Abendausgabe Te. 157 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 78 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreite And in der Morgenausgabe angegeben Rebaffion: SW. 68, Lindenstraße 3 Jerafprecher: Dönhoff 292-295 Sel- breffe: Sozialbemetrat Berlia Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Donnerstag 2. April 1925 Berleg und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250r Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Keine Ermäßigung der Lohnsteuer. Abg. Dr. Fischer- Röln( Dem.) erfannte die Dringlifeit der tilberung der Lohnsteuer an, wünschte aber, daß neben ihr auch die Umsatz ft euer und das Steuerüberleitungsgefet aus dem Rahmen des gesamten Steuerprogramms herausgegriffen und vorweg erledigt werden. Der Rechtsblock nimmt sich Zeit.- Ablehnung des fozialdemokratischen Antrags. Im Steuerausschuß des Reichstages fam heute der sozialbemo| tegen, ob einzelne Gebiete herausgegriffen und vorweg erledigt fratische Antrag, der die Herauffehung des fteuerfreien Einkommen werden sollen. feils von 15 auf 24 m. wöchentlich und von 60 auf 100 m. monatlich fordert zur Beratung. Von umjeren Abgeordneten Meyer.trums erflärten, daß fie mit der Tendenz des sozialdemokratischen Die Reduer der Deutschnationalen unb bes 3en Baden und Reil murde zur Begründung des Antrags auf das fort Antrages einverstanden seien, aber aus den von der Regierung gefeßte Steigen des prozentualen Anteils des Lohnsteuerertrags am angeführten Gründen heute die Erledigung ablehnen Gesamtaufkommen der Einkommen- und der Reichssteuern überhaupt müßten. hingewiesen. Mit jeder Lohnerhöhung, auch wenn sie hinter der Breissteigerung zurückbleibe, sei eine progressiv wachsende Zunahme der Stenerlast verbunden. Jetzt trete eine Er höhung der Mieten um 10 Broz in Kraft. Die notwendig daraus folgende Lohn- und Gehaltserhöhung werde sofort wieder zu einem erheblichen Prozentsaz von der Lohnsteuer erfaßt. Die Mehr. belastung der Lohn- und Gehaltsempfänger gegenüber der Vorfriegsbelaftung sei so ungeheuerlich, daß sie tein anderer Berufsstand bisher ertragen haben würde. Darum fönne mit der Ermäßigung nicht gemartet werden bis zur Erledigung der gesamten Steuerreform, die noch verschiedene Monate in Anspruch nehme, sondern es müsse vorweg eine Milderung eintreten, die auch in Hinsicht auf den günstigen Stand der Steuereinnahmen möglich sei. Ramens der Regierung erhob Staatssekretär Popis Einspruch gegen die Bormegbehandlung des Antrags. Man müsse mindestens erft einen Ueberblick über die ganzen Steuerentwürfe haben, ehe man folche einschneidenden Beschlüsse faffen könne. Der Reichsrat merde vielleicht noch vor Ostern spätestens unmittelbar nach Ostern, mit der Beratung der Steuer- und der Aufwertungsvorlagen zum Abschluß tommen, so daß die Entwürfe dem Reichstage beim Wie berzusammentritt vorliegen würden. Dann fönne man sich über Die preußischen Notverordnungen. Vertagung der Sigung auf 3 Uhr. Zu Beginn der Gigung des Preußischen Landtages furz nach 12 Uhr teilte Bräfident Bartels den Beschluß des Aeltestenrates mit, die Plenarsizung auf 3 Uhr zu vertagen, da der Finanzminister Dr. Höpfer Aschoff sonst nicht an der Beratung der Rotverordnungen teilnehmen tönne. Das Haus tritt dem Borschlag des Aelteftenrates bei. An der um 3 Uhr beginnenden Plenarsizung wird auch Dr. Marg teilnehmen und sich zur ver. faffungsrechtlichen Frage der Notverordnungen äußern. Am rei tag foll bas Plenum um 12 Uhr beginnen und für den Fall, daß Dr. Höpfer- Aschoff die auf ihn gefallene Wahl zum Ministerpräsiden ten ablehnt, soll als erster Bunft auf die Tagesordnung des Freitags die Ministerpräsidentenwahl gefeßt werben. Die deutsch- polnischen Verhandlungen. Ab 1. April vertragsloser Zustand. Warschau, 2. April.( WTB.) Die Bolnische Telegraphenagentur verbreitet folgende amtliche Mitteilung über die deutsch- polnischen Wirtschaftsverhandlungen: Karlowski, Delegierter der Regierung bei den deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen, ist am 31. März nach Berlin zurückgekehrt. Die Abwesenheit Karlowstis hat auf den Gang der Arbeit, die in den Kommiffionen weiter. schreitet, feinen Einfluß gehabt. Die Frage einer Berlängerung des deutsch- polnischen Modus vivendi, der in Berlin am 13. Januar d. 3. abgeschloffen worden ist, über den 1. April hinaus, steht gegenwärtig nicht zur Erörterung. Deshalb beginnt mit diesem Lage in den Wirtschaftsverhandlungen zwischen Bolen und Deutschland der vertraglose 3ufland. Deffen ungeachtet werden die Ver. handlungen fortgesetzt werden. Die Volkspartei reagiert. Gegen Sabotage des deutsch- spanischen Handelsvertrages. Die widerliche Demagogie der Deutschnationalen, die ihnen jezt auch auf dem Gebiete der Handelspolitit Blamage auf Blamage einträgt, wird nun allmählich auch den Herren von der Schwer industrie zu viel. Der Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Geheimrat Duisberg. hat gestern in einer Rebe davon gesprochen, die Regierung solle ihre Vertreter von Handelsvertragsverhandlungen zurüd ziehen, wenn die wichtigen Vereinbarungen durch die Deutsch nationalen sabotiert werden. Die Industrie werde sich nach der Haltung der Deutschnationalen überlegen müffen, ob sie noch roeiter ihre Interessen mit denen der Landwirtschaft Derbinden könne. allen Das ist eine prompte und deutliche Antwort auf die Quertreibereien der Deutschnationalen, die gestern im zuständigen Reichstagsausschuß gegen den deutsch- spanischen Handelsvertrag gestimmt haben. Daß übrigens Geheimrat Duisberg mit seiner Auffassung feineswegs allein steht, beweist das folgende Telegramm, das die Handelstammer Düsseldorf an die zuständigen Berliner Stellen und an die Reichstagsabgeordneten gerichtet hat, um sie bazu zu bemegen, den Handelsvertrag doch noch durchzusetzen. Die Annahme des deutsch- spanischen Abkommens im Reichs. tage ist unbedingt notwendig, anderenfalls sind Einschränfung der Produktion und Arbeiterentlassungen unvermeiblich, eines der wichtigsten uns gebliebenen Abfaz gebiete für immer verloren und die deutschen Kaufleute in Spanien ihrer Eristenz beraubt. Eine Ablehnung würde die fremde konfurrenz in Spanien unterstügen und außerdem allgemein auf bie Handelsvertragsverhandlungen einwirten." Bei der Abstimmung wurde ein Zentrumsantrag, die Erledi. gung des sozialdemokratischen Antrags zu vertagen, gegen die Hierauf gelangte die folgende Resolution Dr. Fishers gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Stimmen der Deutschen Volkspartei zur Annahme: „ Der Ausschuß richtet an die Regierung das Ersuchen, die Bor. bereitungen dafür zu treffen, daß dringliche Materien, ins besondere die Lohnsteuer, die Imsazsteuer und die Steuerüberleitung vor Erledigung der gesamten Steuerreform in Form eines Rotgefeges geregelt werden." tonung der Lohnsteuer, der Umsatzsteuer und der Steuerüberleitung Der Versuch des Abg. Dr. Hergt( Dnat.), die besondere Beaus dem Antrag zu ft reichen, schlug fehl. Die sozialdemokratischen. Bertreter stimmten der Resolution zu, nachdem die Bertagung ihres Antrages gegen ihren Willen beschlossen worden war. Abrüstungsdebatte im Oberhaus. Sparen auf Arbeiterkosten. Eisenbahnerlöhne und Eisenbahntarife. sezte, beschäftigte die große Bewegung der Eisenbahner um eine Berbesserung ihrer Löhne und eine Herab fegung ihrer mörderischen Dienstschichten die gesamte Deffent. pause bis zum zweiten Wahlgange benutzen, um das Augen. Anfang des Wahlkampfes, aber nun müssen wir die Atem lichkeit. Der Abschluß der Bewegung fiel zusammen mit dem mert der Deffentlichkeit noch einmal auf die Bewegung der Eisenbahner und das Gebaren der Reichsbahngesellschaft zu Bevor der Wahlkampf zur Reichspräsidentenwahl ein lenten. Während jener Lohnbewegung hat die Reichsbahngesell. schaft beständig gedroht, daß je de Verbesserung der Arbeits. verhältnisse der Reichsbahnarbeiter, auch die geringste, sie zu einer Erhöhung der Personentarife zwingen würde. Noch im letzten Augenblid, während schon die Ber bindlichkeitserklärung des gefällten Schiedsspruches in Er. mägung gezogen wurde, beteuerte fie, sie tonne die Lohn entsprechende Tariferhöhung genehmigt habe. erhöhung erst dann zahlen, wenn die Reichsregierung eine Seitdem war von einer allgemeinen Tariferhöhung nichts mehr zu hören, woraus sich ergibt, daß die Drohung mit einer solchen nur ein Mittel war, die Deffentlichkeit und vor allem die Schlichtungsbehörden irre machen. Aber es besteht doch bei der Reichsbahngesellschaft die Absicht, die Tarife für Zeitfarten zu erhöhen, und auch standen wurde, begründet. diese Maßnahme wird mit der Lohnerhöhung von 3 Pf. für die Stunde, die den Eisenbahnern durch Schiedsspruch zuge bung ber geplanten Tariferhöhung zu bezweifeln, denn eine Wir haben zwar Ursache, die Ehrlichkeit dieser BegrünErhöhung der Tarife im Vorortverkehr und für Zeitfarten wurde von