Str. 154 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 79 Bezugspreis: Böchentlich T0 Pfennig, monatlich 3. Reichsmark voraus zahlbar. Huter Areuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Suremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pra Monot, Der Borwäris" mit der Sonntags heilage Bolt und Zeit" mit„ Gied. Jung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenfitimme erscheint wochentäglich sweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe 98/2) Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Auzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 70 Bfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 20 Pfennig ( aufäffia zwei fettgebrudte Worte). icdes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche Das erste Wort 10 Bfennig, ieges weitere Wort 5 Bfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müfen bis 4 Uhr nochmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachn. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 1. April 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftscheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Präsidentenwahl und Preußen. Das Zentrum hält an Marr fest. Höpker- Aschoff preußischer Ministerpräsident. Die Landtagsauflösung rückt näher. Der gestrige Tag hat zwei wichtige politijdje Ereignisse| führt werden, daß entrum und Demokraten dabei die gebracht. Der Reichsparteivorstand des Zenirums hat in vorsichtiger Form den Beschluß gefaßt, auch im zweiten Bahigang der Reichspräsidentenwahl an Warg festzuhalten. Sodann hat der Landtag am Nachmittag den Demokraten Höpfer Aschoff zum Ministerpräsidenten gewählt, der sich über die Annahme der Bahl noch nicht erklärt hat. = Ueber die Halhing feines Reichsparteivorstandes in der Frage der Reichspräsidentenwahl erläßt das Zentrum folgende parteioffiziöse Kundebung: Heute mittag hatten fich im preußischen Landtag die in Berlin anwesenden Mitglieder des Reichsparteivorstandes der Deutschen Zentrumspartei zu einer Besprechung über die Reichspräsidentenwohl necfammell. Die Mitglieder waren einmütig der Auffajjung, daß Reichstanzler a. D. Marg auch der Präsidentschaftstandidat für die Wagi am 26. April jei. Es wurde eine& ommiffion gewählt, welche die notwendigen Vorbereitungen treffen foll Offiziere, die Sozialdemokraten aber die Mannschaften stellen. Mit anderen Worten: Rechnet man mit einer Stabili fierung der preußischen Berhältnisse gegen die rechtsparteilich- tommunistische Zerstörungsarbeit, dann muß der Sozialdemokratie dabei auch die Rolle zufallen, die ihrer Stärke und Bedeutung entspricht. Die Opposition von rechts und links wird stets ihre Intrigen spinnen, um die Mitte auseinander zu manövrieren. Einmal wird die Sozialdemokratie wegen ihrer Beschei-. Herrschaftsansprüche" vorgeworfen und wird den denheit verhöhnt, das anderemal merden ihr maßlose anderen Barteien gefagt, fie befänden fich in einer demütigenden Abhängigkeit von ihr. Solche Intrigen dürfen ihren med nicht erreichen. Desto notwendiger ist, daß zwischen den Parteien, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, die gegenseitige Bereitmilligkeit besteht, berechtigte Ansprüche anzuerkennen. und von diesem Grundsay ausgehend, muß man die allgemeine Anerkennung dafür erwarten, daß die augenblicklich in Breußen gefundene Lösung nur eine provisorische fein tann. Das Zentrum hat auf diese Weise zu erkennen gegeben, daß es für eine bürgerliche Sammelfandidatur gegen Die Sozialdemokraten nicht zu haben ist. Auf der anderen Seite läßt sich der Beschluß auch so auslegen. daß das Zentrum für eine republikanische Sammelkandidatur gegen den Jarres Blod nur dann, zu haben ist, menn Mary Sammel- nerstanden wird. Sie will die sozialen Forderungen der werifandidat wird. Schließlich läßt sich aber diese Mitteilung auch fo fommentieren, daß der Reichsparteivorstand überhaupt noch feine feste Haltung einnimmt, sondern daß es sich nur um einen Stimmungsvorbericht handelt. Die Mitteilung läßt also auf alle Fälle darauf schließen, daß das Zentrum innere taftische Schmierigkeiten hat, was ja fein Geheimnis ist. Die Sozialdemokratie, die eben erst aus der Wahl vom 29. März gestärkt hervorgegangen ist, weiß mas fie mill, und das Wahlergebnis hat gezeigt, daß fie von ihren Wählern tätigen Massen vertreten, und zu diesem Zweck will sie vor allem den Boden, auf dem das am besten möglich ist, den Boden der demokratischen Republif sichern. Die| Sozialdemokratie meiß, was fie milles scheint Parteien zu geben, die einigen Grund haben, sie darum zu beneiden! Ohne einen festen Kurs geht es in dieser Zeit nicht. Wir wollen einen festen Rurs in Breußen gegen die reaktioäre dem nicht so, dann wäre einfach gemeldet worden, näre Staatszerstörung und dasselbe wollen wir bei der daß das Zenirum bereit sei, mit Sozialdemokraten und Demo- Präsidentenwahl im Reich. Darum werden die berufenen fraten gemeinsam gegen den Jarres Blod vorzugehen, und Instanzen unserer Partei morgen mit größter Gewiffer alles ondere wäre den zu diesem Zweck einzuleitenden Verhaftigkeit die Frage prüfen, wie ein Sieg des Killinger handlungen überlassen worden. Kardidaten I arres bei der Präsidentenwahl am sichersten zu verhindern ist. Darum fordert unsere preußische Landtagsfraftion, daß man im Rampf gegen die reaktionäre Staatszerstörung vor einer Auflösung des preußischen Landtags nicht zurückschredt. Sni Zusammenhang mit diefen Vorgängen steht die Wahl des preußischen Ministerpräsidenten. Es war der Plan aufgetaucht, sich auf die Person des Genoffen Otto Braun zu einigen. Hätte das Zentrum diesem Plan zugeftimmt, jo hätte es damit zum Ausdruck gebracht, daß es mit Sozialdemokraten und Demokraten in eine Kampf: gemeinschaft gegen rechts eintrete. Allerdings hätte diefe Wahl Otto Brauns nur einen provisorischen Charakter gehabt, denn solange nicht entschieden ist, ob Braun auch im zweiten Wahlgang zur Reichspräsidentschaft kandidiert, ist auch in Preußen eine endgültige Stabilisierung der Regierungsverhältnisse unter Braun nicht möglich. Soviel mar aber flar: Bot das Zentrum der Sozialdemokratie die Ministerpräsidentschaft, murde Braun zum Ministerpräsidenten gewählt, dann ergaben sich vom Zentrum aus ohne weiteres bestimmte Ausblicke für die Reichspräsidentenwahl. Es ergab sich dann vom Zentrum aus die Konzeption: In Breußen Weimarer Koalition mit Braun, im Reich Weimarer Koalition mit Marg. Bor der Ausführung dieses Gedankens schreckte jedoch die preußische Zentrumsfraktion zurüd. So fam es, daß man sich im Plenum zur Wahl des preußischen Finanzministers, des Demofraten Höpter Aschoff, zum Ministerpräsidenten zusammenfand. = Herr Höpker- Aschoff ist ein entschiedener Anhänger der Beimarer Roalition, ein guter Demokrat, ein Mann, der für das Amt gute Eigenschaften mitbringt. Bäre es richtig, daß er, mie behauptet wird, über seine Wahl selber nicht besonders glüdlich ist, so wäre das nur ein weiterer Beweis für sein gesundes politisches Urteil. Denn es ist notwendig, Klarheit zu schaffen! Die Sozialdemokratie hat in den letzten Jahren bis in die allerlezten Tage hinein ihre Bereitschaft bewiesen, mit anderen Barteien zusammen ein gemeinsames 3iel zu ver folgen je: es auch nur das Ziel, ein leberhandnahmen der schwerindustriellen und junterlich- ostelbischen Reaktion abzuwehren. Aber Boraussetzung für jede Gemeinsamfeit ist Gleichberechtigung. Der gemeinsame Kampf gegen das Ueberhandnehmen der Reaktion fann nur dann erfolgreich geführt werden, wenn die Sozialdemokratie entsprechend ihrer Bederung und Stärke an ihm mitwirft. Er kann wir sprechen damit eine Selbstverständlichkeit aus, der sich fein wie inimer gerichteter Politiker verschließen kann nicht so ge1 * Ueber die Borgänge, die sich gestern im Breußischen Landtag abspielten, erfahren wir: Der Aeltestenrat trat gestern um 1 hr mittags zujammen. Er beschäftigte sich mit einem Antrag der Kommunisten, die Auflösung des Landtags fofort noch vor Vornahme der Ministerpräsidentenwahl zu beschließen. Die Antragsteller blieben allein. Inzwischen war um 11 Uhr vormittags der Interfraktionelle Ausschuß zujammengetreten. Die Sozialdemokraten schlugen Otto Braun als Ministerpräsidenten vor, die Demokraten stimmten zu, die Zentrumsvertreter ertiärten, erit ihre Frattion hören zu müssen. Die Zentrumsfraktion beriet dann bis gegen 4 1hr. Dann neue interfraftionelle Besprechung. Die Zentrumsvertreter brachten zum Ausdrud, daß sich ihre Fraftion für Braun nicht entschließen önne und schlugen den Demokraten höpfer- Aschoff vor. Die Sozialdemokraten bestanden auf Braun und fanden bei den Demotraten Unterſtügung. Eine Einigung kam nicht zustande. Die sozialdemokratische Fraktion trat dann tnapp vor 5 1hr zu einer neuen furzen Sitzung zusammen. In der Absicht, einen Bruch im Blenum zu vermeiden und unter der Berücksichtigung des limitandes, daß gegen die Berson des Herrn Höpker- Aschoff keine Bedenken vorliegen, beichloß fie. zunächst für Höpker- Aschoff zu stimmen. Eine endgültige Löjung der preußischen Regierungsfrage ist jedoch damit, wie an anderer Stelle fchon ausgeführt, nicht erfolgt. ( Landtagsbericht siehe 2. Seite.) Dr. Höpker- Aschoff. Der von der Mehrheit des Preußischen Landtages gestern zum Ministerpräsidenten gewählte demokratische Abgeordnete Dr. Her mann höpfer Aschoff ist erst 42 Jahre alt. Er stammt ans Serford in Westfalen und schlug die Richterlaufbahn ein. Seit 1921 ist er Oberlandesgerichtsrat in Hamm. Kurz vor dem mar er zum ersten Male für Weftfalen- Süd demokratischer Landtagsabgeordneter geworden. Er trat im vorlegten Abgeordnetenhans des öfteren als Sprecher der fleinen demokratischen Fraktion hervor und zeichnete fich vor allem im Hauptausschuß durch seine gründlichen Kenntnisse der finanziellen Fragen aus. Wahl zum preußischen inanzminister bei der Bildung der Regierung Marr Ende Februar wurde in den Linkstreifen eben angesichts diefer guten Facheigenschaften allgemein begrüßt. Ratschläge des„ Lokalanzeigers". Seltsame Wandlung zwischen Freitag und Dienstag. Die Hugenberg- Bresse weiß, daß das Zustandekommen gang für Jarres den Tod bedeutet. Darum versucht sie jetzt, einer republikanischen Einheitskandidatur im zweiten Wahlinnerhalb der Sozialdemokratie linfrieden zu fäen und die Linke" der Pariei gegen den ,, Borwärts" aufzuputschen. Mit weichen plumpen Mitteln sie dieses Geschäft betreibt, zeigt folgendes Bitat aus dem Berliner Lokalanzeiger" vom Diensiag abend, das unfere Befer mit ungetrübter Heiterfeit ge= nießen merden: Was ist Demokratie? Da ist die Sozialdemokratische Partei mit ihren fast 8 Millionen Stimmen. Reinster Ausdruch demokratischen Wollens, nicht wahr? Darüber sind Freunde und Feinde einig. Diesen 8 Millionen sucht pfiffig eine fleine Clique, die am Jentralorgau der SPD. tätig ijf, die Entscheidung aus der Hand zu nehmen. Sie dekretiert, daß man Braun, den Erwählten der 8 Millionen, noifalls auch in der Berfenkung verschwinden lassen müßte. Denselben Braun, für den landauf landab die Stimmen damit geworben worden, find, daß die SPD., allen Versuchungen zum Troß, ihren proletarischen" Grundjäzen treu geblieben und jeder Berjudung einer Koalition mit Bür gerlichen" standhaft ausgewichen sei.(?!) Die„ Borwärts"-Clique weiß ganz genau, daß die Verstärkungen, die Braun aus dem fommunisti fchen Lager zugeflossen sind, automatisch wieder abgestoßen würden bei einer republitanischen" Kompromißkandidatur; sie weiß ferner, daß dem linken Flügel in der eigenen Partei eine folche untragbar wäre. Tut das mas? Aber gar nichts! Der sozialistische Wahlerfolg trotz der zum Himmel stinkenden Barmat Standale, erweist, über wie geduldiges Stimmbieh die SPD. vera fügt. Die Clique rechnet, ihrer Geschäftigkeit werde es auf jeden Fall gelingen, hinreichend viel dafür in Gehorsam auch für eine Kandidatur Marg 3. B. erhalten zu können, um dieser die Mehrheit in der zweiten Wahlschlacht zu sichern. Und die Rechnung mag, soweit es das Linkslager angeht, gar nicht einmal falsch sein. Day Entscheidung über den Kopf hinweg genommen den statutmäßig zuständigen SPD. Instanzen die wurde, ist zu häufig der Fall gewesen, als das gleiche Spiel nicht auch diesmal joilte gelingen tönnen. Dazu ist ganz furz zu bemerken, daß die„ BorwärtsClique" unter Berücksichtigung der Beratungen, die im Parteiausschuß vor der Aufstellung des Genossen Braun gepflogen wurden, zwar allerdings für die erfolgreichste Ari, Jarres zu bekämpfen, eingetreten ist, die Personenfrage aber bisher offen gelassen hat. schon am Freitag, also vor der Wahl, die Eventualität einer Anders der ,, Berliner Lokalanzeiger". Er hat Sammelkandidatur Marg in Aussicht genommen und sich dazu folgendermaßen geäußert: Wenn Herr Marg Reichspräsident würde, was hätten wir zu erwarten? Durch den Zentrumsmann eine geredlinige Fortsehung der Polifit des Sozialdemofraten Ebert. Genau das gleiche Sperren gegen die Rechtsentwicklung, die Herrn Marg so wenig post, wie sie Herrn Ebert gepakt hat. Genau das gleiche Ausnuten der vielen Möglichkeiten, die die Berfaffung der deutschen Republik dem Reichspräsidenten dafür in die Hand gibt, und die studieren zu könen, wie unter dem ersten Reichspräsidenten mehr als hinreichend Gelegenheit gehabt haben: die politische Entwidiung zugunsten der Parteiüberzeugungen des Amtsinhabers zu vergewaltigen. Herr Marg ist sicher für seine Person ein ehrenwerter Maun. Aber Herr Marg ist zugleich ein durch nichts belehrbacer Politiker. Daß die Sozialdemokratie mitregieren müsse, lit fein Agiom... Marg wählen hieße, einen zähen und gesáidten Bundesgenossen der Sozialdem ofratie auf den Reichspräsidentenstuhl fehen; hieße, daß alles geschehen würde, um immer wieder der Sozialdemokratie Regiment zu helfen. Darum also nicht und unter feinen Umständen Mary! Also darum, unfer feinen Umständen Marr"! Und darum die Unterfteilung, die Bormärts- Clique" hätte sich schon auf Marg festgelegt. Darum der plumpe Versuch, die " Sozialdemokraten durcheinander zu hezen! Darum die Sorge um die Demokratie. Darum die Beschimpfung der Sozialdemokraten für den Fall, daß sie Marr wählen würden, als Stimmvieh! Der ,, Lokalanzeiger" ist das Blatt des dummen Kerls von Berlin. Aber fann der dumme Kerl wirklich so dumm sein, nicht zu bemerken, daß man ihm am Dienstag das genaue Gegenteil von dem erzählt, was man ihm am Freitag erzählt hat? Und ist der Lokalanzeiger" felber so dumm, nicht zu bemerken, wie schrecklich dumm er sich anstellt? Heute fügt er rechts rum, morgen lügt er links rum.... Und glaubt, feiner würde das merken! Es ist die richtige Jarreselei! Die politische Unfähigkeit der Rechtsleute, durch ihre Presse doku mentiert! Vertagte Einigkeit. Rechtsblock, Jarres und der zweite Wahlgang. Kurz vor der Präsidentenwahl am Sonntag gab der Loebell Ausschuß die Erklärung ab: Jarres wird auch in zweiten Wahlgang vom Rechtsblock aufgestellt. Der erste Wahlgang ist vorüber. Der Rechtsblock hat sich eine Schlappe geholt. Wird er sein Versprechen halten? Bird Jarres auch der Kandidat des Jarres- Blocks im zweiten Wahlgeng? Die Loebellianer tagten gestern. Die Bertreter der Ber bände und Parteien" waren anwesend, wie es im amtlichen Bericht heißt. Der Erfolg? Der Ausschuß ging auseinander, ohne Beschlüsse zu fassen. Erst sollen noch " die maßgebenden Instanzen der Parteien und Verbände beraten", besagt der Bericht lakonisch. Weshalb umständliche Beratungen, da der Ausschuß doch schon beschlossen hat, auf der Kandidatur Jarres fizzen zu bleiben; weshalb diese merkwürdige Bertagung der Einheit? " Die Rechtspresse schweigt sich aus. Sie spielt den toten Mann. Nur die Deutsche Zeitung", das Schreckens find aller regierungshungrigen Deutschnationalen, tanzt aus der Reihe. Treibereien gegen Jarres" schreibt sie und flagi über die Heimtücke der Linkspresie, die zwecks Irreleitung der deutschnationalen Schäflein die Nachricht ausstreue, Jarres werde im zweiten Wahlgang vom Jarres- Block fallen gelassen. Die" Deutsche Zeitung" irrt. Sie ist über die Intrigen im deutsch nationalen Lager weniger gut unterrichtet als sonst. Sie wird sich, wie schon einmal die Rechtspresse vor furzer Zeit, vom Borwärts" über die Borgänge im eigenen Lager belehren faffen müssen. Vielleicht wendet sie ihre Aufmerksamkeit einmal den vertraulichen Bes richten des auch ihr nicht ganz unbekannten Josef Sonn= teg zu, der nicht nur ein bewährter Marristentöter ist, sondern in jüngster Zeit auch die nationale" Parole ausgibt, die Wirtschaft kann nicht einseitig national sein. Dieser Josef Sonntag läuft gegen die Kandidatur Jarres im zweiten Wahlgang Sturm. Er wird sehr deutlich. Die Sympathien des Auslandes gehen uns bei einem Wahlsieg der Rechten flöten, sagt er, wir brauchen Herrn Geßler zum mindesten ols Feigenblatt. Stellen wir Jarres auf, fo ist der Sieg der Republikaner von vornherein besiegelt und es ist so gut, als ob wir gar keinen Kandidaten aufgestellt hä.ten: Es ist daher selbstverständlich, daß froh aller feierlichen Befundungen des Herrn von Loebell und seines Ausschusses in den ihm angeschlossenen Kreisen und namentlich in solchen, die bei der Finanzierung des Wahlkampfes nicht das letzte Wort zu jagen haben, der Gedanke an eine nene kandidatur im zweiten Wahlgang sehr ernstlich erwogen wird.". Josef Sonntag stand einmal im Brennpunkt der völkischdeutschnationalen Bewegung. Er hält sich heute mehr im Hinter grund. Aber er wird gern bemüht, wenn es sich um Standale und Intrigen handelt. Bon welcher Seite in diesem Fall der Bind weht, deutet Herr Sonntag an. Gewisse Stellen, die bei der Finanzierung des Wahlkampfes nicht das letzte Bort zu sagen haben," drohen mit dem Lieferstreit, wenn Jarres nicht verschwindet. Heimtücke der Linkspresse" sagt die Ein Triumph der Wissenschaft. " Deutsche Zeitung". Die vaterländischen Berbände lessen bombastisch erklären, daß sie einmütig an der Beibehal tung der Kandidatur Jarres fefthalten. Wir wollen abwarten, wie lange die Einmütigkeit währt. Wir wollen abwarten, wie die deutschnationale Treue morgen und übermorgen aussieht. Duisburg, 31. März.( TU.) Oberbürgermeister Dr. Jarres muß infolge der Grippeerfrantung, die er sich auf feiner Vortragsreise als Präsidentschaftskandidat zugezogen hat, noch immer das Bett hüten. Es ist fraglich, ob er bei der morgigen Etatsberatung im Stadtverordnetenkollegium den Vorsiz führen kann. Ministerpräsidentenwahl in Preußen. Höpfer- Aschoff mit 213 gegen 177 Stimmen gewählt. Präsident Bartels eröffnet die geftrige Landtagssigung um 2 Uhr 15 Minuten und teilt den Vorschlag des Aeltestenrates auf Bertagung der Plenarsizung bis 5 Uhr mit. Abg. Bled( Komm.), von den Sozialdemokraten mit dem Rufe Der Sieger vom Sonntag" begrüßt, widerspricht der Vertagung. Wenn es bis jetzt noch nicht gelungen fei, einen geeigneten Mann und ein regierungsfähiges Kabinett zu finden, so würde es in einer Notfrist von drei Stunden auch nicht gelingen. Man solle endlich diesen Landtag nach Hause schicken. Die Politik der Weimarer Koalition werde durch die Neuwahlen eine berbe Rritit erfahren. Auch die„ monarchistischen Republikaner" feien auf nichts. anderes als auf die Unterdrückung der breiten Massen bedacht. Seine Bartei verlange fofortige Auflösung des Landtags.