Abendausgabe Nr. 155 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 77 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebaltion: SW. 68, Lindenstrake 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Moteffe: Sozialdemokrat Berlis Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennis Mittwoch 1. April 1925 Beclag und Nnaetgenabteilung Gefchäftszeif 9-5 Uhr Beringer: Bonwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenttraße 3 Fernsprecher: Douboff 2506-2307 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Rechtsparteien gegen Rechtsregierung Der deutsch- spanische Handelsvertrag abgelehnt. Nach wochenlangen Berschleppungsversuchen der Rechtsparteien ist nun doch endlich die Entscheidung über den deutsch spa. nischen Handelsvertrag im handelspolitischen Ausschuß des Reichstags gefallen. Sie ist von besonderer Bedeutung, weil sich klar zeigt, daß die jebige Regierungs: toalition, die gebildet ist, um die Handels- und Steuerpolitik gegen die Sozialdemokratie zu treiben, in fich gespalten ist und infolgedeffen unfähig zur Lösung dieser Aufgabe. Bohl felten ist jo deutlich wie bei der Beratung des spanischen Handelsvertrages der Beweis geliefert worden, daß die Rechtsparteien in einzelne Grup pen von Interessenten zerfallen und unfähig sind, die allgemeinen roltswirtschaftlichen Intereffen der gesamten Bevölkerung au wahren. Der Abstimmung ging eine fleine Erörterung vorauf. In ihr betonte die Rechtsregierung noch einmal das polfswirtschaftliche Interesse Deutschlands an dem Zustandekommen des Bertrages. Das hinderte aber die Rechtsparteien durchaus nicht durch ihre agra rischen Interessenvertreter den Bertrag weiter als ruinis für die Winzer zu bezeichnen. Für die Sozialdemokratie erklärte Abg. Dißmann, daß die sozialdemokratische Fraktion den Hilfsmaßnahmen für die Winzer, wie fie vom Unterausschuß angeregt find, unter dem für die Winzer, wie sie vom Unterausschuß angeregt find, unter dem Borbehalt zustimme, daß noch eine flare Präzisierung der Schadens. ursache erfolge. Im übrigen würden die Gründe der Regierung für den Abschluß des Vertrages von ihr durchaus gewürdigt werden, man müsse jedoch verlangen, daß auch die Regierungsparteien das bei ihrer Abstimmung zum Ausdrud bringen. Um zunächst diese Klarheit zu schaffen, würben sich die sozialdemokratischen Bertreter Der Stimme enthalten. In der nun vorgenommenen Abstimmung wurde das Abfommen mit 17 gegen 5 Stimmen bel 6 Stimmenfhaltungen abgelehnt. Dagegen wurde eine Entschließung angenommen, in der die Reichsregierung ersucht wird, sofort mit der spanischen Re gierung in neue Berhandlungen über den Abschluß eines Handels abfommens einzutreten und ein solches Abkommen nur dann ab zufchließen, menn b) ein ausreichender 3offschutz für die deutsche Landwirtschaft, insbesondere den deutschen Wein, Obst- und Gemüsebau erreicht wird. Auch bei dieser Entschließung enthielt sich die Sozialbemo fratie der Abstimmung. Aile bürgerlichen Barteien waren bei der ostimmung über das Abkommen gespalten, mit Ausnahme der Deutschnationalen, die ihre Stimmen geschlossen gegen den Vertrag abgaben. Nach Erzielung dieses Ergebnisses herrschte eine sehr gedrüdte Stimmung, die sich besonders star? bei den Industrievertretern der Deutschen Voitspartei zeigte. Sie hatten bisher angenommen, daß der Vertrag trotz der Gegnerschaft der agrarischen Interessenvertreter angenommen würde. Das Ab stimmungsergebnis aber zeigt, daß selbst das Eintreten der Sozialdemokratie für den Bertrag an der endgültigen Entscheidung nichts geändert haben würde. eine Niederlage erlitten, sondern ein nur nicht in die entsprechende Die Rechtsregierung hat also durch die Rechtsparteien nicht nie Formel gekleidetes Mißtrauensvotum erhalten. Das ist der ein deutige Sinn der ersten bedeutungsvollen Entscheidung über die deutsche Handelspolitit. Bolien die Deutschnationalen die Stonfequenzen vermeiden, die eine verantwortungsbewußte Regierung auch diesmal nichts anderes übrig, als der schmähliche und unaus einem folchen Mißtrauensvotum ziehen würde, bleibt ihnen würdige Umfall. Zentrum und Preußen. Die Landtagsfraktion des Zentrums hat heute vormittag über die Lage beraten, die dura die gestrige Wahl des Herrn Dr. Höpfer Aschoff entstanden ist. Es wird vermutet, daß Herr Dr Höpler- Aschoff die Wahl nicht annehmen wird, modurd; dann zu neuen Bereinbarungen und Beschlüssen die Bahn frei wird. Dr. Höpfer- Aschoff wird hem Landtagsmahrscheinlich die Neuwahl schon morgen stattfinden wird. a) die materielle Meistbegünstigung für alle Erzeugnisse der präsidenten schon heute die Richtannahme mitteilen, so daß deutschen Industrie und Kulturkampf und Studentenradau. Stürmische Kammerdebatte in Paris. Paris, 1. April.( Eigener Drahtbericht.) In der Kaminer tam es am Dienstag abend in der Debatte über die Haltung des Klerus im Elsaß und bei Besprechung einer Interpellation über die reaktionären Rundgebungen Barijer Studenten zu stürmischen Szenen, jo daß die Sigung zeitweilig unterbrochen werden mußte. Es handelt fich bei diesen Borgängen um nationalistische Demonstrationen gegen einen neuernannten Brofessor, der vorher im pazifistischen Sinne über Bölkerrechtslehre gesprochen haben soll. Die Regierung isi inzwischen eingeschritten, hat die Rechtsfakultät von der Bolt zei befegen und den Dekan seines Amies entheben Lassen. In der Kammer führte Ministerpräsident Serriot u. a. aus, in feiner Programmertlärung habe er versprochen, alle Abweichun gen in der Gejezgebung der beiden Provinzen von dem übrigen Frankreich beseitigen zu wollen und bei der Einführung der Gefeßgebung der Republik im Elsaß die erworbenen Rechte zu respektieren. Das sei dieselbe Sprache gewesen, die Millerand cls Generalfommiffar geführt habe, aber diese Borte seien verabscheuungswürdig und müßten befämpft werden, wenn sie aus feinem, Herriots, Munde stammten! Er werde sich aber da. turch nicht beirren laffen. Der Ausnahmezustand für Elfaß Lothringen müsse beseitigt werden. Man dürfe nicht vergessen, daß das Elsaß das Land der Marseillaise jei. Seine Tradition sei die der franzöfifchen Revolution. Die Re gierung habe nicht eine Handlung gegen das Elsaß begangen, die man ihr zum Vorwurf machen könnte. Die Agitation, mit der man jest Geschäfte mache, sei verkehrt. Schließlich empfahl Herriot unter dem Beifall der Linken die Annahme des Verwaltungsgesetzes. Es folgte die Interpellation des Poincaristen barnegaran über die Zwischenfälle auf der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Eorbonne und der Ablegung des Defans. Abg. barnegaran todelte vor allen Dingen die Verhaftung und Verurteilung einiger Studenten. Ministerpräsident Herriot erklärte, er fönne dafür nicht verantwortlich gemacht werden, denn er habe dem Gericht feine Befehle zu erteilen. In diesem Augenb id ereignet sich ein Zwischenfall. Einige Ab geordnete begeben sich vor die Rednertribüne. Die Abgordneten der Linten wissen nicht, um was es fich handelt. Kammerpräsident Bain lepé erflárt, Abgeordnete der Rechten mollen gehört haben, daß Ministerpräsident Herriot gerufen habe: Wer ist der Epilep titer, der dies gefagt hat?", und ersucht die Abgeordneten, fich auf ihre Bläge zu begeben. Abg. Join Lambert non der demokratisch republikanischen Union erflärt, ein Abgeordneter habe mit den Hän bernommen. Als man ihm das zugerufen habe, habe er den Jufliz minister gebeten, fich darüber zu äußern. Die Rechte ruft: Das war eine Schande." Herriot erwidert: Jch höre immer noch das Wort„ Schande". Ich habe niemanden beleidigt." Darauf ent fteht ben gebroht. herrint erflärt, er habe das Wort„ ügner ein großer Standal Man vernimmt zurufe des Abg. Maginot, während der Abg. Join Lambert den Ministerpräsidenten ant agt, ihn beleidigt zu haben, dieler fönne ihn aber nicht beleidigen. Er verlange von ihm nichi einmal einen Widerruf. Kammerpräsident Bainlené will dem Abg. Dbarnegaran das Wort verschaffen. Es gelingt ihm aber nicht, ha die Rechte fortwährend meiter lärmt und die Abge. ordneten Ballanant und Duval fortgefekt Zwischenrufe machen, jo bah Kammerpräsident Painlevé die Verhängung der Zenfur über biefe beiden Abgeordneten fordert. Dies vermehrt die lärmenden Rundgebungen. Die Sigung wird unterbrochen. Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war, wird die Diskussion wieder aufgenommen. Einige Minister begeben sich zu der Rechten, um das Mißverständnis aufzuklären. Unterrichtsminister François Albert rechtfertigte Zwischen den Schlachten. Der Rampf um Preuzen. Die Wahlen am Sonntag haben das politische Bild Deutschlands erheblich geändert. Schon am 7. Dezember hatte sich gezeigt, daß die reaktionäre und die putschistische Belle gebrochen ist, daß die Republik wieder erstarit. Bangsam tommt diese Wandlung auch den Organen des Jarres- Blocks zum Bewußtsein, die noch am Tage nach ihrer Niederlage allzu gläubigen Lesern weismachen wollten, daß fie mit Jarres in Fronteinen Sieg erjochten häiten. Der Rechten kann man nur viele solche Siege wünschen. Preußischen Landiag. Bor dem 29. März haben die Rechten Die Wandlung zeigte sich gestern am deutlichsten im die miste ste Obstruttionspolitit getrieben. Die Bolkspartei hat das Ministerium gestürzt, dem sie Jahre lang felber angehörte. Beder Braun noch Marg wurde von ihr geduldet. Ja, Marg ist von der gesamten Rechtspresse noch viel illonaler behandelt worden als der Sozialdemokrat Braun. Als Mary schließlich den Ausweg versuchte, ein gierung mehr möglich erschien, hat man ihm in letzter Stunde Beamtenfabinett zustande zu bringen, meil keine andere Rerücksichtslos und brutal den Stuhl vor die Türe gestellt mit der lächerlichen Begründung, ein Kandidat für den Reichspräsidentenposten fönne als Ministerpräsident nicht in Frage fonumen. Daß andere deutsche Ministerpräsidenten ebenfalls fandidierten, machte bei dieser Argumentation ebensowenig atts wie die in anderen Spalten der Rechtspresse als unum= fiößliche Weisheit aufgestellte Behauptung, Jarres werde im ersten Wahlgang durchs Ziel gehen. Jegt liest man's anders. In beinahe meinerlichem Tone wirst die Beit" den Parteien der Weimarer Koalition vor, daß sie von einer schiedlich friedlichen Lösung nichts mehr wissen wollen: Parteien jegt darauf ausgehen, die Entwidfang in Preußen auf den , Gestern hat man vollendet den Eindruck gewonnen, daß diese Sampi einzustellen. In der vorigen Woche war man einer zwifchenlösung bereits ziemlich nahegelommen. Das Zentrum und auch die Sozialdemokraten zeigten sich dem Borschlage, ein Beamtentabinett nicht mehr die Rede. Berireter des Zentrums erflärten allerdings. zu bilden, durchaus nicht abgeneigt. Gestern aber war von alledem daß fie immer noch zu einem solchen Berfuche bereit feien, daß aber Die Sozialdemokratie das Beamtentabinett entschieden ab= lehne. Wie weit und ob nun das Zentrum wirklich noch verhandfungsbereit mar, fci dahingestellt. Sicher ist jedenfalls, baß die Barteien der Weimarer Koolition die anderen Barteien in der Nachmittagsfizung mit einer Kandidatenaufstellung überraschten, die die bolle Rüdfehr zur Weimarer Koalition bedeutete und alle Brüden ter Berständigung abbradj." die Betrauung des Profeffors Scelle mit den Vorlesungen über Bölferredyt und die 2bjekung des Detans der Fafultät, Barthelemy. Der Defan habe für die Anhänger feiner Schule eine Art[ Irecht Lösung ziemlich nahegelommen war. Es war die Boffs. Es ist richtig, daß man in der norigen Woche einer dem Dekan zwei Bedingungen gestellt, nämlich Sceife unter feinen partei, die rücksichtslos in letter Sturde diese Lösungsverlangt, falls fie Gemalttätigkeiten verübten. Der Minister have Umständen fallen zu lassen, und zuzugeben, daß im Falle von Bermöglichkeit zerschlug und die noch im ständigen Ausschuß fehlungen Strafen verhängt würden. Da der Defan darauf nicht zu dem verzweifelter Mittal griff, durch Obstruktion jede habe eingeben wollen, habe er zur Berantwortung gezogen werden Führung der preußischen Regierungsgeschäfte unmöglid) müssen. Alle diese Unruhen feien nur entstanden, um kurz vor machen zu wollen. Das Jammern über den bösen Rampiesden Gemeindewahlen den Eindruck hervorzurufen, ais ob in willen der Linfen ist eitel Seuchelei, und im übrigen Frankreich Unordnung herrsche. ein wertvolles Eingeständnis, daß jetzt nady den Wahlen vom Sonntag die Lage in Preußen fich wesentlich geändert bat. Das bestätigt auch die Aeußerung der Nationalpost": Unter den verhafteten Studenten sind auch solche im Alter von 14 Jahren. Absicht habe, zuzulaffen, daß die hochschulen ja botiert werden. So könnten die Dinge nicht weitergehen, da die Regierung nicht die Das legte Wort müsie die Disziplin unb bie Ordnung haben. Herriot ertlärte, es bestehe nicht die Absicht, die Freiheit der Studenten einzuschränken. Man habe tatsächlich den Bersuch machen Kampagne gewiffer Leute zurüdzuführen. Wenn man nachgebe und wollen, die politische Ordnung zu stören. Das sei auf die seine Autorität gegen diesen Faschismus nicht wahre, so würde man seinen Pflichten nicht gerecht. Dadura), daß die Regierung die Freiheit der Brofefforen verteidige, ver teibige sie auch die Freiheit des Unterrichts und der Universität. 220 Stimmen angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, Schließlich wurde eine Tagesordnung Cazals mit 318 gegen nicht zu dulden und die Universitätsfreiheit zu wahren. Damit von politischen Elementen ausgehende Versuche, Unruhen zu stiften, wurde der Regierung das Bertrauen ausgesprochen. Die Eitung dauerte bis 3 1hr nachts. Studentenstreit an der Sorbonne. Baris, 1. April.( WTB.) Das Komitee der Studenten der Univerfitat Baris hat bejchlossen, ven Donnerstag, den 2. Apru, ab einen 48 stündigen Streit zu organisieren, um gegen die Entfernung des Professors Barthelemy als Delan, gegen die Schließung der Rechtsfakultät und gegen die Verurteilung der wegen lärmender Sundgebungen gerichtlich bestraften Studenten zu protestieren. ,, Der Weimarer Koalition seint durch den von ihr behaupteten Wahlerfolg" bei der Reichspräsidentenroahl der Kamm erheb. lich geschwollen zu sein. Sie hat offenbar die Absicht, jeyt einen politisch nicht sehr belasteten Mann in den Vordergrund zu ministeriums zu betrauen, dessen Aufgabe scheinbar darin schieben und ihn mit der Bildung eines Uebergangs besteht, den Landtag aufzulösen und einen Wahlkampf zu tampi haben wir gar nichts einzuwenden(!), vielmehr gunsten der Weimarer Koalition durchzuführen. Gegen den Wahihalten wir es durchaus für richtig, daß das preußische Bolk darüber schafteten Weimarer Koalition noch länger gefallen laffen will oder entfayeidet, ob es sich die parlamentarischen Kniffe der abgemirtdas ist die Tatsache, daß die Linte immer noch, bemokratisch wie nicht. Bogegen wir aber den schärfsten Einspruch zu erheben haben, fie nun einmal ist. an dem Gedanken der Minderheitsregie. rung festhält und diese jetzt durch die Aufnahme eines zweiten Sozialdemokraten offenbar parteipoliitsch noch stärfer festlegen will. Die einzige Löfung in dem preußischen Berfaffungskonflitt ist die, ein Beamtenminifterium zu bilden, tas bann die Neuwahlen durchzuführen hätte. Was wir jegt in Preußen erleben, ist der Versuch, mit Hilfe der Auflösung eine verfassungswidrige Regierung einige Monate länger am Ruder zu halten. Die Rechte mird gegen diefes unparlamentarische Berfahren schärfsten Brotest einlegen müffen." Hoch- und Straßenbahnerstreik in Hamburg. nachben Erfahrungen in Dibenburg ein BeamtenDie Hochbahn A.-G. ftillgelegt. Samburg, 1. April( Eigener Drahtbericht.) Der Strelt der Hoch- und Straßenbahner hat heute in vollem Umfange eingefeht. Der Beginn des Samples wie überhaupt die ganze Füh rung der Bewegung zeugt von einem entschlossenen disziplinierten Willen der Verkehrsarbeiter. Es ruhen fämtliche Berkehrs. betriebe, die zur Hamburger Hochbahn A.-G. gehören. Streifbrecher find bis jetzt noch nicht hervorgetreten. Aus den enttegenen Stadtteilen scheint sich ein bis jeht allerdings noch sehr hmacher Rotverkehr mit allen möglichen Fahrwerken nach dem Sentrum der Stadt zu entwickeln. Ein starker Andrang machte sich infolge des Streits auf der der Reichsbahnverwaltung unterstehen den Vorortbahn geltend. Es gelang jedoch bis jehl, ihn ohne Störungen zu bewältigen. Die Deutschnationalen wiffen natürlich ganz genau, daß fabinett Dollständig ausgefchloffen ist. lind menn fie jest fo eifrig nach einem solchen Kabinett schreien, mas noch vor einer Woche ihnen unmöglich erschien, fo wiffen fie auch, marum fie das tun. Freilich auch andere missen es. weshalb die Deutschnationalen auf einem Beamtentabinett bes ftehen, und gerade weil sie das miffen, lehnen sie diesen jent von der Rechten aufgegriffenen Lösungsversuch) ab. Selbstverständlich: Preußen muß zur Ruhe und zu ver faffungsmäßigen Zuständen lommen. Es geht urter feinen Umständen fo meiter, daß eine ausgesprochene Minderheit ununterbrochen Regierungskrisen herbeiführen fann. Glüdlicherweise fönnen felbft ble Deutschnatio die nalen trotz großer Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete des Umfalls doch nicht so meit gehen, daß sie gegen ihren eige nen Antrag auf Auflösung des Landtages ftimmen. Gerade nach den Vorgängen in der gestrigen Landtagsfigung ist die Auflösung mehr denn je notwendig, um auch in Preußen flare Berhältnisse zu schaffen. Die Ueberzeugung, daß eine folche Klärung notwendig ist, zieht immer weitere Kreise. In diesem Zusammenhang ist die Aeußerung des Bentrumsorgans, der Germania", von Intereffe. Sie schreibt: " „ Ob es Herrn Höpfer- Aschoff gelingt, ein Ministerium zusammenzubringen, erscheint noch sehr zweifelhaft. Der Neuge wählte hat das ihm vom Landtag erteilte Mandat noch nicht an genommen. In parlamentarischen Kreisen wird damit gerechnet, daß Höpler- Aschoff die Wahl nicht annehmen wird. Jedenfalls stellt die gestrige Entscheidung in Breußen noch nichts Endgültiges dar. # Der bevorstehende 3 meite Wahlgang für den Posten des Reichspräsidenten bleibt naturgemäß nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung der Dinge in Preußen. Im Landtag hieß es gestern, das Parlament folle aufgelöst werden und die Neuwahlen würden gleichzeitig mit der Präsidentenwahl stattfinden. Dieser Plan wird indes faum durchzuführen sein, aber man muß trogdem mit dem baldigen Ende des Landtages rechnen, da zur zeit keine Aussicht auf die Bildung einer dauer haften Regierung besteht. In der Kandidatenfrage