der Reichsbahngesellschaft schon vor längerer Zeit erwogen. Aber die Reichsbahngesellschaft hat dadurch, daß fie eine Lohnerhöhung als Grund für eine Erhöhung der Tarife angab, selbst die Frage zur Diskussion gestellt, ob denn die konsumentenschaft finanzieren tann? die Reichsbahn die sehr mäßige Lohnerhöhung wirklich auf teine andere Art als mit Hilfe einer Abwälzung auf Sord Salisbury über die Kontrollfommission. Rontrollfommission und die Räumungsfrage statt, Im Oberhaus fanb gestern eine längere Debatte über die die durch eine Anfrage des früheren Bölferbundministers in der Arbeiterregierung, Lord Parmoor, hervorgerufen wurde. Par. in fast allen Produktionszweigen den Achtstundentag beseitigte Als das Unternehmertum zu Anfang des vorigen Jahres moor hatte nämlich wissen wollen, ob nicht endlich die Zeit gekommen und die Arbeitszeit verlängerte, suchte es die Deffentlichkeit wäre, die Militärkontrolle, wie im Versailler Vertrag vorgesehen, für seine Pläne zu gewinnen, indem es verkündete, die Ber dem Bölferbunbsrat zu übertragen, der alle Borbedingun längerung der Arbeitszeit würde eine erhebliche Steigerung gen hierzu bereits geschaffen hätte. Um einige Grade energischer der Leistungen und damit eine wesentliche Senfung aller murde der darauffolgende Redner 2ord Newton, der mit aller Breise zum Nugen der fonsumierenden Allgemeinheit zur Entschiedenheit den Standpunkt vertrat, daß Deutschland im wesent. Folge haben. Diese trostreiche Voraussage der Unternehmer lichen bie Abrüstungsbedingungen längst erfüllt hätte, und daß ist nicht eingetroffen, denn das Jahr 1924 war trotz perlänbaher die fostspielige Kontrollfommission ebenso zu verschwingerter Arbeitszeit ein Jahr steigender Preise. ben, wie die für die moralische Abrüstung gefährliche Bese gung deutschen Bodens aufzuhören hätte. Newton meinte zwar. Deutschland hätte die Abschaffung der Kommission längst erreichen fönnen, wenn es sich anders verhalten hätte. Er erklärte aber dieses Berhalten für menschlich verständlich und wandte sich schließ lich gegen die französische Sicherheitstheſe. der Regierung auf den Standpuntt, daß Deutschland gewiffe 2b. In seiner Antwort ftellte fich Lord Salisbury im Namen rüftungsbedingungen nicht erfüllt hätte, zu deren Einhaltung daß Deutschland mit großen Schwierigkeiten zu fämpfen hätte, und es nach dem Bersailler Bertrag verpflichtet gewesen sei. Er gab zu. daß der ganze durch den Vertrag geschaffene Apparat unbefriedigend fei, aber seine Antwort ließ nicht die Absicht der englischen Regie rung erkennen, die Militärtommiffion im Sinne der Borrebner ab. zuschaffen. Sozialversicherung in der Schweiz. Annahme im Nationalrat. Zürich, 2. April.( Mtb.) Der Nationalrat hat gestern abend 28 Stimmen die Borlage des Bundesrats über die infuhrung nach dreitägiger Diskussion mit 85, meist sozialdemokratischen, gegen der Sozialversicherung angenommen. Die meiſten bürger. lichen Abgeordneten der französischen Schweiz enthielten sich der Stimmenabgabe. Nach diesem Beschluß erhält die Bundes. verfaffung einen 3ufaß, der den Bund ermächtigt, auf dem Wege der Gesetzgebung die Alters. und Hinterbliebenenver sicherung einzuführen und zu einem späteren Zeitpunkt auch die Invalidenversicherung einzurichten. geschicht durch den Bund und durch die Rantone und soul u. a. aus Die Finanzierung den Tabatzöllen und der Besteuerung des Alkohols erfolgen. Keine aktive Kolonialpolitik. MTB. meldet: Das vom Borwärts" wiedergegebene, angeblich in eingeweihten Kreisen Londons verbreitete Gerücht, daß die deutsche Regierung in London wegen der Erwerbung von An. gola und Mosambique fondiere, entbehrt, wie uns von maß gebender Stelle mitgeteilt wird, jeder Grundlage. Berlängerung der Arbeitszeit von der Industrie erzielten Ist schon hier die Frage berechtigt, wo die infolge der Mehreinnahmen oder Ersparnisse an Untoften geblieben sind, fo fann diese Frage an die Reichsbahngesellschaft mit besonderer Betonung gerichtet werden. Dienstbereitschaften in der Dienstschicht liegen, die Möglichkeit bei durchgehendem Dienst erhöht, und dort, wo Pausen und Auch die Reichsbahn hat die Arbeitszeit auf neun Stunden aur Verlängerung der Dienstschichten bis zu 16 Stunden ge fchaffen. Sie hat außerdem während des großen Personal ein echter Reichsbetrieb war, mehr als 20 Proz. ihres ge. abtaues im Winter 1923/24, zu einer Zeit also, wo sie noch famten Berfonals entlassen. Die Eisenbahnergewerkschaften vermochten sodann während des Jahres 1924 in drei Lohnbemegungen Erhöhungen der Löhne als Ausgleich für die steigenden. Lebenshaltungskosten durchzusehen. Dennoch war es der Reichsbahn möglich. vom 18. September 1924 ab die Gütertarife um 10 roz. zu ermäßigen, um jene von den Unternehmern verkündete Preisabbauaktion zu von 300 millionen Mart im Jahre, aber ohne den imterstützen. Sie opferte damit einen Betrag gewünschten Erfolg, denn die Unternehmer ließen Diese Frachtermäßigung in ihren Taschen verschwinden, forderten fogar weitere Tarifherab. fetzungen, aber die Preise stiegen weiter. Bon den erwähnten Lohnerhöhungen traten zwei vor der Ermäßigung der Gütertarife, nämlich am 30. März und am 1. Juni in Kraft. Sie hinderten nicht die Ausschüttung jener Liebesgabe in Höhe von 300 Millionen Mart an die Unternehmer, und auch die dritte Lohnerhöhung, die am 16. November in Kraft trat, wurde nicht zum Anlaß genommen, um die für die konsumie. rende Allgemeinheit völlig nuglose Tarifermäßigung rüd. gängig zu machen. Dagegen setzte die Reichsbahngesellschaft, die während deffen ins Leben getreten war, die mit dem Personalabbau und der Arbeitszeitverlängerung begonnene Reorgani aller Welt verkündet, in ihren Werkstätten mit Hilfe eines sation" ihres Betriebes fort. Sie erzielte, wie fie auf wissenschaftlicher Betriebsführung beruhenden raffi. nierten Attordsystems Höchstleistungen, deren Folge Die Studentenunruhen in Frankreich. Die Ablegung des Reftors eine teilweise oder Döllige Stillegung verfchieder juristischen Fakultät in Paris, Barthelemy, burch die Rebener Werfstätten und zahlreiche Entlassun gierung Herriot wegen seiner Duldung der nationalistischen Rüpel gen im gesamten Werkstättendienst war. Die Reichsbahn. zenen gegen den pazififtischen Völkerrechtslehrer Scelle hat zu gesellschaft hat ferner infolge der Einführung der Kunze- Knorr felforen der Rechtsfakultät geführt, vor allem aber zu einer lebhaften bremse bereits jegt, obwohl der Einbau der neuen Brems einer Solidaritätstundgebung fast aller anderen Bro Gtraßenagitation der vorwiegend rechtsgerichteten Stu. vorrichtung noch nicht durchgehend erfolgt ist, an Personal dentenschaft, nicht nur in Paris, sondern auch in anderen Universi rund 10 000 öpfe gelpart, und sie beschäftigt sich tätsstädten, Nancy, Rennes, Dijon, Straßburg usw. Zum Teil sind gegenwärtig mit der Einführung anderer technischer Neue die Studenten in Sympathieftreits eingetreten. rungen, bie maiteres Bersonal überflüssig machen. Die Reichs bahngesellschaft erfpart außerdem im Winterhalbjahr eine große Zahl von Arbeitskräften in der Bahnunterhaltung, weil fie diesen Dienstzweig zu einem Saisonbetriebe umgestaltet hat, 10 daß jedesmal mit Beginn der falten Jahreszeit Entlassungen in größerem Umfange möglich werden. Nach den amtlichen Ausweisen der Reichsbahngefellschaft wurden infolge diejer Maßnahme und durch die Reorganisation der Werkstätten vom Oktober bis De zember 1924 mehr als 20 000 Arbeitsfräfte entIaffen! Alle diese Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität des Gesamtbetriebes ergeben ungewöhnliche Er= sparnisse. Einer Steigerung der Leistungen steht ein geringerer Aufwand an Arbeitskräften gegenüber und bennoch behauptet die Reichsbahngesellschaft, daß die geringe Lohnerhöhung von 3 B. eine Erhöhung der Tarife nötig macht! Hier hat die Deffentlichkeit ein Recht, zu fragen, auf melche Weise denn alle diese Ersparniffe verwirtschaftet werben, wenn nicht einmal ein so geringer Teil von ihnen dem Personal und der Konsumentenschaft zugute fommen fann? Wir müssen aber schon jetzt die Antwort, welche die Reichsbahngesellschaft sofort bei der Hand haben dürfte, als unzureichend ablehnen. Die Reichsbahngesellschaft wird er klären, daß das, was wir hier zu tadeln haben, Auswirkungen des Dawes- Gutachtens und der Reparationsverpflichtungen der Reichsbahn seien. Wir erinnern daran, daß das Gut achten allerdings eine Herabjegung des Ber jonalstandes der Reichsbahn für notwendig erachtete, aber auch damit gerechnet hat, daß die Entlassungen teine Gelbersparnis bedeuten würden, da es annahm, daß die von dem Gutachten als notwendig anerkannte Erhöhung der Bezüge die Personalverminderung ,, mehr als ausgleichen" würde. Es ist doch nicht anzunehmen, daß die Berfasser des Gutachtens dabei nur an die Erhöhung der Bezüge der oberen Beamten gedacht haben, für welche Mittel allerdings