( Anhaltende Heiterfeit und ironischer Beifall im ganzen Hause.) Hierauf tritt das Haus gegen die Kommunisten dem Vorschlage des Aeltestenrates auf Bertagung bis 5 Uhr bei. Schluß 2 Uhr 30 Minuten. Die Wahl des Ministerpräsidenten. Präsident Bartels eröffnet die zweite Sizung um 5 11hr 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Ministerpräsidenten, die ohne Aussprache zu erfolgen hat. Es wird sofort in die Wahlhandlung eingetreten, die mit dem Namens. aufruf beginnt. Die Rechtsparteien( Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Wirtschaftliche Vereinigung, Bölfische Vereinigung) stim men für den früheren Entwaffnungskommissar Dr. Beters. Die Kommunisten ftimmen wieder für Bied. Die Fraktionen der Beimarer Roalition für höpfer Afchoff( Dem.). Um 6 Uhr 10 Minuten verfindet. Bräsident Bartels das Ergebnis des ersten Wahlganges. Es wurden abgegeben 436 Stim men. Unbeschrieben waren 6 Stimmzettel. Die absolute mehrheit beträgt also 216. Es haben erhalten Dr. Sönfer- 2fchoff( Dem.) 211 Stimmen, Dr. Peters( Rechtsnarteien) 176 Stimmen, Pied( Komm.) 43 Stimmen. Der jauchzende Blauftift.. als Helfer in der Not. Man erlebt wundervolle Dinge, wenn man regelmäßig die Zeitungen der Rechten liest, was ja nicht immer eine sehr angenehme Beschäftigung zu fein pflegt. So weitschweifig und gefchwäßig die Blätter des Jarres- Blocks auch zumeist sind, wenn es sich um die Berleumbung der Sozialdemokratie handelt, so schweigsam fönnen fie sein, wenn ihre Parteien oder Auftraggeber einen Reinfall er leben. Da muß sogar der jauchzende Blauftift helfen, um unan genehme Stellen in allgemeinen Berichten auszumerzen. Im Magdeburger Gericht hatte am Dienstag der Zeuge Krause Mitteilungen über die Unglaubwürdigkeit des Kron- und Koch- Zeugen Syrig gemacht. Darauf spielte sich folgende Szene ab: R.-A. Martin: Herr Krause, sind Ihnen von der SPD, Borteile versprochen worden? Jeuge: Nein, gestern fam ein Herr von der Deutschnationalen Bolfspartei und fragie, ob ich nicht in die Partei eintreten wolle? Ich habe mich hier freiwillig gemeldet, weil man den Syrig hier nicht schwindeln lassen kann, daß sich die Bäume bicgen. Diese nach mehr als einer Richtung interessante Episode su cht man in den sämtlichen Rechtsblättern vergebens! Die Hugenberg- Plantagen wie das Agrarierblatt und die„ Kreuzzeitung" benutzen dengleichen Blauſtift. In ihren Berichten, die der felben Gerichtsforrespondenz entstammen wie der" Borwärts". Bericht, ist gerade diese Abfuhr des deutschnatio. malen Berteidigers mit peinlicher Korrektheit weggestrichen worden! Was allerhand zu denken gibt! Deutschland und Polen. Zu den Berliner Wirtschaftsverhandlungen. Seit einigen Wochen verhandeln in Berlin eine deutsche und eine polnische Abordnung über einen Handelsvertrag, der die vorläufigen Abkommen ersetzen soll, von denen das letzte vom 13. Januar d. J. bestimmte, daß die jetzigen Verhandlungen bis zum 1. April beendet sein sollen und daß bis dahin Kampfmaßnahmen der beiden Staaten unterbleiben sollen. Der Abschluß der Verhandlungen bis zum 1. April war unmöglich, wird vielmehr noch verschiedene Monate brauchen; das sollen auch die Polen eingesehen haben. Die deutsche Wirtschaft braucht, so betont man an infor mierter und zuständiger Stelle, nicht zu fürchten, daß nun Poien einen Zollfrieg in irgendeiner Form eröffne. Das Rern problem der deutsch- polnischen Berhandlungen ist die oftoberschlesische Rohlenfrage. Der 3wang der Bersailler und Genfer Bestimmungen, daß Deutschlahnd die ostoberfchlesischen Bodenprodukte zollfrei hereinlassen muß, endet am 15. Juni 1925. Polen verlangt daher den Abschluß der Verhand Es muß also Stich wahl zwischen Dr. Höpfer- Aschoff und lungen bis zu diesem Zeitpunkt oder daß Deutschland auf die Aus Dr. Meters stattfinden. Die zweite Bahlhandlung nimmt sofort ihren Anfang. Kurz vor 7 1hr teilt der Bräsident Bartels das Ergebnis des zweiten Wahlaanges mit. Es wurden 435 Stimmen abgegeben. ungültig waren 43 Stimmen, unbeschrieben 2 Stimmzettel. Es haben erhalten Dr. Söpfer- 2fchoff( Dem.) 213 Stimmen, Dr. Peters( Rechtsparteien) 177 Stimmen. # Dr. Höpter Aschoff ist also zum preußischen Minister. präsidenten gewählt.( Beifall in der Mitte.) Das Haus vertagt sich. Nächste Sigung: Mittwoch 2 Uhr. Kleine Vorlagen. Schluß nach 7 Uhr. Das Steuerfreie Einkommen. übung dieser Freiheit verzichte. Der innerdeutsche Kohlenbedarf ist infolge der Entwicklung der Deutschen Braunkohlengewinnung und anwendung, des Ausbaus von Wafferkröften( Bayern) und des Rüdgangs der deutschen Stahlerzeugung auf ein Drittel der Vorfriegshöhe start zurückgegangen. Im Jahre 1924 mußte Deutschland 6,8 millionen Tonnen oftoverschlesische Kohle hereinlassen, obwohl in Westoberschlesien Feierschichten gemacht werden mußten. Dieses Einfuhrquantum entspricht einer Belegschaft von mindestens 30 000 bis 35 000 Arbeitern! In Ostoberschlesien wurde im Dezember 1924 die Arbeitszeit rerlängert und nach dem großen Streit die Belegschaft vermindert durch Nichtwiedereinstellung besonders auch deutscher Arbeiter, Don denen menigftens 25 000 nach Deutschland herübergebrüdt murden, wo fie arbeitslos sind. Bei seiner geringen Industrieentwicklung und seiner ganzen Wirtschaftslage ist Bolen darauf angemiesen, jährlich 11 bis 12 iffionen Tonnen Kohle auszuführen: davon fann Deutschösterreich nur 2½ Mill. Tonnen, Rumänien 1 Mil. Tonnen, Südslawien auch nicht mehr, Ungarn 800 000 Tonnen aufnehmen und die Tschechen haben sich nur verpflichtet, monatlich 6000 Tonnen ab. Bom Finanzpolitischen Ausschuß des Borläufigen Reichsmirt fchaftsrates wurde befchloffen, bas steuerfreie Gintommen auf 1200 m2. festzusehen. Nach dem Ausschußbeschluß beträgt ble Steuer für die ersten 8000 m. 10 Broz, für die weiteren 8000 M. 12 Broz., für die weiteren 8000 m. 15 Proz., für die weiteren 24 000 m: 20 Broz, für die weiteren 50 000 m. 25 Broz, für die weiteren 100 000 M. 30 Proz., für die weiteren 100 000 m. 35 Broz. zunehmen! Schon jetzt wird oftoberschlesische Steinkohle in Gleiwib. und für alle weiteren Beträge 40 Proz daß die Gehirnkapazität dieses Geschöpfes tief unter der der Platt fußindianer stand. Aus dieser Hafentreuzung entsprang wiederum ein männliches Wesen, das wunderbarerweise dem längst von der Wissenschaft geahnten Typus des Affenmenschen gleichtommt. Sein Gehirn ist/ fleiner als das eines durchschnittlichen deutschen Universitätsprofessors, während sein Unterkiefer den seines Groß paters um ein Biertel übertrifft. Mit fünf Jahren trant der Affen Pnabe bereits fünfzehn Liter Paulanerbräu täglich. Er fann sich nicht mehr der menschlichen Sprache bedienen. Die einzigen Laute, die er hervorzubingen verwag, find: Hurra, hurra, hurra". pagu. Ein Ferfiger und eine Suchende. Jril Gadescom, der im Blüthner- Saal einen Tanzabend gab, gehört zu den ganz Fertigen, die alle Ausdrucksmittel meistern, deren Routine so ficher und reibungslos arbeitet, daß fie fast automatenhaft wirkt. Er ist ein tänzerischer Schauspieler, nicht im Sinne des Pantomimischen, fondern der Verwandlungsfähigkeit. Er tanzt Rollen, schlüpft in allerhand Charaktere, mastiert sich mit fremden Zeiten und Nationen. Seine Tänze find ganz unpersönlich. Man hat den Eindruck, daß find weibliche Tänze, die von einem männlichen Tänzer mit durch ein anderer sie für ihn schuf. Oder vielleicht eine andere. Denn es aus männlichen Ausdrucksmitteln produziert werden. Alles technisa vollkommen, sehr amüsant, völlig feelenlos. Aus Kansas City tommt eine Aufsehen erregende Nachricht: Den unermüdlichen Bemühungen des deutsch- amerikanischen Profeffors Tiefenschurfer der greife Gelehrte vollendet am heutigen 1. April sein neunzigstes Lebensjahr ist es gelungen, die von der Forschung bisher vergeblich gesuchte Zwischenstufe zwischen Affen und Menschen wissenschaftlich herzustellen! Er ging den umgekehrten Weg, den die Natur beschritten, und bildete in mehreren Generationen seine Menscheneremplare zurüd, bis sie die hinter dem Neandertalbewohner liegende Zwischenstufe erreicht hatten. Wozu die Natur Hunderttausende von Jahren gebrauchte, das erreichte Tiefenschurfer in etwas mehr als sechs Jahrzehnten! Nach einer telegraphischen Meldung aus Kansas ging Professor Tiefenschurfer folgendermaßen vor. Auf einer Fußwanderung, die der Gelehrte seinerzeit als Student der Medizin durch das bei München gelegene Dachauer Moos gemacht hatte, lernte er den Gmoateppen" Aloys Nieberhuber tennen. Der Wortschay dieses merkwürdigen Moorbewohners bestand aus höchstens fünfund zwanzig Wörtern. Auf Fragen entwortete er meist mit den Guben: gehzua" oder„ letstmi", die nach den Forschungen des Profeffors den Sprachwurzeln gewisser Eingeborenensprachen, der der Blattfußindianer und der Tipputips auf Borneo nahe tomnien. Seine Lieblingsworte waren:" gfuffa" und„ teifi- teifi". Dieses höchst interessante Individuum, das auf der niedrigsten Stufe des mitteleuropäischen Keltogermanentums zu stehen schien, treuzte der nachmalige Profeffor mit dem Bärenweib Bamba Zambrilla, das auf dem Münchner Oktoberfest damals feinen behaarten Körper zeigte. Der unter allerhand Schwierigkeiten schließlich geglückten Baarung entsproß ein Wesen männlichen Geschlechts, Xaver genannt. Der bereits erfreulich mäßigen Intelligenz diefes Individums, das mit seinem Neandertalfiefer sechs Lebertnödel auf einmal bewältigte, enisprach eine sorgfältig beschränkte Erziehung, die ein Münchener Studienfreund Tiefenschurfers übernommen hatte. Das Begriffsfeld Kavers wurde aufs äußerste eingeengt. Er befand sich meist in einem Zustand völliger Apathie. Wenn man die Silben:„ faupreiß" aussprach, fleschte er die Zähne, stieß ein Männerchor Heidenröslein- Siemensstadt". Der Musikwinter markerschütterndes Gebrüll aus und ergriff den nächstbesten Gegen- neigt sich allgemach seinem Ende zu. Die zahlreichen Chöre machen ftand, womit er auf einen eingebildeten Feind losging. Auf das nochmals alle Anstrengungen. zu Worte zu tommen und nachdrüdWort:„ fini" winselte er demütig, sentte die Augen und fnicte fichst zu wirken. Aber doch scheint zwischen Freudigkeit im Konzert wie ein Federmesser den massigen Leib zusammen. Als er neun- veranstalten und der Fähigkeit des Hörens eine Differenz sich herauszehn Jahre alt war, suchte ihm der inzwischen aus Amerika nachzuschälen. Das Konzert des Männerchors heidenrösEuropa zurückgekehrte Professor eine Gefährtin, die er nach vielen lein- Siemensstadt" unter B. A. Josephs Leituna sah Mühen in Sachsen in der Tochter eines Oberstudienrates entdeckte. am Sonnabend einen nur zur fnappen Hälfte besetzten Hochschulfaal. Jit's Müdigkeit bei den Zuhörern und leberfütterung mit Dieses Wesen schweifte im Sommer nackt mit gleichaltrigen Männern Chorveranstaltungen, oder ift's Auswirkung mirtichaf licher in den sächsischen Urwäldern umher, sprang durch angezündete Schwierigkeiten, die sich beim Interesse an der Kunst ja immer am Jeuer und verehrte die heidnischen Gottheiten durch tierähnliches ersten auswirken? Vielleicht ist es das eine mit dem anderen. Biels Gebrüll. Professor Tiefenschurfer stellte durch egatte Meffungen feft, leicht ist es auch die Tatsache, daß es nicht so sehr nötig ist, das ge: Im Stegliger Schloßpart Theater tanzte Dorothea nospe. Eine Suchende, die ihren Weg nech nicht gefunden hat. Der äußeren Erscheinung nach für heroischen, tultischen Stil gefchaf fen. Gestaltet zarte Lyrit in weicher, müder Geste und sanft gleitenden Schwungen. Die Kompofitionen, der rechten Gliederung und Steigerung entbehrend, zerflattern daher leicht in der Wirkung, Beintechnik wenig fultiviert, störend vor allem die Steifheit des meist gefrümmten Knies und im Schritt ein stereotypes Wippen auf der Fußspize. Technik der Arme und des Oberförpers sehr gepflegt und zu schönen, ganz persönlichen Ausdrucksformen entwidelt. Die wertvollfte Gabe, als Komposition und als Broduktion, das Inter mezzo" im flaren Aufbau des Anbetens, des seelischen Aufschwingens und der geläuterten Hingebung, im gehaltenen Bathos klarer Bewegung, in der eigenartigen, ergreifenden Schlußattitude. Gesamtcharakter der künstlerischen Leistung: Ernst und vornehm. Eine Suchende, von der man hoffen möchte, daß sie ihren Weg bald findet. J. S. | mohnte Konzertleben in diesen Kreisen aufzufrischen, als vielmehr zu neuen Formen der Musifderstellung und des Musikerlebnisses zu tommen. So fang der Chor größere und feinere Kompositionen, Volkslieder, auch ein nied iches und netes feines Berfchen feines Dirigenten und zwischendurch mit Reinhold Joseph am Flügel Schuberts„ Widerspruch" und Nachtgesang im Walde, bei benen die unangenehme Tatsache, daß der indifferente Klavierklang sich fo gar nicht dem Chorgefang amalgiert, wieder Erscheinung wurde. B. A. Joseph spielte mit Robert 3eller( Beige) und Mar Beidler( Cello) Dvoráks Dumty- Trio, diefe start raffenhafie, aber dabei doch recht vergängliche Mufit, deren graffüchiges An dante so recht ihren geistigen Ursprung verrät: Wagnerepigonentum neben Boltselementen, beide unvereinbar und auch hier nicht zur Einheit verschweißt. Die beiden Solisten spielten im zweiten Teil Soloftücke mehr leichten und unterhaltenden Charakters. S. G. .Die liebe deutsche Kleinfladt im Spiegel der Kunst", heißt das dankbare Thema, über das Dr. v. Leszel in der Urania sprach. Es galt ein sehr reiches Stoffgebiet zu behandeln, was dem Redner im Vortrag recht gut gelang. Er versetzte das Publikun nicht nur in eine Rothenburg- o.- T.- Stimmung, fondern darüber hinaus frizzierte er noch die Entstehung der Städte. Es wurde das wirken stehung verbanken. der Klöster lebendig, denen u. a. Mezz, Fulda, St. Gallen ihre EntBei den Kirchenbauten sieht man, durch be= stimmenden Einfluß der Klöster, den Uebergang vom romanischen zum gotischen Boustil. Er ist das Dokument einer Zeit, die den Ginn auf's Jenseits richtete, weshalb in der Baufunft die Säule zum Baum und die Halle zum heiligen Hain wurde. Die Städtegründungen erfolgten rings um die föniglichen Pfalzen und bischöflichen Residenzen. Als ehemaliges Markizeichen bewahrten viele Städte bis in die heutige Zeit das Kreuz, den Roland cder das Marienbild. Bon größter Bedeutung waren bei der späteren Entwickelung des Städte die Tore. Darum ist es auch kein Zufall, daß 70 deutsche Städte ein Tor in ihrem Wappen führen. Selbst Berlins erstes Wappen war ein Tor. Manche Stadt hat eine über 1000jährige Geschichte. In ihr wirkt alles Alte verklärt. Ein vorzügliches Bildmaterial erfreute Auge und Herz. In dem Bestreben recht viel zu bieten, war der Vortrag mit melodramatischem Beiwert verschnörkelt. Für die" Faust"-Szenen waren die Darsteller nicht geeignet. e. b. Niederlagenfeier"( r. 152) muß es zu Beginn und am Drudfehlerberichtigung: In dem Gedicht Teutonische Schluß zu honoriger( nicht homeriger) Stunde" heißen. Franz- Dieberich- Jeier. In dem am Donnerstag, den 2. April, abends 8 11hr, im Bluthner Sa al anläglich des 60. Geburtstages unseres unvergeßlichen Frans Diederich stattfindenden Konzert wirten Fred Driffen ( Bariton). Julius Dablle( Klavier), R. Kroemer( Bioline), Walter Schulz ( Cello) und F. B. Müller( Englisch Horn) mit. Der Vortragsabend der Gen. Maria Janke, der wegen der Trauerfundgebung für den verstorbenen Reichspräsidenten verschoben wurde, findet am 2. April, 8 Uhr abends, in der Sezession, Kurfürstendamm 232, statt. Die Kunsthandlung B clor Hartberg, Schöneberger Ufer 41, eröffnet thre Räume am 1. April mit Ausstellungen von Gemälden von Bros. Arint Degner und Plastiken von Walter S. Mittendorff. Wilhelm Sped, Berjaffer vielgelesener Romane, ift, 63 Jahre alt, in Raffel ge forben. Beuthen usw. für 2 D. pro Tonne angeboten, während Walden burger Rohle( noch ohne Rapitalsverzinsung) 16 M. foftet. So sehr also Deutschland daran interessiert ist, nicht allzu viel rolnische Kohle hereinzulassen, so nimmt andererseits Bolen etwa 5 Broz. der deutschen Gesamtausfuhr auf, nämlich im leßten Jahr für 400 millionen Goldmart. Die deutsch- polnischen Berhandlungen gestalten sich recht ichwierig, auch dadurch, daß Polen in der sog. personellen Meistbegünstigung, d. h. der Niederlassungs- und Werbefreiheit für Reichsdeutsche nicht entgegenkommen und hochstens befristete und vorbehaltliche Ausnahmen für einige Wenige von dem jetzigen allgemeinen Berbot gewähren will. Der Kern der Anleiheaufwertung. Die Deutschnationalen wieder gegen ihre Anträge. Im Aufwertungsausschuß des Reichstages fan gestern vormittag zurtächst zur Beratung der ursprünglich vom. Abg. Dr. Best( Dnat.) beantragte Artifel 3 des Gesetzes über die Verlängerung der Fristen, der vom Plenum an den Ausschuß zurückverwiesen worden war. Es handelt sich um die Bestimmung, wonach der Wiederherstellung eines gelöschten Rechts zum Zwecke der Aufwertung der öffentliche Glaube des Grundbuchs nicht entgegensteht, wenn ein nach der Löschung eingetragenes Recht nach dem 1. April 1925 begründet worden ist. Mit dieser Vorschrift soll den Machenschaften begegnet werden, die darauf ausgehen, noch rasch vor dem Zustandekommen des neuen Aufwertungsgesetzes an Stelle der alten gelöschten neue Sypothefen eintragen zu lassen. Von der Regierung wurde dem Erlaß einer solchen Gesetzesbestimmung wieder mit der größten Schärfe widersprochen, weil angeblich damit alle Grundlagen der Kreditnahme erschüttert würden. Es wurde empfohlen, die Entscheidung über diese Frage bis zur Neuregelung der ganzen Auswertungsfrage zurückzustellen. Abg. Keil( Soz.) nahm jedoch den Antrag Best wieder auf und begründete ihn damit, daß jede neue Belastung von GrundStücken, die an Stelle gelöschter Hypotheten trete, auf often der verarmten alten Gläubiger geschehe. Die wirt. schaftlichen Folgen einer Sperrvorschrift, wie der beantragten, würden von seiten der Interessenten übertrieben. Der Standpunkt der Regierung wurde unterstützt von Vertretern der Deutschnationalen und der Deutschen Boffspartei. Di v. Richthofen( Dem.) erkannte an, daß eine Warnung im Sinne der beantragten Gesegesvorschrift not mendig sei, hielt es aber für genügend, die einmütige Meinung des Ausschusses dahin fundzugeben, daß bei der Regelung der Rüdwirtungsvorschriften im tünftigen Gesez Belastungen, die jezt noch vorgenommen werden, feine Beachtung finden. Der Ausschuß beschloß gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Konimunisten die Entscheidung über den Antrag Best Reil zurüdzustellen. In Verbindung damit wurde festcftellt: Der Ausschuß sei sich darin einig, daß alle Geschäfte im Grundstücksverkehr, die darauf abzielen, das Ergebnis der fünftigen Auswertung hinsichtlich der Rückwirkung zu vereiteln, ihren 3wek Derfehlen werden. Entgegen der Absicht der Ausschußmehrheit, sich nunmehr zu nerlagen, wurde vom Abg. Keil( S03.) beantragt, in einer am Mittwoch gemeinsam mit dem Steuerausschuß abzuhaltenden Gigung über folgenden Antrag zu beraten: Die Regierung zu ersuchen, zum Zwecke der Beschaffung pon Mitteln für die Aufwertung der öffentlichen Anleihen dem Reichstag einen Gefehentwurf vorzulegen, durch den die Bermögen, die in der Kriegs. und Nachtriegszeit neu entstanden sind, einen 3uwachs erfahren oder fich nicht wesentlich vermindert haben, einer Sonder hefteuerung unterworfen werden, mobei die Bermögen, die ee bestimmte Grange nicht übersteigen, freizulassen sind." Zur Begründung wurde von dem Antragsteller betont, die Regierungsvorlage über die Aufwertung der öffentlichen Anleihen habe in der breiten Deffentlichkeit die größte Enttäuschung hervorgerufen. Wenn die Regierung die Dürftigkeit ihrer Borlage damit begründe, daß es an den Geldmitteln zu einer besseren Aufwertung fehle, so müsse sie vom Reichstag auf die Quellen verwiesen werden, die zum Zwede der Aufwertung erschlossen werden könner. Die Forderung, daß die Vermögensbefizer, die aus der Inflation Gewinne gezogen haben, oder wenigstens ihr Bermögen erhalten fonnten, zugunsten der verarmten Gläubiger Opfer bringen müssen, merde im Bolte allgemein als berechtigt anerkannt. Cine verschärfte Belastung der Massen müffe aus geschlossen werden. Solle aber die Lösung der Aufwertung nicht weiter verzögert werden, dann müsse die Regierung sofort zur Susarbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfs aufgefordert werden. Aus dem weiteren Verlauf der Debatte ergab sich deutlich, wie unbequem der Antrag Keil den Regierungsparteien war. Während sie in der letzten Sigung den sozialdemokratischen Vorschlag auf sofortige Beratung des Bestschen Aufwertungsent wurfs abgelehnt hatten, versuchten sie jeßt, eine allgemeine Debatte über die Frage aufzurollen, ob die individuelle oder schematische Methode bei der Aufwertung privater Schulden vorgezogen werden joll. Auf den nachdrücklichen Einspruch der Regierung gegen eine fachliche Beratung der Materie, solange die Entwürfe nicht offiziell dem Reichstag zugegangen sind und die Erörterungen im Reichsrat schweben, wurde der Vorschlag einer Generaldebatte für diese Woche aufgegeben. Staatssekretär Joel teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß die Beratungen des Reichsrats vor dem 18. April auf keinen Fall zum Abschluß kommen werden. Das Ergebnis der weiteren Erörterungen war ein Beschluß des Ausschusses, wonach spätestens am Freitag dieser Woche gemein schaftlich mit dem Steuerausschuß eine Sigung zur Beratung des Antrages Reil abgehalten werden soll. Analphabeten als Sprachforscher. Die Rote Fahne" macht sich das unschuldige Bergnügen, uns der Fälschung eines Sinomjem- Bitats zu beschuldigen. Wir hatten in der Abenbausgabe vom 24. März in einem Artikel Die Weltrevolution von Moskau abgesagt" den Inhalt eines Artikels wiedergegeben, den Sinomjem vor der Eröffnung der erweiter ten Erefutivfizung in Moskau in der Brawda" veröffentlichte und die wir, laut einer telegraphischen Meldung des Ost- Expreß, fchon in der vorhergehenden Nummer des Borwärts" wiedergegeben hatten. Schon aus der Fassung der Meldung ging hervor, daß es sich nicht um ein mörtliches Zitat, sondern um die inhalt. liche Wiedergabe des Sinomjem- Artikels handelte. Den Analpha. beten in der Roten Fahne" muß man dies erst noch besonders auseinandersetzen. Jezt reißen sie aus dem Artikel einen Satz her aus und erklären triumphierend, daß dieser Saz anders laute, als Die entsprechende Stelle in unserer Meldung. Dabei unter fchlagen fie die Tatsache, daß die Meldung des Dft- Expreß den Inhalt des Einowjew- Artikels vollkommen forrett wieder gegeben hat. Es ist übrigens merkwürdig, daß die kommunistischen Sprach forscher in der Roten Fahne" den Anfang des erwähnten Artikels, in dem von der Abebbung der tommunistischen Bewegung, dem " | Stillstand, dem Kleinmut, den Ueberläufern usw. gesprochen wird, ebenso mit Schweigen übergehen, wie den in derselben Nummer der Prawda" veröffentlichten Artikel Stalins, in dem ausdrüdlich erklärt. wird, daß die Periode der revolutionären Bewegung schluß gelangt sei. Barum find die Herrschaften von der Roten im Zentrum Europas, in Deutschland, zweifellos zum AbFahne, die sonst nicht genug Schwindelnachrichten aus Rußland bringen fönnen, in diesem Punkte so schweigjam? Phrase und Wirklichkeit. Ein Nachwort zu den Kundgebungen im Sportpalaft. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen vor der Wahl hielt die Sozialdemokratie und die Kommunistische Partei in Groß- Berlin eine Wahlfundgebung im Sportpalast ab. Der Saal war jedesmal bis zum letzten Platz gefüllt. Der Sportpalast enthält 16 000 Sitz plätze. In den Gängen können 4000 Leute stehen. An jeder dieser Rundgebung nahmen also rund 20 000 Besucher teil. Ungefühnter Fememord. Ein bayerischer Freispruch. Der beim Schwurgericht München hinter verschloffenen radikalen Reunzert und Bally( beides ehemalige Turen geführte Mordprozeß, in dem die beiden RechtsOffiziere) der Mittäterschaft a11 der Ermordung des Kellners Hartung angeklagt waren, ist nach fiebentägiger Verhandlung zu Ende gegangen. Der Staatsanwalt Erhard sah den Beweis für die Schuld der beiden Angeflagten als vollständig erbracht und beantragte gegen beide die Todesstrafe und dauernde Albertenung der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Urteil lautete aber für belde auf Freisprechung mit fofortiger Aufhebung des Haftbefehls In der Begründung des Urteils heißt es: Im Frühjahr 1921, in dem die Mordtat begangen wurde, mar eine große Empörung im Bolte darüber, daß die Einfistischen Unruhen ins Leben gerufen wurde, aufgelöst werden sollte. wohnerwehr, die zum Schuge gegen die Wiederkehr der spartaEs ist kein Geheimnis mehr, daß ein gewiffer Kreis von Leuten, die Für die Sozialdemokratie war es eine Selbstverständ= sich um den Leutnant Braun scharten, bestrebt war, die Einwohnerlichkeit, daß sie bei einer Wahlfundgebung im Sportpalast den wehr zu erhalten und ihre Waffen zu versteden. Dieser Kreis Saal bis zum letzten Platz füllen würde. Sie hat in Groß- Berlin junger Beute hatte die Geheimhaltung dieser Borgänge als vaterfast eine Million Wähler. Es war für uns selbstverständländische Pflicht betrachtet und sich u. a. zur Aufgabe gemacht, jeden, der diese Geheimnisse an die Ententekommiffion verrate, unschäd= lich, daß wir davon 20-000 und noch mehr zu einer Wahlkundgebung zusammenbringen würden. Wir haben uns über den prächlich zu machen. Auch Hartung gehörte zu diesem Kreis. Er wandte tigen Verlauf in dieser Wahlfundgebung freuen, und die ausgezeich sich aber in jener Zeit wiederholt mit Geldforderungen an Leutnant Braun, widrigenfalls er feine Kenntnisse über die Waffenverstecke nete Stimmung der Maffen ohne Ueberschwang feststellen dürfen. der Ententekommission verraten werde. Anders die Kommunisten! Sie haben in Berlin ungefähr den Hartung wurde nun dritten Teil der Stimmen, die die Sozialdemokratie mustert. Es war zu erwarten, daß es natürlich auch ihr gelingen würde, den Sportpalast zu füllen. Aber die" Rote Fahne" nahm diese Selbstverständlichkeit als Borzeichen eines fommenden großen Sieges. Sie über. schlug sich in phrasenreichen Prophezeiungen.„ Die Revolution marschiert!" Billiger hat sie es nicht gegeben. Bewegung und der der Kommunisten. 20 000 Wähler im SportDarin liegt der Unterschied zwischen der sozialdemokratischen palast! Das ist viel. Aber seit dem 4. Mai des vergan= genen Jahres hat die Sozialdemokratie in Großtein 3weifel, so heißt es in der Begründung, daß beide Angeflagie ahlkundgebung im Sportpalast teilnahmen. Die Berlin 18 malso piel Wähler gewonnen, als an der Kommunistische Partei aber hat genau sechsmal so Diel Wähler verloren, als sie im Sportpalast per sammelte. Das ist die Tatsache, die der kommunistischen Phrase vom be= vorstehenden Sieg einer kommunistischen Revolution nachgefolgt ist. unfere realistische Beurteilung der Sportpalaft- Kundegbung und das Die fommunistische Niederlage und unser stürmischer Vormarsch, phantastische Geschrei der„ Roten Fahne", fommunistische Bewegung und Sozialdemokratie- Phrase und Wirklichfeit! Zentrum gegen Geldsackblock. Die Kölnische Volkszeitung" zur Präsidentenwahl. in der Nacht vom 3. auf den 4. März 1921 ermordet und turz darauf in der Isar als Leiche gefunden. Er war durch drei Revolverschüsse getroffen und seine Leiche mit Blastersteinen beschwert. In dieser Nacht fuhren die beiden Angeklagten mit einem Baftfraftwagen und einem Anhänger von München nach Ulm. Sie gaben an, daß auf der Strede zwischen Augsburg und Ulm ein schweres Personenauto mit großen Scheinwerfern ihnen vorfie durchaus die Lynchjustiz billigten; sie behaupten aber, daß sie Kreis, der sich um die Einwohnerwehr mühte. angehörten und dah gefahren fei. Beide Angeklagte leugnen auch nicht, daß sie dem felbft sich zu einer solchen Tat niemals hergegeben hätten. Es ist sind und daß es sich bei dem Mord um ein wohlockbereitetes Unterdurch das vorgelegte Materiai des Staatsanwalts schwer belastet nehmen handelte. Gleichwohl erachtet das Gericht den Indizien. beweis als nicht vollständig erbracht, da weder die Kleider der Beklagten noch der Lastkraftwagen Blutspuren aufwiesen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Hartung von den Insassen des erwähnten Personenautos beseitigt wurde. Anhaltspunkte dafür, daß ein Racheaft von kommunistischer Seite vorliegt, find nicht gegeben. Plaidoyers in Schweidnih. Der Staatsanwalt beantragt Gefängnisstrafe. Breslau, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Schweidnitzer Prozeß gegen 39 Mitglieder des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold hielt der Staatsanwalt seine Anflagerede. Er beantragte für die beiden hauptangeklagten Reichsbannerführer, die Genossen Müller und Geburt zwei Jahre bzw. acht Monate Gefängnis, für 28 weitere Reichsbannermitglieder Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahre zwei Monaten Gefängnis. Für neun der AngeKöln, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Kölnische Volts: zeitung" schreibt am Dienstagabend zur Reichspräsidentenwahl: Wenn die Rölnische Zeitung" im Interesse des gesamten Bürger tums heute die Wahl eines von sozialistischen Einflüssen unab= hängigen Reichspräsidenten verlangt, dann fann man mindestens mit dem gleichen Recht Sicherheit für die Wahl eines Reichspräsidentlagten mußte der Staatsanwalt auf Grund der Beweisaufnahme ten forbern, der von einseitig fapitalistischen oder als Reichspräsidenten in der Tat eine Persönlichkeit, die Gewähr extrem nationalistischen Einflüssen unabhängig ist. Wir verlangen bietet für eine fachliche Politit, frei von einseitigen Interessen." Das offizielle Kölner Zentrumsblatt, die Rheinische Volfswacht" wird noch deutlicher, indem sie gegen die Liebeswerbungen des rechtsliberalen Blattes schreibt:„ Die Wahlberechtigten haben das Recht zu fordern, daß aus ihrer Willenstundgebung vom Sonntag bie_gegebenen Folgerungen für die Kräftefammlung vor dem 26. April und für ben zweiten Bahigang gezogen werden. Die gegebene Folge rung ist aber nicht die, einen rechts herum nicht erreichten Erfolg des Reichsblock's jetzt andersherum fuchen zu helfen. Die Miederlage des Reichsblods, der ja nur ein Rechtsblod ift, muß am 26. April endgültig besiegelt werden. Das ist Sinn und Wille des Volts entscheids vom 29. März. Dementsprechend find jetzt die Folgerun gen für die richtige Sammeltandidatur zu ziehen." Pariser Stimmen zum zweiten Wahlgang. Paris, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Aussichten der deutschen Linken im zweiten Wahlgang merden hier günstig beurteilt unter der Vorausjeßung, daß es gelingt, fich auf einen wirklich populären Kandidaten zu einigen und die Manöver der Reattion rechtzeitig zu durchkreuzen. Man gibt sich in vollem Umfange da von Rechenschaft, wie schwer es für die sozialdemokratische Partei, die eigentliche Siegerin im ersten Wahlgang, sein wird, thren Kandidaten zugunsten eines bürgerlichen Politikers zurüdzu ziehen. Man hält dieses Opfer aber für unumgänglich notwendig, da Braun unter feinen Umständen auf die gefamten Zentrumswähler rechnen könne und da bei einer sozialistischen Kandidatur der Linken zweifellos die Stimmen der Bayerischen Bolkspartei verloren gehen würden, fann die Kandidatur Marr als gesichert betrachtet werden. Wie groß die außenpolitische Bedeutung der Wahl ist, zeigt die Erklärung des Temps", daß bei einem nach links crientierten Deutschland die Pläne zur Lösung des Sicherheits problems, die augenblicklich den Gegenstand des internationalen Meinungsaustausches bilden, Aussicht auf Erfolg hätten, nicht aber, wenn die Reaktion triumphieren sollte. Hier liege das Haupt interesse, das des Auslands an der Neuwahl des deutschen Bräsidenten. Wenn man sich auch feiner Illusion darüber hingeben dürfe, daß die deutsche Linke nach einer Revision des Bersailler Bertrages und vor allem nach einer Aenderung der Grenzen im Often strebe, so müsse man doch wenigstens versuchen, mit der deutschen Demokratie zu einem Abkommen über die Sicherung des europäischen Friedens zu kommen. Abkommen mit Italien. Berlängerung der Wirtschaftsregelung. Rom, 31. März.( WTB.) Da der am 10. Januar d. I. zum Zwecke der vorläufigen Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Italien geschlossene Modus vivendi heute ab läuft, und die Verhandlungen über den Abschluß des an die Stelle diefes provisorischen Regimes tretenden Handels- und Schif fahrtsvertrages noch nicht zu Ende geführt sind, haben die deutsche und die italienische Regierung eine Berlängerung dieses vor: läufigen Regimes für die Dauer der Verhandlungen vereinbart, die voraussichtlich innerhalb nicht sehr langer Frist zu einem günstigen Abschluß gelangen werden. Unter Berüdjichtigung einiger sehr dringlichen wirtschaftlichen Rotwendig. teiten haben beide Regieruungen eine Beschränkung der Listen jener Waren vereinbart, die bisher nach dem Modus vivendi com 10. Januar von der Meistbegünstigung ausgeschlossen waren. Infolgedeffen werden außer den schon bisher nach dem Grundfah der Meistbegünstigung behandelten Waren vom 1. April an in Deutschland italienische Tomaten, Tafeltrauben sowie Schleif- und Boltersteine und in Italien deutsche Boizen und Schrauben aus Eisen und Stahl sowie Möbelbeschläge zu den meist begünstig ten Zollfäßen zur Einfuhr zugelassen. Das Abkommen ist heute durch einen Notenwechsel abgeschlossen worden. Das Bürgervorsteherfollegium von Hannover wählte ben bis herigen Bürgervorsteher- Wortführer Senator Menge( Ordnungsbiod) im zweiten Wahlgang zum Oberbürgermeister. stände zu, da diese Nachrichten über gewalttätige Pläne des Stahlselbst Freispruch beantragen. Er billigte mildernde Umhelms und über den Waffenbesiz und die Ausschreitungen dieser Crganisation an anderen Orten wenigstens subjettiv geglaubt hätten, wobei es auf die objektive Richtigkeit nicht so sehr ankäme. Der Staatsanwalt mußte einen großen Teil feiner Rede der Berteidigung feines eigenen höchst parteiischen Borgehens widmen und zu er flären suchen, warum fein einziger der an dem Zusammenstoß zahlreich beteiligten Stahlhelmleute auf die Anflagebant gebracht murde. Er behauptete, teiner von ihnen hätte namentlich festgestellt werden fönnen und dem Stahlhelm sei doch außerdem zugute zu halten, daß er an diesem Tage eine Feter hatte, die ihm gestört worden sei, während das Reichsbanner nicht der Veranstalter des Deutschen Tages war, wobei er allerdings verschwieg, daß dieser Deutsche Tag eine einzige große Ausschreitung und Berlegung der amtlichen Borschriften war. Nach den Ausführungen des Staatsanwalts begann Genosse Otto Landsberg als erster der Berteidiger sein Plädoyer, in deni er Einseitigkeiten der Anklage scharf fritisierte und nachzuweisen fuchte, daß der vom Staatsanwalt angenommene Landfriedensbrvaj feinesfalls den angeklagten Republikanern vorgeworfen wer den könne. Ob in der Abwehr der eine oder andere Reichsbannermann vielleicht eine leichte Körperverlegung begangen hälle, überließ Landsberg der Prüfung seiner Mitverteidiger. Das Urteil dürfte am Donnerstag gesprochen werden. Ein energischer Unterrichtsminister In Frankreich. In Paris fanden in lezter Zeit Studententrawalle in der juristischen Fakultät statt. Reaktionäre Studenten versuchten durch müften Radau die Vorlesungen eines neuernannten Professors, Georges Scelle, über Bölkerrecht zu verhindern, weil dieser bei ihnen als pazifistisch verschrien ist. Am Sonnabend fand eine regelrechte Schlacht im Universitätsviertel statt, wobei zahlreiche Schußleute und Studenten verlegt wurden. Der Dekan( Reftor) der Fakultät, der reaktionäre Professor Barthélenny, hatte den nationalistischen Studenten freie Hand gegeben. Jetzt hat der Unterrichtsminister François Albert den Reftor von seinem Amte enthob en und die Fakultät bis auf weiteres geschlossen. 00 Amerika England Pazifik. Washington, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Coolidge hatte am Dienstag mit dem neuen Außenminister Kellogg und dem Senator Borah eine längere Unterhaltung über die Auf. Senator Borah erklärte nach der Besprechung, daß die Gerüchte, stellung des Programms für die geplante Abrüstungskonferenz. die Regierung sei entschlossen, der antirussischen Politit weiterhin zu folgen, nicht der Wahrheit entsprechen. Mit dieser Erklärung Borahs ist allerdings nicht dementiert, daß England und Amerika. ein formelles Abkommen für ein fünftiges gemeinsames Auftreten ihrer Flotten im Stillen Ozean treffen wollen, Washington, 31. März.( Associated Breß.) Bräsident Coolidge empfindet feine Beranlassung, den Vorschlag der Anerfennung Sowjetrußlands jezt in Erwägung zu ziehen, da die Lage ich nicht geändert hat. Die Universität Jerufalem wird am 1. April d. J. eröffnet. Sie hat zunächst nur drei Fakultäten die medizinische febĭt noch- und die Sprache der Hochschule ist hebräisch. Lord Bal. four, der als britischer Außenminister im Weltfrieg jene feierliche Dellaration abgegeben hat, auf der die zionistische Kolonisation Balästinas beruht, ist zur Eröffnung in Jerusalem eingetroffen, wogegen die Araber durch Streit und Trauerfabnen demonstrieren. England als Mandatsmacht hat viel Militär zur Sicherung der Ruhe aufgeboten. Gewerkschaftsbewegung Reichsbahn und Privatindustrie. Neues Gefchent an die Privatindustrie. ilns wird geschrieben: " Die Privatindustrie hat schon seit Jahren ihre Bolypenarme nach lohnenden Objekten ausgestreckt. Nachdem sie sich soeben die angeblich nicht faufmännisch arbeitenden Deutschen Werke" zu einem erheblichen Teil einverleibt, wird ihr von den schwer induftriellen Mitgliedern des Verwaltungsrats gleichzeitig ein neuer, fetter Biffen, in Gestalt eines großen Teils der bisher bahneige nen Werkstätten zugeschanzt. Bisher wurde die Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen zum größten Teil von bahneigenen Werkstätten ausgeführt, während ein fleiner Teil den Privatmerten zugeführt werden mußte, da die Bahnwerke für den gewaltigen Umfang der Repara furen nicht aufnahmefähig genug waren. Zum Zwecke möglichst wirtschaftlicher Betriebsführung geht die Hauptverwaltung jet baran, wieder einen erheblichen Teil der Werkstätten 31 schließen und die gesamten Belegschaften, deren Stärke man mit 20-25 000 Mann gewiß nicht zu hoch beziffert, zu entlassen. Ueber die neue Form des Werkstättenbetriebes ist sich die Hauptrerwaltung selbst nicht im flaren. Sie spricht fortgesetzt von ,, wissenschaftlicher Betriebsführung"( Taylorinstem). und Normalisierung und Typisierung der Betriebsmittel. Daß die Unfallziffern seit Einführung der wissen schaftlichen Betriebsführung" schon erheblich gestiegen sind, kann nicht abgeleugnet werden. Eine Normalisierung der Betriebsmittel ant Lokomotiven und Wagen der Eisenbahnen ist infolge ganz verschiedenartiger Beanspruchung des rollenden Materials nicht mög fich; eine Typifierung fönnte bis zu einem gewissen Umfange in Frage fommen, wenn die Eisenbahnwerkstätten neue Lokomotiven und Wagen herstellen würden. Das tun sie aber nicht, da es sich nur um Reparaturwertstätten handelt. Damit ist aber der von der Hauptverwaltung angegebene 3 med der wirtschaftlichen Betriebsführung der Werkstätten ad absurdum überführt. Kurz gefagt, man will die Werkstätten schließen, um der Bri patindustrie einen größeren Reparaturenanteil auzuschanzen, troßdem sich die Reparaturenpreise der Brivatindustrie jetzt schon erheblich teuver stellen, als diejenigen der bahneigenen Werke. Außerdem möchte man so nebenbei einige tausend gewerkschaftlich organisierte Metall- und Holz arbeiter los sein. Die rigorose Haltung der Hauptverwaltung bezweckte ja bei dem letzten Streif der Güterbodenarbeiter eigentlich, die Werkstättenarbeiter in den Sympathiestreif zu zwingen; dann hätte man ohne viel Aufhebens die Werfftäten geschlossen und die Belegschaften entlassen. Nachdem die Werkstättenarbeiter der Verwaltung diesen Gefallen nicht taten, muß man ja schon so tun, als wenn man soziales Berständnis entwickeln wollte. Man bewilligt also den vom Abbau betroffenen Arbeitern ein liebergangsgeld, das bei verheirateten Arbeitern, die menigstens 21 Jahre alt sind und wenigstens ein Jahr lang ununterbrochen bei der Berwaltung beschäftigt waren, die Lohn summe für 12 Tage, und steigert dieses Uebergangsgeld bis zum Lohnbetrage für 78 Tage bei solchen Arbeitern, die mindestens 30 Jahre ununterbrochen im Dienste der Verwaltung standen. Da die Eisenbahn früher nur Leute einstellte, die ihre Militärzeit ab gedient hatten, fann man sich leicht ausrechnen, daß die mit dem höchsten Uebergangsgeld bedachten Arbeiter fast alle das 55. Lebensjahr überschritten haben und infolge ihres Alters eine Stellung in der Industrie nicht mehr erhalten werden. Sie können also, nachdem das llebergangsgeld aufgezehrt ist, glatt verhungern. Natürlich tut die Berwaltung so, als ob sie sich um die Unter bringung„ besonders leistungsfähiger und bewährter Arbeier, auf beren Beibehaltung aus fachlichen Gründen Wert zu legen ist" den Kopf zerbricht, da sie verfügt, daß solche Leute nötigenfalls unter Entlaffung weniger leistungsfähiger Arbeiter" in andere Dienst zweige übergeführt werden können. Diese Leute haben dann aber da sie nicht zu den Belegschaften der aufgelösten Werkstätten gehören, feinen Anspruch auf das Uebergangsgeld. Bei der Verpflan zung von Arbeitern haben die Betriebsräte natürlich fein Mitwirtungsrecht, da es sich um Schließung von Be trieben handelt. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß hier die Lüde ist, Lieblinge vor der Entlassung zu schüßen. Die Verwaltung macht in ihrem Eriaß vom 26. Februar 1925 ..besonders darauf aufmerksam, daß den Arbeitern bei den EntLajfungen, die durch gänzliche, oder teilweise Stillegung eines Berfes erforderlich werden... ein Einspruchsrecht an das Arbeitsgericht| nicht zusteht sagt aber dennoch:„ Sollte trotzdem ein Gewerbe I gericht der Reichsbahn die Verpflichtung zur Zahlung einer Entschädigung auferlegen, so find die Uebergangsgelder auf die Entschädigung anzurechnen." Biel Bertrauen scheint die Verwaltung also in ihre soziale Einsicht und rechtliche Auslegung der BRV. selbst nicht zu legen. Nachdem dieser neue Abbau der Werfstättenarbei ter im Gegensatz zu dem Wort des Staatssekretärs Bogt, nach welchem der Abbau erledigt mar, beendet ist, will man erneut einen starken Aderlaß bei dem Betriebspersonal vornehmen. Zu diesem 3wede überführt man neuerdings große Teile betriebsdienstfähiger Beamten aus dem Berkehrs in den Betriebsdienst zu dem Zwecke, die hier diensttuenden Hilfsbeamten und Arbeiter entbehrlich zu machen und sie nach Beendigung der diesjährigen Reisezeit abzubauen. Dann wird der 16- Stundentag der Eisenbahner menigstens ausgenugt. Im Betriebe der Reichsbahn geht man, nachdem die Siemens und Konsorten im Verwaltungsrat fizen, schweren Rämpfen entgegen, die nach dem von der Hauptverwaltung bewiesenen nicht guten Willen, ausgefochten werden müssen. Jedem Be amten und Arbeiter ist daher im eigenen Interesse drtu gend zu raten, fich schleunigft gewerffchaftlich zu or ganisieren, damit er in diesen Kämpfen nicht allein und wehrlos dasteht. Streik der Töpfer. 9 Die Töpfer Berlins hatten durch ihre Organisation den Unternehmern die Forderung unterbreitet, die Löhne um 30 Broz aufzu bessern, den sehr im argen liegenden Arbeitsnachweis und die Lehrlingsangelegenheiten tariflich zu regein. Bei den Verhandlungen ergab sich in bezug auf den Arbeitsnachweis leberein dem Gefeß angepaßt werden. In der Lehrlingsfrage wollten stimmigkeit darüber, daß in dieser Woche noch die Satzungen sich die Unternehmer durchaus nicht dreinreden lassen; sie erklärten die Lehrlingsausbildung und-erziehung als ihre alleinige Angelegen heit. Den 2ohn wollte man von 1,15 M. auf 1,25 M. für die Stunde erhöhen. Eine Neuregelung des Affordtarifs wurde abgelehnt. Da auch in den fortgesezten Berhandlungen die Unternehmer auf ihrem Vorschlag bestehen blieben, wurde schließlich der Schlichtungsausschuß angerufen, der unter Borsiz des Gewerbe rats Störner folgenden Spruch fällte: Der Bohn beträgt ab 1. April 1,25 M.; der Affordtarif wird von 105 auf 113 Broz. erhöht, die Lehrlingsfrage an die Parteien zurüfvermiesen, In einer Berfammlung der Töpfer berichtete gestern abend Kemnitz vom Baugewerksbund über das Ergebnis. Er teilte mit, daß die Lohntommission den Spruch sofort abgelehnt hat und daß sie im Einverständnis mit der Verbandsbezirksleitung den Streit empfehle. In geheimer Abstimmung wurde der Streif gegen wenige Stimmen beschlossen. Den Unternehmern werden nach der Arbeitsniederlegung folgende Forderungen unterbreitet werden: Lohn 1,40 M., Affordtarif 140 Pro3., Anerkennung des paritätischen Arbeitsnachweises, unterschriftliche Anerkennung dieser Forderungen bis zum 1. Juli. Die Streifenden, die Mitglieder des Baugewerfsbundes find, müssen sich heute, Mittwoch, früh 10 Uhr, im Restaurant Lehmann, Engelufer Ecke Adalbertstraße melden. Der Tapeziererftreik geht weiter. Am Montag nahmen die Bertrauensleute den Situationsbericht der Streifleitung entgegen. Nachdem alle von den Unternehmern gemachten Versuche, die Arbeiten der Streifenden durch Kleinmeister, durch Heranziehen von Streifbrechern von auswärts, durch Vergeben der Arbeiten nach auswärts usw. nichts genügt haben, mehren sich die Verfuche der bestreiften Firmen, namentlich der größeren, mit den Streifenden zit verhandeln. Dabei zeigt sich immer deutlicher, daß die Unternehmer sehr schlecht beraten worden sind. Es machte sich daher notwendig, auch unsererseits nochmals, die Irfachen des Streifs richtigzustellen. Die Unternehmer machen in ihren Angaben den Streifenden gegenüber fo widersprechende Angaben, daß nochmals feitgestellt werden muß, daß der Streit durch das ablehnende Berhalten der Unternehmer, mit uns zu verhandeln, entstanden ist. Die Angabe, daß die Forderungen noch nie Dagemefenes darstellen, ist falsch. Gegen den alten am 15. August 1923 abgelaufenen Tarif vertrag ist eine Erhöhung der Ferien( die bisher von drei Tagen nach einem halben Jahr stiegen auf fieben Tage nach vier Jahren) gefordert worden von vier Tagen nach einem halben Jahr, steigend auf 12 Tage nach drei Jahren. Spesen, die lange vor dem Kriege in festen Beträgen für Arbeiten außer dem Hause gezahlt wurden, follen mit 15 Broz. festgesetzt werden. Affordarbeit, bei der bis jezt der Mindestlohn garantiert mar, soll in vernünftiger Weise geNfsrael GEGR. 1815 BERLIN C SPANDAUERSTRASSE KÖNIGSTRASSE Vorteilhafte Angebote: Möbelstoffe Gobelinstoff VerdureMuster, 130 cm Mtr. 5.40 Dekorationsstoff Kunstreide, 130 cm Mtr. 5.25 Rips römisch gestreift, 130 cm breit Mtr. 3.90 Moketteplüsch klein 130cmustertr. 9.25 Alpaka in modern. Farben, 120 cm Mtr. 2.75 2.75 Möbelkretons Möbelkreton in hübschen Mustern Mr. 1.60 2.50 80 cm 130cm 80 Mr. 1.80 Mtr... Möbelsatin cm Baumwollstoff bunt gemustert, 130 cm. 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Es sei festgestellt, daß selbst nach dem Streifbeschluß die Arbeiter einen Bermittlungsvorschlag in den Betrieben machten, den alten Tarif anzuerkennen, 1015 von den Unternehmern nicht aufgegriffen wurde. Bon den Arbeitern ist also alles geschehen, um Verhandlun gen vor dem Streit zustande zu bringen. Die Herren werden sich wohl oder übel eines besseren befinnen und die Organisation der Arbeiter als mitbestimmend für die Arbeitsbedingungen anerkennen müssen. Noch nie fonnten sich die Unternehmer entschließen, einen Tarifnertrag ohne Streit abzuschließen. Die Streifenden wissen das sehr genau. Die Diskussion, an der sich alle maßgebenden Betriebe beteiligten, zeigte, daß es feine andere Lösung gibt als auszuhalten, bis der Starrsinn der Unternehmerfommission gebrochen ist. Eine Abstimmung brachte einstimmiges Vertrauen für die Streifleitung und ihre Tätig feit zum Ausdrud. Berkehrsstreik in Hamburg. Hamburg, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Hoch- und Straßenbahner haben am Dienstag in Urabstimmung zum Schiedsspruch der Schlichterfammer, der unter Beibehaltung der neunstündigen Arbeitszeit auf ein Jahr eine Lohnerhöhung um 3 Pf. pro Stunde oprsieht, Stellung genommen. Die Gegenforderung war die Wiedereinführung des Achtstundentages. Die Ürabstimmung ergab Ablehnung des Schiedsspruchs mit 5767 gegen 411 Stim men. Damit ist die erforderliche Dreiviertelmehrheit für Streif weit überschritten. Am Dienstagnachmittag fanden auf Beranlassung von Bürgermeister Dr. Petersen neue Berhandlungen statt, bei denen sich die Arbeitnehmer auf Anregung des Senatsvertreters zu einem Entgegenkommen in der Taris: und Arbeitszeitfrage bereit erklärten. Die Hochbahndirektion hielt aber an der neunstündigen Arbeitszeit feft. Am Dienstagabend beschloß die Vertrauensmännerversammlung, fofort Anweisungen für die Durchführung des Vertehrsstreits zu geben. Der Streit fezt am Mittwochmorgen ein. Das ablehnende Verhalten der Direktion hat insofern verschärfend gewirkt, als nicht nur der Hoch- und Straßenbahnbeirich und die Alst erschiffahrt stillgelegt wird, sondern auch der Verkehr auf den Langenhorner und Walddörfer- Bahnen. Auch der Autobusverkehr wird eingestellt. Lohnraub im Ruhrbergbau. Bochum, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Berg arbeiterverband veröffentlicht folgende Erklärung: Auf verschiedenen Zechen des Ruhrgebietes sind von den Zechenverwaltungen Bekanntmachungen für die Kofereiarbeiter erfassen worden, in denen angefündigt wird, daß laut Bereinbarung der Tarifparteien für sieben verfahrene Schichten nur 6½ Schichten bezahlt werden. Bir erklären dazu, daß eine derartige Bereinbarung zwischen den Tarifparteien nicht getroffen worden ist. Die Ankündigung einer solchen Bezahlung stellt vielmehr einen einseitigen willfürlichen Akt der Zechenverwaltungen dar, der im Neberarbeitsschiedsspruch vom 5. Februar 1925 feine Stütze findet. Achtung, Stein- und Kaltizäger des Baugewerkebundes! Am Mittwoch, den 1. April, gleich nach Feierabend, findet in Lobal von Kraag, Berlin GD., Adalbertstr. 21, eine fehr wichtige Veriammlung aller Stein- und Kalfträger flatt. Tagesordnung: Bericht von den Berhandlungen über den Abschluß eines forhtarifvertrages. Wir erfugen, alle Maurer und Bauarbeiter, die Steine ino Saliträger, foweit diefelben im Baugewerksbund organisiert find, auf die Bersammlung hinzumeisen. Der Vorstand Berantwortlich für Politit: Craft Renter; Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowsti; Lotales Berlag: Borwärts- Bering 6. nt. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Sonstiges: Fris Raritädt; Anzeigen Th. Slode; fontlich in Berlin. und Berlagsanstalt Boul Singer u. Co. Berlin E. 68 Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen nnb Unterhaltung und Wiffen. Mufilaufträge 9 übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Mufiler Verbandes Berlin 027, Andreasstr. 21( Königitadt 4810). Geschäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Bertréterbesuch Fortsetzung des großen Konfektions- Verkaufs Decken Diwandecke Gobelingewebe m. Fransen 21.50 Diwandecke schwere Qualit. mit Fransen! 29.50 150 300 cm..... Tischdecken Verdure- oder mit zu besonders vorteilhaften Preisen Bettwäsche Deckbettbezug aus Linon zum Knöpfen 7.90 130200 cm.. Kissenbezug dazu passend, 8080 cm.... 2.10 Laken aus Haustuch 140x220 cm.. 4.75 Laken aus Daulas 160245 cm.. 7.50 Garnitur aus gestreiftem Satin, Deckbettbezug 130x2001 Perseuse 80 14.75 Garnitur aus Damast, 1 Deck2 Kissenbezüge 80x80cm 19.50 Kochellein.- Tischdecke bunt bestickt, zum Aussuchen Serie I Serie II 1803.90 150 5.40 Steppdecken Steppdecke auf beiden Seiten aus einfarb. Satin, 19.75 Handarbeit, 150< 200 Steppdecke auf beiden Seiten aus schwerem einfarb. 24.Daunendecke auf beid. Seit. 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Die Berliner Stabiverordnetenversammlung hatte| Debatte angenommen; im übrigen gehen seine Borschläge bohin, in ihrer gestrigen Sitzung unter anderem Stellung zu nehmen zu dem den Magistrat zu ersuchen, Mittel für die dringendften Umbe: aus dem Ausschuß zurüdfommenden Antrag der sozialdemonennungen von Straßen und Plägen in den Haushaltsplan 1925 fratischen Fraktion, der zur Erinnerung an den verstorbenen einzustellen, weiter: mit der Oberpostdirektion in Berlin in Ber Reichspräsidenten eine Friedrich Ebert- Straße für bindung zu treten reds Umorganisation und Anpassung der Bost ämter an die Einheitsgemeinde Berlin. Ferner spricht die Ber Berlin vorschlägt. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt( geftern fammlung den Wunsch aus, daß der Magiftrat jowohl bei der Oberwurden alle wichtigen Beschlußfaffungen auf die nächste Sigung ver postdirektion wie bei der Handelskammer eine Anfrage dahin richtet, ichoben), aber die meisten Fraktionen gaben zustimmende Ercb es wünschenswert erscheint, die zahlreichen Straßen mit Doppelflärungen ab. Daß die Kommunisten ablehnen würden, war vor benennung umzubenennen. auszusehen und verstand sich von selbst. Bielleicht fann man nächstens mit dem Vorschlag einer Mostomiterstraße" ihren Beifall erringen. Der andere sozialdemokratische Antrag, den vom Reichstagsgebäude bis zum Potsdamer Bahnhof führenden Straßenzug( Sommerstraße und Budapester Straße) zur Friedrich Ebert- Straße zu machen, fand nicht allgemeine Unterstügung. Die rechtsstehenden Fraktionen möchten die Auswahl der Straße dem Magistrat überlassen, von dem fie wohl erwarten, daß er sich für eine an möglichst unauffälliger Stelle liegende Straße, entscheiden wird.- In derselben Sigung gab zur Erhöhung der Magistratsgehälter die sozialdemotratische Fraktion durch Genossen Heimann eine Erklärung ab, die ihre Zustimmung begründet. Es handelt sich in erster Linie um die unvermeidliche Erhöhung des Kämmerer= gehalte, die automatisch zu einer Erhöhung auch der Gehälter des Oberbürgermeisters und des Syndikus führt. Die Frattion wünscht im Interesse der Stadt einen Wechsel in der Be setzung des Rämmererpostens vermieden zu sehen. Ohne Erhöhung seines Gehalts will aber der Kämmerer nicht in Berlin bleiben. Die geftrige außerordentliche Sigung der Berliner Stadtverordneten eröffnete der Vorsteher Genosse Haß furz nach 6 Uhr mit einer Rundgebung der Trauer um die Opfer, welche der Einsturz der Pontonbrücke über die Oberweser unter den Mitgliedern der Reichswehr gefordert hat. Die Berfammlung hörte die Beileidsmorte des Vorstehers stehend an. Ueber die Stellenpläne und Stellenveränderun gen des Rechnungsjahres 1924 berichtete namens des Ausschusses für Besoldete Dr. Caspari( D. Bp.). Die Ausschußbeschlüsse wurden mit großer Mehrheit angenommen. Dann jezte man die zweite Beratung des Antrags der Wirtschaftspartei fort, der sich gegen die„ unlautere Konturrenz" der Gemeinnügigen G. m. b. H." der städtischen Beamten, Angestellten und Ar. beiter richtet. Genosse Kayfer: Die typischen Mittelstandsretter treten immer wieder mit Forderungen und Anträgen auf, die den aussichts'ofen Zwed verfolgen, das Rad der wirtschaftlichen Entwid lung rüdwärts zu drehen. Durch die Selbsthilfeorganisation, die sich die städtischen Bediensteten geschaffen haben, sehen die Krämer ibre heiligsten Güter in Gefahr; der Magistrat soll einschreiten. Im Kriege und seit dem Krieg haben sich zwischen Großhandel und Verbraucher eine Menge Zwischenglleder ohne jeden volkswirtschaftlichen Nutzen eingeschoben, die nur verdienen, viel verdienen wollen. Wenn man auch die Be deutung des Handels voll anerkennt, so hat deshalb noch lange nicht jeder Händler das Recht auf einen besonderen obrigkeitlichen Schug. Früher liefen die Mittelstandsretter Sturm gegen ben fogia listischen Magistrat, weil er den Mittelftanb zerstöre; jetzt laufen fie Sturm aus demselben Grund auch gegen den bür gerlichen Magiftrat! Die Einwände gegen die Gemeinnüßige G. m. b. 5." bedürfen einer ernsten Widerlegung nicht; wir lehnen den Antrag ab. Die Kellerräume, die der Magistrat der Einlaufstommiffion" überlaffen hat, läßt er sich sehr gut bezahlen. Hieran schloß sich eine Aussprache. Die Abstimmung wird am Donnerstag erfolgen. Es folgte die zweite Beratung der Anträge unserer Genossen, betr. die Umbenennung von Straßen und Pläzen und betr. die Benennung einer Berkehrsstraße als Friedrich Ebert- Straße". Auch hier war Dr. Caspari ( D. Bp.) Referent. Der Ausschuß hat den letzteren Antrag ohne 11] S Anthony John. Roman von Jerome K. Jerome. Der Kapitän ber zweiten Fußballmannschaft betaftete Anthonys Beine, untersuchte dessen Lungenkraft und erklärte fich für befriedigt. Jarvis, einer der Brimaner, hielt eine Rede, die äußerst freundschaftlich gehalten war, wenn gleich fie an die Herablaffung Gottes gegenüber einem hossnungsvollen Maifäfer gemahnte. Anthony wurde aufgefor dert, ebenfalls eine Rede zu halten. Er war nie verlegen und würde es auch nie sein. Er erklärte, es freue ihn, in die dritte Klaffe zu fommen, weil ihm Billy Saunders ausnehmend gefalle. Auch freue er sich darüber, daß Herr Williamson glaube, er würde ein guter Fußballspieler merden, denn er liebe Fußball und fänne taum erwarten, das Spiel zu lernen; er bitte Herrn Williamson, ihm dabei behilflich zu sein. Ferner erflärte er, es sei äußerst gütig von den Herren Jarvis, Horrods und Andrews, einen so fleinen Knaben wie ihn zu beachten, und er hoffe, daß er, wenn er die Brima erreicht habe, ihnen gleichen würde. Er sei sehr stolz darauf, nun einer der St.- Aldys- Schüler zu sein, denn sicherlich sei dies die beste Schule der Welt, und es sei unendlich freundlich von Herrn Tetteridge gewesen, ihm zu dem Freiplah zu verhelfen. Damit setzte er sich, und alle riefen Bravo!" und schlugen auf den Tisch. Herr Jarvis erflärte herablassend, die Rede sei für einen so jungen Menschen ganz gut gewesen. ,, machte ich meine Sache gut," erkundigte sich Anthony, als die anderen gegangen waren. Famos," erwiderte der junge Tetteridge und legte den Arm um Anthonys Schulter. Du hast jeden von ihnen er wähnt." ,, Ja, ich dachte, das würde ihnen gefallen." Doch entdeckte Anthony gar bald, daß es in der Schule nicht nur freundschaftliche Gefühle gebe. Irgendwie tam es an den Tag, daß er ein Kurzgeschorener" sei. Der Stifter hatte vielleicht aus hygienischen Gründen bestimmt, daß die zwölf Freischüler ihr Haar furz geschoren tragen sollten. Mit der Zeit war diese Bestimmung vernachlässigt worden; der Name jedoch blieb. Gelangten die Kurzgeschorenen in die oberen Klaffen, so wurden sie geduldet, in den unteren jedoch ward ihnen das Leben fauer gemacht. Anthony wurde ,, Bettelfnabe", Armentind" genannt. In der Schulbant rückten die Knaben von ihm fort, auf dem Spielplay fümmerte fich feiner um ihn. Die Tatsache, daß er leicht lernte und die ein Interesse daran haben, daß Genoffe Battloch: Auch Polizei und Bost müssen ja und unzweckmäßige Bennenungen zu ändern. ein Interesse daran haben, daß Doppelnamen verschwinden Zu unserem heutigen Antrage bedarf es wohl feiner Begründung; wir find es unserem verstorbenen Reichspräsidenten fauibig, eine die Budapester und Sommerstraße vor. Hildebrand( Dem.) trat dem Vorschlage Battlochs bei. Dörr( Romm.) lehnte natürlich diesen Anrag ab, während Hallensleben( D. Bp.) eben falls Bedenken dagegen hatte, die Budapester und die Sommerstraße zu einer Friedrich- Ebert- Straße" zusammenzuziehen. Anton Schmidt( 3) stimmte dem Anirag zu. Genosse Cown hob Hallensleben gegenüber hervor, daß die Einbeziehung der Sommerstraße wegen der unmittelbaren Nähe des Reichstages der FriedrichCbert- Straße auch eine politische Bedeutung gibt. Die Abstim mung wurde ebenfalls auf Donnerstag verschoben. Der Antrag unserer Genoffen wegen Erhöhung der Löhne der städtischen Arbeiter Mittwoch, 1. April 1925 Leere Fenster. .. Und des Himmels Wolken schauen hoch hinein! An diese bekannten Schillerschen Worte denkt man unwillfürlich, wenn man jetzt einen Gang durch die Straßen macht. Kaum ein Fenster, an dem man Gardinen sieht, überall können des Himmels Wolfen hineinschauen, fönnen Mond und Sterne hineinsehen, überall Groß= reine machen zum feftlichen Empfang der Ostertage. Die Haus frau, und sei ihr Hausstand auch noch so klein und ihre Wohnung auch noch so beschränkt, versäumt nicht die Pflicht, den Winter gewiffermaßen aus der Wohnung zu fehren und Generalfäuberung vorzunehmen. In diesem Jahre aber und vor diesem Osterfest ist man mit besonderem Eifer und in besonders großem Ausmaß überall bei der Osterreinigung am Wert. Als man im verflossenen Jahre Ostern feierte, war die furchtbare Zeit der Inflation noch nicht