für die Präsidentschaftswahl ist gestern insofern ein wichtiger Schritt erfolgt, als der Parteivorstand des Zentrums bekanntlich beschlossen hat, den Ministerpräsidenten Marg als Sammelfandidaten vorzufchlagen. Die endgültige Entscheidung für das Zentrum liegt beint Reichsparteiausschuß, der im Laufe diefer Woche zusamment treten wird. Den anderen Parteien ist gestern von dem Vorschlage des Reichsvorstandes der Zentrumspartei Kenntnis gegeben worden. Der Vorschlag des Zentrums trägt der allgemeinen Stimmung fo wohl im Inlande wie im Auslande Rechnung, die immer mehr auf Mary als Kandidaten der Verfassungsparteien hofft. Mit dem Schritt des Reichsparteivorstandes find die Dinge nun in Fluß gefommen und man fann nur hoffen, daß die Berhandlungen zwischen den Parteien bald zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden." Theoretisch ist der Vorschlag des Zentrums, den Ministerer mindestens formell sich an alle Barteien richtet. Der präsidenten Marr aufzustellen, vielleicht so gedacht, daß Sache nach erscheint freilich ein Vorschlag der neuen Kan didatur Mary an die Rechts parteien vollkommen aussichtslos, denn so versichert der Tag": Der Reichs blod hält an Jarres fest." Das gleiche behauptet die Deutsche Zeitung", und auch die Zeit" bringt oftentativ die Meldung, daß die dem Reichsblock angeschlossenen großen vaterländischen Organisationen selbstverständlich an der San didatur Dr. Jarres festhalten müssen, und daß Berlauf und Ergebnis der bisherigen Wahlarbeit in allen Teilen Deutschlands zu den besten Aussichten für den Sieg im zweiten Wahlgang berechtigten". Das Zentrum wird sehr bald auch erfahren, was praktisch bereits feststeht, daß Schwerindustrie und Wirtschaftsgewaltige in Deutschland feinen Mann der Bermittlung, sondern nur einen Mann ihrer Alleinherrschaft mollen. Diese Klärung wird nicht lange auf sich warten laffen und sicher zweifellos auch auf die Entmidiung der Berhältnisse in Preußen Einfluß haben. Sie muß den Willen zur Auf lofung auch außerhalb der Reihen der Sozialdemokratie stärken. Der Landtag entspricht in seiner Zusammensetzung nicht dem Willen des Volkes, und die zufällige Tatsache, daß den Parteien der Weimarer Koalition ganze drei Stimmen an der absoluten Majorität fehlen, darf auf die Dauer nicht dazu führen, die Regierung Preußens vollständig altions unfähig zu machen. In der demokratischen Presse kommt diese lleberzeugung am stärksten zum Ausdruck. Die„, Bossische Beitung" wie Berliner Tageblatt" melden, daß HöpferAschoff schwere Bedenken habe, die Wahl zum Ministerpräsi denten anzunehmen und daß ein neuer Ministerpräsident eventuell notwendig sein werden. Die Boffische Zeitung" schreibt: „ Es haben sich gestern in fetter Stunde fehr maßgebende und führende Persönlichkeiten der Zentrumspartei dahin aus. gesprochen, daß die angeführten Bedenken nicht gewichtig genug feien, um die Kandidatur Otto Brauns abzulehnen, zumal in einem Zeitpunft, wo die Sozialdemokratie fontel staatspolitische Einsicht zeige, trotz ihrer außerordentlichen Stimmengewinne am 29. März für den zweiten Wahlgang das Opfer der eigenen Kandidatur zu bringen und für Reichskanzler a. D. Marg als republifonischen Sammelfandidaten einzutreten. Es ist also durchaus möglich, daß im Falle einer Ablehnung der Wahl durch Dr. Höpfer Aschoff Otto Braun von den Parteien der Weimarer Koalition auf gestellt und auch als Ministerpräsident gewählt wird, statt daß man ihm, wie gestern beabsichtigt wurde, das Finanzministerium anbietet." Auch das Berliner Tageblatt" äußert sich in gleichem Sinne. Stärter als der Wunsch nach taktischer Geschicklichkeit ist der harie Zwang der Tatsachen. Er erheischt gebieterisch die Aufnahme des Kampfes gegen die Herrschafts: gelüfte der Rechtsparteien. Deutschland kann und darf nicht dem Machtwillen der Nationalisten und der Schwerindustrie anheimfallen, die Maffen des Volkes werden eine solche EntDer 29. März hat den Bann gewidlung nie zulassen. brochen, der eine freiheitliche Entwicklung zu hemmen schien, der 26. April wird die Hoffnungen der Realtion endgültig zuschanden machen. Sie werden ihr Ziel nicht erreichen weder im Reich, noch in Preußen. Konferenz der Parteiredakteure. In feiner heutigen Sigung hat der Parteivorstand be fchloffen, eine Konferenz der politischen Redakteure aller fozialdemokratischen Parteizeitungen für Freitag, den 3. April, vor mittags 11 Uhr, im Reichstagsgebäude einzuberufen. Beson dere Einladungen ergehen nicht. Jede Parteirebattion muß vertreten sein. Trick- Film. Nationalpolitischer Tridfilm gegen den internationalen Ferdinand Lassalle- der Fiesko des 19. Jahrhunderts. Margismus der deutschen Sozialdemokratie. ben von uns gewollten 3wed threr Burchgreffenben Beefnfurfung im vaterländischen Geiste verbindet, ohne daß der historische Lassalle tendenziös umgebogen wird, haben wir zur Verfilmung eine feriöse Gesellschaft gewonnen, auf die wir auch den nötigen mora lischen Einfluß haben, damit mir bei Ausführung des Films des ren uns beabsichtigten politischen Erfolges sicher sind. Die Taftit, Marg durch Lassalle zu schlagen, fann uns eben nur dann zum Eiege führen, wenn mir meder im Film noch im Buche die Tendenz zu dick auftragen, wenn mir den berühmten Pferdefuß nicht herausguden lassen. Dadurch wür den beide für die breite Masse unschmackhaft gemacht und unsere Gegner zu hämischer Kritif herausgefordert werden." Das Begleitschreiben ist so fostbar wie die Idee. Da ist Dom Aufbau der Sozialpolitik durch die Schwerindustrie die Rede, vom Gewissen der Stinnes und Boegeler, und es wird angedeutet, daß die Stinnes und Boegeler bas Sozialherz" von Lassalle geerbt hätten. Etwas viel Honig für die Industriellen, die für das Vergnügen 200-000 Mark zahlen sollen. Wenn mit Hilfe dieses Trickfilms fich die Leute von der schwarzweißroten Bropaganda für Lajalle begeistern wollen nur zu! Die Zuschauer werden sagen: warum also den Lärm gegen die Partei Lassalles, die Sozialdemo fratie? Im übrigen ist es foftbar, daß die Schwarzweißroten fich nicht nur hinter die Person eines Sozialdemokrá ten und Revolutionärs, sondern noch dazu hinter die große Persönlichkeit eines Juden verstecken mollen, um auf die Massen zu mirten. Müssen die aber geistig pleite sein! Derleumdung ohne Ende. Eine Erklärung Hermann Müllers. Genosse Hermann Müller Franten schreibt uns: = Unter der Spigmarte Wie sie verleumden habe ich in einer Ertlärung, die in Nr. 130 des„ Vorwärts" vom 18. März 1925 der fortgefegten Lüge beschuldigt. Allen Behauptungen dieser Korrespondenz entgegen stellte ich u. a. feft, daß ich in abgedruckt ist, die„ Deutsche Wochenzeitung für die Niederlande" Jahre 1920 überhaupt nicht in Holland war. In Kein Wiz bitte. Der Film wird nächstens fabriziert wereinem Sonderbericht vom 25. März d. J.( der auch in Deutschland den und man wird ihn im Auftrage der Baterländischen, der verschickt wird. Red.) behauptet dieses wilhelminisch- deutsche Repril Leute von den gelben Verbänden mit dem Gelde der Schwer frech, daß es fein Wort des von mir angezweifelten Artikels zurüc industrie freieren. Da die großen Männer und Helden der zunehmen habe. Die Herren Graßmann und Dißmann Nationalisten nicht mehr hoch im Kurs stehen, wollen fie eine würden wohl bezeugen, daß ich mit ihnen an dem bewußten Abend Anleihe in der Geschichte der Sozialde mound an anderen Abenden in der Sängerhalle in Amsterdam gemesen fratie vornehmen und Lassalle zum Gott der fei. Der Schriftleiter des Reptils hätte leider nicht so lange bleiben Baterländischen Verbände machen. Der Plan ist tönnen, bis els und ich in der Sängerhalle eingetroffen waren. so übel nicht; denn daß die wahrhaft nationale Gesinnung und das staatspolitische Verantwortungsgefühl in der Sozialdemofratie zu finden sind, das ist eine Tatsache. 1 Der Deutsche Bresse- und Werbedienst" versendet an die Generaldirektoren der großen Industrieunternehmungen ein Zirkular, in dem er um Geld für die Herstellung eines Groß films zur Bekämpfung der Sozialdemokratie bettelt. 