowakei und Rumänien, die es durch eine Verflechtung diplomatischer Allianzen und militärischer Konventionen sichergestellt zu haben glaubt. Auf der anderen Hemisphäre aber ist es Japan, das durch den Vertrag von Sachalin in die Reihe der Selbstversorger tritt und damit überhaupt erst wieder zu einer im Ernstfall aftions fähigen, technisch gleichwertigen Flotte fommt. Bei der Teilung der Versailler Beute an deutschen Erdölinteressen, die England mit Frankreich im Jahre 1920 in San Remo vornahm, überließen die Franzosen in ihrem Ottupationstaumel den feilen der Turkish Oil Company für den vergänglichen Dienst einer diplomatischen Duldung der Uebergriffe im besetzten Gebiete. Japan ist durch den Vertrag von Sachalin von der amerikanisch englischen Petroleumherrschaft frei geworden und hat dadurch die Seit dem Jahre 1900 wälzte sich der Standard Oil Trust, jene erste große Trustlawine, die sich inmitten der aufschießenden Pro- Briten den Löwenanteil von 75 Broz. des deutschen Besizes an Anduftion des Dollarlandes zusammengeballt hatte, mit einer erdrückenben Kapitalsgewalt auf die europäischen Erzeugungs- und Abjah gebiete. Er drang in die russische Produktion ein, wo die alten Namen Nobel und Rothschild bisher unumstritten herrschten und nun jäh verblassen sollten, er griff in Rumänien um sich, wo deutsche Bantgruppen unter der wohlwollenden Protektion der prodeutschen Carol- Regierung interessiert waren, er gründete die British Petroleum Company und frönte seine Feste in der Alten Welt mit der„ Europäischen Petroleum- Union" in Bremen. Das war 1907. Jeht aber traten die Engländer auf den Plan, die fühlten, daß es ihrer Weltherrschaft an die Gurgel ging. Und es gelang ihnen, indem sie mit der Steuer- und Anleihenpumpe des Staatsapparates einen guten Teil der freiwerdenden Kapitalien der Nation in das Betroleumgeschäft preßten, die rein private Initiative der Amerifaner in wenigen Jahren einzuholen und sogar zu überflügeln. Die 1907 ins Leben gerufene Royal Dutch Shell Combine, eine englischholländische Kombination, und die ihr 1909 folgende Anglo- Persian Oil Company waren die beiden großen Kapitalsfäulen, die fie ins Treffen schickten. Auf allen damals findigen Gebieten wurde ein zäher Kampf ausgefochten: In Südamerika, in Merito, in Persien, Mesopotamien und Indonesien; ja die Engländer bemächtigten sich fogar eines Teiles der Produktion in den USA. Als die Methoden der privaten Konkurrenz nicht mehr ausreichten, plünderte man das Waffenarsenal der Diplomatie; scharfe Noten wurden gewechselt. Erst als das Wettrennen beendet war aus Mangel an ölfündigem Gelände vertrug man sich im„ Delfrieden von Washington" von 1921. her nichts anderes war als eine Machtbilanz, eine KonstiDie Hölle. Bon Otto Bärmann. ( Schluß.) Die Schmerzen verbeißend schafft Hacker wieder, schiebt Wagen, fippt mit einer Hand. Ein Mann steigt die Treppe herab. Saubere blaue Montur, oben sieht weißer Kragen heraus; überblidt prüfend die Feuerknechte, geht langsam hinter den Aschenschächten Dorbei. Hacer braust es in den Ohren, flimmernde Bunkte tanzen var den Augen, darinnen ein großer, blauer Fleck. Er greift nach der Eisenstange, schwingt sie hoch mit der rechten Hand, läßt sie auf den Hellblauen niedersausen. Dieser wirft sich herum; Funken stieben am Boden auf. Der Oberheizer sagt fein Wort, geht langjam weiter, steigt die hintere Treppe hinauf. Kollegen umringen den zitternden Mann:„ Was ist denn los? Nichts getan. Böse Sache, Borgesetzter stellvertretender Kesselmeister." Hacker stößt sie meg, faßt am Wagen an, tippt, schiebt wieder zurüc Zehn Uhr vormittag. Um einen langen Tisch sihen Männer im Arbeitskittel, am einem Schmalende fuchtelt ein fleiner Mann mit den Armen, redet. Hinten in der einen Ecke steht der Oberheizer im Straßenanzug, sieht gelassen über den Tisch; in der anderen Ede " · Deutsche Treue Jarres Ludendorff oder: Der Doppel- Dolchstoß. O.KOESTER Ich muß leider erklären, daß die Firma in Anbetracht der Schwere des Falles auf Entlassung bestehen muß, so leid mir persönlich der Mann tut." Ein älteres Mitglied des Betriebsrates meldet sich zum Wort. „ Ich war früher selbst zwei Jahre lang da unten und weiß, wie es einem, da zumute ist. Stellen Sie sich vor, Herr Doktor, es hat Ihnen einer was Schreckliches, Gemeines angetan, Sie sind frant, haben Husten, Brandwunden an der Hand schmerzen, der beißende Rauch quält Sie. Und nun kommt der andere auf Sie zu, bläst sich auf als Vorgesezter. Können Sie sich denn da nicht vorstellen, daß Ihnen die Sinne vergehen und Sie nicht mehr wissen, was Sie tun?" Der Angesprochene sieht sinnend zum Fenster hinaus, vann räuspert er sich und antwortet: ,, Gut, ich habe einen Borschlag, den ich glaube, in der Direktion verantworten zu können: Der Mann bleibt hier. Aber er wird nicht in eine andere Abteilung versetzt. Er bleibt unten und soll zeigen, daß er sich beherrschen kann. Borher hat er aber hier den Oberheizer um Entschuldigung zu bitten." Der Vorsitzende macht Notizen auf ein Blatt, dann dreht er sich nach Hacker herum uno spricht: Kollege, ich meine der VorSchlag ist annehmbar. Bist du einverstanden?" Hacker dreht sich gegen die Wand um, lehnt den Kopf an; eln er auf. Beilage des Vorwärts Hände frei bekommen zu einer grundsätzlichen Frontschwenkung im fernen Often, wo sich die Union der SSR., das Land der aufgehenden Sonne und das Reich der Mitte zu einem Dreibund zusammengefunden haben, deffen Schwergewicht auf der jenseitigen Halbkugel sich sehr bald auswirken wird. In diesen Zusammenhängen liegt die Bedeutung des Vertrags über die Petroleumkonzessionen auf Sachalin, und die magische Kraft des Cherchez le pétrole" trat dent auch sofort in einer entsprechenden Schwenkung der politischen Meinung der Vereinigten Staaten gegenüber den. Sowjets zutage, die auf dem politischen Schachbrett durch den Austausch des Russomanen Hughes mit dem sowjetfreundlichen Senator Borah auf dem Posten des Außensekretärs marfiert wurde. 11 Die Bedeutung der Weltproduktion durch absolute Zahlen zu veranschaulichen, ist ganz zwecklos; und auch relative Zahlen können nur den Sinn haben, das rasende Tempo der Entwicklung zu versinnbildlichen. Die Welterzeugung schritt von 20 Millionen Metertonnen im Jahre 1900 auf 50 im Jahre 1913 und betrug 120 im Jahre 1922. Damals hatten die Vereinigten Staaten noch mit 65 Proz., Mexiko mit 21 Proz. ihr Anteil; die übrigen Erzeugungsgebiete folgten in weitem Abstande. Doch ist zu bedenken, daß der aufgeblähte Automobilverkehr in den USA. die inländische Produktion absorbiert, so daß noch 11,8 Pro3. über sie hinaus eingeführt werden müssen. Die Amerifaner rechnen mit einer Erschöpfung ihrer Quellen in wenigen Jahrzehnten ein Umstand, der geeignet erscheint, die Gefahr internationaler Berwicklungen beim Kampf um neue Fundstätten noch zu verstärken und wieder befeuernd auf den Rüstungswahnsinn- und damit auf den Petroleumverbrauch einwirkt. Hechte werden nur 80 Jahre alt. Ueber die Lebensdauer der Fische war bis jetzt nicht nur im Bolt, sondern auch in Forscherkreisen hohes Alter erreichen, ja sogar mehrere hundert Jahre alt werden faft allgemein die Ansicht verbreitet, daß Fische ein außerordentlich fönnten. Es lagen auch verschiedene Angaben vor, die jene AnJahre alt wären, und in einem anderen, dem auch vielfach Glauben daß in Teichen in der Lausitz Karpfen lebten, die nachweisbar 200 nahme zu bestätigen schienen. So meldete beispielsweise ein Bericht, bronn in Schwaben einen Hecht ausgefischt hätte, der mit einem Ring geschenkt worden war, hieß es, daß man im Jahre 1497 zu Heilversehen war, dessen Inschrift fündete, daß Kaiser Friedrich II. den Hecht im Jahre 1230 in den See habe einsehen lassen. Demnach wäre dieser Hecht 267 Jahre alt geworden. Sein Gewicht