Nr. 152 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 78 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich B- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und geit" mit„ Gied. Lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonparsille. geile 70 Pfennig. Reklamezcile 4 Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 20 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedruckte Worte).. febes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengefuche das erste Bort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Bud). staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet, von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 31. März 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37536. Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Die Niederlage des Jarres- Blocks. Preußen und Präsidentenwahl. Der Rechtsblock verliert über eine halbe Million Stimmen! Die Wahlniederlage des Jarres- Blods hat auf die rechnerischen Fähigkeiten der Reichsblockpresse ungünstig eingewirkt. Ein Teil Der Rechtspresse behauptet, der Jarres- Blod habe höhere Stim menzahlen erzielt als bei der Dezemberwahl. Wir müssen diesen Zeitungen auch den legten Trost nehmen. Ihre Behauptung, die unter anderem von der„ Deuischen Tageszeitung" aufgestellt wird, beruht auf einer falschen Berechnung der Vergleichszahlen. Diese Zeitungen berechnen die Bergleichszahl nur aus Deutsch natio nalen, Deutscher Volkspartei und Wirtschafts: partei. Nun gehören zum Jarres- Block aber auch der Land= bund, diese Abzweigung der Deutschnationalen, und die Deutsch foziale Bartei, ebenfalls eine Stimmenfalle der Deutschnationalen für die kleinen Leute. Die hat man ganz verschämt beiseite gelassen nur der„ Lokal Anzeiger" rechnet sie ehrlich hinzu und erhält so die richtigen Vergleichszahlen. Die Wahrheit über die Niederíage des Jarres- Blocks ficht so kus: 7. Dezember Deutscnationale Deutsche Volkspartei Wirtschaftspartei Landbund Deutschsoziale Partei 6 205 331 3 048 138 1005 746 498 934 159 120 10 917 269 29. März 10 387 593 Der Jarres Blod hat also im Reiche gegenüber der Dezember mahl 530 000 Stimmen verloren. Die höheren Stimmenzahlen" find also ein falscher Trost! Es muß aber ein weiteres berücksichtigt werden! Auch die Bölkischen der Wulle- Graefe- Richtung haben sich offiziell für ten Jarres- Blod erklärt und für ihn geworben. Die Völkischen ins gesamt erhielten am 7. Dezember 908 087 Stimmen. Davon erhielt Ludendorff 284 471 Stimmen. Legt man einen fünfzigprozentigen Stimmenverlust der Völkischen zugrunde, so muß man trotzdem noch Jarres Block zurechnen. Dann ergibt sich ein Stimmenverlust des etwa 400 000 völkische Stimmen den Vergleichszahlen für den Jarres- Blocks von rund einer Million Stimmen im Reiche. Diese Richtigstellung der Vergleichszahlen gilt auch für die einzelnen Wahlkreise. Die Berechnung ergibt, daß mit Ausnahme des Wahlkreises Südhannover, wo die Welfen frog der für Held ausgegebenen Parole für Jarres gestimmt haben, der Jarres Blod in feinem Wahlfreise höhere Stimmenzahlen als am 7. Dezember erzielt hat. Die Rechenmethoden der Rechtspreise sind im übrigen sehr ehrend für den Landbund, die Deutschsozialen und die Bölkischen von der Couleur Graefe- Wulle. Sie dürfen für den Jarres- Blot werben und stimmen, aber bei der Berechnung der Bergleichsziffern fchämt man fich ihrer. Uber Niederlage bleibt Niederinge, trotz aller Rechentünste, und der Stimmenverlust des Jarres- Blocks läßt sich nun einmal nicht hinwegrechnen! Der Sieg der republikanischen Parteien. Die republikanischen Parteien der Weimarer Koalition haben am 29. März einen vollendeten Sieg über die Rechtsparteien davongetragen. Die folgende Aufstellung zeigt ihren 29. März 1925 7. Dezember 1924 4. Mai 1924 49,4 Proz. 45,9 Proz. 43,7 39,6 Proz Bormarsch: Republikanische Parteien ( Weimarer Koalition) Rechtsparteien. 43,5 Das zeigt deutlicher die politische Tendenz in Deutschland als der Inhalt sämtlicher Verlegenheitsartikel der Jarres- Bresse nach der Bahl. 9 9 45 Der Vormarsch der Sozialdemokratie in Groß- Berlin. Die Sozialdemokratische Partei hat in den drei Wahlkreifen Berlin, Potsdam I und Potsdam II am 29. März 945557 Stimmen erzielt. Seit der Wahl vom 4. Mai ist noch nicht ein Jahr verflossen. In diesem Jahr hat die Berliner Sozialdemokratie einen glänzenden Vormarsch vollzogen. Die folgende Zusammenstellung zeigt, wie es vorangeht. Die Sozialdemokratie erhielt in Groß- Berlin: 4. Mai 1924: 578 689 Stimmen 7. Dezember 1924: 887 060 945 557 29. März 1925: In einem knappen Jahr 366868 Stimmen gewonnen! Das ist das Ergebnis der Arbeit der Genossen in Groß- Berlin! Troß des Anfturms det Reaffion, trotz der niedrigen Hehe der fommunistischen Presse werden wir Berlin für die Sozialdemokratie zurüderobern! Reinigung vom Putschismus. Das Wahlergebnis nom 29. März zeigt, daß der Berfall der extremen putschiftischen Parteien, die sich gegen den Staat und jede Staatspolitit menden, meiter fortschreitet. Am 4. Mai 1924 erhielten Kommuniffen und Nationalfozia liften zusammen 5.600 000 Stimmen von insgesamt 29 400 000. Fast 20 Pro 3. der deutschen Wähler bekannten sich zum Butschismus. Am 29. März 1925 erhielten Kommunisten und National sozialisten zusammen 2 150 000 Stimmen von 26 900 000, das find 8. Pro3. der abgegebenen Stimmen. Das deutsche Bolt schiebt die putschistischen Parteien beiseite. Das Wahlergebnis. Das endgültige Wahlergebnis ist vom Reichswahl leiter noch nicht festgestellt und kann daher noch nicht veröffent licht werden. Die beim Reichswahlleiter eingegangenen Ergebnisse aus 200 Landorten des Wahlkreises Mecklenburg, die noch gefehlt hatten, erhöhen die Stimmenzahl für Otto Braun um 8500, die für Jarres um 13 000. Wesentliche Aenderungen an den Zahlen, die wir im Montagsabendblatt gebracht haben, sind nicht zu erwarten. Die Wahl in Württemberg. Stuttgart, 30. März.( Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der Wahlen in Württemberg entspricht dem allgemeinen Bild der Wahlen im Reich. Fast sämtliche Parteien haben Rüd schläge erlitten infolge der geringeren Wahlbeteiligung von faum 63 Broz. gegenüber 72 Broz. bei der letzten Reichstagswahl. Dabei ist festzustellen, daß die Sozialdemokratie verhältnismäßig ihre Stellung und damit die Gewinne von den Kommúnisten bei der letz: ten Reichstagswahl behauptet hat, da bei 84,5 Proz. der Wählerzahl vom 7. Dezember, die sich diesmal an der Wahl beteiligt hat, die Sozialdemokratie 85,5 Broz. ihrer Stimmenzahl vom 7. Dezember erhielt, der Jarres- Blod dagegen nur 84,1 Proz. Neben der geringeren Wahlbeteiligung, die in Württemberg vor allem auch auf das Zusammenfallen des Wahltages mit dem Konfirmationsfonn tag zurückzuführen ist, ist besonders charakteristisch der Zusammenbruch der extremistischen Flügelparteien. Die Kommunisten vertoren in Württemberg 41,7 Broz, ihrer Stimmen vom 7. Dezember, die Nationalsozialisten sogar 64 Broz. Die Gesundung der Arbeiter bewegung zeigt sich in dem Rückgang der Kommunisten ebenso wie die Gesundung der großen Masse des Bolfes in der entschiedenen Ablehnung Ludendorffs, der hier allgemein als politisch erledigt betrachtet wird. Auffallend ist der Erfolg Hellpachs, der in Stutt gart fast die gleiche Stimmenzahl erreicht hat wie Jarres und den Demokraten im Lande eine Stimmenzunahme von 60 Broz. in Demokraten im Lande eine Stimmenzunahme von 60 Broz. brachte. Dieser Erfolg dürfte in der Hauptfache auf die Agitation Stuttgart allein 55 Proz. gegenüber den Reichstagswahlen der in Württemberg die öffentliche Meinung beherrschenden großen demokratischen Preise zurückzuführen sein. Dagegen ist charafte ristisch, daß der Jarres Blod troz einer maßlosen, mit allen Mitteln der Demagogie geführten Propaganda prozentual mehr Stimmen verloren hat als Zentrum und Sozialdemokratie. Gegenüber dieser offenbaren Niederlage findet die Rechtspresse nur ein hilfloses Stammeln, indem sie in ihrer Berlegenheit fich auf eine Wiederholung der abgedroschenen Phrasen des Wahlkampjes beschränkt. Während die sozialdemo: fratische Presse in flarer Erkenntnis der gegebenen Notwendigkeiten die Bereinigung aller Kräfte der republifani schen Parteien für den zweiten Wahlgang verlangt, präsentiert die 3entrumspresse die bürgerliche Kandidatur Geßler und die demokratische Preise die Kandidatur Hellpach für die Sozialdemokratie, sondern die Deutsche Volkspartei einzubeziehen die verfassungstreuen" Parteien, wobei fie offensichtlich nicht etwa wünscht. Die Kommunisten, die ihrer Niederlage ebenjo hilflos gegenüberstehen wie die Rechte, suchen den Grund darin, daß die Gründe und Wirtungen ihrer Beteiligung an der Präsidentenwahl mur in eine beschränkte Zahl von Arbeiterföpfen eingedrungen find, ohne zu merken, wie sie fich damit angesichts ihrer maßlosen Hezze gegen die Sozialdemokratie und ihrer schamlosen Berunglimpfung Eberts felbft ohrfeigen. Wien begrüßt den Wahlausfall. Wien, 30. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Wiener Montagszeitungen heben in ihren Besprechungen der deutschen Wahl im allgemeinen den großen Vorsprung hervor, den die drei re= publikanischen Parteien gegenüber dem Rechtsblock haben. Die„ Neue Freie Presse" stellt fest, daß das demokratische Deutschland zufrieden sein kann, während die Rechte eine Enttäu= chung erlebe. Das Neue Wr. Tagebl." sieht in dem Wahlausgang eine allgemeine Entradifalisierung des politischen Lebens. Die christlichsoziale Reichspost" legt das Hauptgewicht auf die Niederlage der beiden extremen Parteien und verweist darauf, daß Ludendorff nicht einmal ein Sechzigstel der Stimmen erhalten hat. Auch die Kommunisten hätten mit ihrer Stimmenzahl nicht besser abgeschnitten. Der Abend", der am Sonnabend noch das starke Anwachsen der Kommunisten vorausgesagt hat, muß am Montag feststellen, daß die Sozialdemokraten bei den Wahlen am besten abgeschnitten haben. Ein finnisches Nachspiel zum Tod Eberts. Die in Wiborg ( Ditfinnland) ericheinende bürgerliche Zeitung Starjala" hatte zum Tod Eberts einen äußerst abivrechenden Artikel über den Berstorbenen veröffentlicht. Der finnländische Außenminister Brocopé hat nun dem deutschen Geschäftsträger in Finnland, Regationsrat Bölders, jein Bebauern hierüber ausgesprochen. Der Landtag vor der Auflösung. Heute soll programmgemäß der preußische Landtag zum vierten Male seit den Wahlen vom 7. Dezember 1924 zur Wahl eines Ministerpräsidenten schreiten. Otto Braun, der jahrelange, erfolgreiche Führer der preußischen Koalitionsregierung, unter dessen Leitung Preußen sich als zuverlässigſte Stütze des Reiches und als in sich gefestigter Staatsorganismus erwiesen hatte, fonnte zwar bei der Wahl zum Ministerpräsidenten eine Mehrheit auf sich vereinigen, aber bei dem innigen Bündnis zwischen Kommunisten und Deutschnationalen war es nicht möglich, eine absolut hieb- und stichfeste Majorität der Koalitionsparteien zu schaffen, nachdem die Volkspartei es offenbar für die Dauer vorgezogen hatte, gemeinsam mit den Deutschnationalen an Preußens Erneuerung" im monarchistischem Sinn zu arbeiten. Die Folgen dieses merkwürdigen Bündnisses zwischen Volkspartei und Deutschnationalen auf der einen Seite und Moskaujüngern auf der anderen sind bekannt. Otto Braun sah sich genötigt, seinen Rücktritt zu erklären, an seiner Stelle hat Herr Marr den Versuch erneuert, dem Lande Breußen eine arbeitsfähige Regierung zu geben, auch dieser Bersuch ist gescheitert, trotzdem bei seiner zweiten Wiederholung Mary sicher bis an die äußerste Grenze der Zugeständnisse gegangen war. -www " 1 Die Folgen dieser dauernden Krise in Preußen sind befannt. Daß sie äußerlich in unaufhörlichen entwürdigenden Radauszenen zum Ausdrud famen, fönnte vielleicht noch er tragen werden. Das Publikum ist gegen die Standalbedürfnisse der Pied Garde und der robusten Junker im Landtag im Laufe der Zeit unempfindlich geworden. Was einst Sensation war, ist schließlich alltäglich geworden und die von den Feinden der Republik als Auswirkung erhoffte Abneigung gegen die Republik hat sich vielmehr gegen die Urheber dieses Standales gewand. Schlimmer ist die dauernde Aktionsunfähigkeit der Regierung dieses größten deutschen Freistaates. Noch vor wenigen Tagen haben die Staatsmänner der Volkspartei es für richtig gehalten, im Ständigen Ausschuß die Annahme von finanziellen Neuregelungen zu verweigern, ohne die das finanzielle Gefüge des Staates fich nicht aufdieser zumindest rechterhalten ließe. Die Notwendigkeit eigenartigen Taktik ist von ihren volksparteilichen und deutschnationalen Urhebern damit begründet worden, daß die Weimarer Koalition angeblich ununterbrochen den Willen des Boltes vergewaltige und daß angesichts solch empörenden Unrechts die gerechten Berteidiger der Volksfreiheit und Demofratie im junferlich- schwerindustriellen- tommunistischen Genationalen Kreisen erhob sich die Forderung nach Aufwande zu den äußersten Mitteln greifen müßten. In deutschjung und ein solcher Antrag liegt dem Landtag bereits vor. Dazu kommt noch, daß die Kommunist en programmgemäß zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Neuwahl zu beschließen bereit sind. Sie hoffen offenbar um so eher von den lästigen Verpflichtungen von parlamentarischer Arbeit befreit zu werden. Denn bei dem Tempo der„ Entwicklung" in der KPD. wird Pied seine Garde merklich zusammenschmelzen sehen. Inzwischen fann nam mit einiger Genugtuung feststellen, daß eine kleine Probe aufs Erempel gemacht wurde. Man fann jetzt sehen, wer den Willen des Bolkes dauernd malträtiert. Der Preußische Landtag wird sicher, wenn er sich heute vorübergehen. Es zeigt sich nämlich folgendes: Die sämtlichen wieder versammelt, an dem Wahlergebnis des 29. März nicht preußischen Wahlkreise mit Einschluß von Weser- Ems, zu dem außerpreußische Gebietsteile gehören, und mit Ausschluß des Wahlkreises Thüringen, der preußische Gebietsteile umfaßt, zeigen folgenden Ergebnis: Sozialdemokraten Zentrum Demokraten Rechtsblod Bayerische Volkspartei Ludendorff Kommuniffen 4 5 063 000 3 074 000 918 000 9 055 000 6 644 000 112 000 146 000 6 896 000 1 200 000 Es zeigt sich also, daß eine Wahl zum Preußischen Landtag, wenn sie am 29. März erfolgt wäre, der Regierung Marg eine absolute zuverlässige und unerschütterliche Regierungsmajorität gegeben hätte. Auch die Regierung Otto Braun, die nach der erfolgten Dezemberneuwahl zurücktrat, weil sie angeblich nicht mehr dem Willen des Boltes entsprochen haben sollte, würde ebenso über eine Mehrheit verfügen. Es hat sich eben gezeigt, daß in Breußen offenbar die Liebesdienste der Kommunisten für die Reaktionären des Reichsblodes bei den Massen nicht genügend geschäßt wurden. Der Preußische Landtag wird infolgedessen, wenn er heute zum vierten Male die Wahl des Ministerpräsidenten vornimmt, zweifellos vor der Situation stehen, daß die von ihm bisher befolgte Tattif nicht mit dem Willen des Volkes in Uebereinstimmung zu bringen ist. Das Gegebene erscheint in einer solchen Lage die Auf- l ö s u n g. Sie ist, wie gesagt, nicht nur von den Kommunisten, die sie berufsmäßig fordern, sondern auch von den Deutsch- nationalen und Völkischen stürmisch verlangt worden. Die Völkischen, deren große und ausschlaggebende Bedeutung im Volke die Wahlen am verflossenen Sonntag so eindringlich demonstriert haben, pflegen ihre ganze lärmende Agitation mit verleumderischem Kampfgeschrei gegen das System Braun-Severing zu betreiben und den Deutsch- nationalen muß es der Neid lassen, daß sie mit ihrem giftigen Haß nicht hinter den Völkischen zurückbleiben. Nachdem so- lange die Auflösung des Landtages gefordert worden ist, wird man nicht annehmen können, daß die Deutschnationalen heute verbrennen, was sie gestern angebetet haben. Beispiele solcher Wandlungsfähigkeit, die an anderen Orten von deutsch- nationalen Fraktionen gegeben sind, werden sie uns sicher in Preußen ersparen. Auf der Regierungs- feite wird man außerdem auf die Dauer nach dem skandalösen Vorgehen der Rechten gegen Marx kaum mehr einen Mann finden, der Lust hat, dieses wenig erfreuliche Spiel weiter fortzusetzen. Der Appell an das Volk ist gefordert, so scheint es das beste zu sein, diesen Appell zu ermöglichen. Die Entscheidung darüber wird wahrscheinlich heute den Preußischen Landtag noch mehr beschäftigen müssen als die Neuwahl des Ministerpräsidenten. Natürlich bestünde die Möglichkeit, daß der Landtag klug genug wäre, sich der un- zweisehlaft veränderten Volksstimmung durch entsprechendes Verhalten anzupassen, aber solche Klugheit würde Opfer er- fordern, die wahrscheinlich den Beteiligten als unmöglich erscheinen. So wird man wohl mit süßsaurer Miene sich doch zur Auflösung entschließen. Dadurch würde in Preußen endlich wieder die Bahn frei. Unter dem Ministerium Otto Braun hat Preußen alle Krisen des Reiches ohne jede innere Erschütterung überstanden und eine, auch für den Gegner erstaunliche Lebenskraft er- wiesen. Es ist eine Schicksalsfrage nicht nur für Preußen, daß zu diesem System derStabilität baldmöglichst zurück- gekehrt wird. Solange die Parteien der Weimarer Koalition im Preußischen Landtag über eine absolute Majorität ver- fügten, haben die volkspartellichen Krisenmacher es vorgezogen, Preußen nicht der Gefahr deutschnational-monarchistijcher Unterhöhlung auszusetzen. Sie zogen das vor, weil sie mußten und weil sie wußten, daß esauchohnesie ging. Da diese Erkenntnis, daß es auch ohne sie geht, heute noch nicht in wünschenswertem Maße bei bestimmten Leuten vorhanden ist, so muß sie ihnen vom Volke beige- bracht werden. Es wird bereits die heutige Tagung des Landtages zeigen, welche Schlüsie die Mehrheit aus den Wahlen des 29. März zieht, so oder so, muß unter dem Druck dieser Ergebnisse Preußen endlich wieder zur Ruhe kommen. Lö st Euch auf.verehrteBundcsbrüderaus dem kommunistisch-monarchistischen Lager! DasBolk willEuchnicht! Nachfolger gesucht! ZsarreS erledigt.— Verwirrung im Lager der Loebelliten. Der Ausgang des ersten Wahltages hat die um den Reichsblock gruppierten Parteien und Organisationen in die peinlichste Verlegenheit gesetzt. In ihrer Presse spiegelt sich die ganze Zerfahrenheit dieses künstlich zusammen- gezimmerten Gebildes wider. Noch unter dem Nachgefühl der überstandenen Wahlstrapazen verkündete die„Deursche Zei- tung" in einer Sonderausgabe vom Montag früh, die Reaktion sei an den Gegner bereits„bis auf Sturmstellung" heran- gekommen: Vielleicht räumt der Gegner schon vorher die Stellung, vielleicht— es ist nicht ausgeschlossen— sind seine Truppen schon so zerfetzt, daß sie vor dem zweiten Gang die Waffen strecken müssen.... Sollte er aber versuchen, noch standzuhalten, Rudolf Steiner. Mit Dr. Rudolf Steiner, dem Anthroposophen, der gestern mistag in Dornach bei Basel st a r b, ist einer der merkwürdigsten Männer unserer Zeit dahingegangen. Merkwürdig wenigrr durch die Bedcu- Hing seiner Person und seiner Leistung als durch den Einfluß, den Person und Leistung auf einen großen Teil der Zeitgenossen aus- übten. Diesen Einfluß aber verdankte Steiner dem Zeitgeist, den er nicht geschaffen, sondern genützt hat. In den 1899er Jahren lernte ich Steiner kennen und wir haben damals viel miteinander verkehrt. Er war von Weimar, wo er für einen großen Verlag die naturwissenschaftlichen Schriften Goethes herausgegeben hatte, nach Berlin übersiedelt und hatte hier die Re- daktion des„Magazins für die Literatur" übernommen. Der Welt- anschauung nach war er chäckelianer, Materialist und Atheist, politisch nannte er sich Anarchist und wir Sozialdemokraten galten ihm als Bourgois. Was ihn übrigens nicht hinderte, im Rahmen sozial» demokratischer Bildungsorganisationen Vorträge über literarische Themen zu halten. In seiner Lebensführung war er durchaus Libertin, voller Lust am irdischen Dasein und recht hemmungslos im aus- giebigen Genuß dieses Daseins. Es liegt mir fern, mit den oft etwas bedenklichen Abenteuern, deren Held.Rudi Steiner" war, sein Mo- ralkonto zu belasten. So mancher Heilige hat durch die schmutzigsten Stationen des Erdenwegs hindurchpilgern müssen, ehe er zur Rein- heit gelangte. vteiners Wandlung erfolgte um die Wende des Jahrhunderts. Mit dem Studium des Parazelsus und der Schriften der„Christ- lichen Wissenschaft" begann sie. Der frühere Häckelianer wurde eine Art Gesundbeter und als solcher fand der Anarchist Eingang in höchste und allerhöchste Kreise. Die Ideen, die er in seinen nun in reicher Fülle erscheinenden Schriften niederlegte, waren nur zum ge- ringen Teil Steiners geistiges Eigentum. Den Mystikern des Mittel- alters sind die wichtigsten Gedankengänge entnommen und nur die Methode des systemalischen Aofbaus und einige Formen der prak- tischen Lehre sind Tieu. Aber gerade die Methode, die das dem Verstand Unsaßbare wissenschastlich zu fassen scheint, machte Eindruck auf die jährlich wachsende Schar der„mo- dernen" Leser, und in der Form der Lehre, in den prak- tischen Uebungen, denbn sich jeder Jünger relativ mühelos unterziehen kann, lag eine mächtige propagandistische Kraft. Man be- ginnt etwa damit, daß man sich in die Idee des Wachsens und des Vergehens einer Pflanze kontemplativ versenkt, und man steigt dann über ein« Stufenleiter seelischer Zimmergymnastiken immer höher und höher, bis schließlich die Fähigkeit der Erkenntnis überirdischer Welten erlangt ist. Nicht jeder erreicht dieses letzte Ziel, aber auch die niederen Etappen des Weges bringen dem Adepten mannigfache Befriedigung und Beglückung. Die Grundlagen seiner Lehren waren für Steiner zweifellos das Resultat aufrichtiger Ueberzeugung. In der Einzelausgestaltung und namentlich in der praktischen Propagierung des Systems lief indessen manches mit unter, was ihm nicht mit Unrecht den Vorwurf der Charlatanerie eingetrogen hat. Wenn er z. B. den Zustand unmittel- bar nach dem Tode, die allmähliche Befreiung der Seele vom Leibe in allen Einzelheiten, sogar nach irdischen Zeitmaßen befristet, dar- so wird sein Schicksal am 26. April besiegelt, die rote und rosarote Herrschast und ihre Gefolgschaft im Zentrumslager gebrochen sein. Das war im ersten Rausch der Begeisterung einer Wahlnacht. Aber vom Morgen bis zum Abend ist bekanntlich eine lange Frist und innerhalb weniger Stunden ist nicht nur beim Claß-Blatte, sondern in der ganzen Rechtspresse von Hugenberg bis Wangenheim Katzenjammer st immung l eingezogen. Rur die„Deutsche Tageszeitung" macht den un- möglichen Versuch, ihren— nach dem Zeugnis eines ihrer früheren Redakteure„gerstig