lange vorüber, man war noch unsicher, man wußte nicht, ob die Geldverhältnisse stabil bleiben würden und man fürchtete, die Geldentwertung würde noch einmal fommen. Die Hausfrauen und namenlich die tausende mit dem bleiernen und schmalen Geldbeutel, magten nicht recht, Geld auszugeben für die Generalreinigung, die allerhand Anforderungen an das Bortemonnate stellt und so mancherlei Anschaffungen für die Wohnungsreinigung notwendig macht. Heute aber hat sich das alles wesentlich geändert. Man ist nicht mehr so zaghaft und zaudernd beim Einkauf und man riskiert wohl auch den Rauf von neuen Gardinen und Vorhängen, die längst schon„ fällig" waren und durch andere hätten ersetzt werden müssen. und so ist jedes Haus, jede Wohnung und jede Familie fast in Aufregung und wie bei einem Umzug. Der brave Hausvater findet nichts am gewohnten Platz und verläßt, feine Schmeichelworte und Liebkosungen auf den Lippen, die unwirtlichen Räume. Aber dieses allgemeine Großreinemachen vor Ostern hat auch noch eine andere und man möchte sagen soziale Bedeutung. Sehr viele Familien fönnen sich heute keine Haushilfe leisten. Die Hausfrau macht alle Arbeiten selbst, und nur jetzt, da sich die Arbeiten häufen und überstürzen, nimmt man eine Hilfe. Die Reineauf den höheren Berdienst nun auch mit freundlicheren Gedanken das Osterfest herannahen sehen. ( 10prozentige Lohnzulage) tam ohne Aussprache zur Annahme. Der machfrauen haben alle hände voll zu tun und fönnen im Hinblic Magistrat soll bereits zugestimmt haben. Zur Berhandlung gelangten ferner die Anträge unserer Gen. und der vereinigten Dem., Dnat., DBp. und Wp. auf Erhöhung der Gehälter der leitenden Magistratsmitglieder. Der Haushaltsausschuß schlägt folgende Beschlußfaffung vor: Die Bersammlung entschließt sich, die Gehälter der Magiftratsmitglieder vom 1. April 1925 wie folgt festzusetzen: Oberbürgermeister Einzelgehalt V, sowie freie Dienstwohnung und Dienstaufwandsentschädigung, Bürgermeister, Stadttämmerer Einzelgehalt IV, Stadtfyndikus Einzelgehalt III, und ersucht den Magistrat, diesem Beschlusse beizutreten. Der Antrag Heimann, der nur das Kämmerergehalt erhöhen wollte, soll damit als erledigt gelten. In der Aussprache hierüber gab Genoffe Helmann folgende Erflärung ab: Die sozialdemokratische Fraktion ist der Ueberzeugung, daß es im Interesse der Stadt Berlin und ihrer Be pölferung gelegen ist, einen Wechsel in der Stelle des städtischen Kämmerers zu vermeiden. Das ist ohne die im Ausschußantrag vorgesehenen Erhöhungen nicht möglich. Da ferner die Gehälter der Magistratsmitglieder in Berlin hinter den Gehältern anderer Groß- und Mittelstädte zurüd fiehen, zum Teil fehr erheblich, ftimmt die sozialdemokratische Fraktion dem vor liegenden Antrag zu. Gabel( Komm.) und Aschendorff von den drei USP. protestierten gegen die Bevorzugung der Brominenten", während die Bertreter der übrigen Frattionen dem Ausschußantrag zustimmten. Die namentliche Abstimmung wird am Donnerstag vorgenommen werden. Weiter begründete Berichte( p.) Anträge seiner Partei auf einheitliche Fernipredgebühren für Groß- Berlin und auf Ausdehnung des Stadtbahnsondertarifs auf die Berliner Außenbezirte; auch hier wurde die Abſtimmung ausgeicht. Den Angriffen, die Dörr( Komm.) gegen ben Magistrat richtete, weil er bei der Bergebung der Woh. nungen im Hause Friedrichstraße 129 reiche Leute begünstigt babe, trat Gen. Stadtrat, Wuhty mit ausführlichem Material ent gegen. Er fündigte zugleich den baldigen Eingang einer Borlage an, die durch Inanspruchnahme der Hauszinssteuer den Bau von Häusern bzw. die Erstellung von Wohnungen auch für mit Glücksgütern nicht Gesegnete ermöglichen soll. Schluß der Situng 9 Uhr. Lehrer ihn gern hatten, schadete ihm noch mehr. Zuerst trat der junge Saunders für ihn ein, als er jedoch bemerkte, daß er hierdurch ebenfalls unbeliebt merde, gab er es auf, wälzte die Schuld auf Anthony ab. ,, Es ist ja nicht nur, daß du ein Freischüler bist," erklärte er eines Tages, da er Anthony an einen stillen Ort hinter eine Wafferbutte gewinkt hatte. Aber du hättest mir sagen müssen, daß deine Mutter Schneiderin ist." ,, Auch die Mutter des jungen Harringay ist Schneiderin," rechtfertigte sich Anthony. Ja aber sie hat eine große Werfftatt und stellt näh mädchen an," erwiderte der funge Saunders. Deine Mutter jedoch wohnt in Snellings Row und arbeitet selbst. Du hättest es mir sagen müssen, es war nicht fair von dir." Soweit sein Gedächtnis zurüdreichte, war Anthony immer wieder auf Dinge gestoßen, die er nicht verstand. Früher hatte er sich damit gequält, diesbezügliche Fragen gestellt, doch fonnte er niemals eine befriedigende Antwort erhalten. Die Folge war, daß er sich unbewußt zu einem Philosophen entwidelte. Der fluge Reisende, der in ein fremdes Land ge. langt, nimmt die dortigen Sitten an und versucht, ihnen die beste Seite abzugewinnen. Anthony begnügte sich auch diesmal mit einem: Es tut mir leid. Eines Tages auf dem Spielplatz deutete ein Knabe mit dem Finger auf Anthony, der inmitten einer fleinen Gruppe dem Kricket zusah.„ Seine Mutter arbeitet als Scheuerfrau!" brüllte der Knabe. Anthonn betrachtete den Knaben ohne sichtlichen Zorn. Tatsächlich ging die Mutter an den Tagen, da sie feine Näh arbeit hatte, als Scheuerfrau. Der Knabe war gut gewachsen, mustulos und etwa drei Zoll größer als Anthony. Willst du ihn nicht verprügeln?" fragte ein fleiner Knabe Anthony und grinfte erwartungsvoll. ,, Noch nicht," entgegnete Anthony und wandte von neuem feine Aufmerksamkeit dem Spiel zu. Der Ontel hatte einen alten Freund, der früher Bortämpfer gewesen war. Anthony wandte sich an ihn. Herr Dobb geriet dadurch in ein Dilemma; erschüttert durch Frau Newts Warnungen und Predigten hatte er sich in der letzten Zeit befehrt" und besaß nun ein fleines Gasthaus in einem ber vielen Bergwerkdörfer, die die Nach barschaft von Millsborough bildeten. Es ist gegen die Heilige Schrift," erklärte er ,,, Rämpfen ist eine Sünde: ,, Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, fo halte ihm auch die andere hin." Das hast du nicht versucht, nicht wahr?" Die neuen Fahrpreise auf der Stadt, Ring- und Vorortbahn Bom 1. April ab gelten auf den Berliner Stadt, Ring- und Borortbahnen folgende Fahrpreise: Einzelfarten: N. Preis ſtufe 2. Klaſſe 25 Pf., 3. Klaſſe 15 Bf., 1. Stufe 30 und 20 Bf.. 2. Stufe 45 und 30 Pf., 3. Stufe 60 und 40 Pf., 4. Stufe 75 und 50 Pf., 5. Stufe 90 und 60 Bf., 6. Stufe 1,05 m. und 70 f. usw. Monatstarten: N. Preisstufe 2. Klasse 11 M., 3. Klasse 6,50 m., 1. Stufe 12 und 8 m., 2. Stufe 16 und 10,15 m., 3. Stufe 20,50 und 13,05 m., 4. Stufe 24 und 16 M., 5. Stufe 27 und 18 m., 6. Stufe 30 und 20 m. usw. Schülermonatsfarten fosten die Hälfte. Teilmonatstarten( nur 3. Klasse): N.Preisstufe 1,70 m., 1. Stufe 2,30 m., 2. Stufe 3 M., 3. Stufe 3,80 m., 4. Stufe 4,50 M., 5. Stufe 5,10 m., 6. Stufe 5,60 M. usw. Arbeiterwochenkarten: N. Preisstufe 1,30 m., 1. Stufe 1,50 m., 2. Stufe 2 M., 3. Stufe 2,50 M., 4. Stufe 3 M., 5. Stufe 3,40 M., 6. Stufe 3,80 m. usw. Für Bahnsteigtarten sind 10 Pfg., für Fahrrabfarten 30 Pf. zu entrichten. Niedrige Mehl und hohe Brotpreise. Wer die Berichte über die Getreidepreise und über die Mehlpreife in den letzten Wochen verfolgt hat, wirb wissen, daß in den legten Tagen ein gewaltiger Preissturz auf dem Meh Iund Getreidemartt stattgefunden hat. Man sollte meinen, daß die Bäder die Gelegenheit benußen müßten, um das Gericht des Brotes, das bei der Steigerung der Getreide und Mehlpreise sehr starf zusammengeschrumpft ist, wieder etwas zu vergrößern. Die Hausfrauen werden von dieser Gewichtserhöhung nichts gemerit haben. Die Bäder sind sehr schnell bei der Hand, das Gewicht des Brotes zu verfleinern, wenn der Preis in die Höhe schnellt. Warum zögern fie, bei sinkenden Mehl und Getreidepreisen das Brotgewicht zu erhöhen? Sicherlich werden sie jetzt mit dem Hinweis tommen, daß sie noch Mehlvorräte aus den Zeiten haben, als die Breise hoch standen. Dieser Hinweis wäre vollkommen abmegig. Denn in dem Augenblid, in dem die Preise von Mehl in die Höhe gingen, hatten die Meister sicherlich auch Borräte, die billiger waren. ,, Er schlug mich nicht," erwiderte Anthony ,,, nannte bloß meine Mutter eine Scheuerfrau. Sie fallen immer über mich her, rufen mir Betteljunge", Armenfind" nach. ,, Verdammte Schweinerei!" brummte Herr Dobb, seine Religion vergessend. In mir ist etwas," meinte Anthony, das mich reizt, die Knaben zu töten, einerlei, was nachher aus mir wird. Und diefes Gefühl fürchte ich. Könnte ich einige der Buben ordenilich verprügeln, so wäre alles in Ordnung. " Herr Dobb fragte sich den Kopf. Bärft du doch vor einem Jahr zu mir gekommen, mein Junge, ehe deine Tante mir das Bersprechen abnahm, allabendlich vor dem Schlafengehen ein Kapitel aus der Bibel zu lesen." Er betrachtete Anthony mit forschendem, fachmännischem Blick. Du hast die Schultern dazu und auch der Naden geht an. Für deine Größe befißt du einen guten Griff. Nur die Brust müßte etwas breiter sein. In zwei Monaten fönnte ich dich trainiert haben." Ja, wirklich," fuhr er fort, als Herr Dobb ihn ungläubig an,, Die Bibel gebietet uns, zu fämpfen," warf Anthony ein. starrte. Gott befahl Saul, alle Amalekiter zu töten. Und Gott lehrte auch David fämpfen; David selbst berichtet dies. Gott half ihm, Goliath zu besiegen." Frau Newt hatte mit Rücksicht auf Herrn Dobbs Alter die Lektüre des Neuen Testaments empfohlen, und der Exboger hatte eben die Lehrbücher der Apostel durchstudiert. Bist du deffen ganz gemiß?" fragte Herr Dobb. Anthony fand Kapitel und Bers und las sie vor. ,, Erstaunlich!" brummte Herr Dobb. Hier hat man ja für sein Geld die Auswahl." " Da nun Herr Dobbs Strupeln eingeschläfert waren, gab er sich Anthonys Training mit der Begeisterung eines Rünstlers hin. Anthony versprach, nicht eher zu fämpfen, bis er Herrn Dobbs Erlaubnis hierzu habe, und erduldete schweigend das Fegefeuer der Schule. Am letzten Tag der Ferien erklärte Herr Dobb, nun sei sein Schüler genügend ausgebildet, und schon am folgenden Morgen hoffte Anthony gar balb eine Gelegenheit zu finden, seinen Berfolgern Toleronz beizubringen. Zu seiner großen Enttäuschung brachte dieser Tag feinen Zwischenfall. Etliche Spottworte wurden ihm an den Kopf geworfen, aber unglückseligerweise von Knaben, beren Jugend und Schwäche sie für Anthonys 3wed un geeignet machte. ( Fortseßung folgt.) Eie haben trotzdem Gewichtsverkleinerungen von dem Tage des Steigens der Breije vorgenommen und nicht so lange gewartet, bis fie ihre billigen Mehlvorräte aufgebraucht haben. Das Risiko des Steigens und Fallens der Mehlpreise fönnen doch nicht die Konsumenten tragen, sondern zum Risifo eines Berlustes müssen auch diejenigen beisteuern, die bei günstiger Konjunktur die Gewinne einstreichen. Die Konsumenten fönnen also fordern, daß dem Brote das Gewicht gegeben wird, das ihm auf Grund der gefallenen Mehlpreise gegeben werden kann. Der Mord in der Garage. Todesurteil für den Täter. In dem Prozeß gegen den Mörder des Wächters Hochhaus, den Autowäscher Frih Durstewig, erkannten die Geschworenen auf Schuldig wegen Mord. Das Gericht verurteilte darauf den Mörder zum Tode. Dem wegen Beihilfe zum Morde Mitangeklagten Kurt Müller konnte die Beihilfe nicht nachgewiesen werden. Er wurde aber wegen Nichtanzeige eines Mordvorhabens zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt, wobei ihm 6 Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Der Mörder nahm sein Urteil gleichmütig hin. leber den Berlauf des Prozeffes ist folgendes nachzutragen: Der zweite Angeklagte, der noch nicht ganz 20 Jahre alte Sturt Müller, erklärte fich für schuldlos. Durftemiz habe immer phantastische Pläne und Neigung zu Abenteuern gehabt. Er sprach immer davon, wie man viel Geld bekommen fönnte. So habe er cuch oft den Plan, einen Wächter zu ermorden und ein Auto über die Grenze zu bringen, besprochen. Er, Müller, habe das aber nie ernst genommen. Es sei auch falsch, daß sie sich durch Handschlag zu der Tat verabredet hätten. Am 30. September habe er Durstewig bis zur Garage gebracht. Durstemiz have wieder gesagt, daß er es ausführen werde. Er selbst habe das auch wieder nicht ernst genommen und sich nicht vorstellen tönnen. wie man so etwas tun fönne. Dann sei er auch ruhig nach House gegungen, während Durstewitz zur Arbeit in die Garage ging. Staatscamaltschaftsrat Polzin hielt Durstewig des Mordes für überführt und beantragte gegen ihn die Todesstrafe fomie 3 Jahre Zuchthaus und dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Den zweiten Angeklagten, Kurt Müller, hielt der Anflagevertreter für schuldig der Beihilfe zum Morde und zum Diebstahl und beantragte 4 Jahre 1 Monat 3uchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Für Müller bestritten seine Verteidiger irgend eine Mitschuld an dem Verbrechen des Durstewiß und verlangten feine Freisprechung. Tante und Neffe. Bor kurzem hat das Gericht einen zwanzigjährigen jungen Menschen zu 6 Wochen Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt. In feine traurige Kindheit und Jugend leuchtete die Güte einer einsamen Frau, feiner Tante, hinein. Nun steigt er in ihre Billa. um sie zu bestehlen. Sie überrascht ihn bei der Diebesarbeit, er stürzt sich auf sie, hält ihr den Mund mit der Hand zu, sie wehrt sich mit Händen und Füßen, er flieht durch das Fenster davon. Wie máre es aber gewonden, menn die Frau sein Opfer geworden märe, wenn er, vielleicht aus Furcht vor Entdeckung, sie erwürgi hätte? Die ungewollten Folgen feiner Tat wären ihm zur Last gelegt morbit, gang to wie feinem Gegenſtüd, dem 19jährigen Sug in Wien. Auch der war bei seiner Tante, der befannien pinchoanalytischen Schriftstellerin, eingestiegen, um sie zu bestehlen. Erschreckt durch die Hilferufe der aus dem Schlaf Aufgescheuchten, ermürgte er sie, ohne diese Möglichkeit vorher erwogen zu haben. Er erhielt von seinen Richtern zwölf Jahre Kerker. Der Fall Hug beschäftigt die Breffe Desterreichs und Deutsch lands. Aus verschiedenen Gründen verdient er auch mirflich befondere Erwähnung. Der fleine Rolf Hug war nicht allein ein zärtlicher Neffe, der feine Tante abgöttisch liebte. er diente ihr auch als Forschungsobjekt: fie spürte seinen von den Vorahnen ererbien Trieben nach, becbachtete sein heimlich seltsames Spiel, zerlegte die Gabanken und Gefühle des Jungen und mag auf diese Weise fo manches in ihm zur Bewußtheit gebracht haben, was sonst ruhig im Schoße des Unbewußten, gleichsam in schützender Hülle, meiter geschylummert hätte. Db er, größer geworden, nicht eina sich selbst in dem Buche seiner Tante Aus dem Seelenleben eines Rindes" gelesen hat? Es ist aber leichter pinchologische Tatsachen festzustellen, fie falsch oder richtig einzuschägen, als zu erziehen. Dazu gehört mehr als das Sezier. meffer der Psychoanalyse. Hier btbarf es der erziehenden Liebe, die in steter Gleichmäßigkeit zielstrebig und geduldig, im Kinde ge funde Hemmungen schafft und seine schöpferischen Kräfte medt. Die Kunst der Erziehung war der Schriftstellerin, die vor Eltern und Erziehern über das Seelenleben der Kinder sprach, nicht gegeben. Zils der etwa 11jährige Rolf nach dem Tode feiner Mutter in das Haus seiner Lante fam, fand hier fein ererbtes Triebleben, sein Hang zum Lügen und Stehlen nicht die erforderliche Gegenwirkung. Je älter er wurde, desto schlimmer wurde es. Die Zuneigung der Lante verwandelte sich in Angst vor dem Neffen; die Anhänglichkeit des Neffen zur Tante in Haß gegen sie. Auf Anraten feines Vormundes, des Psychoanalytikers Dr. Gadger aus der Schule genommen, und aus dem Hause gestoßen verlor er den legten halt. Am 9. September wurde die Frau sein Opfer. Auch im Leben des neuerdings berühmten Hochstaplers Dertel Don Egloffit ein" spielt eine Tante eine verhängnisvolle Rolle. Die adelige geistesschwache Frau zog in dem Knaben Dertel alle die Charaktereigenschaften groß, die später für seine verbrecherische Laufbahn mitbestimmend wurden. Er durfte als Rind noch seine eigenen Pferde halten, wurde er fo mit viel zu reichlichem Taschengelde versehen, daß er Mittel punkt feiner Rameraden mar; er fonnte ausgiebig ben Ravalier spielen, und allzufrüh hemmungslos feinem Triebleben nachgehen. Go entwickelte er sich unter dem Zutun der Tante zum Hochstapler. Affenliebe oder noch so gut gemeintes faltes psychologisches In. teresse fönnen in gleicher Weife verhängnisvoll werden. Allem verfiändige, erziehliche Liebe, die richtig Schatten und Licht zu ver. teilen versteht, nugen dem Kinde. Und wie selten wird ihn doch diese zuteil. Und nochmals Kaulsdorf. Wir erhalten folgende Zuschrift: Kaulsdorf, bas schon befannt ist als der Ort, wo die Hakenkreuz jünglinge ungestört ihr Besen treiben, war auch am Wahlsonntag wieder Schauplatz völfischen Maulheldentums. So erlaubte sich unter anderen ein hafenkreuzbeschmückter junger Mann, seines Zeichens Rollfutscher aus der Dorfstraße, unter den Augen der Bolizei im amtlichen Wahllokal bei der Auszählung der Stimmen die Reichsfarben in geradezu unerhörter und ge= meiner Weise zu beschimpfen. Dem Drängen unserer Genossen ist es zu danken, daß dieser Mann, der sich schon oft in geradezu robuster Weise bei Angriffen auf Republikaner( hat er doch erst vor turzem einen Eisenbahner bei hellem Tage auf offener Straße nieder geschlagen und sich auch bei dem Angriff auf die Arbeiterjugend her norgetan) betätigte, festgestellt wurde. Bezeichnend für die Gefinnungsroheit dieser Kreise ist es, daß dieser hatenfreugler den feststellenden Beamten der Schußpolizei ingar nicht wiederzugebender Weise beleidigte. An der Haltung der Raulsdorfer Bevölkerung liegt es hauptsäch lich, daß diese Bürschchen so dreist ihr Haupt erheben. Die Bevölke= rung Raulsdorfs, die auch bei der letzten Wahl wieder erwiefen hat, daß sie in ihrer großen Mehrheit republikanisch ist, Sarf sich in Zukunft die Provokationen der Schwarz- Weiß- Roten nicht mehr gefallen lassen. Sie darf nicht dulden, daß die Republif, ihre Farben und ihre Einrichtungen von Leuten beschimpft werden, von eenen ein ganz Teil erft menige Jahre die Schulbant verlassen hat. Sie darf nicht dulden, daß Republikaner in der übelsten Art und Die Katastrophe an der Oberweser. 