200 000 Marf will er dafür haben. Laffalle foll als nationaler Heros gegen den internationalen Revolutionär Marg ausgespielt werden. Die harmlofen Gemüter der gelben Propaganda versprechen sich davon einen Stoß ins Zentrum der Sozialdemokratie. Die Synthese aus Marr und Lassalle, aus Gesellschaftsfritif und Staatspolitif haben sie nie verstanden. Sie denken mit den primitiven Begriffen und dem primitiven Verstand der Kommunisten, für die beides Gegenfäße sind. Das fann ein erheiterndes Machwert werden! Im Zirkular heißt es: Um nun hier einen wirklichen Großfilm zu schaffen, der also fünstlerisch und technisch auch hochgespannten Erwartungen genügt und mit der magischen Anziehungstraft, die der Rame Laffale noch immer auf unsere Arbeiterschaft ausübt, zunächst zu schmal und schlank, nicht genügend vorausbestimmt zum Schlagfluß. Wenn der Schrittleiter an den bewußten und anderen Abenden nicht zufällig immer zu früh weg gemußt hätte, würde ihm rermutlich das Schwindeln doch etwas schwerer fallen. Im. Eine verständnis mit den Abg. Graßmann und Dißmann stelle ich fest, daß ich mit beiden oder einem von beiden weder 1920 no d sonst in der Sängerhaile in Amsterdam war. Es ist bezeichnend, daß sich die deutsche Rechtspreffe immer noch von fo fragwür digen Gubjeften aus dem Ausland bedienen läßt. Ber aber hält dicle Lügenforrespondenz aus? Berlin, den 31. März 1925. Hermann Müller. Die franzöfifchen Kriegsprozeffe. Ein Pariser Kriegsgericht hat den Deutchsen Dito Schraber in contumaciam zum Tode Derurteilt. Schrader foll als Kommandoposten im Gefangenenlager Wernigerode franzöfifche Kriegsgefangene zu Lode ge. martert und den französischen Soldaten Morel am 9. Januar 1916 in Anwesenheit anderer Kriegsgefangener durch Gewehrschüsse getötet haben. Der neue Vorsitzende der Kopenhagener Stadtvertretung Genoffe J. A. Hansen, ist als Führer der dänischen Metallarbeiter auch in Deutichland wohlbefannt. Sein Amtsvorgänger Genosse Beterien übernimmt einen der drei Bürgermeisterposten. „ Oskar Wilde" von Sternheim. Siluß. Körper und Charatter bilden ja eine geheimnisvolle Gegenwart zurechtzufinden. Aber Hand aufs Herz, liegt nicht jene ( Deutsches Theater.) Carl Sternheim, der Feind des philiftrösen Snobismus, hat fich cine Zeitlang aller Sünden entledigt, die zu Lasten des allzu weichen, schon vermoderten Feuilletonismus fallen. Er hatte wenigstens feine eigene Literatur von allem Literatenhaften zu reinigen versucht und das Theater um Menschen bereichert, die allen Abscheu vor der Kleinbürgerei und alle Befreiung aus dieser Spießerei befunden. Nun wird er plöglich wieder verschmodt, ein Kumpan der Stimmungsreißer unterm Zeitungsstrich, der seine Leute mit Worten befoffen machen will. Sein Drama„ Oscar Wilde" ist nichts anderes als solche verblümte Rolportageübung, gemilbert durch einige Psychologie, ges trübt meist durch eine zur Charakterschwäche werdende Unbesorgtheit, die vermeint, ein geschichtlich viel gepriesener Name müsse auch ein geschichtliches Drama ausfüllen. Oscar Wilde, den sehr bornierte Briten ins Zuchthaus steckten, weil er der mannmännlichen Liebe allzu herausfordernd huldigte, geriet in tragisches Schicksal. Sein Tod im Pariser Borstadthotel war höchst schäbig. Ein pompöfer Weiluftfreund, der kurioje Kleinodien gedichtet hatte und dazu noch sehr amüsante Gesellschaftsschauspiele, deren Spottlauge noch heute am Ruf des englischen Bürgers frißt, ging ein in seinem franken Fett und in seiner Armut. Aus dem Buchthaus hat er aber jene mächtig zermürbende Bekenntnisschrift entfendet, die Seelenqual und füttliche Läuterung wundervoli aussöhnt. Er war ein Genie mit Intervallen. Größenwahn, der tief in seinem tropischen, von der Natur zur Un natur abgelenften Temperament steckte, hat ihn ruiniert. Dazu das. was die bornierte Welt als sein„ Laster" verfemte. Heute sind wir gern sehr aufgeklärt und möchten Oscar Wilde den Weg zur Un sterblichkeit nicht verschließen. Der Sternheim will mithelfen an diesem Liebeswert. Durch sein Drama wurde er fein starter Trabant. Die vier Afte, in denen Bilde zunächst strahlt, um dann in die Spelunke zu fallen und hierauf vor Gericht gezerrt zu werden und schließlich in der Pariser Mansarde zu verröchela, sind ziemlich gewissenhaft nach der zugänglichen Wilde Chronit geschnitten. Das Ganze aber ist falt, ein Kunststück nur und menig Sunst. Und das Kunststück dazu noch fompromittierend aufgedreht wie ein Borstadtkino. Das Milde- Milien, die zarien Jungen und sogar die Zwitter, wurden verfitfcht. Sie sollten nur anorinal fein in ihren Sinnen. Die Tragil wurde ihnen aus der Seele gepumpt. Das Szenenbild war auch so auf unkomplizierte und grobe Wirkung ftilifiert. Ein Schauspieler, der alles tragen muß: Rudolf Forster als Oscar Wilde. Boran liegt es, daß man von solcher Theater: gestalt zunächst förperliche Wahrhaftigkeit erwartet? Vielleicht, weil der geschichtliche Oscar Wilde zu oft in seiner förperlichen Quammig feit und fatrapischen Eleganz abgebildet wurde. Herr Forster erschien Einheit. Hatte man diesen Mangel vergessen, dann durfte man Herrn Forster loben, feine nicht unmännliche, aber dem Fistelton doch nahe Beredtsamkeit, das Spiel seiner sehr wohlgefälligen Hände, all dieje fürstlich verworfenen Schönheiten und Manieren. Mar Hochdorf. Georg Brandes in Berlin. Ein großer Abend", wie es in der Gesellschaftssprache heißt auf den letzten Platz gefüllten Blüthnerfaal sprach oder vielmehr Anwesend war das geistige und fünstlerische Berlin. In dem bis auf las der berühmte dänische Literaturapostel Georg Brandes über „ Das heutige Europa". Ein Mann von 83 Jahren, einer der fruchtbarsten Bücherautoren der legten Zeit, findet er feinen zweiten, der gleich ihm Bescheid über die geistigen Borgänge in unserem Erdteil wüßte. Er war ein denkender Knabe, als der letzte Romantiker Heinrich Heine starb; er hat den französischen Naturalismus aus der Taufe gehoben; er machte seine großen nor disen Nachbarn Ibsen, Strindberg, Samfunt in den maßgebenden Kulturländern bekannt; er war einer der ersten, der dem bereits umnachteten Nietzsche ein Wort des Verständnisses über den halben Kontinent zurief; er hatte seine Augen in Petersburg, London, Ber lin, Paris; er glaubte an ein völkerverbindendes geistiges Band, und er hat den aus dem Weltkrieg hervorgegangenen geijtigen Berfall Europas erlebt. Der Mann, der über Goethe, Boltaire, Michelan gelo fuge Bücher geschrieben hat, der an den Fortschritt der Zivis lisation geglaubt hatte, ein liberaler Bürger der achtundvierziger Jahre, er jah feine Ideale zertrümmert und blickt hoffnungslos in cin Chaos. So flagte denn dieser durch seine erstaunliche Arbeitsleistung und durch seinen edlen Glauben an die höhere Menschlichkeit uns allen verehrenswerte Greis mit müder Stimme über das in Trüm mer gegangene geiftige Europa. Wie ein Arzt, der nur die äußeren Erscheinungen einer Krankheit sieht, ohne den eigentlichen Ursprung zu erkennen, schilderte er die allen bekannten Symptome des Bölkerhaffes und wälzte alle Schuld auf die Presse. Es ist dieselbe Bee herrühre. Nationalismus jei das Grundübel, das von der Breffe weisführung, wie die, daß die Armut von der großen Bowertät in allen Ländern gefördert werde. Daß aber die nationalistische Presse nur Kupplerdienfte für das internationale Kapital zu leisten habe, daß in allen europäischen Ländern das arbeitende Bolt vom Völkerhaß nichts wise, schien ihm unbekannt zu sein. So sprach or denn auch mit etwas geringschäßiger Ironie vom Sozialismus, der ihm erledigt zu sein scheint. Europa ist ihm nur eine Gräber fatte, und er übersieht die Reime einer neuen, dem sozialen Mensch heitsgedanken entsproffenen Geiftigkeit. Laudator temporis acti, ein Lobredner des früheren Europas, glaubt er, mie so viele jüngere Pessimisten, daß nun die Entwicklung dem er bis zum biblischen Alter ein treuer Wächter gewesen ist, an einem Ende angelangt fei. Gewiß, es muß für einen Seil genoffen des übermitigen faiferlichen Frankreichs, des größenmahnfinnigen Bismarcschen Deutschlands und so vieler anderer dahin gejuntener Zeitmächte schwer sein, sich in der überaus rauhen oberflächliche Betrachtungsweise, die Georg Brandes der Presse zum Vorwurf macht, auch ein menig feinen eigenen Ausführungen zugrunde? Paul Gutmann. Näffefeffe Kunstfeide. Aus England tommt die Nachricht von der Herstellung einer ganz neuen Kunstseide. So sehr die gebräuchlichen Arten der Kunstseide auch geschäßt sind, sie haben alle einen Nachteil: ihre Unbeständigkeit gegen Feuchtigkeit. Die beste und feinste Stunftſeide, die sich in keiner Weise von dem echten Produkt unterscheidet, ist sofort zu erkennen, wenn man eine Fafer mit der reißen, während echte Seide fest und beständig bleibt. Der Vorteil Bunge anfeuchet. Dann läßt sich die Kunstfeide nämlich leicht zerder neuen englischen Kunstseide, Celanese oder Acetatseide genannt, ist eine sehr große Beständigkeit der Faser gegen Feuchtigkeit, die der echten Seide gleichkommt. Ausgangsmaterial ist auch hier wie bei den anderen Kunstseiden die Zellulose in Form von Holzfaserstoff, Baumwollabfällen, Bapier usw. Bei dem neuen Verfahren wird die Zellulose mit heißt. Die hierbei erhaltene Azetyl- Bellulose wird übrigens schon Effigfäure behandelt, Dereftert", wie der chemische Fachausdruc seit längerer Zeit zur Herstellung des Films venußt. Durch weitere Berarbeitung, deren chemische und mechanische Einzelheiten patentamtlich geschützt sind, gewinnt man eine Fajer, die auch in der Stärke und im Glanz der echten Seide gleichkommt. Der wesent liche Unterschied gegenüber den gebräuchlichen Runstprodukten ist das Fehlen des Regenerationsverfahrens. Die Fajer wird also nicht zu Zellulose zurückverwandelt. Dies hat aber leider einen Mangel zur Folge: das neue Produkt ist vorläufig noch schwer färbbar. Man hat aber erfolgreich versucht, durch verschiedene Zufäße von Beizen zur Farblösung, sowie durch oberflächliche Berseifung", d. h. Rückführung der Oberfläche in Zellulose, die Farbbarkeit zu er höhen. Verschiedene Patente auf diesem Gebiet lassen erkennen, daß auch dieses Problem bald gelöst sein wird. " Bersteigerung im Deutschen Opernhaus. Dienstag fand im Charfottenburger Opernhaus die 3wangsversteigerung des Fundus des Deutschen Opernhauses statt. Ein Höchstangebot von privaten Mindestangebot auf 750 000 m. festgesezt worden war, erhielt die Theaterdekorationsfirmen auf den gesamten Fundus belief sich nur auf 75 000 Mr. Nachdem von dem antierenden Gerichtsvollzieher das Stadt Berlin für diesen Betrag den Zuschlag. Entsprechend den Beschlüssen der städtischen Körperschaften steht nunmehr der Gründung der neuen Städtischen Opernaktiengesellschaft" nichts mehr im Wege. Das Lebenswert von Chriffias Rohlfs, dem i Sagen tätigen Paler, im Aronbringenpalais, ist nur noch diese Woche ausgestellt bis Sonntag einschließlich. Infernationaler Austausch von geiligen Gäfern. Am Freitag, 3. April, 8 Ubr, findet im Vorwärtsgebäude( Zimmer der Juristischen Sprechstunde) eine weitere Besprechung über Internationalen Austausch von geistigen Gütern statt. Stue Interessenten sind dazu eingeladen. • 4 Berichtigung. In dem Artifel Die Brostitution in Ruß land( Unterhaltung und Wiffen in Nr. 146) ift cine 3abl ausgefallen. Die Umfrage nurde von 623 Personen beantwortet, dason waren 374 ( d. 5. 