schwerfälligen"— Lesern einzureden, der Kandidat des Loebell-Blocks sei der einzige, der Stimmen gewonnen habe. Dabei liegt der Rückgang der Stimmen jener Parteien, die offiziell zur Wahl von Jarres aufgefordert haben, so klar zutage, daß man gewagte arith- metische Kunststücke anwenden muß, um oas Gegentell herauszurechnen! Widerwillig müssen alle Betrachtungen über den Wahl- ausfall anerkennen, daß die Sozialdemokratie sich am besten geschlagen habe, daß ihre Reihen ge- festigt und die politische Entschlossenheit sozial- demokratischer Wähler geradezu bewundernswürdig sind, wenn man sie vergleicht mit der Zerfahrenheit, die im Lager der Rechtsparteien vorherrscht. Allerdings bemühen sich die im Dienste der Schwerindustrie und der Großagrarier stehenden Organe um den Nachweis, daß diese Geschlossenheit von beinahe 8 Millionen Wählern nur auf eine Partei- zwangsmaschine zurückzuführen sei, oder wie eines der Blätter sich ausdrückt, daß die Sozialdemokratie„nur auf den Knopf zu drücken" brauche, um eine ungefähre Behauptung ihrer Siimmziffer herbeizuführen! Kein blasser Schimmer eines Erkennens des großen Opfermute«, der leidenschaftlichen Hingabe von Hunderttausenden freiwilliger Werber und Wer- berinnen an einen großen Gedanken und ein großes Ziel leuchtet bei jenen Parteien auf, die ihre Werbearbeit aus dem von der Schwerindustrie hochgefüllten Berliner Säckel zu b e- zahlen pflegen. Wenn sich sozialdemokratische Arbeiter und Arbeiterinr.en, die von der Harrt» in den Mund zu leben ge- wöhnt sind, von ihrer kargen Zeit und ihren noch kargeren Einkünften das absparen, was für die Arbeit der Partei er- forderlich ist, dann ist das für die Vertreter des Besitzbürger- tums nicht anderes als Sklavenarbeit für unbekannte Kom- mandeure, die„nur auf den Knopf zu drücken" pflegen. Möglich, daß einige der Leser der reaktionären Presse wirklich an eine solche Vorstellung glauben. Das wäre aber nur ein Zeugnis für ihren Mangel an Intellekt, nicht für die Richtigkeit der aufgestellten Behauptung. Wichtiger noch als das Kopfzerbrechen über die Tr i e b- träfte der sozialdemokratischen Erfolge sind die verlegenen Versuche, der Sozialdemokratie ihr Verhak» ten für den zweiten Wahlgang vorzuschreiben. Darin stimmen sie alle überein— ob sie im Dienste Hugen- bergs oder des Landbündes, im Auftrage Stinnes' oder Strese- manns die Feder führen—. daß mit dem Eintritt einer repu- blikoniichen Sammelkandidatur für den zweiten Wahlgang alle Bllltenträume der reaktionären„Sammler" geknickt wer- den. So großartig auch ihr Eintreten für den„Überpartei- lichen" Loebell-Kandidaten sich ausnahm, so kläglich erscheint heute das Verhallen der Jarres-Presse angesichts der Möglich» kell, daß die republikanischen, auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehenden Parteien, sich auf einen gemein- samen Kandidaten einigen könnten. Mit einem Eifer, der einer besseren Sache wert wäre, stürzen sich die Blätter Hugenbergs und die Organe des Preußenbundes auf den Nachweis, daß die Sozialdemokratie gar nicht in der Lage fei, einer solchen Enheitskandidatur zu- zi stimmen. Während sie eben noch behaupteten, die sozial- demokratischen Wähler folgten jedem„Druck auf den Knopf", versichern sie im n ä ch st e n Memzuge, die Sozialdemo- kratie könne einen solchen Schritt zur Ein- heitskandidatur nicht ertragen und würde ihre Stimmen an die Kommunisten verlieren! stellt, so darf man dergleichen nicht ernst nehmen. Hinzu kam, daß die Berhimmelung, die Steiner durch seine Anhänger erfuhr, ihn immer weiter fortriß und schließlich in Regionen entführte, in denen sich mit rein gefühlsmäßigem Schauen nichts Solides mehr leisten läßt. Steiner wurde Politiker, Architekt. Plastiker, schließlich sogar Tanzkünstler— und dies alles lediglich aus der Fülle der Intuition, ohne irgendwelche gründliche theoretische oder technische Bildung. Wie der religiöse Glaube, so hat auch die Lehre Steiners viel- leicht manchem Zeitgenossen persönliches Glückeempfinden beschert. Irgendwelche Zkullurwerte hat sie zweifellos nicht geschaffen und wird sie auch in Zukunft nicht schaffen können. Da aber der Einfluß Steiners nicht auf seiner Person beruht«, sondern im wesenllichen das Echo des Zeitgeistes war, der einen großen Teil der heutigen Kulturmenschheit mit mystischen Anwandlungen heimsucht, so ist anzu- nehmen, daß seine Lehren den Tod des Meisters eine Weile über- dauern werden._ John Schikowski. Teutonische Nieüerlagenfeier! Am 2g. März 1925 in der wilhelmazelle. Stahltigerklub..Teutonenheil"/ Ehrenpräses: Isidor Kreil/ versammelt sich zu homeriger Stunde I Behufs einer reinrassigen Kümmelrunde. Trotz Schnapsertüchtigung mit Kranzgesängen/ Trotz Haken- geWimpel und Schlacht überü Rhein' Trotz deutscher Faust und sonstigen Belangen/ Ist die Stimmung mies— und der Maul- radius klein. Ein kahlköpfiger Mann von Kernformat/ Hält ein etwas weh- mutiges Referat:/ Ueber rote Schmach und Judenskandal/ Ueber Ritualmord und Präsidentenwahl/ Und Loki, den finsteren Sohn der Hölle/ Sowie über den Segen der Hochschutzzölle./ Und wenn der Biergeist von München besiegt. I Hinsichtlich der einlaufenden Wahlresultate,/ dann hätte Jehooah das eben gefügt. I Und er suche zwo Mann zum Dauerskate./ Hieraus erhob sich«in großer Tumult:/ Der Semitenches sei an allem schuld/ Und bei allem schuldigen Respekt/ Bor Wotan und seinen göttlichen Scharen—/ Aber man habe ihn sicher zu spät geweckt,/ und er habe die deutschen Belange zu wahren!/ Ein Herr mit bierbenctzter Disage/ Geriet in eine furchtbare Rage:/ Das Ganze sei eine Riesenblamage./ Es wäre. bei Zeus, zum Haarausraufen/ Und er würde sich den Berstand versaufen/ Bor abgrundtiefem Katzenjammer!/ Cr lese seit einem Jahrzehnt den„Hammer"./ Das Freiabonnement habe man ihm genommen,/ Und so etwas sei noch nicht vorgekommen! I Und Jarres, dieser gesprenkelte Knabe,/ Sei nichts wie ein unreiner jüdischer Rabe,/ Und Schuld habe in Weimar auch der Dintern,/ Der könne ihn auch, und so weiter am H....../ Hieraus erhob sich ein wildes Zischen,/ Die Metkrüge wackellen aus den Tischen,/ Die Kaiserbilder begannen zu zittern,, Und jemand oerlangt« nach einem Bittern. I In der Ecke ließ einer Wulle leben,/ Ein anderer schrie: Das war' es ja eben,/ Der Reinhold sei ein Lump und Der- rarer,/ Ein Judas— ein schmalbrüstiger Jarrcs-Anbeter,/ Und es Nun ist ja das liebenswürdige Interesse an dem Wohl- ergehen der Sozialdemokratie lobend anzuerkennen, aber bis- her sind die„Marxisten" noch immer am besten gcsahren, wenn sie die Entscheidung über ihre Haltung zu politischen Fragen selb st in die Hand genommen haben und sich von dem freundlichen Zureden der Schwerindustriellen und ihrer Be- auftragten nicht beeinflussen ließen. Die Sozialdemokratie wird also auch in diesem Falle über die Lage und über ihre Haltung im zweiten Wahlgang beraten und b e s ch l i c- ß e n, und dann werden ihre Wähler über die Gründe des Beschlusses in vollem Maße aufgeklärt werden. Wir bczwei- feln nicht, daß die sozialdemokratischen Wähler, die die stärk- st enStützenderRe publik sind, auch das Letzte daran setzen werden, um den Sieg Jarres' oder irgend eines an seine Stelle gesetzten Vertrauens- mannes der Reaktion zu verhindern. Oder irgendeines an seine Stelle gesetzten Vertrauens- mannes der Reaktwn! Denn noch steht keineswegs fest, daß Herr Jarres auch im zweiten Wahlgange der Sammelkandidat des Rechtsblocks bleiben wird. Mit allem Eifer fetzen sich nur die Berliner Blätter der V o l k s p a r t e i für ihn ein, nämlich die „Zeit" Stresemanns und das Organ des Evangelischen Bundes, die„Tägliche Rundschau", die bekanntlich von dem ehemaligen Hofprediger D ö h r i n g mit herausgegeben wird. Dagegen deutet bereits die„Deutsche Zeitung" an, daß in dem Reichsblock" arge Sprünge eingetreten sind. Sie wehrt sich gegen den Gedanken, daß gegenüber der Möglichkeit einer republikanischen Einheitskandidatur etwa nachgegeben werden könnte und versichett: „Es darf unbedingt keinerlei Entgegenkommen auf kosten völkl- scher und valcrländischer Empfindungen gezeigt werden. Nicht mir, daß damit olles, was bisher erreicht worden ist. in Nichts verschwin- det, würde ein Zugeständnis nur als Schwäche ged e»- tet werden und sich die Lage taktisch für den zweiten Wahlgang ins Ungünstig« verschieben." Dagegen erklärt die„Deutsche Allgemeine Zeitung", dos Blatt der Firma Stinnes. es als„in höchstem Grade wünschenswert, daß für die Entscheidung im zweiten Wahl- gang ein Bewerber aufgestellt wird, dem große Teile aller bürgerlichen Parteien folgen können". Eine Entscheidung über die Personenfrage sei noch nicht gefallen und sie müsse mit von der Stellungnahme der Bayerischen Volkspartei abhängig gemacht werden! Um eine solche Einigung auf möglichst breiter Grundlage zu sichern, nennt die„Deutsche Tageszeitung" alle, die sich aus Zorn über deutschnationale Doppelzüngigkeit der Stimme enthalten haben,„politische Idioten" und der Hugenberg-„Tag" beschimpft die Wähler des Zcn- t r u m s und der Bayerischen Volkspartei als„S ch ä f l e i n, die ohne Widerspruch in die Hürde gegangen sind. Diese Schäflein, die nichts von der Kraft des eigenen polittischcn Willens fühlen, werden auch das nächstemal in die Hürde laufen, auch in eine andere, wenn's anders befohlen wird." Wirklich eine reizende Einleitung der Dsrhandlungen über eine allbürgerliche Sammelkandidatur! Die volksparteilich: „Kölnische Zeitung" zeigt im Gegensatz dazu ein großes Interesse für die„Schäflein" der Zentrumspartei. Sie er- klärt, daß gegenüber einer Einigung der Weimarer Parteien für den Reicheblock wenig Auefichten für einen Erfolg im zweitSn Wahlgangs blieben. Daraus ergäbe sich für ihn die Notwendigkeit, sofort mit den anderen bürgerlichen Parteien, besonders mit dem Zentrum in Verbindung zu treten, um alle Möglichkesten einer bürgerlichen Sammelkandidatur auf breiter Grundlage durch- zusprechen, also Herrn Jarres abzusägen. Auch der„Ham- burgische Korrespondent", ein anderes Organ der Deutschen Volkspartei, spricht, nachdem er festgestellt hat, daß die Sozialdemokratie st ärkerolsjesei und die ganze Agitation mit dem Antimarxismus nichts. aveiter eingebracht habe als die Gefahr immer neuer Radikalisierung, die Hofs- nung aus, daß der Reichsblock nur unter der Vor- sei wirklich sein größter Schmerz./ Und er habe bei Gast ein weiches Herz. I Aber kam' er ihm jetzt in die Finger.../ Er sei ein geübter SchwergewichtsriNger...!/.Dies wiederum weckte großes Hallo/ Man zitierte den ganzen Zoo./ Schon hatten die Recken sich wacker gekost. I Auf einmal rief einer stürmisch: Prost!/ Da begann man mit Andacht weiter zu saufen/ Und mit dem roten Dolchstoß zu raufen. I So absolviert zu homeriger Stund«/ Stahltigerklub seine Kümmelrund«. K. A. R a m s e s. Gertrud Eysoldt trägt vor. Die Frau, die uns Gestallen von Strindberg und Wedekind vermittelte, spricht mit Inbrunst und geistvollem Können Verse von Whitman, chinesische Kampjlicder, den Lysistrataprolog von Hosfmannsthal. Sie spricht gut, doch die Gebärden, jede Bewegung fast, erinnern peinlich an die Beschrän- kung, die durch das grelle Licht des Vortragspodiums, das gewöhn- liche Kleid, das Fehlen der Mitglieder bedingt ist. Wir ahnen die Meisterin der Bühne, und unwillkürlich müssen wir fragen, warum wir Gestrud Eysoldt nicht mehr dort sehen, wo sie ihre Kunst voll auewirken kann? Sollte auch hierfür der Grund in den bekannten Mißständen der heutigen Theaterwirtschaft liegen?— Der Vortrag fand zum wohllätigen Zweck für„Das Tor der Hoffnung"(Hedwig- Wangel-Haus für weibliche Strafentlassene) statt. Ueber diese Ein- richtung, deren Leiter(ältere Domen des Theaters voll gestern) schon harmlose unbekannt« Vortragsbesucher mit Mißtrauen und einem Redeschwall empfangen, ausführlicher zu berichten, oerbietet die Höflichkeit. Denn wir könnten nur Zweifel an solchen„Besserungs- anstalten" aussprechen, die nicht den Fehler des ganzen Systems sehen wollen.' Gewr. Ein Gedenkalbum für Branting. Die Stockholmer Berlage Albert Bonnier und Tiden haben gemeinsam ein wohlfeiles Gedenk- album für Branting herausgegeben, das 150 verschiedene Photo- graphien aus Brantings Leben enthält. Genosse Gerhard Magnusson gibt in einer Einleitung Erinnerungen aus Brantings täglichem Leben wieder und liefert damit eine schöne Ergänzung zu der ansehn- lichen Bilderreih«. Nach den Bildern aus dem Elternheim folgen die aus den Studentenjahren, von seinen Auslandsreisen, von der bald selbst igriindcten Familie. Aber gleichzeitig zeigen andere bereits seine Verbindung mit der aufstrebenden Arbeiterbewegung, bis sie schließlich den Parteiführer und Bolksmann, den Ministerpräsidenten und Vertreter beim Völkerbund wiedergeben. Besonders interessant ist die Reproduktion einer Tagebuchseite des Achtjährigen und sine Ueberstcht über feine Bücher, deren religiöser Arueil seinen frühen Sinn für Ernst und Gründlichkeit weilen. Bei dem geringen An- schofsungspreis(2,25 Kronen � 2,50 M) und dem reichen Bild- Material dürfte das Gedenkbuch auch jür deutsche Arbeiterbibliotheken Interesse haben. Theater am S»rstirstenbamm. Rudolf Stessens»vricht Gonntao. den 5. April, Mittag« 12 Uhr. jüngite ameiikonilck!. indianische Neger, und t>az-» dichtungen. Sinfonische Mitwirkung der Original- Jazzband Eric Borchqrd.. vie(Brahe Dolksop« ipiclt im Theater de« Westen« bis 3!. Juli 1925, Die Borslellungen beginnen am 1. April mit Zar und Zimmermann. Vrof. Zoses partsch, Ordinarius für bürgerliches, römisches, ausländische« und FriedenSocitragS- Recht sowie iür RechlSocrgleichnng an der Berliner llniversilät. ist im Alter von 12 Jabrcn geswrbeir. Er war erst vor drei Jahren, al» Rachsolger Stammler« nach Berlin gekommen. Aussetzung an Jarres festhalten werde, daß eine g e- samtbürgerlicheEinheitskandidaiur wiederum scheitern sollte. Das heißt doch nichts anderes, als daß Iarres wieder indie Ecke gestellt werden soll, wie er das schon einmal während der Verhandlungen über Geßler erlebt hat. Es ist gegenüber diesen volksparteilichen Bemühungen um die Stimmen der Zentrumswähler beachtenswert, was das Hauptorgan der Zentrumspartei über den Wahl- ausgang zu sagen hat. Die„Germania" sieht es als einen Ausdruck des"deutschen Gesundungsprozesses on, daß die verfassungstreuen Parteien der Mitte zu- iammen erheblich mehr Stimmen aufgebracht haben, als die im„Reichsblock" vereinigten offenen und ver st eckten Verfassungsgegner. Aber wichtiger als rückschauende Betrachtungen erscheint ihr die Frage, was nun geschehen soll. Und da kommt sie zu folgendem Ergebnis: Der 29. März hat gezeigt, daß die Mehrheit des deutschen Volkes Herrn Iarres nicht zu seinem ersten Vertreter haben will, ver 26. April muß die Möglichkeit schassen, diesen Willen in die Tat umzusehen. Gestern sind die Parteien der verfassungstreuen Mitte gesondert vorgegangen. Im zweiten Wahlgang müssen sie vereint schlagen. Es gilt, unverzüglich einen ge- mcinsamen Kandidaten der verfassungstreuen Mittelparteien aufzu- stellen, um so dem deutschen Volke Gelegenheit zu geben, seine gestern bekundete Willensmeinung praktisch wirksam werden zu lassen. Der Rechts Partei kandidotur Iarres muß im zweiten Wahlgang ein verfassungstreuer Volkskandidat gegenüber- gestellt werden. Wenn die„Germania" die Meinung des Zentrums richtig ausdrückt, so besteht allerdings für den Locbell-Block wenig Hoffnung, bei neuen Anbiederungsversuchen grö- siere Erfolge zu haben, als bei den Bemühungen um die Geßler- Kandidatur. Da der„Reichsblock" angeblich heute zusammen- treten will, um über die Kandidatenfrage zu entscheiden, so wird er sich b eilen müssen, um beim Zentrum noch einige Liebe zu erwecken. Daß die Partei des Herrn Marx, die in Preußen und nicht nur in Preußen von den Beauftragten der Larres-Parteien fast noch schlimmer behandelt wird, als die Sozialdemokratie, dem Liebcswerben großes Entgegenkommen beweisen würde, kann man nicht ohne weiteres voraussetzen. Aber wir sind der gleichen Meinung wie die„Germania, und hoben dieser Meiming schon mehrfach Ausdruck gegeben, daß es notwendig ist, für den zweiten Wahlgang alsbald einen E i n he i t s k a n d id a te n aller aufrichtigen Re- publikaner aufzustellen. Ueber das Schicksal des Rechts- blocks und seiner Ansprüche an das öffentliche Leben sind wir in diesem Fall so wenig im Zweifel wie das volksparteiliche Organ von Köln! Das /luslanösecho. Frankreich. Part». Zd. März lEiyener Drahtbericht.) In der Linken, wo man di« der Wahl vom 7. Dezember gefolgt« innerpolitische Ent- Wicklung in Deutschland stets nur als eine Episode von vorüber» gehendtr Dauer angesehen hat, wird der starke Erfolg der republiko- nisch-demokratischen Parteien bei der Präsidentenwahl mit auf» richtiger Genugtuung begrüßt. Man sieht. darin einen neuen Beweis, daß die Republik in Deulschland sich zu verankern beginnt und das deuifchs Voll in seiner Mehrheit die Politik der Reaktion und nationalistischer Abenteuer ablehnt, vielmehr gemeiniom mit den Demokralen der anderen Länder an der Sicherung und Festigung des Friedens zusammenarbeiten will. Wenn auch die Wahl infolge des getrennten Marschierens der einzelnen Parteien ein endgültiges Ergebnis noch nicht gehabt hat, so ist man hier doch fest davon überzeugt, daß die drei republikanischen Parteien im höheren Jnter- esse der Republik und des Friedens alle Rivalitäten begraben und durch Einigung auf einen gemeinsamen KaNdi- daten diesem den endgültigen Sieg über den Strohmann der Reaktion und des Chauvinismus sichern werden. Besonders überrascht hat hier die cnißerordentlich hohe Zahl der Stimmen für Genosien Braun. Teilweise hat dieser wider Erwarten stark« Erfolg hier sogar zu der Befürchtung Anlaß gegeben, daß er es brr sozialdemokratischen Partei außerordentlich erschweren werde, ihren Kandidaten zugunsten eine» Bürgerlichen zurückzuziehen. Allerdings sind selch« Stimmen durchaus vereinzelt. In den führenden Kreisen de? Linken und vor ollem in der sozialistischen Partei ist man der festen Ueberzeugung, daß die Sozialdemokratisch« Partei Deutschlands im Bewußtsein dessen, was nicht nur für Deutschland. sondern auch für die Sache der internationalen Ber- st ä n d i g u n g auf dem Spiel« steht, vor dem Opfer nicht zurück- schrecken wird, das ihr die politisch« Lag« abnötigt, sondern daß es der sozialdemokratischen Wählerschaft weder an politischer Einsicht. noch an Disziplin fehlen wird, wenn es gilt, der Sache der Demokratie durch einen solchen Verzicht zum Siege zu verHelsen. In diesem Sinne äußern sich auch di« Pariser Abendblätter. So schreibt der.Lntransinent": Wenn auch die Weimarer Koalision noch nichl endgültig triumphiert hat, so wird sie es am 26. April sicherlich tun, wenn die drei republikanischen Parteien einig sind. „Pari» Soir" geht in seinen Erwartungen noch weiter, indem er sagt, daß, wenn es am 2K. April gelänge, einen gemeinsamen Kandi- daten der Linken durchzubringen, die Stellung der Reichsregierung samt Stresemann ernstlich erschüttert sein würde. Poris. 30. März.(MTB). Zum Ergebnis der Wahl des Reichs- Präsidenten schreibt„Petit Journal", wenn die endgültigen Er- aebnisse die bestätigen, die bis jetzt bekannt seien, dann gebe es in Deutschland einen sehr beachtlichen Teil der Bevölkerung, der der nationalistischen Propaganda widerstand leiste, der der Abenteuer müde sei. und der allmählich wieder zu vernüustigeren Ansichten zurückkehre. Dies würde ein« ermutigende Feststellung für alle Frie- dencfreunde in Deutschland und im Ausland sein und werde vielleicht nicht ohne Einfluß auf die Erörterung der allgemeinen Politik Deutschlands in de» nächsten Monaten bleiben.—„Ouotidien" schreibt, die nationalistische französische Presse müsse Trauer an- legen. Ihre Hoffnung, den Kandidaten der militärischen und monarchistischen Reaktion in Deutschland gewählt zu sehen, scheine schon jetzt zunichte geworden zu sein. Alles lasse darauf schließen, daß die deutsche Sozialdemokratie trotz ihres großen Erfolges nicht zögern werde, ihre Kandidatur Braun im zweiten Wahlgang zurückzuziehen, um den Sieg der Reaktion zu ver- hindern Sie werde für die Republik dieses Opfer bringen, da sie sicher sei, den Dorteil hiervon in der Zukunft zu ernten. TU liefen folgend« Pcrri'er Pressestimmen: Di« Mittag- blöter betonen daß di« Linksparteien durch einen Kam- promißkand'i daten m der Lag« seien, einen end- gültigen Sieg davon zu traaen.„Information" schreibt: Sicher hat Iarres eine imponierende Anzahl Stimmen erreicht, und er bleibt für den zweiten Wahlgang ein ernsthafter Gegner. Aber Iarres. selbst wenn man die von tudendorss. de« Besiegten der gestrigen Abstimmung und von Held erzielten Stimmen zuzählt, wird er nicht mehr als ungefähr dreizehn Millionen Stimmen auf sich vereinigen, gegenüber sechzehn Millionen, die die drei Linkskandidaten zusammen mit den Kommunisten erreicht haben. Wenn die Weimarer Parteien Disziplin zu halten und ihre Wahlkampagne richtig zu führen verstehen, ist ihr Erfolg sicher. Im„Paris Midi" heißt es: Den Triumph des gestrigen Tages scheint die sozio- listische Partei davongetragen zu haben. Brauns Stimmenzahl macht begreiflich, daß die sozialistische Partei nicht von vornherein| einem Kompromiß zustimmen wollte. Sie konnte auf die Weise ihr« I Macht zeigen, und sie wird bei der Ausstellung des Kompromiß- kandidoten eine entscheidende Rolle zu spielen haben. Sicher ist. daß bei dem Zusammenschluß der drei Linksparteien diese den Sieg davontragen müssen. Allerdings können noch Rivalitäten zwischen den Personen und Parteien eintreten, aus denen Iarres möglicherweise Nutzen ziehen wird. Im ollgemeinen enthält sich die Presse einer Kombination über den neuen Kandidaten. Der Berliner Korrespondent des „Matin" bezeichnet Dr. W i r i h als den ausstchtsvollsten Einheit»- kandidaten der Linksparteien. Italien. Rom, 30 März.(Eigener DrahtberichU Das Ergebnis der deutschen Präsidentenwahl wird von der Presse als eine Nieder- läge der Rechten aufgefaßt, da sie nur Aussicht auf einen Ueberraschung sersolg beim ersten Wahlgang gehabt hatte. Di« Niederlage sei um so empfindlicher, als die Stinnes-Presse und die übrigen Organe der Schwerindustrie und der Großagrarier alle Mittel anwandten, um den Sieg zu'erringen. Stark vermerkt wird der Erfolg der Sozialisten. Die„Tribuna" schreibt, aus dem Experiment der ersten Wahl gehe hervor, daß die Repu- blikaner, besonders die Sozialisten, die gegenüber dem Dezember 30 Proz. gewannen, am stärksten seien, und die große Mehrheit in Deutschland für die Republik sei. Der Besiepte sei Ludendorff, der lächerlich ge- worden sei. Auch di« Niederlage der Kommunisten wird überall hervorgehoben.