50 Reichswehrsoldaten wahrscheinlich ertrunken. In Die Ursache des schrecklichen Unglüds, das sich am Dienstag| Tiefe gezogen, bevor Rettung gebracht merden fonnte. vormittag zwischen Beltheim und Hausberg( Kreis Minden) an der den Augenblicken der ersten Verwirrung war es nicht möglich, die Unterweser beim Uebersetzen von Reichswehrtruppen über eine Zahl der Vermißten sofort zu ermitteln. Erst durch einen Appeil Pontonbrüde zugetragen hat, ist noch nicht festgestellt. Wenn auch des an des an dem Unglüd fast ausschließlich beteiligten Ausbildungs die anfänglich genannte Zahl von 100 Toten glüdlicherweise nicht bataillons des Infanterieregiments 18 fonnte festgestellt werden, daß erreicht ist, so muß man doch nach den letzten Meldungen leider damit nur die Hälfte der 100 Mann starten Besazung der verunglückten rechnen, daß etwa 50 Reichswehrsoldaten den Tod in den Wellen der Fähre zur Stelle war, daß aber über den Berbleib der übrigen 50 Wefer gefunden haben. Dieses nationale Unglüd trifft das gesamte noch Ungewißheit herrschte. Allerdings war zu berücksichtigen, bas Bolf um so stärker und wirkt um so erschütternder, als bisher niemand viele Gerettete von Zuschauern mit Autos und Fuhrwerken daran gedacht hat, daß bei militärischeu Uebungen im Frieden das alsbald abtransportiert Eintreten einer derartigen unerhörten Katastrophe überhaupt möglich ift. Neben dem Suchen nach Bermißten und der Sorge um die erfrankten Soldaten und die Hinterbliebenen wird es vornehmste Aufgabe bleiben, eine schnelle Aufklärung über ein etwaiges Verschulden zu schaffen. Der Reichswehrminister hat den Inspekteur des Plonterwefens. Generalmajor Cud miq, zur Untersuchung des Bis zum Unglücksfalles nach Veltheim bei Minden entfandt. fpäten Abend find fünf erfruntene Reichswehrfoldaten geborgen worden. Nach den bisherigen Feststellungen werden noch 46 bis 50 Leute vermißt, von denen anscheinend der größte Teil erfrunken ist. Besondere Kommandos fuchen beide Flußufer ab. Während und nach der Katastrophe. Für den gestrigen Dienstag war im Bereich der 6. Reichswehr. division eine eintägige Uebung in der Gegend des Weser boaens und der Vorta Westfalita angelegt worden, an der die Ausbildungsbataillone der Reichswehrregimenter 16( Osnabrüc und 18( Detmold), ferner zwei weitere Infanteriebataillone, Artillerie-, Kavollerie. Pionfer und Kraftfahrformationen dieser Divifion teilnahmen. Im Rahmen dieser Uebung war für den Vor mittag des geftrigen Tages ein Truppenübergang über die Weser zwischen Veltheim und Hausberge, worden sind, um ihnen möglichst schnell trockene Kleider zu verschaf fen. Den ganzen Tag über waren die Kommandoſtellen damit befchäftigt, durch Ordonnanzen und Meldereiter in der Umgegend auf Gehöften und Dörfern Nachforschungen nach geretteten Soldaten ermittelt werden, daß anzustellen. Auf diese Weise fonnte mehrere als vermißt gemeldete Infanteristen in den Garnisonlazaretten in Büdeburg( 20 Kilometer von der Un fallstelle entfernt) und Minden untergebracht waren, so daß die Hoffnung gerechtfertigt ist, daß sich noch mehr leberlebende dieses Unglücks einfinden werden. Bon den militärischen Stellen wurde alsbald der Reichswasserschuß und die Strombauverwaltung in Minden benachrichtigt, die die Nachforschungen nach den verunglüdten Soldaten ebenfalls aufnahmen. Die Rettungsarbeiten wurden von dem Divisionsfommandeur persönlich gelei.et Zurzeit ist man bemüht, die genaue Anzahl und die Namen der Bermißten, unter denen sich auch ein Offizier der Kraftfahrabteilung 6 befindet, festzustellen. Beileidskundgebungen von Reich und Staat. Der Stellvertreter des Reichspräsidenten Dr. Simons hat an den Reichsmehrminifter folgendes Telegramm gerichtet: Tief erschüttert über das schwere Unglüd beim Weserüvergang bei Beltheim spreche ich Ihnen und der Reichswehr meine, herzliche unglückten Soldaten sowie dem betroffenen Truppenteile den Ausdruck meines aufrichtigen Beileids zu übermitteln. Ueber das Ergebnis der Untersuchung der Ursachen dieses Unglüds bitte ich Sie, mich auf dem laufenden zu halten. also über den zwischen den Bahnlinien Minden- Köln und Hameln- Teilnahme aus; zugleich bitte ich Sie, den Angehörigen der verLöhne liegenden Teil des Flußlaufes befohlen. Zu diesem 3med wurde aber nicht eine Pontonbrüde geschlagen, piel mehr wurden aus Bontons und Bohlenbelag einzelne Fähren gebaut, die bis zu 100 Mann aufnehmen konnten und mit Hilfe der Ruder auf das jenseitige Weserufer gebracht werden follten. Der llebung bei bem Flußübergang wohnte der Komman deur der 6. Division Generalleutnant Freiherr v. Bebebour mit feinem Stabe bei. Das militärische Schauspiel hatte viele Neugierige aus Minden und Büdeburg angelodt. Der Flußübergang vollzog fich zunächst programmäßig. Fähre auf Fähre setzte hinüber, bis plöglich sich die Katastrophe ereignete. Eine vollbesetzte Fähre war gerade in der Mitte des Stromes angelangt, als plöhlich mit lautem Krach das Fahrzeug auseinanderbrach. Im nächsten Augenblick fämpften die 100 Infanteristen, die sich auf dieser Fähre befunden hatten, unter den Entsetzensschreien der am Ufer versammelten Zuschauer mit den Fluten der Weser, die an dieser Stelle ſehr reißend ist und in der Mitte des Flußbettes eine ungefähre Tiefe von drei Metern aufmeift. In größter Eile murden die noch am Ufer liegenden Bontons mit Rettungsmannschaften besetzt, um den durch das schwere, feldmarschmäßige Ge päd am Schwimmen verhinderten Soldaten zu Hilfe zu kommen. Einem Teil der ins Wasser Gestürzten gelang es, sich vom Tornister, Koppelzeug usw. zu befreien und schwimmend das Ufer zu erreichen. Andere wurden von den Rettungsmannschaften aus dem Baffer gezogen und an Land gebracht. Ein Teil der verunglückten Soldaten aber wurde von dem reißenden Strom mit fortgerissen und von dem schweren Gepäd in die Weise belästigt werden. Aufgabe der obersten Bolizeibehörde ist es aber auch, dem Treiben der Hafentreugler schleunigst ein Ende zu bereiten und die Bürgerschaft energisch zu schüßen. Der entwertete Regierungszuschuß. In die Zeit der frassesten Inflation führte gestern ein Beleidi: gungsprozeß vor dem Potsdamer Amtsgericht. Kläger mar der Kaufmann Konstantin Better aus Berlin, Beklagte die Herren Dr. Richard Mischler und Rittmeister a. D. von Bech, früher Kolonie Rehbrücke bei Potsdam. Kläger war im Jahre 1923 Bertrauensmann und Bevollmächtigter der Ansiedler in der Kolonie Rehbrüde. Die Beklagten haben nun in einem Eisenbahnabteil auf der Fahrt von Rehbrücke nach Berlin gegen Better den Vorwurf erhoben, daß er Siedlungsvorschiffe der Regierung, welche er für die Siedler vom Gemeindevorsteher überwiesen erhalten hatte, ungebührlich lange zurückgeholten habe. Beträge von 13 000 m. follen, als fie in die Hände der bler gelangt maren, auf 25 Pf. entwertet gewesen seien. Die Belloc en wiederholten vor Gericht den Vorwurf gegen den Kläger und führten mit Erfolg den Wahrheitsbeweis dafür burch. Demnach hat Better den staatlichen Baukostenzuschuß forglos in seiner Wohnung liegen lassen, ohne die Siedler in Kenntnis zu in seiner Wohnung liegen lassen, ohne die Siedler in Renntnis zu fetzen. Der Borsigende machten dem Kläger daraufhin recht gründ. lich flar, daß er seine Pflichten als Bertrauensmann gröblich verlegt habe. Als das Geld von der Regierung anfam, hätte er nicht nur die Siebler benachrichtigen, sondern ihnen das Geld in die Wohnung bringen müssen. Den Beklagten wurden berechtigte Interessen zugesprochen und ihre Freisprechung erfolgte auf Roften des Klägers. Ordnung am Schlesischen Bahnhof. Wie erinnerlich, waren die Zustände in den Straßen um den Schlesischen Bahnhof bereits Gegenstand von Ermittlungen um Vezirtsamt Friedrichshein. Ebenso mar, und zwar von volts. parteilicher Seite, eine fleine Anfrage im Breußischen Landtag ein. gegangen. Wie der Umtliche Preußische Pressedienst nunmehr mil Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 1. April. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Für unsere jüngsten Hörer: Grimm: Frau Holle Krausbaur: Tausendschönchen Weytar: Wie das Wieselchen geflogen ist Simrock: Lustige Reime.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). abends: Einführung zum Sendespiel. 6.40 Uhr abends: Magdalene Mulert: Kindernot". 7.15 Uhr 7.30 Uhr abends: Sendespielbühne. Abteilung: Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. XIII Veranstaltung. Alessandro Stradella". Romantische Oper in drei Akten. Text von W. Friedrich. Musik von Friedrich von Flotow. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Selmar Meyrowitz. Alessandro Stradella, ein Sänger: Bernhard Bötel; Bassi, ein reicher Venezianer: Ernst Lehmann; Leonore, sein Mündel: Irene Eden; Barberino und Mal volio, Banditen: Leo Schützendorf und Waldemar Henke; Schüler Stradellas. Masken, Diener, römische Landleute und Patrizier. Ort der Handlung: Im ersten Aufzuge Venedig. im zweiten und dritten Aufzuge Gegend bei Rom, drei Monate später Zeit: Anschließend: Dritte BeZweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Ministerialrat Dr. Haentzschel: Die Hauptfragen des deutschen, Presserechts. 4. Vortrag: Der verantwortliche Redakteur und die Reform des Reichspressegesetzes", III. Teil Schluß). Reichskanzler Dr. Luther hat an den Reichswehrminiſter Dr. Geßler folgendes Telegramm gesandt: Tief erschüttert übermittele ich Ihnen das aufrichtig empfundene Beileid der Reichsregierung zu dem schweren Unglücksfall an der Weser, durch den so zahlreiche Angehörige der Wehrmacht in treuer Dienst und Pflichterfüllung den Tod fanden. Ich bitte Sie, auch den Angehörigen der Berunglückten der Reichsregierung und mein aufrichtigstes Mitgefühl auszusprechen. gez. Reichskanzler Dr. Luther. Der preußische MinisterpräsidentMarg hat dem Reichswehrminister das folgende Telegramm gesandt: Das furchtbare Unglüd bei den Detmolder Truppenübungen, das eine so große Anzahl blühender junger Menschenleben gefoftet hat, mirb im ganzen Lande Erschütterung und Trauer hervorrufen. Im Namen des preußischen Staatsministeriums verfichere ich Sie, Herr Reichs minister, der aufrichtigen Teilnahme an diesem Schicksalsschlag, der unsere Reichswehr betroffen hat. In der heutigen Sigung des preußischen Staats rates, der zu einer neuen Tagung zusammengetreten war, sprach der Vorsitzende Dr. Adenauer vor Eintritt in die Tagesordnung den Hinterbliebenen der in der Weser ertrunkenen Soldaten das Mitgefühl des Staatsrats aus. Den ertrunkenen Soldaten werde ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben. teilt, weist der Minister des Innern in seiner Antwort auf diese Frage darauf hin, daß den Auswüchsen des Dirnenwesens im Osten Berlins durch Bermehrung der für die Umgegend des Schlesischen Bahnhofs zur Verfügung stehenden Beamtenschaft und durch Ber Härtung des Straßendienstes energisch entgegengetreten worden ist. Dadurch wird namentlich den Zuständen in der Langes straße ein Ende gemacht werden. Die verdächtigen Gastund Schantwirtschaften sowie die Hotels werden scharf beobachtet. Gegebenenfalls wird Abhilfe geschaffen werden durch vorläufige Schließung der Wirtschaften und Einleitung der Konzeffionsent aiehung sowie durch Beschlagnahme der Räumlichkeiten für Wohnzmede. Offene Lehrstellen für Jugendliche. Dem Berufsamt Berlin- Süd ist eine große Anzahl von Lehrstellen für die verschiedensten Berufe gemeldet, die aber bisher wegen Mangel an geeigneten Jugendlichen noch nicht besetzt werden fonnten. Eltern, die für ihren Sohn eine Lehrstelle zum baldigen Eintritt noch nicht gefunden haben, wird geraten, möglichst umgehend das Berufsamt Süd in Anspruch zu nehmen. Beratungsstellen sind in der Hauptgeschäftsstelle: Neukölln, Thomasstraße, holzhaus: Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10% bis 2% Uhr, Dienstag und Freitag von 2 bis 6 llhr; in der Mcbenstelle, Alte Jakobstraße 127: Montag und Donnerstag von 2 bis 6 Uhr; in der Nebenstelle Tempelhof. Dorfstraße 17: Mittnoch von 12 bis 3% Uhr. Auch in Wien Archivdiebstähle des Dr. Saud. Der Fall Haud ist noch lange nicht abgeschloffen. Bor einiren Tagen wurde in einer Wiener Bant in Gegenwart des Ber liner Kriminalfommissars Trettin ein Safe geöffnet, der von Dr. Haud gemietet war und in dem 125 Schriftst üde, meist HandSchriften aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, gefunden wurden. Sie sollen in der Mehrzahl hohen Seltenheitswert befizen. Soweit festgestellt werden fonnte, stammt der größte Teil dieser beschlagnahmten Schriftstücke aus dem Wiener Staatsarchiv. Dr. Haud hat im Jahre 1918 angeblich zu Studienzweden in Wien geneilt. Der Schlüssel zu dem Safe war schon seinerzeit im Berliner Safe des Dr. Haud gefunden worden. Die Berliner Kriminalpolizei mußte aber nichts mit ihm anzufangen, bis sie von ihren Biener Kollegen die Nachricht erhielt, daß auch in Wien ein Safe bes Brivatgelehrten aufgeftöbert worden sei. Bei der Bannerweihe des Reichsbanners Charlottenburg, die am tommenden Sonntag stattfindet, wird der Begründer und Leiter des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Oberpräsident Genosse Hörfing- Magdeburg, selbst die Festrede halten. Die Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn finden am 7. und 8. Mai statt. Juvaliden-, Witwen- und Wallenrentner! Groke öffentliche Proteft verlammlungen Mittwoch, den 1. Avril, nachm. 3 Uhr, in Kliems eit sälen, Hafenbelde, Donnerstag, den 2. April, nadm. 2 Uhr. im Gemertschaftsbaus, Engelufer 15, Donnerstag, den 2. April, nafm, 3 Uhr, in den Brachtjälen des Dftens, Franfurter Dee 48, Donnerstag, dn 2. April, nadm. 4%, br, in der Stadthalle, Eing. Stlofteritraße, Sieltag. den 3. April, nachm. 3 Ubr, in der Schulaula, Turmitr. 86, Fre tag den 3. April, nadm. 5 Ubr, in den Vbarus älen, Mülleritr. 142, Freitag, den 3. April, nadm. 5 Uhr, im Swinemünder Gefeüschaftsbaus, Eminemünder Strage 41. Tagesordnung: Broteft genen bie jebige Regelung unserer Berficherungsaniprüche. Referenten: Matibes, Robde, Reichstagsabg. Rarften, Steinbeis. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Bitmen Schwere Explosion im Wafferwerk Köslin. Auf dem Wasserwert Röslin ereignete sich am Dienstag mittag ente schwere Explosion, bei der vier Arbeiter getötet und einer schmer perlegt wurde. Das Unglüd ist darauf zurüdzuführen, daß eme Sprengfapfel, die bei Brunnenbohrarbeiten nermendet werden sollte, versagte. Die Sprengfapfel murde im ( Generatorwerf des Wassermerfs mit einem Boltmeter geprüft. Sierbet ereignete sich die Explosion. Der Generatorraum mar fofort in ein Flammenmeer gehüllt. Feuerwehr und Rettungsmache hatten bis in die späten Nachmittagsstunden mit der Bekämpfung des Feuers zu tun. Das Unglüd in dem Bergwerf in der Nähe von Newcastle stellt fich als ernster heraus, als ursprünglich angenommen wurde. Man rechnet jest damit, daß mindestens 34, möglicherweise fogar 48 Berg. crbeiter von dem in den Grubenschacht einstürzenden Baffer abge Ichnitten worden sind. Trotzdem gestern nachmittag und abend bie Rettungsmannschaften ununterbrochen arbeiteten, gelang es nur einen der eingeschloffenen Bergleute zu befreien. Die Bumpen waren dem cinstürzenden Waffer nicht gemachen; die Rettungsmannschaften mukten daher, da das Wasser immer höher stieg, um Mitternacht zurüdgezogen werden. Wer hat am besten gewählt? In dem fleinen Harzdorf Sie bere Güdharz wurden Stimmen abgegeben für Ministerpräsident Braun 354 von 434 Abstimmenden. Parteinachrichten Ginfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Sindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets en bas Bezirkslekretariat, 2. Set, 2 Tres. rechts. sa richten 1. Rzeis mitte. Freitag, den 3. April, abends 7 Uhr, Sihung des et weiterten Rreisvorstandes bei 8fchiefing, Aderfit. L Die Revisoren müßen awed's Revision der Raffe eine Stunde früher erscheinen. 9. Rreis Wilmersdorf. Arbeitsgemeinschaft der Rinterfreunde: Donners. tag, ben 2. April, pünktlich 8 Uhr, im Alaffenzimmer( Erdgeschok) ber Oberrealschule, Am Seepart, Elternverfammlung. Bortrag bes Genoffen Kreisschulrat Dr. Sering: Elternhaus und Schule". 14. Rreis Renton. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde: Freitag, ben 3. April, 7½ Uhr, Selfertigung, Redarftr. 3. 17. Acels Lichtenberg. Bildungsausfäußfizung Donnerstag abend 8 Uhr in der Bibliothet, Weichfelftr. 28. Tagesordnung: Maifeier. Jede Abteilung mus vertreten fein. 18. Areis Weißensee. Donnerstag, den 2. April, 8 Uhr, Sigung der Rommunalen Rommiffion im Rathaus, Rimmer 21. Sämtliche Mitglieder der Fraktion werden gebeten, teilaunehmen. Heute, Mittwoch, den 1. April: 82. L. Steglik. Die Funktionärsigung bei Thiel, bredhiftr. 87, fant heute, Mittwoch, aus. Feuerfozietät der Provinz Brander burg gemeinnützige amtl. Versicherungsanstalt Sunglasialien: Seute, Mittwoch, 6 1hr, Arbeitsausfußigung; 7 Uhr Ser fprechung der Delegierten aur Reichstonferenz im Disfuffionssimmer des Jugendheims Lindenstr. 3. Gruppe Brenzlauer Berg: Zusammenkunft 7% Uhr in den Baraden Danziger Straße. 38. ABL Morgen, Donnerstag, den 2. April: 7 Uhr bei Bartusch, Friebenftr. 88, Sigung fämtlicher Funt tionäre. Tagesordnung: Borbesprechung der Reumahl des Mbteilungs vorstandes. 91. Abt. Rentn. 7% Uhr Borstandsfihung bei Shahmann, Mindenet, Ede Reuterstraße. Die Bezirksführer tönnen Merken in Empfang nehmen. 136. bt. Reinidendorf.D. 8 Uhr im Jugendheim Seebab, Residenaftr. 49, Funktionärkonferenz Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 2. April: 9. Abt. 7% Uhr bei Sübner, Wilsnader Str. 84, Borinag der Genoffin Kähler, M. d. 2.: Sozialpolitik in Breuken". 字 52. bt. Unifer Genosse Auguft weft, Osnabrüder Str. 5, feiert am 1. April fein 25jähriges Parteijubiläum. Die Abteilung entbietet ihm die besten Glückwünsche. Jugendveranstaltungen. Achtung, Selangs- und Mufitteilnehmer an ber Frühlingsfeien! Morgen, Donnerstag, abends 8 Uhr, im Jugendheim Zindenftr. 3, gemeinsames leben. Alle müffen erfcheinen. Die B.- R.- Sigung findet am Sonnabend, den 4. April, nachmittags 5 Uhr im Sugendheim Lindenstr. 3 ftatt. Achtung Abteilungstaffterez! Seute von 5-7 Uhr Abrechnen der BeitragsAchtung, Abteilungsleiter! Die Mai- Brogramme müssen abgeliefert werden. Achtung, Büchertreismitglieder! Das 2. Buch„ Sühne" ift erschienen. Heute, Mittwoch, den 1. April, abends% 8 Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: marten, Ausgabe ber Arbeiter- Jugend und Jugend voran“ für April Webbing: Sanrie Rubeplak, Ede Antonftente. Friebrichshain: Jugenb heim Eberinfit. 12. Lichterfelbe: Jugendheim Albrechtstr. 14a.- Ertner: Restaurant Grund, Rönigstraße. Friedrichsfelde: Jugendheim Berliner Straße 45. Lichtenberg- Rorb: Barfane 10. Buchholz: Lotal von Road, Sauniftr. 71, außerordentliche Borstandsfizung. Bannsee: Schule Char Tottenftrabe. Jahresmitgliederversammlungen: Buisenstadt: Gdle Stallfchreiberftr. 54. Cübeft( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66. Zantwig: Gemeindefchule Gulftrage. Tempelhof: Jugendheim Germaniaftr. 4-6. Faltenberg- Alt- Glienide: Am Faltenberg 117. Friebrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105. Sit tenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftt. 22. Ren- Lichtenberg: Anabenmittel. fabule Marktftraße. Südwesten: Morgen, Donnerstag, Jahresmitgliederversammlung in ber Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Dfterwanderung am 12. unb 13. April nach Freienmalde a. d. D. Donnerstag Anzahlung des Fahrgeldes und Quar tiergelb. Anzahlen Tekter Tag 6. April. Auskunft bei Otto Schrmacher, Wilhelmstr. 138. Geschäftliche Mitteilungen. Saphe and Stiefel in den neuesten Frühjahrsmodeller Bringt bes befounte Großdetail Schuh- Lobal Behrabi, Münaftnake 25, mit feinen Filialen Rattbufer Damm 13 und Frankfurter Allee 54 au erstaunlich billigen Breifen für gute Bere. 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Neu eingetreten in das Haus ist Landrat Bülow Stettin ( 303.). = Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesezentwurfes über Aenderungen in der Unfallver sicherung. Staatssekretär Geib leitet die Verhandlungen ein. Es handele sich in der Hauptsache um einen Ausbau der Leistungen. Besonders die Sachleistungen werden in den Vordergrund gestellt, der Unfallfuß wird verſtärkt, die Berufsfürsorge ausgedehnt, die Wieder verwendung des Berletzten in die Wege geleitet. Auch vorbeugende Maßnahmen werden getroffen. Der Entwurf beseitigt das Zulage wesen und stellt die alten Renten auf Reichsmart um. Un= berührt läßt der Entwurf den bisherigen Umfang der Versicherung. Diese Frage soll ein besonderer Entwurf, der dem Reichstage bald zugehen wird, entscheiden. Abg. Janschef( Soz.): Mittwoch, 1. April 1925 „ Nationalgesinnte" Zeugen in Magdeburg. Sie wissen von nichts, aber sie haben ,, waterländische" Pflichten. 7 Magdeburg, 31. März.