ohne Tariferhöhungen in reichlichem Maße vorhanden waren. Nun aber ist die Reichsbahngesellschaft bei ihrer Tarifgestaltung an die Zustimmung der Reichsregierung gebunden, und dadurch erhält auch der Reichstag die Möglichkeit, Rechenschaft zu fordern über die Ursachen, die der Erhöhung der Tarife zugrunde liegen, und dabei hineinzuleuchten in diese sonderbare Wirtschaft der Reichsbahn, die auf der einen Seite mit riesigen Ersparnissen prunkt und auf der anderen Seite mit Tariferhöhungen droht, wenn es sich darum handelt, das arg mißhandelte Personal für seinen aufopferungsvollen Dienst einigermaßen anständig zu bezahlen und von Dienstzeiten Abstand zu nehmen, die bei dauernder Beibehaltung zu einer Gefahr für die Verkehrssicherheit werden müssen. Die Reichsbahngesellschaft, in deren Leitung teine tapitalistische Interessen starken Einfluß haben, ist ein Monopolbetrieb, wie er im Buche steht. Die Gesellschaft hat es in, der Hand, der Allgemeinheit die Preise vorzuschreiben, denn es gibt feine Konkurrenz, die einer solchen Ausbeutung der Konsumenten Grenzen jeken tönnte. Um eine solche Ausbeutung zu verhindern, hat sich die Reichsregierung das Recht vorbehalten, die Tarifgebarung der Reichsbahn zu überwachen, und die Pflicht des Reichs= tags ist es nun, dafür zu sorgen, daß von diesem Recht in der ernsthafteften Weise Gebrauch gemacht wird. Was wird mit Jarres? Man möchte ihn gern wieder in die Ecke stellen. Die Grippe grassiert in Deutschland. Auch Herr Oberbürgermeister Dr. Sarres aus Duisburg ist an ihr erfranft. Je glänzender sein Siegeszug" vor den Wahlen durch Deutschland verlief, desto beunruhigender wurden die Nach richten über die Krankheit des Rechtsblockkandidaten. Zwar wird jezt berichtet, daß sich der Zustand gebessert habe. Es gibt auch noch unentwegte Mannen, die an Jarres festhalten. Da ist der Vorstand der Deutschen Volkspartei, der Bozener Frühling. Bon Walter G. Oschilemsti gestern noch ein stimmig beschloß, an der Kandidatur Jarres festzuhalten. Aber außerhalb der Reihen dieser Getreuen scheint es andere zu geben, die Herrn Dr. Jarres meniger hold find. Wenigstens lesen wir in der Deutschen Zeitung" unter der Ueberschrift, Quertreibereien gegen die Kanbidatur Jarres" eine heftige Polemit gegen die Berliner Börsen- Zeitung", die gegenüber einer Linkseinigungsfandidatur Marr eine Rechts" einigungskandidatur Geßler fordert: 17 „ Es ist dies bekanntlich der alte Plan des Kreises um Frau v. Oheimb, Fischbeck usw.: Die Linke zu schlagen, indem man einen von der Linken übernommenen Kandidaten mit den Stimmen der Rechten fiegen läßt in drastischerem, aber zugleich auch richtigerem Deutsch also die Anempfehlung der Methode, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben." Offenbar richtet sich diese Polemit der tapferen„ Deutschen Beitung" nicht nur gegen Zeitungsartikel der„ Börsenzeitung", fendern gegen sehr reale Bestrebungen einflußreicher Kreise des Reichsblods. Bisher hat z. B. der" I a g" für die Sozialdemokratie mit Borliebe die Rolle des Zions wächters übernommen und uns flarzumachen versucht, daß wir doch unmöglich, schon von wegen des Klaffen fempes und anderer dem" Tag" besonders heiliger Brinzipien für den Zentrumsmann Marg stimmen fönnten. Heute entdeckt der„ Tag" auf einmal, daß ein Sieg von Marr in einem solchen Wahlkampf auch nach Anficht sehr maßgebender Zentrumsabgeordneter die vollige Herrschaft der Sozialdemokratie über das Ben trum bedeuten würde". Ja, das wäre allerdings fatastrophal und muß natürlich verhindert werden. Deswegen berichtet der Tag" weiter: 29 vorgelegen hätte, ganz unverbindliche Besprechungen mii ,, Es haben gestern, ohne daß dazu ein Auftrag des Reichsblods Mitgliedern des Zentrums und der Bayerischen Boltspartei und der Demokratischen Partei stattgefunden. In diesen Verhandlungen ist eine Geneigtheit des Zentrums zu einer ehrlichen Zusammenarbeit mit dem Reichsblod noch nicht festzustellen gewesen. In diesen unverbindlichen Verhandlungen ist auch wieder der Name Geßler genannt worden, obwohl eine Kandidatur Geßler die überwiegende Mehrheit der im Reichsblod vertretenen Barteien aus Gründen, die schon im ersten Wahlgang maßgebend maren, für und Berbände unmöglich ist. Selbstverständlich sind auf der anderen Seite für den Reichsblod Berhandlungen über eine gemeinsame bürgerliche Kandidatur dann möglich, wenn das Zentrum. die Berhandlungen mit der Sozialdemokratie aufgibt." Diese Mitteilungen des„ Tag" werden von anderen Rechtsblättern, so vom„ Lokal- Anzeiger", bestätigt. Am auf fallendsten ist die Energie, mit der die„ DAZ." diesen Borstoß unterstützt. Triumphierend spricht sie bereits von einer folie des Zentrums und der Sozialdemokratie ausgeschloffen rung der Sozialdemokraten" und erklärt, daß eine Einigung fei und fährt dann fort: Die Bayerische Volkspartei benußte die Situation zu einem wuchtigen Borstoß zugunsten des Plans einer Sammeltandidatur Dr. Geßler, der auch bei den Demokraten den bei der Person Dr. Geßlers selbstverständlichen Anflang fand und ebenso in weiter rechts stehenden Kreisen, wie schon früher, nicht unsympathisch aufgenommen wurde. Es fand eine Besprechung zwischen den Führern der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei statt, die ergab, daß der Plan noch immer eineswegs aussichtslos ist, wenn alle bürgerlichen Kreise sich seiner mit der wünschensmerten Energie und Selbstlosigkeit annehmen. Die Besprechungen werden ihren Fortgang nehmen. Von den übrigen bürgerlichen Parteien, die stets Vorfämpfer der Sammlungsidee gewesen sind, liegen Unregungen ähnlicher Richtung vor." Als ein Teil dieser Entlastung soffensive muß man offen bar die merkwürdige Befehrung der Wirtschafts partei in Preußen zur Weimarer Koalition betrachten. Heute ist die Wirtschaftspartei bereit, Severing als Innenminister, Braun als Finanzminister und sogar den tödlich gehaßten Hirtfiefer als Wohlfahrtsminister zu schlucken und ein pofitives Vertrauensvotum auszusprechen. Einzige Bedingung " GGYO wagen auf den Teller; aus großen Suppenterrinen friegst du zenti meterdicke Wurftfchnitten, Gänseleberpaftete( was- hafte no nie jefehn? Menja), du willst doch nicht etwa sterben, bevor du?) Also Gänseleberpastete, soviel du willst und noch, und noch, und alles für eine Rentenmart. Jegt haben nämlich die da drüben die ½ Meter hoch. Die Berfasserin sagt:„ von ungeheurer Süße". Und Inflation. Ach jo, nicht zu vergeffen, Butter, fo füß wie unglaublich, Dann gehts weiter. Neben ihr figi ein blonder Knabe von etwa neun Jahren mit seiner aufgepugten Mutter, Grande Kototte. Er bestellt wie ein Großer das Menu mit der Wichtigkeit des erfahrenen Lebemannes und Gourmets. Er verlangt warmen Summer à l'Americain, dann Poulet im Topf, dazu erft weißen Bordeaux, daß die Mama noch einen zierlichen Affen aus dem Pompadour dann Sett. Und zum Schluß erfährt der flüstern gespannte Spießer, trodneten Engländer ihr gegenüber, so daß der Kleine von feiner Schlagsahne meg in die Baba geschickt wird, um vielleicht morgen wieder mit Hausmeistern über rückständigen Mietzins zu ver handeln. Kein Wort über das Himmelschreiende einer solchen Berspettive in unserer verrotteten Gesellschaftsordnung. Nur das blante Bergnügen strahlt durch, dabei gewesen zu sein, um diesen füßen Lebemann gleich, usw.... Und als das in der Tat Betrübendste fleinen Ravaller beschreiben zu können, wie er, einem erfahrenen dabei erscheint es uns, daß eine Frau, der doch Natur mütter: lichstes und bestes Wesen gab, diesen Artikel in dieser Form ver. fassen fonnte. Aber, wetten, daß die Leser gerade dieses Feuilleton reizend fanden?! Der Brenner, jetzt die Scheide zwischen Desterreich und dem italienischen Tirol, liegt hinter uns. Auf dieser Höhe( 1370 Meter) fiel noch Schnee, aber aus den Tälern, von Brigen und Bozen her. roch schon der Frühling. Als der Zug, der uns aus den Gefäng niffen der Großstadt in eine an Düften überreiche Landschaft bringen follte, bergab rollte, wuchs an den bronzenen und schneeigen Kuppen ber Alpen die Morgensonne. Der Eisac, der im Norden aus dem Felsen springt, begleitete uns, von den Schneewassern gedrängt, schoß er zu Tal; die Burgen Sprechenstein, Thumburg, Belfensteinholt, den sie vom Teller leden läßt. Das ermuntert einen verTagen wie Wildhorste auf den Kuppen. An der Franzensfeste fiel Der erste blühende Baum in unsere Augen. Und in Brigen, wo man die Alpen mit Sonnenuntergang und Nachtmufit auf Postkarten taufen kann und dafür 20 Cent bezahlen bars, war es schon warm, und als der Zug in Bozen anfam, schlug uns eine Belle wie dicker Saft von frischen Himbeeren entgegen. Die Luft konnte man faffen, es war, als griffe man in den schönsten und besten Elberfelder Sammet. Hier in Bozen, dem bedeutendsten Tiroler Handelsplay, den die Italiener Bolzano nennen, der aber nicht verleugnen fann, daß er einst deutsch