60 Proz.) Arbeiter. Frankreich gegen Abrüstung? Dann leiht Amerifa ihm nichts mehr. In Washington heißt es, der französische Botschafter Däsch: ner merde von Paris beauftragt werden, zu erfiären, daß Frank: reich gegenmärtig für die geplante neue Abrüstungskonferenz fein Interesse habe. In der französischen Botschaft erklärt man, von diesen Instruktionen nichts zu wissen. Die französische Botschaft aber fänne betonen, daß die Haltung Frankreichs hinsichtlich der Ab: rüftungskonferenz forrett jei. Frankreich erreiche tatsächlich entfernt nicht den Brozentjas ar Kriegsschiffen, wie er von der ersten Washingtoner Konferenz festgesetzt worden sei. Es werde hinzugefügt, daß Frankreich über eine Beschränkung der Luft fireitkräfte, die einen der Punkte der Konferenz bilde, nicht bis tutieren fönne, bevor nicht die Sicherheitsfrage ge regelt sei. Präsident Coolidge ist nach Mitteilung aus dem Beißen Hause dagegen, daß amerikanische Anleihen an auswärtige Regierungen gegeben würden, welche sie für militärische Zwede benußen. Diplomatische Kreise halten es für bedeutungsvoll, daß diese Er flärung unverzüglich auf die Pariser Meldung gefolgt jei, mo nach Frankreich beschlossen habe, die neue Washingtoner Konferenz nicht zu unterſtügen. Die Erflärung fügt hinzu, der Präsident sei für alle Wiederaufbauanleihen, glaube aber nicht, daß Kre: dite für zu lange Fristen gewährt werden sollten. Es werde notwendig sein, eine genaue Unterscheidung zwischen den Anleihen für fremde Regierungen zu machen. In einigen Fällen werde nichts einzuwenden sein, in anderen aber werde es notwendig sein, zunächst den 3med der Anleihe zu prüfen. Parteitage im Ausland. Die Taktik der italienischen Genoffen. Rom, 31. März.( WTB.) Der Kongreß der unitarischen Sozia liften in Rom schloß mit der Annahme einer von Lurati beantragien Resolution, die die entschiedene Fortsehung des Kampfes gegen den Faschismus und für die Freiheit fordert. Die Resolution verlangt freie Wahlen, gleidhaültig ob die Oppositionsparteien daran teilnehmen oder nicht. Die Ent fchließung spricht sich ferner für die Angleichung des margifti schen Programms an die neuen Zeitverhältnisse aus, vor allem zweds Durchführung des Kampfes gegen die Blutokratie und zur Sicherung der gewerkschaftlichen Freiheit und Einheit. Die Entschließung wünscht schließlich Stärfung und Erweiterung des Völkerbundes. Die demokratische Presse würdigt diese Entschließung als ein politisches Ereignis. Die britischen Genoffen fordern Räumung Kölns. Condon, 31. März.( WTB.) Bom 12. bis 14. April tagt in Gloucester die 33. Jahresfonferenz der Unabhängigen Arbeiterpartei, auf der zahlreiche die Außenpolitik betreffende Entschließungen zur Erörterung gelangen werden, darunter solche über die Haltung gegen über Rußland und Aegypten, die Frage der Flottenbafis in Singapore, das Genfer Protofoll, die Abrüstungsfrage und das Problem der Kriegsschulden. Eine die Räumung Koins betreffende Entschließung besagt, die Konfe renz lege der Regierung dringend die Notwendigkeit nahe, die bri. tischen Truppen aus Köln zurüdzuziehen, was gemäß dem Bersailler Bertrag am 10. Januar hätte geschehen müssen. Die Polizei am Wahlsonntag. Der Polizeipräsident greift ein. Die auch im Borwärts" gekennzeichneten skandalöjen Bor. gange, die fich am Wahlsonntag in der Gegend der Kaiser- WilhelmGedächtniskirche abspielten, haben den Polizeipräsidenten veranlaßt, den verantwortlichen Polizeioffizieren höheren Grades feine ernste Millbilligung auszusprechen und fie mit fofortiger wirtung von ihrer gegenwärtigen Dienststelle abzulösen. Der Amtliche Preußische Preffedienst verbreitet in der Angelegenheit, deren prompte Erledigung ficherlich die Billigung aller rechtlich Denkenden finden wird, folgende Meldung: Das Unglück bei Veltheim. Bisher 78 Vermißte. weser bei der gestrigen Reichswehrübung nahe der Porta WeftDie letzten Meldungen über die Pontonfatastrophe an der Oberfalica laffen leider erkennen, daß das Unglüd einen noch größeren Umfang angenommen hat, als bisher verlautete. Die Zahl der Bermißten schwankt jetzt zwischen 75 und 78, so daß, felbft menn einige sich davon noch anfinden sollten, mit einer Gesamtzahl der Opfer von mindestens 70 zu rechnen wäre. Diese nachträgliche Erhöhung der zuerst gemeldeten Berlufte ergibt sich aus der inzwischen geangenommen, mit 100, sondern mit 140 bis 150 Reichswehrjoldaten troffenen Feststellung, daß die verunglückte Fähre nicht, wie bisher befeht war. Auf der Fähre befanden sich im Augenblid der Kata ftrophe die 14. und 16. Kompagnie des Ausbildungsbataillons des 3nfanterieregiments 18( Detmold), ferner ein Pionier vom Pionierbataillon 6( Minden) und der Leutnant Rösch von der Kraftfahrebteilung 6( Soltau). Ueber den Hergang des Unglüds erfahren wir noch folgende Einzelheiten. benutzt wurden, nur als ein Notbehelf für den Uebergang fleinerer In früheren Zeiten galten solche Fähren, wie sie bei Beltheim Formationen oder einzelner Fahrzeuge. Wahrscheinlich durch fchlechte Lastverteilung und durch zu starke Gierstellung ist nun zuerst eins der vorderen Pontons vollgelaufen, wenige Hartum Hamlen Rothemele Haddenhuse Endingen Letaln TRO Amingha gonkers Mense obrika' Dutzen Minden Meissen Eyesen Sche thors OPER Rache Hers Haverstad Bückeburg Namman Hausberge Kleinen Holzha Venuebech QUEYS Becks Unrein Erde Stew Stadthagen Lermen Bensen Warberg chart Sod Sufbe Lickwegen Vehi Obernkirchen Sarmbg 1 Birke Aanges brina la a Borstel Kreinkagan Eilsen Ran Buchholz Berases Deck bergan Rinteln Engers Wabian Eisbergen Nahearoda 5282 Zum Weserunglück bei Veltheim. Sekunden später füllte sich auch der zweite vordere Bonton mit Wasser, fodaß die Fähre selbst eine schiefe Ebene bildete, auf der die Mannschaften ins Wasser rutschten. Das Ganze vollzog sich so schnell, daß im Zeitraum von wenigen Gefunden 150 Reichswehrjoldaten in voller Ausrüstung in die reißenden Fluten der Hoch masser führenden Weser stürzten. Borschriftsmäßig lagen hinter der Fähre zmet leere Pontons als Rettungsboote, die aber von den um ihr Leben fämpfenden Soldaten gleich so überfüllt maren, daß eins diefer Pontons ebenfalls fenterte. Die Tatsache, daß mindestens die Hälfte der auf der Fähre befindlichen. Soldaten ums Leben gekommen ist, ist einmal daraus zu erklären, daß das schmere Gepäd der Infanteristen die Berunglückten daran hinderte, fich durch Schwimmen zu retten. Hinzu tam noch, daß die Beser gerade an dieser Stelle eine außerordentlich starte Stromung hat und überdies, mie immer im Frühjahr, Hochwasser führt. Es muß aber weiter angenommen werden, daß die meisten der ertrunkenen Soldaten, die von einem langen lebungsmarsch erinudet waren, beim Sturz in das eistalte Waller einen Herz wesen wäre. lag erliften haben, so daß ihre Rettung unmöglich ge Die Strömung hat dann die Leichen sehr schnell stromabwärts nach Minden zu geriffen, wodurch die Bergung der Opfer start erschwert wird. Reichswasserschuh, Strombauverwal tung und Pioniere fuchen zurzeit die Weser von Veltheim nach Minden zu und darüber hinaus nach Petershagen und Stolzenau 31 nach Leichen ab. Nach den bisher vorliegenden Meldungen Aprilüberraschungen. Zu den Miet- und Fahrpreiserhöhungen. Der April fängt gut an! Die Miete ist vom 1. April, mie wir seinerzeit mitgeteilt haben, eine höhere geworden. Gemiß, die Erhöhung ist nicht gar arg, indessen die paar Mark mehr Brieftasche sagen, belasten selbstverständlich das schmale Porteden Monat, mie mit Geringschägung alle Leute mit gut versorgter monnaie des fleinen Mannes. Und bei der Mieterhöhung ist es nicht geblieben. Der Berliner Polizeipräsident Dr. Friedensburg hat in einem Erlaß an das Kommando der Schußpolizei Stellung zu der Organisation des polizeilichen Straßendienstes am letzten Wahlfonntag genommen. Der Bizepräsident Dr. Friedensburg ftützt sich dabei feineswegs etwa nur auf Pressemeldungen, sondern vor allem auf feine eigenen Wahrnehmungen. Der Erlaß beschäftigt fich ins. besondere mit den unliebsamen Borfällen an der Kaiser. Wilhelm Gedächtniskirche, wo vom Mittag an eine rabaulustige Menge Aufstellung genommen hatte, die nicht nur die Farben der Republit fchmähte und auspiiff, sondern in zahlreichen Fällen auch fich gröbste handgreiflichkeiten gegen Angehörige