„Mondo" schreibt:„Iarres ist geschlagen. Braun i st ein Politiker von hohem Wert, der den Bs- weis seiner Fähigkeiten als preußischer Ministerpräsident geliefert hat."„Doce Republicana" betont, daß die Kräfte der Linken über- wiegen.„Giornole d'Italia" erklärt, Iarres werde bei dem nächsten Wahlgang trotz der geringeren Wahlbeteiligung nur wenig mehr Stimmen als jetzt aufbringen. Belgiea. Brüssel, 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Di« Press« betrachtet da? Wahlergebnis als den Zusammenbruch der nationalistischen Hoffnungen. Die Tatsache, daß Iarres trotz der vereinigten Anstrengungen der Schwerindustrie und der Großgrundbesitzer nicht mehr Stimmen gewann, wird als ein Zeichen dafür betrachtet, daß die nakionalistlsch-kapilalistische Reaktion in Deutschland au der Grenze ihrer Werbekrast angelangt ist. Der„Peuple"(Soz.) sagt, die deutsche Sozialdemokratie könne den Ausgang der Wohl als großen Erfolg buchen, da ihre Wähler- zahl trotz skrupelloser Verleumdungshetze prozentual zugenommen lmt. Die Sozialdemokratie bleibe das Rückgrat der Deutschen Republik. Als beachtenswerteste» Ergebnis be- trachtet der„Veuple" den Zusammenbruch der K o m m u n i st e n, der zu der Hoffnung berechtige, daß zahlreiche kommunistische Wähler im zweiten Wahlgang für den republikanischen Ein- hei tsta ndid aten' stimmen werden. Ein republikanischer Sieg im zweiten Wahlgang sei gewiß, sofern di« republikanischen Parteien sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. HoNand. Amsterdam. 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Ausfall der Präsidentenwahl hat hier einen günstigen Eindruck hervor- gerufen. Die Blälter stellen fest, daß die Stimmen für Marx, Braun und Hellpach zusammen die für Iarre« erheblich überbieten und daß im zweiten Wahlgang eine starke Mehrheit für einen Republikaner erlangt werden kann, wenn die Einsicht bei den republikanischen Partelen siegt. Der„Neue Rotterdomsche Couraut" schreibt: Die Deutsch« Republik hat emen Sieg errungen, den sie auch im zweiten Wahlgang vor- aussichtlich an ihr« Fahnen heften kann.. In dem Crgebrns des ersten Wahlganges liegt ein bemerkenswerter Fort- schritt. Mit der republikanischen Staatsfarm haben sich schon setzt selbst grpße Teile der Rechts Wähler abgefunden. Der Rechtsblock hat sich bei seiner Wahlpropaganda nicht getraut. ein monarchistisches Programm auszustellen. Darin liegt der Fort- schrut. Immer deutlicher wird, daß die Schwerindustrie keine Lust verspürt, den ungeheuren Einfluß, den sie aus di« Politik gewonnen hat. mit einer Dynastie zu teilen. Sie repuhlitanisiert sich und baut die Rechtsparteien zu einer republikanischen Rechten aus."— Die niederländische Presse hosst, daß sich im zweiten Wahl- gang die Republikauer auf Dr. Marx, der im Ausland« Ansehen und" Vertrauen genießt, einigen werden. Einige Blätter wünschen. daß als Sommelkandidat der den Sozialdemokraten mehr zusagend« Dr. W i r t h aufgestellt werde. Großes Aufsehen erregt die stark« Wahlniederloge der Kommunisten, deren negative Politik ihr wohlverdientes Schicksal gefunden habe. Der Durchfall Luden- d o r f f s, dcsse nabsolute strategische Unfähigkeit nicht besser als durch seine kindische politische Strategie gekennzeichnet werden könne, ruft überall große Schadenfreude hervor. parte! Großmaul. 40 Grad Fieber. „Es gibt kommunistisch« Zeitungen, di« stets und grundsätzlich nur die stärksten, eindringlichsten Worte, die ihnen überhaupt zur Verfügung stehen, gebrauchen, Organe, von denen man den Eindruck hat, daß sie st eis bei 40 Grad Fieber geschrieben wer- den. Dies wirkt auf die Massen abstoßend und nicht agitierend, ganz abgesehen davon, daß sich«in solches Organ der Möglichkeit beraubt, in bestimmten Situationen einer Steigerung der Sprache fähig zu sein." Karl Boß.„Jnprekorr.", 12. März 1925. Die geballte Faust. „Ihälmann, das heißt: die geballte Faust des Proleta- riats ins Gesicht dtm Dolksbetrüger und Slrbcitermörder geschlagen. Thälmann, das heißt: ein gewaltiger Ruf der Solidarität mit den proletarischen Gefangenen. Und Thälmann, das heißt: der revolutionäre Wille, das. ganze Braun-Luther-Dawes- System zu zerschlagen. Je stärker ober die rote Front unter der Führung des Transportarbeiters Ernst Thälmann aufmarschiert, desto wuchtiger wird der Kapitalistenklass« die Millionenkraft des deutschen ProKtariats gezeigt, desto drohender wird di« geballt« Arbeiterfaust den Klassenfeinden de» Proletariats erscheinen, desto gewaltiger wird der proletarisch« Druck sein, der sich gegen di« Klassenherrschaft richtet." .Llassenkomps", Halle, 28. März 1925. Sie marschiert! „Alarm! Die rot« Front marschiert. Frontkämpfer! Jung- stürm! Gebt nicht nach! Millionen gilt es zu sammeln! Parole: Ernst Thälmann!" .„Hamburger Dolkszeitung", 28. März 1925. Der einzige Hort. „Jeder klassenbewußt«, jeder aufgeklärte Prolet, jeder, der sich ausgebeutet und ausgepowert fühlt, stimmt für den roten Arbeiter- kandidaten Thälmann. Die KPD. ist die einzig« Arbeiterpartei, der einzige Hort des deutschen Proletariats, di« einzige Ga» r a n t i e des Sieges über den Geldsock und sein Beschützer. Jede Arbeiter-, Angestellten-, Beamten-, Kleinbauernstimme dem roten Arbeiterkandidaten!"„Der Kämpfer", Chemnitz, 28. März 1925. DaS Anrecht verwirkt. „Wer heut« der Wahl fernbleibt, bekennt sich zur Bourgeoisie und hat das Anrecht verwirkt auf die Befreiung de« Proletariats. Kein Proletarier wird, kein Proletarier kann dos wünschen. Deshalb zur Wahl, zur Kampfansage! Alle Stimmen der Werktätigen für Ernst Thälmann." „Ruhr-Echo", Esten, 29. März 1925. ER selbst spricht. „Ihr selbst müßt kämpfen zusammen mit den Kommunisten! Die heutig« Demonstration durch die Wahlen ist nur ein kleiner Ansang. Aber Millionen Stimmen für den Kommunis- mus sind ein mächtig drohendes Wort an eure Peiniger und Unter. drücken Sagt erst das Wort und laßt bald die Tat folgen!" Ernst Thälmann,„Rote Fahne", 29. März 1925. Das heistschlagende Herz, die eiserne rote Faust. „Thälmann ist das für die Befreiung der Arfxiterklaste heiß» s chlagend« Herz der revolutionären Borhut des deutschen Pro- letariats. Thälmann ist di« eiserne rot« Faust, die die Feinde der Arbeiterklasse zerschmettern wird. Rote Frontkämpfer vor die Front!" Aus einem Aufrufe des„Roten Fronttämpferbundes". Zoe von der KP! Selbst in Moskau. ZNoskau. 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Bei den Moskauer Gemeinderatswahlen sind ein Drittel der Gewähsten Parteilose. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Parteilosen nicht im Kamps gegen die Kommunisten, sondern aus Grund eines Uebereinkommens mit den Kommunisten gewählt wurden. Dieses Uebereinlommen entspricht der Konzesston, die der neue Kurs der Cowjetregierung der Stimmung der Bevölkerung machen muhte. Stresemann erläutert sein Angebot. Befriedigung iu Paris. Was sagen dazu die Deutsch- nationale»? Pari». 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Die französisch« Rc- gierung ist augenblicklich mit dem Entwurf ihrer Antwort aus die deutschen Garantievorschläge vom Februar beschäftigt. Nachdeai H e r r i o t am Sonnabend über die Ausfassung der Regierung länger« Erklärungen im Auswärtigen Ausschuß des Senats abgegeben hatte,. unterhielt er sich am Montag mit führenden Mitgliedern des zu- ständigen Kammerausschustes, darunter den Abgeordneten Paul B o n c o u r und 2 o u ch e u r. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren. ist man an zuständiger Stelle in Paris sehr befriedigt von den Ausklärungen, die Herr Stresemann über die deutschen Vorschläge dem französischen Botschafter in Berlin dieser Tage in einer Unterredung gegeben hat. Herr Stresemann soll darin die durch den deutschen' Botschafter in London dem englischen Auswärtigen Amt gegebene Dersicherung wiederholt haben, daß die deutsche Regierung bereit sei,. in dem in Aussicht genommenen Garantievcrtrag die Verpflichtung zur Abrüstung der neutralen Zone(linkes Rheinuser ein- schließlich eines 50 Kilometer breiten Streifens aus dem rechten Fluß- ufer) gemäß Artikel 42/43 des Friedensvertrages ausdrücklich' anzuerkennen und zu bestätigen. Die sronzösische Regierung wird, wie wir hören, diesen Erklärungen Rechnung tragen und dem Wunsch nach Fortführung der Berhondlungen auf dieser Grundlag« entsprechen. Sie wird serner diejenigen Punkt» auszahlen, in denen di« französisch« Regierung genauere Darlegungen wünscht. Die französische Antwort wird vvr chrer Absendung den alliierten Kobi- netten mitgeleilt werden. Diese werden gleichzeitig, jedoch in be- sonderen Nsien, auf die deutschen Borschläg« antworten. Staatsanwalt Kußmann. Hat daS Justizmiuistcrium nichts zu erklären? In Nr. 72 des„Borwörts" haben wir uns mit der eigen- artigen Roll« beschäftigt, die der Herr Assessor Kuß- mann bei der Suche nach Material gegen linksstehende Poll- tiker spielt, und mit den Reisen, die' dieser Herr auf Kosten der Sleuerzahler unternimmt. Weiteres Material zur Be- leuchtung der eigenartigen Tätigkeit dieses famosen Staats- anmalts der Republik entnehmen wir den Ausführungen, die Genosse Dr. Siegfried Weinberg im Preußischen Staats- rat gelegentlich der Beratung des Iustizetats gemacht hat und die unwidersprochen geblieben sind. Dieser führte dort laut stenographischem Protokoll der Verhandlungen des Staats- rats vom 20. Februar d. I. u. n. folgendes aus: „Um darzutun, welche Mißgriffe man sich im Justizministerium bei der Auswohl der Staatsanwaltschastsbeamten zuschulden kommen läßt, will ich nur einen Beamten erwähnen, auf den auch die ver- Haftung im Falle Werthauer zurückzuführen ist. Dieser Beamte, von dem bekannt ist, daß er in enger Beziehung zur Rechtspresse steht, ein Assesior mit dem schönen Namen Kuh- mann, ist Ristglied des Stahlhelms, des lverwolss und der Deutschvölkifchen Partei. Er ist für wichtig genug erachtet worden für ein gutbezahltes Kommissorium und macht nun, ausgerüstet mit 420 Polizeibeamten als Streifmannschaft und 7 Kriminalkommissaren, ganz Preußen unsicher, um Per- Haftungen vorzunehmen. Dieser Assessor K u ß m a n n ist derselbe Herr, der bereits in den Fällen M o r o i l i u s und R a h a r d t durch eine sensationelle Pressercklamc von sich reden gemacht hat. Wir glauben, daß dieser Herr und der ihm als Adlatus beigeord- nete Kriminalkommissar Hermann, der auch b e s o n- ders enge Beziehungen zur Presse unterhält, für diese Posten nicht geeignet sind, und wir möchten dem Justizministerium düngend empfehlen, das Kommissorium dieses Herrn zu beendigen, damit wir nicht weiter erleben müssen, daß eine bestimmte Rich- tung der Press« in einseitiger antirepublikanischer Weise orientiert wird. Ich möchte darauf hinweisen, daß gerade die Rechtsanwalt- schoft Vorkehrungen getroffen hat, nach denen den Anwälten ver- boten wird, die Presse in unzulässiger Weise zu informieren, und daß überhaupt nur ausnahmsweise ein Bertehr mit ihr für zu- lässig erachtet wird. Im Gegensatz hierzu ist es bei der Siaatsun- waltschasl üblich, in allen den Fällen, die sich um die Namen Bar- mat usw. kristallisieren, und in denen ein« bestimmte Richtung glaubt, gewissen linksstehenden Politikern etwas auswischen zu können, die Presse in sensationeller weise mit Berichten zu versehen. während von Berichten über die Strafverfahren, in denen der Schwiegersohn des Herrn Reichsministers des Innern Schiel« oder der berüchtigte„A d e l s k o n z e r n" eine Rolle spielen, in der Presse so gut wie nichts zu lesen ist. offenbar deshalb, weil die Beamten der Staatsanwaltschaft in diesen Fällen«ine Beeinflussung der Presse unterlassen, während sie, wenn sie glauben, linksstehenden Persönlichkeiten etwas auswischen zu können, ihre tendenziös ge- färbten Berichte der Presse zukommen lassen. Wir glauben deshalb, dem Justizministerium empfehlen zu sollen, aus diese Ausschreitungen innerhalb der Staatsanwaltschast mehr Augenmerk wie bisher zu richten und diese wildgewordenen Siaatsanwälle endlich einmal etwas zurückzupfeifen." Wir können uns dem Verlangen nach schleuniger Beendi- gung dieses eigenartigen Kommissoriums nur auf das ein- dringlichste anschließen. Hat das Justizministerium zu den kostspieligen und ungewöhnlichen Reisen des Herrn K u ß m a n n durch Europa immer noch nichts zu er klären? Gewerkschaftsbewegung Ferien für Jugendliche! Von der Jugendzentrale der Gewerkschaftskommission wird uns geschrieben: 97 Der im Ausschuß der Deutschen Jugendverbände einstimmig gefaßten Entschließung( siehe darüber Nr. 94 des Vorwärts" vom 15. Februar 1925) hätten wir eine noch größere Resonanz in der Deffentlichkeit gewünscht. Die Gründe für die Gewährung vou Ferien sind wiederholt eingehend hier aufgezählt worden. Ferien für Jugendliche sind Erhaltung von Boltsgut, für das ein zusehen sich jeder verpflichtet fühlen muß. Unbeschadet des Vorschlages für gesetzliche Regelung müßten schon heute alle Gründe für die Urlaubsgemährung von allen Kreisen anerkannt werden und Dieser Anerkennung hat von den beteiligten Kreisen die soziale Tat zu folgen. Daher ist die Jugendzentrale der Gewerkschaftsfommission erneut an die Handwerkskammer herangetreten, damit sie den ihr ange= schlossenen Innungen die Gewährung von Ferien zur Bflicht macht. Ferien liegen doch schlechthin im Interesse des Handwerks felbst, denn nach der Ausspannung wird der erholte Störper und der mit Gemütsmerten bereicherte Mensch mit größerer Schaffenskraft und intensiverer Lernfreude an den Arbeitsplatz zu= rüdkehren. Es ist bedauerlich, daß sich die Handwerkskammer nicht in eine Diskussion über diese Frage eingelassen hat. Solche in aller Eindringlichkeit aufgeführten Argumente förperlicher, seelischer und nafiswirtschaftlicher Art, fönnen nicht mit der weltfremden Be merfung abgetan werden, daß eine allgemeine Regelung nicht möglich ist, weil die Verhältnisse zu verschieden liegen, und einen 3mangsurlaub anzusagen ist das Handwert in seiner Mehrheit schon aus erzieherischen Gründen nicht gewillt". Auch bei objektinster Würdigung aller Berhältnisse im Handmerk vermag man nicht einzusehen, welche erzieherischen Gründe" Dagegen sein können. Die Handwerkskammer sollte sich hier nom Hauptausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege belehren Lassen, in dessen Streis sich sicher auch viele befinden, die der Handincristammer politisch nahestehen. Auf Anregung der Jugendzentrale der Gewerkschaftskommission und der Jugendabteilung des Zentralverbandes der Angestellten hat fich die letzte Vorstandssigung des Hauptausschusses mit der Ferienfrage beschäftigt. Der eingehenden Begründung des Vertreters der Freien Gewerkschafts- Jugend, Genossen Heßler, folgte eine Disfusfion, in der die Bertreter aller Richtungen sich einmütig zu den Darlegungen des Gewerkschaftsvertreters befannien. Es war erfreulich, daß ein Vertreter der fonfessionellen( ev.) Jugend auf einen leife. antiingenden Vorwand eines Diskussionsredners äußerte, daß mit der Gewährung von Ferien fein 3wang für das Berleben derselben verbunden sein dürfte. Das verlange man nicht von der studierenden Jugend und könne es daher nicht von der ermerbstätigen Jugend verlangen. Hier müsse man Ber: trauen haben; wenn in wenigen Fällen ein oder andermal noch Mängel zu verzeichnen sind, so liegt das an der sozialen Ungerechtig: feit, die bisher geherrscht hat." Dabei wurden die Leistungen der Jugendverbände, vor allem der proletarischen Jugend anerkannt und auf die Heime und die Arbeit verwiesen, die sie für die Freizeit der Jugend geleistet haben. Der Hauptausschuß faßte eine Entschließung, die vollinhaltlich die Forderungen des Ausschusses Deutscher Jugendverbände über nimmt und in der es weiter heißt: Der Hauptausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege empfiehlt, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß der Jugend mährend ihrer Utlaubszeit Gelegenheit gegeben wird, fich törperlich, geistig und seelisch zu erholen; sei es in Einrichtungen, zum Beispiel Jugendheimen usw. und durch Beranstaltungen( Wanderungen u. a.), die von Verbänden, Städten oder Selbstverwaltungskörpern schon getroffen sind, oder von diesen, vom Reich oder von den Ländern noch zu treffen sind." Deutschland im Internationalen Arbeitsamt. Genf, 30. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts wird am 2. April in Genf zu einer furzen Tagung zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht n. a. die Aufnahme Meritos, das nicht Völlerbundsmitglied ist, in die Organisation des Arbeitsamts. Außerdem sollen die rückständigen deutschen Beiträge geprüft werden, deren Zahlung Deutschland von der Erhöhung der Zahl der deutschen Mitglieder des Arbeitsamts und von der Zulassung des Deutschen als Deutschland wird während der Amtssprache abhängig macht. Tagung durch den Genossen Reipart vertreten sein. Zur Aussperrung in der Gummikonfektion. Die Aussperrung in der Gummimäntelfonfettion, über die wir in der Sonnabendausgabe des Bormärts" bereits berichteten, stellt sich als eine Maßnahme dar, die in der Arbeiterbewegung Berlins einzig dasteht. Es ist wohl schon vorgefommen, daß sich Unternehmer gegen Verbindlichkeitserklärungen von Schiedssprüchen gesträubt haben, daß aber aus diesem Grunde Aussperrungen vorge nommen werden, ist den Gummimäntelfabrikanten vorbehalten geblieben. Einige Spigenverdiener, die in der Deffentlichkeit vorgeführt werden, tommen für die Durchschnittsverdienste der Branche nicht in Frage. Es sind auch in dieser Branche Verdienste zu verzeichnen, die durchaus nicht über dem allgemeinen Lohnniveau liegen, besonders weil es sich um eine Saisonarbeit handelt. Bei den Lohnverhandlungen schoben die Unternehmer die Notwendigkeit in den Vordergrund, den Weltmarkt wieder erobern zu können. Wenn es ihnen aber in den Kram paßt und sei es selbst im Kampf gegen verbindliche Schiedssprüche, legen sie die Produktion still, ohne Rücksicht auf den Weltmarft. Gestern vormittag waren die Ausgesperrten in den Residenzsälen außerordentlich zahlreich versammelt, um einen Bericht vom Befleibungsarbeiter- Berband zu hören. Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß die Unternehmer mit ihren Maßnahmen den Branche: angehörigen die Augen darüber geöffnet haben. Die Arbeiter und Arbeiterinnen werden jedenfalls nicht früher die Arbeit mieder aufnehmen, bis die Unternehmer den verbindlich erklärten Schiedsspruch anerkannt haben. Einigung in der Kaffeler Metallindustrie. H Stassel, 30. März.( WTB.) Nach dem Scheitern der offiziellen Schlichtungsverhandlungen in der Metallindustrie sind auf Grund einer Vereinbarung mit dem Bizepräsidenten der Kasseler Regierung unter Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Dr. Pape Frankfurt c. M., Bertreter beider Parteien erneut zu Besprechungen über die Beilegung des Konflikts zusammengetreten, die zu einer Einigung geführt haben. Nachdem die beiderseitigen Vollversammlungen sich heute für die Annahme der getroffenen Bereinbarung ausgesprochen haben, wird gemäß der getroffenen Verabredung die Arbeit am fommenden Mittwoch wieder aufgenommen werden. Achtung, Bauarbeiter! Die auf den Baustellen der Firma Philipp Holzmann. Hennigsdorf, Wattstraße, beschäftigten Steinträger find wegen Lohndifferenzen zur stellung geschritten. Wir ersuchen unsere Kollegen, dort Arbeit nicht anzunehmen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Verband der Atfordsteinträger Berlins. Landarbeiterstreik in Polen. Warschau, 30. März.( DE.) Heufe begann der vom Hauptvorstand des Berufsverbandes der Landarbeiter Polens angeordnete Generalftreik der Landarbeiter in Posen und Pommetellen, ferner ein Streit der ländlichen Tagelöhner in den. Wojewodschaften Warschau, Lodz, Kielce, Cublin und Bialystof. Der Streif wird von der polnischen Sozialistischen Partei unterstützt. Betriebsrätewahl im Ruhrbergbau. d Bochum, 30. März.( Eigener Drahtbericht.) Bis Montagabend lagen Ergebnisse von 207 Schachtanlagen über die Betriebsrätewahl im Ruhrbergbau vor. Es erhielten: Freie Gewerkschaften 104 653 Stimmen= 895 Mandate, Christliche Gewerkschaften 60 665 Stimmen: 459 Mandate, Gewerkverein Hirsch Dunder 2 Mandate, 3 966 Stimmen 11 Mandate, Polen 1165 Stimmen Union 72397 Stimmen- 538 Mandate, Syndikalisten 7284 Stimmen= 60 Mandate, Gelbe 1242 Stimmen- 6 Mandate, sonstige 3386 Stim men= 14 Mandate. Es stehen noch die Ergebnisse von einigen Zechen im Redlinghauser Bezirk aus. Verhandlung im dänischen Arbeitskonflikt. Kopenhagen, 30. März( Eigener Drahtbericht) In dem dänischen Arbeitskonflikt ist es durch gegenseitige Bugeständnisse gelungen, die schon im Gange befindliche Ausbreitung auf 150 000 Mann zu verhindern. Doch bleibt noch immer die Aussperrung gegen über dem Verbande der ungelernten Arbeiter, 60 000 Mann um fassend, bestehen. Das staatliche Schiedsgericht versucht durch stärksten Drud den Arbeitsfrieden wieder aufzurichten. Streik im Oftrauer Bergwerksgebiet. Mährisch- Ostrau, 30. März.( BTB.) Der vom Gewerkschaftsverband für das Ostrau Karminer Revier proflamierte Streif hat begonnen. Von der gesamten Arbeiterschaft der Metall- und der chemischen Industrie streifen ungefähr 15 Proz. In der Bergwerks. gemischen Industrie streiken ungefähr 15 Proz. In der Bergwerksindustrie streifen zurzeit 72 Broz. Gewerkschaft beutscher Bollslehrer, Provinzialverband Berlin. Seute abend 47 Uhr im Raum 8 des Köllnischen Gymnasiums, hochparterre rechts das 2. Simmer, Inselstr. 2-5, Bollversammlung, zu der die Berliner Mitglieder reffios erscheinen müssen. Die Versammlung ist gleichzeitig zahlabend. Tages. ordnung: 1. Möglichkeit der Organisierung der Junglehrerschaft." Referent Landessekretär Dr. Eismann. 2. Beratung über den Programm- und Sazungs. entwurf( Boltslehrer" Nr. 9 und 10 mitbringen). 3. Antrag zum Berbands. tag. 4. Verschiedenes. Antung, Stein- und Ralfträger des Bangemertsbundes! Am Mittwoch, den 1. April, gleich nach Feierabend, findet im Lokal von Kraag, Berlin GO., Adalbertstr. 21, cine sehr wichtige Bersammlung aller Stein- und Raffträger ftatt. Tagesordnung: Bericht von den Berhandlungen über den Abschluß eines Affordtarifvertrages. Wir erfuchen alle Maurer und Bauarbeiter, die Stein und Ralfträger, soweit diefelben im Baugemerfsbund organisiert sind, auf die Versammlung hinzuweisen. Der Borstand. Rentralverband der Fleischer ud Berufsgenossen Deutschlands, Ortsverwal tung Groß- Berlin. Zadenfleischergesellen und Berläuferinnen: Mittwoch, den 1. April, abends 8 Uhr, Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11. Spandan: Freitag, den 3. April, abends 8 Uhr, Morigitr. 