gewesen ist, zwischen dem Norden und Venedig, ist ießt Frühling. Diese Stadt, die sich auch rühmen darf, dem größten Minnefänger aller Zeiten, Walter von der Bogelweide, ein schönes Dentmal errichtet zu haben, liegt an dem Einfluß der aus dem Sarnetal kommenden Talfach in den Eisack. Bozen ist ein blühender Steffel, den der stahlblaue Himmel zwischen die eisbekränzten Berge schwingt. Durch die Eisadschlucht hindurch sieht man im Osten das metallene Gebirge der Dolomiten; im Norden liegen wie feurige Steine die Garnetaler Berge aus rotem Porphyr. Und in den Gärten blühen Pfirsich, Quitte und Apfel. Und Und in den Gärten blühen Pfirsich, Quitte und Apfel. Und nereinzelt schon Kastanie und Granat. Kaum daß wir Bozen ver laffen hatten, überfiel uns füdwärts im Etschtal ein rosa Mandelregen. Unser Blut stieg und quoll und war fast Sommer schon. Als wir uns dann müde niederließen und der Abend wie eine glühende Nuß zwischen den Bergen hing, träumten wir von der schönsten Myrtenalabasterblüte und von dem füßen Wind der Feige und Orange. Womit sie unterhalten werden. Stand da dieser Tage ein Feuilleton in der Mittagsausgabe eines jener großen ZeitungsLonzerne, der die Hirne seiner Lefer nach bestimmten Rezepten mit bestimmten Dojen auffüllt. Eine füße lleberschrift:„ Der kleine Savalier." In einem Restaurant spielt sie, einem Parifer natürlich; natürlich ist es entzückend. Denn was wäre in Paris nicht für den Spießer oder die Spießerin entzückend? Effen gibt es dort, Bardon, Speisen, na eben Baris. Mit graziösem Wurf schmeißt, Bardon, schleudert dir der Koch die Schinkenscheiben vom Silber Lug. Gelingen die Wege der Bühnen zu gehen, die mit übermütigen Das Thalia- Theater verfucht mit redlichem Mühen und halbem Operetten einen Augen und Ohrenschmaus bieten wollen. Der blonde Engel", eine Boffe mit Musik von Richard Reßler für fleinbürgerlichen Geschmack machte einen bedentlich veralteten Eindruck, und die auf Draftit gestellte Romit ist stellenweise an den Haaren herbeigezogen. Daß der Sohn durchaus die abgelegte Frau feines Stiefvaters heiraten will, wodurch der lodere Bapa in die erzwickteſten Situationen kommt, fo was ist auf den Bühnen schon so oft da gewesen, verfehlt aber auch hier nicht seinen Swed, auf ein paar Stunden das Zwerchfell zu erschüttern. Besonders wenn eine so routinierte Soubrette wie Ida Ban é den teffen blonden Engel spielt. Robert Winterbergs Mufit bewegt sich auf der durchschnittlichen Linie, wie wir jie in einer volkstümlichen Boife go möhnt sind. Ein paar lustige Balzer hatten den meisten Erfolg. Bon den Darstellern brachte Alfred Lautner die Lacher auf jeine Seite, und Herr Müller Marten verblüffte ein wenig durch sein fnödelndes Singen. Dgr. Die deutsche Naturschuhparkbewegung. Heilige Seine und geweihte Pläge gab es in uralten Zeiten, und man fann, wenn man will, in dieser frommen Scheu vor der unberührten Natur bas Bor bild jener Gedanken sehen, die in neuester Zeit zur Errichtung von Naturschutzparten geführt haben. Aber was damals aus unbewußier Frömmigkeit geschah, das wird heute durch das unaufhalifame Fort schreiten der Bivilisation zu einer bewußt geforderten Notwendigkeit. Ueberall in der Welt wird die freie Natur in ihrer jungfräulichen Schönheit verwüstet und verdrängt, und so ist man denn zuerst in ist nur das Festhalten an Höpfer- Aschoff als Ministerpräsidenten. Das Berliner Tageblatt" charakterisiert den 3weck dieser Bekehrung vollkommen richtig: Hier setzt das Intrigenspiel der Rechten ein. Genau so, wie man von rechts her der Sozialdemokratie einzureben versuchte, ihr Prestige dulde es nicht. baß sie als die stärffte republikanische Partei für einen aus den Reihen des Zentrums stammenden Einheitskandidaten stimme, genau so suchi man jetzt den Demokraten die Meinung einzu geben, eine Ablehnung seitens Dr. Höpker. ichoffs fei mit dem Prestige der Demokratischen Bartei unvereinbar. Die Tendenz dieser Einflüsteringen ist vollkommen flar. Dan will die Demokraten in eine Oppofitions. stellung gegen Zentrum und Sozialdemokratie hineinmanovrieren. Dan will die Kandidatur Braun in Breußen hintertreiben und dadurch die Kandidatur Marg im Reihe unmöglich machen." Genau so urteilt die Germania" über die Wirtschaftspartei. Sie spricht davon, daß die so plötzliche Bereitwilligfeit von den Regierungsparteien mit dem größten Mißtrauen behandelt werden müsse und deutet zwischen den Beilen den Zusammenhang zwischen dieser Belehrung und ten Bestrebungen, im Rechtsblod Jarres fallen zu laffen, an. nachher Das ganze Durcheinander heißt dann nachher in den Spalten der Rechtspresse Berwirrung im Lintslager", uhhandel der Linken" usw. Die" DA3." ist sogar fo geschmackvoll nach einem Bericht über die Verhandlungen zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum zu schreiben: Wie anders wirft diesem Treiben gegenüber das Verhalten der Kreise, die fich frei von parteiischen Scheuflappen. ihr staatsbürgerliches Denken und Pflichtbewußtsein noch bewahrt Lager die Politik bestimmt, wird in dem zweiten Wahlgang noch mehr als es am 29. März zum Ausdrud fam die Zustimmung in allen Bolksschichten finden. Ohne Zweifel wird der wieder geäußerte Wunsch, einen Sammelfandidaten für das gesamte staatspoliParteibuden begrüßt werden. Nicht zuletzt auch in den Reihen der tische Boll aufzustellen, wie eine Befreiung von der muffigen Luft der demokratischen oder 3entrumsanhänger, deren Willen von den Geschäftshubern an der Spike ebenso mißachtet mirb, mie der Sinn der Verfassung und der Demokratie. Die Stunde für einen wahren staatsmännischen Entschluß ist sehr günffig; sie wird nicht ungenutzt vorübergehen dürfen." haben! Der Gedante einer überparteilichen Kandidatur, der in diesem Demokratie besorgt sind! Rührend, wie sie jede politische GeRührend, wie die Stinnes- Jünglinge für Verfassung und schäftsmacherei ablehnen! Birklich, von der Großindustrie tommt uns das Heil! mal gescheitert und es wird auch diesmal fcheitern. Was hier versucht wird, ist nicht neu. Es ist hundertHerr Jarres fann beruhigt sein. Er wird am Ende doch noch wieder hervorgeholt, um mit und ohne Grippe am 26, April die verdiente Niederlage zu erleiden. Das Ausland zur Präsidentenwahl. Ein holländisches Urteil. Rofferdam, 2. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Rieume Rotterdamsche Courant" schreibt in einem Leitartikel über die Wahlniederlage der Rechtsparteien: Die Disziplin in der deutschen Sozial deutsche sozialdemokratische Bresse feiert mit Recht die bei den Wahlen demokratischen Partei hat alle Ermartungen übertroffen. Die abermals glänzend in Erscheinung getretene Barteidisziplin ais moralischen Erfolg. Diesem moralischen Erfolg wird bei den näch ften Wahlen der materielle Erfolg folgen. Die Sozialdemokratie fann einen moralischen Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes buchen. Die Barmatgeschichte hat ihr nicht den geringsten Abbruch getan. Der zur Kompromittierung der Sozialdemokratie aufgebauschte behandelt worden, als daß ein ernster Mann auf die mit den Mitteln Standal ist von den Rechtsparteien zu plump und zu bemagogisch der moralischen Entrüstung arbeitende Aktion der sonst alle mög lichen zweifelhaften Methoden bestimmt nicht scheuenden Reattion hereingefallen wäre. dem Lande, in dem am meisten Raubbau getrieben wurde, in den Bereinigten Staaten, dazu übergegangen, einzelne Schuggebiete zu schaffen, in denen ebenso den mit Untergang bedrohten Menschen, den Indianern, wie der Tier und Pflanzenwelt Zufluchtstätten ge schaffen wurden. Die Alte Welt ist diesem Beispiel gefolgt, und großund in Italien. Auch bei uns in Deutschland und im stammverartige Schuhsparte sind verschiedentlich angelegt, fo in der Schweiz bewegung entstanden, über deren Ausbreitung 2. von Stodmayer in wandten Desterreich war furz vor dem Kriege eine Naturschutzparf der Bergstadt" berichtet. Der Vater des Gedankens war der be tannie Naturforscher Dr. Kurt Flöride. Im Jahre 1909 trat er mit Gesinnungsfreunden zur Gründung eines Bundes zufammen. Es gebraucht und der Wirtschaft nugbar gemacht werden soll, einen war äußerst schwierig, in unserem Baterland, wo jedes Stüd Erde Naturschußpart sich in der Lüneburger heide ein Gebiet von folchen legten Fled Urnatur zu erhalten. Doch hat der Verein 3600 Heftar geftchert, und in Desterreich ist ein Bart von 1140 Heftar im Salzburger Gebiet am Nordhange der hohen Tauern entstanden. In dem Jahrfünft von 1909 bis 1914 nahm der Verein einen großen Aufschwung und umfaßte Zehntausende von Mitgliedern. Der Krieg hat fein Wirten gehemmt, aber nicht erstift, Kräften aufgenommen. Es bleibt freilich noch viel Arbeit zu leisten, und heute hat er die Durchführung seiner Aufgaben wieder mit pollen benn bisher fann nur in beschränktem Maße der Tier- und Pflanzen baß der Zauber der niederdeutschen Heidelandschaft und des Heidewelt der