der Berfassungsparteien zuschulden fommen ließ. Es steht Eine besondere Aprilüberraschung hat die Reichsbahndirektion fest, daß die dort poftierte Polizei nicht mit der nötigen Energie den Berlinern gemacht. Als am gestrigen Nachmittag und Abend und Umficht gegen diese dauernden Ruhe und Verkehrsstörungen die Tausende von Berlinern, die Inhaber von Monatsfarten eingesetzt worden ist. Der Erlaß bringt daher mit allem Nachdruck find, an die Schalter famen, um ihre Karten zu erneuern, erfuhren in Erinnerung, daß es auf jeden Fall hätte erreicht werden müssen, fie von den bedeutenden Preiserhöhungen. Bemerkensdaß entweder sämtliche Demonstranten ungehindert und unmert genug und das muß besonders unterstrichen werden hat gedroht passierten, oder daß der Platz überhaupt von der standalie die Eisenbahnverwaltung es unter affen, ein paar Tage vorher, wie renden Menge geräumt mürde. Es sei unbedingt erforderlich, daß das sonst bei anderen Verkehrsunternehmungen zu geschehen pflegt, gerade bei solchen Gelegenheiten ohne Ansehen der Partei oder darauf aufmerksam zu machen, daß das Fahren auf der Stadt- und Berson sämtliche Beteiligten gleichmäßig in der Ausübung ihrer Ringbahn vom 1. April ab bedeutend teurer sein werde. Auf den ftaatsbürgerlichen Rechte geschützt werden, und es sei im staats- Bahnhöfen der Stadt- und Ringbahn und an den schwarzen Brettern politischen Interesse und auch im Interesse der Polizei selbst völlig waren wohl Plakate und Bekanntmachungen, die auf die bevorunerträglich, daß dieser selbstverständliche Schuß gerade den verstehende Preisverteuerung hinwiesen. Indessen, das eilige Bublifum faffungsmäßigen Farben des Deutschen Reiches und den Ver- hot teine Zeit, diese vielen langweiligen Plakate zu lesen und hatte tretern der Barteien und Organisationen, die die Staatsverfassung infolgedeffen, da die Zeitungen nicht benachrichtigt worden waren, zu schüßen gemillt und bestrebt sind, versagt worden sei. feine Kenntnis von der Preiserhöhung. An den Schaltern der Stadtund Ringbahnstationen tam es daher gestern bei Lösung der neuen Karten zum Teil zu erregten Szenen, eine Erregung des Publikums, gewiß begreiflich, die sich aber sehr ungerechterweise gegen die Beamten richtete, welche die Fahrtarten verkauften. Die Erregung des Publikums ist gewiß begreiflich, wenn man hört, wie groß der Preisunterschied gegen früher ist. Eine Monatsfarte dritter Klasse auf der Stadt- und Ringbahn ist nämlich um 1,50 Marf im Preis gestiegen. Ebenso haben die Wochenkarten, die Arbeiterwochenfarten und Schülerfarten eine Breissteigerung erfahren. Die Eisenbahndirektion wird aller Wahrscheinlichkeit nach, wenn man ihr wegen diefer Iman fann nicht anders fagen brutalen Breissteigerung energisch auf die Füße tritt, antworten: Ja, die, Lohnerhöhung! Man fann der. Reichseifenbahndirektion cuf diesen Einwurf nur antworten, daß sie damit zur Preiserhöhung noch den Hohn häuft. Der Polizeipräsident ordnet daher an, für den nächsten Wahltag geeignete Borkehrungen gegen die Wiederkehr derartiger Bor fälle zu treffen und insbesondere Anjammlungen dieser Art durch rechtzeitig bereitgestellte Beamte von vornherein zu verhindern und nötigenfalls rüdlichtslos aufzulösen, ferner allgemein die nachgeordneten Stellen über ein zweckmäßiges Berhalten in derartigen Situationen und auch über den pflichtmäßigen Schuß der verfassungsmäßigen Reichsfarben zu belehren. Zum Schluß ordnet der Polizeipräsident noch an, die beiden im vorliegenden Falle verantwortlichen Polizeioffiziere höheren Dienstgrades( den Führer der zuständigen Polizeiinspektion und den Leiter des zuständigen Reviers), denen er seine ernste Mißbilligung ausfpricht, mit sofortiger Wirkung von ihrer gegenwärti. gen Dienststelle abzulösen. Der 1. April ist ja bekanntlich der Tag, an dem viele mehr oder minder geistreiche Menschen, sich sogenannte Aprilscherze erlauben. minder geistreiche Menschen, sich sogenannte Aprilscherze erlauben. Die Erhöhung der Miete und die Erhöhung der Eisenbahnfahrpreise find leider feine Aprilfcherze. Die ernsten Folgen diefer Breiserhöhungen werden sich in vielen Haushaltungen sehr bald auswirken. Vielleicht wird aber die Eisenbahnverwaltung bald einsehen müssen, daß fie sich mit dieser ungeheuren und ungerechten Preissteigerung in das der billigeren Straßenbahn. Am 4. Dezember 1924 fand eine Wahlversammlung der Deutschnationalen Volkspartei in Treptom statt, in der der berüch tigte Agitator Geisler sprach. Nachdem er sich erlaubt hatte, miederholt zu bemerfen, er fenne feine Farben Schwarz- Rot- Gold, da man immer nur Gelb sehe und also auch nur von Schwarz- Rot Gelb sprechen fönne, ließ sich der Hausbefizer Marggraf aus Baumschulenweg dazu hinreißen, die Reichsfarben mit Schwarz- eigene Fleisch geschnitten hat und daß die Fahrgäste abwandern nach Rot- Mostrich zu beschimpfen. In der Gerichtsverhandlung, die vor dem Amtsgericht Neukölln stattfand, juchte der Angeklagte die Sache natürlich so hinzustellen, als habe er das Reichsbanner und nicht die Reichsfarben gemeint. Trogdem wurde er zu der allerdings recht geringen Strafe von. 15 Goldmart verurteilt. Deutscher Bürgermeister in Tondera. In der fonstituierenden Sigung des neuen Stadtrats ist der Deutschbürgerliche Herrmann Thomsen zum Bürgermeister gewählt worden. Stellvertreter be her Dame Mabrefen Ansbildung der Kindeshand. う In Berliner Gemeindefchulen gibt es seit dem Herbst 1922 einen Berfunterricht, eine planvolle Anleitung zu Boppe, Holz und Metallarbeiten. Neben die Eulung des Geistes, die bisher einseitig als das wichtigste angesehen wurde, ist die Ausbildung der Hand getreten. Die Knabenhand arbeit, die vor Jahrzehnten eine Forderung der Schulreform, mar and zunächst als private Beranstaltung von Bereinen in eigenen D Da borgen worden sein. Mit Hilfe des Suchgeräts hofft man im Laufe sollen aber bis heute morgen nur fünf ertrunkene Soldaten gedes heutigen Tages noch weitere Leichen bergen zu können. die Weser in dieser Gegend nier starke Krümmungen aufweist und mit zahlreichen Buhnen versehen ist, ist damit zu rechnen, daß viele Opfer der Katastrophe an Land gespült werden. Kommandos der Reichswehr, zu denen sich auch zahlreiche freiwillige Helfer aus der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften gesellen, streifen beide gehen, che alle Ertrunkenen geborgen sein werden, da das schwere Flußufer ab. Allerdings dürften acht bis zehn Tage ver Gepäd der verunglückten Soldaten den Auftrieb der Leichen erschwert. Hannover, 1. April.( WTB.) Nach den bei dem Infanterieführer 6 in Hannover eingezogenen Erfundigungen beträgt die bis heute morgen 10,45 Uhr festgestellte Zahl der bei dem Fährunglück in Beltheim Vermißten vom 18. Ausbildungsbataillon 76 Mann, von Kraftfahrabteilung 6 ein Offizier, vom Pionierbataillon 6 ein Mann, zufammen 78 Mann. Die Anzahl der Toten ist noch nicht ermittelt. 18. Infanterieregiments, dem die Mehrzahl der Ertrunkenen Reichswehrminifter Dr. Geßler hat an den Kommandeur des angehört, folgendes gedrahtet:„ Lief erschüttert durch die Meldung hierdurch so schwer getroffenen Angehörigen meine herzlichste Teilnahme aus. Ich gedente in tiefer Trauer der Toten, die in trener Bflichterfüllung für das Bateríand starben." Es ist angeordnet, daß sämtliche Gebäude der Reichswehr bis einschließlich 4. April aus Anlag des Unglüdsfalles an der Oberweser die Flagge halbmast jetzen. Der Bericht des Inspektors der Pioniere. Der von dem Reichswehrminister an die Unglücksstelle an der Weser entsandte Inspekteur der Pioniere, Generalmajor Ludwig, hat eine Meldung erstattet, in der er die Zahl der bisher vermisten Mannschaften und Offiziere auf 78 angibt. Ueber den Hergang des Inglücks berichtet er folgendes:„ Am 31. März vormittags fanden Felddienstübungen von Teilen der VI. Division unter Leitung des Artillerieführers im Beisein des Divisionskommandeurs stati, bei denen auch das lebersehen des Pionierbataillons 6 zu üben war. Das lebersetzen geschah durch Gierfähre aus 4 Pontons nach Bild 51 der Brückenbauvorschrift. 21b 7,30 11hr vormittags waren vier Fahrten glatt verlaufen. Zur fünften Jahrt gegen 10 Uhr vormittags wurden die Fähren mit etwa 150 Köpfen beladen. Das linglid ist wahrscheinlich veranlaßt durch ungleichmäßige Verteilung und einseitiges Einsinlen der Fähre nach der Abfahrt, verstärkt durch zu scharfe Gierstellung. Die Fähre war im ganzen wohl auch überlastet. In der Mitte des Stromes zogen später zwei Pontons drängen und Abruffchen der Befahung. Die Rettung war tros des Wasser, darauf erfolgte weiteres Einfinfen der Fähre, ZusammenBorhandenseins von zwei Rettungsfähnen und Schwimmgürteln infolge Zusammenballens der im Wasser Liegenden und durch das Umschlagen eines überfüllten Rettungsfahnes erschwert. An den Rettungsarbeiten haben sich Bevölkerung und Fährleute sofort hervorragend beteiligt. Die Leitung des llebersehens hatte Oberleutnant Jordan vom Pionierbataillon 6, der sich auf der Fähre befand und zurzeit noch nicht vernehmungsfähig ist. Die Vernehmungen wurden heute früh um 8 Uhr fortgejezt. Neben die vom Reichswehrminifterium durchgeführte Untersuchung über die Ursache des Unglücks tritt die gerichtliche Untersuchung. Explosion auf einem Torpedoboot. Bier Menschen getötet. Wihelmshaven, 1. April.