16, bei Blum. Wurst und Ronfernenfabriken: Dienstag, den 7. April, abends 7 Uhr, in Boeters Fest Engros- Schlächter, Säute., Darmarbeiter, Treiber und fälen, Weberstr. 17. Kutscher: Dienstag, den 7. April, abends 7 Uhr, Vichhofsbörse, Eldenaer Straße Stabt- Darmbetriebe: Freitag, den 17. April, abends 7 Uhr, Ref heng- eftiäle, Landsberger Straße. Gesamt- Funktionärversammlung: Donnerstag, den 16. April, abends 7 Uhr, Residenz- Festfäle, Landsberger Straße. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin EB 68 Lindenstraße 3 Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Sophien- Säle Sophienstraße 17-18 Norden 12643 Säle frei! Norden 9296* A.Wertheim Großer Verkauf Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Weißes Porzellan tief und flach... oval Speiseteller Bratenplatten 32P 38PI. 40Pf. 140 Pr Dessertteller... 22P. Beilageschalen.35 Kompotteller... 10pt Bratenplatten... 50PL Kaffeekannen 70 f: 105 Terrinen...... 275 325 Tassen......... 18Pr Deckelschüsseln. 175 Teekannen 80pt. bis 125 Saucieren....... 135 Zuckerdosen.... 10PT. Salatschüsseln 95 Milchtöpfe 10PI. bis 35PI. V. an Extra- Preise Dienstag bis Sonnabend O Steingut- Tafelservice 23 Teile.675 Buntes Porzellan durch- 30Pl. Schalen durch brochen 30Pf. b. 110 Tellerdurchbroch. 38 u. 65P. Obstteller Goldrand 50P. 5 Tele Dejeuners mit Goldrand 175 Vorratstonnen Mesten mit kleinen 68PL m. Deckel, mit klein. Fehlern 32pt Kaffeekannen.. 75Pf. Küchengarnituren Teekannen 80Pf. bis 125 Fehlern 22 teilig 625 telli 975 Porzellan- Tassen dekoriert 38 Pf. weiß mit Goldrand 25 Pf. dekoriert 45 Pf. Mokka- Tassen mit Kantendekor.... 22 Pf. B Porzellan- Kaffeeservice mit 9teilig 650 16 teilig 12M 30 teilig 21 M Streublumen Porzellan ,, Streublumen" Tassen 45P 85Pf. 120 Kaffeekannen 125 b.275 Zuckerdosen Teekannen 150 2M 250 Milchtöpfe 35 pt. bis 110 Pf. Kuchenteller..... 125 75 PL. 95 P. 1M Brotkörbe..... 215 Waschgarnitur 5 Teile 515 !! Waschgarnitur 585 Steingut 5 Teile von Deckelschüsseln. 115 Bratenplatten 70 Salatschüsseln v.30pm Milchtöpfe Saucieren...... 80Pf. init Schrift.... an 40Pf. bis 105 Speiseteller weiß 15P. farbig 18P 25P 32P Glaswaren Größen Geschliffene Garnitur Likörgläser.... 35PL. Sektglas. Sektglas...... 85PI. Portweingläser. 50P. Römer. Bierbecher verschied. 10Pf. glatt, Valeska, 4/20, 5/20 20P, gl., Hansa extr. schw., 3/20 24Pf. guillochiert, Plora.... 20P. Likörbecher 12P. Rotweinkelche 30Pf. Sektkelche geschn. 68P. Schüsseln Set 5 Stück 145 Rotweingläser..75P Bierbecher..... 65P. Wasserbecher..12 PL 85P. .75P. Bowlengläser.. 80Pf. riert Butterglocken Porzellan- Teller dekoriert 32 Pf. 25 Pf. Tafelservice dekoriert 23 Teile 25M 45 Teile 4750 77 Teile 85M Porzellan- Tafelservice mit Streublumen 23teilig 35 M 45teilig 60M 77teilig 95M Porzellan ,, Streublumen" Teller fief und flach.. 85pf. Saucièren... 315 glatt 95 Pl. geschliffen 315 Dessertteller... 50P. Kompottschüsseln Kompotteller... 35pf. cm 27 cm Preßglasservice Globus" Schalen.. 25P. bis 175 25Pf. bis 175 Teller.. 25P. 145 Jardinieren... 225 Butterdosen..... 110 Käseglocken.... 175 Teebecher...... 18P Vase web 110 farbig 250 145 265 Terrinen......... 975 Beilageschalen... 1M Ragoutschüsseln 495 Bratenplatten 335b. 8M Fehlern Bleikristall, geschliffen mit kleinen Likörgläser..... 225 Bowlengläser.... 395 Portweingläser.. 275 Sektgläser...... 425 Rotweingläser3Mb 350 Römer. Rheinweingläser 325 Bierbecher.... 275 425 Nr. 152 42. Jahrgang Die Fürsorgerin. 1. Beilage des Vorwärts Es soll offen zugegeben werden, daß in den ersten Jahren der Geltung des preußischen Fürsorgeerziehungsgefeßes Mißgriffe vor gekommen sind. Das ist für den, der die Verhältnisse genauer tennt, nicht verwunderlich. Es handelte sich um Probleme schmierigster Art, 3. B. um die Erziehung Jugendlicher im Alter von vierzehn bis achtzehn Jahren, von denen viele geistig abnorm waren. Es fehlte an geschulten Erziehern und an geeigneten Einrichtungen. Man war auf die Erziehung schulpflichtiger Kinder eingestellt, aber nicht auf die Schulentlaffener. Erst allmählich wurde man Herr der Lage und der Schwierigkeiten. Psychiater beobachteten die Jugendlichen und gaben gute Ratschläge für ihre Behandlung und Erziehung, die Erzieher besuchten Kurse, legten Prüfungen ab und lernten, sich auf das neue Arbeitsgebiet einzustellen. Die Berufsberatung wurde in Anspruch genommen, die berufliche Ausbildung gefördert. Die Gitter vor den Fenstern fielen, Blumenschmud und Borhänge traten an ihre Stelle, Bilder bedeckten die oft fahlen Bände. Die Selbft betätigung erhielt freien Raum, Sport und Spiele hielten Einzug. Aus den Anstalten wurden Heime, nicht dem Namen, sondern der inneren Ausgestaltung nach. Schuld an der Abneigung gegen die Fürsorgeerziehung trägt nicht zuleht auch leider die dem Deutschen eigene Berallgemeinerung einzelner Fälle. Da stellt das Gericht in der Strafverhandlung feft, daß der Täter ein Fürsorgezögling" ist oder war, genau so, wie es in einem anderen Falle etwa die uneheliche Geburt des An. geflagten feftftellt. Der junge Mann ist vielleicht Arbeiter, vielleicht auch Schlosser oder Schmied, in dem Bericht aber heißt es:„ Die Straftaten des Fürsorgezöglings X." Das Wort erhält eine Unter. bedeutung, die ihm nicht zufommt. Man glaubt nicht mehr an die Möglichkeit einer Befferung, man hört und liest ja das Wort nur in Berbindung mit Straftaten und Gerichtsverhandlungen. anderen, die tatsächlich Gebefferten, der bürgerlichen Gesellschaft, dem Leben zurückgegeben und es sind ihrer nicht wenige, es sind bis zu 65 Broz. gehen still ihres Weges. Sie vermeiden es ängst lich, an die Irrungen in der Jugendzeit irgendwie zu erinnern, fie wollen mit den anderen, den endgültig Gescheiterten nicht in einem 3uge genannt werden, sie wollen nicht unter dem Banne leiden, den Herzlosigkeit und unverstand auf fie legen wollen. Die Was ist denn nun Fürsorgeerziehung? Es ist nichts weiter als eine Jugendhilfe im Rahmen des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt, ble denjenigen Minderjährigen helfen soll, die von ihren Eltern die entsprechende Erziehung nicht erhalten, um sie zu förperlich, feelisch und gesellschaftlich tüchtigen Menschen heranzubilden. Es handelt sich um junge Menschenfinder, die faft durchweg feine oder nur geringe Schuld daran tragen, daß fie in Gefahr stehen, zu verwahriofen, oder daß fie Spuren der Ber mahrlofung an fich tragen. Sie sind teils Opfer ihrer eigenartigen Beranlagung und ihrer Abstammung, teils Opfer ihrer Umwelt, Opfer der allgemeinen gesellschaftlichen Zustände und der Wohnungs not. Die Gesamtheit trägt wesentliche Schuld an ihrem Werdegang. Ber ohne Schuld ist, der hebe ben ersten Stein auf.... Es würde zu weit führen, alles aufzuführen, was erstrebt wird und erreicht ist in den Anstalten, die zu Heimen mit gemütlicher, familienartiger Ausstattung eingerichtet sind, in denen individuelle und soziale Erziehung getrieben, in benen in freiheitlicher, auf Ber trauen gegründeter Art die förperliche, feelische und sittliche Er neuerung aufgebaut wird, in denen die wertvollen Ergebnisse der Sugen bemegung ihre Berwirklichung erfahren und in denen auf berufliche Ausbildung größter Wert gelegt wird. Gewiß ist noch manches zu beffern. Sicher find die Einrichtungen nicht in allen aftalten gleich gut. Aber man ist auf gutem Wege, überwindet Mangel und Fehler, wo sie hervortreten und bemüht fich auch in den Anstalten für schulentlaffene junge Madben neue Beae zu gehen. Alle Anstalten find auch bereit, Intereffierten einen Blick in ihre Arbeit zu gewähren, in erster Linie den Eltern, die, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, Zutritt zu den Heimen erhalten. Sie dürfen an den Besuchstagen thre Kinder sprechen, und fie nehmen an den eften, die in den Heimen gefeiert werden, teil. Erzieher und Heim. leiter werden persönliche Aussprachen mit den Eltern stets gern gewähren. Eines der größten Hemmnisse des Fortschrittes ist jedoch die Serabjegung, die der zur Fürsorgeerziehung überwiesene Minder. jährige in der Oeffentlichkeit erfährt. Man rebe und schreibe nicht immer von Fürsorgezöglingen", womit man fie 311 Menschen zweiter Klaffe stempelt. Nichts ist schlimmer für einen Jugendlichen als dies Gefühl des Ausgestoßenseins, der minderen 10] for Anthony John. Roman von Jerome K. Jerome. Herr Letteridge errötete; unbewußt wandten fich feine Augen einer fleinen Photographie auf dem Kaminsims zu. Sie stellte ein hübsches puppengesichtiges Mädchen dar, die Tochter eines der Gymnasialprofefforen. Du hast auch feine Freunde, nicht wahr?" forschte Anthonn weiter. Herr Tetteridge schüttelte den Kopf. Ich glaube nein." Rönntest du nicht eine Schule eröffnen?" fragte Anthony. Eine Schule für Kleine Knaben und Mädchen, deren Mütter fie ungern in die Gemeindeschule gehen lassen und die für die Fräulein Warmington nicht vornehm genug find? Es ziehen immer mehr Leute in dieses Biertel. Und du verstehst dich so gut aufs Unterrichten. Herr Letteridge blieb plößlich stehen und streckte Anthony die Hand hin. Anthony holte die seine unter sich hervor, und fie schüttelten einander ble Hände. Dante," sprach Herr Tetteridge. Das wäre mir nie eingefallen. Ich würde noch nicht darüber sprechen," riet Anthony. ..Sonst tönnte jemand den Gebanten verwerten, ehe du so weit feift." " Es heißt, bift" nicht seift"," torrigierte Herr Tetteridge. Wir werden morgen die verschiedenen Redeformen burchnehmen, fie find ganz einfach." Abermals streckte er Anthony die Hand hin: Es ist lieb von dir," sagte er. ,, Es würde mir leid tun, wenn du von Millsborough fort gingft," erflärte Anthony. Die Beriode des Wohlstandes, die auf den Besuch des Manderpeters gefolgt war, währte nur zwei Jahre. Sie endete mit dem Tod des Vaters. Während er an der neuen Erfindung arbeitete, ereignete fich das Unglüd. Er befand fich nach dem Abendessen allein in der Wertstatt. Als er eine schwere Eisenbarre hochzog, riß das Seil, die Barre fiel auf ihn und zerschmetterte seinen Schädel. Er lebte noch zwei Tage, war faft die ganze Zeit bewußtios. Wenige Stunden vor seinem Tode bemerkte Anthony, den die Mutter zu ihm geschickt hatte, daß der Baler die Augen öffnete. Der Mann gebot mit einer Gebärde, der Knabe möge die Tür schließen. Anthony gehorchte und trat ans Bett. Es ist nichts da, Söhnchen, flüsterte der Bater. Ich war ein Narr. Alles, was ich verdiente oder borgen fonnte, stedte ich in die Er findung. Bäre ich am Leben geblieben und hätte ich sie beBewertung, teine größere Lieblosigkeit, als sie wie Barias anzufehen und zu behandeln. Nur dann fann man diesen, unseren Rin dern helfen, wenn man ihr Ehrgefühl hebt und sie fühlen und erleben läßt, daß man sich ihnen gleich stellt, wenn man ihnen auch natürlich überlegen sein muß an inneren Werten. Die Allgemeinheit hat einen großen Teil Schuld daran, wenn sie nicht wieder hochkommen, sondern Matel und Bann mit sich herumtragen. Die erhöhte Aprilmiete. Das tädtische Zentralamt für das Wohnungs. wesen fellt mit: „ Die gesetzliche Miete in Preußen ist für den Monat April auf 76 Pro 3 der reinen Friedensmiete festgefeht worden. Dementsprechend ändert sich auch die für Berlin maßgebende Bekanntmachung des Magistrats über die Mietzinsbildung. Hat der Mieter die fogenannten Schönheitsreparaturen innerhalb feiner Wohnung übernommen, so beträgt die gefeßliche Miete 72 Pro3. Die Bekanntmachung des Magiftrats wird in der kommenden Sonnabend erscheinenden Ausgabe des Gemeindeblaffes veröffentlicht." Wir hatten bereits gelegentlich der Bekanntmachung des Wohl. fahrtsministeriums die neue Berfügung fritisch beleuchtet und werden darauf noch einmal ausführlich zurückommen. Das städtische Zentralamt für Wohnungswesen erinnert die Inhaber von Wohnungsausweisfarten daran, daß die Ausweistarten ungültig werden, wenn sie nicht spätestens_am 31. März dem Wohnungsamt, von dem sie ausgestellt worden sind, zur Berlängerung der Gültigkeit vorgelegt werden. Zwischen Lipp' und Kelches Rand... Bochenlang, monatelang war er herumgelaufen, ohne Arbeit zu finden. Durch nichts hatte er es sich verdrießen lassen, wieder und immer wieder auf dem Arbeitsnachweis nachzufragen. Und nun endlich sollte dieses ewige Elend ein Ende haben, er sollte Arbeit befommen, follte wieder regelmäßigen Lohn erhalten, wieder ein gereiht werden in die große Armee der Arbeitenden und Brodus zierenden. Das war ganz gewiß für diesen Menschen ein Ereignis, das wert war, fich darüber zu freuen und in der ihm möglichen be scheidenen Weise zu feiern. So ging er, ein Unbekannter, unter den ftellte dort ein Glas Bier und erzählte in freudiger Erregung, daß er hunderttausenden, in eine Schantwirtschaft in der Hübnerstraße, be. endlich bei einem Großschlächter eine Stellung als Rutscher bekommen habe und am Montag feine Stelle antreten follte. Der Birt reichte ihm das gewünschte Labfal, aber ehe der Durftige das Glas ergreifen tonnte, fant er fautfos zu Boden. Man bemühte sich um ihn, es war vergebens. Der Unbekannte war tot. War es die große Freude? War es eine Folge der Entbehrung? Wer will das sagen. Niemand fennt ihn. Der Polizeibericht weist aus, daß er in der Wäsche ein Beichen F. B. trägt. Wer ist er? Bielleicht wartet eine Frau mit ihrem Kind auf ihn, vielleicht eine alte Mutter. Bielleicht war er auch ein Einfamer. Großstadtlos. Berbefferungen der neuen Autobusfe. Bei den 200 neuen im Bau begriffenen Kraftomnibussen werden pon der Berliner Omnibus- Gesellschaft die Er. fahrungen verwertet werden, die man bei dem Betriebe einiger neuen Brobemagen bisher gemacht hat. Dabei werden fich in erster Linie Wenderungen in den Maßen ergeben, die zunächst unter Bugrundelegung amerikanischer und englischer Berhältnisse ins Auge gefaßt wurden. Nach diesen Aenderungen dürfte auch die Enge der Sigpläge wegfallen, bie fich bisher in ben Brobemagen bemerkbar macht. Bon der geplanten Anordnung der Querfige auf dem Wagenbed ist Abftand genommen worden. Diese Anordnung macht zwar den Berkehr an Ded gefahrlos und bequem, schafft auch die Möglichkeit, die Zahl der Bläge zu erhöhen, ist aber ein Hindernis für einen niedrigen Wagenaufbau. Die Querfige zwingen nämlich bazu, das Wagendach durchweg auf einer Höhe zu halten, die bei den Längsbänken nur über dem inneren Gange zu fein braucht. Die Frage, ob es fich empfiehlt, dem Oberbed einen Schutz gegen die Witterungsunbilden zu geben, ist noch nicht geflärt. Bei allen im Bau begriffenen Wagen werden aber die Berbeffe rungen bezüglich der Tieferlegung des Wagenbodens und des Schwerpunktes, der Federung, die Stöße und Erschütte rungen vermindert, Anwendung finden. Ebenso werden alle Wagen mit feitlichem 3ugang verfehen; auch ist in Aussicht geenden tönnen, so wäre alles gut gewefen. Deine Mutter weiß es noch nicht. Du mußt es ihr sagen, wenn ich nicht mehr bin. Mir fehlt dazu der Mut." Anthony versprach es. Der Bater schien noch etwas fagen zu wollen. Er ftarrte das Kind an, ein törichtes Lächeln um den schwachen Mund. Anthony saß wartend auf dem Bettrand. Der Bater legte die Hand auf die Hüfte des Knaben. Ich möchte dir etwas sagen," flüsterte er. Du weißt schon, was ich meine: etwas, an das du dich erinnern fönntest, das dir eine Hilfe wäre. Ich wollte es immer tun. Wenn du an mich Fragen stelltest, war ich barsch zu dir, weil ich sie nicht beantworten fonnte. Nachts pflegte ich mach zu liegen und die Antwort zu suchen. Dann aber dachte ich, wenn ich stürbe, würde vielleicht etwas geschehen, ich würde eine Vision schauen oder so etwas es heißt, daß derartiges vorkommt, dann begriffe ich alles, würde es dir sagen fönnen. Aber die Bision blieb aus. Wahrscheinlich bin ich für derlei Dinge nicht der rechte Mensch. Alles erscheint mir so buntel." Er begann zu delirieren, schloß nach einigen unzusammenhängen den Worten die Augen und erlangte das Bewußtsein nicht wieder. Anthony teilte der Mutter schonend mit, daß alles ber neuen Erfindung geopfert worden war. ,, Gott helfe dem Mann!" rief fie ,,, meinte er etwa, baß ich es nicht wußte? Wir paßten zufammen; auch ich glaubte, diesmal werde es einschlagen. Sie ftanden neben dem Bett. Die Mutter hatte aus dem großen Haus einen schönen weißen Kranz gebracht. Er lag auf der Brust des Baters. Anthony erkannte den Bater taum; die schwachen zitternden Lippen waren geschloffen, bildeten eine starte; fefte Linie. Abgesehen von dem Mund war das Geficht immer schön gewesen, wenngleich von Sorgen und Kleinmut gefurcht, mit wirrem Haar; doch hatte niemand die Schönheit bemerkt. Jetzt sieht er so aus, wie er zu Beginn unserer Bekannt. schaft aussah," sprach die Mutter. Man merkt ihm an, daß er jeder Zoll ein Herr ist." Auch die Mutter schaute jünger aus, da fie neben dem Toten stand. Ihr Gesicht war weich geworden. Du tateft bein möglichstes, Liebfter, fagte sie. Und ich bin dir wohl feine rechte Hilfe gewesen." Jeder hatte ein gutes Wort für den bleichen schönen Mann, der mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen dalag, als bete er. Anthony hatte gar nicht geahnt, wie all gemein beliebt und geachtet sein Bater gewesen war. Dienstag, 31. März 1925 nommen, auf den Berrons eine Anzahl bequemer Stehplätze au schaffen. Die ersten verbesserten Wagen dürften im Maid. J. in Betrieb gestellt werden. Hyänen der Inflation. Nachkomme Napoleons und Tiger der Börse. Die große Flut der Inflation wirft ihre letzten Spriger aud noch bis in unsere heutige Zeit. Bon Zeit zu Zeit läßt sich das in unseren Gerichtsfälen feststellen. Wiederum standen in diesen Tagen ein paar Inflationsgewinner vor Gericht, um sich wegen Betruges und Börsenschwindeleien zu verantworten. In dem ersten Fall handelt es sich um einen ehemaligen Gerber namens Julius Heller und einen Kaufmann Mag Elsner. Heller hatte in der Inflationszeit ein„ Bankhaus" gegründet, das, wie er vor Gericht aussagte, lediglich Geschäfte mit sich selbst machte, also mit eigenen Börsenpapieren spekulierte. Eines Tages lernte er Elsner tennen, der auf Berliner Güterbahnhöfen einige Waggons Papier stehen hatte. Da er aber fein Geld hatte, fonnte er nicht die Fracht bezahlen. Da sprang Heller ein und gab zwei Barschecks in Höhe von 3000 m. Die Eisenbahnbeamten wollten das Bapier nicht annehmen. Nun aber spielte sich Seller auf den Bankdirektor hercus und es gelang ihm, die Beamten zur Annahme des Scheck's zu veranlassen. Es stellte sich aber als falsch heraus. Es war für den Sched feine Dedung mehr vorhanden, denn das Bankhaus war bereits zwei Tage nach Ausstellung des Schecks in Liquidation gegangen. Das Gericht fah in dem Berhalten des Heller einen Betrug und verurteilte ihn zu vier Monaten Gefängnis und 1000 m. Geld= straje. Eisner wurde mangels Beweisen freigesprochen. Biel toller ging es bei den Banfiers Karl und Wilhelm Baumgartner zu. Die Brüder verstanden es, sich in der Inflationszeit mit dem geheimnisvollen Nimbus märchenhafter Börfengewinne zu umgeben. Der eine nannte fich Tiger ber Börse und Herr über Hausse und Baisse und be hauptete auch noch, ein effe von Stinnes zu sein. Der Battin eines befannten Bergwerksbefizers schwindelte er mit Erfolg Dor, er sei ein direkter Nachkomme Napoleons und feine Mutter eine Herzogin Abofra. In der Wohnung der Frau Direktor theatralischen Huldigungen. Mit den ins Fabelhafte gehenden Ge fniete er vor einer Büste Napoleons nieder und erging fich in winnen führte das eble Brüderpaar ein wahres Braffer- und Schlemmerleben. Selbstverständlich waren mehrere Autos da und man war Gast im Schwimmenden Klub in Wannsee. Ende September 1921 brach auf Anzeige von 30 Geschädigten das Geschäft zufammen. Das Schöffengericht hatte damals Karl Baumgartner zu zwei Jahren und Wilhelm Baumgartner zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Aber der Staatsanwalt, bem bie Strafe zu niedrig war, batte Berfung eingelegt. Die Straffammer des Landgerichts III jedoch tam nach eingehender Beweisaufnahme zu einer Berwerfung der Berufung und beftätigte das erste Urteil. 19 Die Urkundenfälschung" des Betriebsrats. Die AEG, Oberschöneweibe, beantragte beim Ge merbegericht die Zuftimmung zur Entlaffung des Betriebsratsmit gliedes R. Mis Grund gab die Firma an, R. habe eine Urkundenfälschung begangen, indem er Affordzettel gefälscht habe. Zunächst Schien es, als ob R. der Borwurf gemacht werde, er habe durch falsche Eintragungen auf Attordzetteln erreicht, baß ihm eine Anzahl von Arbeitsstunden doppelt bezahlt worden feien, nämlich einmal als Arbeitslohn und außerdem für seine Tätigkeit in Betriebsratsangelegenheiten. Schließlich stellte sich aber heraus, daß dieser Borwurf ganz unbegründet und haltlos ist. Die Firma hielt aber in zwei Terminen bis zum Schlus an der Behauptung fest, daß St. fich der Urtundenfaffung schuldig gemacht habe. Durch die Beweiserhebung ftellte fich jedoch heraus, baß es sich mit der angeblichen Urkundenfälschung fo verhielt: Ein Arbeiter, ber mit seiner Affordarbeit, um die volle Bezahlung dafür zu erhalten, bis zum Wochenschluß fertig werden wollte, hatte R. ersucht, ihm babei zu helfen, was auch ge fchab. Es foll öfter vorkommen, daß fich Arbeiter in dieser Weise aushelfen. Die dadurch entstehenden Lohndifferenzen gleichen fie dann später untereinander aus. In solchen Fällen machen fie aber in dem Nordzettel Eintragungen, die den Vorschriften nicht ent fprechen und auch wohl tatsächlich unrichtig sind. Aber durch solche harmlosen Schiebungen" wird weder die Firma geschädigt, noch haben die Arbeiter einen Borteil davon. Es handelt sich lediglich um eine Gefälligteit der Arbeiter untereinander. Schließlich gab benn auch der Vertreter der Firma felbst zu, daß die Firma durch diese Fälschungen" feinen Bermögensnachteil er" ,, War der Bater mit Herrn Selwyn verwandt?" fragte er die Mutter am Abend nach dem Begräbnis. Berwandt? Nein, weshalb fragst du?" ,, Er nannte ihn Bruder," erklärte Anthony. Ach fo," entgegnete die Mutter. Das bedeutet teines megs, daß er mirtlich verwandt war. Man pflegt die Toten Bruder zu nennen. 