( Eigener Drahtbericht.) Die gestrige Sigung schloß mit der Bernehmung des Zeugen Hermann Lüdtke, nationalgesinntes" Mitglied des Arbeiterausschusses der gen müssen durch bessere ersetzt werden. Die Sozialdemokratie mird Spandauer Werte. Er stellte die Behauptung auf, daß die SPD.sich bestreben, in Ausschuß darauf hinzuarbeiten, daß wir unserem Leute feines Betriebes ihre Weisungen aus der Lindenstraße in Berlin Ziel so nahe wie möglich tommen, damit der Arbeiter sich fagen bekommen hätten. Der Schwerinvalide Eugen Lüdtte wird von tann: Dit gehst zur Arbeit, Du willst im Interesse der Wirtschaft der Verteidigung nach Magdeburg bemüht, um ihr ebenfalls zu betätig sein, dann muß Du aber auch erwarten, daß Du gegen allen Schaden geschützt bist. Der Arbeiter will nicht der Allgemeinheit zuricheinigen, daß Ebert in der Treptower Berjammlung start bejohimpft Loft fallen, er will ein mühliches Glied der menschlichen Gesellschaft fein. Helfen Sie uns, das Gefes fo zu verbessern, mie mir es im Interesse der Arbeiter erstreben müssen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Borredners. Durch die öffentlich- rechtliche Unfallversicherung sei doch Abg. Andre( 3.) bedauert die menig zustimmende Haltung des ein erheblicher Fortschritt erzielt worden. Die visherigen jemati schen Bestimmungen des bestehenden Gesezes müßten verbessert werden. Der Redner wünscht die Einbeziehung der sogenannten versicherungsfreien Berufe in die Unfallversicherung. Die fleineren Renten müssen in ihrem früheren Umfang wieder hergestellt werden. Im allgemeinen ist die Borlage eine gute Grundlage für weitere Verhandlungen. Abg. Dr. Moldenhauer( DBp.) bezeichnet den Entwurf als ein Zeichen des ernsten Strebens bes Reichsarbeitsministeriums, den schwierigen Verhältnissen der Wirtschaft Rechnung zu tragen und die der Unfallversicherung aus der Inflationszeit noch anhaftenden Mängel zu beseitigen. Abg. Rädel( Komm.) lehnt die Vorlage als völlig unzureichend ab. Abg. Ziegler( Dem.) begrüßt besonders die neuen Borschriften zur Unfallverhütung. Der Wegfall der sogenannten fleinen Renten Be sei nicht tragbar, fie müßten vielmehr aufgewertet werden. denklich sei auch die Differenzierung des Jahresarbeitsverdienstes. Die Vorlage geht an den Sozialpolitischen Ausschuß. Abgg. Dr. Becker- Heisen( DVp.) und Dr. Lejeune- Jung( Dnat.) cinIn allen drei Lejungen angenommen wird ein von den gebrachter Gefeßentwurf, wonach die Vorschriften des Kapitalfluchtgefezes und des Weinsteuergeseges bis zur Neuregelung im Wege der ordentlichen Gesetzgebung, spätestens bis zum 30. Juni 1925, in Kraft bleiben. Seit vielen Jahren gehen die Bemühungen der Sozialdemofiatischen Partei dahin, den Arbeitern den vollen Schaden durch die Rente zu ersetzen. Nach dem Haftpflichtgejez mußte beim Borliegen einer Verschuldung auch der ganze Schaden vergütet werden. Die Unfallversicherung ist auch aus der Haftpflichtgesetzgebung abgeleitet worden, aber man hat damals nicht den vollen Schadenersatz mit übernommen. Damals wurde das Unfallverhütungsgesetz geschaffen, um die Arbeiter der Sozialdemokratischen Bartei abwendig zu machen. Das ist allerdings nicht gelungen und erit der vorige Sonntag hat den Beweis erbracht, daß die Arbeiter fest zu unserer Partei stehen.( Sehr wahr! bei den Soz.) Troz aller Bersprechungen hat man sich nicht dazu aufschwingen fönnen, den vollen Erfaz des Schadens zu übernehmen. Damals hätte die deutsche Wirtschaft diese Ausgabe sehr wohl übernehmen fönnen. Inzwischen sind aber durch die Inflation in der Unfallversicherung himmelschreiende Zustände geschaffen worden. Die Arbeiter, die bei ihrer Tätigkeit für die deutsche Wirtschaft die schwer sten Schäden davoniragen, beziehen nur lächerliche Renten. Der vorliegende Gefeßentwurf bietet wohl für einen Teil der Berletzten gewisse Verbesserungen, sie werden aber ausgewogen durch die Verschlechterungen für die minder Schwerver Der Gejezzentwurf zur Aenderung des Gesetzes über die Erletzten. Der Herzenswunsch der Unternehmer, daß möglichst in Armen wenig Renten gezahlt werden, wird dadurch erfüllt, daß die Un- ftattung von Rechtsanwaltsgebühren fallschäden bis zu 20 Prozent überhaupt nicht entfachen wird zur nochmaligen Beratung an den Rechtsausschuh zurüdverwiefen. schädigt werden sollen. Das ist nicht Aufbau, sondern Abbau. Es folgt die zweite Beratung des Gesezeniwurfs veir. den Lehr( Eehr wahr! bei den Soz.) Der Redner zeigt an Beispielen aus gang der Grundschule. Das Haus wiederholt zunächst die Abdem Bergbau, wie die Arbeiter geschädigt werden, wenn sie durchstimmung über den sozialdemokratischen Antrag auf Zurücvereinen Unfall eine weniger gut bezahlte Arbeit übernehmen müssen. Es wäre nur gerecht, daß der Lohnausfall durch eine erhöhte Rente meijung an den Ausschuß, bei der bekanntlich in der letzten Sigung Beschlugunfähigkeit hervorgerufen wurde. Der Antrag wire abwettgemacht wird. Jetzt sollen die Renten zu einem Drittel ganz ausfallen, zu einem Fünftel sollen die Rentenbezieher schlechter und nur der Rest aufgebessert werden. Wie will man damit die Anerfennung der schweren Arbeit der Arbeiter für die Wirtschaft in Berbindung bringen? Die schwere Schädigung der Rentenbezieher foll fogar noch weiter gehen; es war gepiant, die Renfen bis zu 25 Proz., ja sogar bis zu 30 Proz. zu bejeltigen. Run wird behauptet, daß man eine Steigerung der Erwerbsfähigkeit erzielen würde, wenn die kleinen Renten beseitigt werden. Aber ziffern erhöht werden, besonders wenn keine Rücksicht auf die Be schränkung der Erwerbsfähigkeit genommen wird.( Sehr wahr bei den Soz.) losen Junglehrer und Junglehrerinnen betreffen, werAnträge aller Parteien, die die Steuerung der Not der stellenden ohne Aussprache dem Bildungsausschuß überwiesen. delsabkommen mit Guatemala. In zweiter und dritter Beratung angenommen wird das Han gelehnt. Darauf werden die Berhandlungen abgebrochen. Mittwoch 2 Uhr: Grundschulgesetz, Zichtipielgeiez, kleine Verlagen. Schluß 6.10 Uhr. Der Arbeitsplan des Reichstags. Der Aeltestenrat des Reichstags hat in seiner gestrigen Sigung die Tagesordnungen für die nächsten Tage folgendermaßen in Aussicht genommen: Am Mittwoch sollen die dritte Lesung und als Streifabwürger bezeichnet worden sei. Auch nach der Berjammlung habe man allgemein über Ebert hergezogen". Sich selbst als Zeuge angeboten hat sich der Versicherungsinspeltor Mag Lütge aus der Müllerstraße in Berlin. Er ist ein Befannfer sondern hat nur erzählen hören, was andere wissen wollen. Aber er des Pfarrers Koch. Er weiß aus eigener Erfahrung gar nichts, habe es für seine„ vaterländische Pflicht gehalten, dieses Gerede weiterzugeben, weil man zur Klärung der Wahrheit beitragen müsse. Die Staatsanwaltschaft erklärt dann, nicht vor Donnerstag zu den neuen Beweisanträgen der Verteidigung Stellung nehmen zu können. Infolgedessen wurde die Verhandlung mittags gegen 12 Uhr abgebrochen und auf Donnerstag vormittag vertagt. Einen dieser nationalgefinnten Zeugen knöpft sich unser Danziger Parteiblatt vor. Von dort war ein gewisser Affeld nach Magdeburg gekommen, um zu befunden, daß Scheidemann im September 1917 in Danzig gesprochen habe, und zwar in einer Versammlung, zu der„ durch Handzettel eingeladen" war. In diefer Bersammlung habe er an den Friedensbedingungen von BrestLitowsk Kritik geübt und erklärt, daß gegenüber den blutrünstigen Bedingungen der Deutschen der Krieg mit allen Mitteln zu Ende geführt werden müsse. Dazu seien vor allem die Rüstungsarbeiter ausersehen, die als legtes und wirfungs Zeuge, habe darauf den Zwischenruf Schweierei" gemacht, worvollstes Mittel den Streit gebrauchen müßten. Er, der über ein großer Tumult entstanden sei. " Zu dieser„ nationalgesinnten" Zeugenaussage schreibt die Danziger Boltsstimme": Scheidemann hat mit der Streitbewegung im Januar 1918 in Danzig nicht das geringste zu tun gehabt. Wic unwahr die Aussagen des deutschnationalen Zeugen Affeld sind, geht daraus hervor, daß Scheidemann weder 1918 noch 1917 in Danzig gewefen ist. Er war vielmehr am 1. September 1916 hier, wo er in einer Massenversammlung in der Ostbahn" in Dhra sprach. Eine elende Lüge ist die Be hauptung dieses Zeugen, daß Scheidemann in dieser Versammlung zu einem Streif der Munitionsarbeiter gehezt habe In Wirklichkeit hat Scheidemann in dieser Versammlung gerade den Gedanken der Notwendigkeit der Vaterlandsver teidigung propagiert. Die Unterbrechungen seiner Rede fomen nicht von dem deutschnationalen Zeugen Affeld, sondern von den in der Bersammlung anwesenden späteren unabhängigen Sozialiften und Kommunisten. Auch die bürgerliche Breffe Danzigs, jogar nicht einmal das hiesige deutschnationale Organ, nahm gegen die Rede Scheidemanns Stellung, was doch sicherlic) geschehen wäre, wenn Scheidemann in dem von dem deutschnationalen Kronzeugen angeführten Sinne gesprochen hätte. Im iibrigen war diese Bersammlung nicht heimlich durch andgettel einberufen, wie es der ehrenwerte Herr Affeld darzustellen beliebt, sondern öffentlich durch Zeitungsanzeigen und plafate. Sie war außerdem von der Sommandantur genehmigt." Es genügt, hinzuzufügen, daß im September 1916 felbstver gerade durch die Entziehung der Renten werden die Kraittheits- des Grundschulgefeßes, der Gefehentwurf über die Rheinschiffahrts fiändlich von Verhandlungen in Brest- Litowsk noch gar feine Rede Wir sind allerdings der Auffassung, daß der Kampf für die Erhaltung der Gesundheit der Arbeiter beffer ist, als die beste Rente. Die Hauptsache bleibt die Borbeugung von Unfällen. Aber 130 durch das Prämieninstem der Ertrag der Arbeit gesteigert wird, dort werden die Borbedingungen für die Erhaltung der Gefundheit beseitigt. Es ist schlimm um einen Kulturstaat bestellt, wenn, wie in dem Gesetzentwurf erst vorgeschrieben werden muß, der Unternehmer bei Unfällen für Fuhrwert zum Transport der Verletzten zu sorgen hai.( Sehr wahr bei den Soz.) Auch wir wünschen, daß die Berufsfürsorge zu einem festen Bestandteil der Unfallversicherung gemacht werde, aber unter den heutigen Umständen fann die Pflicht zur Berufsausbildung der Verlegten zu einem Fluche werden. Nur mit Hilfe der Versicherung fann fie ein wirklicher Fortschritt in der Fürsorge sein. Aber solange die Berufsausbildung die Möglichkeit gibt, die Renten zu fürzen und die Arbeiter auf die Straße zu sehen, ist sie alles eher als ein Fortschritt. Die entsprechenden BestimmunSchun €. Servus Terpentinware Von patente und Anträge zum Lichtspielgesez erledigt werden. Donnerstag bis Sonnabend wird sich das Haus mit dem Bericht des Rechtsausschusses fiber die Amnestiefragen, mit dem Haushalt der Reichspostverwaltung und mit den Anträgen zur Wohnungsfrage beschäftigen. Darauf tritt die schon angekündigte Pause in den Blenarsizungen bis zum 28. April ein. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist zur Besprechung der Sicherheitsfrage auf Donnerstag vormittag 10 Uhr einberufen morden.. Der Reichstagsuntersuchungsausschuß für die Ruhrentschä= digungen tritt ebenfalls am Donnerstag zu einer Sizung zusammen. Der Kreditaffärenausschuß des Reichstags nimmt feine Berhandlungen erst nach Ostern wieder auf, und zwar am 15. April, Der Kreditaffärenausschuß des Landtags und der Preußische Unterfuchungsausschuß für die Angelegenheiten der Landespfandbriefanstalt werben gleichfalls erst nach den Osterferien sich wieder versammeln. sein konnte. Was diefer nationalgesinnte" Affeld da unter seinein Eide in Magdeburg als Wahrheit auftischt, steht auf derselben Höhe wie die Verteidigung, die mit dem Maffenaufgebot solcher 3eugen Eindruck schinden mill. Vorträge. Vereine und Versammlungen. gymnasium, Schillerstr. 26. Volks- Feuerbestattungsverein Groß- Berlin, Distrikt 10( Charlottenburg), Mittwoch, den 1. April, abends 18 Uhr, Bersammlung im Schiller- RealArbeiter- Abstinentenbund, Gruppe Rozden. Heute, Mittwoch, 71 Uhr, im Stadtbad Gerichtstraße, Vortrag: Das Gemeindebestimmungsrecht". Verband Volksgefundheit, Ortsverein Berlin. Donnerstag, den 2. April, abends 8 Uhr, in der Schule Ifflandstr. 9-11, Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Genossen dringend notwendig Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 3. April, abends 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindejojule, Bildenbruchstr. 53, 3 Tr., Bortrag: Dds nervöse Rind in Haus und Schule", Referent Prof. Dr. Orgler. Eintritt frei. Schlesier- Berein Rübezahl", Charlottenburg. Uebungsstunden des Gemischten Chors jeden Freitag 8% Uhr bei Grimm, Kaiser- Friedrich- Str. 63. Eangesfreudige Damen und Herren werden noch aufgenommen. Sonntag, den 5. April, 7% Uhr, außerordentliche Bersammlung. Gäste willkommen. 13 Feinste Nahrkraft! 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Wenn der Bauer sehen mußte, daß man ihm immer neue Lasten und Frondienste aufbürdete, daß man ihm die Gemeindeländereien einfach wegnahm und in den Befis der Grund. herren überführte, daß man feine Söhne zu landlojen Profetariern machte, die im Dienste des Grundherin fronden mußten, fo ist es erklärlich, daß er sich dagegen innerlich und äußerlich empörte. Es tam zu zahllosen heftigen 3usammenstoßen, bei denen der Bauer aber immer den fürzeren zog. Wenn er fein Recht bei den Gerichten suchte, so wurde er abgewiesen, feste er sich förperlich zur Behr, so wurde er in den Biod gesperrt oder in den Turm geworfen und feines Eigentums gewaltsam be. raubt. Auf diese gewaltsame, allen Rechts- und Moralbegriffen Hohn sprechende Weise sind Tausende von Bauern enteignet worden. Hier haben wir die erste Quelle des Großgrundbefizes, der das Un glück Deutschlands tft, hier stoßen wir auf die Anfänge jenes himmel. Schreienden Unrechts, auf dem die geistlichen und weltlichen Fürsten ihren Besit an Ländereien aufgebaut haben. Die Vorfahren jener Herren, tie noch heute Zehntausende von Morgen Land ihr eigen nennen, haben ihren Befih durch Hinterlift und Betrug, durch Raub ind Dicbstahl, durch gemeine Berbrechen aller Art zusammengebracht. Jarres Der fliegende Frosch. MAMA Jum bmarinozzal bmadirbel biolX Wenn einer, der mit Mühe kaum Schon meint, daß er ein Vogel wär-Gekrochen ist auf einen Baum, | Beilage des Vorwärts A nach Wilh. Busch So iert sich der. Ring zu treten. Es traten zweitausend Bauern und Bürger in den Ring und leifteten den Bundeseid. Unter den Mitgliedern befanden sich auch Amtspersonen und wohlhabende Leute Die Zahl der Berschworenen, von denen viele bewaffnet waren, schmoll immer mehr Der Bauernhaufen, der von Bantelhans, einem früheren Kriegsmann, geführt wurde, rückte zunächst gegen die Stadt Schorndorf, ließ fich aber vom Herzog Ulrich besänftigen und zog wieder heimwärts. Da die Erregung der Bauern immer größer wurde, hielten sie bald hier, bald da Bersammlungen ab, erhoben ihre Forderungen und drohten mit offenem Aufstande. Auch in den Städten gärte es, und die Obrigkeiten hatten alle Hände voll zu tun, um die Gemüter zu beruhigen. Als die Bauern nirgends thr Recht finden fonnten, als sie er. Pannten, daß ihnen fein Herrgott und Kaiser helfen werde, blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu dem Mittel der Selbsthilfe zu greifen. In ihrer großen Not mandten fie jenes Mittel an, das geeignet ist jenen Menschen Hilfe und Rettung zu bringen, beren Einzeltraft versagt, die sich aus eigener Kraft nicht zu retten Der mögen: fie gründeten Drganisationen, das heißt fie faßten ihre zersplitterten Einzelträfte zu jener Maffentraft zusam men, die sie auf ein gemeinsames Ziel, die Befreiung des Landvolls aus tiefer Rot, richteten. Um das Jahr 1500 wird uns von bäuerlichen Organisationen berichtet, die den Kampf um Recht und Freiheit aufnahmen und planmäßig führten. Besonders handelt es sich um amei Bauernbünde, den Bundschuh und den Armen Konrad. Es labte damals in Süddeutschland ein tüchtiger Mann, ein von seinem Hab und Gut vertriebener Bauer, ber aus Liebe zu feinen mordene Edelleute und frühere Kriegsleute traten dem Bunde bet. Standesgenossen den Bundschuh ins Leben rief. Der Name biefer Es ist ein tiefer Bug in der menschlichen Statur, daß dort, wo Bereinigung rührte davon her, daß die Bauern jener Zeit gebundene fich Menschen zu gemeinsamen 3weden zusammenschließen, das BeSchuhe trugen, im Gegensatz zu den Rittern, die lange Reiterstiefeln dürfnis auftaucht, ein äußeres Symbol, ein Abzeichen oder eine trugen. an. Deshalb führten die Bauern einen Bundschuh in ihrem Sahne, zu besigen. Auch die Mitglieder des Bundes Wappen, während die Ritter einen Reiterstiefel im Wappen hatten. wollten eine Fahne haben. Trotz ihrer Armut brachten sie Der Gründer dieses Bauernbundes hieß Joß Friz, er wird von eine Summe Geldes zusammen, und Job Friz wurde beauftragt, den Chronikenschreibern jener bewegten Tage als ein ungewöhnlich die Fahne zu besorgen. Sie sollte als Symbol einen Bundschuh im tüchtiger Mann geschildert. Nach alten Berichten, die wir über ihn weißen Felbe tragen. Die Ausführung dieses Auftrags war nicht haben, erscheint Joß Friz als einer der hervorragend leicht, denn alle Maler, an die fich Joh Friz wandte, weigerten fich, ften Agitatoren und Organisatoren aller Zeiten. eine falche Fahne zu malen, weil das Gerücht von einem neugegrünEr verft no es in wunderbarer Weise, den Bauern ihre bedrückte beten„ revolutionären Bunde bereits zu den Ohren der Obrigkeiten Lage zu schildern, die Ungerechtigkeiten und Unbilden, die sie zu er- gebrungen mar, die strenge Warnungen erlassen hatten. Bulegt ge- Die revolutionäre Bewegung des Armen Konrad" machte fich leiden hatten, ins rechte Licht zu rücken, er verftand es, den Heber lang es dennoch, cinen Raler in Heilbronn unter allerlei falschen bald auch nach außen hin bemerkbar, aus einem Geheimsund wurde muf der Herren zu geißeln und der hoffnungslosen Berzweiflung der Boripiegelungen zur Herstellung der gewünschten Fahne zu veran- nunmehr ein offener Aufstand. Leider fehlte es an einem einheit unterdrückten Bauern ergreifenden Ausdrud zu verleihen. Mit be- laffen. Hocherfreut eilte Joß Friz mit der Bundesfahne, die er unter lichen Blane und an einer einheitlichen Leitung, es herrschte cine geisternden Worten sprach er von den früheren, gludiicheren Zeiten feinem Brufttuch verborgen trug, nach Lehen zurüd. Unterwegs bebauerliche Uneinigkeit und Zersplitterung unter den Bauern. Der des Bauernstandes, von jenen Tagen, als noch Recht und Gerechtig. befam er bie erschredenbe Nachricht, daß der Geheimound Herzog Ulrich fuchte vergebens, die vor der Stadt Schorndorf er feit auf Erben malteten, und er medte in den Gemütern feiner zu entbedt und auseinandergefprengt fet. Die Mitchienenen Berschworenen, an die 7000 Bewaffneten, zu besänftigen, hörer, deren Augen leuchteten und beren Herzen pochten, eine alteber waren zu unvorsichtig gemelen, und so wurde das Geheimnis er wurde angegriffen und mußte sein Heil in der Flucht suchen. Die glühende Sehnsucht nach einer helleren Zukunft. Er wies barauf verraten. Die Obrigkeiten fchritten sehr strenge ein: Die Häupter Herren und Obrigketten, denen die Bewegung allmählich über den hin, daß die Herren fich zusammengefchloffen hätten, um ihre Machi des Bundes, benen es nicht gelang zu fliehen, murben ergriffen und Kopf zu wachsen brohte, verständigten sich untereinander und holien zu feftigen, und er folgerte barans, bag auch für die Bauern einzig bingerichtet, einige wurden genierteilt, andere mit der Art vom Leben zu einem entscheidenden Schlage aus. Auch die Städte jagten die und allem der Zusammenschluß eine Handhabe biete zur Befreiung zum Tobe gebracht, andere murben zum Schwerte„ begnadigt, die Interſtügung zu. Herzog Ulrich fammelte ein starkes Heer, zu dem aus Anschtschaft und Elend. Borsichtig, in buntlen Andeutungen, gemöhnlichen Mitglieder wurden an ihrem Verurögen bestraft Aber Grafer, Hebte und Städte ihre Hilfstruppen fchickten, der Surfürft machte er Mitteilung banan, baß sich bereits zahlreiche ehrliche, redt felbft auf der Folter wahrten die Berschworenen ihr Geheimnis. Ludwig von der Pfalz, dar Markgraf Philipp von Baden, die Bischöfe liche Männer dem Bunde angeschlossen hatten. Wenn sie Bero Friz felbft entfam feinen Säschern und Henfern, er wurde ron Konstanz und Würzburg sowie der Truchfeß Georg von Baib chmiegenheit bewahren und das Geheimnis nicht verraten mollten, flüchtig unb landfremd, balb hier, balb ba tauchte er in den nächsten burg stießen mit ihren Reitern und Snappen zu dem Herzog. Das werde er bie Anwesenden ebenfalls einmeihen und in den Bund auf Sahcen auf, bis er gulegt im Dunkel des Schwarzwaldes verschwand, Heer der Herren war mit Geschüß ausgerüstet, während das Bauern. nehnien. Diese Aufnahme geschah, wie es ftets bei Geheimbünden mo fich feine Spur verliert. heer noch mit Aerten und Sensen fämpfte. Nachdem man die Bauern der Fall gewesen ist, unter geheimnisvollen Zeremonien. Der Sig burch Versprechungen und Scheinverträge wochenlang hingehalten es Bundes war im Dorfe Lehen bei Freiburg im Breisgau, wo und dadurch 3mietracht in ihre Reihen getragen hatte, war es eine Job Friz seinen Wohnort hatte, die Gründung geschah im Jahre 1512 Leichtigkeit, die Bauern zu überwältigen. Das Bauernheer wurde auf der Hartmatte, einer einsamen Baldwiese in der Nähe von auseinandergesprengt, die Führer verfielen der Rache Lehen. Die Berschmorenen hatten geheime Auzeichen und Losungs der Sieger. Wie immer in den sozialen Kämpfen, legten auch morte, an denen sie sich erkannten. Reben dem Gründer des Bundes hier die siegenden Herren eine geradezu beftialische Grausamkeit wirfte besonders ein Mann, der Stoffel aus Freiburg genannt an den Tag: mit Folter und Rad, mit Galgen und Schwert wurde wurde, der als Ritter hoch zu Roh erichien und überall Mitglieder die Ruhe wiederhergestellt. Eine beliebte Methode war, die gefür den Bund warb. So breitete fich der Bundschuh immer weiter fangenen Bauern reihenweife in die Erde einzugraben und ihnen die aus, an allen Orten wurden Zweigvereine gegründet, auch arm geScöpfe mit der Sense abzumähen. Auf der Schwelle des Lebens. 