( Eigener Drahtbericht.) Auf der hiefigen Marinemerft ereignete sich am Dienstag abend auf dem Torpedoboot G. 8 ein schweres Unglück. Bei der Probe eines Dampfrohres gab es eine Explosion, modurch zmei Arbeiter und zwei Soldaten getötet und vier verletzt wurden. Die Berlegungen sind schwerer Art. Knabenwerfstätten betrieben wurde, ist heute ein Lehrgegen stand mit Beteiligungspflicht für alle Kinder. Einstweilen hat in Berlin erst eine fleine Anzahl Klassen diesen Unterricht, aber die Ausdehnung auf alle Klassen der für ihn in Betracht fommenden Klassenstufen ist im Gange. Zur Heranbildung von Werklehrern in der erforderlichen sehr beträchtlichen Zahl ist ein Werflehrerseminar geschaffen worden, das jezt sein erfles Arbeitsjahr hinter sich hat. Das älteste Werklehrerseminar Deutsch lands besteht in Leipzig; das Reich, der Staat Sachsen und die Stadt Leipzig decken die Kosten. Auch Hildesheim, Düsseldorf und Köln haben städtische Werflehrerseminare, die staatlich anerkannt find. Was die junge Berliner Lehrstätte, die gleichfalls bereits staatlich onerfannt ist, in ihrem ersten Jahr geleistet hat, zeigt eine im Hause des Werklehrerjeminars( Berlin, Albrechtstr. 27) untergebrachte fleine Ausstellung der von Teilnehmern des Lehrganges angefertigten Arbeiten. Sie wurde gestern am Abend eröffnet und fann nur noch heute von 4-6 Uhr besichtigt werden. Das Werflehrerseminar, zu dessen Lehrkörper zwei Lehrer der Kunstgewerbeschule und mehrere Handwerksmeister gehören, will dem fünftigen Werklehrer möglichste Vertrautheit mit der Grundtechnik des Buchbinders, des Tischiers, des Klempners, des Schloffers geben, in ihm durch Schulung des Geschmacks das Gefühl für eine auch in dieser Hinsicht gute handwerkliche Leistung steigern und ihn schließlich auch zur vollen pädagogischen Auswertung der Knabenhandarbeit befähigen. In dem neuen Haushaltplan der Stadt Berlin find größere Mittel zur Förderung des Wertunterrichts in Schulen und der Ausbildung von Werflehrern vorgesehen. Ein Pelztragen gefunden. Bei der Stundgebung der Deutichen Temo. fratischen Partei am 26. März im Berliner Sportpalast wurde ein Pelzfragen gefunden. Abzuholen im Baubüro des Reichsbanners Echwarz- Note Gold, Berlin S 14, Sebastianstr. 37/38. Papa Torten. Die Hausangestellte Martha F. hatte Anfang vorigen Jahres beim Amtsgericht Wiesbaden gegen ihren früheren Dienstherrn, den ehemaligen Separatistenführer und rheinischen Eintagspräsidenten" Dr. Dorten in Wiesbaden eine Unterhaltsflage für ihr am 27. Auguſt 1923 geborenes uneheliches Kind erhoben. Dorten wandte fich an die Rheinlandkomunission um Schuß und die Franzosen forderten bekanntlich auch prompt vor dem Termin die Aften ein. Das Amtsgericht fam gezwungenermaßen am 11. März 1924 dieser Aufforderung nach, machte hierbei aber darauf aufmerksam, daß es sich um einen Rechtsstreit handele, der feiner Na ur nach einer be fonderen Befdyeunigung bedürfe. Troydem hielt die Rheinlandkom mission die Aften monatelang zurück. Erst am 4. November 1924 fonnte das Amtsgericht in Wiesbaden, nachdem inzwischen die Kindesmutter eidlich vernommen worden war, die Berurteilung des Dr. Dorten zur Zahlung der Unterhal.srente aussprechen. Der franzö fische Bezirksdelegierte in Wiesbaden hat nun jezt auf Anfrage mitgeteilt, daß er gegen die Vollstreckung diefes Irteils n'chts einzuwenden habe. Diese Erklärung hat aber nur formale Bedeutung. da Dorten inzwischen seinen Wohnsiz nach Frankreich( angeblich Nizza) verlegt und in Deutschland feinerlei pfändbare Vermögensftüde zurüdgelaffen hat. Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Kreis. Friedrichshain. Arbeiterwohlfahrt und Kinderschutz. Donnetsing, April, abends 1 hr. bei Rofin. Gubener Str. 13: Material abholen Gewerkschaftsbewegung Unser Gewerkschaftshaus- Jubiläum. Anwendung verhindern, indem er die Beschäftigten in den Betrieben| seiner Mitglieder aussperrt. Dieses Borgehen bedeutet die Führung eines Kampfes nach zwet Seiten: einmal gegen die behördlichen Einrichtungen des Schlichtungswesens und deren ausführenden Organe und zum anderen gegen die Arbeiter schaft und deren Organisation. Am Dienstag abend zeigte sich unser Berliner GewerkschaftsEs hat noch feine Unternehmerorganisation bisher gewagt, fo haus im festlichen Schmud. Galt es doch sein 25jähriges Bestehen zu offen gegen perbindlich erklärte Schiedssprüche vorzugehen und diese feiern, das für die Berliner Gewerkschaftsbewegung in ernsten und nichtig zu machen. Selbst die Scharfmacher in der Bereinigung frohen Stunden recht bedeutsam war. Allen, die zu feiner Schaffung Deutscher Arbeitgeberverbände sind in ihrer Rücksichtslosigkeit bis und zu seiner Erhaltung beigetragen haben, all den an der Spihe der her nicht so weit gegangen, sondern haben bei ihren Kämpfen gegen Berliner Gewerkschaften, der Partei und der Konsumgenossenschaft die öffentlichen Schlichtungsorgane die geltenden Rechtsbestimmun gen allgemein beachtet. Der Verband der Gummimäntelfabrikanten stehenden Genossen hatte das Gewerkschaftshaus seine Räume gepfeift auf Entscheidungen des Reichsarbeitsministeriums, pfeift öffnet, um sich ihnen wieder einmal von seiner besten Seite zu auf die tarifvertraglichen Rechte und will unter allen Umständen die zeigen. Arbeiterfefretär Gustav Lint, einer der Mitbegründer des Arbeiter der wenigen Rechte, melche ihnen durch die Schlichtungs. Hauses, begrüßte unter den Gästen in erster Linie die Gattin organe noch zustehen, berauben. des verstorbenen Genossen Dr. Leo Arons mit ihren Söhnen, Rechtlich ist ein solcher 3mangsvertrag einem Parteivertrag Des Mannes, dem die Gewerkschaften hauptsächlich die Errichtung gleichzuachten. Wir können nicht annehmen, daß eine Reichsbehörde ihrer Waffenschmiede zu verdanken haben, ferner den Genoffen fich eine solche Mißachtung und Berhöhnung ihrer Entscheidungen Sassenbach, den Mitschöpfer und langjährigen Berwalter des gefallen lassen wird und halten es deshalb für selbstverständlich, daß das Reichsarbeitsministerium Veranlassung nimmt, die. Unter Hauses, und nicht zuletzt das Ehepaar Buffe, das vornehmerorganisation zur Anerkennung und Innehaltung des Schieds. 25 Jahren die Berwaltung der Herberge übernommen und fie in ipruches zu 3 mingen. felten pflichtgetreuer Weise all die Jahre hindurch besorgt hat. Auch tes verstorbenen Generaldirektors der Schultheißbrauerei, Herrn Röside, der mit zum Gelingen des Werkes beigetragen hat, ge dachte Link. Er schilderte die Entstehung des Planes der Schaffung eines Sammelpunttes der Berliner Gewerkschaften, in Berbindung mit einer Serberge. Die Herbergsverhältnisse für die wandernden Handwerksgejellen, insbesondere für die Gewertschaftsmitglieder, die fich in den Herbergen zur Heimat" mit ihrem meist heuchlerischen religiösen Betue am wenigsten wohl fühlten, waren geradezu troftfos. Mit Banzen und ähnlichen Klagen hatten sich die Gewerkfchaftsfartelle fortwährend zu befassen. Den Berliner Gewertschaften gelang es, nachdem die Stuttgarter Gewerkschaften sich eine Herberge geschaffen, eine solche in mustergiltiger Weise zu errichten. Was dies bebeutete, weiß man heute meniger mehr zu würdigen, weil das Bandern der Gesellen heute nicht mehr die Rolle spielt wie noch in der Frühzeit der Gewerkschaften. Sassenbach wies in turzer Rede auf den damaligen Stand Der Gewerkschaften hin, die in Berlin nur erst einige wenige und zudem nur recht notdürftig befoldete Angestellte hatten. Die Geschichte des Berliner Gewerkschaftshauses spiegelt die Entwicklung ber ganzen Berliner Gewerkschaftsbewegung wieder. Hoffentlich seien die Zeiten für immer vorüber, in denen Berliner Arbeiter sid) anfchidten, das Gewerkschaftshaus zu demolieren. Daß unser Ge werkschaftshaus während der Kriegszeit erst von damaligen Würden trägern„ entdeckt" und bewundert wurde, blieb unerwähnt. Schließ. lich feierte Genosse 3iska die Leistung unserer Borfämpfer und legte als Bertreter der jüngeren Generation das Gelöbnis ab, in ihrem Sinne zu wirken. Die Gastwirtschaftliche Betriebsgesellschaft, bas Orchester des Deutschen Musikerperbandes und die Sänger der Typographia metteiferten zusammen, um den Abend für die Gäste der Gewerkschaftshaus G. m. b. H. würdig und lebendig zu gestalten. Heute abend wird eine Feier in größerem Rahmen in sämtlichen Räumen des Gewerkschaftshauses den Gedenktag beschließen. Auflehnung gegen das Gesetz. Bom Deutschen Bekleidungsarbeiterverband wird uns ge schrieben: Die von der Aussperrung betroffene Arbeiterschaft muß hier. aus die notwendige Schlußfolgerung ziehen: dafür zu sorgen, daß aus die notwendige Schlußfolgerung ziehen: dafür zu sorgen, daß alle Beschäftigten restlos ihrer gewerkschaftlichen Organisation an gehören, um sich so die organisatorische Macht zu schaffen, die es ermöglicht, im Intereffe der Mitglieder erfolgreich zu wirken. Treffend gezeichnet. Aus der Süßwaren- und Genußmittelbranche. In einer Versammlung der Arbeiter aus den Süßwaren und Genußmittelbetrieben berichtete am Montag abend inziers vom Verband der Nahrungs- und Genußmittelarbeiter über die in Dresden zentral geführten Lohnverhandlungen für die Branche. Der Verband hatte im Januar das Lohnabkommen gefündigt, um cine Erhöhung der Löhne durchzusehen. Bei den Berhandlungen verlangten die Unternehmer, baß die Ortslohnzuschläge abgebaut sverden sollten, was in der Bragis eine Herabjegung der Berliner Löhne bedeutet hätte. Der zur Bermittlung angerufene Schlichter verpflichtete die Parteien, bis zum 10. März zu einer Einigung zu tommen. Nach langen Berhandlungen erging dann schließlich ein Spruch des Schlichtungsausschusses Dresden, der die Spitzenlöhne für Facharbeiter auf 82 Bf., für Hilfsarbeiter auf 71 Pf. und für Arbeiterinnen auf 45% Pf. die Stunde fefisezte. Das Lohnabkommen tritt in der Woche in Kraft, in die der ausschusses ist für beide Teile bindend. 