5. Sie bezogen ein noch fleineres Haus in einer noch armfeligeren Gaffe. Die Mutter war stets eine gute Näherin gewefen. Ein Zettel am Fenster verkündete, daß Frau Strong'nth'arm, Schneiderin und Modiftin, bereit sei, das von Damen gelieferte Material zu verarbeiten. Eleganz und guter Schnitt garantiert. Fabrikarbeiterinnen, sowie die Frauen und Töchter der Bergleute wurden ihre Runden. In guten Zeiten fiefen genügend Bestellungen ein, und Frau Strong'nth'arms Nähmaschine raffelte und flapperte von morgens bis abends. Doch gab es freilich auch Monate, da die Betriebe vertürzt arbeiteten und Rechnungen unbezahlt blieben. Im ganzen jedoch ermöglichte die Arbeit das nadie Leben. Das Problem von Anthonys Erziehung bekümmerte abermals Mutter und Sohn. Auch diesmal tam ihnen die Kirche zu Hilfe. Der gottes fürchtige Begründer des St. Albys- Gymnasiums hatte eine Stiftung hinterlassen, die zwölf armen, der anglikanischen Religion angehörenden Knaben eine unentgeltliche Erziehung zuteil werden ließ; die Wahl lag in den Händen der Kuratoren. Bufällig gehörten zu diesen Sir William Coomber und der Pfarrer. Der junge Letteridge überwand feine Schüchternheit, bearbeitete die übrigen Ruratoren zugunsten seines Zöglings, nahm dabei Anthony mit. Sorge, Hoffnung, Erwartung füllten die Tage. Schließlich kam der Sieg: Anthony, der sein Eramen bestehen mußte, wurde für die britte Klaffe reif er flärt. Sir William Coomber teilte ihm dies mit zittriger Schrift mit, forderte ihn auf, Gott zu dienen, bie Königin zu ehren und der Trost seiner Mutter zu sein. Und falls er ihm irgendwie helfen tönne, so solle sich Anthony an ihn wenden. Der Pfarrer brüdte ihm die Hand und wünschte ihm Gottes Segen; fügte auch hinzu, daß der Himmel jenen helfe, die fich felbft helfen. Der Direktor empfing Anthony in seinem Arbeitszimmer und erklärte, fie würden bestimmt gute Freunde werden. Der junge Tetteridge gab ihm zu Ehren ein faltes Abendeffen, lub dazu den Primus der dritten Klaffe, den Kapitän der zweiten Fußballmannschaft und drei Herren aus der Prima ein. ( Fortsetzung folgt.) litten habe, aber es liege boch eine Urkundenfälschung" vor, und dürfe aus Prinzip nicht geduldet werden. K. und sein Bertreter beriefen sich demgegenüber darauf, daß solche Vorkommisse bisher noch nicht beanstandet worden seien, und daß das Prin zip nur dem Betriebsratsmitgliede gegenüber geltend gemacht werde. Das Gericht erkannte auf Abweisung des Antrages der Firma mit der Begründung: Ein vom Arbeiter ausgefüllter Affordgettel sei feine Urkunde, sondern lediglich eine Liquidation, die erst durch die Anerkennung von der Firma Gültigkeit erhalte. Daß R. durch die unrichtigen Eintragungen eine betrü gerische Absicht verfolgt habe, sei vom Gericht ein mütig berneint worden. Es sei zwar nicht alles unbedingt aufgeflärt worden, aber die Firma habe nicht den Beweis erbringen fönnen, baß St. in betrügerischer Absicht gehandelt habe. K. habe nicht mehr gefordert als ihm zustand. Sein Verhalten könne als eine Ordnungswidrigkeit bezeichnet werden, die aber nicht so schwerwiegend fei, daß dadurch seine Entlassung oder seine Ent hebung vom Amt des Betriebsratmitgliedes gerechtfertigt märe. Hochbahn- Pädagogik. Boshafte Menschen behaupten, die Hochbahn sei ein furchtbar rückständiger Betrieb. Auf die Frage, womit sie das beweisen wollen, fangen fie immer gleich an mächtig zu schimpfen: Ueber die ewig überfüllten Bagen, über die dumme Bauart der Bagen( von wegen der nur hinten und vorn befindlichen Türen, was bei starkem Andrang sehr störend wirken soll) und daß die neuen, schon fahren Andrang sehr störend wirken foll) und daß die neuen, schon fahren. den Bagen wieder so gebaut sind wie die alten. Auch über die den Wagen wieder fo gebaut find wie die alten. Auch über die Treppenanlagen mancher Bahnhöfe können sich viele Menschen das Schimpfen nicht vertneifen. So wird von ihnen z. B. behauptet. es hindere den Verkehr, wenn die Fahrgäste aus zwei zugleich angekommenen Zügen die einzige vorhandene, für beide Bahnsteige gemeinsame Treppe benuhen müssen. Und wenn dann noch andere Menschen die Treppe hinauf wollen, von dem Strom der Niederfteigenden aber daran gehindert werden und es so bisweilen zu heftigen Auseinandersetzungen fommt, dann sagen gewiffe Leute, daß das so nicht mehr weitergehen fann". Andere wieder haben es fehr eilig, und müssen sich Fahrkarten faufen und wissen, daß vier Schal ter vorhanden sind und finden plötzlich nur ein Schalterfenster offen und davor eine lange Menschenreihe, dann fagen auch diese Menschen, so fann es nicht mehr weitergehen", und schimpfen auf die fleinstädtischen Berhältnisse bei der Hochbahn. Alle über diese Meinigkeiten tobenden Menschen sind eben nicht fähig nachzudenten, um zu erkennen, welche Ursachen bie Hochbahn. birektion veranlaffen, an diefen angeblich„ unhaltbaren" Zuständen so beharrlich festzuhalten. Und dabei ist es doch so furchtbar einfach, die Zusammenhänge zu begreifen: Die Hochbahn will nichts weiter als der meise Lehrer eines unmündigen Publikums sein. Und hierbei zeigt sie, daß fie feineswegs fleinstädtisch, sondern durchaus großstädtisch denkt. Sie will das fahrende Publikum mit aller Gewalt bazu erziehen, das traute Heim etwas früher zu verlassen. Es tommt ihr deshalb nicht darauf an, daß man in den Zeiten des stärksten Andranges bier bis fünf Minuten auf einen Zug warten muß. Aber noch besser zeigt es sich jeden Morgen auf dem Bahnhof Gleisdreied. Dort herrscht musterhafte Ordnung. Pünktlichkeit über alles" ist höchster Grundsatz. Wenn ein Zug nach Warschauer Brüde Berspätung hat, gilt es zuerst, diese wieder aufzuholen und an zweiter Stelle fommt erst der eigentliche Zwed der Hochbahn, nämlich die Beförderung von Menschen, zu seinem Recht. Intereffenten tönnen auf diesem Bahnhof jeden Morgen beobachten, wie die Erziehung zur Pünktlichkeit praktisch ausgeübt wird. Wer nicht ganz und rücksichtslos ist, dem kann es paffieren, daß ihm im Moment des Einsteigens die Tür vor der Nase zugeschoben wird und er zurückbleiben muß. Oder wenn ein anderer Mensch noch den bereitstehenden Zug erreichen will und er fich schon im Geschwindtempo zwischen Treppe und Zug bewegt, tann man faft täglich sehen, wie diesem Anspruchsvollen ziemlich unfanft angedeutet wird, daß er sich fünftig pünktlicher einzufinden habe: Es ertönt, trotzdem noch nicht alles in Ordnung ist, das be. fannte„ Fertig" und der Eilige kann über die erzieherische Maßnahme der Hochbahn nachdenken wie er will. Nur laut darf nicht gedacht werden, denn das Bahnpersonal befizt Bolizeigewalt. Die Erziehungsmethoden werden ausgeübt ohne Ansehen des Bublifums, wie folgender Fall am besten zeigen fann: Es war auf einer Endstation. Als ich an der Bahnsteigsperre war, wurde der Bug fertig gemacht, d. h. die Türen geschlossen. Der Bahnsteig beamte stand mit dem Gesicht zur Sperre gewandt und fah, wie mein fechsjähriges Rind vorauseilte und durch die noch offenstehende Tur des letzten Wagens diefen bestieg. Ich eilte hinterher und befand mich noch etwa zwei Meter vom Zug entfernt, als plöglich das Abfahrtsignal gegeben wurde und der 3ug abfuhr mit meinem Rind aber ohne mich. Nur mit Mühe erreichte ich noch den Wagen und mußte ihn im Fahren befteigen. Ich war jegt auch geneigt, meine Gedanken über den erzieherischen Wert der Hochbahn zu revidieren und zu verlangen, daß die Erziehung vielleicht zuerst im eigenen Hause beginnen soll. A Difer- Sonderzug Berlin- Jnsterburg mit 50 Pro3. Fahrpreisermäßigung. Ausreichende Benutzung vorausgefeßt, wird am Donnerstag, den 9. April, ein Sonderzug 3. Klasse mit 50prozentiger Fahrpreisermäßigung von Berlin nach Insterburg über Marienburg und Königsberg verfehren. Die Abfahrt erfolgt ab Bahnhof Charlottenburg 5,34 nachmittags, die Ankunft in Königsberg 8,43 morgens, Insterburg 10,41. Bu diesem Zuge werden Rückfahrkarten ausgegeben mit einer Geltungsdauer bis zu zwei Monaten. Der Fahrpreis beträgt hin und zurück nach Marienburg 20,40 m., nach Elbing 21,60 m., nach Braunsberg 24,20 m., nach Königsberg 27 M., nach Jnsterburg 31 M. Der Fahrkartenverlauf beginnt am Mittwoch, den 1. April, am Fahrkartenschalter des Bahnhofs 3oologischer Garten. Eine Zollabfertigung findet an den Grenzen für diesen Zug nicht statt. Deutsche Reichsangehörige brauchen einen gewöhnlichen Bersonalausweis( Lichtbild). Zu den gleichen Bedingungen verkehrt am 9. April ein Sonderzug von Insterburg nach Berlin. Ein Besuch aus Tibet. Fern im Osten Afiens auf den noch wenig erforschten Hochland gebieten Tibets liegt das fast sagenhafte Gebiet des Dalai Lama. Die Lamas sind bekanntlich die buddhistischen Priester, die den religiösen Kult in Tibet ausüben. Zehn von diesen Lamas mit einem Oberlama haben auf einer Weltreise durch die europäischen Hauptftädte jetzt auch in Berlin Halt gemacht. Die Welt ist rund, und für einen geschickten Filmregisseur darf es wohl das Wort„ unmöglich nicht geben. Hier liegt nun freilich die Sache ein flein wenig anders. Die englische Geographische Gesellschaft, die seinerzeit die Mount Everest Expedition ausgerüstet und durchgeführt hat, ist angeblich seinerzeit bereits in Verhandlungen getreten mit dem Dalai Lama, damit er gestatte, daß mehrere seiner Lamas sich das Land der weißen Brüder jenseits des großen Wassers anschauen dürfen. Sechs Lamas, ein Oberlama, ein Uebersetzer, ein Lastenträger, ein Begleiter sind im November v. J. aus Tibet abgereift. Die englische Geographische Gesellschaft hat von der Expedition einen Film drehen lassen 3 um Gipfel der Welt. Zuerst waren sie in London, dann in Paris und gestern find fie in Berlin eingetroffen, um am Dienstag abend sich zum ersten Male dem Berliner Publikum in einem Kino am Rollendorfplatz zu zeigen, wo auch der genannte Film läuft. Sie haben sich von der Reise schnell genug erholt, und wohnen in einem Hotel in einem komfortabel eingerichteten Zimmer, deſſen Wände sie mit feierlichen Gewändern und tibetanischen Gebetssymbolen behängt haben. Von den Betten, die in den Zimmern stehen, machen fie anscheinend nicht gern Gebrauch, sondern schlafen lieber auf dem Teppich, Die sechs Lamas find noch junge Menschen, die durchaus nicht affetisch ausschauen. Der Oberlama ist ein älterer Herr mit hageren Zügen, der angeblich fünf Jahre in einer Höhle gehauft hat und nun plöglid) in die Hauptstädte unserer Welt versetzt wird. Dieser etwas frasse Umschmung ist dem alten Herrn aber anscheinend sehr gut bekommen. Die Lamas, in deren Begleitung fich noch der englische Rapitän no el befindet, werden auf ihren eigenartig geformten Mufifinftru menten, die sie bei den Gebetsübungen in ihrer Heimat benutzen, spielen, sowie einiges aus dem Ritus der tibetanischen Klöster vor, führen. Ein Honorar bekommen sie dafür nicht. Man sorgt notür lich für ihre Unterkunft und Verpflegung und hat ihnen das Reisegeld bezahlt. Dazu wird allerdings noch eine bestimmte Summe gegeben, die aber dem Kloster in Tibet zugute fommt. Jubelfeier einer Forschungsstätte. Das Zentralinftitut für Erziehung und Unterricht. Auf die Arbeit eines ersten Jahrzehnts blidt jeßt das 3 en tralinstitut für Erziehung und Unterricht zurüd, das im Jahre 1915 in Berlin gegründet wurde. Damals erhielt es die Form einer Stiftung, doch wurde dem Staat ein so weitgehender Einfluß vorbehalten, daß es im wesentlichen als staatliches Institut gelten fonnte. Für Breußen wurde es geschaffen, aber rasch erlangte es Bedeutung für das ganze Deutsche Reich. Vielen Taufen den deutscher Lehrer und Lehrerinnen mit Seminar oder Univerfitätsbildung find die Lehrgänge, Ausstellungen und Tagungen, die das Institut veranstaltete, ein weiteres Hilfsmittel der Weiterbildung gewefen. In der schlichten Jubelfeier, die om Montag stattfand, wies der Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolfsbildung, Dr. Beder, auf diese Arbeit des Instituts hin. Er rühmte ihm nach, daß es in den Stürmen bes ersten Jahrzehntes fich bei der Problemstellung von den großen Fragen der Zeit habe leiten lassen. Nach dem Minister brachten noch die Bertreter anderer Behörden und mehrerer Lehrerorganisationen dem Institut ihre Glückwünsche dar, Bertreter vom Reichsministerium des Innern, von der Stadt Berlin, vom Deutschen Lehrerverein, vom Deutschen Philologenverein. Tragödie eines Ehepaares. In einem Haufe der Kaiserin- Augusta- Straße wurde die Frau des Hausdieners Wilhelm luft erschossen tod und der Mann felbft mit Schußwunden aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß der Mann eine Frau felbst erfchoffen und dann versucht hatte, auch fich zu erschießen. Die Frau hat mehrere Jahre lang einem betagten Junggesellen die Wirtschaft geführt und wiewohl das Ehepaar feine Not litt, war die Frau seit längerer Zeit unterleibetrant. Bohrscheinlich ist das der Grund gewesen, der den Mann zu dieser Tat veranlagt hat. Er war feit 29 Jabren ununterbrochen bei einer großen Berliner Firma als Hausdiener tätig nnd lebte im übrigen in geordneten Verhältnissen. Verhaftung eines Mädchenentführers. In Gorliz ist soeben in der Person eines 20 Jahre alten aus Brody gebürtigen Kaufmannes Billet ein Mädchenentführer verhaftet worden. Billet hatte im Sommer 1924 in einem Babe ein 18jähriges Mädchen Elisabeth E. and Charlottenburg fennen Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 31. März. gelernt. Er bewarb ft Bei ben eltern bes bens e Di Berbung war vergeblich. Der Freier aber beherrichte das Mäbchen berart, daß es fich überreden ließ, ihn in die elterliche Wohnung einzulassen, während die Eltern eine Varietévorstellung befuchten. Der faubere Bräutigam ftabl dann den Eltern seines Mädchens war das Baar nicht zu finden. Jest endlich stöberte man es in etwa 12 000 M. und dampfte mit Geld und Mädchen ab. Lange Görlig auf. Billet wurde sofort verhaftet und das Mädchen seinen Eltern wieder zugeführt. Kolonie- Propaganda. Eine Kolonialausstellung in Berlin. 910 Jm Berliner Rathaus wurde gestern eine Rolonialaus ftellung eröffnet. Sie ist unter Führung des Kolonialtrieger. dantes", dem die Groß- Berliner Rolonialfriegervereine und der Marineverein Berlin 1886" fich angeschlossen haben, zustande gebracht worden. Der Zweck dieser Ausstellung ist teils propagan distisch, teils charitativ. Mit ihr soll für den Gedanken ber Kolonien geworben werden, und sie soll der Wohlfahrtspflege des Kolonialfriegerdantes" neue Mittel zuführen. Der erstgenannte Swed, die Kolonial- Propaganda, scheint Hauptgrund gewesen zit fein, diese Ausstellung zu veranstalten. Er wurde bei der Eröff rich zu Mecklenburg, der den Ehrenvorfig hat, und auch des Ober nungsfeier start betont in der Rede des Herzogs" Adolf Fried ethnographischer, geologischer, zoologischer und wirtschaftlicher Hin bürgermeisters Böß. Die Ausstellung will durch ihre Darbietungen in ficht über die ehemals deutschen Kolonien Ostafrika, Südwestafrika. Kamerun, Togo ufw. belehren. Sie ist vom 30. März bis 8. April täglich von 9 bis 7 Uhr geöffnet; das Eintrittsgeld beträgt 50 f. Schultlaffen haben unter Führung ihrer Lehrer freien Eintritt. Hof fentlich wird nicht der Ausstellungsbesuch von schwarzweißroten Leh rern als eine willkommene Gelegenheit benugt, mit ihren Schulflaffen nationale" Orgien zu veranstalten. Aus Anlaß dieser Ausstellung findet in der Zeit vom 30. März bis 8. April in Berlin auch eine Kolonialwoche" statt. In Vorträgen will man für den Ge banken werben, daß„ Deutschland Kolonien braucht". Pf. Jdeenwettbewerb für den Zentralflughafen. Das Städtebau amt der Stadt Berlin teilt mit: Der Magistrat hat einen Ideen wettbewerb für die Hauptgebäude des Zentralflug. bafens( Tempelhofer Felb). der durch die Berliner Flughafengesellschaft m. b. S. ausgeschrieben werden soll, zugestimmt. Für bie besten Lösungen der Aufgabe stehen insgesamt 15 0000 Mark als Preise zur Verfügung. Der beschoffene Eisenbahnzug. Zu der im geftrigen abendblatt wiedergegebenen Meldung von der Beschießung eines Buges auf der Strausberger Strede teilt uns das Reichsbanner Swarz Rot Gold mit, daß feinesfalls Angehörige bes Reichsbanners auch nicht bersebentlich ben be treffenden Schuß abgegeben haben können. Die Mitglieder des Reichs banners haben überhaupt feine Fahrten mit Rastautos unternommen, so daß die Bekundungen von Fahrgästen nur auf einer erweajelung beruhen können. Man hätte wohl erwarten dürfen, daß die Continentai Telegraphen Compagnie A.G., die die Nachricht verbreitet hat, Tatsachen und teine Behauptungen verbreitet. Die CTC. bringt deshalb auch die ihr nom Gauvorstand des Reichsbanners zugegangene Berichtigung. Billige Fischtage! Am Dienstag, Mitttooch und Donnerstag diefer Woche findet ein billiger Fischverlauf statt. Es tommt aunt Verkauf: riider norwegifer Shellfisch und Kabliau pro Pfund 35 Bf.( Im Aussnitt und Rotelett etwas teurer). Die Verlaufsstellen find burch Plakate erkenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen und auf den Wochenmärkten. Die 176 Lebensmittelabgabeftelle eröffnet die onfum genoffenfaft, wie fie uns mitteilt, am Mittwoch, den 1. April, in Berlin W 62, Bayreuther Str. 26. Ein großes Hallensportfest veranstaltet der Kartellverband für Sport und Körperpflege am nächsten Sonntag im@ portpalaft, Botsdamer Straße. Diele dritte derartige Veranstaltung wird die Vielseitigkeit des Arbeitersports barsiellen und daher au einer wichtigen Kundgebung werden. Beteiligt find die Rab. fahrer durch diverse Kunstreigen, die Schwerathleten, Borer und Jiu- Jitsu, Schwimmer durch Vorbereitungs bungen, Turner, und vor allem die Leichtathleten durch viele ett fämpfe. Beginn nachmittags 3 Uhr. Eintritt 1 M., Jugendlige 50 Pf. Ades nähere ist aus der heutigen Arbeitersportspalte zu ersehen. Beisehung der Toten von Merlenbach. Bon Unter Beteiligung einer ungeheuren Menschenmenge fand am Montag die Beisezung der Beisetzung der Opfer der Merlenbacher Grubenkatastrophe statt. nah und fern waren bie Teilnehmer herbeigeeilt, jo daß man ihre Sahl auf 70000 bis 80000 fchaßt. Um 10 Uhr 30 vormittags begann in der 2ohnhalle der Grube, die in eine Kapelle umgemandelt war, das dem Hochamt ergriff Arbeitsminister Beytral das Wort, der den Hochamt, das von Bischof Belg von Met zelebriert wurde. Nach Hinterbliebenen das Bersprechen gab, daß für sie gesorgt merde Nach weiteren Ansprachen der Direttoren der Saar und Mosel Gesellschaft war die firchliche Feier gegen 2 Uhr nachmittags beendet, alsdann fanden in den Wohnorten der verschiedenen Opfer besondere Feiern statt, die gegen 5 1hr beendet maren. Bon der Regierungs fommission des Saargebietes nahmen an der Hauptfeier sämtliche teil. Die Saarländer Opfer sind bereits am Sonntag bestattet worden. 34 Todesopfer ber Merlenbacher Grubenkatastrophe. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Geheimer Regierungsrat Dollhardt: Kolonial- Mitglieder mit den Abteilungsdirettoren und dem Generaljefretir gebiete, eine nationale, wirtschaftliche und kulturelle Not wendigkeit für Deutschland". 7-7.50 Uhr abends: HansBredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). 7 Uhr abends: Handel: Dr. Kurt Magnus: Was muß man von den Steuern wissen? 7.30 Uhr abends: Abteilung Hochschulkurse: Prof. Dr. phil. et med. Max Dessoir: Einführung in die Psychologie. 6. Vortrag. 8 Uhr abends: Theaterfunk( Theodor Kappstein). 8.30 Uhr abends: Kabarett unter Mitwirkung von Paul Schneider- Duncker, vom Roland von Berlin; Wolgang Zilzer; Richard Zilzer, Eigene heitere Dichtungen in Vers und Prosa; Loni Pyrmont Julie Leipziger- Stettenheim, aus Wippchen Lies und lach; am Flügel: Paul Strasser, vom Roland von Berlin; Regie: Dr. Karl Wilcynski. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. ( Abt. Bildungskurse). Literatur und Kunst. Professor Colson Französische Literaturgeschichte"( in französischer Sprache). Die Zahl der bei der Merlenbacher Grubentatastrophe ums Leben Gelommenen hat sich auf 54 erhöht Fm Lazarett liegen noch 27 Verlegte. Unter den Toten befindet sich auch ein Steiger, ber bei den Nettungsarbeiten durch Abstürzen tödlich berunglüdt ift. Die lothringiiden Bergarbeiterorganisationen baben für den heutigen Tag der Bestattung eine 24ftündige Arbeitsruge proflamiert. Wetter für Berlin und Umgegend. Giwas wärmer, meift bewält mit leichten Regenfällen, mäßige füdwestliche Binde Für Deutschland. In ganz Deutschland meist bewölft. Jm Norden vielfach Regen. Zell whole Belene, prach ber Ontel Nolte, was ich schon immer sagen wollte... fel birs vorichtig beim Einfanf von Katas! Kalas und Katao" if seierlel! Lofe ans gewogenes Kataopulber welle energifch zurüd! Bint Du ganz ficher gehen, fo taufe nar bie Starte Tell", bie wegen ihrer leichten Löslichkeit, ihres herzhaften Gefchmades, ibres fräftigen Aromas und ihrer berzüglichen Betömmlichteit die ergiebigfte und billigfte ift. Darum beißt sie mit Recht die Marte für Ade". Ajo merte Dir: Zell- Ratas ber Bartwig& Bogel A.-G., Dresden Generalvertretung und Fabritlager: Beffer& Müller, Berlin 5. 61, Börwaldiraße 00. Jerucuf: Umi Morigplet 5651. K.K " Bettwäsche Nach been detem Aussteuer Verkauf bringen wir fabelhali preiswerte abermals Vorzeiger d. Inserats erhalten Trianon- Th. Täglich 8 Uhr: Haller- Revue 1925 Yoshiwara Admiralspalast Arnold Korff Erich Kaiser- Titz Blanche Dergan 10% Rabatt Residenz- Th. Oster- Angebote Bettwäsche Einige Beispiele: kräf. Hemdtach od. Luisiana Reffbezüge aus 4.50 Be.fbezüge aus gut. 