unbedingte Frieden gewährleistet werden. Doch ist erreicht. waldes auch noch fernen Enteln in aller Ursprünglichkeit sich offenbaren wird. Eine Automobilstraße auf den Vesuv. Wie italienische Blätter belichten, foll bder Blan, eine Automobilstraße auf den Besuv zi baven, nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden. Man will den feuerfpeienden Berg zu gelangen, als durch Autoomnibuſſe für damit weniger den Privatautomobilen die Möglichkeit schaffen, auf die gewöhnlichen Reisenden eine bequeme Auffahrtsmöglichkeit bieter. Coot- Gesellschaft gegeben, beren hohe Breise schon lange Unzi Bisher ist eine Auffahrt auf den Besup nur durch die Bahn der friedenheit erregt haben. Ebenso mird über Ausbeutung der Rei. senden, die den Berg zu Fuß besteigen wollen, geflagt. Die Verftellungen der Segel am Horizont" in der Bollsbühne mustere wegen technischer Borbereitungen für den Hamlet für einige Tage unters brochen werden. Ihre nächste Ausführung findet am 14. statt. Eix unbekanntes Hauptwert Feuerbachs. Ein tounberboles ert aus bem eriten Jahre bes römischen Aufenthaltes von Anfelm Feuerbach, bas bis bor urgem billig unbelannt war, ist jeht für Deutschland gesichert worben und wird gum erstenmal im neuesten Heft bes Cicerone" abge Rinbes in Rom", bas Fenerbach felbft veribiedentlich als seine Arbeit ere bilbet. Es ist das Borträt der feinen Giacinta Neri, des schönsten mähnt, auf bie er besonders stolz tar. Das Bild wurde nun in der Familie der Dargestellten ausfindig gemacht. nahmte Bina bes verstorbenen Bro enrh Thobe, bes Schmiegerjohns Rafionaleigentum. Der italienije Ministerrat beschloß, die beschlagvon Richard Bagner, in der fich d'unzio einquartiert hat, als Rational eigentum zit erflären. Herr Kußmann in �msteröam. Wie lange wartet der Justizminister? Mehr als eine Woche ist es her. dag wir über die söge- nannte Dienstreise des jugendlichen Assessors K u ß m a n n durch ganz Europa und über fein Austreten in Amsterdam Mittellungen gebracht haben, die den politischen Charakter der staatsanwaltschaftlichen Aktion gegen Barmat in ein be- denkliches Licht rückten. Man hätte wohl erwarten dürfen, daß die zuständigen preußischen Stellen zu diesen konkreten Mitteilungen Stellung nehmen. Bisher ist dies aber nicht ge- schehen. Anscheinend halt es also das preußische Justizministerium für durchaus in der Ordnung, daß ein noch nicht dreißigjähriger Assessor auf Kosten der preußischen Steuerzahler mittels Auto von Berlin nach der Tschechoslowakei, Wien. Rumänien, Italien und von dort nach Holland berumsaust und daß er sein«„Untersuchungen" vor allem nach der Richtung, erstreckt, wie er gegen links stehende politische Persönlichkeiten„M a t e r i a l zusammenkriegcn könnte. Oder will sich etwa die zuständige Stelle erst dann äußern, wenn Herr Kußmann von seiner sogenannten .Dienstreise" zurückgekehrt sein wird? Denn" der Herr Assessor befindet sich noch immer in Holland. Sein Dienstauto rast noch immer zwischen den hauptsächlichen Städten der Niederlande. Herr Kußmann sucht nämlich jetzt Fühlung mit all denjenigen Leuten zu gewinnen, die dort aus .Konkurrenzgründen oder wegen früherer geschäst- licher Differenzen über Barmat Ungünstiges auszusagen in der Lage wären. Da die Untersuchung über die Barmat ur- sprünglich in Deutschland zur Last gelegten Delikte« i n g e- standenermaßcn Fiasko erleidet, versuchen offen- l ar die verantwortlichen Herren der Staatsanwaltschaft auf diese Art Ablenkungsmaterial zu beschasten. Daneben läßt es fich der Herr Assessor in Holland recht gut gehen, fährt öfters nach Haarlem, um sich an den im Vorfrühling blühenden Tulpen- feldern zu erfreuen, und erholt sich dann von dieser anstrengen- i en Tätigkest dadurch, daß er in den bekanntesten Amsterdamer Tanzdielen und Bars Gastrollen aibt. Wie uns aus Amsterdam gemeldet wird, erregt dieses Auftreten des Herrn Kußmann bei den holländischen Behörden nicht geringes Staunen. Für uns, die wir ja die politischen Hintergründe des Berfahrens gegen Barmat schon seit Wochen durchschaut haben, ist dies allerdings keine Ueberraschung. Der Reichsbannerprozeß. Urteil heute. Breslau, 2. April.(Eigener Drahtbericht.) Während der Staatsanwalt im Schweidnitzer Reichsbanner. Prozeß für die angeklagten Reichsbannerführer 2 Jahre bzw. 8 Monat« Gefängnis beantragte und für 28 der beteiligten Rsichsbannerleute ebenfalls Freiheitsstrafen von 3 Monaten bis zu 1 Jahr 2 Monaten vorschlug, beantragten die vier Verteidiger in ihren ausführlichen Plaidoyers Freisprechung in allen Fällen bis auf einen einzigen, in dem eine leichter Körperverletzung zugegeben werden muß. Rechtsanwalt Landsberg beleuchtete in einer großen Rede den politischen Hintergrund der Anklage, die das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als Störenfried erscheinen lassen will. Er zeigte die friedlichen nationalen Ziele dieser Organisation zum Schutze der Republik und verglich sie mst den(leinlichen Tendenzen des Stahlhelms, die durch ihre nationalistische Einstellung zu Gewalttaten geradezu hindrängten. Die Ablehnung der Beweisanträge über die Gewalttätigkeiten des Stahlhelms in anderen Landesteilen und auch in Schlesien bei früheren Gelegen- heilen sei eine starke Einschränkung der Verteidigung gewesen. Landfriedensbruch, wie sie die Anklage' den Reichsbanner. leuten vorwerfe, komme auf keinen Fall in Frage. Anschlicßeild zergliederte dann Prof. Radbruch eingehend den Begriff des Landfriedensbruchs, der nur bei einheitlichen Massenaktionen gegeben sei. während es sich bei den blutigen 'Zusammenstößen in Striegau beinahe immer nur um Schlägereien gehandelt habe, die aus Zusammenstößen von Einzelpersonen ent- standen seien. In einem Falle sei allerdings der Begriff des Land. sriedcnsbruchs anwendbar. Dort habe ober die Masse der Arbeiter und Republikaner unter dem deutlichen Eindruck gestanden, daß der Skahlhelm sie angreife und daher in Rotwehr. zum ollermlude. slen in vermeintlicher Ttotroehr gehandelt. Prof. Radbruch und Rechtsanwalt Landsberg kritisierten auch die merkwürdige Handhabung der Strafprozeßordnung durch die An- klagebehörden unter Duldung des Gerichts, wobei u. o. ein Zeuge, der gegen den Stahlhelm aussagte, noch vor der endgültigen Klärung der Tatsachen vom Staatsanwalt mit einem Aleineidsver- fahren bedroht wurde. Der Verteidiger der Hauptangeklagten Rcichsbaiulersührer Müller und Lehrer Geburt war Rechtsanwall Bandmann- Breslau, der für beide vollständige Freisprechung beantragte, da sie sich während des Zusammenstoßes nur im Sinne des Friedens unter Vermeidung von Blutvergießen betätigt hatten. Für die übrigen Angeklagten verlangte Rechtsanwalt Bärensprung- Rdagdcburg gleichfalls Freisprechung, mit Ausnahme des Rcichsbannernianncs Lobers, der sich nach der Be< weisaufnahme tatsächlich einer leichten Körperverletzung schuldig ge- macht hätte. Aber auch für diesen feien weitgehende mildernde Umstände in Anspruch zu nehmen, da er sich gleichfalls in Rot» wehr glauben mußte und außerdem Roheitsakte vermieden hätte. wie sie den Stahlhelmlevten vielfach aachgewiesen seien. Alle Verteidiger wiesen nachdrücklich daraus hin. daß keiner von den Stahlhelmleuten aus der Anklagebank siht. deren Ausfchrei- lungen während der Leweisausnahme zweifellos festgestellt worden sind. Dos Urteil des Schöffengerichts wird heute noch verkündet werden.__ Der Glüeuburser Konflikt. Ter Landtag ohpcNiert an den EtaatSgerichtsfcaf. Oldenburg. 2. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Parteien der Weimarer Koalition im Oldenburgischen Landtag traten am Dienstag gegen den Willen per Regierung zu einer Sitzung zu- lammen. Der Präsident Hug teilt« mit. daß entsprechend dem Beschluß der Landtogsmehrheit der Sta a t s g e ri ch t s h o s be- mts zur Entscheidung darüber angerufen worden sei. ob die Re- sierung zu? Auflösung des Landtages berechtigt war oder nicht. Der Landtag nahm dann die Klageschrist a» den Staaisg-nchtshof entgegen. Cr vertagte sich damit aus weii.'res. von den vier Kommunisten der Frankfurter SlodlviN ordneten- froktioa. di« von der kommunistiscben Zentrale oufgefordeit worden sind, ihre Mandate niederzulegen, baden drei-- Fischer, Bind ernagel und Fü ller— bereit» dem Sille« der von Moskau bekehlrgte« Ruth Fischer entsprochen. Mer sehr! In der Straßenbahn am Morgen nach der Reichspräsidenten- wähl. Mir gegenüber sitzen zwei Lokal-Anzeiger-Politiker, fargenooll vertieft in der Lektüre ihres Leibblattes. Sie machen einander freudig auf die Rosinen der lokalanzcigerlichen Wahlbetrochtung aufmerksam, was ober ihre Stimmung nur vorübergehend zu heben imstande ist. „Was ist denn das.