sollte 140 Kilo und seine Länge 570 Zentimeter betragen haben. prüfen, wurden nun in jüngster Zeit von Mayenne eingehende UnUm diese verschiedenen Angaben einmal auf ihre Richtigkeit zu zeiger" berichtet. Die Untersuchungen, die auf Grund neuer Methotersuchungen angestellt, über die der Forscher im Zoologischen Anden erfolgten, nämlich unter Berücksichtigung der jährlich periodischen Ablagerungen sowohl auf den Knochen wie auch auf den Schuppen, ergaben nun, daß die Altersgrenze der Hechte viel weiter zurückgesetzt Hechtes ergaben sich überhaupt nur 30 bis 35- Kilo. Da nach 7 bis werden muß, als man bisher annahm. Als Höchstgewicht des 8 Jahren das Gewicht im Laufe eines Jahres um etwa 3 bis 5 Proz steigt, so kann man im Zusammenhang mit dem von den Tieren erreichten Höchstgewicht als längste Lebensdauer ein Alter von 70 bis 80 Jahren annehmen. Auch die Literaturangaben über die Lebensdauer anderer Fische führen zu ähnlichen Schlüssen, indem z. B. der Fisch Huso dauricus Georgi, der zu den langlebigsten Arten gehört, bei einem Gewicht von 655 Kilo und einer Länge von 5 Meter nicht älter als 50 bis 55 Jahre alt wird. Welches After der Hecht des Barbarossa in Wirklichkeit erreicht hatte, wird sich wohl niemals feststellen lassen; daß er aber nicht. 267 Jahre alt war, dürfte nach den genannten Untersuchungen flar sein. Ueber die Bakterienflora im Büchsenfleisch hat das englische Nahrungsmittel- Untersuchungsamt fürzlich eine interessante Arbeit veröffentlicht. Sie stüßt sich auf die Untersuchung von 344 Proben und will feststellen, ob und welche Rolle Bakterien bei dem Verderben solchen Büchfenmaterials spielen. Nach diesem Bericht kommen Schimmel- und Hefepilze faum vor und sind wahrscheinlich auch von ganz geringer Bedeutung. Anaerobe Bakterien, d. h. folche, die m bei Abwesenheit von Sauerstoff gedeihen können, sind in unver sehrten und gut erhaltenen Büchsen nur selten anzutreffen, dagegen nahezu immer vorhanden, wenn bereits Zersehungserscheinungen eingetreten sind. Weit häufiger werden anaerobe Batterien in den untersuchten Proben gefunden, allerdings nur als harmlose fch liche Reime, da sie ja nicht fähig sind, sich in feblerfreien Büchten, die vor Luftzutritt gesichert sind, zu entwickeln. Auch nach wärmeliebenden Bakterien, die bei 55° Celsius am besten wachsen, wurde gesucht; man fand, daß sie zwar ganz besonders vorherrschen, aber ungeeignet sind, den Büchseninhalt zu verderben. Mikrofoften find felten. Nahezu 62% der fehlerfreien Büchsen sind nicht steril. Selbst Sterilität ist darum fein Unterscheidungsmerkmal für völlige Unversehrtheit des Inhalts, doch beeinträchtigen die diefem Sterilisieren entgangenen Batterien in feiner Weise das Material, weil sie unter den vorhandenen Verhältnissen unfähig sind, fich zu vermehren und Zersehung und Verderben hervorzurufen. Die Prostitution in Rußland. Die Moskauer Isweftija", das amtliche Organ der Sowjetregierung, teilte por kurzem mit, daß in einem Moskauer Stadtteil unter den Prostituierten eine Umfrage veranstaltet wurde, hauptsächlich über die Frage ihrer sozialen Herkunft. Diese Umfrage wurde von 623 Personen beantwortet, die sich ihrer Herkunft nach folgendermaßen verteilen: Arbeiterklasse( b. h. 60 Broz.), Adelsstand 32, Bürgertum 25, Angehörige freier Berufe 31.( Der Rest entfällt an= scheinend auf die Bauernschaft.) Diese Zahlen werfen ein grelles Licht auf die sozialen Verhält nisse in Rußland. Die russische Arbeiterklasse, die sich, nach Angabe leichtgläubiger Berichterstatter, angeblich auf dem richtigen Wege zum Sozialismus" befindet, liefert ebenso wie die Arbeiterklasse in allen kapitalistischen Ländern den größten Prozentsaz der Prostituierten. Und wenn der Niedergang von der Arbeiterin zur berufsmäßigen Prostituierten ein charakteristisches Zeichen des allgemeinen Zustandes des Proletariats ist, so sprechen die offiziellen Angaben des