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In einer Zuschrift werden nun die Berechnungsgrundlagen des neuen Inder einer weitergehenden Kritik unterzogen, die wir bei der großen Wichtigkeit der Frage für die gesamte arbeitende Bevölkerung wie bergeben. Der Berfasser Genosse Kempte schreibt: Das Ergebnis der Inderreform tann und wird weber bei der Arbeiterschaft noch den Angestellten oder Beamten befriedigen. Einige grobe Fehlerquellen des früheren Index find zwar ganz oder teilweise beseitigt, bei anderen Mängeln ist eine systematische Beseitigung zugefagt und in Angriff genommen; aber einige der gröbsten Fehler und Märgel hat man weiter auch in dem neuen Reichsinder bestehen lassen. Dem fortgefeßten Verlangen der Arbeiter vertreter nach einer gründlichen Reform hat man nicht bloß Don Unternehmerseite, sondern auch von einigen Reichsämtern beharr lichen und leider auch erfolgreichen Widerstand entgegengesezt. Neben allerlei fadenscheinigen Gründen wurden als fachlich flingenbe Momente methodische Bedenten, technische Schwierigkeiten" und ähnliches dagegen ins Feld geführt. Nur der Bertreter des Reichsfinanzministeriums lüftete mal ungewollt ben Schleier von den wahren Gründen des Widerstandes, als er auf die Forderung der Arbeiterschaft auf Einbeziehung der Steuern und fozialen Beiträge fategorisch erflärte, daß für sie ein Reichs inder, ber bie Steuerbelastung berüdsichtige, untragbar fei und nie anerkannt werden mürbe. Man weiß also auch dort ganz genau, in welch starter Weise Steuern und foziale Beiträge Beamte, Angestellte und Arbeiter belaften und der Reichsinder durch Einbeziehung diefer gefeßlich festgelegten Aus. gaben emporschnellen würde. Diese Ausgaben werden daher auch im neuen Reichsinder nicht berücksichtigt. Wenn demgegenüber das Reichsamt darauf hinweist, daß zum Zwecke der Reallohnberechnung bie möglich feit besteht, bie Steuer- und Versicherungsbeiträge vom Lohn abzusehen und den Restbetrag mit Hilfe der Lebenshaltungsinderziffer auf seine Kauftraft umzurechnen, so ist das doch ein sehr schwacher Troft. Menn auch selbstverständlich ist, daß nur jo die Feststellung der Rauf. fraft und ihr Bergleich mit der Borkriegszeit möglich ist, so wäre es jebenfalls ebenfogut möglich gewesen, diese Belastung gleich in die Inderzahl einzubeziehen. getreten wäre. Run ist aber die Herabjegung mit Birtung Dom 1. Juni erfolgt. Brattisch bedeutet bas, baß die Brenner natürlich alles Brennmaterial, bas fie haben, bis zum 1. Juni zu Sprit verarbeiten und daß mit diesem Zeitpunkt die Produktion aufhören wird. Also ein glattes Geschent an die Großagrarier, zumal von bem ihnen so nahestehenden Finanzminifter, Herrn v. Schlieben, wohl faum ein Einspruch gegen diese Hinausschiebung des Preis. herabfegungstermins erfolgen dürfte. Den Herren Großagrariern bürfte es gleich sein, ob das Reich durch die Anhäufung ber Spritvorräte Berlufte erleidet. Ihr Portemonnaie ist das Ausschlag. gebende. Das war schon immer so. Warum soll es denn jezt anders sein? Dle clefteiligen Sight- und Straffanlagen Die elektrischen Licht- und Kraftanlagen. Die Holding gesellschaft einer Reihe von elektrischen Strom erzeugenden und verbrauchenden Unternehmungen schreibt in ihrem Geschäftsbericht über die wirtungen der Stabilisierung: Intereffen verftanben, ben fcheinbaren Berbeferungen einen ferbesten seranlaßt, wenn biefe Breisberablegung am 1. Wal in Straft fuß anzuhängen. So hat man beispielsweise bei der Gruppe Er nährung zur richtigen Preisfeststellung Salz in ziemlich reich. licher Menge, nämlich vier fund, eingefeßt, meil Salz wohl unter allen Lebens und Genußmitteln bas einzige ist, das 40 bis 50 Broz. unter dem Friedenspreis fteht. Wie wenig objektiv das Statistische Reichsamt auch bei der Gruppe Betleibung bisher verfuhr und wie notwendig daher die Reform des Inder geworden ift, bafür noch ein paar flassische Beweise: Für einen einreihigen Herrenanzug aus Forster Stoff hatte man für 1914 einen Breis von 35 M. eingelegt. Nach übereinstimmender Anficht der Fach leute, auch der Unternehmer, lag der Preis eines solchen Anzugs damals jedoch nur zwischen 20-25 m., im Durchschnitt also rund 23 m., er war also mit 12 M. zu hoch angesetzt. Dann weiter: ein Baar lange englische baumwollene Frauenstrümpfe mittlerer Qualität waren für 1914 mit 1 M. eingesezt, während man in Wirklichkeit dafür nur 38-42 Pf. gezahlt hat. Aber ge radezu grotest mutet ein dritter Fall an: Ein wollener Frauen. cheviotrod in mittlerer Qualität stand für 1914 mit 14 m., für Januar 1925 dagegen nur mit 8,50 m. eingefeßt. Nach einer Erflärung dieser auffallenden Erscheinung befragt, wurde allen Ernftes von amtlicher Seite angeführt, daß für den 1914 lang und weit getragenen Rod 4 Meter Stoff berechnet wurden, dagegen für den jest modernen engen und turzen Rod nur 2,50 Meter eingestellt worden find! Daß bei derartigen Magimen der Belleibungsinder des Statistischen Reichsamts nur um 145 herum fchwanfte, während der Großhandelsinder für Tegtilmaren au gleicher Zeit auf 200 ftand, ist denn wirklich nicht mehr verwunder lich. Die jeßt erreichte Rorreftur der Bortriegspreise und Neufeft fegung des Quantums mehr hochwertiger Gegenstände ist daher bei der Gruppe Bekleidung besonders wertvoll. Ebenso hat auch die Ernährungsquote eine wesentliche Berbesserung erfahren. Nur macht sich hierbei notwendig, daß die Friedenspreife für die einzelnen Lebensmittel fortgefeßt einer schärferen Rontrolle Denn der Mangel einer ver und Revision unterzogen werden. gleichbaren Breisstatistit aus der Borkriegszeit macht es unmöglich, hier alle Fehler bei der Neuaufstellung zu beseitigen. Der Beseiti gung biefer Mängel muß daher in den nächsten Monaten Don ben Gewerkschaftsvertretern ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden. Benn der neue Reichsinder für den Durchschnitt des Monats Februar fich nur auf 135,6 erhöht, während er nach der alten Berechnung, 125,1 ergab, so fann das nach den oben erwähnten Mängeln nicht überraschen. Es ergibt sich allerdings hieraus, daß fchon der alte Reichsindeg die Teuerung um 10 Pro3. zu gering angab. Aber auch der neue bleibt nach objettiver WürDigung aller Umstände um mindestens 10-20 Broz. hinter dem tatsächlichen Teuerungsstand zurüd. Hätte man die berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft zur gründlichen Beseitigung der Mängel bes Reichsinder berüdfichtigt, dann ergäbe fich für Fe Ebenso unberücksichtigt blieben auch die Anträge unferer Ge- bruar nicht ein Durchschnittsindeg von 135,6, sondern wahrscheinlich wertschaftsvertreter zur richtigen Bewertung der Wohnungs. Don 160-170. Der neue Reichsinder gibt wie der alte ben wir mtete. Obwohl von den Gewertschaften immer wieder hervor lichen Teuerungszustand nicht richtig wieder und gehoben wurde, daß neben der gefeßlichen Miete noch erheb. bildet wie biefer eine Gefahr, der 2ohnprelleret melter Bor liche Rebenausgaben für Reparaturen von ben Mietern gefchub zu leisten. Die Arbeiterschaft hat also alle Urfache dazu, auch tragen werden müssen, lehnte man hier alle Versicherungsbeiträge ab. ben neuen amtlichen Teuerungsziffern gegenüber sich sehr tritis Auch die start umstrittene Berechnungsmethode hat feine Alenderung einzustellen. erfahren. Besentliche Berbesserungen find nur bei der Gruppe Ernäh rung und Betleidung erzielt worden sowie teilweise durch die Neueinbeziehung der Ausgaben für tulturelle und ähnliche 3wede; bie letzteren allerdings nur in sehr unzulänglichem Maße. Aber auch da haben es dienstbeslissene Bertreter der Unternehmer Herren- Anzüge, Paletots rach Maß, in vollendeter Paßform M. 85 L. Sonnenschein, Potsdamer Str. 33. L.( Ecke Lützowstraße) Ein Gefchent an die Agrarier. Mit dem Erscheinen der Rentenmarf und der ihrem Zeichen gefestigten Währung waren von Beginn des Kalenderjahres 1924 an wieder feste Grundlagen für die Wirtschaftsführung gegeben:. Es fetzte zunächst eine für die verschiedenen Unternehmungen mehr ober weniger lange llebergangszeit ein, bis die inneren Berhält. nisse und die Einstellung der Abnehmer sich den neuen Umständen angepoßt hatten. Insbesondere gebrauchten bie auf Grundlage von Ronzeffionsverträgen wirtschaftenden Betriebe längere Zeit, um die vielfach durch Konzeffionsbestimmungen gebundenen Tarije umzustellen. Auch der durch Rüdgang des industriellen Ber brauchs und durch Sparsamkeit der Abnehmer beschränkte Stromabjaß der Elettrizitätswerte schlug erst nach einer Uebergangszeit, bann aber nachhaltig, steigende Richtung ein. Sofern die Gefunbung der allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse andauert und fortIchreitet, darf erwartet werden, daß durch beffere Ausnugung und weitere Ausdehnung der in und nach dem Kriege start vere mehrten Anschlußanlagen der über die Borfriegsziffern bereits erheblich hinausgewachsene Berbrauch an elektrischer Energie weiter zunehmen wird. Die Gesellschaft hat es vergeffen anzugeben, wie weit es mög lich war, burch Tariferhöhungen, die meif über bas hinausgingen, was durch die Berhältnisse geboten war, nicht bloß die in diesez Uebergangszeit entgangenen Gewinn wieder herauszuholen, sondern auch barüber hinaus Gewinne zu erzielen, die es den ange fchloffenen Unternehmungen ermöglichte, die Tarife herabzusetzen und außerdem erhebliche Gewinnquoten zur Ausschüttung zu bringen. Diese Tarifpolitif ist nicht die richtige. Im Interesse einer fortschrittlichen Produktion liegt es, die Verwendung der elektrischest Straft zu fördern. Dazu ist eine Stetigkeit in der Tarifpoliit erforderlich, mehr aber noch, daß die Kosten so niedrig wie möglich bemeffen find. Am besten fann eine derartige Politif getrieben merben, wenn die Erzeugung des elektrischen Stroms und ihre Abgabe ben Gemeinden anvertraut werden, die unabhängiger wie bie Privatwirtschaft den Schwankungen der Ronjunttur gegenüber stehen und in der Lage sind, die Tarifpolitit stetiger zu gestalten. Die Befuan and Ananer.- G., eine ber führenden Berliner Bauunternehmerfirma, verteilt für das Jahr 1924 aus einem Reingeminn von 329 238. eine Dividende von 10 Broz. Sie erklärt chon Jegt einen Auftragbestand von 6 Millionen Mart zu haben.. Bei einem Rettonußen von 10 Broz., einer sehr bescheidenen Raffulation, ergibt das einen Reinertrag von zirfa 600 000 m., also das Doppelte von dem, was bas Unternehmen zur Ausschüttung find jetzt erst drei Monate bes laufenden Geschäftsjahres verfloffen. Gute Aussichten für die Unternehmer Gute Aussichten für die Unternehmer und für die Arbeiter??? Sandblatt- Zigarren Feinste Sandblatt Zigarren für 7 Pfennig ( artpreis 10 Bfg.) Brobelifte mit 50 Stlid M. 380 Radin. 300 Gtlid R. 21 fr Nachn Garantie filt graubr. San bl- Deder, weißen Brand u pifante Qualität: Rüdnahme nach Berbrauch von 10 Gratisproben Begen Steuererhöhung wird ein tout empfohlen. Größtes Bremer Bigarrenhaus Ernit Bente& Co, Bremer 158 In Nr. 132 vom 13. März haben wir ein Schreiben des Reichseiner 10prozentigen Dividende für 1924 verwandt hat. Dabei monopolamtes für Branntwein bekanntgegeben, welches den Antrag der Brenner auf Geftattung des Berarbeitens von Rüben ablehnte. Das Monopolamt begründete die ablehnende Haltung damit, daß die Borräte an Sprit fich häufen und daß deswegen eine Drosselung der Broduktion erforderlich sei. In der Beiratssitzung vom 26. März wurde die Herabsetzung des Branntweinübernahmepreises Don 48 auf 30 M. pro Heftoliter beschlossen. Das hätte die Brenner ficherlich zur Berminderung, ja fogar zur Einstellung ihrer Produk 门 17 Heißa, da gibt's Geld! Gleichzeitig aber tritt dic Frage auf, wie es am besten anlegen. Da kommen unsere Angebote zur rechten Zeit. Hier bekommen Sie den. größtmöglichen Wert für Ihr Geld und können mit fescher, neuer Kleidung dem Frühjahr froh entgegengehen. 1... Kleider Cheviot e Volle ab 375 dio, mit lang. Aermeln ab 475 Gabardine reine Volle ab 900 dio. mit leng. Aermeln ab 1150| Popeline relse Volleb 875 Ripsware 1500 Mouline 2500 Seid. Trikot Kunstseide ab 350 Kostüme Fantasie Jacke gefüttert ab 975 Cheviot Jacke sefüttert ab 1450 Gabardine auf gemustert oder halbseiden. Serge ab 2250 Ripsware auf halbseiden. Serge ab 3500 Burburry 37501 Mäntel Donegal schöne Formen ab Covertcoat 575 650 Einfarbige ganz moderne Form ab 975 Covertcoat eus Zwirn- Ware ab 1250 Gabardine 1950 Ripsware ab Ripsware& 2500 C& A 11 Große Auswahl in Seiden- Kleidern verschiedenster Farben und Stoffe, wie Marocain, Crêpe de Chine, Taft, Ottomane 11 Elegante Kostüme, tells Damassé, aus Mouliné auf reiner Seide, teils auf und Wollrips in reicher Auswahl.-Tailor made-. 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Das Werden des Hauses. die Misere und das Elend des Herbergswesens wärend der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts am eigenen Leibe empfunden hatten. Als an jenem denkwürdigen31. März 1900 die Herberge den Gewerkschaftsvorständen mit ihren neuzeitlichen Einrichtungen übergeben wurde, da ging ein Bewundern und Staunen durch den Kreis derer, die Iuftige und lichthelle Räume, schmude Betten, Badedas Elend des Wanderlebens selbst tennen gelernt hatten. Durchweg einrichtung, Desinfeftionsofen, in dem die grauen Viecher, die in der Kleidung des zugereisten Mitgliedes nisteten, ausgehoben wurden. Alles zeigte von Güte und gediegener Beschaffenheit. Niemand kam ins Bett, ehe er nicht im Baderaum ein Brausebad genommen hatte. Die Errichtung der Berliner Gewerkschaftsherberge war eine gewaltige fulturelle Lat. Die Berliner freigemertschaftlich organisierten Arbeiter fönnen am heutigen Jubeltage, frei von allem Lokalpatriotismus, frei von blicken; steht sie doch auch heute noch, nicht nur im Deutschen Reiche, sondern in allen europäischen Industrieländern als einzige, muster gültige Einrichtung da. Das alles ist nur durch tatfräftige Unterstüßung des Genossen Dr. L. Arons möglich geworden. Gewiß haben manche Städte, ich nenne hier nur Hamburg, Hannover, Leipzig, Dresden, manches für die Hebung des Herbergswesens getan. Doch Berlin steht mit seiner Hotel- ,, Herberge" auch heute noch an erster Stelle. Auch die Berliner Gewerkschaftsherberge hat jetzt erfttfaffige Hotelzimmer eingerichtet. Ausgangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts hatte sich aller Boreingenommenheit, mit berechtigtem Stolz auf ihre Herberge ein fleiner Kreis von Gemertschaftsleuten zusammengefunden, in deren Mitte neben Hans Sassenbach unser leider viel zu früh verstorbene Genosse Dr. Leo Arons stand. Sie waren von dem Gedanken beleeft, die Gewerkschaftsleitungen wenn irgend möglich an einer Stelle zu plazieren, um ein einheitliches 34= fammenarbeiten zu ermöglichen. Aus diesem Kreise bildete fich eine„ G. m. b. H. Berliner Gewerkschaftshaus". Nun begannen die Borarbeiten. Schwierigkeiten waren genug vorhanden, indessen unter der fachkundigen Hand des Genossen Dr. Arons wurden auch diese überwunden, so daß die Arbeiten energisch gefördert werden tonnten. Die damaligen Gewerkschaftsvorstände waren, wie es noch der Fall ist, in finanzieller Beziehung fehr vorsichtig. Für den geplanten Bau am Engelufer, der Millionen foftete, haben die Gewerkschaften den Betrag von 6400 M. als Stammkapital aufgebracht. Wenn die Ausführung des Baues dennoch zur Tat wurde, dann gebührt das Verdienst einzig unserem Genossen Dr. L. Arons, der in hochherziger und selbstloser Weise in seinerb nur ihm eigenen schlichtbescheidenen Art die Summe für den Millionenbau zur Verfügung stellte. Damit war die schwierigste Frage gelöst. Nun ging es voller Kraft unter der fachkundigen Leitung der Regierungsbaumeister Reimer und Körte an die Ausführung des für die damaligen Verhältnisse gigantischen Riesenbaues. Am 31. März 1900 stand das prachtvolle aus roten Backsteinen erbaute 34 Meter lange, fünf ſtödige Haus, kühn in die Lüfte ragend, zum Beziehen fertig. Am 1. April bezogen die Gewerkschaften ihr eigenes" Heim. Indessen fie hatten noch mehr, worauf sie mit berechtigter Freude und Stolz bliden fonnten: Sie hatten ein erst flassiges, mustergültiges Herbergshaus für die reisenden Gewerkschaftsmitglieder geschaffen. Eine Musterherberge. Bei dem Gedanken der Gründung eines Gewerkschaftshauses war diejes die sekundäre, die Errichtung einer Herberge dagegen die primäre Frage. Die Anreger dieser Idee waren unser verehrter Genoffe Dr. L. Arons, Sassenbach und namentlich diejenigen Mitglieder des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission, die Geschäftliche Mitteilungen. Blumen- Düngung gefchicht richtig, menn man alle 14 Tage eine Meffer faike Blumen- Rährfala Maitol dem Gießwaffer zufügt. Räuflich in Dosen. au 50 f. Das bekannte Teppichhaus J. Brünn, Berlin C., Hadescher Markt 4, hringt in diefen Tagen gana befonders vorteilhafte Angebote in Teppichen, Gardinen, Stores, Deden aller Art sowie Läuferstoffen zum Verkauf und emp fehlen wir unseren Lesern unverbindlichen Lagerbesuch. Morfium Schloß Rheinblick, Godesberg Rhein. Dr.Mueller- Roland, selt 1899. Eukodar, Pantoponusw. KokainEntwöhnung Prospekt frel Alcohol ZUM 50. GEBURTSTAG des Dichters HERMANN HORN empfehlen wir seinen Roman DER ARME BUCHBINDER Preis: Mark 4.50 Zu beziehen durch: Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf. Lindenstraße 2, Laden. Biomalz Dienstag, 31. März 1925 Jugendveranstaltungen. Teilnehmer am Frühlingsspiel. Seute, Dienstag, abends 18 Uhr, Ueber int Jugendheim Lindenstr. 3. Achtung! Die Fahrpreisermäßigung für Ostern muß bis spätestens den 7. April beantragt werden.( Notia in Nr. 150 Gonntagausgabe vom 29. März 1925 des Borwärts" muß auf das genauefte beachtet werden.) : Teilnehmer am Osterkursus! Morgen, Mittwoch, 18 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3, Rusammenkunft. Jeder Teilnehmer muß erscheinen. Heute, Dienstag, den 31. März, abends 7% Uhr: Wedding Nord: Schule Müllerstr. 48, Aussprache: Bub und Mädel". Nordosten 1: Jugendheim Neue Rönigstr. 21, Bortrag: SAJ. und Repu blit", II. Nordring: Jugendheim Greifenhagener Str. 21, Bortrag: Friedrich von Schiller". Rosenthaler Borstadt: Schule Gipsstr. 23a, Mitgliederverfamuis Ing. Schönhauser Borstadt: Schule Jbfenftr. 17, Bortrag: August Bebel". Südost( Görlizer Biertel): Jugendheim Görliker Str. 51, Bortrag: Stellung der SAJ. zum Reichsbanner". Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: Die Richtungen in der modernen Arbeiterbewegung". Neukölln III: Jugendheim Nogatstr. 53, Bortrag: Anarchismus, Bolschewis mus, Sozialismus". Neukölln IV: Lokal Zum Bärwinkel", Steinbodstraße, Bortrag:„ Unser Wandern". Neukölln V: Jugendheim Schiertestr. 44, Boro trag: Senry Ford". Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 15, Unsere Osterfahrt". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelie: Berlin S. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2: Dr. Rameradschaft Mitte: Dienstag, den 31. März, abends 7 Uhr, Antreten der gefomten Kameradschaft auf dem Neuen Markt. Donners Kleine Frankfurter Straße, Eingang Elifabethstraße. Kamerabschaft Kreuz. ftraße 76, Abrechnung und Materialausgabe. Jeder Block muß vertreten sein.Ramerabschaft Lichtenberg: Mittwoch, den 1. April, abends 7% Uhr, Turner in der Turnhalle Lüdftr. 60. Die Untergruppen Raulsdorf und Karlshorst haben pollzählig daran teilzunehmen. Untergruppe Mahlsdorf: Abends 8 Uhr Bertag, den 2. April, abends 8 Uhr, Sport- und Turnabend in der Turnhalle berg: Mittwoch, den 1. April, abends 7% Uhr, im Lokal Bichler, Dieffenbacherscheinen. Wenn wir heute im berechtigten Stolz und freudiger Erinnerung fammlung bei Anders, Bahnhof. Alle Mitglieder, auch die passiven, haben zu des vor 25 Jahren geschaffenen Werkes gedenken, dann steht auch der Mann, dessen ganzes Sein und Wirken in erster Linie der Arbeiterflasse galt, im Geiste mitten unter uns. Unser Dank gebührt auch heute dem verstorbenen Genoffen und Mitbegründer des stolzen Baues Dr. L. Arons. Männerchor Friedrichshain. Die Cangesbrüder treffen sich Dienstag, der 31. März( heute), 7½ Uhr, Landsberger Allee, Ede Petersburger Straße. Sypothekengläubiger- und Sparer- Schuhverband für das Deutsche Reich ( Svazerbund), Ortsgruppe Friedrichshain. Donnerstag, den 2. April, abends 7 Uhr, in der Schulaula Tilsiter Str. 4, öffentliche Bersammlung. Redner Dr. Brintwerth, 1. Borf. d. Landesverb. Gr.- Berlin. Thema: Die Aufwer tungsfrage nach der Reichspräsidentenwahl". Berein zur Beförderung des Gewerbfleißes. Dienstag, den 7. April, abends Haus,. 10, Sigismundite. 4, itber Die Stimulation des Saatgutes durch chemische Einwirkung". Gäste( auch Damen) haben unentgeltlichen Sutritt. Vereinigung sozialdemokratischer Herzte. Mitgliederversammlung am Mitt moch, den 8. April, abends 8 Uhr, im Bortragssaal des Sauptgesundheits amics der Stadt Berlin, Fischerftr. 39-42. Tagesordnung: 1. Genoffe Dr. Rorach:„ Die Cheberatung, ein neuer Zweig ärztlicher Fürsorge". 2. Aussprade. 3. Berichiedenes. Gäste willkommen. Indessen wir können heute nicht umhin, auch zweier uns lieb und teuer geworden Freunde zu gedenken. Das sind unjer 7½ Uhr, Bortrag des bulgarischen Gesandten Profeffor Popoff im Sofmann, Freund Gust av Busse und feine treue Lebensgefährtin Anna. Auch diese Beiden begehen heute ihr 25jähriges Dienstjubiläum im Dienste der Gewerkschaftsbewegung. Seit 25 Jahren, obwohl beide bereits mehr als 70 der Lenze zählen, walten sie in völlig geistiger und förperlicher Frische ihres schwierigen Bostens. Threr energischen Umsicht und Tätigkeit, der mustergültigen Inſtand: haltung der ihnen übergebenen Herberge ist es zu danken, daß nicht nur die Einrichtung, sondern auch die Berwaltung erftflaffig ist. Biei haben die Berliner Gewerkschaften unserem alten Gustav Busse und seiner Lebensgefährtin zu danken. Wir können ihnen fein Denkmal setzen, indes es gibt eines im menschlichen Leben, das ist die Achtung des Menschen und die Liebe zu ihm. Diese besitzen unsere beiden Jubilare im vollsten Maße in der Berliner Arbeiterschaft. Daher ist unser und der Berliner freigewerkschaftlich orga nisierten und politisch sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft Bunich, daß Gustav und Anna Busse den. Rest ihres Lebensabends behaglich und ruhig verleben fönnen. In diesem Gedanken beglückwünschen wir das Jubelpaar auf das herzlichste. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, nk. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. Achtung, Genoffinnen! Ortsgruppe Süden. Mittmoch, den 1. April, abends& Uhr, Mitgliederverfoam. lung in Gliefings Festfälen, Bassertorstr. 68, Vortrag der Genoffin Todenhagen über die neuen Wohlfahrtssagungen. Sport. Rennen zu Karlshorst am Montag, den 30. März. 1. Rennen. 1. Daim II( Hr. Staudinger), 2. Blücher( v. Ederts. berg), 3. Flieger( Hr. Hanife). Toto: 23:10. Plas: 11, 10: 10. Ferner lici: Zorbas( gef.). 2. Rennen. 1. Bubi( Rus), 2. Favilla( Müschen), 3. Berlenfischer ( R. Lüber). Toto: 89: 10. Platz: 26, 26: 10. Ferner liesen: Larodosta, Christinos. 3. Rennen. 1. Colberg( Mate), 2. Magnolie( S. Edler), 3. Hiltrud ( Bismark). Toto: 22:10. Blat: 12, 14: 10. Ferner lief: Maitrant. 4. Renne 11. 1. Lebenswonne( Sufulies). 2. Teresina( B. Streif), 3. Deeana( E. Eichhorn). Toto: 34:10. Blat: 22, 17: 10. Ferner lief: Minenhof 5. Rennen. 1. Erzbalunke( e. Schuller), 2. Sommerflor( Stufulies). 3. Adda( Dertel). Toto: 16: 10. Drei liefen. 6. Renne 11. 1. Magelone( Stutulies), 2. Rotdorn( S. Edier). 3. Grfutst( R. Derfchug). Toto: 25: 10. Plag: 16, 11: 10. Gerner lief: Fata morgana II. 7. Rennen. 1. Eichwald( Mate), 2. Kontrahent( K. Lüder), 3. Balette Die nicht verlauften 2sse für die heute stattfindende Veranstaltung müssen( E. John). Toto: 13:10. Flag: 13, 16: 10. Ferner lief: Raufbold. bis 6 Uhr an der Abendkasse abgegeben sein. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Mittwoch, den 1. April, abends 7 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sef part., Helferfikung der Kinderfreunde Groß- Berlins. Abends ab 6 Uhr Sprechstunde wie gewöhnlich. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Der Lotterienerkauf für die KreisTeiterinnen findet täglich, außer Doniterstag, von 4-7 Uhr im Getretariat, Lindenstr. 3, Zimmer 13, statt. 3. Kreis Webbing. Bildungsausschuß: Sigung am Mittmod), den 1. April, 7 Uhr, bei Scholz, Adolfftr. 12. Engesordnung: Unfere Maifeier. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelbe, Lichtenrabe. Mittwoch, den 1. April, abends 7 Uhr, Sigung des Bildungsausschusses im Rimmer 26 des Rathauses in Mariendorf. Wichtige Tagesordnung, daher Erscheinen jebes einzelnen dringendes Gebot. 14. Kreis Reukölln. Mittwoch, den 1. April, 7 Uhr, Fraktionssigung im Rathaus Reutöln. 17. Areis Lichtenberg. Die Kreisvorstandsßigung am Mittwoch, den 1. April, fält aus. Dafür am Montag, den 6. April, Kreisfunktionärsigung im Städtischen Arbeitsamt. Heute, Dienstag, den 31. März: 132. Abt. Blankenburg. 8 Uhr in der Schule Christstraße Elternbeiratsverfammlung. Vortrag über Schulfragen". Jungfozialisten. Gruppe Rieberschönhausen: 7 Uhr zufammenkunft im Lokal Rubaich, Uhlandstr. 41. Alle jüngeren Parteigenoffen sind eingeladen. Gruppe Lichtenberg: 7 Uhr im Jugendheim Barfaue 10, Gruppenabend. Gruppe Tempelhof- Marienborf: 7% Uhr im Jugendheim Lyzeum Tempelhof, Germaniaftr. 4-6, Vortrag des Genoffen Rirsch: Florian Gener". Morgen, Mittwoch, den 1. April: 25. Abt. Bis Mittwochabend müssen die Bezirksführer beim Genossen Gübe abgerechnet haben. 81. Abt. Frichenau. Sozialistisches Seminar: 8 Uhr bei Klabe, Sandjernftraße 60-61, spricht Reichstagsabg. Eduard Bernstein über„ Der demoErotische Gebante und die Weimarer Berfaffung". 82. Abt. Steglih. 7% Uhr Funktionärsikung bei Thiel. 85. Abt Tempelhof. Nachmittags 4 Uhr Feier für die Kinder der Quäferspehung im Birkenwäldchen, Manteuffelstraße. Die Genoffen und Genossen. nen fowie die Arbeiterwohlfahrt find eingeladen. 104. Abt. Rieberschöneweibe. 7% Uhr im Lokal Thiele Sigung fämtlicher Funktionäre, Beamten und Betriebsvertrauensleute. Neuwahl des AbteilungsDorstandes. 146. Abt. Reichsbrudcrei. Mitgliederversammlung und Zahlabend nachmittags 44 Uhr im Graphischen Bereinshaus, Alerandrinenftt. 44, Vortrag des Genoffen Breuer: Bas lehrt uns die Reichspräsidentenwahl?" Briefkasten der Redaktion. Drna. 1. Wenden Sie sich an Dr. Adolf Beek. Berlin RB., Stromftraße 58. 2. Nein. Die neue Epoche im Automobilverkehr schuf der Ballonreifen. Einem weichen Polster ähnlich gleitet er sanft über Schotter und Löcher hinweg und schont Motor, Chassis und Ihre Nerven. Fahren Sie daher von jetzt ab nur Continental Ballon Reifen ( Fahrt nach der ,, Continental- Straßenkarte" 1) Gründliche Kräftigung und Auffrischung verschafft das vorzügliche, billige, wohlighmedende Biomala. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fühlt sich geradezu wie verjüngt. Mit feinem andern Kräftigungemittel tann man bessere Erfolge erzielen als Bas nehmen die Mergie? Alle Erjagpräparate und Eisenmittel erzielen nicht die Wirkung, was Appetitanregung und Kräftigung anlangt, wie Biomala. Zn meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz besonders zufrieden. Dr R. in Ch. Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in ber Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Rindern zugute fommen Dr. med. R. mit Biomalz Biomala hat sich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg.| Erhältlich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen lich bewährt. Dr. Frhr. v. B. Meu: Bional Bonbons, beftes Linderungsmittel, bei Susten und Heiferkeit, norzüglicher Geschmad, je Beutel 30 Bf und Biomalz- Schofolabe je 100 Gramm Tafel 60 f. Geschäften. Preis einer Dole Biomalz 1,90 Mart, mit Lecithin 5 Mart, mit Eisen( für Blutarme und Bleichfüchtige) 2.20 Mart, mit Ralt egtra( für Lungenleidende) 2.50 Mark. Druckschriften auf Wunsch umsonst und poftfret. Gebr. Batermann. Teltow- Berlin 10. Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1924: 13 500 Besucher. Wildunger Helenenquelle Schritten und Nachweis billigster Bezugsquellen durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. GU Arbeiter- Sport Ein Sonntag des Arbeitersports. Der fommende Sonntag bringt zwei große sportliche Veranstaltungen mit gutem Programm, die das Interesse meitester Kreise für sich in Anspruch nehmen tönnen. Im Sport palast wird der Kartellverband für Arbeitersport und Körperpflege, dem alle Arbeitersportvereine Groß- Berlins angehören, ein vielseitiges Bild von den verschiedenen Sportzweigen zur Darftellung bringen. Eine zweite Beranstaltung ruft zum Werbe fest für Turnerinnen nach der großen 3entralturn. halle in der Brinzenstraße auf, wo die Notwendigkeit der Leibesübungen für junge Mädchen und Frauen in bekannter mustergültiger Weise demonstriert werden wird. Wir hoffen mit den Bercnstaltern, daß das Interesse am Arbeitersport beiden Veranstaltungen zu einem vollen Haus verhelfen möge. Hallensportfest des Kartellverbandes. Am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet zum dritten Male ein Kartell Hallensportfest im Sportpalast statt. Das Programm verspricht in feiner Zusammenstellung vielseitig zu werden. Um 2.45 Uhr halten die Turnerspielleute mit Trommel und Flötentlang ihren Einzug. Anschließend daran werden die Rad. fahrer zweimal einen Achter- Farbenreigen fahren. Kunstradfahrer, barunter die jüngsten Radfahrer des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität, zwei Jungens und ein Mädchen im Alter bis zu drei Jahren, zeigen ihre Gewandtheit und Fertigkeit in der Beherrschung des Rades. Ein zweimal Sechser- Kunstreigen wird im Brogramm den Radsport beschließen. Als Neuheit bei einer Hallensportver anstaltung fann die Mitwirkung der Artisten des Arbeiter Athleten Bundes bezeichnet werden. Bier Spezialnummern find gemeldet, darunter 2 Gemeros, tomische Afrobaten; 4 Buttons, plastische Gymnaftit; 2 Windhors, am dreifachen Red und eine noch offenstehende Sondernummer. Ferner sei mitgeteilt, daß auch im Ringen, Boren und Jiu- Jitsu intereffante Borführungen zu erwarten find. Im Ringen werden sich drei Gewichtstlaffen gegenüber. stehen. Daß hierbei im Bantam, Leicht- und Schwergewicht nur die Besten auftreten, versteht sich von selbst. Die Rämpfe gehen über eine Zeit von zehn Minuten pro Kampf. Das Bogen im Ring ist eingestellt auf einen Trainigskampf und je einen Kampf im Federund Weltergewicht. Es soll dadurch Gelegenheit geboten werden, sich selbst von den guten Seiten des Borsports zu unterrichten und fich darüber zu orientieren, daß im Arbeitersport doch eine andere Auffassung über die Ausführung der Kämpfe herrscht. Jiu- Jitsu, tie Selbstverteidigung, die den schwächsten Menschen in die Lage versetzt, sich seines stärksten Gegners zu erwehren, wenn nicht gar cellständig fampfunfähig zu machen, wird so vorgeführt, daß die praktische Anwendung demonstriert wird, die einzelnen Griffe und 2bwehrmaßnahmen erläutert werden. Ein Jiu- Jitsu- Kampf wird die besten Beherrscher dieser Kampfart zusammenbringen und zeigen, was lebung und zäher Wille zu leisten imftande sind. Die Schwimmer werden Borbereitungsübungen zur Erlernung des Schwimmens zeigen. Von den Turnern wird Redturnen, Barrenturnen, Tischspringen vorgeführt, die Turnerinnen sind durch Freiübungen beteiligt. Eine in ihrer Art nicht mehr neue, aber doch intereffante Borführung bedeutet das„ lebende Schachi piel", ousgeführt von Kindern des Berliner Arbeiter- Schachtlubs. Das Königsspiel mird von Kindern geleitet und von Kindern gespielt. In Kostümen der darstellenden Figuren auf einem Riesenschachfeld wird Jeder Zug des Spiels durch Kinder zur Beranschaulichung gebracht. Hoffen wir, dak recht viele Zuschauer im Geiste mitspielen. Damit auch von den Kampfspielen einige Momente gezeiat merden, wird das Stockballspiel, Saalboden, in zweimal 10 Minuten zur Geltung tommen. 3mei ausgemählte Mannschaften werden die Feinheiten des Spiels und die Beherrschung der Technik vor Augen führen. Einen Raum für sich nimmt im Programm die Leicht. atbletit ein. Um eine einwandfreie und nicht zeitraubende Abmidhung zu gewährleisten, werden nur Endfämpfe stattfinden. Die Konkurrenzen find außer dem Hochsprung auf Stafetten beschränkt worden. Aber gerade die Stafetten haben schon von jeher das Interesse der Zuschauer wachgerufen, so daß angenommen werden fann, es wird troß der zahlreichen Meldungen ein abwechslungsreiches und immer interessantes leichtathletisches Programm abrollen. 3. Werbefest der Turnerinnen. Am Sonntag, nachmittags von 3-6 Uhr, findet in der Zentralturnhalle Brinzenstraße 70 ein Turn- und Sportfest der Turnerinnen statt, veranstaltet von der Freien Turnerigaft Groß- Berlin. Das Fest steht unter dem Symbol: Körperkultur im Gewande der Schönheit! Während das Männerturnen die Ausbildung eines mustelfstarten Körpers mit starter Energieentfaltung zum Ziele hat, schafft sich das Mädchen- und Frauenturnen immer mehr ihr eigenes Programm. Der Grund hierfür liegt nicht in ästhetischen oder rein schönheitlichen Rüdsichten, sondern in dem andersgearteten, anatomischen Körperbau der Frauen und den daraus sich ergebenden gesundheitlichen Lebensnotwendigkeiten. Am besten wird das Ziel, den ganzen Frauenförper harmonisch durchzubilden, durch die neuen Freiübungsformen gewährleistet, die wie Massage, alle Glieder star: durcharbeiten. Dabei erscheinen diese Uebungen, nach dem Klang der Musik durchgeführt, wie ein leichtes fröhliches Spiel, das in feiner Wirkung noch erhöhi wird durch die nur leichte Kleidung. Ein allgemeines Geräteturnen, Sondervorführungen von Vereins riegen, allerlei luftige Spiele bringen eine andere Seite des Frauen. turnens zur Darstellung. Die Leichtathletit ist vertreten durch Bendel- und Verfolgungsstafetten, sowie Mannschaftshochsprung mit Einzelwertung. Einen wirkungsvollen Abschluß werden Massen Wenn Du willst gewinna Spiele bei„ Siwinna" No. 7 An die Bestellschein Bitte ausschnel den! Staatliche Lotterie- Einnahme Siwinna BERLIN W 36, Potsdamer Straße 123 B. Senden Sie mir unter Nachnahme aus der 251. Preuß. Staatl. Klasson Lotterle Los der 1. Klasse 18 3.4 1/2 1/1 6,- 12.- 24.1/ 15.Doppel- Los 48.-R.-M. Los für alle 5 Klassen 12 Doppel- Los 30.- 60.- 120.- 240.-R.-M. 1 Amtl. Ziehungsliste( f. alle Klass 1,-) ( Nichtgewünschtes bitte zu streichen) Name: Beruf: Ort: Straßes gruppenstellungen( Praymiden) von etwa 100 Turnerinnen bringen. Alle jungen Mädchen und Mütter können auf dem Fest ersehen, wie durch die ernste und doch fröhliche Turnarbeit die Körper biegsam, gelentig und fräftig gemacht werden. Aber auch die männliche Arbeiterschaft ist eingeladen, damit sie aus eigener Ueberzeugung die Notwendigkeit erkennt, die Gleichgültigen aufzurütteln und einer systematischen Körperpflege zuzuführen. Nach dem Turnen findet ein Unterhaltungsabend im großen Saale des Gemertschaftshauses statt, der ebenfalls ein reichhaltiges Programm bringt. Anfang 7 Uhr. Der Ruder- und Kanusport. des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität zur Beschlußfaffung Dor. In dieser Sigung wurde beschlossen, der Gauleiter Genoffe Hanisch wird beauftragt, die Leitung der Kommission solange zu be halten, bis die Gefahr einer Straßensperre endgültig beseitigt ist. Ein Zusammenarbeiten mit bürgerlichen Organisationen zu anderen 3weden fommt nach den uns gegebenen Richtlinien nicht in Frage! Es ist zu hoffen, daß diese Darstellung genügt, um einer Legendenbildung über eine sogenannte Arbeitsgemeinschaft von vornherein die Spize abzubrechen. Fußballresultate vom Sonntag. Woltersdorf 1910- Adler 12 4: 2( 0: 1), Wilmersdorf- Adler 08 2: 2( 2: 0), Britannia- N.- Amateure 0: 4( 0: 2), WeißenseeBernau 3: 7( 1: 3), BfB.- Union 0: 0, Schöneberg- BSB. 16 3: 1 ( 1: 0), Staaten- Merfur 2: 1( 2: 1), Bittenau- Stralau I b 6: 6 ( 3: 3), Borwärts- Neukölln- Brig 0: 2( 0: 2), Botsdam- Brieselang 7: 1( 4: 1), Lichtenberg- Nomames 0: 2( 0: 1), Alemannia- ASV. 2: 2( 1: 1), 3BC.- TBC. 3: 2( 0: 0), Steglig- Beuthen 4: 0), Senzig- Steglig II 1:11( 0: 5), Stralau- BC. Moabit 3: 0( 0: 0), Fichtenau- Lasdorf 3: 3( 1: 0), MSc. 2- Gr. Machnow 5: 2 ( 3: 0), Alemannia 2- Fortuna 5: 0( 3: 0), Teutonia 2- BSB. 2: 2( 2: 0). Jugendfahrten zu Offern und Pfingsten. Die Berliner Reichsbahndireftion gibt bekannt, daß die Anträge auf ermäßigte Fahrt im Interesse der Jugendpflege bis zum 7. April bei den Berliner Fernbahnhöfen eingereicht sein müssen. Diese Anträge bedürfen der Genehmigung des Stationsvorstandes. Ohne diese Genehmigung werden Fahrpreisermäßigungen zu Ostern auf den Fernbahnhöfen nicht gewährt. Afo ist für alle Fahrten, die vom Anhalter, Botsdamer, Hamburg- Lehrter, Stettiner und Görüßer Bahnhof fowie von den Stadtfernbahnhöfen Schlesischer Bahnhof und Charlottenburg angetreten merden sollen, bis zum 7. April ein entsprechender Antrag bei dem betreffenden Bahnhof einzureichen. Dagegen ist im Berliner Stadt, Ring- und Vorortverkehr eine vorherige Anmeldung nicht notwendig. Die Fahrten für Pfingsten müffen in der gleichen Weise bis zum 26. Mai angemeldet werden. Noch immer herrscht in breiten Kreisen der Arbeiterschaft die irrige Auffassung, daß der Rudersport nur von der befizenden Klaffe ausgeübt werden kann. Nur wenige sind davon unterrichtet, daß es in Berlin ein Dußend Ruder- und Kanuvereine gibt mit über 1000 Mitgliedern. Ein Teil der Vereine besitzt eigene Bootshäuser mit gutem und reichhaltigem Bootsmaterial in allen Gattungen. Rennboote befizen die Vereine nicht, da im Gegensatz zu den bürger lichen Vereinen, die hauptsächlich das Rennrudern betreiben, Sie Arbeitersportvereine hauptsächlich das Wander rudern pflegen. Bon allen Sportarten ist der Ruder- und Ranufport am idealſten. Das Rudern tommt hauptsächlich für er. wachsene Menschen in Frage, die das 18. Lebensjahr überschritten haben. In frischer, staubfreier Luftauf der freien Wasserfläche wird der Sport ausgeübt. Auf froher Wanderfahrt lernt der feine Heimat tennen und lieben. In Sportler Land und Leute Licht, Luft, Sonne und Wasser tann er seinen Körper baben, um im Kampf ums Dasein gerüstet zu sein. Wer sich behaupten will in unserem nervenzerreibenden Zeitalter, der muß Sport treiben. Ge meinschaftsgeist, Lebensfreude und andere wertvolle Eigenschaften sind jedem Strebenden gewiß. Allerdings stellt der Ruder- und Ranufport höhere Ansprüche an den Idealismus als andere SportBei gutem Willen läßt sich durch Abstriche bei den Ausgaben für arten. Das Bootshaus, die Boote und deren Erhaltung tosten Geld. Alkohol, Tabat und ähnlichen überflüssigen Dingen der höhere Beitrag der Rudervereine aufbringen. Je mehr Schultern die Lasten tragen helfen, um so leichter wird es dem einzelnen. Persönliche Ehren und Preise gibt es bei uns nicht, das überlassen wir den bürgerlichen Vereinen. Doch wer noch Sehnsucht verspürt nach Naturleben, wer im Licht, Luft und Wasser baden will, wer seinen fagte Sartellmitgliederversammlung findet Körper stählen und harmonisch bilden will, der ist uns willkommen. Nachfolgende Bereine nehmen noch Mitglieder auf und wolle man fich wegen Aufnahme an diese Adressen wenden: Ruderverein Borordentliche Wichtigkeit dieses Themas verpflichtet alle Mitglieder ber angewärts, Oberschöneweide, Wilhelmstrand; Ruderverein Collegia, B. Szumann, Berlin, Borhagener Str. 24; Ruderverein Fretheit, Stralau, Tunnelstr. 28/29; Freie Kanufahrer Berlin, F. Paschte, Berlin, Dranienſtr. 35; Freie Rudervereini gung 1913, E. Schnelle, Neukölln, Allerstr. 31; Freie Ruder vereinigung Ruderfreunde, A. Baite, Neukölln, Schönleinftr. 18; Bichelsdorfer Rudergesellschaft, F. Taßler, Charlottenburg, Knobelsdorffftr. 60; Ruberriege Fichte, K. Lehmann, Pantow, Kreuzstr. 4; Recomania, F. Lange, Friedenau, Bornstr. 9; Freie Wassersportvereinigung Nowawes, W. Krohse, Botsdam, Saarmunder Straße; Ruderverein ASC., Wilh. Möllmer, Berlin, Gubener Str. 39. Der Arbeiter- Radfahrerbund, Solidarität". Gegenüber den Darstellungen, die in den Groß Berliner Orts gruppen des Bundes mie auch in den Berliner Abteilungen über die Frage einer Arbeitsgemeinschaft verbreitet sind, fieht sich der Bau Dorstand des Bundes zu nachfolgender Erklärung veranlaßt: Sigung bes Gauporstandes und der Bezirksleitungen des 1., 2. und In der am 9. März in Neuföln stattgefundenen fombinierten 21. Bezirks murde beschlossen, die Abwehrattion gegen die brohende Straßensperre durchaus selbständig vorzunehmen, den bürgerlichen Radfahrerverbänden jedoch rechtzeitig davon Mitteilung zu machen und ihnen die Beteiligung an unferer Straßendemonftiation freizu stellen. Dies ist geschehen und hat sich u. a. auch die Union unserer traftvollen Demonstration angeschlossen. Am Tage nach unserer Demonstration berief der BDR. eine Sigung sämtlicher Radfahrer verbände ein. Wir waren uns klar, daß unsere Demonstration allein nicht ausreichen konnte, um eine einmal erlassene Polizeiverordnung zu Fall zu bringen und waren in dieser Sigung anwesend. Dabei wurde eine aus allen Radfahrerverbänden zu sammengefeßte Berhandlungsfommiffion gewählt, deren Leitung dem Gauvorfigenden der Arbeiterradfahrer übertragen murde. Die Arbeit dieser Kommission: Eingaben an das Breußische Ministerium des Innern, an das Berfehrsdezernat des Magistrats Berlin sowie noch andere Faktoren haben dann erreicht, daß der§ 13 der neuen Berkehrsordnung am 1. März noch nicht in Kraft gefeßt wurde. Die Gefahr ist jedoch noch nicht beseitigt! Bereits liegt ein Antrag der Stadt Dresden vor, eine Reichstonferenz fämtlicher Großstädte einzuberufen, in der über eine generelle Regelung des Straßen verkehrs in den Städten beraten werden soll. Wir haben Vorsorge zu treffen, daß in dieser Konferenz die Radfahrer vertreten find und ist eine diesbezügliche Nachricht bereits an die Bundesleitung er gangen. In der Schlußßigung der obengenannten Verhandlungsfommission wurde auch der Gedante geäußert, diese Kommission nicht auseinandergehen zu lassen, sondern zur Bearbeitung anderer allgemeiner Fragen, wie z. B. die Einwirtung auf die Berwaltungsbehörden betreffs Schaffung von Radfahrermegen usw. weiter bestehen zu lassen. Dieser Gedanke lag der letzten Gauvorstandssigung ix Turner- Spielleute. Sonntag, ben 5. April, sormittags 9 Uhr, Uebungs eftfälen, Neue Friedrichstr. 35, Eingang Rochitake, smiſchen Henfpoffeft, frunde der Spielmannsalige der Berliner Arbeiter Turnvereine in Sanerlands und leranderplan. Anschließenb, 12 Uhr, Abmarsch zum Sallensportfest in Sportpalaft. Dort Einzug der Spielleute um 2% Uhr. Kleibung: Straßen. anaug ohne Mantel aber mit Mühe. Führung: Kreisftabführer Braun- Rauen, Fiebig- Neukölln( 1. Bezirk) und Gebhardt- Spandau( 3. Beşir). Die Spiel mannszüge außerhalb Berlins liegender Brudervereine find zur Teilnahme hiermit eingeladen. Arbeiter- Sportfartell Rentölle. Die zum Mittwoch, den 1. April, angeant Donnerstag, bex 2. April, abends 7 Uhr, in der Schulaula des Raiser- Friedrich- Realgymna fums, Raifer- Friedrich- Str. 208, Ratt. Auf der Tagesordnung fteht: Die Lage der Arbeiterfportbewegung und ihre zukünftige Aufgabe. Die außer fchloffenen Bereine zum Erscheinen. Schwimmer im 1. Streife bes Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Der Referentenabend der Agitationstommiffion findet am Montag, den 6. April, abends 7 Uhr, in der Jdeal- Rlaufe, Neukölln, Mareschstraße, ftait. Die ta Frage Yommenden Bereine werben nochmals aufgefordert, entsprechende Bundesgenoffen zu entfenden. Der Schulvortrag wird vom Schwimmgenoffen A. Bud gehalten und findet anschließend die Materialausgabe ftatt. Montas, ben 8. april, abends 8 1hr, im Lofal von Sorgas. Endener Straße 56, find die Bereine verpflichtet, außer bem Delegierten ihren tech nischen Leiter zu entfenden. 2. Bezirk( Tiergarten), Arbeiteripdrifartell. Aur nächsten Rartellfikung am Tagesordnung: 1. Werbewoche. 2. RAGT. 8. Breffe. Die wichtige Tagesordnung verpflichtet au rechtzeitigem Erscheinen. Außerdem Melbeschluß für den Bassersportplak Blößenfee für Sommer 1925. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Das Mitteilungsblatt tommt erst am Mittwoch zur Ausgabe. Rum Werbefportfest treffen fich die Teilrehmerinnen, Dbleute der Rontrolle, Rampfrichter usw. Puntt 42 Uhr in ber Turnhalle, Seiteneingang. Mittwoch, Buntt 8 Uhr, Eurnhalle Boedh ftraße 17-20, Rufommenturnen der Rinder turnmatte und Borturner bes Bereins.( Bonarbeit für die Rinderveranstaltungen.) Freie Turnerschaft Bidtenberg- Friedrichsfelbe. Mittwoch, den 1. pri Frauen Turnhalle Schreiberbauer Don 8-10 Uhr. An beiden Borturnerstunden erfolgt die Ausgabe der Stefa Bereinsnotturnerstunde für Männer und Jugend, torebehnut Co tatsformulare an alle Zeilnehmer vom Deaitishallenwetturnen in Köpener. Anyabbeln der Freien Rannfahrer Berlin, E. B. Die Freien Ranufaher Berlin, bie älteste Berliner Arbeiter Ramuvereinigung und Mitglied des Stbeiter Turn- und Sportbundes, hat in Röpenid auf dem Gelände bes nau errichteten Stadions aus eigenen Mitteln ein Bootshaus erbaut, bas nech endgültiger Fertigstellung als ein Mufter ber Opferwilligkeit bisziplinierter Arbeiterfportier betpcditet merden darf. Bom neuen Bootshaus cus findet am 5. April, vormittags 10 Uhr, has Anpaddeln nach Marienluft( Grünau) ftatt. Die Gikungen des Bereins finden Freitags nach dem 1. und 15. jebex Monats im Bereinslokal beal- Rlaufe, Renton, Moreschstr. 14, ftatt. Dort felbft Aufnahme neuer Mitglieder. Gefchäftsstelle und Bereinsanschrift: Kris Pafchte, Berlin SD. 26, Oranienftr. 35. Sportverein Moabit. Am Sonnabend, den 4. April, findet die fällige Quartalsversammlung im Artushof, Berleberger Straße, ftatt. Beginn der Tagung pimitlich 7 Uhr; nachdem findet ein nefelliges Beifammensein, statt. Sebes, Mitglied ift verpflichtet, au erscheinen. Bieberbilcher mitbringen. Makerboten neue italieber am Waldlauf am 10. April beteiligen. Freie Rann- Bereinigung Schweiffterne Nächte Mitglteberverfammlung em Mittwoch, den 1. April 1925, im 2ntal Buffe, Neukölln, Teupißer Str. 105, Ede Schubomastraße( am Bahnhof Railer- Friedrich- Straße). Beginn pünktlich 8 Uhr. Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. Arbeiter- Turnerbund, 1. Rreis, 4. Bezirk. Laut Beschluß des Bezirtstages in Lichterfelde findet am Sonnebend, den 4. April, abends pünktlich 8 Uhr, in Schöneberg beim Genoffen Lehmann, Marstraße, eine Gigung der Turn warte statt. Tagesordnung: 1. Gruppeneinteilung. 2. Wahlen. 