„zersplitterte Stimmen", srägt schließlich der eine." Der andere denkt angestrengt nach und sagt schließlich:„Das sind so die anderen, die für mehrere gestimmt haben". Wieder dumpfes Schweigen. Schließlich fallet der eine das Blall für polstifche Verblödung und sagt, resigniert und bedrückt: „Da werden wir uns am 26. aber schwer anstrengen müssen." Und da er mich zugleich fragend ansieht, nicke ich zustimmend: Aber sehr! Hertrauüten-Stist— üie Iarresburg. Das fromme Haus will einen Kaiser haben. In Berlin SW.. an der Ecke Wartenburg- und Groß- beeren st raße, befindet sich die S t.- G e r t r a u d t e n- Stiftung, in der etwa 300 alte Frauen zwischen 60 und 90 Jahren ihren Lebensabend so gut oder vielmehr so schlecht ver> bringen, wie es die durch das kaiserliche Deutschland geschaffenen Verhältnisse ermöglichen. Natürlich ahnen diese aus dem Klein- bürgertum stammenden, zu der untersten Stufe proletarischer Lebens- führung herabgesunkenen bedauernswerten Menschen nicht, wem sie die Verkümmerung ihrer Existenz verdanken. Die Hausverwaltung befiehll ihnen, für den Kandidaten der durch die Inflation auf Kosten der Kleinrentner gemästeten Schwerindustrie zu stimmen, und so be- trill an jedem Wahllag die Schar der allen Wählerinnen das Ab- stimmungslokal und trägt dazu bei, den einzigen und tatsäch- lich Schuldigen an ihrem Unglück wieder zur Macht zu ver- belsen. Mit Späheraugen versucht die Verwallung, vor allem die Stiftsmuller, Wilhelmine Graßmann, jede politische Ausklärung' im Stift zu verhindern. Das heißt: Jarres- Flugblätter durften natürlich anstandslos im Stift von Bismarckbündlern ver- teilt werden, aber wir gestehen ohne weiteres, daß solche Erzeugnisse des Unverstandes, des Hasses und der Verleumdung die Bezeichnung „politische Aufklärung" nicht verdienen. Als dagegen eine unserer Genossinnen, zusällig zu gleicher Zeit wie jene Bismarckbündler, sozialdemokratische Flugblätter verteilte, wurde ihr dies von der Stiftsmutter mit der Begründung o e r s a g t, daß sie sich „in einem frommen Hause befin de", in dem man"von So- zialdemokraten, dieser gottlosen Gesellschaft, die die Religion ab- schassen möchte(!), nichts wissen wolle. Die Stiftsinsossen aber hätten Glauben an Gott und wollten wieder einen Kaiser K a b e n, um wieder in geordnete Verhältnisse wie früher zu kommen. Diese Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Stistsmutter mit dein Htnauswurs durch den Hausinspektor drohte, hatte noch ein paar alte Frauen herausgelockt, die durch Schimpfen auf unsere Genossin ihrer Stiftsmutter sekundierten. Die Sozialdemokratin ließ sich je- doch nicht verblüffen und antwortete dem Korps mit folgenden Worten:„Meine Damen, Gottes Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden: seine Wege sind wunderbor und unerforschlich: was er tut, das ist wohlgetan: er lenkt die Geschicke der Menschen, hat alle Haare auf ihrem Haupte gezählt, Gott, der Herr, ohne dessen Willen kein Sperling vom Dach fällt, er ließ es zu, daß Wilhelm von Hohen zollern vom Thron fiel: Sie, meine Damen, hadern mit Ihrem Göll, an- statt sich gottergeben in Ihr Schicksal zu fügen, wie es Wilhelm von Doorn auch wt, in seiner Heiratslust. Diese Antwort scheint nicht ohne Wirkung auf die alten Domen gewesen zu sein, die sich mst ihren eigenen Argumenten geschlagen fühlten und von denen eine ihr Erstaunen in dem Ausspruch zum Ausdruck brachte:„Ja. fett wann haben denn die Sozialdemokraten Re- ligion? Es wäre natürlich ein Leichtes, diesen und anderen Leuten zu beweisen, daß im Sozialismus tausendmal mehr wahres Christen. tum steckt, als in der ganzen von der Schwerindustrie zum Zwecke der wirksameren Ausbeutung der Voltsmasien bezahllen Agitation für Jarres und die Deutschnationalen. Aber eben weil die Stifts- leitung weiß, wie eine solche Ausklärung für die ichwarzweißroten Parteien verheerend wirken müsse, deshalb versucht sie mit allen Msttekn, sie zu hintertreiben, und macht von einem übrigens recht zweifelhasten Hauerecht gegen alle diejenigen Gebrauch, die Wilhelm nicht wieder hoben wollen. Protestkundgebungen der kriegsbesthädigten. jfit eine besser? Ausgestaltung der Rentenversorgung; Der.Reichsbund der Kriegebeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen" haste in der Zeit vom IS. bis 30. März in allen Teilen Berlins sieben Kundgebungen einberufen, um zu den von den politischen Parteien im Reichstag gestellten An- trägen für«in« Rentenerhöhung und Aenderung des Reichsversorgungsgesetzes Stellung zu nehmen. Der Bundesvorsitzsnde P f ä n d n e r, der Gaulester M e n d e und di« Vorstandsmitglieder Ebert und Schwarz hatten die Referate übernommen. 1920 wurden 260 000 Rentenempfänger mst einer Erwerbsminderung von 10 Proz., 1923 SSZ 400 Rentenempfän- ger mit einer Erwerbsminderung von 20 Proz. abgefunden, so daß unter Berücksichtigung der Todesfälle und Zugänge von 1587 00Ö Rentenempfängern in Deutschland nur noch 721 660 übrig geblieben sind. Die anderen wurden mst Abfindungssummen abgespeist, die sehr ost nicht zur Auszahlung gelangen konnten, weil sie völlig entwertet waren. Von den übrig bleibenden Rentenempfängern beziehen 409 180 Leichtbeschädigte(also mehr als die Hälfte) nur noch zirka 23 Proz. der Gebührnisse, die in der Vorkriegszeit gezahlt wurden. Durch Absindungen und Rentenkürzungen werden heute vom Reich im Jahre insgesamt 401 Millionen an den Rente» der Kriegsopfer erspart. Witwen, die vor dem Krieg« 33,35 M.«rhiel- ten. erhallen jetzt, vorausgesetzt, daß der Gefallene einen Berus er- leint hat, 18,92 M. monatlich. Der Hinweis der Regierung auf die Zusatzrente, di« den erwerbsunfähigen Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen gezahlt wird, wenn der Nachweis der Bsdürf- tigkeil erbracht worden ist, ist nicht stichhastig, da von den kriegs- beschädigten Rentenempsängern nur 2 Proz., von den Hiisterblie- denen 43 Proz. die Zusatzronte erhalten. Der Reichsbund tritt— nach wie vor dafür ein, daß diejenigen, die von der Rente leben müssen, einen besonderen Zuschuß erhalten: dies darf jedoch nicht auf Koste» der Rentenempfänger geschehen, die trotz ihrer schweren Beschädigung ihre Arbestskraft im Dienste der Allgemeinhest zur Verfügung stellen. Folgende Forderungen, die vom Reichskund dem Reichstag als dringend unterbreitet wurden und wofür sich berests verschiedene der Parteien bisher entschieden haben, fanden die Zu- sttmmung der Kundgebungen, l. Die Grundrente und Schwer- beschädigtenzulage ist so zu erhöhen, daß sie in der Regel den Rentensätzen gleichkommen, die nach dem Mannschaftsversorgungsgesetz 1906 einschließlich Kriegs- und Verstümmelungszulage den„Ge- meinen" gewährt worden sind.— 2. Zu diesen Grundbeträgen Ge- Währung von sozialen Zuschlägen. Die allgemeinen Grundrenten sollen dabei höher sein als die Zusotzrente für die Bedürftigen.— 3. Gewährung eines Rechtsanspruches der Hinterbliebenen auf Hell- behandlung.— 4. Zulassung aller Beamtenscheine zur Absindimg ohne Rücksicht aus den Tag der Aushändigung und eine Vormerkung. Anstellungsscheine nach dem Mannschastsverforgungsgesetz 1906 mit dem halben Abfindungsbetrag der Beamtenschein« zur Absindung zuzulassen. Dies« Abfindungssummen für die Versorgungsanwärter steuerfrei zu lassen.— 2. Auch beim Tod« von Hinterbliebenen SIerbegeld zu gewähren.— 6. Die Kapitalabfindungsvorschriften zu vereinfachen und zu verbessern. In der sozialen Fürsorge wird nach wie vor gefordert, daß die Kosten dafür vom Reick? übernommen werden, da die Ausjührung durch die Länder und Gemeinden dre Gefahr in sich birgt, daß die Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene auf das Niveau der Armensürsorge herabsinkt. Sämtliche Kundgebungen waren stark besucht, teilweise überfüllt. Die Vertreter anderer Organisa. tionen— z. B. des Internationalen Bundes— konnten sich nur den Forderungen des Reichsbundes anschließen. Soweit k o m m u- nistische Ruhestörer erschienen waren, wurden sie durch die Versammlungsteilnehmer m die schranken zurückgewiesen. Die ein- drucksvollen Kundgebungen schlössen mit der Feststellung, daß alle Anwesenden den vom Reichsbund gestellten Forderungen"zustimmten und sich berest erklärten, in der breitesten Oeifentüchkeil über die Not der Kriegsopfer aufklärend zu wirken. das eingeweichte Papiergeld. Unterschlagungen eines poslaushelsers auf Postamt C. 2. Auf dem Postamt C 2 war es fest längerer Zeit aufgefallen, daß der 40 Jahre alle Postaushelfer Erich David aus der Brüsseler Straße 21 ein für seine bescheidenen Verhällnisje ganz außergewöhn- lich luxuriöses Dasein führte. Vorsichtige Kollegen mieden ihn des- halb, er aber erklärte stets, er habe reiche Verwandte in Amerika, die ihn in freigebigster Weise unterstützten. Der Postbehörde kam die Sache natürlich sehr verdächtig vor und sie ließ den David be- obachten. Eines Tages griff sie ein und hielt eine Haussuchung ab. Und nun spielle sich folgendes ob: Kaum hatten die Beamten des Kriminalpostdienstes die Woh- nung betreten, so fielen nacheinander die Frau des David, die Groß- muller und schließlich David lelbst anscheinend