2] Bon Eugen Tichirifow. ( Autorifierte Ueberfegung von Abele Bamperi) Wanja verteidigte feinen Bruber, so gut er nur fonnte. Es war aber schwer mit ihnen fertig zu werden, fie maren fo viele, unb er war allein. Und die Streitigkeiten im Hof über Aljofdpa enbigten immer mit Tränen. Wanja tam nach Hause mit rotem, vor Tränen naffem Gesicht und lief schmurstrads zur Mutter. Mutti! Sie fagen, daß jofcha nie... nie..." " Sprich nicht mit ihnen!" Sie sagen, daß... Ajofcha hingerichtet wird... Mütter. chen!... Sag' mir. Sie fügen? Ja?" Die Mutter beruhigte Wanja, aber wenn er zu meinen qui. hörte und über Ajofcha zu fragen anfing, sentte fie wieder den Kopf und Wanja fühlte es berbarg etwas in ihrem Herzen. „ Du sprichst nicht die Wahrheit... Und fagft boch, man darf nicht lügen... Cines Abends fah Banja, daß die Mama vor einem geöffneten Roffer stand und pacte... In den Händen hielt fie Aljofchas Jadett, darum erriet Banja. Damit mar aber die Bewegung ber Bauern noch nicht zu Ende. Im geheimen bestanden Splitter des Bundschuh weiter, die aber bald den Namen Der arme Konrad" führten. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist umstritten, gemeinhin nimmt man an, daß ein Bauer ramens Konrad, der durch seine drolligen Einfälle bekannt war, als Taufpate des Bundes gestanden hat. Als im Jahre 1514 in Bürttemberg eine neue hohe Steuer ausgeschrieben wurde, hielt der Hauptmann des Bundes, Beter Geiß aus Beutelspach, eine Ber fammlung auf freiem Felbe ab. Er z30g mit dem Spaten einen Ring und forderte jeben, ber die Steuer verweigern wollte, auf, in den Und Wanja jah, wie im nahenden Abenddunfel in der Tante Hände ein fleines meißes Tüchlein schimmerte... Was ist bir, Tante?... Nichts..." Du weinst boch!.... Rein, ich habe Schnupfen, Wanja..." .3ft nicht wahr... Ich hab's gesehen. Warinn weinst du?" Bangweilig ift's..." Ich zieh den Säbel und heb ihn auf! Sie bekommen Angst und laufen davon... Aber, nein! Bor mir lauft ihr nicht fort! Ich hol euch ein und hau' feste drauf! Sie werden um Verzeihung bitten... Tante, nicht wahr, ich will ihnen nicht verzeihen?" Was denn, Liebling?" 3ch foll nicht verzeihen? Nicht wahr?" Ich weiß nicht... „ Gar nicht nötig, folchen Leuten zu verzeihen!... Nein, ich Ohne Mama?... Ohne Mama und Aljofche ist es lang verzeihe um feinen Preis... Sich mal: Aljoscha hat seine Gi weilig... Tut bir Aljoscha leid?" 3a..." .Bie meinst bu, er ift boch gut?" " Gut..." " Barum figt er benn im Gefängnis?" Wieso im Gefängnis? Wer hat dir..." tarre vergessen!... Und Mama hat vergeffen, fie ihm zu bringen..." Wann tommt Afjofcha?... Bald?" Ja, schon bald..." Bu Ostern?" Bielleicht..." Wenn sie ihn zu Ostern nicht gehen lassen, dann werd' ich Iu' nur nicht so... Der Hausmann selbst hat's gesagt..." ihnen was geben... Banja! Reiß nicht an den Tapeten! „ Lante, tomm in Aljofchas Zimmer! Willst du?" Ja... Sie gingen in joschas Zimmer. Sie zündeten Aljofchas Lampe an und fetten fich auf Aljofchas Sofa. Ein fleines Simuner. An der Wand eine Gitarre, ein Studentenrod, auf de mTisch roies Löschpapier, ganz in Buchstaben und Tintenfledjen, ein Stüd von einem Schäbel, mit 3igarettestümpfchen Aljoscha hat sie geraucht. .Tantchen! Sieh' boch ein Hahn! Aljofcha hat ihn geUnd wozu Ajoschas Jadett?... Ah! 3ch weiß, ich weiß! Du zeichnet... Ich war bei ihm auf dem Schoß und er zeichnete... fährst zu Ajofcha?... Ja?..." Was machst du?" „ So..." Ja, ich fahre..." Die Tante betrachtete aufmertfam das Löschpapier auf Aljofchas Lifch, als ob fie mit Hilfe dieser Tintenzeichen etwas erraten wollte, lind wolltest mich foppen... So bist bu!... Und warum dann, ben Kopf auf die hand geftüßt, verfant fie in Nachdenken meinst du benn?.... und härte nicht mehr was Banja( prach... So... foll ich ihn von dir füssen?" Ja, gib ihm einen Ruß! Sag' thm, ber Baffta, des Haus manns Sohn, hat ihn Sozialist gefchimpft, und ich hab' ihn dafür burchgebauen... " Das soll man nicht, Banja..." h! Und warum fchimpft er auf Aljofcha?! Das ift es!... Du lacht und weinst doch dazu!..." Mama mar verreift. Still und langveilig wurbe es in ben Zimmern. Tante Sascha führte die Wirtschaft. Sie ging fo lang. fam durch die Zimmer, mar fo traurig und mübe, midelte fich feft in ein dides Tuch, blieb immer vor Aljofchas Bilb stehen umb fah as lang, lange an. Dann ging fie ans Fenster und blidte hinaus. „ Tante, du hörst nicht!" „ Bas?" P Benn ich mur groß war, ich hätt' ihnen schon was gegeben! Ich Bielleicht... Wenn ich nur groß war, ich hätt' ihnen schon was gegeben! Ich mürbe Säbel und Flinte nehmen... Und würde fommen! Run! Bersucht's mal, Aljoscha nicht gehen zu laffen!... Dho! Sie wagen's nicht... Dann legten fie fich auf Aljofchas Bett... Tante streichelte Banjas Lodenfopf, schwieg und Banja schwaßte. Er phantafierte immer über dasselbe Thema: wenn er groß ist, wird er Offizier und tommt zu ihnen... Und wieder phantafierte Banja und drohte mit furchtbarer Rache für Aljoscha. Mit dem Säbel grad' in den Bauch!... Aha! Und warum habt ihr Aljoscha fortgebracht? Bauz! Bauz! Bauz! Auf den Hals, über die Beine!... Aljoscha hat ihnen nichts getan... Sie machten die Mama weinen... Da habt ihr! Da! Da! Da! Und Wanja hämmerte grimmig mit beiden Fäusten aufs Kiffen los. III. Die Mama fam wieder.... Sie und Tante Sascha fielen sich in die Arme und meinten beide.... Dann hörten sie auf zu meinen, fejten sich auf Aljolchas Bett, sentten beide die Köpfe auf die Brust und schwiegen lange. Banja bekam auch Luft zu weinen... Gewiß ist Aljoscha etwas zugeftoßen. Du tamft zur Ich habe dich gar nicht erfannt, Mama. Zür herein, und ich dachte es mär' eine Frembe. " Du mußt schon schlafen gehen, mein Junge.... Warum hast du dir einen schwarzen Schwanz an den Hut gehängt?" Sie antwortete nicht. Haft Aljofcha gesehen?" Wohin gehst du?..." „ Gleich" Wanja jah Tante Sascha an, tam an sie heran und blickte ihr in die Augen. Tante hob ihn schweigend in die Arme und preste ihn fest an sich ( Fortseßung folgt.) GROSSER Frühjahrs VERKAUF Korsette Hurthattergem Drell, Paar 195 Jacken, 1 Paar DAMEN- WÄSCHE kanische Windelform u. 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Wie allgemein und überraschend schnell dem Chaos im Herbst 1923 die Konsolidierung in der Volkswirt fhaft überhaupt folgte. so auch auf dem Kapital- und Geldmartt. 3war muß der Kapital bedarf wesentlich noch im Ausland ge deckt werden, aber die ausländische Kapital vermittlung wird doch zunehmend von den deutschen Banten besorgt. Auf der anderen Seite ist der deutsche Geldmarkt, besonders für den Betriebsfapitalbedarf zwar noch ziemlich schwach, aber die Kreditorganisation der deutschen Banken ist doch wieder so intakt, daß man von einer ver. hältnismäßig geordneten Kreditwirtschaft sprechen kann. Das kommt auch in den Geschäftsabschlüssen und berichten der fieben Berliner Großbanken deutlich zum Ausdrud. Was zunächst die verhängnisvolle Ueberorganisation der Banken in der Inflationszeit betrifft, so scheint diese heute mindestens mit Rücksicht auf die Zahl der beschäftigten Angestellten über wunden. Während das Angestelltenheer in der Inflationszeit, wo auf jede Familie fast ein Bankangestellter fam, bei den sieben GroßI anten allein auf 135 000 Personen angeschwollen war, sind heute weniger als die Hälfte dieser Zahl, nämlich 64 200 Angestellte, in den Großbanten tätig. Das ist immer hin gegenüber 1913, wo die Zahl der Angestellten auf 20 000( einschließlich der Fusionsbanken) angenommen werden kann, noch über das Doppelte. Wenn man aber berücksichtigt, daß die Zahl der Filialen seit 1913 sich mindestens versechsfacht hat( heute insgesamt 815 Filialen), so scheint die Angestelltenziffer feineswegs zu hoch. Die Abschlüffe. Normal scheint auch der Geschäftsumfang der Banten zu sein. Die Banken scheinen im Laufe des Jahres 1924 wieder alles in ihren Geschäftsbereich gezogen zu haben, was in der BorPriegszeit zu ihm gehörte. Allerdings kommen die ungeheuerlichen Zerstörungen des Volkswohlstandes seit 1913 in den Ziffern auf das schärffte zum Ausdruc. Am auffälligsten in zwei Banfgeschaftszweigen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aber dc h nur der Ausdruck voneinander find, im Report- und Effekten beleihungsgeschäft und im Depofitengeschäft. Deutsche Pant Banfeinlagen Reportu. Effeffenbeleih. Goldbil. Abschlußbil. Goldbil. Abschlußb. 349 Mill. 659 Mill. 7,2 Mill. 10.2 Mill. 216 2,4 3,7 9,7 " Disconto Ges.. Dresdner Bant 153 494 526 " 0,7 " " Darmst. u. Nat.-B. 195 580 4,8 " P " Comm. u. Br.-B. 144 312 4,2 " " Berl.Handels- Gef. 82 131 0,2 T " " Mitteld. Credit- B. 15 49 0.8 0,9 2,8 " " zusammen 1 104 Mill. 2 731 W. 14,3 17,4 Wid. 44,0 Min. gegenüber 900 Mill. gegenüber mehr als 5000 m. Einlagen 1918 23 1918 SU Das Report und Effettenbeleihungsgeschäft hat sich im Jahre 1924 zmar um mehr als das 3meieinhalbfache gesteigert, aber gegen über 1913 beträgt es noch nicht ein 3wanzigstel. Das ist die Kehr feite einmal ber zerstörten Staats- und Gemeindeanleihen, Industrieobligationen und der im Krieg cbgestoßenen oder verlorenen Auslandseffekten, zum anderen des heute viel niedrigeren Kurswertes der inländischen Dividendenpapiere. Ebenso haben sich die Banteinlagen um das 3meieinhalbfache ver. mehrt, erreichen aber gegenüber dem Depoftter.bestand von 1913 mit über 5 milliarden nur etwas mehr als die Hälfte und sind zudem noch zu erheblichen Beträgen aus den sogenannten Bereit fhaftsgeldern der Auslandskredite gespeist. Das Depositen geschäft der Banten tann aber heute nicht größer sein als es ist, neil ein sehr großer Teil der Depositen von 1913 eben aus den Zinsen und Dividenden der seit 1913 zerstörten, verlorenen oder im Wert gefenften Besikutel gebildet wurde. Ein für die heutigen Wirtschaftsverhältnisse Deutschlands eben Mittwoch, 1. April 1925 falls durchaus normales Bild bieten die Wechselgeschäfte, die Aus Rentabilität die Banten aber die Möglichkeit verlören, die so wichs leihungen auf laufendes Konto und die Warenvorschüsse. Wechselbestand Ausleihungen Warenim Rontoforrent vorichüsse Gold- Abschluß- Gold Abschluß- Golde Abschluß Bilanz( in Millionen Reichsmart) 11,5 229 183 889 23,3 9,8 151 8,5 65 5,6 196 Deutsche Bank Disconto Geſellſch. Dresdner Bant. Darmst. u. Nat.- B.. Com. u. Privat- B.. Berl. Handels- Gef.. Mitteld. Cred.- Bank 0,4 19 107 353 153 83 312 23,3 96 291 17,0 5.6 184 70 170 4,0 72,1 44,3 77,5 41,9 27,1 2,6 35 15 57 10 84 564 1606 gegenüber mehr als 8000 Mil. 1913 zusammen 42,0 917 gegenüber mehr als 2000 Min. 1913 0,8 76,1 243,1 gegenüber mehr als 600 Mill. 1918 Der Wechselbestand der sieben Großbanken, der in der Golderöffnungsbilanz vom 1. Januar 1924 noch nicht ein Fünfzigstel des Wechselbestandes von 1913 betrug, ist wahrend 1924 der Hälfte des Bestandes von 1913 nahe gekommen. Das dürfte dem tatsächlichen Aufkommen von Warenwechseln im Inland im Verhältnis entsprechen, wenn man bedenkt, daß der Inlandsumsat jowohl an Produttions- als auch an Verbrauchsgütern gegenüber 1913 enorm gesunken ist und die gleichzeitige sehr starke Konzern. bildung in der Industrie die direkte Verrechnung zwischen den Werken weit verbreitet hat. Aehnlich verhält es sich mit den Ausleihungen im Kontoforrentvertehr und den Warenoorfchüssen. Beide haben sich in 1924 verdreifacht und sind der Hälfte von 1913 angenähert. tige Funktion als Vermittler für die Auslandskredite wahrzunehmen. Nun ist es zwar richtig, daß die Großbanken heute einen Geschäftsumfang von nicht mehr als der Hälfte der Vorkriegszeit haben. Aber sie benüßen dazu einen Apparat von Bankgebäuden, Filialen und Filialpersonal, der ein Mehrfaches des Vorfiregsapparates ausmacht und infolgedessen auch ein Mehrfaches an Geschäfts- und Leerlauftosten verschlingt. Die Großbanten haben zwar ihr Personal auf jenen Stand gebracht, den ihre 815 Filialen unbedingt erfordern, aber sie haben ihren Gebäude. und Filialenapparat nicht auf den Stand gebracht, der dem heutigen Geschäftsumfang entspricht Wenn nun die Großbanken ertlären, ihr Kapital müßte seine Dividende haben, so ist das richtig. Aber dieses Kapital findet seine Dividende nicht nur über hohe Zinsfäße und Provisionen, sondern auch über die Berringerung der Selbst kosten, die in ganz erheblichem Maße dury den Abbau des Gebäudebefizes und des Filialnezes erfolgen könne. Bruttogewinn, Geschäftsuntosten und Reingewinn. Bruttogewinn ( in Mill. Marl) Deutsche Bant Disconto Gefellschaft. Dresdner Bant. Darmstädter Bank. Comerz u. Prib.- Bank Berliner Handelsgei. Mitteld. Credit- Bank Geschäfts- Rem unfosten gewinn 1924 1913 1924 1918 1924 126,6 68,3 108 85 18,8 65,6 39,3 55 16 10,6 76,7 43,1 68 18 8.4 76,0 38,9 67 20 9,1 59,2 24,1 54 18 5,1 10,1 15,1 7,5 3,5 2,6 10,2 8,8 88 42 1.4 zufammen 424,4 237,6 368,3 109,7 56,4 Man muß erstaunt sein über die Höhe des Brutto. Die Konsortialbeteiligungen, die dauernden gewinns der Großbanfen. Obwohl ihr Geschäftsumfang taum Beteiligungen und die eigenen Wertpapiere zeigen gegen die Hälfte von 1913 ausmacht, ist der Bruttogewinn fast doppelt so über den Golderöffnungsbilanzen fein wesentlich verändertes Bild, hoch. Auf der anderen Seite sind die Geschäftsunkosten bei halbiertem höchstens daß inzwischen stattgefundene Fusionen die Beteili. Geschäft, auch bei Berücksichtigung der Fusionen, fast dreimal so gungen niedriger erscheinen lassen und der veränderte Kursst and hoch. Das muß natürlich für die Banken ein unerträglicher die Bewertung der Effekten verändert hat. Im Posten Bankgebäude 3ust and sein Er ist vor allem auch unerträglich für die Bolks und Immobilien haben die Fufiionen die umgefehrte Wirkung gewirtschaft selbst. Aber dieser Zustand hat seine Gründe nicht, habt. Diese Posten konnten sich um so weniger stark verändern, als wie die Großbanten behaupten, in den Steuer, Sozial- und Ge ihre Bewertung zwar zum 1. Januar 1924 erfolgt ist, aber doch hälterlaften, sondern in der Ueberorganisation der Banken. eist turz vor Abschluß des Geschäftsjahres vorgenommen wurde, als sich die Entwicklung der Dinge schon ganz deutlich übersehen ließ. Die Politik der Großbanken. Und die Steuerlaften? Bergleicht man nämlich die Steuerlasten mit den Brur'o geschäftsunkosten von 1913, so stehen 12 Millionen Mart Steuern 109 Millionen Mart Gesamtgeschäftsuntoften gegenüber; das ist ein Neuntel oder 11 Proz. Die Steuerlaften sind 1924 auf 31,3 Millionen gestiegen. Im Verhältnis zu den Geschäftsunkosten von 1924 Im Verhältnis der Geschäftsuntoften sind die Steuerlasten also nicht gestiegen, sondern um 2½ Proz. ge unten. Aehnliches gilt für die reinen Geschäftsuntoften( ohne Steuern und Abschreibungen), die hauptsächlich von Löhnen und Betriebserhaltungskosten gebildet werden. Im Verhältnis zum Bruttogewinn von 1913( 237,6 Millionen) machen die reinen Ge schäftsuntoften von 1913( 88,6 Millionen) nur etwa 30 Broz aus, 1924 aber( 424,4 und 329.2 Millionen) etwa 80 Broz. Nun ist die Angestelltenzahl auf über das Doppelte erhöht. Die Banf= beamtengehälter find von bekannter Riebrigkeit. An den Behältern tann die hohe Belastung des Bruttogewinns mit Ge schäftsuntoften nicht liegen. Sie fann im wesentlichen nur in den verfechsfachten Filialen, den unrentabel ausgenügten Bantgebäuden und den hohen Kosten daraus ihre Gründe haben. Wenn nun auch die Abschlußbilanzen felbft feine besonderen lleberraschungen geboten und feinen besonderen Anlaß gegeben haben, Kritik zu üben, weil alles flar zutage lag, was sie bringen tonnten, so steht es ganz anders mit den Gewinn- und Bermit 368,3 millionen aber machen sie nur 1/12 oder 8½ Proz. aus. Iustrechnungen der Berliner Großbanken und den Kommentaren, den die Geschäftsberichte dazu geben. Etwas ganz anderes nämlich ist es, ob die Banten ihre normalen volts wirtschaftlichen Funktionen überhaupt wieder ausüben und ob die Banten diese Funktionen auch in voltswirtschaftlich ratio neller Weise ausüben Deutschland ist nicht mehr die gesunde, in sich durch Jahrzehnte ruhiger und stetiger Entwicklung voll fiändig ausbalancierte Volkswirtschaft von 1913, sondern eine nach einem beispiellofen Zusammenbruch im Sanierungszustand befind liche Volkswirtschaft, bei der aber auch alles auf die Bernünftigkeit und Angemessenheit der wirtschaftlichen Grundsäge und geringst. mögliche Kosten des voltswirtschaftlichen Apparates ankommt. Das gilt auch für die rationelle Organisation und Funktion des Banten cpparates und ganz insbesondere des Apparates der Berliner Großbanten. In diesem Punkte aber sind die Geschäftsberichte der Großbanten vielfach von einer Gedankenlosigkeit der Kritif, die um fo peinlicher berührt, als die Gewinn und Berlustrechnungen bei sorg fältiger Prüfung und Bergleichung mit 1913 auch die Großbanten erfennen lassen müßten, daß die noch immer zu hohen 3ins. und Provisionsfäße, die sie fordern, und ihre Alagen über zu hohe Steuer, Sozial- und Gehälterlaften bei ihnen selbst, nicht aber beim Staate und den Beamtenorganisationen ihre Gründe haben. Die Zins- und Provisionsfäße liegen heute bei 14 Proz., in der zweiten Hälfte 1924 lagen sie bei 16% Proz., obwohl der Reichs bantdiskont nur 9 bzw. 10 Proz. betrug. Die Banken behaupten nun einheitlich, daß sie mit diesen Säßen nicht herunter fönnten, meil sonst ihrem Kapital die Rentabilität entzogen würde, mit der Die Behauptung der Großbanfen, fie tönnen wegen der hohen Steuern und Gehälterbelastung mit ihren 3insen und Provisionen nicht heruntergehen, ist also offensichtlich falsch. Die hohe Spannung zwischen Reichsbantsag und Bankkostensatz, die so außerordentlich schwer auf dem gesamten Wirtschaftsleben lastet, ist vielmehr die natürliche Folge der Diskrepanz zwischen Geschäft und Apparat bei den Großbanken. Daraus ergibt sich auch die vornehmste Aufgabe der Großbanten in der Zukunft und zugleich das Mittel. Sie müssen thre 3ins- und Provisionsfage durch den Abbau ihres materiellen Besizes und durch die Konzentration ihres Apparates ebenso herunterbringen, wie sie die Gehälter ihrer Beamten und Angestellten heruntergebracht haben. Das ist der nächste und größte Beitrag, den sie dem Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu leisten haben. K ― r. WO- KHI- Einreibung- Embrocation Von unerreichter Wirkung bei Behandlung von: Rheumatischen u. nervösen Gliederschmerzen, Ischias, Zerrungen und Verstauchungen Unübertreffliches Sportmassagemittel Für Heilzwecke in Apotheken, für Massage und Kräftigung in Sportgeschäften, Drogarian, Apotheken/ FL. M. 5.-, FL. 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