Sowjetorgans deutlich genug von der Not und dem Elend, die ungeachtet aller großfpurigen Versprechungen im russischen Proletariat herrschen. Die beträchtliche Anzahl von Prostituierten aus anderen GesellMar Hader, noch im geschwärzten, schmierigen Anzug, Kopf gesenkt. Herr mit schmalem Geficht und großer Brille, in dunklem Anzug friegen, bist sowieso nicht gefund. Der Doktor und wir meinen' s Expropriationen". Sehr charakteristisch ist auch die verhältnismäßig Um anderen Ende des Tisches hat ein hoch gewachsener, schlanker Blaz genommen: Außerordentliche Sigung des Betriebsrates. Der Borsigende spricht:... obwohl also nach der Arbeitsordnung die Firma zur fristlosen Entlassung berechtigt ist, stelle ich dennoch den Antrag, den Mann im Betrieb zu lassen. Er hat eine alte Mutter zu ernähren, hat vier Jahre zur Zufriedenheit geschafft, bort unten in dem entfeßlichen Raum, den die Arbeiter Hölle nennen. Warum er den Oberheizer niederschlagen wollte, konnten auch wir nicht herausbringen, da beide fchweigen. Wir vom Betriebsrat glauben- und er wendet sich um gegen die beiden Stehenden daß eine Weibergeschichte dahinterstedt. Herr Doftor, Sie wollen also bitte die Entlassung zurücknehmen. Bersetzen sie den Hacker in eine andere Abteilung, und der Betriebsrat garantiert, daß nichts mehr vorkommt." Der Herr gegenüber seht seine Brille ab und sieht in ein Attentüd. Er ist der Borstand der Wohlfahrtsabteilung der Kopos- Werke, Megte Instanz in Fragen von Einstellungen, Entlajfungen, Strafen, Zuden stößt den Körper, die Knie schlagen zitternd.„ Nein!" schreit ,, Mar, dent an deine alte Mutter! Wo willst du jetzt Arbeit gut mit dir. Mag der andere dir getan haben, was er will. Du mußt dich beherrschen." Immer noch steht Hacker in der Ede. Die Betriebsräte sind aufgesprungen, drängen auf ihn zu, reben auf ihn ein. Der Oberheizer überblickt mit spöttischer Miene die Bewegung. Da wendet sich Hacer langsam von der Wano ab. Kalfweiß ist die Haut zwischen den Rußfleden im Gesicht, der Kopf zwischen die Schultern gezogen, schlapp hängt die verbundene linke Hand herab. Er macht Schritte vorwärts, hebt die rechte Hand, erfaßt, die des Oberheizers, orückt sie, läßt sie los und geht langsam zur Türe. Alle sind aufgestanden und sehen ihm schweigend nach. Er aber schleppt sich durch Straken und über Höfe, den Kopf auf die Brust gesenkt Nun wird er sich waschen, umkleiden, wird nach Hause zur Mutter gehen, ein paar Tage bleiben, bis die Hand geheilt ist. Dann muß er wieber pünktlich hier fein, muß hinunter in die Hölle. schaftsklassen, im Vergleich mit der vorrevolutionären Zeit, erklärt sich aus der Verarmung der besitzenden Klassen in der Periode der große Zahl von Prostituierten, die aus den Kreisen der Angehörigen der freien Berufe stammen. Unter ihnen befinden sich auch eine Anzahl Lehrerinnen. In einem Lande mit zahlreichen Analphabeten, wo der Mangel an Lehrkräften eines der Haupthindernisse der Einführung des allgemeinen Schulunterrichtes ist, sind zahlreiche Lehrerinnen in Ermangelung von Arbeit und Beschäftigung gezwungen, auf die Straße zu gehen, um sich notdürftig ernähren zu fönnen. Der Termin ist längst vorüber, bis zu welchem die russischen Kommunisten die Aufhebung der Prostitution im kommunistischen Rußland" versprachen. Jetzt müssen sie selber feststellen, daß es ihnen nicht nur nicht gelungen ist, dieses furchtbare Uebel der fapitalistischen Welt zu beseitigen, sondern daß die Prostitution in Rußland, nach einer Reihe von Hungerjahren, einen ungeheuerlichen Umfang angenommen hat, ENVER BEY ENVER BEY GOLD58 Warum zögern Sie noch immer, in einem reellen Geschäft Kredit in Anspruch zu nehmen? Tausende und Abertausende, selbst die sog. besseren Kreise, sind heute nicht mehr in der Lage, gegen bar zu kaufen, und machen Gebrauch von unserer sozialen Einrichtung. 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