3. Berschie benes. Insbesondere die Gruppenturnwarte von Fichte und die Bezirksturnwarte der FTGB. find dringend eingeladen. Athletik- Sport- Alub, t. B. Gefchäftsstelle: Rurt Liebruds, Berlin D. 34, imter Str. 46. Diens eg, den 31. Mära, 18 Uhr, Babeabend in der Babeanstalt Schillingsbrücke. Donnerstag, ben 2. April, 6 Uhr, Training auf dem Fichteplas in Baumschulenweg. Schriftführer der Sodenabteilung: Billi Miette, Berlin D. 34, Weidenmeg 27. Arbeiter- Sportarten Charlottenburg Einlaßkarten sum Sallensportfest ant 5. April find zu haben bei S. Mesdorf, Schloßftr. 33, Geitenflügel 3 r. Touristenverein„ Die Naturfreunde", Rentrale Bien, Berbebegiz? Norben. Wegen Ausfall der Rundgebung des Genoffen Bollert findet der nächste Bortragsabend des Dr. Klofe am Donnerstag, ben 2. April, pünktlich 8 Uhr, im Ledigenheim ftatt. Ortsgruppe Berlin: Funktionärtonferens Mittwoch, bent 1. April, pünktlich 7% Uhr, im Sophien- ngeum, Weinmeifterstr. 16-17. Einlak gegen Ausweis. Preußische Staats- Lotterie 550 000 Lose in 5 Klassen 195 000 Gewinne im Gesamtbetrage von 38 Millionen Reichsmark gewinn: Hauptgewinne Höchst- 2 Millionen R.-M. auf ein Doppel- Los Höchst- 1 gewinn: 1 Million R.-M. auf ein Ganzes Los Ziehung 1. Klasse 17. u. 18. April Siwinna Staatl. 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Obst 751b fage ich allen lieben Berwanbten und Be Nerven leiben, Schlafloftg teit, nervöse Herz- u. Magenbeschwerden Baldrament" die natürlichfte ebigin aur Nerven beruhigung unb Stärtung. Große Erfolge feit 33 Jahren. FL M. 2.50 In Drogerien und SCHUTZ MARKE Ountungs- Babali Reklamnemarken ti 55 Jahren Spezialtat Conrad Müller Mchtkendiz: le prig Apothelen, fonft bei Inferieren OttoReichel, Berlin43, SO. Eisenbahnftr bringt ERFOLG! Gelegenheit rannten fomie ber 29. Abteilung ber 3D Reste 1. Wintermäntel u. Kostüme: meinen herzlichften Dant Artur Gensch. Sealplüsch, Samt, Krimmer. Verband Eherechts- Reform Futterseiden. Halbseiden Ziel: Erleichterung der Ehescheidung. Nächste Sigung: Dienstag. 31. März. Reftaur. Greiffenberger, Jerufalemer Str. 8, 8 Uhr Bortrag. Interessenten willkommen bedeutend unter Preis. 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April 1925 Preise der LoserFür jede Klasse schtel vieriel halbe ganze M. 3.M. 6.0 M. 12.M. 24.Doppellees.. 48, Staat. Für alle Klassen achtel.... M. 15viertel. M. 30halbe ganze. M. 60. M. 120. Doppellose M. 240.Heinz Berlin W8 LotterieEinnehmer ( zwischen Behrenstr. Friedrichstr. 83(. Unter den Linden Posischeckkonto Berlin 40x21 Marken- Zigaretten kaufen Sie am billigsten Kaiser Wilhelm Str. 32 CIONSHAUS SILBERPFENNIG Trp. Was soll das bedeuten? Zugehörigkeit zu Reaktionären? Nein, etwas wesentlich anderes. Putschen nennt man seit Neuestem den Coueismus des Rauchers". Das Geheimnis sel hiermit gelüftet. Es gibt„ Putschtabletten". Diese Dinger sehen aus wie Pfefferminze Tabletten und schmecken auch ebenso. Wenn man eine solche Putsch Tablette im Munde zergeben läßt, hat man das Empfinden, eine Pfefferminztablette gegessen zu haben. Raucht man nun, einerlei ob Pfeife. Zigarre oder Zigaretten, so geschieht etwas Merkwürdiges. Der Rauch entwickelt nach einigen Zügen im Munde einen eigen artigen, süßlichen Geschmack, der dann direkt komisch zu werden beginnt; und das Frappante an der Sache: damit hört das Rauchbedürfnis plötzlich aut, st llt sich aber nach einigen Stunden, meistens erst nach einem Tage wieder ein. Nach jeder weiteren Tablette wird die Pause, in der kein Rauchbedürfnis besteht, größer. Mit einer einzigen Schachtel dieser Putsch- Tabletten bat man seinen Glimmstengelverbrauch schon um mehr als zwei Drittel, und zwar dauernd eingeschränkt, mühelos und auf angenehmste Art, was sonst ein starker Wife nur unter schweren Kämpfen mit der Rauchleidenschaft zustande bringt. Nichtraucher, die ihre Freunde gerne weniger rauchen sehen würden, schenken ihnen Putsch- Fabletten meistens unter dem Vorwand, es seien Hustentabletten. Hausfrauen, die ihren Gatten in dieser Hinsicht sparsamer wünschen, machen es ebenso. Fast jeder Raucher raucht zu viel. Hervorragende deutsche und amerikanische Aerzte haben neuerdings festgestellt, daß die in erschrechendem Maße um sich greifende Arterienerkalkung hauptsächlich auf das übermäßige Rauchen zurückzuführen ist. Mit Putsch- Tabletten, der genialen Erfindung des deutschen Arztes Dr. med. Rascher, hat man es nun in der Hand, sich den Rauchgenuß einzuschränken oder ganz abzugewöhnen. Zu einer vollständigen Abgewöhnungskur sind drei Schachteln notwendig. Zum Einschränken genügt eine einzige Schachtel. Die Schachtel mit 20 Tabletten kostet frei Haus nur Eine Mark und zwanzig Pfennige. Patsch- Tabletten sind garantiert unschädlich. Sie sind gesetzlich geschützt und von hervorragenden Aerzten bestens empfohlen. Bestellen Sie sofort gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages direkt bei der Putsch G. m. 6. H. Stuttgart, Urbanstraße 31c. Jch putsche! Auf Teilzahlung! Bequeme Zamiantofisen! 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Benn man die geniale Persönlichkeit an der Fülle und Bieljeitigkeit ihrer Interessen erkennen würde, so dürfte Schwedens größter Dichter, August Strindberg, Anspruch auf den Namen eines Genies erheben. Dieser im besten Sinne des Wortes moderne Mensch hat sich mit allen Fragen seiner Zeit beschäftigt, und wie er als den Jahren nach gereifter Mann, den Schicksalen nach innerlich zerrüttet und dem Berfolgungswahnfinn nahe, sich mit ber mittelalterlichen Runft des Goldmachens befaßte, so in der Zeit, die er selbst als die der Entwicklung einer Seele" charakterisiert, mit der philosophischen Frage nach dem Wesen des Idealismus und it der ökonomischen Frage nach dem Sozialismus. In einer fundamentalen Frage unterscheidet sich Strindberg grundsäßlich von seinen sozialistischen Freunden: in der Stellung zur Frau. Es ist ein schwerer, leider kaum noch auszurottender Irrtum, Strindberg immer wieder als Frauenhaffer hinzustellen. Was er forderte, war die Befreiung des Mannes von der Arbeit für die Erhaltung der Frau und des Hauses, und fein Fehler, vom fozialistischen Standpunkt gesehen, besteht lediglich darin, daß er die legte Konsequenz zu ziehen vergißt, nämlich den berechtigten Anspruch der Frau auf das Kollettiveigentum an Produktionsmitteln. Zunächst steht Strindberg dem Sozialismus unfritisch und leidenschaftlich begeistert gegenüber. Als Johan( so nennt sich Strindberg in feinen autobiographischen Romanen) fich zuerst mit dem Sozialismus befaßte, hatte er darin einen Reformplan gesehen, um die ganze Gesellschaft von der Wurzel bis zum Wipfel umzugestalten. Buerft beschäftigt er sich mit Cabet, sodann wagt er sich an Marz, Laffalle, Lange, Bebel, und die Arbeiterfrage stürzt über ihn. Boran er sich stößt, ist der Klassencharafter der politischen Arbeiterpartei. Es ist von höchstem Intereffe, zu sehen, daß dieser scharfsinnige Dichter völlig von den Vorurteilen der bürgerlichen Ideologie befangen ist. Man glaubt die Argumente unserer heutigen Gegner zu hören, wenn Strindberg behauptet, daß die Arbeiterklasse nur für fich felbft eine beffere Stellung erstrebe, während er, Strindberg, die Gesellschaft für alle Klassen umredigieren" wollte. Daß das Wesen des Klaffentampfes in der leberwindung der Klassen, nicht aber in der Schaffung einer neuen Klaffenherrschaft liegt, das blieb ihm fremd, und von dieser schiefen Bafis aus gelangte er allmählich zu einer Gegnerschaft gegen die Bestrebungen des Sozialismus. Eines Tages führt er noch in der Belt felner arbeiterfreundlichen Haltung ein Gespräch mit einem Werfführer, der ihm die Argumente des Kleinbürger gewordenen Renegaten entgegen hält. Strindberg weift darauf hin, daß der Arbeiter durch die Maschine ausgebeutet werde; der Wertführer der es als Aufseher nicht mehr nötig hat, vor der Maschine zu stehen sucht ihm einzureden, daß der Arbeiter Herr der Maschine ist, die er mit dem leisen Drud eines Hebels bedient, während er seine Zigarre dabei raucht. Sie wissen nicht, was Sie tun", so führt der Berts führer aus, wenn Sie den Arbeiter aufwiegeln! Er darf seine Arbeit auf die Maschine der Kapitalisten abwälzen, er beutet die Maschine der Fabritanten aus(!!). Er sollte sich also nicht gegen die Maschinen erheben, die ihn von der schweren törperlichen Arbeit befreit haben." Noch widerspricht Strindberg, aber zweifellos mirtt dieses Gespräch in ihm nach. Man hat zwar bei der Let türe von Strindbergs Befenntnissen immer den Eindrud eines ehr lichen Strebens, es läßt sich aber nicht verfennen, daß die Methoden falsch find, mit denen er an die Untersuchung der Arbeiterfrage herantritt. Aus der Tatsache, daß es in Belgien Glasbläser, in Amfterdam Diamantenschleifer, in Paris Ebenholztischler, in Rom Juwelenarbeiter geben soll, die es zu einem gemiffen Wohlstand gebracht haben, sieht er den falschen Schluß, daß der Arbeiter fein anderes Biel habe als eine neue Bourgeoisie zu bilden. Die Die eigentliche Aufgabe und das Ziel des Sozialismus, die Umwandlung der tapitalistischen in eine vergesellschaftete Produktionsweise, wird von Strindberg völlig verkannt. Höchst charakteristisch für feine Auffaffung ist ein Beispiel von Kapitalbildung, das er auf langen Seiten eingehend erörtert. In ein Dorf, das ohne besondere Tätigkeit träge dahinlebt, tommt ein Mann voller Initiative und reger Arbeitstraft. Strindberg perfichert mit einer Naivität, über die wir nur lächeln können, daß dieser Anfömmling fein Ausbeuter, fein Rapitalist sei. Er beginnt allerhand Unternehmungen, burch Auf der Schwelle des Lebens. Bon Eugen Tschirikow. Autorisierte Ueberlegung von Abele Lampert) I. ... Manja wadhte auf, und gutte aus feinem Gitterbettchen her aus. Was tönnte dies bedeuten? Es ist Nacht in der Ede leuchtet wie immer bas rote Auge des Heiligenlämpchens, aber im Zimmer bewegen fich, lärmen und sprechen Leute... Bauter un bekannte Dntel, militärische und einfache, der Hausmann ist auch ba... Warum framen fie in feinem Spielzeugschräntchen? Wie wagen fie's? Warum erlaubt es Mutti? Auf dem Fußboden liegt Manjas Pferdchen, mit dem abgeriffenen Schweif, liegen Bilder bücher, Spieltäften... Es mill gar scheinen, die Mama meint?... „ Erschreden Sie nicht bas Rinb. Um Gottes willen, erschyreden Sie das Kind nicht..." Ich schlafe nicht, Mutti..." Liebling, schlafe nur weiter, fdyliaf..." Und da wer ist es? Gib ihnen mein Spielzeug nicht..." " Sie gehen gleich weg... Schlaf..." Jag' fie fort..." Einer der Onfel lächelte und fagte: die ein gewisser Wohlstand in das Dorf tommt, er läßt die Arbeiter zehn Stunden bei fich arbeiten, so daß sie außer ihren täglichen Kartoffeln und Heringen auch noch am Sonntag ein Stückchen Fleisch zum Essen und ein Glas Bier zum Trinken haben; ein Teil ihres Lohnes wandert zu den Kaufleuten des Dorfes, aus dem Kleinbetrieb wird eine Fabril, aus dem mittellofen Ideenbringer furz und wird ein reicher Fabrikant mit Villa und Gespann gut, die tapitalistische Produktionsweise tritt mit allen ihren Be gleiterscheinungen von Wohlstand und Ausbeutung in die ErscheiHanswurstens Klage. Griny wiens Gern belacht das Publikum/ Meine Kapriolen Aber geht der Teller um,/ Drückt man fich verstohlen. nung. Strindberg findet diesen Zustand begrüßenswert, und wie er zerstört wird, ist beinahe erheiternd zu lesen: Da tommt ein Sozialift in bas Dorf, ein richtiger Berliner( ber Dichter war offenbar tein Freund der raditalen Berliner Arbeiterbewegung in den 80 ar Jahren des vorigen Jahrhunderts). Er setzt den Arbeitern auseinander, daß fie nun Objette der Ausbeutung geworden find, die Arbeiter streiten, schließlich übernehmen fie bie Fabrit, und diese wird hier ist ber Wunsch des Gebantens Bater natürlich binnen furzem völlig herabgewirtschaftet. Wir finden hier bei Strindberg eine typisch bürgerliche Art der Beweisführung: auch heute sind die Argumente der bürgerlichen Gesellschaft gegen eine Sozialisierung der Betriebe nicht geistvoller geworden; auch heute fucht man gefliffentlich zu übersehen, daß der Sozialismus eine organische Ueberführung der fapitalistischen Produktion in die vergesellschaftete anstrebt, nicht aber die fyftemlose Uebernahme eines einzelnen Unternehmens, die selbstverständlich zum Scheitern verurteilt ist, zum Siel hat. Die Njanja trat ein, die Mutter madhte ihr ein Zeichen mit ber Sanb und ging zum Zimmer hinaus. .Gehört haben wir bidh, bu fleiner Engel Gottes! Ach bu lieber Narr!... Kehr dich um zur Wand!" Räume mein Spielzeug zusammen!... Dummföpfe..." Und bu fehr' bich um unb fchlof! Ich will schon alles fort. räumen, aufheben, verfchließen..." Wanja brehte fich um. Die Njanja begann bas Rinderzimmer zu ordnen und flüsterte leise vor sich hin. Dann trat fie ans Bettchen, büdte fich und lauschte... Schlaf in Gottes Namen!" flüfterte fie und ging leise banon. Wanja legte fich auf den Rücken und öffnete meit feine blauen Augen. Etwa eine minute lag er ruhig, bann stügte er sich auf ben Ellenbogen und blidte auf den Fußboden: alle Spielfachen maren fchon fortgeräumt... Aber sie waren noch nicht fort: fie reben bort in Ajofchas Zimmer, umb Ajofcha ist auf fie böse: er ist grob gegen fie... und Mama erlaubt nicht, grob zu sein. Darf man gegen Besuch grob sein? Der frembe Dnfel schreit... Es ist Schlafenszeit, und die da schreien... Banja fett fich auf, ftüßt sein Rinn auf die falte Bitterstange und lauscht aufmertfom... Weint die Mama wieber?... Solche Dummtöpfe.. Manja steigt über das Gitter hinweg auf den Stuly unb vom Stuhl auf den Boden. Ein Weilchen Stanb er auf dem Teppich. " Du bist aber tapfer... Run, hüpf mal der Mama auf ben Mama erlaubt nicht barfuß auf dem bloßen Boden zu stehen... Schoß." Ich will nicht!" Die Mama hob Wanja heraus, und zu seiner großen Bermunde. rung fing der Ontel an das Bettchen zu machen. " Pfui, es ist nicht schön, unter den Riffen Bonbons aufzube wahren," fagte der Ontel. Laß Mama! Was will er? Geh fort!" " Sehr gut! Leg dich jetzt wieder hin!... Wildfang!..." Die Mutter füßte das warme Kinb unb tat es in sein Bettchen Hier ist das Kinderzimmer, es ist nichts da, ich versichere Sie." Die Onfel framten noch im Schrant, rüdten ben Kleiderschrank Don der Wand fort, gudten in den Ofen, ins Zugloch und verließen einer nach dem anderen das Zimmer. All mein Spielzeug haben fie durcheinander geworfen... Die Bösen! Ein schöner Besuch!" fagte Wanja übellaunig. Beg bich hin und schlafe!..." Unb bu?" „ Ich komme gleich... Ich will fie mur begleiten, bann tomme ich wieber au bir..." Tu' bas Pferbchen wieber in bie Gdyblade, es hat fchon jetzt Leinen Schweif mehr!..." man fann einen fleinen Blid hineinwerfen, und fortlaufen, und sich mieber hinlegen. Und sich mit dem Geficht zur Wand umbrehen... Wanja ging zur Türe, öffnete ein bißchen die eine Hälfte und fah durch den Spalt. Gut, daß er die Dede mitgenommen hat: bie Süße stehen auf der Decke und sind unten barin eingewideft: so tann er sich nicht erfälten... Alle Onfel find in Aljofchas Zimmer. Aljofcha steht mit bem Rüden zur Tür, gebückt, und neben seinem Stopf springen Haarsträhnen, die er immer wieder mit der Hand zurückstreicht. 9 ch fag's nicht... Ich kann nicht, Mama." Au, au!... Er will mama nicht folgen... Unb Mama weint... Wie unartig ist er, Aljofcha: er folgt nicht ber Mama... Und der Onfel bittet auch... Der Onfel ist böse... Aber Aljofcha fürchtet fich nicht vor ihm... Aljofcha fürchtet niemanden!... Und ber Offizier hat folche Dinger an den Füßen, die ffirren... Benn Wanja groß ist, wird er Offizier und wird an den Füßen auch solche Dinger haben... Wie fleine Schellen!... Barum nehmen fie Abschied von einander, Mama und Aljosdha? Mütterchen, meine nicht," flüstert Banja, und die weichen roten Rinderlippen verziehen sich umb zittern. Die Njanja budt fich unb weint aud... Beilage des Vorwärts Beit näher steht uns Strindberg, menn er sich mit der landwirtschaftlichen Frage beschäftigt. Frühzeitig erfennt er, daß das Problem des ländlichen Proletariats ebenjo atut it, mie das der Industriearbeiterschaft, und er zitiert zustimmend Bebel. dem er den Ehrentitel eines Meisters" zuerkennt, der die Frage nach der Möglichkeit einer Hebung der Landwirtschaft mit dem Hinweis auf die allmähliche Auflösung der großen Städte und auf die Dezentralisation der Massenbevölkerung beantwortet. Doch was Bebel als ein hinauswachsen über die gegenwärtigen Lebensgewohnheiten der Menschen auffaßt, wertet Strindberg als einen, wenn auch begrüßenswerten Rüdschritt auf Rouffeausche Ideale: Ja, der wilde Agitator, der seine Zeit zwischen Reichstag und Werkstatt teilt, ist bereits erfaßt von des Alters reiner Luft nach einem Gärtchen Er schwärmt ja, der große Realist, und träumt von einem Bolt von lauter Gärtnern. Je weiter sich Strindberg vom Sozialismus entfernt, um so mehr nähert er sich der bürgerlichen Auffaffung, daß der Sozialis mus nur ein philosophisches System sei, das auftauche und verschwinde, wie so viele andere vor ihm. Daß die Sozial demokratie als ihre Elitetruppe das Industrieproletariat ansieht, führt er nicht auf die gegebenen Klassenverhältnisse und die tapitalistische Probuftionsweise zurüd, sondern und diese Auffassung tann nicht anders als banal bezeichnet werden auf die Tatsache, daß Marx in einer Industrieprovinz wie Rheinpreußen geboren, in einem Induftriezentrum wie Berlin erzogen war, dann seine publizistische Tätigkeit in Köln ausübte" und deshalb die Welt für eine industrielle Organisation hielt". Was Marg in seinem Rapital" an ökonomischer Erkenntnis geleistet hat, vermag Strindberg nicht zu würdigen. Wenn er behauptet, Marg sehe nicht ein, daß der Kapitalismus mit ebenso großer Notwendigkeit entstanden sei wie der Proletarier, so ist diese Auffassung so schief und der marristischen Lehre so entgegengefeßt, daß sie einer Richtigstellung nicht bedarf. Denn gerade die Einsicht, daß der als Folge des Naturalsystems mit Notwendigkeit geborene Rapitalismus mit der gleichen Zwangsläufigkeit von einer höheren Produktionsform, der eztaliftifchen, abgelöst wird, ist ein jo elementarer Begriff materialistischer Geschichtsbetrachtung, daß er nicht weiter auseinandergefeht zu werden braucht. Man wird Strindberg auch darin zu stimmen fönnen, daß es nicht die Mission der Arbeiterklasse ist, in der fünftigen Gesellschaft als Arbeiterbourgeoisie neu aufzutauchen; man mird ihm aber entschieden entgegentreten müssen, wenn er behauptet, daß dies das Ziel des sozialistischen Kampfes tft. Strindberg war ein Ringender, und weil er gegen sich selbst fo schonungslos war wie gegen andere, deshalb lieben wir ihn auch, wo wir ihm nicht beipflichten. Seine Verdienste liegen nicht auf bem Gebiete des Kampfes gegen den Sozialismus. Größere als er haben diese Heilslehre der Arbeiterschaft widerlegt", und ihre Namen find vergessen, während das Proletariat im Beichen feiner Führer weiter den Kampf um die Befreiung der Menschheit vom Joch des Kapitalismus führt. Aber er war ein Gegner, der mit ehrlichen Waffen focht, und deshalb erscheint er würdig, von der Arbeiterklasse geachtet zu werden. DR Merkwürdige Bergwerke. Nicht nur Metalle und Kohlen werden im Bergwerfsbetrieb gewonnen, sondern es gibt auch recht fonderbare Stoffe, die man in diefer Weise abbaut. So gibt es verschiedene Holzbergwerte. Es handelt sich dabei meistens um Moore, in beren Tiefen fich versteinerte Baumstämme befinden. Ein solches Bergwerfsmoor liegt&- B. im Norden Irlands, und zwar werden hier Eichenſtämme ans Licht gefördert, bie fo fchwarz wie Stohle find und so hart wie Stein und die man zu allen möglichen Schmud. gegenständen verarbeitet. Schneeweißes versteinertes Eichenholz mird in einem Bergmert bei Chifago gewonnen. In ferner Borzeit murde hier ein Eichenwald begraben und erhielt sich in versteinerter Form im Erbboben. Dieses harte weiße Hola, bas ziemlich hoch int Breife steht, wird für bie Griffe von Bürften und auch für Schmud fachen verarbeitet. Bei Charlotte Plains in Australien werden aus den Tiefen des Torfs überaus harte Hölzer bes Reulenbaumes gefördert, die merkwürdigerweise eine Form haben, wie wenn sie bereits von den Menschen behauen wären. In Neuseeland gräbt man nach Gummi in der Erde, aus dem ein feiner Firnis bereitet wird. Bekannt sind die Bernsteinbergwerfe in Ostpreußen. Zu Ashcroft in British Columbia gibt es ein Seifenbergwert. Auf welche Weise hier ein Lager von Seife entstand, ist ein Geheim nis, aber der Stoff ist eine Mischung von Borag mit Fett, die die Eigenschaft der Seife besigt ..Nimm auch von Manja Abschieb!..." spricht Mama umb weint. Banja fährt zufammen und läuft, mit den Füßen in der Dede hängenbleibenb, zu seinem Bettchen. Bor Aufregung fann er nicht auf den Stuhl steigen: die Decke hindert ihn, schleppt nach... Unb fie fommen schon... Gott sei Dant, fertig! Er liegt mit geschlossenen Augen, und die nadien Füße guden hervor: er hatte teine Zeit gehabt sie zuzubeden. Sie fommen... Die feinen Schellen Mingen: der Ontel fommt auch mit... Lebwohl, Wanja!" Banja fühlt auf seiner Wange Ajofchas Lippen und erzitterte, ein heißer Tropfen war ihm grab aufs Dhrläppchen gefallen... Mama lief zum Zimmer hinaus, bann gingen auch Aljoscha und der Dntel Wanja gudte durch das Gitter umb befam mur für einen Meinen Augenblic burch die Tür Aljofchas Rüden zu sehen... Alle find fort. Es ist still geworben... Warum hat ihn Aljoscha getüßt? Will er benn fortgehen?... II. Mama, wohin ift jofda fort?" Weit... " Der Dntel mit dem Schmurrbart hat ihn mitgenommen?" Ja." " Derfelbe, ber mein Pferdchen auf den Boben geworfen hat?" Ja... Warum hat man jofdhya fortgebracht?" Birst es später erfahren, Liebling." „ Gag's mir jetzt, Mütterchen." Jeßt verstehst du's noch nicht, mein Junge." Doch!... Ich werde es verstehen, Mama!... Sprich, Mama..." Bar oft verfolgte Wanja die Mutter mit solchen Fragen. Die Mutter gab sonderbare, unverständliche Antworten, fenfte tief ben Kopf, feufzte unb verbarg etwas in ihrem Herzen vor Manja. Im Hof, wo Wanja immer nachmittags spielte, sagten ihm die Rinber aus anderen Wohnungen über Aljofcha. Man hat ihn in einem schwarzen Bagen fortgebracht". Man wird ihn hinrichten!... Du lügft, man tut es nicht! Er tommt bald nach Hatts... Mama hat gefagt, daß er..." Er foment gar nicht mehr wieber." " Der Hausmann fagt, dein Bruder wär Sozialiſt!" Du lügit." " Solche Leute bringt man in einem schwarzen Wagen fort umb richtet sie hin ( Fortfeßung folgt.) Großer Sonderverkauf modernster Jackett- Anslige mit prima Zutaten in vorx. Verarbeitung. Keuester Scfmitt. 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