26. März fällt; es gilt bis Ende Juni. Der Spruch des Schlichtungs ausschusses ist für beide Teile bindend. Eine monatelanger tariflich ungewisser Zustand in der Gummi fonfettion, dem wiederholte Berhandlungen zwischen den Barteien und drei Schiedsgerichtsverhandlungen vor dem Reichsarbeitsmini fterium porangingen, wurde dadurch zu einem gewissen Abschluß gebracht, daß ein Schiedsgericht des Reichsarbeitsministeriums am 25. Februar einen Schiedsspruch über die noch vorhandenen Streitfragen fällte, welcher nach Ablehnung durch den Arbeitgeberverband auf unseren Antrag vom Reichsarbeitsministerium für verbind lich erklärt wurde. Damit ist 3 mangsmeife rechtlich ein Bertragsverhältnis zwischen den Parteien hergestellt. Aus dieser Erkenntnis haben bisher auch alle Arbeitgeber- und Arbeit nehmerorganisationen die bindenden Schiedssprüche des Reichsarbeitsministeriums respektiert und als vertragliche Grundlage für die fünftige Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen anerkannt. Der Berband der Gummimäntelfabriken meigert sich aber, auch diesen verbindlichen Schiedssp.uch anzuerkennen und will dessen 20 Derliner ElektrikerBerli Genossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4-- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen .Preiswerte, gediegene Arbeit Auf Teilzahlung! Kinderwagen Sportwagen Kleine Anzahlung! * Bequeme Abzahlung! CAMNITZER Schönhauser Allee 82, I am Hochbahnhof Nordring Guter Schlaf ist das beste Hellmittel. Me allbetten für Groß und Klein, mit oder ohne Zubehör, Sahimatratz, an Private Bequeme Bedingungen Katalog 30A frei. Sisenmöbelfabrik Suhl( Thür.) Korbmöbel Eigene Herstellun in gediegenen Aus Gute Bücher 30 bis 70%, billiger! Berlangen Sie bitte fofort fpesen. freie Zusendung meines Ratalogs G. Ragoczy's Universitäts- Buchh. Freiburg i. Br. VIII. Stahlindustrie und den Metallarbeiterverbänden bezüglich der Einführung der dreigeteilten Schicht in den Hochofenbetrieben ab 1. April 1925, gemäß der Berordnung vom 20. Januar 1925. Die Arbeitgeber gaben nach mehrstündiger Berhandlung die Erklärung ab, daß fie bereit feien, ab 1. April, spätestens ab 4 April, die dreigeteilte Schicht in den Hochofenbetrieben einzuführen. Damit ist ein großer Konflift in der Metallindustrie in lehter Stunde verhindert worden. Das fchauderhafte 3 weischichtensystem hat so den letzten Stoj bekommen, der 2 dh tft undentag tommt wieder zur Geltung. Die Berjammlung beschäftigte fich ferner ausgiebig mit einem Bericht, welchen die„ Rote Fahne" über die vorhergehende Branchenversammlung veröffentlicht hatte. In diesem Bericht wurde von der fämpfenden Arbeiterschaft und den Führern der Branche in so verachtender und lächerlicher Form gesprochen, daß daraus ein schwerer Schaden für die Branche und ein Rugen für die Arbeit. geber enistehen mußte, wenn diese die Rote Fahne" als Arbeiter. blatt anjehen würden. Die Zahlen, mit welchen der Artikel bie Lohnbewegung als schwächlich darstellte, find falsch. In der Diskussion wurde es als nieberträchtig und hinterhältig gebrandmartt, daß dieses reattionäre Blatt durch seine Bewerffchaftsredakteure einen Dulchitoß in ben Rüden der fämpfenden Arbeiterschaft gerade in der Lohnbemegung führt und den Arbeitgebern folche Spigelbienſte leistet. Die Branchenversammlung nahm daher einstimmig, mit den Stimmen der anwesenden kommuniffen, folgende Resolution an: Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Brande V. Straßenreinigung und Stadtfuhrpart. Donnerstag, ben 2. April 1925, abends 6 Uhr, int Saal bes Berbandshauses, Johannisstr. 14/15. Berjammlung der Branchendelegierten der Beztete 1-20. Wirtschaft Adler u. Oppenheimer 2.-G. Berlin. Das Stammhaus und Hauptmert dieser großen Leberfabrik stand in Lingolsheim bei Straßburgim Elsaß und wurde von den Franzosen fequeftriert. Es blieben der Firma nur die fleinere Lederfabrif in Neumünster( Holstein) und die von ihr beherrschte Lederwerfe G. m. b. 5. Neustadt( Mecklenburg). Für den verlorenen Straßburger Besiz wurde die Gesellschaft Gläubigerin des Reichsfistus. Wie bei den schwerindustriellen Werfen Lothringens zeigt sich auch bei dieser Lederfirma, im Gegensatz zu den mit Pfennigen abgespeisten unzähligen fleinen Sequestratinosgeschädigten, daß der Berlust" der Werke ein gutes Geschäft mar. Allerdings hat die Inflation das Ihrige dazu beigetragen. Die Adler u. Oppenheimer A- G. war nämid) in der Lage, schon 1921 durch einen Fusionsvortrag die E. Köster Zeberfabrik 2.-G. Neumünster zu erwerben und die inzwischen ganz auf sie übergegangenen Lederwerke Neustadt bedeutend zu ver= größern. Ebenso hat sie ihre Beteiligungen an den Lederfabriken Wilk vorm. F. Lambert und F. Schohl G. m. b. 5). Pirmasens erweitert. Endlich fonnte fie 1923 die Aktienmehrheit der A.-G. für Lederfabrikation München erwerben und sich die Fabritations und Handels- G. m. b. S. 2. G. Kaufmann- Köin angliedern, die für die Abler u. Oppenheimer A.-G. durch ihre Abjazzorganisation besonders wertvoll ist. Im Geschäftsbericht für 1923 ist auch angedeutet, wie sich die Firma während der Zeit des rapiden marksturzes gesund erhielt. Sie betrieb auf der Grundlage Damer Leder Matschappij, deren Kapital fich in den Händen von Aufsichtsräten der Abler u. Oppenheimer-G. befinden foil. Rein Wunder, baß die Golberöffnungsbilanz ein sehr gutes Gesicht hat. Trotz der Kriegsverluste" im Ausland fonnten Kapital und Reserven auf 15,62 mill. gegen 12 Mil. 1913 festgestellt werden. Auch mit den Werksstiftungen brauchte nicht genaufert zu werden; sie sind in ihrem ursprünglichen Goldmarkwert ausgewiesen. Die Obligationen, allerdings Friedensobligatio= nen mit ursprünglich 6,2 Mill, von denen im Juni 1923 nod) 5,3 Mill. im Umlauf waren mit Kündigung zum 30. Juni 1923, erscheinen nur noch mit ganzen 66,600 M. Sie haben ent„ Die heutige Branchenversammlung spricht der Berichterstattung der„ Roten Jahne" vom 13. März über unsere Cohnbewegung in der Süß-, Bad- und Teigwarenindustrie das allerhärifte mißtrauen aus. Dieser Bericht ist ein Liebesdienst für das Arbeitgebertum und ein Berrat an der fämpfenden Arbeiterschaft“ ift schmerzhaft. Gegen Rheumatismus Gliederreißen, Gicht, Muskel- und Gliederschwäche. Brust- und Rückenschmerzen, Geschwulst usw. wirb mit großem Erfolg, angewandt mein feit Jahren als vorzüglich anerkanntes Preis 1 Mk. bet 8 Stlid Beri. frei Haus. Nur allein echt bei Berlin N. 31, Verb. Burgunder- Pechpfaster Arthur Mothes, swinemünder Str. 41. 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Das Ers nährungsministerium hat einen Gesetzentwurf über die Koniumenten und Arbeiterlammern ausgearbeitet, nach dem die Kammern je 60 Mitglieder zählen follen. Die Hälfte wird von den Gemerfichaften, die andere Hälfte von den Konfum. genoffenfchaften gewählt werden. Jede Kammer wird sich in eine Arbeiterfettion und eine Ronsumentenfeftion teilen. Die Mit glieder der zwei Abteilungen werden in getrennten Wahlgängen gewählt werden. Das Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Sunamit noch mild, anfangs tollig. Seittpeise auffiarend, später zunehmend bewölkt und Neigung zu Niederschlägen, Deutschland: Noch mild, Süddeutschland vielfach heiter. Norddeutichland meist moltig. Epäter von Besten nach Diten zunehmende Bewöllung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Rentet; Wirtschaft: Arthur Saternus: und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen Th. Glade; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwäets- Berlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwa Buchdruderet und Berlaasonitelt Beul Singer u. Co.. Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. Effen, 1. April.( Eigener Drahtbericht) Am Dienstag fanden Berhandlungen in Dortmund unter dem Vorfil des Schlichters Gewerkschaftsbewegung: 3. Steinez; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales für Rheinland- Westfalen statt über den Konflikt zwischen dem Urbeilgeberverband der nordwestlichen Gruppe der Eisen- und A. Beheim- Schwarzbachs führungen kauf. Sie Kaufmännische Privatzirkel bei gr. Auswahl vorteilha t u bi lig im Spezial- Korbmöbelhaus Edmund Voẞ Neukölln, Berliner Str. 14 NäheHermannplatz Teleph.Neukle 2264. Zahlungserleichterune Erfinder Vorwärts ftrebende gute Berdienstmöglichkeit! Auftlärung und Anregung gebb. Broschüre Ein neuer Gelft gratis burd: Erdmann& Co., Berlin, Röniggräger Straße 71. ( lah. F. Eggert) Seukölln. Anmeldung. 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