in Krämpfen zu Boden. Rur die 19jähriae Tochter Gertrud hielt sich aufrecht und bemüht« sich um die„Kranken". Während die Beamten dabei- standen, erbat die Tochter die Erlaubnis, zur Apotheke gehen zu dürfen und erhielt sie auch. Bei der Durchsuchung fanden die Be- amten im Klosettraum unter den Kohlen zerrissene B a n k a u s- stellungen vor. Einige Versehlungen gab David zu, aber sie erreichten bei weitem nicht die von den Beamten herausgefundene Summe von 100 000 M. Hier stimmte also etwas nicht. Man forschte weiter und kam schließlich aus eine Frau K. in der Genter Straße. Hier fanden die Beamten einen versiegelten Karton, den die Tochter Gertrud nach der Haussuchung bei ihrem Vater in Vcr- wahrung gegeben hatte. In dem Karton befanden sich 310 0 0 M. bares Geld, wertvolle Schmucksachen und mehrere Brillanten. Nunmehr stellt« sich heraus, daß die Krampfanfälle der drei genann- ten Personen auch nur sehr geschickte Täuschungsmanöver gewesen waren. Während die Tochter sich um die aus dem Boden Liegenden bemühte, hatte ihr der Dater zugeflüstert, sie solle das Bargeld in den Waschtopf tun, Wasser darauf gießen und alte Wäsche einweichen. Das hatte das brave Mädchen auch getan und die Beamten hatten in der Annahme, daß unter schmutziger nasser Wäsche sich keine Papiere befinden könnten, keine Untersuchung des Waschtopfes vorgenommen. Die Schmucksachen hatte die wackere Tochter der auf dem Boden liegenden Großmutter in den Busen geschoben. Als die Beamten dann weg waren holte man die ausgeweichten Geldscheine aus dem Waschtops heraus, trocknete und plättete sie und tat sie mst den Schmucksachen in den Karton, der dann zu jener Frau K. in der Gcnter Straße getragen wurde. Nunmehr hat David auf Grund der Feststellungen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er behaup- tet, immer nur gekauft zu haben, was er bekommen konnte. U. a. hatte er tatsächlich für 12000 M. Einrichtungsstücke gekauft, dar- unter ein Schwechten-Klavier für 2000 M. Wahrscheinlick? hat er aber auch an Banken spekuliert und die Kriminaldienststelle in der Königstraße ersucht deshalb die betreffenden Banken bzw. Pro- kuristen, sich bei ihr zu melden. Die Folge wird wahrscheinlich sein, daß die ganze Familie unter Anklage gestellt wird. Eine Warnung der Berliner Forstverwallung. Die jetzt ein- getretene mild« Witterung wird«ine schnelle Entwicklung der Blütenkätzchen bei Weiden- und Hasel st räuchern fördern. Di« Forstverwattuna der Stadt Berlin warnt daher erneut vor dem Abschneiden dieser Käßchen, dos nickt nur das Aus- sehen und das Wachstum der Bäume und Sträucher schädigt. sondern auch den Bienen die Hauptnohrungsquelle der ersten Frühlingstracht entzieht.— Die unbefugte Entnahme solcher Blüten- zweige ist nach dem Feld- und Forstpölizeigesetz, nach der Pollzet- Verordnung vom 5. März 1924 und auch nach§ 242 des Reichsstrafgesetzbuch« versolgbar. Darüber hinaus ist an vielen Orlen der Verkehr mtt diesen Zweigen polizeilichen Beschränkungen unterworfen. Es bedarf aber vor allem der bereitwilligen Mit» Wirkung der Bevölkerung, um der Unsitte des mutwilligen Abpflückens zu steuern. Leberwurst in der Spree. Einen seltenen Fund machte man gestern nachmittag vor dem Hause An der Schleuse Nr. 10. Hier wurde aus der Spree ein Sack gelandet, der% Zentner Landleberwurst enthiell. Wahrscheinlich stammt die Wurst von einem Einbrecher, der irgendwie gezwungen war. sich seiner Beute zu entledigen.__ die Pontoakataftrophe auf öer Weser. Riemand trägt die Schuld? Detmold, 2. April.(Eigener Drahtbericht.) Das Unglück bei Beltheim veranlaßt die amtlichen Stellen zu folgender Fest- stellung: lieber das Unglück haben die in der Nacht vom 31. März zum 1. April und am 1. April vormsttags angestellten Cr- mittliingen ergeben, daß weder an dem Bau noch dem Betrieb bor Fähr« irgendein Fehler vorgekommen ist. Auch hat sich die Be- lastung unter der zulässigen Höchstgrenze gehalten. Der Grund des Unglücks ist vielmehr in einer gewissen Panik zu suchen. die' entstand, als mitten im Strom einige Spritzer über Bord des einen Pontons gingen und darauf der Ruf ertönte:„Wasser im PontonI" Durch Drängen der Mannschaften nach der einen Seite wurde daraufhin tatsächlich ein Ponton unter Wasser gedrückt. Ein Teil der Besatzung kam dadurch in den Strom. Das Hauptunglück entstand kurz darauf dadurch, daß, als ein Rettungsboot an die abtreibende Fähre sicransuhr, trotz der Er- Mahnungen eines auf der Fähre mittreibenden Pionier-Ossiziers alles in dieses Boot hineinsprang und sich retten wollte. Dadurch kam die Föhre zum Sinken und das Boot zum Kentern. Alle Sicherheitsmaßnahmen, Bereitlegen von Pontons, Rettungsgürteln. Kellen und Leinen waren richtig gctrofsen. Militär und Zivilpersonen wetteiferten beim Rettungswert. Die Hilfeleistung der Zivilbevölke- rung, besonders der Einwohner von Beltheim, verdient besondere Anerkennung und besonderen Dank. Vergebliche Bergungsarbeiten. Trotzdem der W a s s e r s ch utz uird die Technische Nor- hilf« aufgeboten ist und unter Beteiligung der Bevölkerung ver- sucht, die Leichen der bei dem Reichswehrunglück Ertrunkenen aus der Weser zu bergen, ist es den vereinten Anstrengungen bisher nur gelungen, drei Tot« an Land zu bring«»: Zwei konnten davon bisher festgestellt werden, und zwar sind es der vberschütz« Simon G t b b e r t van der 14. Kompagnie des Infanterieregiments 18 irnd der Schütze Alfred Hollmann von der 16. Kompagnie des gleichen Regiments. Am heutigen Tage sollen die gesunkenen P o n- ton» gehoben werden, da man annimmt, daß sich unter ihnen eine Anzahl von Toten b-tindet.— Die T r a u e r s« i e r für die bei dem Unglück ans der Weser um« Leben gekommenen Angehörigen der Reichswehr findet morgen(Freitag), nachmittags 2 Ilhr 30 Minute?!, im Dcttnolder Landeskrankenhaus statt. An der Trauerseier wir. den neben den Vertretern der Reichs-, Staats- und Äonrmnnal- behörden der Reichswehrminister Dr. Gehler und der Ehef del Heeresleitung General v. S«« ck t teilnehmen. Gewerkschaftsbewegung Gegen die Tabaksteuer. Protest der Tabatarbeiter. Die in der tabatverarbeitenden Industrie Groß- Berlins beschäf tigten Arbeiter und Arbeiterinnen protestierten gestern abend in den Sophiensälen gegen die von der Rechtsregierung geplante starte Erhöhung der Tabatsteuer. Die Arbeiterschaft, besonders aus den Berliner Zigarettenbetrieben, war so zahlreich erschienen, daß auf dem hof des Gebäudes eine Parallel versammlung abgehalten werden mußte und trotzdem noch Hunderte feinen Plaz fanden. Genosse Deichmann aus Bremen, her Zentralvorfißende des Tabatarbeiter Verbandes, führte in feinem Referat aus, daß sich bisher jede Erhöhung der Tabatsteuer in einem Rüd gang des Verbrauchs bemertbar gemacht hat, dessen Nachteile insbesondere die Arbeiter Ichaft der Tabatindustrie treffe. Die jezigen Einnahmen aus der Tabatbesteuerung sollen von 360 auf 750 Millionen gesteigert werden; den Eingangszoll für Tabat will man von 30 auf 80 Marf für den Doppelzentner erhöhen. Angesichts solcher Er höhungen muß die Frage aufgeworfen werden, ob die Kon= sumenten diese Mehrbelastung tragen fönnen. Da die Erhöhungen der Tabaksteuer, die selbstverständlich eine Erhöhung der Breise für Zigarren, Zigaretten, Schnupf- und Kautabat nach fich ziehen merden, in erster Linie den fleinen Mann treffen, so ist ganz naturnotwendig mit einem starten Rüdgang des Konsums zu rech nen. Die fich daraus ergebende Arbeitslosigkeit im tabafverarbeiten ben Gewerbe wird dann wieder vergrößerte Not und vertieftes Elend zur Folge haben. An einem umfangreichen Zahlenmaterial fonnte Genosse Deichmann diese Folgeerscheinungen bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein nachweisen. Die geringe Besserung der Arbeitsmarktlage im Gewerbe, die vor Weihnachten des vergangenen Jahres zu verzeichnen war, hat sich inzwischen schon mieder verschlechtert, so daß im Februar 1925 wiederum 37 Proj. der Tabatarbeiterschaft arbeitslos maren. Wie sich das Elend nach der geplanten Steuererhöhung gejtaiten wird, ist gar nicht auszudenken. Deichmann forderte, daß man dem Tabafgewerbe Ruhe lassen soll; dann wird sich ganz von selbst der Konsum und damit auch die Steuereinnahme heben. Die Tabatarbeiterschaft wird sich jedenfalls mit allen ihr geeignet erscheinenden Mitteln gegen die Erhöhung der Tabaffteuer mehren. Unter dem Beifall der Versammlung forderte der Referent, daß die Regierung die befizenden Kreise Steuerlich stärter heranziehen soll, wenn sie mehreinnahmen braucht. Bei der arbeitenden Masse, besonders bei den Tabafarbeitern, ist nichts zu holen. Ihnen ist sowieso schon nur noch das trodene Brot geblieben; fie müssen sich ihrer Haut wehren. Mit einem Appell an die Bersammelten, sich ausnahmslos in ihrer gewertschaft lichen Organisation zusammenzuschließen, beendete Genosse Deichmann feine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Dem tommunistischen Reichstagsabgeordneten Höllein blieb es vorbehalten, durch seine rein agitatorisch eingestellte Rede" einen mißflang in die Versammlung zu bringen. Er mußte fich von Deichmann im Schlußwort fagen lassen, daß die Tabatarbeiter die von Höllein geforderte außerparlamentarische Aktion zur Unter. fügung ihrer Forderung bereits durchgeführt haben, indem sie diese glänzenden Demonftrationsverfammlungen veranstaltet haben. Es wurde schließlich eine Resolution im Sinne des einleitenden Referats einstimmig angenommen. Bourettstoffe in hellen Modefarb, ca. 100 cm breit. Mtr. 195 Generalftreif" der Töpfer. Wie wir bereits in der Mittwochmorgenausgabe des„ Borwärts" mitteilten, haben die im Baugewertsbund organi fierten Töpfer und Ofenjeher am Dienstag gegen 15 Stimmen den Streit beschlossen. Wie nicht anders zu erwarten war, ist Mittwoch morgen die Arbeitsniederlegung sowohl auf den Bauten mie bei den Kleinmeistern einmütig erfolgt, ein Beweis dafür, daß die Töpfer es fatt haben, sich von dem Unternehmertum fortwährend an der Nase herumführen zu lassen. Die syndikalistische Sonderorganisation hat mit ihrem Bäckerdugend Anhänger gestern in einer Versammlung den" Generalstreit für das Ofenjehergewerbe beschlossen. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, mußten die Syndikalisten sich wohl oder übel dem Vorgehen der Baugewerksbündler anschließen, wollten sie nicht den letzten Kredit unter ihren Berufsgenossen verlieren. Daß sie es nicht unter einem Generalstreit tun würden, war schließlich bei ihrer Einstellung vorauszusehen. Nicht aber, daß sie es mit der Beendigung dieses Generalstreits" so fürchterlich eilig haben und sofort eine Rommission einsetzten, die beim Baugewerksbund vorstellig wurde und sofortige Verhandlungen mit den Unternehmern verlangte. Sie hätten sich diese Blamage sparen fönnen. Bei ruhiger Ueberlegung hätten die Sonderbündler sich sagen müssen, daß der Baugewerksbund feine Veranlaffung hat, den Unternehmern nachzulaufen, nachdem diese alle Verhandlungsmöglichkeiten abgebrochen hatten. Selbstverständlich wird der Baugewerksbund sich meder von hatten. Selbstverständlich wird der Baugewerksbund fich meder von den Maßnahmen der Unternehmer, nod, von den Dummheiten der Syndikalisten irgendwie in seinen Absichten beeinflussen lassen. Die Töpfer haben eine viel zu lange gewerkschaftliche Erfahrung und Schulung hinter sich, als daß sie nicht wüßten, was sie zu tun und zu lassen haben. Der Streit geht natürlich in voller Schärfe weiter. Lohnabban in der Film- Industrie. Bon der Filmgewertschaft wird uns geschrieben: Die Unternehmer der Filmindustrie glauben jetzt die Zeit ge tommen, um einen Lohnabbau auf der ganzen Linie durchzuführen. So sind im 300- Atelier 120 Kollegen gefündigt und ent lassen worden, um eine Lohnfürzung von 28 Pfennig pro Stunde durchzuführen. Auch in anderen Filmateliers, so in einem Weißenfeer Atelier, find ebenfalls Massenkündigungen gesprochen worden, um auch hier Lohnabbau bis zu rund 20 Pfennig pro Stunde vorzunehmen. auss Die Belegschaft vom 300 Atelier ist in den Abwehr= fampf gegen diese Verschlechterung eingetreten. Es werden daher alle Arbeiter ersucht, den in dem Kampf stehenden Kollegen nicht in den Rücken zu fallen. Da dieses Vorgehen wahrscheinlich auch in anderen Filmateliers eintreten wird, warnen wir bis auf weiteres vor Arbeitsannahme in den Groß- Berliner Filmateliers. Gewerkschafts- Unterkommission Wilmersdorf. Die Gemertschaftsunterfommiffion des 9. Verwaltungsbezirks ( Wilmersdorf) trat am 26. März zu einer konstituierenden Sizung aufammen. Der Obmann berichtete über das verflossene Geschäfts. jahr und gedachte dabei in warmen Worten des verstorbenen Reichs präsidenten Friedrich Ebert. präsidenten Friedrich Ebert Redner schilderte das fegensreiche Birken des Genossen Ebert für das gesamte schaffende Bolk. Bei dem Nachruf für den verstorbenen Reichspräsidenten hatten sich die Kollegen spontan von den Blägen erhoben, nur zwei Rollegen glaub ten, vielleicht der Moskauer Barole folgernd, sich von dieser Ehrung ausschließen zu müssen. Diefes bedauerliche Berhalten führte zu einer ziemlich heftigen Debatte, in welcher scharf mit der Moskauer Richtung abgerechnet wurde. In den Arbeitsausschuß der Kommission wurden gewählt der frühere Obmann, Kollege Schiement vom Deutschen Mufiterver band, als Stellvertreter Rollege Scherer vom Verkehrsbund, als Schriftführer Rollege Bungert vom Berfehrsbund und als Beis figer die Kollegen Goldberg vom Berfehrsbund und ertramp vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband. Gelbe Gründung in Rheinland- Westfalen. Nach einem Bericht, den die schmerindustrielle Telegraphen Union verbreitete, murde am 21. März in Berlin ein Verband Rheinisch- Westfälischer Arbeitervereine und Werksgemeinschaften ge gründet. Dieser Verband, der erst noch geschaffen werden soll, der Ausschuß ist schon beisammen, verwirft den gewerkschaftlichen Klassenkampf, ist Gegner aller gewerkschaftlichen Gruppen von links bis rechts und vertritt den Standpunti, daß nur auf dem Boden der Werksgemeinschaft sowohl in sozialpolitischer wie in wirtschaftlicher fann". Der Ausschuß, der aus zwei Einwohnern in Gelsenkirchen Beziehung für die Arbeiterschaft Ersprießliches geleistet werden und einem in Dorftfeld bei Dortmund besteht, soll eine Tagung zu wird sich diese Gesellschaft etwas näher ansehen müssen. fammenberufen, um den sogenannten Verband auszubauen. Man Thälmann- Legende. Bom Borstand des Verkehrsbundes wird uns geschrieben: Ju der Nr. 72 der Roten Fahne" vom 29. März wird unter der Ueber schrift Gewerfichaftler, wählt!" die auch im Vorwärts miedergegebene Mitteilung, Thälmann habe 1919 auf dem Stutt garter Verbandstag der Transportarbeiter seinen Freunden gegen über erklärt, er fühle sich unfähig, die Arbeiten eines Bere bandsvorsigenden zu leisten, als Schwindel abgetan. Die Wahrheit soll nach der Roten Fahne" so aussehen: " Die reformistischen Bureaufraten boten Thälmann einen ber zahlten Verbandsposten unter der Bedingung an, daß er seine Oppofition aufgebe und zu den Reformisten abschwente." " Demgegenüber stellen wir fest, daß kein verantwort licher Funktionär des Deutschen Bertehrsbundes jemals meder anläßlich des Verbandstages noch später an Thälman ein derartiges Ansinnen gestellt hat. * Das vorstehende Zitat aus der Roten Fahne" ist soweit es im Druck besonders hervorgehoben nicht vollständig. Der folgende Gah lautete:„ Denn Thälmann war und ist kein Ebert, fein Braun, Das eben ist es, was feine Randidatur so er ließ sich nicht kaufen. finn- und zwedios erscheinen ließ, daß Thälmann mit Ebert und Braun nur die eine Eigenschaft gemeinsam haben soll, sich nicht taufen zu lassen. Da Millionen sozialdemokratischer Arbeiter sich nicht faufen lassen, fann die„ Rote Fahne" ihren Kandidaten damit nicht besonders empfehlen. Ganz abgesehen davon, daß mancher sich nur deshalb nicht faufen ließ, weil feiner ihm etmos dafür geben mollte. Die Bergarbeiter in Charleroi mit Aussperrung bedroht. Brüffel, 1. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter ver. schiedener Hüttenwerke des Hennegau hatten die Anfündigung der Hüttenbefizer, vom 15. April ab die Löhne um 10 Proz hin befchloffen die Hüttenindustriellen am 1 April die zu fürzen, mit einer Streitbrohung beantwortet. Darauf allgemeine Aussperrung im Bezirt Charlerok vom 16. April ab. Die Arbeitsmartflage in Defterreich hat sich jest ebenfalls eimas gebeffert. Nach dem letzten Bericht des Arbeitsministeriums ist zum ersten Mal ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um 10 Broz. fest zustellen. Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eslorn; Feuilleton: Dr. John Schitomsti: Lotales und Sonstiges: Frig Raritäbt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucere! und Berlagsanstalt Baul Ginger u. 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Stick. 295 Das große Warenhaus 6.75, 5.85, 3.95 845 des Nordens 395 96 Brücken Perser Imitation 90/180 Boucle imitiert 3.25, 2.90 3.95 Bettlaken gebleicht, prima Haustuch 6.75 450 Deckbett- Kissenbezug bezug geblümt Cretone.. 7.25 geblümt Cretone 6.75 1.85 1.75 • Vorlagen Perser imitiert 4.50, 2.45 Bettbezüge Linoleum- Läufer mit Borde oder gemustert 90 cm Breite 67 cm Breite 3.45 2.60 Linoleum gemustert, 200 cm breit ury Gebrüder, Aktien- Gesellschaft 295 Gerstenk. Handtüch Swinemünder Straße 86 Edhe Lortzingstraße ges u. geb. 85 Pt. 65 Pl. Jacquard- Handtücher gesäumt u. geb 165 145 Frottier- Handtücher 1.90 1.60 1.25 95 Pl Frottierlaken Gr. 807-0 100/100 128/140 Künstlerdecken gem. 163 mit 325 675 Muster Gartendecken Saum Abenddecken Kier Wischtücher halbleinen Gr. 60/60 2.45 3.75 6.75 gebrauchsfertig 85 Pt. Tischtücher Jacquard Gr. 130/130 130/160 6.45 Gläsertücher einen Gr.60/ 60 gebrauchsier the 95 P